Lexikon S

Saakadze, Georgi, genannt Großer Mouravi, um 1580 bis 3.10.1629 (hingerichtet), georgischer Staatsmann und Feldherr, vom persischen Schah Abbas I. 1620 als Teilherrscher in Georgien eingesetzt, leitete 1625 einen Volksaufstand gegen Persien; musste nach dessen Niederlage in die Türkei fliehen und wurde dort Opfer eines Verrats.

Saalburg: römisches Kohortenkastell am obergermanischen Limes im Taunus, nordwestlich von Bad Homburg; 83 nach Christus errichtet. Durch Ausgrabungen wurde die Saalburg teilweise rekonstruiert; zahlreiche Funde sind im dortigen Museum untergebracht.

Saalburg: Stadt im Kreis Schleiz, Bezirk Gera, im Thüringer Schiefergebirge, am Ostufer der Bleilochtalsperre; 1300 Einwohner; Marmorwerk; Erholungsort (Wassersport).

Saale: linker Nebenfluss der Elbe; 427 km, davon 95 km schiffbar; entspringt im Fichtelgebirge, durchfließt in tiefem, gewundenem Tal den Frankenwald und in die DDR übertretend, das östlichen Thüringen, wird mehrmals gestaut (besonders Bleiloch-, Hohenwartetalsperre), ist ab Halle kanalisiert und mündet bei Barby; wichtigste Nebenflüsse sind von links Schwarza, Ilm, Unstrut, Salza, Wipper und Bode, von rechts Orla und Weiße Elster.

Saalfeld: Kreisstadt im Bezirk Gera, am Nordrand des Thüringer Schiefergebirges, an der Saale; 34000 Einwohner; Maschinenbau, feinmechanische-optische, elektrotechnische, polygraphische, Lebensmittelindustrie (Süßwaren unter anderem); Verkehrsknoten; Staatliches Sinfonieorchester, Musikschule, Heimatmuseum; mittelalterliche Altstadt mit baulichen Sehenswürdigkeiten (gotische Kirchen, Rathaus von 1529/37, Stadttore). Im Südwesten von Saalfeld die Feengrotten (farbige Tropfsteinhöhlen; beliebtes Ausflugsziel). 899 als fränkischer Hof erwähnt, im 13. Jahrhundert Stadtrecht; wirtschaftliche Blüte durch Eisen-, Silber- und Kupferbergbau im 16. Jahrhundert; 1680/1735 Residenz des Herzogtums Sachsen-Saalfeld. Am 10.10.1806 erzwangen bei Saalfeld Truppen Napoleons I. mit einem Sieg über preußische Verbände den Zutritt in das Saaletal.

Saane: linker Nebenfluss der Aare in der Schweiz; 129 km; entspringt mit dem Quellfluss Hongrin in den Berner Alpen, durchfließt die Freiburger Alpen und das Mittelland; zahlreiche Wasserkraftwerke (Ölberg, Thusy-Hauterive unter anderem).

Saar, französisch Sarre: rechter Nebenfluss der Mosel; 246 km; entspringt in den nördlichen Vogesen (Frankreich), durchfließt das Lothringer Stufenland und in der BRD das Saarland, bildet Mäander, mündet bei Trier; wird zwischen Saarbrücken und Trier kanalisiert, in der BRD Industriekonzentration im Saartal.

Saar, Ferdinand von, 30.9.1833-24.7.1906 (Selbsttötung), österreichischer Schriftsteller; bis 1859 Berufsoffizier; verfasste realistische Lyrik («Wiener Elegien», 1893), seine Novellistik ist bestimmt von der psychologischen Gestaltung österreichisches Zeitprobleme («Novellen aus Österreich», 1876; «Die Steinklopfer», 1874).

Saarbrücken: Hauptstadt des Bundeslandes Saarland, Verwaltungssitz des Stadtverbandes Saarbrücken; an der Saar; 190000 Einwohner; Hüttenindustrie, Stahl- und Maschinenbau, daneben Elektro-, chemische, Holz-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie, Steinkohlenbergbau (besonders im nordöstlichen Stadtteil Dudweiler) Saarmesse; Hafen; Universität, Hochschulen (Musik, Pädagogik), Fachschulen; Staats- und Landestheater, Universitätsbibliothek; Rundfunk- und Fernsehsender, Zoo; Barockbauten. In Dudweiler «Brennender Berg» (schwelendes Steinkohlenflöz), von Goethe besucht und beschrieben. Im Gebiet einer alten römischen Siedlung sowie der 999 erwähnten Burg entstanden, 1321 Stadtrecht; 1381/1793 Residenz der Fürsten von Nassau-Saarbrücken; 1815 zu Preußen; Steinkohlenbergbau und Eisenindustrie entfalteten sich seit 1850; 1919/35 unterstand das gesamte Saargebiet dem Völkerbund; seit 1955 Sitz der Saarland. Landesregierung.

Saaremaa, Sarema: größte Insel in der Ostsee; früher Öse; 2714 km2; Hauptort Kingisepp bis 54 m hohe Kalktafel, von Wald, Wiesen und Sümpfen bedeckt; Viehwirtschaft, Fischfang; Damm zur Nachbarinsel Muhu (204 km2).

Saarikoski, Pentti, 2.9.1937-25.8.1983, finnischer Schriftsteller; glossierte von progressivem Standpunkt politischer Ereignisse (dt. Gedichtauswahl «Ich rede», 1965). Seit 1975 in Schweden lebend, kommentierte er mit dem Prosawerk «Eine Sache oder keine» (1980) weiterhin finnische Verhältnisse. Besondere Verdienste erwarb sich Saarikoski auch als Übersetzer von Weltliteratur.

Saarinen: 1. Aarne, geboren 5.12.1913, finnischer Arbeiterführer, Steinmetz; seit 1934 Gewerkschaftsfunktionär, seit 1944 Mitglied der KP, seit 1957 des ZK und 1964 des Politbüros, 1966/82 Vorsitzender der KP, 1961/66 Mitglied des Generalrats des WGB; 1962/70 und 1972/82 Reichstagsabgeordneter.

2. Eero, 20.8.1910-1.9.1961, US-amerikanischer Architekt finnischer Herkunft. Kennzeichen seiner eigenwilligen, kühn entworfenen Bauschöpfungen ist die Synthese von modernen Bauformen und klassische Strenge. Saarinen war auch als Innenarchitekt tätig.

Saarlouis: Kreisstadt im Saarland, an der Saar; 39000 Einwohner; Hütten- und metallverarbeitende Industrie, Kfz- und Stahlbau; Reste der ehemaligen Festung.

Saarow-Pleskow, Bad: Gemeinde im Kreis Fürstenwalde, Bezirk Frankfurt, am Nordufer des Scharmützelsees; 3400 Einwohner; Kur-, Erholungszentrum (Wassersport).

Saat: 1. soviel wie Aussaat.

2. nach der Aussaat auflaufende Pflanzenbestände, besonders beim Getreide.

Saatenanerkennung: behördliche Begutachtung des in sozialistischen Landwirtschaftsbetrieben auf der Basis von Vermehrungsverträgen erzeugten Saat- und Pflanzgutes.

Saateule, Agrotis segetum: 4 cm spannender, graubrauner Eulenfalter mit weißlichen Hinterflügeln; seine Erdraupen sind an Blättern und Wurzeln von Feldkulturen schädlich.

Saatgut: körnerartige, zur Aussaat dienende Pflanzenteile (Wassergehalt s 15%), die im Unterschied zum Pflanzgut auf geschlechtlichem (generativem) Wege entstanden sind; entweder Samen (Klee, Luzerne), Früchte (Gräser, so auch Getreide), Fruchtstände oder Teile davon (Rüben). Die Qualität des Saatguts beeinflusst den Pflanzenertrag wesentlich. Äußere Qualitätsmerkmale sind Kornform, -große, Tausendkornmasse, Schüttdichte, Keimfähigkeit (Keimpotenz), -geschwindigkeit, Triebkraft, Farbe, Glanz, Geruch, Reinheit und Wassergehalt. Die Produktion von Saatgut erfolgt unter staatlicher Kontrolle in einzelnen Anbaustufen. Von den im Zuchtgarten angebauten Pflanzen wird nach einer Leistungsprüfung das als Stammelite oder Zuchtgartenelite bezeichnete Saatgut gewonnen; daraus wird in Saatzuchtbetrieben die Super(super)elite und schließlich in Vermehrungsbetrieben die Elite beziehungsweise Hochzucht gewonnen. Jede weitere Saatgutvermehrung wird als Absaat oder Nachbau bezeichnet. Die staatliche Kontrolle erstreckt sich auf die I Saatenanerkennung beziehungsweise (Saaten-) Aberkennung. Im Feldbestand werden bei der Feldanerkennung Sortenechtheit, Anbaustufe und Herkunft sowie der Besatz mit bestimmten Krankheiten beurteilt.

Saatgutbereiter: kombinierte Reinigungs- und Sortiermaschine für vorgereinigte Körnerfrüchte zur Auslese hochwertigen Saatgutes; besteht aus Windsichter, Siebeeinrichtung, Zellenausleser und Beizapparat.

Saatgutinkrustierung: Methode der Saatgutbehandlung, bei der das Saatgut nach Anfeuchten oder Zusatz eines Kleb- oder Haftmittels mit einem Insektizid versehen wird; dadurch erhalten die Samen eine relativ stabile insektizide Umhüllung. Saatmethoden: das Ausbringen des Saatgutes mit Hilfe verschiedener Verfahren (Aussaat); bei vegetativer Vermehrung als Auspflanzung bezeichnet. Bei Breitsaat wird das Saatgut breitflächig von Hand, mit Bodenmaschinen oder Flugzeugen auf den Acker gebracht. Die Reihensaat erfolgt mittels Bodenmaschinen. Bei der Drillsaat wird das Saatgut mit Drillmaschinen durch Drillrohre und -schare im gewünschten Reihenabstand und in die spezifische Tiefe abgelegt. Bei der Lichtschachtsaat werden für Nachfolgearbeiten einzelne Saatreihen ausgespart, um Pflanzenbeschädigungen durch Maschinen zu vermeiden. Eine andere Reihensaatmethode ist die Dibbelsaat, bei der mit sogenannten Dibbelmaschinen das Saatgut, zum Beispiel von Rüben, in bestimmten Abständen innerhalb der Reihe abgelegt wird.

Saatschnellkäfer, Agriotes: Gattung der Schnellkäfer mit mehreren mitteleuropäische Arten; Larven (Drahtwürmer) sind Schädlinge an unterirdischen Teilen von Feldkulturen.

Saba: semitisches Königreich in Südarabien, etwa 10./5. Jahrhundert vor Christus; Hauptstadt Ma‘rib, das Alte Testament berichtet vom Besuch einer Königin von Saba bei König Salomo.

Sabac: Stadt in Serbien, an der Sava; 52000 Einwohner; Metall-, chemische Industrie, Zinkverarbeitung, Nahrungs- und Genussmittelindustrie; Straßenknoten.

Sabadell: Stadt im Nordosten Spaniens, nördlich von Barcelona; 185000 Einwohner; bedeutendes Zentrum der Textilindustrie, ferner metallurgische, chemische, elektrotechnische Industrie; Hochschule; Museum für Urgeschichte.

Sabah: Gliedstaat von Malaysia, im Norden der Insel Kalimantan; 73711 km2, 1,1 Millionen Einwohner; 15 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kota Kinabalu (108000 Einwohner). Überwiegend gebirgig (Kinabalu 4101 m), im Nordosten, an der Sulusee, zum Teil sumpfiges Küstentiefland mit Mangrovendickichten; 80% der Fläche sind mit tropischen Regen- und Bergwald bedeckt. Erdöl- und Kupferforderung bei starkem britischem und japanischem Kapitaleinsatz. In der Landwirtschaft Anbau von Tee, Kaffee, Obst; bedeutende Forstwirtschaft. Export von Holz, Erdöl und Kupferkonzentrat.

Sabahattin All, 25.2.1907-1.4.1948 (von der Reaktion ermordet), türkischer Schriftsteller; beschreibt in sozialkritisch und realistisch gestalteten Novellen (dt. Auswahl «Anatolische Geschichten», 1953) und Romanen («Yusuf aus Kuyucak», 1937; «Der Teufel in uns», 1940) das Leben anatolische Bauern und Provinzstädter.

Sabato, Ernesto, geboren 23.7.1911, argentinischer Romancier, gestaltet die verzweifelte und ergebnislose Suche intellektueller Helden nach einem sinnerfüllten Leben («Der Maler und das Fenster», 1948, deutsch; «Über Helden und Gräber», 1962, deutsch; «Abaddon, der Austilger», 1974).

Sabattier-Effekt: (nach dem französischen Entdecker) teilweise oder vollständige Bildumkehrung bei fotografischen Bildern, wenn während des Entwickelns kurzzeitig weißes Licht auf sie trifft.

Sabbat, Schabbes: der jüdische Ruhetag (von Freitag- bis Samstagabend), gilt als streng einzuhaltender Feiertag.

Säbel: ursprünglich orientalische Hiebwaffe mit einschneidiger, gekrümmter und zugespitzter Klinge; seit 16. Jahrhundert in europäischen Kavallerien verbreitet. Fahnenbegleitkommandos und Kommandeure von Ehrenformationen der NVA führen bei Paraden einen Ehrensäbel. Im Fechten Hieb- und Stoßwaffe (bis 105 cm lang, bis 500 g schwer).

Säbelschnäbler, Recurvirostra avosetta: 45 cm langer schwarz und weiß gefärbter Regenpfeifervogel mit langem aufwärts gebogenem Schnabel; brütet meist an Salzseen; ernährt sich von Kleinlebewesen; in Westeurasien und Afrika verbreitet.

Sabin, Albert Bruce, geboren 26.8. 1906, US-amerikanischer Virusforscher; Professor in Cincinnati (Ohio); wurde durch Arbeiten über Pneumokokkeninfektion, Kinderlähmung und andere Viruskrankheiten des Nervensystems bekannt; 1954/55 erste Veröffentlichungen über orale Impfung (Schluckimpfung) mit dem abgeschwächten lebenden Poliovirus.

Sabjner: altitalischer Volksstamm nordöstlich von Rom; zur Sprachgruppe der Umbro-Sabeller zählend. Die Sabjner waren der Überlieferung nach an der Gründung Roms beteiligt; 290 vor Christus wurden sie von den Römern unterworfen.

Sabiner Berge: Kalkkette des Vorapennins in Mittelitalien (Region Latium), den Abruzzen vorgelagert, bis 1368 m; meist kahl, teils von Macchie bedeckt, mit Steilabfall zur Campagna di Roma.

Sabir, eigentlich Mirsa Alekper Torsade, 31.5.1862-25.7.1911, aserbaidschanischer Dichter, entlarvte in volkstümlichen Versen, unter anderem in der satirischen Zeitschrift «Molla Nasreddin», reaktionäre Erscheinungen seiner Zeit; Begründer einer neuen satirischen-realistischen Schule.

Sabotage: verborgene Störtätigkeit; Verbrechen, die auf Durchkreuzung oder Desorganisation der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft, der Tätigkeit staatlicher Organe oder gesellschaftlichen Organisationen, der Verteidigungskraft oder der Außenwirtschaftsmaßnahmen gerichtet sind, um die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung der DDR zu schwächen.

Sacco dl Roma: ausgiebige Plünderung Roms 1527 durch die deutschen und spanischen Söldner Karls V. im Krieg gegen Franz I. von Frankreich und den Papst. Zerstörung zahlreicher Kunstschätze der Renaissance.

Sacco und Vanzetti, US-amerikanischer Arbeiter italienischer Herkunft: Nicola Sacco, geboren 20.8.1891, und Bartolomeo Vanzetti, geboren 11.6. 1888; wurden 1921 unter falscher Anklage verurteilt und am 22.8. 1927 trotz erwiesener Unschuld hingerichtet; 1977 teilweise rehabilitiert.

Sachalin: größte Sowjet Insel im Stillen Ozean, durch den Tatarensund vom Festland getrennt; 930 km lang, 76400 km2, 670000 Einwohner; 9 Einwohner/km2; Hauptort Jushno-Sachalinsk. Besteht aus 2 küstenparallelen Gebirgszügen (bis 1609 m), die durch eine zum Teil versumpfte Niederung getrennt werden; im Norden Tiefland; tätige Vulkane; Monsunklima; waldreich. Fischfang und -Verarbeitung, Holz-, Zellulose- und Papierindustrie; Bergbau (Erdöl (bei Ocha; Fernleitungen nach Komsomolsk am Amur), Erdgas, Kohle), Kartoffel-, Gemüse-, Futterpflanzenanbau und Rinderzucht im Süden, Renzucht und Pelztierjagd im Norden; Eisenbahnfähre zum Festland (Cholmsk-Wanino). Seit 1855 gemeinsamer Besitz Russlands und Japans; 1875 ganz zu Russland; 1905/45 war Südsachalin japanisch, 1920/25 auch Nordsachalin von Japan okkupiert; seit 1945 gehört wieder ganz Sachalin zur UdSSR.

Sachari Sograf, 1810-14.6.1853, bulgarischer Maler; Hauptmeister der bulgarischen kirchlichen Wand- und Ikonenmalerei seiner Zeit (Werke in den Klöstern Batschkovo, Rila, Trojan unter anderem); begründete zugleich eine neue realistische bürgerliche Bildnismalerei.

Sacharimeter: Gerät zur Messung des Zuckergehaltes wässriger Lösungen, das die Drehung der Schwingungsebene linear polarisierten Lichtes durch die Lösung ausnutzt. Der Drehwinkel ist der Zuckerkonzentration proportional.

Sacharin, Saccharin: synthetischer Süßstoff ohne Nährwert; etwa 500mal süßer als Rübenzucker; Benzoesäuresulfimid. Sacharjew-Suchoruk, Kusma Minitsch Minin.

Saccharose, Rohrzucker, Rübenzucker. Disaccharid, das durch Enzyme oder Säuren in D-Glukose und Fruktose aufgespalten wird. Saccharose findet sich in der Zuckerrübe (16 bis 20%), im Zuckerrohrsaft (14 bis 26%), in Maisstengeln, Möhren und vielen Früchten. Sie bildet farb- und geruchlose, süß schmeckende, leicht wasser- und schwer alkohollösliche Kristalle (F179 bis 180 °C), die bei stärkerem Erhitzen in Karamell und schließlich Zuckerkohle übergehen. Das Vorkommen in der Rübe wurde 1747 von A. Marggraf entdeckt; siehe auch Zucker.

Sacharow, Andrejan Dmitrijewitsch, 19.8.1761-8.9.1811, russischer Architekt; tätig in Petersburg als Hauptarchitekt des Admiralitätsbaues. Hauptwerke: Admiralität (1806/23), Andreaskathedrale in Kronstadt (ab 1806), alles im Stil des strengen Klassizismus.

Sachbeschädigung: Zerstörung, Vernichtung, Beschädigung oder Unbrauchbarmachung von Sachen, die sozialistische, persönliches oder privates Eigentum sind; vorsätzliche und rechtswidrige Sachbeschädigung ist strafbar.

Sachbuch: populärwissenschaftliches Buch, das bei einer Synthese von sachlich-wissenschaftlichen und ästhetisch-künstlerischen Gestaltungselementen sowie allgemeinverständliche Darstellung der Bildung dient.

Sachen: körperliche Gegenstände als Rechtsobjekte; für bewegliche Sachen (zum Beispiel Möbel) finden überwiegend andere Rechtsvorschriften Anwendung als für unbewegliche Sachen (zum Beispiel Grundstücke). Kraft besonderer Rechtsvorschriften sind auch Elektro- und Wärmeenergie Sachen im Sinne des Zivilrechts.

Sachenrecht: herkömmliche Bezeichnung für Rechte an Sachen (dingliche Rechte), insbesondere das Eigentumsrecht, ferner Pfandrechte, Hypotheken unter anderem. Als Sachenrecht wurde auch das Gesamtsystem der diese Rechte regelnden Rechtsvorschriften bezeichnet.

Sacher, Paul, geboren 28.4.1906, schweizerischer Dirigent; Leiter des 1926 von ihm gegründeten Baseler Kammerorchesters; verdienstvoller Interpret und Auftraggeber neuer Werke (unter anderem von B. Bartok, W. Fortner, H. W. Henze, P. Hindemith, A. Honegger, B. Martinu, I. Strawinsky); sorgte auch für stilgerechte Aufführungen alter Musik.

Sachkatalog, Realkatalog: Katalog, der den Bestand einer Bibliothek inhaltlich erschließt; unterschieden wird zwischen Systematischem Katalog und Schlagwortkatalog.

Sachlegitimation: Befugnis, einen Anspruch im Zivilprozess als Kläger (Aktivlegitimation) beziehungsweise gegen den Verklagten (Passivlegitimation) geltend zu machen; als Prozesslegitimation der Nachweis ordnungsgemäßer Beauftragung eines Prozessvertreters durch Vollmacht.

Sachleistungen: Leistungen der Sozialversicherung an die Versicherten und deren mitversicherte Familienangehörige in Form von -Betreuungstätigkeit oder Sachwerten. Zu den Sachleistungen gehören insbesondere ärztliche und zahnärztliche Behandlung, Krankenhausbehandlung, Kuraufenthalte, Versorgung mit Arzneien, Heil- und Hilfsmitteln.

Sachmet, (ägyptisch, «die Mächtige») altägyptische Göttin des Krieges, meist löwenköpfig dargestellt; Hauptkultort war Memphis.

Sachs: 1. Curt Sachs, 29.6. 1881-5.2. 1959, Musikwissenschaftler, erwarb sich besondere Verdienste um die Entwicklung der Musikethnologie und der Instrumentenkunde; schrieb auch Standardwerke über den Tanz und die Musik der Antike; von den Faschisten seiner Ämter enthoben und aus Deutschland vertrieben; wirkte seit 1937 in den USA. Hans, 5.11.1494-19.1.1576, Dichter, Repräsentant der Nürnberger Meistersinger, Schuhmachermeister, schrieb annähernd 4400 Meisterlieder und 73 volkstümliche weltliche («Ich fahr1 dahin») und geistliche Lieder, etwa 1700 Spruchgedichte, darunter zahlreiche Schwänke («Das Schlaraffenland», 1530) und Fabeln, 85 Fastnachtspiele («Der fahrende Schüler im Paradeis», 1550), insgesamt 125 «Tragödien» und «Komödien» sowie 7 zeitkritische Prosadialoge. In ganz Deutschland bekannt machte ihn sein Spruchgedicht «Die Wittenbergisch Nachtigall» (1523), ein Bekenntnis zur lutherische Reformation, die für sein Werk grundlegende Bedeutung erlangte. Seme Kritik an Adel, Klerus und Patriziat ist überwiegend verhüllt.

2. Julius Sachs, 2. 10. 1832-29. 5. 1897, Botaniker; hauptsächlicher Begründer der modernen experimentellen Pflanzenphysiologie; forschte unter anderem über Assimilation und die Faktoren der Pflanzenentwicklung (Blütenbildung unter anderem).

3. Nelly Sachs, 10.12.1891-12.5.1970, Dichterin; Tochter eines jüdischen Fabrikanten; konnte sich 1940 mit Sachs Lagerlöfs Hilfe nach Stockholm retten. In ihren Gedichten stellt sie in moderner metaphemreicher Sprache das jüdische Schicksal, das sie stellvertretend für die leidende Kreatur gestaltet, in kosmischen Bezüge («In den Wohnungen des Todes», 1947; «Suche nach Lebenden», 1971, unter anderem); übersetzte zeitgenössische schwedische Lyrik.

Sachsen: westgermanischer Stamm, zu Beginn unserer Zeit erstmalig in Holstein erwähnt. Wahrscheinlich Ende des 2. Jahrhundert entstand durch Eroberung des Gebiets östlich der Wesermündung der sächsische Stammesverband, der sich in der Folgezeit weiter nach Süden und Westen ausbreitete und spätestens seit dem 3. Jahrhundert durch Eroberung beziehungsweise bündnismäßige Vereinigung unter anderem Angrivarier, Cherusker und Marser in sich aufnahm. Ein Teil der Sachsen stieß nach 400 mit den Angeln und Jüten nach Britannien vor (Angelsachsen). An der Vernichtung des Thüringerreiches 531 waren Sachsen maßgeblich beteiligt. Im 8. Jahrhundert reichte das Siedlungsgebiet der Sachsen über das spätere Nordwestdeutschland vom Rhein bis zur Elbe (mit Ausnahme der fries. Gebiete an der Nordseeküste) und von der Eider bis zur Unstrut und den Mittelgebirgen. In den sogenannt Sachsenkriegen (772/804) von Karl dem Großen unterworfen.

Sachsenhausen: Gemeinde nördlich von Oranienburg. 1936/45 faschistisches KZ mit über 100 Arbeitskommandos und Außenlagern; von den mehr als 200000 Häftlingen fast aller europäischen Nationen wurden über 100000 ermordet, darunter 18000 sowjetische Kriegsgefangene. Trotz des Tenors organisierte eine illegale Organisation der KPD sowie ein internationales Lagerkomitee den Widerstand der Häftlinge. Nationale Mahn- und Gedenkstätte.

Sachsenring: Rundkurs für Automobil-, Motorrad- und Radrennen bei Hohenstein-Ernstthal; Länge einer Runde = 8,618 km.

Sachsenspiegel: zwischen 1215 und 1235 von dem anhaltinische Ritter Eike von Repgow verfasste Zusammenstellung des deutschen Land- und Lehnsrechts; ältestes und bedeutendstes deutsches Rechtsbuch, Vorbild des Deutschenspiegels und des Schwabenspiegels.

Sächsischer Aufstand: Erhebung sächsischer Bauern und Feudalherren zwischen Harz und Thüringer Wald 1073/75, richtete sich gegen die vermehrten Dienste und Abgaben, die Heinrich IV. zum Ausbau und zur Sicherung (Burgenbau) des Kronguts im Harz benötigte, die auch den Interessen der großen sächsischen Feudalherren zuwiderliefen, sowie gegen die Übergriffe der auf den Königsburgen sitzenden schwäbischen Reichsministerialen. Höhepunkt war die Zerstörung der Harzburg (1074) durch die Bauern; vom Feudaladel im Stich gelassen, unterlagen diese 1075 dem König.

Sächsischer Bauernaufstand: bedeutendste bewaffnete Erhebung der bäuerliche Bevölkerung in Kursachsen 1790 unter dem Eindruck der Franzos. Revolution von 1789. Durch Aktionen der Aufständischen wurden Feudalherren verjagt oder vorübergehend zum Verzicht auf alle Dienste, Fronen und Zinse gezwungen. Im September 1790 konnte der Sächsische Bauernaufstand niedergeschlagen werden, da ihn das Bürgertum der Städte nicht unterstützte.

Sächsisches Hügelland, Mittelsächsisches Bergland, Mittelsächsisches Hügelland-, flachwelliges, waldarmes, landwirtschaftlich intensiv genutztes Hügelland mit tief eingeschnittenen Tälern, zwischen Freiberger und Zwickauer Mulde; bis 353 m (Rochlitzer Berg), fruchtbare Lößlehmböden.

Sachurteil: Urteil im Zivilprozess, das darüber entscheidet, ob der erhobene Anspruch rechtlich begründet ist oder nicht.

Sachurteilsvoraussetzungen: gesetzlich erfasste und von Amts wegen zu prüfende Gründe, die im Zivilprozess eine Verhandlung und Entscheidung über den geltend gemachten Anspruch erst ermöglichen, zum Beispiel Zuständigkeit des angerufenen Gerichts, Zulässigkeit des Gerichtsweges.

Sachverhalt: die in einer Aussage widergespiegelte Beziehung zwischen Gegenständen und Eigenschaften der objektiven Realität oder zwischen Begriffen. Existiert der Sachverhalt objektiv-real, ist er eine Tatsache.

Sachversicherung: Sammelbezeichnung für alle Versicherungsarten, bei denen Sachen (Dinge) den Gegenstand des Versicherungsschutzes bilden. Die Sachversicherung gleicht finanzielle Verluste durch versicherte Schäden an versicherten Sachen aus, zum Beispiel Gebäude Feuer-Pflichtversicherung.

Sachverständiger, Gutachter: Person, die auf Grund besonderer Fachkenntnisse in der Lage ist, Tatsachen festzustellen, Vorgänge aufzuklären oder die Kenntnis von Erfahrungssätzen zu vermitteln. Gutachten von Sachverständiger sind gerichtliche Beweismittel.

Sack, Erna, 6.2.1898-2.3.1972, Sängerin (Koloratursopran); wirkte unter anderem seit 1935 an der Dresdner Staatsoper; wurde dank virtuoser Stimmbeherrschung und ungewöhnlicher Stimmumfangs (bis c4) auf ihren Konzertreisen in viele führende Musikzentren der Welt als «deutsche Nachtigall» bezeichnet

Sackmotten, Futteralmotten, Coleophoridae: Familie mottenartiger Schmetterlinge; Falter mit schmalen spitzen Flügeln, Spannweite bis 24 mm; Raupen ohne Bauchfüße, leben anfangs in Blättern minierend, später in selbst gefertigten Säcken aus Pflanzenteilen oder gesponnenen Gehäusen. Die Raupen der Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) sind gelegentlich an Lärchen schädlich.

Sackspinnen, Clubionidae: Spinnenfamilie mit etwa 1500 Arten; überwiegend nachtaktive Jäger, die sich tagsüber in selbstgewebten Wohnsäcken unter Steinen, Rinde oder zwischen Moos aufhalten; manche bauen charakteristische Eikokons («Feenlämpchen»). Der mitteleuropäische Ammen-Dornfinger (Chiracanthium punctorium) kann auch den Menschen schmerzhaft beißen.

Sackträger, Psychidae: Schmetterlingsfamilie mit rund 400 Arten, davon etwa 100 in Mitteleuropa. Weibchen flügellos, oft auch Beine, Fühler und Mundwerkzeuge zurückgebildet; verbleiben zeitlebens im Raupensack. Männchen mit breiten, dunkelgefärbten Flügeln. Die Raupen leben in einem aus Fremdkörpern (besonders Pflanzenteilen) selbstgefertigten köcherartigen Sack, worin sie sich auch verpuppen.

Sacramento: 1. Sacramento: Fluss im Südwesten der USA; 615 km, davon 432 km schiffbar; entspringt im Klamath Gebirge (Kalifornien), durchfließt den Nordteil des kalifornischen Längstales und mündet mit dem San Joaquin in die San-Francisco-Bucht des

Stillen Ozeans: zur Bewässerung und Elektroenergiegewinnung aufgestaut (Shasta Lake (119 km2); Kraftwerk mit 379 MW).

2. Hauptstadt des Bundesstaates Kalifornien (USA), am Unterlauf des Stillen Ozeans 1; 280000 Einwohner, als Metropolitan Area 800000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Holz-, Lenkwaffen-, polygraphische Industrie, Maschinenbau; Tiefwasser- und Binnenhafen, Schiffskanal nach San Francisco; Universität, Colleges; Messe; Capitol; Militärbasis.

Sadat, Anwar as-, 25.12.1918-6.10.1981, ägyptischer Politiker und Offizier; Mitglied der «Freien Offiziere» (Dubbat al-Ahrar); 1964/69 Präsident der Nationalversammlung, seit 1970 Präsident; orientierte Ägypten auf eine kapitalistische Entwicklung und eine proimperialistischen Innen- und Außenpolitik; von rechtsextremistischen islamischen Kräften erschossen.

Sadd al-Ali, As-: größter Nilstaudamm Ägyptens (111 m hoch), südlich von Assuan, 1960/71 mit Sowjet Hilfe gebaut; Stausee (Nassersee: 5500 km2, Inhalt 167 Md. m3) für Bewässerung (1,5 Millionen ha) und Fischfang. Am Sadd al-Ali größtes afrikanisches Wasserkraftwerk (2100 MW).

Sadduzäer: (lateinisch griechisch hebräisch) Anhänger einer religiös-politische Richtung des Judentums in Palästina vom 2. Jahrhundert vor Christus bis etwa 70 nach Christus; besaßen als Angehörige der priesterlichen Führungsschicht erheblichen Einfluss; ihre Gegner waren die Pharisäer.

Sade, Donatien Alphonse François Marquis de, 2.6.1740-2.12.1814, französischer Schriftsteller, gestaltete in seinen Prosawerken insbesondere sexuelle Perversionen (Sadismus); erfuhr als häufige Bezugsperson für spätbürgerlichen philosophischen, ästhetischen und künstlerischen Entwicklungsrichtungen eine überaus wechselhafte Rezeption.

Sadebaum, Juniperus sabina: giftige Wacholderart der Gebirge Asiens, Südeuropas sowie der Alpen; immergrüner niederliegender Strauch mit aufstrebenden Zweigen, Nadeln von unangenehmem Geruch; in Parks und Friedhöfen angepflanzt.

Saadi, Mosleh-ud-Din, um 1213/19-9.12.1292, persischen Dichter, Klassiker der persischen didaktischen Literatur, Verfasser des Lehrgedichts «Bustan» («Der Obstgarten», 1257, deutsch) und des «Golestan» («Der Rosengarten», 1258, deutsch), einer Sammlung von kunstvoll mit Versen verknüpften kleinen Prosageschichten, in denen Saadi seine ethischen Grundsätze und reichen Lebenserfahrungen vermittelt. Saadis Werke werden im Orient hoch geschätzt, wurden häufig kommentiert und vielfach übersetzt.

Sadji, Abdoulaye, 1910-25.12.1961, senegalesische Romancier; wurde durch die Ausarbeitung einer afrikanischen-humanistischen Alternative zum kolonialistische Menschenbild Begründer der modernen senegalesische Literatur.

Sadoveanu: 1. Ion Marin, eigentlich Iancu-Leonte Marinescu, 15.6. 1893-2.2. 1964, rumänischer Schriftsteller; schuf mit dem Roman «Jahrhundertwende in Bukarest» (1944, deutsch) ein realistisches Sitten- und Gesellschaftsbild, mit «Jahre der Entscheidung» (1957, deutsch) einen Bildungsroman aus den 20er Jahren unseres Jahrhunderts.

2. Mihail, 5.11.1880-19.10.1961, rumänischer Schriftsteller; sein umfangreiches Erzählwerk gilt als die bedeutendste Gestaltung rumänischen bäuerlichen Lebens in seiner nationalspezifische Ausprägung. Realist Schilderungen vom Existenzkampf der Bauern im Vorkriegsrumänien verbinden sich mit psychologische Durchleuchtung («Nechifor Lipans Weib», 1936, deutsch). Die Romane «Die Brüder Ideri» (3 Bände, 1935/42, deutsch), «Reiter in der Nacht» (1952, deutsch) unter anderem waren traditionsbildend für den rumänischen historischen Roman.

sae research: Abkürzung für Society of Automotive Engineers, US-amerikanische Gesellschaft der Kfz Ingenieure, die unter anderem die international anerkannte Einteilung der Motorenschmieröle nach Viskosität vornahm. Leistungsangabe des Kfz-Motors in «SAE-kW» ist vielfach üblich.

Saefkow, Anton, 22.7.1903-18.9.1944 (ermordet), Funktionär des KJVD und der KPD; seit 1924 Mitglied der KPD; 1928/33 leitender Funktionär in Bezirksleitungen der KPD; 1933/39 inhaftiert; gehörte ab 1942 der Leitung der illegalen Bezirksorganisation Berlin und ab 1943 der illegalen Landesleitung der KPD an; 1944 erneut verhaftet.

Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation: Bezeichnung für die antifaschistische Widerstandsorganisation während des 2. Weltkrieges (besonders 1942/44), die von der illegalen Bezirksorganisation Berlin der KPD geleitet wurde. 1944 verfügte die Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation über ein Netz von mehr als 50 illegalen Betriebszeilen. Sie vereinte Kommunisten, Sozialdemokraten und bürgerlichen Antifaschisten, unterhielt Kontakte zu Organisationen in anderen Gebieten Deutschlands und zum ZK der KPD. 1943 gehörten A. Saefkow, F. Jacob und später auch B. Bästlein der illegalen Landesleitung der KPD an. Die Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation nahm auch Verbindung zu Angehörigen des Kreisauer Kreises auf. Den am 4.7. 1944 einsetzenden Verhaftungen, unter anderem in Berlin, Magdeburg, Sachsen und Thüringen, fielen über 1000 Antifaschisten zum Opfer, von denen mehr als 400 zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, darunter auch viele Kämpfer der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation

Safari: (Swahili arabisch, «Reise») Überlandmarsch mit Trägern in Ostafrika; übertragen mehrtägige Gesellschaftsfahrt (meist zur Jagd auf Großwild) in Afrika.

Safarik, Pavel Jozef, 13.5.1795-26.6.1861, slowakischer Dichter, Sprachwissenschaftler, Historiker und Volkskundler; gab gemeinsam mit J. Kollar slowakischer Volkslieder heraus (2 Bände, 1823, 1827), verfasste eine «Geschichte der slawischen Sprachen und Literatur nach allen Mundarten» (1826, deutsch), «Slawische Altertümer» (1837, deutsch) unter anderem.

Safawiden: persischen-schiitischen Dynastie (1502/1722), deren Begründer Ismail Safawi (1487-1524) seit 1499 Persien und Irak seiner Herrschaft unterwarf, 1502 den Titel Schah annahm und den schiitischen Glauben (Schia) zur Staatsreligion erhob; größte Machtentfaltung erreichten die Safawiden unter Abbas I. (1588/1629).

Saffianleder: (slawisch persisch + deutsch) sumach gegerbtes farbiges Ziegenleder, bei dem der Narben durch Krispeln herausgehoben wurde; für Täschnerwaren.

Safi: Stadt (Provinzzentrum) in Marokko, am Atlantischen Ozean; 260000 Einwohner; Fischverarbeitung, Textil-, Zementindustrie; Hafen (Phosphatexport). Südlich von Safi Chemiekombinat.

Safi ad-Din, um 1230-1294, persischen-arabischen Musiktheoretiker; war in Bagdad Musiklehrer verschiedener Fürsten und einer der bedeutendsten arabischen Musiker und Musiktheoretiker des Mittelalters; verfasste wichtige Musiktraktate.

Saflor, Färbersaflor, Färberdistel, Carthamus tinctorius: bis 1m hoher Korbblütler aus dem östlichen Mittelmeergebiet mit stachelig gezähnten Blättern. Aus den gelben bis orangefarbenen Blüten wurde früher roter Farbstoff gewonnen; die Früchte liefern Öl.

Saga: isländische mittelalterliche Prosaerzählung. Die Saga («Geschichten aus der Vorzeit»; Verfasser anonym) sind sagenhafte Heldenromane; die historische Saga, Gelehrten Arbeiten des 12./13. Jahrhundert, oft mit romanhaft-legendärem Beiwerk, berichten hauptsächlich über norwegische Könige (9./13. Jahrhundert); die Isländer Saga, meisterhafte Kunstprosaerzählungen des 13. Jahrhundert (Verfasser anonym), schildern romanhaft das Leben isländischen Bauern des 10./11. Jahrhundert (zum Beispiel Njals-Saga, Egils-Saga); ferner Ritter-Saga (13./14. Jahrhundert, kontinental-höfliche Stoffe), Bischofs-Saga und Heiligen-Saga.

Saga: 1. Präfektur in Japan, im Nordwesten der Insel Kyushu; 2432 km2, 870000 Einwohner; 358 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Saga 2; wenig industrialisiert.

2. Stadt in Japan, Verwaltungszentrum von Saga 1; 160000 Einwohner; Verarbeitung agrar. Erzeugnisse, Maschinenbau.

Sagan, Françoise, geboren 21.6.1935, französische Schriftstellerin; Verfasserin vielgelesener Romane über Lebensprobleme zumeist junger Menschen («Bonjour Tristesse», 1945, deutsch; «Lieben Sie Brahms?», 1959, deutsch; «Ein Hauch von Parfüm», 1974, deutsch; «Edouard und Beatrice», 1978, deutsch).

Zagazig, As-, Az-Zagazig: Stadt (Gouvernoratszentrum) in Ägypten (Unterägypten), im östlichen Nildelta; 205000 Einwohner; Baumwollindustrie; Handelszentrum und Verkehrsknoten; islamische Hochschule.

SAG-Betriebe: nach dem 8. 5.1945 auf Grund von Beschlüssen der Staaten der Antihitlerkoalition enteignete und als Reparationsleistungen in das Eigentum der UdSSR übergegangene mehr als 200 Großbetriebe ehemaliger deutscher Monopole und Kriegsverbrecher, spielten eine große Rolle beim antifaschistischen-demokratischen Aufbau. Diese zunächst in die Organisationsform sowjetische Aktiengesellschaften (Abkürzung SAG), später Staatliche Aktiengesellschaften umgewandelten und durch Investitionen der UdSSR ausgebauten und modernisierten Betriebe wurden in den Jahren 1950/54 in großzügiger Weise unentgeltlich in das Eigentum der DDR übergeführt.

Sage: sehr alte, zunächst mündlich verbreitete kurze Erzählung von wunderbar-phantastisch ausgeschmücktem, historischem, mythischen oder Naturgeschehen; im Unterschied zum Märchen ist die Sage meist an bestimmte Personen und Orte gebunden. Alte deutsche Heldensagen wurden im Mittelalter in großen Epen zusammengefasst und umgeformt. Anregungen zur Erforschung und Bearbeitung von Sage lieferte die deutsche Romantik.

Sägefische, Pristidae: zu den Rochen gehörende Fischfamilie von haiähnlicher Gestalt mit langem, sägeartigem Nasenfortsatz; in tropischen und subtropischen Meeren.

Sägen: spannendes Fertigungsverfahren zum Trennen oder Schlitzen mit einem mehrschneidigen Werkzeug geringer Schnittbreite (Sägeblatt), dessen nacheinander angeordnete Schneiden nicht ständig im Eingriff sind und das die rotierende oder geradlinige stetige Schnittbewegung und meist auch die Vorschubbewegung ausführt. Um ein Klemmen des Sägeblattes im Schnittspalt zu verhindern, ist es geschränkt (Schränken), hohlgeschliffen oder gewellt. Handsägen haben ein steifes (zum Beispiel Fuchsschwanz(säge)) oder ein durch Bügel gespanntes Sägeblatt (Bügelsäge). Maschinensägen weisen einen hin- und hergehenden Bügel (Bügelsägemaschine) oder ein umlaufendes kreis- (Kreissägemaschine) beziehungsweise bandförmiges (Bandsägemaschine), über 2 Umlenkrollen laufendes Blatt auf. Bei Kettensägemaschinen für das Sägen von Rundholz sind die Schneiden auf einer Kette befestigt.

Säger, Mergus: Gattung fischfressender Entenvögel mit sägeartigen Schnabelrändern, geschickte Taucher. Der 60 cm lange Gänsesäger (Mergus merganser) nistet meist in Baumhöhlen in waldreichen Gegenden in Gewässernähe in Nordeurasien und -amerika. Wintergast in Mitteleuropa ist der in nördlichen Breiten brütende etwa 45 cm lange Zwergsäger (Mergus albellus), dessen Männchen überwiegend weiß gefärbt ist.

Sägeracken, Motmots, Momotidae: Familie bunter Rackenvögel mit gezähnten Schnabelrändern und verlängerten mittleren Schwanzfedern, die vor dem spatelförmigen Ende im Alter nur aus dem Schaft ohne Fahne bestehen. Sie leben einzeln in Mittel- und Südamerika, jagen Insekten und fressen auch Früchte. Die 3 bis 4 weißen Eier werden in Erdhöhlen bebrütet.

sagittal: bei einem optischen System senkrecht zur Meridionalebene (meridional) stehend und einen ausgewählten Lichtstrahl enthaltend (Sagittalebene). Diese Ebene liegt bei der üblichen Darstellung senkrecht zur Zeichenebene.

Sagittalebene, Pfeilebene: Anatomie jede parallel zur Mittelebene des Körpers liegende Schnittebene, dient der Orientierung.

Sago: gekörnte Stärkeart, ursprünglich aus dem Mark der Sagopalme, heute aus Kartoffelstärke gewonnen; verwendet für Mehlspeisen und als Suppeneinlage.

Sagopalme, Metroxylon: bis 15 m hohe Fiederpalme sumpfiger Küstengebiete Indonesiens; vor der Blüte werden im Stamminnern große Mengen Stärke (Sago) gespeichert.

Sagorsk: Stadt im Gebiet Moskau, 71 km nordöstlich von Moskau; früher Sergijew; 110000 Einwohner; Kunsthandwerk, Spielwaren- (unter anderem Holzpuppen «Matijoschka»), Trikotagen Herstellung; Touristenzentrum. Bei Sagorsk Pumpspeicherwerk (1200 MW). Klosterensemble aus der Zeit der Moskauer Rus mit Troiza Kathedrale (1422/23; Ikonostas von A. Rubljow und D. Tschomy), Kathedrale (1559/85), weiteren Kirchen, Refektorien, Türmen unter anderem; Schatzkammer mit reicher Kunstsammlung, Spielzeugmuseum.

Sagunto: Stadt im Osten Spaniens, nördlich von Valencia, am Rio Palancia; 47000 Einwohner; Leichtindustrie; Reste römischer Bauten (Theater, Zirkus, Brücke, Tempel, Aquädukt); Museum für römische und phönikische Altertümer; im 6 km entfernten Stadtteil Puerto de Sagunto Hafen und Hüttenindustrie.

Saha, Meghnad, 6.10.1893-16.2.1956, indischer Physiker und Astronom; ermöglichte durch seine grundlegenden Arbeiten das physikalische Verständnis der Sternatmosphären.

Sahara: (arabisch, «Wüste«) größte Wüste der Erde, im nördlichen Afrika, zu Algerien, Libyen, Ägypten, Sudan, Marokko, Tunesien, Mauretanien, Mali, Niger, Tschad und Westsahara gehörend; etwa 9 Millionen km2; Ausdehnung zwischen Atlantischen Ozean und Rotem Meer etwa 6000 km, zwischen Atlas und Mittelmeer und Sahel des Sudans 1500 bis 2000 km; Erweiterung nach Süden in den letzten 20 Jahren um etwa 100 km, deren Ursache klimatisch bedingt ist und durch menschliche Einwirkung verstärkt wird und deren Folgen (seit 1930 Bedeckung von etwa 650000 km2 fruchtbaren Landes) durch Vernachlässigung entgegen gerichteter Maßnahmen (Anlage von Bewässerungseinrichtungen und Vegetationsgürteln im Sahel) durch die ehemaligen Kolonialmächte verstärkt wurden. Die Sahara ist gegliedert in die mittelsaharischen Schwellen, meist in Form vulkanisch geprägter Gebirgsstöcke (Ahaggar, bis 2918 m; Air, bis 2 310 m; Tibesti, bis 3 415 m), in das westsaharische (einschließlich Niger-) Becken, Tschadbecken (mit der Niederung Bodell), die Libysche Wüste westlich sowie Arabische und Nubische Wüste östlich vom Nil. Etwa 80% der Oberfläche liegen 200 bis 500m überm Meer. Die Oberfläche der Sahara besteht aus schuttbedeckten Hoch- (Hammada), Schotterflächen (Serir), Sand- (Erg), Dünengebieten, Lehmwüsten (Sebchas) und Salztonflächen (Schotts). Im Norden und Osten liegen abflusslose Senken (Fajumbecken, 45 m unter dem Meeresspiegel; Kattarasenke, 133 m unter dem Meeresspiegel; unter anderem). Es herrscht ein trockenheißes Klima mit großen täglichen Temperaturschwankungen; nach seltenen Regenfällen führen Trockenbetten (Wadis, Oueds) für kurze Zeit Wasser; Pflanzenwuchs in Wadis, Grundwasser- und Flussoasen der aus feuchten Gebieten kommenden Fremdlingsflüsse (Nil, Niger). Die Bevölkerung setzt sich außerhalb der Niloase überwiegend aus arabisierten Berbern, Arabern, Tuareg und Tibbu zusammen. Die Sahara ist reich an Bodenschätzen, die zunehmend erkundet und ausgebeutet werden. Größte Bedeutung haben Erdöl, -gas, Eisen-, Kupfererz, Kohle, Phosphate und Salze. Der Einfluss ausländischer Monopolkapitals bei der Ausbeutung der Bodenschätze wird zugunsten nationaler Gesellschaften zurückgedrängt. In den Oasen und Bewässerungsgebieten Kultivierung von Dattelpalmen, Weizen, Hirse, Gerste, Gemüse und Tabak; daneben Wanderviehzucht (Kamele, Schafe, Ziegen). Flugzeug und Kraftwagen sind die wichtigsten Verkehrsmittel; nur vereinzelt noch Kamelkarawanen. In der Nord-Süd-Richtung wird die Sahara von der Transsaharastraße Algier-Mali/Niger durchquert.

Saharaatlas, Großer Atlas: südliches Gebirgssystem des Atlas, größtenteils in Algerien, Ausläufer auch in Marokko; im Süden bis 2236 m (Monts des Ksour), im Osten bis 2328 m hoch (Aures Gebirge)\ vielfach Kalkgestein; überwiegend Strauchvegetation; dünn besiedelt; meist Wanderviehzucht.

Sahel: (arabisch, «Küste») schmaler und etwa 1200 km breiter Übergangssaum zwischen der Sahara und den feuchteren Gebieten in Afrika südlich der Sahara; etwa 7 Millionen km2; semiarides Klima mit kurzer Regenzeit, Dombuschsavanne; nomadische Viehhaltung. In diesem Jahrhundert mehrmals längere Perioden verheerender großer Trockenheit, deren Ursache und Folgen (erhebliche Verluste unter den Viehherden und an Ernteerträgen und dadurch Hungersnot mit vielen Menschenopfern) letztlich nicht nur auf das Klima, sondern auch auf die rückständigen ökonomischen und sozialen Verhältnisse in den Ländern zurückzuführen sind, für die die ehemaligen Kolonialmächte und die heutige neokolonialistische Politik imperialistischer Staaten die Schuld tragen. Die Sahelstaaten (Mali, Mauretanien, Senegal, Tschad, Sudan, Niger, Burkina, Gambia, Somalia sowie Nigeria und Äthiopien (Nordteile)) versuchen, durch koordinierte Maßnahmen (Bewässerungsanlagenbau, Anlage eines Waldgürtels, Verhinderung der Überweidung und Aufbau einer moderneren Verkehrsinfrastruktur zur Versorgung der Bevölkerung) die Gefahr weiterer derartiger Katastrophen einzudämmen, sind aber durch ihre enorme Verschuldung an der Realisierung stark gehindert.

Sahne, Rahm -, aus frischer Vollmilch durch Zentrifugieren (Zentrifuge) gewonnenes fettreiches Erzeugnis, das pasteurisiert und eventuell homogenisiert wird. Sahne bildet die Grundlage für die Herstellung von Butter und (nach eingestelltem Fettgehalt) Kaffee-, saurer sowie Schlagsahne. Der Fettgehalt der Sahneerzeugnisse beträgt 7,5 bis 30 %.

Saiblinge, (zu «Salm») Salvelinus: zu den Lachsartigen gehörende, farbenprächtige Süßwasserfische; Bewohner klarer, kalter Gewässer; der bis 80 cm lange Wandersaiblinge. (Salvelinus alpinus) in Skandinavien und als Zwergform in den Alpen. Der Bachsaiblinge (Salvelinus fontinalis) stammt aus Nordamerika und wurde in Europa eingeführt.

Said, Nuri as-, 1888 - 14.7.1958 (erschossen), irakischer Politiker, 1930/58 14mal Ministerpräsident; Interessenvertreter des britischen Imperialismus und der irakischen Feudalreaktion.

Saida: Stadt in Libanon, am Mittelmeer; 25000 Einwohner; Erdölraffinerie, Früchteverpackung; Endpunkt der Transarabischen Pipeline (1715 km) vom Ad-Dammam-Erdölfeld (Saudi-Arabien) und Ausfuhrhafen für Erdöl. Schwere Zerstörungen infolge militärischer Kampfhandlungen seit 1975. Saida, das phönikische Sidon, war im Altertum eine reiche Handelsstadt, die seit dem 6. Jahrhundert vor Christus Beziehungen zu Griechenland unterhielt. Saida zählte zu den Zentren einer hochentwickelten Elfenbein- und Metallkunst. Siehe auch phönikische Kunst.

Saidenbachtalsperre: Stauwerk an einem Zufluss der Flöha, im Osterzgebirge, nordwestlich von Olbernhau; 1,5 km2, Stauraum 22,4 Millionen m3; Trinkwasserreservoir für Karl-Marx-Stadt.

Saiga, Saiga tatarica: rehgroße Antilope mit fleischiger, aufblahbarer Nase und senkrechten, quergewulsteten Hörnern im männlichen Geschlecht; lebt in Flachsteppen und Halbwüsten der Mongolei.

Saikan-Tunnel: Unterseetunnel für den Eisenbahnverkehr zwischen den japanischen Inseln Honshu und Hokkaido unter der Meerenge von Tsugaru; mit 53,85 km (davon 23,3 km unter dem Meer) längster Verkehrstunnel der Erde; tiefste Stelle 240 m unter dem Meeresspiegel (100m unter dem Meeresboden); Bau von 1964 bis 1985; verkürzt die Fahrzeit von Aomori (Honshu) nach Hakodate (Hokkaido) von 4 Stunden (Fähre) auf 30 Minuten.

Salko, George Emmanuel, 5.2.1892-23.12.1962, österreichischer Schriftsteller; 1945/50 Leiter der Wiener Albertina; setzte sich kritisch mit der spätbürgerlichen Gesellschaft auseinander (Roman «Auf dem Floß», 1948; Novellen «Giraffe unter Palmen», 1962; «Der Opferblock», 1962).

Saillant, Louis, 27. 11. 1910-28. 10. 1974, französischer Arbeiterführer; Mitglied der KP; nahm ab 1940 an der Widerstandsbewegung gegen die faschistischen Okkupanten und das Vichy Regime teil, ab 1944 Präsident des Nationalrates der Résistance; 1945/69 Generalsekretär, seit 1969 Ehrenpräsident des WGB und seit Februar 1974 Ehrenpräsident des Weltfriedensrates.

Saimaa: Seensystem im Südosten Finnlands, Teil der Finn. Seenplatte, weitverzweigt, Inselreich; 4400 km2, bis 58 m tief, davon der eigentliche Saimaa-See 1760 km2; entwässert durch den Vuoksi in den Ladogasee. Für die Schifffahrt Saimaakanal (43 km, 8 Schleusen, für Schiffe bis 3000 t) zum Finn. Meerbusen bei Wyborg (UdSSR); Gemeinschaftswerk zwischen UdSSR und Finnland, 1968 eingeweiht, der sowjetische Kanalteil auf 50 Jahre an Finnland verpachtet. Im Saimaa Gebiet Holzwirtschaft, Zellulose- und Holzindustrie, Flößerei, Tourismus.

Sainete: volkstümlicher Theaterschwank in Spanien, vor allem seit dem 18. Jahrhundert.

Sainschand: Bezirksstadt im Südosten der MVR, an der Transmongolischen Eisenbahn; 45000 Einwohner; Verarbeitung tierischer Produkte, Eisenbahnausbesserungswerk.

Saint: 1. Saint, Abkürzung St.: der heilige ..., die heilige .... in Verbindung mit dem Namen, zum Beispiel Saint Paul, Saint Agnes.

2. Saint (vor Vokalen sët; Französisch), Abkürzung St-: der heilige ..., in Eigennamen, zum Beispiel Saint-Martin, St-Martin. Siehe auch Sainte.

Saint Catherines: Stadt im Südosten der Provinz Ontario (Kanada), am Südufer des Ontariosees; 120000 Einwohner; Maschinenbau, Leichtindustrie; Kurort (Mineralquellen).

Saint Christopher und Nevis, Föderation von Saint Christopher und Nevis: Staat (parlamentarische Monarchie) auf den Leeward Inseln (Kleine Antillen) Saint Christopher (168 km2), Nevis (93 km2) und Sombrero (5 km2) im Karibischen Meer; früher Saint Kitts/Nevis. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Afroamerikanern und Mulatten. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Ostkaribische Dollar. Die von vulkanischen Gebirgsketten (auf Saint Christopher über 1100 m) durchzogenen Inseln sind nur in höheren Lagen mit immergrünem tropischem Regenwald bedeckt. In den küstennahen Gebieten der Insel Saint Christopher wird auf 80 % der Ackerfläche in Monokultur Zuckerrohr auf großen Plantagen angebaut. Auf Nevis erfolgt der Anbau von Baumwolle, Kokosnüssen, Pfeilwurz, Yams, Bataten und Mais in Kleinbauernwirtschaft. Die Industrie beschränkt sich auf einige Zuckerfabriken auf Saint Christopher. Zunehmende Bedeutung besitzt der internationale Tourismus. See- und Flughafen Basseterre; Ausfuhr von Zuckerrohr, Baumwolle. 1493 von Kolumbus entdeckt, seit Beginn des 17. Jahrhundert britische Kolonie, ab 1967 assoziiert mit Großbritannien, 1980 Wahlsieg der koalierenden Bewegung der Volksaktion (englisch Abkürzung MAP) auf Saint Christopher und der Reformpartei von Nevis (englisch Abkürzung PRN) über die Labour Party, Ministerpräsident wurde MAP-Vorsitzender Kennedy A. Simmonds; seit 19.9.1983 staatlich selbständig.

Saint-Cloud: Stadt westlich von Paris (Frankreich), an der Seme; 28000 Einwohner; Metall-, elektrotechnische, kosmetische Industrie; Sitz von Interpol; internationales Büro für Maße und Gewichte; Rennbahn; Park.

Saint-Denis: 1. Stadt nördlich von Paris (Frankreich), an der Seine; 90000 Einwohner; Fahrzeug- und Maschinenbau, Papier- und chemische Industrie; Museum für P. Eluard (Geburtsort); Kunstgalerie. Die Abteikirche St-Denis ist ein unter Abt Sugerius begonnener Neubau (1137/44) der Grabeskirche der französischen Könige, der erste programmatische Bau der Gotik. Das dreischiffige Langhaus und das Querhaus wurden im 13. Jahrhundert in hochgotische Formen errichtet.

2. Stadt und Verwaltungszentrum der Insel Réunion, an der Nordküste; 110000 Einwohner; Lebensmittelindustrie; internationaler Flughafen Gillot (8 km östlich), kleiner Hafen; Museen.

Saint-Etienne: Stadt im Südosten Mittelfrankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Loire; 205000 Einwohner; bedeutende Industriestadt mit Stahlwerken, Rüstungs-, Glas- und Textilindustrie (Bänder, Posamenten), Herstellung von Fahrrädern, optischen und elektronischen Geräten; Steinkohlenbergbau; Fachschulen (Bergbau unter anderem).

Saint-Evremond, Charles de, 1.4.1613 - 29.9.1703, französischer Schriftsteller, Vertreter der Frühaufklärung; ideengeschichtlich bedeutsam durch die Einführung des Relativitätsbegriffs in das während der Klassik erstarrte historischen und ästhetischen Denken.

Saint-Exupéry, Antoine de, 29.6.1900-31.7.1944 (gefallen), französischer Schriftsteller; versuchte in seinen zumeist im Fliegermilieu spielenden Romanen («Nachtflug», 1931, deutsch) ein humanistisches Bild des Menschen im technischen Zeitalter zu entwerfen und nach dem Sinn des Lebens zu fragen (Philosoph. Märchenerzählung «Der kleine Prinz», 1943, deutsch).

Saint-Germain-en-Laye: Stadt westlich von Paris (Frankreich), an der Seine; 37000 Einwohner; Herstellung von feinmechanischen Geräten, Spirituosen, Schokolade; Museum; Renaissanceschloss; Park. Im Schloss von Saint-Germain-en-Laye wurde am 10. 9.1919 der Friedensvertrag zwischen den Alliierten des 1. Weltkrieges und Österreich unterzeichnet.

Saint Helens: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft Merseyside, nordöstlich von Liverpool; 99000 Einwohner; bedeutende Glasindustrie, Eisen- und Messinggießereien; Technikum.

Saint John: 1. Jungferninseln.

2. größte Stadt der Provinz Neubraunschweig (Kanada), an der Fundy Bucht; 86000 Einwohner; Erdölraffinerie, Schiffbau, Leicht-, Zuckerindustrie; Fischfang; eisfreier Hafen; Neubraunschweig-Museum.

Saint-John Perse, eigentlich Marie-Rene-Alexis Saint-Léger, 31.5.1887 bis 20.9.1975, französischer Dichter, Diplomat; vertrat in seinen sprachlich vollendeten Dichtungen einen im traditionellen bürgerlichen Kulturbewusstsein wurzelnden Anspruch auf Allgemeingültigkeit («Chronik», 1960, deutsch; und andere Sammlungen).

Saint John's: 1. Hauptstadt der Provinz Neufundland (Kanada), an der Ostküste der Halbinsel Avalon, am Atlantischen Ozean; 84000 Einwohner, als Metropolitan Area 155000 Einwohner; Schiffbau, Kabeljaufischerei und -Verarbeitung, Leicht-, chemische Industrie; eisfreier Hafen, Flughafen; Universität, Neufundland-Museum, Satellitenüberwachungsstation.

2. Hauptstadt von Antigua und Barbuda, an der Nordwestküste der Insel Antigua; 30000 Einwohner; Hauptwirtschaftszentrum; internationaler Flughafen.

Saint-Just, Louis Antoine de, 25.8.1767—28.7.1794, französischer Revolutionär; führender Jakobiner; Mitglied des Konvents und des Wohlfahrtsausschusses; hatte als Kommissar bei den Armeen direkten Anteil am Sieg über die Österreicher bei Fleurus, brachte die Ventose-Dekrete ein und wurde nach dem 9. Thermidor (27. 7.1794) mit M. de Robespierre unter anderem guillotiniert.

Saint-Laurent: Stadt im Süden der Provinz Quebec (Kanada), auf der Montreal Insel im Sankt-Lorenz-Strom; 64000 Einwohner; Gießerei, Flugzeug- und Waggonbau, chemische Industrie; 2 Flughäfen.

Saint Louis: Stadt im Bundesstaat Missouri (USA), unterhalb der Einmündung des Missouri in den Mississippi; 450000 Einwohner (41% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 2,4 Millionen Einwohner; Luft- und Raumfahrtindustrie, Automobil-, Waggon-, Traktorenbau, Leicht-, Lebensmittel-, chemische Industrie, Erdölverarbeitung; bedeutender Agrarmarkt und Verkehrsknoten; wichtiger Flusshafen; 2 Universitäten; byzantinische Kathedrale (1831/34); Olympische Spiele 1904.

Saint-Louis: Stadt (Regionszentrum) im Nordwesten Senegals, auf einer Insel in und an der Senegalmündung in den Atlantischen Ozean; 97000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Textil-, Leder-, polygraphische Industrie; Verkehrsknoten; Hafen; Museum.

Saint Lucia: Staat (parlamentarische Monarchie) auf einer Hauptinsel der Windward Inseln (Kleine Antillen), im karibischen Meer. Die Bevölkerung gliedert sich ethnisch in über 90 % Afroamerikaner, 3 % Mulatten, 2 % Weiße, 1 % Inder unter anderem Amtssprache ist Englisch, Verkehrssprachen sind Englisch und Französisch (Patois-Dialekt). Wahrung ist der Ostkaribische Dollar. Die in ihrem Inneren sehr gebirgige Insel ist vulkanischen Ursprungs, bis zu 958 m hoch; nur in den höheren Lagen existiert noch immergrüner tropischer Regenwald, sonst Sekundärwald. Saint Lucia ist ein wenig entwickeltes kapitalistische Agrarland, das vorwiegend für den Export in den küstennahen Tälern in Großplantagen (USA Kapital) Bananen (bis 80 % Anteil am Export), Kakao, Zitrusfrüchte und Kokospalmen sowie Gemüse, Obst, Kartoffeln für den Eigenbedarf anbaut. Viehzucht, Forstwirtschaft und Fischerei sind nur wenig entwickelt; zahlreiche Lebensmittel müssen eingeführt werden. Der früher vorherrschende Zuckerrohranbau wurde erheblich reduziert. Die Industrie ist nur durch wenige Kleinstbetriebe (Konservenfabriken, Bierbrauereien, holzverarbeitende Werkstätten, Seifensiederei) vertreten. Eine wesentliche Einnahmequelle ist der internationale Tourismus. Hochseehäfen Castries und Vieux Fort, internationaler Flughafen ist der stillgelegte USA Luftstützpunkt Hewanorra (früher Beave Fields). Die Außenhandelsbilanz ist chronisch negativ. 1502 von Kolumbus entdeckt; im 17. und 18. Jahrhundert von Frankreich und Großbritannien umstritten, seit 1814 endgültig britisch; seit 1967 «assoziierter» Staat mit innerer Selbstverwaltung, staatlich selbständig seit 22.2.1979. Bei den Wahlen vom Juli 1979 siegte die von G. Odium geführte Saint Lucia Labour Party gegen die über 15 Jahre regierende Vereinigte Arbeiterpartei unter J. Compton. Ministerpräsident A. Louisy trat nach innenpolitische Spannungen im Mai 1981 und Spaltung der Saint Lucia Labour Party zurück, sein Nachfolger W. Cenac wurde durch Generalstreik Anfang 1982 gestürzt.

-In den Wahlen vom Mai 1982 siegte der proimperialistisch orientierte J. Compton.

Saint-Malo: Stadt im Nordwesten Frankreichs, an der Nordküste der Bretagne, auf einer Insel (Damm zum Festland); 46000 Einwohner; Fischerei; Bau von Fischereifahrzeugen; Fähren nach Großbritannien; Museum; Seebad; Stadtbefestigung (12./18. Jahrhundert). Gezeitenkraftwerk an der Mündung des Rance.

Saint-Nazaire: Stadt im Westen Frankreichs, an der Trichtermündung der Loire; 68000 Einwohner; Zentrum des französischen Schiffbaus; Trockendocks, Flugzeug- und Maschinenbau; Fischerei; Vorhafen von Nantes; Hängebrücke über die Loire (3 356 m).

Saint-Omer: Stadt im Norden Frankreichs, südöstlich von Calais; 20000 Einwohner; Glas-, Papier-, Textilindustrie; Kanäle nach Dunkerque und Calais; Museen; Ruinen der Abtei Saint-Bertin (7. Jahrhundert), Basilika Notre-Dame (13./16. Jahrhundert), Saint-Sépulcre (14 ./16. Jahrhundert).

Saint-Ouen: Stadt nördlich von Paris (Frankreich), an der Seine; 49000 Einwohner; Motoren- und Maschinenbau; Herstellung von Spirituosen; Flusshafen.

Saint Paul: Hauptstadt des Bundesstaates Minnesota (USA), Hafen am ab hier für Großschifffahrt befahrbaren Mississippi; 270000 Einwohner; Fleisch- (große Schlachthöfe), Erdölverarbeitung, Maschinen-, Automobilbau, polygraphische Industrie; Verlage; bedeutendes Handelszentrum (einer der bedeutendsten Viehmärkte der USA) und wichtiger Verkehrsknoten; 2 Universitäten; zoologischer Garten. Bildet mit der Nachbarstadt Minneapolis ein Wirtschaftsgebiet.

Saint Petersburg: Stadt im Westen des Bundesstaates Florida (USA), auf der Pinellas-Halbinsel am Golf von Mexiko; 240000 Einwohner; Erholungszentrum, Winterkurort; Brücken zum Festland; Hochschulen; Meeresaquarium, Museen.

Saint Pierre und Miquelon: französischer Überseedepartement im Atlantischen Ozean, vor der Südküste Neufundlands; besteht aus 2 größeren und 6 kleineren Inseln; umfasst die Inselgruppe Saint Pierre (26 km2) und die Nachbarinselgruppe Grande und Petite Miquelon (diese durch eine Landenge miteinander verbunden); insgesamt 242 km2, 6000 Einwohner; Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum Saint-Pierre (5 420 Einwohner) auf Saint Pierre. Felsige und kahle, eiszeitlich geprägte, bis 250 m hohe Inseln, die bei niederschlagsreichem, rauem, nebligem ozeanischen Klima nur eine dürftige Vegetation aufweisen (Torfmoore). Fischfang und -Verarbeitung, Stützpunkt der französischen Hochseefischerei; Pelztierzucht (Fuchs, Nerz); Gemüseanbau und Viehzucht zur Eigenversorgung; Flughafen; Fährverbindung nach Halifax und Sydney (Kanada); Fremdenverkehr.

Saint-Quentin: Stadt im Norden Frankreichs, an der Somme und am Canal de Saint-Quentin; 64000 Einwohner; Maschinenbau, Textil-, Zucker- und Zementindustrie; Museum (Entomologie), Kunstgalerie; Stiftskirche (12./15. Jahrhundert), Rathaus mit Kolonnaden (14./15. Jahrhundert).

Saint-Saens, Camille, 9. 10. 1835 bis 16.12.1921, französischer Komponist, Organist, Dirigent und Pianist; schrieb in Liszt-Nachfolge wirkungsvolle Instrumentalmusik, Vokalwerke, zahlreiche Opern (unter anderem «Samson und Dalila», 1877).

Saint-Simon, Claude Henri Comte de, 17.10.1760-19.5.1825, französischer utopischer Sozialist; verarbeitete die Erfahrungen der amerikanischen und französischen Revolution sowie der industriellen Revolution zu einer dialektischen Fortschrittskonzeption der Menschheitsentwicklung. Saint-Simon wendete sich gegen Parasitismus und Anarchie; er forderte die Entwicklung der Sozialtheorie zur Wissenschaft zwecks Beherrschung und Ausbeutung der Natur anstelle des Menschen sowie die planmäßige Entwicklung von Produktion, Technik, Wissenschaft und Kultur zum Wohle aller Produzenten (Unternehmer, Wissenschaftler, Arbeiter). Nachdem alle Appelle an Vernunft und Interesse der Unternehmer nichts fruchteten, beschwor er in seinem «Neuen Christentum» (1825, deutsch) die christliche Moral der Bruderliebe, um das Los der «ärmsten und zahlreichsten Klasse» zu verbessern.

Saint-Tropez: Seebad im Südwesten Frankreichs, an der Cote d’Azur; 6 200 Einwohner; Fremdenverkehrszentrum; Maler- und Künstlerkolonie.

Saint Vincent, Saint Vincent und die Grenadinen: Staat (parlamentarische Monarchie) auf einer Hauptinsel der Windward Inseln und der nördlichen Inselgruppe der Grenadinen (Kleine Antillen), im Karibischen Meer. 92 % der Bevölkerung sind Afroamerikaner und Mulatten, 4 % sind Inder, unter anderem Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Ostkaribische Dollar. Die sehr gebirgige (Vulkan Soufrière mit 1234 m; 1979 Ausbruch) Insel Saint Vincent (345 km2) ist zur Hälfte mit immergrünem tropischem Regenwald bedeckt und in Küstennähe dicht besiedelt. Die 17 weiteren Inseln und Eilande weisen bei tropischem ozeanischem Klima ebenfalls eine dichte Vegetation auf. Schwach entwickeltes Agrarland mit vorherrschendem Großgrundbesitz, in starker Abhängigkeit vom internationalen Monopolkapital. In der exportorientierten Landwirtschaft wurde der früher dominierende Zuckerrohranbau vom Bananenanbau (50% des Exports) und der Kultivierung von Pfeilwurz (führender Weltproduzent) verdrängt; außerdem Erzeugung von Muskat-, Kokosnüssen, Kopra, langfaseriger Baumwolle und Kakao. Die schwach entwickelte Industrie verarbeitet in Kleinbetrieben einheimische Agrarprodukte und produziert Textilien. Der sich zum Hauptwirtschaftszweig entwickelnde Auslandstourismus gleicht die negative Handelsbilanz zum Teil aus. Gut entwickeltes Straßennetz; Tiefseehafen Kingstown, internationaler Flughafen Arnos Vale. 1498 von Kolumbus entdeckt; nach britischen-französischen Auseinandersetzungen im 17. und 18. Jahrhundert seit 1783 britische Kolonie, seit 1969 «assoziierter» Staat mit innerer Selbstverwaltung, staatlich selbständig seit 27.10.1979. Ministerpräsident Milton Cato (S. V. Labour Party) wurde 1979 wiedergewählt; seit 1984 ist James Mitchell, Neue Demokratische Partei (Abkürzung NDP), Ministerpräsident. Die antiimperialistische Opposition ist in der Vereinigten Volksbewegung (englisch Abkürzung UPM) zusammengeschlossen.

Sais: altägyptische Stadt im westlichen Nildelta, Hauptstadt des 5. unterägyptischen Gaues, in der Zeit der 26. Dynastie (663/525 vor Christus) ganz Ägyptens. In Sais sind die Könige der 26. Dynastie beigesetzt. Die Stadt wurde noch nicht ausgegraben.

Saison: durch Jahreszeit, Brauch, Ferien o. ä. bestimmte Hauptgeschäfts-, -Verkehrs- und Reisezeit; Theaterspielzeit; Wettkampfperiode.

Saisonarbeitskräfte: Werktätige, die nur während einer bestimmten Zeit wegen eines zeitweilig erhöhten Arbeitskräftebedarfs im Betrieb arbeiten (Urlauberbetreuung, Zuckerproduktion unter anderem). Mit Saisonarbeitskräften können befristete Arbeitsverträge bis zur Dauer von höchstens 6 Monaten abgeschlossen werden.

Saisonbetrieb: Einrichtung oder Betrieb mit wiederholten, jahreszeitlich bedingten Produktionsschwankungen, die auf klimatischen Bedingungen, Erntezeiten, Besonderheiten der zu verarbeitenden Rohstoffe und auf Bedarfsschwankungen zurückzuführen sind; zum Beispiel Zuckerfabrik.

Saisonpreis: für einen begrenzten Zeitabschnitt (Saison) gültiger Preis. Der Saisonpreis soll bei saisonabhängigen Erzeugnissen und Leistungen

a) die unterschiedlichen Produktions- und Lagerkosten,

b) die Angebots- beziehungsweise Nachfrageschwankungen ausgleichen helfen. Das gilt besonders für Obst und Gemüse, aber auch für bestimmte industrielle Konsumgüter (besonders Kleidung).

Saitama: Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, zum Teil in der Kanto Ebene, nordwestlich von Tokio; 3 799 km2, 5,4 Millionen Einwohner; 1421 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Urawa, industriell entwickeltes Gebiet (Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Metallurgie, Maschinenbau, feinmechanische-optische, Spielwaren- und Nahrungsmittelindustrie); intensive Landwirtschaft.

Saiten: Tonerreger der Saiteninstrumente, die in gespanntem Zustand durch Streichen, Zupfen, Schlagen oder Mitklingen in Schwingungen versetzt und zum Tönen gebracht werden; bestanden ursprünglich aus Pflanzenfasern und Tierdärmen, seit dem 14. Jahrhundert aus Messing, Kupfer, Silber unter anderem, in neuerer Zeit auch aus Nylon, Perlon und drahtumsponnener Seide.

Saiteninstrumente: Musikinstrumente, deren Tonerreger Saiten sind. Bei den Zupfinstrumenten und Streichinstrumenten wird die Tonhöhe durch Saitenwahl und Abgreifen der Saitenlänge erzielt; bei den besaiteten Tasteninstrumenten ist für jeden Ton eine Saite oder ein Chor von 2 bis 4 gleichgestimmten Saiten vorhanden.

Saitenwürmer, Nematomorpha: Klasse der Schlauchwürmer; bis 150 cm lange und höchstens 3 mm dicke fadenförmige Tiere. Ihre Larven schmarotzen in der Leibeshöhle von Insekten oder Krabben und brechen erst kurz vor der Reife nach außen durch; erwachsene Tiere leben nur zur Fortpflanzung ohne Nahrungsaufnahme frei im Wasser. Siehe auch Wasserkalb.

Sait Faik Abasiyanik, 23.11.1906 bis 3.5.1954, türkischer Schriftsteller; spürte mit großer Sympathie für die sozial Erniedrigten in den Städten ohne jegliche Idyllisierung deren Fähigkeit auf, das Poesievolle im Alltag zu entdecken, und gestaltete in surrealistischen Erzählungen die Entfremdung des Menschen in einer kapitalistischen Welt («Die Schlange auf dem Alemdar», 1954).

Sajama: erloschener Vulkan in Bolivien, in den südamerikanischen Westkordilleren nahe der Grenze zu Chile; 6 520 m; von Firn und Gletschereis bedeckt.

Sajaner Territorialer Produktionskomplex: Wirtschaftsbereich im Süden Ostsibiriens (RSFSR, Region Krasnojarsk); auf der Grundlage der großen Wasserkraftreserven des oberen Jenissej und anderer natürlichen Ressourcen Hydroenergieerzeugung (Wasserkraftwerk bei Sajano-Schuschenskoje), Aluminiumproduktion (Sajanogorsk), Waggon- und Maschinenbau (Abakan), Kohlebergbau (Tschernogorsk), Stahlgießereien, Buntmetallurgie sowie elektrotechnische (Minussinsk), chemische, Baustoff-, Holzverarbeitungs- und Lebensmittelindustrie.

Sajó: rechter Nebenfluss der Theiß; 229 km, davon 132 km in Ungarn; entspringt als Slaná im Slowakischen Erzgebirge (CSSR), durchbricht das ungarische Mittelgebirge und mündet oberhalb Leninvaros.

Sakäen: altiranisches Narrenfest, bei dem die sozialen Verhältnisse umgekehrt wurden.

Sakal: Stadt in Japan (Präfektur Osaka), auf der Insel Honshu, zwischen den Mündungen des Yamato und Ishizu in die Japanischen Inlandsee; 810000 Einwohner; Stahlkombinat, Nichteisenmetallindustrie, Maschinen- und Schiffbau, chemische und Textilindustrie, Erdölraffinerie; Verkehrsknoten, Hafen; 2 Universitäten, Hochschulen; Nintoku-Mausoleum (5. Jahrhundert), shintoistische Tempel und Schreine.

Sakariadse, Sergo, 1.7.1909-14.4.1971, georgisch-sowjetischer Schauspieler, wirkte am Staatlichen Theater Kutaissi und am Rustaweli-Theater Tbilissi (seit den 60er Jahren als künstlerischer Leiter); wurde weltbekannt durch die Titelrolle in dem Film «Der Vater des Soldaten».

Sakarya: Fluss im Nordwesten der Türkei; 790 km; entspringt im Emirdag (Anatolisches Hochland), durchbricht das Pont. Gebirge und mündet ins Schwarze Meer, bei Sariyar Staudamm (110 m hoch, 250 m lang) mit Kraftwerk (160 MW) und Stausee Sariyar Baraji.

Sake: weinähnliches Getränk aus verzuckerten und vergorenen Reismaischen, das warm getrunken wird; Volumenanteil an Alkohol 4 bis 14 %; in Ostasien, besonders Japan, weit verbreitet.

Sakkara: Dorf in Ägypten, südlich von Kairo, mit ausgedehntem Gräberfeld der altägyptischen Hauptstadt Memphis, unter anderem Stufenpyramide des Königs Djoser (3.Dynastie), Pyramiden von Königen der 3. bis 13.Dynastie, Beamtengräber, Apis Gräber aus ramessidischer bis ptolemäischer Zeit. Siehe auch Ägypten.

Sakko: (italienisch, eigentlich «Sack») ein- oder zweireihig geknöpftes Jackett zum Herrenanzug, auch als Einzelkleidungsstück zu andersfarbigen beziehungsweise aus anderen Stoffen gefertigten Hosen; oft in sportlichen Stil.

sakral: 1. Anatomie in oder in Richtung der Kreuzbeinregion liegend, zum Kreuzbein gehörend. 2. Religion heilig, den Gottesdienst betreffend.

Sakramentalien: in der katholischen Kirche Sakrament ähnliche Handlungen (Weihen, Segnungen).

Sakramente: religiöse Handlungen, vermittelt durch äußere Zeichen mit entsprechenden Riten, von denen die Gläubigen göttliche Gnade erwarten; in diesem Sinn in verschiedenen Religionen (außer Islam) üblich; die katholische Kirche kennt 7 Sakramente (Taufe, Abendmahl, Buße Beichte), Firmung, Ehe, Ordination und Letzte Ölung (Sterbesakramente), die evangelische nur die beiden ersten.

Sakramentshaus, Sakramentshäuschen: in der Kirche schreinartiger Behälter für das Hostiengefäß.

Sakrileg: (dat., «Tempelraub») Religionsfrevel; auch Vergehen an Personen, Gegenständen oder Orten religiöser Verehrung.

Sakristei: kleiner Nebenraum der Kirche für den Aufenthalt des Geistlichen und meist zur Aufbewahrung gottesdienstliche Geräte, Gewänder und Bücher.

sakrosankt: unverletzlich, aus religiösen Gründen unantastbar.

säkular: alle hundert Jahre wiederkehrend; weltlich.

Säkularfeier: römisches Fest, das ein Säkulum abschloss; als Sühnefest und Beginn eines neuen, glücklichen Zeitalters von Augustas und späteren Kaisern gefeiert.

Säkularinstitute: weltliche Institute der römisch-katholischen Kirche, in denen Gläubige beiderlei Geschlechts unter Beachtung bestimmter Versprechen (zum Beispiel Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) vereinigt sind, ohne dem Ordensstande anzugehören.

Säkularisation: Verweltlichung, Verstaatlichung; Umwandlung kirchlicher Besitztümer und Rechte in weltlicher durch den Staat, zum Beispiel während der Reformation und in der Franzos. Revolution.

Sakulowski, Horst, geboren 28. 8. 1943, Maler und Graphiker; 1962/67 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; gestaltet sachpräzis, oft sinnbildhaft verdichtete Historienmotive, Menschen im Alltag, Stillleben sowie ausdrucksstarke Bildnisse.

Säkulum: Zeitraum von 100 Jahren, ein Jahrhundert.

Sal: Salz; zum Beispiel Sal Carolinum (factitium): (künstlicher) Karlsbader Salz.

Sal: eine der Kapverdischen Inseln, zum Staat Kapverden; 216 km2, 6000 Einwohner; 28 Einwohner/km2; bis 406 m hohe Insel vulkanische Entstehung; Salinen; Fischkonservenfabrik; internationaler Flughafen.

Salachow, Tair Tejmur ogly, geboren 29.11.1928, sowjetisch-aserbaidschanischen Maler. Seine farblich zurückhaltenden, scharf konturierten kraftvoll wirkenden Bilder, die vorwiegend den Erdölarbeitern von Baku gewidmet sind, zielen auf Monumentalität und sind von einem strengen Pathos.

Salacrou, Armand, geboren 9.8.1899, französischer Dramatiker; sein Werk spiegelt eine fortschreitende Entwicklung vom Boulevardtheater zum politischen Engagement wider (R6sistancestück «Nächte des Zorns», 1946, deutsch); verfasste auch Memoiren («Die Liebschaften», 1976).

Saladin, Salah ad-Din, 1138-3.3.1193, Sultan von Syrien und Ägypten seit 1175; Begründer der Ayyubiden Dynastie; stürzte 1171 die Fatimiden, eroberte 1187 Jerusalem und weitere Städte und Festungen der Kreuzritter; legendärer Held der mittelalterlichen Literatur; unter anderem auch dargestellt von G. E. Lessing in «Nathan der Weise».

Salair: plateauartige Erhebung am Rand des Kusnezk Beckens, südöstlich von Nowosibirsk; 400 bis 500 m, maximal bis 621 m hoch; zum Teil bewaldet; Bergbau (Blei, Zink, Gold, Silber, Bauxit, Chemierohstoffe); Buntmetallurgie (Belowo).

Salala: Stadt im Südwesten Omans, Hauptort der Provinz Dhofar, an der Küste des Arabischen Meeres; 10000 Einwohner; traditionelles Handwerk; bei Salala neuer Hochseehafen Raysut.

Salam, Abdus, geboren 29.1.1926, Pakistan. Physiker; Mitbegründer der einheitlichen Theorie der elektroschwachen Wechselwirkung (Quanten Flavour Dynamik, Glashow-Salam-Weinberg-Theorie).

Salamanca: Stadt im Westen Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Salamanca, am Tormes, in fast baumloser Hochebene; 155000 Einwohner; Leder-, Textil-, chemische Industrie; Kunstgewerbe; Universität (gegründet 1215) und theologische Universität; römischen Brücke (400 m) über den Tormes, Alte Kathedrale (Romanik/Gotik), Neue Kathedrale (Spätgotik/Frührenaissance); Bauten im Platereskenstil: Casa de las Conchas, Salamanca Esteban, Colegio del Arzobispo mit Renaissancekloster, Fassaden der Universitätsgebäude, Palacio de Monterrey; Plaza Mayor mit barockem Rathaus.

Salamander, Salamandridae: Familie der Schwanzlurche, zu der auch die Molche gehören, mit in 2 Längsreihen angeordneten Gaumenzähnen, erwachsene Tiere stets lungenatmend. Der bis 10 cm lange Brillensalamander (Salamandrina terdigitata) bewohnt kühle Quellbäche an den Westhängen des Apennins; siehe auch Alpensalamander, Feuersalamander.

Salami: gewürzte, meist hart ausgereifte Rohwurst aus sehnen- und fettgewebearmem Rind- und beziehungsweise oder Schweinefleisch, die längere Zeit kalt geräuchert (Räuchern) wird. Ungarische Salami, deren charakteristischer Geschmack und weißer Überzug der Wursthülle auf spezielle Reifungsmikroflora (bestimmte Hefen und Pilze) zurückzuführen ist, enthält überwiegend oder ausschlich Schweinefleisch.

Salamis: 1. Salamis: griechische Insel im Golf von Ägina zwischen Attika und dem Peloponnes; 95 km2, 18000 Einwohner; felsig, trocken; an den Küsten Wein-, Olivenanbau; Fischerei. Seit etwa Anfang des 6. Jahrhundert vor Christus zu Athen gehörig; hier errangen 480 vor Christus die Griechen unter Themistokles den berühmten Seesieg über die persische Flotte unter Xerxes.

2. antike Stadt auf Zypern. Hier siegten 449 vor Christus die Athener unter Kimon über die Perser.

Salamonsky, Albert, 18.6.1839-22.6.1913, Zirkusdirektor, Kunstreiter, Akrobat, Pferdedresseur; debütierte 1862 als Kunstreiter im Zirkus Renz, 1873/79 Zirkusdirektor in Berlin; gründete 1880 den ersten stationären Zirkus in Moskau, eröffnete 1888 in Moskau eine Reitschule und in Odessa und Riga weitere Zirkusse.

Salanganen, Collocalia: Segler der indo-australische Region, die ihre meist aus Speichel bestehenden «essbaren Schwalbennester» an die Wände von Höhlen kleben; nur 12 cm lang die eintönig schwarzbraun gefärbte Salanganen (Collocalia francica), lebt von fliegenden Insekten.

Salangpass: Gebirgsübergang im westlichen Hindukusch, in Afghanistan; 3363 m. Über den Salangpass führt in einem 2,68 km langen Tunnel eine mit sowjetischer Hilfe (1959/64) erbaute Autostraße, die die Region um die afghanische Hauptstadt Kabul mit den Flusshäfen am Amudarja verbindet.

Salär: Gehalt, Lohn; ursprünglich das den altrömischen Soldaten und Beamten zugeteilte Salz.

Salar von Uyuni: Salztonebene in Südamerika, im Hochbecken des Altiplano in den bolivianischen Kordilleren; etwa 150 km lang, 130 km breit, etwa 3660 m über dem Meeresspiegel; Salzgewinnung.

Salaspils: Siedlung südöstlich von Riga; Kernforschungszentrum der Akademie der Wissenschaften der Lett. SSR (Atomreaktor seit 1961). Memorialkomplex für die Opfer faschistischer Verbrechen im KZ Salaspils, wo 1941/44 100000 Menschen ermordet wurden.

Salawat: Stadt an der Belaja; 150000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Stickstoffdüngerwerk, Maschinenbau (besonders Erdöl- und Chemieausrüstungen), Glaskombinat; Theater.

Sala y Gómez: unbewohnte kahle Insel vulkanischen Ursprungs im Stillen Ozean (Polynesien), nordöstlich der Osterinsel zu Chile gehörend und 3200 km von dessen Küste entfernt; 0,12 km2. 1793 von dem spanischen Seefahrer Sala y Gómez entdeckt.

Salazar, Antonio de Oliveira, 28.4.1889-27.7.1970, portugiesischer faschistischer Diktator, 1928/40 Finanzminister, 1932/68 Ministerpräsident, 1930 Gründer und bis 1968 Vorsitzender der klerikal faschistischen «Nationalen Union».

Salband: seitliche Grenzfläche eines Ganges gegen das umgebende Gestein (Nebengestein).

Salbe Unguentum: Arzneimittel für die äußerliche Anwendung; wird durch Einarbeiten von Arzneistoffen in natürliche oder synthetische streichfähige Grundsubstanzen (Salbengrundlagen) bereitet.

Salbei, Salvia: artenreiche Gattung der Lippenblütler, heimisch ist der meist blau blühende Wiesensalbei (Salvia pratensis); der aus dem Mittelmeergebiet stammende Echte Salbei (S. officinalis) wird oft als Heilpflanze kultiviert.

Salbeiöl: gelbliches, nach Salbei riechendes ätherisches ÖL das durch Wasserdampfdestillation von Salbeiblättern gewonnen wird; Verwendung in der Parfümerie und für Aromen.

Salchow: (nach einem schwedischen Eiskunstläufer) Eiskunstlauf Sprung nach vorangegangener 5/8-Drehung von rückwärts einwärts mit ganzer (einfacher Salchow), zweifacher (Doppelsalchow) beziehungsweise dreifacher (dreifacher Salchow) Drehung nach rückwärts-auswärts auf das andere Bein.

Saldanha, João Carlos de Oliveira e Daun, Herzog von, 17.11.1790-21.11.1876, portugiesischer Staatsmann und Militär, Enkel Pombais; 1825 Außen- und 1826/27 Kriegsminister, militärische Führer der Liberalen im Bürgerkrieg von 1832/34 gegen Dom Miguel; Marschall 1834, 1835/70 wiederholt Regierungschef; stützte sich vor allem auf die Armee, gründete 1851 die Partei.

saldierte Wettbewerbsabrechnung: wirksame Methode der Wettbewerbsauswertung und -abrechnung, deren Inhalt darin besteht, dass auf der Grundlage exakter, beeinflussbarer, qualitativer Kennziffern die positive und negative tatsächliche ökonomische Ergebnisse exakt ausgewiesen, gegenübergestellt und saldiert werden. Durch die saldierte Wettbewerbsabrechnung werden Voraussetzungen geschaffen, im Produktionsprozess auftretende Verluste aufzudecken und deren Ursachen zu beseitigen. Dabei steht die arbeitstägliche Leistung im Mittelpunkt.

Sale: Stadt in Marokko, am Atlantischen Ozean, im Ballungsraum Rabat; 160000 Einwohner; Fischverarbeitung, Leder-, Möbel-, Teppichindustrie; Straßenknoten. Bei Sale internationaler Flughafen Rabat-Salé.

Salem, Selam, Salam: Friede. Salem alaikum, «Friede sei mit euch!» (mohammedanischer Gruß).

Salem: 1. Stadt im Unionsstaat Tamil Nadu (Indien); 520000 Einwohner; Textilindustrie, Maschinenbau, Zementfabrik; Stahlwerk im Aufbau.

2. Hauptstadt des Bundesstaates Oregon (USA), am mittleren Willamette River; 89000 Einwohner; Holz-, Metall-, Textil-, Lebensmittelindustrie (Konservenherstellung); Flughafen; Universität.

Salerno: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien, Verwaltungszentrum der Provinz Salerno, am Golf von Salerno; 157000 Einwohner; Textil-, Metall- und Papierindustrie; Keramik; Fischerei; Hafen und Seebad; Universität; Ruine eines langobardische Kastells, Dom (11. Jahrhundert).

Salford: Stadt im Westen Englands (Großbritannien) in der Großstadtgrafschaft Greater Manchester, am Manchester-Schiffskanal; 98000 Einwohner; bedeutende Bekleidungs- (besonders Regenbekleidungs-) und Papierindustrie, Maschinenbau; Universität; katholische Kathedrale Saint John (1848).

Salgótarján: Stadt im Norden Ungarns, Verwaltungszentrum des Bezirks Nógrád, an der Zagyva; 49300 Einwohner; Stahl-, Glasindustrie, Maschinenbau; Bergwerksmuseum, Hochschule; Barockkirche (18. Jahrhundert); in der Umgebung Braunkohlenbergbau.

Salier: Hauptgruppe der Franken, im 4./5. Jahrhundert vom Niederrhein aus nach Nordgallien vorgedrungen. Auch Bezeichnung für das im mittelalterlichen deutschen Reich 1024/1125 herrschende Geschlecht der fränkischen oder salischen Könige.

Salieri, Antonio, 18.8.1750-7.5.1825, italienischer Komponist; Hofkapellmeister in Wien, zeitweise Lehrer von L. van Beethoven, F. Schubert und F. Liszt; schrieb Oratorien, Kirchen- und Kammermusik, Opern (auch in Nachfolge seines Lehrers C. W. Gluck).

Salinas Grandes: Salztonebene in Argentinien, zwischen den Kordilleren im Westen und der Sierra de Córdoba im Osten; 8 300 km2; reiche Salzlagerstätten.

Saline: Anlage zum Gewinnen von Steinsalz aus natürlicher Salzlösung (Sole), die in Siedepfannen bis zur Siedehitze erwärmt und durch Verdunsten des Wassers konzentriert wird. Das sich auf dem Boden der Gefäße abscheidende Kochsalz (Siedesalz) wird an den Rand der Pfanne gezogen und von der noch anhaftenden Lauge befreit.

Salinger, Jerome David, geboren 1.1.1919, US-amerikanischer Schriftsteller; gestaltete mit Einfühlung und stillst. Brillanz in Erzählungen und dem Roman «Der Fänger im Roggen» (1951, deutsch) die Enttäuschung und Einsamkeit junger Menschen in der auf materielle Werte orientierten USA-Gesellschaft und ihr Suchen nach echten Werten.

Salisbury: 1. Stadt im Süden Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Wiltshire, am Avon, nordwestlich von Southampton; 35000 Einwohner; Maschinenbau; Gerbereien; Museen; frühgotische Kathedrale (13. Jahrhundert, 123 m hoher Turm); 10 km nördlich von Salisbury Stonehenge.

2. Harare.

Salisbury, Robert Arthur Talbot Gascoyne-Cecil, Marquess of Salisbury, 3.2.1830-22.8.1903, britischer Politiker; seit 1881 Führer der Konservativen Partei, betrieb als Außen- (1878/80) und Premierminister (1885/86, 1886/92, 1895/1902, bis 1900 zugleich Außenminister) eine imperialistische Kolonialpolitik und hielt am Prinzip der Splendid isolation fest, salisch.

Salischtschew, Konstantin Alexejewitsch, geboren 20.11.1905, sowjetischer Kartograph und Geograph; 1942 Professor an der Hochschule für Geodäsie, Aerophotometrie und Kartographie, seit 1950 an der Moskauer Staatlichen Universität; projektierte und redigierte große kartographische Werke und schuf mehrere grundlegende Lehrbücher zur Kartographie; im Nordosten der UdSSR entdeckte er bisher unbekannte Gebirgssysteme und kartierte sie.

Salish: indianische Sprach- und Stammesgruppe in Britisch-Kolumbien und Alberta (Kanada) und Washington, Montana und Idaho (USA); 27000; die Binnen-Salish betrieben früher Pferdezucht und Bisonjagd, die Küsten-Salish vor allem Fischfang.

Salicylsäure: farb- und geruchlose, kristalline, heißwasserlösliche Substanz; F 158,3 °C; die Salze und Ester heißen Salizylate. Man verwendet Salizylsäure insbesondere zur Herstellung pharmazeutischer Produkte. Salicylsäure und einige ihrer Derivate wirken fiebersenkend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, gegen rheumatische Beschwerden, antibakteriell, hornhautauflösend und schweißhemmend.

Salizylsäureester: Substanzen der Formel 1,2-HO—C6H4—CO—OR; auch Salizylate genannt. Der stark würzig riechende Salizylsäuremethylester (R = CH3) ist der Hauptbestandteil des Wintergrünöls; er wird synthetisch hergestellt und medizinisch verwendet; Amyl- und Isoamylester riechen kleeartig. Die niederen Salizylsäureester finden in der Parfümerie Anwendung.

Salk, Jonas Edward, geboren 28.10.1914, US-amerikanischer Serologe; Professor in Michigan und Pittsburgh; stellte 1953 als erster einen Impfstoff gegen die Kinderlähmung her.

Sallal, Abdullah as-, geboren 1917, jemenitischer Offizier und Politiker; Führer der revolutionären nationalen Kräfte, die im September 1962 das Imam-Regime in Nordjemen stürzten; 1962/67 Präsident der Jemenitischen Arabischen Republik, Vorsitzender des Revolutionsrates und Oberkommandierender der Streitkräfte; 1967 gestürzt, ging ins Exil.

Sallust, Gaius Sallustius Crispus, 86-um 35 vor Christus, römischer Geschichtsschreiber; Anhänger Cäsars. Er klagt in seinen Werken, von denen «Über die Verschwörung des Catilina» und «Über den Jugurthinischen Krieg» vollständig erhalten sind, die Verdorbenheit der Nobilität an. Sallust gilt als der erste bedeutende römische Historiker.

Salmanassar, assyrische Könige: 1. Salmanassar, herrschte um 1273/um 1244 vor Christus; stabilisierte den assyrischen Einfluss im nördlichen Gebirgsland und besiegte den kassitischen König von Babylon.

2. Salmanassar III., gestorben 824 vor Christus, König seit 858 vor Christus; unterwarf Nordsyrien, Babylonien und Kilikien, machte Tyros, Sidon (Saida) und Israel tributpflichtig.

3. Salmanassar V., herrschte 726/722 vor Christus; belagerte Tyros und Samaria (Hauptstadt Israels) und beseitigte die finanziellen und ökonomischen Privilegien der Städte Assur, Babylon, Nippur und Sippar. Unter seiner Herrschaft wurden die assyrische Wirtschaft und Politik von den Bedürfnissen des Heeres bestimmt.

Salminen, Sally, 25.4.1906-18.7.1976, finnland-schwedische Erzählerin; klagte in ihrem weltberühmt gewordenen Roman «Katrina» (1936, deutsch) die sozialen Missstände auf den Alandinseln an. Bekannt wurden auch die Romane «Lars Laurila« (1943, deutsch), «Prinz Efflam» (1953, deutsch) und «Am Meer» (1963).

Salmler, Characidae: zu den Karpfenartigen gehörende Süßwasserfische Süd- und Mittelamerikas sowie Afrikas von unterschiedlicher Gestalt und Größe; Pflanzen-, Allesfresser oder Räuber, viele sind Aquarienfische, wie der bis 4,5 cm lange Rote von Rio (Hyphessobrycon flammeus) und der Serpasalmler (Hyphessobrycon serpae) aus dem Amazonasbecken; aus Afrika der Kongosalmler (Phenacogrammus interruptus); siehe auch Neonfisch, Piranha.

Salmonellen, (nach einem US-amerikanischen Bakteriologen) Salmonella: gramnegative, begeißelte, stäbchenförmige Darmbakterien (Familie der Enterobacteriaceae). Beim Menschen verursachen Salmonella typhi und Salmonellen paratyphi Allgemeininfektionen beziehungsweise Enteritis-Salmonellen Durchfallerkrankungen, die durch infizierte Lebensmittel hervorgerufen werden können. Die Erregerisolierung erfolgt kulturell aus Stuhlproben und infizierten Nahrungsmitteln.

Salmonellose: durch Salmonellen verursachte, akut oder chronisch verlaufende Infektionskrankheit. Sie tritt bei Rind, Schwein, Geflügel und anderen Tierarten auf. Ein häufiges Symptom der Erkrankung ist Durchfall. Salmonellose ist durch verseuchte Gegenstände und Lebensmittel besonders tierischer Herkunft auf den Menschen übertragbar. Sie ist meldepflichtig.

Salò: italienische Stadt am Westufer des Lago di Garda. Vom 23.9.1943 bis 25.4.1945 war Salò Sitz der Regierung der sogenannt Italienischen Sozialen Republik («Republik Salò»), des von deutschen Besatzungstruppen ausgehaltenen faschistischen Vasallenregimes unter Mussolini.

Salome, Tochter der jüdischen Königin Herodias; verlangte nach der Legende von ihrem Stiefvater Herodes dem Großen für einen Tanz das Haupt Johannes des Täufers; oft gestaltetes Motiv in Kunst, Literatur und Musik (unter anderem mittelalterliche Johannesschüsseln, Drama von 0. Wilde, danach Oper von R. Strauss).

Salomo, gestorben um 925 vor Christus, israelitischer König seit etwa 965 vor Christus; Sohn Davids und Bathsebas. Nach seinem Tod zerfiel das Reich in 2 Teile, Israel im Norden und Juda im Salomo

Salomon: 1. Erich Salomon, 28.4.1886-7.7.1944 (im KZ Auschwitz ermordet), Bildjournalist; erregte mit engagierten Aufnahmen von politischen und kulturellen Persönlichkeiten und Ereignissen Aufsehen (Bildband «Berühmte Zeitgenossen», 1931); emigrierte 1934 nach den Niederlanden.

2. Horst Salomon, 6.5.1929-20.6.1972, Schriftsteller, schrieb kämpferisch-agitatorische Gedichte («Getrommelt, geträumt und gepfiffen», 1960), volkstümlich gestaltete Schauspiele («Katzengold», 1964; «Der Lorbass», 1967), Fernsehspiele («Die Zeit der schlaflosen Nächte», 1969; «Genosse Vater», 1969), Kantaten, Reportagen, Nachdichtungen unter anderem;

Salomonen: Inselgruppe (8 große und zahlreiche kleine Inseln und Atolle) im südwestlichen Teil des Stillen Ozeans (Melanesien), östlich von Neuguinea; etwa 40000 km2, 370000 Einwohner; gegliedert in die nördlichen Salomonen (9300 km2, 130000 Einwohner) mit den Inseln Bougainville und Buka (einschließlich umliegender Atolle), die zu Papua-Neuguinea gehören, und die südlichen Salomonen (größerer Teil der Salomonen) mit 6 großen und vielen kleineren Inseln, die alle Bestandteil des Staates Salomonen sind.

Salomonen, Salomoninseln: Staat (parlamentarische Monarchie) auf 256 Inseln der südlichen Salomonen, in Melanesien, über 650000 km2 Wasserfläche des Stillen Ozeans verteilt. Verwaltungsmäßig in 4 Distrikte gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich aus Melanesiern (90%), Polynesiern (4%) und Mikronesiern (2 %), ferner aus europäischen und chinesischen Einwanderern zusammen. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Salomonen-Dollar. Die größtenteils von tropischen Regenwald bedeckten Inseln sind meistens gebirgig auf Guadalcanal und vulkanischen Ursprungs (zum Teil noch tätige Vulkane). Größte Inseln sind Guadalcanal, San Cristobal oder Makira (4662 km2), Santa Isabel (4662 km2) und Malaita (3885 km2). Es herrscht ein feuchttropisches Klima. Bergbaulich kaum genutzte Bodenschätze (Phosphate, Nickel, Kupfer, Gold, Bauxit). Salomonen ist ein durch lange Kolonialherrschaft unterentwickeltes Agrarland, das aber in den letzten Jahren Erfolge beim Aufbau einer nationalen Wirtschaft erzielen konnte (Beseitigung der einseitigen Abhängigkeit vom Kopraexport). Großen Einfluss hat das ausländische, besonders britische und japanische Kapital. Wichtigste Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft, Fischfang und der Holzeinschlag. Für den Export Nutzung der Kokos- (Kopra) und Ölpalme (Palmöl) sowie Anbau von Kakao, Ananas und Bananen, für die Eigenversorgung Anbau von Bataten, Reis und Gemüse. Die verarbeitende Industrie ist kaum entwickelt. zwischen den Inseln hauptsächlich Boots- und im geringen Umfang Flugverkehr. Internationale Flughäfen auf den Inseln New Georgia und Guadalcanal (Henderson/Honiara); Überseehafen Honiara. Ausfuhr von Agrargütern (besonders Kopra, Palmöl), Fisch und Holz; Einfuhr von Nahrungsmitteln, Brennstoffen und Industrieausrüstungen; Haupthandelspartner sind Japan, Australien, Großbritannien und die USA. 1567 entdeckt; Niederwerfung des Widerstandes der Ureinwohner und Verschleppung als Arbeitskräfte; 1886 zwischen Großbritannien (südliche Salomonen (Britische Salomonen), seit 1893 britisches Protektorat) und Deutschland (nördlich Salomonen) geteilt. Deutschland überließ 1898/1900 einige Inseln der nördlichen Salomonen Großbritannien gegen Zugeständnisse in Westsamoa, der Rest der nördlichen Salomonen wurde nach der Besetzung im 1. Weltkrieg 1920 Mandatsgebiet Australiens und gehört jetzt zu Papua-Neuguinea. Die Brit Salomonen wurden nach japanischer Besetzung (1942) von USA-Truppen zurückerobert und erhielten 1976 unter dem Namen Salomonen die volle innere Selbstverwaltung, am 7.7.1978 die staatliche Unabhängigkeit.

salomonisches Urteil: nach einer wohl ursprünglich indische Erzählung Urteil des Königs Salomo beim Streit zweier Mütter um ein Kind, in dem er befahl, dieses zu teilen; durch ihre Zustimmung habe sich die falsche Mutter verraten. übertragen besonders kluges, weises Urteil.

Salon: 1. Gesellschafts-, Empfangszimmer.

2. Geschäft für Haar- und Körperpflege, Damenbekleidung unter anderem

3. im 18./19. Jahrhundert Empfangsabend hochgebildeter Frauen; berühmt waren die Salon der Rahel Varnhagen von Ense und Henriette Herz; nach französischem Vorbild wurden Gespräche über Kunst geführt, Musik und besonders die Literatur gepflegt.

Saloniki, Thessaloniké, Thessaloniki: Stadt im Norden Griechenlands, Verwaltungszentrum von Griechisch-Makedonien, am Golf von Saloniki; 405000 Einwohner; als Agglomeration 700000 Einwohner; wichtigster Hafen Griechenlands, Freihafen für Jugoslawien; Werften, Stahlwerk, petrolchemisches Kombinat; chemische, Metall-, Textil-, Leder-, Tabak-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie; Handelszentrum, internationale Messe; Universität; Museen. Um die Altstadt mit antiken und byzantinischen Bauwerken (Triumphbogen des Galerius, Akropolis Hügel, Sophienkirche, Demetrius Basilika) entstanden nach dem Brand von 1917 neue Stadtteile. 315 vor Christus von Makedoniern gegründet; in der Römerzeit Hauptstadt der Provinz Makedonia; im 6./7. Jahrhundertnach Christus Blütezeit als Handelsstadt des Byzantinischen Reiches; 1342/49 unabhängige Republik Thessaloniki; 1430 von den Türken erobert und im 1. Balkankrieg (1912/13) von der griechischen Armee befreit; 1941 von den deutschen Faschisten besetzt, am 31.10.1944 befreit.

Salonmusik: a) ursprünglich Kammermusik, die nach französischem Vorbild des 18. Jahrhundert in literarischen Salons gespielt wurde;

b) seit dem 19. Jahrhundert (zum Teil veräußerlichte) Form bürgerlicher Unterhaltungsmusik in Cafés, Weinstuben, Konzerthallen und so weiter, die im 20. Jahrhundert durch neue Formen der Tanz- und Unterhaltungsmusik abgelöst wurde.

salopp: (französisch) ungezwungen; nachlässig.

Salpausselkä: Höhenzug im Süden Finnlands, die Finn. Seenplatte im Süden umschließend; 500 km lang, bis 223 m hoch; als Moränenzug vor 10000 Jahren entstanden; Kiesgewinnung.

Salpen, Thaliacea: Klasse pelagischer, fässchenförmiger Manteltiere wärmerer Meere. Durch Kontraktion der ringförmigen Muskulatur pumpen sie Wasser durch sich hindurch, filtrieren dabei Plankton und schwimmen zugleich (Rückstoß). Die Fortpflanzung ist mit Generationswechsel verbunden.

Salpeter: Sammelname für einige Nitrate und nitratreiche Minerale. Ammonsalpeter ist Ammoniumnitrat. Chilesalpeter (Caliche) wird in der chilenischen Atacama-Wüste abgebaut und enthält neben Natronsalpeter (Natriumnitrat), NaN03, auch Natriumjodat. Kalisalpeter (Salpeter im engeren Sinne) ist Kaliumnitrat. Kalksalpeter, Kalziumnitrat ist Bestandteil des Mauersalpeters.

Salpeterer-Aufstände: bäuerliche Erhebungen in der österreichischen Grafschaft Hauenstein zwischen 1719 und 1745 gegen den Abt von St. Blasien, als dieser nicht mehr wahrgenommene feudale Rechte geltend machte. Die Bauern, die auch als Salpetersieder und -händler tätig waren, wandten sich gegen Leibeigenschaft, Steuern, Zinsen und andere feudale Leistungen. 1727/28, 1738/39 und 1743/45 setzte die Regierung Militär gegen die Aufständischen ein.

Salpetersäure: wichtigste Säure des Stickstoffs; Formel HN03. Reine, wasserfreie Salpetersäure ist eine farblose, wasserlösliche, stark ätzende Flüssigkeit von stechend-saurem Geruch; F -47 °C; Kp 86 °C; Dichte 1,522 g/cm3; die Salze und Ester (Salpetersäureester) heißen Nitrate. Salpetersäure zersetzt sich allmählich zu roter, rauchender Salpetersäure, die Stickoxide enthält. Die handelsübliche konzentrierte Salpetersäure ist 69,2 %ig; Kp 121,8 °C; Dichte 1,41 g/cm3. Salpetersäure wirkt stark oxydierend, so dass sie auch Kupfer und Silber, nicht jedoch Gold und Platin, unter Entwicklung nitroser Gase auflöst; infolge Passivierung beständig sind zum Beispiel Aluminium und Chrom, bei gewöhnliche Temperatur auch Eisen. Rauchende Salpetersäure vermag Holzspäne, Stroh u. ä. zu entflammen. Die Haut wird durch Salpetersäure infolge Nitrierung gelb gefärbt (Xanthoproteinreaktion; Nachweis von Eiweiß). Man gewinnt Salpetersäure durch Oxydation von Ammoniak an Platin-Rhodium-Netzkatalysatoren und Umsetzung des entstehenden Stickstoffmonoxids mit Sauerstoff und Wasser. Verwendung findet sie zur Herstellung von Düngesalzen, Färb-, Explosiv- und Arzneistoffen sowie Nitrobenzol, Terephthalsäure und anderen Zwischenprodukten. Salpetersäure ist auch Bestandteil von Königswasser und Nitriersäure.

Salpetersäureester: Substanzen der allgemeinen Formel R-0-N02. Die Salpetersäureester werden in der Regel durch Umsetzung zwischen Alkoholen oder Phenolen mit Salpeter- oder Nitriersäure hergestellt und dienen in erster Linie als Explosivstoffe, zum Beispiel Glykol-, Glyzerol- und Zellulosenitrate.

SALT: (Abkürzung für Strategie Armament Limitation Talks, englisch) Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen zwischen der UdSSR und den USA Sie begannen 1969 auf Initiative der UdSSR und führten 1972 zu ersten Übereinkommen (SALT I), dem (zeitlich unbefristeten) Vertrag zwischen der UdSSR und den USA über die Begrenzung der Raketenabwehrsysteme (englisch Bezeichnung Anti Ballistic-Missiles-Treaty, Abkürzung ABM-Vertrag) und dem zeitweiligen Abkommen zwischen der UdSSR und den USA über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen (5 Jahre Gültigkeit). Beide Verträge traten am 3.10.1972 in Kraft. Weitere Verhandlungen, die wiederholt durch die USA erschwert und verzögert wurden, führten 1979 zu neuen Vereinbarungen (SALT II), einem Vertrag über die Begrenzung strategischer Trägermittel (5 Jahre Gültigkeit), einem Protokoll über Begrenzungen der Entwicklung und des Baus neuer strategischer Waffensysteme (3 Jahre Gültigkeit) und einer Erklärung über Grundsätze und Ziele für die Weiterführung der Verhandlungen. Das Inkrafttreten von SALT II wurde durch Nichtratifizierung der Vereinbarungen seitens der USA verhindert. Durch den Hochrüstungskurs der USA und ihr Streben nach militärischer Überlegenheit über die UdSSR wurde der SALT-Prozess untergraben.

Salta: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten Argentiniens, am Ostrand der Kordillere, 1187 m über dem Meeresspiegel; 260000 Einwohner; Erdölraffinerie, Stahl-, Zement-, Fleisch-, Lederindustrie; die nördliche Transandenbahn verbindet Salta mit den chilenischen Häfen Antofagasta und Tocopilla, internationaler Flughafen.

Saltarello: lebhafter neapolitanischer Volkstanz im Dreiertakt; im 15. und 16. Jahrhundert Nachttanz zur Pavane in Italien und Spanien; in Deutschland als Springtanz im 2/2-Takt bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich.

Salten, Felix, 6.9.1869-8.10.1947, österreichischer Schriftsteller und Kritiker; seit 1938 im Exil; Verfasser erfolgreicher Tiergeschichten («Bambi», 1923; «Bambis Kinder», 1940; nach beiden Walt Disneys Trickfilm «Bambi», 1942).

Saltillo: Hauptstadt des Bundesstaates Coahuila im Nordosten Mexikos, in der östlichen Sierra Madre, 1600m überm Meer; 380000 Einwohner; Textil-, Leder- und Lebensmittelindustrie; 2 Universitäten.

Salt Lake City: Hauptstadt des Bundesstaates Utah (USA), südöstlich vom Großen Salzsee, 1350m überm Meer; 160000 Einwohner, als Metropolitan Area 940000 Einwohner; Bergbauzentrum, Buntmetallurgie, Uranerzaufbereitung, Erdölverarbeitung unter anderem; Verkehrsknoten, Flughafen; Universität, Colleges; Zentrum und Sakralbauten (Tabernakel als eigentliche Kultstätte) der Mormonen. 1847 von Mormonen gegründet.

Salto, Luftrolle: freier Überschlag.

Salto: Stadt (Departements Zentrum) in Uruguay, am Uruguay; 83000 Einwohner; Lebensmittel-, Konserven-, chemische und pharmazeutische Industrie; Endpunkt der Schifffahrt auf dem Uruguay, Flughafen; Theater, Bibliothek.

Salto mortale: (italienisch, «Todessprung») in der Artistik freier Überschlag in der Luft, mit 2 (Doppelsalto) oder 3 Körperumdrehungen (Triple Salto). 1938 auch mit 4 Körperumdrehungen in Berlin von argentinischen Artisten gezeigt.

Saltykow-Schtschedrin, Michail Jewgrafowitsch, 27.1.1826-10.5.1889, russischer Schriftsteller; wandte sich unter dem Einfluss revolutionär-demokratischen Ideen entschieden gegen zaristische Selbstherrschaft und Leibeigenschaft; trat 1863 in die Redaktion des «Sovremennik» ein, leitete 1868/84, anfangs gemeinsam mit N. A. Nekrassow, die «Otetchestvennyje Sapiski». In den Romanen «Die Geschichte einer Stadt» (1869/70, deutsch), «Die Herren Taschkenter» (1869/72, deutsch) und «Die Herren Golowljow» (1875/80, deutsch) griff Saltykow-Schtschedrin mit schonungsloser Satire die gesellschaftlichen Verhältnisse an. Seine satirisches «Märchen» (1882/86, deutsch) bringen seine fortschrittlichen politischen Überzeugungen zum Ausdruck.

Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek: Bibliothek in Leningrad, gehört mit rund 22 Millionen Bestandseinheiten zu den größten Bibliotheken der Erde; nach der Lenin-Bibliothek in Moskau zweitgrößte Bibliothek der UdSSR; gegründet 1795 als Kaiserliche Öffentliche Bibliothek, 1814 eröffnet.

Salut: 1. militärische Ehrenbezeigung durch Salvenfeuer blinder Schüsse.

2. Salut: Serie sowjetische Raumstationen von 20 m Länge und 201 Masse, welche die Erde in etwa 200 bis 300 (S. 1 bis Salut 5) beziehungsweise 350 bis 400 km Höhe (S. 6, 7) umkreisen und mit Hilfe von Sojus-Raumfahrzeugen durch wechselnde, zum Teil internationale Besatzungen (bis 6 Monate) bemannt sowie mittels automatischen Progress-Raumtransporter unter anderem mit Nachschub versorgt werden (S. 6, 7). 1971/87 wurden 7 Salut gestartet. Wichtigste Aufgaben der Besatzungen bestehen in wissenschaftlichen Untersuchungen (Erderkundung, Raumfahrtmedizin, technologische Versuche, astronomische und astrophysikalische Beobachtungen). An die 1977 gestartete Station Salut 6 legten erstmals 2 Raumfahrzeuge gemeinsam an (Sojus 26 und 27). An Bord von Salut 6 arbeiteten 1978/81 16 (davon 8 Interkosmos-) Besatzungen mit insgesamt 33 Kosmonauten. Seit 1982 ist mit Salut 7 ein vervollkommneter Typ von Salut-Raumstationen im Einsatz, der gemeinsam mit den ebenfalls verbesserten Zubringer-Raumfahrzeugen der Serie Sojus und Progress-Transportern betrieben wird.

salutieren: (lateinisch) militärisch grüßen.

Salvarsan: (lateinisch+ griechisch) arsenhaltige Verbindung, mit der erstmalig die Behandlung der Syphilis möglich war. 1909 von P. Ehrlich entdeckt,

salvel: (-ve:; lateinisch) sei gegrüßt!

Salvemini, Gaetano, 8.9.1873-6.9.1957, italienischer antifaschistischer-demokratischer Historiker und Politiker; 1929 im französischen Exil Mitbegründer der antifaschistischen-demokratischen Bewegung Giustizia e Libertà; wesentliche Arbeiten zur Süditalienischen Frage.

Salvius, gestorben 101 vor Christus, syrischer Sklave; Führer der aufständischen Sklaven im 2. sizilische Sklavenaufstand (104/101 vor Christus); nahm als König den Namen Tryphon an. Salvius erklärte die Stadt Triokala zu seiner Residenz und wurde von Athenion, dem anderen Sklavenführer, anerkannt.

Salween, Saluen: Strom in Zentral-, Ost- und Südostasien; 2500 km; entspringt mit 2 Quellflüssen als Nagqu im Hochland von Tibet, durchfließt in meist tiefen engen Tälern als Nu Jiang das Hochland von Yunnan sowie als Salween das Shan Hochland und mündet in den Golf von Martaban (Indischer Ozean); besonders im Ober- und Mittellauf reich an Stromschnellen und Wasserfällen.

Salygin, Sergej Pawlowitsch, geboren 6.12.1913, russisch-sowjetischer Schriftsteller; gestaltete in der Erzählung «Am Irtysch» (1964, deutsch) sowie den Romanen «Republik Salzschlucht» (1967, deutsch), «Die Kommission» (1975, deutsch) und «Nach dem Sturm» (1979) die revolutionären Veränderungen in den sibirischen Dörfern nach 1917. In «Die südamerikanische Variante» (1973, deutsch) stellte er Probleme der Frauenemanzipation aus heutiger Sicht zur Diskussion. Deutsche Auswahl von Erzählungen «Festival» (1983).

Salzach: rechter Nebenfluss des Inns; 225 km; entspringt in den Kitzbüheler Alpen (Österreich), durchfließt das Längstal des Pinzgaus, durchbricht die Salzburger Kalkalpen (Pongau), fließt anschließend durch Tennen- und Flachgau; mündet nordöstlich von Burghausen; im Alpenvorland unterhalb Salzburgs Grenzfluss zur BRD (Bayern); Wasserführung unterschiedlich; Wasserkraftwerke.

Salzboden: Bodenbildung in Trockengebieten mit relativ hohem Gehalt an Natriumsalzen, die durch Grund- und Stauwasser oder Bewässerung angereichert wurden.

Salzburg: 1. österreichisches Bundesland beiderseits der Donau, im Norden an die CSSR, im Nordwesten an die BRD grenzend; 7155 km2, 450000 Einwohner; 63 Einwohner/km2; Hauptstadt Salzburg 2; umfasst überwiegend Hochgebirge (Salzburger Schieferalpen, Teile der Salzburger Kalkalpen, der Hohen und Niederen Tauern) mit dünner Besiedlung; außerdem die Tallandschaften Pongau, Pinzgau, Lungau, Tennengau, Flachgau mit dichter Besiedlung; wichtigste Flüsse sind Donau, Saalach, Salzach und obere Mur; bekannte Seen sind Wolfgang-, Waller- und Zeller See; Förderung von Wolframerz, Gips, Anhydrit; Aluminiumerzeugung (bei Lend), Textil-, Holz-, Zement-, Metallindustrie, Molkereien; Saline in Hallein; Wasserkraftwerke an der Salzach und deren Zuflüssen (Kaprun); Wald-, Almwirtschaft; ein Drittel der Landesfläche waldbedeckt; starker Fremdenverkehr (Gasteiner Tal).

2. Hauptstadt von Salzburg 1, an der Salzach, im Salzburger Becken; 139000 Einwohner; Strick-, Wirkwaren-, Konfektions-, elektronische, feinmechanische, Möbel- und chemische Industrie; Verkehrsknoten; Universität, Musikhochschule (Mozarteum); Landestheater, Museen, Max Reinhardt-Forschungs- und Gedenkstätte; Festspiele; starker Fremdenverkehr. zwischen Kapuziner-, Mönchs- und Nonnberg die Altstadt mit zahlreichen kunsthistorisch bedeutenden Bauten, vorwiegend dem Barock, oft italienische Prägung, angehörend; Zentrum am linken Ufer der Salzach ist der Residenz- und Domplatz: Dom (1614/28 von Salzburg Solari; erster italienisch-barocker Kirchenbau nördlich der Alpen), Residenzgebäude (Anfang 17. Jahrhundert; zum Teil reiche Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert) und Neugebäude (1592/1602), Residenzbrunnen (17. Jahrhundert); Benediktinerabtei (mit romanisch-barocker Stiftskirche St. Peter), Franziskanerkirche (spätromanisch; spätgotischer Hallenchor von H. Stethaimer), Dreifaltigkeits-, Kollegien- und Ursulinerinnenkirche (alle 3 von J. B. Fischer von Erlach), Rathaus (15./18. Jahrhundert), ehemaliger Hofmarstall (zum Festspielhaus umgebaut), Mozarts Geburtshaus (Museum) und andere Bürgerhäuser; im Südosten der Altstadt Stift Nonnberg mit romanisch-gotischer Klosterkirche (romanische Wandmalerei) und Feste Hohensalzburg (vorwiegend spätgotische Georgskirche; Burgmuseum); rechts der Salzach Schloss Mirabell (von J. L. von Hildebrandt 1721/27 neugestaltet; Treppenhaus); südlich von Salzburg die Schlösser Leopoldskron (Umbau 1736), Hellbrunn (1613/19) und Klosheim (1700/09 von Fischer von Erlach). Kelt., später römische Siedlung (Juvavum); 739 Sitz eines Bischofs, 798 eines Erzbischofs; der um die Stadt Salzburg entstandene geistliche Territorialstaat (Erzbistum Salzburg) wurde 1803 säkularisiert, das Gebiet kam an die Habsburger, 1810/15 bayerisch, seitdem österreichisch.

Salzburger Kalkalpen: Teil der Nördlichen Kalkalpen, fast vollständig in Österreich; umfasst Berchtesgadener Alpen, Loferer und Leoganger Steinberge, Steinernes Meer (mit der Plateauvergletscherung der Übergossenen Alm), Hochkönig, Hagen-, Tennengebirge, Dachstein (bis 2 995 m; Karsterscheinungen: Höhlen, Karstquellen), Totes Gebirge; zwischen Hagen- und Tennengebirge die über 1000 m tief eingeschnittene Schlucht der Salzach.

Salze: chemische Verbindungen, die aus positiv geladenen Metall- oder anderen Kationen und negativen Säurerestionen (Anionen) bestehen; zum Beispiel Natriumjodid, Nal (Ionen Na+, I), Ammoniumchlorid. Salze entstehen zum Beispiel bei der Neutralisation, bei Reaktionen zwischen Metallen und Säuren sowie durch Reaktion zwischen 2 Salzen (doppelte Umsetzung). Salze zeichnen sich meist durch Bildung kristalliner Ionengitter und somit durch relativ hohe Schmelz- und Siedepunkte aus. Spezielle Salze sind zum Beispiel Doppel-, Hydrogen- und Komplexsalze Salzelmen Schönebeck.

Salzgitter: kreisfreie Stadt in Niedersachsen, südwestlich von Braunschweig; 113000 Einwohner; Hütten- und Stahlwerke (Rohstoffbasis Eisenerzvorkommen Salzgitter-Peine), Maschinen- und Fahrzeugbau, elektronische, Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Sitz der Salzgitter AG; Hafen (Stichkanal zum Mittellandkanal); Solbad; Erdöl- und Steinsalzvorkommen.

Salzkammergut: Alpenlandschaft in Österreich um die obere Traun, überwiegend in Oberösterreich (neben Salzburg und Steiermark); reicht vom verkarsteten höhlenreichen Dachstein im Süden und dem Toten Gebirge (bis 2515 m) im Osten über die Kalkkette des Höllengebirges bis ins Alpenvorland (Obstbau); reich an Seen (Hallstätter, Wolfgang-, Fuschl-, Mond-, Atter-, Traunsee); Salzgewinnung (Bad Ischl, Hallstatt); Zement-, Papierindustrie; Alm-, Waldwirtschaft; Wasserkraftwerke; starker Fremdenverkehr (Bad Ischl, St. Wolfgang unter anderem).

Salzkrebschen, Artemia salina: bis 15 mm langer, roter Kiemenfußkrebs; lebt in salzhaltigen Binnengewässern oft in riesigen Massen; seine Eier werden gehandelt; in Salzwasser gebracht, schlüpfen aus ihnen in kürzester Zeit die Krebslarven, die als Futter für Aquarienfische verwendet werden.

Salzlagerstätten: abbauwürdige Lagerstätten, besonders von Stein- und Kalisalzen. Die Salze wurden bei trockenem Klima durch Verdunstung in vom offenen Weltmeer abgeschlossenen, salzreichen Binnenmeeren nach dem Grad ihrer Löslichkeit ausgeschieden. In der DDR treten vor allem Salzlagerstätten der Zechsteinzeit auf.

Salzmann, Christian Gotthilf, 1.6.1744 bis 31.10.1811, Pädagoge; Vertreter des Philanthropismus, 1781/84 Lehrer am Dessauer Philanthropinum; gründete 1784 in Schnepfenthal eine Erziehungsanstalt. Salzmann erzog nach bürgerlichen Grundsätzen, trat aber für ein Bündnis zwischen Bourgeoisie und Adel ein; schrieb unter anderem «Krebsbüchlein» (1780), «Ameisenbüchlein» (1806).

Salzmetamorphose: Umwandlung der durch Eindampfen von Meerwasser ausgeschiedenen primären Salzminerale und -gesteine bei höheren Temperaturen und Drücken in großer Tiefe unter dem Deckgebirge.

Salzpflanzen, Halophyten: auf Böden mit relativ hohem Salzgehalt (Meeresstrand, Salzsteppe) noch gedeihende Pflanzen; oft dickfleischig, saftig (zum Beispiel Queller).

Salzsäure: wässrige Lösung von Chlorwasserstoff; auch Chlorwasserstoffsäure genannt; die Salze heißen Chloride. Die handelsübliche konzentrierte Salzsäure, eine farblose, stechend riechende, stark ätzende, an der Luft rauchende Flüssigkeit, ist etwa 30- bis 32 %ig; Dichte 1,18 g/cm3; beim Erhitzen wird zunächst Chlorwasserstoff abgegeben; schließlich siedet bei 110 °C eine 20,24 %ige Säure. Als sehr starke Säure löst Salzsäure viele Metalle (jedoch nicht Kupfer unter anderem und die Edelmetalle) unter Wasserstoffentwicklung und Bildung der entsprechenden Chloride auf. Man verwendet sie unter anderem zum Beizen und Ätzen von Metallen, zum nassmetallurgischen Aufschluss von Erzen, zur Herstellung von Chloriden, Chlor und Wasserstoff.

Salzsprengung: Gesteinszerfall durch den Kristallisationsdruck von Salzen in der Bodenwasserlösung. Er entsteht durch die Verdunstung des Wassers in den Poren und Haarrissen der Gesteine.

Salzstock, Salzdom, Salzhorst, Salzdiapir: kuppel- oder zylinderförmige Salzmasse, die nach einem tektonischen Impuls, der die Salzbewegungen auslöst, in die hangenden Sedimentgesteine einwandert.

Salzstraßen: Landstraßen und Wasserwege, auf denen, zum Teil schon in der Urgesellschaft, vorwiegend der Transport von Salz (früher ein bedeutendes Austauschprodukt) erfolgte.

Salztektonik: durch Salzbewegungen hervorgerufene Deformationen der Sedimentschichten und der Salzgesteine.

Salztonebene, Pfanne, Salzpfanne, Takyr: weiträumiges, meist abflussloses Becken in den Trockengebieten der Erde, in das die von den Randgebirgen periodisch oder episodisch abkommenden Flüsse und die Flächenspülung aus der höheren Umgebung tonig schluffiges Verwitterungsmaterial transportieren. Dadurch werden Tonschichten gebildet, die besonders im Zentrum des Beckens durch die Verdunstung zuströmenden Grundwassers mit Salzen angereichert werden und Salzkrusten bilden. In Trockenzeiten werden die Salztonebene steinhart, und es entsteht ein dichtes Netz von Schwundrissen, in Regenzeiten dagegen verwandeln sie sich in einen unpassierbaren Salzsumpf oder in einen flachen Salzsee. Der vorherrschende Bodentyp ist der Solontschak.

Salzungen, Bad: Kreisstadt im Bezirk Suhl, an der Werra; 21000 Einwohner; Kaltwalz-, Pressenwerk, Molkerei; Volkssolbad (242 m über dem Meeresspiegel; 27 %ige Sole), Gradierwerk; um Salzungen Kalisalzbergbau (Werrarevier); neue Wohnviertel; barockes Rathaus, klassizistische Stadtkirche, spätgotische Husenkirche, Renaissancebürgerhäuser. 775 als Krongut Karls des Großen erwähnt; 1306 als Stadt genannt; reiche Salzquellen bestimmten die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, 1590 erste Gradierhäuser, seit 1821 Heilbehandlungen.

Salzungsmethode: Messverfahren zum Ermitteln der Fließgeschwindigkeit des Grundwassers. In ein Bohrloch wird Salz (zum Beispiel Kochsalz) geschüttet und durch Probenahme aus einem zweiten in bekannter Entfernung die Zeit des Eintreffens der Salzlösung festgestellt.

Salzwasser: Wasser mit einem Gehalt an gelösten mineralischen Stoffen (vorwiegend Kochsalz) g 1 g/1.

Salzwedel: Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, im Nordwesten der Altmark; 23000 Einwohner; Herstellung von Superphosphat, Schwefelsäure, Kerzen, Pumpen, Lebensmitteln, Maschinen; bei Salzwedel Erdgasförderung;. Tierpark; Verkehrsknoten; mittelalterliches Stadtbild (Backsteingotik, Renaissancefachwerkhäuser); Jenny-Marx-Geburtshaus (Museum über die Familie Marx). 1112 Erwähnung einer Burg, seit 1134 unter der Herrschaft der Markgrafen von Brandenburg; 1233 als Stadt genannt; 1236/1514 zur Hanse gehörig; 1892 entstand in Salzwedel eine der größten Zuckerfabriken Deutschlands.

Samadhi: geistige Versenkung; in indischen Religionen höchste Stufe der Yoga-Konzentration (Aufhören jeglichen Kontaktes zur Außenwelt und letztlich Tod des Yogi).

Samaniego, Félix Maria de, 12.10.1745 bis 11.8.1801, spanischer Lyriker; seine Fabeln («Moralische Fabeln», 1781/84) gehören zu den volkstümlichsten Schriften der spanischen Literatur.

Samar: drittgrößte Insel der Philippinen, zwischen Luzon und Leyte; 13079 km2, 1,2 Millionen Einwohner; wichtigste Stadt und Hafen Calbayog; gebirgig (bis 896 m); bei tropischen Klima mit hoher Taifun Gefährdung im Innern meist immergrüner tropischer Regenwald; an der Küste Anbau von Nassreis, Maniok, Bataten, Zuckerrohr.

Samara: 1. Samara: linker Nebenfluss des Dnepr, in der Ukraine; 320 km; entspringt der Donauplatte und mündet in den Dnepr Stausee bei Dnepropetrowsk; zum Teil schiffbar.

2. Samara: linker Nebenfluss der Wolga; 594 km; entspringt auf der Hochfläche Obschtschi Syrt nordwestlich von Orenburg, mündet in den Saratower Stausee; im Sommer extrem niedrige Wasserführung; zum Teil schiffbar.

3. Kuibyschew.

Samarakis, Antonis, geboren 16.8.1919, griechischer Schriftsteller, Jurist; 1967/74 Publikationsverbot durch die griechische Militärjunta; seine Prosa demonstriert den Protest des Individuums gegen die durchorganisierte kapitalistische Gesellschaft (Erzählungen «Der Reisepass», 1974; Roman «Der Fehler», 1965, deutsch).

Samaria: 1. Bezeichnung für die Landschaft zwischen Judäa und Galiläa.

1. Hauptstadt des alten Reiches Israel, um 870 vor Christus unter König Omri erbaut, 722 vor Christus durch die Ägypter zerstört, in der Römerzeit unter Herodes wieder aufgebaut und Sebaste genannt; heute Ort in Jordanien, seit 1967 von Israel okkupiert. Samariter: 1. im Altertum Bewohner der Landschaft Samaria.

2. Menschen, die christliche Nächstenliebe üben; nach dem barmherzigen Samaria des Neuen Testaments. Samarium (nach einem russischen Mineralogen) Symbol Sm: chemisches Element der Kernladungszahl 62; Seltenerdmetall; Atommasse 150,36; Wertigkeiten +3, seltener +2; F 1072°C; Kp etwa 1900°C; Dichte 7,54 g/cm3. Samaria ist silberglänzend und löst sich leicht in Säuren zu den meist topasgelben Samaria(III)-verbindungen. Die in der Regel rotbraunen Samaria(IJ)-verbindungen sind sehr unbeständig. Samaria wurde 1879 von F. Lecoq de Boisbaudran entdeckt.

Samarkand: Stadt (Gebietszentrum) in der Usbek. SSR, im Tal des Serafschan; 515000 Einwohner; Maschinenbau, Metallverarbeitung, elektrotechnischer, chemische, Textil- (Seiden-, Baumwoll-) und Nahrungsmittelindustrie; Eisenbahnknoten, Flughafen; Universität (1927 gegründet), 5 Hochschulen, Observatorium; Theater, Museen. Baudenkmäler der Timuriden Zeit (14./16. Jahrhundert): Schah-i-Sendeh (Grabmalkomplex mit Kuppelmausoleen, Keramikmosaiken und glasierten Terrakottareliefs, 14./15. Jahrhundert), Ensemble der Hauptmoschee Bibi-Khanym (1399/1404), Mausoleum Gur Emir (Anfang 15. Jahrhundert), Ensemble des Registanplatzes mit den Medresen des Ulug Beg (vollendet 1420), des Tillja-Kari und des Schir Dor (beide 17. Jahrhundert), alles in komplizierter Bautechnik und mit reichem Bauschmuck.

Samarra: nördlich von Bagdad am Tigris gelegene ehemalige Residenz-Großstadt der Abbasiden-Kalifen (Abbasiden-Residenz, 838/83), mit ausgedehnten Palastanlagen und großer Moschee (847; Minarett mit schraubenförmigem Außenaufgang). 1911/13 begonnene Ausgrabungen erbrachten vor allem Stuckverkleidungen, deren charakteristischen Merkmale auch in Nordafrika und Mittelasien im sogenannt abbasidische Reichsstil zu finden waren. Samarra ist außerdem Fundplatz eines prähistorischen Gräberfeldes mit sogenannter Buntkeramik des 6./5. Jahrtausend vor Christus

Sämaschinen: traktorbetriebene Arbeitsmaschinen zur Aussaat körniger Samen und Früchte. Breit-Sämaschinen streuen das Saatgut wie bei Handsaat auf die Ackeroberfläche, während Reihen-Sämaschinen (Drill-, Dibbelmaschinen und Einzelkorn-Sämaschinen) das Saatgut in parallelen Reihen in das Saatbett einbringen.

Samba: aus Brasilien stammender moderner Gesellschafts- und Turniertanz im 2/4-Takt, der in den 40er Jahren nach Europa kam; entstand angeblich aus einem afrikanischer Volkstanz zur Kriegerweihe.

Sambesi: größter Strom im südlichen Afrika, in Sambia, Angola und Mozambique; 2660 km; Einzugsgebiet 1,45 Millionen km2; entspringt auf der Lundaschwelle, mündet nach Zufluss des Shire (Abfluss des Malawisees) mit einem Delta in den Indischen Ozean; wichtigste Nebenflüsse sind Kafue und Luangwa; im Unter-, streckenweise auch im Oberlauf schiff-bar; reiches Energiepotential (137000 MW); im Mittellauf Schnellen und Wasserfälle (unter anderem Victoriafälle), an der Karibaenge auf der Grenze Sambia/ Simbabwe der Kariba Damm, in Mozambique in einer Schlucht der Staudamm Cahora Bassa.

Sambia, Republik Sambia: Binnenstaat in Südzentralafrika; grenzt im Norden an Zaire, im Nordosten an Tansania, im Osten an Malawi, im Südosten an Mozambique und Simbabwe, im Südwesten an Botswana und Namibia und im Westen an Angola; verwaltungsmäßig in 9 Provinzen und 51 Distrikte gegliedert; Währung ist Kwacha.

Bevölkerung: Sie setzt sich aus über 70 verschiedenen Völkerschaften (besonders Bemba, Tonga, Ngoni, Lozi, Lunda, Luvale und Kaonda) zusammen, die vorwiegend zu den Bantu gehören. Amtssprache ist Englisch. Am dichtesten ist der Kupfergürtel im Norden des Landes an der Grenze zu Shaba (Zaire) besiedelt. 47 % der Bewohner leben in Städten.

Natur: Sambia umfasst die zergliederte, 1000 bis 1400 m über dem Meeresspiegel gelegene Hochfläche der Lundaschwelle, die von bis nahe 2000 m hohen Inselbergen überragt wird. Es herrscht gemäßigtes tropisches Hochlandklima mit von Norden nach Süden abnehmenden Niederschlagsmengen (Regenzeit von Dezember bis April). Die Hochfläche wird vom Sambesi mit den Victoriafällen und seinen Nebenflüssen (besonders Kafue) entwässert. Vorherrschende Vegetationsformen sind laubabwerfende Wälder (etwa 49% der Oberfläche von Wald- und Buschland bestanden) und baumreiche Feucht-, im Süden trockene Dombuschsavanne. Die Großtierwelt wird in 18 Nationalparks (insgesamt 59420km2) geschützt. Reiche Bodenschätze, besonders Kupfer, Kobalt, Blei, Zink, Zinn, Cadmium und andere Nichteisenmetalle, Steinkohle, Uran.

Geschichte: Auf dem Gebiet des heutigen Sambia lebte eine der Frühformen des Menschen, der Broken-Hill-Mensch. In der Mitte des 18. Jahrhundert formierten sich die Barotse am oberen Sambesi zu einem Staatswesen, das im 19. Jahrhundert in Sozialstruktur und Verwaltung feudale Züge annahm. Agenten der britischen Südafrika-Gesellschaft gelang 1891 der Abschluss eines Schürf- und Handelsvertrages. Unter der Bezeichnung Nordrhodesien eignete sich die Gesellschaft danach das gesamte Gebiet des heutigen Sambia an. 1924 wurde Nordrhodesien der britischen Regierung unterstellt. In den 30er Jahren fanden erste Streiks der sich vor allem in den Kupferfördergebieten formierenden Arbeiterklasse statt. Der 1948 gegründete Afrikanische Nationalkongress Nordrhodesiens organisierte Protestaktionen gegen die Eingliederung Nordrhodesiens in die Föderation von Rhodesien und Njassaland (1953/63). Die im Oktober 1959 gegründete Vereinigte Nationale Unabhängigkeitspartei wurde zur stärksten politischen Kraft des Landes. Am 24. Oktober 1964 wurde Nordrhodesien unter dem Namen Sambia ein selbständiger Staat und ID.f Kaunda sein erster Präsident Unter Präsident Kaunda verfolgt Sambia einen Kurs auf die Festigung der politischen und Einengung der ökonomischen Unabhängigkeit. Als einer der «Frontstaaten» erweist Sambia den Völkern Namibias und Südafrikas Unterstützung im Kampf gegen Kolonialismus und Apartheid.

Sambo: 1. Sambo (russisch Kurzwort für «Selbstverteidigung ohne Waffe») judoähnliche Zweikampfsportart, bei der angestrebt wird, den Gegner zu Boden (auf beide Schultern) zu bringen, durch schmerzhaften Griff zur Aufgabe zu zwingen oder nach Punkten zu besiegen. Gekämpft wird auf einer Ringermatte in Alters- und Gewichtsklassen, um ungleiche Paarungen zu verhindern. Die Kampfzeit beträgt 6 min effektiv. Welt- und Europameisterschaften seit 1973.

2. Zambo.

Sambre: linker Nebenfluss der Maas; 190 km; entspringt im Norden Frankreichs nahe der belgischen Grenze, durchfließt das ehemalige südbelgische Steinkohlenrevier mit dem Industriezentrum Charleroi; mündet bei Namur; schiffbar; Kanäle zur Oise, nach Brüssel und Antwerpen.

Samen: 1. Samen: bei den Samenpflanzen durch Befruchtung der Samenanlage entstehendes Gebilde, das den Keimling (aus Keimwurzel, Keimachse und Keimblättern bestehend) sowie meist einen Nährstoffvorrat enthält; dient der Verbreitung der Art.

2. Sperma.

3. Lappen.

Samenanlage: das weibliche Fortpflanzungsorgan der Samenpflanzen; ist mit einem kurzen Stiel (Funiculus) am Fruchtblatt befestigt und besteht aus einem Gewebekern (Nucellus), der die Eizelle enthält und von Hüllen (Integumenten) umgeben ist; durch einen Zugang zwischen diesen (Mikropyle) dringt der Pollenschlauch ein. Nach der Befruchtung entwickelt sich die Samenanlage zum Samen.

Samenkäfer, Bruchidae: Käferfamilie mit Arten unter 5 mm Länge; Vollkerfe leben auf Blüten, Larven in Samen, oft als Vorratsschädlinge. Siehe auch Bohnenkäfer, Erbsenkäfer.

Samenkeimung: Beginn der Entwicklung pflanzlicher Individuen, im eigentlichen Sinn der in den Samen eingeschlossenen Embryonen.

Samenleiter, Ductus deferens: muskulöser Gang, der die Samenflüssigkeit vom Nebenhoden zur Harnsamenröhre transportiert; mündet dort innerhalb der Prostata.

Samenpflanzen, Blütenpflanzen, Phanerogamen, Spermatophyta, Anthophyta: entwicklungsgeschichtlich jüngste Abteilung des Pflanzenreichs mit rund 250000 Arten. Charakteristisch sind besondere, die Geschlechtsorgane tragende Sprossabschnitte (Blüten) und nach der Befruchtung die Entstehung besonderer Fortpflanzungskörper (Samen), in denen der Embryo eingeschlossen ist. Ein Generationswechsel ist nicht wie bei Moos- und Farnpflanzen mit einem Gestaltwechsel der geschlechtlichen und ungeschlechtlichen Generation verbunden. Die stark rückgebildete geschlechtliche Generation innerhalb der Samenanlage bleibt dauernd von der ungeschlechtlichen Generation (der Pflanze) umschlossen. Samenpflanzen gliedern sich in Nacktsamer und Decksamer.

Samenplantage: plantagenmäßiger Anbau von Pfropflingen ausgewählter Bäume zur kurzfristigen Gewinnung hochwertigen Saatgutes. Die Pfropfreiser werden auf langsamwüchsige Unterlagen gepfropft, um die Samenernte zu erleichtern.

Samenruhe: Zeitraum zwischen der Reife und dem Beginn der Keimfähigkeit der Samen; ist bei den einzelnen Pflanzenarten aus physiologischen Gründen unterschiedlich lang ausgeprägt.

Samenstrang, Funiculus spermaticus: aus Samenleiter, Blut- und Lymphgefäßen, Nerven, Muskulatur und bindegewebigen Hüllen bestehender Strang, der durch den männlichen Leistenkanal zieht.

Samenverbreitung: Vorgang zur Verbreitung von reifen pflanzliche Samen beziehungsweise Früchten; bei Fremdverbreitung passiv durch Menschen, Tiere, Wind oder Wasser, bei Selbstverbreitung fallen die Samen zu Boden oder werden weggeschleudert.

Sämischleder: trangegerbtes weiches, waschbares Leder von Schaf-, Reh- oder Hirschfellen; für Oberkleidung, Handschuhe unter anderem

Samkhya: eines der ältesten indischen Philosophiesysteme, entstanden etwa 4. Jahrhundert vor Christus. Das ursprüngliche Samkhya stellte dualistisch die sich ewig wandelnde Urmaterie der Vielheit rein geistiger unverändert. Einzelseelen gegenüber. Da die Ursache aus der Natur der Wirkung zu erschließen sei, könne die Welt nicht von Gott stammen. Bei der Weltentstehung gehen aus der Urmaterie 3 «Eigenschaften» der Erscheinungswelt hervor, die zur Bildung von 25 Wesenheiten führen: Erkennen, Ichbewusstsein und Denken, 10 Sinnesorgane, 5 große Elemente (Äther, Wind, Feuer, Wasser, Erde), 5 Reinstoffe (charakteristische Eigenschaften der Elemente) sowie die beiden Grundprinzipien Urmaterie und Geist. Diese Grundbegriffe wurden auch von anderen indischen Philosophiesystemen aufgenommen (Mimamsa, Vaisheshika). Der Entwicklungsprozess wird als zyklischer Kreislauf gedacht. Nur die Erkenntnis der absoluten Verschiedenheit von Geist und Materie befreit vom Leid der Seelenwanderung. Später wurde das Samkhya theistisch beziehungsweise pantheistisch und ging im Vedanta auf.

Sämling: im Obstbau eine aus Samen entstandene junge Pflanze, die als Unterlage zur Veredlung dienen kann.

Sammartini, Giovanni Battista, 1700 oder 1701 bis 15.1.1775, italienischer Komponist; Lehrer von C. W. Gluck; bereitete mit seinen Sinfonien, Concerti grossi, Kammermusiken unter anderem den neuen klassischen Instrumentalstil vor und trug auch zur Entwicklung der Sonatenform bei.

Sammelkanal, Kollektor: Baukonstruktion zur Aufnahme von Fernwärme- und Wasserleitungen, von Elektrokabeln unter anderem; als Leitungsgang im Sockelgeschoß von Gebäuden, als Leitungskanal und -Stollen im unterirdischen Bauraum.

Sammelnummer: Fernsprechnummer einer Nebenstellenanlage, die über mehrere Amtsleitungen mit der Wählvermittlungsstelle verbunden ist.

Sammelpackung: Zusammenfassung von Einzelpackungen zu einer größeren Lager- oder Versandeinheit, wie Wellpappversandschachteln und Säcke.

Sammelschiene: Leiteranordnung aus nichtisolierten (blanken) Schienen, Rohren oder Seilen in Kraft- und Umspannwerken sowie Schaltanlagen, an der die Zu- und Ableitungen angeschlossen und die auf isolierte Stützen montiert oder an Isolatoren aufgehängt sind.

Sammler, Christa, geboren 23.12.1932, Bildhauerin und Zeichnerin; 1951/56 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 1956/58 an der AdK Meisterschülerin bei G. Seitz, seit 1958 freischaffend. Sie strebt eine am klassischen Erbe orientierte Formensprache an und verwendet im Relief häufig antik-mythologische Themen gleichnishaft.

