Lexikon B

Ba: 1. Chemie: Barium.

2. Mythologie: altägyptische Bezeichnung für die Seele des Menschen, teils vogelgestältig, teils mit Menschenkopf dargestellt. Ba spielte im Totenkult eine wichtige Rolle und wurde als Sitz der geistigen Kräfte des Toten gedacht.

Baba, Corneliu, geboren 18.11. 1906, rumänischer Maler, geht bei seinen psychologisch eindringlichen Bildnissen, seinen subtilen Landschaften, aber auch bei seinen Arbeiter- und Bauerndarstellungen (auch historische Stoffe) von realistischen malerischen Traditionen der Vergangenheit aus, die er zu einer modernen Gestaltungsweise entwickelte.

Bab al-Mandab: (arabisch, «Tor der Tränen») etwa 50 km lange Meerenge zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel, vom Roten Meer zum Golf von Aden; an der engsten Stelle 26, 5 km breit; durch die Insel Perim in ein östliches und westliches Fahrwasser geteilt.

Babbage, Charles, 26.12. 1792-18.10. 1871, britischer Mathematiker; konstruierte um 1835 den ersten programmgesteuerten Digitalrechner auf mechanischer Grundlage, scheiterte an den damals unzulängliche technischen Mitteln.

Babek, persisch Papak, um 800-837, Führer eines Bauernaufstandes in Aserbaidschan gegen das Arabische Kalifat (816/37). Kalif Mutasim ließ Babek nach Niederschlagung des Aufstandes hinrichten.

Babenberger: fränkisches Grafengeschlecht aus dem Gebiet von Bamberg; Anfang des 10. Jahrhundert Rivalen der Konradiner im Kampf um die Begründung des fränkischen Herzogtums; 976/1246 Markgrafen beziehungsweise Herzöge von Österreich.

Babesiose: (nach einem rumänischen Pathologen) eine durch Einzeller der Gattung Babesia (Blutparasiten) hervorgerufene weltweit verbreitete, fieberhafte Allgemeinerkrankung bei landwirtschaftlichen Nutztieren. Die Übertragung erfolgt durch Zecken, in denen auch die Vermehrung stattfindet. Volkstümliche Bezeichnungen: Bluthamen, Weiderot, Maiseuche.

Babismus: Lehre einer Sekte in Persien, begründet von Sayyid Ali Muhammad (1820-1850), der sich Bab (arabisch, «Tür») der göttlichen Wahrheit nannte. Ali Muhammad trat als islamischer Reformator auf, schuf aber praktisch eine neue Religion. Siehe auch Bahai.

Babits, Mihaly, 26. 11. 1883-4. 8. 1941, ungarischer Dichter, Romancier und Essayist; hatte als führender Vertreter des ungarischen bürgerlichen Humanismus und als Chefredakteur der Zeitschrift «Nyugat» entscheidenden Anteil an der Erneuerung der ungarischen Literatur. Höhepunkte seines Schaffens waren das Gedicht «Das Buch Jonas» (1938) und der Roman «Die Todgeweihten» (1927).

Babybond: Schuldverschreibung mit kleinster Stückelung.

Babylon: («Tor Gottes») hebräisch Babel: eine der ältesten und prächtigsten Städte des Altertums; heute Ruinenstätte in Irak (südlich von Bagdad, am Euphrat). Die Anfänge der Stadt reichen bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurück. Babylon lag am Schnittpunkt bedeutender Handelswege (Kleinasien und Transkaukasien-Persischer Golf; Syrien-Iran) und entwickelte sich um 2000 zur Hauptstadt des Babylon. Reiches. Unter Hammurapi erlebte Babylon den Höhepunkt seiner Entwicklung. Nach wiederholter Zerstörung durch die Assyrer im 7./6. Jahrhundert, wurde Babylon 539 vor Christus von den Persern eingenommen. Architektur. Erhalten sind Reste mächtiger Stadttore, Paläste und Tempeltürme (Turm zu Babel\ unter Nebukadnezar errichtete Zikkurat, eines der sogenannt Sieben Weltwunder); übertragen Ort der Verworfenheit.

Babylonien: fruchtbare Ebene am Unterlauf von Euphrat und Tigris; im Altertum von Sumerern und Akkadem bewohnt. Zu Beginn des 3. Jahrtausend vor Christus formierten sich hier die ältesten vorderasiatischen Stadtstaaten (Ur, Uruk, Lagasch unter anderem). Unter Hammurapi erlebte Babylonien eine Blütezeit, das Altbabylonischen Reich entstand. Im 16./12. Jahrhundert stand Babylonien unter kassitischer Herrschaft, deren Folge politische Zersplitterung und kultureller Niedergang waren. Danach wurde Babylonien Bestandteil des Neuassyrischen Reiches, bevor Nabopolassar schließlich das Neubabylonische Reich (625/539) gründete. Eine abermalige Blütezeit erlangte Babylonien unter Nebukadnezar H., der der rasche Niedergang des Reiches folgte. 539 vor Christus (Sieg der Perser unter Kyros II.) endete die politische Selbständigkeit Babyloniens.

babylonisch-assyrische Literatur: Die babylonisch-assyrische Literatur existierte neben und nach der sumerischen Literatur und wie diese in keilschriftlichen Überlieferung. Die ältesten Texte stammen vom Ende des 3. Jahrhundert vor Christus. Neben poetischen, historischen und juristischen Schriftwerken finden sich unter anderem medizinische, astronomische und philologische Texte. Bekannt ist der Gesetzeskodex Hammurapis, der Straf-, Zivil- und Verwaltungsrecht enthält. An historischen Literaturdenkmälern sind aus den verschiedensten Zeiten Bauinschriften, Königslisten, Kriegsannalen und Chroniken erhalten. Kulturgeschichtlich interessant ist die poetische Literatur, deren Hauptgattungen aus Hymnen und Gebeten, Mythen und Legenden, sowie Orakel- und Weisheitssentenzen bestehen. Hervorzuheben sind unter anderem das Weltschöpfungsepos Enuma elisch, das Atramchasis-Epos (Mythos über Schöpfung und Frühgeschichte der Menschheit), das Gilgamesch-Epos sowie der Bericht über Ischtars Höllenfahrt (Werden und Vergehen in der Natur). Die babylonisch-assyrische Literatur verfügt über eine reiche Kultlyrik, die für alle Wechselfälle des menschlichen Lebens entsprechend Texte bereithält, das heißt Lob-, Dank-, Buß- und Bekenntnislieder, Prozessions- und Klagegesänge, Hymnen und Gebete. Auch für Zauberpraktiken und magische Beschwörungen gibt es viele Zeugnisse und Belege in der babylonisch-assyrischen Literatur. In der Weisheitsliteratur finden sich moralische Vorschriften, die von einer hohen Stufe der Ethik zeugen. Viele Weisheitssentenzen stehen im Dienste von Pädagogik und Didaktik.

babylonische Kunst: Kunst Südmesopotamiens seit Beginn des 2. Jahrtausend vor Christus Sie knüpft an künstlerische Traditionen des späten 3. Jahrtausend vor Christus an und hat ihre erste Blütezeit unter Hammurapi (Hammurapi-Stele, Terrakotten, Rollsiegel). Nach Niedergang und Zerstörung Babylons beginnt Ende 7. Jahrhundert vor Christus eine erneute Blüte (neubabylonische oder chaldäische Kunst). Gewaltige Befestigungsanlagen, besonders in Babylon, prunkvolle, ausgedehnte Paläste und Anlagen mit Zikkuraten (berühmteste ist der Turm zu Babel) kennzeichnen die Architektur dieser Epoche. besonders eindrucksvoll, auch in ihrer teilweisen Rekonstruktion in den Staatlichen Museen zu Berlin, sind das Ischtar-Tor und ein Teil der Prozessionsstraße. Der prachtvolle reliefierte Schmelzziegelschmuck der Wände zeigt Löwen, Drachen und Stiere, umrahmt von Rosettenfriesen. Die babylonische Kunst endete im Wesentlichen nach dem Einfall der Perser (539 v. Chr.). Zur babylonischen Gartenkunst Hängende Gärten.

Bacbo: nördliches Landesteil Vietnams; 115700 km2; meist bewaldetes Gebirgsland, das im Nordwesten Höhen bis 3143 m über dem Meeresspiegel erreicht, im Küstenbereich Tiefland. Zum größten Teil vom Roten Fluss und seinen Zuflüssen entwässert, dessen Delta intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Tropisches Monsunklima mit gehäuft auftretenden Taifunen vom August bis November Hauptanbauprodukt ist Reis mit zwei Ernten im Jahr, ferner Anbau von Mais, Zuckerrohr, Bananen, Baumwolle, Tee, Kaffee, Tabak; Seidenraupen- und Viehzucht (besonders Wasserbüffel und Schweine). Bedeutsamer Steinkohlen- und Zinnerzbergbau, ferner Zink-, Blei-, Wolfram-, Kupfer-, Mangan-, Antimon- und Eisenerzvorkommen, die zunehmend erschlossen werden. Historisch das Kernland Vietnams, 111 vor Christus bis 939 nach Christus von China annektiert und noch bis ins 16. Jahrhundert Ziel chinesischer Invasionen. 1888 wurde es unter dem Namen Tongking französisches Protektorat. In Bacbo lag später das Zentrum des siegreichen Kampfes Vietnams gegen die Kolonialherrschaft.

Bacchanal: römischer Feier eines Geheimkultes zu Ehren des griechischen-römischen Weingottes Dionysos (lateinisch Bacchus). Wegen Verbrecher. Ausschweifungen wurden die Bacchanalien 186 vor Christus durch Senatsbeschluss verboten; übertragen Trinkgelage.

Bacchantin: Verehrerin des griechischen Gottes Dionysos (lateinisch Bacchus), Teilnehmerin an einen! Bacchanal.

Bach, Musikerfamilie: 1. Carl Philipp Emanuel Bach («Berliner Bach» oder «Hamburger Bach»), 8.3.1714—14.12.1788, Komponist und Cembalist; Sohn von Bach 3; war 1738/67 Kammercembalist bei Friedrich II., seit 1767 Nachfolger seines Paten F. P. Telemann als Musikdirektor der 5 Hamburger Hauptkirchen; schuf Oratorien, Lieder, Sinfonien, Kammermusik und war wegweisend besonders in der Klaviermusik (etwa 200 Sonaten, Rondos, Konzerte unter anderem); wichtig für die Aufführungspraxis seiner Zeit war sein «Versuch über die wahre Art das Klavier zu spielen» (1753); übte großen Einfluss auf die Wiener Klassik aus.

2. Johann Christian Bach («Mailänder Bach» oder «Londoner Bach»), 5. 9. 1735-1.1. 1782, Komponist; Sohn von Bach 3; ging 1756 nach Italien, 1762 nach London; schrieb Klaviersonaten und -konzerte, Kammermusik, Sinfonien, Opern unter anderem; sein elegant-kantabler Instrumentalstil wirkte stark auf Mozart («singendes Allegro»).

3. Johann Sebastian Bach, 21.3.1685-28.7.1750, Komponist; mit G. F. Händel bedeutendster deutscher Musiker in der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert; wirkte, nach Jugendjahren in Eisenach, Ohrdruf und Lüneburg, zunächst als Organist in Arnstadt und Mühlhausen, dann als Konzert- und Kapellmeister in Weimar (1708/17) und Köthen (1717/23), schließlich in Leipzig (1723/50, Thomaskantor). Bach fasste in seinem Werk die wichtigsten Strömungen der Musikentwicklung des 17. und der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert genial zusammen. In ihm vereinten sich, auf der Grundlage der Ideologie der Frühaufklärung, die Tradition des eng dem Volkslied verbundenen Protestantische Chorals, starke kontrapunktische Neigungen und differenzierte harmonische Ausdruckskraft mit den neuen, vor allem aus Italien (A Vivaldi) kommenden konzertanten Bestrebungen. Bachs musikalische Gestaltenwelt und Kompositionsprinzipien sind bis in die Gegenwart vorbildhaft geblieben, nachdem sein Werk erst Anfang des 19. Jahrhundert in seiner vollen Bedeutung wiederentdeckt wurde (J. N. Forkels Bachbiographie 1802). Bach schuf Orgelmusik (Toccaten, Orgelchoräle, Präludien, Fugen unter anderem); Klaviermusik (kleine Präludien und Fugen, «Inventionen», «Sinfonien», «Englische Suiten» und «Französische Suiten», Partiten; «Das Wohltemperierte Klavier» I und II, 1722 und 1744; «Chromatische Fantasie und Fuge», 1730, «Italienisches Konzert», 1735; «Goldberg-Variationen», 1742); zyklische Werke («Musikalisches Opfer», 1747; «Die Kunst der Fuge», 1749/50, unvollendet); Orchestersuiten, Sonaten, Partiten und Konzerte für Violine, Suiten für Violoncello, 6 «Brandenburgische Konzerte» (1721); mehr als 200 Kantaten, Motetten, «Johannespassion» (1724) und «Matthäuspassion» (1729; nach 100jährigem Vergessen erst 1829 von F. Mendelssohn Bartholdy wieder aufgeführt), «Messe in h-Moll» (1733), Weihnachtsoratorium (1734) unter anderem

4. Wilhelm Friedemann Bach («Hallischer Bach»), 22.11.1710-1.7.1784, Komponist; Sohn von Bach 3; nach Organistenjahren in Dresden und Halle seit 1764 freischaffend; schrieb Klavier- und Kammermusik, Konzerte, Sinfonien unter anderem; berühmt als Improvisator (Orgel, Cembalo).

Bachelard, Gaston, 27.6. 1884-16.10. 1962, französischer Philosoph und Naturwissenschaftler; vertrat eine idealistische Erkenntnistheorie, beschäftigte sich mit dem Problem künstlerischer Inspiration sowie mit dem Verhältnis von Philosophie und Einzelwissenschaften; lehrte einen sogenannt angewandten Rationalismus; schrieb unter anderem «Die Herausbildung des wissenschaftlichen Geistes» (1938), «Die rationalistische Wirksamkeit der gegenwärtigen Physik» (1951), «Poetik des Raumes» (1957).

Bachlinge, Rivulinae: Unterfamilie der Eierlegenden Zahnkarpfen mit etwa 250 Arten, in wärmeren Gebieten Asiens, Afrikas und Amerikas beheimatet, darunter viele farbenprächtige, in Aquarien gepflegte Arten, wie die Vertreter der Gattung Rivulus.

Bachstelze, Motacilla alba: bis 18 cm langer, bodenbewohnender, langschwänziger Singvogel Europas, Asiens und Nordafrikas; brütet zweimal im Jahr, das Gelege besteht aus 5 bis 6 Eiern; Zugvogel.

Back: seemännisch a) über die gesamte Breite des Vorschiffes reichender Aufbau, der nach oben durch das Backdeck (Vordeck) abgeschlossen wird;

b) zusammenklappbarer Esstisch für Mannschaften an Bord;

c) Schüssel zum Empfang des Essens (zum Beispiel Fleischback, Butterback) für eine Backschaft (Tischgemeinschaft). Der Tischdienstleistende heißt Backschafter.

Backbord: linke Seite eines Schiffes oder Flugzeuges in Fahrt- beziehungsweise Flugrichtung gesehen; nachts durch rotes Licht gekennzeichnet.

Backen: radial oder axial bewegliches Maschinenelement, zwischen dem und einer Scheibe oder Welle Reibung (Bewegungsreibung) hervorgerufen werden soll (zum Beispiel radialer Bremsbacken bei Eisenbahnwagen, axialer bei Scheibenbremsen von Personenkraftwagen) oder Ruhereibung herrschen soll (zum Beispiel radialer Spannbacken bei Backenfuttern von Werkzeugmaschinen zum Spannen der Werkstücke).

Backenhörnchen: Gruppe der Erdhörnchen, die ihre Vorräte an Sämereien in ihren großen Backentaschen transportieren, hierzu die nordamerikanische Chipmunks (Tamias) und die asiatischen Streifenhörnchen (Eutamias). Siehe auch Hörnchen.

Background: (englisch, «Hintergrund») 1. Kinetechnik: meist fotografisch hergestellte oder gemalte 2dimensionale Hintergrunddarstellung von Landschaften, Straßen, Fensterausblicken unter anderem für Filmaufnahmen zur wirtschaftlichen Durchführung eines Filmvorhabens.

2. Musik: in Jazz und Tanzmusik Instrumente beziehungsweise Gesangsstimmen, die den Solisten wirkungsvoll unterstützen, ihm gegenüber jedoch im Hintergrund bleiben; oft soundbildend.

Backpulver: Teiglockerungsmittel, das während der Teigbereitung und des Backprozesses Kohlendioxid freisetzt; besteht aus Natriumhydrogenkarbonat, einer Säure (Wein-, Zitronensäure) beziehungsweise sauren Salzen (zum Beispiel Dinatriumdihydrogenphosphat) und einem Trennmittel (Stärke). Durch Kombination der Einsatzstoffe kann ein schneller oder langsamer Trieb herbeigeführt werden. Man unterscheidet Vortrieb (im Teig) und Nachtrieb (beim Backprozess).

Backsteinbau: Bau aus außen unverputzten, ausgefügten, gebrannten roten Ziegelsteinen, häufig durch glasierte, verschiedenfarbige Ziegel oder Klinker belebt. Da der Ziegel nicht behauen werden kann, tritt an Stelle kleinteiliger Gliederung eine Gestaltung großer Flächen von monumentaler Geschlossenheit. Profile für Fenster- und Portallaibungen, Maßwerk unter anderem. Zierglieder sind aus sogenannt Formsteinen zusammengefügt. Verwendet wurde der Backsteinbau im alten Mesopotamien (4. Jahrtausend vor Christus), in Griechenland und Rom, in der islamischen und sassanidischen Baukunst, seit dem 9. Jahrhundert in Italien, seit dem 12. Jahrhundert in Dänemark; zur gleichen Zeit setzte er in Russland (Kiew) ein. In der Gotik wurde der Backsteinbau besonders im hausteinarmen Nord- und Ostseegebiet zu höchster Vollendung geführt (Backsteingotik). Seit dem 16. Jahrhundert verdrängt, wurde er im 19. Jahrhundert erneut verwendet, jedoch erst im 20. Jahrhundert wieder mit künstlerischem Verständnis.

Backsteingotik: Sonderform der Gotik; zunächst groß förmig und flächenbetont, seit 1350 schmuckreicher; Formsteine werden filigranartig zusammengefügt, und es werden farbig glasierte Steine benutzt. Hauptwerke sind die Zisterzienserkirchen Chorin und Doberan, die kathedralartigen Pfarrkirchen der Hansestädte (Lübeck, Rostock, Stralsund) und die Hallenkirchen in Prenzlau und Brandenburg. In Bayern entwickelte sich eine eigene spätgotische Richtung (München,

Back-up-System: Notinstallation; beinhaltet Maßnahmen und Einrichtungen zur Gewährleistung der Sicherheit eines Produktionsprozesses trotz Ausfall des steuernden (Prozess-) Rechners bei direkter digitaler Regelung; unter anderem mit Hilfe herkömmlich.

Bacolod: Stadt (Provinzzentrum) auf den Philippinen, an der Nordwestküste der Insel Negros; 270000 Einwohner; Lebensmittelindustrie; Fischerei- und Flughafen; in den umliegenden Küstengebieten Anbau von Zuckerrohr, Reis und Mais.

Bacon: 1. Francis Bacon, Baron von Verulam (seit 1618), Viscount of St. Albans (seit 1621), 22.1.1561-9.4.1626, englischer Politiker, Jurist und Philosoph; Begründer des englischen Empirismus. Bacon bekleidete 1584/1621 hohe Staatsämter. Philosophisch vertrat er die Interessen der aufsteigenden Bourgeoisie und des liberalen, mit der kapitalistischen Entwicklung sympathisierenden Adels. Bacons Philosophie bricht mit der aristotelisch-scholastischen Lehre; gegenüber ihrer Kunst der Logik fordert er eine Kunst der Erfindung und deshalb eine Neuorganisation der Wissenschaften. Bacons neuer Wissenschaftsbegriff enthält bereits das methodisch eingesetzte Experiment: man müsse die Natur zerschneiden, um ihre Gesetze zu erkennen. Erfahrung und Experiment dienen nach Bacon auch dazu, «Idole» (Trugbilder), die durch Tradition, Autoritätsglauben unter anderem im menschlichen Denken entstehen, zu beseitigen. Bacon wurde der «wahre Stammvater des englischen Materialismus» (Marx). Er hinterließ die bedeutende technische Utopie «Neu-Atlantis» (1626, deutsch); sein Hauptwerk ist das «Neue Organon» (1620, deutsch).

2. Roger Bacon, um 1214-11.6. 1294, englischer Philosoph und Naturforscher; lehnte als Gegner des Klerus die scholastische Methode ab und sah Erfahrung, Experiment und Mathematik als Grundlagen der Wissenschaft an; sagte die Erfindung von Land- und Luftfahrzeugen mit Eigenantrieb, von optischen Instrumenten unter anderem voraus. Wegen seiner materialistischen Lehre und häret. Tendenzen von 1278 bis zu seinem Lebensende eingekerkert.

Bacsó, Péter, geboren 1928, ungarischer Filmregisseur; schuf vor allem Filme zu Gegenwartsproblemen, wie «Sommer auf dem Berge», «Ausbruch», «Gegenwart», «Der letzte Anlauf», «Kampflustige Mädchen», «Schreckschuss», «Stromausfall», «Wer spricht hier von Liebe?» unter anderem.

Badalona: Stadt im Nordosten Spaniens, am Mittelmeer, nordöstlich von Barcelona; 230000 Einwohner; Industriezentrum; Erdölraffinerie, Seidenindustrie, Schwefelverarbeitung, Herstellung von Spezialstählen; Hafen.

Badekrätze: Hauterkrankung, verursacht durch auf Süßwasserschnecken lebende Erreger (Zerkarien), die sich in die menschliche Haut einbohren und dort absterben.

Badereaktion: durch serienmäßige natürliche oder medizinische Bäder unter anderem Kurmaßnahmen sowie klimatische Reizwirkungen verursachte Umstimmung des Organismus mit gesteigertem Schlafbedürfnis, Abgeschlagenheit, erhöhter Reizbarkeit unter anderem.

Badetod: Tod im Wasser mit lautlosem, unauffälligem Untergehen (im Unterschied zum typischen Ertrinken), meist Reflextod beim Springen ins Wasser und Tauchen, besonders bei zu kaltem Wasser, bei Funktionsstörungen von Atmung, Kreislauf unter anderem.

Badezusätze: dem Badewasser zuzusetzende medizinische oder kosmetische Präparate, die über die Haut den Organismus beeinflussen, zum Beispiel Schwefel, Kohlensäure, ätherische Öle (Fichtennadel, Lavendel), Kräuteraufgüsse. Die Wirkung von Badezusätzen kann pflegend, erfrischend, nervenstärkend, schmerzlindernd, heilend sein oder den Kreislauf anregen.

Badgastein: Kurort im Bundesland Salzburg (Österreich), im Gasteiner Tal, am Nordfuß der Hohen Tauern, 991 bis 1083 m überm Meer; 5600 Einwohner; radonhaltige Thermen, 2,6 km langer Heilstollen; Wasserfälle (63 und 85 m) der Gasteiner Ache.

Badigeon: polierbarer Gips oder Kalkmörtel (Zusatzmittel sind Steinmehl und Farben) für Innenputz, in regenarmen Ländern auch für Außenputz.

Badlands: (englisch bad, «schlecht») durch starke Erosion in Rippen und Schluchten aufgegliederte Hänge; besonders in semihumiden und ariden Klimagebieten auf verschiedenem Gestein mit lückenhafter Pflanzendecke entwickelt. Badlands können auch entstehen, wenn infolge Raubbaus die Bodenerosion begünstigt und ehemals kulturfähiges Land verwüstet wird.

Baehr, George, 15.3.1666-16.3.1738, Baumeister. Mit dem von einer massiven, schlank aufsteigenden Steinkuppel bekrönten Zentralbau der Frauenkirche in Dresden (1726/38; im 2. Weltkrieg zerstört) schuf Baehr ein Hauptwerk des barocken Protestantischen Kirchenbaus.

Baer, Karl Ernst von, 28.2.1792-28.11.1876, Naturforscher; Professor der Anatomie in Königsberg, 1834 Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften; begründete die neuere wissenschaftliche Embryologie, besonders durch das Werk «Über Entwicklungsgeschichte der Tiere. Beobachtung und Reflexion» (1828/37); entdeckte 1826/27 das Säugetierei. Er unternahm mehrere Forschungsreisen in Russland; zahlreiche Veröffentlichungen auf den verschiedensten Gebieten.

Baffin-Bucht: (nach W. Baffin) Meeresgebiet zwischen Grönland im Osten und der Baffininsel im Westen; 689000 km2; bis 1300 km lang, 650 km breit und 2136 m tief; durch die Davis-Straße mit dem Atlantischen und durch Lancaster-, Jones- und Smiths und mit dem Arktischen Ozean verbunden; 8 Monate lang vereist; Schifffahrt im Sommer durch Eisberge gefährdet.

Baffininsel, Baffinland (nach W. Baffin): größte Insel des kanadisch-arktischen Archipels, nördlich der Halbinsel Labrador, zu Kanada gehörend; 462833 km2, 3400 Einwohner. Der Osten ist durchgehend gebirgig (Randschwelle des Kanadischen Schildes), im Pennyhochland bis 2591m hoch, stark vergletschert und besitzt eine ausgeprägte Fjordküste. Im Westen glazial überformtes Tiefland mit Rundhöckern und Seen, vegetationsarmen bis vegetationslosen Frostschuttflächen und Tundra; Eisenerz- und Kohlevorkommen.

Baffle: Vorrichtung, die das Eintreten von Öldämpfen aus Vakuumpumpen in das Hochvakuum verhindert; besteht aus jalousieartig angeordneten gekühlten Metallplatten, an denen die Dampfmoleküle kondensieren.

Bagatelle: 1. allgemein Kleinigkeit, geringfügige Sache.

2. Musik: kurzes 2- oder 3teiliges liedhaftes Instrumentalstück, meist für Klavier.

Bagauden: (keltisch, «die Streitbaren») meist in Dorfgemeinden lebende freie Bauern der römischen Provinz Gallien, die sich gemeinsam mit Kolonen und Sklaven gegen die römische Sklavenhalteraristokratie erhoben (60er und 80er Jahre des 3. Jahrhundert und im 5. Jahrhundert). Die Aufstände, die sich auch über Spanien ausbreiteten, trugen im 5. Jahrhundert zur Auflösung des Weströmischen Reiches bei.

Bagdad: gut gelocktes bis moiriertes, überwiegend schwarzes, teils graues, braunes oder geschecktes Lammfell einer Kreuzungsschafrasse, die in Irak lebt. Die Qualität der Fellzeichnung richtet sich nach dem Anteil an reinrassigem Fettschwanzschaf (Karakul). Früher wurden diese durch Einsalzen vor dem Transport konservierten Felle im Rauchwarenhandel als Salzfelle bezeichnet.

Bagdad: Hauptstadt von Irak, im Zentrum Mesopotamiens, am Tigris; 410000 Einwohner, als Agglomeration з,1 Millionen Einwohner; wichtigstes Wirtschafts- (60% aller Industriebetriebe), Wissenschafts- und Kulturzentrum des Landes mit einer vielseitigen Leicht- (zum Beispiel Textil-, Leder-, Teppich-), Nahrungs- und Genussmittelindustrie; weiterhin Zementherstellung, metallverarbeitende Industrie, traditionelles Kunsthandwerk; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen, Binnenhafen, Pipelines aus Kirkuk und AlBasra; 2 Universitäten, Akademie, Nationalmuseum, orientalische Altstadt mit Basar, modernes neues Stadtzentrum; in der Nähe Erdölraffinerie (AdDaura). 762 vom abbasidischen Kalifen Almansor gegründet und zur Hauptstadt des arabischen Kalifats erhoben; erlebte eine Zeit hoher Blüte unter dem Kalifen Harun arRaschid (786/809); wurde 1258 von den Mongolen, 1534 von den Türken erobert und 1917 von britischen Truppen besetzt; seit 1920 Hauptstadt Iraks.

Bagdadbahn: Eisenbahnlinie von Konya (Türkei) über Halab (Syrien), Mosul, Bagdad und Al-Basra am Schatt al-Arab nach Umm Kasr (Irak) am Persischen Golf; 1903 von einer deutschen Monopolgesellschaft unter Führung der Deutschen Bank begonnen, bis 1918 zu 2 Dritteln fertiggestellt; letzter Abschnitt erst 1971 vollendet; bildet die Fortsetzung der Anatol. Eisenbahn.

Bagger: 1. Technik: Maschine zum Schürfen, Aufnehmen und Fördern anstehender oder auch geschütteter Minerale (Erde, Sand, Kohle и. a.) sowie zur Herstellung vorgeschriebener Geländeprofile; eingesetzt als Gewinnungsgerät in Tagebauen, zum Ausheben von Baugruben, beim Straßen- und Hafenbau, zum Anlegen von Gräben und so weiter. Unterschieden werden Mehrgefäß- (Schaufelrad- und Eimerkettenbagger) und Eingefäßbagger (Löffel-, Schürfkübel- und Kabelbagger). Der mit Raupenfahrwerk ausgerüstete Schaufelradbagger trägt an einem beweglichen Ausleger ein mit festen Schaufeln versehenes rotierendes Schaufelrad. Das Fördergut fällt aus den Schaufeln über eine Schurre auf einen neben dem Rad liegenden Gurtbandförderer, und der übergibt es über ein Verladeband dem abtransportierenden Fördermittel. Das Graborgan des Eimerkettenbaggers ist eine endlose, über Umlenkräder laufende Doppelkette mit daran befestigten Eimern. Diese Eimerkette wird in der Eimerleiter geführt und übergibt das Hoch- und Tiefschnitt aufgenommene Fördergut in einen Schüttschacht oder auf ein Verladeband. Beim Löffelbagger ist ein großer Löffel an einem Löffelstiel befestigt, der sich gegen einen heb- und senkbaren Ausleger bewegt. Ausführungsformen sind Seil- und hydraulische Bagger Schürfkübel- oder Schleppschaufelbagger ziehen einen an Tragseilen von einem Ausleger abgesenkten Schürfkübel mittels eines oder mehrerer Zugseile über das Fördergut zum Baggerstandort. Dabei füllt sich der Schürfkübel. Durch Nachlassen der Zugseile wird dieser ausgeschüttet. Manche dieser Bagger sind Schreitbagger, das heißt, sie haben 2 hydraulisch bewegbare Beine mit langen, kufenförmigen Füßen. Der Kabelbagger entspricht in seiner Wirkungsweise dem Schürfkübelbagger, nur sind die Trag- und Zugseile für den Schürfkübel zwischen 2 seitlich verfahrbaren Türmen gespannt. Nahezu alle Bagger kleiner bis mittlerer Größe werden als Universalbagger gebaut, bei denen an die Grundeinheit nach Wahl verschiedene Arbeitsausrüstungen (für Löffel-, Schürfkübel-, Greifbetrieb) angebaut werden können (Grabenbagger). Der Schwimmbagger ist ein auf einem Wasserfahrzeug angeordneter Bagger für Wasserbauarbeiten, wie Anlegen, Freihalten sowie Vertiefen von Fahrrinnen und Hafenbecken. Beim Eimerketten-Schwimmbagger ist die Eimerleiter an einem Ende auf einem Bock drehbar gelagert und reicht durch einen mittschiffs angeordneten Schlitz im Schiff bis auf den Grund. Der Saug-Schwimmbagger hat an Stelle der Eimerleiter ein auf den Grund reichendes und an eine Kreiselpumpe angeschlossenes Saugrohr. Die Pumpe saugt das mit Wasser vermischte Baggergut, das dann durch eine Rohrleitung an Land gedrückt wird, an.

2. Volleyball: «untere Abwehr»; beide Arme werden (mit der Innenseite der Unterarme nach oben) gestreckt zusammengelegt und im Schultergelenk festgestellt. Der Ball ist mit der Innenseite der Unterarme zu treffen und wird durch eine Ganzkörperstreckung platziert.

Baggesen, Jens, 15.2.1764-3.10.1826, dänischer Dichter; schrieb Oden an die Franzos. Revolution, Reisebücher, Verserzählungen (unter anderem «Komische Erzählungen», 1785, deutsch) und schuf eine meisterhafte Übersetzung von L. Holbergs «Niels Klims unterirdische Reise» ins Dänische.

Baghlan: Stadt (Provinzzentrum) im Nordosten Afghanistans, am Fuß des Hindukusch; 110000 Einwohner; Baumwollverarbeitung, Zuckerfabrik; landwirtschaftliches Versuchsstation (Seidenraupenzucht).

Bagno: (banjo; italienisch, eigentlich «Bad») früher Gefängnis für Schwerverbrecher in französischen Seestädten; im 19. Jahrhundert durch überseeische Strafkolonien ersetzt.

Bagrjana, eigentlich Beltschewa, Elissaweta, geboren 29.4.1893, bulgarischer Lyrikerin; ihre frühen Gedichte («Das Ewige und Heilige», 1927) künden vital vom Lebensanspruch der Frau; Gedankentiefe und Heimatliebe prägen die ausdrucksstarken Werke der Sammlungen «Von Ufer zu Ufer» (1963), «Kontrapunkte» (1972), «Halbschatten» (1977).

Baguio: Stadt auf den Philippinen, im Westen der Insel Luzon, etwa 180 km nördlich von Manila, zwischen 1450 und 1650m überm Meer; 60000 Einwohner; Sommersitz der Regierung; Flughafen.

Bahal: von Hussain Ali (1817-1892), genannt Baha A Allah (arabisch, «Glanz Gottes»), aus dem Babismus entwickelte Religion mit islamischen und kosmopolitischen Zügen.

Bahamas, Commonwealth der Bahamas: Staat (parlamentarische Monarchie) der Bahamainseln, einer Gruppe von etwa 700 Inseln im westlichen Atlantik, von denen 29 bewohnt sind (New Providence, Andros, Eleuthera unter anderem), und über 2000 Riffen; Ausdehnung von Nordwesten nach Südosten 1100 km. Die Bevölkerung besteht zu 85% aus Afroamerikanern, der Rest sind vorwiegend Weiße. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Bahama-Dollar. Flache, aus tertiären Kalken, Korallen, Mergel und Sand aufgebaute Inseln mit subtropischen Seeklima. Meist Savannen, zu einem Viertel mit Wald bedeckt; keine nennenswerten Bodenschätze. Die Bahamas sind ein wirtschaftlich schwach entwickeltes kapitalistisches Land, dessen Wirtschaftsstruktur weitestgehend vom Fremdenverkehr geprägt wird (weit mehr als 1 Millionen Touristen pro Jahr), wobei US-Kapital Schlüsselpositionen besitzt. In jüngster Zeit zunehmende Entwicklung Nassaus zum internationalen Finanzzentrum. Bei geringer agrarischen Nutzung vorwiegend in Kleinbetrieben Anbau von Südfrüchten, Frühgemüse, Zuckerrohr und Sisal. Die Forstwirtschaft arbeitet vorwiegend für den Export. Gut entwickelte Fischerei (Fisch-, Krebs-, Schildkrötenfang, Schwammfischerei). Die Industrie umfasst eine Zementfabrik, 2 Erdölraffinerien, Schiffbau- und -reparatur, 3 pharmazeutische Betriebe, Rum-Destillieren, Kleinbetriebe für die Verarbeitung von Agrarprodukten sowie umfangreiche Meersalzgewinnung. Die Bahamas sind ein wichtiger Schiffs- und Luftverkehrsknoten. Tiefseehäfen Nassau und Freeport (Freihafen); 2 internationale Flughäfen; US-Militärstützpunkte auf Andros und Grand Bahama. Ausfuhr von Erdölderivaten, Holz, Fisch, Gemüse, Zement und Rum. ursprünglich von Aruak besiedelte Inseln, wurden am 12.10. 1492 als erste der Neuen Welt durch Kolumbus entdeckt (höchstwahrscheinlich Guanahani). Nach Ausrottung beziehungsweise Verschleppung der Ureinwohner durch die Spanier begann 1629 die englische Kolonisation (Plantagenwirtschaft, Sklaverei), 1718 wurden sie endgültig annektiert; 1834/38 Aufhebung der Sklaverei. Seit dem 1. Weltkrieg wuchs der ökonomische und militärische Einfluss der USA 1964 erhielten die Bahamas innere Selbstverwaltung unter Führung der Fortschrittlichen Liberalen Partei (1953 gegründet); staatliche Selbständigkeit erreichten sie am 10.7.1973.

Bahar, Muhammad Taki, genannt Malek-osch-Scho’ara (Dichterkönig), 10.12. 1886—21.4. 1951, iranischer (persischer) Lyriker und Literaturhistoriker; trat in seinen Gedichten («Diwan», 2 Bände, 1956) für soziale Gerechtigkeit, gegen Tyrannei und Imperialismus auf; schrieb eine «Stilkunde» (3 Bände, 1942) über die Entwicklung der persischen Literatur bis zur Neuzeit.

Baharljeh-Bahiya: Oase in Ägypten, in der Libyschen Wüste; 9000 Einwohner; Datteln-, Oliven-, Orangenanbau; Eisenerzvorkommen.

Bahasa Indonesia: zu den malaiisch-polynesischen Sprachen gehörende Staatssprache der Republik Indonesien; modernisierte Form des klassischen Malaiisch; seit 1972 mit dem Malaysia-Malaiischen vereinheitlichte Rechtschreibung.

Bahia: Bundesstaat im Osten Brasiliens, an der Atlantikküste; 561026 km2, 9,5 Millionen Einwohner, 17 Einwohner/km2; Hauptstadt und wichtigster Halfen Salvador. Hinter einem 40 bis 70 km breiten Küstenstreifen des tropischen Regenwaldes steigt das Gelände stufenförmig bis zu den etwa 1100 m hohen Hochflächen an. Wichtigstes Erdöl- und Erdgasfördergebiet Brasiliens, außerdem Gewinnung von Mangan-, Chrom-, Bleierzen, Beryll, Kupfer, Gold, Titan, Bergkristallen und Diamanten. Der größte Teil der Bevölkerung ist in der Plantagenwirtschaft tätig; Anbau von Kakao (96% der Ernte Brasiliens), Tabak, Reis, Zuckerrohr, Zitrusfrüchten. Neben der Verarbeitung von Erdöl und Bergbauprodukten (besonders um Salvador) auch Textil-, Nahrungsmittel- (besonders Zucker-) und Zigarrenindustrie.

Bahia Bianca: Stadt in Argentinien, am Atlantik; 210000 Einwohner; bedeutendes Wirtschafts- und Kulturzentrum südlich des Großraumes Buenos Aires; fleischverarbeitende, Erdölindustrie; Ausfuhrhafen für Agrarprodukte; Universität.

Bahia de Cochinos, Schweinebucht: Meeresbucht an der Südwestküste Kubas; 30 km lang, bis 10 km breit und über 1000 m tief; am Buchteingang Koralleninseln. Die Ufer bilden durchgehend Tiefland, das besonders auf der Westseite stark versumpft ist. Im Innern der Bucht liegt der Hafen Buena Ventura. Von der Bahia de Cochinos aus erfolgte am 17. 4. 1961 mit Unterstützung der USA die gescheiterte Invasion konterrevolutionärer Kräfte.

Bahn: 1. Mechanik: Bahnkurve.

2. Verkehrstechnik: a) Verkehrsmittel, zum Beispiel Eisen-, Straßenbahn;

b) Verkehrsweg, zum Beispiel Eisenbahnstrecke, Autobahn.

Bahnanlagen: alle zum Bau und Betrieb einer Eisenbahn erforderlichen ortsfesten Anlagen. Man unterscheidet Bahnanlagen der freien Strecke, der Bahnhöfe und sonstige Bahnanlagen, zum Beispiel Anlagen zur Wasser- und Stromversorgung.

Bahnbestimmung: Gebiet der Himmelsmechanik, das sich mit der Berechnung der Bahnen von Himmelskörpern aus dem beobachteten Örtern am Himmel befasst. Lage, Größe und Form der Bahn und die Stellung des Himmelskörpers in ihr werden durch 6 Bahnelemente bestimmt;

a) Neigung der Bahn gegen eine Bezugsebene, zum Beispiel Ekliptik bei Planeten;

b) Länge Q des aufsteigenden Knotens, gemessen von einem bestimmten Punkt, zum Beispiel Frühlingspunkt, der Bezugsebene;

c) Abstand a> des dem Zentralkörper (zum Beispiel Sonne) am nächsten gelegenen Bahnpunktes (zum Beispiel Perihel) vom aufsteigenden Knoten;

d) Länge a der großen Halbachse der Bahn;

e) numerische Exzentrizität der Bahn;

f) Durchgangszeit des Himmelskörpers durch einen bestimmten Bahnpunkt, zum Beispiel Perihel. i und fl geben also die Lage der Bahn, co ihre Orientierung in der Bahnebene, a die Bahngröße und ela ihre Form an. Zur Bestimmung der 6 unabhängigen Bahnelemente einer Ellipsenbahn benötigt, man mindestens die zu drei verschiedenen Zeitpunkten gemessenen Örter des betreffenden Himmelskörpers (6 Koordinatenwerte). Bei speziellen Bahnen, zum Beispiel Parabel oder Kreis, reduziert sich die Zahl der benötigten Beobachtungsgrößen auf S beziehungsweise 4. Das umgekehrte Problem, aus den bekannten Bahnelementen die Position eines Himmelskörpers zu berechnen, ist Aufgabe der Ephemeridenrechnung.

Bahnbetriebswagenwerk, Abkürzung Bww: wagenwirtschaftliche Dienststelle der Eisenbahn für die Betreuung und Pflege des Wagenparks; hierzu gehören Reinigung, Ausrüstung, Unterhaltung und Entseuchung der Wagen. Das Bahnbetriebswagenwerk verfügt unter anderem über eigene Werkstätten.

Bahnbetriebswerk, Abkürzung Bw: maschinentechnische Dienststelle der Eisenbahn für den Einsatz, die Versorgung, Pflege und Unterhaltung der Triebfahrzeuge. Dem Bahnbetriebswerk obliegen Betrieb und Unterhaltung.

Bahndrehimpuls: der Bahnbewegung von Elementarteilchen (Elektronen in der Atomhülle, Nukleonen im Kern) zugeordneter Drehimpuls (siehe auch Spin). Nach den Gesetzen der Quantenmechanik kann die vektorielle Größe Bahndrehimpuls nur diskrete Werte annehmen, die durch die sogenannte Bahn- oder Nebenquantenzahl (Quantenzahl) l bestimmt sind. Der Bahndrehimpuls ist (außer bei 1 = 0) mit einem magnetischen Moment gekoppelt.

Bahner, Werner, geboren 18.6.1927, Romanist; Direktor des Zentralinstituts für Sprachwissenschaft der AdW; Arbeiten zur spanischen Sprach- und Wissenschaftsgeschichte sowie zur literarischen und ideologischen Entwicklung in den romanischen Ländern, vornehmlich von der Renaissance bis zur Romantik; seit 1980 Präsident der SAW und Vizepräsident der AdW.

Bähnert: Handkorb (Weidengeflecht) mit Bügel und Fußrand oder Holzbeinen.

Bahngeschwindigkeit: im weiteren Sinne die Geschwindigkeit einer Rakete(nstufe) in ihrer Flugbahn, im engeren Sinne die Geschwindigkeit eines Raumflugkörpers in der Freiflugbahn relativ zu dem Himmelskörper, von dem die Bahn ausgeht oder in dessen Wirkungssphäre sie verläuft. Zum Erreichen einer geschlossenen Umlaufbahn um einen Himmelskörper ist eine bestimmte Umlaufgeschwindigkeit erforderlich, die nur bei einer Kreisbahn konstant ist (Kreisbahngeschwindigkeit). Sie wird mit zunehmender Entfernung vom Gravitationszentrum kleiner; unmittelbar an der Erdoberfläche beträgt sie 7,912 km/s (Minimumkreisbahngeschwindigkeit\ unkorrekte (aber übliche) Bezeichnung erste astronautische Geschwindigkeit). Zum Verlassen der Wirkungssphäre der Erde ist eine Bahngeschwindigkeit in Minimumkreislaufbahn von 11,2 km/s erforderlich (planetare Flucht- oder Entweichgeschwindigkeit, unkorrekte (aber übliche) Bezeichnung zweite astronautische Geschwindigkeit). Die solare Flucht- oder Entweichgeschwindigkeit (unkorrekte (aber übliche) Bezeichnung dritte astronautische Geschwindigkeit) zum Verlassen unseres Planetensystems beträgt, bezogen auf Minimumkreisbahnhöhe der Erde, etwa 16,5 km/s.

Bahnhofspostamt: Postdienststelle mit Annahmebefugnissen, die in oder neben einem Bahnhof untergebracht ist.

Bahnkörper: als feste Unterlage hergestellter Eisenbahnunterbau (Damm, Einschnitt, Brücke, Tunnel) mit dem auf ihm liegenden Eisenbahnoberbau (Bettung, Gleise, Weichen, Kreuzungen).

Bahnkurve, Bahn: in der Mechanik die Gesamtheit der von einem Massenpunkt bei seiner Bewegung durchlaufenen Raumpunkte, wobei meistens die Zeit Kurvenparameter ist. Für quantenmechanische Systeme verliert der Begriff der Bahnkurve wegen des Heisenbergschen Unbestimmtheitsprinzips seinen Sinn.

bahnlagernd: Absendervermerk im Frachtbrief beziehungsweise auf der Expressgutkarte, nach dem der Empfänger die Sendung auf dem Bestimmungsbahnhof selbst abholen will. Im kombinierten Stückgutverkehr Eisenbahn/Kraftverkehr ist in solchen Fällen ein besonderer Wortlaut vorgeschrieben.

Bahnmeisterei, Abkürzung Bm: Dienststelle der Eisenbahn zur Überwachung und Instandhaltung der Strecken, des Oberbaus (Bettung, Gleise, Weichen) unter anderen Anlagen.

Bahnpostamt: Postdienststelle für die Leitung des Postbetriebes in den Eisenbahnzügen; es ist für alle Aufgaben des Bahnpostdienstes und der Beförderung von Postsendungen durch Eisenbahnzugpersonal verantwortlich.

Bahnradsport: alle auf speziellen Rundbahnen betriebenen Radsportdisziplinen, zum Beispiel Ausscheidungsfahren, Malfahren, Punktefahren und Verfolgungsfahren.

Bahnselbstanschlussanlage, Abkürzung Basa: Fernsprechwählanlage der Eisenbahn, bei der ein großer Teil der an das Bahnselbstanschlussanlagenetz angeschlossenen Teilnehmer den Gesprächspartner auch im Fernverkehr durch unmittelbares Wählen erreicht.

Bahnspurmikroskop: spezielles Mikroskop zur Auswertung von Bahnspuren hochenergetischer ionisierender Teilchen in Kernspuremulsionen. Aus Korndichte, Bahnlänge und -richtung kann die Teilchenart und die Energie bestimmt werden.

Bahnübergang: höhengleiche Kreuzung von Straße und Eisenbahn, abgesichert durch Warnzeichen nach StVO und beziehungsweise oder Blinkzeichen- oder Schrankenanlage.

Bahnung, Fazilitation (lateinisch): Physiologie zeitlich begrenzte Förderung der Erregungsübertragung an einem Neuron durch zusätzliche Erregungen. Die zeitliche Bahnung erfolgt durch vorher eintreffende Erregungen, die räumliche Bahnung durch gleichzeitig von verschiedenen Seiten eintreffende Erregungen.

Bahr: arabische Bezeichnung für Fluss oder Meer.

Bahr, Hermann, 19.7.1863-15.1.1934, österreichischer Schriftsteller und Kritiker, analysierte und propagierte moderne bürgerliche Kunstrichtungen, zum Beispiel «Zur Kritik der Moderne» (1890), «Überwindung des Naturalismus» (1891), «Expressionismus» (1914).

Bahrein, Staat Bahrein: absolute Monarchie (Emirat) auf einem Archipel mit 33 Inseln im westlichen persischen Golf, vor der Küste der Arabischen Halbinsel. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Araber, daneben Iraner, Pakistani, Inder, Briten; etwa 30% sind Ausländer. Amtssprache ist Arabisch. Die Analphabetenrate beträgt etwa 40%. Währung ist der Bahrein-Dinar. Wüstenhafte, flache Beckenlandschaften, sehr trocken (150 mm Niederschlag/Jahr).

Die industrielle Entwicklung auf kapitalistischer Grundlage ist mit feudalen Überresten verbunden, die Wirtschaftsstruktur einseitig durch die Erdölförderung (3 Millionen t/Jahr um Awali) und -Verarbeitung sowie die Erdgasverwertung geprägt; erste fündige Erdölbohrung 1932, Aufnahme der kommerziellen Förderung und des Exports 1934 durch die Bahrain Petroleum Company (Abkürzung BAPCO). Obwohl sich seit 1974 die BAPCO in Staatseigentum befindet, beeinflussen internationale Monopole Vermarktung, Transport unter anderem weiterhin. Größere Industrieobjekte: Erdölraffinerie auf der Insel Sitra (vorwiegend Verarbeitung saudi-arabisches Öls), Aluminiumhütte auf Erdgasbasis, Manganverarbeitungswerk, Werft sowie Meerwasserentsalzungsanlagen. Bahrein ist ein internationales Handels-, Finanz-, Transit- und Dienstleistungszentrum. Durch Quellen und artesische Brunnen im Norden auf 5 % der Landesfläche Oasenkulturen (Datteln, Zitrusfrüchte, Obst, Gemüse). Keine Eisenbahn; Inlandverkehr vorwiegend auf Straßen; 24,5 km langer Brückendamm zwischen Bahrein und Saudi-Arabien im Bau; internationaler Flughafen AlMuharrak; Erdölhafen in Sitra (Unterwasser-Erdölleitung von Az-Zahran), Häfen in Mina Salman (Freihandelszone) und Al-Manama, Marinehafen in Al-Muliarrak (Marine- und Luftstützpunkt der USA). Exportiert werden Erdöl und Erdölprodukte, importiert unter anderem Maschinen und Ausrüstungen sowie Nahrungsmittel. Haupthandelspartner sind Großbritannien, die USA, Japan, China, Australien, die BRD und Saudi-Arabien. In vorislamischer Zeit war Bahrein ein wichtiger Handelsplatz; 1521/1602 befand es sich unter portugiesischer, anschließend bis 1782 unter persischen Herrschaft. Ende des 18. Jahrhundert wurde Bahrein durch arabische Stämme besiedelt; 1820/1971 war es britisches Protektorat. 1927 erwarben US-amerikanische Erdölkonzerne die Rechte zur Ausbeutung von Erdöl und gründeten 1930 die Bahrain Petroleum Company (BAPCO). Am 14. 8. 1971 proklamierte Scheich Isa Bin Sulman al-Khalifa den unabhängigen Staat Bahrein, in dem sich Großbritannien durch einen «Freundschaftsvertrag» politische, und ökonomische Vorrechte sicherte; in einem Militärvertrag vom 23.12. 1971 übergab Bahrein die ehemalige britische Flottenbasis Al Muharrak an die US-Flotte. Trotz Kündigung des Vertrages 1975 nutzen die USA weiterhin die Militärbasis. Die Nationale Befreiungsfront Bahreins sowie die Volksfront von Bahrein kämpfen illegal gegen das bestehende Herrschaftssystem.

Bai-Bay: offene Meeresbucht, Meerbusen oder auch abgeschnürter Meeresteil (zum Beispiel Hudsonbai).

Baibars, al-, 1233-1277, seit 1260 vierter Sultan der Bahri-Mamluken in Ägypten und Syrien, kämpfte erfolgreich gegen Kreuzfahrer, Mongolen und Assassinen. Baibars errichtete 1261 in Kairo zur Stärkung seiner Macht ein abbasidischen Scheinkalifat. Baibars ist das Vorbild für die literarische Hauptgestalt einer der Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“.

Bai Juyi, 772-846, chinesischer Dichter; in seinen Gedichten-, zum Beispiel den Zyklen «Qin-Weisen» (811) und «Neue Volkslieder» (810), wandte er sich in leichtverständliche Form gegen soziale und politische Missstände; gilt als Inspirator der «Neuen Volksliederbewegung» in der Tang-Zeit.

Baikallen: Gebirgslandschaft westlich und östlich des Baikalsees mit Primorski-, Baikal-, Bargusingebirge, Chamar-Daban unter anderem, 2000 bis 2600 m hoch; zahlreiche Bodenschätze (Eisenerz, Wolfram, Glimmer).

Bakterien, Spaltpilze, Schizomyzeten (lateinisch griechisch): einzellige Kleinlebewesen von 1 bis 10 (im mit Zellwand, Zytoplasma und Ringchromosom. Die Vermehrung erfolgt durch Querteilung. Die Bakterien wachsen im Gegensatz zu den Viren und Rickettsien auf Grund eigener Enzymsysteme auf geeigneten festen und in flüssigen Nährböden. Die Bakterienzelle kann kugelig, stäbchenförmig oder Schraubig gewunden sein. Manche Bakterien liegen einzeln vor, andere Arten bilden Zellverbände, zum Beispiel paarweise Lagerung (Diplokokken), in Kettenform (Streptokokken), in Traubenform (Staphylokokken) oder in Paketform (Sarcinen). Mit Hilfe von Geißeln sind bestimmte Bakterien beweglich. Es gibt kapselbildende und kapsellose Bakterien Bestimmte Bakterien bilden widerstandsfähige Dauerformen (Bakteriensporen), die gegen Austrocknung und hohe Temperaturen resistent sind: aerobe Sporenbildner werden als Bazillen, anaerobe als Clostridien bezeichnet. Ein Teil der Bakterien ernährt sich autotroph mittels Chemosynthese (zum Beispiel Schwefelbakterien, Eisenbakterien). Die meisten Bakterien leben jedoch heterotroph, entweder als Saprophyten oder als Parasiten. Unter letzteren finden sich zahlreiche Erreger von Krankheiten bei Mensch, Tier und Pflanze. Manche Bakterien haben auf Grund bestimmter Stoffwechselleistungen Bedeutung für die Lebensmittel- und pharmazeutische Industrie. Bakterien sind in großer Zahl im Boden (Staub) und Wasser über die ganze Erde verbreitet. Zur taxonomischen Einteilung der Bakterien wird neben morphologischen Merkmalen und Unterschieden in den Fermentleistungen das serologische Verhalten, die Färbbarkeit (siehe auch Gram-Färbung) sowie die Pathogenität herangezogen. Zur Gruppe der Krankheitserreger gehören unter anderem die Staphylokokken, Salmonellen, Shigellen, Tuberkel- und Diphtheriebakterien. Es gibt außerdem zahlreiche Bodenbakterien (Azotobacter, Nitrobacter, Sporenbildner), ferner Essigsäure- und Milchsäurebakterien. Weitere Gruppen sind zum Beispiel die sogenannte Strahlenpilze, hierzu unter anderem die Streptomyceten (Antibiotikabildner), Chlamydobakterien (zu denen viele Eisenbakterien gehören) und die Spirochäten, hierzu unter anderem die Treponemen (Syphilis) und die Leptospiren.

Bakteriengenetik: Wissenschaft, die sich mit der durch Mutation oder Gentransfer (Genübertragung) veränderten Erbinformationen von Bakterien befasst; Teilgebiet der Genetik.

Bakterienwelke: Welkeerscheinungen, die durch Gefäßverstopfungen oder Gefäßzerstörungen infolge eingedrungener Bakterien hervorgerufen werden, zum Beispiel Welkekrankheit der Tomate (Corynebacterium michiganense).

Bakterienzelle: aus dem Zytoplasma mit der Cytoplasmamembran, der Zellwand und dem Ringchromosom bestehende Zelle. Die Bakterienzellwand setzt sich zusammen aus Murein (Stützgerüst), Proteinen, Lipoiden und Polysacchariden. Die Funktion der Zellwand besteht in Formgebung, aktivem und passivem Metaboliten-Transport, Schutz vor Abtötung durch Umweltschäden und Wirtsabwehr. In der funktionellen Einheit von Zytoplasma (mit der Ribosomenfraktion sowie dem Ringchromosom) und Cytoplasmamembran erfolgt die DNA-Replikation, die RNA sowie die Proteinsynthese. Das Doppelstrang-DNA-Ringchromosom enthält alle lebenswichtigen Erbinformationen.

Bakteriologie: Wissenschaft von den Bakterien und zugleich Teilgebiet der Mikrobiologie. Die Bakteriologie untersucht den Aufbau der Bakterien, ihre Formen und Lebenserscheinungen. Die medizinische Bakteriologie beschäftigt sich mit krankheitserregenden Bakterien, die landwirtschaftliche Bakteriologie vorwiegend mit Bodenbakterien, die technische Bakteriologie mit Bakterien, deren Stoffwechselprodukte technisch verwertbar sind (Käserei, Antibiotikagewinnung, Schadstoffabbau). Die Begründer der Bakteriologie waren R. Koch und L. Pasteur. Ersterer entdeckte 1882 die Tuberkelbakterien und 1883 den Choleraerreger. Er führte die festen Nährböden in die Bakteriologie ein. 1884 entdeckten F. LoefQer und E. Klebs die Diphtheriebakterien. I. Metschnikoff erforschte Fragen der Immunität (Phagozytose). P. Ehrlich begründete die Chemotherapie, E. v. Behring die Anwendung von Heilseren. Mit der Entdeckung des Penizillins durch A. Fleming 1928 war die Grundlage für eine umfassende Bekämpfung von Infektionskrankheiten geschaffen. A. Lwoff entdeckte die Lysogenie (1950); F. Jacob und Monod klärten Enzymregulationsmechanismen (1961); M. W. Nierenberg und S. Ochoa gelang die Aufklärung des genetischen Kodes (1966).

Bakteriophagen: (griechisch, «Bakterienfresser») Bakterienviren, die je nach ihrer Spezifität in verschiedene Bakterien eindringen und diese auflösen. Sie bestehen in der Regel aus einem Kopf, der Nukleinsäure enthält, und einem Fortsatz. Mit Hilfe von Bakteriophagen können taxonomisch einheitliche Spezies (zum Beispiel Typhusbakterien) in unterschiedlichen Lysotypen eingeteilt werden. Siehe auch Lysotypie.

bakteriostatisch: (griechisch) Wachstum und Vermehrung der Bakterien hemmend.

bakterizid (griechisch + lateinisch): bakterientötend.

Baktrien: im Altertum von den Baktriem bewohnte Landschaft am oberen Oxos (Amudarja), Hauptstadt Baktra; hatte, im Schnittpunkt wichtiger transkontinentaler Straßen nach Indien und China gelegen, große Bedeutung; im 6. Jahrhundert vor Christus von den Persern unterworfen und danach bevorzugte persischen Satrapie; 250/140 vor Christus war Baktrien selbständig; 235 nach Christus kam es unter sassanidischer, 646 nach Christus unter arabischer Herrschaft.

Bakunin, Michail Alexandrowitsch, 30.5.1814 bis 1.7.1876, russischer kleinbürgerlich-anarchistischer Revolutionär. Bakunin war 1840/51 und seit 1861 im Ausland und beteiligte sich 1848/49 in Prag und Dresden an den Aufständen. Seine Ansichten stellten ein Gemisch von Anarchismus und utopischer Kommunismus dar, sie wurden von Marx und Engels scharf kritisiert; sein Versuch zur Spaltung der I. Internationale endete 1872 mit seinem Ausschluss. Bakunins Lehre fand unter den Narodniki in Russland sowie unter kleinbürgerlichen Kräften, vor allem Italiens und Spaniens, Widerhall.

Bakunts, Aksel, 25.6.1899-1937, armenischer-sowjetischer Prosaschriftsteller; besonders in sozialpsychologisch tieflotenden Erzählungen über das armenische Dorf (Sammelbände «Die dunkle Schlucht», 1927, und «Die Säer schwarzer Furchen», 1933) begründete er das humanistische Anliegen der Revolution; förderte wegweisend den Übergang der armenischen Literatur auf sozialistisch-realistische Positionen.

Balabakk, Baalbek («Baalstadt»): Stadt (Provinzzentrum) im Osten Libanons, in der mittleren Bekaa zwischen Libanon- und Antilibanongebirge; 18000 Einwohner; internationaler Touristenanziehungspunkt (jährlich Festspiele). Balabakk gehörte in der römischen Kaiserzeit zur Provinz Syria; aus dieser Zeit sind Reste gigantischen Tempelanlagen mit reichem Architekturschmuck, ein Rundtempel sowie Teile der Stadtmauer mit Prachttor erhalten.

Balalaika: russisches Zupfinstrument, in 6 Größen gebaut, mit dreieckigem Schallkörper und Hals mit Bünden; die 3 Saiten (beziehungsweise Saitenpaare) werden mit einem Plektron angerissen.

Balanchine, George, eigentlich Georgi Balantschiwadse, 22.1.1904-30.4.1983, US-amerikanischer Tänzer und Choreograph georgischer Herkunft; ausgebildet an der Petrograder Theaterschule; lebte seit 1934 in den USA; war unter anderem seit 1935 Leiter des American Ballett, seit 1948 des New York City Ballett; Hauptvertreter der neoklassizistischen Ballettkunst.

Balanitis: Entzündung der Eichel des männlichen Gliedes unterschiedlichen Schweregrades (Rötung bis Geschwürbildung); verursacht durch Bakterien und Hefepilze, meist mit eitriger Absonderung zwischen Eichel und innerem Vorhautblatt; auch als Eicheltripper bezeichnet, aber nicht mit Gonorrhoe identisch.

Balantidium: Gattung der Wimpertierchen; Darmbewohner bei Wirbellosen und Wirbeltieren. Balantidium coli lebt im Blind- und Dickdarm des Schweines, durch Fliegen auf den Menschen übertragen, kann es Darmgeschwüre (Balantidiose) hervorrufen.

Balata: zähe, harte, aus dem Milchsaft tropischer Bäume gewonnene, dem Naturkautschuk strukturisomere Masse; heute kaum noch verwendet.

Balaton-Plattensee: See im Westen Ungarns, mit 596 km2 größter See in Mitteleuropa; 106 m über dem Meeresspiegel, 78 km lang, durchschnittlich 8 km breit und 2 m tief (nur im sogenannt Tihanyer Brunnen 11 m tief), besonders flach an der Südseite; durch die Halbinsel Tihany untergliedert; der Abfluss (Si6, zur Donau) ist reguliert; von Badeorten (unter anderem Tihany, Balaton-Plattenseefüred, Balaton-Plattenseealmadi, Balaton-Plattenseefoldvar, Siofok, Zamardi, BogIarlelle, Fonyöd, Keszthely, Revfülöp) umgeben; Heilquellen mit Kurbetrieb (H6viz, Balaton-Plattenseefüred); Passagierschifffahrt, Wassersport; Fischfang; am Nordufer Weinbaugebiete (Badacsony, Csopak). Am Balaton-Plattensee fand die letzte faschistische deutsche Angriffsoperation (6./16. 3. 1945) im 2. Weltkrieg statt, die von der Roten Armee mit einer Gegenoffensive zurückgeschlagen wurde.

Balázs, Béla, eigentlich Herbert Bauer, 4.8.1884-17.5.1949, ungarischer Schriftsteller, Filmtheoretiker und Drehbuchautor; schloss sich der Räterepublik an und musste 1919 emigrieren; lebte in Wien, Berlin und in der UdSSR. 1945 kehrte er nach Ungarn zurück; war Autor des ersten ungarischen Nachkriegsfilms «Irgendwo in Europa». Er verfasste die auf dem Gebiet der Filmästhetik bahnbrechenden Werke «Der sichtbare Mensch» (1924, deutsch) und «Der Film» (1948, deutsch).

Baldachin: («Stoff aus Bagdad») Prunkhimmel über einem Thron, Altar u. ä.; in der Bauplastik ein steinernes Prunk- oder Schutzdach über einer Statue.

Balde, Jakob, zwischen 28.12.1603 und 4.1.1604-9.8.1668, Dichter; Repräsentant der Gegenreformation (Jesuit), bedeutendster Vertreter der neulateinischen Dichtung des 17. Jahrhundert. In seinen von Patriotismus durchdrungenen Gedichten äußern sich nationale Gesinnung und das Bemühen, im Sinne des Friedensgedankens die zeitgeschichtliche Bedingungen des Dreißigjährigen Krieges zu durchdringen. Ausgewählte Gedichte übersetzte J. G. Herder («Terpsichore», 3 Bände, 1795/96).

Balder (althochdeutsch), Baldur (isländisch), nordgermanische lichte Gottheit, vom blinden Hödr durch Lokis List mit einem Mistelzweig getötet.

Baldriangewächse, Valerianaceae: Familie krautiger Pflanzen mit asymmetrischen Blüten; zum Beispiel die Gattung Baldrian (Katzenkraut, Valeriana) mit gefiederten Blättern und fleischfarbenen Blüten. Der Echte Baldrian (V. officinalis) ist eine Arznei pflanze; das Rapünzchen (Valerianella locusta) eine Kulturpflanze. Siehe auch Arzneipflanzen.

Balduin von Trier, 1285-21.1.1354, Erzbischof von Trier seit 1307; unterstützte seinen Bruder Heinrich VII., hatte maßgeblichen Anteil am Kurverein von Rhens 1338, erlangte in der Goldenen Bulle für Kurtrier das Erststimmrecht bei der Königswahl und erweiterte die Trierer Landesherrschaft.

Baldwin: 1. James Baldwin, geboren 2.8.1924, US amerikanischer Schriftsteller; tritt mit leidenschaftlichen Engagement in Romanen («Gehe hin und verkünde e vom Berge», 1953, deutsch; «Beale Street Blues», 1974 deutsch), Essays und Dramen gegen den Rassismus au und setzt sich für die Freiheit und soziale Gleichberechtigung der Afroamerikaner ein.

2. Stanley Baldwin , Earl Baldwin of Bewdley (seit 1937), 3.8.1867-14.12.1947, britischer Politiker; 1923/37 Führe der Konservativen Partei, 1923/24, 1924/29 uni 1935/37 Premierminister; versuchte den britischen Imperialismus zu stabilisieren, bekämpfte die Arbeiterbewegung (Antigewerkschaftsgesetz, 1927) uni trieb eine offen antisowjetischen Politik (1927 Abbruch der diplomatischen Beziehungen).

Balearen: spanische Inselgruppe im Mittelmeer, von der Südostküste Spaniens, bestehend aus den Inseln Mallorca, Menorca (Minorca), Cabrera un den Pityusen (Ibiza, Formentera); als spanische Provinz 5014 km2, 655000 Einwohner, 131 Einwohner/km2; Verwaltung: Zentrum Palma de Mallorca überwiegend gebirgig, schroffe Kalkberge, bis 1445 m; stark gegliederte Küste; mildes, niederschlagsarmes subtropischen Klima; bei künstlicher Bewässerung und auf terrassierten Hängen Anbau von Getreide, Wein, Obst, Oliven, Agrumen, Mandeln; Fischerei (Sardinen, Anchovis); Kunsthandwerk (Majoliken, Silbergeflecht, künstliche Perlen); Export von Agrarprodukten; Fremdenverkehr (Badestrände). Ab 6. Jahrhundert bis 201 vor Christus karthagisch, ab 123 vor Christus römisch, 425 nach Christus wandalisch, danach westgotisch, 798 Eroberung durch die Mauren, 1228/35 durch Aragonien. Im Freiheitskampf des spanischen Volkes 1936/39 war Mallorca francofaschistisch-italienischer Militärstützpunkt, Menorca republikanisch; seit 1953 US-Militärbasis.

Balestra: Fechten Verbindung von Sprung vorwärts und Ausfall; ermöglicht Treffer aus weiter Mensur.

Balewa, Sir Alhaji Abubakar Tafawa, 1912-1966, nigerianischer Politiker, 1946 Abgeordneter im Parlament Nordnigerias, 1957 einer der Führer des Kongresses der Nordbevölkerung; seit Dezember 1959 Ministerpräsident der Föderation Nigeria, seit 1960 auch des unabhängigen Nigerias; galt als ein Repräsentant der reaktionären Kräfte; fiel einem Militärputsch zum Opfer.

Balfour, Arthur James, Earl of Balfour (seit 1922), 25.7.1848-19.3.1930, britischer Politiker, 1895/1911 Führer der Konservativen Partei; schloss als Premierminister (1902/05) die Entente mit Frankreich, 1916/19 Außenminister (Balfour-Deklaration); einer der Organisatoren der Intervention gegen Sowjetrussland 1918/20.

Balfour-Deklaration: Brief des britischen Außenministers Balfour vom 2.11.1917 an den britischen Zionistenführer Rothschild, in dem Balfour britische Unterstützung bei der Gründung einer jüdischen «Heimstatt» in Palästina versprach. Die Balfour-Deklaration wurde von den Zionisten als Freibrief zur Gründung eines jüdischen Staates in Palästina angesehen und war Anlass für die blutigen Kämpfe zwischen Juden und Arabern in Palästina.

Balg: Fell vom Haarraubwild, außer Dachs (Schwarte), von Hase und Kaninchen sowie die abgezogene befiederte Haut der Vögel.

Balgen: (zu «Balg») zusammenfaltbare, lichtdichte Verbindung von Objektiv und Kameragehäuse; auch an Vielzweck- und Vergrößerungsgeräten.

Balggeschwulst, Grützbeutel, Atherom (griechisch): Zyste in der Haut, die Talg und Hornmaterial enthält; sie entsteht durch Keimversprengung von Talgdrüsenepithelien («echte» Balggeschwulst) oder durch Verstopfung des Talgdrüsenausführungsganges («falsche» Balggeschwulst). Entzündungen sind möglich; Entfernung erfolgt operativ.

Bali: 1. westlichste der zu Indonesien gehörenden Kleinen Sundainseln; 5623 km2, 2,2 Millionen Einwohner, Hauptort Denpasar. Vorwiegend gebirgig mit zahlreichen Vulkanen (Gunung-Agung mit 3142 m), nur im Süden eben. Bei tropischen Monsunklima vom äquatorialen Typus teils immergrüner tropischer Regenwald, teils feuchte und trockene Monsunwälder; vor allem Anbau von Reis (auf über 60% der Fläche bei 2 Ernten im Jahr), Mais, Zuckerrohr, Kokospalmen, Baumwolle, Erdnüssen und Tabak; Nahrungsmittelindustrie und hochentwickeltes Kunsthandwerk. Bali stand im Feudalismus unter starkem Einfluss Jawas. Nach der Islamisierung Indonesiens blieb es hinduistisch und wurde seit dem 19. Jahrhundert (endgültig 1908) dem niederländischen Kolonialreich einverleibt.

2. Provinz in Indonesien, umfasst die Insel Bali und mehrere kleinere Inseln; 5878 km2; 2,2 Millionen Einwohner; 374 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Singaraja. Im Süden der Insel Bali hinduistische Bevölkerung mit eigenständiger Kultur, traditioneller Schauspiel- und Tanzkunst («Insel des Tanzes»); berühmte Tempel, Holzschnitzerei, hochentwickeltes Kunsthandwerk (Gold-, Silber- und Eisenarbeiten, Brokatweberei); internationaler Fremdenverkehr.

Balikpapan: Stadt in Indonesien, an der Ostküste von Kalimantan; 150000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Werft; Hafen, Flughafen. Zentrum der Erdöl- und Erdgasförderung, in der Nähe Steinkohlenbergbau.

Balinesen: indonesisches Volk auf Bali und Lombok; 2,5 Millionen; hochentwickeltes Kunsthandwerk und ausdrucksvolle Tänze. Die Balinesen haben im Gegensatz zu anderen, überwiegend muslimischen Völkern Indonesiens Hinduismus und Kastenwesen bewahrt.

Ballno, Carlos, 13.2.1848-1926, kubanischer Arbeiterführer; führender Organisator der sozialistischen Arbeiterbewegung im Kampf gegen den spanischen Kolonialismus; gründete 1892 mit J. Marti die Kubanische Revolutionäre Partei und war 1925 Mitbegründer der KP Kubas.

Balkanbund: ein mit ross. Unterstützung im Frühjahr 1912 zwischen Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro gegen die Türkei geschlossenes Bündnis; von Russland und Serbien auch, als Instrument gegen Österreich-Ungarn gedacht. Der Balkanbund führte den 1. Balkankrieg für die endgültige Befreiung vom osmanischen Joch und zerfiel danach wegen territorialer Streitigkeiten zwischen seinen Mitgliedern.

Balkancar: Firmenbezeichnung für die in Bulgarien gefertigten Elektroschlepper und Gabelstapler für den Einsatz im innerbetrieblichen Transport, auf Bahnhöfen und in Seehäfen.

Balkanentente: am 9.2. 1934 zwischen Griechenland, Rumänien, der Türkei und Jugoslawien geschlossener Pakt zum Schutz ihrer Grenzen gegen den deutschen und italienischen Faschismus sowie gegen bulgarische Revisionsansprüche; zerfiel ab 1938 wegen Differenzen unter den Teilnehmerstaaten.

Balkanhalbinsel: Halbinsel im Südosten Europas, in der Donau-Sava-Linie an den Rumpf Europas angesetzt; etwa 510000 km2 und 46,5 Millionen Einwohner; politisch zu Albanien, Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien, Rumänien (Dobrudscha) und der Türkei gehörig. In der Faltengebirgszone der Balkanhalbinsel (besonders im Dinarisch-Griechischen Gebirge) dauern die gebirgsbildenden Vorgänge noch an (Erdbeben). Das Klima ist im Westen mittelmeerisch, im Osten kontinental. Den klimatischen Voraussetzungen entsprechen Flora und Fauna.

Balkanistik, Balkanologie (beide griechisch - türkisch), Südosteuropaforschung: Wissenschaft, die sich vergleichend mit den Gemeinsamkeiten befasst, welche die Völker der Balkanhalbinsel in Bau und Wortschatz ihrer Sprachen, ihren Lebensgewohnheiten, ihrer materiellen und geistigen Kultur sowie ihrer Geschichte aufweisen. Eine Internationale Assoziation für südosteuropäische Studien wurde 1962 gegründet; Sitz Bukarest.

Balkankriege: Der 1. Balkankrieg (18.10. 1912/30.5.1913), den Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro gegen die Türkei führten, endete mit der türkischen Niederlage und der Vollendung der Befreiung der Balkanhalbinsel von türkischer Fremdherrschaft (Londoner Frieden). Der 2. Balkankrieg (29. 6./10. 8. 1913) zwischen Serbien, Griechenland, Rumänien, Montenegro und der Türkei einerseits sowie Bulgarien andererseits war reaktionär, da er um die Neuaufteilung des türkischen Erbes geführt wurde. Er endete mit der bulgarischen Niederlage (Frieden von Bukarest).

Balken: 1. Balken, Corpus callosum (lateinisch) Anatomie: größtes Kommissuren-System der höheren Säugetiere und des Menschen, das zwischen den beiden Großhirnhemisphären vermittelt.

2. Bautechnik: Holz- oder Stahlbetonträger, der meist Vertikalkräfte überträgt; Balken verwendet man als Tragwerke für Decken, Fachwerke, Brücken unter anderem; statisch günstiger Querschnitt ist Breite: Höhe = 5 : 7. Das Ende eines Balkens ist der Balkenkopf.

Ball: privates oder öffentliche Tanzvergnügen; um 1650 ein höfliches Tanzfest, als «bal paré» («geputzt», das heißt in festlicher Kleidung nach strengem Zeremoniell) oder «bal masqué» (mit Halbmasken ohne das strenge Zeremoniell). 1715 kamen die «öffentliche Bälle» hinzu (nach dem Vorbild des von Ludwig XV. gestifteten Pariser Opernballs). Seit der Franzos. Revolution hat sich die Balletikette wesentlich vereinfacht.

Ball: 1. Hugo, 22.2.1886-14.9.1927, Schriftsteller; Mitbegründer der Zürcher Gruppe des Dadaismus; schrieb unter anderem «Hermann Hesse, sein Leben und sein Werk» (1927).

2. Ball (bo:l), John, gestorben 15.7.1381 (hingerichtet), englischer Bauernführer, ursprünglich Geistlicher; Anhänger Wiclifs, Volksagitator für soziale Gerechtigkeit, einer der Führer des Bauernaufstandes von 1381.

Ballade: 1. Ballade (englisch französisch griechisch) Literatur: episches lyrisches Gedicht mit meist bewegter dramatischer Handlung; durch das Zusammenfließen der traditionellen Gattungselemente nach Goethe «Urei der Poesie». Als Volksballade eine der wichtigsten Formen der Volksdichtung mit weit zurückreichenden Überlieferungen (zum Beispiel die Ballade von Robin Hood); gestaltet prägnant, oft lakonisch, ernste, oft tragische Ereignisse aus Geschichte, Sage und Mythologie, aber auch zeitgenössische Wirklichkeit. G. A, Bürger schuf mit «Lenore» (1774) die volkstümliche Kunstballade in der deutschen Literatur. Den klassisch-humanistischen Höhepunkt bildete Goethes und Schillers Ballade-Jahr 1797/98, in dem sie meisterhafte Beispiele der Gattung schufen (unter anderem Goethes «Der Gott und die Bajadere», «Der Zauberlehrling»; Schillers «Der Handschuh», «Die Kraniche des Ibykus»). Auch in der Dichtung des 19. Jahrhundert finden sich hervorragende Ballade, unter anderem von H. Heine, A. von Droste-Hülshoff, L. Uhland, T. Fontane. Eine neue historisch-ästhetische Qualität erreichten im 20. Jahrhundert Ballade sozialistischer Dichter, vor allem solche von Ballade Brecht und J. R. Becher. Die Ballade wurde auch in anderen Literaturen gepflegt, so in der russischen(A. S. Puschkin, M. J. Lermontow, L. N. Tolstoi), englischen (R Bums, W. Scott, O. Wilde) und serbokroatischen.

2. Ballade (französisch - italienisch - griechisch) Musik:

a) in der Ars nova strophische Liedform der französischen sowie der italienischen (dort «Ballata») Gesellschaftsmusik;

b) in der bürgerlichen Liedkunst des 18./19. Jahrhundert erzählendes Vokalstück sagenhaften Inhalts;

c) im 19. Jahrhundert rhapsodisches Instrumentalstück.

Bailad opéra: englische bürgerliche Singspiel des 17./18. Jahrhundert mit Dialogen, eingestreuten volkstümliche Liedern oder mod. Opernmelodien, oft parodistisch-sozialkritischen Inhalts. Am bekanntesten wurde die «Beggar’s opera» (1728).

Ballarat: Stadt in Victoria (Australien), westlich von Melbourne; 61000 Einwohner; Industriestadt und Zentrum eines entwickelten Agrarbezirks mit Schafwollerzeugung. 1851 als Goldgräberstadt gegründet. Die 1854 entstandene politische Organisation der Goldgräber (B.-Reformliga, Führer P. Lalor) setzte nach bewaffnetem Aufstand (1854) politische Forderungen, unter anderem allgemeines Männerwahlrecht (1856), in Victoria durch.

Ballard-Verfahren: (nach dem US-amerikanischer Erfinder) Verfahren zum galvanischen Aufkupfern von Tiefdruckzylindern; zunächst wird eine Trennschicht aufgebracht, um die Kupferhaut nach dem Auflagendruck wieder abziehen zu können, danach eine 0,1 bis 0,15 min dicke Kupferhaut aufgalvanisiert, in die man die Tiefdruckform ätzt. Auch Herstellungsverfahren für Mehrmetallplatten.

Ballast: 1. Sand- oder Wasserzuladung bei Ballons und Luftschiffen; Ablassen von Ballast bewirkt Steigen des Luftfahrzeugs, so dass dadurch die Flughöhe geregelt werden kann.

2. Seewasserlast (seltener Sand, Kies oder Steine), die auf leeren oder teilweise abgeladenen Schiffen dazu dient, ausreichende Stabilität, günstige Schwimmlage (Trimmballast) oder einen Mindesttiefgang und somit ein günstiges Seeverhalten zu sichern. Wasserballast wird in Zellen des Doppelbodens, der Vor- oder Achterpiek oder in besonderen Ballasttanks im übrigen Schiffsrumpf gefahren.

3. unverdauliche organische Substanz von Nahrungs- und Futtermitteln; trägt zur Regelung der Verdauung und zur Erzeugung des Sättigungsgefühls bei.

Ballen: 1. Anatomie: aus Binde- und Fettgewebe bestehende polsterartige, schwielige Verdickung der Haut an bestimmten Stellen der Hohlhand und der Fußsohle des Menschen beziehungsweise der Vorder- oder Hinterfußsohlen von Tieren.

2. Metrologie: alte Zähleinheit für Papier (1 Ballen = 10 Neuries = 100 Buch = 1000 Hefte = 10000 Bogen); für Tuch (1 Ballen = 10 oder 12 Stück); für Leder (1 Ballen = 20 Rollen = 120 Stück).

3. Ballen, Reiberballen, Tampon (französisch germanisch) Polygraphie: pilzförmiges Werkzeug zum Einfärben der Druckform im Buchdruck; heute noch beim Druck von Kupfer- und Stahlstichen sowie beim Texoprintverfahren angewendet.

Ballenpflanze: Nutz- oder Zierpflanze, deren Wurzeln das zur Anzucht verwendete Substrat durchwachsen und umschlossen haben, wodurch Wachstumsstörungen nach dem Auspflanzen verringert werden.

Ballett: Gattung des Musiktheaters; bedeutendste Form des Bühnentanzes; künstlerische Einheit von Handlung (Libretto), Musik, Tanz (Choreographie), Pantomime, Bühnenbild und Kostümgestaltung, entweder mit durchgehender Handlung oder locker gefügt als Divertissement, Suite und Operneinlage. Im Ballett werden das Lebensgefühl, die Ideale, Gedanken, Haltungen und Verhaltensweisen der Menschen einer bestimmten Zeit beziehungsweise Gesellschaftsordnung nach den Gesetzen der Choreographie, Dramaturgie und Raumverteilung mittels verschiedener Tanztechniken, meist in Folgen von Ensemble-, Paar- und Solotänzen, gestaltet. Ballett wird auch die ausführende Tanzgruppe genannt. Oper und Ballett entstanden an Italien, und französischen Fürstenhöfen der Renaissance als neue Kunstgattungen, in denen man antiken Vorbildern nachstrebte. Seit dem 16. Jahrhundert wurden prunkvolle Tanzfeste mit mythologischer Handlung, Gesang und Maskeraden balli und balletti genannt. Das «Ballet comique de la Reine» (1581) gilt als eines der ersten großen Ballette. Im 17. Jahrhundert diente das Ballet du Roy dem fürstlichen Repräsentationsbedürfnis; nur Angehörige des Adels traten auf. 1661 wurde in Paris die erste, auch für Nichtadlige zugängliche Tanzakademie gegründet Um 1700 veröffentlichte R. A. Feuillet eine Tanzschrift. Neben dem höflichen Ballett entwickelte sich das volkstümliche bürgerliche Ballett (zum Beispiel in Hamburg und Amsterdam). Unter dem Einfluss der Aufklärung wurde das Ballett von G. Angiolini, J. G. Noverre unter anderem zum dramatischen Handlungsballett reformiert. Im klassischen Ballett des 19. Jahrhundert bildete der Gegensatz zwischen der realen und einer idealen, märchenhaften Welt das Hauptthema. Der Spitzentanz und viele nationale Charaktertänze bereicherten die klassische Balletttechnik. C. Didelot, J. Perrot, J. Coralli und F. Taglioni führten das Ballett zu klassischer Höhe. Seinen Gipfel erreichte es in Russland im Zusammenwirken der Choreographen M. I. Petipa und L. I. Iwanow mit den Komponisten P. I. Tschaikowski («Dornröschen», «Schwanensee», «Der Nussknacker») und A. K. Glasunow («Raymonda»). Seit 1909 gab S. P. Djagilew in Paris mit den Ballets russes unter Mitwirkung von A. P. Pawlowa, T. P. Karsawina, W. F. Nishinski, M. M. Fokin unter anderem den Anstoß zu einem Aufschwung des Balletts in Westeuropa und den USA. Neben den klassisch-realistischen Traditionen herrschten hier Tendenzen eines perfektionierten Neoklassizismus und Psychologismus vor. Demgegenüber schufen K. Jooss («Der grüne Tisch») unter anderem kritisch-realistischen Ballette. Weltgeltung errang das sowjetischen Ballett mit Werken des sozialistischen Realismus («Romeo und Julia», «Die Fontäne von Bachtschissarai») und künstlerische Spitzenleistungen unter anderem von G. S. Ulanowa, M. M. Plissezkaja und W. V. Wassiljew.

Ballettpantomime: Ballett, dessen Inhalt durch tänzerisch erweiterte Gestik und Mimik dargestellt wird; als Ballet d’action von F. von Hilferding, G. Angiolini und J. G. Noverre entwickelt.

Ballhaus: Gebäude für kommunale Geselligkeit im 15. und 16. Jahrhundert, später für Aufführungen wandernder Schauspieltruppen genutzt und zum Teil in Theater umgebaut, zum Beispiel 1741 das Wiener Burgtheater.

Ballhause, Walter, geboren 3.4.1911, Fotograf; trug wesentlich zur Entwicklung der Arbeiterfotografie bei; dokumentierte vor allem zwischen 1930 und 1933 in Hannover die Lebensweise des Proletariats, besonders seine soziale Not und Arbeitslosigkeit, aber auch seine Solidarität. Seine Fotos zeichnen sich durch besondere Feinfühligkeit und klare Bildsprache aus.

Ballhausschwur: Schwur der Abgeordneten des Dritten Standes im Ballhaus von Versailles (20. 6. 1789), bis zur Schaffung einer Verfassung für ganz Frankreich als Nationalversammlung zusammenzubleiben; bedeutete eine empfindliche Niederlage der Hofpartei und Ludwigs XVI.

Bailhorn, Balhorn, Johann, 1528-1603, Buchdrucker; von seinem Namen werden zu Unrecht die Ausdrücke verbal(l)homen und verbaI(l)homisieren, das heißt verschlechtern statt verbessern («verschlimmbessern»), hergeleitet.

Ballistik: Wissenschaft von den Bewegungsgesetzen fliegender Körper, deren Beschleunigung durch Ausdehnung komprimierter Gase oder durch Raketentriebwerke erfolgt. Die klassische äußere Ballistik studiert die Bewegung der Geschosse von Feuerwaffen von der Mündung bis zum Ziel. Die äußere Ballistik von Raketen ermittelt die Kinematik und Dynamik der Raketenbewegung auf den aktiven (arbeitendes Triebwerk) und passiven (abgeschaltetes Triebwerk) Flugabschnitten. Die klassische innere Ballistik studiert die beim Schuss im Rohr oder Lauf einer Feuerwaffe ablaufenden Prozesse (insbesondere Gasdruckentwicklung und Geschoßgeschwindigkeit). Die innere Ballistik von Feststoffraketentriebwerken und die innere Ballistik von Flüssigkeitsraketentriebwerken ermitteln den Gasdruckverlauf in der Brennkammer sowie den Triebwerkschub.

Ballistokardiogramm: Aufzeichnung feiner Bewegungen in der Körperlängsachse, die bei jedem Herzschlag durch die Massenverschiebung des Blutes (Rückstoß) entstehen. Dazu wird der Patient auf einer Rolltischplatte gelagert.

Ballon: («Ball», «Kugel») gasgetragenes Luftfahrzeug (leichter als Luft), das aus einer luftdichten, mit Helium (unbrennbar), Leuchtgas (billig), Wasserstoff (guter Auftrieb) oder mit Heißluft (Heißluftballon) gefüllten Hülle und darunter hängendem Korb (Gondel) besteht; durch Abwurf von Ballast steigt und durch Ablassen von Gas sinkt der Ballon Der Freiballon wird durch Luftströmung vorwärtsbewegt; der Fesselballon ist durch ein Stahlseil am Boden verankert. Im Juni 1783 erfolgte in Frankreich der erste Aufstieg eines Heißluftballons (Montgolfière) durch die Brüder Montgolfier.

Ballonteleskop: Fernrohr, das mit Hilfe eines Ballons in Höhen von etwa 30 bis 45 km getragen wird und dort selbsttätig astronomische Beobachtungen vornimmt.

Ballontheodolit: Gerät zur optischen Beobachtung und Registrierung der Aufstiegsbahn eines Pilotballons für Höhenwindmessungen. Unter Nachführung des Fernrohres werden in bestimmten Zeitabständen Seiten- und Höhenwinkel gemessen, aus denen die Ballonbahn bestimmt werden kann.

Ballotini: Glaskügelchen mit hohem Brechungsindex, zum Beispiel als Lichtreflektoren bei Verkehrsschildern.

Bamako: Hauptstadt und wichtigstes Industriezentrum von Mali, am Niger; 400000 Einwohner; Lebensmittel-, Leicht-, Baustoff-, keramische, Metallindustrie; Kunsthandwerk (Schnitzereien); Verkehrsknoten; Flusshafen, internationaler Flughafen bei Bamako in Sénou; Hochschulen; Museen, Zoo; im Vorort Kolouba Regierungsviertel; Moschee.

Ban: 1. japanische Goldmünze des 16./19. Jahrhundert.

2. Ban (PI. Bani): kleinste Währungseinheit in Rumänien.

Bana, indischer Dichter; lebte im 7. Jahrhundert am Hof des Königs Harsha. Von Bana, einem Meister des kunstvollen Prosastils, sind zwei unvollendet gebliebene Romane überliefert: das «Harshacharita» (Das Leben Harshas), eine Verherrlichung seines Königs, und der Märchenroman «Kadambari».

Banach-Raum: (nach S. Banach) linearer normierter und vollständiger Raum, der in der Funktionalanalysis eine wichtige Rolle spielt (siehe auch linearer Raum, normierter Raum). Ein Spezialfall des Banach-Raums ist der Hilbert-Raum. Banach-Räume sind Verallgemeinerungen des n-dimensionalen euklidischen Raumes.

Banach, Stefan, 30.3.1892-31.8.1945, polnischer Mathematiker; hat großen Anteil an der Entwicklung der Funktionalanalysis und arbeitete über reelle Funktionen sowie zur Maßtheorie.

Banane, Pisang, Musa: tropische Staude mit breiten Blättern und Scheinstamm aus den Blattscheiden; Früchte in großen Trauben; alte Kulturpflanze, als Koch- (Mehl-) Banane, Obstbanane und Faserbanane vegetativ vermehrt; siehe auch Südfrüchte.

Banat: fruchtbares Tiefland im Pannonischen Becken, zwischen Mures im Norden, den rumänischen Westkarpaten im Osten, der Donau im Süden und der Theiß im Westen; überwiegend zu Rumänien (Hauptort Timisoara) und Jugoslawien (Vojvodina), ferner zu Ungarn gehörend; 28000 km2, rumänische, ungarische, serbische, slowakische, deutsche Bewohner; durchschnittlich 80 bis 90 m über dem Meeresspiegel Auf fruchtbaren Schwarzerdeböden Weizen-, Mais-, Zuckerrüben-, Wein- und Reisanbau; vereinzelt Salzböden; Viehwirtschaft; umfangreiche Be- und Entwässerungsarbeiten. Infolge von Kriegen und Pest wurde das Banat in der Zeit der Türkenherrschaft (1541/1718) fast entvölkert. Die Neubesiedlung im Rahmen Österreichs (bis 1779) beziehungsweise Ungarns führte zu nationaler Vielfalt. Im Vertrag von Trianon (1920) wurde das Banat unter Rumänien, Jugoslawien und Ungarn aufgeteilt.

Banater Gebirge, rumänischer südlicher Teil der rumänischen Westkarpaten, der aus dem Semenic- und Almaj Gebirge besteht und von der Donau im Eisernen Tor durchbrochen wird. Höchste Erhebung ist im Norden der Piatra Goznei mit 1445 m. Das Banater Gebirge besteht aus kristallinen Schiefern und Kalkgestein und hat plateauförmige, mit Gebirgsweiden bedeckte flache Rücken; an den Hängen Rotbuchen- und Eichenwälder. Bergbau auf Steinkohle (Anina), Eisenerz (Dognecea, Ocna de Fier), Mangan-, Chromerz.

Banause: kleinlich denkender Mensch, Spießer; Mensch ohne Sinn für Kunst.

Banco, Nanni d’Antonio di, um 1375-12.2.1421, italienischer Bildhauer; schuf an der Antike orientierte monumentale Skulpturen für den Dom und Or San Michele in Florenz, die zu den besten Leistungen der Frührenaissance zählen.

Band: 1. Band - Architektur: flaches, streifenartiges Schmuckglied der Fassade.

2. Band - Bautechnik: Beschlag zur beweglichen Befestigung von Tür- und Fensterflügeln an der Rahmenkonstruktion.

3. Band - Bergsteigen: waagerechter, an- oder absteigender Felsstreifen, der durch Zurücktreten des oberen Wandteils gebildet wird.

4. Informationstechnik: Frequenzband.

5. Band (englisch - französisch - germanisch) Musik: Instrumentalensemble für Jazz- und Tanzmusik.

6. Band - Polygraphie in sich abgeschlossener Teil einer Buchreihe, fälschlich auch für Einband.

7. Band - Textiltechnik Schmalgewebe mit beiderseitig festen Kanten, entweder auf der Bandwebmaschine gefertigt (Webband) oder aus Breitgewebe geschnitten (Schnittband) oder aus Vliesstoff.

Bambus: mehrjährige Gräsergattung im tropischen und subtropischen Asien; die bis 30 m langen verholzten Halme (Bambusrohr) bilden waldartige Bestände und werden für Hausbau, Möbel unter anderem verwendet.

Bandage: Schutz- oder Stütz Stützverband aus elastischen Material insbesondere für Gelenke bei Verletzungen oder Belastungseinschränkungen.

Bandagen-Leder: schmiegsames, meist in Kombinationsgerbung hergestelltes Leder, hauptsächlich für orthopädietechnische Versorgung.

Banda-Inseln: vulkanische Inselgruppe im Malaiischen Archipel, im Norden der Bandasee, zu Indonesien gehörend; 42 km2, 60000 Einwohner. Auf der 7 km2 großen Insel Api noch tätiger 656 m hoher Stratovulkan; erdbebengefährdet; besonders Anbau von Muskatnüssen, Gewürznelken und Pfeffer.

Bandama: wichtiger Fluss von Elfenbeinküste; etwa 660 km; entsteht aus 2 Quellflüssen östlich von Daloa, mündet in den Golf von Guinea; im Unterlauf schiffbar; Wasserkraftwerk.

Bandar Abbas, Bender Abbas: Stadt im Süden Irans, an der Straße von Hormus; 90000 Einwohner; Textilgewerbe; Seehafen, Küstenschifffahrt, internationaler Flughafen; in der Nähe Kupfer-, Eisen- und Salzbergbau sowie Erdgasforderung.

Bandaranalke: 1. Sirimavo, geboren 17.4.1916, Politikerin Sri Lankas; Frau von Bandaranalke 2; seit 1959 Vorsitzende der Sri Lanka Freiheitspartei, nach deren Wahlsieg 1960 erster weiblicher Ministerpräsident der Welt, zugleich Außenminister und Verteidigungsminister, trat nach der Wahlniederlage ihrer Partei im März 1965 zurück; 1970/77 Ministerpräsidentin einer Koalitionsregierung.

2. Solomon, 8.1.1899-26.9.1959 (ermordet); Politiker Sri Lankas; Gründer der Sri Lanka Freiheitspartei; 1956/59 Ministerpräsident und Außenminister.

Bandbreite: der das Signalspektrum umfassende Frequenzbereich eines Signals beziehungsweise der Übertragungsfrequenzbereich eines Verstärkers, Gerätes oder Systems; siehe auch Kanal 2.

Bande: 1. Sport: in einigen Sportarten (meist Sportspiele) jeweils verschieden hohe stabile Einfassung der Sportanlage.

2. Textiltechnik: Gewebefehler, über die ganze Breite in Schussrichtung auftretende, durch Ungleichmäßigkeit des Schussfadenmaterials verursachte Abweichung im Aussehen.

Bandeirantes: Teilnehmer an den Streifzügen zur Erschließung und Eroberung des brasilianischen Hinterlandes vom 17. bis 18. Jahrhundert, wobei zunächst Indianerjagd, später Bergbau die entscheidende Rolle spielte.

Bandello, Matteo, um 1485-13.9.1562, italienischer Novellist; gab in seinen 214 Novellen (1554/73, deutsch) ohne Rahmenhandlung eine realistische Schilderung seiner Zeit. Einige Novellen dienten als Quelle für Shakespeare, Vega Carpio, Cervantes, Molière unter anderem.

Bändeln: Aufkleben oder -nähen von Textilband auf die Kanten zugeschnittener Pelzkleidungsteile zur Flächen- beziehungsweise Formstabilisierung.

Bandelwerk: Ornamentform, die um 1690 in Frankreich aufkam und besonders im 18. Jahrhundert große Verbreitung fand. Das Bandelwerk besteht aus phantasievoll geschwungenen Bändern, mit denen sich knapp angedeutete Ranken-, Blatt- oder auch figürliche Motive verbinden. Es wurde besonders zur dekorativen Ausstattung von Barock- und Rokokoschlössern verwandt, zum Beispiel in Versailles und Potsdam-Sanssouci. Bandenspektrum Spektrum.

Bandenspiele: Billard-Karambol Spielarten, bei denen der Stoßball 1mal (Einband) oder 3mal (Dreiband) die Bande berühren muss, ehe die Spielbälle getroffen werden.

Bänder, Ligamenta: Anatomie meist aus straffem kollagenem Bindegewebe bestehende Stränge zur Verbindung von Knochen, Stabilisierung von Gelenken oder Befestigung innerer Organe.

Bändermodell: Darstellung des Energiespektrums der Elektronen in Festkörpern, in denen die Energieniveaus der Atome infolge der Wechselwirkung zu sogenannt Energiebändern verbreitert sind. Nur diese Bänder können von Elektronen besetzt werden, nicht aber die verbotenen Zonen (Energielücken) zwischen ihnen. Die elektrische Leitfähigkeit des betreffenden Festkörpers hängt ab von der Besetzung der Bänder (voll besetzte und völlig leere Bänder liefern keinen Beitrag, nur die teilweise besetzten). Bei Metallen ist das sogenannt Leitungsband nur zum Teil besetzt, so dass geringste Anregungsenergien infolge des elektrischen Feldes einer angelegten Spannung ausreichen, um den Elektronen eine zusätzliche kinetische Energie zu erteilen; die Leitfähigkeit ist daher groß. Halbleiter und Isolatoren haben bei tiefen Temperaturen völlig besetzte Valenzbänder (Zustände der Valenzelektronen), das nächsthöhere Band (Leitungsband) ist leer; eine Energiezufuhr in der Größe des Bandabstandes (gemessen in eV) ist erforderlich, um Stromfluss zu bewirken. Bei Halbleitern ist der Bandabstand kleiner als bei Isolatoren, Störstellen im Festkörper rufen zusätzliche Niveaus hervor, insbesondere in der verbotenen Zone, wodurch die elektrische und optische Eigenschaften wesentlich beeinflusst werden; Donatoren können Elektronen ins Leitungsband abgeben, Akzeptoren sie aus dem Valenzband binden; siehe auch Elektronenleitung.

Banderole: 1. Banderole, Spruchband: bildende Kunst streifenförmiges Band mit Inschrift, das auf mittelalterlichen Darstellungen als Legende den Personen beigegeben ist und diese bezeichnet oder die Szene erklärt.

2. Wirtschaft: mit Steuervermerk versehener Streifen (Steuerzeichen) zum Verschluss verpackter verbrauchsabgabenpflichtiger Waren.

Bändertanz, Bandltanz: deutscher und österreichischer Volkstanz im 3/4-Takt (Walzer oder Ländler) um einen mit Bändern geschmückten Baum zur Frühlings- und Erntezeit.

Bänderton: Geologie eiszeitliche Ablagerung; feingeschichteter Ton mit wechselnder Schichtfärbung. Je eine hellere, sandige Sommer- und eine dunklere, tonige Winterlage ergeben eine Warte.

Bändertonchronologie, Warvenchronologie: Methode, die durch Auszählung der Lagen (Warven) in Bändertonen eine altersmäßige Datierung ermöglicht; erstmals vom schwedischen Geologen Gerhard de Geer (1898-1943) erfolgreich angewendet (schwedischer Bändertonkalender).

Bänderung: Wechsel verschieden zusammengesetzter oder gefärbter Schichten oder Lagen in einem Gestein, Erz oder Mineral (zum Beispiel Achat).

Bandförderer, Förderband: Stetigförderer mit Gurt- oder Stahlband, der Schütt- oder Stückgut horizontal beziehungsweise geneigt (steigend oder fallend) fördert. Das endlose umlaufende Band wird über 2 Trommeln geführt, von denen eine getrieben, die andere (als Spanntrommel) mitlaufend ist. Die angetriebene Trommel überträgt die Zugkraft durch Reibung auf das Band, das entweder gleichzeitig Trag- und Zugmittel oder durch Kraft- beziehungsweise Formschluss mit dem Zugmittel verbunden ist. entsprechend der Bauweise des Trag- beziehungsweise Zugmittels wird wie folgt unterschieden: Der Gurtbandförderer hat als Trag- und Zugmittel einen Gurt aus Gummi (Gummigurtförderer) mit Gewebe- (Polyamid Seide, Zell- oder Baumwolle) oder Drahtseileinlage beziehungsweise aus Gewebe natürlicher oder synthetischer Faserstoffe (Textilgurtförderer), der durch Tragrollen flach oder gemuldet geführt wird. Rückbare Gurt-B bestehen aus einzelnen, etwa 5 m langen Feldern, die auf Schwellen befestigt und durch von den Schwellen getragene Schienen verbunden sind, an denen die Rückmaschine angreift; vorwiegend in Tagebauen zur Abraumförderung eingesetzt. Der Drahtbandförderer weist als Zug- und Tragmittel ein Band aus Drahtgewebe oder -spiralen auf, die durch Querstücke verbunden sind; besonders geeignet für den Transport heißer Fördergüter. Stahlbandförderer haben ein nichtrostendes Stahlband als Trag- und Zugmittel; sie werden vorwiegend für scharfkantige, heiße und ätzende Fördergüter sowie in der Lebensmittelindustrie verwendet. Zur Bandbeschickung werden oft Aufgeber vorgeschaltet. Entladen wird meist durch Abwurf «über Kopf». Durch Einbau eines Abstreichers aus Holz oder Blech kann das Gut schon vor dem Ende des Bandförderers nach einer Seite oder beiden Seiten abgeworfen werden. Eine andere Möglichkeit der Entladung besteht im Einfügen eines Abwurfwagens. Sind mehrere Bandförderer hintereinander angeordnet, die das Fördergut einander übergeben, spricht man von einer Bandstraße beziehungsweise bei Kombination mit mehreren Bandförderer von einer Bandanlage. Gliederbandförderer zählen nur im weiteren Sinne zu den Bandförderer; siehe auch Hochkant-Bandförderer.

Bandgenerator, Van-de-Graaff-Generator (nach einem US-amerikanischer Physiker): Anlage zur Erzeugung von Gleichspannung mehrerer Millionen Volt. Auf ein endloses isolierendes Band wird Ladung aufgesprüht, die vom Band ins Innere einer isolierten Metallhohlkugel transportiert und dort abgenommen wird. Durch Einbau in einen Drucktank kann die Spannungsfestigkeit erhöht werden. Bandgeneratoren dienen vor allem der Beschleunigung geladener Teilchen, insbesondere als Vorstufe größerer Beschleuniger. Beim Tandemgenerator werden in einer ersten Strecke negative Ionen beschleunigt, nach Umladung bei der Maximalspannung erfolgt die Weiterbeschleunigung als positive Ionen.

Bandholz, Bugband, Kopf-Band, Streben-Band: bei Holzkonstruktionen Strebe im Winkel zwischen Stütze und Träger als Längsaussteifung und zur Verkürzung der Stützweite des Trägers und Knicklänge der Stütze. Das als Jagdzapfen bezeichnete Bandholz ist so ausgebildet, dass es nachträglich zwischen Träger und Stütze eingezogen werden kann.

Bandiltis, Zorilla, Ictonyx striatus: den Stinktieren ähnlicher, schwarz-weiß gezeichneter Marder, der zur Verteidigung stinkendes Sekret aus Analdrüsen verspritzt; lebt im südlichen Afrika.

Bandinelli, Bartolomeo, genannt Baccio Bandinelli, 12.11.1493-7.2.1560, italienischer Bildhauer; Rivale Michelangelos, dessen Figurenstil er in manieristischer Übersteigerung nachahmte (Marmorgruppe «Herkules und Kakus», Florenz).

Bandkeramik: Keramik der frühen Jungsteinzeit (4500-3500 vor Christus) in Mitteleuropa, benannt nach der bandförmigen Verzierung der Tongefäße.

Bandleitung: Elektrotechnik: a) Flachbandleitung, symmetrische HF-Kabel: Leiteranordnung zur Übertragung elektrische Signale im HF- und UHF-Bereich, bei der 2 mehr drahtige parallele Leiter entweder in bandförmiges massives oder in aufgeschäumtes Polyäthylen eingebettet sind; im letztgenannten Fall ist die Bandleitung von einer äußeren Hülle aus massivem Polyäthylen umgeben; Anwendung als Antennenzuleitung für UKW Rundfunk- und Fernsehempfänger;

b) Gummiaderleitung: Leiteranordnung zur Elektroinstallation in Wohnräumen, bei der 2 oder 3 parallele Leiter in bandförmigen Gummi eingebettet sind; Verlegung im Wand- oder Deckenputz (Im-Putz-Installation).

Bandola: lautenartiges Zupfinstrument mit kleinem, birnenförmigem Schallkörper und kurzem Hals; die 4 bis 6 in Quarten gestimmten Saitenpaare werden mit Plektron gespielt; in Lateinamerika gebräuchlich.

Bandonion, Bandoneon: Handharmonika; die 4 bis 6 Knopfreihen links und rechts lassen im Unterschied zum Akkordeon nur einzelne Töne erklingen; 1846 von H. Band aus der Konzertina entwickelt.

Bandsägemaschine: Holzbearbeitung Werkzeugmaschine mit einem endlosen, gelöteten oder geschweißten Sägeblatt, das über 2 Bandrollen von 600 bis 1600 mm Durchmesser geführt wird. Die Rollen können vertikal über- oder horizontal nebeneinander angeordnet sein.

Bandscheibenschaden: degenerative Veränderung der Bandscheiben. Infolge Alterung sowie Überlastung oder Trauma kann es zu einem Aufriss des Faserknorpelringes kommen, aus dem sich eine Vorwölbung des Bandscheibengewebes (Bandscheibenvorfall) mit Reizung von Nervenwurzeln entwickeln kann. In ungünstigen Fällen ist sogar eine Querschnittslähmung möglich. Am häufigsten findet sich ein Bandscheibenschaden einseitig in der Lendenwirbelsäule als Ursache einer Ischialgie, weniger häufig auch in der Halswirbelsäule (Brachialgie).

Bandscheibe, Zwischenwirbelscheibe, Discus intervertebralis (lateinisch + griechisch): zwischen je 2 benachbarten Wirbeln liegende Scheibe, die aus äußerem Faserknorpelring (Anulus fibrosus) und innerem Gallertkern (Nucleus pulposus) besteht und als elastischer Puffer und Druckverteiler wirkt.

Bandstahl: kalt- (bis 630 mm Breite und 5 mm Dicke) oder warmgewalztes (bis 250 mm Breite und 1.2 bis 5 mm Dicke) Stahlband für Felgen, Beschläge, Verpackungszwecke unter anderem.

Bandundu: Stadt (Regionszentrum) im Westen von Zaire, an der Mündung des Kwango in den Kasai; früher Banningville; 75000 Einwohner; Hafen.

Bandung: Stadt in Indonesien, im Westen von Jawa; 1.2 Millionen Einwohner; Zentrum von Industrie und Verkehr mit chemischer, Nahrungsmittel- und Leichtindustrie, Flughafen, Universitäten, Hochschulen und Kernforschungsinstitut.

Bandura: ukrainisches lautenartiges Zupfinstrument mit ovalem Schaukörper und kurzem Hals; wird heute in verschiedenen Größen gebaut und im Volksinstrumentenorchester verwendet.

Bandwickelmaschine, Doppler (französisch), Doubler: Spinnereimaschine, die 16 bis 24 Kardenbänder zu einem Wickel vereinigt.

Bandwürmer, Cestoda: Klasse schmarotzender Plattwürmer; wenige mm bis 10 m lange und höchstens 2 cm breite Zwitter ohne Darm, die aus einem kleinen Kopf mit Saugnäpfen und Hafthaken sowie einer Kette aus bis über 4000 Gliedern bestehen, in denen 1 oder 2 Geschlechtsapparate liegen. Bandwürmer entwickeln sich stets über 2 bis 3 Larvenstadien (Hakenlarve, Finne), die in Wirbellosen oder Wirbeltieren leben; vielfach Krankheitserreger bei Mensch und Tier. Bandwürmer des Menschen sind unter anderem der bis 6 m lange Schweinefinnenbandwurm (Taenia solium), dessen Finne in der Muskulatur des Schweines schmarotzt, und der bis 10 m lange Rinderbandwurm (Taeniarhynchus saginata), Finne in Wiederkäuern. Im Darm unter anderem von Hunden leben der bis 1 m lange Quesenbandwurm (Multiceps multiceps), Finne im Gehirn von Wiederkäuern, erzeugt die Drehkrankheit, und der Blasenwurm (Hundebandwurm, Echinococcus granulosus), erreicht mit 4 Gliedern nur bis 6 mm Länge, Finne häufig in der Leber von Nutztieren. Der bis 9 m lange Fischbandwurm (Grubenkopf, Diphyllobothrium latum) lebt im Darm von Menschen, Hunden und Katzen, Infektion durch den Genuss rohen oder halbgaren Fisches.

Bandy: auf einer Eisfläche betriebenes Torspiel zweier Mannschaften von je 11 Spielern (1 Torwart und 10 Feldspieler), die mit Schlittschuhen und Schlägern (außer dem Torwart) ausgerüstet sind. Das Spielfeld ist 90. ..105 m x 50...70 m groß, die Tore 3,50 m breit und 2,10 m hoch, der halbkreisförmige Strafraum hat 17. m Radius. Der 58 bis 62 g schwere Korkball von 6 cm Durchmesser soll möglichst oft in das gegnerische Tor getrieben werden. Die Spielzeit beträgt 90 min (für Männer). Die Regeln ähneln den Fußballregeln, Körperspiel ist verboten.

Bang, Herman, 20.4.1857-29.1.1912, dänischer Schriftsteller, Literaturkritiker, Journalist, Regisseur; schrieb impressionistische Romane und Novellen («Stille Existenzen», 1886, deutsch; «Am Wege», 1886, deutsch; «Tine», 1889, deutsch), mit zunehmender Sozialkritik unter anderem in «Zusammenbruch» (1887, deutsch) und «Ludwigshöhe» (1896, deutsch). In deutscher Übersetzung erschienen «Ausgewählte Werke» (3 Bände, 1982).

Banggai-Inseln: Inselgruppe im Malaiischen Archipel, vor der Ostküste von Sulawesi, zu Indonesien gehörend; 3216 km5; Hauptort Komba. Größte Insel ist Peleng mit Erhebungen bis 1059 m. Im Süden vorwiegend Koralleninseln; Anbau von Kokospalmen.

Bangka, Banka-, Insel im Malaiischen Archipel östlich von Sumatera, zu Indonesien gehörend; mii Nebeninseln 11942 km2, über 350000 Einwohner; Hauptort Pangkalpinang; bis 692 m über dem Meeresspiegel; Äquatorialklima; Anbau von Pfeffer und Kautschuk, Kokospalmen; bedeutender Bergbau auf Zinn sowie auf Wolframerz und Bauxit; Zinnerzverhüttung.

Bangkok, amtlich Krung Thep (siamesisch): Hauptstadt vor Thailand, am Menam, etwa 30 km vor seiner Mündung in den Golf von Thailand; 5 Millionen Einwohner bei jähr lieh 200000 Zuwanderern. Bangkok ist politisches und kulturelles Zentrum sowie wichtigster Industriestandort und Verkehrsknotenpunkt des Landes. Die bedeutendsten Industriezweige sind Leicht-, Lebensmittel- und chemische Industrie, Maschinenbau und Eisenmetallurgie in vorwiegend Klein- und Mittelbetrieben. Neben 5 Universitäten, Bibliotheken, Museen unter anderem besitzt Bangkok mehr als 300 Tempel und Pagoden Internationaler Flughafen, größter und wichtigste) Hafen Thailands. Bangkok liegt auf sumpfigem Boden und sinkt 25 bis 100 mm jährlich ab. Seit 178: Hauptstadt.

Bangladesch: Staa in Südasien, am Bengalischen Meer, der im Westen, Norden und Süden an Indien sowie im Südosten an Burma grenzt. Administrativ gliedert sich Bangladesch in 19 Bezirke, die zu 4 Gebieten (Chittagong, Dhaka, Khulna, Rajshahi) zusammengefasst sind. Außer einigen Stadtstaaten das an dichtesten besiedelte Land der Erde. Die Bevölkerung besteht zu etwa 98% aus Bengalen, zu 2% auf Assamesen unter anderem Amtssprache ist Bengali, Währung ist Taka. Die Oberfläche besteht überwiegend aus der Schwemmlandebene (etwa 10 m über dem Meeresspiegel) im Delta von Ganges und Brahmaputra. Etwa 6, des Territoriums werden von Flüssen (Gange (Padma), Jamuna, Brahmaputra, Meghna und Seen sowie unzugängliche Sumpfgebiete eingenommen. Bangladesch ist nur im Norden (Khasiberge und Garoberge) und Osten (Chittagong-Berge) von Mittelgebirgen umgeben. Bei tropischen Monsunklima mit intensiven Niederschlägen von Mai bis November Mangrovenwald in den Sundarbans der Küste, stellenweise Dschungel im Inneren und Wälder in den östlichen Bergen (10% des Landes bewaldet). Über die Ufer tretende Flüsse erneuern immer wieder durch Schlickabsetzung die Bodenfruchtbarkeit. Schadhochwasser treten häufig im Frühjahr und Herbst auf, wenn Wirbelstürme (Zyklone) heftige Niederschläge bringen und das Meereswasser flussaufwärts drücken. Außer Erdgas (Sylhet) besitzt Bangladesch wenige Bodenschätze (Lignit, Kalk, minderes Eisenerz).

Wirtschaft: Bangladesh ist ein rückständiges kapitalistisches Agrarland mit beginnender Industrialisierung. 51% des Nationaleinkommens entstammen der Landwirtschaft, in der 80% der Bevölkerung beschäftigt sind und die zwei Drittel des Territoriums ackerbaulich nutzt. Davon werden 82% mit Getreide (77% mit Reis) und 14% mit technischen Kulturen (7% mit Jute) bestellt. Trotzdem hat Bangladesh ein ständiges Getreidedefizit. Die Industrie erbringt 14% des Nationaleinkommens, davon allein 8% durch die Kleinindustrie (etwa 30000 Kleinbetriebe) und das Handwerk. Die größten Betriebe zählen zum staatlichen Sektor, werden aber zum Teil reprivatisiert. Wichtigster Zweig ist die Leichtindustrie mit Textil- (Jute) und Lebensmittelindustrie, nachfolgend die chemische Industrie. Anfänge der Schwerindustrie (Düngemittel-, Zement-, Erdölindustrie, Weiften, Stahlwerk, Maschinenbau). Industrielle Ballungsgebiete sind Dhaka-Narayanganj, Khulna, Chittagong. Im Binnenverkehr besitzt die Flussschifffahrt (8J300 km Wasserstraßen) Hauptbedeutung. Seehäfen sind Chaina und Chittagong. Exportgüter sind vor allem Jute und Jutewaren, Tee, auch Häute und Fisch. Wichtigste Handelspartner sind Indien, USA EG Länder, Japan.

Bangsche Krankheit, Rinderbrucellose, Abortus Bang: durch den Erreger Brucella abortus hervorgerufene Infektionskrankheit des Rindes. Im 6. bis 7. Trächtigkeitsmonat kommt es zu seuchenhaftem Verkalben; als Folge treten Sterilität und Milchminderleistungen auf. Die Erkrankung hat Bedeutung als Zoonose, da eine Infektion des Menschen möglich ist. Die Tilgung dieser Tierseuche in der DDR durch Flächensanierung und Schutz brucellosefreier Herden wurde bereits in größerem Umfang erreicht. Die Bangsche Krankheit K ist meldepflichtig. benannt nach dem dänischen Tierarzt und Pathologen Bernhard Bang (1848-1932).

Banja Luka: Stadt in Bosnien, am Austritt des Vrbas in die Savaebene; 125000 Einwohner; Industriezentrum mit Metall- und Leichtindustrie, Bauxit- und Kohlebergbau; römisches Kastell, islamisch geprägte Altstadt. Wiederaufbau nach Zerstörung durch Erdbeben 1969. Bei Banja Luka Thermalheilbad Gonyi Seher.

Banjas: Stadt in Syrien, am Mittelmeer; 14000 Einwohner; Erdölraffinerie, Fischfang; bedeutender Erdölhafen (Beladung der Tanker über Unterwasserpipelines auf Reede), Endpunkt von 2 Erdölleitungen aus Kirkuk (Irak).

Banjo: 4- bis 9saitiges Zupfinstrument mit tamburinähnlichem Schallkörper und langem Hals mit Bünden; in der Jazz- und Tanzmusik verwendet; ursprünglich Instrument der Afroamerikaner.

Bank: 1. Geldwesen: Banken.

2. Geologie: feste, von Schichtfugen oder anderen Gesteinen begrenzte Gesteinsschicht.

3. Hydrologie: Anhäufung von Sand und Kies in Flussläufen.

4. Ozeanologie: Untiefe in Schelfmeeren.

Bankeisen: 1. Bautechnik: mit dem zugespitzten Ende in die Wand zu schlagendes gelochtes Anschlageisen zum Befestigen hölzerner Einbauteile, wie Fenster, Türen und Schränke.

3. Pelzbearbeitung: Kürschnerbank.

Bänkelsang: im 16./17. Jahrhundert verbreiteter Sprechgesang meist plebejische Fahrensleute, die während Märkten, Messen und Kirchweihfeiern «von einer Bank herab» zu aktuellen, auf Bildtafeln dargestellten Ereignissen Moritaten vortrugen.

Bankett: 1. allgemein Festmahl, festliches Gastmahl.

2. Bautechnik: a) Absatz eines Gründungskörpers, der sich aus der Fundamentverbreiterung ergibt;

b) Sicherheits- oder Randstreifen neben der Fahrbahn von Landstraßen;

c) waagerechter Absatz an Böschungen. Siehe auch Berme.

Bankgeheimnis: Verpflichtung der Banken und Sparkassen, die aus ihrer Tätigkeit bekannt gewordenen finanziellen Verhältnisse ihrer Kunden nicht an Dritte weiterzugeben; in den einzelnen Ländern rechtlich unterschiedlich ausgestaltet und zum Beispiel für die Untersuchung von Straftaten und Steuertatbeständen einschränkbar.

Bankhalter: Spielleiter bei Glücksspielen; erhält die Einsätze und trägt die Gewinne der Spieler als seinen Verlust. Er «hält» die Bank. Siehe auch Spielbank.

Bankier, Banker: Inhaber oder Teilhaber einer Privatbank, im weiteren Sinne leitender Angestellter einer Geschäftsbank.

Banking-Theorie, Banking-Prinzip: in der Mitte des 19. Jahrhundert in England im Gegensatz zur Currency-Theorie entwickeltes Prinzip über den Banknotenumlauf. Es negiert richtigerweise die Quantitätstheorie, behauptet, dass die Ausgabe von Banknoten niemals inflationistisch wirken könne.

Bankinkasso, Bankeninkasso: auf Initiative des Verkäufers eingeleiteter, durch Geld- und Kreditinstitute vorgenommener Einzug von Forderungen beim Käufer, in der Regel durch Abbuchung vom Konto. Voraussetzung für das Bankinkasso ist das Einverständnis des Käufers zur Abbuchung.

Bankkapital: Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, der im Bankwesen angelegt ist und dessen Hauptfunktion im Handel mit Kredit besteht. Es besteht nahezu ausschließlich aus Kapital in Geldform. Quellen des Bankkapitals sind Einlagen der industriellen und kommerziellen staatlichen Finanzreserven, Rücklagen aus den Geldeinnahmen, Eigenkapital.

Bankknecht: höhenverstellbares Haltegerät an der Hobelbank zur Unterstützung langer Werkstücke.

Bankkonto: eine von einem Geld- oder Kreditinstitut für den Kunden geführte Rechnung, in der alle Zahlungseingänge und -ausgänge zugunsten beziehungsweise zu Lasten des Kontoinhabers gebucht werden.

Banknoten: ursprünglich von Banken ausgegebene Geldzeichen, die auf der Grundlage des kommerziellen Kredits ein Zahlungsversprechen der Banken darstellten (Kreditgeld). Noch heute werden alle staatlichen Papiergeldzeichen als Banknoten bezeichnet.

Bankrott: Zahlungsunfähigkeit, -einstelung; führt zur Gesamtvollstreckung beziehungsweise zum Konkurs; wirtschaftlichen Zusammenbruch.

Banks-Insel: westlichste Insel des Kanadischen Archipels, zu Kanada gehörend; 59665 km2, unbewohnt; zum größten Teil Tiefland, nur im Osten 750 m hohes Bergland; vorwiegend Tundra.

Banksinseln: zu Vanuatu gehörende Inselgruppe im Stillen Ozean (Melanesien); 800 km2; tätige Vulkane; bewaldet; Kokospalmen, Zuckerrohr, Bananen; Schwefellager.

Bannmeile: 1. im Mittelalter Umkreis eines Ortes, in dem der Grundbesitzer beziehungsweise die Stadt allein berechtigt war, Gewerbebetriebe zu unterhalten, zu gestatten beziehungsweise zu verbieten.

2. in bürgerlichen Staaten für öffentliche Kundgebungen, Demonstrationen und so weiter gesperrter Bereich (Bannkreis) um das Parlamentsgebäude oder den Sitz anderer höchster Organe zwecks Unterbindung der Willensäußerung der Werktätigen.

Banteng, Bos javanicus: rot- bis schwarzbraunes Wildrind mit weißen Beinen und weißem Spiegel, in den Wäldern Südasiens lebend, heute fast ausgerottet; aus ihm gezüchtet das Balirind (Bos javanicus f. domesticus).

Banting, Sir Frederick Grant, 14.11. 1891-21. 2. 1941, kanadischer Physiologe; ihm gelang es 1921 gemeinsam mit Charles Herbert Best (1899-1978), John Macleod (1876-1935) unter anderem, erstmalig das Hormon der Bauchspeicheldrüse (Insulin) zu isolieren. Durch die Insulin-Therapie wurde der bis dahin oft tödlich ausgehende Diabetes mellitus zu einer relativ ungefährlichen Krankheit.

Bantu: («Menschen») Vertreter der größten afrikanischen Sprach- und Völkerfamilie in Zentral-, Ost- und Südafrika; 120 Millionen; in den tropischen Regenwald- und Savannengebieten Bodenbauer (Hackbauer), in Ost- und Südafrika auch Großviehzüchter (Rinder); Negride.

Bantustans, (afrikaans, nach den Bantu) Homelands: demagogische Bezeichnung für die von den südafrikanischen Rassisten entsprechend der Doktrin der Apartheid geschaffenen Territorien (Reservate) für die schwarzafrikanische Bevölkerung der Republik Südafrika. Seit 1963 wurden 10 Bantustans geschaffen, um die räumliche Rassentrennung durchzusetzen, die im Zerfall begriffenen Stammesstrukturen als Mittel besserer politische Beherrschung der verschiedenen ethnischen Gruppen zu konservieren und eine dem südafrikanischen Regime ergebene schwarzafrikanische Mittelschicht, die in den Bantustans Amtsträger ist, zu fördern. Die Umwandlung einiger Bantustans in «unabhängige Staaten» (Transkei 1976, Bophuthatswana 1977, Venda 1979, Ciskei 1981) dient der Verschleierung und Vervollkommnung der politischen und ökonomischen Herrschaft einer Minderheit von Nachkommen europäischen Einwanderer über die schwarzafrikanische Bevölkerungsmehrheit.

Baoding, Paoting: Stadt im Osten Chinas, in der Provinz Hebei; 250000 Einwohner; ausgeprägte Baumwoll- und Lebensmittelindustrie, neues Chemiefaserkombinat, Kraftwerke; Universität. Baoding war bis 1958 Verwaltungszentrum der Provinz.

Baoji: Stadt in China, im Westen der Provinz Shaanxi, am Wei He; über 180000 Einwohner; Knotenpunkt der Baoji-Chengdu-Bahn und der Long-Hai-Bahn; bedeutender Umschlagplatz; schnelle Industrialisierung nach Fertigstellung der Eisenbahn; metallurgische (Stahlrohre), elektrotechnische/elektronische (Messgeräte, Transistoren), Textilindustrie und Präzisionsmaschinenbau.

Baotou, Paotou: Stadt im Norden Chinas, im autonomen Gebiet Innere Mongolei, am Nordbogen des Huang He; 900000 Einwohner; wichtigstes Industriezentrum mit 500 Fabriken und Bergwerken, darunter bedeutendes Stahlkombinat (5 Millionen t Jahresproduktion), Traktorenwerk (3000 Stück jährlich), Maschinenbau, Zucker- und Baumwollfabriken; Kernreaktor mit 100 MW, Aluminium- und Zementindustrie.

Baptisten: (lateinisch griechisch, «Taufen)) Anhänger einer Freikirche, die die Kindertaufe ablehnt und die Glaubenstaufe der Erwachsenen fordert. Stark verbreitet in den USA und in England.

Baptisterium: Taufkirche, -kapelle; meist neben einem Dom (4./15. Jahrhundert).

Bär: 1. Astronomie: 2 Sternbilder am nördlichen Himmel, die bei uns stets über dem Horizont bleiben;

a) Großer Bär (Ursa Maior), ein ausgedehntes Sternbild, dessen 7 hellste Sterne den Großen (Himmels-) Wagen bilden;

b) Kleiner Bär (Ursa Minor)-, seine hellsten Sterne bilden den Kleinen (Himmels-) Wagen, dessen äußerster Deichselstern der Polarstern ist.

2. Bautechnik: Schlagorgan einer Ramme.

3. Heraldik: Symbol der Stärke; als Wappenbild von Städten (Berlin; Bernburg; Bern) und Familien geführt.

4. Zoologie: Bären.

Baraba-Steppe, Baraba: Waldsteppengebiet im Süden der Westsibirischen Ebene; etwa 117000 km2; flachwellige Oberfläche mit Wiesensteppen, stellenweise Birkenwälder; in Niederungen Sümpfe und Seen(Tschanysee); insbesondere im Bereich der Transsibirischen nach Melioration landwirtschaftlich genutzt (Milchviehwirtschaft).

Barbados: Staat (parlamentarische Monarchie) auf der Insel Barbados, der östlichsten Insel der Kleinen Antillen im Karibischen Meer. Barbados ist sehr dicht bevölkert Etwa 90% der Bevölkerung sind Afroamerikaner und Mulatten, der Rest vorwiegend Weiße. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Barbados-Dollar. Flache, teils hügelige Kalkinsel (Mount Hillaby 336 m) mit tropischen Klima, die über keine Flüsse verfügt (Wasserversorgung durch über Brunnen gefördertes Grundwasser). Barbados ist ein noch schwach entwickeltes kapitalistisches Agrarland mit bedeutendem, vorwiegend in Monokultur betriebenem Zuckerrohranbau. Ein weiterer bedeutender Wirtschaftszweig ist der Fremdenverkehr. Für den Eigenbedarf Anbau von Maniok, Bataten, Yamswurzeln, Gemüse; verbreitet ist die Vieh- und Geflügelzucht. Die Industrie dient vor allem der Verarbeitung agrarische Produkte (Zucker-, Getränkefabriken). Daneben existiert eine Erdölraffinerie (Verarbeitung von Rohöl aus Venezuela), weiterhin werden Textilien, chemische, elektronische Erzeugnisse hergestellt; im Nordosten der Insel neuentdecktes größeres Erdgasvorkommen; Seefischerei; Tiefwasserhafen Bridgetown, internationaler Flughafen; Hauptausfuhr von Konsumgütern, Zucker, Melasse, Rum. ursprünglich von Aruak und Kariben besiedelt, um 1510 von Spaniern oder Portugiesen entdeckt, seit 1624/25 englische Kolonisation (Plantagenwirtschaft, Sklaverei); bedeutende antikoloniale Erhebungen (1649, 1692, 1816), 1834/38 Aufhebung der Sklaverei. Unter dem Druck der nationalen Unabhängigkeitsbewegung mussten 1948 beschränkte innere Selbstverwaltung und 1951 allgemeines Wahlrecht zugestanden werden; 1961 erhielt Barbados innere Selbstverwaltung, seit 30.11. 1966 ist es staatlich selbständig. 1976 löste die Labour-Partei von Barbados (gegründet 1938) die demokratische Labour-Partei (1955 gegründet) als Regierungspartei ab.

Barbakane: kreis- oder ellipsenförmiges Bollwerk vor dem Tor einer mittelalterlichen Wehranlage. Zuerst nachzuweisen in der islamischen Festungsbaukunst, seit dem 13. Jahrhundert auch in Europa, besonders Frankreich. Bekannteste spätgotische Beispiele befinden sich in Naumburg, Krakow und Görlitz.

Barbar: im antiken Griechenland jeder Fremdstämmige; Nichtgrieche. Im antiken Rom Vertreter eines nicht zum antiken Kulturkreis gehörenden Volkes; heute allgemeiner roher, ungebildeter und inhumaner Mensch.

Barbarei: Roheit, Unmenschlichkeit; die 2. vorgeschichtliche Kulturstufe der Menschheit zwischen Wildheit und Zivilisation.

Barbari, Jacopo de, 1440/50 vor 1516, italienischer Maler und Graphiker der Renaissance; tätig an verschiedenen deutschen Fürstenhöfen und Hofmaler in Mecheln. Beeinflusste A. Dürer und L. Cranach, schuf eines der frühesten Stillleben (Rebhuhn Bild, 1504, München).

Barben, Barbus: barteltragende Karpfenfische der Süßgewässer Eurasiens und Afrikas. Bis über 50 cm lang die europäischen Fluss-Barben (Barbus barbus), ein geselliger Grundfisch klarer Fließgewässer, wertvoller Speisefisch, der Rogen ist giftig. Viele Barben sind beliebte Aquarienfische, zum Beispiel die orangerotschwarz gestreifte Sumatra-Barben (B. tetrazona). Siehe auch Aquarienfische.

Barber, Samuel, 9. 3.1910-Februar 1981, US-amerikanischer Komponist; bemühte sich in Instrumentalwerken verschiedener Genres um einen «amerikanischen» Stil, der auf romantische Kantabilität, Chromatik, Polytonalität und Jazz aufbaut.

Barberinischer Faun: (nach einem italienischen Adelsgeschlecht) hellenistische Originalskulptur des 3. Jahrhundert vor Christus, die nahe der Engelsburg in Rom gefunden wurde und in die Sammlung Barberini gelangte; jetzt in München (Glyptothek). Die Marmorfigur zeigt einen Satyr, der sich im Rausch schlafend auf einem Felsen ausgestreckt hat.

Barbey d’Aurevilly, Jules, 2. 11. 1808-24. 3. 1889, französischer Literaturkritiker, Publizist und Schriftsteller; zwischen Spätromantik und vorweggenommener Dekadenz stehend; Novellensammlung «Die Teuflischen» (1874, deutsch), Essay «Zeitgenössisches Theater» (1870/83).

Barbier, Henri-Auguste, 29.4. 1805 13.2.1882, französischer Dichter; erlangte mit seinen «Jamben» (1831, deutsch) genannten kritischen Spottliedern zur Zeit der Julirevolution von 1830 eine kurzlebige Volkstümlichkeit, die er mit späteren Werken nicht wieder erreichte.

Barbitale: Abkömmlinge der Barbitursäure. Die Salze der Barbitursäurederivate heißen Barbiturate. Je nach Dosis und Wirkungsdauer werden sie als Beruhigungs-, Schlaf- oder Narkosemittel benutzt. Die Wirkung wird von Art und Stellung der Substituenten beeinflusst. Es gibt ultrakurz- (Thiobarbitale), kurz- (zum Beispiel Hexobarbitale), mittellang- (zum Beispiel Cyclobarbitale) und langwirksame (zum Beispiel Phenobarbitale) Verbindungen.

Barbitursäure: eine farblose, kristallisierte, wasserlösliche Substanz der Formel CO-NH-CO-NH-CO-CH2; F245°C. Derivate der Barbitursäure werden unter anderem als Schlafmittel verwendet; siehe auch Barbitale.

Barbizon, Schule von: Gruppe französischer Maler, die sich nach 1830 in Barbizon bei Fontainebleau niederließ. Zu ihr gehörten T. Rousseau, J. Dupre, C. F. Daubigny, N. Diaz de la Pena, J. B C. Corot JF. Millet unter anderem. Sie begründeten die realistische Landschaftsmalerei in Frankreich, gingen zum Teil zur Freilichtmalerei über und wurden so zu Wegbereitern des Impressionismus. Sie schufen schlichte, stimmungsvolle Landschaftsdarstellungen («Paysages intimes»),

Bärblinge: kleine, oft farbenprächtige Karpfenfische der Gattungen Danio, Rasbora, Brachydanio unter anderem; viele sind beliebte und anspruchslose, gesellig lebende Aquarienfische, wie zum Beispiel der blau-weiß längsgestreifte Zebrabärbling (Brachydanio rerio) oder die Keilfleckbarbe (Rasbora heteromorpha).

Barbour, John, um 1316-13.3.1395, schottischer Dichter; schilderte in dem für die Entfaltung der schottischen Nationalliteratur bedeutsamen Epos «The Bruce» (um 1375) den Kampf unter Robert I. Bruce um die Befreiung Schottlands und den Sieg über die englischer Unterdrücker bei Bannockburn (1314).

Barchent: einseitig gerautes Gewebe in verschiedenen Bindungen.

Bardeen, John, geboren 23.5.1908, US-amerikanischer Physiker, bedeutende Arbeiten zur Theorie der Halbleiter sowie der Supraleitfähigkeit, entwickelte 1948 mit W. H. Brattain den bipolaren Spitzentransistor.

Bardem, Juan Antonio, geboren 2.6.1922, spanischer Filmregisseur, schuf sozialkritische Filme, wie «Der Tod eines Radfahrers», «Die Hauptstraße», «Eine Frau ging vorbei», «Ein langes Wochenende», «Sieben Tage hat die Woche» sowie den Dimitroff-Film «Die Mahnung».

Barden: im Mittelalter bei Festlands- und Inselkelten an Höfen wirkende Dichter und Sänger, die Helden-, Götter- und Naturlieder vortrugen. Die Tradition der Sängerfeste ist in Wales noch heute lebendig.

Bardot, Brigitte, geboren 28.9.1934, französische Filmschauspielerin; machte in den 50er Jahren Karriere als Sex-Star, spielte dann in Filmen, mit denen sie schauspielerisch Geltung erlangte («Babette zieht in den Krieg», «Privatleben», «Viva Maria», «Die Wahrheit», «Die Verachtung», «Die Novizinnen», «Rum-Boulevard»); zog sich danach vom Filmgeschäft zurück.

Bardowick: Gemeinde bei Lüneburg (Niedersachsen). Seit Karl dem Großen größter Umschlagplatz Norddeutschlands, vor allem im Handel mit den Slawen; 1189 Zerstörung durch Heinrich den Löwen.

Bareilly: Stadt im Unionsstaat Uttar Pradesh (Indien); 450000 Einwohner; Textil-, Holz-, Lebensmittelindustrie, Maschinenbau.

Bären, Ursidae: Familie der Raubtiere mit dickwolligem Pelz und Stummelschwanz; Sohlengänger mit Allesfressergebiss. Bären laufen, klettern und schwimmen gewandt; außerhalb der Paarungszeit sind sie Einzelgänger, im Winterlager werden meist 2 bis 3 Junge geboren; hierzu Baribal, Braun-, Brillen-, Eis-, Kragen-, Lippen- und Malaienbär.