Sammler und Jäger, Wildbeuter. Vertreter der urtümlichsten und ältesten Wirtschaftsform der Menschheit, deren Nahrungserwerb durch Sammeln und Jagen (daher auch Gruppen ohne Bodenbau und Viehzucht genannt), zum Teil auch Fischfang und Meerestierjagd erfolgt und deren nichtsesshafte Lebensweise den meist wenig entwickelten materiellen Kulturbesitz prägt (zum Beispiel Windschirm als Behausung, Stein- und Holzgeräte). Gesellschaftliche Einheit ist im Allgemeinen die Lokalgruppe. Einfache, nicht spezialisierte Sammler und Jäger hat es noch im 20. Jahrhundert in einigen schwer zugänglichen Rückzugsgebieten (tropische Wälder, Wüstensteppen) gegeben, zum Beispiel Buschmänner, Pygmäen, Negritos, Weddas, einige Indianergruppen Amazoniens und des Brasilianischen Berglandes sowie Teile der australischen Urbevölkerung. Die Sammlung: erste deutschsprachige literarische Emigrantenzeitschrift; wurde 1933/35 von K. Mann unter dem Patronat von A. Gide, A. Huxley und H. Mann im Querido-Verlag, Amsterdam, herausgegeben. Mitarbeiter waren vorwiegend deutsche bürgerliche Antifaschisten.

Sammlungen: Zusammenbringen von Geld- oder Sachspenden, öffentliche Sammlungen sind nur zu gemeinnützigen Zwecken und in bestimmten Formen zulässig und bedürfen der staatlichen Genehmigung.

Samniten: altitalischer Volk im Bergland des mittleren und südliche Apennins, gehörte zur Sprachgruppe der Umbro-Sabeller. Die Samniten wurden in 3 blutigen Kriegen (343/341; 328/304; 298/290 vor Christus) von den Römern unterworfen; sie erhielten 88 vor Christus, wie alle italische Völker, das volle römische Bürgerrecht.

Samo, gestorben 658, fränkischer Kaufmann; gründete um 624 ein großes westslawisches Reich zur Abwehr der Awaren und Franken.

Samoainseln: Gruppe (10 Hauptinseln) von korallenumsäumten Vulkaninseln mit erloschenem Vulkanismus in Polynesien (Stiller Ozean); insgesamt 3039 km2; umfassen den Staat Westsamoa und die US-amerikanische Kolonie Amerikanisch-Samoa (auch Ostsamoa genannt).

Samokow, Samokov. Stadt im Südwesten Bulgariens (Bezirk Sofia), am oberen Iskyr, am Nordrand des Rila; 27000 Einwohner; Textil-, Holzindustrie, Maschinenbau, Teppichweberei; Metropolitenkirche (1793), Bajrakli-Moschee (19. Jahrhundert; historisches Museum).

Samos: (nach der Insel) griechischer Dessertwein mit Muskatnote, bei dem die Gärung durch Zusatz von Alkohol zum zuckerreichen Most unterbunden wird. Der Volumenanteil an Alkohol beträgt 15 bis 19%.

Samos: griechische Insel der südlichen Sporaden im Ägäischen Meer; 476 km2, als Distrikt mit umliegenden Inseln 778 km2, 41000 Einwohner; Verwaltungszentrum Samos (5 500 Einwohner) mit Hafen Bathy; im Westen und im Mittelteil spärlich bewaldetes Gebirge (bis 1440 m); Schafzucht; im Osten Anbau von Wein (Samoswein), Südfrüchten, Oliven, Tabak; Marmor- und Asbestvorkommen; antike Bauten; Fremdenverkehr.

Samothrake, Samothraki: griechische Insel im nördlichen Ägäischen Meer; 178 km2, 3500 Einwohner; wichtigster Ort Samothrake; gebirgig (bis 1600 m), wenig bewaldet; überwiegend Schaf- und Ziegenzucht; Schwammfischerei; hellenistische Bauwerke, unter anderem Arsinoeion (Rundbau).

Samotlor: Erdölförderzentrum im Autonomen Bezirk der Chanten und Mansen, im Nordwesten Westsibiriens, am Ob; Erdölleitungen, unter anderem nach Almetjewsk und Anshero-Sudshensk.

Sampan, Sampen: in Südostasien gebrauchter breiter, meist kleiner Ruderkahn, der vielfach als Haus- und Wohnboot Verwendung findet.

Samsara: (Sanskrit, «Kreislauf der Wiedergeburten») in indischen Religionen der anfanglose, auf «Nichtwissen» beruhende und durch Karman bedingte leidvolle ständige Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Die Erlösung des Gläubigen besteht in der Befreiung aus dem Samsara (Nirvana).

Samso: dänische Insel im Kattegat; 112 km2, 5000 Einwohner; wichtigster Ort Tranebjerg; fruchtbare Moränenböden, Landwirtschaft, Fischerei.

Samsun: Stadt (Provinzzentrum) im Norden der Türkei, am Schwarzen Meer, 200000 Einwohner; Tabakverarbeitung, chemische Industrie, Buntmetallurgie, Holzverarbeitung; wichtiger Hafen, Flughafen.

Samt, Velvet, Velours: Gewebe mit kurzem (2 bis 3 mm), aufrecht stehendem, geschnittenem Pol; für Oberkleidung, Dekostoffe, Möbelbezüge.

Samuel, (-muel; hebräisch) Prophet und Richter im Alten Testament.

Samum: (arabisch) trockenheißer Wüstensturm in Nordafrika und Arabien.

Samurai, Bushi (japanisch, «Krieger»): im feudalistischen Japan allgemeine Angehörige der Kriegerkaste, der schwerttragenden Oberschicht, insbesondere Vasallen des Shogun und der Daimyo; in der Mehrzahl ohne Landbesitz, mit Reis besoldet; mit Waffenhandwerk, Verwaltung, Kunst und Wissenschaft beschäftigt.

San: 1. San (italienisch und spanisch), Abkürzung (S.): (vor männlichen Namen) der heilige ...

2. Buschmänner.

San: rechter Nebenfluss der Wisla, im Südosten Polens; 443 km; entspringt am Ushok Paß in den Karpaten (Ukraine), mündet nordöstlich von Sandomierz; wichtigste Nebenflüsse sind Wislok von links und Lubaczowka und Tanew von rechts. Auf 90 km schiffbar. Bei Solina Talsperre (Kraftwerk 144 MW) mit größtem Stausee (22 km2, Stauraum 506 Millionenm3; Erholungsgebiet) Polens.

Sana: Hauptstadt der Jemenitischen Arabischen Republik, in einem fruchtbaren Hochtal im Landesinneren, 2350 m überm Meer; 280000 Einwohner; Textil- und Tabakwarenherstellung, Handwerk (Lederwaren); Handelsplatz; internationaler Flughafen; Universität; Lehmhochhäuser (4 bis 7 Stockwerke) mit weißgekalkten Verzierungen; Moscheen, Minarette.

Sanacja-Regime: (lateinisch sanatio, «Heilung») Bezeichnung für die reaktionäre Diktatur J. Pilsudskis und seiner Nachfolger in Polen 1926/39, die mit dem Anspruch auftraten, den bürgerlichen polnischen Staat «sanieren» zu wollen. Das Sanacja-Regime verfolgte die Arbeiterbewegung mit blutigem Terror und führte 1935 eine volksfeindliche Verfassung ein. Die Politik des Sanacja-Regime führte zur Annäherung an das faschistische Deutschland und Italien und im September 1939 zum endgültigen Bankrott.

Sanaga: längster Fluss in Kamerun; 900 km; entspringt im Hochland von Kamerun, mündet in den Golf von Guinea (Atlantik); zahlreiche Wasserfälle; vom Sanaga Staudamm schiffbar.

San Antonio: wichtigste Stadt im Südwesten des Bundesstaates Texas (USA), am San Antonio River; 790000 Einwohner, als Metropolitan Area 1 Millionen Einwohner; Eisenmetallurgie, Fleischverarbeitung, Zement-, Leichtindustrie, Baumwollreinigung; bedeutender Agrarmarkt; 3 Universitäten, Institut für Texanische Kulturen; bei San Antonio Militär- und Luftwaffenbasen.

Sanatorium: (lateinisch, «Heilstätte») Einrichtung des Gesundheitswesens zur Durchführung von Kuren.

Sanbajew, Satimshan, geboren 16.9.1939, kasachisch-sowjetischer Schriftsteller; wurde vor allem durch die Erzählung «Die weiße Aruana» (1969, deutsch) und die Novelle «Wenn man nach Mythen dürstet» (1972, deutsch) bekannt, in denen er das Verhältnis zwischen Gegenwart und Tradition gestaltet.

San Bernardino: 1. Sankt Bernardin.

2. San Bernardino: Stadt im Süden des Bundesstaates Kalifornien (USA), östlich von Los Angeles; 120000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,5 Millionen Einwohner; Stahlwerk, Eisenbahnwerkstätten, Raumfahrtindustrie; Hochschulen; Luftwaffenstützpunkt.

San Carlos de Bariloche: Stadt in Argentinien, am Fuß der Anden, am Südufer des Lago Nahuel Huapi; 48000 Einwohner; bedeutendes Wasserkraftwerk am Rio Limay; Flughafen; Touristenzentrum im Nahuel-Huapi-Nationalpark; Endstation der General-Roca-Bahn (von Buenos Aires, 1750 km).

Sánchez Coello, Alonso, um 1531-8.8.1588, spanischer Maler, seit 1557 am Hof in Valladolid tätig. Seinen religiösen Arbeiten ist eine gewisse klassizistische Trockenheit eigen; bedeutender sind seine Porträts (besonders von Angehörigen der Königsfamilie und des Hofes).

Sanchez Ferlosio, Rafael, geboren4.12.1927, spanischer Schriftsteller; seine Werke zählen zur kritisch-realistischen spanischen Gegenwartsliteratur (Erzählung «Abenteuer und Wanderungen des Alfanhui», 1951, deutsch; Roman «Am Jamara», 1956, deutsch).

Sanchi, Sand: Ort in Madhya Pradesh (Indien), nordöstlich von Bhopal mit Baudenkmälern (Stupas, Chaitya Hallen, Viharas). Am bedeutendsten ist die buddhistische Themen behandelnde Reliefplastik des in seinem Kern in die Maurya-Zeit zurückreichenden Stupa I. Sie befindet sich an den 4 Toren des Stupazauns und entstand kurz vor Beginn nach Christus

Sancho Pansa, der Knappe Don Quijotes (Cervantes Saavedra), Verkörperung der nüchternen, realen Weitsicht und Erfahrung eines Mannes aus dem Volke.

San Cristobal: Hauptstadt des Bundesstaates Táchira im Westen Venezuelas, nahe der kolumbianischen Grenze, in der Kordillere von Mérida; 260000 Einwohner; Mittelpunkt eines sich schnell entwickelnden Agrar- und Industriegebietes; an der von Caracas nach Bogotá (Kolumbien) führenden «Simon-Bolivar-Hochstraße ».

Sancti Spiritus: 1. Provinz im Zentralteil Kubas; 6740 km2, 400000 Einwohner; 59 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Sancti Spiritus 2; wichtiges Agrargebiet mit Anbau von Zuckerrohr, Tabak, Reis und Viehzucht; an der Küste Fischfang; noch wenig Industrie (vor allem Nahrungsmittel-, Zucker-, Baustoff-, Papierindustrie); Erdölförderung in Jarahueca.

2. Stadt in Sancti Spiritus 1 und deren Verwaltungszentrum; 90000 Einwohner; Agrarzentrum, Nahrungsmittel-, Zucker-, Tabak-, Keramik- und Möbelindustrie; Verkehrsknoten; Theater; Hauptkirche (16. Jahrhundert).

Sanctus: (lateinisch, «heilig») Lobgesang in der römisch-katholischen Messe und der evangelischen Abendmahlsfeier; als musikalisch-zyklischer Form der 4. der 5 vertonten Ordinariumssätze.

Sand: 1. Anhäufung lockeren Verwitterungsgesteins mit einem Teilchendurchmesser von 0,06 bis 2 mm; Untergliederung in Fein-, Mittel- und Grob Sand; dient zur Glas- und Porzellanherstellung, zum Formen beim Sandguss unter anderem

2. Körnungsart des Bodens, die durch einen sehr hohen Sandgehalt gekennzeichnet ist. Siehe auch Sandboden.

Sand: George, eigentlich Aurore-Lucile Dupin, Baronin Dudevant, 1.7.1804-8.6.1876, französische Schriftstellerin; Anhängerin utopisch-sozialistische Ideen; im Mittelpunkt ihres der Romantik zuzurechnenden umfangreichen Schaffens stehen sozial und humanitär engagierte Romane («Die Gefährten von der Frankreichwanderschaft», 1840, deutsch).

2. Karl Ludwig, 5.10.1795-20.5.1820 (hingerichtet), Theologiestudent und Burschenschafter, ermordete 1819 aus Protest gegen die reaktionären politischen Verhältnisse den zaristischen Agenten A. von Kotzebue. Sein Attentat nutzte die Reaktion zur Begründung der Karlsbader Beschlüsse.

Sandaale, Tobiasfische, Ammodytidae: langgestreckte, schwarmbildende Grundfische sandiger Küsten nördlicher Meere und des Indischen Ozeans mit stark verlängertem Unterkiefer, flüchten bei Gefahr blitzschnell in den Boden. In Ostsee und Nordatlantik der 30 cm lange Große Sandaale (Ammodytes lanceolatus) und der 20 cm lange Kleine Sandaale (Ammodytidae tobianus).

Sandage, Allan Rex, geboren 18.6.1926, US-amerikanischer Astronom; arbeitete auf den Gebieten lichtelektrische Fotometrie, Sternentwicklung, extragalaktische Astronomie und Kosmologie.

Sandale: leichte, nur von Riemen gehaltene Fußbekleidung mit flachem Absatz; mit höherem Absatz als Sandalette bezeichnet. Sandanski: Stadt und Kurort im Südwesten Bulgariens (Bezirk Blagoewgrad), am Südwestabfall des Pirin; 22000 Einwohner; Thermalquellen (40 bis 82 °C); Museum; Marmorbrüche.

Sandanski, Jane, 18.5.1872-22.4.1915 (ermordet), makedonischer revolutionärer Demokrat; Führer und Ideologe der makedonischen nationalen Befreiungsbewegung. 1903 nahm Sandanski am Ilinden Aufstand gegen die türkische Fremdherrschaft teil, nach dem Tode von G. Del Sev (1903) Führer des linken Flügels der Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation.

Sandarak: gelbes bis braunes Harz aus der Rinde der westafrikanischen Sandarak Zypresse; für Lacke, Pflaster und Räuchermittel verwendet.

Sandawe: negride Völkerschaft mit Khoisansprache im Inneren Tansanias; etwa 25000; früher Sammler und Jäger.

Sandboden: Boden, in dem die Körnungsart Sand dominiert; auch als leichter Boden bezeichnet. Sandboden ist in der Regel wenig fruchtbar, vor allem wegen geringer Wasser- und Nährstoffbindung.

Sandburg, Carl August, 6.1.1878 bis 22.7.1967, US-amerikanischer Dichter, bekannte sich in seiner kraftvollen Dichtung zur Arbeiterklasse (Gedichtband «Das Volk, jawohl», 1936, deutsch); schrieb eine sechsbändige Lincoln Biographie (1939, deutsch).

Sanddorn, Hippophae rhamnoides: zu den Ölweidengewächsen gehörender dorniger Strauch mit orangeroten Früchten, die reich an Vitamin C sind. Auf Rohböden an Küsten und Gebirgsflüssen Eurasiens verbreitet; auch Zierstrauch und zur Rekultivierung von Halden geeignet.

Sandefjord: Stadt im Südosten Norwegens, am Oslofjord; 35000 Einwohner; Schiffbau, chemische Industrie; Hafen (früher Standort der norwegischen Walfangflotte); Seefahrtschule; Museen, unter anderem Walfangmuseum.

Sandelholzöl: gelbliches, dickflüssiges, balsamischholzig riechendes ätherisches Öl, das aus dem Holz des Sandelbaumes (Indien) durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird; Verwendung in der Parfümerie.

Sandemose, Aksel, 19.3.1899-6.8.1965, norwegischer Schriftsteller dänischer Herkunft; gestaltete in den Romanen «Ein Seemann geht an Land» (1931) und «Ein Flüchtling kreuzt seine Spur» (1933, deutsch) sozialpsychologische Ursachen des Verbrechens. Menschenschicksale der Kriegs- und Nachkriegszeit schildert der Roman «Der Werwolf» (1958, deutsch) auf symbolischer Ebene. Sandemose schrieb auch humorvoll-phantastische Kurzprosa.

Sander: aus Sanden und Kiesen bestehende Schmelzwasserablagerung im Vorfeld von Gletschern und Inlandeismassen; oft als großer, flacher Schwemmkegel (Kegelsander), aber auch in Flussartiger Form (Tal Sander) senkrecht zum Eisrand ausgebildet. Große Sanderflächen sind vor allem vor den Randlagen des Inlandeises der Weichselzeit aufgebaut worden.

Sander, August, 17.11.1876-20.4.1964, Fotograf; widmete sich besonders der Porträtfotografie; die Ausstellung «Menschen des XX. Jahrhunderts» (1927) und der Bildband «Antlitz der Zeit» (1929) stellten sein Anliegen, Porträts von Menschen aller Klassen und sozialen Schichten fotografisch wiederzugeben, erstmals vor.

Sandfang: Papierherstellung offene Holz- oder Betonrinne mit am Boden quergelagerten Trennwänden, in welcher der langsam fließende Papierstoff (Ganzstoff) durch Sedimentieren der schweren Teilchen gereinigt wird. Der Sandfang wurde durch die Rohrschleuder (Sortierer) weitgehend ersetzt.

Sandfloh: 1 mm großer Floh tropischer Sandgebiete; das Weibchen bohrt sich zur Eiablage in die Haut (besonders der Füße) von Haustier und Mensch; führt zu Abszessbildungen. Sandguss: in Sandformen (Nass- oder Trockenformen) hergestellte Gussstücke.

Sandia: Militärstützpunkt in der Nähe von Albuquerque im Bundesstaat Neumexiko (USA); Montagewerke zur Herstellung sowie Testgelände von Kernwaffen.

San Diego: Stadt im Süden des Bundesstaates Kalifornien (USA), am Stillen Ozean; 880000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,9 Millionen Einwohner; Luft- und Raumfahrtindustrie, Schiffbau, Erdölverarbeitung, elektronische, Lebensmittelindustrie; Haupthandelszentrum für landwirtschaftliche Erzeugnisse Südkaliforniens; natürliche Seehafen; 4 Universitäten, Colleges, Ozeanographisches Institut; zoologischer Garten; Militär- und Marinestützpunkt.

Sandig, Hans, geboren 21.6.1914, Musikwissenschaftler, Komponist und Chorleiter, leitet den Rundfunk-Kinder- und Jugendchor Leipzig; viele seiner Lieder und Kantaten sowie andere Werke fanden besonders über den Rundfunk, über Schallplatten und andere Medien weite Verbreitung.

Sandino, Augusto César, 18.5.1895-21.2.1934, legendärer Revolutionär und Nationalheld Nikaraguas; Führer des Volkskrieges 1926/33 gegen US-amerikanische Intervention und für volle nationale Souveränität (General der freien Männer). Im Ergebnis dieses Kampfes zogen die USA ihre Truppen im Januar 1933 ab. Ihr Günstling, der spätere Diktator Nikaraguas, A. Somoza, ließ Sandino ermorden.

Sandlaufkäfer, Cicindelidae: Käferfamilie; nur wenige 12 bis 17 mm lange mitteleuropäische Arten mit langen, gezähnten Oberkiefern; besonders auf warmen Sandböden; Larven leben räuberisch in selbstgegrabenen Erdröhren.

Sandmalerei: bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen (Navaho unter anderem) auf dem Erdboden ausgeführte künstlerische flächige Bildgestaltungen mythologischen und natursymbolischen Inhalts von einem Durchmesser bis zu 4 m, die mit den heiligen Farben (weiß, blau, gelb, schwarz, rot) gestreut und nach den damit verbundenen Zeremonien bei Sonnenuntergang zerstört werden.

Sandomierz: Stadt in Polen (Wojewodschaft Tarnobrzeg), am Hochufer der Wisla; 21000 Einwohner; Flachglashütte, Flusswerft, Nahrungsmittelindustrie; eine der ältesten polnischen Städte (13. Jahrhundert) mit Baudenkmälern aus dem 13. bis 15. Jahrhundert (Kirchen, Stadttor, Kathedrale, Rathaus, Königsburg).

Sandotter, Sandviper: bis 90 cm lange Otter mit kleinem, beschupptem Schnauzenhorn und wie bei vielen Ottern, dunkelbraunem bis schwarzem Zickzackband auf dem Rücken; von Südosteuropa bis Vorderasien verbreitet; wichtiger Schlangengiftlieferant; Bisse in einzelnen Fällen tödlich.

Sandpier, Köderwurm, Arenicola marina: bis 40 cm langer, spärlich beborsteter Vielborster; lebt in U-förmigen Gängen im Sandgrund der Meeresküsten; Angelköder.

Sandrart, Joachim von, 12.5.1606-14.10.1688, Maler, Kupferstecher und Kunsthistoriograph; verfasste das erste umfassende Quellenwerk der deutschen Kunstgeschichte, die «Teutsche Academie der edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste» (2 Bände, 1675/79).

Sandrock, Adele, 19.8.1864-30.8.1937, Schauspielerin; spielte in Wien und Berlin zunächst klassischen Rollen, entwickelte sich zur bedeutenden Charakterkomikerin, auch im Film («Amphitryon»), Ihre Autobiographie «Mein Leben» erschien 1940 postum.

Sandstein: verfestigtes Sedimentgestein, hauptsächlich aus gerundeten Quarzkörnern bestehend, die durch ein toniges, kalkiges, kieseliges oder eisenreiches Bindemittel miteinander verkittet sind. Porenreiche Sandstein bilden gute Speichergesteine für Grundwasser, Erdgas und Erdöl. Feldspat- und glimmerreiche Sandstein werden als Arkose bezeichnet. Sandstein wird beim Häuserbau vielseitig verwendet, besonders als Fassaden-, Verblend- und Bildhauergestein.

Sanduhr: Gerät zum Messen einer begrenzten Zeitspanne. Das doppelkegelförmige, geschlossene Glasgefäß enthält feinsten Sand, der durch eine Gefäßverengung in vorgesehener Zeit in den unteren Glaskolben rieselt.

Sandviken: Stadt im mittleren Schweden, am Nordufer des Storsjön; 42000 Einwohner; Hüttenindustrie, metallverarbeitende und chemische Industrie.

Sandwell: Grafschafts Distrikt (county district) im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Midlands, westlich von Birmingham; mit den Städten Warley und West Bromwich, Eisen-, Messing- und Aluminiumgießereien, Glas- und chemische Industrie.

Sandwichplatte: Verbundkonstruktion aus Deckschichten von Stahlblech, Aluminium, Pressplatten, Sperrholz, Plasten oder glasfaserverstärktem Gips und einem Stützkern (zum Beispiel Wabenkernplatte), der gleichzeitig als Dämmstoff ausgebildet sein kann. Anwendung für Außenwände, nichttragende Innenwände und Dachelemente im Leichtbau.

Sandwich-Printing, Zwischenlagendruck: Polygraphie Verpackungsmittelherstellungsverfahren, bei dem ein bedrucktes Material (Papier, Plast, Metallfolie) zwischen 2 Folienbahnen gelegt und mit diesen fest verbunden wird, um die Berührung von Packgut und Druckfarbe zu verhindern. Das Druckbild ist gegen Abrieb vollständig geschützt. Siehe auch Konterdruck.

San Fernando: Stadt im Südwesten von Trinidad (Trinidad und Tobago), am Golf von Paria; 38000 Einwohner; Zuckerfabrik, Zentrum der Erdölförderung; Hafen; Technikum, Bibliothek.

San Francisco, Kurzform Frisco: Stadt im Bundesstaat Kalifornien (USA), auf einer Halbinsel zwischen dem Stillen Ozean und der mit diesem durch das 1,51cm breite Goldene Tor (Golden Gate) verbundenen. San-Francisco-Bucht; 680000 Einwohner, als Metropolitan Area 3,25 Millionen Einwohner; bedeutendes Finanz-, Handels-, Industrie- und Verwaltungszentrum an der Westküste der USA mit großem Dienstleistungssektor; Schiff-, Automobilbau, Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie, Erdölverarbeitung, Leicht-, chemische, elektrotechnische/elektronische, polygraphische, metallurgische Industrie; Verlage; bedeutendster Hafen an der Pazifikküste der USA Flottenstützpunkt, internationaler Flughafen, Eisenbahnknoten, Schnellbahn zum Teil als U-Bahn, Fähre; Hängebrücke (13 km) und Unterwassertunnel (6,5 km) zum Ostufer (Oakland) der San Francisco-Bucht, Golden Gate Bridge (2,6 km lange Hängebrücke über das Goldene Tor); mehrere Universitäten, Colleges, Kunsthochschule; Bibliotheken, Museen, Oper; große Parks.

Sänfte: meist völlig umkleideter, an 2 Stangen von Menschen oder Tieren getragener Sitz zur Beförderung von Personen.

Sangallo, italienischer Baumeisterfamilie der Renaissance: 1. Antonio da, der Jüngere, 1485-3.8.1546; Neffe von Sangallo 2; Schüler von D. Bramante; berühmter Architekt der römischen Hochrenaissance, baute Festungen und Paläste (Palazzo Farnese, Rom; seit 1534), Mitarbeiter Raffaels und seit 1520 sein Nachfolger als Bauleiter der Peterskirche.

2. Giuliano da, 1445-20.10.1516; bevorzugte den Zentralbau (S. Maria delle Carceri in Prato; seit 1485) und schuf mit der Villa Reale in Poggio a Caiano einen neuen Typ des italienischen Landhauses.

Sangerhausen: Kreisstadt im Bezirk Halle, im südöstlichen Harzvorland; 33000 Einwohner; Kupferschieferbergbau; Maschinen-, Fahrrad-, Starkstromanlagenbau, Bekleidungs-, Möbel-, Lebensmittel-, Bauindustrie; Rosarium (12 ha; 6500 Rosensorten und -arten), Spengler Museum (Mammutskelett); Ulrichskirche (12. Jahrhundert; romanische Basilika), Neues Schloss (17. Jahrhundert), Rathaus (15. Jahrhundert), Stadtmauerreste; neue Stadtteile.

Sängerkrieg auf der Wartburg, Wartburgkrieg: wahrscheinlich zwischen 1240 und 1260 entstandene Dichtung eines unbekannten thüringischen Verfassers über einen historisch nicht nachweisbaren Wettstreit der Minnesänger (unter anderem Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Heinrich von Ofterdingen) auf der Wartburg. R. Wagner verband den Stoff mit der Tannhäusersage.

Sangj, Wladimir, geboren 18.3.1935, sowjetischer Schriftsteller aus dem Volk der Niwchen, schreibt in russischer Sprache; wurde vor allem durch die Sammlung und literarische Verarbeitung der Mythologie der Niwchen bekannt («Legenden der Niwchen», 1961). Sein Roman «Die falsche Treibjagd» (1965) schildert das heutige Leben der Niwchen.

San Gimignano: mittelitalienische Kleinstadt, nordwestlich von Siena, mit gut erhaltenem mittelalterlichen Stadtbild: Dom La Collegiata (12./15. Jahrhundert, mit Fresken von D. Ghirlandaio), ehemals gotische Palazzo del Podestà (mit 51m hohem Turm La Rognosa), Palazzo Communale (gotisch, mit 52 m hohem Turm Torre Grossa), San Gimignano Agostino (13. Jahrhundert, mit Fresken von B. Gozzoli), Wehranlagen des 12. /14. Jahrhundert13.

Sanguinetti Coirolo, Julio Maria, geboren 6.1.1936, uruguayischer Politiker, seit dem Putsch von 1973 in Opposition zum Militärregime, seit 1983 Generalsekretär des Exekutivkomitees der Colorado-Partei; seit 1985 Staatspräsident.

Sanguiniker: Vertreter des durch geringe Gefühlstiefe und lebhafte Reaktionen gekennzeichneten Temperamentstyps (nach Hippokrates).

Sanherib, gestorben 681 vor Christus (ermordet), assyrischer König seit 704 vor Christus; brachte Assyrien auf den Gipfel seiner Macht; eroberte Babylonien, ließ 688 Babylon zerstören und unterwarf die Ägypter.

Sanidin: (griechisch + lateinisch) Mineral; Feldspate.

Sanierung: 1. allgemein Gesundung, Heilung; Schaffung gesunder Lebensverhältnisse.

2. Bautechnik: Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit alter Bausubstanz und eventuell ganzer Stadtgebiete durch Rekonstruktion zur Verlängerung der Nutzungsmöglichkeit von Bauwerken beziehungsweise durch Entfernen erhaltungsunwürdiger, mit vertretbarem Aufwand nicht zu rekonstruierender Bausubstanz und Ersatz zum Beispiel durch Grünanlagen, Kinderspielplätze und Neubau. Sanierung kann auch an Baudenkmalen durch Wiederherstellung der ursprünglich Fassade und Modernisierung der Innenräume erfolgen.

3. Sanierung, Gebisssanierung: Stomatologie Schaffen gesunder Mundverhältnisse, insbesondere durch Ausschaltung von chronischen Entzündungszuständen (Zahnreinigung, Entfernen erhaltungsunwürdiger Zähne und Wurzeln) und Wiederherstellen von Kaufunktion und Ästhetik (Füllungstherapie, Zahnersatz).

4. Veterinärmedizin: Komplex staatlich verfügter Maßnahmen zur planmäßigen Tilgung von Tierseuchen.

5. Wirtschaft: Reorganisation einer kapitalistischen Unternehmung (besonders durch Kapitalzuführung, Rationalisierung, Einsparung von Arbeitskräften), um sie wieder «gesund», das heißt profitabel zu machen.

Sanitärkeramik: Sammelbezeichnung für keramische Erzeugnisse, wie Wasch- und Klosettbecken, Spül- und Ausgussbecken, Sitzwaschbecken, Urinalbecken u. ä. Sanitärkeramik besteht aus Steingut oder Vitreous China, Trockenklosetts auch aus Steinzeug. Die Formgebung erfolgt durch Gießen.

Sanitäter Gesundheitshelfer: Sanitätskraftwagen, Kurzwort Sanka, Sankra, Kraftwagen mit Spezialaufbau zum Transport von Personen auf Krankentragen. Sanitäter Gesundheitshelfer für «Schnelle Medizin. Hilfe» haben zum Teil Einrichtungen für operative Eingriffe und dürfen im Einsatz Sirene beziehungsweise Martinshorn und Blaulicht benutzen.

Sanitätsrat: Titel, der an Ärzte und Zahnärzte nach erfolgreicher 20jähriger beruflicher Tätigkeit für hervorragende Leistungen in der unmittelbaren medizinischen und sozialen Betreuung der Bürger verliehen werden kann.

Sanitätsschlachtbetrieb: spezieller Schlachtbetrieb, in dem Krankschlachtungen, einschließlich der Schlachttier- und Fleischuntersuchung, und Notschlachtungen mit anschließender Fleischuntersuchung vorgenommen werden. Die Fleischuntersuchung wird ausschließlich von Tierärzten vorgenommen.

San Jose: 1. San José: Hauptstadt von Kostarika, in einem fruchtbaren Hochtal am Fuß der Zentralkordillere, 1170 m ü. M,; 250000 Einwohner; Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes; Lebensmittel-, Textil-, chemische, Leichtindustrie; Handelszentrum für Kaffee unter anderem tropische Agrarprodukte; Produktenpipeline aus Puerto Limón, Flughafen, internationaler Flughafen El Coco; Universität, Institute, Nationalbibliothek, Museum, Oper.

2. San José: Stadt im Bundesstaat Kalifornien (USA), im Santa-Clara-Tal, südöstlich von San Francisco; 640000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,3 Millionen Einwohner; bedeutendes Obstbauzentrum mit Wein- und Obstkonservenherstellung, Automobil-, Zement-, elektronische Industrie; Verkehrsknoten; Universität.

3. San José: Ort in Guatemala, am Stillen Ozean; 10000 Einwohner; Fischerei, Meersalzgewinnung; wichtigster pazifischer Hafen und zweitwichtigster des Landes.

San-Jose-Schildlaus, Quadraspidiotus perniciosus: aus Ostasien stammender, weltweit verschleppter Obstschädling; Weibchen saugen unter rundlichen Schildern besonders an Apfel und Birne.

San Juan: 1. Grenzfluss zwischen Nikaragua und Kostarika; 150 km; fließt aus dem Nicaraguasee und mündet südlich von San Juan del Norte in das Karibische Meer.

2. Hauptstadt von Puerto Rico, am Atlantischen Ozean; 435000 Einwohner; elektronische, pharmazeutische, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie, wissenschaftlicher Gerätebau; Haupthafen des Landes, internationaler Flughafen Isla Verde-, Universität; Museen, Bibliotheken; Bauwerke aus spanischen Kolonialzeit; ein Zentrum des internationalen Tourismus; USÄ-Flottenstützpunkt.

San Juan de la Frontera, San Juan: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten Argentiniens, am Fuß der Vorkordillere; 290000 Einwohner; Lebensmittelindustrie (besonders Weinerzeugung), Holzverarbeitung; Verkehrsknoten, Flughafen; Universität, Sarmiento Museum und -Bibliothek, Erdbebenwarte. 1944 starke Erdbebenschäden.

Sankey Diagramm, (nach einem irischen Ingenieur) Wärmeflussbild: Energieflussbilddiagramm zur graphischen Darstellung der ausgenutzten Energie und der Verluste bei Energieanlagen.

Sankt Bernhard: 2 Westalpenpässe;

a) Großer Sankt Bernhard, an der schweizerisch-italienische Grenze, 2469 m; verbindet die Täler der Rhône (Martigny) und der Dora Baltea (Aostatal); Straßentunnel 5 828 m lang; Hospiz;

b) Kleiner Sankt Bernhard, an der französischen-italienischen Grenze; 2188 m; verbindet das französische Isèretal mit dem italienischen Tal der Dora Baltea (Aostatal).

Sankt Bernardino, italienisch San Bernardino: Alpenpaß in der Schweiz, östlich der Adula Alpen; 2065 m; verbindet die Täler des Hinterrheins und der Moesa (Chur-Bellinzona); Hospiz. Vom Hinterrheintal der 6,6 km lange Bernardino Tunnel (1967 fertiggestellt) zum Dorf San Bernardino (sulfatische Eisensäuerling Quelle).

Sankt Egidien: Industriegemeinde im Kreis Hohenstein-Ernstthal, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Erzgebirgsvorland; 3000 Einwohner; Nickelhütte (Nickelerz Tagebau bei Kuhschnappel und Callenberg), Landmaschinen-, Karosserie-, Holzbau, Bekleidungsindustrie.

Sankt Florian: Gemeinde (Markt) im Bundesland Oberösterreich, im Alpenvorland südöstlich von Linz; 4000 Einwohner; Glockengießerei, Orgelbau; barockes Augustiner-Chorherrenstift (Bibliothek mit Wiegendrucken), Schloss Hohenbrunn; Grabstätte A. Bruckners. °

Sankt Gallen: 1. Kanton im Nordosten der Schweiz, zwischen Bodensee, Zürichsee und Rhein; 2014 km2, 395000 Einwohner; 196 Einwohner/km2; Hauptstadt Sankt Gallen 2; umfasst zu einem Drittel Mittelland und zu zwei Dritteln Hochgebirge (Appenzeller Alpen mit dem 2 501m hohen Säntis, Glarner Alpen); Gießereien, Zement- und Textilindustrie; Maschinen- und Gerätebau; intensiver Ackerbau im Rhein-, Seez-, Linthtal.

2. Hauptstadt von Sankt Gallen 1; in einem Hochtal der Steinach, 10 km südwestlich vom Bodensee; 74000 Einwohner; Textil- (Stickerei) und chemische Industrie, Maschinenbau; Wirtschaftshochschule, Textil- und Modeschule; Altstadt mit Oberstadt (Kloster) und Unterstadt (barocke Stiftskirche (18. Jahrhundert), ehemalige Benediktinerabtei (Bibliothek)). Das um 614 durch Gallus gegründete Kloster war vom 9. bis 11. Jahrhundert ein bedeutendes Kulturzentrum. Die Äbte wurden 1207 Reichsfürsten, ihr Territorium einschließlich der 926 erstmals bezeugten Stadt war 1451/1798 zugewandter Ort der Schweizer Eidgenossenschaft. 1798 Ende der Stiftsherrschaft; seit 1803 Hauptstadt des Kantons.

Sankt-Georgs-Kanal, englisch Saint George's Channel: Südausgang der Irischen See zum Atlantik zwischen Irland und Wales; 80 bis 120 km breit; bis 272 m tief.

Sankt Gotthard, Gotthard: kristalliner Alpengebirgsstock in der Schweiz (Kantone Uri, Tessin, Wallis) mit dem 3192 m hohen Pizzo Rotondo, teilweise vergletschert; Quellgebiet von Vorderrhein, Rhône, Reuß, Tessin. Die Gotthardstraße führt über den 2108 m hohen Sankt Gotthard-G.-Pass (nur im Sommer befahrbar); 1872/81 wurde der 15 km lange Gotthardtunnel der Gotthardbahn und 1970/80 der 16,3 km lange Gotthard-Straßentunnel gebaut.

Sankt Helena: vulkanische Insel im Atlantischen Ozean, 1900 km westlich von Afrika, britische Kolonie; 122 km2, 5500 Einwohner (überwiegend Briten); 45 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum und Haupthafen Jamestown. Von Sankt Helena werden die Inseln Ascension und Tristan da Cunha verwaltet. Die bis 818 m hohe Insel hat tropisches Passatklima und wird von Sträuchern und Wiesen bedeckt. Anbau von Neuseelandflachs (Monokultur) und dessen Verarbeitung; außerdem Gemüse-, Getreideanbau, Obstbau und Viehhaltung. Sankt Helena wurde 1502 von den Portugiesen entdeckt; seit 1650 britisch; 1815/21 Verbannungsort Napoleons I.

Sanktion:

1. allgemein Genehmigung, Bestätigung, Anerkennung; Sicherung; Zwangsmaßnahme, Strafandrohung.

2. Psychologie: vom Menschen erlebter Anreiz, sich normgemäß zu verhalten. Positive Sanktion sind Lob, Lohn, Liebeszuwendung, Erreichen eines Zieles; negative Sanktion sind Tadel, Strafe, Sympathieentzug.

3. Recht: nachteilige, rechtlich bestimmte und staatlich durchsetzbare Folge einer Pflichtverletzung, die das verpflichtete Subjekt zur Pflichterfüllung und im Falle einer Pflichtverletzung zur Überwindung ihrer Ursachen anhalten soll. Sanktion können das Leben (Todesstrafe), die Freiheit (zum Beispiel Haftstrafe), das Ansehen (zum Beispiel Verweis), das Vermögen (zum Beispiel Schadenersatz) oder (nur nach vorsozialistisches Recht) den Körper (zum Beispiel Prügelstrafe) betreffen. Teils sind die Sanktion ausschließlich in Rechtsnormen geregelt (zum Beispiel die strafrechtliche Sanktion), teils können sie im Rahmen der Rechtsnormen ergänzt beziehungsweise modifiziert werden (zum Beispiel die Vertragsstrafen durch den Wirtschaftsvertrag).

4. Völkerrecht: Maßnahme eines Staates gegenüber einem anderen Staat zur Unterbindung von Völkerrechtsverletzungen beziehungsweise Durchsetzung von Wiedergutmachungsansprüchen.

Sankt-Lorenz-Golf: Meeresteil des Atlantischen Ozeans, an der Südostküste Kanadas; 238000 km2, bis 572 m tief; im Norden die Insel Anticosti, im Süden die Prinz Eduard-Insel, im Westen mündet der Sankt-Lorenz Strom in einem bis zu ISO km breiten Trichter.

Sankt-Lorenz-Strom: wichtigster Strom Kanadas und eine der verkehrsreichsten Binnenwasserstraßen der Erde; 1240 km; Einzugsgebiet 1,03 Millionen km2; entströmt als Abfluss der 5 Großen Seen dem Ontariosee, bildet im Oberlauf die Grenze zwischen Kanada und den USA und mündet mit einem 400 km langen und bis zu 150 km breiten Trichter in den Sankt-Lorenz-Golf des Atlantischen Ozeans; von Mitte Dezember bis Mitte April eisbedeckt; Nebenflüsse link-g Ottawa, Saguenay, St. Maurice, rechts Richelieu; Teil des Sankt-Lorenz-Seeweges (Große Seen), seit 1959 zwischen Ontariosee und Montreal 293 km kanalisiert. Kanalschleusen stauen ihn zu Seen auf, die zum Teil zur Elektroenergiegewinnung genutzt werden (Lake St. Lawrence (260 km2), Iroquois (140 km2), St. Francis, St. Louis); über Kanäle mit dem Hudson verbunden; Haupthäfen Montreal und Quebec.

Sankt Moritz: Höhenkurort im Südosten der Schweiz (Kanton Graubünden), im Oberengadin, am Sankt-Moritz-See; Sankt-Moritz-Dorf (1853 m überm Meer, Wintersportplatz) und Sankt-Moritz-Bad (1775 m über dem Meeresspiegel, Mineralquellen, Moorbäder); 6000 Einwohner; Ausgangspunkt der Albula- und der Berninabahn; Museen.

Sankt Pölten: Hauptstadt des Bundeslandes Niederösterreich, westlich von Wien; 50000 Einwohner; Maschinenbau, Eisenbahnwerkstätten, Textil-, Möbel-, Papierindustrie; romanisch-gotischer, barock umgestalteter Dom.

Sankt Wolfgang, Im Salzkammergut: Gemeinde und Alpenseebad im Bundesland Oberösterreich, am Wolfgang- oder Abersee (13 km2, bis 114 m tief); 2500 Einwohner; gotische Kirche (Flügelaltar M. Pachers aus dem 15. Jahrhundert).

Sankuru: rechter Nebenfluss des Kasai, in Zaire; 1210 km; entspringt auf der Lundaschwelle in Südshaba; auf etwa 590 km schiffbar; am Oberlauf, der Lubilash genannt wird, 2 Kraftwerke.

San Luis Potosi: Hauptstadt des Bundesstaates San Luis Potosi (Mexiko), im zentralen Hochland, 1885 m über dem Meeresspiegel; 450000 Einwohner; Bergbauzentrum (Edel- und Buntmetallerzabbau), Buntmetallurgie, Textil-, Leder-, Lebensmittelindustrie; Universität, Institut, Theater.

San Marino, Republik San Marino: Staat am Nordosthang des Toskanischen Apennins, von italienischem Gebiet umschlossen, 22 km von der Adriaküste entfernt, auf dem steilen Monte Titano (749 m). Die Einwohner sind italienischer Abstammung; nur etwa die Hälfte sind Bürger von San Marino (San Marinesen); Amts- und Verkehrssprache ist Italienisch; Währung ist die Italienische Lira. Wirtschaftszweige sind Acker-, Wein-, Obst-, Oliven- und Gartenbau, Viehzucht; Lebensmittel-, Textil-, Baustoffindustrie (Steinbrüche) und Herstellung von Andenken; Eisenbahnverbindung mit Rimini (Italien). Ausfuhr von Wein, Häuten und kunstgewerblichen Erzeugnissen; Zollunion mit Italien. Wichtigste Einnahmequellen sind Tourismus, Herausgabe von Briefmarken (über 25 % der Staatseinnahmen), Münzen (Lira von San Marino, nicht im Umlauf) und Andenkenverkauf. Die Stadt San Marino, nach der Überlieferung 301 gegründet, entwickelte sich um das 885 erstmalig erwähnte Kloster San Marino. Nach der Verfassung von 1600, die auf das Jahr 1253 zurückgeht, ist San Marino Republik. Im Mittelalter trotzte San Marino den Zentralisationsbestrebungen des Kirchenstaates, der 1631 die Unabhängigkeit der Republik anerkannte, und stellte sich 1862 unter italienischen Schutz. Nach dem 2. Weltkrieg führten Koalitionsregierungen aus KP und sozialistische Partei eine Agrarreform und Nationalisierungen durch (1945/57); von der Christlich-Demokratische Partei geführte Regierungen (1957/78) widerriefen den Hauptteil des Reformwerks. Seit 1978 konzentrieren sich die Regierungen aus KP, sozialistische Partei und sozialistische Einheitspartei, seit 1986 eine Koalitionsregierung aus Christlich-Demokratische Partei und KP auf die Sicherung der Arbeitsplätze und auf eine Politik der aktiven Neutralität.

San Martin, José de, 25.2.1778-17.8.1850, argentinischer General und Politiker; einer der bedeutendsten Führer der lateinamerikanischen antispanische Befreiungsbewegung («Befreier des Südens»); Freimaurer; kämpfte 1813/14 erfolgreich im La-Plata Gebiet gegen die Spanier, befreite 1817/18 Chile und 1821 Peru, dankte 1822 zugunsten Bolivar y Palacios als «Protektor von Peru» ab; seit 1824 in Frankreich im Exil.

Sanmenschlucht, Sanmenxia («Dreitoreschlucht»): letzte tiefe Felsschlucht, die vom Huang He vor seinem Eintritt in die Nordchinesischen Ebene gebildet wird, im Westen der Provinz Henan; oberhalb der Sanmenschlucht ist der Huang He durch einen 100 m hohen Damm aufgestaut (2 350 km2, 65 Md. m3), dient dem Hochwasserschutz, der Energiegewinnung (1100 MW) und der Bewässerung (13400 km2).

Sanmicheli, Michele, 1484-September 1559, italienischer Baumeister; seit 1518 als Festungsbaumeister in venezianischen Dienst und in Verona tätig; schuf ferner viele Paläste, deren, Fassadengliederung große Nachfolge fand.

San Miguel: Stadt (Departements Zentrum) im Südosten El Salvadors, am Fuße des Vulkans San Miguel; 160000 Einwohner; Sisal-, Baumwoll-, Leder-, Nahrungsmittelindustrie; Handelszentrum; an der Carretera Interamericana.

San Miguel de Tucumán, Tucumán: Stadt (Provinzzentrum) in Argentinien, am Rio Dulce; 500000 Einwohner; Zuckerfabriken, Zement-, Textil-, Holzindustrie (Sägewerke, Streichhölzer); Eisenbahnknoten, Flughafen; 2 Universitäten, Theater, Bibliothek; berühmte Bauwerke des spanischen Barocks. 1565 gegründet. Der Kongress von Tucumán verkündete am 9.7.1816 die Unabhängigkeit Argentiniens.

Sannazaro, Jacopo, 28.7.1455-24.4.1530, italienischer Dichter und Humanist; neben italienischer Lyrik unter Petrarcas Einfluss und in der Stoffwahl neuartigen lateinischen Fischereklogen eröffnete er nach dem Vorbild der antiken bukolischen Dichtung und Boccaccios «Ameto» die europäischen Tradition der Hirtendichtungen (Prosaroman «Arcadia», 1501/04).

San Nicolás: Stadt im Osten Argentiniens, am Paraná; 96000 Einwohner; Eisen- und Stahlwerk, Zement-, Textil-, chemische Industrie; Pipelineanschluss an das Erdgasgebiet Campo Durán, Flusshafen, Flughafen; historisches Museum, Bibliothek.

Sanok: Stadt in Polen (Wojewodschaft Krosno), am San, inmitten des bewaldeten Bieszczady; 37000 Einwohner; Kfz-Bau, Gummi-, Nahrungsmittelindustrie; Burgmuseum (Ikonen); ethnographisches Freilichtmuseum. Bei Sanok Erdöl- und Erdgasforderung.

San Pedro Sula: Stadt (Departements Zentrum) im Nordwesten von Honduras, am Rio Ulúa; 260000 Einwohner; Tabak-, Lebensmittel-, Textilindustrie; Zentrum des Bananen- und Zuckerrohrhandels; internationaler Flughafen. In der Nähe die Maya-Ruinen von Travesía.

Sanremo, San Remo: Stadt in Oberitalien, in der Region Ligurien, an der Riviera di Ponente; 61000 Einwohner; Kurort und Seebad; infolge der geschützten Lage subtropischer Vegetation; Spielcasino, Wassersport; Kirche Madonna della Costa (12. Jahrhundert). In der Umgebung Blumenzucht, Weinbau und Olivenanbau.

San Salvador: Hauptstadt von El Salvador, am Fuße des Vulkans Salvador im fruchtbaren Bergland; 430000 Einwohner, mit Außenbezirken 800000 Einwohner; wichtigste Industriestadt des Landes mit Textil-, Leder-, Holz-, Nahrungsmittel-, Genussmittel-, metallverarbeitender und chemischer Industrie; Hafen, internationaler Flughafen Ilopango; Universität, Nationalbibliothek.

San Salvador de Jujuy: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten Argentiniens, am Fuß der Anden; 120000 Einwohner; Erdölverarbeitung; Flughafen; in der Nähe Erdölvorkommen.

Sansculotten: (französisch, «ohne Kniehosen») die städtlichen plebejischen Volksmassen in der Franzos. Revolution, die statt der Kniehosen (culottes) der Aristokratie lange Hosen trugen; Massenbasis der Jakobinerdiktatur bis zum Zeitpunkt der Hinrichtung der Hébertisten.

San Sebastián: Stadt im Norden Spaniens, Verwaltungszentrum der baskische Provinz Guipúzcoa, am Golf von Biscaya; 172000 Einwohner; chemische, elektrotechnische, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Fischerei; Hafen; ozeanographisches Museum; Stierkampfarena; Seebad an der Bucht La Concha\ Sommersitz der Regierung.

Sansevieria: (nach dem Fürsten von San Severo (Italien)) Bogenhanf, Sansevieria: Gattung der Agavengewächse aus den tropischen Gebieten Indiens und Afrikas. Dem kriechenden Erdspross entspringen meist schwertförmige, derbe Blätter, die bei einigen Arten wertvolle Fasern liefern. Viele haltbare Zimmerpflanzen.

Sansibar: 1. Insel im Indischen Ozean, 40 km vor der Küste Ostafrikas; 1658 km2, 275000 Einwohner; Hauptort Sansibar 2. Bis 120 m hohe Koralleninsel, von Korallenriffen umsäumt; tropisches Passatklima; ehemals dicht bewaldet, heute in Strauchvegetation und Kulturland verwandelt; Kultivierung von Gewürznelken (80 % der Welternte) und Kokospalmen in Plantagen; Nelkenöldestillation. Bildet mit Pemba eine autonome Region im Staatsverband von Tansania.

2. wichtigste Stadt und bedeutendster Hafen von Sansibar 1, an dessen Westküste; 110000 Einwohner; Werft, Nelkenöl-, Kokosfett-, Schuhherstellung; Handelszentrum; internationaler Flughafen; Museum.

Sanskrit: zum Altindischen gehörende indoarische Sprache, im ersten Jahrhundert vor Christus entstanden. Das Sanskrit, eine für die Sprachvergleichung entscheidende Sprache, wurde von Panini vermutlich um 400 vor Christus grammatisch fixiert; Mitte des ersten Jahrhundert nach Christus war die Blütezeit der klassischen Sanskritliteratur. Als Sprache traditioneller Gelehrsamkeit behielt das Sanskrit große Bedeutung bis in die 1. Hälfte des 20. Jahrhundert.

Sansovino: 1. Sansovino, eigentlich Contucci, Andrea, um 1460-1529, italienischer Bildhauer und Architekt; schuf als Hauptwerk die Marmorgruppe der Taufe Christi am Baptisterium zu Florenz (seit 1502) sowie dekorative Grabmäler in Rom.

2. Sansovino, eigentlich Tatti, Jacopo, 1486-27.11.1570, italienischer Architekt und Bildhauer; Schüler von Sansovino, dessen Namen er annahm; übertrug die römische Hochrenaissance nach Venedig und prägte die venezianischen Baukunst des 16. Jahrhundert; Hauptwerk: Bibliothek von Sansovino Marco in Venedig (seit 1536).

Sanssouci: (französisch, «Sorgenfrei») königliches Lustschloss, westlich von Potsdam inmitten des gleichnamigen Parks von 290 ha Gesamtfläche mit 30 Fontänen und 19 weiteren Bauwerken gelegen. Sanssouci wurde 1745/47 von G. W. von Knobelsdorff für Friedrich II. erbaut und ist das qualitätvollste Werk des sogenannten friderizianischen Rokokos; im Gegensatz zur heiteren Gelöstheit der durch Hermen plastisch gegliederten Gartenfront steht die offizielle Würde des von einer Säulenkolonnade eingefassten Ehrenhofes.

San Stefano: soviel wie Yesilköy, Vorort von Istanbul. Der Friede von San Stefano vom 3.3.1878 beendete den Russischen Türkischen Krieg 1877/78; er garantierte die Souveränität Montenegros, Serbiens und Rumäniens und schuf einen großbulgarischen Staat; wurde auf dem Berliner Kongress 1878 zum Nachteil Bulgariens und Russlands abgeändert.

Santa: (italienisch, spanisch, portugiesisch) Abkürzung (S.), Sta: (vor Namen) die heilige ...

Santa Ana: Stadt (Departementszentrum) im Westen El Salvadors, am Fuße des Vulkans Santa Ana; 210000 Einwohner; Kaffeeaufbereitung, Nahrungsmittel- und Textilindustrie; Handelszentrum; an der Carretera Interamericana.

Santa Catarina: Bundesstaat im Süden Brasiliens, am Atlantischen Ozean, mit den vorgelagerten Inseln Santa Catarina und Sao Francisco; 95985 km2, 4 Millionen Einwohner; 42 Einwohner/km2; Hauptstadt Florianópolis. Im Osten schmale, feuchtheiße Küstenebene, im Innern Tiefland. Intensiver Anbau von Mais, Weizen, Maniok, Bataten, Tabak, Gemüse, Obst, Südfrüchten, bedeutende Gewinnung von Yerba-Mate (Tee); entwickelte Viehzucht (besonders Rinder und Schweine); Steinkohlenbergbau (etwa 70 % der Förderung des Landes); vielseitige Industrie.

Santa Clara: Stadt in Kuba, Verwaltungszentrum der Provinz Villa Clara; 525000 Einwohner; neues Industriezentrum der metallverarbeitenden Industrie und des Maschinenbaus; Verkehrsknoten; Universität.

Santa Cruz, Andrés de, 30.11.1792-25.9.1865, bolivianischer General, Politiker; die von ihm 1835 als Präsident (1829/39) geschaffene Bolivianisch-Peruanische Föderation zerfiel nach der Niederlage im Krieg gegen Chile (1839).

Santa Cruz de la Sierra, Santa Cruz-, Stadt (Departementszentrum) in Bolivien, im östlichen Tiefland; 300000 Einwohner; Erdölraffinerie, Nahrungsmittel-, Lederindustrie; Ausgangspunkt der Erdgasleitung nach Sao Paulo (Brasilien) und Arica (Chile); Universität, Seruminstitut.

Santa Cruz de Tenerife: Stadt auf der zu den kanarischen Inseln gehörenden Insel Tenerife, Verwaltungszentrum der gleichnamigen spanischen Provinz, im Wechsel mit Las Palmas Regionszentrum der kanarischen Inseln; 190000 Einwohner; Erdölraffinerie; vielseitige Leichtindustrie (Holz, Leder, Möbel), Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Stickereien; Hafen; Fremdenverkehr.

Santa-Cruz-Inseln: zum Staat Salomonen gehörende Inselgruppe in Melanesien (Stiller Ozean); 958 km2, 3000 Einwohner; setzen sich aus 3 größeren, von Korallen umgebenen Inseln vulkanische Entstehung (Hauptinsel Santa Cruz\ 560 km2) und aus zahlreichen kleineren Koralleninseln zusammen; Kopra Gewinnung, Muschelfang.

Santa Fé: 1. Santa Fé: Hauptstadt des Bundesstaates Neumexiko (USA), am Fuße der Sangre de Cristo Range; 49000 Einwohner (über 60% Mexikaner); Bergbauzentrum; Verkehrsknoten; Colleges, Museen; historisches Stadtbild.

2. Santa Fé: Stadt (Provinzzentrum) in Argentinien, an der Mündung des Salado in den Paraná an einer seenartigen Erweiterung des Flusssystems; 290000 Einwohner; Werft-, Holz-, Textil-, Papier-, Lebensmittelindustrie, Buntmetallurgie; wichtiger Binnenhafen (Endpunkt für die Hochseeschifffahrt auf dem Paraná (9 km langer Kanal zum Paraná)), Straßentunnel (2 356 m) unter dem Paraná zur Stadt Paraná; 2 Universitäten (Hauptsitz der Litoral-Universität); südwestlich Santo Tomé mit dem Nationalen Limnologisches Institut.

Santa Marta: Stadt (Departementszentrum) im Norden Kolumbiens, am Karibischen Meer; 220000 Einwohner; wichtigster kolumbianischer Ausfuhrhafen für Bananen (Spezialanlagen); Ausgangspunkt der Magdalena Bahn, Flughafen, Erdölleitung; Forschungsinstitute, Meeresaquarium.

Santa Monica: Stadt im Süden des Bundesstaates Kalifornien (USA), an der Küste des Stillen Ozeans, nordwestlich von Los Angeles; 88000 Einwohner; Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie; Hafen; Hochschule; Seebad.

Santander: Stadt im Norden Spaniens, Zentrum der Region Kantabrien und der Provinz Santander, an der Bucht von Santander; 180000 Einwohner; Eisenmetallurgie, Fischkonserven-, Plaste-, Tabakindustrie; Fischfang; Hafen; Sommeruniversität für Ausländer, prähistorisches Museum; Seebad (El Sardinero); gotische Kathedrale; im Hinterland Eisenerzbergbau.

Santander, Francisco de Paula, 2.4.1792-6.5.1840, kolumbianischer General, Politiker; einer der Führer im Unabhängigkeitskrieg gegen die spanische Kolonialherrschaft, leitete seit 1813 militärische Aktionen, 1819/28 Vizepräsident von Großkolumbien; danach wegen seiner föderalistischen Opposition gegen Santander Bolívar y Palacios im Exil, 1832/37 Präsident Neugranadas (Kolumbien).

Santiago, portugiesisch Sao Tiago: größte der Kapverdische Inseln, zum Staat Kapverden, mit der Hauptstadt Praia; 991 km2, 145000 Einwohner; 146 Einwohner/km2; bis 1392 m hohe Insel vulkanische Entstehung; Ackerbau, Fischerei.

Santiago, Orden von: militärische Vereinigung spanischer portugiesischer Ritter (benannt nach dem heiligen Jakobus, spanisch Santiago), 1161 oder um 1170 gegründet, aktiv an der Reconquista beteiligt, spaltete sich Ende 14. Anfang 14. Jahrhundert in einen spanischen und portugiesischen Zweig; Säkularisierung des Besitzes beziehungsweise Auflösung erfolgten in Spanien 1522/23 beziehungsweise 1873, in Portugal 1789 beziehungsweise 1862.

Santiago de Chile: Hauptstadt von Chile, am Austritt des Mapocho in das Chilenische Längstal; 4,1 Millionen Einwohner, im Großraum Santiago de Chile 4,3 Millionen Einwohner (40 % der Landesbevölkerung); ökonomisches, politisches und kulturelles Zentrum Chiles. Santiago de Chile erbringt 50 % der chilenischen Industrieproduktion: Nahrungsmittel-, Genussmittel-, Leicht-, Baustoff-, Metall-, Elektro-, chemische, keramische und polygraphische Industrie; internationaler Flughafen Los Cerrillos westlich von Santiago de Chile, Anschluss an die Carretera Interamericana; 2 Universitäten, TH, Militärakademie, Nationalbibliothek, -archiv, Museen; durch Erdbeben, Hochwasser unter anderem mehrmals zerstört gewesen. Am 12.2.1541 durch Pedro de Valdivia gegründet, Hauptort der Generalkapitanie Chile, Ausgangspunkt der Eroberung Südchiles durch Spanien; seit 1818 Hauptstadt der Republik, nach dem 1. Weltkrieg Entwicklung zur modernen Millionenstadt.

Santiago de Compostela (spanisch Stadt im Nordwesten Spaniens, Zentrum der Region Galicien, südlich von La Coruña; 82000 Einwohner; Zinnbergbau; Gießereien, vielseitige Leichtindustrie; Verlage; Kunstgewerbe; Universität (gegründet 1532), Museen, Bibliothek; Wallfahrtsort. Denkmalgeschütztes Stadtensemble im Umkreis der Wallfahrtskirche Santiago de Compostela (spanisch Stadt im Nordwesten Spaniens Jacobus (im Wesentlichen 1078/1125 erbaut; 1168/88 Vorhalle mit dem Ruhmesportal (Pórtico de la Gloria), das alle 3 reich geschmückten Figurenportale kastenförmig umrahmt; 1738/50 Zweiturmfassade von F. Cazas y Novoa; gotischer Kreuzgang aus dem 16. Jahrhundert). Weitere bedeutende Bauten; romanische Kirche Santiago de Compostela (spanisch Stadt im Nordwesten Spaniens Maria del Sar mit frühgotischen Kreuzgang (12./13. Jahrhundert), Erzbischöflicher Palast mit weiter, stützenlos gewölbter Halle (Anfang 13. Jahrhundert), Hospital des Königs im Platereskenstil (1501/11), zahlreiche Kirchen und Klöster.

Santiago de Cuba: 1. Provinz im Osten Kubas (Sierra Maestra); 6346 km2, 920000 Einwohner; 145 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Santiago de Cuba2; meist gebirgig (Sierra Maestra; höchste Erhebung Pico de Turquino mit 1974 m); schmaler Küstentieflands Streifen. Zweitgrößte Industrieregion Kubas mit Erdölverarbeitung, Zementindustrie, Maschinenbau, Leicht-, und Nahrungsmittelindustrie; wichtiges Agrargebiet, Anbau von Zuckerrohr, tropischen Früchten, Kaffee; Viehzucht; Fischfang.

2. Stadt im Osten Kubas, Verwaltungszentrum von Santiago de Cuba 1, am Karibischen Meer; 560000 Einwohner; zweitgrößte Industrieansiedlung auf Kuba mit Energiewirtschaft, Erdölraffinerie, Zementproduktion, Leichtindustrie, Maschinenbau; bedeutender Seehafen, internationaler Flughafen, Verkehrsknoten; Universität, Museen, Bibliotheken.

Santiago del Estero: Stadt (Provinzzentrum) in Argentinien, am Rio Dulce; 150000 Einwohner; Mühlen-, Holz-, Textil-, Lederindustrie; Agrarmarkt; Flughafen; Universität, Museen.

Santiago de los Caballeros: zweitgrößte Stadt (Provinzzentrum) der Dominikanischen Republik, im Norden des Landes, am Río Yaque del Norte; 320000 Einwohner; Lebensmittel-, pharmazeutische, Möbel-, Keramikindustrie; Flughafen; Universität.

Santillana del Mar: Stadt im Norden Spaniens, westlich von Santander; 4000 Einwohner; unter Denkmalschutz stehend; Tourismus; Kloster (6. Jahrhundert), romanische Kirche Colegiata (12. Jahrhundert); in der Nähe Höhle von Altamira.

Santini, Giovanni (Jan), auch Santin Aichel, 4.2.1677-7.12.1723, böhmischer Architekt und Maler italienischer Herkunft; bedeutender Baumeister des mitteleuropäischen Hochbarocks. Santini verschmolz in seinen Bauwerken Komponenten barocker Architektur und spätgotischer Formen zu phantasievollen, originellen Synthesen.

Santo Antao: eine der Kapverd. Inseln, zum Staat Kapverden; 779 km2, 43000 Einwohner; 55 Einwohner/km2; bis 1979 m hohe Insel vulkanische Entstehung; Anbau von Kaffee; Puzzolanaufbereitung.

Santo Domingo: Hauptstadt der Dominikanischen Republik, an der Südküste der Insel Haiti, am Rio Ozama; 1,3 Millionen Einwohner; Wirtschaftszentrum des Landes mit Stahlwerk, Zement-, Textil-, chemische, Nahrungsmittelindustrie; wichtigster Hafen (90 % der Einfuhr) des Landes, internationaler Flughafen Punta Caucedo; Universität (gegründet 1538; älteste Amerikas), wissenschaftliche Akademien und Institute; Kathedrale (1521/41) mit zeitweiliger Grabstätte des C. Kolumbus, Kolumbus-Palast (1510).

Santos: Stadt im Bundesstaat Sao Paulo (Brasilien), am Atlantischen Ozean; 410000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, Erdölraffinerie; international bedeutender Kaffeehandelsplatz; Autobahn und Erdölleitung nach Sao Paulo, Kaffee Exporthafen, Flughafen; Seebad.

Santos: 1. José Eduardo dos, geboren 28.8.1942, angolanischer Politiker; seit 1961 Mitglied der Volksbewegung für die Befreiung Angolas (portugiesische Abkürzung MPLA), seit 1974 des ZK und des Politbüros; 1975/78 Außen- beziehungsweise Planungsminister; seit 1979 Präsident der MPLA-Partei der Arbeit, Regierungschef, Oberkommandierender der Armee und Staatspräsident.

2. Marcelino dos, Pseudonym Kalungano, geboren 20.5.1929, mozambiquischer Schriftsteller und Politiker; neben A. Neto bedeutender Repräsentant der portugiesischsprachigen Lyrik Afrikas; widmete sich insbesondere in seinen expressiven Versen dem Widerstand gegen den Kolonialismus und der Wiederherstellung der Würde des afrikanischen Menschen.

Sanusi, Senussi: islamischer Orden; 1833 durch den Algerier Muhammad Ibn Abi as-Sanusi in Mekka gegründet, strebte wie die Wahhabiten eine Erneuerung des Islams an. Die Sanusi gewannen unter den Beduinenstämmen Libyens, Ägyptens und einiger Gebiete der Sahara Einfluss und beteiligten sich seit Beginn des 20. Jahrhundert verstärkt am antikolonialen Kampf, unter anderem 1911/12 und 1923/31 gegen die italienische Eroberung Libyens.

Sao: bis in das 2. Jahrhundert vor Christus zurückreichende, relativ hoch entwickelte afrikanische Kultur im Delta des Schari, am Tschad; Blütezeit 10./16. Jahrhundert; Funde von Terrakottaplastiken, Gegenständen aus Bronze, Eisen und Kupfer, die auf einen hohen Stand der Metallbearbeitungstechnik verweisen; Reste von Stadtanlagen erhalten; benannt nach dem Volk der Sao (vermutlich die Vorfahren der heutigen Kotoko in Nordkamerun).

Sao Francisco: Fluss im Osten Brasiliens; 2920 km, davon etwa 2000 km in Teilstrecken schiffbar; entspringt in der Serra da Canastra im Südosten des Brasilianischen Berglandes, ist reich an Wasserfällen und Stromschnellen und mündet in einer versumpften Niederung nordöstlich von Aracajú in den Atlantischen Ozean; erst teilweise Nutzung des Wasserkraftpotentials, unter anderem an den Wasserfällen von Tres Marias im Oberlauf (520 MW) und an den Paulo Afonso-Fällen im Unterlauf (920 MW).

Sao Luis: Hauptstadt des Bundesstaates Maranhao (Brasilien), am Atlantischen Ozean, auf der Insel Sao Luis, die durch den Canal do Mosquito vom Festland getrennt ist; 450000 Einwohner; bedeutender industrieller und kultureller Mittelpunkt des nördlichen Brasiliens; Baumwoll-, Lebensmittel-, Leder-, Zuckerindustrie; Hafen, Flughafen; Universität, Bibliothek.

Sao Miguel: Vulkaninsel der portugiesischen Inselgruppe der Azoren, im Atlantik, westlich von Portugal; 747 km2, als Provinz Ponta Delgada mit umliegenden Inseln 844 km2, 150000 Einwohner; Hauptort Ponta Delgada; bis 1088 m hoch; Wein-, Ananas-, Tabak-, Getreideanbau; Viehzucht.

Saône: rechter Nebenfluss der Rhône, im Osten Frankreichs; 480 km; entspringt in den Monts Faucilles bei Vioménil, mündet bei Lyon; wasserreich, regelmäßige Wasserführung; auf etwa 375 km schiffbar, 30 Schleusen; das Tal ist eine Leitlinie des Verkehrs; Kanäle zu Marne, Maas, Mosel, Rhein, Seine, Loire.

Sao Nicolau: eine der Kapverdische Inseln, zum Staat Kapverden; 388 km2, 14000 Einwohner; 36 Einwohner/km2; bis 1304 m hohe Insel vulkanische Entstehung; Anbau tropischer Früchte, in höheren Lagen Kaffee; Fischkonservenfabrik.

Sao Paulo: 1. Bundesstaat im Südosten Brasiliens, zwischen Paraná und Atlantischen Ozean; 247898 km2, 28,8 Millionen Einwohner; 116 Einwohner/km2; Hauptstadt Sao Paulo 2; volkreichster und am dichtesten besiedelter Staat Brasiliens. Hinter einem schmalen Küstenstreifen und dem Steilabfall der Serra do Mar dehnt sich eine nach Nordwesten zum Paraná abfallende, von Flüssen zerschnittene Hochfläche aus; zahlreiche Stauseen (unter anderem Jurumirim). Das Klima ist randtropisch, durch die Höhenlage in den Binnengebieten gemildert. Wirtschaftlich am weitesten entwickelter Staat Brasiliens mit über 50 % der Industrieproduktion: Fahrzeug-, Maschinenbau, Eisen- und Buntmetallurgie, Petrolchemie, Elektroenergieerzeugung, Apatit- und Bleierzbergbau; wichtigste Industriestandorte: Sao Paulo 2, Cubatao, Sao Bernardo do Campo, Campiñas. Bedeutende Landwirtschaft (Kaffee, Baumwolle, Zuckerrohr, Kartoffeln, Bananen unter anderem), entwickelte Viehzucht; gut ausgebautes Verkehrsnetz.

2. Hauptstadt von Sao Paulo 1, in einem Hochbecken am Tiets; 8,5 Millionen Einwohner, mit Außenbezirken 12,6 Millionen Einwohner; größte Stadt und wichtigstes Industrie- und Handelszentrum Brasiliens; Textilindustrie, Fahrzeugbau, chemische, pharmazeutische, Zement-, Baustoff-, Nahrungsmittel-, elektrotechnische/elektronische Industrie; Erdölraffinerie. Das rasche Wachstum der Stadt ist durch gut ausgebaute Verkehrswege (Schnellstraßensystem, U-Bahn, 2 internationale Flughäfen unter anderem) gefördert worden; besonders eng mit dem Ausfuhrhafen Santos verbunden; 3 Universitäten, berühmtes Seruminstitut Butantan mit Schlangenfarm, Forschungsinstitute; Theater, Museen, Bibliotheken.

Saoshyant, (altiranisch, «Heilbringer») der auf wunderbare Weise geborene Sohn Zarathustras; gilt im Zoroastrismus als Heiland und Erlöser der Gerechten, dessen Erscheinen das Jüngste Gericht ankündigt.

Sao Tomé: 1. Insel im Golf von Guinea (Atlantik), Hauptteil des Staates Sao Tomé und Principe, mit der gleichnamigen Hauptstadt; 845 km2, 95000 Einwohner; 112 Einwohner/km2; Insel vulkanische Entstehung, bis 2024 m hoch (Pico de Sao Tomé) immer feuchtes tropisches Klima; tropischer Regenwald; besonders Anbau von Kakao.

2. Hauptstadt von Sao Tomé und Principe, auf der gleichnamigen Insel; 25000 Einwohner; Lebensmittelindustrie; bei Sao Tomé Hochseehafen Ana Chaves, internationaler Flughafen.

Sao Tomé und Principe, Demokratische Republik von Sao Tomé und Principe: Inselstaat im Golf von Guinea (Atlantischen Ozean), 200 km vor der afrikanischen (gabunesische) Küste, auf gleichnamiger Inselgruppe mit den beiden Hauptinseln Sao Tomé und Principe. Die Bevölkerung besteht zu 90 % aus Angehörigen der Bantusprachfamilie; daneben Mulatten und Europäer. Amtssprache ist Portugiesisch. Währung ist die Dobra. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und auf Sao Tomé bis 2024 m hoch (Pico de Sao Tomé). Auf Sao Tomé immer feuchtes, auf Principe wechselfeuchtes tropisches Klima mit Regen- und Trockenzeit. Weite Flächen werden vom tropischen Regenwald eingenommen. Durch lange portugiesische Kolonialherrschaft ist Sao Tomé und Principe ein unterentwickeltes, einseitig auf die Erzeugung von Kakao (Monokultur) ausgerichtetes Agrarland, das einen progressiven, antiimperialistischen Entwicklungsweg beschreitet. Zur Überwindung der Rückständigkeit wurden Naturschätze, ausländischer Großgrundbesitz (bisher etwa 90% der landwirtschaftlichen Nutzfläche verstaatlicht) und die Banken nationalisiert, eine Agrarreform eingeleitet, staatliche Genossenschaftsgüter errichtet und durch den Anbau anderer Kulturen (besonders Gemüse, Reis, Bananen) und den Ausbau der Viehhaltung und Fischereiwirtschaft die Abhängigkeit vom Kakaoanbau gelockert. In der Landwirtschaft sind etwa 70 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Über ein Drittel der Landesfläche sind Anbau- und Kulturland. Der Anbau von Kakao bringt fast 90 % des Exportwertes. Außerdem haben die Kultivierung von Kaffee, Bananen und Kokospalmen sowie Gewinnung von Chinarinde Exportbedeutung. Die verarbeitende Industrie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Das Straßennetz ist gut ausgebaut. Haupthafen ist Ana Chaves bei Sao Tomé; internationaler Flughafen in Sao Tomé. Wichtigste Einfuhrwaren sind Lebensmittel, Industrieeinrichtungen und Konsumgüter. Wichtigste Handelspartner: Portugal, Niederlande, USA 1470/71 entdeckte der Portugiese Pedro de Escobar die damals unbewohnten Inseln. 1475 begann die Besiedlung der Inseln mit Strafgefangenen und Sklaven. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert ein Zentrum des Zuckerrohranbaus, wurde Sao Tomé und Principe 1735 portugiesische Kolonie. 1595/1744 erhoben sich wiederholt die Sklaven, die zeitweise einige Gebiete kontrollierten. Am 11.7.1951 wurden die Inseln zu portugiesischen «Überseeprovinzen» erklärt. 1953 wurde ein Aufstand afrikanischer Plantagenarbeiter niedergeschlagen. Die 1972 zugestandene innere Selbstverwaltung änderte nichts an der kolonialen Abhängigkeit. Nach der Aprilrevolution 1974 in Portugal erkannte die neue portugiesische Regierung das Recht auf Selbstbestimmung an. Von Dezember 1974 bis Juli 1975 amtierte eine Übergangsregierung, und am 12. Juli 1975 wurde Sao Tomé und Principe staatlich selbständig. Erster Präsident wurde M. Pinto da Costa, der als Generalsekretär der Bewegung für die Befreiung von Sao Tomé und Principe (portugiesisch Abkürzung MLSTP) den Unabhängigkeitskampf geführt hatte. Sozialökonom-. Umgestaltungen (Landenteignung bei portugiesischen Kolonialisten, Zurückdrängung der Kakao Monokultur, Aufbau eines staatlichen Sektors, Sozialmaßnahmen) waren erste Schritte zur Überwindung des kolonialen Erbes. 1978 erfolgte die Umwandlung der MLSTP in eine avantgardistische Partei, deren programmatischen Ziele der Aufbau der sozialistischen Gesellschaft und die reale ökonomische Unabhängigkeit sind. Eine enge Zusammenarbeit existiert mit der VR Angola wie auch mit den Ländern der sozialistischen Staatengemeinschaft.

Sao Vicente: eine der Kapverdischen Inseln, zum Staat Kapverden; 227 km2, 42000 Einwohner; 185 Einwohner/km2; Hauptort Mindelo mit dem Hochseehafen Porto Grande; bis 774 m hohe Insel vulkanische Entstehung; Motorboot-, Möbelfabrik.

Saphir: Mineral; Korund.

Sapo: 1. Sapo, Sapo cubano: Musik - lateinamerikanisches Rhythmusinstrument aus Bambusrohr; Schrap Instrument mit röhrenförmigem Schallkörper, einem Schlitz zur Klangverstärkung und Querrillen auf der Oberseite, über die ein Stäbchen gestrichen wird.

2. Sapo: Pharmazie - Seife; Sapo medicatus (medizinische Seife) und Sapo kalinus (Schmierseife) werden für Arzneizubereitungen verwendet.

Saponine: grenzflächenaktive, meist giftige Pflanzenstoffe mit Steroidstruktur, deren wässrige Lösungen wie Seife schäumen. Saponine werden zum Beispiel aus Rosskastanien und Seifenkraut gewonnen.

Sapor, Schapur, neupersische, sassanidische Könige: 1. Sapor I., herrschte 241/72 nach Christus; Sohn Ardashirs I., führte dessen Politik der Wiederherstellung des Achämenidenreiches weiter; eroberte die Provinz Mesopotamien, wurde 242 vom römischen Kaiser Gordianus III. geschlagen und zur Räumung Mesopotamiens gezwungen. 256 eroberte er Antiochia und Dura Europos, besiegte 260 den römischen Kaiser Valerian bei Edessa und nahm ihn gefangen. Sapor verlor Mesopotamien erneut gegen Odenathus von Palmyra (262/66).

2. Sapor II., herrschte 309/79 nach Christus; festigte den Sassanidenstaat; nach dem Tod des römischen Kaisers Julian gewann er im Frieden von 363 einen großen Teil Mesopotamiens zurück.

Saporosher Setsch: Mitte des 16. Jahrhundert entstandene, weitgehend selbständige befestigte Kosakensiedlungen auf Dnepr Inseln südlich der Stromschnellen; Kampfzentrum gegen Tataren, Türken und polnischer Feudalherren, gegen Leibeigenschaft in Russland (unter anderem im Bulawin Aufstand 1707/08); 1775 durch die russische Regierung liquidiert.

Saporoshez: (russisch, «Der Saporosher») Markenbezeichnung für einen zweitürigen sowjetisches PKW mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie. Der im Heck des Typs 968 A angeordnete luftgekühlte Vierzylinder-Viertaktmotor mit 1196 cm3 Hubvolumen leistet 36,8 kW (SAE); Höchstgeschwindigkeit 130 km/h.

Sappho, geboren nach 650 vor Christus, bedeutendste griechische Lyrikerin der Antike; unterwies in Mytilene (Lesvos) adlige junge Mädchen in Dichtkunst, Tanz und Gesang; an jede von ihnen sowie an Götter und die Musen sind ihre gefühlstiefen, empfindsamen und leidenschaftlichen Lieder gerichtet, die sie im äolischen Dialekt und in verschiedenen metrischen Formen, unter anderem in der nach ihr benannten sapphische Strophe, schrieb.

Sapporo: Stadt in Japan, Verwaltungs-, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Präfektur Hokkaido, auf der gleichnamigen Insel; 1,45 Millionen Einwohner; Leichtindustrie (Textilien, Holz), Nahrungs- und Genussmittelindustrie; U-Bahn, internationaler Flughafen; Hokkaido-Universität, Forschungsinstitute, Ainu-Museum, zoologischer und botanischer Garten, Nakajima-Park; Olymp. Winterspiele 1972.

Saprobien, Saprobionten: Fäulnisbewohner; Organismen, die in organisch belasteten Gewässern leben. Die biologische Wasseranalyse unterscheidet Leitformen für die Stufen der biologischen Selbstreinigung. Aus dem Vorkommen der für diese Stufen typische Indikatororganismen kann auf die Beschaffenheit des Milieus rückgeschlossen werden. Siehe auch Katharobien.

Saprophagen: Tiere, die tote organische Substanz pflanzlichen oder tierischen Ursprungs fressen, wie Aasfresser und Kotfresser.

Saprophyten, Fäulnisbewohner, chlorophyllfreie heterotrophe Pflanzen, die von toter organischer Substanz leben, zum Beispiel Bakterien, Pilze.

Saprozoen: Tiere, die in fauligem Milieu leben. Der Faulschlamm in Gewässern (Sapropel) enthält zum Beispiel charakteristische Wimpertiere.

Sarabande: 1. ursprünglich andalusisches erotisches Tanzlied auf Märkten; seit 1625 gravitätischer feierlicher französischer Hoftanz, wurde auch im Hofballett in kunstvollen Varianten verwendet.

2. seit 1680 3. Satz der Suite.

Sarafan: langer, vom durchgeknöpfter, taillierter Trachtenrock der russischen Bäuerin.

Sarafis, Stefanos, 26.10.1890-31.5.1957 (ermordet), griechischer General und Politiker; wegen fortschrittlicher Ideen vom faschistischen Regime 1936 aus der Armee entfernt und verbannt; 1941/44 einer der Organisatoren der antifaschistischen Widerstandsbewegung Griechenlands, seit 1943 Oberbefehlshaber der Volksbefreiungsarmee; 1946/51 erneut verbannt; kämpfte 1951/57 als Funktionär der demokratischen Linkskoalition aktiv gegen den USA-Imperialismus und die NATO, für nationale Unabhängigkeit Griechenlands.

Saragat, Giuseppe, geboren 19.9.1898, italienischer Politiker; spaltete 1947 die sozialistische Partei und gründete die Sozialdemokratischen Partei, deren Generalsekretär er 1947/63 war; 1964/71 Staatspräsident; seit 1971 Senator auf Lebenszeit.

Sarajevo: Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, im Tal des Bosna Nebenflusses Miljacka; 450000 Einwohner; Industrie- und Handelszentrum; Maschinenbau, Holz-, Tabak-, Baustoff-, keramische, Textilindustrie (besonders Teppichweberei); Kunstgewerbe (Filigranarbeiten); Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Akademien, Universität; Theater, Nationalbibliothek, Museen; orientalisch geprägte Altstadt mit Moscheen (16. Jahrhundert), Basaren und Erzengelkirche (16. Jahrhundert). Bei Sarajevo Thermalbad Ilidza. 1984 Olympische Winterspiele. 1463 unter türkischer Herrschaft, seit 1851 Hauptstadt Bosniens, 1878 unter österreichisch-ungarischer Verwaltung, 1918 zu Jugoslawien. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28.6.1914 in Sarajevo war der Anlass zum 1. Weltkrieg. Hauptstadt seit 1945.

Saransk: Hauptstadt der Mordwinische ASSR, im Wolgaland; 300000 Einwohner; elektrotechnischen Industrie (unter anderem Kabelwerk); Maschinen-, Geräte-, Instrumenten- und Autobau, Gießereien, chemische, Leicht-, Nahrungsmittelindustrie; Universität (1957 gegründet), pädagogische Hochschule; Theater, Museum, Gemäldegalerie.

Sarasate, Pablo de, 10.3.1844-20.9.1908, spanischer Violinvirtuose und Komponist; schrieb «Zigeunerweisen», «Spanische Tänze» und andere wirkungsvolle Kompositionen; M. Bruch, É. Lalo und C. Saint-Saens schrieben für ihn Werke.

Sarasin, Paul, 11.12.1856-7.4.1929, schweizerischer Naturforscher; forschte mit seinem Vetter Fritz Sarasin (1859-1942) auf Ceylon, Sulawesi und Neukaledonien; Vorkämpfer der internationalen Naturschutzbewegung.

Sarawak: Gliedstaat von Malaysia, im Nordwesten der Insel Kalimantan; 124449 km2, 1,3 Millionen Einwohner; 10 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Kuching. Von Plateaus durchsetztes Bergland (Murud, 2438 m); an der 700 km langen Küste breiten sich stark versumpfte Schwemmlandebenen mit Mangrovenbeständen aus, 75% der Fläche sind mit tropischen Regenwald bedeckt. Wichtige Bodenschätze sind Erdöl und -gas, Antimon, Bauxit, Eisen-, Golderz. Hauptprodukte der Landwirtschaft sind Reis, Kautschuk, Pfeffer, Export von Erdöl, Ölprodukten, Holz.

Sarazenen: bei den antiken Schriftstellern Bezeichnung für einen nordwestarabischen Stamm; bei den byzantinischen und christlichen Schriftstellern für Muslime und Araber überhaupt. Bei den Arabern ist der Name Sarazenen unbekannt.

SARC, South Asian Regional Cooperation, Südasiatische Regionale Zusammenarbeit: Organisation der südasiatischen Staaten Bangladesh, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka zur Förderung des ökonomischen Wachstums, für Minderung von Armut und Hunger in den Mitgliedsstaaten und zur Entwicklung der Zusammenarbeit unter anderem in Landwirtschaft, Wissenschaft, Technik, Transport- und Fernmeldewesen; gegründet 1983 in Delhi. 1985 erfolgte die Umbenennung in Südasiatischer Vereinigung zur Regionalen Zusammenarbeit, South Asian Association for Regional Cooperation, Abkürzung SAARC.

Sardelle, Engraulis encrasicolus: bis 20 cm langer heringsartiger Schwarmfisch der europäischen Atlantikküste, des Mittelmeeres und Schwarzen Meeres; wichtiger Nutzfisch.

Sarden, Sardinier: romanische Bevölkerung Sardiniens, Nachkommen einer mit römischen und arabischen Bevölkerungselementen vermischten iberische Urbevölkerung; stehen kulturell den Korsen nahe; etwa 1,5 Millionen.

Sardes: im Altertum Hauptstadt des Königreiches Lydien in Westkleinasien; reiche Handelsstadt.

Sardinien, italienisch Sardegna: italienische Insel im Mittelmeer; 23813 km2, als Region (innere Autonomie) 24090 km2, 1,6 Millionen Einwohner; 66 Einwohner/km2; Hauptstadt Cagliari-, 4 Provinzen umfassend. Der Norden und das Zentrum werden von kristallinen Gebirgen eingenommen, die im Monti del Gennargentu 1834 m erreichen. Im Südwesten befinden sich die fruchtbare Ebene Campidano und das erzreiche Bergland Iglesias. Die Vegetation besteht größtenteils aus Macchie. Abbau von Blei-, Zink-, Kupfer-, Antimonerz, Bauxit, Asbest und Flussspat; Marmor-, Granit- und Porphyrbrüche. In früher versumpften Tälern, besonders in der Campidano Ebene, Anbau von Getreide, Frühgemüse, Wein, Oliven, Südfrüchten; Schaf-, Rinder- und Ziegenzucht (Käsebereitung); Fischfang (Thunfisch, Krabben, Korallen); Meersalzgewinnung an den Küsten. Buntmetall- und Aluminiummetallurgie im Südwesten, bedeutende chemische Industrie um Cagliari und Sassari; Papierindustrie; steigende Energieerzeugung (Wärmekraftwerke). Wichtige Häfen Cagliari, Porto Foxi, Porto Torres, Albia unter anderem; Flughäfen; NATO-Stützpunkte. Im Altertum von Iberern und Ligurern besiedelt, seit dem 6. Jahrhundert vor Christus karthagisch, seit 236 vor Christus römisch, 455 wandalisch, 534 byzantinisch, 711 arabisch. Sardinien kam 1326 an Aragonien, 1713 an Österreich, 1720 im Austausch gegen Sizilien an den Herzog von Savoyen, der daraufhin den Königstitel annahm (Königreich Sardinien-Piemont). 1848 erhielt das Königreich Sardinien-Piemont eine Verfassung (Albertmische Statut). Die Gründung des bürgerlichen Nationalstaates in Italien vollzog sich unter Führung des Königreichs Sardinien-Piemont. Sardinien ist eine der rückständigsten Regionen Italiens, seit 1948 Regionalautonomie.

sardonisch: (lateinisch - griechisch) krampfhaft; hämisch.

Sardou, Victorien, 7.9.1831-8.11.1908, französischer Dramatiker; einer der erfolgreichsten Bühnenautoren seiner Zeit («Tosca», 1887; Textvorlage für G. Puccinis gleichnamige Oper).

Sarekat Islam: (indonesische, «Islamische Vereinigung») erste indonesische antiimperialistische Massenorganisation; 1912 aus einem Verband muslimischer Händler hervorgegangen, 1923 Abspaltung der KP und 1929 Umbildung zur Partei der Islam. Vereinigung (Partai Sarekat Islam Indonesia) ohne Massenbasis.

Sargassofisch, Histrio histrio: im Atlant, und Stillen Ozean lebender 20 cm langer Anglerfisch mit fetzenartigen Körperanhängen. Das Weibchen legt lange, gallertartige Eischnüre ab.

Sargassosee: Meeresgebiet im nördlichen Teil des Atlantischen Ozeans, inmitten des submarinen Nordamerikanischen Beckens östlich der Bermudainseln; Salzgehalt des Wassers zwischen 36 und 37 %o; charakteristisch sind ungewöhnlich hohe Mengen treibender Tange; zentrales Laichgebiet der Aale.

Sarge, Günter, geboren 30.12.1930, Jurist, Generalmajor; 1963/77 Vorsitzender des Militärkollegiums des Obersten Gerichts, 1977/86 Erster Vizepräsident, seit 1986 Präsident des Obersten Gerichts.

Sargon, Scharrukin (assyrisch, «rechtmäßiger König»): 1. Sargon, König von Akkad, regierte um 2350 bis um 2295 vor Christus; bemächtigte sich der Herrschaft über Akkad und unterwarf Sumer, Elam, Regionen am Oberlauf des Tigris und Teile Syriens. Sargon begründete das 1. Großreich in Mesopotamien, das Akkad. Reich, sowie das eiste stehende Heer; reorganisierte Wirtschaft und Verwaltung.

2. Sargon, gestorben 705 vor Christus (gefallen), König von Assyrien seit 721 vor Christus; unterwarf Samaria, Karkemisch und das aufständische Babylon, suchte aber nach einem Ausgleich mit den babylonischen Machthabern.

Sarh: Stadt (Präfekturzentrum) im Süden von Tschad, am Scharf; früher Fort-Archambault; 65000 Einwohner; modernes Textilkombinat (Baumwollverarbeitung); Flughafen.

Sari: Wickelgewand der indischen Frauen.

Sarin: extrem starkes, zu den Phosphorsäureester-Kampfstoffen gehörendes Nervengift; systematische Name Methylfluorphosphonsäureisopropylester; Formel 0P(F)(CH3)(0-CH(CH3)2). Sarin ist farb- und geruchlos, flüssig und mit Wasser beliebig mischbar.

Sariwon: Stadt (Provinzzentrum) im Südwesten der KDVR; 50000 Einwohner; Eisenmetallurgie, Textil- und Baustoffindustrie; Verkehrsknoten; Zentrum eines Reisanbaugebietes.

Sarjan, Martiros, 28.2.1880-5.5.1972, armenischer-sowjetischer Maler. Sarjans monumental wirkenden, durch eine breite, großzügige Malweise und kräftige, dekorative Farbgebung gekennzeichneten, den Menschen und der Landschaft seiner Heimat gewidmeten Landschafts- und Genrebilder sowie Stillleben und Porträts strahlen optimistische Lebensfülle aus und waren stilbildend für die armenische Kunst.

Sarkasmus: beißender Hohn, höhnisch-spöttische Bemerkung.

Sarkis, Elias, 20.7.1924-27.6.1985, libanesischer Politiker, Maronit; 1967/76 Präsident der Libanesischen Staatsbank, 1976/82 Staatspräsident.

Sarkoidose, Sarkoid: akute oder chronischen, vielgestaltige, meist gutartige Systemerkrankung ungeklärter Ursache mit typischen tuberkuloseähnliche Gewebeveränderungen (Epitheloidzellgranulome) und Neigung zu bindegewebiger Umwandlung (Fibrosierung) befällt vor allem die Lymphknoten der Lungenwurzeln und die Lungen, daneben häufig Leber, periphere Lymphknoten, Milz, Augen, Gelenke und Haut.

Sarkom: bösartige Bindegewebegeschwulst, undifferenziert als Rund-, Spindel- oder Riesenzellsarkom, differenziert unter anderem als Fibrosarkom, Liposarkom, Myosarkom, Chondrosarkom oder Osteosarkom vorkommend.

Sarkophag: (griechisch, «Fleischfresser») meist prunkvoller Sarg aus Stein, Holz, Ton oder Metall, in dem Angehörige der herrschenden Klasse bestattet wurden (Antike, Renaissance, Barock).

Sarkosom: diejenigen Teile der stockbildenden Nesseltiere, die die einzelnen Individuen miteinander verbinden.

Sarmaten: iranisches antikes Nomadenvolk, bekannt durch seine Reiter- und Bogenschützen; siedelten in der südrussischen Steppe, an der Nordküste des Schwarzen Meeres und an der Donaumündung; Hauptstämme waren die Roxolanen und die Jazygen, die den Römern in der Kaiserzeit an der mittleren Donau heftige Kämpfe lieferten.

Sarmiento, Domingo Faustino, 15.2.1811-11.9.1888, argentinischer Schriftsteller und Politiker; 1868/74 Staatspräsident; kritisierte die halbfeudalen Verhältnisse unter der Rosas-Diktatur und rief zu deren Überwindung durch die bürgerliche Zivilisation auf (Roman «Facundo Quiroga», 1845, deutsch).

Sarney, Jose, geboren 24.4.1930, brasilianischer Politiker, Schriftsteller, Jurist; 1970/85 Senator, 1985 Präsidentschaftskandidat der demokratischen Allianz, wurde Vizepräsident, übernahm nach dem Tode (1985) des gewählten Präsidenten dessen Amt.

Sarnia: Stadt im Süden der Provinz Ontario (Kanada), am Ausfluss des Saint Clair aus dem Huronsee; 58000 Einwohner; Erdölverarbeitung (2 Raffinerien, Erdöl- und Erdgasleitungen aus der Provinz Alberta und aus Texas (USA)); Kautschukindustrie, Maschinenbau; Hafen; Brücke, Tunnel und Fährverbindung nach Port Huron (USA).

Sarong, Sarang: kunstvoll gebatikter Frauenrock in Indonesien; einfaches Tuch, das um den Leib geschlungen wird; auch von Männern getragen.

Saroszyklus, Chaldäische Periode (nach den Chaldäern): seit dem Altertum bekannte Zeitspanne von 18 Jahren und 11 Tagen, nach der sich Sonnen- und Mondfinsternisse in fast gleicher Weise wiederholen.

Saroyan, William, 31.8.1908 - 18.5.1981, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb in zahlreichen Erzählungen, Romanen («Menschliche Komödie», 1943, deutsch) und Dramen («Mein Herz ist im Hochland», 1939, deutsch) mit Optimismus und einer Neigung zum Sentimentalen und Pittoresken über das Leben des «kleinen Mannes».

Sarpsborg: Stadt im Südosten Norwegens, an der Glama am Wasserfall Sarpsfoss (20 m Höhe); 13000 Einwohner; Holzverarbeitung, Zellulose-, Papier-, chemische, elektrotechnische Industrie; Wasserkraftwerk; Hafen.

Sarraute, Nathalie, geboren 18.7.1902, französische Schriftstellerin; maßgebliche Vertreterin des Nouveau Roman («Die goldenen Früchte», 1963); trug zu dessen theoretischen Begründung bei (Essay «Das Zeitalter des Argwohns», 1956, deutsch).

Sarto, Andrea del, 16.7.1486-29.9.1530, italienischer Maler, zählt zu den Hauptmeistern der Florentiner Hochrenaissance; schuf großfigurige, vorwiegend religiöse Werke von warmer Farbgebung, unter anderem Fresken in Florenz (Santissima Annunziata, Sarto Salvi).

Sartre, Jean-Paul, 21.6.1905-17.4.1980, französischer Schriftsteller und Philosoph; Hauptvertreter des französischen Existentialismus; beeinflusst von E. Husserl, H. Bergson und M. Heidegger artikulierte er von einem subjektivistischen philosophischen Standpunkt die Krise des vereinsamten Individuums in der spätbürgerlichen Gesellschaft und dessen anarchistische Protesthaltung. Während des 2. Weltkrieges war er ein führender theoretischer Kopf der Résistance; in den 50er Jahren arbeitete er aktiv in der Weltfriedensbewegung mit. Sartres Versuch, den Existentialismus dem Marxismus anzunähern, machte seinen kleinbürgerlich-intellektuellen philosophischen und politischen Subjektivismus in den 70er Jahren in Westeuropa zu einer Quelle linksradikaler Ideologien. Seine Philosophie des Existentialismus, deren theoretischen Grundlagen in «Das Sein und das Nichts» (1943, deutsch) fixiert sind, findet ihre Widerspiegelung und Bedeutung in seinem gesamten literarischen Werk (Roman «Der Ekel», 1938; Dramen «Die Fliegen», 1943; «Die ehrbare Dime», 1946; «Der Teufel und der liebe Gott», 1951; Essay «Die Wörter», 1964; alle deutsch).

Sartzetakis, Christos, geboren 6.4.1929, griechischer Politiker, Jurist; während der Militärherrschaft 1968 aus dem Justizdienst entlassen und 1 Jahr ohne Urteil eingekerkert, nach dem Sturz der Militärjunta rehabilitiert; 1982/85 Richter am Obersten Gerichtshof, seit März 1985 Staatspräsident.

Sarvodaya: (Sanskrit, «Wohlfahrt aller») moderne indische Sozialreformer. Lehre und Bewegung; sie strebt die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft durch den Eigentumsverzicht der besitzenden Klassen an; diesem Ziel dienten unter anderem Landschenkungen (Bhudan), begründet von A. V. Bhave.

Sasebo: Stadt in Japan (Präfektur Nagasaki), im Westen der Insel Honshu; 250000 Einwohner; Maschinen- und Schiffbau, chemische Industrie; Hafen, Sakai-Brücke (316 m) zur Halbinsel Nishisonoki, Marinehafen und USA-Flottenstützpunkt.

Sashen, russisch: alte russische Längeneinheit (= 100 Sotki = 2,1336 m).

Saskatchewan: 1. Saskatchewan: Fluss im Süden Kanadas; 1939 km mit dem im Felsengebirge entspringenden South Saskatchewan (mit Quellfluss Bow), ab Zusammenfluss des South Saskatchewan mit dem North Saskatchewan 547 km; mündet in den Winnipegsee, dessen Abfluss über den Nelson erfolgt; 1450 km in Teilstrecken schiffbar, da zahlreiche Stromschnellen; aufgestaut bei Squaw Rapids (Kraftwerk mit 201 MW).

2. eine der Prärieprovinzen Kanadas; 651900 km2, 990000 Einwohner (davon 4% Indianer); 1,5 Einwohner/km2; Hauptstadt Regina. Im Norden der Kanadische Schild, im Süden Prärieplateau (Cypress Hills bis 1392 m); bei im Norden subarktischen Klima Waldtundra, bei im Süden gemäßigtem Kontinentalklima Nadelwald, der in Mischwald und im Südwesten in Waldsteppe und Steppe übergeht; 50% Waldbedeckung. Viele Seen (unter anderem Athabasca- und Rentiersee), Hauptfluss Saskatchewan 1. Hauptwirtschaftszweige sind die Landwirtschaft und der Bergbau; in der Landwirtschaft Ackerbau, zum Teil auf bewässerten Flächen (Anbau von Weizen (zwei Drittel der Produktion Kanadas), Gerste, Hafer, Raps, Lein), Fleischviehzucht (Rinder, Schweine, Geflügel). Bedeutende Erdöl- und Kalisalzförderung (einer der weltgrößten Vorräte), ferner Gewinnung von Erdgas, Helium, Kohle, Steinsalz, Kupfer-, Uran-, Zinkerz. Vorwiegend verarbeitende Industrie, große Exportabhängigkeit vom kapitalistischen Weltmarkt; Pelztierjagd und -zucht; Fischfang in Binnengewässern; Straßennetz wichtiger als Eisenbahnnetz, im Norden Luftverkehr.

Saskatoon: Stadt in der Provinz Saskatchewan (Kanada), beiderseits des South Saskatchewan; 150000 Einwohner; Erdölraffinerie (Pipeline von Edmonton), Mühlen, Maschinenbau, Holz-, Metall-, chemische Industrie; Flughafen; Universität von Saskatchewan, Forschungsinstitute; Museen, Kunstgalerie.

Sasolburg: Stadt im Oranje Freistaat (Republik Südafrika), am Vaal, im Witwatersrand, südlich von Johannesburg; 35000 Einwohner; Kohlenbergwerk, darauf aufbauend chemische Industrie; Erdölraffinerie.

Sassaniden: (nach dem Ahnherrn Sassan) persischen Dynastie (224/651); der Begründer Ardashir I. (Enkel von Sassan) stürzte das Partherreich und schuf das zweite persische Großreich, das Sassanidenreich (Hauptstadt Persepolis, später Ktesiphon); Ansichten Zarathustras wurden Staatsreligion; größte Blüte unter Chosroes I.

sassanidische Kunst: die Kunst Persiens unter der Sassaniden Herrschaft (3./7. Jahrhundert). Zu ihren großen Leistungen gehören neben Palästen in Ktesiphon, Firuzabad, Bishapur und Sarvestan (monumentale Gewölbe) auch die spätrömisch beeinflusste Plastik (Gemmen, Felsreliefs), feinste Textilien sowie silberne und vergoldete Schalen und Vasen mit Tanz- und Jagdszenen.

Sassari: Stadt im Nordwesten der italienischen Insel Sardinien, Verwaltungszentrum der Provinz Sassari; 120000 Einwohner; Kaolingewinnung; Erdölverarbeitung und chemische Industrie; Hafen, Fischerei; Universität; Dom (Anfang 18. Jahrhundert).

Saßnitz: Stadt im Kreis Rügen, Bezirk Rostock, im Nordosten von Rügen (Halbinsel Jasmund); 15000 Einwohner; Fischerei- und Fährhafen (Trajekt Verbindung nach Trelleborg (Schweden)); bei Saßnitz Fährhafen Mukran-, Fischkombinat, Fischverarbeitungswerk; Kreidewerk im Ortsteil Klementelvitz; Seebad; Rügenhotel; Leningedenkstätte.

Sassoon, Siegfried Lorraine, Pseudonym George Sherston, 8.9.1886-1.9.1967, englischer Dichter und Schriftsteller, wurde im 1. Weltkrieg zum Kriegsdienstverweigerer und Pazifisten (Gedichte «Gegenangriff», 1918; «Die Kriegsgedichte von S.S.», 1919; «Der Weg zum Frieden», 1960); Autobiographie «Vom Krieg zum Frieden» (1945, deutsch).

Sassou Nguesso, Denis, geboren 1943, kongolesischer Militär und Politiker; 1968 Mitglied des Nationalrates der Revolution, 1969 Gründungsmitglied der Kongolesischen Partei der Arbeit (französisch Abkürzung PCT); 1975 Verteidigungsminister, seit 1970 Mitglied des Politbüros der PCT und seit 1979 Präsident der Volksrepublik Kongo und Vorsitzender des ZK der PCT.

Sastre Salvador, Alfonso, geboren 20.2.1926, spanischer Schriftsteller, mit den «Vier Revolutionsdramen» (1963; «Unser aller Brot», 1953; «Rote Erde», 1954/56, deutsch; «Wilhelm Teil mit den traurigen Augen», 1955, deutsch; «Im Netz», 1959, deutsch) Hauptvertreter der gesellschaftskritische spanische Nachkriegsdramatik.

Satan: (hebräisch, «Widersacher») in der Bibel Bezeichnung für den obersten Teufel, den Widersacher Gottes.

Satanspilz, Boletus satanas: Röhrling mit grauweißlichen Hut, roten Röhren und dickem, gelbrotem Stiel; nur im Laubwald auf Kalkboden; schwach giftig.

Satellit: 1. Leibwächter; abwertend Gefolgsmann, ständiger Begleiter; Helfershelfer.

2. Mond, Erdsatellit, künstlicher.

Satellit, geodätischer Satellit.

Satellit, meteorologischer Wettersatellit.

Satellitenfernsehen: Fernsehversorgungssystem für ein großflächiges beziehungsweise landesweites Territorium, bei dem der Fernsehsender in einem geostationären Satelliten untergebracht ist. Die territoriale Abgrenzung des Fernsehempfangs erfolgt dabei durch die Satellitenposition, das Antennenrichtdiagramm, die Strahlungspolarisation und die Kanalzuteilung für die einzelnen Staaten. Von einer Bodenstation werden die auszustrahlenden Programme im 14-GHz Bereich zum Satelliten übertragen, dort umgesetzt, verstärkt und im 12-GHz-Bereich wieder abgestrahlt, wobei Frequenzmodulation angewendet wird. Für den Satellitendirektempfang eignen sich vorzugsweise Gemeinschaftsempfangsanlagen, die neben einer Parabolantenne Einrichtungen zur Verstärkung, Frequenzumsetzung und Modulationsumwandlung aufweisen und so die Wiedergabe der Programme durch handelsübliche Fernsehempfänger ermöglichen.

Satellitengeodäsie: Teilgebiet der kosmischen Geodäsie, durch das Koordinaten terrestrische Punkte, Schwerefeld und Rotationsverhalten der Erde aus Beobachtungen künstlicher Satelliten bestimmt werden. Bei der geometrischen Satellitengeodäsie wird die Satellitenposition durch gleichzeitige Beobachtung des Satelliten von mindestens 2 Stationen auf der Erde aus ermittelt. Bei der dynamischen Satellitengeodäsie erfolgen zu verschiedenen Zeiten von n Stationen aus k Beobachtungen des Satelliten (k > n). In der Satellitengeodäsie werden die fotografische Satellitenbeobachtung, funkelektronische Entfernungsmessung, Laserdistanzmessung und Messung des Doppler-Effekts angewendet. Mit der Laserdistanzmessung wird größte Genauigkeit erreicht, es wird die Laufzeit eines Laserimpulses (Dauer etwa 10"ss) von der Station zum Satelliten und zurück gemessen.

Satellitenmeteorologie: Teilgebiet der Meteorologie, das die von Wettersatelliten übermittelten Informationen zur Unterstützung der Wetteranalyse und -prognose auswertet.

Satellitenstadt, Trabantenstadt - Siedlungstyp unterschiedlicher Größe, der in der Nähe von Großstädten zur Übernahme von Teilfunktionen planmäßig angelegt wird («Neue Städte») und mit günstigen Verkehrsverbindungen sowie Versorgungseinrichtungen ausgestattet ist, zum Beispiel in den Stadtregionen von Moskau, London, Paris, Stockholm, Helsinki. Satellitenstädte wurden ursprünglich als reine Wohnstädte konzipiert; die neueren dienen auch der industriellen Entflechtung eines Großstadtgebietes oder nehmen bedeutende infrastrukturelle Einrichtungen auf, zum Beispiel Forschungszentren.

Satemsprachen: Untergruppe der indoeuropäischen Sprachen, die zwischen velaren und Labiovelaren Gutturalen nicht unterscheiden, während die palatalen Gutturale besondere Reflexe, vor allem Sibilanten, aufweisen; werden zwar den Kentumsprachen gegenübergestellt, bilden jedoch keine kompakte Dialektgruppe; zu ihnen zählen die indoiranischen Sprachen, Armenisch, Albanisch, Thrakisch, Baltisch, Slawisch unter anderem.

Satie, Erik, 17.5.1866-1.7.1925, französischer Komponist; scharte um 1900 eine Gruppe von Künstlern (unter anderem P. Picasso, J. Cocteau) um sich, die gegen die bürgerliche Kunsttradition opponierten; auch zahlreiche jüngere Komponisten (unter anderem D. Milhaud, A. Honegger, F. Poulenc) beeinflusste er nachhaltig. Saties eigene Werke sind eigenwillig, unkonventionell, zum Teil grotesk in ihrer musikalischen Sprache und Form sowie in ihren Titeln und verbalen Kommentaren.

Satinieren:

1. Lederherstellung: maschinelles Glätten des Narbens sowie Hochglanzgeben.

2. Satinieren, Satinage: Papierherstellung - Durchgang der Papier- oder Kartonbahn durch den Glatt- (Satinier-) Kalander, um das Material zu glätten, zu verdichten und glänzend zu machen.

Satire:

1. Kunst: neben Humor und Ironie grundlegende Erscheinungsform des Komischen (komisch). Charakteristisch für die Satire sind Direktheit und Schärfe der Kritik an gesellschaftlichen Zuständen und Konventionen, individuellen Charakteren und Handlungen, die als anachronistisch beziehungsweise historisch-reaktionär entlarvt oder in ihrem Widerspruch zum sozialen und ästhetischen Ideal bloßgestellt und der vernichtenden Lächerlichkeit preisgegeben werden.

2. Literatur: Dichtung, die durch zuspitzende komische Übertreibung von Schwächen und Fehlern historisch überholte gesellschaftliche Erscheinungen entlarvt und verspottet; schärfste Form der literarischen Polemik; bereits im Altertum ausgeprägt (zum Beispiel Lucilius, Petronius Arbiter, Horaz); in der deutschen Literatur erste Blüte im 16./17. Jahrhundert (S. Brant, T. Murner, F. von Logau, C. Reuter unter anderem). Satirisch sind auch viele Werke im Aufklärungszeitalter, im Sturm und Drang sowie in der Klassik (F. von Hagedorn, G. W. Rabener, G. C. Lichtenberg, G. E. Lessing, J. W. Goethe, F. Schiller). Berühmt wurde H. Heines Satire «Deutschland. Ein Wintermärchen». Innerhalb der sozialistischen Literatur des 20. Jahrhundert nutzten unter anderem B. Brecht und E. Weinert die Satire als literarische Mittel.

Satis, altägyptische Göttin, besonders in Elephantine verehrt (zusammen mit Chnum und Anukis); galt als Spenderin des reinen Wassers.

Satisfaktion: früher sogenannt Genugtuung (durch Zweikampf); Ehrenerklärung.

Sato, Eisaku, 27.3.1901-2.6.1975, japanischer Politiker; 1964/72 Ministerpräsident; 1970/72 Präsident der Liberaldemokratischen Partei; Anhänger Yoshidas.

Satpuragebirge: Mittelgebirge im zentralen Vorderindien, zwischen den Tälern des Narmada und Tapti im Nordwesten des Dekan; 600 km lang, höchste Erhebung Dhupgarh mit 1350 m; vorwiegend aus Basalten aufgebaut, die über Gondwana Schichten aus rotem Sandstein lagern; bewaldet.

Satrap: altpersische Statthalter eines Verwaltungsbezirks (Satrapie) mit höchster administrativer, richterlicher und militärische Macht.

Satrapenwirtschaft: eine auf Willkür und Bestechung beruhende Staatsverwaltung.

Sattel:

1. Geologie: Teil einer Falte.

2. Geomorphologie: größere Einsenkung innerhalb eines Gebirgskammes.

3. Sattlerei: über einen hölzernen Unterbau (Sattelbaum) aus kräftigem Leder gearbeitetes, besonders an der Unterseite gut gepolstertes Erzeugnis, das mittels eines Gurtes einem Tragtier (Pferd, Maulesel, Esel unter anderem) auf den Rücken geschnallt wird. Es gibt den Reitsattel (deutscher, englischer Sattel (Pritsche), ungarischer oder Bocksattel für Spreiz-, Damensattel für Quersitz) und den Packsattel zum Befestigen von Lasten.

Sattelpferd: im Zweigespann links gehendes Pferd, das früher den Sattel für den Gespannführer trug.

Sattelpunkt: Punkt S einer Fläche, in dem es ein Paar von Flächenkurven gibt, zum Beispiel als Schnittkurven von Ebenen durch die Normale in Süden, von denen in einem geeigneten Koordinatensystem die eine Kurve in S ein Maximum und die andere ein Minimum hat.

Sattelrobbe, Pagophilus groenlandicus: oberseits gelbliche, unterseits silbergraue Hundsrobbe mit dunkler, sattelähnliche Rückenzeichnung; bewohnt arktische Meere und unternimmt jahreszeitliche Wanderungen; die Jungtiere werden im Pack- und Treibeis geboren.

Sattelzugmaschine: zwei- oder dreiachsige Zugmaschine mit kurzem Rad stand und Aufsattelvorrichtung für den ein-, zwei-, in Ausnahmefällen auch dreiachsigen, drehbar mit der Sattelzugmaschine verbundenen Auflieger.

Sättigungsdefizit: Meteorologie Unterschied zwischen dem bei einer bestimmten Temperatur möglichen maximalen Wasserdampfdruck (Sättigungsdampfdruck) und dem tatsächlich herrschenden Dampfdruck. Sättigungsdefizit wird in Kilopascal (kPa) angegeben.

Sättigungsdosis: Menge eines Arzneimittels, die erforderlich ist, um eine wirksame Konzentration im Körper zu erreichen.

Sättigungsstrom:

1. Elektrochemie: Grenzstrom.

2. Physik: elektrische Stromstärke, die unabhängig von der angelegten Spannung ist; bei Elektromagneten auch die Stromstärke, oberhalb der die Magnetisierung nicht weiter zunimmt. Beim lichtelektrischen und glühelektrischen Effekt ist der Sättigungsstrom erreicht, wenn alle an der Kathode erzeugten Elektronen zur Anode gelangen.

Satu Mare: Bezirksstadt in Rumänien (Bezirk Satu Mare), am Some; 120000 Einwohner; Bergbauausrüstungs-, Maschinenbau, Leicht-, Nahrungsmittelindustrie; Kathedrale (18. Jahrhundert), Kettenkirche (18./19. Jahrhundert).

saturiert: gesättigt; zufriedengestellt.

Saturn, Saturnus, alter römischer Bauerngott, dem griechischen Kronos gleichgesetzt; siehe auch Saturnalien.

Saturn: (nach dem Gott) 1. Saturn: Astronomie ein äußerer und der zweitgrößte Planet des Sonnensystems; gehört zu den jupiterartigen Planeten. Der Saturn besteht größtenteils aus flüssigem Wasserstoff und besitzt die niedrigste mittlere Dichte von allen Planeten. Seine Figur ist am stärksten abgeplattet. Durch das streifige Aussehen der Wolkendecke und das Auftreten zahlreicher Wirbel ähnelt die Saturnatmosphäre sehr der des Jupiters; in ihr wurden mit 1800 km/h die größten Windgeschwindigkeiten im Sonnensystem festgestellt. Der Saturn besitzt ein starkes Magnetfeld, ein ausgedehntes Ringsystem, das durch Sonden Nahaufnahmen in einige tausend einzelne Ringe aufgelöst werden konnte, und ein umfangreiches System von Monden; siehe auch Voyager.

2. Raumfahrt: Bezeichnung für eine Serie schwerer US-amerikanischer Trägerraketen vor allem für Apollo-Raumfahrzeuge; 1965/72 für den Start von 3 Pegasus Mikrometeoriten-Satelliten sowie innerhalb des Apollo- Flug- und -Mondlandeprogramms, 1973 zum Start von Skylab, 1975 beim Sojus-Apollo-Raumflugunternehmen eingesetzt.

Saturnalien: altrömisches Fest zu Ehren des Gottes Saturn; alljährlich am 17.12. gefeiert; später auf 7 Tage ausgedehnt. Opfer, Festessen und karnevalähnliche Bräuche waren üblich. An den Saturnalien waren die Standesunterschiede formell aufgehoben, deshalb waren sie besonders ein Fest der Sklaven.

Satyagraha: (Sanskrit, «Bestehen auf und Festhalten an der Wahrheit») von M. K. Gandhi geprägte Bezeichnung für spezifische Formen des antikolonialen Kampfes, deren Hauptkennzeichen die Gewaltlosigkeit des Widerstandes war.

Satyrn: in der griechischen Sage Naturdämonen; übermütige, lüsterne Wesen im Gefolge des Dionysos, ursprünglich in Pferdegestalt, später als Mischwesen zwischen Mensch und Bock und oft in Gruppen dargestellt; mitunter mit den Silenen verwechselt, mit diesen verwandt.

Satyrspiel: Gattung des altgriechischen Dramas mit possenhaftem Charakter, nach drei Tragödien als viertes Drama aufgeführt; erhielt seinen Namen von den Satyrn, die unter Anführung des alten Silen auftraten; einziges vollständig erhaltenes Satyrspiel ist der «Kyklops» des Euripides.

Satz:

1. Grammatik: nach Inhalt und Form in sich geschlossene, relativ selbständige komplexe sprachliche Einheit; Hauptmittel zur sprachliche Formulierung von Äußerungen und zur sprachlichen Kommunikation allgemein. Die Regeln zum Aufbau von Sätzen erforscht die Syntax. Hauptbestandteile des Satz sind Subjekt und Prädikat.

2. Musik: a) in sich geschlossener Teil einer zyklischen Komposition (Suiten-, Sonaten- oder Sinfonieteil);

b) spezielle mehrstimmige musikalische Setzweise (Tonsatz), zum Beispiel homophoner oder polyphoner, Orchester- oder Chorsatz;

c) Periode und deren Teile;

d) Stimm- und Instrumentengruppe, zum Beispiel Bläsersatz.

3. Satz, Schriftsatz: Polygraphie von Hand oder mittels Setzmaschine hergestelltes Teilprodukt als Ergebnis des Aneinanderreihens von Buchstaben, Schriftzeichen, Lettern, Matrizen unter anderem, zur Reproduktion von Texten in allen Druckverfahren. Unterscheidung

a) nach Herstellung in Handsatz und Maschinensatz beziehungsweise Bleisatz, Fotosatz und Schreibsatz;

b) nach Verwendung in Werksatz, Akzidenzsatz, Zeitschriftensatz, Zeitungssatz unter anderem;

c) nach Besonderheit in glatten, Formet Satz, Fremdsprachensatz unter anderem.

4. Sportspiele: in verschiedenen Rückschlagspielen ein Spielabschnitt, der nach einer bestimmten Anzahl gewonnener Ballwechsel (Punkte) beziehungsweise im Tennis gewonnener Spiele (bei g 2 Punkten (Spielen) Vorsprung) beendet ist. Siehe auch Tie break.

Satzanalyse: grammatische Zerlegung eines Satzes, vor allem durch Satzgliedbestimmung und Analyse der Wortstellung.

Satzcomputer, Satzrechner: EDVA zur Herstellung eines Steuermittels (Magnetband, Diskette, Lochband) für entsprechende Setzmaschinen. Siehe auch Computersatz.

Satzfischproduktion: Aufzucht von Jungfischen in einer Teichwirtschaft oder Fischzuchtanstalt, die zum Abwachsen in ein anderes Gewässer gesetzt werden.

Satzglied: grammatischer Bestandteil eines Satzes, der eine fest umrissene syntaktische Funktion erfüllt (Subjekt 2, Prädikat).

Satzspiegel: die einer vollen Textseite entsprechende bedruckte Fläche bei Druckprodukten; soll in einem ästhetisch ansprechenden Verhältnis zum Seitenformat stehen.

Satz vom ausgeschlossenen Dritten: Grundsatz der zweiwertigen Aussagenlogik, der besagt, dass eine Aussage einen der beiden Wahrheitswerte «wahr» oder «falsch» haben muss, das heißt keinen anderen haben kann.

Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch: Grundsatz der zweiwertigen Aussagenlogik, der besagt, dass keine Aussage gleichzeitig wahr und falsch sein kann.

Saudi-Arabien, Königreich Saudi-Arabien: Staat in Westasien, auf der Arabischen Halbinsel; grenzt im Norden an Jordanien, Irak und Kuweit, im Osten an den Persischen Golf und die Vereinigten Arabischen Emirate, im Südosten an Oman, im Süden an die VDR Jemen und die Jemenitischen Arabischen Republik (Grenzen zu den Staaten teilweise umstritten) sowie im Westen an das Rote Meer; administrativ in 5 Provinzen gegliedert: Nadschd, Hedschas, Asir, Al-Hasa, Nadschran. Währung ist der Saudi-Riyal.

Bevölkerung: Sie besteht fast ausschließlich aus Arabern, davon sind etwa 25% nomadisierende Beduinen; außerdem über 2 Millionen ausländische Arbeitskräfte (überwiegend Jemeniten, Ägypter, Palästinenser, Inder, Pakistaner unter anderem). Amtssprache ist Arabisch. Etwa 25% der Einwohner leben in Städten.

Natur: Oberfläche. Den zentralen Landesteil bildet die Landschaft Nadschd, ein wüstenhaftes Hochplateau (660 bis 1000 m über dem Meeresspiegel), das von Westen nach Osten abfällt. An der Westküste steigt hinter der schmalen trockenheißen Tihama Ebene steil der Randabbruch der Landschaft Hedschas bis auf 2400 m an. Daran schließt sich im Süden das zum Teil fruchtbare Hochplateau von Asir (1500 bis 2000 m über dem Meeresspiegel) an, das nach Osten in eine großräumige, von Wadis durchbrochene Schichtstufenlandschaft übergeht, deren Südostteil die Wüste Rub al-Khali einnimmt. Der östliche Landesteil ist die dünenbedeckte, oasendurchsetzte Küstenlandschaft von Al-Hasa; im Nordwesten bis zu 100 m hohe Sicheldünen der Sandwüste Nefud. Das Klima ist bis auf einige Gebirgsgegenden vollarid. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt zwischen 300 und unter 100 mm. Die mittleren Jahrestemperaturen sind hoch, die täglichen Temperaturschwankungen groß. In den Gebirgslagen existieren episodisch fließende Gewässer. Bodenschätze. In Saudi-Arabien lagern mehr als ein Viertel der bekannten Welterdölreserven, daneben gibt es Vorräte an Gold-, Silber-, Kupfer-, Mangan-, Chrom-, Magnesit- und Eisenerz.

Geschichte: Im 7. Jahrhundert wurden die reichen Handelsstädte Mekka und Medina Ausgangsbasis für die Gründung eines arabischen Großreiches. Mit der Auflösung des Abbasiden Kalifats im 10. Jahrhundert fielen die inneren Gebiete der Arabischen Halbinsel in den Zustand feudaler Zersplitterung. 1517 wurden die Küstengebiete im Westen und Osten vom Osmanischen Reich einverleibt. Erst im 18. Jahrhundert gelangen dem Emir von Darija, Muhammad ibn Saud, und Abd al-Wahhab, dem Begründer der militanten Wahabiten Sekte, durch Eroberung der gesamten Arabischen Halbinsel die Gründung eines Zentralstaates (1. Wahabiten Staat). Dieser wurde 1818 durch Muhammad Ali von Ägypten im Auftrag des Osmanischen Reiches auf seine Zentralprovinz Nadschd zurückgedrängt. 1902 begann Emir Abd al-Aziz ibn Saud den Aufbau eines 2. Wahhabiten Staates. Vor und nach dem 1. Weltkrieg stabilisierte und erweiterte er (teilweise unter geschickter Ausnutzung der internationalen Lage) seinen Herrschaftsbereich. Nach Vereinigung der Zentralgebiete der Arabischen Halbinsel begann Ibn Saud, mit der Durchführung von Verwaltungs-, Gerichts- und anderen Reformen sein Einflussgebiet in einen feudalabsolutistischen Zentralstaat zu verwandeln. Am 18.9.1932 wurde das Königreich Saudi-Arabien proklamiert. Nach dem 2. Weltkrieg geriet Saudi-Arabien unter weitgehenden politischen und ökonomischen Einfluss der USA. Zum Hauptinstrument des US-amerikanischen Neokolonialismus wurde die Erdölgesellschaft ARAMCO. Die innenpolitischen Bestrebungen der saudi-arabischen Herrscher richteten sich auf die Festigung der autoritären Machtstellung und auf die Erhaltung traditioneller Sozialökonomischer Verhältnisse. Am 17.10.1962 übernahm Kronprinz Faisal ibn Abd al-Aziz as-Saud die Regierung (seit 1964 König). Er verfolgte mit innenpolitischen Reformen (unter anderem 1963 Aufhebung der Sklaverei) eine Politik der wirtschaftlichen Modernisierung Saudi-Arabiens, die die Entwicklung kapitalistischer Produktionsverhältnisse einleitete. Die Nationalisierung der ARAMCO-Anlagen (1972/79) führte nicht zu einer Veränderung der dominierenden Stellung des USA Imperialismus in der saudi-arabischen Erdölwirtschaft. Am 25.3.1975 wurde König Faisal ermordet. Sein Nachfolger, Khaled ibn Abd al-Aziz, setzte die reaktionäre Innen- und proimperialistische Außenpolitik fort. 1975 Gründung der KP in der Illegalität. Gestützt auf den Erdölreichtum und die Allianz mit dem USA-Imperialismus sucht Saudi-Arabien, insbesondere nach dem Sturz des Schah-Regimes in Iran, seinen politischen Einfluss im Nahen Osten zu erhöhen. Politische Parteien und Organisationen sind verboten. Am 13.6.1982 starb König Khaled; Nachfolger wurde Kronprinz Fahd ibn Abd al-Aziz as-Saud:

Sauerampfer, Rumex: Knöterichgewächs; auf Wiesen, Weiden und an Wegrändern verbreitet, der Wiesensauerampfer (R. acetosa) mit unscheinbaren Blüten, dreikantigen Früchten und pfeilförmigen Blättern; Wildgemüse.

Sauerbruch, Ernst Ferdinand, 3.7.1875-2.7.1951, Chirurg; Professor in Marburg, Zürich, München und Berlin; begründete die moderne Thoraxchirurgie, formte aus Armamputationsstümpfen eine greiffähige Prothese, die Sauerbruch-Hand.

Sauerklee, Oxalis: Gattung der Sauerkleegewächse; Kräuter mit radiären Blüten und kleeähnlichen Blättern, die Oxalsäure enthalten; zum Beispiel in Mischwäldern der heimischen Waldsauerklee (Oxalis acetosella) mit weißen, als Unkraut der europäischen Sauerklee (Oxalis europaea) mit gelben Blüten.

Sauerkraut, Sauerkohl: gehobelter, gesalzener, durch Milchsäuregärung gesäuerter Weiß-, seltener Wirsing- oder Rotkohl, eventuell zusätzlich gewürzt (Wein-, Delikatess-Sauerkraut).

Sauerland: Nordostteil des Rheinischen Schiefergebirges mit Arnsberger Wald, Lenne-, Ebbe- und Rothaargebirge (bis 843 m über dem Meeresspiegel); raue Waldhochflächen (Wald-, Weidewirtschaft), tiefeingeschnittene Täler (zahlreiche Talsperren); wichtigste Orte Hagen, Iserlohn, Lüdenscheid (Kleineisenindustrie); Naturparks.

Säuerling: Mineralquelle, die a 1 g Kohlendioxid auf 1 kg Wasser enthält.

Sauerstoff, Oxygenium (lateinisch griechisch) n, Symbol O: nichtmetallisches chemisches Element der Kernladungszahl 8; Atommasse 15,9994; Wertigkeit -2; häufigstes Element der Erdrinde einschließlich Hydro- und Atmosphäre (46,6 Massen-%; 55,1 Atom-%). Freier Sauerstoff findet sich in Luft (20,95 Vol.-% beziehungsweise 23,15 Massen-%) und Wasser, die weit überwiegende Menge ist im Wasser, in Silikaten, Carbonaten, Oxiden und auch in allen Organismen chemisch gebunden. Freier Sauerstoff existiert als gewöhnlicher Sauerstoff (Disauerstoff), 02, und Ozon (Trisauerstoff), 03. Disauerstoff ist ein farbloses, geruch- und geschmackfreies, mäßig wasserlösliche, paramagnetisches Gas; F -218,8 °C; Kp -183,0 °C; Dichte (bei 0°C und 101,3 kPa) 1,429 g/1; flüssiger und fester Sauerstoff sind von hellblauer Farbe. Sauerstoff verbindet sich insbesondere bei höherer Temperatur mit nahezu allen anderen Elementen zu Oxiden (Oxydation), oft unter Flammenbildung (Verbrennung); in reinem Sauerstoff flammt ein glimmender Holzspan auf (Glimmspanprobe). Unter Sauerstoffbindung verlaufen zum Beispiel das Rosten und andere Korrosionsprozesse, die Alterung von Gummi, die Verwesung organischer Substanz und der energieliefernde Abbau der Nährstoffe im Organismus. Der vom Menschen eingeatmete Sauerstoff wird durch die roten Blutkörperchen den verschiedenen Körperzellen zugeführt, wo er in Gegenwart von Enzymen die (aus der Nahrung stammende) Glukose zu Kohlendioxid und Wasser abbaut. Der bei der Atmung verbrauchte Sauerstoff wird durch die Assimilationstätigkeit der grünen Pflanzen ständig ergänzt. In der Technik gewinnt man Sauerstoff aus Luft durch fraktionierte Kondensation; er kommt unter 15 MPa Druck in blau gekennzeichneten Stahlflaschen in den Handel, deren Armaturen nicht gefettet werden dürfen. Man verwendet ihn zum Schweißen und Schneiden von Metallen, für Atemgeräte, zum Raketen- und Düsenantrieb sowie für viele chemisch-technische und metallurgische Prozesse. Sauerstoff wurde 1772/73 von C. W. Scheele und unabhängig davon 1774 von J. Priestley entdeckt und isoliert; seine Elementarmatur erkannte A. L. Lavoisier um 1775.

Sauerstoffdissoziation: Sauerstoffentbindung aus dem kapillaren Blut an das umgebende, sauerstoff-verbrauchende Gewebe. Die Größe der Sauerstoffdissoziation ist abhängig von der Differenz der Sauerstoffdrücke in Blut und Gewebe. Druckdifferenzen spielen auch bei der Bindung von eingeatmetem Sauerstoff in der Lunge eine entscheidende Rolle.

Sauerstofffluoride, fälschlich Fluoroxide: chemische Verbindungen zwischen Sauerstoff und Fluor. Bei gewöhnlicher Temperatur ist nur Sauerstoffdifluorid, OF2, als farbloses, stechend riechendes, sehr reaktionsfähiges Gas beständig; Kp -144,8 °C. Disauerstoffdifluorid, 02F2, ist ein schwach braunes, nur unterhalb -55 °C existenzfähiges Gas. sauerstoffheterozyklisch: in einer ringgeschlossenen Atomkette neben Kohlenstoffatomen mindestens 1 Sauerstoffatom enthaltend.

Sauerstoffkonverter Verfahren: Sauerstoffaufblasverfahren zur Stahlherstellung im Konverter, wobei der Sauerstoff auf eine direkt dem Hochofen entnommene Roheisenschmelze aufgeblasen wird. Der so erzeugte Stahl wird unmittelbar, das heißt ohne Zwischenerstarrung, und unter Umgehung des Blockgießverfahrens in Stranggießanlagen zu Brammen oder Knüppeln vergossen, die anschließend unter Ausschaltung des Vorwalzens in Walzwerken zu Blechen, Profilen und Stabstählen fertig gewalzt werden.

Sauerstoffmetallurgie: Sammelbegriff für moderne metallurgische Verfahren, die auf der Verwendung sauerstoffangereicherter Luft oder technisch reinem Sauerstoff beruhen, zum Beispiel Sauerstoffaufblasverfahren (Windfrischverfahren).

Sauerstoffpuls: Quotient aus Sauerstoffaufnahme und Herzschlagfrequenz. Die Bestimmung des Sauerstoffpulses erfolgt bei der Spiroergometrie. Infolge Zunahme von Sauerstoffaufnahme und Herzschlagfrequenz steigt der Sauerstoffpuls bei Belastungen an. Die höchsten Anstiege des Sauerstoffpulses erreichen ausdauertrainierte Sportler. Er ist eine Messgröße zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit.

Sauerstoffschuld: Defizit zwischen Sauerstoffaufnahme und -bedarf, das zu Beginn körperlicher Arbeit entstehen kann. Die Sauerstoffschuld wird nach Beendigung der Arbeit durch erhöhte Sauerstoffaufnahme abgetragen. Diese erhöhte Sauerstoffaufnahme ist, da sie noch von anderen Faktoren abhängt, größer als die zu Beginn eingegangene Sauerstoffschuld Abhängig von der Schwere der Arbeit beträgt die Sauerstoffschuld 4 bis 201.

Sauerteig: gärender Teig aus (besonders Roggen-) Mehl, der neben Hefen Milch- und Essigsäurebakterien enthält; bewirkt als Backzusatz die Lockerung von Brotteigen und trägt wesentlich zur Geschmacksbildung bei.

Sauger: 1. auf Dächern befindliche Lüftungshaube von quadratischem Querschnitt mit Verschlussklappen und beweglichen oder feststehenden Jalousien.

2. Sickerleitung.

Säugetiere, Säuger, Mammalia: höchstentwickelte Klasse der Wirbeltiere, im Trias (vor etwa 200 Millionen Jahren) aus säugetierähnlichen Reptilien (Therapsida) entstanden. Säugetiere sind lungenatmende Warmblüter, deren Haut mit Haaren bedeckt oder nackt ist; die Jungtiere werden mittels Milchdrüsensekret ernährt; das Gliedmaßenskelett ist vielfach abgewandelt; fast immer sind 7 Halswirbel vorhanden, nur die Brustwirbel tragen Rippen; meist erfolgt ein einmaliger Zahnwechsel; die Hautdrüsen sind als Talg- und Schweißdrüsen entwickelt; der Blutkreislauf ist völlig in Körper- und Lungenkreislauf getrennt, das Nervensystem ist hochentwickelt. Säugetiere sind lebendgebärend, die Begattung erfolgt meist nur zu bestimmten Brunstzeiten (außer bei Haustieren). Säugetiere sind spitzmausklein (6,5 cm) bis blauwalgroß (etwa 30 m), etwa 5000 bis 6000 Arten sind bekannt und über die ganze Erde verbreitet.

Sauggas: in einem Generator erzeugtes Gas, das bei leichtem Unterdrück entsteht.

Saugheber, Saugheber Leitung: Einrichtung ohne bewegliche Teile zur Förderung einer Flüssigkeit von einem höheren Niveau in Richtung eines tieferen durch Ausnutzung des natürlichen Gefälles. Zur Inbetriebnahme muss die Rohrleitung vollgefüllt sein und deshalb vorher entlüftet werden.

Sauginfusorien, Suctoria: festsitzende Wimpertierchen ohne Mundöffnung und Wimpern; Ernährung mittels einziehbarer Tentakeln, mit denen sie andere Wimpertierchen aussaugen; Vermehrung durch Abschnürung bewimperter Knospen (Schwärmer), die sich festsetzen und die wimperlose Form ausbilden; im Süß- und Meerwasser.

Saugleistung: Quotient aus der von einer Vakuumpumpe geförderten Gasmenge, bezogen auf den Druck an der Saugseite, und der Zeit.

Säugling: Kind bis zum Ende des ersten Lebensjahres. In dieser Zeit verdreifacht sich das Geburtsgewicht, und die Geburtslänge nimmt etwa um die Hälfte zu; der einjährige Säugling ist etwa 9 bis 10 kg schwer und etwa 75 cm lang.

Saugmotor: Verbrennungsmotor, der das Kraftstoff-Luft-Gemisch unmittelbar durch den Kolbenhub ansaugt (im Gegensatz zum Verbrennungsmotor mit Verdichter beziehungsweise Lader).

Saugnapf: Haftorgan von Tieren (zum Beispiel Bandwürmer, Egel) zum Festsaugen an Gegenständen oder anderen Tieren.

Säugrüssel: Stechborsten enthaltender Rüssel bei Insekten; dient zum Stechen der Wunde und Aufsaugen von Nahrungssäften.

Saugschmerlen: langgestreckte Süßwasserfische Südostasiens; Maul zur Saugscheibe umgebildet, die gleichzeitig Halt gibt und Algen abraspelt; durch eine zusätzliche Spalte oberhalb der Kiemen wird das Frischwasser aufgenommen. Bis 25 cm lang die Siamesischen Saugschmerlen (Gyrinocheilus aymonieri), die oft in Aquarien gehalten wird.

Saugwürmer, Trematoda: Klasse der Plattwürmer; besonders in Wirbeltieren lebende Parasiten mit meist abgeflachtem, ovalem Körper und 1 oder 2 Saugnäpfen; der Darm hat keinen After; Zwitter mit komplizierter Metamorphose und Wirtswechsel. Siehe auch Leberegel, Leucochloridium, Pansenegel.

Saul, (hebräisch, «(von Gott) Erbetener») erster israelitischer König etwa 1012/1004 vor Christus

Säule:

1. Architektur: walzenförmige, senkrechte Stütze, meist frei stehend, aber auch als Halb- oder Dreiviertelsäule in die Wand eingebunden. Die Säule kann tragende oder nur dekorative Funktion haben. Die einzelnen Teile der Säule werden als Fuß (Basis), Schaft, Hals und Kopf (Kapitell) bezeichnet. Die Säule kann aus einem Stück (Monolith) gehauen oder aus mehreren «Trommeln» zusammengesetzt sein. Sie verjüngt sich in der Regel nach oben und zeigt in der Mitte des Schafts eine leichte Schwellung (Entasis). Der Schaft kann glatt oder senkrecht gerillt (kanneliert), gemustert oder spiralförmig gedreht sein. Klass. Ausbildung in der griechischen Baukunst mit 3 Säulenordnungen:

a) dorische Säule (dorischer Stil; seit dem 7. Jahrhundert vor Christus): ohne Basis, das wulstförmige Kapitell (Echinus) trägt eine quadratische Deckplatte (Abakus);

b) ionische Säule (ionischer Stil; seit etwa 570 vor Christus): Basis, schlanker Schaft, Kapitell mit 2 seitlich ausladenden Voluten; korinthische Säule (korinthische Stil; entstanden um 400 vor Christus): Kapitell mit stilisierten Akanthusblattkränzen. Die Römer verbanden die Formen des ionischen und des korinthischen Kapitells zum Kompositkapitell. Von der Renaissance wurden die antiken Säulenordnungen wieder eingeführt; sie bildeten einen Hauptgegenstand der Architekturtheorie und blieben bis ins 19. Jahrhundert herrschend. In der Antike und in der Neuzeit erscheint die Säule auch als Denkmal (Triumphsäule, Siegessäule).

2. Bautechnik: Stiel.

3. Physik: das Plasma von Gasentladungen, das den Raum zwischen den Elektroden ausfüllt und dort den Stromfluss ermöglicht, ist durch Raumladungsschichten von den Elektroden getrennt. Bei hohem Gasdruck herrscht thermisches Gleichgewicht mit Temperaturen von einigen 103 bis 104 K, bei niedrigem Druck ist die Elektronentemperatur viel höher als die der Ionen und Atome. Die Strahlungsemission der Säule wird in Entladungslampen genutzt.

Sault Sainte Marie: Stadt im Südosten der Provinz Ontario (Kanada), am Nordufer des Saint Marys River zwischen Oberem und Huronsee; 81000 Einwohner; Eisen- und Stahlwerk, Brückenbau, Papier-, Holz-, chemische Industrie; Hafen; Eisenbahn- und Straßenbrücke nach Sault Sainte Marie (USA).

Sault-Sainte-Marie-Kanal: 2 gleichnamige nur etwa 2,5 km lange Schleusenkanäle, von denen je einer am kanadischen und am US-amerikanischen Ufer des Saint Marys River zwischen dem Oberen und Huronsee verläuft; dem Durchgangsverkehr nach der wichtigste Binnenkanal der kapitalistischen Welt; gehört zum Sankt-Lorenz-Seeweg.

Saumbiotope: meist schmale, saumartige Lebensräume zur Grenze zweier Biozönosen; zum Beispiel Waldrand, Hecke, Ufer.

Sauna: Heißluftbad mit Temperaturen von 70 bis 100 °C und geringer relativer Luftfeuchtigkeit (etwa 10%) in einem abgeschlossenen, meist holzverschalten, durch Sitzstufen unterteilten Raum; alle 10 bis 20 min Unterbrechung des Saunaaufenthaltes durch Abkühlung in beziehungsweise mit kaltem Wasser. Eine Erhöhung der Reizwirkung wird durch Aufgießen von Wasser auf heiße Steine («Dampfstoß») und Abklatschungen mit Reisern unter anderem erzielt. Die Sauna dient unter anderem der Abhärtung, der Beeinflussung von Regulationsstörungen des Kreislaufs und des vegetativen Nervensystems.

Saura, Carlos, geboren 4.1.1932, spanischer Filmregisseur und -autor; schuf die spanische konservative Gesellschaft kritisierende Filme, wie «Anna und die Wölfe», «Cousine Angelica», «Elisa, mein Leben», «Bluthochzeit».

Säure-Base-Theorie: Teilgebiet der physikalischen Chemie, das sich mit der zweckmäßigsten Definition des Begriffspaares Säure/Base befasst. Säuren und Basen wurden ursprünglich auf Grund äußerer Wirkungen (zum Beispiel Geschmack) unterschieden. Nach A. L. Lavoisier (1775) enthalten alle Säuren Sauerstoff, während H. Davy (1814) den Wasserstoff als säuretypischem Element ansah. Nach J. von Liebig (1838) muss dieser Wasserstoff durch Metall ersetzbar, nach Arrhenius (1884) beim Lösen in Wasser als Wasserstoff Ion abspaltbar sein. E. C. Franklin (1905) erweiterte die Säure-Base-Theorie auf Reaktionen in flüssigem Ammoniak; H. P. Cady und H. M. Elsey (1928) bezogen alle wasserähnliche Lösungsmittel ein. besonders wichtig geworden ist die Definition nach J. Brönsted und T. M. Lowry (1923); danach ist eine Säure ein Stoff, der Protonen abgibt (Protonendonator), während eine Base Protonen aufnimmt (Protonenakzeptor); so kann zum Beispiel das Ammonium Ion, NH4+ als Säure, das Phosphat Ion, P043', als Base wirken. Weitere Fortschritte der Säure-Base-Theorie, insbesondere begriffliche Verallgemeinerungen, gehen auf G. N. Lewis (1938/39), (1939) und R. G. Pearson (1963) zurück. Alle genannten Definitionen sind zurzeit nebeneinander in Gebrauch, so dass man Brönsted-, Lewis-, Pearson-Säuren und entsprechende Basen abgrenzt.

Säurechloride: Substanzen, bei denen die in Carboxyl-, Sulfonsäure- und anderen säurebildenden Gruppen enthaltenen Hydroxylgruppen durch Chloratome ersetzt sind. Von der Schwefelsäure leitet sich Sulfurylchlorid von der schwefligen Säure Thionylchlorid von der Kohlensäure Phosgen von den Carbonsäuren Carbonsäurechloride ab. Alle Säurechloride zersetzen sich mit Wasser unter Bildung der betreffenden Säure und Chlorwasserstoff.

Säurefarbstoffe: synthetische Farbstoffe, die aus saurer wässriger Lösung besonders Wolle, Seide und basisch modifizierte Polyacrylnitril Faserstoffe unter Salzbildung färben; vorwiegend Hydroxy Azofarbstoffe mit Sulfonsäuregruppen.

Säuren: nach Säuren Arrhenius chemische Verbindungen, die als Ion abspaltbaren und durch (unedles) Metall ersetzbaren Wasserstoff enthalten und Basen unter Salzbildung neutralisieren (siehe auch Säure-Base-Theorie). Beim Lösen in Wasser zerfallen (dissoziieren) Säuren in unterschiedlichem Masse in Wasserstoffionen, H+, und Säurerestionen, zum Beispiel Chlorwasserstoff und Essigsäure. Die Wasserstoffionen liegen in der Lösung nicht als freie Protonen, sondern hydratisiert als Oxoniumionen vor, die durch weitere Anlagerung von Wassermolekülen Hydroniumionen bilden. Die Stärke der Säuren wird durch ihre Dissoziationskonstante bestimmt; starke Säuren, zum Beispiel Perchlorsäure, Salzsäure, Schwefelsäure und Salpetersäure sind in Wasser fast vollständig, schwache Säuren, zum Beispiel Essigsäure, Borsäure und Blausäure gering dissoziiert. Je nach Anzahl der abspaltbaren H+ unterscheidet man ein-, zwei- und mehrwertige (auch -basige) Säuren Dreiwertig sind zum Beispiel Phosphor- und Zitronensäure. Die saure Reaktion wässriger Lösungen beruht auf einem Überschuss von Wasserstoff- beziehungsweise Hydroniumionen gegenüber (aus dem Wasser stammenden) Hydroxidionen der pH-Wert ist <7. In Abhängigkeit von Art, Konzentration und Dauer des Haut- und Schleimhautkontaktes mit einer Säuren treten Verätzungen unterschiedlicher Schweregrade auf. Die Aufnahme größerer Säuremengen, zum Beispiel durch Verschlucken, führt im Organismus zur Stoffwechselstörung und kann Vergiftungen hervorrufen.

Säureschutz: Bautenschutz Maßnahme im Industriebau gegen die Einwirkung aggressiver Chemikalien, wie Säuren, Basen, Fette, Lösungsmittel. Säureschutzbaustoffe sind Plaste, Klinker, Steinzeug, Wasserglas- und Plastekitte.

Säureturm: in der Sulfitzellstoff Industrie verwendeter, konischer, kalksteingefüllter Turm zur Säureherstellung. Bei Zuführung von Schwefeldioxid und Wasser wird im Säureturm schweflige Säure und Kalziumbisulfit als Aufschlussmittel gebildet. Zur Vermeidung von Gasverlusten werden 2 Türme in Reihe geschaltet, das heißt die Abgase des 1. in den 2. Turm geleitet.

Saurier: Bezeichnung für die Reptilien und Amphibien des Paläo- und Mesozoikums.

Sauropoden: pflanzenfressende vierbeinige Dinosaurier der Jura- und Kreidezeit mit kleinem Kopf, sehr langem Hals und Schwanz; darunter mit 25 m Länge und mehr als 501 Gewicht die größten Landtiere.

Saussure, Nicolas Théodore de, 14.10.1767-18.4.1845, schweizerischer Naturforscher und Botaniker; forschte experimentell über die Ernährungsphysiologie der Pflanzen, besonders die Kohlenstoffassimilation.

Sautet, Claude, geboren 23.2.1924, französischer Filmregisseur; schuf Gegenwartsfilme über das Leben gutsituierter Menschen aus dem Bürgertum, wie «Die Dinge des Lebens», «Vincent, François, Paul und die anderen», «Eine einfache Geschichte», «Ein schlechter Sohn».

Sauve qui peut: (französisch) «Rette sich, wer kann!»

Sava: rechter und wasserreichster Nebenfluss der Donau, längster Fluss Ex-Jugoslawiens; 940 km; entspringt in den Julischen Alpen am Triglav, durchfließt das Becken von Ljubljana und ab Zagreb in vielen Windungen das kroatisch-bosnischen Tiefland, mündet bei Belgrad; wichtigste Nebenflüsse sind Kupa, Vrbas, Una, Bosna und Drina (von rechts); ab Sisak auf 580 km schiffbar.

Savannah: Stadt im Bundesstaat Georgia (USA), an der Mündung des Savannah in den Atlantischen Ozean; 135000 Einwohner (45% Afroamerikaner); Schiffbau, Herstellung von Transporteinrichtungen, Erdölverarbeitung; Armee- und Marinestützpunkt.

Savannakhet: Stadt (Provinzzentrum) im Südwesten von Laos, am Mekong; 50000 Einwohner; Reismühlen, Holzverarbeitung; Flusshafen, Flughafen.

Savanne: baumarme Strauch- oder Grasflur der Tropen; je nach Trockenzeitdauer Überschwemmungs-, Feucht-, Trocken- oder Domsavanne.

Savart, Félix, 30.6.1791-16.3.1841, französischer Physiker; entdeckte mit J. B. Biot das Biot-Savartsche Gesetz, lieferte auch Arbeiten zur Akustik und Optik.

Savigny, Friedrich Karl von, 21.2.1779 25.10.1861, Rechtswissenschaftler. Als Haupt der romanistischen Richtung der historischen Rechtsschule trat er für die Weitergeltung des Corpus iuris civilis ein und bekämpfte das Verlangen des Bürgertums nach einer neuen Gesetzgebung, insbesondere einem deutschen Zivilgesetzbuch.

Savona: Stadt in Oberitalien, in der Region Ligurien, Verwaltungszentrum der Provinz Savona, an der Riviera di Ponente; 75000 Einwohner; Eisen-, Stahl-, Textil-, chemische Industrie; Hafen (Kohle- und Erdöleinfuhr); Museum, Pinakothek; genuesische Kastell, Dom (Anfang 17. Jahrhundert).