Bäreninsel: norwegische Insel im europäischen Nordmeer, 220 km südlich von Svalbard (Spitzbergen); 178 km2; aus paläozoischen Gesteinen; bergig (bis 536 m); maritim-polares Klima (Jahresmittel 4,3 °C), Tundrenvegetation; geringes Kohlenvorkommen; meteorologische Station; 1596 durch W. Barents entdeckt

Bärenklau, Heracleum: Gattung hochwüchsiger Doldengewächse; heimisch ist der Wiesen-Bärenklau (H. sphondylium). Eine beeindruckende Gartenpflanze ist der bis zu 3 m hohe Riesen-Bärenklau (H. mantegazzianum) aus dem Kaukasus.

Bärenlauch, Bärlauch, Allium ursinum: weiß-blühende Lauchart (Familie Liliengewächse im weiteren Sinne), Zwiebelstaude nährstoffreicher feuchter Laubwälder; oft große Bestände bildend; alte Gewürz- und Arzneipflanze.

Bärenspinner, Arctiidae: Schmetterlingsfamilie mit buntgefärbten, 2 bis 9 cm spannenden Faltern, die sowohl tags als auch nachts fliegen; ihre Raupen sind meist lang behaart; alle einheimischen Arten unter Naturschutz.

Bärentraube, Arctostaphylos uva-ursi: preiselbeer-ähnlicher Zwergstrauch, Heidekrautgewächs; die Blätter werden als Blasentee verwendet; verbreitet in arktischen und alpinen Pflanzengesellschaften.

Barents, Willem, um 1550-20.6.1597, niederländischer Seefahrer; erforschte auf der Suche nach dem Nördlichen Seeweg 1594 Nowaja Semlja und die nach ihm benannt See, entdeckte 1596 Spitzbergen wieder; starb nach erfolgreicher Überwinterung auf Nowaja Semlja.

Barentssee: (nach W. Barents) Randmeer des Arktischen Ozeans, zwischen der Nordküste Europas, Nowaja Semlja, Spitzbergen und Franz-Joseph-Land; 1,405 Millionen km2, 300 bis 400 m, maximal bis 600 m tief; Salzgehalt 32 bis 33 %o; Westteil durch Golfstrom im Winter eisfrei; Fischfang.

Barere, eigentlich Barere de Vieuzac, Bertrand, 10.9.1755-14.1.1841, französischer Politiker; war 1789/91 Mitglied der Konstituante, 1792/94 Abgeordneter im Konvent, schloss sich nach dem Sturz der Girondisten der Bergpartei an; seit 1793 Berichterstatter des Wohlfahrtsausschusses; an der Verschwörung zum Sturz der Jakobinerdiktatur beteiligt; als linker Thermidorianer 1795 von der Macht verdrängt und verfolgt.

Barett: flache, schirmlose Mütze, besonders in der Kleidung des 15. und 16. Jahrhundert; heute Teil einiger Amtstrachten und Uniformen.

Barfreimachung: das Freimachen von Massensendungen gleicher Art (mindestens 100 Stück) durch die Deutsche Post mit Postfreistempler. Der Freistempelabdruck ersetzt die Postwertzeichen.

Barfüßer: 1. Barfüßer, Vanupieds: die Teilnehmer am großen Aufstand der französischen Bauern und Plebejer 1639. Im Kampf gegen die hohen Steuern (besonders Salzsteuer) brachten die Barfüßer die Normandie zeitweilig unter ihre Kontrolle.

1. katholische Ordensgenossenschaften, deren Mitglieder nur Sandalen tragen.

bargeldloser Zahlungsverkehr, Verrechnungsverkehr: Zahlung durch Übertragung eines Geldbetrages von Bankkonto zu Bankkonto, zum Beispiel durch Überweisung, Scheck, Lastschriftverfahren. Der bargeldlose Zahlungsverkehr verringert die Masse des zur Zirkulation notwendigen Bargeldes.

Bargello: Nationalmuseum für italienische Kulturgeschichte und Kunst in Florenz, mit einer der bedeutendsten italienischen Skulpturensammlungen. Der Bargello wurde im 13. Jahrhundert als Sitz des höchsten Richters erbaut, im 19. Jahrhundert als Museum eingerichtet.

Baribal, Schwarzbär, Ursus americanus: nordamerikanischer schwarzer, selten brauner, silberner oder isabellfarbener Bär; etwas kleiner als der Braunbär.

Barinkasso: Einziehung von fälligen Forderungen in bar; meist bei regelmäßig wiederkehrenden kleineren Zahlungsverpflichtungen (zum Beispiel Wohnungsmiete).

Barisan-Gebirge: mit Vulkanen durchsetztes Gebirge im Südwesten der Insel Sumatera (Indonesien); über 750 km annähernd küstenparallel (Kerinci 3805 m); in den unteren Lagen immergrüner tropischer Regenwald, in den höheren immergrüne tropische Bergwälder; Brandrodungsfeldbau.

barisches Windgesetz, Buys-Ballotsche Regel: von C. Buys-Ballot formuliertes physikalisches Gesetz über den Zusammenhang zwischen Luftdruckverteilung und Luftbewegung; in den unteren Luftschichten für einen Beobachter, der den Wind im Rücken hat, liegt auf der Nordhalbkugel das Gebiet niedrigen Luftdruckes links vor, das hohen Luftdruckes rechts hinter ihm (auf der Südhalbkugel entsprechend rechts vor beziehungsweise links hinter ihm).

Bariton: zwischen Tenor und Bass liegende Männerstimme.

Barium: (lateinisch - griechisch barys, «schwer») Symbol Ba: chemisches Element der Kernladungszahl 56; Erdalkalimetall. Barium kommt in der Natur nur chemisch gebunden vor. Die wichtigsten Bariumminerale sind Schwerspat (Baryt), BaSO, und Witherit, BaC03. Barium ist ein silberglänzendes, weiches Leichtmetall (Dichte 3,61 g/cm3), das an der Luft grau anläuft. Beim Erhitzen verbrennt es zu Oxid und Nitrid; mit Wasser reagiert es heftig unter Wasserstoffentwicklung zu Bariumhydroxid. Verwendet wird es als Gettermetall in Glühlampen und Elektronenröhren.

- Bariumoxid wurde 1774 von C. W. Scheele im Schwerspat als neue «Erde» entdeckt; Bariummetall wurde erstmals 1808 (noch unrein) von H. Davy elektrolytisch hergestellt. Siehe auch Bariumverbindungen.

Bariumtitanat: ferroelektrisches Material mit hoher Dielektrizitätskonstante für Piezo- und Kondensatorkeramik.

Bariumverbindungen: Substanzen, in denen Barium, meist als farbloses Ba2+-Ion, chemisch gebunden ist. Die meisten Bariumverbindungen färben eine Flamme grün. Alle nicht extrem schwerlöslichen Bariumverbindungen sind giftig. Wässrige Lösungen von Bariumverbindungen ergeben mit S042“-Ionen (Schwefelsäure, Sulfate) einen weißen Niederschlag von Bariumsulfat (Nachweisreaktion). Bariumchlorid, ist hygroskopisch und leicht wasserlöslich; es dient zur Bereitung von Wärme- und Anlassbädern bei der Stahlhärtung. Bariumhydroxid, löst sich in Wasser zu stark alkalisches Barytwasser (Nachweismittel für Kohlendioxid; bei der Reaktion entsteht weißes, unlösliches Bariumkarbonat. Bariumnitrat, und Bariumchlorat, spalten beim Erhitzen Sauerstoff ab und sind daher in pyrotechnischen Grünfeuersätzen enthalten. Bariumoxid, setzt sich mit Wasser heftig zu Bariumhydroxid um; bei 500 bis 600°C geht es an der Luft in Bariumperoxid, Ba02, über, das mit Säuren Wasserstoffperoxid abspaltet und auch in Zündmischungen enthalten ist. Bariumsulfat, BaS04, ist wasserunlöslich und daher ungiftig. Es wird als Beschwerungsmittel für Papier und als Röntgenkontrastmittel für den Magen-Darm-Kanal verwendet. Bariumhaltige Pigmente sind Blanc fixe, Barytgelb und Lithopone.

Bark: Segelschiff mit mindestens 3 Masten, von denen der hinterste Schratsegel und die vorderen Rahsegel tragen.

Barkasse: 1. Militärtechnik: meist motorgetriebenes Beiboot auf Kampfschiffen.

2. Schifffahrt: Motorboot für den Personenverkehr im Hafenbetrieb.

Barke: a) im Mittelmeer verbreitetes kleines Boot ohne Masten und Antrieb;

b) großes, früher in Nord- und Ostsee sowie vor allem im Mittelmeer verwendetes, 2- beziehungsweise 3mastiges Handels- und Kriegssegelschiff.

Barkhausen, Heinrich, 2.12.1881-20.2.1956, Physiker; 1911/53 Professor an der TH Dresden; entdeckte den Barkhausen-Effekt, zusammen mit K Kurz die Barkhausen-Kurz-Schwingungen und gab die Barkhausensche Röhrenformel an; war wesentlich an der Entwicklung der Schwachstromtechnik und der Elektronenröhren beteiligt.

Barlach, Ernst, 2.1.1870-24.10.1938, Bildhauter, Graphiker und Dichter. In seinen Holzbildwerke Bronzeplastiken und graphische Arbeiten wendeten sich mitfühlend der Not der Bauern, Bettler, Armen und Ausgestoßenen der Gesellschaft zu. Mit ihrem expressiven, symbolhaft verdichteten Realismus sind seine Werke Zeugnisse einer zutiefst humanistischen Kunst, die auf das Werk von K. Kollwitz, G. Mareks, T. Bälden unter anderem Einfluss nahm. Er Konflikte seiner leidgeprägten symbolhaften Helden mit dem geistfeindlichen bürgerlichen («Der arme Vetter», 1918; «Die Sündflut», 1924).

Bärlapp, Lycopodium: Gattung der Bärlappgewächse (Farnpflanzen), mit nadelförmigen Blättern, kriechenden Sprossen und meist mit aufrechten, ährenförmigen Sporophyllständen. Heimisch ist zum Beispiel der Keulen-Bärlapp (L. clavatum) in sandigen Kieferwäldern und Heiden.

Bärlappsporen, Lycopodium (dat. griechisch) n, Hexenmehl. die reifen Sporen vom Keulenbärlapp; pharmazeutisch als Streupulver für Pillen verwendet. Bärlauch - Bärenlauch.

Barleistungen: Geldzahlungen der Sozialversicherung an den Werktätigen beziehungsweise seine Hinterbliebenen bei Arbeitsunfähigkeit, Arbeitsverhinderung oder Tod. Sogenannt kurzfristige Barleistungen sind Krankengeld, Schwangerschafts- und Wochengeld, Bestattungsbeihilfe, langfristige Barleistungen vor allem Alters-, Unfall-, Invaliden-, Hinterbliebenenrente.

Barnack, Oskar, 1.11.1879-16.1.1936, Mechaniker, Konstrukteur; konstruierte 1912 die erste Kleinbildkamera der Welt für Kinofilm, die Leica (erste Serie 1924), und begründete damit die Kleinbildfotografie.

Barnard, Christiaan Neethling, geboren 8.10.1922; südafrikanischer Herzchirurg; Professor in Kapstadt; führte am 3.12.1967 die erste erfolgreiche Herztransplantation am Menschen durch.

Barnett-Effekt: Magnetisierung eines Körpers durch Rotation, ein spezieller gyromagnetischer Effekt, der 1914 von dem US-amerikanischer Physiker S. J. Barnett nachgewiesen wurde.

Barnim, Barnimer Hochfläche: waldreiches, glazial geformtes, wellig-hügeliges Gebiet (40 bis 150 m über dem Meeresspiegel) nördlich und nordöstlich von Berlin mit Mark. Schweiz; Landwirtschaft, Gartenbau (Obst, Gemüse); Kalkgewinnung (Rüdersdorf).

Barock: Stilbezeichnung für die europäischen Kunst um 1600/1750, die sich vom portugiesischen «barucca» (schiefe, unregelmäßige Perle) herleitet und seit der französischen klassizistischen Theorie als «baroque» (das Sonderbare) im abwertenden Sinn für Werke der auf die Renaissance folgenden Architektur, später allgemein, gebraucht wurde. Zur Stilbezeichnung wurde der Begriff Barock nach der Mitte des 19. Jahrhundert; aber erst um 1920, mit der Ausweitung des Begriffs auf alle geistig-schöpfer. Äußerungen der Zeit (Dichtung, Musik und Philosophie), erlangte der Barock allgemeine Anerkennung («Barockzeitalter»), Die Wurzeln des Barockstils liegen in Italien. Er bildete sich dort in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert in organischer Weiterentwicklung von Formen der Hochrenaissance aus, griff Anfang des 17. Jahrhundert auf andere katholische Länder, wie Frankreich, Spanien und die südliche Niederlande über, kam aber in Deutschland erst nach der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges zur Blüte. Die Endphase des Barock wird Rokoko genannt. Der Barock ist die Kunst in der Epoche des entfalteten Absolutismus und der durch die Gegenreformation gestärkten Kirche. Beider Streben nach Repräsentation, Illusion und Prunkentfaltung gegenüber dem aufstrebenden Bürgertum wurde in ihm glänzend verwirklicht. Kirchliche und weltliche Auftraggeber waren gleichermaßen an einer gesteigerten Bautätigkeit beteiligt; ihre unbegrenzten Machtbefugnisse gewährleisteten die Ausführung von gewaltigen ¡Bauvorhaben, die der Selbstverherrlichung und Propaganda dienten. Die gegenreformatorische Bewegung benutzte dazu die ausdrucksstarke Kraft der barocken Kunstmittel und erzeugte damit besonders im Kirchenbau mit der Steigerung der Dimensionen, durch Pracht und Pathos ein illusionistisches Raumgefüge, in dem sich Architektur, Malerei und Plastik gegenseitig durchdringen und ergänzen. Es entstand das für den Barock charakteristisches Gesamtkunstwerk mit einem oft überwältigenden Zusammenklang von Form, Farbe und Licht, das unter anderem auch die Gartenkunst («Französischer Park») mit einbezieht. Dort, wo das Bürgertum maßgebend war, trägt der Barock realistische, volkstümliche und stark gefühlsbetonte Züge (Rembrandt, F. Hals, A. Brouwer). Charakteristisch für den Barock im Allgemeinen sind 3 formale Kennzeichen: Unterordnung, Bewegung und Verschmelzung. Innerhalb der einzelnen Kunstgattungen ist die Architektur herrschend, während die Malerei und Plastik vorwiegend dekorative Funktionen haben. Das fürstliche Schloss (mit Park, Orangerie und so weiter) wird zum führenden Bauwerk. Nach dem für ganz Europa beispielgebenden Schloss von Versailles erhält es einen dominierenden, etwas eingerückten Mitteltrakt und weit ausgreifende Seitenflügel, die einen Ehrenhof oder eine Auffahrt oder (typisch für Deutschland) einen aufwendig geschwungenen Treppenaufgang mit reicher Dekoration, der zum Festsaal hinaufführt, umschließen. Dabei gewinnen die mehrere Geschosse verklammernde «Kolossalordnung» und ovale, elliptische und geschweifte Formen bei Fassadenlinien, Kuppeln und Grundrissen, auch konkav-konvexe Schwingungen sowie Übereckstellung und Verdoppelung von Pfeilern und Pilastern Bedeutung. Vorbildwirkend für die Verschmelzung von Längs- und Zentralraum im Kirchenbau war «II Gesü» in Rom.

In der Malerei und Plastik wurden religiöse und mythologische Szenen durch üppig schwellende Körper, drastische Detailtreue, bühnenmäßige Inszenierung und spannungsvolle Bildkomposition (Diagonale, Ellipse) dramatisch zugespitzt, aber auch mystisch verklärt (L. Bemini, B E. Murillo, P. P. Rubens, A Carracci). Daneben entstanden massenweise sogenannt repräsentative Herrscherporträts. Von Rom aus verbreiteten sich die Darstellungen tiefräumiger, an antiker Schönheit orientierter idealer Landschaften mit mythologischer Staffage (C. Lorrain, N. Poussin). Allgemein sehr beliebt waren illusionistische, untersichtige, Himmel und Erde scheinbar verbindende Deckenmalereien in Kirchen und Profanbauten (G. B Tiepolo, F. A. Maulbertsch). Die Skulpturen wurden raumgreifend; reges Mienenspiel, lebhafte Gebärden und flatternde Gewänder unterstreichen den Bewegungsdrang (L. Bemini, A. Schlüter).

Barock-Antiqua: zu den runden Schriften gehörende, optisch und historisch zwischen Renaissance- und klassizistische Antiqua stehende Schriftgattung.

Barockmusik: Stil- und Epochenbegriff für die europäischen Musik von etwa 1580/1750 («Generalbasszeitalter»), um 1920 in Anlehnung an die bildenden Künste übernommen. Neuere Darstellungen vermeiden den unklaren Sammelbegriff, der weder über die Geisteshaltung der Epoche noch über die stilistischen Erscheinungen etwas Wesentliches aussagt.

Barocktheater: das höfliche Theater des europäischen Feudalabsolutismus im 17. und 18. Jahrhundert, das im Gegensatz zum Realismus des Renaissancetheaters fast ausschließlich der Repräsentation und der Darstellung christlich-feudaler Tugendideale diente; entwickelte mit Hilfe der Kulissenbühne, der Perspektivmalerei und komplizierter Maschinerien teilweise grandiosen Prunk.

Barograph: Messgerät zur Registrierung des Luftdrucks auf einem Diagrammstreifen (Barogramm; Ordinate: Luftdruck, Abszisse: Zeit).

Barometer: (griechisch, «Schweremesser») Messgerät für den Luftdruck: Beim Flüssigkeitsbarometer (meist Quecksilberbarometer) hält der Luftdruck einer Flüssigkeitssäule in einem einseitig zugeschmolzenen Rohr das Gleichgewicht. Die Länge der Flüssigkeitssäule ist ein Maß für den Luftdruck und beträgt beim Quecksilberbarometer bei Normaldruck 760 mm (entspricht 1013,25 hPa). Beim Aneroidbarometer (Dosen-, Feder- oder Metallbarometer) wird die Durchbiegung einer fast luftleeren, flachen Metalldose als Maß des Luftdruckes angezeigt.

barometrische Höhenformel: für die Troposphäre gültige Beziehung zwischen dem Luftdruck p und der Höhe h bei konstanter Temperatur. Sind p0 der Luftdruck und po die Luftdichte in der Höhe A0, so ist p = p0 exp (-p0g(ft)/Po\ (« Fallbeschleunigung). In der Nähe des Meeresniveaus entsprechen einer Druckänderung von 100 Pa (= 1 mbar) rund 8 m Höhendifferenz (barometrische Höhenstufe). Die barometrische Höhenformel gestattet die Höhenbestimmung mittels Druckmessung.

Baron: in England und Frankreich im Mittelalter höchster Adelstitel für Feudalherren, die vom König direkt belehnt wurden (Lehnsbaronie); in England wurde er seit dem 14. Jahrhundert auch ohne Feudallehen verliehen; bildet den niedrigsten Stand des britischen Hochadels (Nobility). In Deutschland ein die Gerichtsbarkeit ausübender Feudalherr; seit dem 16. Jahrhundert Anrede für Freiherren.

Barquisimeto: Hauptstadt des Bundesstaates Lara (Venezuela), am Rio Turbio; 430000 Einwohner; Textil-, Zucker-, Baustoff- und Lederindustrie, Gerbereien; wichtiges Handelszentrum auf Grund günstiger Verkehrslage, bedeutender Umschlagplatz für Kaffee, Zucker, Kakao und Rum; Straßenknotenpunkt an der Carretera Panamericana; internationaler Flughafen. 1812 durch Erdbeben völlig zerstört.

Barrakuda, Pfeilhecht: bis 2,5 m langer, hechtähnlicher Raubfisch mit kräftigem, scharfem Gebiss, der sich von Schwarmfischen ernährt; bewohnt warme Gebiete des Atlantiks und Pazifiks.

Barrancabermeja: Stadt in Kolumbien, am Magdalena; 100000 Einwohner; Zentrum eines bedeutenden Erdölfördergebietes; Erdölverarbeitung, chemische (Düngemittel-, Plastikherstellung), Papier-, Nahrungsmittelindustrie; Pipeline zum Hafen Cartagena am Karibischen Meer und nach Bogotá.

Barranquilla: Stadt (Departements-Zentrum) in Kolumbien, 18 km oberhalb der Mündung des Magdalena in das Karibische Meer, 890000 Einwohner; vielseitige verarbeitende Industrie mit Erdölraffinerien, Nahrungsmittel-, Baustoff-, Textil-, Holz-, elektrotechnischer Industrie und Schiffbau, Buntmetallurgie; bedeutendster See- und Flusshafen (Freihafen) Kolumbiens, mit internationalem Flughafen Soledad Luftverkehrsknotenpunkt zwischen Nord- und Südamerika; 2 Universitäten; in der Nähe Seebad Puerto Colombia.

Barras, Paul, Graf, 30.6.1755-29.1.1829, französischer Politiker; war 1792/94 Mitglied des Konvents, während der Jakobinerdiktatur stand er der «gemäßigten» Gruppe um Danton nahe und war nach dessen Sturz führend an der Verschwörung gegen Robespierre beteiligt; bereitete als führendes Mitglied des Direktoriums (1795/99) den Aufstieg Napoleon Bonapartes mit vor.

Barrault, Jean-Louis, geboren 9.9.1910, französischer Regisseur, Pantomime, Schauspieler; prägte in seinen Inszenierungen und Rollengestaltungen unter Einbeziehung aller Künste (besonders Pantomime und Musik) einen eigenen theatralischen Stil.

Barre: 1. Bautechnik: waagerechte Stange (Schlagbaum, Barriere, Schranke), Querholz (Riegel) zum Sperren von Öffnungen.

2. Hydrologie: vom Fluss abgelagerte Schlamm-, Sand- oder Kiesbank; entsteht in wenig bewegtem Wasser, zum Beispiel unterhalb einmündender Nebenflüsse sowie im Bereich von Flussmündungen und Küstenströmungen im Meer.

Barren: 1. Gerätturnen: Turngerät mit 2 parallel laufenden, gleichhohen, verstellbaren Holmen; beim Stufenbarren (für Frauen) ist im Wettkampf der obere Holm 2,30 m, der untere 1,50 m hoch.

2. Hüttenwesen: für den Handel gegossene Formstücke (Formate) unterschiedlicher Größe und Masse aus Nichteisenmetallen; bei Edelmetallen meist gestempelt. Siehe auch Massel.

Barrentheorie: Theorie zur Genese von Salzlagerstätten des Zechsteins in Mitteleuropa; von C. Ochsenius 1877 aufgestellt. Er nahm ein im ariden Klima gelegenes Nebenmeer an, dessen Wasserzufuhr vom Weltmeer durch eine submarine Barre zeitweilig behindert wurde.

Barrés, Maurice, 22. 9. 1862-4. 12. 1923, französischer Schriftsteller; Wortführer eines durch Rasse und Tradition mystisch bestimmten Chauvinismus, der das bürgerliche Denken Frankreichs vor dem 1. Weltkrieg stark beeinflusste.

Barriere: 1. allgemein Schranke, Sperre, Schlagbaum.

2. Pferdesport: Springprüfungshindernis aus übereinander liegenden Stangen; erfordert einen Steilsprung des Pferdes.

Barrieretraktat: Vertrag, der den niederländischen Generalstaaten in den österreichischen Niederlanden zum Schutz gegen Frankreich das Besatzungsrecht für feste Plätze einräumte; trat am 15. 11. 1715 in Kraft und galt bis 1781.

Barr-Körperchen: (nach einem kanadischen Anatomen) bei höheren Säugern festgestelltes, der Kernmembran anliegendes, mit Kernfarbstoffen intensiv färbbares Material. Repräsentiert eines der beiden X Chromosomen; tritt daher normalerweise nur im weiblichen Geschlecht oder bei Aneuploidie (Überzahl von X-Chromosomen) auf.

Barros Arana, Diego, 16. 8. 1830-4.11.1907, chilenischer Historiker und Publizist; namhafter Vertreter der liberalen Geschichtsschreibung in Lateinamerika. Sein Hauptwerk «Allgemeine Geschichte Chiles» (16 Bände, 1884/1902) hatte großen Einfluss auf die Formung des progressiv-bürgerlichen Nationalbewusstseins.

Barschartige, Perciformes: artenreiche Ordnung der Knochenfische, deren Körper mit Kammschuppen bedeckt ist. Barschartige haben eine hart- und eine weichstrahlige Rückenflosse, die miteinander verschmolzen sein können. Barschartige sind räuberisch lebende Meeres- und Süßwasserbewohner, besonders artenreich in den Tropen. Die Echten Barsche (Percidae) bewohnen Binnengewässer beziehungsweise Brackwasser der nördlichen Halbkugel; hierzu unter anderem der Flussbarsch und Zander. Weitere Familien mit Nutz- oder Aquarienfischen sind Bunt-, Sonnen- und Zackenbarsche, Borstenzähner, Argus-, Doktor- und Labyrinthfische sowie Grundeln.

Barsoi-Russischer Windhund: bekanntester, langhaariger Windhund; Rüden 75,5 cm hoch, reinweiß, weiß mit gelben, orangefarbenen, roten, gestromten oder grauen Abzeichen.

Bart: Haarwuchs an Gesicht, Kinn und Hals beim Menschen und bei manchen Säugetieren (Affen, Raubtiere, Huftiere), sekundäres männliches Geschlechtsmerkmal. Der Bart des Mannes, ursprünglich das Symbol der Männlichkeit überhaupt, war jahrhundertelang das Zeichen von Stärke, Freiheit und Weisheit. Die Form des Barts, oft Ausdruck der (sozialen) Stellung oder der politischen Gesinnung seines Trägers, später zumeist ein Attribut der Mode, reicht vom Vollbart über den teilweise rasierten oder gestutzten Bart (Fräse, Schnauzbart, Kotelettenbart, Schnurrbart, Kinnbart, Knebelbart, Fliege unter anderem) bis zur völligen Rasur.

Bartaffe, Wandern (singhalesisch), Macaca silenus: zu den Makaken gehörender, rhesusgroßer schwarzer Affe mit langhaarigem, grauem, das Gesicht umschließendem Bart; er lebt in Monsunwäldern Südwestindiens; vom Aussterben bedroht.

Barteln, Bartfäden: Hautanhänge in der Umgebung des Maules mancher Fische, die Tast- und Geschmacksorgane enthalten.

Bartenwale, Mystacoceti: bis 33 m lange Wale, die an Stelle der nur embryonal angelegten Zähne zahlreiche, vom Gaumen herabhängende flach dreiseitige Hornplatten (Barten) haben. Beiderseits stehen bis zu 400 Barten, die sehr dicht federartig gefasert sind und ein feines Sieb bilden mit dem Kleintiere, der sogenannt Krill, aus dem Wasser geseiht werden. Zu den Bartenwalen gehören die Furchenwale und Glattwale.

Barth: 1. Heinrich Barth, 16.2.1821-25.11.1865, Afrikaforscher; bereiste 1850/55, zunächst mit J. Richardson und A. Overweg, die Sahara von Tripolis über Mursuk, Agades bis zum Tschadsee, entdeckte 1851 den Benue und kam 1853 nach Tombouctou (Timbuktu); besuchte als erster Europäer Bagirmi und Adamaua. Barth leitete mit seinen Reisen die klassische Zeit der Sahara- und Sudanforschung ein.

2. Karl Barth, 10.5.1886-10.12.1968, schweizer, evangelisch-reformierter Theologe; Hauptbegründer der dialektischen Theologie; kämpfte als Mitglied der Bekennenden Kirche in Deutschland gegen den Faschismus.

3. Ludwig Barth, geboren 28.6.1923, Pädagoge; seit 1965 Professor für Methodik des Geographieunterrichts an der Pädagogische Hochschule «Karl Friedrich Wilhelm Wanden) Dresden; erwarb sich hohe Verdienste um die Ausbildung von Lehrern für den Geographieunterricht in der POS; Mitglied der APW.

Barthes, Roland, 12.11. 1915-26. 3. 1980, französischer Literaturtheoretiker, Hauptvertreter der sogenannt Nouvelle Critique, die die traditionellen Methoden der Literaturinterpretation verwirft und das Wesen eines literarischen Werkes vor allem aus dessen sprachliche Strukturen zu erschließen versucht.

Bartholomäusnacht: Hochzeitsnacht (zum 24.8.1572, dem Bartholomäustag) Heinrichs von Navarra (Heinrich 19) und Margaretes von Valois, in der die hugenottischen Gäste auf Veranlassung der (katholischen) Brautmutter Katharina von Medici ermordet wurden (Pariser Bluthochzeit). Dieses Blutbad forderte in Paris 2000, in den Provinzen 30000 Opfer und war der Auftakt zum 4. Hugenottenkrieg.

Barthou, Jean Louis, 25.8.1862-9.10.1934, französischer Politiker; war seit 1894 wiederholt Minister in verschiedenen Ressorts, 1913/14 Ministerpräsident. Als Außenminister (1934) bereitete er den Abschluss des französisch-sowjetischen Bündnisses von 1935 vor. Im Auftrag des italienischen und deutschen faschistischen Geheimdienstes wurde Barthou gemeinsam mit dem jugoslawischen König, Alexander I., von kroatischen Terroristen in Marseille ermordet.

Bärtierchen, Tardigrada: Stamm der Gliedertiere; bis 1,2 mm lange Landbewohner mit plumpem Körper und 4 Paar krallentragenden Stummelfüßen; leben von pflanzlicher Substanz (in Moospolstern) oder als Räuber; Dauerformen gegen Trockenheit und Kälte sehr widerstandsfähig.

Bartmännchen, Ophidiidae: langgestreckte marine Dorschartige mit aus Rücken-, Schwanz- und Afterflosse gebildetem Flossensaum, meist Grundfische; das vor Südostafrika lebende 1,5 m lange Königsbartmännchen (Genypterus capensis) ist ein wertvoller Speisefisch.

Bartmeise, Panurus biarmicus: meisenähnlicher, langschwänziger Vogel, der versteckt in ausgedehnten Schilf- und Rohrbeständen lebt; verbreitet von Europa bis Ostasien.

Bartnelke, Dianthus barbatus: Nelkengewächs - heimische Gärten mit büschelförmigem Blütenstand und roten, weißen oder gestreiften Blüten. Wird vielfach mit der Karthäusernelke (D. carthusianorum) verwechselt, deren Blütenstand kleiner ist und trockenhäutige, braune Hochblätter besitzt.

Bartollini, Luigi, 8.2.1892-16.5.1963, italienischer Schriftsteller und Maler; verfasste Gedichte, Romane und Erzählungen; wurde mit dem Roman «Fahrraddiebe» (1946, deutsch), einer schonungslosen Schilderung der Nachkriegszeit, zum Mitbegründer des Neorealismus.

Bartsch: 1. Rudolf Bartsch, 15.9.1929-21.6.1981, Schriftsteller; verfasste unterhaltsame Romane und Erzählungen, unter anderem die Entwicklungsgeschichte eines gescheiterten Intellektuellen «Geliebt bis ans bittere Ende» (1958); schrieb auch Kriminalromane.

2. Rudolf Hans Bartsch, 11.2.1873-7.2.1952, österreichischer Schriftsteller; einflussreicher Vertreter der «Heimatkunst», zum Beispiel «Zwölf aus der Steiermark» (Roman, 1908).

Bartvögel, Capitonidae: häufig Bunt, gelb oder rot gefärbte, 10 bis 30 cm lange, großschnäblige Spechtvögel ohne Stützschwanz, meist mit Bartborsten; nähren sich vorwiegend von Früchten oder Insekten; Höhlenbrüter.

Bartwürmer, Pogonophora: artenarmer Tierstamm; bis 40 cm lange und höchstens 2,5 cm dicke, mund- und darmlose Meerestiere mit in 4 Abschnitte gegliedertem Körper- und Tentakelkranz am Vorderende; leben am Grunde der Tiefsee in Röhren, ernähren sich durch die Haut von gelösten organischen Stoffen.

Bärwalde: soviel wie Mieszkowice (Polen). Im Vertrag zu Bärwalde (23.1. 1631) zwischen Frankreich und Schweden verpflichtete sich Schweden, ein Heer von 30000 Mann und 6000 Reitern zum Kampf gegen Kaiser Ferdinand H. zu unterhalten; Frankreich zahlte dafür jährlich 400000 Reichstaler.

Baryonen: (griechisch; Sing. Baryon) Familie schwerer Elementarteilchen, zu denen die Nukleonen und Hyperonen sowie deren angeregte Zustände, die Baryonenresonanzen, gehören. Baryonen haben halbzahlige Spinquantenzahl und genügen deshalb der Fermi-Dirac-Statistik. Sie tragen eine ladungsartige Quantenzahl, die Baryonenzahl oder baryonische Ladung A, die für Baryonen 1, Antibaryonen -1 und alle anderen Elementarteilchen 0 ist; A stimmt für Atome mit der Atommassenzahl, das heißt der Anzahl von Protonen und Neutronen im Atomkern, überein. Siehe auch Quarks.

Baryton: 1. Baryton, Viola di bordone: Liebhaberinstrument des 17. bis Anfang 19. Jahrhundert, zur Gambenfamilie gehörend; hat C- oder F-Löcher, Schallrose, breiten Steg, breites Griffbrett mit oder ohne Bünde, 6 bis 7 Obersaiten und etwa 10 bis 15 Resonanzsaiten. J. Haydn schrieb etwa 175 Baryton Kompositionen.

2. Baryton, Euphonium (griechisch): ein Flügelhorn mit konischen Rohrverlauf, weiter Mensur, 3 oder 4 Ventilen; Stimmung in B; wird im Blasorchester verwendet.

Basalganglien: im Inneren der Großhirnhemisphären, von Nervenfaserzügen (weiße Substanz) umgebene Ansammlungen von Nervenzellen (Ganglien). Basalganglien stellen ein wichtiges Schaltzentrum, vorwiegend für die Beeinflussung der Skelettmuskulatur (Regulation von Bewegungsabläufen) dar.

Basaliom, Basalzellenepitheliom, Basalzellenkarzinom (beide griechisch + lateinisch): bösartige Hautgeschwulst meist älterer Menschen ohne Neigung zu Tochtergeschwülsten, jedoch mit infiltrierendem und zerstörendem Wachstum. Vorwiegend im Gesicht, aber auch am Rumpf (Rumpfhautbasaliom) vorkommend mit unterschiedlichen Aussehen.

Basalkorn, Kinetosom (griechisch): dicht unter der Zelloberfläche im Zytoplasma liegendes Körnchen an der Basis von Flimmern und Geißeln; stellt deren kinetisches Zentrum dar.

Basalmembran-Grundhäutchen: an der Grenze zwischen Deckgewebe (Epithel, Endothel) und Bindegewebe liegendes, lichtmikroskopisch häufig homogen erscheinendes Häutchen, das aus einem homogenen (Glykoproteine) und einem fibrillären Anteil (Retikulinfasern) besteht. Der homogene Anteil wird in der Elektronenmikroskopie als Basallamina bezeichnet.

Basalt: basisch, meist schwärzlicher Ergussgestein, vorwiegend aus Plagioklas und Pyroxen; oft säulenförmige Absonderung. Basalt gehört zu den verbreitetsten Gesteinen auf der Erdoberfläche (zum Beispiel Plateaubasalt in Indien und Sibirien); siehe auch Trapp.

Basaltemperatur: bei der Frau morgens vor dem Aufstehen oral, rektal oder vaginal gemessene Temperatur zur Bestimmung des Follikelsprungs (Methode zur Familienplanung); dieser bewirkt nach 1 bis 2 Tagen einen Temperaturanstieg um 0,3 bis 0,7 °C. Siehe auch Konzeptionsoptimum.

Basaltschale: aus basaltischen oder gabbroiden Gesteinen bestehende untere Zone der Erdkruste, die den festen Untergrund der Ozeane bildet und im Bereich der Kontinente die Granitschale unterlagert.

Basar: orientalischer Warenmarkt mit Handels-, Handwerks- und Imbisseinrichtungen; heute auch Warenverkauf für Solidaritätszwecke.

Baschkiren: turksprachiges Volk, 1,4 Millionen; im 19. Jahrhundert Übergang von nomadischer Viehzüchtertum und Jagdwirtschaft zum Ackerbau; Vollendung der nationalen Konsolidierung erst nach 1917.

Baschlik, Baschlyk beide (türkisch, «Kopfbedeckung»): kaukasische Wollkapuze; seit dem Krimkrieg auch in Europa bekannt.

Baschraf: instrumentale Ouvertüre der neueren türkischen und arabischen Musik über eine feste rhythmische Periode und mit Refrain-Form.

Baseball: ein Schlagballspiel zwischen 2 Mannschaften von je 9 Spielern, die abwechselnd Schlag- und Feldpartei sind. Das Spielfeld ist 175 m x 125 m groß. Grundidee ist das Duell zwischen dem Werfer der Feldpartei und dem Schlagmann der Schlagpartei. Es erfolgt Punktwertung und Wechsel zwischen Feld- und Schlagpartei gemäß den komplizierten Spielregeln. Die Spieldauer beträgt 9 Durchgänge je Mannschaft. Nationalspiel in Amerika. Weltmeisterschaften (für Amateure) seit 1960.

Basedow: 1. Johann Bernhard Basedow, 11.9.1724-25.7.1790, Pädagoge; Begründer des Philanthropismus; wollte durch Betonung der Naturwissenschaften, Fremdsprachen und körperlicher Übungen zu Tüchtigkeit und Brauchbarkeit erziehen; gründete 1774 das Philanthropinum in Dessau.

2. Karl Adolf von Basedow, 28.3.1799-11.4.1854, Arzt; wirkte als Kreisphysikus in Merseburg, beschrieb 1840 die als sogenannt Merseburger Trias bekannt gewordenen Hauptsymptome (Glotzäugigkeit, Kropf und beschleunigter Puls) der nach ihm benannt Krankheit, ohne bereits deren Ursache erkannt zu haben.

Basedowsche Krankheit: (nach K. A. von Basedow), Hyperthyreose, Thyreotoxikose: durch Schilddrüsenüberfunktion verursachte Hormonstörung. Kennzeichen sind starke psychomotorische Getriebenheit, Kropf, Glotzauge, Pulsbeschleunigung, erhebliche Stoffwechselsteigerung.

Basen: im weiteren Sinne (nach J. N. Brönsted) chemische Verbindungen, die von anderen Verbindungen (Säuren, Wasser unter anderem) Protonen aufnehmen können. Dazu gehören viele Metallhydroxide, aber auch Säureanionen und das Ammoniakmolekül, MH3. Basen im engeren Sinn: sind chemische Verbindungen, die in wässriger Lösung in Kationen (meist Metallionen) und Hydroxidionen dissoziieren, dadurch einen pH-Wert >7, das heißt eine alkalische Reaktion der Lösung bewirken (zum Beispiel Lackmus blau färben) und Säuren neutralisieren. Basen im engeren Sinne sind die Hydroxide der Alkali- (starke Basen, zum Beispiel Kaliumhydroxid, KOH) und Erdalkalimetalle (schwache Basen, zum Beispiel Magnesiumhydroxid. Organische Basen leiten sich meist vom Ammoniak, NH3, oder Ammoniumhydroxid, dadurch ab, dass Wasserstoffatome durch Alkyl- oder Arylreste ersetzt sind. Zu den organischen Basen gehören auch die Alkaloide und Nukleinsäurebasen.

Basenanaloga: chemische Substanzen, die auf Grund von Ähnlichkeit mit den Basen der Nukleinsäuren in diese eingebaut werden können. Durch tautomere Umlagerungen können sie in nachfolgenden Replikationen den Einbau falscher Basen bewirken und so Genmutationen induzieren.

Bashenow, Wassili Iwanowitsch, 12.3. 1737 oder 1738-13. 8.1799, russischer Architekt und Architekturtheoretiker. Seine Projekte für die Umgestaltung des Moskauer Kremls und den Kremlpalast (1767/73) gehören zu den bedeutendsten Leistungen des russischen Klassizismus (nicht verwirklicht). Bashenow schuf Palais in Moskau und das Schlossensemble in Zarizyno (1776/85).

Basic English: (englisch, «Grundenglisch») auf 850 Grundwörtern basierendes, seit 1926 von Charles Kay Ogden (1889-1957) entwickeltes vereinfachtes Englisch, das die stärkere Verbreitung des Englischen als Weltsprache fördern sollte, sich jedoch wegen seiner Künstlichkeit nicht durchsetzte.

Basidie: spezifisches Organ der Ständerpilze (Basidiomyceten); «Sporenständer», auf dem durch Sprossung 4 getrennt stehende Sporen gebildet werden. In der Basidie findet die Kernverschmelzung statt. Siehe auch Askus.

Basierungssystem der Seestreitkräfte: eine Gesamtheit von Flottenstützpunkten, Flugplätzen und Verbindungswegen, Mitteln der Nachrichtenverbindung, technische und nautisch-hydrographische Einrichtungen und Truppenteilen. Das Basierungssystem der Seestreitkräfte gewährleistet Gefechtsbereitschaft und Kampfhandlungen.

Basilarmembran: im Schneckengang des Innenohrs befindliche Bindegewebemembran mit elastischen Rückstelleigenschaften (schwingungsfähig). Sie teilt den Schneckengang in einen oberen und einen unteren Gang. Auf der Basilarmembran sitzen die Hörsinneszellen.

Basile, Giambattista, um 1575-23. 2. 1632, italienischer Dichter, erster Märchensammler in Europa. In der in neapolitanischen Dialekt verfassten Sammlung «Die Erzählung der Erzählungen» (1634; seit 1674 als «Pentameron» bekannt, deutsch) lässt er 50 Volksmärchen erzählen, die unter anderem auf C. M. Wieland und die deutschen Romantiker wirkten.

Basileios II, byzantinischer Kaiser 976/1025; kämpfte um die Erhaltung der Bauerngüter und gegen das Anwachsen des Großgrundeigentums; unterwarf 1014/18 das Bulgaren-Reich und festigte die Beziehungen zur Kiewer Rus; damals größte Ausdehnung des Byzantinischen Reiches.

Basileus: (griechisch, «König») Titel der frühgriechische Stammesführer, des 2. Archonten in Athen, der hellenistischen Könige und der Kaiser im Byzantinische Reich.

Basilicata: Region in Unteritalien, vom südlichen Apennin bis zum Golf von Tarent des Ionischen Meeres reichend; 9992 km2, 620000 Einwohner, 62 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Potenzal umfasst 2 Provinzen; ökonomische und soziale Rückständigkeit (Großgrundbesitz) wurde durch Bodenreform nur teilweise beseitigt; Bevölkerungsabwanderung; Anbau von Getreide, Zuckerrüben, Tabak, Oliven, Baumwolle; im Tal des Basento Ansiedlung neuer Industrien, unter anderem Petrolchemie in Ferrandina; Erdgasgewinnung.

Basilika: in der Baukunst der Griechen und Römer ein rechteckiger, langgestreckter Versammlungsraum (Markt- oder Gerichtshalle). Das Langhaus bestand aus einem Hauptschiff mit 2 oder 4 Seitenschiffen und zuweilen einer halbrunden Nische an einem Ende (Tribuna, Apsis). Diese Grundform wurde von der frühchristlichen Baukunst übernommen und zum beherrschenden Typus des mittelalterlichen Kirchenbaus entwickelt. Das Mittelschiff überragt die Seitenschiffe mit seiner Fensterzone (Lichtgaden). Zwischen Apsis und Langhaus wurde ein Querhaus eingeschoben; seit karolingischer Zeit wurde der Altarraum zum Chor erweitert.

Basiliken: (griechisch, «kaiserlich» Rechtsbücher) Rechtssammlung unter dem byzantinischen Kaiser Leo VI. (886/912). In 60 Büchern ist der im Corpus iuris civilis Justinians I. lateinisch und an verschiedenen Stellen griechisch gebotene Stoff systematisch geordnet und übersichtlich zusammengestellt. Dadurch verdrängten in Byzanz die Basiliken das Corpus iuris.

Basilikum, Basilienkraut, Ocimum basilicum: ab Gewürz- und Heilpflanze angebauter weiß blühender, einjähriger Lippenblütler. Alte Kulturpflanze aus dem tropischen-subtropischen Asien.

Basilisk: (griechisch, «kleiner König») in orientalischen Sagen schlangenhaftes Fabeltier mit tödlich wirkendem Blick (Basiliskenblick).

Basilisken, Basiliscus: bis 80 cm lange, schlanke, baumbewohnende Leguane mit zum Teil hohen Hinterhaupts-, Rücken- und Schwanzkämmen; graubraun oder grün; können aufgerichtet mit den Hinterbeinen über Wasserflächen laufen; bis 80 cm lang der Helmbasilisk (B. basiliscus).

Basis: (griechisch; Basen) 1. allgemein Grundlage, Unterbau; Ausgangspunkt.

2. Architektur: Sockel Unterbau; sich verbreiternder Fuß von Säulen und Pfeilern, der den Übergang zur Fußplatte vermittelt.

3. Arithmetik: Grundzahl einer Potenz, eines Logarithmus oder eines Zahlensystems.

4. Elektronik: Transistor.

5. Geodäsie: mit sehr hoher Genauigkeit gemessene Strecke, die in einem geodätischen Netz als Maßstab dient.

6. Geometrie: soviel wie Grundlinie, Grundfläche.

7. Kristallographie: einzelne Fläche (Pedion) oder paralleles Flächenpaar (Pinakoid), den kristallographischen Achsen parallel verlaufend; siehe auch Kristallsystem.

basische Farbstoffe: im färbetechnischem Sinne Farbstoffe, die beim Färben als Kationen auf den Faserstoff aufziehen und mit den negativen Gruppen der Faserstoffe (vor allem von Polyamid- und Polyakrylnitrilfaserstoffen) unter Salzbildung reagieren. Die basischen Farbstoffe sind als lösliche Salze im Handel.

Basiskosten: 1. Ausgangskosten für die Planung der Selbstkostensenkung bei der Kostenplanung (Plankosten oder tatsächliche beziehungsweise voraussichtlichen Kosten des Basisjahres).

2. Kosten der Basisvariante beim ökonomischen Variantenvergleich beziehungsweise bei Effektivitätsrechnungen.

Basislatte: mit Endmarken versehener Invarstab von 2 m Länge zur indirekten (optischen) Entfernungsmessung mittels Theodolits.

Basis und Überbau: Grundbegriffe des historischen Materialismus, die den gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen sowie allen anderen Verhältnissen einer ökonomischen Gesellschaftsformation widerspiegeln. Sie beruhen auf der Erkenntnis des Marxismus-Leninismus, dass zwischen materiellen und ideellen (ideologischen) gesellschaftlichen Verhältnissen zu unterscheiden ist. Die materiellen, das heißt die Produktionsverhältnisse (Eigentums-, Austausch-, Verteilungsverhältnisse), bilden sich notwendig und unabhängig davon, ob der Mensch sich dessen bewusst ist oder nicht, im Produktionsprozess heraus und werden durch den Entwicklungsstand der Produktivkräfte determiniert. Sie stellen die grundlegenden und bestimmenden, die primären gesellschaftlichen Verhältnisse dar und werden deshalb als ökonomische Basis einer gegebenen Gesellschaft bezeichnet. Die ideologischen, sekundären Verhältnisse bilden den Überbau über dieser Basis. Der Inhalt des Überbaus einer Gesellschaft wird durch die Basis bestimmt, besitzt in seiner Entwicklung aber eine relative Selbständigkeit. Er besteht aus den dieser Basis entsprechenden politische, juristische, moralische, künstlerische, wissenschaftliche und weltanschauliche Anschauungen sowie den dieser Basis entsprechend politischen, juristischen und sonstigen gesellschaftlichen Institutionen (Staat, Parteien, gesellschaftliche Organisationen). Der Überbau wirkt im Sinne der Festigung und Entwicklung aktiv auf die Basis ein. Im Überbau der Klassengesellschaft dominieren stets die Ideen und Einrichtungen der herrschenden Klasse.

Basiswinkel: in einem gleichschenkligen Dreieck die beiden der Grundlinie (Basis) anliegenden Innenwinkel; sie sind gleich groß.

Basken, Selbstbezeichnung Euskaldunak: sprachlich isoliertes Volk in den Westpyrenäen und am Golf von Biscaya; 930000 auf spanischem und 130000 auf französischem Gebiet sowie 230000 in Lateinamerika; ausgeprägte eigenständige Volkskultur.

Baskenland: Region mit innerer Autonomie im Norden Spaniens, aus den Provinzen Álava, Guipúzcoa, Vizcaya bestehend, am Golf von Biscaya; 7261 km2, 2,1 Millionen Einwohner, darunter viele baskisch sprechende; 289 Einwohner/km2 (eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Spaniens); Regionszentrum Vitoria; umfasst den östlichen bis 1551 m hohen Teil des Kantabrischen Gebirges, an der Küste des Golfs von Biscaya zum Teil über 300 m hohe Steilküste; ozeanische Klima, am Südabhang des Kantabrischen Gebirges trockener; Eichen-, Buchen- und Kastanienwälder; fortschreitende Industrialisierung (Eisenerzbergbau, Eisen- und NE Metallurgie, Holz-, Papier-, Möbel- und chemische Industrie); Hydroenergiegewinnung; Maisanbau, Wiesen und Weiden als Grundlage für die Rinderzucht; vorherrschend Kleinbesitz; Handels- und Fischereihäfen (Bilbao, San Sebastián); Badeorte. Das Gebiet stand vom 2. Jahrhundert vor Christus bis zum 5. Jahrhundert nach Christus unter römischer, ab 580 unter westgotischer Herrschaft, es konnte unter maurischer Herrschaft (ab 711) weitgehend seine lokale Selbständigkeit wahren. Im 10. Jahrhundert entstand auf baskischen Gebiet das Königreich Navarra; im 14./16. Jahrhundert fiel das Baskenland bei weitgehender Erhaltung feudaler Sonderrechte (Fueros) zum Teil an Kastilien beziehungsweise Spanien, zum Teil an Frankreich; 1808/14 war das spanische Baskenland ein Zentrum des antinapoleonischen Befreiungskampfes. Seit Ende des 19. Jahrhundert Entwicklung der Industrie, der Arbeiterklasse und der bürgerlich-nationalistischen Bewegung. Im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 erhielt das Baskenland weitgehende Autonomie (Republik Euskadi, 1936/37), seit 1937 entscheidendes Widerstandszentrum gegen die Franco-Diktatur, seit den 60er Jahren starker Aufschwung der radikalen und bürgerlich-liberalen Nationalbewegung. 1979 erneute Gewährung der Autonomie, 1980 Wahl eines Parlaments.

Baskenmütze: rundgewebte Wollfilzmütze, ursprünglich Kopfbedeckung der Basken; seit den 20er Jahren des 19. Jahrhundert fand sie Eingang in die Mode.

Basketball: (englisch, «Korbball») vorwiegend in Hallen gespieltes Korbspiel zweier Mannschaften von je 5 Spielern und 5 oder 7 ständigen Auswechselspielern. Der 600 bis 650 g schwere Leder- oder Plasthohlball von 75 bis 80 cm Umfang soll möglichst oft in den in 3,05 m Höhe am Basketballgerät angebrachten gegnerischen Korb geworfen werden. Erfolgreiche Würfe aus dem Spiel ergeben 3 (außerhalb der 6,25-m-Linie) beziehungsweise 2, aus einem Freiwurf 1 Punkt. Die Spielzeit beträgt 2 x 20 min effektiv. Unentschiedene Spiele werden um je 5 min bis zur Entscheidung verlängert. Charakteristisch sind Foulregel (Foul 1), Schrittregel und die Zeitregeln. Olymp. Sportart seit 1936, Weltmeisterschaften seit 1950, Europameisterschaften seit 1935.

Baskisch: einzige noch lebende nichtindoeuropäische Sprache in Westeuropa (im Nordwesten Spaniens und Südwesten Frankreichs); isoliert dastehend.

Basküle, Basküleverschluss: Fenster- oder Türverschluss. Durch Drehen des Handgriffes (Olive) werden 2 Stangen (Riegel) durch ein Zahnrad oder eine Scheibe nach oben und unten in die Feststeller geschoben.

Basmatschen: Angehörige einer bewaffneten konterrevolutionären nationalistischen Bewegung in Mittelasien 1917/26; gegründet von Feudaladel, Kulaken, Geistlichkeit und Bourgeoisie mit Unterstützung reaktionärer Kräfte der Türkei sowie britische und US-amerikanische Interventen. Die Basmatschen erstrebten unter panislamischer und panturkischer Ideologie die Abtrennung Turkestans von Sowjetrussland; sie besetzten 1922 einen großen Teil der sowjetische Volksrepublik Buchara; wurden Ende 1922 von der Roten Armee militärisch entscheidend geschlagen; Reste existierten bis Ende der 20er Jahre.

Basra, AI-: zweitgrößte Stadt von Irak, Verwaltungszentrum der Provinz Basra, im Südosten des Landes, am Schatt al-Arab; früher Bassora oder Balsora - 320000 Einwohner; als Agglomeration 850000 Einwohner; wichtige Industrie- und Hafenstadt; Erdölverarbeitung, Dattelverpackung, Werften; Eisenbahn nach Bagdad, internationaler Flughafen; Universität. Größere Zerstörungen im Verlauf der irakisch-iranischen militärischen Auseinandersetzungen seit 1980.

Bass: a) tiefste Männerstimme;

b) Gesamtheit der Basssänger im Chor, der Bassinstrumente im Orchester;

c) satztechnisch tiefste Stimme einer Komposition;

d) tiefstes Streichinstrument (Kontrabass); bei Blasinstrumenten deren tiefste Ausführung, zum Beispiel Basstuba.

Bassein: Stadt (Provinzzentrum) in Burma, im Westen des Irrawaddy Deltas, am Mündungsarm Bassein; 140000 Einwohner; Schiffswerft, Reismühlen und Holzverarbeitung; zweitgrößter Hafen des Landes, Flughafen.

Basse-Terre: 1. fruchtbare Vulkaninsel in der Karibik (Kleine Antillen) und größte Insel des französischen Überseedepartements Guadeloupe; 848 km2, 138000 Einwohner; 165 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Basse-Terre 2. Die Insel ist gebirgig, höchste Erhebung ist der Vulkan La Soufrière mit 1484 m.

Basseterre: Hauptstadt von St. Christopher und Nevis, an der Südwestküste der Insel St. Christopher, 16000 Einwohner; Hafen, Flughafen.

Bassetthorn: Holzblasinstrument; Altklarinette in F; von A. Mayrhofer um 1770 in Passau erfunden; ursprünglich gekrümmte, ab 1800 geknickte, jetzt gerade Form; oft mit aufwärts gerichtetem Messingschallstück.

Bassgitarre: Gitarre mit größerem Schallkörper und doppeltem Hals, bei der zu den üblichen 6 Griff Seiten noch 5 bis 12 freie, in chromatischer Tonfolge gestimmte Basssaiten hinzutreten.

Bassorgel: Akkordeon in Basslage und chromatische Stimmung; im Akkordeonorchester verwendet, da die Bassseite mit Pianotasten polyphones Ensemblespiel erleichtert.

Bassreflexgehäuse: geschlossenes Lautsprechergehäuse, bei dem durch eine kleine zusätzliche Öffnung in der Vorderwand ein akustisches Resonanzeffekt entsteht, durch den eine besonders gute Wiedergabe tiefer Töne (Bässe) erreicht wird.

Bass-Straße: (bass-; nach dem britischen Entdecker) 200 bis 250 km breite Meerenge Australiens zwischen australischen Festland und der Insel Tasmanien; bis 128 m tief; Erschließung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten.

Bast: 1. Botanik: das in Wurzel und Spross durch Teilung der Kambiumzellen nach außen gebildete Gewebe (sekundäre Rinde). Bast besteht aus Siebröhren zur Leitung der Assimilate, Parenchym Teilen und längs verlaufenden, der Festigung dienenden Bastfasern: Bastfaserstreifen von Linde und Weide wurden früher als Bindebast gärtnerisch verwendet.

2. Jagdwesen: Haut des wachsenden Geweihs, die später abstirbt und abgerieben (Fegen) wird.

Bastardschriften: Schriften, die sowohl Stilelemente runder Schriften (siehe auch Antiqua) als auch gebrochener Schriften (siehe auch Fraktur) enthalten und so zwischen den beiden Stilarten stehen.

Bastard, (französisch - germanisch), Hybride (lateinisch): Nachkomme genetisch verschiedener Eltern.

Bastian: 1. Adolf Bastian, 26.6.1826-2,2.1905, Völkerkundler; unternahm ausgedehnte Reisen durch alle Kontinente, seit 1868 Direktor des Berliner Museums für Völkerkunde, begründete mit R. Virchow 1869 die Berliner Anthropologische Gesellschaft.

2. Horst Bastian, geboren 5.12.1939, Schriftsteller; verfasste die Jugendromane «Die Moral der Banditen» (1964), «Wegelagerer» (1968), den dreibändigen Entwicklungsroman «Gewalt und Zärtlichkeit» (1974, 1978, 1981), der Vorgeschichte und Anfangsjahre der DDR darstellt, unter anderem.

Bastille: befestigtes Schloss im Zentrum von Paris, das seit Richelieu als Staatsgefängnis diente. Mit dem Sturm auf die Bastille durch die Pariser Volksmassen am 14. 7. 1789 (heute Nationalfeiertag) begann die Französische Revolution. Die Bastille wurde als Symbol des Absolutismus geschleift.

Bastion-Bastei: besonders im 17. und 18. Jahrhundert üblich, der Vorfeldverteidigung dienender Festungsvorbau mit halbrundem, später fünfeckigem Grundriss.

Bata: Stadt in Äquatorial-Guinea, am Golf von Guinea, Verwaltungszentrum der Provinz Mbini; 30000 Einwohner; Zement-, Holzindustrie; Hafen, internationaler Flughafen.

Batalha: Stadt im mittleren Portugal, südlich von Leiria; 7000 Einwohner; Kloster, 1388 gegründet an der Stelle des Sieges von 1385 über die Spanier, Freiheitsdenkmal des portugiesischen Volkes.

Bataliony Chlopskie, Bauernbataillone-. konspirative Militärorganisation der polnischen Volkspartei (Bauernpartei Polens) 1940/45 zum Kampf gegen die faschistischen deutschen Okkupanten. 1944 gelang es dem Oberkommando der Armia Krajowa, ein Viertel der 150000 Angehörigen der Bataliony Chlopskie unter ihren Befehl zu stellen; andere Abteilungen blieben selbständig, zum Teil arbeiteten sie mit sowjetische Partisanen und der Armia Ludowa zusammen. Kommandeur der Bataliony Chlopskie war F. Kaminski.

Batam, Batang: Insel der Riau-Inseln, südlich von Singapur, zu Indonesien gehörend; 421 km2; Äquatorialklima; Verhüttung von Buntmetallerzen.

Batangas: Stadt (Provinzzentrum) auf den Philippinen, auf der Insel Luzon, südlich von Manila; 120000 Einwohner; Werft, chemische und Lebensmittelindustrie; Hafen; Zentrum eines Gebietes mit Anbau von Kokospalmen.

Batate, Süßkartoffel Ipomoea batatas: mittelamerikanischer Windengewächs; alte Kulturpflanze mit stärke- und zuckerreichen Wurzelknollen; wichtige Nutzpflanze der Tropen und Subtropen, die vegetativ durch Stengelstecklinge oder Knollen vermehrt wird.

Bataver: westgermanischer Stamm, der sich im 1. Jahrhundert vor Christus von den Chatten absonderte und im Rheinmündungsgebiet siedelte. Die Bataver, die sich durch gut entwickelte Schifffahrt auszeichneten, gerieten 12 vor Christus in römischer Abhängigkeit und mussten Militärdienste leisten. Ihr großer mit Unterstützung benachbarter Stämme unternommener Aufstand (68/70 nach Christus) unter Julius Civilis gegen die römische Unterdrückung (Bataverkrieg) scheiterte. Im 4. Jahrhundert verschmolzen die Bataver mit den Franken.

Batavische Republik: nach der Eroberung der Niederlande durch die französischen Revolutionsheere 1795 gegründet Republik; eine der zahlreichen Tochterrepubliken Frankreichs, wurde 1806 von Napoleon I. in das Königreich Holland umgewandelt, das 1810/14 Frankreich einverleibt war.

Bateson, William, 8.8. 1861-8.2. 1926, britischer Biologe; führender Mitbegründer der auf der Gültigkeit der Mendelschen Regeln aufbauenden Vererbungsforschung, für die er den Begriff der Genetik prägte.

bathmotrop: die Reizschwelle des Herzens beeinflussend; wild die Reizschwelle herabgesetzt, spricht man von positiver, wird diese erhöht, von negativer bathmotroper Wirkung.

Batholith: mächtiger Tiefengesteinskörper, der als magmatische Masse aus größeren Tiefen in höhere Schichten der Erdkruste eingedrungen und dort erstarrt.

bathyal: (griechisch) den Tiefseebereich eines Meeres (zwischen 200 und 800 m Tiefe) betreffend.

Bathymeter, Bathometer beide (griechisch): Lot zur Bestimmung größerer Wassertiefen.

Bathyskaph, (griechisch «tief», skaphos, «Schiff») m oder n, Bathyscaphe: aus einem unterseebootförmigen Tragkörper und einer hohlen, druckfesten Stahlkugel bestehendes Tauchgerät für Forschungszwecke. Der Tragkörper ist mit Leichtbenzin gefüllt, dessen Druck dem Wasserdruck entspricht. Der Konstrukteur des ersten Bathyskaph, A. Piccard, erreichte 1953 im Tyrrhenischen Meer 3150 m Tiefe, sein Sohn Jacques mit dem Bathyskaph «Trieste» 1960 im Marianengraben (Stiller Ozean) 10916 m.

Bathysphäre: (griechisch sphaira, «Kugel») Tauchkugel, die an einem Drahtseil von einem Begleitschiff aus bewegt wird; mit einem solchen Gerät erreichten die US-amerikanische Ingenieure W. Beebe 1934 923 m und O. Barton 1948 1370 m Tiefe.

Batik: in Indien und Indonesien, besonders auf Jawa heim, hochentwickeltes künstlerisches Färbeverfahren für Textilien. Jeweils die nicht zu färbenden Stoffpartien werden mit Wachs abgedeckt, das nach dem Färbvorgang abgelöst wird. Seit etwa 1900 fand die Batik auch in Europa Eingang (Jugendstil).

Batoni, Pompeo Girolamo, 25.1.1708-4. 2.1787, italienischer Maler. Von seinen Zeitgenossen als bedeutendster Porträtist in Rom geschätzt, vertrat Batoni einen sentimentalen Klassizismus, zum Beispiel in dem Gemälde «Die bildenden Künste».

Baton Rouge: Hauptstadt des Bundesstaates Louisiana (USA), am Mississippi; 220000 Einwohner (davon 28% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 440000 Einwohner; 6 Erdölraffinerien, Produktion von synthetischen Kautschuk, chemische Industrie, Tonerde-Produktion für die Aluminiumindustrie, Landmaschinenbau; bedeutender Seehafen, Flughafen; Universität; Erdgas-, Erdölförderung.

Battambang: Stadt (Provinzzentrum) im Westen von Kampuchea; 40000 Einwohner; Holzverarbeitung, Reparaturwerkstatt für Traktoren, Nahrungsmittelbetriebe, Wärmekraftwerk; Zentrum eines wichtigen Reisanbaugebietes und Verkehrsknoten; Flughafen.

Battement: im Ballett das kräftige Herausführen des Spielbeines aus einer Position und sein schnelles, «schlagendes» Zurückführen in die Ausgangshaltung oder in eine neue Position.

Batterieprüfer: Spannungsmessgerät mit Belastungswiderstand, mit dem die Zellenspannung eines Akkumulators unter Last gemessen wird.

Batterie: 1. Militärwesen: Einheit.

2. Technik: Reihen- oder Parallelschaltung mehrerer gleicher Geräte, Industrie- oder Energieumwandlungseinrichtungen zur Leistungserhöhung, zum Beispiel Dampfkessel-, Koksofen-, Diffusions-, Kondensatoren-, Akkumulatoren-, Solarbatterie; auch übliche Bezeichnung für ein einzelnes, gebrauchsfertiges galvanisches Element.

Battuta: Fechten Schlag mit der eigenen auf die gegnerische Klinge, um diese aus der Angriffsrichtung zu bringen.

Batu, Bat, 1204-1255, mongolischer Herrscher; Enkel Dschingis Khans; Gründer der Goldenen Horde; eroberte 1237/40 die Mehrzahl der russischen Fürstentümer und drang 1241/42 bis nach Polen (Schlacht bei Legnica), Mähren und Ungarn vor.

Batzen: (nach dem Bären (Petz), dem Berner Wappentier) alte süddeutsche Silbermünze zu 4 Kreuzern oder 16 Pfennigen.

Bauakustik: Lehre von der Entstehung, Ausbreitung, Abstrahlung und Bekämpfung von unerwünschtem Schall (Lärm) in Bauwerken. Bei mechanischer Anregung von Gebäudeteilen durch Schwingungen oder Stöße entsteht Körperschall (zum Beispiel Trittschall, Maschinen-, Installationsgeräusche), der von den Decken und Wänden als Luftschall abgestrahlt wird. Die Bauakustik erforscht die Schalldämmung von Bauteilen, das heißt die Minderung der Luft- und Körperschallanregung beziehungsweise -Übertragung, die Schallabsorption in Räumen, die Schwingungsisolierung von Maschinen durch federnde Elemente und die Schallausbreitungsdämpfung in Lüftungskanälen. Mindestforderungen für Schallschutzmaßnahmen sind in Standards (TGL) gesetzlich festgelegt.

Bauamt: Fachorgan für die einheitliche Leitung, Planung und Entwicklung der dem jeweiligen Rat unterstellten Betriebe und Einrichtungen des Bauwesens. Es bestehen Bezirksbauämter bei den Räten der Bezirke, Kreisbauämter bei den Räten der Kreise und Stadtbauämter bei den Räten der Städte.

Bauaufnahme: Aufmessen und maßstabgerechtes Aufzeichnen eines Bauwerkes zur Rekonstruktion, als baurechtliche oder als baugeschichtliche Unterlage.

Bauaufsicht: staatliche Überwachung der Einhaltung der rechtlichen, technischen und ökonomischen Bestimmungen bei der Vorbereitung, Errichtung, Veränderung und Nutzung von Bauwerken.

Bauchafter, Anus praeter (lateinisch), Kolostomie (griechisch): operativ geschaffene Öffnung des Dickdarms durch die Bauchdecke zur Stuhlableitung; dient zur Ausschaltung des erkrankten Dick- oder Mastdarmabschnittes bei tumorösen oder entzündlichen Prozessen.

Bauchdecke: aus Haut, Fettgewebe und Muskulatur (Bauchmuskeln) aufgebauter vorderer und seitlicher Abschluss des Abdomens.

Bauchdeckenspannung: reflektorische, unwillkürliche Anspannung der Bauchdeckenmuskulatur infolge entzündlicher Bauchfellreizung, zum Beispiel bei Blinddarmentzündung, Magenwanddurchbruch; wichtiges Symptom akuter Baucherkrankungen.

Bauchemie: Teilgebiet der angewandten Chemie zur Erforschung der Baustoffe bezüglich Beständigkeit, Verfahrenstechnik, Verwendung und Schutzmaßnahmen.

Bauchfell, Peritoneum: spiegelglatte, glänzende, aus Epithel und Bindegewebe bestehende Auskleidung der Bauchhöhle beziehungsweise Überzug der Bauchorgane.

Bauchfellentzündung, Peritonitis: durch Bakterien, toxische Stoffe und Fremdkörper sowie allergische Reaktionen hervorgerufene Entzündung des Bauchfells. Häufigste Ursache der Bauchfellentzündung ist der Durchbruch von entzündlichen Prozessen im Magen-Darm-Kanal (zum Beispiel Magengeschwür).

Bauchhärlinge, Flaschentierchen, Gastrotricha: Klasse der Schlauchwürmer; höchstens 1,5 mm lange, walzen- bis flaschenförmige, bauchseits bewimperte Tiere; leben am Grunde und in der Vegetation von Gewässern, auch im Meer.

Bauchhöhle, Cavum peritonei (lateinisch): durch das Zwerchfell von der Brusthöhle abgetrennter Raum, der Verdauungs-, Ausscheidungs- und Fortpflanzungsorgane enthält; vom Bauchfell ausgekleidet.

Bauchmuskeln: Muskeln, die die Bauchhöhle nach vom und seitlich begrenzen und die Grundlage der Bauchdecke bilden.

Bauchpilze, Gasteromycetidae: Ständerpilze mit geschlossenen Fruchtkörpern, die sich nach Reifung der innen entstehenden Sporen öffnen; meist Saprophyten; siehe auch Bovist, Erdstern, Stinkmorchel.

Bauchpresse: Kontraktion aller Bauchmuskeln, der Beckenbodenmuskeln sowie des Zwerchfells zur Erhöhung des Druckes innerhalb der Bauchhöhle; führt zur Entleerung des Darmes und der Harnblase oder zur Austreibung des Kindes während der Geburt.

Bauchredner, Ventriloquist: Artist, der ohne sichtbare Mundbewegung mit den Kehlkopfmuskeln und dem Gaumensegel Worte formen kann, wobei die Stimme scheinbar «aus dem Bauch» kommt

Bauchspeicheldrüse, Pankreas: aus exokrinem (äußere Sekretion) und endokrinem (innere Sekretion) Teil aufgebaute Drüse; liegt beim Menschen im oberen Abschnitt der Bauchhöhle vor der Wirbelsäule und passt sich hinter dem Magen zwischen Zwölffingerdarm und Milz ein. Der exokrine Teil bildet für die Verdauung notwendige Substanzen. Der Ausführungsgang (Ductus pancreaticus) mündet zusammen mit dem Gallengang in den Zwölffingerdarm. Die inselartig in das exokrine Drüsengewebe eingelagerten endokrinen Zellhaufen (Inselorgane, Langerhanssche Inseln) gehören zum Inkretsystem und produzieren für den Stoffwechsel der Kohlenhydrate notwendige Hormone, die A-Zellen das Glukagon, die B-Zellen das Insulin.

Bauchspeicheldrüsenentzündung, Pankreatitis: plötzlich einsetzender ausgedehnter Untergang von Drüsengewebe (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) mit abakterieller Entzündung infolge «Selbstverdauung» der Bauchspeicheldrüse (toxische Enzymopathie). Häufigste Ursachen sind Gallensteine und Alkoholmissbrauch. Schweres Krankheitsbild mit heftigen Leibschmerzen, Erbrechen, Darmlähmung und Kreislaufreaktionen. Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist ein langfristig schwelender, fortschreitender Entzündungsprozess, am häufigsten infolge Alkoholmissbrauchs. Kennzeichen sind unter anderem Oberbauchschmerzen, Verdauungsstörungen und Gewichtsverlust.

Bauchwassersucht, Aszites: Flüssigkeitsansammlung in der freien Bauchhöhle, am häufigsten bei Stauung im Pfortader Kreislauf und bei Bauchfellerkrankungen.

Baud: (nach J. M. E. Baudot) Maßeinheit für die Anzahl der Telegrafier-Schritte je Sekunde (Telegrafier-, Schrittgeschwindigkeit); 1 Baud = 1 Binärschritt/s.

Baude: (tschechisch, «Bude») alleinstehendes Gebirgshaus; Unterkunftshütte; Berggasthof.

Baueinheit: aus Baugruppen und eventuell Bauelementen bestehende, in sich abgeschlossene Funktionsgruppe als Teil eines komplexen technischen Erzeugnisses (Maschine, Gerät, Chemieanlage unter anderem). Baueinheiten sind häufig verschiedenartig kombinierbar beziehungsweise einsetzbar; dies hat besonders Bedeutung für die Erweiterung beziehungsweise Modernisierung von Werkzeugmaschinen, für Erzeugnisse der Elektrotechnik und für den Sondermaschinenbau.

Baueinheitenprinzip, Baukastenprinzip-, moderner Arbeitsgrundsatz, besonders in der Konstruktion, der eine rationelle Herstellung zahlreicher Varianten einer Erzeugnisart aus relativ wenigen Elementen durch deren sinnvolle Kombinationen auf der Grundlage eines Baueinheitensystems ermöglicht. Die Anwendung des Baueinheitenprinzips bietet wirtschaftliche Vorteile für Hersteller und Verbraucher (besonders durch verringerten Aufwand an Entwicklung, Konstruktion und Lagerhaltung), kürzere Lieferfristen, sichere Austauschbarkeit (Austauschbau), höhere Fertigungsraten infolge Standardisierung der Elemente.

Baueinheitensystem, Baukastensystem: materiell-technische Umsetzung des Baueinheitenprinzips. Ein Baueinheitensystem umfasst eine definierte Menge meist standardisierter Elemente (Bauelemente, -gruppen, -einheiten), durch deren vielfältige Kombinationen nach einem Baumusterplan oder Bauprogramm verschiedene Fertigprodukte einer Erzeugnisart (zum Beispiel Maschinen, Geräte, Möbel, Gebäude) hergestellt werden können. In der DDR und im RGW existieren zum Teil umfangreiche Baueinheitensystem, auch als Einheitssysteme (Abkürzung ES) bezeichnet.

Bauelement: 1. Bautechnik: Erzeugnis, das in Vorfertigungsbetrieben (Betonwerke unter anderem) hergestellt und auf der Baustelle zu großen Bauteilen zusammengesetzt oder in diese eingefügt wird. Bauelement sind zum Beispiel Wand- und Deckenelemente, Fenster, Türen.

2. Elektronik: handelsübliches Einzelteil mit eng tolerierten Kennwerten zum Aufbau elektrischer Netzwerke, Schaltungen und Geräte; insbesondere Widerstand, Kondensator, Spule, Relais, Schalter, Steckverbinder, Schwingquarz, Diode, Transistor, Thyristor, Elektronenröhre, integrierter Analog- oder Digital-Festkörperschaltkreis; Einteilung in passive (ohne Verstärkung) und aktive (mit Verstärkung) beziehungsweise lineare und nichtlineare Bauelement.

3. Feingerätetechnik: Verbindungs- oder Funktionselement zum Aufbau von Geräten durch sinnvolle Kombination mit anderen Bauelement Verbindungselemente werden gegliedert in stoffschlüssige (Lötung, Schweißung, Klebung unter anderem), formschlüssige (Nietung, Falzung, Verlappung unter anderem) und kraftschlüssige Verbindungselemente (Verschraubung, Verstiftung unter anderem), die unlösbar, bedingt lösbar oder lösbar sind. Funktionselemente werden gegliedert in Speicherelemente (Federn), Führungselemente für Dreh- und geradlinige Bewegungen (Lager aller Art, Wellen), Umformelemente (Getriebe aller Art), Ruheelemente (Gesperre, Bremsen, Kupplungen) sowie Schalt- und Steuerelemente (Schalt-, Spann- und Sprungwerke, Regler).

4. Bauelement, Baustein, Bauteil, Konstruktionselement: Fertigungstechnik - kleinste, also nicht weiter zerlegbare konstruktive Einheit eines technischen Erzeugnisses, zum Beispiel Kurbelwelle, Wälzlager, Feder, Schraube (Verbindungselement), Rohr, Linse; siehe auch Standardteil, Wiederholteil.

Bauern: landwirtschaftliche Produzenten, die als Eigentümer oder Pächter von Boden unter anderem Produktionsmitteln unter den verschiedenen Produktionsverhältnissen eine unterschiedliche gesellschaftliche Stellung einnehmen. In der Urgesellschaft nutzt der Bauern als Mitglied des Sippenverbandes den in Gemeineigentum befindliche Boden. Während der Sklavenhaltergesellschaft bilden die Bauern als zunächst unabhängige Produzenten eine Nebenklasse; sie geraten später in größere Unfreiheiten. Im Feudalismus sind Bauern eine der Grundklassen, sie sind, abgesehen von einer meist kleinen Schicht von Freibauern, hörig oder leibeigen. Im Kapitalismus sind die Bauern sozialökonomisch keine einheitliche Klasse mehr. Sie unterliegen einem ständigen Prozess der Differenzierung in die beiden Grundklassen der kapitalistischen Gesellschaft. Klassenmäßig spalten sie sich in Großbauern und werktätige Bauern. Großbauern sind «die kapitalistische Unternehmer in der Landwirtschaft ..., die in der Regel mit der Bauernschaft nur durch... ihre Lebensart und durch die persönliche körperliche Arbeit in ihrer Wirtschaft verbunden sind» (Lenin). Die Mehrzahl der Bauern gehören als einfache Warenproduzenten zur Klasse der werktätigen Bauern, die im Kapitalismus eine Nebenklasse ist. Mittelbauern verfügen über Wirtschaften, die in günstigen Jahren einen Überschuss abwerfen, der, akkumuliert, in Kapital umgewandelt werden kann. Einzelne Mittelbauern können sich so zu Großbauern entwickeln. Die Produktion der Kleinbauern die keine fremden Arbeitskräfte beschäftigen, reicht unter günstigen Bedingungen nur aus, um die Bedürfnisse der Familie zu decken. Sie unterliegen besonders stark der Ruinierung und wachsenden Existenzbedrohung. Die werktätigen Bauern sind an der Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung und der Macht der Monopole objektiv interessiert und folglich potentielle Bündnispartner der Arbeiterklasse. Nach Errichtung der politischen Macht der Arbeiterklasse beginnt eine grundlegende Veränderung der Lage und Klassenstruktur der Bauernschaft. Die werktätigen Bauern erhalten umfassende Hilfe und Unterstützung. Im Prozess der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft entsteht auf der Grundlage des genossenschaftlichen sozialistischen Eigentums an Produktionsmitteln und kollektiver Arbeit mit den Genossenschaftsbauern eine einheitliche, sozialistische Klasse, die frei von Ausbeutung, unter Anwendung der modernsten Technik die sozialistische Großproduktion in der Landwirtschaft entwickelt. Die Klasse der Genossenschaftsbauern ist eine der beiden Grundklassen der sozialistischen Gesellschaft. Im Bündnis mit der Arbeiterklasse und unter Führung der Partei der Arbeiterklasse üben sie mit die politische Macht im Staat aus.

Bauernbefreiung: irreführende Bezeichnung für die im Wesentlichen im 19. Jahrhundert vollzogene Aufhebung der feudalen Abhängigkeit der Bauern, die die Voraussetzung für die Entwicklung des Kapitalismus in der Landwirtschaft war. Sie erfolgte in Deutschland hauptsächlich durch Reformen, wobei mancherlei feudale Relikte erhalten blieben. Um von den feudalen Verpflichtungen befreit zu werden, mussten die Bauern in einem qualvollen und langwierigen Prozess Geldzahlungen leisten und große Teile ihres Landes abtreten. Allein in den ostelbischen Gebieten Preußens eigneten sich die Junker durch die Bauernbefreiung mehr als 1 Millionen Hektar Bauernland an; im Königreich Sachsen mussten die Bauern mehr als 85 Millionen Mark zahlen. Für die Mehrheit der Bauern brachte die Bauernbefreiung lediglich den Übergang aus der feudalen in die kapitalistische Abhängigkeit; viele von ihnen wurden besitzlose Lohnarbeiter.

Bauerndichtung: Literatur, in der Bauern und bäuerliches Milieu thematisch-stofflich widergespiegelt werden; siehe auch Dorfgeschichten.

Bauernhaus: in überlieferter Bauart errichtetes Wohngebäude eines bäuerlichen Familienbetriebes, das ausschließlich Wohnhaus sein, aber auch andere Funktionsräume (Stall, Scheune, Speicher) mit umfassen kann (Wohnstall-, Wohnspeicherhäuser, Wohn-, Stall- und Stapelräume vereinigende Einheitshäuser). Oft bildet es mit Nebengebäuden in lockerer oder fester Gruppierung regionaltypischer Gehöftformen. Für die Lebensweise eines großen Teils der werktätigen Bevölkerung hat das Bauernhaus in der Verbindung von Wohn- und Arbeitsbereichen über Jahrhunderte wesentliche Bedeutung gehabt. Vor- und frühmittelalterlichen Ausgangsformen waren relativ einheitlich und weitverbreitet (ein- beziehungsweise zweiräumige Nur-Wohnhäuser; im Küstengebiet des Norden vormittelalterlichen Hallenhäuser). zwischen 12./14. Jahrhundert entstanden Grundtypen des feudalzeitliches Bauernhaus (niederdeutsches Hallenhaus, mitteldeutsches Ein-(Flurküchen-)Haus und vermutlich auch das Tennerhaus als Leittyp des oberdeutschen Einheitshauses), die vom 15. Jahrhundert an unter städtlichen Einfluss zum Teil repräsentativ (zum Beispiel im Schwarzwald) ausgestaltet und durch Einbau heizbarer Stuben wohnlicher gemacht wurden. Treten bei mitteldeutschen Fachwerkbauten die das Dach und gegebenenfalls das Obergeschoß tragenden Ständer als Außengerüst vor die Stubenwände (in Block- oder Bohlen Zimmerung), entsteht sogenannt Umgebinde (typisch für die Oberlausitz). Der Wohnteil im niederdeutschen Hallenhaus, ursprünglich nur das von der Herdzone gebildete Flett, wurde durch einen ofenbeheizten Raum (Dönse) erweitert. Das Bauernhaus stellt in seiner Formenvielfalt eine wesentliche Kulturleistung dar und birgt als kulturelles Erbe, beabsichtigt oder auch unbewusst geschaffen, ästhetischen Werte.

Bauernkreuzzug: bäuerliche Bewegung zurzeit des 1. Kreuzzuges, die von Nordfrankreich und dem Rheinland ausging und die Eroberung Jerusalems zum Ziel hatte. Die von den Kreuzzugspredigern fanatisierten Bauernheere wurden in Kleinasien von den Seldschuken (1096), beziehungsweise bereits auf der Balkanhalbinsel vernichtet. Dem Wesen nach war der Bauernkreuzzug eine durch die Kreuzzugsideologie legitimierte Flucht der Bauern vor feudaler Ausbeutung, Fehden, Hunger und Missernten, vergleichbar mit Stadtflucht oder Binnenkolonisation.

Bauernkrieg, deutscher: Erhebung der Bauern, städtliche Unterschichten und Bergarbeiter weiter Teile des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation 1524/26; Höhepunkt der deutschen frühbürgerlichen Revolution. Der deutsche Bauernkrieg erfasste nach der Stühlinger Erhebung im Juni 1524 zunächst den äußersten Südwesten, 1525 auch Schwaben, Franken, Thüringen, Württemberg, das Elsass, die Pfalz, die Nordschweiz und die Alpenländer; Ausläufer reichten nach Westen bis in die Franche Comté und nach Osten bis Böhmen. Die Aufständischen forderten die Verminderung der Abgaben, Abschaffung der Leibeigenschaft, freie Wahl der Pfarrer und volle Nutzung der Allmende (Zwölf Artikel). Der radikale Flügel forderte die Beseitigung jeder sich über das Volk erhebenden Obrigkeit (Artikelbrief, Tiroler Landesordnung). Bedeutende Führer der Aufständischen waren T. Müntzer und M. Gaismair. Von März bis Mai 1525 erlangte das Volk vielerorts die Macht. Seit Mitte April 1525 (Weingartner Vertrag) ging die Initiative an den Schwab. Bund über, dessen Heer die meisten der militärisch unerfahrenen Bauernhaufen einzeln schlug. Zersplitterte Aktionen, das Fehlen einer zentralen Führung und der Hilfe der großen Städte machten die Niederlage der Bauern und der sie unterstützenden niederen städtlichen Schichten unvermeidlich. Bis zum Sommer 1525 waren fast alle Bauernhaufen besiegt; nur in den Alpenländern flammte der Aufstand 1526 noch einmal auf. Die Niederlage der Aufständischen bedeutete das Ende der deutschen frühbürgerlichen Revolution und stabilisierte die feudale Fürstenmacht.

Bauernkrieg, Schweizer: Aufstand gegen die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und die Wertminderung der Münze, der im Januar 1653 von den Bauern der Luzemer Landschaft ausging, sich danach auf die Gebiete von Bern, Solothurn und Basel ausbreitete. Die Bauern beschworen Ende April und Anfang Mai 1653 den Huttwiler Bund unter anderem gegen neue Belastungen und Kriegsabsichten der Obrigkeit. Die Aufständischen handelten jedoch in den einzelnen Landschaften getrennt und unterlagen schließlich. Der Mellinger Vertrag vom 4. 6. 1653 verpflichtete sie zur Niederlegung der Waffen. Die noch Widerstand leistenden Berner wurden kurze Zeit später ebenfalls unterworfen. Die Aufständischen, insbesondere ihre Anführer, wurden hart bestraft (Hinrichtungen, Verbannungen, Verstümmelungen).

Bauernlegen: im Feudalismus das Auskaufen oder Verjagen abhängiger Bauern durch den Grundherrn, um das Land dem Gutshof zuzuschlagen; wurde besonders zur Ausdehnung der Schafhaltung oder des gewinnbringenden Getreideexports praktiziert; erlebte seinen Höhepunkt im 17./18. Jahrhundert im Gebiet der ostelbischen Gutsherrschaft und wurde im 19. Jahrhundert unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen mit der Bauernbefreiung fortgesetzt.

Bauernmöbel: transportable Stücke der traditionellen bäuerlichen Wohneinrichtung. Regionale Herstellungszentren, Dorftischler und -maler entwickelten oft von Barock und Rokoko herkommend eigene Stile der Gestaltung.

Bauernräte: entsprechend einem Aufruf des Rates der Volksbeauftragten vom 12.11. 1918 gebildete Räte; sie sollten dazu dienen, die Kleinbauern und Landarbeiter dem junkerlich-großbäuerlichen Einfluss unterzuordnen und so ein Übergreifen der Revolution auf das Land zu verhindern. In einigen Gebieten kämpften von revolutionären Kräften geführte Bauernräte, zum Teil gemeinsam mit Arbeiter- und Soldatenräten, für eine Bodenreform.

Bauernregeln: Sprüche über Wetter, landwirtschaftliche Arbeitstermine und Ernteaussichten. In diesem vorwiegend mündlich weitergegebenen Volkswissen mischen sich reale Erfahrungen mit überliefertem Volksglauben, zum Teil antiker Herkunft.

Baufeuchte: Feuchtigkeit, die durch Niederschläge sowie durch Verdunsten von Anmachwasser aus Mörtel, Beton und Estrich oder auch durch die für den Abbindeprozess von Beton notwendige Feuchthaltung während der Bauzeit in das Bauwerk gelangt. Das Bauen mit Fertigbauteilen senkt die Baufeuchte und verkürzt die Austrocknungszeit des Bauwerkes.

Baufluchtlinie, Baubegrenzungslinie: amtliche, in den Bebauungsplänen festgelegte vordere, hintere oder seitliche Linie, bis zu der ein Grundstück bebaut werden darf.

Baufreiheit: Möglichkeit der ungehinderten Erbringung von Investitionsleistungen durch die Investitionsauftragnehmer. Die vom Investitionsauftraggeber während der gesamten Bauzeit zu gewährleistende Baufreiheit beinhaltet unter anderem die Beräumung und Abgrenzung des Baugeländes, die Heranführung der Zufahrtstraßen und Versorgungsleitungen.

Bauglas: Sammelbegriff für die im Bauwesen verwendeten Glasartikel, besonders Flachgläser, wie Fenster-, Walz-, Draht-, Ornamentglas, aber auch hohle Glasbausteine, Profil- und Schaumglas. Bauglas ist lichtdurchlässig, feuerbeständig, begrenzt durchlässig für Wärmestrahlung und ausreichend korrosionsbeständig.

Baugrube: Erdaushub zum Freilegen der Gründungssohle von Bauwerken. Die Ränder der Baugrube werden durch Böschung oder Verbau vor Einsturz geschützt; bei Wasserandrang sind Wasserhaltungsmaßnahmen zur Trockenlegung der Baugrube anzuwenden. S: a. Grundwasserabsenkung.

Baugrund: Teil der Wasser- und Gesteinsschichten, die im Zusammenhang mit einer geplanten oder vorhandenen bauliche Anlage beeinflusst werden beziehungsweise einen Einfluss auf das Bauwerk ausüben. Der Baugrund wird in Fest- und Lockergesteine eingeteilt. Die Art des Baugrunds und seine erdstoffphysikalischen Eigenschaften bestimmen die Gründung eines Bauwerkes. Die Baugrund Untersuchung erfolgt mittels baugrundmechanischen, chemische, ingenieurgeologische und hydrologische Methoden und hat die Ermittlung der Baugrundeigenschaften, wie Schichtung, Tragfähigkeit, Lösbarkeit, Verdichtungsfähigkeit, Frostveränderlichkeit, Grundwasserstand sowie Aggressivität der Wässer, zum Inhalt. Die Baugrunderkundung erfolgt durch direkte (Schürfe, Bohrungen) oder indirekte Baugrundaufschlüsse (Sondierungen, geoelektrische Methoden). Siehe auch Grundbruch.

Baugrundmechanik, Bodenmechanik: Wissenschaft von den chemischen und physikalischen, besonders den mechanischen Eigenschaften des Baugrundes, zum Beispiel seines Verhaltens unter der Bauwerksauflast, bei Erschütterungen und bei Grundwasserabsenkung, bei Anlage und Betrieb von Tagebauen. Aufgaben der Baugrundmechanik sind die Ermittlung

a) der auftretenden Kräfte und Spannungen im Baugrund;

b) des Erddruckes;

c) der Tragfähigkeit, Zusammendrückbarkeit und Scherfestigkeit sowie des dynamischen Verhaltens des Baugrundes und seiner Setzungsanfälligkeit bei Belastung;

d) der Standsicherheit von Böschungen und

e) die Bereitstellung der Bemessungsgrundlagen für Gründungsmaßnahmen.

Baugrundverbesserung: Erhöhung der Tragfähigkeit von Locker- oder Festgesteinen durch Baugrundverfestigung, elektrochemische Verfahren oder Austausch des Erdstoffs (zum Beispiel Kiespolstergründungen).

Baugrundverfestigung: Erhöhung der Tragfähigkeit des Baugrundes durch Injektion, Untermischen u. ä. von chemisch erhärtenden Stoffen in Lockergesteine oder Felsrisse. Zementsuspension (Zementleim) wird besonders zum Abdichten in Felsspalten gepresst oder Sanden zur Baugrundvermörtelung untergemischt. Chemikalien, wie Wasserglas, Kunstharzdispersionen unter anderem, bewirken in nicht wasserführenden Schichten Versteinungen. Beim Bau von Straßen und Böschungen sowie beim Verfüllen von Baugruben werden besonders Kalke, Aschen oder Bitumen zur Baugrundstabilisierung untergemischt. Durch die Baugrundverfestigung nimmt der Erdstoff weniger Wasser auf, und die Grundbruchsicherheit wird erhöht.

Baugruppe: 1. Elektronik: Baustein.

2. Fertigungstechnik: aus Bauelementen bestehender Teil eines komplexen technischen Erzeugnisses oder einer Baueinheit. Der Umfang einer Baugruppe wird unter Berücksichtigung funktioneller, wirtschaftlicher, montage- und handelstechnischer Gesichtspunkte bestimmt. Eine Baugruppe kann in Unterbaugruppe verschiedener Grade gegliedert werden, zum Beispiel die Baugruppe Elektromotor in Unterbaugruppe 1. Grades: Ständer (Stator), Läufer (Rotor), Lagerschilde; 2. Grades: Ankerwicklung, Ankerachse, Kommutator, Lüfter; 3. Grades: Kupferlamellen, Isolierschichten.

Baugruppenzeichnung: Darstellung einer Gruppe von zusammengehörenden Bauteilen in senkrechter Parallelprojektion, in der alle Teile enthalten, mit einer Positionsnummer versehen, aber nur soweit bemaßt sind, wie es zur Kennzeichnung der Funktion oder der Montage erforderlich ist. Zur Baugruppenzeichnung gehört eine Liste aller Bauteile mit Angabe der Stückzahl, Benennung, Masse, Werkstoff, Standardnummer und so weiter.

Bauhaus, Staatliches: deutsches Kunstinstitut, das 1919 in Weimar unter Leitung des Architekten W. Gropius durch die Vereinigung der dortigen Hochschule für bildende Kunst und Resten der 1915 aufgelösten Kunstgewerbeschule unter Angliederung einer Architekturabteilung gegründet wurde. Die Künstler des Staatlichen Bauhauses experimentierten an neuen Verbindungen der Architektur mit Kunst und Werkkunst im Sinne eines Gesamtkunstwerks, wobei soziologische und philosophische Erwägungen eine Rolle spielten. Die Ausbildung am Staatlichen Bauhaus umfasste alle Gebiete der bildenden Kunst und handwerkliche Fähigkeiten. Als Resultat entstanden im Kampf gegen den Historismus eine zweckmäßige, materialgerechte Architektur und neue Formgebungen für Gebrauchsgegenstände, .die von der industriellen Produktion weiterentwickelt wurden. Es wurde das Zusammenwirken von Kunst und Industrie im Sinne einer umfassenden Lebensgestaltung angestrebt. Neben W. Gropius wirkten als Lehrer H. Meyer, L. Mies van der Rohe, L. Feininger, W. Kandinsky, P. Klee, G. Mareks, L. Moholy-Nagy, O. Schlemmer. Bald nach seiner Gründung wurde das Staatliche Bauhaus, das zum Teil marxistisch geprägt war, von der politischen Reaktion angegriffen. 1925 nach Dessau verlegt und reorganisiert, 1933 durch die faschistischen Machthaber aufgelöst. Mit seinen fortschrittlichen architektonische Ideen und seiner modernen Formgestaltung wurde das Staatliche Bauhaus weit über die Grenzen Deutschlands hinaus richtungweisend.

Bauhinsche Klappe, (nach einem schweizerischer Anatomen) Dickdarmklappe: aus 2 Lippen bestehende Schleimhautfalte zwischen Dünn- und Dickdarm; verhindert Rücktritt des Darminhaltes in den Dünndarm.

Bauholz: a) Schnittholz, wie Kantholz, Rahmen, Latten und Bretter;

b) Baurundholz; entrindet verwendetes Baumaterial (Gruben- und Rüstholz).

Bauhütte: a) im Mittelalter Gewerksgenossenschaft der Steinmetzen, Bildhauer unter anderem Bauhandwerker (besonders bei großen Kirchenbauten) mit eigenen Gesetzen und Gerichtsbarkeit; im 16. Jahrhundert Umwandlung in Zünfte;

b) in der Weimarer Republik Baubetrieb mit genossenschaftlichen Charakter;

c) Hilfsbau (Baracke, Baubude) auf Bauplätzen für Arbeiter.

Bauhygiene: Sammelbegriff für Wissens- und Arbeitsgebiete, die sich mit der gesundheitstechnische Vervollkommnung der Wohn-, Gesellschafts- und Industriebauten und den Wechselbeziehungen zwischen Wohn- beziehungsweise Arbeitsstätten und der Umwelt befassen, zum Beispiel Schall-, Wärme- und Feuchtigkeitsschutz, Besonnung und Belichtung, Heizung und Lüftung, Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung.

Baukasten: Menge von Bausteinen (Motoren, Kupplungen, Getriebe, Pumpen, auch Bohreinheiten und Fertigungselemente) und die dazugehörige Kombinationsvorschrift, mit deren Hilfe sich für einen abgegrenzten Anwendungsbereich unterschiedlicher technischer Mittel herstellen lassen.

Baukeramik: Sammelbegriff für die im Bauwesen verwendeten keramische Bauelemente, zum Beispiel Ziegel, Blendsteine, Klinker, Dachziegel, Kanalisationsrohre, Fassadenkeramik, Fliesen und Kacheln. besonders leicht und wärmedämmend ist die stark poröse Schaumkeramik, die aus Blähton oder -schiefer beziehungsweise unter Verwendung von Schaumbildnern hergestellt wird.

Baum: 1. Botanik: vieljährige, meist über 3 m hohe Holzpflanze, deren Hauptspross sich erst in bestimmter Höhe verzweigt mit Ausnahme der Baumfarne und Palmen, die keine Zweige bilden, sondern nur einen Blattschopf tragen.

2. Mathematik: in der Graphentheorie ein zusammenhängender, kreisfreier, ungerichteter Graph.

3. seemännisch Rundholz der Takelung; vor allem das, an dem die Unterkante von Gaffel-, Hoch- und Spitzsegeln angeschlagen wird; auch Kurzbezeichnung für Ladebaum (siehe auch Ladegeschirr).

Baumannabdruck: (nach einem Ingenieur) metallographisches Verfahren zum Nachweis von Schwefelseigerungen in Stahl und Gusseisen. In Schwefelsäure getauchtes Fotopapier wird auf die Schlifffläche gedrückt. An Sulfideinschlüssen entstehender Schwefelwasserstoff färbt die Fotoschicht braun und gibt so ein Abbild der Schwefelverteilung.

Baumaschinen: Maschinen für den Einsatz auf Baustellen des Hoch-, Tief- und Ingenieurbaus oder in Betonwerken. Nach Zweck und Aufgabe unterscheidet man Erdbewegungsmaschinen (Universalbagger, Flachbagger, Lader), Aufbereitungsmaschinen; Gründungs- und Verdichtungsmaschinen (Bohrmaschinen, Rammen, Pfahlzieher, Walzen, Stampfer, Vibrationsmaschinen), Straßenbaumaschinen; Hebezeuge und Fördermittel (Krane, Bauaufzüge, Gurtbandförderer, Pumpen), Transportmittel zum Transport von Erdstoffen, Beton und anderen Baustoffen (Hinterkipper, Dumper, Transportmischer), Betonstahlmaschinen (Richtmaschinen, Schneidemaschinen, Biegemaschinen, Schweißmaschinen); Kleinmechanisierungsgeräte (Verputzaggregate, Mauernutfräsen, Bolzenschussgerät, Bohrhammer unter anderem).

Baum der Reisenden, Ravenala madagascariensis: Bananengewächs der Trockengebiete Madagaskars, das in seinen hohlen Blattscheiden Regenwasser speichert.

Baumenten, Pfeifgänse, Dendrocygna: 40 bis 45 cm lange Enten der Tropen und Subtropen mit lauter schriller Stimme. Das aus 10 bis 16 Eiern bestehende Gelege wird in Baumhöhlen vom Männchen und Weibchen in 24 bis 31 Tagen ausgebrütet.

Baumfarne: baumartige, tropische Farne (zum Beispiel Marattiales) mit holzigem, unverzweigtem, bis 20 m hohem Stamm, der am Ende eine Rosette gefiederter, langer Blätter trägt.

Baumform: durch die Länge des Stammes bestimmte Form des Baumes. Man unterscheidet nach DDR-Standard für Obstpflanzgut (TGL 7790) Hochstamm (1,8 bis 2 m Stammlänge), Halbstamm (1,25 bis 1,5 m), Viertel- oder Meterstamm (0,8 bis 1 m), Niederstamm, Busch, Spindel (0,6 und 0,4 m); ferner Zierformen (Pyramiden, Trauerbäume unter anderem).

Baumgarten: 1. Arthur Baumgarten, 31.3.1884-27.11.1966, Jurist; hervorragender Vertreter der Rechtsphilosophie und des Völkerrechts; Präsident der ASR (1952/60); schrieb unter anderem «Die Wissenschaft vom Recht und ihre Methode» (1922); «Grundzüge der juristischen Methodenlehre» (1939); «Vom Liberalismus zum Sozialismus» (1967).

2. Ernst Georg August Baumgarten, 22.1.1837-23.6.1884, Oberförster, unternahm 1879 in Grüna (bei Karl-Marx-Stadt) in einem «Flügelluftschiff mit Lenkvorrichtung», dessen Luftschrauben mit Handkurbeln angetrieben wurden, erste Aufstiege. Danach Zusammenarbeit mit dem Leipziger Buchhändler Hermann Wölfert (1850-1897 (abgestürzt)), der später seine Versuche fortsetzte.

Baumkängurus, Dendrolagus: zu den Kängurus gehörende Beuteltiere mit wenig verlängerten Hinterbeinen, kräftigen Vorderbeinen und starken Krallen; bewohnen tropische Gebirgswälder und Urwalddickichte Neuguineas und Nordqueenslands.

Baumkuchen: Konditoreiware aus flüssiger Masse mit besonders hohem Ei- und Butteranteil, in dickwandiger Hohlzylinderform schichtweise auf rotierenden Walzen gebacken und mit Fondantmasse, Kuvertüre o. ä. überzogen.

Baumläufer, Certhiidae: Singvogelfamilie mit dünnem, gebogenem Schnabel; geschickte Baumkletterer mit Stützschwanz wie die Spechte; heimisch der Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) und der Waldbaumläufer (C. familiaris), beide 12 cm lang mit rindenfarbenem Gefieder, aber unterschied), Gesang und Lockruf.

Baumläuse, Lachnidae: Familie der Blattläuse; saugen an Holzgewächsen und Wurzeln von Krautgewächsen (ohne Wirtspflanzenwechsel), erzeugen an Bäumen Honigtau.

Bäummaschine: Maschine zum geordneten Aufwickeln einer Kette in voller Breite und Fadendichte auf einen Kettbaum.

Baumpfähle: zur Stützung von Jungbäumen und bei schwachwachsenden Bäumen während der gesamten Standzeit verwendete Pfähle aus Holz, Beton, Glasfiber unter anderem.

Baumpieper, Anthus trivialis: bis 15 cm langer, den Stelzen nahestehender heimischer Singvogel lichter Wälder; Insektenfresser, Bodenbrüter, legt 4 bis 5 Eier, Zugvogel.

Baumreife: Reifestadium der Frucht von Obstbäumen, das durch leichtes Ablösen der Frucht vom Fruchtholz gekennzeichnet ist; siehe auch Genussreife.

Baumschliefer, Waldschliefer, Dendrohyrax: zu den Schliefern gehörende hasengroße Säugetiere des zentralafrikanischen Urwaldgebietes; nachtaktive Pflanzenfresser, Baumbewohner.

Baumschule: Anzuchtstätte von Gehölzen verschiedener Arten. Je nach Überwiegen der Arten unterscheidet man Obstbaumschule, Ziergehölz-Baumschule, in denen auch Heckenpflanzen, Nadelgehölze und zum Teil Stauden angezogen werden, Unterlagenbaumschule für Veredlungsunterlagen und Forstgehölz-Baumschule.

Baumschutz: Hülle aus Plast, Maschendraht, Schilf oder Reisig für Baumstämme, um Wildverbissschäden zu verhindern.

Baumschutzordnung: Verordnung über die Erhaltung, Pflege und den Schutz der Bäume außerhalb des Waldes, in Städten und Gemeinden.

Baumstachler, Baumstachelschweine, Erethizontidae: baumbewohnende, plump gebaute Nagetiere mit kurzen Stacheln vorwiegend an Rücken und Flanken. Baumstachler leben in den Wäldern von Alaska bis Argentinien. Einzige nordamerikanische Art ist der Urson (Erethizon dorsatum) mit Widerhaken tragenden Stacheln.

Baumwachs: Mittel aus Fichtenharz, Talg, Bienenwachs und Leinöl zum luft- und wasserdichten Abschluss von Baum- und Veredlungswunden.

Baumwolle: Samenhaare des Baumwollstrauches. Die Samenbäusche, aus frisch aufgesprungenen Kapseln in steigendem Maße maschinell gepflückt, werden sortiert, getrocknet und egreniert. Die feinen, weißen bis bräunlichen, 10 bis 60 mm langen Samenhaare sind leicht verspinnbar, besonders langfaserige (-stapelige). Haupterzeuger sind Ägypten, die USA, die UdSSR, China und Indien. Textilien aus Baumwolle sind sehr strapazierfähig und pflegearm.

Baumwollgürtel, englisch Cotton Belt: Landbauzone in den USA mit Schwerpunkt Texas, die die südöstliche und südwestliche Zentralstaaten (außer Oklahoma) sowie die Bundesstaaten Virginia, West Virginia, Georgia, Nord- und Südkarolina einschließt (ehemals sklavenhaltender S) und in der bis ein Sechstel der Anbaufläche (bis etwa 1930) dem Baumwollanbau Vorbehalten war. Gleichfalls bedeutende Agrarprodukte lieferten der Tabak- und Indigo- (Kolonialzeit), Zuckerrohr- und Maisanbau sowie die Viehzucht. Seit 1930 wurde die Baumwollanbaufläche um 65 % zugunsten des Tabak-, Sojabohnen- und Erdnussanbaus sowie der Rinder- und Geflügelzucht verringert (Auflösung des Baumwollgürtels); etwa 30% der US-amerikanischen Baumwolle werden von Bundesstaaten außerhalb des Baumwollgürtels erzeugt.

Baumwollsamenöl, Cottonöl (englisch + lateinisch): gelbliches, schwach trocknendes, aus Baumwollsamen gepresstes oder extrahiertes fettes Öl; verwendet für Seifen und Margarine.

Baumwollstrauch, Gossypium: Gattung der Malvengewächse; vorwiegend gelb blühende Sträucher mit gelappten Blättern. Die walnussgroßen Kapselfrüchte enthalten 5 bis 10 schwarze ölreiche Samen, deren bis 6 cm lange Haare die Baumwolle liefert. Die Anbaugebiete der auch für die Speiseölgewinnung genutzten Kulturpflanze befinden sich in den Tropen und Subtropen sowie in der warmgemäßigten Klimazone.

Bauordnung: verfahrensrechtlichen und bautechnischen gesetzt. Bestimmungen im Bauwesen für Planung, Projektierung und Genehmigung von Bauvorhaben.

Bauphysik: Teilgebiet der technischen Physik und der Bauwerksklimatik; erforscht die theoretischen Grundlagen der Durchdringungsmechanik von Feuchtigkeit, Wärme und Schall durch Baustoffe und Bauwerksteile. Die Forschungen der Bauphysik dienen der Verbesserung der Gebrauchswerteigenschaften, der Energieeinsparung und Vermeidung von Bauschäden.

Bauplanung: Gesamtheit aller funktionellen, konstruktiven, gestalten, technologischen und ökonomischen Überlegungen und Tätigkeiten für die Vorbereitung und Durchführung eines Bauvorhabens.

Bauplastik: Plastik, die in fester Verbindung mit Bauwerken steht, in der Regel diesen dekorativ beigefügt, seltener mit der Funktion von Baugliedern (Atlant, Karyatide, Schlussstein). Bauplastik kann bei starker Betonung des Inhalts den Sinn des Bauwerks unterstreichen; mitunter, wie in der indischen Baukunst, überwuchert sie den ganzen Baukörper. Überall, wo sich Monumentalarchitektur entwickelte, gab es auch Bauplastik Als Form der baugebundenen Kunst gewinnt sie in der sozialistischen Baukunst wieder an Bedeutung.

Bauplatten: Bauelemente genormter Abmessungen zur Herstellung von Trennwänden, für Decken- und Wandverkleidungen. Leichtbauplatten sind Faserbaustoffe von geringer Rohdichte aus Faserstoffen wie Holzwolle, Stroh, Schilf und Bindemittel wie Zement, Gips, Leim und werden als Dämmplatten zur Schall- und Wärmedämmung verwendet; siehe auch HWL-Platte.

Baur, Erwin, 16.4.1875-2.12.1933, Arzt und Botaniker; bekannt als bedeutender Vererbungsforscher und Pflanzenzüchter; konnte den Erbgang verschiedenster Eigenschaften klären; trug wesentlich dazu bei, die Pflanzenzüchtung wissenschaftlich zu begründen.

Baurecht: die Gesamtheit aller für das Bauwesen verbindliche Rechtsnormen, besonders die Bestimmungen für die Stadt-, Dorf- und Bauplanung, die Projektierung, für die Bauausführung, -aufsicht, -Wirtschaft und -Investitionen.

Bauschelastizität: Fähigkeit von Faserstoffen, nach Druckbeanspruchung die ursprünglich Form wieder einzunehmen. Garne mit Bauschelastizität dienen zur Herstellung voluminöser, wärmedämmender Textilien.

Baustahl: jeder für Bauzwecke verwendete unlegierte und legierte Stahl im Gegensatz zum Werkzeugstahl, zum Beispiel Einsatz-, Vergütungs-, Feder-, Dynamo sowie chemisch beständige, warmfeste und zunderbeständige Stähle. Nach dem Reinheitsgrad unterscheidet man Massen-, Qualitäts- und Edelstahle.

Baustein: 1. Baustein, Baugruppe: Elektronik - aus Bauelementen aufgebaute Funktionseinheit elektrisches Geräte oder Anlagen (zum Beispiel Verstärkerbaustein einer elektroakustischen Anlage, Speicherbaustein eines Rechners, Stromversorgungsbaustein eines Gerätes).

2. Fertigungstechnik: Bauelement.

Baustellenbereich: Teilbereich auf Großbaustellen oder auch die Zusammenfassung einzelner, örtlich getrennter kleinerer Bauvorhaben; untersteht einem Bauleiter.

Baustelleneinrichtung: Gesamtheit aller zur Durchführung eines Bauvorhabens auf der Baustelle erforderlichen sozialen (Umkleide-, Wasch-, Pausenräume) und technischen Einrichtungen, wie Strom- und Wasserversorgung, Baumaschinen, Baustraßen und Lagerplätze.

Baustoffprüfung: Werkstoffprüfung von Bauwerken, Bauwerksteilen, Bauelementen unter anderem sowie deren Bestandteilen auf ihre bautechnischen Eigenschaften, zum Beispiel Druckfestigkeit, Dämmwirkung, Verarbeitbarkeit, Brennbarkeit, sowie auf ihren Feuerwiderstand, ihr Verhalten gegenüber chemischen und biologischen Einflüssen beziehungsweise Witterungseinflüssen.

Baustoffe: Werkstoffe zur Ausführung von Bauwerken. Natürliche Baustoffe sind Holz, Natursteine (einschließlich Schiefer, Lehm); künstliche Baustoffe sind keramische Baustoffe (Ziegel, Kalk, Gips) sowie Glas, Metalle, Plaste unter anderem.

Bausubstanz: Gesamtheit aller vorhandenen Gebäude und bauliche Anlagen der Volkswirtschaft.

Bautechnik: Oberbegriff für bautechnische und -technologische Projektierung und Ausführung (einschließlich Vorfertigung) von Baukonstruktionen und -werken.

bautechnischer Brandschutz: Gesamtheit aller Vorschriften und Maßnahmen zur Gewährleistung der Feuersicherheit von Bauwerken, das heißt funktionelle (Warnanlage), technische (Löscheinrichtung) und konstruktive (Notausgang) Lösungen zum Verhindern der Brandausbreitung sowie zur Evakuierung von Materialien und Menschen. Die Bauwerke werden je nach der rechnerisch ermittelten Brandbelastung aus dem technologischen Prozess und der Art und Menge des Lagergutes in Brandgefahrenklassen und unter Berücksichtigung der Bauweise, des Ausbaus und der Brennbarkeit der Baustoffe in Feuerwiderstandsklassen eingestuft. Beide sind für die Festlegung der Brandabschnitte, die Länge der Fluchtwege und Gebäudeabstände maßgebend.

Bautechnologie: Teilgebiet der technologischen Wissenschaften; Arbeitsgebiete der Bautechnologie sind Entwicklung neuer Fertigungsverfahren, bautechnologische Projektierung, Lenkung und Leitung aller Teilprozesse der industriellen Bauproduktion auf Baustellen und in Vorfertigungsbetrieben.

Bautenschutz: Maßnahmen in und an Bauwerken sowie Bauteilen zur Erhöhung der Lebensdauer und Verbesserung des Nutzungswertes durch Schutz gegen physikalische, biologische und chemische Einflüsse der Umwelt. Teilgebiete des Bautenschutzes sind Feuchtigkeits-, Säure-, Blitz-, Holz-, Erschütterungs-, Schall-, Brand- und Wärmeschutz. Siehe auch Abdichtung, Sperrung.

Bauweise: Art der Konstruktion oder Bauausführung, unterschieden nach Baustoffen (Lehm-, Ziegel-, Beton-, Stahlbauweise unter anderem), nach der Bauausführung (Monolithbauweise, Montagebau), nach Struktur und Konstruktion (Skelettbau, Längswandbauweise mit tragenden Längswänden, Querwandbauweise mit tragenden Querwänden). Nach der Art der Siedlungsplanung unterscheidet man offene Bauweise (mit Zwischenräumen), halboffene Bauweise (Zeilenbau), geschlossene Bauweise (Reihenhausbau); siehe auch Gleitbau, Leichtbau, Großblockbau, Massivbau.

Bauwesen: Gesamtheit aller Betriebe und Einrichtungen, die am Prozess der Bauvorbereitung und -durchführung beteiligt sind. Zum Bauwesen gehören unter anderem die Bauwirtschaft, die Baumaterialienindustrie, die Baumechanisierung, die bautechnische Projektierung, die wissenschaftliche Institutionen und die staatlichen und wirtschaftsleitenden Organe des Bauwesen Vom Bauwesen wird ein wesentlicher Teil des Investitionsvolumens der Volkswirtschaft realisiert. Das zentrale Organ für die einheitliche Leitung und Planung des Bauwesens ist das Ministerium für Bauwesen.

Bayerischer Bauernaufstand: 1. Aufstand der südbayerischen Bauern im Winter 1633/34 gegen Kriegs steuern und Söldnereinquartierungen während des Dreißigjährigen Krieges; im Januar 1634 niedergeschlagen.

2. Aufstand bayerischer Bauern im Winter 1705/06 gegen die Ausplünderung durch die österreichische Besatzung und ihre einheimischen Helfer (Beamte und Feudalherren); nach ersten Erfolgen wurden die Bauers vor München geschlagen. Ausläufer in Niederbayern wurden 1706 unterdrückt.

Bayerischer Erbfolgekrieg: Konflikt zwischen Preußen und Österreich 1778/79, ausgelöst durch den Plan Josefs, nach Aussterben der bayerischen Wittelsbache: Niederbayern und Teile der Pfalz zu annektieren. Der am 5. 7. 1778 mit dem Einmarsch preußischer Truppen in Böhmen begonnene Krieg erschöpfte sich strategische Operationen; endete mit dem Frieden zum Teschen vom 15. 3. 1779.

Bayerischer Wald: waldreiches, raues Mittelgebirge im Osten Bayerns, auch als Vorderer Wald bezeichnet, zwischen Böhmerwald (Hinterer Wald) und Donau, im Einödriegel 1121 m; aus Gneisen, kristallin. Schiefern, Graniten und Quarziten; Graphitvorkommen; Forstwirtschaft; Holz-, Glasindustrie; Nationalpark.

Bayerverfahren: klassisch, von dem österreichischen Chemiker K. J. Bayer (1847-1904) entwickeltes Verfahren zur Tonerde-Gewinnung aus Bauxit. Die bei diesem Prozess entstehende reine Tonerde wird der Elektrolyse zugeführt, in der dann die Abscheidung des Aluminiums erfolgt.

Bayeux Teppich: ein im Museum von Bayeux aufbewahrter, farbig bestickter, künstlerisch wertvoller Leinenteppich (70 m lang, 0,50 m breit) mit der Darstellung des Zugs der Normannen nach England und ihrem Sieg in der Schlacht bei Hastings 1066. Der Bayeux-Teppich entstand kurz danach und ist deshalb auch kulturgeschichtlich aufschlussreich.

Bayeux: Stadt im Nordwesten Frankreichs, östlich von Caen; 13000 Einwohner; Spitzen- und Porzellanindustrie; Landwirtschaftsmarkt; Bildermuseum und Museum der Königin Mathilde; gotische Kathedrale (11./13. Jahrhundert).

Bayle, Pierre, 18.11.1647-28.12.1706, französischer Philosoph; trennte als früher Aufklärer und Vertreter des Skeptizismus Wissen von Glauben, Moral von Religion; wies nach, dass eine Gesellschaft von Atheisten existieren kann. Sein «Historisch kritisches Wörterbuch» (1695/97, deutsch) ist Vorläufer der Encyclopädie.

Bayreuth: Kreisstadt und kreisfreie Stadt in Bayern, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirkes Oberfranken, am Roten Main; 70000 Einwohner; Maschinenbau, Textil-, Elektro-, Porzellan-, Nahrungsmittelindustrie; pädagogische Hochschule; Richard-Wagner-Festspielhaus (Festspiele seit 1876); Schlösser (18. Jahrhundert). 1231 Stadt; 1603/1791 Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach, 1810 zu Bayern. Mit den von R. Wagner begründeten Bayreuther Festspielen gewann die Stadt Weltruf.

Bazaine, François Achille, 13.11.1811-24.9.1888, französisch Militär (Marschall von Frankreich); 1869 Kommandant der Kaiserlichen Garde; während des Deutsch-Französischen Krieges kapitulierte Bazaine aus Gegnerschaft zur inzwischen proklamierten Dritten Republik vorzeitig am 27.10. 1870 in Metz; wurde als Verräter zum Tode verurteilt, dann begnadigt und verbannt.

Bazillen: im Boden lebende aerobe Sporenbildner, zum Beispiel Bacillus subtilis. Als einziger Krankheitserreger gilt Bazillen anthracis (Milzbrand), der eine tödlich endende Tierseuche verursacht; Übertragung auf den Menschen (als lebensgefährliche Infektion) ist möglich. Früher Synonym für Bakterien.

BCG-Impfstoff: aus Kulturen des Bacillus bilié Calmette-Guérin hergestellter Tuberkuloseschutzimpfstoff. Es gibt BCG-Testvakzine zur Diagnostik und BCG-Trockenimpfstoff zur Schutzimpfung.

BCS-Theorie: (nach J. Bardeen, L. Cooper und J. Schrieffer) etwa 1957 aufgestellte Theorie der Supraleitfähigkeit. Durch den Isotopieeffekt, das heißt die Abhängigkeit der kritischen Temperatur eines Supraleiters von der Isotopenmasse, zeigte sich, dass bei der Supraleitfähigkeit die Phononen (Gitterschwingung) eine wesentliche Rolle spielen müssen. Diese vermitteln eine gegenseitige Anziehung bestimmter Leitungselektronen von entgegengesetztem Impuls und entgegen gerichtetem Spin. Jeweils 2 solcher Elektronen kann man als selbständiges Quasiteilchen, als sogenannt Cooper-Paar auffassen. Es hat die doppelte Elementarladung und den Spin 0 und genügt somit der Bose-Einstein-Statistik. Nach der BCS-Theorie tritt eine Energielücke zwischen supra- und normalleitendem Zustand im Anregungsspektrum der Elektronen auf, die Übergänge der Elektronen zu tieferen Energien verbietet, was Ursache für das verlustlose Fließen des Stromes ist. Die GLAG-Theorie (nach 4 sowjetischen Physikern) ist eine phänomenologische, historisch ältere Theorie der Supraleitfähigkeit, die aus der BCS-Theorie ableitbar ist.

Beam-Iead-Technik: (englisch, «Balkenleiter») eine Form der Multichip-Hybridtechnik, bei der die Verbindung von Chips über selbsttragende Streifenleiter hergestellt wird; die Chips werden auf die auf einem Substrat aufgebrachten Leiterzüge aufgebondet (meist Thermokompressionsbonden). Beam-lead-Schaltkreise weisen hohe Zuverlässigkeit und Arbeitsgeschwindigkeit bei niedrigen Montagekosten auf.

Beamter: Person, der in bürgerlichen Staaten die Ausübung der Staatsgewalt obliegt Beamter sind mit besonderen Vorrechten ausgestattet und im Allgemeinen auf Lebenszeit angestellt. Durch die Privilegierung wird versucht, sie fest an die Bourgeoisie zu binden. Die Beamtenschaft bildete besonders in Deutschland auf der Grundlage des Berufsbeamtentums eine reaktionäre Kaste. Auch in der BRD wird vor allem der hohen und höheren Beamtenschaft die Rolle einer privilegierten Stütze der herrschenden Monopolbourgeoisie zugewiesen; in den mittleren und unteren Beamtenkategorien vollzieht sich dagegen ein Differenzierungsprozess. Fortschrittl. Kräften wird durch die Praxis der Berufsverbote die Tätigkeit als Beamter weitgehend verwehrt. In der DDR wurde der Beamtenapparat des faschistischen deutschen Staates vollkommen zerschlagen und das Berufsbeamtentum mit seinen Vorrechten beseitigt.

Beanspruchung: Gesamtheit aller chemischen, thermischen und mechanischen Einwirkungen auf Werkstoffe besonders in Bauwerken, Produktionsanlagen unter anderem. Die chemische Beanspruchung wird durch aggressive Stoffe verursacht. Die thermische Beanspruchung wird durch die Dauer der Maximaltemperatur und die Häufigkeit der Temperaturwechsel bestimmt. Bei der mechanischen Beanspruchung unterscheidet man statische Wirkung (Druck-, Biege-, Zug-, Scher-, Schub- oder Drehungskraft) und dynamische Wirkung (Stoß, Schlag, Abrasion, Erosion, Vibration).

Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm: Schaubild, das man beim Zugversuch erhält, indem man die Beanspruchung R über der Dehnung A aufträgt. Das Spannungs-Dehnungs-Diagramm weicht, besonders bei hohen Dehnungswerten, vom Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm ab, da bei der Berechnung der Spannung die Kraft auf die sich während des Versuches ändernde Querschnittsfläche bezogen wird. Am Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm können 3 Bereiche festgestellt werden: Im 1. Bereich, der sogenannt Hookeschen Geraden, steigt die Beanspruchung steil an und ist proportional der Dehnung. Der Anstieg entspricht dem Elastizitätsmodul E, das heißt R = E A. Grenze dieses Bereiches ist die Proportionalitäts- oder Elastizitätsgrenze. Im 2. Bereich tritt zusätzlich eine plastische (bleibende) Dehnung auf, wodurch der Anstieg immer flacher wird und das Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm einen Höchstwert erreicht. Durch plötzlich eintretendes Fließen bei bestimmten Werkstoffen an der Fließgrenze (Quetschgrenze) am Anfang des 2. Bereiches kann trotz weiterer Dehnung ein vorübergehender Abfall der Beanspruchung eintreten. Bei Werkstoffen mit nicht ausgeprägter Fließgrenze wird die 0,2-Dehngrenze ermittelt; das ist die Beanspruchung, die 0,2 % bleibende Dehnung hervorruft. Der Höchstwert der Beanspruchung ist die Zugfestigkeit Rm des Werkstoffes. Dieser Höchstwert ist entweder durch den Bruch der Probe oder durch die horizontale Tangente an das Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm festgelegt. Im letzten Fall fällt im 3. Bereich die Beanspruchung bis zum Bruch wieder ab, wobei sich die Probe an der späteren Bruchstelle einschnürt. Dies erklärt den Abfall der auf den Ausgangsquerschnitt bezogenen Beanspruchung, während die Spannung infolge der starken Querschnittsabnahme wesentlich höher und im Augenblick des Bruches eigentlich größer als die in der Definition angegebene Zugfestigkeit ist.

Bearbeitung: Urheberrecht - die individuell schöpferische Überarbeitung eines fremden Werkes, so dass eine neue geschützte Fassung entsteht; der Schutz des Originalwerkes bleibt unberührt. Hauptbeispiele sind die Dramatisierung eines Prosa- oder die Bearbeitung eines Musikwerkes. Umgangssprachlich wird auch die nichtgeschützte Einrichtung (zum Beispiel eines Musikwerkes für ein bestimmtes Orchester) als Bearbeitung bezeichnet.

Beat: («Schlag»)

1. Musik: im Jazz und in der Tanzmusik der metrische Grundschlag als Fundament des Musizierens.

2. Gesellschaftstanz: Sammelname für Modetänze im 4/4-Takt mit variablen, improvisator. Schritt- und Bewegungselementen, aus der Beatmusik entwickelt; 2 Grundformen: Soft Beat («weicher» Beat; langsames bis mittleres Tempo), Jump Beat («gesprungener» Beat; mittleres bis schnelles Tempo).

Beat Generation, Geschlagene Generation: Gruppe US-amerikanischer Schriftsteller, die seit Mitte der 50er Jahre in eigenwilligen, nonkonformistischen und oft provokativen literarischen Werken ihren Protest gegen die unmenschliche, konformistische und sterile Lebensweise des amerikanischen Mittelstandes, gegen Rassendiskriminierung und Krieg ausdrückten, aber eine extrem individualistische, oft mystizistische Weitsicht vertraten (Einfluss des Zen-Buddhismus); Hauptvertreter sind J. Kerouac (Prosa), A. Ginsberg (Lyrik) und J. Gelber (Drama).

Beatles: 1960 durch Umbenennung einer Amateurband gegründet englische Gesangs- und Instrumentalgruppe, die dann die Entwicklung der Beatmusik am nachhaltigsten prägte und bis zu ihrer Auflösung 1970 zu deren kreativsten Vertretern gehörte; Mitglieder seit 1962 John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr.

Beatmusik: vorwiegend von Jugendlichen ausgeübte und auf ein jugendliches Publikum bezogene Musikpraxis innerhalb der Tanzmusik; entstand 1959/60 in Großbritannien aus dem Nachspielen populärer Rock’n’Roll-Titel durch jugendliche Amateure, wobei das Musizieren zunehmend auf den metrischen Grundschlag (Beat) bezogen wurde; erhielt als Generationssymbol und (scheinbarer) Selbstausdruck der Nachkriegsjugend in Westeuropa und den USA eine oft an Hysterie grenzende Popularität; wurde aber auch zum Ausgangspunkt einer Entwicklung, die die erstarrten Formen der Tanz- und Unterhaltungsmusik aufzulösen begann. Als Beatmusik wird heute nur noch die Anfangsphase dieser Entwicklung (1959/65) bezeichnet, danach hat sich die Bezeichnung Rockmusik durchgesetzt.

Beauce: weite ebene französische Landschaft südwestlich von Paris; wichtigster Olt Chartres; sehr fruchtbarer Lehmboden auf wasserdurchlässigem Kalkstein; ausgedehnte Getreide- und Zuckerrübenfelder; mechanisierter kapitalistischer Großraumlandwirtschaft.

Beaufschlagung: Zuführung und Einwirkung von Flüssigkeiten beziehungsweise Gasströmen, auch Dampf, auf die Laufrad- beziehungsweise Leitschaufeln bei Strömungsmaschinen.

Beauvoir, Simone de, geboren 9.1.1908, französische Schriftstellerin, Lebensgefährtin von J.-P. Sartre; ihre Romane «Das Blut der anderen» (1944, deutsch), «Die Mandarine von Paris» (1954, deutsch) unter anderem, aber auch ihre soziologischen Untersuchungen sind von den philosophischen Ideen des Existentialismus geprägt. Von zeit- und ideengeschichtlichen Interesse sind ihre Reisebücher und Memoiren.

Bebauungsplan: Zeichner, und schriftliche Festlegung zur städtebaulichen Ordnung und Gestaltung eines Baugebietes mit Festlegungen zur Anordnung und Größe der Baukörper, zur Bodennutzung, zur Führung von Straßen und Wegen und zur stadttechnische Erschließung unter anderem; siehe auch Generalbebauungsplan.

Bebop, Bop: eine zu Beginn der 10er Jahre aufgekommene Spielweise des Jazz, die ds Beginn des Modem Jazz gilt. Im bewussten Gegensatz zu Swing und Big Band dominieren deine Besetzungen, nervöse Bewegung und kontrastreich-schrille Chorusse.

Bechar, Bischar. Stadt (Wilayatszentrum) Algerien, in der Oase Bechar, im Norden der Sahara; früher Colomb-Bechar.; 30000 Einwohner; Metallindustrie; Verkehrsknoten; Flughafen.

Becher: 1. in der Regel henkelloses, zum Umgreifen mit einer Hand bestimmtes Trinkgefäß. In seiner einfachsten Form zu allen Zeiten im alltäglichen Gebrauch, kann der Becher, -besonders als Prunk- und Schaubecher, nach Form und Dekor viele Varianten aufweisen; zum Teil ist er auch mit Fuß oder Deckel versehen. Die Grenzen zu anderen Gefäßformen sind fließend (besonders zu Kelch und Pokal). Als Material können Holz, Ton, Glas, unedle Metalle, doch auch Kristall und Edelmetalle dienen. Im Mittelalter herrschten Glasbecher vor, seit der Renaissance Metallbecher. Im 18. Jahrhundert verkümmerten die Schmuckformen des Bechers.

Becherglas: zylindrisches, dünnwandiges Glasgefäß mit Ausguss für Arbeiten im chemischen Laboratorium.

Becherlinge, Pezizaceae: Schlauchpilze mit becher- oder schüsselförmigen Fruchtkörpern; meist bodenbewohnende Saprophyten.

Becherwerk, Becherförderer, Eimerwerk, Elevator: Stetigförderer für Flüssigkeiten und Schüttgüter (Kohle, Getreide, Schotter u. ä.) in senkrechter, seltener schräger Richtung. An einem über Kettenräder, Seilrollen oder Gurttrommeln geführten Zugmittel (Rundglieder-, Laschen-, Stahlbolzenkette, Drahtseil, Gurt) sind in geringem Abstand voneinander Becher (Eimer) befestigt, die das Fördergut am Fuße des Becherwerk selbst aufnehmen (schöpfen) oder durch einen Aufgeber gefüllt werden und sich an der oberen Umlenkstelle des Förderstranges durch Schwer- oder Fliehkraft entleeren. Beim Pendelbecherwerk sind die Becher pendelnd am Zugmittel aufgehängt.

Becherzellen: becherförmige, besonders im Zylinderepithel (zum Beispiel Darm) und im Flimmerepithel (zum Beispiel Luftröhre) vorkommende schleimbildende Zellen.

Bechstein: 1. Carl Bechstein, 1.6.1826-6.3.1900, Klavierbauer; gründete 1853 in Berlin eine Klavierfabrik, deren Instrumente (besonders Flügel) weltberühmt wurden.

2. Ludwig Bechstein, 24.11.1801-14.5.1860, Schriftsteller, Sammler und Herausgeber, erwarb sich Verdienste um die Volkskunde durch Sagen- und Märchensammlungen («Deutsches Märchenbuch», 1845; «Deutsches Sagenbuch», 1853; «Neues deutsches Märchenbuch», 1856). Die schriftlich überlieferten Märchen hat er neu, zum Teil verändert erzählt.

Bechterew, Wladimir Michailowitsch, 1.2. 1857-24.12. 1927, russisch-sowjetische Neuropathologe, Psychiater und Psychologe, Professor in Kasan und Petersburg/Leningrad; beschrieb die Bechterewsche Krankheit. Zahlreiche neurologische Phänomene und Reflexe tragen ebenfalls seinen Namen.

Bechterewsche Krankheit: (nach W. M. Bechterew), Spondylarthritis ankylopoetica (lateinisch griechisch) dem rheumatischen Formenkreis nahestehende Erkrankung der Wirbelsäule mit chronischen Entzündungen der Wirbel sowie der rumpfnahen Gliedmaßen-Gelenke. Hauptsymptom der Erkrankung ist die zunehmende Versteifung der Wirbelsäule (Bambusstabwirbelsäule) und der befallenen Gelenke.

Bechyne: Stadt im südböhmischen Bezirk, an der Luznice; 4800 Einwohner; Kurort (423 m über dem Meeresspiegel); keramische, Konfektionsindustrie; Renaissanceschloss.

Beck: 1. Jozef Beck, 4.10.1894-5.6.1944, polnischer Politiker, Oberst; enger Mitarbeiter Pilsudskis und 1932/39 Außenminister. Unter dem Vorwand, eine selbständige Außenpolitik treiben zu wollen, trug er mit seiner antisowjetischen Politik (Verweigerung des Durchmarschrechts für die Rote Armee) zum Scheitern der britisch-französisch-sowjetischen Verhandlungen vom August 1939 bei. Durch die Zusammenarbeit mit dem faschistischen deutschen Imperialismus erleichterte er diesem den Überfall auf Polen.

2. Julian Beck, geboren 31.5.1925, US-amerikanischer Schauspieler und Theaterleiter, 1951 Mitbegründer des experimentellen Living Theatre.

3. Karl Isidor Beck, 1.5.1817-9.4.1879, österreichischer Lyriker aus Ungarn; gehörte mit dem Gedichtband «Nächte. Gepanzerte Lieder» (1838) zu den Parteigängern der bürgerlich-oppositionellen Vormärzlyrik; seine «Lieder vom armen Mann» (1846) propagierten den «wahren Sozialismus».

4. Ludwig Beck, 29.6.1880-20.7.1944 (Selbsttötung), Generaloberst der faschistischen Wehrmacht; 1933/38 Chef des Truppenamtes, des späteren Generalstabes des Heeres; führender Teilnehmer der Verschwörung des 20. Juli 1944.

Becken: 1. Becken: Anatomie: a) von Kreuz- und Hüftbein gebildeter Knochenring (Beckengürtel);

b) der vom Beckengürtel umschlossene Raum, der in ein großes (oberes) und kleines (unteres) Becken gegliedert ist.

2. Geologie: verschieden große, mit sedimentärem und (oder) vulkanischem Material gefüllte Einsenkung der Erdoberfläche im kontinentalen und ozeanischer Bereich, deren Anlage in vielen Fällen auf die Kreuzung tektonischer Schwächezonen im tieferen Untergrund zurückgeführt werden kann. In Becken bilden sich Sedimentgesteine, die Lagerstätten von Kohle, Salzen, Erdöl, Erdgas unter anderem führen können.

3. Geomorphologie: mehr oder weniger geschlossene Hohlform der Erdoberfläche. Völlig abgeschlossene kleine Becken mit rundlichem Grundriss bezeichnet man als Kessel, langgezogene auch als Wannen oder Grabensenken. Die größeren Becken sind meist tektonisch, die kleinen durch Deflation, Exaration oder Auslaugung entstanden.

4. Musik: Schlaginstrument aus 2 dünnen, leicht gewölbten Metalltellern, die streifend aneinander- oder mit Schlegeln einzeln geschlagen werden.

Beckenmessung: zur Beurteilung des knöchernen Geburtskanals dienende Messung. Die äußere Beckenmessung erfolgt mit Hilfe eines Beckenzirkels, die innere Beckenmessung durch manuelle Tastung. Die röntgenologische Beckenmessung ermittelt durch Spezialaufnahmen die genauen Maße des Geburtskanals.

Beckert: 1. Herbert Beckert, geboren 12.10.1920, Mathematiker; seit 1951 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig; lieferte wichtige Beiträge zur Variationsrechnung, zur Theorie partieller Differentialgleichungen und zur Mechanik der Kontinua. Mitglied der SAW und der Leopoldina.

2. Manfred Beckert, geboren 9.12.1926, Metalloge; seit 1960 Professor für Fertigungstechnik an der TH «Otto von Guericke» Magdeburg, 1966/70 Rektor; maßgeblich an der Entwicklung des Hochschulwesens der DDR beteiligt; verfasste Fach- (zur Schweißtechnik, Metallographie) und populärwissenschaftliche Bücher («Welt der Metalle», 1977; «Eisen Tatsachen und Legenden», 1981).

Becket, Thomas, um 1118-29.12.1170, englischer Geistlicher; beschränkte als Kanzler (1155/62) Heinrichs H. die kirchliche Macht. 1162 zum Erzbischof von Canterbury ernannt, verfocht er jedoch päpstliche Machtansprüche gegen den König und wurde von dessen Rittern ermordet.

Beckett, Samuel, geboren 13.4.1906, irischer Dramatiker und Prosaschriftsteller, lebt in Frankreich; schrieb zunächst englisch, später französischer Freund und Schüler von J. Joyce; gestaltete eine undurchschaubare, absurde und verfallende Welt, so in den Romanen «Molloy» (1951, deutsch), «Malone stirbt» (1951, deutsch) und «Der Namenlose» (1953, deutsch); mit den zum Teil bitter sarkastisches Dramen «Warten auf Godot» (1952, deutsch), «Endspiel» (1957, deutsch), «Glückliche Tage» (1961, deutsch) unter anderem wurde er zu einem führenden Vertreter des Theaters des Absurden; schrieb auch Gedichte und Erzählungen.

Beckmann: 1. Johann Beckmann, 4.6.1739-3.2.1811, Technologe; Professor für Philosophie, später für Ökonomie in Göttingen; prägte den Begriff Technologie und entwickelte deren wissenschaftlichen Grundlagen. Beckmann gilt als Schöpfer der modernen Landwirtschaftslehre und der Warenkunde; zahlreiche Veröffentlichungen.

2. Max Beckmann, 12.2.1884-27.12.1950, Maler und Graphiker. Mit expressiven graphischen Blättern und allegorischen-surrealistischen Gemälden gestaltete Beckmann zeitkritische Inhalte, zu denen er durch das Erlebnis des 1. Weltkrieges gefunden hatte. Er geißelte Militarismus und Dekadenz der spätbürgerlichen Gesellschaft in einer oft verschlüsselten, doch stets von humanistischen Prinzipien bestimmter künstlerischer Form. Von den Nazis verfeint, verließ er 1937 Deutschland.