Savonarola, Girolamo, 21.9.1452-23.5.1498 (hingerichtet), italienischer Dominikanermönch; kritisierte in Bußpredigten in Florenz die Prunksucht der katholischen Kirche und den Luxus der Reichen, seine sozialpolitischen Reformvorstellungen widerspiegelten die Interessen der städtischen Mittelschichten.

Savoyen, französisch Savoie: historisches Gebiet im Südosten Frankreichs, vor und in den Westalpen, südlich des Genfer Sees, westlich der Grenze zur Schweiz und zu Italien, die heutigen Departements Savoie und Haute-Savoie; zusammen 10416 km2, 820000 Einwohner; 79 Einwohner/km2; Hauptorte Chambéry und Annecy-, im Westen die Kalkalpen und das voralpine Seengebiet; im Osten die vergletscherten Grajischen und Savoyer Alpen (Mont Blanc 4 810 m); Zink-, Kupfererze; zahlreiche Wasserkraftwerke; in den Tälern Elektrochemie und -metallurgie, Uhren-, Papierindustrie; Getreide-, Wein-, Tabakanbau, im Gebirge Almwirtschaft; zahlreiche Touristenzentren (Chamonix-Mont-Blanc unter anderem). Kelt. Siedlungsgebiet, 121 vor Christus römisch, im 5. Jahrhundert burgundisch, im 6. Jahrhundert fränkisch, 879 wieder zum Königreich Burgund, 1032 mit diesem zum deutschen Reich; 1418 Vereinigung mit Piemont; bildete 1720 mit Sardinien das Königreich Sardinien Piemont; fiel 1860 an Frankreich.

Savoyen: italienisches Herrscherhaus, seit dem 11. Jahrhundert Grafen, 1416/1720 Herzoge, 1720/1946 Könige (bis 1861 im Königreich Sardinien-Piemont, seitdem im Königreich Italien). Unter dem «Haus Savoyen» (Casa di Savoia) entstand der bürgerlichen italienischen Nationalstaat (Viktor Emanuel II.; 1849/78).

Sawallisch, Wolfgang, geboren 26.8.1923. Dirigent der BRD; war unter anderem GMD in Aachen, Wien, Hamburg; seit 1971 Chefdirigent an der Münchner Staatsoper; als Opern- und Konzertdirigent international sehr erfolgreich.

Sawicka, Hanna, eigentlich Anna Kryztyna Szapiro, 19.12.1917-18.3.1943 (ermordet), polnische Antifaschistin; seit 1942 Mitglied der polnischen Arbeiterpartei (polnisch Abkürzung PPR); Mitbegründerin (Januar 1943) und Vorsitzende des Kampfbundes der Jungen, der Jugendorganisation der PPR.

Sawizkaja, Swetlana Jewgenjewna, geboren 8.8.1948, sowjetische Kosmonautin; zweite Frau im Weltraum; absolvierte vom 19. bis 27.8.1982 als Forschungskosmonautin von Sojus T-7 einen Raumflug mit fast siebentägigem Aufenthalt an Bord der Raumstation Salut 7; war am Raumflugunternehmen Sojus T-12/Salut 7 (17./29.7.1984) beteiligt und führte als erste Frau ein Ausstiegsmanöver durch; siehe auch Salut 2, Sojus 1.

Sawizki: 1. Konstantin Apollonowitsch, 6.6.1844 bis 13.2.1905, russischer Genremaler und Graphiker; Mitglied der Peredwischniki; gelangte über die einfache Milieuschilderung zu einer sozialkritischen Aussage, Hauptthema seiner vielfigurigen, kraftvollen Kompositionen war der Alltag der unterdrückten Bevölkerungsschichten; gehörte zu den bedeutenden Vertretern des demokratischen Realismus in der russischen Kunst

2. Michail Andrejewitsch, geboren 18.2.1922, belorussisch-sowjetischer Maler; widmet seine monumental, dekorativ und stark emotional wirkenden, oft gleichnishaft aufgefassten Werke dem Leben, der Arbeit und dem Kampf des belorussischen Volkes.

Sawrassow, Alexej Kondratjewitsch, 24.5.1830 bis 8.10.1897, russischer Maler; Gründungsmitglied der Peredwischniki; wurde mit seinen poesievoll-intimen Naturschilderungen zum Begründer der lyrischen Stimmungslandschaft und beeinflusste nachhaltig die Entwicklung einer von demokratischen-realistischen Idealen geprägten Landschaftsmalerei in Russland.

Sawusee: Teil des Australasiatischen Mittelmeers (Indonesien) südlich der Insel Flores, zwischen Timor im Osten und Zumba im Westen; 106000 km2, bis 3370 m tief; im Süden die etwa 600 km2 große Inselgruppe Sawu.

Sax, Sachs beide (althochdeutsch, «Steinmesser»): Hiebwaffe der Germanen des 4./7. Jahrhundert; einschneidiges Kurzschwert für den Nahkampf.

Saxo, genannt Grammaticus, um 1140/50-Anfang 13. Jahrhundert, dänischer Geschichtsschreiber; schrieb um 1185 bis 1222 in lateinischer Sprache das Geschichtswerk «Gesta Danorum» (Die Taten der Dänen), in dem mündlich überlieferte Mythen, Sagen und Lieder altnordischer Herkunft sich mit zeitgenössischen Berichten vereinen.

saxonische Gebirgsbildung: (nach Saxonia, lateinisch für Sachsen) Vorgang der Bildung von Gebirgen, deren Schichten bereits durch alpinotype Vorgänge gefaltet waren. Auf erneute tektonische Beanspruchung reagieren diese Gebirge mit Bruch- und Flexur Bildungen; besonders anzutreffen im außeralpinen Europa (Deutschland, Polen).

Saxophon: (französisch + griechisch) Blasinstrument mit weiter konischer Schallröhre aus Blech und einfachem Rohrblatt, eine Kombination aus Oboe, Klarinette und Blechblasinstrument. Der Klang des Saxophons ist hell, doch weich in der Mittellage. Es wurde um 1840 von dem belgischen Instrumentenbauer A. Sax erfunden und wird in 8 Größen gebaut; am gebräuchlichsten sind Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon. Verwendung besonders in Tanz- und Jazzmusik sowie im Blasorchester.

Saxothuringikum: tektonische Einheit des variszischen Gebirges zwischen dem Rhenoherzynikum und dem Moldanubikum, zu der neben den namengebenden Schollen der thüringischen und sächsischen Gebirge unter anderem Odenwald, Spessart und Westsudeten gehören. Das Saxothuringikum ist durch weite Verbreitung regionalmetamorpher Bereiche und eine Vielzahl magmatischer Tiefenkörper ausgezeichnet.

Saxton, Alexander, geboren 16.7.1919, US-amerikanischer Schriftsteller; schildert in realistischen, sozialkritischen Romanen Leben und Kampf der Arbeiterklasse in den USA («Die große Mittelwestliche», 1948, deutsch; «Glänzendes Gewebe in der Dunkelheit», 1959).

Say, Jean Baptiste, 5.1.1767-15.11.1832, französischer bürgerlicher Vulgärökonom; vulgarisierte die Lehre von A. Smith; begründete zur Leugnung des Klassenkampfes die Theorie der Produktionsfaktoren; bestritt die Gesetzmäßigkeit der kapitalistischen Wirtschaftskrise.

Saya San, gestorben 28.11.1931 (hingerichtet), burmesische Revolutionär; Führer des großen Bauernaufstandes 1930/32 gegen die britische Kolonialherrschaft.

Sayers, Dorothy, 13.6.1893-18.12.1957, englische Schriftstellerin; schrieb psychologisch vertiefte Kriminalromane und -erzählungen, meist um den aristokratische Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey («Der Tote in der Badewanne», 1923, deutsch; «Lord Peters schwerster Fall», 1926, deutsch; «Aufruhr in Oxford», 1935, deutsch); verfasste religiöse Versdramen («Zum König geboren», 1942, deutsch); übersetzte Dante Alighieris «Göttliche Komödie».

Saz, Natalija Iljinitschna, geboren 27.8.1903, sowjetische Theaterleiterin, Regisseurin und Autorin; verdient um die Entwicklung des sowjetischen Kinder- und Jugendtheaters; Mitbegründerin (1920) und Leiterin des ersten ständigen Kindertheaters in Moskau, seit 1964 Leiterin des Moskauer Kinder-Musiktheaters.

Scala, eigentlich Teatro alla Scala: repräsentatives italienisches Operntheater in Mailand, 1778 eröffnet; wurde im 19. Jahrhundert Zentrum der nationalen italienischen Opernkunst und gewann internationale Ausstrahlungskraft; Uraufführungsstätte von Opern Rossinis, Donizettis, Bellinis, Verdis, Puccinis unter anderem Dirigenten wie A. Toscanini, V. de Sabata, N. Sanzogno und seit 1968 C. Abbado bestimmten beziehungsweise bestimmen neben berühmten Sängern das Profil der Bühne.

Scandaglio: Fechten vorbereitendes, den Gegner ausforschendes Klingenspiel. Scandium: Skandium.

Scanner: (englisch, zu to scan, «abtasten»)

1. Medizin: Szintillationsscanner.

2. Scanner, elektronisches Maskiergerät: Polygraphie elektronische Gerät zur Herstellung korrigierter Farbauszüge oder Schwarzweißkopiervorlagen. Ein Lichtstrahl tastet das zu reproduzierende Bild zeilenweise (800 Linien/cm) ab. Das reflektierte Licht wird in elektrische Impulse umgewandelt, die umgeformt eine Belichtungslampe oder einen Gravierkopf steuern und so einen Film mit dem ton- und farbwertkorrigierten Bild punktweise belichten oder in eine Metallplatte beziehungsweise Plastfolie entsprechende Rasterpunkte gravieren.

Scapa Flow: Bucht an der Südküste der schottischen Orkney Insel Mainland; Endpunkt einer Erdölleitung. Im 1. und 2. Weltkrieg und bis 1956 Hauptstützpunkt der britischen Flotte; am 21.6.1919 Selbstversenkung der dort internierten deutschen Flotte.

Scarlatti, italienische Komponisten: 1. Alessandro, 2.5.1660-22.10 1725; Hauptvertreter der Neapolitanischen Schule; schuf über 100 Opern, zahlreiche Kantaten, Messen, Kammer-, Konzert sowie Orgelmusik unter anderem; sowohl durch die Ausbildung des konzertanten Stils als auch durch melodische Intensität (Siciliani) vorbildhaft.

2. Domenico, 26.10.1685-23.7.1757; Sohn von Scarlatti; Meister des Cembalospiels; wirkte in Portugal (seit 1720) und Spanien (seit 1729) und schuf, neben Opern und Kirchenmusik, über 500 Cembalosonaten, die in ihrer einsätzigen Zweiteiligkeit die Möglichkeiten des Instruments technisch und ausdrucksmäßig meisterhaft und vorwärtsweisend ausnutzen.

Scat: Gesangsstil der Afroamerikaner in den USA, bei dem statt Worten lautmalerische Silben verwendet werden, die oft instrumentale Klangfarben imitieren; durch L. Armstrong zu einem wichtigen Bestandteil des Jazzgesangs geworden.

Scattering: (englisch, «Streuung») ungeordnete Reflexion (Streuung) elektromagnetischer Meter- und Dezimeterwellen an Turbulenzzentren der Troposphäre. Scattering führt zu Überreichweiten und wird in Scattering-Richtfunkverbindungen (Streustrahlverbindungen) ausgenutzt.

Schabe: beim Schwingen von Lein und Hanf entstehender Abfall (Rinden-, Holz-, Markteilchen), der zu Pressplatten verarbeitet oder zur Papiererzeugung verwendet wird.

Schaben: spannendes Fertigungsverfahren mit nicht ständig im Eingriff befindlichem, einschneidigem, von Hand hin- und herbewegtem (Schaber) oder mehrschneidigem, maschinell umlaufendem (.Schaberad für Zahnflanken, -Schnecke) Werkzeug mit negativem Spanwinkel, das bei geringer Schnittgeschwindigkeit und Spanabnahme die Schnitt- und Vorschubbewegung ausführt. Schaben ist ein Feinbearbeitungsverfahren und dient der Verbesserung von Form-, Maß-, Lagegenauigkeit und Oberflächengüte.

Schaben, Blattodea: urtümliche Insektenordnung mit Arten zwischen 2 und 11 cm Länge; Körper abgeflacht, Mundwerkzeuge beißend-kauend; leben in dunklen Verstecken, nachtaktiv, sehr flink; darunter zahlreiche Schädlinge und Krankheitsüberträger, so die Hausschaben (Phyllodromia germanica) und die kurz geflügelte Küchenschaben (Blatta orientalis).

Schablone: stabile Vorlage aus Pappe, Plast, Blech o. ä. zum Übertragen von definierten Umrisslinien auf eine Unterlage; man unterscheidet unter anderem Schriftschablone, Zuschnitt Schablone.

Schablonenformerei: Gießereitechnik Herstellung von Sandformen meist für rotationssymmetrischer Teile, bei denen anstelle eines Modells ein entsprechend profiliertes Brett (Schablone) verwendet wird, mit dem durch Verschieben und Schneiden des Formstoffs der Formhohlraum entsteht.

Schablonieren: Verfahren zur Imitation von Pelzfellen, zum Beispiel von Großkatzen. Konzentrierte Farbstofflösungen werden im Streichverfahren auf die Oberfläche der Haarseite von Pelzfellen unter Verwendung von Schablonen mit Mustern natürlicher Fellzeichnungen aufgetragen.

Schabowski, Günter, geboren 4.1.1929, Politiker, Journalist; seit 1952 Mitglied der SED, 1978/85 Chefredakteur des Organs des ZK der SED «Neues Deutschland»; seit 1981 Mitglied des ZK, 1981/84 Kandidat, seit 1984 Mitglied des Politbüros des ZK, seit 1986 Sekretär des ZK der SED, seit 1985 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin; Abgeordneter der Volkskammer seit 1981.

Schabracke: (ungarisch - türkisch) verzierte Pferdedecke.

Schach: (persisch, «König») Brettspiel zwischen 2 Partnern auf 64 feldrigem Schachbrett mit je 16 weißen beziehungsweise schwarzen (S.-) Figuren, nämlich 8 Offizieren (König, Dame, 2 Läufer, 2 Springer, 2 Türme (f Turm 2)) und 8 Bauern CT Bauer). Ziel ist, den gegnerischen König matt zu setzen (Matt) oder, infolge Materialverlustes, den Gegner zur Aufgabe zu veranlassen. In einem wettkampfmäßigen Schachspiel (Schachpartie, Partie), bei dem sich beide Spieler am Schachbrett begegnen (Turnierschach), wird zur Kontrolle der Bedenkzeit (60 Züge in g 3 h) eine Schachuhr eingesetzt und die Zugfolge notiert (Notation). Eine Partie gliedert sich in Eröffnung, Mittel- und Endspiel. Wichtigste Regeln: Weiß hat den 1. Zug; keine Figur darf auf ein von einer eigenen Figur besetztes Feld ziehen; gegnerische Figuren können geschlagen werden; Figuren dürfen nur vom Springer übersprungen werden; alle Figuren außer Bauern können vor- und zurückziehen; Bauern verwandeln sich auf der gegnerischen Grundlinie in Offiziere (außer König). Weltmeisterschaften seit 1886, Europameisterschaften seit 1957.

Schachallegorie: Deutung des Schachspiels im Sinne der mittelalterlichen Ständeauffassung; deutsche Dichtungen nach lateinischen Vorbild unter anderem von Konrad von Ammenhausen («Schachzabelbuch» = Schach Tabulaturbuch, 1337).

Schachblume, Fritillaria meleagris: Liliengewächs feuchter Wiesen mit schachbrettartig gefleckter, überhängender Blüte; Frühjahrsblüher.

Schacht:

1. Bautechnik: a) vertikaler oder schräger Erdaushub oder Felsausbruch als Zugang zu tieferen Gesteinsschichten, zur Lüftung langer Tunnelstrecken, zur Gewinnung neuer Arbeitsansatzpunkte unter anderem;

b) Verbindung unterirdischer Bauwerke mit der Erdoberfläche, zum Beispiel Einsteigschacht;

c) Öffnung im Baugrund zur Aufnahme und Ansammlung von Wasser, zum Beispiel Brunnenschacht.

2. Bergbau: seiger (senkrecht) oder tonnlägig (schräg) angelegter Grubenbau von im Verhältnis zur Länge kleinem Querschnitt. Ein seigerer Schacht (Richtschacht) steht überwiegend im Nebengestein; der tonnlägige Schacht kann inner- und außerhalb der Lager-Stätte verlaufen. Ein Tagesschacht geht von über Tage aus; ein Blindschacht verbindet mehrere Sohlen unter Tage. Der Hauptschacht wird ständig zum Ein- und Ausfahren der Bergleute, zur Förderung, zum Ein- und Ausziehen der Wetter und zum Abführen der Grubenwässer benutzt. Sein Querschnitt, die Schachtscheibe, ist in verschiedene Abteilungen unterteilt. Ein Nebenschacht dient nur einer der eingangs genannten Aufgaben und wird entsprechend als Seilfahrtschacht, Förderschacht, Wetterschacht, Wasserhaltungsschacht u. ä. bezeichnet. Den obersten Teil eines Schachts nennt man Schachtkopf, den unteren, der im Allgemeinen unterhalb der tiefsten Sohle liegt, Schachtsumpf. Gegen Gebirgsdruck, Steinfall oder Eindringen von Wasser wird der Schacht entweder gleichzeitig mit dem Abteufen oder unmittelbar danach durch Schachtausbau geschützt. Schächte werden ausgebaut in Holz (nur bei recht- oder vieleckigem Querschnitt), in Mauerung oder Beton (in wenig wasserführendem Gebirge) oder in Stahl (in wasserführendem, lockerem Gebirge). besonders im Steinkohlen- und Kalibergbau wendet man als Schachtausbau Tübbings an. Die maximale Schachttiefe liegt zurzeit im Steinsalzbergbau bei etwa 400 m, im Kalisalzbergbau bei etwa 1200 m, im Steinkohlenbergbau bei etwa 1500 m und im Erzbergbau bei etwa 2500 m.

Schacht, Hjalmar, 22.1.1877-3.6.1970, faschistischer Politiker; Hauptkriegsverbrecher; Bankier; 1923/30 und 1933/39 Reichsbankpräsident, 1934/37 Reichswirtschaftsminister; verantwortlich für die Finanzierung des Faschismus und der Aufrüstung, im Verlauf des 2. Weltkrieges neigte Schacht zu den Plänen der Verschwörer um C. F. Goerdeler. Im Nürnberger Prozess gegen den Einspruch des sowjetischen Richters freigesprochen; gründete 1953 in der BRD die Außenhandelsbank Schacht&Co. und war als Wahrungsberater für das Ausland tätig.

Schachtelgesellschaft: Form der Unternehmensverflechtung, bei der Industrie-, Handels- und Bankkapitalisten über die finanzielle und personelle Beherrschung der führenden Aktiengesellschaft eines Konzerns («Muttergesellschaft») die weiteren Teile des Konzerns («Tochtergesellschaften») und damit die Verfügungsgewalt über riesige Summen fremden Kapitals erlangen. Siehe auch Dachgesellschaft.

Schachtelhalm, Equisetum: zu den Farnpflanzen zählende einzige rezente Gattung der Schachtelhalmgewächse, deren kieselsäurehaltiger Stengel aus hohlen Gliedern besteht, an denen quirlig angeordnete Blätter und Seitentriebe sitzen; zum Beispiel Ackerschachtelhalm («Zinnkraut», Equisetum arvense).

Schachtelsatz: Satzgefüge mit mehrfachem Ineinander untergeordneter Sätze; als bewusstes Stilmittel nutzbar, als Ergebnis mangelnder Sprachbeherrschung abzulehnen.

Schachtförderanlage: Einrichtung zur Schachtforderung, zum Transport von Material und Menschen nach und von unter Tage. Die Schachtförderanlage besteht aus der Fördermaschine, der Treibscheibe, der Seiltrommel, dem Drahtseil, den Förderkörben oder -gefäßen und dem Fördergerüst. Die Treibscheibe der Fördermaschine setzt das Drahtseil (Oberseil, auch als Förderseil bezeichnet) in Bewegung, an dessen Ende durch Spurlatten oder Seilführung geleitete Förderkörbe oder -gefäße befestigt sind. Siehe auch Bergbau.

Schachtofen: metallurgischer Ofen zum Schmelzen oder Reduzieren von metallischen Werkstoffen beziehungsweise Erzen. Der meist zylindrische Schacht ist höher als weit. Die Einsatzstoffe werden oben zugeführt, sinken im Schacht nach unten und werden dabei aufgeheizt. Die für die Verbrennung des Kokses in der Beschickung erforderliche Luft (Wind) wird im unteren Schachtteil mittels Düsen (Windformen) zugeführt. Die Schmelzprodukte werden unten dem Schachtofen entnommen. Siehe auch Hochofen, Kupolofen, Niederschachtofen.

Schachtwandverfahren: Verfahren zur Umschließung tiefer Baugruben, wobei in Abständen von 5 bis 8 m biegesteife Stahlbetonschächte abgeteuft werden, zwischen die im Zuge der Schachtarbeiten von oben nach unten Stahlbetonwände zur Verhinderung von Erdabrutschungen eingespannt werden.

Schädel, Cranium: Skelett des Kopfes; zu unterscheiden sind der das Gehirn und die Sinnesorgane aufnehmende Hirnschädel (Neurocranium) und der Gesichtsschädel (Viszerocranium).

Schädelbasis: Boden der Schädelhöhle; beteiligte Knochen sind Hinterhaupts-, Keil-, Sieb-, Schläfen- und Stirnbein.

Schädelbruch: Zusammenhangstrennung der knöchernen Schädelkapsel, oft mit gleichzeitiger Hirnverletzung.

Schädeldach, Kalotte: Dach der Schädelhöhle; beteiligte Knochen sind Hinterhaupts-, Scheitel-, Schläfen- und Stirnbein.

Schädelebenen: durch bestimmte Punkte am Schädel genau definierte Orientierungsebenen, die den exakten Vergleich verschiedener Schädel miteinander erlauben und auf die insbesondere Winkel- und Höhenmaße bezogen werden. besonders wichtig ist die Median-Sagittal-Ebene, die den Schädel in spiegelbildlichen Hälften zerlegt und zu der parallel beliebig viele Ebenen gelegt werden können.

Schädelkapazität: Volumen des Hirnschädelinnenraumes. Die Menschenaffen haben eine mittlere Schädelkapazität von 450 cm3. Beim Homo sapiens beträgt das Mittel für Frauen 1300 cm3, für Männer 1450 cm3. Für die Leistungsfähigkeit des Gehirns sind nicht allein die Größe, sondern auch die Größenverhältnisse der einzelnen Gehirnabschnitte und die Feinstrukturen von Bedeutung.

Schädellose, Acrania: Unterstamm der Chordatiere mit fischähnlichen, getrenntgeschlechtlichen Vertretern, denen Kopf und Gliedmaßen fehlen. Schädellose haben Flossensäume, eine einschichtige Haut, zeitlebens eine Chorda dorsalis, aber kein Knorpel- oder Knochenskelett, segmentierte Muskulatur, ein Neuralrohr (Rückenmark) mit Sehzellen, einen Kiemendarm und ein geschlossenes Blutkreislaufsystem. Hierzu gehört das Lanzettfischchen.

Schädelnähte: meist stark geschlängelt (Zackennaht) verlaufende bindegewebige Verbindungen der Schädelknochen; nach Abschluss des Wachstums verknöchert. Die auffälligsten Schädelnähte sind die des Schädeldaches; die querverlaufende (Stirnbein und Scheitelbeine trennende) Kranznaht und die längs der Mittellinie ziehende (die beiden Scheitelbeine trennende) Pfeilnaht.

Schadenersatz: Entschädigung, Ausgleich für einen durch Pflichtverletzung verursachten materiellen Nachteil (Schaden), einschließlich Einbußen durch Gesundheitsschäden und entgangene Einkünfte. Durch den Schadenersatz ist der Geschädigte so zu stellen, als wäre das schädigende Ereignis nicht eingetreten. Schadenersatz ist in Geld zu leisten, andere Leistungen zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes (Naturalrestitution) können vereinbart werden. Immaterielle Schäden bleiben grundsätzlich außer Betracht (in besonderen Fällen besteht aber ein Ausgleichsanspruch 1). Die Verpflichtung zum Schadenersatz kann auf Verletzung allgemeiner Verhaltenspflichten oder vertragliche Vereinbarungen beruhen. Außer bei erweiterter Verantwortlichkeit (zum Beispiel Haftung von Kraftfahrzeughaltern) ist der schadensverursachende Bürger von einer Ersatzpflicht frei, wenn ihn kein Verschulden trifft; verantwortliche Betriebe können sich nur entlasten, wenn die Schadensursache unabwendbar war. Für Schäden, die Außenstehenden durch Mitarbeiter von Betrieben zugefügt werden, ist grundsätzlich nur der Betrieb ersatzpflichtig. Für Schadenersatz im Arbeitsverhältnis gelten besondere Regeln.

Schaderreger: Sammelbegriff für Faktoren, die den Nutzpflanzen Schaden zufügen, indem sie sie beschädigen oder erkranken lassen und somit in ihrer Existenz bedrohen; führen zu wirtschaftlichen Nachteilen für den Menschen.

Schädlinge: Organismen, die nach dem Werturteil des Menschen seine normale Entwicklung und Gesundheit oder die seiner Nutztiere und -pflanzen beeinträchtigen, volkswirtschaftliche Güter und Vorräte in ihrem Wert mindern oder zerstören.

Schädlingsbekämpfung: Maßnahmen zur Bekämpfung tierischer Schädlinge an Pflanzen, Haustieren und Vorräten sowie in Gebäuden. Man unterscheidet physikalische Schädlingsbekämpfung (Absammeln, Fangen in Fallen unter anderem), chemische Schädlingsbekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln (Beizen, Nebeln, Stäuben, Spritzen, Sprühen unter anderem) und biologische Schädlingsbekämpfung (Verwendung von Mikroorganismen und Nutzinsekten, Vogelschutz).

Schadow: 1. Johann Gottfried Schadow, 20.5.1764 bis 27.1.1850, Bildhauer; nach einem Aufenthalt in Rom seit 1788 als Hofbildhauer in Berlin tätig. Schadow strebte in seinen Werken einen Ausgleich zwischen Naturwirklichkeit und klassizistische Formgebung an, wobei er sich in seinen Denkmalsentwürfen für die sachlich treue Wiedergabe des Zeitkostüms entschied. Seine Werke gehören zu den bedeutendsten Bildwerken des deutschen Klassizismus. Hauptwerke: Wandgrabmal des Grafen von der Mark (1788/91), Quadriga auf dem Brandenburger Tor (1789 entworfen), Marmorgruppe der Prinzessinnen Luise und Friederike (1795/97), sämtlich Berlin.

2. Wilhelm von Schadow, 6.9.1788-19.3.1862, Maler; Sohn von Schadow 1; Schüler der Berliner Akademie, 1810/19 Aufenthalt in Rom, wo er dem Lukasbund beitrat und sich an der Ausführung der Fresken für die Casa Bartholdy beteiligte, ab 1826 Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. Seine Bildnisse gehören zu den besten Leistungen der nazarenischen Romantik und des Biedermeiers.

Schadr, eigentlich Iwanow, Iwan Dmitrijewitsch, 11.2.1887-3.4.1941, sowjetischer Bildhauer. Nach einem von den Ideen des Humanismus und des sozialen Protestes geprägten Frühwerk wurde Schadr mit seinen, ein neues Menschenbild formulierenden Büsten, Statuen, Denkmalsentwürfen und Porträts zu einem Hauptvertreter sozialistisch-realistische Bildhauerkunst.

Schadstoffe: Gesamtheit der schädlichen Bestandteile im Abgas einer Verbrennungskraftmaschine, wie Kohlenmonoxid, Stickoxide, Schwefeldioxid und teerhaltige, krebserzeugende Stoffe. Die Menge des ökologisch schädlichen Anteils ist gesetzlich festgelegt und darf nicht überschritten werden.

Schaduf: altägyptisches Schöpfwerk zur Feldbewässerung; besteht aus vertikal beweglichen Stangen mit Schöpfeimern.

Schaefer-Ast, Albert, 7.1.1890-15.9.1951, Graphiker und Maler; studierte an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf, seit 1913 Pressezeichner, vom Faschismus verfolgt, 1945/51 Professor an der Hochschule für Bau- und bildende Kunst Weimar, illustrierte zahlreiche Bücher, schuf sensible Naturstudien und wurde vor allem durch skurril-humorvolle Zeichnungen bekannt.

Schafe, Ovis: zu den Böcken gehörende wiederkäuende Paarhufer, im männlichen Geschlecht (Widder) häufig mit großen kreis- oder schneckenförmigen Hörnern, die bei Weibchen (Zibben) kleiner sind oder fehlen. Schafe sind gewandt kletternde, gut springende, anspruchslose Gebirgstiere (bis in 7000 m Höhe). Das Wildschafe (0. ammon) kommt in vielen Unterarten in Südeuropa und Asien vor; der Arkal (O. a. arkal) lebt in transkaspischen Steppen; das Steppenschafe oder Urial (O.a. vignei) bewohnt die Steppen Kaschmirs, der Widder besitzt eine kräftige Vorderhalsmähne; größtes Wildschafe ist der in Zentralasiatischen Hochgebirgen lebende Argali (O.a. ammon), dessen Widder bis 2 m lang ist und eine Schulterhöhe bis 1,2 m hat. In Nordamerika sind die Dickhornschafe (O. canadensis) heimisch. Das Hausschaf dient der Versorgung des Menschen mit Wolle, Pelzen, Fleisch, Milch. Als Vorfahren kommen sowohl der europäischen Mufflon als auch die asiatische Formen Arkal und Argali in Betracht. Die Domestikation ging etwa 6000 vor Christus wahrscheinlich im Orient und in Südeuropa vor sich. Auf Grund der Beschaffenheit des Haarkleides erfolgt die Einteilung der Rassen. Die in Afrika lebenden Haarschafe besitzen glattes Ober- und gekräuseltes Unterhaar und haben im Frühjahr und Herbst Haarwechsel. Die mischwolligen Schafe haben verlängertes Unterhaar, jedoch sind Ober- und Unterhaar noch deutlich zu unterscheiden. Hierzu gehören auch die in den Steppen Asiens und in Afrika heimischer Fettschwanz- (Karakulschafe) oder Fettsteißschafe, die als Futterreserve für Trockenzeiten starke Fettablagerungen am Oberschwanz oder am Steiß bilden können. Schlichtwollige Schafrassen besitzen fast kein Oberhaar mehr. Die beste Wollqualität weisen die feinwolligen Schafe (zum Beispiel Merinoschafe) auf, die nur noch mehr oder weniger stark gekräuseltes Unterhaar haben. Die Hauptrassen in Deutschland bilden die Merinolangwollschafe, Merinofleischschafe, Fleisch- und Milchschafe.

Schäferhunde: Rassengruppe von Hunden, die besonders für das Treiben und Bewachen von Herden geeignet sind, wie die französische, englischer, niederländischer, portugiesischer Schäferhunde, der Belgischen und der Schottischen Schäferhunde oder Collie, der Sheltie und der weitverbreitete wolfsähnliche Deutsche Schäferhunde Er ist ein vielseitiger Dienst- und Gebrauchshund (Herde-, Wach-, Blinden-, Polizei-, Melde-, Lawinen- und Sanitätshund), Rüden 60 bis 65 cm, Hündinnen 55 bis 60 cm groß, in den Farben Schwarz, Eisengrau, Aschgrau, Schwarz mit Gelb oder Braun, stockhaarig; buschige Rute.

Schaffer, Gordon, geboren 1.10.1905, britischer Friedenskämpfer und Publizist; tritt konsequent für Frieden, Völkerfreundschaft und sozialen Fortschritt ein. Schaffer war unter anderem Präsidiumsmitglied des Weltfriedensrates.

Schaffhausen: 1. Kanton im Norden der Schweiz, auf dem rechten Ufer des Rheins, fast völlig vom Gebiet der BRD umgeben; 298 km2, 70000 Einwohner; 235 Einwohner/km2; Hauptstadt Schaffhausen 2; am Rande der Schwab. Alb (Randen) und im Regenschatten des Schwarzwaldes gelegen; Metall-, Aluminium-, Textilindustrie, Maschinenbau; Wasserkraftwerke; Obst-, Weinbau.

2. Hauptstadt von Schaffhausen 1, oberhalb des Rheinfalls, rechts am Rhein; 34 400 Einwohner; Eisen- und Stahlwerk, Gießerei, Maschinen-, Gerätebau, Uhren-, Textil-, chemische Industrie; Museum im ehemaligen Kloster, mittelalterliche Befestigung (Kastell Munot), Allerheiligen-münster (11./12. Jahrhundert), spätgotische Pfarrkirche. 6 km unterhalb von Schaffhausen Wasserkraftwerk Rheinau.

Schaffner: 1. Jakob, 14.11.1875-25.9.1944, deutschsprachiger Erzähler schweizerischer Herkunft; schuf Romane in Nachfolge realistischer Darstellung (G. Keller), aber unter Einfluss religiös-metaphysischer und politischer reaktionärer Auffassungen («Johannes»-Trilogie: «Das Buch der Kindheit», 1922; «Die Jünglingszeit des Johannes Schattenhold», 1930; «Eine deutsche Wanderschaft», 1933).

2. Martin, geboren um 1478/79, gestorben zwischen 1546/49, Maler, Bildschnitzer und Medailleur; wirkte in Ulm und Augsburg; schuf von der Spätgotik zur Renaissance überleitende Altartafeln sowie hervorragende Bildnisse.

Schafgarbe, Achillea: Korbblütlergattung mit meist fein zerteilten Blättern und weißen oder gelben, selten rötlichen Blüten; auf Wiesen und an Wegrändern häufig die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium), eine Arzneipflanze.

Schafkälte: häufiger Kälterückfall in Mittel- und Westeuropa etwa zwischen 10. und 20. Juni (z. Z. der Schafschur); entsteht durch das Eindringen kühler Polarluftmassen. Siehe auch Eisheilige.

Schafkopf: Kartenspiel zu viert (2 Parteien) mit einer Skatkarte zu 32 Blatt; Sieger ist die Partei mit mindestens 61 Augen; Vorläufer von Skat und Doppelkopf.

Schafott: Gerüst zum Vollzug von Hinrichtungen.

Schafran, Daniil Borissowitsch, geboren 13.2.1923, sowjetische Violoncellist; seit 1943 Konzertsolist an der Moskauer Philharmonie; erwarb auf zahlreichen Konzertreisen (Europa, USA Japan) internationale Anerkennung.

Schaft:

1. Forstwirtschaft: Stamm, Holzkörper des Baumes ohne Äste und Wurzelstock; Langrohholz.

2. Schuhherstellung: Gesamtheit der Teile, die den Fuß oberhalb der Sohle umhüllen, untergliedert in Außenschaft (Oberleder) und Innenschaft (Futterleder).

3. Textiltechnik: Vorrichtung an der Webmaschine zum Heben und Senken gleichbindender Kettfäden.

Schaftmaschine: durch Karten gesteuerte Vorrichtung an der Webmaschine zum Bewegen der Schäfte.

Schaftring, Wirtel: profilierter Ring am Schaft von Säulen (vor allem in der Romanik), von gotischen Diensten oder Pfeilern.

Schafwolle: Haarkleid des Schafes, unterschieden nach Herkunft, Schur Art, Alter und Geschlecht sowie Gewinnung. Die bei der Schur entstehenden Vliese werden nach Feinheit, Farbe, Reinheit und Stapellänge klassiert und zu Ballen gepresst. Nach Waschen und Zerlegen des Vlieses entsprechend der Güte der Wolle verschiedener Körperteile des Schafes werden Feinheit, Art der Kräuselung und Haarlänge beurteilt und Reißkraft, Dehnung und Elastizität sowie Filzvermögen geprüft. Die Wollfeinheit (mittlerer Haardurchmesser) liegt zwischen 10 nm und etwa 40 im.

Schaginjan, Marietta Sergejewna, 3.4.1888 20.3.1982, russisch-sowjetische Schriftstellerin; gestaltete das Verhältnis der Intelligenz zur Revolution («Abenteuer einer Dame», 1923, deutsch) und den sozialistischen Aufbau («Das Wasserkraftwerk), 1931, deutsch). Sie schuf mehrere Werke über W. I. Lenin («Die Familie Uljanow», 1937/57, deutsch; «Weihnachten in Sorrent», 1968, deutsch) und legte wissenschaftliche Studien über J. W. Goethe vor.

Schah, (persisch, «König») Schah-in-schah («König der Könige»): Titel des Herrschers von Iran bis zur Abschaffung der Monarchie 1979.

Schalm: Erdölförderzentrum in Westsibirien, im Autonomen Bezirk Chanty-Mansijsk, an der Konda; Erdölleitung nach Tjumen.

Schakale: hundeartige Raubtiere, Gestalt wolfsähnlich, jedoch kleiner und schwächer; jagen meist in Rudeln, fressen auch Aas und Feldfrüchte; leben in Südeuropa, Südasien und Afrika. In Amerika werden die Schakale durch den Coyoten oder Präriewolf (Canis latrans) vertreten.

Schäkel: U- oder V-förmig gestaltetes Maschinenteil, meist aus Stahl, dessen freie Schenkel durch eine besonders geformte Schraube geschlossen werden können; dient zum Verbinden von Ketten oder zum Anschlägen von Transportketten an die Anschlagösen oder -äugen.

Schale: 1. Bautechnik: Flächentragwerk von geringer Dicke und großer Steifigkeit, dessen Mittelfläche einfach oder doppelt gekrümmt ist. Die Schale nimmt die auftretenden Lasten durch Längsbeanspruchung innerhalb ihrer Fläche auf und führt sie über die aussteifenden Randglieder ab. Einfach gekrümmte Schale sind Zylinder- oder Tonnenschale für Silos, Türme, Schornsteine, und doppelt gekrümmte Schale von hoher Bausicherheit und Tragfähigkeit sind zum Beispiel Translations-, Paraboloid-. Konoid Schale.

2. Schale, Ringbein: Veterinärmedizin chronischen Entzündung im Bereich des Zehengelenks bei Pferd oder Rind. Es bilden sich bleibende Knochenauftreibungen oder Gelenkverwachsungen als Folge immer wiederkehrender Verletzungen bei einseitiger Belastung bestimmter Gelenkabschnitte. Begünstigend wirken unregelmäßige Gliedmaßenstellung, Huf- oder Klauenform.

Schälen: 1. Schälen, Wirbeln:

1. Fertigungstechnik: spannendes Fertigungsverfahren mit mehrschneidigem Werkzeug (Schälkopf), dessen nach innen gerichtete, nacheinander angeordnete Schneiden das zylindrische Werkstück auf einem exzentrischen Flugkreis mit hoher Schnittgeschwindigkeit umlaufen und die Schnitt- und axiale Vorschubbewegung ausführen. Das Werkstück vollführt im Zwanglauf dazu eine kreisende Vorschubbewegung. Schälen dient zur Herstellung langer Gewindespindeln, kann auch zur Vorbearbeitung von Rundmaterial verwendet werden.

2. Holztechnik: spanloses Furnierschneiden mit radial zum drehenden Schälblock gerichteter Werkzeugbewegung; bei zentrischer Einspannung des Schälblocks werden Rundschälfurniere (ein Band je Block) und bei exzentrischer Einspannung Exzenterschälfurniere (ein Blatt je Umdrehung) gefertigt.

3. Landwirtschaft: flaches Pflügen des Stoppelfeldes unmittelbar nach der Ernte.

Schalenweichtiere, Conchifera: Unterstamm der Weichtiere mit etwa 129000 Arten. Zu den Schalenweichtieren gehören die Klassen der Schnecken, Muscheln, Kopffüßer, Grabfüßer und Monoplacophora.

Schalenwild: Wild mit Schalen (Klauen, Hufe) an den Läufen, zum Beispiel Rot-, Dam-, Reh-, Muffel-, Schwarzwild.

Schaljapin, Fjodor Iwanowitsch, 13.2.1873-12.4.1938, russischer Sänger (Bass); wirkte seit 1899 am Bolschoi-Theater sowie seit 1901 an führenden Bühnen des Auslands (Paris, London, New York) und war weltberühmt durch seine Darsteller, und musikalischer Gestaltung; lebte seit 1922 ständig im Ausland.

Schall: hörbare mechanische Schwingungen und Wellen in elastischen Stoffen mit Frequenzen zwischen 16 Hz und 20 kHz (Tonfrequenzen). Schallgeber sind schwingungsfähige Gebilde (Saiten, Stäbe, Luftsäulen, Membranen unter anderem) sowie Sirenen. Der Schall breitet sich in Gasen und Flüssigkeiten als Longitudinalwelle (Kompressionswelle) aus, in festen Stoffen sind auch Transversalwellen (Scherwellen) möglich. Als Schallfeld bezeichnet man einen stofferfüllten Raum, in dem sich der Schall ausbreitet. Die Schallgeschwindigkeit hängt von Dichte, Elastizität und Temperatur des betreffenden Stoffes ab, sie beträgt in Luft bei 20 °C 343 m/s, in Wasser 1485 m/s, in Stahl 5000 m/s. Der Schalldruck p ist der Wechseldruck, der dem konstanten Druck im Übertragungsmedium (zum Beispiel dem Luftdruck) überlagert ist; bei 1kHz beträgt er an der Hörschwelle p = 20 pPa, an der Schmerzgrenze des Ohres p = 20 Pa. Die Schallschnelle ist die Geschwindigkeit der im Schallfeld schwingenden Teilchen. Die Schallintensität gibt die zeit- und flächenbezogene strömende Schallenergie an. Der Schalldruckpegel (Schallpegel) ist definiert durch L = 20g(p/po) dB. Beim Durchgang durch Stoffe werden Schallwellen gestreut und absorbiert; Stoffe mit hoher Schallabsorption heißen Schalldämmstoffe. Schallempfänger (Mikrophone) wandeln Schallwellen in elektrischen Schwingungen um; das menschliche Ohr ist ein Schallempfänger, in dem die Lautstärkeempfindung dem Logarithmus des Schalldrucks annähernd proportional ist (Lautstärkepegel). Siehe auch Infraschall, Ultraschall, Hyperschall.

Schall, Ekkehard, geboren 29.5.1930, Schauspieler, entwickelte sich beim Berliner Ensemble (seit 1952) besonders in der Arbeit mit B. Brecht und M. Wekwerth zu einem bedeutenden Brecht-Interpreten; wirkte auch in Filmen und Fernsehproduktionen mit; seit 1977 stellvertretender Intendant des Berliner Ensembles.

Schallanalyse: Ermittlung des Frequenzspektrums eines Schalles, das heißt Messung der Amplituden und Frequenzen aller darin enthaltenen Schwingungsanteile (Teiltöne).

Schallblasen: Hautblasen männliche Frösche, die der besseren Stimmresonanz dienen.

Schallhärte: Materialgröße in der Seismik; Produkt aus Schallgeschwindigkeit in einer Gesteinsschicht und ihrer Dichte.

Schallmauer: bildhafte Bezeichnung für die starke Zunahme der Widerstandskraft beim Erreichen der Schallgeschwindigkeit durch einen Flugkörper.

Schallpegelmesser: Gerät zur Messung des Schalldruckpegels. Ein Mikrophon wandelt den auftretenden Schall in eine elektrische Wechselspannung um, die verstärkt, mit Filtern bewertet, danach gleichgerichtet und von einem Anzeigegerät mit einstellbarer Zeitbewertung gemessen wird. Angezeigt wird der Schalldruckpegel in Dezibel (dB).

Schallplatte: dünne Scheibe aus PVC von 17 oder 30 cm Durchmesser, die beiderseitig in einer spiralförmigen Rille nicht löschbare Schallaufzeichnungen enthält, die mit dem Plattenspieler wiedergegeben und sehr oft wiederholt werden können. Die Rille enthält den gespeicherten Schall in Form von kleinen Auslenkungen in der Plattenebene (Seitenschrift). Bei Schallplatte mit stereophoner Aufzeichnung sind an den beiden Flanken der Rille zwei getrennte Signale gespeichert. Beim Abspielen der Schallplatte mit dem Plattenspieler folgt die Spitze des Abtastsystems den Rillenauslenkungen und wandelt sie in elektrische Wechselspannungen um, die verstärkt und dann vom Lautsprecher als Schall abgestrahlt werden. Die Abspieldrehzahl beträgt 78 (veraltet), 45, 33% beziehungsweise 16% (selten) Umdrehungen/min. Schallplatte mit 17 cm Durchmesser, 1 Titel je Seite und 45 Umdrehungen/min werden auch Single, Schallplatte mit 30 cm Durchmesser und 33% (16%) Umdrehungen/min Langspielplatten (Abkürzung LP) genannt. Eine neue Generation von Schallplatte sind die rillenlosen, einseitig bespielten compact disc (Miniatur-Schallplatte) mit 12 cm Durchmesser, die nicht mechanisch, sondern verschleißlos mittels Laserstrahls abgetastet werden.

Schallspeicherverfahren: Verfahren zur Schallaufzeichnung für die spätere Wiedergabe oder Vervielfältigung. Bei allen Schallspeicherverfahren wird der Schall zunächst durch ein Mikrophon in elektrische Spannungen umgewandelt, die verstärkt zum Aufzeichnungsgerät gelangen. Die wichtigsten Schallspeicherverfahren sind

a) Magnettonverfahren: Die Wechselspannungen werden einem elektromagnetischen Aufzeichnungskopf zugeführt und erzeugen auf dem daran vorbeilaufenden Tonträger (Band) mit magnetisierbarer Schicht bleibende, aber löschbare Magnetisierungen, die beim Abspielen des Bandes im Wiedergabekopf elektrische Signale induzieren; sie werden verstärkt und vom Lautsprecher als Schall abgestrahlt;

b) Nadeltonverfahren: Ein im Rhythmus des Schalls ausgelenkter Stichel schneidet eine spiralförmige Rille mit kleinen Ausrenkungen in der Plattenebene (Seitenschrift) in plastisches Material (bei der herkömmlichen Schallplattenherstellung);

c) Lichttonverfahren: Die elektrische Wechselspannungen werden in Lichtschwankungen umgewandelt und auf dem gleichmäßig bewegten lichtempfindlichen Film registriert, der nach der Entwicklung und Kopierung im Wiedergabegerät mit einem fotoelektrischen Wandler abgetastet wird, dessen elektrischer Ausgangssignal verstärkt zum Lautsprecher gelangt (Tonfilmwiedergabe).

Schallück, Paul, 17.6.1922-29.2.1976, deutscher Schriftsteller; setzte sich vor allem in Romanen mit der Nachkriegsentwicklung in der BRD, insbesondere mit der nicht bewältigten faschistischen Vergangenheit auseinander (unter anderem «Engelbert Reineke», 1959; Schelmenroman «Don Quichotte in Köln», 1967).

Schallverzögerungsgerät: Einrichtung in elektroakustischen Anlagen zur zeitlichen Verzögerung von Schallsignalen, wodurch bei dezentralen Beschallungsanlagen (mit großem Abstand zwischen Mikrophon und Lautsprechern) der optische und akustische Eindruck einer Schallquelle in Übereinstimmung gebracht werden. Schallverzögerungsgeräte werden auch zur Erzeugung pseudostereophon. Effekte benutzt.

Schallwandler, elektroakustischer Wandler: Gerät, das elektrische Wechselspannungen in Schall (Schallsender, zum Beispiel Lautsprecher) oder Schall in elektrische Spannungen (Schallempfänger, zum Beispiel Mikrophon) umwandelt

Schallzeile, Tonsäule: mehrere übereinander angeordnete gleichartige Lautsprecher, die den Schall derart gebündelt abstrahlen, dass eine große Fläche (zum Beispiel Kongresssaal oder Freilichtbühne) mit Schall versorgt werden kann beziehungsweise sich große Entfernungen überbrücken lassen.

Schalmei: 1. volkstümliche Bezeichnung für jedes alte Holzblasinstrument mit einfachem oder doppeltem Rohrblatt

2. aus einem Rufhorn (Martinshorn) entwickeltes Metallblasinstrument mit aufschlagenden Metallzungen in gebündelten konischen Schallröhren, die durch Ventile einzeln eingeschaltet werden; traditionelles Marschmusikinstrument der Arbeiterbewegung.

Schalotte, (französisch, nach der phönikische Küstenstadt Askalon) Allium ascalonicum: mehrjährige Lauchart aus Südwestasien mit Brutzwiebelbildung; Röhrenblätter von mildem Geschmack; Gewürzpflanze.

Schaltalgebra: Anwendung der Booleschen Algebra auf Schaltsysteme. Für jedes Schaltsystem lässt sich ein aussagenlogischer Ausdruck angeben; umgekehrt ist ein derartiger Ausdruck stets durch ein Schaltsystem realisierbar.

Schaltanlage: Energieverteilungsanlage zum Ein-, Aus- und Zusammenschalten von Ankommenden und abgehenden Leitungen, Maschinen und Geräten in Kraftwerken, Umspannwerken und bei Großverbrauchern. Die Schaltanlage umfasst Schaltgeräte (Leistungsschalter, Trennschalter, Schaltwerke), Mess- und Schutzeinrichtungen. Die Schaltfelder, -zellen oder -schränke sind mittels Sammelschienen verbunden und häufig von einer Schaltwarte steuerbar. Innenraumschaltanlage haben wesentlich geringeren Raumbedarf als Freiluftschaltanlage und werden offen (veraltet), blech- oder plastikgekapselt, als vollisolierte Schwefelhexafluorid-Schaltanlage (SF6-Schaltanlage) oder als feststoffisolierte Schaltanlage ausgeführt.

Schaltart, Schaltungsart: Elektrotechnik Schaltungsmöglichkeit gleichartiger Verbraucher (zum Beispiel der 3 Wicklungen einer elektrischen Maschine zu einem Drehstromverbraucher); beim Transformator Schaltgruppe genannt. Man unterscheidet zum Beispiel Dreieck-, Stern-, Zickzackschaltung.

Schalter, Schaltgerät: Gerät zum willkürlichen oder selbsttätigen Öffnen oder Schließen elektrischer Stromkreise mit Schaltkontakten, Betätigungsglied und Einrichtungen zum Löschen des beim Ausschalten entstehenden Lichtbogens. Nach Schalterantrieb werden Schalter ohne Kraftantrieb (Handschalter, Fußschalter, Hebelschalter) und Schalter mit Kraftantrieb (Druckluft-, Motor-, Magnetantrieb) unterschieden. Zum Sichern der Ausschaltenergie wird beim Einschalten eine Feder gespannt. Selbstschalter werden mit thermischen Auslösern für Überströme und mit magnetischen Auslösern für Kurzschlussströme ausgerüstet Unterschieden werden nach Betriebsspannung Nieder- und Hochspannungsschalter; nach Ausschaltvermögen Leerschalter, Trennschalter, Lastschalter, Motorschalter und Leistungsschalter; nach Einsatz Schutzschalter, Grenzschalter, Steuerschalter sowie Industrieschalter und Installationsschalter (Paket-, Installationsfernschalter, Aufputzschalter, Imputzschalter, Kreuzschalter, Serienschalter, Wechselschalter). Elektromagnetisch betätigte Schalter heißen in der Elektronik Relais und in der Elektroenergietechnik Schütz.

Schaltfunktion: Rechentechnik Beschreibung eines Schaltsytems, die die Belegung der Ausgangssignale in Abhängigkeit von den Eingangssignalen und inneren Zuständen angibt.

Schaltjahr: Jahr, das im Unterschied zum Gemeinjahr von 365 Tagen einen zusätzlichen Tag hat. Durch die Einfügung dieses Schalttages bleibt der Jahresbeginn hinsichtlich der Jahreszeiten fest. Siehe auch Kalender 2.

Schaltkreisfamilien: Typengruppen integrierter Schaltkreise, die nach der Herstellungstechnologie und nach den verwendeten Transistoren in unipolare (MOS = metal oxide semiconductor) und bipolare Schaltkreisfamilien unterteilt sind. Hinsichtlich der Logikschallkreise, in denen logische Strukturen von einfachen Logikelementen bis zu komplizierten Mikroprozessoren realisiert sind, unterscheidet man mehrere Schaltkreisfamilien Unipolare Schaltkreisfamilien sind die pMOS- (Verwendung von p-Kanal-Transistoren), die nMOS- (n-Kanal-Transistoren) und die CMOS-Technik (CMOS = complementary metal oxide semiconductor, Transistoren beider Leitungstypen). Bei den bipolaren Schaltkreisfamilien unterscheidet man unter anderem RIX (Widerstands-Transistor-Logik), DTL (Dioden-Transistor-Logik) und TTL oder PL (Transistor-Transistor-Logik). Die ECL (emittergekoppelte Transistorlogik) zeichnet sich durch extrem hohe Schaltgeschwindigkeit und PL (integrierte Injektionslogik) durch geringen Leistungsbedarf aus. Die einzelnen Schaltkreisfamilien verwenden unterschiedliche logische Pegel. Man spricht von positiver Logik, wenn der Wahrheitswert 1 durch eine positivere, und von negativer Logik, wenn der Wert 1 durch eine negativere Spannung als der Wert 0 dargestellt wird.

Schaltnetzteil: netztransformatorlose Stromversorgungseinheit mit stetig arbeitender Regelschaltung. Primärschaltregler haben Netzgleichrichter mit nachfolgender Schaltstufe am Ferrit Überträger. Die höhere Schaltfrequenz (kHz-Bereich) bedingt für gleiche Leistungsübertragung kleinere Übertrager als bei Netzfrequenz. Die transformierte, gleichgerichtete und gesiebte Ausgangsspannung steuert über eine Rückführung die Schaltstufe durch Pulsdauermodulation. Die Ausgangsspannung bleibt dadurch konstant. Sekundärschaltregler arbeiten mit herkömmlichen Netztransformatoren. Nach der Gleichrichtung der Sekundärspannung wird durch «Zerhacken» dieser Gleichspannung zum Beispiel mittels Schalttransistors und anschließender Siebung eine kleinere Gleichspannung eingestellt. Die Rückführung der Ausgangsspannung auf das Schaltelement erzielt die stabilisierende Wirkung. Wesentliche Vorteile liegen bei Schaltnetzteil in einem hohen Wirkungsgrad (60 bis 90%) und geringerem Masse- beziehungsweise Volumenumfang.

Schaltplan: Zeichnerische Darstellung einer elektrischen Einrichtung, ihrer Leitungsverbindungen oder des Stromverlaufs durch Symbole; zum Teil durch Listen ergänzt. Man unterscheidet unter anderem Übersichtsschaltplan, Wirkschaltplan, Fertigungsschaltplan beziehungsweise Bauschaltplan, Installationsschaltplan.

Schaltregler: Sammelbegriff für Primär- und Sekundärschaltregler (Schaltnetzteil).

Schaltsystem, Schaltnetzwerk, logische Schaltung, logische Verknüpfungsschaltung: Rechentechnik technisches System zur Verarbeitung binärer (oder auch mehrwertiger) Eingangssignale zu binären (oder mehrwertigen) Ausgangssignalen. Elementare Bestandteile eines Schaltsystems sind Logikelemente.

Schalttafel: Tafel mit allen Bedien- und Überwachungseinrichtungen (Schalt-, Mess-, Registriergeräte, zum Teil Sicherungen, Steckdosen unter anderem) einer elektrischen Anlage; ausgeführt als Wandtafel, Warten Tafelteil in Schaltwarten oder Frontplatte bei Schaltzellen oder -schränken.

Schalttafelinstrumente: für den Einbau in Schalttafeln und Messwarten ausgelegte elektrische Messinstrumente mit standardisierten Abmessungen, meist mit der Fehlerklasse 1,5 oder 2,5.

Schaltuhr: Uhrwerk mit elektrischer Kontakteinrichtung, das nach entsprechender Einstellung und Ablauf einer vorgegebenen Zeitdauer den Stromfluss zur Signalabgabe steuert; zur automatischen Steuerung von Beleuchtungsanlagen eingesetzt.

Schaltung:

1. Elektrotechnik: a) leitende Verbindung der Schaltelemente elektrischer Stromkreise; Schaltung enthalten als passive Schaltelemente Verbraucher (zum Beispiel Widerstände, Glühlampen, Elektromotoren) und als aktive Schaltelemente Erzeuger elektrischer Energie (zum Beispiel galvanische Elemente, Generatoren). Unterschieden werden unter anderem nach Zusammenschalten der Schaltelemente Reihenschaltung (Hauptschlussschaltung, Hintereinanderschaltung), Parallelschaltung (Nebenschlussschaltung), Brückenschaltung sowie in der Installationstechnik Gruppenschaltung, Serienschaltung, Wechselschaltung; nach Aufgabe Steuerschaltung (zum Beispiel Schützschaltung), Gleichrichterschaltung, Stromrichterschaltung, Verstärkerschaltung unter anderem. Eine umfangreiche Schaltung wird als Netz bezeichnet.

b) Darstellung dieser Schaltelemente und ihrer Verbindungen (siehe auch Schaltplan),

c) Herstellen der Verbindungen, zum Beispiel Verdrahtungen (Einzelleiterverlegung), gedruckte Schaltung, Verkabelung (Verlegen ein- oder mehradriger Kabel) sowie in der Elektroenergietechnik auch Installation (siehe auch Elektroinstallation) und Montage (zum Beispiel von Kabeln, Freileitungen, Sammelschienen),

d) Betätigen von Schaltern, die Stromkreise öffnen oder schließen.

2. Kraftfahrzeugtechnik: bei Kfz durch Hand oder Fuß zu bedienender Hebel zum Wechsel der Übersetzungsstufe (Gang) des Wechselgetriebes.

Schaltungstechnik: Theorie und Technik des Zusammenfügens elektronischer und elektrische Bauelemente zu elektronischen Funktionseinheiten. Man unterscheidet analoge Schaltungen (zum Beispiel Verstärker) zur Verarbeitung stetiger Signale und digitale Schaltungen zur Verarbeitung unstetiger, binärer Signale (zum Beispiel Logikschaltungen, Flipflops, Digitalrechner). Zunehmend werden häufig benötigte elektronische Schaltungen als integrierte Schaltungen (Mikroelektronik) hergestellt. Die Bedeutung der digitalen Signalverarbeitung nimmt weiter zu. Sie lässt sich mit verdrahtungsprogrammierten (festverdrahteten) Funktionseinheiten oder mit speicherprogrammierten Funktionseinheiten (zum Beispiel Mikroprozessor) realisieren.

Schaltverstärker: elektronischer Verstärker zur Verstärkung unsteter (binärer) Signale. Eine wichtige Untergruppe sind Kippverstärker (Schmitt-Trigger), die bei einer stetig sich ändernden Eingangsgröße ein binäres Ausgangssignal liefern. Das Schalten erfolgt bei einem definierten Wert der Eingangsgröße. Für Nachlaufschaltungen, zum Beispiel mit Wechselstrommotoren oder in Drehmeldersystemen, werden Gegentakt-Schaltverstärker verwendet, die als Dreipunktregler Vorwärts-Rückwärts-Steuerungen ermöglichen.

Schaltwarte: bei der Energieerzeugung und -Verteilung der manuellen Fernbetätigung von elektrotechnischer Industrie- und Energieanlagen dienender Betriebsraum.

Schaltzeichen: in Schaltplänen verwendete Symbole, die Aufschluss über Art, Funktion und Schaltung eines Schaltelements geben, nicht aber über seinen Aufbau und seine Konstruktion. Schaltkurzzeichen sind vereinfachte Schaltzeichen für umfangreiche Schaltpläne.

Schalung: a) Form aus Brettern, Stahl- oder Plastikplatten, in die Frischbeton, Gips, Stampflehm unter anderem eingebracht und nach dessen Erhärten entfernt wird. Schaltafeln oder -platten werden in Standardgrößen vorgefertigt und zur Herstellung großflächiger Schalungselemente verwendet. Die Kletterschalung wird für vertikale, die Fahrschalung oder Wanderschalung (auf einem Fahrgestell montiert) für horizontale Schalungsprozesse eingesetzt. Die Gleitschalung wird im Gleitbau verwendet;

b) dicht verlegte Bretter als Unterlage für Pappe oder Schiefer als Dachdeckung.

Schalungsträger: verlängerungsfähiger Gitterträger von geringer Bauhöhe zur freien Unterstützung der Schalung für Stahlbetonkonstruktionen (Decken, Balken).

Schaluppe, Schlup: in Nord- und Ostsee früher verwendeter einmastiger Küstenfrachtsegler (unter 40 t) mit Gaffelsegel, auch ehemalige Bezeichnung für großes Beiboot mit Riemen und Segel.

Schamanismus: Teil des Religionssystems vieler, vor allem arktische und subarktische Völker; Glaube, dass angeblich dazu veranlagte Menschen (Schamanen, bei den nordamerikanischen Indianern Medizinmänner) durch Tanz, Gesang, Trommelschlagen und in Trancezuständen mit der vorgestellten Geisterwelt «in Verbindung» treten können; war bei den sibirischen Völkerschaften bis in die 20er Jahre ausgeprägt und kommt heute noch bei manchen Eskimo- und Indianergruppen vor.

Schamasch, akkadischer Sonnengott, Schützer von Recht und Wahrheit.

Schambein: paariger Beckenknochen, bei Mensch und Säugetieren in der Schamfuge knorpelig miteinander verbunden.

Schamil, 1797 März 1871, dagestanischer Imam seit 1834; Führer (bis 1859) der kaukasischen Bergvölker im Kampf gegen die zaristische Kolonialpolitik und gegen örtliche Feudalherren; 1859/70 nach Kaluga verbannt.

Schamjakin, Iwan, geboren 30.1.1921, belorussisch-sowjetischer Schriftsteller; gestaltete in Erzählungen und Romanen Ereignisse des Großen Vaterländischen Krieges und der Nachkriegsjahre («Niemand ist allein», 1964, deutsch); ethisch-moralischen Fragen der Gegenwart griff er in den Romanen «Das Bekenntnis» (1968, deutsch) und «Atlanten und Karyatiden» (1974) auf.

Schamlippen: bei der Frau die beiderseits der Schamspalte liegenden behaarten (große Schamlippen) und die den Scheidenvorhof begrenzenden unbehaarten Hautfalten (kleine Schamlippen).

Schamotte: gebrannter feuerfester Ton, der gemahlen und gesiebt wird. Schamottesteine werden aus Schamotte und Bindeton hergestellt und bei etwa 1400 °C gebrannt.

Schamottemörtel: Gemenge aus Schamotte- und Tonmehl oder Zement zum Ausmauern von Industrieöfen.

Schamschi-Adad, (assyrisch, «Gott ist meine Sonne») assyrische Könige: 1. Schamschi-Adad I., regierte um 1749/1717 vor Christus; einem einheimischen amurritischen Geschlecht entstammend, kam er durch einen Staatsstreich zur Macht und errichtete das erste assyrische Großreich, das vermutlich bis zum Mittelmeer reichte.

2. Schamschi-Adad V, gestorben 810 vor Christus, König seit 823 vor Christus. Unter seiner Herrschaft setzte die große politische Krise des assyrischen Reiches ein, die bis zur Mitte des 8. Jahrhundert vor Christus währte. Seine Gemahlin war die sagenumwobene Semiramis.

Schandau, Bad: Stadt im Kreis Pirna, Bezirk Dresden, rechts der Elbe, im Elbsandsteingebirge, 125 bis 240 m über dem Meeresspiegel; 4400 Einwohner; Herstellung von Fahrzeugsitzen und Kunstharzerzeugnissen; Transitbahnhof, Grenzübergang (Straße, Bahn) zur CSSR im nahegelegenen Schmilka, Eisenquelle, Kneippkurbad, Urlaubszentrum; Heimatmuseum, Pflanzengarten.

Schanker: Geschwür bei Geschlechtskrankheiten. Harter Schanker (Ulcus durum) ist ein linsen- bis bohnengroßes schmerzloses Erstgeschwür bei Syphilis, weicher Schanker (Ulcus molle) eine in Europa seltene, durch Geschlechtsverkehr übertragbare Infektion mit dem Streptobacillus Haemophilus ducreyi. Lymphogranulomatose Schanker bei Lymphogranuloma inguinale. Nur noch selten wird die Bezeichnung tuberkulöser Schanker verwendet (Auftreten eines geschwürigen Primärherdes an Haut oder Schleimhaut).

Schantar Inseln: aus 15 Inseln bestehende sowjetische Inselgruppe im Ochotskischen Meer; 2500 km2; gebirgig, auf der Hauptinsel Bolschoi Schantar (1790 km2) bis 701 m hoch (Wesjoloje); waldbedeckt.

Schanzkleid: rings um das Oberdeck von Schiffen in Verlängerung der Bordwände laufende volle Schutzwand (im Unterschied zur Reling).

Schanzzeug: Handwerkszeug, wie Spaten, Beil, Säge, Axt, Hacke, Drahtschere, mit dessen Hilfe Truppen Pionierarbeiten ausführen (Stellungsbau, Tarnung unter anderem).

Schaporin, Juri Alexandrowitsch, 8.11.1887 bis 9.12.1966, sowjetischer Komponist; seit 1939 Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium; schrieb Opern, Oratorien, Kantaten, Orchesterwerke, Chöre und Lieder und entwickelte besonders die epischen Traditionen der russischen Musik des 19. Jahrhundert weiter.

Schappe: aus Anfängen und Enden der Kokons gewonnene gröbere Raupenseide.

Schappeler, Christoph, 1472-25.8.1551, reformatorische Theologe; Anhänger Zwinglis; seit 1523 Pfarrer in Memmingen; Autor der Einleitung zu den Zwölf Artikeln, nach der Niederlage der Bauern 1525 Flucht, wurde Pfarrer in Sankt Gallen.

Schapper, Karl Christian Friedrich, 30.12.1812 bis 29.4.1870, Schriftsetzer; Mitbegründer des Bundes der Gerechten, des Deutschen Bildungsvereins für Arbeiter in London sowie des Bundes der Kommunisten; 1848/49 Mitarbeiter der «Neuen Rheinischen Zeitung»; vertrat im Kölner Arbeiterverein, dessen Präsident er 1849 wurde, die politische Linie von Marx und Engels; ab 1850 in der Emigration (London); 1865 Wahl in den Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation.

Schar: Geometrie eine im Allgemeinen unendliche Menge zusammengehöriger Kurven oder Flächen; analytisch durch Gleichungen mit Parametern dargestellt; zum Beispiel ist x2 + y2 = p2 eine Schar von konzentrischen Kreisen mit dem Radius p als Parameter.

Scharade: Rätselart, die das Losungswort in sinnvolle Silben zerlegt, zum Beispiel Sauerkraut = Sau|er|kraut: die erste frisst, die zweite isst, die dritte wird gefressen, das Ganze wird gegessen. Lebende Scharaden werden pantomimisch dargestellt.

Scharbockskraut, Ranunculus ficaria: gelb blühendes Hahnenfußgewächs mit rundlichen herzförmigen, glänzenden Blättern und Brutknöllchen in den Blattachseln; in Wäldern und auf Auwiesen; früher gegen Skorbut verwendet.

Schären: Textiltechnik geordnetes Aufwickeln einzelner Fadenbänder einer Kette in voller Fadenzahl auf eine Schärtrommel.

Schären: küstennahe kleine Felsinseln in ehemals vergletscherten Gebieten, die durch das Inlandeis überformt und abgeschliffen wurden. Sie bildeten sich bei der Meeresüberflutung einer Rundhöckerlandschaft und sind kennzeichnend für die Küsten Skandinaviens.

Schärf, Adolf, 20.4.1890-28.2.1965, österreichischer Sozialdemokratischer Politiker; 1945/47 Vorsitzender der sozialistischen Partei Österreichs, 1957/65 Bundespräsident.

Scharfenstein: Industriegemeinde im Kreis Zschopau, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Westerzgebirge, an der Zschopau; 1400 Einwohner; Bau von Haushaltkühlschränken; Burg (13. Jahrhundert).

Schärfentiefe, veraltet Tiefenschärfe: Fotografie Bereich vor und hinter der Ebene der Entfernungseinstellung, der auf der Aufnahme noch scharf abgebildet wird. Die Schärfentiefe ist vom Unschärfekreisdurchmesser, der Aufnahmeentfernung, der Objektivbrennweite und der Blendeneinstellung abhängig.

Scharff, Edwin, 21.3.1887-18.5.1955, Bildhauer, Maler und Graphiker; seit 1934 an der Kunstakademie in Düsseldorf tätig, 1937 von den Faschisten aus seinem. Lehramt entlassen; seit 1946 Professor an der Landeskunstschule Hamburg; schuf kraftvolle Monumentalbildwerke und Bildnisse («Rossebändiger», 1936/39; Büste H. Wölfflin, 1919) von großzügiger Formgebung und sensibler, oft malerischer-weicher Oberflächenbehandlung.

Scharffeuer: Brand, bei dem der keramischen Scherben dichtsintert.

Scharffeuerfarben: hochhitzebeständige Farben in der Porzellanindustrie für farbige Glasuren sowie als Unterglasurfarben. Die mit Scharffeuerfarben dekorierten rohen oder geglühten Porzellanwaren werden einem Porzellanglattbrand ausgesetzt. Zur Haftung der Farbe dient also die sehr hohe Temperatur von etwa 1400 °C (Scharffeuer).

Scharfrichter, Henker (mittelhochdeutsch, zu henken, «hangen machen»): Person, die Todesstrafen vollstreckte.

Schari, Chari: Hauptzufluss zum Tschadsee, in der Zentralafrikanischen Republik und in Tschad, im Unterlauf Grenzfluss Tschad/Kamerun; mit Quellfluss Bahr Sara 1450 km; entspringt auf der Asandeschwelle; hat bei Hochwasser über den Fluss Mayo Kebbi Verbindung zum Benuesystem; wichtigster Nebenfluss Logone (von links); im Unterlauf schiffbar.

Scharia: (arabisch, «der zu befolgende Weg») vom Koran begründetes islamisches Recht.

Scharkawi, Abd ar-Rahman asch-, geboren 10.11.1919, ägyptischer Schriftsteller und Dramatiker. Selbst aus einer Bauernfamilie stammend, schildert Scharkawi in seinen Romanen und Kurzgeschichten das Leben der ägyptischen Landbevölkerung in Vergangenheit und Gegenwart. Sein bekanntester Roman ist «Der bunte Gilbab» (1954, deutsch). In Dramen wandte sich Scharkawi vor allem historischen Themen zu.

Scharlach: 1. lebhaft rote Farbe.

2. Scharlach, Scarlatina: vorwiegend im Kindesalter auftretende fieberhafte Infektionskrankheit; meist durch Tröpfcheninfektion mit Streptokokken verursacht. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 5 Tagen kommt es zu Fieber, Mandelentzündung, Übelkeit, Kopfschmerz; 1 bis 2 Tage später tritt ein feinfleckiger roter Ausschlag (Exanthem) auf, das Mund-Kinn-Dreieck bleibt davon frei, die Zunge wird dunkelrot (Erdbeer-, Himbeerzunge). Scharlach wird erfolgreich mit Antibiotika (Penizillin) behandelt. Komplikationen sind Mittelohr-, Nieren- und Herzentzündungen.

Schärmaschine: Textiltechnik Maschine zum Schären einer Kette.

Scharmützelsee: See südlich von Fürstenwalde, von Endmoränenzügen umschlossen; 38 m über dem Meeresspiegel, 13,8 km2, bis 29 m tief; am Nordende Bad Saarow Pieskow, am Südwestufer Wendisch Rietz; Erholungsgebiet.

Scharnberg, Carl, geboren 27.6.1930, dänischer Lyriker, Erzähler und Publizist; schreibt politische Lyrik vom Standpunkt der revolutionären Arbeiterbewegung («Proletarier-Gedichte», 1975; «Politische Gedichte», 1976; «Heut weiß ich dieses», 1978); seine Prosaarbeiten und die zum Teil vertonten Gedichte sind Beiträge im Friedenskampf.

Scharnhorst, Gerhard Johann David von, 12.11.1755-28.6.1813, preußischer General, Militärtheoretiker; führte nach dem Frieden von Tilsit 1807 mit N. von Gneisenau und anderen Patrioten gegen den Widerstand der junkerlichen Kräfte Reformen im preußischen Heerwesen durch, schuf damit Grundlagen eines Volksheeres (Krümpersystem); als Kriegsminister (1808/10) um ein antinapoleonisches preußisch-russisches Bündnis bemüht, leitete 1813 die militärische Vorbereitung des nationalen Unabhängigkeitskrieges, in welchem er als Chef des Generalstabs der Blücherschen Armee den Folgen einer Verwundung erlag.

Scharnhorst-Orden: staatliche Auszeichnung für außerordentliche militärische Verdienste, hohe persönliche Einsatzbereitschaft bei der Erfüllung von Aufgaben des zuverlässigen Schutzes der DDR und der Stärkung ihrer Landesverteidigung; 1966 gestiftet, Einzel- und Kollektivauszeichnung.

Scharoun, Hans, 20.9.1893-25.11.1972, Architekt, lebte in Westberlin; seit den 20er Jahren Vertreter einer sogenannt organischen Architektur, die im Gegensatz zum streng rationalen Bauen abwechslungsreiche Raumlösungen, farbiges Glas, kurvige und freiplastische Formen bevorzugt. Hauptwerke sind zahlreiche Wohnbauten, die Philharmonie in Westberlin und andere öffentliche Gebäude.

Scharrer, Adam, 13.7.1889-2.3.1948, Schriftsteller; Sohn eines Gemeindehirten, früh der Arbeiterklasse verbunden; emigrierte 1933 in die Tschechoslowakei, 1935 in die UdSSR; ab 1945 in Schwerin. Scharrer stellte in dem autobiographisch geprägten Roman «Vaterlandslose Gesellen» (1930) den 1. Weltkrieg aus der Sicht des klassenbewussten Arbeiters dar. «Der große Betrug» (1931), die «Geschichte einer proletarischen Familie», wendet sich gegen die rechte Sozialdemokratie. In «Maulwürfe» (1934) veranschaulicht er die Faschisierung auf dem Lande. Am bekanntesten wurde sein autobiographischen Entwicklungsroman «Der Hirt von Rauhweiler» (1942); ferner «Dorfgeschichten einmal anders» (1948).

Scharrieren: Aufrauen von Steinoberflächen mittels Scharriereisen, wobei parallele Furchen entstehen; seit dem 15. Jahrhundert im Monumentalbau angewendet.

Scharteke: (Herkunft umstritten) wertloses (altes) Buch; Schmöker.

Schartigkeit, Lückigkeit: lückenhafter Kornbesatz in Getreideähren.

Schärttner, August, 31.1.1817-22.2.1859, Turnführer der Revolutionsjahre 1848/49; wurde 1849 Vorsitzender des Demokratischen Turnerbundes Deutschlands. 1857 aus politischen Gründen zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt, starb in der Emigration.

scharwenzeln: (tschechisch) schmeicheln, sich dienstbeflissen zeigen; auch heucheln, kriechen.

Scharwerk: im Feudalismus Frondienst der Bauern oder (auf den Gutsherrschaften) Landarbeiter, im Kapitalismus Nebenarbeit von Maurern und Zimmerleuten.

Scharyngol: Bergarbeitersiedlung im Norden der MVR, am gleichnamigen Fluss, südöstlich von Darchan; 6000 Einwohner; größter Braunkohlentagebau der MVR, durch eine Stichbahn mit der Transmongolischen Eisenbahn verbunden.

Schaschlik: auf Spießen wechselweise mit Speck, Leber, Zwiebeln aufgereihtes kleinstückiges Magerfleisch von Hammel oder Schwein, gewürzt und gebraten oder gegrillt, ursprünglich war Schaschlik die Bezeichnung für am Spieß gebratene Hammelstücke.

Schatalow, Wladimir Alexandrowitsch, geboren 8.12.1927, sowjetischer Kosmonaut; Teilnehmer am Raumflug mit Sojus 4, Kommandant von Sojus 8 und Sojus 10. Schatalow ist Leiter der sowjetischer Kosmonauten Ausbildung.

Schatrow, eigentlich Marschak, Michail Filippowitsch, geboren 3.4.1932, russisch-sowjetischer Dramatiker; wurde vor allem durch die dokumentarischen Dramen «Der 6. Juli» (1964, deutsch), «Bolschewiki» (1968, deutsch) und «Blaue Pferde auf rotem Gras» (1979, deutsch) bekannt, in denen er, ebenso wie in dem Monodrama «So werden wir siegen» (1982), Episoden aus dem Leben W. I. Lenins und seiner Kampfgefährten gestaltete; schrieb auch Filmszenarien («Zwei Zeilen, kleingedruckt», «Wo andere schweigen»).

Schatt al-Arab: gemeinsamer Unterlauf von Euphrat und Tigris in Vorderasien, zum Teil Grenzfluss zwischen Irak und Iran; 195 km; mündet südöstlich von Al-Fao mit einem Delta in den Persischen Golf; Nebenfluss von links Karun; Hafenstädte am schiffbaren Schatt al-Arab sind Khorramshahr und Abadan in Iran, Al-Basra und Al-Fao in Irak.

Schatten: Teil des Raumes hinter einem beleuchteten lichtundurchlässigen Körper, in den durch die geradlinige Lichtausbreitung weniger Licht fällt als in die Umgebung. Bei 2 punktförmigen Lichtquellen entstehen neben dem Kernschatten, in den kein Licht gelangt, außerdem die beiden Halbschatten, in die jeweils Licht von einer Quelle gelangt. Bei ausgedehnten Quellen wächst die Helligkeit stetig vom Kernschatten bis zum vollbeleuchteten Raum.

Schattenbild, Schattenriss, Silhouette (nach dem gleichnamigen französischen Finanzminister Ludwigs XV.): flächenhaftes Bild von Menschen oder Gegenständen, das schattengleich nur den Umriss der Gestalt zeigt. Das Schattenbild geht auf ostasiatischen Schattenspielern zurück, die im 18. Jahrhundert auch in Europa Mode wurden. Von etwa 1760 bis zum Beginn des 19. Jahrhundert waren die Schattenbilder sehr beliebt. Die Bildnis Silhouette galt dem Bürgertum in Deutschland und Frankreich als Ersatz für die höfliche Bildnisminiatur. Durch die Erfindung der Fotografie verlor das Schattenbild seit Mitte des 19. Jahrhundert an Bedeutung. Mit dem Schattenbild verwandt ist der Scherenschnitt, bei dem das Schattenbild ausgeschnitten und auf eine kontrastreiche Unterlage aufgeklebt wird. Das Spitzenbild entsteht durch Ausschneiden ornamentaler (spitzenartiger) Gebilde.

Schattenkabinett: im bürgerlichen Parlamentarismus als «Alternativregierung» von der stärksten Oppositionspartei gebildetes Gremium von Spezialisten für die verschiedenen Regierungsressorts, das im Falle eines Regierungswechsels entsprechende Regierungsfunktionen übernehmen könnte.

Schattenspiel, Schattentheater: besondere Art des Figurenspiels, bei dem vom Puppenführer an Führungsstäben bewegte flächige, zum Teil farbig durchscheinende Figuren mit Hilfe einer Lichtquelle als Schatten auf einen Spielschirm geworfen werden. Das Schattenspiel ist eine alte ostasiatische Volkskunst, am kunstvollsten im indonesischen Wajang ausgebildet; auch im Nahen Osten (Türkei) weit verbreitet; gelangte über Italien nach Europa.

Schattenvogel, Hammerkopf, Scopus umbretta: etwa 50 cm langer, brauner Schreitvogel Afrikas mit langer Federhaube am Hinterkopf und hohem Schnabel; baut auf Bäumen ein großes Kugelnest (bis 1,5 m Durchmesser) mit seitlichem Eingang; ernährt sich von Fischen, Amphibien unter anderem

Schatter: (zu «Schatten») zur partiellen Lichtfeldbegrenzung von Leuchten bei Filmaufnahmen verwendete mattschwarze, viereckige Blende unverändert. Größe.

Schattierung: die auf der Rückseite des im Buchdruckverfahren bedruckten Bogens sichtbare, durch das mehr oder weniger tiefe Einpressen der Druckelemente während des Druckvorganges entstandene reliefartige Markierung.

Schatzanweisung: kurz- oder mittelfristige Schuldverschreibung auf das Staatsvermögen, in kapitalistischen Staaten zum Beispiel zur Überbrückung ungedeckten Finanzbedarfs angewandt; führt bei gleichzeitiger Ausdehnung der Laufzeit der Schatzanweisung in der allgemeinen Krise des Kapitalismus zur Verschärfung des Inflationsprozesses und charakterisiert den hohen Grad innerer Verschuldung zahlreicher kapitalistischer Staaten.

Schatzfund: herkömmliche Bezeichnung für das Auffinden wertvoller Gegenstände (zum Beispiel alter Münzen), die solange verborgen waren, dass der Eigentümer nicht mehr ermittelt werden kann; die Gegenstände gehen in Volkseigentum über. Der Finder ist anzeigepflichtig und hat Anspruch auf Belohnung.

Schatzki, Nikolai Sergejewitsch, 28.8.1895-1.8.1960, sowjetischer Geologe; zahlreiche Beiträge zur vergleichenden regionalen Tektonik der Sowjetunion, zu vielen Kartenprojekten und zur Rohstofferkundung; Mitbegründer der neueren geologischen Formationslehre.

Schätzung von Parametern: mathematische Statistik näherungsweise Bestimmung unbekannter Parameter einer Grundgesamtheit auf der Basis einer Stichprobe aus dieser Grundgesamtheit; in der Schätztheorie werden Punkt- und Bereichsschätzungen unterschieden. Siehe auch Maximum-Likelihood-Methode.

Schaudinn, Fritz, 19.9.1871-22.6.1906, Zoologe und Mikrobiologe; gewann wichtige Erkenntnisse über Entwicklungszyklen bei Protozoen; entdeckte 1905 (mit E. Hoffmann) den Syphiliserreger.

Schauer: aus Quellwolken fallender, vorwiegend an Kaltfronten und an Gewitter gebundener Niederschlag (Regen, Schnee, Graupeln, Hagel), häufig von großer Intensität und kurzer Dauer.

Schauerleute: nicht ständig beschäftigte ungelernte oder angelernte Umschlagarbeiter in Häfen vieler Länder.

Schäufelein, Hans Leonhard, um 1480/85-um 1538/40, Maler und Graphiker, vermutlich Schüler A. Dürers; schuf Altäre, Bildnisse und Holzschnitte, insbesondere Buchillustrationen («Theuerdank»),

Schaufelfüße, Scaphiopus: nachtaktive Gattung der Krötenfrösche mit einer Hornschaufel an der Innenseite der Hinterfüße und feuchter glatter Haut. Schaufelfüße verbringen Trockenperioden tief unter der Erdoberfläche; ernähren sich von Insekten unter anderem; in Nordamerika bis Mexiko verbreitet.

Schaufelrad:

1. Maschinenbau: am Umfang mit Schaufeln besetztes Rad, zum Beispiel Laufrad (Läufer) der Wasser-, Dampf- oder Gasturbine.

2. Schiffbau: an Radschiffen seitlich mittschiffs oder am Heck angebrachtes, durch Dampfmaschine, Diesel- oder Elektromotor bewegtes Mühlrad ähnliche Antriebsmittel. Das Schaufelrad war, neben dem Segelantrieb, vor der Einführung der Schiffsschraube das übliche Vortriebsmittel, auch für Seeschiffe.

Schaufler: männliches Tier vom Elch- und Damwild, dessen Geweih schaufelartig verbreitert ist.

Schauki, Ahmad, 1868-14.10.1932, ägyptischer Lyriker und Dramatiker, pflegte die klassische Form arabischer Preis- und Klagegedichte und verfasste eine Reihe historischer Versdramen. Seinen Gedichten verdankt er den Beinamen «Fürst der Dichter». 1914 des Landes verwiesen, lebte er bis 1919 in Spanien. Nach Ägypten zurückgekehrt, schloss er sich der bürgerlichen nationalen Befreiungsbewegung an.

Schaum: feine Verteilung eines Gases (besonders Luft) in einer Flüssigkeit, wobei diese die Gasblasen in Form dünner Lamellen umschließt. Die Schaumbildung wird unter anderem durch niedrige Oberflächenspannung der Flüssigkeit, zum Beispiel nach Zusatz grenzflächenaktiver Stoffe (Seife, Eiweiß u. ä.), begünstigt. Bei der Flotation dient Schaum zur Erzaufbereitung. Der Schaum der Waschmittel ist ohne Einfluss auf die Waschkraft und erhöht lediglich das Schmutztragevermögen der Waschflotte. Unerwünschte Schaumbildung kann durch silikonhaltige Entschäumer verhindert werden.

Schaumburg-Lippe: historisches Gebiet im Bundesland Niedersachsen, östlich der Weser. Ein Teil der Grafschaft Schaumburg kam 1660 an das Haus Lippe, seitdem Schaumburg-Lippe; 1807/1918 war Schaumburg-Lippe Fürstentum, 1918 Freistaat; seit 1946 zum Land Niedersachsen (Landkreis).

Schaumglas: Mischung von Natriumsulfat haltigem Glaspulver mit Ruß, der beim Sintern (Erhitzen auf 800 °C) Kohlendioxid entwickelt und dadurch den zähen Glasfluss aufschäumt, bis er die Form ausfüllt. Anschließend wird der Schaum bei etwa 500 °C stabilisiert. Das entstandene Erzeugnis wird durch Kühlen entspannt; es ist sehr leicht (leichter als Kork), ziemlich druckfest (bis 0,7 MPa) und eignet sich vor allem als Wärme- und Schalldämmstoff.

Schaumjan, Stepan Georgijewitsch, 13.10.1878 bis 20.9.1918, armenischer Arbeiterführer; Mitbegründer der armenischen Sozialdemokratischen Partei (1902), wegen revolutionären Kampfes wiederholt verhaftet und verbannt; 1917 Vorsitzender des Sowjets in Baku und Mitglied des ZK der SDAPR, April/Juli 1918 Vorsitzender des Bakuer Rates der Volkskommissare; mit 25 anderen Kommunisten von britischen Interventen ermordet.

Schaumkalk: ein Oolith, der infolge weitgehender Auslaugung seiner Ooide porös ist.

Schaumkeramik: schaumig-poröses Material, das beim Erhitzen von Blähtönen und -schiefer durch Gasabspaltung und frühe Sinterung der Außenhaut entsteht. Bläht man die Rohstoffe in Stahlformen, erhält man Leichtziegel, die entweder unmittelbar verarbeitet oder gebrochen als Leichtzuschlagstoff verwendet werden.

Schaumkraut, Cardamine: Gattung der Kreuzblütengewächse mit geteilten Blättern und meist weißen Blüten; auf feuchten Wiesen das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) mit blasslilafarbenen oder weißlichen Blüten.

Schaumstoffe: aufgeschäumte Plaste oder Elaste mit Zellstruktur. Die Zellen können geschlossen oder miteinander verbunden, das heißt offen sein. Schaumstoffe haben eine Dichte von 0,005 bis 0,2 g/cm3; ihre Herstellung erfolgt durch Einrühren von Luft, insbesondere jedoch durch Anwendung von Treibmitteln während der Bildung der Makromoleküle. Nach dem Verhalten bei Druckbeanspruchung unterscheidet man zäh-harte Schaumstoffe (mit langsamer, teilweise reversibler Verformung, zum Beispiel Polystyrol- oder PVC-hart-Schaumstoffe), sprödharte Schaumstoffe (mit Zusammenbruch des Zellgefüges, zum Beispiel Harnstoffharz-Schaumstoffe) und weich-elastische Schaumstoffe (mit hoher elastischer Verformbarkeit, zum Beispiel PVC-weich-Schaumstoffe oder Elast-Schaumstoffe). Aus Polyurethanen lassen sich durch Variierung der Komponenten alle Typen herstellen. Schaumstoffe werden insbesondere als Leichtbauplatten, thermische und akustische Isolierungen, Verpackungsmaterial für bruchempfindliche Gegenstände und als Polstermaterial verwendet.

Schaumwein, Sekt (romanisch - lateinisch, «trocken» (da ursprünglich aus Trockenbeeren gekeltert)): erstmals in der Champagne (Champagner) durch alkoholische Gärung aus Sektgrundweinen (Mischung junger, aber fertiger Weine) hergestelltes moussierendes alkoholisches Getränk mit einem Kohlendioxiddruck von 0,3 MPa bei 10 °C in der Flasche. Man unterscheidet je nach dem Anteil an Restzucker Brut, Extra trocken, Trocken, Halbtrocken, Halbsüß und Siji8. Nach der Farbe werden weiße, rostfarbene und rote Schaumwein unterschieden. Der Volumenanteil an Alkohol beträgt zwischen 9 und 13,5%. Die besondere Geschmacksnote wird durch eine zweite Gärung unter Reinzuchthefezusatz und die Zugabe von Dosagelikör (kräftiger guter Wein mit Kandiszucker) erreicht.

Schauspiel: 1. Drama, Bühnendichtung.

2. Genrebezeichnung für Dramen mit glücklicher Lösung ernsthafter Konflikte, das heißt ohne die sogenannte Katastrophe der Tragödie am Schluss; kann sowohl trag, als auch komische Elemente enthalten.

Schauspieler: Darsteller von Rollen in Theaterstücken, Filmen, Fernsehspielen unter anderem; als Beruf in Europa seit dem 1. Jahrhundert nach Christus (im römischen Theater) und wieder seit der Renaissance (ausgehend von Italien, Spanien und England).

Schawlow, Arthur L., geboren 5.5.1921, US-amerikanischer Physiker, leistete bedeutende Beiträge zur Entwicklung des Lasers sowie der Laserspektroskopie.

Schaxel, Julius, 24.3.1887-15.7.1943, Biologe; arbeitete kausal-analytisch über Prozesse der tierischen Entwicklung, vertrat den dialektischen Materialismus. Er popularisierte die Wissenschaft, gründete 1924 die populärwissenschaftliche Zeitschrift «Urania»; emigrierte 1933 in die UdSSR

Schechtel, Fjodor Ossipowitsch, 7.8.1859 bis 7.7.1926, russisch-sowjetischer Architekt; Hauptmeister des russischen Jugendstils; seine Bauten zeigen aber auch die Verwendung von Elementen der historischen Architekturstile (Gotik, altrussische Architektur unter anderem). Hauptwerk ist das Palais Rjabuschinski (1902/06; Moskau).

Scheck: Anweisung des Ausstellers (Kontoinhaber) an seine Bank (Bezogener) zur Zahlung eines bestimmten Geldbetrages an den Benannten oder Überbringer. Barscheck werden ausgezahlt, Verrechnungsscheck nur bargeldlos verrechnet.

Scheele, Carl Wilhelm, 9.12.1742-21.5.1786, schwedischer Chemiker deutscher Herkunft; entdeckte Sauerstoff (um 1772, unabhängig von J. Priestley) und Chlor, isolierte viele organische Säuren; erkannte (z.T. gemeinsam mit J. G. Gahn) Braunstein und andere Oxide als Verbindungen noch unbekannter Elemente (Mangan, Wolfram, Molybdän).

Scheer: 1. Maximilian, 22.4.1896-3.2.1978, Schriftsteller und Publizist; 1933/47 Exil (Frankreich, USA); verfasste Reportagen, besonders über den antikolonialen Befreiungskampf («Arabische Reise», 1957; «Algerien Jugend im Feuer», 1959), Schauspiele und Hörspiele («Die Rosenbergs», 1953; «Der Weg nach San Rafael», 1971), Filmszenarien («Hotelboy Ed Martin», 1955), die Erinnerungsbücher «So war es in Paris» (1964), «Paris New York» (1966), die Autobiographie «Ein unruhiges Leben» (1975).

2. Reinhard von, 30.9.1863-26.11.1928, Admiral; plante im Oktober 1918 als Chef des Admiralstabes und der neugebildeten Seekriegsleitung einen «Todeskampf» gegen Großbritannien, um die revolutionäre Matrosenbewegung zu ersticken.

Scheffel, Schöffel, Schaff: a) altes (Getreide-) Hohlmaß zwischen 23 und 2231;

b) alte Flächeneinheit zwischen 1270 und 4200 m2, für die 1 Scheffel Saatgut erforderlich war.

Scheffel, Josef Victor, 16.2.1826-9.4.1886, Schriftsteller; Lieblingsautor des nachrevolutionären «Bildungsbürgertums»; in seinen Werken mischen sich volkstümliche mit romantischen-epigonalen Zügen (unter anderem Versepos «Der Trompeter von Säckingen», 1854; Roman «Ekkehard», 1855).

Schefferville: Stadt im Osten der Provinz Quebec (Kanada), am Nordufer des Knob Lake; 3 300 Einwohner; bedeutender Abbau hochwertiger Eisenerze (48 bis 60% Eisengehalt) seit 1954; Abbau in Tagebauen nur während der 5 bis 6 Sommermonate; durch Eisenbahnlinie mit Exporthäfen am Sankt-Lorenz-Seeweg (Sept iles, Port Cartier) verbunden.

Scheherazade: (nach Scheherezade) Ballett zu N. A. Rimski-Korsakows gleichnamiger sinfonischer Suite; choreographiert von M. M. Fokin (1910).

Scheherezade, (persisch, «von edlem Antlitz») Name der jungen Königin, die mit ihren Erzählungen in der orientalischen Märchensammlung «Tausendundeine Nacht» den grausamen Sinn ihres Mannes, sie nach der Hochzeitsnacht zu töten, wandelte.

Scheibe:

1. Bautechnik: Flächentragwerk in Form eines hohen, wandartigen Trägers, dessen äußere Kräfte in der mittigen Wirkungslinie erfasst werden.

2. Sport: Bogenschießen.

Scheibe, Richard, 19.4.1879-6.10.1964, Bildhauer und Graphiker; 1925/36 Lehrer am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main, 1936 Professor an der Preußischen Akademie der Künste, nach 1945 Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin. Neben Bildnissen schuf Scheibe vor allem weiblicher und männlicher Akte von erhabener Schönheit und strenger Formgebung.

Scheibenberg: Stadt im Kreis Annaberg, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im oberen Westerzgebirge, am Fuße des Scheibenberges (807 m; Säulenbasalt); 2400 Einwohner; Metall-, Plast-, Textilindustrie; schachbrettartig angelegte ehemalige Bergstadt, Renaissance-Stadtkirche; Erholungsort.

Scheibenläufermotor: meist permanenterregter Gleichstrommotor kleiner Leistung, dessen trägheitsarmer Scheibenanker aus beiderseits kupferkaschiertem Isoliermaterial Wicklung und Kommutator als gedruckte Schaltung trägt; besonders als Stellmotor (zum Beispiel für Roboterantriebe) geeignet.

Scheibenpistole: frühere Bezeichnung für den Wettbewerb mit der Freien Pistole.

Scheibenröhre: Elektronenröhre mit scheibenförmigen Elektroden zum Verstärken oder Erzeugen von Dezimeterwellen; der konstruktive Aufbau der Scheibenröhre ist an die Technik der koaxialen Schwingkreise angepasst und erfolgt als Triode oder Tetrode; Einsatz unter anderem als Senderöhre in UHF-Fernsehsendern.

Scheibenwaschanlage: vorwiegend in PKW eingebaute Vorrichtung zum Säubern der Frontscheibe mit Hilfe der Scheibenwischer. Das hierzu in einem Vorratsbehälter mitgeführte Wasser wird mittels einer Pumpe über Schläuche geleitet und aus Düsen auf die Scheibe gespritzt.

Scheibenwischer: an der Frontscheibe (vereinzelt auch an Heckscheibe und beziehungsweise oder Hauptscheinwerfern) von Kraftwagen beziehungsweise Straßenbahnen, Loks angebrachter, pendelnd bewegter Hebel mit Wischerblatt zum Entfernen von Niederschlags- oder Spritzwasser; bei Kfz zunehmend in Verbindung mit Scheibenwaschanlage. Siehe auch Wisch-Waschanlage.

Scheibenzüngler, Discoglossidae: vorwiegend im Wasser lebende Familie der Froschlurche mit scheibenförmiger Zunge, die beim Beutefang nicht hervorgeschnellt werden kann. Siehe auch Geburtshelferkröte, Unken.

Scheich, (arabisch, «Ältester») Scheik: arabischer Ehrentitel; Stammesführer (besonders der Beduinen); Ortsvorsteher.

Scheide, Vagina: bindegewebig-muskulöser Schlauch; Teil der inneren weiblichen Geschlechtsorgane; öffnet sich nach außen in den Scheidenvorhof und erweitert sich nach innen zum Scheidengewölbe.

Scheidemann, Philipp, 26.7.1865-29.11.1939, Sozialdemokratischer Politiker; 1918 Staatssekretär in der Regierung des Prinzen Max von Baden, während der Novemberrevolution Mitglied des Rates der Volksbeauftragten, maßgeblich an der Niederschlagung der revolutionären Arbeiterbewegung beteiligt; 13.2./20.6.1919 erster Reichskanzler (Ministerpräsident) der Weimarer Republik. 1933 Emigration nach Dänemark.

Scheidenentzündung, Kolpitis, Vaginitis: Entzündung der Scheidenhaut durch Krankheitserreger, zum Beispiel Bakterien, Soor, Trichomonaden, oder Follikelhormonmangel bei älteren Frauen. Symptome der Scheidenentzündung sind Ausfluss (dünn- oder dickflüssig, blutig, eitrig), Juckreiz und brennende Schmerzen.

Scheidenmuscheln, Solenidae: Meeresmuscheln mit langgestreckten, messerscheidenförmigen Schalen; leben auf Weich- und Sandböden und können sich mit dem kräftigen Fuß in wenigen Sekunden bis in 1 m Tiefe eingraben; Fischnahrung.

Scheidenvorfall, Prolapsus vaginae: Vortreten der Scheide vor die Vulva (meist durch Bindegewebeschwäche, bei körperlich schwer arbeitenden Frauen, nach vielen Geburten, nach Fehlbelastungen). Geringere Grade werden als Scheidensenkung (Descensus vaginae) bezeichnet. Der Scheidenvorfall tritt meist kombiniert mit Aussackung der Blase (Zystozele) und des Mastdarms (Rektozele) auf.

Scheidetrichter, Schütteltrichter: birnen- oder zylinderförmiges Glasgerät mit Abflusshahn zum Ausschütteln sowie zur Trennung ineinander unlösliche Flüssigkeiten von unterschiedlicher Dichte.

Scheidt, Samuel, 1587 (3.11. getauft) 24.3.1654, Komponist und Organist; war seit 1619 Hofkapellmeister, seit 1628 Director musices in Halle; ein Hauptmeister der Orgelkunst, des geistlichen Konzerts sowie der instrumentalen Liedbearbeitung und frühen Suite. Starken Widerhall fand seine «Tabulatura nova» (3 Bände, 1624) für Tasteninstrumente, die bis in die Bach-Händel-Zeit nachwirkte.

Scheimpflug-Bedingung: (nach einem österreichischen Kartographen) Bedingung für die scharfe optische Abbildung bei schräg zur optischen Achse stehender Objekt- und Bildebene, wonach sich Objektebene, Hauptebene des optischen Systems und Bildebene in einer Geraden schneiden müssen.

Schein, Johann Hermann, 20.1.1586-19.11.1630, Komponist; seit 1616 Thomaskantor in Leipzig; war mit Motetten, geistlichen Konzerten, weltlichen mehrstimmigen Chorliedern («Musica boscareccia, Wald-Liederlein», 3 Bände, 1621/28, unter anderem, häufig auf eigene Texte) und Instrumentalsuiten («Banchetto musicale», 1617) einer der bedeutendsten Musiker des 17. Jahrhundert, Kantorentradition und deutsches Volkslied mit dem neuen italienischen Generalbassstil verbindend.

Scheinarchitektur: gemalte Architektur, die eine architektonische Gliederung der Wand oder Decke bezweckt, oder die illusionistische Erweiterung eines Innenraums durch seine Fortführung in perspektivisch konstruierter gemalter Architektur. Die Antike kannte bereits eine phantastische Scheinarchitektur, allerdings ohne Zentralperspektive. Auch im Mittelalter gab es Beispiele malerisch vorgetäuschter Bauglieder. Als Begründer der neuzeitlichen Scheinarchitektur gilt A. Mantegna. Ihren Höhepunkt erlebte die Scheinarchitektur in der barocken Decken- und Bühnenmalerei.

scheinbare Größe: Tangens des Sehwinkels w„ unter dem ein Objekt der Größe y dem Auge erscheint. Mit der Sehweite a, gilt tan w, = y/a,.

Scheinfossilien, Pseudofossilien: anorganische Bildungen im Gestein, die für Fossilien gehalten werden können, zum Beispiel moosähnliche Dendriten.

Scheinleistung: Produkt der Effektivwerte von Stromstärke und Spannung (Betrag der komplexen Leistung) Wechselstrom. Zeichen S, P„ SI-Einheit Volt-Ampere (VA). Die Scheinleistung wird als Leistung für Kraftwerke, Generatoren, Transformatoren unter anderem angegeben.

Scheinquitte: ein Rosengewächs; die Japanischen Scheinquitte (Chaenomeles lagenaria) ist ein sparriger Zierstrauch aus Ostasien mit großen, roten Blüten und großen Nebenblättern.

Scheinträchtigkeit: hormonale Erkrankung der Hündin, bei der ohne vorangegangene beziehungsweise bestehende Trächtigkeit Anzeichen einer Laktation vorhanden sind. Außerdem ist eine Veränderung des Wesens zu beobachten. Scheinträchtigkeit tritt vorrangig bei Hündinnen kleiner und mittelgroßer Rassen auf, im Allgemeinen 4 bis 8 Wochen nach der Läufigkeit.

Scheinwerfer:

1. Kraftfahrzeugtechnik: Beleuchtungseinrichtung zum Ausleuchten der Fahrbahn während der Dunkelstunden. Kraftwagen müssen mit 2 gleichfarbig und gleichstark nach vom leuchtenden, symmetrisch angeordneten, auf Fern- und Abblendlicht umschaltbaren (Haupt-) Scheinwerfer ausgerüstet sein, Krafträder lediglich mit 1 Scheinwerfer; siehe auch Breitstrahler, Halogenscheinwerfer.

2. Lichttechnik: Leuchte, bei der mittels Spiegel- oder Linsenoptik der Lichtstrom der Lampe in einem engen Raumwinkel und dadurch mit hoher Lichtstärke abgestrahlt wird. Scheinwerfer für Außenbeleuchtung werden (außer bei Flutlichtanlagen) Anstrahler genannt.

Scheinwerfer: Einbauscheinwerfer Anbauscheinwerfer

Scheitel: (zu «scheiden»)

1. Bautechnik: Bogen.

2. Geometrie: Punkt bei Kurven (zum Beispiel Ellipse) oder Flächen, in dem die Krümmung einen Extremwert hat. Siehe auch Winkel.

Scheitelbein, Parietale: paariger Knochen des Schädeldaches.

Scheitelbeineinstellung: Geburtseinstellung des kindlichen Kopfes, Anpassungsvorgang bei verengtem mütterlichem Becken. Dabei schiebt sich ein Scheitelbein über das andere; führt zur Verkleinerung des Kopfdurchmessers. Spontan gebärfähig ist die vordere Scheitelbeineinstellung, gebärunfähig die hintere Scheitelbeineinstellung.

Scheitelfaktor: Verhältnis des Scheitelwertes einer Wechselgröße zum Effektivwert; Zeichen k,.

Scheitelwert: Elektrotechnik Höchstwert (Maximalwert) einer Wechselgröße, bei zeitlich sinusförmigen Größen Amplitude genannt.

Scheiterhaufen: Holzstoß (aufgeschichtete Holzscheite) zur Feuerbestattung oder zum Vollzug des Feuertods (im Mittelalter oft Hinrichtungsart für Ketzer).

Scheitholt, Scheitholz: langgestreckte, kastenförmige, einfache Schmalzither des abendländischen Musizierens im Mittelalter mit Metallbünden am Griffbrett und bis zu 5 Metallsaiten; noch heute als Volksinstrument gebräuchlich.

Schelde, Escaut: Fluss im Norden Frankreichs, in Belgien und in den Niederlanden; 430 km; entspringt im Norden Frankreichs, nördlich von Saint-Quentin, durchfließt Toumai, Gent, Antwerpen, mündet mit Mündungstrichter (Westerschelde) in, die Nordsee; schiffbar, Kanäle zu Somme, Oise, Scarpe, Sambre und Rhein.

Scheler: Max, 22.8.1874-19.5.1928, Philosoph; übertrug die phänomenologische Methode E. Husseins auf Ethik, Anthropologie, Kultur- und Religionsphilosophie sowie auf die «Soziologie des Wissens»; Mitbegründer der bürgerlichen Wertphilosophie und philosophische Anthropologie.

Schelf: Kontinentalsockel, der sich in unterschiedlicher Breite bis zum Beginn des steiler zur Tiefsee abfallenden Kontinentalabhangs (bis etwa 200 m Tiefe) erstreckt. Der Schelf nimmt insgesamt =7,8% der Fläche des Weltmeeres ein. Über dem Schelf breitet sich das Schelfmeer als an das Festland angrenzende Flachsee aus.

Schellack: gereinigtes Ausscheidungsprodukt der Lackschildlaus (Schildläuse); ein hellbraunes Harz, das zur Herstellung von Spirituslacken (zum Beispiel für Möbel) verwendet wird.

Schellemann, Carlo, geboren 9.8.1924, Maler und Graphiker der BRD; Mitorganisator der Wanderausstellung «Künstler gegen den Atomkrieg» (1958/63) und Mitbegründer der progressiven Künstlergruppe «tendenz» sowie der Kunstzeitschrift «tendenzen». Sein künstlerisches Schaffen setzte nach 1945 mit sozialkritischen Themen ein, wobei er besonders bemüht war, Widersprüche der imperialistischen Gesellschaft aufzudecken; er verarbeitete Formerfahrungen vor allem des Surrealismus und der proletarisch-revolutionären Kunst. Er entwickelte sich seit seinen politischen Graphikzyklen der 50er Jahre zu einem der bedeutendsten sozialistischen Künstler der BRD.

Schellen: kleine runde Gefäßrasseln aus Messing, meist mit einem länglichen oder kreuzförmigen Schlitz versehen, in deren Innerem sich kleine Steine oder Metallkugeln befinden, die beim Schütteln ein helles Klingeln erzeugen. Die Schellen werden im Orchester als Schellenband, in der Blasmusik als Schellenbaum und in der spanischen Volksmusik als Schellentrommel verwendet.

Schellenbaum: Tragstange mit geschweiften Querriegeln, an denen Schellen und Rossschweife befestigt sind; im 18. Jahrhundert aus der Janitscharenmusik in die europäischen Blasmusik übernommen; dient heute mit zusätzlichen Verzierungen und Emblemen großen Blasorchestern als besonderes Schmuckstück.

Schellfisch, Melanogrammus aeglefinus: bis 1 m langer dorschartiger Schwarmfisch mit schwarzem Fleck oberhalb der Brustflosse; lebt im nördlichen Atlantik; Nutzfisch.

Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph, 27.1.1775 bis 20.8.1854, Philosoph; Vertreter der klassischen deutschen Philosophie; wirkte nachhaltig auf die Romantik. Schelling entwickelte unter dem Einfluss von B. Spinoza, I. Kant und J. G. Fichte eine idealistische Naturphilosophie, in der er, die Leistungen der Naturwissenschaft, besonders der Physik, Chemie und Biologie verallgemeinernd, die Einheit von Geist (Mensch) und Natur vertrat. In seiner Naturdialektik bestimmte Schelling den Widerspruch (die Polarität) als das allgemeine, aller Evolution zugrunde liegende Weltgesetz. Er formulierte fruchtbare Gedanken zur Subjekt-Objekt-Dialektik und zur ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit. Von der preußischen Reaktion ließ sich Schelling zur Unterdrückung der progressiven Konsequenzen der Hegelschen Philosophie missbrauchen. Zuletzt vertrat er mystisch-theosophische Auffassungen.

Scheltopusik, Ophisaurus apodus: bis 1,5 m lange, gliedmaßenlose Schleiche; braun mit tiefer Seitenfalte; Kiefer kräftig; ernährt sich bevorzugt von Gehäuseschnecken; von Südosteuropa bis Vorderasien verbreitet.

Schema: Zeichner. Darstellung des Wesentlichen eines Sachverhalts, zum Beispiel beim Schaltschema die Schaltung elektrische oder hydraulische Bauelemente, beim technologischen Schema die Arbeitsgänge.

Schematismus: übertriebene Vereinfachung; gedankenlose Nachahmung eines Schemas; willkürliche Vereinheitlichung.

Schembartlaufen: (mittelhochdeutsch schembart, «Maske mit Bart») Fastnachtsbrauch, besonders bekannt in Nürnberg; 1457 dort von den Patriziern als Privileg erworben, 1539 Verbot; im 16. Jahrhundert als Erinnerung in zahlreichen Bildchroniken (Schembartbücher) festgehalten.

Schemen: (mittelhochdeutsch, zu «schimmern») Schatten, Trugbild; Gespenst.

Schendel, Arthur van, 5.3.1874-11.9.1946, niederländischer Schriftsteller; wurde mit neuromantischen Prosa (Erzählungen «Ein Wanderer», 1904/07, deutsch) bekannt, wandte sich zwischen den beiden Weltkriegen dem Realismus zu, so mit den Romanen «Das Vollschiff Johanna Maria>» (1930, deutsch) und «Ein holländisches Drama» (1935). Schendel, der als bedeutendster niederländischer Prosaschriftsteller dieser Periode gilt, schrieb auch historisch-biographische Studien, Skizzen und Gedichte.

Schenectady: Stadt im Osten des Bundesstaates New York (USA), am Mohawk River und Barge Kanal, nordwestlich von Albany; 68000 Einwohner; elektrotechnische/elektronische Industrie (General Electric Company) unter anderem; Hochschule, Versuchslaboratorien.

Schenkel:

1. Anatomie: oberer und unterer Abschnitt der hinteren Gliedmaßen der Wirbeltiere beziehungsweise der unteren Gliedmaßen des Menschen.

2. Geometrie: Winkel.

Schenkelhals: zwischen Gelenkkopf und Schaft des Oberschenkelknochens zu dessen Längsachse winklig angeordneter kurzer Knochenabschnitt

Schenkelhalsbruch: Knochenbruch im Bereich des Schenkelhalses mit schlechter Heilungstendenz infolge unzureichender Blutversorgung. Die Behandlung erfolgt operativ durch Schenkelhalsnagelung.

Schenkelpolläufer: Läufer von (Schenkelpol-) Synchronmaschinen mit 4 oder mehr ausgeprägten Polen, Gleichstromerregerwicklung auf dem Polkern und zum Teil mit Kurzschlusswicklung (Dämpfer-, Anlaufkäfig) in den Polschuhen.

Schenkendorf, Max (eigentlich Ferdinand) von, 11.12.1783-11.12.1817, Dichter; schrieb während der Befreiungskriege sangbare Gedichte («Freiheit, die ich meine», «Muttersprache»), Sein Patriotismus trug restaurativ-feudale Züge.

Schenkung: vertragliche, unentgeltliche Zuwendung (eines Vermögensvorteils). Sie bedarf keiner Form, ist aber nur wirksam mit der Übergabe, insbesondere Übereignung des Geschenks; das Versprechen einer Schenkung ist unverbindlich. Die Schenkung ist unwiderruflich. Der Schenker haftet dem Beschenkten für zugefügte Schäden nur, wenn er vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat.

Schenkung von Todes wegen: unentgeltliche Zuwendung (eines Vermögensvorteils) unter der Bedingung, dass der Empfänger den Verfügenden überlebt; nur durch Testament möglich.

Scherbius-Maschine: ständererregte Drehstrom Kommutatormaschine, die als Hintermaschine in Kaskadenschaltung mit Drehstromasynchronmotoren großer Leistung zur Blindleistungskompensation eingesetzt wird.

Scherchen, Hermann 21.6.1891-12.6.1966, Dirigent; setzte sich als Dirigent, Organisator, Herausgeber und Lehrer hervorragend für die neue Musik des 20. Jahrhundert ein; als Leiter von Arbeiterchören popularisierte er russische und andere Revolutionslieder («Unsterbliche Opfer»).

Schere:

1. Anatomie: scherenartig umgebildete Gliedmaße bei Gliederfüßern, zum Beispiel beim Flusskrebs oder bei der Strandkrabbe.

2. Fertigungstechnik: Handwerkszeug, Vorrichtung oder Maschine zum Trennen fester Werkstoffe. 2 mit Schneiden versehene Schermesser gleiten aneinander vorbei und zerschneiden den zwischen ihnen befindliche Werkstoff oder scheren ihn ab. Bei Handschere sind beide Schermesser beweglich in einem gemeinsamen Drehpunkt verbunden und um diesen schwenkbar. Handhebelschere sind ortsfest und mit je einem festen und bewegliche Messer ausgerüstet. Maschinenschere haben ebenfalls je ein festes und bewegliches, aber maschinell angetriebenes Obermesser. Dieses ist bei Hebelschere unter einem Winkel, bei Parallelschere parallel zum festen Messer beweglich. Tafelschere, mit Tisch und langem Messer, dienen zum Schneiden von Blech, Knüppelschere zum Trennen von Halbzeug (Stabstahl, Stahlknüppel), Profilschere zum Trennen von Walzprofilen unter Verwendung speziell geformter Messer.

3. Gerätturnen: Beinschwungbewegung beim Turnen am Pauschenpferd; die seitwärts schwingenden Beine wechseln in der höchsten Lage ihre Position (das vor dem Pferd schwingende Bein nach hinten, das hinten schwingende Bein nach vom).

Scherenbahn: Sportkegelbahn mit einer ausgekehlten Bohle, die scherenartig zu beiden Eckkegeln führt.

Scheremetew, Boris Petrowitsch Graf, 5.5.1652-28.2.1719, russischer Feldmarschall und Diplomat; enger Mitarbeiter Peters I.; befehligte während des Nord. Krieges die Infanterie des russischen Heeres in der siegreichen Schlacht bei Poltawa (1709).

Scheren: Pelzbearbeitung Verkürzen und Egalisieren des Haarkleides von Pelzfellen mittels Schermaschinen. Siehe auch Hochschur, Tiefschur.

2. Textiltechnik: Abschneiden abstehender Faserenden (hauptsächlich bei gerauter Ware) auf Schermaschinen, um eine glatte Oberfläche zu erzielen.

Scherenbiss: normale Frontzahnbisslage, bei der bei geschlossener Zahnreihe die oberen Schneidezähne die Zahnkronen der unteren bis zu einem Drittel überdecken.

Scherenfernrohr: bei der Artillerie verwendetes Doppelperiskop, dessen Objektive an den Enden zweier seitlich gespreizter Arme sitzen (10- bis 20fache Vergrößerung); dient zur Beobachtung und zum Messen von Winkeln.

Scherengitter: Schutzgitter vor Türen, Schaufenstern unter anderem, zusammenschiebbar und in Führungsschienen laufend; besteht aus Gitter- und scherenartigen Spreizstäben.

Scherenschnäbel, Rynchops: mit den Seeschwalben verwandte Wasservögel mit stark verlängertem Unterschnabel, mit dem im Fluge die Wasseroberfläche nach Nahrung durchpflügt wird. Die nachtaktiven etwa 40 cm großen Scherenschnäbel leben in 3 Arten an größeren Flüssen und Seen Afrikas, Indiens und Amerikas; sie brüten in Kolonien auf Sandbänken. Das Gelege besteht aus 2 bis 3 Eiern.

Scherer, Wilhelm, 26.4.1841-6.8.1886, Germanist; führender Vertreter der positivistischen Literatur- und Sprachwissenschaft (Monographie über J. Grimm, 1865; «Zur Geschichte der deutschen Sprache», 1868; «Geschichte der deutschen Literatur), 1883).

Scherfig, Hans, 8.4.1905-28.1.1979, dänischer Schriftsteller und Maler, setzte Traditionen der dänischen sozialistischen Literatur fort. Die Satire seiner oft als Kriminalromane angelegten Werke («Der verschwundene Kanzleirat», 1938, deutsch; «Der versäumte Frühling», 1940, deutsch) richtet sich gegen die Krise der bürgerlichen Gesellschaft und den kapitalistischen Kunstbetrieb («Der tote Mann», 1937, deutsch; «Der verlorene Affe», 1964, deutsch). Eine umfassende Bilanz des antifaschistischen Widerstandskampfes enthält der Roman «Schloss Frydenholm» (1962, deutsch). Scherfig schrieb auch Reiseberichte über sozialistische Länder und zahlreiche publizistische Arbeiten.

Scherf lein, Scherf (zu «Scherbe»): alte, besonders kleine deutsche Scheidemünze, im Mittelalter % Pfennig; übertragen kleiner Beitrag, Almosen.

Scherge: (althochdeutsch, «Scharmeister») Büttel, Häscher; Vollstrecker der Befehle eines Machthabers.

Schering-Brücke: (nach einem Elektrotechniker) Brückenschaltung zur Messung von Kapazitäten und Verlustfaktoren bis zu Frequenzen von mehreren hundert kHz und unter gleichzeitigem Anliegen hoher Gleichspannungen.

Schermaus, Arvicola terrestris: maulwurfsgroße Wühlmaus Eurasiens mit dichtem, glänzendem Fell, die nachtaktiv in flach unter der Bodenoberfläche verlaufenden Gängen lebt; durch Fraß an Pflanzenwurzeln schädlich. Siehe auch Nagetiere.

Schermützelsee: See in der Mark. Schweiz, bei Buckow; 146 ha, bis 43 m tief; von Wald umgeben; Ausflugsgebiet.

Scherrer, Paul, 3.2.1890-25.9.1969, schweizerischer Physiker; entwickelte mit P. Debye das Debye-Scherrer Verfahren.

Schertlin von Burtenbach, Sebastian, 12.2.1496 bis 18.11.1577, Landsknechts Führer in wechselnden Diensten (bis 1530 im Schwäbischen Bund); Verfasser einer Autobiographie, die anschaulich das Landsknechtsleben seiner Zeit schildert.

Scherung: Physik Verformung durch Kräfte, die tangential zur Ebene gerichtet sind, an der sie angreifen.

scherzando, scherzoso: Musik scherzend.

Scherzapfen: gabelartige Verbindung der Sparren am First eines Sparrendaches.

Scherzer, Manfred, geboren 2.6.1933, Violinist; wirkte unter anderem 1950/53 an der Staatskapelle Dresden, 1953/73 als 1. Konzertmeister an der Oper Berlin und 1973/75 als Solist und 1. Konzertmeister im Gewandhausorchester Leipzig; umfangreiche internationale Konzerttätigkeit; gründete 1978 das Dresdner Kammerorchester; seit 1976 Professor an der Dresdner Musikhochschule.

Scherzo: (deutsch, «Scherz») sehr bewegter, rhythmisch prägnanter Instrumentalsatz (mit Trio Teil) im %- oder %-Takt in Sinfonie, Sonate und Kammermusik, seit Haydn und Beethoven oft an Stelle des Menuetts; auch selbständiges Instrumentalstück.

Schestalow, Juwan, geboren 22.6.1937, sowjetischer Schriftsteller aus dem Volk der Mansen; schreibt meist in russischer Sprache und trat vor allem mit Erzählungen (Sammelband «Heidnisches Poem», 1971) hervor, in denen er die von der sozialistischen Umgestaltung grundlegend veränderte Lebensweise der Mansen darstellt; dabei verarbeitet er auch die mythologische Überlieferungen seines Volkes.

Scheuermannsche Erkrankung, Adoleszentenkyphose: Verknöcherungsstörung der Brust- und Lendenwirbelsäule im Jugendalter, bei der Knorpelgewebe der Zwischenwirbelscheiben in die benachbarten Wirbelkörper einbricht und diese keilartig deformiert. Die Folge sind Veränderungen der Rückenform und vorzeitiger Verschleiß der Wirbelsäule. benannt nach dem dänischen Orthopäden Holger Werfel Scheuermann (1877-1960). Siehe auch Spondylose.

Scheveninger System: (nach dem niederländischen Seebad Scheveningen) Schach Turnierform für Mannschaftskämpfe, wobei jedes Mitglied der einen gegen jedes Mitglied der anderen Mannschaft spielt.

Schewtschenko: Stadt in der Kasachischen SSR und Gebietszentrum von Mangyschlak, am Kaspischen Meer; früher Aktau; 145000 Einwohner; Erdöl- und Erdgasverarbeitung; Plastikwerk; Kernkraftwerk (350 MW; mit Anlage zur Meerwasserentsalzung); Hafen, Eisenbahnfähre nach Baku.

Schewtschenko, Taras, 9.3.1814-10.3.1861, ukrainischer Nationaldichter und Maler; Begründer des kritischen Realismus in der ukrainischen Literatur und Schöpfer der ukrainischen Literatursprache. Schewtschenko schuf anfangs als Maler klassizistischer Bildnisse und Historienbilder, dann realistische Volksszenen und Landschaften, wandte sich später immer mehr dem poetischen Schaffen zu. In volksliedhaften Gedichten, Balladen, historische Verserzählungen unter anderem gestaltete er von demokratischen Positionen und mit großer Ausdrucksfähigkeit das Fühlen, Denken und Handeln der ukrainischen Bauern. Seine bedeutendste Gedichtsammlung ist «Der Kobsar» (1840, deutsch) mit dem großen historischen Poem «Die Haidamaken». Das dichterische Werk Schewtschenkos als Synthese von tiefen philosophischen Ideen, fortschrittlicher Idealen und hoher künstlerischer Meisterschaft war der Höhepunkt der ukrainischen Literatur im 19. Jahrhundert.

Schiaparelli, Giovanni Virginio, 14.3.1835-4.7.1910, italienischer Astronom; beobachtete vor allem Meteore und Planeten und entdeckte die «Marskanäle».

Schibanow, Michail, gestorben nach 1789, russischer Maler, gilt als Begründer der bäuerlichen Genremalerei in Russland.

Schibarpass: Gebirgsübergang zwischen Hindukusch und Kuh-i-Baba, in Afghanistan; 2 987 m. Die wenig ausgebaute Passstraße umgeht den Hindukusch an seiner Westflanke und verbindet Kabul mit den nördlichen Landesteilen; durch den Ausbau der Salang-Pass-Straße hat der Schibar-Pass an Bedeutung verloren.

Schicht: 1. Abschnitt eines Arbeitstages bei betrieblichen Arbeitszeitregelungen an Arbeitsplätzen, die täglich länger als 8 Stunden oder durchgängig zu besetzen sind (zum Beispiel Tagschicht, Nachtschicht, Spätschicht).

2. durch Ablagerung entstandener plattenförmiger Gesteinskörper.

soziale Schicht: den Klassen untergeordnete Gruppe von Menschen mit gemeinsamen sozial bedeutenden Merkmalen (Stellung und Funktion im Reproduktionsprozess, Charakter der Arbeit, Arbeits- und Lebensbedingungen, Bildungsgrad unter anderem). Soziale Schicht bestehen innerhalb der Klassen (zum Beispiel Groß-, Mittel-, Kleinbourgeoisie; Angestellte), sind Zwischen- oder Mittelschichten (zum Beispiel Handwerker, Gewerbetreibende) oder bilden sich aus Angehörigen verschiedener Klassen und Schichten (zum Beispiel Intelligenz). Sie sind von unterschiedlichen, oft großer Bedeutung im ökonomischen, politischen und geistig-kulturellen Leben der Gesellschaft, insbesondere für die Bündnispolitik; Charakter und Entwicklung der Gesellschaft werden jedoch durch die Klassen bestimmt

Schichtfestmeter, Zeichen Sftn: auf die Raummaßeinheit Festmeter gegründete Einheit für lose aufgeschichtetes Roh- oder Restholz; 1 Sfm = 1 m3 feste Holzmaße.

Schichtflut: kurzfristiger flächenhafter Abfluss von Regenwasser auf Hängen. Die Wasserschicht kann mehrere Zentimeter bis Dezimeter betragen. Die zur Flächenspülung führende Schichtflut tritt besonders in den wechselfeuchten Tropen und Subtropen auf.

Schichtgarantie: Methode im sozialistischen Wettbewerb zur Erschließung von Reserven für die Intensivierung der Produktion. Das Wesen der. Schichtgarantie besteht darin, auf der Basis einer optimalen Nutzung, Bedienung, Fahrweise der Maschinen und Anlagen, ihrer einwandfreien Wartung und Pflege während der gesamten Schicht höchste Qualität mit geringstem Material- und Energieeinsatz zu sichern und bei Schichtübergabe bis in die nächste Schicht hinein für eine bestimmte Zeit die Garantie für den ungestörten Fortgang der Produktion zu übernehmen. Die Schichtgarantie wurde nach dem IX. Parteitag der SED (1976) in den Leuna-Werken «Walter Ulbricht» entwickelt und findet in wachsendem Maße auch außerhalb der chemischen Industrie Anwendung.

Schichtholz: a) Holzsortiment der Forstwirtschaft zur Erzeugung von Papier, Zellstoff, Holzfaserplatten unter anderem;

b) Lagenholz mit paralleler Faserrichtung der Furnierlagen.

Schichtprämie: Lohnzuschlag bei (mindestens sechsstündiger) Nachtarbeit für Werktätige in Betrieben und Einrichtungen.

Schichtpreßstoffe: Werkstoffe aus aufeinander geschichteten Papier- oder Gewebebahnen sowie Holzfurnieren, die mit härtbaren Kunstharzen, insbesondere Phenolharzen, durch Wärme und hohen Druck in Etagenpressen miteinander verbunden werden. Schichtpreßstoffe haben ausgezeichnete mechanische Festigkeitseigenschaften. Die wichtigsten Schichtpreßstoffe sind Hartpapier und Hartgewebe, beide werden hauptsächlich als Elektroisolierstoff und zur Herstellung von Gleitlagern, Zahnrädern unter anderem verwendet. Dekorative Schichtpreßstoffe erhält man durch Mitverwendung farbiger beziehungsweise gemusterter Papiere in den Deckschichten, wobei vielfach farblose Melaminharze als Bindemittel dienen.

Schichtstufe, Landstufe-, in flach geneigten, unter-schiedlich widerständigen Gesteinsschichten durch Verwitterung und Abtragung gebildete Geländestufe. Die widerständigeren Schichtglieder bilden jeweils die Stufen, die weniger widerständigen die flachen Hänge beziehungsweise flach geneigte Verebnungsflächen. Man unterscheidet Stufenstirn mit Trauf (Oberkante) am Steilabfall, Landterrasse (auch als Stufenlehne und Stufenrückland bezeichnet) an der flacheren Abdachung. Bei sehr stark geneigten Schichten entstehen Schichtkämme beziehungsweise Schichtrippen. Räumlich aufeinanderfolgende Schichtstufen bilden eine Stufen- beziehungsweise Schichtstufenlandschaft (zum Beispiel Rand des Thüringer Beckens).

Schichtung: für Sedimentgesteine charakteristische Lagerungsform. Sie beruht auf Wechsel des zur Ablagerung kommenden Gesteinsmaterials oder auf zeitweiliger Unterbrechung der Ablagerung.

Schick, Gottlieb, 15.8.1776-11.4.1812, Maler, Schüler von J. L. David in Paris; zu seinen Hauptleistungen gehören Bildnisse, in denen sich bei starker Betonung des Zeichnerischen eine klassizistische Grundhaltung mit romantischen Empfinden verbindet.

Schickele, René, 4.8.1883-31.1.1940, Schriftsteller, wandte sich als bürgerlicher Individualist scharf gegen den Kapitalismus, dessen soziale Widersprüche er geistig und emotional überwinden wollte. Als Wortführer der Schriftstelleropposition gegen den imperialistischen Krieg (Roman «Benkal, der Frauentröster», 1913; Zeitschrift «Die weißen Blätter», 1914/20; antimilitaristisches Stück «Hans im Schnakenloch», 1916) ging er 1916/18 ins Schweizer Exil. In der Romantrilogie «Das Erbe am Rhein» (1926/31), einer Familiengeschichte im Elsaß, zeigt er den Zerfall der alten Gesellschaft, nicht die Kräfte ihrer Erneuerung. Von 1925 bis zu seinem Austritt 1934 war Schickele Mitglied der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste. 1932 emigrierte er als Antifaschist nach Frankreich; trotz zunehmender politischer Resignation entstand ein bedeutendes Spätwerk (Romane «Die Witwe Bosca», 1933; «Die Flaschenpost», 1937).

Schickeria: besonders modebewusste «obere» Gesellschaftsschicht (in der bürgerlichen Gesellschaft).

Schicksalsdrama, Schicksalstragödie: bürgerliches Genrebezeichnung für alle Dramen, deren Handlung durch von Menschen unbeeinflussbare Mächte beziehungsweise Konstellationen bestimmt ist; im engeren Sinne Bezeichnung für deutsche Literaturrichtung im 19. Jahrhundert (Z. Werner, A. Müllner, L. von Houwald unter anderem).

Schickschuld: Leistung, die der Schuldner an seinem Sitz zu erbringen hat; er muss jedoch termingerecht für ordnungsgemäßen Versand des Leistungsgegenstandes (auf Kosten und Gefahr des Gläubigers) sorgen. Siehe auch Bringschuld, Holschuld.

Schiebebild: seitenrichtig auf ein mit einer Deckweißschicht versehenes Papier gedrucktes Bild, das nach Anfeuchten mit der Papierseite auf das zu bebildernde Material aufgebracht und durch seitliches Abschieben vom Trägerpapier übertragen wird. Siehe auch Abziehbild.

Schieber:

1. Maschinenbau: a) Absperrorgan in Rohrleitungen zum Unterbrechen oder Drosseln (Regulieren) von Gas- oder Flüssigkeitsströmen, meist durch eine quer zur Strömungsrichtung bewegbare keilförmige Platte mit sehr geringem Durchflusswiderstand;

b) Steuerungsorgan für das Zu- und Abströmen der Gase und Dämpfe zum Zylinder bei Kolbenmaschinen.

2. Tanz: Onestep.

Schieberegister: lineare Anordnung mehrerer Speicherglieder (meist Flipflops), die jeweils einen Binärwert halten können und so verbunden sind, dass die Informationen durch einen Taktimpuls um jeweils eine Stelle verschoben werden.

Schieblehre, Schublehre: frühere Bezeichnung für Messschieber.

Schiebold, Ernst, 9.6.1894-3.6.1963, Mineraloge; leistete maßgebende Arbeiten auf dem Gebiet der Röntgenfeinstrukturuntersuchung und der Nutzung von Röntgenstrahlen für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung.

Schiedam: Stadt im Südwesten der Niederlande, in der Provinz Südholland, an der Mündung der Schie in die Nieuwe Maas, westlich von Rotterdam; 71000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Eisengießerei, chemische, Glas- und Holzindustrie; Gin- und Likördestillation; Hafen, Maastunnel; Likörmuseum.

Schiedsgericht:

1. Recht: durch Gesetz, Satzung oder Vertrag eingesetztes Gremium, das in einem gesetzlich geregelten Verfahren bestimmte Arten von Rechtsstreitigkeiten verhandelt und entscheidet, für die damit der Gerichtsweg ausgeschlossen wird. Schiedsgericht gibt es zum Beispiel auf dem Gebiet des Verlagsrechts, der internationalen Wirtschaftstätigkeit und der Völkerrecht!. Beziehungen.

2. Sport: Gremium, das unter anderem die Einhaltung der Wettkampfbestimmungen überwacht, Verstöße ahndet; siehe auch Kampfgericht.

Schiedsgerichtsverfahren, Arbitrage: außergerichtliche, nichtstaatliche Verhandlung und Entscheidung von Vertragsstreitigkeiten durch

Schiedsrichter, auf die sich die Partner geeinigt haben. Das Schiedsrichter betrifft Rechts- (Arbitrage de jure) oder andere Fragen (Arbitrage de facto), zum Beispiel Qualitätsfeststellungen, die vor einem ständigen Schiedsgericht oder einer fallweise gebildeten Ad-hoc-Arbitrage verhandelt werden. In Außenhandelsbeziehungen zwischen Partnern aus RGW-Mitgliedsländern ist das Schiedsrichter kraft Gesetzes und sonst je nach Partnervereinbarung anzuwenden.

Schiedsrichter, Referee: Sport regelkundiger Unparteiischer, der Wettkämpfe leitet und dessen sogenannte Tatsachenentscheidungen im Allgemeinen unanfechtbar sind. In verschiedenen Sportarten unterschiedlicher Bezeichnung für Schiedsrichter

Schiedsrichterball: Torspiele in der Ausführung modifizierter Wurf, mit dem der Unparteiische den Ball (die Scheibe) nach Spielunterbrechung (außer bei Ausball und Regelverstoß; Ausnahme Eishockey) wieder ins Spiel bringt.

Schiedsrichterzeichen: Sportspiele vereinbarte Handsignale des Unparteiischen, um bestimmte Regelverstöße, Situationen (zum Beispiel Auszeit) oder Entscheidungen (zum Beispiel indirekter Freistoß) anzuzeigen.

Schiefer: ursprünglich bergmännische Bezeichnung für alle in dünnen, ebenen Platten brechende Gesteine; heute Sammelbegriff für metamorphe, geschieferte Gesteine (kristalline Schiefer, Tonschiefer, Glimmerschiefer unter anderem).

Schieferöl: erdölartiges, flüssiges Kohlenwasserstoffgemisch, das aus ölhaltigem Schiefer oder Sand gewonnen und zu Benzin, Dieselkraftstoff, Heizöl, Schmierstoffen, Paraffin und Pech verarbeitet wird.

Schieferton: durch Sedimentation entstandener, diagenetisch (Diagenese) mäßig verfestigter Ton oder Schluff; weist keine echte Schieferung auf und ist deshalb kein metamorphes Gestein.

Schieferung: flächiges Gefügeelement in tektogenetisch stark deformierten Gesteinen, zum Beispiel in Ton-, Dachschiefern.

Schiefhals, Torticollis: angeborene oder erworbene Schiefhaltung des Kopfes durch Fehlbildung der Halswirbel, narbig geschrumpfte Muskulatur oder Haut, Lähmungen oder Augenfehler.

Schiele, Egon, 12.6.1890-31.10.1918, österreichischer Maler und Graphiker; malte Bildnisse, Akte und Landschaften in dekorativ-bewegten, oft visionär gesteigerten Formen und suggestiver Farbigkeit; gehört zu den wichtigsten Vertretern des österreichischen Jugendstils.

Schielen, Strabismus: Stellungsfehler jeweils eines Auges mit Abweichung nach innen (Konvergenzschielen), nach außen (Divergenz Schielen) oder in der Vertikalen Höhenschielen Begleitschielen, in der frühen Kindheit beginnend, führt oft zur Schielschwachsichtigkeit (auf Grund Nichtgebrauchs des schielenden Auges entwickelt sich die Sehschärfe nicht normal) und muss deshalb frühzeitig und bis zum Abschluss der Entwicklungsphase des Auges sowie des beidäugigen Sehens (etwa bis zum 5. Lebensjahr) behandelt werden. Das Lähmungsschielen kann in jedem Lebensalter auftreten und wird durch die Lähmung eines oder mehrerer Augenmuskeln verursacht.

Schienbein, Tibia: der innere, kräftigere der beiden Unterschenkelknochen.

Schiene:

1. Chirurgie: Lagerungshilfe zum Ruhigsteilen von verletzten oder entzündeten Gliedmaßen, zum Beispiel Kunstharz-Schiene.

2. Verkehrstechnik: aus Stahlblöcken gewalzte Fahrbahn für Schienenfahrzeuge, die die Radlasten des Fahrzeugs aufnimmt und ihm seitliche Führung gibt. Nach der Querschnittsform unterscheidet man die übliche Breitfußschiene (breiter Fuß, Steg, Kopf) und die heute noch in England verbreitete Doppelkopfschiene (Kopf, Steg, Kopf). Sonderformen sind die Kranschiene sowie die bei eingepflasterten Gleisen verwendete Rillenschiene (zum Beispiel bei der Straßenbahn). Der Schienenstoß (kurz Stoß) ist diejenige Stelle, an der die mittels Laschen verbundenen Schienen Stumpf aneinanderstoßen und die infolge Temperaturschwankungen verursachte Längenänderungen ausgleicht. Heute werden die Schienen meist endlos verschweißt, wobei die Längsspannungen aus den Temperaturschwankungen teilweise an die Bettung abgegeben werden. Schiene und Schwellen mit Kleineisen bilden das Gleis.

Schienenechsen, Teiidae: amerikanische Echsenfamilie von eidechsen- oder schlangenförmiger Gestalt und mit langer, tief gespaltener Zunge. Der bis über 1 m lange Bänderteju (Tupinambis teguixin) frisst Kleingetier, Eier und Früchte. Oft farbenprächtig sind die etwa 50 cm langen, zum Teil baumbewohnenden Ameiven (Ameiva). Die Rennechsen (Cnemidophorus) sind den Eidechsen sehr ähnlich, manche Arten pflanzen sich durch Jungfernzeugung fort.

Schienenersatzverkehr: Personen- und Güterbeförderung durch den Kraftverkehr im Auftrag der Eisenbahn bei zeitweiligem Ausfall der Beförderungsmöglichkeit auf den Schienenwegen.

Schienenkanalsystem, Leistenkanalsystem: Sammelbezeichnung für zur Montage vorgefertigte Installationssysteme, zum Beispiel Fußleisten- und Wandleistenkanalsystem, die auch bei Rekonstruktion von Altbauten zunehmend die Auf- und Unterputzinstallation ablösen.

Schierei: ein nicht befruchtetes Ei, das während der Brut durch das Schieren (Durchleuchten der Eier) aussortiert wird.

Schierke: Gemeinde im Kreis Wernigerode, Bezirk Magdeburg, im Oberharz, am Fuße des Brockens, an der Kalten Bode; 1000 Einwohner; waldumgebener heilklimatischer Kur- (600 bis 650 m über dem Meeresspiegel), Erholungsort, Wintersportplatz.

Schierling, Conium: Gattung giftiger Doldengewächse; an Hecken und auf Schutt der bis 1,8 m hohe Gefleckte Schierling (C. maculatum) mit weißen Blüten, mehrfach gefiederten Blättern und unten rotgeflecktem Stengel.

Schierlingstanne, Hemlocktanne. Schiermonnikoog: niederländische westfriesische Insel, vor der Küste Frieslands; 39 km2, 870 Einwohner; Dünen im Norden, Polderland im Süden; Viehzucht; Seebad.

Schießbaumwolle: aus Cellulosetrinitrat bestehende weiße, faserige Masse, die auch ohne äußere Sauerstoffzufuhr blitzartig abbrennt und bei Initialzündung heftig explodiert. Schießbaumwolle wird durch Veresterung von Baumwoll-Linters oder Holzzellstoff mit einer Salpetersäure-Phosphorpentoxid-Mischung hergestellt. Zur Verwendung als rauchschwaches Pulver wird Schießbaumwolle mit einem Äther-Alkohol-Gemisch gelatiniert und nach Zusatz eines Stabilisators zu Blättchen, Stäbchen und dergleichen gepresst. Siehe auch Zellulosenitrate.

Schießsport, Sportschießen: Sportart, bei der mittels Schusswaffen feststehende (Ring-, Silhouetten Scheiben) oder bewegliche (Tierscheiben, Wurftauben) Ziele (möglichst genau und in der vorgeschriebenen Zeit) getroffen werden sollen. Die Platzierung ergibt sich aus der erreichten Ring- beziehungsweise Trefferzahl. Seit 1986 werden disziplinspezifisch von den jeweils 8 beziehungsweise 4 Bestplatzierten Finalkämpfe ausgetragen. Olymp. Sportart seit 1896, Weltmeisterschaften seit 1897, Europameisterschaften seit 1955.

Schiff:

1. Kunst: Innenraum einer längsgerichteten Kirche, hauptsächlich der christlichen Basilika; kann einschiffig angelegt oder durch Säulen beziehungsweise Pfeiler mehrschiffig unterteilt sein.

2. Schiff, Setzschiff: Polygraphie eine an 3 Seiten mit Metallleisten versehene Zinkplatte zur Aufnahme und zum Transport des Satzes in der Setzerei.

3. Verkehrstechnik: im Unterschied zum Boot größeres Wasserfahrzeug, das infolge des Auftriebs der von ihm verdrängten Wassermenge schwimmt. Man unterscheidet nach dem Fahrtbereich See-, Küsten-, seegehende Binnen- und Binnenschiff; nach der Art des Antriebs Dampfer, Turbinen-, Motor-, Elektroschiff, Schiff mit Kernenergieantrieb unter anderem; nach dem Vortriebsmittel Schraubenschiff, Radschiff, Segelschiff, früher auch Ruderschiff unter anderem; nach dem Verwendungszweck Frachtschiff, Fahrgastschiff, Fahrschiff, Kriegsschiff, Fischereischiff unter anderem. Bei den Frachtschiff geht die Entwicklung immer mehr zum Spezialschiff (Erzfrachtschiff, Frachtschiff, Kühlschiff und Gefrierschiff, Containerschiff, Trailer Schiff) beziehungsweise zum Mehrzweckschiff (Erz-Öl-Frachtschiff, Massengutfrachtschiff). Kennzeichnend für die Entwicklung der vergangenen Jahre ist eine Zunahme der Durchschnittsgröße vor allem von Tank- und Massengutfrachtschiff, aber auch von Fährschiff, Stückgutfrachtschiff unter anderem, bei gleichzeitiger Abnahme der Besatzungsstärke durch zunehmendes Anwenden der Fernbedienung beziehungsweise Teil- oder Vollautomatisierung von Maschinen sowie durch Einsatz von Messwerterfassungs- und Messwertverarbeitungsanlagen.

Schiff, Andras, geboren 1953, ungarischer Pianist; studierte an der Budapester Musikakademie; ist als Konzertsolist international erfolgreich.

Schifffahrt: Verkehr mit Schiffen zur gewerbsmäßigen Beförderung von Personen (Fahrgastschifffahrt) oder Frachten (Frachtschifffahrt); je nach dem Fahrtbereich spricht man von Seeschifffahrt (Fahrten in unbegrenztem Fahrtbereich über die Meere), Küstenschifffahrt (Fahrten im Küstenbereich, aber auch zu vorgelagerten Inseln) und Binnenschifffahrt (Fahrten auf Flüssen, Seen und Kanälen). In der Seeschifffahrt unterscheidet man die Linienschifffahrt, bei der die Schiffe fahrplanmäßig auf einer festgelegten Reiseroute bestimmte Häfen anlaufen und vor allem Stückgut befördern, sowie die Tramp Schifffahrt, bei der die Schiffe je nach Ladungsanfall und -angebot (vor allem Massengut) zwischen beliebigen Häfen verkehren. Eine Flussschifffahrt ist schon im 3. Jahrtausend vor Christus auf dem Nil, Euphrat, Tigris und den Flüssen Chinas nachgewiesen. Eine Küstenschifffahrt gab es etwa seit der frühen Bronzezeit im Mittelmeer und in Nordeuropa. Bekannte Seefahrtvölker des Altertums waren Phöniker, Karthager und Griechen, später Römer, Normannen, Wikinger, im frühen Mittelalter hatten für die Schifffahrt besonders die Stadtstaaten Venedig und Genua sowie in Nordeuropa die Hanse Bedeutung. Im Zeitalter der Entdeckungen waren Spanien und Portugal die führenden Schifffahrtsnationen, ab Ende des 16. Jahrhundert dann die Niederlande und Frankreich (Ostasiatische Handelskompanie) und vom 17. bis 19. Jahrhundert Großbritannien. Bis zum Ende des 19. Jahrhundert wurde die Schifffahrt vornehmlich mit Segelschiffen durchgeführt. Von einer eigentlichen Dampfschifffahrt kann man erst etwa ab 1860 sprechen.

schiffbar: bezeichnet man Gewässer, die für bestimmte Schiffe (Binnen-, Seeschiffe) befahrbar sind; die Grenze der Schiffbarkeit ist gekennzeichnet.

Schiffbau: Bau von Wasserfahrzeugen (größer als Boote) hauptsächlich aus Stahl (Platten, Profile), wobei zunehmend Stahl höherer Festigkeit verwendet wird, um die Materialdicke der Schiffsteile verringern zu können. Weiterhin werden Leichtmetalllegierungen (besonders für Aufbauten) und Plastwerkstoffe (vor allem für Schiffseinrichtung) verwendet. Auch ganze Körper kleiner Schiffseinheiten werden bereits aus Leichtmetall beziehungsweise glasfaserverstärktem Plast hergestellt. Holz benutzt man nur noch als Decksbelag, wobei sich aber auch hier schon Plastwerkstoffe durchsetzen. Im Schiffsentwurf werden Schiffstyp, Hauptabmessungen und Antriebsart festgelegt. Anschließend werden der Linienriss gezeichnet, Schleppversuche in der Schiffbauversuchsanstalt durchgeführt, der Generalplan mit den wichtigsten Einzelheiten der Ausrüstung und Einrichtungen gezeichnet, der Freibord festgelegt, Masse und Schwerpunkte von Schiff und Ladung sowie Stabilitäts- und Trimmverhältnisse berechnet, der Ladeplan gezeichnet und so weiter. An den Entwurf schließt sich die Schiffskonstruktion an, das heißt die Erarbeitung der direkten Bauunterlagen (zum Beispiel Konstruktionszeichnungen, Bauspantenriss). Danach erfolgt die Einzelteilfertigung durch thermisches Trennen, Scheren, Umformen und Schweißen (früher Nieten). Die Einzelteile werden dann in der Vormontage (S .halle beziehungsweise auf dem Vormontageplatz zwischen Schiffbauhalle und Helling) zu Baugruppen und Sektionen zusammengebaut. Die Endmontage erfolgt auf der Helling beziehungsweise bei Schiffen großer Abmessungen vielfach im Baudock, und zwar fast ausschließlich durch Zusammenschweißen von Sektionen (Sektionsbauweise). Wenn nicht bereits vor dem Stapellauf geschehen, schließen sich der Montage der Schiffskörper die Ausrüstung und Einrichtung an. Unter Schiffsausrüstung versteht man den Einbau der Haupt-, Hilfs- und Decksmaschinen sowie der Maschinenleitzentrale, der Rohrleitungen, Heizungs- und Lüftungsanlagen, Fenster, Türen, Treppen, Lukenabdeckungen, Maste unter anderem. Die Schiffseinrichtung beinhaltet den gesamten Innenausbau sowie die Ausstattung der Räume entsprechend ihrer Funktion. Dazu gehören zum Beispiel Wärme- und Schalldämmung sowie Verkleidung der Räume, Aufbringen des Decks- und Fußbodenbelags sowie die Konservierung. Im Schiffbau dominiert als Organisationsform die Erzeugnis spezialisierte Fertigung, wobei sich zunehmend die Fließfertigung durchsetzt. Die Fertigungsbereiche moderner Werften werden deshalb räumlich so angeordnet, dass ein optimaler Materialfluss vom (zum Beispiel Stahl-) Lager bis zur Helling beziehungsweise zum Montageplatz gewährleistet ist. Die Anwendung moderner Fertigungsprinzipien wird gefördert durch die Spezialisierung der Werften auf bestimmte Schiffstypen und eine damit verbundene Erhöhung des Serienfaktors.

Schiffbauversuchsanstalt, Schleppversuchsanstalt: Einrichtung zum Erforschen der bei fahrenden Schiffen in glattem Wasser und bei Seegang auftretenden Kräfte und Bewegungsvorgänge zur Ermittlung der erforderlichen Antriebsleistung. Hierzu werden kleine, den geplanten Schiffstypen geometrisch ähnliche Schiffsmodelle von 2 bis 10 m Länge durch eine Schlepprinne (-kanal) geschleppt. Zur Durchführung von Seegangsversuchen ist in der Schlepprinne ein Wellengenerator angeordnet. Außer geraden Schlepprinnen haben manche Schiffbauversuchsanstalt einen Rundlaufkanal, in dem das Modell an einem drehbar gelagerten Ausleger auf einer Kranbahn geführt wird, um zum Beispiel Gierverhalten (Gieren) und Steuerbarkeit ermitteln zu können.