Beda, genannt Venerabilis (lateinisch, «der Ehrwürdige»), 674 - 26.5.735, angelsächsischer Philosoph; verbreitete in Abhängigkeit von Isidor und Plinius Naturwissen, insbesondere die mittelalterliche Kosmographie, und beeinflusste die mittelalterliche Naturlehre («De natura rerum», Von der Natur der Dinge); führte mit seiner «Angelsächsischen Kirchengeschichte» die Zeitrechnung «nach Christi Geburt» in die Geschichtsschreibung ein.

Bedarf: durch Geldmittel beziehungsweise Kauffonds der Bevölkerung fundierter Teil der gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnisse, dessen Befriedigung deE Produktions- und Handelsbetrieben im jeweiliger Volkswirtschaftsplan als Aufgabe gestellt wird.

Bedarfsforschung: wichtigster Bestandteil der Marktforschung, der sich auf die Analyse beziehungsweise Vorhersage des vergangenen, gegenwärtigen und zu künftigen Bedarfs konzentriert und sich dabei wissenschaftlichen Methoden und Instrumentarien bedient.

Bedarfsträger: Kombinate, Betriebe und Institutionen der verschiedenen Bereiche der Volkswirtschaft, unterste Einheiten in der Organisation der Materialwirtschaft; alle Einheiten, die einen Materialbedarf aufweisen.

Bede: (niederdeutsch, «Bitte», «Gebot») im Mittelalter seit den 12. Jahrhundert vom Landesherrn ursprünglich bei besonderen Anlassen «erbetene» Steuer; musste bald regelmäßig nach festen Sätzen auf der Basis des Grundbesitze vornehmlich in Geld vor allem von Bauern entrichtet werden und wurde so zur ersten direkten Steuern in Deutschland. Adel und Geistlichkeit waren vorbei Bede befreit; die Städte zahlten meist nur eine geringe Pauschalsumme.

Bedeckung, Sternbedeckung: Verfinsterung durch ein anderes, zum Beispiel eines Sterns durch den Mond oder einen Planeten.

Bedeckungsgrad: bei der Adsorption Verhältnis IUS der Zahl der adsorbierten Fremdatome oder Moleküle und der Zahl der für die Adsorption verfügbaren Plätze.

Bedeckungsveränderlicher: Doppelstern, dessen Jahnebene in der Sichtlinie liegt, so dass sich die Sterne beim Umlauf zeitweise bedecken und dadurch eine periodische Helligkeitsänderung hervorruft, zum Beispiel der Algol.

Bedeutung: inhaltliche Seite des Zeichens (Wortes), edles Zeichen besteht aus einem materiellen Zeichenkörper (zum Beispiel Laut) und einer Bedeutung. Auf Grund der Gesellschaftlich fixierten Zuordnung von Laut und Bedeutung vermag ein Wort einen bestimmten Gedanken hervorzurufen.

Bedienelement: Element von Anlagen, Maschinen, Geräten, Apparaten, Werkzeugen zur Handteuerung oder -betätigung, zum Beispiel Schalter, Hebel; meist in Bedienpulten oder -ständen zusammengefasst.

Bedienungstheorie, Massenbedienungstheorie, Wareschlangentheorie: Teilgebiet der Operationsforschung. Die Bedienungstheorie untersucht Prozesse, in denen bestimmt für Einheiten, auch Forderungen genannt, ein Bedienungssystem durchlaufen müssen, zum Beispiel Kunden, Kaufhallen, Schiffe an Kaianlagen, Werkstücke auf Bearbeitungsmaschinen, Anrufe in Fernsprechermittlungen. Bei Bedienungssystemen mit mehreren Stationen unterscheidet man Ein- und Mehrkanalsysteme sowie Parallel- und Serienbedienung. In ihrem Verlustsystem wird eine Forderung entweder sofort bedient oder abgewiesen, zum Beispiel Fernsprechselbstwählbetrieb. In einem Wartesystem werden die Forderungen in eine Warteschlange eingereiht, wenn das Bedienungssystem besetzt ist. Wichtige Kernzahlen der Bedienungstheorie sind die Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Anzahl der Forderungen in einem Intervall (Forderungsstrom) und der Dauer der Bedienung. Die mittlere, auf die Zeit bezogene Anzahl der ankommenden Forderungen heißt Ankunftsrate, die mittlere, auf die Zeit bezogene Anzahl der Forderungen, die bedient werden können, Bedienungsrate. Häufig folgt der Forderungsstrom einer Poisson-Verteilung (Poissonscher Eingangsstrom). Die Bedienungstheorie wird in technischen und ökonomischen Systemen angewandt mit dem Ziel, Bedienungsprobleme effektiv zu lösen, zum Beispiel hinsichtlich der Warteschlangenlänge oder der Auslastung des Systems. Die Berechnung erfolgt mit wahrscheinlichkeitstheoretischen Methoden, häufig mittels Simulation.

bedingte Beobachtungen: Messwerte von Größen, w. denen gewisse Bedingungsgleichungen bestehen. Um zum Beispiel die Winkel a, ß, y eines Dreiecks durch Messungen zu bestimmen, genügt es, 2 von ihnen zu messen. Den dabei entstehenden Fehler kann man jedoch besser ausgleichen, indem man auch noch den 3. Winkel misst und die Bedingungsgleichung a + ß + y= 180° berücksichtigt.

Bedingung: Festlegung, dass die Wirkung eines Vertrages oder sonstigen Rechtsgeschäfts von einem künftigen ungewissen Umstand abhängig sein soll. Die gewollten Rechtsfolgen beginnen (aufschiebende Bedingung) oder enden (auflösende Bedingung) mit Eintritt des Umstandes, der ebenfalls als Bedingung bezeichnet wird. Bestimmte, vor allem einseitige Rechtsgeschäfte sind nur ohne Bedingung gültig (zum Beispiel Rücktritt, Kündigung, Annahme und Ausschlagung einer Erbschaft). Als Bedingung werden auch einzelne Vertragsvereinbarungen bezeichnet (Vertragsklauseln). Siehe auch allgemeine Bedingungen.

Bedrohung: Ankündigung der Verursachung eines erheblichen Nachteils, um einen anderen zu einem bestimmten Handeln zu veranlassen oder einen bestimmten Erfolg zu erreichen; insbesondere

a) Bedrohung eines Angehörigen eines staatlichen Organs mit Gewalt oder einem anderen erheblichen Nachteil, um diesen an der pflichtgemäßen Durchführung übertragener staatlicher Aufgaben zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit zu hindern,

b) Bedrohung mit einem Verbrechen,

c) Bedrohung von Angehörigen eines anderen Staates oder Volkes mit Gewalt, um die Beziehungen der DDR zu diesen zu stören.

Bedruckstoff, veraltend Druckträger. Polygraphisches Material jeglicher Art (Papier, Karton, Plast unter anderem), das in den verschiedenen Druckverfahren durch Zusammenwirken von Druckform, Presskörper und Druckfarbe bedruckt wird.

Bedside-Methode: am Krankenbett durchführbare, einfache «Labor»-Tests, zum Beispiel Blutzucker-Streifentest, «Bedside-Test» vor der Bluttransfusion zur Bestätigung, der Übertragung gruppengleichen verträglichen Blutes.

Beduinen: (arabisch, «Wüstenbewohner») nomadisch oder halbnomadisch lebende viehzüchtende Arabergruppen. Siehe auch Hirtennomadismus.

Bedürfnis: das zur Erhaltung der Existenz der Gesellschaft insgesamt und des einzelnen Menschen Notwendige und Erforderliche, insbesondere das Verlangen nach dem Verbrauch von Konsumgütern verschiedenster Art, nach Dienstleistungen und geistig-kulturellen Gütern. Bedürfnis werden bestimmt durch die jeweils herrschenden Produktionsverhältnisse und das erreichte Niveau der Produktivkräfte.

Beefsteak: gebratene Rinderfiletscheibe; deutsches Beefsteak ist gebratener Klops aus Hackfleisch, Semmelmehl und Gewürz.

Beelzebub, (hebräisch, «Herr der Fliegen») im Neuen Testament oberster Teufel; geht wahrscheinlich zurück auf den im Alten Testament erwähnten Philistergott Baalzebub.

Beerensträucher: Gehölze mit Beerenfrüchten (Stachelbeere, Johannisbeere) und Sammelsteinfrüchten, die als Beeren bezeichnet werden (Himbeere, Brombeere).

Beesly, Edward Spencer, 23.1.1831-7.7.1915, britischer Historiker (Positivist) und kleinbürgerlicher Radikaler; 1864 Präsident des Gründungskongresses der I. Internationale.

Beethoven, Ludwig van, 1770 (17.12. getauft) bis 26.3.1827, Komponist, dritter Großmeister der Wiener Klassik. Zunächst als Wunderkind gefördert, erhielt Beethoven systematischen Unterricht, besonders in Orgel, Klavier, Komposition, bei C. G. Neefe in seiner Heimatstadt Bonn und kam 1792 endgültig nach Wien, wo er als freischaffender Künstler lebte. Bereits 1801 zeigten sich Symptome der kommenden Ertaubung («Heiligenstädter Testament», 1802). Die Größe Beethovens liegt in seinem gesellschaftlichen Engagement, der revoluten Energie und künstlerischen Meisterschaft seines Schaffens. Beeinflusst von den humanistischen Ideen der europäischen Aufklärung und besonders der Französischen Revolution, bringen seine Kompositionen den Freiheitswillen und die demokratische Gesinnung des aufstrebenden Bürgertums zum Ausdruck, künden sie vom Sieg menschlicher Tatkraft über das «Schicksal». Sein Werk ist höchstes Beispiel für die gesellschaftliche Aktivität großer Kunst; seine Ausstrahlung auf Zeitgenossen, das 19. und 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart ist unermesslich. Beethoven schuf 9 Sinfonien (3., «Eroica», 1804; 9. mit Schlusschor über Schillers Ode «An die Freude», 1824), Oper «Fidelio» (3 Fassungen, 1805, 1806, 1814) mit den 3 «Leonoren»-Ouvertüren, Musik zu Goethes «Egmont» (1810), «Missa solemnis» (1823), Violinkonzert, 5 Klavierkonzerte, 10 Violin- (darunter «Kreutzersonate» A-Dur) und 5 Violoncello Sonaten sowie zahlreiche weitere Kammermusik, Lieder (Liederzyklus «An die ferne Geliebte», 1816), Volksliedbearbeitungen unter anderem Zu seinen persönlichsten Werken gehören die 32 Klaviersonaten (darunter «Pathétique», «Mondschein-Sonate», «Waldstein»-Sonate, «Appassionata», «Hammerklavier-Sonate»), 16 Streichquartette (besonders die 3 sogenannt Russischen sowie die 6 späten Streichquartette), mit denen er für dieses Genre höchste Maßstäbe setzte.

Beets, Nicolaas, Pseudonym Hildebrand, 13.9.1814-13.3.1903, niederländischer Schriftsteller; wurde populär durch humoristisch-realistische Skizzen aus dem bürgerlichen Alltagsleben «Camera obscura» (1839); schrieb auch Lyrik.

Befähigungsnachweis: bei bestimmten Berufen oder Tätigkeiten erforderlicher Nachweis darüber, dass der Werktätige die für die Arbeitsaufgabe erforderliche Qualifikation und Eignung besitzt, zum Beispiel Fahrerlaubnis, Befähigungsnachweis im Gesundheits- und Arbeitsschutz.

Befangenheit: Recht Voreingenommenheit eines Richters für oder gegen einen Prozessbeteiligten. Befangenheit ist anzunehmen, wenn aus sachlichen Gründen Zweifel an der Objektivität des Richters bestehen. Bei Besorgnis der Befangenheit kann der Richter abgelehnt werden.

Befehl: 1. Datenverarbeitung: Instruktion.

2. Militärwesen: Anweisung eines militärischen Vorgesetzten an Unterstellte in mündliche oder schriftliche Form. Nach Inhalt und Zweck wird zwischen Ausbildungs-, Gefechts-, Kader-, Tagesbefehl unter anderem unterschieden. Ein kurzer, mündlicher Befehl zur sofortigen Ausführung vorschriftsmäßiger Handlungen heißt Kommando. Befehl sind widerspruchslos zu erfüllen. Nicht-ausführung von Befehl und Befehlsverweigerung sind strafbar.

Befehlsverweigerung: Erklärung der Absicht, einen Befehl nicht auszuführen; Nichtausführung, unrichtige oder nicht vollständige Ausführung eines Befehls durch eine Militärperson; strafbar.

Befestigungsanlage: Anlage, die Truppen der Waffeneinwirkung und Beobachtung entzieht (Schutzanlage) und eigene Feuer- und Gefechtsführung gewährleistet (Gefechtsanlage). Ständige Befestigungsanlage Bunker, Beobachtungsstände, Kasematten aus Stahlbeton unter anderem, die bei Einsatz von Kernwaffen als Gefechtsanlagen geringe Bedeutung haben, werden heute vorwiegend als Schutzanlagen gebaut. Mehrere, meist durch Sperren (Minen-, Drahtsperren, Panzergräben unter anderem) verstärkte ständige Befestigungsanlage bilden einen befestigten Raum (Zone), der von Festungstruppen verteidigt wird. Feldbefestigungsanlagen werden von Feldtruppen vor dem Gefecht oder während des Gefechts aus örtlichen Materialien oder vorgefertigten Teilen errichtet.

Befeuerung: 1. Luftfahrt: Markierung der für die Durchführung des Flugbetriebes notwendigen Flugplatzanlagen und der Hindernisse durch elektrische Leuchtfeuer. Die Flugplatzbefeuerung setzt sich zusammen aus Anflugbefeuerung, Start- und Landebahnbefeuerung, Rollbahnbefeuerung und Befeuerung der ortsfesten Navigationsanlagen. Zu ihrer eindeutigen Identifikation sind diese farblich unterschiedlich gestaltet (weiß, blau, grün, rot). Die Leuchtfeuer sind Richtungszeichen und unterstützen somit die Orientierung, insbesondere nachts. Die derzeit noch gebräuchlichste Anflugbefeuerung ist die des nach dem Erfinder benannt Cahert-Systems. Jeder für den Nachtflugbetrieb zugelassene Flugplatz ist damit ausgerüstet. Es genügt heute jedoch den universellen Anforderungen nicht mehr und wird deshalb im Zusammenhang mit der Einführung niedrigerer Minima (Landung bei niedriger Wolkenuntergrenze und geringer Horizontalsicht) weiterentwickelt. Hindernisfeuer sind feste rote Feuer, die alle Objekte, insbesondere solche in Flughafennähe, tragen müssen, die den Flugbetrieb irgendwie gefährden könnten. Siehe auch Flughafen.

2. Schifffahrt: Ausrüstung fester und schwimmender 1 Seezeichen mit Lichtquellen spezieller Kennung (Farbe und Intervallordnung der Lichterscheinung) zur Orientierung oder Warnung der Schifffahrt bei Nacht.

Beflocken: 1. Fertigungstechnik: Aufbringen von Pulvern (Aufstäuben) oder Flocken auf eine Oberfläche im elektrostatischen Feld, um zusammen mit Kleb- oder anderen Beschichtungsstoffen bestimmte Oberflächeneffekte zu erzielen.

2. Beflocken, Flockdruck, Velourieren: Textiltechnik - Veredlungsverfahren, bei dem mit Klebemitteln versehene textile Flächengebilde durch maschinelles Aufbringen von Kurzfasern Samt-, Velours-, Wildleder- oder Felleffekte erhalten.

Beförderungsvertrag: im weiteren Sinne Vertrag über jede Transportleistung; im engeren Sinne nur über solche Transportleistungen, die wegen ihrer speziellen Regelung (zum Beispiel Personentransporte, Post- oder Expressgutsendungen) nicht dem Abschluss von Frachtverträgen unterliegen.

Befragung: grundlegende sozialwissenschaftliche Forschungsmethode zur Erhebung von Primärdaten. Die Befragung ist ein bewusst hergestellter, einseitiger Kommunikationsprozess, um Wissen, Einstellungen, Meinungen und Motive von Menschen beziehungsweise Menschengruppen zu ermitteln. Es wird zwischen mündlicher (Interview) und schriftlicher, zwischen standardisierter und nicht standardisierter (freie Exploration, Tiefeninterview) Befragung unterschieden. Befragungsergebnisse bilden die Wirklichkeit nicht direkt, sondern aus der subjektiven Sicht der Befragten ab.

Befreiungskrieg 1813/14: nationaler Unabhängigkeitskrieg des deutschen Volkes gegen die französischen Fremdherrschaft; trug zwiespältigen Charakter. De gerechte Krieg des Volkes für die Unabhängigkeit nach außen und den Fortschritt im Innern wurde von den Fürsten zur Wiederherstellung und Festigung der feudalabsolutistische Verhältnisse ausgenutzt. Nach dem Sieg des russischen Volkes über Napoleon 1 (1812) erhob sich das deutsche Volk. Als die Volkserhebung über den preußischen König hinwegzugehen drohte, entschloss er sich, mit Russland ein Bündnis abzuschließen, Frankreich den Krieg zu erklären und zur Bildung von Landwehr und Landsturm auf zurufen. Den Frühjahrsfeldzug konnte Napoleon 1 siegreich beenden und einen Waffenstillstand zu schließen. Nunmehr traten auch Großbritannien und Österreich dem Kriegsbündnis gegen Frankreich bei. Dadurch gewann die antinapoleonische Koalition zwar eine bedeutende finanzielle und militärische Verstärkung, zugleich erlangten jedoch die feudal restaurativen Kräfte das politische Übergewicht über die bürgerlich-fortschrittlichen. Im Herbstfeldzug wurde die napoleonische Armee in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen und zum fluchtartigen Rückzug gezwungen. Das französische Herrschaftssystem Deutschland brach zusammen. 1815 wurde Napoleon I. endgültig besiegt. Die Unabhängigkeit war erkämpft, die Zersplitterung Deutschlands und die Herrschaft des Adels blieben jedoch bestehen und wurden auf dem Wiener Kongress bestätigt. Es begann eine Periode spätfeudaler Restaurationspolitik.

Befreundete Zahlen: 2 natürliche Zahlen, von denen jede gleich der Summe der Teiler der anderen ist wobei die Zahlen selbst nicht als Teiler mitgezählt werden, zum Beispiel sind 220 und 284 befreundete Zahlen, denn 220 die Teiler 1, 2, 4, 5, 10, 11, 20, 22, 44, 55 und 11< deren Summe gleich 284 ist, während die Summ der Teiler 1, 2, 4, 71 und 142 von 284 gleich 22 ist.

Befristung: Festlegung, die die Wirkungen eines Vertrages oder sonstigen Rechtsgeschäfts an Fristen oder Termine knüpft. Die gewollten Rechtsfolgen beginnen (Anfangstermin) oder enden (Endtermin) mit Fristablauf oder Eintritt des Termins. Siehe auch Fälligkeit.

Befruchtung, Amphimixis (griechisch): bei Mensel Tier und Pflanze die Verschmelzung einer männlichen und einer weiblichen Geschlechtszelle zur Zygote (i. e. nur die Verschmelzung der Zellkerne). Die Verschmelzung zweier Gameten vom gleichen Individuum wird als Selbstbefruchtung (Autogamie) bezeichnet. Der Ausdruck künstlicher Befruchtung wird fälschlich für künstliche Besamung oder Bestäubung verwendet. Die Befruchtung leitet die Entwicklung eines neuen Organismus ein; siehe auch Konzeption.

Befugnis: 1. Staatsrecht: einem staatlichen Organ durch Rechtsvorschrift eingeräumte Rechte und Pflichten, um die ihm zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen, zum Beispiel die Möglichkeit, Rechtsakte zu erlassen oder bestimmte Rechtshandlungen vorzunehmen. Die Befugnis ist Teil der Kompetenz und somit der Rechtsstellung.

2. Zivil- und Wirtschaftsrecht: einem Bürger oder Betrieb zustehendes Recht auf Grund einer rechtlichen Vorschrift oder eines Vertrages, selber Handlungen oder Unterlassungen vorzunehmen oder solche von deren Bürgern oder Betrieben zu verlangen.

Begabung: Komplex von Fähigkeiten für bestimmte Leistungen, der auf Anlagen beruht und sich in der Tätigkeit ausbildet. Man unterscheidet eine allgemeine Begabung (Intelligenz) von Spezialbegabungen, wie mathematische, musikalische, sprachliche Begabung.

Begattungskästchen: für die Begattung eines Weisels verwendetes Ein- oder Mehrwabenkästchen, das mit einem Begattungsvölkchen aus Jungbienen und einer unbegatteten Weisel besiedelt ist.

Beginen, Beguinen: religiös-asketische, karitative Frauenvereinigungen ohne Ordensregel, um 1200 entstanden, besonders in Flandern und den Niederlanden. Die Begarden sind den Beginen ähnliche Männervereinigungen.

Beglaubigung: 1. amtliche Bestätigung der Echtheit einer Unterschrift oder der Übereinstimmung einer Abschrift oder Ablichtung mit dem Original. Für Beglaubigungen sind die Staatliche Notariate und in besonderen Fällen die örtlichen Staatsorgane zuständig, zum Beispiel im Personenstandswesen.

2. Eichung.

Begleiter: Astronomie die masseärmere oder lichtschwächere Komponente in einem durch die Gravitation zusammengehaltenen System aus mehreren Himmelskörpern, zum Beispiel jeder Mond eines Planeten oder der schwächere Stern eines Doppelsterns.

Beglerbeg: (türkisch, «Fürst der Fürsten») früher ein dem Namen angehängter Titel eines großen türkischen Provinzstatthalters oder Oberkommandierenden eines der beiden Reichsteile Anatolien und Rumelien.

Begonie, (nach einem französischen Statthalter) Schiefblatt, Begonia: artenreiche Gattung der Schiefblattgewächse mit ungleichhälftigen Blättern; darunter viele Zierpflanzen für Zimmer und Freiland.

Begrenzer, Clipper: elektronische Schaltung, die die (zeitlich verändert.) Augenblickswerte von Wechsel- oder Impulssignalen nur innerhalb eines begrenzten Amplitudenbereiches schwanken lässt.

Begrenzungsleuchte: in Fahrtrichtung mit weißem Licht scheinende zusätzliche Beleuchtungseinrichtung an Nutzfahrzeugen, die die Ausmaße des Fahrzeugs während der Dunkelstunden dem Gegenverkehr anzeigt. Die Inbetriebnahme der Begrenzungsleuchte regelt die StVO.

Begünstigung: vorsätzliche Hilfeleistung für den Täter oder Beteiligten nach Begehung einer Straftat, um diesen der Strafverfolgung zu entziehen oder ihm die Vorteile aus der Straftat zu sichern; strafbar.

Begusston: sehr feinkörniger Ton, der zur Herstellung ungeschmolzener weißer oder farbiger Überzüge auf keramischen Erzeugnissen dient. Der geformte Grundscherben wird mit Masse begossen oder in Schlicker eingetaucht. Siehe auch Engobe.

Behaglichkeitsklima: dem Menschen optimal zuträgliche äußere, physikalische Klimabedingungen; beeinflusst durch meteorologische, mechanische, akustische, elektrische und Strahlungsfaktoren. Für die nachstehenden Haupteinflussfaktoren gelten im Allgemeinen folgende Werte als Behaglichkeitsbereiche: Lufttemperatur 20 bis 22 °C, Luftfeuchte 30 bis 60%, Luftgeschwindigkeit maximal 0,2 m/s. Entscheidend ist das als angenehm empfundene Gleichgewicht zwischen Wärmezugang und Wärmeentzug. Ein Behaglichkeitsklima kann in der Regel nur künstlich durch Klimaanlagen geschaffen werden.

Behälterglas: Handelsbezeichnung für alle Gläser, die zum Abfüllen, Aufbewahren, Konservieren und Transportieren von flüssigen und festen Stoffen dienen (meist standardisierte Flaschen beziehungsweise Gläser). Behälterglas ist weiß (farblos), halbweiß (schwach blaugrün), grün oder braun. Die Färbung schützt den Inhalt vor den chemisch aktiven ultravioletten Strahlen.

Beham, Barthel, 1502-1540, Maler und Kupferstecher; tätig in Nürnberg, München und Landshut. Beham gehört wie sein Bruder, der Kupferstecher Hans Sebald (1500-22.11. 1550), zu den sogenannt Kleinmeistern. Beide wurden zusammen mit G. Pencz wegen ihrer ketzerischen Anschauung im «Prozess gegen die drei gottlosen Maler von Nürnberg» verurteilt und ausgewiesen. Ihre Anschauungen spiegeln sich in ihren graphischen Zyklen («Der Sturz des Papsttums», «Der Weltlauf»), sie schufen ferner Ornamentstich-Vorlagen.

Behautmasse: hellbrennende, feinkeramische Masse, die bei der Herstellung von Ofenkacheln in dünner Schicht zum Veredeln der Oberfläche auf die Grundmasse aufgetragen wird.

Behaviorismus: Grundrichtung der bürgerlichen, insbesondere US-amerikanische Psychologie, die den Gegenstand der Psychologie auf das Verhalten des Organismus im Reiz-Reaktions-Zusammenhang reduziert; zielt auf die Kontrolle und Steuerung menschlichen Verhaltens.

Behistun, Bisutun: Felsen östlich von Kennanschah (West-Iran) mit Reliefdarstellungen und einer Inschrift in persischer, babylonischer und neuelamische Sprache («Tatenbericht» des Perserkönigs Dareios I.).

Behm, Alexander, 11.1.1880-22.1.1952, Techniker und Industrieller; entwickelte 1913, 1 Jahr nach dem Untergang der «Titanic», das Echolot.

Behrens, Peter, 14.4.1868-27.2.1940, Architekt, Maler, Kunsthandwerker und Graphiker. Ausgehend vom Jugendstil, gehörte Behrens zu den Vorkämpfern einer von klaren Formen bestimmten modernen Architektur. Mit seiner Berufung zur Allg. Elektrizitätsgesellschaft (AEG) wurde er zum führenden Industriearchitekten und -formgestalter. Er verwendete neben Glas auch Stahl als neuartige Baumaterialien und strebte eine ästhetisch überzeugende Gestaltung technischer Erzeugnisse an.

Behring, Emil von, 15.3.1854-31.3.1917, Hygieniker und Serologe; entwickelte das 1891 erstmalig angewandte Diphtherieserum und stellte gemeinsam mit S. Kitasato das erste Tetanusserum her.

Bei, Beg, Bey (türkisch, «Herr»): ehemaliger Titel türkischer Feudalherren, später hoher Beamter und Offiziere; als Anrede in Briefen statt Efendi gebraucht.

Beichte: Sündenbekenntnis. Im Gottesdienst evangelische Kirchen wird sie als allgemeine Beichte, meist zur Vorbereitung auf das Abendmahl, durchgeführt. In der katholischen Kirche wird sie von einem Priester (Beichtvater) im Beichtstuhl in der Form der Einzelbeichte (Ohrenbeichte) abgenommen. Meist erfolgt Lossprechung von den Sünden, aber auch Verweigerung der Absolution ist möglich. Der Priester ist über das Gehörte zum Schweigen (Beichtgeheimnis) verpflichtet, sofern es sich nicht um anzeigepflichtige Verbrechen handelt, die noch verhindert werden können.

Beiderwand: («beiderlei Gewand (Tuch)») buntgestreiftes Gewebe in Leinwandbindung aus Baumwolle oder Chemiefasern, beiderseitig verarbeitbar.

Beidrehen: a) Wenden eines Schiffes mit langsamer Fahrt bei Sturm und schwerem Seegang bugwärts gegen den Wind;

b) Verlangsamen der Fahrt eines Schiffes, um ein anderes längsseits kommen zu lassen.

Beifuß, Artemisia: Gattung der Korbblütler, darunter wertvolle Gewürz- und Teestauden, zum Beispiel Gemeiner Beifuß (A. vulgaris), Estragon (A. dracunculus) und I Wermut (A. absinthium). Als Zierpflanzen sind besonders silbrig weiß belaubte Arten wie A. laxa oder A. albula geschätzt.

Beifutter: Tieren neben dem Grundfutter (beziehungsweise der Muttermilch) verabreichtes Futter zur Deckung des Nährstoffbedarfs.

Beihilfe: vorsätzliche Hilfeleistung zur vorsätzlichen Straftat eines anderen oder vorher dem Täter zugesagte Hilfeleistung nach der Tatausführung.

Beihirsch: jüngerer Hirsch, der sich in der Nähe älterer Hirsche aufhält, aber noch kein eigenes Brunftrudel hat.

Beiknospen: zusätzliche, neben oder über der Achselknospe angelegte Knospen, die nach teilweisem Verlust von Pflanzenteilen (zum Beispiel starkem Rückschnitt) austreiben. Beiknospen treten unter anderem bei Forsythie und Robinie auf.

Beilbauchfische, Beilfische, Gasteropelecidae: mit den Salmlern verwandte, seitlich stark zusammengedrückte Fische mit scheibenförmig ausladender, scharfer Bauchkante und stark verlängerten Brustflossen; Süßwasserfische Südamerikas mit geringem Flugvermögen, gelegentlich in Aquarien gehalten.

Bein: Anatomie: a) Bezeichnung für Knochen (zum Beispiel Schienbein, Nasenbein) oder knochenähnliche Substanzen (zum Beispiel Elfenbein);

b) hintere Gliedmaße der Vierfüßer beziehungsweise untere Gliedmaße des Menschen, bestehend aus Oberschenkel, Unterschenkel und Fuß.

Beintastler, Protura: urtümliche Insektenordnung; 0,5 bis 2 mm, ohne Fühler und Augen, dafür werden Vorderbeine tasterartig verwendet; leben in Waldstreu, unter Moos, Steinen oder Rinde.

Beinverkrümmung: angeborene oder erworbene Fehlformen der Beinstellung (X-, O-, Säbelbeine) infolge von Systemerkrankungen des Skeletts, knochenerweichenden Erkrankungen (Rachitis), hormonellen Störungen, Überlastungen oder fehlverheilten Knochenbrüchen. Ursache für frühzeitige Arthrosen von Beingelenken unter anderem.

Beinverkürzung: angeborene oder erworbene, einseitig auftretende Beinlängendifferenz, die in der Folge zu einem Beckenschiefstand und Wirbelsäulenveränderungen (Skoliose) führt. Ursachen sind unter anderem unvollständige Knochenentwicklungen und fehlerhafte Gelenkausbildungen.

Beinwell, Symphytum: Gattung der Borretschgewächse mit gelblich, schmutzig-purpurn oder rosaviolett blühenden Arten, darunter als Futterpflanze der auf feuchten Standorten häufige Raue Beinwell (S. officinale) und der Futter-Beinwell oder Comfrey (S. asperum).

Beira: Stadt (Provinzzentrum) in Mozambique, am Indischen Ozean; 120000 Einwohner; Industriezentrum (Herstellung von Säcken, Geweben, Zement, Sperrholz, Lebensmitteln; Metallverarbeitung); zweitgrößter Landeshafen, internationaler Flughafen; Eisenbahnverbindung mit Benguela und Lobito (Angola); Erdölleitung nach Feruka bei Mutare (Simbabwe); Zoo.

Beirut: Hauptstadt Libanons, am Mittelmeer; 1 Millionen Einwohner; internationale Flughafen; 4 Universitäten, Akademien, Bibliotheken, Museen. Bis 1975/76 war Beirut ein bedeutendes Verkehrs-, Handels-, Finanz-, Kultur- und Touristenzentrum des Nahen Ostens sowie überragender Industriestandort Libanons (50% der Industrieproduktion) mit vielfältiger Leicht- (zum Beispiel Herstellung von Textilien, Lederwaren) und Lebensmittelindustrie. Das alte phönikische Berytos wurde 633 von den Arabern erobert; 1110/1291 war es in der Gewalt der Kreuzfahrer, danach unter der Herrschaft der Mamluken; 1516/1918 türkisch; 1920/46 unter französischen Herrschaft, seitdem Hauptstadt des unabhängigen Libanons. Bürgerkriegsähnliche Kämpfe ab 1975/76 zwischen den national-progressiven libanesischen, bis 1982 auch palästinensischen Kräften und den Milizen der feudal-bourgeoisen Reaktion sowie die zeitweilige Besetzung West-Beiruts durch Israel 1982 führten zu starker Zerstörung und faktische Teilung Beiruts. 1984 begannen Maßnahmen zur Überwindung der Spaltung.

Beischilddrüsen, Epithelkörperchen, Glandulae parathyreoideae: 4 der Rückseite der Schilddrüse eng anliegende, kleine endokrine Drüsen. Das von den Beischilddrüsen produzierte Parathormon regelt den Kalziumgehalt des Blutes unter anderem Organe, zum Beispiel der Knochen.

Beischlag: terrassenartiger, offener Vorbau eines Wohnhauses, mit Brüstung und Sitzplatz; über einige Stufen von der Straße aus zugänglich.

Beistand: Person, die eine andere in Rechtsangelegenheiten unterstützt. Im Zivilverfahren kann sich jede Prozesspartei der Hilfe eines Beistands bedienen. Im Strafverfahren ist jugendlichen Beschuldigten oder jugendlichen Angeklagten vom Gericht ein Beistand zu bestellen, wenn sie nicht durch einen Rechtsanwalt verteidigt werden.

Beitel: meißelähnliche Holzbearbeitungswerkzeug zum Stechen oder Stemmen von Löchern oder Schlitzen, dessen Schneidkante einseitig zugeschärft ist.

Beiwagen, Seitenwagen: mit einem Kraftrad seitlich starr verbundenes einrädriges Fahrzeug zum Befördern von Personen und Gütern. Siehe auch Anhängefahrzeug, Gespann 2.

Beizen: Behandeln der Oberfläche eines festen Körpers mit Lösungen (Beizmittel, Beizen), die die Oberfläche entsprechend angreifen, um einen gewünschten Oberflächeneffekt zu erzielen. Neben der Anwendung in der Holz-, Leder- und Nahrungsgüterindustrie wird Beizen vor allem bei der Metallbearbeitung angewandt, um Oberflächenschichten (meist Oxide) zu entfernen. Beizmittel für unlegierte Eisenwerkstoffe sind Salz-, Schwefel- und Phosphorsäure, für hochlegierte Eisenwerkstoffe Mischsäuren oder Salzschmelzen, für Aluminium Alkalilauge. Beizen wird in der Metallurgie auch als Dekapieren bezeichnet. In der Galvanotechnik versteht man darunter das Entfernen dünner Oxidschichten. Durch Beizen können auch Schichten zum Zwecke des Korrosionsschutzes erzeugt werden. Siehe auch Chromatieren, Phosphatieren. In der Landwirtschaft bezeichnet man mit Beizen oder Beizung die chemische oder physikalische Saatgutbehandlung zum Abtöten anhaftender oder in das Saatgut eingedrungener Krankheitserreger. Bei der Lederherstellung versteht man unter Beizen das Auflockern des Fasergefüges von Hautblößen durch Enzyme. Bei der Textilveredlung heißt Beizen das Behandeln von Fäden oder Flächengebilden mit zum Beispiel Aluminiumsalzlösungen, damit beim Färben mit Farbstoffen, zum Beispiel Alizarin, der Farbstoff auf der Faser haftet.

Beizenfarbstoffe: Farbstoffe, deren Anwendung die Behandlung des Textilgutes (hauptsächlich Wolle) mit einer Beize (Aluminiumsalz- oder Chromsalzlösungen, Tannin) erfordert, welche die Haftung des Farbstoffs am Faserstoff bewirkt.

Beizgeräte: Pflanzenschutzgeräte zur chemischen Saatgutbehandlung. In der Beiztrommel wird das durchlaufende Saatgut durch Rotation von dem hinzugefugten Beizmittel allseitig eingehüllt.

Bekanntmachung: Veröffentlichung von staatlichen Dokumenten, besonders Gesetzen unter anderem Rechtsvorschriften, oder auch von Ausschreibungen und so weiter; Art und Form der Bekanntmachung sind oftmals vorgeschrieben und unterschiedlich.

Bekassine, Himmelsziege, Gallinago gallinago: heimischer, etwa 27 cm großer Schnepfenvogel mit bis 6 cm langem, geradem Schnabel und braunem Gefieder; bewohnt Feuchtgebiete; das Männchen erzeugt im Sturzflug mit den äußeren Schwanzfedern ein meckerndes Geräusch.

Bekenntnisschule, Konfessionsschule: Schule, in der Kinder mit gleichem religiösem Bekenntnis von Lehrkräften dieser Konfession unterrichtet werden.

Bekleidungshygiene: Lehre von den Zusammenhängen zwischen dem menschlichen Körper und seiner Bekleidung unter den verschiedenen klimatische und Tätigkeitsbedingungen.

Bela, Könige von Ungarn aus der Ärpäden-Dynastie: 1. Bela I., 1016-1063, König seit 1060; stürzte seinen Bruder Andräs I., unterdrückte den letzten gegen den Feudalstaat und die Kirche gerichteten heidnischen Aufstand 1061 und fiel im Krieg gegen den deutschen König Heinrich IV.

2. Bela IV., 1206-3.5.1270, König seit 1235; suchte die königliche Macht zu stärken; erlitt 1241 eine Niederlage gegen die Mongolen und sorgte nach deren Abzug durch Städtegründungen und Burgenbau für den Wiederaufbau des verwüsteten Landes.

Belafonte, Harry, geboren 1.3.1927, US-amerikanischer Sänger und Schauspieler; wurde vor allem durch seine Calypso-Interpretationen bekannt; kämpft gegen imperialistischen Krieg und Rassendiskriminierung.

Belagerungszustand: Ausübung der Staatsgewalt durch Militärbefehlshaber bei Außerkrafttreten von Grundrechten der Bürger und bestehender staatlicher Kompetenzen.

Belastung: 1. Bautechnik: aus Eigenmasse, Wind-, Schnee- und Verkehrslasten herrührende und in ein Bauteil oder eine Tragkonstruktion (Balken, Dach, Decke) eingeleitete äußere Kraft. Die zulässige Belastung ist die Größe der Gesamtlast, die für eine Tragkonstruktion unter Beachtung der festgelegten Belastungskennwerte des Baustoffes auftreten darf.

2. Elektrotechnik: a) in der Energieversorgung die Summe der (Wirk-)Leistungen aller zu einem Zeitpunkt angeschlossenen Verbraucher (energetische Belastung Last). Den zeitlichen Verlauf der Belastung zeigt die Belastungskurve (Tages-, Monats-, Jahresbelastungskurve) mit annähernd konstant bleibender Grundlast und Belastungsspitzen (Spitzenbelastung - Spitzenlast). Die höchste übertragbare Leistung ist die Grenzleistung.

b) bei elektrischen Maschinen die Ausgangsgrößen in Energieflussrichtung (Drehmoment, Strom). Die unsymmetrische Belastung eines Generators oder Drehstromsystems wird als Schieflast bezeichnet. Die Grenzleistung ist bei elektrischen Maschinen die größte, dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechend Maschinenleistung.

3. Recht: an einer Sache bestehende Rechte außer dem Eigentumsrecht, zum Beispiel bestimmte Rechte zur Mitbenutzung eines Grundstücks, Hypothek, Pfandrecht. Die Belastung bleibt im Allgemeinen von einem Wechsel des Eigentümers unberührt.

Belastungsklima: ein Klima, das ständige Anforderungen an den Organismus stellt und an das eine echte Anpassung nicht möglich ist, zum Beispiel in Schwülebereichen der Tropen, in Gebieten mit starken Luftverunreinigungen sowie in Höhenlagen über 3000 m.

Belcanto: Gesangstechnik in der italienischen Oper des 17./19. Jahrhundert, die dem klangschönen Gesang den Vorrang vor dem dramatischen-deklamator. Ausdruck einräumt.

Belebtschlamm: Schlammgemisch aus einer Vielzahl besonders heterotropher Mikroorganismen, Bakterien sowie kolloidaler Stoffe und Schwebstoffe, dient beim Belebtschlammverfahren der biologischen Abwasserreinigung in künstlich belüfteten Anlagen.

Beleg: eine in Text, Zahlenform oder entschlüsselbarem Kode ausgefertigte Urkunde als Datenträger über ökonomische Prozesse und Erscheinungen des Reproduktionsprozesses, ausgedrückt in Mengen-, Zeit- und beziehungsweise oder Wertangaben. Der Beleg wird manuell, maschinell oder automatisch überwiegend auf Vordrucken ausgestellt; er muss nach seiner physischen Beschaffenheit die Dauerhaftigkeit der Eintragungen und die Erkennbarkeit von nachträglichen Änderungen gewährleisten. Das Belegprinzip sichert als wichtiger Grundsatz die Beweiskraft von Rechnungsführung und Statistik. Danach ist durch Beleg jeder zu erfassende ökonomische Vorgang unverzüglich nachzuweisen und jede Eintragung in Aufbereitungsnachweise beziehungsweise Eingabe in Datenverarbeitungsanlagen zu beurkunden. Buchungsbeleg sind Beleg, die Buchungsvorgänge auslösen. Beleg sind von Beleglesern (Klarschriftleser) bei Verwendung platzgebundener Markierungen (Markierungsbeleg), magnetischer oder stilisierter Schrift automatisch lesbar.

Belegstation, Belegstelle: in der Bienenzucht staatlich anerkannter, vor dem Zuflug fremder Drohnen vollkommen bis weitgehend gesicherter Platz zum Aufstellen von Begattungsvölkchen mit unbegatteter Weisel und von gekörten Drohnenvolksippen der gewünschten Zuchtrichtung. Bei der Linien-Belegstation als Insel-Belegstation mindestens 2,5 km über Wasser vom Festland entfernt, als Land-Belegstation mit mindestens 6 km Entfernung von anderen Bienenvölkern in freiem Radius, bei Rasse-Belegstation entsprechend mit mindestens 1,5 beziehungsweise 4 km. Der Belegstand ist vor dem Zuflug fremder Drohnen unvollkommen gesichert.

Belegzellen: azidophile Zellen der Drüsen der Magenschleimhaut, die an der Salzsäurebildung des Magensaftes beteiligt sind.

Beleidigung: grobe Missachtung der persönlichen Würde eines Menschen insbesondere durch Beschimpfungen, Tätlichkeiten, unsittliche Belästigungen oder grobe Verletzung des Andenkens eines Verstorbenen; strafbar.

Belemniten: ausgestorbene marine, zehnarmige Kopffüßer; meist nur die kalkige, zigarrenförmige Spitze (Donnerkeil) der ehemals internen Schale erhalten; wichtige Leitfossilien in Jura und Kreide.

Beleuchterbrücke: im Theater oder Filmatelier ein- oder mehrstöckiger Laufsteg zur Aufstellung und Bedienung der Scheinwerfer, Projektionsgeräte u. ä.; kann vertikal und horizontal beweglich sein.

Beleuchtung: Anstrahlung und Ausleuchtung nichtselbstleuchtender Körper und Räume mit ausreichendem Licht, um gute Sehbedingungen zu erzielen, sowie Ausstattung von Innen- und Außenräumen mit Leuchten und Lichtquellen. Unterscheidung in Beleuchtung mit künstlichen sowie Beleuchtung mit natürlichen Licht beziehungsweise Innenraumbeleuchtung und Außenbeleuchtung.

Beleuchtungsgüte: komplexe Bewertung der Einflussgrößen für eine ausreichende Beleuchtung.

Beleuchtungsstärke: Quotient aus dem senkrecht auf eine Fläche fallenden Lichtstrom und dieser Fläche. Die analog mit dem Strahlungsfluss gebildete Größe ist die Strahlungsflussdichte oder Bestrahlungsstärke.

Beleuchtungstechnik: Zweig der Lichttechnik, der die wissenschaftlichen Grundlagen zur optimalen Beleuchtung erarbeitet und die technische Realisierung der Beleuchtung behandelt.

Beifried: 1. Bergfried.

2. Beifried (zu bellen, «läuten»): in mittelalterlichen Städten freistehender oder mit dem Rathaus verbundener Glockenturm.

Belgien: Staat in Westeuropa; grenzt in Norden an die Niederlande, im Osten an Deutschland und Luxemburg, im Süden an Frankreich, im Westen an die Nordsee; in 9 Provinzen gegliedert. Währung ist der belgischen Franc.

Sie setzt sich zu 59,5% aus Flamen, zu 40 % aus Wallonen zusammen; die Sprachgrenze verläuft längs der Linie Menen-Brüssel-Tongeren, Brüssel wird offiziell als zweisprachiges Gebiet geführt; Amtssprachen sind Niederländisch (Flämisch), Französisch und regional Deutsch (von 0,5% der Bevölkerung gesprochen); etwa 87% der Einwohner leben in Städten; der Süden ist dünn besiedelt.

Natur: Flache Dünenküste mit verlandeten Meeresarmen, dahinter das fruchtbare Marschland von Niederbelgien (Flandern), weiter nach Osten und Nordosten sandige Geest (bis 100 m), in Kempen mit Heide, Kiefernwäldern und Mooren. Im Hügelland von Mittelbelgien östlich der Schelde über tertiären Schichten fruchtbare Löß- und Lehmböden. Im Süden und Osten Hochbelgien mit den Ardennen und dem Hohen Venn (694 m), aus paläozoischen Gesteinen, mit tief eingeschnittenen Tälern, Wäldern und Mooren.

- Klima: Belgien hat wintermildes und sommerkühles Seeklima bei von der Küste bis zu den Ardennen zunehmenden Niederschlagsmengen (750 bis 1250 mm) und abnehmenden Temperaturen, Westwinde herrschen vor. Flüsse. Sie gehören zum Einzugsbereich der Nordsee. Bedeutend sind die schiffbaren Flüsse Schelde und Maas, deren Quellen und Mündungen außerhalb Belgiens liegen. Die Flüsse Hochbelgiens werden zum Teil zur Energiegewinnung genutzt. Bodenschätze. Entlang der Maas, Sambre (Borinage) und in Kempen Steinkohlen sowie unbedeutende Eisen-, Kupfer-, Blei- und Zinkerzlagerstätten.

Belgrano, Manuel, 3.6.1770-20.6.1820, argentinischer General und Politiker; Vorkämpfer und einer der Führer der Unabhängigkeitsbewegung, Anhänger der Aufklärung und eines liberalen Monarchismus. Er war Mitglied der Revolutionsjunta von 1810. Als Befehlshaber der patriotischen Kräfte schlug er die spanientreuen Royalisten bei Tucuman (1812) und Salta (1813).

Belichten, Exponieren: Einwirken von sichtbarem Licht (oder anderen elektromagnetischen Wellen) auf eine lichtempfindliche (oder entsprechend sensibilisierte) fotografische Schicht; es entsteht ein unsichtbares (latentes) Bild.

Belichtungsinnenmessung, Innenmessung, TTL Messung (Abkürzung für through the lens; englisch, «durch das Objektiv»): Belichtungsmesseinrichtung mit hoher Messsicherheit in Kameras. Es wird für die Aufnahme nur das Licht gemessen, das durch das Objektiv tritt und auf den Film trifft, wobei für die Messung zum Beispiel aus dem Sucherstrahlengang ein Teil des Lichtes ausgespiegelt wird.

Belichtungsmesser: Gerät zum Feststellen der beim Fotografieren oder Filmen erfordert. Belichtungszeit und Blendenöffnung unter Berücksichtigung der Filmempfindlichkeit. Beim fotoelektrischen Belichtungsmesser mit Fotoelement wird der lichtelektrische Effekt ausgenutzt. Fotoelektrischer Belichtungsmesser mit CdS-Fotowiderstand benötigt ein galvanisches Element und haben eine höhere Anfangsempfindlichkeit.

Belichtungsregelung: Einrichtung an Foto- und Filmkameras zum richtigen Belichten des fotografischen Materials. Die Belichtungsregelung stellt selbsttätig bei eingegebener Filmempfindlichkeit die erforderliche Blendeneinstellung (bei vorgegebener Belichtungszeit) oder Belichtungszeit (bei vorgegebener Blendeneinstellung) ein (Vollautomatik).

Belichtungsschaltuhr, Belichtungsuhr. Gerät zum Einstellen der Belichtungszeiten an fotografischen Kopier- und Vergrößerungs- sowie Reproduktionsgeräten; früher wurden ausschließlich mechanische, heute werden zunehmend elektrische beziehungsweise elektronische Belichtungsschaltuhr mit großem Komfort eingesetzt.

Belichtungszeit: Zeit für die Freigabe des Strahlenganges durch den Kameraverschluss zwecks Belichtung fotografischen Materials. Die internationale Belichtungszeitenreihe lautet 1, 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000 s beziehungsweise 2, 4, 8, 15, 30 s und so weiter.

Belichtungswert, Lichtwert: Verhältniszahl aus Belichtungszeit und Blendenzahl (Blendenreihe).

Belisar, 505-565, oströmischer Feldherr germanischer Herkunft; mit der Eroberung einst römische Gebiete realisierte er die Justinian. Restaurationspolitik. Er unterwarf 533/34 das Wandalenreich in Nordafrika, kämpfte 535/40 und 544/48 gegen die Ostgoten in Italien, wehrte 542 die Perser und 559 die Hunnen ab.

Belitung, Billiton: Insel im Nordwesten der Javasee, zwischen Sumatera und Kalimantan, zu Indonesien gehörend; 4959 km2, über 110000 Einwohner; Hauptort Tanjung-Pandan-, bis 510m überm Meer; bei Äquatorialklima Anbau von Reis, Pfeffer, Kautschuk, Kokospalmen; infolge Brandrodung vorwiegend Sekundärwald; bedeutender Zinnerzbergbau.

Belize: Staat in Mittelamerika, im Südosten der Halbinsel Yucatán; grenzt im Norden an Mexiko, im Süden und Westen an Guatemala; in 6 Distrikte gegliedert. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Afroamerikanern, im Übrigen aus Indios, Mestizen und Mulatten. Amtssprache ist Englisch, Verkehrssprache ist zum Teil Spanisch. Währung ist der Belize-Dollar. Belize ist ein küstennahes, feucht-tropisches Flachland, das im Norden stark versumpft ist und zum Zentrum des Landes bis zu 1120 m ansteigt. Hier ist die Oberfläche bis zu 80% mit tropischen Urwäldern, die reich an Edelhölzern (Mahagoni, Rosenholz) sind, bestanden. Belize ist ein wirtschaftlich unterentwickeltes kapitalistisches Agrarland, das neben dem hauptsächlich für den Export betriebenen Edelholzeinschlag und der Gewinnung von Chicle (Kaugummirohstoff) Zuckerrohr, Zitrusfrüchte, Kokosnüsse, Reis, Tabak unter anderem anbaut, ohne dass der Eigenbedarf an Lebensmitteln gedeckt werden kann. In der Industrie Verarbeitung von Agrarprodukten, Herstellung von Textilien, Möbeln unter anderem, Sägewerk. Im Küstenbereich Krebsfischerei; Hauptsee- und Flughafen Belize; Export von Zucker (45%), Zitrusfrüchten, Edelhölzern, Chicle. In präkolumbischer Zeit gehörte Belize zum Gebiet der Maya, wurde 1502 von Kolumbus entdeckt, es erfolgte jedoch keine spanische Besiedlung, der Norden wurde Neu-Spanien angeschlossen, der Süden der Generalkapitanie Guatemala; um 1638 Niederlassung englischer Edelholzfäller und Piraten. Seit 1821 erhob Guatemala Territorialansprüche auf das Gebiet. Großbritannien bezeichnete Belize seit 1840 als Britisch-Honduras und erklärte es 1862 zur Kolonie. Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhundert Aktivierung der Volksbewegung für innere Selbstverwaltung, die Großbritannien erst 1964 gewährte; 1973 in Belize umbenannt. Die Vereinigte Volkspartei (gegründet 1950) unter Ministerpräsident G. Price (1964/84) forderte die staatliche Selbständigkeit. Diese wurde nach der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen Großbritannien, Guatemala und Belize (März 1981) proklamiert, obwohl Guatemala nach Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung erneut Anspruch erhob. 1984 Wahlsieg der Vereinigten demokratische Partei, neuer Ministerpräsident wurde M. Esquivel.

Belize: größte und bedeutendste Stadt in Belize; 40000 Einwohner; früher Verwaltungszentrum der Kolonie Britisch-Honduras; Sägewerke für tropische Edelhölzer; internationaler Flughafen, Hafen am Karibischen Meer. 1961 durch Hurrikan und Springflut fast völlig zerstört, Wiederaufbau seit 1964; Verlegung der Verwaltungsfunktion nach Belmopan.

Bell, Alexander Graham, 3.3.1847-1.8.1922, US-amerikanischer Erfinder, konstruierte 1876 den noch heute angewendeten Fernsprechapparat.

Belladonnin: Alkaloid der Tollkirsche, neben Atropin und Hyoszyamin vorkommend; schwächer wirksam als Atropin.

Bellamy, Edward, 25.3. 1850-22.5. 1898, US-amerikanischer Schriftsteller; gestaltete in seinem utopisch-sozialistischen Roman «Ein Rückblick aus dem Jahr 2000» (1888, deutsch), der auch für die internationale Arbeiterbewegung bedeutsam war, eine neue Gesellschaft, die durch Überzeugung und Erziehung zum sozialistischen Denken entsteht.

Bell-Bay: Ort an der Nordküste Tasmaniens (Australien), an der Einfahrt zum Hafen von Launceston; Aluminiumhütte, die Bauxit aus Weipa (Queensland) verarbeitet.

Bellerophon, in der griechischen Sage ein korinthische Heros, bändigte Pegasus, besiegte die Chimäre.

Belletristik: schöne oder schöngeistige Literatur; seit dem 18. Jahrhundert übliche Bezeichnung für die künstlerisch gestaltete Literatur zur Abgrenzung von wissenschaftliche, populärwissenschaftliche unter anderer Literatur.

Belling, Rudolf, 26.8.1886-9.6.1972, Bildhauer; 1918 Mitbegründer der Novembergruppe. Als führender Vertreter des Expressionismus in der Plastik näherte er sich dem Kubismus und schloss sich konstruktivistische Auffassungen an. Von den Faschisten verfeint, emigrierte Belling 1933 in die USA. 1936 wurde er Professor in Istanbul.

Bellingshausen-Insel: (nach F. F. Bellingshausen) Atoll der zu den Gesellschaftsinseln gehörenden Inseln unter dem Winde, im Stillen Ozean, Teil Französisch-Polynesiens; nicht dauernd bewohnt; Kokospalmenpflanzung.

Bellini: 1. venezianische Malerfamilie. Gentile, 1429-23.2.1507, schuf Heiligenbilder, Porträts und in einem Zyklus der Kreuzauffindungslegende Historienbilder mit wirklichkeitsgetreuen Stadtansichten von Venedig. Sein Bruder Giovanni, um 1430- 29.11. 1516, Hauptmeister der venezianischen Malerei an der Wende zur Hochrenaissance, Lehrer von Giorgione und Tizian, entwickelte in seinen großfigurigen Altarbildern und Porträts eine betont malerische Auffassung. Beider Vater Jacopo, um 1400-um 1470, hinterließ Skizzenbücher mit Naturbeobachtungen und perspektiv. Übungen, die zu den schönsten Zeichnungen der Frührenaissance zählen, ferner Madonnenbilder. Seine zahlreichen Fresken sind nicht erhalten.

Bellman, Carl Mikael, 4.2.1740-11.2.1795, schwedischer Lyriker; gestaltete in volkstümlichen, humorvollen und lebensfrohen Liedern ein Bild vom Leben des Volkes in Stockholm («Fredmans Episteln», 1790, deutsch; «Fredmans Lieder», 1791, deutsch).

Bellow, Saul, geboren 10.7.1915, US-amerikanischer Schriftsteller; gestaltet aus bürgerlich-humanistischer Sicht in Dramen, Erzählungen und geistvoll-ironischen, stilistischen glänzenden Romanen («Der Regenkönig», 1959, deutsch; «Herzog», 1964, deutsch; «Humboldts Vermächtnis», 1975, deutsch) die psychischen und geistigen Konflikte meist jüdische Intellektueller in einer von Egoismus und Entfremdung geprägten Gesellschaft.

Belmondo, Jean-Paul, geboren 9.4.1933, französischer Schauspieler; spielte in vielen Abenteuer- und Kriminalfilmen wie «Außer Atem», «Das Haus in der Via Roma», «Abenteuer in Rio», «Geliebter Schuft», «Das Superhirn», «Stavisky», «Angst über der Stadt», «Ein irrer Typ», «Der Windhund».

Dimensionierung: Bestimmung der Form und Größe von belasteten Bauteilen nach Kriterien der Tragsicherheit, der Bauphysik unter anderem (Traglastnachweis) beziehungsweise Querschnittsfestlegung von Rohrleitungen auf ihre Durchlassmenge.

Benedetti, Arrigo, geboren 1.6.1910, italienischer Schriftsteller; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil; schilderte in den frühen Romanen (zum Beispiel «Die Tochter des Kapitäns»; 1938) und Erzählungen die alltägliche Erlebniswelt einfacher Menschen. Die im antifaschistischen Kampf gewonnenen Erfahrungen verarbeitete er in den Romanen «Die Mauern von Lucca» (1964, deutsch) und «Die Explosion» (1966).

Benediktenkraut, Cnicus benedictus: gelbblühender, bis 40 cm hoher distelartiger Korbblütler des Mittelmeergebietes; als Arzneipflanze zur Behandlung von Leberleiden und Gicht bekannt.

Benediktiner: ältester abendländischer Mönchsorden, geprägt durch Benedikt von Nursia und seine Regel, die ständigen Verbleib im Kloster, Eigentumsverzicht, Keuschheit, unbedingten Gehorsam vorschreibt, zum Gottesdienst und zur Handarbeit verpflichtet; ora et labora («bete und arbeite»).

Benefiz, Benefizvorstellung: Theateraufführung, deren Ertrag im Allgemeinen einem einzelnen Bühnenkünstler anlässlich eines Jubiläums oder des Abschieds von der Bühne zugutekam; bis Anfang des 20. Jahrhundert gebräuchlich.

Beneluxstaaten, Beneluxunion, Kurzwort Benelux: Kurzbezeichnung für den 1944 gegründet und 1948 in Kraft getretenen Wirtschaftsverband zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Die zunächst zwischen den 3 Ländern vereinbarte Zollunion wurde 1953 um den Abschluss gemeinsamer Handelsabkommen, 1954 durch die Vereinbarung des freien Kapitalverkehrs innerhalb der Beneluxstaaten, 1958 durch die Bildung einer Wirtschaftsunion erweitert. Wichtigstes Organ ist der Rat der Wirtschaftsunion, dem die 3 Ministerpräsidenten und Berater angehören.

Benetzung: mehr oder weniger starkes Zerfließen eines auf die Oberfläche eines Festkörpers aufgebrachten Flüssigkeitstropfens. Bei vollständiger Benetzung bildet sich eine dünne zusammenhängende Flüssigkeitsschicht, bei unvollständiger Benetzung wird der Tropfen mehr oder weniger abgeplattet. Als Maß dient der im Gleichgewicht sich ausbildende Rand- oder Kontaktwinkel S\ wichtig zum Beispiel für die Herstellung von Waschmitteln; siehe auch Kapillarität.

Bengalen: Niederungslandschaft im Nordosten Vorderindiens, am Bengalischen Meer; Ostbengalen gehört zu Bangladesh, Westbengalen zu Indien; etwa 275000 km2, liegt fast durchgehend unter 50 m über dem Meeresspiegel; umfasst das fruchtbare Ganges-Brahmaputra-Delta und wird von unzähligen Wasserarmen, Altwässern und Kanälen durchzogen; tropisches Monsunklima; leidet oft unter verheerenden Überschwemmungen, die durch Katastrophenhochwasser von Ganges und Brahmaputra bei gleichzeitigem Einsetzen von Monsunregen und Schneeschmelze im Himalaja sowie durch tropische Zyklone ausgelöst werden; intensiver Anbau von Reis sowie Zuckerrohr und Jute; bedeutendster Hafen ist Calcutta (Indien).

bengalische Feuer: farbige Feuer für pyrotechnische Effekte. Die für die Farbgebung wichtigsten Chemikalien sind für Rot-Feuer-Strontiumnitrat, für Grünfeuer Bariumnitrat, für Orangefeuer ein Strontiumnitrat-Natriumoxalat-Gemisch, für Blaufeuer Kupfer(II)-chlorid und für Violett-Feuer ein Strontiumnitrat-Kupferhydroxidcarbonat-Gemisch.

Bengalisches Meer, Golf von Bengalen: nordöstliche Teil des Indischen Ozeans zwischen Vorderindien und Ceylon im Westen und den Inselketten der Andamanen und Nikobaren im Osten; bis 5257 m tief; Meeresgebiet im tropischen Monsunbereich mit häufig auftretenden Wirbelstürmen.

Bengalkatze, Prionailurus bengalensis: etwa hauskatzengroße gefleckte Kleinkatze aus Waldgebieten Süd- und Ostasiens.

Bengbu, Pengpu: Stadt im Osten Chinas, im Norden der Provinz Anhui, am Huai He; 400000 Einwohner; Bergbau; Produktion von Landmaschinen und Bewässerungsausrüstungen, Baumwollverarbeitung, Glas- und Papierherstellung; Knotenpunkt von Flussschifffahrt und Eisenbahn (Pekings Shanghai, Abzweig nach Hefei).

Benguelastrom: kalte Meeresströmung, an der Südwestküste Afrikas vom Kap der Guten Hoffnung bis zum 10. Grad südliche Breite nach Norden ziehend; kaltes Auftrieb Wasser, verursacht starke Nebelbildung und trockenes Klima in Küstenländern.

Benguela: Stadt (Distriktzentrum) in Angola, am Atlantischen Ozean; 45000 Einwohner; Textilfabrik, Fischverarbeitung; Werft; Fischereihafen; Benguelabahn (1348 km) von Lobito (nördlich Benguelas gelegen) über Benguela nach Shaba (Zaire) und in den Kupfergürtel von Sambia, von dort Verbindung nach Beira (Mozambique) am Indischen Ozean; Flughafen.

Benin: historischer Staat im Süden des heutigen Nigerias; wahrscheinlich zwischen 10. und 12. Jahrhundert gegründet, größte Ausdehnung und Machtentfaltung im 16. Jahrhundert; um 1500 Aufnahme von Handelsbeziehungen mit Portugiesen, Niederländern, Briten. Handel und Verwendung der kunsthandwerklichen Produkte waren Monopol des Königs; im 19. Jahrhundert Rückgang der Bedeutung Benins; 1897 Eroberung durch britische Kolonialisten.

- Seit dem 12. Jahrhundert nach Christus entwickelte sich eine höfliche Kunst (Bronzegießerei, Elfenbeinschnitzerei) mit einer Blütezeit im 16./17. Jahrhundert, die dem Ahnenkult des sakralen Herrschers und seiner Repräsentation galt.

Benin, Volksrepublik Benin: Staat in Westafrika; grenzt im Westen an Togo und im Nordwesten an Burkina, im Norden an Niger, im Osten an Nigeria und im Süden an den Golf von Guinea; verwaltungsmäßig in 6 Departements gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich aus über 60 Völkerschaften (besonders Ewe, Fon, Bariba, Yoruba) zusammen. 80% sind Analphabeten. Amtssprache ist Französisch. Währung ist der CFA-Franc. Natur. Das Land steigt von der von Lagunen durchzogenen 125 km langen Küste zur Oberguineaschwelle mit Atakora-Gebirge (bis 640 m) an und fällt dann wieder zum Mittellauf des Niger an der Nordgrenze ab. Es herrscht ein gleichmäßig warmes tropisches Klima, in Küstennähe mit zwei, im Norden mit einer Regenzeit im Jahr. Hauptfluss ist der Ouémé (450 km). Abgesehen vom tropischen Regenwald im Küstenbereich ist Feuchtsavanne mit Ölpalmenbeständen im Süden vorherrschend, der Nordteil des Landes wird von Trockensavanne eingenommen. An Bodenschätzen (bisher geologisch wenig erforscht) wurden Eisenerz, Baustoffe, Gold, Erdöl (Schelfgebiet) und Chrom nachgewiesen. Wirtschaft Infolge langer französischer Kolonialherrschaft ist Benin ein schwach entwickeltes Agrarland, das seit 1972 einen progressiven, antiimperialistischen Entwicklungsweg beschreitet. Der noch beherrschende Einfluss ausländisches, besonders französisches Kapitals wird schrittweise zurückgedrängt. Bis 1974 wurden Schlüsselbereiche wie Banken, Versicherungen, Erdölgesellschaften, Schifffahrt, Elektrizitäts- und Wasserversorgung sowie die wichtigsten Industriebetriebe verstaatlicht. Bei der Überwindung kolonialer Hinterlassenschaft Mithilfe sozialistischer Staaten. Wirtschaftlicher Schwerpunkt ist die Sicherung der Eigenversorgung mit Lebensmitteln durch den Ausbau der noch durch halbfeudale Strukturen und neokolonialistische Abhängigkeit geprägten Landwirtschaft, in der etwa 75% der Bevölkerung tätig sind. Seit 1981 wird eine Agrarreform durchgeführt. Für die Eigenversorgung Anbau von Mais (Hauptnahrungsmittel), Maniok, Sorghum, Hirse, Bataten und Yams, für den Export von Ölpalmen (Palmkerne, -öl), Baumwolle, Erdnüssen und Kaffee. Im trockeneren Norden Viehhaltung. Lagunen- und Küsten-, im Aufschwung Hochseefischerei. Die erst am Anfang ihrer Entwicklung stehende Industrie beschränkt sich fast ausschließlich auf die Erstverarbeitung landwirtschaftliche Rohstoffe (Ölmühlen, Kaffeeaufbereitung, Baumwollverarbeitung), daneben entstanden Zement-, Fahrzeugmontage- und metallverarbeitende Betriebe. Seitens der Regierung wird durch ein Industrialisierungsprogramm der industrielle Ausbau des Landes vorangetrieben. Das Verkehrsnetz ist nur im Küstenbereich stärker ausgebaut. Eine 580 km lange Eisenbahnlinie führt von Porto Novo ins Innere nach Parakou. Wichtigster See- und internationaler Flughafen ist Cotonou. Einfuhr von Konsumgütern, Lebensmitteln, technischer Ausrüstungen; Haupthandelspartner sind Frankreich unter anderem EG-Länder sowie die afrikanischen Nachbarstaaten, besonders Nigeria. Parteien und Massenorganisationen. Die Partei der Volksrevolution Benins (französisch Abkürzung PRPB) wurde am 30.11. 1975 gegründet und führte vom 13. bis 18.11. 1979 ihren I. Parteitag durch; ihr Ziel ist es, über mehrere Zwischenetappen in Benin eine sozialistische Gesellschaft zu errichten. Einheitliche Gewerkschaftszentrale ist der Gewerkschaftsbund der Volksrepublik Benin (französisch Abkürzung UNSTB); gegründet 1961; gehört dem WGB und der OATUU an. Geschichte. Seit dem ausgehenden Mittelalter entstanden in Benin mehrere Staaten, von denen Dahomey im 17./19. Jahrhundert der stabilste war, er setzte am Ende des 19. Jahrhundert der französischen Kolonialunterwerfung heroischen Widerstand entgegen. 1894 wurde Dahomey französische Kolonie. insbesondere nach dem 2. Weltkrieg erlebte Benin einen Aufschwung der nationalen Befreiungsbewegung, der jedoch durch regionale und ethnische Widersprüche gehemmt wurde. Da sich nach der Erlangung der staatlichen Selbständigkeit am 1. 8. 1960 diese Widersprüche vertieften, kam es in der damaligen Republik Dahomey zu häufigen Machtkämpfen. Am 26.10. 1972 übernahm das Militär unter Oberstleutnant Mathieu Kérékou die Macht und begann eine progressive Entwicklung einzuleiten. Am 30.11. 1975 wurde die Volksrepublik Benin proklamiert. Der I. Parteitag der Partei der Volksrevolution Benins (13./18.11. 1979) bestätigte nachdrücklich das Ziel, in Benin eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen. Die aus den Wahlen am 20.11. 1979 hervorgegangene Revolutionäre Nationalversammlung löste den Nationalen Revolutionsrat, der seit 1973 als höchstes Legislativ- und Exekutivorgan fungiert hatte, ab und wählte den Vorsitzenden des ZK der PRPB, zum eisten Präsidenten der Volksrepublik.

Benioff-Zone: (nach H. Benioff)im Kollisionsbereich von Lithosphärenplatten mit etwa 45° unter meist kontinentale Einheiten abtauchende, durch eine Häufung von Erdbebenhypozentren charakterisierte Zone (siehe auch Subduktion).

Benitiefland, Nordbolivianisches Tiefland: Tieflandsbucht mit Nordwest-Südost-Erstreckung im Norden Boliviens, Teil des Amazonastieflandes. Im Osten durch das Brasilianische Bergland und die ausgedehnten Sumpfgebiete des Pantanal am Paraguay, im Süden durch den Gran Chaco und im Westen durch die Ostkordillere begrenzt. Etwa 730000 km2. Das von Beni, Mamore Guapore und ihren Nebenflüssen entwässerte Benitiefland besteht zu einem großen Teil aus Ebenheiten, die mit lößartigen Sedimenten bedeckt sind (Llanos, zum Beispiel Llano de Apolobamba, Llano de Mamore, Llano de Majos); Teile davon werden bei Hochwasser regelmäßig überflutet. Verbreitet sind Sumpfgebiete mit teilweise stehenden Gewässern wechselnder Ausdehnung (zum Beispiel Laguna Rogoaguado). Äquatorialklima mit ausgeprägter Regenzeit von Dezember bis Mai, im nördlichen Teil immergrüner tropischen Regenwald (Hyläa), im Süden entlang der Flüsse Savannen mit Galeriewäldern.

Benjamin: (hebräisch, «Glückskind») 1. im Alten Testament jüngster Sohn Jakobs und der Rahel.

2. Name eines historischen israelitischen Stammes in Mittelpalästina. König Saul von Israel war Benjaminit.

Ben Jelloun, Tahar, geboren 1944, marokkanischer Dichter; lebt als freischaffender Schriftsteller und Journalist in Paris; befasst sich in Gedichten, Kurzprosa und Romanen (zum Beispiel «Harrouda», 1973) mit Tradition und Gegenwärt der Maghreb Länder in ihrem Verhältnis zu Europa.

Bennett, Enoch Arnold, 27.5.1867-27.3.1931, englischer Schriftsteller; schildert in den Romanen der «Clayhangero-Trilogie (1910/16, deutsch) sowie in den Erzählungen «Geschichten aus den fünf Städten» (1905, deutsch) in oft naturalistischen Details das Alltagsleben der Arbeiter und Kleinbürger in Mittelengland.

Bennigsen: 1. Levin August Bennigsen, 21.2.1745-15.10.1826, russischer General. Bennigsen, aus einer hannoverschen Adelsfamilie stammend, stand 1773/1818 in russischen Diensten; nahm 1801 an der Verschwörung gegen Paul I. teil; 1807 Oberbefehlshaber der russischen Armee; während des Vaterländischen Krieges bis Dezember 1812 Stabschef M. I. Kutusows; kommandierte in der Völkerschlacht bei Leipzig den rechten Flügel der Verbündeten.

2. Rudolf von Bennigsen, 10.7.1824-7.8.1902, Politiker, war 1859/67 Präsident des Deutschen Nationalvereins; war seit 1867 führender Politiker der Nationalliberalen Partei, die bis 1878 Bismarck unterstützte; 1867/83 und 1887/98 Vorsitzender der Partei. 1888/97 war er Oberpräsident in Hannover.

Benommenheit: leichter Grad einer Bewusstseinsstörung; dabei sind Auffassung, Denk- und Gedächtnisvorgänge verlangsamt und die Orientierung über Ort und Zeit, weniger über die eigene Person, gestört. Bei stärkeren Graden der Bewusstseinsstörung kommt es zum Sopor (vorübergehende Erweckbarkeit nur bei intensiven Außenreizen) und zum Koma (Unerweckbarkeit).

Benoni: Stadt in Transvaal (Republik Südafrika), am Witwatersrand, 1650 m überm Meer; 205000 Einwohner; Goldminen; Maschinenbau, elektrotechnischer, chemische Industrie (Kunststoffe).

Benthal: Bodenregion der Gewässer mit den dort lebenden Organismen (Benthos); umfasst das belichtete Litoral und das lichtlose Profundal beziehungsweise Abyssal.

Bentham, Jeremy, 15.2. 1748-6. 6. 1832, britischer Philosoph und Vulgärökonom; Vertreter einer extrem Utilitaristische Ethik, nach der das «Prinzip der Nützlichkeit» Grundlage besonders von Moral und Recht sei. Das Glück der Gemeinschaft bestehe in der Summe der Lust der Einzelnen. Aufgabe des Staates sei der Schutz des Großeigentums und die Unterdrückung von Volksaufständen («Einführung in die Prinzipien der Moral und Gesetzgebung», 1780).

Benthos: (griechisch) Lebensgemeinschaft der tierischen und pflanzlichen Bewohner der Ufer- und Bodenregion beziehungsweise des Benthals der Gewässer.

Bentonit: (nach dem Fundort) Tongestein, das als charakteristischer Bestandteil das Tonmineral Montmorillonit enthält. Siehe auch Bleichton.

Benue: 1. Benue: linker und größter Nebenfluss des Niger, in Westafrika; 1400 km; entspringt im Hochland von Adamaoua (Kamerun), durchfließt Nigeria; sein Nebenfluss Mayo Kebi zapft das zum Tschad entwässernde Logone-Flussgebiet an; auf 400 km, in der Regenzeit auf 900 km schiffbar. 2. Bundesstaat im Südosten Nigerias; 45174 km2, 2,43 Millionen Einwohner; 54 Einwohner/km2; Hauptstadt Makurdi.

Benxi, Penki: Stadt in China, im Osten der Provinz Liaoning, am Tai zi He; 600000 Einwohner; Zentrum der Stahl- und Eisenindustrie (6000001 Roheisen jährlich), Produktion von Spezialstählen, Buntmetallurgie, chemische und Zementindustrie, Maschinenbau.

Benzaldehyd: (Kurzwort aus Benzoesäure + Aldehyd) eine farblose, ölige, stark lichtbrechende, wenig wasserlösliche Flüssigkeit der Formel C6H5-CHO; F -56°C, Kp 179°C. Benzaldehyd ist Hauptbestandteil und Geruchsträger des Bittermandelöls und kommt als Glykosid Amygdalin in Mandeln und Steinobstkernen vor. An der Luft wird Benzaldehyd allmählich zu Benzoesäure oxydiert, die sich in Kristallen ausscheidet.

Benzidin: eine farblose, giftige, kaum wasserlösliche, kristalline Substanz. Benzidin wird zur Herstellung von Azofarbstoffen sowie in der Gerichtsmedizin zum Blutnachweis verwendet.

Benzin: im weiteren Sinne Sammelbegriff für Gemische leichtsiedender flüssiger Kohlenwasserstoffe bis zu einem Siedepunkt von etwa 220°C. Sie werden durch Destillation aus Erdöl, durch Reformieren, bei Spaltverfahren oder synthetisch (Fischer-Tropsch-Verfahren, Bergius-Verfahren) gewonnen beziehungsweise veredelt Rohbenzine sind in der Regel unraffinierte Zwischenprodukte für die Weiterverarbeitung, zum Beispiel Leicht-, Mittel-, Schwerbenzin Siedegrenzenbenzine sind meist hochreine, Schwefel- und aromaunfreie Spezialbenzine für Lösungs- und Extraktionszwecke, zum Beispiel Gasolin, Wund-, Lack-, Waschbenzin, oder für Heizzwecke Katalytbenzin im engeren Sinne versteht man unter Benzin den (wertverbessernde Zusätze enthaltenden) Vergaserkraftstoff für Ottomotoren, zum Beispiel Fahr- und Flugbenzin. Benzindämpfe wirken schleimhautreizend und können nach längerer Einatmung zu Störungen des Nervensystems führen.

Benzodiazepine: wichtigste Gruppe der Psychosedativa. Benzodiazepine führen zur Verminderung von Spannungsgefühlen und wirken angstlösend, muskelrelaxierend, antikonvulsiv und schlaffördernde Vertreter sind Faustan, Radepur, Rudotel, Radedorm.

Benzoe: nach Vanille riechendes, im Wesentlichen aus Benzoesäureestern bestehendes Harz von Styraxbäumen (Thailand, Indonesien unter anderem); verwendet in der Parfümerie und für Räuchermittel.

Benzoesäure: aromatische Carbonsäure der Formel C6H5-COOH. Benzoesäure ist färb- und geruchlos, kristallisiert, heißwasserlöslich und sublimiert bei etwa 100 °C. Sie kommt frei und verestert in Balsamen und Harzen vor, wird technisch durch Oxydation von Toluol gewonnen und als chemisch-technischen Zwischenprodukt sowie zur Lebensmittelkonservierung verwendet. Die Salze und Ester heißen Benzoate.

Benzol, Benzen: die Stammsubstanz der aromatischen Verbindungen; Formel C6H6. Benzol(Benzen) ist eine farblose, feuergefährliche, mit rußender Flamme brennbare Flüssigkeit von typischem Geruch, die mit den meisten organischen Lösungsmitteln mischbar, jedoch nicht wasserlöslich ist. Benzol bzw. Benzen lässt sich durch Destillation von Steinkohlenteer und einigen Erdölarten gewinnen; von größerer Bedeutung ist die Aromatisierung von Erdölbenzinen durch Reformieren mit nachfolgender Selektivextraktion. Benzol(Benzen) wird als Lösungsmittel, Treibstoffzusatz und vor allem als chemisches Zwischenprodukt für Farbstoffe, Chemiefaserstoffe, Plastwerkstoffe, Pharmaka, Insektizide unter anderem verwendet. Einatmung von Benzoldämpfen führt akut zu zentralnervösen Störungen. Bei chronischen Vergiftungen sind unter anderem Schädigungen der Blutbildung, Lebererkrankungen und Leukämie möglich.

Benzolsulfonsäure, Benzensulfonsäure: eine in weißen, hygroskopischen Nadeln kristallisierende Substanz der Formel C6H5-SOjH; F 50 bis 51 °C. Benzolsulfonsäure ist eine leicht wasserlösliche, starke Säure; Verwendung für chemische Synthesen.

Benzophenon: das aromatische Keton C6H5-CO-C6H3. Benzophenon kristallisiert in farblosen, wasserlösliche, rhombische Prismen von schwachem Geruch; F49°C, Kp 305,4°C; Verwendung als chemisches Zwischenprodukt.

Benzoylgruppe: (arabisch + griechisch + französisch) von der Benzoesäure abgeleitete Acylgruppe der Formel -COQH5.

Benzpyren: pentazyklisches aromatischer Kohlenwasserstoff der Formel C2oH12. Benzpyren ist eine gelbe, kristallisierte Substanz; F 177°C. Es wirkt krebsfördernd und kommt unter anderem im Tabakrauch vor.

Benzylalkohol: eine farblose, wenig wasserlösliche Flüssigkeit von schwachem Geruch. Bei der Oxydation ergibt Benzylalkohol Benzaldehyd und schließlich Benzoesäure; Verwendung zur Herstellung von Pharmaka und Riechstoffen.

Benzylacetat: farblose, jasminähnlich riechende Flüssigkeit. Benzylacetat kommt in ätherischen Ölen vor, wird synthetisch gewonnen und in der Parfümerie verwendet.

Benzylchlorid: eine farblose, stechend riechende, tränenreizende Flüssigkeit; dient als chemisches Zwischenprodukt zur Herstellung von Farbstoffen, Pharmaka unter anderem.

Beobachter: von einem Staat oder einer internationalen Organisation für eine begrenzte Teilnahme an der Arbeit internationaler Konferenzen oder Organisationen entsandte Person. Der Beobachter kann sich an der Diskussion beteiligen und Vorschläge unterbreiten, hat aber kein Stimmrecht. In den UN und in anderen Organisationen hat sich die Einrichtung Ständiger Beobachter (für Nichtmitglieder) herausgebildet.

Beobachtung: 1. allgemeine empirische Forschungsmethode in vielen Wissenschaften; auch Synonym für empirische Erhebung. In der sozialwissenschaftlichen Beobachtung werden aktuelles (reales) Verhalten von Personen (Personengruppen) sowie Merkmale komplexer sozialer Erscheinungen erfasst. Die wissenschaftliche Beobachtung erfordert ein Beobachtungsprogramm mit exakter Bestimmung der Beobachtungseinheiten, der Beobachtungssituation, der Rolle des Beobachters, der Zeiteinheiten unter anderem. Man unterscheidet Selbst- und Fremdbeobachtung sowie Beobachtung in natürlicher und in Laborsituation.

2. Medizin: spezielle Maßnahme des Infektions- und Seuchenschutzes. Sie kann in regelmäßigen Temperaturkontrollen, in körperlicher Untersuchung oder in Entnahmen von Untersuchungsmaterial bestehen. Der Beobachtung unterliegen Kontaktpersonen, bei denen mit dem Auftreten von Infektionskrankheiten gerechnet werden muss.

Beobachtungsfehler, subjektiver Fehler. Beitrag zum Fehler einer Messung, den der Beobachter verursacht. Ein Beobachtungsfehler ist zum Beispiel der Ablesefehler durch Parallaxe, der infolge falscher Beobachtungsrichtung an einem Messmittel auftritt, bei dem Teilungsmarken und Anzeigemarke nicht in derselben Ebene liegen. Der Beobachtungsfehler lässt sich durch Anwendung objektiver Messverfahren (Einsatz von Fotoelementen) und digitale Anzeige vermeiden oder verringern.

Beowulf: altenglisches (um 730 aufgeschrieben) und ältestes, in einem westsächsischen Manuskript um 1000 vollständig erhaltenes altgermanisches Heldenepos; Schauplatz Dänemark/Südschweden; schöpft aus altem Sagengut, schildert Beowulfs Kampf mit dem Unhold Grendel, dessen Mutter und einem Drachen sowie Beowulfs Tod und Bestattung.

Beranger, Pierre Jean de, 19.8. 178016.7. 1857, französischer Dichter; machte das volkstümliche politische Lied insbesondere während der Restauration zu einem wirksamen Ausdrucksmittel republikanisch-demokratische Gesinnung. Beeinflusste die politische Dichtung bis zur Pariser Kommune.

Berati: Kreisstadt im Süden von Albanien, am Osumi, umgeben von Bergen (Tomorri mit 2417 m und Shpiragu mit 1213 m); 28000 Einwohner; Textilkombinat; alte Stadtmauer und Amphitheater, historischer Kongressgebäude.

Beratungswesen: Bestandteil des Gesundheits- und Sozialwesens mit der Aufgabe, ratsuchenden Bürgern in speziellen medizinischen, hygienischen und sozialen Fragen Hilfe zu geben oder zu vermitteln. entsprechend dem speziellen Anliegen gibt es Betreuungs- (Beratung!) Stellen für Schwangere, Mütter und Säuglinge, für Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche (Kinder- und Jugendgesundheitsschutz), für Herz-, Kreislauf-, Rheuma-, Zucker-, Lungen-, Geschlechts- und Geschwulstkranke, aber auch bei psychiatrische und orthopädische Erkrankungen. Sozialpolitische Maßnahmen (zum Beispiel finanzielle Zuwendungen) für Schwangere, Mütter und Patienten mit bestimmten Krankheiten sind an die Inanspruchnahme der organisierten medizinischen Beratung gebunden. Siehe auch Dispensairebetreuung.

Berauben: Bergbau Sicherung eines Grubenbaus vor Arbeitsbeginn durch Abstoßen loser Gesteinsteile vom Gebirge mittels Brechstangen oder entsprechend Geräte.

Beraufen, Ebarbieren (französisch): Buchbinderei das Beschneiden der einzelnen Bogen eines Buchblocks derart, dass nur die über die kleineren Bogen hinausstehenden Ränder der größten Bogen abgeschnitten werden.

Berberitze-Sauerdorn, Berberis vulgaris: dorniger Strauch der Familie der Berberitze-Sauerdorngewächse mit gelben Blüten und scharlachroten, essbaren Beeren; Zwischenwirt des Schwarzrostes.

Berberkröte, Bufo mauritanicus: bis 12 cm lange Kröte von grünlichgelber oder bräunlicher Grundfärbung mit dunkelbrauner Fleckung; bewohnt sowohl feuchte als auch trockene Gebiete Marokkos, Algeriens und Tunesiens.

Berberskink, Eumeces algeriensis: 40 cm langer Skink aus den Trockengebieten Nordwestafrikas.

Berceuse: a) Wiegenlied;

b) lyrisches Instrumentalstück im Charakter eines Wiegenliedes.

Berchem, Berghem (beide -xam), Claes Pietersz, 1.10.1620-18.2.1683, holländischer Maler und Radierer; einer der bekanntesten Vertreter der italienisierenden Richtung der holländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhundert.

Berechtigter: Urheberrecht Inhaber von Urheber-, Leistungsschutz- oder anderen angrenzenden Rechten.

Beregnungsanlage: ortsfeste, teil- oder vollbewegliche Anlage zur künstlichen Beregnung von Kulturpflanzen und zum Ausbringen von Gülle (Düngung). Die Beregnungsanlage besteht aus Pumpenaggregat, Rohrleitungen (Stamm- und Zweigleitungen, Regenrohre) und Regnern, die, durch Leitungsdruck betrieben, in schwenkender oder rotierender Bewegung das Wasser durch Düsen in weitem Strahl verteilen. Moderne Beregnungsmaschinen haben rollende Regnerflügel, die durch Leitungsdruck oder motorischer Antrieb frontal versetzt oder kreisend (Kreisberegnungsmaschine) über das Feld bewegt werden.

Bereifen: Entstehen eines mehlartigen, weißen oder weißgrauen Belages auf Fleisch, Dauerwürsten oder Schinken; verursacht durch Hefen oder auskristallisiertes Salz bei gepökelten Waren.

Bereifung: elastisches Bindeglied zwischen Fahrzeug und Fahrbahn bei Straßenfahrzeugen; besteht aus Reifen (Luftschlauch) und Felge. Allg. üblich ist die 1888 von J. B Dunlop erfundene Gummibereifung mit Luftfüllung (.Luftreifen, Pneumatik, Abkürzung Pneu). Hierbei umschließt die Reifendecke (Decke, auch Mantel), auf deren Unterbau (Karkasse) aus vorwiegend Chemiefaserkord die Wulst, der Seitengummi und die Lauffläche (Protektor) aufvulkanisiert sind, den Luftschlauch aus Gummi mit Ventil. Die 1953 entwickelten schlauchlosen Reifen setzen luftdichte Felgen voraus. Das Profil der Lauffläche richtet sich nach dem Verwendungszweck: grobstollig bei Geländebereifung, grobprofiliert bei Matsch- und Schneebereifung und feinprofiliert bei Bereifung für den Sommerbetrieb. Die ursprüngliche Vollgummibereifung wird nur noch bei Spezialfahrzeugen angewendet.

Bereitschaftsdienst, medizinischer: organisierte Tätigkeit der Ärzte und Schwestern nach dem üblichen Tagesdienst beziehungsweise am Wochenende oder an Feiertagen zur Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Betreuung der Bevölkerung.

Berg: 1. die Umgebung überragende Erhebung; nach der Steilheit der Hänge und der Form in Kuppen (klein, flach), Tafelberge (steile Hänge beziehungsweise Felswände mit ebener Oberfläche) sowie Spitzen oder Nadeln (schroffe Felsformen) unterschieden.

2. Bergpartei.

Berg: 1. Alban, 9.2.1885-24.12.1935, österreichischer Komponist. Aus seinem Werk (unter anderem Open «Wozzeck», 1925; «Lulu», unvollendet, 1937; Violinkonzert, 1936), in dem er Anregungen seine Lehrers A. Schönberg eigenständig weiterentwickelte, sprechen Erschütterung und Auflehnung an menschenunwürdiger Verhältnisse in der imperialistischen Gesellschaft.

Bergbauschutzgebiet: Grundstücksfläche, die in absehbarer Zeit für die Gewinnung von Bodenschätzen in Anspruch genommen werden soll, voraussichtlich in erheblichen Umfang Einwirkungen des Bergbaus unterliegen wird oder im Interesse des Bergbaus zur Errichtung von Anlagen oder für neu zu schaffende beziehungsweise zu verlegende Wege, Wasserläufe, Kanäle, Eisenbahnen unter anderem Verkehrseinrichtungen benötigt wird. Bergbauschutzgebiet werden zur Durchführung volkswirtschaftlich vordringliche Aufgaben des Bergbaus, zur Sicherung geologischer Erkundungsarbeiten und zur Sicherung der Bevölkerung gegen unwirtschaftliche Bauen auf mineralhaltigem oder bergbaugefährdetem Gelände nach Zustimmung der Bergbehörde vom Bezirkstag beziehungsweise Ministerrat festgesetzt.

Berge, Abgänge: Bergbau beim Abbau anfallendes taubes (wertloses) Gestein, das auf Halden verstürzt oder als Versatz verwendet wird.

Bergen: 1. Kreisstadt (Kreis Rügen) im Bezirk Rostock, im Zentrum der Insel Rügen; 14000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Bekleidungsindustrie; Verkehrsknoten; Marienkirche (12./13. Jahrhundert), Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf dem Rugard (91 m).

2. Bergen: Stadt an der Westküste Norwegens, Verwaltungszentrum der Provinz Hordaland, am Byfjord; 215000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Stahlerzeugung, Metallwaren-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; bedeutender Import- und Export sowie Fischereihafen; internationaler Flughafen; Universität; technische Hochschule. Im 11. Jahrhundert gegründet, erhielt 1070 Stadtrecht und wurde im 12. Jahrhundert Bistum; 13./16. Jahrhundert Niederlassung der Hanse, Sitz eines von Lübeck aus geleiteten Hansekontors (Deutsche Brücke).

Bergen-Belsen: faschistisches KZ nördlich von Celle (Lüneburger Heide); 1943 aus einem Kriegsgefangenenlager entstanden; bis 1945 wurden etwa 37000 Häftlinge ermordet; Gedenkstätte.

Bergenie, (nach einem Botaniker) Bergenia: Gattung der Steinbrechgewächse aus Zentralasien mit großen ledrigen, wintergrünen Blättern und rosa Blüten. Als frühblühende Staude im Steingarten oder am Fuße von Trockenmauern geschätzt.

Berger: 1. Erna Berger, geboren 19.10.1900, Sängerin (Sopran); war unter anderem Mitglied der Staatsoper Dresden und Berlin (Kammersängerin) und eine auch international gefeierte Künstlerin; seit 1959 Professor an der Hamburger Musikhochschule.

2. Hans Berger, 21.5.1873-1.6.1941, Psychiater, Professor in Jena. Berger entwickelte 1938 die Elektroenzephalographie (EEG) zur Darstellung bioelektrische Erscheinungen am lebenden Gehirn durch Ableitung der örtlichen Potentialschwankungen.

3. Karl Heinz Berger, geboren 28.7.1928, Schriftsteller; verfasst historische Biographien, Kinderbücher und Kriminalromane und schrieb die realistischen Gesellschaftsromane «Nettesheim oder Die Schwierigkeit, ein Held zu werden» (1966) und «Die Wohnung oder Auswege ins Labyrinth» (1975).

4. Uwe Berger, geboren 29.9.1928, Lyriker und Erzähler; gestaltet den Weg seiner Generation in die sozialistische Gegenwart (Gedichtbände «Hütten am Strom», 1961; «Mittagsland», 1965; «Gesichten), 1968; «Bilder der Verwandlung», 1971; «Lächeln im Flug», 1975; «Leise Worte», 1978); ferner Prosawerke «Rote Sonne» (1963), «Arbeitstage» (1973), «Der Schamanenstein» (1980), «Das Verhängnis oder Die Liebe des Paul Fleming» (1983), «Die Chance der Lyrik» (Essays, 1971) unter anderem.

Bergfeste: Bergbau beim Abbau zur Stützung des Hangenden (Deckgebirge) für immer stehengelassener, pfeilerartiger Lagerstättenteil (Kohlen Erz-, Salzfeste), der Abbauverlust darstellt.

Bergfeuchtigkeit: das in feinsten Rissen und Poren von Gesteinen durch Oberflächenkräfte festgehaltene, nicht frei bewegliches Wasser im Unterschied zum technisch gewinnbaren Grundwasser.

Bergfried, Berchfrit, Beifried: runder oder eckiger Hauptturm einer Burg, zur Verteidigung und (mitunter durch unterirdischer Gang) zur Flucht geeignet. Meist frei stehend in Bürginnen oder an der Burgmauer errichtet mit hoch über dem Erdboden gelegenem Eingang, was der Bergfried letzter Zufluchtsort bei Belagerungen.

Berghähnlein, Anemone narcissiflora: giftige Hahnenfußgewächs der europäischen, ostasiatischen und nordamerikanischen Hochgebirgsmatten mit weißen Blütendolden. Als Zierpflanze dekorative Steingartenpflanze. Siehe auch Anemone.

Bergius, Friedrich, 11.10.1884-30.3.1949, Chemiker; Professor an der Universität Heidelberg; entwickelte die Hochdruckhydrierung von Kohle («Kohleverflüssigung») zur Herstellung von Benzin u.; Kohlenwasserstoffen sowie ein Verfahren zur Hol. Verzuckerung.

Bergkrankheit, Höhenkrankheit-, bei raschem Hohen-Aufstieg ab 3000 m auftretende Störung des Befindens infolge akuter Minderung des Luftdruck und des Sauerstoffgehaltes der Luft. Kennzeichen sind Atemstörungen, Schwindel und schließlich Bewußtseinsverlust.

Bergmannsrente: Rente der Sozialversicherung in Bergarbeiter bei Berufsunfähigkeit infolge Krankheit oder Unfall; wird unabhängig vom erreichten Alter gewährt.

Bergmolch, Triturus alpestris: bis 12 cm langer Molch mit dunkler Oberseite und rotem Bauch; ernährt sich von kleinen wirbellosen Tieren; lebt am Wasser; bewohnt Mittel- und Südeuropa.

Bergpartei, Berg, französisch Montagne: die evolutionär-demokratische Linke im französischen Konvent 1792/94; benannt nach den hochgelegenen Plätzen ihrer Abgeordneten (Montagnards) im Sitzungssaal. Die Bergpartei vertrat die Interessen des demokratisch-republikanischen Flügels der Bourgeoisie, des Kleinbürgertums sowie der Mittel- und Kleinbauern. Sie führte die Französische Revolution auf den Höhepunkt, errichtete m zeitweiligen Bündnis mit der radikalen Volksbewegung die revolutionär-demokratische Jakobinerdiktatur, löste die Agrarfrage zugunsten der Bauern und organisierte eine wirkungsvolle Verteidigung der Revolution gegen deren innere und äußere Feinde. Die bekanntesten Führer der Bergpartei waren unter anderem Robespierre, Saint-Just, Danton und Marat. Sie spaltete sich 1793/94 in einen rechten (Danton) und einen linken (Collot d’Herbois) Flügel, die beide vom Zentrum (Robespierre) ausgeschaltet und liquidiert wurden.

Bergpredigt: Sammlung von Sprüchen und Gleichnissen Jesu in den Evangelien; enthält sozialkritische Elemente, die geistiger Ausgangspunkt christlicher Reformbewegungen waren.

Bergrecht: rechtliche Regelung der Erkundung und des Aufschlusses von Lagerstätten sowie des Abbaus und der Förderung von mineralischen Rohstoffen, von Bergschäden und der Wiedernutzbarmachung von Bodenflächen sowie der sich daraus ergebenden Rechtsbeziehungen.

Bergrennen: Geschwindigkeitswettbewerb für Motorräder und Automobile auf öffentlicher (abgesperrter) kurvenreicher Straße mit rutschfestem Belag und Höhenunterschied zwischen Start und Ziel. Ein Bergrennen wird in 2 Durchgängen im Einzelstart (in mehreren Klassen) ausgetragen. Die Gesamtfahrzeit ergibt die Platzierung. Europameisterschaften seit 1927.

Bergrutsch, Bergschlipf: Abgleiten von natürlich oder durch Nutzung gelockerten Gesteinsmassen am Hang auf einer mehr oder weniger steil einfallenden, meist wasserdurchtränkten Gleitschicht, zum Beispiel aus plastischen Ton. Werden vorwiegend weiche, erdige Massen hangabwärts bewegt, dann spricht man von Erdrutsch oder Erdschlipf.

Bergschaden: Verletzung des Lebens oder der Gesundheit von Personen sowie die Beschädigung von Sachen, wenn diese Schäden im Bergbau durch Untersuchungs- oder Gewinnungsarbeiten, unterirdische Speicherung, Halden, Rückstände der Aufbereitung oder durch Arbeiten zur Wiedernutzbarmachung von bergbaulich genutzten Bodenflächen verursacht worden sind. Bergschaden entstehen durch Bodenbewegungen als Folge des Abbaus in den über der Lagerstätte liegenden Gebirgsschichten und an der Tagesoberfläche, zum Beispiel an Gebäuden, Gleisanlagen, Leitungen; Straßen- und Wasserläufen sowie durch Absenkung des Grundwasserspiegels. Eine besondere Form des Bergschadens ist der Gebirgsschlag. Er entsteht, wenn starke Schichten die aufgenommenen Spannungen schlagartig abgeben, und verursacht große Zerstörungen. In der DDR sind Arbeiten im Bergbau so durchzuführen, dass kein Bergschaden entsteht, der bei Anwendung der neuesten technischen Erkenntnisse vermeidbar ist. Für Bergschaden hat nach dem Berggesetz der DDR der verursachende Betrieb, unabhängig vom Verschulden, dem Ersatzberechtigten Schadenersatz zu leisten. Ersatzberechtigt ist, wer einen Schaden durch Bergschaden erlitten hat. Der Schadenersatz ist durch Wiederherstellung der früheren Gebrauchsfähigkeit, durch Naturalersatz oder durch finanziellen Ersatz zu leisten.

Bergschrund, Schrund: Spalte zwischen vereister Felswand und Gletscher; entsteht durch das Abreißen des abwärtsgleitenden Gletschers von der Felswand.

Bergslagen: Bergbau- und Industriegebiet im mittleren Schweden zwischen Falun im Norden, Striberg im Süden, Norberg im Osten und Filipstad im Westen; hügeliges Waldland; seit dem Mittelalter Eisen sowie Kupfererzabbau und Verarbeitung; daneben Metallwaren- und Papierindustrie.

Bergson, Henri, 18.10.1859-4.1.1941, französischer Philosoph; Hauptvertreter der französischen Lebensphilosophie. Nach Bergson ist die Welt durch das rational nicht erfassbare «Leben» bestimmt, das als immaterielle Bewegung, als Lebensschwung (élan vital) verstanden wird; Leben sei nur durch Intuition als eigenes Erleben zu erfassen.

Bergsturz, Felssturz: plötzlicher Absturz großer Gesteinsmassen an steilen Hängen und Felswänden von oft katastrophaler Wirkung, ausgelöst durch Erdbeben, fluviale und glaziale Unterschneidung, Auslaugung, Frostsprengung und technische Eingriffe; bildet oft auch die Ursache für die Entstehung von Bergsturzseen (zum Beispiel Saressee im Pamir). Das Lösen kleinerer Gesteinsmassen wird als Steinschlag bezeichnet.

Bergwind-Talwind: tagesperiodische Winde, Ausgleichsströmung infolge unterschiedlicher Erwärmung beziehungsweise Abkühlung der Luft über der Hochebene und der Niederung; er weht Tags talaufwärts (Talwind), nachts talabwärts (Bergwind).

Bergwerk, Grube, Mine (französisch), Zeche: im Untertagebau arbeitender Bergbaubetrieb mit seinen Räumen, Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen unter sowie über Tage.

Beriberi, Kakke: Vitamin-B1-Mangelkrankheit infolge ausschließlich Verzehrs von poliertem Reis. Kennzeichen sind Nervenentzündungen mit Lähmungen, Beinödeme und Herzschwäche.

Berichterstattung: Meldung statistischer Daten (oft verbunden mit verbalen Einschätzungen) von Betrieben oder Kombinaten gegenüber den staats- und wirtschaftsleitenden Organen und der Belegschaft. Berichterstattung an die staats- und wirtschaftsleitenden Organe auf Grund der gesetzlichen Berichterstattungspflicht bildet eine wesentliche Grundlage zur Kontrolle, Analyse, Planabrechnung und Leitung der Tätigkeit der Wirtschaftseinheiten.

Berieseln: Holztechnik Besprühen des Furnierrundholzes bei Freiluftlagerung mittels Wassers zur Erhaltung der Holzfeuchte oberhalb des Fasersättigungspunktes; dadurch werden Rissbildungen in Form von Mantel- oder Kernrissen vermieden.

Berio, Luciano, geboren 24.10.1925, italienischer Komponist; einer der vielseitigsten Vertreter neuer Musik; seine Werke reichen vom radikalen Experiment (auch hinsichtlich Funktion und Darbietungsweise) bis zu echtem Bemühen um volkstümliche Wirkungen. Berio ist auch als Dirigent, Theoretiker und Lehrer tätig-

Berkeley, George, 12.3.1685-14.1.1753, englischer Philosoph und Theologe. Vom Empirismus und Sensualismus ausgehend, leugnet Berkeley als subjektiver Idealist und Gegner des Materialismus und Atheismus die Existenz der objektiven Außenwelt («Sein ist Wahrgenommenwerden»).

Berlepsch, Hans Freiherr von, 18.10.1857-2.9.1933, Ornithologe; begründete den wissenschaftlichen Vogelschutz. Seine ornithologische Versuchsstation Seebach.

Berliner Blau, Miloriblau (nach einem französischen Farbenhersteller), Pariser Blau, Preußischblau: aus Eisen(III)-cyanoferrat(II), Fe4(Fe(CN)6)3, bestehendes, lichtechtes, farbkräftiges Blaupigment zum Beispiel für Anstrichstoffe und Tapetendruck.

Berlioz, Hector, 11.12.1803-8.3.1869, französischer Komponist; Schöpfer der poetisch-literarisch inspirierten Programmsinfonie, die auf den Gestaltungsprinzipien L. van. Beethovens aufbaute und zu den sinfonischen Dichtungen von F. Liszt, P. Tschaikowski, R. Strauss unter anderem hinführte; auch auf das «Mächtige Häuflein» übte er starken Einfluss aus. Revolutionierend wirkte Berlioz auf den Gebieten der Harmonik und besonders der Instrumentation (Instrumentationslehre, 1844). Er schuf die «Phantastische Sinfonie» (1830, mit der Idee fixe), weitere Programmsinfonien, zahlreiche Ouvertüren, Opern (unter anderem «Benvenuto Cellini», 1838; «Die Trojaner», 1863), dramatische Legende «Fausts Verdammung» (1846), Requiem, «Trauer- und Triumphsinfonie» für die Juli-Gefallenen von 1830 (1840) unter anderem; zahlreiche Musikkritiken, aufschlussreiche Memoiren. Im Ausland hoch geachtet, fand er in Frankreich nie volle Anerkennung; starb als Bibliothekar des Pariser Konservatoriums.

Berlocke: kleiner Ziergegenstand an einer Uhr- (oder anderen) Kette; Modeerscheinung des ausgehenden 18. Jahrhundert und des 19. Jahrhundert.

Berme: 1. waagerechter Absatz in hohen Dämmen und Böschungen (auch Bankett genannt).

2. im Eisenbahnbau der Teil des Unterbaues, der von der Gleisbettung nicht überdeckt ist.

Bermejo, Rio: rechter Nebenfluss des Paraguay im Norden Argentiniens; 1500 km; entspringt in den Kordilleren, durchfließt den Gran Chaco, mündet bei Formosa.

Bermudainseln: britische Kolonie mit innerer Autonomie auf der Inselgruppe der Bermudainseln im westlichen Atlantik, 917 km südöstlich von Kap Hatteras (USA); 53 km2, 63000 Einwohner (davon etwa 63% Afroamerikaner); 1189 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Hamilton (3000 Einwohner). Etwa 360 kleine Koralleninseln auf Vulkan. Grundgestein (nördlichste Atolle der Erde unter Golfstromeinfluss), davon 20 bewohnt und 7 miteinander durch Brücken zur Hauptinsel (Main Island) verbunden. Keine Flüsse, daher Meereswasserdestillation. Bei feuchtem, subtropischem Klima Anbau von Frühgemüse, Bananen, Zitronen und Blumen. Lebensmittel müssen eingeführt werden. Thunfisch-, Krabbenfang; starker Fremdenverkehr. Luftverkehrsknotenpunkt zwischen Amerika und Europa auf der Insel St. David. Flotten- und Luftstützpunkt der USA seit 1941.

Bernanos, Georges, 20.2.1888-5.7.1948, französischer Schriftsteller, kritisierte in seinen Romanen («Tagebuch eines Landpfarrers», 1936, deutsch) unter anderem Werken von einem streng katholischen, zum Teil mystizistischer Standpunkt aus soziale und moralische Missstände der bürgerlichen Gesellschaft, insbesondere deren Anfälligkeit gegenüber faschistischen Ideen.

Bernard, Claude, 12.7.1813-10.2.1878, französischer Physiologe; Professor an der Sorbonne und dem College de France; zählt zu den ersteh Experimentalphysiologen im modernen Sinne. Durch Bernard wurde die Physiologie als selbständige biologische Grundlagenwissenschaft begründet. Er erkannte die Rolle des Pankreassaftes für die Fettverdauung (1849), entdeckte das Glykogen und wies nach, dass die Zuckerbildung in der Leber erfolgt (1855).

Bernardin de Saint-Pierre, Jacques-Henri, 19.1.1737-21.1.1814, französischer Schriftsteller, bekannt durch den sentimental-exotischen Roman «Paul und Virginie» (1788, deutsch), der an das Naturempfinden Rousseaus anknüpfte und Elemente der französischen Romantik vorwegnahm.

Bernau: Kreisstadt im Bezirk Frankfurt, nordöstlich von Berlin; 19000 Einwohner; Herstellung von Schichtpreßstoffen, Fahrzeugausrüstungen, Lederwaren; Lebensmittelindustrie; Gewerkschaftshochschule «Fritz Hekkert»; die historische Stadtmauer (1490 m lang) mit Wehrbauten (Steintor mit Heimatmuseum, Hunger- und Pulverturm) umschließt den in Rekonstruktion befindliche mittelalterlichen Stadtkern. Sö. von Bernau Großtanklager Seefeld (Pipeline von Schwedt).

Bernburg: Kreisstadt im Bezirk Halle, an der Saale; 41000 Einwohner; Kali- und Salzbergbau, Zement-, Soda-, Serumwerk, Maschinenbau, Lebensmittelindustrie; Agrarzentrum; Hoch- (Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, Chemietechnik) und Fachschulen, Institute, Museen, Theater, Oberstadt mit Schloss (12./18. Jahrhundert), Unterstadt mit Marienkirche (11., 15. Jahrhundert) und Rathaus. 961 Burgward Bernburg genannt, 1205 Erwähnung der Altstadt; 1603/1785 Residenz der Fürsten beziehungsweise Herzoge von Anhalt-Bernburg; in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert Entwicklung zu einem Zentrum der Kali- und Sodaindustrie.

Berner Alpen, Berner Oberland: Teil der schweizerischen Westalpen zwischen Genfer See und Haslital (obere Aare), im Süden von der Rhône begrenzt; im Westen Kalkketten, im Osten das stark vergletscherte (Aletschgletscher) Hauptmassiv (Granit, Gneis) mit Finsteraarhorn (4274 m), Aletschhorn (4182 m), Jungfrau (4158 m), Mönch (4099 m), Eiger (3970 m); ständige Besiedlung überwiegend nur in den Tälern, Abwanderung der Bevölkerung aus den Bergdörfern; Touristenorte und Wintersportzentren: Gstaad, Lauterbrunnen, Grindelwald unter anderem; kaum Industrie; Wasserkraftwerke.

Bernhardt, Sarah, 23.10.1844-26.3.1923, französische Schauspielerin; Mitglied der Comédie-Française; erwarb mit ihren Gestaltungen klassische und romantischen Heldinnen in Paris und durch Gastspiele in Europa, Amerika und Australien Weltruhm.

Bernhard von Clairvaux, um 1090-20.8. 1153, französischer Zisterziensermönch, Theologe und Kirchenpolitiker, Begründer der reaktionären, der Kirche ergebenen Mystik, Kreuzzugsprediger; bekämpfte Abalard; von Augustinus beeinflusst.

Bernhard von Weimar, 16.8.1604-18.7.1639, protestantischer Feldherr im Dreißigjährigen Krieg; kämpfte für verschiedene Herren; 1633 schwedischer Oberbefehlshaber in Süddeutschland; 1635/39 in französischen Sold, eroberte er Lothringen und das Elsass für Frankreich.

Berni, Antonio, geboren 14.5.1905, argentinischer Maler und Graphiker; Begründer des «Neuen Realismus» in Argentinien; monumentale Gemälde und Wandbilder mit nationaler Thematik; zeitweise Zusammenarbeit mit D. A. Siqueiros; in jüngster Zeit ist vor allem sein graphisches Werk von Bedeutung.

Berninagruppe: höchste Gruppe der Ostalpen an der schweizerisch-italienischen Grenze mit Piz Bernina (4049 m) und Piz Palü (3905 m); aus Kalk aufgebaut; stark vergletschert.

Berninapass: ostschweizerischer Alpenpass für die Straße vom Engadin (Inntal, Kanton Graubünden) in das italienische Valtellina (Adda); 2328 m; Berninabahn (60km lang, höchster Punkt 2256m über dem Meeresspiegel) Sankt Moritz nach Tirano (Valtellina).

Bernini, Giovanni Lorenzo, 7.12.1598-28.11.1680, italienischer Baumeister und Bildhauer, Hauptmeister des italienischen Hochbarocks. Seine römischen Bauen und Brunnen vereinen Klarheit der Einzelformen mit barocker Plastizität und Bewegung, so die halbkreisförmigen Kolonnaden auf dem Vorplatz les Petersdoms (1657/67). Die dramatisch komponierten Bildwerke sind technisch virtuos behandelt und verbinden sich organisch mit dem umgebenden Raum (Apoll und Daphne, 1625; Verzückung der heiligen Therese, 1644/47; beide Rom).

Bernoulli, schweizerischer Gelehrtenfamilie, darunter auch berühmte Mathematiker, unter ihnen:

1. Daniel Bernoulli, 8.2.1700-17.3.1782, Sohn von Bernoulli 3, Begründer der Hydromechanik; befasste sich weiterhin mit Schwingungen von Seiten, aber auch mit Anatomie und Botanik.

2. Jakob Bernoulli, 6.1.1655-16.8.1705, Bruder von Bernoulli 3, Hauptvertreter der Infinitesimalrechnung und der Leihen Lehre; befasste sich wie Bernoulli 3 mit Variationsproblemen (isoperimetrisches Problem, Kettenlinie, Brachistochrone). Er wurde mit seiner 1713 erschien «Ars conjectandi» (Kunst des Vermutens) zu einem der Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

3. Johann Bernoulli, 6.8.1667-1.1.1748, Bruder und Schüler von Bernoulli 2; systematisierte die Leibniz’sche Infinitesimalrechnung, stellte sie in Lehrbüchern dar und wandte sie auf viele geometrische und physikalische Einzelprobleme an.

Bernoullische Gleichung: von D. Bernoulli 1738 aufgestellte Gleichung für die stationäre Strömung kompressibler, reibungsfreier Flüssigkeiten und Base. Danach ist (ohne Berücksichtigung der Schwerkraft) die Summe aus dem statischen Druck p und dynamischen oder Staudruck ßv2/2 eine Konstante p Dichte, v Geschwindigkeit des strömenden Stoffes). Der statische Druck ist daher umso kleiner, je größer die Geschwindigkeit ist, was zum Beispiel bei Tragflügeln zum dynamischen Auftrieb führt.

Bernstein, (niederdeutsch, «Brennstein») Sukzinat fossiles (tertiäres), gelbes bis braunes Harz, oft mit tierischen Einschlüssen; Härte 2 bis 2,5, Dichte 1 bis 1,1 g/cm5; brennbar. Vorkommen an er Ostseeküste (Gewinnung bei Kaliningrad im Tagebau aus der «blauen Erde»), in Großbritannien, in den Niederlanden und in Rumänien. Bernstein wird seit der Steinzeit zu Schmuck verarbeitet.

Bernstein: 1. Eduard Bernstein, 6.1.1850-18.12.1932, Sozialdemokratischer Politiker und Publizist, Bankangestellter; trat 1871 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Eisenacher) bei; 1878 ging er nach Zürich, wo er seit 1881 das Zentralorgan der Sozialdemokratie, «Der Sozialdemokrat», redigierte. Unter dem Einfluss revolutionärer Sozialdemokraten und insbesondere von F. Engels vertrat er marxistische Positionen und erwarb sich Verdienste beim Kampf gegen das Sozialistengesetz. Seit 1888 wirkte er in London, wo er bis 1890 den «Sozialdemokrat» redigierte und danach publizistisch für die Partei tätig war. Unter dem Einfluss Sozialreformer. Kräfte in Großbritannien wurde Bernstein seit Mitte der 90er Jahre zum theoretischen Begründer des Revisionismus. Seit 1901 wieder in Deutschland, wurde Bernstein zu einem Wortführer Opportunistische Kräfte, 1914 stimmte er im Reichstag für die Kriegskredite. 1917/19 war er Mitglied der USPD, danach wieder der SPD. Bernstein trat gegen den Marxismus-Leninismus und die Sowjetunion auf.

2. Bernstein, Leonard Bernstein, geboren 25.8.1918, US-amerikanischer Dirigent und Komponist; ist erfolgreich darum bemüht, in Konzertwerken, Musicals («West Side Story», 1957), Sinfonien («Jeremiah», 1944), Liedern, Filmmusik unter anderem eine massenwirksame, Kunst und Unterhaltung vereinende, charakteristische amerikanische Musik zu schaffen.

Bernsteinsäure: eine farb- und geruchlose, kristallisierte, wasserlösliche Substanz; Butandisäure, Ethandicarbonsäure; Salze und Ester. Sukzinate (Succinate). Bernsteinsäure kommt, als Ester im Bernstein vor und wird für chemisch-technische Synthesen (Farbstoffe unter anderem) verwendet.

Bernsteinsäuredehydrogenase, Sukzinat-Dehydrogenase (lateinisch + griechisch): Flavinenzym des Zitronensäurezyklus, das die Umwandlung der Bernsteinsäure zu Fumarsäure katalysiert.

Bernsteinschnecken, Succineidae: heimische Landlungenschnecken mit läng)., bernsteinfarbenen Schalen; leben vorwiegend an Sumpf- und Uferpflanzen, auf feuchten Wiesen und in Auwäldern. Können längeres Untertauchen überstehen.

Bernstorff: 1. Andreas Peter Graf von Bernstorff, 28.8.1735-21.6.1797, dänischer Staatsmann; Neffe von Bernstorff 2; 1773/80 und seit 1784 leitender Minister; trat 1780 für die gegen Großbritannien gerichtete bewaffnete Neutralität ein; setzte begonnene Reformen fort, besonders Maßnahmen zur Aufhebung der Leibeigenschaft, Ablösung der Fronarbeit, zum Verbot des Sklavenhandels und zur Förderung von Handel und Verkehr.

2. Johan Hartwig Ernst Graf von Bernstorff, 13.5.1712-18.2.1772, dänischer Staatsmann; war 1751/70 leitender Minister, konnte durch Tauschvertrag mit Russland (1767) Holstein-Gottorp wieder mit Dänemark vereinigen, begann mit Reformen (Schutzzoll, Bauernbefreiung unter anderem).

Bernwardinische Kunst, Bernwardskunst: niedersächsische Kunst im frühen 11. Jahrhundert besonders in Hildesheim unter Bischof Bernward (um 960-1022), von diesem unmittelbar geprägt, Teil der ottonischen Kunst; sie umfasst so bedeutende Werke wie die frühromanische Michaelskirche in Hildesheim (1010/33), die erstmals grundlegende Gestaltungsformen der Romanik zeigt, die Bernwardstür (vollendet 1015) und die Bernwardssäule (zwischen 1015 und 1022). Die aus Bronze gegossenen Kunstwerke Bernwardstür und Bernwardssäule gehörten zur ursprünglichen Ausstattung von St. Michael und befinden sich heute im Hildesheimer Dom.

Berossos, babylonischer Priester, Mathematiker und Astronom zur Zeit der ersten Seleukiden; schrieb um 280 vor Christus in griechischen Sprache eine nur in Fragmenten erhaltene babylonische Geschichte.

Berruguete: 1. Alonso, um 1486-1561, spanischer Maler, Bildhauer und Architekt; Sohn von Berruguete 2; einer der ersten und bedeutendsten Meister der Renaissance in Spanien; lehnt sich in seiner Malerei an Leonardo und A. del Sarto an, auch in der Plastik ist der italienischen Einfluss deutlich.

2. Pedro, gestorben 1503, spanischer Maler; trotz Kenntnis italienischer und flämische Malerei weisen ihn seine Hauptwerke als einen eigenständigen und hervorragenden Vertreter der kastilische Primitiven aus. Seine Gestalten sind derb; trotz des kräftigen Kolorits zeichnen die Gemälde Ernst und Schlichtheit aus.

Berry: Landschaft im mittleren Frankreich, südlich vom großen Loirebogen, wichtigster Ort Bourges-, von Indre und Cher durchschnittene Kalktafel; mäßig fruchtbar; Wälder, Heide; metallverarbeitende und Wollindustrie; Schafzucht; im Süden auf Lehmböden Weizenanbau.

Berry: 1. Charles Ferdinand de Bourbon, Herzog von Berry, 24.1. 1778-13.2. 1820, Sohn des Grafen von Artois (Karl X. (11)), letzter Thronerbe der Hauptlinie der Bourbonen; gehörte nach 1815 zum extrem rechten Flügel des französischen Adels. Seine Ermordung löste die 2. Welle des «Weißen Terrors» in Frankreich aus.

2. Marie Caroline, Herzogin von Berry, 1798-1870, Frau von Berry 1; ihr Putschplan im Juni 1832 gegen das Regime des Bürgerkönigs scheiterte.

Berserker: (altnordisch) altgermanischer wilder Krieger (im Bärenfell); übertragen blind wütender Mensch.

Berstversuch: Prüfung von textilen Flächengebilden zur Bestimmung des Widerstandes gegen Wölbbeanspruchungen.

Berthelot, Marcelin, 25. 10. 1827-18.3. 1907, französischer Chemiker, arbeitete insbesondere über organische Chemie (Zucker, Synthesen), chemische Thermodynamik (unter anderem Konstruktion eines Kalorimeters) und Geschichte der Chemie, besonders Alchemie.

Berthelot-Gleichung: (nach M. Berthelot) halbempirische thermische Zustandsgleichung für reale Gase. Sie beschreibt das Verhalten realer Gase besser als die van-der-Waalssche Zustandsgleichung.

Berthold von Henneberg, 1441-21.12.1504, Erzbischof und Kurfürst von Mainz seit 1484; seit 1485/86 Haupt einer kurfürstlichen Reformpartei, die auf mehreren Reichstagen zwischen 1486 und 1500 einige Reformen durchsetzte und unter anderem erreichte, dass Maximilian I. 1500 der Errichtung eines Reichsregimentes zustimmte. Beim Tode Berthold von Hennebergs waren jedoch die meisten Reformen bereits gescheitert.

Berthold von Regensburg, um 1210-1272, Prediger des Franziskanerordens; wandte sich in volkstümlichen-derben Predigten in deutscher Sprache vor allem an Bauern und Handwerker; kritisierte Habsucht, kirchliche Missstände und die Laster des Feudaladels.

Berthollide: (nach einem französischen Chemiker) chemische Verbindungen, in denen die Massen der Atome nicht streng in stöchiometrischen Verhältnissen stehen. Im Unterschied zu den Daltoniden schwankt die Zusammensetzung der Berthollide innerhalb bestimmter Grenzen und lässt sich daher nicht durch eine übliche chemische Formel angeben. Zum Beispiel entspricht die Zusammensetzung des Eisen(II)-öxids der Formel Feo; die des Eisen(II)-sulfids wird durch die Formel Fe0,98S wiedergegeben.

Bertolucci, Bernardo, geboren 16. 3.1941, italienischer Regisseur; befasst sich in seinen Filmen kritisch mit dem Verhältnis von Individuum und bürgerlicher Gesellschaft, insbesondere der Entwicklung zum Faschismus («Vor der Revolution», «Der große Irrtum», «1900»).

Beruf: Komplex von speziellen Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen, die als Voraussetzung zur Ausübung geistig und körperlicher produktiver Tätigkeit auf einem bestimmten Arbeitsgebiet erforderlich sind und meist in Form einer systematischen Berufsausbildung erworben werden. Inhalt der Beruf und Anforderungen an die berufliche Tätigkeit sind sozialökonomisch bestimmt und der historischen Entwicklung unterworfen.

Berufkraut, Erigeron: Gattung der Korbblütler mit fädigen Strahlenblüten; ein verbreitetes Unkraut ist das schmutzig weiß blühende, aus Nordamerika eingeschleppte einjährige Kanadische Berufkraut (E. canadensis); im früheren Volksaberglauben Zaubermittel gegen das «Berufen» (= Beschreien).

Berufsausweis: amtliche Bescheinigung, die zur Ausübung bestimmter Berufe erforderlich ist.

berufsbedingte Ausgaben: steuermindernd absetzbare Aufwendungen des Steuerpflichtigen, die durch ein Arbeitsrechtsverhältnis oder durch eine steuerbegünstigte freiberufliche Tätigkeit verursacht werden und unmittelbar im Zusammenhang mit der Berufsausübung stehen.

Berufsberatung: Gesamtheit aller durch Schulen, Betriebe, Eltern, gesellschaftlichen Organisationen durchgeführten berufsaufklärenden, -orientierenden und -lenkenden Maßnahmen. Ziel der systematischen, langfristigen Berufsberatung ist die bewusste Entscheidung der Jugendlichen für einen Beruf, der ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht.

Berufsbild: Darstellung der Anforderungen an die zur Ausübung einer speziellen beruflichen Tätigkeit nötigen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen sowie der Voraussetzungen für das Erlernen des entsprechend Berufes (Ausbildungsdauer, Ablauf und Bedingungen der Berufsausbildung).

Berufserfahrung: durch langjährige praktische Tätigkeit im gegebenen Beruf erworbene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sich auf Zusammenhänge im Arbeitsprozess, seine Elemente, die zweckmäßigsten Arbeitsmethoden, Verhaltensweisen und Reaktionen erstrecken. Die Berufserfahrung ist ein wichtiges Element der Qualifikation, oft Voraussetzung für die volle Beherrschung der Arbeitsaufgabe und für eine hohe Effektivität der Arbeit.

Berufsgeheimnis: Tatsachen, die einer Person in ihrer beruflichen Tätigkeit anvertraut oder bekannt werden und an deren Geheimhaltung ein persönliches Interesse besteht. Vorsätzliche Verletzungen des Berufsgeheimnisses zum Beispiel durch einen Rechtsanwalt, Notar, Arzt, Zahnarzt, Psychologen, eine Hebamme, einen Apotheker oder deren Mitarbeiter sind strafbar.

Berufskrankheiten: Erkrankungen, die unter den Angehörigen bestimmter Berufsgruppen oder dort wesentlich häufiger als sonst auftreten und durch berufsbedingte Einflüsse entstehen.

Berufslenkung: der Bestandteil der langfristigen Berufsberatung, der zur bewussten Berufswahl und zur inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung des Lehrverhältnisses führt.

Berufspsychologie: Teilgebiet der Psychologie, das sich mit der Komplexität des Berufes als Tätigkeitskategorie, personaler Status und soziale Situation befasst; stellt wissenschaftliche Grundlagen für die Berufsberatung, die berufliche Aus- und Weiterbildung sowie für die Berufsrehabilitation bereit; nutzt Methoden und Ergebnisse der Arbeitspsychologie, der pädagogischen und klinischen Psychologie.

Berufsverbot: von den Verwaltungsorganen und Gerichten besonders geübte Praxis, fortschrittlichen Bürgern (insbesondere Kommunisten) eine Tätigkeit als Beamter oder Angestellter im Staatsapparat zu verbieten. Die Praxis des Berufsverbots stößt wegen ihres antidemokratischen und friedensgefährdenden sowie selbst dem Grundgesetz und dem Beamtenrecht widersprechenden Charakters auf heftigen Widerstand der demokratischen Kräfte im In- und Ausland.

Berufswettbewerb: Leistungsvergleich der Lehrlinge in Betrieben, gerichtet auf hohe Lernergebnisse in der Berufsausbildung, eine fundierte weltanschauliche, fachliche und allgemeine Bildung sowie auf das Erreichen der Facharbeiterleistung und auf Beiträge zur Neuerer-Bewegung. Der Berufswettbewerb ist Bestandteil des Wettbewerbs der Werktätigen.

Berufung: 1. befristetes Rechtsmittel gegen ein erstinstanzliches Urteil im Zivil- oder Strafprozess; führ zur Überprüfung der angefochtenen Entscheidung durch das nächsthöhere Gericht, das entweder selbst entscheidet oder das angefochtene Urteil auf hebt und die Sache zur erneuten Verhandlung auf die erste Instanz zurückverweist.

2. rechtlicher Akt zur Begründung eines Arbeitsrechts Verhältnisses, wenn dieser wegen der besonders verantwortliche Funktion, die dem Werktätigen übertragen wird, ausdrücklich vorgesehen ist (zum Beispiel Betriebsleiter, Hochschullehrer); tritt an die Stelle des Arbeitsvertrages.

Beruhigen: Hüttenwesen Unterbinden der Bildung von Kohlenoxidblasen im erstarrenden Stahl entweder durch Entfernen des Eisenoxids aus des Stahlschmelze oder durch Überführen des Eisenoxids in beständigere Metalloxide, die mit dem bei der Erstarrung seigernden Kohlenstoff kein Kohlenmonoxid bilden (Stahloberfläche bleibt wahrem der Erstarrung ruhig).

Beruhigungsmittel, Sedativa: Arzneimittel, die eine beruhigende, in größeren Mengen auch einschläfernde Wirkung ausüben zum Beispiel Barbitale in kleinen Dosen.

berührungslose Messung: Messung ohne mechanischen Kontakt zwischen Messeinrichtung und Prüflink. Die Ermittlung der Messgröße erfolgt mittels Flüssigkeit, Luftstroms, Ultraschalls, elektrische oder magnetische Felder, elektromagnetische Wellen (zum Beispiel Licht unter anderem)

Berührungsspannung: 1. Elektrotechnik: Fehlerarten.

2. Berührungsspannung, Kontaktspannung. Festkörperphysik: elektrische Spannung, die bei inniger Berührung zweier verschiedener elektrischer Leiter infolge unterschiedlicher Lag der Energiebänder der Elektronen (Bändermodel) beziehungsweise infolge unterschiedlicher Austrittsarbeiten der bei den Stoffe auftritt. Ihre Änderung mit der Temperatur ist die Ursache der Thermospannung eine Thermoelementes.

Béryllium, Symbol Be: chemisches Element der Kernladungszahl 4; Atommasse 9,01218; Wertigkeit + 2; F 1285°C, Kp 2480°C. Béryllium kommt in der Natur nur chemisch gebunden vor, vor allem im Beryll. Béryllium ist ein sprödes, hartes, stahlgraues, gegen Luft und Wasser beständiges Leichtmetall (Dichte 1, 86 g/cm3) mit mäßiger elektrischer Leitfähigkeit. Verwendet wird es als Bérylliumbronze (Kupferlegierung mit 2% Béryllium) für funkensichere Werkzeuge sowie in Luftfahrt, Raumfahrt und Kerntechnik. Stäube, Gase oder Dämpfe des Béryllium und seiner Verbindungen können Haut- und Schleimhautentzündungen hervorrufen; auch schwere Lungenentzündungen beziehungsweise chronischen Lungenerkrankungen sind möglich. Béryllium wurde 1798 von dem französischen Chemiker Louis-Nicolas Vauquelin (1763-1829) als Oxid entdeckt und 1828 von F. Wöhler rein dargestellt. Siehe auch Berylliumverbindungen.

Berylliumverbindungen: Stoffe, in denen Beryllium, hauptsächlich als Be2+-Ion, chemisch gebunden ist. Alle löslichen Berylliumverbindungen sind giftig. Berylliumhydroxid, Be(OH)2, ist amphoter, mit Säuren bildet es Berylliumsalze, mit Basen Beryllate, zum Beispiel Na2(Be(OH)4).

- Berylliumoxid, BeO, und Berylliumnitrid, Be3N2, eignen sich als hochtemperaturbeständige Werkstoffe. Viele Berylliumsalze, wie Berylliumchlorid, BeCl2, -fluorid, BeF2, und -nitrat, Be(N03)2, sind hygroskopisch.

Berzelius, Jöns Jakob von, 20. 8. 1779-7. 8. 1848, schwedischer Chemiker und Arzt; entdeckte die chemischen Elemente Selen und Thorium und stellte erstmals Silizium, Zirkonium, Titan und Tantal aus den bereits bekannten Oxiden dar, bereicherte die chemische Laboratoriumstechnik und prägte den Begriff der Isomerie. Er bestimmte die Atommassen (damals «Atomgewichte») der zu jener Zeit bekannten rund 40 Elemente erstmals nahezu richtig und führte die heute noch gültige Symbolik in die Chemie ein. Auf der Basis erster Ergebnisse elektrolytische Versuche begründete er sein elektrochemisch-dualistisches System der chemischen Verbindungen sowie die chemische Formelsprache.

Besamung: das Eindringen der Samenzelle in die Eizelle, dem die Befruchtung folgt. Als künstliche oder technische Besamung wird das Einbringen von Sperma in die weiblichen Geschlechtswege bezeichnet, eine Methode, die seit Jahrzehnten erfolgreich in der Tierzucht Anwendung findet. Die Samenflüssigkeit wird mittels künstlicher Scheide gewonnen und Wann verdünnt für mehrere Muttertiere verwendet werden. Siehe auch Insemination.

Besamungsstation: Station, in der die zur Gewinnung des männlichen Samens gehaltenen Vatertiere unter optimalen Bedingungen untergebracht sind.

Besan: Schratsegel, das längsschiffs am hinteren Mast (Besanmast) von Segelschiffen steht.

Besatz: arteigene oder -fremde Beimengungen in Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten; zum Beispiel Sand, Spreu, Unkrautsamen, Auswuchs. Der Besatz darf festfestgelegte Normen nicht übersteigen. Siehe auch Saatgut.

Besatzung, Crew: 1. Luftfahrt: Personal an Bord von Luftfahrzeugen, insbesondere Verkehrsflugzeugen, das für die Führung und Wartung der Flugzeuge sowie für die Betreuung der Fluggäste während des Fluges verantwortlich ist. Zur Ausübung ihrer Tätigkeit benötigt die Besatzung staatliche Erlaubnisse.

2. Schifffahrt: Gesamtheit der an Bord eines Schiffes eingesetzten Personen.

Besäumen: Holztechnik - Bearbeiten der Längsseiten von Brettern rechtwinklig zur Breitfläche.

Beschäftigte: 1. allgemein so viel wie Berufstätige.

2. Arbeitsökonomie: Berufstätige in Bezug auf Untergliederung der Arbeiter und Angestellten und Gruppierung nach Beschäftigtenkategorien.

Beschäftigtengrad, Beschäftigungsgrad: Kennzahl der potentiellen Nutzung des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens. Der Beschäftigtengrad wird ausgewiesen als

a) Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung;

b) Anteil der Beschäftigten im arbeitsfähigen Alter an der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter;

c) altersspezifischer Beschäftigtengrad, bezogen auf bestimmte Altersgruppen oder -Jahrgänge;

d) Anteil der berufstätigen Frauen, an der Gesamtzahl der Beschäftigten;

e) betriebs-, zweig-, territorial- und geschlechterspezifischer Beschäftigtengrad. Die Analyse und die Dynamik der Entwicklung des Beschäftigtengrad ist von Bedeutung für die Prognose und Perspektivplanung der Arbeitskräfte, für die erweiterte Reproduktion des Arbeitsvermögens, für die Planung der Entwicklung des Lebensniveaus sowie für die Standort- und Gebietsplanung.

Beschäftigtengruppenkatalog: katalogmäßige, nach einheitlichen Gesichtspunkten geordnete Zusammenstellung der beruflichen Tätigkeiten der Arbeitskräfte entsprechend ihrer Stellung im Arbeitsprozess und der Art ihrer ausgeübten Funktion in einem bestimmten Zweig der Industrie beziehungsweise des Bauwesens; Grundlage für Planung und Abrechnung des Betriebsplanes, Teil Arbeitskräfte.

Beschäftigung: Organisationsform des pädagogisch geführten Lernens der Vorschulkinder im Kindergarten. Die gesellschaftliche, mathematische, sprachliche, künstlerische, sportliche unter anderem. Beschäftigung dient vor allem der Vorbereitung der Kinder auf den Schulunterricht.

Beschäftigungsverbot: gesetzlich festgelegtes Verbot für den Betrieb, den Werktätigen dauernd oder vorübergehend zum Schutz seiner Gesundheit und Arbeitskraft oder aus hygienischen Gründen mit bestimmten Arbeiten zu beschäftigen; gilt vor allem für Frauen, Jugendliche, Schwangere und stillende Mütter.

Beschäler: zur Zucht verwendeter Hengst.

Beschallung: die Übertragung von Sprache und Musik mit elektroakustischen Mitteln (Mikrophon, Verstärker, Lautsprecher beziehungsweise Strahlergruppen) zur Verstärkung der zu geringen Lautstärke einer Schallquelle (zum Beispiel in Kongresssälen, auf Freilichtbühnen, Bahnhöfen).

Beschälseuche, Dourine, Zuchtlähme: meldepflichtige Deckinfektion der Pferde. Erreger ist Trypanosoma equiperdum. Die Erkrankung kommt in Amerika und Afrika noch vor.

Beschauzeichen: amtliche (Zunft, Obrigkeit) Prüfzeichen für Qualität und Feingehalt auf Handwerkserzeugnissen, besonders aus Silber, Zinn und Gold; seit Ende des 4. Jahrhundert nachweisbar.

Beschichten: 1. Fertigungstechnik: Aufbringen einer festhaftenden Schicht meist aus formlosem Stoff auf ein Werkstück; erfolgt aus dem gas- oder dampfförmigen Zustand (zum Beispiel Aufdampfen), aus dem flüssigen oder pastenförmigen Zustand (zum Beispiel Anstreichen, Spritzlackieren, Auftragsschweißen), durch chemische oder elektrochemische Abscheidung aus Lösungen oder Suspensionen (zum Beispiel Galvanisieren) oder aus dem festen (körnigen oder pulvrigen) Zustand (zum Beispiel Hammerplattieren, Pulveraufreiben). Siehe auch elektrophoretisches Beschichten, elektrostatisches Beschichten, Elektrotauchgrundierung.

2. Holztechnik: fälschliche Bezeichnung für Bekleben (meist beidseitig) plattenförmiger Werkstoffe mit flächigen Gebilden, wie Folien, Furnieren unter anderem; unlösbare Verbindung.

3. Textiltechnik: Aufbringen von Aufstrichmassen auf Textilien, Folien unter anderem durch Tauchen, Spritzen, Rakeln, Gießen oder Streichen. entsprechend dem Verwendungszweck werden Weichmacher, Füll- oder Farbstoffe zugesetzt.

Beschläge: 1. Bautechnik: Verbindungsteile aus Metall oder Plast zur Befestigung einzelner beweglicher Teile, zum Beispiel Band für Fenster- und Türflügel.

2. Schiffbau: Metallteile, wie Haken, Riegel, Klampen, Griffe, zur Befestigung von Lernen.

Beschlagen: 1. Nahrungsmittel: Überziehen von Fleisch- und Fischwaren mit einer gelblichbraunen, schmierigen Schicht, die durch Mikroben verursacht wird.

2. Schifffahrt: Anschlägen.

Beschlagnahme: staatlich angeordnete Verwahrung von Gegenständen, auch als Verfügungsverbot über Sachen und Rechte; meist zur Beweissicherung oder als prozessuale Zwangsmaßnahme zur Sicherung von Vermögenswerten beziehungsweise der Vollstreckung.

Beschlagwerk: Ornamentform der Spätrenaissance, um 1560 von dem niederländischen Architekten G. Vredeman de Vries aus dem Rollwerk entwickelt. Obwohl in beliebigem Material ausgeführt, wirkt es stets wie aus Bandeisen geschmiedet. Als Flächenschmuck an Bauwerken, Altären, Möbeln und in allen Bereichen des Kunsthandwerks angewendet.