Schiffsbelader: Fördermittel in Häfen zum Verladen von Schüttgütern, wie Erz, Kohle, Salz, Getreide, seltener von Stückgütern (gesacktes Gut, zum Beispiel Zement, Zucker) in Schiffe. Schiffsbelader bestehen häufig aus einem parallel zum Schiff auf Schienen verfahrbaren Portal mit bockartigem Aufbau und einem über die Schiffsluken reichenden Ausleger. Das Fördergut wird von einem Schräg Bandförderer dem im Schiffsbelader eingebauten Bandförderer übergeben und fällt an der Auslegerspitze durch ein flexibles oder teleskopartig längsverbindliches Rohr direkt in den Laderaum des Schiffs oder wird durch eine Niedertragevorrichtung schonend abwärts gefördert. Schiffsentlader haben einen ähnlichen Grundaufbau wie Schiffsbelader; das Schüttgut wird in den Laderäumen der Schiffe durch eine Greifer Laufkatze, ein absetzbares Schaufelrad oder durch Becherwerk, mitunter auch durch eine Eimer- oder Kratzerkette aufgenommen.

Schiffsboot, Nautilus: Gattung rezenter Kopffüßer mit äußerer, gekammerter spiraliger Schale (bis 27 cm Durchmesser), die als Schwimmapparat dient, offenen Grubenaugen, etwa 90 Kopftentakeln um die Mundöffnung und 4 Kiemen; ernährt sich vorwiegend von Aas. Schiffsboot leben in 6 Arten im westlichen Stillen Ozean bis in etwa 700 m Tiefe. Schiffschronometer Längenuhr, Quarzmarinechronometer.

Schiffsgrab: Bestattung sozial hochstehender Personen in einem Schiff, mit reichen Beigaben; Funde aus dem 7./10. Jahrhundert in Skandinavien, Großbritannien, Dänemark und Schleswig-Holstein. Siehe auch Osebergschiff.

Schiffshalter, Echeneidae: zur Ordnung Kopfsauger (Discocephali) gehörende bis 60 cm lange Fische warmer Meere, deren erste Rückenflosse zu einer Saugscheibe oberhalb des Kopfes umgebildet ist; heften sich an Haien, Seeschildkröten und Schiffen fest, von denen sie sich transportieren lassen; fressen Fische und Wirbellose.

Schiffshebewerk: Anlage in Binnenwasserstraßen zum Überwinden großer Niveauunterschiede; Hauptteil ist ein wassergefüllter, heb- und senkbarer Stahltrog, dessen an den Enden befindliche Verschlüsse (unter gleichzeitiger Abdichtung gegen das Kanalprofil) geöffnet werden können und so die Ein- beziehungsweise Ausfahrt von Schiffen ermöglichen.

Schiffshypothek, Schiffspfandrecht: Recht, eine Geldforderung notfalls in ein Schiff zu vollstrecken. Die Schiffshypothek entsteht meist durch Eintragung in das Schiffsregister.

Schiffsklassifikation: Erteilung einer Klasse, das heißt eines Qualitätsmerkmals, an neugebaute, umgebaute und reparierte Schiffe durch eine Klassifikationsinstitution (beziehungsweise -gesellschaft), die in jedem wichtigen schiffbaubetreibenden Land besteht. Im Ergebnis der Prüfung wird über die Erteilung der Klasse eine als Schiffsklasseattest bezeichnete Urkunde ausgestellt. Siehe auch DDR-Schiffs-Revision- und Klassifikation.

Schiffsmodell: kleines, maßstabgerechtes, schwimm- und beziehungsweise oder fahrfähige, ferngesteuerte oder zusätzliche Funktionen ausführendes Wasserfahrzeug.

Schiffsmodellsport: Wettbewerbe mit Schiffsmodellen in verschiedenen Kategorien und einer Vielzahl von Klassen. Fesselrennboote tragen Geschwindigkeitswettbewerbe über 500 m auf einem Rundkurs aus; Modellsegelyachten segeln auf einem 100 m langen Kurs beziehungsweise ferngesteuert auf einem Dreieckskurs; bei Fahrmodellen wird eine Bau-, Fahr- und Geschwindigkeitsprüfung durchgeführt; ferngesteuerte Modelle haben meist Figurenkurse zu absolvieren; bei Standmodellen (einschließlich Hafen- und Werftanlagen und so weiter) wird Gesamteindruck, Maßstäblichkeit unter anderem bewertet. Weltmeisterschaften seit 1975, Europameisterschaften seit 1960.

Schiffspost: Postbeförderung mit Schiffen auf der Grundlage der Bestimmungen des Weltpostvertrages.

Schiffsschraube, Propeller: im allgemeinen durch Maschinenkraft angetriebene Flügelschraube zum Fortbewegen von Schiffen und Booten; besteht meist aus Bronze, Gusseisen oder Stahlguss, häufig auch aus einer Speziallegierung. Der Vortrieb wird bewirkt, indem die Schiffsschraube das Wasser entgegengesetzt zur Fahrtrichtung beschleunigt. Schiffe können mit einer oder mehreren Schiffsschraube ausgerüstet sein, die meist am Heck, bei manchen Fährschiffen und Eisbrechern zusätzlich am Bug angeordnet sind. Vorherrschend ist die Fest-Schiffsschraube mit starren Flügeln, jedoch werden immer mehr Schiffe mit einer Verstell-Schiffsschraube ausgerüstet, die unter anderem bei gleichbleibender Drehrichtung ein Umsteuern von Vorauf Rückwärtsfahrt ermöglicht. Die erste praktisch einsetzbare Schiffsschraube entwickelte J. Ressel.

Schiften, Shiften: Segelmanöver; Herübernehmen der Segel auf die andere Seite des Bootes bei Winddrehung auf dem Vorwind-Kurs ohne wesentliche Kursänderung.

Schifter: kurzer Sparren im Eckbereich des Walmdaches, der oben mit der Schmiege am Grat- oder Kehlsparren vernagelt und auf die Fußpfette oder den Dachbalken in einer Klaue aufgelagert ist.

Schijten: (lateinisch arabisch asch-schia, «die Anhängerschaft (Alis)») Anhänger einer islamischen Richtung, die die orthodoxe Sunna verwirft und Muhammads Schwiegersohn Ali sowie dessen Nachkommen jeweils als Oberhaupt (Imam) und rechtmäßigen Kalifen betrachtet; der endgültige Bruch mit dem offiziellen Islam erfolgte 680 (Schlacht von Kerbela). Die Schijten gliedern sich in 3 Hauptgruppen: Saiditen, Imamiten (Zwölferschia) und Ismailiten (Siebener Schia). Sie gelangten zeitweise in Marokko (Idrisiden), Ägypten und Tunesien (Fatimiden) zur Herrschaft; festen Fuß fassten sie nur in Jemen (Zaiditen, seit 897), in Iran (Safawiden, seit 1502 Staatsreligion) und teilweise in Indien.

Schikane: böswillig bereitete Schwierigkeit; Finte; Ränke.

Schikaneder, Johann Emanuel, 9.4.1751-21.9.1812, österreichischer Bühnendichter, Schauspieler und Theaterdirektor, verfasste Zauberopern, Lustspiele unter anderem; Textautor von W. A Mozarts «Zauberflöte».

Schikanen: Wasserbau im Einlaufbauwerk eingebaute Quer- und Schrägwände zur Verminderung der Fließgeschwindigkeit.

Schild:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Geologie: flaches großräumiges tektonisches Element innerhalb von Kontinentalplatten mit vorwiegender Hebungstendenz.

3. Heraldik: Hauptbestandteil eines Wappens; gibt durch Farben und Heroldsbilder Hinweise auf den Inhaber des Wappens.

4. Lederherstellung: Teil der Haut mit besonders dichter Faserverflechtung (zwischen Rücken, Schwanz, Hüfte und Bauch).

5. Militärtechnik: im Altertum, Mittelalter und bei Naturvölkern am Arm getragene Schutzwaffe aus Fell, Holz, Metall oder Leder.

Schildau, Gneisenaustadt Schildau: Stadt im Kreis Torgau, Bezirk Leipzig, am Nordrand der Dahlener Heide; 1800 Einwohner; Erholungsort; Kleinindustrie, Landwirtschaft; Geburtsort Gneisenaus (Denkmal); nahebei der Schildberg (215 m; Quarzporphyr; Aussichtsturm).

Schilddrüse, Thyreoidea: im vorderen Halsteil liegende Hormondrüse; regelt Wachstum und Stoffwechselvorgänge sowie die Tätigkeit anderer Hormondrüsen.

Schilddrüsenhormone: Wachstums- und Differenzierungsvorgänge steuernde jodhaltige Hormone. In den Schilddrüsenfollikeln werden die vom Tyrosin abgeleiteten Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin synthetisiert und gespeichert.

Schilderhebung: das Erheben auf dem Schild; war das Zeichen, dass man den Erhobenen zum Anführer wählte. Durch Schilderhebung wurde zum Beispiel im frühen Mittelalter die Wahl der deutschen Könige bekanntgemacht.

Schildfarn, Polystichum: Gattung der Tüpfelfarnartigen mit mehreren heimischen Arten, deren schildförmiger Schleier in der Mitte angeheftet ist und so die Sporangien Häufchen bedeckt.

Schildkäfer, Cassidinae: Unterfamilie der Blattkäfer mit bis 10 mm langen flachen Arten, grün oder braun, Halsschild und Flügeldecken schildartig verbreitert. Die bedornten Larven sind Pflanzenfresser, zum Teil schädlich, tarnen sich mit Pflanzenteilen und Kotresten.

Schildknorpel: größter Knorpel des Kehlkopfes; beim Mann als «Adamsapfel» sichtbar.

Schildkröten, Testudines: Ordnung der Kriechtiere. Der Körper wird von einem knöchernen, aus Skeletteilen und Hautknochen gebildeten, meist mit Hornplatten bedeckten Panzer umschlossen, aus dem Kopf, Gliedmaßen und Schwanz herausragen; einige Arten verschließen die Panzeröffnungen durch bewegliche Teile des Bauch- oder Rückenpanzers. Die Kiefer sind zahnlos und mit Hornschneiden bedeckt. Wasserbewohnende Arten sind meist Räuber, die Landschildkröten fressen vorwiegend Pflanzen; alle Arten legen harte oder pergamentschalige Eier in Sandnester ab. Hierzu gehören Lederschildkröten, Schlammschildkröten, Seeschildkröten, Sumpfschildkröten, Weichschildkröten.

Schildkröten: Lederschildkröte (links) und Elefantenschildkröte

Schildläuse, Coccina: Familiengruppe der Gleichflügler mit etwa 3000 Arten; die ungeflügelten, meist äugen- und beinlosen Weibchen saugen Pflanzensäfte unter einem Wachs- oder Hautschild, die Männchen haben nur Vorderflügel, Hinterflügel und Mundwerkzeuge sind verkümmert. Einige Arten sind an Kulturpflanzen schädlich, andere werden zur industriellen Nutzung gezüchtet, wie zum Beispiel die Cochenilleschildlaus (Coccus cacti) zur Farbstoffgewinnung (Karmin) und die Lackschildlaus (Tachardia lacca) als Schellackerzeuger.

Schildmauer: 1. Abschluss- oder Stirnmauer beim Tonnen- oder Kreuzgewölbe; nimmt keinen Gewölbeschub auf.

2. verbleibende durchgehende Wand hinter Mauernischen und -schlitzen.

Schildpatt: gelb, braun oder fast schwarz gefärbte, halbdurchsichtige Hornschilder des Bauch- und Rückenpanzers von Karettschildkröten (Seeschildkröten); biegsamer und dauerhafter als Horn; Verwendung zu Kämmen, Dosen unter anderem

Schildschwänze, Uropeltidae: lebendgebärende Schlangen mit spitzem Kopf, verkümmerten Augen und stark vergrößerter Schuppe an der Schwanzspitze; Bodenwühler. Mit 60 cm Länge ist der Ceylonesische Schildschwanz (Rhinophis oxyrhynchus) die größte Art.

Schildvortrieb, Schildbauweise: Methode zur Herstellung unterirdischer Gänge, Stollen oder Tunnel im Tief- und Bergbau. Hinter einer schildförmigen Stahlkonstruktion, die während der Ausbrucharbeiten mit hydraulischen Pressen vorgetrieben wird, erfolgt der Ausbau mit Tübbings, meist Stahlbeton. Die Vortriebspressen stützen sich auf der sofort nachgezogenen Auskleidung ab.

Schildwanzen, Baumwanzen, Pentatomidae: Wanzenfamilie mit einem Schild zwischen Brust und Flügeln; überwiegend Pflanzensauger, zum Teil schädlich, wie die Kohlwanze (Eurydema oleracea), oder durch unangenehmen Geruch lästig, so die Beerenwanze (Dolycoris baccarum) und die Stinkwanze (Palomena prasina). Räuberisch lebende Arten sind oft durch das Aussaugen von Schadinsekten nützlich. besonders auffällig ist die rotschwarze bis 11mm lange Streifenwanze (Graphosoma italicum).

Schilf, Schilfrohr, Phragmites australis: hohes Süßgras, in dichten Beständen an Ufern als Röhricht, Verlandungspflanze; Halme werden zu Matten verarbeitet; auch Papierrohstoff.

Schilfert, Gerhard, geboren 23.9.1917, Historiker, seit 1952 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; zahlreiche Arbeiten zur europäischen und deutschen Geschichte der Neuzeit sowie zur Geschichte der Geschichtswissenschaft; 1965/68 Präsident der Historiker-Gesellschaft der DDR

Schill, Ferdinand Baptiste von, 6.1.1776-31.5.1809, preußischer Offizier und Patriot; versuchte 1809 unter dem Eindruck des österreichisch-Französischen Krieges mit seinem Berliner Husarenregiment einen nationalen Unabhängigkeitskrieg gegen Napoleon I. zu entfachen; fiel in Stralsund.

Schiller: 1. Friedrich Schiller, 10.11.1759-9.5.1805, Dichter und Ästhetiker; einer der bedeutendsten Repräsentanten der klassischen deutschen Literatur; 1773/80 Besuch der Karlsschule (Militärakademie) bei Stuttgart; studierte Jura und Medizin. In seinem Erstlingsdrama «Die Räuber» (1782), einem der bekanntesten Werke des Sturms und Drang, artikulierte Schiller Tyrannenhass, leidenschaftliche Zeitkritik und humanen Anspruch. 1782 entzog er sich dem herzoglichen Schreibverbot durch die Flucht, fand Asyl in Bauerbach, war 1783/84 Theaterdichter in Mannheim; hier beendete er das republikanische Trauerspiel «Die Verschwörung des Fiesco zu Genua» (1783) und das gesellschaftskritische, scharf mit dem herrschenden Duodezabsolutismus abrechnende bürgerliches Trauerspiel «Kabale und Liebe» (1784). Nach Aufenthalt in Leipzig beendete er 1787 in Dresden das bürgerliche Freiheit und nationaler Unabhängigkeit gewidmete Versdrama «Don Carlos». 1789 wurde Schiller in Jena unbesoldeter Geschichtsprofessor; 1790 heiratete er C. von Lengefeld; ab 1794 Zusammenarbeit mit J. W. Goethe; 1799 Übersiedlung nach Weimar, zeitlebens von Geldsorgen und Krankheiten gequält. Schillers lyrisches Werk ist Ausdruck moral- und geschichtsphilosophische Reflexion und der Sehnsucht nach Harmonie: «An die Freude» (1785, von L. van Beethoven im Schlusschor der 9. Sinfonie vertont), «Die Götter Griechenlands», «Die Künstler», «Die Ideale», «Der Spaziergang»; im Zusammenwirken mit Goethe «Xenien» (1796) und Balladen (im Balladenjahr 1797 unter anderem «Der Taucher», «Die Kraniche des Ibykus»; 1798 «Die Bürgschaft»). Im «Lied von der Glocke» (1799) warnte Schiller vor Chaos und Anarchie, die er mit der Franzos. Revolution verbunden sah. Humanisierung schien ihm einzig durch ästhetische Erziehung (Gewinn von Vernunftfreiheit) erreichbar zu sein. Die ästhetischen Schriften sind stark von I. Kant beeinflusst: unter anderem «Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet» (1784), «Über Anmut und Würde» (1793), «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» (1795), «Über naive und sentimentalische Dichtung» (1796). Ergebnisse intensiver historischer Studien sind die Abhandlungen «Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung» (1788) und «Die Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs» (1792/93). In den letzten Lebensjahren entstanden Schillers bedeutendste dramatische Werke, die sein Ideal von der menschlichen Gesellschaft und zu hoher Menschlichkeit sich läuternde Persönlichkeiten verkörpern: die «Wallenstein»-Trilogie (1798/99, «Wallensteins Lager», «Die Piccolomini», «Wallensteins Tod»), «Maria Stuart» (1801), «Die Jungfrau von Orleans» (1802), «Die Braut von Messina» (1803), «Wilhelm Teil» (1804); «Demetrius» blieb unvollendet.

2. Leon Schiller, 14.3.1887-25.3.1954, polnischer Regisseur, Theaterleiter und -theoretiker; wirkte führend im polnischen Theaterleben der 20er und 30er Jahre (unter anderem im Theater Reduta und im Ateneum-Theater Warschau) und war maßgeblich am Neuaufbau des polnischen Theaters nach 1945 beteiligt; auch als Komponist tätig.

Schillerlocke: (nach F. Schiller) 1. dünne, goldbraun geräucherte Bauchseite des Dornhais.

2. gerolltes Blätterteiggebäck mit Creme- oder Schlagsahnefüllung.

Schillerwein, Claret Wein, Weißherbst: schwach rosa schillernder, frischer, spritziger Wein aus roten (und weißen), nicht oder nur kurz eingemaischten Weintrauben; besonders bekannt in Baden-Württemberg.

Schilling: 1. seit karolingischer Zeit bis ins 14. Jahrhundert Rechnungsmünze; 1 Schilling (lateinisch Solidus) galt 12 Denare (Pfennige), 20 Schilling = 1 Pfund. Seit dem 14. Jahrhundert wurde der Schilling im Gebiet des Deutschen Ritterordens, in Norddeutschland, Franken, Schwaben, Württemberg und Westfalen als Silbermünze ausgeprägt, zum Teil bis 1873 in Umlauf.

2. Währungseinheit in Kenia, Österreich, Somalia, Uganda; siehe auch Währung.

Schilling: Viktor, 28.8.1883-30.5.1960, Internist; Professor an den Universitäten Berlin, Münster und Rostock, bedeutender Hämatologe; entwickelte weltweit angewandte klinische hämatologische Methoden.

Schillingowski, Pawel Alexandrowitsch, 28.2.1881-5.4.1942, sowjetischer Graphiker und Maler; als Mitbegründer (1921) und Leiter der Polygraphischen Fakultät der Leningrader Akademie pflegte Schillingowski besonders die druckgraphische Techniken (Radierung, Linol- und Holzschnitt, Holzstich, Lithographie) und schuf unter anderem Porträts und Illustrationen.

Schimmelpilze: saprophytisch lebende Pilze, die Lebensmittel, faulige Pflanzenteile, nährstoffreiche Lösungen unter anderem mit einem rasenartigen Belag (Schimmel) überziehen, zum Beispiel Gießkannen-, Grau-, Köpfchen-, Pinsel-, Wasserschimmel; siehe auch Mykotoxine.

Schimmelreiter:

1. Sagengestalt, meist kopfloser Reiter auf dreibeinigem Schimmel. Titelfigur einer Novelle von T. Storm.

2. durch Pferdeattrappe gekennzeichnete Gestalt brauchtümliche Umzüge.

Schimpansen, (Bantusprachen) Pan: aus 2 Arten bestehende Gattung afrikanischer Menschenaffen mit dichtem, schwarzem Fell und einer Scheitelhöhe bis 1,7 m; die Haut des nackten Gesichts, der großen Ohren, der unbehaarten Handflächen und Fußsohlen ist fleischfarben oder dunkel pigmentiert. Schimpansen bewohnen in Familien oder kleinen Horden Urwaldlichtungen oder -Randgebiete und ernähren sich von Pflanzenkost. Hierzu gehören der Schimpanse (Pan troglodytes) und der Bonobo. Siehe auch Menschenaffen.

Schimper, Andreas Franz Wilhelm, 12.5.1856-9.9.1901, Botaniker, verfasste das Werk «Pflanzengeographie auf physiologischer Grundlage» (1898).

Schindanger: Platz, an dem vom Abdecker («Schinder») Tierleichen enthäutet («geschunden») und verscharrt wurden.

Schindel: kleine Platte zum Verkleiden von Dachflächen und Außenwänden, zum Beispiel Holz, Asbestbeton, Schiefer.

schinden: quälen, plagen; ursprünglich die Haut abziehen.

Schinder: Abdecker; Henker; Straßenräuber; Plagegeist.

Schinderhannes, eigentlich Johann Bückler, 1777-21.11.1803 (hingerichtet), anarchistischer Anführer einer rheinhessische Räuberbande; Gestalt zahlreicher Sagen und Volkslieder sowie des Volksschauspiels und der Trivialliteratur, auch Drama von C. Zuckmayer.

Schinkel, Karl Friedrich, 13.3.1781-9.10.1841, Baumeister und Maler; bedeutendste und umfassendste Künstlerpersönlichkeit des Klassizismus in Deutschland. Nach einem Aufenthalt in Frankreich und Italien (1803/05) seit 1806 in Berlin (zunächst als Maler und Bühnenbildner, ab 1831 als Oberbaudirektor) tätig, hat Schinkel in 3 Jahrzehnten architektonischen Schaffens das Gesicht der Stadt geprägt. Seine wichtigsten Werke, die Neue Wache (1816), das Schauspielhaus (1818/21) und das Alte Museum (1824/30), stellen zugleich Höhepunkt und Vollendung klassizistischer Architektur dar. Einem romantischen Zeitempfinden verpflichtet sind seine neugotischen Bauten, zum Beispiel die in Backstein errichtete Werdersche Kirche (1824/31). Auch in der Denkmalpflege leistete Schinkel Bedeutendes.

Schinken: (zu «Schenkel») aus bestimmten Schweinefleischteilen (besonders Keule) hergestelltes gepökeltes und geräuchertes beziehungsweise gekochtes (Kochschinken) Erzeugnis. Je nach Fleischteil und Bearbeitung unterscheidet man zum Beispiel Rohschneider, Katenschinken (Schweinehinterkeulen), Rollschinken (langgezogene magere Schinken), Nuss- oder Mausschinken (besonders aus der Kugel) und Lachsschinken (aus dem Kotelettstrang).

Schipka: Stadt im mittleren Bulgarien (Bezirk Kasanlyk), in der Stara Planina, am Südaufstieg zum Schipkapass (Passstraße); 2000 Einwohner; Gedächtniskirche (1902; zu Ehren der 1877 gefallenen russischen Soldaten).

Schipkapass: wichtigster Pass über die mittlere Stara Planina; 1185 m über dem Meeresspiegel; 10 km lange Serpentinenkette mit über 50 Windungen; über den Schipkapass verläuft die Straße Gabrovo-Kasanlyk. Im Russisch-Türkischen Krieg 1877/78 Sieg russische Truppen und bulgarischer Freiwilliger über die Türken.

Schiras: (nach der Stadt) gelocktes Lammfell einer iranischen Kreuzungsschafrasse. Der Anteil graumelierter Felle ist beträchtlich, deshalb wird Schiras für Besätze, Kopfbedeckungen, aber auch für Mäntel und Jacken verwendet.

Schirmer-Pröscher, Wilhelmine, geboren 9.7.1889, Politikerin, Lehrerin, Drogistin; 1945 Mitbegründerin der LDPD und seitdem Mitglied des Politischen Ausschusses ihres Zentralvorstandes; 1947 Mitbegründerin des DFD und der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion; 1948/53 Stadtrat, 1953/59 Stellvertreter des Oberbürgermeisters von Berlin; seit 1950 Abgeordnete der Volkskammer, deren Präsidium sie seit 1963 angehört.

Schirmhieb: Hiebsart, bei der der Waldbestand in gleichmäßiger Verteilung zum Zweck der gleichzeitigen natürlichen Verjüngung auf der ganzen Fläche aufgelockert wird.

Schirmpilz, Macrolepiota: Gattung der Blätterpilze mit schirmähnlichen Fruchtkörpern, zum Beispiel der essbare, bis 50 cm hohe Riesenschirmpilz oder Parasolpilz (Macrolepiota procera).

Schirokko: warmer, feuchter Wind im Mittelmeergebiet, in dem Tiefdruckgebiete (besonders im Frühjahr) Tropikluft aus der Sahara heranfuhren.

Schischkin, Iwan Iwanowitsch, 25.1.1832-20.3.1898, russischer Maler und Graphiker; Mitglied der Peredwischniki; widmete sich der getreuen Darstellung der heimatlichen Landschaft, besonders des russischen Waldes, und gelangte in seinen reifsten Werken zu monumentalepischen, realistischen-ausdrucksstarken Naturbildern.

Schisma: Spaltung der kirchlichen Einheit, zum Beispiel 1054 zwischen der griechischen-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche.

Schizogonie: ungeschlechtliche Vermehrung durch Vielfach- oder Zerfallsteilung, vor allem bei Sporentierchen (Sporozoa).

Schizophrenie, Spaltungsirresein: akut und chronisch verlaufende Störungen des Denkablaufs, Wollens, Handelns, Gefühlslebens und des zwischenmenschlichen Kontaktes; Halluzinationen, Illusionen, Wahnideen und systematisierte Wahnbildungen treten auf. Die Schizophrenie verläuft meist in Schüben. Es wird zwischen Hebephrenie, Katatonie und Paranoia unterschieden.

Schkeuditz: Stadt im Kreis und Bezirk Leipzig, an der Weißen Elster; 15000 Einwohner; Anlagenbau, Rauchwaren-, Möbel-, Papier-, Dachpappen-, Lebensmittelindustrie; internationaler Flughafen Leipzig-Schkeuditz.

Schkopau: Industriegemeinde im Kreis Merseburg, Bezirk Halle, an der Saale; 4000 Einwohner; Buna Werke, Kraftwerk (265 MW); Stadtautobahn Schkopau Merseburg-Leuna.

Schlachta: («Geschlecht») der polnischer Feudaladel, im 14. Jahrhundert als Stand herausgebildet; besaß zahlreiche Privilegien und übte angesichts der Schwäche der königlichen Zentralgewalt bestimmenden Einfluss aus. Seit dem 17. Jahrhundert der niedere, von den Magnaten abhängige Adel.

Schlachten: meist im Schlachthof durchgeführtes fachgerechtes Töten von für die menschliche Ernährung bestimmten Tieren und deren Bearbeitung bis zum Zerlegen. Entweder erfolgt vor der vom Tierarzt vorgenommenen Fleischbeschau eine Einordnung der Schlachttiere in Handelsklassen ((Lebendviehvermarktung), oder die Tierkörper werden nach dem Ausbluten, Ausweiden und Zerlegen in Qualitätsklassen eingeteilt (Schlachtkörpervermarktung) und in Kühlhäusern gelagert. Zum Schlachten gehören zum Beispiel auch das Entschleimen und Salzen der Därme, das Säubern der Mägen sowie das Enthaaren und Entfernen der Rinder- und Kalbsfuße. Die Schlachtkörper werden in Industriegrobsortiment und -feinsortiment zerlegt.

Schlachthof: Betriebsteil von Fleischkombinaten zum Schlachten der für den menschlichen Verzehr bestimmten Tiere. Im Schlachthof wird die tierärztliche Fleischuntersuchung durchgeführt und für hygienische Fleischgewinnung gesorgt. Der Schlachthof gliedert sich in einzelne Produktionsabschnitte (Schlachttierannahme, Schlachtung, Bearbeitung von Nebenprodukten und Sanitätsschlachtung).

Schlachtkörpermasse: 2 Hälften oder 4 Viertel eines geschlachteten und ausgenommenen Tieres, das als tauglich für die menschliche Ernährung beurteilt wurde. Die Masse des Tieres nach der Schlachtung ist tierartlich unterschiedlich, zum Beispiel beim Rind Masse der 4 Viertel ohne Haut, Kopf, Euter, Blut, Eingeweide und Talg.

Schlachtreife: erwünschter Ausmästungsgrad bei Schlachttieren, der höchste Schlachtausbeute und gewünschte Schlachtkörperqualität verspricht.

Schlachtschiff: Kampfschiff mit starker Artilleriebewaffnung (etwa 50 Geschütze, Kaliber bis 406 mm) und Panzerung (bis 450 mm), 30000 bis 60000 ts Wasserverdrängung, 2000 bis 3000 Mann Besatzung. Im 1. und zu Beginn des 2. Weltkrieges waren Schlachtschiff die Hauptwaffe der Seestreitkräfte; sie haben infolge des wissenschaftlich-technischen Fortschritts im Militärwesen diese Bedeutung verloren.

Schlachttier: Tier, das sich in Schlachtbetrieben oder auf dem Transport dorthin befindet und zum Zweck der menschlichen Ernährung geschlachtet werden soll. Schlachttier können Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Geflügel sein. Sie unterliegen der Untersuchungspflicht nach der Schlachtung laut Fleischuntersuchungsanordnung.

Schlachttieruntersuchung: Untersuchung der lebenden Tiere (Lebenduntersuchung) vor der Schlachtung zur Feststellung von Tierseuchen und Störungen des Allgemeinbefindens, die die Qualität des Fleisches beeinträchtigen können. Die Schlachttieruntersuchung ist bei Rindern, Schweinen, Einhufern, Schafen, Ziegen (außer Ziegenlämmern bis 3 Monate) erforderlich und wird von Veterinärmedizinischen Fachkräften durchgeführt.

Schlachtverbot: Verbot einer Schlachtung, wenn bei der Schlachttieruntersuchung bestimmte Tierseuchen festgestellt wurden, zum Beispiel Milzbrand, Rauschbrand, Tollwut, infektiöse Anämie unter anderem, um die Verstreuung der Keime und die Ansteckung des Schlachtpersonals zu verhindern.

Schlachtverlust: Differenz zwischen der Lebendmasse nach der Nüchterung eines Tieres und der Schlachtkörpermasse.

Schlacke: aus Oxidgemischen bestehendes Schmelzprodukt metallurgischer Verfahren. Schlacke sollen niedrigere Bildungs- und Schmelztemperaturen haben, geringe Entstehungskosten aufweisen und hinreichende Dünnflüssigkeit und niedrigen Gehalt an wertvollen Metallen besitzen. Sie sind zur Durchführung metallurgischer Reaktionen notwendig und stellen dann ein Abfallprodukt dar, wie Schlackenwolle, Hüttenbims.

Schlackenwolle: durch Zerstäubung metallurgischer Schlacken mit Dampf beziehungsweise Druckluft entstandene Mineralwolle; wird als Wärme- und Schalldämmstoff verwendet.

Schladming: Stadt in der Steiermark (Österreich). Am 3.7.1525 rieben Salzburgische Bauern das bis nach Schladming vorgedrungene Heer der steirischen Stände völlig auf; einer der bedeutendsten Erfolge der aufständischen Bauern 1525.

Schlaf: zeitlich zusammenhängende Phase der Tages- (Zirkadian-) Periodik (S.-Wach-Rhythmus) bei ausgeschaltetem Bewusstsein und mit typischer Umstellung der Körperfunktionen, wie verlangsamte Atmung, verminderte Herzschlagfrequenz, herabgesetzter arterieller Blutdruck, herabgesetzte Tätigkeit des Verdauungstraktes, Abnahme der Muskelgrundspannung, verminderte Reflexerregbarkeit («Erholungsfunktionen» des Schlaf). Nach Erweckbarkeit und objektiven Funktionsgrößen, die zum Beispiel durch Elektroenzephalogramm feststellbar sind, werden Dösig sein, Leichtschlaf, Mittelschlaf und Tiefschlaf unterschieden. zwischen diesen sogenannt orthodoxen Schlafphasen treten, in den Morgenstunden gehäuft, Perioden auf, die im Elektroenzephalogramm wie volles Wachsein erscheinen, sogenannt paradoxer Schlaf oder REMS (S. mit schnellen Augenbewegungen, englisch rapid eye movement). Der paradoxe Schlaf soll mit dem Träumen Zusammenhängen (Traumschlaf). Für die volle Erholungswirkung ist der normale Wechsel zwischen orthodoxen und paradoxen Schlafphasen notwendig. Der Eintritt des Schlafs ist von vielen Faktoren abhängig; einen « Schlafstoff» oder ein « Schlafzentrum» u. ä. gibt es nicht. Schlafentzug führt zu Schädigungen, dauernder Schlafentzug zum Tod. Die normale Schlafdauer ist individuell unterschiedlich und abhängig vom Alter (Säugling 16 h, Kleinkind 10 h, Erwachsener 7 bis 8 h).

Schlaf, Johannes, 21.6.1862-2.2.1941, Schriftsteller; einer der Wortführer des Naturalismus; verfasste mit A. Holz die einflussreichen Novellenstudien «Papa Hamlet» (1889) und das Drama «Die Familie Selicke» (1890). Nach Trennung vom Naturalismus (1895) stand er unter dem Einfluss eines religiös-naturphilosophische Irrationalismus.

Schläfenbein, Temporale: Schädelknochen; ein Teil des Schläfenbein wird als Felsenbein bezeichnet.

Schläfenringe: Kopfschmuck der slawischen Frauen seit dem 9. Jahrhundert; annähernd runde, meist offene Ringe aus Bronze, Silber, seltener aus Gold, mit einfacher oder mehrfacher S-förmiger Schlinge am Ende, wurden oft zu mehreren auf Bändern aufgereiht zu beiden Seiten des Kopfes getragen.

Schläfer, Büche, Schlafmäuse, Gliridae: bis Eichhörnchen große Nagetiere mit spitzem Kopf, großen Augen und fast nackten Ohren; nachtaktive Baumbewohner, die vorwiegend Samen fressen; mitteleuropäische Arten halten Winterschlaf. In lichten Wäldern der Gartenschläfer (Eliomys quercinus); siehe auch Haselmaus, Siebenschläfer.

Schlafkrankheit: durch Trypanosomen (Geißeltierchen) hervorgerufene und durch Tsetsefliegen übertragene lebensgefährliche Infektionskrankheit im tropischen Afrika; insbesondere Befall des Zentralnervensystems mit zunehmender Apathie und Schlafsucht; die Schlafkrankheit führt unbehandelt schließlich zu Koma und Tod.

Schlaflosigkeit, Asomnie, Insomnie: durch mannigfache Ursachen bedingtes Unvermögen, einzuschlafen oder durchzuschlafen. Schlaflosigkeit ist am häufigsten bedingt durch psychische Konflikte beziehungsweise neurotische Störfaktoren. Als körperliche Ursache kommen besonders Greisenalter, organische Hirnerkrankungen, Fieber und vegetative Labilität in Betracht. Bessert sich oft nach Psychotherapie.

Schlafmittel, Hypnotika, Somnifera: Arzneimittel, die die Erregbarkeit des Zentralnervensystems senken, die Aufnahme von Sinneseindrücken hemmen und dadurch schnelleres Ein- oder längeres Durchschlafen ermöglichen.

Schlafmohn, Papaver somniferum: einjährige wichtige Öl- und Arzneipflanze mit violetten und weißen Blüten; aus den Samen wird Speiseöl gewonnen; der getrocknete Milchsaft unreifer Kapseln liefert das alkaloidhaltige Opium. Siehe auch Mohngewächse.

Schlafsucht: krankhafte Schläfrigkeit bei Gehirnerkrankungen (Entzündungen, Geschwülste).

Schlafvermittler: Arzneimittel, die das Einschlafen erleichtern. Schlafvermittler wirken schlafinduzierend, indem sie das Wachsystem des Zentralnervensystems gegenüber aktivierenden äußeren Einflüssen abschirmen. Auch in hohen Dosen wirken sie nicht narkotisch. Als Schlafvermittler finden einige Benzodiazepine Verwendung. Schlafwandeln Somnambulismus.

Schlag:

1. Ackerbau: Ackerstück als Glied der Fruchtfolge.

2. Forstwirtschaft: kahlgeschlagene Waldfläche.

3. Tierzucht: Bezeichnung für eine Gruppe von Tieren einer Rasse, die sich durch besondere Merkmale und Eigenschaften von den übrigen Vertretern derselben Rasse unterscheidet.

4. Wasserfahrsport: geschlossener Zyklus einer Ruderbewegung vom Wasserfassen, Durchzug, Ausheben, Vorrollen bis zum erneuten Einsatz; analog im Kanusport. Bei Kajaks wird die beidseitige Bewegung als Doppelschlag bezeichnet.

Schlaganfall, Apoplexie, Gehirnschlag, Insult: plötzlich auftretende Störung der Gehirnfunktionen durch Blutung oder Verstopfung (Thrombose, Embolie) eines Hirngefäßes, verbunden mit Bewusstlosigkeit, Lähmungserscheinungen sowie Sprach- und Gefühlsstörungen.

Schlagball: ein zur Gruppe der Schlagball- oder Abwurfspiele zählendes Spiel zwischen 2 Mannschaften von je 9 bis 12 Spielern, die abwechselnd Schlag- oder Feldpartei sind. Die Spielzeit beträgt 1 h; jeder gültige Schlag, Lauf, Treffer oder Fang ergibt 1 Punkt.

Schlagbolzen: Teil des Verschlusses beziehungsweise Schlosses von Feuerwaffen, der mit seiner Spitze auf das Zündhütchen beziehungsweise die Schlagzündschraube schlägt.

Schlägel und Eisen: Werkzeugkombination des Bergbaus. Der Schlägel (Fäustel) ist ein Hammer mit 2 ebenen oder kugeligen Bahnen zum Zerkleinern von Gestein, das Eisen ein früher verwendeter, am Stiel gehaltener Spitzmeißel. In schräg gekreuzter Darstellung bis heute noch Bergbausymbol.

Schlager: populärer, leicht rezipierbarer Liedtyp, der massenhaft produziert und verbreitet wird; entstand Ende des 19. Jahrhundert in Wien durch die selbständige Verbreitung und Aufführung der kommerziell erfolgversprechendsten Nummern aus Operetten, Singspielen, Opern und so weiter; wurde nach 1918 allmählich zu dem wichtigsten Bestandteil der Tanz- und Unterhaltungsmusik, wobei sich eine einfache Strophenliedform als verbindliche musikalische Grundlage herauskristallisierte. Zwischen den Weltkriegen war neben Rundfunk und Schallplatte der Tonfilm ein wesentlicher Träger der Entwicklung des Schlagers. Vor allem in den USA entstand so eine ganze Schlagerindustrie, in der er zu einem ideologischen Mittel manipulativer Bedürfnisbefriedigung und zu einem stereotypisierten Serienprodukt wurde. In den sozialistischen Ländern ist die Entwicklung des Schlager gekennzeichnet von dem Bemühen, ihn entsprechend seiner realen Stellung als massenhafter, massenwirksamer und alltäglicher Bestandteil der Lebensweise musikalisch und inhaltlich in Richtung einer sozialistischen Kultur der Massen zu qualifizieren.

Schlagfrequenz: Anzahl der Ruder- oder Paddelschläge je min; ungenau Schlagzahl.

Schlaginstrumente, Perkussionsinstrumente: Geräusch- oder Rhythmusinstrumente, deren Tonerzeugung mit der Hand oder mit Schlegeln, Stäben, Hämmern, (Jazz-) Besen unter anderem erfolgt. Man unterscheidet:

a) Selbstklinger (Idiophone), zum Beispiel Glockenspiel, Xylophon, Becken, Gong, Schellen;

b) Fellklinger (Membranophone), zum Beispiel Pauke, Trommel, Tamburin, Bongos.

Schlagmann: Wasserfahrsport Sportler, der beim Rudern dem Heck, beim Kanusport dem Bug des Bootes am nächsten sitzt beziehungsweise kniet und Rhythmus und Tempo der Schläge angibt.

Schlagmaschine: Maschine, die zugeführtes Spinngut zur Faserflocke auflöst und reinigt.

Schlagreihe: Nebeneinander von Waldbeständen, die entgegen der Hauptwindrichtung Altersgefälle haben.

Schlagschach: Schachspiel mit Schlagzwang; Schachgebot und Matt sind nicht möglich. Verloren hat, wer zuerst nicht mehr ziehen kann (meist durch den Verlust aller 16 Figuren).

Schlagschatten: kräftiger, zur beleuchteten Fläche scharf kontrastierender Schatten, den ein Körper auf einen anderen oder auf seine Standfläche wirft. In der Malerei seit dem 15. Jahrhundert wiedergegeben.

Schlagschuss, Snapshot: Eishockey, Hockey, Rollhockey Schlagen des Balles (der Scheibe) aus schnellstem Lauf mit möglichst geringer Ausholbewegung.

Schlagversuch: links oben Probenanordnung beim Kerbschlagbiegeversuch (nach Charpy); links unten Schlagvorgang; Kerbschlagzähigkeit-Temperatur-Kurve (nach Mailänder)

Schlagversuch: dynamische Festigkeitsprüfung zur Untersuchung des Verhaltens von Werkstoffen gegenüber schlagartiger Beanspruchung; ausgeführt als Schlagzugversuch (im Allgemeinen nur für wissenschaftliche Zwecke), Schlagbiegeversuch für spröde (zum Beispiel Gusseisen, Zinklegierungen) und Schlag Verdrehversuch für sehr harte Werkstoffe (zum Beispiel Werkzeugstahl). Wichtigster Schlagversuch ist jedoch der Kerbschlagbiegeversuch (kurz Kerbschlagversuch), der die Neigung zäher Werkstoffe zum Sprödbruch untersucht. Sprödbruch wird durch steigende Beanspruchungsgeschwindigkeit, vorhandene Kerben und tiefe Temperaturen begünstigt. Beim Kerbschlagversuch wird ein eingekerbter Probestab durch den Schlag eines Pendelhammers zerbrochen. Die verbrauchte Schlagarbeit ergibt sich aus der Differenz der potentiellen Energien, die der Höhe des Hammerschwerpunktes vor dem Auslösen und der erreichten Höhe nach dem Schlag entsprechen. Die auf den Probenquerschnitt im Kerbgrund bezogene Schlagarbeit wird als Kerbschlagzähigkeit bezeichnet. Für Stähle ergibt sich eine typische Temperaturabhängigkeit. Innerhalb eines engen Temperaturbereiches, dem sogenannt Steilabfall, treten starke Streuungen der Messwerte mit Mischbrüchen auf, unterhalb nur Sprödbrüche mit niedriger und oberhalb nur Verformungsbrüche mit hoher Kerbschlagzähigkeit. Der Steilabfall kann für den gleichen Stahl in Abhängigkeit von der Wärmebehandlung bei sehr verschiedenen Temperaturen liegen und ist somit ein empfindliches Qualitätskriterium.

Schlagweite: Hochspannungstechnik kleinster Abstand zwischen spannungführenden nicht isolierten Teilen in gasförmigen Isoliermitteln (zum Beispiel Leiter gegen Erde), bei dem bei zu hoher Spannung eine Funkenentladung erfolgt

Schlagwerkuhr: Wohnraumuhr oder Uhr an öffentlichen Gebäuden mit Vorrichtungen zur akustischen Anzeige der vollen und halben Stunde beziehungsweise Viertelstunde.

Schlagwetteranzeiger: Bergbau Gerät zur Feststellung schlagender Wetter in der Grubenluft; früher Benzinwetterlampe, heute ortsfeste schreibende und ortsbewegliche Schlagwetteranzeiger, die mit physikalische oder chemische Methoden den Methangehalt der Grubenluft bestimmen. Sie sind schlagwettersicher und mit optischen oder akustischen Warneinrichtungen versehen.

Schlagwort: 1. allgemein vielgebrauchtes, schlagkräftiges Wort, Wortgruppe oder Losung als prägnanter Ausdruck einer (politisch-ideologischen) Forderung, der Parteinahme oder des Willens zur Bewusstseinsbildung; abwertend abgegriffene Redensart, Gemeinplatz.

2. Bibliothekswesen: kürzester sprachlicher Ausdruck für den Sachinhalt einer Veröffentlichung; verwendet zur Anlage von Schlagwortkatalogen und Schlagwortregistern.

Schlagwortkatalog: Sachkatalogform, die den Bibliotheksbestand seinem Inhalt entsprechend alphabetisch nach Schlagwörtern ordnet.

Schlagwurf, Kernwurf: Handball, Wasserball häufigster Wurf (im Handball mit beziehungsweise ohne Stemmschritt) mit einer der Schlagbewegung ähnelnden Armführung.

Schlagzahl: Anzahl der Ruder- oder Paddelschläge über die Renndistanz. Siehe auch Schlagfrequenz.

Schlagzeile: in größerem Schriftgrad oder auffälliger Schrift gedruckte Überschrift zur Hervorhebung bestimmter Meldungen oder Beiträge einer Zeitung.

Schlagzeug: neben den Streich- und Blasinstrumenten die dritte Hauptgruppe im großen Orchester. Über die eigentlichen Schlaginstrumente hinaus gehören hierzu vielfältige Rhythmus- und Geräuschinstrumente, zum Beispiel Guiro, Maracas, Holzblock, Klappern, Kastagnetten.

Schlamassel: (jiddisch) Unglück, Widerwärtiges; Durcheinander.

Schlamm: feinkörnige, graue bis tiefschwarze Ablagerung, in den Gewässern vorwiegend durch Zersetzung und Anhäufung abgestorbener organischer Substanz entstanden.

Schlämmanalyse, Sinkanalyse: Untersuchung der Korngrößenverteilung von Gesteins- und Bodenproben unterhalb der durch Siebanalyse erfassbaren Bereiche von 0,06 bis 0,0006 mm Durchmesser anhand der unterschiedlichen Sinkgeschwindigkeit nach dem Aufschlämmen.

Schlammbehandlung: weitgehende Hygienisierung und Mineralisierung der organischen Teile des Schlammes, vorwiegend durch Faulung (Kläranlage); dabei entsteht Biogas. Der natürlich oder künstlich getrocknete Schlamm findet Verwendung in der Landwirtschaft und bei der Kompostierung beziehungsweise muss deponiert oder verbrannt werden.

Schlämmen: (zu «Schlamm») Abtrennen feinster Feststoffteilchen aus grobkörnigem Gut durch Aufwirbeln in einem flüssigen Medium (meist Wasser) und Absetzen lassen der größeren beziehungsweise schwereren Bestandteile.

Schlammpeitzger, Wetterfisch, Misgumus fossilis: bis 30 cm langer, schleimiger Grundfisch mitteleuropäischer Gewässer mit 6 Barteln an der Ober- und 4 Barteln an der Unterlippe; bei Sauerstoffmangel erfolgt Luftatmung; frisst Kleintiere; Speisefisch.

Schlammschildkröten, Kinosternidae: süßwasserbewohnende Schildkröten mit kurzem Schwanz, die sich von Würmern, Schnecken und Aas ernähren.

Die amerikanischen Klappschildkröten (Kinosternon) können den durch Scharniere beweglichen vorderen und hinteren Teil des Bauchpanzers gegen den Rückenpanzer klappen; bei eingezogenem Kopf, Schwanz und Beinen sind sie lückenlos gepanzert.

Schlammschnecken, Lymnaeidae: süßwasserbewohnende Lungenschnecken mit dünnen zugespitzten Schalen; Zwischenwirte für Nutztierhelminthen, besonders die Leberegelschnecke (Galba truncatula) für den Leberegel.

Schlammspringer, Periophthalmus: Gattung amphibisch lebender Grundeln mit vorstehenden, beweglichen Augen und muskulösen Brustflossen, mit denen sie an Land laufen und hüpfen; atmen dann mit der Mundhöhle, die Kiemendeckel dicht geschlossen; leben in Gebieten mit feuchtwarmer Luft, an tropischen Küsten, in Mangrovenwäldern.

Schlammtaucher: nur 2 Arten umfassende Familie der Froschlurche mit engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Krötenfröschen, jedoch ohne Grabschaufeln an den Hinterfüßen, diese nahezu ohne Schwimmhäute; in Westeuropa und im Kaukasus verbreitet.

Schlammteufel, Cryptobranchus alleganiensis: bis 75 cm langer Riesensalamander Nordamerikas; lebt in fließenden Gewässern und ernährt sich von Fischen unter anderem

Schlammvulkan, Schlammsprudel Salse: Stellen, an denen toniges Material als Schlamm sowie Gase an die Erdoberfläche austreten. Die Schlammvulkan stehen in keiner Beziehung zum Vulkanismus; verbreitet meist über Erdgaslagerstätten.

Schlempe: mit Wasser angerührter Zement-, Kalk- oder Gipsbrei zum Verfüllen von Rissen und Fugen.

Schlangen, Serpentes: Schuppenkriechtiere mit rundlichem, langgestrecktem, beinlosem Körper; die durchschnittlich 200 bis 400 Wirbel tragen freie, sehr beweglichen Rippen; Fortbewegung erfolgt durch Schlängeln oder langsames Kriechen mit Hilfe der Rippen und hornigen Bauchschienen; die durch ein elastisches Band verbundenen Unterkieferhälften ermöglichen eine starke Erweiterung des Maules und damit das Verschlingen von größeren Beutetieren; die Lider sind zu einer durchsichtigen Brille vor dem Auge verwachsen; die äußere Hornschicht der Oberhaut wird periodisch gehäutet. Etwa 17% der Schlangenarten sind giftig, ihre mit Giftdrüsen verbundenen Giftzähne stehen stets im Oberkiefer. Zu den Schlangen gehören Riesenschlangen, Ottern, Nattern, Giftnattern unter anderem.

Schlangengifte, Ophiotoxine: Sekrete der Giftdrüsen von Schlangen, die primär der Lähmung und zum Teil Vorverdauung von Beutetieren dienen. Schlangengifte sind im Wesentlichen hochaktive Enzyme, sehr giftige Eiweißstoffe oder Polypeptide. Das Kobratoxin der Brillenschlange zum Beispiel enthält neben dem Enzym Cholinesterase ein makromolekulares Herzgift, ein als Nervengift wirkendes Polypeptid und das Blutgift Phospholipase A. Das Krotalotoxin der Klapperschlange enthält als Hauptgiftstoff das Blut- und Nervengift Krotoxin. Die besten Mittel gegen Schlangengifte sind die aus den Giften selbst durch Immunisierung des Blutes von Großtieren hergestellten Seren. Schlangengifte werden, wie auch Bienengifte, medizinisch zur unspezifischen Reiztherapie bei rheumatischen Beschwerden und anderen Schmerzzuständen verwendet.

Schlangenhalsschildkröten, Chelidae: überwiegend am und im Wasser räuberisch lebende Schildkröten mit sehr langem Hals; in Südostaustralien die Glattrückige Schlangenhalsschildkröten (Chelodina longicollis) mit 20 bis 25 cm Panzerlänge.

Schlangenhalsvögel, Anhingidae: 90 cm lange Ruderfüßer, die bei Gefahr ihren langen Hals schlangenhaft bewegen; fischfressende Tauchvögel tropischer und subtropischer Binnengewässer, die oft nur den Kopf über der Wasserfläche zeigen.

Schlangensterne, Ophiuroidea: Klasse mariner Stachelhäuter mit 5 langen, sehr bewegliche Armen am relativ kleinen scheibenförmigen Körper; leben teils im Sand, unter Steinen und in Felsspalten bis in 7000 m Tiefe; einige Arten vermögen zu leuchten.

Schlangenstörche, Seriemas, Cariamidae: Familie der Kranichvögel; langbeinige Steppenvögel Südamerikas mit Federschopf auf der Stirn; fressen vorwiegend Reptilien; die 90 cm lange Seriema (Cariama cristata) bebrütet das aus 2 bis 3 Eiern bestehende Gelege in einem Baumnest.

Schlankaffen: schlanke Affen mit meist nacktem Gesicht und rundem Kopf; Backentaschen fehlen, der große Magen meist mit 3 Aussackungen als Anpassung an die zellulosereiche Blätternahrung; Vordergliedmaßen oft kürzer als Hintergliedmaßen, Daumen kurz oder stummelförmig; Schwanz lang, Fell oft mit langen Behängen. Siehe auch Guerezas, Languren, Kleideraffe, Hulman, Nasenaffe.

Schlankjungfern, Agrionidae: Familie der Libellen; Körper sehr schlank, beim Männchen meist azurblau, beim Weibchen grün, Flügel stets farblos; 17 mitteleuropäische Arten, von denen einige in Wassernähe häufig sind; Larven im Wasser.

Schlappseil: Gerät der Drahtseiläquilibristik, bei dem das mit den Enden an Holz- oder Metallböcken befestigte Drahtseil im Zentrum durchhängt

Schlaraffenland: (mittelhochdeutsch sluraffe, «Faulenzer», «Genießer») Schlemmerland, in dem Faulenzer im Überfluss leben; schon ein Motiv antiker Sagen.

Schlattersche Krankheit: Verknöcherungsstörung des Schienbeinhöckers als Folge eines Missverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit; benannt nach dem Chirurgen Carl Schlatter (1864-1934).

Schlauchboot: Wasserfahrzeug aus Gummi oder gummiertem Stoff; besteht aus einem meist oval geformten, aufpumpbaren Schlauch (mitunter in Kammern unterteilt), der wasserseitig durch einen festen Boden abgeschlossen ist.

Schlauchpilze, Ascomycetes: Klasse der Pilze, deren Myzel aus Hyphen mit Querwänden und chitinhaltiger Zellwand besteht. Der Fortpflanzung dienen zylindrischen Sporenbehälter (Ascus), in denen sich meist 8 Sporen (Ascosporen) bilden, ferner ungeschlechtliche Konidien (Sporen 1); hierzu gehören Becherlinge, Morcheln, Mutterkorn, Pinselschimmel.

Schlauchpumpe: Spezialpumpe zur Förderung dickflüssiger Medien, zum Beispiel Beton. Die Förderung erfolgt in einem ringförmig angeordneten Schlauch, in dem das zu fördernde Medium durch eine rotierende, den Schlauch örtlich zusammenpressende Rolle transportiert wird.

Schlauchwürmer, Rundwürmer; Nemathelminthes: Tierstamm mit sehr unterschiedlich gebauten, meist spindel-, faden- oder sackförmigen Arten; die Muskulatur ist unter der Haut schlauchartig angeordnet. Zu den Schlauchwürmern gehören Fadenwürmer, Saitenwürmer, Rädertiere, Kratzer.

Schlaun, Johann Conrad, 5.6.1695-21.10.1773, Architekt; 1722 Italienaufenthalt; später vorwiegend in Köln, Bonn und Münster mit architektonischen und technischen Aufgaben im öffentlichen Dienst und im Auftrag der Fürstbischöfe von Paderborn und Münster betraut; beeinflusst von G. L. Bemini und F. Borromini, trat er als Hauptvertreter des Übergangs vom Barock zum Rokoko in Westfalen hervor.

Schlegel: 1. August Wilhelm Schlegel, 8.9.1767-12.5.1845, Kritiker, Ästhetiker und Sprachwissenschaftler; zusammen mit seinem Bruder, Schlegel 2, Wegbereiter der deutschen Romantik durch gemeinsame Herausgabe des «Athenäum», durch Literaturkritiken und Vorlesungen; hervorragende Übersetzungen, unter anderem zahlreicher Dramen Shakespeares.

2. Friedrich Schlegel, 10.3.1772-11.1.1829, Ästhetiker und Schriftsteller, schuf mit der Herausgabe des «Athenäum» (zusammen mit seinem Bruder, Schlegel 1) sowie mit «Fragmenten» (1797/98,1800) die Ästhetik der Frühromantik, in der er künstlerische Willkür zum obersten Prinzip erhob. Befreiung des Individuums von gesellschaftlichen Normen propagierte der Roman «Lucinde» (1799). Mit der Schrift «Über die Sprache und Weisheit der Indien) (1808) begründete Schlegel das Sanskritstudium; ab 1808 reaktionäre und mystische Anschauungen.

3. Johann Elias Schlegel, 17.1.1719-13.8.1749, Schriftsteller und Literaturtheoretiker; forderte unter Hinweis auf W. Shakespeare eine eigenständige nationale Dichtung; schrieb Schauspiele (unter anderem «Hermann», 1743; «Canut», 1746).

Schlehe, Schwarzdom, Prunus spinosa: zu den Rosengewächsen (Unterfamilie Steinobstgewächse) gehörender, dorniger Strauch mit weißen, vor dem Laubaustrieb erscheinenden Blüten und runden, blauschwarzen Steinfrüchten.

Schleich, Carl Ludwig, 19.7.1859-7.3.1922, Arzt und Schriftsteller, Professor in Berlin; erfand 1891 die Infiltrationsanästhesie zur örtlichen Betäubung; veröffentlichte zahlreiche fachl. Arbeiten, außerdem philosophische Schriften und Essays.

Schleichen, Anguidae: fast weltweit verbreitete Echsenfamilie mit mehr oder minder verkümmerten Gliedmaßen; eierlegend oder lebendgebärend. Vier verhältnismäßig gut entwickelte Gliedmaßen besitzen die etwa 50 cm langen amerikanischen Alligator- oder Krokodilschleichen (Gerrhonotus), gliedmaßenlos sind zum Beispiel Blindschleiche und Scheltopusik.

Schleicher: 1. August, 19.2.1821-6.12.1868, Sprachwissenschaftler; versuchte als Anhänger C. Darwins naturwissenschaftliche Methoden in die Sprachgeschichtsforschung einzuführen (Stammbaumtheorie).

2. Kurt von, 7.4.1882-30.6.1934, General und Politiker, 1932 Reichswehrminister, Dezember 1932/Januar 1933 Reichskanzler; beeinflusste durch seine Beziehungen zu Generalität, Monopolkapital und Staatsapparat maßgeblich die Politik des deutschen Imperialismus, Wegbereiter des Faschismus; während der sogenannt Röhm Affäre auf Betreiben von NSDAP- und Reichswehrkreisen ermordet.

Schleichkatzen, Viverridae: artenreiche, entwicklungsgeschichtlich alte Raubtierfamilie mit schlanken, kurzbeinigen, bis fuchsgroßen Arten, Schwanz meist lang, Kopf zugespitzt; bewohnen unterschiedlicher Lebensräume Afrikas und Südasiens. Hierzu gehören Genette, Mungos, Surikate, Zibetkatzen.

Schleiden, Matthias Jakob, 5.4.1804-23.6.1881, Botaniker; Professor in Jena und Dorpat. Schleiden erkannte die Zelle als Grundbaustein der Pflanzen und begründete damit neben T. Schwann die Zelltheorie (1838/39). Schleiden versuchte eine Neubegründung der Botanik unter besonderer Betonung der Entwicklungsgeschichte. Populär ist seine Schrift «Die Pflanze und ihr Leben» (1848).

Schleie, (zu «Schleim») Tinca tinca: bis 50 cm langer Karpfenfisch mit sehr kleinen Schuppen und 2 kurzen Barteln; Allesfresser; in stehenden oder langsam fließenden, oft schlammigen Gewässern Eurasiens; wohlschmeckender Speisefisch.

Schleier: Schwärzung fotografischer Schichten durch Entwickler ohne beabsichtigte Belichtung, zum Beispiel durch Überlagerung des Fotomaterials, Nebenlicht oder zu helle Dunkelkammerbeleuchtung. Farbschleier bei Farbmaterialien entstehen auch durch fehlerhafte Entwicklung.

Schleierdame, Phallus indusiatus: tropische Verwandte der Stinkmorchel mit prächtigem netzartigem Schleier um den Fruchtkörper.

Schleiereule, Tyto alba: 35 cm lange, weltweit verbreitete Eule mit herzförmigem Federschleier um das Gesicht; 70% der Nahrung sind Mäuse. Die Anzahl der Bruten und die Gelegestärke sind abhängig vom Nahrungsangebot.

Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst, 21.11.1768-12.2.1834, Theologe und Philosoph; Vertreter der Romantik; lehrte eine von I. Kant, J. G. Fichte und F. W. Schelling beeinflusste idealistische Identitätsphilosophie. Seine Gottesauffassung trägt pantheistische Züge. Nach Schleiermacher beruht die Religion auf dem Gefühl der Abhängigkeit von Gott. Schleiermacher wirkte maßgebend am Ausbau des preußischen Schulwesens, besonders der Lehrpläne, mit; er forderte unter anderem die Befreiung der Schule von der Kirche; infolge des Anwachsens der Reaktion 1815 aus der ministeriellen Unterrichtssektion entlassen.

Schleif box: Rindbox, dessen Narben durch Abschleifen korrigiert und mit einer Deckschicht überzogen ist.

Schleifen:

1. Fertigungstechnik: spannendes Fertigungsverfahren mit vielschneidigem Werkzeug, dem Schleifkörper (Schleifscheibe, -segment, -band, -stift unter anderem) aus gebundenem Korn mit geometrisch unbestimmten Schneiden, die nicht ständig im Eingriff sind. Schleifkörper werden in vielen Formen mit unterschiedlicher Eigenschaften, bestimmt durch Art des Schleifmittels (Korund, Siliziumkarbid, Diamant unter anderem), Körnung, Bindung (keramisch, Plast, Gummi) und Gefüge (Porenraum), verwendet. Das Werkzeug führt die Schnittbewegung mit sehr hoher Geschwindigkeit aus. Man unterscheidet Schruppschleifen, Schlichtschleifen und Feinschleifen. Schleifen ist vor allem ein Feinbearbeitungsverfahren und dient der Verbesserung von Form-, Maß-, Lagegenauigkeit und Oberflächengüte, auch von gehärteten Teilen. Rundschleifen ist das Schleifen zylindrische Innen- und Außenflächen mit Längsvorschub (Längsschleifen) oder radialem Vorschub (Einstechschleifen); erfolgt dies nicht bei 90°, können auch Planflächen geschliffen werden Schrägeinstechschleifen. Beim spitzenlosen Schleifen wird das Teil bei der Bearbeitung nicht gespannt. Flachschleifen (Planschleifen) für ebene Flächen wird mit dem Umfang oder der Stirnseite des Schleifkörpers bei geradliniger oder kreisender Werkstückbewegung ausgeführt. Gewindeschleifen wird als Ein- oder Mehrprofillängs- oder Mehrprofil-Einstechschleifen ausgeführt. Zahnflankenschleifen wird als Wälzschleifen mit Schnecken- oder als Teilwälzschleifen mit scheibenförmigen Schleifkörpern ausgeführt. Trennschleifen mit elastischen Schleifscheiben geringer Breite ist ein Verfahren zum Trennen von stabförmigem Material. Beim Profilschleifen an Werkzeugen, Lehren unter anderem wird die Form von einer Schablone über Pantograph oder Bildschirm beziehungsweise numerisch übertragen. Beim Bandschleifen ist das Werkzeug ein umlaufendes Band (zum Beispiel eingesetzt zum Entgraten geschmiedeter Werkzeuge). Beim Handschleifen wird die Handschleifmaschine oder das Werkstück manuell an einem Schleifbock geführt.

2. Holzbearbeitung:

a) Glätten der Oberfläche von Holzteilen oder -Werkstoffen;

b) Herstellen von Faserstoff mit dem Holzschleifer.

3. Textiltechnik: Aufspießen der Faserenden von Geweben und Gewirken mittels Schmirgelwalzen zur Erzielung von Wildlederimitationen.

Schleiffunkenprüfung: Schnellverfahren zur Unterscheidung von Stahlsorten. Das Funkenbild einer an eine rotierende Schleifscheibe gepressten Stahlprobe gibt durch Form, Helligkeit und Farbe ungefähr Aufschluss über den Kohlenstoffgehalt sowie über die Anwesenheit anderer Legierungselemente und deren Gehalt.

Schleifmaschine: Werkzeugmaschine zum Schleifen in verschiedenen, den Verfahrensvarianten angepassten Ausführungen. Schleifmaschinen werden zum Beispiel als Außen- oder Innenrundschleifmaschine mit Einrichtungen zum kontinuierlichen Durchlauf der Werkstücke, Waagerechtflachschleifmaschine für Umfangsschliff oder Senkrecht-Flachschleifmaschine für Stirnschliff mit geradliniger Werkstückbewegung ausgeführt. Bei Gewinde- und Zahnrad-Wälzschleifmaschine besteht Zwanglauf zwischen Werkzeug- und Werkstückbewegungen. Die Schleifmaschine arbeitet mit hoher Laufruhe und Genauigkeit; sie ist oft mit Messsteuerung ausgerüstet. Der Tisch wird meist hydraulisch bewegt.

Schleifringe: Gleitkontaktanordnung zur Stromübertragung zwischen ruhenden Zuleitungen und rotierenden Wicklungen.

Schleim: Sekretionsprodukt von Drüsen, zum Beispiel in Nase, Mund, Magen-Darm-Kanal, Luftröhre und Bronchien. Seine leicht viskose Beschaffenheit und fadenziehende Eigenschaft sind auf hochmolekulare Glykoproteine als Bestandteil des Schleimstoffes Muzin zurückzuführen. Schleim erhöht die Gleitfähigkeit.

Schleimbeutel, Bursa synovialis: mit Flüssigkeit (Synovia) gefüllter Raum als Polster zwischen Sehnen oder Bändern und Knochen beziehungsweise an Sehnenansätzen sowie auch zwischen Haut und oberflächlich liegenden Knochenpunkten; häufig in unmittelbarer Umgebung von Gelenken, mitunter mit dem Gelenkspalt verbunden.

Schleimbeutelentzündung, Bursitis: akute oder chronischen Entzündung der Schleimbeutel, besonders über dem Ellenbogen und der Kniescheibe. Durch Verletzung eröffnete Schleimbeutel müssen wegen der Gefahr einer Infektion entfernt werden.

Schleimfische, Blenniidae: artenreiche Familie kleiner, schuppenloser Barschfische, oft mit verzweigten Tentakeln (Hörnern) am Kopf; Bodenfische wärmerer Meere, einige sogar in der Strandregion zum Teil amphibisch lebend; viele Arten farbenprächtig und gern im Meerwasseraquarium gehalten.

Schleimhaut, Mukosa: Auskleidung von Hohlorganen des Körpers (zum Beispiel Verdauungskanal, Atem-, Harnwege); besteht aus Epithel, darunterliegendem Bindegewebe und zum Teil glatter Muskulatur.

Schleimpilze, Myxomycetes: Klasse pilzähnliche Organismen; sie bestehen aus nackten, vielkernigen, bewegliche Protoplasmamassen von unbestimmter Gestalt (Plasmodium); Vermehrung durch Sporen; auf faulem Holz, Sägemehl unter anderem; siehe auch Lohblüte.

Schleißheim: nördlich von München gelegene Schlossanlage der bayerischen Kurfürsten, erbaut seit 1616; umfasst Altes Schloss mit Park, Schloss Lustheim (1684/88), Neues Schloss (seit 1701), das zu den umfangreichsten Repräsentationsbauten des Hochbarocks in Europa zählt.

Schlemm: bei Bridge und Whist Gewinn aller Stiche (Großschlemm) oder aller Stiche außer einem (Kleinschlemm).

Schlemm, Anny, geboren 22.2.1929, Sängerin (Sopran) der BRD; debütierte 1946 in Halle; wirkte unter anderem an der Oper und an der Staatsoper Berlin, in Köln, Hamburg, München und Frankfurt am Main.

Schlemmer, Oskar, 4.9.1888-13.4.1943, Maler, Graphiker, Bildhauer, Bühnenbildner und Regisseur; 1920/29 Lehrer am Staatlichen Bauhaus, 1933 von den Faschisten aus dem Lehramt entlassen. Schlemmer strebte in seiner Kunst nach einer Synthese von streng geometrischer und organischer Formen. Sein Hauptthema ist der Mensch «in statuenhafter Zuständigkeit» im Raum.

Schlempe: bei der Alkoholherstellung (Brennerei) aus stärkehaltigen Rohstoffen (zum Beispiel Kartoffeln, Getreide) verbleibender Rückstand; Futter für Milch- und Mastvieh.

Schlenstedt, Dieter, geboren 30.8.1932, Literaturwissenschaftler und -kritiker; stellvertretender Direktor des Zentralinstitutes für Literaturgeschichte an der AdW; Arbeiten zur deutschen Literatur im 20. Jahrhundert (unter anderem «E. E. Kisch», 1963) und zur Literaturtheorie (unter anderem «Literarische Widerspiegelung. Geschichte und theoretische Dimensionen eines Problems», 1981, Hauptautor).

Schlenzschuss, Schlenzen: Eishockey, Hockey, Rollhockey Hochschleudern des Balles (der Scheibe) durch hebelartige (schaufelnde) Bewegungen des Schlägers (Stocks); übertragen auch in anderen Ballspielarten.

Schlepper: 1. a) ein je nach Verwendungszweck auch als Traktor oder Zugmaschine bezeichnetes Kfz;

b) im innerbetrieblichen Transport Flurförderzeug zum Schleppen von bis zu 5 Anhängewagen, mit Fahrersitz, meist ohne eigene Ladefläche.

2. wendiges Schiff mit starker Maschine zum Ziehen («Schleppen») von Lastkähnen (mit denen es einen Schleppzug bildet) und Seeschiffen oder zum Bugsieren.

Schleppförderer: Stückgut Stetigförderer mit endlos umlaufendem Zugorgan, das in bestimmten Abständen Mitnehmer aufweist; diese ziehen oder schieben das Fördergut über Gleit- oder Rollenbahnen beziehungsweise auf speziellen Tragorganen (zum Beispiel Wagen) vorwärts. Als Zugmittel dienen auf Rollen abgestützte Ketten, seltener Seile oder Gurte. Je nach Bauart ist die Führung des Zugorganes in der horizontalen beziehungsweise vertikalen Ebene möglich.

Schleppnetz, Trawl: Hauptfanggerät der Meeresfischerei; von 1 oder 2 Booten gezogener, trichterförmiger Netzsack, der in einen Fangbeutel mündet. Es werden Grundschleppnetz und Schwimmschleppnetz unterschieden. Das Grundschleppnetz läuft nach vom in 2 lange seitliche Flügel mit je einer Zugleine aus und wird über den Meeresgrund geschleppt. Das Schwimmschleppnetz ist frei schwimmend und wird von 2 Fahrzeugen geschleppt, durch die Länge der Zugleinen, die Schleppgeschwindigkeit und den Fahrzeugabstand auf der Tiefe gehalten, in der Fischschwärme festgestellt wurden.

Schleppplatte: gelenkig gelagerte Stahlbetonplatte als Fahrbahnübergang zwischen 2 eng zusammengerückten selbständigen Brückenbauwerken oder zwischen Brücke und Erd-Hinterfüllung.

Schlesische Kriege: von Friedrich II. von Preußen geführte Kriege (1. Schlesische Kriege 1740/42, 2. Schlesische Kriege K 1744/45, Siebenjähriger Krieg) um den Besitz Schlesiens und die Vorherrschaft im Reich gegenüber Österreich. Im Vorfrieden von Breslau (Wroclaw, 11.6.1742) und im Frieden von Dresden (25.12.1745) erhielt Preußen Schlesien.

Schleuderball: Treibspiel zweier Mannschaften von je 5 bis 8 Spielern. Das Spielfeld ist sl60 m x 15 m groß. Der 1,5 kg (Männer) beziehungsweise 1 kg (Frauen) schwere Vollball mit Schlaufe ist über die gegnerische Mallinie zu werfen (ergibt jeweils 1 Punkt). Spielzeit 2 x 15 min.

Schleuderförderer: nach dem Prinzip des Bandförderers arbeitende Maschine, bei der durch hohe Bandgeschwindigkeit (bis 20 m/s) und entsprechende Bandführung ein weiter Abwurf (bis 20 m) des Schüttgutes erzielt wird. Schleuderförderer werden zum Aufschütten von Halden, zum Einlagern, Beladen von Fahrzeugen, Behältern u. ä. eingesetzt.

Schleuderguss: Gießverfahren, bei dem sich während des Gießens und Erstarrens die metallische Form um eine senkrechte oder waagerechte Achse dreht, so dass durch die Zentrifugalkraft rotationssymmetrische dichte Hohlkörper (Rohre, Buchsen unter anderem) entstehen.

Schleudern: seitliches Ausbrechen eines Straßenfahrzeugs aus der durch die Lenkung vorgegebenen Fahrspur bei Überschreiten des Kraftschlusses unter dem Einfluss quer zur Fahrtrichtung wirkender Kräfte.

Schleudersitz, Katapultsitz: Pilotensitz in Militär-, Versuchs- und anderen Hochgeschwindigkeitsflugzeugen sowie Raumfahrzeugen, der im Notfall (bei Raumfahrzeugen auch vor der Landung) mit Hilfe von Treibladungen soweit aus dem Fahrzeug hinauskatapultiert werden kann, dass sich ein Fallschirm ungehindert öffnen lässt.

Schleuse: 1. Bauwerk, das den Übergang von einem tieferen zu einem höher gelegenen Wasserspiegel und umgekehrt ermöglicht. Das Schiff gelangt durch Schleusentore in die Schleusenkammer, in der es durch Füllung beziehungsweise Entleerung auf die gewünschte Höhe gehoben beziehungsweise gesenkt wird. Schleusentreppe nennt man gekoppelte Kammerschleuse zum Überwinden größerer Höhenunterschiede. Zur Schleusenausrüstung gehören Pegel, Poller, Seezeichen, Spills, Beleuchtung.

2. Schleuse, Luftschleuse: Vorrichtung mit luftdicht verschließbaren Öffnungen zum Ausgleich von Druckunterschieden. Siehe auch Caisson, Tragluftkonstruktion.

Schleusingen: Stadt im Kreis und Bezirk Suhl, am Südhang des Thüringer Waldes; 5500 Einwohner; Behälterglaswerk, elektrotechnische Industrie; Erholungsort (372 bis 450m über dem Meeresspiegel); Schloss Bertholdsburg (im Kern 13. Jahrhundert; Museen, Bibliothek), Fachwerkhäuser. Bei Schleusingen Talsperren Ratscher und Schönbrunn.

Schlichte: wasserlösliche Mittel zum Verkleben eines Games oder der Elementarfäden einer Seide als Schutz gegen Reibbeanspruchung beim Verarbeiten, das in einem späteren Verfahren durch «Entschlichten» wieder entfernt werden muss.

Schlichten:

1. Fertigbearbeiten von Werkstücken durch Spanen bei kleinen Vorschüben, geringen Schnitttiefen und hoher Schnittgeschwindigkeit zur Erreichung der geforderten Maß-, Formgenauigkeit und Oberflächengüte. Die Werkstücke sind vorbearbeitet (Schruppen).

2. Schlichten, Stollen: mechanisches Weichmachen von Leder einschließlich Glättung der Falten.

Schlick, Moritz, 14.4.1882-22.6.1936, Philosoph und Physiker; sah die Aufgabe der Philosophie in der logischen Klärung von Begriffen, vertrat einen logischen Positivismus und ist Begründer des neupositivistischen «Wiener Kreises».

Schliefer, Procaviidae: zur Verwandtschaft der Elefanten gehörende murmeltierähnliche, plumpe, primitive Säugetiere mit ständig nachwachsenden oberen Schneidezähnen; wiederkäuende Pflanzenfresser, die verschiedene Lebensräume in Afrika, Klein- und Vorderasien bewohnen. Siehe auch Baumschliefer, Klippschliefer.

Schlieffen, Alfred Graf von, 28.2.1833-4.1.1913, General; 1891/1906 Chef des Generalstabs. Sein Kriegsplan (Schlieffenplan) von 1905/06 sah vor, das gesamte deutsche Heer unter Verletzung der Neutralität Belgiens, Luxemburgs und der Niederlande gegen Frankreich einzusetzen, um es nach einem schnellen Sieg (Blitzkriegsstrategie) gegen Russland zu führen. Der Plan scheiterte 1914.

Schliemann, Heinrich, 6.1.1822-26.12.1890, Archäologe; Wegbereiter der Altertumswissenschaft; begann, angeregt durch Homers Epen, mit Ausgrabungen in Troja (1871/90), Mykene (1876), Tiryns (1884/85) und anderen antiken Stätten; veröffentlichte Grabungsberichte, «Selbstbiographie» (1891).

Schliere:

1. Optik: Bereich innerhalb eines optisch durchsichtigen Stoffes, in dem die Brechzahl von der in der Umgebung abweicht. Schliere im optischen Glas verursachen Fehler bei der optischen Abbildung, weil sie die Wellenfläche ungünstig beeinflussen.

2. Petrographie: längliche oder streifige, unregelmäßig begrenzte Gesteinspartie in magmatischen Gesteinen, die sich meist in der Farbe, im Mineralbestand und im Gefüge vom umgebenden Hauptgestein unterscheidet.

Schlierenmethode: optisches Verfahren, mit dem Dichteschwankungen (siehe auch Schliere 1) sichtbar werden. Im Bild des zu untersuchenden Objekts sind Stellen, die unterschiedlichen Brechzahlen zugeordnet sind, verschieden hell. Mit der Schlierenmethode sind zum Beispiel auch Temperaturschwankungen über Flammen oder Schlieren in Gläsern zu erkennen.

Schliersee: Voralpensee in Bayern, östlich vom Tegernsee; 777 m überm Meer, 2,2 km2, bis 40 m tief; Insel Wörth; am Nordende der Kurort Schliersee.

logisches Schließen: gedanklicher Übergang von gewissen Ausdrücken (Aussagen, Hypothesen und so weiter) zu anderen durch eine Kette von logischen Schlüssen; das Ergebnis eines 1. S. ist eine logische Folgerung (Folgern, logisches) aus den Ausgangsausdrücken.

Schließkopf: Werkzeug mit gehärteter, kalottenförmiger Vertiefung, die beim Nietvorgang die Kraft auf den Nietschaft überträgt und dabei den Niet durch Ausbildung des Kopfes schließt. Siehe auch Setzkopf.

Schließmundschnecken, Clausiliidae: Landlungenschnecken, deren hoch gewundenes Gehäuse mit einer elastischen Kalkplatte verschlossen werden kann; leben meist in gemäßigt warmen Ländern.

Schließmuskel, Sphinkter: zirkulär oder spiralig angeordneter Muskel zum Verschluss von Hohlorganen, zum Beispiel Afterschließmuskel, Blasenschließmuskel.

Schließrahmen: Polygraphie rechtwinkliger eiserner Rahmen, in dem die einzelnen Satzkolumnen oder andere kolumnengroßen Druckformbestandteile einer Buchdruckform in richtige Abstände gestellt und mittels in der Breite verändert. Eisenstege, sogenannt Schließzeuge, befestigt («geschlossen») werden.

Schliffe:

1. Metallographie: geschliffene, polierte und eventuell geätzte Metallproben zum Sichtbarmachen des Gefüges für metallographische Untersuchungen.

2. Mineralogie: soviel wie Anschliffe von Gesteinen, Erzen und Mineralien, angefertigt durch Trennen, Schleifen und Polieren (Dünnschliff); für Forschungszwecke, Sammlungen und Museen.

Schliffpräparat: durch Schleifen mineralisierter Objekte (zum Beispiel Knochen, Zahn) hergestelltes dünnes Blättchen, das je nach Dicke transparent ist und im Durchlichtmikroskop betrachtet werden kann.

Schlimme, Hermann, 14.9.1882-10.11.1955, Politiker, Drechsler; seit 1906 Mitglied der Sozialdemokratie, bis 1933 war er vor allem im ADGB tätig; nach 1933 im antifaschistischen Widerstand und mehrmalige Haft; 1945 als Mitglied des Zentralausschusses der SPD aktiv für die Einheit der Arbeiterbewegung; seit 1946 Mitglied des Parteivorstandes beziehungsweise ZK der SED und des Bundesvorstandes des FDGB sowie seit 1949 Abgeordneter der Volkskammer.

Schlingenfänger: neben der Nadel wichtigstes Stichbildungsorgan der Nähmaschine; erfasst die sich bei der Rückbewegung der Nadel am Öhr bildende Schlinge und leitet damit die Stichbildung ein. Das die Unterfadenspule enthaltende Schiffchen dient zur Erzeugung von Doppelsteppstichnähten. Aus der Vielzahl der Konstruktionen sind der schwingende Bahngreifer, der doppelt umlaufende Greifer ohne Brille, der umlaufende sowie der schwingende Kettenstichgreifer hervorzuheben.

Schlingenregelung: bei Gleichlaufantrieben angewendete Regelung zum Konstanthalten des Durchhanges und damit der Bewegung eines kontinuierlich laufenden Bearbeitungsgutes (Papier-, Textilbahn unter anderem) durch eine Tänzer- oder Pendelwalze.

Schlingern, Rollen: durch Wellenschlag verursachtes pendelartiges Schwanken eines Schiffes um die Längsachse. Zum Dämpfen des Schlingern baut man Schlingerkiele, sich selbsttätig füllende und entleerende Schlingertanks oder Stabilisierungsflossen ein.

Schlitten: 1. Kufenfahrzeug zur Fortbewegung auf Schnee und Eis, selten auch auf Geröllpilaster.

2. Maschinenelement, das in verschiedenartigen Führungsbahnen geradlinig geführt wird und zur Kraftaufnahme oder zum Stofftransport (zum Beispiel von Werkstücken) dient.

Schlittensport: früher üblicher Sammelbegriff für die mit Kufenfahrzeugen betriebenen Sportarten Bobsport, Rennschlittensport und Skeleton fahren sowie Eissegeln.

Schlittschuh: auf Eisflächen verwendetes Fortbewegungsmittel mit Stahlkufe (Schiene). Für Sportzwecke (Eissport) sind je nach Sportart unterschiedlich gestaltete Schlittschuh fest unter dem hochschäftigen Schuhwerk angeschraubt.

Schlittschuhschritt, ganzer Ausstellschritt, Skating: Skisport dem Lauf auf Schlittschuhen gleichender Bewegungsablauf auf Skiern zur Erhöhung der Geschwindigkeit im Langlauf beziehungsweise als Schwungansatz für Richtungsänderungen in der Abfahrt. Im Freistil ist der Schlittschuhschritt die dominierende Skitechnik.

Schlitzen: Holztechnik Anbringen des erfordert Schlitzes zur Aufnahme eines Zapfens für Längs- oder Rahmenverbindung durch Sägen oder Walzenfräsen (Fräsen).

Schlitzrüßler, Solenodontidae: spitzmausartige Insektenfresser mit rüsselartiger, das Maul überragender Nase und schuppigem, nacktem Schwanz; Körper bis 50 cm lang; nachtaktive Räuber, die sich von Insekten, Eidechsen unter anderem ernähren; bewohnen tropische Gebirgswälder von Kuba und Haiti.

Schlitzsteuerung: Steuerungsart bei Verbrennungsmotoren, bei der das Einströmen des Frischgases und das Ausströmen des Abgases durch in der Wand der Zylinderlaufbuchse angeordnete Schlitze (Steuerschlitze) erfolgt. Das Abdecken der Schlitze zur Steuerung des Ladungswechsels erfolgt durch den Kolben, beginnend mit der Kolbenoberkante. Anwendung findet die Schlitzsteuerung hauptsächlich bei Zweitaktmotoren.

Schlitzwand: Konstruktion zur Baugrubeneinfassung oder -abdichtung. Im Erdreich werden Schlitze von 0,5 bis 1m Breite und bis maximal 10 m Tiefe maschinell ausgehoben und zur Stabilisierung mit thixotroper Flüssigkeit (Tonsuspension) verfüllt, die dann durch Frischbeton verdrängt und wieder aufgenommen wird.

Schloeffel: 1. Friedrich Wilhelm Schloeffel, 1800-1870, Fabrikant und Gutsbesitzer; bürgerlicher Demokrat; verfasste 1845 eine Denkschrift gegen das feudalabsolutistische System in Preußen und forderte eine Verfassung; 1848 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung (äußerste Linke); 1849 Kriegskommissar im badisch-pfälzischer Aufstand; danach in der Emigration (Schweiz, später USA).

2. Gustav Adolph Schloeffel, 1828-21.6.1849, Revolutionär; Sohn von Schloeffel 1; als Student in Heidelberg ein führender Vertreter radikaldemokratischer Bestrebungen in Süddeutschland; mobilisierte 1848 in Berlin die Arbeiter zum Kampf gegen die Konterrevolution; in der von ihm herausgegebenen Zeitung «Der Volksfreund» näherte er sich den Auffassungen von Marx und Engels; fiel als Angehöriger der badisch-pfälzischer Revolutionsarmee.

Schlöndorff, Volker, geboren 31.3.1939, Filmregisseur der BRD; setzt sich in seinen Filmen kritisch mit der jüngsten Vergangenheit und Gegenwartsproblemen der BRD auseinander («Der junge Törless», «Die verlorene Ehre der Katharina Blum», «Der Fangschuss», «Die Blechtrommel», «Die Fälschung»).

Schloss: (zu «schließen»)

1. Baukunst: feudaler Wohnsitz von repräsentativem Gepräge. Das Schloss entwickelte sich aus der mittelalterlichen Burg, nachdem diese ihren Wert als Wehrbau durch die Feuerwaffen verloren hatte. Komfortables Wohnen und fürstliche Prachtentfaltung wurden Hauptzweck des Schlossbaus. Viele Bauten stehen am Übergang von der Burg zum Schloss (Albrechtsburg in Meißen). In der französischen Baukunst der Renaissance wurde das Schloss zur führenden Bauaufgabe. Die Axialität und Symmetrie der Anlage vieler Renaissanceschlösser wurde im Barock zum herrschenden Prinzip, das auch die Umgebung (Garten und Park) in die Gestaltung einbezog. Der riesige Schlosskomplex von Versailles diente in ganz Europa als Vorbild.

2. Bautechnik: Vorrichtung zum Verschließen von Türen. Es besteht aus dem Riegel, der Sicherung, der Zuhaltung und dem Schlüssel. Das Aufsatz- (Kasten-) Schloss wird auf der Innenseite der Tür aufgeschraubt; das Einsteckschloss wird in den Türfries eingelassen und hat als Sicherheitsschloss mehrere Zuhaltungen, die durch einen Kerbenschlüssel in eine bestimmte Stellung gebracht, die Betätigung des Riegels zulassen. Beim Zylinderschloss werden verschiebbare Zylinder mit einem Flachschlüssel betätigt.

Schlosser: 1. Friedrich Christoph Schlosser, 17.11.1776 bis 23.9.1861, Historiker; seit 1817 Professor in Heidelberg; kämpfte mit seinen historischen Werken gegen das Feudalsystem, für politische Mitbestimmung des Bürgertums und nationale Einigung Deutschlands; Hauptwerk «Geschichte des 18. und 19. Jahrhundert bis zum Sturz des französischen Kaiserreichs mit besonderer Rücksicht auf geistige Bildung» (2 Bände, 1823).

2. Kurt Schlosser, 18.10.1900-16.8.1944 (ermordet), Funktionär der Arbeiterwanderbewegung; seit 1923 Mitglied der KPD, nach 1933 Kurier in der illegalen Grenzarbeit zwischen der CSR und Deutschland, fiel 1943 der Gestapo in die Hände.

Schlösser, Anselm, geboren 1.1.1910, Anglist; seit 1952 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sein Hauptwerk ist «Shakespeare Analysen und Interpretationen» (1977); schrieb zahlreiche Aufsätze und wirkte als Herausgeber, unter anderem von W. Shakespeare, B. Jonson, T. Nashe, J. Milton, J. Swift, Schlösser Pepys, J. Galsworthy, D. H. Lawrence; Mitherausgeber der «Zeitschrift für Anglistik und Amerikanistik» und des «Shakespeare-Jahrbuchs».

Schlot:

1. Geologie: der meist röhrenförmige Förderkanal von Magma oder magmatischen Gasen eines Vulkans.

2. Wasserbau: Entwässerungsgraben im Marschgebiet.

Schlotte: (Herkunft umstritten) Geologie durch Auslaugung wasserlösliche Gesteine (Gips, Kalk) entstandene trichter- bis schachtartige Vertiefung.

Schlotterkamm: Stomatologie Weichgewebeanteil anstelle des knöchernen Alveolarkammes, meist infolge lang anhaltender Fehlbelastung durch Zahnersatz.

Schlözer, August Ludwig, 5.7.1735-9.9.1809, Historiker, Staatsrechtler und Publizist; wirkte im Sinne der Aufklärung seit 1769 in Göttingen, erwarb große Verdienste um die Universalgeschichte, die Herausbildung historischer Methoden und die fortschrittliche bürgerliche Publizistik in Deutschland (Herausgeber der «Staatsanzeigen», 1782/93).

Schluchsee: größter See des Schwarzwaldes, südöstlich vom Feldberg; 930 m über dem Meeresspiegel, 7 km2 (gestaut, sonst 1 km2), bis 33 m tief; fischreich; Speicherkraftwerk.

Schluckimpfung: Schutzimpfung durch Trinken des Impfstoffs (Schluckvakzine), zum Beispiel zur Verhütung der Kinderlähmung.

Schluckvorgang: Beförderung des Inhaltes der Mundhöhle in die Speiseröhre. Der Schluckvorgang besteht aus einer willkürlich einleitbaren und beeinflussbaren Phase, das heißt dem Verschieben des Mundhöhleninhaltes durch den Zungenrücken zur Hinterwand des Schlundes, und einer unwillkürlichen, durch Reizung der Berührungsrezeptoren der Schlund Schleimhaut ausgelösten, vom Zentralnervensystem («Schluckzentrum» im Nachhirn) programmierten Phase.

Schluff: a) Korngrößenfraktion mit einem Teilchendurchmesser von 0,002 bis 0,06 mm; Untergliederung in Fein-, Mittel- und Grobschluff;

b) Körnungsart des Bodens, die durch einen sehr hohen Schluffgehalt gekennzeichnet ist; Schluffböden sind fruchtbar und Lehmböden ähnlich.

Schlund: (zu «schlingen») Pharynx: mit Schleimhaut ausgekleideter, an der äußeren Schädelbasis befestigter bindegewebig-muskulöser Schlauch; geht in die Speiseröhre über und öffnet sich nach vom in die Nasen- und Mundhöhle sowie den Kehlkopf. Im Mittelteil des Schlunds, dem Rachen, kreuzt der Speiseweg den Luftweg.

Schlupf: Relativbewegung zwischen Elementen (zum Beispiel Maschinenteilen), die zu Verlusten (gegebenenfalls auch Verschleiß) führt, zum Beispiel Zurückbleiben des Läufers gegenüber dem Drehfeld bei Belastung von Drehfeldmaschinen (zum Beispiel der Asynchronmaschine).

Schlupfwespen, Ichneumonidae: Familie der Legwespen mit schlanken, bis 4 cm langen Vollkerfen; Weibchen mit Legrohr, das zur Ablage der Eier in Insekten aller Stadien, besonders Raupen dient. Larven leben parasitär.

Schlusnus, Heinrich, 6.8.1888-19.6.1952, Sänger (Bariton); war 1917/45 Mitglied der Berliner Staatsoper und als Opern- (insbesondere in Verdi-Partien) und Liedsänger auch international sehr erfolgreich. Schluss: 1. Elektrotechnik Fehlerarten.

2. Logik: inhaltlich die Verknüpfung mehrerer Gedanken zu einem neuen Gedanken; formal der Übergang von gegebenen Ausdrücken, zum Beispiel Aussagen, zu einem weiteren Ausdruck nach gewissen Schlussregeln.

Schlussakte von Helsinki, Schlussakte der KSZE: Dokument mit den Hauptergebnissen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Schlüsselbein, Clavicula: Knochen des Schultergürtels zwischen Schulterblatt und Brustbein.

Schlüsselgewalt: die nach früherem Recht der Ehefrau zustehende, vom Ehemann jedoch beschränkbare und ausschließbare Befugnis, ihn innerhalb des häuslichen Wirkungskreises rechtsgeschäftlich zu verpflichten. Die Schlüsselgewalt widerspricht dem Gleichberechtigungsprinzip; nach dem Familiengesetzbuch der DDR kann jeder Ehegatte den anderen in Angelegenheiten des gemeinsamen Lebens vertreten, und beide können aus diesen Rechtsgeschäften in Anspruch genommen werden.

Schlüsselroman: Roman, dessen nach der Wirklichkeit gestaltete Personen, Handlungen und Verhältnisse mittels anderer Namen, Schauplätze und Zeiten, die zum vollen Verständnis bekannt sein müssen, verschlüsselt wurden. Die Verschlüsselung ist jeweilige künstlerische Absicht und soll als solche vom Leser begriffen werden. In der Neuzeit gewann der Schlüsselroman zunehmend polemisch-demaskierenden Charakter.

Schlüsseltechnologie, Hochtechnologie, Spitzentechnologie: eine für Richtung und Tempo des wissenschaftlich-technischen Fortschritts ausschlaggebende technische Grundrichtung. Ihre rasche Entwicklung und umfassende Anwendung ist wichtiges Anliegen der ökonomischen Strategie. Sie sichert das dynamische und effektive Wachstum der Produktivkräfte. Zu den wichtigsten Schlüsseltechnologie gehören insbesondere die Mikroelektronik, die sich auf deren Grundlage entwickelnde moderne Rechentechnik, die rechnergestützte Projektierung, Konstruktion und Steuerung der Produktion, flexible automatische Fertigungssysteme, neue Bearbeitungsverfahren, die Kernenergie, die Veredlung Technik in allen Produktionsstufen, der Einsatz neuer Werkstoffe und das umfassende Gebiet der Biotechnologie.

Schlussfigur: Logik eine der 4 Grundformen eines Syllogismus; ihr Unterschied ergibt sich aus der unterschiedlichen Stellung des Mittelbegriffes M in der Struktur des Schlusses bezüglich der anderen Begriffe S, P.

Schlussleisten: Zellkontaktstrukturen, welche die nahe der freien Oberfläche gelegenen Zellkanten gürtelartig umfassen und in einem tierischen Epithel die Zeilen eng miteinander verbinden.

Schlussleuchte: Bestandteil der Beleuchtungseinrichtung an Kfz. Kraftwagen und Krafträder mit Seitenwagen müssen an der Rückseite 2 gleichstark rot leuchtende Schlussleuchte haben, die mit den übrigen Beleuchtungseinrichtungen bei Dunkelheit, Nebel und schlechter Sicht in Betrieb genommen werden.

Schlussregel: Logik Vorschrift, die den Übergang von gewissen Ausdrücken if, ..., Hn, den Prämissen der Schlussregel, zu einem Ausdruck H, der Konklusion der Schlussregel, gestattet; dabei muss mit Hu ..., H„ stets auch H wahr sein. Häufig benutzte Schlussregeln sind die Abtrennungsregel, auch modus ponens genannt: der Übergang von einer Implikation H, — H2 und dem Vorderglied Hi zum Hinterglied der modus tollens: der Übergang von Hi~H2 und dem negierten Hinterglied -i H2 zum negierten Vorderglied -> H, die Schlussregel vom Kettenschluss: der Übergang von 2 Implikationen H1—>H2 und Hi—H-S zur Implikation Zf,—>#3. Siehe auch Kontraposition, Schluss 2.

Schlussstein: Stein im Scheitel eines Kreuzrippengewölbes, eines Fenster- oder Türbogens; oft reich verziert.

Schlüter: 1. Andreas Schlüter, um 1660-zwischen 19. und 23.6.1714, Bildhauer und Architekt; Hauptvertreter des norddeutschen Barocks; 1681/93 in Warschau tätig, 1694/1713 im Dienst des Hofes in Berlin, wo er sich mit den Skulpturen am Zeughaus (unter anderem den Masken sterbender Krieger) als reifer Meister erweist. Ihnen folgt, als erstes frei stehendes deutsches Reiterdenkmal (gegossen 1700), das Standbild des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Als Architekt war Schlüter maßgeblich am Um- und Ausbau des Berliner Schlosses tätig.

2. Otto Schlüter, 12.11.1872-12.10 1959, Geograph; seit 1911 Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; erwarb sich große Verdienste bei der Erforschung frühgeschichtlicher Altlandschaften und für seine methodischen Beiträge zur Geographie; gab 1935 den «Mitteldeutschen Heimatatlas» heraus, der in der 2. Auflage 1958 unter dem Titel «Atlas des Saale- und mittleren Elbegebietes» erschien.

3. Poul Schlüter, geboren 3.4.1929, dänischer Politiker; seit 1974 Vorsitzender der konservativen Volkspartei, seit 1982 Ministerpräsident.

Schmachtkorn: leichtes und kleines Getreidekorn infolge unzulänglicher Pflanzenernährung (Dünger, Wasser).

Schmahl, Gustav, geboren 26.11.1929, Violinist; war 1953/70 1. Konzertmeister des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, 1971 Professor an der Dresdner, 1973/84 Rektor der Leipziger Musikhochschule; Leiter einer Meisterklasse für Violine an den Musikhochschulen Dresden und Leipzig; als Solist und Kammermusikspieler im In- und Ausland erfolgreich.

Schmalkalden, Kurort Schmalkalden: Kreisstadt im Bezirk Suhl, am Südwesthang des Thüringer Waldes; 17000 Einwohner; VEB Werkzeugkombinat, Kranbau, vielseitige Kleineisen-, Messgeräte-, Spielwaren-, Sportgeräteindustrie; bei Schmalkalden Bergbau auf Fluss- und Schwerspat; Ingenieurschule für Maschinenbau, Kindergärtnerinnenschule; Heimatmuseum; neues Wohngebiet Schmalkalden-Ost; historische Altstadt: spätgotische Stadtkirche St Georg, zum Teil erhaltene Stadtmauer, Hessenhof mit den ältesten weltlichen Wandmalereien in Deutschland (1. Hälfte 13. Jahrhundert), spätgotische Bürgerhäuser, Schloss Wilhelmsburg (Renaissance; Innenräume mit erhaltenen und restaurierten Wandgemälden und Stukkaturen; Museum). 1227 als Stadt genannt; im 15./16. Jahrhundert blühendes Eisengewerbe; 1531 Bildung des Schmalkaldischen Bundes.

Schmalkaldische Artikel: evangelische Bekenntnisschrift, 1536 von M. Luther für ein nicht durchgeführtes Konzil zu Mantua verfasst; nach dem Konvent der evangelischen Stände in Schmalkalden (1537) in das Konkordienbuch aufgenommen (1580).

Schmalkaldischer Bund: politisches und militärisches Bündnis der Protestant. Reichsstände, am 27.2.1531 unter Führung Kursachsens und Hessens in Schmalkalden geschlossen. Der Bund wurde 1546/47 im Schmalkaldischen Krieg von den katholischen Ständen unter Führung Karls V. zerschlagen.

Schmalz: (zu «schmelzen») ausgeschmolzenes Fett mit streichfähiger Konsistenz, zum Beispiel aus Butter (Butterschmalz) oder aus Fettgeweben von Schlachttieren (Schweineschmalz, Gänseschmalz, Entenschmalz unter anderem).

Schmarotzer, Parasiten: Tiere, die auf (Ektoparasiten, wie Läuse, Stechmücken, Zecken, Flöhe) oder in (Ento- beziehungsweise Endoparasiten, wie Spulwurm, Bandwurm, Malariaerreger) anderen Arten (Wirten) leben und diese durch Nahrungsentzug, Gewebezerstörung, Abgabe von Toxinen unter anderem schädigen. Durch Schmarotzer werden viele Krankheiten verursacht beziehungsweise übertragen, wie Malaria, Schlafkrankheit, Trichinose, Bilharziose. Temporäre Schmarotzer suchen den Wirt nur zur Nahrungsaufnahme auf (zum Beispiel viele blutsaugende Insekten, wie Wanzen); stationäre Schmarotzer verweilen über längere Zeit in beziehungsweise auf dem Wirt (zum Beispiel Krätzmilben); periodische Schmarotzer kommen nur in bestimmten Entwicklungsstadien vor (zum Beispiel Leberegel); permanente Schmarotzer leben in allen Stadien in beziehungsweise auf dem Wirt (zum Beispiel Läuse, Trichine). Ein Tier, das im Parasiten seinerseits schmarotzt, wird als Hyperparasit bezeichnet; diese Form des Parasitismus tritt vor allem bei Hymenopteren (Hautflüglern) auf. Einige Pflanzen, zum Beispiel die Mistel, werden als Halbschmarotzer bezeichnet; sie entnehmen nur einen Teil der Baustoffe ihrem Wirt und erzeugen die anderen selbst. Siehe auch Phytoparasiten.

Schmarotzerrose, Calliactis parasitica: bis 10 cm hohe Seerose, lebt oft zu mehreren symbiotisch auf von Einsiedlerkrebsen bewohnten Schneckenschalen; ernährt sich von Nahrungsresten des Krebses.

Schmarren: gebackenes Pfannengericht aus Mehl (auch Gries, Reis), Milch, Ei, Butter, Zucker, eventuell mit Rosinen.

Schmarsow, August, 26.5.1853-19.1.1936, Kunsthistoriker; besondere Verdienste auf dem Gebiet der Kunsttheorie und Ästhetik sowie der allgemeinen Kunstgeschichte; schrieb «Barock und Rokoko» (1897), «Grundbegriffe der Kunstwissenschaft» (1905).

Schmaschen: Felle totgeborener oder kurz nach der Geburt eingegangener Lämmer der Woll- oder Fleischschafe. Sie sind entweder glatt im Haar oder leicht gelockt. Die bekanntesten Provenienzen sind Buenos-Aires-Schmaschen und Montevideo-Schmaschen.

Schmeißfliegen, Calliphora: Gattung der Aasfliegen mit großen, glänzenden Arten; Eiablage portionsweise («Schmeiß») an frischem Fleisch und Kadaver, besonders häufig die Blaue Schmeißfliegen oder Brummer (Calliphora vicina).

Schmeller, Johann Andreas, 6.8.1785-27.7.1852, Germanist; Begründer der deutschen Mundartforschung («Die Mundarten Bayerns, grammatisch dargestellt», 1821; «Bayerisches Wörterbuch», 1827/37).

Schmelzbad: Schweißtechnik aufgeschmolzener metallischer Grundwerkstoff, der die Verbindung zwischen Grund- und Zusatzwerkstoff herbeiführt. Das Schmelzbad wird entweder durch die Brenngasflamme oder den Lichtbogen erzeugt.

Schmelzen: Übergang eines Stoffes vom festen in den flüssigen Zustand bei einer bestimmten, vom Druck abhängigen Schmelztemperatur (Schmelzpunkt). Dabei muss dem Stoff die Schmelzwärme zugeführt werden, die zum Beispiel für Eis bei 0°C =334 J/g beträgt.

Schmelzflusselektrolyse: elektrochemisches Verfahren zur Herstellung oder Raffination von Metallen unter Verwendung geschmolzener Elektrolyte (Chloride und andere Salze, Oxide, Hydroxide). Die erfordert. höhere Temperatur wird in der Regel durch den Stromfluss in der Schmelze aufrechterhalten. Boden und Seitenwände der Elektrolysezellen können als Kathode dienen, während Kohleblöcke beziehungsweise das zu raffinierende Metall die Anode bilden. Die abgeschiedenen Metalle sammeln sich flüssig unter oder auf der Schmelze und werden von Zeit zu Zeit abgelassen. Durch Schmelzflusselektrolyse werden technisch insbesondere Aluminium, Magnesium und Natrium gewonnen.

Schmelzhypoplasie: Unterentwicklung des Zahnschmelzes; verursacht durch Ernährungsstörungen und Stoffwechselerkrankungen während der Zahnentwicklungszeit.

Schmelzklebstoffe: Klebstoffe, die vor der Anwendung aufgeschmolzen werden und in der Regel ohne Abgabe von Lösungsmitteldämpfen durch Erstarren abbinden. Schmelzklebstoffe sind meist Mischungen von Thermoplasten mit Harzen, Weichmachern unter anderem und eignen sich besonders für die maschinelle Fertigung.

Schmelzofen: Gießereitechnik mit festen, flüssigen, gasförmigen Brennstoffen oder elektrisch beheiztes Aggregat zum Schmelzen und Überhitzen meist metallische Einsatzstoffe für die Herstellung eines bestimmten Gießgutes unterschiedlicher Qualität; zum Beispiel Schacht-, Herd-, Tiegelofen.

Schmerlen, Cobitidae: zu den Karpfenartigen gehörende langgestreckte, walzenförmige Bodenfische mit 6 bis 12 Barteln am unterständigen Maul; leben in eurasischen und afrikanischen Binnengewässern.

Schmerz: Sinnesempfindung, die dadurch charakterisiert ist, dass sie stark gewebereizende oder -schädigende Einwirkungen chemischer und physikalischer Art anzeigt und zu einer von negativem Gefühl begleiteten Wahrnehmung führt. Rezeptoren für den Schmerz sind freie Endigungen von Nervenfasern im Gewebe, die auf bestimmte lokale Wirkstoffe und chemische Zerfallsprodukte ansprechen. Man unterscheidet Oberflächenschmerz und Tiefenschmerz.

Schmerzensmann, Erbärmdebild: Darstellung Christi mit den Wundmalen, oft unter Beifügung der Leidenswerkzeuge (Kreuz, Dornenkrone, Lanze, Nägel), besonders im 14./15. Jahrhundert als Form des deutschen Andachtsbildes verbreitet. Ein Sondertyp ist der sitzende sogenannt «Christus in der Rast».

schmerzlindernde Mittel, Analgetika: das Schmerzgefühl vermindernde oder beseitigende Arzneimittel. Sie können durch Lähmung von Teilen des Zentralnervensystems wirken (zum Beispiel Morphin), die Prostaglandinsynthese hemmen (zum Beispiel Azetylsalizylsäure) oder örtlich solche Nerven lähmen, die Schmerzempfindungen zum Gehirn leiten (Antineuralgika, Lokalanästhetika).

Schmetterlinge, (zu Schmetten (tschechisch, «Sahne») eigentlich «Sahnelecker»), Lepidoptera: Insektenordnung mit 150000 Arten, davon über 3000 in Mitteleuropa, Falter mit 2 Paar beschuppten Flügeln, Spannweite bei tropischen Arten bis 30 cm, Mundwerkzeuge zu einem aufrollbaren Rüssel umgebildet, saugen Nektar und bestäuben dabei Blüten. Die Entwicklung verläuft vom Ei über die Raupe und Puppe zum Falter. Neben der zoologischen Systematisierung werden aus praktischen Gründen Kleinschmetterlinge (Motten, Blutströpfchen, Wickler unter anderem) und Großschmetterlinge (Spanner, Schwärmer, Tagfalter unter anderem) unterschieden.

Schmetterlingsblütler, Schmetterlingsblütengewächse, Fabaceae, Papilionaceae: Familie der Ordnung Hülsenfrüchtler mit schmetterlingsförmiger Blütenkrone, bestehend aus Fahne (oben), 2 Flügeln (seitlich) und dem Schiffchen (unten) aus 2 verwachsenen Blütenblättern; Blätter meist gefiedert, mit Nebenblättern; Frucht eine Hülse; Symbiose mit Knöllchenbakterien (Gründüngung). Zu den Schmetterlingsblütler gehören unter anderem Erbse, Bohne, Linse, Klee, Luzerne, Erdnuss, Wicke.

Schmetterlingsfink, Uraeginthus bengalus: blauschwänziger, 12 cm langer Prachtfink Afrikas; wird oft als Käfigvogel gehalten.

Schmetterlingsfisch, Pantodon buchholzi: bis 15 cm langer Süßwasserfisch im tropischen Afrika mit flügelartig vergrößerten Brustflossen; kann bis 2 m weit segeln; frisst Insekten von der Wasseroberfläche; Aquarienfisch.

Schmetterlingshafte, Ascalaphidae: Familie der Landhafte mit vorwiegend tropischen Arten; ähneln Schmetterlingen, Flügel sind aber nicht beschuppt; fliegen an sonnigen Tagen auf Suche nach Beutetieren (andere Insekten); Larven gedrungen, flach, leben räuberisch am Boden.

Schmetterlingsschwimmen, Butterflyschwimmen: zweitschnellste Sportschwimmart; Brustlage, symmetrische Armführung über und unter Wasser, koordiniert mit vertikaler Rumpf-Bein-Bewegung (fast ausschließlich Delphinbewegung (f Delphinschwimmen); früher Grätschschlag).

Schmetterschlag, Smash: Rückschlagspiele von einem, nahe dem Netz stehenden oder hochspringenden Spieler von oben her scharf in die gegnerische Spielfeldhälfte geschlagener Ball (Schmetterball).

Schmidt: 1. Adolf Schmidt, 23.7.1860-17.10.1944, Geophysiker; 1902/28 Leiter des Erdmagnetischen Observatoriums Potsdam; grundlegende Arbeiten zur Theorie und Anwendung erdmagnetische Erscheinungen.

2. Arno Schmidt, 18.1.1914-3.6.1979, Schriftsteller der BRD; warnte mit experimentellen Erzählungen und Kurzromanen («Leviathan», 1949; «Aus dem Leben eines Fauns», 1953; «Kaff», 1960; «Zettels Traum», 1970) vor Militarismus, politische Restauration und Klerikalismus in der BRD; verfasste auch literaturgeschichtliche und psychoanalytische Essays («SITARA oder Der Weg dorthin», 1963).

3. Bernhard Schmidt, 30.3.1879-1.12.1935, Optiker estnischer Abstammung; wirkte ab 1926 in Hamburg; erfand um 1930 das nach ihm benannte optische System für Spiegelteleskope.

4. Eberhard Schmidt, geboren 23.3.1907, Komponist; schrieb vor 1933 für Agitpropgruppen und Arbeiterchöre; musste 1935 emigrieren und kämpfte 1936/39 im spanischen Bürgerkrieg in den Internationalen Brigaden. Nach 1945 hatte er wesentlichen Anteil am kulturellen Aufbau in der DDR; schrieb unter anderem die Operette «Bolero», das Poem «Über die Trasse», Filmmusiken und erfolgreiche Massenlieder («Thälmann-Lied», «Ich trage eine Fahne» unter anderem).

5. Eduard Claudius.

6. Elli Schmidt, 9.8.1908-30.7.1980, Politikerin, Schneiderin; seit 1927 Mitglied der KPD und 1935 ihres ZK; 1933/37 im antifaschistischer Widerstand aktiv, im sowjetischen Exil setzte sie den Kampf gegen den Faschismus fort; 1946/50 Mitglied des Zentralsekretariats des Parteivorstandes, 1950/53 Kandidat des Politbüros des ZK der SED; 1949/53 Vorsitzende des DFD.

7. Erhard Schmidt, 13.1.1876-6.12.1959, Mathematiker; wirkte in Berlin; lieferte fundamentale Arbeiten über Integralgleichungen und zur Theorie des Hilbert-Raumes; 1948 Mitbegründer der «Mathematischen Nachrichten».

8. Helmut Schmidt, geboren 23.12.1918, Politiker; 1946 Mitglied der SPD, 1947/48 Bundesvorsitzender des sozialistischen Deutschen Studentenbundes, seit 1958 Mitglied des Parteivorstandes, 1968/84 stellvertretender Vorsitzender der SPD; 1953/62 und 1965/87 Mitglied des Bundestages, 1961/65 Innensenator in Hamburg, 1967/69 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion; 1969/72 Bundesverteidigungsminister, 1972/74 Bundesfinanzminister, 1974/82 Bundeskanzler.

9. Joseph Schmidt, 4.3.1904-16.11.1942, rumänischer Sänger (Tenor); studierte in Wien und Berlin; trat wegen geringer Körpergröße nicht auf der Opernbühne auf, wurde jedoch als Konzertsänger, durch Rundfunk (Debüt 1928 Berlin), Schallplatte und Tonfilm (unter anderem «Ein Lied geht um die Welt») weltbekannt. Schmidt musste als Jude aus Deutschland emigrieren und starb in einem Schweizer Internierungslager.

10. Kaspar Stirner.

11. Otto Juljewitsch Schmidt, 30.9.1891-7.9.1956, sowjetischer Geophysiker und Astronom; nahm 1928 an der sowjetisch-deutschen Pamir-Expedition teil und leitete mehrere Expeditionen zur Erschließung des Nördlichen Seewegs und zur Erforschung der Arktis; entwickelte eine Theorie über die Entstehung des Planetensystems.

12. Walter Schmidt, geboren 11.5.1930, Historiker; seit 1965 Professor, seit 1984 Direktor des Zentralinstituts für Geschichte der AdW; zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert, zur vergleichenden Revolutionsgeschichte und zur Geschichte der Geschichtswissenschaft.

Schmidt-Renner, Gerhard, geboren 24.9.1911, Geograph; seit 1950 Professor an der Hochschule für Ökonomie «Bruno Leuschner» in Berlin, seit 1976 emeritiert; befasste sich besonders mit der Theorie der Territorialökonomie als Grundlage der Territorial-, Städte- und Siedlungsplanung sowie mit der sozialistischen Humanökologie.

Schmidt-Rottluff, Karl, 1.12.1884-10.8.1976, Maler, Graphiker und Bildhauer; einer der führenden Meister des deutschen Expressionismus; 1905 in Dresden Mitbegründer der Künstlervereinigung «Die Brücke», 1937 als «entartet» diffamiert, 1947/54 Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin. Elementare Farbigkeit und großflächig bewegte Formenkomplexe kennzeichnen seine Landschaften, Figurenbilder, Porträts und Stillleben. Seine Holzschnitte sind von lapidarer Ausdruckskraft.

Schmied, Hyla faber: bis 9 cm langer gelbbrauner Laubfrosch mit großem plattem Kopf und breitem Maul; baut zur Eiablage kleine Kessel mit Ringwall im Schlamm seichter Tümpel; von Nordargentinien bis Mittelbrasilien verbreitet.

Schmied, Wilhelm, 13.4.1910-7.12.1984, Maler und Graphiker, 1924/27 Lehre als Dekorationsmaler, 1929/30 Studium an der Kunstgewerbeschule Nürnberg und an der Städt. Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle, künstlerische Weiterbildung autodidaktisch; seit 1948 freischaffend in Sangerhausen. Schmied schilderte besonders Menschen und Landschaft des Mansfelder und Hallischen Industriegebietes in zeichnerisch betonter Farbigkeit

Schmiedeberg, Bad: Stadt im Kreis Wittenberg, Bezirk Halle, am Ostrand der Dübener Heide; 4900 Einwohner; Steinzeugwerke, Metall-, chemische Industrie; Luftkurort, Eisenmoorbad.

Schmiedefeld, Schmiedefeld am Rennsteig: Gemeinde im Kreis Ilmenau, Bezirk Suhl, in der Kammregion des Thüringer Waldes; 2 500 Einwohner; Glasindustrie; Höhenluftkur- (675 bis 760m über dem Meeresspiegel), Wintersportort.

Schmieden: Warmumformen von Metallen oberhalb der Rekristallisationstemperatur, unter dem Hammer oder der Presse zur Herstellung von Halbzeugen oder Werkstücken. Beim Freiformschmieden werden nur einfache, nicht werkstückgebundene Werkzeuge verwendet, wobei das Werkstück meist abschnittsweise umgeformt wird. Es wird angewendet beim handwerklichen Schmieden sowie beim Schmieden kleiner Stückzahlen oder großer Werkstücke (zum Beispiel Induktorwellen). Zum Freiformschmieden gehören unter anderem Recken, ein Verlängern des Werkstücks durch eine Vielzahl aneinandergereihter Schläge, Durchsetzen und I Kröpfen. Beim Gesenkschmieden werden spezielle, werkstückgebundene Werkzeuge (siehe auch Gesenk) verwendet, die das Werkstück umschließen und dessen gesamtes Volumen zugleich umformen, eventuell auch in mehreren Stufen (zum Beispiel bei Kurbelpressen). Kennzeichnend für das konventionelle Gesenkschmieden ist der am Werkstückumfang als Grat zwischen den Gesenk Hälften austretende Werkstoffüberschuss, der durch Abgraten entfernt werden muss. Es wird bei großen Stückzahlen angewendet und ergibt relativ genaue Werkstücke. Gesenkschmiedestücke sind hochbelastbar. Sie werden zwischen wenigen Gramm (zum Beispiel Nähmaschinenteile) und mehreren Tonnen (zum Beispiel Kurbelwellen) geschmiedet und haben oft sehr komplizierte Formen (zum Beispiel Achsschenkel für Kraftfahrzeuge). Hauptabnehmer der Gesenkschmiedestücke ist der Fahrzeugbau; typische Erzeugnisse sind Zahnradkörper, Pleuel, Flansche, Handwerkszeuge u. ä. Eine moderne Abart ist das Pulverschmieden, bei dem aus Metallpulver vorgepresste Zwischenformen ohne Grat im Gesenk geschmiedet werden. Ein Sonderverfahren für spezielle Sortimente ist das Feinschmieden.

Schmiege: 1. schräge Schnittfläche eines Bauelements.

2. zusammenklappbarer Gliedermaßstab aus Holz oder Aluminium.

Schmierstoffe: Substanzen zur Verminderung oder Verhinderung von Reibung und Verschleiß; zugleich können Schmierstoffe zusätzlich Aufgaben der Geräusch- und Schwingungsdämpfung, Kühlung, Abdichtung, Kraftübertragung und des Korrosionsschutzes übernehmen. Flüssige Schmierstoffe sind die im Wesentlichen aus Kohlenwasserstoffen bestehenden Mineralöle, weiterhin Syntheseöle (Silikon-, Ester Öle unter anderem), fette Öle tierischer und pflanzlicher Herkunft (Rinderklauen-, Rizinus- und Rapsöl) sowie verschiedene Emulsionen, Suspensionen, Metallbearbeitungsfluids und auch Wasser. Konsistente Schmierstoffe sind Schmierfette und Schmierpasten auf Mineral- und Synthese Ölbasis. Als Festschmierstoffe werden neben Substanzen mit Schichtgitterstruktur (Graphit, Molybdändisulfid) auch Metalloxide und -sulfide sowie weiche Metalle selbst, ferner Plaste verwendet. Als Schmieröle kommen meist Mineralöle unterschiedlicher Viskosität zum Einsatz. Teilweise werden für bestimmte Schmierölgruppen die Bezeichnungen Spindel-, Maschinen- und Zylinderöl verwendet, wodurch neben den Haupteinsatzgebieten auch der Viskosegrad (niedrig-, mittel- und hochviskos) zum Ausdruck gebracht wird. Die in zunehmendem Maße verwendeten legierten Schmieröle enthalten wertverbessernde Zusätze (Additives), zum Beispiel Oxydations- und Korrosionsinhibitoren, Detergents-Dispersants (bewirken in Motorenölen Schmutztrage- und Reinigungsvermögen), Hochdruck- («EP»-) Zusätze und Stockpunkt erniedriger. Schmierfette (Starrschmieren) sind halbflüssige bis feste Gemische aus einem Schmieröl und einem Eindickungsmittel, zum Beispiel Metallseifen (Lithium-, Kalziumstearat), feinstverteilte Kieselsäure unter anderem Je nach Auswahl der Komponenten ergeben sich unterschiede Eigenschaften, man unterscheidet zum Beispiel Wälzlager-, Heißlager-, Wasserpumpen-, Hoch- und Tieftemperaturfette.

Schmierung: Maschinenbau manuelle oder automatische Versorgung aller Reibstellen mit Schmierstoff. Durch den Schmierstoff soll die trockene Reibung (Festkörperreibung) zwischen den Reibpartnern verhindert werden, da bei Mischreibung (Flüssigkeits-/Festkörperreibung) Reibung und damit Wärmeentwicklung geringer sind. Bei hydrodynamischen Schmierungen verhindert ein Schmierstoffilm den direkten Kontakt beider Reibpartner, es tritt kein Verschleiß auf.

Schmitt, Horst, geboren 3.9.1925, Politiker in Westberlin, Angestellter, 1944/45 in faschistischen Arbeitslagern; seit 1946 Mitglied der SED; seit 1954 in leitenden Parteifunktionen; 1977 stellvertretender Vorsitzender, 1978 Vorsitzender der sozialistischen Einheitspartei Westberlins.

Schmitthenner, Heinrich, 3.5.1887-19.2.1957, Geograph der BRD; Professor in Heidelberg (1923), Leipzig (1928) und Marburg (1946); bereiste Nordafrika, Ost- und Südasien und verfasste insbesondere richtungweisende Arbeiten zu Problemen der Schichtstufenlandschaft.

Schmitz: Polygraphie Fehlerscheinung im Buchdruck (verwischte, unscharfe Konturen beim Abdruck).

Schmitz, Gerhard, 27.11.1907-11.8.1984, Physiker, 1954/73 Professor an der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock; Arbeiten über Aerodynamik und Beanspruchungen der Flugzeuge sowie über Hydromechanik der Schiffe.

Schmoller, Gustav, 24.6.1838-27.6.1917, ökonomischer Historiker, Sozialpolitiker; Vertreter des Kathedersozialismus und der jüngeren Historische Schule der bürgerlichen Vulgärökonomie.

Schmölln: Kreisstadt im Bezirk Leipzig; 12000 Einwohner; Werkzeug-, Maschinenbau, Plast-, Schuh-, Holz-, Pharmazeut. Industrie, Knopf-, Bürstenherstellung, Agrarbetriebe; barockes Rathaus (1772).

Schmonzes: leeres, törichtes Gerede.

Schmu: leichter Betrug, unlauterer Vorteil.

Schmuck: Ziergegenstände, die am Körper oder an der Kleidung getragen werden. Älteste Fundgegenstände von Schmuck (Muscheln, Knochen, Elfenbein, Bernstein) stammen aus der Steinzeit. Mit dem Einsatz von Metallen beziehungsweise Edelmetallen begann die künstlerische Entwicklung des Schmucks, die bereits im 2. Jahrhundert nach Christus eine beachtliche Höhe erreichte. ursprünglich wurde Schmuck vor allem aus kultischen Gründen verwendet (Talisman, Amulett), später wurde das Tragen von Schmuck zum Zeichen gesellschaftlicher oder sozialer Stellung (Krone) und diente durch den Einsatz kostbarer Materialien (Gold, Silber, Platin, Perlen) der Zurschaustellung von Reichtum. Die Herstellung von Schmuckgegenständen bot und bietet vielseitige Möglichkeiten der künstlerischen Gestaltung. Mit der maschinellen beziehungsweise industriemäßigen Produktion erweiterte sich die Funktion des Schmucks zum zierenden und verschönernden Gegenstand im Dienst der Mode (siehe auch Modeschmuck).

Schmücke: 1. Höhenzug im nordöstlichen Thüringer Becken, südöstlich von Bad Frankenhausen, aus steil aufgerichtetem Kalkstein (Muschelkalk) aufgebaut; bis 386 m; nordwestliche Fortsetzung der Finne bis zur Unstrut.

2. Berg im Thüringer Wald, östlich von Zella Mehlis; 915 m; meteorologische Station.

Schmuckfarbendruck: im Zeitungsdruck die Hervorhebung bestimmter Artikel, Nachrichten oder Bilder durch den Druck von Schlagzeilen, Linien, Rasterflächen unter anderem in einer Buntfarbe (meist Rot oder Blau) neben dem üblichen Schwarzdruck.

Schmuckschildkröten: 20 bis 30 cm lange amerikanische Sumpfschildkröten mit vor allem in der Jugend oft auffallender Panzer- und Körperzeichnung; ernähren sich überwiegend räuberisch. Schmuckschildkröten sind beliebte Terrarientiere, zum Beispiel die Rotwangen-Schmuckschildkröten (C. scripta elegans) aus den USA.

Schmucksteine: seltene, farbschöne Minerale, deren Härte 7 oder geringer ist, Amethyst, Malachit unter anderem; ihr Wert wird sehr von der Mode beeinflusst.

Schmuckvögel, Cotingidae: vielgestaltige Familie 7,5 bis 50 cm langer Schreivögel Mittel- und Südamerikas mit kräftigem Schnabel; hierzu unter anderem der schwarze Schirmvogel, dessen Männchen einen 40 cm langen, aufblasbaren, befiederten Kehlsack besitzt. Das Männchen des 28 cm langen weißen Glockenvogels (Procnias nudicollis) trägt nackte oder befiederte Anhänge am Vorderkopf. Der vorwiegend rote Felsenhahn (Rupicola peruviana) baut ein offenes Nest an Felsen.

Schmuggel, Bannbruch: verbotene Ein-, Aus- und Durchfuhr von Waren (Bannwaren), oft mit dem Ziel der Zollhinterziehung.

Schmus: (zu «Schmu») leeres (unehrliches) Gerede; Schmeichelei.

Schmutztitel, Schutztitel, Vorsatztitel, Vortitel: ein dem Titelblatt eines Buches vorgesetztes Blatt mit kurzer Titelangabe.

Schnabel: (zu «schnappen») der mit harten Hornscheiden überzogene Ober- und Unterkiefer der Vögel.

Schnabel, Johann Gottfried, 7.11.1692 nach 1750, Schriftsteller; schuf mit dem frühbürgerlichen Roman «Insel Felsenburg» (4 Bände, 1731/43) die bedeutendste Robinsonade der deutschen Literatur.

Schnabelfliegen, Schnabelhafte, Mecoptera: Insektenordnung mit bis 30 mm langen Arten; Kopf mit schnabelartig verlängerten, kauenden Mundwerkzeugen; leben von Aas und Kleintieren. In Mitteleuropa ist die Skorpionsfliege (Panorpa communis) häufig.

Schnabelkanne: ursprünglich in der ägäischen Kultur aus Ton, seit dem 6. Jahrhundert vor Christus bei den Etruskern aus Bronze gefertigte Henkelkanne mit schnabelförmiger Ausgussrinne.

Schnabelkerfe, Hemiptera, Rhynchota: zusammenfassende Bezeichnung für die Insektenordnungen Gleichflügler und Ungleichflügler, bei denen der Bau der stechend-saugenden Mundwerkzeuge gleichartig ist, obwohl sich die Ordnungen in Gestalt und Lebensweise erheblich voneinander unterscheiden. Wesentlich sind die in einer Rüsselscheide liegenden 4 Stechborsten, die aus Ober- und Unterkiefer hervorgegangen sind. Sie bilden 2 unabhängige Kanäle, die Saug- und die Speichelrinne, die ähnlich einer Pumpe arbeiten.

Schnabeltier: bis 60 cm langes Kloakentier mit einem dem der Enten ähnelnden Hornschnabel, mit kleinen Augen und dichtem Fell, Ohrmuscheln fehlen; die fünfzehigen Füße tragen Krallen und Schwimmhäute; wirbellose Tiere werden durch Gründeln im Wasser erbeutet; das Weibchen bebrütet 1 bis 3 Eier etwa 10 Tage lang im unterirdischen Bau. Schnabeltier leben dämmerungsaktiv an ostaustralischen und tasmanischen Gewässern.

Schnabelwale, Spitz Schnauzen Delphine, Ziphiidae: 4,5 bis 9 m lange Zahnwale mit langer, schmaler Schnauze und wenigen Unterkieferzähnen. Schnabelwale fressen Tintenfische und kommen in allen Meeren vor.

Schnaken, Tipulidae: Mückenfamilie mit bis zu 4 cm großen, langbeinigen, nicht stechenden Arten; die grauen walzenförmigen Larven leben an Wurzeln oder oberirdischen Pflanzenteilen; zum Teil an Feldkulturen schädlich.

schnappende Hüfte: hörbares, zum Teil schmerzhaftes Überspringen von Sennen am großen Rollhügel des Oberschenkels, vor allem bei Streckbewegungen; harmloses, nicht mit der unmittelbaren Gelenkfunktion in Zusammenhang stehendes Symptom, das überwiegend durch gelenknahe Schleimbeutelreizungen ausgelöst wird.

Schnäpper, Fliegenschnäpper, Muscicapidae: Singvogelfamilie, die vorwiegend in Ansitzjagd Insekten und Spinnen erbeutet. Der 14 cm lange Grauschnäpper (Muscicapa striata) lebt wie der Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) in Wäldern und Gärten und ist von Europa bis Westsibirien und in Nordafrika verbreitet.

Schnappschusseinstellung: Fotografie Einstellung von Entfernung und Blendenzahl am Objektiv in der Art (oftmals mittels zweier farbiger Punkte), dass innerhalb einer gewünschten räumlichen Tiefe ohne Entfernungsnachstellung scharfe Bilder erzielt werden.

Schnarrsaiten: charakteristischer Bestandteil der Kleinen Trommel, bestehend aus 4 bis 18 Darm- oder umsponnenen Metallsaiten, die über das Resonanzfell gespannt werden, durch eine Schraube regulierbar sind und schnarrende Geräusche erzeugen.

Schnatte: mehr oder minder große Platzstelle der Narbenschicht (Papillarschicht) des Pelzleders. Schnatte kann bei starker lokaler Biegung oder Dehnung entstehen; tritt vorwiegend bei Schaf- und Lammfellen auf.

Schnauzer: 3 rauhaarige, widerstandsfähige Hunderassen in den Farben Schwarz sowie Pfeffer und Salz mit charakteristischem Kopf, kupierten Ohren und gestutzter Rute. Riesenschnauzer bis 70 cm, anerkannte Diensthunderasse; Schnauzer (im engeren Sinne) 45 bis 50 cm; Zwergschnauzer 30 bis 35 cm.

Schnecke, Cochlea:

1. Anatomie: schneckenartig aufgerollter Teil des häutigen Labyrinths; enthält das schallwahrnehmende Cortische Organ. Die häutige Schnecke wird von der knöchernen Schnecke umschlossen und liegt im Schläfenbein.

2. Bautechnik: Spindel einer voll gewendelten Treppe.

3. Maschinenbau: wellenförmiges Maschinenelement mit schraubenförmigem Teil, das in das zugehörige Schneckenrad (Zahnrad mit einer zur Schnecke passenden Verzahnung) eingreift. Die Flankenform ist vom Herstellungsverfahren abhängig.

4. Musik: rollenartiges Zierelement am Ende des Wirbelkastens bei den Geigeninstrumenten; mit dem Stecheisen aus Ahornholz geschnitten.

Schnecken: 1. Jagdwesen - Hörner des männlichen Muffelwildes.

2. Schnecken, Gastropoda: Zoologie - sehr formenreiche, etwa 110000 Arten umfassende Klasse der Weichtiere. Charakteristische Körpermerkmale sind der Kopf mit Mundöffnung, 1 bis 2 Paar Fühlern und Augen, der Rumpf mit zum Kriechfuß abgeflachter Bauchseite sowie der auf dem Rücken liegende, vom Mantel überdeckte Eingeweidesack. Der Mantel scheidet eine meist spiralige, Stärke und Farbe sehr variable Schale ab. Schnecken sind getrenntgeschlechtlich oder zwittrig. Die Atmung erfolgt über Kiemen (Vorder- und Hinterkiemer) oder «Lungen» (Lungenschnecken). Schnecken ernähren sich pflanzlich, räuberisch oder parasitisch; sie leben im Meer, im Süßwasser und als einzige Weichtierart mit etwa 32000 Arten auf dem Land. Ihre wirtschaftliche-Bedeutung liegt unter anderem in der Nutzung als Nahrungsmittel und Schmuck oder in ihrer Rolle als Vorrats- und Kulturpflanzenschädlinge.

Schneckenförderer: Stetigförderer für waagerechten, geneigten und vertikalen Transport von Schüttgut, der aus einer Welle mit daran angeschweißtem, schraubenförmig gewundenem Blech besteht. Der Schneckenförderer bewegt das Fördergut durch seine Drehung gleitend in einem Trog mit halbkreisförmigem Boden oder in einem Rohr (Voltschnecke). Die Bandschnecke weist statt des Vollblechs ein schmales Blechband auf und wird bei der waagerechten und geneigten Förderung zähflüssiger Güter bevorzugt. Beim Schneckenrohrförderer ist ein Stahlband in schraubenförmigen Windungen im Innern eines sich drehenden Rohres angebracht.

Schneckennattern, Dipsadinae: südostasiatische nachtaktive Schlangen mit dickem Kopf, die sich vorwiegend von Gehäuseschnecken ernähren, wobei der Schneckenkörper mit dem Unterkiefer aus dem Gehäuse herausgezogen wird.

Schnee: aus Wolken in Form von Eiskristallen fallender Niederschlag bei Temperaturen um oder unter 0 °C. Abhängig von Temperatur und Wassergehalt der Wolke bilden sich Schneekristalle (Schneesterne) und aus deren Zusammenschluss Schneeflocken unterschiedlicher Größe. Bei sehr tiefen Temperaturen (und oft wolkenfreiem Himmel) tritt Schnee in Form sehr kleiner Eiskristalle (Eisnadeln) als Polarschnee auf. Wegen sehr geringer Wärmeleitfähigkeit bilden Schneedecken an der Erdoberfläche guten Frostschutz für den Boden.

Schneeammer, Plectrophenax nivalis: bis 17 cm lange Ammer arktische Gebiete, die im Winter bis nach Mitteleuropa zieht; im Bodennest werden 4 bis 6 Eier bebrütet.

Schneeball, Viburnum: zu den Geißblattgewächsen gehörende Gattung weiß blühender Sträucher mit schirmförmigen oder kugeligen Blütenständen. Heimisch zum Beispiel der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus) mit roten giftigen Früchten.

Schneebeere, Symphoricarpos rivularis: nordamerikanisches Geißblattgewächs mit kleinen rosafarbenen Blüten und weißen Beeren; anspruchsloser Zierstrauch.

Schneeberg: Stadt im Kreis Aue, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Westerzgebirge; 22000EW:; Herstellung von Elektromotoren, Metallwaren, Textilien, Lederwaren, Möbeln, Kartonagen; Holzschnitzerei und -drechslerei, Spitzenklöppelei; Fachschule für angewandte Kunst; Museum, Sternwarte; Fest der Freude und des Lichts (Dezember); spätgotische St.-Wolfgang-Kirche, Barockbauten; bei Schneeberg Naherholungszentrum Filzteich (23 ha).

Schneeblindheit: Horn- und Bindehautentzündung durch Ultraviolettlicht, das zum Beispiel von Schneeflächen reflektiert wird oder im Lichtbogen entsteht.

Schneebruch, Eisbruch: das Abknicken von Baumkronen und Stämmen, unter anderem durch sehr große Schneelast oder Nebelfrostablagerungen; im Mittelgebirge über 700 m häufig.

Schneefang: Gitter an der Traufe steiler Dächer zum Schutz der Verkehrsflächen (Gehwege) und Dachrinnen vor abrutschendem Schnee.

Schneeglöckchen, Galanthus nivalis: weiß blühendes Amaryllisgewächs, Waldpflanze aus Südwest- und Südeuropa, feuchtigkeitsliebend; Frühjahrsblüher im Garten.

Schneegrenze: Höhengrenze, die die Bereiche beständigen Schnees umschließt und von Temperatur, Niederschlag, Exposition und Strahlung abhängt; liegt in polnahen Gebieten im Meeresniveau und steigt äquatorwärts an (in den Alpen zum Beispiel 2500 bis 3000 m hoch).

Schneehühner, Lagopus: Raufußhühner nördlicher Gebiete und einiger eurasischer Gebirge, die sich von Beeren und Insekten ernähren; im Winter weiß, im Sommer braun ist das 35 cm lange Alpenschneehühner (Lagopus mutus); kein weißes Winterkleid legt das schottische Moorschneehühner (Lagopus lagopus scoticus) an.

Schneekette: leiter-, netz- oder zickzackförmig gestaltete, mit Spannschloss versehene Stahlgliederkette, die um die Reifen jedes Rades eines Kraftwagens gelegt wird, wodurch sich auf schneebedeckter oder vereister Fahrbahn der Kraftschluss des Reifens erhöht. Schneekette dürfen auf schnee- und eisfreien Straßen nicht verwendet werden.

Schneekopf: zweithöchster Berg des Thüringer Waldes, nordöstlich von Suhl; 978 m; Porphyrkuppe.

Schneekoppe, polnisch Sniezka, tschechisch Snizka: höchster Berg des Riesengebirges, auf der Grenze Polen-CSSR; 1602 m; auf der kahlen Granitkuppe auf polnischer Seite moderne Baude (seit 1974) und Wetterwarte; Kapelle (17. Jahrhundert). Von CSSR-Seite Sessellift.

Schneemensch, Yeti: angeblich menschenähnliche Wesen im Himalajagebiet; bisher noch kein gesicherter Nachweis seiner Existenz.

Schneeräumgerät: Gerät zur Schneebeseitigung von Straßen, Schienen unter anderem Einfachstes Schneeräumgerät ist der früher pferdegezogene, keilförmige Schneepflug, heute Räumschildanbaugerät an LKW. Die als Schnecken- oder Trommelfräse ausgeführte Schneefräse ist ein motorisiertes Gerät zum Lösen und Fördern von schwerem und hohem Schnee; auf Flugplatzpisten werden zunehmend auf LKW montierte TL-Triebwerke als Schneeräumgerät und Eisabtaugerät (Abkürzung EAG) eingesetzt.

Schneeschimmel: Pilzerkrankung des Wintergetreides, die nach der Schneeschmelze an abgestorbenen Pflanzen ein weißes oder rosafarbenes watteähnliche Pilzmyzel sichtbar werden lässt.

Schneestolz, Chionodoxa: Gattung der Liliengewächse aus den Hochgebirgen des Orients; Zwiebelpflanze mit grundständigen schmalen Blättern und kleinen blauen oder weißen, in Trauben stehenden Blüten; im Frühjahr blühende Gartenzierpflanze.

Schneezement: Schneekonservierungsmittel zur Verzögerung des Schmelzvorganges bei Temperaturen über 0 °C, besonders bei Sprungschanzen angewandt.

Schneideisen: spanabhebendes Werkzeug zur Herstellung von Bolzengewinde; besteht aus mehreren in einem gemeinsamen zylindrischen Körper ausgebildeten Schneidelementen, zwischen denen sich Spanräume befinden.

Schneidemaschine: Maschine zum Durch- und beziehungsweise oder Beschneiden flächiger oder blättriger Werkstoffe (Papier, Furnier unter anderem) mittels Flach- oder Kreismessern. Prinzipielle Unterscheidung in Karton- (Papp-) Scheren, Kreisscheren, Plan- (Papier-, Schnell-) Schneidemaschine unter anderem

schneiden: a) in Sportspielen einem Ball (einer Kugel) durch besonderen Schlag oder Stoß ein Effet geben;

b) in Geschwindigkeitswettbewerben die Bahn des Gegners behindernd kreuzen (führt zum Teil zur Disqualifikation).

Schneiden:

1. Fertigungstechnik: Verfahren zum Trennen von Werkstoff, bei dem zum Beispiel mittels Schere eine Beanspruchung auf Abscheren bewirkt und die Scherfestigkeit überschritten wird, so dass eine Werkstofftrennung ohne Spanbildung erfolgt. Durch Schneiden können Werkstücke und Halbzeuge (Bleche, Profile) oder Teile davon getrennt werden. Siehe auch thermisches Trennen.

2. Kinetechnik: Filmschnitt.

Schneider: in Kartenspielen die Partei, die lediglich die Hälfte (oder weniger) der zum Sieg erforderlichen Augenzahl erreicht.

Schneider: 1. Paul Schneider, 29.8.1897-18.7.1939, Theologe; antifaschistischer Widerstandskämpfer; verteidigte mutig seinen Glauben und unterstützte die Bestrebungen der Bekennenden Kirche; wurde mehrmals eingekerkert und im KZ Buchenwald ermordet.

2. Reinhold Schneider, 13.5.1903-6.4.1958, Schriftsteller; lebte ab 1938 in Freiburg im Breisgau; publizierte während des Faschismus illegal (zum Beispiel Sonette und Aufsätze) und war Mittelpunkt des katholischen Geistlichen Widerstandes. Seine Erzählungen («Las Casas vor Karl V.», 1938), Novellen, Dramen, historische Abhandlungen und Essays («Gedanken des Friedens», 1945) zeigen die humanistische Position seines geschichtsphilosophische Denkens.

3. Rolf Schneider, geboren 17.4.1932, Schriftsteller, verfasste Stücke («Prozess Richard Waverly», 1961; «Einzug ins Schloss», 1971), Romane («Die Tage in W.», 1965; «Der Tod des Nibelungen», 1970), Erzählungen («Unerwartete Veränderung», 1980) und erzählt Sagen neu («Herakles», 1978).

4. Romy Schneider, eigentlich Rosemarie Albach, 23.9.1938 bis 29.5.1982, österreichischer Filmschauspielerin; entwickelte sich nach vielen Rollen in Unterhaltungsfilmen zur Charakterschauspielerin vor allem im französischen Film («Die Dinge des Lebens», «César und Rosalie», «Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen», «Das alte Gewehr», «Eine einfache Geschichte», «Die Spaziergängerin von Sans-Souci»).

Schneiderhan, Wolfgang, geboren 28.5.1915, österreichischer Violinist; als Solist und Kammermusikspieler (unter anderem 1937/51 im Schneiderhan-Quartett, 1949/60 im Trio mit E. Fischer und E. Mainardi) sowie als Pädagoge international anerkannt.

Schneiderhöhn, Hans, 2.6.1887-5.8.1962, Mineraloge und Lagerstättenforscher; leistete grundlegende Beiträge über die Entstehung endogener Erzlagerstätten und entwickelte eine genetische Lagerstättenklassifikation.

Schneidervögel, Orthotomus: Gattung grasmückenähnliche Singvögel Südasiens, deren Nest in einer Tasche liegt, die sie mit dem Schnabel aus einem oder mehreren Blättern und einem Bastfaden zusammennähen; des Gesangs wegen oft in Gärten gehalten.

Schneidflüssigkeit: beim Spanen als Kühl- und Schmiermittel verwendetes Öl, auch Emulsion von Öl mit Wasser. Die Schneidflüssigkeit verringert Reibung und Schnitttemperatur, gestattet höhere Schnittgeschwindigkeiten, erhöht die Standzeit und verbessert die Oberflächengüte.

Schneidkeramik: Werkstoff auf der Basis von Sinterkorund zum spanenden Formen metallischer und nichtmetallischer Werkstoffe. Außer Aluminiumoxid enthält er Molybdän, Molybdänkarbid unter anderem Schneidkeramik zeichnet sich durch hohe Warmhärte und Verschleißfestigkeit aus und ermöglicht hohe Schnittgeschwindigkeiten.

Schneidkluppe: Werkzeug zum manuellen (meist Rohr-) Gewindeschneiden mit mehreren auswechselbaren, auf verschiedene Gewindedurchmesser einstellbaren Strehlern (Strehlen). Die Schneidkluppe wird auf dem Rohr geführt, mit Hilfe einer Ratsche gedreht und dabei das Gewinde geschnitten.

Schneidmühle: Maschine zum Zerkleinern mineralischer Rohstoffe (unter anderem Ton), von Kunststoffen und Kabelschrott. Beim Tonraspler wird das Gut in einem zylindrischen Behälter von Rührarmen durchgearbeitet und gegen Lochbleche am Boden gedrückt; Streichmesser zerteilen die austretenden Tonstränge in Schnitzel. Das Zerkleinern von Kunststoffen und Kabelschrott erfolgt mittels scharf geschliffener Messer.

Schneidplatte, Schnittplatte: Bestandteil eines Trennwerkzeugs mit scherender Wirkung; enthält einen Durchbruch beliebigen, in sich geschlossenen Umrisses und ist einem Stempel gleichen Querschnitts gegenüber angeordnet. Schneidplatte und Stempel sind Grundelemente eines Schneidwerkzeugs.

Schneidstoff: Werkstoff, aus dem der aktive Schneidenteil des Werkzeuges besteht; sehr hart, von hoher Verschleißfestigkeit (und damit Standzeit), Warmhärte und Temperaturwechselbeständigkeit. Als Schneidstoff werden Kohlenstoffstähle, auch legiert (Werkzeugstähle), hochlegierte Stähle (Schnellarbeitsstähle), Sinterhartmetalle aus Metallkarbiden und Kobalt, Schneidkeramik (auf der Basis von Aluminiumoxid) und superharte Schneidstoffe (Bornitrid, Diamant) verwendet.

Schnell, Robert Wolfgang, geboren 8.3.1916, Schriftsteller; lebt in Westberlin. Seine kritisch-satirischen Erzählungen geben Einblicke in das Milieu des einfachen Volkes und gesellschaftlicher Außenseiter («Mief», 1968; «Junggesellen-Weihnacht», 1970). Vor dem Hintergrund der Bergarbeiterstreiks und der bewaffneten Kämpfe 1919 an Rhein und Ruhr handelt der autobiographische Roman «Erziehung durch Dienstmädchen» (1968).

Schnellarbeitsstahl: hochlegierter Werkzeugstahl mit Zusätzen von Wolfram, Chrom, Molybdän, Vanadium, Silizium und Mangan; bleibt bei 600 °C bei großer Verschleißfestigkeit schneidfähig; verwendet für Werkzeuge.

Schnellläufer: Stern, dessen Geschwindigkeit relativ zur Sonne 65 km/s übersteigt; umläuft den Kern des Milchstraßensystems im Unterschied zur Sonne auf einer stark elliptischen Bahn.

Schnellbahn, Kurzwort S-Bahn:

a) mit eigenen Gleisanlagen auf Eisenbahnstrecken betriebene Stadtschnellbahn. Die Gleisanlagen sind meistens oberirdisch verlegt. Bei der Berliner S-Bahn erfolgt die Stromentnahme seitlich von einer Stromschiene. Teilweise wird die S-Bahn als Stadtbahn bezeichnet.

b) Nahverkehrssystem der Eisenbahn im erweiterten Großstadtbereich ohne eigene Gleisanlagen auf Eisenbahnstrecken (zum Beispiel Leipzig, Rostock). Die Bahnanlagen des vorhandenen Eisenbahnnetzes werden im Gemeinschaftsverkehr mit der Eisenbahn benutzt. Manchmal wird diese S-Bahn als Stadt- und Vorortbahn (Abkürzung SV-Bahn) bezeichnet.

Schnellbinder: Bautechnik anorganische Bindemittel, denen Zusatzmittel (Abbindebeschleuniger), wie Chloride, Sulfate, Alkalikarbonat, beigemengt werden, um das Erhärten in wenigen Minuten zu bewirken.

Schnellboot: kleines (bis etwa 400 ts), sehr schnelles (bis etwa 50 kn), wendiges Kampfschiff, dessen Hauptbewaffnung aus 2 bis 6 Torpedorohren (Torpedoschnellboot), Universalschiffsartillerie (Artillerieschnellboot) oder Raketen (Raketenschnellboot) besteht.

Schnelle, Kurt, geboren 20.9.1923, Romanist; seit 1964 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig; befasst sich mit Forschungen zur französischen Aufklärung und mit Spezialproblemen der spanischen und lateinamerikanischen Literaturentwicklung («Aufklärung und klerikale Reaktion», 1963; «José Marti. Apostel des freien Amerika», 1981).

Schnelle Medizinische Hilfe, Abkürzung SMH: Leistungsbereich des Gesundheitswesens zur Gewährleistung sofortiger ärztlicher Hilfe am Ereignisort. Die SMH gliedert sich in die mobile spezialisierte ärztliche Hilfe bei schweren Unfällen und lebensbedrohliche Krankheitszuständen (Dringliche Medizinische Hilfe) und die mobile ärztliche Hilfe der Grundbetreuung (Dringliche Hausbesuchsdienst).

schnellender Finger: Streck- beziehungsweise Beugehemmung in Fingergelenken infolge Gleitbehinderung der Beugesehne durch Sehnenverdickungen beziehungsweise Sehnenscheidenverengungen.

Schnellgefrieren, Tiefkühlung: Verfahren zum Haltbarmachen von Lebensmitteln durch rasches Abkühlen auf etwa -40 °C.

Schnellkäfer, Elateridae: Käferfamilie; die bis 4 cm langen, schlanken und flachen Käfer können sich mit Hilfe eines Fortsatzes der Vorderbrust aus der Rückenlage emporschnellen; Larven (Drahtwärmer) derbhäutig und rund, leben räuberisch oder als Wurzel- und Samenfresser im Boden; zum Teil schädlich.

Schnellkraft: Fähigkeit der Muskeln, den eigenen beziehungsweise fremden Körper gegen Widerstände auf hohe Endgeschwindigkeiten zu beschleunigen.

Schnelltriebwagenzug: aus wenigen Wagen bestehender, dieselelektrisch oder elektrisch angetriebener, zuschlagpflichtiger Reisezug für hohe Geschwindigkeiten.

Schnellzug, Durchgangszug, Kurzwort D-Zug: zuschlagpflichtiger, längere Strecken befahrender Reisezug mit über 80 km/h Reisegeschwindigkeit, zum Teil mit Speise-, Liege-, Schlaf- und Autotransportwagen. Siehe auch Schnelltriebwagenzug, Expresszug.