Beschleuniger, Teilchenbeschleuniger. Anlage zur Beschleunigung von Elektronen, Protonen, Deuteronen, ct-Teilchen und schweren Ionen auf Energien von einigen hundert Kiloelektronenvolt (keV) bis zu einigen hundert Gigaelektronenvolt (GeV). An Beschleuniger können auch intensive sekundäre Strahlen von hochenergetische Gammaquanten, Neutronen, Pionen, Antiprotonen unter anderem erzeugt werden. Die Beschleunigung der Teilchen, die Stabilität der Teilchenbahnen und die Fokussierung des Teilchenstrahls im Beschleuniger bewirken elektrische und magnetische Felder. Der Beschleunigungsvorgang verläuft im Hochvakuum. In direkten Beschleuniger werden die Teilchen von einem elektrostatischen Feld, das durch Bandgeneratoren oder Kaskadenschaltungen erzeugt wird, beschleunigt. In zyklischen Beschleuniger erfolgt die Beschleunigung in Zyklen durch eine hochfrequente Wechselspannung. Bei Linearbeschleuniger liegen die Beschleunigungsstrecken, die die Teilchen jeweils in der richtigen Phase der Hochfrequenz passieren müssen, auf einer geraden Strecke. Linearbeschleuniger wurden bisher für Protonenenergien bis 800 Megaelektronenvolt (MeV) und für Elektronenenergien bis 20 GeV gebaut. Der einfachste Kreisbeschleuniger ist das Zyklotron. Es ist geeignet für Protonen, Deuteronen, a-Teilchen und schwere Ionen bis zu Energien von einigen 10 MeV je atomare Masseeinheit. Mit zunehmender Geschwindigkeit der Teilchen spielt die relativistische Massenzunahme eine Rolle, und die Umlauffrequenz wird kleiner. Deshalb wird beim Synchrozyklotron während des Beschleunigungsvorganges die Frequenz der Wechselspannung verringert. Mit diesem Beschleuniger erreicht man maximal 1 GeV Protonenenergie. Höhere Energien (10 GeV mit dem Synchrophasotron in Dubna, 76 GeV in Serpuchow, 500 GeV bei CERN und 1000 GeV in Batavia (USA)) werden mit Protonensynchrotronen erzielt, bei denen Frequenz und Magnetfeld zeitlich so anwachsen, dass sich ein konstanter Teilchenbahnradius ergibt. Einen großen Fortschritt beim Bau von Großbeschleuniger im GeV-Bereich brachte die Einführung der Strahlfokussierung durch alternierende Gradienten (AG-Prinzip) des magnetischen Führungsfeldes. Das Elektronensynchrotron arbeitet mit konstanter Frequenz, da sich die Elektronengeschwindigkeit bei hochrelativistischer Energien (annähernd Lichtgeschwindigkeit) nicht mehr ändert. Im Betatron, auch Elektronenschleuder genannt, werden Elektronen auf einer Kreisbahn durch ein elektrisches Wirbelfeld beschleunigt, das von einem ansteigenden Magnetfeld induziert wird (maximal erreichbare Energie 300 MeV). In Kollekte-Beschleuniger werden positive Ionen gemeinsam (kollektiv) mit einer negativen Raumladung eines Elektronen-Xinges beschleunigt. Der Ring wird in einem magnetischen Kompressor formiert, mit Ionen beladen und anschließend in axialer Richtung durch ein inhomogenes Magnetfeld beschleunigt. Beschleuniger mit Teilchenenergien bis zu einigen 10 MeV werden in der Technik (zum Beispiel Isotopenproduktion), in der Chemie (zum Beispiel Aktivierungsanalyse) und in der Medizin eingesetzt. Der Anwendungsbereich der Beschleuniger, der ihre Weiterentwicklung bestimmt, ist die Grundlagenforschung auf den Gebieten der Kern- und Elementarteilchenphysik; siehe auch Speicherring.

beschleunigtes Verfahren: kreisgerichtliches Verfahren bei einfachen Strafsachen und vorliegendem Geständnis des Beschuldigten, mit dem zur wirksamen Kriminalitätsbekämpfung eine schnelle Entscheidung herbeigeführt wird. Das Gericht kann Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr, Haftstrafe, Verurteilung auf Bewährung, Geldstrafe oder öffentlichen Tadel aussprechen.

Beschleunigung: Quotient aus Geschwindigkeitsänderung und zugehöriger Zeit, genauer die Ableitung der Geschwindigkeit nach der Zeit; Zeichen a, SI-Einheit m/s2. Die Beschleunigung ist wie die Geschwindigkeit eine vektorielle Größe und kann in jedem Punkt der Bahn des beschleunigten Körpers in die Bahn- oder Tangentialbeschleunigung in Richtung der Bahntangente und in die dazu senkrechte Normal- oder Radialbeschleunigung zerlegt werden. Der Quotient aus der Änderung einer Winkelgeschwindigkeit und zugehöriger Zeit heißt Winkelbeschleunigung \ SI-Einheit rad/s2. Siehe auch Fallbeschleunigung, Bewegung.

Beschleunigungsspannung: Spannung U eines elektrischen Feldes, das Ladungsträger (Ladung Q, Masse m) beschleunigt. Die am Anfang vorhandene potentielle Energie UQ wird bei frei beweglichen Trägern vollständig in kinetischer Energie mv2/2 umgesetzt; die erreichbare Endgeschwindigkeit ist v = j2ÜQJm. Die Beschleunigungsspannung wird als Maß für die Teilchenenergie benutzt, Maßeinheit ist das Elektronenvolt (eV).

Beschluss: 1. Staatsrecht: Entschließung, Entscheidung; staatliche Entscheidung (zum Beispiel der Volkskammer, des Staatsrates, des Ministerrates, der örtlichen Volksvertretungen und ihrer Räte); verbindliches Dokument zur Festlegung und Orientierung der eigenen Politik beziehungsweise der gesellschaftlichen Entwicklung durch die führenden Organe der Parteien und Massenorganisationen.

2. Verfahrensrecht: gerichtliche Entscheidung im Zivil- oder Strafprozess, für die nicht die Form eines Urteils vorgeschrieben ist; meist zur Verfahrensleitung, aber auch urteilsähnlich mit verfahrensabschließender Kraft; soweit zulässig, mit Beschwerde anfechtbar.

Beschlussverfahren: im Zivilprozess besondere Verfahrensart, in der die Sachentscheidung nicht durch Urteil, sondern durch Beschluss ergeht; insbesondere Aufgebots- und Todeserklärungsverfahren, für die der Sekretär beim Kreisgericht zuständig ist.

Beschneidung: Kürzen oder Abschneiden (Zirkumzision) oder Einschneiden (Inzision) der Vorhaut des männlichen Gliedes; bei Muslimen, Juden und Anhängern einiger anderer Religionen üblich, oft Teil der Initiation. Selten ist die Beschneidung von Mädchen (Exzision), bei der Teile der Klitoris oder der kleinen Schamlippe entfernt werden.

beschränkt: in vielen Teilgebieten der Mathematik verwendeter Begriff; so heißt zum Beispiel eine reellwertige Funktion beschränkt, wenn alle ihre Funktionswerte zwischen zwei festen Zahlen liegen.

Beschuldigter: ein der Begehung einer Straftat verdächtiger Bürger, gegen den ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist; siehe auch Angeklagter.

Beschwerde: Rechtsmittel gegen Einzelentscheidungen beziehungsweise Maßnahmen von staatlichen Organen sowie gegen erstinstanzliche Gerichtsbeschlüsse in den gesetzlich vorgesehenen Fällen. Verfahren, Form, Fristen und so weiter sind in den jeweiligen Rechtsvorschriften geregelt. Siehe auch Eingaben.

Beschweren: Textiltechnik Auf- und Einlagern lösliche oder unlösliche anorganische Salze an und in Baumwoll- oder Viskosefasergewebe zur Griffverbesserung beziehungsweise an und in Naturseidengewebe zum Ausgleich des beim Entbasten entstandenen Masseverlustes.

Besenginster, Sarothamnus scoparius: Schmetterlingsblütler mit goldgelben Blüten und grünen, vierkantigen Rutenzweigen; in Heiden und bodensauren Eichenmischwäldern verbreitet; siehe auch Ginster.

Besenrauke, Sophienrauke (griechisch + lateinisch) beide Descurainia sophia: Kreuzblütler mit unscheinbaren, blassgelben Blüten und fiederteiligen Blättern. Einjähriges Unkraut kalkhaltiger Äcker und trockener Ruderalstellen.

Besetzungsinversion, Besetzungsumkehr. die Situation, dass von den durch Elektronen besetzbaren Energieniveaus eines atomaren Systems ein Zustand höherer Energie eine größere Besetzungszahl aufweist als einer mit niederer Energie; siehe auch negative absolute Temperatur.

Besetzungszahl: Anzahl gleichartiger Teilchen, die einen bestimmten (atomaren) Energiezustand besetzen.

Besitz: tatsächliche, unmittelbare Gewalt über eine Sache. Die Befugnis zum Besitz steht im Allgemeinen dem Eigentümer, beim Volkseigentum dem jeweiligen Rechtsträger zu; sie kann jedoch auf andere, so zum Beispiel den Mieter, zeitweilig übertragen werden. Siehe auch Besitzschutz.

Besitzschutz: dem rechtmäßigen Besitzer einer Sache in ähnlicher Weise wie dem Eigentümer zustehende Ansprüche gegen Vorenthaltung und Störungen seines Besitzes.

Bessarabier-lammfell: in Rumänien gewonnenes Lammfell einer Kreuzungsschafrasse mit Metispersianer-Charakter; meist schwarz, teils grau, braun und gescheckt.

Bessarabien: historischer Landschaft zwischen Prut und Dnister. Ende des 15. Jahrhundert türkisch; 1812 zu Russland, 1856/78 zur Moldova; 1918/40 zu Rumänien. Bessarabien bildet seit 1940 den Hauptteil der Moldau.

Bessel, Friedrich Wilhelm, 22.7. oder 21.6.1784-17.3.1846, Astronom; bestimmte als erster die Entfernung eines Fixsterns (1838) und leistete zahlreiche fundamentale Beiträge zur Begründung der Astrometrie; war auch als Mathematiker und Geodät von Bedeutung.

Besselsche Punkte: (nach F. W. Bessel) Unterstützungspunkte eines stabförmigen Maßstabes konstanten Querschnitts (zum Beispiel Urmeter), die eine minimale Veränderung des Abstandes der beiden Teilungsenden bei elastischen Biegeverformung infolge Belastung durch Eigenmasse ergeben. Der Abstand der Besselsche Punkte von den Maßstabenden beträgt 0,22031 der Gesamtlänge.

Bessemerverfahren: (nach H. Bessemer) Windfrischverfahren (Frischen) zur Massenerzeugung von Stahl in sauer (das heißt mit Sand und Quarz) ausgekleideten Konvertern. Beim Bessemerverfahren wird phosphorarmes Roheisen verarbeitet, das bis zu 2% Silizium enthalten muss und entweder aus dem Roheisenmischer eines Hochofenwerks entnommen oder im Kupolofen vorgeschmolzen wird. Das Roheisen wird flüssig in den Konverter eingebracht und von verdichteter Luft (Wind) durchblasen. Mit dem Sauerstoff des Windes verbindet sich das Eisen zu Eisen(H)-oxid, das die Eisenbegleiter oxydiert. Ist die gewünschte chemische Zusammensetzung erreicht, wird die Windzufuhr gedrosselt und der Konverter gekippt. Der so erzeugte Stahl heißt Bessemerstahl.

Bessie, Alvah Cecil, geboren 4.6.1904, US-amerikanischer Schriftsteller; einer der Hollywood Ten; entlarvt in seinen Romanen die antikommunistische Verfolgung in den USA durch den McCarthyismus («Die Gezeichneten», 1957, deutsch) und die Manipulierung durch die Massenmedien («Inquisition in Eden», 1965; «Das Symbol», 1967).

Bestallung: (zu «bestellen»)

1. Staatsrecht: staatliche Bestätigung der Berufsfähigkeit und des Rechts zur Berufsausübung, zum Beispiel die Approbation.

2. Zivilrecht: Übertragung bestimmter Ämter (zum Beispiel als Vormund).

Bestand: 1. allgemein vorhandene Größe der materiellen und finanziellen Fonds oder Mittel und Zahl der vorhandenen Arbeitskräfte zu einem gegebenen Zeitpunkt. Forstwirtschaft durch die Art der Bestockung (Holzart, Alter, Wachstumsverlauf) von seiner Umgebung zu unterscheidender Waldteil, der für sich ein gleichartiges Ganzes bildet und groß genug ist (untere Grenze 0,5 bis 2 ha), um während des ganzen Bestandeslebens Gegenstand wirtschaftlicher Sonderbehandlung zu sein. Reinbestände bestehen aus einer Baumart, der bis zu einem Zehntel der Stammzahl andere Baumarten einzeln beigemischt sein können; Mischbestände enthalten 2 oder mehrere Baum-arten mit je über einem Zehntel Stammzahlanteil. Die Bestände können gleichaltrig oder ungleichaltrig sein. Nach ökologischen Gesichtspunkten werden Groß- und Kleinbestände unterschieden. Kleinbestände zeigen auf dem größten Teil der Bestandesfläche Nachbarschaftswirkungen, die bei Großbeständen wegfallen. In vertikaler Richtung werden 3 Formen unterschieden: Gleichstufigkeit mit horizontal einheitlicher Kronenschicht, Zweistufigkeit mit 2 deutlich getrennten Kronenschichten und Mehr- oder Vielstufigkeit mit 3 oder mehr Kronenschichten.

2. Industrie: vorhandene Grund- und Umlaufmittel in Mengen oder Werteinheiten ausgedrückt.

Bestandesdichte: Anzahl der Kulturpflanzen je Flächeneinheit (m2, ha).

Bestandesklima: innerhalb geschlossener Pflanzenbestände auftretendes Mikroklima.

Bestandspotential: über längere Zeit in ihrer Höhe nahezu unveränderte elektrische Spannung an Zellschichten oder Zellmembranen, die den funktionsbereiten Zustand des Gewebes anzeigt, zum Beispiel Bestandspotential der Netzhaut, Bestandspotential des Innenohrs.

Bestandszeichnung: maßstäbliche Zeichnung eines bestehenden Bauwerkes mit Eintragung aller erfordert. Angaben zum Rohbau, zum Ausbau und zur technischen Gebäudeausrüstung.

Bestandteile: Recht durch Zerlegung, Abtrennung oder Abgrenzung zu gewinnende Teile einer Sache. Wesentliche Bestandteile sind Teile, deren Trennung zur Zerstörung oder erhebliche Beeinträchtigung der Sache fuhren würde; an ihnen können grundsätzlich keine besonderen Rechte bestehen. Ausnahmeregelungen bestehen bei Gebäuden, bei denen unter Umständen vom Grundeigentum getrenntes Eigentum bestehen kann.

Bestattung: Beisetzung Verstorbener; erste Grabfunde stammen aus der mittleren Altsteinzeit; Körperbestattung, oft in Hocklage, seit der jüngeren Altsteinzeit mit Beigaben; Brandbestattung tritt seit der Jungsteinzeit als Urnenbeisetzung oder Brandgrubengrab auf. Grabformen und -ausstattung ermöglichen Aussagen zur sozialen Struktur und geistigen Vorstellungen der Urgesellschaft.

Bestäubung: Übertragung des Blütenstaubes (Pollen) von den Staubblättern auf die Narbe bei Bedecktsamern oder auf die Samenanlage bei Nacktsamern. Man unterscheidet zwischen der Selbstbestäubung (Autogamie), bei der eine Blüte von ihrem eigenen Pollenbestäubt wird, und der Fremdbestäubung (Xenogamie), bei der der Pollen auf die Blüte einer anderen Pflanze derselben Sippe übertragen wird. Die Übertragung geschieht durch Wind (Anemogamie), Wasser (Hydrogamie) oder Tiere (Zoogamie). Wasserbestäubung ist selten und kommt bei untergetauchten Wasserpflanzen vor (zum Beispiel Seegras, Hornblatt). Bei der Tierbestäubung ist die Insektenbestäubung (Entomogamie) durch Bienen, Schmetterlinge oder Fliegen am häufigsten; in tropischen und subtropischen Gebieten treten als Bestäuber auch Vögel (Omithogamie), zum Beispiel Kolibris, auf.

Bestechung: Straftat, die begeht, wer in Ausübung staatlicher oder wirtschaftsleitender oder unter Missbrauch ihm ausdrücklich übertragener Befugnisse für die pflichtwidrige Bevorzugung eines anderen oder für eine sonstige Verletzung seiner Dienstpflichten Geschenke oder andere Vorteile fordert, sich versprechen lässt oder annimmt (passive Bestechung). Bestechung begeht auch, wer Geschenke oder andere Vorteile anbietet, Verspricht oder gewährt, um einen anderen zu einer solchen Pflichtwidrigkeit zu bestimmen (aktive Bestechung).

Besteck: 1. Fischereiwesen: Köder für die berufliche Angelfischerei.

2. Schifffahrt: Schiffsort auf See nach geographischer Breite und Länge. Das wahre (astronomische) Besteck gewinnt man aus mehreren mit dem Sextanten gemessenen Gestirnshöhen oder durch Peilung beziehungsweise Funkpeilung; das gegißte (geschätzte) Besteck vom letzten wahren Besteck, ausgehend durch Koppelrechnung mit dem rechtweisenden Kurs und dem zurückgelegten Weg unter Berücksichtigung der Abdrift.

Bestellkombine: traktorbetriebenes oder selbstfahrendes Aggregat, das durch wahlweise Kombination von Arbeitsorganen beziehungsweise Geräten die Saatbettbereitung, Aussaat und Düngung sowie Pflanzen Schutzmaßnahmen in einem Arbeitsgang ermöglicht.

Bestellung: planmäßige Arbeitsfolge der Bodenbearbeitung, Düngung und Aussaat (Pflanzung) auf dem Ackerland; man unterscheidet Frühjahrs- und Herbstbestellung.

Besthaupt: Abgabe (oft das beste Stück Vieh), die der Leibeigene (Abhängige) im Feudalismus bei familiären Anlässen (zum Beispiel Heirat) dem Feudalherrn (Grund-, Leib- oder Gerichtsherrn oder der Kirche) zu leisten hatte.

Bestickung: behelfsmäßiges Abdecken von Dünen mittels Strauchwerk, Baumästen unter anderem zur Verhinderung des «Wanderns» und zur Förderung des Anwachsens einer lebenden Decke aus Sandgras, Bergkiefer, Schwarzerle unter anderem.

Bestleistung: Sport bisher höchste Leistung

a) in Disziplinen ohne amtliche Rekordliste (wegen ungleicher Wettkampfbedingungen);

b) unter einer Rekordlimitleistung;

c) persönliche Höchstleistung.

Bestockung: 1. Botanik: Entwicklung von Seitensprossen und sprossbürtigen Wurzeln aus dicht unter der Bodenoberfläche befindliche Knoten der Gräser. Ausreichende Bestockung ist bei Getreide Voraussetzung für guten Ertrag.

2. Forstwirtschaft: Gesamtheit der Holzgewächse eines Waldes oder Waldteiles.

Bestockungsziel: dem Standort angepasste Baumartenmischung, wie sie (in Zehnteln angegeben) für den Zeitpunkt geplant ist, zu dem die Hauptbaumart hiebsreif ist. Die Mischung soll optimal auf das Bestandesklima und die Streuzersetzung wirken, den Boden gut durchwurzeln, die Massenleistung und die Qualität steigern sowie die Betriebssicherheit erhöhen.

Bestseller: (englisch seller, «gut gehender Artikel») aus dem Sprachgebrauch stammende Bezeichnung für Ware, die auf dem Markt großen Absatz fand; insbesondere Bezeichnung für ein Buch, das durch hohen Reklameaufwand schnell mit sehr hoher Auflage abgesetzt (oder angepriesen) wird.

Bestwerte: durch Leistungsvergleiche ermittelte ökonomische, technische unter anderem Kennziffern (zum Beispiel Kosten pro Erzeugniseinheit), die das beste Niveau im Bereich vergleichbarer wirtschaftlicher Einheiten (zum Beispiel Betriebe eines Industriezweiges oder Kombinats) repräsentieren; dienen den Kollektiven als Orientierungsgrößen zur Erschließung von Reserven, Erarbeitung anspruchsvoller Planziele und Übernahme von Wettbewerbsverpflichtungen.

Betaine: Derivate der Innersalzformen von Aminosäuren. Von der Aminoessigsäure leitet sich Betain im engeren Sinne ab, eine färb- und geruchlose, kristalline Substanz. Betaine kommen als Eiweißstoffwechselprodukte in Tieren und Pflanzen vor.

Betarüben: Rübengattung, zu der die leistungsfähigen Kulturpflanzen, wie Zucker- und Runkelrübe, gehören. Betarüben treiben im 2. Vegetationsjahr einen hohen Stengel mit vielen dicht nebeneinanderstehenden, kleinen Blüten, die nach der Befruchtung zu mehrsamigen Fruchtständen (Rübenknäuel) verwachsen.

Betastrahlen, ß-Strahlen: eine der Strahlungsarten von Radionukliden, besteht aus Betateilchen.

Betateilchen, ß-Teilchen: Elektronen oder Positronen, die von Radionukliden beim Betazerfall ausgesandt werden. Das Energiespektrum der Betateilchen ist kontinuierlich. Ihr Durchdringungsvermögen ist etwa 100mal größer als das von Alphateilchen. Die Reichweite von Betateilchen mit einer Energie von 1,75 MeV beträgt zum Beispiel in Aluminium 3 mm und in Luft 6,1 m.

Betäubung: künstlich herbeigeführter Zustand der Unempfindlichkeit des Großhirns (Narkose) oder einzelner Körperabschnitte (Lokalanästhesie).

Betäubungsmittel: ursprünglich Bezeichnung für stark wirksame, schmerzlindernde oder schmerzaufhebende Arzneimittel. Da wichtige Betäubungsmittel, wie zum Beispiel Morphin, bei längerer Anwendung leicht zur Sucht führen, werden inzwischen die Begriffe Betäubungsmittel und Suchtmittel meist synonym verwendet, auch wenn letztere Gruppe nichtbetäubende Stoffe, wie Pervitin, einschließt.

Beteigeuze, (französisch arabisch, «Schultern des Orion») Betelgeuse: einer der hellsten Sterne im Sternbild Orion. Seine Helligkeit ist unregelmäßig veränderlich und schwankt zwischen 0"4 und 1“3.

Beteiligung: 1. anteiliger Einsatz materieller, finanzieller unter anderem Mittel für gemeinsame Investitionen oder andere gemeinsame Zwecke.

2. anteilige Nutzens-, speziell Gewinnberechtigung, Verlust- oder Risikoverteilung auf vertraglicher oder mitgliedschaftlicher Grundlage.

3. staatliche Beteiligung.

4. im Kapitalismus anteiliger Kapitaleinsatz in einer Aktiengesellschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder anderen Organisationsform; im Imperialismus spezielles Mittel zur Ausdehnung des Machtbereichs des Monopolkapitals.

Betelnusspalme,(portugiesisch + deutsch + lateinisch) Areca catechu: im indo-malaiischen Gebiet kultiviertes Palmengewächs; aus seinen alkaloidhaltigen Samen (Betelnüsse) wird nach Rösten unter Zusatz besonders von Blüten und Blättern des Betelpfeffers ein Genussmittel (Betel) bereitet.

Bethel: 1. alter Kultort nördlich von Jerusalem, heute Betin.

2. Ort bei Bielefeld mit einer von F. von Bodelschwingh 1867 gegründet Anstalt der Inneren Mission mit über 6000 Kranken und Behinderten.

Bethe-Weizsäcker-Zyklus (nach H. A. Bethe und C. F. von Weizsäcker), Kohlenstoff-Stickstoff-Sauerstoff-Zyklus, C-N-O-Zyklus: Prozess der Energiefreisetzung in (massenreichen) Sternen; Kernfusion von 4 Protonen zu einem Heliumkern unter Mitwirkung von Kohlenstoff-, Stickstoff- und Sauerstoffkernen, die ineinander umgewandelt werden. Nach Ablauf des Bethe-Weizsäcker-Zyklus (nach H steht der benötigte Kohlenstoffkern wieder zur Verfügung.

Bethe, Hans Albrecht, geboren 2.7.1906, US-amerikanischer Physiker deutscher Herkunft; berechnete 1938 unabhängig von C. F. von Weizsäcker den Bethe-Weizsäcker-Zyklus.

Bethlehem: 1. Bethlehem (hebräisch), arabisch Beit Lahm: Stadt im sogenannt Westjordangebiet; 25000 Einwohner; chemische Industrie; Fremdenverkehrs- und Pilgerzentrum; seit 1967 widerrechtlich durch Israel okkupiert. Nach der Bibel Heimat Davids und Geburtsort Jesu; 326 von Kaiser Konstantin I. erbaute Geburtskirche (älteste erhaltene Kirche).

2. Bethlehem: Stadt im Osten des Bundesstaates Pennsylvania (USA), am Lehigh; 73000 Einwohner; Zentrum der Eisenmetallurgie, Metall-, Textilindustrie; Universität; Musikzentrum (Bachfestival).

Bethlen: 1. Gabor, 1580-15.11.1629, Fürst von Siebenbürgen (Transilvania) seit 1613; erstrebte die Schaffung einer zentralisierten ungarischen Monarchie und die Unabhängigkeit von Habsburg; im Dreißigjährigen Krieg war er mit den Protestanten verbündet.

2. Istvan Graf, 3.10.1874-14.1.1947, ungarischer Politiker; führend an der Niederschlagung der ungarischen Räterepublik von 1919 beteiligt; trug als Minister-Präsident 1921/31 zur Konsolidierung des Horthy-Regimes bei; betrieb eine revisionistische Außenpolitik und förderte das Bündnis Ungarns mit dem faschistischen Italien.

Bethmann Hollweg, Theobald von, 29.11. 1856-1.1. 1921, Politiker; 1905 preußischer Innenminister und 1907 Staatssekretär im Reichsamt des Innern. 1909 wurde er zum Reichskanzler ernannt. Außenpolitisch setzte er die aggressive Politik der Vorbereitung eines Krieges fort und formulierte im September 1914 ein umfassendes Kriegszielprogramm. Während des Krieges suchte er innenpolitisch eine wendigere, auf Teilreformen orientierte Politik zu verfolgen. Er musste im Juli 1917 zurücktreten.

Beton, Grobmörtel: Baustoffmenge aus Bindemittel, Zuschlagstoffen und Wasser. Die Eigenschaften des Beton, wie hohe Druckfestigkeit, geringe Zugfestigkeit, Haftfähigkeit an Stahl, Witterungs- und Feuerbeständigkeit, sind abhängig von der Art und Güte der Bindemittel, der Oberflächenbeschaffenheit und Konform der Zuschlagstoffe, der Menge des Anmachwassers (Wasserzementwert) und der Verdichtung. Frischbeton ist noch nicht abgebundener, Festbeton abgebundener, erhärteter Beton Nach der Rohdichte unterscheidet man Normalbeton (Rohdichte von 1,8 bis 2,6 t/m5) für den Tief-, Wasser- und Hochbau sowie Leichtbeton (Rohdichte bis 1,8 t/m3) mit hohem Gehalt an Luftporen, die durch leichte Zuschlagstoffe (Blähschiefer, -ton) eingebracht oder im Zellenbeton durch Gasblasen künstlich erzeugt werden. Beim Gas-Beton erzeugen zugesetzte Aluminium-, Kalziumkarbid- oder Chlorkalkpulver Gase, die zum Aufblähen führen; beim Schaumbeton entsteht durch zugesetzte Schaumbildner ein gleichmäßiger Porenaufbau. Leichtbeton ist wärmedämmend und wird für Außen- und Innenwände eingesetzt. Ortbeton wird auf der Baustelle monolithisch verarbeitet, Transportbeton in Spezialfahrzeugen zur Verwendungsstelle transportiert. Beim Prepakt-Beton werden in die Schalung trocken eingebrachte grobe Zuschlagstoffe von unten nach oben mit Zementmörtel verpresst. Spritzbeton ist Feinkornmörtel zum Torkretieren. Nach den Bindemitteln unterscheidet man Zement-, Plast-, Silikat-, Ton-Beton. Bei Verwendung von Bewehrung entsteht Stahlbeton oder Spannbeton mit erhöhter Biegezugfestigkeit.

Betonmischmaschine: Mischer zur Herstellung ton Mörtel, wichtigster Teil einer Mischanlage. Bei Chargenmischern unterscheidet man Zwangsmischer, bei denen der Mörtel durch rotierende Rührflügel homogenisiert wird, und Freifallmischer, bei denen das Mischen durch Trommeldrehung erreicht wird. Der leicht transportable Kipptrommelmischer ist besonders für Kleinstbaustellen geeignet. Beim Stetigmischer kann nur ungenau dosiert werden, er wird fast nur bei Baugrubenverfestigungen angewandt.

Betonnung: Kennzeichnung eines Fahrwassers, einzelner Untiefen und Gefahrenstellen durch Seezeichen, besonders Tonnen. Die Betonnung erfolgt nach internationalen Richtlinien.

Betonpumpe: hydraulisch oder mechanisch angetriebene Kolbenpumpe zum Fördern von Frischbeton in Rohrleitungen. Zum Verteilen des Frischbetons werden auf LKW-Fahrgestell angeordnete Betonpumpe läufig mit mehrfach knick- und schwenkbarer Ausleger ausgestattet.

Betriebsanalyse: Untersuchungen der in einem bestimmten Planungszeitraum im Betrieb oder Kombinat erzielten politisch-ideologischen, ökonomischen, technischen und sozialen Ergebnisse einschließlich ihrer Ursachen und Wirkungen. Die Betriebsanalyse dient der Aufdeckung von Reserven zur Leistungssteigerung, der Sichtbarmachung von Schwachstellen und effektivitätsbeeinflussenden Maßnahmen. Sie ist eine wesentliche Grundlage für die Entscheidungen der Leiter.

Betriebsart: 1. Betriebsart, Nennbetriebsart: Elektrotechnik - bei elektrotechnischen Betriebsmitteln die zeitliche Folge und Dauer der Betriebszustände (zum Beispiel Leerlauf, Belastung, Stillstand), für die das Betriebsmittel ausgelegt ist. Unterschieden werden unter anderem Nennbetrieb als Betriebsart unter Nennbedingungen; Dauerbetrieb (Lastbetrieb) mit Erreichen der Beharrungserwärmung; Kurzzeitbetrieb ohne Erreichen der Beharrungstemperatur; Aussetzbetrieb mit Belastung und Pausen; Durchlaufbetrieb mit Aussetzbelastung-, Reversierbetrieb mit Drehrichtungsumkehr. Spiel ist bei periodischer Betriebsart der Ablauf der Betriebszustände bis zur Wiederholung. Die Einschaltdauer (Abkürzung ED) in Prozent ist bei Kurzzeitbetrieb das Verhältnis aus Einschaltzeit zur Summe aus Einschalt- und Ruhezeit (zum Beispiel ED 40%). Die Schalthäufigkeit ist die Zahl der stündlich zulässigen Einschaltungen und wird beim Schaltbetrieb angegeben, einem Sonderfall des Aussetzbetriebs, der durch Anlauf, Bremsen und Reversieren gekennzeichnet ist.

2. Forstwirtschaft: Waldaufbauform.

Betriebsergebnis: Differenz zwischen Erlösen und Kosten eines sozialistischen Betriebes oder Kombinates in einer Periode oder pro Erzeugnis als Kriterium zur Beurteilung der Betriebsleistung. Übersteigt der Erlös die Kosten, ist das Betriebsergebnis ein Gewinn-, ist der Erlös niedriger als die Kosten, weist es einen Verlust aus. Das einheitliche Betriebsergebnis ergibt sich durch Einbeziehung des finanziellen Ergebnisses aus der Außenhandelstätigkeit der Betriebe in die Ergebnisrechnung.

Betriebserlaubnis: durch Typschein oder Gutachten erteilte Voraussetzung für die Zulassung von Kfz und Anhängefahrzeugen zum Verkehr auf öffentlichen Straßen.

Betriebsgesundheitswesen: Teil des staatlichen Gesundheitswesens mit spezifischen Aufgaben bei der medizinischen und arbeitsmedizinischen Betreuung, der arbeitshygienischer Beratung sowie der Hygiene und Gesundheitserziehung in den Betrieben. Einrichtungen des Betriebsgesundheitswesens sind Betriebspolikliniken, -ambulatorien, -Sanitätsstellen und -krankenhäuser.

Betriebsklasse: rechnerische Zusammenfassung gleichgearteter Baumbestände nach spezifischen Bewirtschaftungsgrundsätzen oder -zwecken (zum Beispiel Kiefernbetriebsklasse, Laubholzbetriebsklasse).

Betriebsklima, Arbeitsklima: Gesamtheit spezifische betriebliche Arbeitsbedingungen in ihrer Wirkung auf das Wohlbefinden der Werktätigen im Betrieb, auf ihre Einstellung zur Arbeit und zum Volkseigentum, auf die gesellschaftliche Aktivität sowie die Beziehungen innerhalb und zwischen den Arbeitskollektiven sowie zwischen Leiter und Kollektiv. Ein gutes Betriebsklima fördert Arbeitsfreude und Leistungsbereitschaft durch die enge Verbindung persönlicher Ziele, Bestrebungen und Erwartungen mit geschmacklichen Anforderungen im Arbeitsprozess. Voraussetzung für ein gutes Betriebsklima, in dem Initiative, Schöpfertum und Kollektivgeist gedeihen, ist qualifizierte Leitungstätigkeit, enges Zusammenwirken der Leiter mit den gesellschaftlichen Organisationen unter der Führung der Betriebsparteiorganisation der SED.

Betriebsmessgerät: robustes (elektrisches) Messgerät zur Messung von Prozessgrößen im Betrieb, das möglichst unempfindlich gegen Umwelteinflüsse (Temperatur, Feuchtigkeit, chemische Stoffe) ist; eingesetzt zum Beispiel in Messwarten. Siehe auch Prozessmesstechnik.

Betriebsmesstechnik-Steuerungstechnik-Regelungstechnik, Abkürzung BMSR-Technik: Teilgebiet der Technik, das die Entwicklung und den Einsatz von Geräten und Anlagen zur Automatisierung von Arbeitsprozessen in fast allen Zweigen der Industrie und Wirtschaft umfasst. Zu den Aufgaben der Betriebsmesstechnik-Steuerungstechnik-Regelungstechnik gehören neben der Fernübertragung von Messwerten verschiedenster physikalischer Größen in Warten und Bedienstationen die automatische Messwertverarbeitung, Steuerung und Regelung mit Hilfe von Reglern, Prozess- und Mikrorechnern sowie die automatische Sicherung und Überwachung des vorgegebenen beziehungsweise optimalen Betriebszustandes der Produktionsanlagen.

Betriebsprämienordnung: Teil des BKV, der Festlegungen über die Gewährung von Prämien an Werktätige aus dem Betriebsprämienfonds enthält. Die Betriebsprämienordnung regelt vor allem die Prämienbedingungen für die verschiedenen Prämienarten (Jahresend-, auftragsgebundene, Initiativprämie).

Betriebspreis: interner Preis für Erzeugnisse und Leistungen der Industrie-, Bau- und Verkehrsbetriebe. Der Betriebspreis umfasst die Preiselemente Kosten und Gewinn. Er wird, ausgehend von den Produktionsbedingungen, festgesetzt und gibt der wirtschaftlichen Rechnungsführung gute Wirkungsbedingungen.

Betriebssport: aktive sportliche Betätigung (zum Beispiel Pausensport, Betriebssportfeste) unter der Verantwortung staatlicher und gesellschaftlicher Leitungen der Betriebe; siehe auch aktive Erholung.

Betriebsstelle: Betriebsanlage der Eisenbahn auf dem Bahnhof und auf freier Strecke zur fahrdienstliche Regelung und Sicherung der Zug-, Rangier- und Kleinwagenfahrten.

Betriebsvergleich: Methode der sozialistischen Betriebswirtschaft mit dem Ziel, in und zwischen den Kombinaten, Betrieben, Produktionsbereichen und an Arbeitsplätzen Niveauunterschiede in der ökonomischen Entwicklung zu ermitteln und den jeweils fortschrittlichsten Stand auf dem Gebiet der Technologie, Materialökonomie, Leitung, Planung und so weiter möglichst breit zu übertragen.

Betriebswache, Betriebsschutz: Abteilung in Betrieben und staatliche Einrichtungen zur Bewachung der Betriebsanlagen, zum Schutze des sozialistischen Eigentums und zur Regelung des Besucherverkehrs; ist mit Wachhabenden und Wachmännern besetzt.

Betriebswasser, Brauchwasser, meist noch nicht beziehungsweise speziell für den vorgesehenen Einsatz aufbereitetes Oberflächen- oder Grundwasser, das industriell genutzt und für das keine Trinkwasserqualität verlangt wird.

Betriebswirtschaft, sozialistische: gesellschaftlich bewusst organisierte, durch die Ziele des staatlichen Planes (Betriebsplanes) bestimmte Tätigkeit der Kollektive in sozialistischen Betrieben und Kombinaten zur effektiven Nutzung des gesellschaftlichen Eigentums, zur Deckung des Bedarfs an Produkten und Leistungen für die Gesellschaft, zur Intensivierung der betrieblichen Reproduktion, zum stabilen Wachstum des Betriebsergebnisses und zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen.

Betriebswirtschaftslehre, bürgerliche: ökonomische Theorie, derer sich die herrschende Klasse im gegenwärtigen Kapitalismus bedient, um das Privateigentum an den Produktionsmitteln zu rechtfertigen, das auf der Ausbeutung der Arbeiterklasse beruhende kapitalistische Aneignungsprinzip zu verschleiern, den Ausschluss der Arbeiterklasse von jeder wirklichen Mitbestimmung im Unternehmen objektiv zu begründen und effektive Wege zur Erzielung von Maximalprofiten aufzuzeigen.

Betriebszellenzeitungen: auf Initiative der KPD seit 1924 herausgegebene proletarisch-revolutionäre Informations- und Agitationsblätter, die von Arbeitern geschrieben und hergestellt wurden.

Betrug: Straftat gegen das persönliche oder private Eigentum, die begeht, wer einen anderen durch Täuschung zu einer das Eigentum schädigenden Vermögensverfügung veranlasst, um sich oder anderen Vermögensvorteile zu verschaffen.

Betsäule, Bildstock, Marterl (lateinisch - griechisch): Säule oder Pfeiler mit Kruzifix oder Heiligenbild; seit dem 14. Jahrhundert, nach der Reformation nur noch in katholischen Ländern, an Wegen und Straßen errichtet.

Bett: Maschinenbau tischähnliches, meist kastenförmiges Unterteil mit prismatischen Führungen bei Werkzeugmaschinen oder anderen Arbeitsmitteln.

Bettelmönche: Angehörige katholischer Bettelorden die von Almosen leben (zum Beispiel Franziskaner, Kapuziner, Dominikaner, Karmeliter).

Bettelordenskirchen: Kirchen der Bettelorden insbesondere der Franziskaner und Dominikaner; die Bettelordenskirchen haben keinen Turm und kein Querhaus, aber einen langen Chor. Die Reduktion des hochgotischen Architektursystems, der Verzicht auf Bauschmuck und auch auf farbige Glasfenster war Ausdruck des Armutsideals dieser Orden. Die Bettelordenskirchen sind oft weiträumige Hallen, die den Erfordernissen der Predig besonders gut entsprachen.

Betti, Ugo, 4.2.1892-9.6.1953, italienischer Schriftsteller; ähnlich H. Ibsen analysiert er in seiner zahlreichen Dramen, zum Beispiel «Das Feriendorf» (1943 deutsch), «Korruption im Justizpalast» (1944, deutsch), «Die Ziegen Insel» (1953, deutsch) die bürgerliche Gesellschaft vom Standpunkt des Moralisten, zeigt ihre Verlogenheit und Inhumanität. Einen Ausweg sieht er nur in religiöser Läuterung.

Bettnässen, Enuresis (griechisch): bei Kindern und Jugendlichen vorwiegend infolge psychischer Störungen auftretende Unfähigkeit, die Blasenentleerung zu beherrschen; am häufigsten ist nächtliches Einnässen.

Bettung, Gleisbettung: aus Steinschlag (Schotter), Kies oder Sand bestehende Aufschüttung auf dem Eisenbahnunterbau; trägt Gleis und Weichen.

Bettungszahl: Maßzahl für die Sohlpressung unter Bauwerksfundamenten in N/mm1 bei einer Fundamentsetzung von 1 cm. Das Verhältnis ist abhängig vom Setzungsverhältnis des Baugrundes und dem horizontalen Fundamentquerschnitt.

Bettwanze, Hauswanze, Cimex lectularius: 3 bis 6 mm große, ungeflügelte, flache Wanzenart; lebt Tags in Ritzen oder hinter Tapeten bewohntet Räume, saugt nachts an Menschen Blut, auch an verschiedenen Säugetieren und Vögeln.

Beuchen: Kochen pflanzliche Fasern unter Druck und Luftabschluss in wässrigen Alkalilösungen, um Fette und Schalenreste zu entfernen.

Beuchler, Klaus, geboren 11.2.1926, Schriftsteller, verfasste Reportagen, Kriminalromane, den phantastischen Roman «Silvanus contra Silvanus» (1969) sowie Kinderbücher (unter anderem Roman «Jan Oppen»).

Beuger, Flexoren: Muskeln, die in einem Gelenk eine Beugungsbewegung durchführen; die Gegenbewegung erfolgt durch die Strecker.

Beugung: 1. Grammatik: Flexion.

2. Beugung, Diffraktion: Optik - Ablenkung des Lichtes an Hindernissen, die die Amplitude oder die Phase der Lichtwelle örtlich ändern. Dazu gehören Schirme mit beugenden Öffnungen und Objekte mit unterschiedlicher optischer Dicke. Die Beugung ist eine Folge des Huygensschen Prinzips. Das Licht gelangt zum Beispiel in den geometrischen Schatten hinter einem beugenden Spalt, weil sich hinter dem Schirm die Elementarwellen seitlich ausbreiten können. An die Beugung schließt sich die Interferenz der Teilwellen an, so dass sich im Allgemeinen Interferenzmaxima und -minima ergeben, deren Lage von der Wellenlänge des Lichtes und den Abmessungen der beugenden Objekte abhängen. Die Beugung wird bei Beugungsgittern zur spektralen Zerlegung des Lichtes genutzt. In optischen Systemen ist sie die Ursache für die Begrenzung des Auflösungsvermögens. Die Beugung beweist den Wellencharakter des Lichtes. Sie ist auch mit Elektronen- oder anderen Teilchenstrahlen möglich (experimenteller Nachweis der Materiewellen). Beugungserscheinungen treten auch bei Schallwellen auf.

Beugungsgitter: optisches Bauelement mit einer periodischen linienförmigen Struktur, an der das Licht gebeugt wird. Die Periode g ist die Gitterkonstante. Bevorzugt werden mit Furchen versehene Planspiegel oder Konkavspiegel, deren Sehnen gleichmäßig geteilt sind. Konkavgitter bilden das Spektrum zugleich ab, wenn Beugungsgitter, Beleuchtungsspalt und Empfänger auf dem Rowlandkreis liegen (Durchmesser gleich Krümmungsradius des Gitters); Plangitter benötigen eine zusätzliche Abbildungsoptik. Das Beugungsgitter erzeugt diskrete Ordnungen, die bei senkrecht auffallendem Licht in die Richtungen sina = mX/g gebeugt werden (m ganze Zahlen, X Wellenlänge).

Beule: 1. Geologie: durch vertikale Bewegungen gehobener Teil der Erdkruste, der häufig durch Brüche kompliziert wird. Meist über Salzstöcken und Subvulkanen entwickelt.

2. Medizin: schmerzhafte Anschwellung der Haut und des Unterhautzellgewebes durch Blutung, Ödem oder Entzündung.

Beurkundung: schriftliche Aufnahme einer Willenserklärung (zum Beispiel Testament) oder eines Vertrages in gesetzlich vorgeschriebener Form durch das Staatliche Notariat oder ein sonst zuständiges staatliches Organ (öffentliche Beurkundung). Die gesetzwidrige Unterlassung der Beurkundung führt in der Regel zur Nichtigkeit der Erklärung.

Beurlaubung: vorübergehende Aufhebung der Beschäftigungspflicht des Betriebes und der Pflicht des Werktätigen zur Arbeitsleistung durch einseitige Erklärung des Betriebes; bedarf der ausdrücklichen rechtlichen Zulassung; ist nur für Ausnahmefälle geregelt; während der Beurlaubung hat der Werktätige Anspruch auf Arbeitslohn.

Beurteilung: schriftliche Äußerung des Betriebes über Tätigkeit, Leistungen und Entwicklung des Werktätigen während der Tätigkeit im Betrieb. Der Betrieb hat eine Beurteilung auszustellen und dem Werktätigen ein Exemplar davon auszuhändigen bei Beendigung des Arbeitsrechtsverhältnisses, Übernahme einer anderen Arbeitsaufgabe oder einer Tätigkeit in einem anderen Arbeitskollektiv, Bewerbung zum Studium und wenn es der Werktätige wegen der Absicht, das Arbeitsrechtsverhältnis zu beenden, oder muss berechtigtem Interesse verlangt. Die Beurteilung muss wahrheitsgemäße Aussagen über die ständigen, wesentlichen, charakteristischen Verhaltensweisen des Werktätigen enthalten; sie ist im Arbeitskollektiv unter Teilnahme des Werktätigen zu beraten. Gegen den Inhalt einer Beurteilung kann der Werktätige innerhalb von Monaten nach Aushändigung Einspruch bei den Rechtspflegeorganen einlegen (Arbeitsstreitigkeiten).

Beust, Friedrich Ferdinand Graf von, 13.1. 1809-24.10. 1886, sächsischer und (seit 1866) österreichischer Staatsmann. Beust war mitverantwortlich für die Politik der Unterdrückung der demokratischen und liberalen Bewegung in Sachsen nach 1849; erstrebte die Vereinigung der deutschen Mittel- und Kleinstaaten zu einer dritten Macht neben Österreich und Preußen. Als österreichischer Ministerpräsident führte Beust 1867 den Ausgleich mit Ungarn durch. 1867/71 war er österreichischer Reichskanzler, 1871/82 Botschafter in London und Paris.

Beute: Bienenwohnung aus Holz oder Plast mit Brut- und Honigraum.

Beutel, Marsupium (dat. griechisch): in der unteren Bauchgegend um die Zitzen der weiblichen Beuteltiere ausgebildeter Brutbeutel zur Aufnahme der unreifen, frühgeborenen Jungen.

Beutelbuch, Buchbeutel: spätmittelalterliche Einbandform, bei der das Überzugsleder so weit über die unteren Deckelkanten herabhing, dass das Buch wie im Beutel getragen werden konnte; oft auf Bildern dargestellt.

Beuteldachse, Bandikuts, Peramelidae: mäuse- bis hasengroße Beuteltiere mit nach hinten offenem Beutel; teilweise Fleisch-, teilweise Pflanzenfresser; leben in Australien, auf Tasmanien und Neuguinea. Siehe auch Beuteltiere.

Beutelfrosch, Taschenfrosch, Gastrotheca marsupiata: zur Familie der Laubfrösche gehörender, 5 bis 7 cm langer, baumbewohnender Froschlurch mit kontrastreicher variabler Rückenfärbung; der Laich entwickelt sich in einer Hautfalte auf dem Rücken des Weibchens; lebt in Waldgebieten Ekuadors.

Beutelmarder, Dasyuridae: Raubbeutler mit nur während der Beuteltragzeit voll entwickeltem Beutel; reißen vor allem Geflügel und kleinere Säugetiere. Der schwarze, kurzschwänzige, etwa 50 cm lange Beutelteufel (Sarcophilus harrisi) bewohnt Wald und Buschland Tasmaniens. Siehe auch Raubbeutler.

Beutelmäuse, Phascogalinae: maus- bis ratten-große, spitzschnäuzige Beuteltiere; dämmerungs- und nachtaktive Insekten- und Kleintierfresser Australiens, Tasmaniens, Neuguineas und umliegender Inseln.

Beutelmeise, Remiz pendulinus: kleine, nur 10 g wiegende Meise Eurasiens, die ihre Beutelnester an Weiden- oder Birkenzweigen über dem beziehungsweise nahe am Wasser aufhängt. Das Weibchen brütet die 5 bis 9 Eier allein aus.

Beutelmulle, Notoryctidae: maulwurfsähnliche, weißgelbe Beuteltiere mit rückgebildeten Augen, die in australischen Wüstengebieten nach Insekten, Würmern unter anderem wühlen. Siehe auch Beuteltiere.

Beutelratten, Didelphidae: rattenähnliche amerikanische Beuteltiere mit beschupptem Greifschwanz; meist Insekten- und Kleintierfresser; vorwiegend nachtaktiv das Opossum (Didelphis virginiana).

Beuteltiere, Marsupialia: primitive Säugetiere, die Australien und benachbarte Inseln bewohnen, einige Arten leben auch in Amerika. Die Jungen werden nach sehr kurzer Tragzeit und im unentwickelten Zustand geboren. Zur Aufnahme der Jungen hat bei vielen Beuteltiere die äußere Bauchhaut der Weibchen einen Beutel oder eine Hautwulst, gestützt durch zwei vom Schambein ausgehende Beutelknochen. Die nackten, blinden Jungen klettern durch das Fell der Mutter zum Beutel, wo sie bis zu 9 Monaten verweilen. Gute Läufer und Springer sind die Kängurus, Baumbewohner die Kletterbeutler, Plump-Beutler sind Pflanzenfresser, Raubbeutler Fleisch- und Fischfresser.

Beutelwolf, Thylacinus cynocephalus: hundeähnliches hochbeiniges Beuteltier mit nach hinten geöffnetem Beutel; lebte auf Tasmanien, heute aber wahrscheinlich vollkommen ausgerottet. Siehe auch Raubbeutler.

Beuth, Peter Christian Wilhelm, 28.12.1781-27.9.1853, preußischer Gewerbepolitiker. Als Direktor der Abteilung Handel, Gewerbe und Bauwesen im Ministerium des Innern, als Gründer und Direktor der Techn. Gewerbeschule in Berlin (1821) und als Direktor der 1799 gegründet Allg. Bauschule förderte Beuth die Anfänge des Maschinen- und Schiffbaus in Preußen. Er gehörte zu den bedeutendsten bürgerlichen Vertretern des ökonomischen Fortschritts in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert.

Bevan, Aneurin, 15.11.1897—6.7.1960, britischer Politiker (Labour Party); als Verfechter der Einheitsfront für Frieden und Demokratie 1939 zeitweilig aus der Partei ausgeschlossen. 1945/51 war er Minister, trat aus Protest gegen die unsoziale Politik der Labourregierung zurück und bildete eine Parteiopposition (B.-Gruppe) gegen die Politik des kalten Krieges und die Wiederaufrüstung der BRD; 1957 wurde Bevan in der Führung des linken Parteiflügels von konsequenteren Kräften abgelöst.

Bevölkerung: die Gesamtheit oder Summe der Einwohner eines festumgrenzten Gebietes (Staat, Bezirk, Ort) oder einer physisch-geographischen Einheit (Erde, Erdteil, Insel) zu einer bestimmten Zeit. Jede Bevölkerung ist vielfältig gegliedert (zum Beispiel nach Klassenzugehörigkeit, Altersstruktur) und verändert sich fortlaufend. Für die meisten staatlichen Einheiten wird sie durch Volkszählungen, in der Zwischenzeit durch Fortschreibungen (Erfassung der laufenden Veränderungen) bestimmt. Als potentielles Gewicht einer Bevölkerungszahl ist die ihr innewohnende Struktur mit ihren derzeitigen demographischen Daten und deren Veränderungstendenzen zu definieren. Die Bevölkerung der Erde betrug um 1800 etwa 900 Millionen, 1900 etwa 1,< Md. und 1984 (Jahresende) etwa 4,8 Md. Menschen; für das Jahr 2000 wird die Erdbevölkerung auf 6 Md. geschätzt. Siehe auch Bevölkerungsstatistik.

Bevölkerungsbiologie: Wissenschaftszweig, der die Bevölkerung eines Dorfes, einer Stadt, eines Bezirkes, Staates beziehungsweise Volkes oder eines Wirtschaftsraumes als biologische Einheit betrachtet und deren Altersaufbau, Geburten- und Sterbehäufigkeit, Geschlechterverhältnis, Zu- und Abwanderung und andere Faktoren untersucht, die die Zusammensetzung und Entwicklung einer Bevölkerung beeinflussen.

Bevölkerungsdichte: 1. Biologie: Abundanz.

2. Geographie: die auf eine Flächeneinheit (im Allgemeinen km2) berechnete Anzahl der in einem bestimmten Gebiet lebenden Menschen. Man unterscheidet allgemeine Bevölkerungsdichte (Quotient aus Einwohnerzahl und Katasterfläche administrativer Einheiten, Einwohner/km2) und spezifische Bevölkerungsdichten (Quotient aus Einwohnerzahl und bewohnter, genutzter oder bewirtschafteter Fläche, Einwohner/km2; die Einwohnerdichte von Siedlungsflächen wird auch in Einwohnerzahl je ha angegeben, Einwohner/ha).

Bevölkerungsdynamik: die vor allem durch Geburten und Sterbefälle und die Tendenzen der ermittelten Werte sowie Wanderungen bewirkte Veränderung von Bevölkerungszählen. Dabei sind die Zahlen zu Geburt und Tod weitgehend bestimmt von den sozialökonomischen Faktoren der gesellschaftlichen Umwelt, in der sie auftreten.

Bevölkerungsgeographie: Teildisziplin der ökonomischen Geographie; untersucht die Gesetzmäßigkeiten der Verteilung, Entwicklung, Struktur und territorialen Organisation der Bevölkerung, um Voraussetzungen für die Optimierung von Wirtschaftsgebieten zwecks besserer Gestaltung der menschlichen Grundbedürfnisse (Arbeiten, Wohnen, Erholen unter anderem) zu schaffen. Die allgemeine Bevölkerungsgeographie beschäftigt sich mit der Bevölkerung der ganzen Erde oder großer Räume sowie mit grundsätzlichen und methodischen Fragen, die regionale Bevölkerungsgeographie mit kleineren räumlichen Einheiten.

Bevölkerungskonzentration: Sammlungsräume der Bevölkerung, in denen die Bevölkerungsdichte wesentlich höher als im Umland liegt. Bevölkerungskonzentration sind mit städtlichen Siedlungsformen verbunden. In den ökonomisch hochentwickelten Ländern wohnt der größte Teil der Bevölkerung in Konzentrationsgebieten, die unterschiedlich bezeichnet werden (zum Beispiel Dichtegebiete, Ballungsgebiete). In der DDR werden als Ballungsgebiete Kreise zusammengefasst, die mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von im Allgemeinen mehr als 200 Einwohner/km2 in einem geschlossenen Gebiet an einen oder mehrere großstädtliche Kerne angrenzen.

Bevölkerungsmittelpunkte: Punkte innerhalb eines Territoriums, die im Mittelpunkt der räumlichen Verteilung der Bevölkerung liegen. Bevölkerungsmittelpunkte werden mathematisch bestimmt.

Bevölkerungsreproduktion: durch Geburten und Sterbefälle bestimmte langfristige Erhaltung (einfache Bevölkerungsreproduktion), Vergrößerung (erweiterte Bevölkerungsreproduktion) oder Abnahme (regressive Bevölkerungsreproduktion) der Bevölkerungszahl eines bestimmten Gebietes oder Landes. Ausmaß, Form und Charakter der Bevölkerungsreproduktion werden durch gesellschaftliche Faktoren bestimmt. Durch umfassende soziale Maßnahmen schaffen die sozialistische Staaten Voraussetzungen für die Erhöhung der mittleren Lebensdauer, die Verringerung der Mütter- und Säuglingssterblichkeit, die Zunahme der Geburtenziffer und damit insgesamt für ein stetiges Bevölkerungswachstum. Versuche, exakte Maße für die Reproduktionskraft (Fruchtbarkeit) einer Bevölkerung zu gewinnen, sind in den Brutto- und Nettoreproduktionsziffern zu sehen. Die Bruttoreproduktionsziffer gibt an, wie viel Mädchen von einer Frau geboren werden; bei Verminderung um die Frauensterblichkeit der Frauen im gebärfähigen Alter erhält man daraus die Nettoreproduktionsziffer.

Bevölkerungsstatistik: die auf Volkszählungen, Bevölkerungsfortschreibung oder Schätzungen beruhende Erfassung, Analyse und Auswertung der Bestands- und Bewegungszahlen einer Bevölkerung, wie etwa Geburten, Sterbefälle, Zu- und Abwanderung, Sexualproportion, Altersstruktur, Fruchtbarkeit, Migration.

Bevölkerungstheorie, Populationstheorie: Lehre von den Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhängen zwischen dem Charakter der jeweiligen Gesellschaftsordnung, der Bevölkerungsentwicklung und dem Lebensstandard. Die bürgerliche Bevölkerungstheorie dient dazu, die relative Überbevölkerung im Kapitalismus und die damit verbundene Verschlechterung der Lebenslage der Werktätigen auf «natürliche» Gesetze zurückzuführen und die imperialistische Politik der Ausbeutung und Ausrottung der Menschen und ganzer Völker zu rechtfertigen (Malthusianismus). Marx entdeckte das ökonomische Bevölkerungsgesetz des Kapitalismus und enthüllte damit die wirklichen Ursachen der Überbevölkerung im Kapitalismus, der Freisetzung von Lohnarbeiten im Prozess der Akkumulation bei wachsender organischen Zusammensetzung des Kapitals, die aus der Sicht der Kapitalverwertung überflüssig sind (relative Überbevölkerung).

bewaffneter Aufstand: offenes bewaffnetes Auftreten sozialer Klassen oder Gruppen gegen die bestehende politische Herrschaft. Als bewaffnete Form des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse ist der bewaffnete Aufstand auf den Sturz der Bourgeoisie oder anderer reaktionärer Kräfte und auf die Eroberung der politischen Macht der Arbeiterklasse beziehungsweise anderer revolutionärer Kräfte gerichtet. Der bewaffnete Aufstand setzt eine revolutionäre Situation voraus und ist in der Regel Bestandteil einer Revolution. Der Erfolg des bewaffneten Aufstands ist von bestimmten Bedingungen abhängig, insbesondere von der Unterstützung durch eine fortschrittliche Klasse, von einer Massenbasis und einer zielgerichteten Führung. Die Begründer des Marxismus-Leninismus betrachteten den bewaffneten Aufstand als ein Kampfmittel, das bestimmter historischer und sozialer Voraussetzungen sowie unter anderem der gründlichen politischen und organisatorischen Vorbereitung bedarf und gewissen Regeln unterworfen ist; sie wandten sich gegen dessen prinzipielle Ablehnung sowie gegen den Putschismus «linker» Abenteurer und gegen eine Verabsolutierung des bewaffneten Aufstands als einzige Kampfform.

Bewaffnung: 1. zusammenfassender Begriff für Waffen und Munition, mit denen die Soldaten, Einheiten, Truppenteile und Verbände sowie die Streitkräfte insgesamt ausgestattet sind.

2. Ausrüstungsprozess der Streitkräfte oder Teilstreitkräfte, Waffengattungen, Spezialtruppen und Dienste mit Waffen.

Bewährung: 1. Bewährung, Strafaussetzung auf Bewährung: Maßnahme des Gerichts zur Aussetzung des Vollzuges einer Freiheitsstrafe unter Auferlegung einer Bewährungszeit und bestimmter Verpflichtungen mit dem Ziel des Erlasses der Reststrafe bei Bewährung.

2. Bewährung, Verurteilung auf Bewährung: nach dem StGB der DDR Strafe ohne Freiheitsentzug, mit der dem Täter innerhalb einer Bewährungszeit (1 bis 3 Jahre) die Pflicht zur Wiedergutmachung und eventuell weitere Verpflichtungen (B. am Arbeitsplatz, unbezahlte gemeinnützige Freizeitarbeit) auferlegt werden und mit der er unter Androhung einer Freiheitsstrafe (bis 2 Jahre) bei Nichtbewährung dazu angehalten werden soll, sich gesellschaftsgemäß zu verhalten.

Bewährungssituation: im pädagogischen Prozess bewusst geschaffenes (zum Teil auch spontan auftretendes) Bedingungs- und Anforderungsgefüge, das die Persönlichkeit zum Denken und aktiven Handeln entsprechend angeeigneten gesellschaftlichen Bewusstseins- und Verhaltensnormen veranlasst; wichtiges Mittel der kommunistischen Erziehung, die Stabilität erworbener weltanschauliche Positionen unter anderem Grundqualitäten der Persönlichkeit zu überprüfen.

Bewässerung: Verfahren der Wasser- und zum Teil Nährstoffzufuhr (zum Beispiel Berieselung, Beregnung) zur Förderung des Pflanzenwachstums. Bewässerung ist eine wesentliche Intensivierungsmaßnahme zur Steigerung der Pflanzenerträge; siehe auch Melioration, bewegliche Sachen.

Beweglichkeit: Quotient aus mittlerer Geschwindigkeit und äußerer Kraft für ein Teilchen, das unter dem Einfluss von äußerem Kraftfeld und innerer Reibung in einem Stoff eine Bewegung mit konstanter mittlerer Geschwindigkeit (Driftgeschwindigkeit) ausführt, die der thermischen Bewegung überlagert ist. Die Beweglichkeit von Ladungsträgern (Ionen, Elektronen, Löcher) in einem Stoff (Gas, Flüssigkeit, Festkörper) ist definiert als Quotient aus mittlerer Geschwindigkeit der Ladungsträger und elektrischer Feldstärke.

Bewegung: 1. Biologie: a) Verlagerung von Teilchen oder Flüssigkeiten in Zellen und Organen. So ist der Kreislauf an die Bewegung aller Bestandteile des Blutes innerhalb der Blutgefäße geknüpft;

b) Ortsveränderungen von Abschnitten eines Organs, zum Beispiel Peristaltik des Darmes;

c) Ortsveränderung wie Gehen, Laufen unter anderem Bewegung beruht auf dem Einsatz von Energie aus dem Stoffwechsel von Muskelzellen.

2. Geometrie: eine starre Abbildung von Figuren; Figuren, die sich durch Bewegung ineinander überführen lassen, sind deckungsgleich (kongruent). Bei der Bewegung in einer Ebene unterscheidet man Translationen, Drehungen und Gleitspiegelungen; sie können durch 2 beziehungsweise 3 aufeinanderfolgende Spiegelungen an Geraden dargestellt werden. Arten der Bewegung im Raum sind außerdem Drehspiegelungen und Schraubungen.

3. Kybernetik: jegliche Änderung des Zustandes beziehungsweise der Ausgangssignale eines Systems. Die erzwungene Bewegung wird durch von außen auf das System wirkenden Größen (Eingangssignale) verursacht. Die freie Bewegung tritt als Übergang von einem Anfangszustand in einen Gleichgewichtszustand auf. Beispiele sind die räumlichen Bewegung eines Pendels infolge eines Stoßes oder einer Anfangsauslenkung sowie die Temperaturänderung in einem elektrischen Speicherofen infolge des eingeschalteten Stroms oder der zu Beginn der Beobachtung gespeicherten Wärmeenergie.

4. Philosophie: Daseinsweise, inhärentes Attribut der Materie. Es gibt keine Bewegung ohne Materie und keine Materie ohne Bewegung. Im philosophischen Sinne ist Bewegung Veränderung überhaupt; sie umfasst alle Bewegungsformen von der bloßen Ortsveränderung bis zum Denken als einer Funktion des Gehirns. Eine besondere Form der Bewegung ist die Entwicklung. Bewegung existiert nur in Gestalt der Bewegung konkreter materieller Objekte. Quelle der Bewegung ist der dialektische Widerspruch in den objektiv-realen Dingen und Erscheinungen. Die Ruhe als dialektischer Gegensatz der Bewegung ist relativ; sie existiert nur in Bezug auf eine bestimmte Bewegung, ist ein Moment der Bewegung; die Bewegung dagegen ist absolut, unerschaffbar und unzerstörbar wie die Materie selbst. Zu unterscheiden sind die (vielfältigen) Bewegungsformen der anorganischen und organischen Materie sowie der Gesellschaft. Jede spezifische Bewegungsform ist an ein bestimmtes Organisationsniveau der Materie gebunden und durch spezifische Gesetzmäßigkeiten charakterisiert. Die von der Dialektik formulierten universellen Grundgesetze gelten für alle Formen der Bewegung. Höhere Bewegungsformen unterscheiden sich qualitativ von vorangegangenen niederen; sie sind durch qualitativ neue Gesetzmäßigkeiten gekennzeichnet. Die verschiedenen Formen der Bewegung sind wesentliche Grundlage für die Klassifizierung der Wissenschaften.

5. Physik: zeitliche Veränderung eines physikalischen Systems unter dem Einfluss innerer oder äußerer Kräfte; in der Mechanik die Ortsveränderung eines Körpers in der Zeit, bezogen auf ein als ruhend angenommenes Bezugssystem. Bei der gleichförmig geradlinigen Bewegung eines Massenpunktes ändert sich die Geschwindigkeit v weder dem Betrag noch der Richtung nach; der in der Zeit t zurückgelegte Weg ist s = v. Bei ungleichförmig geradliniger Bewegung ändert sich der Betrag der Geschwindigkeit, nicht aber ihre Richtung. Bei gleichmäßig beschleunigter geradliniger Bewegung ist die Beschleunigung a konstant, der Betrag der Geschwindigkeit wächst gemäß v = at mit der Zeit, und der zurückgelegte Weg ist i = at1. Bei krummliniger Bewegung ändert sich die Richtung der Geschwindigkeit; ein wichtiger Spezialfall ist die Zentralbewegung, eine Bewegung unter dem Einfluss einer Zentralkraft, bei der die Beschleunigung stets auf ein festes Zentrum hin oder von diesem weg gerichtet ist, zum Beispiel die Bewegung der Planeten um die Sonne. Jede Bewegung eines starren Körpers lässt sich zerlegen in eine Translation oder fortschreitende Bewegung (der Körper bewegt sich ohne Drehung auf einer Raumkurve) und in eine Rotation oder Drehbewegung (der Körper dreht sich dabei um eine Achse).

6. Psychologie: in der Handlungspsychologie die kleinste Einheit, die bei der Beobachtung einer Tätigkeit, zum Beispiel der Arbeit, unterschieden wird.

Bewegungseigenschaften: Sport die motorischen Fähigkeiten Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Gewandtheit und Geschicklichkeit sowie spezifische Kombinationsqualitäten wie Schnellkraft, Kraftausdauer Sprintschnelligkeit unter anderem.

Bewegungsfertigkeiten: weitgehend automatisierte Bewegungshandlungen (Tätigkeitskomponenten), die im motorischen Lernprozess erworben und durch Üben stabilisiert werden. Aus grundlegenden Bewegungsfertigkeiten (Gehen, Laufen, Hüpfen, Springen unter anderem) entstehen im Training spezielle sportliche Bewegungsfertigkeiten (Techniken).

Bewegungskombination: Sport Verbindung von 2 oder mehr gleichzeitig oder aufeinanderfolgend ablaufenden einzelnen Bewegungsfertigkeiten (zum Beispiel Fangen-Werfen) zu einer Handlung.

Bewegungskoordination: Gesamtheit und funktionelle Abgestimmtheit aller an der Bewegungssteuerung und -regelung beteiligten nervalen und muskulären Prozesse in Ausrichtung auf ein bestimmtes Ziel. Bewegungskoordination äußert sich in der Ausprägung von Bewegungsmerkmalen durch Ausgewogenheit der Bewegungsparameter beeinflusst die Leistung.

Bewegungslehre: Sport überwiegend beschreibende Lehre von den Bewegungsakten und -formen; dient der sportlicher Unterrichts- und Trainingsmethodik.

Bewegungsmangel: unzureichende körperliche Bewegung mit daraus resultierender mangelhafter Anpassung zahlreicher Organe und Funktionssysteme an normale Leistungen. Der Bewegungsmangel ist ein Risikofaktor für Erkrankungen im Herz-Kreislauf sowie Stoffwechselsystem.

Bewegungsstudie: Bestandteil und spezielle Verfahrensweise des Arbeitsstudiums zur Untersuchung von Arbeitsmethoden; erstreckt sich auf Art und Folge von Greifoperationen und Körperbewegungen sowie Anordnung von Arbeitsgegenständen und -mitteln. Dazu werden verschiedene Techniken benutzt, zum Beispiel Foto- und Filmtechnik, Chrono-Zyklo-Fotografie. Ziel ist die Verbesserung und Rationalisierung der Arbeitsbedingungen. Bewegungsstudien werden vorwiegend in der Massenfertigung durchgeführt.

Bewegungssystem: Gesamtheit der für die Bewegungen des Körpers oder seiner Teile notwendigen Gebilde; umfasst das passive Bewegungssystem (Knochen, Bänder, Gelenke) und das aktive Bewegungssystem (Muskeln).

Bewehrung: 1. Bewehrung, Armierung (lateinisch): Bautechnik - Stahleinlagen im Spann- und Stahlbeton; der gleiche Wärmeausdehnungskoeffizient bewirkt eine hohe Temperaturbeständigkeit und die hohe Haftfestigkeit von Zementstein an Stahl guten Verbund, wodurch die Zugfestigkeit des Verbundstoffes Beton erhöht wird.

2. Elektrotechnik: Kabel.

Beweis: 1. Logik: in einer Reihe von Schritten erfolgender Nachweis der Wahrheit einer Aussage, der von wahren oder als wahr angenommenen Voraussetzungen ausgeht und sich von Schritt zu Schritt zwingender Überlegungen, meist logische Schlüsse, bedient. Der Beweis durch unmittelbar experimentell-praktische Bestätigung einer Aussage ist nicht Gegenstand der Logik. Bei formaler Auffassung wird ein Beweis durch eine Ableitung dargestellt, in der alle angewendeten Schlussregeln korrekt sind, 1 h. von wahren Prämissen stets zu einer wahren Konklusion führen.

2. Verfahrensrecht: im Gerichtsverfahren die auf Tatsachen beruhende Darlegung der Wahrheit oder Unwahrheit tatsächliche Erscheinungen; die Ableitung einer Erkenntnis aus unbezweifelbaren Voraussetzungen (Prämissen). Beweisarten sind

a) ursprünglich oder unmittelbarer Beweis (die Beweistatsache, aus der sich die Wahrheit der zu beweisenden Tatsache ergibt, wird selbst gestellt);

b) abgeleiteter oder mittelbarer Beweis (die Beweistatsache ist selbst nicht feststellbar, ihre Richtigkeit folgt aber zwingend aus anderen festgestellten Tatsachen);

c) direkter Beweis (die zu beweisende Tatsache wird durch die Wahrheit ihrer Voraussetzungen bewiesen);

d) indirekter oder Indizienbeweis (die Wahrheit der zu beweisenden Tatsache folgt aus der Unmöglichkeit des Gegenteils).

Beweisführung: Pflicht des Gerichts, des Staatsanwalts und des Untersuchungsorgans, alle zur Entscheidung einer Strafsache erforderliche Tatsachen in be- und entlastender Hinsicht durch die gesetzlichen Beweismittel, in der vorgeschriebenen Form unvoreingenommen und wahrheitsgemäß festzustellen.

Beweislast: im Zivilprozess Regel der Rechtsanwendung, wonach die Prozesspartei, die sich auf eine Rechtsfolge beruft, die dieser zugrunde liegenden Tatsachen zu beweisen hat; gelingt der Beweis nicht, erleidet sie rechtliche Nachteile.

Beweismittel: alle Erscheinungen der materiellen Welt (Dinge, Ereignisse, Menschen und deren Handlungen), mit deren Hilfe die Wahrheit anderer tatsächlicher Erscheinungen festgestellt werden kann. Die Rechtspflege verwendet persönliche Beweismittel (Aussagen von Prozessparteien, Angeklagten, Zeugen, Sachverständigengutachten und so weiter) und sachliche Beweismittel (Urkunden, sonstige Aufzeichnungen, Tatwerkzeuge unter anderem Beweisgegenstände).

Bewerberlizenz: auf Antrag eines Herstellers, einer Mannschaft unter anderem vom zuständigen Motorsportverband ausgestellte Berechtigung, unter eigenem Namen an Wettbewerben teilzunehmen.

Bewertungsfilter: Nachrichtentechnik - elektrisches Netzwerk, dessen Dämpfungsverlauf einer vorgeschriebenen Gesetzmäßigkeit gehorcht zum Beispiel dem frequenzabhängigen Lautstärkeempfinden des menschlichen Gehörs. Damit können die in Telefonie- oder Rundfunkton-Übertragungssystemen auftretenden Störspannungen am Systemausgang als subjektiv bewertete Geräuschspannungen mit entsprechend Messgerät objektiv gemessen werden.

Bewertungspreis: Ausdruck des Zeitwertes eines Grundmittels (Gebäude, Anlagen, Maschinen) oder von Materialien. Der Bewertungspreis erfasst den physischen und moralischen Verschleiß dieser Produkte und zeigt die wertmäßigen Veränderungen gegenüber dem Anschaffungs- beziehungsweise Wiederbeschaffungspreis.

Bewusstheit: 1. Philosophie: Wissen um die Ursachen und wesentlichen Wirkungen des gesellschaftlichen Handelns sowie die Fähigkeit, in Übereinstimmung mit den objektiven gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten bewusst zur Verwirklichung gesellschaftlicher Zielstellungen beizutragen. Bewusstheit bezeichnet die der Spontaneität entgegengesetzte Qualität gesellschaftlichen Handelns. Die Arbeiterklasse vermag sich als erste Klasse auf das Niveau der Bewusstheit zu erheben; ihren theoretischen Ausdruck findet ihre Bewusstheit im Marxismus Leninismus.

2. Psychologie: im engeren Sinne Grad der Wachheit eines psychischen Vorgangs oder einer Handlung; im weiteren Sinne das Gewahrsein von Zielen und Folgen des eigenen Verhaltens. Die höchste Form der Bewusstheit ist das Handeln auf der Grundlage der Einsicht in die Gesetze der Natur und der Gesellschaft.

Bewusstlosigkeit: Verlust des Bewusstseins infolge Durchblutungsstörungen des Gehirns, Schädigungen von Hirnrinde und Hirnstamm, durch Hirngeschwülste oder andere organische Hirnkrankheiten; ferner durch Traumen, Intoxikationen und Stoffwechselkrankheiten. Bei leichteren Graden von Bewusstlosigkeit besteht lediglich eine Verlangsamung und Erschwerung der Auffassung. Stärkere Grade ähneln einem Schlafzustand (Sopor), beim Koma, dem stärksten Grad von Bewusstlosigkeit, ist der Mensch auch durch stärkste Sinnesreize nicht zu erwecken. Siehe auch Erste Hilfe.

Bewusstsein: 1. Philosophie: spezifisch menschliche ideelle Widerspiegelung der objektiven Realität vermittels des Zentralnervensystems. Das Bewusstsein hat sich im Ergebnis einer langen biologischen Vorgeschichte als Funktion des Gehirns herausgebildet und zusammen mit der Sprache, unter dem Antrieb der gesellschaftlichen Arbeitstätigkeit entwickelt. Es ist stets gesellschaftlich-historisch bedingt. Das Bewusstsein umfasst die Gesamtheit der psychischen Tätigkeiten, die sinnlichen wie rationalen Formen der Widerspiegelung und die mit ihnen zusammenhängenden Emotionen und Willensakte. Als individuelles Bewusstsein bezeichnet man die auf der Grundlage des gesellschaftlichen Bewusstseins existierenden und von diesem letztlich bestimmten Besonderheiten im Bewusstsein des Einzelmenschen, die sich aus den konkreten persönlichen Lebensbedingungen, Einflüssen, Erlebnissen und individuellen Anlagen ergeben. Siehe auch Bewusstheit, Klassenbewusstsein.

2. Psychologie: die Gesamtheit aller psychischen Prozesse und ihrer Inhalte beim Menschen, die Widerspiegelung der natürlichen und sozialen Umwelt sind, zu der der Mensch in aktiver Beziehung steht.

Bewusstseinsstörungen: meist zeitlich begrenzte Zustände von Bewusstseinstrübung verschiedener Qualität und Quantität. Man unterscheidet Bewusstseinsstörungen qualitativer Art, die vom Normalen abweichende Bewusstseinsinhalte in Form von Denkstörungen (zum Beispiel Zwangs- und Wahnideen) oder Wahrnehmungsstörungen (abnorme Körperempfindungen, Halluzinationen, Illusionen) aufweisen, und Bewusstseinsstörungen quantitativer Art, die durch Störungen der Bewusstseinsklarheit unterschiedliche Grade (Benommenheit, Somnolenz, Sopor, Koma) gekennzeichnet sind.

Bewusstseinsstromtechnik: Erzähltechnik, die mit Hilfe des inneren Monologs durch zum Teil bruchstückhafte, assoziative Aneinanderreihung von Gedanken und Bildern innere Regungen («Bewusstseins Strom») einer literarischen Gestalt nacherlebbar macht.

Beyer: 1. Alfred Beyer, 24.12.1885-9.10.1961, Sozialhygieniker, Vizepräsident der Deutschen Zentralverwaltung für das Gesundheitswesen, 1947/56 Professor in Berlin. Beyer führte 1920 als Ministerialrat in der preußischen Gesundheitsverwaltung die ärztliche Gewerbeaufsicht ein. 1947 baute er den wiedereröffneten Lehrstuhl für Sozialhygiene an der Berliner Humboldt-Universität auf.

2. Frank Beyer, geboren 26.5.1932, Regisseur; schuf Filme für Kino und Fernsehen, wie «Fünf Patronenhülsen», «Königskinder», «Nackt unter Wölfen», «Karbid und Sauerampfer», «Rottenknechte», «Jakob der Lügner», «Das Versteck», «Der Aufenthalt».

Bezeichnung: Semiotik Repräsentation eines materiellen oder ideellen Gegenstandes (das Bezeichnete, Designat) durch ein Zeichen (das Bezeichnende). Die Beziehungen zwischen Zeichen und Bezeichnetem werden von der Sigmatik erforscht.

Bezugssystem: System von starren Maßstäben und Uhren im Raum, auf das die räumlichen Koordinaten x, y, z anderer Körper zu einem bestimmten Zeitpunkt t bezogen werden können. Es gibt kein absolutes Bezugssystem, das heißt, es gibt kein dem Raum a priori und universell eingeprägtes Koordinatennetz und keine für alle Ereignisse universelle Zeit. Siehe auch Inertialsystem, Relativitätstheorie, Relativität der Gleichzeitigkeit.

Bezugswert: Wert einer Einflussgröße, für den in normativ-technischen Dokumenten Fehlergrenzen für den Grundfehler festgesetzt sind. Zum Beispiel gelten bei einem elektrischen Widerstand Fehlergrenzen von ± 1 % für die Bezugstemperatur 20 °C. Bei Abweichungen vom Bezugswert treten Zusatzfehler auf.

Bhagavad Gita: (Sanskrit, «Des Erhabenen Sang») aus dem 4./3. Jahrhundert vor Christus stammendes altindische philosophisches Lehrgedicht, didaktische Episode aus dem Epos «Mahabharata». Obwohl ein Konglomerat verschiedenartiger Anschauungen, betont die Bhagavad Gita vor allem die Rechtfertigung kämpferischer Aktivität für eine gerechte Sache und gewann daher große Bedeutung für die indische nationale Befreiungsbewegung.

Bhakra-Nangal-Anlage: größte hydrotechnischen Mehrzweckanlage Indiens am Sutlej, am Himalaya Rand, im Unionsstaat Punjab; Bhakra-Damm (500 m lang, 225,6 m hoch, Fläche des Govind-Stausees 171 km2, Stauvermögen 9,9 Millionen m5) mit 3 Kraftwerken (mit insgesamt 1200 MW) sowie weiter flussab Nangal-Damm am Nangal-Kanal (30 m hoch; Kraftwerk mit 60 MW); Bewässerungskanäle nach Punjab, Haryana und Rajasthan (insgesamt 5000 km); Bewässerung von bisher 1,5 Millionen ha Ackerland; in Punjab und Haryana sind durch die Bhakra-Nangal-Anlage bereits alle Dörfer an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. In der Nähe der Dämme Chemiebetriebe (Produktion von Düngemitteln, Schwerem Wasser).

Bhakti-Dichtung: (Sanskrit bhakti, «Hingabe an Gott») religiöse Liebeslyrik, die sich im 13. bis 17. Jahrhundert in vielen indischen Sprachen entwickelte. Die Verehrung der zwei Inkarnationen des Gottes Wishnu als Gott-Hirte Krishna und als Gott-Herrscher Rama wurde zum Ausdruck der Volksopposition gegen den Feudalismus, das Kastenwesen und den religiös-sektiererischer Hader. Bhakti-Dichter wie Kabir und Nanak strebten die Synthese von Hinduismus und Islam an. Die progressive Bhakti-Dichtung entfernte sich vom Kanon des klassischen Sanskrit und orientierte auf die Volksdichtung (Chandidas, Mira Bai, Surdas); die konservative Bhakti-Dichtung rief zum Schutz der herrschenden Klassen auf und vertrat die feudal-aristokratische Ideologie (Tulsidas).

Bhave, Acharya Vinoba, 11.9.1895-15.11.1982. indischer Sozialreformer; Initiator der bürgerlichen Landschenkungsbewegung (Bhudan) zur Umgehung einer revolutionären Lösung der Agrarfrage und der «Bewegung für die Wohlfahrt aller» (Sarvodaya) in Indien; seit 1916 Schüler und enger Mitarbeiter Gandhis.

B-Horizont: brauner mineralischer Unterbodenhorizont (Bodenhorizont), man unterscheidet die Subhorizonte Bv (Verbraunungshorizont), Bt (Tonhäutchenhorizont), Bs und Bh (Orthorizonte) sowie Bf (Marmorierungshorizont).

Bhutan, Königreich Bhutan: Staat (konstitutionelle Monarchie) in Südasien, am Südabhang des östlichen Himalaja. Die Bevölkerung des nur in den Talungen ständig besiedelten Landes besteht zu etwa 75% aus Bhutias sowie zu etwa 24% aus Nepalesen. Amtssprache ist Dzongkha. Währung ist Ngultrum.

- Das Hochgebirgsland erreicht im Norden Höhen bis zu 7541 m (Kulha-Gangri) und fällt im Süden steil ab. Die zwischen den Bergzügen gelegenen Hochtäler (etwa 2700m über dem Meeresspiegel) besitzen üppige Vegetation, bis 3500 m Höhe reicht der tropische Regenwald (34% des Territoriums ist bewaldet). Die Wirtschaft des Landes ist fast ausschließlich auf den Agrarsektor konzentriert, in dem über 90% der Arbeitskräfte tätig sind. Im Hochgebirge kann nur Viehwirtschaft betrieben werden (Yakhaltung, Almwirtschaft), in den Talungen aber auch Ackerbau. Hauptanbauprodukte sind Reis, Hirse, Weizen, Mais, Zuckerrohr und Obst. Bhutan verfügt über unerschlossene Bodenschätze (Kupfererz, Gips, Graphit, Steinkohle, Blei, Zinkerze). Schwerpunkt der Fünfjahrpläne, die seit 1961 von Indien finanziert werden, ist Bhutans Infrastruktur (besonders Straßennetz, 2 Flughäfen). Erste Fabriken der Leichtindustrie (Textilien, Holzverarbeitung), Zementwerk. Verbreitet ist das traditionsreiche Handwerk (unter anderem Weberei). Unbedeutender Export von Kohle, Reis und Holz. Einziger Handelspartner ist Indien. Geschichte. Die ursprünglichen Bewohner Bhutans, die Thepu, kamen im 8./9. Jahrhundert unter tibetischen Einfluss; seit dem 12. Jahrhundert wurde der Lamaismus zur vorherrschenden Religion. 1616/1907 bestand ein selbständiges Staatswesen unter Führung der Lamas. 1772 begann der Konflikt mit der britischen Ostindische Kompanie, die vor allem die Kontrolle der Grenzpässe erstrebte, 1864/65 okkupierte die britische Kolonialmacht Teile Bhutans und verankerte im Vertrag von Sinchula (1865) die Abhängigkeit Bhutans. 1895 riss der britischen Statthalter Ugyen Wang-chuk die Herrschaft an sich und führte 1907 die erbliche Maharajawürde (Dynastie Wang-chuk) ein. Im Vertrag von 1910 anerkannte Großbritannien zwar formell die Unabhängigkeit Bhutans, behielt sich aber die Kontrolle der Außenpolitik vor. Nach dem Zusammenbruch der britischen Kolonialherrschaft schlossen Indien und Bhutan einen Freundschaftsvertrag (8. 8. 1949), demzufolge Indien die außenpolitische Beziehungen wahrnimmt und Wirtschaftshilfe leistete. 1968 wurde Bhutan konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist seit 1974 König Jigme Singye Wangchuk. Er ist zugleich Ministerpräsident. Politischen Parteien sind verboten.

BiaK-na-Bato: Ort auf den Philippinen (Luzon). 1897 Sitz der revolutionären Regierung während der nationalen Unabhängigkeitsrevolution von 1896/98 gegen Spanien; auf dem Kongress von BiaK-na-Bato wurde am 1.11. 1897 eine demokratische Verfassung der Philippinischen Republik angenommen und eine Regierung unter E. Aguinaldo gebildet.

Biarritz: Stadt im Südwesten Frankreichs, am Golf von Biscaya; 27000 Einwohner; Fischereihafen; Meeresmuseum; See- und Thermalbad für die herrschende Klasse der kapitalistischen Welt; Luxushotels, Spielkasinos, Pferderennbahn.

Biathlon: (lateinisch + griechisch) Skilanglauf mit Schießübungen; das KK-Gewehr wird mitgeführt. Disziplinen sind 10-km-Einzellauf (Handikap-Rennen, Sprint) mit 2 und 20-km-Einzellauf mit 4 Schießübungen (Anschlagarten abwechselnd liegend und stehend) auf 50 m entfernte Metallklapp- (internationale Wettbewerbe) oder zerbrechliche Scheiben (4 cm (liegend) beziehungsweise 11 cm Durchmesser) sowie 4 x 7,5-km Biathlon-Staffellauf mit jeweils 2 Schießübungen. Fehlschüsse ergeben zusätzlich zu laufende Strafrunden von etwa 250 m (10-km-Einzel und Staffel) beziehungsweise Strafzeiten von 1 min. Olympische Sportart seit 1960, Weltmeisterschaften seit 1959.

Bibaud, Michel, 20.1.1782-3.8.1857, frankokanadischer Dichter, Verleger und Journalist; Wegbereiter der frankokanadischen Literatur, deren Entwicklung er vor allem durch mehrere Zeitschriften gefördert hat, sein Hauptwerk ist die «Geschichte Kanadas» (1837/44).

Bibel, Heilige Schrift: in der Zeit vom 10. Jahrhundert vor Christus bis zum 2. Jahrhundert nach Christus entstandene Sammlung religiöser Schriften geschichtlichen, dogmatischen, moralischen und poetischen Inhalts, besteht aus dem (ursprünglich hebräisch abgefassten) Alten Testament (Abkürzung A. T.), welches die Geschichte des israelitisch-jüdischen Volkes von den Anfängen (um 1250 vor Christus) bis um 150 vor Christus widerspiegelt, und dem (griechischen) Neuen Testament (Abkürzung N. T.), das die von der Kirche kanonisierte Literatur des frühen Christentums mit der Zentralgestalt Jesus umfasst. Das Alte Testament gilt im Judentum, in den christlichen Kirchen und im Islam als heilig, das Neue Testament nur im Christentum. Als literarisches Denkmal enthält die Bibel auch eine Widerspiegelung von Naturerkenntnissen ihrer Entstehungszeit und reflektiert damals geltende moralische Normen; seit der Aufklärung wurde durch die wissenschaftliche Bibelkritik die von der Kirche geforderte unbedingte Anerkennung ihrer Aussagen immer haltloser.

Biber, Castoridae: Familie der Nagetiere Eurasiens und Nordamerikas. Bis 1 m lange Tiere mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen der Hinterfüße und abgeflachtem Ruderschwanz («Kelle»); Vorderpfoten als Greifhand ausgebildet. Biber leben kolonieweise an Gewässern, graben Höhlen oder legen «Burgen» und «Dämme» an, als Baumaterial dienen Rinde und Zweige, Bäume können sie durch Benagen fällen. Die Bestände des Elbebiber (Castor fiber albicus) nehmen in der DDR durch intensive Schutzmaßnahmen zu. In Nordamerika galt das Biberfell als Zahlungsmittel. Das Haarkleid hat etwa 5 bis 6 cm lange Grannenhaare, die bis 3 cm lange Unterwolle ist dicht und fein. Biberfell wird nach der Veredlung vielseitig verarbeitet.

Biber, Heinrich Ignaz Franz von, 12.8.1644-3.5.1704, österreichischer Violinist, Komponist und Kapellmeister; erweiterte die Violintechnik durch Doppelgriffe und Skordatur (Umstimmen einzelner Saiten); schuf bedeutende (auch programmatische) Violinwerke, Kirchenmusik, Schuldramen und Opern.

Biberkäfer, Biberlaus, Biberfloh, Platypsyllus castoris: Käfer aus der Familie Pelzflohkäfer, 2,5 mm lang, blind; lebt im Haarkleid des Bibers, jedoch nicht parasitisch.

Biblia Pauperum: (lateinisch, «Armenbibel») handgeschriebene Bilderbibel mit kurzen Texten, vor allem für Schriftunkundige gedacht; Original Mitte 13. Jahrhundert; zahlreiche Ausgaben.

Bibliographie: Literaturverzeichnis, aber auch die Lehre darüber; Hilfsmittel zur Ermittlung, Erschließung und Auswertung literarischer Dokumente.

Bibliomanie: krankhafte Büchersammelleidenschaft.

Bibliophilie: Bücherliebhaberei, die das Buch wegen seiner Ausstattung, seiner literarischen Bedeutung, seiner Herkunft oder Seltenheit u. ä. sachkundig als Sammelobjekt schätzt.

Bibliothek, Bücherei: planmäßig aufgebaute, geordnet aufgestellte, laufend ergänzte, durch Kataloge und so weiter erschlossene Sammlung literarischer Dokumente. Man unterscheidet in der DDR wissenschaftliche Allgemeinbibliothek (zum Beispiel Deutsche Staatsbibliothek, Deutsche Bücherei, Universitätsbibliotheken), Fachbibliothek (in Instituten und Betrieben), staatliche Allgemeinbibliothek (wissenschaftliche Allgemeinbibliothek des Bezirks, Stadt- und Bezirksbibliothek, Stadt- und Kreisbibliothek, Stadtbibliothek, ländliche Zentralbibliothek, Gemeindebibliothek), Gewerkschaftsbibliothek, Kinderbibliothek unter anderem.

Bibra, Bad: Stadt im Kreis Nebra, Bezirk Halle, am Nordosthang der Finne; 2400 Einwohner; Luftkurort; Molkereikombinat; Agrarbetriebe.

Bichsel, Peter, geboren 24.3.1935, schweizerischer Schriftsteller; verfasste kritisch-realistische Erzählungen und Essays, zum Beispiel «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen», 21 Geschichten (1964), «Kindergeschichten» (1969), die Essays «Des Schweizers Schweiz» (1969), «Geschichten zur falschen Zeit» (1979).

Bidault, Georges, 5.10.1899-Januar 1983, französischer Politiker, war Mitbegründer (1944) und Vorsitzender der katholischen Republikanischen Volksbewegung. 1941/44 Teilnehmer der bürgerlichen Widerstandsbewegung gegen die faschistische Okkupation. Nach 1944 war Bidault wiederholt Minister und Ministerpräsident. Er spielte eine führende Rolle bei der Gründung der NATO, schloss sich später der OAS an.

Bidermann, Jakob, 1578-20.8.1639, Schriftsteller; bedeutendster Vertreter des lateinischen Jesuitendramas; großen Erfolg hatte sein 1602 aufgeführtes Drama «Cenodoxus». Bidermann trat auch als Epiker, Lyriker und Epigrammatiker hervor.

Biebl, Konstantin, 26.2.1898-12.11.1951, tschechischer Dichter; von einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden ausgehend, beschäftigte er sich schon früh mit sozialen Gegenwartserscheinungen (unter anderem «Der Bruch», 1925). In dem Poem «Der neue Ikaros» (1929) verbinden sich Schaffensbilanz und Antikriegsdichtung; «Ohne Furcht» (1951) enthält antifaschistische Verse und formuliert ein Programm der sozialistischen realistischen Lyrik.

Biedermeier: ursprünglich Name einer erfundenen typischen Gestalt, des philiströs beschränkten, treuherzigen Schulmeisters G. Biedermeier; dann in der bildenden Kunst zur Bezeichnung für einen Stil verwandt, der sich in der Zeit des Vormärz und der feudalen Reaktion nach 1848/49 am deutlichsten in der Möbelkunst als schöpferische Weiterentwicklung des Empire ausprägte. Seine Merkmale sind klare Formen, helle, ausgewählte Hölzer, freundliche, geblümte Bezüge, sorgfältige Verarbeitung. Die bequemen und wohlproportionierten Biedermeiermöbel sind bis heute Vorbild hoher bürgerlicher Wohnkultur. In der Malerei bezeichnet Biedermeier die oft humorvolle Darstellung des ruhigen, nach außen abgeschlossenen Bürgerdaseins, so zum Beispiel in den Gemälden von C. Spitzweg. In Plastik und Architektur ist Biedermeier kein selbständiger Stil.

Biegeholz: durch spezielle Vorbehandlung (Dämpfen, Stauchen in Faserrichtung) plastisch formbares Vollholz; Anwendung für gebogene Möbel- und Sportgeräteteile, im Bootsbau unter anderem.

Biegelinie: Bautechnik Verformung der Mittellinie belasteter Träger; siehe auch Durchbiegung.

Biegen: Umformen von Halbzeugen oder Werkstücken, so dass ihre geometrische Form verändert, die Werkstoffdicke jedoch beibehalten wird. Biegen von Metall dient der Formgebung oder Versteifung und erfolgt von Hand, in Biegewerkzeugen unter Pressen oder mit speziellen Biegemaschinen. Man unterscheidet Winkligbiegen (Abkanten, Bördeln, Falzen) und Rundbiegen Ergibt letzteres kreis- oder halbkreisförmige Querschnitte, spricht man von Runden. Biegen von Kleinteilen aus Draht (Büroklammern, Haarnadeln u. ä.) sowie von Federn erfolgt auf hochproduktiven, von Drahtringen kontinuierlich arbeitenden Automaten.

biegsame Welle: Maschinenelement aus schraubenförmig gewundenen, gegenläufig übereinander gewickelten Stahldrahtlagen in einem biegsamen Metallschlauch (in feuchten Räumen mit Plastiküberzug) zum Antrieb ortsveränderlicher, insbesondere handgeführter Werkzeuge, Geräte sowie für Tachometer.

Bielefelder Abkommen: am 24.3.1920 nach der Zerschlagung des Kapp-Putsches von C. Severing im Auftrag der Reichsregierung mit Vertretern von SPD, USPD, Gewerkschaften und Behörden getroffene Vereinbarung über die Beendigung des Generalstreiks und die Niederlegung der Waffen durch die Arbeiter im Ruhrgebiet. Das Bielefelder Abkommen führte mit seinen Versprechungen (Sozialisierung unter anderem) an die kämpfenden Arbeiter zur Spaltung der proletarischen Kampffront und zur Entwaffnung der Roten Ruhrarmee.

Bienen, Apoidea: Überfamilie der Stechwespen; leben meist einzeln, staatenbildend Honigbienen und Hummeln. Bienen sind die wichtigsten Blütenbestäuber, sie besitzen verschiedene Anpassungen an die Aufnahme und den Transport von Pollen und Nektar. Danach werden sie bezeichnet als

a) Kropfsammler, die den Pollen schlucken (Ur-Bienen).

b) Bauchsammler mit bürstenartig angeordneten Sammelhaaren am Bauch, zum Beispiel Mörtelbienen (Chalicodoma), die ihre Brutzellen aus Sand und Speichel an sonnigen Felsen oder Mauern bauen;

c) Beinsammler mit Sammelbürsten an den Hinterbeinen, zum Beispiel Sand- oder Erdbienen (Andrena), die in Erdröhren leben;

d) Körbchensammler, sie bürsten den Pollen durch die Fersenbürste in ein Körbchen der Hinterschienen (Pollenhöschen), zum Beispiel Honigbienen, Hummeln. Die Kuckucksbienen haben den eigenen Nestbau aufgegeben und legen ihre Eier in die Nester anderer Arten, sie besitzen keine Sammelvorrichtungen. Die Honigbienen leben in mehrjährigen Staaten mit einem fortpflanzungsfähigen Weibchen (Weisel, Königin), 30000 bis 60000 geschlechtsunterentwickelten Weibchen (Arbeiterinnen, Arbeitsbienen) und in den Sommermonaten bis zu 800 Männchen (Drohnen). Durch die von der Königin abgesonderte Weiselsubstanz wird der Zusammenhalt des Bienen staates bewirkt. Im Bienenvolk herrscht Arbeitsteilung. Die Weisel legt im Sommer täglich 1000 bis 2000 Eier (durchschnittlich 1200, im Jahr 120000 bis 150000) in die aus eckigen Zellen bestehenden Waben aus Wachs ab, die der Aufzucht der Brut und der Speicherung von Vorräten (Pollen, Honig) dienen. Aus befruchteten Eiern entstehen die weiblichen Bienen, vor allem Arbeitsbienen, aus unbefruchteten Eiern die Drohnen. Die Arbeitsbienen verrichten ab Geburt nacheinander die verschiedensten Arbeiten (Putz-, Ammen-, Bau-, Wachbienen) im Bienenstock, bis sie ab 20. Lebenstag zu Trachtbienen (ein Drittel des Volkes) werden. Durch Tänze der Suchbienen werden die Sammelbienen auf Trachtquellen gelenkt. Die natürliche Vermehrung des Bienenvolkes erfolgt über den Schwarm. Ein großes Volk liefert im Jahr durchschnittlich 10 bis 15 kg (maximal 50 kg) Honig.

Biennale: regelmäßig (überwiegend alle 2 Jahre) stattfindende internationale Kunstausstellungen, Film-, Theater-, Musikfestspiele u. ä.; insbesondere die 1932 der internationalen Kunstschau (seit 1895) angegliederte Filmschau in Venedig (seit 1947 jährlich, 1973/79 alle 2 Jahre).

Bier: alkoholisches, kohlendioxidhaltiges, schäumendes Getränk aus (Gersten-) Malz, Hopfen, Hefe und Wasser. Nach der Farbe wird helles und dunkles Bier, nach der Gärungsart unter- und obergäriges Bier (je nachdem, ob sich die Hefe am Boden oder im Schaum der Würze absetzt) unterschieden. Die Einteilung des Bier erfolgt nach dem Stammwürzegehalt in Eierfachbier (Jung- und Braunbier etwa 3%, dunkles Bier, Malzbier, helles Bier etwa 6%), Schankbier (etwa 9%), Vollbier (hell 11 bis 11, 5%, Deutsches Pilsner 12,5 bis 13%, Deutsches Pilsner Spezial 12,5 bis 13,5%) und Starkbier (Bockbier hell und dunkel 15,7 bis 16,3%, Deutsches Porter etwa 18%). Der Alkoholgehalt (meistens etwa ein Drittel des Stammwürzegehaltes) beträgt aber bei Malz- und Doppelkaramel-Bier (6% und 12% Stammwürze) nur etwa 1 beziehungsweise 0,5%. Die Bierherstellung besteht aus 3 Prozessstufen. Bei der Malzbereitung wird Rohfrucht (Gerste, Reis, Weizen) zur Aktivierung und Vermehrung der Enzyme gekeimt und gedarrt (schonend getrocknet). Bei der Würzebereitung wird geschrotetes Darrmalz (bei teilweisem Austausch durch Rohfrucht mit Zusatz von Enzympräparaten) mit Wasser eingemaischt (Maische) und im Allgemeinen stufenweise erhitzt, um hydrolytisch die Inhaltsstoffe zu lösen. Nach mechanischer Abtrennung unlöslicher Bestandteile (Treber) wird gehopft, aufgekocht und abgekühlt. Gärung und Reifung erfolgen nach Trubabscheidung und Zusatz entsprechend Bierhefen bei 5 bis 10°C (untergäriges Bier) oder 10 bis 25 °C (obergäriges Bier). Danach wird das Bier gelagert (Nachgärung für Vollbier hell 10 bis 30, Deutsches Pilsner 10 bis 40 Tage). Moderne kontinuierliche Gärtechnologien verkürzen den gesamten Gärprozess wesentlich; zum Beispiel wird in der DDR die Würze bei 15°C in hohen Großraumreaktoren umgewälzt (kombinierte Gärung und Reifung, etwa 5 bis 14 Tage).

Bier, August, 24.11.1861-12.3.1949, Chirurg, Professor in Greifswald, Bonn und Berlin. Bier beschäftigte sich eingehend mit Fragen der Heilung und Regeneration von Wunden. 1899 gab er die Hyperämie Behandlung bekannt, wobei durch Stauung eine heilsame Blutfülle erzielt wird. 1903 führte er nach zuvor angestellten Selbstversuchen die Lumbalanästhesie in die Narkosetechnik ein.

Bierbaum, Otto Julius, 28.6.1865-1.2.1910, Schriftsteller; schrieb teils volksliedhafte, teils parodistisch-satirischer Gedichte sowie Erzählungen und Romane über die Boheme der Großstadt («Stilpe», 1897; «Prinz Kuckuck», 1906/07); bekannt wurde seine Kindererzählung «Zäpfel Kerns Abenteuer» (1905).

Biesfliegen, Oestridae: Fliegenfamilie, deren Larven an Haus- und Wildtieren schmarotzen, besonders im Nasenrachenraum und unter der Haut; veterinärmedizinisch bedeutsam.

bifilare Wicklung: gegenläufig gewickelte Drähte; fließt elektrischer Strom durch eine bifilare Wicklung, hebt sich das Magnetfeld in benachbarten Windungen weitgehend auf, und die Induktivität ist gering.

Bifokalglas, Zweistärkenglas: Brillenglas mit einem Bereich für Fern- und einem Bereich für Nahsehen, die unterschiedliche Brechkraft haben.

Bifröst: (nördlich, «Zitterweg») in der nördlichen Mythologie Brücke von der Erde zum Himmel; Regenbogen.

Bifurkation: Gabelung eines Flusses an einer flachen, im Flussbett liegenden Wasserscheide, von der aus die beiden Flussarme in verschiedenen Richtungen ab- und damit auch verschiedenen Flusssystemen Zuströmen (Orinoco, Casiquiare).

Bigamie: das Eingehen einer weiteren Ehe während einer noch gültig bestehenden Ehe (Doppelehe)-, strafbar.

Big Ben: (englisch, «großer Ben») Glocke im Uhrturm des Londoner Parlamentsgebäudes, auch der Glockenturm selbst (vollendet 1858); benannt nach dem britischen Politiker Sir Benjamin Hall (802-1867).

Big Business: (englisch, «großes Geschäft») US-amerikanische Bezeichnung für das Großkapital, für die politisch-ökonomische Machtkonzentration der monopolistische Zusammenschlüsse.

Bigerm Saatgut: 2keimiges Rübensaatgut; durch Züchtung oder mechanischer Zerkleinerung von mehrsamigen Saatgut (Polygermsaat) zu gewinnen; Verwendung von Bigerm Saatgut senkt den Arbeitszeitaufwand bei der Rübenpflege.

Biguanide: Bezeichnung für einige synthetisch hergestellte Arzneimittel mit Guanidingruppierungen im Molekül. Biguanide werden medizinisch als blutzuckersenkende (Antidiabetika), zum Beispiel Buformin, und als Antimalariamittel, zum Beispiel Proguanil, verwendet.

Bihar: Unionsstaat im Nordosten von Indien; 173876 km2, 69,9 Millionen Einwohner; 402 Einwohner/km2; Hauptstadt Patna. Bihar umfasst im Norden fruchtbares Schwemmland am Ganges und im Süden das zum Teil bewaldete, sehr erz- und kohlereiche Bergland Chota Nagpur. Bei tropischen Monsunklima im Süden Dürre-, aber im Norden Überschwemmungsgefahr. Bihar ist nur zu 16% bewaldet, 47% des Territoriums Sind Ackerland, davon sind 28% bewässert. 90% der Fläche werden mit Getreide (Reis 50%, Weizen und Hülsenfrüchte je 15%, Mais 10%) bestellt. Dennoch besteht oft ein Getreidedefizit. Bihar erbringt 13% der indischen Jute- und 4% der Zuckerrohrernte. Im Bergland Chota Nagpur ist der Bergbau hoch entwickelt (40% des Werts der indischen Bergbauproduktion, 40% der Kohle- und 20% der Eisenerzförderung Indiens, ferner Kupfererz-, Bauxitabbau). Entwicklung der Metallurgie (25% der indischen Stahlproduktion), ferner Kokschemie, Düngemittel-, Zementproduktion und Schwermaschinenbau. Industriezentren sind Bokaro, Jamshedpur, Dhanbad, Ranchi; im Norden Barauni mit Petrolchemie.

Bijouterie: allgemeine Schmuckwaren, sowohl aus Edelmetallen und -steinen als auch aus weniger kostbarem Material (Modeschmuck); Schmuckwarengeschäft, Juwelierladen.

Bikini: nördlichstes Atoll der Ralikgruppe (Marshallinseln) im Stillen Ozean (Mikronesien); 5 km2; seit 1946 unter Treuhandverwaltung der USA, die die einheimische Bevölkerung aussiedelten und Bikini 1946/58 als Kernwaffenversuchsgelände missbrauchten.

Bikini (nach dem Atoll): knapper 2teiliger Luft- oder Badeanzug.

Bikomponentenfaserstoffe: Chemiefaserstoffe, die aus 2 fest miteinander verbundenen Komponenten unterschiedlicher Eigenschaften bestehen. Die Bikomponentenfaserstoffe werden aus unvermischten Spinnmassen durch eine Spinndüsenöffnung gemeinsam ersponnen. Je nach Anordnung der beiden Komponenten über den Faserstoffquerschnitt unterscheidet man die Typen Seite/Seite, Kern/Mantel und Matrix/Fibrille.

Bikristall, Korngrenzendiode, Korngrenzenfotozelle: künstlich erzeugter Doppelkristall aus 2 unterschiedlich orientierten Kristallen. In der Grenzschicht, der Korngrenze, tritt durch eine große Anzahl von Gitterfehlern im normal n-leitenden Material eine äußerst schmale p-Schicht auf, die stark fotoempfindlich ist.

Bilanz: (italienisch, «Gleichgewicht») 1. Gegenüberstellung miteinander verbundener ökonomischer Größen, zwischen denen Gleichgewichtsproportionen herzustellen sind (zum Beispiel Aufkommen und Verwendung einzelner Erzeugnispositionen, Geldeinnahmen und -ausgaben der Bevölkerung) in Form von Tabellen und Gleichungen. Bilanz sind wichtige volkswirtschaftliche und betriebliche Planungsinstrumente.

2. Bilanz, buchhalterische Bilanz: tabellarische zweiseitige Gesamtübersicht der wirtschaftlichen Mittel eines Betriebes oder Kombinats in Wertangaben nach ihrer Zusammensetzung (Aktiva) und ihrer Herkunft beziehungsweise Finanzierungsquelle (Passiva) zu einem bestimmten Stichtag; Bestandteil des Jahresabschlusses. Siehe auch volkswirtschaftliche Bilanzen.

Bilanzanalyse: Auswertung buchhalterischer Bilanzen zur Beurteilung von Niveau, Struktur und Entwicklung der materiellen und finanziellen Mittel, der Finanzierung des Betriebes, des Umschlages der wirtschaftlichen Mittel, der Liquidität und Rentabilität des Betriebes. Bilanz der Geldeinnahmen und Geldausgaben der Bevölkerung: Bestandteil des Bilanzsystems zur Planung der Entstehung und Verwendung der Geldeinkommen der Bevölkerung. Die Bilanzanalyse ist ein Mittel zur Abstimmung des Kauffonds der Bevölkerung mit dem Warenfonds, der Planung der Waren- und Geldzirkulation und zur Sicherung der Währungsstabilität. Bilanz des gesellschaftlichen Gesamtprodukts: als Bestandteil des Bilanzsystems Bilanz zur Planung und Analyse der Entwicklung des Aufkommens und der Verwendung des gesellschaftlichen Gesamtprodukts sowie der damit verbundenen Volkswirtschaftichen Grundproportionen; wird als zweiseitige Bilanz und als Verflechtungsbilanz aufgestellt.

Bilanz des Staatshaushaltes: als Bestandteil des Bilanzsystems Bilanz zur Planung der Einnahmen (vor allem aus der volkseigenen Wirtschaft) und der Ausgaben des Staates (vor allem für die Entwicklung der materiell-technischen Basis der Volkswirtschaft, der Entwicklung der gesellschaftlichen Fonds zur Erhöhung des Lebensniveaus und für die Landesverteidigung). Die Bilanz des Staatshaushaltes dient damit der Verwirklichung der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik des Staates.

Bilanzierung: wichtige Methode der Aufstellung von Bilanzen zur Sicherung der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft. Die Bilanzierung erfasst alle wesentlichen Elemente und Zusammenhänge des Reproduktionsprozesses und ermöglicht die Planung und Analyse der volkswirtschaftlichen Proportionen. Die dazu von den Bilanzorganen erarbeiteten volkswirtschaftlichen Bilanzen bilden das Bilanzsystem.

Bilanzorgan: Staats- oder Wirtschaftsorgan, Kombinat oder Betrieb, dem die Bilanzierung als staatlicher Auftrag übertragen wurde.

Bilanzsystem: Gesamtheit der miteinander verbundenen volkswirtschaftlichen Bilanzen für die Sicherung der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft. Im Bilanzsystem unterscheidet man nach der Funktion Berichts- und Planbilanzen; nach dem Aufbau zweiseitige und Verflechtungsbilanzen; nach dem Inhalt der erfassten Größen materielle (zum Beispiel Bilanz des gesellschaftlichen Gesamtprodukts, Erzeugnis Bilanzen), finanzielle Bilanzen (zum Beispiel Bilanz des Staatshaushalts, Bilanz der Geldeinnahmen und Geldausgaben der Bevölkerung) und Arbeitskräftebilanzen. Für die Ausarbeitung und Kontrolle der Durchführung sind die Bilanzorgane verantwortlich.

Bilbao: Stadt im Norden Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Vizcaya und wichtigster Ort des Baskenlandes, am Nervion; 430000 Einwohner; Zentrum des Eisenerzbergbaus und der spanischen Schwerindustrie (besonders Eisen- und NE-Metallurgie); Schiffbau; Automobil-, Zement-, Glas-, Papier- und Möbelindustrie; Erdölraffinerie; Hafen (nur für kleinere Seeschiffe erreichbar) und Außenhafen El Abra, internationaler Flughafen; Bank- und Börsenzentrum; baskische Universität, Handelshochschule. 1300 gegründet; im 19. Jahrhundert wiederholt umkämpft von Liberalen und konservativ-klerikalen Radikalen; 1936/37 Hauptstadt der baskische Republik Euskadi; im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 ein Bollwerk der Republikaner, anschließend Widerstandszentrum gegen die Franco-Diktatur.

Bildaufnahmekamera, Aufnahmekamera, Filmaufnahmekamera, Filmkamera: optisches-mechanisches Gerät zur Aufnahme der Phasenbilder eines Bewegungsvorganges auf einen schrittweise mittels Filmschaltwerks (Greifer) durch einen Filmkanal mit freier Öffnung (Bildfenster) bewegten Kinofilm (siehe auch Film): Die optische Abbildung mittels Aufnahmeobjektivs erfolgt hinter dem Bildfenster auf den stillstehenden Film. Beim Filmtransport wird das Bildfenster durch den Dunkelsektor des Umlaufbeschlusses (rotierende Kreissegmentscheibe) lichtdicht abgedeckt und bei der Belichtung durch den Hellsektor freigegeben. Die Belichtungsdauer beträgt je nach Kameratyp und Hellsektoröffnung maximal 1/30 bis 1/50 s bei einer allgemeinen Bildfrequenz von 24 Bildern/s (bei einer Abweichung von +1 und -0). Handkameras, sogenannt stumme Kameras (ohne Schallschutzgehäuse), werden für Reportagen und zunehmend auch bei Spielfilmaufnahmen eingesetzt, für gleichzeitige Aufnahme von Bild und Schallereignissen geräuscharme Atelier- oder Bildtonkameras, gegebenenfalls auch Handkameras mit schallschluckendem Gehäuse. Außerdem gibt es Spezialkameras für Filmtricks unter anderem, zum Beispiel die Zweipack-Kamera (Bipack-Kamera), bei der 2 Filme gleichzeitig belichtet und fortgeschaltet werden.

Bildbarkeit, Bildbarkeit in der Gruppe: soziales Kriterium der Schulfähigkeit, das durch die Rücksichtnahme auf andere und Durchsetzungsfähigkeit bei der Erarbeitung von Bildungsinhalten gekennzeichnet ist.

bildende Kunst: Sammelbezeichnung im engeren Sinne für Plastik, Malerei, Graphik, Kunsthandwerk, im weiteren Sinne auch für Architektur, angewandte Kunst, industrielle Formgestaltung und künstlerische Fotografie.

Bilderschrift: bildliche Schriftzeichen (realistische oder stilisierte Umrisszeichnungen) zur Wiedergabe von Gedankenzusammenhängen (Ideenschrift) oder Einzelbegriffen (Wortbildschrift), steinzeitlichen Ursprungs; auch bei Naturvölkern; lebt in Verkehrs-, Schaltzeichen und so weiter fort.

Bilderstreit: theologischer Streit, ob die Heiligenbilder (Ikonen) als selbst heilig zu verehren oder als Götzenbilder zu zerstören seien (Bildeisturm). Auf seinem Hintergrund tobten im Byzantinische Reich 726/843 heftige Auseinandersetzungen innerhalb der herrschenden Klasse um die Macht im sich formierenden Feudalstaat, wobei die Kaiser durch Sequestrierung der Kirchenschätze ihre finanzielle Basis konsolidierten. Die Volksmassen nahmen keine einheitliche Position ein. Mit dem Erstarken des Provinzadels, der neuen Konfrontation zwischen Themenaristokratie und Bürokratie und der wachsenden Erkenntnis von der Gefahr mächtiger Volksbewegungen (Thomas der Slawe) wandte sich der größte Teil der herrschenden Klasse vom Bildersturm ab. Viele Werke besonders der Kirchenkunst sind während des Bilderstreit vernichtet worden.

Bildersturm, Ikonoklasmus (lateinisch griechisch): gewaltsames Entfernen und Vernichten der Kirchenbilder im byzantinischen Bilderstreit. In Westeuropa trat Bildersturm in der Reformation (besonders Kalvinismus) auf; er war Ausdruck radikaler frühbürgerlicher Strömungen, führte vielfach zur Vernichtung wertvoller Kunstwerke.

Bildfeldwölbung: geometrischer Abbildungsfehler, der bei der optischen Abbildung außerhalb der optischen Achse liegender Objektpunkte auftritt. Im optischen System, das keinen Astigmatismus hat, wird bei Bildfeldwölbung eine zur Achse senkrechte Objektebene in eine gekrümmte Bildschale abgebildet.

Bildfrequenz, Schaltfrequenz: Zahl der je Sekunde belichteten Phasenbilder eines Kinofilms. Beim Tonfilm beträgt die normale Bildfrequenz 24 Bilder/s, beim Fernsehen 25 Bilder/s. Stimmen die Bildfrequenz von Aufnahme und Wiedergabe überein, so werden die Bewegungsabläufe mit natürlicher Geschwindigkeit wiedergegeben. Bei Zeitrafferaufzeichnung ist die Bildfrequenz geringer (< 16 Bilder/s bis zu 1 Bild je Tag), um (sehr) langsam ablaufende Vorgänge aufzuzeichnen. Bei Zeitlupen- (Zeitdehner-) Aufzeichnung ist die Bildfrequenz größer (> 30 bis 1010 Bilder/s; Bezeichnung Hochfrequenzaufnahmen für Bildfrequenz > 200 Bilder/s) als die Wiedergabe-Bildfrequenz, um (sehr) schnell ablaufende Vorgänge aufzuzeichnen.

Bildmuster: Bild-Positiv eines Films, das vorzugsweise vom Original-Bild-Negativ vor dem Negativschnitt kopiert wurde. Das Bildmuster dient zur Auswahl der Einstellungen für die Arbeits-, Muster- oder Schnittkopie.

Bildnis, Porträt (französisch): Darstellung eines bestimmten Menschen in Plastik, Malerei, Graphik und Fotografie, meist auf die Wiedergabe des Kopfes beschränkt. Besondere Bildnistypen sind die Bildnisbüste (mit Schulterpartie), das Brustbildnis, die Halbfigur, das Kniestück und die Ganzfigur (in der Plastik Standbild). In Malerei und Graphik wird der Porträtierte entweder in Vorderansicht (en face), Seitenansicht (Profil) oder im Halbprofil gegeben. Unterschieden werden weiter das Einzelbildnis (auch als Selbstbildnis), das Doppelbildnis und das Gruppenbildnis.

Bildnisschutz: Verbot der Verbreitung von Personenbildnissen ohne Zustimmung des Abgebildeten; zulässig ist die Verbreitung aber zur Information der Öffentlichkeit über das Zeitgeschehen und bei wissenschaftlichen oder künstlerischen Werken, wenn hierfür ein gesellschaftliches Interesse besteht. Berechtigte Interessen des Abgebildeten müssen in jedem Fall gewahrt bleiben.

Bildplatte, Video Disc: Speichermedium in Systemen zur Wiedergabe von Fernsehprogrammen einschließlich Begleitton, das für den Heimgebrauch das audiovisuelle Gegenstück zur Schallplatte darstellt. Die Bild- und Toninformationen werden dabei als frequenzmodulierte Signale in einer gemeinsamen Spur auf einer kreisplattenförmigen Folie gespeichert. Beim TED-System werden die elektrischen Signale in Tiefenschrift mechanisch auf einer PVC-Folie aufgezeichnet. Dabei entstehen Mikrorillen mit einem wellenförmigen (Tiefen-) Profil, das Abtasten erfolgt über eine Diamantkufe mittels Drucksensors, der das frequenzmodulierte Wellenprofil der Rillen in elektrische Signale zurückwandelt. Für Bildplattendurchmesser von 21 cm liegt die Abspieldauer bei 10 min. Beim VLP-System werden die elektrischen Signale mittels Laserstrahls auf einer metallisierten Plastfolie aufgezeichnet, dabei entstehen mikroskopische Vertiefungen konstanter Breite und Tiefe, deren Längen und Abstände informationsabhängig sind. Zur Wiedergabe wird ebenfalls ein Laserstrahl benutzt, der die Mikrorillen abtastet und nach Reflexion an der Bildplatte entsprechend dem Vertiefungsmuster moduliert ist; die Rückwandlung in elektrischen Signale erfolgt mittels Fotodiode. Für Bildplatte n Durchmesser von 30 cm liegt die Abspieldauer bei 30 min. Weiterhin ist das MDR-System bekannt geworden, bei dem eine Magnetplatte als Speichermedium dient; die Abspieldauer liegt bei 15 min.

Bildröhre, Bildwiedergaberöhre, Fernsehbildröhre: Elektronenstrahlröhre zur Bildwiedergabe im Fernsehempfänger, im engeren Sinne zur unbunten Wiedergabe im Schwarzweißbildempfänger. Diese Bildröhre besteht aus einem hochevakuierten Glasgefäß mit rechteckigem Kolbenboden und rohrförmigem Bildröhrenhals. Auf dem Kolbenboden ist der Leuchtschirm (Bildschirm) aufgebracht, im Hals befindet sich das Elektronenstrahlsystem mit Elektronenquelle (Kathode), Steuerelektrode (für das elektrische Bildsignal) und elektrisches Linsensystem (zur Strahlfokussierung). Das magnetische Ablenksystem aus Spulen wird außen auf die Bildröhre gesteckt und bewirkt die zeilenförmige Strahlführung über den Leuchtschirm, der durch auftreffende Elektronen zum Leuchten angeregt wird. Die Intensitätssteuerung des Elektronenstrahles durch das elektrische Bildsignal ermöglicht so die unbunte Bildwiedergabe auf dem Bildschirm. Zur Wiedergabe farbiger Fernsehbilder dient die Farbbildröhre (Farbfernsehröhre), wobei zunächst die Delta- oder Lochmaskenröhre eingesetzt wurde. Bei ihr sind die Achsen von 3 Elektronenstrahlsystemen im Bildröhrenhals sowie die bei auftreffendem Elektronenstrahl rot, grün oder blau leuchtenden Leuchtstoffpunkte des Bildschirmes (Punkttripel) deltaförmig (im Dreieck) angeordnet. Die Intensität der 3 Elektronenstrahlen wird durch 3 elektrische Farbkomponentensignale gesteuert; als Strahlblende befindet sich vor dem Leuchtschirm eine perforierte Lochmaske. Die Justage der Farbbildröhre erfolgt so, dass die 3 Elektronenstrahlen durch 1 Loch der Maske den entsprechend Leuchtpunkt des Tripels treffen und einen farbigen Bildpunkt erzeugen. Bei der technisch vorteilhafteren Inline-Röhre liegen die Achsen von 3 Elektronenstrahlen nebeneinander in einer Ebene (Inline Anordnung), und der Bildschirm besteht aus einem Raster von nebeneinander verlaufenden vertikalen Leuchtstoffstreifen (Streifentripel); die Ausblendung der Strahlen erfolgt durch eine Gitter- oder Schlitzmaske (Gitter- oder Schlitzmaskenröhre) vor dem Leuchtschirm.

Bildsamkeit: Vermögen einer festen Substanz, auf äußere Kräfte durch Veränderung der Form zu reagieren, ohne dass dabei der Stoffzusammenhalt verlorengeht, zum Beispiel feuchter Ton.

Bildschirmgerät, Sichtanzeigegerät: ein peripheres Gerät von Rechenautomaten, das alphanumerische oder graphische Ausgabe gestattet. Bildsamkeit mit verschiedenen Zusatzgeräten, wie Lichtstift oder Tastatur, eignen sich auch zur Dateneingabe und erlauben einen effektiven Mensch-Maschine-Dialog.

Bildschirmspiel, Telespiel: mit handelsüblichen Fernsehempfänger gekoppeltes Spielgerät (Spielarten Tennis unter anderem); besteht aus dem Koder zum Erzeugen von Spielfeldmarkierungen und Lichtflecksymbolen auf dem Bildschirm sowie aus einem oder mehreren Bediengeräten zur Steuerung der Größe, Form und Lage der Spielfeldmarkierungen sowie der Richtung und Geschwindigkeit der Lichtflecksymbole.

Bildspeicherröhre: 1. Fernsehaufnahmeröhre.

2. Elektronenstrahlröhre mit besonders langer Nachleuchtzeit des Bildschirmes; Anwendung unter anderem in der elektrischen Messtechnik und in der Radartechnik.

Bildstandsfehler: Abweichungen aufeinanderfolgender Phasenbilder eines Kinofilms von der Solllage, hervorgerufen durch mangelnde Maßhaltigkeit des Schichtträgers oder mechanischen Gerätefehler (Bildaufnahmekamera, Projektor unter anderem). Es werden Höhen- und Seitenbildstandsfehler unterschieden.

Bildstrich: der Abstand zwischen dem unteren Bildrand eines (Film-) Phasenbildes und dem oberen Bildrand des darauffolgenden Phasenbildes.

Bildtelegrafie: Übertragung unbewegt. Bilder über Kabel oder per Funk (Bildfunk) mittels Bildtelegrafen. Die auf eine Trommel gespannte Bildvorlage wird mit einem Lichtstrahl punktweise abgetastet, die reflektierten Helligkeitswerte werden durch eine Fotozelle in elektrischen Signale umgewandelt, eventuell einem Träger ausmoduliert und zum Empfänger übertragen; hier belichtet ein durch die Empfangssignale gesteuerter Lichtstrahl einen auf eine Trommel gespannten Film oder aufgespanntes Fotopapier (Schwarzweißwiedergabe); sende- und empfangsseitige Trommel müssen synchron bewegt werden.

Bildtelegramm: telegrafisch übermittelte Bildvorlage in Schwarzweißdarstellung.

Bildteppich: Wandteppich mit bildliche Darstellung, meist gewirkt; schon seit dem Altertum, besonders aber seit dem späten Mittelalter hergestellt, wobei Flandern mit Brüssel der Mittelpunkt war. Seit dem 17. Jahrhundert nach der Pariser Manufaktur Gobelin genannt.

Bildung: im einheitlichen pädagogischen Prozess diejenige Seite der Persönlichkeitsentwicklung, die auf die Vermittlung und aktive Aneignung von Wissen (Kenntnissen, Erkenntnissen, Einsichten), Können (Fähigkeiten, Fertigkeiten, Gewohnheiten) und Erfahrungen bezogen ist. Umfang und Stabilität der B, beeinflussen entscheidend das Niveau der geistigen und praktischen Tätigkeit der Persönlichkeit. Siehe auch Erziehung.

Bildungsenthalpie: Wärmemenge, die bei der Bildung einer chemischen Verbindung aus den Elementen bei konstantem Druck aufgenommen oder abgegeben wird. Die Bildungsenthalpie ist temperaturabhängig und wird meist auf die Bildung eines Mols Substanz bezogen (molare Bildungsenthalpie).

Bildungsentropie: die bei der Bildung einer chemischen Verbindung aus den Elementen auftretende Entropieänderung. Die molare Bildungsentropie bezieht sich auf die Bildung von einem Mol Substanz bei 25 °C und kann gemäß AG =AHTAS (AG = freie Bildungsenthalpie, AH = Bildungsenthalpie, T = Kelvin-Temperatur, AS = Bildungsentropie) zur Berechnung freier Bildungsenthalpien von Stoffen benutzt werden.

Bildungsfernsehen: Einrichtung des Fernsehens zur Unterstützung der schulischen Ausbildung der Heranwachsenden und zur Förderung der Erwachsenenqualifizierung. Bildungs- und Erziehungspläne der Schüler bei und fordert durch die Vermittlung vielseitiger allgemeiner- und spezialbildender Kenntnisse in wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Sendungen die Weiterbildung der Werktätigen.

Bildungsgewebe, Teilungsgewebe, Meristem (griechisch): Verband undifferenzierter, plasmareicher und zartwandiger Zellen im Pflanzenkörper, die teilungsfähig bleiben und aus denen die verschiedenartigen Dauerzellen hervorgehen. Siehe auch Blastem.

Bildverstärkerröhre: Sonderform des Bildwandlers zur (bis zu mehrtausendfachen) Helligkeitssteigerung des Eingangsbildes im gleichen Spektralbereich nach elektronischer Verstärkung.

Bildwand: im Allgemeinen rechteckige ebene oder horizontal gekrümmte weiße oder metallisierte Fläche für Kine- oder Stehbildprojektion mit einem Breiten Höhen-Verhältnis von 1,375 :1 bis 3 :1 je nach Filmwiedergabeverfahren. Die meisten Bildwände bestehen aus Kunststofffolien mit textilem Grundmaterial, sind perforiert (damit schalldurchlässig), geriffelt oder mit Prägungen versehen.

Bildwandler, Bildwandler Rohre: 1. Elektronik - spezielle Elektronenstrahlröhre, die eine unsichtbare (Infrarot-Bildwandler, Röntgen-Bildwandler) optische Abbildung in ein sichtbares Bild wandelt. Der Bildwandler besteht aus Fotokathode, elektronenoptische Linsensystem, elektrisches Beschleunigungsfeld und Leuchtschirm. Siehe auch Bildverstärkerröhre.

2. Polygraphie: Gerät, mit dem unter Ausnutzung der Phosphoreszenz-Auslöschung fotografischer Negative positiv oder Positive negativ zu sehen sind.

Bildwerferraum: vom Zuschauerraum getrennter Raum in einem Filmtheater zum Betrieb stationärer Filmwiedergabeanlagen. Der Bildwerferraum enthält die Filmprojektoren, einen Diapositivprojektor für die Werbung, Tonverstärkeranlagen, Filmumrolleinrichtungen, Entlüfter unter anderem.

Bilharziose: (nach T. Bilharz) Schistosomiasis (griechisch) in Afrika, insbesondere Ägypten, und Ostasien verbreitete Wurmerkrankung des Menschen, hervorgerufen durch Pärchenegel, übertragen beim Baden und durch infiziertes Trinkwasser. Je nach Erregerart Befall von Harnwegen mit Blasenschmerzen und blutigem Harn, Darm mit ruhrähnlicher Erscheinungen sowie Leber und Milz mit Leberschrumpfung.

Bilingue: (lateinisch, «zweizüngig») Inschrift oder Handschrift mit zweisprachigem Text.

Bilinguismus: Zweisprachigkeit; Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, 2 Sprachen gleich oder annähernd gleich gut zur Kommunikation zu verwenden.

Bilirubin: ein Gallenfarbstoff, der bei Reduktion von Biliverdin entsteht. Man unterscheidet freies («indirektes») und konjugiertes («direktes») Bilirubin.

Bilirubinurie: Auftreten des Gallenfarbstoffs Bilirubin (wasserlöslicher Anteil) im Harn bei Leber- und Gallenwegerkrankungen mit erhöhtem Bilirubingehalt des Blutes (Gelbsucht); bierbrauner Harn mit gleichfarbigem Schüttelschaum.

Biliverdin: ein Gallenfarbstoff, der beim Hämoglobinabbau entsteht.

Bilkenroth, Georg, 24.2. 1898-20. 4. 1982, Bergingenieur, entwickelte zusammen mit E. Rammler die Braunkohlenhochtemperaturverkokung zur Herstellung von Ferngas und BHT-Koks.

Bill: in Großbritannien jedes offizielle Schriftstück, insbesondere der im Parlament eingebrachte Gesetzesvorschlag, der nach Annahme im Unter- und Oberhaus vom König (Königin) unterzeichnet und damit zum Gesetz (Act) erhoben wird.

Billard- Carambolage: internationale Form des Billardspieles in verschiedenen Spielarten (mit entsprechend Sonderregeln) jeweils zwischen 2 Spielern. Das tischähnliche Spielgerät, das Billard, hat international (Matchbillard) eine Spielfläche von 2,845 m x 1,4225 m. Die Bälle (1 roter, 2 weiße) aus Kunststoffen oder Elfenbein haben 61 bis 61,5 mm Durchmesser.

Bienenfresser, Spinte, Meropidae: bunte Rackenvögel Afrikas, Südasiens und Australiens, auch in Südeuropa; hervorragend fliegende Insektenjäger; graben in Erdwände Niströhren. Der 28 cm lange Bienenfresser (Merops apiaster) Südeuropas legt 5 bis 6 reinweiße Eier, Zugvogel.

Bienenkrankheiten: infektiöse und nichtinfektiöse Erkrankungen bei Bienen; als Folgeerscheinung tritt das Absterben von Bienenvölkern und Ertragsausfall auf. Man unterscheidet Krankheiten der Brut, Krankheiten der erwachsenen Bienen und Krankheiten durch Bienenschädlinge.

Bienenlaus, Braula coeca: eine flügellose 1 mm lange Fliegenart, die auf Honigbienen lebt; die Larven entwickeln sich in Bienenwaben.

Bienenstich: Hefekuchen mit Belegmasse aus Mandel oder Nuss, Butter oder Margarine, Milch, Zucker, (Kunst-) Honig.

Bienenwachs: zum Wabenbau verwendetes gelbbraunes Ausscheidungsprodukt der Honigbiene. Hauptbestandteil des Bienenwachses ist der Palmitinsäureester des Myrizylalkohols; C15H31COOC31H63. Bienenwachs löst sich in Fetten, Benzin und Chloroform; F 60° bis 63 °C. Durch Schmelzen der Waben wird das rohe Bienenwachs erhalten und danach mit Schwefelsäure, Wasserstoffperoxid u. ä. gebleicht. Bienenwachs wird zum Beispiel für Bohnermasse, Schuhkrem, Skiwachs und Kerzen verwendet.

Bienenwolf: 1. Bienenwolf, Philanthus triangulum: 16 mm lange Art der Grabwespen, die besonders Bienen durch Stiche lähmt und als Larvennahrung in unterirdische Bruthöhlen trägt.

Bilsenkraut: giftiges Nachtschattengewächs mit gelblich-violett geaderten Blüten; Arzneipflanze.

Biluxlampe: («Doppellicht») international genormte Lampe für Kfz Scheinwerfer mit 2 wahlweise schaltbaren Glühfäden für Fern- und Abblendlicht.

Bimberg, Siegfried, geboren 5. 5. 1927, Komponist, Musikwissenschaftler und Chorleiter;. seit 1964 Professor an der Martin-Luther-Universität Halle; schrieb Kantaten, Chöre, Kinder- und Jugendlieder und veröffentlichte Schriften über Musikästhetik, -Psychologie und -erziehung; Gründer und langjähriger Leiter der «Hallenser Madrigalisten».

Bimetall: ein Blechstreifen aus 2 durch Löten, Schweißen oder Walzen verbundenen Metallschichten mit unterschiedlichen Temperaturkoeffizienten. Die Krümmung des Bimetalls bei Erwärmung wird zur Anzeige in Messwerken oder in Bimetallmechanismen zum (Ab-)Schalten von Stromkreisen genutzt.

Bimetall Mechanismus: Sammelbegriff für thermische Bimetall-Relais und -auslöser. Das Bimetall-Relais wird als Befehlsschalter mit schleichender oder sprunghafter Kontaktgabe oder als Regler (Bimetallregler) eingesetzt. Bimetallauslöser dienen als Überstromauslöser für Geräte und Maschinen.

Bimsstein: («Schaumstein») graues, schaumiges, poröses, vulkanisches, durch Entgasung entstandenes Gestein. Vorkommen unter anderem bei Neuwied am Rhein. Verwendung als Leichtzuschlagstoff für Beton, Schleif- und Poliermittel und Seifenzusatz.

Binärkampfstoffe: chemische Kampfstoffe, bestehend aus 2 relativ wenig giftigen Ausgangskomponenten, die erst während des Fluges eines Geschosses miteinander zur Reaktion gebracht werden. Binärkampfstoffe erleichtern einem Aggressor die Verschleierung chemischer Kriegsvorbereitung.

Binärsignal: zweiwertiges Signal (zum Beispiel 0- und 1-Signal); Binärsignal sind die grundlegenden Signale elektronischer digitaler Schaltungen und Schaltkreise. Sie lassen sich besonders leicht realisieren, weil die aktiven Bauelemente im Schalterbetrieb arbeiten und nur 2 Zustände unterschieden werden müssen (zum Beispiel Schalter ein beziehungsweise aus).

Binärverschlüsselung: Darstellung von Ziffern, Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen im dualen Zahlensystem mit den Ziffern 0 und 1 (auch 0 und L beziehungsweise L (englisch low, niedrig) und H (englisch high, hoch)). In der Praxis wird für ein alphanumerisches Zeichen (Buchstabe oder Ziffer) meist ein 8-Bit-Kode verwendet, zum Beispiel der EBCDIC (extended binary-coded-decimal interchange code, binärkodierter Dezimalkode) in EDVA des ESER Für reine Ziffernrechner finden unter anderem die direkte Verschlüsselung (Dual-Kode), der Aiken-Kode und die Drei-Exzeß-Verschlüsselung Anwendung.

Bindegewebe: verschieden gestaltetes Gewebe, das aus Zellen und Interzellularsubstanz (Zwischenzellensubstanz, Grundsubstanz) besteht. Bindegewebe umhüllt Organe, verbindet sie miteinander, besitzt Stützfunktionen, erfüllt verschiedene Stoffwechselleistungen und Abwehrreaktionen. entsprechend der Differenzierung der Zellen werden embryonales Bindegewebe, gallertiges Bindegewebe, retikuläres Bindegewebe, Fettgewebe, fibrilläres Bindegewebe, lockeres Bindegewebe, straffes Bindegewebe, Knorpelgewebe und Knochengewebe unterschieden.