Schnepfenvögel, Scolopacidae: Familie der Regenpfeifervögel mit meist langem Schnabel und spitzen Flügeln; vorwiegend in baumarmem, meist sumpfigem oder schlammigem Gelände weltweit verbreitet; hierzu gehören Bekassine, Kampf-, Strand-, Wasserläufer.

Schnirkelschnecken, Helicidae: Landlungenschnecken mit meist dunkleren Spiralbändern auf den Gehäusen; in Mitteleuropa unter anderem die Gartenschnirkelschnecken (Cepaea hortensis) mit hellem Mündungsrand und die Hainschnirkelschnecken (Cepaea nemoralis) meist mit dunklem Mündungsrand; beide leben in Kulturlandschaften, aber auch in lichten Wäldern. Siehe auch Weinbergschnecke.

Schnitt:

1. Bergbau: Abtragen der Massen (Erde, Kohle unter anderem) mit einem Bagger, beim Hochschnitt oberhalb, beim Tiefschnitt unterhalb des Baggerplanums.

2. Gartenbau: Pflegemaßnahme, vorwiegend im Obstbau notwendig für die Gestaltung der Krone, des Umtriebs der Fruchtäste und die Verjüngung. Durch den Erziehungsschnitt werden Anordnung und Entfaltung der Gerüstäste bestimmt. Nach Ertragsbeginn schließt sich der Instandhaltungsschnitt an, ist als Überwachungsschnitt (jährlich) oder als Auslichtungsschnitt (alle 3 bis 4 Jahre) durchzuführen. Der Erneuerungsschnitt umfasst Verjüngung und Umpfropfen. Stärkere Schnitteingriffe sollten bei Steinobst direkt nach der Ernte erfolgen, bei Apfel und Birne von Oktober bis März. Sommerschnitt (Juni/Juli) ist zur Verbesserung der Fruchtqualität und Regulierung der Blütenknospenbildung bei Kernobst möglich.

3. Kinetechnik: Filmschnitt.

4. technisches Zeichnen: gedachtes Zerlegen eines Gegenstandes durch eine oder mehrere Schnittebenen senkrecht zur Zeichenebene; die in der Schnittebene liegende Fläche des Gegenstandes ist die Schnitteingriff Fläche, die in der Darstellung schraffiert wird. Die Kennzeichnung des Schnittverlaufs erfolgt durch breite Vollinien (2 kurze. Stücke), die der Blickrichtung bei Bedarf durch Pfeile.

Schnittdaten, Schnittregime: Fertigungstechnik für die optimale Ausführung einer Spanungsaufgabe abgestimmtes Zusammenspiel der Einflussgrößen Schnittgeschwindigkeit beziehungsweise Drehzahl, Vorschub, Schnitttiefe, Schneidstoff, Winkel am Schneidkeil, Einstellwinkel, Schneidflüssigkeit u. ä., wobei vom gewählten Verfahren, von der Werkstückform, dem Werkstoff, der geforderten Form-, Maßgenauigkeit und Oberflächengüte ausgegangen wird.

Schnittentbindung, Hysterotomie, Sectio caesarea: geburtshilfliche Operation zur raschen Beendigung der Schwangerschaft bei Gefahr für die Mutter (Vorliegen der Plazenta vor dem Kind, vorzeitige Plazentalösung, drohende Gebärmutterruptur) oder das Kind (Veränderung der kindlichen Herztöne, Nabelschnurvorfall) oder für beide (Querlage des Kindes) durch Leibschnitt und künstliche Eröffnung der Gebärmutter, selten auch von der Scheide her ausgeführt. In bestimmten Fällen wird die Schnittentbindung zur Verhütung möglicher Komplikationen schon vor Geburtsbeginn angewendet.

Schnittfrisur: glatt und natürlich fallende Damenfrisur nach exaktem Schnitt des nassen Haares in Stumpfschneidetechnik; wegen ihrer beständigen Form auch Schüttelfrisur genannt.

Schnittgeschwindigkeit: Spanen Geschwindigkeit des betrachteten Schneiden Punktes in Schnittrichtung, gemessen in m/min (zum Beispiel beim Drehen) oder m/s (zum Beispiel beim Schleifen).

Schnitttiefe: Tiefe des Eingriffs der Hauptschneide spannender Werkzeuge; zum Beispiel beim Drehen die Verfeinerung des Werkstückdurchmessers.

Schnittke, Alfred, geboren 24.11.1934, sowjetischer Komponist; gehört zu den führenden sowjetischen Musikschaffenden der Gegenwart und ist mit Instrumental- und Vokalwerken, Filmmusiken und Aufsätzen zur zeitgenössischen Musik hervorgetreten.

Schnittkräfte: Statik Biegemomente, Längs- und Querkräfte, die in einem Tragwerk bei Belastung auftreten.

Schnittlauch, Allium schoenoprasum: mehrjährige Lauchart mit röhrigen Blättern und hellpurpurfarbenen Blüten in Dolden; Küchenkraut.

Schnittverfahren: Holztechnik Sammelbezeichnung für Verfahren zum Einschnitt von Sägeblöcken zu Schnittholz (Schnittware) durch parallele Längsschnitte oder Fräsen. Beim Einfachschnitt (1 Maschinendurchgang) entsteht unbesäumtes Schnittholz, beim Doppelschnitt (Vor- und Nachschnitt) besäumtes Schnittholz gleicher Breite. Der Vorschnitt kann auch durch Planschnitzen oder Profilfräsen erfolgen.

Schnittwaren: Textiltechnik Stoffe, die nach vom Kunden verlangtem Maß vom Warenballen abgeschnitten werden.

Schnitzeljagd, Fuchsjagd: Geländespiel, bei dem eine Partei (1 oder mehrere «Füchse») eine (zum Teil täuschende) Spur legt, die von der anderen Partei verfolgt wird, um die «Füchse» zu fangen.

Schnitzler: Arthur Schnitzler, 15.5.1862-21.10.1931, österreichischer Schriftsteller; seit 1886 Nervenarzt; seine im impressionistischen Stil verfassten Analysen vor allem erotische Probleme, die sich durch subtile psychologische Zergliederungen persönlichster Bereiche und stimmungsvolle Dialoge auszeichnen, erhielten zunehmend gesellschaftskritische Akzente (in der Zeit der Franzos. Revolution spielende antifeudale Komödie «Der grüne Kakadu», 1899; Szenenfolge «Der Reigen», 1900; realistischen Novellen «Leutnant Gustl», 1901; «Fräulein Else», 1924; Roman «Therese», 1928); zeigte sich auch den progressiven Kräften des Volkes verbunden (die bürgerliche Moral angreifendes Schauspiel «Liebelei», 1896; historisches Drama «Der junge Medardus», 1910); warnte als Jude frühzeitig vor dem Antisemitismus (Schauspiel «Professor Bernhardi», 1912).

Schnog, Karl, 14.6.1897-23.8.1964, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseur, 1923/33 Autor und Sprecher bei Berliner politischen Kabaretts; emigrierte 1933, wurde 1940 in Luxemburg festgenommen und bis 1945 im KZ inhaftiert; 1946 Chefredakteur des «Ulenspiegel», 1948/51 am Berliner Rundfunk; schrieb satirische Gedichte («Zeitgedichte Zeitgeschichte», 1949) sowie den Erlebnisbericht «Unbekanntes KZ» (1945).

Schnorchel: (zu «schnarchen») 1. Luftrohr von U-Booten mit Schwimmerventil für die Frischluftzufuhr und Ableitung der Motorenabgase; ermöglicht Tauchfahrt mit Dieselmotoren in geringer Tiefe und dadurch Laden der Akkumulatoren. Mit Schnorchel, neben Schwimmbojen und Luftschächten, werden Panzer zur Unterwasserfahrt ausgestattet.

2. ABC-Geräte.

Schnorr von Carolsfeld, Julius, 26.3.1794-24.5.1872, Maler und Graphiker; schloss sich 1818 in Rom den Nazarenern an, 1846 Akademieprofessor in Dresden, dann Direktor der Gemäldegalerie. Im Hinblick auf die Entwicklung des Historienbildes und der Wandmalerei gilt Schnorr von Carolsfeld als einer der schöpferischsten Vertreter der nazarenischen Kunst (Fresken im Casino Massimo, Rom).

Schnüffelkrankheit, Rhinitis atrophicans: erregerbedingte Erkrankung junger Schweine, die zur Unterentwicklung der Nasenmuscheln und zu Wachstumsstörungen und Deformation des Oberkiefers führen kann.

Schnupfen, Koryza, Rhinitis: krankhafter Schwellungszustand der Nasenschleimhaut, verbunden mit vermehrter Sekretion (serös, schleimig, eitrig), aber auch trockene atrophische Formen sind möglich. Ursachen sind bakterielle oder Virusinfektionen, außerdem Einwirken von Blütenstaub (Heuschnupfen), Gefäßstörungen (Rhinitis vasomotorica) oder nervöse Störungen (Rhinitis nervosa).

Schnupftabak: pulverfein gemahlenes Erzeugnis aus entrippten, gesoßten, nachfermentierten Blättern schwerer Tabaksorten; besonders im 18. Jahrhundert weit verbreitet.

Schnurbaum, Kordon: Baumform, bei der die Fruchtäste direkt von der Stammverlängerung ausgehen. Man unterscheidet senkrechte und waagerechte Schnurbäume.

Schnürboden:

1. Bautechnik: Unterlage aus Bohlen oder Brettern auf Kanthölzern (Zulage, Arbeitspodium), auf der in der Regel Holzkonstruktionen (zum Beispiel Dachbinder) in natürlicher Größe aufgerissen und abgebunden werden.

2. Schiffbau: großflächiger überdachter Raum, auf dessen Boden der Linienriss zu bauender Schiffe im Maßstab 1:1 aufgerissen, das heißt in den geglätteten Holzbelag eingeritzt wird. Die Schiffslinien werden mittels Straklatten «ausgestrakt» (ebenmäßig verbunden). Komplizierte, mehrfach verformte Bauteile des Schiffskörpers werden als Modelle oder Schablonen nach diesem Riss angefertigt. Die Bedeutung des Schnürbodens ist durch den Einsatz numerisch gesteuerter Brennschneid- und Zeichenmaschinen stark zurückgegangen.

3. Schnürboden, Rollenboden: Theatertechnik das obere Geschoß des Bühnenhauses, das die Rollen und Zugvorrichtungen für Vorhänge, Prospektzüge, Flugwerke, Rundhorizonte unter anderem enthält.

Schnurkeramik: nach der mit Schnureindrücken verzierten Keramik benannte Kultur der späten Jungstein- bis frühen Bronzezeit, in Mittel-, Nord- und Osteuropa (2200 bis 1800 vor Christus) verbreitet. Kennzeichnend sind Hockerbestattungen (oft unter Erdhügeln) sowie typischer Gefäßformen (Becher, Amphoren) und steinerne «Streitäxte» (Streitaxtkulturen) als Grabbeigaben.

Schnurre, Wolfdietrich, geboren 22.8.1920, Schriftsteller der BRD; Mitglied der Gruppe 47; schrieb Gedichte («Kassiber», 1956), Kurzgeschichten («Man sollte dagegen sein, 1960), Hörspiele und Romane («Als Vaters Bart noch rot war», 1958; «Ein Unglücksfall», 1981), in denen er sich humanistisch engagiert mit Faschismus und Krieg auseinandersetzt.

Schnurwürmer, Nemertini: artenarmer Tierstamm; wenige Millimeter bis einige Meter lange, höchstens 1 cm dicke, schnurförmige Meeresbewohner mit ausstreckbarem, oft einen Giftstachel tragendem Fangrüssel; leben räuberisch von kleinen Wassertieren, auch Fischen.

Schober:

1. Landwirtschaft: Feime.

2. Metrologie: alte Zähleinheit (für Garben); 1 Schober = 60 Stück.

Schock:

1. Kraftfahrzeugtechnik: Starterklappe.

2. Schock: schwere Störung der Regelmechanismen des gesamten Herz-Kreislauf-Systems, die zu einer Verringerung der Durchblutung, des Gasaustauschs und des Angebots an Nährstoffen in den Geweben führt. Ein Schock kann ausgelöst werden durch schwere Verletzungen mit großem Blutverlust (traumatischer Schock), Toxine (septischer oder toxischer Schock), Allergie (anaphylaktischer Schock), Herzinfarkt (kardiogener Schock). Im Schock ist der Kranke blass, die Haut kühlfeucht, der Puls beschleunigt, kaum fühlbar und der Blutdruck erniedrigt. Durch nachfolgendes Organversagen kann eventuell ein Übergang in den Tod erfolgen. Wichtigste Maßnahmen sind Flachlagerung, Transfusion und Schmerzbekämpfung.

3. Schock: Metrologie - alte deutsche Zähleinheit; 1 Schock = 60 Stück.

Schock, Rudolf, 4.9.1915-13.11.1986, Sänger (Tenor) der BRD; debütierte 1937 in Braunschweig; hatte insbesondere nach 1945 eine steile Karriere, die ihn an viele große Opernhäuser Europas führte; wirkte später zunehmend als Operetten- und Filmsänger.

Schockniere: akute Durchblutungsstörung beider Nieren mit nachfolgendem Nierenversagen; bedingt durch akute Schockzustände verschiedener Ursachen, zum Beispiel erheblicher Blutverlust, akute Überempfindlichkeitsreaktion, Vergiftungen, Herz-Kreislauf-Versagen, massive Verletzung bei Unfall und Bluttransfusionszwischenfalle.

Schoeck, Othmar, 1.9.1886-8.3.1957, schweizerischer Komponist; trat besonders mit Liedern und Opern («Penthesilea», «Die Laune des Verliebten» unter anderem) hervor; wirkte auch als Dirigent (1917/44 Sankt Gallen) und Chorleiter.

Schönlank, Bruno, 16.5.1859-30.10.1901, Journalist; seit 1883 Mitglied der Sozialdemokratie; 1894/1901 erster Chefredakteur der «Leipziger Volkszeitung»; entwickelte neue journalistische Mittel im Interesse der revolutionären Arbeiterbewegung; verfasste mit K. Kautsky einen Kommentar zum Erfurter Programm und trat gegen Ende des 19. Jahrhundert gegen opportunistische Kräfte auf.

schofel, schoßig: schäbig; geizig, knauserig; gemein.

Schöffer, Peter, um 1435 April 1503, Buchdrucker, Buchhändler. Anfangs als Gehilfe J. Gutenbergs tätig, verband er sich 1455 mit J. Fust und wurde der bedeutendste Inkunabeldrucker seiner Zeit.

Schokolade: energiereiches Genussmittel (etwa 2090 kJ je 100 g) aus Kakaomasse, -butter, Zucker und sortenspezifischen geschmackbestimmenden Zutaten, wie Nüssen, Kaffee, Milchpulver, Aroma- (zum Beispiel Vanillin) und Hilfsstoffen (zum Beispiel Lezithin). Die Schokoladenmasse wird in Conchen in eine homogene Form überführt bei gleichzeitiger Verbesserung der Eigenschaften (Konsistenz, Schmelz). Weiße Schokolade, oft als Kinder Schokolade bezeichnet, enthält Kakaobutter, Zucker, Milchpulver und geschmackbildende Zusätze.

Scholar: (fahrender) Schüler, Student, besonders im Mittelalter

Scholastik: die Philosophie des europäischen Mittelalters, die sich in engem Zusammenhang oder in Auseinandersetzung mit der christlichen Religion entwickelte, der gemeinsamen Weltanschauung aller Klassen der europäischen Feudalgesellschaft. Vom 8. bis zum 10. Jahrhundert wurde die Scholastik an den Klosterschulen (S. = Schulwissenschaft) im Rahmen der Kleriker Ausbildung gelehrt (unter anderem Johannes Scotus Eriugena, Hrabanus Maurus). In dieser Etappe erfolgte eine Sichtung des geistigen Erbes der Antike, bei der bestimmte Elemente übernommen und dem Christentum angepasst wurden; philosophische Quellen waren besonders Aristoteles, Boethius, Augustinus. Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden in den städtlichen Kulturzentren philosophische Schulen mit Lehrsystemen, die die meisten Gegenstände der Philosophie umfassten (unter anderem Abälard, Anselm von Aosta, Bernhard von Clairvaux; Schule von Chartres, Schule von Paris). Ende des 12. Jahrhundert und im 13. Jahrhundert wurde das griechische, römische, patristische, arabische, jüdische und zum Teil byzantinische philosophische Erbe aufgegriffen; es entstanden die großen Systeme der Scholastik (Albertus Magnus, Amalrich von Bena, R. Bacon, Bonaventura, Thomas von Aquino; Averroismus). Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert verfiel insbesondere die rechtgläubige Scholastik; philosophische Schulen und Richtungen entstanden, die die ideologische Vorrangstellung der katholischen Kirche im gesellschaftlichen Überbau zerstörten und den Übergang zum frühbürgerlichen Denken bewirkten (Dante Alighieri, Ekhart, J. Hus, J. Duns Scotus, Marsilius von Padua, Wilhelm von Ockham). Siehe auch Mystik, scholastische Methode, Universalienstreit.

scholastisch: die Denkweise der Scholastik beziehungsweise ihre Methode betreffend; übertragen spitzfindig, pseudologisch und inhaltlos beziehungsweise wirklichkeitsfremd (entspricht nicht dem tatsächlichen Gewicht und dem Einfluss der mittelalterlichen scholastischen Philosophie).

scholastische Methode: von P. Abaelards Werk «So und nicht so» ausgehende Methode der Gegenüberstellung von Argumenten für und wider eine These und sich widersprechender Aussagen von Kirchenvätern, um mittels Syllogismus zu entscheiden; von der idealistischen-orthodoxen Strömung der Scholastik zur «Bestätigung» kirchliche Dogmen verwendet.

Scholem Alejchem, («Friede sei mit euch») eigentlich Scholem Rabinowitz, 2.3.1859—13.5.1916, jiddischer Erzähler und Dramatiker; lebte bis 1905 in Russland, dann in den USA; gestaltete in humorvoll-volkstümliche Manier das Leben in der ostjüdischen Kleinstadt; hob die jiddische Literatur auf weltliterarischen Niveau (Roman «Tewje der Milchmann», 1894; Drama «Der Hauptgewinn», 1915).

Scholl, antifaschistischer Widerstandskämpfer, Studenten, Geschwister: Hans, geboren 22.9.1918, und Sophie, geboren 9.5.1921, beide ermordet 22.2.1943; beteiligten sich mit anderen Studenten, Künstlern und Gelehrten am Widerstandskampf an der Universität München; traten besonders gegen die barbarische Kriegführung der Faschisten auf und verfassten unter anderem «Flugblätter der Weißen Rose», nach denen die Widerstandsgruppe benannt wurde.

Scholle: Teil der Erdkruste, der von tektonischen Störungen begrenzt ist; zum Beispiel Thüringer Wald.

Scholle, Die: 1899 in München gegründete Vereinigung junger Maler (L. Putz, F. Erler, A. Münzer unter anderem), die sich gegen Akademismus und großbürgerlichen Kunstbetrieb wandte. Formal folgte sie den Stilprinzipien des Jugendstils (dekorativer Bildaufbau, farbenfrohe, großflächige Malweise), inhaltlich stand sie der Heimatkunst nahe.

Schollen, Pleuronectidae: Familie der Plattfische, Augen fast immer auf der rechten Körperseite; wertvolle Speisefische. Die Scholle lebt an der europäischen Atlantikküste, in der Nord- und westlichen Ostsee. Siehe auch Flunder, Heilbutt, Fische.

Schollenpflichtigkeit: rechtliche Bindung der gutsuntertänigen Bauern an den Boden (16./19. Jahrhundert).

Schöllkraut, (althochdeutsch - griechisch, «Schwalbenkraut») Chelidonium majus: auf der Nordhalbkugel verbreitetes giftiges Mohngewächs mit gelben Blüten und orangefarbenem Milchsaft; häufig an Wegen, Mauern und Gebüschen.

Scholochow, Michail Alexandrowitsch, 24.5.1905 21.2.1984, russisch-sowjetischer Schriftsteller. Sein literarisches Werk ist eng mit dem historischen Schicksal der Donkosaken verbunden. 1926 brachte er einen Zyklus von Erzählungen über den Bürgerkrieg am Don heraus. Ein Welterfolg wurde der Roman «Der stille Don» (4 Bände, 1928/40, deutsch), ein breites Bild vom Leben des russischen Volkes im Zeitraum von 1912 bis 1922, in dem sich unter dem Einfluss der sozialistischen Revolution in Bewusstsein und Haltung der Donkosaken tiefgreifende Wandlungen vollzogen. In dem Roman «Neuland unterm Pflug» (1. Band 1932, 2. Band 1959, deutsch) stellte Scholochow den erbitterten Klassenkampf während der Kollektivierung der Landwirtschaft mit großer künstlerischer Überzeugungskraft dar. In den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges erschienen Skizzen und Erzählungen («Schule des Hasses», 1942, deutsch) sowie mehrere Kapitel des Romans «Sie kämpften für die Heimat» (1943/44, Teile deutsch). Die ergreifende Erzählung «Ein Menschenschicksal» (1956, deutsch) brachte Scholochows realistische Gestaltungskunst und sein humanistisches Ethos als sozialistischer Realist besonders überzeugend zum Ausdruck und vertiefte seinen weltliterarischen Einfluss.

Scholz, Paul, geboren 2.10.1902, Politiker, Landarbeiter; wegen antifaschistische Tätigkeit 1935/45 in Haft; erwarb sich als Mitbegründer und seit 1950 stellvertretender Vorsitzender der DBD sowie als Minister für Land- und Forstwirtschaft (1950/52) und Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats (1952/67) besondere Verdienste um die sozialistische Landwirtschaft und das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern; Abgeordneter der Volkskammer seit 1949.

schön: anschauenswert, Wohlgefallen erregend, vollkommen. Das Schöne ist eine ästhetische Wertungskategorie zur Bezeichnung einer spezifischen, historisch produzierten Subjekt-Objekt-Beziehung. Als Wertverhältnis des Menschen zu seiner natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt bestimmt, ist das Schöne keine den Dingen und Erscheinungen anhaftende objektive Eigenschaft, sondern meint historisch mögliche Subjekterfahrung und -bestätigung in sinnlicher Gestalt, das heißt eine bestimmte Weise menschlichen Selbstbewusstwerdens. Im Unterschied zum Hässlichen (hässlich) empfindet sich der Mensch im Schönen in sinnlich-anschaulich beziehungsweise ästhetisch gestalteten Form-, Färb-, Flächen- oder Tonverhältnissen in Harmonie zu seiner Umwelt. Die Fähigkeit, auch «nach den Gesetzen der Schönheit» (Marx) produzieren zu können, unterscheidet den Menschen von allen anderen Lebewesen, insofern ist die Geschichte des Schönen die Geschichte menschlicher Humanität. Schönheitsideale drücken allgemeine ästhetische Interessen und Vorstellungen aus, enthalten meist ein klassenabhängiges Gesellschafts- und Menschenbild, informieren über humanistische Gehalte sozialer Zielvorstellungen einer Klasse oder Epoche.

Schön, Theodor Heinrich, 20.1.1773-23.7.1856, preußischer Staatsmann und Politiker; führender Vertreter der preußischen Reformer, enger Mitarbeiter des Reichsfreiherrn vom und zum Stein; wurde 1842 als Oberpräsident von Ost- und Westpreußen entlassen, nachdem er liberale Reformen gefordert hatte.

Schonarbeit: dem Gesundheitszustand angepasste, zumutbare Veränderung der Arbeitsaufgabe beziehungsweise der sachlichen oder zeitlichen Arbeitsbedingungen des Werktätigen; Schonarbeit ist vom Betrieb zu gewährleisten, wenn ein Werktätiger nach ärztlicher Feststellung die vereinbarte Arbeitsaufgabe wegen Schwangerschaft, vorübergehender Minderung der Arbeitsfähigkeit oder zum vorbeugenden Gesundheitsschutz zeitweilig nicht oder nicht unter den bisherigen Bedingungen fortsetzen kann. Während der Schonarbeit erhält der Werktätige mindestens seinen bisherigen Durchschnittslohn.

Schönbein, Christian Friedrich, 18.10.1799 bis 29.8.1868, Chemiker; entdeckte 1839 das Ozon und stellte als erster Schießbaumwolle und Kollodium her.

Schönberg, Arnold, 13.9.1874-13.7.1951, österreichischer Komponist; lehrte in Wien und 1925/33 an der Berliner Akademie der Künste (berühmteste Schüler A. Webern, A. Berg, H. Eisler); emigrierte 1933 über Frankreich nach den USA. Schönberg begann in der Wagner- und Brahms-Nachfolge, aber auch Quartenakkorde, Ganztonreihen und die funktionale Tonalität auflösende Chromatik kennzeichnen den ersten Schaffensabschnitt 1897/1907. Die Periode 1908/21 ist durch freie Tonalität und hohe Expressivität gekennzeichnet. Danach gelangte Schönberg zur «Methode der Komposition mit 12 nur aufeinander bezogenen Tönen» (Zwölftontechnik), die die weitere Musikentwicklung wesentlich beeinflusste. Sein gesamtes Schaffen ist sowohl in Bezug auf die musikalische Traditionen, als auch in der Text- und Stoffwahl und vom Anliegen her auf die Fortsetzung des bürgerlichen Humanismus gerichtet, dessen Gefährdung im Imperialismus sowie Ausweglosigkeit und Lebensangst des Spätbürgertums er in seiner Musik eindrucksvoll nachgestaltete und nacherlebbar machte. Das Werk Schönbergs hat besonders nach dem 2.Weltkrieg internationale Bedeutung gewonnen; es umfasst Beiträge zu allen musikalischen Gattungen sowie Bearbeitungen alter Musik und Bücher zur musikalischen Handwerkslehre (mit Ausnahme seiner eigenen Zwölftontechnik).

Schönbrunn: 1. Gemeinde im Kreis Hildburghausen, Bezirk Suhl, im Südwesten des Thüringer Waldes; 2100 Einwohner; Glas-, Möbel-, Metallindustrie, Konsum Gewürzmühle; Erholungsort; in der Nähe Trinkwassertalsperre Schönbrunn (0,9 km2, Stauraum 21,8 Millionen m3) im Schleusetal.

2. Wien.

Schöndruck: Polygraphie das erstmalige Bedrucken des Bedruckstoffes bei zweiseitigem Druck; das Bedrucken der 2. Seite wird dann als Widerdruck bezeichnet; in beiden Fällen auch das hierbei entstandene Druckprodukt selbst.

Schönebeck, Schönebeck an der Elbe: Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, links der Elbe; 45000 Einwohner; Herstellung von Traktoren, Dieselmotoren, Landmaschinen, Kesseln, Chemikalien, Baustoffen, Gummiwaren und Schuhen; Hafen, S-Bahn nach Magdeburg; Volksbad im Stadtteil Salzelmen (Solbad seit 1802, Gradierwerk, Kurpark); Museum; Burg Schadeleben (14./15. Jahrhundert; Pflegeheim), gotische Johannis- und Jakobikirche, Salzturm.

Schöneck, Schöneck (Vogtland): Stadt im Kreis Klingenthal, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im oberen Vogtland; 3500 Einwohner; Herstellung von elektroakustischen Geräten und Fahrzeugbeleuchtung, Leder-, Holz-, Textilindustrie; Erholungs- (707 m überm Meer; FDGB-Erholungsheim «Karl Marx»), Wintersportort; bei Schöneck an der Zwickauer Mulde Muldenberger Talsperre (1 km2, Stauraum 5,8 Mill m3).

Schonen, schwedisch Skäne: Landschaft im Süden Schwedens, an Öresund und Ostsee; umfasst die Provinzen Malmöhns und Kristianstad; etwa 11000 km2, Millionen Einwohner; flachwellig; nur im Norden -bewaldet; gemäßigtes maritimes Klima; intensive Landwirtschaft (Kornkammer Schwedens), Anbau von Weizen und Zuckerrüben, Rinderzucht; Industrie- und Bevölkerungsballung im Raum Malmö/ Helsingborg. Schonen war bereits in ur- und frühgeschichtlicher Zeit bewohnt; später von Dänemark und Schweden beansprucht, kam im Frieden von Roskilde 1658 endgültig an Schweden.

Schönen: Entfernen von Trüb- und beziehungsweise oder Farbstoffen aus Lebensmitteln (besonders Wein) durch Schönungsmittel, wie Agar, Gelatine.

Schoner: Segelschiff mit 2 oder mehr gaffelgetakelten Masten (Gaffelschoner). Die Schonerbark hat einen rah- und gaffelgetakelten Vormast, die Schonerbrigg am Vormast Rah-, am zweiten Mast Gaffelsegel.

Schönfelder: 1. Gerd Schönfelder, geboren 27.4.1936, Musikwissenschaftler, studierte unter anderem in Peking chinesische Musikgeschichte und Musiktheaterwissenschaft; veröffentlichte hierzu («Die Musik der Peking-Oper», 1972) sowie zu anderen musikhistorische und -theoretische Themen, besonders zur Theorie und Praxis der Musikkritik zahlreiche Arbeiten; lehrte 1966/72 an der Karl-Marx-Universität Leipzig und seit 1972 (1976 Professor) an der Dresdner Musikhochschule, deren Rektor er 1980/85 war; seit 1984 Intendant der Staatsoper Dresden.

2. Karl-Heinz Schönfelder, geboren 26.4.1923, Amerikanistik Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena; trat mit Arbeiten über die Theorie der Sprachmischung hervor, verfasste den Band «Literatur der USA im Überblick» (1977) und machte sich um die Herausgabe und Interpretation US-amerikanischer Romane in der DDR verdient.

Schongauer, Martin, um 1450-2.2.1491, Maler und einflussreichster Kupferstecher vor A. Dürer; beeinflusst von R. van der Weyden; von seinen Tafelbildern sind nur wenige erhalten, das Hauptwerk ist die «Madonna im Rosenhag» (1473, Colmar); als Wandmaler schuf er das (Jüngste Gericht» im Breisacher Münster (1488/91). Schongauer hat besondere Bedeutung für den Kupferstich, den er technisch und künstlerisch vervollkommnet« (116 überlieferte Stiche).

Schönheide: Industriegemeinde im Kreis Aue, Bezirk Karl-Marx-Stadt, an der Zwickauer Mulde; 7400 Einwohner; Bürsten-, Pinsel-, Textil-, Faserplattenherstellung; Eisengießerei Schönheiderhammer.

Schönherr, Karl, 24.2.1867-15.3.1943, österreichischer Schriftsteller; seine meist mundartlich stilisierten Dramen sind in starkem Maße von der Tradition der barocken Bauerndramen der Alpenländer geprägt («Erde», 1907; «Glaube und Heimat», 1910).

Schonung: aus der Zeit intensiver Waldweide stammende Bezeichnung für zu schonende Forstkulturen und Dickungen, heute junge Waldbestände.

Schonzeit: 1. Recht: Karenzzeit.

2. Jagd.

Schoop, Max-Ulrich, 10.4.1870-29.2.1956, schweizerischer Ingenieur; entwickelte 1906 das Aluminiumschweißen mit Flussmittel und erfand 1909 das Metallspritzen.

Schopenhauer, Arthur, 22.2.1788-21.9.1860, Philosoph; repräsentiert mit seinem philosophischen Pessimismus und seinem irrationalistischen Voluntarismus die geistige Situation der nachrevolutionären deutschen Bourgeoisie, die ihre revolutionären Ideale verraten hatte und sich mit der feudalen Reaktion arrangierte. Die Welt sei an sich Wille, für den Menschen sei sie nur Vorstellung; sie existiere nur in Bezug auf ein Subjekt. Kein Objekt ohne ein Subjekt, lautet Schopenhauers subjektiv-idealistische Antwort auf die Grundfrage der Philosophie. Der Mensch sei wesentlich ein Triebwesen (Selbsterhaltungs-, Geschlechtstrieb), dessen Leiden nur durch asketische Willensnegation und quietistische Gemütsruhe beseitigt werden könne.

Schöpfertum: Eigenschaft menschlicher Tätigkeit bei der Aneignung und Veränderung der Wirklichkeit, wobei Neues hervorgebracht wird und dadurch auf die Vervollkommnung des gesellschaftlichen Reichtums an materiellen, geistigen und sozialpolitischen Werten hingewirkt werden kann. Entwicklungsgrad, Ziel und kultureller Nutzen des Schöpfertum sind letztlich durch die jeweilige Produktionsweise bestimmt. Obwohl jeder menschlichen Arbeit Momente des Schöpfertum innewohnen, bezeichnet Schöpfertum speziell das intensive Suchen nach neuen Erkenntnissen beziehungsweise Anwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten, nach optimalen Problemlösungen, nach neuen Wegen des Wissens und Könnens in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die sozialistische Gesellschaft fordert und fördert das Schöpfertum der Arbeiterklasse und aller Werktätigen als Triebkraft und wichtigste Bedingung des gesellschaftlichen und kulturellen Fortschritts.

Schopfhuhn, Hoatzin, Opisthocomus hoazin: 60 cm großer, langschwänziger, hühnerverwandter südamerikanischer Waldvogel mit zerschlissenem Federschopf; die Jungvögel klettern mit Hilfe an den Flügeln befindliche Krallen geschickt im Geäst.

Schopflilie, Eucomis: Gattung der Liliengewächse; Zwiebelpflanze aus Südafrika. Der traubige, reichblütige Blütenstand wird von einem Blattschopf begrenzt. Gewächshaus- und Zimmerpflanze, im Sommer auch im Freien kultivierbar.

Schöpfwerk: Wasserhebemaschine für geringe Förderhöhe; hierzu gehören das Schöpfrad, Eimerwerk, die Wasserschnecke oder archimedische Schraube mit Hubhöhe bis 4,5 m.

Schopfwürmer, Terebellidae: Familie der Vielborster, bis 30 cm lange, in selbst hergestellten Röhren lebende Bewohner des Meeresbodens mit vielen, schopfartig angeordneten Fangtentakeln am Vorderende.

Schorf, Grind, Kruste, Borke: durch Blutbeimengung und Wundsekret unterschiedlich gefärbter Wundbelag.

Schorfheide: flachwelliges, sandiges und wildreiches Waldgebiet in der südlichen Uckermark; etwa 400 km2; mehrere Seen (darunter Werbellinsee); Naturschutzgebiet (Eichen- und Wacholderbestände).

Schorf: krankheiten vorwiegend Pilzerkrankungen an Blättern, Stengeln, Früchten, Wurzeln und Knollen der Pflanzen, die sich in oberflächlich rauen Korkwucherungen, lokal begrenzten oberflächlichen Rissen im epidermalen Gewebe oder teilweisen Pustelbildungen äußern.

Schorle, Schorlemorle: weinhaltiges Getränk aus mindestens 50 % Wein oder Perlwein und Selterswasser.

Schorlemmer, Carl, 30.9.1834-27.6.1892, Chemiker, erster Professor für organische Chemie (seit 1874) am Owen’s College Manchester; Freund von K. Marx und F. Engels. Schorlemmer gelang es, die Gleichwertigkeit der Kohlenstoff Valenzen in den Alkanen nachzuweisen, diese aus Methan zu synthetisieren und zu «homologen Reihen» zusammenzufassen. Er schrieb eine Geschichte der organischen Chemie sowie (zusammen mit H. Roscoe) ein neunbändiges Lehrbuch der Chemie.

Schornstein: senkrecht hochgeführter Schacht zum Ableiten von Rauch oder Abgas und Erzielen eines Zuges, der dem Feuer Verbrennungsluft zuführt; aus Mauerziegeln, Formsteinen, Blechrohren oder in Gleitbauweise aus Stahlbeton errichtet, im Bauwerk eingebaut oder frei stehend.

Schorre: landwärts flach ansteigende Fläche einer Gezeitenküste, die sich, durch Strandwälle gegliedert, von der äußersten Reichweite der Brandung (Strandlinie) bis zur Grenze noch merkl. Wellenbewegung erstreckt.

Schoschenk I., Scheschonk, altägyptischer König, herrschte etwa 950/929 vor Christus, Begründer der 22. (libyschen) Dynastie; vereinigte ganz Ägypten unter seiner Herrschaft und betrieb eine aktive vorderasiatische Politik. Auf seinem Feldzug nach Palästina eroberte er mehrere Städte (unter anderem Jerusalem). Seine Hauptstadt wurde Bubastis (daher Bubastidenzeit).

Schoschonen, Shoshoni, Schlangenindianer: 1. Gruppe von Indianerstämmen in Wyoming, Idaho und Nevada (USA), etwa 5000; ursprünglich Sammler und Jäger.

2. nach Schoschonen 1 benannte Sprachgruppe der uto aztekische Sprachfamilie, die unter anderem im Großen Becken (zum Beispiel Pai-Ute), den Prärien (Comanche), in Kalifornien (Luiseño) und im Pueblo-Gebiet (Hopi) vertreten ist; etwa 60000.

Schosser: (zu «schießen») Einzelpflanzen im Bestand zweijähriger Pflanzen, die bereits im 1. Jahr Blütentriebe ansetzen (zum Beispiel bei Rüben).

Schostakowitsch, Dmitri Dmitrijewitsch, 25.9.1906-9.8.1975, sowjetischer Komponist und Pianist; gewann bereits mit seiner 1. Sinfonie (1926) internationale Anerkennung. In seinen Werken gestaltete, er Ereignisse und Erlebnisse sowie Ideen, Probleme und zum Teil tragische Konflikte des revolutionären Kampfes, des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR, des Großen Vaterland. Krieges und des Friedenskampfes. Stilistisch knüpfte er an die russische Klassik an, verarbeitete verschiedene zeitgenössische Strömungen bis hin zur Zwölftontechnik, vermied aber bewusst «avantgardistische» Experimente. Schostakowitsch zeigte von Jugend an überragende individuelle Züge und entwickelte sich zum bedeutendsten Sinfoniker des 20. Jahrhundert Neben 15 Sinfonien schrieb er Opern («Die Nase», 1930; «Katerina Ismailowa», 1963), Instrumentalkonzerte, Orchesterwerke, Kammermusik, Klavierwerke, Chöre und Lieder sowie zahlreiche Filmmusiken.

Schot: über eine Talje geführtes Seil zum Spannen eines Segels.

Schote: aus 2 miteinander verwachsenen Fruchtblättern entstandene trockene Streufrucht, durch häutige Mittelwand gefächert zum Beispiel bei Kreuzblütlern; auch volkstümliche, aber falsche Bezeichnung für die Frucht der Erbse (Hülse 1).

Schöterich, Schotendotter, Erysimum: Gattung der Kreuzblütengewächse; verbreitet auf Äckern, in Gärten und auf Ruderalstellen der gelb blühende Acker-Schöterich (Erysimum cheiranthoides).

Schott: quer- oder auch (zum Beispiel in Tankschiffen) längsschiffs verlaufende ausgesteifte Zwischenwand zur Unterteilung in wasserdichte Abteilungen sowie als Brandschutz.

Schott, Friedrich Otto, 17.12.1851-27.8.1935, Chemiker und Glastechniker; entwickelte viele Spezialgläser; gründete 1882 ein glastechnisches Laboratorium und 1884 mit E. Abbe das Jenaer Glaswerk Schott&Gen.

Schottel, latinisiert Schottelius, Justus Georg, 23.6.1612-25.10.1676, Sprachforscher und Schriftsteller, betonte den Eigenwert der deutschen Schriftsprache und suchte in seinem Hauptwerk «Ausführliche Arbeit von der Teutschen Haubt Sprache» (1663) ihre Gesetzmäßigkeiten zu erfassen; gelangte zu Ansätzen einer Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte. Schottel verfasste das allegorisches Spiel «Neu erfundenes Freudenspiel, genannt Friedens Sieg» (1642).

Schotten: 1. Schotten (nach dem Herkunftsgebiet Schottland) Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung mit mehrfarbig abschattierter typischer Karomusterung, häufig mit blauem und rotem Untergrund; für Oberkleidung, Blusen und Hemden.

2. Volk, Hauptbevölkerung Schottlands; etwa 5 Millionen, 800000 in anderen Ländern, überwiegend englischsprachig; im engeren Sinne nur die keltisch sprechenden Galen oder Hochländer (englisch highlanders) und Bewohner der Hebriden; 90000; die Gälen sind Nachkommen der Skoten; kulturelle Besonderheiten sind unter anderem Kilt und Dudelsack.

Schotter: (zu «Schutt»)

1. Bautechnik: durch Brecher zerkleinertes Gestein mit 25 bis 125 mm Kantenlänge für Straßen-, Eisenbahnbau und als Zuschlagstoff.

2. Geomorphologie: im weiteren Sinne durch Fließgewässer umgelagertes, zerkleinertes, geschichtetes, aber unterschiedlich sortiertes Sediment; im engeren Sinne Geröll und Kies, meist zwischen 2 und 63 mm Korndurchmesser.

Schotterdecke: Straßendecke aus mehreren Lagen von Schotter und Splitt, Kies oder Sand, unter Wasserzugabe mittels Straßenwalzen verdichtet; nur für geringe Verkehrsbelastung geeignet.

Schottisch: 1. keltische Sprachen.

2. Schottisch: deutscher Paartanz im gemäßigten %-Takt mit Drehung im Wechselschritt; entstand vor 1800 aus einer gedrehten Tour der Écossaise und verbreitete sich rasch. Eine variantenreiche Abart ist der Hack-Schottisch; eng verwandt die später entstandene Polka.

Schottky, Walter, 23.7.1886-4.3.1976, Physiker; erfand unter anderem 1915 die Schirmgitterröhre (Tetrode), entdeckte 1919 den Schroteffekt und 1935 den Schottky-Defekt, einen Gitterfehler.

Schottky-Barrieren-Technik: (nach W. Schottky) Technik zur Herstellung von Halbleiterbauelementen, insbesondere von integrierten Schaltkreisen, unter Ausnutzung von Metall-Halbleiter-Übergängen (Schottky-Kontakte). Die wichtigsten diskreten Bauelemente beziehungsweise integrierte Strukturen sind Schottky-Dioden, Schottky-Barrieren-Kollektor-Transistoren und Schottky-FET.

Schottky-Diode: (nach W. Schottky) Halbleiterdiode, bei der die Sperrschicht aus einem Metall Halbleiter-Übergang gebildet wird. Da im Metall keine Ladungsträgerspeicherung und keine Rückinjektion von Ladungsträgern in den Halbleiter erfolgt, eignet sich die Schottky-Diode für sehr hohe Frequenzen (GHz-Bereich) und als sehr schneller Schalter ohne Speicherzeit (ns-Bereich).

Schottland, englisch Scotland: Nordteil der Insel Großbritannien, bestehend aus 9 Regionen und 3 Inselgebieten (Western Isles (Hebriden), Orkney- und Shetlandinseln); 78 773 km2, 5,2 Millionen Einwohner, von denen nur noch 1,7 % schottisch Gälisch sprechen; 66 Einwohner/km2; Hauptstadt Edinburgh. Schottland besteht aus 2 alten Gebirgsrümpfen paläozoischer und kristalliner Gesteine, dem Nordschottischen Bergland (Highlands, im Ben Nevis 1343 m) und dem Südschottischen Bergland (Southern Uplands, bis 843 m), die durch die Mittelschottischen Senke (Lowlands) getrennt sind; in eiszeitlich überformten Tälern langgestreckte Seen (Lochs); stark gegliederte Küsten mit weit ins Land dringenden Buchten (Firths); niederschlagsreiches, mildes Seeklima; in den waldarmen Bergländern Spuren damaliger Eisbedeckung, Moore, Heiden; wasser- und gefällereiche Flüsse, schiffbar ist nur der Clyde. Wichtigster Bodenschatz ist das vor der Nordost- und Ostküste geförderte Erdöl, ferner bedeutender Steinkohlenbergbau (Mittelschottland); Energieerzeugung (Wärme-, Wasser- und Kernkraftwerke); Erdölverarbeitung; Eisen- und Nichteisenmetallurgie (Aluminium); Schiff-, Automobil- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Textil-, Teppich- und chemische Industrie, Whiskyherstellung; Industriekonzentration um Glasgow, daneben um Edinburgh, Dundee und Aberdeen. In der Landwirtschaft überwiegt auf Naturweiden die Viehzucht (Rinder, Schafe); Getreideanbau hauptsächlich in den Lowlands und an der Ostküste; Obstbau im Clydetal; Fischfang in den Meeren um Schottland Straßen- und Schienennetz von mittlerer Dichte (im Norden gering entwickelt), Erdöl- und Erdgasleitungen, Häfen (Edinburgh, Glasgow unter anderem), Flughäfen für den internationalen Verkehr, Naturparks, Seebäder, Fremdenverkehr. Die Besiedlung durch urgesellschaftlichen Bauern begann etwa im 4. Jahrtausend vor Christus, seit Mitte des 1. Jahrtausend vor Christus drangen keltische Stämme (Pikten) ein, 80/186 war Südschottland von den Römern besetzt. Im 5./6. Jahrhundert wanderten von Irland die Skoten ein, die mit den Pikten verschmolzen und dem Land den Namen gain den Highlands im Nordwesten Schottlands benannt. Im 5./7. Jahrhundert siedelten sich in Südschottland verdrängte Briten und nachfolgende Angelsachsen an. Die Auflösung der Urgesellschaft beschleunigte sich seit dem 6. Jahrhundert durch die Christianisierung (Mission Columbans d. Ä.). Um 843 wurde die Einigung der Stammeskönigreiche vollzogen (Königreich Alban) und in andauernden Kämpfen gegen Einfälle der Normannen im 8./10. Jahrhundert sowie ständigen Adelsfehden (unter anderem Kämpfe zwischen Duncan I. und Macbeth Mitte 11. Jahrhundert) behauptet. Gleichzeitig wurden Englands Versuche, seit 1175 Schottland zu unterwerfen, unter Beteiligung der Volksmassen (1297/98 Bewegung unter W. Wallace) abgewehrt und England nach der Niederlage am Bannockburn (1314) gezwungen, die schottische Forderung nach Unabhängigkeit (1320 Deklaration von Arbroath) 1328 formell, 1359 endgültig anzuerkennen. 1371 errang die Dynastie Stuart den Thron. Im 15./16. Jahrhundert beschleunigte sich die sozialökonomische Entwicklung in den Städten Südschottlands, wo J. Knox 1560 die kalvinistische Reformation durchsetzte. Maria Stuart als Instrument der katholischen Feudalreaktion musste 1567 abdanken. 1603 fiel der Dynastie Stuart auch der englische Thron zu. Schottland geriet in der Personalunion in englischer Abhängigkeit, wogegen sich 1637/38 ein Bündnis schottischer Kalvinisten (Covenant) formierte; ihr Einfall in England (1639) mündete in die englische bürgerliche Revolution. 1707 wurde Schottland mit England vereinigt. Mit dem Aufschwung der kapitalistischen Entwicklung entstanden im 19. Jahrhundert in Südschottland führende Zentren der britischen Arbeiterbewegung. Der britische Beitritt zur EWG und die Auswirkungen der zyklischen Wirtschaftskrisen seit 1974 bewirkten einen verstärkten industriellen Rückgang in Schottland Daraus erwachsende Not (hohe Arbeitslosigkeit) und an die Erdölproduktion in der Nordsee geknüpfte Erwartungen begünstigten in den 70er Jahren eine kleinbürgerlich-nationalistische Bewegung, geführt besonders von der Schott. Nationalpartei (gegründet 1928). Vorschläge für die innere Selbstverwaltung Schottlands wurden jedoch in einer Volksabstimmung 1979 abgelehnt.

Schottmüller, Oda, 9.2.1905-5.8.1943, Tänzerin; beschäftigte sich als Solotänzerin mit dem Ausdruckstanz; wurde als Mitglied der antifaschistischen Kundschafter Gruppe um H. Schulze-Boysen und A. Harnack von den Faschisten in Berlin-Plötzensee ermordet.

Schräder: 1. Karl Körner-Schrader.

2. Karl, 30.8.1915-21.12.1981, Karikaturist und Illustrator; Studium in Hildesheim und 1938/39 an der Akademie für graphische Künste in Leipzig; seit 1949 freischaffend in Berlin; wurde bekannt vor allem durch seine treffenden farbigen Karikaturen des Alltagslebens (zum Beispiel für «Eulenspiegel») und Kinderbuchillustrationen.

Schraffierung, Schraffur: Kennzeichnung von Schnittflächen in Zeichnungen entsprechend der Materialart durch schmale Parallel-, Gitterlinien, Punktierungen u. ä.

Schrämen: Bergbau Herstellen einer Schnittfläche (Schram) im anstehenden Gestein parallel zur Sohle zur Unterstützung und Erleichterung der Gewinnungsarbeit. Elektrische oder durch Druckluft angetriebene Schrämmaschinen schneiden einen 90 bis 180 mm hohen und 800 bis 2 500 mm tiefen Schram in den Stoß. Das über dem Schram liegende Gestein wird in großen Stücken durch Sprengladungen oder mittels Abbauhämmern vom Hangenden abgedrückt. Schrämlader gewinnen das Gestein und laden es auf ein Fördermittel. Geschrämt wird im Kohlen-, Salz- und Schieferbergbau.

Schramm, Konrad, 21.8.1822-15.1.1858, kaufmännischer Angestellter, desertierte 1846 aus demokratischer Gesinnung aus der preußischen Armee, floh nach den USA; 1848 Rückkehr nach Deutschland und Teilnahme an der revolutionären Bewegung; seit 1849 Mitglied des Bundes der Kommunisten und seiner Zentralbehörde; in London verantwortlicher Geschäftsführer der «Neuen Rheinischen Zeitung». Schramm war mit K Marx und F. Engels befreundet.

Schranke: Mathematik bezüglich einer Funktion oder einer Zahlenmenge M eine solche Zahl s, so dass die Funktionswerte oder Elemente von M entweder alle kleiner gleich s sind (obere Schranke) oder alle größer gleich s sind (untere Schranke).

Schränken: wechselseitiges Ausbiegen der Zähne von Sägeblättern aus der Blattebene, damit die Schnittfuge beim Sägen größer als die Blattdicke wird und das Sägeblatt nicht klemmt. Schränken wird manuell (mit Schränkzange) oder maschinell ausgeführt.

Schrapnell: (nach seinem britischen Erfinder) Artilleriehohlgeschoß mit Brennzünder, Zerleger und Kugelfüllung; wurde gegen ungedeckte lebende Ziele eingesetzt und bis einschließlich 1. Weltkrieg verwendet.

Schrapper: Fördermittel zum Abtragen und Bewegen von Schüttgütern. Das Schrappgefäß (Schrapper Kasten), ein rahmenartiges Schürfgerät aus Blech mit Schneide oder Reißzähnen, wird mittels Stahlseils von der Schrapper Haspel, einer durch Elektromotor, seltener durch Druckluft angetriebenen Winde mit 2 Trommeln, über das Fördergut gezogen, wobei es sich füllt. Das Zurückziehen des Schrappgefäßes geschieht mit Hilfe der zweiten Trommel durch ein weiteres Seil, das über eine Umlenkrolle (Schrapperrolle, End Rolle) läuft.

Schraube:

1. Flugsport: Pirouette.

2. Maschinenbau: Maschinenelement für lösbare Verbindungen, vorzugsweise aus Stahl, besteht aus Schaft und Schraubenende. Der Schifft ist meist zylindrisch und trägt am Ende das Gewinde, bei Holzschraube ein konischen Spitzgewinde. Das Schraubenende besitzt ein Gewinde (Stiftschraube) oder einen Kopf, dessen Form sich nach den Werkzeugen oder Einbauverhältnissen richtet.

Schrauben: Fertigungsverfahren der Hauptgruppe Fügen 1, Gruppe An- und Einpressen, bei dem die zu verbindenden Teile mittels eines selbsthemmenden Gewindes an Hilfsfügeteilen (Schrauben, Muttern) oder an den zu fügenden Teilen selbst aneinandergepresst werden. Die Verbindung ist lösbar, unbeabsichtigtes Lösen kann durch Sicherungselemente (zum Beispiel Federring, Splint) verhindert werden.

Schraubenbakterien: schraubenartig gewundene Formen verschiedener Bakteriengattungen; hierzu gehören die Vibrionen mit weniger als einer Schraubenwindung sowie Spirillen und Spirochäten.

Schraubendreher: Werkzeug zum Festdrehen, Lösen und Verstellen von Schrauben mit geschlitztem Kopf mit einer festen oder auswechselbaren Klinge in einem Heft (Griff), das beim Elektriker-Schraubendreher isoliert ist.

Schraubenflügler: im weiteren Sinne veraltete Bezeichnung für Drehflügelflugzeug, im eigentlichen Sinn so viel wie Kombinationsflugzeug.

Schraubenlinie: Kurve auf dem Mantel eines geraden Kreiszylinders, die ein Punkt beschreibt, der sich gleichförmig auf einer Mantellinie bewegt, die ihrerseits gleichförmig um die Zylinderachse rotiert; der Abstand zweier benachbarter Schnittpunkte der Schraubenlinie mit einer festen Mantellinie ist die (konstante) Ganghöhe der Schraubenlinie

Schraubenschlüssel: Werkzeug zum Festdrehen, Lösen und Verstellen von Schraubteilen (Schrauben, Muttern). Je nach Kopfform der Schraubteile und Zugänglichkeit der Schraubverbindung verwendet man unter anderem Maul-, Ring- (auch gekröpft), Steckschlüssel für Außenmehrkant-Köpfe, Stiftschlüssel für Innenmehrkant-Köpfe, Hakenschlüssel für Nutmuttern, Stirnloch-, Zapfenschlüssel. Durch eine Ratschen Einrichtung (Ratschen-Schraubenschlüssel) bei Steckschlüsseln wird das wiederholte Ansetzen des Schraubenschlüssel vermieden. Drehmoment-Schraubenschlüssel ermöglichen eine Kontrolle des Anzugsdrehmoments. Bei verstellbaren Schraubenschlüssel sind die Backen parallel verstellbar, entweder mit einer Gewindespindel, einer Schnecke in einer Gabel (Rollgabel-Schraubenschlüssel; schwedische Form) oder am Schaft (amerikanische Form). Der englische Schraubenschlüssel oder Engländer hat ein doppelseitiges Maul und eine Verstellspindel am Schaft; bei dem französischen Schraubenschlüssel oder Franzosen bewirkt eine Schnecke im unteren Backen die Verstellung.

Schraubensicherung: Sicherungselement zur Verhinderung des selbsttätigen Lösens oder Verdrehens von Schraubteilen bei Erschütterungen. Kraftschlüssige Schraubensicherung werden bei Schraubverbindungen mit geringer Bedeutung eingesetzt, wie Federringe (im Maschinenbau), Fächer- und Zahnscheiben (im Gerätebau), gewellte Federscheiben (im Feingerätebau), Konter- und Palmuttern. Formschlüssige Schraubensicherung finden Anwendung, wenn hohe Sicherheit erforderlich ist oder die Schraubensicherung nichtzugänglich oder nicht kontrollierbar (zum Beispiel in Gehäusen). Derartige Schraubensicherung sind Sicherungsbleche, Splinte, Legeschlüssel unter anderem

Schraubensprünge: Wasserspringen Gruppe von Sprüngen, die mit Anlauf oder aus dem Stand rücklings mit g % Drehung um die Körperlängs- und Körperbreitenachse ausgeführt werden.

Schraubenverdichter: Aggregat zum Verdichten von Gasen; erfolgt durch eine Volumenreduzierung, das heißt durch eine Verdichtung zwischen den freien Gangräumen des schraubenförmigen Haupt- und Nebenläufers, die durch ein Synchronzahnradpaar angetrieben werden und berührungsfrei rotieren. Damit erübrigt sich eine Schmierung im Inneren des Verdichtungsraumes, so dass das Fördergas Öl frei verdichtet werden kann. Schraubenverdichter finden vielfältige Anwendung, insbesondere bei Kältemaschinen.

Schraubstock: Werkstückspanner mit 2 meist durch eine Gewindespindel parallel zueinander bewegten Spannbacken. Beim Maschinenschraubstock sind oft verschiedenartig profilierte Backen zum Spannen runder oder figürliche Werkstücke auswechselbar; er wird in zunehmendem Maße mit elektromechanischen, pneumatischen oder hydraulischen Antrieben ausgerüstet.

Schraubzwinge: Handgerät zum Einspannen von Werkstücken, die verbunden werden soüen; besteht aus einem feststehenden und einem mit Gewindespindel verstellbaren Schenkel; in Tischlereien häufig verwendet.

Schreber, Daniel Gottlob Moritz, 15.10.1808-10.11.1861, Arzt; reformierte Leibeserziehung und Heilgymnastik, begründete die Schrebergärten.

Schreckreaktion: starke Reaktion des Organismus auf ein plötzlich unerwartetes Ereignis (zum Beispiel Unfall, Katastrophe); dabei kommt es zu vegetativ (Schweißausbruch, Erblassen, Herzklopfen) und psychisch bedingten motorischen Störungen (Sprache).

Schreiadler, Aquila pomarina: etwa 65 cm langer und 1,5 m spannender Adler, lebt in Waldgebieten Osteuropas und Westasiens, die feuchte Wiesen, Seen, Teiche und Moore einschließen; frisst vorwiegend Mäuse und Fische.

Schreibautomat: elektromechanisch angetriebene, mit Lochband oder Magnetträger gesteuerte Schreibmaschine zur automatischen Vervielfältigung von Schriftstücken mit gleichem oder selektiertem Text, die Originalcharakter tragen sollen.

Schreiber: Sammelbezeichnung für elektrische Messgeräte, die eine dauerhafte Registrierung von Messwerten (meist als Funktion der Zeit) gestatten.

Schreiber: Hermann, geboren 4.5.1920, österreichischer Schriftsteller; lebt in der BRD; verfasste kulturhistorische Werke und den Roman «Sturz in die Nacht» (1951), eine scharfe Verurteilung der französischen Kolonialpolitik in Indochina, auch unterhaltende beziehungsweise didaktische Jugendbücher.

Schreibmaschine: Büromaschine zur maschinellen Klarschrifterzeugung. Ihre weite Verbreitung ist durch ein gutes Schriftbild, die Anfertigung von Kopien neben dem Original und hohe Schreibgeschwindigkeit begründet (handangetriebene Schreibmaschine 6 bis 8 Anschläge, elektromechanische Schreibmaschine 10 Anschläge/s). Durch Anschläge der erforderlichen Tasten erfolgt nacheinander der Abdruck der Typen. Nach dem Abdruck rücken der Papierträger (Wagen) oder die Typenträger sowie das Farbband um eine Typenbreite quer zur Maschinenachse weiter. Es gibt handangetriebene und elektromechanische Schreibmaschine. Bei ersteren wird die Tastenbewegung über das Typenhebelgetriebe direkt in die Abdruckbewegung der Type umgesetzt, bei elektromechanischen Schreibmaschinen löst die Taste eine Kupplung zwischen Typenhebelgetriebe und einem Motor aus. Die Tastkraft ist geringer, der Abdruck unabhängig von der Stärke der Fingerbewegung. Die Typen werden meist zu zweit (oder zu dritt) übereinanderliegend auf einem Typenhebel angeordnet. Um statt der unteren Type die obere schreiben zu können, ist eine Umschaltung nötig. Die Typen können auch auf einem Universaltypenträger angeordnet sein, wobei alle Typen an einem gemeinsamen Punkt, der Schreibstelle, in beliebiger Reihenfolge angeschlagen werden können.

Schreibmeister: Kalligraphen, Berufsschreiber im 16./18. Jahrhundert, die die alte Schreibkunst pflegten und weiterentwickelten. Ihre Schreibvorlagen erschienen auch gedruckt (Schreibmeisterbücher). Als Schreib- und Rechenmeister erteilten sie vielfach Unterricht.

Schreibschriften: alle den Handschriften nachgebildeten Schriftschnitte.

Schreier, Peter, geboren 29.7.1935, Sänger (Tenor); war Mitglied des Dresdner Kreuzchores; seit 1963 Mitglied der Berliner Staatsoper (1965 Kammersänger) und international führender Vertreter des lyrischen Faches; Gast aller bedeutenden Opernbühnen der Welt; hervorragender Liedgestalter und Oratoriensänger, tritt seit 1975 auch als Dirigent in Oper und Konzert hervor.

Schreifrosch, Rana clamitans: bis 8 cm langer, variabel gefärbter Frosch mit auffallend großen Trommelfellen und Augen; erschreckte Männchen stoßen einen lauten Schrei aus; im östlichen Nordamerika verbreitet.

Schreiner, Albert, 7.8.1892-4.8.1979, Historiker; 1936/38 Stabschef der XIII. Internationalen Brigade im Freiheitskampf des spanischen Volkes; seit 1947 Professor in Leipzig und Berlin; schrieb unter anderem Werke gegen die Rüstungspolitik des deutschen Faschismus, Arbeiten zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und «Zur Geschichte der deutschen Außenpolitik 1871-1945» (1952).

Schreitvögel, Stelzvögel, Ciconiiformes: Vogelordnung, deren Vertreter sehr lange Beine und einen langen Schnabel haben; leben meist in Kolonien; hierzu gehören Ibisse, Reiher, Störche, Schattenvogel und Schuhschnabel.

Schreivögel: Unterordnung der Sperlingsvögel mit weniger entwickeltem Stimmapparat als bei den Singvögeln; viele von ihnen haben eine sehr laute Stimme und können nur eintönige Rufe von sich geben; vorwiegend in Amerika verbreitet; hierzu Ameisenvögel, Pittas, Schmuckvögel, Töpfervögel, Tyrannen.

Schrey, Ferdinand, 19.7.1850-2.10.1938, Stenograf; propagierte 1877 einen Vorschlag zur methodischen Vereinfachung des Stenografie Systems von F. X. Gabelsberger. Da dieser Vorschlag erfolglos blieb, schuf er ein eigenes System, die «Vereinfachte deutsche Stenographie» (1887), in Zusammenarbeit mit C. Johnen und A. Socin.

Schreyer, Wolfgang, geboren 20.11.1927, Schriftsteller; schreibt spannende zeitgeschichtliche Romane («Unternehmen Thunderstorm», 1954; «Tempel des Satans», 1960; «Preludio 11», 1963; «Der gelbe Hai», 1969; «Der Resident», 1974; «Schwarzer Dezember», 1977; «Der Reporter», 1980; «Die Suche», 1982), utopische Romane («Der sechste Sinn», 1986), Erzählungen («Die Entführung», 1980), Tatsachenberichte, Hör- und Fernsehspiele.

Schrieffer, John Robert, geboren 31.5.1931, US-amerikanischer Physiker; entwickelte 1957 mit J. Bardeen und L. N. Cooper eine Theorie der Supraleitfähigkeit (BCS-Theorie); arbeitete auch über Ferromagnetismus.

Schrift: (lateinisch scriptum, «Geschriebenes») graphisches Zeichen zur Fixierung, Mitteilung und Überlieferung von Gedanken. Entwicklungsgeschichtlich geht der Schrift die Sprache voraus. Die Entwicklung der Schrift führte von der Bilderschrift über die Wortbildschrift, Wortlautschrift und Silbenschrift zur Buchstaben- (Laut-) Schrift.

Schrift, standardisierte: standardisierte senkrechte Mittelschrift zur Beschriftung von Zeichnungen; schräge Schrift mit einer Neigung von 75° ist zulässig. Die Strichbreite beträgt bei Mittelschrift /10 der Nennhöhe, die Mindestschrifthöhe auch nach Verkleinerungen 2,5 mm.

Schriftarten: Klassifizierung der Druckschriften nach dem Verwendungszweck. Man unterscheidet unter anderem Werkschriften, Auszeichnungsschriften, Akzidenzschriften und Schreibschriften. Siehe auch Schriftgattung.

Schriftform: schriftliche Abfassung von Verträgen und anderen Rechtsgeschäften; für bestimmte Rechtsgeschäfte ist die Schriftform gesetzlich vorgeschrieben und dann gegebenenfalls Wirksamkeitsvoraussetzung, zum Beispiel bei Testamenten.

Schriftgattung: Klassifizierung der Druckschriften nach formalen und kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten. Unterschieden werden runde, gebrochene sowie griechischen und kyrillischen Schriften. Bei runden Schriften werden Antiqua- und Schreibformen unterschieden. Zu fast allen Antiquaschriften gibt es Kursive. Bei gebrochenen Schriften unterscheidet man gotische Schrift, Rundgotisch, Schwabacher und Fraktur. Siehe auch Bastardschriften, Kanzleischrift, Schriftarten.

Schriftgießerei: Betrieb, in dem die für den Handsatz benötigten Drucktypen sowie Blindmaterial, Vignetten, Einfassungen und Linien aus Blei-Zinn-Antimon-Legierungen hergestellt werden.

Schriftgrad, Schriftgröße: Größe der Druckschriften, angegeben in typographischen Punkten (typographisches Maßsystem) oder (veraltet) zum Teil noch mit Namen.

Schriftlinie: Polygraphie die durch den gleichmäßigen Abstand der unteren Grenze der Mittellängen aller Schriftzeichen einer Druckschrift zum unteren Rand des Kopfes der Drucktype gebildete imaginäre Linie, die bewirkt, dass alle Schriftzeichen untereinander «Linie halten».

Schriftsatz: 1. Satz.

2. in Rechtsangelegenheiten zur Wahrung der Rechte eines Prozessbeteiligten angefertigte schriftliche, an eine Behörde gerichtete Äußerung; im Zivilprozess zum Beispiel zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlung (Klage, Erwiderung zur Klage).

Schriftsteller: im engeren Sinne Verfasser von Belletristik, im weiteren Sinne jeder, der sich literarisch produktiv betätigt. Die Berufsbezeichnung Schriftsteller gilt für den literarisch freiberuflich Schaffenden. Erst seit Ende des 18. Jahrhundert gibt es in Deutschland den Beruf des sozial unabhängigen, aus literarischen Einkommen lebenden Schriftsteller Der seit dem 19. Jahrhundert durchgesetzte Rechtsschutz (Urheberrecht) und die kapitalistische Entwicklung führten teilweise zu einer Kommerzialisierung schriftstellerische Arbeit. Siehe auch Literat.

Schrimpf, Georg, 13.2.1889-19.4.1938, Maler und Graphiker, Autodidakt, 1933/38 Professor an der Hochschule für Kunsterziehung Berlin, vom Faschismus als entartet verfeint; Vertreter der Neuen Sachlichkeit, schuf neben neuromantischen-stimmungsvollen Landschaften besonders Darstellungen einfacher Mertschen (meist junge Mädchen). In seinen Werken, die sich durch klare Zeichnung, kühle, helle Farbgebung und große plastische Formen auszeichnen, äußert sich sein Streben, das Eins sein des Menschen mit der Natur als Ideal und Gegenbild zur kapitalistischen Wirklichkeit herauszustellen.

Schrittmacherzellen: Nerven- und Muskelzellen, die auf Grund einer Eigenrhythmik ihres elektrischen Potentials der Zellmembran andere abhängige Zellen in Erregung versetzen können, wobei sie ihnen den Rhythmus aufzwingen. So beruht auf Schrittmacherzellen die rhythmische Tätigkeit des Herzmuskels. Ihre Wirkung kann durch künstliche Herzschrittmacher nachgeahmt werden, die bei Herzrhythmusstörungen zur Anwendung kommen.

Schrittmotor:

1. Elektrotechnik: Elektromotor als Mehrphasen- oder Mehrstatormotor für schrittweise Bewegung, dessen Ständerwicklung mit Stromimpulsen eines elektronischen Steuergerätes gespeist wird und dessen Läufer gezahnt ist, wodurch er den Stromimpulsen schrittweise folgt. Anwendung für Positioniereinrichtungen in der Steuerungstechnik.

2. Uhrentechnik: Bauteil der analog anzeigenden Quarzuhr. Die sehr hohe Frequenz des elektronisch zum Schwingen angeregten Quarzplättchens wird vom Oszillator als Spannung dem Teiler, einer Flipflop-Schaltung, zugeführt. An dessen Ausgang steht nach Verstärkung die Steuerfrequenz von 1 Hz oder 0,5 Hz zur Verfügung, die infolge ständig wechselnder Polarität den Schrittmotor bewegt. Dieser ist als Antrieb mit dem Laufwerk der Uhr gekuppelt.

Schrittregel: in verschiedenen, mit den Händen gespielten Tor-, Mal- und Korbspielen Bestimmung über das Ballführen, zum Beispiel im Basketball Zweierrhythmus, im Handball Dreischrittregel. Verstöße (Schrittfehler) werden mit Einwurf (Basketball) oder Freiwurf (Handball) für den Gegner bestraft.

Schrittweitsprung: Flugvariante beim Weitsprung. Bei aufrechter Rumpfhaltung pendelt der Schwungbeinunterschenkel aus, während das Sprungbein entspannt und im Kniegelenk gebeugt hinter dem Rumpf liegt. Aus dieser Schrittstellung werden zur Landung beide Beine nach vom gebracht.

Schröder:

1. Ernst Schröder, 25.11.1841-16.6.1902, Mathematiker und Logiker, lieferte wichtige Beiträge zur Algebra der Logik.

2. Friedrich Ludwig Schröder, 3.11.1744-3.9.1816, Schauspieler und Theaterleiter; bedeutendster realistischer deutscher Schauspieler des 18. Jahrhundert; forderte als Theaterleiter in Hamburg die zeitgenössische Dramatik (G. E. Lessing, J. W. Goethe, J. M. R. Lenz); verdienstvoller Wegbereiter W. Shakespeares auf deutschen Bühnen.

3. Kurt Schröder, 31.7.1909-7.7.1978, Mathematiker, 1945/74 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin (1959/65 Rektor); wichtige Arbeiten zur angewandten Mathematik, Strömungsmechanik und Elastizitätstheorie.

4. Rudolf Alexander Schröder, 26.1.1878-22.8.1962, Schriftsteller, trat vor allem als Lyriker und Übersetzer (unter anderem Horaz, Homer) hervor; schrieb zahlreiche Essays zur Weltliteratur und bildenden Kunst. Im Zyklus «Ballade vom Wandeismann» (1937) gab er seiner Distanz zum Faschismus Ausdruck; vertrat eine christlich-humanistische, bürgerlich-konservative Dichtung («Alten Mannes Sommer», 1947).

Schröder-Devrient, Wilhelmine, 6.12.1804-26.1.1860, Sängerin (Sopran); erste große Fidelio-Darstellerin; sang 1823/47 an der Dresdner Hofoper; wurde 1849 wegen Beteiligung am Maiaufstand ausgewiesen.

Schrödinger, Erwin, 12.8.1887-4.1.1961, österreichischer Physiker; Professor in Zürich, Berlin, Oxford, Graz, Dublin und Wien; begründete 1926 auf Grund der Vorstellung L. V. de Broglies von den Materiewellen die Wellenmechanik (Quantenmechanik) und stellte die nach ihm benannte Gleichung auf; arbeitete auch über statistische Thermodynamik, Theorie des Farbensehens, relativistische Quantentheorie, Gravitations- und einheitliche Feldtheorie.

Schrödinger-Gleichung: (nach E. Schrödinger) Grundgleichung der Wellenmechanik, die die zeitliche Entwicklung der durch die Wellenfunktion y> (r, t) charakterisierten Zustände eines Quantensystems beschreibt (ohne Berücksichtigung des Spins); die Schrödinger-Gleichung lautet (2m/A) dip/dt = fly>, wobei fl der Hamilton-Operator des Systems und h die Planck-Konstante ist. Für stationäre Zustände mit einer harmonischen Zeitabhängigkeit ergibt sich die zeitunabhängige Schrödinger-Gleichung, wobei E die Energie des Zustandes ist. Siehe auch Eigenwertproblem, lineares.

Schrödter, Adolf, 28.6.1805-9.12.1875, Maler und Zeichner; wurde neben seinen Gemälden, die ihn als Vertreter des Realismus des Vormärz ausweisen, besonders durch seine politische Karikaturen bekannt, in denen er die Zustände im Deutschland von 1848/49 kritisiert.

Schröpfen: Pflanzenbau Entfernen der Triebspitzen bei jungen, zu üppig gewachsenen Pflanzen.

Schrot:

1. Geldwesen: Münze.

2. Jagdwesen: Anzahl von 1,2 bis 4 mm großen Bleikugeln, die in geballter Ladung auf Niederwild verschossen werden.

3. Landwirtschaft: grob zerkleinerte Körner von Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten sowie grob zerkleinerte Trockenprodukte aus Hackfrüchten; Hauptform des Futtermitteleinsatzes in der Fütterung.

Schröter, Lucanidae: Käferfamilie mit meist sehr großen Arten; Fühler gekniet mit kammartiger Fühlerkeule; die Engerlings förmigen Larven leben im Holz und Mulm von Laubbäumen; siehe auch Hirschkäfer.

Schröter: 1. Corona Schröter, 14.1.1751-23.8.1802, Sängerin und Schauspielerin; wirkte seit 1776 am Weimarer Hof als Kammersängerin; unter anderem Darstellerin der Iphigenie bei der Uraufführung von J. W. Goethes «Iphigenie auf Tauris» (1779).

2. Karl Schröter, 7.9.1905-22.8.1977, Mathematiker und Logiker; 1948/71 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; wichtige Arbeiten über Grundlagenfragen der Mathematik und zur mathematischen Logik.

Schroth, Christoph, geboren 5.5.1937, Regisseur; seit 1966 in Halle und seit 1974 als Schauspieldirektor (seit 1984 Generalintendant) am Mecklenburg. Staatstheater Schwerin hat sich Schroth besonders für die Durchsetzung zeitgenössischer Dramatik, sozialistische Ensemblearbeit und produktiver Beziehungen zum Publikum engagiert («Entdeckungen», ((Antike», J. W. Goethes «Faust» I und II); erfolgreich auch als Gastregisseur (zum Beispiel am Berliner Ensemble).

Schrotschusskrankheit: an Steinobst durch einen Pilz hervorgerufene Krankheit, bei der kleine, braunumrandete Löcher in den Blättern erscheinen, die den Eindruck erwecken, als seien sie durch Schrotkugeln entstanden. Sie sind das Ergebnis einer Abwehrreaktion der Pflanze, bei der die Ausbreitung des Pilzes dadurch verhindert wird, dass das infizierte Gewebe abstirbt und herausfällt.

Schrumpfblase: Verkleinerung der Harnblase als Endzustand nach chronischen entzündlichen Prozessen mit Verlust des normalen Fassungsvermögens der Harnblase (250 bis 400 ml) bis auf wenige ml.

Schrumpfen:

1. Bautechnik: a) Volumenminderung des bindigen Lockergesteins beim Austrocknen. Sinkt der Wassergehalt unter die Schrumpfgrenze, ist das Schrumpfen abgeschlossen. Je feinkörniger der Erdstoff ist, desto stärker ist das Schrumpfen, das an der Oberfläche zu charakteristischen Schrumpfrissen führt;

b) Kontraktion des Zementleimes beim Erhärten ohne äußere Volumenverringerung, besonders bei Beton.

2. Fertigungstechnik: Quereinpressen.

Schrumpfleder: meist Rind-, Kalb- oder Schweinsleder, dessen Narbenbild durch künstlich erzeugten Narbenzug kreisförmige Runzeln aufweist. Der Schrumpfnarben wird durch stark sauer eingestellte Gerbstoffe gebildet und fixiert.

Schrumpfniere, Nierenschrumpfung: narbige Verkleinerung der Niere durch Untergang von Nierengewebe und Bildung von Narbengewebe, zum Beispiel bei chronischer Nierenentzündung. Siehe auch Pyelonephritis.

Schrumpfspannungen: bei sich abkühlender Schweißnaht durch Zusammenziehen entstehende Spannungen. Werden keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen, kann es zu erheblichen Maßabweichungen oder Verzug der Bauteile kommen. Die Schrumpfspannungen sind abhängig von Werkstoff, Nahtform, Schweißverfahren und -folge.

Schrumpf-Vliesstoff: Faserverbundstoff, die Verfestigung des Vlieses zum Schrumpf-Vliesstoff erfolgt durch das Schrumpfen eingelagerter entsprechender Fasern, die sich dabei verwirren und umschlingen; als Polster-, Füll- und Isoliermaterial verwendet.

Schruppen: Grobvorbearbeiten von Werkstücken durch Spanen bei großen Vorschüben und Schnitttiefen und möglichst voller Auslastung der Maschinenleistung. An Maß-, Formgenauigkeit und Oberflächengüte werden keine hohen Forderungen gestellt, da im Allgemeinen noch eine Fertigbearbeitung (Schlichten 1) erfolgt.

Stackenschneider, Andrei Iwanowitsch, 6.3.1802-20.3.1865, russischer Architekt; gehörte zu den führenden Vertretern eines gemäßigten Historismus, baute überwiegend in Petersburg zahlreiche Palais und Privathäuser (Marien-Palais, 1839/44, Nikolaus-Palais, 1853/61) und in den Vorstadtresidenzen romantischer Landhäuser («Belvedere» in Petrodworez, 1853/56).

Sterenberg, David Petrowitsch, 26.7.1881-1.5.1948, sowjetischer Maler und Graphiker; 1917 Kommissar für Kunstangelegenheiten in Petrograd; lehrte an den WCHUTEMAS und IWCHUTEIN; malte Stillleben und Porträts, schuf Illustrationen, Agitationsplakate (TASS-Fenster) sowie Bühnenbilder.

Schtschipatschow, Stepan Petrowitsch, 7.1.1899 bis 31.12.1979, russisch-sowjetischer Lyriker; wurde mit Gedichten über die Liebe, die Freundschaft und die schöpfet. Arbeit (dt. Sammlungen ((Liebesgedichte», 1950; «Es gibt ein Buch der Liebe», 1960) bekannt; autobiographische Prosa enthält der Band «Birkensaft» (1956).

Schtschokino-Methode: 1968 entwickelte Methode zur Verstärkung der materiellen Interessiertheit der Werktätigen an der Erhöhung der Produktion, der maximalen Steigerung der Arbeitsproduktivität, der Einsparung von Arbeitsplätzen und der Freisetzung von Arbeitskräften für andere Bereiche in schöpferische Anwendung der Erfahrungen des sowjetischen Chemiekombinäts von Schtschokino. Lohnfondsmittel der freigesetzten Arbeitskräfte werden zur Stimulierung und Anerkennung der Leistungen der Werktätigen eingesetzt, die zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und Einsparung von Arbeitskräften beigetragen haben.

Schub: (zu «schieben») von einem Flug- oder Raketentriebwerk erzeugte Vortriebskraft; hängt in hohem Maße von der Ausströmungsgeschwindigkeit der Verbrennungsgase oder anderer Arbeitsmedien aus der Schubdüse und vom Treibstoffdurchsatz ab; SI-Einheit ist das Newton (N).

Schubart: 1. Christian Friedrich Daniel Schubart, 24.3.1739-10.10.1791, Schriftsteller, Publizist Und Musiker; gab ab 1774 die «Deutsche Chronik» heraus, in der er zu allen wichtigen politischen und kulturellen Ereignissen Stellung nahm und patriotisches und antifeudales Bewusstsein forderte; 1777/87 auf der Festung Hohenasperg eingekerkert; schrieb leidenschaftliche antiabsolutistische Gedichte («Fürstengruft»), ergreifende «Gedichte aus dem Kerkere (1785), die Autobiographie «Schubarts Leben und Gesinnungen» (1791/93), schuf volkstümliche Lieder und hinterließ «Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst». Schubart beeinflusste die Dichter des Sturm und Drang, besonders den jungen Schiller.

2. Wilhelm Schubart, 21.10.1873-9.8.1960, Althistoriker und Byzantinist; erwarb große Verdienste um die deutsche Papyrusforschung; Mitglied zahlreicher Akademien.

Schubdüse, Ausströmdüse: Teil des Raketentriebwerks, in dem die Wärmeenergie der in der Brennkammer verbrannten Gase durch Entspannung in kinetische (Bewegungs-) Energie umgesetzt wird.

Schubert: 1. Franz, 31.1.1797-19.11.1828, österreichischer Komponist; nach L. van Beethoven größter Meister der ausgehenden Wiener Klassik, dessen Weltbild und Schaffen durch die zunehmenden Widersprüche der Restaurationszeit geprägt wurden. Mit seinen über 600 Liedkompositionen war Schubert in erster Linie der Großmeister des deutschen (Klavier-) Liedes, dem er von einfachen, volksliedhaften Strophengesängen bis zu den novellistischen Zyklen «Die schöne Müllerin» (1823) und «Die Winterreise» (1827) auf Gedichte von W. Müller vielfältigsten Ausdruck und mannigfachste Gestalt verlieh. Zu seinen schönsten Liedern gehören Vertonungen von Gedichten J. W. Goethes (etwa 80) sowie von

F. Schiller, M. Claudius, F. von Matthisson, F. Rückert und L. Uhland. Späte Meisterwerke sind die 6 Heine-Lieder (1828). Auch in seinen Sinfonien (besonders h-Moll, C-Dur) gelangte Schubert zu starker eigener Aussage, die neben der späten Beethovenschen Sinfonik bestehen kann. Hochbedeutend ist ebenso Schuberts Kammermusik, besonders die späten Streichquartette (d-Moll; «Der Tod und das Mädchen»), das Streichquintett und das «Forellenquintett». Innerhalb der reichen Klaviermusik sind vor allem die 3 letzten Sonaten, die «Wanderer-Fantasie» sowie die «Moments musicaux» und «Impromptus», aber auch die vierhändige Literatur hervorzuheben. Dagegen war er mit zahlreichen Opernversuchen weniger erfolgreich. Wertvolle Messen, Chorlieder und über 300 Tänze erweisen darüber hinaus die Vielseitigkeit seines Schaffens. In letzter Zeit ist die progressiv-kritische Haltung seines Freundeskreises gegenüber dem Metternichschen System immer deutlicher erkannt worden, die den Charakter wesentlicher Teile seiner Musik prägte.

2. Helga Schubert, geboren 7.1.1940, Schriftstellerin; schreibt Erzählungen («Lauter Leben», 1975; «Blickwinkel», 1985), Hörspiele und Fernsehspiele über die sozialistische Gegenwart.

3. Johann Andreas Schubert, 19.3.1808-6.10.1870, Ingenieur; 1832/69 Professor an der Techn. Bildungsanstalt Dresden. Unter seiner Leitung und nach seinen Plänen wurden 1836 die ersten Elbpersonendampfschiffe «Königin Maria» und «Prinz Albert» sowie 1837/39 die erste deutsche Lokomotive «Saxonia» gebaut; ferner konstruierte er die Göltzschtalbrücke (1846/51 gebaut).

4. Kurt Heinrich Schubert, geboren 23.1.1926, Verfahrenstechniker, Professor für Mechanische Verfahrens- und Aufbereitungstechnik an der Bergakademie Freiberg (1963/75 Prorektor); zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderem «Aufbereitung fester mineralischer Rohstoffe» (3 Bände, 1964/72).

5. Manfred Schubert, geboren 30.3.1930, Verfahrensingenieur, seit 1969 Professor an der TU Dresden; seit 1974 Präsident der Kammer der Technik; maßgeblich an der Entwicklung und Anwendung der Verfahrenstechnik, besonders für die Material- und Energieökonomie, sowie für den Umweltschutz beteiligt.

6. Manfred Schubert, geboren 27.4.1937, Komponist; Schüler von R. Wagner-Régeny; war bisher insbesondere mit Instrumentalwerken (unter anderem Konzerte für Violine, Klarinette, Harfe; 1. Sinfonie) und Vokalmusik («Canzoni amorosi», Liedzyklen) erfolgreich.

7. Werner Schubert, geboren 9.2.1925, Germanist; seit 1971 Professor, Lehrtätigkeit an den Universitäten in Bagdad, Kairo und Prag; seit 1982 Generaldirektor der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar; Publikationen zur deutschen Literatur des 17. bis 20. Jahrhundert, Herausgeber von Werken C. Weises, J. G. Schnabels, J. E. Schlegels unter anderem.

8. Wolfram Schubert, geboren 30.9.1926, Maler und Graphiker, 1950/55 Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee; lebt in Neubrandenburg; widmet sich besonders der Menschen- und Landschaftsdarstellung mit dem Streben nach lebensnaher Unmittelbarkeit.

Schubin, Iwanowitsch, 28.5.1740-24.5.1805, russischer Bildhauer, als Meister klassizistischer Porträtplastik schuf Schubin Werke, die sich durch eine vielschichtige sozialpsychologische Charakteristik auszeichnen und in denen er, getragen von den humanistischen aufklärerischen Ideen seiner Zeit, durch eine kritisch wertende Auffassung der Dargestellten zu realistischen Aussagen gelangt; schuf auch dekorative Statuen und Reliefs.

Schubschifffahrt: Methode der Binnenschifffahrt, bei der besonders konstruierte Lastbehälter (Prahme, Leichter) von einem Schubschiff im Verband geschoben werden. Die Lastbehälter sind entweder ungedeckt oder mit Lukenabdeckungen ausgerüstet und werden mit Drahtseilen untereinander zu einem starken Schubverband zusammengekoppelt.

Schuch, Carl, 30.9.1846-13.9.1903, österreichischer Maler, schloss sich in München dem Leibl-Trübner-Kreis an, zu dessen bedeutendsten Vertretern er gehört. Er entwickelte sich zu einem Meister der realistischen Tonmalerei und wurde zu einem Wegbereiter des deutschen Impressionismus. Herausragend sind seine großzügig aufgefassten Stillleben.

Schuchardt-Schnitt: tiefer, seitlicher Scheiden Damm-Beckenboden-Schnitt zur Erweiterung des Operationsgebietes bei Operationen, die von der Scheide her ausgeführt werden; benannt nach dem Chirurgen Karl August Schuchardt (1856-1901).

Schücking, Levin Ludwig, 29.5.1878-12.10.1964, Anglist; Professor in Jena, Breslau, Leipzig, Erlangen. Zu seinen Hauptwerken zählen «Die Charakterprobleme bei Shakespeare» (1919), «Soziologie der literarischen Geschmacksbildung» (1923), «Die Familie im Puritanismus» (1929).

Schuder, Rosemarie, geboren 24.7.1928, Schriftstellerin; schreibt insbesondere historische Romane: «Der Ketzer von Naumburg» (1955, über den Schöpfer der Stifterfiguren), «Der Sohn der Hexe» (1957, über J. Kepler), «Der Gefesselte» (1962, über Michelangelo), «Die Erleuchteten» (1968, über die Täufer), «Paracelsus» (1972), «Serveto vor Pilatus» (1982); ferner «Hieronymus Bosch» (1975, Essay).

Schuhkrem: Mittel zum Reinigen, Glänzen und Konservieren von Schuhoberleder, bestehend aus Wachsen, Terpentinöl und Farbstoff (zum Beispiel Ruß).

Schuhplattler, Plattler, alter alpenländische Werbetanz im langsamen %-Takt; Kernstück ist das Piattelli der Burschen, das heißt kräftiges rhythmisches Schlagen der Handflächen auf Oberschenkel und Schuhsohlen.

Schuhschnabel, Abu Markub (arabisch, «Vater des Schuhs»), Balaeniceps rex: 1,2 m langer storchähnliche Schreitvogel mit großem, schuhartig geformtem Schnabel; lebt im Nilquellgebiet, frisst vorwiegend Fische.

Schuhwerk, Schuhe: Fußbekleidung aus Leder, Kunstleder, Textilien, Filz, Gummi, Plast und anderen Werkstoffen. Man unterscheidet offenes Schuhwerk (Pantoffeln, Pantoletten, Sandalen, Sandaletten, Slingpumps) und geschlossenes Schuhwerk (Slipper, Pumps, Halbschuhe, Stiefel, Schaftstiefel), festliches, Straßenschuhwerk, Sportschuhwerk und Freizeitschuhwerk; Kinderschuhwerk, Arbeitsschuhwerk beziehungsweise Arbeitsschutzschuhwerk muss fuß- beziehungsweise fußformgerecht gestaltet sein. Orthopädisches Schuhwerk ist Maßschuhwerk, dessen Leisten einzeln nach Gipsabdruck des Fußes hergestellt werden.

Schukschin, Wassili Makarowitsch, 25.7.1929 bis 2.10.1974, russisch-sowjetischer Schriftsteller, Filmregisseur und Schauspieler; reagierte als Schriftsteller feinfühlig mit Erzählungen (dt. Sammlung «Gespräche bei hellem Mondschein», 2 Bände, 1979) auf die veränderten Beziehungen zwischen Stadt und Land im entwickelten Sozialismus; schuf die Romane «Die Ljubawins» (1965) und «Ich kam, euch die Freiheit zu bringen» (1971, deutsch) und Satiren (dt. Sammlung «Bis zum drittenmal der Hahn kräht», 1976). An seinen Filmen war er zumeist als Autor, Regisseur und Darsteller beteiligt («Euer Sohn und Bruder», «Seltsame Leute», «Reisebekanntschaften», «Kalina Krasnaja»), Sein Gesamtschaffen fand in der UdSSR und im Ausland große Resonanz.

Schuld:

1. Ethik: objektives Verhältnis von Handlungssubjekten gegenüber moralischen Instanzen (zum Beispiel Ehepartner, Familie, Betrieb, Gesellschaft) auf Grund der Verletzung moralischer Forderungen; Schuld ist Grundlage berechtigten Schuldbewusstseins und moralische Verurteilung.

2. Recht: gesetzlich als Voraussetzung rechtlicher Verantwortlichkeit geforderte sozial negative Einstellung des Rechtsverletzers zu ihm obliegenden Rechtspflichten sowie den Folgen seines dieser Verantwortung widersprechenden Verhaltens. Sie tritt als vorsätzliche Schuld (Vorsatz) oder fahrlässige Schuld (Fahrlässigkeit) auf.

Schuldanerkenntnis: Bestätigung des Schuldners über eine bestehende Verpflichtung; schriftliche Schuldanerkenntnis unterbricht eine, laufende Verjährung und setzt bei zivilrechtlicher Zahlungsverpflichtung eine zehnjährige Verjährungsfrist in Gang.

Schuldknechtschaft: in Ausbeutergesellschaften verschiedene Formen der Schulddienstbarkeit (zum Beispiel auf Grund von Landbesitz, Zeitpacht unter anderem), die im Feudalismus zumeist mit persönlicher Abhängigkeit, im Kapitalismus mit dem Zwang zur Abarbeit oder ausbeuterischer Zinsendienst für Großbanken verbunden sind.

Schuldner: der aus Vertrag oder auf Grund von Rechtsvorschriften zu einer Leistung an einen anderen, den Gläubiger, Verpflichtete.

Schuldnerverzug: Überschreiten der Leistungsfrist oder des Leistungstermins durch den Schuldner; löst Rechtsnachteile für ihn aus, zum Beispiel Verpflichtung zur Zahlung von Verzugszinsen, Schadenersatzpflicht, im Wirtschaftsrecht Verpflichtung zur Zahlung von Vertragsstrafe.

Schuldnerwechsel: vertragliche Übernahme einer bestehenden Leistungspflicht durch einen anderen Schuldner; bedarf in der Regel der Zustimmung des Gläubigers.

Schuldrama: Dramenform, im 16./17. Jahrhundert nach dem Vorbild lateinischer Autoren in den Humanisten Schulen entwickelt, ursprünglich in Latein, in der Reformation Übergang zu landessprachlichen Formen; deutsche Vertreter unter anderem M. Hayneccius, A Gryphius, C. Weise.

Schuldrecht, Recht der Schuldverhältnisse, Obligationenrecht. Bezeichnung für Rechtsvorschriften über vertragliche und außervertragliche zivilrechtliche Forderungen und Verbindlichkeiten.

Schuldtitel: staatliche Entscheidung, Urkunde, insbesondere rechtskräftiges gerichtliches Urteil, gerichtliche Einigung, aus denen vollstreckt werden kann. Siehe auch Vollstreckungsverfahren.

Schuldverhältnis: auf Vertrag oder Gesetz beruhendes, auf bestimmte Leistungen gerichtetes Rechtsverhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner, das Forderungen und Verbindlichkeiten umfasst.

Schule: 1. Einrichtung zur Erziehung und Bildung der heranwachsenden Generation; gekennzeichnet durch bestimmte Organisationsformen, in denen Schüler zusammengefasst und planmäßig-systematisch auf der Grundlage von Lehrplänen durch Lehrer unterrichtet werden. Siehe auch Oberschule.

2. Schüler- und Anhängerschaft eines Gelehrten oder Künstlers (Philosophenschule, Schule eines Malers, Komponisten und so weiter); charakteristische Denk- und Arbeitsweisen von bedeutenden Gelehrten oder Künstlern.

3. Schule des Birngartens: älteste chinesische Theaterschule, gegründet im 8. Jahrhundert; gilt als Ausgangspunkt des klassischen Stils der Pekingoper, deren Darsteller sich «Schüler des Birngartens» nennen

Schulfähigkeit: durch vorschulische Erziehung und Entwicklung erworbener Komplex individueller Voraussetzungen, der dem Schulanfänger ermöglicht, erfolgreich am Anfangsunterricht teilzunehmen (unter anderem körperliche Entwicklung, Sinnestüchtigkeit, Aufgabenhaltung, Bildbarkeit in der Gruppe, Lernfähigkeit).

Schulgi, König von Ur, regierte um 2045/2000 vor Christus, bedeutendster Herrscher der 3.Dynastie von Ur, vereinigte ganz Sumer und Akkad und nannte sich «König der vier Weltgegenden». Unter seiner Herrschaft sanken die lokalen Priesterfürsten zu Beamten des Königs herab. Unter der Regierung Schulgi erreichte der sumerische Staat seine höchste Blüte.

Schulhoff, Ervin, 8.6.1894-18.8.1942, tschechischer Komponist und Pianist; bemühte sich als Kommunist um eine politisch engagierte Musik (unter anderem Kantate «Das Manifest», Sinfonie «Menschheit», «Sinfonie der Freiheit»), hielt enge Kontakte zur UdSSR und zu sowjetischen Komponisten. Er starb in einem faschistischen KZ. Schulhoff komponierte auch zahlreiche vom Jazz beeinflusste Werke (unter anderem Jazz-Oratorium «H. M. Royal Oak», 1930).

Schulhygiene: Teilgebiet der Sozialhygiene, das sich mit den sanitären und hygienischen Erfordernissen des Schullebens beschäftigt.

Schuljahresauftrag: politisch-ideologische Orientierung der FDJ-Kollektive an den Oberschulen für ein Schuljahr, wird seit 1966 jährlich durch den Zentralrat der FDJ beschlossen und jeweils am 1. September den FDJlern der Oberschulen übergeben.

Schulmusik: Musikunterricht einschließlich aktiver musikalischer Betätigung der Schüler (Chor, Instrumentalgruppen) in allgemeinbildenden Schulen. Während die Musikerziehung in der Antike unmittelbar dem Staate diente, wurden ihre Möglichkeiten im Mittelalter und in der Renaissance von der Kirche für Religionsunterricht und Gottesdienst genutzt. Im revolutionären Bürgertum gab es Ansätze zu einer allgemeinen musikalischen Volksbildung, die aber nach 1848 wieder verflachte. Hermann Kretzschmar (1848-1924), Leo Kestenberg (1882-1962), Georg Schünemann (1884-1945) unter anderem bemühten sich um Reformen, konnten aber in der kapitalistischen Klassengesellschaft nur Teilerfolge erreichen. In der DDR ist der Schulmusikunterricht ein wesentlicher Teil der Musikerziehung und hat das Ziel, die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schüler im Singen und Musikhören auszubilden, ihnen ein musikalisches Grundwissen zu vermitteln und sie auf ihre aktive und bewusste Teilnahme am Musikleben in der sozialistischen Gesellschaft vorzubereiten. Als Unterrichtsfach ist die Schulmusik ein wichtiger Bestandteil der Erziehung zu allseitig gebildeten sozialistischen Menschen.

Schulp: bei einigen Kopffüßern (Cephalopoden) vorhandene Schalenbildung in einer Hautfalte der Rückseite, zum Beispiel beim Gemeinen Tintenfisch (Sepie).

Schulpforte: Ortsteil von Bad Kösen, Bezirk Halle; ehemaliges Zisterzienserkloster (gegründet 1137; dann Fürsten- oder Landesschule zur Pforte, heute Heimoberschule Pforte (erweiterte Oberschule mit Internat)); romanische Basilika, gotisch umgebaut; Abtskapelle (um 1230), bedeutendes Beispiel für den Übergang von der Romanik zur Gotik; Kreuzgang mit alten Teilen der Klausur.

Schulschiff: Schiff zur seemännischen Ausbildung des Nachwuchses für Handels- und Kriegsmarine, auch heute noch meist Segelschulschiff.

Schulsport: Gesamtheit der im Sportunterricht und (freiwillig) in Schulsportgemeinschaften betriebenen Formen körperlicher Ausbildung und Betätigung.

Schulter: das Gebiet zwischen oberer Gliedmaße und Rumpf; Grundlage der Schulter ist das Schultergelenk, bestimmend für die äußere Form sind Schulterhöhe (Akromion) und Deltamuskel.

Schulterblatt, Scapula: platter Knochen, der als hinterer Teil des Schultergürtels durch Muskeln befestigt und gelenkig mit dem Schlüsselbein verbunden ist; trägt die Gelenkpfanne für das Schultergelenk.

Schulterdecker: Flugzeug (Eindecker), dessen Tragflächenoberkante in gleicher Höhe mit der Oberkante des Rumpfes liegt. Siehe auch Flugzeug.

Schultergürtel: von beiden Schulterblättern und Schlüsselbeinen gebildeter, gegen den Rumpf beweglicher Teil des Skeletts; die oberen Gliedmaßen des Menschen sind durch das Schultergelenk mit dem Schultergürtel verbunden.

Schulterlahmheit: Veterinärmedizin Erkrankungen, bei denen eine von der Schulter ausgehende Bewegungsstörung auftritt. Das Heben der Gliedmaße ist deutlich erschwert. Die Schulterlahmheit führt zur sogenannt Hangbeinlahmheit mit Schrittverkürzung nach vom.

Schultheiß: (eigentlich «das Schuldige zu tun Heißender», das heißt Befehlender) ursprünglich Gehilfe des Landrichters, später Bezeichnung unter anderem für Dorfrichter, Dorfvorsteher.

Schultz-Lupitz, Albert, 26.3.1831-5.1.1899, Landwirt; trug durch die Anwendung des Leguminosen Anbaus und anderer Maßnahmen zur Erhöhung der Fruchtbarkeit von Sandböden bei.

Schulz: 1. Gerhard Schulz, geboren 8.3.1927, Wirtschaftswissenschaftler; Professor für politische Ökonomie des Sozialismus am Institut für politische Ökonomie des Sozialismus der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. Schulz veröffentlichte zahlreiche wissenschaftlicher Arbeiten zur Entwicklung sozialistischer Produktionsverhältnisse, zur Intensivierung der Produktion, zur Strukturentwicklung der Volkswirtschaft und zu theoretisch-methodologischen Fragen der politischen Ökonomie des Sozialismus.

2. Helmut H. Schulz, geboren 26.4.1931, Schriftsteller; schreibt Romane («Das Erbe», 1981; «Dame in Weiß», 1982), Erzählungen («Meschias Enkel», 1982; «Stunde nach zwölf», 1985) und Hörspiele über die sozialistische Gegenwart.

3. Johann Abraham Peter Schulz, 31.3.1747-10.6.1800, Komponist und Dirigent; vereinigte in seinen «Liedern im Volkston» (3 Bände, 1782/90) Volkstümlichkeit mit Kunstfertigkeit und Ausdruckstiefe (zum Beispiel «Der Mond ist aufgegangen»).

Schulze: 1. Axel Schulze, geboren 10.11.1943, Schriftsteller, schuf unter anderem die Gedichtbände «Winterfahrplan» (1976), «Der Kramladen» (1979, Parodien zur Literatur), «Kirschzeit» (1984), «Wunderzirkus» (1985) und den Erzählband «Das Gastmahl Balthasars» (1973).

2. Fiete Schulze, 22.10.1894-6.6.1935 (ermordet), Funktionär der KPD; seit 1913 Mitglied der Sozialdemokratie, 1919 der USPD, der KPD seit 1920; 1923 führend am Hamburger Aufstand beteiligt und dafür in Abwesenheit zum Tode verurteilt; bis 1932 Exil in der UdSSR; 1933 von den Faschisten verhaftet.

3. Fritz Schulze, 14.4.1903-5.6.1942 (ermordet), Maler und Graphiker; 1929 Mitbegründer der Asso in Dresden, seit 1930 Mitglied der KPD; kämpfte aktiv gegen den Faschismus, 1933/34 KZ-Hafit, 1941 erneute Verhaftung. Vom Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit angeregt, schuf er Bildnisse, Landschaften und Stillleben von leuchtender Farbigkeit. Mit seinen politisch-agitatorischen Linol- und Holzschnitten wurde er ein Wegbereiter des sozialistischen Realismus.

4. Rudolph Schulze, geboren 18.11.1918, Politiker, Drogist; seit 1948 Mitglied der CDU, seit 1954 des Präsidiums ihres Hauptvorstandes; seit 1963 Minister für Post- und Fernmeldewesen sowie seit 1971 Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats; Abgeordneter der Volkskammer seit 1958.

Schulze-Boysen, Harro, 2.9.1909-22.12.1942 (ermordet), antifaschistischer Widerstandskämpfer; als Oberleutnant der Luftwaffe seit 1936 im Reichsluftfahrtministerium tätig; arbeitete als Kundschafter für die UdSSR und baute im Frühjahr 1941 mit A. Hamack eine antifaschistische Kundschafter Gruppe auf, die Kontakte mit Antifaschisten aus allen Schichten des Volkes unterhielt und über Verbindungen in Deutschland und im Ausland verfügte; entscheidende Kraft dieser Gruppe waren Kommunisten; 1942/43 erfolgten zahlreiche Verhaftungen.

Schulze-Knabe, Eva, 11.5.1907-16.7.1976, Malerin und Graphikerin; Frau von Fritz Schulze; 1924/32 Studium an den Kunstakademien Leipzig und Dresden, Gründungsmitglied der Asso, seit 1930 Mitglied der KPD; kämpfte aktiv gegen den Faschismus, 1933/34 KZ-Haft, 1942 zu lebenslänglichen Zuchthaus verurteilt. Seit 1945 freischaffend, schuf sie neben Landschaftsdarstellungen Porträts in wirklichkeitsnaher Sicht.

Schumacher:

1. Kurt Schumacher, 13.10.1895-20.8.1952, Politiker; seit 1918 Mitglied der SPD, 1924 Mitbegrün der des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, 1930/33 Mitglied des Reichstags, 1933/45 KZ-Haft; 1946/52 Vorsitzender der SPD; 1949/52 Mitglied des Bundestages und Fraktionsvorsitzender der SPD; auch nach 1945 trat er militant antikommunistisch auf und trug maßgeblich zur Spaltung der Arbeiterbewegung in der BRD bei.

2. Kurt Schumacher, 6.5.1905-22.12.1942 (ermordet), Bildhauer; 1942 als Mitglied der antifaschistischen Kundschafter Gruppe um H. Schulze-Boysen und A. Harnack zum Tode verurteilt; gelangte von einer expressiv-stilisierenden Formensprache zu einer sachlich-nüchternen künstlerischen Auffassung.

Schuman, Robert, 29.6.1886-4.9.1963, französischer Politiker, 1947/48 Ministerpräsident, als Außenminister (1948/53) Initiator des Schuman Plans, aus dem die Montanunion erwuchs; seit 1958 Präsident des europäischen Parlaments.

Schumann: 1. Schumann, geboren Wieck, Clara Schumann, 13.9.1819 bis 20.5.1896, Pianistin; Frau von Schumann 4; wirkte unter anderem als maßstabsetzende Interpretin der Klaviermusik von J. Brahms, F. Chopin, L. van Beethoven und besonders der ihres Mannes und revidierte die Gesamtausgabe seiner Werke.

2. Georg Schumann, 28.11.1886-11.1.1945 (ermordet), Funktionär der KPD; seit 1905 Mitglied der Sozialdemokratie, 1919 der KPD; 1927/29 Mitglied des ZK der KPD; seit 1928 Reichstagsabgeordneter; 1933/39 in Haft, unter anderem im KZ Sachsenhausen; danach führend am antifaschistischen Widerstandskampf in Sachsen beteiligt, 1943/44 Mitglied der illegalen Landesleitung der KPD; 1944 erneut verhaftet.

3. Margit Schumann, geboren 14.9.1952, Olympiasiegerin 1976, olympische Bronzemedaille 1972, Weltmeisterin 1973, 1974, 1975 und 1977, Europameisterin 1973, 1974 und 1975 im Rennschlittensport.

4. Robert Schumann, 8.6.1810-29.7.1856, Komponist und Musikschriftsteller; war eine der bedeutendsten und fortschrittlichsten Musikerpersönlichkeiten des 19. Jahrhundert; wirkte in Leipzig (1830/44), Dresden (1844/49), Düsseldorf (1850/54; Städt. Musikdirektor). Schumann führte bewusst die Traditionen der Klassik weiter und setzte, literarisch hochgebildet, als Kritiker neue Ziele («Gesammelte Schriften über Musik und Musiken), 1854). In der von ihm 1834 gegründeten und bis 1844 geleiteten «Neuen Zeitschrift für Musik» wandte er sich, ausgehend von den Ideen des Vormärz, unerbittlich gegen Philistertum, Akademismus und seichtes Virtuosentum (siehe auch Davidsbündler) und setzte sich für die besten Zeitgenossen, wie F. Mendelssohn Bartholdy, F. Chopin und H. Berlioz, ein. Schon in den 30er Jahren entfaltete sich seine Meisterschaft in zahlreichen Klavierwerken (Sonaten, Zyklen «Davidsbündlertänze», «Carnaval», «Kreisleriana», «Kinderszenen»), denen sich später unter anderem das «Album für die Jugend» (1848) anschloss. Schumann schuf ferner 4 Sinfonien, Klavierkonzert a-Moll (1845), chorsinfonische Werke (unter anderem «Das Paradies und die Peri», «Faustszenen»), wertvolle Kammermusik (unter anderem 3 Streichquartette, Klavierquartett und -quintett). Die Oper «Genoveva» (1847/50) war ohne Erfolg, während die Musik zu Byrons «Manfred» (1848/51) sein musikdramatisches Talent auf imponierender Höhe zeigt. Große Leistungen vollbrachte Schumann auch in der Liedkomposition, insbesondere in den Zyklen «Liederkreis» nach J. von Eichendorff, «Frauenliebe und -leben» nach A. von Chamisso, «Dichterliebe» nach H. Heine (alle 1840).

Schumann-Organisation: Bezeichnung für die von der illegalen Bezirksorganisation Sachsen der KPD während des 2. Weltkrieges geführte antifaschistische Widerstandsorganisation unter Leitung von G. Schumann, O. Engert, A. Hoffmann, K. Jungbluth, G. Schwarz und W. Zipperer; Zentrum war Leipzig; sie vereinte Angehörige aller Schichten des Volkes. Nach zahlreichen Verhaftungen (1944/45) arbeitete sie als NKFD Leipzig weiter und setzte unter anderem die kampflose Übergabe Leipzigs an die Alliierten durch.

Schumen, Sumen: Bezirksstadt im Nordosten Bulgariens; früher Kolarowgrad; 100000 Einwohner; LKW-Bau, Aluminium-Metallurgie, chemische, Textil-, Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten; pädagogische Hochschule, Theater, Museum; (Tombul Moschee (1744), größte bulgarische Moschee).

Schunderzeugnisse und Schmutzerzeugnisse: Druck- oder ähnliche Erzeugnisse, die geeignet sind, Neigungen zu Rassen- und Völkerhass, Grausamkeit, Menschenverachtung, Gewalttätigkeit, Mord oder anderen Straftaten sowie geschlechtliche Verwirrungen hervorzurufen. Herstellung, Einführung und Verbreitung sind in der DDR besonders wegen Gefährdung von Kindern und Jugendlichen strafbar.

Schupp: im Rauchwarenhandel Bezeichnung für Waschbär; Fell mit dichter weicher Unterwolle und kräftigem, mit schwarzem Ring versehenem Grannenhaar.

Schuppen, (zu «schaben») Squamae: die Körperoberfläche von Tieren ganz oder teilweise bedeckende Hautbildungen unterschiedlicher Struktur. Beim Menschen sind Schuppen hornige Bildungen der Oberhaut.

Schuppenbaum, Lepidodendron: ausgestorbenes, baumförmiges Bärlappgewächs; besaß bis 30 m hohe, gabelig verzweigte Stämme mit meist spiralig angeordneten Blattpolstern, Blätter nadelähnlich, endständige zapfenartige «Blüten» (sporentragende Organe); vorwiegend im Carbon verbreitet.

Schuppenflechte, Psoriasis: nicht ansteckende, schubweise verlaufende, familiär gehäuft vorkommende chronischen Hautkrankheit mit silberweißen Schuppen auf scharf begrenzten sattroten Flecken, vor allem an den Streckseiten der Gliedmaßen, am Rumpf und behaarten Kopf; Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. Die Schuppenflechte ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Die Ursache ist unbekannt.

Schuppenkriechtiere, Squamata: Echsen und Schlangen umfassende Ordnung der Kriechtiere, mit schuppenbedecktem Körper, querliegender Afterspalte und paarigem Begattungsorgan; die Oberhaut wird periodisch in einem oder mehreren Stücken gehäutet.

Schuppentiere, Pholidota: Säugetierordnung mit dachziegelartig angeordneten Hornschuppen; unter diesen liegen im Unterschied zu den Gürteltieren keine Hautknochen. Schuppentiere rollen sich bei Gefahr zusammen, sind zahnlos und haben eine klebrige Zunge; Termitenfresser, die mit ihren Grabklauen Termitenhügel aufreißen; nächtlich lebende Boden- und Klettertiere in Asien und Afrika.

Schuppenwurm, Lepidonotus squamatus: bis 5 cm langer, am Rücken mit 24 großen Schuppen bedeckter Vielborster, lebt im Meer unter Steinen und in verlassenen Wurmröhren.

Schuppiluliuma I., bedeutendster Hethiterkönig, herrschte um 1375/1335 vor Christus; führte das Hethiter Reich zur ersten Großmacht des 14. Jahrhundert; unterwarf große Teile des Mitanni Reiches und Syriens.

Schur: Abscheren des Haarkleides der Schafe mit der Hand- oder Maschinenschere. Der Termin ist unter anderem von der Lammzeit der Mutterschafe abhängig; er liegt vor dem Lammen. Im Interesse der verarbeitenden Industrie wird die Vollschur angestrebt, das heißt es wird nur einmal im Jahr geschoren. Nach Abscheren der minderwertigen Wollpartien an Kopf und Beinen sowie der verschmutzten Bauchwolle wird der Rest im zusammenhängenden Stück (Vlies) abgeschoren.

Schur: 1. Gustav-Adolf Schur, geboren 23.2.1931, Weltmeister im Straßenradsport 1958 und 1959, Vizeweltmeister 1960 (jeweils Einzel), olympische Silber- und Bronzemedaille 1960 beziehungsweise 1956 (jeweils Mannschaft), Einzelsieger der Internationalen Radfernfahrt für den Frieden 1955 und 1959.

2. Issai Schur, 10.1.1875-10.1.1941, Mathematiker; wirkte in Berlin, emigrierte 1938 nach Palästina; lieferte grundlegende Arbeiten zur Gruppentheorie, insbesondere zur Darstellungstheorie, sowie zur Algebra und Zahlentheorie.

Schürf: (zu «scharf») bis etwa 2 m tiefe Grube, die unter dem Mutterboden und den Verwitterungsmassen das darunter anstehende Gestein erkennen lässt; für geologische Untersuchungen.

Schürfen: (zu «scharf») Bergbau Auf- und Untersuchen von Lagerstätten nutzbarer Minerale und Gesteine. Durch Schürfen wird das Gebirge freigelegt, um Lage, Art und Verhalten der Gebirgsschichten zu erforschen.

Schürfwagen, Schürfkübelwagen, Scraper: Spezialfahrzeug zum Abtragen und Fördern von Bodenschichten geringer Dicke; besitzt Eigenantrieb oder wird von einem Kettenschlepper über die abzutragende Fläche gezogen beziehungsweise geschoben. Dabei wird ein dem Schrappgefäß (Schrapper) ähnlich Schürfkübel abgesenkt, von der an seinem Boden angebrachten Schneide (Schürfhobel) der Boden abgehoben und in den Schürfkübel geschoben, aus dem er dann am Abladeplatz durch öffnen eines Schiebers oder durch Schrägstellen des Schürfkübels gleichmäßig verteilt wieder abgegeben werden kann.

Schurz, Karl, 2.3.1829-14.5.1906, kleinbürgerlicher Demokrat, Publizist; 1849 Teilnehmer am badisch-pfälzischen Aufstand, 1852 Emigration in die USA, 1862/65 General der Freiwilligentruppen der Nordstaaten im Bürgerkrieg; als Senator (1869/75) und Innenminister (1877/81) ein Führer der liberalen Republikaner.

Schürze: Blende aus Holz, Glas, Platten u. ä. als Regen- und Windschutz unter der Traufe offener Hallen, zum Beispiel Bahnsteigüberdachungen.

Schuschnigg, Kurt von, 14.12.1897-18.11.1977, österreichischer Politiker; Mitglied der Christlich-Sozialen Partei; 1934/38 Bundeskanzler, setzte die klerikal-faschistische Diktatur von Dollfuß fort; unterwarf sich im März 1938 dem Diktat Hitlers und machte den Weg für den «Anschluss» Österreichs frei; 1941/45 im Konzentrationslager; 1945 Emigration in die USA; seit 1967 wieder in Österreich.

Schuss, Schussfaden, Eintrag: Weberei in das von den Kettfäden gebildete Webfach eingetragener, die Kette rechtwinklig kreuzender Querfaden.

Schusspol-Nähgewirke: Nähgewirke aus Schussfäden oder einer Grundbahn (Gewebe, Faserverbundstoff, Nähgewirke), auf die zu Polnoppen geformte Polfäden aufgelegt und durch Übernähen mittels Nähfäden auf der Nähwirkmaschine Malimo, Typ Schusspol, miteinander verbunden werden; für textile Bodenbeläge, Möbelbezüge u. ä.

Schussrinne: Kanal zum Ableiten schnell fließenden Wassers, zum Beispiel in Floßgräben, an Wehren.

Schussspulmaschine: Maschine zum Spulen von Fäden zu Schussspulen in Kopswicklung.

Schuster, Theodor, 18.9.1808-1866, Jurist und Arzt; führendes Mitglied des Deutschen Volksvereins in Paris (1833) und des Bundes der Geächteten (1834); 1835/36 leitender Redakteur der Zeitschrift «Der Geächtete»; vertrat einen kleinbürgerlichen Sozialismus und war Gegner der selbständigen deutschen Arbeiterbewegung.

Schute:

1. Mode: Frauenhut in Haubenform mit steifer, Stirn und Wangen umrahmender Krempe zur Zeit des Biedermeiers.

2. Schifffahrt: kleines, oft breites Lastschiff geringen Tiefgangs, meist ohne Eigenantrieb, für Schüttgut (ungedeckt; Klappschute mit Bodenklappen) oder Stückgut (gedeckt).

Schütt, Peter, geboren 10.12.1939, Schriftsteller der BRD; Mitglied der Dortmunder Gruppe 61; schrieb dem Kampf der Arbeiterklasse in der BRD verbundene Lyrik und Prosa («Faustregeln für Klassenkämpfen), 1970; «Friedensangebote», 1971; «Bäume sterben aufrecht», 1984), das Lehrstück «Wie man einen Streik organisiert» (1971), Reiseberichte («Vietnam, 30 Tage danach», 1973) und Reportagen («Die Muttermilchpumpe», 1979).

Schütte: durch Pilze hervorgerufene, verbreitete Infektionskrankheit an Nadelbäumen; gekennzeichnet durch massenweisen Verlust der Nadeln. Bedeutsam bei Kiefer (Kiefernschütte), aber auch bei Fichte, Lärche, Douglasie vorkommend.

Schüttelfrost: unwillkürliche Kontraktionen der Skelettmuskulatur im schnellen Rhythmus (Muskelzittern), verbunden mit innerem Kältegefühl. Ursache ist die Einwirkung chemischer Substanzen, die zum Beispiel aus Bakterien (Toxine) oder zerfallenden weißen Blutzellen, besonders Lymphozyten, stammen, auf das Zwischenhirn. Schüttelfrost tritt auf bei plötzlich einsetzendem Fieber.

Schüttelmixtur, Lotio: Arzneizubereitung aus flüssigen (Wasser, Spiritus) und festen, unlöslichen Stoffen (Talk, Ton, Zinkoxid). Schüttelmixtur müssen mit einem Pinsel aufgetragen werden, da zum Beispiel Watte die flüssigen Bestandteile aufsaugen würde.

Schüttelreim: Spieler. Vertauschung der anlautenden Konsonanten einander entsprechender Reimwörter: Wiege stand Stiege wand; meist scherzhaft verwendet.

Schunterbühne: Holzgerüst in mittlerer Tunnelhöhe zum Auffangen gelösten Gesteins, das über Schunen in Förderwagen fällt.

Schuttkegel: flachgewölbte, bis über 25° geneigte Ablagerung aus überwiegend grobem, eckigem Gesteinsschutt am Fuße von Steinschlagrinnen. Mehrere Schuttkegel können zu Schutthalden zusammenwachsen.

Schüttlehre: bewegliche Vorrichtung zum Einstellen der Schütthöhe und der Böschungsneigung von Erddämmen beziehungsweise von Stampfmassen in der Schalung.

Schuttpflanzen, Ruderalpflanzen: Pflanzen stickstoffreicher Böden nahe menschlicher Siedlungen und an Wegrändern (zum Beispiel Klette, Beifuß, Melde).

Schütz: 1. Schütz, Schallschütz: Elektrotechnik elektromagnetisch betätigter Schalter für elektrische Niederspannungsanlagen, dessen Einschaltstellung nicht verriegelt ist und der außer Hauptkontakten noch Hilfskontakte aufweist, die Selbsthalte-, Verriegelungs- und Folgeschaltungen (Schützschaltungen) ermöglichen.

2. Wasserbau senkrecht beweglicher Holz- oder Stahltafel in offenen Gerinnen oder Wasserleitungen zur Regelung des Wasserdurchlaufs oder zum Verschluss eines Wehres.

Schütz: 1. Heinrich Schütz, latinisiert Henricus Sagittarius, 14.10.1585-6.11.1672, Komponist; führender deutscher Musiker des 17. Jahrhundert; erwarb in Kassel und Marburg humanistische Bildung, vervollständigte seine musikalischen Studien bei G. Gabrieli in Venedig und war seit 1617 Hofkapellmeister in Dresden. Kunstreisen führten ihn unter anderem nach Italien und Dänemark. Schütz fasste die deutschen Musiktraditionen zusammen und verschmolz sie mit den neuen musikalischen Errungenschaften Italiens zu einem kraftvollen Individualstil. Während des Dreißigjährigen Krieges wirkte er mit großer Energie der Zerstörung des deutschen Musiklebens entgegen und bereitete den Boden für das Wirken J. Bachs und dessen Zeitgenossen. Seine wichtigsten Werke sind «Italienische Madrigale», «Psalmen Davids», «Cantiones sacrae», «Symphoniae sacrae», «Kleine geistliche Konzerte», 3 Passionen, «Weihnachtshistorie», die deutsche Oper «Dafne» (1627; nicht erhalten). Seiner Musik eignet, bei enger Wortgebundenheit, ein ebenso leidenschaftlicher wie inniger Ausdruck.

2. Helga Schütz, geboren 2.10.1937, Schriftstellerin; beschreibt, in Auseinandersetzung mit dem Faschismus, das Hineinwachsen in die sozialistische Gegenwart («Vorgeschichten oder Schöne Gegend Probstein», 1970; «Jette in Dresden», 1977; «Julia oder Die Erziehung zum Chorgesang», 1980).

Schutzart: durch konstruktive, elektro- und wärmetechnische Maßnahmen erzielter Schutz elektrotechnischer Erzeugnisse vor Explosion von Gas-Luft- und Dampf-Luft-Gemischen; Kennzeichnung durch Buchstabengruppen.

Schutzausrüstung, persönliche: Teil der Ausrüstung der Armeeangehörigen zur Verhinderung des Eindringens chemischer Kampfstoffe, radioaktiver Stoffe und biologisches Kampfmittel in den Organismus beziehungsweise ihres Auftreffens auf die Haut und die Bekleidung. Die persönliche Schutzausrüstung besteht aus Schutzbekleidung, Entgiftungspäckchen und medizinischen Schutzpäckchen.

Schutzbekleidung: 1. allgemein Anzüge, Handschuhe, Helme, Masken, Strümpfe aus besonderen Stoffen, die den menschlichen Organismus gegen die Einwirkung von Chemikalien und anderen giftigen oder ätzenden Substanzen, Elektrizität, Hitze, Kälte, mechanische Einwirkungen, radioaktiver Strahlung unter anderem abschirmen.

2. Militärwesen Teil der persönlichen Schutzausrüstung des Soldaten gegen Wirkungskomponenten von Massenvernichtungsmitteln. Zu ihr gehören Schutzanzug, -handschuhe, -maske, -Strümpfe und -umhang.

Schütze, Sagittarius: a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild des südlichen Himmels;

b) 9. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

Schützenfisch, Toxotes jaculatrix: bis 20 cm langer, hochrückiger Fisch mit spitz ausgezogenem Maul; spritzt treffsicher einen Wasserstrahl auf über dem Wasser sitzende Insekten, die dadurch ins Wasser fallen und als Nahrung dienen; lebt im Süß- und Brackwasser Südasiens.

Schützengraben: wellen-, zickzack- oder stufenförmig angelegter durchgehender Graben, der der Feuerführung, Beobachtung, gedeckten Verbindung und dem Schutz der Truppen dient; wird von Hand oder mit Pioniermaschinen angelegt

Schützenpanzer, Abkürzung SPz: hochbewegliche gepanzertes Ketten- (seltener Räder-) Fahrzeug für den Transport einer motorisierten Schützengruppe und zur Feuerführung durch Schießluken im Gefecht; er kann mit einer Kanone (20 bis 80 mm), 1 bis 2 Maschinengewehren und Panzerabwehrlenkraketen bewaffnet sein und verfügt über Filterventilationsanlagen und Nachtsichtgeräte. Viele Schützenpanzertypen sind schwimm-, einige lufttransportfähig.

Schützenpanzerwagen, Abkürzung SPW: geländegängiges, gepanzertes und meist schwimmfähiges Ketten- oder Räderfahrzeug zum Transport von motorisierten Schützen und zur Feuerunterstützung; er ist meist mit 2 Maschinengewehren bewaffnet und verfügt über Nachtsichtgeräte sowie bei geschlossener Wanne über eine Filterventilationsanlage. Neben Kommandant und Fahrer bietet der Kampfraum 10 bis 20 Schützen Platz.

Schützenschnur: Auszeichnung der NVA die an Soldaten, Unteroffiziere, Unteroffiziers- und Offiziersschüler verliehen werden kann, wenn sie im Ausbildungshalbjahr die Schießübungen mit der persönlichen Waffe mindestens mit «gut» erfüllen.

Schützenwaffen: Vernichtungsmittel, die dem Soldaten zur Bekämpfung des Gegners zur Verfügung stehen. Man unterscheidet Feuerwaffen sowie Hieb- und Stichwaffen. Die Feuerwaffen werden nach ihrer Bedienung in Einzel- und Gruppenwaffen und nach ihrem Typ in Pistolen, Karabiner, Gewehre, Maschinenpistolen, Maschinengewehre und Raketen unterteilt

Schutzfrist: Urheberrecht Zeitdauer, bis zu deren Ablauf Werke oder Arbeiten urheberrechtliche oder Leistungsschutz (Leistungsschutzrecht) genießen.

Schutzgrad: systematisch geordneter Grad des Berührungs-, Fremdkörper- oder Wasserschutzes elektrotechnischer Erzeugnisse; Kennzeichnung durch

1. Kennziffer von 0 (kein Schutz) bis 6 (vollständiger Berührungs- und Fremdkörperschutz); 2. Kennziffer von 0 (ohne Wasserschutz) bis 8 (Schutz gegen Strahlwasser).

Schutzgüte: Teil der Gesamtgüte eines technischen Objektes; umfasst auf rechtsverbindliche Grundlage alle wesentlichen Merkmale an Arbeitsmitteln (zum Beispiel Maschinen, Anlagen, Werkzeuge) und -verfahren, die den geforderten Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutz gewährleisten. Schutzgüte sichert gefährdungs- und erschwernisarme Technik. Siehe auch Gütesicherung.

Schutzhelm, Sturzhelm: Kopfbedeckung zum Schutz gegen Schädelverletzungen. Durchdringungsfestigkeit und Stoßdämpfungsvermögen der Schutzhelm sind in Standards festgelegt. Die Schutzhelmschale besteht aus glasfaserverstärktem oder gespritztem Plast. Schutzhelme sind bei bestimmten Arbeitsverrichtungen und Sportarten zu tragen. Kraftradfahrer sind nach der StVO zum Tragen eines Schutzhelms verpflichtet. Dabei kommt zunehmend der gepolsterte Integral- (Vollschutz-) Helm in Anwendung, der den gesamten Kopf bei Verkehrsunfällen schützt.

Schutzimpfung, Impfung (lateinisch imputare, «einschneiden»), Immunisierung: Verabfolgen von Impfstoffen oder Heilseren zum vorbeugenden Schutz gegen Infektionskrankheiten oder bei bereits eingetretener infektiöser Erkrankung. Es gibt aktive und passive Schutzimpfung Bei der aktiven Schutzimpfung werden die Krankheitserreger in einer dem Organismus ungefährliche Form als lebende, aber virulenzgeschwächte Bakterien, abgetötete Bakterien oder bakterielle Stoffwechselprodukte (Toxine, Toxoide) zugeführt. Der Impfstoff wirkt als Antigen und veranlasst die Antikörperbildung. Der Impfschutz tritt nicht sofort ein, hält aber dafür lange an. Eine aktive Schutzimpfung wird zur Verhinderung von Pocken, Tollwut, Kinderlähmung, Tuberkulose, Diphtherie, Wundstarrkrampf, Masern, Keuchhusten, Typhus, Paratyphus und Cholera durchgeführt. Bei der passiven Schutzimpfung werden dem Patienten bereits vorgebildete Antikörper zugeführt. Die Schutzwirkung tritt sofort ein, dauert aber nur kurze Zeit an. Deshalb wird bei ausgebrochener Erkrankung oftmals aktiv und passiv gleichzeitig immunisiert Passive Schutzimpfung werden vorwiegend aus therapeutischen Gründen durchgeführt, zum Beispiel bei Diphtherie, Wundstarrkrampf, Gasbrand und bei durch Bakterien hervorgerufenen Fleischvergiftungen.

Schutzmaßnahmen: Maßnahmen in elektrotechnischen Anlagen zum Schutz von Lebewesen gegen elektrische Einwirkungen. Die Berührung spannungführender Teile wird durch den Berührungsschutz (zum Beispiel Schutzgitter) vermieden. Bei Schutzisolierung wird eine zusätzliche, verstärkte oder mehrfache Isolierung angewendet. Bei der (gefahrlosen) Schutzkleinspannung sind bis 42 V Wechsel- und 60 V Gleichspannung zugelassen. Schutztrennung nennt man die galvanische Trennung des (Betriebs-) Stromkreises vom Energieversorgungsnetz. Je nach Verbindung aller nicht zum Stromkreis gehörenden leitfähigen Teile der Geräte und Anlagen mit einem Schutzleiter, Schutzerder oder dem Nullleiter unterscheidet man Schutzleitersystem, Schutzerdung und Nullung. Schutzschaltungen verhindern das Zustandekommen einer zu hohen Berührungsspannung durch Abschalten des Stromkreises mittels Schutzschalters.

Schutzpflanzung: ein- oder mehrreihige Baumpflanzung mit Strauchunterwuchs zum Schutz gegen Winderosion des Bodens und zur Verbesserung kleinklimatischer Standortbedingungen sowie zur Vermehrung des Artenreichtums, als eine Grundlage für die biologische Schädlingsbekämpfung oder aus hygienischen Gründen Schutzpflanzung bei Abwasser- und Gülleverregnung.

Schutzrecht: Rechtstitel zum Schutz der Schöpfer beziehungsweise Eigentümer von Erfindungen (Patent), industriellen Mustern (Urheberschein beziehungsweise Patent für industrielle Muster), Pflanzensorten (Wirtschafts- beziehungsweise Ausschließungssortenschutz) und Warenkennzeichnungen (eingetragene Warenkennzeichen).

Schutzreflex, Abwehrreflex: angeborener, unbedingter oder auf dessen Basis erworbener bedingter Reflex, der den Organismus vor schädigenden Einwirkungen schützen soll. Die meisten von der Haut und Schleimhaut auslösbaren Reflexe sind Schutzreflex (wichtige Ausnahmen sind Sexualreflexe, Saugreflex). Schutzreflex sind zum Beispiel Husten-, Nies- und Lidschlussreflex.

Schutzschirmtechnik, Guard-Technik: spezielle Ausführung der Eingangsschaltung empfindliche Messgeräte (zum Beispiel Digitalvoltmeter), um trotz vorhandener (großer) Störsignale kleine Nutzsignale messen zu können. Die Eingangsschaltung darf nicht geerdet werden («schwimmende» Auslegung), Schaltung und Zuleitungen sind mehrfach geschirmt.

Schutztransformator: Transformator mit galvanisch getrennter Primär- und Sekundärwicklung, verstärkter Isolierung und Sekundärspannung s 42 V, zum Beispiel Klingel-, Spielzeug-, Auftau-, Handlampen-Transformator.

Schutzzone: Gebiet, das um eine Sperrzone herum zur Erhöhung der Wirksamkeit von Maßnahmen bei der Bekämpfung von Tierseuchen errichtet wird. Die Schutzzone dient der Verhinderung der Weiterverbreitung von Krankheitserregern.

Schwab, Gustav, 19.6.1792-4.11.1850, Sagensammler und Dichter; gab in freier Bearbeitung, die deutsche Vergangenheit romantisierend, das «Buch der schönsten Geschichten und Sagen» (2 Bände, 1836/37) sowie «Deutsche Volksbücher» (3 Bände, 1836 und folgende) heraus; nach antiken Quellen erzählte er «Schönste Sagen des klassischen Altertums» (3 Bände, 1838/40); schrieb Romanzen und Balladen.

Schwabacher: zu den gebrochenen Schriften gehörende Schriftgattung mit breitlaufenden, kräftig-derben -Buchstaben.

Schwabe, Kurt, 29.5.1905-4.12.1983, Physikochemiker; 1961/65 erster Rektor der TU Dresden, 1971/80 Vizepräsident der AdW, 1965/80 Präsident der SAW. Schwabe arbeitete insbesondere auf dem Gebiet der Elektrochemie (Azidität von Lösungen, elektrochemischer Messtechnik, Korrosion, Passivität von Metallen, Brennstoffelemente unter anderem).

Schwaben: Landschaft der BRD, umfasst heute Teile des Bundeslandes Baden-Württemberg (mittlerer und südlicher Teil Württembergs, südlicher Teil Badens) sowie den Regierungsbezirk Schwaben des Bundeslandes Bayern, der etwa das Gebiet zwischen Iller und Lech einnimmt. Das im 10. Jahrhundert entstandene Herzogtum Schwaben ging aus dem alemannischen Stammesgebiet (Sueben) hervor, umfasste die deutschsprachige Schweiz, Südbaden, Württemberg (ohne den N), das Elsaß und bayerischer Gebiete, 1079/1268 staufisch, danach territorialer Zerfall. Zusammenschluss der Reichsstädte im Schwäbischen Städtebund 1376/89; 1488/1534 bestand der Schwäbische Bund. Später kamen Teile Schwabens an Österreich, Württemberg und Bayern.

Schwabenkrieg: erfolgreicher Krieg der Schweizer 1498/99 gegen Kaiser Maximilian I. und den Schwäbischer Bund; de facto errang die Schweiz damit ihre Unabhängigkeit vom Römischen-Deutschen Reich.

Schwabenspiegel: wichtigstes süddeutsches, vermutlich um 1275 nach dem Vorbild des Deutschenspiegels und Sachsenspiegels entstandenes Rechtsbuch des Land- und Lehnrechts, das von einem unbekannten Augsburger Geistlichen verfasst wurde.

Schwäbische Alb, Schwäbischer Jura: Südwestteil des Schwäbisch-Fränkischen Stufenlandes, raue Hochfläche zwischen Hochrhein und Ries; im Lemberg 1015 m; aus Jurakalken aufgebaut, wasserarm, Steilabfall nach Nordwesten, vorgelagerte Zeugenberge (Hohenstaufen, Hohenzollern); auf der Hochfläche Ackerbau und Viehzucht; Wald besonders am Steilabfall; größere Siedlungen mit Industrie in Tälern und am Albrand.

Schwäbischer Bund: Bündnis schwäbischer Fürsten, Adliger und Reichsstädte seit 1488, übte zeitweise die Exekutivgewalt zur Wahrung des Landfriedens in den südwestlichen Gebieten des Reiches aus, 1534 formell aufgelöst; im deutschen Bauernkrieg 1524/26 war das Heer des Schwäbischen Bund Hauptinstrument zur Niederwerfung der Erhebung in Oberdeutschland.

Schwäbischer Dichterkreis: die um 1810/30 wirkenden, teils durch Freundschaft verbundenen, schwäbische Spätromantiker J. Kerner, G. Schwab, L. Uhland unter anderem

Schwäbischer Städtebund: Vereinigung von zunächst 14 schwäbischer Reichsstädten zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit, zum Kampf gegen hohe Besteuerung und Raubritterunwesen; 1376 unter Führung Ulms gegründet, umfasste nach dem Anschluss vor allem

Schwäbisch-Fränkisches Stufenland: Landschaft im Süden der BRD; aus verschiedenen mesozoischen Schichten (Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Jura unter anderem) aufgebaut, mit weiten Hochflächen, zum Teil steilen Landstufen und Becken; gegliedert in Schwäbische Stufenland mit Neckarbecken, Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Schwäbische Alb sowie in Fränkischer Stufenland mit Fränkischen Platte, Fränkische Keuperstufe, Mittelfränkische Becken, Fränkische Alb und Ries. Die Beckenlandschaften sind fruchtbar und werden landwirtschaftlich intensiv genutzt, an Talhängen häufig Weinbau.

Schwäbisch Gmünd: Stadt in Baden-Württemberg, Verwaltungssitz des Regionalverbandes Ostwürttemberg, an der Rems; 57000 Einwohner; Schmuck-, Metallwaren-, Möbelindustrie; Hochschulen (Pädagogik und Gestaltung); spätromanische Johanniskirche, gotisches Heiligkreuzmünster, Fachwerkhäuser.

Schwachhofer, René, 28.5.1904-17.7.1970, Lyriker, Publizist und Übersetzer; veröffentlichte in der Anthologie «Vom Schweigen befreit» (1947) unter dem Faschismus verbotene Lyrik; Gedichtband «Blick aus drei Fenstern» (1969).

Schwachsinn, Intelligenzschwäche, Oligophrenie (griechisch): angeborene oder infolge einer Hirnschädigung im frühen Kindesalter erworbene Intelligenzstörung. Man unterscheidet im Wesentlichen 3 Grade (Debilität, Imbezillität, Idiotie).

Schwachstromtechnik: frühere Bezeichnung für ein Teilgebiet der Elektrotechnik, das sich vorwiegend mit der Nachrichtenerfassung, -Übertragung, -Verarbeitung und der Anwendung elektronischer Bauelemente befasste. Aus der Schwachstromtechnik ist die Elektronik mit selbständigen Teilgebieten, wie Nachrichtentechnik, Elektroakustik, hervorgegangen. Der Begriff wurde von H. Barkhausen eingeführt. Siehe auch Starkstromtechnik.

Schwägerschaft: das familienrechtliche Verhältnis eines Bürgers zu den Verwandten seines Ehegatten und zu den Ehegatten seiner Verwandten. Linie und Grad der Schwägerschaft bestimmen sich nach der Linie und dem Grad der sie vermittelnden Verwandtschaft.

Schwalben, Hirundinidae: weltweit verbreitete Singvogelfamilie mit spitzen Flügeln und oft gegabeltem Schwanz; Insektenjäger; Zugvögel. In Eurasien und Nordamerika die 25 cm lange Rauchschwalben (Hirundo rustica), baut ihr Nest im Hausinneren; das Nest der 14 cm langen, kurzschwänzigen eurasischen Mehlschwalben (Delichon urbica) klebt an Außenwänden; die 13 cm lange bräunliche Uferschwalben (Riparia riparia) gräbt Niströhren in Steilwände an Ufern und in Sandgruben.

Schwalbenschwanz, Papilio machaon: Tagfalter aus der Familie der Ritter, gelb mit schwarzer Aderbänderung, Hinterflügel geschwänzt; Raupen an Möhre, Dill unter anderem

Schwall: (zu «schwellen») schnelles Ansteigen des Wasserspiegels in Wasserläufen beziehungsweise Kanalisationen, zum Beispiel durch ungewöhnlich hohe Niederschläge, Bruch eines Stauwerks. Schwallhöhe, -geschwindigkeit und -verlauf müssen einschließlich Schutzmaßnahmen vorausberechnet werden. Siehe auch Sunk.

Schwalm: fruchtbare Tallandschaft in Hessen, wird von der Schwalm durchflossen; Ackerbau, bedeutende Viehzucht; Tracht und Sitten der Bewohner, der Schwälmer, blieben lange erhalten.

Schwalme, Podargidae: den Nachtschwalben verwandte, 26 bis 48 cm lange Nachtvögel mit weichem, baumfarbenem Gefieder, sehr kurzen Sitzfüßen und großen Augen; fangen Mäuse, Schlangen, Insekten; leben im indo-australischen Raum.

Schwamm: 1. Fruchtkörper der höheren Pilze (zum Beispiel Knollenblätterschwamm).

2. die durch holzzerstörende Pilze verursachten Krankheiten des Holzes. Siehe auch Hausschwamm.

Schwämme, Porifera, Spongiae: Stamm im Wasser lebender, festsitzender wirbelloser Tiere, die nur aus 2 wenig differenzierten Zellschichten und einem inneren Stützskelett aus Hornsubstanz, Kalk- oder Kieselnadeln bestehen; der Körper umschließt einen bis viele Hohlräume, in die durch Poren Nahrungsteilchen ein gestrudelt und hier von Fresszellen aufgenommen werden. Schwämme leben mit Ausnahme weniger Süßwasserschwämme am Meeresgrund als krustenartige Überzüge oder trichter- bis vasenförmige Gebilde; bilden infolge Knospung oft große Tierstöcke. Hierzu der bis 50 cm große Badeschwamm (Euspongia officinalis) des Mittelmeeres und der Westindischen Inseln; sein Hornfaserskelett wird nach Entfernen des Weichkörpers und Trocknen besonders zu Reinigungszwecken verwendet

Schwammniere: meist doppelseitige, angeborene Erweiterung der Harnsammelröhrchen als Folge einer Nierenmissbildung; die Erkrankung tritt erst durch hinzukommende Infektion der Nieren oder Steinbildung in den Sammelröhrchen in Erscheinung.

Schwammspinner, Lymantria dispar Trägspinner Art; Männchen braun, bis 4 cm, Weibchen weiß, bis 6 cm spannend; Raupe behaart mit blauen und roten Rückenwarzen, an Obstbäumen und anderen Laubhölzern bei Massenauftreten schädlich.

Schwäne, Cygninae: langhalsige Entenvögel, die nach Wasserpflanzen und Kleintieren gründern, brüten an Binnengewässern; in Nordeurasien lebt der weiße, rotschnäblige bis 1,8 m lange und 10 bis 20 kg schwere Höckerschwan (Cygnus olor) und der weiße, gelbschnäblige Singschwan (Cygnus cygnus), in Australien der schwarze Trauerschwan (Cygnus atratus), in Südamerika der weiße, schwarz-halsige Schwarzhalsschwan (Cygnus melanocoryphus), zur Brutzeit mit roten Fleischauswüchsen am Schnabel.

Schwangerschaft, Gravidität, Gestation: Zustand der Frau vom Augenblick der Empfängnis bis zur Geburt. Die Schwangerschaftsdauer wird vom l. Tag der letzten Menstruation bis zur Entbindung mit durchschnittlich 280 Tagen berechnet. Die Berechnung des Geburtstermins erfolgt nach der Naegeleschen Regel. Bei der Schwangerschaft werden 3 Stadien unterschieden: Anpassung (1. bis 4. Monat; Einstellen des mütterlichen Körpers auf die veränderten Umstände und die damit erforderliche erhöhte körperliche Leistung), Wohlbefinden, Stadium der Toleranz (5. bis 7. Monat; die Schwangere hat sich körperlich und geistig auf den neuen Zustand eingestellt, sie fühlt sich wohl) und Belastung (8. bis 10. Monat; das größer werdende Kind drückt auf die Bauchorgane der Mutter und dehnt die Bauchwand, ziehende Schmerzen können in Leib und Rücken auftreten, der Stoffwechsel wird stärker beansprucht). Unsichere Schwangerschaftszeichen: Übelkeit, Erbrechen, Appetit auf besondere Speisen unter anderem; wahrscheinliche Schwangerschaftszeichen: Ausbleiben der Menstruation, bläuliche Verfärbung der Scheide, Auflockerung der Gebärmutter unter anderem; sichere Schwangerschaftszeichen: kindliche Herztöne, Kindsbewegungen, sicheres Fühlen von Kindsteilen.

Schwangerschaftsnachweis: zur Frühdiagnose der Schwangerschaft angewendete verschiedenartige Verfahren zum Nachweis schwangerschaftsspezifischen Hormone oder fetaler Lebenszeichen, zum Beispiel biologische Reaktionen (Aschheim-Zondeksche Reaktion), immunologischer Nachweis von Choriongonadotropin mit Hilfe einer Antigen-Antikörper-Reaktion, Nachweis fetaler Herzaktionen mit Ultraschallmethoden.

Schwank: (mittelhochdeutsch, «Schwingung», «Schwung»)

1. im 19. Jahrhundert aufgekommenes derbkomische Genre der Dramatik; bei äußerlich effektvoller Darstellung meist auf alltäglich gesellschaftlich unerheblicher Thematik beschränkt; in der sozialistischen Dramatik nutzten unter anderem W. P. Katajew, H. Sakowski, R. Strahl Schwankelemente zur Darstellung gesellschaftlicher Probleme.

2. kleinere volkstümliche, derb humoristische epische Dichtung des 13./16. Jahrhundert, die in der Darstellung von «Streichen» ein plebejisch-realistisches Sittenbild gibt (Der Stricker, «Pfaffe Amis», um 1230; «Ulenspiegel», 1515; J. Wickram, «Rollwagenbüchlein», 1555; «Lalebuch», 1597).

Schwankungstheorie, Fluktuationstheorie: Teilgebiet der statistischen Physik, das die durch die molekulare Struktur bedingten zufälligen Schwankungen um den Gleichgewichtszustand untersucht. Diese Schwankungen und ihre Auswirkungen können zum Beispiel als Brownsche Bewegung, als Dichteschwankungen in der Luft oder als elektronisches Rauschen beobachtet werden. Die Schwankungen sind mit den Transportkoeffizienten, die das Verhalten des Systems bei äußeren Störungen kennzeichnen, durch das Schwankungsdissipationstheorem verknüpft, zum Beispiel in Form der Nyquistschen Rauschformel, die das mittlere Quadrat der Stromschwankungen beim Widerstandsrauschen in Abhängigkeit vom Widerstand und der Temperatur des Leiters angibt.

Schwann, Theodor, 7.12.1810-14.1.1882, Anatom und Physiologe; erkannte, dass auch Tiere aus Zellen bestehen, und wurde so neben M. J. Schleiden der Begründer einer allgemeinen Zellentheorie. Schwann entdeckte das Magenferment Pepsin und die Rolle des Gallensaftes.

Schwannsche Schelde, (nach T. Schwann) Neurolemm (griechisch): Umhüllung des Achsenzylinders (Neurit) der peripheren Nervenfaser; besteht aus Zellen (Schwannsche Zellen) mit unterschiedlicher Myelingehalt. Siehe auch Nervenzelle.

Schwanthaler, Ludwig, 26.8.1802-14.11.1848, Bildhauer; Schüler von B. Thorvaldsen in Rom, anschließend gehörte Schwanthaler in München zu den meistbeschäftigten Bildhauern Ludwigs I.; seine Denkmals- und Bauplastiken verbinden eine äußerst antikisierende Formensprache mit romantischem Gefühlsinhalt.

Schwanz: Gleichgewichts-, Greif- oder Steuerorgan der Wirbeltiere; die Schwanzwirbel bilden die Fortsetzung der Wirbelsäule; Rest beim Menschen zum Steißbein verschmolzen.

Schwanzfrosch, Ascaphus truei: bis 5 cm langer Urfrosch, dessen Männchen ein schwanzähnliches, kurzes Kopulationsorgan besitzt; bewohnt kalte Gebirgsbäche im Nordwesten der USA.

Schwanzlurche, Caudata, Urodela: Ordnung der Lurche, mit gestrecktem Körper, deutlicher Hals, langem Schwanz und 4 kurzen Gliedmaßen; meist innere Befruchtung durch eine Samenkapsel, die vom Weibchen aktiv aufgenommen wird; eierlegend, seltener lebendgebärend; Entwicklung meist über eine wasserbewohnende, äußere Kiemen tragende Larve. Die meisten Schwanzlurche leben erwachsen auf dem Land, sind vorwiegend nachtaktiv und an feuchte Lebensräume gebunden; ernähren sich unter anderem von Würmern und Insekten. Zu den Schwanzlurche gehören Molche, Querzahnmolche, Salamander, Winkelzahnmolche.

Schwarmbeben: Erdbeben, das aus einer dichten Folge meist nur sehr schwacher Stöße ohne kräftige Hauptbewegung besteht; zum Beispiel die «Vogtländische Schwarmbeben».

Schwärmer, Sphingidae: Schmetterlingsfamilie; Falter mit schmalen, bis 12 cm spannenden Flügeln und spindelförmigem Leib; schnelle Flieger, zum Teil Wanderfalter; Raupen nackt, oft sehr bunt, mit Horn am Körperende. Hierzu gehören Abendpfauenauge, Ligusterschwärmer, Wolfsmilchschwärmer, Totenkopf.

Schwarte:

1. Jagdwesen: Haut von Wildschwein und Dachs.

2. Medizin: derbe Bindegewebeverdickung, zum Beispiel des Brustfells, des Herzbeutels, nach langwieriger Entzündung.

Schwarza: 1. Schwarza linker Nebenfluss der Saale; 50 km; entspringt im Thüringer Schiefergebirge südöstlich von Neuhaus, durchfließt im Thüringer Wald das reizvolle, waldreiche Schwarzatal (Ausflugsgebiet) mit Sitzendorf, Schwarzburg und Bad Blankenburg, mündet bei Schwarza

Schwarz-Bart, André, geboren 1928, französischer Schriftsteller; international bekannt geworden durch den antirassistischen Roman «Der Letzte der Gerechten» (1959, deutsch); spätere Werke sind beeinflusst durch seine von der Karibik stammende Frau Simone, die ebenfalls schriftstellerisch tätig ist.

Schwarzbeinigkeit: Sammelbegriff für Pflanzenkrankheiten, bei denen Teile des Stengelgrundes und des Wurzelsystems schwarz gefärbt und abgestorben sind. Sie werden vornehmlich durch Pilze verursacht. Zu ihnen gehören Fußkrankheiten des Getreides, Wurzelbrand der Rübe, Schwarzbeinigkeit der Kartoffel.

Schwarzdecke: dreischichtige Straßendecke aus Bitumenbeton und Gussasphalt oder Teer, die 15 bis 40 cm dick unmittelbar auf den gewalzten Untergrund aufgebracht wird; im weiteren Sinne Bezeichnung für alle Straßendecken mit Bitumen oder Teer als Bindemittel.