Bindegewebemassage: am Unterhautbindegewebe angreifende Massage zur reflektorischen Beeinflussung der zugeordneten inneren Organe; angewendet bei Funktionsstörungen und organische Erkrankungen.

Bindehaut, Konjunktiva: Schleimhaut an der Innenfläche der Augenlider und der äußeren Augenhaut (Lederhaut). Beide Abschnitte gehen ineinander über und bilden damit den Bindehautsack, in den die Tränendrüse ausmündet.

Bindehautentzündung, Konjunktivitis (lateinisch + griechisch): Erkrankung der Augenschleimhaut; verursacht durch chemische Reize, UV-Strahlen, Viren und Bakterien.

Bindemittel: Bautechnik Stoffgemische, die nach dem Verarbeiten erstarren und erhärten und Werkstoffe, Zuschlagstoffe unter anderem miteinander verbinden. Anorganische Bindemittel hydratisieren unter Wasserzusatz; man unterscheidet nichthydraulische Bindemittel, die in der Luft abbinden, aber nicht unter Wassereinwirkung beständig sind (Magnesia, Misch-, Anhydritbinder, Branntkalke, Gips unter anderem), hydraulische Bindemittel (Zement, kalkarme Kalkhydrate), die mit Wasser erhärten und wasserbeständig sind und latent hydraulische Bindemittel (zum Beispiel Trass), die unter Zusatz von Anregern abbinden. Organ. Bindemittel binden bei Abkühlung (Asphalt, Bitumen), Verdunstung des Lösungsmittels (Klebstoffe) oder nach Polymerisation (Harze, trockene Öle) ab Siehe auch Abbinden.

Binden, fadenloses - fadenloses Binden. Bindenwaran, Varanus salvator: bis 3 m langer, am Wasser lebender, südostasiatischen Waran.

Bindequote: Buchbinderei die vom Auftraggeber bestimmte Anzahl der zu bindenden Bücher eines Auftrages. Die meist höhere Gesamtdruckauflage wird entsprechend den Absatzmöglichkeiten in mehreren Teil-Bindequoten aufgebunden.

Binder: 1. Ziegel im Mauerverband.

2. Dachtragwerk, das die Gebäudetiefe überspannt und die Dachlast aus Eigenmasse, Schnee und Wind übernimmt und dessen Form sich aus der Dachform, der Neigung und Stützweite ergibt. Binder aus Holz,-Stahlbeton (auch vorgespannt), Stahl oder Leichtmetall können je nach Ausführung und System auf festem oder gleitendem Lager über massiven Wänden oder Stützen aufliegen und übernehmen die Last eines Binderfeldes. Für Steildächer eignet sich der Dreieckbinder, für flache Neigung der Balkenbinder mit gitterartigem Tragwerk oder Vollquerschnitt (Stahlbetonbinder). Der Rahmenbinder hat bis zu 100 m Spannweite. Beim Gratbinder des Walmdaches bildet der Obergurt den Grat.

Bindestrich, Zeichen: Schreibzeichen mit zwei Hauptfunktionen;

a) Ergänzungsbindestrich steht in Zusammensetzungen für den nur einmal angegebenen gemeinsamen Bestandteil, zum Beispiel In- und Auslaut;

b) Erläuterungsbindestrich trennt mehrteilige Wörter der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit wegen, zum Beispiel Pro-Kopf-Leistung.

Bindigkeit: 1. Wertigkeit von Atomen, die homöopolare Bindungen eingegangen sind (Atomwertigkeit). Die Bindigkeit ist gleich der Anzahl der einem Atom zuzuordnenden bindenden Elektronenpaare, zum Beispiel ist der Sauerstoff im 02-Molekül 2bindig, der Stickstoff im Nj-Molekül 3bindig, der Kohlenstoff im CH4-Molekül 4bindig.

2. Eigenschaft eines Bodens, auf Grund seines Tongehaltes die feinen Bodenteilchen zusammenzuhalten. Eine hohe Bindigkeit bedeutet eine schwierige Bearbeitung.

Bindung: 1. Fechten: Klingenverhältnis, bei dem die gegnerische Klinge durch Wegdrücken beherrscht wird.

2. Physik: Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit mechanischer Systeme durch vorgegebene Kurven oder Flächen im Raum beziehungsweise bestimmte Verbindungen der Massenpunkte untereinander, oder allgemeiner durch eventuell zeitabhängige Hyperflächen im Phasenraum des Systems. Die Bindung heißt skleronom, das heißt starr, wenn sie zeitunabhängig beziehungsweise rheonom, das heißt fließend, wenn sie zeitabhängig ist. Die Bindung ist Ursache für das Auftreten von Zwangskräften.

3. Skisport: Skibindung.

4. Textiltechnik: a) Weberei - Verkreuzung der Kett- und Schussfäden; es gibt 3 Grundbindung (Leinwand-, Köper-, Atlasbindung);

b) Wirkerei Vereinigung der einzelnen Maschen (Maschenbindung);

c) Flechten Verschränken und Kreuzen der Flechtelemente.

Bindungsenergie: Differenz zwischen der Energie eines aus mehreren Teilsystemen bestehenden gebundenen Systems und der Summe der Einzelenergien der Teilsysteme, wenn letztere unendlich weit voneinander entfernt sind. Bindungsenergie wird frei, wenn sich freie Atome zu einem Molekül oder Festkörper beziehungsweise freie Nukleonen zu einem Atomkern vereinigen; dort als Massendefekt messbar.

Bingelkraut, Mercurialis: Gattung der Wolfsmilchgewächse; das ausdauernde Wald-Bingelkraut (M. perennis) gedeiht in Laubwäldern, das Einjährige Bingelkraut (M. annua) auf Äckern und Ruderalstellen.

Binnenfischerei: fischereil. Nutzung von Teichen (Teichwirtschaft), Seen, Flüssen, Stauseen und Anlagen zur industriemäßigen Fischproduktion. Die Erträge der Karpfenteiche liegen bei 1000 kg/ha und die der Seen bei 50 kg/ha. Wachsende Bedeutung erlangt die Produktion pflanzenfressender Fischarten (Amur-, Silber- und Marmorkarpfen). Die Forellenproduktion wird vor allem in Netzkäfig- und Rinnenanlagen vorgenommen. Industriemäßige Anlagen, die meist das warme Kühlwasser von Kraftwerken nutzen, dienen vorrangig der Satzfischproduktion.

Binnengewässer, Eigengewässer: Gewässer, die sich landeinwärts der Basislinie der Territorialgewässer befinden. Sie sind Bestandteil des jeweiligen Staatsgebietes. Zu den Binnengewässer gehören zum Beispiel Flüsse, Seen, Kanäle, Binnenmeere, die inneren Seegewässer (Haffe, Bodden, Wattenmeere und so weiter) sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch Buchten.

Binnenhandel: Wirtschaftsbereich, in dem der wesentlichste Teil der Warenzirkulation innerhalb der Grenzen einer Volkswirtschaft vollzogen wird; siehe auch Handel.

Binnenland: küstenfernes Festland, das sich vor allem durch eine charakteristische Ausprägung seines Klimas und seiner Pflanzenwelt von küstennahen Gebieten unterscheidet, zum Beispiel die ungarische Tiefebene.

Binnenmeer: allseitig von Land umgebenes, in einen Erdteil eingelagertes, Meer mit schmaler Verbindung zum Ozean, zum Beispiel Hudsonbai.

Binnenschifffahrt: Verkehr auf Kanälen, Flüssen oder Binnenseen; dient vorwiegend dem Transport von Massengütern (Erz, Kohle, Baustoffe, Holz unter anderem) und der Personenbeförderung. Die Binnenschifffahrt geschieht zunehmend mit Schubverbänden, die gegenüber Schleppverbänden eine höhere Wirtschaftlichkeit gewährleisten. Die Binnenfahrgastschifffahrt dient hauptsächlich dem regionalen Ausflugverkehr.

Binnentief: Bautechnik tiefer, teichartig erweiterter Sammelgraben vor dem Siel.

Binnenwährung: Geldzeichen einer nationalen Währung, die entsprechend den devisenrechtlichen Bestimmungen nur auf dem Binnenmarkt zirkulieren dürfen, das heißt weder ihre Ein- noch Ausfuhr sind erlaubt.

Binnenwanderung: räumliche Bevölkerungsbewegung als Zu- und Abwanderung von und nach Gemeinden innerhalb eines Staates. Die Binnenwanderung verändert die Zahl, die Alters-, Berufs- und Geschlechtsstruktur der Bevölkerung eines Territoriums. Ihr Einfluss wird unter anderem durch Wanderungssalden beurteilt (Differenz der Zu- und Wegzüge, zum Teil nach Alters- und Geschlechtsangaben untergliedert). Hauptmotive der Binnenwanderung sind Verbesserungen der Wohn-, Arbeits- und Einkommensbedingungen, der Qualifizierung, familiäre Bindungen. Wanderungsströme geben bevorzugte Richtungen der Umverteilung an. In sozialistischen Ländern ist die planmäßige Lenkung der Binnenwanderung für die ökonomische Entwicklung von Territorien wichtig. In kapitalistischen Ländern ist die Binnenwanderung vor allem eine Folge von Unterschieden im Einkommens- oder Lebensniveau, die sich zwischen den Wirtschaftsgebieten herausbilden.

binokular: für das beidäugige Sehen eingerichtet (siehe auch Binokularsehen). Bei binokularen Fernrohren und den binokularen Stereomikroskopen wird räumliches Sehen erreicht.

Binokularsehen: physiologischer Vorgang, bei dem die Seheindrücke beider Augen zu einer Wahrnehmung verknüpft werden. Das Binokularsehen ist Voraussetzung für das echte Stereosehen. Die Verschmelzung der optischen Erregungsvorgänge vom rechten und linken Auge heißt Fusion. Die Behandlung des gestörten Binokularsehen, meist eine Folge des Schielens, erfolgt durch Pleoptik-Orthoptik.

Binomialverteilung, Bernoulli’sche Verteilung (nach D. Bernoulli): Verteilung einer diskreten Zufallsgröße £, die das fc-malige Auftreten und (n fc)-malige Nichtauftreten eines zufälligen Ereignisses A bei n unabhängigen Wiederholungen eines Versuches beschreibt. Bei jeder Wiederholung dieses Versuches kann dabei A mit der Wahrscheinlichkeit p (0 < p < 1) eintreten und mit der Wahrscheinlichkeit q = 1 p nicht eintreten.

Binsengewächse, Juncaceae: Familie grasartiger Pflanzen mit unscheinbaren, windbestäubten Blüten; hierzu gehören die Feuchtigkeit liebende Gattung Binse (Juncus) mit stielrunden Blättern, und Halmen, zum Beispiel Knäuelbinse, und die Gattung Hainsimse (Luzula) mit grasartigen Blättern, zum Beispiel Waldsimse.

Biochemie: Grenzgebiet zwischen Biologie und Chemie; Wissenschaft von der chemischen Zusammensetzung lebender Systeme, den in ihnen ablaufenden Stoffumwandlungen und der Regulation des Stoffwechsels. Sie gliedert sich in allgemeine Biochemie, Biochemie des Menschen (Patho-Biochemie, klinische Biochemie, Ernährungsbiochemie), Biochemie der Nutztiere, Biochemie der Pflanzen, Biochemie der Mikroorganismen und technische Biochemie. Die physiologische Chemie ist das entsprechend Lehrfach im medizinischen Studium, das häufig synonym angewendet wird, aber nur ein Teilgebiet der Biochemie als Anwendung auf den Menschen umfasst. Die Biochemie als Wissenschaft entstand im 19. Jahrhundert zunächst aus Physiologie und Chemie. In dieser Zeit setzte sich allmählich die Auffassung durch, dass den biologischen Prozessen chemische Reaktionen zugrunde liegen. Im 20. Jahrhundert nahm die Biochemie einen bedeutenden Aufschwung; sie ist ein Wissensgebiet, das sich an führender Stelle an der Wissensexplosion beteiligt und zahlreiche neue Forschungsgebiete eröffnet hat.

Bioelektrizität: elektrische Erscheinungen an Lebewesen, zuerst beschrieben von Luigi Galvani (1737-1798). Bioelektrische Potentiale bestehen ständig an Zellmembranen (Membranpotentiale). Ursache sind ungleiche Ionenkonzentrationen im Zellinneren und außerhalb der Zelle, die durch Ionen«pumpen» aufrechterhalten werden. Messungen bioelektrischer Potentiale finden breite Anwendung in der Medizin, zum Beispiel Elektrokardiographie, Elektromyographie und Elektroenzephalographie.

Bioenergetik: Teilgebiet der Biophysik, das die stofflichen Umwandlungen untersucht, die sich unter Veränderung des Energiegehaltes vollziehen.

Biogas-Faulgas: durch bakterielle Umsetzung (Methangärung) organische Stoffe, wie zum Beispiel Dung, Wirtschaftsabfälle, bei 30 bis 32 °C entstandenes Gas, das in Biogas-Faulgasanlagen landwirtschaftliche Großbetriebe und Kläranlagen (Klärgas) gewonnen und als Heiz- und Treibgas verwendet wird. Es besteht aus etwa 60% Methan, 40% Kohlendioxid und enthält Spuren von Wasserstoff und Schwefelwasserstoff; gewinnt als Energiequelle zunehmend an Bedeutung.

biogene Amine: biologisch aktive Verbindungen, die durch Decarboxylierung aus Aminosäuren entstehen (zum Beispiel Histamin aus Histidin). Biogene Amine wirken als Gewebshormone oder Neurotransmitter und sind Bestandteile von Alkaloiden. Biogene Amine entstehen postmortal im Gewebe.

biogene Entkalkung: Ausfällung von Kalziumkarbonat aus kalzium-bicarbonathaltigem Wasser infolge Kohlensäureentzug durch Assimilation der Pflanzen.

Biogenese: Teilgebiet der biologischen Formenlehre, untersucht die Frage nach dem Ursprung des Lebens auf der Erde. Für die Fundierung der Biogenese werden Ergebnisse der vergleichenden Biochemie herangezogen.

biogene Sedimente, Biolithe: Gesteine, die völlig aus Pflanzen- (Phytolithe, zum Beispiel Kohlen) oder Tierresten (Zoolithe, zum Beispiel Korallenkalk) bestehen.

biogenetische Grundregel: von E. Haeckel 1866 formulierte Regel, nach der die Entwicklung eines Lebewesens (Ontogenese) eine abgekürzte und schnelle Wiederholung der Stammesgeschichte (Phylogenese) der betreffenden Art darstellt. Für die Beurteilung der Phylogenese sind nur die Palingenesen geeignet, das heißt Bildungen bei Embryonen und Jugendformen, die einem erwachsenen Ahnenzustand entsprechen (zum Beispiel Anlage des primären Kiefergelenkes bei Säugetieren). Caenogenesen sind Anpassungen an die speziellen Bedingungen der Keimesentwicklung.

Biogeochemie: Teilgebiet der Geochemie, das den Einfluss der Lebewesen auf die Verteilung der chemischen Elemente an der Erdoberfläche (Biosphäre) erforscht. Biogeochemische Vorgänge können zur Lagerstättenbildung führen (zum Beispiel Kupferschiefer). Ein Anwendungsgebiet der Biogeochemie ist die biogeochemische Prospektion. Die Biogeochemie wurde von W. J. Wemadski begründet.

Biogeographie: Teilgebiet der Biologie, das sich mit der Verbreitung der Lebewesen auf der Erde befasst; Unterteilung in Tier- und Pflanzengeographie.

Biogeophysik: Wissenschaft vom Einfluss geophysikalischer (elektrische, magnetische, gravimetrische) Felder auf Existenzbedingungen und Erscheinungsformen der lebenden Materie.

Biogeozönose: System von Biotop und Biozönose, das Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und in ihren Beziehungen zu abiotischen Faktoren umfasst. Der Begriff Biogeozönose wird in der Synökologie verwendet.

Biographie: Lebensbeschreibung; wissenschaftliche Biographien gab es bereits im Altertum (Plutarch, Sueton, Tacitus); später entstanden auch künstlerische literarischer Biographien, oft in der Form des biographischen Porträts, das das Lebensbild hervorragender Persönlichkeiten zeichnet. Die Biographie schafft seit dem 19. Jahrhundert auch Übergänge zum epischen Typ des historisch-biographischen Romans, der von biographische Fakten ausgehend Werden und Wirken geschichtliche Gestalten aus der Sicht des Autors vorstellt (H. Mann, T. Mann, L. Feuchtwanger, R. Schuder unter anderem).

biographische Methode: sozialwissenschaftliche Forschungsmethode zur Gewinnung von Daten und Aussagen aus persönlichen Dokumenten und Äußerungen (Lebensläufe, Tagebücher, Briefe, Erinnerungen) über die soziale Wirklichkeit, über eigene Handlungen, Erlebnisse und Empfindungen. Die Aufbereitung für wissenschaftliche Zwecke erfolgt mit Hilfe der Inhaltsanalyse.

Bioindikatoren, Zeigerarten, Indikator-Organismen: Organismen mit speziellen Umweltansprüchen, aus deren Vorkommen oder Fehlen in einem Biotop entsprechend Umweltqualitäten angezeigt werden (zum Beispiel Flechten als Indikatoren für Schwefeldioxid). Siehe auch Halobionten.

Bioklimatologie, Biometeorologie: Zweig der angewandten Meteorologie; untersucht Einfluss von Wetter und Klima auf Lebensfunktionen, besonders des Menschen.

Bioko: Insel vulkanischen Ursprungs im Golf von Guinea, zu Äquatorial-Guinea; früher Fernando P6o; 2017 km2, 70000 Einwohner; bis 3008 m hoch; feuchttropisches Klima; tropischer Regenwald und Savanne; Kakao-, Kaffee-, Bananenplantagen. An der Nordküste liegt die Hauptstadt Malabo. Bioko bildet zusammen mit der Insel Pagalu eine Provinz. 1469 von dem portugiesischen Seefahrer Fernao do Po entdeckt.

Biokommunikation: Austausch von optischen, akustischen und chemischen Signalen zwischen Lebewesen. Sie werden vom Gesichts-, Gehör- und Geruchssinn und den angeschlossenen Verarbeitungszentren im Gehirn des Empfängers aufgenommen und bewirken entsprechend Reaktionen gegenüber dem Artgenossen.

Biokybernetik: wissenschaftliche Disziplin; Anwendung kybernetische Prinzipien auf biologischer Systeme. Die Biokybernetik dient der mathematischen Formulierung beziehungsweise Modellierung biologischer Regelsysteme.

Biologie: Wissenschaft vom Leben und den Lebewesen. Sie erforscht die Gesetzmäßigkeiten der lebenden Systeme, Ursprung, Entwicklung, Eigenschaften und Vielfalt der Lebensformen und erschließt Methoden zur Veränderung und Nutzbarmachung der Organismen entsprechend den Bedürfnissen des Menschen. Die allgemeine Biologie befasst sich mit den grundlegenden Erscheinungen und Gesetzmäßigkeiten des Lebens. Morphologie und Anatomie untersuchen den Bau des Körpers und seiner Teile, Embryologie und Entwicklungsphysiologie die Vorgänge der Ontogenese. Die Paläontologie studiert die Lebewesen der Vorzeit. Die Biochemie untersucht den stofflichen Aufbau und die Reaktionen im molekularen Bereich, die Biophysik die physikalischen Prozesse im Organismus und die Wirkung physikalischer Faktoren auf ihn. Das Verhalten der Tiere untersucht die Ethologie, die Funktionen des Organismus und seiner Teile die Physiologie. Die Genetik erforscht die Gesetzmäßigkeiten der Vererbung. Die Abstammungslehre (Deszendenztheorie) ist die umfassendste biologische Theorie; ihr Gegenstand sind die Entwicklung der Lebewesen im Verlaufe der Erdgeschichte (Phylogenetik) und die Ursachen der Entwicklung (Evolutionsfaktoren). Die Ökologie behandelt die Wechselbeziehungen zwischen Organismus und Umwelt, die Biogeographie die Verbreitung der Pflanzen (Pflanzengeographie, Geobotanik) beziehungsweise der Tiere (Tiergeographie, Zoogeographie) und ihre geographisch bedingte Veränderung. Die Systematik oder Taxonomie benennt und klassifiziert die Lebewesen entsprechend ihren Verwandtschaftsbeziehungen.

- Die spezielle Biologie untersucht einzelne Organismengruppen, zum Beispiel Ornithologie, Entomologie, Mykologie. Die angewandte Biologie trägt unmittelbar zur Lösung praktischer Aufgaben in Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, im Gesundheitswesen und in der chemischen Industrie bei. Verschiedene Wissenschaften, die im weiteren Sinne zur Biologie gehören, sind wegen ihrer Bedeutung von der Biologie abgetrennt, zum Beispiel Human-, Veterinärmedizin, Landwirtschafts-, Forstwissenschaft, Anthropologie, bestimmte Bereiche der Pharmazie.

- Die Forschung in der Biologie benötigt in zunehmendem Maße Hilfsmittel anderer Naturwissenschaften, zum Beispiel mathematischer Methoden, elektronischer Geräte. Andererseits erlangen Grenzgebiete zu den anderen Naturwissenschaften wie Biochemie und Biophysik immer größere Bedeutung bei der Erforschung der Lebensprozesse. Geschichtliches. Die biologischen Kenntnisse des Altertums fasste Aristoteles zusammen, indem er in seinen Schriften über die Entstehung und Geschichte der Tiere den Versuch unternahm, die ihm bekannten annähernd 500 Tierarten systematisch zu ordnen; seine Lehren dominierten bis ins 18. Jahrhundert. Die erste einheitliche Klassifizierung der Organismen schuf K. von Linné 1735. Die Zellulartheorie wurde 1839 endgültig durch T. Schwann formuliert. 1859 erschien C. Darwins Werk «Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl», das den Beginn der wissenschaftlich fundierten Abstammungslehre darstellt. Damit treten materialistische Auffassungen in der Biologie immer mehr in den Vordergrund, idealistische Konzeptionen, zum Beispiel Vitalismus, spielten nur zeitweilig eine Rolle.

biologische Kampfmittel: als Massenvernichtungsmittel eingesetzte krankheitserregende Mikroorganismen (wie Viren, Bakterien, Pilze) sowie deren Toxine, Überträger und technische Einsatzmittel. Biologisches Kampfmittel wirken auf den Menschen direkt (über Atmungsorgane, Schleimhäute, Magen-Darm-Kanal und so weiter) oder indirekt (Übertragung durch geschädigte Pflanzen und Tiere) und rufen Infektionserkrankungen hervor, die sich auf eine große Anzahl von Menschen ausbreiten und zu Epidemien führen können.

biologisches Alter: am menschlichen Leistungsvermögen gemessenes Alter; differiert oft zum kalendarischen Alter, zum Beispiel bei «Voralterung».

biologische Schädlingsbekämpfung: Verwendung von Viren, Phagen, Bakterien, Raubmilben, Insekten, Vögeln unter anderem zur völligen oder teilweisen Vertilgung von Schädlingen an Kulturpflanzen; Bestandteil des integrierten Pflanzenschutzes.

biologisches Gleichgewicht, biozönotisches Gleichgewicht: dynamischer Gleichgewichtszustand in einer Lebensgemeinschaft, der die Stabilität seiner verschiedenen Populationen erhält, wenn nicht durch Katastrophen (zum Beispiel Feuer) oder durch menschliche Eingriffe (z. Kultivierung) das System zerstört wird. Siehe auch Gradation 2.

biologische Stationen: Lehr- und Forschungsstellen in biologisch interessanten Gebieten mit unterschiedlichen Aufgaben, zum Beispiel Naturschutz, Erforschung von Meeresorganismen, Erforschung der Biomasseproduktion in Gewässern u. ä.

biologische Uhr, physiologische Uhr: komplexes Zusammenspiel wichtiger (besonders biochemische) Systeme eines Organismus, das zu einem periodischen Verhalten seiner Funktionen, zum Beispiel Tag-Nacht- (oder 24-Stunden-) Rhythmus unter anderem, auch nach Fortfall der sie steuernden äußeren Einflüsse führt oder bei Zugvögeln Zeitvergleiche zu Navigationszwecken erlaubt. Für die oft postulierte «innere Uhr» als gesondert existierenden Zeitgebermechanismus gibt es keine schlüssigen Beweise.

biologische Wertigkeit: Ausdruck für die Verwertung von Nahrungseiweiß im Tierkörper; Maß für die Proteinqualität.

Biologismus: soziologische und geschichtsphilosophische Strömung der bürgerlichen Ideologie, die die gesellschaftliche Entwicklung durch biologische Gesetze erklären will und die qualitative Besonderheit gesellschaftliche Gesetze leugnet. Siehe auch Rassismus, Sozialdarwinismus.

Biolumineszenz: durch biochemische Vorgänge hervorgerufenes Leuchtvermögen bestimmter Pflanzen, Mikroorganismen und Tiere (zum Beispiel Glühwürmchen). Biomakromoleküle Biopolymere.

Biomasse: gesamte, in Form lebender Zellen zu einem bestimmten Zeitpunkt auf der Erde vorhandene organische Substanz (etwa 10“ t/Jahr). Nur 1 bis 2% davon werden als Nahrungs- und Futtermittel und weitere 2% als Holz, Papier u. ä. genutzt. Siehe auch Produktionsbiologie.

Biomechanik: Teilgebiet der Biophysik, das die mechanischen Erscheinungen in biologischen Systemen untersucht. Wichtige Anwendungsgebiete sind Sport, Arbeitsmedizin und Orthopädie.

biomechanische Analyse: Ermittlung der mechanischen Gesetzmäßigkeiten als grundlegender Anteil des Bewegungsvollzugs in und von Lebewesen, im engeren Sinne der sportlichen Techniken. Dabei wird die mechanische Bewegung unter Berücksichtigung der mechanischen Eigenschaften und Voraussetzungen des Bewegungsapparates, die ihrerseits von den biologischen Bedingungen des Organismus funktional abhängig sind, sowie der mechanischen Umweltbedingungen objektiviert und interpretiert. Mit Hilfe grundlegender Verfahren der Kinemetrie und Dynamometrie werden die zeitlich veränderlicher Werte entsprechend mechanischen Größen sowie deren Zusammenhänge und Bedingungen ermittelt,

biomedizinische Technik: Teil der Technik, der sich mit der Entwicklung und Einführung von diagnostischen und therapeutischen Methoden auf physikalischer technischer Grundlage sowie mit der Bereitstellung und Wartung der dazu erforderliche Geräte befasst; meist gleichbedeutend mit Medizintechnik.

Biomembran: in allen tierischen und pflanzlichen Zellen enthaltene oder diese umgebende Membranstrukturen (vorwiegend aus Lipiden und Proteinen) mit wichtigen Funktionen im Stoffwechsel und Substrattransport.

Biometrie: Lehre von der Anwendung mathematischer Methoden, insbesondere der der mathematischen Statistik, in den biologischen und ihnen verwandten Wissenschaften (unter anderem Biologie, Medizin, Landwirtschaftswissenschaften, Pharmakologie) bei der Untersuchung der Mannigfaltigkeit des Lebenden. In diesem Zusammenhang werden auch die Begriffe biologischer Statistik und Biostatistik verwandt.

Biomorphose: Wandlung des Aufbaus und der Zusammensetzung der Gewebe und Organsysteme im Laufe des Lebens.

Bionik: Grenzgebiet zwischen Biologie und Technik; analysiert technisch interessante biologische Systeme, zum Beispiel Sinnesorgane, und überträgt deren Prinzipien auf technischen Systeme.

Biopharmazie: Fachgebiet der Pharmazie; untersucht die Einflüsse der physikalisch-chemischen Eigenschaften der Arzneimittel und der Hilfsstoffe, ihrer Galenik und Fabrikation auf die Bioverfügbarkeit und zum Teil auch biologische Wirksamkeit.

biophile Elemente: Elemente, die sich bevorzugt in der lebenden Materie anreichern, zum Beispiel Kohlenstoff, Wasserstoff, Phosphor, Chlor, Jod, Schwefel, Bor, Kalium und Vanadium.

Biophysik: Wissenschaft, die sich auf dem Grenzgebiet zwischen den physikalisch-technischen und den biologischen Wissenschaften entwickelt hat. Sie hat die physikalische und physikalisch-chemische Analyse biologische Systeme und die Anwendung entsprechend Methoden in den biologischen Disziplinen zum Inhalt. Wichtige Teilgebiete der Biophysik sind Biomechanik, Biorheologie, Bioakustik, Biooptik, Bioenergetik und Thermodynamik offener Systeme, molekulare Biophysik und Quantenbiologie, Strahlenbiophysik (ältestes Teilgebiet), Populationstheorie, medizinische Physik. Vorrangig praktische Anwendungsgebiete sind Medizin und Landwirtschaft. Vielfältige Berührungspunkte bestehen zu Physiologie, Biochemie, Biokybernetik, Bionik und Medizintechnik. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts erlangte die Strahlenbiophysik, die sich mit der Einwirkung ionisierender Strahlung beschäftigt, große Bedeutung, so dass längere Zeit unter Biophysik vorwiegend dieses Teilgebiet verstanden wurde.

biophysikalische Modellierung: methodisches Vorgehen zur Beschreibung komplexer biologischer Systeme, beinhaltet deren Abbildung auf einfachere physikalische Systeme. Stoffwechsel- und Transportsysteme im Organismus werden zum Beispiel durch Compartment-Modelle (Netzwerke aus mehreren homogenen Untersystemen) beschrieben.

Biopolymere, Biomakromoleküle: hochmolekulare, natürliche Polymere. Zu den Biopolymeren zählen Proteine, Nukleinsäuren, Polysaccharide und gemischte Polymere (zum Beispiel Murein).

Biopotentiale: Spannungen an Biomembranen (zum Beispiel Ruhe- und Aktionspotentiale), hervorgerufen durch Konzentrationsunterschiede bestimmter Ionen (besonders K+ und Na+) in den von der Membran getrennten Verteilungsräumen. Die Konzentrationsunterschiede entstehen ihrerseits durch aktiven Transport durch die Membran.

Biopsie: Entnahme von Gewebeproben eines Kranken zur feingeweblichen (histologischen) Untersuchung.

Biorheologie: Teilgebiet der Biophysik. Die Biorheologie untersucht Strömungsvorgänge in lebenden Systemen sowie plastische und elastische Eigenschaften biologischer Gewebe und Flüssigkeiten.

Biorhythmus: Gesamtheit aller periodisch ablaufenden, das heißt in regelmäßigen Zeitabständen sich wiederholenden, Vorgänge in lebenden Systemen (einzelne Organismen, Populationen von Organismen). Die periodischen Prozesse können in Form von Schwingungen auftreten, von jahreszeitlichen Rhythmen bis zu solchen in der Größenordnung von Sekundenbruchteilen.

Biosatellit: unbemannter künstlicher Erdsatellit, welcher der Untersuchung des Verhaltens von pflanzlichen oder tierischen Organismen unter Weltraumbedingungen (zum Beispiel Schwerelosigkeit, Strahlung unter anderem) dient. Typen von Biosatellit waren Kosmos 110, 368, 605, 690, 782, 936, 1129 und Biosat (USA).

Bioscop: der kinematographische Apparat, mit dem M. und E. Skladanowsky 1895 ihre ersten Filme im Berliner «Wintergarten» vorführten.

Biosphäre: Bereich der Erdoberfläche, in dem sich Lebewesen aufhalten. Sie umfasst den unteren Teil der Atmosphäre, die Hydrosphäre und den oberen Teil der Lithosphäre. Im Bereich der Biosphäre finden durch Organismen bewirkte Veränderungen der Erdoberfläche statt.

Biostratigraphie: geologische Altersbestimmung anhand der Evolution (erstes Auftreten beziehungsweise Aussterben) fossiler Organismen.

Biostratinomie: Teilgebiet der Paläontologie, das die Vorgänge nach dem Tod fossiler Organismen bis zur endgültigen Einbettung ihrer Reste zur Deutung der dabei wirkenden Umweltfaktoren untersucht.

Biosynthese: Aufbau von Naturstoffen (Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Nukleinsäuren unter anderem) durch die lebende Zelle mit Hilfe von Enzymen und meist ATP als Energiespender.

Biot, Jean Baptiste, 21.4.1774-3.2.1862, französischer Physiker, Astronom und Wissenschaftshistoriker; lieferte wichtige Beiträge zur Optik, zum Elektromagnetismus (unter anderem Biot-Savartsches Gesetz) und zur Akustik.

Biotechnik: 1. Entwicklung und Anwendung technischer Systeme und Geräte in der Biologie einschließlich Biomedizintechnik oder technische Anwendung biologischer Erkenntnisse. Siehe auch Biotechnologie, Medizintechnik, Bionik.

2. Eingriffe in die Physiologie landwirtschaftliche Nutztiere zum Zweck der besseren Ausschöpfung ihrer Leistungspotenzen; hauptsächlich in der Fortpflanzung angewandt in Form von Brunstsynchronisation, Eitransplantation unter anderem.

Biotechnologie: Wissenschaft, die die verfahrensmäßigen und technische Voraussetzungen für die Durchführung mikrobieller und biochemische Prozesse im industriellen Maßstab schafft, zum Beispiel bei der Hefegärung, Abwasserreinigung und mikrobiologische Wirkstofferzeugung; gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Biotest: Methode zur quantitativen Erfassung biologisch wirksamer Substanzen durch den Nachweis ihrer Wirkung auf lebende Organismen.

Biotop: Lebensstätte oder Lebensraum einer Lebensgemeinschaft oder Biozönose. Das Biotop ist natürlich abgrenzbar, zeichnet sich durch eine bestimmte Größe aus und ist gekennzeichnet durch den Komplex abiotische Faktoren. Biotop und Biozönose bilden eine Einheit und sind in sich geschlossen (zum Beispiel Teich, Hochmoor, Buchenwald).

Biotransformation, Metabolisierung (lateinisch griechisch): Stoffwechsel der Arzneimittel im Organismus; Teilschritt der Elimination. Art und Stärke der Biotransformation bestimmen wesentlich die Wirkung und Dauer der Anwesenheit einer Verbindung im Organismus.

biotroper Faktor: hypothetischer Begriff für einen Faktorenkomplex (Luftdruckschwankungen, Sonneneinstrahlung unter anderem), der als maßgebend für die Wirkungen der atmosphärischen Umwelt auf den Menschen angesehen wird.

Biot-Savartsches Gesetz: Gesetz für den Beitrag der magnetischen Feldstärke dH, den ein stromdurchflossenes Leiterelement ds zum Magnetfeld am Ort r des Raumes liefert (elektrische Stromstärke). Durch vektorielle Integration lässt sich hieraus das Magnetfeld des Leiters berechnen; von J. B. Biot und F. Savart 1820 entdeckt.

Bioverfügbarkeit: im Organismus vorhandene Menge eines Arzneimittels oder eines anderen Stoffes nach dem Verabreichen. Die Bioverfügbarkeit kann in Abhängigkeit von der Art der Applikation für ein Arzneimittel unterschiedlich sein. Sie ist ein wichtiges Maß für die Beurteilung der Wirksamkeit.

Biowissenschaften: Sammelbegriff für Teilgebiete der Biologie, wie Botanik, Zoologie, Physiologie, Genetik und Ökologie; schließt auch deren Grenzgebiete, zum Beispiel Biophysik, Biochemie und Biokybernetik, mit ein.

Biozönologie, Biozönotik: Lehre von den Lebensgemeinschaften der Organismen. Siehe auch Ökologie.

Biozönose, Biozön: Lebensgemeinschaft von Organismen, die einen Lebensraum (Biotop) bewohnen, sich gegenseitig bedingen und durch Selbstregulierung erhalten, zum Beispiel Pflanzen und Tiere in einem Teich. Die Biozönose bleibt über lange Zeiträume stabil, wenn das System der gegenseitigen Abhängigkeit ihrer Glieder im biologischen Gleichgewicht steht.

biquadratisch: in die 4. Potenz erhoben. insbesondere wird eine algebraische Gleichung 4. Grades als biquadratische Gleichung bezeichnet.

Bircher-Benner, Maximilian Oskar, 22.8. 1867-24.1. 1939, schweizerischer Arzt; prominenter Vertreter einer Richtung, die auf die lange Zeit vernachlässigten Faktoren, wie Sonne, Luft, Wasser, Massage u. ä. für die Gesunderhaltung des Organismus orientierte; wurde insbesondere durch seine Rohkostbehandlung, die er noch vor Bekanntwerden der Vitamine propagierte, bekannt.

Birke, Betula: Gattung weißborkiger, einhäusiger Bäume der Familie Birkengewächse mit Kätzchenblüten und geflügelten Früchten; heimisch sind zum Beispiel die häufige Weiß- oder Hängebirke (Betula pendula) und die Moorbirke (B. pubescens). Medizin. Bedeutung haben die Birkenblätter (Folia Betulae) infolge der harntreibenden Wirkung sowie der Birkenteer (Pix betulina), der zur Behandlung von Hautkrankheiten dient.

Birkenknospenöl: gelbes, dickflüssiges, balsamisch riechendes ätherisches Öl aus den Blattknospen der Weißbirke; wird für Haarwässer verwendet.

Birkenpilz, Leccinum scabrum: Röhrling mit grau-braunem Hut, weißgrauen Röhren und hellem, schwärzlich geschupptem Stiel; in Wäldern in Lebensgemeinschaft mit Birkenwurzeln; Speisepilz.

Birkhuhn, Lyrurus tetrix: Raufußhuhn europäische und nordasiatische Heide- und Moorgebiete; Hahn etwa 55 cm lang, 1,5 kg schwer, blauschwarz mit leierförmigen Schwanzfedern; Henne unscheinbar braun, kleiner, etwa 700 g schwer. Siehe auch Raufußhühner.

Birmingham: 1. Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Midlands; 920000 Einwohner; Zentrum der englische Metallindustrie; Maschinen-, Kfz- und Fahrradbau, Buntmetallurgie, Herstellung von Kleineisenwaren, Werkzeugen, Elektrogeräten und Sportwaffen; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Universität, Musikschule, Museen, Bibliotheken (Shakespeare-Gedenkbibliothek), Sinfonieorchester, Kunstgalerie, nationales Ausstellungszentrum; St. Philips-Kathedrale (18. Jahrhundert). Alte englische Stadt, 1086 im Domesday Book erwähnt, in der bürgerlichen Revolution 1643 von Royalisten zerstört; Aufschwung während der industriellen Revolution; 1832 Mittelpunkt der liberalen Reformbewegung, in der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert Hochburg der extremen Konservativen.

2. größte Stadt im Bundesstaat Alabama (USA), am Südwestrand der Appalachen; 280000 Einwohner (42% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 810000 Einwohner; wichtigstes Zentrum der Eisenmetallurgie im Süden der USA, das auf der Basis örtlich vorkommender Rohstoffe (in der Nähe Eisenerz-, Kokskohle- und Kalksteinlagerstätten) arbeitet; des weiteren Kokereien, Schwermaschinenbau, Zement-, chemische, Textilindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen, Universität, Kunstmuseum, Zoo.

Birne: 1. Birne (lateinisch), Pyrus: Botanik - aus Vorderasien stammendes Kernobst aus der Familie der Rosengewächse mit meist länglichen Früchten; wildwachsend die Wild- oder Holzbirne (P. pyraster), ein Vorfahre der Kulturbirne (P. communis).

2. Metallurgie: Konverter.

Birnstab: stabartiges Bauglied (Rippe oder Dienst) von birnenförmigem Querschnitt, vorherrschend in der Hoch- und Spätgotik.

Bisam: Fell der Bisamratte; dunkelbraun bis schwarzbraun, vom Rücken nach den Seiten heller werdend; Unterwolle bis dunkelgrau oder braun.

Bisamratte, Ondatra zibethica: zu den Wühlmäusen gehörendes Nagetier Nordamerikas mit seitlich abgeplattetem Schwanz und einem dichten Schwimmborstensaum an den Zehenrändern; gewandter Schwimmer; durch Unterwühlen von Uferbefestigungen und Fraß an Nahrungsvorräten schädlich; in Eurasien seit 1906 wegen des wertvollen Pelzes eingebürgert.

Bischof: (lateinisch - griechisch «Aufseher») in der katholischen Kirche Träger der höchsten geistlichen Amtsgewalt in einem Bistum (Diözese); vom Papst ernannt. Die orthodoxen Kirchen, die anglikanischen Kirchen sowie die lutherischen Kirchen in den nordeuropäischen Ländern behielten nach der Trennung von Rom das Bischofsamt bei. In den meisten evangelischen Landeskirchen Deutschlands wurde es nach 1920 wieder eingeführt.

Bischof, Werner, 26.4.1916-16.5.1954, schweizerischer Bildjournalist; aus der Werbefotografie kommend, gehörte er in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg zu den bedeutenden bürgerlich-humanistischen Reportern. Bischof fotografierte seit 1945 an den Brennpunkten des Zeitgeschehens und griff in Bildern von hoher ästhetischer Qualität soziale Themen auf. Er war Mitglied der Gruppe «Magnum».

Bischofshofen: Gemeinde im Bundesland Salzburg (Österreich), im Pongau, an der Salzach; 9000 Einwohner; Maschinenbau, Glasherstellung; Wintersportzentrum, Sprungschanze; romanische Georgskirche mit Fresken (um 1230); westlich von Bischofshofen der Hochkönig (2941 m).

Bischofsmütze, Astrophytum myriostigma: meist fünfkantiger, fast stachelloser, graubereifter, einer Bischofsmütze ähnelnder Kaktus; Blüten gelb mit rötlichen Streifen in Scheitelnähe. Heimat Nordamerika; in Gebirgen bis 2500 m Höhe vorkommend.

Bisektionsverfahren: einfachste Methode zur Nullstellenbestimmung stetiger Funktionen, in der bei fortgesetzter Halbierung eines Intervalls stets dasjenige ausgewählt wird, an dessen Grenzen die Funktion unterschiedliche Vorzeichen hat.

Biskuit: Feinbackware aus aufgeschlagener Biskuitmasse, die aus Stärke, Zucker, Mehl und Vollei, aber ohne Fettzusatz hergestellt wird.

Biskuitporzellan: unglasiertes Weichporzellan, das besonders im Klassizismus in fast allen europäischen Manufakturen für Figuren, Bildnismedaillons und -büsten verarbeitet wurde.

Bismarck, Otto Fürst von, 1.4.1815-30.7.1898, Staatsmann und Diplomat; stammte aus einer altmärkische Junkerfamilie und trat 1847 und in der Revolution 1848/49 als Interessenvertreter der reaktionären Junker auf. Seit 1851 im diplomatischen Dienst für Preußen, wurde er 1862 Ministerpräsident und Außenminister. Er baute seine Position im Kampf gegen liberale und demokratische Bestrebungen zur bonapartistischen Diktatur aus. Bismarck suchte die preußische Großmachtpolitik den ökonomischen Bedingungen anzupassen und die nationalstaatliche Einigung Deutschlands unter Preußens Führung zu realisieren. In bewusster Abwehr revolutionär-demokratischer Tendenzen führte Preußen unter seiner Führung 3 siegreiche Kriege (1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich, 1870/71 gegen Frankreich). Damit wurde die bürgerliche Umwälzung und die nationalstaatliche Einigung durch eine Revolution von oben beendet. Mit großem Geschick verhinderte er ein Eingreifen der europäischen Mächte bei der Entstehung des Deutschen Reiches. Seit 1871 war Bismarck Reichskanzler. Seine Innenpolitik richtete sich gegen jede demokratische Bewegung, insbesondere gegen die Arbeiterbewegung, die er durch das Sozialistengesetz (1878/90) auszuschalten glaubte. Durch ein kompliziertes System außenpolitische Verträge suchte er die Gefahr einer Einkreisung des Reiches, die durch die Annexion Elsass Lothringens verursacht worden war, abzuwenden. Das Scheitern der antisozialistischen Politik und dadurch verursachte Veränderungen im Kräfteverhältnis der Klassen führten zu Bismarcks Sturz im März 1890.

Bismarckarchipel: zu Papua-Neuguinea gehörende Inselgruppe im Stillen Ozean (Melanesien), östlich und nordöstlich von Neuguinea; 51400 km2, 315000 Einwohner; umfasst mehr als 200 Inseln, darunter Neubritannien (36519 km2), Neuirland (8651 km2), Lavongai (1191 km2) und die Admiralitätsinseln; größtenteils vulkanischen Inseln mit tätigen Vulkanen, meist von Korallen umsäumt; stark erdbebengefährdet; tropisches Klima, üppige Vegetation; Hauptnutzungspflanze ist die Kokospalme (Kopra Gewinnung); Fischfang. Bismut Wismut.

Bismuthinit, Wismutglanz: Mineral, Wismutsulfid; rhombisches Kristallsystem, nadelige, prismatische, metallisch glänzende, bleigraue Kristalle; Härte 2; Dichte 6,8 bis 7,2 g/cm5; Vorkommen auf Wismut-Kobalt-Nickel-Erzgängen (Schneeberg, Queensland (Australien) unter anderem).

Bison: braunes, am Widerrist bis 1,90 m hohes nordamerikanisches Wildrind mit schwarzer Mähne; früher in großen Herden, heute nur noch in Reservaten; Unterarten sind der Präriebison (B. b. bison) und der seltene Waldbison (B. b. athabascae).

Bissanomalien: Anomalien der Kieferlage in sagittaler (Vor- und Rückbiss) und transversaler Beziehung (Kreuzbiss). Siehe auch Kieferanomalien, Kieferorthopädie.

Bissau: Hauptstadt von Guinea- Bissau, an der Trichtermündung des Geba in den Atlantik; 110000 Einwohner; Verarbeitung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Holz; bei Bissau, in Bra, Plastefabrik; Hochseehafen, internationaler Flughafen; Museum.

Bisslage: Lagebeziehung des Unterkiefers zum Oberkiefer unabhängig von der Verzahnung.

Bissnahme: Behandlungsmaßnahme im Rahmen der Herstellung von Zahnersatz oder kieferorthopädische Behandlungsgeräte zur Festlegung von Lagebeziehungen zwischen Ober- und Unterkiefer.

Bister: 1. Chemie: Manganbraun.

2. Kunst: aus Holz-Ruß gewonnene hell- bis schwarz-braune Tusche; zum Lavieren von Feder- und Pinselzeichnungen vom 14. bis 19. Jahrhundert verwendet.

Bit: (Kurzwort für binary digit; englisch, «Binärziffer»)

1. Datenverarbeitung: einzelne Stelle einer binären Zeichenfolge, kann nur mit «Null» oder «Eins» belegt sein. Ein Byte besteht aus 8 Bit und bildet bei den meisten EDVA die kleinste direkt adressierbare Dateneinheit. Durch ein Byte können 28 = 256 verschiedene Zustände (zum Beispiel Zeichen: alle großen, alle kleinen Buchstaben, die Ziffern, eine Menge von Sonderzeichen) unterschieden werden. Ein Wort einer wortorganisierten EDVA besteht meist aus einem ganzzahligen Vielfachen von 8 Bit und stellt dort die kleinste adressierbare Dateneinheit dar.

2. Bit, Zeichen bit: Kybernetik - Zähleinheit für Binär- (ja-nein-) Entscheidungen. Beispiel: Die Auswahl eines Zeichens aus 4 Zeichen kann durch 2 Binärentscheidungen, also mit 2 bit, erfolgen. Durch die Bitzahl wird der Informationsgehalt (Information 4) einer Nachricht beziehungsweise die Entropie einer Informationsquelle gekennzeichnet.

Bitterfäule: durch verschiedene Pilzarten hervorgerufene Fäulniserscheinungen bei Kernobst; typisch sind kreisrunde, braune, allmählich verschmelzende Flecke, in deren Umgebung das Fruchtfleisch bitter schmeckt. Bekämpfung durch Spritzungen mit Fungiziden.

Bitterling, Rhodeus sericeus: knapp 10 cm langer Karpfenfisch europäischen Süßgewässer mit ungenießbarem Fleisch. Die Eier werden mit einer Legeröhre im Kiemenraum von Muscheln abgelegt, den die Jungen erst nach abgeschlossener Entwicklung verlassen.

Bittermandelöl: fast ausschließlich aus Benzaldehyd bestehendes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation von Mandel-, Aprikosen- unter anderem Steinobstkernen als Spaltprodukt des Amygdalins entsteht. Als Bittermandelaroma wird heute meist synthetisches Benzaldehyd verwendet.

Bittersche Streifen: (nach einem US-amerikanischen Physiker) aus Eisenpulver gebildete Figuren auf der polierten Oberfläche eines Ferromagnetikums, die den Verlauf der Bloch-Wände anzeigen und dadurch die Domänenstruktur sichtbar machen. Siehe auch Ferromagnetismus.

Bitterseen: Restseen ehemaliger Meeresbedeckung in Ägypten, zwischen Mittelmeer und Rotem Meer; bedeutungsvoll sind Großer (23 km lang, 13 km breit) und Klemer Bittersee (13 km lang, 3 km breit), durch die der Suezkanal verläuft.

Bitterstoffe: vorwiegend in Pflanzen (zum Beispiel in Enzian, Wermut, Tausendgüldenkraut, Bitterklee und Pomeranzen) enthaltene, bitter schmeckende Stoffe, die zur Herstellung appetitanregender Arzneimittel (Bittermittel, Amara) verwendet werden.

Bitterwasser, Bitterquelle: Mineralwasser mit relativ hohem Gehalt an Sulfationen, besonders Glauber- und Bittersalz (Natrium- beziehungsweise Magnesiumsulfat).

Bitumen: Sammelbegriff für Gemische hochmolekularer Kohlenwasserstoffe, die bei der Aufarbeitung von Erdöl anfallen oder aus Naturasphalt durch Kohlendisulfid extrahierbar sind. Bitumen sind dunkelfarbig, halbfest bis springhart, schmelzbar und widerstandsfähig gegenüber Wasser, Salzen, Alkalien und verdünnten Säuren. Bitumen wird vielseitig als Kleb-, Dichtungs- und Isoliermasse eingesetzt.

Bitumenbeton, früher Asphaltbeton: Baustoffgemenge aus Zuschlagstoffen mit Bitumen als Bindemittel, verwendet für Straßenbelag (Schwarzdecken) und im Wasserbau für Sperrungen.

Bivalente: während der Meiose gepaarte homologe Chromosomen des diploiden Chromosomensatzes.

bizyklisch: im Molekül 2 kondensierte ringgeschlossene Atomketten enthaltend, zum Beispiel Naphthalin.

Bjerknes, Vilhelm, 14.3.1862-9.4.1951, norwegischer Meteorologe und Physiker; Professor für Geophysik an der Universität Leipzig (1913/17); wendete die physikalische Hydrodynamik auf die Meteorologie an, entwickelte den Bjerknes-Zirkulationssatz und mit anderen die Polarfronttheorie. Mitbegründer der physikalischen Meteorologie und Ozeanographie.

Black Box-Methode: Kybernetik Bildung eines Modells eines vorliegenden Systems, indem auf dessen Eingänge Signale gegeben und die dadurch hervorgerufenen Ausgangssignale gemessen und ausgewertet werden. Das Systeminnere liegt dabei als ein unzugänglicher beziehungsweise unbekannter «schwarzer Kasten» (Black-Box) vor. Die tatsächliche Struktur des Systems ist bei diesen Betrachtungen unwichtig.

Black Codes: reaktionäre rassistische Gesetze der Südstaaten der USA nach 1865 zur Aufrechterhaltung der Abhängigkeit der Farbigen nach der Aufhebung der Sklaverei (1861/62).

Blackfeet, Schwarzfußindianer. Stammesbund von Prärieindianern (Siksika, Bloods, Piegan) der Algonkin-Sprachgruppe in Alberta (Kanada; 8030) und Montana (USA; 9920; in Reservationen).

Black Hills: stark bewaldetes Gebirge im mittleren Teil der USA in Süddakota und Wyoming; 150 km lang, 60 km breit, bis 2207 m hoch. In ihrem Innern aus kristallinen Gesteinen, an die bedeutende Gold-, Silber- und Bleierzlagerstätten (wichtiges Goldbergbaugebiet der USA) gebunden sind, aufgebaut.

Black Molly: schwarze Form des Spitzmaulkärpflings (Poecilia sphenops), zu den lebendgebärenden Zahnkarpfen gehörend; beliebter Aquarienfisch.

Blackout: (englisch, eigentlich «Verdunkeln»)

1. kabarettistische Kurzszene, deren Pointe durch Ausschalten des Lichts hervorgehoben wird.

2. Medizin: vorübergehende Einschränkung der Sehfähigkeit infolge ungenügender Durchblutung der Netzhaut; kann unter Einwirkung hoher Beschleunigung beim Fliegen auftreten. Auch für gleichartige Zustände bei akutem Ausfall der Hirntätigkeit angewandt.

3. Raumfahrt: vorübergehende Unterbrechung der Funkverbindung mit einem Raumflugkörper bei dessen Eintritt in die Erdatmosphäre infolge Ausbildung einer Plasmawolke.

Black Power: (englisch «Schwarze Macht») Losung der nationalistischen Bewegung der Afroamerikaner in den USA; entstand 1966 unter dem Eindruck gewaltsamer Auseinandersetzungen gegen die rassistische Politik des US-Imperialismus und beruft sich auf Lehren von Malcolm X. Sie hat das Problem der Afroamerikaner in den USA erneut als nationale Frage bewusst gemacht, ist aber von kleinbürgerlich-extremist Kräften häufig missbraucht worden.

Blackstone, Sir William 10. 7. 1723-4. 2. 1780, britischer Politiker, später Richter an höchsten Gerichten; seine Kommentare des englisches Rechts trugen zu dessen Systematisierung bei.

Blaga, Lucian, 9.5. 1895-6.5. 1961, rumänischer Schriftsteller; Blagas intensive Beschäftigung mit der deutschen spätbürgerlichen Philosophie, mit ethnischen und kulturphilosophischen Problemen spiegelt sich in seiner Lyrik («Poeme des Lichts», 1919; «Das Lob des Schlafes», 1929) wider, die durch ihre verdichtete, teils abstrakte, teils volkstümliche Bildhaftigkeit bis heute wirksam ist. Blaga verfasste auch Dramen und zahlreiche Essays.

Blähschiefer: Zuschlagstoff für Leichtbeton aus Schieferabfällen; beim Erhitzen blähen die entstehenden Gase das Brenngut auf.

Blähton: Zuschlagstoff für Leichtbeton aus pelletiertem Ton; beim Erhitzen entstehende Gase blähen Luftporen auf.

Blähung-Flatulenz: gesteigerte Gasbildung im Darm durch Gärung oder Fäulnis des Darminhaltes, zum Beispiel bei Verdauungsstörungen und Darmentzündung.

Blake: 1. Nicholas - Day Lewis.

2. Robert Blake, August 1599-7.8.1657, englischer Admiral; in der bürgerlichen Revolution seit 1649 Befehlshaber der Flotte des Parlaments; seine Seesiege, vor allem über die niederländische Flotte (1653/57), stabilisierten die bürgerlich-kapitalistische Ordnung in England.

3. William Blake, 28.11.1757-12.8.1827, englischer Dichter, Maler und Kupferstecher; verband schlichte Innigkeit mit revolutionärer Gesellschaftskritik; gestaltete in mitreißender Sprache und mit visionärer Bildkraft symbolisch-mythisch vertieft die Befreiung des Menschen von Unterdrückung und Ausbeutung («Lieder der Unschuld», 1789, deutsch; «Lieder der Erfahrung», 1794, dt.; «Die Französische Revolution», 1791); empfand Wort und Bild als Einheit.

blamabel: beschämend, peinlich, bloßstellend.

Blanc-de-Chine: sehr feines Porzellan mit dichter, hellgrauer bis cremefarbener Glasur. Blanc-de-Chine wird seit der späteren Ming-Zeit (16. Jahrhundert) bis in die moderne Zeit in Dehua (Provinz Fujian, Südchina) hergestellt; kam seit Mitte 17. Jahrhundert nach Europa.

Blanc fixe, Barytweiß: durch Fällung hergestelltes, äußerst feinpulvriges Bariumsulfat, BaS04. Blanc fixe wird als Substrat für Farblacke, als Verschnittmittel für andere Pigmente und für Spezialpapiere verwendet

Blanchieren: 1. Lebensmitteltechnik: kurzzeitige thermische Vorbehandlung von Gemüse und zum Teil Obst bei der Zubereitung und Haltbarmachung; unter anderem qualitätserhaltend beziehungsweise -verbessernd infolge Enzyminaktivierung.

2. Lederherstellung: Glätten der Aasseite eines Leders durch Abheben eines feinen Spanes.

Blankdruck: in der buchbinderischen Weiterverarbeitung das Nieder- oder Wegdrücken grober Narbung bei Einbandstoffen und geprägten Bezugspapieren, um spätere einwandfreie Folienpressung zu ermöglichen. Siehe auch Pressen.

Blankleder: veraltete Bezeichnung für mäßig gefettetes, pflanzlich-synthetisch gegerbtes Rind- oder Schweinsleder für Sattler- und Täschnerwaren.

Blankvers: reimloser, jambischer 5hebiger Vers, der sehr Prosa nah gestaltet werden kann. Seit Shakespeare ist der Blankvers das bevorzugte Versmaß im englischen Drama und seit Lessings «Nathan» und der im Sturm und Drang verstärkt einsetzenden Shakespeare-Rezeption auch das des klassischen deutschen Dramas geworden: Vor grauen Jähren lebt ein Mann im Osten (Lessing).

Blanqui, Louis Auguste, 1.2.1805-1.1.1881, französischer kommunistischer Revolutionär, setzte als politischer Wortführer der französischen Arbeiterbewegung die Tradition F. N. Babeufs fort. Sein im Mai 1839 mit der «Gesellschaft der Jahreszeiten» unternommener Aufstand scheiterte an der Unreife des Frühproletariats und seiner Emanzipationsbedingungen sowie am Zwang zur Illegalität, die den Versuch der Machtergreifung auf die avantgardist Aktion beschränkten (als Taktik verabsolutiert: Blanquismus). 1848 war Blanqui «Kopf und Herz der proletarischen Partei in Frankreich» (Marx), 1871 gewähltes Mitglied der Pariser Kommune. Blanqui verbrachte insgesamt mehr als 3 Jahrzehnte im Kerker. Die Mehrzahl seiner Anhänger (Blanquisten), hervorragende Kommunarden, vereinigte sich 1901 mit der von M. B Guesde gegründet Sozialist Arbeiterpartei.

Bläschendrüse: paarige, am Grund der Harnblase gelegene akzessorische Geschlechtsdrüse des Mannes und vieler männlicher Säugetiere (veraltet Samenblase), deren Sekret Bestandteil der Samenflüssigkeit ist.

Blasco Ibanez, Vicente, 29.1.1867-28.1.1928, spanischer Romancier; sein Werk bildet den Höhepunkt des spanischen Naturalismus. Der Roman «Die Scholle» (1898, deutsch) ist eine erschütternde Beschreibung des harten Schicksals der spanischen Bauern. Blasco Ibanez wandte sich später thematisch dem Stadtproletariat und der Charakterisierung des Klerikalismus zu, zum Beispiel «Die Bodega» (1905, deutsch), «Die Kathedrale» (1903), unter anderem.

Blase: Anatomie zur Aufnahme und Ansammlung von Flüssigkeiten oder Luft dienendes Hohlorgan, zum Beispiel Gallenblase, Harnblase und Schwimmblase.

Blasebalg: technische Mittel zum Erzeugen eines Luftstroms, besteht aus zwei gelenkig miteinander verbundenen Holz- oder Metallplatten und einem Balg (meist aus Leder), der den beim Öffnen durch eine Feder entstehenden Raum umschließt. Das Ansaugen erfolgt meist durch ein Ventil oder eine Klappe, das Ausströmen durch eine Düse.

Blasen: Formgebungsverfahren bei der Glasverarbeitung; verwendet wird die Glasmacherpfeife, die aus einem Stahlrohr mit Mundstück, Handschutz und schwach aufgewulstetem Kopf (Ende) zum Aufnehmen und Formen (Ausblasen) von Glasposten besteht. In neuerer Zeit erfolgt das Blasen in erster Linie auf Maschinen (Rotationsblas- oder Reihenmaschinen), wobei der Glasposten in eine feststehende Form oder rotierend eingeblasen wird.

Blasendivertikel: sackartige Ausstülpungen der Harnblasenwand bis zur Bildung eines oder mehrerer nebenblasenartiger Gebilde, die durch einen engen Zugang mit der Harnblase in Verbindung stehen; häufige Ursache von Entzündungen und Steinen, auch von Restharn.

Blasenentzündung, Zystitis: Entzündung der Harnblase mit gehäuftem Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Man unterscheidet akute und chronische Verlaufsformen; häufige Ursachen sind bakterielle Entzündungen, einschließlich Tuberkulose, Unterkühlungen, Blasenabflussbehinderungen, Steine, Durchblutungsstörungen und seltener, Fremdkörper.

Blasenfarn, Cystopteris: Gattung mittelgroßer Farne; Sporenkapsel- (Sporangien-) Häufchen anfangs von blasenförmigen Schleiern bedeckt; an feuchten Steinen der Zerbrechlichen Blasenfarn (C. fragilis).

Blasenhalsadenom: Drüsengeschwulst der Vorsteherdrüse (sogenannt Prostatahypertrophie); altersbedingte durch hormonelle Störungen verursachte Vergrößerung der die männliche hintere Harnröhre umgebenden Drüsen. Es kommt zur Behinderung der Harnentleerung aus der Harnblase. In Spätphasen kann es zu Abflussbehinderung aus dem Nierenhohlsystem und zur Einschränkung der Nierenfunktion, insbesondere bei Harnweginfektionen, kommen.

Blasenkammer: Gerät zum Nachweis hochenergetische Elementarteilchen. Die Teilchenbahnen werden in einer durchsichtigen, nahezu siedenden Flüssigkeit (zum Beispiel flüssiger Wasserstoff) sichtbar gemacht, indem die Flüssigkeit durch eine plötzliche Expansion überhitzt wird. Dabei bilden sich bevorzugt um die von den Teilchen erzeugten Ionen feine Dampfblasen. Die Spur der Blasen wird mittels Stereofotografie aufgenommen. Die Blasenkammer wurde von D. Glaser erfunden und von L. Alvarez zum Großgerät entwickelt.

Blasenkirsche, Physalis alkekengi: ausdauerndes, wärmeliebendes Nachtschattengewächs mit blasig aufgetriebenen, mennigroten Kelchen; besonders in lichten Gebüschen. Eine verwandte Zierpflanze ist die Lampionpflanze (Physalis franchetii).

Blasenkrampf: schmerzhafter Harndrang mit Verkrampfung der Blasenmuskulatur zum Beispiel bei Blasenkatheterträgern; erschwert das Wasserlassen bei Blasenentzündungen.

Blasenläuse, Eriosomatinae: Familie der Blattläuse; oft mit Wachsabscheidung, leben in blasenförmigen Gallen an Holzgewächsen, im Sommer an Wurzeln oder Gräsern; hierzu die schädliche Blutlaus.

Blasenmole, Traubenmole: Schwangerschaftsstörung mit blasenförmiger Entartung der Chorionzotten der Plazenta. Der normale Stoffaustausch ist gestört, die Leibesfrucht stirbt infolgedessen frühzeitig ab; es tritt eine Fehlgeburt mit oft starken Blutungen ein.

Blasenreaktor: chemisch-technische Anlage zur Umsetzung zwischen Gasen und Flüssigkeiten, bei der fein verteilte Gasblasen in einer Flüssigkeit aufsteigen.

Blasenrost: Gruppe von Rostpilzen, die an Zweigen von Nadelbäumen blasenförmige Fruchtkörper (Aecidien) ausbilden; die Infektion erfolgt durch Wunden an jungen, noch benadelten Trieben. Kiefern reagieren auf die Infektion durch verstärkte Harzproduktion (das Holzgewebe verkient). Die Baumteile oberhalb der Kienstelle können dann absterben, es entsteht der Kienzopf.

Blasenscheidenfistel: abnorme Verbindung zwischen Harnblase und Scheide; entsteht nach langdauernden oder komplizierten Entbindungen, Unterleibsoperationen, als Bestrahlungsfolge und bei Krebserkrankungen.

Blasensprung: Platzen der Fruchtblase unter der Geburt mit Abgang von Fruchtwasser, rechtzeitig nach Eröffnung des Muttermundes; auch früher (vorzeitiger Blasensprung) oder später möglich.

Blasensteine: durch Harnsalzausfällung entstandene Steine in der Harnblase. Ursachen der Steinbildung sind Blasenabflussbehinderungen (zum Beispiel Prostatavergrößerung), eingebrachte Fremdkörper, Blasenentzündung, bestimmte Harninfektionen. Siehe auch Harnsteine.

Blasenstrauch, Colutea arborescens: Schmetterlingsblütler mit gelben Blütentrauben und blasig aufgetriebenen Früchten. Seltenes Gehölz in Trockenwäldern; Zierstrauch.

Blasinstrumente: Aerophone, bei denen die meist in einer Schallröhre befindliche Luft durch Anblasen in periodische, tonerzeugende Schwingungen versetzt wird. Die Tonhöhe wird durch Anblasstärke und Veränderung der Schallröhrenlänge (mittels Grifflöchern, Ventilen oder Zügen) geregelt. Systematisch unterscheidet man Trompeten-, Flöten-, Zungeninstrumente-, in der Praxis Blechblasinstrumente (zum Beispiel Hörner, Trompeten); Holzblasinstrumente (zum Beispiel Längs- und Querflöten); Rohrblattinstrumente, von denen die Instrumente mit Gegenschlagzunge oder Doppelrohrblatt (zum Beispiel Oboe, Fagott) und mit Aufschlagzunge oder einfachem Rohrblatt (zum Beispiel Klarinette, Saxophon) auch als Holzblasinstrumente bezeichnet werden. Zu den Zungeninstrumenten können noch Instrumente mit durchschlagenden Zungen gezählt werden (zum Beispiel Akkordeon, Harmonium); Orgel und orgelverwandte Instrumente.

Blasmagnet: Vorrichtung in einem elektrischen Schalter zur Erzeugung eines Magnetfeldes (Blasmagnetfeld), das den Lichtbogen verlängert (magnetischer Beblasung) und in die Löscheinrichtung (Lichtbogenlöschkammer) drückt.

Blasphemie: Lästerung; Verächtlichmachung von Personen, Überzeugungen unter anderem, die allgemeine Verehrung genießen, besonders die sogenannte Gotteslästerung.

Blasrohr: Jagdgerät einiger Sammler- und Jägerstämme der tropischen Waldgebiete Südamerikas und Asiens; 1 bis 4 m langes, ausgehöhltes Bambus- oder Holzrohr, durch das kleine vergiftete Pfeile geblasen werden.

Blastem, Keimgewebe, Bildungsgewebe: umschriebener Bezirk, häufig multipotenter unreifer Zellen, aus dem sich während der Embryonal- und Fetalentwicklung Organe oder Körperteile bilden.

Blastoideen, Knospenstrahler. vom Ordovizium bis zum Perm lebende gestielte Stachelhäuter mit knospenförmiger Krone; mit den Seelilien verwandt.

Blastozyste: mit einem Hohlraum versehenes frühes Embryonalstadium der Säugetiere, das aus einer äußeren Zellage, dem Trophoblast (Nährblatt), und einer inneren Zellmasse, dem Embryoblast (Embryonalknoten), besteht. Die Implantation des befruchteten Eies im Uterus erfolgt zum Beispiel beim Menschen im Stadium der Blastozyste.

Blastula-Blasenkeim: durch Furchung aus dem Ei hervorgegangenes Entwicklungsstadium der Vielzeller, das einer Hohlkugel ähnelt, deren Hohlraum (Blastozöl, primäre Leibeshöhle) von einem einschichtigen Epithel (Blastoderm) umgeben ist.

Blatt: 1. Botanik: meist flächiges, grünes Organ der höheren Pflanzen, durchzogen von Blattadern oder -nerven (Leitbündeln), die der Stoffleitung und Versteifung dienen. Sitzt als Seitenorgan der Sprossachse an. Hauptfunktionen sind Assimilation und Transpiration. Die Form der Laubblätter variiert stark, auch ist der Blattrand verschieden ausgebildet; abweichend gestaltet ist das Nadelblatt. Der Fortpflanzung dienen die Frucht- und Staubblätter der Blüte; siehe auch Keimblätter.

2. Jagdwesen: Schultergegend beim Schalenwild.

3. Polygraphie: a) planliegendes Papier in kleinerem Format als A3 (297 mm x 420 mm);

b) kleinster Teil eines Buch- oder Broschuren Blocks beziehungsweise Buchbinderbogens;

c) Bezeichnung für Zeitung oder Zeitschrift.

4. Blatt, Webeblatt, Riet: Textiltechnik - an der Weblade befestigtes, je nach Feine auswechselbares Webmaschinenzubehör, das den eingetragenen Schussfaden an das fertige Gewebe anschlägt.

5. Spielkarte(n).

Blattadern, Blattnerven: der Wasserversorgung und dem Stofftransport dienende Gefäßbündel der Blätter, sind gleichzeitig Festigungselemente der Blattspreiten. Sie enthalten die Leitbündel der Blätter. Blattadern haben feine, als Blattskelett sichtbare Querverbindungen. Aderverlauf bei Einkeimblättrigen und Zweikeimblättrigen ist im Allgemeinen unterschiedlich.

Blattanalyse: Methode zur Bestimmung des Nährstoff-, insbesondere des Stickstoffbedarfs der Pflanzen während der Vegetation. Die Blattanalyse beruht auf der Ermittlung des Stickstoffgehaltes der wachstumsfähigen Blätter.

Blattdüngung: Düngungsverfahren, bei dem vornehmlich in Wasser gelöste Mineraldünger auf die wachsenden Pflanzen versprüht und durch die Blätter direkt aufgenommen werden.

Blatten: Anlocken des Rehbockes durch den Jäger mittels Fiepens auf einem Blatt, Grashalm oder Instrument (Blatte, Blatter) während der Brunft.

Blätter für die Kunst: von S. George gegründet, 1892 bis 1919 erschienene Zeitschrift des George-Kreises, die dessen esoterische, wirklichkeitsabgewandte Kunstrichtung propagierte und der naturalistischen Bewegung entgegentrat.

Blätterpilze, Agaricales: Ordnung der Hutpilze; ihre Fruchtkörper tragen an der Hutunterseite strahlig angeordnete, senkrecht stehende «Blätter» (Lamellen), an denen sich die Sporen bilden; hierzu Champignon, Knollenblätterpilz, Träuschling.

Blätterteig: von Fettschichten durchzogener Teig, der dadurch beim Backen eine blättrige Struktur erhält.

Blattfisch: Monocirrhus polyacanthus: zu den Nanderbarschen gehören der etwa 12 cm lange, seitlich stark abgeflachte Raubfisch Südamerikas mit stark wechselnder, dem Untergrund angepasster Färbung, der alte Blätter nachahmend, kopfabwärts zwischen Pflanzen auf Beute lauert; gelegentlich in Aquarien gepflegt.

Blattflöhe, Psyllina: Familiengruppe der Gleichflügler, Vollkerfe haben Sprungbeine und 2 Paar durchsichtige Flügel; die flachen, oft mit Wachsfäden bedeckten Larven und Weibchen leben gesellig an Blatt- und Blütenknospen sowie Blättern, sie werden durch Saugen an Kulturpflanzen mitunter schädlich, zum Beispiel Apfelblattfloh (Psylla mali).

Blattfolge: Aufeinanderfolge unterschiedlich gestalteter Blätter an der Sprossachse; zum Beispiel Keimblätter Laubblätter, Primärblätter Folgeblätter. Niederblätter an unterirdischen Sprossabschnitten sind farblos und stark vereinfacht. Hochblätter sind in der Blütenregion befindliche, oft auffällig gefärbte und abgewandelte Blätter.

Blattfrüchte: Sammelbegriff für alle landwirtschaftlich angebauten zweikeimblättrigen Kulturpflanzen (Dikotyledonen). Zu den Blattfrüchten zählen zum Beispiel Kartoffeln, Rüben, Leguminosen. Im Gegensatz zu den Blattfrüchten stehen die Halmfrüchte (Einkeimblättrige), wie Gräser (zum Beispiel Getreide).

Blattfußkrebse, Phyllopoda: Unterklasse der Krebse (etwa 700 Arten) mit blattförmigen Beinen (bis 30 Paar), die fast ausschließlich in stehenden Gewässern des Binnenlandes Vorkommen. Siehe auch Wasserflöhe.

Blattgold: zu dünnen Folien von 0,00007 bis 0,0001 mm Dicke ausgeschlagenes Gold; wird zum Vergolden von Kunstgegenständen und Inschriften sowie beim Buchschnitt verwendet.

Blatthornkäfer, Scarabaeidae: Familie der Käfer, deren Fühlerkeulen lamellenartige Glieder haben; leben von Blättern (Maikäfer, Junikäfer, Laubkäfer), Pflanzensäften (Nashornkäfer, Herkuleskäfer), Pollen (Rosenkäfer), Dung (Dungkäfer, Mistkäfer, Pillendreher). Die Larven nennt man Engerlinge.

Blattkäfer, Chrysomelidae: Käferfamilie mit meist ovalen, stark gewölbten, bunten und oft metallisch glänzenden Arten von 2 bis 12 mm Länge, die, wie meist ihre Larven, frei auf Blättern leben. An Bäumen der stahlblaue Erlenblattkäfer (Agelastica alni) und der rote Pappelblattkäfer (Melasoma populi), an landwirtschaftlichen Kulturen Erdflöhe, Schild- und Kartoffelkäfer, Getreidehähnchen.

Blattläuse, Aphidina: Unterordnung der Gleichflügler; leben meist gesellig in Kolonien und saugen mittels langer Stechborsten Pflanzensäfte, können Viruskrankheiten übertragen oder Gallenbildungen hervorrufen. Blattläuse haben oft einen komplizierten Generationswechsel von geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung, zum Teil mit Wirtspflanzenwechsel gekoppelt. Die befruchteten Weibchen legen Eier, die überwintern; Sommergeneration mit ungeschlechtliche Vermehrung lebendgebärend (parthenogenetisch). Wichtigste Familien Baum-, Blasen-, Röhren-, Tannen-, Zwergläuse; siehe auch Blutlaus, Honigtau.

Blattmetalle: im Allgemeinen durch Walzen hergestellte Folien aus Metall mit Dicken zwischen 0,12 und 0,007 mm je nach Werkstoff und Verwendung. Hierzu gehören Blattaluminium (Alfol), Blattzinn (Stanniol) und Rauschgold (Flitter-, Knitter- oder Lahngold). Blattmetalle werden für elektrische Kondensatoren, als Verpackungs- und Dekorationsmaterial, Lametta unter anderem verwendet.

Blattnasen, Phyllostomidae: Fledermausfamilie mit blatt- oder spießförmigen Nasenaufsätzen; leben im tropischen und subtropischen Amerika.

Blattrandkäfer, Sitona: Gattung der Rüsselkäfer; leben auf Schmetterlingsblütlern, Kerbefraß am Blattrand; Larven leben im Boden von Wurzeln, schädlich an Klee, Luzerne, Lupine, Erbse, Bohne.

Blattrosette: Blattanordnung, gekennzeichnet durch dicht aufeinanderfolgende Blätter an gestauchter Sprossachse; befindet sich oft direkt über dem Erdboden.

Blattschelde: aus dem Blattgrund gebildetes Organ, dicht der Sprossachse anliegend und die jungen Blätter anfangs umhüllend; vor allem bei Einkeimblättrigen ausgebildet.

Blattschneiderameisen: Ameisen des tropischen Amerikas der Gattung Atta und Acromyrmex, die zu ihrer Ernährung Pilzkulturen anlegen, die sie systematisch pflegen und ernten; als Nährböden dienen ausgeschnittene und zerkaute Blattstückchen.

Blatt-Tütenmotten, Gracillariidae: Familie 7 bis 18 mm spannender, mottenartiger Schmetterlinge mit schmalen Flügeln, Hinterflügel lang befranst; Raupen anfangs minierend, später in Blattrollen («Tüten») lebend. An Flieder sehr häufig die Fliedermotte (Gracilaria syringella); die Azaleenmotte (G. azaleella), aus Japan stammend, ist zuweilen an Zierpflanzen in Gewächshäusern schädlich. Siehe auch Schmetterlinge.

Blattvögel, Chloropsidae: mittelgroße, in Bäumen lebende Singvögel des indomalayischen Gebietes. Sie bauen aus Würzelchen, Moos und Spinnweben kunstvolle Nester; hierzu der 20 cm lange, grüne, blaukehlige und gold-gelbstimmige Goldstirnblattvogel (Chloropsis aurifrons), der auch in Käfigen gehalten wird.

Blattwespen, Tenthredinidae: Familie der Pflanzenwespen. Die oft gesellig lebenden Larven (Afterraupen), die im Unterschied zu den echten Raupen der Schmetterlinge Bauchfüße ohne Hakenkränze an allen Hinterleibssegmenten außer dem ersten besitzen, werden zum Teil an Kulturpflanzen schädlich, zum Beispiel die rötlichgelbe Stachelbeer-Blattwespen (Pteronidea ribesii) oder an Kohlgewächsen die orangeschwarz gezeichnete Räben-Blattwespen (Athalia rosae), an Obstbäumen die Sägewespen (Hoplocampa).

Blaualgen, Cyanophyta: einzellige oder zu Kolonien beziehungsweise Zellfäden verbundene, meist sehr kleine, vorwiegend blau- oder olivgrüne, autotrophe Akaryobionten. Als Assimilationspigmente kommen meist Chlorophyll a, Carotinoide und 2 wasserlösliche Chromoproteide, das blaue Phycocyan und das rote Phycoerythrin, vor. Assimilationsprodukt ist die Glykogen ähnliches Cyanophytenstärke in Form kleiner Körnchen; besonders im Süß- und Brackwasser, auf feuchter Erde, Baumrinde und Steinen («Tintenstriche» an senkrechten Kalkfelsen), bis in arktische Bereiche, selbst in 75 °C heißen Thermen; einige Arten lösen Kalkgestein auf, andere lagern Kalk in ihren Gallertscheiden ab (Bildung von Seekreide und Kalktuff). In der Tiefsee lebende Arten sind rot gefärbt; einige Arten sind farblos und bilden weißliche, schwefelhaltige Überzüge am Grunde schwefelwasserstoffhaltiger Gewässer. Die fadenförmigen Blaualgen führen gleitende Kriechbewegungen aus; mehrere Arten leben frei schwebend in Seen und im Meer und bilden die «Wasserblüte». Einige Blaualgen sind besonders nach dem Absterben für Fische, Wassergeflügel und Großvieh giftig. Fädige Blaualgen mit inhaltsarmen «Grenzzellen» (Heterocysten) sind wichtige Stickstoffbinder (zum Beispiel die Arten der Gattung Nostoc) und erhöhen so die Bodenfruchtbarkeit (Bindung von 50 kg Stickstoff je Hektar jährlich in Sumpfreisfeldern); in Japan werden Reisfelder mit Blaualgen beimpft. Mehrere Blaualgengattungen kommen zusammen mit Pilzen in Flechten vor. Es gibt etwa 2000 Blaualgenarten.

Blaubänderung: Wechsel von luftärmeren (bläulichen) und luftreicheren (weißen) Eislagen mit unterschiedlicher Dichte im Gletschereis.

Blaubarsch, Badis badis: bis 8 cm langer Nanderbarsch der Süßgewässer Vorderindiens mit sehr variabler Färbung; Aquarienfisch.

Blaubart, französisch Barbe-Bleue: Märchengestalt (Ritter, der 6 Frauen wegen ihrer Neugier tötet, bei einem siebenten Versuch selbst den Tod findet) von C. Perrault; künstlerisch häufig bearbeitetes Thema, unter anderem auch von J. Offenbach.

Blaubruch: Werkstofftrennung infolge einer Versprödung von Stahl im Temperaturbereich von 200 bis 300 °C, dem Bereich der blauen Anlassfarbe.

Blaudruck: Textiltechnik im Ätz- oder Reservedruckverfahren auf blauem Grund aufgebrachte weiße Musterung.

Bläue: durch Bläuepilze verursachte blaue bis blauschwarze Verfärbung des Splintholzes; keine Fäule des Holzes.

Blaue Berge, englisch Blue Mountains: Teil der ostaustralischen Kordillere, westlich von Sydney; bis 1362 m; durch Erosion stark zerklüftetes, in Tafelberge aufgelöstes Sandsteinplateau mit dichten Eukalyptuswäldern.

blaue Blume: Symbol für die Dichtung; von den deutschen Frühromantikern nach einer altdeutschen Sage zum Inbegriff einer von Sehnsucht geleiteten Poesie erhoben, die der als hässlich und nüchtern empfundenen Wirklichkeit entgegengesetzt werden sollte; erstmals in Novalis’ Roman «Heinrich von Ofterdingen» (1802).

Bläuen: leichtes Anfärben gebleichter Textilien mit blauen Farbstofflösungen; das Bläuen täuscht optisch ein reineres Weiß vor.

Blaue Reiter, Der: Künstlergemeinschaft, die 1911 in München von W. Kandinsky und F. Marc gegründet wurde. Ihren Namen erhielt sie nach einem Gemälde Kandinskys, das zugleich ihrer ersten Ausstellung und dem bereits seit 1909 erscheinenden Almanach den Titel gab. Dem Blauen Reiter schlossen sich unter anderem A. Kubin, G. Münter, A. Macke, P. Klee und A. Schönberg an. Neben der «Brücke» in Dresden war der Blaue Reiter die wichtigste Künstlervereinigung innerhalb des Expressionismus. Er proklamierte das individuelle Schöpfertum, das jede Form, auch die abstrakte, zur Steigerung des künstlerischen Ausdrucks als legitim ansah. Seine Ideen, zum Teil deutlich die Entfremdung des Künstlers in der spätbürgerlichen Gesellschaft widerspiegelnd, haben in ihren positiven Ansätzen fruchtbringend auf das Bauhaus gewirkt.

Blauer Montag: Bezeichnung für Montage, an denen Handwerksgesellen unter Berufung auf altes Herkommen nicht arbeiteten; Herkunft nicht geklärt.

Blaues Band: ursprünglich symbolische Auszeichnung, ab 1875 seidener blauer Wimpel, seit 1935 Pokal für die schnellste Überquerung des Nordatlantik zwischen Europa (Bishop’s Rock, auf den britischen Scilly Inseln) und Nordamerika (Ambrose-Leuchtfeuer vor New York).

Blauholz: zum Färben von Leder und Pelzwerk verwendeter Farbstoff aus dem tropischen Blutholzbaum. Blauholzextrakt wird an der Luft rot, ergibt mit Aluminiumsalzen einen blauvioletten und mit Chromsalzen einen schwarzen Farblack.

Blaukehlchen, Luscinia svecica: etwa 15 cm langer Singvogel des nördlichen Eurasiens; lebt in feuchten Gebieten in Bodennähe; das Männchen hat eine blaue Kehle mit weißem oder rotem Stern in deren Mitte.

Blaukissen, Aubrieta deltoidea: Kreuzblütler aus dem Balkan mit blauvioletten Blüten und polsterförmig-rasigem Wuchs; Aubrieta-Hybriden sind beliebte Frühblüher des Steingartens.

Blaukreuz: im 1. Weltkrieg üblicher Name für chemische Kampfstoffe mit Nasenrachenreizwirkung; benannt nach der damaligen Farbkennzeichnung der Munition.

Bläulinge: Lycaenidae - Familie der Tagfalter; Flügel der Weibchen meist bräunlich, die der Mannten bei den Echten Bläulinge blauschillernd, bei den Feuer- und Dukatenfaltern rot; Hinterflügel der Zipfelfalter etwas ausgezogen. Die Raupen einiger Aren leben gemeinschaftlich mit Ameisen.

Blaumerle, Monticola solitarius: etwa 20 cm langer, graublauer Singvogel Nordwestafrikas und Südeurasiens; lebt in steinigem Gelände. Siehe auch Singvögel.

Blauracke, Coracias garrulus: bis 32 cm langer Rackenvogel; in Ost- und Südeuropa sowie von Asien bis Indien verbreitet; fängt Insekten bzw. Käfer, brütet in Baum- oder Erdhöhlen; Zugvogel; in Deutschland selten. Siehe auch Rackenvögel.

Blauregen, Wisteria sinensis: windender Schmetterlingsblütler aus Ostasien mit blau-violetten, hängenden Blütentrauben; dekorative Zierliane.

Blaurücken: zu den sogenannt Pazifiklachsen gehörender Raubfisch des nördlichen Pazifiks, der zum Laichen in nordwestamerikanische Flüsse wandert und große wirtschaftliche Bedeutung hat.

Blausäure, Zyanwasserstoff (lateinisch griechisch); farblose, brennbare, äußerst giftige, sehr rasch verdunstende Flüssigkeit von fischig-mandelartigem Geruch; im Amygdalin unter anderem Glykosiden; chemisch gebunden vorkommend; die Salze heißen Zyanide. Blausäure kann nach Aufnahme über Haut, Lunge und Magen zur Blockierung der inneren Zellatmung und damit zum schnellen Tod führen. Blausäure wird durch Ammoxydation von Methan gewonnen und dient zur Schädlingsbekämpfung sowie zum Beispiel zur Herstellung von Meth-Acrylsäureestern.

Blauschimmel, Tabakblauschimmel. Pilzkrankheit les Tabaks, hervorgerufen durch Peronospora tabacina. Auf der Unterseite der Blätter bildet sich 8 bis 14 Tage nach der Infektion ein dichter, bläulich grauer Pilzrasen.

Blauschönung: Verfahren zur Kellerbehandlung des Weines mit Kaliumferrocyanid zur Entfernung von Eisen, Kupfer, Zink, Mangan sowie von Eiweißtrübungen.

Blaustern, Scilla: Gattung kleiner, meist blau blühender Liliengewächse mit Zwiebel und wenigen grasartigen Blättern; Frühjahrsblüher, Zierpflanzen.

Blausucht, Zyanose (dat. griechisch): blaurote Verfärbung des Körpers, insbesondere der Lippen und Fingernägel, meist infolge von Herz- und Lungenerkrankungen unter anderem; siehe auch Akrozyanose.

Blauton, Blauschlick: Meeressediment der hemipelagische Zone am Kontinentalhang, von 200 bis 2700 m Tiefe hinabreichend; durch organischen Substanzen dunkelgrau gefärbt.

Blauwal, Balaenoptera musculus: bis 33 m langer und 130 t schwerer Furchenwal mit kleiner Rückenflosse und langen, spitzen Bauchflossen; größtes lebendes Säugetier überhaupt; vom Aussterben bedroht; siehe auch Bartenwale.

Blech: plattenförmiges Halbzeug aus Stahl oder NE-Metall, das aus Brammen gewalzt und in Festmaßtafeln (Abmessungen zwischen 600 mm x 1800 mm und 2500 mm x 7500 mm) gehandelt wird. Bei Stahlblech unterscheidet man nach der Dicke Grobblech (4 bis 160 mm) und Feinblech (0,2 bis 3,75 mm), nach der Oberflächen- und Werkstoffgüte Handelsblech (Schwarzblech, für Verpackung oder normal beanspruchte Teile), Qualitätsblech (Ziehblech, für Tiefziehteile) und Blech mit vorgeschriebener Festigkeit (für höher-beanspruchte Teile). Form- oder Profilblech (Waffel- oder Riffelblech) wird durch Pressen, seltener durch Walzen hergestellt. Für bestimmte Zwecke kann die Oberfläche von Blech mit einem Überzug versehen, zum Beispiel verzinnt (Weißblech, als Verpackungsmaterial), plattiert (Plattieren) oder mit Plast beschichtet werden. Neben Stahlblech wird am häufigsten Aluminiumblech verwendet, das durch entsprechend Behandlung in den Güten weich, halb-hart und hart hergestellt wird, ferner Zink sowie Kupferblech.

Blechen, Karl, 29. 7. 1798-23. 7. 1840, Maler. Beeindruckt von C. D. Friedrich, J. C. Dahl unter anderem wandte sich Blechen der progressiven Strömung der Romantik zu, deren Naturbezogenheit ihn zu einer den Impressionismus vorbereitenden Gestaltungsweise führte. Mit der Hinwendung zu neuartigen Themen (Eisenwalzwerk bei Eberswalde) wurde er einer der wichtigsten Wegbereiter des Realismus in Deutschland.

Blei: 1. Blei, Brachsen: bis 74 cm langer, bleigrauer, hochrückiger Karpfenfisch in stehenden und langsam fließenden Gewässern Europas nördlich der Alpen; wichtiger Wirtschaftsfisch.

2. Blei, Plumbum (lateinisch), Symbol Pb: chemisches Element der Kernladungszahl 82; Atommasse 207,2. Blei kommt nur selten gediegen vor, das wichtigste Bleierz ist Bleiglanz (Galenit), PbS. Blei ist ein sehr weiches Schwermetall (Dichte 11,344 g/cm3). An Schnittflächen glänzt es bläulich Weiß; an der Luft überzieht es sich rasch mit einer mattgrauen Hydroxid-Carbonat-Schicht. Von Salpetersäure, aber auch von sauerstoff- und kohlendioxidreichem Wasser wird es angegriffen. Gegenüber hartem, sauerstoff- und kohlendioxidarmem Wasser und auch gegenüber Schwefelsäure ist es infolge Bildung unlösliche Schutzschichten beständig. Das Einatmen von Bleidämpfen und -stäuben, auch von Bleiverbindungen, sowie das Verschlucken führen zur Bleivergiftung, die unter anderem durch Anämie, Erbrechen, kolikartige Schmerzen, Mattigkeit, Verstopfungen, Gliederschmerzen und Verfärbungen des Zahnfleischsaumes, seltener durch Gehirnveränderungen gekennzeichnet ist. Vergiftungen mit Tetraäthylblei sind auch über die Haut möglich. Durch Aufbereitung des Erzes (meist Bleiglanz) entstehen Bleikonzentrate, die 60 bis 80% Blei enthalten. Gebräuchlichstes Gewinnungsverfahren ist das Röstreduktionsverfahren. Aus dem Bleikonzentrat wird der Schwefel durch Rösten entfernt; es liegt dann Bleioxid vor. Das Bleioxid wird im Schachtofen zu unreinem Blei (Werkblei) reduziert. Zinn, Arsen und Antimon werden im Flammofen mittels Luft aus dem Blei entfernt. Wismut und Edelmetalle werden durch intermetallische Fällung abgeschieden. Das Produkt heißt Verkaufsblei Technisch verwendet wird Blei für niedrigschmelzende Legierungen (Lager- und Schriftmetalle), Kabelmäntel, Rohre, Bleiakkumulatoren, im chemischen Apparatebau und als Strahlenschutzmaterial. Blei ist seit dem Altertum bekannt. Siehe auch Bleiverbindungen.

Bleiakkumulator: am häufigsten verwendete Akkumulator-Ausführung. Ein Bleiakkumulator besteht in der Regel aus mehreren in Reihe geschalteten Zellen (dann auch Bleibatterie genannt), wodurch sich die je Zelle vorhandene Urspannung von 2,0 V vervielfacht. Jede Zelle enthält 2 Bleigittersysteme in etwa 35%iger Schwefelsäure (Dichte 1,28 g/cm3). Im aufgeladenen Zustand ist das zum Minuspol führende Gittersystem mit grauem, schwammigem Blei, das zum Pluspol führende System mit dunkelbraunem Blei(IV)-oxid, gefüllt; bei Stromentnahme (Entladung) bildet sich auf beiden Gittersystemen weißes Blei(II)-sulfat, und die Säuredichte sinkt. Beim Aufladen (Plusan Pluspol, Minus an Minuspol des Ladegeräts) kehren sich die Vorgänge um.

Bleiche: technologischer Prozess der Rauchwarenveredlung zur Aufhellung von dunkel pigmentierten Fellen oder Fellteilen. Die Bleiche ermöglicht das Färben der meisten Pelzfelle in mod. hellen Tönen. Unpigmentierte (weiße) Felle lassen sich durch Bleiche in ihrem Weißgrad erhöhen, wodurch die Egalität zum Beispiel von Pastellfärbungen verbessert wird.

Bleichen: 1. Chemie: Entfernen, Zerstören oder Übertönen färbender Verunreinigungen in natürlichen oder technischen Produkten zur Erzielung eines helleren beziehungsweise rein weißen Aussehens. Adsorptiv wirkende Bleichmittel (Bleicherden, Aktivkohle) entziehen dem Gut (Fette, Öle, Wachse, auch Zucker) die färbenden Verunreinigungen. Chem. Bleichmittel zerstören die farbigen Verunreinigungen durch Oxydation (Bleichlaugen, Chlorkalk, Perborate, Wasserstoffperoxid; angewandt zum Beispiel bei Zellstoff, Haaren und vielen Textilfaserstoffen) oder führen sie durch Reduktion (Schwefeldioxid, Dithionite) in farblose Verbindungen über, die wegen mögliche Rückoxydation zu Farbstoffen ausgewaschen werden müssen. Optische Bleichmittel übertönen gelbliche Verunreinigungen durch bläuliche Fluoreszenzstrahlung. Siehe auch Weißtöner.

2. Gemüsebau: Maßnahme, bei der durch Fernhalten des Lichtes zarte Pflanzenteile erzielt werden sollen, zum Beispiel bei Chicorée durch Bedeckung mit Erde, bei Winterendivie durch Zusammenbinden der Pflanze.

3. Holztechnik: Aufhellen der Holzoberfläche oder Beseitigen nachträglich entstandener Verfärbungen (zum Beispiel durch Oxydation) durch entsprechend Bleichmittel, zum Beispiel organische Säuren, Wasserstoffperoxid; anschließend Nachwaschen (Neutralisieren) erforderlich.

bleichende Mittel: medizinische oder kosmetische Erzeugnisse, die Wasserstoffperoxid, Persalze oder Säuren, zum Beispiel Zitronensäure, enthalten und auf die Pigmentierung der Haut, Nägel und Haare aufhellend wirken, zum Beispiel Sommersprossencreme.

Bleichlaugen: durch Umsetzung zwischen Chlor und Alkalilaugen hergestellte, nach hypochloriger Säure riechende Flüssigkeiten, die durch Sauerstoffabgabe bleichend wirken. Natron-Bleichlaugen enthält Natriumhypochlorit, Kalibleichlaugen Kaliumhypochlorit. Die Bleichlaugen dienen zum Bleichen pflanzlicher Faserstoffe sowie zum Entgiften galvanischer Abwässer.

Bleichton: Sammelbezeichnung für tonähnliche, adsorptionsfähige Aluminiumhydrosilikate mit wechselnden Gehalten an Natrium, Kalzium, Magnesium und Eisen (zum Beispiel Bentonit).

Bleierze: Erze, aus denen durch Verhüttung Blei gewonnen werden kann. Wichtige Bleierze Minerale sind Galenit (86% Blei) und lokal die in der Verwitterungszone (Oxydationszone) von Galenit-Lagerstätten entstandenen Minerale Cerussit (77% Blei), Anglesit (68 % Blei) und Pyromorphit (75 % Blei).

Bleiglas: Glas mit hohem Bleioxidgehalt; dadurch ist es schwer, stark lichtbrechend, hat große Reflexion (Brillanz) und absorbiert Röntgenstrahlen. Bleiglas wird für optische Geräte mit Bleioxidanteilen bis 80%, als Bleikristallglas für Glaswaren mit 18 bis 32% geschmolzen.

bleiorganische Verbindungen: organisch-chemische Verbindungen mit einer Blei-Kohlenstoff-Bindung, zum Beispiel Tetraäthylblei. Die niederen bleiorganischen Verbindungen sind flüssige, brennbare, sehr giftige Substanzen.

Bleischnitt: holzschnittähnliche Technik zur Druckplattenherstellung für den Buchdruck; die nichtdruckenden Teile werden mittels Sticheln aus einer Bleiplatte manuell entfernt.

Bleisilikate: durch Schmelzen von Bleioxid mit Kieselsäure gewonnene chemische Verbindungen; verwendet als Rohstoff für bestimmte keramische Glasuren.

Bleistift: Schreib- und Zeichengerät aus Holz (Zedernholz, chemisch erweichtes und mit Beize gefärbtes Linden- oder Erlenholz oder mit Pilzen geimpftes Myko-Holz) mit rundem, sechseckigem oder ovalem Querschnitt und eingelegter Graphit- (früher Blei-) Mine.

Bleiverbindungen: Stoffe, in denen Blei chemisch gebunden ist. Alle Bleiverbindungen sind giftig. Nach der Wertigkeit ist zu unterscheiden zwischen den beständigen Blei(II)-verbindungen, in denen Ionenbindung vorherrscht, und den weniger beständigen BIei(IV)-verbindungen, die vorwiegend auf Atombindungen beruhen. Blei(II)-chlorid, ist ein farbloses, in heißem Wasser leicht lösliche Salz (F498°C), Blei(IV)-chlorid, ein gelbes, sich bei 105 °C zersetzendes Öl (-15 °C). Blei(II)-hydroxid, ein weißes Pulver, ist amphoter; es reagiert mit Säuren zu Blei(II)-salzeri, mit Basen zu Plumbaten(II) (früher Plumbite genannt), zum Beispiel Natriumplumbat(II), Blei(H)-karbonat, ist ein weißes, schwerlösliches Pulver. Blei(II)-nitrat, weiß und leicht wasserlöslich, zerfällt beim Erhitzen in Blei(II)-oxid, Stickstoffdioxid und Sauerstoff. Blei(II)-oxid, ein schweres Pulver (Dichte etwa 9,5 g/cm3), das beim Erhitzen einer Bleischmelze als rote Bleiglätte, beim Erhitzen von Blei(II)-hydroxid, -karbonat oder -nitrat als gelbes Massicot entsteht, dient zur Herstellung von Bleikristallglas und von intensiv rotem Blei(II.IV)-oxid (Tribleitetroxid, Bleimennige), das als Rostschutzpigment sowie zum Erschmelzen der aus Bleisilikat bestehenden «Fritte» zur Bereitung von Porzellanschmelzfarben dient. BIei(IV)-oxid, ein dunkelbraunes Pulver, entsteht beim Aufladen von Bleiakkumulatoren am Pluspol; mit Alkalihydroxid-Schmelzen bildet es farblose Plumbate(IV), zum Beispiel Natriumplumbat(IV). Blei(II)-sulfat, ein schwerlösliches, farbloses Pulver, bildet sich beim Entladen von Bleiakkumulatoren. Das schwarze Blei(II)-sulfid, kommt als Bleiglanz (Galenit) in der Natur vor. Bleizyanamid, ist ein gelbes Rostschutzpigment. Weitere bleihaltige Pigmente sind Bleiweiß, Chromgelb, Chromrot, Mennige, Molybdatrot und Neapelgelb. Siehe auch Tetraäthylblei.

Bleiverglasung: bereits den Römern bekannte und noch heute ausgeübte Technik, kleinere, oft farbige Glasscheiben in H-förmig profilierte Bleistreifen einzusetzen und zu größeren Glasflächen zusammenzufügen.

Bleiweiß: aus Bleihydroxid-Karbonat, bestehendes, gut deckendes, giftiges Weißpigment von hoher Wetterbeständigkeit. Es wird wegen seiner Fähigkeit, Anstrich Versprödungen zu verhindern, zum Beispiel in Ölgrundierungen für Fensteranstriche verwendet.

Blend, Blending: Mischen beziehungsweise Verschnitt mehrerer Sorten zu einem Standarderzeugnis mit abgerundetem Geschmack und Aroma (besonders Spirituosen, Tabak).

Blende: 1. Architektur: ein der Mauerfläche zum Schmuck aufgelegtes («vorgeblendetes»), flaches Architekturmotiv (Blendbogen, -arkaden).

2. Filmtechnik: a) Umlaufverschluss an der Bildaufnahmekamera und am Filmprojektor, der das Bildfenster während des Filmtransports abdeckt;

b) Mittel zur Verbindung zweier aufeinanderfolgender Filmsequenzen: Abblende (allmähliches Abdunkeln), Aufblende (allmähliches Sichtbarmachen), Überblendung (Übereinander Kopieren der letzten Bilder einer Szene mit den ersten der folgenden), Zerreißblende («Zerreißen» des letzten Bildes einer Szene bei Herausbildung des ersten der folgenden), Klappblende (Umklappen des letzten Bildes einer Szene in das erste der nächsten), Kaschblende (mit Hilfe eines «Kaschbandes» auf einer Trickmaschine hergestellte Formblende), Unschärfeblende («Verschwimmen» des letzten Bildes einer Szene und langsames Sichtbarwerden des ersten der folgenden), harter Schnitt (2 Einstellungen werden unmittelbar miteinander verbunden) unter anderem.

3. Fototechnik: Vorrichtung zur Strahlenbegrenzung. Die Irisblende, die sich im Objektiv befindet und deren Öffnung sich kontinuierlich verstellen lässt, ist die heute allgemeine übliche Blende.

4. Optik: Öffnung innerhalb eines optischen Systems, durch die das Gebiet begrenzt wird, in dem sich das Licht ausbreiten kann. Eine Blende kann auch zur Abschirmung von Streulicht dienen. Siehe auch Feldblende, Öffnungsblende.

Blenden: Oberflächenfärbung des Haarkleides oder der Lederseite von Pelzfellen.

Blendenreihe: Fototechnik die für die Blendeneinstellungen geltende genormte Zahlenfolge 1; 1,4; 2; 2,8; 4; 5,6; 8; 11; 16; 22; 32; 45 und so weiter. Bei Wahl der nächsthöheren Zahl (Blendenzahl) ist für gleichbleibende Belichtung die Belichtungszeit zu verdoppeln.

Blendrahmen: am Mauerwerk liegender Rahmen, zum Beispiel aus Holz, an dem das bewegliches Teil (Fenster- oder Türflügel) in dessen Falz schlägt.

Blendung: Sehzustand, der durch zu hohe Leuchtdichten oder zu große räumliche oder zeitliche Leuchtdichtekontraste als unangenehm empfunden wird (psychologische Blendung) oder eine Herabsetzung der Sehfunktion zur Folge hat (physiologische Blendung).

Blennorrhoe: eitrige Bindehautentzündung; besonders gefährlich, wenn sie durch Gonokokker verursacht wird (Augentripper bei Neugeborenen).

Blepharitis: Lidentzündung.

Blepharospasmus: Lidkrampf; durch Entzündung oder nervöse Reize verursacht.

Bleriot, Louis, 1. 7.1872-1. 8. 1936, französischer Ingenieur, Pilot und Flugtechniker; baute zunächst Doppeldecker und seit 1906 nach eigener Konstruktion Eindecker. 1907 gelang ihm der erste Flug mit einem Eindecker, 1908 erster Überlandflug (14 km in 11 min); 1909 überflog er als erster mit einem selbstgebauten Eindecker den Ärmelkanal (Calais Dover in 37 min).

Blessbock, Damaliscus dorca phillippsi: zu den Kuhantilopen gehörende Unterart des Buntbockes; lebt in gesicherten Beständen in südafrikanischen Schutzgebieten.

Blesshuhn, Blässhuhn, Fulica atra: heimische, bis 38 cm lange und 600 g schwere schwarze Ralle mit weißer Stimmplatte («Blesse») und seitliche Schwimmlappen an den Zehen; häufiger Brutvogel an Seen und Teichen; legt 4 bis 10 Eier in das im Schilf versteckte Nest; die Dunenjungen sind schwarz mit orange-rotem Kopf und Hals; Hauptnahrung sind Unterwasserpflanzen, Muscheln, Schnecken.

Blindboden, Blendboden: Unterlage aus rauen ungespundeten Brettern zur Befestigung des eigentlich Fußbodens (Stabfußboden, Parkett).

Blinddarm, Caecum, Coecum: zur Bauhinschen Klappe gelegener Dickdarmabschnitt. Bei einzelnen Tieren unterschiedlicher Ausbildung (zum Beispiel paarig) und Funktion, trägt beim Menschen als Anhang den Wurmfortsatz.

Blinddruck, Blindpressen: Druck und Prägen ohne Druckfarbe oder Farbfolie, um ein geprägtes, reliefartiges, farbloses Schriftbild oder dekoratives Bildmotiv (zum Beispiel zur Verzierung von Buchdecken) zu erhalten.

Blindenschreibmaschine: Schreibmaschine für Blindenschrift, bei der durch Anschlägen von maximal 6 Tasten Punkte in verschiedener Anordnung in Papier geprägt werden. Ausführung als Blattschreiber (für Korrespondenz) und Streifenschreiber (für Stenografie Zwecke).

Blindenschrift, Brailleschrift (nach L. Braille): in Papier oder anderem blattförmigem und verformbarem Material hochgeprägte oder auf einen Bedruckstoff reliefartig aufgedruckte, aus Teilen des Sechspunktgrundzeichens bestehende Punktgruppen (kodierte Schriftzeichen), die von Blinden abgetastet («gelesen») und eingedrückt («geschrieben») werden können. Die Blindenschrift ist international eingeführt.

Blindensendung: gebührenfreie Postsendung bis 7 kg, die Nachrichten in Blindenschrift, unbeschriebenes Blindenschriftpapier, Tonbänder und Schallplatten enthält und offen eingeliefert wird. Die Gebührenfreiheit gilt nur für Blindensendung, die von Blinden versandt oder an sie gerichtet werden.

Blindenuhr: Analoguhr für Blinde; Reliefmarkierungen auf dem frei zugänglichen Zifferblatt und stabile Zeiger ermöglichen durch Abtasten die Zeit festzustellen. Ein Sprungdeckel schützt vor Verstellen der Zeiger beim Tragen.

blinder Fleck: Gebiet des Sehnervaustritts in der Netzhaut.

Blindgänger: Geschoß, Bombe, Mine unter anderem Munition, deren Sprengladung infolge Versagens des Zünders oder ausbleibender Reaktion der Ladung nicht detoniert ist; oft nach Jahren noch detonationsfähig. Blindgänger dürfen nur durch Spezialisten unschädlich gemacht werden.

Blindheit: Verlust des Sehvermögens; im juristischen Sinn wird nicht nur die vollständige Erblindung als Blindheit bezeichnet, sondern auch die fast völlige Blindheit und die hochgradige Sehschwäche. Angehörige aller 3 Gruppen erhalten in der DDR eine staatliche Unterstützung in abgestufter Form (Blindengeld Stufe I, II und III). Sie haben Anspruch auf ein Verkehrsschutzabzeichen (gelbe Armbinde mit 3 schwarzen Punkten oder entsprechend Plakette).

Blindleistung: Leistungsanteil bei Wechselstrom, der nicht zur nutzbaren Energieumformung beiträgt. Die Blindleistung ist das Produkt aus Spannung U, Stromstärke I und dem Sinus des Phasenwinkels; sie wird durch Blindleistungskompensation klein gehalten.

Blindleistungskompensation: die vollständige oder teilweise Aufhebung der meist induktiven Blindleistung in Wechselstromkreisen in Verbrauchernähe durch Parallelschaltung von Phasenschiebern (Kapazitäten oder Synchronmaschinen). Durch Blindleistungskompensation werden die Verluste im Energieversorgungsnetz vermindert.

Blindmaterial: nicht schrifthohe, zwischen Drucktypen und Satzzeilen eingefügte Stücke aus Letternmetall; bilden die nichtdruckenden Stellen der Bleisatzseite. Nach Aufgabe und Größe unterscheidet man Ausschluss für die Wortzwischenräume (das dünnste Ausschlussstück von 1 oder 1V2 Punkt Dicke heißt Spatium)-, Durchschuss zur Vergrößerung der Zeilenabstände (bei >4 Cicero Länge Bezeichnung Reglette); Quadraten vorwiegend zum Ausfüllen nicht vollgesetzter Zeilen; Stege zum Ausfüllen größerer nichtdruckender Flächen.

Blindmuster, Leermuster, ein hinsichtlich Einbandmaterial, Papierqualität und Aufmachung der späteren Auflage entsprechend Ausführungsmuster eines industriellen Buchbindereiprodukts, das vor der Herstellung der Auflage angefertigt und dem Auftraggeber zur Genehmigung vorgelegt wird.

Blindrebe: 30 bis 40 cm lange, verholzte, unbewurzelte Rute eines Rebstockes; in reblausfreien Weinbaugebieten zur Pflanzung verwendet.

Blindschaltbild: Übersichtliche, symbolisierte Darstellung elektrischer oder anderer Anlagen, von Energie- oder Masseflüssen auf einer Schalttafel, in die Betätigungsorgane und Rückmelder funktionsrichtig eingeordnet sind; eventuell als Leuchtschaltbild ausgeführt.

Blindschleiche, Anguis fragilis: gliedmaßenlose, bis 45 cm lange Schleiche, lebendgebärend, frisst Nacktschnecken, Regenwürmer u. ä.; in Europa, Nordafrika und Vorderasien verbreitet.

Blindspiel: Schach (Simultan-) Spiel ohne Ansicht des Brettes und ohne Hilfsmittel Blindspringer, Onychiuridae: Familie der Springschwänze mit blinden, unterirdischen lebenden Arten. Blindversuch: Methode zur Erfassung und Bewertung der Wirksamkeit von Arzneimitteln am Menschen. Gebräuchlich sind der einfache Blindspiel und der doppelte Blindspiel Mit Hilfe des Blindspiel versucht man, die subjektiven Faktoren sowohl seitens des Patienten als auch seitens des Arztes und des Hilfspersonals bei der Einschätzung der Wirksamkeit des Arzneimittels auszuschalten.

Blindwanzen, Miridae: artenreiche Wanzenfamilie mit kleinen, schlanken, buntgescheckten, langbeinigen Arten, ohne Punktaugen; hierzu die an Kultur- und Zierpflanzen schädlich auftretenden Blattwanzen (Lygus unter anderem).

Blindwühlen, Schleichenlurche, Gymnophiona, Apoda: Ordnung in den Tropen und Subtropen unterirdisch lebender oder wasserbewohnender wurmähnliche Lurche mit verkümmerten Augen; in Südamerika die 30 cm lange, eierlegende Ringelwühle (Siphonops annulatus); die Ceylon-Blindwühlen (ichthyophis glutinosus) bewohnt die Uferzonen von Gewässern.

Blinken: regelmäßiges und kurzzeitiges Aufleuchten einer Lichtquelle, zum Beispiel bei Warnsignalen oder Fahrtrichtungsanzeigern. Gelbe beziehungsweise rote Blinklichter weisen auf örtliche Gefahrenstellen hin; Blinkleuchten zum Anzeigen der Fahrtrichtungsänderung sind paarweise symmetrisch an Vorder- und Rückseite von Straßenfahrzeugen angebracht.

Blitzfiguren: durch Blitzschlag entstandene, mitunter baumartig verästelte Verbrennungen der Haut.

Blitzgerät: Fotografie Gerät mit Blitzlichtquelle, die ein Blitzlicht ein- oder mehrmalig abgibt Blitzlichtquelle kann eine Blitzlampe im Blitzlampengerät oder eine Blitzröhre im Blitzröhrengerät sein. Die für die Aufnahme erforderliche Lichtmenge wird durch die Blendeneinstellung im Objektiv geregelt (Leitzahl). Das Computerblitzgerät regelt die Lichtmenge selbsttätig durch Abschalten der Blitzröhre nach einer bestimmten Leuchtzeit.

Blitzkrieg: imperialistische Strategie, die einen Aggressionskrieg durch plötzlichen Überfall und Zerschlagung der gegnerischen Streitkräfte noch in der Phase ihrer Mobilmachung und Entfaltung schnell zugunsten des Aggressors zu entscheiden sucht. Im imperialistischen Deutschland erdacht und in beiden Weltkriegen verbrecherisch praktiziert, brachte sie zeitweilige Erfolge, scheiterte aber schließlich am realen Kräfteverhältnis der Seiten. Abenteuerliche Versuche imperialistischer Mächte, besonders der USA, auch Israels, die Idee des Blitzkrieg wiederaufzugreifen, beruhen vor allem auf der Vernichtungskraft von Kern- unter anderem modernen Waffen.

Blitzlampengerät, Lampenblitzgerät: Gerät zum Betrieb einer Blitzlampe. Die Blitzlampe (Kolbenblitz) erzeugt einmalig ein Blitzlicht.

Blitzlicht: kurzzeitige starke Lichtabstrahlung zum Beleuchten eines Motives zur fotografischen Aufnahme. Blitzlichtquellen sind Blitzlampen und ¡Blitzröhren.

Blitzröhre, Elektronenblitzröhre, Lichtblitzröhre: Entladungslampe, die einen hohen Lichtstrom tageslichtähnliche Farbtemperatur impulsförmig abgeben kann. Diese Impulse können im Gegensatz zum Kolbenblitz wiederholt erzeugt werden; Voraussetzung ist ein Blitzröhrengerät.

Blitzröhrengerät, Elektronenblitzgerät, Röhrenblitzgerät: Gerät zum Betrieb einer Blitzröhre.

Blitzschach: Schachpartie mit schneller Zugfolge (5 oder 10 s) und stark verkürzter Spielzeit (zum Beispiel 5 min).

Blitzschlag: Eindringen des Blitzes in einen zur Erde führenden Stromleiter, der zum Beispiel ein Mensch, ein Baum oder ein Gebäude sein kann; beim Menschen oft tödlich verlaufend durch Hitze-, Herzmuskelschädigungen oder Nervenlähmungen. Siehe auch Elektrounfall, Erste Hilfe.

Blitzschutz: Anlage aus ausreichend bemessenen metallischen Leitern zum Ableiten atmosphärischer elektrischer Entladungen zur Erde. Der Blitzschutz besteht aus Blitzableiter (Auffangeinrichtung), Auffangleitungen und im Baugrund liegender Erdleitung.

Blitzturnier: Wettkampf in Turnierform zwischen Mannschaften oder Einzelspielern bei verkürzter Spielzeit und rascher Aufeinanderfolge der Spiele (beziehungsweise im Schach der Zugfolge).

Blitzwürfel: kleines Gehäuse mit 4 Blitzlampen, die sich unabhängig voneinander zünden lassen. Der Blitzwürfel wird auf die Kamera aufgesetzt.

Blizzard: eisiger, mit Kaltlufteinbrüchen verbundener, oft von Zerstörungen begleiteter Schneesturm in Kanada und in den nördlichen Gebieten der USA.

Bloch-Wand: (nach F. Bloch) einige 100 Atomlagen starke Grenzzone zwischen Domänen eines Ferromagnetikums, innerhalb deren die magnetische Orientierung einer Domäne kontinuierlich in die einer benachbarten Domäne übergeht;

Block: 1. Geologie: versteifter Teil der Erdkruste, der auf tektonische Beanspruchung im Wesentlichen mit Bruchbildung reagiert.

2. Hüttenwesen: im Stahlwerk in einer Kokille gegossenes Vorerzeugnis mit oft quadratischer Querschnitt zur Herstellung von Halbzeugen im Walzwerk.

3. Medizin: zeitweilige oder ständige Unterbrechung der Erregungsüberleitung im Herzen, kann zu unabhängiger Tätigkeit der Herzvorhöfe und -kammern führen.

4. Philatelie: für Sammel- oder Spendenzwecke ausgegebener Sonderdruck einer oder mehrerer Briefmarken mit allseitigem Rand, der meist Hinweise auf den Ausgabeanlass oder -zweck trägt.

5. Volleyball: Sperre zur Abwehr eines Angriffsschlages, die durch 1 bis 3 mit erhobenen Händen dicht am Netz (gleichzeitig) hochspringende Spieler gebildet wird.

Block, Blok, Alexander Alexandrowitsch, 28.11.1880-7.8.1921, russischer Lyriker, anfangs führender Vertreter des Symbolismus; wandte sich nach den «Versen von der Schönen Damfe» (1904, deutsch) stärker der sozialen und historischen Wirklichkeit zu; gestaltete in dem Poem «Die Zwölf» (1918, deutsch) die erneuernde Kraft der Oktoberrevolution und rief zum Aufbau einer neuen Kultur auf («Intelligenz und Revolution», 1918, deutsch; «Der Zusammenbruch des Humanismus», 1919, deutsch). In deutscher Übersetzung «Ausgewählte Werke» (3 Bände:, 1978).

Blockade: 1. Sperrung der internationalen Verbindungswege eines anderen Staates, insbesondere seiner Seeverbindungen, unter Einsatz von Streitkräften, um Druck auszuüben oder militärische Ziele zu erreichen. Eine Blockade kann umfassend oder zeitlich beziehungsweise räumlich begrenzt sein. Sie ist nur zulässig, wenn sie auf dem Recht der Staaten auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung oder auf einem entsprechend Beschluss des UN-Sicherheitsrates beruht Anderenfalls verstößt sie gegen das Völkerrecht. Gewaltverbot und gegen das Grundprinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten.

2. Polygraphie: im Satz die Kennzeichnung von Stellen, die im Manuskript unleserlich oder später im Satz zu ergänzen sind, mittels auf den Kopf gestellter Drucktypen oder stark hervortretender Schriftzeichen.

Blockanlage: elektrisch wirkende Anlage zur Sicherung der Zugfahrten auf der freien Strecke (Streckenblock) und in den Bahnhöfen (Bahnhofsblock); verschließt Fahrstraßen und Signale. Der Fahrdienstleiter gibt durch Bedienen der Blockanlage die Signale frei und übernimmt damit die Verantwortung für die Zugfahrt. Durch den Bahnhofsblock werden die verschiedenen Stellwerke eines Bahnhofes und durch den Streckenblock die Signale benachbarter Bahnhöfe und Blockstellen in gegenseitige Abhängigkeit gebracht. Der automatischen Block (auch selbsttätiger Streckenblock genannt) ist eine Blockanlage, die keinerlei manuelle Bedienung erfordert.

Blockbild:

1. Blockbild, Blockdiagramm: Kartographie räumlicher-perspektiv. Darstellung eines blockförmigen Ausschnitts der Erdkruste zur Veranschaulichung von Oberflächenformen und geologischer Bau.

2. Technik: Darstellungselement für ein System, bei dem die Eingangs- und Ausgangsgrößen als Pfeile angetragen werden. Gibt es keine Kenntnisse über das Systeminnere, spricht man von Black-Box. Blockbuch: von Holztafeln gedrucktes Buch. Bild und Text wurden aus dem gleichen Holzstock herausgeschnitten; 1430/80 in Deutschland und den Niederlanden vorkommender Vorläufer des mit beweglichen Lettern gedruckten Buches.

Blockflöte: Längsflöte mit Schnabelmundstück und Grifflöchern; seit dem 14. Jahrhundert als Recorder im englischen Musikgebrauch, im 16./17. Jahrhundert nur «Flöte» genannt, im 18. Jahrhundert als Schnabelflöte oder Flauto dolce bezeichnet. Im Frühbarock erfolgte die Teilung des Rohres in Kopf-, Mittel- und Fassstück. Das Kopfstück enthält einen Block, über dem ein schmaler Windkanal (Kernspalte) frei bleibt, durch den der Atem des Bläsers bis zum Fenster (Aufschnitt) führt. Die Spielröhre hat meist 7 vorderständige Grifflöcher und ein Daumenloch. Heute wird die Blockflöte als Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassblockflöte aus Ahorn, Birne, Edelhölzern oder Kunststoff hergestellt. Im 16./17. Jahrhundert sehr beliebt, wurde sie um 1750 von der Querflöte verdrängt; seit etwa 1920 Wiederbelebung, besonders für Haus- und Jugendmusik.

Blockierung, Verriegelung: aus Relaisschaltungen und Schaltschützen bestehende elektrotechnischer Schutzeinrichtung gegen Havarien, falsche Bedienung, Gesundheitsschäden unter anderem bei größeren technologischen, verkehrstechnischen unter anderem Anlagen.

Blockmeer, Felsenmeer. Anhäufung von Felsblöcken; entstanden aus grobblockreichen Schuttdecken, aus denen das Feinmaterial ausgespült wurde (zum Beispiel im Harz). Streifenförmige Blockanhäufungen werden Blockstrom, konusartige am Fuß steiler Hänge Blockhalde genannt

Blockmontage: Montageverfahren im Industriebau, bei dem vorgefertigte und zusammengebaute technologische Einheiten (Kraftwerksblöcke, Destillationskolonnen) mit entsprechend Hebezeugen (Kranen) zum Bauwerk montiert werden.

Blockpackung: Anhäufung von grobstückigen Geschieben in Moränen, zum Beispiel bei Althüttendorf (Kreis Eberswalde).

Blockschaltbild: graphische Darstellung der Funktionsstruktur eines Systems, in dem die einzelnen Funktionseinheiten als Blockbilder dargestellt sind. Aus dem Blockschaltbild sind der Stoff- und der Energiefluss und damit auch der Signalfluss innerhalb eines technischen Mittels ersichtlich. Die räumliche Anordnung der Elemente des Blockschaltbilds braucht mit derjenigen des technischen Mittels (Erzeugnisses) nicht übereinzustimmen.

Blockschaltung: im modernen Kraftwerk (Blockkraftwerk) die unmittelbare Zusammenschaltung eines Dampferzeugers (-kessels), einer Dampfturbine und eines Turbogenerators; dabei sind alle Einzelaggregate in der Leistung aufeinander abgestimmt.

Blockschrift: blockartige Schreibweise von Großbuchstaben ohne Haarstriche und mit gleich starken Grundstrichen von Hand oder als Druckschrift (Groteskschrift).

Blocksignal: Eisenbahnsignal auf Strecken mit dichter Zugfolge, das unter Verschluss der nächsten Zugfolgestelle liegt.

Blockstelle: Betriebsstelle auf der freien Strecke; unterteilt lange Streckenabschnitte zwischen 2 Bahnhöfen.

Blockumfahrung: durch Verkehrszeichen Bild der StVO ausgewiesene Führung abbiegender Fahrzeuge um einen Häuserblock, wodurch der betreffende Knotenpunkt vom Linksabbiegeverkehr entlastet wird.

Blombergkröte, (nach einem schwedischen Zoologen) Kolumbianische Riesenkröte, Bufo blombergi: mit 24 bis 28 cm Körperlänge und nahezu 3 kg Gewicht größte Kröte der Erde; der Rücken ist relativ glatt und lederbraun gefärbt, die Flanken sind dunkel; ernährt sich von kleinen Wirbeltieren und Insekten; bewohnt Regenwaldgebiete Kolumbiens; wurde erst 1951 entdeckt.

Bloomfield, Leonard, 1.4.1887-18.4.1949, US-amerikanischer Sprachwissenschaftler; Begründer der deskriptiven Linguistik, einer der Hauptvertreter der strukturellen Linguistik in den USA.

Blöße: 1. Fechten: der durch die eigene Klinge ungeschützte Teil der gültigen Trefffläche.

2. Lederherstellung: Leder.

3. Rauchwarenkunde: spärlich behaartes und damit geringwertiges Pelz Fell.

Blouson: in oder unterhalb der Taille durch ein Bündchen (ursprünglich Strickbündchen) zusammengehaltenes Kleidungsstück.

Blow-out-Fraktur: Berstungsbruch des dünnen Knochens am Augenhöhlenboden bei stumpfer Gewalteinwirkung auf den Augenbereich (zum Beispiel Tennisballaufprall).

Blücher: Gebhard Leberecht von, 16.12.1742-12.9.1819, preußischer Generalfeldmarschall; kämpfte 1806 entschlossen gegen Napoleon I., unterstützte die bürgerlichen Reformen in Preußen. Als Oberbefehlshaber der Schlesischen Armee war Blücher maßgeblich an bedeutenden Siegen im Befreiungskrieg 1813/14 beteiligt. Kriegsentscheidend waren sein Übergang über die Elbe und sein rechtzeitiges Erscheinen in der Schlacht bei Möckern (siehe auch Völkerschlacht bei Leipzig). Blücher war der volkstümliche Feldherr der Befreiungskriege («Marschall Vorwärts»).

Blueback: (englisch, «Blaurücken») Fell bis zu einem Jahr alter Klappmützen mit blaugrauem Rücken und weißer Bauchseite. Das dichte und langhaarige Blueback wird zu Jacken und Mänteln verarbeitet.

Blues: (englisch to feel blue, «traurig sein»)

1. volkstümliches weltliches Lied der nordamerikanischen Farbigen; entwickelte sich nach der Aufhebung der Sklaverei in den USA (1865) aus der Verschmelzung afrikanischer und europäischer musikalischer Traditionen zu einer kulturellen Ausdrucksform der Farbigen, in der sie ihre soziale Lage widerspiegelten; wurde in den 20er Jahren durch die kapitalistische Musikindustrie zu einer städtlichen Unterhaltungsmusik umgeformt und auf ein 12taktiges Formschema festgelegt. Der Blues ist eine der Wurzeln des Jazz und eine musikalische Grundlage der Rockmusik.

2. auf der Grundlage der ursprünglich Volksgesänge nach 1920 entstandener Modetanz im 4/4-Takt; seit 1929 stilisierter Gesellschaftstanz.

Bluff: dreiste Irreführung; Täuschung durch Verblüffung.

Blühhormon: keine definierte chemische Substanz, sondern wahrscheinlich ein Gemisch aus Auxin, Gibberellin, Cytokinin, Äthylen und Abscisinsäure, das in einer bestimmten Zusammensetzung unter exakt definierten Lichtverhältnissen die Bildung der generativen Organe auslöst.

Blumauer, Aloys, 21.12.1755-16.3.1798, österreichischer Schriftsteller, Ex-Jesuit, Freimaurer; verfasste als Travestie das satirisch-komische Heldengedicht «Die Abenteuer des frommen Helden Aeneas oder Virgils Aeneis» (1./9. Gesang, 1783/88).

Blume: 1. Gartenbau: bei Samenpflanzen Bezeichnung für eine Einzelblüte oder einen als Einheit erscheinenden, aus meist kleinen Einzelblüten bestehenden Blütenstand, zum Beispiel bei Korbblütlern (Sonnenblume).

2. Jagdwesen: a) Schwanz bei Kaninchen und Hase;

b) äußerste Schwanzspitze bei Fuchs und Wolf.

3. Lebensmitteltechnik: a) Schaumkrone auf frisch eingeschenktem Bier;

b) Gesamtheit der Duftstoffe beim Wein (Bukett);

c) Kugelstück der Rindskeule.

4. Tierzucht: Abzeichen.

Blume, Friedrich, 5.1.1893-22.11.1975, Musikwissenschaftler der BRD; 1934/58 Professor in Kiel; veröffentlichte Schriften zur Kirchenmusik, zu M. Praetorius, J. S. Bach unter anderem; war Herausgeber besonders der Enzyklopädie «Die Musik in Geschichte und Gegenwart» (1949/68).

Blumenau: Stadt im Bundesstaat Santa Catarina (Brasilien), 56 km vom Atlantik entfernt; 120000 Einwohner (starker Anteil deutschsprachiger Bevölkerung); Mittelpunkt eines Gebietes mit intensiver Landwirtschaft; Nahrungsmittel-, Holz- und Textilindustrie, Stahlwarenherstellung; Sitz wichtiger Handelsfirmen für Agrarprodukte; Universität, Theater. 1850 von dem deutschen Arzt H. Blumenau gegründet.

Blumenbach, Johann Friedrich, 11. 5.1752-22.1. 1840, Mediziner und Naturforscher; Begründer der modernen Anthropologie.

Blumenbinderei: berufsmäßig betriebene Verarbeitung von Blumen und Zierpflanzen zu Raum und Festschmuck.

Blumenfliegen: Fliegenfamilie; Vollkerfe sind Blütenbesucher, Larven leben von Zerfallsstoffen oder als Pflanzenschädlinge; hierzu Brachfliege, Kohlfliege, Rübenfliege, Zwiebelfliege.

Blumenfrischhaltemittel: Mittel, die der Verlängerung der Haltbarkeit von Schnittblumen dienen. Wirksame Blumenfrischhaltemittel enthalten meist Mischungen mehrerer chemischer Substanzen, die keimhemmend wirken und eine zusätzliche Assimilateversorgung der Pflanzenzellen, insbesondere durch Zusatz von Rohrzucker, ermöglichen.

Blumenkohl, Brassica oleracea var. botrytis: Gemüsepflanze der Gattung Kohl aus dem östlichen Mittelmeergebiet; gegessen werden die gestauchten, zu einer kopfförmigen «Blume» vereinigten, sterilen Blütensprosse. Wichtige Anbaugebiete des vitaminreichen Edelgemüses sind Europa und Nordamerika.

Blumenrohr, Canna: Staude des tropischen und subtropischen Amerikas, mit roten oder gelben asymmetrischen Blüten und großen, ganzrandigen Blättern. Dekorative Zierpflanze in Parkanlagen.

Blumenthal: 1. Hermann Blumenthal, 31.12.1905-17.8.1941 (gefallen), Bildhauer, Schüler von W. Gerstel und E. Scharff. Sein Werk wird von archaischer Strenge und hoher Geistigkeit bestimmt; bevorzugt gestaltete er nackte Jünglingsfiguren voll innerer Ruhe.

2. Oskar Blumenthal, 13.3.1852-24.4.1917, Schriftsteller und Theaterleiter, gründete 1888 das Berliner Lessingtheater, Herausgeber des Grabbe-Nachlasses; Lustspiel „Im weißen Rößl“ (1898).

Blumenuhr: a) Blumenbeet mit Pflanzen, deren Blüten sich arttypisch zu bestimmten Tagesstunden öffnen beziehungsweise schließen;

b) ein unterirdisches Uhrwerk, das meterlange Zeiger über ein mit verschieden farbigen Teppichpflanzen in Zifferblattform gestaltetes Blumenbeet entlanggleiten lässt.

Blumenwanzen, Anthocoridae: Familie der Landwanzen; ernähren sich von Blattläusen unter anderem Insekten.

Blumenweg, japanisch Hanamichi: im japanischen Kabuki Theater Laufsteg durch den Zuschauerraum zur Bühne für Auftritt und Abgang der Darsteller.

Blusenmänner: im 19. Jahrhundert Angehörige revolutischer Organisationen, die als Kennzeichen ihrer politischen Zugehörigkeit gleiche Kleidungsstücke trugen, zum Beispiel die Anhänger Garibaldis rote, die französischen Revolutionäre blaue Blusen.

Blut: der flüssige Inhalt des Herzens und aller Blutgefäße; beim Erwachsenen 7 bis 9% der Gesamtkörpermasse. Es besteht zu 45 Vol-% aus Blutzellen, wobei der Anteil an roten Blutzellen (Erythrozyten) über 99% beträgt, und zu 55 Vol-% aus Plasma. Das Blutplasma stellt eine Lösung von Eiweißen (Albuminen, Globulinen, Fibrinogen), Glukose, Lipiden (Fettmolekülen) sowie von Enzymen, Hormonen und mineralische Ionen dar, wovon das Natrium einen besonders hohen Anteil besitzt. Die bei der Blutgerinnung sich aus dem Blutkuchen abscheidende klare, nicht mehr gerinnungsfähige Flüssigkeit heißt Blutserum. Das Blut erfüllt für Nahrungsstoffe und deren Abbauprodukte, für die in den Stoffwechsel einbezogenen Atemgase Sauerstoff und Kohlendioxid, für Wasser, Salze, Hormone unter anderem Wirkstoffe sowie Wärme die Aufgabe als Transportorgan und Vermittler zwischen allen Zellen und Geweben. Wichtige Eigenfunktionen sind die Fähigkeit, Puffer im Säure-Basen-Haushalt zu sein, eingedrungene Fremdstoffe und Gifte abwehren (Immunreaktion) und eröffnete Blutgefäße (Blutgerinnung) verschließen zu können. Die Gesamtheit aller für die Erfüllung dieser Aufgaben notwendigen Eigenschaften und seine Zusammensetzung lassen das Blut als ein flüssiges Organ erscheinen. Siehe auch Blutzellen.

Blutalgen: Gruppe roter Flagellaten (zum Beispiel Euglena sanguinea), die Gewässer rötlich verfärben können.

Blutauffrischung: einmalige Anpaarung von Vatertieren aus dem Ursprungszuchtgebiet an weibliche Tiere derselben Rasse in Nachzuchtgebieten, um Degenerationserscheinungen und Inzucht zu vermeiden. Siehe auch Bluteinmischung.

Blutbild: Angabe über Anzahl und Art der roten und weißen Blutzellen sowie Gehalt an rotem Blutfarbstoff im Kapillarblut.

Blutbildung: Entstehung der Blutzellen und der organischen Bestandteile des Blutplasmas, besonders der Eiweiße. Die roten Blutzellen (Erythrozyten) entstehen im roten Knochenmark aus kernhaltigen Mutterzellen (Erythroblasten), verlassen aber ohne Zellkern das Knochenmark in Richtung Blut. Die weißen Blutzellen (Leukozyten) entstehen in Lymphknoten, dem weißen Knochenmark und der Milz. Die Blutplättchen (Thrombozyten) entstehen aus Riesenzellen des Knochenmarks. Die Plasmaeiweiße werden vorwiegend in der Leber synthetisiert. Bei Mangel an Sauerstoff kann die Blutbildung beschleunigt werden, zum Beispiel bei Höhenaufenthalt.

Blutdruck: der durch die Herztätigkeit erzeugte Druck in den Blutgefäßen, vorwiegend für den Druck in den großen Arterien gebraucht (arterieller Blutdruck). Während der Kontraktion des Herzmuskels erreicht er seinen höchsten Wert (systolischer Blutdruck), in der Erschlafungsphase fällt er auf einen geringeren Wert ab (diastolischer Blutdruck). Beim gesunden jugendlichen Erwachsenen in Ruhe beträgt der systolischer Blutdruck 16 kPa (= 120 mm Hg), der diastolischer Blutdruck 10,6 kPa (= 80 mm Hg). Der Blutdruck steigt bei psychischen und physischen Belastungen an und fällt im Schlaf leicht ab. Der Mittelwert des zwischen systolischer und diastolischer Wert pulsierenden Blutdruck heißt arterieller Mitteldruck. Im kleinen Kreislauf (Lungenkreislauf) sind die Werte niedriger als im großen (Körperkreislauf). Der arterielle Blutdruck wird im Organismus geregelt. Rezeptoren messen ihn und bewirken über das Zentralnervensystem reflektorisch Veränderungen der Herztätigkeit und der Blutgefäßweite, so dass seine Abweichungen vom Sollwert korrigiert werden.

Blüte: der geschlechtlichen Fortpflanzung dienender, für die Samenpflanzen charakteristischer Spross begrenzten Wachstums mit meist in Kreisen angeordneten Blättern spezieller Funktion. Die vollständige Blüte der Decksamer besteht aus den an der Blütenachse sitzenden Staub- und Fruchtblättern, die von der Blütenhülle umgeben sind; diese ist unterteilt in meist grüne Kelch- und farbige Kronblätter. Männliche Organe der Blüte sind die Staubblätter (Staubgefäße), die den Blütenstaub (Pollen) enthalten. Weibliche Organe sind die Fruchtblätter, bei den Decksamern zu einem oder mehreren Fruchtknoten mit Griffel und Narbe verwachsen, die Samenanlagen umschließend.

Bluteinmischung: einmalige Einkreuzung von Tieren einer anderen Rasse beziehungsweise Linie; dabei soll der Grundtyp der vorhandenen Rasse bestehen bleiben, einzelne wertvolle Eigenschaften der anderen Rasse sollen jedoch übernommen werden. Siehe auch Blutauffrischung.

Blütenformel: in Buchstaben und Ziffern erscheinende Angaben über die Symmetrieverhältnisse der Blüte und Anzahl der Blütenorgane. Zusammen mit dem Blütendiagramm, in dem zusätzlich die Stellungsverhältnisse innerhalb der Blüte dargestellt werden, kann mit der Blütenformel ein Schema des Blütenbaus gegeben werden, das der systematischen Einordnung von Pflanzen dient.

Blütengewächse, Blütenpflanzen: Kulturpflanzen, deren Blüten- beziehungsweise Fruchtstände genutzt werden (zum Beispiel Hopfen, Kamille).

Blüteninfektion: über die Blüte erfolgende Pilzinfektion; bei den Flugbrandarten, zum Beispiel von Gerste und Weizen, dringt das Myzel in den Embryo ein und verbleibt dort in einer Art Ruhezustand bis zur Aussaat.

Blütenknospenbildung: im Obstbau die nach erfolgtem Impuls zur Blütenentwicklung einsetzenden Vorgänge im Vegetationskegel einer Knospe zur Herausbildung der einzelnen Organe einer Blüte, die im Juni bis Juli beginnen und vor dem Aufblühen der Blütenknospe im Frühjahr beendet sind.

Blütenpomade: mit Duftstoffen gesättigtes Fett. Die Blütenpomade werden durch Enfleurage gewonnen, bei welcher die Blüten (vor allem von Jasmin und Tuberose) luftdicht zwischen Glasplatten gelagert werden, die mit reinem Fett bestrichen sind. Aus der Blütenpomade werden mit Äthanol die ätherischen Öle extrahiert, die in der Parfümerie Verwendung finden.

Blütenstand, Infloreszenz: blütentragender, oft verzweigter Sprossabschnitt der Samenpflanzen, von der Laubregion abgegrenzt; trägt außer den Blüten nur Hochblätter.

Blütenstaub, Pollen: mikroskopisch kleine, meist kugelige Körner, die in den Staubgefäßen entstehen. Sie enthalten die männlichen Fortpflanzungszellen. Blütenstaub wird bei der Bestäubung auf die weiblichen Pflanzenorgane übertragen. Siehe auch Pollenschlauch.

Blütenstecher, Anthonomus: Gattung der Rüsselkäfer mit langem, dünnem und gebogenem Rüssel; die Weibchen stechen Blütenknospen (Obst, Erdbeere) an, um darin ihre Eier abzulegen. Siehe auch Apfelblütenstecher.

Bluterbrechen, Hämatemesis (griechisch): Erbrechen dunkelroter oder kaffeesatzartiger Blutmassen bei Blutungen im Rachen, in der Speiseröhre, im Magen und oberen Zwölffingerdarm; am häufigsten verursacht durch Magen-Zwölffingerdarm-Geschwüre und Krampfadern in der Speiseröhre.

Blutfahne, Blutbanner, rote Fahne, die als Symbol bei der Verleihung der mit dem Blutbann (hohe Gerichtsbarkeit) verknüpften Reichslehen benutzt wurde.

Blutfarbstoffe: in Blutzellen vorhandene Chromoproteide, die dem Blut die typische Färbung verleihen. Der menschliche Blutfarbstoff ist das Hämoglobin.

Blutgefäße, Adern: Röhren oder Schläuche mit verschiedenem Durchmesser, in denen das Blut, angetrieben vom Herzen, durch den Körper fließt. Nach Aufbau und Funktion unterscheidet man die vom Herzen wegführenden Arterien, die zum Herzen hinführenden Venen und die vorwiegend für den Stoffaustausch in den Geweben beziehungsweise Organen verantwortliche Kapillaren.

Blutgefäßsystem: Gesamtheit der Blutgefäße, die beim Menschen und bei vielen Tieren in 3 getrennten Kreisläufen angeordnet sind; großer oder Körperkreislauf (Herz-Körperteile/Organe-Herz), kleiner oder Lungenkreislauf (Herz-Lunge-Herz), Pfortaderkreislauf oder enterohepatischer Kreislauf (unpaare Eingeweide der Bauchhöhle-Leberuntere Hohlvene).

Blutgerinnung: Übergang des Blutes aus seinem flüssigen in einen halbfesten Zustand, wenn es mit Luft oder rauen Oberflächen in Kontakt kommt. Die Blutgerinnung erfolgt in Teilschritten. Es wird eine Reihe von Vorgerinnungsfaktoren nacheinander aktiviert, so dass ein Aktivierungssystem für das Prothrombin entsteht; ein wichtiger Bestandteil dieses Systems ist das Thromboplastin. Es kommt sowohl aus dem Blut (aus den Thrombozyten, Intrinsic-System) wie auch aus dem Gewebe (Extrinsic-System). Das aktivierte Thrombin verwandelt Fibrinogen, ein Plasmaeiweiß, in Fibrin. Durch Aneinanderlagerung seiner sehr langen Moleküle entstehen Fäden, die ein Gerüst bilden. Zusammen mit den sich in ihm verfangenden Blutzellen stellt es den Blutkuchen dar. Er haftet an den Wundrändern. Da das Gerüst sich zusammenziehen kann, begünstigt es den Verschluss der Wunde.

Blutgesetzgebung: seit 1495 in England, dann in ganz Westeuropa erlassene außerordentlich harte, oft grotesk terroristische Gesetze gegen das Vagabundieren und Betteln der von ihrem Land vertriebenen Bauern (Einhegungen) unter anderem Freigesetzten, um sie unter allen Bedingungen zur Lohnarbeit zu zwingen und ihren Widerstand zu brechen. Die Blutgesetzgebung in England ist ein Bestandteil der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals.

Blutgruppen: vererbte und zeitlebens unverändert. Antigen-Antikörper-Eigenschaften des Blutes bei Individuen einer Art. Sie werden hauptsächlich bestimmt durch die an den roten Blutzellen sitzenden Antigene (Agglutinogene) A und B beziehungsweise durch deren Fehlen (0) und durch die Antikörper a und B im Blutserum. Am bekanntesten sind die von K. Landsteiner um 1900 entdeckten Blutgruppen A, B, AB und 0 (ABO-System); daneben existieren eine Reihe anderer Blutgruppensysteme (M. N. P, S unter anderem), die für Transplantationen und auch für Identitätsbestimmungen in der Kriminalistik wesentlich sind. Schließlich ist der Rhesusfaktor (Rh), bestehend aus mehreren Partialantigenen, für die Schwangerschaft von Bedeutung. Da nur gruppengleiches Blut übertragen werden darf, ist die Blutgruppenbestimmung sehr wichtig. Dabei werden die roten Blutzellen der fraglichen Gruppe mit Testserum zusammengebracht, das a- oder B-Antikörper enthält. Die Gruppe AB besitzt keine Antikörper, Gruppe A den Antikörper ß, Gruppe B den Antikörper a und Gruppe 0 die Antikörper a und ß. Die Möglichkeiten der Zusammenballung (Agglutination) bei den verschiedenen Kombinationen müssen bei der Blutübertragung berücksichtigt werden.

Blutgruppenunverträglichkeit: Unverträglichkeit des Blutes infolge ungleicher Blutgruppen zwischen Empfänger und Spender beziehungsweise zwischen Mutter und Kind (Fetus), besonders bei negativem Rhesusfaktor der Mutter. Die Blutgruppenunverträglichkeit führt unter anderem zu Gelbsucht des Neugeborenen (der Bilirubinanstieg erfolgt am 2. bis 4. Lebenstag), sie kann mit Austauschtransfusion behandelt werden. Prophylaxe mit Immunglobulinen (bei der Mutter) ist erfolgreich.

Blutgruppenvererbung: Vererbung der Blutgruppen beziehungsweise der Blutgruppenantigene A, B, AB, aber auch des Fehlens eines Antigens (Blutgruppe 0). Die Blutgruppenvererbung gehört zu den wichtigen Erkennungsmerkmalen des Organismus. Dabei ist A dominant über B und B dominant über 0. Bei Kombination von A und B kann Gruppe AB resultieren.

Bluthänfling, Carduelis cannabina: heimischer, 13 cm langer Finkenvogel; Männchen zur Brutzeit mit roter Stirn und Brust. Das Weibchen brütet auf dem aus 5 Eiern bestehenden Gelege 12 bis 14 Tage.

Blut-Hirn-Schranke: Gesamtheit der Zellschichten, die das im Gehirn strömende Blut von den eigentlichen Hirnzellen (Neurone, Stütz- und Ernährungszellen) trennen. Sie steuert die Austauschvorgänge zwischen Blut und Gehirn und schützt die Zellen vor schädigenden Stoffen.

Blüthner, Julius, 11.3.1824—13.4.1910, Klavierbauer; gründete 1853 in Leipzig eine berühmte Klavierbaufirma; erfand unter anderem eine neue Repetitionsmechanik; schrieb mit H. Gretschel ein «Lehrbuch für den Pianofortebau» (1872).

Bluthusten, Hämoptoe, Haemoptysis: rein blutig-schaumiger oder blutig gefärbter Auswurf; verursacht durch Lungenerkrankungen, zum Beispiel Geschwülste, Embolie und Tuberkulose.

Blutkonserve: ungerinnbar gemachtes Vollblut, in Spezialflaschen steril abgefüllt, 5 Wochen haltbar; gefrorene und getrocknete Blutfraktionen sind zum Teil jahrelang haltbar.

Blutkreislauf: Fluss des Blutes durch das System der Blutgefäße und das Herz. Beim großen Blutkreislauf (Körperkreislauf) wird das aus der Lunge kommende, mit Sauerstoff gesättigte Blut aus der linken Herzkammer über die Aorta, die Arterien und Arteriolen durch das Netz der Kapillaren gepumpt, über das der Gasaustausch mit dem Gewebe (Sauerstoff gegen Kohlendioxid) stattfindet. Der Restdruck und ein gewisser Sog befördern das Blut über Venolen, Venen, Hohlvenen (sogenannt Niederdrucksystem) zur rechten Herzkammer und von dort in den kleinen Blutkreislauf (Lungenkreislauf). Dort findet der äußere Gasaustausch (Kohlendioxid gegen Sauerstoff) statt. Mit der Strecke von der Lunge zum linken Vorhof schließt sich der Kreis. Die Strömungszeit beträgt 15 bis 25 Sekunden, je nach körperlicher Belastung. Neben dem Transport der Atemgase ist der Blutkreislauf für den Transport von Hormonen, Nährstoffen, Stoffwechselprodukten und Wärme verantwortlich.

Blutlaugensalze: komplexe Zyanoferrate, die früher durch Glühen von Blut unter anderem mit Pottasche und Eisenfeile sowie nachfolgendes Auslaugen gewonnen wurden, heute jedoch synthetisch hergestellt werden. Gelbes Blutlaugensalze, Gelbkali, Kaliumcyanoferrat I I), bildet gelbe, wasserlösliche, wenig giftige Kristalle und wird insbesondere zur Herstellung von Berliner Blau und rotem Blutlaugensalze verwendet. Rotes A., Rotkali, Kaliumcyanoferrat II), ist dunkelrot, giftig und löst sich in Wasser mit grünlichgelber Farbe. Es dient, da es feinverteiltes Silber löst, als fotografischer Abschwächer und farbfotografischer Bleichbadsalz.

Blutlaus, Eriosoma lanigerum: aus Nordamerika eingeschleppte 3 mm große Art der Blasenläuse mit roter Körperflüssigkeit, außen mit weißer Wachswolle bedeckt. Schädigt Kernobst, besonders Apfelbäume; an den Saugstellen entstehen oft Rindenwucherungen. Siehe auch Blattläuse.

Blutleere, künstliche: Drosselung der arteriellen Blutzufuhr zu Gliedmaßen durch deren zeitweises Abschnüren, um schwere Blutungen zu unterbrechen oder in Blutleere operieren zu können.

Blutlinie: Teilpopulation von Tieren einer Rasse; setzt sich aus verschiedenen Familien zusammen und lässt sich auf einen Linienbegründer zurückverfolgen.

Blut-Liquor-Schranke: Teil der Blut-Hirn-Schranke, der Blut und Cerebrospinalflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) voneinander trennt.

Blutrache: Sitte mancher Völker, die Tötung eines Blutsverwandten an dem Täter oder dessen Verwandten durch Tod zu sühnen; typische Erscheinung der Gentilordnung; auf der Balkanhalbinsel, auf Sardinien und Korsika (Vendetta) bis in die jüngste Vergangenheit ausgeübt.

Blutsenkung, Blutsenkungsgeschwindigkeit, Blutkörperchensenkungsreaktion: einfach durchführbare, wertvolle diagnostische Methode, die auf der Eigenschaft der Blutzellen beruht, im stehenden, ungerinnbar gemachten Blut langsam abzusinken. Beschleunigung der Blutsenkung ist durch Agglomeration insbesondere der roten Blutzellen bedingt und wird bei zahlreichen Erkrankungen beobachtet.

Blutspeicher: für ein zusätzliches, aus dem strömenden Blut abgezweigtes Volumen aufnahmebereite Organe und Abschnitte der großen Venen, die bei einer notwendigen Erhöhung der Menge an zirkulierendem Blut dieses Volumen schnell wieder abgeben können. Die Blutspeicherfunktion ist vor allem in den venösen Gefäßen der Leber, des Splanchnikusgebietes (Eingeweide des Bauchraumes), der Haut und der Lunge ausgeprägt.

Blutspendewesen: Einrichtung mit der Aufgabe, alle Belange des Blutspendens, das heißt der Übertragung von Blut und beziehungsweise oder Blutbestandteilen, optimal zu regeln. Dazu gehören die Blutentnahme vom Blutspender, die Herstellung der Blutkonserven, ihre geeignete Lagerung in Blutkonservendepots (Blutbank) und Bereitstellung.

blutstillende Mittel, Hämostatika, Hämostyptika: Arzneimittel, die eine Blutstillung bewirken; werden häufig lokal angewendet; zum Beispiel Alaun, Eisen-III-chlorid, Gelaspon, Thrombin und Schlangengifte.

Blutstillung: Maßnahme, um eine Blutung zum Stillstand zu bringen, zum Beispiel Anlegen von Druckverbänden oder Gefäßklemmen am Ort der Blutung, aber auch von Abschnürbinden herzwärts davon. S. a. Erste Hilfe.

Blutströpfchen, Widderchen, Zygaenidae: Schmetterlingsfamilie mit 2 bis 4 cm spannenden Faltern; die schmalen Vorderflügel einfarbig metallisch grün oder blauschwarz mit roten oder gelblich-weißlichen Flecken.

Blutsturz: volkstümliche Bezeichnung für massive Blutung, zum Beispiel aus dem Verdauungskanal und dem Atemtrakt.

Blutsverwandte: durch Abstammung miteinander verwandte Personen, zum Beispiel Eltern, Kinder, Geschwister; siehe auch Agnaten, Kognaten, Verwandtschaft.

Bluttransfusion, Blutübertragung: Übertragen von Blut von einem Menschen (Spender) auf einen anderen (Empfänger) unter Berücksichtigung der Blutgruppengleichheit; unentbehrliches Bestandteil der Therapie; angezeigt unter anderem zum raschen Ausgleich größerer Blutverluste (Vollblut), zum Ersatz von roten Blutzellen (Erythrozyten-Konzentrat), Gerinnungsfaktoren (gerinnungsaktive Plasmafraktionen). Siehe auch Austauschtransfusion.

Blut und Eisen: Bezeichnung für eine Politik der offenen Gewalt, insbesondere für die von Bismarck durchgeführte «Revolution von oben» (Schaffung des bürgerlichen deutschen Nationalstaates durch dynast. Kriege Preußens). Siehe auch deutsche Geschichte.

Blutung-Hämorrhagie: Austritt von Blut aus den Gefäßen, meist durch Zerreißen der Gefäßwand. Bei arterieller Blutung-Hämorrhagie hellrot spritzend, bei kapillarer Blutung-Hämorrhagie flächenhaft sickernd, bei venöser Blutung-Hämorrhagie dunkel, im Schwall. Bei Blutung-Hämorrhagie ins Gewebe entsteht ein Bluterguss (Hämatom), bei Blutung-Hämorrhagie in Körperhöhlen spricht man von innerer Blutung-Hämorrhagie Siehe auch Erste Hilfe.

Blutungsübel-hämorrhagische Diathese: Krankheiten mit abnormer Blutungsneigung infolge:

a) verminderter oder fehlender Blutgerinnungsfaktoren, zum Beispiel Hämophilie,

b) verringerter oder funktionsuntüchtiger Blutplättchen, zum Beispiel thrombozytopen Purpura,

c) Wandschädigung der feinsten Blutgefäße (Kapillaren) bei allergischer Purpura der Darmschleimhaut und bei Skorbut unter anderem.

Blutuntersuchung: Ermitteln der zellulären Zusammensetzung des Blutes, seiner plasmatischen Inhaltsstoffe und biochemische Reaktionen sowie Feststellen blutfremder Bestandteile. Blutuntersuchung tragen wesentlich zum Erkennen zahlreicher Krankheiten bei. Mit dem Blutbild einschließlich der Zahl von Blutplättchen und Retikulozyten (rote Blutzellen) werden Anämien sowie sonstige Blutkrankheiten erfasst und ebenso wie mit der Blutsenkung wichtige Hinweise auf Entzündungen, Geschwulstleiden unter anderem gegeben. Gerinnungsanalysen sind unentbehrlich bei Blutungsübeln. Bakteriologisches Verfahren (Blutausstrich, Blutkultur unter anderem) ermöglichen den Erregernachweis. Serologischen Tests, zum Beispiel Antikörperbestimmungen, dienen der Erkennung von Infektions- und Immunkrankheiten. Die Bestimmung zahlreicher Stoffwechselparameter (zum Beispiel Blutzucker, harnpflichtige Substanzen, Bluteiweißkörper, Blutfette, Säure-Basen-Status, Minerale, Hormone) dient auch der Therapiekontrolle.

Blutverlust: durch äußere oder innere Verletzungen bedingte rasche Verminderung des Blutvolumens um wenigstens 500 ml (beim Erwachsenen).

Blutvolumen: Gesamtblutmenge im Organismus. Das Blutvolumen beträgt etwa 6 bis 8% des Körpergewichts; das sind 4 bis 6 Liter. Etwa 84% des Blutvolumens befinden sich im Körperkreislauf, 9% im Lungenkreislauf und 7% im Herzen. Etwa 70% des Blutvolumens verteilen sich auf die Venen (Blutspeicher).

Blutzellen, Blutkörperchen, Hämozyten: die geformten Bestandteile des Blutes. Der Anteil an roten Blutzellen (Erythrozyten) am Gesamtblutvolumen beträgt 44% (Hämatokritwert), das heißt beim erwachsenen Mann etwa 2,4 Liter. Der in ihnen zu einem Drittel der Trockenmasse enthaltene Blutfarbstoff (Hämoglobin) dient dem Sauerstofftransport. In 1 mm”3 befinden sich 5 Millionen Erythrozyten. Der Anteil an weißen Blutzellen (Leukozyten) ist dagegen gering (5000 bis 8000 in 1 mm-3). Sie besitzen einen Zellkern, groß und rund bei den Lymphozyten, vielgestaltig (polymorphkernig) bei den Leukozyten, deren Plasma kleine Körnchen enthält (Granulozyten). Infolge unterschiede Anfärbbarkeit der Körnchen unterscheidet man mit einem sauren Farbstoff (Eosin) rot anzufärbende Eosinophile, mit einem basischen Farbstoff sich färbende Basophile und nicht damit anfärbbare Neutrophile. Mit etwa 20 (im sind die Monozyten relativ groß. Sie können stärker als andere Leukozyten fremde Partikel aufnehmen und verdauen (Phagozytose). Mit 2 bis 3 (im sind die Blutplättchen (Thrombozyten) die kleinsten Blutzellen Die Leukozyten durchdringen die Wände der Kapillaren (Leukodiapedese) und halten sich im interzellulären Raum der Gewebe auf. Mehr als 50% der Leukozyten befinden sich im Gewebe und nur ein kleiner Teil im Blut als Transportmittel.

Blutzucker: die im Blut gelöste Glukose (wichtigstes Kohlenhydrat im Blut). Die normale Konzentration beträgt 4,5 bis 5,5 mmol/1 (80 bis 100 mg %). Der Blutzuckergehalt wird durch mehrere Hormone reguliert; Insulin wirkt senkend, Adrenalin, Glukagon und Wachstumshormon erhöhend. Bei unbehandeltem Diabetes kann der Blutzucker um das Mehrfache ansteigen.

BNS-Krämpfe, Kurzwort für Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe (nach dem orientalischen Gruß): bei jungen Säuglingen auftretendes Anfallsleiden. Die BNS-Krämpfe sind mit ruckartigen Vorwärtsbewegungen des Kopfes und der Arme verbunden, sie können zu einer Entwicklungsverzögerung fuhren. Die Behandlung ist nur teilweise erfolgreich.

Boaschlangen, Boinae: Unterfamilie der Riesenschlangen, im Gegensatz zu den Pythonschlangen lebendgebärend; überwiegend in Amerika verbreitet (Abgottschlange, Anakonda); die nur etwa 1 m langen Sandboas mit wühlender Lebensweise leben in Afrika, Asien und Südosteuropa.

Bob: (englisch, Kurzwort für bobsleigh, «Rennschlitten») 2- beziehungsweise 4sitziger Rennschlitten in Stahlkonstruktion mit 2teiligem, durch Gelenk verbundenem Fahrgestell, 2 getrennten Kufenpaaren (vorderes lenkbar) und vorgeschriebenen Maßen und Massen. Der Bob ist aerodynamisch verkleidet.

Bobak, Marmota bobak: den Murmeltieren verwandtes Erdhörnchen, bewohnt die Steppengebiete von Osteuropa bis Ostsibirien.

Bobine: 1. Papierindustrie: schmale Papierbandrolle für besondere Verwendungszwecke, zum Beispiel Zigarettenherstellung.

2. Textiltechnik: a) flache Spule für den Schussfaden der Bobinet-Webmaschine, die Tüllgardinen erzeugt;

b) kleine Nähmaschinenspule;

c) zylindrischer Kammzugwickel (Kammzug-Bobine).

Bobinet: textiles Flächengebilde vor allem für Gardinen, bei dessen Herstellung zwischen senkrechten Kettfäden diagonal angeordnete Musterfäden zur Musterbildung verlaufen, die durch die Bobinetfaden (Bindefäden) miteinander verbunden werden.

Bobo-Dioulasso: Stadt (Departements Zentrum) im Staat Burkina; 150000 Einwohner; Verarbeitung landwirtschaftliche Produkte, Holz-, chemische Industrie, Metallwarenherstellung; Kunsthandwerk; Handelszentrum, Verkehrsknoten; internationaler Flughafen; Moscheen.

Bobsport: Geschwindigkeitswettbewerbe für männliche Athleten mit Bobs auf meist 1400 bis 1600 m langen vereisten Bahnen mit 9 bis 10% Durchschnittsgefälle, überhöhten Bahnbegrenzungen und ausgebauten Kurven. Die Wettbewerbe werden im Einzelstart (fliegender Start) gewöhnlich in 4 Läufen (Durchgängen) durchgeführt. Die Platzierung ergibt sich aus der Gesamtfahrzeit. Olympische Sportart seit 1924, Weltmeisterschaften seit 1924, Europameisterschaften seit 1927.

Boccaccio, Giovanni, 1313-21.12. 1375, italienischer Dichter und Humanist; seine ersten Werke entstanden unter dem Einfluss seiner Liebe zu der unehel. Tochter des Königs von Neapel, so die Versdichtung «Filostrato» (1338, deutsch) und das romaneske Poem «Teseide» (1339). Mit dem «Decamerone» (1348/53, deutsch), einer die italienischen Gesellschaft der Zeit in flüssiger Prosa realistisch schildernden Sammlung von 100 Novellen, die durch eine Rahmenhandlung verbunden sind, wurde er Schöpfer der italienischen Renaissancenovelle und übte damit entscheidenden Einfluss auf die Weltliteratur aus.

Boccherini, Luigi, 19. 2. 1743-28. 5. 1805, italienischer Violoncellist und Komponist; lebte seit 1769 in Madrid; schrieb galant-unterhaltsame Konzert- und Kammermusik (insbesondere Violoncello-Konzerte und Streichquintette) melodiöser, origineller und oft virtuoser Natur.

Boccia: italienisches Kugelwurfspiel (Einzel und Mannschaft), bei dem eine rote Zielkugel (Pallino) von den Kugeln der Spieler getroffen werden soll. Die Spielbahn ist bei der Spielart Boccia e Pallino 24 bis 28 m lang und 3 bis 6 m breit. Sieger ist, wessen Kugel dem Pallino am nächsten liegt. Gespielt werden 9 Runden. Weltmeisterschaften seit 1947, Europameisterschaften seit 1954.

Boccioni, Umberto, 19.10. 1882-16. 8. 1916, italienischer Bildhauer, Maler und Graphiker; Hauptvertreter und Theoretiker des Futurismus; wendete auch auf die Plastik futuristische Gestaltungsprinzipien an; schrieb «Technisches Manifest der futuristischen Bildhauerei» (1912).

Bockbier: schwach gehopftes alkoholreiches Starkbier mit süßlich-vollmundigem Geschmack; benannt nach der Stadt Einbeck (bairisch Oambock) in Niedersachsen.

Böcke, Caprinae: Unterfamilie der Rinderartigen, die insbesondere Wildziegen und Wildschafe als Stammformen der Haustiere umfasst. Ferner gehören hierzu die Gemsen, der Thar unter anderem. Alle wildlebenden Arten der Böcke sind Gebirgs- beziehungsweise Hochgebirgsbewohner und gewandte Kletterer.

Bockelson, Johann, genannt Johann von Leiden, um 1510-1536 (hingerichtet); ursprünglich Schneider, radikaler Führer des Täufertums; Hauptinitiator des Versuchs, in Münster 1534/35 die apokalyptisch schwärmerische und sozialutopische Vorstellungen der Täufer zu verwirklichen.

bocken: sich in der Brunst befinden, brünstig sein. Der Ausdruck wird vorwiegend für die Brunst bei Schaf und Ziege verwendet. Die Brunstdauer beträgt 14 bis 72 Stunden.

Bockkäfer, Cerambycidae: Käferfamilie mit langen Fühlern (mitunter länger als der Körper); Körper 3 bis 60 mm lang. Bockkäfer ernähren sich von Blättern, Pollen und Pflanzensäften. Die stummelfüßigen oder beinlosen Larven leben unter der Rinde und im Holz von Bäumen, morschem Holz, in Krautpflanzen, im Boden. Hierzu Eichen-, Haus-, Moschus-, Mulm-, Zimmerbock.

Böcklin, Arnold, 16.10.1827-16.1.1901, schweizerischer Maler; Schüler von J. W. Schirmer an der Düsseldorfer Akademie; tätig in Weimar, München, der Schweiz und Italien. Malte zunächst dunkeltonige Stimmungsbilder, dann, neben Bildnissen, ideale Landschaften von leuchtender, eigenwilliger Farbigkeit, die von antiker Staffage (Faune, Nymphen, Kentauren) beherrscht werden. Mit seinen monumentalen Idyllen gehört Böcklin zu den Wegbereitern einer neoromantischen idealistischen Malerei («Gefilde der Seligen», «Toteninsel»).

Bocksbart, Tragopogon: gelbblühende Gattung der Korbblütler; verbreitet der Wiesen-Bocksbart (T. pratensis).

Bocksbeutel: bauchige, flachgeformte grüne Flasche zur Abfüllung von Weinen aus Franken, auch aus Baden.

Bocksdorn, Teufelszwirn, Lycium: Gattung der Nachtschattengewächse mit rotvioletten Blüten, scharlachroten, giftigen Beerenfrüchten und hängenden Zweigen. Der Gemeine Bocksdorn (L. barbarum) ist ein häufiger Strauch an Wegrändern, der Chinesische Bocksdorn (L. chinense) ist ein Zierstrauch.

Böckstiegel, Peter August, 7.4.1889-22.3.1951, Maler und Graphiker; Studium in Bielefeld und Dresden, wo er bis 1945 wirkte. Dem Expressionismus verpflichtet, gestaltete Böckstiegel eindrucksvoll das bäuerliche Leben seiner westfälischen Heimat. 1937 als «entartet» verfeint. Vernichtung seines Werkes beim Bombardement auf Dresden 1945.

Bocskai, Istvan, 1.1.1557-29.12.1606, Fürst von Siebenbürgen und Ungarn seit 1605; führte 1604/06 den ungarischen Volksaufstand gegen die Habsburger, erzwang die Anerkennung der Unabhängigkeit Siebenbürgens und Glaubensfreiheit der ungarischen Protestanten. Wiesenbocksbart, daneben Bocksdorn: fruchtender Zweig, Frucht (Achane) daneben Blüte.

Bodden: seichte Meeresbucht mit unregelmäßigem Umriss an einer transgredierten (das heißt infolge Überflutung des Landes durch das Meer entstandenen) Flachküste; besonders gut ausgebildet an der südlichen Ostseeküste; im Holozän durch Überflutung des Glazialreliefs entstanden.

Bode: linker Nebenfluss der Saale; 169 km; entspringt mit Warmer und Kalter Bode im Brockengebiet, fließt im tiefeingeschnittenen Bodelal am Harzrand, mündet bei Nienburg. Das Bodewerk staut die Bode und ihre Zuflüsse (8 Talsperren, unter anderem Rappbodetalsperre, 109,1 Millionen m3, und Wendefurther Hochwasserschutzbecken, 8,5 Millionen m3) zum Hochwasserschutz, zur Trink-, Brauchwasser- und Energiegewinnung.

Bode, Wilhelm von, 10.12.1845-1.3.1929, Kunsthistoriker; schuf als Generaldirektor der Berliner Kunstmuseen (1906/20) die Grundlagen des modernen Museumswesens in Deutschland; Veröffentlichungen zu deutscher, italienischer und niederländischer Kunst; universeller bürgerlicher Kunstkenner.

Boden: 1. oberste, unterschiedlich mächtige Lage der festen Erdrinde, die unter dem Einfluss von Klima, Vegetation und Bodenlebewelt sowie unter Einwirkung des Menschen durch Umwandlungsprozesse aus dem jeweils anstehenden Gestein hervorgegangen ist und sich durch neue charakteristische Eigenschaften vom Untergrund abhebt. Räumlich ist der Boden als ein Ausschnitt aus der Bodendecke zu betrachten. Stofflich stellt er ein Dreikomponentengemisch aus festen (mineralische und organische), flüssigen (Bodenwasser) und gasförmigen (Bodenluft) Bestandteilen dar. Der Boden ist Lebensräum für die Bodenlebewesen und Standort für die Pflanzen. Seine wichtigste Eigenschaft ist die, Bodenfruchtbarkeit. Böden können klassifiziert werden nach der Korngrößenzusammensetzung (Körnungsarten), der Substrat-abfolge (Substrattyp), der Horizontabfolge (Bodentyp) und der räum! Vergesellschaftung (Bodengesellschaft). Nach der Bearbeitbarkeit unterscheidet man leichte Böden und schwere Böden. Rezente Böden entstanden vom Spätglazial bis Holozän, Reliktböden unter anderen Klimabedingungen als in der Nacheiszeit. Fossile Böden sind begrabene (von anderen Bodenschichten überdeckte) Böden.

1. Bauwesen: veraltete Bezeichnung für Lockergestein oder Erdstoff, im weiteren Sinne auch für Baugrund.

Bodenanzeiger, Leitpflanzen, bodenstete Pflanzen, die infolge ihres gehäuften Vorkommens auf bestimmten Standorten Rückschlüsse auf Bodeneigenschaften zulassen, zum Beispiel Kalk-, Sand-, Staunässepflanzen. Siehe auch Ackerunkräuter.

Bodenatmung: Gasaustausch zwischen Boden- und atmosphärische Luft, insbesondere Abgabe des von den Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen produzierten Kohlendioxids sowie Aufnahme von Sauerstoff.

Bodenazidität, Bodenversauerung: die Eigenschaft des Bodens, in verschiedenem Maße sauer zu sein. Bodenazidität entsteht durch Auswaschung des Kalziumkarbonats und Verringerung des Anteils an basisch wirkenden Kationen.

Bodenbauer: im traditionellen völkerkundlichen Sprachgebrauch Völker, die meist ohne Kenntnis des Pfluges den Boden zur Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel bearbeiten; vorwiegend in Form des Hackbaus.

Bodenbearbeitung: Summe aller Maßnahmen, die durch mechanische Einwirkung auf den Boden günstige Bedingungen für die physikalischen, chemischen und biologischen Vorgänge im Boden und damit für ein optimales Pflanzenwachstum schaffen. Sie umfasst wendend-mischend-lockernde (Pflügen, Schälen, Häufeln), lockernde (Striegeln, Eggen, Hacken, Grubbern, Fräsen, Untergrundlockern), wassersparende (Schleppen) und verfestigende (Walzen) Maßnahmen. Durch die Bodenbearbeitung werden Entstehung und Erhaltung der Krümelstruktur gefordert, bei deren Vorliegen feste Bodensubstanz und Porenvolumen in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen. Eine solche Bodenstruktur gestattet infolge guter Durchlüftung und Wasserführung optimale Voraussetzungen für eine ungehemmte Produktion von Pflanzenmasse und bietet den Mikroorganismen gute Lebensbedingungen (wichtig für Entstehung der Bodengare). Hohe Qualität der Bodenbearbeitung ist die Voraussetzung für die Wirksamkeit der Intensivierungsfaktoren der Pflanzenproduktion (insbesondere Düngung, Melioration).

Bodenbearbeitungsgeräte, Bodenbearbeitungsmaschinen: Gruppe verschiedenartiger landtechnische Arbeitsmittel zur mechanischen Aufbereitung des Bodens mit dem Ziel, günstige physikalische Bedingungen für Wachstum und Entwicklung der Kulturpflanzen zu schaffen und zu erhalten. Bodenbearbeitungsgeräte sind mit Werkzeugen zum Lockern, Krümeln, Wenden, Mischen, Einebnen, Verfestigen, Glätten oder Aufrauen der Ackerkrume ausgerüstet. Zu den wichtigsten Bodenbearbeitungsgeräten gehören Pflug, Grubber, Egge, Walze, Packer sowie Kopplungen und Kombinationen derselben, wie auch die Bodenfräse.

Bodenbedeckung, Mulchen: Abdecken der Bodenoberfläche mit organischen (Laub, Stroh, Schilf) oder synthetischen Material, um Wasser- und Wärmehaushalt günstig zu beeinflussen, Verkrusten oder Verwehen der Bodenoberfläche zu vermeiden und Unkraut zu unterdrücken.

Bodenbildung, Pedogenese (griechisch Pedo..., «Boden...»): Vorgang der Ausbildung eines Bodens im obersten Bereich der festen Erdrinde. Die Bodenbildung wird von geologischen, klimatischen, geomorphologischen und biologischen Faktoren bestimmt, die in den letzten 2 Jahrtausenden zunehmend von gesellschaftlichen Faktoren überlagert werden.

Bodenbiologie: Teilgebiet der Bodenkunde; befasst sich mit den Bodenorganismen, ihrer Tätigkeit und den damit im Boden hervorgerufenen Veränderungen, ferner mit den biologischen Auswirkungen, die durch Maßnahmen des Menschen (Bodenbearbeitung, Düngung) bewirkt werden.

Bodenchemie: Teilgebiet der Bodenkunde; befasst sich mit den chemischen Vorgängen und chemisch wirksamen Stoffen im Boden. Diese werden unter anderem durch die stark quellfähigen Bodenkolloide (Teilchendurchmesser weniger als 0,001 mm) beeinflusst. Letztere haben in ihrer Gesamtheit eine sehr große Oberflächenenergie und binden dadurch andere Stoffe. Die im Boden in löslicher Form vorhandenen Nährelemente werden auf diese Weise absorbiert (Austauschkapazität). Die gleichen Eigenschaften der Bodenkolloide sind die Grundlage für die Ausbildung des Bodengefüges.

Bodendenkmal: gesetzlich geschütztes kulturgeschichtliches Zeugnis aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit.

Bodendesinfektion, Bodenentseuchung: Abtötung von im Boden vorkommenden Krankheitserregern, Schädlingen und Unkrautsamen durch Chemikalien oder Dampf.

Bodendruck: der durch häufiges Befahren mit Bearbeitungsgeräten und Maschinen ausgelöste Druck auf den Boden sowie durch die Eigenlast ausgeübte Druck im Boden.

Bodendünnschliffe: mit Kunstharz verfestigte Bodenproben in natürliche Lagerung, die auf etwa 0,04 mm Stärke geschliffen und auf Objektträger aufgekittet werden. Bodendünnschliffe dienen zur mikroskopischen Untersuchung des Bodenfeingefüges.

Bodendurchlüftung: Schaffung eines ausreichenden Gasaustausches zwischen atmosphärische Luft und Bodenluft. Die Bodendurchlüftung ist in besonderem Maße vom Feuchtgehalt des Bodens abhängig, da die Bodenluft nur in die vom Wasser nicht gefüllten Hohlräume eindringen kann.

Bodeneis: das im gefrorenen Boden als kompakte Linsen, Schichten oder auch als dünne Bändchen, Lagen oder Schmitzen (kleinste Einlagerungen) vorhandene Eis. Als Sonderform treten in Oberflächennähe dicht gescharte Eisnadeln auf, sogenannt Kamm- oder Haareis (Frostboden).

Bodenentwässerung: Abführung überschüssiger Bodenfeuchte sowohl durch Absenkung des Grundwasserstandes als auch durch Beseitigung von Stau- und Haftnässe (Stau Vernässung) mittels Dränage. Verfahren der Bodenentwässerung gehören zur Hydromelioration.

Bodenentwicklung: allmählicher Ablauf der Bodenbildung im Ergebnis eines zeitlichen Prozesses. Die Bodenentwicklung führt zu unterschiedlicher Ausbildungsformen der Böden (Bodentypen) und damit zu unterschiedlichen Eigenschaften derselben.

Bodenerosion, Bodenabtrag, Bodenzerstörung: durch Bodennutzung über das natürliche Maß hinausgehende Abtragung des Bodens durch Wind sowie Regen- und Schmelzwasser, wenn die natürliche Pflanzendecke vorher zerstört wurde oder die Bodenoberfläche zeitweise unbedeckt ist. Der Wind weht von der austrocknenden Oberfläche die feinen Bodenpartikel aus, die vorrangig die Bodenfruchtbarkeit bedingen. Das abfließende Regen- und Schmelzwasser hingegen bewegt auch die größeren Bodenteilchen. Der humusreiche A-Horizont wird dadurch flächenhaft ausgedünnt, oder die Oberfläche wird von Rinnen und tiefen Gräben zerschnitten. Besonders Starkregen, Raubbau und unsachgemäße Bodenbearbeitung, zum Beispiel durch Hangabwärtspflügen, können in kurzer Zeit schwere Schäden hervorrufen. Extreme Formen der Bodenerosion mit ausgedehnten Schlucht- und Rillensystemen werden als Badlands bezeichnet. Die Bodenerosion ist eine Gefahr für die Bodenfruchtbarkeit und kann unter bestimmten Voraussetzungen Kulturland völlig unbrauchbar machen.

Bodenertragsgesetz: eine apologetische bürgerliche Theorie, wonach bei Mehraufwand von Kapital und Arbeit der Bodenertrag von einer bestimmten 3renze an relativ abnimmt, auch als Gesetz des abnehmenden Bodenertrages (-Zuwachses) formuliert. Das Bodenertragsgesetz fußt unwissenschaftlich auf der Annahme eines qualitativ gleichbleibenden Standes der Technik und der Bearbeitungsmethoden.

Bodenfarbe: die Färbung des Bodenmaterials, die n den einzelnen Bodenhorizonten unterschiedlich ist. Die Bodenfarbe ist ein wichtiges Hilfsmittel bei der Beschreibung des Bodenprofils und wird auch zur Bezeichnung von Bodentypen herangezogen (zum Beispiel Schwarzerde).

Bodenfließen: kriechende bis fließende Bewegung des Auftaubodens in Hanglage über Dauerrostboden (arktisches Bodenfließen, auch Solifluktion) und des wasserdurchtränkten Bodens unter der Wurzel eine im regenfeuchten Wald der Tropen.

Bodenfräse, Motorfräse: selbstfahrende und handgeführte oder am Traktor angebaute Bodenbearbeitungsmaschine mit rotierenden oder hakenförmigen Werkzeugen, die meist gleichläufig mit den Triebrädern umlaufen und den Boden in kleinen Bissen abtrennen.

Bodenfreiheit: kleinster Abstand des vollbelasteten Kraftfahrzeuges zur waagerechten Standebene. Mindestmaße sind vorgeschrieben.

Bodenfruchtbarkeit, Standortfruchtbarkeit: Eignung des Bodens für die Pflanzenproduktion. Sie basiert auf Naturfaktoren und wird maßgeblich durch den Entwicklungszustand der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse bestimmt. Die Bodenfruchtbarkeit umfasst 3 grundlegende Funktionen des Bodens, die Versorgung der Kulturpflanzen mit lebensnotwendigen Stoffen, die pflanzenschutzliche Regulation und die technologische Eignung. Reproduktion der Bodenfruchtbarkeit bedeutet systematische effektive Verbesserung dieser Funktionen entsprechend den Anforderungen der Bodennutzung. Sie umfasst sowohl die periodisch durchgeführten ackerbauliche Maßnahmen als auch die nachhaltige Steigerung durch Meliorationen.

Bodengare: Zustand des Bodens, bei dem die für das Wachstum der Pflanzen günstigsten physikalischen, chemischen und biologischen Bedingungen vorliegen. Bodengare kann durch Bearbeitung, Düngung und Witterung (Frostgare) gefordert werden.

Bodengefüge, Bodenstruktur, räumliche Anordnung der festen Bodenbestandteile. Die einzelnen Elemente des Bodengefüges nennt man Aggregate oder Gefügekörper. Es wird zwischen ungegliedertem (Einzelkorn- und Kohärent Gefüge) und gegliedertem Gefüge (Feinkoagulat-, Polyeder-, Platten-, Fragment- und Krümelgefüge) unterschieden. Man versteht die unter dem Mikroskop im Dünnschliff erkennbaren Feinstrukturen des natürlich gelagerten Bodens.

Bodengenetik: Teilgebiet der Bodenkunde; Lehre von der Bodenbildung und der Bodenentwicklung.

Bodengeographie: Teilgebiet der Bodenkunde; Lehre von der Verbreitung und Vergesellschaftung der Böden. Gegenstand der Bodengeographie sind insbesondere die regionale Gliederung der Böden und die Kennzeichnung der Struktur der Bodendecke.

Bodengesellschaft, Bodenmosaik: bestimmte Kombination gesetzmäßig einander benachbarter Böden (Bodenformen 1, Bodentypen), die durch eine oder mehrere Leit sowie mehrere Begleitbodenformen charakterisiert ist.

Bodenhorizont: weitgehend oberflächenparallele Lage innerhalb des Bodens, deren Entstehung durch Bodenentwicklung und Bodenkultur bewirkt wurde. Es lassen sich Horizonte im Oberboden und Unterboden sowie der Untergrund unterscheiden. Die Hauptbodenhorizonte werden durch Großbuchstaben (A, B, C, E, G und T) gekennzeichnet. Eine weitere Untergliederung in Subhorizonte ist allgemein üblich.

Bodenhydrologie: Lehre vom Wasserregime des Bodens, das heißt von den Vorgängen, die sich auf Menge, Zustand, Bindung, Verteilung und Bewegung des Bodenwassers beziehen.

Bodenhygiene: Schutz des Bodens vor Verunreinigung durch toxische, mikrobiell und parasitär belastete Substanzen mit dem Ziel, Schadstoff- und Infektionskettenschlüsse über den Boden im Interesse der menschlichen und tierischen Gesundheit zu verhindern.

Bodenimpfung: künstliche Zufuhr von frei im Boden lebenden Mikroorganismen, insbesondere von luftstickstoffbindenden Bakterien, durch Impfende oder Saatgutimpfung.

Bodenkampf: Kampfphase beim Ringen, wenn ein Ringer zu Boden gerungen, aber noch nicht auf die Schultern gelegt wurde beziehungsweise beim Judo, wenn nach einem nicht gelungenen Wurf der Kampf am Boden fortgesetzt wird (Armhebel, Festhalte- und Würgegriffe). Siehe auch Bankstellung.

Bodenkartierung: Methode zur Ermittlung der Bodenqualitäten und der räumlichen Struktur der Bodendecke einschließlich deren Darstellung auf Karten. Durch die Bodenkartierung werden die Böden in ihrer Verbreitung erfasst und gekennzeichnet zum Zwecke einer besseren Nutzung der natürlichen Ressourcen.

Bodenkennziffern: bodenphysikalische Werte zur Einteilung und Bewertung des Baugrundes in geotechnischer Hinsicht.

Bodenklima: vornehmlich durch Wärmeumsatz (Temperatur), Wassergehalt und -bewegung bestimmtes Klima im Boden. Das Bodenklima ist von Bedeutung für Verwitterung, Bodenbildung und den Organ. Stoffumsatz sowie für Wachstum, Nährstoff- und Wasseraufnahme der Pflanzen.

Bodenkunde, Pedologie (griechisch): Lehre vom Aufbau, von den Eigenschaften und der Entwicklung der Böden, von ihrer Klassifikation und den in ihnen ablaufenden Prozessen. Teilgebiete der Bodenkunde sind unter anderem Bodenkennzeichnung, Bodengenetik, Bodenklassifikation, Bodenkartierung, Bodengeographie, Bodenhydrologie, Bodenbiologie, Bodenchemie und Bodenphysik. Als Begründer der Bodenkunde gelten Wassil Wassiljewitsch Dokutschajew (1846-1903) und Konstantin Dmitrijewitsch Glinka (1867-1927) sowie Emil Ramann (1851-1926).

Bodenluft: gasförmiger Bestandteil des Bodens; hat gegenüber der atmosphärischen Luft einen etwas geringeren Sauerstoff-, aber bedeutend höheren Kohlendioxidgehalt.

Bodenluftmessung: Entnahme der Luft oberster Bodenschichten mittels Gassonden in etwa 1 m Tiefe und geochemischer Untersuchung des Gehalts an Kohlenwasserstoffen oder Radon zum Nachweis von Erdöl und Erdgas oder tektonische Störungen im tieferen Untergrund.

Bodenmonopol, Grundeigentumsmonopol: Monopol der kapitalistischen Bodenbewirtschaftung und des Privateigentums an Grund und Boden. Das Bodenmonopol als Monopol der kapitalistischen Bodenbewirtschaftung erwächst aus der Unvermehrbarkeit und damit Begrenztheit des Bodens als Wirtschaftsobjekt. Dabei lässt sich die unterschiedliche Fruchtbarkeit eines Bodens oder seine Lage zum Markt ökonomisch verwerten (Erwirtschaftung von Differentialrente). Das Bodenmonopol als Monopol des Privateigentums an Grund und Boden setzt für jede Nutzung von Boden im kapitalistischen Gesellschaftssystem den Kauf des Bodens oder seine Pachtung voraus. Dem Grundeigentümer fällt beim Eigentumswechsel der Bodenpreis (die kapitalisierte Rente) und bei der Verpachtung alljährlich die Grundrente und Differentialrente zu.

Bodenmüdigkeit: Rückgang des Ertrages von Kulturpflanzen durch ackerbauliche Fehler bei der Nutzung der Kulturboden. Neben Nährstoffmangel, Versauerung und einseitiger Ionenanhäufung (zum Beispiel Natrium) sind insbesondere Fruchtfolgefehler (zum Beispiel Monokultur ohne Berücksichtigung pflanzenschutzliche Maßnahmen) Ursache der Bodenmüdigkeit.

Bodennutzung: Art und Weise des Einsatzes des Produktionsmittels Boden für die Erzeugung landwirtschaftliche Produkte. Sie wird bei einem landwirtschaftlichen Betrieb (einer Betriebseinheit) durch das Betriebsflächenverhältnis, Kulturflächenverhältnis und Nutzflächenverhältnis charakterisiert.

Bodennutzungssystem, Ackerbausystem, Feldbausystem, Bodennutzungstyp: Summe der jeweils typischen Maßnahmen beim Einsatz des landwirtschaftlichen Bodens zur Pflanzenproduktion. Bodennutzungssystem sind von natürlichen Standortfaktoren (geologischen, bodenkundlichen, klimatischen) und in wachsendem Maße von gesellschaftlichen Erfordernissen und Möglichkeiten (volkswirtschaftlicher Bedarf, Stand der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse, Stand der Entwicklung von Wissenschaft und Technik) abhängig. Sie unterliegen inhaltlich und begrifflich einer ständigen Wandlung entsprechend dem Stand der gesellschaftlichen Entwicklung.

Bodennutzungsverordnung: rechtliche Regelung zum allseitigen Schutz des land- und forstwirtschaftlichen Bodens und zur Sicherung des Vorrangs dieser Formen der Bodennutzung.

Bodenorganismen, Bodenlebewesen, Edaphon (griechisch): pflanzlichen (Mikroflora) und tierischen (Bodenfauna) Organismen, die ganz oder vorwiegend im Boden leben (Einzeller, Algen, Pilze, Würmer, Milben, Insekten, Maulwürfe unter anderem), Pflanzen- und Tierreste zersetzen und an der Bildung bodeneigener Organ. Stoffe (Huminstoffe) beteiligt sind. Sie tragen zur Bildung von Kohlendioxid, Strukturstabilität, Stickstoffbindung und Nährstofftransformation bei.

Bodenpacht: eine vor allem im Kapitalismus verbreitete Form der Bodennutzung, bei der der Grundeigentümer dem Pächter gegen Zahlung des vereinbarten Pachtzinses (Grundrente) für eine bestimmte Zeit das Recht der Bodennutzung überlässt. Im Kapitalismus ist die Bodenpacht vielfach ein Mittel zur Ausplünderung der werktätigen Bauern; sie ermöglicht das Eindringen von Kapital in die Landwirtschaft und behindert die rationelle Bodennutzung. Siehe auch Naturalpacht.

Bodenphysik: Teilgebiet der Bodenkunde; befasst sich mit den mechanischen Eigenschaften und den physikalischen Vorgängen im Boden. Eigenschaften und Vorgänge sind an die Bodenbestandteile (feste Teilchen, Bodenwasser und Bodenluft) gebunden. Die durch Verwitterung entstehenden festen mineralische Bodenbestandteile werden entsprechend ihrer Korngrößenzusammensetzung nach Körnungsarten klassifiziert. Im Rahmen der Bodenphysik wird auch die Lagerung der Bodenteilchen untersucht, die man unter dem Begriff Bodengefüge zusammenfasst. Gegenstand der Bodenphysik ist weiterhin die Erforschung bestimmter Vorgänge wie Quellung, Schrumpfung, Konsistenz und Festigkeitseigenschaften, aber auch Wärmeleitung (Bodentemperatur) und Bodenwassertransport. Ein wichtiges Teilgebiet der Bodenphysik ist die Bodenhydrologie.

Bodenpreis: finanzielle Bewertung des Bodens, die durch den Charakter der Produktionsverhältnisse bestimmt ist.

Bodenprobe: Entnahme einer Teilmenge des Bodens zur chemischen, physikalischen und biologischen Untersuchung. Nach der Art der Entnahme unterscheidet man gestörte Bodenprobe (Erfassung in Beuteln) und ungestörte Bodenprobe (Erfassung in Stechzylindern).

Bodenprofil: senkrechter Schnitt durch den Boden, der in der Seitenansicht den makromorphologischen Aufbau in Substratschichten (Bodensubstrat) und Bodenhorizonte erkennen lässt.

Bodenreaktion: Wirkung der im Bodenwasser vorhandenen freien Wasserstoffionen auf Boden und Pflanzen, ausgedrückt durch den pH-Wert. Viele Pflanzen bevorzugen einen bestimmten pH-Wert, meist zwischen 5 und 7.

Bodenrecht: Zweig des sozialistischen Rechts, der die Rechtsvorschriften umfasst, die sich auf das Eigentum am Boden, seine Nutzung sowie auf die staatliche Leitung und Planung der Bodenverhältnisse im Interesse ihrer rationellen volkswirtschaftlichen Gestaltung beziehen. Zum Bodenrecht gehören unter anderem Rechtsvorschriften, die die staatliche Leitung sowie die Begründung und Beendigung der einzelnen Bodenrechtsverhältnisse, das Volkseigentum am Boden und seine Nutzung durch sozialistische Betriebe, Genossenschaften, gesellschaftliche Organisationen und Bürger, die land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung einschließlich ihres besonderen Schutzes, das persönliche und private Grundstückseigentum und die an ihm bestehenden Rechte betreffen.

Bodenschätze: natürliches Vorkommen fester, flüssiger und gasförmiger Rohstoffe, die gegenwärtig oder künftig gewinnbar und von volkswirtschaftlichem Interesse sind.

Bodenschätzung: in den Jahren 1934 bis 1953 durchgeführte großmaßstäbige Bodenkartierung und Bodenbonitierung (Bewertung) nach einheitlichen Gesichtspunkten. Es wurden Bodenart (Körnungsart), geologische Entstehung und Zustandsstufe berücksichtigt. Diese Parameter sind in einer Tabelle, dem Ackerschätzungsrahmen, zusammengestellt, aus dem die sogenannte Bodenzahl, eine Vergleichszahl zum fruchtbarsten Boden (Schwarzerde der Magdeburger Börde) ermittelt wurde. Örtlich bedingte Zu- beziehungsweise Abschläge zur Bodenzahl ergeben die Ackerzahl. Beim Grünland erfolgte unter Berücksichtigung entsprechend Faktoren die Grünlandschätzung, deren Ergebnisse in der Grünlandgrundzahl und Grünlandzahl ihren Niederschlag fanden.

Bodenschutz: pflanzenbauliche, meliorative oder forstliche Maßnahmen zum Schutze des Bodens gegen schädigende Wirkungen von Wasser oder Wind, insbesondere in erosionsgefährdeten Gebieten.

Bodenschutzholz: meist strauchartiges Unterholz in Baumbeständen (besonders wichtig an Wald-Feld-Grenzen) oder zur Bestockung von Erosionshänger und Wanderdünen, um Bodenverschlechterung (Aushagerung) durch Untersonnung und Windeinwirkung zu verhindern.

Bodensee: größter und tiefster Voralpensee, durch den die Grenze zwischen BRD, Österreich und Schweiz verläuft, auch als Schwab. Meer bezeichnet; vom Rhein durchflossen; 395 m über dem Meeresspiegel; 538 km2. 64 km lang, bis 14 km breit, bis 252 m tief; Oberset (476 km2) gabelt sich in Überlinger See und Untersee. Inseln: Mainau, Reichenau; früher fischreich, jetzt stark verschmutzt; mildes Klima; fruchtbares Uferland (Obst- und Weinbau); Fernwasserleitung nach Stuttgart; Lindau, Friedrichshafen, Konstanz; in Österreich: Bregenz; in der Schweiz: Rorschach; Schiffs- (Fähren), Fremdenverkehr.

Bodenskelett: Grobfraktion des Bodenmaterials die im Unterschied zum Feinboden Teilchen mit einem Korndurchmesser von über 2 mm enthält.

Bodensonde: 1. Bautechnik: Stahlstange, geschlitzt oder ungeschützt, mit beziehungsweise ohne Spitze oder ml Spiralbohrer zum Einrammen oder Eindrehen in den Baugrund. Die Sondierungen ergeben Rechenwerte für die Tragfähigkeit des Baugrundes.

2. Landwirtschaft: Instrument zum Auffinden vor Bodenverdichtungen oder Bestimmen des Bearbeitungswiderstandes beziehungsweise -erfolges von Böden.

Bodenspekulation: Praxis des Kaufs von Boden in der Absicht, ihn zu einem geeigneten Termin mit großem Gewinn zu verkaufen (oder zu verpachten). Bodenspekulation erfolgt vor allem mit zukünftigem Bauland. Bodenspekulation wird systematisch vor Banken unter Ausnutzung ihrer Verbindung mit dem Staatsapparat betrieben; führt u. a. zu Wohnungsnot und hohen Mieten.

Bodenstabilisierung: veraltete Bezeichnung für Baugrundstabilisierung; siehe auch Baugrundverfestigung.

Bodenstedt, Friedrich von, 22.4. 1819-18.4 1892, Schriftsteller und Philologe. Seine das Glück des einzelnen preisende Gedichtsammlung «Die Lieder des Mirza Schaffy» (1851, angeregt von de Lyrik des Wasech) war ein Lieblingsbuch des deutschen Bürgertums. Bleibende Verdienste erwarb sich Bodenstedt als Übersetzer russischer und orientalischer Literatur (unter anderem Puschkin, Turgenjew; Hafis).

Bodensubstrat: nach Textur und bodenkundlich wichtigen lithologischen Merkmalen gekennzeichnete Material, in dem sich der Boden entwickelt bzw. entwickelt hat. Es kann ein- oder mehrschichtig sein. Bei der Klassifikation des Bodensubstrats werden Art des Substrats, Schichtmächtigkeit und -abfolge berücksichtigt. Substrattypen sind zum Zwecke der Kennzeichnung gebildete Haupteinheiten für die Gliederung der Bodensubstrate.

Bodensuche: wichtige Methode zur Überwachung der Schadinsekten in Kiefernwäldern. Da alle im Kiefernwäldern vorkommenden Schadinsekten einem ihrer Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Pupp oder Imago) in der Bodenstreu überwintern, können durch wiederholtes, systematisches Absuchen der obersten Bodenschichten (einschließlich Bodenstreu) auf einer bestimmten Fläche Schlüsse auf den vorhandenen Befall des ganzen Bestandes gezogen werden. Bei Überschreiten von «kritischen Zahlen» sind Bekämpfungsmaßnahmen vorzusehen.

Bodensystematik, Bodenklassifikation-. Ordnung der Böden zum Zweck der Vergleichbarkeit nach Hierarchisch angeordneten Einheiten (Kategorien). Damit werden Unterschiede im Horizontaufbau der Böden sowie ihre Verwandtschaftliche Beziehungen aufgezeigt. Die wichtigsten Kategorien sind Bodenmasse, Bodentyp und Bodenform.

Bodenturnen, Bodenkombination: Disziplin des Gerätturnens; Verbindung gymnastische und tänzerische Elemente mit Sprüngen. Die Wettkampffläche ist 12 m x 12 m groß, Übungsdauer 50 bis 70 s (Manier) beziehungsweise 70 bis 90 s (Frauen).

Bodentyp: Haupteinheit der Bodensystematik, in der die gemeinsamen Züge verbreiteter Böden, die sie im Laufe der Bodenentwicklung erworben haben, zum Ausdruck kommen. Bodentyp sind Grundformen der Bodenbildung mit annähernd gleicher bodenkundlichen Merkmalskombination und weitgehend ähnliche Horizontkombination. Bekannte Bodentyp sind zum Beispiel Braunerde, Fahlerde, Gley.

Bodenuntersuchung, Bodenanalyse-, technisch-experimentelle Maßnahme zur Bodenbeurteilung durch Untersuchung einer Bodenprobe. Man unterscheidet physikalische, chemische und biologische Methoden.

Bodenverdichtung: für das Pflanzenwachstum negative Veränderung des Bodengefüges durch Veränderung des Porenvolumens, insbesondere der Gröberen des Bodens. Bodenverdichtungen können durch Sackungen und Porenverstopfungen entstehen.

Bodenvermörtelung: veraltete Bezeichnung für Baugrundstabilisierung; siehe auch Baugrundverfestigung.

Bodenwanzen, Lygaeidae: Familie der Landwanzen, meist bodenbewohnend, häufig an verschiedenen Pflanzen saugend.

Bodenwasser: in den Bodenhohlräumen und an die Festsubstanz des Bodens gebundenes Wasser, das durch Niederschläge und über das Grundwasser in den Boden gelangt. Man unterscheidet verschiedene Erscheinungsformen des Bodenwassers Haftwasser wird entgegen der Schwerkraft festgehalten; es kann in Kapillar- und Adsorptionswasser untergliedert werden. Demgegenüber ist das Gravitationswasser frei beweglich. Es dringt als Sickerwasser in die Tiefe, das es sich über undurchlässigen Schichten als Grundwasser ansammelt. Oberflächennahes zeitweiliges Grundwasser wird als Stauwasser bezeichnet. Das Bodenwasser lässt sich auch durch seine Bindungsintensität kennzeichnen. Messgröße ist der Tensiometerdruck oder sein dekadische Logarithmus. Bodenwasserstufen: graduelle Unterschiede in der Intensität und Wirksamkeit der Erscheinungsformen des Bodenwassers. Man unterscheidet insgesamt Grundwasser- und Staunässestufen. Bodenwelle: elektromagnetische Welle, die sich durch Beugung längs der Erdoberfläche ausbreitet und damit auch jenseits der optischen Sichtweite empfangen werden kann (insbesondere Lang- und Mittelwellen); siehe auch Raumwelle.

Bodenwind: Luftbewegung in den unteren Schichten der Atmosphäre, die der Bodenreibung unterliegt. Siehe auch Höhenwind.

Bodenwrange: den Schiffsboden aussteifender Querträger. Bei Schiffen mit Doppelboden wird der Innenboden durch Bodenwrange abgestützt. Bodenwrange als Trennwand zwischen Doppelbodentanks sind wasser- oder öldicht ausgeführt.

Bode-Titiussche Reihe: (nach einem Astronomen und einem Mathematiker) empirisch gefundene mathematische Formel, die die mittleren Abstände a (in AE) der Planeten von der Sonne näherungsweise darstellt. Dabei ist n = für Merkur, 0 für Venus, 1 für die Erde, 2 für Mars, 3 für die Planetoiden, 4 für Jupiter und so weiter.

Bodhisattva: (Sanskrit, «Erleuchtungswesen») a) Bezeichnung Buddhas in seinen früheren verschiedenen Leben;

b) im Mahayana-Buddhismus Bezeichnung eines zukünftigen Buddhas, der auf die eigene Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten vorerst verzichtet, um für die Erlösung der anderen Menschen zu wirken.

Bodker, Cecil, geboren 27.3. 1927, dänische Schriftstellerin; fand über psychologisierende Lyrik, Novellen, Hörspiele und Romane in den 60er Jahren zu kritisch-realistischen Engagement und positivem Menschenbild in «Das Haus der Salzhändlerin» (1972, deutsch).

Bodmer, Johann Jakob, 19. 7. 1698-2.1. 1783, schweizerischer Schriftsteller, Kunsttheoretiker und Kritiker; Mitbegründer der Wochenschrift «Die Discourse der Mahlern». In der Auseinandersetzung mit der rationalistischen Auffassung J. C. Gottscheds betonte er gemeinsam mit J. J. Breitinger die Rolle der dichterischen Phantasie und forderte, indem er die bürgerliche englischen Literatur über die französische Klassik stellte, die deutsche Aufklärung («Kritische Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie», 1740).

Bodmerei: (zu «Boden») Darlehnsaufnahme durch den Kapitän eines Seeschiffs, die notfalls außerhalb des Heimathafens gegen Verpfändung des Schiffes, auch von Ladung und Fracht (Frachtvertrag), zur Fortsetzung der Fahrt erfolgen kann.

Bode: Stadt im Norden Norwegens, Verwaltungszentrum der Provinz Nordland, am Eingang des Saltfjords; 33000 Einwohner; Schiffbau, Fischfang und -Verarbeitung; Hafen.

Bodoni, Giambattista, 16. 2. 1740-29.11. 1813, italienischer Stempelschneider und Drucker; schuf hervorragende Antiquaschriften und Druckwerke.

Bodycheck, Chek: Eishockey erlaubter Stoß mit Hüfte oder Schulter gegen den die Scheibe führenden Gegner.

Body: (englisch- Körper) handelsübliches Pelzhalbfabrikat in konisch verlaufender Rechteckform. Ein Body entsteht durch Zusammensetzen von Fellen zu Flächen, die den Rumpf- und Ärmelteilen der Pelzmäntel entsprechen.

Böe, Bö: plötzliche und kurzzeitig starke Schwankung des Windes nach Geschwindigkeit und Richtung infolge turbulenter Umlagerungsprozesse in der Atmosphäre.

Boeckh, August, 24.11. 1785-3. 8. 1867, klassischer Philologe und Historiker; seit 1811 Professor in Berlin; durch Arbeiten über die Antike wurde er einer der Begründer wissenschaftlicher historischer Arbeitsmethoden.

Boegehold, Hans, 28. 7.1876-14. 5.1965, Mathematiker, wurde vor allem durch die Berechnung von Mikroobjektiven (Planobjektive) bekannt.

Boerhaave, Hermann, 31.12. 1668-23. 9. 1738, niederländischer Arzt, Botaniker und Chemiker, Professor in Leiden. Boerhaave zählt neben G. E. Stahl und F. Hoffmann zu den 3 großen Systematikern der Medizin der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert. Er suchte die Lebensvorgänge durch physikalische und chemische Reaktionen zu erklären.

Boethius, Anicius Manlius Severinus, um 480-524, römischer Philosoph, Ratgeber Theoderichs; vermittelte dem Mittelalter antikes Wissen, insbesondere die aristotelische Logik. Sein neuplatonisches-stoisch orientiertes Werk «Trost der Philosophie» (5 Bücher; im Kerker abgefasst), das pantheistische Elemente enthält, zählt zu den meistgelesenen Werken des Mittelalters Boethius wurde wegen Staatsverrats hingerichtet.

Boetius von Dakien, Boetius de Dacia, gestorben nach 1283, Philosoph aus Dänemark; führender Anhänger des Averroismus; vertrat Auffassungen von der Ewigkeit der Welt, der Vervollkommnung des menschlichen Wissens und der Trennung von Philosophie und Religion; wurde 1277 zusammen mit Siger von Brabant von Bischof Tempier verurteilt, floh aus Paris.

Boganda, Barthélémy, 1910-1959 (verunglückt), zentralafrikanischer Politiker, bedeutender Führer der nationalen Befreiungsbewegung Zentralafrikas nach dem 2. Weltkrieg. Boganda gründete 1946 die Bewegung für die soziale Entwicklung Schwarzafrikas (MESAN) und wurde 1958 Ministerpräsident der «autonomen» Zentralafrikanischen Republik.

Bogart, Humphrey, 25.12.1899-14.1.1957, US-amerikanischer Filmschauspieler; gestaltete vor allem Detektiv- und Außenseiterrollen («Die Spur des Falken», «Casablanca», «Tote schlafen fest», «Der Schatz der Sierra Madre», «An einem Tag wie jeder andere», «Schmutziger Lorbeer»).

Bogen: 1. Bautechnik: gekrümmtes Tragwerk mit 2 Auflagern, sogenannt Widerlagern, zur Überdeckung von Maueröffnungen beziehungsweise zweier Säulen oder Pfeiler. Die seitliche Fläche des Bogen heißt Stirn, die obere Rücken und die untere Leibung; der Scheitel ist der höchste und der Kämpfer der tiefste Punkt der Bogenleibungsfläche; der Stich ist der senkrechte Abstand zwischen Kämpferlinie und Scheitel. Ein scheitrechter Bogen ist ein fast waagerechter Bogen (Sturz) mit 20 mm Stich. Die am häufigsten in der Baukunst vorkommenden Bogenarten sind

1) Rund- oder Halbkreis Bogen (römisch, romanische, Renaissance- und Barockarchitektur), ein gedrückter Rundbogen heißt Korbbogen) Flach- oder Segmentbogen (besonders seit der Renaissance);

2) Kleeblattbogen (Spätromanik);

3) Spitzbogen (Gotik), in überhöhter Form heißt er Lanzettbogen (häufig in der englischen Gotik);

4) Eselsrücken oder Kielbogen (Spätgotik);

5) Vorhangbogen (Spätgotik);

6) Tudorbogen (englisch Spätgotik);

7) Hufeisenbogen (islamische Kunst).

2. Mathematik: Kurvenstück; siehe auch Kreis.

3. Musik: a) bei Streichinstrumenten eine mit Pferde- oder Kunsthaar bespannte elastische Stange aus hartem Pernambukholz;

b) bei Metallblasinstrumenten einsetzbarer Röhrenteil zum Verändern der Stimmung.

4. Polygraphie: Begriff unterschiedlicher Bedeutung;

a) Papierbogen, Rohbogen: von der Papierfabrik geliefertes, rechtwinklig geschnittenes Formatpapier,

b) Druckbogen: im Auflagendruck mit 4, 8,16, 32 oder 64 Seiten beiderseitig bedruckter Bogen;

c) Verlags-B Maßeinheit für Planung unter anderem (40000 Schriftzeichen oder 3000 cm2 Bilder);

d) Buchbinderbogen: gefalzter Papier- oder Druckbogen ohne Berücksichtigung von Format und Seitenanzahl;

e) Satzbogen: für Umfangsberechnung und Druckformherstellung angewendete Maßeinheit mit je nach Seitenformat 32, 16, 8 oder 4 Seiten.

5. Sport: Bogenschießen.

6. Waffentechnik: älteste mechanische Schusswaffe für Pfeile (seit der Altsteinzeit bekannt); besteht aus Bogenstab (Holz) und gespannter Sehne; in europäischen Heeren bis ins 17. Jahrhundert.

Bogenentladung: stromstarke Gasentladung (etwa 1A bis mehrere 10 kA) mit relativ niedrigem Kathodenfall (etwa 5 bis 50 V), hohen Stromdichten, besonders an den Elektroden, sowie hohen Elektroden- und Plasmatemperaturen (bis zu einigen 103 beziehungsweise 104 K). Bogenentladung sind intensive Lichtquellen (siehe auch Lichtbogen), sie werden außerdem zur Materialbearbeitung (Schmelzen, Schneiden, Schweißen), Stromgleichrichtung und in Plasmatrons verwendet. Bogenentladung treten auch in elektrischen Schaltern auf.

Bogenlampe: Lampe hoher Leuchtdichte durch Ausnutzung der elektrischen Bogenentladung und der Temperaturstrahlung zwischen 2 Elektroden (Kohle, Wolfram); früher zum Beispiel in Scheinwerfern und Filmprojektoren verwendet, heute durch Höchstdruckentladungslampen abgelöst.

Bogenlänge: Länge einer mathematischen Kurve. Wird zum Beispiel eine ebene Kurve durch die Gleichung y = f(x) mit asxsb und einer stetigen Ableitung f (x) beschrieben, so berechnet sich ihre Bogenlänge

Bogenlilie, Cyrtanthus: Gattung der Amaryllisgewächse; Zwiebelpflanze aus Südafrika; Blüten trichterförmig, in Dolden, meist rot oder weiß; Zierpflanze in Gewächshäusern.

Bogenmaß, Arkus, Zeichen arc: in der Mathematik verwendetes Winkelmaß; Verhältnis der Länge b eines zum Mittelpunktswinkel der Größe a gehörenden Bogens eines Kreises zum Radius r dieses Kreises. Zum Bogenmaß 1 gehört ein Winkel der Größe 1 rad.

Bogenschießen: Sportart, bei der mit einem etwa 1,70 m langen Bogen ein 65 bis 72 cm langer, 20 bis 28 g schwerer Pfeil auf eine (Ring-) Scheibe aus festem Papier (Durchmesser 1,22 m für lange Distanzen, sonst 80 cm) mit 10 aufgedruckten Ringen möglichst genau ins Zentrum geschossen wird. Die Schießentfernungen betragen 90, 70 und 60 m (lange Distanzen) sowie 50, 40 und 30 m (kurze Distanzen). Geschossen werden Vierkämpfe (FITA-Runde beziehungsweise Doppelte FITA-Runde; Männer 90, 70, 50 und 30 m, Frauen 70, 60, 50 und 30 m) mit je 36 beziehungsweise 72 Pfeilen. Die Platzierung ergibt sich aus der Zahl der geschossenen Ringe. Olympische Sportart 1900 bis 1908, 1920 und seit 1972, Weltmeisterschaften seit 1931, Europameisterschaften seit 1968.

Bogensignatur, Bogennorm: in Büchern, zum Teil auch in Zeitschriften, auf der 1. und 3. Seite des Druckbogens unter dem Text stehende Kennzeichnung (1. Seite Bogennummer und Titelstichwort oder Verlagsnummer, 3. Seite Bogennummer mit Stern). Die Bogensignatur dient der Kontrolle nach dem Zusammentragen.

Bogheadkohle: (nach einem schottischen Ort) Hauptsächlich aus Algen entstandene Bitumenkohle (Humuskohle).

Bogoljubow, Nikolai Nikolajewitsch, geboren 21. 8. 1909, sowjetischer Mathematiker und Physiker; befasste sich mit der Theorie von Differentialgleichungssystemen, mit Quantenstatistik und kinetischer Theorie.

Bogomilen: Anhänger einer im 10. Jahrhundert in Bulgarien entstandenen neugnostischen Lehre, die an urchristliche Ideale anknüpfte. Die Bogomilen gingen mit den Bauern im Kampf gegen Bojaren und griechisch-orthodoxe Kirche zusammen, nahmen im 11. Jahrhundert an Aufständen gegen die byzantinische Fremdherrschaft teil und wurden rücksichtslos verfolgt. Der Bogomilismus verbreitete sich über die ganze Balkanhalb-insel, verlor aber seit dem 13. Jahrhundert allmählich seine antifeudalen Züge.

Bogor: Stadt in Indonesien, im Westen von Java; 200000 Einwohner; chemische, Leicht- und Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten; Kurort mit bekanntem botanischen Garten; Zentrum eines Gebietes mit Reisanbau und Teeplantagen.

Bogota: Hauptstadt von Kolumbien, in einem Hochbecken der Ostkordillere, 2645m überm Meer; 4,5 Millionen Einwohner; wichtigstes Verwaltungs- und Kulturzentrum des Landes sowie bedeutendster Industrie Standort mit Nahrungsmittel-, Leder-, Tabak-, Textil-, chemische, pharmazeutische und Baustoffindustrie; zunehmend auch Zweige des Maschinenbaus; durch Eisenbahnlinie mit den Städten am Stillen Ozean (Buenaventura) und am Karibischen Meer (Barranquilla) verbunden, internationaler Flughafen El Dorado, zahlreiche Institutionen, mehrere Universitäten wissenschaftliche Akademien und Institute, Nationalbibliothek unter anderem Bibliotheken, Militärakademie, Nationalpark sowie zahlreiche historische Kolonialbauten (Kirchen unter anderem). 1538 an Stelle des Zentrums des indianischen Kazikentums Bacatá durch den spanischen Eroberer Jiménez de Quesada gegründet, 1717 Hauptstadt des Vizekönigreichs Neugranada, 1831 der Republik Neugranada (seit 1863 Kolumbien).

Boguslawski, Wojciech, 9.4 1757-23. 7. 1827, polnischer Dramatiker, genannt «Vater des polnischen Theaters»; war seit 1783 Direktor des Nationaltheaters Warschau, schrieb etwa 80 Bühnen werke, übersetzte Shakespeare, Lessing u. a., trug zur Verbreitung demokratischer Ideen der Aufklärung bei, so im Singspiel „Das vermeintlicht Wunder oder Die Krakauer und die Goralem (1794)“.

Billard- Carambolage: Aufsicht auf das Matchbillard mit den 5 Aufsetzmarkierungen. Wahlweise wird der Stoßball auf Kreuz 1 oder 3 aufgesetzt, auf Kreuz 2 wird immer der Stoßball des Gegners, auf Kreuz S der rote Ball gesetzt (Maße in mm)

Billard-Kegeln, Boule-Spiel (französisch boule, «Kugel», «Ball»): Mischung von Billard-Carambol und Kegeln. Das tischähnliche Spielgerät, das Billard, hat eine Spielfläche von 1,80 m x 0,90 m, die Bälle haben 60 mm Durchmesser, die Kegel von 13 bis 15 mm Durchmesser sind 10,5 cm hoch. In einer Partie (Spiel) sind aus vorgegebenen 100 Stößen durch regelgerechtes Umwerfen der in der Mitte aufgestellten 5 Kegel mit einem der beiden Spielbälle (nach Bandenberührung) unter anderem soviel Punkte wie möglich zu erzielen.

Billbergia: (nach einem schwedischen Botaniker) Gattung der Ananasgewächse des tropischen und subtropischen Amerika; Epiphyten und Felsenpflanzen mit rosettig angeordneten dornig gezähnten Blättern. Blütenschaft meist nickend und von farbigen Hochblättern umgeben; Gewächshaus- und Zimmerpflanze. Siehe auch Ananasgewächse.

Billiarde: (französisch) 1000 Billionen, geschrieben als 1 mit 15 Nullen oder als Zehnerpotenz 1015.

billige Flaggen, Steuerfluchtflaggen: Bezeichnung für eine Gruppe von Ländern, die Reedern bei Registrierung von Schiffen im Vergleich zu anderen Ländern niedrigere Gebühren, steuerlichen Vergünstigungen, geringe soziale Verpflichtungen gegenüber der Besatzung u. ä. Vorteile gewähren. Solche Länder sind zum Beispiel Honduras, Liberia, Panama.

Billigkeitshaftung: Pflicht zum Ersatz anderen zugefügter Schäden trotz fehlender Verantwortlichkeit (zum Beispiel bei Kindern), wenn das ausnahmsweise gerechtfertigt erscheint.

Billion: (französisch) 1000 Milliarden, geschrieben als 1 mit 12 Nullen oder als Zehnerpotenz 1012.

Bill of Rights: (englisch, «Gesetz der Rechte») 1. die ersten 10 Zusätze zur Verfassung der USA; vom Kongress unter dem Druck einer breiten Volksbewegung 1791 angenommen; enthalten unter anderem Rede-, Presse-, Versammlungs-, Religionsfreiheit, Geschworenengerichte.

2. Declaration of Rights.

Billroth, Christian Albert Theodor, 26.4.1829-6.2.1894, Chirurg; Professor in Zürich und Wien; gilt als Begründer der modernen Bauchchirurgie. Er entwickelte unter anderen 2 Magenoperationsmeneme.

Bohai-Bucht: nordwestlicher Teil des Gelben Meeres, von diesem durch die Halbinseln Liaodong und Shandong abgegrenzt; 82700 km2, durchschnittlich 21 m, maximal 74 m tief; im Winter zu einem großen Teil zugefroren.

Böhm, Hans, genannt Pfeiferhänslein, hingerichtet 19. 7. 1476, Hirt und Musikant. Böhm war revolutionärer Prediger im Taubertal, inspirierte 1476 eine Volksbewegung gegen die weltlichen und geistlichen Obrigkeiten. Auf Geheiß des Würzburger Bischofs am 12.7. 1476 gefangengenommen.

Boheme: in der bürgerlichen Gesellschaft ohne festen Auftrag schaffende, durch Betonung ihrer moralischen Freizügigkeit spontan gegen diese Gesellschaft protestierende Schriftsteller und Künstler; insbesondere ungebunden lebende Künstlerkreise Ende des 19. Jahrhundert in Frankreich.

Bohinjska Bistrica: Kurort in Slowenien, in den Jul. Alpen; 1500 Einwohner; Viehzucht.

Böhlau, Helene, 22.11.1859-26.3.1940, Schriftstellerin; schrieb, zeitweise unter dem Einfluss des Naturalismus, vor allem Romane («Der Rangierbahnhof», 1895) und Erzählungen («Ratsmädelgeschichten», 1888/97) aus dem Geist bürgerlich-progressiver Tradition, vor allem der Weimarer Klassik. Ihr besonderes Interesse galt der Emanzipation der Frau.

Böhm: 1. Böhm, Boemus, Bohemus, Aubanus, Johanies, um 1490-1534, Deutschorden Priester, humanistischer Wegbereiter der Volks- und Völkerkunde.

2. Karl Böhm, 28.8.1894-14.8.1981, österreichischer Dirigent; 1934/43 Leiter der Dresdner, 1943/45 und (954/56 der Wiener Staatsoper, seitdem gefeierter Gastdirigent in Europa und den USA.

3. Vilmos Böhm, 6.1.1880-12.8.1949, ungarischer Sozialdemokratischer Politiker, während der ungarischen Räterepublik 1919 Volkskommissar für Heereswesen und Oberbefehlshaber der ungarischen Roten Armee; verhandelte m Juli 1919 mit der Entente; lebte 1919/45 in der Emigration.

Böhme: 1. Franz Magnus Böhme, 11.3.1827-18.10.1898, Volkslied- und Volkstanzforscher; schuf mit «Altdeutsches Liederbuch» (1877), «Geschichte des Tanzes in Deutschland» (1886), Neubearbeitung von L. C. Erks «Deutscher Liederhort» (1893/94), «Deutsches Kinderlied und Kinderspiel» (1897) eine wesentliche Grundlage der deutschen Volksliedforschung.

2. Jakob Böhme, 1575-16.11.1624, Philosoph, Schuhmacher; entwickelte, vermutlich unter dem Einfluss von Nikolaus von Kues, Paracelsus, M. Luther, V. Weigel unter anderem, eine von heterodoxer Mystik Und von Pantheismus geprägte Naturphilosophie. Nach Böhme enthalten alle Dinge ihr Ja und Nein und können ohne ihr Gegenteil («Gegenwurf») nicht bestehen und sich entwickeln; Gott sei das gegensätzliche Wesen der Dinge selbst. Böhmes Dialektik beeinflusste unter anderem J. G. Herder, W. J. Schelling und G. W. F. Hegel.

3. Kurt Böhme, geboren 5.5.1908, Sänger (Bass); 1930/50 Mitglied der Dresdner, seit 1949 der Münchener und seit 1955 der Wiener Staatsoper; als Bass-Buffo an großen internationalen Opernhäusern sehr erfolgreich.

Böhmische Brüder, Brüderunität: religiöse Vereinigung, die auf den hussitischen Traditionen einer sozialen und sittlichen Erneuerung fußte; entstand um die Mitte des 15. Jahrhundert unter Handwerkern und den tschechischen Landarmen in Böhmen und Mähren (Jednota bratrska, Jednota ceskych bratri). Geflüchtete Mitglieder gründeten 1722 in Herrnhut ein neues Zentrum.

Bohne, Phaseolus: größtenteils aus dem südlichen Mittelamerika stammende Gattung schmetterlingsblütiger Gemüsepflanzen; dazu die Arten Feuerbohne (P. coccineus) mit scharlachroten Blüten, Gartenbohne (P. vulgaris) meist weißblütig mit windendem (Stangenbohne) oder kurzem, aufrechtem Stengel (Buschbohne). Siehe auch Ackerbohne.

Bohnenkäfer, Bruchus: 4 bis 5 mm lange Samenkäfer, deren Larven sich in Sau- und Speisebohnen entwickeln.

Bohnenkraut, Pfefferkraut, Satureja hortensis: Lippenblütler aus dem östlichen Mittelmeergebiet; wird frisch oder getrocknet zum Würzen von grünen Bohnen, Salaten unter anderem verwendet.

Bohnermasse, Bohnerwachs: Paste oder Flüssigkeit zur Pflege von Holz (Fußboden, Möbel), Fußbodenbelägen und Leder (Lederpflegemittel). Bohnermasse ergeben nach dem Trocknen und Polieren eine glänzende, gleitsichere, wasserabstoßende Schicht. Die feuergefährliche Öl Ware enthält neben einem natürlichen oder synthetischen Wachs (Montanwachs, Naturwachs, synthetischer Hartwachs) ein organisches Lösungsmittel (zum Beispiel Terpentinöl), während bei der Emulsionsware das Wachs in Wasser emulgiert ist.

Bohol: zu den Philippinen gehörende Insel, nördlich von Mindanao; 3864 km2, über 900000 Einwohner; Hauptort Tagbilaran; bis 870 m über dem Meeresspiegel; tropisches Klima; Kokospalmen; Gold-, Mangan- und Kupfererzvorkommen.

Bohr: 1. Aage Bohr, geboren 19.6.1922, dänischer Physiker; Sohn von Bohr 2, entwickelte zusammen mit Bohr Mottelson und J. Rainwater das Kollektivmodell des Atomkerns; Mitglied der Leopoldina.

2. Niels Bohr, 7.10.1885-18.11.1962, dänischer Physiker; grundlegende und epochemachende Arbeiten zur Atomphysik, Quantenmechanik und Kernspaltung. Das Bohrsche Atommodell (Atom) enthielt erstmals sogenannt Quantenbedingungen und war Grundlage für das wellenmechanische Modell. Die von Bohr begründete sogenannt Kopenhagener Schule war eines der bedeutendsten Zentren der modernen theoretischen physikalischen Forschung. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit engagierte sich Bohr in vielfältiger Weise für die friedliche Zusammenarbeit aller Staaten.

Bohr-Effekt: (nach einem dänischen Physiologen) Schwankungen der Bindungsfähigkeit des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) für Sauerstoff, bedingt durch den aktuellen Gehalt an Kohlendioxid (CO2) im Blut. Hoher CO2-Gehalt vermindert sie, fordert also die Abgabe des O2 an das Gewebe. Die in der Lunge erfolgende Verminderung des CO2-Gehaltes erhöht sie, begünstigt also die Aufnahme von O2 ins Blut.

Bohren: 1. Bergbau: Herstellen eines Bohrloches mit einem mechanischen Bohrverfahren, wobei durch unmittelbare mechanische Einwirkung des Bohrwerkzeuges auf der Bohrlochsohle das Gestein zerstört wird. Drehendes Bohren verwendet man in weichem oder mittelhartem, schlagendes Bohren in hartem, drehschlagendem Bohren in sehr hartem Gestein. Stoßendes Bohren wird nur noch in Sonderfällen angewandt. Durch Vollbohren werden im Allgemeinen die Sprengbohrlöcher hergestellt; das Kernbohren dient der geologischen Untersuchung der gewonnenen Gesteinskerne. Therm. Bohren ist ein Bohren mit Gesteinszerstörung durch unmittelbare thermische Einwirkungen auf die Bohrlochsohle.

2. Fertigungstechnik: spannendes Verfahren zur Herstellung von meist zylindrischer Bohrungen (Löchern) mit kreisförmiger Schnittbewegung und stetiger Vorschubbewegung des Werkzeugs (Bohrer) in Richtung der Werkzeugachse, die beim Schlagbohren von schlagenden axialen Bewegungen überlagert ist. Die Lage der Bohrungen wird durch Anreißen und Körnen, durch Bohrvorrichtungen, Mehrspindelbohrköpfe oder Messeinrichtungen bestimmt. Das Vergrößern vorhandener Bohrungen wird als Aufbohren bezeichnet oder als Feinbohren bei hohen Forderungen an Form, Maß und Oberfläche. Durch Zentrierbohren wird die Drehachse eines Teils bestimmt. Als Werkzeuge verwendet man unter anderem Wendelbohrer (Spiralbohrer) mit 2 Schneiden, auch hartmetallbestückt, und schraubenlinienförmigen Nuten zur Späneabführung, Bohrkronen (rohrförmig, mit Schneiden besetzt), Stufenbohrer, Programmwerkzeuge oder Bohrstangen mit Bohrmeißeln.

3. Holzbearbeitung: Herstellung von runden, tiefen Löchern beziehungsweise flachen Versenkungen (Vertiefungen) oder Langlöchern (Fräsbohrung); erfolgt mit Spezialbohrwerkzeugen, die mit Drehzahlen von 750 bis 6000 U/min arbeiten.

Bohrer: 1. Fertigungstechnik: Bohren.

2. Stomatologie: Metallinstrument, das in sogenannt Hand- oder Winkelstücke eingesetzt, von Bohrmaschinen, Mikromotoren oder Turbinen in Rotation versetzt wird und eine fräsende Bearbeitung von Zahnhartsubstanzen, Kieferknochen und zahnärztlichen Werkstoffen gestattet.

Bohrfliegen, Fruchtfliegen, Trypetidae: Familie etwa 5 mm großer Fliegen mit bänderartig oder tüpfelförmig gezeichneten Flügeln; Weibchen bohren Früchte und Pflanzenstengel an, in denen dann die Larven leben; hierzu die Mittelmeerfruchtfliege und die Kirschfruchtfliege.

Bohrhammer: Bergbau schlagend arbeitende, druckluftbetriebene Gesteinsbohrmaschine (ähnlich dem Abbauhammer) zum Herstellen von Bohrlöchern für die Sprengarbeit. Der Schlagkolben schlägt auf eine Bohrstange, dreht sie nach jedem Schlag um ihre Längsachse, wobei der Bohrmeißel kerbend das Gestein an der Bohrlochsohle zerstört.

Bohrhärte, Bohrfestigkeit: von den technischen Grundeigenschaften der Gesteine abhängige Größe, die bei Gesteinsbohrungen den Vortrieb beeinflusst. Man unterscheidet 10 Bohrhärtestufen.

Bohrium, Nielsbohrium (nach Niels Bohr) n, Symbol Bo: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 105; das beständigste Isotop ist Bo 262 (Halbwertszeit = 40 s). Bohrium wurde 1968 als Isotop Bo 261 von G. N. Flerow und Mitarbeitern in Dubna beim Beschuss von Amerizium 243 mit Neon-22-Ionen entdeckt.

Bohrkarte: grundrissliche Darstellung von Bohrungen als Bestandteil des bergmännischen Risswerkes. Die Bohrkarte enthält die Bezeichnung, die Lage, die Höhe und den Zeitpunkt der Herstellung der Bohrlöcher. Die Bohrkarte ist Grundlage für die Darstellung der Ergebnisse der geologischen Untersuchungsarbeiten.

Bohrlochmessung, Carottage: Verfahrenskomplex der angewandten Geophysik zur Gewinnung qualitativer und quantitativer Aussagen über Gesteinsgrenzen und -eigenschaften in Tiefbohrungen. Wichtiges Hilfsmittel zur Lagerstättensuche und zur Kontrolle des technischen Zustandes der Bohrungen. Die von einer Messsonde registrierten Daten werden «Log» genannt (zum Beispiel Akustiklog).

Bohrlochpumpe: Kolbenpumpe zur Förderung der Spülflüssigkeit, die zum Transport des ausgebohrten Gesteins dient; eingesetzt für Bohranlagen zur geologischen Erkundung oder für Produktionsbohrungen zur Erdöl- beziehungsweise Erdgasförderung.

Bohrmaschine: Werkzeugmaschine zum Bohren und Aufbohren von Bohrungen (Löchern), zum gewindeschneiden, Reiben und Senken, wobei die mit der Werkzeugaufnahme versehene Hauptspindel über ein Schaltgetriebe oder stufenlos angetrieben wird. Deren axiale Vorschubbewegung wird mit Handhebel oder mechanisch über ein Schaltgetriebe ausgeführt. Handbohrmaschinen besitzen elektrischen oder pneumatischen Antrieb, Säulen- und Ständerbohrmaschinen haben einen starren oder nur höhenverstellbaren Spindelstock sowie einen höhenverstellbaren und bei Säulenbohrmaschinen schwenkbaren Tisch für das Werkstück, das an den Bohrer herangeführt werden muss. Tischbohrmaschinen haben einen kurzen Ständer, Reihenbohrmaschinen mehrere Bohrschlitten und einen gemeinsamen Ständer und Tisch. Radialbohrmaschinen für große Teile besitzen einen um die senkrechte Säule schwenkbaren Ausleger, der den waagerecht verschiebbaren Bohrschlitten trägt, sowie einen starren Tisch; der Bohrer wird an das Werkstück herangeführt. Eine Bohrmaschine kann mit starren Mehrspindelbohrköpfen ausgerüstet werden. Mehrspindelbohrmaschinen haben Gelenkspindeln, die für unterschiedliche Bohrbilder einstellbar sind. Bohr- und Feinbohreinheiten können baukastenartig zu Sondermaschinen und Fließstraßen verbunden werden. Koordinalen- (Lehren-) Bohrmaschinen sind sehr starr aufgebaut und besitzen einen sehr genau arbeitenden Bohrschlitten und einen Kreuzschiebetisch mit optischem Messsystem. Die Tiefbohrmaschine für überlange Bohrungen ist ähnlich wie eine Drehmaschine aufgebaut. Bohrmaschine können auch numerisch gesteuert sein. Die zahnärztliche Bohrmaschine ist ein Gerät, das die zur Zahn- oder Werkstoffbearbeitung benötigten Instrumente (Schleif-körper, Bohrer, Finierer, Polierer unter anderem) in Rotation versetzt. Eine der ersten Bohrmaschinen wurde 1730 von dem Franzosen Pierre Fauchard (1678-1761) konstruiert. Vom manuell angetriebenen Drillbohrer verlief die Entwicklung über sogenannten Fiedelbohrer zur Uhrwerksbohrmaschine und weiter zur Tretbohrmaschine, die später mit Elektromotor versehen wurde. Die konventionelle elektrische Bohrmaschine besitzt einen Antrieb über Rollenschnur (Doriot-Gestänge). Die Umdrehungszahl kann stufenlos auf 30000 (mit Zusätzen bis maximal 60000) U/min gesteigert werden. Daneben ist zunehmend der elektrischen Miniatur- oder Mikromotor (bis 75000 U/min) und die Druckluftturbine mit 300000 U/min im Einsatz.

Bohrmuscheln: marine Muscheln mehrerer Familien, die sich durch Säureausscheidung (z: Bohrmuscheln Lithodomus in Kalkgestein) oder mechanisch durch Hin- und Herbewegen der raspelartig ausgebildeten Schalen in feste Substanzen einbohren, zum Beispiel die Dattelmuschel (Pholas dactylus) in Kreidefelsen. besonders schädlich die Schiffsbohrwärmer (Teredo unter anderem), die sich in das Holz von Schilfen und Hafenbauten einbohren und diese dadurch zerstören.

Bohröl: wasseremulgierbarer Fertigungshilfsstoff für die spanende Metallbearbeitung, im Wesentlichen ein Gemisch aus Mineralöl und Emulgator (zum Beispiel Seife). Bohrölemulsionen wirken kühlend und schmierend (Kühlschmiermittel); zudem entfernen sie die Späne.

Bohrratsche: Handbohrgerät für schwer zugängliche Stellen mit Drehung des Bohrers durch Ratsche und Vorschub durch Schraube.

Bohrschablone: auf dünnem Material, auch Papier, fixiertes Bohrbild, das durch Ankörnen übertragen wird.

Bohrsches Magneton: (nach N. Bohr) das magnetische Moment eines Elektrons, dessen Bahndrehimpuls durch die Quantenzahl I = 1 gekennzeichnet ist, e Elementarladung, h Planck-Konstante, Ruhmasse des Elektrons. Das Bohrsche Magneton gilt als Einheit atomarer magnetischer Momente.

Bohrstange: zylindrische Werkzeughalter mit festen oder verstellbaren eingesetzten Bohrmeißeln zum Ausbohren vorhandener Bohrungen, meist auf Bohr- und Fräsmaschinen.

Bohrturm: Holz- oder Profilstahl-, auch Stahlrohr- oder Betonrohrkonstruktion, die beim Tiefbohren das Einfuhren und Ziehen des Bohrgestänges, den Ein- und Ausbau des Bohrwerkzeuges sowie das Einfuhren von Fangeinrichtungen ermöglicht. Mit einer Höhe bis über 50 m dient der Bohrturm auch zum Abstellen des Bohrgestänges, zum Unterbringen von Teilen der Bohranlage sowie zum Schutz der Bohrmannschaft. Übliche Bohrtürme haben die Form eines Pyramidenstumpfes. Für Bohrungen bis zu 2500 m Tiefe gibt es vollständige Bohranlagen als Anhängerfahrzeug oder auch selbstfahrend, wobei der Bohrturm in beiden Fällen umgeklappt wird. In großen Erdölgebieten stehen die Bohrtürme oft im Wasser, das heißt, sie sind auf dem Meeresgrund errichtet und zum Teil durch Laufbrücken mit dem Lande sowie untereinander verbunden. Als Bohrinsel bezeichnet man einen Ponton, der Bohrturm und Bohreinrichtungen trägt. Er besitzt 4 hydraulisch ausfahrbare Beine, die auf den Meeresgrund gesenkt werden, worauf die Insel noch etwa 5 m über die Wasseroberfläche hinausgehoben wird, um sie vor Seegang zu schützen.

Bohr-und-Fräs-Maschine: spanende Werkzeug-maschine mit ortsfestem Bohrständer, höhenbeweglicher Spindelstock mit waagerechter Spindel (Waagerecht-Bohr-und-Fräs-Maschine) und kreuzbeweglicher Drehtisch oder festliegender Aufspannplatte mit Setzstock (Gegenhalter) für das (Aus-)Bohren meist vorgegossener Bohrungen (Löcher), Gewindeschneiden, Fräsen und Plandrehen mit Plansupport an relativ großen Werkstücken.

Bohrvorrichtung: Aggregat aus einer oder mehreren Platten mit Löchern entsprechend dem herzustellenden Bohrbild; so gestaltet, dass ein Werkstück in die Bohrvorrichtung eingespannt oder die Bohrvorrichtung auf das Werkstück gespannt (Bohrplatte, -lehre) werden kann. In den mit gehärteten Buchsen (Bohrbuchsen) versehenen Löchern wird der Bohrer beim Bohren geführt und so das Bohrbild zeitsparend auf das Werkstück übertragen.

Bohrwagen: Bergbau auf Rädern oder Raupen fahrbares Gestell, worauf meist mehrere Bohrmaschinen montiert sind, so dass gleichzeitig mehrere Löcher gebohrt werden können. Je nach Arbeitsweise der Bohrmaschinen unterscheidet man Schlag-, Stoß-, Dreh-, Drehschlagbohrwagen.

Bohrwinde: Handbohrgerät, bei dem die Drehbewegung des Bohrers durch Drehen einer Kurbel mit Spannfutter erreicht wird.

Bojaren: Angehörige des Hochadels in Russland, Litauen, Rumänien sowie (bis zum 14. Jahrhundert) Bulgarien. In Russland besaßen die Bojaren als Vasallen der Fürsten große Macht, widersetzten sich zum Teil der Zentralisierung des Staates und wurden zum Hort der Reaktion; Peter I. nahm ihnen viele Privilegien und stellte sie dem Dienstadel gleich.

Boje: kugel-, kegel- oder tonnenförmiger Schwimmkörper aus Stahlblech oder Plast, seltener aus Holz oder Kork, der am Gewässer Grund verankert ist. Die Ankerboje zeigt die Lage eines unter Wasser liegenden Ankers u. ä. an; Festmacheboje dienen zum Festmachen von Schiffen.

Bola: («Kugel») südamerikanischen Indianern als Jagd- und Kriegswaffe dienender 3 bis 4 m langer Schleuderriemen mit einem oder mehreren in Leder eingenähten Steinen.

Bolero: 1. a) spanischer Paartanz im 3/4-Takt mit Gitarren- und Kastagnetten Begleitung;

b) lateinamerikanischer Volkstanz im langsamen V4-Takt, der Rumba ähnlich.

2. aus der Tracht der spanische Stierkämpfer übernommenes kurzes, offenes Jäckchen.

3. rundaufgeschlagener Damenhut.

Boleslaw, polnische Fürsten: 1. Boleslaw I. Chrobry (polnisch, «der Tapfere»), um 967-17. 6. 1025, Großfürst seit 992, 1025 König; begründete 1000 nach einem Treffen mit Kaiser Otto HI. das Erzbistum Gniezno; verteidigte 1002/18 gegen Kaiser Heinrich H. erfolgreich die Unabhängigkeit Polens, schloss die Vereinigung der polnischen Gebiete ab; entriss 1018 der Kiewer Rus westukrainische Gebiete.

2. Boleslaw II. Smiafy (polnisch, «der Kühne»), 1040-1081, Großfürst 1058/76, König seit 1076; führte Kriege gegen Böhmen, Ungarn, die Kiewer Rus und Kaiser Heinrich IV.; er flüchtete, von rivalisierenden Feudalherren vertrieben, 1079 nach Ungarn.

3. Boleslaw III. Krzywousty (polnisch, «Schiefmund»), 1086-28.10. 1138, Großfürst seit 1102; teilte im Erbgesetz 1138 das Land unter seine Söhne auf, wobei der Älteste die Oberhoheit über die Jüngeren erhalten sollte, um die feudale Zersplitterung einzuschränken (Senioratsstatut); mit Boleslaw begann die Entstehung polnischer Teilfürstentümer.

Bolgar, Bulgarische Ruinenstätte in der Tatarischen ASSR nahe der Siedlung Bolgary (Rayon Kuibyschew). 10./12. Jahrhundert Hauptstadt des Staates der Wolgabulgaren; 1236 von den Mongolen erobert, in der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert wichtiges Handels- und Handwerkszentrum der Goldenen Horde; 1361 zerstört. 1870 fanden erste Ausgrabungen statt.

Bolingbroke, Buttingbroke, Henry Saint John, Viscount Bollngbroke, Oktober 1678-12.12. 1751, britischer Politiker und Philosoph; als führender Politiker der Tories war er 1704/08 Kriegsminister, 1710/14 Außenminister, lebte 1714/23 als Gegner der Thronfolge der Dynastie Hannover im Exil, danach oppositioneller politischer Schriftsteller (Aufklärer), Prototyp des John Bull.

Bolintineanu, eigentlich Cosmad, Dimitrie, 1819-20. 8. 1872, rumänischer Schriftsteller; verarbeitete in seiner Dichtung («Nationale Märchen und Legenden», 1858) nationalhistorische und exotische Stoffe aus romantischer Sicht; begründete den rumänischen Roman («Manoil», 1855; «Elena», 1862).

Bolometer: ein Widerstandsthermometer; Gerät zum Messen kleiner Strahlungsenergien aus der Änderung des elektrischen Widerstandes zum Beispiel einer einseitig geschwärzten Metallfolie, die die auftreffende Strahlung absorbiert.

Bolson: aus Mexiko stammende Bezeichnung für ein abflussloses, meist tektonisch angelegtes flaches Becken in ariden und semiariden Gebieten mit periodisch sich bildenden Salzseen geringer Tiefe im Zentrum; unter regional unterschiedlichen Benennungen auch in zahlreichen anderen Trockengebieten der Erde anzutreffen; in Nordafrika als Schott, in Vorderasien als Kewir bezeichnet.

Bolton: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft Greater Manchester, nordwestlich von Manchester, von Mooren umgeben; 150000 Einwohner; Zentrum der Baumwollindustrie im Gebiet um Manchester, Feingarnspinnereien, Textilmaschinenbau; Textilindustriemuseum.

Boltzmann, Ludwig Eduard, 20.2. 1844-5.9. 1906 (Selbsttötung), österreichischer Physiker, fand den Zusammenhang zwischen Entropie und Wahrscheinlichkeit (1877) und trug so wesentlich zur Anerkennung der kinetischen Gastheorie bei, behauptete die reale Existenz der Atome und verfasste hervorragende populärwissenschaftlichen Schriften.

Boltzmann-Faktor: (nach L. E. Boltzmann) Zahlenfaktor; ist nach der Maxwell-Boltzmann-Statistik proportional der Wahrscheinlichkeit dafür, dass bei der Temperatur T das Energieniveau E, besetzt ist; k ist die Boltzmann-Konstante.

Boltzmann-Gleichung: von L. E. Boltzmann im Jahre 1872 angegebene kinetische Gleichung, in der die Wechselwirkung der Moleküle als Zweierstöße, das heißt als Stöße, an denen 2 Teilchen beteiligt sind, berücksichtigt wird. Die Boltzmann-Gleichung gestattet es, irreversible Erscheinungen in Gasen, zum Beispiel innere Reibung, Wärmeleitung, Diffusion, Thermodiffusion, zu beschreiben. Sie ist auch für Festkörper (insbesondere Halbleiter) anwendbar.

Bolus: fette, durch Eisenoxid rot, braun oder gelb gefärbte Tonerde; im Altertum Werkstoff für Gefäße, in der Malerei als Farbstoff verwendet (Unterlage für Vergoldung, Grundierung).

Bolus alba: pharmazeutische Bezeichnung für Kaolin; wird in der Medizin als Adsorbens und Füllmittel bei bestimmten Arzneizubereitungen verwendet.

Bolzano, Bern(h)ard, 5.10. 1781-18.12. 1848, tschechischer Philosoph, Mathematiker und Theologe. Seine an Leibniz orientierte Philosophie trägt objektiv-idealistische Grundzüge. Bolzano ist einer der Begründer der mathematischen Logik (besonders durch seine Trennung von Logik und Psychologie) sowie der axiomatischen Methode. Die Mathematik wollte er auf der Grundlage der Logik rekonstruieren. Bolzanos ethisch-politische Ideen haben utopisch-sozialistische Tendenz; sie führten 1820 zu seiner Vertreibung von der Prager Karls-Universität. In seiner Staatslehre («Von dem besten Staate», 1831, veröffentlicht 1932) erhebt er die Forderung nach einer demokratischen Umgestaltung der Gesellschaft; schrieb ferner «Athanasia oder Die Gründe für die Unsterblichkeit der Seele» (1827), «Wissenschaftslehre» (1837), «Paradoxien des Unendlichen» (1851).

Bolzen: runder Metallstift zur gelenkigen Verbindung von Maschinenteilen (zum Beispiel Gelenk-, KolbenB.), zur Übertragung großer Querkräfte (zum Beispiel Passbolzen bei hochbeanspruchten Scheibenkupplungen), zur Kraftbegrenzung (zum Beispiel Brechbolzen), zur Einhaltung bestimmter Abstände (zum Beispiel Steh- und Abstandsbolzen) u. ä.

Bolzenschussapparat: Gerät zum Betäuben der Tiere vor dem Schlachten; durch Explosion einer Patrone wird ein Bolzen vorangetrieben, der die Schädeldecke zertrümmert.

Bolzenschussgerät: pistolenähnliches Handwerkzeug zum Eintreiben («Einschießen») von Stahlbolzen in Bauwerksteile, zum Beispiel aus Beton oder Stahl, mittels Gasdrucks (Kleinkaliberpatronen), ohne dass ein Bohren und Stemmen notwendig ist. Durch Anwendung des Bolzenschussgeräts können Bauplatten, Halterungen für Installationen unter anderem schnell angebracht werden. Das Bolzenschlaggerät ist dagegen nur ein Hilfswerkzeug für das Einschlagen von Bolzen mit dem Hammer. Es besteht aus einer Hülse mit Schlagdom.

Bombage: Aufwölbung einer Konservendose; verursacht durch Gasentwicklung, meist infolge Zersetzung des Inhalts durch gasbildende Mikroorganismen.

Bombardierkäfer, Brachynus: Gattung der Laufkäfer, leben unter Steinen; können bei Gefahr ein explodierendes Gasgemisch ausstoßen.

Bombe: Munitionsart der Luftstreitkräfte; Stahl-, Blech- oder Kunststoffkörper mit einer Kampfladung (Sprengstoff, Brandmasse oder chemischer Kampfstoff) oder Spezialladung und Zündvorrichtung. Mit Gefechtsbombe werden Erd- und Seeziele bekämpft, mit Signal-, Blitzlicht-, Nebel-, Leucht-, Rauch- und Agitationsbombe die Gefechtshandlungen der Streitkräfte sichergestellt.

Bombieren: Erzeugen von Wölbungen oder Rundungen in Blechquerschnitten mittels Walzen, die in der Mitte verdickt sind.

Bombierung: leichte parabolische Auswölbung von Presswalzen der Papiermaschine, um das Durchbiegen infolge Belastung und Eigenmasse zu kompensieren und einen gleichmäßigen Liniendruck über die ganze Breite der Papierbahn zu erreichen.

Bomhart, Pommer: Holzblasinstrument aus der Familie der Schalmeien mit Doppelrohrblatt, in verschiedenen Größen gebaut; hat 6 bis 7 Grifflöcher und 1 bis 4 Klappen (von Schutzkapsel umgeben); wurde besonders im 16. Jahrhundert verwendet, später durch Oboe und Fagott ersetzt.

Bommerband: Beschlag, der durch Spannung der Rückstellfeder das Türblatt von Pendeltüren in die Ausgangsstellung zurückholt.

Bomse: Silikattechnik Brennhilfsmittel zum Schutze des Brenngutes vor Deformationen. Sie müssen den gleichen Schwindungsverlauf haben wie die zu brennende Ware. Stützbomse verhindern das Absenken von Teilen des Brenngutes; als Spannbomse sollen sie zum Beispiel dünnwandige Zylinder in ihrem kreisförmigen Querschnitt halten.

Bonaparte, ursprünglich Buonaparte, aus der Toskana stammendes korsische Kleinadelsgeschlecht, dem Napoleon I. und Napoleon III. entstammten. Politische Bedeutung besaßen auch die Brüder Napoleons I.:

1. Joseph Bonaparte, 7.1.1768-28.7.1844, König von Neapel (1806/08) und Spanien (1808/13).

2. Lucien Bonaparte, 21.5.1775-30.6.1840, als Präsident des «Rates der 500» führend am Staatsstreich des 18. Brumaire 1792 beteiligt, danach Innenminister, emigrierte 1810 in die USA.

3. Louis Bonaparte, 2.9.1778- 25.7.1846, König von Holland seit 1806, von Napoleon I. 1810 zur Abdankung gezwungen.

4. Jérôme Bonaparte, 15.11.1784-24.6.1860, König von Westfalen (1807/13). Napoleon I. wollte mit seiner «Vetternwirtschaft», in die er auch seine Schwestern Elisa, Pauline und Caroline verstrickte, sein erobertes Imperium in eine Familiendynastie verwandeln.

Bonapartismus: nach der Diktatur Napoleon Bonapartes und besonders der Napoleons III. benannte spezifische Form der Klassenherrschaft der Großbourgeoisie; besteht darin, dass «...die sich auf den Militärklüngel ... stützende Staatsmacht laviert zwischen den beiden sich feindlich gegenüberstehenden Klassen und Kräften, die sich gegenseitig mehr oder weniger die Waage halten» (Lenin).

Bonatz, Paul, 6.12. 1877-20.12. 1956, Architekt und Fachschriftsteller; gehört zu den Wegbereitern einer modernen, auf Werkgerechtigkeit ausgerichteten Architektur, schuf unter Wahrung des Materialcharakters großzügig komponierte Bauten, unter anderem Hauptbahnhof Stuttgart, Hochhaus des Stummkonzerns in Düsseldorf.

Bonaventura: 1. Bonaventura, eigentlich Johannes Fidanza, 1221-15. 7. 1274, italienischer Philosoph und Kirchenlehrer; Franziskaner; schuf eine gegen den Averroismus gerichtete neuplatonische Erkenntnistheorie; verfälschte Ibn Ruschds Gedanken über die Ewigkeit der Welt; vertrat das Primat der Theologie vor der Wissenschaft und unternahm die erste Synthese von christlichen Glauben und aristotelische Philosophie.

2. Bonaventura, eigentlich Friedrich Gottlob Wetzel, 14.9. 1779- 29. 7. 1819, Schriftsteller und Arzt; in dem Roman «Die Nachtwachen des Bonaventura» (1804) setzte er sich in romantische Grundstimmung aggressiv-satirisch mit seiner Zeit auseinander.

Bonbon, Karamelle: aus eingekochten Lösungen von Saccharose und Stärkesirup, wertbestimmenden Zusätzen (zum Beispiel Milch, Honig), Geschmacks- und Farbstoffen erzeugte Zuckerware, zum Teil gefüllt. Hartbonbon haben hartsplittrige, Weichbonbon zäh-plastische Konsistenz.

Bonden: (englisch to bond, «verbinden») ein Schweißverfahren zum Kontaktieren von ungekapselten Halbleiterbauelementen. Unterschieden wird Thermokompressionsbonden, ein Diffusionsschweißen bei einem Druck von ~ 200 MPa und einer Temperatur von =» 300°C, und Ultraschallbonden, ein Diffusionsschweißen bei einem Druck von 100...200 MPa ohne Wärme-, dafür mit Ultraschalleinwirkung.

Bondieren: Verbinden von 2 oder mehr textilen Flächengebilden durch Flammieren oder Kleben, wobei die Verbindungsstellen meist punktförmig verteilt sind.

Bond servants: (englisch, «Schuldsklaven») im 18. Jahrhundert europäischen Einwanderer in Nordamerika, die für freie Überfahrt 7 und mehr Jahre Zwangsarbeit leisten mussten (weiße Sklaverei).

Bondzin: Friderun, geboren 11.7. 1929, Malerin und Graphikerin; Frau von Bondzin 2; 1948/53 Studium an den Kunsthochschulen in Weimar und Dresden, danach tätig in Dresden. Bondzin widmet sich besonders der Darstellung harmonischer Kinder- und Familienmotive.

Bongo: 1. Bongo, Taurotragus euryceros: mit Kudu und Elenantilope verwandter Wiederkäuer mit massigen, gedrehten Hörnern; Wildbestände in den zentralafrikanischen Urwäldern, vom Aussterben bedroht.

2. Bongo: unten offene Kleintrommel bestimmter Tonhöhe, meist in Zweier-, aber auch in Dreier- bis Fünfergruppe aufsteigender Größe verwendet; ursprünglich kubanisches Volksmusikinstrument.

Bonifacio, Andrés, 29.11. 1863-10. 5. 1897, Führer des revolutischen demokratischen Flügels in der philippinischen Unabhängigkeitsrevolution 1896/98 gegen Spanien; leitete 1896 den Aufstand ein, wurde von E. Aguinaldo der Verschwörung beschuldigt und erschossen.

Bonifatius, eigentlich Wynfrith (Winfried), um 672-754 (erschlagen), angelsächsischer Missionar, gründete zahlreiche Bistümer (Salzburg, Regensburg, Erfurt) und Klöster (Fulda, Ohrdruf).

Bonifikation: Vergütung, Entschädigung; im Radsport Zeitgutschrift für Spitzenplazierungen in Etappenrennen.

Bonität: 1. Bonität Ertragsklasse: Forstwirtschaft: Ausdruck für die Ertragsfähigkeit von Waldbeständen; sie wird gewöhnlich über Alter und Mittelhöhe mit Hilfe einer Ertragstafel festgestellt.

2. Wirtschaft: Güte, Qualität; Kreditwürdigkeit eines Bankkunden; Zahlungsfähigkeit; Sicherheit einer Forderung.

Bonitierung: 1. Pflanzenzüchtung: nach einem verbindlichen Bewertungsmaßstab durchgeführte Beurteilung von Einzelpflanzen, Zuchtstämmen und Sorten.

2. Tierzucht: Einstufung von Tieren nach ihrer Qualität entsprechend den Zuchtzielen für die jeweilige Rasse; bei Zuchttieren nach Körperform und Leistung, bei der Schlachtkörpervermarktung nach Qualitätsparametern, in der Wollkunde nach den Wolleigenschaften.

Bonivard, François, 1493-1570, schweizerischer Volksheld; organisierte den erfolgreichen Unabhängigkeitskampf Genfs gegen Savoyen.

Bonnet, Charles de, 13.3. 1720-20.6. 1793, schweizerischer Naturforscher; arbeitete über Regeneration, entdeckte die Parthenogenese bei Blattläusen; vertrat die Präformationstheorie; führte psychische Vorgänge auf physiologische Nervenprozesse zurück («Fibernpsychologie»).

Bonobo, Zwergschimpanse, Pan paniscus: schlanker, zierlicher, braunschwarzer Menschenaffe mit rötlich-fleischfarbenen Lippen und starkem Backenbart; bewohnt Waldgebiete in Zentralzaire; in zoologischen Gärten sehr selten.

Bonsai: japanische Spezialkultur von Zwergbäumen (Höhe etwa 12 bis 80 cm), die aus Samen, Stecklingen oder Pfropfreisern durch besondere Behandlung (zum Beispiel Beschneiden der Zweige und Wurzeln) gezogen werden.

Bonze: 1. schmarotzerhafter Funktionär einer reformistischen oder reaktionären Partei, Gewerkschaft u. ä.

2. buddhistischer Priester, besonders in China und Japan.

Boogie, Boogie Woogie: 1. rhythmische Variante des Blues mit ostinaten Achtelfiguren im Bass; Sonderform der Jazz-Klaviermusik.

2. aus den USA stammender Modetanz (um 1930) im V4-Takt, dem Jitterbug verwandt; hat sich bis in die 50er Jahre behauptet und war eine Vorform für Bebop, Rock’n’Roll und Jive.

Boolesche Algebra: axiomatisch aufgebaute algebraische Theorie, deren Grundbegriffe die 2stelligen Operationen n (Schnitt) und u (Vereinigung), die einstellige Komplementbildung und die ausgezeichneten Elemente 0, 1 sind. Die Modelle dieser Theorie sind spezielle distributive Verbände, die sogenannte Booleschen Verbände oder Booleschen Algebren. Wichtige Anwendungsgebiete der Booleschen Algebra sind zum Beispiel Mengen-, Schaltalgebra, Aussagenlogik, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Maßtheorie; sie entstand historisch aus Untersuchungen zur Algebra der Logik.

Boom: steiler, meist kurzer, oft durch staatliche Eingriffe bedingter Aufschwung der Wirtschaftsentwicklung in kapitalistischen Ländern, zum Beispiel Rüstungs-, Erdöl- oder Stahlboom.

Boomslang: bis 2 m lange, grüne, baumbewohnende Trugnatter Äquatorial- und Südafrikas, deren Biss auch für den Menschen lebensgefährlich ist.

Boonekamp: stark bitterer Trinkbranntwein mit verdauungsfördernder Wirkung (Magenbitter); Mindestalkoholvolumenanteil 45 beziehungsweise 40%.

Booster: Raketentriebwerk (meist Feststofftriebwerk) mit hoher Schubbeschleunigung und relativ kurzer Brenndauer, das als Starthilfs-Triebwerk für Raketen dient; in der Fachliteratur auch Bezeichnung für Startstufen von Raketen.

Boosterpumpe: Öldampfstrahlpumpe für kondensierbare Dämpfe, eine Vakuumpumpe.

Boot: meist offenes, gelegentlich teilweise oder ganz gedecktes kleineres Wasserfahrzeug für Schifffahrts- und sportlichen Zwecke.

Boothia: nördlichste Halbinsel von Kanada (bis 71° 58' nördliche Breite); etwa 50000 km2, 150 Einwohner (meist Eskimos); Hauptort Spence Bay. Boothia ist vorwiegend aus präkambrischen Gesteinen aufgebaut, bis 573 m hoch, im Osten und Westen eben. Tundra, Frostschutt- und Felsflächen vorherrschend. Auf Boothia wurde 1831 von J. Ross der Magnetpol der Nordhalbkugel der Erde festgestellt, der heute vor der Südwestküste der Insel Bathurst liegt.

Böotien: Landschaft im mittleren Griechenland, zwischen dem Golf von Korinth und dem Euripos, als Distrikt 3211km2, 115000 Einwohner; 36 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Levadeia (16000 Einwohner); von hohen Gebirgen und Bergstöcken (Parnass 2457 m, Helikon 1748 m) umgebenes, nach Osten hin offenes Becken mit Theben als Mittelpunkt; Anbau von Getreide, Oliven und Wein; Bewässerungsanlagen; Töpferei; Marmorbrüche, Bauxitbergbau, Aluminiumgewinnung. In mykenischer Zeit war Orchomenos das kulturelle Zentrum von Böotien Im 5./4. Jahrhundert vor Christus kam dem Böotischen Bund unter Führung Thebens eine größere politische Rolle zu.

Bootstrapping-Verfahren: Erreichen eines gewünschten Zustandes durch eigene Funktionen, zum Beispiel das Eingeben des Betriebssystems in einen Rechenautomaten mit Hilfe eines Bootstrap loaders (Urlader), der im ROM (Halbleiterspeicher) des Rechners gespeichert ist.

Borazit: Mineral, Magnesiumborat; rhombisch, bei höheren Bildungstemperaturen (>268 °C) kubisch kristallisiert; Farbe graublau, auch gelblich, Härte 7, Dichte 2,9 bis 3 g/cm3. Borazit ist in Salzlagerstätten (zum Beispiel Staßfurt, Bernburg) anzutreffen.

Bord: 1. Bord: Wand-, Bücherbrett.

2. Bord Natur- oder Kunststein zur Abgrenzung der Fahrbahn zum unbefestigten Randstreifen beziehungsweise der Teile der Straße voneinander. Der Flachbord ist niveaugleich, der Schrägbord hat eine Steigung 1:1 bis 1:2. Beim Hoch- oder Schrammbord ragen Kantensteine (auch Rasenbord genannt) über das Profil hinaus.

3. Bord Boots- oder Schiffsrand, -wand, -Seite; an Bord (auf dem Schiff befindlich); über Bord gehen (von Deck ins Wasser fallen oder gespült werden); Bord an Bord befinden sich Schiffe, wenn sie unmittelbar nebeneinander (längsseits) liegen.

Bordbuch: 1. in der sozialistischen Landwirtschaft vom Mechanisator geführter Nachweis über seine Leistung mit der ihm anvertrauten Technik.

2. Verkehr: Tagebuch an Bord eines Luftfahrzeugs, unter anderem zur Kontrolle der ausgeführten Flüge. Siehe auch Logbuch.

Börde: niederdeutsche Bezeichnung für flaches, baumarmes Land mit fruchtbaren Lößböden (bevorzugter Weizen- und Zuckerrübenanbau), zum Beispiel Magdeburger Börde.

Bordeaux: Stadt im Südwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Gironde, an der Garonne, im Weinanbaugebiet Bordelais; 220000 Einwohner, als Agglomeration 590000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Maschinen- und Fahrzeugbau, elektrotechnische, chemische und Lebensmittelindustrie; Erdölraffinerie; Übersee- und Binnenhafen (Einfuhr von Steinkohle, Rohöl; Ausfuhr von Wein, Holz), internationaler Flughafen, Hängebrücke (1590 m lang, 53 m hoch); internationale Messe; Universität (gegründet 1441), Akademien, Museen, Schifffahrtsschule, Sternwarte; Theater (18. Jahrhundert); Musikfestival; römische Baudenkmäler, gotische Kathedrale (12. Jahrhundert). In der Antike Burdigala; gehörte im 6./9. Jahrhundert mit Unterbrechungen zum Frankenreich, dann zu Frankreich; 1154/1451 stand es unter Herrschaft des englischen Königs. Bordeaux war im 18. Jahrhundert ein Zentrum des Kolonial- und Sklavenhandels, in der Französischen Revolution einer der Hauptstützpunkte der Girondisten; 1914 und 1940 vorübergehend Sitz der französischen Regierung.

Bordeauxwein: Weiß- oder (überwiegend) Rotwein aus dem Departement Gironde (Frankreich); weltberühmt.

Bördeln: Umbiegen eines Randes (Bord) von Hohlteilen oder ebenen beziehungsweise gekrümmten Blechzuschnitten bis 180°, besonders zwecks Versteifung. Dazu gehört auch das Einrollen, bei dem der Rand kreisförmig umgebogen wird. Nach der vorherrschenden Werkstoffbeanspruchung wird zwischen Außenbördel (Ein-, fassen des Blechumfanges mit einem Bord, überwiegend tangentiale Stauchung des Werkstoffes) und Innenbördel (Einfassen eines Durchbruchs im Blechzuschnitt mit einem Bord, überwiegend tangentiale Streckung des Werkstoffs) unterschieden.

Bordenergieversorgung: zum Betrieb der Mess-, Steuerungs-, Regelungs- und Lebenserhaltungssysteme in Raumflugkörpern dienende Technik der Energiespeicherung und -Umwandlung. Die Bordenergieversorgung wird heute im Wesentlichen durch elektrochemischen Batterien, Brennstoffzellen, Sonnen- (Solar-) Zellen und Kernenergieanlagen gewährleistet.

Bordgenerator, Bordnetzgenerator. Generator zur Versorgung des Bordnetzes von Kraft-, Schienen-, Wasser- und Luftfahrzeugen sowie von Raumflugkörpern.

Bordingenieur: Mitglied einer Besatzung; verantwortlich für die Bedienung und Überwachung der Triebwerke unter anderem technische Anlagen des Flugzeugs während des Fluges.

Bordnetz: Energieversorgungsnetz (Inselnetz) an Bord von Kraft-, Wasser- und Luftfahrzeugen sowie von Raumflugkörpern; umfasst Bordgenerator, Übertragungs-, Regelungs- und Steuereinrichtungen sowie Schutzsysteme und die einzelnen Verbraucher.

Bordun: bei Saiteninstrumenten (zum Beispiel Laute) neben dem Griffbrett verlaufende Basssaiten; bei Blasinstrumenten (zum Beispiel Dudelsack) Bass- oder Brummpfeifen gleichbleibender Tonhöhe.

Bordzeit: in Luftfahrzeugen und auf Hochseeschiffen die dem jeweils passierten Längengrad entsprechend Tageszeit.

Bore, Flutbrandung-. Gezeitenwelle, die in sich trichterförmig verengenden seichten Flussmündungen mauerartig stromaufwärts vordringt.

Boreas, in der griechischen Sage Gott des heftigen Nordwindes; entführte die Tochter des athen. Königs Erechtheus, Oreithyia, und machte sie zu seiner Frau.

Borgen, Johan, 28.4.1902-18.10.1979, norwegischer Schriftsteller, Kritiker und Journalist; bedeutender Vertreter der bürgerlich-humanistischen Literatur seit dem 2. Weltkrieg; schrieb Romane mit antifaschistischer Tendenz («Kein Sommer», 1944; «Der Liebespfad», 1946). Grundthema Borgens ist die Krisensituation des bürgerlichen Menschen, die psychologisch einfühlsam und eindringlich geschildert wird (Trilogie «Littlelord», 1955/57, 2 Bände deutsch).

Borges, Jorge Luis, geboren 24.8.1899, argentinischer Schriftsteller; übte, die Geschichte als sich ewig wiederholenden Kreislauf menschliche Irrwege im Labyrinth der Welt betrachtend, durch Essays («Geschichte der Ewigkeit», 1936, deutsch) und Erzählungen («Der schwarze Spiegel», 1935; «Labyrinthe», 1944/49; «Borges und ich», 1960; alle deutsch) großen Einfluss auf die zeitgenössische Literatur in Lateinamerika aus.

Borinage: Teil des südbelgischen Steinkohlengebietes in der Provinz Hennegau; Zentrum Mons, dichte Besiedlung; Bergbau nur noch von geringer Bedeutung. Abraumhalden; Maschinenbau und chemische Industrie; intensive Landwirtschaft.

Borkenkäfer, Scolytidae: Käferfamilie mit 1 bis 10 mm großen, walzenförmigen Arten; Flügeldecken hinten oft abfallend und gezähnt. Die Käfer und Larven der Rindenbrüter nagen arttypische Gänge in Bast- oder Splintholz, zum Beispiel Splintkäfer (Scolytus), Waldgärtner (Blastophagus), Buchdrucker, die tief im Stamm bohrenden Holzbretter sind mit Nährpilzen vergesellschaftet.

Borkou: aus Sandstein aufgebaute wüstenhafte Niederung in Tschad, am Südfuss des Gebirges Tibesti, 200 bis 300 m über dem Meeresspiegel; zahlreiche Oasen (Dattelpalmen); Wanderdünen; Wanderviehzucht; Salzgewinnung.

Borkum: westlichste der Ostfriesischen Inseln, vor der Nordseeküste; 36 km2, 6000 Einwohner; Düneninsel mit Marsch und eingedeichtem Weideland; Seebad.

Borlänge: Stadt im mittleren Schweden, am Dalälven, im Bergbaugebiet Bergslagen; 46000 Einwohner; Eisenhütte und Elektrostahlwerk im Ortsteil Domxanet (Profilstähle), außerdem größtes Zeitungspapierwerk Schwedens im Ortsteil Kvarnsveden.

Bormann, Martin, 17.6.1900-2. 5. 1945 (amtsgerichtlich für tot erklärt), faschistischer Politiker; 1933 Chef des Stabes des Hitler-Stellvertreters R. Heß sowie Reichsleiter der NSDAP; seit 1941 Leiter der 3arteikanzlei der NSDAP, 1943 Sekretär Hitlers. Als Hauptkriegsverbrecher im Nürnberger Prozess n Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Bornasche Krankheit, (nach Borna) Kopfkrankheit: durch ein Virus bedingte ansteckende Gehirn-Rückenmark-Entzündung bei Pferden und Schafen. Es treten Bewusstseinsstörungen und Lähmungen auf. Charakteristisch ist ihr Auftreten in regional grenzten Gebieten und die jahreszeitliche Abhängigkeit (bevorzugt Sommer). Es besteht Meldepflicht. Eine Schutzimpfung ist möglich.

Born-Haber-Kreisprozess: ein von M. Born und V. Haber aufgestellter hypothetische physikalisch-chemischer Kreisprozess, der unter Verwendung thermodynamischer Energiegrößen (Gitter-, Ionisierungs-, Dissoziationsenergie, Elektronenaffinität, Bildungsenthalpie unter anderem) die Energiebilanz bei der Bildung einer kristallisierten Verbindung aus den Elementen beschreibt und zum Beispiel zur Berechnung von Kristallgitterenergien benutzt wird.

Bornholm: dänische Ostseeinsel, südöstlich der schwedische Halbinsel Schonen; als Amt 588 km2, 47000 Einwohner; Verwaltungszentrum Renne (15000 Einwohner); besteht aus einer Granittafel mit Kliffküste, bis 162 m; nur zum Teil Sandstrand; gemäßigtes Klima; Kaolinabbau, Steinbrüche; Ackerbau; Fischfang und -Verarbeitung; Flug- und Schiffsverbindungen; Fremdenverkehr; Baudenkmale des 12./13. Jahrhundert Handelszentrum der Wikinger und bis etwa 1000 unabhängig, seitdem mit Unterbrechungen zu Dänemark gehörend.

Bornholmer Krankheit, (nach Bornholm) Pleurodynie (griechisch), epidemische Myalgie (griechisch): durch Coxsackie-Viren verursachte, an den Küsten der Ostsee besonders verbreitete Infektionskrankheit mit hohem Fieber und heftigen Schmerzen im Brustkorb und Oberbauch; gutartiger Verlauf.

Bornhöved: Gemeinde östlich Neumünsters. In der Schlacht bei Bornhöved am 22. 7. 1227 besiegte eine Koalition norddeutscher Fürsten und Städte den dänischen König Valdemar H., damit zerbrach die dänische Vorherrschaft im norddeutschen Raum. Es begann der Aufstieg Lübecks zum Vorort der Hanse.

Bornit, (nach einem österreichischen Mineralogen) Buntkupferkies: Mineral, Kupfer-Eisen-Sulfid; kristallisiert rhombisch; tritt in blauvioletten, metallisch glänzenden Aggregaten, oft bunt angelaufen, auf; Härte 3, Dichte 4,9 bis 5,3 g/cm3. Wichtiges Kupfererz, das hydrothermal auf Gängen (zum Beispiel Butte, Montana (USA), Tsumeb (Namibia)) und sedimentär im Kupferschiefer (zum Beispiel Eisleben, Sangerhausen) entsteht Siehe auch Minerale.

Bornu: 1. historischer Staat am Westufer des Tschad, ging aus dem Kanem-Reich hervor, dessen Anfänge sich bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen lassen; im 11. Jahrhundert islamisiert, im 16./17. Jahrhundert größte Ausdehnung unter Idris Aloma (1571/1603), der als Führer der Kanuri die Hausa von Kano und die Berber von Air beherrschte; in den Auseinandersetzungen mit den Fulbe setzte sich 1809 die neue Dynastie der al-Kanemi an die Macht; 1899/1900 durch französische Kolonialisten erobert; 1902 aufgeteilt und in deutsche, britische und französische Kolonialgebiete eingegliedert.

2. Bundesstaat im Nordosten Nigerias; 116400 km2, 3 Millionen Einwohner; 26 Einwohner/km2; Hauptstadt Maiduguri.

Bornylacetat: Essigsäureester des Borneols; bildet farblose, intensiv nach Fichtennadeln riechende Kristalle; F29°C; Bornylacetat kommt in Fichtennadelölen vor und wird wie das stereoisomere, synthetisch hergestellte Isobornylacetat als Riechstoff verwendet.

Borobudur, Barabudur: als Tempelberg und Stupa das bedeutendste architektonisches Monument des Mahayana-Buddhismus aus der indo-djawanische Periode; während der Herrschaft von Samaratunga (775-864) aus der Shailendra-Dynastie 40 km nordwestlich von Yogyakarta(Republik Indonesien) erbaut und 824 eingeweiht Seiner Form nach ist der Bornylazetat eine Stufenpyramide, die um eine natürliche Anhöhe errichtet wurde. Über einer doppelten quadratischen Basis, Seitenlänge 123 m, erheben sich 4 mit Paneelen und Reliefs verzierte Galerien. Darüber liegen 3 sich konzentrisch verjüngende kreisförmige Terrassen, die 72 gitterartig durchbrochene Stupas tragen, in denen sich eine sitzende Buddha-Statue befindet. Den Gesamtbau (35 m Höhe) krönt eine Stupa von fast 11 m Durchmesser; in dem unzugänglichen Innenraum ruht eine unvollendete Buddha Statue. Seit 1969 bemüht sich die UNESCO um die Erhaltung des Bornylacetat, der durch natürliche Witterungseinflüsse stark gefährdet ist.

Borodin, Alexander Porfirjewitsch, 12.11. 1833—27. 2. 1887, russischer Komponist, Mediziner und Chemiker: schrieb die Oper «Fürst Igor» (vollendet 1890 von N. A. Rimski-Korsakow und A. K Glasunow; darin die «Polow(e)zer Tänze»), Orchesterwerke, Kammermusik und Lieder. Seine Musiksprache wird bestimmt vom Geist des russischen epischen Liedes.

Borodino: Dorf westlich von Moskau, an der Straße nach Smolensk. Hier fand am 7. 9. 1812 die größte Schlacht des Vaterländischen Krieges statt. Napoleon I. konnte die Stellungen der russischen Truppen unter M. I. Kutusow nicht durchbrechen und diese nicht vernichten. Um das zahlenmäßig schwächere russische Heer zu erhalten, zog sich Kutusow später nach Osten zurück und gab Moskau zeitweilig preis.

Bororo: sprachlich isolierte Gruppe von Indianerstämmen im Süden des Mato Grosso (Brasilien) nördlich der Grenze zu Paraguay; 4000; nomadisierende Sammler und Jäger, neuerdings zum Teil extensiver Bodenbau.

Borretschgewächse, Boretschgewächse, Raublattgewächse, Boraginaceae: Familie, rauhaariger Kräuter, deren 5zählige Blüten in Wickeln angeordnet sind; hierzu Borretsch (Gurkenkraut, Borago officinalis), eine einjährige blau blühende Gewürzpflanze; weiterhin Beinwell, Lungenkraut, Ochsenzunge, Steinsame, Vergissmeinnicht, Gedenkemein unter anderem.

Borries, August von, 27.1.1852-14.2.1906, Eisenbahningenieur; Professor an der TH Charlottenburg; machte sich verdient um die Einführung der Verbundlokomotive.

Borriss, Heinrich, geboren 10.9. 1909, Botaniker; 1949/68 Professor und Direktor des Botanischen Instituts und des Botanischen Gartens der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; Hauptarbeitsgebiete Physiologie und Biochemie der Samenkeimung, Wirkungsmechanismen der Phytohormone, biologische Grundlagen der Vermehrung und Kultur von Orchideen.

Borromini, Francesco, 25. 9. 1599-2. 8. 1667, italienischer Baumeister des Hochbarocks in Rom. Seine Bauten zeichnen sich durch kunstreiche Raumverschränkung über kurvenreichem Grundriss aus und wirkten besonders auf den deutschen Spätbarock und das französische Rokoko.

Borsäure: chemische Verbindung der Formel H3B03. Borsäure bildet farb- und geruchlose, in heißem Wasser leicht lösliche Kristallblättchen. Sie finden sich in der Natur in italienischen Wasserdampfquellen (Fumarolen), insbesondere in den «Soffionen» Toskanas, und wird zur Bordüngung und zur Herstellung hochwertiger Gläser verwendet. Medizinisch wurde Borsäure früher auf Grund ihrer desinfizierenden Wirkung sowohl als 3%ige wässrige Lösung als auch in Form von Salbe häufig verwendet; inzwischen jedoch wegen möglicher Vergiftungen, besonders bei großflächiger Auftragung, nur noch selten angewendet. Das wichtigste Salz der Borsäure ist der weiße, kristallisierte, in heißem Wasser reichlich lösliche Borax (Natriumtetraborat), der insbesondere zur Herstellung von Jenaer Glas und als Lötsalz Anwendung findet. Natriumperborat, ist als sauerstoffabspaltendes Bleichmittel in Waschmitteln enthalten.

Borsäureester: Substanzen, die durch Umsetzung zwischen Borsäure und Alkoholen oder Phenolen gebildet werden, zum Beispiel Borsäuretrimethylester, Trimethylborat, eine farblose, mit intensiv grüner Flamme brennende Flüssigkeit.

Borschtsch: Suppe aus roten Rüben, Weißkohl, Fleisch, saurer Sahne unter anderem; russisches Nationalgericht.

Borsippa: altsumerische, südlich von Babylon gelegene Stadt mit Tempelanlagen des Gottes Nabu (Gott der Weisheit). Seit 1902 Ausgrabungen durch R. Koldewey; heute Bits Nimrud.

Borsten: 1. Borsten, Setae (lateinisch): dickschaftige, starre Haare einiger Säugetiere, zum Beispiel Schweine.

2. Borsten, Chaetae (griechisch + lateinisch): haarähnliche Gebilde in der Haut der Borstenwürmer.

Borstenläuse, Chaitophoridae: Familie der Blattläuse, leben an Laubhölzern und Gräsern.

Borstenschwänze, Thysanura: Ordnung der flügellosen Urinsekten; hierzu Fischchen und Felsenspringer.

Borstenwürmer, Chaetopoda: Gruppe der Ringelwürmer mit beweglichen Hautborsten auf seitlichen Stummelfüßen (Vielborster) oder direkt in der Haut (Wenigborster).

Borstenzähner, Chaetodontidae: zu den Barschartigen gehörende tropische Meeresfische mit zahlreichen borstenähnliche Zähnchen im kleinen Maul, häufig auffallend gefärbt; überwiegend Bewohner von Korallenriffen, die von Würmern, Algen oder auch Korallenpolypen leben. Bekannt unter anderem der Pinzettfisch (Chelmon rostratus) mit pinzettartig verlängerter Schnauze und der Wimpelfisch (Heniochus acuminatus) aus dem Indischen und Stillen Ozean.