Schwarze Elster: rechter Nebenfluss der Elbe; 181 km; entspringt im Lausitzer Bergland südlich von Kamenz, mündet oberhalb von Wittenberg; Regulierungsarbeiten und Flussverlegungen im Zusammenhang mit dem Braunkohlenabbau im Bezirk Cottbus; Speicheranlagen Niemtsch im Gebiet Senftenberg bei Großkoschen (Senftenberger See: 12,2 km2, Stauraum 18 Millionen m3; ehemaliger Tagebau) und Radeburg II/Dobrabach (2,8 km2, 8,8 Millionen m3), die unter anderem der Erholung dienen.

Schwarzenberg, Schwarzenberg im Erzgebirge: Kreisstadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Westerzgebirge, im Schwarzwassertal; 17000 Einwohner; Waschmaschinenbau, Metall-, Holz-, Plast-, Kartonagenindustrie; Museum «Erzgebirgische Eisen und Zinn»; spätgotisches Schloss, barocke Stadtkirche.

Schwarze Pumpe, sorbisch Carna Plumpa: Industriegemeinde im Kreis Spremberg, Bezirk Cottbus; 3000 Einwohner; Sitz des Stammbetriebes VEB Gaskombinat «Fritz Selbmann» Schwarze Pumpe.

Schwarzerde: anhydromorpher Bodentyp mit einer mächtigen Humusakkumulation; kann schwach Carbonat haltig sein. Schwarzerde bildet sich aus kalkhaltigen Lockersedimenten, insbesondere Löß, und gehört zu den fruchtbarsten Böden.

Schwarzer Freitag: Tag des Ausbruchs der Wirtschaftskrise nach den «Gründerjahren» am 9.5.1873; seitdem noch Bezeichnung für weitere an der Börse als kritisch angesehene Freitage mit Kursstürzen und -Zusammenbrüchen.

schwarzer Körper: idealisierter Körper, der auftreffende elektromagnetische Strahlung vollständig absorbiert und der nach dem Kirchhoffschen Strahlungsgesetz gleichzeitig ein schwarzer Strahler ist, das heißt die höchstmögliche, durch das Plancksche Strahlungsgesetz angegebene Energie aussendet. Ein grauer Strahler absorbiert und emittiert nur einen Teil der Strahlung des schwarzen Körpers. Der schwarze Körper wird realisiert durch einen mit einer kleinen Öffnung versehenen Hohlkörper aus feuerfestem Material, den man aufheizen kann. Die austretende, nur durch die Temperatur bestimmte Strahlung wird als Hohlraum- oder schwarze Strahlung bezeichnet.

Schwarzer Nachtschatten, Solanum nigrum: einjähriges Nachtschattengewächs mit weißen Blüten und schwarzen Beeren; verbreitet auf stickstoffreichen Ruderalstellen und Äckern; giftig.

schwarzes Loch, black hole: sehr dichter Himmelskörper, dessen extrem starkes Gravitationsfeld keine Energie (zum Beispiel elektromagnetischen Wellen) entweichen lässt. Schwarze Löcher wurden theoretisch vorausgesagt, aber noch nicht sicher nachgewiesen.

Schwarzes Meer: Nebenmeer des Atlantischen Ozeans, durch Bosporus, Marmarameer und Dardanellen mit dem Mittelmeer, durch die Straße von Kertsch mit dem Asowschen Meer verbunden; 413488 km2, im Südteil bis 2211m tief; Temperaturen winters 0,5 bis 8 °C, sommers über 25 °C; Salzgehalt etwa 12 bis 18 %o; in größeren Tiefen durch Schwefelwasserstoffanreicherung arm an lebenden Organismen. Wichtige Häfen sind an der sowjetischen Küste Odessa, Iljitschowsk, Noworossisk, Tuapse, Poti und Batumi, an der rumänischen Constanta, an der bulgarischen Burgas und Warna und an der türkischen Küste Trabzon, Samsun und Zonguldak; Fischfang; an klimabegünstigter Küste (Südufer der Krim, Küste Kaukasiens, Slatni Pjassazi, Slantschew Brjag, Constanta und Umgebung) zahlreiche Kurorte.

Schwarzheide, sorbisch Coma Gozda: Stadt im Kreis Senftenberg, Bezirk Cottbus; 10000 Einwohner; Synthesewerk (Agrochemikalien, Polyurethane), Brikettfabrik.

Schwarzhunderter: bewaffnete chauvinistische und antisemitische Terrororganisation des Zarismus gegen die revolutionäre Bewegung; gebildet 1905/07, bestand aus Vertretern der Gutsbesitzer, aus deklassierten Elementen des Kleinbürgertums und Kriminellen; inszenierten zahlreiche Judenpogrome; nach der Februarrevolution 1917 liquidiert.

Schwarzkäfer, Tenebrionidae: Käferfamilie, mit meist schwarzen, gedrungenen Arten; Nachttiere, die von faulenden organischen Stoffen leben. Der in Kellern und Schuppen vorkommende Totenkäfer (Blaps mortisaga) ist mit 3 cm Länge der größte mitteleuropäischer Schwarzkäfer. Siehe auch Mehlkäfer.

Schwarzkopf, Elisabeth, geboren 9.12.1915, Sängerin (Sopran); debütierte 1938 in Berlin; wirkte bis 1972 als hervorragende Mozart- und Strauss-Sängerin unter anderem in Berlin, Wien, London, New York, Brüssel; auch als Lied- und Oratoriensängerin international geschätzt; lebt jetzt in der Schweiz.

Schwarzlot: eine aus Eisen- oder Kupferpulver und leicht zu verflüssigendem Bleiglas hergestellte Schmelzfarbe, mit der man bei Glasmalerei Konturen und Binnenzeichnung auf die Scheibe auftrug; fand im 12./19. Jahrhundert Verwendung.

Schwarzmarkt: illegaler Handel mit Mangelwaren (zum Beispiel Konsumgüter, Gold, Valuta) zu überhöhten Preisen; typisch im staatsmonopolistischen Kapitalismus mit antiinflationistischer Preisstopp Politik beziehungsweise Devisenzwangswirtschaft.

Schwarzpulver: explosibles Gemenge aus Kaliumnitrat, Holzkohlepulver und Schwefel im Masseverhältnis 75:15:10. Schwarzpulver ist das älteste Schießpulver; es wird heute hauptsächlich in der Pyrotechnik und als zündungserleichternder Zusatz für Munition verwendet.

Schwarz-Rot-Gold: die Farben

a) der Deutschen Burschenschaft,

b) der antifeudalen Oppositionsbewegung im Vormärz und Symbol der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49,

c) der Weimarer Republik 1919/33,

d) der Deutschen Demokratischen Republik (zusammen mit dem Staatswappen),

e) der Bundesrepublik Deutschland.

Schwarzschild, Karl, 9.10.1873-11.5.1916, Astronom; wirkte in Göttingen und Potsdam; arbeitete über fotografische Fotometrie, Stellarstatistik, Sternatmosphären und Relativitätstheorie.

Schwarzschild-Effekt: (nach K. Schwarzschild) Fotografie mit längerer Belichtungszeit (einige Sekunden und länger) nicht proportional zur Belichtungszeit (sondern geringer) zunehmende Schwärzung. Bei Farbmaterialien treten Farbverschiebungen (Farbstich) auf.

schwarz sein: (rotwelsch, «kein Geld haben») Kartenspiele keinen Stich bekommen haben.

Schwärzung: im Schwarzweiß-Fotomaterial nach dem Belichten und Entwickeln entstandene Dichte, die durch das Verhältnis der auffallenden Lichtintensität, zur durchgelassenen gegeben ist und in dekadische Logarithmen angegeben wird.

Schwärzungskurve, charakteristische Kurve, Gradationskurve, in der Farbfotografie Parc Dichtekurve, Dichtekurve: graphische Darstellung der Schwärzung fotografischer Schichten in Abhängigkeit von der Belichtung. Auf der Abszisse ist die Lichtmenge H (Produkt aus Lichtintensität I und Belichtungszeit t) in dekadischen Logarithmen angegeben, auf der Ordinate die Schwärzung Schwärzungskurve Die Steigerung der Kurve heißt Gradation und wird mit y bezeichnet.

Schwarzwald: Mittelgebirge im Südwesten der BRD; 160 km lang, im Süden 60 km, im Norden 22 km breit; im Westen Steilabfall zur Oberrheinische Tiefebene, im Süden zum Hochrhein, Abdachung nach Norden zum Kraichgau, nach Osten zum Schwäbischen Stufenland; Entwässerung durch zahlreiche kleine Flüsse zum Rhein/Neckar und zur Donau, Seen eiszeitliche Entstehung (Schluchsee, Titisee). Der Schwarzwald wird durch das Kinzigtal in den stärker bewaldeten Nordschwarzwald (Hornisgrinde, 1164 m) und den formenreichen Südschwarzwald (Feldberg, 1493 m) geteilt; Wald- und Weidewirtschaft; tiefe Täler (Holz-, Textil-, Maschinen-, Uhrenindustrie); Wasserkraftwerke; Heilquellen, Kur- und Badeorte (Baden-Baden, Wildbad unter anderem), Wintersport.

Schwarzweißfotografie: fotografische Technik, bei der die Farben des Objektes in der Aufnahme in Grauwerten wiedergegeben werden.

Schwarz-Weiß-Prinzip: Grundsatz des veterinärhygienischen Sicherungssystems in Betrieben der Tierproduktion. Es beinhaltet die strenge Trennung der Produktionszone (Weißbereich) von der Umwelt (Schwarzbereich) durch bauliche, technologische, arbeitsorganisatorische und tierseuchenprophylaktische Maßnahmen.

Schwarz-Weiß-Rot: Farben des Norddeutschen Bundes (1867/70) und des Deutschen Reiches (1871/1918); entstanden aus der Verbindung der Farben Preußens (Schwarz-Weiß) und der Hansestädte (Weiß-Rot).

Schwarzwild: weidmännische Bezeichnung für die einzige heimische Wildschweinart; auch Sauen genannt.

Schwarzwurzel, Scorzonera: Gattung ausdauernder Korbblütler mit meist gelben Zungenblüten. Die Garten-Schwarzwurzel (Scorzonera hispanica) ist eine Wurzelgemüsepflanze.

Schwebe: Bergbau söhliger oder bankrechter Lagerstättenteil, der zum Schutze unmittelbar Über- oder untereinanderliegender Grubenbaue stehengelassen oder im Abbau als Schutz gegen ein Hereinbrechen von Versatz oder Nebengestein angebaut wird.

Schwebebahn: 1. Fördertechnik Fördermittel, bei dem die Laufwerke der Fahrzeuge auf einer hochgelegenen starren Fahrbahn (Hängebahn) oder auf einem (beziehungsweise mehreren) zwischen Stützen gespannten nachgiebigen Tragseil bewegt werden (Seilbahn).

2. Schwebebahn, Hängebahn: Verkehrstechnik elektrisch angetriebenes Verkehrsmittel, bei dem die Laufwerke auf einer Schiene oberhalb des Fahrzeugs (Schienen-Schwebebahn) oder auf einem (beziehungsweise mehreren) zwischen Stützen gespannten Tragseil bewegt werden (Seil-Schwebebahn). Die bekannteste Schienen-Schwebebahn verkehrt seit 1901 in Wuppertal, eine weitere in Dresden. Siehe auch Einschienenbahn, Seilbahn.

Schwebebalken: 5 m langes, 10 cm breites, im Wettkampf 1,2 m hohes (Frauen-)Turngerät.

Schwebehangsprung: Flugvariante beim Weitsprung. Nach einer Schrittbewegung in der Luft nach dem Absprung kommt der Springer zum «Hang» mit annähernd geschlossenen, in den Knien gebeugten Beinen. Zur Landung werden beide Beine nach vom geworfen.

Schwebfliegen, Syrphidae: Fliegenfamilie - Blattlaus-Schwebfliegen (Syrphinae) haben einen wespenähnlichen, schwarz und gelb gezeichneten Hinterleib, sie können im Flug längere Zeit an einem Punkt verharren, sind nützliche Blütenbestäuber; ihre spindelförmigen Larven vertilgen Blattläuse. Schlammfliegen (Eristalinae) sehen Bienen ähnlich, zum Beispiel die Mistbiene (Eristalis tenax). Ihre grauen, walzenförmigen Larven leben im Schlamm, in Jauchegruben und Aborten und werden wegen des langen Atemrohrs als «Rattenschwanzlarven» bezeichnet.

Schwebstoffe: ungelöste mineralische oder organische Feststoffe. Sie stehen im ruhenden Wasser im physikalischen Gleichgewicht und sind daher nicht ohne weiteres entfernbar. Ihre Menge wird als Fracht bezeichnet.

Schwebung: periodische An- und Abschwellen der Amplitude bei der Überlagerung zweier Schwingungen wenig verschiedener Frequenz. Die Schwebungsfrequenz, mit der die Amplitude schwankt, ist gleich der Differenz der beiden Schwingungsfrequenzen.

Schweden, Königreich Schweden: Staat im Norden Europas, auf der Ostseite der Skandinavischen Halbinsel, grenzt im Westen an Norwegen, im Nordosten an Finnland, im Osten an den Bottnischen Meerbusen und die eigentliche Ostsee, im Südwesten an das Kattegat und ist durch den schmalen Sund von Dänemark (Seeland) getrennt. Schweden ist in 24 Provinzen und die selbständigen Verwaltungseinheiten Stockholm, Göteborg und Malmö gegliedert. Währung ist die Schwed. Krone. Bevölkerung. Etwa 95 % der Einwohner sind Schweden, außerdem Finnen und Dänen; im Norden leben etwa 15000 Lappen (Samen). Amtssprache ist Schwedisch. In der südlichen Landeshälfte sind etwa 85 % der Einwohner konzentriert. 83 % der Bevölkerung wohnen in städtlichen Siedlungen.

Natur: Oberfläche. Schweden liegt weitgehend auf dem aus dem Erdaltertum stammenden fennoskandischen Schild, der aus Gneisen, Graniten, Schiefern, Kalken und anderen Gesteinen aufgebaut ist und stufenförmig zum Bottnischen Meerbusen abfällt. Zu Fennoscandia gehören auch die Mittelschwedische Senke (Seenplatte) und das Südschwedische Bergland. An der Westgrenze und im Norden hat Schweden Anteil am kaledonisch gefalteten Skandinavischen Gebirge (Skanden), das neben alpinen Formen (im Kebnekaise bis 2123 m) öde, baumlose Hochflächen (Fjälle) aufweist. Die flachwellige Landschaft Schonen im äußersten Süden ist aus mesozoischen Gesteinen aufgebaut und an der Oberfläche durch glaziale Ablagerungsformen geprägt (Grund- und Endmoränen, Sander, Oser, Karnes und Seen). Eine anhaltende Landhebung (im N 1 cm/Jahr) hat seit dem Ende der letzten Eiszeit die Uferlinie bis zu 300 m aufsteigen lassen, wodurch zahlreiche Inseln heraustraten. Die Küste ist zum Teil Schärenküste, die größten Inseln sind Gotland und Öland. Das Klima reicht vom maritim geprägten gemäßigten im Süden bis zum kontinentalen im N. Die Julitemperaturen liegen zwischen +17 °C im Süden und +14 °C im Norden, die Januartemperaturen zwischen -1 °C im Süden und -14 °C im N. Der Jahresniederschlag ist reliefbeeinflusst; am höchsten ist er in den Beigen Norrbottens (1600 mm), am niedrigsten im Norden (380 mm) und im Südosten (470 mm). Schnee liegt im Norden etwa 7 Monate, im Süden bis zu etwa 40 Tagen (zwischen Dezember und März). Der Bottnische Meerbusen vereist bis zu 5 Monate. In den Gebieten nördlich des Polarkreises scheint im Juni/Juli die Mitternachtssonne. Gewässer. Die Flüsse haben meist eine unausgeglichene Wasserführung; sie sind reich an Stromschnellen, Wasserfällen und Seen. Längster Fluss ist der Klarälven mit Göta Älv. Bedeutendste Seen sind die durch Kanäle verbundenen mittelschwedischen Seen. Pflanzen- und Tierwelt. Über die Hälfte Schwedens ist mit Wald bedeckt, der von der Waldtundra des Nordens über borealen Nadelwald (Fichte, Kiefer) bis zur Buchenwaldzone im Süden reicht. Charakteristische Tierarten sind Elch, Ren, Lemming und Schneehuhn.

Kunst: Bis zur Christianisierung wurde die schwedische Kunst besonders von der Wikingerkunst beeinflusst. Das im 10./11. Jahrhundert vordringende Christentum vollzog den Anschluss an die Kunst des Mittelalters und vermittelte die Kenntnis des Steinbaus in der Architektur, neben den bedeutenden, von fremdem Stil abhängigen Kirchen (Dom zu Lund, 12. Jahrhundert, heute Dänisch; Zisterzienserabtei Alvastra, 12. Jahrhundert; Dom zu Uppsala, 13./15. Jahrhundert; Dom zu Linköping, 14./15. Jahrhundert) entwickelten sich nationale Sonderformen in den Rund- und Granitkirchen. So sind Festigkeit und Geschlossenheit des Baukörpers, zurückhaltende Gliederung und geringe Höhenerstreckung charakteristisch für die Gotik in Schweden Nach der Reformation stand der Profanbau im Vordergrund. Mit den Schlössern Gripsholm (1537/44), Vadstena und Kalmar (2. Hälfte 16. Jahrhundert) wurde der Anschluss an die Renaissance besonders deutsch-niederländische Prägung vollzogen. Die im 17. Jahrhundert erfolgreich geführten Kriege begründeten Macht und Reichtum des schwedischen Adels, der mit vielen bedeutenden Bauunternehmungen hervortrat, besonders im Stil des Palladianischen Klassizismus. Den Anschluss an den italienischen Barock vollzog besonders N. Tessin der Jüngere, wobei, dem nationalen Formgefühl entsprechend, der kubische geschlossene Bau mit zurückhaltendem Dekor bevorzugt wurde (Hauptwerk; Königsschloss in Stockholm, nach Brand 1697 Neubau bis 1740). Weitere Bauten dieser Zeit waren Schloss Drottningholm sowie Festungsbauten. Nach historisierenden Stilen im 19. Jahrhundert entwickelte sich im 20. Jahrhundert eine moderne, sachliche und zweckbestimmte Architektur. Bedeutende Architekten der Gegenwart sind E. G. Asplund, Schweden Markelins und O. Almqvist. Für die Plastik des 11./12. Jahrhundert ist das Nebeneinander altnordische Tierornamentik und christliche Symbolik typisch. Seit Ende des 14. Jahrhundert wurde das nationale Schaffen meist durch nord-deutsche und besonders im 16./17. Jahrhundert durch niederländische Importe (besonders Schnitzaltäre) ersetzt. Erst der klassizistische Bildhauer J. T. Sergel hatte europäischen Rang. C. Eriksson und C. Milles bereicherten durch monumentale Werke die schwedische Plastik nach 1900. Die Plastik der Gegenwart ist teils abstrakt, teils gegenstandsgebunden. Malerei. Zahlreiche mittelalterliche Wandmalereien zeigen die Abhängigkeit von Kunstzentren Mitteleuropas. Auch später lag die Malerei in den Händen ausländischer Künstler. Aus der Schule des D. Klöcker von Ehrenstrahl entwickelte sich die schwedische Schule des 18. Jahrhundert. Die Maler des 19. Jahrhundert bildeten sich häufig im Ausland (Düsseldorf, Paris), wo sie vorwiegend auch blieben. Erst als am Ende des Jahrhunderts die Forderung nach einer nationalen Kunstentwicklung erhoben wurde, arbeiteten sie wieder in der Heimat. Hauptmeister um 1900 war der Realist A Zorn. In Malerei und Graphik der Gegenwart werden 2 Richtungen deutlich: ausgehend von der französischen Matisse-Schule entwickeln sich abstrakte Tendenzen; daneben arbeitet eine beachtliche Zahl von Künstlern gegenstandsgebunden. Wichtige Maler sozialer Thematik sind E. Hallström, Schweden Erixson, A. Amelin und B. Lundquist. Die ununterbrochene Tradition einer reichen Volkskunst bestimmt das Gesicht des qualitätvollen Kunsthandwerks (besonders Holz-, Glas-, Goldschmiede- und Textilkunst).

Literatur: Die schwedische Literatur hat ihren Ursprung in der altnordischen Literatur. Literaturdenkmäler des Mittelalters sind die Landschaftsgesetze und Königschroniken sowie die Visionen («Offenbarungen») der Heiligen Birgitta. Die mündlich überlieferte Volksdichtung des Mittelalters wurde seit Beginn des 19. Jahrhundert aufgezeichnet. Wichtigstes Werk der Reformationszeit ist die Bibelübersetzung (1541). Die schwedische Großmachtzeit im 17. Jahrhundert bildet den Hintergrund für die Werke von G. Stiernhielm, dem «Vater der schwedischen Dichtkunst». Die Ideen der Aufklärung wurden von O. von Dalin, J. H. Kellgren unter anderem vertreten. C. M. Bellman, der große Lyriker des 18. Jahrhundert, besang in heiteren Liedern das Leben des Volkes. Unter dem Einfluss der Französischen Revolution standen die gesellschaftskritischer Lyriker T. Thorild und B. Lidner. Um die Jahrhundertwende leiteten F. M. Franzta und J. 0. Wallin mit idyllischer Lyrik die Romantik ein. Der Aurora Bund vermittelte Literatur der deutschen Romantik (Brüder Schlegel, Novalis, J. L. Tieck). Im Gotischen Bund sammelte sich unter E. G. Geyer eine betont national orientierte Gruppe, aus der auch E. Tegner hervorging. Die Zeitschrift «Phosphorus» war das Kampfblatt einer fortschrittlichen Gruppe, zu der der Märchendichter P. D. A Atterbom gehörte. C. J. L. Almqvist, zunächst Romantiker, leitete mit gesellschaftskritischen Erzählungen zum Realismus über. A. Strindberg schuf mit dem Roman «Das rote Zimmer» (1879) die erste bedeutende Leistung des kritischen Realismus in Schweden. Strindbergs kritische Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Gesellschaft wirkte bahnbrechend auf die Entwicklung der schwedischen Nationalliteratur. Naturalismus und Neuromantik lösten in Schweden den kritischen Realismus sehr bald ab. Schweden Lagerlöf ist die bedeutendste Vertreterin der Neuromantik, zu der auch G. Fröding und E. A. Karlfeldt gehören. Gesellschaftskritische Züge finden sich unter anderem in der Dichtung von H. Söderberg, Schweden Siwertz und besonders von H. Bergman. Unter dem Eindruck des 1. Weltkriegs und der Großen sozialistische Oktoberrevolution erhielt die Arbeiterklasse in der schwedischen Literatur einen bedeutenden Platz. Nach vielen Vorläufern, vor allem Lyrikern, wirkten die Epiker G. Hedenvind-Eriksson und M. Koch bahnbrechend für die Gestaltung der Probleme des Proletariats. Einen neuen Höhepunkt kritisch-realistische Gestaltung von Gegenwartsproblemen erreichten unter anderem I. Lo-Johansson und J. Friedegard, die das Landproletariat schilderten, M. Martinson, die den Lebensweg von Proletarierinnen gestaltete, V. Moberg, der über die kapitalistische Entwicklung in der Landwirtschaft schrieb. E. Johnson schilderte das Leben in Nordschweden. Gleichzeitig setzten J. Edfeldt, G. Ekelöf, P. Lagerkvist unter anderem verschiedene Richtungen des Modernismus fort. Widerspruchsvolle weltanschauliche und ästhetische Positionen prägten das Werk der Gruppe «Fünf Junge», unter anderem H. Martinson und A. Lundkvist, die sich gegen bürgerliche Konventionen wandten. Der 2. Weltkrieg führte zu einem festeren Zusammenschluss der humanistisch gesinnten Kräfte. J. Kjellgren gelangte in der Auseinandersetzung mit Faschismus und Krieg zu Positionen des sozialistischen Realismus. P. Lagerkvist, V. Moberg, E. Johnson unter anderem riefen zur Verteidigung der Menschlichkeit auf. Weltbekannt wurde die Kinderbuchautorin A. Lindgren. Nach Kriegsende wurden unter dem Einfluss von Existentialismus und Psychoanalyse realistische Positionen zunächst zugunsten einer pessimistischen Weitsicht und modernistischen Formexperimente aufgegeben. insbesondere die Lyrik E. Lindegrens und K. Vennbergs spiegelt die Ohnmacht des Individuums in einer spannungsgeladenen Welt. Mit Beginn der 60er Jahre deutet sich eine erneute Hinwendung zur realistischen Wirklichkeitsgestaltung an. V. Moberg, A. Wassing, P. A. Fogelström, Schweden Fagerberg unter anderem versuchen in gesellschaftskritischen Romanen, A. Lundkvist, P. Wästberg unter anderem in der Reportage realistischer Positionen wiederzugewinnen. Mit den Gegenwartsromanen Schweden Lidmans, der Dokumentarliteratur von G. Palm unter anderem sowie mit dem Wirken freier Theatergruppen gelangt die Gestaltung des Proletariats und seines politischen und sozialen Kampfes erneut in den Mittelpunkt. Werke von Schweden Lidman, Schweden Delblanc, L. Gustafsson, K. Ekman unter anderem bieten gegen Ende der 70er Jahre einen bedeutenden Gewinn an realistische Substanz und historische Spannweite; sie entwickeln zugleich die bei der Gestaltung entscheidender gesellschaftlichen Probleme im Dokumentarischen gewonnenen Erfahrungen weiter.

Musik: Über Musik und Musikausübung in ältester Zeit ist wenig bekannt, nur Felszeichnungen und archäologische Instrumentenfunde (Luren) zeugen davon. Im 11. Jahrhundert gelangte die liturgische Musik der katholischen Kirche nach Schweden und bestimmte bis zur Reformation und Herausbildung des Chorals nach lutherischem Vorbild die Kirchenmusik, ohne dass schwedische Musiker sie wesentlich geprägt haben. Auch das höfliche Musikleben wurde bis ins 18. Jahrhundert größtenteils von ausländischen Musikern bestimmt, obwohl seit 1526 eine Hofkapelle, seit 1565 eine Hofkantorei erwähnt sind und seit 1650 höfliche Opernaufführungen stattfanden. Selbst unter König Gustav III., einem Förderer der schwedischen Musikentwicklung, wurde das Musikleben hauptsächlich von Ausländern (J. G. Naumann, Abbe Vogler, J. M. Kraus) getragen. Als «Vater der schwedischen Musik» gilt J. H. Roman, der in der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert als Hofkapellmeister auch ein bürgerliches Musikleben förderte. In dieser Zeit wurden in Stockholm die Musikakademie und das Konservatorium (beide 1771) sowie die königlichen Oper (1773) gegründet und 1789 die erste Musikzeitschrift herausgegeben. Die volkstümlichen, meist satirische Lieder des Dichtersängers C. M. Bellmann, der ebenfalls in diesen Jahrzehnten lebte, sind bis in die Gegenwart populär geblieben. Im 19. Jahrhundert wurde eine Reihe von Komponisten als «Leipziger Schule» bekannt, weil sie zur Zeit R. Schumanns und F. Mendelssohn Bartholdys das Leipziger Konservatorium absolviert hatten und nach diesen Vorbildern zu wirken suchten (L. Norman, V. Svedbom, A. Hallen, E. Sjögren unter anderem). Die seit Beginn des Jahrhunderts gesammelte Volksmusik hatte für sie nur geringe Bedeutung. Herausragende Komponistenpersönlichkeit des 19. Jahrhundert ist der im internationalen Musikleben zu Unrecht vernachlässigte F. A. Berwald. Ende des 19. und im 20. Jahrhundert wurden einige schwedische Musiker international bekannt, unter anderem der Violinist T. Aulin, der Dirigent und Komponist H. Alfven, der Klarinettist B. Crusell, die Sängerin J. Lind. Im 20. Jahrhundert nahm das schwedische Musikleben erneut einen Aufschwung, und eine Reihe von Komponisten wurde international wirksam; zur älteren Generation gehörten dabei T. Rangström, K. Atterberg, L. E. Larsson, K-B. Blomdahl unter anderem; in der Gegenwart wirken E. Bäck, I. Lidholm, L. J. Werie, B. Nilsson, B. Hambraeus, A. Mellnäs, G. Bucht, A. Patterson, H. Rosenberg unter anderem

Schwedenpunsch: gelblicher Likör aus Arrak, Wein und Zitronensaft; Volumenanteil an Alkohol 30%.

Schwedenschnitt: Fuge zwischen dem vertikalen Wand- und dem horizontalen Deckenputz; eine konstruktive Maßnahme, um ein Reißen des Putzes durch Schwinden oder Ausdehnung der Deckenkonstruktion zu vermeiden.

Schwedisch: zur östlichen Gruppe der nordischen Sprachen zählende Sprache; kennzeichnend sind unter anderem der musikalische Akzent, die starke Vereinheitlichung der Flexionsendungen und die Aufnahme niederdeutscher Lehnwörter.

Schwedische Akademie: 1786 nach französischem Vorbild in Stockholm gegründete Körperschaft von 18 Schriftsteilem und anderen Kulturschaffenden zur Förderung der schwedischen Sprache und Literatur, auch «Die Achtzehn» genannt; verleiht seit 1901 den Nobelpreis für Literatur.

schwedische Gardinen: auf die Brutalität im Dreißigjährigen Krieg sarkastisch anspielende volkstümliche Bezeichnung für Gefängnisgitter.

Schwefel, Symbol S: chemisches Element der Kernladungszahl 16; Chalkogen; Atommasse 32,06; Wertigkeit +6, +4, -2. In der Natur findet sich Schwefel teils frei, teils als Sulfid (Pyrit, Bleiglanz unter anderem), Sulfat (Gips, Anhydrit), Schwefelwasserstoff (in Erd- und Vulkangasen) sowie in organischer Bindung (Organismen, Kohle, Erdöl); Schwefelverbindungen sind lebensnotwendig. Der bei gewöhnlich Temperatur beständige a-Schwefel (rhombisch; F 112,8 °C) bildet gelbe, spröde, geruch- und geschmackfreie, ungiftige, wasserunlösliche, in Kohlendisulfid lösliche Kristalle und wandelt sich oberhalb 95,6 °C langsam in blassgelben, auch durch Erstarren der Schmelze erhält. Mit steigender Temperatur wird die Schmelze hellgelb, rot und schließlich dunkelbraun; Kp 444,6 °C. Der je nach Temperatur gelbe bis rote Dampf sublimiert an kalten Flächen zu gelber, feinpulvriger Schwefelblume 0S.blüte). An der Luft verbrennt Schwefel oberhalb 260 °C mit blauer Flamme zu Schwefeldioxid. Man gewinnt Schwefel zum Beispiel durch Ausschmelzen aus Gestein, auch unterirdisch durch Einblasen von Pressluft und Wasserdampf, sowie durch Entschwefelung gasförmiger Kohle- und Erdölprodukte; Hauptproduzenten sind Kanada und Polen. Man verwendet Schwefel insbesondere zum Vulkanisieren von Kautschuk, als Pflanzenschutzmittel und zur Herstellung von Schwefelverbindungen (Schwefelsäure, Kohlendisulfid, Thiosulfate) sowie Schwefelfarbstoffen, Thioplasten, medizinischen und pyrotechnischen Produkten. Schwefel ist als Abscheidungsprodukt heißer Quellen schon seit dem 2.Jahrt. vor Christus bekannt

Schwefelbakterien: Stäbchen- bis fadenförmige, autotrophe Bakterienarten, die im Heilschlamm von Schwefelbädern und im Schlamm von durch Abwasser verunreinigten Gewässern gelösten Schwefelwasserstoff zu elementarem Schwefel oder schwefelsauren Salzen oxydieren.

Schwefeldioxid: farbloses, stechend riechendes, hustenreizendes, leicht wasserlösliche Gas der Formel S02; F -72,5 °C; Kp -10°C. Schwefeldioxid ist schwerer als Luft und entsteht beim Verbrennen von Schwefel, beim Rösten sulfidischer Erze sowie bei Einwirkung von Säuren auf Sulfite. Die wässrige Lösung enthält schweflige Säure. Schwefeldioxid ist Zwischenprodukt bei der Gewinnung von Schwefelsäure und wird als Bleich- und Desinfektionsmittel sowie zur Herstellung von Sulfiten (zum Beispiel zur Zellstoffgewinnung) unter anderem verwendet. Schwefeldioxid gelangt beim Verbrennen von Kohle in die Atmosphäre und kann zu schweren Pflanzenschädigungen führen («saurer Regen»). Daher werden zunehmend Maßnahmen getroffen, den Schwefeldioxidausstoß zu begrenzen, insbesondere durch Bindung an kalkhaltiges Material und durch spezielle Ausführung der Feuerungsanlagen. Schwefeldioxid wirkt als Reizgas; besonders nach Einatmung treten Schleimhautreizungen der oberen Luftwege auf. Gehäufter Kontakt führt oft zur chronischen Bronchitis und anderen Lungenerkrankungen.

Schwefelfarbstoffe: schwefelhaltige synthetische Farbstoffe, die vor dem Färben durch Natriumsulfid in eine wasserlösliche Form übergeführt und nach dem Färben durch Luftsauerstoff zurückgebildet werden.

Schwefelhalogenide: chemische Verbindungen zwischen Schwefel und den Halogenen. Schwefelhexafluorid, SF6, ist ein farbloses, reaktionsträges Gas (Kp -63 °C), das in Hochspannungsgeneratoren als elektrischer Isolator verwendet wird. Dischwefeldichlorid, «Chlorschwefel», S2C12, eine orangegelbe, tränenreizende, stechend riechende Flüssigkeit (Kp 137,2 °C), löst Schwefel und dient zur Kaltvulkanisation von Kautschuk.

schwefelheterozyklisch: in einer ringgeschlossenen Atomkette neben Kohlenstoffatomen mindestens 1 Schwefelatom enthaltend.

Schwefelkopf, Hypholoma: Gattung der Blätterpilze, büschelig an Baumstümpfen wachsend; häufig ist der bitter schmeckende, giftiger grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare).

Schwefellagerstätten: abbauwürdige Lagerstätten von gediegenem Schwefel oder Pyrit; zur Erzeugung von Schwefelsäure.

Schwefelsauerstoffsäuren: sauerstoffhaltige Säuren des Schwefels, insbesondere Schwefelsäure, H2S04 (Salze: Sulfate); Dischwefelsäure, früher Pyroschwefelsäure, H2S207 (Disulfate, früher Pyrosulfate); Peroxodischwefelsäure, H2S208 (Persulfate, Peroxodisulfate); Peroxomonoschwefelsäure (Carosche Säure), H2S05 (Peroxymonosulfate); Thioschwefelsäure, H2S203 (Thiosulfate); schweflige Säure, H2S03 (Sulfite); dischweflige Säure, H2S205 (Disulfite, früher Metabisulfite); dithionige Säure, H2S204 (Dithionite). Polythionsäuren zum Beispiel Tetrathionsäure, Tetrathionate).

Schwefelsäure: farblose, ölige, geruchlose, sehr stark ätzende Flüssigkeit der Formel H2S04; F 10,36 °C; Dichte 1,832 g/cm3; die Salze und Ester (Schwefelsäureester) heißen Sulfate. Die konzentrierte Schwefelsäure des Handels ist 98%ig; F 3 °C; Kp 338 °C. Rauchende Schwefelsäure (Oleum) enthält überschüssiges Schwefeltrioxid, das zum Teil zu Dischwefelsäure, H2S207 (Salze Disulfate), gebunden ist Schwefelsäure ist sehr hygroskopisch; mit Wasser bilden sich Schwefelsäurehydrate. Wegen starker Erhitzung und Spritzgefahr ist die Säure beim Verdünnen unter ständigem Rühren langsam zum Wasser zu gießen. Als sehr starke und schwer flüchtige Säure verdrängt Schwefelsäure viele andere Säuren aus ihren Salzen, zum Beispiel Flusssäure aus Fluoriden, Phosphorsäure aus Phosphaten und Essigsäure aus Azetaten. Heiße konzentrierte Schwefelsäure wirkt oxydierend und löst zum Beispiel auch Kupfer und Silber, wobei unter Schwefeldioxidentwicklung die entsprechenden Sulfate entstehen. Schwefelsäure ist ein unentbehrlicher Roh- und Hilfsstoff für die technische Herstellung vieler anorganischer und organischer Substanzen, insbesondere von Düngemitteln (Superphosphat), Explosivstoffen, Chemiefaserstoffen, waschaktiven Substanzen, Farbstoffen unter anderem; auch in der Metallbeizerei und Galvanotechnik sowie in Bleiakkumulatoren findet sie Verwendung. Die Einatmung von Schwefelsäuredämpfen führt zur Reizung der oberen Luftwege bis zum Lungenödem, der unmittelbare Haut- und Schleimhautkontakt unter anderem zu schweren Verätzungen.

Schwefelsäureester: Substanzen der allgemeinen Formeln R-0-S020H (Monoester) und R-0-S02-0-R (Diester). Die Schwefelsäureester werden meist durch Umsetzung zwischen Alkoholen oder Phenolen und Schwefelsäure hergestellt. Die Monoester sind zur Salzbildung befähigt; Natriumsalze der Schwefelsäureester von Fettalkoholen, zum Beispiel Natriumdodecylsulfat sind waschaktive Substanzen; siehe auch Alkylsulfate. Ein Diester ist Dimethylsulfat eine farblose, sehr giftige Flüssigkeit, die als Methylierungsmittel Anwendung findet.

Schwefeltrioxid: in mehreren Modifikationen vorkommende Substanz der Formel S03. Beim Abkühlen von Schwefeltrioxid Dampf bildet sich das «eisartige» y-Schwefeltrioxid (17 °C, Kp 45 °C); dieses geht beim Aufbewahren in «asbestartiges» Schwefeltrioxid, ein Gemisch aus ß- und a-Schwefeltrioxid, über, das in Form langer, weißer, seidenglänzender Nadeln kristallisiert. Alle Arten des Schwefeltrioxid reagieren mit Wasser sehr heftig unter Bildung von Schwefelsäure.

Schwefelwasserstoff: farbloses, sehr giftiges, mäßig wasserlösliche, mit blauer Flamme brennendes Gas der Formel H2S; F -85,6°C; Kp -60,8 °C; es riecht nach faulen Eiern und ist etwas schwerer als Luft. Schwefelwasserstoff bildet sich bei der Fäulnis von Eiweißstoffen und kommt in Vulkangasen sowie Schwefelquellen vor. Schwefelwasserstoff ist eine sehr schwache Säure; die Salze heißen Sulfide. Schwefelwasserstoff wirkt als Reizgas. Die Einatmung höherer Konzentrationen schädigt das Zentralnervensystem und kann zum plötzlichen Tod infolge Lähmung des Atem- und Kreislaufzentrums führen.

Schwefelzement: heiß zu verarbeitender Mörtel mit Schwefel als Bindemittel und Holzspänen, Graphit, Sand u. ä. als Zuschlagstoff; besonders geeignet für schnellhärtende Bauteile in Säuren, Solen u. ä.

schweflige Säure: aus Schwefeldioxid und Wasser entstehende, nur in wässriger Lösung existenzfähige mittelstarke bis schwache Säure der Formel H2S03. Ihre Salze und Ester heißen Sulfite.

Schweichel, Robert, 12.7.1821-24.4.1907, Schriftsteller; nach revolutionär-demokratischen Wirken in der Revolution von 1848/49 ins Exil gezwungen, unterstützte er später, mit A. Bebel und K Liebknecht befreundet, als Kulturpolitiker und Erzähler die Arbeiterbewegung. Mit Dorfgeschichten (unter anderem «Im Hochland», 1868) einsetzend, gestaltete er seit den 70er Jahren vor allem die Tradition revolutionärer Volkskämpfe («Um die Freiheit. Geschichtlicher Roman aus dem Deutschen Bauernkrieg», 1898).

Schweickert, Walter Karl, geboren 26.8.1908, Schriftsteller; Schrieb Romane, Hörspiele («Herhören! Hier spricht Hackenberger!», 1951), Fernsehspiele, Filmszenarien.

Schweifaffen, Sakis, Pithecia: Verwandte der Kapuzineraffen mit großem Kopf, nacktem, schwarzem Gesicht, als Resonanzorgan ausgebildetem Kehlkopf und langem, buschigem Schwanz; leben in Waldgebieten Südamerikas.

Schweiflähmung, Hammelschwanz-. Lähmung der Schweifmuskulatur des Pferdes, oft mit gleichzeitiger Beteiligung der After-, Darm- und Blasenmuskulatur verbunden. Die Ursachen sind infektiöser, toxische oder allergische Art.

Schweigepflicht: gesetzlich, vertraglich, durch Anordnung staatlicher Organe oder auch moralisch begründete Pflicht zur Geheimhaltung von Tatsachen, deren Kenntnis besonders in Ausübung dienstlicher oder beruflicher Funktionen erlangt worden ist

Schweine, Suidae: Paarhufer Familie; Körper gedrungen, langgestreckte Schnauze mit beweglichen Rüssel, Haarkleid nicht sehr dicht, borstig («Borstentiere»), Schädel keilförmig, Allesfressergebiss, untere Eckzähne besonders beim Keiler stark entwickelt. Das eurasische Wildschwein (Sus scrofa) ist langbeiniger als das Hausschwein, schmaler, das Haar borstiger, Junge (Frischlinge) längsgestreift; Männchen heißen Keiler, Weibchen Bachen, Halbwüchsige Überläufer, leben gesellig in Rotten, vorwiegend nächtlich; verbreitet in Europa (außer Großbritannien), Asien, Sumatera, Nordafrika. In zentral- und südafrikanischen Steppen das Warzenschwein (Phacochoerus aethiopicus) mit großen Warzen im Gesicht. Hausschweine sind den Menschen mit Fleisch, Fett und Häuten versorgende Haustiere. Sie sind Nachkommen sowohl europäischen als auch asiatische Wildschweine; die Domestikation erfolgte in der jüngeren Steinzeit Durch Unterschiede in Herkunft und Umweltbedingungen entstanden allmählich verschiedene Landrassen. Erst in der 1.Hälfte des 19. Jahrhundert begann man in Großbritannien die bewusste Zucht leistungsfähiger Rassen. Sie waren auch für die sich in der 2. Hälfte des gleichen Jahrhunderts entwickelnde deutsche Zucht von Bedeutung. Die beiden verbreitetsten Rassen in Deutschland waren das Deutsche veredelte Landschwein und das Deutsche weiße Edelschwein, die im Jahre 1904 als Rassen anerkannt wurden. In der DDR bestehen neben den daraus hervorgegangenen Landrassen und Edelschweinlinien die Neuzüchtungslinien 150 und 250. Die Organisation der Züchtung, der Reproduktion und der Schlachtschweineerzeugung erfolgt in der DDR staatlich gelenkt über das Hybridzuchtprogramm; etwa 60% des Gesamtfleischverbrauches der Bevölkerung werden durch Schweinefleisch abgedeckt. Das Hausschwein ist mit etwa 9 Monaten zuchtfähig und trägt 114 Tage; im Durchschnitt werden 10 Ferkel pro Wurf geboren.

Schweinedysenterie: eine Durchfallerkrankung der Schweine, die mit der Entwicklung der industriemäßigen Tierproduktion an Bedeutung gewonnen hat. Der Erreger konnte Mitte der 70er Jahre bestimmt werden und wird in die Gruppe der Borrelien eingeordnet. Symptome sind erhöhter Durst, grauroter dünnflüssiger Kotabsatz und Mattigkeit. Die Bekämpfung richtet sich auf die Verhinderung der Erregerausbreitung und die Tilgung dieser Erkrankung.

Schweinelähme, ansteckende, Teschener Krankheit (nach der Stadt Teschen): virusbedingte, nichteitrige Hirn-Rückenmark-Entzündung des Schweines; verläuft unter Bewegungsstörungen bis zur völligen Lähmung der Hinterläufe; meldepflichtig.

Schweinepest: virusbedingte, meldepflichtige Infektionskrankheit der Schweine. Symptome sind vor allem Magen-Darm-Entzündungen und Blutungen in der Unterhaut. Bei chronischem Verlauf stehen Lungenentzündungen im Vordergrund. Die Übertragung des Virus erfolgt oft über Schlachtabfälle und ungenügend erhitzte Küchenabfälle.

Schweinfurt: kreisfreie und Kreisstadt in Bayern, in Unterfranken, am Main; 52000 Einwohner; Herstellung von Motoren, Kugellagern, Nähmaschinen; elektrotechnische und Farbenindustrie; Hafen; Fachhochschule; romanisch-gotische Johanniskirche, Rathaus (16. Jahrhundert).

Schweinfurter Grün: intensiv grünes, giftiges, sehr lichtechtes Pigment, bestehend aus Kupferarsenitacetat; heute kaum noch verwendet.

Schweinfurth, Georg, 29.12.1836-19.9.1925, Afrikaforscher, bereiste 1864/66 Ägypten und die Küstengebiete Ostsudans, 1869/71 das Bahr-al-Ghazal-Becken und die Nil-Kongo(Zaire)-Wasserscheide (Erforschung der Pygmäen), 1873/74 die Libysche Wüste, Äthiopien und Libanon sowie 1888/89 Jemen.

Schweinsfisch, Anisotremus virginicus: lebhaft gefärbter, bis 40 cm langer Barschfisch des tropischen Westatlantiks; Nutzfisch.

Schweinswale, Phocoenidae: delphinartige Zahnwale mit oft dreieckiger, hinter der Rückenmitte sitzender Finne; Zähne meist mit spatelförmiger Krone. Der Schweinswal (Braunfisch, Klemer Tümmler, Phocoena phocoena) ist bis 1,85 m lang, oberseits schwarz, unterseits weiß; er lebt in Küstengewässern der europäischen Meere und des Nordatlantiks; steigt auch in die Unterläufe großer Flüsse auf; frisst Fische, Krebse und Tintenfische.

Schweiß: von den Schweißdrüsen abgegebene, aus Wasser (99,5%), mineralischen Salzen (0,4%) und organischen Substanzen (0,1%) bestehende Flüssigkeit. Die Abgabe von Schweiß ist eine Maßnahme des Organismus gegen Überwärmung in trockenheißer Umgebung. In diesem Fall kann der Schweiß verdunsten (Schwitzen) und dadurch der Haut beziehungsweise dem Organismus Wärme entziehen (Verdunstungskühlung). Der Schweißausbruch an manchen Hautpartien bei Emotionen (zum Beispiel kalter Angstschweiß) hat keine Bedeutung für die Regelung der Körpertemperatur.

Schweißbrenner: Arbeitsgerät zum Schweißen von Metallen, bei dem die zum Schweißen notwendige Energie entweder durch eine autogene Flamme oder durch einen Lichtbogen, der zwischen Schweißelektrode und Werkstoff brennt, erzeugt wird.

Schweißdrüsen: über die Haut verbreitete röhrenförmige Drüsen, die der Wärmeregulation dienen und den Schweiß produzieren. Siehe auch Haut.

Schweißdrüsenabszess, Schweißdrüsenentzündung, Hidradenitis (griechisch): durch Staphylokokken verursachte, eitrig einschmelzende Entzündung großer Schweißdrüsen, besonders in den Achselhöhlen Erwachsener, bei Säuglingen gleichartige Infektion der kleinen Schweißdrüsen und ihrer Ausführungsgänge am ganzen Körper, besonders an Kopf und Rücken.

Schweißelektrode: zum Lichtbogenschweißen verwendeter Metallstab oder -draht aus einem dem Grundwerkstoff artgleichen Material, der im Lichtbogen als Zusatzwerkstoff abschmilzt. Massenelektroden nennt man Schweißelektrode zum Schweißen unlegierter Stähle. Die wichtigsten Schweißelektroden sind Mantelelektroden mit einer Umhüllung aus Asbest, Dolomit, Glimmer, Flussspat, Kalk o. ä. zum Stabilisieren und Richten des Lichtbogens, als Oxydationsschutz der Schweißstelle und zur Zufuhr von Legierungsbestandteilen. Eisenpulver in der Umhüllung ergibt eine besonders hohe Abschmelzleistung (eisenausbringende, Eisenpulver- oder Hochleistungselektroden). Für das Widerstandspunktschweißen werden wassergekühlte Stab-, für das Rollennahtschweißen Rollenelektroden aus Elektrolytkupfer oder einer Legierung von Kupfer mit Silbercadmium, Wolfram oder Chrom verwendet. Für das WIG-Schweißen (Schweißen) werden nichtabschmelzende Wolframelektroden verwendet.

Schweißen: unlösbares Verbinden von Werkstoffen (Metall, Glas, Plast) unter Anwendung von Wärme oder Druck beziehungsweise von beiden, und zwar mit oder ohne Zusatz von artgleichem Werkstoff (Zusatzwerkstoff) desselben oder nahezu desselben Schmelzbereichs. Schweißen ist ein äußerst wirtschaftliches Verfahren, da es viele Verbindungen je Zeiteinheit sowie Werkstoff- und Kosteneinsparungen ermöglicht, außerdem ergibt es Verbindungen hoher Festigkeit und Dichtheit Schweißen von Metall: Beim Schmelzschweißen werden metallische Werkstoffe unter Zufuhr von Wärme im Schmelzfluss vereinigt, um Konstruktionsteile zu verbinden (Verbindungsschweißen) oder örtlich begrenzt Werkstoff aufzutragen (Auftragsschweißen, zum Beispiel bei Verschleiß an Schienen, Wellen),

a) Beim Gasschmelzschweißen (autogenes Schweißen) wird die Schweißstelle unmittelbar durch eine Brenngas- (zum Beispiel Äthin, Stadtgas, Wasserstoff) Sauerstoff-Flamme erwärmt und aufgeschmolzen. Dem Schmelzbad wird meist in Form eines Schweißstabes (oder -drahts) Zusatzwerkstoff zugeführt. Anwendung findet das Verfahren bei Dünn-, Fein-, Mittelblechen und dünnen Rohren aus Stahl sowie bei Gusseisen und Kupfer,

b) Beim Lichtbogen Schmelzschweißen wird die notwendige Wärme durch einen elektrischen Lichtbogen erzeugt, der bei Gleich- oder Wechselstromspannung zwischen Werkstück und Schweißelektrode brennt. Als Stromquelle für Gleichstrom dient ein Schweißumformer (Motor-Generator-Aggregat) oder -gleichrichter. Schweißwechselstrom erzeugt man mit dem Schweißtransformator. Im Lichtbogen schmilzt die Elektrode ab, tropft in das aufgeschmolzene Grundmaterial und bildet die Schweißraupe. Neben dem Lichtbogen-Handschweißen mit Schweißelektroden (Slawjanow Verfahren) setzen sich immer mehr maschinelle Schweißverfahren durch, bei denen ein oder mehrere Arbeitsgänge mechanisiert sind und die Abschmelzleistung (Masse Schweißgut je Zeiteinheit) größer ist. Das verbreitetste Verfahren ist das Unterpulverschweißen (Abkürzung UP-Schweißen), bei dem ein ständig nachgeführter, blanker Zusatzdraht oder 2 Drähte (Parallel- oder Zweidraht Schweißen) in ein aus einem Trichter nachrieselndes schlacke bildendes Schweißpulver eintauchen (verdecktes Lichtbogen-S). Dieses Pulver schirmt die Schweißstelle gegen Luftsauerstoff und -stickstoff ab und beeinflusst das Schmelzbad metallurgisch; beides erhöht die Güte der Schweißnaht. Das Elektroschlackeschweißen (Abkürzung ES-Schweißen) eignet sich besonders zum Verbinden über 40 mm dicker Bleche. In eine senkrechte, seitlich mit wassergekühlten, nachgeführten Kupferformschuhen abgedeckte Schweißfuge wird Schweißpulver eingegeben und im Lichtbogen aufgeschmolzen. Die entstehende Schlacke wird durch ihren hohen elektrischen Widerstand so aufgeheizt, dass auch nach dem Verlöschen des Lichtbogens ein oder mehrere endlose, nachgeschobene Schweißdrähte sowie der angrenzende Grundwerkstoff aufschmelzen. Schutzgas-Lichtbogenschweißen ist die Sammelbezeichnung für alle Verfahren, bei denen der Lichtbogen durch ein besonders zugeführtes Gas gegen Luftsauerstoff und -stickstoff geschützt wird. Beim Metall-Aktm-Gasschweißen (Abkürzung MAG-Schweißen), früher Cor-Schweißen, verwendet man Kohlendioxid oder -monoxid und andere aktive Gase (Mischgas) als Schutzgas, beim Metall-Inert-Gasschweißen (Abk. MIG-Schweißen) Argon. Bei beiden Verfahren verwendet man automatisch vorgeschobenen Elektrodendraht, bei dem ebenfalls mit Argon oder Helium arbeitenden Wolfram-Inert-Gasschweißen (Abkürzung W1G-Schweißen) dagegen eine nichtabschmelzende Wolframelektrode. Zusatzwerkstoff liefert ein in den Lichtbogen gehaltener Schweißstab. Das Inertgasschweißen (früher Edelgasschweißen) eignet sich gut für legierten Stahl sowie Aluminium und dessen Legierungen. Beim Plasmastrahlschweißen brennt wie beim WIG-Schweißen der Lichtbogen zwischen Werkstück und nichtabschmelzender Elektrode in einer Schutzgasatmosphäre. Das bei jedem Lichtbogen entstehende Bogenplasma wird zusätzlich durch die Düsenkonstruktion eingeschnürt. Beim Elektronenstrahlschweißen werden von einer Wolframkathode im Vakuum durch Glühemission Elektronen erzeugt, durch ein Hochspannungsfeld beschleunigt und zu einem Strahl geformt. Beim Auftreffen auf den Werkstücken wandelt sich die kinetische Energie der Elektronen in Wärme umgewendet für Wolfram, Tantal, Molybdän, Zirkonium, Stahl und Aluminium. Beim Laserschweißen wird in einem Laser erzeugte hohe Strahlungsenergie auf einen Brennfleck von nur 0,01 bis 0,3 mm Durchmesser gerichtet und dort eine sehr hohe Temperatur erzeugt, die ein verzugsfreies Schweißen aller Metalle ermöglicht; Anwendung in der Mikroelektronik.

Erwärmung stromdurchflossener Werkstücke durch ihren inneren Widerstand sowie durch den beim Übergang des Stroms auftretenden Übergangswiderstand. Derart erwärmte (besonders Blech-) Teile werden dann durch Druck verschweißt. Das maschinelle, wirtschaftliche Verfahren eignet sich für die Massenfertigung in der metallverarbeitenden Industrie (zum Beispiel im Fahrzeugbau). Zum Widerstandsschweißen gehören folgende Verfahren:

a) Beim Punktschweißen erzeugen 2 einander gegenüberliegende Stabelektroden linsenförmige Schweißstellen. Es gibt auch Vielpunktschweißmaschinen.

b) Das Nahtschweißen mit Rollenelektroden stellt praktisch eine laufende Folge von Punktschweißungen dar.

c) Beim Folienstumpfnahtschweißen wird auf die Schweißfuge oben und unten eine Stahlfolie aufgelegt und durch Rollenelektroden mit dem Blech verschweißt,

d) Zum Buckel- (Warzen-) Schweißen werden vorher auf der Ziehpresse Buckel (Warzen) in das Blech gedrückt und dann große Flächen durch eine Plattenelektrode verbunden,

e) Beim Abbrennstumpfschweißen werden unbearbeitete Flächen gleicher Werkstücke bei wiederholtem Berühren durch örtliche Kurzschlüsse eingeebnet, wobei der Werkstoff verdampft und eine Metalldampfatmosphäre bildet, die den Luftzutritt verhindert. Dann werden die Teile zusammengestaucht und verschweißt; Anwendung bei Kurbelwellen, Rohren, Profilen, Kotflügeln unter anderem

Weitere Schweißverfahren: Beim aluminothermischen Schweißen (Abkürzung ATS., Thermitschweißen) schmilzt die bei der chemischen Reaktion zwischen Aluminiumpulver und Eisenoxid (Thermit, oft noch auflegiert) entstehende Wärme in einem Tiegel die Werkstückflächen auf. Die auslaufende Schlacke schützt die Schweißstelle gegen äußere Einflüsse und wird nach dem Erkalten entfernt. Das AT-Schweißen wird zum Reparaturschweißen und Schienenschweißen benutzt. Beim Reibschweißen werden die Stirnflächen eines fest stehenden und eines umlaufenden Rotationskörpers gegeneinander gepresst und durch die dabei gleichzeitig entstehende Wärme verschweißt. Als Kaltpressschweißen bezeichnet man ein Verfahren, bei dem allein durch hohen, länger anhaltenden Druck (also ohne Wärme!) vorwiegend Teile der Elektroindustrie (Kupfer, Aluminium und deren Legierungen) verschweißt werden. Beim Ultraschallschweißen werden Ultraschallschwingungen parallel zur Berührungsebene zweier, unter einem geringen Anpressdruck stehender Teile eingeleitet, die die Molekülverbindungen der Werkstücke lockern, wodurch die Werkstücke verbunden werden können (zum Schweißen dünner Aluminiumfolien oder Aufbringen von Plastikbezügen auf Metall). Das Hauptanwendungsgebiet dieses Verfahrens liegt beim Schweißen von Plasten. Beim Diffusionsschweißen erfolgt die Verbindung im festen Zustand der Teile durch Wärme und Druck. Zum Einleiten des Diffusionsvorgangs muss ein guter Kontakt der Schweißflächen (geschliffen, geätzt u. ä.) hergestellt werden. Angewendet wird dieses Verfahren in der Elektro-, Vakuum- und Kerntechnik sowie beim Flugkörperbau, vor allem beim Verbinden von Metallen mit Metallkeramiken. Schweißen von Glas muss unter Beachtung der spezifischen Eigenschaften, wie Ausdehnungskoeffizient, Temperaturwechselbeständigkeit, elektrische Leitfähigkeit, erfolgen, wobei in der Regel gleichmäßige Wärmeeinbringung über den gesamten Verbindungsquerschnitt erforderlich ist Deshalb werden die Glaskörper bei der Erwärmung meist rotierend bewegt, oder es werden spezielle Geräte zur Wärmeübertragung (zum Beispiel Ringbrenner) angewandt. Das Schweißen von Glas (besonders von technischen Gläsern) wird künftig ähnliche Bedeutung erlangen wie das Schweißen anderer Werkstoffe. Schweißverfahren für Thermoplaste sind das Heißgasschweißen, Heizelementschweißen (mit elektrisch beheiztem Schweißkeil), Impulsschweißen (Wärmeerzeugung durch Stromstoß), Pressschweißen (Heißsiegeln; Flächenverbindungen zwischen beheizten Platten) und Hochfrequenzschweißen (Wärmeerzeugung durch hochfrequentes elektrisches Feld).

Schweißfehler: Fertigungsmängel beim Schweißen, sie können als Poren, Schlackeneinschlüsse, Einbrandkerben, Bindefehler und Risse auftreten.

Schweißgleichrichter: Schweißstromquelle aus Dreiphasentransformator und nachgeschaltetem Gleichrichter. Die Steuerung kann infolgedessen wie bei einem Transformator erfolgen.

Schweißhund: allgemein ein zur Nachsuche auf angeschossenes Wild, auf Schweiß (nach außen tretendes Blut) eingearbeiteter Jagdhund; speziell die Jagdhunderassen Hannoverscher Schweißhund und Bayerischer Gebirgsschweißhund.

Schweißnaht: durch Schweißen hergestellte linienförmige Verbindung zweier Teile. In einer Ebene liegende Teile werden durch eine Stumpfnaht verbunden (zum Beispiel Bördel-, I-, V-, X-, U-Naht). Als Kehlnaht bezeichnet man eine Schweißnaht in einer Kehle (Ecke) zwischen 2 winklig aufeinanderstoßenden oder überlappt aufeinanderliegenden Teilen. Von einer Stirnnaht spricht man bei einer Schweißnaht über die Stirnfläche zweier aufeinanderliegender Bleche.

Schweißpaste: pastöses Gemisch aus einer Legierung und einem organischen Bindemittel zum Auf(trags)schweißen auf Verschleißstellen.

Schweißstahl: früher durch Ausschmieden der Luppen, die durch Rennarbeit oder Puddeln gewonnen wurden, hergestellter Stahl.

schweißtreibende Mittel, Diaphoretika: die Tätigkeit der Schweißdrüsen anregende Mittel, zum Beispiel Kamillen-, Holunder- oder Lindenblütentee.

Schweißpulver: für Unterpulver- und Elektroschlackeschweißen verwendetes Pulver, welches das Schmelzbad gegen den Luftsauerstoff und -stickstoff abdeckt und zugleich metallurgisch beeinflusst; enthält Silizium-, Mangan-, Kalziumoxid unter anderem

Schweitzer: 1. Albert Schweitzer, 14.1.1875-4.9.1965, Arzt, Protestant Theologe, Musikwissenschaftler, Organist; aus ethischer Verantwortung («Ehrfurcht vor dem Leben») aktiver christlicher Humanist von überzeugender Ausstrahlungskraft und unermüdliche, eindringliche Mahner zum Frieden; gründete und leitete seit 1913 das Urwaldhospital in Lambarene (Gabun), heute zum Krankenhaus-Dorf entwickelt; wirkte als kulturphilosophischer Schriftsteller gegen die bürgerliche Verfallsphilosophie; seine Biographie «J. Schweitzer Bach» (französisch 1905, deutsch 1908) betont den Symbolgehalt der Musik Bachs.

2.Johann Baptist von Schweitzer, 12.7.1833-28.7.1875, Rechtsanwalt; seit 1864 Herausgeber und Chefredakteur des «Social-Demokrat», Organ des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (Abkürzung ADAV). Als Präsident des ADAV (1867/71) setzte er Lassalles Politik der Unterstützung des preußischen Staates fort; wurde 1872 ausgeschlossen.

Schweiz, französisch Suisse, italienisch Svizzera sämtliche schweizerische Eidgenossenschaft: Staat im südlichen Mitteleuropa; grenzt im Norden an die BRD, im Osten an Österreich und Liechtenstein, im Süden an Italien, im Westen an Frankreich; gegliedert in 20 Kantone und 6 Halbkantone.

Bevölkerung: Etwa 75% der Schweizer sprechen deutsch, etwa 20% französisch (Kantone Neuenburg, Freiburg, Jura, westlicher Teil von Wallis, Waadt, Genf), 4% italienisch (Tessin), 1% rätoromanisch (Graubünden). Amtssprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. In der Schweiz leben etwa 900000 Ausländer (15 % der Einwohner). Bevölkerungsballungen befinden sich im Mittelland und in breiteren Alpentälern; im Inneren der Hochalpen nur Streusiedlungen; sehr geringer Bevölkerungszuwachs, 58% der Bevölkerung leben in Städten, bedeutende Abwanderung aus den Großstädten in umliegende Randgemeinden; 20% der Schweizer sind unter 15 und 14% über 65 Jahre alt.

Natur Oberfläche: Sie wird überwiegend von Gebirgsland eingenommen, etwa die Hälfte der Landesfläche liegt über 1000 m hoch. Die Schweiz umfasst von Norden nach Süden den Schweizer Jura, das Alpenvorland (Schweizer Mittelland) und die Schweizer Alpen (Schweizer Oberland mit Unterwaldner, Glarner, Walliser, Tessiner, Rätische Alpen). Nördlich der großen Längstalfurche Rhone-Furkapass-Urseren Vorderrhein befinden sich die Zentralketten mit Finsteraarhorn (4274 m), Aletschhorn (4182 m) und Jungfrau (4158 m); südlich von ihr die Südkette mit Matterhorn (4478 m), Monte-Rosa Gruppe (Dufourspitze, höchster Gipfel der Schweiz, 4633 m) und Berninagruppe (bis 4049 m).

Klima: Die Schweiz liegt in der Übergangszone vom mediterranen zum feuchtatlantischen Klima und von diesem zum trockneren Klima der Zentralalpen. Die Niederschläge pro Jahr sind außer in den Binnentälern (Wallis etwa 500 mm) im Allgemeinen hoch (im Mittelland 700 bis 1200 mm, im Jura über 1000 mm, am Alpenaußenrand 1600 bis 2000 mm; Maximum am Mönchsgrat über 4000 mm); die Schneegrenze liegt zwischen 2500 und 3200 m, im Oberengadin dauert die Schneedecke 5 bis 6 Monate an. In alpinen Gebieten besteht Lawinengefahr, der durch umfangreiche Schutzmaßnahmen begegnet wird. Föhn tritt häufig in den von Norden nach Süden gerichteten Talstrecken von Rhein, Linth und oberer Reuß auf. Wärmebegünstigt sind die Seen mit ihren Uferlandschaften. Gewässer. Der größte Teil der Schweiz wird vom Rhein entwässert (wichtigster Nebenfluss Aare mit Reuß); kleinere Teile gehören zu den Einzugsgebieten von Rhône, Po (Tessin), Etsch, Donau (Inn); oberflächig abflusslose, verkarstete Gebiete im Schweizer Jura; zahlreiche Seen, darunter bedeutende wie Genfer, Neuenburger, Bieler, Thuner, Brienzer, Vierwaldstätter, Zuger See, Zürich- und Walensee; Anteil am Bodensee und am Lago Maggiore. Gletscher bedecken 1600 km2, besonders in den Berner und Walliser Alpen (Großer Aletschgletscher, größter Alpengletscher). Pflanzen- und Tierwelt. Sie ist im Allgemeinen mitteleuropäisch. Die Vegetation ist den Höhenstufen entsprechend vielgestaltig. In der montanen Zone tritt der Ackerbau zugunsten von Laubwald und Grünland zurück, in der subalpinen Zone herrscht Nadelwald vor, in der alpinen Zone breiten sich Matten aus, auch sind hier subarktische Pflanzenarten anzutreffen. Insgesamt nimmt der Waldbestand etwa 25% der Landesfläche ein. Der größte Teil des Waldes (85%) dient als Schutzwald gegen Lawinen, Erdrutsche und Bodenerosion. Charakteristische Tiere der Höhenregion sind Gemsen, Murmeltiere und Greifvögel. Klimabegünstigte Gebiete am Südrand der Alpen weisen mediterrane Vegetation auf (Zypressen, Edelkastanien, Mandelbäume unter anderem).

Geschichte: Ansiedlungen sind seit der Altsteinzeit auf dem heutigen Territorium der Schweiz nachweisbar, in der Jungsteinzeit befanden sich an den Seen zahlreiche Pfahlbauten. Die in der La-Tène-Zeit eingedrungenen keltischen Helvetier wurden 58 vor Christus von Cäsar geschlagen und unterworfen. Im 5. Jahrhundert ließen sich im Südwesten Burgunden, im Nordosten Alemannen nieder. Allmählich schritt die Christianisierung voran, Klöster entstanden und entwickelten sich zu bedeutenden Kulturzentren (St. Gallen um 613, Reichenau 724 gegründet). Die Eingliederung in das fränkische Reich (Burgund im 6. Jahrhundert, Alemannien endgültig im 8. Jahrhundert) beschleunigte die Herausbildung feudaler Produktionsverhältnisse. In den Alpentälern blieben jedoch freie Bauern und ein starker Gemeindebesitz erhalten. Im 9. Jahrhundert kam ein großer Teil des schweizerischen Gebietes zum Ostfrankenreich, ein anderer zum Mittelreich und dann mit Burgund 1033/34 zum römisch-deutschen Reich. Der Widerstand gegen das Vordringen der Gerichtsherrschaft von Grafengeschlechtern (unter anderem der Habsburger) in die Innerschweiz führte zu bewaffneten Auseinandersetzungen. 1291 beschworen die Landgemeinden Uri, Schwyz und Unterwalden (Urkantone) auf dem Rütli ihr Bündnis. In mehreren Schlachten (1315 bei Morgarten, 1386 bei Sempach, 1388 bei Näfels) bezwang das schweizerische Volksaufgebot die Ritterheere (insbesondere der Habsburger) und erreichte die Reichsunmittelbarkeit für die Eidgenossen. Der Bund der 3 «Orte» erweiterte sich im 14. Jahrhundert zur Eidgenossenschaft der «acht alten Orte» (bis Ende des 15. Jahrhundert 13 Orte). Siege im Krieg gegen Burgund (bei Grandson und Murten 1476 und bei Nancy 1477) sowie im Schwabenkrieg festigten ihre Stellung und führten 1499 zur De-facto-Unabhängigkeit vom Reich. Im Verlauf ausgedehnter und verlustreicher Feldzüge wurde 1513 Tessin erobert. Anfang des 16. Jahrhundert war die Schweiz eine Konföderation selbständiger Kantone; neben den Eidgenossen gab es politisch minderberechtigte Orte. Wirtschaftlich am fortgeschrittensten waren die Stadtkantone (Bern, Zürich, Basel), wo sich Anfänge kapitalistischer Produktionsverhältnisse herausbildeten. In den innerschweizerischen Kantonen (Waldstätten), wo Viehzucht als Hauptzweig der Wirtschaft vorherrschte, differenzierte sich die Bauernschaft, die Markgenossenschaft löste sich auf und eine dörfliche Oberschicht entstand. Viele Schweizer kämpften gegen Sold im Ausland (Reislaufen). Basel wurde ein bedeutendes Zentrum des Humanismus. Zu Beginn der 20er Jahre des 16. Jahrhundert setzte zunächst in Zürich unter der Führung von H. Zwingli die Reformation ein, ergriff vorwiegend Stadtkantone und erhielt im französischsprachigen Genf unter J. Calvin ein eigenes theologisches Profil. Die Waldkantone blieben katholisch, Zürich unterlag im Kampf mit ihnen (Tod Zwinglis 1531). Ende des 15. und im 16. Jahrhundert kam es zu mehreren Bauernaufständen. Der Dreißigjährige Krieg verschonte die Schweiz bis auf Graubünden. 1648 erhielt die Schweiz auch die De-jure-Unabhängigkeit. Unter dem Einfluss der Aufklärung (Zentren Zürich und Genf) entwickelte sich ein schweizerisches Nationalbewusstsein. Nach dem Beginn der Französischen Revolution 1789 brachen im Land Aufstände aus; 1798 wurde die Schweiz von französischen Truppen besetzt und in die Helvetische Republik umgewandelt. Allmählich gewannen jedoch konservative Kräfte wieder die Oberhand (1803 Mediationsakte), die föderalistische Struktur verstärkte sich erneut. Im Bundesvertrag von 1815 wurde ein lockerer Staatenbund vereinbart. Der Wiener Kongress erklärte die Schweiz für «immerwährend neutral»). Gegen die Mehrheit der von den Liberalen beherrschten Kantone schlossen sich 1843/45 die katholischen Kantone zum Sonderbund zusammen, erlitten im Sonderbundkrieg (1847) jedoch eine Niederlage. Unter dem Eindruck der revolutionären Bewegung von 1848 in den Nachbarstaaten wurde eine liberale Bundesverfassung durchgesetzt. An die Stelle der souveränen Kantone trat ein Bundesstaat, der 1874 noch stärker zentralisiert wurde. 1856/58 zwang die Schweiz den König von Preußen, seine Ansprüche auf Neufchatel («Neuenburger Handel») aufzugeben. Mit der raschen Entwicklung des Kapitalismus entstand in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert ein Industrieproletariat. Es kam zu großen Streiks (1868 Bauarbeiter in Genf) und zur Entstehung sozialistischer Zirkel, die sich der I. Internationale anschlossen. 1870 wurde die Sozialdemokratische Partei der Schweiz gegründet (erneut 1888), die bald unter revisionistischen Einfluss geriet. zwischen 1895 und 1917 lebte W. I. Lenin mehrfach in der Schweiz im Exil. Die Linken der europäischen Arbeiterbewegung tagten 1915 in Zimmerwald und 1916 in Kiental. Im Februar 1918 entstand das Oltener Aktionskomitee, das den Landesgeneralstreik vom 11./12.11.1918 leitete. Mit dem Übergang zum Monopolkapitalismus hatte in der Schweiz eine Konzentration des Bankkapitals und ein wachsender Kapitalexport eingesetzt. Der technische Fortschritt erlaubte Ende des 19. und im 20. Jahrhundert die Realisierung mehrerer großer Verkehrsprojekte (Sankt-Gotthard-, Simplon- und Mont Blanc-Tunnel): Der Neutralitätsstatus der Schweiz begünstigte die Niederlassung vieler internationaler Organisationen und die Durchführung bedeutender Kongresse (Völkerbund, ab 1946 europäischen Sitz der UN sowie Sitz des Internationalen Roten Kreuzes und der ILO in Genf, Genfer Konferenzen, Welthandelskonferenz 1964, Treffen zwischen KPdSU-Generalsekretär M. Gorbatschow und USA-Präsident R. Reagan 1986). Am 5./6.3.1921 ging aus den Reihen der Sozialdemokratie die kommunistische Partei der Schweiz hervor; sie war 1940/44 verboten und wurde am 14./15.10.1944 als Partei der Arbeit der Schweiz neu gegründet Während des 2. Weltkrieges organisierten patriotischen Kräfte im «Reduit national» unter General Guisan die Verteidigung gegen eine drohende faschistische Besetzung. Die Schweiz lehnte nach 1945 und erneut 1986 einen Beitritt zu den UN ab, arbeitet aber in den Spezialorganisationen mit (zum Beispiel in der UNESCO); sie gehört seit 1960 der kleinen Freihandelszone EFTA an. Nach einer Volksabstimmung wurde 1971 das Frauenwahlrecht auf Bundesebene eingeführt.

Kunst: Bedingt durch die geographische Lage sowie politische Entwicklung, stand die Schweiz von jeher in Wechselbeziehung zu den benachbarten Kulturen. Mit dem Erlangen der politischen Unabhängigkeit Ende des 15. Jahrhundert verschmolzen Fremdeinflüsse zunehmend mit den regionalen Eigenheiten zu einer stilistisch reichen nationalen Kunst (zum Beispiel Glasmalerei, bürgerlicher Wohnhausbau, Brunnenplastik). Aus vorkarolingischer, karolingischer und ottonischer Zeit sind die ersten bedeutenden Architekturdenkmäler erhalten (Ringkrypta in der Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters in Münster), wertvolle Zeugnisse karolingischer und ottonischer Buchmalerei befinden sich in der Stiftsbibliothek von St. Gallen. In der Romanik entwickelten sich eine burgundisch, elsässisch und lombardisch geprägte Architektur und Bauplastik (Höhepunkte: Züricher und Baseler Münster). Die Herausbildung der Gotik wurde durch die Entfaltung der Städte und die Gründung der Eidgenossenschaft (1291) gefördert. Beeinflusst von der französischen Kathedralgotik, entstanden im Westen die frühgotischen Kathedralen und Stadtkirchen (Kathedralen von Genf, Lausanne, Sitten), im Nordosten wurden die Städte Bern (Münster), Zürich und Luzern hervorragende künstlerische Zentren der Hoch- und Spätgotik. Malerei (K. Witz) und Plastik (H. Multscher) erlangten in ihrem volksverbundenen derben Realismus bestimmenden Einfluss auf die europäischen Kunst. Ausgeprägte nationale Elemente entwickelten sich in den zahlreichen Burgen und befestigten Schlössern des Mittelalters, den städtlichen Wehrbauten, Rathäusern und besonders im Bauernhaus. Der Übergang zur Renaissance vollzog sich zuerst in den von Italien beeinflussten Gebieten (S. Lorenzo in Lugano, 1517). Die aufstrebenden Handelsstädte waren Zentren einer blühenden bürgerlichen Kunst. Den schweizerischen Städtetyp vertraten am reinsten Bern und Freyburg. Der Sakralbau blieb weiter eine große Bauaufgabe. Charakteristische Züge der schweizerischen Kunst (Wirklichkeitssinn, Derbheit und Eigenwilligkeit der Formen, Verbundenheit mit der heimatlichen Landschaft) werden deutlich in der Malerei und Graphik (N. Manuel, genannt Deutsch; U. Graf; J. Amman und H. Holbein d. J.), eine Blüte erreichte die Buchillustration. Eigenständige Leistungen entstanden in der Glas- und Fassadenmalerei und Brunnenplastik (J. Dies). Im Barock reiften die Ansätze einer bürgerlichen Kunst voll aus. In den gegenreformatorischen Gebieten wurde, vom italienischen Barock und von der Vorarlberger Bauschule beeinflusst, der Sakralbau fortgesetzt. In den reformierten Zentren entwickelten sich das städtliche Wohnhaus und der ländliche Herrensitz weiter, in der Malerei bildete sich vor allem die Bildnis- (J. E. Liotard, A Graf!) und die Landschaftsmalerei (Alpenmalerei, C. Wolff) heraus. Ende 18./19. Jahrhundert erlangte die schweizerische Malerei internationale Bedeutung (J. H. Füssli, A. Graff, Schweiz Geßner, A. Böcklin, F. Hodler). Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Malerei in engem Kontakt zu den führenden spätbürgerlichen europäischen Kunstströmungen (Dada-Bewegung, Zürich; Gruppe Rot-Blau, 1924/25). Schweizerische Künstler wirkten unter anderem in Deutschland und Frankreich (P. Klee, H. Haller), internationale Bedeutung erlangte das Werk des Bildhauers und Malers A. Giacometti. Die realistische Kunst wurde in der Graphik besonders von H. Emi, in der Plastik von H. Haller befruchtet. Mit der Entwicklung eines hochentwickelten Industriestaates Anfang des 20. Jahrhundert kam es zur Herausbildung einer qualitätvollen Architektur, die besonders nach 1945 im Schul- und Mehrzweckbau ein hohes Niveau erreichte. Führende Architekten waren H. Schmidt, H. Meyer und besonders Le Corbusier.

Literatur: Die Literatur der Schweiz ist in den 4 Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch verfasst; sowohl der italienischen als auch der rätoromanische Literatur kommt aber nur regionale Bedeutung zu.

Die deutschsprachige Literatur der Schweiz ist seit ihrer Entstehung eng mit der deutschen geistig-kulturellen Entwicklung verbunden. Bemühungen um eine deutschsprachige Literatur begannen Ende des 10./Anfang des 11. Jahrhundert mit Notker. Beeinflusst von den Kreuzzügen, entstand im 13. Jahrhundert volkstümliche Epik betont unhöflichen Charakters (Sagen um Dietrich von Bern; Konrad von Würzburg). Der patrizische Ritter und Züricher Ratsherr R Manesse regte im 13. Jahrhundert die Große Heidelberger oder Manessischer Liederhandschrift an. Zu den darin vertretenen Minnelyrikern gehörten auch die bürgerliche J. Hadlaub und Steinmar von Klingnau. Nach Gründung der Eidgenossenschaft (1291) entstanden Chroniken und volkstümlicher Lieder, die die patriotischen Taten seit der Schlacht bei Sempach (1386) rühmen. Reformationsdramen schufen (Schuldrama, Satiren und Fastnachtsspiel weiterführend) P. Gengenbach und N. Manuel, dessen Werk Höhepunkt des schweizerischen Volksschauspiels ist. Vertreter der frühen Aufklärung ist A. von Haller («Die Alpen», 1729), ihm folgten Geßner, J. K. Lavater und Hirzel, die im Zuge nationalpädagogische Bestrebungen die «Helvetische Gesellschaft» (1761) gründeten. Um ästhetische Maßstäbe bei der Gestaltung eines bürgerlichen Menschenbildes bemühten sich J. J. Bodmer und J. J. Breitinger. U. Bräkers Autobiographie «Der arme Mann im Tockenburg» (1798) förderte die plebejische Literatur der Schweiz Im 19. Jahrhundert entwickelte J. H. Pestalozzi in didaktischen Romanen und Erzählungen ein nationales Erziehungsprogramm zur materiellen Sicherstellung der Volksmassen. Ihm folgten H. Zschokke mit Volkserzählungen, J. Gotthelf mit antikapitalistischen, konservativ-christlichen Romanen. Während G. Keller dem aufklärerischen Humanismus der progressiven bürgerlich-demokratische Bewegung und der junghegelianischen Philosophie verbunden war, bemühte sich C. F. Meyer um Bewahrung seines Humanismus über die Besinnung auf Ideale der Renaissance. Angesichts der Kunstfeindlichkeit der Bourgeoisie nahmen unter F. Nietzsches Einfluss C. Spitteler unter anderem elitäre, geschichtspessimistische Haltungen ein. Direkter Einfluss Nietzsches kennzeichnet im 20. Jahrhundert die in der Schweiz spielenden Romane von J. Knittel. R Walser schrieb aus kleinbürgerlicher Sicht antikapitalistisch akzentuierte Romane. Die Rückständigkeit der schweizerischen Verhältnisse deckt der mit der Arbeiterklasse verbundene J. Bührer in historischen Romanen und Stücken auf. Wieder einen national eigenständigen Beitrag zum europäischen Literaturprozess leisteten M. Frisch und F. Dürrenmatt. In der parabelhaften Abbildung von Grundproblemen der Ideologiebildung stoßen sie zum Wesen der bürgerlichen Gesellschaft vor. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte verstärkt eine Hinwendung zu sozialen Problemen der Schweiz Sie schließt die Darlegung der zwiespältigen Rolle der Schweiz gegenüber dem faschistischen Deutschland ebenso ein (W. M. Diggelmann) wie das desillusionierende Erlebnis der kapitalistischen Nachkriegsentwicklung (H. Boesch und A. Muschg). Bei H. Loetscher und W. Kauer treten dabei die unteren Schichten der Gesellschaft ins Blickfeld und Sujets, die den proletarischen Existenzkampf darstellen, dienen gleichzeitig auch dazu, die unzerstörbare Kraft der einfachen Menschen auszudrücken.

Französischsprachige Literatur: Die Entwicklung einer eigenständigen Literatur der französischsprachigen Schweiz setzte im 16. Jahrhundert mit dem Wirken des Reformators J. Calvin ein; echte Autonomie vermochte sie wegen des Übergewichts der französischen Kultur jedoch nie zu erringen. Nationale Züge traten insbesondere in der sogenannt Kantonalliteratur des 19. und frühen 20. Jahrhundert auf (C. F. Ramuz). Seither sind nahezu alle namhaften Schriftsteller der französischsprachigen Schweiz nach Frankreich gegangen und zählen zur französischen Literatur. Die rätoromanische Literatur der Schweiz, deren älteste schriftliche Zeugnisse Bibeltexte aus der Reformationszeit sind, erlangte wegen ihres zersplitterten Verbreitungsgebietes (Kanton Graubünden) nur regionale Bedeutung. Seit dem 19. Jahrhundert bewusst in den Dienst der Verteidigung der Sprache und des rät. Brauchtums gestellt, konnte sie ihren eigenständigen Charakter jedoch bewahren. Nachdem zunächst die Lyrik vorherrschte, kam es im 20. Jahrhundert auch zur Entfaltung von dramatischer und erzählender Literatur. Musik

Die musikalische Entwicklung auf dem Gebiet der heutigen Schweiz wurde vielfältig von benachbarten Kulturen beeinflusst, so dass nur in geringem Umfang Merkmale einer nationalen Musik ausgeprägt sind. Im frühen Mittelalter waren verschiedene Klöster (insbesondere St. Gallen) Zentren liturgischer Musik und musiktheoretische Forschung. Gleichzeitig bestand auch eine weltliche Musikpflege im Minnesang, für den J. Hadlaub (um 1300) und die (ohne Melodien überlieferte) Große Heidelberger oder Manessische Liederhandschrift bedeutsame Beispiele sind. Im 15./16. Jahrhundert existierte eine vielfältige bürgerliches Musik: an der Universität Basel war Musik seit der Gründung Lehrfach, der Musikaliendruck publizierte Lehr- und Gesangbücher, einige Städte pflegten Liedgesang im Schulunterricht, das instrumentale Musizieren spielte eine wichtige Rolle. Während die Reformen J. Calvins und H. Zwinglis die Musik im Gottesdienst stark einschränkten und der Entwicklung der liturgischen und der Orgelmusik ein gewisses Ende setzten, wurden in den Städten aber Collegia musica und andere Musikvereinigungen gegründet, die das bürgerliche Musikleben bestimmten. Unter dem Einfluss der Berliner Liederschulen entwickelte sich Ende des 18. und im 19. Jahrhundert eine spezifische Liedtradition, die mit H. G. Nägeli und im volkstümlichen Solo- und Chorgesang einen Höhepunkt fand. Zugleich bezeugen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert Musikfeste, die Gründung der «Schweizerischen Musikgesellschaft» (1808) und des «Eidgenössischen Sängervereins» (1842) den Gedanken an nationale Einheit in der Musik. Das Wirken der Komponisten des 19. Jahrhundert blieb auf die nationale Ebene beschränkt. Erst im 20. Jahrhundert erlangten Komponisten der Schweiz auch internationales Ansehen (F. Martin, A. Honegger, H. Sutermeister, R. Liebermann, O. Schoeck, W. Burkhard, R. Kelterborn unter anderem).

Schweizerdeutsch: Sammelbezeichnung für die deutschen Mundarten in der Schweiz; vorherrschend im mündlichen Sprachgebrauch, während das Schweizerhochdeutsch, die in der Schweiz verwendete deutsche Schriftsprache (mit gewissen Eigenheiten vor allem im Wortschatz), im schriftlichen Gebrauch bestimmend ist.

Schweizergarde: aus Schweizern bestehende, gemietete königliche oder päpstliche Leibgarde.

Schweizer Jura: bewaldetes Mittelgebirge im Nordwesten und Westen der Schweiz, von der Rhône westlich von Genf bis zum Rhein; gegliedert in den Faltenjura (mit zahlreichen parallelen Gebirgsketten) und den ungefalteten Tafeljura im NO; im Mont Tendre 1679 m; aus Kalkgestein, daher vielfach verkarstet und in größeren Teilen ohne oberflächigen Abfluss; die Flüsse folgen den wiesenreichen, zum Teil mit Seen angefüllten Talmulden und queren die Ketten in engen Durchbrüchen; raues Klima; Almwirtschaft; Uhren- (La Chaux-de-Fonds, Le Locle, Saint Imier), Glas-, Zement-, Papier-, Holzindustrie.

Schweizer Mittelland: die Schweiz von Südwesten nach Nordosten durchziehende hügelige Hochfläche (Schweizer Anteil am Alpenvorland) zwischen Alpen und Schweizer Jura; im Napf bis 1408 m, im Durchschnitt 450 bis 600 m hoch; von der Aare durchflossen, reich an Seen (Genfer, Neuenburger, Vierwaldstätter See, Zürich-, Bodensee); dicht besiedeltes Kernland der Schweiz.

Schweizer System: Schach Turnierform bei großer Teilnehmerzahl, so dass nicht jeder gegen jeden spielen kann. Vor jeder Runde wird derart ausgelost, dass Spieler mit (fast) gleicher Punktzahl gegeneinander spielen müssen.

Schwelerei: Betriebsanlage zur Kohleveredlung durch Verschwelung (Tieftemperaturentgasung). Braunkohle, vereinzelt auch Steinkohle, wird in Schwelöfen unter Luftabschluss auf 600 °C erhitzt. Hierbei entstehen Schwelkoks (Grude) und Rohgas. Aus dem Rohgas gewinnt man in Kühl- und Waschanlagen Schwelteer, Mittel- und Leichtöl, Schwelwasser sowie Schwelgas. Durch Destillation und Raffination der Schwelprodukte erhält man Paraffine, Dieselkraftstoff, Benzin, Heizöl, Phenole und Pyridinbasen; das Schwelgas dient als Heizgas.

Schwelle:

1. Bautechnik: a) waagerechter Balken über dem Sockel oder der Balkenlage zur Druckverteilung und Aufnahme der Stiele eines Fachwerkes oder Lehrgerüstes;

b) unterer, in die Leibung eingefügter Türanschlag;

c) nach oben überstehender Teil der Wetterschale (Regensperre) einer mehrstufig abgedichteten Horizontalfuge.

2. Eisenbahnbau: Querträger, der die Achslast des Fahrzeugs von der Schiene auf die Bettung überträgt und zur Spurhaltung der Gleise dient; bestand früher aus Holz oder Stahl, heute überwiegend aus Stahlbeton.

3. Geologie: weitgespannte Erhebung der Erdoberfläche, aber auch des Meeresbodens; verursacht durch horizontale beziehungsweise vertikale Bewegungen.

Schwellkörper: Schwammgewebe in Penis und Kitzler, dessen Hohlräume sich mit Blut füllen können und so die Erektion dieser Organe bewirken.

Schwellung: Vergrößerung eines Organteils oder Organs infolge höherer Blutfülle (Hyperämie), Ödem oder Entzündung.

Schwellwertelement: elektronisches Bauelement oder Elementarschaltung mit unterschiedlichem funktionalem Zusammenhang zwischen Ausgangs- und Eingangsgröße für Eingangsgrößen oberhalb und unterhalb eines Schwellwertes; zum Beispiel Tunneldiode.

Schwemme: Badestelle für Pferde.

Schwemmfächer, Schwemmkegel: die flache, fächerartige Schotterakkumulation eines Flusses an Stellen abnehmender Transportleistung (zum Beispiel Mündung des Nebentals in ein Haupttal, in einen See).

Schwemmrinne: hydraulische Förderer, der Feststoff mit Hilfe einer drucklosen Flüssigkeit, meist Wasser, in einer offenen oder geschlossenen, wenig geneigten Rinne unter Wirkung des Gefälles transportiert.

Schwenk: Bewegung einer Bildaufnahmekamera in der Horizontalen oder Vertikalen als dramaturgisch-künstlerisches Ausdrucksmittel oder zur Übersicht, Überleitung, Verfolgung von Bewegungen und dergleichen.

Schwenkflügelflugzeug: a) Form des Convertiplans (Senkrechtstartflugzeug);

b) Flugzeug, dessen Tragwerk zur Widerstandsverminderung für den Hochgeschwindigkeitsflug nach hinten an den Rumpf geklappt und zur Verbesserung der Langsamflugeigenschaften gespreizt werden kann.

Schwenkguss, Kippguss, Schaukelguss. Gießverfahren für Leicht- und Schwermetalllegierungen, bei dem die Form zur besseren Füllung und Dichtspeisung während des Gießens bewegt wird.

Schwerathletik: kaum noch üblicher Sammelbegriff für Sportarten mit besonders hohem Kraftaufwand (Ringen, Gewichtheben unter anderem).

Schwerbeschädigter: Person über 14 Jahre, deren Gesundheitszustand wegen eines dauernden Körperschadens gegenüber einem Gesunden um mindestens 50% gemindert ist und die den amtlichen Schwerbeschädigtenausweis besitzt. Im sozialistischen Staat wird der Schwerbeschädigter umfassend betreut, sozial besonders gesichert und im Arbeitsprozess zusätzlich geschützt.

Schwere, Schwerkraft: Geophysik Kraft, die in und auf der Erde sowie im erdnahen Raum auf jeden ruhenden Körper in Lotrichtung wirkt. Sie ist die Resultierende aus der Erdanziehung und der von der Erdrotation verursachten Zentrifugalkraft. SI-Einheit Newton (N). Die inhomogene Massenverteilung in der Erdkruste oder im Erdmantel ruft lokale oder großräumige Schwereänderungen (Schwereanomalien) hervor, die mit Gravimetern oder aus der Analyse von Satellitenbahnen bestimmbar sind. Kleinräumige Schwereanomalien können Hinweise auf mineralischen Lagerstätten geben. Zeitl. Schwankungen (Schwerevariationen) folgen aus der wechselnden Stellung von Mond und Sonne (Gezeiten). Siehe auch Gravitation.

schwerer Boden: schwer zu bearbeitender Boden; umfasst alle Böden aus lehmigem Ton bis Ton. Siehe auch Stundenböden.

Schwererziehbarkeit: Psychiatrie - mangelnde soziale Anpassungsfähigkeit, die, abgesehen von Milieuschädigung und Erziehungsfehlern, vorwiegend bei Kindern mit neurotischen Zügen (siehe auch Neurose) auftritt. Häufig findet sich aber auch eine frühkindliche Hirnschädigung, die vor der Geburt (Krankheiten und toxische Schädigungen von Seiten der Mutter, Abtreibungsversuche), während der Geburt (Früh- oder Zangengeburt) und im Frühkindesalter, zum Beispiel durch hirnorganischen Schäden, entstanden sein kann.

schweres Wasser: eine dem gewöhnlichen Wasser stark ähnelnde und darin im Verhältnis 1:6000 enthaltene Flüssigkeit; Deuteriumoxid, D20; F 3,82 °C; Kp 101,42 °C; Dichte (bei 20 °C) 1,105 g/cm3; das Dichtemaximum (1,107 g/cm3) liegt bei 11,6°C. Schweres Wasser zeigt die gleichen chemischen Reaktionen wie gewöhnt Wasser; sie erfolgen jedoch meist langsamer. Da auch Unterschiede in der Lösefähigkeit bestehen, gehen höhere Lebewesen bei Ersatz des gewöhnlichen Wassers durch schweres Wasser zugrunde. Die technische Gewinnung nutzt unter anderem die Tatsache, dass sich schweres Wasser bei der Elektrolyse wässriger Lösungen im Rückstand anreichert. Man verwendet schweres Wasser vor allem als Bremssubstanz in Kernreaktoren. Mit leichtem Wasser, H20, setzt sich schweres Wasser weitgehend zu halbschwerem Wasser, HDO (2,23 °C, Kp 101,76 °C), um, so dass das schwere Wasser im gewöhnlichen Wasser hauptsächlich in dieser Form enthalten ist.

Schwergüterzug: Durchgangsgüterzug mit mehr als 10% Lastüberschreitung.

Schwerhörigkeit: herabgesetztes Hörvermögen; durch spezielle Messungen (Audiometer) lassen sich Störungen des Schallantransportes (Luftleitung) von Störungen der Schallaufnahme (Innenohrleistung) unterscheiden. Ursachen von Störungen im Schallantransport sind verlegter Gehörgang, Ohrschmalzpfropf, Tubenbelüftungsstörungen (Tuben-Mittelohr-Katarrh), Mittelohrentzündungen (akut und chronisch) und Otosklerose. Ursachen von Störungen der Innenohrleistung sind Schäden an der Hörschnecke (entzündlich, mechanisch, toxisch) oder am Hörnerv, an den Hörbahnen und im Hörzentrum. Siehe auch Lärmschwerhörigkeit.

Schwerindustrie: Hauptzweig der Wirtschaft in industriell entwickelten Ländern, umfasst im wesentlichen Bergbau, Metallurgie, Kohle-, Erdöl- und chemische Industrie, Baumaterialienindustrie, Energieerzeugung, Schwermaschinenbau und Teile des allgemeinen Maschinenbaus. Ihre vorrangige Entwicklung im Sozialismus ist entscheidend für die Stärkung der materiell-technischen Basis.

Schweriner See: größter See im Westteil der Mecklenburgischen Seenplatte; 38 m über dem Meeresspiegel, 65,5 km2 (22 km lang, bis 6 km breit), bis 51 m tief; zum Teil von bewaldeten Höhen umgeben; über Störkanal und Eide mit der Elbe verbunden; am Südwestufer liegt Schwerin.

Schwerlastfahrzeug: von leistungsstarker, schwerer Zugmaschine geschleppter mehrachsiger Anhänger, meist mit Tiefladebühne zum Transport großräumiger und schwerer Lasten. Zwecks besserer Lastverteilung hat das Schwerlastfahrzeug je Achse mehrere luftbereifte Räder. Der Straßenroller (Culemeyer) ist eine Sonderform des Schwerlastfahrzeugs mit vollgummibereiften Rädern zum Transport von Güterwagen zu Empfängern ohne Gleisanschluss.

Schwerminerale: vor allem in Sedimenten, aber auch in Magmatiten akzessorisch auftretende Minerale mit einer Dichte >2,9 g/cm3. Schwerminerale sind besonders widerstandsfähige Minerale, zum Beispiel Granat, Disthen, Epidot, Rutil, Turmalin, Zirkon.

Schweröl: die bei der Destillation von Steinkohlenteer zwischen 230 und 270 °C siedende Teer Ölfraktion. Schweröl enthält neben Naphthalin und höheren aromatischen Kohlenwasserstoffen auch hochsiedende heterozyklische Verbindungen.

Schwerpunkt, Massenmittelpunkt: Punkt, in dem die gesamte Masse M eines Körpers vereinigt gedacht werden kann; der Ortsvektor R des Schwerpunkt ist das gewichtete arithmetische Mittel der Ortsvektoren r, aller Massenelemente. Wird ein starrer Körper in seinem Schwerpunkt unterstützt, befindet er sich in jeder Lage im Gleichgewicht. Der Schwerpunkt eines Systems, das keinen äußeren Kräften unterworfen ist, bewegt sich geradlinig gleichförmig (Schwerpunktsatz).

Schwerpunktsystem: Bezugssystem, in dem der Schwerpunkt eines Systems von Massenpunkten, zum Beispiel eines starren Körpers, ruht. Das Schwerpunktsystem ist der physikalischen Beschreibung der Relativbewegung der Massenpunkte, zum Beispiel beim Stoß oder Zerfall von Teilchen, besonders angepasst. Siehe auch Laborsystem.

Schwert: 1. von der Bronzezeit bis ins Mittelalter übliche Stoß- und Hiebwaffe mit langer, breiter und gerader (in Ostasien leicht gekrümmter), meist zweischneidiger spitzer Klinge; Griff mit Parierstange (Scheibe oder Querstange als Handschutz) und Knauf.

2. Segeln: Holz- oder Metallplatte, die auf Schwert- und Kielschwertbooten nach unten in das Wasser geklappt oder gesteckt werden kann, um die Abdrift zu verringern und einen Amwind-Kurs zu ermöglichen.

Schwertauflöser: Baumaschine mit krummsäbeligen Rührarmen. Ein Schwertauflöser wird der Waschmaschine für Kies und Sand vorgeschaltet, um abschlämmbare Verunreinigungen zu entfernen.

Schwertbrüderorden: Ritterorden, gegründet 1202; benannt nach der Tracht (rotes Schwert und Kreuz auf weißem Mantel); schloss sich 1237 nach Niederlage gegen die Litauer (1236) dem Deutschen Ritterorden als livländischer Zweig an, eroberte bis 1346 Livland, Kurland und Estland, 1242 (Schlacht auf dem Eise des Peipussees) am Vordringen nach Russland gehindert; 1561 von der polnisch-litauischen Union unterworfen und aufgelöst.

Schwertfisch, Xiphias gladius: bis 4 m langer, räuberisch lebender Meeresfisch mit schuppenloser Haut und langem schwertförmigem Fortsatz am Oberkiefer, Nutz- und Sportfisch.

Schwertfortsatz, Processus xiphoideus: unterer Abschnitt des Brustbeins.

Schwertlilie, Iris (griechisch) Iris: zu den Schwertliliengewächsen gehörende Gattung einkeimblättriger Stauden mit Zwiebel, Sprossknolle oder kriechendem Erdspross und daran sitzenden, meist schwertförmigen Blättern und großen zweiseitig-symmetrischen farbenprächtigen Blüten; etwa 200 Wildarten. Heimisch die gelb blühende Sumpfschwertlilie (Iris pseudacorus) und die blau blühende Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica). Von der aus dem Mittelmeergebiet stammenden violett blühenden Deutschen Schwertlilie (Iris germanica) gibt es heute viele Gartenformen.

Schwertschwänze, Pfeilschwanzkrebse, Xiphosura: zur Klasse Merostomata gehörende, wenige Arten umfassende Ordnung fühlerloser Gliederfüßer, die den Spinnentieren nahestehen; gekennzeichnet durch einen Rückenschild und körperlangen, schwertförmigen Schwanzstachel, insgesamt bis 60 cm lang; leben in den Küstengewässern Südostasiens und der USA im Schlamm- oder Sandgrund, wo sie Würmer und weichschalige Schnecken und Muscheln erbeuten.

Schwerttanz: im alten Griechenland und in Germanien Tanz zur Körperertüchtigung, kriegerisches Spiel; wurde seit dem ausgehenden Mittelalter als Aufzugstanz von Zünften (Schmiede, Messerer, Knappen) ohne Kampfcharakter als Repräsentationstanz in zahlreichen Formen bis ins 19. Jahrhundert gepflegt; Hauptfiguren waren Kreis, Schlange, Tore, Brücken, Rose. Die Schwerttänze der Bauern hatten Fruchtbarkeitscharakter.

Schwertträger, Xiphophorus hellen: 10 cm langer lebendgebärender Zahnkarpfen Mittelamerikas; Männchen mit zum Teil schwertförmig verlängerter Schwanzflosse; Aquarienfisch mit zahlreichen Zuchtformen. Siehe auch Zahnkarpfen.

Schwertwal, Mörderwal, Orcinus orca: weltweit verbreiteter, bis 9 m langer Zahnwal mit schwertartig verlängerter Rückenflosse (bis 1,8 m); lebt in Rudeln («Schulen») und jagt Fische, Delphine und Robben.

Schwetzingen: Gemeinde im Kreis Mannheim, in Baden-Württemberg; 18000 Einwohner Barockes Schloss (1699/1715); künstlerisch bedeutend der Park, eine harmonische Verbindung von spätbarock-geometrischer Anlage, englischer Landschaftspark und frühromantische Gartengestaltung; zahlreiche Parkbauten verschiedener Architekturstile. Seit 1955 jährlich (Mai/Juni) im Schloss Schwetzinger Festspiele (Oper, Schauspiel, Konzert, Tanz).

Schwibbogen, (althochdeutsch) Schwebebogen: frei stehender Bogen, zwischen 2 Mauern eingespannt.

Schwiele: (zu «schwellen») 1. umschriebene Verdickung der Hornschicht der Haut durch anhaltende Druckwirkung (Hautschwiele).

2. krankhafte Bindegewebebildung (Narbe) in Organen (zum Beispiel Herzschwiele nach Herzinfarkt).

Schwielenwels, Callichthys callichthys: langer südamerikanischer Panzerwels mit sehr langen Barteln; sehr variabel gefärbt; treibt Brutpflege; Aquarienfisch.

Schwielochsee: von der Spree durchflossener See südlich von Beeskow; 41 m über dem Meeresspiegel, 10,5 km2, bis 7 m tief.

Schwimmart: Art der Fortbewegung im Wasser mit speziellen Bewegungen der Arme und Beine. Sportschwimmart sind Brust-, Kraul-, Rücken- und Schmetterlingsschwimmen.

Schwimmbad: Sportanlage für Schwimmsport und allgemeinen Badebetrieb; Unterscheidung in Schwimmbäder an natürlichen Gewässern; Schwimmbäder mit mehreren künstlichen Becken; kombinierte Becken mit mehreren Nutzungsmöglichkeiten; Schwimmstadien mit wettkampfgerechtem, 50 m langem, mindestens 21 m breitem und 1,8 m tiefem Schwimmbecken, Sprungbecken von 4,5 bis 5 m Tiefe unter anderem; Hallenbäder mit 25-m-Becken; Sportschwimmhallen mit Anlagen wie Schwimmstadien.

Schwimmblase: als Ausstülpung der Schlundwand mit Luft oder Gasgemisch gefülltes Organ der Knochenfische; ermöglicht Schweben im Wasser und Wahrnehmung von Druckschwankungen (Schallwellen).

Schwimmer, Max, 9.12.1895-12.3.1960, Maler und Graphiker, Autodidakt, progressiver Pressezeichner, 1926/33 Kunstgewerbeschullehrer in Leipzig, vom Faschismus durch Berufs- und Ausstellungsverbot gemaßregelt, 1946/60 Professor an den Kunsthochschulen Leipzig und Dresden. Nach expressionistischem Beginn formte er, beeinflusst unter anderem von M. Slevogt und dem französischen Impressionismus, einen eigenständigen Stil. Schwimmer wurde besonders mit seinen meisterhaften geistvoll-impulsiven Illustrationen zur Weltliteratur ein Wegbereiter der DDR-Kunst.

Schwimmerventil: Verschlussteil einer Regeleinrichtung in der Zuleitung zu einem Flüssigkeitsbehälter (zum Beispiel im Abortspülkasten).

Schwimmfarn, Salvinia natans: frei schwimmender, seltener Wasserfarn mit zweizeilig gestellten, ovalen, warzigen Schwimmblättern und wurzelartig aufgeteilten Wasserblättern; Sporangien in kugeligen Behältern mit kleinen männlichen und großen weiblichen Sporen; auch Aquarienpflanze. Siehe auch Farne.

Schwimmkäfer, Dytiscidae: Käferfamilie; bis 5 cm lang, Körper flach gewölbt, Hinterbeine zu Schwimmbeinen umgeformt; Käfer flugfähig, wie ihre Larven räuberisch im Wasser lebend.

Schwimmkastengründung: Flachgründung für Wasserbauten, bei der ein an Land gebauter wasserdichter und oben offener Hohlkörper aus Stahl oder Stahlbeton schwimmend zur Einbaustelle gebracht und zwischen Leitpfählen mit Sand oder Beton gefüllt auf die vorbereitete Sohle als Fundament für das Bauwerk abgesenkt wird.

Schwimmpflanzen: Wasserpflanzen, die entweder frei schwimmen, wie zum Beispiel die Wasserlinse, oder am Grund wurzeln und Schwimmblätter besitzen, wie die Seerose.

Schwimmsand: stark wasserführende, besonders feinkörnige Sande, die infolge geringer innerer Reibung zum Fließen, neigen und zum Beispiel im Berg- und Verkehrsbau technisch schwer zu beherrschende Schwimmsandeinbrüche verursachen.

Schwimmsport: Sammelbegriff für sportliche Übungen im Wasser, umfasst Sport-, Kunst- und volkstümliches Schwimmen sowie Wasserball und -springen.

Schwimmstoffe: Abwasserkunde Feststoffe, meist organischer Herkunft, die an der Wasseroberfläche schwimmen oder zu ihr aufsteigen; können durch Fett-, Benzinabscheider u. ä. entfernt werden.

Schwimmweste, Rettungsweste: am Körper getragenes individuelles Seenotrettungsmittel, das in der ursprünglichen Westenform nur noch beim Wassersport und auf den Binnengewässern Verwendung findet. Für die Seeschifffahrt ist dagegen ein Rettungskragen aus synthetischen oder Naturfasergewebe mit Schaumstofffüllung vorgeschrieben.

Schwind, Moritz von, 21.1.1804-8.2.1871, österreichischer Maler und Graphiker, schuf neben poetisch gestimmten Tafelbildern zahlreiche Wandgemälde, von denen die Wartburgfresken (1853/55) zu den bedeutendsten gehören. Große Volkstümlichkeit erlangten seine Bilderbogen und Illustrationen zur Literatur, zu Opernstoffen, Sagen und Märchen (E. Mörikes «Historie von der schönen Lau»). Sie weisen ihn als einen der besten Zeichner der österreichischen beziehungsweise deutschen Spätromantik aus.

Schwindel: 1. (kleine) Unwahrheit, Lüge; Sache, von der man nicht viel hält.

2. Fehlwahrnehmung der Lage des Körpers im Schwerefeld (Lageschwindel) oder bei einer Drehung (Drehschwindel), bei Überreizung beziehungsweise Störungen des Gleichgewichtssinnes beziehungsweise seiner Strukturen. Die auf Grund der Fehlwahrnehmungen erfolgenden falschen Korrekturbewegungen können zum Hinstürzen führen. Oft ist Schwindel mit Übelkeit, Schweißausbruch und Erbrechen verbunden.

Schwinden:

1. Bautechnik: Volumenverringerung eines Baustoffs durch Feuchtigkeitsabgabe beim Abbindeprozess; dabei auftretende Spannungen können zu Rissen führen. Das Schwindmaß (Längenänderung in mm/m) ist abhängig von Temperatur, Luftfeuchte, Zeit, Volumen und Zusammensetzung des Baustoffs.

2. Gießereitechnik: Volumenverringerung des flüssigen Gusswerkstoffes beim Erkalten. Die Gießformen müssen deshalb je nach Werkstoff etwa 1 bis 3 % Schwindmaß) größer als die Gussstücke sein.

Schwindling, Marasmius: Gattung der Blätterpilze mit kleinen, dünnstieligen Fruchtkörpern, die nach Eintrocknen bei Befeuchtung wieder aufleben; zum Beispiel Küchenschwindling (Marasmius scorodonius, Mousseron) und Nelkenschwindling (Marasmius oreades; essbar).

Schwingankermotor: ein mit Wechselstrom oder Stromimpulsen gesteuertes Gerät oder Motor, auf dessen Anker bei jeder Richtungsänderung des Wechselstroms beziehungsweise jedem Impuls eine elektromagnetische Kraft einwirkt. Der Schwingankermotor lässt sich für Längsschwingungen (zum Beispiel Rasierapparat, Massagegerät, Schüttelrinne) und Drehschwingungen ausführen.

Schwingbelwert: Multiplikationsfaktor für die bei ruhenden Lasten ermittelten Momente dynamisch beanspruchter Tragwerke (Brücken) als Ersatz für die genaue Berechnung.

Schwingboden: Fußbodenkonstruktion für Sporthallen, die meist durch versetzte Auflagerung sich kreuzender Lagerhölzer gleichmäßig flächenelastisch wirkt («schwingendes System»), Der auf der Unterkonstruktion ruhende Blindboden trägt die Nutzschicht (Parkett o. ä.).

Schwinge: Vogelflügel; den flugmechanischen Anforderungen entsprechende spezialisierte Federarten.

Schwingel, Festuca: artenreiche Gattung der Süßgräser, in Trockenrasen, Wäldern, Wiesen und Weiden verbreitet; viele wichtige Futtergräser, zum Beispiel Wiesenschwingel, Rotschwingel.

Schwingen: Lösen verholzter Stengelteile von Bastfasern durch Knicken und Schlagen.

Schwinger, Julian Seymour, geboren 12.2.1918, US-amerikanischer Physiker; leistete bedeutende Beiträge zur Entwicklung der Quantenelektrodynamik.

Schwingförderer: Stetigförderer für waagerechten oder leicht geneigten und bei besonderer Ausbildung des Schwingförderers auch für vertikalen Transport von Schütt- oder kleinteiligen Stückgütern. Das als Rinne oder Rohr (Rohr-Schwingförderer) ausgebildete Tragorgan wird durch einen Erreger in eine schnelle Schwingbewegung versetzt. Die während des Vorhubs auf das Fördergut übertragene kinetische Energie führt während des Rückhubs infolge der Massenträgheit zu einer relativen Verschiebung des Gutes gegenüber dem Tragorgan und damit zur Vorwärtsbewegung.

Schwingkreis, Resonanzkreis, Schwingungskreis: aus Kondensator (Kapazität), Spule (Induktivität) und (Verlust-) Widerstand bestehendes elektrisches Netzwerk in Parallel- oder Reihenschaltung, in dem elektromagnetische Schwingungen erregt werden können und das einen frequenzabhängigen Klemmenwiderstand aufweist. Liegt am Schwingkreis eine Wechselspannung mit einer der Eigen- (Resonanz-) Frequenz des Schwingkreis (fast) gleichen Frequenz, weist der Parallelschwingkreis (Sperrkreis) einen sehr hohen, der Reihenschwingkreis (Saugkreis) einen sehr geringen Widerstand auf. Dadurch eignet sich der Schwingkreis zur Frequenzselektion. Anwendung in selektiven Verstärkern, Oszillatoren, Filtern, Sendern und Empfängern.

Schwingmühle: Maschine für die Fein- und Feinstzerkleinerung; besteht aus einem zylindrischen oder Trog ähnlichen, elastisch aufgehängten Mahlgefäß, das mittels eines Antriebssystems zu Kreisschwingungen (1000 bis 1500 je min) angeregt wird. Im Mahlgefäß befinden sich Mahlkugeln (etwa 10 mm Durchmesser), die, angeregt durch die Schwingungen, periodischer Wurfbewegungen ausführen und dabei das Mahlgut vor allem durch Schlag zerkleinern. Schwingmühle werden für die nasse oder trockene Mahlung von Farben, Lacken, Glasuren, Metallpulvern unter anderem eingesetzt.

Schwingquarz: Quarzkristallblättchen, dessen mechanische Eigenresonanz durch Ausnutzung des piezoelektrischen Effekts zur Stabilisierung der Schwingfrequenz eines Oszillators (Quarzoszillator) oder zur Herstellung von Filtern (Quarzfilter) verwendet wird.

Schwingsystem: zeitbestimmendes mechanisches Teil des Uhrwerks, das periodische Schwingungen ausführt und damit den Ablauf der Uhr zeitlich regelt (Gangregler). Unterscheidungen in

a) Pendel, eine Masse, die um den Drehpunkt in einer Ebene hin- und herschwingt, oder Masse, die sich hin- und herdreht und dabei ein Federband windet (Torsionspendel in Jahresuhren);

b) Unruh;

c) Stimmgabel, die elektronisch zum Schwingen angeregt, das Räderwerk zur Zeitangabe in Armbanduhren steuert;

d) Quarzkörper (Quarzuhr). Das Schwingsystem schafft gleichbleibende, durch Schwingungen erzeugte Zeitintervalle, die durch die Uhr fortlaufend aneinandergereiht und in ihrem Ablauf erkennbar gemacht werden.

Schwingung, Oszillation: zeitlich periodische Änderung einer physikalischen Größe x (zum Beispiel Länge einer Feder, elektrische Feldstärke). Eine Schwingung wird gekennzeichnet durch ihre Schwingungs- oder Periodendauer, beziehungsweise ihre Frequenz, durch die Schwingungsweite oder Amplitude A sowie durch ihre Phase. Schwingung mit zeitlich konstanter Amplitude heißen ungedämpft, sonst sind sie gedämpft oder anwachsend. Schwingung unter dem Einfluss äußerer Einwirkungen heißen erzwungen, fehlen diese, heißen sie frei Harmon. Schwingungen entstehen, wenn die rücktreibende Kraft proportional zur Auslenkung aus der Ruhelage ist, bei ihnen ändert sich die Auslenkung sinusförmig mit der Zeit; siehe auch Schwingungsgleichung.

Schwingungsaufnehmer: Gerät zur Messung mechanischer Schwingungen beziehungsweise von Körperschall. Schwingungsaufnehmer enthalten meist elektromechanische Wandler, um die Schwinggeschwindigkeit oder Beschleunigung des Messobjekts in elektrische Signale umzuformen, die anschließend verstärkt, gefiltert und angezeigt oder gespeichert werden.

Schwingungsgleichung: mathematische Beschreibung eines Schwingungsvorgariges durch eine Differentialgleichung. Für freie harmonische Schwingungen einer physikalischen Größe; als Lösung ergibt sich x = A sin (wt +

Schwingungsmessgerät: elektrisches Gerät zur Messung mechanischer Schwingungen nach Amplitude, Geschwindigkeit oder Beschleunigung für Untersuchungen an Maschinen, Brücken, Gebäuden oder Fahrzeugen.

Schwingungsquantenzahlen: bei der quantenmechanischen Beschreibung der Spektren zwei- oder mehratomiger Moleküle auftretende Quantenzahlen, die die Anregungsstufen der verschiedenen Schwingungsformen charakterisieren.

Schwirle, Locustella: Gattung graubraun gefärbter, grasmückenartiger Singvögel; leben in unterholzreichen Auwäldern und Feuchtgebieten Nordeurasiens und Mitteleuropas; Zugvögel.

Schwirrholz: kultisches Instrument (besonders bei Kultfeiern) der australischen Ureinwohner, einiger melanesischen Gruppen und ostbrasilianischen Indianer, an einer Schnur befestigt, blattförmig; wird in rasch kreisende Bewegung versetzt und das schwirrende oder brummende Geräusch als Stimme der Buschgeister gedeutet.

Schwitters, Kurt, 20.6.1887-8.1.1948, Maler, Graphiker, Plastiker und Schriftsteller; nach expressionistischen und kubistischen Anfängen ging er 1919 zur abstrakten Collage über und fügte dem Dadaismus als Spätphase die sogenannte MERZ-Kunst hinzu; 1923/32 Herausgabe der Publikationsreihe «MERZ»; seine MERZ-Bilder, geometrische-abstrakte Collagen aus Metall-, Holz- oder Textilteilen, sind ein Protest gegen überholte ästhetische Wertbegriffe der kapitalistischen Gesellschaft. 1937 vom Faschismus als entartet verfeint, emigrierte er nach Norwegen und 1940 nach Großbritannien. Sein literarisches Werk umfasst dramatische und kritische Texte, Manifeste, Prosa und Gedichte (dadaistischer Gedichtband «Anna Blume», 1919).

Schwitzen:

1. Landwirtschaft: Nachreifevorgang beim Lagern von Getreide, wo unter Selbsterwärmung Wasser und Kohlendioxid ausgeschieden werden.

2. Physiologie: Schweiß.

Schwöden: Aufträgen eines Breis aus gelöschtem Kalk, Natriumsulfid und Wasser auf der Aasseite von Häuten oder Fellen zur schonenden Lockerung von Haaren beziehungsweise Wolle.

Schwoien: kreisförmige Bewegung eines auf der Reede ankernden Schiffes um die Ankerliegestelle.

Schwund: (zu «schwinden») 1. Schwund, Fading: bei Mehrwegeausbreitung elektromagnetische Wellen (zum Beispiel als Boden- und Raumwelle) durch Interferenz verursachte statistische Schwankung der Empfangsfeldstärke; um trotzdem die Ausgangsleistung von Funkempfängern weitgehend konstant zu halten, haben diese eine automatische Schwundregelung.

2. bei Lagerung, Transport und Verkauf bestimmter Waren eintretender Verlust an Menge und Masse.

Schwungrad: Rad mit schwerem Radkranz aus Gusseisen beziehungsweise Stahl, das durch sein Massenträgheitsmoment mechanische Energie speichert und damit einen gleichmäßigen Gang von Kolbenmaschinen bewirkt.

Schwurgericht: in zahlreichen bürgerlichen Staaten Gericht, das für die Entscheidung über besonders schwere Straftaten gebildet wird und mit Berufsrichtern und Geschworenen besetzt ist.

Schwyz: 1. Kanton in der Schweiz, einer der 3 Urkantone, in der mittleren Schweiz, zwischen Zürichsee, Zuger und Vierwaldstätter See; 908 km2, 99000 Einwohner; 109 Einwohner/km2; Hauptort Schwyz2\ im Norden Anteil am Schweizer Mittelland, im Süden an den nördlichen Kalkalpen; Viehzucht (Rinder), Almwirtschaft, in den Tälern Obstbau; Baumwoll-, Seiden-, Holz-, keramische Industrie; Wasserkraftwerke; Fremdenverkehr.

2. Hauptort von Schwyz 1; am Fuße des Mythen, im Tal der Muota; 12300 Einwohner; Baumwoll-, Metallverarbeitung, Zelluloseindustrie; Obstbau; Fremdenverkehr.

Sciascia, Leonardo, geboren 8.1.1921, italienischer Erzähler und Essayist; gestaltet in Erzählungsbänden («Die Tante aus Amerika», 1964, teilweise Deutsch; «Das weinfarbene Meer», 1973, deutsch) und zahlreichen Romanen («Der Tag der Eule», 1961, deutsch; «Der Abbe als Fälschen), 1963, deutsch; «Tote Richter reden nicht», 1971, deutsch) die widerspruchsvolle Gegenwart und Vergangenheit seiner sizilianische Heimat.

Scilly-Inseln: Inselgruppe südwestlich der Südwestspitze Englands (Großbritannien), 40 km von Cornwall entfernt, aus etwa 140 Inseln und Klippen bestehend; 16 km2, 2400 Einwohner; Hauptort und -hafen Hugh Town\ bis 51m hoch; sehr mildes Seeklima; subtropische Pflanzen; Fischerei; Blumenzucht; prähistorische Funde.

Scinteia: (rumänisch, «Funke») Zentralorgan der Rumänische KP; gegründet 1931, bis 1944 illegal, erscheint in Bukarest.

Scipio, Beiname des altrömischen patrizischen Geschlechts der Comelier; die bekanntesten sind: 1. Publius Cornelius Scipio Africanus maior, Scipio d. A., um 235-183 vor Christus, römischer Politiker und erfolgreicher Feldherr im 2. Punischen Krieg; eroberte 209 Neukarthago (heute Cartagena) und vertrieb bis 206 die Karthager aus Spanien; schlug 202 bei Zama Hannibal.

2. Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus minor, Scipio d. J., um 185-129 vor Christus, römischer Feldherr, als Oberbefehlshaber im 3. Punischen Krieg eroberte und zerstörte er 146 Karthago.

Sckell, Friedrich Ludwig von, 13.9.1750 bis 24.2.1823, Gartenarchitekt; wirkte als Hofgärtner in Schwetzingen, Baden-Baden, Nymphenburg, Laxenburg und zuletzt als Hofgartenintendant in München (Engl. Garten; 1789).

Scofield, Paul, geboren 21.1.1922, britischer Schauspieler; entwickelte sich im Ensemble der Royal Shakespeare Company besonders in Zusammenarbeit mit dem Regisseur P. Brook zu einem der führenden Shakespeare-Darsteller; seit 1970 im Ensemble des britischen Nationaltheaters.

Scoresbysund: Fjord an der Ostküste Grönlands; 300 km lang; am Nordufer die nördlichste Eskimodauersiedlung (über 70° nördliche Breite) mit 290 Einwohner; Fischfang, Jagd; meteorologische Station; Erdbebenwarte. Nach dem britischen Seeoffizier W. Scoresby benannt, der 1822 den Scoresbysund erforschte.

Scorza, Manuel, 1928-27.11.1983 (verunglückt), peruanischer Schriftsteller; gestaltete, selbst Mestize, engagiert und erregend, Authentisches und Überliefertes, Reales und Irreales miteinander verbindend, die Lage der indianischen Bauern und ihren Kampf um soziale Befreiung (Romanzyklus «Der lautlose Krieg», 1970/77; unter anderem «Trommelwirbel für Rancas», 1970, deutsch; «Garabombo, der Unsichtbare», 1972, deutsch).

Scotch: Kurzbezeichnung für schottischen Whisky.

Scotland Yard: bis 1890 Hauptgebäude der Polizei Londons, danach Umzug in das als «New Scotland Yard» bezeichnete Gebäude; übertragen Londoner Kriminalpolizei.

Scott: 1. Robert Falcon, 6.6.1868-Ende März 1912, britischer Polarforscher, entdeckte auf seiner ersten Antarktisexpedition 1899/1904 das König Edward-VII.-Land; erreichte am 18.1.1912, wenige Tage nach R. Amundsen, den Südpol; kam auf dem Rückmarsch mit seinen Begleitern ums Leben.

2. Sir Walter, 15.8.1771-21.9.1832, schottischer Dichter und Romancier; begann mit romantischer Verserzählungen («Die Jungfrau vom See», 1810, deutsch), begründete den historischen Roman in Europa mit über 40 Romanen zur schottisch («Waverley oder ’s ist 60 Jahre her», 1814, deutsch), englisch («Ivanhoe», 1820, deutsch; «Kenilworth», 1821, deutsch) und kontinentalen Geschichte der Feudalgesellschaft («Quentin Durward», 1823, deutsch); schrieb unter anderem auch eine «Geschichte Schottlands» (1829/30). Scott war von großem Einfluss auf andere Nationalliteraturen (J. F. Cooper, Stendhal, V. Hugo, G. Mazzini, G. Freytag).

Scottsboro Fall: Justizmordversuch an 9 jungen Afroamerikanern in Scottsboro (Alabama/ USA) 1931; wegen angeblicher Vergewaltigung wurden 8 zum Tode verurteilt, der jüngste (14 Jahre) zu lebenslanger Haft. Der Kampf um die Freilassung trug zur Aktivierung des antifaschistischen-demokratischen Kampfes in den USA bei; 4 der Verurteilten wurden 1937 freigelassen, der letzte erst 1950.

Scout: (englisch, «Späher») Bezeichnung für eine meist vierstufige US-amerikanische Feststoffrakete, die seit 1961 in zahlreichen Versionen als Trägerrakete für kleinere Raumflugkörper eingesetzt wird.

Scranton: Stadt im Nordosten des Bundesstaates Pennsylvania (USA), im Lackawanna Tal; 88000 Einwohner; Maschinen- und Fahrzeugbau, Textil-, elektronische Industrie; Verkehrsknoten; Universität, Zweig der Pennsylvania-Universität; Berg Werksmuseum.

Screening, (englisch, «Prüfung») Siebtestung: medizinische Untersuchungsmethode, um in Bevölkerungsgruppen einzelne Personen mit noch unbekannten oder unbehandelten Gesundheitsstörungen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt des Krankheitsverlaufes herauszufinden. Nach endgültiger Diagnosestellung soll eine frühzeitig einsetzende Behandlung die Prognose der Gesundheitsstörung verbessern.

Scribe, Eugène, 24.12.1791-20.2.1861, französischer Dramatiker, Verfasser zahlreicher technisch perfekter, gesellschaftlich meist unverbindliche Boulevardstücke («Ein Glas Wasser», 1840, deutsch) und Opernlibretti («Die Hugenotten», 1836, deutsch).

Scrimmage: American Football hartes Gedränge, bei dem jeder jeden angreifen kann.

Scriptores Historiae Augustae, (lateinisch, «Die Schriftsteller der Kaisergeschichte») Abkürzung SHA: Sammlung der Biographien römischer Kaiser von Hadrian bis Carinus (117 bis 285 nach Christus), die 6 Historikern der Zeit Diokletians und Konstantins I. zugeschrieben wird; als historische Quelle unentbehrlich, aber vielfach unzuverlässig.

Scudery, Madeleine de, 15.10.1607 bis 2.6.1701, französische Schriftstellerin; Trägergestalt der preziösen Salonkultur im absolutistischen Frankreich; bekannt durch ihren in der Tradition der Schäferliteratur stehenden mehrbändigen Roman «Clélie» (1660, deutsch).

Scudo: italienisch Silbermünze, in Gewicht und Feingehalt dem Taler ähnlich; von 1551 bis ins 19. Jahrhundert geprägt; zeigte häufig auf dem Revers einen Schild.

sculps, sc. (Abkürzung für sculpsit, lateinisch, «hat (es) gestochen»): Zusatz auf Kupferstichen vor oder hinter dem Namen oder Monogramm des Stechers.

Sculptor: das Sternbild Bildhauer(werkstatt).

Scylla und Charybdis, Skylla und Charybdis, in der griechischen Sage Meeresungeheuer zu beiden Seiten einer Meerenge, die die durchfahrenden Schiffe vernichteten; bedrohten Odysseus; sprichwörtlich für 2 unvermeidliche gleichgroße Übel.

Seaborg, Glenn Theodore, geboren 19.4.1912, US-amerikanischer Chemiker; Professor in Berkeley. Unter seiner Leitung wurden viele Transurane erstmals künstlich hergestellt.

Seal, Sealskin: Fell der Bärenrobbe mit im oberen Teil schwarzen, am Grunde gelbbraunen Grannen und seidiger, hellbrauner Unterwolle; bei Veredlung grannenlos, schwarz- oder braungefärbt.

Sealsfield, Charles, eigentlich Karl Anton Postl, 3.3.1793-26.5.1864, österreichischer Schriftsteller; floh 1823 aus einem katholischen Orden nach Nordamerika, lebte ab 1832 in der Schweiz; verfasste republikanisch engagierte Volksromane («Der Legitime und die Republikaner), 1833), anschauliche realistische «Lebensbilder aus beiden Hemisphären» (6 Bände, 1834/37) sowie den Erzählungszyklus «Das Kajütenbuch oder Nationale Charakteristiken» (2 Bände, 1841).

Seattle: Stadt im Nordwesten des Bundesstaates Washington (USA), am Puget Sund; 490000 Einwohner, als Metropolitan Area (Seattle-Everett) 1,6 Millionen Einwohner; Luft- und Raumfahrtindustrie (Sitz der Boeing Aircraft Co.), Maschinen-, Schiffbau, elektronische Industrie; Flughafen, Marineflugzeugstützpunkt, günstiger Naturhafen; Weltmesse 1962; 2 Universitäten.

Sebcha: Bezeichnung für Lehmwüste in Nordafrika.

Sabha, Sebha: Bezirksstadt im Südwesten Libyens, in einer Oase der Sahara, wichtigster Ort vom Fessan; 40000 Einwohner; Handwerksbetriebe; Handelszentrum; Straßenknoten, Flughafen; altes Fort.

Sebnitz: Kreisstadt im Bezirk Dresden, im Elbsandsteingebirge, an der Grenze zur CSSR; 12000 Einwohner; Fertigung von Kunstblumen, Landmaschinen, Werkzeugen, Feinchemikalien, Webwaren, Oberbekleidung, Plast- und Holzerzeugnissen; Heimatmuseum; Kunstblumenschau.

Seborrhoe, Schmerfluss, Talgfluss: erblich bedingte übermäßige Entwicklung des Fettmantels der Oberhaut durch gesteigerte Absonderung der Talgdrüsen; mit zunehmendem Alter Rückgang. Die Seborrhoe kann andere Krankheiten zur Folge haben, zum Beispiel Akne, Rosacea, bestimmte Ekzemformen und Haarausfall.

Sebum, Talg: das feste Fett der Pflanzen und Tiere, zum Beispiel Sebum ovile (Hammeltalg), Sebum taurinum (Rindertalg).

SECAM-Verfahren, Kurzwort fur séquentiel à mémoire, französisch, «(zeitlich) aufeinanderfolgend mit (Zwischen-) Speicherung»: aus dem NTSC-Verfahren in Frankreich entwickeltes, von sozialistischen Ländern übernommenes Farbfernsehverfahren, bei dem die Farbinformation zweier aufeinanderfolgender Zeilen zeitlich nacheinander übertragen wird (Sequential-Verfahren); Farbtonverfälschung bei der Übertragung werden dadurch vermieden.

Secchi, Angelo, 29.6.1818-26.2.1878, italienischer Astronom; Jesuit; einer der Begründer der Astrophysik; arbeitete über Spektroskopie, Sonne, Planeten, Kometen und Meteore.

Secchia, Pietro, 19.12.1903-7.7.1973, italienischer Arbeiterführer; seit 1921 Mitglied der KP, 1943/45 als Generalkommissar der Garibaldi-Brigaden einer der Organisatoren der italienischen Partisanenbewegung; 1948/54 stellvertretender Generalsekretär der KP.

Seccomalerei: Wandmalerei auf trockenem Putz im Unterschied zum Fresko. Sie steht diesem an Haltbarkeit zwar beträchtlich nach, bietet jedoch maltechnische Vorteile: das Bild muss nicht abschnittweise in einzelnen Arbeitsgängen vollendet werden; auch Korrekturen sind möglich. Beide Techniken, Fresko und Seccomalerei, können miteinander kombiniert werden (sogenannt Mezzo Fresco).

Secessio plebis: (lateinisch, «Absonderung des Volkes») Auszug der zum Kriegsdienst und zum Zensus verpflichteten, politisch aber rechtlosen Plebejer aus dem antiken Rom als äußerstes Kampfmittel zur Durchsetzung sozialer Forderungen und politische Rechte. 3 Secessiones sollen stattgefunden haben (494, 449 und 287 vor Christus).

Sechsstädtebund: Bund der 6 Oberlausitzer Städte Bautzen, Görlitz, Zittau, Kamenz, Löbau und Lauban (Lubän, Polen); diente der Sicherung des Landfriedens und der Herrschaft des Patriziats in den Städten; zerfiel im 16. Jahrhundert.

Sechsstern: mit dem Zirkel konstruiertes Ornament; als Ritz- oder Kerbschnittmuster auch in der Volkskunst beliebtes Motiv.

Sechsundsechzig: Kartenspiel zu zweit mit einer Skatkarte zu 32 Blatt. Wer zuerst 66 Augen in seinen Stichen hat, gewinnt.

Sechszehenfrosch, Rana hexadactyla: bis 14 cm langer, überwiegend grüner Frosch mit einem kleinen Höcker am Grunde der 1. Zehe; frisst Insekten und kleine Wirbeltiere; bewohnt Gewässer der Tiefländer Vorderindiens und Ceylons.

Sedan: Stadt im Nordosten Frankreichs, an der Maas; 25OOO Einwohner; Herstellung von Metallwaren und Wollstoffen; Textilfachschule. Am 1./2.9.1870 fand bei Sedan die entscheidende Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 statt; die französische Armee kapitulierte, Napoleon III. wurde gefangengenommen.

Seddin: Gemeinde im Kreis und Bezirk Potsdam, südlich von Potsdam; 800 Einwohner; Rangierbahnhof von internationaler Bedeutung im Transitverkehr.

Sediment: durch Verwitterungsvorgänge gebildetes unverfestigtes Ablagerungsgestein, das durch 1 Diagenese zu Sediment verfestigt wird.

Sedimentation:

1. Chemie: Absetzen aufgeschlämmter oder suspendierter Teilchen unter der Wirkung von Schwer- oder Zentrifugalkraft.

2. Geomorphologie: Ablagerung.

Sedimentationszyklus: im weiteren Sinne die mehrfache Wiederholung einer aus verschiedenen Gesteinen bestehenden Schichtenfolge. Unter sedimentären Großzyklen versteht man das sich durch epirogenetische Senkung und Hebung kontinentaler Krustenteile ergebende sedimentäre Geschehen. Beim Übergreifen des Meeres (Transgression) entstehen unter anderem Konglomerate und Sandsteine. In der Phase der tiefsten Absenkung der Kruste (Inundation, Immersion) werden Tone, Mergel und Kalke des tiefen Wassers abgelagert. Später, beim Zerfall des einheitlichen Sedimentationsbeckens (Differentiation), werden Riffkalke auf Schwellen und dunkle Tone und Kalke in Becken gebildet. Beim Zurückweichen des Meeres (Regression) entstehen in Restbecken Kohle- und Erdöl-Erdgas-Lagerstätten und Salzakkumulationen. Bei der Hebung des Meeresbodens (Emersion) werden vom zurückweichenden Meer bunte terrestrische Sedimente abgelagert.

See: Wasseransammlung in einer natürlichen, geschlossenen Hohlform der Landoberfläche (stehendes Gewässer); der Entstehung entsprechend werden Abdämmungssee, Eintiefungssee und Reliktsee unterschieden. Die tiefsten See befinden sich im Bereich tektonischer Gräben; Wasserversorgung der See erfolgt durch Niederschlag, Wasserläufe, Quellen und Grundwasser. Schaltseen werden von einem Flusslauf durchflossen; Endsee sind abflusslos (Verdunstung übersteigt Zufluss) und versalzen infolge ständiger Mineralzufuhr.

Seeadler, Haliaeetus: in der Nähe von Gewässern lebende Greifvögel, die sich von Fischen, Meeresenten, Kleinsäugern und auch von Aas ernähren. Bis 1 m lang und 6 kg schwer der Seeadler (Haliaeetus albicilla), lebt in Eurasien, Island und Südgrönland; brütet auf hohen Bäumen oder Felsen in einem mächtigen Horst 1 bis 3 Eier aus, jedoch nicht jedes Jahr. Von Lachsen, Hasen und Füchsen lebt der Riesenseeadler (Haliaeetus pelagicus), der in Kamtschatka vorkommt.

Seeanemonen, Anemonia: Gattung der Seerosen; umfasst skelettlose Korallentiere mit zahlreichen, über 10 cm langen Tentakeln.

Seebär: (zu niederdeutsch boeren, «heben») Wasserstandsschwankung, die gelegentlich an der Nordsee- und Ostseeküste auftritt; wird durch meteorologische Erscheinungen (zum Beispiel Gewitterböen) ausgelöst.

Seebären, Pelzrobben-. Ohrenrobben mit dichtem Wollhaar unter grannigem Deckhaar, einfarbig bräunlich. Der Nördliche Seebär (Bärenrobbe, Callorhinus ursinus) wird bis 350 kg schwer und über 2 m lang, er lebt auf den Inseln des Beringmeeres. Die 7 Arten der südlichen Seebären (Arctocephalus) bewohnen die Meere der Südhalbkugel.

Seebeben: Erdbeben, dessen Herd unter dem Meeresboden liegt; es erzeugt an den umliegenden Küsten gefährliche Flutwellen (siehe auch Tsunami).

Seeckt, Hans von, 22.4.1866-27.12.1936, General und Politiker, baute als Chef der Heeresleitung (1920/26) die Reichswehr zu einem schlagkräftigen Instrument des deutschen Imperialismus auf (zum Beispiel 1923 Einsatz gegen die Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen), lehnte aber aus taktischen Gründen eine schroff antisowjetische Politik ab; ab 1930 ein Wegbereiter des Faschismus.

Seedrachen, Chimären, Holocephali: zu den Knorpelfischen gehörende Meeresfische mit großem Kopf, langem 1. Rückenflossenstachel mit Giftdrüse und großen Brustflossen. Im Atlantik und Mittelmeer lebt die bis 1 m lange Spöke (Chimaera monstrosa), frisst Krebse, Weichtiere unter anderem

Seefahrtsbuch: Dokument, das Mitglieder einer Schiffsbesatzung zur Beschäftigung auf einem Seeschiffbenötigen; ersetzt den Ausweis für Arbeit und Sozialversicherung, gilt als Passersatz.

Seefedern, Pennatularia: Gattung in größeren Meerestiefen lebender Korallentiere mit federartig ausgebildeten Kolonien.

Seefeld in Tirol: Gemeinde in Österreich (1180 m über dem Meeresspiegel), in den Nordtiroler Kalkalpen, westlich von Innsbruck; 2200 Einwohner; Wintersportzentrum; 1964 Olymp. Winterspiele.

Seefischfangzone, Fischereischutzzone, Fischereizone: gewohnheitsrechtlich anerkannte Befugnis eines Küstenstaates, den Fischfang in einem seinen Territorialgewässern vorgelagerten Meeresgebiet Schiffen der eigenen Flagge vorzubehalten beziehungsweise ausländischen Schiffen nur auf Grund völkerrechtlicher Verträge zu gestatten.

Seefledermäuse, Ogcocephalidae: tropische und gemäßigte Meere bewohnende plumpe Fische, die sich mit armartigen Brustflossen über den Meeresboden schieben und ungeschickt schwimmen.

Seefliegerkräfte: Waffengattung der Seestreitkräfte, zu der je nach Bewaffnung und Zweckbestimmung Marineraketen-, Minen-Torpedo-, U-Boot Abwehr-, Aufklärungsfliegerkräfte unter anderem gehören.

Seefrosch, Rana ridibunda: bis 17 cm langer olivgrüner Frosch, der vorwiegend in oder am Wasser lebt; ernährt sich von Insekten und kleinen Wirbeltieren; in Europa verbreitet.

Seegang: vom Wind erzeugte, von Wellen unterschiedlicher Abmessungen und Perioden gebildete, unregelmäßige Bewegung der Wasseroberfläche. Hierzu gehören die Windsee, bei der die Wellen noch unter dem Einfluss des erregenden Windes stehen, und die Dünung nach dem Aufhören der Windeinwirkung.

Seeger: Pete, geboren 3.5.1919, US-amerikanischer Volkssänger, Folk- und Protestsong-Interpret und -Komponist («We shall overcome», «Sag mir, wo die Blumen sind»); Mitbegründer der Mitsing-Veranstaltungen (Hootenannies); kämpft für soziale Gleichstellung, Solidarität, Frieden, Umweltschutz.

Seegewässer: die zum Hoheitsgebiet eines Staates gehörenden Territorialgewässer und inneren Seegewässer (bestimmte Buchten, Sund- und Boddengewässer, Haffe, Häfen, Flussmündungen) einschließlich der Seewasserstraßen.

Seegras, Zostera: Gattung grasartiger Pflanzen (Familie Seegrasgewächse) seichter Meeresküsten, bildet wiesenartige Unterwasserbestände; Blüten ohne Hülle in einseitigen Ähren; das Echte Seegras (Z. marina) wird für Pack- und Polstermaterial verwendet.

Seegrenze: Staatsgrenze auf See; grenzt die Territorialgewässer eines Staates vom offenen Meer oder von den Territorialgewässern der benachbarten beziehungsweise der gegenüberliegenden Staaten ab. Der Verlauf der Seegrenze ist bekanntzumachen beziehungsweise in Seekarten einzutragen. Der Verkehr über die Seegrenze erfolgt über die vom jeweiligen Staat festgelegten Grenzübergangsstellen (Häfen, Kontrollpunkte unter anderem), soweit in völkerrechtlichen Verträgen nichts anderes vereinbart ist.

Seehase, Lump, Cyclopterus lumpus: plumper, bis 50 cm langer Meeresfisch ohne Schuppen; Bauchflossen zu Saugscheiben umgewandelt; lebt im Ostatlantik, in der Nord- und Ostsee; siehe auch Kaviar.

Seehasen, Aplysia: 3 bis 40 cm lange Meeresschnecken von nacktschneckenartigem Habitus und meist dunkler Farbe; können durch schlagende Bewegungen seitlicher Verbreiterungen (Parapodien) des Fußes gewandt schwimmen; scheiden wie Kopffüßer Farbstoffe aus.

Seehecht, Merluccius merluccius: bis 1 m langer dorschartiger Fisch des Nordatlantiks und der Nordsee; Nutzfisch. Siehe auch Dorschartige.

Seehöhe: Höhenlage eines Ortes über dem Meeresspiegel, heute allgemein auf Normalnull (in den sozialistischen Staaten Europas der Pegel von Kronstadt bei Leningrad) bezogen.

Seehund: 1. Seehund, Phoca vitulina: etwa 1,5 m lange und 100 kg schwere, gesellige Hundsrobbe mit rundlichem Kopf, weißgrauem bis dunkelgraubraunem Fell mit Flecken- und Ringzeichnung. Der Seehund ernährt sich von Fischen und Wann bis zu 15 min tauchen. Er bewohnt die Meere der Nordhalbkugel an sandigen, flachen Küsten.

2. Glühwein.

Seeigel, Echinoidea: Klasse in allen Meerestiefen lebender Stachelhäuter mit kugel- bis scheibenförmigem Körper, der meist von fest verbundenen Kalkplatten umhüllt wird, auf denen beweglichen Stacheln sitzen; Mundöffnung mit spezifischen Kauapparat (sogenannt Laterne des Aristoteles); die Fortbewegung erfolgt mit Stacheln und Füßchen. Seeigel ernähren sich pflanzlich und tierisch; ihre Fortpflanzung verläuft über charakteristische Larvenformen. In Nord- und Ostsee der Strandigel (Psammechinus miliaris).

Seejungfern, Calopterygidae: Familie der Libellen mit metallisch grünem oder hellblauem Körper und Flügeln; fliegen falterähnlich flatternd.

Seekarte: vor allem nautische Zwecken dienende Karte auf der Grundlage eines winkeltreuen Kartennetzentwurfes (im Allgemeinen Mercator-Entwurf); enthält wichtige Angaben für die Seeschifffahrt: Meerestiefen, Riffe, Leuchtfeuer und -türme, Wracks, die Hindernisse darstellen, Funkstationen, Gezeitenangaben, Sandbänke, genaue Darstellung des Küstenverlaufs. Zu den Seekarte gehören auch Hafenpläne, Karten von Flussmündungen unter anderem

Seeklima, maritimes Klima, ozeanisches Klima: durch kleine jährliche und tägliche Temperaturschwankungen gekennzeichneter, vom Meer beeinflusster Klimatyp mit kühlen Sommern und verhältnismäßig milden Wintern sowie reichliche Niederschlägen.

Seekühe, Sirenen (nach den Meerwesen der griechischen Sage), Sirenia: an das Wasserleben angepasste, den Elefanten verwandte Säugetiere mit walzenförmigem Körper, stark rückgebildeten Vorder- (2 Paddelflossen) und fehlenden Hintergliedmaßen sowie waagerechter Schwanzflosse; leben gesellig an tropischen Flachküsten, Fluss- und Strommündungen, wo sie Seegras- und Tangwiesen abweiden. Zur Familie Lamantin oder Manati (Trichechidae), die bis 3 m lang werden und vor Westafrika sowie Amerika leben, gehört der Manati (Trichechus manatus).

Seeland: 1. Seeland: größte dänische Insel, zwischen Großem Belt und Öresund; 7026 km2, mit umliegenden Inseln 7440 km2, 2,15 Millionen Einwohner; 289 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kopenhagen-, über Kreide eiszeitliche Ablagerungen, hügelig, fruchtbar, stark gegliederte Küste; intensive Landwirtschaft (Weizen, Gemüse, Zuckerrüben; Rinderzucht); Ballungsgebiet um Kopenhagen am Öresund mit vielseitiger Industrie; zahlreiche Häfen mit Fährverbindungen, Brücken nach Falster und Mön, Fremdenverkehr; historische Bauten (Burgen, Schlösser).

2. Zeeland.

Seelandungstruppen: Verbände und Truppenteile der Landstreitkräfte und Einheiten der Marineinfanterie, die von Transport- beziehungsweise Landungsschiffen an der gegnerischen Küste zur Bildung oder Erweiterung eines Brückenkopfes abgesetzt werden.

Seele: 1. seit der Antike Bezeichnung für die psychischen Erscheinungen und ihren gedachten Träger. Eine spontanmaterialistische Auffassung der physischen und psychischen Prozesse als einer Einheit von Leib und Seele vertraten die ionische Naturphilosophen. Die von Platon begründete, von Augustinus und Thomas von Aquino dem Christlichen Denken eingefügte, bald zum kirchlichen Dogma erhobene idealistische Tradition, nach der die Seele göttlichen Ursprungs und unsterblich ist, wirkte bis in die Neuzeit fort. Die dialektische-materialistische Psychologie geht von der marxistischen These aus, dass «Bewusstsein bewusst gewordenes Sein» ist und lehnt die Zuhilfenahme des Begriffs Seele ab. Siehe auch Psyche.

2. innerer Strang von Seilen, Litzen oder Tauen, um den Drähte oder Litzen angeordnet sind.

3. zylindrischer Innenraum des Laufes oder Rohres von Handfeuerwaffen.

Seelenbinder, Werner, 2.8.1904-24.10.1944 (ermordet), revolutionärer Arbeitersportler (Ringer), Olympiakämpfer 1936 (4. Platz im Halbschwergewicht); seit 1928 Mitglied der KPD, 1933/42 illegaler antifaschistischer Kampf, 1942 von der Gestapo verhaftet.

Seelenwanderung, Metempsychose: besonders nach antiken und indischen religiösen Vorstellungen das leidvolle Wiedereingehen der «Seele» nach dem Tode ihres «Körpers» in andere Körper (Reinkarnation), oft verbunden mit «Läuterung» und magische sittliche Vergeltung früherer Handlungen. Siehe auch Buddhismus, Karman.

Seeleopard: bis 4 m lange, schlanke Hundsrobbe mit kräftigem Gebiss und langen Eckzähnen; ernährt sich vorwiegend von Pinguinen und jungen Robben; lebt am Rande der Treibeiszone antarktischer Meere.

Seelilien: im Meer lebende, zeitlebens auf langen Stielen festsitzende Stachelhäuter der Klasse Crinoidea, deren gefiederte Arme Kelche bilden.

Seelow: Kreisstadt im Bezirk Frankfurt, am Westrand des Oderbruchs; 5600 Einwohner; Agrarzentrum (Gemüseanbau und -Verarbeitung); Bauerntheater. Im 2. Weltkrieg wurden die Seelower Höhen am 16./18.4.1945 in erbitterten Kämpfen von sowjetischen Truppen erstürmt; Ehrenmal zur Erinnerung an die gefallenen Sowjetsoldaten und Militärhistorische Gedenkstätte.

Seelöwe: Deckname für Landungspläne der faschistischen Wehrmacht in Großbritannien seit Sommer 1940. Die Operation Seelöwe wurde nach Scheitern der am 13.8.1940 begonnenen Luftoffensive, die den Widerstandswillen des britischen Volkes brechen sollte, seit Spätherbst 1940 zum Schein weitergeführt, um Vorbereitungen des Überfalls auf die UdSSR zu tarnen und Großbritannien zu einem antisowjetischen Kompromissfrieden zu zwingen.

Seelöwen, Haarrobben: Gruppe der Ohrenrobben mit stumpfer Schnauze und glattanliegendem Fell, das nur aus Grannenhaaren besteht; gewandte Schwimmer, die Fische, Wasservögel unter anderem Stellers Seelöwen (Eumetopias jubata) ist mit 3,5 m Länge und 900 kg Gewicht (Weibchen kleiner) der größte Vertreter, er lebt an der Westküste Nordamerikas. Die kleinere Mähnenrobbe (Otaria byronia) frisst Tintenfische und Krebse; Männchen mit Nackenmähne; an den Küsten Südamerikas verbreitet. Der kalifornischen Seelöwen ist schlank, hat einen schmalen Kopf und eine bellende Stimme, an der Küste Kaliforniens und nahegelegener Inseln verbreitet. Siehe auch Raubtiere.