Borstgras, Nardus: ausdauerndes, horstbildendes Gras mit borstenformigen, harten graugrünen Blattspreiten. Auf Magerrasen und -wiesen besonders der Mittelgebirge. Verschlechtert als Rohhumusbildner den Boden, wirtschaftlich wertlos.

Borverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Bor. Die wichtigsten Borverbindungen sind Borax, Borsäure und die Perborate. Borane sind Bor-Wasserstoff-Verbindungen, ein giftiges, ekelerregend riechendes, brennbares, mit Wasser reagierendes Gas. Borazin (Borazon) , ist eine dem Benzol in Struktur und Verhalten sehr ähnliche Flüssigkeit («anorganisches Benzol», Kp 55 °C). Die Borhalogenide (Borfluorid, gasförmig), -chlorid (bei 12,5 °C siedend), -bromid (flüssig) und Jodid (BI3, fest)) sind farblos, riechen stechend, rauchen an der Luft und werden durch Wasser zersetzt; das Fluorid bildet mit Fluorwasserstoff die starke Fluoroborsäure, von der sich als Salze die meist leicht wasserlösliche Fluoroborate ableiten. Borkarbid, bildet schwarze, diamantharte, chemisch sehr widerstandsfähige Kristalle. Bornitrid, BN, existiert in einer graphitartigen («weißer Graphit») und in einer sehr harten, diamantartigen Modifikation («Borazon»). Boroxid, das Anhydrid der Borsäure, entsteht beim Verbrennen von Bor und ist ein weißes, hygroskopisches Pulver.

Böschung: äußere schräge Fläche einer Aufschüttung oder eines Erdeinschnittes. Die Abdachung wird durch den Böschungswinkel bestimmt und ist beim Dämmen meist 1:1,5 beziehungsweise bei Einschnitten anstehenden Gesteinsarten. Eine Böschungssicherung erfolgt zum Schutz vor Erosion und Abgleiten durch Grünverbau oder Deckwerk.

Böschungslinie: Geometrie Kurve im Raum, deren amtlichen Tangenten mit einer festen Richtung jeweils Winkel konstanter Größe einschließen; zum Beispiel ist die Schraubenlinie eine Böschungslinie, wobei die feste Richtung durch die Achse gegeben ist.

Böschungsmaßstab: graphische Hilfsmittel zur Ermittlung der Hangneigung auf Karten mit Höhenschichtlinien.

Böschungswinkel: Winkel zwischen einer horizontalen Ebene und der Neigung eines Hanges in Fallrichtung.

Boskett, Lustwäldchen: Gehölzgruppe besonders des Barockgartens, die regelmäßig gefiedert ist und kleine Sonderanlagen enthält.

Bosnische Krise: am 6.10. 1908 durch die staatsrechtliche Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Österreich-Ungarn entfachte Zuspitzung der internationalen Spannungen auf der Balkanhalbinsel (1908/09), besonders im österreichisch-serbischen Verhältnis; führte zu einem Anwachsen der südslawischen Volksbewegung gegen die Doppelmonarchie.

Boson: (Bosonen), Bose-Teilchen (beide nach einem indischer Physiker) ein Teilchen mit ganzzahligem Spin; eine Gesamtheit von Boson genügt der Bose-Einstein-Statistik. Die Photonen, Mesonen und alle Kerne mit gerader Massenzahl sind Boson.

Bosporus: (lateinisch griechisch, «Rinderfurt») flussartige Meerenge mit steilen Ufern zwischen Europa und Kleinasien, verkehrswichtige Verbindung zwischen Marmara- und Schwarzem Meer; 31,7 km lang, zwischen 660 und 3000 m breit, bis 121m tief; kräftige salzarme Oberströmung fließt vom Schwarzen Meer in das Marmarameer, darunter bewegt sich eine salzreichere Tiefenströmung in entgegengesetzter Richtung; am Südende Bucht Goldenes Horn mit Hafen Istanbul; von einer 1074 m langen Hängebrücke überspannt.

Bosse: (französisch) 1. Rohform einer Plastik aus Stein oder Holz.

2. Buckel, erhabene Verzierung (besonders in der Metallkunst).

Boßeln: Kugelspiel (Einzel oder Mannschaft) auf einer Eisfläche, bei dem eine 1250 g schwere Kugel von 40 cm Umfang möglichst nahe an ein Ziel zu bringen oder weit zu werfen ist.

Bossenwerk, Rustika: Quadermauerwerk, bei dem die sichtbare Fläche (Bossen) der Natursteinquader mit Ausnahme des Randschlags ungleichmäßig behauen bleibt.

Bossieren, Bossen: Herausschlagen der Rohform einer Plastik aus dem Stein.

Botallischer Gang, (nach einem italienischen Arzt) Ductus arteriosus: zwischen Lungen- und großer Körperschlagader wählend der Embryonalzeit zur Umgehung des Lungenkreislaufes bestehende Verbindung, die sich normalerweise nach der Geburt verschließt und durch Bindegewebe ersetzt wird.

Botanik, Pflanzenkunde: Wissenschaft von den Pflanzen, Teilgebiet der Biologie, das sich mit der Erforschung der Organisation und der Lebensfunktionen der Pflanzen beschäftigt. Zur allgemeinen Botanik rechnet man die Morphologie, die sich mit dem Bau der Pflanzen befasst; die Ökologie erforscht die Beziehungen zwischen Pflanze und Umwelt. Die Verbreitung der Pflanzen und ihre Beziehungen zum Standort sind Gegenstand der Geobotanik. Die Systematik ordnet die Pflanzen systematisch nach dem Grad ihrer abgestuften Verwandtschaft und ihren Eigenschaften. Die Paläobotanik befasst sich mit den Pflanzen der Vorzeit. Als «Kräuterlehre» war die Botanik früher ein Teilgebiet der Medizin. Während zunächst die Beschreibung der Pflanzen und ihres Baues im Vordergrund stand, begann im 19. Jahrhundert die Untersuchung der Entwicklungsvorgänge. Die Fortschritte anderer Naturwissenschaften unterstützten die Entwicklung der Pflanzenphysiologie. Angewandte Botanik stellt sich heute zum Beispiel in der landwirtschaftlichen Botanik und der pharmazeutische Botanik dar.

botanischer Garten: öffentliche Gartenanlage mit Freiland und Gewächshäusern, die Sammlungen von Pflanzen aller Erdteile enthält und als Lehr- und Forschungsstätte Bedeutung hat.

Botany Bay: seichte Bucht an der Ostküste Australiens, im Süden von Sydney, an der 1770 J. Cook, 1788 Kapitän A. Phillip mit der ersten Gruppe von Sträflingen landete, wodurch die Kolonisierung Australiens durch Großbritannien eingeleitet wurde.

Botel: (Kurzwort aus Boot und Hotel) Beherbergungseinrichtung in der Art eines Hausboots, die Bootstouristen Übernachtungs- unter anderem Versorgungsleistungen bietet.

Botenbericht: traditionelles Gestaltungsmittel der Dramatik; für den Handlungsverlauf wesentlich, aber nicht unmittelbar darstellbare Ereignisse werden (zum Beispiel durch einen Boten) berichtet; in der antiken Dramatik besonders ausgeprägt.

Botschaft: höchste Form diplomatischer Vertretung von Staaten im Ausland; wird von einem Botschafter geleitet. Zur Botschaft gehört auch der Sitz (Gelände und Dienstgebäude). Die Botschaft und ihre Mitarbeiter genießen auf vertragliche Vereinbarung oder auch auf Gewohnheitsrecht beruhende Immunitäten und Privilegien (zum Beispiel weitgehende Befreiung von der Gerichtsbarkeit).

Böttcher: 1. Kurt Böttcher, geboren 26.2. 1926, Literaturhistoriker; unter anderem Mitautor und -herausgeber der «Geschichte der deutschen Literatur» (1961 und folgende), des «Lexikons deutschsprachiger Schriftsteller» (2 Bände, 1972/74), der «Deutschsprachigen Schriftsteller als Maler und Zeichner» (1980), der «Kurzen Geschichte der deutschen Literatur» und der «Geflügelten Worte» (beide 1981) unter anderem.

2. Manfred Böttcher, geboren 28.10. 1933, Maler und Graphiker; 1950/55 Studium an der Hochschule für bildende Künste Dresden, lebt freischaffend in Berlin. Böttcher schildert Menschen und Landschaft der Heimat in farbig reich differenzierter, lyrisch verinnerlichter Deutung.

Böttger, Johann Friedrich, 4.2.1682-13. 3.1719, Alchimist; erfand im Dienst Augusts des Starken, nach missglückten Versuchen, Gold herzustellen, in Dresden das braunrote Böttgersteinzeug und 1709 das erste weiße Porzellan in Europa. Entscheidende Anregungen bei gemeinsamen Versuchen empfing Böttger von Tschirnhaus. Böttger wurde erster Administrator der 1710 gegründeten Meißner Porzellanmanufaktur.

Botticelli, Sandro, eigentlich Alessandro Filipepi, um 1445-1510 (17.5. begraben), italienischer Maler; Hauptmeister der Florentiner Frührenaissance in der 2. Hälfte des 15. Jahrhundert Malte im Aufträge Lorenzo Medicis großformatige figurenreiche Gemälde. Er gestaltete religiöse Sujets mit Porträtfiguren der Familie Medici sowie Themen der antiken Mythologie und Allegorien («Geburt der Venus»), schuf Federzeichnungen zu Dantes «Göttlicher Komödie». Mit schlanken Gestalten und betontem Linienstil griff er gotisierende Formen auf; wurde Anhänger Savonarolas.

Bottich, Zuber: großes rundes oder ovales Holzgefäß mit Deckel und seitlich eingearbeiteter Handgriffe.

Botulismus: Lebensmittelvergiftung durch Fleisch-, Fisch-, Gemüse-, Obstkonserven und Räucherwaren, die das unter Luftabschluss gebildete, hitzeempfindliche Gift der Botunusbazillen enthalten. Kennzeichen sind zunehmende Seh-, Schluck- und Atemstörungen. Der Botulismus des Menschen ist meldepflichtig. Bei Tieren entsteht die Erkrankung durch Aufnahme von Kadaverteilen und Verunreinigungen. besonders empfänglich sind Nerze, Einhufer und Wasservögel. Symptome des Botulismus sind Bewegungsstörungen und Lähmungen. Gefährdete Tierbestände (zum Beispiel in Nerzfarmen) können einer Schutzimpfung unterzogen werden.

Bouclé: Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung aus (frotteartigen) Effektzwimen mit typisch gekräuselter, rauer Oberfläche, die größere, ungleichmäßig verteilte Schlingen aufweist.

Boulevard: breite repräsentative Straße, oft an Stelle früherer Stadtmauern.

Boulevardblätter: im Straßenhandel vertriebene, reißerisch aufgemachte Großstadtzeitungen.

Boulevardstück: Bezeichnung für unterhaltsame Stücke, die in Milieu, Thematik und Struktur den Bedürfnissen des bürgerlichen Geschäftstheaters (Boulevardtheater) entsprechen.

Boulevardtheater: kleine, nach kommerziellen Gesichtspunkten geleitete und vor allem auf kleinbürgerlichen Publikumsgeschmack orientierte Privattheater an den Pariser Boulevards, zumeist mit Starbesetzung; im weiteren Sinne Bezeichnung für bürgerlichen Unterhaltungs- und Geschäftstheater.

Boulle Möbel: in der Werkstatt des französischen Kunsttischlers André Charles Boulle (1642-1732) hergestellte und auch nach diesen Vorbildern angefertigte barocke Prunkmöbel von höchster technischen und künstlerischen Vollendung, mit Einlegearbeiten in Schildpatt, Elfenbein, Metall; bevorzugtes Motiv sind von Vögeln und Schmetterlingen belebte Blumensträuße.

Bountyinseln: unbewohnte, zu Neuseeland gehörende Felseninseln (Granit) im Stillen Ozean, südöstlich von Neuseeland; 1,3 km2; zahlreiche Vogelkolonien. 1788 von dem britischen Seefahrer W. Bligh entdeckt.

Bourbonen: französische Dynastie, aus der unter anderem Ludwig XIV., Ludwig XVI. und Karl X. hervorgingen. Die Bourbonen regierten unter anderem in Frankreich (1589/1792, 1814/15 bis 1830) und in Spanien (1701/1808, 1813/68, 1874/1931 und seit 1975). Im Ergebnis bürgerlichen Revolutionen wurde in beiden Ländern die Herrschaft der Bourbonen beendet oder unterbrochen.

Bourbonnais: Landschaft im mittleren Frankreich, beiderseits des Allier, zwischen Cher und Loire; wichtigster Ort Moulins; zum Teil sehr fruchtbares Hügel- und Tafelland zwischen dem Nordrand des Zentralmassivs und dem Südrand des Pariser Beckens; Heilquellen (Vichy).

Bourgeoisie: herrschende Hauptklasse im Kapitalismus, die im antagonistischen Gegensatz zur beherrschten und ausgebeuteten Hauptklasse, dem Proletariat, steht, Eigentümer der hauptsächlichen Produktionsmittel ist und von der Ausbeutung der Lohnarbeit lebt. Die Bourgeoisie, die sich historisch als Klasse im Feudalismus herausgebildet hat, übt nach dem Sieg der bürgerlichen Revolution die Staatsmacht aus beziehungsweise teilt diese mit den Überresten der Feudalklassen, die mit ihr verschmelzen. Die Bourgeoisie spielte im Kampf gegen den Feudalismus sowie im Kapitalismus der freien Konkurrenz ökonomisch, politisch, kulturell und in der Wissenschaft eine historisch fortschrittliche Rolle. Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion entwickelten sich zwangsläufig auch das Proletariat und der antagonistische Widerspruch zwischen Proletariat und Bourgeoisie Die Bourgeoisie ist die letzte Ausbeuterklasse in der Geschichte. In der sozialistischen Revolution wird sie von der Arbeiterklasse entmachtet und in der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus als Klasse aufgehoben. Mit dem Übergang zum Imperialismus und der Bildung von Monopolen, insbesondere im staatsmonopolistischen Kapitalismus, verstärkt sich innerhalb der Bourgeoisie der Differenzierungsprozess. Es bildet sich die parasitäre Monopol- und Finanzbourgeoisie, die durch die Verschmelzung der ökonomischen Macht der Monopole mit der Macht des Staates eine besonders gefährliche reaktionäre und aggressive Imperialist Herrschaft errichtet, die alle Werktätigen und die nichtmonopolistische Bourgeoisie bedroht. Darauf beruht die objektiv mögliche Zusammenarbeit der Arbeiterklasse mit Teilen der Bourgeoisie, unter anderem auch in der Friedensbewegung. In den jungen Nationalstaaten spielt die nationale Bourgeoisie eine unterschied! Rolle; teilweise nimmt sie antiimperialistische Positionen ein und beteiligt sich am Befreiungskampf, teilweise widersetzen sich bestimmte Schichten der nationalen Bourgeoisie dem gesellschaftlichen Fortschritt oder sind direkt vom ausländischen Imperialismus abhängig und verbünden sich mit ihm. Eine Einschätzung der Rolle der nationalen Bourgeoisie kann nur unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation erfolgen. Siehe auch Kleinbürgertum.

Bourges: Stadt im mittleren Frankreich, Verwaltungszentrum des Departements Cher, am Zusammenfluss von Yèvre und Auron; 80000 Einwohner; Rüstungs- und Reifenindustrie; Museum von Berry; berühmte gotische Kathedrale (12./13. Jahrhundert).

Bourget, Paul, 2. 9. 1852-25.12. 1935, französischer Schriftsteller; begründete für Frankreich den modernen psychologischen Roman («Der Schüler», 1889, deutsch), später Vertreter eines reaktionären Traditionalismus.

Bournemouth: Stadt im Süden Englands (Großbritannien), am Kanal; 145000 Einwohner; Hafen, internationaler Flughafen; technische Hochschule; mehrere Theater, Sinfonieorchester, Kunstgalerie; Seebad mit fast 10 km langem Sandstrand; Wohnstadt, Sommerfrische und Tagungsort; Segelsport.

Boutique: Bekleidungsgeschäft, das insbesondere hochmodische Kleidung aus Kleinserien mit abgestimmtem Zubehör anbietet.

Bouts, Dierick (Dirk), um 1410-6. 5.1475, ein Hauptmeister der altniederländischen Malerei, tätig in Löwen; schuf Werke voller Würde und Feierlichkeit in tiefen, warmen Farben und vorzügliche Ausführung; in Landschafts- und Menschendarstellung erreicht er große Lebensnähe; Sakramentsaltar (1464/67, Löwen, St. Peter).

Bouvetinsel: unbewohnte, vergletscherte, vulkanische, seit 1927 norwegische Insel im Südatlantik; 58 km2; aus etwa 5000 m Tiefe bis 939 m Höhe aufsteigend; Observatorium. 1739 von dem französischen Seefahrer Jean Baptiste Bouvet (1705-1786) entdeckt.

Bouvines: Gemeinde in Frankreich, südöstlich von Lille. In der Schlacht bei Bouvines besiegte am 27. 7. 1214 der mit dem Staufer Friedrich II. verbündete französische König Philipp II. August die vereinten Streitkräfte des Weifenkaisers Otto IV., des englischen Königs Johann und des Grafen von Flandern. Dieser Sieg stärkte die königliche Zentralgewalt in Frankreich und entschied den deutschen Thronstreit zwischen Staufern und Welfen zugunsten Friedrichs II.

Boveri, Theodor, 12.10. 1862-15.10. 1915, Zoologe; Professor in Würzburg; war an der Erforschung der Kern- und Zellteilung, Befruchtung und Geschlechtsbestimmung maßgeblich beteiligt. Boveri begründete neben W. F. Sutton die Chromosomentheorie der Vererbung.

Bovet: Daniel, geboren 23.4. 1907, italienischer Biochemiker und Pharmakologe schweizerischer Herkunft, Professor in Rom; beschäftigte sich insbesondere mit den Muskelrelaxantien (zum Beispiel Kurare).

Stäubling: Gruppe der Bauchpilze mit rundlichen Fruchtkörpern, die dunklen Sporenstaub entlassen; Bodenbewohner; in Wäldern der giftige Kartoffel-Stäubling (Scleroderma citrinum), dessen reife Sporenmasse schwärzlich ist, auf Weiden der jung essbare Riesen-Stäubling (Calvatia gigantea), oft bis 10 kg schwer.

Bowdenzug: (nach dem britischen Erfinder) durch biegsames Schutzrohr geführtes Drahtseil zum Übertragen von Zug- und Druckkräften.

Bowenia, (nach dem ersten Gouverneur von Queensland) Bowenie: Gattung der Palmfarngewächse (Cycadeen) aus Nordostaustralien. Holzgewächse mit rübenförmigem unterirdischen Stamm, an dem wenige langgestielte, doppelt gefiederte, bis 2 m lange Blätter sitzen. Zapfen entstehen über dem Erdboden.

Bowle: 1. aus Wein, Schaumwein (oder Selters) mit Früchten (auch Gemüse oder Blüten) und Zucker bereitetes Kaltgetränk.

2. Bezeichnung für Bowle Gefäß.

Bowler: steifer Herrenhut mit gerader Krempe und rundem Kopfteil, hauptsächlich in Schwarz (Melone).

Bowlingbahn: Sportkegelbahn mit poliertem Parkettbelag auf der waagerechten Kugellauffläche. Die 10 Kegel stehen im Dreieck; siehe auch Kegelsport.

Box: Boxen Kommando des Ringrichters zur Fortsetzung des Kampfes nach Unterbrechung.

Box: 1. Stand; geschlossenes Abteil im Pferdestall; Unterstellraum zum Beispiel für Kfz (in einer Großgarage).

2. Motorsport: abgegrenzter Bereich an Rennstrecken, an dem der Fahrer während des Rennens fremde Hilfe in Anspruch nehmen kann beziehungsweise Zeichen über seine Position und Anweisungen erhält.

3. Fototechnik: Boxkamera.

Boxen: Zweikampfsportart für männliche Athleten, bei der angestrebt wird, den Gegner mittels Faustschlägen kampfunfähig zu machen oder nach Punkten zu besiegen. Wettkampfstätte ist der quadratische, seilumspannte Boxring (Ring-, Seitenlänge 4,90 bis 6,10 m). Gekämpft wird mit gepolsterten, für Männer 8 (bis einschließlich Weltergewicht) beziehungsweise 10 Unzen (ab Halbmittelgewicht) schweren Lederhandschuhen in Gewichts-, Alters- und Leistungsklassen, um ungleiche Paarungen zu verhindern. Die Kampfdauer beträgt bei Männern (Amateuren) 3 Runden zu je 3 min effektiv mit 1-min-Pausen. Es darf nur mit dem vorderen gepolsterten Teil der geschlossenen Faust auf die vordere Seite des Kopfes oder des Körpers oberhalb der Gürtellinie geschlagen werden. Verboten ist unter anderem Stoßen mit Kopf oder Schultern, zu tiefes Abducken, Tiefschlag (unterhalb der Gürtellinie). Der Kampf wird entweder durch Knockout Abandon, RSC, Disqualifikation oder nach Punkten entschieden (es amtieren 3 oder 5 Punktrichter). Olymp. Sportart seit 1904, Weltmeisterschaften seit 1974, Europameisterschaften seit 1924.

Boxermotor: Verbrennungsmotor mit waagerecht gegenüberliegenden Zylindern. Infolge des Masseausgleichs der gegenläufigen hin- und hergehenden Kolben und Pleuelstangen ergibt sich ein ruhiger Lauf.

Boxkalbleder, Boxcalf: meist glattes, feines, chromgegerbtes, schwach gefettetes Schuhoberleder aus Kalbfellen.

Boxkamera, Kurzwort Box: Kamera in der einfachsten Ausführung, im Allgemeinen mit nur wenigen Belichtungszeiteinstellungen und ohne Entfernungseinstellung (Fixfokuseinstellung).

Boyaca, Schlacht von: Schlacht am 7. 8. 1819 zwischen der venezolanisch-kolumbianischen Armee unter S. Bolivar y Palacios nach deren Übergang über die Anden und den Spaniern bei dem kolumbianischen Dorf Boyacä. Der Sieg der Patrioten besiegelte das Ende der spanischen Kolonialherrschaft im nördlichen Südamerika.

Boyen, Hermann von, 23.6. 1771-15.2. 1848, preußischer Generalfeldmarschall; gehörte dem Kreis der patriotische Reformer an. Er war Mitglied der Militärreorganisationskommission unter Scharnhorst und schuf 1814 das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht sowie 1815 die Landwehrordnung. 1814/19 und 1841/47 war Boyen preußischer Kriegsminister.

Boykott: (nach C. C. Boycott) Verrufserklärung von kapitalistischen Firmen, Einzelpersonen, Institutionen und so weiter; Form der gesellschaftlichen oder ökonomischen Isolierung. Der Boykott ist Mittel des kapitalistischen Konkurrenzkampfes (zum Beispiel Liefer- oder Abnahmesperre), dient aber auch als Kampfmittel fortschrittlicher Kräfte, zum Beispiel gegen Formen der Ausbeutung (zum Beispiel Käuferstreik).

Boyle, Robert, 25.1. 1627-30.12. 1691, irischer Physiker und Chemiker; Mitbegründer der Royal Society; erforschte die Ausdehnung von Gasen 1662), verbesserte die Luftpumpen; war Anhänger der Korpuskulartheorie und des Atomismus in der Chemie.

Bozzetto: erster skizzenhafter plastischer Entwurf für eine Skulptur in bildsamem Material (Ton, Vachs, Holz) und kleinem Format.

Brache: Anbaupause bei der Pflanzenproduktion auf einem Schlag während eines begrenzten Zeitraums. Während der Brache werden durch intensive Bodenbearbeitung die Bodenstruktur verbessert, das Unkraut vernichtet, das Bodenleben gefördert, Wasser und Nährstoffe gespeichert und Maßnahmen des Pflanzenschutzes realisiert (Bodenentseuchung). Man unterscheidet Schwarzbrache (eine Vegetationsperiode dauernd) und Teil- oder Halbbrache(auch bebaute, grüne oder besömmerte Brache genannt), bei der eine teilweise Nutzung durch Futterpflanzen erfolgt.

Brachfliege, Phorbia coarctata: Blumenfliege, deren Larven im Frühjahr besonders Wintergetreide und Gräser befallen.

Brachialgewalt: rohe Gewalt; Gewaltgebrauch ohne Bindung an gesetzlichen Bestimmungen (zum Beispiel das Faustrecht im Feudalismus).

Brachialgie: nervlich bedingte Schmerzen im Arm beziehungsweise Armvenengeflecht, die meist durch eine Spondylose der Halswirbelsäule bedingt sind beziehungsweise auf einer vegetativen Übererregbarkeit beruhen.

Brachiosaurus: bis 25 m langer und 12 m hoher pflanzenfressender Dinosaurier mit längeren Vorderhals Hinterbeinen; lebte in überfluteten Gebieten des Oberjura.

Brachistochrone: ebene Kurve, die folgendes Problem der Variationsrechnung löst: es sind 2 nicht in gleicher Höhe liegende Punkte durch eine Kurve so zu verbinden, dass ein unter dem Einfluss der Schwerkraft reibungslos gleitender Massenpunkt in der kürzesten Zeit vom höher zum tiefer gelegenen Punkt gelangt. Die Lösung ist ein Zykloidenbogen-Stück.

Brachschwalbe, Glareola pratincola: etwa 25 cm großer, langflügeliger und gabelschwänziger Regenpfeifervogel; lebt gesellig in Afrika und Südeurasien.

Brachsenkraut, Isoetes: untergetaucht lebendes Farngewächs mit einer Rosette linsenförmiger Blätter, einer knolligen Achse und großen weiblichen und kleinen männliche Sporen; in nährstoffarmen Gewässern, selten.

Brachvogel, Kronschnepfe, Numenius arquata: bis 60 cm langer, hochbeiniger, langhalsiger Schnepfenvogel mit langem, abwärts gebogenem Schnabel; bewohnt Feuchtgebiete Nord- und Mitteleuropas, zieht im Winter an die westeuropäische Küste, teilweise auch bis Afrika; ruft angenehm flötend, nährt sich von Würmern u. ä.

Brackwasser: salziges, für den Menschen ungenießbares Wasser, das durch Vermischung von süßem Flusswasser mit salzigem Meerwasser entsteht (zum Beispiel in Flussmündungen).

Brackwespen, Braconidae: Familie der Legwespen, Vollkerfe meist klein, Weibchen oft mit längerem Legrohr; ihre Larven schmarotzen besonders in anderen Insektenlarven, zum Beispiel der Weißlingstöter (Apanteles glomeratus) in den Raupen des Kohlweißlings, Verpuppung in einem Gespinst neben dem Wirtstier.

Bradsot: durch anaerobe Keime (Clostridien) hervorgerufene sogenannt Schnelle Seuche bei Schafen. Man unterscheidet 2 verschiedene Erregerarten und Krankheitsbilder. Die Deutsche Bradsot ist eine bösartige Leberentzündung, oft im Gefolge von Leberegelbefall; hohe Sterblichkeit kann auftreten. Die Nordische Bradsot ist eine Entzündung der Labmagenschleimhaut; begünstigend wirkt die Aufnahme gefrorener Futtermittel. Gegen beide Formen kann eine Schutzimpfung erfolgen.

Bradykinin: Peptid (Nonapeptid), das im Körper aus Plasmaeiweiß freigesetzt wird; dabei zieht sich die glatte Muskulatur des Darmes und der Bronchien zusammen, während die der Gefäße erschlafft.

Braga: Stadt im Nordwesten Portugals, Verwaltungszentrum des Distrikts Braga; 49000 Einwohner; vielseitige Leichtindustrie; Sitz des Primas von Portugal; bedeutende Bibliothek; gotische Kathedrale (12. Jahrhundert).

Braggsche Reflexionsbedingung: (nach W. L. Bragg) Gesetz, das die Richtungen festlegt, in denen die Interferenzmaxima von an Kristallen gestreuten Röntgenstrahlen liegen. Die Streuung der Röntgenstrahlen kann aufgefasst werden als Reflexion an den parallelen Netzebenen des Kristalls. Die Braggsche Reflexionsbedingung lautet: 2d sin 3 = ml (d Netzebenenabstand, 3 Einfallswinkel, X Wellenlänge, m ganze Zahl). Die von den verschiedenen Netzebenen reflektierten Strahlen verstärken sich durch Interferenz, wenn der Gangunterschied zwischen benachbarten Strahlen ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge ist.

Brahe, Tycho, 14.12. 1546-24.10. 1601, dänischer Astronom; gehört durch seine sehr genauen Positionsbeobachtungen an den Planeten zu den Begründern der neuzeitlichen Astronomie. Aus seinen Marsbeobachtungen leitete J. Kepler die ersten beiden Gesetze der Planetenbewegung ab.

Brahmagupta, um 598nach 665, indischer Mathematiker; befasste sich unter anderem mit Sehnenvierecken, Quadrat. Gleichungen, Zahlentheorie und Näherungswerten für n; schrieb 628 ein mathematisch-astronomisches Lehrbuch.

Brahmán: (Hindi - Sanskrit) in der indischen Philosophie und Religion seit den Upanishaden Bezeichnung für das oberste geistige Prinzip als letztlich einzige Realität, mit der Atman, die individuelle Seele, identisch ist.

Brahmaputra: (Hindi - Sanskrit) wasserreichster Strom Asiens; 2900 km, mittlere jährliche Wasserführung 20000 m3/s. Entspringt zwischen Himalaja und Gangdisi Shan (Transhimalaja) in über 5000 m über dem Meeresspiegel, umfließt im Oberlauf in einem tief eingeschnittenen Tal als Yarlung (Tsangpo) den östlichen Himalaja und ist im Mittellauf bei Gauhati in Assam (Indien) etwa 1400 m breit. Im Tiefland von Bangladesh gabelt er sich in den kleineren Nebenarm Brahmaputra und den größeren Hauptarm Jamuna, der von zahlreichen Inseln und Sandbänken durchsetzt ist, und mündet gemeinsam mit dem Ganges in einem riesigen Schwemmlanddelta in das Bengalische Meer. Seine Hochwasser lösen oft verheerende Überschwemmungen aus (Monsunregen und Schneeschmelze im Himalaja setzen oft gleichzeitig ein). Bis Dibrugarh in Assam ist er auf 1300 km schiffbar.

Brahmi: (Hindi - Sanskrit) rechtsläufige indische Schrift, wahrscheinlich semitischen Ursprungs, um 250 vor Christus in den Edikten Ashokas verwandt. Aus ihr leiten sich alle heutigen indischen Schriften sowie die singhalesische und die tibetische Schrift ab. In Nordindien ist die Devanagari die bedeutendste, zu den südlichen gehören vor allem die dravidischen Schriften.

Brahms, Johannes, 7.5.1833-3.4.1897, Komponist; Sohn eines Hamburger Kontrabassisten; zeigte früh musikalische Begabung und enge Beziehung zur Volksmusik. Als Klavierbegleiter des ungarischen Geigers E. Remenyi kam er bei Konzertreisen nach Göttingen, wo er Freundschaft mit J. Joachim schloss, und Ende 1853 nach Düsseldorf zu R und C. Schumann, die ihm zu warmherzigen Förderern wurden; 1862 wählte er Wien zur Heimat. Brahms war in allen musikalischen Genres, außer dem der Oper, schöpferisch tätig, insbesondere auch auf den Gebieten des Liedes, der Chormusik sowie der Klavier- und Kammermusik, und gilt als einer der bedeutendsten Sinfoniker des 18. Jahrhundert Seiner Musik eignet eine kämpferische, vorwärtsweisende Haltung, jedoch nicht ohne stark elegische Züge. Brahms’ Schaffen war von höchster künstlerischer Verantwortung getragen. In einer Zeit wachsenden Unbehagens und drohender Inhumanität war sie darauf gerichtet, edle Ziele zu setzen, Hoffnung und Trost zu geben. Brahms ging von den großen klassischen Vorbildern sowie vom deutschen Volkslied aus, das er in verschiedenen Sammlungen herausgab. Er schuf 4 Sinfonien, 2 Serenaden, Haydn-Variationen für 2 Klavierkonzerte, Violinkonzert, Doppelkonzert für Violine und Violoncello, Klaviermusik (darunter 3 Sonaten, Händel-Variationen, 2 Rhapsodien, späte Capricci, Fantasien und Intermezzi), Kammermusik (3 Streichquartette, Klaviertrios, -quartette und -quintette, Violin- und Klarinettensonaten), Chorwerke (unter anderem «Ein deutsches Requiem», 1868), etwa 200 Lieder, Volksliedbearbeitungen, «Ungarische Tänze» unter anderem.

Braille, Louis, 4.1.1809—6.1.1852, blinder französischer Blindenlehrer; entwickelte 1829 die Blindenschrift zur heute gebräuchlichen Form weiter, wobei er auf einem von Charles Barbier (1767-1841) geschaffenen 12-Punkte-System aufbaute.

Braine, John, geboren 13.4.1922, englischer Schriftsteller; gesellte sich mit dem kritisch-realistischen Roman «Der Weg nach oben» (1957, deutsch) und seiner Fortsetzung «Ein Mann der Gesellschaft» (1962, deutsch) den «Zornigen jungen Männern» zu; schrieb danach unterhaltsame Romane über Liebe, Ehe, Selbstbehauptung und Entfremdung, wie «Das marktschreierische Spiel» (1968), «Bleib bei mir bis zum Morgen» (1970, deutsch), «Die eine und letzte Liebe» (1981).

Brakteat, Hohlmünze, Hohlpfennig, Schüsselmünze: im Mittelalter einseitig hohlgeprägte Silbermünze vorwiegend in Mitteldeutschland und im Bodenseegebiet; in ihrer Blütezeit um 1200 von hoher künstlerischer Qualität.

Bramante, Donato, um 1444-11.3.1514, führender Baumeister der italienischen Hochrenaissance, tätig in Mailand und Rom. Seine Bauten zeichnen sich durch Klarheit und Harmonie aus, es dominiert der Zentralbau; ausgeführt wurde der sogenannt Tempietto im Hof von S. Pietro, Rom. Bramante schuf ferner den Grundriss für St. Peter in Rom.

Bramme: im Stahlwerk in einer Kokille gegossenes Vorerzeugnis von rechteckigem Querschnitt zur Herstellung von Blechen im Walzwerk.

Branald, Adolf, geboren 4.10.1910, tschechischer Schriftsteller. Persönliche Erinnerungen an das Wandertheater bestimmten den Roman «Die silberne Perücke» (1947, deutsch) und den Chronikroman «Brot und Lieder) (1952). Dokumentationen des Arbeiterkampfes sind die Romane «Der Lazarettzug» (1950, deutsch) und «Der Eisenbahnkönig» (1959, deutsch) sowie die Erzählung «Soldat der Revolution» (1962).

Brand: 1. unkontrollierte Verbrennung außerhalb eines speziellen Herdes, die vorsätzlich, fahrlässig oder durch andere nicht voraussehbare Umstände verursacht wird und durch den gesellschaftlichen oder persönlichen Eigentum und beziehungsweise oder Leben und Gesundheit der Bürger geschädigt oder in Gefahr gebracht werden.

1. Landwirtschaft: Brandkrankheiten.

2. Brand, Gangrän: abgestorbener braunschwarzer Gewebebezirk, zum Beispiel infolge Unterbrechung der Blutversorgung durch Arterienverschluss oder bei fortgeschrittener diabetische Gefäßschädigung; bei trockenem Brand kommt es zu Austrocknung und Mumifikation, bei feuchtem Brand zu Fäulnis infolge bakterieller Besiedlung.

Brandente, Brandgans, Tadoma tadoma: fast gänsegroßer schwarzweißer Entenvogel mit rotem Schnabel; brütet in Erdhöhlen, die Eier sind rein weiß; lebt an den Küsten Europas und den großen Seen Mittelasiens.

Brandes: 1. Georg Brandes, 4.2.1842-19.2.1927, dänischer Literaturhistoriker und Kritiker; theoretischer Wortführer des sogenannt Modernen Durchbruchs zum Realismus und Naturalismus in den skandinavischen Literaturen; förderte in Skandinavien die Entwicklung einer gesellschaftskritischen und realistischen Literatur. Brandes vertrat einen aristokratischen Radikalismus (Einfluss Nietzsches), gelangte später zum Verständnis der Epochenwende um 1917. Sein Hauptwerk ist «Die Hauptströmungen der Literatur des 19. Jahrhundert» (6 Bände, 1872/90, deutsch).

2. Heinrich Wilhelm Brandes, 27.7.1777-17.5.1834, Physiker und Meteorologe; begründete durch vergleichende Witterungsuntersuchungen die synoptische Meteorologie und zeichnete Vorstufen von Wetterkarten (1826).

Brandkrankheiten, Brand: durch Brandpilze verursachte Pflanzenkrankheiten, die zu Ertragsminderungen führen. Unter den Getreidebränden gibt es gedeckte Arten (Stein- oder Stinkbrand des Weizens, Hartbrand der Gerste, gedeckter Haferbrand), bei denen die Sporen in hartwandigen Behältern (Brandbutten), die sich anstelle der Körner entwickeln, gebildet und erst beim Drusch frei werden, und offene oder Flugbrandarten (Gersten-, Hafer- oder Weizenflugbrand), bei denen die Sporen durch den Wind verbreitet werden. Die Bekämpfung der Brandkrankheiten erfolgt durch Beizen des Saatgutes mit geeigneten Fungiziden allein (Trockenbeize) oder in Kombination mit feuchter Hitze (Feuchtbeize). Siehe auch Beizgeräte.

Brandmalerei: urtümliche Technik, mit glühendem Eisen Holzflächen ornamental oder figürlich zu verzieren.

Brandmaus, Apodemus agrarius: 10 bis 12 cm lange heimische Maus mit schwarzem Aalstrich. Im unterirdischen Bau mit Nest und Vorratskammer werden 4 bis 8 Junge geworfen.

Brandmeldeanlage: Gesamtheit der technischen Mittel zur Gewinnung, Verarbeitung und Auswertung von Brandmeldungen. Wichtigster Bestandteil sind Brandmelder, mit denen manuell oder automatisch die Brandmeldung ausgelöst werden kann. Automatische Brandmelder lösen bei Überschreiten eines festgelegten Wertes einer oder mehrerer Brandkenngrößen (Temperatur, Rauch, Strahlung) die Gefahrenmeldung aus und ermöglichen über eine Brandmeldezentrale die schnelle Alarmierung der Feuerwehr und beziehungsweise oder die Auslösung von Alarmierungsanlagen beziehungsweise Feuerlöschanlagen.

Brandmittel: Brandstoffe und ihre Einsatzmittel, wie Brandgranaten, -bomben, -behälter, -flaschen. Brandmittel werden zum Vernichten oder Niederhalten von Truppen und zum Zerstören von technischen Kampfmitteln, Feldbefestigungen und so weiter eingesetzt.

Brando, Marlon, geboren 3.4.1924, US-amerikanischer Schauspieler bei Bühne und Film; errang in den 50er und 60er Jahren große Popularität mit Filmen wie «Endstation Sehnsucht», «Viva Zapata», «Julius Caesar», «Die Faust im Nacken», «Der Mann in der Schlangenhaut», «Meuterei auf der Bounty», «Ein Mann wird gejagt», «Der Pate»; trat mehrfach gegen die Rassendiskriminierung in den USA auf.

Brandpilze, Ustilaginales: in höheren Pflanzen parasitisch lebende, fruchtkörperlose Ständerpilze, die in auffälligen Sporenlagern dunkle Brandsporen bilden; besonders an Blättern, Blüten- und Fruchtständen von Gräsern. Aus den Brandsporen entwickeln sich Promyzelien, die eine zweite Sporenart (Sporidien) erzeugen, bei deren Verschmelzungsvorgang ein neues Myzel entsteht.

Brandrodung, Waldrodung: Urbarmachung des Waldes für den Bodenbau durch Schlagen und Verbrennen der Strauch- und Baumvegetation, besonders in den tropischen Waldgebieten Amerikas und Afrikas verbreitete Form der traditionellen Bodenbearbeitung.

Brandschutz: Gesamtheit aller Maßnahmen, Mittel und Methoden zur Verhütung von Bränden, zur Begrenzung der Brandausbreitung und zur Brandbekämpfung sowie zum Schutz der Bürger und Sachwerte der Volkswirtschaft und der kulturellen Werte der Gesellschaft vor Bränden und den davon ausgehenden Gefahren. Der Brandschutz ist Anliegen der sozialistischen Gesellschaft, ihres Staates und aller Bürger. Er ist Bestandteil der staatlichen und gesellschaftlichen Maßnahmen zur Gewährleistung von Ordnung, Disziplin und Sicherheit und der Landesverteidigung. Die Aufgaben, Rechte und Pflichten zur Gewährleistung des Brandschutzes sind im Brandschutzgesetz festgelegt.

Brandschutzkonstruktion: bautechnische Konstruktion (Brandwand, -decke, -Verschluss, -schott, -schürze), welche die Brandausbreitung für eine bestimmte Zeit verhindert.

Brandschutzordnung: betriebliche Regelung über Maßnahmen des Brandschutzes im Betrieb, insbesondere über vorbeugende Brandschutzmaßnahmen, Verhalten bei Bränden und Notrufnummern. Die Brandschutzordnung ist vom Betriebsleiter nach Beratung mit dem zuständigen staatlichen Brandschutzorgan zu erlassen, den Werktätigen bekanntzugeben und an gut sichtbarer Stelle im Betrieb auszuhängen.

Brandschutztechnik: Gesamtheit aller technischen Mittel zur Verhütung von Bränden, zur Begrenzung der Brandausbreitung, zur Brandbekämpfung und zum Schutz der Bürger und Sachwerte vor den von Bränden ausgehenden Gefahren.

Brandsohle: aus Leder oder Lederfaserwerkstoff bestehende innere Sohle des Schuhes, an der Schaft, Laufsohle und Absatz befestigt sind.

Brandstiftung: vorsätzliches oder fahrlässiges Inbrandsetzen von Wohnstätten, Betrieben, Betriebs- oder Verkehrseinrichtungen oder anderen Bauwerken, Lagervorräten, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Wäldern und so weiter; strafbar.

Brandstoffe: als Kampfmittel angewandte feste, flüssige oder gelartige Substanzen beziehungsweise Gemische, die hohe Verbrennungstemperatur entwickeln, langzeitig brennen, schwer löschbar sind und zum Teil hohe Klebfähigkeit besitzen (Thermit, Lösungen von weißem Phosphor, Napalm).

Brandtaucher, Eiserner Seehund: erstes funktionsfähiges deutsches Tauchboot von W. Bauer, Stapellauf 1850; am 1.2. 1851 infolge zu geringer Materialdicke bei einem Tauchversuch im Kieler Hafen gesunken; 1887 gehoben.

Brandung: die auf die Küste auflaufende Wellenbewegung des Meeres. Die Intensität der Brandung wird vom Wind sowie von den Gezeiten- und Meeresströmungen bestimmt. Wegen ihrer abtragenden und ablagernden Wirkung ist sie küstenmorphologisch bedeutsam.

Brandy: (englisch) a) Obstbrand (mit Fruchtangabe, zum Beispiel Apricot-, Cherry-Brandy);

b) Bezeichnung für Weinbrand.

Brandzeichen: in Haut oder Horn eines Tieres eingebranntes Zeichen, das die Abstammung oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Betrieb beziehungsweise einer Züchtervereinigung angibt; besonders in der Pferdezucht üblich.

Branntwein: allgemein durch Gärung und Destillation gewonnenes alkoholreiches Getränk; im eigentlichen Sinn ist Branntwein gewöhnlicher Trinkbranntwein (volkstümlich Schnaps) oder Edelbrand.

Brant, Sebastian, 1458-10.5.1521, Jurist und Schriftsteller; verfasste das «Narrenschiff» (1494), ein volkstümliches Buch, das, mit meist A. Dürer zugeschriebenen Holzschnitten verziert, weite Verbreitung fand. In der Form einer Narrenparade werden menschliche Laster und Torheiten, vor allem auch gesellschaftliche Missstände, gegeißelt. Brants Gesellschaftsideal ist die feudale Ständeordnung (Gegner der Reformation).

Branten, Branken beide (zu «Pranke»): Beine von Bär, Dachs, Marder; im eigentlichen Sinn unterer Teil der vorderen Beine auch von Wolf, Luchs, Fuchs, Wild-

Branting: 1. Georg Branting, 21.9.1887-6.7.1965, schwedischer Politiker und Antifaschist; Sohn von Branting 2; aktiv in der schwedischen Arbeiterbewegung, als Jurist verteidigte er Kommunisten (unter anderem Sacco und Vanzetti) und war Mitglied des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung des Reichstagsbrandes; unterstützte deutsche Antifaschisten.

2. Karl Hjalmar Branting, 23.11.1860-24.2.1925, schwedischer Politiker; Mitbegründer der Schwed. Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, seit 1896 im Reichstag, seit 1920 (mit Unterbrechungen) Ministerpräsident; einer der Führer der U. Internationale.

Brasilia: Hauptstadt (seit 1960) von Brasilien, auf der Hochebene des Planalto Central im östlichen Hochland von Goiás, 1060 m überm Meer, 410000 Einwohner, als Bundesdistrikt 5814 km2 und 1,2 Millionen Einwohner; Leichtindustrie; internationaler Flughafen. Brasilia ist eine moderne, völlig neu geplante, an einem Stausee (40 km2, 0,5 km3) errichtete Stadt, die zur Entwicklung des bisher nur wenig erschlossenen Landesinneren und zur Überwindung der zwischen den Küstengebieten des Südosten und den übrigen Gebieten Brasiliens bestehenden Disproportionen angelegt wurde. In Brasilia befinden sich die wichtigsten zentralen Regierungsorgane Brasiliens sowie eine Universität. Die städtebauliche Planung von L. Costa und die von O. Niemeyer entworfenen repräsentativen Gebäude machten Brasilia zu einem der meistgenannten Beispiele zeitgenössischer Baukunst. Die Verfassung von 1891 sah die Verlegung der Hauptstadt in das Landesinnere vor, nach 1946 wurde die Neuplanung durchgeführt und 1957 mit dem Aufbau Brasilias begonnen.

Brasilianisches Bergland, portugiesisch Planalto: stark differenziertes Berg- und Tafelland in Brasilien, zwischen Amazonastiefland, Atlantischen Ozean und Tiefland des Paraná und des Paraguay; etwa 5 Millionen km2; im östlichen Teil bis 2890 m ansteigend, nach Norden unter 500 m abfallend. Das Brasilianische Bergland wird von einer einförmigen, aus metamorphen und granitischen Gesteinen der präkambrischen Brasilianischen Masse bestehenden Rumpfscholle aufgebaut, die im Osten teilweise, im Inneren jedoch weitgehend geschlossen von jüngeren Schichten, insbesondere Sandstein, überdeckt wird. Es wechseln Becken- und Schichtstufenlandschaften mit mehr oder weniger zerschnittenen Tafelländern ab, die örtlich von Inselbergen aus Granit oder Gneis durchsetzt sein können. Es herrscht wechselfeuchtes tropisches Klima mit nach Süden zunehmend stärker ausgeprägten Trockenzeiten; Quellgebiet von zahlreichen bedeutenden Flüssen, unter anderem Paraná, Sao Francisco, Tocantins, Xingu, Parnaiba; die Hauptentwässerung erfolgt nach N. Die Palmenwälder des Nordosten, die Caatinga-Wälder der Trockensavanne im Osten und die Wälder des immergrünen tropischen Regenwaldes im Küstenbereich sind zum Teil durch Bananen-, Zuckerrohr-, Kaffee-, Kokospalmen- unter anderem Kulturen verdrängt worden. Im Süden subtropischer Wälder mit Araukarienbeständen. Gold- und Diamantenvorkommen.

Brasilien: größter Staat Südamerikas und fünftgrößter der Welt; mit allen südamerikanische Staaten außer Chile und Ekuador benachbart; besteht aus 23 Staaten, 3 Bundesterritorien und dem Bundesdistrikt. Die Währung ist Cruzeiro.

Bevölkerung: Brasilien ist der volkreichste Staat Lateinamerikas. Ihrer Herkunft nach sind etwa 60% der Einwohner europäischen Abstammung, 10% Afroamerikaner, 25% Mulatten und Mestizen und etwa 2% asiatischer Herkunft. Weniger als 2% gehören der indianischen Urbevölkerung an, die in einigen Urwaldgebieten des Amazonas noch anzutreffen ist und sich in den vergangenen Jahren weiter verringert hat. Auf einem Drittel der Landesfläche leben mehr als 90% der Einwohner, vor allem in den Küstengebieten des Osten und des SO. Ständig wachsende Verstädterung (56%). Amtssprache ist Portugiesisch.

Oberfläche: Brasilien nimmt fast die Hälfte der Fläche Südamerikas ein; die Oberfläche ist durch ausgedehnte Tiefländer und Hochflächen («Planaltos») mittlerer Höhe gekennzeichnet. Geologisch besteht Brasilien aus 3 Hauptteilen, dem Amazonastiefland, das den kristallinen Kern überlagert, dem Bergland von Guayana im Norden und dem Brasilianischen Bergland im S. Das Grundgebirge fällt zum Landesinneren in markanten Stufen, zum Atlantik in einem Steilabfall ab. Klima. Brasilien gliedert sich in 4 Klimabereiche: das Amazonastiefland mit äquatorialem Regenklima, die Hochflächen und Küstenebenen mit halbfeuchtem, den äußersten Nordosten mit halbtrockenem Tropenklima sowie den Süden mit subtropischen Klima. Gewässer. Der größte Teil der Fläche gehört zu den Einzugsgebieten des Amazonas und des Rio de la Plata; mehr als zwei Drittel des Landes entwässern allein zum Amazonas. Die Flüsse der atlantischen Abdachung (Sao Francisco) bilden bei ihren Durchbrüchen oft große Wasserfalle, die zunehmend für die Hydroenergiegewinnung genutzt werden (81 m hohe Paulo-Afonso-Fälle). Pflanzen- und Tierwelt. Tropische artenreiche Wälder bedecken fast das gesamte Amazonasgebiet (Hyläa). Auf den Binnenplatten haben sich offene Grasfluren (Campos) entwickelt, die von leichten Gehölzen (Caatingas) aus laubabwerfenden Bäumen und Palmen unterbrochen werden. Nach Osten gehen diese mit abnehmenden Niederschlägen in einen trockenen Sukkulentenwald des Trockengebietes (Sertao) Iber. Durch Raubbau und mangelnde Pflege sind die Wälder stark angegriffen. In neuester Zeit lässt die brasilianische Regierung dem Waldschutz und der Wiederaufforstung größere Beachtung zukommen.

Brauerei: Produktionsbetrieb der Lebensmittelindustrie zur Herstellung von Bier. Die wichtigsten Abteilungen sind Sudhaus (Herstellung der Würze) Würzeklärstation und -kühlstation, Gärkeller (zu Gärung des Bieres), Lagerkeller (zur Bierreifung und Abfüllanlage.

Braunalgen, Phaeophyceae: vorwiegend Meeresbewohner, deren Blattgrün von bräunlichen Farbstoffen (unter anderem Fukoxanthin) überlagert ist, zum Beispiel Blasentang. Einige Arten werden als Nahrungsmittel, Viehfutter, Dünger und zur Alginsäure- und Jodgewinnung genutzt.

Braunau am Inn: Stadt in Oberösterreich; 16000 Einwohner; Maschinenbau, Eisengießerei, Elektroindustrie und vielseitige Leichtindustrie (unter anderem Schuh-, chemische Industrie); im Ortsteil Braunau-Ranshofen Aluminiumhütte (Halbzeugwerk), im Ortsteil Braunau-Limbach Innlaufkraftwerke mit Stausee; mittelalterliches Stadtbild, gotische Kirche (15. Jahrhundert) mit 96 m hohem Turm.

Braunbär, Ursus arctos: in vielen Unterarten über Eurasien und Nordamerika verbreiteter Bär. Im westlichen Nordamerika lebt der in verschiedenen Färbungen auftretende, bis 450 kg schwere Grizzlybär (U. a. horribilis); größte Unterart ist der bis 3 m lange Kodiak- oder Alaskabär (U. a. middendorffi) von den Eismeerinseln vor Alaska. Siehe auch Bären.

Braune: 1. Rudolf Braune, 16.2.1907-Juni 1932 (ertrunken), Schriftsteller; seine Romane «Das Mädchen an der Orga-Privat» (1930) und «Junge Leute in der Stadt» (1932) gehören zur deutschen proletarisch-revolutionären Literatur; schrieb auch Reportagen, Kurzgeschichten, Gedichte und Szenen für Agitpropgruppen.

2. Wilhelm Braune, 20.2.1850-10.11. 1926, Germanist; Professor in Leipzig, Gießen, Heidelberg; schuf grundlegende Hilfsmittel für das Studium der Germanistik («Gotische Grammatik», 1880; «Althochdeutsche Grammatik», 1886); gab «Neudrucke deutscher Literaturwerke des 16. und 17. Jahrhundert» (seit 1876) sowie, mit H. Paul, «Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur» (seit 1874) heraus.

Braune Hyäne-Schabrackenhyäne, Strandwolf, Hyaena brunnea: langhaarige Hyäne mit in Erregung aufrichtbarem Nacken- und Rückenfell. Braune Hyäne-Schabrackenhyäne sind dämmerungs- und nachtaktive Einzelgänger in südafrikanischen Steppengebieten und an Meeresküsten; vorwiegend Kleintier- und Aasfresser.

Braunellen, Prunellidae: Familie unscheinbar gefärbter Singvögel Eurasiens und Nordafrikas. Heimisch die sperlingsähnlich gefärbte Heckenbraunellen (Prunella modularis), gern in Fichtenschonungen; im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze die Alpenbraunellen (P. collaris).

Braunerde: Bodentyp mit intensiver Verbräunung; keine nennenswerte Ton- oder Humusverlagerung. Charakteristischer Horizont ist der Bv (B-Horizont). In Mitteleuropa ist Braunerde vorwiegend auf leichten Substraten und auf Verwitterungsmaterial von Festgesteinen in den Mittelgebirgen verbreitet.

Braunkehlchen, Saxicola rubetra: etwa 12 cm großer Singvogel, der an Wiesengräben lebt; das aus 5 bis 7 Eiern bestehende Gelege wird am Boden in 13 bis 14 Tagen ausgebrütet; Zugvogel.

Braunkohle: eine geologisch vorwiegend junge, gelb- bis schwarzbraune, häufig erdige Kohle mit einem Kohlenstoffgehalt von 55 bis 75% in der Trockensubstanz. Rohbraunkohle enthält 50 bis 60% Wasser. Man unterscheidet Weichbraunkohle mit erdigem bis knorpeligem Gefüge und holzigen Lagen oder Einschlüssen, Hartbraunkohle mit dichtem Gefüge, geringem Wasser- und hohem Kohlenstoffgehalt sowie nach der chemischen Zusammensetzung, die auch die Verwendbarkeit bestimmt, bitumenarme Braunkohle (Brikettier-, Kessel-, Salzkohle) und bitumenreiche Braunkohle (Schwelkohle), von denen die bitumenarmen stärker verbreitet sind. Braunkohle bildet oft mächtige, oberflächennahe Lager und wird deshalb vorwiegend im Tagebau gewonnen. Sie ist der wichtigste Energierohstoff der DDR und Grundlage der Karbochemie.

Braunkohlenfilterasche, Abkürzung BFA: im Elektrofilter von Großfeueranlagen (Heiz- und Kraftwerke) anfallende Flugasche; zum Teil mit Anregern als Bindemittel verwendbar. Siehe auch Mischbinder.

Braunschweig: 1. historisches Gebiet im Bundesland Niedersachsen. ursprünglich weif. Territorium, 1235 Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, das nach 1267 mehrmals geteilt wurde; aus Braunschweig-Wolfenbüttel ging das Herzogtum Braunschweig, aus anderen Teilgebieten das spätere Königreich Hannover hervor. 1807/13 gehörte Braunschweig zum Königreich Westfalen. 1918 Sturz des Herzogs, danach bis 1933/34 Freistaat; 1933/45 mit Anhalt zusammengefasst; 1946 zum Land Niedersachsen.

2. kreisfreie Stadt in Niedersachsen, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirkes Braunschweig, an der Oker in der fruchtbaren Braunschweiger Börde; 260000 Einwohner; Maschinen- (Mühleneinrichtungen) und Fahrzeugbau, feinmechanische-optische, elektrotechnische, Konservenindustrie, Brauereien; TU, Hochschulen (Pädagogik, bildende Künste). Mittelalterliche Bauten im Stadtkern: romanischer Dom, gotisches Altstadtrathaus, Burg Dankwarderode mit dem «B.er Löwen» (1166), weitere gotische Kirchen. 1031 als Brunesguik genannt; 1227 Bestätigung des Stadtrechts; bedeutende Hansestadt. 1671 Eroberung durch die Herzöge, 1753/1918 Residenz von Braunschweig-Wolfenbüttel. Im 19. Jahrhundert Aufstieg zur Industriestadt, seit den 60er Jahren ein Zentrum der deutschen Arbeiterbewegung (W. Bracke; 1869 Sitz des Parteiausschusses der SDAP unter anderem).

Braunschweiger Löwe: lebensgroße Bronzefigur (Rotguss) eines stehenden Löwen; Herzog Heinrich der Löwe aus dem Geschlecht der Welfen ließ sein Wappentier 1166 als Hoheitssymbol vor Burg Dankwarderode in Braunschweig aufstellen.

Braunwurzgewächse, Rachenblütler, Scrophulariaceae: weltweit verbreitete Familie meist krautiger Pflanzen mit in der Regel 21ippigen Blüten; hierzu Braunwurz (Scrophularia), eine Gattung unangenehm riechender Kräuter mit bräunlichen Blüten, sowie Ehrenpreis, Fingerhut, Königskerze, Löwenmaul; als Halbschmarotzer Augentrost, Wachtelweizen.

Bravais, Auguste, 28. 8. 1811-30. 3. 1863, französischer Physiker; leistete Beiträge zur theoretischen Kristallographie, ermittelte die endliche Anzahl mögliche Symmetrieklassen von Kristallen durch die Ableitung der möglichen Arten von Raumgittern (sogenannt Bravaisgitter); zur Deutung von Spaltbarkeitserscheinungen an Kristallen entwickelte er die Bravaissche Netzdichtigkeitshypothese.

Brazzaville: Hauptstadt von Kongo, am rechten Ufer des unteren Zaire, mit dem gegenüberliegenden Kinshasa durch eine Fähre verbunden; mit Vororten 425000 Einwohner; Lebensmittel-, Leicht-, chemische Industrie, Schiffsreparaturwerft; Kunsthandwerk; Handelszentrum am Endpunkt der Zaireschifffahrt und Beginn der Bahnlinie nach Pointe Noire am Atlantik; Fluss-, internationaler Flughafen Maya-Maya nordwestlich von Brazzaville; Universität, Hochschulen, Pasteur Institut;

Break: 1. Break - Boxen: Trennkommando des Ringrichters bei Umklammerung unter anderem Beide Boxer müssen einen Schritt zurücktreten.

2. Break - Musik: prägnanter Schlagwechsel auf dem Schlagzeug als musikalische Zäsur in Jazz und Rockmusik.

Brechdurchfall: gleichzeitiges Auftreten von Erbrechen und Durchfall infolge akuter, häufig infektiöser Entzündung der Magen-Darm-Schleimhaut (Magen-Darm-Katarrh); oft durch Genuss zersetzter, bakteriell besiedelter Lebensmittel und giftiger Pilze unter anderem verursacht.

Brecher: 1. Brecher, Sturzsee f. Welle, deren Kamm in das vorangehende Wellental überstürzt. Brecher bilden sich in der Brandung und auch auf hoher See.

2. Maschine für die Grob- und Mittelzerkleinerung harter bis mittelharter Stoffe, wie Erze, Gesteinsbaustoffe, Zementrohstoffe, Brennstoffe. Die Zerkleinerung erfolgt vor allem durch Druck- und Schlagbeanspruchung zwischen fester und beweglicher Brechbacke (Backenbrecher), zwischen Brechmantel und taumelndem Brechkegel (Kegelbrecher), zwischen 2 gegenläufig rotierenden Walzen (Walzenbrecher, ältestes industrielles Zerkleinerungsprinzip) oder durch Schlag- und Prallbeanspruchung an mit Schlägern besetzten, schnellumlaufenden Rotoren (Hammer-, Prallbrecher).

Brechmittel, Emetika: Arzneimittel, die zum Erbrechen führen; man unterscheidet zwischen zentral angreifende Brechmittel (Apomorphin) und Reflex-Brechmittel, die am Magen angreifen (Emetin, Kupfer- und Zinksulfat). Brechmittel werden bei Vergiftungen verabreicht, um noch im Magen befindliche Giftreste zu entfernen.

Brechnuss: Samen des ostindische Brechnussbaumes (Strychnos nux vomica); enthält das Indol-Alkaloid Strychnin.

Brecht, Bertolt (Bert), 10.2. 1898-14.8. 1956, Dichter, Theatertheoretiker und Regisseur; einer der Wegbereiter der sozialistischen deutschen Nationalliteratur und meistgespielter sozialistischer Dramatiker des Jahrhunderts; studierte Medizin und Naturwissenschaften, war Dramaturg an den Münchner Kammerspielen, ab 1924 am Deutschen Theater in Berlin; emigrierte 1933 nach Dänemark, Schweden, Finnland, 1941 in die USA; 1948 nach Berlin zurückgekehrt, gründete und leitete er mit seiner Frau H. Weigel das Berliner Ensemble (1949). Brecht opponierte früh in Gedichten und Stücken («Trommeln in der Nacht», 1919) gegen die Bourgeoisie und ihre Kunst. Einen ersten Welterfolg brachte die «Dreigroschenoper» (1928, Musik von K Weill), eine Entlarvung der Wesensgleichheit kapitalistischer Verhältnisse mit der Gauner- und Dimenwelt. Beginnend mit den «Lehrstücken» («Die Maßnahme», 1930), schuf Brecht Bühnenwerke, die seine Entwicklung zum sozialistischen Realismus und seine antiaristotelischen Theaterauffassung belegen («Die heilige Johanna der Schlachthöfe», 1932; «Die Mutter», 1932, nach M Gorki). In der Emigration entstanden Werke, die das Wesen kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung enthüllen und Gegenkräfte aktivieren («Furcht und Elend des Dritten Reiches», 1938; «Leben des Galilei», 1938/39; «Mutter Courage und ihre Kinder», 1939; «Der gute Mensch von Sezuan», 1938/42; «Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui», 1941; «Der kaukasische Kreidekreis», 1944/45; «Die Tage der Commune», 1949). Neben seiner künstlerischen und praktischen Arbeit lieferte Brecht den grundlegenden theoretischen Beitrag zum epischen Theater («Kleines Organon für das Theater», 1949; «Dialektik auf dem Theater», 1953). Auch als Lyriker («Lob des Kommunismus», «Solidaritätslied», «Fragen eines lesenden Arbeiters»; «Buckower Elegien»), Erzähler («Dreigroschenroman», 1934; «Kalendergeschichten», 1949; «Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar», 1949; «Geschichten vom Herrn Keuner», 1958) und Essayist übt Brecht großen Einfluss auf bürgerlichen und sozialistischen Schriftsteller aus.

Brechung-Refraktion: Änderung der Ausbreitungsrichtung des Lichtes beim Durchgang durch die Grenzfläche zwischen 2 transparenten Stoffen, in denen das Licht verschiedene Phasengeschwindigkeiten c beziehungsweise c' hat; n = cjc beziehungsweise n'= co/c' sind die absoluten Brechzahlen (c0 Phasengeschwindigkeit im Vakuum). Der Stoff mit der kleineren (größeren) Brechzahl heißt optisch dünner (optisch dichter). Wenn das Licht aus dem Stoff mit der Brechzahl n kommt, so wird für n < n' der Strahl zum senkrecht auf der Grenzfläche stehenden Einfallslot hin gebrochen, für n > n' von diesem weg (siehe auch Totalreflexion). Einfallslot, einfallender und gebrochener Strahl liegen in einer Ebene. Der Winkel zwischen Einfallslot und Strahl (der Wellennormalen) wird als Einfallswinkel s beziehungsweise als Brechung-Refraktionswinkel bezeichnet. An der Grenzfläche zwischen isotropen Stoffen gilt das Snelliussche Brechung-Refraktionsgesetz n sin e = n' sin £'. Wegen der Dispersion die Brechzahl wellenlängenabhängig. Bei der Brechung-Refraktion von weißem Licht tritt eine Farbaufspaltung ein, zum Beispiel beim Dispersionsprisma. Neben Licht werden auch andere elektromagnetische Wellen gebrochen; analoge Erscheinungen gibt es bei Schallwellen.

Brechwurz, Cephaelis ipecacuanha: tropische Rötegewächs; niedriger, immergrüner Strauch Südbrasiliens. Die das Alkaloid Emetin enthaltende Wurzel (Brechwurzel, Radix Ipecacuanhae) ist noch als Expektorans im Gebrauch.

Breda: Stadt im Süden der Niederlande (Provinz Nordbrabant); 120000 Einwohner; Textilmaschinenbau, elektrotechnische, Textil- und Rüstungsindustrie; Institut für Fremdenverkehr, Kunstschule, Militärakademie (einst Stammschloss der Grafen von Nassau-Oranien); gotische Große Kirche (15. Jahrhundert, Turm 96 m hoch), Beginenhof (16. Jahrhundert). Stadtrecht seit 1252. Der Kompromiss von B1566 (Zusammenschluss des oppositionellen Adels) führte zum Aufstand der Niederlande gegen Spanien. Im Frieden von Breda 1667 erwarb England Neu-Amsterdam (New York).

Breeches: oben weitgeschnittene, vom Knie an enganliegende Sport- (besonders Reit-) oder Uniformhosen, mit Gesäß- und Kniebesatz.

Bregenzerwald: Bergland in Vorarlberg (Österreich); im Norden der Vorderwald, eine waldreiche Flysch-Mittelgebirgslandschaft mit Almen, im Süden der Hinterwald mit Hochgebirgsformen aus Jurakalk (Braunarlspitze 2649 m); niederschlagsreich; Holz-industrie, Stickerei, Spitzenherstellung; Fremdenverkehr.

Brehm: 1. Alfred Edmund Brehm, 2.2. 1829-11.11. 1884, Zoologe und Forschungsreisender; reiste unter anderem in Afrika und Westindien; leitete 1863/66 den Hamburger zoologischer Garten und gründete 1869 in Berlin ein Aquarium. Brehm wurde besonders durch sein «Illustriertes Tierleben» (1864/69) bekannt, das in allgemeiner verständlicher Form meisterhafte Schilderungen des Lebens der Tiere gibt und die Tierlehre volkstümlich machte.

2. Bruno Brehm, geboren 23.7. 1892, österreichischer Erzähler; seine Trilogie «Apis und Este» (1931), «Das war das Ende» (1932), «Weder Kaiser noch König» (1933) stellt den Untergang der Donaumonarchie aus nationalistischer Sicht dar.

Breitbahn: Polygraphie die Faserlaufrichtung von Papieren, wenn die Bogen (Blätter) mit ihrer längeren Seite aus der Papierbahnbreite auf der Papiermaschine geschnitten werden, die Papierfasern also parallel der schmalen Bogenkante ausgerichtet sind. In Schmalbahn liegen Papierbogen, deren kürzere Seite aus der Breite der Papierbahn geschnitten wurde, die Papierfasern also parallel zur breiten Bogenkante ausgerichtet sind. Bei Formatangaben wird hinter die Zahl, die der Faserlage entspricht, ein M (Maschinenrichtung) gesetzt, bei einem Bogen von 70 cm x 100 cm also entweder 70 M x 100 (B.) oder 70 x 100 M (Schmalbahn).

Breitbildverfahren: Filmtechnik Verfahren zur Darbietung von Filmen auf besonders großen Bildwänden, deren Breiten-Höhen-Verhältnis größer als bei der Normalbildprojektion (1,375:1) ist, um dem Zuschauer einen Anwesenheitseffekt und pseudoplastischen Wirkungen zu vermitteln. Anfänglich haben sich das Cinema-Scope-Verfahren (Breiten-Höhen-Verhältnis 2,35:1), und das 10-mm-Verfahren, ursprünglich Todd-AO Verfahren genannt (Breiten-Höhen-Verhältnis 2:1; bei anamorphotische Bildpressung und -entzerrung 3:1), behaupten können, jedoch ist die Anwendung dieser Verfahren unter anderem wegen der schlechten Verwendbarkeit für das Fernsehen stark zurückgegangen. Es werden grundsätzliche Methoden von Breitbildverfahren unterschieden;

a) das Kaschverfahren, wobei das Normalbildfeld im Breiten-Höhen-Verhältnis 1,66:1 oder 1,85:1 abgedeckt wird;

b) das anamorphotisches Verfahren, bei dem ebenfalls 35-mm-Nonnalfilm angewendet wird und die Bildpressung und -entzerrung im Verhältnis 2:1 in horizontaler Richtung erfolgt;

c) Breitbildverfahren, bei dem breiterer Film verwendet wird (in der Wiedergabe 70-mm-Film mit mehrkanaliger Magnettonaufzeichnung); siehe auch anamorphotische Verfahren.

Breitengrad: die von 2 Breitenkreisen mit einem Grad Abstand eingeschlossene Kugelzone der Erde (Flächenbezeichnung).

Breitenkreis: 1. Breitenkreis, Parallelkreis: Linie gleicher geographische Breite im Gradnetz der Erde, die parallel zum Äquator auf der Erdoberfläche verläuft. Jede Halbkugel hat 90 Breitenkreis mit je rund 111 km Abstand voneinander.

2. Geometrie: Drehfläche.

Breitrüssler, Anthribidae: Familie der Käfer; ernähren sich von Pilzen, manche Arten von Schildläusen.

Breitschwanz: Rauchwarenkunde rohe oder zugerichtete Felle tot- oder frühgeborener Lämmer des Karakulschafes.

Breitspektrumantibiotika, Breitbandantibiotika: hochwertige Antibiotika mit einem umfassenden antibakteriellen Wirkungsspektrum. Breitspektrumantibiotika hemmen außer grampositiven und -negativen Bakterien auch Rickettsien, große Viren und einige Protozoen Arten (zum Beispiel Entamoeba histolytica). Zu den Breitspektrumantibiotika gehören zum Beispiel Chloramphenicol, Tetrazykline, Ampicillin und Aminoglykoside.

Breitstrahler: Zusatzscheinwerfer (meist als Nebelscheinwerfer) an Kraftfahrzeugen, dessen Bauart (unter anderem der Streuscheibe) ein breitgezogenes Lichtband hervorruft.

Brekzie, Breccie (italienisch, germanisch): Sedimentgestein aus eckigen und groben, durch ein natürliches Bindemittel verkitteten Gesteinstrümmern, die nur wenig verfrachtet und deshalb nicht abgeschliffen worden sind (verfestigter Kies).

Bremsbelag: bei Kraftfahrzeugen auf die Bremsbacken aufgebrachte und bei Scheibenbremsen teilweise mit dem Sattel der Bremse verbundene druckfeste und temperaturunempfindliche Verschleißschicht (meist aus Asbestfasern, Metallspänen und Füllstoffen) mit hohem Reibbeiwert.

Brenndauer: Zeitraum von der Zündung bis zum Brennschluss beziehungsweise bis zum Abschalten eines Raketentriebwerks.

Bremsbetrieb: elektrisches Abbremsen elektrischer Antriebe mit den Vorteilen Verschleißlosigkeit, gute Stellbarkeit und eventuell auch Energierückgewinnung gegenüber mechanischen Bremsen.

Bremse: Vorrichtung zum Verlangsamen oder Anhalten sich bewegender Teile (zum Beispiel Rad) sowie zur Sicherung stillstehender Fahrzeuge. Straßenfahrzeuge müssen nach der StVZO über 2 voneinander unabhängige Bremse verfügen. Bei Kraftwagen hat die eine Bremsanlage die Funktion der Betriebsbremse, die andere die der Feststellbremse. Kraft- und Fahrräder haben für Vorder- und Hinterrad unabhängig zu betätigende Betriebsbremse Kraftwagen sind fast ausschließlich mit hydraulisch betätigten (Betriebs-) Bremse versehen, die entweder als Innenbackenbremse (mit Bremsbelag versehene Bremsbacken reiben an der Bremstrommel) oder als Scheibenbremse (Axialbremse) ausgeführt sind.

Bremsen, Tabanidae: Familie bis zu 30 mm großer Fliegen; Männchen sind Blütenbesucher, Weibchen dagegen Blutsauger, ihr Stich ist schmerzhaft; hierzu gehören die grünäugige Rinderbremsen (Tabanus bovinus) und die Regenbremsen (Chrysozona pluvialis) mit regenbogenfarbenen Augen.

Bremsflüssigkeit: Druckübertragungsmedium in Bremssystemen von Kraftfahrzeugen. Bremsflüssigkeit bestehen vorwiegend aus mehrwertigen Alkoholen und deren Äthern mit Zusatzstoffen; jedoch werden auch Silikon- und Mineralöle verwendet.

Bremsfolie: Folie, meist aus Kohlenstoff oder Aluminium, die die Energie sie durchlaufender geladener Teilchen herabsetzt. Das Bremsvermögen hängt von Art und Energie der Teilchen sowie von Material und Dicke der Folie ab.

Bremsgenerator: Gleichstromgenerator zur Bestimmung des Drehmoments und damit zur Aufnahme der Belastungskennlinie von Motoren mit Hilfe einer Eichkurve oder über direkte Messung am pendelnd gelagerten Ständer (Pendelgenerator).

Bremskraftregler: meist hydraulisch wirkende Vorrichtung im Bremssystem von Kraftwagen, die durch zweckmäßige Verteilung der Bremskräfte auf Vorder- und Hinterachse des Fahrzeugs eine optimale Bremswirkung ermöglicht.

Bremskraftverstärker: Einrichtung im Bremssystem schwerer Kraftwagen, die durch die Muskelkraft ausgelöst eine zusätzliche Fremdkraft (Hilfskraft- oder Verstärkerbremse, überwiegend auf Druckluftbasis) zur Erhöhung der Bremswirkung erzeugt.

Bremsleuchte: an der Rückseite von Kraftfahrzeugen angebrachte Leuchte, die beim Betätigen der Betriebsbremse durch gelb-rotes Licht eine Verminderung der Geschwindigkeit anzeigt. Kraftwagen neuerer Bauart sind mit 2 Bremsleuchten meist in Kombination mit den Schluss- und Blinkleuchten sowie Rückstrahlern ausgerüstet.

Bremsmagnet: ein Elektromagnet zur Betätigung von mechanischen, elektromagnetischen und elektrischen Bremsen, zum Beispiel wird bei der Magnetschienenbremse der Kern als Bremsschuh magnetisch an die Schiene gepresst.

Bremsschirm: im Flugzeugheck verpackte fallschirmähnliche Einrichtung, die als Landehilfe, zum Beispiel bei vereister Landebahn, ausgestoßen wird, sich öffnet, mit ihrem Luftwiderstand die Flugzeuggeschwindigkeit vermindert und dadurch die Ausrollstrecke bis zu 40% verkürzt.

Bremstriebwerk: Raketentriebwerk, das zur Verringerung der Bahngeschwindigkeit von Raketen(stufen) oder Raumflugkörpern dient.

Bremsverzögerung: Maß (m/s2) der Geschwindigkeitsabnahme (m/s) bezogen auf die Zeitspanne (s) beim Bremsvorgang von Fahrzeugen; weitgehend abhängig von der Bremskraft und dem Kraftschluss zwischen Rad und Fahrbahn.

Bremsweg: Strecke, die ein mit bestimmter Ausgangsgeschwindigkeit v, fahrendes Fahrzeug bei Betätigung der Bremse bis zum Erreichen der gewünschten niedrigeren Endgeschwindigkeit v2 benötigt; abhängig von der Geschwindigkeitsdifferenz und der Bremsverzögerung.

Brennelement: als Stab, Platte oder Kugel gestalteter Grundbestandteil der Spaltzone eines Kernreaktors, der aus Kernbrennstoff und einem Hüllmaterial (meist Metall) besteht. In den Brennelementen wird der Hauptteil der durch Kernspaltung entstehenden Energie als Wärme freigesetzt, die auf das umgebende Kühlmittel übertragen wird. Meist werden Bündel von Brennelement zu Kassetten zusammengefasst.

Brennen: 1. Erhitzen von Formstücken aus keramischer Masse im Brennofen, wobei der Scherben sintert und die Glasur schmilzt. Dabei verringern sich die Abmessungen (Brennschwindung). Manche Gegenstände werden zunächst ohne Glasur vorgebrannt (Verglüh-, Roh- oder Schrühbrand), dann mit Glasur glattgebrannt (Glatt-, Glasur- oder Scharfbrand) und schließlich die Aufglasur Dekoration aufgeschmolzen (Dekor- oder Muffelbrand). Die Brennatmosphäre ist oxydierend, wenn die Brenngase im Überschuss Sauerstoff, reduzierend, wenn sie Kohlenmonoxid mitfuhren.

2. Einwirken hoher Hitzegrade auf bestimmte Körperstellen bei Tieren. Mit Hilfe von Brenneisen, Auto- oder Elektrokautern werden Brandwunden zu therapeutischen Zwecken erzeugt. Anwendung erfolgt bei chronischen Gelenkerkrankungen des Pferdes.

Brenner: 1. Arbeitsgerät zum autogenen Schweißen ((Autogen-) Schweißbrenner) und Schneiden (Schneidbrenner) sowie Schutzgasschweißen, Plasmaschneiden unter anderem. Beim (Autogen-) Schweißbrenner werden durch Schläuche zugeführtes Brenngas und Sauerstoff in einem Mischrohr (Mischkammer) gemischt und an einer in der Spitze befindliche Düse in einer Stichflamme (bis 3200°C) verbrannt. Die Menge der Gase wird mittels Ventilen geregelt. Je nach Druck unterscheidet man Hochdruck-, Niederdruck- (Injektor-) oder Gleichdruckbrenner Beim Schneidbrenner wird der zum Trennen erfordert. Schneidsauerstoff von der Sauerstoffleitung abgezweigt und einer gesonderten Düse zugeführt. Schutzgasschweißbrenner dienen zur Zuführung der Schutzgase (Kohlendioxid, Argon, Helium unter anderem oder deren Gemische), zur Zuführung und Halterung der Elektrode (Draht-, Wolframelektrode) und zur Stromzuführung, Plasmaschneidbrenner dienen zur Zuführung von Gasen (Argon, Wasserstoff, Stickstoff, Druckluft unter anderem oder deren Gemische) und der Stromzuführung für die Elektroden für Hilfslichtbogen und Plasmabildung. Spezialschweißbrenner gibt es zum Verbinden von Blei, Plaste (mit Heißluft) unter anderem Werkstoffen.

2. Misch- und Zuführungseinrichtung für Brennstoff und Luft zur geregelten Verbrennung von staubförmigen, flüssigen beziehungsweise gasförmigen Brennstoffen, deren Leuchtkraft oder Heizwert ausgenutzt werden soll. Nach der Art des verwendeten Brennstoffs unterscheidet man Gas-, Öl- und Kohlenstaubbrenner.

Brenner, italienischer Brennern: niedrigster Pass über die zentrale Alpenkette; 1370 m; Wasserscheide zwischen Schwarzem Meer (Inn) und Adriatischen Meer (Isarco); verbindet Österreich und Italien durch Straße, daneben seit 1867 durch Eisenbahn und seit 1969 durch die Brennerautobahn; 20 km langer Eisenbahntunnel geplant.

Brennerei: Betrieb zur Produktion von Alkohol (Spiritus); stärkehaltige Rohstoffe (Kartoffeln, Getreide) werden mit Brennereimalz oder mit mikrobiellen Enzympräparaten verzuckert. Oft dient Melasse als zuckerhaltiger Rohstoff. Es folgen die Vergärung des Zuckers mittels Hefekulturen und schließlich die Abtrennung des Alkohols durch mehrfache Destillation beziehungsweise Rektifikation. Als Rückstand verbleibt Schlempe, ein Futtermittel.

Brenner-Tumor: gutartige, am Eierstock meist einseitig entstehende Geschwulst, die relativ selten und hormonell inaktiv ist; benannt nach dem Pathologen Fritz Brenner (1877-1960).

Brennessel, Urtica: zu den Brennesselgewächsen gehörende windblütige Ruderalpflanze mit hautreizenden Brennhaaren; hierzu gehören unter anderem die Große Brennessel (U. dioica) und die Kleine Brennessel (U. urens). In Auwäldern kommt die seltene Röhricht-Brennessel (U. kioviensis) vor. Siehe auch Nesselgewächse.

Brennfleckenkrankheit: durch Pilze hervorgerufene Pflanzenkrankheit, bei der sich an den oberirdischen Pflanzenteilen (seltener an den Wurzeln) braune bis rostrote Flecke mit Sporenlagern bilden. Die Ertragsminderung ist oft erheblich. Die Brennfleckenkrankheit tritt besonders an Bohnen, aber auch an Erbsen und Lein auf. Ihre Bekämpfung erfolgt durch Beizen von infiziertem Saatgut und durch Fruchtfolgemaßnahmen.

Brenngase: Sammelbezeichnung für alle einer Verbrennung zugeführten brennbaren Gase. Nach ihrem Heizwert unterscheidet man Armgase (bis 6300 kJ/m3), Schwachgase (bis 12 600 kJ/m3), Starkgase (bis 21000 kJ/m3) und Reichgase (über 21000 kJ/m3).

Brennhaar, Gifthaar, Toxophor (griechisch): hohles Drüsenhaar mancher Insekten.

Brennkammer: Teil des chemischen Raketentriebwerks, in dem die thermochemische Reaktionen des Raketentreibstoffs zur Bildung des Arbeitsgases, welches beim Ausströmen den Schub liefert, ablaufen.

Brennofen: Einrichtung zum Brennen eingesetzter keramischer Ware bei der erforderlichen Temperatur. Periodisch betriebene Brennöfen sind Einzelöfen, die bei jedem Brand hochgeheizt werden und dann abkühlen. Hierzu gehören der Rundofen mit kreisrundem und der Kammerofen mit rechteckigem Grundriss, außerdem der Herdwagenofen, in dem das Brenngut auf einem ausfahrbaren Wagen steht. Kontinuierlich betriebene Brennöfen haben eine Vorwärm-, Brenn- und Kühlzone; das Vorwärmen erfolgt durch heiße Abgase, das Kühlen durch Verbrennungsluft. Der Ringofen besteht aus einem in sich geschlossenen Brennkanal, in dem die Brennzone langsam ringsum geführt wird, der Gaskammerringofen aus 2 Reihen von Kammern, die nacheinander abgebrannt werden. Der Tunnelofen hat einen geraden Brennkanal mit ortsfester Brennzone in der Mitte; die Ware wird auf Wagen, Rollen oder Schlitten hindurchgeschoben. Umgekehrt wird der bewegliche Pendelofen über die vorher aufgebaute Ware gefahren.

Brennpunkt: 1. Chemie: niedrigste Temperatur, bei der ein Stoff nach Entfernen der Zündflamme von selbst weiterbrennt.

2. Brennpunkt,Fokus: Geometrie: ausgezeichneter Punkt bei Kegelschnitten beziehungsweise Flächen 2. Ordnung.

3. Optik: Kardinalelemente.

Brennschluss: Zeitpunkt, zu dem das Triebwerk einer Rakete(nstufe), gegebenenfalls auch eines künstlichen Erdsatelliten oder einer Raum-, Mond- oder Planetensonde, zu arbeiten aufhört und der antriebslose Flug beginnt oder der Landevorgang erfolgt. Die bei Brennschluss erreichte Fluggeschwindigkeit ist die Brennschlussgeschwindigkeit beziehungsweise die Landegeschwindigkeit. Bei Mehrstufenraketen werden die Brennschlussgeschwindigkeiten der einzelnen Stufen addiert.

Brennspiegel: Hohlspiegel, der den Strahlungsfluss der Sonne auf einen kleinen Fleck konzentriert. Die hohe Energiedichte im Brennfleck ermöglicht das Erhitzen von Stoffen (zum Beispiel im Sonnenheizwerk oder -kraftwerk). Gegenüber Brenngläsern aus Sammellinsen lassen sich mit Brennspiegel größere Durchmesser technologisch beherrschen.

Brennspiritus: durch Vergällen (Denaturieren) mit Pyridin, Benzol u. ä. ungenießbar gemachtes, nicht steuerpflichtiges Äthanol für Heiz- und gewerbliche Zwecke.

Brennstoffe: feste, flüssige oder gasförmige Stoffe, die zur wirtschaftlichen Wärmeerzeugung verbrannt werden können. Natürliche Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Erdgas) können nach einer Aufbereitung unmittelbar verwendet werden. Durch Veredlung (Brikettieren, Entgasen, Vergasen, Verflüssigen) lassen sich die Brennstoffe in eine für die Verwendung geeignetere Form (Brikett, Koks, Öl, Benzin, Gas) überführen, wobei wertvolle Nebenprodukte gewonnen werden. Kennzeichnende Größe der Brennstoffe ist ihr Heizwert.

Brennstoffverbrauch, spezifischer: bei brennstoffverbrauchenden Prozessen zum Beispiel zur Erzeugung mechanischer, thermischer, elektrischer Energie, zur Dampferzeugung, Süßwassergewinnung, Stahlerzeugung, zur Trocknung oder Herstellung fertiger Produkte gebildete Kenngröße, die auf das erzeugte Produkt bezogen wird; Maß für den Umwandlungswirkungsgrad und den erforderlichen Brennstoffverbrauch des Prozesses.

Brennstoffzelle: galvanisches Element zur unmittelbaren Gewinnung elektrischer Energie aus Brennstoffen (Methanol, Wasserstoff, Hydrazin unter anderem). Die eine Elektrode wird kontinuierlich mit dem Brennstoff, die andere mit Sauerstoff beschickt; Elektrolyt ist meist Kalilauge oder Schwefelsäure. Vorteile der Brennstoffzelle sind hoher Wirkungsgrad, Umweltfreundlichkeit sowie hohe Energie- und Leistungsdichte.

Brennstoffzellenmotor: Gleichstrommotor, der an die Kenngrößen des Brennstoffelements (Brennstoffzelle), vor allem an die niedrige Spannung, angepasst ist und versuchsweise in Elektrofahrzeugen eingesetzt wird.

Brennus, (latinisiertes keltisches Wort für «König») Fürst der keltischen Senonen, Führer der Gallier beim Einfall in Italien; schlug 387 vor Christus an der Allia bei Rom die Römer und zerstörte Rom bis auf das Kapitol.

Brennwein: durch Weindestillat verstärkter, zollbegünstigter Wein, der zur Weinbrandherstellung dient.

Brennweite: Optik Abstand des Brennpunktes vom zugeordneten Hauptpunkt (Kardinalelemente). Die Brennweite (objektseitig mit, bildseitig mit bezeichnet) ist eine Kennzahl für zentrierte optische Systeme und bestimmend für die Gaußsche Abbildung.

Brennwert, physiologischer: die im Organismus bei der Oxydation der Nahrungsstoffe auftretende Wärme. Je 1 g Kohlenhydrat (zum Beispiel Zucker), Fett oder Eiweiß liefert 16,5, 38,5 oder 17 kJ. Bei Kohlenhydrat und Fett entspricht dies dem physikalischen Brennwert (Wert, der durch Verbrennung des betreffenden Nährstoffs im Kalorimeter ermittelt wird). Der physiologische Brennwert von Eiweiß ist etwas niedriger als sein physikalischer Brennwert, da im Organismus das Eiweiß nicht vollständig abgebaut wird.

Brentano: 1. Bettina Arnim Brentano.

2. Clemens Brentano, 8.9.1778-28.7.1847, Schriftsteller; Bruder von Brentano von Arnim; neben A. von Arnim wichtigste Vertreter der Heidelberger Romantik; gab mit ihm zusammen die Volksliedersammlung «Des Knaben Wunderhorn» heraus (1806/08); nach 1816 katholisch-mystische Ansichten. Lebendig blieben Gedichte, Kunstmärchen («Gockel, Hinkel und Gackeleia», 1838) und die volkstümliche «Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl» (1817).

3. Franz Brentano, 16.1.1838-17.3.1917, Philosoph; Begründer der bürgerlichen idealistischen Aktpsychologie, nach der die Intentionalität (Gerichtetheit) des Psychischen die Grundfrage der Psychologie ist; war Wegbereiter der idealistischen Phänomenologie.

4. Lorenz Brentano, 4.11.1813-18.9.1891, Rechtsanwalt und Journalist, kleinbürgerlich-demokratischer Politiker; 1848 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, 1849 Vorsitzender der badische Revolutionsregierung. Als es zum bewaffneten Kampf gegen die Konterrevolution gekommen war, arbeitete Brentano auf einen Kompromiss mit der Reaktion hin. 1850 emigrierte er in die USA.

5. Lujo (Ludwig Joseph) Brentano, 18.12.1844-9.9.1931, bürgerlicher Ökonom und Sozialpolitiker; einer der Hauptvertreter der jüngeren historischen Schule und des Kathedersozialismus. Brentano versuchte mittels sozialreformerischen Konzeptionen (Brentanismus) den Klassenkampf zu entschärfen und die Arbeiter mit dem Kapitalismus auszusöhnen. Lenin setzte sich wiederholt mit diesem «leicht mit marxistischer Farbe getünchten Sozialliberalismus» auseinander.

Brenzkatechin: zweiwertiges Phenol der Formel. Brenzkatechin bildet färb- und geruchlose, nadelförmige, wasserlösliche Kristalle; F 105,0 °C. Es wird für fotografische Entwickler und zur Herstellung synthetische Gerbstoffe unter anderem Produkte verwendet. Siehe auch Phenole.

Brenztraubensäure: eine farblose, wasserlösliche, stechend essigartig riechende Flüssigkeit; chemische Bezeichnung Propanonsäure, Kp 165 °C; ihre Salze heißen Pyruvate. Beim Kohlenhydratstoffwechsel wird Brenztraubensäure durch Sauerstoff zu Kohlendioxid und Essigsäure «veratmet», bei Mangel an Sauerstoff oder den erforderlichen Enzymen zu Milchsäure reduziert.

Brescia: Stadt in Oberitalien, in der Region Lombardei, Verwaltungszentrum der Provinz A.; 210000 Einwohner; Zentrum des Maschinen- und Fahrzeugbaus, zahlreiche kleinere Elektrostahlwerke, außerdem chemische, keramische, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten; alte Handelsmetropole; Alter Dom (11./12. Jahrhundert), Neuer Dom (17. Jahrhundert); vom 15. bis 17. Jahrhundert Mittelpunkt musikalische Aktivitäten (Orgel-, Lauten- und Geigenbau). Brescia, das keltische Brixia, war im 12. und 13. Jahrhundert Hauptstützpunkt der Guelfen; 1428/1797 venezianisch, seit 1861 beim Königreich Italien. 1848/49 heroische antiösterreichische Erhebung («Die zehn Tage von Brescia», 23. 3./1. 4. 1849), die der österreichische General Haynau («Hyäne von Brescia») niederwarf.

Brest: 1. Stadt im Nordwesten Frankreichs, an einer tiefen Bucht der Nordwestküste der Bretagne; 170000 Einwohner; Werften, elektronische, chemische, Lebensmittel- und Zementindustrie; bedeutender Kriegs-, kleiner Handelshafen mit Docks und Arsenalen; ozeanographisches Forschungsinstitut, Ingenieurschule; Gemäldegalerie; Schloss (13./17. Jahrhundert).

2. Stadt (Gebietszentrum) in der Belorussischen SSR, nahe der polnischen Grenze, am Muchawez, bei seiner Mündung in den westlichen Bug; bis 1939 Brest-Litowsk; 200000 Einwohner; Maschinenbau, Leichtindustrie; Eisenbahnknoten und Transitbahnhof mit Spurwechselanlage; Hafen, Flughafen; 2 Hochschulen; Theater; Heldenfestung (Museum «Verteidigung der Festung Brest» und Memorialkomplex. Während des 1. Weltkrieges wurde Brest-Litowsk im August 1915 von deutschen Truppen eingeschlossen und am 26. 8. eingenommen. Von Dezember 1917 bis März 1918 fanden Friedensverhandlungen zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten statt, die am 3. 3. 1918 mit dem Abschluss des Friedens von Brest-Litowsk beendet wurden. Er erzwang von Sowjetrussland große Gebietsabtretungen, brachte ihm aber eine für seine Konsolidierung notwendige Atempause; am 13.11. 1918 von Sowjetrussland annulliert. Im 2. Weltkrieg wurde die Festung Brest vom 22. 6. bis 20. 7. 1941 von sowjetischen Truppen gegen eine faschistische deutsche Übermacht heldenhaft verteidigt. Sie wurde zur Heldenfestung erklärt.

Bretagne: Halbinsel im Westen Frankreichs, als Wirtschaftsregion 27184 km2, 2,6 Millionen Einwohner, davon etwa 1,1 Millionen Bretonen; 95 Einwohner/km2; wichtigster Ort Rennes; Teil des Armorikanischen Massivs, bis 400 m hohe Rumpffläche; stark gegliederte Steilküste mit kräftigen Gezeiten; kühles ozeanisches Klima; Erzbergbau (Eisen, Blei, Zink); relativ schwach industrialisiert; unter anderem Schiffbau, Lebensmittelindustrie; Gezeitenkraftwerk an der Mündung der Rance; Viehzucht (Rinder, Schweine, Geflügel), in geschützten Buchten Gemüse-, Obst- und Weizenanbau; an der Südküste Austernfischerei; Handels- und Fischereihäfen (Brest, Lorient unter anderem), Seebäder; frühgeschichtliche Megalithfelder (Dolmen). Die Bretagne wurde im 5./6. Jahrhundert von keltischen Stämmen besiedelt, zwischen 1160 und 1206 (Eroberung durch die französische Krone) stand sie unter Oberherrschaft des englischen Königs, danach (bis 1491) ein relativ selbständiges Lehnsherzogtum.

Brettsegeln, Windsurfing: Elemente von Wellenreiten und Segeln enthaltende, im Stehen ausgeübte Wasserfahrsportdisziplin. Das Sportgerät (Klasse «Windglider») ist ein з,89 m langer, 0,64 m breiter, 0,15 m dicker Plastikkörper mit Steckschwert und Heckflosse. Der dreh- und schwenkbare Mast ist 4,80 m, der Gabelbaum 2,70 m lang; die Segelfläche beträgt 5,80 m2. Die Regeln gleichen denen im Segeln. Olymp. Disziplin ab 1984, Welt- und Europameisterschaften finden seit 1973 statt.

Brett: Schnittholz; unbesäumt mindestens 16 mm, besäumt 16 bis 100 mm dick und breiter (mindestens 75 mm) als das 2fache der Dicke.

Brettspiele: Unterhaltungsspiele, die meist zu zweit mit «Steinen» (heute aus Holz, Kunststoffen и. a.) auf mit Linien oder Feldern markierten «Brettern» (Spielplan aus Pappe, Holz unter anderem) gespielt werden, mitunter auch mit Würfeln. Die Anfangsstellung für die Beteiligten ist meist gleich.

Brevier: 1. liturgisches Buch, das das offizielle lateinische Stundengebet aller Geistlichen der katholischen Kirche enthält. Für Laien sind Übersetzungen gestattet.

2. knappe Auswahl wesentlicher Teile aus den Werken eines Schriftstellers.

Briand, Aristide, 28.3.1862-7.3.1932, französischer Politiker; 1909/31 wiederholt Ministerpräsident und Außenminister, Förderer des Völkerbundes und Mitbegründer des Briand-Kellogg-Paktes, mit dem der Krieg als Mittel der nationalen Politik geächtet werden sollte.

Bridge: (englisch, «Brücke») aus dem Whist entstandenes Kartenspiel zu viert (2 Parteien) mit 2 französischen Spielen (104 Blatt).

Bridgeport: Stadt in Connecticut (USA), am Long Island-Sund (Atlantischen Ozean); 140000 Einwohner; Rüstungsindustrie, Näh- und Büromaschinenherstellung, Textilbetriebe; Seehafen; Universität, Druckereien, Verlage.

Bridgetown: Hauptstadt von Barbados; 7600 Einwohner, als Agglomeration 90000 Einwohner; Schiffbau, Zuckerindustrie, Rumausfuhr; Hafen, internationaler Flughafen.

Bridgman, Percy Williams, 21.4.1882-20.8.1961, US-amerikanischer Physiker und Philosoph; arbeitete vor allem auf dem Gebiet der Hochdruckphysik;

Brie: Landschaft in Frankreich, im Pariser Becken, östlich von Paris, zwischen Marne und Seine; vorwiegend Kalkböden, im Südwesten mit Lehmdecke; Getreideanbau, Viehzucht; Käseherstellung und -handel (Briekäse).

Brief: (lateinisch brevis, «kurz») 1. schriftliche Mitteilung an einen Empfänger. Seit der Antike auch literarischer oder Kunstbrief, in dem über persönliche Mitteilung hinausgegangen wird und der allgemeinen Darlegungen essayistischen oder aphoristischen Charakters enthält (zum Beispiel Herders «Briefe zur Beförderung der Humanität»), Ein Höhepunkt klassischer deutscher Briefkultur ist der Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller. Bedeutsam sind die Brief großer Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung wie Marx, Engels, Lenin unter anderem.

2. verschlossene Postsendung in rechteckiger oder Rollenform (bis 500 g).

Briefbearbeitungsmaschinen, Postbearbeitungsmaschinen: Maschinen zur mechanisierten Abfertigung der ein- und abgehenden Briefpost. Brieföffnungsmaschinen schneiden eine schmale Briefumschlagkante ab (Leistung 200 Briefe/min bei Hand-, 500 bei elektrischen Antrieb); Brieffaltmaschinen (-falzmaschinen) falten die Briefbogen ein- oder mehrmals, Briefkuvertiermaschinen stecken Briefe in Umschläge oder falten sie zu Briefhüllen (Leistung ~ 1500 Briefe/h bei Hand-, » 4000 bei elektrischen Antrieb); Briefschließmaschinen kleben die Briefe zu, wobei Größe und Dicke des Briefes ohne Einfluss sind (Leistung » 4000 Briefe/h bei elektrischen Antrieb); Frankiermaschinen (Freistempler) drucken einen Poststempel mit dem entsprechend Portowert auf die Postsendung, wobei ein verschlossenes Zählwerk die einzelnen Portowerte aufrechnet (Leistung ~ 9000 Postsendungen/h bei elektrischen Antrieb). Mehrere Vorgänge lassen sich in Maschinenkombinationen zusammenfassen.

Briefmarke: Postwertzeichen zum Freimachen von Postsendungen, auch zur Verrechnung von Gebühren. Ein erster brauchbarer Vorschlag für die allgemeine Einführung von Briefmarke kam von dem britischen Buchhändler James Chalmers (1782-1853). Die erste Briefmarke wurde 1840 in Großbritannien ausgegeben. Es folgten 1843 die schweizerischen Kantone Zürich, Brasilien, 1845 die Stadtpost Sankt Petersburg, 1849 Bayern, 1850 Sachsen und Preußen. Briefmarke sind wegen ihrer vielfältigen Aussagekraft sehr belebte Sammelobjekte (Philatelie). In vielen Ländern bestehen große staatliche Briefmarkensammlungen. Übersichten über alle bisher erschienenen Briefmarke erfolgen in Briefmarkenkatalogen.

Briefsteller: 1. im Mittelalter Schreibkundiger, der für modere Leute Briefe abfasste.

2. Bezeichnung für Bücher mit praktischen Anleitungen md mit Mustern für das Abfassen von Briefen. Aus dem Mittelalter überlieferte, für Kanzleien bestimmte Brief- und Urkundenmuster in sogenannten Formularbüchern können als Geschichtsquelle wichtig sein. Brieftaube Sporttauben.

Brigade: 1. Brigade, Arbeitsbrigade: Kollektiv von Werktätigen, die nach dem sozialistischen Prinzip der kameradschaftlichen gegenseitigen Hilfe und Unterstützung Zusammenarbeiten. Ihr Einsatz erfolgt bei Arbeiten, die ein unmittelbares Zusammenwirken mehrerer erfordern. Die Brigade hat einen Leiter, den Brigadier, und arbeitet nach dem Vertrag, in dem die ökonomische und politisch-erzieherische Zielsetzung sowie das Arbeitsreglement festgelegt sind. Art der Brigade (zum Beispiel Spezial- oder Komplexbrigade) sowie ihre Zusammensetzung nach Berufs- und Qualifikationsgruppen werden durch die Anforderungen der konkreten Arbeit bestimmt.

2. Militärwesen: Verband.

Brigadeabrechnung: nach Arbeitskollektiven organisierte Abrechnung der Leistungen, Kosten und Ausnutzung der eingesetzten Grund- und Umlaufmittel mit dem Ziel, den sozialistischen Wettbewerb zu fördern, die Kollektive zu stimulieren und die operative Leitung der Produktion zu unterstützen; beschränkt sich auf wenige aussagefähige Kennziffern und wird unter Einbeziehung der Werktätigen (Haushaltbuch) durchgeführt.

Brigg: zweimastiges Segelschiff mit Rahsegeln und zusätzliche Gaffelsegel am Großmast. Die Schonerbrigg (Brigantine) hat dagegen einen mit Rahsegeln besetzten Fockmast und am Großmast Schratsegel.

Briggs, Henry, Februar 1561-26.1. 1630, englischer Mathematiker, machte sich verdient um die Einführung und Verbreitung der auch nach ihm benannt dekadische Logarithmen.

Brighton: Stadt im Süden Englands (Großbritannien), am Kanal; 145000 Einwohner; Maschinen- und Musikinstrumentenbau; Universität von Sussex (1961); Musikfestival; Seebad.

Brikett: aus feinkörnigem Material (zum Beispiel getrocknete Braunkohle, Steinkohlenstaub, Koks oder Erz) mit oder ohne Bindemittel gepresster Körper in Quader-, Würfel- oder Eiform. Die Herstellung von Brikett bezeichnet man als Brikettieren. Dieses ist zum Beispiel bei vielen chemischen Rohstoffen notwendig, die sich in feinkörniger Form nicht oder nur schlecht verarbeiten lassen. Braunkohle wird brikettiert, um ihren Wassergehalt (50 bis 60%) zu mindern und damit ihren Energieinhalt zu erhöhen, ihre Lager- und Transportfähigkeit zu verbessern sowie die Transportkosten zu verringern. Der Heizwert von Braunkohlenbrikett beträgt etwa 16000 bis 20000 kJ/kg gegenüber 6000 bis 11000 kJ/kg bei Rohbraunkohle.

Brikettieren: 1. Bergbau: Brikett.

2. Brikettieren, Kompaktieren (lateinisch): Landwirtschaft Pressen (Verdichten) von unzerkleinertem oder gehäckseltem Trockenfutter zu brikettförmigen Stücken, um bei Erhaltung der physikalischen Struktur den Verzehr durch Wiederkäuer zu erhöhen.

Bril, Paul, 1554-7.10. 1626, flämischer Maler und Stecher; vorwiegend in Rom tätig, wo er, beeinflusst von A Carracci, zu einem Mitbegründer der idealen Landschaftsmalerei wurde.

Brillant: 1. Brillant: geschliffener, durchsichtiger Edelstein, meist Diamant. Der Brillantschliff zeigt auf der Oberseite des Steines eine Tafel und 32 Facetten, auf der Unterseite 24 Facetten und eine Spitze. Er wandelte sich mit der Zeit. Der Altschliffbrillant zeigt einen fast quadratischen Querschnitt bei einem sehr hohen Oberteil. Beim modernen Brillantschliff wird ein Maximum der Brillanz erreicht; die Tafel ist groß, das Oberteil niedrig.

2. Brillant: Schriftgrade.

Brille: optische Sehhilfe zur Erzeugung eines scharfen Netzhautbildes bei Fehlsichtigkeit, auch Vorrichtung zum Schutz der Augen. Die Brille besteht aus dem Gestell und den Brillengläsern. Die Stärke eines Brillenglases wird durch die Scheitelbrechkraft in Dioptrien angegeben. Kurzsichtigkeit erfordert Zerstreuungslinsen (Minusgläser); Weit- und Alterssichtigkeit erfordern Sammellinsen (Plusgläser). Siehe auch Fehlsichtigkeit.

Brillenbär, Tremarctos ornatus: Bär der nordwestlichen Hochgebirge Südamerikas mit variabler heller «Brillenzeichnung». Siehe auch Raubtiere.

Brillengreifer: Schlingenfänger für Doppelsteppstichnaht in Nähmaschinen, der die Unterfadenspule durch eine besondere Vorrichtung (die Brille) in axialer Richtung hält.

brillenloser Greifer: Schlingenfänger für Doppelsteppstichnaht in Nähmaschinen.

Brillenvögel, Zosteropidae: Familie etwa 10 cm großer grüner Singvögel mit meist weißem Augenring; leben oft gesellig; nähren sich von kleinen Insekten und Beeren; leben in Afrika, Südostasien, Australien und auf vielen Südseeinseln.

Brillouin-Streuung: (nach einem französischen Physiker) Streuung von Licht an hochfrequenten elastischen Wellen in Flüssigkeiten und Festkörpern. Die Brillouin-Streuung stellt eine Wechselwirkung des Lichtes mit akustischen Gitterschwingungen dar. Bei der stimulierten Brillouin-Streuung, die bei hohen Lichtintensitäten möglich ist, bestehen feste Phasenbeziehungen zwischen einfallender und gestreuter Welle.

Brimborium: (französisch zu lateinisch breviarium, «Brevier») Geschwätz, unnötiges Drum und Dran.

Brinckmann, John, 3.7. 1814-20.9. 1870, Schriftsteller; neben K. Groth und F. Reuter der bedeutendste Vertreter niederdeutscher Mundartdichtung; aus seinem von vormärzlich-demokratischer Gesinnung geprägten Werk ragen die Erzählung «Kasper Ohm un ick» (1855) und der gesellschaftskritische Roman «Uns Herrgott up Reisen» (1870) heraus; schrieb stimmungsvolle Lyrik.

Bringschuld: am Sitz des Gläubigers zu erfüllende Schuld; siehe auch Holschuld, Schickschuld.

Brisanz: Eigenschaft eines Explosivstoffs, infolge hoher Abbrenngeschwindigkeit in kurzer Zeit große Energien abzugeben.

Brisbane: Hauptstadt und wichtigste Industrie- und Hafenstadt von Queensland, an der Ostküste Australiens; mit Vororten 1 Millionen Einwohner; besonders Schiff-, Kfz-Bau, Erdölverarbeitung, chemische Industrie; internationaler Flughafen; Universität; Observatorium, Museen, Planetarium, Zoo.

Brissot, Jacques Pierre, 14.1.1754-31.10.1793, französischer Politiker und Führer der Girondisten (Brissotisten), Abgeordneter des Konvents sowie Mitglied des Jakobinerklubs, aus dem er im Oktober 1792 ausgeschlossen wurde. Nach dem Volksaufstand vom 31. 5./2. 6. 1793 wurde er gleich anderen bekannten Girondisten guillotiniert.

Bristol: Stadt im Südwesten Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Avon, am Avon; 390000 Einwohner; vielseitige Industrie, unter anderem Schiff- und Flugzeugmotorenbau, Tabak-, Schokoladen-, Papier-, Arzneimittel- und chemische Industrie; Hafen (für kleinere Seeschiffe erreichbar), mit Vorhäfen (Avonmouth und Portishead), internationaler Flughafen, Hängebrücke (412 m lang) über Avon-Schlucht; Universität, Fachschulen, Forschungsinstitute, Museen, Oper.

Britannia, (lateinisch - keltisch, «Land der Briten») Britannien: Name der römischen Provinzen in England und Südschottland von Mitte des 1. bis Anfang des 5. Jahrhundert.

Briten: Sammelbezeichnung für die keltischen Stämme Englands in den Jahrhunderten vor Beginn nach Christus, bei den Römern die einheimische Bevölkerung Britannias; jetzt allgemein die Staatsbürger Großbritanniens.

Britisches Museum: eines der berühmtesten Museen der Welt; gegründet 1753 in London. Es enthält eine Gemäldegalerie, eine Altertümersammlung ägyptischer, assyrisch-babylonischer und griechischer Bildwerke (unter anderem die Parthenon-Skulpturen), eine Graphiksammlung, den Stein von Rosette und wertvolle Sammlungen von Münzen und Medaillen, Postwertzeichen unter anderem. Die Bibliothek des Britischen Museums mit mehr als 7 Millionen Bänden, darunter berühmte Handschriften, ist seit 1973 Teil der British Library.

Britisch-Kolumbien, englisch Abkürzung BC: Provinz im Westen Kanadas, am Stillen Ozean; 948600 km2, 2,7 Millionen Einwohner (2% Indianer); 3 Einwohner/km2; Hauptstadt Victoria. Hochgebirgsland (Mount Fairweather mit 4663 m (Saint-Elias-Gebirge)), das im Osten vom Felsengebirge und im Westen vom Küstengebirge eingenommen wird. Bei gemäßigtem Klima zu 60% bewaldet (meist Nadelwald). Zahlreiche energiereiche Flüsse (Fraser, Columbia unter anderem). Ökonomisch drittwichtigste Provinz Kanadas, deren Hauptwirtschaftszweige die verarbeitende Industrie (besonders Holz-, Metall-, Nahrungsmittelindustrie, Erdölverarbeitung, Papier-, Buntmetall-, Aluminiumproduktion vorwiegend um Vancouver und Victoria), die Bauindustrie und der Bergbau auf Kupfer, Steinkohle, Erdöl, Erdgas, Zink, Molybdän, Blei, Schwefel unter anderem (bei Kupfer und Blei in Kanada führend) sind. Die Forstwirtschaft liefert zwei Drittel der Holzproduktion Kanadas. Die Elektrizitätsproduktion stützt sich überwiegend auf Wasserkraft. In der Landwirtschaft vorwiegend Rinderzucht und Milchwirtschaft sowie Anbau von Weizen und Hafer. Britisch-Kolumbien ist wichtigstes Fischfanggebiet Kanadas. Entwickeltes Verkehrssystem mit Vancouver als wichtigstem Hafen des Landes. Seit Ende des 18. Jahrhundert britisches Pelzhandelsgebiet. 1846 durch den Oregon-Vertrag Grenzziehung zu den USA entlang dem 49. Breitenkreis; damit begann die britische Besiedlung. 1850 wurde die Insel Vancouver britische Kronkolonie, 1858 auch Britisch-Kolumbien; beide wurden 1866 zur Kronkolonie Britisch-Kolumbien vereinigt, die 1871 als Provinz dem britischen Dominion Kanada angeschlossen wurde.

British Library: Nationalbibliothek Großbritanniens, entstanden 1973 aus 6 vordem selbständigen bedeutenden Bibliotheken beziehungsweise Einrichtungen des Bibliothekswesens. Größte Abteilung ist die British Library Lending Division, London (ehemalige Bibliothek des britischen Museums), mit (1979) über 9 Millionen Büchern. Sitz der zweitgrößten Abteilung mit etwa 2,8 Millionen bibliographischen Einheiten ist Boston Spa, Yorkshire.

Britten, Benjamin, 22.11.1913-4.12.1976, englischer Komponist; berücksichtigte in seinem mehr auf Traditionsbezug, weniger auf unbedingte Modernität bedachten Schaffen alle wesentlichen musikalischen Gattungen. International durchgesetzt haben sich unter anderem die Opern «Peter Grimes» (1945) und «Albert Herring» (1946), das «War Requiem» (1962), die Purcell-Variationen (1945), die Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester (1943) sowie Klavier- und Kammermusikwerke.

Broadside: («Breitseite») im Automobilsport eine in schnell und zügig zu befahrenden Kurven angewandte Fahrtechnik. Der Fahrer lässt den Wagen mit Motorkraft nach außen geringfügig weggleiten, damit dieser etwas querliegend durch die Kurve kommt. Die Lenkräder werden dabei nicht eingeschlagen.

Broadway-Theater: Zentrum des US-amerikanischen Geschäftstheaters in New York, mit rund 30 Theatern in der Nähe des Broadways. Siehe auch Off-Broadway-Theater.

Broca, Paul, 28.6.1824-9.7.1880, französischer Chirurg und Anthropologe; Professor in Paris; entdeckte das nach ihm benannt Sprachzentrum im Gehirn.

Brocasches motorisches Sprachzentrum: (nach P. Broca) in der unteren Stirnwindung liegendes Gebiet der Großhirnrinde; beim Rechtshänder in der linken Hemisphäre und umgedreht; regelt die Sprechfähigkeit durch Innervation der zum Sprechen notwendigen Muskeln. Zerstörung führt zur Sprechunfähigkeit, obwohl dieselben Muskeln für andere Funktionen intakt sind (motorische Aphasie).

Broch, Hermann, 1.11.1886-31.5.1951, österreichischer Schriftsteller, seit 1938 Exil in den USA; Hauptproblem seiner durch Wechselergänzung von Wissenschaft und Dichtung gekennzeichneten Erzählkunst ist der «Zerfall der Werte» als ethisch-ästhetisches Krisensymptom spätbürgerlicher Entwicklung (Romantrilogie «Die Schlafwandler», 1931/32; «Der Tod des Vergil», 1945).

Broché: Gewebe mit separat eingewebten Mustern, Figuren u. ä., die wie aufgestickt erscheinen.

Brocken: höchste Erhebung des Harzes; 1142 m; baumfreie Granitkuppe über waldreichen Hochflächen mit hohen Niederschlagsmengen; Wetterwarte, Fernseh-, UKW-Sender, botanischer Garten.

Brockes, Barthold Hinrich, 22.9.1680-16.1.1747, Lyriker und Übersetzer (A. Pope, J. Thomson); steht am Beginn der religiös-philosophischen Naturdichtung der Aufklärung («Irdisches Vergnügen in Gott», 1721/48).

Broederlam, Melchior, niederländischer Maler; nachweisbar 1381/1409 in Ypern, burg- und Hofmaler; von seinen urkundlich belegten Werken sind 2 Altarflügel in Tempera aus der Kartause zu Champmol (Dijon, Museum) erhalten; sie dokumentieren Broederlams Übergang von linearer Auffassung zur Gestaltung aus der Farbe heraus; Broederlam bereitete die Kunst der Brüder van Eyck vor.

Broglie, Louis Victor, Duc de, geboren 15.8.1892, französischer Physiker; arbeitete über Röntgenstrahlung und Quantenphysik; führte 1924 den Begriff der Materiewellen ein.

Broiler: (englisch französisch germanisch) männliche und weibliche Jungmastgeflügel (Hybriden) mit intensivem Wachstum, hohem Fleischertrag und niedrigem Futteraufwand; der Schlachtkörper ist fettarm und besonders leicht verdaulich.

Brokat: (italienisch) schweres, jacquardgemustertes, dekoratives Gewebe aus Seide mit eingewebten oder gestickten Gold- oder Silberfäden.

Brokoff, Ferdinand Maximilian, 12.9.1688-8.3.1731, böhmischer Bildhauer; neben M. B Braun bedeutender Prager Bildhauer des Barock; schuf Figuren für die Karlsbrücke sowie für zahlreiche Paläste und Kirchen in Prag und in Wien.

Brom, (griechisch bromos, «übelriechend») Symbol Br: chemisches Element der Kernladungszahl 35; Halogen; Atommasse 79,904; Wertigkeiten -1, +7, seltener + 5, +3, +1; F -7,3°C, Dichte3, 14 g/cm3; in der Natur als ständiger Begleiter des Chlors (im Meerwasser zum Beispiel 1 Br" auf 300 CI") nur chemisch gebunden; in Salzlagern reichlich vorhanden. Freies Brom, Br2, ist eine intensiv schwarzrote, wenig wasserlösliche Flüssigkeit, die unter Bildung brauner, stechend riechender, chemisch sehr aggressiver Dämpfe rasch verdunstet. Brom zerstört die Haut und verätzt die Atmungsorgane. Es wird aus den Endlaugen der Kaliindustrie gewonnen und zur Herstellung von Beruhigungsmitteln, Treibstoffzusätzen und Farbstoffen verwendet; anorganische Bromverbindungen sind besonders für die Fotoindustrie von Bedeutung. Brom wurde 1826 von dem französischen Chemiker A. J. Balard in Meeresalgen und in der Mutterlauge von Salinen entdeckt.

Brombeere, («Dornstrauch») Rubus: artenreiche Gattung der Rosengewächse; Sträucher mit schwarzen bis schwarzroten, essbaren Sammelsteinfrüchten; kultiviert wird die Sammelart Echte Brombeere (R. fruticosus).

Brombenzol: farblose, wasserunlösliche Flüssigkeit von typischem Geruch; Kp 156,2 °C; Ausgangsstoff für zahlreiche Synthesen.

Bromide: chemische Verbindungen zwischen Brom und einem weiteren Element. Die Bromide der Metalle sind die Salze des Bromwasserstoffs; sie sind kristallisiert und meist wasserlöslich. Schwer löslich sind zum Beispiel die Bromide von Silber und Blei. Nichtmetallbromide sind rasch verdampfende Flüssigkeiten oder Feststoffe.

Bromismus: chronischen Bromidvergiftung; entsteht nach längerer Einnahme größerer Mengen bromidhaltiger Beruhigungsmittel.

Bromme, Karl Rudolf, genannt Brommy, 10.9.1804-9.1.1860, Admiral; 1827/29 Teilnahme am Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken, danach in griechischen Diensten; Admiral der von der Frankfurter Nationalversammlung geschaffenen ersten deutschen Kriegsflotte.

Bromoform, Tribrommethan: chloroformähnliche, schwere Flüssigkeit; CHBr3; F 8°C, Kp 149,6 °C, Dichte 2,89 g/cm3.

Bromöldruck: fotografisches Kopierverfahren zum Herstellen von malerisch wirkenden Lichtbildern. Das Silberbromidbild wird gebleicht, die Gelatine gehärtet und mit Fimisfarbe eingefärbt.

Bromsauerstoffsäuren: sauerstoffhaltige Säuren des Broms. Perbromsäure(nur als Dihydrat bekannt; Salze: Perbromate) Bromsäure (Salze: Bromate), bromige Säure (Bromite); hypobromige Säure(Hypobromite). Die Salze der Bromsauerstoffsäuren zerfallen beim Erhitzen unter Abspaltung von Sauerstoff.

Bromsilberdruck, Kilometerfotografie, Rotationsfotografie-. maschinelles Kopieren fotografischer Negative auf bis zu 1000 m lange, lichtempfindliche Silberbromidpapierbahnen, zum Beispiel für Ansichtskarten.

Bromwasserstoff: farbloses, stechend riechendes Gas; HBr; Kp 66,7 °C; bildet an feuchter Luft weiße Nebel und löst sich leicht in Wasser zu Bromwasserstoffsäure (Salze: Bromide).

Bronchien, Bronchen, Bronchi: die beiden Hauptäste der Luftröhre. Die Bronchien entstehen bei lungenatmenden Wirbeltieren durch gabelartige Teilung der Luftröhre; weitere Aufzweigung in kleinste Bronchien (Bronchiolen, Bronchien) und Alveolengänge mit den Lungenalveolen.

Bronchitis, Bronchialkatarrh: Entzündung der Bronchialschleimhaut mit. schleimigem oder eitrigem Auswurf; die akute Bronchitis tritt meist infolge von Virusinfektionen auf. Bei der chronischen Bronchitis sind neben Infektionen auch Allergene sowie chemische und physikalische Reize ursächlich bedeutungsvoll, zum Beispiel Tabakrauchen.

Bronchographie: Röntgenuntersuchung des Bronchialbaumes nach Auffüllen mit Kontrastmittel.

Bronnen, eigentlich Bronner, Arnolt, 19.8.1895-12.10.1959, österreichischer Schriftsteller, seine widerspruchsreiche Entwicklung von expressionistischen Anfängen (Drama «Vatermord», 1920) über faschistische Tendenzwerke («O. S.», 1929) bis zum aktiven Antifaschismus während und nach dem 2. Weltkrieg (Roman «Aisopos», 1956) ist nachgezeichnet in der Autobiographie «A. Bronnen gibt zu Protokoll (1954).

Brönsted, Johannes Nicolaus, 22.2.1879-17.12.1947, dänischer Physikochemiker; entwickelte die nach ihm benannt Säure-Base-Theorie; arbeitete über Reaktionskinetik und Indikatoren.

Brönstedsche Säure-Base-Theorie: Erweiterung der herkömmlichen Säure-Base-Definitionen; von J. N. Brönsted 1923 in die Chemie eingeführt. Danach bezeichnet man, entsprechend der Beziehung Säure = Base + Proton, als Säure («Brönsted Säure») eine chemische Verbindung, die Protonen abgeben kann (Protonendonator; Dysprotid), und als Base («Brönsted Base») eine solche, die Protonen aufnimmt (Protonenakzeptor, Emprotid). Da freie Protonen in Lösung nicht beständig sind, erfolgt stets eine chemische Umsetzung zweier «korrespondierender» Säure-Base-Paare; siehe auch Säure-Base-Theorie.

Brontosaurus: bis 20 m langer, etwa 301 schwerer pflanzenfressender Dinosaurier mit kleinem Gehirn und zweitem Nervenzentrum im Becken; lebte in Oberjura und Unterkreide.

Bronze: Sammelbezeichnung für kupferreiche Guss- und Knetlegierungen, hauptsächlich Kupfer-Zinn-Legierungen mit 80 bis 94 % Kupfergehalt und Zusätzen von anderen Metallen. Zinnbronze sind chemisch sehr widerstandsfähig und deshalb vielseitig verwendbar; mit Phosphorzusatz werden sie für Lagerschalen verwendet. Als Bronze werden auch andere Kupferlegierungen bezeichnet, wenn sie mindestens 60% Kupfer enthalten und der Zinkanteil andere Legierungszusätze nicht übersteigt, zum Beispiel Aluminiumbronze mit 4 bis 8% Al.

Bronzedruck: a) Druck mit klebriger Unterdruckfarbe, auf die manuell oder maschinell Druckbronzen aufgebracht werden, auch Bronzieren genannt;

b) Druck mit spezieller Bronzedruckfarbe (Anreibung von Druckbronzen). Siehe auch Golddruck.

Bronzekunst: die künstlerische Gestaltung von Bildwerken und Geräten aus Bronze durch Guss oder Treiben. Für den Bronzeguss haben sich 2 Hauptverfahren herausgebildet:

a) vom originalgroßen Gipsmodell wird eine Hohlform angefertigt und mit Bronze ausgegossen;

b) das Bildwerk wird aus Wachs über einem Ton oder Gipskern modelliert, mit einem anliegenden Gussmantel aus Lehm umgeben und die Wachsschicht herausgeschmolzen. Der so entstandene Hohlraum wird ausgegossen (Guss mit «verlorener Form»).

Bronzieren: 1. Bestreichen von Metall-, Glas- oder Porzellangegenständen mit Bronzetinktur, einer Mischung aus schnelltrocknendem Lack und Metallpigmenten. Gahianische Bronzieren in Elektrolyten von Natriumstannat, -zyanokuprat(I) und -zyanid erfolgt unter Verwendung von Kupfer- und Zinnanoden zur Herstellung einer Bronzeschicht.

2. Polygraphie: Bronzedruck.

Bronzino, Angelo, 17.11.1503-23.11.1572, italienischer Maler, einer der Hauptmeister des Florentiner Manierismus. Seine Bildnisse zeichnen sich durch psychologisch treffende Charakterisierung aus.

Broschur: buchbinderisches Produkt aus Bogen oder Blättern, das nach dem Heften oder Klebebinden einen Papier- oder Kartonumschlag erhält. Grundsätzlich unterscheidet man: Blätter-Broschur, bestehend aus einzelnen, meist durch mechanische Hilfsmittel zusammengehaltenen Blättern; Einlagen-Broschur, aus einer Lage bestehend, durch den Rücken geheftet; Mehrlagen-Broschur, aus mehreren, nichtineinandergesteckten Bogen (Lagen) zusammengefugt.

Broschüre: als Broschur gefertigtes Druckprodukt (Verlagserzeugnis).

Brot: zu den Grundnahrungsmitteln zählende Backware aus Getreidemehl (vorwiegend Roggen- und Weizenmehl), Zuguss beziehungsweise Einteigflüssigkeit (vorwiegend Wasser und Milch) und Salz, die mit Hefe oder Sauerteig hergestellt ist. Die Brotherstellung umfasst Teigbereitung, Teigruhe (unter Zunahme des Volumens) und Ausbacken. Bei der Teiglockerung unterscheidet man Sauerteiggärung (bei Roggenmehl) und Hefegärung (bei Weizenmehl). Nach der (entsprechend der Brotart unterschiedlichen) Teiggärung erfolgt das Ausbacken, je nach Brotart bei 100 bis 250°C und einer Dauer von 8 Minuten (Knäckebrot) bis mindestens 16 Stunden (Pumpernickel), im Durchschnitt 40 bis 70 Minuten. Die wichtigsten Standardbrotsorten sind Weizen-, Weizenvollkorn-, Roggenmisch- (Grau-) und Roggenvollkornbrot. Der Energiewert des Brot (858 bis 1088 kJ je 100 g) ist primär vom Gehalt an Trockenmasse, der Mineralstoff- und Vitamingehalt vom Ausmahlungsgrad des Mehles abhängig.

Brotfruchtbaum, Artocarpus communis: bis 15 m hohes, tropisches Maulbeergewächs mit gelappten Blättern und bis zu 2 kg schweren, goldgelben, stärkereichen Früchten, die gekocht, gebacken oder gebraten als Kartoffel- oder Mehlersatz dienen.

Brouwer, Adriaen, 1605 oder 1606-1638 (1.2. begraben), flämischer Maler; seine volkstümlich derben Bauern- und Wirtshausszenen, die sich, angeregt durch P. Bruegel der Ältere, durch lebendige Beobachtung dramatisch bewegter Figurengruppen auszeichnen, verhalfen ihm zum Ruhm des größten Bauernmalers seiner Zeit.

Brown: 1. Charles Brown, 30.6.1827-6.10.1905, britischer Ingenieur; arbeitete auf dem Gebiet des Dampfmaschinenbaus und gründete 1871 in Winterthur die schweizerische Lokomotivfabrik.

2. Freda Brown, geboren 9.6.1919, australische Funktionärin der Frauenbewegung; 1962/75 Präsidentin der Australischen Frauenunion, seit 1975 Präsidentin der IDFF und Vizepräsidentin des Weltfriedensrates.

3. John Brown, 9.5.1800-2.12.1859 (hingerichtet), nordamerikanischer Volksheld; führte seit 1855 in Kansas bewaffnete Aktionen gegen die Sklaverei und half flüchtigen Sklaven. Besetzte am 16.10. 1859 mit 21 Farbigen und Weißen das Bundesarsenal in Harper’s Feny. Seine Tat war Ausdruck der zum Bürgerkrieg führenden revolutionären Krise.

4. Robert Brown, 21.12.1773-10.6.1858, britischer Botaniker; arbeitete unter anderem über Befruchtung und entdeckte den Kern der Pflanzenzelle; siehe auch Brownsche Bewegung.

Browning: 1. Elizabeth Browning, geboren Elizabeth Barrett Moulton-Barrett, 6.3.1806—29.6.1861, englische Dichterin; Frau von Browning 2; schrieb soziale und politische Dichtungen («Der Schrei der Kinder», 1843, «Aurora Leigh», 1856, deutsch) sowie die feinsinnigen «Sonette aus dem Portugiesischen» (1847, deutsch von R. M. Rilke).

2. Robert Browning, 7.5.1812-12.12.1889, englischer Dichter; gestaltete in kritisch-realistischen Gedichten (zumeist dramatische Monologen) in eigenwilligem Stil menschlicher Konflikte und Wahrheitssuche («Männer und Frauen», 1855; «Der Ring und das Buch», 1868/69, deutsch); schrieb ferner das lyrische Drama «Pippa geht vorüber (1841, deutsch).

Brucellen: (nach D. Bruce) gramnegative, deine Stäbchenbakterien, die Brucellosen hervorrufen. Die bedeutendsten Vertreter sind Brucella abortus(Rind), Brucella melitensis (Ziege, Schaf), Brucella suis (Schwein).

Brucellose: (nach D. Bruce) durch Brucellen hervorgerufene Tierseuche, insbesondere bei Wiederkäuern, die auf den Menschen durch Schmierinfektion (Hautwunden), Tröpfcheninfektion (Schleimhäute) und infizierte Nahrungsmittel (Milch, Fleisch) übertragbar ist und wochen- bis monatelanges «Wellenfieber» auslöst. Zu den Brucellose gehören Bangsche Krankheit, Maltafieber und Schweinebrucellose Meldepflicht besteht für die Brucellose des Menschen sowie der Rinder und Schweine.

Bruch: 1. Geographie: Sumpfgebiet mit Baum- und Strauchbeständen im Verlandungsbereich von Seen oder in Senken. Charakteristische Baumarten sind unter anderem Schwarzerle, Esche und Faulbaum.

2. Geologie: Verwerfung.

3. Jagdwesen: abgebrochener grüner Zweig, der

a) dem erfolgreichen Jäger überreicht,

b) dem erlegten Schalenwild als letzter Bissen in den Äser gesteckt wird,

c) zur Verständigung der Jäger untereinander dient.

4. Mathematik: gebrochene Zahl zur Angabe

5. Medizin: Eingeweidebruch, Knochenbruch.

6. Mineralogie: durch mechanische Beanspruchung verursachte Trennung eines Minerals. Bruchflächen sind glatt, eben, uneben, splittrig, muschelig oder hakig. Siehe auch Härte 1; Glanz, Spaltbarkeit.

7. Technik: Werkstofftrennung infolge Überwindung der Kohäsions- oder Adhäsionskräfte durch Überlastung. Nach der Beanspruchungsart unterscheidet man Gewaltbruch bei einmaliger statischer Beanspruchung und Dauer-B. infolge Dauerschwingbeanspruchung. Beim Gewaltbruch unterscheidet man Trennbruch, der senkrecht zur größten Zugspannung entsteht, und Gleitbruch, der in Richtung der größten Schubspannung verläuft. Bei zähen Werkstoffen sind meist beide Bruchanteile vorhanden (Misch-, Verformungsbruch), wobei dem Bruch eine plastische Verformung vorangeht. Die den Bruch einleitenden Vorgänge in atomaren beziehungsweise molekularen Bereichen werden durch die Bruchmechanik beschrieben. Verformungen werden im Kristallgitter durch das Wandern von Versetzungen ermöglicht. Beim Stau von Versetzungen an anderen Gitterfehlstellen und Korngrenzen steigt die Versetzungsdichte stark an, so dass schließlich eine Spaltung des Kristallgitters eintritt.

Bruch, Max, 6.1. 1838-2.10. 1920, Komponist; schuf melodiebetonte Chor- («Lied von der Glocke», 1878) und Instrumentalwerke; sein Violinkonzert g-Moll (1868) wird noch heute viel gespielt.

Bruchband: Bandage mit Pelotte, die bei Eingeweidebrüchen die Bruchpforte verschließt und den Bruchinhalt am Austreten hindert.

Bruchbau: Abbauverfahren, bei dem das Hangende oder die Lagerstätte selbst planmäßig zu Bruch (zusammengebrochener Grubenbau) geworfen werden, um die beim Abbau entstandenen Hohlräume zu verfüllen. Beim Bruchbau der Lagerstätte wird das nutzbare Mineral so weit aufgelockert, dass es im Anschluss daran gefordert werden kann.

Bruchfaltung: Form tektonischer Beanspruchung, bei der Brüche, Falten und Flexuren nebeneinander auftreten (zum Beispiel im Harzvorland).

Bruchgebirge, Bruchschollengebirge, Bruchschollenland, Schollengebirge: durch tektonogenetische Vorgänge konsolidiertes Gebiet der Erdkruste, das bei erneuten tektonischen Bewegungen (Hebung, Senkung) in Schollen zerbrach; zum Beispiel mitteleuropäische Mittelgebirge.

Bruchlinie: Freihand- oder Zickzacklinie in technischen Zeichnungen, die Gegenstände zwecks Platzeinsparung abgebrochen, ausgebrochen oder unterbrochen darstellt.

Bruchlinientheorie: Bautechnik Berechnungsverfahren zur Bestimmung der Bruchlast und der zulässigen Belastung von Platten.

Bruchzähigkeit, Risszähigkeit: in der Bruchmechanik Materialkenngröße zur Charakterisierung des Widerstandes gegen Bruch beziehungsweise katastrophale Rissausbreitung.

Bruchzone: Bereich der Erdkruste, der durch das Auftreten von weiträumigen Brüchen charakterisiert ist.

Brücke: 1. S., Pons: Anatomie - Teil des Hirnstamms zwischen verlängertem Mark (Medulla oblongata) und Mittellim (Mesencephalon); charakteristisches Oberflächenrelief.

2. Bautechnik: Bauwerk zur Überführung von Verkehrswegen (Straße, Bahnkörper, Kanal) oder Rohrleitungen über ein Hindernis (Tal, Fluss, Industriebau unter anderem). Die Brücke besteht aus dem Unterbau (Fundament, Widerlager, Pfeiler), dem Auflager und dem Überbau (Tragwerk und so weiter). Nach dem Baustoff unterscheidet man Holz-, Massivbrücke (Stein, Beton, Stahl- und Spannbeton) und Stahlbrücke nach dem statischen System Trägerbrücke als Balken-, Einfeld- (eine Öffnung) und Mehrfeldbalkenbrücke (mehrere Öffnungen), Bogenbrücke mit oder ohne Gelenke als Stabbogenbrücke (Kombination zwischen Balken- und Bogenbrücke), Rahmenbrücke, Ausleger- oder Kragbrücke, Hängewerks- und Sprengwerksbrücke (Hängewerk, Sprengwerk), Schrägseilbrücke, Hängebrücke, bei denen die Fahrbahn mit Hängestäben an den zwischen Pylonen gespannten und in Fundamentblöcken verankerten Hängegurten aus Gliederketten (Kettenbrücke), Drahtseilen (Drahtseilbrücke) oder Drahtkabel (Kabelbrücke) befestigt ist. Bewegliche B, als Zug-, Dreh-, Klapp- oder Baskül-, Hub-, Roll- oder Schiebebrücke haben einen beweglichen Überbau. Sonderarten sind Rohrleitungsbrücke im Industriebau, Kanalbrücke (Trogbrücke) zur Überführung eines Kanals über einen Fluss, Förderbrücke im Tagebau, Schwimmbrücke als Behelfsbrücke, auch für militärische Zwecke (Pontonbrücke). Die Errichtung der Brückentragwerke erfolgt auf Lehrgerüsten, im Freivorbau oder durch Einschwimmen nach vorheriger Montage.

3. Elektrotechnik: a) leitende (lösbare) Verbindung zwischen 2 Punkten elektrischer Stromkreise oder Anschlüssen;

b) Brückenschaltung.

4. Ringen: letzte Verteidigungsstellung eines Ringers zur Vermeidung einer Schulterniederlage; der Körper wird durch Kopf und Füße gestützt, der Rücken ist der Matte zugewandt.

5. Schiffbau: Aufbau im Mittelteil eines Schiffes; umfasst Wohnräume und vom oben die Kommandobrücke. Das Brückenhaus ist ein Deckshaus auf dem obersten Aufbaudeck, das sich im Unterschied zur Brücke nicht über die gesamte Schiffsbreite erstreckt.

6. Stomatologie: festsitzender, eine Zahnlücke überbrückender Ersatz. Die Brücke wird an den die Lücken begrenzenden Zähnen oder geeigneten Wurzeln durch Überkronen befestigt.

Brückenechse, Tuatara, Sphenodon punctatus: einzige rezente Art der in der Kreide weit verbreiteten Ordnung der Schnabelköpfe (Rhynchocephalia). Die Brückenechse ist bis 65 cm lang, hat einen kleinen Rückenstachelkamm; eine anatomische Besonderheit sind zum Beispiel die freien Bauchrippen; sie lebt nur auf einigen kleinen Inseln Neuseelands und ist vom Aussterben bedroht.

Brückenkopf: Verteidigungsstellung, die auf den vom Gegner besetzten Ufern eines Gewässers errichtet wird.