Seelsorge: das kirchliche Bemühen um den einzelnen Menschen in seiner Ganzheit.

Seemann, Horst, geboren 11.4.1937, Filmregisseur; schuf Gegenwartsfilme wie «Zeit zu leben», «Liebeserklärung an G. T.», «Reife Kirschen», «Ärztinnen» (nach R. Hochhuth) sowie Zeit- und Charakterbilder bietende Filme wie «Beethoven Tage aus einem Leben», «Levins Mühle» (nach J. Bobrowski), «Fleur Lafontaine», «Hotel Polan und seine Gäste».

Seemannsordnung: rechtliche Regelung über die Arbeit und das Verhalten an Bord von Seeschiffen, die besonderen Rechte und Pflichten der Seeleute und der Leitungsorgane.

Seemaus: 1. Seemaus, Aphrodita aculeata: bis 20 cm langer, am Meeresgrund lebender Vielborster, dessen Rücken mit einer fellartigen Borstenschicht bedeckt ist.

2. Das Ei mancher Haie und Rochen mit zipfeliger, horniger Kapsel.

Seemoos, Sertularia cupressina: bis 70 cm hohe Nesseltierkolonien der Watten von Nord- und Ostsee; dienen getrocknet und grün gefärbt als Zimmerschmuck.

Seenadeln, Syngnathidae: zu den Büschelkiemern gehörende langgestreckte, griffelartige Fische mit Röhrenschnauze, ohne Bauchflossen; ernähren sich von Kleinkrebsen und Fischbrut; leben in Seegraswiesen und Algenfeldern an den Küsten aller Meere, einige auch im Süßwasser.

Seenelken, Metridium: Gattung der Seerosen; bis 30 cm hohe, farbenprächtige, skelettlose Korallentiere mit bis zu 1000 kurzen Fangarmen; Kleintierfresser.

Seenot: Zustand eines Schiffes oder Bootes, das manövrierunfähig beziehungsweise leckgeschlagen, gestrandet oder aus anderen Gründen in unmittelbare Gefahr geraten ist und sofortige fremde Hilfe benötigt. Der Begriff Seenot gilt auch für auf See notgelandete Flugzeuge. Siehe auch SOS.

Seenwirtschaft: fischereil. Bewirtschaftung der Seen, die außer dem Fischfang auch Maßnahmen zur Förderung des Fischbestandes umfasst (zum Beispiel Einsatz von Jungfischen).

Seepferdchen, Hippocampus: zu den Büschelkiemern gehörende Fische mit pferdeähnlicher Kopf, nach unten angewinkeltem und flossenlosem Greifschwanz, die aufrecht stehend durch das Wasser ziehen. Die Männchen haben eine Bruttasche am Bauch und treiben Brutpflege. Sie leben in tropischen Meeren, im Mittelmeer und Schwarzen Meer in Küstennähe.

Seepocken, Baianus: Gattung festsitzender Rankenfußkrebse mit kraterförmigen 1 bis 2 cm großen Kalkgehäusen und Deckelapparat (wird wie Falltür geöffnet); bilden Kolonien an Felsen und Pfählen der Brandungszone, einige leben parasitisch auf Walen und Meeresschildkröten. Siehe auch Rankenfußkrebse.

Seerecht: Gesamtheit der innerstaatlichen und völkerrechtlichen Normen über die Rechtslage der maritimen Gebiete. Das Seerecht erfasst die Nutzung der mineralischen und lebenden Ressourcen des Meeres, des Meeresgrundes und des Meeresuntergrundes, die Schifffahrt, die Nachrichtenverbindung über See, den internationalen Seehandel, die Erforschung und den Schutz der Meere, die friedlichen Regelung von Streitfällen und die Seekriegführung.

Seerechtskonvention: komplexe Kodifikation des gesamten Seevölkerrechts, die durch die III. UNO Seerechtskonferenz nach neunjähriger Beratung 1982 trotz der insbesondere von den USA betriebenen Obstruktionspolitik fertiggestellt wurde.

Seerosen, Aktinien, Actiniaria: Ordnung der Korallentiere; der zylindrische Polyp lebt oft als bunt gefärbtes Einzeltier am Meeresboden oder auf Wassertieren (zum Beispiel Einsiedlerkrebs) mittels einer Fußscheibe angeheftet. Siehe auch Seeanemonen, Seenelken.

Seerosengewächse, Nymphaeaceae: Familie meist tropischer Wasserpflanzen mit großen rundlichen Schwimmblättern, dicken Wurzelstöcken und auffallenden Blüten; heimisch in stehenden oder langsam fließenden Binnengewässern die Weiße Seerose (Nymphaea alba) und mit gelben Blüten die Teichrose oder Große Mummel (Nuphar luteum); siehe auch Victoria amazonica.

Seesack: imprägnierter Segeltuchsack, in dem der Seemann seine Kleidungsstücke und persönliche Dinge transportiert; meist mit 2 Tragegurten versehen.

Seescheiden, Ascidiacea: sackförmige, festsitzende Manteltiere aller Meere, besonders an Küsten bis in 25 m Tiefe vorkommend; zum Teil leuchtend gefärbt; leben einzeln und in Kolonien. Siehe auch Manteltiere.

Seeschildkröten, Cheloniidae: tropische und subtropische Meere bewohnende Schildkröten mit paddelartigen Beinen; nur die Weibchen gehen zur Eiablage an Land. Bis 200 kg schwer und 1,4 m lang wird die Seegras weidende Suppenschildkröte (Chelonia mydas); Schildpatt liefert die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata); Fische, Krebse unter anderem frisst die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta); alle Arten in ihrem Bestand gefährdet.

Seeschlangen, Hydrophiidae: bis 2,75 m lange, meist lebendgebärende, fischfressende Giftschlangen mit seitlich abgeflachtem Ruderschwanz; zum Teil lebhaft gefärbt; leben in äquatorialen Breiten des Stillen Ozeans und im Indischen Ozean.

Seeschwalben: Unterfamilie der Möwen mit schlankem Körper und gegabeltem Schwanz, vorwiegend weiß mit schwarzer Kopfplatte; im Sturzflug werden kleine Fische erbeutet; brüten in Kolonien an Gewässern. In Eurasien und Nordamerika die 38 cm lange rotschnäblige Fluss-Seeschwalben (Sterna hirundo), im Küstenbereich brütet die schwarzschnäblige Brand-Seeschwalben (Sterna sandvicensis); auf Teichen im Binnenland die schwarze Trauer-Seeschwalben (Chlidonias nigra). Siehe auch Zwergseeschwalbe.

Seeskorpion, Seeteufel, Myoxocephalus scorpius: etwa 35 cm langer Grundfisch mit dickem, bedorntem Kopf; lebt in Tang- und Seegrasfeldern des Nordatlantiks, auch in der Ostsee; kann Töne hervorbringen.

Seesport: Sammelbegriff für seemännisch-technische und Taucherausbildung (wehrsportliche Ausbildung) und den entsprechenden Wettkampfbetrieb innerhalb der GST.

Seesportmehrkampf: im Rahmen der wehrsportliche Tätigkeit in der GST aus mehreren seesportlichen Disziplinen zusammengesetzter Wettkampf für männliche beziehungsweise weibliche Teilnehmer in verschiedenen Altersklassen. Standarddisziplinen sind Segeln und 1000-, 5000- beziehungsweise 10000-m-Kutterrudem (mit dem zehnriemigen Ruder- und Segelkutter ZK 10), Schwimmen, Hindernisschwimmen beziehungsweise Hindernisstaffel, Knoten, 600-, 800-, 1000- beziehungsweise 1500-m-Geländelauf, Luftgewehr- beziehungsweise KK-Schießen entsprechend den Festlegungen für die einzelnen Altersklassen.

Seesterne, Asteroidea: Klasse mariner Stachelhäuter mit etwa 1500 Arten. Die 5 bis 40 Arme sitzen breit dem flachen Körper an, so dass sternförmige Tiere von 1 cm bis fast 1 m Spannweite entstehen; bewegliche Kalkplatten bilden das Skelett; Saugfüßchen dienen der Fortbewegung und zum Öffnen von Muscheln, deren Weichkörper mit Hilfe des ausgestülpten Magens verdaut wird; die Entwicklung verläuft über charakteristische Larvenformen.

Seestraßenordnung: international vereinbarte Regelung des Schiffsverkehrs auf See und auf den mit ihr in Zusammenhang stehenden internationalen Gewässern (zum Beispiel Großer Belt). Sie umfasst vornehmlich Lichterführung, Signalgebung, Fahrregelung, Verhalten bei Nebel und Notsignale. Die Seestraßenordnung wird für jeden Küstenstaat durch Beitritt zum Internationalen Schiffssicherheitsvertrag in Kraft gesetzt und durch den örtlichen Verhältnissen Rechnung tragende regionale Vorschriften ergänzt, zum Beispiel in der DDR durch die Seewasserstraßenordnung.

Seestreitkräfte: Teilstreitkräfte für Kampfhandlungen auf See, von See aus oder auf küstennahem Land. In einigen Staaten hat sich die frühere Bezeichnung Marine erhalten (Volksmarine). Seestreitkräfte bestehen aus verschiedenen Waffengattungen (Über- und Unterwasserkräften, Küstenraketenkräften und -artilleriekräften, Marineinfanterie, Seefliegerkräften unter anderem), Diensten und Spezialtruppen.

Seetaucher, Gaviidae: Wasservögel mit kräftigem, spitzem Schnabel und Schwimmfüßen; fressen vorwiegend Fische; brüten an nordischen Seen. Bis 70 cm lang der Prachttaucher (Gavia arctica), im Brutkleid mit weißer Gitterzeichnung auf dem Rücken und schwarzem Hals; einen grauen Kopf mit rotem Hals hat der Sterntaucher (Gaviidae stellata).

Seewalzen, Seegurken, Holothuroidea: Klasse der Stachelhäuter mit bis 2 m langem, gurken- oder walzenförmigem Körper, lederartiger Haut und Tentakeln an der Mundöffnung; meist Bewohner des Meeresgrundes (bis in 10200 m Tiefe), kriechen mit in Längsreihen stehenden Füßchen, können sich eingraben, einige Arten auch schwimmen; manche Arten sind essbar (Trepang).

Seewinkel: flache Landschaft (114 bis 126 m über dem Meeresspiegel) im Burgenland (Österreich) zwischen Neusiedler See und ungarische Grenze; warmes, trockenes Klima; Böden mit Salzausscheidungen; seichte, abflusslose Steppenseen; Salzsteppenpflanzen; artenreiche Vogelwelt.

Seezeichen: Verkehrszeichen auf See- und Seewasserstraßen, die Schiften bei Tag und Nacht eine sichere Navigation ermöglichen, indem sie über Grenzen, Ausmaße und Beschaffenheit von Fahrwassern, über Schifffahrtshindernisse Auskunft geben und eine Standortbestimmung gestatten. Feste Seezeichen haben eine feste Gründung an Land oder im Wasser; hierzu gehören Leuchtfeuer auf Türmen (Leuchttürme), Masten, Baken, Dalben unter anderem; Funkfeuer, Nebelsignalanlagen. Schwimmende Seezeichen sind alle auf dem Wasser schwimmenden und am Grunde verankerten Seezeichen, wie Feuerschiffe und Tonnen. Als Radar-Seezeichen bezeichnet man feste oder schwimmende Seezeichen mit Reflektoren, die eine bessere Reflexion der von der Bordantenne ausgestrahlten Funkmessimpulse ermöglichen.

Seezunge, Solea solea: bis 50 cm langer Plattfisch der Küsten Europas; wichtiger Nutzfisch.

Sefrioui, Ahmed, geboren 1915, marokkanischer Schriftsteller französischer Sprache; namhafter Kulturpolitiker, wurde neben seinem autobiographischen Roman «Die Wunderkiste» (1964) insbesondere durch Veröffentlichungen zur marokkanischen Kultur und Folklore bekannt.

Segall, Lasar, 8.7.1889 oder 1891-2.8.1957, brasilianischer Maler und Graphiker; studierte in Berlin und Dresden; anfangs von den deutschen Expressionisten beeinflusst, vereinte er in ausdrucksstarken Kompositionen archaische Strenge mit abstrahierender Expressivität. Sein Werk schildert das Leben der Juden in Europa, das Emigrantendasein, die Not der Verfolgten zur Zeit des Faschismus; er wandte sich aber auch dem Alltag in den Slums von Rio de Janeiro und der brasilianischen Landschaft zu. Segall gab mehrere graphische Mappenwerke heraus.

Segantini, Giovanni, 15.1.1858-28.9.1899, italienischer Maler. Thematisch widmen sich seine Werke dem Leben der Hirten und Bauern in den Hochalpentälern, während sie stilistisch vom Divisionismus beeinflusst sind; malte auch Bildnisse und allegorisch-symbolische Szenen (Hauptwerk «Alpentriptychon», 1898/99).

Segel:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Schifffahrt: aus Segeltuch genähte Dreieck- oder Viereckfläche, die an ein Rundholz (Baum oder Rah) geschlagen und mit Hilfe von Tauwerk (laufendes Gut) gesetzt wird, um Wasserfahrzeuge (auch Eisschlitten, Segelwagen) durch Ausnutzung der Windkraft vorwärts zu treiben. Schratsegel stehen längsschiffs an Bäumen, Gaffeln (Gaffelsegel) oder Stagen (Stagsegel), Rahsegel (in Ruhestellung) querschiffs an Rahen. Nach der Form und Takelung unterscheidet man ferner Lateinersegel, Ballonsegel, Luggersegel, Spitzsegel und Hochsegel; nach dem Anbringungsort Vorsegel (vor dem Mast beziehungsweise vor dem vordersten Mast, zum Beispiel Flieger, Klüver), Toppsegel (am Mastoberteil) sowie bei vollgetakelten (das heißt Rah-) Segelschiffen Focksegel, Marssegel, Bramsegel, Royalsegel, Skysegel, Besansegel und Großsegel. Stützsegel sollen die Schwimmlage von Fischereischiffen stabilisieren. Lecksegel dienen zum provisorischen Abdichten von Lecks in der Außenhaut, Sonnensegel über dem Oberdeck von Schiffen als Sonnenschutz.

Segelboot: durch den Wind mittels Segeln angetriebenes Boot. Bei den Sportsegelboot werden kenterbare Schwertboote (Jollen, Jollenkreuzer; mit Schwert) und unkenterbare Kielboote (mit einem mit Ballast versehenen Flossenkiel), unkenterbare Kielschwertboote (Kompromiss zwischen Schwert- und Kielboot) unter anderem unterschieden. Große gedeckte Segelboot mit Kajüte für längeren Aufenthalt an Bord heißen Kreuzer, seetüchtige Segelboot Seekreuzer oder Segelyachten im engeren Sinne. In den internationalen Wettsegelbestimmungen wird jedes Segelboot (seit 1985 einschließlich der Segelbretter) als Yacht (Segelyacht) bezeichnet. Für Wettkämpfe werden Segelboot in Klassen eingeteilt: Bei Einheitsklassen ist einheitlicher Bau in allen Teilen vorgeschrieben; bei Konstruktionsklassen sind begrenzte Änderungen und Toleranzen möglich. Seekreuzer werden nach Formeln vermessen und nach Rennwert und einem Zeitberichtigungsfaktor in Klassen oder Gruppen eingeteilt. Olympische Bootsklassen sind von der Internationalen Renn-Segel-Union für Olympische Spiele bestätigte Klassen.

Segelbrett, Surfer, Surfbrett: Segelsportgerät mit brettähnlichen Bootskörper, Steckschwert, Stabilisierungsflosse und frei beweglichen Mast; Einteilung in 3 Divisionen. Das Segelbrett wird stehend von 1 beziehungsweise 2 Athleten gesegelt.

Segelechse, Soa-Soa, Hydrosaurus amboinensis: bis 110 cm lange Agame des indo-australischen Raumes mit Rücken- und hohem Schwanzkamm; lebt an Flüssen tropischer Wälder und ernährt sich von Pflanzen.

Segelflosser, Skalar, Pterophyllum scalare: Buntbarsch aus dem Amazonasgebiet mit segelförmig verlängerter Rücken- und Afterflosse, Bauchflossen fadenartig ausgezogen; treibt Brutpflege; Aquarienfisch.

Segelflug: 1. spezielle Art des Vogelfluges; beim statischen Segelflug werden thermische Aufwinde, beim dynamischen Segelflug Turbulenzen über dem Meer ausgenutzt

2. motorloses Fliegen mit Luftfahrzeugen, wobei Aufwinde zum Höhengewinn ausgenutzt werden. Segelflugzeuge sind ein- beziehungsweise zwei- (doppel-)sitzig und in Holz-, Gemischt-, Leichtmetall- und Kunststoffbauweise hergestellt entsprechend den Leistungsdaten werden sie in Übungs-, Leistungs- und Hochleistungs- sowie Kunstflugzeuge gegliedert. Wettkampfklassen sind die Standardklasse (unterliegt Konstruktionsbeschränkungen, wie zum Beispiel Spannweite s 15 m, unveränderbares Tragflächenprofil, kein einziehbares Fahrwerk), die Offene Klasse (keine Beschränkungen), die Fünfzehn-Meter-Rennklasse (Spannweite S 15 m, keine technischen Beschränkungen) und die Clubklasse zur Förderung des Segelflug Eine neue Kategorie ist der Motorsegler. Wettbewerbe werden hauptsächlich in den Disziplinen Freier Streckenflug (Wertung der größten Entfernung in gerader Linie vom Startort), Zielstreckenflug (Erreichen des vor dem Start angegebenen Ziels), Zielstreckenflug mit Rückkehr zum Startort, Dreieckgeschwindigkeitsflüge (3 vorher festgelegte Streckenschenkel sind zu durchfliegen, wobei auch die Durchschnittsgeschwindigkeit gewertet wird) ausgetragen. Weltmeisterschaften finden seit 1948 statt.

Segelflugleistungsabzeichen: Auszeichnung für die Erfüllung international festgelegter Bedingungen im Segelflug. Das Segelflugleistungsabzeichen wird in Silber, Gold und Gold mit 1 bis 3 Diamanten vergeben.

Segelklappen, Atrioventrikularklappen: in Zipfel geteilte Membranen im Herzen, die die Herzkammern während ihrer Zusammenziehung gegen die Vorhöfe ventilartig verschließen. zwischen rechtem Vorhof und Kammer liegt die dreizipfelige, zwischen linkem Vorhof und Kammer die zweizipfelige Klappe (Mitralklappe). Siehe auch Herz.

Segelschiff: Schiff mit Antrieb durch Segel, im Altertum und Mittelalter zum Teil zusätzlich durch Riemen, heute meist mit Hilfsmaschinen (-motor; Motorsegler); Unterscheidung nach Mastenzahl (Ein-, Anderthalb- bis Siebenmaster) und Takelage (zum Beispiel Vollschiff, Bark, Brigg, Schoner, Kutter). Segelschiffe sind vorwiegend als Schulschiffe, seltener als Massengutfrachtschiffe (zum Beispiel für Kohle, Düngemittel) zu finden.

Segelsport, Segeln: Führung von Sportsegelbooten (Segelboot), als Wettkampfsport in Form von Regatten. Der Olymp. Regattakurs ist ein Kreis von 1 bis 2sm Durchmesser mit 8 Bojen, 3 gelten als Bahnmarken, gegebenenfalls werden nur 3 Bojen ausgelegt. Eine Segelregatta besteht aus mehreren (maximal 7) Wettfahrten, die Bewertung erfolgt nach Punkten gemäß Platzierung je Wettfahrt (1. Platz 0 Punkte; 2. = 3; 3. = 5,7; 4. = 8; 5. = 10; 6. = 11,7; ab 7. = Platzziffer + 6) und Addition der Punkte; die schlechteste Wettfahrt jedes Teilnehmers wird gewöhnlich gestrichen. Olympische Sportart seit 1900, Weltmeisterschaften seit 1922, Europameisterschaften.

Segeltuch, Zeltstoff, Planenstoff-, wasserabweisend imprägniertes, dichtgewebtes, grobes Gewebe aus Baumwolle und beziehungsweise oder Chemiefasern in Leinwandbindung für Schiffssegel, Planen, Zelte u. ä.

Seger, Hermann, 26.12.1839-30.10.1893, Chemiker, wurde 1878 Vorsteher der Chemisch-Techn. Versuchsanstalt an der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin und war dort bis 1890 tätig. Seger erfand die Segerkegel (Pyrometerkegel) und das Segerporzellan. Seine Segerformel gestattete eine brauchbare Einteilung der Glasuren und hatte große praktische Bedeutung für die Keramik.

Segesta, Egesta (griechisch): in der Antike Stadt der nichtgriechischen Elymer im Westen Siziliens; war seit 241 vor Christus römisch; in der Spätantike, nach Zerstörung durch Wandalen und Araber, unbewohnt. Gut erhalten sind die Ruinen eines hellenistischen Theaters und eines um 420 vor Christus errichteten, aber unvollendeten dorischen Tempels.

Segge, Carex: artenreiche Gattung der Riedgräser mit dreikantigem knotenlosem Stengel; vorwiegend in gemäßigten bis kälteren Klimazonen auf sauren Wiesen, aber auch in Wäldern und Kalktrockenrasen. Die Zittergras-Segge (Carex brizoides) ist eine Laubwaldpflanze; getrocknet als Matratzenfüllung («Waldhaar») verwendet.

Seghers: 1. Seghers, Anna, eigentlich Netty Radvanyi, geboren Reiling, 19.11.1900-1.6.1983, Schriftstellerin; Repräsentantin der sozialistischen Nationalliteratur der DDR. Seghers war Gründungsmitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; emigrierte 1933 nach Paris, 1941 nach Mexiko; rege und vielseitige antifaschistische Tätigkeit; 1947 Rückkehr in die damalige sowjetischen Besatzungszone; Mitglied des Präsidiums des Weltfriedensrates, 1952/78 Präsidentin, ab 1978 Ehrenpräsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR, Gründungsmitglied der AdK. Geschult an den weltliterarischen Leistungen russischer, französischer und deutscher Erzähler, führte Seghers auf der Grundlage des sozialistischen Realismus den deutschen Gesellschaftsroman zu neuer Höhe. Bereits in ihren ersten Erzählungen vermitteln die als das Wesentliche gestalteten revolutionären Kräfte einen welthistorisch begründeten Optimismus («Der Aufstand der Fischer von SL Barbara», 1928). Im Roman «Die Gefährten» (1932) über die internationale proletarische Solidarität angesichts der faschistischen Gefahr wird Seghers internationalistische Sicht noch deutlicher. Faschismus und antifaschistischer Widerstandskampf sind Thema ihres Schaffens im Exil: Romane «Der Kopflohn» (1933), «Die Rettung» (1937), «Das siebte Kreuz» (1942; begründete Seghers Weltruhm), «Transit» (1944; autobiographisch geprägter Emigrantenroman); tiefe Heimatliebe bezeugt besonders die Erzählung «Der Ausflug der toten Mädchen» (1946). Im Zentrum des Nachkriegswerkes steht Seghers Bemühen um den sozialistischen Gesellschaftsroman: «Die Toten bleiben jung» (1949) zeichnet das revolutionäre Wirken von 1918 bis zum Ende des 2.Weltkrieges; «Die Entscheidung» (1959) gestaltet die Nachkriegsprobleme in Deutschland und die Grundlegung des Sozialismus in der DDR; «Das Vertrauen» (1968), ein bedeutsamer Beitrag zur Gestaltung des sozialistischen Menschenbildes und der modernen Arbeiterklasse, stellt die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft in der DDR aus welthistorische Sicht vor. Seghers schuf auch meisterhafte Erzählungen (unter anderem «Die Kraft der Schwachen», 1965; «Das wirkliche Blau», 1967; «Überfahrt», 1971; «Sonderbare Begegnungen», 1973) und Essays («Volk und Schriftsteller», 1942; «Aufgaben der Kunst», 1944; «Über Tolstoi. Über Dostojewski», 1962).

2. Seghers, Herkules, um 1589/90-1638, holländischer Maler und Radierer; in Haarlem, Amsterdam, Utrecht und Den Haag tätig; sein Werk zeigt in der Frühzeit Abhängigkeit von der flämischen Landschaftstradition, zunehmende Dramatisierung durch Licht Schatten-Effekte kennzeichnen später seine panoramaartigen Flach- und Berglandschaften ebenso wie seine farbigen Radierungen.

3. Seghers, Pierre, geboren 5.1.1906, französischer Lyriker und Verleger; Vertreter einer sozial engagierten Dichtkunst, die er auch durch die Gründung von Zeitschriften und Verlagen förderte; befasst sich heute insbesondere mit dem Erbe der französischen revolutionären und der Résistanceliteratur.

Segler, Apodidae: kurzfüßige, langflügelige, sehr fluggewandte Vögel, die außer Australien die ganze Welt besiedeln, in nördlichen Gebieten Zugvögel; jagen fliegend Insekten; in Eurasien der 16 cm lange Mauersegler (Apus apus), bebrütet 2 Eier im unter Hausdächern gebauten Nest; in den Alpen, von Südeuropa bis Indien und in Afrika verbreitet der unterseits weiße, 21 cm lange Alpensegler (Apodidae melba).

Segment: 1. Segment, Metamer:

Anatomie: Abschnitt oder Region des Tierkörpers; zum Beispiel beim Regenwurm die schon äußerlich erkennbaren einzelnen Ringe.

2. Geometrie: durch eine Sekante beziehungsweise eine Ebene abgeschnittener Teil einer krummlinig begrenzten ebenen Fläche beziehungsweise eines Körpers mit gekrümmter Oberfläche.

Segmentierung, Metamerie: Gliederung eines Tierkörpers aus hintereinanderliegenden beziehungsweise Zusammensetzung von Organen (zum Beispiel Rückenmark) aus mehreren Segmenten.

Segmenttherapie: Behandlungsmethode zur reflektorischen Beeinflussung innerer Organe über Reizwirkungen auf die zugeordneten Hautsegmente mit Hilfe von Segmentmassage, Wärme- und Kälteanwendungen sowie Injektionsbehandlung.

Segovia: Stadt im mittleren Spanien, Verwaltungszentrum der Provinz Segovia, nordwestlich von Madrid, am Nordfuß der Sierra Guadarrama; 51000 Einwohner; keramische, chemische und Nahrungsmittelindustrie; Fremdenverkehr. Weitgehend erhaltener römischer Aquädukt, mittelalterliche Stadtmauer mit Türmen, mehrere romanischen Kirchen, Kloster El Parral (15. Jahrhundert), Alcázar (13./15. Jahrhundert, in neuerer Zeit stark restauriert), gewaltige eintürmige Kathedrale mit Vierungskuppel (16. Jahrhundert, Kreuzgang 15. Jahrhundert), Casa de los Picos (facettierte Fassade des 16. Jahrhundert). In der Nähe das riesige Kastell Coca (Festungspalast der Fonseca; 15. Jahrhundert).

Segre, Emilio Gino, geboren 1.2.1905, US-amerikanischer Physiker italienischer Herkunft; entdeckte die Elemente Technetium (1937), Astat und (mit G. T. Seaborg) Plutonium (1940); mit O. Chamberlain entdeckte er 1955 das Antiproton.

Segregation: (dat., «Absonderung») 1. Segregation: in den USA die reaktionäre Politik der Rassentrennung zwischen Bürgern weißer und dunkler Hautfarbe.

2. Segregation, Spaltung: das Auftreten von verschiedenen Geno- und Phänotypen zum Beispiel nach Kreuzung heterozygoter Individuen (Spaltungsgesetz); ist bedingt durch die Trennung der Allelpaare in der Meiose und ihre Verteilung auf unterschiedlichen Gametenzellen sowie deren unterschiedlichen Kombination während der Befruchtung.

Seguidilla: einem Lied folgender lebhafter spanischer Reihenpaartanz im %-Takt aus Andalusien.

Seher: Augen von Haarraubwild, Hase, Kaninchen, Biber.

Sehne: 1. Sehne, Flechse, Tendo (lateinisch; Tendines):

Anatomie: aus Bindegewebefasern bestehende Verbindung zwischen Muskel und Knochen; eine flächenhaft ausgebreitete Sehne wird als Aponeurose bezeichnet.

2. Geometrie: Kreis.

Sehnenplastik, Tenoplastik (griechisch): Operationsverfahren zum Ersatz einer funktionsunfähigen Sehne beziehungsweise zum Überbrücken eines Sehnendefektes durch Transplantation von Sehnenanteilen. im weiteren Sinne Verpflanzen von Sehnen zum Erlangen oder Wiedererlangen bestimmter Funktionen, meist nach Ausfall einzelner Muskeln.

Sehnenscheide: Bindegewebehülle um Sehnen, die eine Gleitflüssigkeit abscheidet; Sehnenscheide kommen hauptsächlich an der Hand und am Fuß vor.

Sehnenscheidenentzündung, Tendovaginitis (lateinisch + griechisch): nach Überanstrengung auftretende Abscheidung von Fibrin an den Innenwänden der Sehnenscheiden besonders in Handgelenknähe; löst bei Bewegungsversuchen ein schmerzhaftes Reiben der betroffenen Sehne aus.

Sehnenviereck: Viereck, das einen Umkreis hat, dessen 4 Seiten also Sehnen eines Kreises sind. Beim konvexen Sehnenviereck ist die Summe der Größen «gegenüberliegender» Winkel stets 180°, beim überschlagenen Sehnenviereck sind diese Winkel jeweils gleich groß.

Sehnerv, Nervus opticus: Gesamtheit der aus der Netzhaut des Auges zum Gehirn verlaufenden Nervenfasern.

Sehschärfe, Visus: Maß der Leistung des Gesichtssinnes. Die Grundfunktion des Auges besteht darin, dass fixierte Objekte scharf gesehen und Einzelheiten wahrgenommen werden. Bei der Sehschärfebestimmung wird die Trennschärfe für genormte Objekte (Zahlen, Buchstaben, geometrische Figuren), die unter definiertem Winkel erscheinen, geprüft.

Seiches: Schwingungen der Wassermassen in ganz oder teilweise abgeschlossenen Becken in Form stehender Wellen.

Seid: (altnordisch) in der nordischen Mythologie Zauber, der ursprünglich von den Wanen praktiziert worden sein soll und als anrüchig galt.

Seide: 1. Seide, Teufelszwirn, Cuscuta:

Botanik: einzige Gattung der Seidengewächse; bleiche, wurzel- und blattlose Schmarotzerpflanzen mit unscheinbaren Blüten in Knäueln; die fadenförmigen, windenden Stengel dringen mit Saugorganen in die Wirtspflanze ein und entziehen ihr Nährstoffe; heimisch zum Beispiel Kleeseide, Leinseide.

2. Textiltechnik: a) veraltete Bezeichnung für Raupenseide;

b) Oberbegriff für endlose Fäden aus einem (monofile Seide) oder aus mehreren Elementarfäden (polyfile Seide).

Seidel, Ina, 15.9.1885—2.10.1974, Schriftstellerin; schrieb aus irrationaler Weltanschauung nationalistische mythisierende Gedichte und Romane, mit denen sie der faschistischen Ideologie entgegenkam.

Seidelbast, (an «Seide» angelehnt) Daphne: Gattung der Seidelbastgewächse; der Gemeine Seidelbast oder Kellerhals (Daphne mezereum) ist ein giftiger Strauch heimischer Bergwälder mit rosafarbenen, stark duftenden, vor den Blättern erscheinenden Blüten und roten Früchten.

Seidenbau: Haltung von Raupen verschiedener Schmetterlingsarten, aus deren Kokons Seide gewonnen wird. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist die Zucht des Maulbeerseidenspinners (Bombyx mori), der auf Hürden in geschlossenen Räumen gehalten werden kann; Voraussetzung ist das Vorhandensein der Weißen Maulbeere (Morus alba), deren eiweißreiches Laub der Raupenfütterung dient. Nach einer 35 Tage währenden Aufzuchtzeit spinnt die Raupe einen Kokon, der industriell verwendbar ist. Die abhaspelbare Länge des 13 bis 25 (im dicken Fadens beträgt bis 4000 m. Seidenbauhauptgebiete sind vor allem die warmen Zonen Asiens (China, Japan, Süden der UdSSR) und Europas (Bulgarien, Rumänien, Italien, Frankreich). Die Naturseide hat noch besondere Bedeutung für bestimmte Industriezweige (Müllerei, Elektro- und Chemieindustrie).

Seidenhühner: Hühner, deren Federn so gestaltet sind, dass ihr Gefieder dem Haarkleid langhaariger Säuger ähnelt. Die Tiere besitzen befiederte Beine, Federhauben und vermehrte Zehenzahl; sind durch Mutationen entstanden und wurden bereits im 13. Jahrhundert beschrieben.

Seidenschwänze, Bombycillidae: Familie Insekten- und beeren essender Singvögel Nordeurasiens; der 20 cm lange Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) ist im Winter auch in Mitteleuropa anzutreffen.

Seidenspinner, Bombycidae: Familie wollig behaarter Falter, deren Raupen (Seidenraupen) dichte, aus einem Seidenfaden (bis 4000 m) bestehende Puppenkokons spinnen. Hierzu der Maulbeerseidenspinner (Bombyx mori), der in China seit etwa 5000 Jahren, in Europa seit dem 18. Jahrhundert gezüchtet wird.

Seidenstraße: Handelsweg, der China im Altertum mit dem Westen verband; führte durch das Tarimbecken über Iran zum Mittelmeer, ermöglichte besonders zur Zeit der Han-Dynastie einen regen Seidenhandel.

Seife:

1. Chemie: festes oder halbfestes, grenzflächenaktives Gemisch aus Natrium- oder Kaliumsalzen höherer Fettsäuren, wie Palmitin-, Stearin- und Ölsäure, das als Wasch-, Netz- und Textilhilfsmittel Anwendung findet. Man gewinnt Seife durch Verkochen tierischer oder pflanzlicher Fette oder fetter Öle (Talg, Olivenöl, Palm- und Knochenfett) mit Natron- oder Kalilauge oder durch Umsetzung freier, durch Fettspaltung oder Paraffinoxydation gewonnener Fettsäuren mit Natrium- beziehungsweise Kaliumkarbonat (Carbonat Verseifung). Aus der nach beiden Verfahren erzeugten Seifenlösung wird zur Gewinnung des festen Seifenkerns Kochsalz zugesetzt (Aussalzen). Ais Nebenprodukt wird Glyzerol gewonnen. Der abgepresste Seifenkern wird entweder zu Riegel-Seife zerschnitten oder zu Seifenspänen zerkleinert (Filieren). Nach Zusatz von Farb- und Duftstoffen werden die Seifenspäne zum Strang gepresst, geschnitten und als Toilettenseife in den Handel gebracht. Seife kann verschiedene Zusätze enthalten, die zur Erhöhung der Waschkraft (Soda, Polyphosphate), zum besseren Schmutzlösen (Gelatine, Pektine, Zelluloseäther) oder als Streckmittel (Wasserglas, Ton) dienen. Andere Zusätze können der Seife bakterizide, desodorierende oder medizinisch günstige Wirkungen verleihen. Seife wurde wahrscheinlich bereits seit dem 3. Jahrtausend vor Christus von den Sumerern und Babyloniern hergestellt.

2. Lagerstättenkunde: natürliche Anreicherung schwerverwitterbarer, nutzbarer Schwerminerale während des Verwitterungs- und Sedimentationsprozesses in Sanden und Gerollen.

Seifert, Jaroslav, 23.9.1901 bis 10.1.1986, tschechischer Dichter, begann mit proletarischer Dichtung («Stadt in Tränen», 1921) und erreichte, nach zuweilen widersprüchliche Entwicklung, mit seinen antifaschistischen Sammlungen («Ein Helm voll Erde», 1945; «Mütterchen», 1945) große Ausstrahlungskraft. Schlichte Volksverbundenheit kennzeichnet seine Praggedichte und Heimatlyrik. deutsch Auswahl «Wermut der Worte» (1986).

Seifert-Methode: von Erich Seifert (1908-1980), Arbeiter in einem Raw, 1953 begründete Methode zur Steigerung der Arbeitsproduktivität durch systematischer Aufdeckung und Beseitigung aller Stillstands-, Warte- und Verlustzeiten im Arbeitsprozess. Das Wesen der Seifert-Methode besteht darin, dass durch eine gründliche Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit die Arbeiter selbst den Ablauf des Arbeitstags mit Zeitmessungen überprüfen und alle Verlustzeiten (die aus der Norm herausgenommen werden) ausweisen. Ihre schöpferische Weiterentwicklung fand die Seifert-Methode in den Notizen zum Plan.

Seiffen, Kurort Seiffen im Erzgebirge: Gemeinde im Kreis Marienberg, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Osterzgebirge; 3700 Einwohner; Spielwaren-, Kulturwaren-, Kleinmöbelherstellung; Erholungs- (640 m über dem Meeresspiegel), Wintersportort; Erzgebirgisches Spielzeugmuseum. Nordöstlich die Rauschenbachtalsperre (Cämmerswalde).

Seifhennersdorf: Industriegemeinde im Kreis Zittau, Bezirk Dresden, im Lausitzer Bergland; 7400 Einwohner; Bunt-, Samtweberei, Bekleidungs-, Schuhindustrie, Pianofortebau; Grenzübergang (Straße) zur tSSR.

seiger: bergmännisch senkrecht stehend. Siehe auch söhlig.

Seigern: (mittelhochdeutsch seigen, «sinken machen») Trennen metallurgische Produkte oder Zwischenprodukte durch Entmischen; erfolgt zum Beispiel durch die temperaturabhängige Löslichkeit von Verunreinigungen im Rohmetall. Siehe auch Parkes-Verfahren, Pattinson-Verfahren.

Seignettesalz: (nach einem französischen Apotheker) das Kaliumnatriumsalz der Weinsäure (Kaliumnatriumtartrat). Seignettesalz ist farblos, wasserlöslich und wird wegen seiner piezoelektrischen Eigenschaften in der Hochfrequenztechnik verwendet.

Seigneur: im feudalen Frankreich Titel für den mit umfangreichen Rechten versehenen größeren Lehnsherrn.

Seihwasser: aus dem Gewässerbett dem Grundwasser zufließendes Wasser.

Seil: aus Natur- oder Kunstfasern beziehungsweise aus Drähten durch Zusammendrehen (Verseilen) hergestelltes Bauelement, wobei um eine Seele eine oder mehrere Lagen gewickelt werden. Seil dienen zur Befestigung oder zur Aufnahme von Zugkräften. Siehe auch Tau.

Seilbahn: Verkehrs- oder Fördermittel zum Transport von Personen, Schütt- oder Stückgütern, bei dem Drahtseile als Trag- beziehungsweise Zugmittel verwendet werden. Bei der Seilschwebebahn (Drahtseilbahn) wird das Transportgefäß (Kabine (Kabinenbahn), Sessel, Kübel o. ä.) entweder mit einem Laufwerk auf einem gespannten Seil (Tragorgan) fahrend von einem Zugseil bewegt (Zweiseilbahn), oder es ist an einem gleichzeitig als Trag- und Zugorgan dienenden Seil befestigt (Einseilbahn). Bei der Umlaufseilbahn wird das Zugseil immer in der gleichen Richtung angetrieben; bei der Pendelseilbahn von der Bergstation aus in wechselnder Richtung. Jedes der 2 Fahrzeuge läuft stets auf der gleichen Streckenseite hin und her. Standseilbahn sind meist kurze Bergbahnen zur Überwindung steiler Hänge, bei denen die Fahrzeuge auf Schienen (Doppelgleis oder Einfachgleis mit Ausweichstelle) mit Hilfe eines oder mehrerer Zugseile bewegt werden. Sie arbeiten meist im Pendelbetrieb. Als Seilbahn im weiteren Sinne sind auch Seilkletterbahnen, bei denen die Laufwerke eigenen Antrieb haben und somit das Zugseil entfällt, sowie Schleppseilanlagen anzusehen. Zu letzteren zählen Seiltreidelanlagen zum Fortbewegen von Schiffen in Schleusen und Skilifts, bei denen an einem umlaufenden Zugseil Bügel befestigt sind, an denen man sich festhalten oder in die man sich lehnen kann, wobei die Skier am Boden gleiten.

Seilerwaren: Sammelbezeichnung für Bindfäden, Kardeele, Leinen, Litzen, Schnüre, Seile, Taue, Trossen, linienförmige Textilien aus verzwirnten, geschlagenen (Seilerei), geschnürten oder geklöppelten Fäden (meist aus Chemiefasern, auch aus Hanf).

Seilfahrt: Ein- oder Ausfahren der Bergleute im Förderkorb beziehungsweise -gestell einer Schachtförderanlage.

Seilschaft: Kollektiv von 2 bis 4 Bergsteigern, die gemeinsam Touren unternehmen.

Seilscheibe: Bergbau im Kopf des Fördergerüstes oder -turmes umlaufende Scheibe, über die das von der Fördermaschine kommende Förderseil aus der schrägen Richtung in die Richtung des Schachtes (im Allgemeinen senkrecht) umgelenkt wird.

Seine: Fluss im Norden Frankreichs; 776 km; entspringt auf dem Plateau von Langres, durchfließt das Pariser Becken, mündet bei Le Havre in einer Trichtermündung (Hängebrücke von Tancarville, 960 m) in den Kanal; wasserreich, geringes Gefälle, Gezeiten bis Rouen spürbar; Stauwehre; bis Bar-sur-Seine schiffbar; Kanäle zu Loire, Maas, Rhein, Saône, Schelde; das Tal zwischen Paris und der Mündung ist eine wichtige Siedlungs- und Industriegasse.

Seiner: kleines, maschinell angetriebenes Fischereifahrzeug, das besonders fur den Fang von Schwarmfischen mit der Ringwade sowie zum Thunfischfang verwendet wird. Heute haben Seiner häufig zusätzlich auch Einrichtungen zum Fang mit dem Schlepp- und Treibnetz.

Sei Shonagon, um 966 um 1016, japanische Dichterin; neben der Verfasserin des Genji Monogatari bedeutendste Vertreterin der höflichen Literatur; begründete mit dem «Kopfkissenbuch» (um 1000) das für die japanische Literatur sehr wichtige Genre der «Zuihitsu» (Skizzen).

Seismik: Teilgebiet der angewandten Geophysik; untersucht die Ausbreitung elastischer Wellen in der Erdkruste. Die Seismik bedient sich im Gegensatz zur Seismologie künstlicher Energiequellen, wie Sprengung, Fallgewicht, Impulsquellen oder Vibratoren, und transportabler Registriergeräte. Die Ergebnisse der Seismik ermöglichen effektive Lagerstättenerkundung. Siehe auch Reflexionsseismik, Refraktionsseismik.

Seismizität: Maß für die Erdbebenaktivität in einem bestimmten Gebiet, umfasst Erdbebenstärke und -häufigkeit. Berechnet werden zum Beispiel die gesamte Energie, die innerhalb eines Raum-Zeit-Bereiches durch alle Erdbeben freigesetzt wird, und die mittlere Wiederholzeit zweier Erdbeben gleicher Magnitude.

Seismograph: in der Seismologie genutztes Gerät zur Aufzeichnung von Bodenschwingungen, die durch Erdbeben, starke Sprengungen oder ähnliche Ereignisse hervorgerufen werden. Die bis zu millionenfach verstärkten Schwingungen werden über Direktschreiber, fotooptisch oder elektromagnetisch aufgezeichnet. Die Aufzeichnungen heißen Seismogramme, ihre Auswertung ermöglicht eine wissenschaftliche Erdbebenforschung sowie zum Beispiel die Ortung unterirdischer Kernwaffentests. In der Seismik nennt man Seismograph meist Geophone und den sie verursachenden geotektonischen Prozessen in der Lithosphäre.

Seite: Pelzbearbeitung Bauch- (Rand-) Teil eines in der Bauchmitte aufgeschnittenen Felles; von weniger guter Qualität.

Seitenhalbierende, Mittellinie: im Dreieck die Verbindungsgerade einer Ecke mit dem Mittelpunkt der gegenüberliegenden Seite.

Seitenriss: darstellende Geometrie Bild einer räumlichen Figur bei Orthogonalprojektion auf eine zur Grundrissebene senkrechte Ebene, die betreffende Seitenrissebene. Steht diese außerdem zur Aufrissebene senkrecht, so wird der Seitenriss Kreuzriss genannt.

Seitenschüttung: Verfahren zum Bau von Erd-dämmen, bei dem vom Dammkern aus die Massen seitlich geschüttet werden. Siehe auch Lagenschüttung.

Seitenstechen: stechende Schmerzen im linken oder rechten Oberbauch bei starker körperlicher Anstrengung, wahrscheinlich infolge von Spannungen an Milz- beziehungsweise Leberkapsel.

Seitenwechsel: Sportspiele Tausch der Spielfeldhälften nach den im Regelwerk festgelegten Spielperioden (Halbzeit, Drittel, Satz), um gleiche äußere Bedingungen zu gewähren.

Seitling, Pleurotus: Gattung holzbewohnender Blätterpilze mit seitlich gestieltem Hut; der graue Austernseitling (Pleurotus ostreatus) oder Austernpilz wird auf Holz und organischen Abfällen angebaut; guter Speisepilz.

Seitpferd: frühere Bezeichnung für Pauschenpferd (Pferd).

Seitz, Gustav, 11.9.1906-26.10.1969, Bildhauer und Graphiker der BRD; lebte und lehrte in Berlin, seit 1958 in Hamburg; sein Schaffen, das klassische Idealen und der Natur verbunden ist, umfasst weibliche Akte, Bildnisköpfe und Figurenreliefs. Im Spätwerk dominieren eine tragische Sicht auf den Menschen und das Interesse für vorklassische Kunstformen. Ein Hauptwerk ist das Käthe-Kollwitz-Denkmal in Berlin.

Seja: linker Nebenfluss des Amur, im Fernen Osten; 1242 km; entspringt im Stanowoigebirge, hat im Oberlauf ein tief eingekerbtes, im Seja-Bureja-Tiefland ein breites Tal und mündet bei Blagoweschtschensk; wichtigste Nebenflüsse von links Selemdsha, von rechts Giljui; fischreich. Im Flussgebiet Brennstoff-, Antimon- und Goldvorkommen. Oberhalb der Stadt Seja Wasserkraftwerk (1290 MW; 115 m hoher Damm), unterhalb davon schiffbar.

Sejan, Lucius Aelius Seianus, um 20. vor Christus bis 18.10.31 nach Christus, Günstling des römischen Kaisers Tiberius; kämpfte unter Drusus 6/9 in Pannonien; ließ 23 Drusus vergiften, um dessen Frau Livia zu heiraten; bewog den Kaiser, Rom zu verlassen, um als dessen Stellvertreter herrschen zu können. Da er den Thron erstrebte, wurde er hingerichtet.

Seifullina, Lidija Nikolajewna, 3.4.1889 bis 25.4.1954, russisch-sowjetische Schriftstellerin; gestaltete in der Erzählung «Der Ausreißer» (1922, deutsch) das Schicksal verwahrloster Kinder nach dem Bürgerkrieg. In dem Roman «Wirinea» (1925, deutsch) stellte sie die Veränderungen im Leben der Frau und des Dorfes nach der Revolution dar.

Sejm: (polnisch, «Versammlung») 1. oberstes gesetzgebendes Organ des polnischen Königreiches seit dem 15. Jahrhundert, bestand seit 1496 aus dem König, dem Senat und der Abgeordnetenkammer.

2. 1921/39 Zweite Kammer des polnischen Parlaments.

3. in der VR Polen oberste Volksvertretung.

Sejtakow, Beki, geboren 1.1.1914, turkmenisch-sowjetischer Schriftsteller; wurde vor allem durch den Band «Dorfgeschichten» (1948) über die Kollektivierung als Erzähler bekannt; sein aus der turkmenischen Vergangenheit schöpfender Roman «Brüder» (3 Bände, 1958/65) gehört zu den herausragenden Werken der turkmenischen Prosa.

Sekante: Gerade, die eine Kurve oder Fläche in mindestens 2 Punkten schneidet.

Sekantenmethode, Regula falsi (lateinisch, «Regel des Falschen»): Näherungsverfahren zur Nullstellenbestimmung einer Funktion y = f(x) unter Verwendung von 2 Stützstellen in jedem Schritt. Diesen Schritt kann man durch Wahl der jeweils verwendeten Punkte in unterschiedlicher Weise zur Grundlage konvergenter Näherungsprozesse machen.

Sekler, Szekler: ungarische Bevölkerung in Transilvania, deren Ansiedlung an den Westhängen der Karpaten im 10./13. Jahrhundert erfolgte; etwa 900000.

Sekondi-Takoradi: Stadt (Regionszentrum) in Ghana, am Golf von Guinea (Atlantik); durch Zusammenlegung der Städte Sekondi und Takoradi gebildet; 160000 Einwohner; Maschinenbau, Lebensmittel-, Holz-, Zementindustrie, Werft; Eisenbahnknoten, Hochseehafen; Fischfang.

Sekret: das von einer Drüse beziehungsweise von Drüsenzellen durch aktiven Transport gebildete Produkt (zum Beispiel Speichel, Milch, Magensaft, Schweiß).

Sekretär: 1. Schrank mit aufklappbarer Schreibplatte.

2. leitender Funktionär einer Partei oder Organisation, auch Generalsekretär oder Erster Sekretär.

3. Dienstbezeichnung für bestimmte Staatsfunktionäre, zum Beispiel Sekretär eines örtlichen Rates in der DDR. Der Sekretär ist Mitglied des jeweiligen Rates, wird also von der entsprechenden Volksvertretung gewählt. Er gewährleistet vor allem den ordnungsgemäßen Ablauf der Arbeit der Volksvertretung, ihres Rates und der Fachorgane.

4. Angestellter bei den Gerichten der DDR, dem die Organisation des allgemeinen Geschäftsablaufs obliegt und der ihm zugewiesene gerichtliche Aufgaben eigenverantwortlich wahrnimmt, zum Beispiel die Ausfertigung gerichtlicher Entscheidungen und im Zivilprozess den Erlass gerichtlicher Zahlungsaufforderungen, das Aufgebotsverfahren, die Vollstreckung (Pfändung) und die Kostenfestsetzung. Der Sekretär leitet die Rechtsantragsstelle zur Aufnahme von Klagen und Anträgen.

5. Schreiber; Dienstbezeichnung für bestimmte Angestellte, zum Beispiel bei der Reichsbahn und der Post.

6. Sekretär, Sagittarius serpentarius: hochbeiniger, etwa 1,20 m langer Greifvögel mit aufstellbarem Federschopf; lebt in afrikanischen Savannen; legt 2 Eier und brütet auf Bäumen; frisst vorwiegend Schlangen.

Sekretariat: Geschäftsstelle; Dienststelle eines Sekretärs; höheres Amt im Staatsdienst; gewähltes Organ (einer Partei u. ä.) zur Leitung der laufenden Arbeit.

sekretieren: absondern; geheim halten, verschließen.

Sekretion: Fähigkeit von Zellen, Substanzen mit spezifischen Eigenschaften und Funktionen (Sekret) zu bilden und an die Umgebung abzugeben (Absonderung). Die Sekretion Zellen sind in großen Drüsen der äußeren Sekretion vereinigt, zum Beispiel in den Speicheldrüsen, und in Drüsen mit innerer Sekretion (Hormondrüsen, zum Beispiel Geschlechtsdrüsen, Schilddrüse, Nebennieren). Weit verteilt kommen sie in kleinen Drüsen vor (zum Beispiel Schweißdrüsen) oder vereinzelt im Gewebe, wo die Sekretion der sogenannt lokalen oder Gewebehormone erfolgt, zum Beispiel in der Darmschleimhaut. Die Sekretion ist ein energieverbrauchender Vorgang. Dazu gehört die zelluläre Synthese des Sekrets, das in Körnchenform (Sekretgranula) in den Sekretionszellen gespeichert werden kann. Siehe auch Neurosekretion.

Sekretolytika: Arzneimittel, die schleimige Sekrete (vor allem der Atemwege) verflüssigen.

Sekretomotorika: Arzneimittel, die den Abtransport von Sekreten aus den tiefen Atemwegen beschleunigen, zum Beispiel Ammoniumchlorid.

Sekte: im Allgemeinen abgekapselte politische oder ideologische Sondergruppe. Im kirchlichen Sprachgebrauch abwertender Begriff für selbständige kleinere religiöse Sondergemeinschaften, die sich von den jeweils herrschenden großen, besonders den christlichen kirchlichen Organisationen (oft aus sozialem Protest) lösten; treten meist mit einem besonders exklusiven Offenbarungsanspruch auf und wenden sich sowohl gegen die großen Kirchen als auch häufig gegen andere kleine Religionsgemeinschaften. Die gegenwärtige Zunahme von Sekte (auch Jugend- oder Neureligionen genannt) in kapitalistischen Ländern ist Ausdruck der Flucht ihrer (oft jugendliche) Anhänger vor sozialer Ausweglosigkeit, sie dienen aber nicht selten allein den Profitinteressen der sogenannt Sektenführer oder Guru.

Sektierertum: dogmatische, starre, mit scheinrevolutionären Phrasen verbundene Politik in der Arbeiterbewegung, die lebensfremden Charakter trägt, losgelöst ist von den Interessen der Werktätigen, ohne Rücksicht auf den Reifegrad ihres Bewusstseins betrieben wird und damit zur Isolierung der kommunistischen Partei von den Massen und zum Abenteurertum führt.

Sektion: 1. allgemein Abteilung, Gruppe, Zweig; Ausschuss.

2. Bildungswesen: an Universitäten und Hochschulen der DDR seit 1968 Struktureinheit, in der Ausbildung und Erziehung der Studenten, Weiterbildung sowie Forschung in einem Wissenschaftsgebiet komplex geleitet werden. An der Spitze der Sektion steht der Sektionsdirektor, der sich auf den Rat der Sektion stützt und dem Rektor unmittelbar unterstellt und verantwortlich ist.

3. Sektion, Autopsie (griechisch), Nekroskopie (griechisch), Obduktion (lateinisch): Medizin von Ärzten (im allgemeinen Pathologen oder Gerichtsmediziner) vorgenommene Öffnung und Untersuchung von Leichen oder ihrer Teile. Die Sektion dient insbesondere zur Feststellung der Todesursache und Todesart, aber auch zur Rekonstruktion von Unfallgeschehen und Tathergängen. Die Anordnung der Sektion kann unter anderem durch den Staatsanwalt, den Kreisarzt oder bei vorheriger stationärer Behandlung durch den zuständigen ärztlichen Direktor der Gesundheitseinrichtung erfolgen.

4. Schiffbau: aus mehreren Einzelteilen in der Halle oder vor der Helling zusammengeschweißtes Großbauteil; aus zahlreichen Sektion wird dann auf der Helling der Schiffskörper zusammengebaut (Sektionsbauweise). Unterschieden werden Flachsektion (Platte mit Versteifungen), Volumensektion (zum Beispiel Doppelbodenpartien, Bugsektion und Hecksektion), Kollisektion oder Ringsektion, die ganze Teile des Schiffes umfassen.

5. Sport: a) bis zur Gründung des DTSB der DDR offizielle Bezeichnung für die heutigen Sportverbände;

b) sportartbezogene Teilgliederung einer Sportgemeinschaft oder eines Sportclubs des DTSB der DDR beziehungsweise einer Grundorganisation der GST.

Sektor: 1. allgemein Ausschnitt, Abschnitt, begrenzter Gebietsteil.

2. Geometrie: Teil einer Fläche oder eines Körpers, der von einem Winkel oder Raumwinkel ausgeschnitten wird, dessen Scheitel im Innern, oft im Mittelpunkt der Fläche oder des Körpers liegt, zum Beispiel bei Kreis oder Kugel.

Sekundant: 1. Zeuge oder Beistand bei einem Duell.

2. Betreuer eines Sportlers (besonders im Boxen und beim Schach).

sekundär: zweitrangig; untergeordnet; Neben...; nachträglich hinzukommend.

Sekundärelektronenemission: Austreten beziehungsweise Auslösen von Elektronen aus Festkörpern durch auftreffende Primärelektronen. Diese können bei Energien von etwa 100 eV aus geeigneten Materialien bis zu 10 Sekundärelektronen auslösen.

Selbmann, Fritz, 29.9.1899-26.1.1975, Schriftsteller und Politiker; war Bergmann, wurde 1922 Mitglied der KPD, war Reichstags- und Landtagsabgeordneter, 1933/45 inhaftiert. Nach 1945 war Selbmann unter anderem Minister für Schwerindustrie sowie für Erzbergbau und Hüttenwesen; 1955 Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates. Er schrieb die autobiographische Chronik über den Widerstandskampf in den faschistischen KZs «Die lange Nacht» (1961), die sozialistische Gegenwartsromane «Die Heimkehr des Joachim Ott» (1962) und «Die Söhne der Wölfe» (1965), die autobiographischen Bücher «Alternative, Bilanz, Credo» (1969), «Acht Jahre und ein Tag» (1975) sowie Essays («Die Art zu leben», 1971).

Selbstausführung: Dienstleistungsvertrag, bei dem der Bürger Einrichtungen, Werkzeuge und Arbeitsmaterial gegen Entgelt zur Verfügung gestellt werden, um Leistungen selbst auszuführen, zum Beispiel in Selbstbedienungswäschereien.

Selbstbedienung: rationelle Verkaufsform des Einzelhandels für industriell abgepackte Waren mit konstanten und bekannten Verbrauchs- oder Gebrauchseigenschaften sowie für (in Schnellgaststätten) portionierte Fertiggerichte und Getränke, die auf Selbstauswahl, -entnähme; und Transport zur Kasse beruht.

Selbstbefruchtung: Befruchtung nach Bestäubung einer Blüte mit Pollen derselben Blüte oder Pflanze. Selbstbefruchter sind zum Beispiel Erbse, Bohne, Erdnuss. Siehe auch Fremdbefruchtung.

Selbstbestimmungsrecht, Selbstbestimmungsrecht der Völker: Recht aller Völker, völlig frei und ohne Einmischung von außen über ihren politischen Status zu entscheiden und ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu gestalten. Jeder Staat ist verpflichtet, dieses Recht zu achten und seine Durchsetzung zu fördern; normiert als eines der wichtigsten allgemeinen verbindliche Grundprinzipien des Völkerrechts im Artikel 1 der UN-Charta, in grundsätzliche UN-Deklarationen sowie den UN-Menschenrechtskonventionen von 1966. Das Selbstbestimmungsrecht schließt das Recht der Völker ein, sich von nationaler Unterdrückung und sozialer Ausbeutung zu befreien sowie frei über ihre natürlichen Reichtümer zu verfügen.

Selbstbeteiligung: Teil des Schadens, den der Versicherte selbst trägt.

Selbstbewusstsein: bewusstes Erkennen und Bewerten der eigenen Person nach angeeigneten sozialen Maßstäben.

Selbstenergie: die von der Wechselwirkung eines Elementarteilchens mit dem Quant des von ihm selbst erzeugten Feldes (Selbstwechselwirkung) herrührende Energie; die nach der Einsteinschen Gleichung E = mcl äquivalente Masse m heißt Selbstmasse des Teilchens, zum Beispiel rührt die elektromagnetische Masse des Elektrons von seiner Selbstwechselwirkung mit dem elektromagnetischen Feld her, das infolge seiner Bewegung erzeugt wird. Siehe auch Feynman-Diagramm.

Selbstfahrlafette, Abkürzung SFL: gepanzertes Ketten-, Halbketten- oder (seltener) Räderfahrzeug, dessen Bewaffnung aus einer Kanone oder Haubitze, einem oder mehreren rückstoßfreien Geschützen, Granatwerfern, Flak-Geschützen oder Flak-MGs besteht, auch Raketenstartrampen können aufgebaut sein; verfügt über hohe Feuerkraft, Geländegängigkeit und Beweglichkeit.

Selbstfütterung: Verfahren zur Rationalisierung der Fütterung von Tieren mit Hilfe technischer Einrichtungen; kann als dosierte oder Vorratsfütterung erfolgen.

Selbsthilfe: a) die zulässige eigenverantwortliche Sicherung oder Durchsetzung von Ansprüchen oder sonstigen Rechten; setzt voraus, dass Hilfe staatlicher Organe nicht rechtzeitig herbeizuführen ist und dadurch die Verwirklichung des Rechts ohne Selbsthilfe wesentlich erschwert oder unmöglich gemacht wird;

b) Einwirkung auf fremde Sachen, um dadurch unmittelbar drohende Gefahren für Leben, Gesundheit oder für erhebliche Sachwerte abzuwenden. Notwendige Aufwendungen sind dem, der Selbsthilfe leistet, zu erstatten, und für eingetretene Nachteile ist eine Entschädigung zu zahlen. - In beiden Fällen ist die angemessene Selbsthilfe nicht rechtswidrig.

Selbstkosten: Teil der Kosten, der den Erzeugnissen und Leistungen, die dem Hauptzweck des Betriebes entsprechen, zugerechnet wird und aus den Erlösen für die realisierten Erzeugnisse und Leistungen zu decken ist. Die Selbstkosten sind Element der Kalkulation sowie der Ergebnisrechnung und können für die Gesamtheit sowie für einzelne Erzeugnisse und Leistungen ermittelt werden. Die Höhe der Selbstkosten beeinflusst entscheidend den Preis der Erzeugnisse und Leistungen beziehungsweise den Gewinn des Betriebes. Selbstkosten je Erzeugnis- beziehungsweise Leistungseinheit und Selbstkostensenkung sind daher wichtige betrieblichen Kennziffern.

Selbstmordschaltung: Schaltung der Nebenschlusswicklung eines Gleichstromnebenschlussgenerators derart, dass der von der Remanenz Spannung angetriebene Erregerstrom das Feld nicht verstärkt, sondern schwächt; wird angewendet, um die Drehzahl gesteuerter Motoren auf Null stellen zu können.

Selbstorganisation: Eigenschaft eines Systems (zum Beispiel präbiologisches chemisches Reaktionssystem, Organismus), seine Struktur und die funktionelle Verknüpfung seiner Bestandteile entsprechend den durch die Umgebung gegebenen Bedingungen automatisch einzurichten. Die Entstehung des Lebens lässt sich als die Entstehung sich selbst organisierender chemische Reaktionssysteme aus Nukleinsäuren und Proteinen verstehen. Siehe auch Synergetik.

Selbstreinigung, natürliche: Abbau organischer Stoffe in verschmutzten Gewässern vorwiegend durch Bakterientätigkeit. Die Abwasserinhaltsstoffe werden teils unter Sauerstoffverbrauch veratmet, teils in Biomasse umgewandelt.

Selbstschalter: Schaltgerät in elektrischen Anlagen, das selbsttätig durch Fernsteuerung, Über- oder Kurzschlussauslösung unabhängig vom Schalterantrieb durch Federkraft ausgeschaltet werden kann. Für Installationen werden Selbstschalter als Leitungsschutzschalter (Sicherungsautomaten) ausgeführt,

Selbststudium: selbständiges Durcharbeiten von Literatur oder Studienmaterial als Form der Wissensaneignung im Studium sowie Hauptmethode der politischen und fachlichen Weiterbildung.

Selbsttor, Eigentor, in Torspielen ein von der Mannschaft in das eigene Tor gespielter Ball; zählt als Treffer für den Gegner.

Selbsttötung, Selbstmord, Suizid: Kurzschlusshandlung bei geistig Gesunden in (vermeintlich) aussichtsloser Lebenslage. Gefährdet sind Menschen, die an Depressionen, vor allem an Altersdepression beziehungsweise beginnenden schizophrenen Psychosen leiden. Die Selbsttötungsziffer gibt für einen bestimmten Zeitraum die Zahl der Selbsttötung, bezogen auf 1000 der mittleren Bevölkerung, an. Versuchte Selbsttötung ist straflos, soweit nicht andere Personen verletzt oder getötet wurden.

Selbsttränke: Tierhaltung eine an die Druckwasserleitung angeschlossene Vorrichtung, die den Tieren durch Druck auf eine Ventilzunge ständig eine Wasseraufnahme ermöglicht.

Selbstverteidigung: Judo System von Paraden, Griffen, Würfen, Stößen und Schlägen, dessen Anwendung in Notwehr erlaubt ist.

Selbstwählfernverkehr, Abkürzung SWFV: Fernsprechverkehr in automatisierten Fernmeldenetzen, bei dem die Gespräche vom Fernsprechapparat aus vermittelt werden. Selbstwählfernverkehr umfasst Landes- und zwischenstaatliche Fernwahl.

Seldschuken: (nach dem Stammvater Seldschuk) türkisches (oghusisches) Herrschergeschlecht (11./13. Jahrhundert); eroberte, aus Mittelasien kommend, an der Spitze einer türkischen Stammesvereinigung Iran und Vorderasien, 1055 Hinnahme Bagdads durch Tughril-Beg. 1071 begann mit dem Sieg über die Byzantiner bei Manzikert (Malazgirt) die türkische Eroberung Kleinasiens. Mit den Seldschuken übernahm erstmals eine türkische Dynastie die Führungsrolle im Islam.

Selektion, Auslese: Auswahl der für die betreffenden Umweltbedingungen am besten geeigneten Lebewesen. In der Natur hängt der Fortpflanzungserfolg genetisch verschiedener Individuen einer Population von ihrer Umwelteignung ab. Größerer Nachkommen Anteil auf Grund besserer Umwelteignung bewirkt evolutiven Wandel der Population oder Art (natürliche Selektion - Hauptfaktor der Evolution). Bei Kulturpflanzen und Haustieren wählt der Mensch die Individuen aus, die für die entsprechende Nutzung am geeignetsten sind (künstliche Selektion).

Selen, Symbol Se: chemisches Element der Kernladungszahl 34; Chalkogen; Atommasse 78,96; Wertigkeiten +6, +4, -2. Selen begleitet den Schwefel spurenweise in sulfidischen Erzen; reine Selenminerale sind selten. Graues («metallisches») Selen ist eine grauschwarze, kristallisierte, in den gebräuchliche Lösungsmitteln unlösliche Masse; F 217 °C, Kp 685 °C, Dichte 4,82 g/cm3. Die geringe elektrische Leitfähigkeit nimmt bei Belichtung stark zu, so dass es für Fotozellen Anwendung findet; auch wird es in Gleichrichtern eingesetzt. Rotes (nichtmetallisches) Selen ist kristallisiert, löst sich mit gelber Farbe in Kohlendisulfid und geht bei 150 °C allmählich in graues Selen über; es existiert auch in einer beim Abschrecken der Schmelze entstehenden dunklen, glasigen Form (glasiges Selen). Selendampf sieht gelb aus. Alle Selenmodifikationen verbrennen an der Luft mit blauer Flamme und Rettich artigem Geruch zu einem weißen, giftigen Rauch von Selendioxid, Se02. Man gewinnt Selen zum Beispiel aus dem Anodenschlamm der elektrolytischen Kupferraffination. Selen wurde 1817 von J. J. Berzelius im Bleikammerschlamm entdeckt.

Selene, griechische Mondgöttin (lateinisch Luna), Tochter des Hyperion, Schwester des Helios und der Eos; ihr Geliebter war Endymion.

Selenogeologie, (griechisch) Lunar Geologie, Mondgeologie. Wissenschaft von der Zusammensetzung, dem Bau und der Entwicklung des Mondes, besonders der Mondkruste. In der Selenogeologie stehen zurzeit im Vordergrund die genetische Deutung der Gestalt und des Gefüges der Mondkruste, Zusammensetzung und Verteilung der Gesteinstypen sowie Deutungen seleno-physikalischer Messergebnisse (Schwerefeld, Radioaktivität, Seismik). Die historische Selenogeologie unterscheidet ein Prämarestadium, in dem keine Maria auf dem Mond existierten, ein Marestadium (vor 2,5 bis 4 Md. Jahren), in dem es zur Basaltüberflutung tiefliegender Krustenteile (der Maria) kam, und das zur Zeit noch andauernde Postmarestadium, das wie das Prämarestadium durch die (aber seltenere) Entstehung von Mondkratern gekennzeichnet ist.

Selenograd: Trabantenstadt von Moskau; 140000 Einwohner; Hochschule für Elektronik; moderne Architektur.

Selenographie: (griechisch) kartographische Aufnahme und Beschreibung der Mondoberfläche; siehe auch Mond.

Selenverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Selen. Selendioxid entsteht beim Verbrennen, des Elements; es ist farblos, kristallin, sublimiert bei 315 °C und löst sich in Wasser zu seleniger Säure; deren Salze heißen Selenite, zum Beispiel das als Glanzbildner bei der galvanischen Versilberung verwendete Natriumselenit. Selentrioxid bildet farblose Kristallwürfel (F118 °C); es reagiert heftig mit Wasser zu Selensäure einer kristallisierten Substanz (58 °C), die bereits mit wenig Wasser flüssig wird und dann der Schwefelsäure stark ähnelt. Die Salze heißen Selenate, zum Beispiel das wie Bariumsulfat äußerst schwer lösliches Bariumselenat. Selenwasserstoff ist ein farbloses, brennbares, übelriechendes Gas (Kp -41,5 °C); die Salze heißen Selenide, zum Beispiel das zum Rotfärben von Glas verwendete Cadmiumselenid. Alle Selenverbindungen sind stark giftig.

Seleukia: Name mehrerer von Seleukos I. Nikator gegründeter Städte. Die bekanntesten waren Seleukia (Pieria) in Syrien (301 vor Christus gegründet) und Seleukia am Tigris (312 vor Christus gegründet).

Seleukiden: hellenistische Dynastie 312/64 vor Christus; benannt nach Seleukos I. Nikator. Das nach den Seleukiden bezeichnet« Seleukiden reich erstreckte sich zunächst von Kleinasien bis Indien, war zuletzt auf Syrien beschränkt und stellte neben Ägypten und Makedonien die 3. hellenistische Großmacht dar, deren politischer Bestand aber durch Kriege und Befreiungsbewegungen unterworfener Völker erschüttert wurde.

Seleukos I. Nikator, um 358-280 vor Christus (ermordet), makedonischer Feldherr Alexanders des Großen, einer der bedeutendsten Diadochen; Begründer des Seleukidenreiches; erklärte sich 309/308 zum «König von Babylon»; seit 305 König des Seleukidenreiches.

Selfaktor, Wagenspinner: Feinspinnmaschine der Kammgarn-, Streichgarn- und Vigognespinnerei für besonders weich gedrehte Garne.

Selfmademan: in der bürgerlichen Gesellschaft als Außenseiter, oft durch rücksichtsloses Handeln, in den herrschenden gesellschaftlichen Kreisen zu Macht und Einfluss Gekommener.

Seligersee: Glazialsee auf der Waldaihöhe, von Wäldern umgeben; 212 km2, bis 24 m tief; über 100 Zuflüsse, Abfluss zur Wolga; buchten- und inselreich; Erholungs- und Wassersportzentrum.

Selim I., Selim der Grausame, 1467 oder 1470 bis 20.9.1520, türkischer Sultan seit 1512; unter ihm stieg die Türkei zur Weltmacht auf; er eroberte 1516/17 Syrien und Ägypten, danach nahm er den Titel «Kalif» an.

Selinski, Nikolai Dmitrijewitsch, 6.2.1861 bis 31.7.1953, russisch-sowjetischer Chemiker; seit 1893 Professor an der Universität Moskau; arbeitete unter anderem über Hydrierung und Dehydrierung organischer Verbindungen, Eiweißstoffe, Petrolchemie.

Selke: rechter Nebenfluss der Bode; 70 km; entspringt im Unterharz, durchfließt dort ein tief eingeschnittenes und zum Teil von der Selketalbahn genutztes Tal, mündet unterhalb von Quedlinburg.

Seil, Lothar, geboren 16.11.1939, Maler, Graphiker und Bildhauer, 1957/63 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei H. T. Richter; gestaltet mit vitaler Ausdruckskraft, Phantasie und Humor besonders Motive des Alltags auf dem Lande, der Welt des Kindes und der Folklore; bevorzugt den Holzschnitt, in jüngerer Zeit entstanden auch farbige Holzskulpturen und Keramik.

Sellerie, Apium graveolens: heim, zweijähriges Doldengewächs salziger Böden mit grünlich-weißen Blüten. Knollensellerie (A graveolens var. rapaceum) wird als Wurzelgemüse kultiviert.

seltene Elemente: chemische Elemente, die in der Erdkruste nur in geringen Mengen (weit unter 0,1 Masse-%) und meist nicht in eigenen Lagerstätten auftreten, so Gallium, Germanium, Hafnium, Indium, Lithium, Rhenium, Selen, Vanadin, Zirkonium.

Seltenerdmetalle: Sammelname für die zur 3.Nebengruppe des Periodensystems gehörenden chemische Elemente Skandium, Yttrium, Lanthan und die Lanthaniden (Zer bis Lutetium einschließlich des künstlichen, radioaktiven Promethiums). Die meisten Seltenerdmetalle werden aus Monazitsand (UdSSR, Indien, Brasilien) gewonnen; der darin enthaltene Monazit ist ein Gemisch aus Phosphaten des Zers (CeP04) und anderer Seltenerdmetalle sowie des Thoriums. Die einander chemisch sehr ähnlichen Seltenerdmetalle sind silberglänzend, ziemlich unedel und zersetzen sich teilweise mit Wasser. Die Oxide der natürlichen Seltenerdmetalle sind die Seltenerden (Seltene Erden); man teilt sie ein in Ceriterden (Oxide der ZERIT Metalle Lanthan, Zer, Praseodym, Neodym und Samarium) und Yttererden (übrige Oxide).

Selterswasser, Selters, Sodawasser: ursprünglich kohlendioxidreiches Mineralquellwasser aus Niederselters (Hessen, BRD); heute künstlich aus Trinkwasser unter Zusatz von Kohlendioxid und Salzen hergestellt.

seltsamer Krieg, komischer Krieg: Bezeichnung für die erste Kriegsphase an der Westfront im 2. Weltkrieg (September 1939/Mai 1940), in der weder die faschistische deutsche Wehrmacht noch die britische und französische Streitkräfte bedeutende Kampfhandlungen führten. Der seltsame Krieg war die Fortsetzung der von Frankreich und Großbritannien betriebenen antisowjetischen Befriedungspolitik der Vorkriegsjahre und sollte die faschistische Aggression nach Osten lenken.

Selye, Hans, 26.1.1907-17.10.1982, kanadischer Mediziner österreichischer Herkunft; Professor an der Universität Montreal; entwickelte 1950 die sogenannte Stresstheorie, nach der Krankheiten auf ein Versagen des innersekretorischen Anpassungsmechanismus zurückzuführen sind.

Sem: kleinstes feststellbares Bedeutungselement als Bestandteil eines Semems, zum Beispiel die Sem «weiblich» und «menschlich» in «Frau».

Sem (hebräisch, «Name»), im Alten Testament Sohn des Noah; Stammvater der Semiten.

Semani: Fluss im mittleren Albanien; 252 km; Quellflüsse Devolli und Osumi, mündet nordöstlich von Fieri in die Adria.

Semantik, Bedeutungslehre: Gegenstand sind die Bedeutungs- und die Bezeichnungsfunktionen von Zeichen, das heißt die Beziehungen der Zeichen zu den Abbildern, Gedanken im Bewusstsein (Bedeutung) und zum Abgebildeten, dem Objekt, Designat (Bezeichnung, Sigmatik). In der Sprachwissenschaft Teilgebiet, das die Bedeutung der sprachlichen Einheiten zum Gegenstand hat; arbeitet unter anderem an einer Bedeutungsanalyse mit Hilfe von Semen (siehe auch Sem) und untersucht Prinzipien des Aufbaus von Gesamtbedeutungen komplexer Morpheme beziehungsweise Wörter (bei diesen Forschungen bestehen enge Beziehungen zur logischen Semantik). Traditionell beschreibt die linguistische Semantik (hier zeitweilig Semasiologie genannt) auch Beziehungen zwischen Bedeutungen (in Wortfeldern) und Entwicklung und Veränderung von Bedeutungen (Bedeutungswandel). In der Logik Theorie der Beziehung zwischen Zeichen (zum Beispiel Ausdrücken formalisierter Sprachen) und den durch sie (möglicherweise) bezeichneten Gegenständen und. Beziehungen, die dann die Bedeutungen jener Zeichen (Ausdrücke) sind. Wichtige Begriffsbildungen der Semantik sind Erfüllbarkeit, Allgemeingültigkeit, Modell. Mitunter werden die Beziehungen formalisierter Sprachen zur natürlichen Sprache und pragmatische Aspekte der Benutzung von Zeichensystemen ebenfalls zur Semantik gerechnet,

semantische Antinomien: sich selbst widersprechende Aussagen, die durch das Vermengen objekt- und metasprachliche Ausdrücke (Objektsprache) in einem Satz entstehen.

Semarang: Stadt (Provinzzentrum) an der Nordküste der Insel Jawa (Indonesien); 1 Millionen Einwohner; Leicht-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Metallverarbeitung, Schiffbau, Kunsthandwerk; Überseehafen, Flughafen; Universität.

Semasiologie: zeitweilig für die Erforschung des Bedeutungswandels sprachlicher Einheiten verwendete Bezeichnung; sonst Synonym zur linguistischen Semantik.

Sembene, Ousmane, geboren 8.1.1923, senegalesischer Schriftsteller und Regisseur, verbindet in seinen Romanen («Der schwarze Dockarbeiter», 1956; «Meines Volkes schöne Heimat» 1957, deutsch; «Die Gotteshölzer», 1960) und Filmszenarien («Xala», 1973, deutsch) die Idee des proletarischen Internationalismus mit der Kampfansage gegen Kolonialismus und Herrschaftsanspruch einer korrupten Bourgeoisie in den jungen Nationalstaaten.

Semele, in der griechischen Sage Tochter des Königs Kadmos von Theben, Geliebte des Zeus; verbrannte, als dieser auf ihren Wunsch in seiner eigentlichen Gestalt (Blitz und Donner) zu ihr kam; ihr ungeborenes Kind, Dionysos, wurde von ihm gerettet.

Semem, Semantem: die dem Morphem zuzuordnende Einheit der Bedeutung (zum Beispiel «Frau» als Bedeutung für die Lautfolge f-r-au). Siehe auch Sem.

Semen: Samen, Samendroge; zum Beispiel Semen Lini (Leinsamen).

Semeru: noch tätiger Stratovulkan auf der Insel Jawa (Indonesien), südöstlich von Surabaya; mit 3676 m der höchste Berg der Insel; Kaldera etwa 600 m breit und 200 m tief; auf den fruchtbaren Vulkanböden der Hänge Anbau von tropischen Kulturen.

Semi-Bantu: wissenschaftliche Bezeichnung für eine Gruppe sprachverwandter Völker in Westafrika (Senegal bis Kamerun), die gewisse sprachliche Gemeinsamkeiten mit den Bantu aufweisen, ohne dass der genetische Zusammenhang völlig geklärt ist (Wolof, Mossi, Tiv, Bamum).

Semifinale, Halbfinale: Vorschlussrunde zur Ermittlung der Endkampfgegner.

Seminar: Organisationsform des Hochschulstudiums, in der die Teilnehmer unter Leitung einer Lehrkraft wissenschaftliche Probleme bearbeiten und Vorlesungsstoffe oder Selbststudienergebnisse diskutieren.

Seminargruppe: nach Fachrichtung und Studienjahr zusammengesetztes Studentenkollektiv.

Seminolen: (indianisch, «Davongelaufene») nordamerikanische Indianerbevölkerung, die sich Mitte 18. Jahrhundert aus Teilen der Creek (Muskogee) sowie Resten anderer Stämme und entflohenen Sklaven bildete und in Florida ansiedelte; in 2 blutigen Kriegen (1817/18 und 1835/42, letztgenannter unter Führung des militärisch befähigten Häuptlings Osceola) hartnäckige Verteidigung des Landes gegen die US-amerikanische Armee, nach der Niederlage Deportation in die Reservation von Oklahoma; heute dort etwa 5000, nur noch 250 in Florida.

Semiotik: Sprachwissenschaft allgemeine Zeichentheorie; untersucht nicht die konkreten Zeichensysteme (wie zum Beispiel bestimmte natürliche Sprachen), sondern Zeichensysteme schlechthin; Teilgebiete sind Pragmatik, Semantik, Syntaktik und Sigmatik; in Grundgedanken von Charles William Morris (geboren 1901) entwickelt; noch keine einheitliche, in sich geschlossene Theorie; ihrem Gegenstand nach eng mit philosophischer Fragestellungen verbunden und deshalb auch ein Feld philosophischer Auseinandersetzungen.

semipermeabel: nur für bestimmte Bestandteile (zum Beispiel hinreichend kleine Moleküle) oder nur in einer Richtung durchlässig,

semipolare Bindung: homöopolare chemische Bindung, bei der das bindende Elektronenpaar nur von einem der beiden miteinander verbundenen Atome stammt.

Semiramis, griechischer Name einer sagenumwobenen assyrischen Königin, vermutlich Sammuramat, die Frau des Königs Schamschi-Adad V.; nach dem Tode ihres Mannes regierte sie 809/806 für ihren minderjährigen Sohn Adad-Nirari III. (809/782 vor Christus); veranlasste zahlreiche Stadtgründungen und Bauten. Irrtümlich wurden ihr die «Hängenden Gärten» von Babylon, eines der Sieben Weltwunder, zugeschrieben, die aber sehr wahrscheinlich erst zur Zeit des Nebukadnezar H. entstanden sind.

Semiten: (nach Sem) sprachlich verwandte Gruppe von Völkern der semitisch-hamit. Sprachfamilie Vorderasiens und Nordafrikas (unter anderem Araber, Amharen, Tigre, Israelis, im Altertum auch Babylonier, Assyrer, Aramäer, Phöniker, Hebräer, Himjariten und Sabäer); über 150 Millionen Anthropologisch gehören die Semiten zu verschiedenen europiden Gruppen oder zu den Äthiopiden (zum Beispiel die Amharen und Tigre); eine einheitliche «semitische Rasse» (Bezeichnung der faschistischen Rassenideologen) gibt es nicht.

semitische Sprachen: Gruppe nahe verwandter Sprachen, die ursprünglich nur in Vorderasien, später durch Besiedelung, Eroberung oder Kultureinfluss (Islam und Judentum) auch in weiteren Gebieten Asiens sowie in Teilen Afrikas (afrikanische Sprachen) und Europas gesprochen wurden beziehungsweise werden. Zu den semitischen Sprachen gehören vor allem Akkadisch (mit den Dialekten Babylonisch und Assyrisch), Moabitisch und Hebräisch, Aramäisch und die bedeutendste lebende semitische Sprache Arabisch.

Semitistik: Wissenschaft, die sich mit der Erforschung der semitischen Sprachen und ihres Verhältnisses zueinander befasst.

Semlja I Wolja: (russisch, «Land und Freiheit») 1. revolutionärer Geheimbund der Rasnotschinzen 1861/64 in Petersburg und anderen Städten; Begründer N. G. Tschernyschewski.

2. revolutionärer Geheimbund der Narodniki 1876/79; kämpfte gegen den Zarismus und für die Aufteilung des Bodens an die Bauern; betrachtete die bäuerliche Dorfgemeinde als den Keim des Sozialismus; Hauptvertreter G. W. Plechanow, M. A. Natanson, A. D. Michailow. Spaltete sich 1879 in Narodnaja Wolja und Tschorny Peredel.

Semljatschka, eigentlich Samoilowa, Rosalija Samoilowna, 13.4.1876-21.1.1947, sowjetische Arbeiterführerin; Mitarbeiterin der Leninschen «Iskra», schloss sich 1903 den Bolschewiki an; 1905 und 1917/18 Sekretär der Moskauer Parteiorganisation; leitete im Bürgerkrieg die politische Arbeit in 2 Armeen der sowjetischen Streitkräfte, seit 1924 führend auf dem Gebiet der Partei- und Sowjetkontrolle tätig, seit 1939 Mitglied des ZK der KPdSU.

Semmelstoppelpilz, Albatrellus confluens: Porling mit knolligem, oft gebogenem weißem Stiel, der mehrere semmelgelbe Hüte trägt; jung essbar.

Semmelweis, Ignaz Philipp, 1.7.1818-13.8.1865, ungarischer Geburtshelfer, Professor in Wien und Pest; erkannte 1847, dass durch Händedesinfektion der Geburtshelfer dem Kindbettfieber vorgebeugt wird; wurde «Retter der Mütter» genannt.

Semmering: Alpenpaß (985 m) in Österreich, zwischen Raxalp und Wechsel mit Straße vom niederösterreichischen Gloggnitz nach dem steirischen Mürzzuschlag; von der Semmeringbahn (Wien-Jugoslawien beziehungsweise Wien-Oberitalien) im 1,4 km langen Semmeringtunnel unterquert.

Semna: altägyptische Festung beiderseits einer Stromenge des Nils, etwa 60 km südlich von Wadi Haifa (Republik Sudan), jetzt vom Nassersee überflutet. Die unter Sesostris III. (12. Dynastie) errichtete Anlage bezeichnete die Südgrenze des Mittleren Reiches. Zwei Tempel der 18. Dynastie wurden 1963 nach Khartum übergeführt. In der Umgebung gab es zahlreiche Nekropolen, Felsinschriften, Nilstandsmarken und Felsbilder.

Semnonen: germanischer Stamm, Hauptgruppe der Sueben; gingen um die Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert im Stammesverband der Alemannen auf.

Semonides, 7. Jahrhundertvor Christus, griechischer Dichter von Samos; verfasste (nur in Fragmenten überlieferte) pessimistische Gedichte in Jamben und elegischen Versmaß («Weiberjambus»).

Sempach: Stadt in der Schweiz, nordöstlich von Luzern. In der Schlacht bei Sempach besiegten am 9.7.1386 eidgenössische Bauern ein habsburgisches Ritterheer. Siehe auch Winkelried.

Semper, Gottfried, 29.11.1803-15.5.1879, Architekt und Kunsttheoretiker; 1834/49 Professor für Baukunst an der Kunstakademie in Dresden, nach Beteiligung an der Revolution von 1848/49 Flucht nach Paris, 1855/71 Professor am Polytechnikum Zürich, dann in Wien; Vertreter des Übergangs vom Spätklassizismus zur Neurenaissance. Er wirkte sowohl durch praktischen wie theoretischen Arbeiten («Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten», 1860/63), die auf zweckvolle Konstruktion orientiert sind, nachhaltig auf Architektur und Kunsthandwerk seiner Zeit. Hauptwerke: Opernhaus (l. Bau 1838/41, 2. Bau 1871/78) und Gemäldegalerie (1847/54) in Dresden, Neue Hofburg (1872/91) und Burgtheater (1873/88) in Wien.

Sempronier: altrömisches einflussreiches Plebejer Geschlecht; stellte in der Zeit der späten Republik bedeutende Staatsmänner (unter anderem die Gracchen).

Semski Sobor: zentrale Ständeversammlung in Russland im 16./17. Jahrhundert (höhere Geistlichkeit, Bojaren, niederer Adel, Kaufleute, Handwerker), vom Adel beherrscht; die Beschlüsse waren für den Zaren nicht bindend, halfen ihm jedoch, die feudale Zersplitterung zu überwinden; 1683/84 letztmalig einberufen.

Semstwo: Selbstverwaltungsorgane in Russland, wurden 1864 aus gewählten Vertretern des Adels, der Bourgeoisie und der wohlhabenden Bauernschaft gebildet; beschränkten sich auf lokale wirtschaftliche und kulturelle Angelegenheiten; dienten dem Ziel, Russland der kapitalistischen Entwicklung anzupassen; nach der Oktoberrevolution abgeschafft.

Sen: kleinste Währungseinheit in Indonesien, Japan, Kampuchea und Malaysia.

Senat: (lateinisch, «Rat der Alten») 1. im alten Rom das höchste politische Organ der Republik; war ein mächtiges Bollwerk der herrschenden Aristokratie gegen das unterdrückte Volk, besonders die Sklaven. Der Senat rekrutierte sich aus ehemaligen Magistraten (Staatsbeamten). Mitglieder waren zunächst die Patrizier, später die Nobilität. Die Mitgliederzahl des Senats schwankte zwischen 100 und 900. In der Kaiserzeit verlor der Senat seine politische Bedeutung.

2. Gremium des wissenschaftlichen Rates einer Universität oder Hochschule, das zwischen dessen Plenartagungen den Rektor bei der Lösung wichtiger Fragen der wissenschaftlichen und hochschulpolitischen Entwicklung der Bildungsstätte berät.

3. in vielen Staaten mit Zweikammersystem die erste gesetzgebende Körperschaft (zum Beispiel USA Kanada, Belgien, Italien).

4. Richterkollegium der Bezirks-, Militärobergerichte und des Obersten Gerichts der DDR, das in Straf-, Zivil-, Familien- und Arbeitsrechtssachen sowie anderen den Gerichten übertragenen Angelegenheiten verhandelt und entscheidet. Der Senat besteht in der Regel aus 3 Richtern, in erstinstanzlichen Verfahren der Bezirks- und Militärobergerichte und in allen Arbeitsrechtssachen einem Berufsrichter und 2 Schöffen. Der Senat für Arbeitsrecht beim Obersten Gericht ist mit 2 Berufsrichtern und 3 Schöffen besetzt.

Sendai: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Miyagi, im Norden der Insel Honshu; 660000 Einwohner; Metallurgie, elektrotechnische und Textilindustrie, Erdöl- und Holzverarbeitung, Seiden- und Lackwarenherstellung; Universität.

Sender: Gesamtheit der technischen Einrichtungen zur Erzeugung (Oszillator), Modulation und Verstärkung hoch- oder höchstfrequenter elektromagnetischer Schwingungen zwecks Abstrahlung als elektromagnetische Wellen über Antennen. Die Trägerfrequenz der Sender muss im Allgemeinen stabilisiert werden (siehe auch Schwingquarz); die der Antenne zugeführte Hoch- oder Höchstfrequenzleistung (SenderIeistung) richtet sich nach Frequenzbereich und Anwendungsfall (Rundfunksender, Verkehrsfunksender, Richtfunksender und Radarsender; stationäre und mobile Sender).

Sender: Ramón José, 3.2.1902-15.1.1982, spanischer Schriftsteller; lebte in Los Angeles; gehörte zu den großen Schriftsteilem der spanischen Emigration; seine Werke geben eine realistische Bestandsaufnahme der Umwelt, seiner Erfahrungen in der Neuen Welt («Meistererzählungen von Cibola», 1961).

Senderöhre: Elektronenröhre für Sender zur Erzeugung der notwendigen Senderleistung. Je nach Anwendungsfall wird die Leistung kontinuierlich (Rundfunk; Richtfunkverbindung) oder impulsförmig (Radar, Funktelegrafie) in Verstärkern (Tetrode, Scheibenröhre, Triftröhre, Wanderfeldröhre) oder Oszillatoren (Magnetron, Triftröhre) erzeugt.

Seneca, Lucius Annaeus der Jüngere, um 4 vor Christus 65 nach Christus, Staatsmann, Philosoph und Schriftsteller, leitete als Berater des Kaisers Nero das römische Reich, fiel in Ungnade (Selbsttötung); vertrat in moralischen Abhandlungen, Briefen und naturphilosophischen Schriften den Stoizismus; schrieb ferner Lesetragödien, die auf die französische Klassik einwirkten.

Senegal: Strom in Westafrika; mit Quellfluss Bafing 1450 km; entspringt im Fouta Djalon in Guinea, durchfließt Mali und bildet dann die Grenze zwischen Mauretanien und der Republik Senegal, mündet mit einem Delta in den Atlantischen Ozean; wichtigster Nebenfluss Falémé (von links); bei Hochwasser bis Kayes schiffbar, Fischfang, Bewässerungsanlagen; Staudamm Diama bei Saint-Louis. Projekt zur Nutzung des Senegalbeckens durch die Anliegerstaaten.

Senegal, Republik Senegal: Staat in Westafrika; grenzt im Norden und Nordosten an Mauretanien, im Südosten an Mali, im Süden an Guinea und Guinea- bissau und im Westen an den Atlantischen Ozean. Senegal umschließt den Staat Gambia am Fluss Gambia und bildet mit ihm die Konföderation Senegambia. Verwaltungsmäßig ist Senegal in 9 Regionen gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich aus zahlreichen Stämmen zusammen, deren bedeutendste Wolof, Serer, Peul, Tukulör, Diola und Mandingo sind. Amtssprache ist Französisch, Währung ist der CFA-Franc. Natur. Senegal umfasst das weit landeinwärts reichende Küstentiefland zwischen den Flüssen Senegal im Norden und Casamance im Süden und erstreckt sich bis zur nordwestlichen Abdachung des Fouta Djalon im Bereich der Oberguineaschwelle. Es herrscht tropisches Klima mit einer Regenzeit, wobei die Trockenheit nach Norden zunimmt. Große Teile des Landes liegen in der Sahelzone. Entsprechend den klimatischen Bedingungen wandelt sich die Vegetation von baumreicher Feuchtsavanne im Süden über Trocken- bis zur Dombuschsavanne im Norden; am Fluss Senegal Buschsavanne. Ein Viertel der Landesfläche ist Wald- und Buschland. Bedeutende Phosphat-, im geringeren Maße Erdöl-, Marmor-, Eisen- und Nichteisenerzvorkommen. Wirtschaft. Senegal ist infolge langer Kolonialherrschaft ein einseitig auf den Erdnussanbau (Monokultur) ausgerichtetes unterentwickeltes Agrarland mit Anfängen einer Industrie, das von ausländischen, besonders französischen Monopolen kontrolliert wird. Etwa 80 % der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Erdnüsse (Anbau besonders im Westteil; etwa 50% der Anbaufläche) und Erdnussprodukte sind wertmäßig mit etwa 40% am Export beteiligt. Für den Binnenmarkt werden auch Gemüse (um Dakar) sowie Ölpalmen und Bananen (im S) kultiviert. Der größte Teil der Bauern lebt noch unter den Verhältnissen der Naturalwirtschaft (zugunsten der Marktwirtschaft rückläufig) und erzeugt für den Eigenbedarf Hirse, Maniok, Reis, Bataten und Mais. Nach der Erdnusswirtschaft haben der exportorientierte Phosphatbergbau (bei Touba) und die Hochseefischerei größte ökonomische Bedeutung. Günstige Investitionsbedingungen für das Auslandskapital (besonders französisch) führten zu einem stärkeren Ausbau der verarbeitenden Industrie, die zu 80 % in und um Dakar konzentriert ist. Hauptzweige sind neben der Erdnussverarbeitung vor allem Textil-, Holz-, Metall-, Zementindustrie und die Erdölverarbeitung. Das Verkehrsnetz ist im Westteil relativ entwickelt, wird nach Osten aber immer weitmaschiger. Haupthafen und internationaler Flughafen in Dakar. Wichtigste Einfuhrgüter sind Maschinen und Industrieeinrichtungen, Lebensmittel, Textilien und Erdölprodukte, wichtigste Ausfuhrgüter Erdnüsse und Fische. Haupthandelspartner ist Frankreich (wertmäßig etwa die Hälfte aller Ein- und Ausfuhren).

Geschichte: Das Gebiet des heutigen Senegal wurde seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt. Im Mittelalter entstanden die frühklassengesellschaftlichen Staaten Mama, und Wolof erste portugiesische Stützpunkte bestanden im 15. Jahrhundert, seit Mitte des 17. Jahrhundert setzten sich die Franzosen an der Küste fest, dehnten insbesondere in der Mitte des 19. Jahrhundert ihr Herrschaftsgebiet aus und schlossen die koloniale Unterwerfung Senegals 1886/94 ab. 1895 wurde mit Senegal als Kern die Kolonialföderation Französisch Westafrika geschaffen. Im Ergebnis des Kampfes der nationalen Befreiungsbewegung, die sich in Senegal bereits nach dem 1. Weltkrieg herausgebildet hatte, erhielt das Land als Teil der Föderation, die es 1959/60 mit Mali eingegangen war, am 20.6.1960 die staatliche Selbständigkeit. Nach dem Zusammenbruch der Mali-Föderation wurde am 20.8.1960 die unabhängige Republik Senegal proklamiert. Die regierende senegalesische Fortschrittsunion unter Präsident L. Senghor (seit 1960) sah in der engen Anlehnung an die ehemalige Kolonialmacht günstige äußere Bedingungen für die Festigung der Macht. Unter dem Druck der inneren Opposition und dem Einfluss sozialreformistischen Gedankenguts wurden ab 1976 oppositionelle Parteien zugelassen. Im November 1976 schloss sich die senegalesische Fortschrittsunion der sozialistischen Internationale an und gab sich die Bezeichnung senegalesischen sozialistischen Partei (französisch Abkürzung PSS). L. Senghor legte Ende 1980 seine Ämter als Staatspräsident und Generalsekretär der PSS nieder; sein Nachfolger wurde in beiden Funktionen A. Diouf, der bereits seit 1970 Ministerpräsident der Republik Senegal war. Am 1.2.1982 schlossen sich Senegal und Gambia zur Konföderation Senegambia zusammen, deren Präsident gleichfalls A. Diouf wurde. Bei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Februar 1983 errang die PSS 85 % der abgegebenen Stimmen.

Senegambia: Bezeichnung des am 1.2.1982 gebildeten Staatenbundes zwischen Senegal und Gambia; Vereinbarungen legen fest, dass bei Beibehaltung der staatlichen Souveränität eine Wirtschafts- und Währungsunion gebildet wird, die Integration der Streit- und Sicherheitskräfte erfolgt und die Innen- und Außenpolitik koordiniert wird. Präsident Senegambias ist der Präsident von Senegal, Vizepräsident der Präsident von Gambia.

Seneschall: Inhaber eines Hofamtes im Frankenreich sowie in Frankreich bis 1191, dem die Oberaufsicht über die königliche Hofhaltung (insbesondere Verpflegung) oblag.

Senf: 1. Botanik Bezeichnung für verschiedene gelbblühende Kreuzblütler. Der Schwarze Senf (Brassica nigra) hat dem Stengel anliegende Schoten und schwarze Samen, aus denen Senföl gewonnen wird; der Weiße Senf (Sinapis alba) besitzt abstehende Schoten und gelblicher Samen, aus denen Senf 2 hergestellt wird; auch Öl- und Grünfutterpflanze; ein verbreitetes Unkraut ist der Ackersenf (Sinapis arvensis).

2. Senf, Speisesenf Mostrich (zu «Most»): Lebensmitteltechnik scharf schmeckende Paste aus Senfmehl (Mahlprodukt getrockneter Körner des Weißen Senf), Essig und Gewürzen (Bohnenkraut, Dill, Estragon, Meerrettich, Muskat, Paprika).

Senfkorngarten, Handbuch der Malerei aus dem Senfkorngarten: berühmtes chinesisches Farbendruckbuch (4 Bände, 1679/1818; im 18. und 19. Jahrhundert mehrere Neuauflagen); ursprünglich als Malschule gedacht; enthält Holzschnittreproduktionen (meist farbig) von Tuschgemälden mit Pflanzen- und Vogeldarstellungen alter chinesischer Meister, mit ergänzenden Gedichten und Erläuterungen.

Senfl, Ludwig, um 1486um 1543, schweizerischer Komponist; Schüler von H. Isaac; seit 1523 Hofkapellmeister in München; schuf Messen, Motetten und weltliche Chorlieder, in denen er Polyphonie und Volkslied künstlerisch verband.

Senföl: 1. farbloses bis gelbes, haut-, schleimhaut- und augenreizendes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation eingeweichter gemahlener Samen des Schwarzen Senfs gewonnen wird und bis zu 95% Allylsenföl, CH2=CH-CH2-NCS, enthält; Verwendung in der Pharmazie.

2. Senföl: gelb- bis grünbraunes, aus dem Samen des Weißen und Schwarzen Senfs gepresstes oder extrahiertes Öl; dient als Speiseöl und zur Herstellung von Seifen.

Senftenberg: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, an der Schwarzen Elster; 32000 Einwohner; VEB Braunkohlenkombinat (Tagebaue, Brikettfabriken) und Rationalisierungswerk der Braunkohlenindustrie; Ingenieurschule für Bergbau und Energetik; Theater der Bergarbeiter, Schloss (1400; Heimatmuseum); neue Wohngebiete. Südlich von Senftenberg bei Großkoschen Erholungsgebiet Senftenberger See (12,2 km2, Stauraum 18 Millionen m3; ehemaliges Tagebaurestloch).

Sengen, Flammen, Gasieren: Abbrennen von Faserenden, die aus Garnen oder Warenstücken herausragen, sowie Knoten oder Noppen mittels offener Flamme, um einen glatten Faden beziehungsweise ein klares Warenbild zu erhalten.

Senghor, Léopold Sedar, geboren 9.10.1906, senegalesischer Politiker und Schriftsteller; 1960/80 Generalsekretär der senegalesischen sozialistischen Partei und Präsident der Republik Senegal; Senghor ist Präsident der afrikanischen, sozialistischen Internationale. Senghors sprachschöne Gedichte drücken einerseits antikolonialistische Gefühle, andererseits rückwärtsgewandte, idealistische-romantisierende Stimmungen aus; Mitbegründer und führender Theoretiker der Négritude.

Senken: spannendes Fertigungsverfahren mit mehrschneidigem Werkzeug (Senker), dessen Schneiden nacheinander angeordnet und ständig im Eingriff sind. Der Senker kommt meist auf Bohrmaschinen zum Einsatz und führt Schnitt- und Vorschubbewegung aus. Das Einsenken, zum Anfasen oder Versenken von Schrauben- oder Nietköpfen angewendet, erfolgt zur zylindrischen, kegeligen oder profiliert abgestuften Erweiterung rotationssymmetrischer Innenformen mit Kopf-, Hals-, Form- oder Kegel- (Spitz-, Krauskopf) Senker. Ansenken (Anplanen) mit Flach- oder Zapfensenker dient zur Herstellung ebener Auflageflächen bei Bohrungen, zum Beispiel zur Aufnahme von Schraubenköpfen. Aufsenken wird mit Spiral- oder Aufstecksenkern zur Erweiterung vorhandener Löcher durchgeführt.

Senker: der ungeschlechtlichen Vermehrung dienender, meist schon vor Trennung von der Mutterpflanze bewurzelter oberirdisch kriechender Pflanzentrieb, gewonnen durch Absenken und Ablegen (zum Beispiel bei Erdbeeren).

Senkrechtstartflugzeug, Senkrechtstarter, VTOL Flugzeug (VTOL Abkürzung für vertical take-off and landing, englisch, «Senkrechtstart und -landung»): im eigentlichen Sinn Starrflügelflugzeug, das senkrecht starten und landen kann. Eine ältere Form des Senkrechtstartflugzeugs ist der Convertiplan, bei dem die Stellung des Trag- oder Triebwerks verändert werden kann, so dass er die günstigen Horizontalflugeigenschaften des Starrflüglers mit den guten Start- und Landeeigenschaften des Drehflügelflugzeugs in sich vereinigt. Moderne Senkrechtstartflugzeug beruhen auf Strahlantrieb, wobei entweder nur die Schubdüsen beziehungsweise das Triebwerk mehr als 90° geschwenkt werden können beziehungsweise eine Strahlumlenkung erfolgt oder getrennte Hub- und Schubtriebwerke beziehungsweise umschaltbare Zweiwegedüsen und Hubgebläse eingebaut sind. Senkrechtstartflugzeuge wurden vor allem für militärische Zwecke entwickelt.

Senkung: im Gegensatz zur Hebung unbetonte Silbe im Vers.

Senlis: Stadt in Frankreich, nordöstlich von Paris; 12000 Einwohner; Metall- und Möbelindustrie; Museen; gallorömische Stadtmauer; Kirche Notre-Dame (12. Jahrhundert; Turm 78 m), ehemaliges Königsschloss (13. Jahrhundert).

Sennar: Stadt im Norden der Republik Sudan, am Blauen NU; etwa 10000 Einwohner; Eisenbahnknoten, Handelszentrum. Oberhalb von Sennar der Sennar-Damm (früher Makwardamm; 36 m hoch und 3010 m lang; Stauseeinhalt 0,9 Md. m3), der den Nil bis 150 km stromauf staut und für die Bewässerung der Gesira von Bedeutung ist; Wasserkraftwerk.

Sennert, Daniel, 25.11.1572-21.7.1637, Philosoph und Chemiker; Anhänger des Paracelsus, dessen Mystik er jedoch ablehnte; entwickelte, gestützt auf eigene chemische Experimente, eine Atomlehre.

Senoi, Sakai: kleinwüchsige Bevölkerungsgruppe im Innern der Halbinsel Malakka, die eine austroasiatische Sprache spricht; 26000; bis in die jüngste Vergangenheit Sammler und Jäger, Übergang zum Bodenbau.

sensibel: (französisch) Physiologie Reize aufnehmend, auslösend oder weiterleitend; reizempfindlich. Siehe auch Sensibilität 1.

Sensibilisatoren: Substanzen, die fotochemischen Reaktionen dadurch ermöglichen, dass sie Strahlungsenergie aufnehmen und auf das eigentliche Reaktionssystem übertragen. In der Fotografie setzt man Sensibilisatoren (Cyaninfarbstoffe) fotografische Emulsionen zu, um das Silberhalogenid auch für die grünen, gelben, roten und infraroten Wellenlängenbereiche empfindlich zu machen.

Sensibilisierung: Erzeugen einer Überempfindlichkeit des Organismus (Allergie) gegen körperfremde Substanzen, zum Beispiel Fremdeiweiße, Arzneimittel, nach Erstkontakt; Voraussetzung für eine allergische Reaktion nach erneutem Kontakt.

Sensibilität:

1. Physiologie: die Fähigkeit, Sinnesreize über Rezeptoren aufzunehmen und zu verarbeiten. Nach Art der vom Organismus empfundenen Reize wird in Oberflächensensibilität (Tast- oder Berührungsempfindung, Schmerz- und Temperaturempfindung) und Tiefensensibilität (Muskel- und Sehnengefühl) unterschieden. Während die von der Haut ausgehenden Sinnesempfindungen der Oberflächensensibilität bis zur Großhirnrinde gelangen und damit bewusst werden, vermitteln die von tiefer liegenden Geweben ausgehenden Sinnesempfindungen der Tiefensensibilität die Kenntnis über Lage, Bewegungsrichtung und Spannungszustand des Bewegungssystems.

2. Psychologie: Grad der Ansprechbarkeit der Sinnesorgane für Reize; auch Feinfühligkeit.

Sensibilitätsanalyse, Sensitivitätsanalyse, Empfindlichkeitsanalyse: Operationsforschung Untersuchung, wie stark sich die Änderung ausgewählter Parameter eines technischen, technologischen, wirtschaftlichen oder organisatorischen Prozesses auf bestimmte Kenngrößen (zum Beispiel Kosten, Ausstoß, Dauer) auswirkt. Ziel der Sensibilitätsanalyse ist die Ableitung und Beurteilung von Maßnahmen zur Verbesserung des Produktionsprozesses.

sensitiv: sehr empfindlich; leicht reizbar; feinnervig.

Sensitometer: Gerät zur genau definierten Belichtung fotografischen Materialien, um nach der anschließenden, ebenfalls genau definierten Entwicklung die Empfindlichkeit der fotografischen Materialien zu bestimmen.

Sensitometrie: ursprünglich ausschließlich Untersuchung der Beziehungen zwischen Belichtung und entstandener Schwärzung bei fotografischer Materialien; heute Messung aller fotografischen Eigenschaften der Schwarzweiß- und Farbmaterialien.

Sensor: im weiteren Sinne ein Messfühler, im engeren Sinne moderner, auch als Sensorsystem oder intelligenter Sensor bezeichneter (Messwert- oder anderer Signal-)Aufnehmer auf Halbleiterbasis, der in gleicher Technologie mit den Elementen für die Signalvorverarbeitung (Verstärker, Brücken- und Korrekturschaltungen unter anderem) hergestellt wird; ursprünglich nur für taktile (Druck- oder Berührungssensor) oder visuelle (optische) Aufnehmer angewendet, wird der Begriff Sensor heute allgemein und unscharf verwendet. Siehe auch Sensortaste,

sensorisch: (dat.) auf die Sinnesorgane bezüglich.

Sensortaste, Berührtaste: Bedienelement von elektronischen Geräten (zum Beispiel Rundfunk-, Fernsehgeräte), bei dem durch Fingerberührung Schaltfunktionen ausgelöst werden. Man unterscheidet Widerstands-Sensortaste und kapazitive Sensortaste; bei der Widerstands-Sensortaste wird durch die Berührung ein (sehr schwacher) Stromfluss, bei der kapazitiven Sensortaste eine Kapazitätsänderung bewirkt; in Verbindung mit einem integrierten Schaltkreis werden dadurch die gewünschten Schaltfunktionen realisiert.

Sensualismus: erkenntnistheoretische Richtung, nach der alle Erkenntnis auf Sinneswahrnehmung zurückführbar, Denken bloße Verknüpfung von Sinnesdaten sei; als wahr gilt, was der Wahrnehmung nicht widerspricht. Der Sensualismus ist eine Form des Empirismus. Die marxistische Erkenntnistheorie erkennt die Rolle der Sinneswahrnehmung im Erkenntnisprozess an, reduziert die Erkenntnis aber nicht auf diese. Der Sensualismus war in der vormarxistischen materialistischen Erkenntnistheorie vorherrschend. Zu seinen Vertretern zählen Epikur, J. Locke, E. B. de Condillac. Wird der Widerspiegelungscharakter der Sinneswahrnehmung geleugnet, führt der Sensualismus zum subjektiven Idealismus (G. Berkeley, E. Mach). Siehe auch Rationalismus,

sensuell: (französisch) die Sinne betreffend; sinnlich wahrnehmbar.

Sentenz: (dat., «Meinung») 1. Sinnspruch, Denkspruch; knapp und eindringlich formulierter Ausspruch, der eine allgemeine Erkenntnis lehrsatzartig oder in neuer Sicht wiedergibt («Es irrt der Mensch, solang er strebt», J. W. Goethe); kann zum geflügelten Wort werden; besonders gepflegt in der altrömischen Literatur und in der deutschen Klassik (J. W. Goethe, F. Schiller).

2. richterliches Urteil.

Sentiment: (französisch) Empfindung, Gefühl.

sentimental: (englisch - französisch) empfindsam, gefühlvoll; rühr-, tränenselig.

Sentinel Range: höchste Bergkette Antarktikas, zum Ellsworthgebirge im Ellsworthland (Westantarktika) gehörend; im Vinson Massiv 5140 m hoch.

Separanda: gesondert aufzubewahrende, stark wirkende Arzneimittel, deren Behälter in der Apotheke mit roter Schrift auf weißem Grund gekennzeichnet sein müssen.

Separatismus: das Bestreben, einen Gebietsteil aus den bisherigen staatlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Bindungen zu lösen und zu verselbständigen beziehungsweise an einen anderen Staat anzuschließen.

Separator: 1. Separator, Turboseparator: Papierherstellung Maschine zur Aufbereitung von vorgelöstem Altpapier durch Stoffturbulenz, die in einem liegenden Druckbehälter mit rotierendem Wellrad erzeugt wird und die Faservereinzelung sowie die Schmutzabtrennung bewirkt. Durch ein Sortiersieb wird der Gutstoff abgetrennt.

2. Separator, Zentrifuge: Technik - allgemein auf der Zentrifugalkraft basierende Maschine zur Stofftrennung. In der Lebensmittelindustrie werden Separator unter anderem zum Brechen von Emulsionen (zum Beispiel Milch), zur Abtrennung von Feststoffen (bis 1 %) aus Flüssigkeiten (zum Beispiel Vorklären von Süßmosten) und zum Trockenschleudern von Kristallbrei (zum Beispiel Zucker) verwendet.

Sephardim: (nach Sefarad, hebräisch für Spanien) Sepharden: eine der beiden großen Gruppen der europäischen Juden, Nachkommen der im 14./15. Jahrhundert aus Spanien (deshalb auch Spaniolen genannt) und Portugal vertriebenen Juden, die besonders im Osmanischen Reich und in Nordafrika, teilweise auch in westeuropäischen Ländern Asyl fanden; brachten im Mittelalter große Gelehrte hervor (zum Beispiel Moses Maimonides).

Sepheris, Seferis, eigentlich Sepheriadis, Jorgos, 29.2.1900-20.9.1971, griechischer Dichter, Jurist; seit 1928 im diplomatischen Dienst, zuletzt Botschafter in London. Sepheris gehörte zu den Mitbegründern der sogenannt Neuen Dichtung, welche den national-romantisch geprägten Traditionalismus überwand und mit ihrer freirhythmischen Gestaltung beispielgebend für die Entwicklung der neugriechischen Lyrik wurde («Mythischer Lebensbericht», 1935; «Bordbuch», 3 Bände, 1940/55), trat auch als Übersetzer und Essayist («Delphi», 1962, deutsch) hervor.

Sepia: aus dem Sekret des Tintenbeutels von Kopffüßern (besonders der Sepie) gewonnener brauner Farbstoff; bereits in der Antike als Schreibflüssigkeit verwendet, diente sie im 17./18. Jahrhundert zum Lavieren von Federzeichnungen; wegen ihrer geringen Lichtbeständigkeit in neuerer Zeit weitgehend durch Teerfarbstoffe ersetzt.

Sepie, Kuttelfisch, Sepia officinalis: bis 35 cm langer zehnarmiger Kopffüßer europäischen Meere mit breitem, abgeflachtem Körper und seitliche Flossensäumen; kann sehr schnell die Farbe wechseln; genutzt werden Fleisch und Sepia.

Sepiolith, Meerschaum: Mineral, wasserhaltiges Magnesiumsilikat; Härte 2 bis 2,5, Dichte 2 g/cm3 (schwimmt aber wegen seines hohen Porenvolumens auf dem Wasser); weiße, weiche und dichte Massen; Zersetzungsprodukt von Serpentin.

Sepoy Aufstand: in der bürgerlichen Historiographie Bezeichnung für den großen nationalen Aufstand des indischen Volkes 1857/59 gegen die britische koloniale Unterdrückung; brach mit der Erhebung von indischen Soldaten (Sepoys) aus und entwickelte sich durch Teilnahme von Bauern und niederen städtlichen Schichten zu einem Volksaufstand, dessen Führung in Händen patriotisch gesinnter Teile des Feudaladels lag; konnte nur mit Hilfe reaktionärer indischer Fürsten niedergeschlagen werden.

Seppuku, Harakiri beide (japanisch, «Bauchaufschlitzen»): Selbsttötungsritual im feudalen Japan mit Ursprung im Ehrenkodex der Samurai.

Sepsis, (griechisch, «Fäulnis») Blutvergiftung: bakterielle Allgemeininfektion durch Eindringen pathogener Keime (Strepto-, Gono-, Staphylokokken, Kolibakterien unter anderem) von einem Infektionsherd über Lymphknoten oder infizierte Thromben in die Blutbahn (früher als Septikämie bezeichnet). Die Erreger können metastatische Abszesse, zum Beispiel in Lunge, Niere, Milz, Gehirn, Knochenmark, Gelenken, Herz und Haut, verursachen (früher als Pyämie beziehungsweise Septikopyämie bezeichnet), die ebenfalls Keime in die Blutbahn abgeben können (sekundärer Sepsisherd). Kennzeichen der Sepsis sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Pulsbeschleunigung, Vermehrung der weißen Blutzellen.

Septarie: Geologie linsenförmige bis knollige, durch Austrocknung innen rissige und somit gekammerte Konkretion von Mergel und Ton; entstanden durch örtliche Anreicherung von Kalk. Septarien finden sich unter anderem im Septarienton des Oligozäns Mitteleuropas.

September, (lateinisch, «der siebente Monat») Scheiding-, 9.Monat des Jahres, hat 30 Tage; vor Einführung des Julian. Kalenders der 7. Monat.

Septemberaufstand: antifaschistischer Volksaufstand vom 22. bis 29.9.1923 in Bulgarien unter Führung der KP (Leitung G. Dimitroff und W. Kolarow). Er stellte einen Wendepunkt in der Entwicklung der KP zur Partei neuen Typs dar und führte trotz seiner Niederlage zur Isolierung des Faschismus vom Volk. Als erster antifaschistischer Aufstand vermittelte der Septemberaufstand der internationalen Arbeiterbewegung wichtige Lehren.

Septett: Komposition für 7 Singstimmen oder für 7 Instrumente; auch die Gruppe der Ausführenden.

Seven Islands (englisch, beide «sieben Inseln»): Ort im Südosten der Provinz Quebec (Kanada), am Nordufer des Mündungstrichters des Sankt-Lorenz-Stromes; 24000 Einwohner; wichtigster Eisenerzverschiffungshafen Kanadas, am Endpunkt der 580 km langen Eisenbahn von Schefferville und Wabush; Nebenhafen Pointe Noire.

Septime: 7. Stufe der diatonischen Tonleiter; auch Intervall, zum Beispiel c-h.

Septuaginta: (lateinisch, «siebzig») griechische Übersetzung des Alten Testaments, im 3./2. Jahrhundert vor Christus in Alexandria für die jüdische Diaspora entstanden; nach der jüdischen Legende von 72 Gelehrten (daher der Name Septuaginta) angefertigt; nach Rezeption durch die christliche Kirche für das Judentum bedeutungslos geworden.

Septum: Scheidewand in Körperhohlräumen, zum Beispiel im Herzen und zwischen den Nasenhöhlen.

Sequaner: keltischer Stamm zwischen Saône, Rhône und Schweizer Jura, ihr Hauptort war Vesontio (heute Besançon); galten als Freunde Roms und waren Gegner der Häduer. Die Sequaner würden von Cäsar unterworfen.

Séquence de sainte Eulalie, Eulalia Lied, ältestes literarisches Denkmal des Altfranzösischen (Ende des 9. Jahrhundert); eine in Form eines Kirchenliedes (Sequenz) gehaltene Legende über den Märtyrertod der heiligen Eulalia.

Sequenz: 1. allgemein Folge, Aufeinanderfolge; Reihe.

2. Gesellschaftsspiele: Folge von mindestens 3 Karten derselben Farbe oder beim Würfeln von Augen (z. B. 3, 4, 5).

3. Musik: a) hymnenartiger Kirchengesang des frühen Mittelalters;

b) Wiederholung einer Ton- oder Harmoniefolge auf anderer Tonstufe.

Sequester: abgestorbener, von der gesunden Umgebung abgegrenzter (demarkierter) Gewebebezirk, zum Beispiel Knochensequester.

Serafimowitsch, eigentlich Popow, Alexander Serafimowitsch, 19.1.1863-19.1.1949, russisch-sowjetischer Schriftsteller; wurde 1887 als Revolutionär an die Weißmeerküste verbannt, wo seine ersten Erzählungen entstanden. In den Romanen «Die Stadt in der Steppe» (1912, deutsch) und «Der eiserne Strom» (1924, deutsch) schilderte er den Kampf russischer Arbeiter nach 1905 und den Aufbruch der Bauernschaft im Bürgerkrieg.

Seraing: Industriestadt im Osten Belgiens, in der Provinz Lüttich, an der Maas; 64000 Einwohner; Metallurgie, daneben Maschinenbau, Rüstungs-, chemische, Glasindustrie; Binnenhafen; Technikum. Seram: zweitgrößte Insel der Maluku (Indonesien); früher Ceram; 17151km2, etwa 100000 Einwohner; Hauptort und -hafen Wahai; gebirgig (Binaja bis 3019 m) mit schmalen Küstenebenen; bei immer feuchtem tropischen Klima zum größten Teil immergrüner tropischer Regenwald; Anbau von Muskatnussbäumen, Kaffee, Kautschuk, Zuckerrohr unter anderem; Teakholzgewinnung.

Serao, Matilde, 7.3.1856-26.7.1927, italienische Erzählerin und Journalistin; schilderte als Vertreterin des regionalistischen Verismus realistisch, teilweise auch sentimental, die Sorgen und Freuden des neapolitanischen Kleinbürgertums und des Proletariats (Romane «Der Bauch von Neapel», 1884; «Schlaraffenland», 1891, deutsch).

Seraph: aus dem Alten Testament bekanntes mythologisches Mischwesen mit 3 Flügelpaaren; ursprünglich schlangen-gestaltiger Wüstendämon; als Hüter des Jahwe Heiligtums später immer mehr als Engel betrachtet.

Serapis, Sarapis, hellenistischer-ägyptischer Unterwelts-, Fruchtbarkeits- und Heilgott; sein von Ptolemaios I. geschaffener synkretistischer Kult (Gleichsetzung mit Osiris und Apis) fand gemeinsam mit dem Isis-Kult weite Verbreitung (römisches Reich bis nach Indien); Hauptkultort war das Serapeion in Alexandria.

Serau, Capricornis sumatraensis: etwa 120 cm langer und 80 cm hoher Vertreter der Böcke mit kurzen, spitzen kräftigen Hörnern, grannigem bräunlichem oder grauem Fell; Hochgebirgsbewohner Zentral-, Süd- und Ostasiens.

Serafschan: Fluss; 877 km; entspringt in der Turkestan Kette (Pamir), bewässert nach Austritt aus dem Gebirge die Oasen Samarkand (Speicherbecken Kattakurgan) und Buchara und versickert westlich von Buchara in der Kysylkum; Amu-Buchara-Kanal (233 km) zum Amudarja.

Serben: südslawisches Volk, 10 Millionen; bildeten ursprünglich mit den Kroaten eine Einheit; während die gemeinsame serbokroatische Sprache einheitlich blieb, trat infolge der getrennten politischen und konfessionellen Entwicklung eine nationale und kulturelle Differenzierung ein.

Serbokroatisch: eine südslawische Sprache; wird vom größten Teil der Bevölkerung Jugoslawiens, den Serben und Kroaten, gesprochen. Serbokroatisch kann trotz mancher lexikalischer Varianten als relativ einheitliche Sprache gelten, obwohl die Serben die kyrillische Schrift in einer auf die russische Grazhdanka zurückgehenden Form und die Kroaten die lateinische Schrift verwenden (daher auch oft die Bezeichnungen serbische Sprache und kroatische Sprache). Serbokroatisch weist Intonations- und Quantitätsunterschiede der Vokale auf, im Wortschatz finden sich zahlreiche Entlehnungen aus dem Türkischen.

Serebrjakowa, Galina Iossifowna, 20.12.1905 bis 30.6.1980, russisch-sowjetische Schriftstellerin; schuf die Trilogie «Prometheus» über IC Marx und die revolutionäre Bewegung in Europa in der Mitte des 19. Jahrhundert mit den Teilen «Sturm der Gedanken» (1933/34), «Raub des Feuers» (1961) und «Gipfel des Lebens» (1962, alle deutsch).

Seregni, Liber, geboren 13.12.1916, uruguayischer Militär und Politiker, verließ 1967 den Militärdienst und schloss sich der demokratischen Volksbewegung an; seit 1971 Präsident der Breiten Front und deren Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten; 1973/74 und 1975/84 inhaftiert, 1985 völlig rehabilitiert.

Serenade: Abendmusik, Ständchen; seit dem 18. Jahrhundert mehrsätziges unterhaltendes Musikstück, ursprünglich zur Aufführung im Freien; seit dem 19. Jahrhundert, auch als Einzelstück, vor allem in den Salons.

Serengeti: Landschaft im Norden Tansanias, im Ostafrikanischen Hochland, 1500 bis 1800 m über dem Meeresspiegel; Akazien-, Dombuschsavanne; Teil des Serengeti-Nationalparks (14503 km2) mit großem Wildreichtum.

Serenissimus: ursprünglich Titel regierender Fürsten (besonders deutscher Kleinstaaten); oft auch ironisch gebraucht.

Sergejew-Zenski, Sergej Nikolajewitsch, 30.9.1875-3.12.1958, russisch-sowjetischer Schriftsteller; schrieb (seit 1914) zeit seines Lebens an dem Romanzyklus «Die Wandlung Russlands» (17 Teile). Der Roman über den Krimkrieg «Die heißen Tage von Sewastopol» (1937/39, deutsch) gehört zu den bedeutenden historischen Werken der Sowjetliteratur.

Sergipe: kleinster Bundesstaat Brasiliens, im NO; 21994 km2, 1,26 Millionen Einwohner; 57 Einwohner/km2; Hauptstadt Aracaju. Sergipe reicht von der breiten Küstentieflandzone des nördlichen Ostbrasiliens bis in die Randgebiete des Brasilianischen Hochlandes hinein. Im tropischen Küstenstreifen Anbau von Zuckerrohr, Bananen, Mais, Reis unter anderem; im trockenen Binnenland extensive Viehzucht. Erdöl-, Erdgasgewinnung; gering entwickelte Industrie.

Serie: 1. allgemein Reihe, Folge; bestimmte Menge gleichartiger Fertigerzeugnisse von gleicher Ausführung.

2. Geologie: Teil eines geologischen Systems; Bezeichnung für die während einer Epoche abgelagerten Gesteinsfolgen.

3. Physik: Spektralserie, Wasserstoffspektrum.

4. Sportspiele: Spielserie.

serielle Kompositionstechnik: (zu lateinisch series, «Reihe») in Anlehnung an die Zwölftontechnik von westeuropäischen Komponisten nach 1950 entwickelte Methode, nicht nur die Tonhöhen (wie in der Zwölftontechnik), sondern auch andere musikalische Elemente, wie Tondauer, Lautstärke, Klangfarbe, Artikulationsweise und so weiter, in «Reihen» zu organisieren. Das Ideal einer totalen «Durchorganisation» des Materials und seiner Verknüpfung erwies sich in der Praxis für die Gestaltung musikalischer Kunstwerke rasch als wenig tragfähig. Heute werden serielle Verfahrensweisen nur noch partiell neben anderen genutzt.

Serienfertigung: Fertigungsart, bei der eine bestimmte Menge gleicher Erzeugnisse gleichzeitig oder dicht aufeinanderfolgend hergestellt wird; je nach Stückzahl unterscheidet man Groß-, Mittel- und Kleinserienfertigung. Siehe auch Einzelfertigung, Massenfertigung.

Serientourenwagen: in großer Serie (mindestens 5000 Stück in 12 Monaten) gefertigtes Automobil mit mindestens 4 Sitzplätzen, welches für den Automobilsport bei Homologierung in die Gruppe N eingestuft wird; zulässige technischen Veränderungen an einem Serientourenwagen beschränken sich auf die Erhöhung der Sicherheit.

Serienverarbeitung, serielle Verarbeitung: 1. Arbeitsweise eines Rechenautomaten, bei der alle Operationen nacheinander ausgeführt werden. Gegenwärtig arbeiten mit Ausnahme von Analogrechnern, digitalen Differentialanalysatoren sowie einigen Spezialrechnern alle Rechenautomaten nach dem Prinzip der Serienverarbeitung

2. im Gegensatz zum Parallelbetrieb Ausführung von Programmen in zeitlicher Reihenfolge.

Serifen, Schroffen, Schraffuren: geradlinig waagerechte, senkrechte oder schräge, gegebenenfalls gekehlte Abschlüsse der Grundstriche von Buchstaben in Antiquaschriften; «Buchstabenfüße».

Serin, Symbol Ser. Aminosäure der Formel CH2(OH)-CH(NH2)-COOH. Serin bildet weiße, süß schmeckende, wasserlösliche Kristalle und kommt besonders reichlich in Raupenseide vor. Serin ist Bestandteil der Kephaline und kann in Proteinen Ort einer Phosphorylierung sein.

Serocki, Kazimierz, 3.3.1922-9.1.1981, polnischer Komponist; Mitbegründer des Musikfests «Warschauer Herbst»; zählt zu den bemerkenswertesten polnische Komponisten der Gegenwart;, konzertierte auch als Pianist.

Serologie: Teilgebiet der Immunbiologie; untersucht Abwehreigenschaften des Serums auf der Basis der Antigen-Antikörper-Reaktion durch Labormethoden. Die Serologie ist unentbehrlich für die Diagnostik zahlreicher Erkrankungen.

serös: a) auf Serum bezüglich;

b) vorwiegend oder ganz aus Serum (das heißt Blutflüssigkeit mit nur geringer Zellbeimischung) bestehend, zum Beispiel Ergüsse oder Wundsekrete.

Serosa: Körperhöhlen auskleidende und darin liegende Organe teilweise oder vollständig überziehende Haut (zum Beispiel Brustfell, Bauchfell); kann (seröse) Flüssigkeit bilden.

Serotonin, Enteramin (griechisch + lateinisch): Hormon und Neurotransmitter mit starker Kreislaufwirkung und Einfluss auf die Muskulatur des Darmkanals.

Serow: Stadt im Gebiet Swerdlowsk, in den östlichen Ausläufern des Nördlichen Ural; früher Nadeshdinsk, Kabakowsk 100000 Einwohner; Edelstahlwerk, Holzverarbeitung (Möbel, Fertighäuser); Eisenbahnknoten; Theater.

Serow: 1. Alexander Nikolajewitsch, 23.1.1820 bis 1.2.1871, russischer Komponist und Musikkritiker; erwarb sich bedeutende Verdienste um die Entwicklung der russischen Musikbetrachtung und -kritik und machte als erster die Werke R. Wagners in Russland bekannt; unter seinen Kompositionen stehen die Opern im Mittelpunkt.

2. Walentin Alexandrowitsch, 19.1.1865 bis 5.12.1911, russischer Maler und Graphiker; Mitglied der Peredwischniki und der «Mir Iskusstwa»; malte Landschaften, Historien- und Genrebilder, vor allem jedoch Porträts, die die Modelle häufig in einem licht- und sonnendurchfluteten Milieu zeigen; ging von einer zunächst impressionistische Auffassung zu dekorativen, stilisierten Formen über, sein Werk ist ein wichtiges Bindeglied zwischen der Tradition des russischen Realismus des 19. Jahrhundert und der Kunst des 20. Jahrhundert.

Serpentine: Mineralgruppe, wasserhaltige Magnesium-Aluminium-Silikate; Härte 3 bis 4, Dichte 2,5 bis 2,6 g/cm3, mikrokristalline, meist völlig dichte Aggregate, mikroskopisch blättrige (Antigorit) oder faserige (Chrysotil) Strukturen; grüne, braune oder schwarze Färbungen (z. T. durch Eisen- oder Nickelgehalt) vorherrschend; makroskopisch faserige Aggregate werden als Chrysotil-Asbest oder Serpentin-Asbest bezeichnet; Nickelgehalt zwischen 4 und 30% kennzeichnen den Garnierit; dichte, durchscheinende Varietät in kompakten Massen wird als Edler Serpentine zu kunstgewerblichen Gegenständen verarbeitet. Serpentine ist ein Umsetzungsprodukt des J Olivins und tritt gesteinsbildend in kristallinen Schiefern auf. Ursprungsgesteine sind Gabbro, Diabas und andere ultrabasische Gesteine; bekanntes Vorkommen in Zöblitz. Der Garnierit entsteht unter tropischen Verwitterungsbedingungen bei gleichzeitiger Anreicherung geringer Nickelgehalte der Ausgangsgesteine (Neukaledonien; Sankt Egidien).

Serpentine: in Schlangenlinien ansteigender Verkehrsweg (Straße, Eisenbahn); Kehrschleife.

Serra da Estrela: (portugiesisch, «Sterngebirge») südwestlich streichendes Gebirge in Mittelportugal; 60 km lang, 30 km breit; mit dem 1991 m hohen Malhao\ Stauseen.

Serradella, Ornithopus sativus: aus dem westlichen Mittelmeergebiet stammender Schmetterlingsblütler, mit kleinen rosafarbenen Blüten und vogelfußähnlich angeordneten Gliederhülsen; häufig auf Sandböden angebaute Futterpflanze.

Serrati, Giacinto Menotti, 11.11.1876-11.5.1926, italienischer Arbeiterführer; 1915/23 Direktor der Tageszeitung der sozialistischen Partei «Avanti!»; 1919 einflussreicher Führer der Zentristen (Maximalisten) in der sozialistischen Partei; trat 1924 mit der Gruppe der Drittinternationalisten der KP bei.

Sertorius, Quintus, um 123-72 vor Christus (ermordet), römischer Feldherr und Staatsmann; kämpfte unter Marius gegen Kimbern und Teutonen; durch Verfeindung mit Sulla 83 als Prätor nach Spanien abgeschoben, begründete er dort ein von Rom unabhängiges, durch die einheimische Aristokratie unterstütztes Regime, das er gegen Senatstruppen verteidigte.

Sertürner, Friedrich Wilhelm, 19.6.1783 bis 20.2.1841, Apotheker; stellte 1804 das Morphin aus dem Opium rein dar.

Serumhepatitis, Inokulationshepatitis, homologer Serumikterus: vorwiegend durch Hepatitis-B und C hervorgerufene und bei Transfusionen von Blut und Blutbestandteilen sowie durch unzureichend sterile ärztliche Instrumente (Injektionskanülen unter anderem) und Geräte übertragene Form der Hepatitis; Vorbeugung durch Sterilisation des Instrumentariums und Ausschluss der Blutspender, die ein Infektionsrisiko darstellen.

Serumlabilitätsprobe: Eiweißfällungsreaktion (zum Beispiel Thymol Test, Zinksulfat Reaktion), die Hinweis auf die Zusammensetzung des Eiweißspektrums im Blutserum gibt und gewisse Rückschlüsse auf die Art der Erkrankung zulässt. Serumlabilitätsproben sind unspezifisch und gelten nur noch als Suchtests.

Serusier, Paul, 1863 oder 1864-6.10.1927, französischer Maler; wurde durch die Begegnung mit P. Gauguin und seinem Kreis 1888/89 zur Gründung der Nabis angeregt; malte Landschaften, figürliche Szenen und Bildnisse in einer zum Symbolismus neigenden Auffassung.

Serval, Leptailurus serval: schlanke, hochbeinige Katze mit großen tütenförmigen Ohren; Körper 60 cm, Schwanz 35 cm lang; Fell kurzhaarig; jagt kleine Säugetiere; im südlichen, zentralen und nordwestlichen Afrika verbreitet. Siehe auch Katzen.

Serveto, Miguel, Michael Servet, 29.9.1511-27.10.1553, spanischer Arzt; entdeckte den Lungenkreislauf; wurde wegen Kritik an der kirchlichen Dreieinigkeitslehre auf Befehl Calvins in Genf verhaftet und als «Ketzer» verbrannt.

Servianische Mauer: älteste Befestigungsmauer Roms, Servius Tullius zugeschrieben, jedoch nicht vor dem 4. Jahrhundert vor Christus entstanden. Überreste noch heute erhalten.

Servianische Verfassung: die nach der antiken Tradition auf Servius Tullius zurückgeführte Neu-ordnung der römischen Bürgerschaft als Resultat der Kämpfe zwischen Plebs und aristokratische Populus (Volk) im 6. Jahrhundert vor Christus. Die Servianische Verfassung war ein Ausdruck des Übergangs von der Periode der militärischen Demokratie zur Klassengesellschaft. Die Bürger wurden nicht mehr auf Grund der Blutsverwandtschaft, sondern nach ihrem Vermögen in 5 Klassen eingeteilt.

Service: 1. Service (französisch): ein Satz zusammengehörigen (Tafel-)Geschirrs, zum Beispiel Kaffeeservice.

2. Kundendienst.

3. Sportspiele: Aufschlag.

servil: (dat.) unterwürfig, kriecherisch, knechtisch.

Servius, um 400 nach Christus, lateinischer Grammatiker, verfasste zu den Werken Vergils den bedeutendsten Kommentar der Antike.

Servius Tullius, vorletzter der römischen legendären Könige; regierte etwa 578/534 vor Christus und gilt als der Schöpfer der Servianischen Verfassung.

Servolenkung: besonders in schweren Nutzfahrzeugen eingebautes System, durch das der Kraftaufwand zum Betätigen des Lenkrads vermindert wird. Meist wird dazu die Hydrolenkung mit Öldruckunterstützung angewendet.

Sesam, Sesamum indicum: einjährige tropische-subtropische Kulturpflanze (Familie Sesamgewächse) mit fingerhutförmigen Blüten und aufspringenden Kapselfrüchten; aus den Samen wird das Sesamöl gewonnen.

Sesamöl: hellgelbes, durch Auspressen der Samen der Sesampflanze gewonnenes Öl, das als Speiseöl und zur Herstellung von Margarine verwendet wird.

Sesklo Kultur: jungsteinzeitliche Kultur Griechenlands (5. Jahrtausend vor Christus); kennzeichnend ist vor allem eine auf weißem Überzug mit geometrischen Motiven rot bemalte Keramik; benannt nach dem Fundort Sesklo in Thessalien.

Sesmaria: Brachland, das der Donatario an die Kolonisten Brasiliens verteilte; war zunächst Allod, später Quelle des Großgrundbesitzes.

Sesostris, ägyptischer Senwosret, 3 altägyptische Könige der 12. Dynastie (Mittleres Reich). Der bedeutendste war Sesostris III., der etwa 1878/1843 vor Christus regierte. Unter ihm erreichte Ägypten während des Mittleren Reiches seine größte territoriale Ausdehnung. Er unterwarf Nubien bis zum 2.Nilkatarakt und stieß bis Palästina vor.

Sesshu, 1420-26.8.1506, japanischer Maler, Zen-Priester, Gartenkünstler und Dichter; bedeutendster Vertreter der vom Geist des Zen-Buddhismus durchdrungenen klassischen japanischen Tuschmalerei. Er folgte anfangs chinesischen Vorbildern, löste sich später allmählich von ihnen und wurde zum Begründer einer eigenständigen, auf Naturbeobachtung beruhenden japanischen Landschaftsmalerei.

Sesterz: altrömische Silbermünze (seit der 2.Hälfte des 3. Jahrhundert vor Christus); sank in der Kaiserzeit zu einer geringwertigen Messingmünze herab, nach dem 3. Jahrhundert nach Christus nicht mehr geprägt; 1000 Sesterz sind ein Sesterzium.

Sestine: (deutsch - provenzalische) Gedichtform aus 6 sechszeiligen Strophen; die 6 Reimwörter der 1. Strophe kehren in jeder folgenden Strophe in bestimmter Reihenfolge wieder; am Schluss steht eine dreizeilige Geleitstrophe, die wiederum alle 6 Reimwörter enthält; oft sehr komplizierter Aufbau der Varianten. Zunächst bei den provenzalischen Troubadours auftretend, erscheint die Sestine später auch in Italien und in lockerer metrischer Fügung in Deutschland.

Seston: Gesamtmenge der Schwebstoffe des Wassers, bestehend aus dem belebten Plankton und dem unbelebten Tripton.

Sesto San Giovanni: Stadt in Oberitalien, in der Region Lombardei, nordöstlich von Mailand; 95000 Einwohner; Schienenfahrzeug- und Motorradbau, Stahl-, Elektro-, Metall-, Textil-, chemische Industrie.

Set: 1. allgemein Satz, Serie zusammengehöriger Gegenstände meist verschiedener Größe (zum Beispiel Platzdeckchen, Teller, Koffer); auch in Farbe, Musterung, Material und Gestaltung aufeinander abgestimmte Bekleidungsstücke.

2. Polygraphie: Maßeinheit im Monotype-Maschinensatz, mit der die Breite jedes Buchstabenbildes in Zahlen ausgedrückt wird. Sie beruht auf dem englischen Zoll. 1 Zoll = 6 Pica, 1 Pica = 12 Set, 1 Set = 18 Einheilen, 1 Grundeinheit = 0, 0007716 Zoll. Siehe auch typographisches Maßsystem.

Seth, altägyptischer Gott der Wüste und des Unheils; ursprünglich Vertreter der oberägyptischen Königsmacht (gegenüber dem unterägyptischen Horns); galt dann als Inbegriff des Bösen und Mörder seines Bruders Osiris; als Fabeltier (Wildesel) dargestellt.

Sethos, 2 altägyptische Könige der 19. Dynastie: 1. Sethos I., Sohn Ramses I., herrschte etwa 1300/1291 vor Christus, eroberte mehrere unter Amenophis IV. Echnaton verlorene Gebiete (unter anderem Syrien und Palästina) zurück; stärkte den ägyptischen Einfluss in Vorderasien und leitete eine neue Blütezeit Ägyptens ein (rege Bautätigkeit).

2. Sethos II., Sohn des Merenptah, herrschte 1210/1171 vor Christus; seine Regierungszeit ist durch Thronwirren und Usurpationen charakterisiert, die auch das Ende der 19. Dynastie bewirkten.

Setschenow, Iwan Michailowitsch, 13.8.1829 bis 15.11.1905, russischer Physiologe; beschäftigte sich mit der Physiologie der Reflexe und des Zentralnervensystems und beeinflusste durch seine Arbeit «Die Reflexe des Gehirns» (1863) I. P. Pawlow.

Setter: die 3 langhaarigen britischen Jagdhunderassen English Setter, 61 bis 68 cm hoch, weiß mit Platten oder Tupfen, Irish Setter, 65 bis 67 cm hoch, satt kastanienrot, Gordon-Setter, 62 bis 66 cm hoch, tiefschwarz mit mahagoniroten Abzeichen.

Settlements Bewegung: (englisch settlement, «Niederlassung») in Großbritannien 1880 entstandene bürgerlich-philanthropische, sozialreformistische Bewegung zur Ansiedlung junger Angehöriger bürgerlichen Schichten in proletarischen Wohn- und Elendsvierteln, um Sozial- und Bildungsarbeit zu leisten; verlor mit Erstarken der revolutionären Arbeiterbewegung an Bedeutung.

Setubal: Stadt im Südwesten Portugals, Verwaltungszentrum des Distrikts Setubal, an der Sado-Mündung; 77000 Einwohner; Fischkonserven-, Papier-, chemische Industrie, Automobilmontage; Fischfang, Austernparks, Meersalzgewinnung; Hafen; Museum; südlich von Setubal größte Korkeichenpflanzungen Portugals.

Setzen: 1. Bauwesen: durch statischer und dynamischer Belastung verursachte Verminderung der Hohlräume in Erdstoffen. Siehe auch Setzung.

2. Polygraphie: Herstellen von Satz.

3. Sport: a) Verfahren bei Turnieren und Meisterschaften (ohne Punktspielsystem), um Favoriten so einzureihen, dass sie nicht in den ersten Runden aufeinandertreffen;

b) beim Federball Verlängerung eines Satzes auf Spielerantrag bei festgelegtem Spielstand um festgelegte Punktzahlen.

Setzkopf: Werkzeug mit gehärteter, kalottenartiger Vertiefung, das beim Nietvorgang den Halbrundkopf des Nietes aufnimmt und damit als Gegenhalter dient. Siehe auch Schließkopf.

Setzlatte, Richtscheit: schmales, 2 bis 5 m langes Brett zum Abrichten von Mauerflächen, Balkenlagen und Fußböden mit der Wasserwaage.

Setzling: Jungpflanze, meist Gemüse- oder Zierpflanze, die nach vorangegangener Anzucht zur Weiterkultur ins Freiland oder Gewächshaus gepflanzt wird.

Setzmaschine: Maschine zur Herstellung von Satz; unterschieden werden 3 Hauptgruppen: Blei Setzmaschine, Schreibsetzmaschine, Foto-(Licht-)Setzmaschine. Die Bleisetzmaschine werden unterteilt in Zeilensetz- und -gießmaschinen, die fertige Zeilen liefern, und in Einzelbuchstaben-Setz- und -Gießmaschinen, die Einzellettern liefern (Setzen und Gießen getrennte Arbeitsgänge). Auf dem Taster wird ein Lochband angefertigt, das in der Gießmaschine einen Matrizenrahmen steuert. Die Setzmaschine sind auch Zeilensetz- und -gießmaschinen, die mittels eines auf einem Perforator hergestellten Lochbandes gesteuert werden. Bei den Schreibsetzmaschinen entsteht durch Tastenanschlag ein Klartext oder ein Lochband, das das Schreiben des Klartextes steuert. Die Foto- oder Lichtsetzmaschine stellt den Schriftsatz fotografisch her. Ältere Konstruktionen arbeiten bis auf die Gießvorrichtung (ersetzt durch fotografisches System) wie die Bleisetzmaschine. Die Buchstaben werden auf einen Rollfilm projiziert, der außerhalb der Maschine entwickelt wird. Neuere Konstruktionen arbeiten elektronisch und geben zum Teil vollständige Seiten aus. Daneben gibt es auch Foto- oder Lichtsatzgeräte, bei denen die Auswahl der Schriftzeichenträger und die Positionierung der Schriftzeichen für das Belichten von Hand erfolgen.

Setzung: Senkung eines Bauwerks infolge verminderter Hohlräume im Baugrund durch statische und dynamische Belastung.

Seuchengesetz: Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten beim Menschen (vom 20. Dezember 1965). Es regelt unter anderem Maßnahmen zur Bekämpfung und Verhütung der Weiterverbreitung übertragbarer Krankheiten. Siehe auch Absonderung 2, Gesundheitskontrolle.

Seuchenobjekt: Standort von kranken, krankheitsverdächtigen oder ansteckungsverdächtigen Tieren (Stall, Gehöft, Weide), der insbesondere zur Durchführung der Bekämpfung von Tierseuchen und Parasitosen Sperrmaßnahmen unterliegt, die vom Kreistierarzt zu verfügen sind. Seuchenobjekt sind durch Hinweis- und Verbotsschilder zu kennzeichnen.

Seume, Johann Gottfried, 29.1.1763-13.6.1810, Schriftsteller und Publizist; 1781 auf einer Fußreise nach Paris von hessischen Werbern aufgegriffen, wurde Seume gezwungen, gegen die nordamerikanische Unabhängigkeitsbewegung zu kämpfen; desertierte nach seiner Rückkehr; unternahm mehrere Reisen; 1801 Fußreise nach Sizilien («Spaziergang nach Syrakus», 1803), 1805 nach Russland und Skandinavien («Mein Sommer 1805», 1806). Seume vermittelte in kritische, entschieden plebejisch-demokratische Haltung Einsichten in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse sowie in die Kultur fremder Länder. Zu Seumes Lebzeiten unterdrückt wurden über 700 Aphorismen über gesellschaftliche, religiöse und philosophische Fragen («Apokryphen», 1811; 1870 vollständig).

Seurat, Georges, 2.12.1859-29.3.1891, französischer Maler; entwickelte zusammen mit P. Signac um 1885 die pointillistische Malweise des Neoimpressionismus, die er 1890 in seinen wissenschaftlichen Abhandlungen über Töne, Farben und Linien theoretisch begründete.

Seuren, Günter, geboren 18.6.1932, Schriftsteller der BRD; setzt sich in präzis-nüchterner Prosa kritisch mit dem gesellschaftlichen Bewusstsein in der BRD auseinander («Das Gatter», 1964; «Lebeck», 1966; «Das Kannibalenfest», 1968; «Die fünfte Jahreszeit», 1979).

Seuse, latinisiert Suso, Heinrich, 21.3.1300 bis 25.1.1366, Mystiker, Schüler Eckharts; verfasste schwärmerische, mystische Schriften; wandte sich gegen plebejisch-oppositionelle Bewegungen.

Severing, Carl, 1.6.1875-23.7.1952, Politiker, Sozialdemokrat, militanter Antikommunist; 1920/32 wiederholt preußischer Innenminister, 1928/30 Reichsinnenminister; kapitulierte am 20.7.1932 vor dem Staatsstreich F. von Papens.

Severini, Gino, 7.4.1883—27.2.1966, italienischer Maler; schloss sich 1910 dem Futurismus und 1916 dem Kubismus an; gelangte zu Beginn der 20er Jahre zu einer am Neoklassizismus geschulten Auffassung, die im Wesentlichen bestimmend für sein weiteres Schaffen wurde.

Severus, römischer Kaiser: 1. Lucius Septimius Severus, 11.4.146 4.2.211, seit 9.4.193 von pannonischer Legionen in Carnuntum proklamierter Kaiser; eroberte am 9.6.193 Rom; stärkte die kaiserliche Macht und privilegierte die Armee; er warf Aufstände nieder, besiegte 197/99 die Perser und erklärte Mesopotamien zur römischen Provinz.