Brückenlegegerät: Rad- oder Kettenfahrzeug (Basisfahrzeug) mit ausfahr- oder ausklappbarer, meist ablegbarer Spurbahnbrücke; Brückenlegepanzer eignen sich für schmale Hindernisse (10 bis 20 m) Durch Kombination mehrerer (maximal 3) Spur bahnbrücken sind Hindernisse bis 50 m Längs überbrückbar.

Brückenschaltung, Messbrücke, Brücke: elektrische Schaltung zur (genauen) Messung elektrischer Wirkung Blindwiderstände und der Verlustwinkel vor Scheinwiderständen. Bei abgeglichener Brückenschaltung ist dii Spannung zwischen den Punkten A und B Null (Nullverfahren) und das Verhältnis der Scheinwiderstände. Brückenschaltung können mit Gleichspannung (Wheatstone-Brückenschaltung für Wirkwiderstände) oder Wechsel Spannung betrieben werden (Wien-Brückenschaltung für Kapazitäten, Maxwell-Brückenschaltung für Induktivität, Schering-Brückenschaltung für Verlustwinkel von Kapazitäten). Brückenschaltung werden häufig verwendet, da die Vergleichswiderstände genau her zustellen sind und kein kalibriertes Messinstrument benötigt wird (der Nullindikator ist ein empfindliches Spannungsmessgerät).

Bruckner: 1. Anton Bruckner, 4.9. 1824-11.10. 1896 österreichischer Komponist; zuerst Lehrer, seit 1856 Organist in Linz; wurde 1868 nach Wien berufen, w< er als Hofkapellorganist und Theorielehrer am Konservatorium, seit 1875 an der Universität wirkte. Bruckner schuf klangprächtige katholischer Kirchenmusik (3 Messen, Te Deum, 150. Psalm, Chöre unter anderem), ein Streichquintett, Klavier- und Orgelmusik und vor allen 9 Sinfonien (9. unvollendet) mit einer (gegenüber dem Vorbild Beethoven) stark geweiteten Form, die mächtige melodische und rhythmische Energien, volkstümliche Musizierfreude und kontrapunktische Verwobenheit, klassische Satzkunst und Wagners Klangfülle in sich vereinen. Bruckner ist (gegenüber Beethoven und Brahms) infolge einer gewissen ideologisch-ästhetischen Begrenzung historisch nicht eigentlich vorwärtsweisend.

2. Ferdinand Bruckner, eigentlich Theodor Tagger, 26.8.1891-5.12.1958, österreichischer Schriftsteller; 1933/51 im Exil; mit tiefenpsychologische Entlarvungstechnik arbeitender Verfasser von Zeitstücken (unter anderem «Krankheit der Jugend», 1926) und Geschichtsdramen (unter anderem «Elisabeth von England», 1930); das Schauspiel «Die Rassen» (1933) war eines der ersten und wirksamsten Dramen der antifaschistischen Literatur.

3. Karl Bruckner, geboren 9.1.1906, österreichischer Schriftsteller; verfasste mehrfach übersetzte und dramatisierte Jugendbücher von ausgeprägt humanistische und sozialkritischen Tendenz, unter anderem «Pablo, der Indio» (1949, dramatisiert 1951), «Sadako will leben!» (1961, dramatisiert 1963).

Brückner, Eduard, 29.7.1862-20.5.1927, Geograph und Meteorologe; erforschte Klimaänderungen und Vergletscherungen; verfasste zusammen mit A. Penck grundlegende Arbeiten über das Eiszeitproblem der Alpen; stellte die sogenannte Brücknersche Periode auf (Hypothese über Klimaschwankungen im 35jährigen Rhythmus).

Breughel, Bruegel, Brueghel, niederländische Malerfamilie: 1. Jan der Ältere («Blumen-» oder «Sammet-Breughel»), 1568-12. 1. 1625, Sohn von Breughel 3; schuf kleinformatige Landschaftsbilder und Blumenstillleben von außergewöhnliche Detailtreue.

2. Jan der Jüngere Bruegel, 13.9.1601-1.9.1678, Sohn von Breughel 1; Landschafts-, Blumen- und Tiermaler im Stile seines Vaters.

3. Pieter A. Bruegel(«Bauern-Breughel»), um 1525-15.9.1569. Im Mittelpunkt seiner Landschaften, didaktische und moralistische Darstellungen steht die Welt der Bauern und des schaffenden und kämpfenden Volkes seiner Zeit. Breughels Werk zeugt von großem Erfindungsreichtum, Sinn für Humor und drastische Komik, dem Wissen um Tiefen und Höhen des menschlichen Lebens und echtem, unmittelbarem Naturgefühl.

4. Pieter der Jüngere Bruegel, um 1565-um 1637/38, Sohn von Breughel 3; nach seinen Spuk- und Branddarstellungen «Höllen-Breughel» genannt, hauptsächlich als Kopist seines Vaters bekannt.

Brügge, niederländisch Brügge: Stadt im Westen Belgiens, Verwaltungszentrum der Provinz West Vlaanderen; 120000 Einwohner; elektrotechnischer, Baustoff-, Textil- und Möbelindustrie; Spitzenklöppelei; Verkehrsknoten, Kanäle nach Zeebrügge und Ostende für Küstenschiffe befahrbar; Fremdenverkehr; Europakolleg, Museen; seit 1431 Wirkungsstätte des Malers Jan van Eyck. Mittelalterliche Altstadt mit den Backsteinbauten der Kathedrale St. Salvator und Liebfrauenkirche, gotisches Rathaus, Kaufhallen, Beifried, Beginenhof, Justizpalast unter anderem sowie malerische Grachten. Im 7. Jahrhundert erstmals erwähnt, wurde 1093 Residenz der Grafen von Flandern; im 13./15. Jahrhundert wichtiger Handels- und Stapelplatz der Hanse. Mit der Mitte des 15. Jahrhundert einsetzenden Versandung des Hafens verlor Brügge seine Bedeutung, es wurde von Gent und Antwerpen überflügelt.

Brugmann, Friedrich Karl, 16.3.1849-29.6.1919, Sprachwissenschaftler; Mitbegründer der junggrammatische Richtung, deren Zentrum die Leipziger Universität war.

Brugsch: 1. Heinrich Karl Brugsch, 18.2.1827-9.9. 1895, Ägyptologe; begründete 1864 die erste ägyptologische Fachzeitschrift.

2. Theodor Brugsch, 11.10.1878-11.7.1963, Internist; Professor in Halle und Berlin; Sohn von Brugsch 1; arbeitete über Diätetik, klinische Untersuchungsmethoden und Laboratoriumstechnik sowie über Stoffwechsel-, Herz- und Kreislauferkrankungen. Gemeinsam mit seinem Lehrer F. Kraus hat er die Konstitutionslehre durch die Hervorhebung des Individuellen bereichert. Er trug entscheidend zur Wiedereröffnung der Humboldt-Universität bei. Aktiver Kämpfer der Friedensbewegung. Autobiographie «Arzt seit fünf Jahrzehnten» (1957).

Brühl, Heinrich Reichsgraf von, 13.8.1700-28.10.1763, kursächsischer Staatsmann; Premierminister seit 1746. Brühls ehrgeizige politische Pläne, die in eine durch Verschwendung und Korruption charakterisierte Politik führten, endeten in einer Krise und mit seiner Entlassung aus fast allen politischen Ämtern 1763.

Brühlpelz: größter VEB der Pelzindustrie der DDR (Betrieb des VEB Kombinat Kunstleder und Pelzverarbeitung Leipzig), entstanden durch Zusammenschluss von Rauchwarenveredlungs- und Konfektionsbetrieben im Raum Leipzig; Leitbetrieb für die Pelzkonfektion der DDR und damit Zentrum der sozialistischen Pelzindustrie.

Brüllaffen, Alouatta: Gattung südamerikanischer Rollschwanzaffen mit blasenartigem Zungenbein und vergrößertem Schildknorpel des Kehlkopfes in der vorgewölbten Kehle, die ihr Revier durch lautstarkes Gebrüll markieren. Der Rote Brüllaffen (A. seniculus) lebt in den Urwäldern im Norden Südamerikas. Siehe auch Rollschwanzaffen.

Brüllerkrankheit, Nymphomanie (griechisch), Stiersucht: Auftreten einer Dauerbrunst, die durch Zystenbildung am Eierstock bedingt ist. Die Tiere zeigen gesteigerten Geschlechtstrieb, Unruhe und Lautäußerungen. Brüllerkrankheit ist bei Kühen und Stuten zu beobachten.

Brummspannung: Störspannung in elektronischen Geräten, die von der Netzspannung des Wechselstromnetzes hervorgerufen wird und Spektralanteile der Harmonischen der Netzfrequenz aufweist; in Tonverstärkern verursacht die Brummspannung einen charakteristischen Brummton.

Brunei, Staat Brunei Darussalam-. absolute Monarchie (Sultanat) in Südostasien, an der Nordwestküste der Insel Kalimantan; grenzt im Osten, Süden und Westen an den ostmalaysische Bundesstaat Sarawak und im Norden an das Südchinesische Meer; verwaltungsmäßig in 4 Distrikte gegliedert. Die Bevölkerung besteht zu über 60% aus Malaien, fast 30% Chinesen und Ureinwohnern (Iban und Dayak) unter anderem; Amtssprache ist Malaiisch, Verkehrssprache ist Englisch. Währung ist der Brunei-Dollar. Breite Schwemmlandküste mit Mangroven, im Landesinneren gebirgig und im Osten bis 1900 m (Tagonberge), im Westen bis 400 m ansteigend. Es herrscht feuchtheißes Tropenklima. Zwei Drittel der Landesfläche sind mit tropischem Regenwald bedeckt. Grundlage der einseitig entwickelten Wirtschaft ist die Nutzung reicher Erdöl- und Erdgaslagerstätten durch britisches (Royal Dutch/ Shell-Konzern) und japanisches (Mitsubishi-Konzern) Kapital. Erdöl und -gas sowie deren Verarbeitungsprodukte erbringen etwa 95% des Exporterlöses des Landes. Erdölförderung auf den Feldern von Seria sowie etwa zur Hälfte aus untermeerischen Vorkommen bis 30 km vor der Küste. Es gibt eine landeseigene Raffinerie; seit 1970 in Lumut eine bedeutende Gasverflüssigungsanlage (Gemeinschaftsunternehmen: 45% Shell, 45% Mitsubishi, 10% Brunei), eine Papierfabrik und ein Glaswerk. Es besteht eine Rohölleitung nach Lutong (Sarawak). Die gering entwickelte Landwirtschaft liefert Reis, Sago, Kautschuk, Tabak und Kaffee, wobei Sago und Kautschuk auch exportiert werden. Einfuhr von Reis, Erdöl- und Erdgasausrüstungen. Brunei beherrschte im 16. Jahrhundert große Teile Nordkalimantans und des Sulu-Archipels. Sein Einfluss wurde durch den europäischen Kolonialismus schrittweise zurückgedrängt (1888 britisches Protektorat). Im 2. Weltkrieg war Brunei von den Japanern besetzt. Brunei erhielt 1959 von Großbritannien die beschränkte und 1971 die volle innere Autonomie. Seit 1984 ist Brunei staatlich selbständig.

Brunei, Isambard Kingdom, 9.4.1806-15.9.1859, britischer Schiffbauingenieur; projektierte und konstruierte die damals größten Dampfschiffe, zum Beispiel «Great Western», einen hölzernen Raddampfer (1837), «Great Britain», ein eisernes Schraubenschiff (1843), und 1857 «Great Eastern», das damals größte Schiff mit 207 m Länge, Schrauben- und Radantrieb, Doppelboden.

Brunft: (althochdeutsch, «brummen») Begattungstrieb und -zeit bei Schalenwild außer Schwarzwild; bei Rehwild Ende Juli/Anfang August, bei Rotwild Ende August bis Mitte Oktober, bei Damwild Oktober, bei Muffelwild November, bei Gamswild November/Dezember, bei Schwarzwild (Rauschzeit genannt) November/Januar.

Brunhild: 1. Brunhild, Brünhilt, in der Nibelungensage Königin von Island, wird von Siegfried mit Hilfe der Tarnkappe für Günther bezwungen und Frau des Burgunderkönigs; veranlasst später aus Rache Siegfrieds Ermordung.

2. Brunhild, nördlich Brynhildr, in der nordgermanischen Sage eine Walküre, die von Sigurd aus dem Zauberschlaf geweckt wird.

Brunhilde, Brunichilde, gestorben 613, westgotische Königstochter; nach dem Tod ihres Gemahls, König Sigeberts von Austrasien (575), faktisch Regentin. Brunhilde versuchte um 600, die Stellung des Königtums gegen den erstarkenden Adel wieder zu festigen, unterlag aber und wurde getötet.

Brunnen: Anlage zur Fassung von Grundwasser für die Wasserversorgung oder zur Grundwasserabsenkung. Der Schachtbrunnen (Senkbrunnen) besteht aus Stahlbeton oder Mauerwerk und hat einen Durchmesser bis etwa 4 m. Der Schacht wird mit dem Aushub in wasserführende Schichten abgesenkt. Das gefasste Wasser wird durch Kreisel- oder Kolbenpumpen gehoben. Der Bohrbrunnen wird durch Abteufen von Bohrrohren auf die erforderliche Tiefe und Einbau des Brunnenrohrs hergestellt. Das Rohrende ist durchbrochen und wird als Brunnenfilter bezeichnet. Dieses Filterrohr ist oft noch von abgestuften Kiespackungen (Kiesschüttungsfilter) umgeben. Der Horizontalfilterbrunnen ist ein Schachtbrunnen, von dessen Sohle Filterrohre mit aufgesetztem Spülkopf strahlenförmig horizontal im Grundwasserträger vorgetrieben werden. Rammbrunnen Abessinierbrunnen. Beim Schöpfbrunnen, einem Flachbrunnen, wird das Wasser mit Schöpfkübel und Rollenwinde gehoben, zum Teil auch mit einer Handpumpe gefördert. Der Artes. Brunnen, nach einer Bauart der französischen Grafschaft Artois benannt, wird von gespanntem Grundwasser gespeist, das nach dem Anbohren unter natürlichen Druck zutage tritt. Die künstlerische Gestaltung der öffentlichen Brunnenanlagen ist eng verbunden mit der Entwicklung der Städte, die vor allem seit Beginn der Neuzeit oftmals hervorragenden Bildhauern die repräsentative Ausschmückung ihrer Hauptbrunnen übertrugen. Die Brunnenkunst erreichte einen ersten Höhepunkt bei den Römern, deren Tradition besonders von der islamischen Kunst weitergeführt wurde. Einen neuen Aufschwung nahm die kunstvolle Brunnengestaltung seit dem späten Mittelalter (Italien), in der Renaissance und ganz besonders im Barock. Gegenwärtig erlangen Brunnen wieder steigende Bedeutung in der sozialistischen Architektur und Städtegestaltung.

Brunnenfeldsystem: ein von Mengzi (372-289 vor Christus) beschriebenes Prinzip der altchinesischen Agrarordnung, das ein bestimmtes System der Dorfgemeinschaft widerspiegelt. Danach waren die Dorfmarken in 8 Teile «Privatland» (Sitian) und einen Teil «öffentliches Land» (Gongtian) eingeteilt, wobei das Gongtian zugunsten der Aristokratie bestellt werden musste.

Brunnenkresse, Nasturtium officinale: krautiger Kreuzblütler mit weißen Blüten, hohlem Stengel und bis zum Herbst grün bleibenden Blättern; in kühlen, sauberen Gewässern, wie Bächen, Gräben oder Quellen vorkommend. Als Salatpflanze auch kultiviert.

Brunnenlebermoos, Marchantia polymorpha: lappig-bandförmiges Lebermoos mit schüsselförmigen Brutbechern, in denen Brutkörperchen gebildet werden, die der ungeschlechtlichen Vermehrung dienen; schirmförmige Antheridien- und Archegonienstände; häufig auf feuchter Erde, an Mauern, Felsen, Bachläufen und in Brunnen; früher gegen Leberleiden angewandt.

Brunst, (zu «brennen») Östrus: bei vielen Säugetieren periodisch auftretender Zustand (Brunstzeit) geschlechtliche Erregung, der hormonal gesteuert wird und beim weiblichen Tier der Zeit der Befruchtungsfähigkeit entspricht. Beim Rind bezeichnet man die Brunst als Rindern oder Stieren, beim Pferd als Rossen, beim Schwein als Bärigsein oder Rausche, bei Schaf, Ziege und Kaninchen als Bocken, beim Hund als Heiß- oder Läufig sein, bei Raubwild und Dachs als Ranz und beim Schalenwild als Brunft.

Brunstsynchronisation: Verfahren zur Gleichschaltung des Zeitpunktes der Brunst bei weiblichen Tieren. Dadurch können die Besamung, die Geburt unter anderem mit der Fortpflanzung verbundene Arbeitsgänge in Großbeständen (vor allem bei Rindern, Schweinen und Schafen) weitestgehend synchron und planmäßig ablaufen.

Brun von Köln, 925-11.10. 965, Erzbischof von Köln und Herzog von Lothringen seit 953; Bruder Ottos I. und dessen einflussreichster Ratgeber; der Kölner Kleriker Ruotger verfasste seine Lebensbeschreibung, die «Vita Brunonis».

Brust: zwischen Hals und Abdomen gelegener Rumpfabschnitt; die Grundlage bildet der knöcherne Brustkorb, mit dem die vorderen beziehungsweise oberen Gliedmaßen gelenkig verbunden sind.

Brustbein, Sternum: unpaarer, aus mehreren Teilen entstandener Knochen zur Befestigung des Schlüsselbeines und der oberen Rippen; bildet den vorderen Abschluss des Brustkorbes.

Brustdrüsenentzündung, Mastitis: fast ausschließlich nach einer Entbindung während der Stillzeit auftretende, durch Infektion verursachte Entzündung der Milchdrüse; kann bis zur Abszessbildung führen.

Brüste, Mammae: symmetrischer, bei einigen Säugetieren auf der Brustmuskelhaut verschieblich gelegene halbkuglige Vorwölbungen; enthalten bei der geschlechtsreifen Frau die Milchdrüsen.

Brustfell, Pleura: spiegelglatte und glänzende Auskleidung der Brusthöhle (Rippenfell) und Überkleidung der Lungen (Lungenfell). Beide Teile beziehungsweise Blätter umschließen einen mit Flüssigkeit gefüllten Spaltraum (Pleurahöhle).

Brustfellentzündung, Rippenfellentzündung, Pleuritis (griechisch): symptomatische Entzündung des Rippenfells bei anderen Grunderkrankungen; verbunden mit Ausschwitzung von Fibrin (trockene Brustfellentzündung) oder eiweiß-, blut- oder lipidhaltiger Flüssigkeit (feuchte Brustfellentzündung) in die Brusthöhle, zum Beispiel bei Lungenentzündung, Tuberkulose und Geschwülsten.

Brusthöhendurchmesser: Durchmesser eines Baumes in 1,3 m Höhe (Brusthöhe) über dem Erdboden. Der Brusthöhendurchmesser wird zur Holzvolumenberechnung gemessen.

Brusthöhle: der vom Brustkorb umschlossene, gegen die Bauchhöhle durch das Zwerchfell begrenzte Raum.

Brustkorb, Thorax: der Herz und Lungen einschließende, von Brustwirbeln, Rippen, Brustbein, Knorpel und Bändern gebildete vordere (obere) Abschnitt des Rumpfes bei höheren Wirbeltieren.

Brustmuskeln: dem vorderen und seitlichen Teil des Brustkorbes anliegende Muskeln zur Bewegung des Schultergürtels und der oberen beziehungsweise vorderen Gliedmaßen sowie der Rippen bei der Atmung.

Brustschwimmen: langsamste Sportschwimmart; Brustlage, symmetrisch koordinierte Arm- und Beinführung (Grätschschlag).

Bruststimme: nach der Lage des Resonanzraumes bezeichnetes Stimmregister, bei dem die Stimmlippen im ganzen schwingen; voller, breiter, tiefer und dunkler Klang.

Brusttee, Species pectorales: Drogenmischung gegen Bronchialkatarrh; enthält häufig Eibischwurzel, Süßholz und Huflattichblätter.

Brustwarze, Mamilla: kleiner kegelförmiger Vorsprung an der Oberfläche der Brüste mit Ausmündung der Milchgänge. Brustwarzen sind beim Menschen ebenso wie ein sie umgebender kreisrunder Hof stark pigmentiert. Siehe auch Zitze.

Brut: 1. aus den abgelegten Eiern schlüpfende Nachkommenschaft, besonders bei Vögeln, Fischen und Insekten.

2. Schaumwein.

Brutblatt, Bryophyllum: Gattung der Dickblattgewächse aus Madagaskar, an deren Blatträndern sich Brutknospen bilden, die der vegetativen Vermehrung dienen und bereits auf der Mutterpflanze kleine Pflänzchen hervorbringen. Vielfach als Zierpflanze kultiviert.

Brüten: bei Vögeln übliche Brutpflegehandlung, die im Erwärmen der Eier (36 bis 41°C) bis zum Schlüpfen der Jungvögel besteht und je nach Vogelart 10 bis über 50 Tage dauert.

Brüterei, Brutanstalt: Spezialbetrieb beziehungsweise -abteilung der Geflügelzucht- und Vermehrungsbetriebe, wo die Eier in meist elektrisch beheizten Brutapparaten künstlich bebrütet und die Küken in Batterien oder besonderen Kartons bis zum Versand oder Versetzen in die Aufzuchtställe gehalten werden.

Brutfleck: federlose, stark durchblutete Stelle an der Körperunterseite brütender Vögel zur besseren Übertragung der Körperwärme auf die Eier.

Brütigkeit: erblich bedingte Eigenschaft des Geflügels, die Eier mittels Körperwärme auszubrüten. Brütigkeit ist bei Hausgeflügelarten unerwünscht und wurde weggezüchtet.

Brutknospen: 1. Brutknospen Bulbillen: Botanik - in Blattachseln oder im Blütenstand entstehende Knospen, die abfallen und neue Pflanzen bilden; zwiebelartige Brutknospen werden als Brutzwiebeln bezeichnet.

2. Zoologie: der ungeschlechtlichen Fortpflanzung dienende mehrzellige Gebilde, die ungünstige Lebensbedingungen durch Ausbildung fester Hüllen überstehen, zum Beispiel Gemmulae der Schwämme, Statoblasten der Moostierchen.

Brutparasitismus: Ausnutzung des Brutpflegeverhaltens einer Wirtstierart und Schädigung ihrer Brut zugunsten der Nachkommen der parasitären Art, zum Beispiel Kuckuck, manche Insekten.

Bruttasche-Brutsack, Aufbewahrungsraum für Eier oder Jungtiere an der Körperoberfläche mancher Tiere.

brutto, Abkürzung btto.: roh, ohne Abzug (gerechnet), mit Verpackung (gewogen).

Bruttofinanzierung: Form der Finanzierung der Ausgaben der staatlichen Einrichtungen und Verwaltungen aus dem Staatshaushalt; in der DDR unabhängig von den erzielten Einnahmen, die ohne Aufrechnung mit den Ausgaben an den Staatshaushalt abgeführt werden.

Bruttoformel, chemische Formel, brutto für netto: Vertragsklausel, wonach sich der berechnete Preis auf die Bruttomasse bezieht.

Bruttoprodukt: Nettoprodukt plus Produktionsverbrauch; volkswirtschaftlich als gesellschaftliches Bruttoprodukt so viel wie gesellschaftliches Gesamtprodukt.

Bruttoproduktion: Wertausdruck des Gesamtergebnisses der Produktionstätigkeit für die Gesellschaft unabhängig vom Fertigstellungsgrad der Erzeugnisse.

Bruttoproduktivität: Kennziffer zur Messung des Niveaus und der Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Bei der Bruttoproduktivität wird die Bruttoproduktion zu unverändert. Planpreisen dem Verbrauch an lebendiger Arbeit, ausgedrückt im Arbeitszeitaufwand, gegenübergestellt.

Bruttowert: Anschaffungswert beziehungsweise (nach erfolgter Umbewertung) Wiederbeschaffungswert von Grundmitteln. Der Bruttowert bildet die Basis der Abschreibungen.

Brutus, Dennis, geboren 1924, südafrikanischer Lyriker; Hochschullehrer; lebt im Exil (USA), Kämpfer gegen Apartheid; schrieb «Briefe an Martha und andere Gedichte aus einem südafrikanischen Gefängnis» (1969).

Brutus: 1. Lucius Iunius, legendärer Begründer der römischen Republik 509 vor Christus.

2. Marcus Iunius, 85-42 vor Christus (Selbsttötung), römischer Politiker; anfangs Parteigänger Cäsars, beteiligte er sich danach im Interesse der Aufrechterhaltung der Herrschaft des Senats an der Verschwörung gegen Cäsar. Brutus wurde 42 bei Philippi von Antonius und Octavianus geschlagen.

Bruyereholz: für Tabakpfeifen verwendetes, schwer brennbares rötliches Wurzelholz der Baumheide (Erica arborea), eines Heidekrautgewächses von 3 bis 5 m Wuchshöhe aus dem Mittelmeergebiet.

Bruyn: 1. Barthel, 1493-1555, niederrheinischer Maler; schuf hervorragende Bildnisse Kölner Patrizier sowie religiöse Gemälde unter niederländischen Einfluss.

Bruzin: (nach einem schottischen Forscher) Strychnin ähnliches, krampferregendes Alkaloid aus den Samen der Brechnuss unter anderem Strychnos-Arten; bildet farblose Kristalle; F 178°C.

Bryan, William Jennings, 19.3.1860—26.7.1925, US-amerikanischer Politiker; Führer der antimonopolistischen Volksbewegung (Populisten), 1913/15 Außenminister, trat als Kriegsgegner zurück.

Bryaxis, griechischer Bildhauer der 2. Hälfte des 4. Jahrhundert vor Christus, aus Karien; berühmt war das von ihm geschaffene Sitzbild des Serapis von Alexandria, überliefert sind ferner Skulpturen am Mausoleum von Halikamassos.

Bryl, Janka (Iwan), geboren 4.8.1917, belorussisch-sowjetischer Schriftsteller; trat mit psychologisch dichten Erzählungen und Romanen («Vögel und Nester», 1963, deutsch) sowie mit lyrisch gefärbten Prosaminiaturen («Der Brotkanten», russische Sammlung, 1977) hervor.

Bryll, Ernest, geboren 1.3.1935, polnischer Lyriker, Romancier und Dramatiker; wurde durch Gedichtbände (unter anderem «Angewandte Kunst», 1966) bekannt, griff nationalgeschichtliche Stoffe in kritischer Sicht auf (unter anderem in den Dramen «Novemberereignis», 1968; «Kurdesz», 1969); versuchte unter anderem in «Auf Glas gemalt» (1970) Folkloristisches mit der Form des Musicals zu verbinden.

Brzeg: Stadt in Polen (Wojewodschaft Opole), an der Oder; 36000 Einwohner; Motoren-, Maschinenbau, Nahrungsmittel-, Lederindustrie; Piastenburg (14. Jahrhundert; Museum), Rathaus unter anderem Bauwerke.

BTX-Aromaten: in der Technik übliche Bezeichnung für Benzol, Toluol und Xylol.

Bubikopf: knabenhafte Damenfrisur mit kurz geschnittenem Haar, etwa zwischen 1920 und 1930 in Mode.

Bubo: (griechisch; PI. Bubonen) entzündliche Schwellung der Lymphknoten, besonders in den Leisten, bei Geschlechtskrankheiten, Pest und Hauterkrankungen.

Bucchero-Vasen: nach der für Herstellung verwendeten Tonerde benannt, schwarz durchgefärbte Keramik, oft mit polierter Oberfläche; vor allem vom 7./5. Jahrhundert vor Christus in Etrurien hergestellt. Bucchero-Vasen weisen anfangs Ritzmuster, dann eingepresste Ornamentik und plastisch-figürlichen Schmuck auf.

Buch: (zu «Buche») 1. durch Heftung zusammengefasste größere Anzahl von beschriebenen oder bedruckten Papierblättern (oder Bogen, Lagen), in eine Einbanddecke eingefügt (gebunden); Broschur. Ältere Formen sind die babylonischen Tontafel und die Papyrusrolle des Altertums, die seit dem 1. Jahrhundert durch den Pergament-, später Papiercodex verdrängt wurden. Mit der Erfindung des Buchdrucks (Druckverfahren) entstand das neuzeitliche, gedruckte Buch als Massenartikel mit größter Verbreitungsmöglichkeit.

2. Zähleinheit für Papier; 1 Buch = 100 Bogen.

Buchbinderei: selbständiger oder einer Druckerei angeschlossener Produktionssektor der graphischen Industrie, in dem die bedruckten Bogen zu Einbänden (Büchern) oder Broschüren weiterverarbeitet werden.

Buchblock: der aus einzelnen Bogen oder Blättern bestehende, geheftete oder klebegebundene, beschnittene und vorbereitete Buchteil, der mit der Buchdecke verbunden wird.

Buchdecke: der aus 2 Pappendeckeln und Rückeneinlage bestehende, mit Papier, Gewebe oder anderem überzogene und dadurch verbundene Buchteil, der den Buchblock umgibt, schützt und verziert; Plastbuchdecke werden häufig aus einem einzigen Stück gearbeitet.

Buch der Lieder: älteste Sammlung chinesischer Poesie aus dem 11./6. Jahrhundert vor Christus, enthält mehr als 300 Arbeits-, Tanz-, Liebeslieder und aristokratische Lob- und Festgesänge. Die Form der 4silbigen Verszeile wird zum Teil noch heute in der Volksdichtung verwendet.

Buchdrama, Lesedrama: dramatische Werk, das nicht für Aufführungen konzipiert ist, theatralische Möglichkeiten bewusst vernachlässigt und dessen Ideengehalt nicht oder nur bedingt durch das Theater erschließbar ist; besonders im 19. Jahrhundert verbreitet; oft Ausdruck der gestörten Beziehung von Literatur und Theater.

Buchdrucker, Ips typographus: rindenbrütender Borkenkäfer; befällt meist kränkelnde Fichten, bei Massenauftreten an gesunden Fichten schädlich. Siehe auch Borkenkäfer.

Buchenfarn, Phegopteris connectilis: kalkmeidender Waldfarn mit behaarten Wedeln, deren unteres Fiederpaar abwärts gerichtet ist.

Buchengewächse, Becherfrüchtler, Fagaceae: Familie einhäusiger windblütiger Laubbäume besonders der nördlichen Erdhalbkugel; Früchte (zum Beispiel Bucheckern) von einem oft stacheligen Fruchtbecher umgeben. Hierzu die waldbildende Rotbuche (Fagus sylvatica) mit einer beliebten, rotblättrigen Mutation, der Blutbuche. Siehe auch Eiche, Kastanie 1.

Bücherverbrennung: am 10. 5. 1933 von den Faschisten in Berlin unter anderem Universitätsstädten organisierte öffentliche Verbrennung von Werken der Klassiker des Marxismus-Leninismus, von Führern der Arbeiterbewegung sowie der deutschen National- und der Weltliteratur.

Buchformat: Polygraphie aus dem Formatbogen oder (beim Rollendruck) aus Papierbahnbreite und Abschnittlänge nach Falzen und Beschneiden sich ergebende Buchgröße, angegeben in Breite mal Höhe (in Millimetern), in Bibliotheken in Höhe mal Breite.

Buchführung: vorwiegend wertmäßige, lückenlose Gesamtabrechnung der ökonomischen Vorgänge und Erscheinungen in den Betrieben und Einrichtungen; wichtige Methode der Rechnungsführung und Statistik in den Betrieben, Kombinaten und Einrichtungen. Bei der doppelten Buchführung (Doppik) als Buchführungsmethode wird jeder ökonomische Vorgang entsprechend seinen Auswirkungen auf die betrieblichen Fonds mindestens auf zwei Konten (das heißt doppelt) nachgewiesen, da die Doppik auf der buchhalterische Bilanz basiert. Die doppelte Buchführung ist verbindlich in allen Zweigen der volkseigenen Wirtschaft der DDR anzuwenden. Bei einfacher Buchführung wird ein Vorgang nur durch eine Eintragung in einem Konto erfasst; einfache Buchführung wird zum Beispiel in den staatlichen Organen und Einrichtungen zum Nachweis der Haushalteinnahmen und -ausgaben angewandt.

Buchführungspflicht: Pflicht zur geordneten und lückenlosen Aufzeichnung der ökonomischen Vorgänge des betrieblichen Reproduktionsprozesses (Buchführung). Die Buchführungspflicht ist zur Durchsetzung der wirtschaftlichen Rechnungsführung in den Vorschriften über die Rechnungsführung und Statistik und unter steuerrechtlichen Gesichtspunkten insbesondere in der Abgabenordnung geregelt.

Buchgemeinschaften, Buchklubs: Unternehmungen, die Bücher im Abonnementsbezug zu niedrigen Preisen und anderen Vergünstigungen anbieten und vertreiben.

Buchhaltung: Abteilung in Betrieben oder Einrichtungen, in deren Funktionsbereich die Buchführung erfolgt.

Buchholz, Karl, 23.2.1849-29.5.1889 (Selbsttötung), Landschaftsmaler; beeinflusst durch die Schule von Barbizon, gestaltete er Landschaften der Weimarer Umgebung, die mit ihrer pleinairistischen Auffassung einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der realistischen Landschaftskunst darstellen.

Buchholz-Schutz: Gasfang- und Ölströmungsschutzsystem bei Transformatoren, das die bei Funken oder Lichtbögen auftretende Gasentwicklung und Ölströmung zum Ausgleichgefäß über ein Buchholz-Relais in ein Warnsignal umformt oder den Transformator abschaltet; benannt nach dem Ingenieur M. Buchholz (1875-1956).

Buchillustration: drucktechnisch hergestellte bildliche Darstellungen zu einem Buchtext; folgt zeitlich der Buchmalerei. Unterschieden werden:

a) originalgraphisches Verfahren wie Hochdruck (Holzschnitt, Holzstich), Tiefdruck (Kupferstich, Radierung, Stahlstich), Hachdruck (Lithographie);

b) Reproduktionsverfahren.

Buchkunst: Bezeichnung für die Bestrebungen zur allseitigen künstlerischen Gestaltung des Buches, wobei alle Teile des Buches, wie Schrift, Druck, Buchschmuck, Illustration und Einband auf den Inhalt abgestimmt werdend Ende des 19. Jahrhundert entwickelte sich aus der Besinnung auf historischen Leistungen und in Abstimmung auf die industriellen Möglichkeiten die Buchkunstbewegung, an der Verleger, Künstler, Drucker und Buchbinder beteiligt waren. Siehe auch Internationale Buchkunst-Ausstellung.

Buchmacher: staatlich konzessionierter, gewerbsmäßiger Vermittler von Wetten bei Pferderennen.

Buchmalerei, Miniaturmalerei, gemalter oder gezeichneter Buchschmuck (Bilder, Initialen, Randverzierungen); im Mittelalter besonders gepflegt. Seit dem 15. Jahrhundert durch graphische Techniken (Buchillustration) verdrängt.

Büchmann, Georg, 4.1. 1822-24. 2. 1884, Philologe; lexikographische Arbeiten; Herausgeber der Zitatensammlung «Geflügelte Worte» (1864).

Büchner, Eduard, 20. 5. 1860-12. 8.1917, Chemiker; Entdecker der zellfreien Gärung.

Büchner: 1. Georg Büchner, 17.10. 1813-19.2. 1837, Schriftsteller; studierte Medizin und eignete sich eine atheistische-materialistische Weltanschauung an. 1834 gründete Büchner die illegale revolutionäre «Gesellschaft der Menschenrechte» und gab die revolutionäre Flugschrift «Der Hessische Landbote» heraus, in der zum Bauernaufstand aufgerufen wurde («Friede den Hütten, Krieg den Palästen!»). Büchner wurde steckbrieflich verfolgt und floh 1835 in die Schweiz. In dem Geschichtsdrama «Dantons Tod» (1835) setzt sich Büchner mit der bürgerlichen Revolution auseinander und betont die entscheidende Rolle der Volksmassen. In dem Dramenfragment «Woyzeck» (1835/36) kennzeichnet er den Gegensatz von arm und reich als Klassenfrage und untersucht die soziale Determiniertheit von Verbrechen. Das Lustspiel «Leonce und Lena» (1835) parodiert feudalaristokratische Lebenshaltung; in der Novelle «Lenz» (1835) behandelt Büchner psychologisch eindringlich ein Künstlerschicksal und erörtert zugleich Probleme realistischer Dichtkunst.

2. Ludwig Büchner, 28. 3. 1824-30. 4. 1899, Arzt und Philosoph; Bruder von Büchner 1; vertrat einen einseitig an naturwissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen ausgerichteten Vulgärmaterialismus, dessen antidialektischen Wesen F. Engels scharf kritisierte. Bewusstseinsprozesse setzt Büchner physiologische Prozessen gleich. «Der Mensch ist, was er ißt» stellt einen Grundsatz dieses Denkens dar. Sein Hauptwerk «Kraft und Stoff» (1855) wurde zum philosophischen Manifest dieser vulgärmaterialistischen Richtung. 1881 gründete Büchner den Deutschen Freidenker-Bund.

Buchsbaum, Buxus sempervirens: immergrüner Strauch aus dem Mittelmeergebiet (Familie Buchsbaumgewächse) mit kleinen eiförmigen, ledrigen Blattern und unscheinbaren, gelblich-weißen Blüten; auch Zierstrauch.

Buchschnitt: durch 3seitiges Beschneiden entstehende, meist glatte Vorder-, Ober- und Unterkante des Buchblocks (siehe auch Beraufen). Unterschieden werden Ober- oder Kopfschnitt, Vorderschnitt und Fuß- oder Schwanzschnitt; bei Verzierung mit Farbe Bezeichnung Farbschnitt, mit Blattmetall Metallschnitt (zum Beispiel Goldschnitt), ohne Verzierung Naturschnitt.

Buchse: beiderseits offener Hohlzylinder, der in eine Bohrung gepresst oder geschraubt beziehungsweise anderweitig gehalten wird; dient besonders zur Lagerung von Wellen und Achsen (Lagerbuchse), zur Lagesicherung von Teilen (Distanz-, Paßbuchse), als Verschleißteil bei Berührungsdichtungen (Laufbuchse), zur Führung (Führungsbuchse oder bei Bohrern Bohrbuchse).

Büchse: 1. Jagdwesen: Jagdgewehr mit gezogenem Lauf; siehe auch Flinte.

2. Technik: beiderseits abschliessbarer Hohlzylinder mit Kreis- oder Kreisringquerschnitt zum Abdichten von Wellen- oder Spindeldurchführungen an Gehäusewandungen (Stopfbüchse) mit einer Stopfbüchspackung, bei Schmiereinrichtungen (Staufferbüchse) mit Schmierstoff gefüllt.

Büchsenlicht: Jagdwesen Licht, bei dem die Abgabe eines gezielten Schusses möglich ist.

Büchsflinte: Jagdgewehr mit einem gezogenen (Büchse) und einem glatten Lauf (Flinte).

Buchstabenrechnung: Rechnung, in der die durch die Operationen verknüpften Größen durch Buchstaben dargestellt werden.

Buchstabenschrift: Schrift, die alle einzelnen Laute einer Sprache durch jeweils einen Buchstaben wiedergibt (Alphabet 1) im Unterschied zur Wortschrift oder zur Silbenschrift.

Bucht: (zu «biegen»)

1. Bucht, Meeresbucht. Einbiegung einer Tiefenzone an Küsten. Nach dem Seerecht gehört die Bucht zu den Binnengewässern eines Staates, wenn sie als sogenannt historische Bucht traditionsgemäß dazu gezählt wird (zum Beispiel Rigaer Bucht, Hudson Bay) oder wenn ihre Öffnung zum Meer nicht breiter als 24 Seemeilen ist.

2. Bucht, Tieflandsbucht: an Gebirgsrändern ins Berg- und Hügelland eingreifendes Tiefland, zum Beispiel Halle Leipziger Tieflandsbucht.

3. Schiffbau: Decksbucht.

4. Tierhaltung: abgegrenzter Teil eines Stalles, in dem sich die Tiere im Allgemeinen frei bewegen können. Zur Verbesserung des Stallklimas sollten die Trennwände licht- und luftdurchlässig sein.

Buchung: Eintragung eines ökonomischen Vorganges irischer Konten und Journal der Finanzrechnung auf der Grundlage eines Buchungsbelegs.

Buchungsmaschine: Büromaschine zur Aufzeichnung und Abrechnung betrieblicher Vorgänge (Lohn und Materialrechnung, Lagerhaltung, Kontenführung), gestattet die Ausführung einfacher Rechen Operationen, dient der Teilmechanisierung der Verwaltungsarbeit. Fakturiermaschinen enthalten auch Rechenwerke für Multiplikation und Division. Elektron. Buchungs-, Organisation- und Fakturierautomaten besitzen eine erweiterte Ausstattung, wie Spei eher für Programme und Daten, komfortable Rechenwerke und Geräte zur Datenaufzeichnung (zum Beispiel auf Lochbändern, Magnetkassetten oder Dis ketten) für nachfolgende elektronischen Datenverarbeitung.

Buchungssatz: Anweisung zur Buchung eines ökonomischen Vorganges, indem die Konten der Soll und der Habenbuchung sowie die zu buchende! Beträge genannt werden.

Buchweizen, Heidekorn: Knöterichgewächs mit herz- bis pfeilförmige Blättern und rötlichweißen Blüten aus Zentralasien. Alte Kulturpflanze zur Körnergewinnung für Mehl und Grütze; Grünfutter- und Bienenfutterpflanze auf Sandäckern angebaut.

2. Tim Buchweizen, 6.1.1891-14.3.1973, kanadischer Arbeiterführer; Mitbegründer und Generalsekretär (1929/62) beziehungsweise Vorsitzender (seit 1962) der KP Kanadas.

Bücke: Gerätturnen Beinschwungbewegung, bei der die geschlossenen und gestreckten Beine bei gebeugten Hüftgelenken auf beziehungsweise über ein Turngerät geschwungen werden (Auf-, Ab-, Vor- und Rückbücken).

Buckelfliegen, Rennfliegen, Phoridae: Familie der Fliegen mit dunklen oder gelben, bis 6 mm langen Arten; fallen durch ihre schnellen, ruckartigen Zickzackläufe auf; leben von faulenden Pflanzen oder tierischen Stoffen.

Buckelwal, Megaptera novaeangliae: bis 15 m langer, plumper Furchenwal mit schmalen, sehr langen Brustflossen; lebt vorwiegend in Küstennahe und ernährt sich von Krill und kleinen Fischen.

Buckelzikaden, Membracidae: Zikaden Familie mit meist tropischen Arten (Südamerika), die bizarre kronen- oder hornförmige Vorderbrustauswüchse tragen.

Buckingham, George Villiers, Duke of Buckingham, 20.8.1592-23.8.1628 (ermordet), englischer Staatsmann; seit 1621 politischer Ratgeber der Krone (Jakob I., Karl I.). Seine feudalreaktionäre Politik behinderte die bürgerlich-kapitalistische Entwicklung; das Parlament bezeichnete ihn 1621 und 1628 als «öffentlicher Feind».

Buckingham Palast: Adelspalast in London-Westminster, 1703/05 erbaut, 1825, 1856 und 1913 erweitert; seit 1837 Hauptresidenz der britischen Könige; bedeutende Gemäldesammlung.

Bückling, Pökling (zu «pökeln»): frischer, leicht gesalzener und meist heiß geräucherter Hering; siehe auch Räuchern.

Buckow: Stadt im Kreis Strausberg, Bezirk Frankfurt, in der Mark. Schweiz (Wälder, Seen), östlich vom Schermützelsee; 2300 Einwohner; Erholungs- und Ausflugsort; Sanatorium; Brecht-Weigel-Gedenkstätte.

Buda: Stadtteil von Budapest, auf dem westlichen, bergigen Donauufer (Ausläufer des Budaer Gebirges); im Zentrum befinden sich der Varhegy (Burgberg) mit der ehemaligen Burg und der Fischerbastei und der Gellerthegy (220 m). - bis zur Vereinigung mit Pest (1873) war Buda die Hauptstadt Ungarns.

Budal-Deleanu, Ion, 6.1.1760-24.8.1820, rumänischer Schriftsteller; vertrat in philologische und historische Schriften, vor allem aber in dem heroisch komische Epos «Die Ziganiade» (1800/12) die fortgeschrittensten Positionen der rumänische Aufklärung in Siebenbürgen.

Budapest: Hauptstadt Ungarns und Verwaltungszentrum des Bezirkes Pest, an beiden Seiten der Donau, die Budapest in einer Länge von 31 km durchströmt und mehrere Inseln, darunter die Margitsziget (Margaretheninsel), umfließt; im Westen Teil des Budaer Gebirges (529 m); durch Vereinigung (1873) der Städte Buda, Obuda am rechten, bergigen, Donauufer und Pest am linken, flachen, Donauufer entstanden; 2,1 Millionen Einwohner Budapest ist Verwaltungs-, Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturzentrum des Landes; größter und vielseitigster Industriestandort Ungarns, der etwa ein Viertel der gesamten Industrieproduktion auf sich konzentriert: Maschinen- (Werkzeug-, Landmaschinen), Fahrzeug- (Autobusse, Lokomotiven, Schiffe) und Gerätebau; chemisches, pharmazeutisches, polygraphisches, Textil-, Bekleidungs- (Modezentrum), Möbel-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Die industrielle Produktion konzentriert sich vor allem auf die Stadtteile Csepel, Köbanya, Angyalföld, Ujpest, Kispest. Wichtigstes Verkehrszentrum des Landes, internationaler Flughafen Ferihegy, Donauhafen (Csepel), U-Bahn; 8 Brücken (darunter Arpad-, Margarethen-, Ketten- und Elisabethbrücke); Zoo, 6 Universitäten und zahlreiche Hochschulen, Bibliotheken, 2 Opernhäuser, Theater, Museen (Nationalgalerie, National-, Kunstgewerbe-, Ethnographisches, Burgmuseum, Freilichtmuseum in Aquincum). Internationale Messe; Akademie der Wissenschaften, Sportanlagen (Nepstadion); 123 Thermalquellen versorgen zahlreiche Frei- und Hallenbäder (Szechenyi-Bad); Sehenswürdigkeiten (Burg, Fischerbastei, Matthiaskirche, Parlament unter anderem). Umfangreiche Reste antiker Bebauung in Aquincum; mehrfach veränderte bedeutende gotische Bauten (Burg, seit 1945 Wiederaufbau; Matthiaskirche). Neben Barockbauten umfangreiche historistischen Neubauten des 19. Jahrhundert (Parlament, Fischerbastei, Kettenbrücke) und des 19. Jahrhundert. Die an der Stelle der römischen Militärkolonie Aquincum liegenden Städte Buda (Ofen) und Pest wurden 1241 von den Mongolen zerstört, durch B6la IV. neu angelegt. Buda entwickelte sich im 14. Jahrhundert zur Hauptstadt (Stapelrecht 1347) und wurde durch Matyas I. zur Residenz erhoben. 1541 wurden Pest und Buda von den Türken besetzt; nach der Rückgewinnung 1686 entwickelte sich Pest schneller und überflügelte im 18. Jahrhundert Buda. 1873 erfolgte die Vereinigung zur Doppelstadt. 1848/49 und 1918/19 wurde Budapest Zentrum revolutionärer Bewegungen. Im 2. Weltkrieg wurde die von faschistischen deutschen und ungarischen Truppen rücksichtslos verteidigte Stadt am 26.12. 1944 von sowjetischen Truppen eingekreist und nach heftigen Kämpfen bis zum 13. 2. 1945 befreit.

Budd-Chiari-Syndrom: durch Verschluss der Lebervenen, zum Beispiel infolge Tumoreinbruchs und Thrombose, gelegentlich nach langfristiger Einnahme empfängnisverhütender Hormone («Pille») bedingtes Krankheitsbild; Kennzeichen sind Oberbauchschmerzen und Bauchwassersucht. benannt nach dem britischen Internisten George Budd (1808-1882) und dem österreichischen Pathologen Hans Chiari (1851-1916).

Buddha: (Sanskrit, «der Erleuchtete») Ehrentitel eines Buddhisten, der die zum Nirvana führende Erleuchtung erreicht hat. Der Hinayana Buddhismus kennt nur einen Buddha, der Mahayana Buddhismus zahllose. Meist wird unter Buddha der aus einer Adelsfamilie der Schakya-Aristokratie im Nordosten Indiens stammende Siddhartha, auch Gotama genannt, verstanden (um 530-480 vor Christus), der Begründer des Buddhismus. Das Buddha-Bild, in der frühen indischen Kunst zunächst nur durch Symbole wiedergegeben, wurde mit der Ausbreitung des Buddhismus zu einem Hauptmotiv der buddhistischen Kunst in weiten Teilen Asiens. 4 Haupttypen (stehender oder schreitender Buddha, im Yogi-Sitz meditierender oder lehrender Buddha, Buddha mit herabhängenden Beinen (Buddha «ein europäischen Stil»), liegender (sterbender) Buddha). In China älteste Beispiele in den Höhlentempeln von Dunhuang, Longmen und Yungang.

Buddhismus: (lateinisch Sanskrit) die religiöse und philosophische Lehre Buddhas, eine der Weltreligionen. Der Buddhismus hat mit anderen indischen Erlösungsreligionen den Glauben an Wiedergeburt und Tatvergeltung (Karman) gemeinsam. Erlösung (Nirvana) bedeutet das Herauslösen der individuellen Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburten, der als ewiger Prozess vergängliche Phänomene ohne das Substrat einer ewigen Seele aufgefasst wird. Die Ablehnung der Privilegien der Brahmanen und wesentlicher Bestandteile der von ihnen vertretenen Religion, die Verwendung der Volkssprache unter anderem charakterisierten den Buddhismus als volkstümliche Reformbewegung. Laienanhänger unterhalten die in Orden organisierten Mönche und Nonnen. Der ursprünglich Buddhismus beinhaltet die Lehre von den «4 edlen Wahrheiten» (alles Dasein ist Leiden, bedingt durch das Begehren; die Unterdrückung des Begehrens führt zur Erlösung, der Weg zu ihr ist der «Edle 8teilige Pfad» der Verhaltensnormen). Nichtwissen ist die letztendliche Ursache für das Leid; das wird in der «8gliedrigen Kausalkette» dargelegt, bei deren Erläuterung die dialektische Konzeption ständigen Werdens und Vergehens sowie eine zum Materialismus tendierende Erkenntnistheorie entwickelt wird. In der Morallehre sind Mitleid und Menschenliebe bestimmend. Hauptrichtungen sind Hinayana-Buddhismus (Kleines Fahrzeug, auch Theravada, Lehre der Ältesten, genannt), der sich auf den Pali-Kanon stützt und auf Buddhas eigentliche Lehre mit dem Ideal des sich selbst erlösenden Mönches zurückgeht; verbreitet vorwiegend in Südostasien (Sri Lanka, Burma, Thailand, Kampuchea, Laos); Mahayana-Buddhismus (Großes Fahrzeug), entwickelte das Ideal des die Menschheit erlösenden Bodhisattva und nahm die verschiedensten Volksgottheiten auf; vorwiegend in Tibet, China, Korea, Japan und Vietnam verbreitet. Aus dem Mahayana-Buddhismus entwickelte sich um 500 das heute besonders in Tibet und der Mongolei verbreitete Vajrayana (Diamantfahrzeug; "T Lamaismus), in dem ähnlich wie im Tantrismus und Shaktismus aus uralten volkstümliche Göttervorstellungen stammende magische Riten und okkulte Praktiken eine große Rolle spielen. In Indien wurde der Buddhismus seit dem 9. Jahrhundert durch Hinduismus und Islam fast völlig verdrängt. Der Buddhismus hat heute 300 bis 400 Millionen Anhänger.

Buddleja, (nach einem englischer Botaniker) Sommerflieder, Schmetterlingsstrauch: artenreiche Gattung der Sommerfliedergewächse in den Tropen und Subtropen mit gegenständigen, ungeteilten Blättern und traubenförmigen Blütenständen, die häufig von Schmetterlingen besucht werden. Der lila blühende Chinesische Sommerflieder ist ein beliebter Zierstrauch unserer Gärten.

Büdner, Kätner, Kossat, Häusler, Heuerling, Brinksitzer: aus dem Feudalismus stammende, regional unterschiedliche Bezeichnung für Besitzer kleinster Anwesen, die als Teil der Dorfarmut von Junkern und Großbauern ausgebeutet wurden.

Budo: Sammelbezeichnung für die in Japan entstandenen Zweikampfkünste; die bekanntesten Budokünste sind Judo, Karate, Kendo (Schwertfechten), Kyudo (Bogenschießen), Sumo (Ringkampfart) und Aikido (Selbstverteidigungssystem). Auch das (karateähnliche) koreanische Taekwon-Do wird zum Budo gerechnet. Sportliche Wettkämpfe gibt es nur in Judo, Karate, Kendo, Sumo und Taekwon-Do.

Buenaventura, Stadt in Kolumbien, am Stillen Ozean; 180000 Einwohner (meist Afroamerikaner und Mulatten); Fischkonservenherstellung; wichtigster Hafen Kolumbiens.

Buenos: Lammfell des Lincoln-Schafes; hat dicht über der Haut liegendes Moiré, das beim Veredeln durch Tiefschur sichtbar wird; attraktives Fell für die Pelzkonfektion.

Buenos Aires: (spanisch, «gute Winde») Hauptstadt Argentiniens, am Südufer des Rio de la Plata; 2,98 Millionen Einwohner, als Agglomeration 8,4 Millionen Einwohner; als Groß-Buenos Aires aus verschiedenen Siedlungskernen (unter anderem den größeren Städten Avellaneda und Quilmes) zusammengewachsen; wichtigstes Verwaltungs-, Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturzentrum des Landes; etwa 75% der argentinischen Industrieproduktion entstammen der Stadt; neben einer bedeutenden Lebensmittelindustrie (Fleisch-, Getreideverarbeitung) Zweige der elektrotechnischen, pharmazeutischen, chemischen, Textil-, metallverarbeitenden und Glasindustrie, des Maschinenbaus und der Erdölverarbeitung; wichtigster Verkehrsknoten und bedeutendster Überseehafen des Landes, internationaler Flughafen Ezeiza\ mehrere Universitäten, 2 TH, Nationalbibliothek, bedeutende Theater (darunter El Teatro Colón), zoologischer und botanischer Garten und viele andere kulturelle Einrichtungen. 1536 durch Pedro de Mendoza erste, 1580 durch Juan de Garay zweite Gründung. Seit 1776 Zentrum des Vizekönigreiches Río de la Plata, seit 1880 Hauptstadt.

Buffalo: Stadt im Bundesstaat New York (USA), am Nordostufer des Eriesees am Ausfluss des Niagara; 390000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,3 Millionen Einwohner; wichtiges Industrie- und bedeutendes Handelszentrum der USA mit Lebensmittelindustrie (Mühlen, Fleischkonserven), Eisenmetallurgie im Vorort Lackawanna, Rüstungs-, chemische, Holzindustrie sowie Maschinen- (Flugzeuge, Autos, Elektromaschinen) und Schiffbau; bedeutender Bahnknoten und einer der führenden Binnenhäfen der USA (bedeutender Umschlagplatz für Massengüter von den Großen Seen), internationaler Flughafen; Universität; Kern-, Raumfahrt- und medizinische Forschung.

Büffel, Bubalus: afrikanische und asiatische Wildrinder. Der Kaffernbüffel (Syncerus caffer) mit weitgeschwungenen Hörnern bewohnt Afrika südlich der Sahara. Der Wasserbüffel oder Arni (Bubalus arnee) mit sichelförmigem Gehörn lebt im wassernahen Grasdschungel Süd- und Südostasiens; aus ihm wurde der Hausbüffel oder Kerabau gezüchtet, in reisanbauenden Ländern ein wichtiges Zugtier.

Buffon, Georges Louis Leclerc, Comte de, 7. 9. 1707-16. 4. 1788, französischer Naturforscher und Philosoph; schrieb die 36bändige «Allgemeine und spezielle Naturgeschichte» (1749/88); vertrat den Entwicklungsgedanken für Kosmos, Erde und auch Organismen; Vertreter der französischen Aufklärung.

Bug: vorderster Teil des Schiffes, der durch den Vorsteven abgeschlossen wird. Dieser ist bei Binnenschiffen meist senkrecht, bei Seeschiffen im Regelfall ausfallend (geneigt), bei großen und schnellen Seeschiffen häufig am Unterende birnenförmig verdickt (Wulstbug) ausgeführt.

Bügeleisen: elektrisch beheiztes Handgerät zum Glätten und Formen von Textilien. Beim Reglerbügeleisen hält ein Zweipunkt- (Bimetall-) Regler die einstellbare Temperatur nahezu konstant. Im Dampfbügeleisen wird Wasser verdampft und durch Kanäle an der Bodenplatte auf das Behandlungsgut gedrückt.

Bügeln: 1. Holztechnik Glätten welliger Furniere durch Befeuchten und kurzzeitiges Pressen in einer beheizten Presse bei geringem Druck.

2. Pelzbearbeitung: Arbeitsgang zum Strecken, Glätzen, Glänzend machen des Haarkleides von Pelzfelden auf der Fellbügelmaschine mittels Temperatur, Feuchtigkeit und Druck.

Bugenhagen, Johann, 24. 6. 1485-20.4. 1558, Protestant. Theologe, Pädagoge; Mitarbeiter und Freund Luthers, Reformator und Organisator des Kirchen- und Schulwesens in Norddeutschland und Dänemark; war an Luthers Übersetzung des Alten Testaments und an der Überarbeitung des Neuen Testaments beteiligt.

Buggy: 1. geländegängiges Freizeitautomobil auf verkürztem Fahrgestell mit offener Karosserie und Überrollbügel.

2. sehr leichter ein- oder zweiachsiger Einspänner mit großen Rädern.

Bugspriet: über den Bug von Segelschiffen hinausragender, oft durch einen Klüver- und Klüverbaum (Klüver) verlängerter Baum, an lern die Stage des Fockmastes befestigt sind.

Buhne: dammartiges Schutz- und Regulierungsbauwerk aus Steinen, Beton oder Faschinen n Flüssen und an der Küste als Schutzbuhne zur Uferbefestigung, Spaltbuhne zur Strömungsablenkung im Küstenschutz zur Strandverbreiterung Landanschwemmung). Buhne werden zur Einengung des Durchflussquerschnittes entweder quer oder schräg zur Flussrichtung erbaut.

Bühne: Spielfläche für theatralische Aufführungen, in der Antike ursprünglich die Orchestra (kreisrunder Tanzplatz) mit Altar, im Mittelalter die einzelnen Schauplätze leben- oder übereinander auf freiem Platz (Simultanbühne). Die moderne Bühne entstand durch die Einführung der italienischen Kulissenbühne (Guckkastenbühne). Seit etwa 1900 wurde sie mit verschiedenen technischen Einrichtungen ausgerüstet, wie Drehbühne (1896), Wagen in der Schiebebühne (1904), Versenkbühne (1913) unter anderem.

Bühnenbild: Bezeichnung für die Gestaltung des Bühnenraums, vom Bühnenbildner in Zusammenarbeit mit dem Regisseur entworfen. In Italien entstand im 17. Jahrhundert die Kulissenbühne, deren perspektivisch bemalte Leinwandrahmen Wirklichkeit vortäuschen sollten (illusionistisches Bühnenbild); sie war bis ins 9. Jahrhundert in Europa die vorherrschende Form. Seit etwa 1880 setzten Bemühungen um räumliche (dreidimensionale) Gestaltung des Bühnenraums ein. Das realistische Bühnenbild versteht sich als spezifischer Beitrag zur komplexen theatralischen Darstellung eines dramatischen Werkes; strebt weniger künstlerischen Eigenwert als konzeptionellen Zusammenhang von Arrangement, Raum und Kostümgestaltung, Farbe und Licht sowie eine der Eigenart des Werkes entsprechend Variabilität an. Bühnenbildner: Mitarbeiter des Theaters, der (inkonzeptioneller Abstimmung mit dem Regisseur) die Bühnenraumgestaltung entwirft und deren künstlerischer und technischer Herstellung leitet. Bühnenbilde werden läufig als Szenographen, Bühnenbauer, Bühnengestalter o. ä. bezeichnet. Zuweilen arbeiten Bühnenbilder aktiv bei der Regie mit.

Bührer, Jakob, 8. 11. 1882-22. 11. 1975, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; setzte sich, der Arbeiterklasse verbunden, in seinen Romanen, Stücken, Gedichten unter anderem mit den konservativen Schweizer Verhältnissen auseinander; Romantrilogie «Im Roten Feld» über die Zeit der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhundert («Der Aufbruch», 1938; «Unterwegs», 1944; «Die Ankunft», 1951).

Buyiden, Bujiden, Buwaihiden: iranische-schiitische Dynastie (935/1055) aus dem Gebirgsland südlich des Kaspisees; sie bemächtigten sich Westirans, eroberten 945 Bagdad, nahmen den Sultantitel an und entmachteten den Kalifen endgültig. Die Buyiden wurden 1055 von den Seldschuken gestürzt.

Bujumbura: Hauptstadt von Burundi, am Nordende des Tanganjikasees; früher Usumbura; 160000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, Zementindustrie, Herstellung von Schuhen, Pharmazeutika und Fischnetzen; Bootswerft; Hafen, internationaler Flughafen; Universität.

Bukranion: zum Ornament stilisierter Ochsenschädel an griechischen und römischen Bauwerken; auch in der Renaissance wieder verwendet; oft als Bukranionfries gereiht und durch Girlanden verbunden. Das Bukranion erinnert an Tieropfer und Abwehrzauber.

Bulbärparalyse: Lähmung durch Zugrundegehen der motorischen Hirnnervenkerne, die sich im Boden der Rautengrube des Gehirns befinden.

Bulbus: (lateinisch, «Zwiebel») 1. Anatomie: Anschwellung, kugeliges Organ, zum Beispiel Bulbus oculi («Augapfel»).

2. Pharmazie: Zwiebeldroge; als Arzneimittel gebräuchlich ist zum Beispiel der glykosidhaltige Bulbus Scillae (Meerzwiebel).

Bule: (griechisch, «Rat») Ratsversammlung griechisch Poleis; in der Demokratie Exekutivorgan der Volksversammlung.

Bulette, Boulette, Brisolette, Frikadelle: gebratenes, rundlich-flaches Klößchen aus Hackfleisch beziehungsweise Fisch (Fischbulette); mit eingeweichter Semmel, Salz und Ei, häufig unter Zusatz von Zwiebeln und Gewürz zubereitet.

Bulgarisch: eine südslawische Sprache, gesprochen im heutigen Bulgarien, mit kyrillischen Schriftzeichen geschrieben; gemeinsam mit dem Makedonischen von allen übrigen slawischen Sprachen durch analytische Deklination unterschieden; charakteristisch sind ferner der nachgestellte Artikel und das Fehlen des Infinitivs. Im Wortschatz sind zahlreiche Lehnwörter aus dem Türkischen als Folge der langen Fremdherrschaft von Bedeutung.

Bulkcarrier, Schüttgutfrachtschiff. Eindeck-Trockenfrachtschiff für die Beförderung loser Schüttgüter (Kohle, Getreide, Erz und so weiter)

Bullauge-Bullseye: rundes, wasserdicht schließendes, durch Seeschlagblende innen zusätzlich gesichertes Seitenfenster im Schiffsrumpf.

Bullboot: Wasserfahrzeug (Fellboot) einiger nördlichen Prärieindianerstämme; besteht aus einem mit Büffelhaut bespannten, halbkugeligen Rahmengeflecht; mit Holzpaddel angetrieben.

Bulldozer-Planierraupe: Erdbaumaschine mit Gleiskettenfahrwerk und Planierschild zum Einebnen oder Zusammenschieben von Geröll oder Lockergesteinsschichten. Planierschlepper haben luftbereifte Räder und geringere Schubkraft.

Bulle: 1. Bulle: Tierzucht männliches Rind.

1. Bulle (lateinisch bulla, «Kapsel») Urkundenlehre Kapsel als Umhüllung des mit einer Schnur an einer Urkunde befestigten Metallsiegels, auch das Siegel selbst (Gold-, Silber-, Bleibulle) und häufig die mit einem solchen Siegel versehene Urkunde, besonders des Kaisers (zum Beispiel Goldene Bulle von 1356) oder des Papstes (angewandt bei Dogmenverkündung, Kanonisation, Errichtung eines Ordens). Letztere werden lateinisch abgefasst und nach den ersten Textworten zitiert.

Bulletin: amtliche Bekanntgabe, Tagesbericht (zum Beispiel über Erkrankung eines Staatsmannes); Titel von Zeitschriften; Bezeichnung für periodisch erscheinende amtliche Verlautbarungen.

Bülow: 1. Bernhard Fürst von Bülow, 3.5.1849-28.10 1929, Diplomat und Politiker, seit 1874 im diplomatischen Dienst, wurde 1897 zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt berufen und 1900 zum Reichskanzler ernannt (bis 1909). Durch die von ihm verfochtene imperialistische «Weltpolitik» verschärften sich die imperialistischen Gegensätze und vollzog sich die außenpolitische Isolierung des Deutschen Reiches.

1. Friedrich Wilhelm von Bülow, Graf von Dennewitz, 16.2.1755-25.2.1816, preußischer General; war als Kommandeur eines Korps maßgeblich an den militärischen Erfolgen des Befreiungskrieges (unter anderem an der Völkerschlacht bei Leipzig 1813) sowie an der Schlacht bei Waterloo 1815 beteiligt.

2. Hans von Bülow, 8.1.1830-12.2.1894, Pianist und Dirigent; Schüler von F. Liszt; hervorragender Beethoveninterpret; trat entschieden für R Wagner, J. Brahms und P. Tschaikowski ein.

3. Karl von Bülow, 24.3.1846-31.8.1921, General; 1914/16 Armeeoberbefehlshaber im 1. Weltkrieg, 1915 Generalfeldmarschall.

4. Kurd von Bülow, 20.7.1899-30.5.1971, Geologe; Professor an der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock; verfasste zahlreiche Veröffentlichungen zur Geologie des südlichen Ostseehinterlandes und zur Selenologie (Mondgeologie).

Bumboot: Marketenderboot einheimischer Händler in vielen Häfen Afrikas und Südostasiens, in dem diese an Schiffe heranfahren und Waren anbieten.

Bumerang: flaches, knie- oder sichelförmig gebogenes Wurfholz der australischen Ureinwohner; Jagdgerät. Eine Sonderform des Bumerangs (moderne Nachbildung als Sportgerät) kehrt bei verfehltem Ziel wegen seiner Gestalt (Luftschraubensegment) zum Werfer zurück.

Bünde: 1. Bünde, Heftbünde: Buchbinderei - meist bei handwerklichen Einbänden quer über den Buchblockrücken gehende Bänder und Schnüre, um die beim Heften des Buchblocks der Heftfaden geführt wird.

2. Bünde: Musik: ursprünglich aus Saiten «gebundene», heute meist metallene schmale Querleisten auf dem Griffbrett von Laute, Gitarre, Mandoline, Gambe unter anderem Saiteninstrumenten zum Festlegen der Griffstellen im Halbtonabstand.

Bündelpfeiler: Pfeilerform der gotischen Baukunst, gebildet durch Gruppierung von Dreiviertelsäulen um sinen Pfeilerkern.

Bündelung: Abstrahlung elektromagnetischen Wellen in einen relativ kleinen Raumwinkel mittels Richtantennen beziehungsweise im optischen Wellenbereich mittels optische Linsensysteme. Die Bündelung von Elektronenstrahlen wird durch elektrische oder magnetische Linsen ermöglicht. Bundesakte: die auf dem Wiener Kongress am 1.6.1815 angenommene Verfassung des Deutschen Sundes.

Bundesstaat: durch staatsrechtlichen Zusammenschluss mehrerer Einzelstaaten auf föderalistische Grundlage entstandener Staat. Im Bundesstaat erfolgt eine Aufteilung der staatlichen Hoheitsrechte auf Bund und Gliedstaaten in der Regel durch eine Bundesverfassung und mit ihr in Einklang stehende Verfassungen der Gliedstaaten. Der Handlung Spielraum des Bundes und der Gliedstaaten kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.

Bundschuh: mit Riemen um den Knöchel gebundener lederner Bauernschuh, Symbol und Name revolutionärer Bauernbünde; 1439 im Elsass Bund zum Abwehrkampf gegen fremde Söldner; 1443 in Schliengen erstmals Zeichen einer sozialen Erhebung; seit 1493 (Schlettstadt) Name einer an Reife und Ausdehnung ständig zunehmenden Bewegung (1502 Bistum Speyer, 1513 Breisgau, 1517 am Oberrhein von J. Fritz organisiert), der sich auch niedere städtliche Schichten anschlossen und in der sich Forderungen des deutschen Bauernkrieges ankündigten.

Bundsteg: Buchbinderei der nicht bedruckte Raum zwischen 2 Buchseiten, der nach dem Falzen an den Buchblockrücken zu liegen kommt.

Bundzeichen: Kerbzeichen auf zusammengehörigen Holzteilen eines Abbundes, um deren Zusammenbau zu erleichtern.

Bungalow: (englisch Hindustani, «bengalisches Haus») a) ursprünglich eingeschossiges, leichtgebautes Haus der Europäer in Indien unter anderen tropischen Ländern;

b) Wochenendhaus oder Ferienwohnung, häufig aus Fertigteilen.

Bunker: 1. Fördertechnik: Behälter, meist aus Stahlbeton oder -blech, zum Aufbewahren von Schütt- (Erz, Kohle, Mineral u. ä.) und Stückgütern (als Kleinteile) zwischen Beschickung und Abgabe. Infolge der Schwerkraft fließen die Güter im Bunker zur Bunkeröffnung und dort beim Öffnen des Bunker verschlusses (Klappe, Schieber) heraus, oder sie werden mit Aufgebern kontinuierlich und im Durchsatz regelbar ausgetragen.

2. Landtechnik: Sammel- und Vorratsbehälter für Erntegut (Hackfrüchte, Getreide unter anderem); auf Erntemaschinen oder deren Antriebsfahrzeugen angeordnet.

3. Militärtechnik: ständige Befestigungsanlage in Form eines vollständig oder teilweise unter beziehungsweise über der Erde errichteten festen Raumes. Bunker können als Gefechts- oder Schutzanlagen (zum Beispiel Führungs-, Luftschutzbunker) dienen. Der Gefechtsbunker ist mit Maschinenwaffen, Geschützen, Raketen ausgerüstet, besitzt Schießscharten, Stahlbeton- oder drehbare Panzerkuppeln.

Bünn: Aufbewahrungsraum für lebende Fische im Unterwasserteil kleiner Fischereischiffe, der Wasserzutritt durch Löcher in der Außenhaut hat.

Bunraku: ursprünglich Name eines 1871 in Osaka gegründet Puppentheaters; heute Bezeichnung für das traditionelle japanische Joruri-Puppenspiel überhaupt, das im 17. Jahrhundert entstand. Jede der dreiviertel lebensgroßen Puppen wird von drei Spielern geführt; der Text wird von einem Sänger vorgetragen.

Bunsen, Robert, 31. 3. 1811-16. 8. 1899, Chemiker; trug zur Entwicklung der Strukturvorstellungen in der organischen Chemie bei; erfand und verbesserte viele chemische Geräte (zum Beispiel den Bunsenbrenner), verbesserte auch mit G. R. Kirchhoff die Methoden der Spektralanalyse, was zur Entdeckung der Elemente Rubidium und Zäsium führte.

Buntbarsche, Cichliden (lateinisch griechisch) PL, Cichlidae: zu den Barschartigen gehörende Fische tropischer Süßgewässer, deren beide Rückenflossen miteinander verschmolzen sind; meist lebhaft gefärbt. Alle Buntbarsche ernähren sich räuberisch von verschiedenen Kleintieren. Sie treiben eine zum Teil intensive Brutpflege, die Gelege werden in Gruben abgelegt oder an vorher gereinigten Stellen angeheftet und bewacht, einige Arten sind Maulbrüter; Diskusbuntbarsche scheiden ein Sekret zur Ernährung der Jungen ab. Viele Buntbarsche sind beliebte Aquarienfische, zum Beispiel Segelflosser oder die ostafrikanischen Malawi-Cichliden; siehe auch Aquarienfische.

Buntbock, Damaliscus dorcas: zierliche, rotbraune bis rötlich-schwarz-braune Leierantilope mit weißen Abzeichen an Gesicht, Bauch und Beinen; bewohnt Schutzgebiete Südafrikas; vom Aussterben bedroht. Siehe auch Antilopen.

Buntkäfer, Cleridae: Käferfamilie; heimischer Buntkäfer bis 16 mm groß, schlank, behaart, Halsschild herzförmig, Flügeldecken bunt; Käfer und Larven leben vorwiegend räuberisch von anderen Insekten und deren Larven, zum Beispiel der Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius) von Borkenkäfern. Siehe auch Bienenwolf.

Buntkeramik: Bezeichnung für eine mehrfarbig bemalte Tonware (Gefäße; Frauen- und Tierfiguren im Rahmen eines bäuerlichen Fruchtbarkeitsglaubens); tritt im 6./4. Jahrtausend vor Christus erstmalig im Vorderen Orient auf (zum Beispiel Samarra-, Halaf-, Obed-Kultur) und ist von der Mittelmeerküste bis Iran, China und Indien belegt (in unterschiedlicher Zeitstellung). Sie zeigt die Herausbildung des Handwerks an.

Buntmetall: Gruppenbezeichnung von NE-Metallen; zu ihnen gehören Quecksilber, Kupfer, Nickel, Kobalt, Blei, Zinn, Zink, Cadmium, Antimon, Wismut. Der Name ist abgeleitet von der Farbe wichtiger Erze dieser Metalle, insbesondere von den oft sehr bunt gefärbten sekundären Erzen (Verwitterungsprodukte).

Buntnessel, Coleus: Lippenblütler der Tropen Asiens und Afrikas mit bunten Blättern («Buntblatt»); verbreitete, durch Stecklinge leicht zu vermehrende Zimmerpflanze (Coleus-Hybriden). C. edulis, C. esculentus unter anderem werden wegen ihrer essbaren Wurzelknollen genutzt.

Buntsandstein: untere Abteilung der germanischen Trias; vorwiegend sandig-tonig, im obersten Teil auch Salz und Gips führend; siehe auch geologische Systeme.

Buntspechte, Dendrocopos: Gruppe der Spechte mit schwarzweißem Gefieder und beim Männchen roter Zeichnung am Kopf; leben in Nordamerika, Eurasien und Nordwestafrika. Heimisch der 23 cm lange Große Buntspechte (D. major), ein Waldbewohner, der in selbstgezimmerten Baumhöhlen brütet; die Eier sind reinweiß. In Südosteuropa und Südwestasien der sehr ähnlichen Blutspecht (D. syriacus); nur 16 cm lang der Kleinspecht (D. minor).

Bunuel, Luis, 22. 2. 1900-30. 7. 1983, spanischer Filmregisseur; schuf in Spanien, später in Mexiko und Frankreich sich mit Gesellschaft und Kirche auseinandersetzende, kritische Filme, wie «Erde ohne Brot», «Die Vergessenen», «Viridiana», «Der Würgeengel», «Tagebuch einer Kammerzofe», «Der diskrete Charme der Bourgeoisie», «Das Phantom der Freiheit», «Dieses obskure Objekt der Begierde».

Buonarroti: 1. Filippo Michele, 11.1. 1761-16. 9. 1837, italienisch-französischer Revolutionär und utopischer Kommunist; linker Jakobiner, Mitstreiter Babeufs; überlieferte dem Frühproletariat des 19. Jahrhundert die Theorie und Kampferfahrungen der babouvistischen Bewegung («Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit», 1828).

2. Michelagniolo Michelangelo.

Buran, Nordoststurm in den Steppengebieten Osteuropas und Sibiriens. Sommerburan ist heiß und staubreich, Winterburan kalt mit Schneetreiben.

Burattino: aus der Commedia dell’arte stammende witzige Figur des italienischen Handpuppenspiels; heute in der Sowjetunion beliebte Märchen- und Spielzeugfigur.

Buren, («Bauern») Selbstbezeichnung Afrikaander: Nachkommen niederländischer und zum Teil deutscher und französischer Kolonisten des 17./18. Jahrhundert in der Republik Südafrika; 2,5 Millionen; ursprünglich meist Viehzüchter und Ackerbauern, bilden sie heute einen bedeutenden Teil der herrschenden weißen Minderheit (siehe auch Apartheid); Sprache ist Afrikaans.

Bürette: Messmittel zur (mindestens auf 0,1 ml genauen) Dosierung kleiner Flüssigkeitsmengen, zum Beispiel bei der Maßanalyse. Bei der Hahnbürette, einem senkrecht zu befestigenden Glasrohr mit Schliff- oder Quetschhahn, wird der Verbrauch an der Graduierung, bei der Kolbenbürette, wo die Entleerung durch einen mechanisch angetriebenen Kolben erfolgt, an einem Zählwerk abgelesen.

Burg: (germanisch, zu «bergen») frühgeschichtliche oder mittelalterliche Verteidigungsanlage, zum Beispiel antike Stadtburg (Akropolis), frühgermanische Fliehburg, die Zufluchtsort für die gesamte Bevölkerung war, mittelalterliche Ritterburg (Feudalburg, zum Beispiel Wartburg); Mittelpunkt einer feudalen Grundherrschaft. Im Schutz der Burg entwickelten sich oft Stadtanlagen. Man unterscheidet Niederburg, die von (meist mit Wasser gefüllten) Gräben umgeben sind (als Wasserburg von natürlichen Gewässer oder Sumpf), und Höhenburg, die auf (gewöhnlich felsigen) Bergen stehen. Höhenburg sind besonders als Burgruinen (zum Beispiel im Saalegebiet) noch zahlreich erhalten. Innerhalb der mauerumzogenen äußeren Burg (Vorburg), die meist über eine Zugbrücke durch ein Tor zu betreten war, befanden sich Wirtschaftsgebäude, der Ziehbrunnen und Gesindewohnungen, in der inneren Burg (Burghof) das Herrenhaus (Palas) mit einem größeren Saal und Wohngemächern (Kemenaten), oft eine Burgkapelle sowie der Bergfried mit dem Burgverlies. Am Ende des Mittelalters trat infolge der Entwicklung der Feuerwaffen der Verteidigungscharakter der Burg zurück; sie verwandelte sich in das unbefestigte Schloss.

Burg: 1. Burg, Burg bei Magdeburg: Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, am Ostrand der Elbeniederung, am Elbe-Havel-Kanal; 28000 Einwohner; Feinblechwalzwerk, Maschinenbau, Schuh-, Textil-, Holzindustrie, Knäckebrotherstellung; Verkehrsknoten; Hafen; romanische Nicolaikirche (12. Jahrhundert), gotische Liebfrauenkirche (14./15. Jahrhundert); neue Wohnviertel.

2. Burg, Burg (Spreewald), sorbisch Borkowy: Gemeinde im Landkreis und Bezirk Cottbus; 3 500 Einwohner; Ortsteile auf 55 km Fläche mit 120 km Wasserstraßen; Erholungsort.

Bürgel, Bruno H. (Hans), 14. 11. 1875-8. 7. 1948, Schriftsteller und Astronom; Autodidakt («Vom Arbeiter zum Astronomen», 1919); wurde mit populären naturwissenschaftlichen ethischen und kulturphilosophischen Schriften von humanistischer Fortschrittsgläubigkeit weit bekannt («Aus fernen Welten», 1910).

Bürger: ursprünglich die Bewohner einer Burg, dann die freien, vollberechtigten Einwohner einer Stadt (Bürgertum) im Unterschied zu den Unfreien, Halbfreien oder Arbeitern und Bauern. Bürger im heutigen Recht sind die Einwohner einer Stadt oder Gemeinde beziehungsweise eines Staates (Staatsbürger). Die Stellung der Bürger im Staat ist durch den Charakter der Gesellschafts- und Staatsordnung bestimmt.

Bürgerhaus: das Familienwohnhaus des Stadtbürgers, das oft auch Werkstatt und Wirtschaftsräume enthielt. Im Gegensatz zum Mietshaus ist das Bürgerhaus Eigentum seines Bewohners, der deshalb durch möglichst reiche Gestaltung der Schauseite seinen gesellschaftlichen Anspruch demonstrierte. Vom herrschaftlichen Schloss und vom Bauernhaus, aus dem sich das Bürgerhaus seit dem 11. Jahrhundert entwickelte, unterscheidet es sich durch die Einreihung in eine Häuserzeile. Aus Mangel an Boden wurde der Nutzraum seit dem 14. Jahrhundert zunehmend durch Mehrstöckigkeit, Keller, teilweises Vorkragen oberer Stockwerke oder Erkerbauten erweitert.

Bürgerkrieg, nordamerikanischer: der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten der USA (1861/65), den die Nordstaaten um die Wiederherstellung der Union und zur Durchsetzung moderner kapitalistischer Produktionsverhältnisse führten. Siehe auch Sezession.

bürgerliches Trauerspiel: dramatische Genre, das in der Aufstiegsphase der bürgerlichen Gesellschaft die sogenannte Ständeklausel in der herrschenden Dramatik ignorierte und tragische Konflikte in der bürgerlichen Lebenssphäre darstellte (meist in der Konfrontation bürgerlicher Tugendvorstellungen mit adliger Unmoral); das bürgerliche Trauerspiel entwickelte sich besonders in Deutschland zu sozialkritischer Schärfe und literarische Meisterschaft (zum Beispiel Lessings «Emilia Galotti», Schillers «Kabale und Liebe»).

Bürgerräte: Organe der Konterrevolution; wurden während der Novemberrevolution 1918/19 in vielen Orten unter Missbrauch des Rätegedankens ins Leben gerufen. Am 5.1. 1919 wurde in Berlin der Reichsbürgerrat als Dachorganisation von über 100 lokalen Bürgerräte gegründet. Die Bürgerräte setzten sich für die Einberufung der Nationalversammlung ein; ihr Einfluss ging nach dem Kapp-Putsch (1920) zurück.

Bürgertum, mittelalterliches: Nebenklasse der Feudalgesellschaft auf der Basis der einfachen Warenproduktion in den Städten. Im Verlauf der Kommunalbewegung von der feudalen Stadtherrschaft unabhängig geworden, rang die bürgerliche Opposition (kleinere Kaufleute, Handwerker) in innerstädtischen Volksbewegungen (Bürgerkämpfen, Zunftkämpfen) mit dem zunächst allein herrschenden Patriziat um die Macht in der Stadt. Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung (13./15. Jahrhundert) beeinflusste das mittelalterliche Bürgertum entscheidend Wirtschaft, Politik und Kultur der feudalen Gesellschaft. Infolge der Herausbildung des Frühkapitalismus zersetzte sich das mittelalterliche Bürgertum zusehends. Während die rasch anwachsenden plebejischen Schichten außerhalb des mittelalterlichen Bürgertums standen und zunehmend eigene Forderungen erhoben, rekrutierten sich die Elemente der kapitalistischen Bourgeoisie aus Teilen des Patriziats, aus großen Kaufleuten und reichen Handwerkern, die zu Unternehmern geworden waren.

Burdach, Konrad, 29. 5. 1859-18. 9. 1936, Germanist; arbeitete über mittelalterlicher und spätmittelalterlicher Literatur (unter anderem «Walther von der Vogelweide», 1900); weitere Veröffentlichungen «Deutsche Renaissance» (1916), «Reformation, Renaissance, Humanismus» (1918), «Rienzo und die geistigen Wandlungen seiner Zeit» (2 Bände, 1913/28).

Burdachscher Strang: aufsteigendes Nervenfasersystem, das zusammen mit dem Gollschen Strang zu dem Hinterstrangsystem des Rückenmarks gehört. benannt nach dem Anatomen und Physiologen Karl Friedrich Burdach (1776-1847).

Bürde: bei Messwandlern die Summe der Belastungswiderstände aus den Widerständen der angeschlossenen Messgeräte, Relais unter anderem sowie der Zuleitung.

Bürgerwehr: in den Volksaufständen 1830/31 und in der Revolution 1848/49 in verschiedenen Teilen Deutschlands gebildete bewaffnete Formationen vorwiegend des liberalen Bürgertums. Sie hatten vor allem die Aufgabe, «Ruhe und Ordnung» zu wahren und die revolutionär-demokratische Bewegung zu bekämpfen.

Burgfrieden: mittelalterliche Rechtsbestimmung, wonach innerhalb der umfriedeten Burg (Stadt) durch Verbot oder Einschränkung der Fehde verstärkter persönlicher und Rechtsschutz bestand.

Burgkmair, Hans der Ältere, 1473-1531, Maler und Zeichner für den Holzschnitt; tätig in Augsburg, zeitweise in Italien; übernahm italienische Renaissanceformen in die deutsche Malerei und wurde zum führenden Meister der Augsburger Renaissance. Seine Hauptwerke sind 6 Gemälde der Hauptkirchen Roms für das Augsburger Katharinenkloster (1501/04). Als vielbeschäftigter Illustrator hatte er großen Anteil an den Holzschnittfolgen für Kaiser Maximilian («Genealogie», «Weißkunig», «Theuerdank»),

Burglehen: Sonderform eines Lehens. Der mit Burg und Besatzung belehnte Burgvogt hatte den Auftrag, die Burg zu bewohnen, zu erhalten und zu verteidigen.

Burgos: Stadt im Norden Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Burgos, auf dem Hochland von Kastilien; 150000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Textil-, Leder-, Papier- und Reifenindustrie; Agrarmarkt; Geburts- und Begräbnisstätte des spanischen Nationalhelden Cid; gotische Kathedrale (13./16. Jahrhundert). Um 884 gegründet, Hauptstadt Kastiliens 1037/85, napoleonische Besetzung 1808/13. Im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 eines der Zentren des faschistischen Putsches und Sitz der Rebellenregierung.

Bürgschaftskredit: Bürgschaft der Bank für einen Kunden, der einen Kredit von einem Dritten aufnehmen möchte; wird besonders im Außenhandel angewendet. Sichert der Bürgschaftskredit die Zahlung einer Wechselsumme, wird er auch Aval genannt.

Burgund, französisch Bourgogne: historisches Gebiet im Osten Frankreichs, als Wirtschaftsregion 31592 km2, 1,6 Millionen Einwohner; 50 Einwohner/km2; wichtigster Ort Dijon; geographisch sehr uneinheitlich: der Nordwesten gehört zum fruchtbaren Pariser Becken (Zuckerrübenanbau, Rinderzucht), im Südwesten Ausläufer des Zentralmassivs (Schwerindustrie besonders in Le Creusot und Montceau-les-Mines), im Zentrum der Gebirgszug des Morvan, im Osten das bewaldete Bergland Côte d’Or mit berühmtem Weinbau, den Südosten nimmt die Saönesenke mit intensiver Landwirtschaft (Weizen- und Maisanbau, Rinder- und Geflügelzucht) ein. Durchgangsland zwischen Rhein, Rhône, Seine und Loire. Der ostgermanische Stamm der Burgunden gründete zu Beginn des 5. Jahrhundert um Worms ein Reich, das 436 durch die Hunnen vernichtet wurde (Nibelungenlied). Um 460 entstand in Südostgallien und in der Westschweiz ein neues Reich, das sich gegen Ende des 5. Jahrhundert über das gesamte Rhönegebiet erstreckte und 534 von den Franken unterworfen wurde. Mit dem Niedergang des fränkischen Großreiches Ende des 9. Jahrhundert entstanden dort 2 selbständige Königreiche: Hochburgund (Westschweiz, spätere Franche Comté) und Niederburgund (Provence, Arélat). Das Herzogtum Burgund (Bourgogne) entstand um 900 als französisches Lehnsfürstentum unter Graf Richard von Autun und umfasste Gebiete Mittel- und Ostfrankreichs; 1363 erhielt Philipp der Kühne Burgund als Apanage. Er und seine Nachfolger erweiterten ihre Herrschaft durch den Erwerb Flanderns sowie niederländischer Gebiete und gefährdeten zeitweilig die Ausbildung der zentralisierten Monarchie in Frankreich. Mit dem Aussterben der Herzoge von Burgund fiel es 1477 an den französischen König, einige Gebiete erhielten die Habsburger. Das Königreich B, auch Arelat genannt, entstand 934 aus dem Zusammenschluss von Hoch- und Niederburgund. Als Folge der zunehmenden Selbständigkeit des Feudaladels war Burgund politisch schwach und kam 1032 unter die Herrschaft der deutschen Kaiser. zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert zerfiel Burgund in mehrere Teilstaaten, die größtenteils an Frankreich fielen.

Burgunden, Burgunder: ostgermanischer Stamm, der um 100 vor Christus wahrscheinlich aus Südnorwegen in das Weichsel- oder-Gebiet einwanderte. Gegen Ende des 4. Jahrhundert zogen die Burgunden nach Westen und gründeten um 413 ein Reich mit dem Zentrum Worms. Siehe auch Burgund.

Burgunder: 1. Bezeichnung für Rot- und Weißweine aus dem französischen Weinbaugebiet Burgund.

2. aus Burgund stammende edle Rebsorten für besonders gute Rotweine (zum Beispiel Blauburgunder, Pinot noir).

Burgunderkriege: Kriege des burgundischen Herzogs Karl der Kühne (1474/77) gegen die mit dem Herzog von Lothringen, den Elsässern unter anderem verbündeten Schweizer Eidgenossen, die in 3 großen Schlachten 1476/77 siegreich blieben.

Burgundische Pforte, französisch Trouée de Beifort: etwa 30 km breite Senke zwischen den Vogesen im Norden und dem Jura im Süden, 350 m über dem Meeresspiegel; Wasserscheide zwischen Rhein und Rhône; Verkehrsweg für Eisenbahn, Straße, Kanal (Rhein- Rhône-Kanal), Erdöl- und Erdgasleitung.

Burgus, sehr kleines Kastell, angelegt zum Schutze von Grenzen und Handelsstraßen.

Burgwall: seit der Jungsteinzeit, häufiger in der jüngeren Bronzezeit vorkommende Befestigungsanlage. Am bekanntesten sind die slawischen Burgwälle des 7./12. Jahrhundert mit zum Teil komplizierten Holz-Erde-Konstruktionen.

Burhan-Budai-Gebirge: Gebirgszug des östlichen Kunlun in China, der im Süden das Tsaidam-Becken begrenzt; früher Marco-Polo-Gebirge bis 7 720 m hoch; besonders im Nordwesten stark vergletschert. Quellgebiet für zahlreiche Flüsse nach dem Tsaidam-Becken, die am Gebirgsfuß im Schutt versickern oder in abflusslose Seen münden. Hochgebirgswüsten; noch wenig erschlossen.

Burkhard: 1. Paul, 21.12.1911-6.9.1977, schweizerischer Komponist und Dirigent; schrieb ausschließlich Theatermusik; seine Operette «Feuerwerk» (1948) wurde ein Welterfolg.

2. Willy, 17.4.1900-18.6.1955, schweizerischer Komponist; schrieb an Bachscher Polyphonie geschulte Instrumentalmusik sowie unter anderem die Oper «Die schwarze Spinne» (1954) und das Oratorium «Das Gesicht Jesaias» (1935).

Burkhardt: 1. Felix, 9.2.1888-28. 4. 1973, Mathematiker; war Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig, wichtige Beiträge zur Statistik.

2. Heinrich, 16.11.1904-3.4.1985, Maler und Graphiker; vom Faschismus als «entartet» diffamiert; 1954/68 Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Burkhardt suchte das Wesen von Menschen und Landschaft der Gegenwart farbbetont und graphisch bestimmt zu erfassen.

Burkina, Burkina Faso: Staat in Westafrika; grenzt in Nordwesten und Norden an Mali, im Nordosten und Osten an Niger, im Südosten an Benin, im Süden an Togo und Ghana und im Südwesten an Elfenbeinküste; verwaltungsmäßig in 10 Departements gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich aus zahlreichen ethnischen Gruppen, besonders Mossi (48% der Bewohner), Bolo (16%), Fulbe, Hausa und Tuareg (15%) sowie Senuso (7%), zusammen. Etwa 90% sind Analphabeten. Amtssprache ist Französisch. Währung ist der CFA-Franc. Burkina umfasst eine von Inselbergen und Sandsteinplateaus durchsetzte, von den Quellflüssen des Volta (Schwarzer, Roter und Weißer Volta) entwässerte Hochfläche im Bereich der Oberguineaschwelle. Es herrscht tropisches Klima mit kurzer Regen- und langer Trockenzeit, nach Nordosten zunehmend. Im Süden Feucht-, sonst Trockensavanne (Sahel). Bisher kaum genutzte Bodenschätze (seit 1984 nationalisiert; Mangan, Bauxit, Nickel, Blei, Gold, Kupfer, Phosphate). Durch lange Kolonialherrschaft äußerst rückständiges Agrarland mit noch feudalen und halbfeudalen Produktionsverhältnissen und weit verbreiteter Naturalwirtschaft. Der Einfluss des Auslands-, besonders französische Kapitals, ist groß. Seit der Machtübernahme durch das fortschrittliche Militär (1983) Zerschlagung der feudalen Macht- und Besitzverhältnisse und Beginn einer progressiven, antiimperialistische Entwicklung. In der Landwirtschaft, in der etwa 90% der Erwerbstätigen beschäftigt sind, wurden 1984 Grund und Boden nationalisiert. Seitens der Regierung werden alle Anstrengungen unternommen, für die Deckung des Lebensmittelbedarfs die völlig unzureichende Agrarproduktion, die noch gegenwärtig von den Folgen der anhaltenden Dünen der vorangegangenen Jahre beeinträchtigt wird, spürbar zu erhöhen. Dabei hat die zunehmende Zahl von Kooperativen große Bedeutung. Wichtigste Wirtschaftszweige sind die Viehhaltung (Rinder, wie der Baumwoll- und Zuckerrohranbau. Eine Verarbeitungsindustrie ist kaum entwickelt. Umfangreich ist die Binnenfischerei. Das Verkehrsnetz ist schwach ausgebaut. Hauptverkehrstrasse ist eine Eisenbahnlinie von Abidjan nach Ouagadougou; internationale Flughäfen in Ouagadougou und Bobo-Dioulasso. Ausfuhr von Lebendvieh, Fleisch, Häuten, Fellen, Baumwolle und Erdnüssen, Einfuhr von Lebensmitteln, Industrieausrüstungen, Fahrzeugen und Brennstoffen. Wichtigste Handelspartner sind Frankreich, die BRD, Elfenbeinküste und die USA.

In dem seit urgeschichtlicher Zeit besiedelten Burkina entstanden im 11./12. Jahrhundert die halbfeudalen Mossi-Reiche Wagadugu (Ouagadougou), Yatenga und Gurmantsche, die zusammen mit unbedeutenderen Staaten 1896/1901 von Frankreich kolonial unterworfen wurden; 1919 Kolonie Obervolta gebildet. Nach mehr als 60jähriger kolonialer Ausbeutung erlangten die Völker Burkinas im Ergebnis ihres antikolonialen Kampfes am 5.8.1960 die staatliche Selbständigkeit. Die proimperialistische und antidemokratische Politik des ersten Präsidenten, M. Yaméogo, führte zur Unzufriedenheit breiter Bevölkerungskreise und im Ergebnis der verstärkt wirkenden Volksbewegung am 3.1. 1966 zur Machtübernahme durch die Armee. Neuer Staats- und Regierungschef wurde S. Lamizana, der auch nach der Bildung einer Zivilregierung unter Ministerpräsident G. K. Ouedraogo (Februar 1971) Staatspräsident blieb. Am 8.2. 1974 wurde das Zivilregime durch Lamizana mit Hilfe der Armee wieder beseitigt. Am 25. 11. 1980 stürzte ein «Militärkomitee der Wiederausrichtung auf den Nationalen Fortschritt» unter Führung von Oberst S. Zerbo Präsident Lamizana und die Regierung Conombo (seit 1978) und errichtete ein Militärregime. Ein angekündigtes «Programm der nationalen Wiedergeburt» blieb aus, so dass es seit Herbst 1981 zur Unzufriedenheit breiter Kreise, insbesondere der Gewerkschaften, mit der Politik der Regierung kam. Oppositionelle Militärs stürzten am 6.11. 1982 die Regierung und übernahmen mit einem «Rat für das Wohl des Volkes» unter J.B. Ouedraogo die Macht; diese wiederum wurden am 5.8.1983 durch den «Nationalen Revolutionsrat» unter Hauptmann T. Sankara abgelöst. Am 4. 8. 1984 Umbenennung des Landes in Burkina Faso.

Bürklüdsche Mustafa, gestorben 1416 (hingerichtet), türkischer Bauernführer und religiöser Reformator; forderte die soziale Gleichheit aller Menschen, die freiwillige Gütergemeinschaft und die Gleichstellung von Muslimen und Christen; gründete einen Orden, dessen Mitglieder in völliger Besitzlosigkeit lebten. Bürklüdsche leitete 1415/16 als Anhänger Bedr ed Dins einen antifeudalen Aufstand türk, und griechischer Bauern der ägäischen Küste, den Sultan Mehmed I. grausam niederschlug.

Burleske: 1. derb-komische Ausdrucksform in den darstellenden Künsten, besonders in Theater und Film; meist durch äußere Turbulenz und vordergründige Situationskomik gekennzeichnet, gelegentlich zum Grotesken tendierend.

2. übermütiges Instrumentalstück, verwandt dem Capriccio und der Humoreske.

Burma, Birma: Staat in Südostasien; grenzt im Norden und Nordosten an China, im Osten an Laos und Thailand, im Süden an das Andamanische Meer, im Westen an das Bengalische Meer sowie an Bangladesh und Indien. Burma ist in 7 Staaten der nationalen Minderheiten (Arakan, Chin, Karen, Kachin, Kayah, Mon, Shan) sowie 7 Provinzen gegliedert. Währung ist Kyat.

Bevölkerung: Mehr als 70% der Bevölkerung sind Burmanen, etwa 8% Shan, 7 % Karen, 2 % Chin, je 1 % Kachin und Inder (noch 60 andere Völkerschaften). Amtssprache ist Burmesisch.

Natur: Die Oberfläche wird durch zwei durch das Irrawaddybecken getrennte, meridional verlaufende Gebirgszüge bestimmt. Die Gebirgsketten (im Westen das Arakan-Gebirge, im Osten das Shan-Hochland) sind durch Flussläufe (Irrawaddy, Salween) zerschnitten und umfassen zum Teil ausgedehnte Hochbecken. An den Flussmündungen erstrecken sich bis 150 km breite Schwemmlandniederungen, die Meeresküste ist buchtenreich.

Burmastraße: 1130 km lange Autostraße von strategischer Bedeutung im 2. Weltkrieg zwischen Nordostburma (Lashio) und China (Kunming) mit Anschluss nach Chongqing; 1939 fertiggestellt; überquert Hochgebirge mit Passhöhen bis zu 2900 m.

Burne-Jones, Sir Edward, 21.8.1833-17.6.1898, englischer Maler, Graphiker und Kunstgewerbler. Von den Ideen der Präraffaeliten ausgehend, schuf er Werke von romantischer Idealität und gestaltete auch Glasfenster, Gobelins, Möbeldekors und Keramiken.

Burnham: 1. James, geboren 22.11.1905, US-amerikanischer reaktionärer bürgerlicher Vulgärökonom und Soziologe; gilt als Begründer der Managertheorie.

2. Linden Forbes Sampson, geboren 20.2.1923, guyanischer Politiker; 1959 Präsident der Anwaltsvereinigung; 1949 Mitbegründer der Fortschrittlichen Volkspartei und deren Vorsitzender bis 1955; gründete nach Abspaltung 1957 den bürgerlich-reformistischen Nationalen Volkskongress; 1964/80 Ministerpräsident, seit 1980 Präsident.

Burns, Robert, 25.1.1759-21.7.1796, schottischer Dichter; Bauernsohn; schuf tief volksverbundene Gedichte, teils im schottischen Dialekt, mit revolutisch-demokratischer Haltung («Die Dumfries-Freiwilligen», 1794, deutsch; «Trotz alledem!», 1795, deutsch von F. Freiligrath; «Die lustigen Bettler», postum 1799, deutsch); voll tiefer Heimat- und Naturliebe sind «Mein Herz ist im Hochland» (1790, deutsch) und «An ein Maßlieb» (1786, deutsch).

Burnus: weiter weißer, farbiger oder gestreifter Wollstoffmantel (meist mit Kapuze) der Beduinen Arabiens und Nordafrikas.

Bürokratie: privilegierte, abgekapselte, engstirnige Beamtenherrschaft. ursprünglich Bezeichnung für den Staatsapparat der feudalabsolutistischen Monarchie. Im Imperialismus ist die Bürokratie als militärischer und ziviler Verwaltungsapparat zur Beherrschung und Unterdrückung der Volksmassen besonders stark ausgeprägt.

Bürokratismus: aus der Praxis der Bürokratie als einer mit der Bourgeoisie eng verbundenen und sie politisch repräsentierenden Schicht entstandene negative gesellschaftliche Einstellung; gekennzeichnet durch Verletzung der Interessen des Volkes, Reglementieren und Administrieren. Der Bürokratismus ist in der antagonistischen Klassengesellschaft mit der Unterdrückungsfunktion des Staatsapparates gegenüber den Volksmassen verbunden. Mit der sozialistischen Umgestaltung verliert der Bürokratismus seine soziale Basis.

Büroleim: Lösung von Dextrin oder Gummiarabikum mit fäulniswidrigen Zusätzen zum Kleben von Papier; die Klebstellen sind nicht wasserfest.

Büromaschinen: maschinelle Hilfsmittel zur Mechanisierung und Automatisierung von Büroarbeiten, bei hochwertiger Funktionsfähigkeit auch zur Datenerfassung und -Verarbeitung. Unterschieden werden Schreibmaschinen und loch- oder magnetbandgesteuerte Schreibautomaten zur Erledigung des Schriftverkehrs, Vervielfältigungsgeräte für die Anfertigung vieler Kopien, Diktiergeräte zur Aufnahme und Wiedergabe von Diktaten und Telefongesprächen, Stenografiermaschinen für schnelle Diktate, Bürorechner und Rechenautomaten für Berechnungen, Buchungs- beziehungsweise Fakturiermaschinen für kombinierte Schreib- und Rechenarbeiten, Lochkartenmaschinen für Verarbeitung von Daten, Registrierkassen, Geldzähl-, Geldsortier- und Geldwechselmaschinen für den Bargeldverkehr, Briefbearbeitungsmaschinen für die ein- und ausgehende Post. Einfachere maschinelle Hilfsmittel im Büro sind Aktenvernichter, Heftapparate, Locher, Klebe-, Perforiermaschinen unter anderem.

Bursa: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten der Türkei; früher Brussa\ 470000 Einwohner; Zentrum der Wolle- und Seideproduktion, Herstellung von Kfz, Lebensmitteln; Flughafen; Heilbäder und Thermalquellen.

Bürste: Strom Übertragungselement zwischen feststehenden Leitern und rotierenden Teilen (Kommutator, Schleifringe) elektrischer Maschinen. Die Bürste besteht aus Graphit, zum Teil mit Metallstaub und Teer versetzt (Kohlebürste, Metallgraphitbürste), sie wird im Bürstenhalter geführt und von einer Feder auf das rotierende Teil gepresst.

Bürstenbad: warmes Bad mit konstanter, absteigender oder ansteigender Temperatur, das mit einer kräftigen Bürstung des Körpers verbunden ist. Die starke Hautreizung wirkt anregend auf das Herz-Kreislauf-System.

Bürstensaum, Kutikularsaum: Anatomie Gesamtheit der fingerförmigen Ausstülpungen der Zellmembran (der Oberflächenvergrößerung dienende Mikrozotten beziehungsweise Mikrovilli) von meist resorptiv tätigen prismatischen Epithelzellen, zum Beispiel Nierenkanälchen.

Buru: Insel der südlichen Maluku-Inseln, zu Indonesien gehörend; mit der 187 km2 großen Insel Ambelau im Südosten 9500 km2, über 20000 Einwohner; gebirgig, bis 2736 m über dem Meeresspiegel; tropisches Klima mit immergrünem tropischen Regenwald; Gewinnung von Edelhölzern; Anbau von Zuckerrohr, Gewürzen unter anderem.

Burundi, Republik Burundi: Binnenstaat in Ostafrika, nordöstlich vom Tanganjikasee; grenzt im Norden an Rwanda, im Osten und Süden an Tansania und im Westen an Zaire; verwaltungsmäßig in 8 Provinzen gegliedert.

Von der Bevölkerung sind 80% Hutus, 17% Tutsi und 1 % Twa. Amtssprachen sind Rundi und Französisch. Die Analphabetenrate liegt bei 85%. Währung ist der Burundi-Franc. Burundi erstreckt sich von der Sohle des Zentralafrikanischen Grabens im Westen über dessen Ostrand und östlichen Abdachung zum 1500 bis über 2000m überm Meer gelegenen ostafrikanischen Zentral Plateau im O. Es herrscht ein subäquatoriales, wechselfeuchtes Klima (2 Regenzeiten); überwiegend Savanne, im Gebirge zum Teil tropischer Regenwald; Teile des Tanganjikasees gehören zu Burundi; Nickel-,Wolfram-, Gold-, ferner Uran-, Kupfer-, Zinn-, Kobaltvorkommen. Infolge langer Kolonialherrschaft ist Burundi ein wenig entwickeltes Agrarland, das zu den am schwächsten entwickelten Staaten Afrikas gehört. Etwa 90% der Beschäftigten sind in der Landwirtschaft, die mit 95% am Gesamtexport beteiligt ist, tätig. Für den Eigenbedarf Anbau von Maniok, Bananen, Kartoffeln, Bohnen, Mais, Sorghum, Hirse und Reis, für den Export Erzeugung von Kaffee (etwa 85% der Deviseneinnahmen), Baumwolle, Tee, Sisal und Tabak; wenig bedeutsame Viehhaltung (Symbol für Reichtum), aufstrebende Fischerei. Verarbeitende Industrie (Lebensmittelbetriebe) und Bergbau (Bastnäsit, Kassiterit) sind sehr gering entwickelt. Burundi besitzt kein ausgebautes Verkehrsnetz, der Flugverkehr (internationaler Flughafen in Bujumbura) ist unbedeutend. Der Außenhandel erfolgt über die Häfen Matadi (Zaire), Mombasa (Kenia) und Daressalam (Tansania). Einfuhr von Lebensmitteln, Industrie-, Konsumgütern; Haupthandelspartner sind Belgien, Frankreich, BRD, USA. Die Entwicklung Burundis setzte im 16. Jahrhundert ein, als Tutsi-Nomaden die einheimischen Hutu unterwarfen und eine feudale Merkmale aufweisende Monarchie begründeten; Blütezeit unter Ntare II. (1825/52). Partikularistische Bestrebungen erleichterten das Vordringen deutscher Kolomaleroberer, die Burundi 1899 mit Rwanda als Ruanda-Urundi an die Kolonie Deutsch-Ostafrika angliederten. 1916 von Belgien besetzt, wurde Burundi 1923 zusammen mit Rwanda zum belgischen Völkerbundmandatsgebiet und 1946 zum belgischen UN-Treuhandgebiet erklärt. Tatsächlich änderte sich jedoch nichts an der kolonialen Abhängigkeit und ökonomischen Rückständigkeit Burundis. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich die Unabhängigkeitsbewegung, der Belgien mit Teilzugeständnissen zu begegnen suchte. Die 1958 von Prinz L. Rwagasore (1961 ermordet) gegründet Partei der Einheit und des Nationalen Fortschritts (französisch Abkürzung UPRONA) forderte Unabhängigkeit und Abzug der belgischen Truppen. Am 1. 7. 1962 erreichte Burundi unter König Mwambutsa IV. die staatliche Selbständigkeit. In den Folgejahren kam es zu politisch und ethnisch motivierten Spannungen. Nach Übernahme der Macht durch die Armee unter Führung M. Micomberos wurde die Monarchie beseitigt und am 28.11. 1966 die Republik ausgerufen. Am 1.11.1976 übernahmen Militärkräfte unter Führung von J. B. Bagaza die Macht; ein Oberster Revolutionsrat wurde geschaffen und eine Neuorganisation der UPRONA durchgeführt (1. Nationalkongress Dezember 1979); sie strebt eine progressive Innen- und eine antiimperialistische Außenpolitik an.

Burunduk, Eutamias sibiricus: in Waldgebieten des nördlichen Osteuropas bis Ostasiens lebendes Hörnchen mit Backentaschen; frisst Samen, Beeren und Insekten; hält Winterschlaf.

Buruschasken, Bunschken: sprachlich isoliertes Volk im Hunzatal (Nord-Kashmir); zusammen mit den ihnen verwandten Werschiken im oberen Gilgittal etwa 50000; betreiben Gartenbau auf Gebirgsterrassen; Muslime, zum Teil Ismailiten.

Bürzeldrüse: paarige Hautdrüse der Vögel zwischen den Spulen der Schwanzfedern. Das ölige Sekret der Bürzeldrüse dient der Einfettung des Gefieders.

Burzenland, rumänisch Tara Birsei: fruchtbares, vom Olt durchflossenes Einbruchsbecken im Südosten von Transilvania (Rumänien); umgeben vom Perani- (bis 1104 m), Baraolt- (bis 1018 m) und Burzengebirge (Munji Birsei, bis 1844 m); 500 bis 600 m hoch; Hauptort Brasov; intensive Landwirtschaft (Zuckerrüben, Obst).

Buschbock, Tragelaphus scriptus: rehartiger Wiederkäuer mit leierförmigem Gehörn, lebt in tropischen Waldgebieten Afrikas; nahe verwandt ist der in kleinen Gruppen Südostafrika bewohnende Nyala (T. angasi).

Büschelentladung: an stark gekrümmten hochspannungsführenden Teilen (Elektroden) aus der Vorentladung entstehende ungleichmäßige büschelförmige Gasentladung.

Büschelkiemer, Syngnathiformes: überwiegend Meeresfische mit röhrenförmig ausgezogener Schnauze und büschelförmigen Kiemen; die Eier entwickeln sich in einer von der Bauchhaut gebildeten Bruttasche der Männchen; hierzu Seenadeln, 1 Seepferdchen, Schnepfenfische.

Büschelmücken, Chaoborus: Gattung der Stechmücken, zum Stechen jedoch unfähig; Männchen mit langgefiederten Fühlern; bilden große Schwärme; Larven durchsichtig (Glaslarven), schweben waagerecht im Wasser.

Buschfische, Ctenopoma: zu den Kletterfischen gehörende, kleinere, oft ansprechend gefärbte Süßwasserfische des tropischen Afrikas; Aquarienfische.

Buschhornplattwespen, Diprionidae: Familie der Pflanzenwespen; Männchen mit doppelt gekämmten Fühlern; leben oft schädlich auf Nadelhölzern.

Busento: Nebenfluss des Crati in Kalabrien (Unteritalien); nach der Sage begruben hier die Westgoten 410 nach Christus ihren König Alarich I.

Bushido: (japanisch, «Weg des Ritters») im spätfeudalistischen Japan Verhaltenskodex der Samurai aus buddhistischen, konfuzianistischen und shintoistischen Lehren; fordert vor allem unbedingte Loyalität gegenüber dem Lehnsherrn und Geringschätzung jeder Tätigkeit außer dem Waffenhandwerk; noch heute in reaktionären Ideologien in Japan zum Teil nachweisbar.

Busken-Huet, Conrad, 28. 12. 1826-6. 5. 1886, niederländischer Schriftsteller, trat als Kritiker scharf gegen bürgerlicher Mittelmäßigkeit und Selbstzufriedenheit auf; verfasste auch kulturhistorische Werke von großer Bedeutung («Das Land Rembrandts», 3 Bände, 1882/84, deutsch).

Buskonzept: Methode bei Entwicklung und Auslegung von Raumflugkörpern. Ein kombinierfähiges Grundbauteil (Bus) wird durch Zusatzelemente entsprechend der geplanten Aufgabenstellung zu spezialisierten Satelliten ergänzt.

Buson, Yosa, eigentlich Taniguchi Yosa Buson, 1716—25. 12. 1783, japanischer Haiku-Dichter, später Maler; schuf unter chinesischen Einfluss und in Entsprechung zur Haiku-Dichtung stark gefühlsbetonte, naturverbundene stimmungsvolle Tuschmalereien.

Busoni, Ferruccio, 1. 4. 1866-27. 7. 1924, italienischer Pianist und Komponist; bemühte sich um eine neue Klassizität und war mit verschiedenen Schriften (unter anderem «Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst», 1907) ein bedeutender Anreger und Verfechter neuer kompositorischer und musikästhetischer Gesichtspunkte; schrieb Opern («Turandot», 1917; «Doktor Faust», 1925, unvollendet), Klavierwerke unter anderem; war auch Herausgeber und Bearbeiter von Werken J. S. Bachs und F. Liszts.

Bussarde, Buteo: Gattung bis 60 cm langer Greifvögel mit breiten Flügeln und kurzem gerundetem Schwanz; Flug ruhig, oft kreisend; erbeuten Mäuse und andere Kleinsäuger meist im Sturzflug. Heimisch sind der Mäusebussard und als Wintergast der Raufussbussarde (Buteo lagopus) mit weißen Unterflügel- und Schwanzfedern sowie dunklem Schwanzende; siehe auch Wespenbussard.

Buße: (mittelhochdeutsch buoz(e), «Besserung, Abhilfe») 1. im Mittelalter Zahlung von Friedens- beziehungsweise Fehdegeld.

2. Abwendung von der Sünde durch Reue und den ernsten Willen zur Besserung. Im Neuen Testament bedeutet Buße Umkehr und Sinnesänderung.

Bußtag, Buß- und Bettag: evangelischer Feiertag am Mittwoch vor dem Totensonntag.

Bustani, Butrus al-, 1819-1883, libanesisch-maronitischer Wissenschaftler; bekannt durch die Herausgabe eines arabischen Wörterbuches und des ersten arabischen Konversationslexikons. Bustani hatte großen Anteil an der Herausbildung der arabischen Unabhängigkeitsbewegung im 19. Jahrhundert.

Bustelli, Franz Anton, 12.4. 1723-18.4. 1763, schweizerischer Porzellanplastiker des Rokokos; seit 1754 an der Nymphenburger Porzellanmanufaktur tätig, begründete er mit seinen Arbeiten deren Ruhm.

Busto Arsizio: Stadt in Oberitalien, in der Region Lombardei, nordwestlich von Mailand; 81000 Einwohner; Zentrum der Baumwollindustrie mit internationaler Textilausstellung; Textilmaschinenbau; Eisen- und Stahlwerk; Kuppelkirche Madonna di Piazza (16. Jahrhundert) mit Fresken.

Bustrophedon: (griechisch, «wie man Pflugochsen wendet») Furchenschrift; Schrift mit wechselnd links- und rechtsläufigen Zeilen; in archaischen griechischen und lateinischen Inschriften und in der Anordnung hethitische Hieroglyphen verwendet.

Butadien, ein farbloses, brennbares, leicht verflüssigbares Gas von typischen Geruch; Kp -4,4 °C. Butadien wird karbochemisch über Äthin aus Kalk und Kohle gewonnen, petrolchemisch aus Krackgasen abgetrennt und unter anderem zur Herstellung von Synthesekautschuk und ABS-Polymeren verwendet.

Butan: Bezeichnung für die 2 Alkane der Formel C4H10. Sowohl n-B. (Normalbutan), Kp -0,5°C, als auch lsobutan, Kp -11,7°C, sind farblose, brennbare Gase. Sie kommen in Erdöl und Erdgas vor und werden als Treib- und Heizgase sowie als chemische Zwischenprodukte verwendet.

Butanol: Bezeichnung für die 4 strukturisomeren Alkanole der Formel C4H,OH. Am wichtigsten ist n-B. (Normalbutanol), eine farblose, brennbare, hustenreizende, wasserlösliche Flüssigkeit; Kp 117,3°C. Isobutanol (2-Methyl-propanol), siedet bei 108°C. Beide Butanol sowie ihre Ester werden als Lösungsmittel verwendet.

Buten, Butylen: Bezeichnung für die 4 Alkene der Formel C4H8. n-B. (Normalbuten), ist ein farbloses, brennbares Gas, das aus Krack- und Erdgasen isoliert werden kann. Es wird hauptsächlich zu hochklopffesten Vergaserkraftstoffkomponenten (Klopffestigkeit) verarbeitet.

Butenandt, Adolf Friedrich Johann, geboren 24.3.1903, Biochemiker; Professor in Berlin, Tübingen und München; bekannt durch seine Hormonforschungen; ihm gelang die Isolierung und Aufklärung der chemischen Konstitution der Geschlechtshormone Östron, Progesteron und Androsteron.

Butt, Isaac, 6.9.1813-5.5.1879, irischer Politiker; formulierte 1870 die Selbstverwaltungsforderung (Homerule) für Irland. Sie wurde zum Programm einer Massenbewegung, deren Führung Butt später verlor, da er den aktiven Kampf ablehnte.

Butte: 1. Butte, Bothidae: Plattfische, deren Augen fast immer auf der linken Körperseite liegen; wirtschaftlich wichtig sind der bis 1 m lange Steinbutte (Rhombus maximus) und der kleinere Glattbutte (R. rhombus), beide kommen an den europäischen Küsten des Atlantik, in der Ostsee und im Mittelmeer vor.

2. Butte: als Wursthülle verwendeter Teil des Rinderdickdarms.

Butte: Bergbauort im Bundesstaat Montana (USA); 28000 Einwohner; Lagerstätten von Kupfererz mit Silber-, Mangan- und Zinkbeimengungen, Förderung im Tiefbau.

Bütte: 1. (Holz-) Tragegefäß für Weintrauben bei der Ernte; Inhalt 12 bis 15 kg.

2. Papierherstellung: a) Behälter mit Umwälzorgan (Propeller, Rührarm) zum Speichern (auch Mischen) von Faser- und Hilfsstoffsuspensionen (Vorrats- beziehungsweise Mischbütte) beziehungsweise als Teil der Papiermaschine, aus der Ganzstoff dem Sieb zugeteilt wird (Maschinenbütte);

b) Schöpfgefäß (ovaler Holztrog) zur handwerklichen Papierherstellung.

Büttel: (althochdeutsch, zu «bieten») im Feudalismus Gerichtsdiener, Häscher, in bürgerlichen Staaten im Volksmund Bezeichnung für Polizist.

Büttenrede: geistreich witzige Karnevalsrede, gehalten aus der Bütte, einem Fass, das als Redekanzel dient.

Butter, aus gesäuertem oder süßem Rahm (selten Molkenrahm) der Kuhmilch unter Zusatz von Kochsalz und eventuell Bakterienkulturen (Säurewecker) gewonnenes plastisches Fettprodukt. Butter ist eine Wasser-in-Fett-, das Ausgangsprodukt Rahm hingegen eine Fett-in-Wasser-Emulsion. Die Herstellung gliedert sich in die Rahmgewinnung, die Rahmerhitzung und -abkühlung, die Rahmreifung (zum Teil Zusatz von Säureweckern) und die Verbutterung. Charakteristisch ist der hohe Gehalt der Milchfett-Glyceride an niederen und mittelkettigen Fettsäuren. Man unterscheidet Sauerrahm- und Süßrahmbutter. Ferner unterteilt man in Marken-, Molkerei- und Kochbutter, wobei Sauerrahm- und Süßrahmbutter als Markenbutter (79% Fettgehalt), Sauerrahm- und Süßrahm-Tafelbutter als Tafelbutter (74% Fettgehalt) bezeichnet werden. Kochbutter darf nicht an den Einzelhandel abgegeben werden. Frische Landbutter (60% Fettgehalt) und Frische Rahmbutter (45 % Fettgehalt) sind energiereduzierte Erzeugnisse (Milchhalbfette), das heißt nicht Butter im engeren Sinne, sondern butterähnliche Erzeugnisse.

Butterblume: volkstümliche Bezeichnung für gelbblühende Wiesenpflanzen, besonders Hahnenfuß, Löwenzahn, Sumpfdotterblume.

Butterfly: («Schmetterling») Eiskunstlauf Sprung von einem auf das andere Bein, bei dem der Körper fast waagerecht zur Eisfläche in der Luft liegt und Beine und Arme eine scherende Bewegung ausführen.

Buttermilch: ernährungsphysiologisch hochwertiges Nebenprodukt der Butterherstellung, das etwa 3,5 bis 3,8% Eiweiß, 3 bis 3,7% Milchzucker (Laktose), 0,2 bis 0,5% Fett, Vitamine (B2, C) und Mineralstoffe (besonders Kalzium und Phosphor) enthält.

Butterpilz, Suillus luteus: Röhrling mit braunem, schleimigem Hut, hellgelben Röhren und beringtem Stiel; vorwiegend im Kiefernwald; Speisepilz.

Buttersäure, Butansäure: eine farblose, wasserlösliche, schwach saure, ölige Flüssigkeit von ranzig-schweißartigem Geruch; F -6,5°C, Kp 163,5 °C; die Salze und Ester heißen Butyrate. Buttersäure kommt als Glycerinester in der ¡Butter vor.

Buttersäurebakterien: von toten, organische Substraten lebende, säurefeste Stabbakterien, die Kohlenhydrate zu Buttersäure vergären; sie sind an der Zersetzung organischer Substanz im Boden beziehungsweise im Verdauungskanal beteiligt.

Butterschmalz, Schmelzbutter, durch Ausschmelzen von Butter erhaltenes, fast reines Butterfett (99,5% Fett, 0,25% Eiweiß, 0,25% Wasser); dient als Back- und Bratfett.

Büttner, Paul, 10.12. 1870-15.10. 1943, Komponist; schuf unter anderem 4 Sinfonien; war in Dresden Leiter des Arbeitersängerbundes und 1924/33 Direktor des Konservatoriums.

Button: nach einem US-amerikanischen Eiskunstläufer): Eiskunstlauf hoher Sprung, bei dem beide Beine gleichzeitig nach vom-oben gegrätscht, der Oberkörper nach vom gebeugt und die Arme zu den Beinen ausgestreckt werden.

Butung: Insel im Malaiischen Archipel, vor der Südostküste von Sulawesi; zu Indonesien gehörend; mit umliegenden kleinen Inseln 3793 km2, etwa 260000 Einwohner; Hauptort Bau-Bau. Bei tropischen Klima überwiegend mit immergrünem tropischem Regenwald bedeckt; Gewinnung von Edelhölzern; Anbau von Kokospalmen, Reis und Mais.

Butyrophenone: stark wirksame Neuroleptika, die vor allem zur Neuroleptanalgesie eingesetzt werden.

Butzenscheibe: kleine, meist runde Scheibe aus grünlichem Glas mit Verdickung in der Mitte. Butzenscheiben werden mit Bleiverglasungen als Fensterscheiben verwendet.

Bützow: Kreisstadt im Bezirk Schwerin, im Tal der Warnow; 11000 Einwohner; Schiffszubehör-, Sauerstoff-, Möbel-, Trockenmilchwerk; Verkehrsknoten, Hafen; Museum, gotische Stadtkirche (13. Jahrhundert).

Buxtehude, Dietrich, 1637(?)-9.5.1707, Komponist und Organist in Lübeck; veranstaltete in der dortigen Marienkirche konzertartige «Abendmusiken» und beeinflusste besonders durch seine Orgelkunst J. S. Bach, G. F. Händel (die ihn in Lübeck besuchten) unter anderem.

Buys-Ballot, Christopherus, 10.10.1817—3.2.1890, niederländischer Physiker und Meteorologe; arbeitete über Molekularphysik und synoptische Meteorologie; formulierte das barische Windgesetz; Mitbegründer der Internationalen Meteorologischen Organisation.

Buzzati, eigentlich Buzzati-Traverso, Dino, 16.10.1906-28.1.1972, italienischer Schriftsteller und Maler; behandelt in Romanen wie «Die Männer vom Gravetal» (1933), «Die Festung» (1954), «Amore» (1963, alle deutsch) und Erzählungen wie «Panik in der Scala» (1949, deutsch) menschliche Probleme, jedoch ist das von jeder Gesellschaftsbezogenheit isolierte Geschehen stets in eine Atmosphäre des Übernatürlich-Phantastischen eingehüllt.

B-Waffen-Konvention, Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung von bakteriologischen (biologischen) und Toxin-Waffen und über ihre Vernichtung.

Byblos: im Altertum bedeutende phönikische Handelsstadt, nördlich von Berytos (Beirut); Umschlagplatz im vorderasiatisch-ägyptischen Handel; seit 1919 Ausgrabungen; heute Dschebel.

Bykowski, Waleri Fjodorowitsch, geboren 2.8.1934, sowjetischer Kosmonaut; führte 1963 mit Wostok 5 einen 5tägigen Raumflug aus; war Kommandant von Sojus 22 (erster Einsatz der Multispektralkamera MKF-6 vom VEB Carl Zeiss JENA) sowie von Sojus 31 (gemeinsamer Flug mit S. Jähn).

Bylinen: (russisch, «Vergangenes», «Gewesenes») altrussische epische mündlich überlieferte Heldenlieder in Versen über Ereignisse des 11./16. Jahrhundert, in Zyklen um Kiew (Heldenbylinen, zum Beispiel über Ilja Muromez) und Nowgorod (novellistische Bylinen, zum Beispiel über Sadko) gruppiert.

Byron, George Noël Gordon, Lord, 22.1.1788 — 19.4.1824, englischer Dichter; war zusammen mit P. B Shelley und J. Keats Vertreter der englischen revolutionären Romantik. In seinem poetischen Reisetagebuch «Ritter Harolds Pilgerfahrt» (1812/18, deutsch) artikuliert der lyrische Held bürgerlich-patriotischer Freiheitsstreben, in dem satirischen Versroman «Don Juan» (1819/24, deutsch) wird die europäischen Adelsgesellschaft analysiert. Dazwischen liegen von revolutionärem Freiheitspathos erfüllte «orientalische» Poeme («Der Giaur», 1813, deutsch; «Der Korsar», 1814, deutsch) und von romantischen-individualistischen «Weltschmerz» durchdrungene Versdramen («Manfred», 1817, deutsch; «Tassos Klage», 1817, deutsch). Im «Lied für die Ludditen» (1816) trat er politisch-agitatorisch gegen die englische Reaktion auf. Seit 1816 lebte Byron in Italien, unterstützte dort die Carbonari; ging 1823 nach Griechenland, um am Freiheitskampf des griechischen Volkes teilzunehmen. Als Dichter von Weltruf hatte Byron bedeutenden Einfluss auf die europäische Literatur.

Byssusdrüse: bei vielen Muscheln im vorderen Bereich des Fußes gelegene Drüse. Das Sekret, der fädige, zähflüssige und im Wasser schnell erstarrende Byssus (Muschelseide), dient zur Befestigung des Tieres an der Unterlage sowie zur Herstellung feiner Gewebe.

byzantinische Kunst: die Kunst des Byzantinischen Reiches, die in der spätantiken und frühchristlichen Kunst der Mittelmeerländer wurzelte und sich im 5. Jahrhundert im Ostteil des römischen Reiches herausbildete. Ihre Werke standen vornehmlich im Dienste der christlichen Kirche. Die bedeutendsten Leistungen erreichte die byzantinische Kunst in der Baukunst (Kuppelbasilika und Kreuzkuppelkirche), in der Monumentalmalerei und im Mosaik, in der Buchmalerei und im Kunsthandwerk (Silberschmiedearbeiten, Email und Elfenbeinschnitzereien), wogegen die Plastik (ausgenommen das Relief) vernachlässigt wurde. Hauptwerke der frühbyzantinische Periode (6-/8. Jahrhundert) sind die Kuppelbasiliken Hagia Sophia (532/37) und Hagia Eirene (um 532) sowie Zisternen- und Befestigungsanlagen in Konstantinopel (Istanbul), Mosaiken der Kirchen und der elfenbeingeschnitzte Bischofsthron (Maximianskathedra, 6. Jahrhundert) in Ravenna. Die Prunkhandschriften «Wiener Genesis» und «Codex aus Rossano» (6. Jahrhundert) stehen in syrischer Tradition. Für die mittelbyzantinische Periode (9. bis Anfang 13. Jahrhundert) sind kleine kreuzförmige Kuppelkirchen mit reicher Ausstattung an Mosaiken und Wandmalereien (Hosios-Lukas-Kloster in Phokis, Griechenland, 11. Jahrhundert) bezeichnend. In der Malerei ist eine Rückbesinnung auf die Antike bemerkbar (Miniaturen der «Homilien des Gregor von Nazianz», 9. Jahrhundert; Pariser Nationalbibliothek). Nach dem Verlust der ägyptischen und syrischen Provinzen und der Abtrennung von der römisch-katholischen Kirche verbleiben Konstantinopel, Griechenland, Teile Kleinasiens und der Balkan als Kerngebiete der byzantinischen Kunst. Die spätbyzantinische Periode (13. Jahrhundert bis zur türkischen Eroberung Konstantinopels 1453) zeichnet sich in der Baukunst durch eine dekorative Belebung der (meist in Backstein ausgeführten) Fassaden, in der Malerei durch gefühlsbetonte, verfeinerte Gestaltungen aus. Die Prinzipien der byzantinischen Kunst lebten noch über Jahrhunderte, insbesondere auf dem Balkan, fort (Mönchsrepublik Athos, Hagion Oros). Eine hohe Bedeutung kommt der byzantinischen Kunst bei der Herausbildung der Kunst des Feudalismus in Osteuropa zu. Befruchtend wirkte sie während des Mittelalters nicht nur auf Mittel- und Westeuropa, sondern auch auf die islamischen Länder des Mittelmeerraumes.

byzantinische Literatur: die Literatur des Byzantinischen Reiches, die in griechischer Sprache abgefasst, die altgriechische Literatur und mit ihr den rückwärtsgewandten Attizismus der römischen Kaiserzeit fortsetzte. Neben einer offiziellen Literatur in der an den klassischen Vorbildern geschulten Schriftsprache stand ein volkstümliches Schrifttum in der sich beständig fortentwickelnden Umgangssprache. Die neugriechische Diglossie (Doppelsprachigkeit) wurde so durch die byzantinische Literatur vorbereitet. Die byzantinische Literatur selbst trägt hauptstädtlichen Charakter und ist geprägt durch Traditionsbewusstsein und daraus resultierender Überschätzung der Form, Gelehrsamkeit anstelle von Empfindung, Abschließung gegenüber fremden Einflüssen. Die Leistungen der byzantinischen Literatur sind ungleich. Auf poetischem Gebiet steht neben traditionsverbundener Epigrammatik (Griechische Anthologie, 10. Jahrhundert) die noch heute in den östlichen-orthodoxen Kirchen lebendige rhythmische Hymnik (Romanos, 6. Jahrhundert), während eine vielfach gesellschaftskritische Volksdichtung sich vom 10. Jahrhundert an entfaltete (Digenis Akritas); das Drama fehlt völlig. Bedeutendes leistete die Historiographie in der zeitgeschichtliche Darstellung (Prokopios, 6. Jahrhundert; Anna Komnena, 12. Jahrhundert), der Kirchengeschichtsschreibung (Eusebios, 4. Jahrhundert) und der Weltchronistik (Malalas, 6. Jahrhundert). Die umfangreiche theologische Literatur gipfelte in Johannes von Damaskus (8. Jahrhundert), die philosophische in Michael Psellos (11. Jahrhundert) Philologie, Rhetorik, Rechts- und Militärwissenschaft wurden aufmerksam gepflegt. Die byzantinische Literatur hat wesentlich zur Erhaltung des antiken Geistesgutes beigetragen und die Herausbildung von Literaturen bei den Völkern des östlichen Mittelmeer- und des Kaukasusgebietes sowie bei den Ost- und Südslawen gefordert.

byzantinische Musik: die hauptsächlich auf altchristliche und altvorderasiatischen Traditionen fußende kultische Gesangsmusik des Byzantinischen Reiches, die 2 Hauptgattungen umfasst, die Musik des höflichen und kirchliches Zeremoniells und die Musik der orthodoxen Kirche. Erstere wird antiphonal von Doppelchören ausgeführt und ist instrumental begleitet, letztere ist einstimmig und unbegleitet. Das Tonsystem verfügt über 4 authentische(Haupt-) und 4 plagale (Neben-) Tonarten (Echoi), die im 8./9. Jahrhundert in der westeuropäischen Kunstmusik übernommen wurden. Vom byzantinischen Kirchengesang nahm der russischen und südslawischen seinen Ausgang. Von der weltlichen byzantinischen Musik ist wenig erhalten und erforscht.

Byzantinisches Reich: feudaler Staat (4. Jahrhundert/ 1453). Der seit Ende des 3. Jahrhundert gesondert verwaltete Ostteil (Griechenland, Mittel- und Ostbalkan, Kleinasien, Syrien, Palästina, Ägypten) des Römischen Reiches wurde 395 juristisch endgültig vom Westteil als Ostrom. Reich getrennt, das später nach der antiken Bezeichnung seiner Hauptstadt Konstantinopel (Byzantion) Byzantinische Reich genannt wurde. Auf Grund seiner größeren wirtschaftlichen Stabilität (Weiterbestehen der Städte) und des vorherrschenden Kleingrundbesitzes mit relativ geringer Verwendung von Sklavenarbeit konnte das Byzantinische Reich im Gegensatz zum Weströmischen Reich die Krise des 4./5. Jahrhundert überwinden, die bestehende Ordnung nach innen und außen erfolgreich verteidigen. Unter Justinian I (527/65) gelangen sogar die Rückeroberung Italiens und Nordafrikas und die Wiederherstellung spätantiker Produktionsverhältnisse (Sklaverei und Kolonat) in diesen Gebieten. Mit der Eroberungspolitik ging eine rücksichtslose Ausbeutung einher; es kam zu zahlreichen Aufständen (siehe auch Nika-Aufstand). Kriege und Steuerforderungen hatten jedoch die Kraft des Reiches erschöpft. So gingen außer den eroberten Gebieten auch Syrien (636) und Ägypten (646) verloren. Durch das Zusammenwirken von innerer Krise und Angriffen der Slawen, Perser (6./7. Jahrhundert) und Araber (ab 7. Jahrhundert) wurden die alten Produktionsverhältnisse im Wesentlichen zerstört, begannen sich zögernd feudale Verhältnisse herauszubilden. Südslawische Stämme siedelten sich in den Balkangebieten und in Griechenland an und stärkten die Dorfgemeinden, die auch in anderen Provinzen wiederbelebt wurden. Seit Herakleios (610/41) wurde die Themenverfassung aufgebaut und das Söldnerdurch ein Bauernheer ersetzt. So vermochte sich das Byzantinische Reich in seinen Kerngebieten (Griechenland, Balkanhalbinsel, Kleinasien) schließlich zu stabilisieren. Nach der Periode des Bilderstreits (726/843) und dem Scheitern des großen Aufstandes unter Thomas dem Slawen (820/23) hatten die Angriffe des sich formierenden Feudaladels auf den kleinen Grundbesitz und seine Versuche, die Bauern zu Abhängigen (Paröken) zu machen, zunehmend mehr Erfolg. Nach den vergeblichen Versuchen der Kaiser des 10. Jahrhundert, diese Entwicklung durch Gesetze aufzuhalten, erreichte die Feudalentwicklung im 11./12. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die Lehen (Pronoia), die für besondere Dienste vergeben wurden, erinnern an westliche Feudalinstitutionen. Im 11. Jahrhundert ging ein großer Teil Kleinasiens an die Seldschuken verloren. Auf die Gründung der Kreuzzugsstaaten (12. Jahrhundert), die ebenso wie die italienischen Stadtrepubliken für Byzanz eine gefährliche Handelskonkurrenz bedeuteten, folgte nach dem 2. Kreuzzug die Errichtung des Lateinischen Kaiserreiches (1204/61) auf byzantinischem Gebiet. Im 14. Jahrhundert erschütterten große Volksbewegungen das erheblich reduzierte Byzantinische Reich (Zeloten), das schließlich 1453 den Angriffen der osmanischen Türken erlag.

Byzantinistik, Byzantinologie: Wissenschaft, die sich mit Geschichte, Sprache und Kultur des Byzantin. Reiches sowie dessen historische Stellung und Nachwirkung beschäftigt. Ihre Vertretung ist die Internationale Assoziation für byzantinistische Studien.

Byzantinismus (zu «Byzanz»): Kriecher (Unterwürfigkeit).

Bzura: linker Nebenfluss der Wisla. Im 2. Weltkrieg fand an der Bzura die größte Schlacht (9-/23. 9. 1939) während des faschistischen Aggressionsfeldzuges gegen Polen statt.