2. Marcus Aurelius Severus Alexander, 1.10.208 bis März 235 (ermordet), Kaiser seit 13.3.222; gebürtiger Syrer, kam durch die Garde auf den Thron. Herrschte im Einvernehmen mit dem Senat und führte erfolgreiche Kriege gegen die Sassaniden (231/32) und Alemannen (234/35).

Sevilla: Stadt im Süden Spaniens, Regionszentrum von Andalusien und Verwaltungszentrum der Provinz Sevilla; am Guadalquivir; 645000 Einwohner; Maschinen-, Schiff- und Flugzeugbau, Tabak-, Textil-, Baustoff- und Korkindustrie; internationaler Flughafen; Binnenhafen, der bei Flut für Seeschiffe erreichbar ist; U-Bahn; Universität (gegründet 1502), Museen, Columbische Bibliothek; Stierkampfarena; Geburtsort der Maler D. Velázquez und B. Murillo. Zahlreiche Kunstdenkmäler prägen das an die maurische Vergangenheit erinnernde Stadtbild: südlich vom Renaissance-Rathaus die gotische Kathedrale (an Stelle der maurischen Hauptmoschee, mit Turm «Giralda», dem ehemaligen Minarett; 97 m hohes Wahrzeichen Sevillas), Alcázar (Palastensemble im almohadischer, gotischer, Mudéjar- und Renaissancestil), Kirchen, Paläste, Bürgerhäuser. Die ursprünglich iberische Gründung Hispalis wurde 206 vor Christus römisch, 411/41 wandalisch, danach bis 712 westgotisch; Blütezeit war unter maurischer Herrschaft 712/1248, danach kastilisch; im 16./18. Jahrhundert Zentrum des spanischen Kolonialhandels.

Sèvres: Stadt in Frankreich, westlich von Paris, an der Seine; 20000 Einwohner; Herstellung Chirurg. Instrumente; Porzellanmanufaktur (1754; 1738 in Vincennes gegründet); internationales Institut für Pädagogik; Fachschule und Museum für Keramik. Am 10. 8.1920 erfolgte in Sèvres der Abschluss des Friedensvertrages zwischen der Türkei und den Alliierten des 1. Weltkrieges. Er beendete den Kriegszustand, stellte die Kapitulationen wieder her und unterwarf die Türkei einer Finanz- und Militärkontrolle; außerdem verlor sie die Oberhoheit über die Meerengen und außereuropäischen Gebiete an Griechenland, Großbritannien, Frankreich und Italien. Der Türkei verblieben nur Istanbul und Kleinasien; 1923 im Vertrag von Lausanne revidiert.

Sewansee, aserbaidschanisch Göktschasee: Hochgebirgssee (1902 m über dem Meeresspiegel) in einem von hohen Gebirgen (bis 3 600 m hoch) umgebenen Talkessel in der Armen. SSR; 1200 km2, bis 83 m tief; in den Sewansee münden 28 Flüsse, Abfluss Rasdan; schiffbar; fischreich (Sewansee Forellen). Zum Ausgleich seines ständigen Wasserverlustes Wasserstollen (48,6 km) vom Fluss Arpa; Touristengebiet. Um den Sewansee entsteht ein Nationalpark.

Seward: Stadt im Süden Alaskas (USA), auf der Halbinsel Kenai; 1600 Einwohner; eisfreier Hafen, Ausgangspunkt der Eisenbahn ins Innere Alaskas. 1964 durch Erdbeben schwer beschädigt.

Seward Halbinsel: Halbinsel an der Westküste Alaskas (USA), mit dem Kap Prince of Wales an der Beringstraße; etwa 50000 km2; besteht aus paläozoischen Gesteinen mit eingelagerten Granithärtlingen und Basalten sowie kretazische Sedimentgesteinen; zentraler Teil überwiegend gebirgig (bis zu 1437 m); Tundra auf Dauerfrostboden, nur vereinzelt Waldinseln; reich an Bodenschätzen (besonders Lagerstätten von Blei-Zink-Erz).

Sexagesimalsystem: Zahlensystem mit der Basis 60; ältestes Stellenwertsystem, wurde von den Babyloniern etwa 2000 vor Christus benutzt.

Sex-Appeal: starke geschlechtliche Anziehungskraft auf das andere Geschlecht.

Sexkontrolle, Geschlechtsbestimmung: Bestimmung des chromosomalen beziehungsweise genetischen Geschlechts des Menschen. Methoden für die Sexkontrolle der Frau sind der Nachweis geschlechtsspezifischer Chromatine in Körperschleimhäuten oder in der Haarwurzel und der Nachweis von Kernanhangs-Körperchen in Blutzellen durch Untersuchung in Speziallaboratorien. Im Frauenleistungssport ist für internationale Starts der Nachweis des weiblichen Geschlechts durch die genetische Methoden erforderlich.

Sextakkord: (lateinisch + französisch) die erste Umkehrung eines Dreiklanges mit dessen Terz im Bass (daher auch Terz-Sextakkord genannt).

Sexte:: 6. Stufe der diatonischen Tonleiter; auch Intervall, zum Beispiel c-a.

Sextett: (italienisch) Komposition für 6 Singstimmen oder für 6 Instrumente; auch die Gruppe der Ausführenden.

Sextlus Lateranus, Lucius, römischer Staatsmann des 4. Jahrhundert vor Christus; setzte als Volkstribun zusammen mit Gaius Licinius Stolo 367/366 vor Christus 3 Gesetze zugunsten der Plebejer, die sogenannte Licinisch-Sext. Gesetze, durch (Erleichterung der Schuldenrückzahlung, Beschränkung des Privatbesitzes am Ager publicus, Zulassung der Plebejer zum Konsulat).

Sextus Empiricus: (lateinisch - griechisch, «Sextus der Empiriker») um 200, griechischer Philosoph und Arzt; bekämpfte als Vertreter des Skeptizismus jegliche Theorie und empfahl die empirische Forschung. Seine Schriften sind wertvolle Quellen für die griechische Philosophie.

Sexualdimorphismus: Zweigestaltigkeit; die beiden Geschlechter einer Art sind unterschiedlich gestaltet.

Sexualorgane, Geschlechtssystem Sexualpädagogik: Disziplin der Pädagogik, die sich mit Inhalt und Methoden der sexuellen Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen befasst.

Seychellen, Republik Seychellen: Staat auf 92 Inseln im Indischen Ozean, nordöstlich von Madagaskar, auf einer Ozeanfläche von 800000 km2 verteilt. Die Bevölkerung besteht aus Afrikanern, ferner Indem, Europäern, Chinesen und ist zu 95 % auf den Inseln Mahe, Praslin und La Digue konzentriert. Amtssprachen sind Kreolisch, Englisch und Französisch. Währung ist die Seychellen-Rupie. Das Staatsgebiet umfasst vor allem die eigentlichen Seychellen (32 Inseln, darunter die Inseln Mahi mit der Hauptstadt, Praslin (39 km2), Silhouette (20 km2), La Digue (10 km2), die einem untermeerischen Rücken aufsitzen und bis 912 m hoch sind, außerdem die Amiranten, Aldabra-, Farquhar Inseln und die Desroches Insel. Etwa zwei Drittel aller Inseln sind aus Korallen, ein Drittel aus Granit und Syenit aufgebaut. Ungefähr die Hälfte der Inseln ist bewohnt. Es herrscht tropisches maritimes Wechselklima. Die natürliche Vegetation ist Regenwald, der jedoch weitgehend gerodet ist. Seychellen ist durch lange britische Kolonialherrschaft ein unterentwickeltes Agrarland. Durch gezielte Maßnahmen (nationale Kontrolle von Groß- und Außenhandel, eines Teils der Banken und des Verkehrswesens sowie Agrarreform) soll der vorherrschende Einfluss ausländische Monopole zurückgedrängt und eine nationale Wirtschaftsentwicklung eingeleitet werden. Größte Bedeutung hat der internationale Tourismus (90 % der Deviseneinnahmen), gefolgt von der Landwirtschaft. Acker- und Kulturland nehmen nur 18 % der Landesfläche ein. In Großplantagen, die im aus- und inländischer Privatbesitz sind, werden für den Export Kokosnüsse, Zimtrinde, Tee, Kaffee und Vanille gewonnen. Für den Eigenbedarf wird neben dem Anbau von Zuckerrohr, Mais, Reis und Gemüse (erste Musterfarmen) im großen Umfang die Hochseefischerei ausgebaut. Eine Verarbeitungsindustrie ist kaum entwickelt zwischen den bedeutenden Inseln besteht ein regelmäßiger Schiffsverkehr; einziger Überseehafen ist Victoria; internationaler Flughafen auf der Insel Mahé. Industriegüter, Lebensmittel und Brennstoffe werden fast vollständig eingeführt. Wichtigste Handelspartner sind Großbritannien, Kenia, Republik Südafrika, Singapur, Australien und Pakistan. Die Seychellen wurden Anfang des 16. Jahrhundert von Portugiesen entdeckt, 1744 von Frankreich annektiert und waren seit 1814 britische Kolonie. Am 1.10.1975 erhielten sie die innere Autonomie und am 29.6.1976 die staatliche Selbständigkeit. Nach dem Sturz des ersten Präsidenten James R. Mancham, am 5.6.1977, übernahm die von France Albert René geführte Fortschrittliche Volksfront der Seychellen (englisch Abkürzung SPPF) die Macht. Die SPPF vertritt eine konsequent antiimperialistische, auf den sozialen Fortschritt orientierte Politik. Ein Umsturzversuch südafrikanischer Söldner im November 1981 scheiterte ebenso wie ein Militärputsch im August 1982.

Seydewitz, Max, 19.12.1892-8.2.1987, Politiker, Schriftsteller, wurde 1910 Mitglied der Sozialdemokratie und gehörte zu deren linkem Flügel, 1931 Mitbegründer der sozialistischen Arbeiterpartei, wurde 1934 im Exil (1933/45) Mitglied der KPD; 1946 erster Chefredakteur der «Einheit», 1947/52 Ministerpräsident des Landes Sachsen, 1955/68 Generaldirektor der Staati. Kunstsammlungen Dresden; Abgeordneter der Volkskammer seit 1949. Schrieb unter anderem «Es hat sich gelohnt zu leben» (2 Bände, 1976/78).

Seydlitz, Friedrich Wilhelm Freiherr von, 3.2.1721-8.11.1773, preußischer Reitergeneral; machte die Kavallerie zu einer schlachtentscheidenden Waffe; hatte im Siebenjährigen Krieg maßgeblichen Anteil an den Treffen bei Zorndorf (Sarbinowo) und Roßbach.

Seyfert, Gabriele, geboren 23.11.1948, Weltmeisterin 1969 und 1970, Vizeweltmeisterin 1966/68, Europameisterin 1967, 1969 und 1970, olympische Silbermedaille 1968 im Eiskunstlauf (jeweils Einzel).

Seyfert-Galaxien: (nach einem US-amerikanischen Astrophysiker) Sternsysteme mit aktiven Kernen, die von expandierenden und stark bewegten Gashüllen umgeben sind. Die Kerne sind auffallend klein, aber sehr hell. Seyfert-Galaxien sind wahrscheinlich ein Übergangstyp zwischen normalen Galaxien.

Seyhan: Fluss im Süden der Türkei; 517 km; entspringt als Zamanti im Inneren Osttaurus, bildet als Yenice die Grenze zum Mitteltaurus und mündet südwestlich von Adana mit Delta ins Mittelmeer, oberhalb von Adana aufgestaut.

Seymour, Jane, um 1509-23.10.1537, seit 1536 (dritte) Gemahlin Heinrichs VIII. von England, Mutter Eduards VI.

sezernieren: (dat.) abtrennen, entfernen, (ein Sekret) absondern.

Sezession: (dat., «Absonderung», «Trennung»)

1. Geschichte: Austritt der 11 sklavenhaltenden Südstaaten aus den USA 1860/61, der zum nordamerikanischen Bürgerkrieg, dem sogenannt Sezessionskrieg (1861/65), führte.

2. Kunst: Name für oppositionelle Künstlergruppen, die sich 1880/90 in vielen europäischen Kunstzentren (München, Dresden, Wien, Berlin) gebildet hatten und sich vor allem gegen den akademischen Traditionalismus richteten. Erstrebt wurde die Synthese aller Künste, wobei dem Kunsthandwerk besondere Aufmerksamkeit galt. Eine rege Ausstellungs- und Publikationstätigkeit trug zur schnellen Verbreitung und Anerkennung bei, hatte aber auch eine baldige Manipulation und Kommerzialisierung durch das Kapital zur Folge. Die Gründung der Sezessionen war ein Ausdruck wachsender Entfremdung von Kunst und Gesellschaft unter den Bedingungen des Kapitalismus.

Sforza: italienisches Adelsgeschlecht; beherrschten 1450/1535 als Herzöge von Mailand den größten Teil der Lombardei; beriefen zahlreiche Künstler an ihren Hof (Leonardo da Vinci); unterlagen 1535 den spanischen Habsburgern Francesco Sforza, 23.7.1401-8.3.1466, mächtigster Condottiere seiner Zeit, seit 1450 Herzog von Mailand und damit Begründer der Dynastie Sforza

sforzato, Abkürzung sf: Musik plötzlich verstärkt, stark akzentuiert (zu spielen).

sfumato: tonig, mit weichen, in Licht und Luft übergehenden Konturen gemalt; der Ausdruck sfumato wurde zuerst für die Malerei Leonardo da Vincis und seiner Schule angewandt.

Sgraffito: (italienisch griechisch, «Kratzmalerei») Art der dekorativen Wandmalerei; wegen ihrer Dauerhaftigkeit besonders für Außenwände geeignet. Über eine farbig verputzte Wandfläche wird eine oder mehrere andersfarbige Putzschichten gelegt, so dass durch Auskratzen von Linien und Flächen aus der noch feuchten Oberschicht der darunter befindliche Grund sichtbar wird. Das fertige Werk erscheint dann in mehreren flachen Schichten in die Wand vertieft. Das Sgraffito kam in der Renaissance in Italien auf und verbreitete sich auch im Norden; Blütezeit ist das 16. Jahrhundert. In der Volkskunst spielte eine Abart, der Kratzputz, bis ins 19. Jahrhundert eine Rolle. G. Semper regte eine Wiederbelebung des Sgraffito an, dessen Technik in der baugebundenen Kunst des 20. Jahrhundert wieder an Bedeutung gewann.

Shaaban, Robert, 1.11.1909-10.6.1962, tansanische Schriftsteller, Begründer der tansanischen Nationalliteratur, offenbarte in seinen Werken progressive Ideen und trug entscheidend zur Entwicklung des Swahili als Literatursprache bei.

Shaanxi: Provinz im Nordwesten Chinas, am Huang He und Wei He; 195 800 km2, 28,9 Millionen Einwohner; 148 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Xi'an. Im Norden 1000 m bis 2000 m hohes Lößbergland mit tief eingeschnittenen Erosionstälern, dem sich nach Süden folgend die 60 km breite Wei-He-Ebene (Hauptsiedlungs- und Wirtschaftsgebiet) und der Qin Ling (4113 m) anschließen, der nach Süden zum Tal des Han Shui steil abfällt. Im Norden trockenes gemäßigtes (Steppen), im Süden subtropisches Klima (Bewässerungsfeldbau). An Bodenschätzen Steinkohle, Eisenerz, Erdöl, Gold und Salze; in Xi’an stark entwickelte Textilindustrie und Maschinenbau, ferner verarbeitende Industrie; hauptsächlich in der Wei-He-Ebene Anbau von Baumwolle, Weizen, Reis, Tee, Tungöl Gewinnung im Süden; von Osten nach Westen von der Long-Hai-Bahn durchquert, dichtes Straßennetz, Schifffahrt auf dem Han Shui.

Shaba: wirtschaftlich wichtigste Region von Zaire; früher Katanga; 496965 km2, 3,82 Millionen Einwohner; 8 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Lubumbashi Vorwiegend Hochland im Bereich der Lundaschwelle mit niedrigen Bergrücken und Senken, von den Zairezuflüssen durchströmt; tropisches Klima (eine Trockenzeit); Trockenwald, im Norden Feuchtsavanne und Galeriewälder. Shaba ist eines der rohstoffreichsten Gebiete Afrikas. Im Süden, an der Grenze zu Sambia, befinden sich große Kupfererzvorkommen (Kupfergürtel), vergesellschaftet mit Kobalt, Uran, Wolfram, Zinn, Mangan, Chrom und anderen Nichteisenmetallen; außerdem Eisenerz- und Steinkohlenlagerstätten. Die reichen Bodenschätze waren Grundlage für die Entwicklung zum größten Industriegebiet Innerafrikas mit Nichteisen-, besonders Kupfermetallurgie, chemische (Schwefelsäure, Sprengstoffe), Zement-, Metallverarbeitungs- sowie mit umfangreicher Konsumgüter- und Nahrungsmittelindustrie; Elektroenergieversorgung besonders durch die Wasserkraftwerke Delcommune (120 MW) und Le Marinei (161 MW) am Lualaba, Francqui (79 MW) und Bia (47 MW) am Lufira sowie I Inga (1700 km lange Fernleitung); Hauptindustriezentren sind Lubumbashi, Likasi und Kolwezi. Zur Versorgung der Bevölkerung in den industriellen Ballungszentren umfangreiche Landwirtschaft mit Milchvieh-, Fleischviehzucht sowie Gemüse- und Baumwollanbau. Shaba ist verkehrsmäßig (Eisenbahn, Flussschifffahrt) mit den Ausfuhrhäfen Matadi (Zaire), Lobito (Angola), Beira (Mozambique) und Daressalam (Tansania) verbunden. Bereits während der belgischen Kolonialzeit Objekt kapitalistischer Ausbeutung; nach Erlangung der Unabhängigkeit Kongos (Zaires) 1960/63 Abspaltung der Provinz durch Separatisten unter M. K. Tschombé, Ausrufung der Republik Katanga; mit Hilfe von UN-Truppen beendet; 1977 und 1978 Volkserhebungen gegen die Zentralregierung. Siehe auch Zaire (Geschichte).

Sha Ding, geboren 19.12.1904, chinesischer Schriftsteller; beschreibt als guter Kenner des chinesischen Landlebens in seinen Romanen und Erzählungen das schwere Leben der Bauern und ihren Kampf gegen die Grundherren («Die Goldwäscher», 1943; «Heimkehr», 1948, deutsch).

Shaftesbury, Anthony Ashley Cooper, Earl of, 26.2.1671-5.2.1713, englischer Philosoph; Vertreter der englischen Aufklärung; beeinflusste besonders durch seine idealistisch-pantheistische Ethik und Ästhetik die französische und deutsche Aufklärung («Die Moralisten», 1705, deutsch; «Ein Brief über den Enthusiasmus», 1708, deutsch).

Shahjahanpur: Stadt im Unionsstaat Uttar Pradesh (Indien), in der oberen Gangesebene; 180000 Einwohner; Leichtindustrie (Teppiche, Seidenwaren, Spirituosen); Handelszentrum für Baumwolle und Weizen; Eisenbahnknoten.

Shakespeare, William, 1564 (23. 4. getauft) 23.4.1616, englischer Dramatiker und Dichter; bildete mit seinem dramatischen und lyrischen Werk den Höhepunkt der «klassische Literaturepoche» (F. Engels) in England. Shakespeares volkstümliche Renaissance-Dramen, in denen sich die menschlichen Konflikte in der historischen Epoche des Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus widerspiegeln, zeichnen sich durch die realistische Typisierung von Charakteren in wie auch immer gestalteten historischen Umständen, durch dynamischen Sujet Aufbau, gediegene Sprachkunst, humanistische Ideale und große Publikumsnähe aus. Sein künstlerisches Schaffen umfasst im Wesentlichen 3 Perioden: 1590 bis 1600. Historiendramen, wie «Heinrich VI.» (1590/92, deutsch), «Richard HI.» (1593, deutsch),

Shandong, Schantung: Provinz und Halbinsel im Norden Chinas, am Gelben Meer; 153 300 km2, 74,4 Millionen Einwohner; 485 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Jinan. Buchtenreiche und gebirgige Halbinsel im Osten, im Westen Anschwemmebene des unteren Huang He mit Gebirgskern (Tai Shan (1545 m)) im zentralen Teil; subtropisches Monsunklima mit trockenen Wintern. Reiche Bodenschätze (Steinkohle, Erdöl, Blei-, Zinkerz und Meersalze); Stahl- und Eisenindustrie (besonders in Jinan) als Zulieferer für den Werkzeugmaschinen- und Kraftfahrzeug- sowie für den Lokomotiv- und Waggonbau (in Qingdao), Textilindustrie; Anbau von Erdnüssen und Tabak, ferner von Weizen, Hirse und Obst; Fischfanggebiet; Küsten- und Binnenschifffahrt (Großer Kanal), Haupthäfen Qingdao und Yantai.

Shang-Dynastie, Shang-Yin: erstes historisch belegtes Staatswesen in China 16./11. Jahrhundert vor Christus. In der Zeit der Shang-Dynastie vollzog sich der Übergang zur Klassengesellschaft.

Shanghai, Schanghai: Stadt und Verwaltungsgebiet im Range einer Provinz im Osten Chinas, südlich der Mündung des Chang Jiang ins Ostchinesische Meer, am Huangpu Jiang; 5800 km2, mit 12 Stadtbezirken und 10 Landkreisen; 11, 9 Millionen Einwohner, im Stadtkern 6,4 Millionen Einwohner; starke Industrieballung mit verzweigtem Maschinen- und Fahrzeugbau (Präzisionsgeräte, Schiffe, Kraftfahrzeuge, Bergbau- und metallurgische Ausrüstungen), Bau von Computern und elektronischen Messinstrumenten, petrolchemische, pharmazeutischem, Stahl- und Eisenindustrie (neues Kombinat Baoshan), entwickelte Leichtindustrie. Shanghai erbringt etwa 17% des Nationaleinkommens, 11% der industriellen Bruttoproduktion und 40% der Konsumgüterproduktion Chinas. 80 km langer Fluss- und Hochseehafen (größter Chinas) am Huangpu Jiang mit Containerterminals, Eisenbahnknoten, internationaler Flughafen; 50 Universitäten und Hochschulen, 60 Ingenieur- und Fachschulen sowie andere wissenschaftliche Einrichtungen; 1984 zur offenen Stadt für Auslandsinvestitionen erklärt mit 2 Entwicklungszonen von 3 km2. Im 13. Jahrhundert Kreisstadt; 1842 durch den Vertrag von I Nanjing für den Handel mit dem kapitalistischen Ausland geöffnet und zum Stützpunkt der ausländischen Mächte in China ausgebaut. Im 20. Jahrhundert wurde Shanghai zum Zentrum der Entwicklung des Kapitalismus und in den 20er Jahren auch der revolutionären Arbeiterbewegung in China. Shanghai stand nach Angriffen 1932 und Besetzung 1937/45 durch Japan unter der Herrschaft der Guomindang (1945/49) und wurde im Mai 1949 durch die Volksbefreiungsarmee befreit.

Shang Yang, Wei Yang, 390 bis 338 vor Christus; chinesischer Politiker, führte Reformen durch, die zur Anerkennung des Privateigentums und zur Stärkung der bürokratischen Zentralgewalt führten und wesentliche Voraussetzungen zur Errichtung der Qin-Dynastie schufen.

Shan Hochland: Bergland in Südostasien, im Nordosten Burmas, zwischen Irrawaddybecken im Westen und Hochland von Yunnan im 0; etwa 150000 km2, durchschnittlich 1000 m, maximal bis 2675 m überm Meer. Das meist aus Kalksteinen, die teilweise verkarstet (tropische Kegelkarst) sind, Graniten und Gneisen aufgebaute Shan Hochland fällt mit einer steilen Bruchstufe von 1200 m zum Irrawaddy ab und wird von Norden nach Süden vom Salween durchflossen. Bei tropischen Monsunklima von Feucht- und Trockenwäldern bedeckt.

Shakespearebühne: Bühnenform der öffentlichen Theater der Shakespearezeit, entstanden aus den offenen Höfen der Wirtshäuser, in denen Wandertruppen spielten. Der mittlere unüberdachte Raum umfasste die Stehplätze (für das Volk) und das Podium der Hauptbühne; die überdachten Galerien in mehreren Etagen (für Besucher der höheren Stände) bildeten die Umgrenzung. An die Hauptbühne schloss sich eine Hinterbühne mit einer Oberbühne an. Die Aufführungen fanden nachmittags (bei Tageslicht) statt; der Ablauf war (da dekorative Umbauten nicht stattfanden) pausenlos. Eine bedeutende Bühne der Shakespearezeit war das Globe Theatre in London.

Shakespeare-Gesellschaft, Deutsche: literarische Gesellschaft zur Aneignung, Pflege, Bewahrung und Verbreitung des Werkes W. Shakespeares und seiner Zeitgenossen; gegründet 1864, Sitz Weimar, gibt jährlich das wissenschaftliche Publikationsorgan «Shakespeare Jahrbuch» heraus.

Shaktismus: Richtung des Hinduismus, in der Shakti («die Kraft») als weibliche Personifizierung der göttlichen Energie verehrt wird; entwickelte sich aus vorarischer Fruchtbarkeitskult.

Shamir, Yitzhak, geboren 1915, israelischer zionistischer Politiker; kam 1935 nach Palästina; 1970 Geschäftsführer der Herut-Partei, 1977 Parlamentspräsident, 1980/83 Außenminister, 1983/84 Ministerpräsident als Nachfolger M. Begins; 1984/86 Außenminister einer Koalitionsregierung aus 10 Parteien, löste im Oktober 1986 Shamir Peres als Ministerpräsident ab.

Shan: mit den Thai verwandtes mongolides Volk der sinotibetische Sprachfamilie in Ostburma und Nordthailand (Shan Staaten); über 3 Millionen; vorwiegend Bergbauern (Trockenreisanbau, Hauptlieferanten des südostasiatischen Opiums).

Shankar, Ravi, geboren 7.4.1920, indischer Sitarspieler und -lehrer, Komponist; wurde durch Konzertreisen international bekannt; konzertierte auch mit Y. Menuhin und den Beatles.

Shankara, um 788-820, indischer Philosoph; bedeutendster Vertreter des Vedanta, bekämpfte besonders Buddhismus und Samkhya.

Shannon: längster und wasserreichster Fluss Irlands; 386 km; entspringt am Tiltinbane Mountain, gefällearmer Lauf, durchfließt bei gleichmäßiger Wasserführung mehrere Seen, mündet in einem etwa 100 km langen Mündungstrichter in den Atlantik; Kraftwerk Ardnacrusha; internationaler Flughafen Shannon Airport in der Nähe von Limerick.

Shannon, Claude Elwood, geboren 30.4.1916, US-amerikanischer Mathematiker; machte sich besonders verdient um die Anwendung der Mathematik in der Nachrichtentechnik, maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Informationstheorie.

Shan Staat: Gliedstaat im Osten Burmas; in 52 Gemeindebezirke der Shan, Wa und Palaung (Mon-Khmer-Stämme) geteilt; 158222 km2, 3,7 Millionen Einwohner; 23 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Taunggyi. Flachwellige Hochflächen und Kalkplateaus des Shan Hochlandes in durchschnittlich 900 bis 1300 m Höhe; bei tropischen Monsunklima Feucht- und Trockensavannen, örtlich tropische Bergwälder. Wirtschaftlich schwach erschlossen.

Shantou, Swatow: Stadt im Süden Chinas (Provinz Guangdong), an der Mündung des Han Jiang ins Südchinesischen Meer; 300000 Einwohner; Schiffbau, Fotochemie, Geräte- und Landmaschinenbau; 52 km2 seines Verwaltungsgebiets seit 1981 zum Wirtschaftssondergebiet (Longhu-Industrie- und Agrargebiet) erklärt; Hafen.

Shanty, auch Janti: ursprünglich Arbeitslied der Seeleute (meist Vorsänger und Chor im Arbeitsrhythmus); oft mit Ziehharmonika begleitet; entstand zur Zeit der Segelschifffahrt; heute Seemannslied schlechthin, zumeist heiteren Inhalts.

Shanxi, Schansi: Provinz im Norden Chinas; 157100 km2, 25,3 Millionen Einwohner; 161 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Taiyuan. Größtenteils etwa 1000 m hohes, mit Löß bedecktes und durch Erosion stark zergliedertes Berg- und Tafelland westlich des Taihang Shan; ausgeprägtes, relativ trockenes Kontinentalklima. In Shanxi lagern 33 % der abbauwürdigen Kohle Chinas (Datong); Gewinnung von Eisenerz (Yangquan), Salz (Yuncheng), Gips und Schwefel; besonders entwickelt sind Metallurgie, Maschinenbau (besonders Taiyuan), chemische, Zement- und Papierindustrie. In Terrassenfeldbau (z.T. Bewässerung) Anbau von Weizen, Hirse, Reis unter anderem; im Norden verbreitet Viehzucht. Von Norden nach Süden verlaufende Eisenbahnlinie mit Abzweigungen zur Hauptstrecke Peking-Wuhan.

Shapley, Harlow, 2.11.1885 20.10.1972, US-amerikanischer Astronom; arbeitete über den Aufbau des Milchstraßensystems, Sternhaufen und verändert. Sterne.

Share: Anteil, Aktie (nach angloamerikanischen Recht).

Sharma, Rakesh, geboren 13.1.1949, erster indischer Kosmonaut; absolvierte vom 3. bis 11.4.1984 als Forschungskosmonaut von Sojus T-2 zusammen mit J. W. Malyschew und G. M. Strekalow einen Raumflug mit siebentägigem Aufenthalt an Bord der sowjetischen Raumstation Salut 7. Siehe auch Interkosmos 1, Salut 2, Sojus 1.

Sharpeysche Fasern: Bindegewebefasern, die die Knochenhaut am Knochen beziehungsweise den Zahn im Kiefer befestigen. benannt nach dem britischen Anatomen William Sharpey (1802-1880).

Shasta Dam: Stauanlage in Kalifornien (USA), am Sacramento River; 183 m hoch, 1000 m lang, Fassungsvermögen des Shasta Lake 5,55 Millionen m3; Wasserkraftwerk mit 379 MW; 1935/45 erbaut.

Shastri, Lai Bahadur, 2.10.1904 bis 11.1.1966, indischer Politiker; seit 1951 Generalsekretär der Kongresspartei; seit Juni 1964 Ministerpräsident; setzte als Nachfolger Nehrus dessen Politik der Nichtpaktgebundenheit und friedliche Koexistenz fort.

Shaw: 1. Elizabeth Shaw, geboren 4.5.1920, irische Illustratorin und Karikaturistin, lebt seit 1946 in Berlin. Illustriert und schreibt besonders Kinderbücher («Das kleine Shaw-Buch», 1983) und Reisereportagen; ihre Karikaturen in Presse und Zeitschriften zeichnen sich durch knappe Charakteristik und trockenen Humor aus.

2. George Bernard Shaw, 26.7.1856-2.11.1950, englischer Dramatiker und Kritiker irischer Herkunft; Begründer des kritisch-realistischen englischen Dramas und Theaters; setzte sich mit kapitalistischer Lebensweise und imperialistische Machtpolitik auseinander, zum Beispiel «Die Häuser des Herrn Sartorius» (1892, deutsch), «Frau Warrens Gewerbe» (1893, deutsch), «Helden» (1894, deutsch), «Der Teufelsschüler» (1897, deutsch), «John Bulls andere Insel» (1904, deutsch), «Major Barbara» (1905, deutsch), «Der Arzt am Scheideweg» (1906, deutsch), «Pygmalion» (1912, deutsch), «Haus Herzenstod» (1919, deutsch), «Die heilige Johanna» (1923, deutsch), «Der Kaiser von Amerika» (1929, deutsch), «Die Millionärin» (1936, deutsch), «Zuviel Geld» (1948, deutsch). Shaw, der stark von H. Ibsen beeinflusst war, gilt mit seinen zumeist moral- und sozial-philosophischen Reformdramen, die sich durch geistreiche Dialoge, Witz und schonungslose Offenheit auszeichnen, als Dramatiker von Weltrang. Er sah die Aufgabe des Theaters vor allem darin, durch Aufdecken gesellschaftlicher Widersprüche die Zuschauer zum Denken zu zwingen. Seit 1884 war Shaw führendes Mitglied der bürgert, intellektuellen Sozialreformer «Fabian Society».

3. Irwin Shaw, 27.2.1913-16.5.1984, US-amerikanischer Schriftsteller, Bühnen- und Filmautor; trat mit antifaschistischen und Antikriegsstücken («Begrabt die Toten», 1936, deutsch; «Die Belagerung», 1937) und dem antimilitaristischen Roman «Die jungen Löwen» (1948, deutsch) hervor. Im Roman «Aller Reichtum dieser Welt» (1970, deutsch) setzt er sich ironisch und kritisch mit der amerikanischen Lebensweise auseinander.

Shawnee: nordamerikanischer Indianerstamm der Algonkin, der im 18. Jahrhundert im Ohiogebiet lebte; leistete in der 2. Hälfte des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhundert den US-amerikanischen Siedlern erbitterten Widerstand, stand 1811 unter Führung des Häuptlings Tecumseh an der Spitze eines allgemeinen Indianeraufstandes; gegenwärtig 2200 in Oklahoma.

Sheffield: Stadt im mittleren England (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Großstadtgrafschaft South Yorkshire, am Südostfuß der Penninen; 475000 Einwohner; historischer Mittelpunkt der Herstellung legierter Edel- und Spezialstähle, von Schneidwerkzeugen und anderen Werkzeugen; infolge der Krise in der kapitalistischen Stahlindustrie bedeutender Rückgang der Produktion; Metallgießereien, Maschinenbau; optische und chemische Industrie; Universität mit bedeutender Bibliothek; Stahlwarenmuseum; Kongresshalle; gotische Kathedrale.

Shelley, Percy Bysshe, 4.8.1792-8.7.1822 (ertrunken), englischer Dichter; repräsentierte zusammen mit G. Byron und J. Keats die englische revolutionäre Romantik. Von der Französischen Revolution beeindruckt, gestaltete er in seinen Dichtungen den Traum von einer von nationalen und sozialen Widersprüchen freien, klassenlosen Gesellschaft, in der das Volk regiert, so vor allem in dem lyrischen Drama «Der entfesselte Prometheus» (1820, deutsch). Für eine volksverbundene Dichtung plädierte er in dem Essay «Verteidigung der Poesie» (1821).

Shenyang: Stadt im Nordosten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Liaoning, am Hun He; früher Mukden; 3 Millionen Einwohner, als Agglomeration 4,4 Millionen Einwohner; Zentrum des Maschinenbaus, ferner Kupfer-, Blei- und Zinkverhüttung, chemische, Leichtindustrie; Eisenbahnknoten, Erdölleitung nach Lüda, Fluss- und Flughafen; Universität, wissenschaftlichen Einrichtungen; äußere (1680) und innere (1631) Stadtmauer.

Shenzhen: Stadt und Wirtschaftssondergebiet im Süden Chinas (Provinz Guangdong), an der Grenze zu Hongkong; 327,5 km2 mit über 300000 Einwohner; durch ausländischen Investoren im Westteil Ausbau des Shekou-Industriegebiets, im mittleren Teil Ausbau der elektronischen Industrie und im Osten Entwicklung der Touristik; durch Eisenbahn und Autobahn mit Guangzhou und Hongkong verbunden, neuer Hafen und Flughafen.

Sher, Amrita, 30.1.1913-5.12.1941, indische Malerin ungarischer Herkunft; 1929/31 Studium an der Ecole des Beaux-Arts in Paris; beeinflusst von P. Cézanne und P. Gauguin, erreichte sie in ihren meist dem indischen Dorfleben gewidmeten Bildern mit fein abgestimmten Farbnuancen eine neue, eigenschöpferische Synthese von traditioneller indischen Kunst und Formengut westeuropäischer moderner Kunst; wurde damit bahnbrechend und beispielgebend für die Herausbildung und Stilentwicklung der modernen indischen Malerei.

Sheridan, Richard Brinsley, 30.10.1751-7.7.1816, englischer Dramatiker, Theaterdirektor und liberaler Politiker; nahm in satirischen-burlesken Komödien aristokratisch-großbürgerliche Heuchelei und Dünkel aufs Korn («Die Nebenbuhler», 1775, deutsch; «Die Lästerschule», 1777, deutsch).

Sheriff: 1. ursprünglich in England hoher königlicher Beamter, heute in Großbritannien Verwaltungsbeamter einer Grafschaft mit hauptsächlich repräsentativen Funktionen.

2. in den USA Beamter eines Bezirks oder Distrikts mit bestimmten verwaltungsmäßigen, richterlichen und polizeilichen Befugnissen.

Sherman, William, 8.2.1820 bis 14.2.1891, US-amerikanischer Militär, bedeutender Feldherr im Sezessionskrieg 1861/65; 1869/84 Oberkommandierender der US-Armee.

Sherry, Jerezwein (nach der Stadt Jerez de la Frontera): gespriteter spanischer Dessertwein aus Vollreifen, an der Sonne getrockneten Weintrauben, die unter Luftzutritt vergoren werden; Volumenanteil an Alkohol 16 bis 20%.

Sherwood, Robert Emmet, 4.4.1896 bis 14.11.1955, US-amerikanischer Dramatiker und Filmschriftsteller, verfasste Antikriegsstücke («Hannibal ante portas!», 1927, deutsch), sozialkritische Stücke, die die Hilflosigkeit der Intelligenz in den 30er Jahren reflektieren («Der versteinerte Wald», 1935, deutsch) sowie «Abe Lincoln in Illinois» (1938).

Shetland: (nach der Inselgruppe) grau- oder braunmelierte mittelfeine bis grobe Wollgewebe, meist in Köperbindung; für Arbeitskleidung.

Shetlandinseln: Inselgruppe zwischen Schottland und Norwegen, zu Großbritannien gehörend; als schottisches Inselgebiet Shetland 1429 km2, 22000 Einwohner; 15 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Lerwick auf Mainland; über 100 Inseln; bis 450 m hoch, hügelig, felsig; zerklüftete Steilküste, Buchten; Seeklima; Heide, Moore; Schaf- und Ponyzucht (Shetlandponys); Anbau von Kartoffeln; Fischfang- und -Verarbeitung; Herstellung von Wollwaren; internationaler Flughafen, Pipeline für Nordsee-Erdöl nach Sullom Voe, wo sich ein Verschiffungshafen befindet.

Shetler, Norman, geboren 16.6.1931, US-amerikanischer Pianist; lebt seit 1955 in Wien und wirkt insbesondere als hervorragender Liedbegleiter namhafter Sänger (P. Schreier unter anderem).

Shewa, Shoa: Provinz im mittleren Teil Äthiopiens; 85200 km2, 5,1 Millionen Einwohner; 60 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Addis Abeba-, wichtigstes äthiopisches Industriegebiet.

Shibarghan: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Afghanistans, am Rand der Amudarja-Tiefebene; 19000 Einwohner; Teppichweberei; südöstlich von Shibarghan bedeutendes Erdgasfeld, von hier aus Pipeline in die UdSSR mit Abzweig nach Mazar-i-Sharif.

Shido: Judo - Hinweis bei leichten Regelverstößen; in der Wertigkeit dem Koka entsprechende Strafe.

Shiga: Präfektur in Japan, im westlichen Teil der Insel Honshu, östlich von Kyoto; 4016 km2, 1 Millionen Einwohner; 249 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Otsu\ besonders elektrotechnische und Textilindustrie.

Naoya Shiga, 20.2.1883-21.10.1971, japanischer Schriftsteller; vor allem seine von tiefer Menschlichkeit durchdrungenen, wenn auch thematisch eng begrenzten feinsinnigen Kurzgeschichten zählen zu den Meisterwerken der japanischen Literatur und übten einen starken Einfluss aus (unter anderem auf T. I Kobayashi).

Shigellen, (nach einem japanisch Bakteriologen) Shigella: gramnegative, unbeweglichen sporenlose Stäbchenbakterien, die durch Vermehrung in den Dickdarmzellen die bakterielle Ruhr verursachen.

Shiguli: (nach den Shiguli-Bergen) frühere Typenbezeichnung für die im Wolga-Automobilwerk Togliatti gebauten sowjetischen PKW mit viertüriger selbsttragender Ganzstahlkarosserie, abgelöst durch die Bezeichnung Lada.

Shiguli: malerische Kalkberge der Wolgahöhen in der Wolgaschleife bei Kuibyschew mit stark zerklüftetem Steilabfall zur Wolga; bis 375 m hoch; Erdölförderung; Touristengebiet.

Shikoku: (japanisch, «vier Länder») kleinste der 4 japanischen Hauptinseln, von Honshu durch die Japanischen Inlandsee getrennt; 17760 km2, mit etwa 300 kleinen Nebeninseln 18778 km2, 4,1 Millionen Einwohner. Durch Buchten reich gegliederte und vorwiegend aus Graniten, Sandsteinen und tertiären Lockersedimenten bestehende Insel; im Inneren Bergland (Ishizuchi-Yama bis 1981 m), im Westen und Nordwesten Hügel- und Flachland, im Küstenbereich Tiefland. Bei subtropischen Klima mit Taifun Gefährdung immergrüner Laubwald; wasserreiche, aber meist kurze Flüsse (Bewässerung). Zentren der vielseitigen Verarbeitungsindustrie sind unter anderem Matsuyama, Tokushima, Takamatsu; Abbau von Kupfer- und Antimonerzen sowie Schwefelkies. Anbau von Reis (2 Ernten/Jahr) sowie Mais, Weizen, Tabak, Südfrüchten; Brücke (9,4 km) von Sakaide nach Kojima auf Honshu im Bau.

Shimane: Präfektur in Japan, im Südwesten der Insel Honshu, entlang der Küste des Japanischen Meeres; 6627 km2, 780000 Einwohner; 118 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Matsue-, überwiegend landwirtschaftlich, industriell wenig entwickeltes Gebiet.

Shimazaki Toson, eigentlich Haruki Shimazaki, 17.2.1872-22.8.1943, japanischer Lyriker und Romancier; leitete mit dem stark gesellschaftskritischen Roman «Das gebrochene Gelöbnis» (1906) den japanischen Naturalismus ein und schuf mit dem zweibändigen Werk «Vor Tagesanbruch» (1929/35) einen der bedeutendsten Entwicklungsromane der japanischen Literatur.

Shimizu: Stadt in Japan (Präfektur Shizuoka), im Osten der Insel Honshu, an der Suruga Bucht; 240000 Einwohner; Maschinen- und Fahrzeugbau, Erdölraffinerie, Fischverarbeitung; Hafen; Universität; Kunozan-Toshu-Schrein (1616).

Shimmy: (französisch, eigentlich«(das Hemdchen) abschütteln») Modetanz im 4/4-Takt, um 1920 aus den USA eingeführt; ging aus dem Foxtrott hervor. Der Name ist auf die für diesen Tanz charakteristische Schüttelbewegung der Schultern zurückzuführen.

Shimonoseki: Stadt in Japan (Präfektur Yamaguchi), im Südwesten der Insel Honshu; 270000 Einwohner; Schiff-, Maschinenbau, chemische Industrie; mit dem gegenüberliegenden Kitakyushu (auf Kyushu) durch 2 untermeerische Eisenbahntunnel (Kanmon Tunnel (3,6 km), weiterer mit 18,5 km), Straßentunnel und -hängebrücke verbunden; Handels-, Fischerei-, Fährhafen. Der Frieden (Vertrag) von Shimonoseki (17.4.1895) beendete den Chinesisch-Japan. Krieg 1894/95 und brachte China in Abhängigkeit zu Japan, das Taiwan annektierte, die Penghu-Inseln besetzte und wirtschaftliche Sonderrechte in China erhielt. China musste weitere Häfen öffnen und die Vorherrschaft Japans über Korea anerkennen.

Shi Naian, 1296-1370, chinesischer Schriftsteller; Verfasser des volkstümlichen Romans «Die Räuber vom Liang Schan Moor», in dem die Bauernerhebungen zu Beginn des 12. Jahrhundert geschildert werden. Die Romanhelden zeichnen sich durch Mut, Tapferkeit und ihren Kampf gegen Ungerechtigkeit aus.

Shindo, Kaneto, geboren 22.4.1912, japanischer Filmregisseur; schuf den vor einem Atomkrieg warnenden Film «Die Kinder von Hiroshima», danach sozialkritische und historische Filme, wie «Die nackte Insel», «Onibaba», «Heute leben, morgen sterben», «Mein Weg», «Aus dem Leben Chikuzans».

Shinkansen: (japanisch, «Neue Hauptlinie») mit elektrisch betriebenen, normalspurigen sogenannt Shinkansen-Expresszügen (12teilige Triebwagenzüge mit etwa 1000 Sitzplätzen) befahrenes, kreuzungsfreies Fernschnellbahnnetz in Japanischen Streckenlinien: Neue Tokaido Linie zwischen Tokio und Osaka (515 km; 1. Abschnitt), 1964 in Betrieb genommen, als Sanyo Linie 1972 bis Okayama (161 km) und 1975 bis Hakata (393 km) auf der Insel Kyushu verlängert (insgesamt 1069 km); Tohoku Linie zwischen Tokio (Omiya) und Morioka (465 km), 1982 fertiggestellt, geplante Weiterführung durch 1 Seikan Tunnel nach Sapporo (Insel Hokkaido; insgesamt 980 km); Joetsu Linie zwischen Tokio (Omiya) und Niigata am Japanischen Meer (270 km), 1982 fertiggestellt; Narita Linie zwischen Tokio und Flughafen Narita (65 km); dient der Beschleunigung des Fernreiseverkehrs in und zwischen den langgestreckten, dichtbesiedelten Ballungsgebieten Japans.

Shintoismus, Schintoismus, Schinto, Shinto (japanisch, «Weg der Götter»): alteinheimische Religion Japans, in deren Mittelpunkt die Verehrung von Naturgottheiten und -geistern sowie Toten (Ahnen und verdienstvolle Persönlichkeiten, besonders Kaiser) steht; Hauptgottheiten sind die Sonnengöttin Amaterasu und die mit dem Kaiserhaus verbundenen «Himmelsgötter»; war von 1868 bis 1945 Staatsreligion und diente weitgehend nationalistischen Interessen.

Schipkapass: Gebirgsübergang im westlichen Himalaja, an der indisch-chinesischen Grenze, über dem Durchbruchstal des Sutley durch die Himalaya Hauptkette; 4685 m überm Meer; verbindet den Punjab mit dem Hochland von Tibet; nur Saumtierverkehr möglich.

Shiraz: Stadt (Provinzzentrum) im Süden Irans, in einem Hochtal im Süden der Zagros-Ketten, 1585 m über dem Meeresspiegel; 440000 Einwohner; erdölverarbeitende, chemische Industrie, daneben Baumwollverarbeitung, Zucker-, Zementproduktion, Kunsthandwerk (Teppiche, Silberwaren); internationaler Flughafen; Universität. Shiraz war Zentrum der persischen Dichtkunst; schiitischer Wallfahrtsort (Moscheen (9. Jahrhundert, 12./13. Jahrhundert)).

Shire, in Zusammensetzungen Ja(r) oder Jia(r): in England Grafschaft; wird dem Namen der Grafschaft angehängt; zum Beispiel Yorkshire.

Shire: linker Nebenfluss des Sambesi, überwiegend in Malawi; 595 km; entströmt dem Malawisee, ist wegen seiner vielen Katarakte wenig schiffbar, mündet in Mozambique; Kraftwerk (24 MW) an den Nkula Fällen.

Shirt: ursprünglich Bezeichnung für Unterhemd, heute Bezeichnung für kombinierfähiges, gestricktes oder gewirktes Einzelteil der Oberbekleidung (zum Beispiel T-Shirt).

Shiva, (Sanskrit, «der Gnädige»), Schiwa: einer der großen hinduistischen Götter vorarischen Ursprungs; in seinen Kult wurden zahlreiche weitere vorarische Kulten einbezogen; verehrt als Asket, todbringender Gott, Herr der Tänzer, Zeugungsgott und Überwinder des Todes. Seine Zeichen sind das Lingam (Phallus) und der Dreizack, sein Reittier ist der Stier Nandi.

Shivaji, 1627-1680, Führer im Widerstandskampf der Marathen gegen die Moguln; 1674 Krönung zum König der Marathen.

Shizuoka: 1. Präfektur in Japan, im Süden der Insel Honshu, zwischen Nagoya und Tokio, an der Suruga Bucht; 7763 km2, 3,4 Millionen Einwohner;438 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Shizuoka 2; industriell entwickeltes Gebiet (Fahrzeugbau, chemische, Nahrungsmittel-, Papier- und Druckindustrie); Reis-, Tee- und Mandarinenanbau.

3. Stadt in Japan, Verwaltungszentrum von Shizuoka 1; 460000 Einwohner; Zentrum der japanischen Teeverarbeitung, Maschinen- und Fahrzeugbau, chemische Industrie.

Shkodra: Stadt im Norden Albaniens, nahe der Mündung des Drini in den Shkodrasee; 63000 Einwohner; Hütten-, Zement-, Textil- (Seiden-), Tabakindustrie, Weinverarbeitung; Hafen; Festung Rozafat; Rundfunksender; Museum (Volkskunde, Befreiungskampf).

Shkodrasee: größter See der Balkanhalbinsel, an der jugoslawischen-albanischen Grenze; 372 km2 (ein Drittel der Fläche zu Albanien), bis 44 m tief; größter Zufluss ist die Moraca (97 km lang), Abfluss die schiffbare Bojana zur Adria.

Shkumbini: Fluss im mittleren Albanien; 146 km; entspringt im Bergland südwestlich des Ohridsees, mündet 30 km südlich von Durrësi in die Adria; Sprachgrenze zwischen Gegen (Nordalbaner) und Tosken (Südalbaner).

shocking: anstößig, Ärgernis erregend; eischreckend.

Shockley, William, geboren 13.2.1910, US-amerikanischer Physiker, entwickelte 1949 den bipolaren Flächentransistor.

Shogun, (chinesisch, Kurzwort, «Oberbefehlshaber zur Unterwerfung der Barbaren») höchster militärischer Titel im feudalen Japan zur Zeit der Bakufu (1192/1867) für den Regenten, der an Stelle des Tenno die tatsächliche Regierung ausübte.

Solapur: Stadt im Süden des Unionsstaates Maharashtra (Indien); 510000 Einwohner, Maschinenbau, Baumwoll- und Seidenverarbeitung, Zuckerfabriken, Teppichherstellung; Universität.

Shopow, Naum, geboren 27.7.1930, bulgarischer Filmschauspieler; spielte unter anderem in «Fahndung bei Nacht», «Der Pfirsichdieb», «Der Zar und der General», «Attentat in der Kathedrale», «Der arme Luka»; inszenierte den Film «Brot».

Short Drink: appetitanregendes alkoholisches Bargetränk, das mit einem Schluck getrunken wird. Siehe auch Long Drink.

Shortstory: die englische-amerikanische Kurzgeschichte; mit dem modernen Journalismus um 1820 in den USA entstanden, bildete sich aufbauend auf Formen wie Novelle, Essay, Sketch heraus. W. Irving gilt mit dem «Skizzenbuch» (1819/20) als Begründer der Tradition der Shortstory in den USA, E. A. Poe formulierte 1842 die ersten verbindlichen Prinzipien der Shortstory und forderte Geschlossenheit, Präzision und Kürze; seit etwa 1920 bevorzugtes Experimentierfeld der Prosa, neue Themen erschlossen unter anderem J. Joyce, V. Woolf, E. Hemingway; in der Gegenwart zunehmende Verwischung der Grenzen zu anderen literarischen Genres.

Show: in den USA allgemeine Bezeichnung für Bühnendarbietung; heute im engeren Sinne internationale Bezeichnung für effektvolle, modern ausgestattete Unterhaltungsprogramme oder Darbietungen.

Showbusiness: (englisch, «Schaugeschäft») kommerzielle Unterhaltung; in der Unterhaltungsindustrie Bezeichnung für alle «auf Schau» und nach kommerziellen Gesichtspunkten aufgebauten Darbietungen und Programme.

Shreveport: Stadt im Nordwesten des Bundesstaates Louisiana (USA), am Red River, 210000 Einwohner; Erdöl- und Erdgasförderung, Baumwollverarbeitung, Maschinenbau; College; bei Shreveport Luftwaffenbasis.

Shudraka, legendärer altindischer König; gilt als Verfasser des lebendig und humorvoll geschriebenen Dramas «Das Tonwägelchen», das kurz vor dem 5. Jahrhundert entstanden sein dürfte. Das Werk, ein realistisches Spiegelbild altindischen Lebens, fand in modernen Bearbeitungen (zum Beispiel L. Feuchtwangers «Vasantasena») auch in Europa Verbreitung.

Shuffleboard: Ziel- und Treibspiel zweier Spieler beziehungsweise Mannschaften von maximal je 6 Spielern auf 10 m langem und 2 bis 3 m breitem Spielfeld. Mit Schiebern werden abwechselnd Holzscheiben in markierte Zahlenfelder gestoßen. Sieg nach mehreren gewonnenen Durchgängen.

Shuffle-Rhythmus: Begleitrhythmus im Swing mit einer triolenartig punktierten Achtelunterteilung der Grundschläge.

Shukasaptati, (Sanskrit, «70 Erzählungen des Papageien») Papageienbuch: indische Sammlung anmutiger Erzählungen über Liebe und kluge Frauen, anonymen Ursprungs, schon früh in andere Sprachen übertragen. Unter den zahlreichen Übersetzungen wurden die persische unter dem Titel «Tutiname» (1330) und die gleichnamige türkische Fassung (1430) weltbekannt.

Schukow, Georgi Konstantinowitsch, 1.12.1896-18.6.1974, Marschall der Sowjetunion; seit 1919 Mitglied der KPdSU; kommandierte 1939 die siegreichen mongolisch-sowjetische Truppen gegen die japanischen Aggressoren; während des Großen Vaterland. Krieges Oberbefehlshaber mehrerer Fronten und Erster Stellvertreter des Obersten Befehlshabers; 1945/46 Oberkommandierender der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Er gehörte 1953/56 dem ZK, 1956/57 dem Präsidium des ZK der KPdSU an; 1955/57 Verteidigungsminister.

Schukowski: 1. Nikolai Jegorowitsch, 17.1.1847-17.3.1921, russisch-sowjetischer Aerodynamiker, von Lenin «Vater der russischen Luftfahrt» genannt; schrieb grundlegende Arbeiten über die Hydro- und Aeromechanik.

2. Wassili. Andrejewitsch, 9.2.1783-24.4.1852, russischer Lyriker; einer der Begründer der russischen Romantik; pflegte die Genres der Ballade («Swetlana», 1808/12, deutsch «Klara»), der Elegie und der Ode («Der Sänger im russischen Kriegslager», 1812, deutsch); schuf beispielhafte Nachdichtungen (Homer, Vergil, J. W. Goethe, F. Schiller, L. Uhland, G. A. Bürger).

Shunt: 1. Parallelwiderstand für ein Messwerk zur Messbereichserweiterung von Messinstrumenten.

2. Shunt, Nebenschluss: angeborene abnorme Verbindung (Kurzschluss) zwischen arteriellem und venösem Kreislaufgebiet im Herzen (zum Beispiel Vorhof- und Kammerscheidewanddefekte) oder im Bereich der großen Gefäße (zum Beispiel offenbleibender Ductus Botalli als embryonale Verbindung zwischen Lungenstammarterie und Aorta). Die Richtung des Blutstromes im Herren verläuft entsprechend der Druckdifferenz; Rechts-Links-Shunt verursacht Blausucht, Links-Rechts-Shunt nicht. Shuntumkehr tritt auf bei Zunahme der nicht ausstoßbaren Restblutmenge mit damit verbundenem erheblichem Druckanstieg. Eine Beseitigung des Shunts durch Operation ist teilweise möglich.

3. operative Verbindung zwischen Pfortader- und unterem Hohlvenengebiet zur Drucksenkung bei Pfortaderstauung.

Shuteriqi, Dhimiter, geboren 26.1.1915, albanischer Schriftsteller; nahm am antifaschistischen Befreiungskampf teil, Begründer des albanischen Nachkriegsromans («Die Befreier», 1952/53); verfasste vor allem Erzählungen («Ausgewählte Erzählungen», 1972). SHZ: Abkürzung für Sulfathüttenzement (Zement).

Sl: 1. Abkürzung für Internationales Einheitensystem; Maßsystem.

2. Sozialistische Internationale.

Sial, (Kurzwort aus Silizium + Aluminium) der oberste, 10 bis 25 km tief reichende Teil der Erdkruste, etwa der Granitschale entsprechend.

Sialadenitis, Speicheldrüsenentzündung: Virus- (Mumps) oder bakterielle Entzündung der Speicheldrüsen. Letztere wird vielfach durch Abflussstörungen in den Ausführungsgängen verursacht (zum Beispiel Steinbildungen),

salisch: mit Silizium- und aluminiumhaltigen Gemengeteilen angereichert; zum Beispiel Minerale, wie Quarz, oder daraus bestehende magmatische Gesteine, auch Silizium- und aluminiumreiche Magmen. Sial. Gesteine treten im Sial auf.

Sialkot: Stadt im Nordosten Pakistans, am Fuße des Kashmir-Himalaja; 300000 Einwohner; entwickelte Leichtindustrie; Mausoleum Nanaks, des Begründers des Sikhismus.

Sialographie: Röntgenuntersuchung der Mundspeicheldrüsen nach Kontrastmitteleinbringung durch die Speicheldrüsenausführungsgänge. Siam Thailand (Geschichte).

siamesische Zwillinge: eineiige Zwillinge, bei denen keine vollständige Trennung der beiden Körper eingetreten ist. Der Begriff siamesische Zwillinge geht auf die 1811 in Siam geborenen Brüder Chang und Eng zurück, die vom Nabel bis zum Brustbein miteinander verwachsen waren.

Siamet: großes Kriegerlehen im Osmanischen Reich, dessen Jahresertrag über 30000 Aktsche (= 250 Piaster) liegen musste; der Inhaber war zu persönlicher Kriegsdienst sowie zur Stellung eines eigenen Reiteraufgebots verpflichtet.

Siamkatze: aus Thailand (Siam) stammende Kurzhaarrassekatze mit typischer dunkler Spitzenfärbung, schlank, gestreckt, blaue Augen; Bezeichnung je nach Abzeichen Farbe zum Beispiel Seal-point (schwarzbraun), Bluepoint (blau), Chocolate Point (schokoladenfarbig).

Siauliai: Stadt in der Litauischen SSR4 135000 Einwohner; Fahrrad-, Fernsehgeräte-, Werkzeugmaschinenbau, Trikotagen-, Galanteriewaren-, Lebensmittelindustrie; Eisenbahnknoten; pädagogische Hochschule; Theater, ethnographisches Museum; Peter-und-Pauls-Kirche (16./ 17. Jahrhundert).

Sibelius, Jean, 8.12.1865-20.9.1957, finnischer Komponist; zählt mit seinen 7 Sinfonien und einer Reihe sinfonischer Dichtungen zu den bedeutendsten Sinfonikern des späten 19. und des 20. Jahrhundert Sein frühes Schaffen, das von nationalen Stoffen, insbesondere dem Epos «Kalevala», beeinflusst ist, steht in engem Zusammenhang mit der finnischen Freiheitsbewegung (sinfonische Dichtungen «Lemminkäinen», «Finlandia» unter anderem sowie Chorsinfonie «Kullervo»). Seine auch im Violinkonzert und in der Kammermusik sinfonische Musiksprache klingt (der finnischen Landschaft adäquat) herb; ihr epischen Charakter bezieht sich sowohl auf nationale Traditionen als auch auf die skandinavische und die russische Musik sowie auf die Sinfonik Beethovens. Sibelius hat immer wieder Elemente der finnischen Folklore aufgegriffen, ohne sie jemals zu zitieren. Nach 1929 publizierte Sibelius keine Werke mehr.

Sibenik: Stadt in Kroatien, an der Mündung der Krka in die Adria; 30000 Einwohner; Eisen-, Leichtmetallurgie (bei Sibenik Bauxitbergbau), Aluminiumwerk (im Vorort Lozovac), Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Hochseehafen; Theater, Museen; historische Altstadt mit gotischen Dom, Renaissancerathaus und venezianischer Palais; über der Stadt 3 Kastelle; Seebad.

Sibilanten: Zischlaute; Laute, bei deren Bildung ein zischendes Geräusch entsteht, also Frikativlaute und Affrikate.

sibirische Kunst: Grundlage der Kunst der Völker Sibiriens war in der Vergangenheit die enge Beziehung der Jäger und Fischer zu ihrer Umwelt. S. K ist seit dem 2. Jahrtausend vor Christus nachweisbar (neolithischer Felsbilder im Lena Gebiet, «euroasiatischer Tierstil» in Funden von Pasyryk). Das Volkskünstlerische Schaffen erfasste nicht nur die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen und Verzierung der Kleidung mit geometrischen Tier- und Pflanzenmotiven; unbekannte Künstler der Jakuten, Burjaten und Tschuktschen schufen Silberschmuck und Knochenschnitzereien. Oft war der Inhalt der Kunst religiös bestimmt. So dienten Umrissschnitte von Rentieren aus Birkenrinde dem Jagdzauber der Ewenken; Amurvölker schnitzten Bären und Festszenen auf Zeremonial Löffel und -schüsseln für das sogenannte Bärenfest. Reich in Inhalt und Form zeigte sich das Volksschaffen in der figürlichen Darstellung der Hills- und Schutzgeister (Holz, Eisen) und der Bemalung der Trommeln der Schamanen. Die Volkskunst der russisch sprechenden Bevölkerung in vorrevolutionärer Zeit hatte deutliche Beziehungen zu den Traditionen jener Gebiete im europäischen Russland, aus denen ihre Vorfahren stammten. Die Berufskunst war fast ausschließlich kirchliche Kunst (Ikone). Seit Ende des 18. Jahrhundert/Anfang 19. Jahrhundert wurden größere Städte nach klassizistischen Gesichtspunkten erbaut (Ufa, Tomsk). Mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn entstanden neue Städte wie Nowosibirsk und Wladiwostok. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert Anfang 20. Jahrhundert traten demokratische Künstler hervor, Kunstausstellungen fanden statt, in den größeren Städten entstanden Gemäldegalerien, Kunstverbände sowie Kunstschulen. Nach der Oktoberrevolution erlebte die sibirische Kunst eine zuvor nie gekannte Blüte. Als städtische Zentren wurden unter anderem Nowosibirsk, Omsk, Krasnojarsk ausgebaut; neue Städte entwickelten sich. Die traditionelle Volkskunst erhielt neue Inhalte, befruchtete neue Kunstgattungen. In der Plastik, Malerei und Graphik entstanden zahlreiche Werke, die sich thematisch der Vielfalt und dem Reichtum des Lebens der sowjetischen Gesellschaft zuwenden. Die Formensprache vereint in sich Anregungen zeitgenössischer europäischer Kunst, Elemente traditioneller russischer Volkskunst sowie der Kunst der autochthonen Bevölkerung.

Sibiu: Bezirksstadt in Rumänien (Bezirk Sibiu), in Transilvania, am Cibin; 160000 Einwohner; Maschinen- und Gerätebau, Metall-, Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Hochschulen; Theater; mittelalterliche Stadtbefestigungen, spätgotische Kathedrale (14./15. Jahrhundert), spätbarockes Brukenthal Palais (Ende 18. Jahrhundert; Museum).

Sibu: Stadt (Distriktzentrum) im Gliedstaat Sarawak (Malaysia), am Zusammenfluss des Igan und Rajang zum Batang; 86000 Einwohner; Holzverarbeitung; Flusshafen, Flughafen; Lehrerbildungsinstitut.

Sibylle: in der Antike Name für weissagende Seherinnen; berühmt waren die Sibyllen von Erythrai und Cumae; letztere verkaufte der römischen Sage zufolge 3 ihrer Spruchbücher (Sibyllinische Bücher) an König Tarquinius, sie wurden in Notzeiten vom römischen Senat befragt; von diesen zu unterscheiden sind die Sibyllinischen Sprüche.

Sibyllinische Sprüche, Oracula Sibyllina: griechische Weissagungstexte in Hexametern, unter dem Namen einer Sibylle von unbekannten Autoren aus dem griechischen, römischer und jüdisch-christlicher Kulturbereich im 2. Jahrhundert vor Christus bis etwa zum 3. Jahrhundert nach Christus verfasst.

Sichelzellenanämie, Drepanozytose: bei dunkelhäutigen Menschen (Afrika, Mittelmeerländer) vorkommende erbliche Blutarmut mit sichelförmigen, vorzeitig zerfallenden roten Blutzellen infolge einer Strukturanomalie des roten Blutfarbstoffes.

Sicherheitsabstand: Mindestwegstrecke zwischen 2 in der gleichen Spur hintereinander fahrenden Kfz, die bei plötzlichen Bremsen des vorausfahrenden Fahrzeugs das gefahrlose Anhalten des nachfolgenden Fahrzeugs ermöglicht; weitgehend abhängig von Fahrgeschwindigkeit, Reaktionsvermögen des Fahrers und Kraftschluss.

Sicherheitseinschluss: baulicher Einschluss des Reaktors einschließlich des 1. Kreislaufs eines Kernkraftwerkes, der auch beim größten anzunehmenden Unfall eine Gefährdung der Umgebung durch unkontrollierte Freisetzung radioaktiver Stoffe verhindert. Entsprechende Anlageteile werden bei der sogenannten Containment-Bauweise in einer einzigen gasdichten Hülle eingeschlossen, bei der Druckraumbauweise in getrennten gasdichten Druckräumen.

Sicherheitsfahrschaltung, Kurzwort Sifa, Totmannknopf, Totmannkurbel: Einrichtung im Fahrerstand von Triebfahrzeugen (elektrische oder Diesellokomotive), die vom Fahrer während der Fahrt ständig oder in kurzen Abständen bedient wird; sonst kommt es zur Auslösung des Bremssystems.

Sicherheitsglas: nichtsplitterndes Glas. Einscheibensicherheitsglas zerfällt infolge starker innerer Spannungen bei Stoß oder Schlag in kleine, ungefährliche Teile. Verbund- oder Mehrschichtenglas besteht aus mindestens 2 durch eine klare Kunststofffolie verbundenen Scheiben; bei Bruch werden die Splitter durch die Folie festgehalten. Bei Drahtglas haften die Splitter am eingeschmolzenen Drahtnetz.

Sicherheitsgurt: Vorrichtung in Kraftwagen, die die Insassen mit der Karosserie verbindet und bei Unfällen am Sitz festhält.

Sicherheitsinspektor: Beauftragter des Leiters in Betrieben, Kombinaten und deren übergeordneten Organen, der ihn bei der Erfüllung von Aufgaben des Gesundheits- und Arbeitsschutzes unterstützt. In Abhängigkeit von Größe, Produktionsprofil und anderen Bedingungen des Betriebes kann auch eine Sicherheitsinspektion gebildet werden.

Sicherheitssprengstoffe: handhabungssichere, das heißt gegen unbeabsichtigte Explosion geschützte Sprengstoffe. Sicherheitssprengstoffe sind schwer entzündlich, schlagunempfindlich, alterungsbeständig und können nur durch Initialzündung zur Explosion gebracht werden. Sie enthalten als Sauerstoffträger hauptsächlich Ammoniumnitrat (Ammonsalpetersprengstoffe), zum Beispiel Ammonite (75 bis 80% Ammoniumnitrat, 3 bis 4% Glyceroltrinitrat), Donarite und die ANDK-Sprengstoffe. Häufig werden den Sicherheitssprengstoffe 15 bis 20% Natrium- oder Kaliumchlorid zugesetzt, zu deren Verdampfung ein erheblicher Teil der bei der Explosion frei werdenden Wärme verbraucht wird; hierdurch bleibt die Temperatur so niedrig, dass Grubengase oder Kohlenstaub nicht entzündet werden (schlagwettersichere Sprengstoffe).

Sicherung: Schutzeinrichtung für den Überstrom- und Kurzschlussstromschutz nachfolgender Leitungen und beziehungsweise oder Geräte in elektrischen Anlagen. Bei geringen Überströmen muss die Auslösezeit hoch, bei hohen Kurzschlussströmen dagegen sehr niedrig sein. In der Schmelzsicherung unterbricht ein schmelzender Metalldraht den Stromkreis (Gerätes., Patronensicherung, Niederspannungs-Hochleistungssicherung (Abkürzung NH-Sicherung)). Bei der Trennsicherung wird beim Schmelzen eine Trennstelle sichtbar. Um nur den unmittelbar betroffenen Anlagenteil beziehungsweise 1 Gerät abzuschalten, staffelt man die Nennstromstärken in elektrischen Anlagen.

Sicherungsring: offener Ring aus federndem Stahlblech, der radial in Bohrungen oder auf Wellen in gesonderte Nuten eingesetzt wird und eine axiale Verschiebung von Rädern, Buchsen und Wälzlagern verhindern soll.

Sicherungsübereignung: bürgerliches Recht Sicherung einer Forderung durch schriftliche Vereinbarung über die Übertragung des Eigentums an einer beweglichen Sache auf den Gläubiger, während die Sache im Besitz des Schuldners verbleibt.

Sichler: einige Arten der Ibis Vögel mit langem gebogenem Schnabel und hohen Beinen, bewohnen Schilf- und Sumpfgebiete; ernähren sich von Insekten, Weichtieren unter anderem; brüten gesellig im Schilf oder auf Bäumen, die 3 bis 4 Eier werden in 20 bis 22 Tagen ausgebrütet. In Amerika, Südeurasien und Afrika der 35 cm lange Braune Sichler (Plegadis falcinellus); in Amerika der Rote Sichler (Eudocimus ruber) und der rein Weiße Sichler (Eudocimus albus).

Sicht, (zu «sehen») Sichtweite: Entfernung, bis zu der man deutlich beobachten kann; sie ist abhängig von der atmosphärischen Trübung sowie von der Kontrastschwelle des Auges und wird mit Sichtmarken geschätzt beziehungsweise gemessen.

Sichtmesser: Gerät zur Bestimmung der atmosphärischen Sichtweite, das nach dem Prinzip der Messung der Extinktion arbeitet.

Sichtweite:

1. Meteorologie: Sicht.

2. Verkehrstechnik: Wegstrecke, die der Fahrer eines Fahrzeugs voll einsehen kann. Beim Straßenentwurf werden unterschieden

a) die Haltesichtweite entsprechend dem Bremsweg eines mit der Entwurfsgeschwindigkeit VE (km/h) fahrenden Fahrzeugs (gültig für Richtungsfahrbahnen;

b) die Begegnungssichtweite entsprechend dem doppelten Bremsweg (Mindestforderung für zweispurige Landstraßen) und

c) die Überholsichtweite, das ist die Entfernung zum sicheren Überholen eines vorausfahrenden Fahrzeugs, ohne dabei ein mit VE entgegenkommendes Fahrzeug zu behindern (angestrebt für zweispurige Landstraßen).

Sichuan, Szetschuan: Provinz im Südwesten Chinas, am oberen Chang Jiang; 569000 km2, 99,7 Millionen Einwohner (darunter nationale Minderheiten der Tibeter, Yi, Miao, Hui unter anderem); 175 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Chengdu. Im Osten dichtbesiedeltes Hügelland des Sichuan Beckens, im Westen bis über 4000 m hohes Gebirgsland; im Osten subtropische, im Westen Hochgebirgsklima mit wechselnden Niederschlagsverhältnissen. Reiche Bodenschätze an Eisenerz (Xichang), Kohle, Erdöl (Nanchong), Asbest (Shimian), Salzen (Zigong), Kupfer, Quecksilber und Phosphaten. Ausgeprägter Bergbau, Metallurgie, Maschinenbau, chemische Industrie; bedeutende agrarische Produktion im Becken von Sichuan mit Reis-, Mais-, Weizen-, Gerste-, Hirse-, Zuckerrohr-, Bataten-, Tabak- und Teeanbau; Seidenraupenzucht; 1956 an das chinesische Eisenbahnnetz angeschlossen; bedeutende Schifffahrt auf dem Chang Jiang ab Yibin.

Sichuan, Bergland von, Bergland von Szetschuan: Gebirgssystem im Südwesten Chinas, zwischen dem Roten Becken im Osten und dem östlichen Knie des Brahmaputra im Westen; im Gongga Shan bis 7590 m; besteht aus mehreren, annähernd meridional und parallel zueinander verlaufenden Gebirgsketten, die durch tiefe Erosionsschluchten der Flüsse voneinander getrennt sind; höchste Gebirgsteile sind teilweise vergletschert.

Siciliano, Sicilienne: alter Hirtentanz im ruhigen 6/8- oder 12/8-Takt, vermutlich aus Sizilien; im 17./18. Jahrhundert wurde die rhythmische Struktur häufig als Arientyp in Oper und Kantate verwendet, ferner als Sonaten- und Konzertsatz.

Sicken: Blechumformverfahren zum Erzeugen rinnenartiger, zur Versteifung oder Verzierung dienender Vertiefungen (Sicken) in ebenen oder gekrümmten dünnwandigen Blechplatten und -behältern.

Sickerleitung, Sauger: aus Dränröhren bestehender Anfang einer Dränage, der durch Sammler mit der Vorflut verbunden ist.

Sickerschacht, Sickergrube: im unteren Teil durchlässiger Schacht, der oben einlaufendes Wasser nach dem Passieren von Stein- oder Kiesschichten dem nächsten Grundwasserleiter zufuhrt.

Sickingen, Franz von, 2.3.1481-7.5.1523 (gefallen), Söldnerführer; versuchte 1522/23 unter Ausnutzung der Reformation, durch eine Fehde gegen den Erzbischof von Trier in den Reichsfürstenstand zu gelangen, von den Fürsten (Pfalz, Trier, Hessen) militärisch geschlagen.

Sic transit gloria mundi: «So vergeht die Herrlichkeit der Welt!», Zuruf an den neugewählten Papst bei Beginn der Krönung (seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar).

Sidamo: Provinz im Süden Äthiopiens, an der Grenze zu Kenia; 117300 km2, 2,81 Millionen Einwohner; 24 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Awasa.

siderisch: auf die Fixsterne bezüglich; zum Beispiel siderische Umlaufzeit, siderischer Monat, siderisches Jahr.

siderisches Pendel: zwischen den Fingerspitzen gehaltener Faden mit Metallstück (Ring o. ä.), dessen Schwingungen nach Okkultistische Vorstellungen Krankheit des Pendlers, das Schicksal vermisster Personen unter anderem anzeigen soll.

Siderit, Eisenspat, Spateisenstein: Mineral, Eisenkarbonat; Kristallsystem trigonal, Härte 4 bis 4,5, Dichte 3,7 bis 3,9 g/cm3, gut ausgebildete Kristalle oder derbe, grobspätige Massen, gelb weiß bis braun; wichtiges Eisenerz, zum Beispiel Erzberg bei Eisenerz (Österreich).

siderophile Elemente: (griechisch + lateinisch) Elemente, die sich geochemisch dem Eisen ähnlich verhalten, zum Beispiel Kobalt, Nickel, Platin, Gold.

Siderose: (griechisch) Eisenablagerung in Geweben.

Sidestep: (englisch, «Seitschritt») Boxen - seitliche Ausweichbewegung, verbunden mit Vierteldrehung des Körpers.

Sidi-bel-Abbes: alte mauerumwehrte Stadt im Nordwesten Algeriens, im Küstenatlas; 150000 Einwohner; Lebensmittel-, Schuhindustrie, Landmaschinen-, Traktoren-, Fernsehgerätebau; Handels-, Verkehrszentrum.

Sidney, Sir Philip, 30.11.1554-17.10.1586, englischer Dichter; schrieb den höflichen Schäferroman «Arpadia» (postum 1590, deutsch) und nach F. Petrarcas Vorbild die Sonettfolge «Astrophel und Stella» (postum 1591, deutsch); Schrift «Verteidigung der Poesie» (um 1580).

Sidorenko, Alexander Wassiljewitsch, geboren 19.10.1917, sowjetischer Geologe; Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der UdSSR; trug durch zahlreiche wissenschaftliche Leistungen zur Sicherung der Rohstoff- und Energiebasis der UdSSR in den letzten Jahrzehnten bei; Mitbegründer der Anthropogeologie.

Sieb: Gerät aus einem Rahmen mit aufgespanntem Drahtgeflecht oder gelochtem Blech zum Trennen fester Stoffe in 2 Korngrößenbereiche. Auf das Wurfsieb wird zum Beispiel Sand mit einer Schaufel gegeben. Bei Siebmaschinen werden meist mehrere übereinander elastisch gelagerte Siebböden durch Exzenter in Schwingung versetzt und dadurch das Gut bewegt.

Siebbein, Ethmoidale: teilweise durchlöcherter und mit vielen Hohlräumen versehener Schädelknochen zwischen den Augenhöhlen und dem Dach der Nasenhöhle.

Sieb des Eratosthenes: von Eratosthenes von Kyrene angegebenes Verfahren, immer neue Primzahlen dadurch zu gewinnen, dass man in der Folge der natürlichen Zahlen bereits bekannte Primzahlen und ihre Vielfachen streicht.

Siebenbürgen: historische Landschaft im heutigen Transilvania. Vom 3. Jahrhundert vor Christus an Teil des Königreichs der Daker, 106/271 Teil der römischen Provinz Dakien; seit dem 10. Jahrhundert entstanden kleinere frühfeudale Staaten; vom 11. bis 13. Jahrhundert von Ungarn erobert und als Wojewodschaft der ungarischen Krone unterstellt. Um 1160 begann die Ansiedlung deutscher Bauern und Handwerker (Siebenbürger Sachsen). 1541/1687 unterstand Siebenbürgen als autonomes Fürstentum dem Osmanischen Reich, kam 1691 an die Habsburger und 1867 nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich an Ungarn. Im Dezember 1918 erreichte die rumänische Nationalbewegung den Anschluss Siebenbürgens an Rumänien (1920 bestätigt im Frieden von Trianon). 1940 wurde der N Siebenbürgens dem faschistischen Ungarn zugesprochen (2. Wiener Schiedsspruch), kam aber nach der Befreiung 1945 an Rumänien zurück (bestätigt durch den Frieden von Paris 1947).

Siebengebirge: Teil des Rheinischen Schiefergebirges, am Nordwestrand des Westerwalds, gegenüber von Bad Godesberg, am Rhein; bewaldetes jungvulkanisches Gebirge mit dem Großen Ölberg (464 m) und dem Drachenfels (312 m); Naturschutzgebiet; Burgen.

Sieben gegen Theben, 7 Helden der griechischen Sage; kämpften für Polyneikes (einer der Sieben gegen Theben), um die Herrschaft über Theben von dessen Bruder Eteokles zurückzugewinnen; alle außer Adrastos fielen. Siehe auch Antigone. Tragödie von Äschylus.

Siebenhügelstadt, Septimontium: Bezeichnung für das alte Rom, das auf 7 Hügeln (Palatin, Esquilin, Kapitol, Aventin, Caelius, Quirinal) erbaut worden war.

Siebenjähriger Krieg: 3. Schlesischer Krieg, 1756/63 von Friedrich II. von Preußen im Bündnis mit Großbritannien-Hannover und einigen deutschen Staaten gegen eine Koalition (Österreich, Frankreich, Russland, Schweden und die Mehrheit der deutschen Reichsstände) geführt. Friedrich II. wollte das geraubte Schlesien sichern und Sachsen erobern. Der Krieg war Teil des Ringens zwischen Großbritannien und Frankreich um die Vorherrschaft in Nordamerika und Indien. Friedrich II. fiel in Sachsen ein (29.8.1756), drang nach Böhmen vor, musste dies aber nach der Niederlage bei Kolin (18.6.1757) räumen. In jahrelangen Kämpfen mit Siegen bei Roßbach und Leuthen, dem verlustreichen Treffen bei Zorndorf (Sarbinowo, 25.8.1757) und schweren Niederlagen bei Hochkirch und Kunersdorf (Kunowice, 12.8.1759) drohte das erschöpfte Preußen der gegnerischen Übermacht zu erliegen. Änderung der Lage durch das Ausscheiden Russlands aus der antipreußischen Koalition. Der Friede von Hubertusburg (15.2.1763) beendete den Krieg und bestätigte Preußen im Besitz Schlesiens und in seiner Stellung als europäische Großmacht.

Siebenpfeiffer, Philipp Jakob, 12.11.1789-14.5.1845, Jurist und Publizist; neben J. G. A. Wirth bedeutendster Vertreter der bürgerlichen Opposition in der bayerischen Pfalz; Mitinitiator des Hambacher Festes 1832 und 1831/32 Herausgeber des «Boten aus dem Westen». Nachdem Siebenpfeiffer zuerst im Sinne des Liberalismus bürgerlichen Reformen erstrebt hatte, entwickelte er sich zum kleinbürgerlichen Demokraten; er forderte die Republik und die Einheit Deutschlands. 1833 emigrierte Siebenpfeiffer in die Schweiz.

Siebenschläfer: 1. Lostag (27. Juni); Gedenktag für 7 christliche Märtyrer, die nach legendärer Überlieferung eingemauert fast 200 Jahre schlafend überlebten. Wenn es am Siebenschläfer regnet, hält der Regen nach volkstümlicher Überlieferung 7 Wochen an. Siehe auch Lostage.

2. Siebenschläfer, Glis glis: grauer Schläfer ohne Kopfzeichnung, mit dunklem Augenring und stark buschigem Schwanz; in Laubwäldern Europas und Kleinasiens verbreitet. Siehe auch Schläfer.

Siebenschritt: deutscher Volkstanz im 2/4- oder 4/4-Takt, je 7 Schritte vor und zurück, dann eine Rheinländerform; in zahlreichen regionalen Varianten bis zum 1. Weltkrieg überliefert; dann vor allem Spieltanz der Kinder.

Siebensprung: alter deutscher Volkstanz mit 7 verschiedenen Sprüngen und Bewegungen; ursprünglich ein Männertanz mit Merkmalen des Fruchtbarkeitskults, später auch Geschicklichkeitstanz für Männer oder Paare zur Hochzeit.

Siebenstern, Trientalis europaea: kleines Primelgewächs mit weißer Blüte; Nadelwald- und Moorstaude.

Siebenten-Tags-Adventisten: Hauptgruppe der Adventisten (Religionsgemeinschaft, die die baldige Wiederkehr von Jesus Christus erwartet); nach 1830 entstanden, stark bibelorientiert, üben Erwachsenentaufe und Sabbatheiligung (statt des Sonntags), beachten Gesundheits- und Speisevorschriften.

Sieben Weise: Gruppe altgriechischer Politiker, Gesetzgeber und Denker des 7. und 6. Jahrhundert vor Christus, die seit Platon erwähnt werden. Dazu gehören vor allem Bias, Solon und Pittakos. Auf die Sieben Weisen werden zahlreiche Aussprüche zurückgeführt, die praktische Lebensweisheiten darstellen.

Sieben Weltwunder: Bezeichnung der bedeutendsten Ergebnisse menschliche Schöpferkraft des Altertums, deren Auswahl schwankte, da es mehr als 7 außergewöhnliche Bau- und Kunstwerke gab; im Allgemeinen zählten die Griechen und Römer dazu die ägyptischen Pyramiden bei Memphis, die Zeusstatue des Phidias in Olympia, das Mausoleum in Halikamassos, die Hängenden Gärten in Babylon, den Koloß des Helios in Rhodos, den Leuchtturm von Pharos vor Alexandria und den Artemistempel in Ephesos.

Sekundärelektronenvervielfacher, Abkürzung SEV, Multiplier: Gerät zum Verstärken schwacher, meist aus einer Fotokathode austretender Elektronenströme (Fotoelektronenvervielfacher); beim offenen Sekundärelektronenvervielfacher fallen die Elektronen direkt ein. Jedes auf eine der Prallelektroden (Dynoden) auftreffende Elektron erzeugt bis zu 10 Sekundärelektronen, die von der folgenden, auf positiverer Spannung liegenden Dynode angezogen und erneut vervielfältigt werden, so dass der Anodenstrom das 106- bis 108fache des einfallenden Elektronenstroms betragen kann.

Sekundäremission: Kurzbezeichnung für Sekundärelektronenemission beziehungsweise für Sekundärionenemission.

Sekundärhärtung: Anlassen 1. Sekundärionenemission: Ablösung von Ionen von Festkörperoberflächen durch beschleunigte Primärelektronen; im Sekundärionenmassenspektrometer zur chemischen Analyse von Oberflächenschichten genutzt.

Sekundärliteratur, Sekundärdokumente, Sekundärquellen: wissenschaftliche Publikationen (zum Beispiel Untersuchungen, Referate und Kommentare) über andere Veröffentlichungen; diese werden als Primär- oder Originalliteratur bezeichnet.

Sekundärrohstoffe: Abfälle und Altstoffe (Abprodukte), die durch Erfassung und Aufbereitung einen neuen Gebrauchswert erhalten haben und dadurch dem volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozess wieder zuführbar sind. Sie bilden einen wesentlichen Bestandteil der Rohstoffbasis der Volkswirtschaft.

Sekunde:

1. Geometrie: Gradmaß.

2. Sekunde, Zeichen s: Metrologie Maßeinheit der Zeit, SI-Basiseinheit; Dauer von 9192 631770 Perioden der Strahlung, die dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes des Atoms Zäsium 133 entspricht.

3. Musik: 2. Stufe der diatonischen Tonleiter; auch Intervall, zum Beispiel c-d.

sekundieren: (dat.) beistehen; helfen, schützen.

Sekurität: (dat.) Sicherheit.

Siebglied: elektrisches Netzwerk, das zur Siebung von Gleichspannungen, denen Wechselspannungen überlagert sind, dient und wie ein Tiefpaß (Filter) wirkt; es besteht aus der Zusammenschaltung von Spule (Induktivität) beziehungsweise Widerstand und Kondensator (Kapazität). Die Kettenschaltung mehrerer Siebglied führt zur sogenannt Siebkette (erhöht die Siebwirkung).

Sieblinie: geometrische Darstellung der Korngrößenverteilung von Zuschlagstoffen, deren Beschaffenheit primär den Zementbedarf des Betons für gleiche Verarbeitbarkeit und Festigkeit beeinflusst. Zuviel Feinkorn bedeutet hohen Zementbedarf, zu viel Grobkorn ungünstige Verarbeitbarkeit.

Siebs, Theodor, 26.8.1862-28.5.1941, Germanist; Professor in Greifswald und Breslau (Wroclaw); legte eine einheitliche Aussprache des Deutschen auf der Grundlage der Sprechpraxis der Bühnen fest («Deutsche Bühnenaussprache», 1898).

Siebung: Elektrotechnik Trennung störender Wechselspannungen von einer Gleichspannung durch einen Tiefpaß, insbesondere in Netzgeräten und Stromversorgungsbausteinen.

Siedelweber, Philetairus socius: 14 cm langer, geselliger südafrikanischer Webervögel; 20 bis 300 Paare bauen ein bis 7 m x 4 m großes Zweig- und Grasdach in Akazien, in das die Nester von unten her eingebaut werden.

Sieden: Übergang eines Stoffes aus dem flüssigen in den gasförmigen Zustand bei einer bestimmten, vom Druck abhängigen Siedetemperatur (Siedepunkt). Dabei ist der Dampfdruck gleich dem äußeren Luftdruck. Beim Sieden bilden sich innerhalb der Flüssigkeit Dampfblasen; unterbleibt dies aus Mangel an inneren Oberflächen, so tritt Siedeverzug ein. Zum Sieden muss die Verdampfungswärme zugeführt werden.

Siedewasserreaktor: Kernreaktor mit siedendem Wasser als Kühlmittel und Moderator. Wie der Druckwasserreaktor ist der Siedewasserreaktor mit einem Druckgefäß ausgerüstet. Um Sieden zu ermöglichen, ist der Druck jedoch nur etwa halb so groß und das Gefäß nur zu 2/3 mit Wasser gefüllt. Der entstehende Sattdampf wird durch Separatoren getrocknet und unter Verzicht auf einen 2. Kreislauf direkt den Turbinen zugeleitet. Diesem Vorteil stehen die größeren Abmessungen der Spaltzone und des Druckgefäßes sowie der notwendige radioaktive Schutz des Arbeitskreislaufes gegenüber. Siehe auch Kernreaktor.

Siedlce: 1. Wojewodschaft im Osten Polens; 8499 km2, 630000 Einwohner; 74 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Siedlce 2. umfasst den östlichen Teil der Nizina Poludniowomazowiecka (Südmasowische Niederung) zwischen Wisla und westlicher Bug; versumpfte Flussniederungen. Agrar-Industrie-Gebiet mit Roggen-, Kartoffel-, Futterpflanzen- und Zuckerrübenanbau; auf ausgedehnten Wiesen und Weiden Viehzucht. Hauptindustriezweige sind Nahrungsmittel-, Leder-, Textilindustrie und Maschinenbau, besonders in Siedlce 2 und Minsk Mazowiecki.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Siedlce 1; 55000 Einwohner; Maschinen-, Stahlbau, Textil-, Nahrungsmittel-, Spielzeugindustrie; Verkehrsknoten; pädagogische Hochschule; Rathaus (18. Jahrhundert; Heimatmuseum), Kirche (18. Jahrhundert), Palast (18. Jahrhundert) mit Park.

Siedlung: menschliche Niederlassung, die verschiedenartig genutzte Flächen umfasst; unterschieden nach Größe (Einzelgebäude bis Millionenstadt), wirtschaftlicher sowie sozialer Funktion und Bedeutung (zum Beispiel ländliche, städtliche Siedlung, Agrardorf, Industrie-, Satellitenstadt, Wohngemeinde, Zentralort), nach Grund- (zum Beispiel Waldhufen-, Angerdorf, Burg-, Kolonialstadt) und Aufriss Gestaltung (Holz-, Fachwerk-, Betonbau; Flach- und Hochbauten) sowie nach Alter (zum Beispiel mittelalterliche oder moderne Städte). Weiterhin versteht man unter Siedlung

a) ur- oder frühgeschichtlicher Wohnplatz;

b) planmäßig angelegten und durch Grünflächen aufgelockerten Ortsteil (meist Ein- und Zweifamilienhäuser);

c) das Ansetzen von Siedlern. Der durch Besiedlung erschlossene Teil des festen Landes bildet den Siedlungsraum der Menschheit, die Ökumene.

Siedlungsarchäologie: archäologische Erforschung früher Siedlungs- und Besiedlungsvorgänge, erfordert Aufnahme aller urgeschichtlichen Funde des betreffenden Gebietes.

Siedlungsformen: Klassifizierungsprinzip von Siedlungen nach ihrem ursprünglichen Grundriss oder Erscheinungsbild. Gemäß den beiden grundsätzlichen Siedlungsweisen unterscheidet man ländliche (Dorf- oder Ortsformen und Flurformen) und städtliche Siedlungsformen, ferner geschlossene und offene Siedlungen.

Siedlungsgeographie: Teilgebiet der ökonomischen Geographie, das die Beziehungen zwischen menschlichen Siedlungen und dieser zu ihrer natürlichen und sozial-territorialen Umwelt unter den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen untersucht. Dazu gehören Art, Größe, Lage, Verteilung, Funktion, innere Struktur und Differenzierung der Siedlungen, Gestalt und Struktur des Siedlungsnetzes sowie die Beziehung der Siedlung zu anderen Elementen der Territorialstruktur.

Siedlungstypen: Klassifizierungsprinzip von Siedlungen nach ihrer sozialen Struktur und ihren gesellschaftlichen Funktionen in Abhängigkeit von der jeweiligen Gesellschaftsformation. In der Urgesellschaft finden sich funktional und strukturell kaum differenzierte Siedlungen, während in den zunehmend arbeitsteiligen Klassengesellschaften entsprechende spezialisierte beziehungsweise immer komplexere Mischtypen entstanden. Im Kapitalismus wurde die rechtliche Trennung von agrarische «ländliche» und gewerblichen industriellen «städtlichen» Siedlungen vollzogen. Im Sozialismus werden die sozialen Unterschiede zwischen Stadt und Land (Dorf) schrittweise überwunden.

Siedlungsweise: offene oder geschlossene Siedlungsanlage der ländlichen oder städtlichen Siedlung mit unterschiedlichem Siedelrecht, wie sie sich im Feudalismus und Kapitalismus entwickelt hat.

Sieg: rechter Nebenfluss des Rheins; 130 km; entspringt im Rothaargebirge, durchfließt das Siegerland, mündet bei Bonn.

Sieg, John, 3.2.1903-15.10.1942 (Selbsttötung), antifaschistischer Widerstandskämpfer, Journalist; 1929 Mitglied der KPD; 1929/33 Mitarbeiter der «Roten Fahne»; März bis Juni 1933 inhaftiert, danach als Reichsbahnangestellter tätig; während des 2. Weltkrieges Mitglied der Leitung der illegalen Bezirksorganisation Berlin der KPD und führender Funktionär der antifaschistischen Kundschafter Gruppe um H. Schulze-Boysen und A. Harnack.

Siegbahn: 1. Kai Manne Siegbahn, geboren 20.4.1918, schwedischer Physiker; Sohn von Siegbahn 2; maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der hochauflösenden (Röntgenfoto-) Elektronenspektroskopie.

2. Karl Manne Georg Siegbahn, 3.12.1886-26.9.1978, schwedischer Physiker; verdient um die Röntgenspektroskopie zahlreicher chemische Elemente.

Siegel: (lateinisch sigillum, «Bildchen») Abdruck eines Stempels, Siegelrings, Petschafts oder einer Gemme (Intaglio) in eine bildsame Masse (Wachs, Ton, Siegellack, Oblaten, Papier, Blei, teilweise Gold) zur Beglaubigung oder Rechtsbekräftigung von Urkunden und zum Verschließen von Schriftstücken, Briefen und Wertpaketen. Im modernen Amtsverkehr werden auch Gummistempel als Dienstsiegel verwendet. Historischer Siegel haben meist hohen kulturgeschichtlichen und künstlerischen Wert. Erste Stempelsiegel stammen aus Vorderasien aus dem 4. Jahrtausend vor Christus, zylindrisches Rollsiegel aus Mesopotamien. Das Stempelsiegel spielte in Kreta, Kleinasien, Ägypten, Persien, Indien und China eine Rolle. Eine hohe Blüte erreichte das Siegel in der Antike. Vom 8. bis 13. Jahrhundert entwickelten sich Siegel für König, Adel, Geistlichkeit, Städte, Zünfte und so weiter. Sie waren meist rund oder spitz-oval; nach dem Prägebild werden Bildnis-, Wappen-, Bild- und Schriftsiegel unterschieden. besonders im modernen Kunsthandwerk finden Siegel auch als Schmuck Verwendung.

Siegelbaum, Sigillaria: Bärlappbaum des oberen Carbons und des Rotliegenden mit hohem, schlankem Stamm, an dem in senkrechten Geradzeilen Blattnarben angeordnet sind.

Siegelbewahrer: im Mittelalter ein mit der Aufbewahrung des Staats- oder des Königssiegels betrauter hoher Staatsbeamter. Im alten deutschen Reich der Kurfürst von Mainz; in Großbritannien der Lordsiegelbewahrer, der seit Elizabeth I. zugleich Lordkanzler ist.

Siegelkunde, Sphragistik: historische Hilfswissenschaft, wertet Siegel (Prüfung von Form, Größe, Farbe, Material, Befestigung, Siegelbild und Legende) unter Beachtung des jeweilig geltenden Siegelrechtes als Quellen für die Geschichtsforschung aus.

Siegen: Kreisstadt in Nordrhein-Westfalen, an der Sieg; 110000 Einwohner; Zentrum des Siegerlandes; Erzeugung von Edelstählen und Blechen; Universität; Siegerlandmuseum im Schloss; spätromanischen und gotischen Kirchen; Siegerlandhalle; Geburtsstadt von P. P. Rubens.

Siegfried, Sigurd (nordisch), Sigufrid (althochdeutsch), Stfril (mittelhochdeutsch), später Seyfried, Seifried: zentrale Gestalt der deutschen und nordischen Heldensage; 2 Sagenkomplexe: Siegfrieds. Jugend (Drachenkampf, Hortgewinnung), Siegfrieds Tod (Werbungshelfer Gunthers, Ermordung Siegfrieds). Siehe auch Nibelungenlied.

Siegfriedstellung: rückwärtige deutsche Stellung im 1. Weltkrieg zwischen Arras und Soissons; im März 1917 bezogen und von hier aus erfolgreiche Abwehr einer Offensive der Entente. Im Oktober 1918 von den alliierten Armeen durchbrochen.

Siel: schleusenartiger, durch Schütze oder Tore verschließbarer Durchlass in Deichen oder unter der Deichböschung (gedecktes Siel) zur Entwässerung von Niederungen.

Siemens, (nach W. Siemens) Zeichen S: SI-Einheit des elektrischen Leitwerts; 1 S = 1/il.

Siemens: 1. Carl Friedrich von Siemens, 5.9.1872-9.7.1941, langjähriger Chef des Siemens Konzerns. Über Vorzugsaktien übt die Familie Siemens bis heute einen entscheidenden Einfluss auf den Siemens-Konzern aus.

2. Friedrich Siemens, 8.12.1826-24.5.1904, Techniker; entwickelte 1856 den regenerativgefeuerten Flammofen zur Betriebsreife. In diesem Ofen gelang 1864 P. Martin erstmalig die Erzeugung von herdgefrischtem Stahl. Siehe auch Siemens-Martin-Verfahren.

3. Werner Siemens, 13.12.1816-6.12.1892, Ingenieur und kapitalistische Unternehmer; erfand unter anderem Zeiger- und Drucktelegrafen, den Doppel-T-Anker, entdeckte das dynamoelektrische Prinzip und die kapazitive Aufladung von Kabeln, baute unter anderem die erste elektrisch betriebene Bahn.

Siemens-Martin-Verfahren: (nach F. Siemens und P. Martin) weit verbreitetes Verfahren zur Stahlherstellung im Siemens-Martin-Ofen (SM-Ofen). Dieser besteht aus einem muldenförmigen, flachen Herd, der den Einsatz (Altmetall und beziehungsweise oder Roheisen) aufnimmt. Der SM-Ofen wird durch in Längsrichtung über den Herd schlagende Flammen beheizt. Als Brennstoff dienen Gas (Generator-, Misch-, Koksofengas) und Öl. Verbrennungsluft und Gas werden nach dem Regenerativprinzip auf etwa 1200°C vorgewärmt und erreichen über getrennte Kanäle (Züge) einen der beiden Ofenköpfe, an denen die Verbrennung erfolgt. Die Beschickung mit Metall wird über spezielle Krane (Chargierkrane) eingebracht. Nach dem Einschmelzen erfolgt das Frischen. Der notwendige Sauerstoff stammt aus der Ofenatmosphäre, dem Rost oder Erz. Dem Frischen schließt sich eine Reduktionsperiode zur Schwefelentfernung an. Nach Einstellung der gewünschten Stahlzusammensetzung und notwendigen Stahltemperatur wird die Schmelze über eine Öffnung (Stichloch) in eine Gießpfanne abgefüllt.

Siena: Stadt in Mittelitalien, in der Region Toskana, Verwaltungszentrum der Provinz Siena, südlich von Florenz; 61000 Einwohner; chemische, Textil-, Teppich- und Lebensmittelindustrie; Universität (gegründet 1300), Kunst- und Musikakademie, Gemäldegalerie. Historische Bauten: gotischer Dom (Fassade von G. Pisano) mit romanische Kampanile und gotische Baptisterium; gotische Kirchen: Siena Domenico, Siena Agostino (Inneres 18. Jahrhundert), Sta. Maria dei Servi unter anderem; gotische Paläste: unter anderem Palazzo Pubblico (mit Turm Torre del Mangia, 102 m; Tafel- und Freskomalerei bedeutender sienesische Meister des Trecento), Palazzo del Capitano di Giustizia; Renaissancebauten: unter anderem Palazzo Piccolomini, Palazzo Spannocchi, Loggia della Mercanzia.

Sienaerde, (nach der Stadt) Terra di Siena: gelbes bis braunes Erdpigment, insbesondere für Anstrichstoffe; besteht vorwiegend aus Eisen(III)-oxidhydraten und Kieselsäure; durch Brennen entsteht die rötlichbraune «gebrannte Siena».

Sienkiewicz, Henryk, 5.5.1846 bis 15.11.1916, polnischer Schriftsteller; schrieb zahlreiche national- und gefühlsbetonte, auch sozialkritische Novellen und Erzählungen («Kohleskizzen», 1880; «Janko, der Musikant», 1880; «Der Leuchtturmwärter», 1882; alle deutsch); besonders seine historischen, ein traditionelles Geschichtsbild vermittelnden Romane wurden weltberühmt (Trilogie «Mit Feuer und Schwert», «Die Sintflut», «Der kleine Ritter», 1883/88; «Quo vadis?», 1896; «Die Kreuzritter», 1900; alle deutsch).

Sieradz: 1. Wojewodschaft im mittleren Teil Polens, beiderseits der Warta; 4869 km2, 400000 Einwohner; 82 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Sieradz 2. umfasst den größten Teil der Nizina Poludniowowielkopolska (Südliche Großpolnische Tiefebene). Agrar-Industrie-Gebiet mit Getreide- und Kartoffelanbau sowie Viehzucht. Hauptindustriezweige sind Leicht-, Nahrungsmittel- und Zementindustrie, besonders in Zdunska Wola und Sieradz 2.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Sieradz 1, an der Warta; 35000 Einwohner; Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Museum; eine der ältesten Städte Polens; Pfarrkirche (14./16. Jahrhundert).

Sierakowski, Zygmunt, 26.5.1826 bis 27.6.1863 (hingerichtet), polnischer revolutionärer Demokrat; 1863 Kommandeur der polnischen Aufständischen gegen den Zarismus; wirkte eng mit der russischen revolutionären Bewegung zusammen.

Sierra: (spanisch, eigentlich «Säge») Gebirge, zum Beispiel Sierra Morena.

Sierra Leone, Republik Sierra Leone-, Staat in Westafrika; grenzt im Norden und Osten an Guinea, im Süden an Liberia und im Westen an den Atlantischen Ozean. Verwaltungsmäßig in 3 Provinzen und die Westregion um die Hauptstadt gegliedert. Die Bevölkerung besteht aus etwa 20 verschiedenen ethnischen Gruppen, deren bedeutendste Mende (30%), Temne (30%), Limba (8%) und Kono (5%) sind. Amtssprache ist Englisch; Währung: Leone.

Natur: Die Oberfläche steigt von einer 100 bis 150 km breiten Küstenebene nach Osten zur Oberguineaschwelle an und erreicht in den Lomabergen (1948 m) im Nordosten ihre größte Erhebung. Es herrscht ein gleichmäßig warmes tropisches Klima (Regen- und Trockenzeit), wobei die Jahresniederschlagsmenge nach Norden abnimmt. Vorherrschend ist Savanne; im Süden ist niedriger Sekundärwald, an der Küste Mangroven, an den Flüssen (dichtes Flussnetz) Galeriewald und im östlichen Gebirgsteil tropischer Regenwald anzutreffen. Reiche Bodenschätze, besonders Eisenerz, Diamanten, Bauxit, Buntmetallerze und -metalle. Wirtschaft. Durch lange Kolonialherrschaft ist Sierra Leone ein noch schwach entwickeltes Agrarland, einseitig auf den Bergbau ausgerichtet. Die Regierung ist bemüht, den vorherrschenden Einfluss ausländischer, besonders britische Kapitalgesellschaften zurückzudrängen. Wichtigster Wirtschaftszweig ist neben dem Bergbau die Landwirtschaft (etwa 57% der Landesfläche sind Anbauland, 30% Wiesen und Weiden). Etwa zwei Drittel aller Beschäftigten sind hier tätig, von denen der überwiegende Teil noch in Verhältnissen einer Naturalwirtschaft lebt (Anbau von Reis, Hirse, Maniok, Gemüse). In ausländischen Gesellschaften gehörenden Plantagen Anbau von Kakao, Kaffee, Erdnüssen und Ölpalmen für den Export. Durch die Gründung von Genossenschaften soll das Marktaufkommen an Nahrungsmitteln (besonders Reis) erhöht werden, um den Eigenbedarf der Bevölkerung zu gewährleisten. Dafür sind auch die Viehhaltung und der Fischfang bedeutsam. Wirtschaftlich am weitesten entwickelt ist der Bergbau, zum Teil unter Beteiligung staatlichen Kapitals. Gefördert werden vor allem Diamanten im östlichen Landesteil (knapp 45 % des Exportwertes), ferner Bauxit, Rutil (weltgrößte Vorräte; in der Weltförderung nach Australien an 2. Stelle) und Gold. Die verarbeitende Industrie (zu 75% in Freetown konzentriert) steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Hauptverkehrsbedeutung hat der Kraftverkehr auf relativ gut ausgebautem Straßennetz; der Eisenbahnverkehr auf dem 600 km langen Schienennetz ist aus ökonomischen Gründen seit 1974 stillgelegt. Haupthafen ist Freetown; nördlich, bei Lungi, internationaler Flughafen. Etwa 90% der Ausfuhrgüter sind Diamanten, Agrargüter und Bauxit. Wichtigste Einfuhrgüter sind Lebensmittel, Konsumgüter, Industrieausrüstungen, Maschinen und Treibstoffe. Haupthandelspartner sind Großbritannien, USA, BRD, China, Niederlande und Japan.

Geschichte: Die bekannte Geschichte geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Ab 1787 war Sierra Leone Rückwanderungskolonie für aus der Sklaverei in Amerika befreite Afrikaner. 1808 wurde das Gebiet um Freetown britische Kronkolonie. Das bis 1896 von Großbritannien eroberte Gesamtterritorium wurde zum Protektorat erklärt. 1898/99 kam es zu Aufständen, die sich besonders gegen die koloniale Steuergesetzgebung richteten. Der organisierte antikoloniale Kampf setzte Anfang der 20er Jahre ein. Die junge Arbeiterschaft schuf sich erste Gewerkschaften und trat mit Streiks in Erscheinung (1919,1926). Zu umfassenden Bauernbewegungen kam es 1955/56. Führende politische Organisation war die 1951 gegründete Volkspartei Sierra Leones (englisch Abkürzung SLPP) unter Milton Margai. Antiimperialistische Positionen vertrat der 1960 gebildete Allgemeine Volkskongress (englisch Abkürzung APC) unter Leitung von Siaka Stevens. Am 27.4.1961 erreichte Sierra Leone die staatliche Selbständigkeit; erster Ministerpräsident wurde M. Margai. Nach Auseinandersetzungen unterschiedlicher politischer Gruppierungen innerhalb der zwischenzeitlich regierenden Militärs übernahm Stevens an der Spitze des aus den Wahlen 1967 erfolgreich hervorgegangenen APC am 26.4.1968 die Regierungsgewalt. Am 19.4.1971 wurde Sierra Leone Republik und Stevens deren Präsident. Der IV. APC-Kongress 1974 beschloss ein neues Parteistatut und ein Programm der nationalen Selbsthilfe. Nach der durch Referendum 1978 angenommenen Verfassung wurde Sierra Leone ein Einparteienstaat. Trotz bestimmter Ergebnisse in der wirtschaftlichen Entwicklung verschlechterte sich Anfang der 80er Jahre die Lage spürbar, verschärften sich die sozialen Widersprüche. Auf Grund der schlechten Versorgungslage kam es mehrfach zu Streiks und Unruhen. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Bei den Wahlen 1982 erhielt der APC sämtliche zur Wahl stehenden Mandate (weitere 12 stehen Stammeshäuptlingen und 7 den vom Präsidenten direkt ernannten Abgeordneten zur Verfügung). Der IX. APC-Kongress 1985 wählte Generalmajor Joseph Saidu Momoh zum Generalsekretär des APC. Damit wurde er laut Verfassung einziger Kandidat der Präsidentschaftswahl und im November 1985 gewählt. Das Land vertritt außenpolitisch eine Politik der Nichtpaktgebundenheit, die gegen imperialistischen Hochrüstungs- und Konfrontationskurs, gegen Neokolonialismus, Rassismus und Apartheid gerichtet ist.

Sierra Madre: Name für die 3 das Hochland von Mexiko umgebenden Gebirge; im Osten die östliche Sierra Madre (Sierra Madre Oriental), im Westen die Westliche Sierra Madre (Sierra Madre Occidental) und im Süden die südliche Sierra Madre (Sierra Madre del Sur). Als südliche Verlängerung des nordamerikanischen Felsengebirges steigt die weitgehend in einzelne Bergmassive (Jura- und Kreideschichten) aufgelöste und durch tiefe Täler stark gegliederte östliche Sierra Madre bis 4052 m (Pena Nevada) an. Die westliche Sierra Madre mit ihren meist flach lagernden vulkanischen Bildungen erreicht im Norden als Verlängerung der Zentralkordillere dagegen nur 3489 m und ist überwiegend mit Nadelwald bestanden. Als südlichster Ausläufer der nordamerikanischen Kordilleren erstreckt sich südlich der Balsassenke mit Steilabfall zur Küste des Stillen Ozeans die 100 bis 150 km breite und bis 3703 m hohe südliche Sierra Madre. Sie reicht bis zur Landenge von Tehuantepec und wird größtenteils von immergrünem tropischen Regenwald, Feuchtwäldern und Savannen bedeckt.

Sierra Morena: Südrand der spanischen Meseta mit Steilabfall zur Andalusische Tiefebene; bis 1323 m hoch; Wasserscheide zwischen Guadiana und Guadalquivir; sommertrockenes und wintermildes Klima; ödes Gebiet mit Macchie; Kupfer-, Quecksilber-, Antimon-, Uran-, Silber-, Bleierzbergbau; Steinkohlen- und Ölschieferabbau; extensiver Getreideanbau, Schafhaltung, Korkeichen.

Sierra Nevada: 1. Hochgebirge im Süden Spaniens, Mittelteil des Außengürtels der Cordillera Penibetica; etwa 100 km lang, 40 km breit; im Mulhacen (höchster Gipfel der Pyrenäenhalbinsel) 3481 m; aus kristallinen, magmatischen und mesozoischen Gesteinen; eiszeitlich überformt; waldarm; Hochweiden.

2. Sierra Nevada: sich von Nordwesten nach Südosten erstreckendes Hochgebirge im Südwesten der USA (Kalifornien und Nevada), Teil der nordamerikanischen Kordilleren; im Osten vom Großen Becken, im Westen vom Kalifornien. Längstal begrenzt; 700 km lang, bis 130 km breit; höchste Erhebung Mt. Whitney mit 4418 m; tertiäre Keilscholle aus Gneisen, Graniten, Dioriten und Schiefern; flache Westseite niederschlagsreich und bis 3000m überm Meer dicht bewaldet, der steile Ostabfall liegt im Regenschatten (Halbwüstenvegetation); mehrere Nationalparks, von denen der Yosemite-Nationalpark der bekannteste ist; vielseitig ausgebauter Tourismus.

Sievers, Eduard, 25.11.1850-30.3.1932, Germanist; seit 1871 Professor (seit 1892 in Leipzig); bedeutend als Lautphysiologe und Phonetiker («Grundzüge der Lautphysiologie», 1876; «Zur Akzent- und Lautlehre der germanischen Sprachen», 1877/78) sowie als Herausgeber älterer literarischer Denkmäler («Tatian», 1872; «Heliand», 1878; «Kudrun», 1922).

Siewert, Robert, 30.12.1887-2.11.1973, Politiker, Maurer; wurde 1919 Mitglied der KPD, als Funktionär vor allem im Erzgebirge und Vogtland tätig, 10 Jahre eingekerkert. Als erster Vizepräsident (1945/46) und Minister des Innern im Land Sachsen-Anhalt 1946/50 erwarb er sich besondere Verdienste um die demokratische Bodenreform und die Entmachtung des Monopolkapitals.

Sieyes, Emmanuel Joseph, 3.5.1748-20.6.1836, französischer Politiker, Abbe; wurde am Vorabend der Französischen Revolution durch die Flugschrift «Was ist der Dritte Stand» bekannt; 1789 Abgeordneter des Dritten Standes, danach maßgeblich an der Ausarbeitung der großbürgerlichen Verfassungen von 1791, 1795 und 1799 beteiligt, begünstigte 1799 den Staatsstreich Napoleon Bonapartes, wurde von diesem jedoch entmachtet.

Sifakas, Propithecus: reichlich katzengroße Halbaffen mit nacktem, dunklem Gesicht, langem Schwanz und dichtwolligem Fell; eine dehnbare Haut zwischen Oberarm und Rumpf dient als «Hilfssegel» beim Springen; tagaktive Waldbewohner Madagaskars.

Sigel: festgelegtes Abkürzungszeichen, früher besonders in mittelalterlichen Handschriften, dann auch für Bezeichnung von Institutionen, für Personennamen, für Silben und Wörter, auch in der Stenografie (Kürzel).

Sigel, Franz, 18.11.1824-21.8.1902, Revolutionsoffizier, Journalist; bildete im April 1848 in Mannheim ein Freikorps und war während der Reichsverfassungskampagne 1849 zeitweilig Oberbefehlshaber der badisch-pfälzische Revolutionsarmee und Kriegsminister in der badische Revolutionsregierung. Im nordamerikanischen Bürgerkrieg kämpfte Sigel als General in der Armee der Nordstaaten.

Sigerist, Henry Ernest, 7.4.1891-17.3.1957, US-amerikanischer Medizinhistoriker schweizerischer Herkunft; Professor an den Universitäten in Leipzig (1925/32) und Baltimore (1932/47). Sigerist begründete die soziologische Betrachtungsweise in der bürgerlichen Medizin.

Siger von Brabant, um 1235 um 1282 (am päpstlichen Hof ermordet), niederländischer Philosoph; Begründer und Hauptvertreter des Averroismus. Siger von Brabant lehrte die Existenz des Seins aus sich selbst, lehnte die Schöpfung aus dem Nichts ab und hielt die Welt für ewig, unerschaffen und unzerstörbar; die Entstehung der Welt fasste er im Sinne der neuplatonischen Emanation auf. Seine Lehren wurden 1270 und 1277 von der katholischen Kirche verurteilt.

Sighetu Marmatiei: Stadt in Rumänien (Bezirk Maramure?), an der Theiß, an der Grenze zur Ukraine; früher Sighet; 40000 Einwohner; Holz-, Textil-, Baustoffindustrie; Freilichtmuseum der Maramures; Piaristenkloster mit gotischer Kirche (16./17. Jahrhundert), reformierte Kirche (16. Jahrhundert).

Sighisoara: Stadt in Rumänien (Bezirk Mure), in Transilvania, an der Timava Mare; 33000 Einwohner; Glas-, keramische, Konfektionsindustrie, Maschinenbau; mittelalterliches Stadtbild mit Unter- und Oberstadt auf dem Burgberg (Stundturm (14. Jahrhundert; Museum)), spätgotische Kirchenburg.

Sightseeing: Besichtigen von Sehenswürdigkeiten.

Sigismund, 15.2.1368-9.12.1437, deutscher König und römischer Kaiser, König seit 1410, Kaiser seit 1433; Sohn Karls IV., letzter Luxemburger; erbte 1378 die Mark Brandenburg, wurde 1386 durch Heirat König von Ungarn, seit 1419 de jure, seit 1436 auch de facto König von Böhmen; war Initiator und Schirmherr der Reformkonzilien von Konstanz (1414/18) und Basel (1431/49). Organisierte mehrere (vergebliche) Kreuzzüge zur Niederwerfung der revolutionären Hussitenbewegung.

Sigmatik: (griechisch) Teilgebiet der Semiotik; untersucht die Beziehungen zwischen Zeichen und den Objekten, die sie bezeichnen (Designat). Die Sigmatik wird meist als ein Spezialfall der Semantik behandelt und oft dieser zugeordnet.

Sigmatismus, Lispeln: fehlerhafte Aussprache der Zischlaute, vor allem des Süden und seiner phonetischen Verwandten, die im Zusammenhang mit Anomalien und funktionellen Störungen im Kiefer-Gesichtsbereich stehen kann. Beim Parasigmatismus wird das Sigmatismus durch einen anderen, aber richtig gebildeten Laut ersetzt.

Signac, Paul, 11.11.1863-15.8.1935, französischer Maler, Graphiker und Kunsttheoretiker; neben G. Seurat Hauptvertreter des Neoimpressionismus; schuf pointillistische Hafen- und Flusslandschaften von hoher Leuchtkraft.

Signal:

1. Kybernetik: eine von einer als Signalträger bezeichneten materiellen Größe getragene Zeitfunktion (Übertragungsform) oder räumliche Anordnung (Speicherform), wenn sie durch wenigstens einen Informationsparameter Informationen überträgt beziehungsweise speichert. Bei analogen Signalen kann der Informationsparameter in einem Bereich jeden Wert annehmen, bei diskreten Signalen nur diskrete Werte. Diskrete Signale mit nur 2 Werten heißen binär. Digitale Signal sind kodierte diskrete Signal Ein Mehrpunktsignal ist ein diskretes Signal, das nicht kodiert (nicht digital) ist. Von praktischer Bedeutung sind Zwei- und Dreipunktsignal (Regeleinrichtung). Mittels Fourier-Transformation können periodische Signale in eine diskrete, nichtperiodischen Signal in eine kontinuierliche Folge von Sinusschwingungen zerlegt werden. Die graphischen Darstellungen von Betrag und Phase dieser Schwingung als Funktion der Frequenz heißen Amplituden- beziehungsweise Phasenspektrum.

2. Semiotik: materielles Gebilde (Laut, Schriftzeichen), das Träger einer Information (Bedeutung) ist; häufig auch Zeichenkörper oder Formativ genannt.

3. Verkehrstechnik: soviel wie Eisenbahnsignal.

Signalement: 1. Zusammenstellung visuell erkennbarer Merkmale oder Eigenschaften einer Person (Personenbeschreibung), insbesondere zwecks Fahndung und kriminalistische Identifizierung.

2. Angaben (Kennzeichen), die der eindeutigen Identifizierung eines Tieres dienen. Dazu gehören Tierart, Rasse, Geschlecht, Alter, Farbe, Abzeichen sowie Körpergröße und Verwendungszweck.

Signalflaggen: international festgelegte verschiedenfarbige Flaggen für kurze Mitteilungen von Schiff zu Schiff auf See. Es handelt sich um 26 Buchstabenflaggen, 10 Zahlenwimpel, 3 Hilfsstander und 1 Antwortwimpel.

Signalflussplan, Signalflussbild, Blockdiagramm: Übersichtsdarstellung des statischen und dynamischen Verhaltens von Steuer- und Regelkreisen mit Blöcken (Rechtecken mit eingetragenem Zeitverhalten) für die Wirkungselemente und mit Wirkungslinien für die Signale. Siehe auch graphische Ablaufdarstellung.

Signalgeber: Anzeigevorrichtung zur Regelung des Straßenverkehrs mittels Farbzeichen (Lichtsignal 1), Leuchtziffern (Richtgeschwindigkeiten) oder fahrspurzuweisenden Leuchtzeichen (Wechsel-Richtungsspuren) gemäß StVO.

Signalhorn: ein Grundtyp der Familie der Hörner (im Unterschied zum Grundtyp des meist runden Waldhorns, welches den Gesamtbegriff Horn in der Musikentwicklung übernommen hat). Zu den Signalhörnern gehören die nur leicht gebogenen Tierhörner, Hifthorn und Posthorn, die Grifflochhörner, zum Beispiel Zink und Serpent, die Klappenhörner, zum Beispiel Engl. Bügelhorn und Ophikleide, und die Ventilsignalhörner, zum Beispiel Flügelhorn, Kornett, Tenor- und Basstuba und Saxhörner. Das Signalhorn umfasst also verschiedene Formen, die sich eigenständig entwickelten und dabei den eigentlichen Signalcharakter verloren haben.

Signal-Rausch-Verhältnis, Rauschabstand: Verhältnis der vom (Nutz-)Signal herrührenden Signalleistung zu der durch unvermeidliche Störungen sowie Eigenlauschen verursachten Rauschleistung an einem beliebigen Punkt eines Übertragungskanals; angegeben in Dezibel (dB). Siehe auch Rauschen.

Signatar, Signatar: Unterzeichner eines Vertrages.

Signatarmächte: Staaten, die Unterzeichner eines völkerrechtlichen Vertrages sind.

Signatur: 1. allgemein Auf-, Unterschrift; Kennzeichen.

2. Bibliothekswesen: Standortbezeichnung eines Buches.

3. Signatur, Signatura: Medizin Gebrauchsanweisung für den Patienten auf Rezepten. Die Signatur muss vom Apotheker auf die Arzneipackung übertragen werden.

Signaturenlehre: mystische Arzneimittellehre, die eine Heilwirkung aus äußerlichen Ähnlichkeiten und nicht aus Wissenschaft. Versuchen erkennen will (zum Beispiel Rotweingaben bei Mangel an rotem Blutfarbstoff).

Signet: ursprünglich persönliche Siegel (Petschaft) der mittelalterlichen Könige; dann Druckermarke (-Zeichen) und später Verlagszeichen, auch Zeichen von Firmen, Betrieben, Organisationen, Markenzeichen und so weiter

signifikant: (lateinisch) bedeutsam, bezeichnend, als wichtig erkennbar.

Signifikanztest: mathematische Statistik Prüfverfahren zur Entscheidung, ob eine Hypothese über die Verteilungsfunktion einer Zufallsgröße mit den Werten der Elemente einer Stichprobe dieser Zufallsgröße verträglich ist; die Entscheidung erfolgt unter Berücksichtigung einer vorgegebenen Irrtumswahrscheinlichkeit.

Signore: Herr (italienische Anrede).

Signorelli, Luca, 1441(?)-16.10.1523, italienischer Maler; Hauptmeister der umbrisch-florentinische Schule an der Wende der Früh zur Hochrenaissance; beeinflusst von A. Pollaiuolo, bevorzugte er bewegte, klar modellierte Aktfiguren von tiefem seelischem Ausdruck. Hauptwerk: Freskenzyklus mit Weltgerichtsdarstellungen im Dom zu Orvieto (1499/1506).

Signoret, eigentlich Kaminker, Simone, 25.3.1921-30.9.1985, französische Filmschauspielerin; spielte unter anderem in «Goldhelm», «Thérèse Raquin», «Die Hexen von Salem», «Die Katze», «Mädchenjahre»; gastierte auch in Großbritannien («Der Weg nach oben», «Spiel mit dem Schicksal») und in den USA («Das Narrenschiff», «Die Möwe»).

Signoria: (italienisch, «Herrschaft») politische Herrschaftsform ober- und mittelitalienische Städte im 13./16. Jahrhundert, als solche der Kommune folgend; durch die Konzentration der zivilen und militärischen Macht in den Händen eines Geschlechts gekennzeichnet (zum Beispiel Visconti, Medici, Sforza).

Signum: 1. allgemein Zeichen; Merkmal; verkürzte Unterschrift.

2. Signum, Kurzzeichen sgn: Mathematik Funktion, die zu jeder reellen Zahl deren Vorzeichen charakterisiert; sgn x = 1, falls x positiv, sgn x = -1, falls x negativ, und sgn x = 0, falls x = 0; zum Beispiel ist sgn 3 = 1, sgn (-0,5) = -1.

Sigurdsson: 1. Jon, 17.6.1811 bis 7.12.1879, isländischer Historiker und Politiker; erreichte 1854 die Aufhebung des dänischen Handelsmonopols und 1874 eine autonome Verfassung.

2. Olafur Johann, geboren 26.9.1918, isländischer Schriftsteller; wurde bekannt durch Kinderbücher, gesellschaftskritische Romane («Der Berg und der Traum», 1944; «Das Uhrwerk»), 1955, deutsch) und Erzählungen, auch Lyrik.

Sigurjonsson, Johann, 19.6.1880—31.8.1919, isländischer Dramatiker; gestaltete (auch in dänischer Sprache) Stoffe aus dem Leben der Bauern, aus der Volkssage («Berg-Eyvind und sein Weib», 1911, deutsch; «Galdra-Loftur», 1915, deutsch) und der mittelalterlichen Saga («Der Lügner», 1917, deutsch).

Sihanouk, eigentlich Norodom Sihanouk, geboren 31.10.1922, kampucheanischer Politiker; 1941/55 König; 1955/56 und 1958/60 Ministerpräsident; 1960/70 Staatsoberhaupt; 1970 gestürzt und bis 1975 im Exil; 1970/76 an der Spitze der Front der Nationalen Einheit Kampucheas und der Königlichen Regierung der Nationalen Einheit; seit 1979 im Exil.

Sikelianos, Angelos, 28.3.1884-19.6.1951, griechischer Lyriker und Dramatiker; klassisch gebildet, versuchte durch die «Delphische Idee» und die Durchführung delphische Feste das hellen. Heidentum für die Gegenwart zu erneuern; im 2. Weltkrieg auf der Seite der Widerstandsbewegung.

Sikhismus: (dat. Hindustani) indische Religion, begründet von dem Guru Nanak (1469-1539) als frühbürgerliche Reformbewegung und Versuch der Vereinigung von Hinduismus und Islam; Zentrum Amritsar, ab 17. Jahrhundert selbständige Religionsgemeinschaft. Nanak und seine Nachfolger traten gegen das Kastensystem auf. Die Sikhs tragen einen Turban; nach Hindus, Moslems, Christen viertstärkste Religionsgemeinschaft Indiens.

Sikkim: Unionsstaat im Norden Indiens, zwischen Nepal und Bhutan; 7299 km2, 320000 Einwohner; 44 Einwohner/km2; Hauptstadt Gangtok. Waldreiches und vergletschertes Hochgebirgsland im Himalaja (Kangchenjunga, 8585 m), mit extremen Höhenunterschieden (8000 m auf nur 80 km Luftlinie). Gering entwickelte Wirtschaft mit dominierender Landwirtschaft; in den Tälern Anbau von Zitrusfrüchten, Kartoffeln, Gemüse, Reis, Mais, Hirse, Kardamom, Ingwer; in höheren Lagen Weidewirtschaft (Schafe, Ziegen, Yaks); Erschließung von Bodenschätzen (Kupfer-, Blei- und Zinkerz); Kleinbetriebe der Leicht- und Nahrungsmittelindustrie, überwiegend handwerkliche Produktion; nur Straßenverkehr. Erste Nachrichten über Sikkim reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück; 1642 Begründung der herrschenden Namgyal-Dynastie; Gebietsverluste an Bhutan (1706) und Nepal (1790); seit 1817 in Abhängigkeit von Großbritannien. 1890 wurde das Land britisch, mit dem Vertrag von Gangtok (5.12.1950) indisches Protektorat. Eine Volkserhebung gegen den regierenden Fürsten Palden Thondup Namgyal 1973 zwang diesen zu begrenzten administrativen Reformen. Aus allgemeinen Wahlen 1974 ging der Nationalkongress als Sieger hervor. In einem Referendum am 14.4.1975 sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung für die Abschaffung der Monarchie und den Anschluss an Indien aus, der am 26.4.1975 erfolgte.

Sikorski: 1. Kazimierz, geboren 28.6.1895, polnischer Komponist; war seit 1927 Professor am Warschauer Konservatorium und 1957/66 Rektor der Warschauer Musikhochschule; komponierte Sinfonien, Solokonzerte, Kammermusik und Chormusik; bearbeitete auch ältere polnische Musik.

2. Wladyslaw, 20.5.1881-4.7.1943 (Flugzeugabsturz), polnischer Politiker und General; 1922/23 Ministerpräsident und Innenminister; Gegner K. Pilsudskis; schloss als Ministerpräsident (seit 1939) der bürgerlichen Exilregierung in London am 30. 7.1941 ein Abkommen über gegenseitige militärische Hilfeleistung mit der UdSSR ab und bewirkte die Aufstellung polnischer Armee-Einheiten in Frankreich, wich danach aber vor den antikommunistischen Kräften seiner Regierung zurück.

Sikula, Vincent, geboren 19.10.1936, slowakischer Erzähler; schrieb nach Novellen («Mit Rozarka», 1966, deutsch) und Kinderbüchern mit dörflichen Stoffen eine Saga, in deren Mittelpunkt eine Handwerkerfamilie während des 2. Weltkriegs steht («Die Meister», 1976; «Muskat», 1977; «Vilma», 1980).

Sikyon: (griechisch, «Gurkenstadt») altgriechischer Polis im Norden des Peloponnes; Produktions- und Handelszentrum (Erzgießerei, Schuh- und Keramikproduktion).

Silane: Silizium-Wasserstoff-Verbindungen zum Beispiel Monosilan, Disilan, Trisilan, und so weiter. Im Gegensatz zu den analog aufgebauten Alkanen sind sie sehr unbeständig; sie entzünden sich an der Luft, zum Teil explosionsartig, von selbst.

Silbe: phonetisch-sprecher. Gestaltungseinheit des Wortes, Lautkomplex; zum Beispiel Birke.

Silbenschrift: eine Schriftart, in der jedes Zeichen einen bestimmten Lautkomplex (Silbe) wiedergibt. Die Silbenschrift stellt typologisch eine Zwischenstufe zwischen der Wortlautschrift und der reinen Lautschrift (Buchstabenschrift) dar. Eine Silbenschrift ist zum Beispiel die japanische Schrift.

Silber, (althochdeutsch) Argentum, Symbol Ag: chemisches Element der Kernladungszahl 47; Atommasse 107,869; Hauptwertigkeit +1; F 960,5 °C; Kp 2212°C; Dichte 10,54 g/cm3; kommt vereinzelt gediegen, meist als Begleiter von Kupfer, Blei und Zink in deren sulfidischen Erzen vor, wichtigstes Mineral ist Silberglanz, Argentit, Ag2S. Kompaktes Silber ist weich, dehnbar, von warmem «Silberglanz» und polierfähig; von allen Metallen leitet es Wärme und elektrischen Strom am besten; auch reflektiert es das Licht in sehr hohem Maße. Es kann zu durchscheinendem Blattsilber (2 bis 3 um Dicke) und zu feinstem Filigrandraht verformt werden. Silber ist elektrochemisch sehr edel, dunkelt jedoch an der Luft allmählich nach (Bildung von Silbersulfid) und löst sich leicht in Salpetersäure. Silber wird meist als Nebenprodukt bei der technischen Gewinnung von Blei und Kupfer erhalten. Es dient zur Herstellung der (zum Teil fotografisch wichtigen) Silbersalze und wird (oft durch bei legiertem Kupfer gehärtet) unter anderem für Münzen, Spiegel, Schmuck, Silberlot, galvanische Überzüge (Versilbern) sowie in der Elektrotechnik und als technischer Katalysator verwendet. Silber gehört zu den am frühesten bekannten Metallen des Altertums.

Silberblatt, Lunaria: Gattung der Kreuzblütler mit herzförmigen Blättern und breiten, flachen Früchten (Schötchen). Das blassviolett blühende Ausdauernde Silberblatt ist eine seltene Pflanze der feuchten Berglaubwälder und Schluchtwälder.

Silberbronze: schuppiges Metallpulver, das nur in Ausnahmefällen aus Silber, in der Regel jedoch aus Aluminium besteht; verwendet als Pigment für Anstrichstoffe.

Silberfuchs: Mutation des Rotfuchses, bewohnte ursprünglich Kanada und Ostsibirien, ist heute in freier Wildbahn so gut wie ausgerottet. Der Silberfuchs hat ein seidiges glänzendes Fell, die Grannen sind schwarz und zur Spitze hin silbrig weiß, die Spitze selbst ist schwarz. Eine Farbmutation des Silberfuchses ist der Platinfuchs. Die Silberfuchszucht begann um 1890 in Amerika. Zuchtländer sind heute Norwegen, Russland, Mongolei und Kanada. Der Silberfuchs hat eine Körpermasse von 7 kg, Paarungszeit ist Januar bis März, und nach einer Tragzeit von 53 Tagen werden 3 bis 4 Welpen geworfen. Des wertvollen Felles wegen gehört der Silberfuchs zu den Edelfüchsen. Siehe auch Pelztiere.

Silberleder: meist chromgegerbtes Lamm-, Zickel- oder Ziegenleder, das mit echten Silberfolien oder Silberbronze versilbert ist.

Silbermann, Orgel- und Klavierbauerfamilie: 1. Andreas, 16.5.1678-16.3.1734; arbeitete besonders im Elsaß (Orgel des Straßburger Münsters). Seine Söhne Johann Andreas, Johann Daniel und Johann Heinrich waren als berühmte Orgel- und Klavierbauer im Elsaß und in Sachsen tätig.

2. Gottfried, 14.1.1683-4.8.1753; Bruder von Silbermann 1; baute in Sachsen seit 1710 etwa 50 Orgeln, zum Beispiel in Freiberg, Dresden, Rötha und in vielen Dorfkirchen; machte sich außerdem um die Weiterentwicklung des Klaviers verdient.

Silbermotten: Schmetterlingsfamilie mit etwa 100 Arten; Falter meist bunt mit Silber- oder Goldzeichnung. In Mitteleuropa 40 Arten, darunter zahlreiche Schädlinge, zum Beispiel die 11 mm spannende Kirschblütenmotte (Argyresthia pruniella) und die 14 mm spannende Apfel- oder Ebereschenmotte, deren Raupe im Fruchtfleisch von Äpfeln und Ebereschen lebt.

Silbersalz-Diffusionskopierverfahren, Diffusionskopierverfahren, Schnellkopien Erfahren: fotografisches Kopierverfahren, bei dem ein Negativpapier im Kontakt mit der Vorlage im Reflexverfahren belichtet und danach zusammen mit einem Positivpapier (Kopie) entwickelt wird.

Silberstahl: nach seiner blanken Oberfläche benannter unlegierter oder legierter Werkzeugstahl.

Silberstift: Zeichenstift mit Silberspitze; ergibt auf besonders präpariertem Papier zarte, gleichmäßig graue Linien; Vorläufer des Bleistiftes; im 14./ 16. Jahrhundert und wieder seit dem 18. Jahrhundert verwendet.

Silberverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist +l-wertigem Silber. Die meisten Silberverbindungen sind farblos und zersetzen sich am Licht unter Dunkelfärbung durch Abscheidung elementaren Silbers. In Wasser leicht löslich sind das Nitrat, Chlorat, Perchlorat und Fluorid; die meisten übrigen Silberverbindungen sind unlöslich beziehungsweise schwer löslich. Silberchlorid («Chlorsilber»), Silberbromid («Bromsilber») und Silberjodid («Jodsilber»), bilden den lichtempfindlichen Bestandteil von Fotofilmen, -papieren und fototropen Gläsern. Silbernitrat bildet farblose, sehr leicht lösliche Kristalle; es ist Ausgangsstoff für viele weitere Silberverbindungen und wird unter dem Namen «Höllenstein» (färbt die Haut schwarz) als medizinisches Ätzmittel verwendet. Silberoxid fällt als braunschwarzer Niederschlag beim Versetzen von Silbersalzlösungen mit Alkalilaugen. Das schwarze, unlösliche Silbersulfid kommt in der Natur als Silberglanz (Argentit) vor und entsteht beim Dunkelwerden von Silber durch die Schwefelwasserstoffspuren der Luft; bei der «Altsilberfärbung» wird es durch Polysulfide künstlich erzeugt.

Silberwasser: wasserklarer Gewürzlikör mit Blattsilberflitter; Volumenanteil an Alkohol 40%.

Silberwurz, Dryas: Gattung der Rosengewächse mit auffallenden weißen Blüten und ledrigen, immergrünen, unterseits silberhaarigen Blättern; bis 10 cm hohe Zwergsträucher arktische Gebiete und der Hochgebirge der gemäßigten Zone; auch Steingartenpflanze, zum Beispiel die Achtblättrige Silberwurz (Dryas octopetala).

Silcher, Friedrich, 27.6.1789-26.8.1860, Komponist; bekannt durch volkstümliche Lieder (Weisen zu «Ännchen von Tharau», H. Heines «Loreley» unter anderem); gab Volksliederbücher heraus.

Sild: dänische Bezeichnung für Kleinhering.

Silen: in der griechischen Sage zweibeiniges Mischwesen, halb Pferd, halb Mensch; oft in der Mehrzahl dargestellt oder den Satyrn gleichgesetzt, weinliebende Begleiter des Dionysos.

Silierung, Einsäuerung: Bereitung von Gärfutter (Silofutter, Silage); Haltbarmachen (Konservieren) von Grünfutter oder Hackfrüchten in Gärfutterbehältern (Silos) durch Ansäuern unter Luftabschluss. Mit Hilfe von Siliermitteln oder Sicherungszusätzen (zum Beispiel zuckerhaltigen Stoffen, Ameisensäure, Kofasalz, Mineralsäuren) und durch Anwelken des Grüngutes wird bei Futter mit unzureichender Siliereignung der Konservierungserfolg erhöht.

Silikastein: bis etwa 1700°C verwendbarer, jedoch unter 600°C gegen Temperaturwechsel sehr anfälliger, saurer, feuerfester Baustoff aus Quarzit; besonders für die Auskleidung von metallurgischen Ofen, Koksöfen und die Gewölbe von Glasschmelzwannen.

Silikatbeton: unter Dampfdruck im Autoklaven erhärteter Baustoff aus Quarzsand, Kalk und Wasser, zum Beispiel Kalksandstein (dichter Silikatbeton). Durch Treibmittel oder Gasbildner erhält man eine porige Struktur und geringe Rohdichte (poriger oder Gassilikatbeton).

Silikate, Silicate-, Salze und Ester der Kieselsäuren. Die Alkalisilikate sind im Allgemeinen wasserlöslich, zum Beispiel das farblose, in Waschmitteln angewendete Natriumsilikat, Na2Si03 xH20 (x = 4 bis 9), oder das wesentlich Si02-reichere Wasserglas. Die übrigen Silikate sind in Wasser unlöslich; sie sind teilweise hochmolekular und weisen ketten- (Asbest) und blattartige (Glimmer) sowie räumlich vernetzte Strukturen (Feldspäte) auf. Die natürliche Silikate (meist von Aluminium, Magnesium, Eisen, Kalzium, Kalium und Natrium), zu denen auch Talk, Olivin, Augit, Meerschaum, Beryll, Smaragd, Kaolinit und die Tone gehören, machen zusammen mit Siliziumdioxid über 90% der Erdrinde aus. Zu den künstlichen Silikaten gehören Glas, Email, Wasserglas, Keramik, Zement, Ultramarin, Schlackenwolle.

Silikattechnik: technologische Prozesse, die auf der Basis anorganischer natürliche oder synthetische Stoffe mit Siliziumdioxid als wesentlicher Bestandteil zur Herstellung technischer Silikate (zum Beispiel Glas, Email, Keramik) dienen; hierzu gehören Aufbereiten, Formen, Sintern, Schmelzen, Verarbeiten.

Silikone, Silicone: Substanzen mit der ständig wiederkehrenden Gruppierung (-SiR2-0-)„ im, Molekül (R = Methyl-, Phenyl- unter anderem Gruppen). Je nach Molekülgröße, Art der organischen Atomgruppe sowie Verzweigungs- und Vernetzungsgrad ergeben sich öl-, harz- oder kautschukartige Stoffe. Die Silikone sind im Allgemeinen unlöslich in Wasser und organischen Lösungsmitteln; sie sind unempfindlich gegenüber Säuren und Basen, zum Teil bis 300°C temperaturbeständig sowie sehr gut elektrisch isolierend. Silikonöle sind färb-, geruch- und geschmackfreie, ungiftige Flüssigkeiten, die ihre Viskosität zwischen —70 und +250°C kaum verändern; sie werden als Transformatorenöle, Hydraulikflüssigkeiten, Formentrenn-, Wasserabweisungs- und Schaumverhütungsmittel sowie als Bestandteil von Kosmetika verwendet. Silikonfeite bestehen aus Silikonölen und Verdickungsmitteln (Stearate, Ruß, feinstverteilte Kieselsäure) und werden als Schmier- und Trennmittel verwendet. Silikonharze werden für Einbrennlacke (bis 180°C wärmebeständig), wasser- und fettabweisende Beschichtungen (Mauerwerk, Backbleche) sowie glasfaserverstärkt für Elektroisolierstoffe verwendet. Silikongummi bleibt bis -50°C elastisch, ist bis 250°C wärmebeständig und wird als Dichtungs- und Elektroisoliermaterial eingesetzt. Die vielseitig verwendbaren Silikonkautschukpasten enthalten Silikonvorkondensate und Substanzen, die mit Luftfeuchtigkeit unter Abspaltung von Essigsäure ein Silanol (zum Beispiel Methylsilantriol) ergeben, das sofort mit den Vorkondensaten zu Silikongummi polykondensiert («Kaltvulkanisation»).

Silikonlacke: thermisch härtende Anstrichstoffe aus Silikonharzen oder Silikon-Alkyd-Mischpolymerisaten, hitzebeständigen Pigmenten und Lösungsmitteln für temperaturbeanspruchbare Korrosionsschutzanstriche.

Silikose: meist knotige Veränderungen des Lungengewebes durch Einlagerung von Quarz (Steinstaublunge); inhalierte Kieselstaubpartikeln rufen chronischen Entzündungen und ausgedehnte Schwielenbildung in der Lunge hervor.

Silistra: Bezirksstadt im Nordosten Bulgariens, in der Dobrudscha, an der Donau; 58000 Einwohner; größtes Holzverarbeitungskombinat Bulgariens; Bau von Maschinen und Elektrogeräten, Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Hafen; Museum.

Silius Italicus, Tiberius Catius, um 25-101, römischer Epiker; Konsul 68, dichtete in der Nachfolge und in Anlehnung an Vergil 17 Bücher «Punica» (episches Gedicht über den 2. Punischen Krieg).

Silizide, Silicide: chemische Verbindungen zwischen Metallen und Silizium, zum Beispiel Magnesiumsilizid, Mg2Si, das sich mit Wasser unter Bildung von selbstentzündlichen Monosilan umsetzt.

Silizium, Symbol Si: chemisches Element der Kernladungszahl 14; Atommasse 28,0855; Hauptwertigkeit +4; F1423°C; Kp 2630°C; Dichte 2,33 g/cm3. Mit einem Anteil von 27,7% ist Silizium das zweithäufigste Element der Erdrinde; es kommt in Form mannigfacher Silikate, zum Teil als Bestandteil von Gesteinen, und von Siliziumdioxid (Quarz unter anderem) nur chemisch gebunden vor. Silizium ist eine halbmetallische, dunkelgraue, kristallisierte, harte, spröde, luft- und säurebeständige Substanz von schwachem Metallglanz. In Alkalilaugen löst es sich unter Wasserstoffentwicklung leicht zu Silikaten auf. Die nur mäßige elektrische Leitfähigkeit nimmt beim Erhitzen stark zu; Silizium höchster Reinheit ist der wichtigste Halbleiterwerkstoff. Außerdem dient Silizium zur Herstellung von Silikonvorprodukten und Ferrosilizium. Silizium wurde erstmals 1823 als amorphes Pulver von J. J. Berzelius aus Siliciumtetrafluorid dargestellt.

Siliciumverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Silizium. Siliziumdioxid, Si02, kommt in der Natur hauptsächlich als Quarz, Tridymit und Cristobalit vor; amorphe, wasserhaltige Formen sind Opal, Kieselgur und die gealterten Opale, zum Beispiel Achat und Feuerstein. Reines Siliziumdioxid bildet farblose, harte Kristalle oder ein weißes Pulver; F je nach Modifikation 1500 bis 1705°C; die Schmelze erstarrt in der Regel amorph zu Quarzglas. Siliziumdioxid reagiert praktisch nur mit Alkalihydroxid Schmelzen zu Silikaten (Wasserglas) und mit Flusssäure zu Siliciumtetrafluorid, SiF4, einem farblosen, giftigen, stechend riechenden Gas (Sublimationspunkt -95,7°C), das auch beim Glasätzen entsteht und sich mit Flusssäure zu Fluorkieselsäure umsetzt. Siliciumtetrachlorid eine farblose, an der Luft rauchende Flüssigkeit (-70°C, Kp 57,6°C), reagiert mit Wasser zu Kieselsäuren, mit Alkalien zu Silikaten und mit Alkoholen zu Kieselsäureestern. Siliciumtetrajodid, Sil4, ist farblos und kristallisiert (120,5 °C, Kp 287,5 °C). Siliciumdisulfid bildet lange, farblose, glänzende Kristallfasern, sublimiert bei 1090°C und zersetzt sich mit Wasser zu Kieselsäure und Schwefelwasserstoff. Das unlösliche, äußerst harte, chemisch und thermisch sehr beständige Siliziumkarbid (Carborundum), SiC (etwa 2700°C), wird als Schleifmittel, Hochtemperaturwerkstoff und für elektrische Heizwiderstände (Silit) verwendet. Siehe auch Kieselsäuren, Fluorkieselsäure, Silikate, Silikone, Silane, Silizide.

Sillanpää, Frans Eemil, 16.9.1888 bis 3.6.1964, finnischer Romancier; schilderte von bürgerlichen humanistischen Standpunkt und mit psychologische Motivierung das Leben der finnischen Dorfarmut. Zu seinen bedeutendsten Romanen zählen «Das fromme Elend» (1919, deutsch) und «Süja, die Magd» (1931, deutsch). Trotz enger thematischer Begrenzung erlangte er weltliterarische Geltung.

Sillitoe, Alan, geboren 4.3.1928, englischer Schriftsteller und Dichter; schrieb realistische Romane und Erzählungen, vor allem über den Alltag junger Arbeiter, wie «Samstagnacht und Sonntagmorgen» (1958, deutsch), «Die Einsamkeit des Langstreckenläufers» (1960, deutsch), «Schlüssel zur Tür» (1961, deutsch) und die Trilogie «Der Tod des William Posters» (1965, deutsch), «Der brennende Baum» (1967, deutsch), «Die Flamme des Lebens» (1974).

Silo: hoher zylindrischer oder kastenförmiger Speicher aus Holz, Mauerwerk, Metall oder Stahlbeton. Der Baustellensilo ist ein transportabler Stahlbehälter zur Zementlagerung. Der Schrapper Silo ist durch Trennwände unterteilt und dient der Einlagerung von Zuschlagstoffen unterschiedlicher Körnung für die Beschickung der Betonmischer. Als Paletten Silo wird ein Lagergebäude ohne Geschoßdecken bezeichnet, in dem Paletten oder Behälter in raumhohen Regalen gelagert werden. In der Landwirtschaft werden Hoch Silo oder Flachsilo bei der Silierung verwendet.

Silone, Ignazio, eigentlich Secondino Tranquilli, 1.5.1900-23.8.1978, italienischer Schriftsteller, emigrierte 1930 als Antifaschist in die Schweiz; schilderte zunächst das schwere Los der abruzzische Landarbeiter unter faschistischer Herrschaft (Romane «Fontamara», 1930, deutsch; «Brot und Wein», 1936, deutsch; Fortsetzung «Der Samen unterm Schnee», 1942, deutsch); später wird antikommunistische Haltung deutlich (Romane «Das Geheimnis des Luca», 1956, deutsch; «Der Fuchs und die Kamelie», 1960, deutsch).

Silur: (nach dem vorkeltischen Volksstamm der Silurer in Wales) drittes System des Paläozoikums, nach Graptolithen untergliedert; am Ende des Silur Entstehung des kaledonischen Gebirgssystems in Nordwesteuropa; erste primitive Landpflanzen; siehe auch geologische Systeme, Gotlandium.

Silvaner, Grüner Silvaner, grünbeerige Keltertraubensorte; ergibt milde bis wuchtige Weine mittlerer Qualität.

Silvanus, (lateinisch, zu silva, «Wald») römischer Gott des Waldes und der Waldweide, der Gehöfte und Gärten, wie der Gott Faunus dem griechischen Pan gleichgesetzt; wurde besonders von den Sklaven und Freigelassenen verehrt.

Silvaplana: Höhenkurort im Südosten der Schweiz (Kanton Graubünden), am Silvaplaner See (3,2 km2) im Oberengadin, 1815 m über dem Meeresspiegel; 800 Einwohner; Beginn der Straße über den Julierpass.

Silva Xavier, Joaquim José da, genannt Tiradentes («der Zahnzieher»), 12.11.1748-21.4.1792, brasilianischer Revolutionär, leitete 1788/89 die erste große republikanische Geheimbewegung gegen die portugiesische Kolonialherrschaft; war Anhänger der Französischen Revolution.

Silvester: nach Papst Silvester I. (gestorben 335) benannter letzter Tag des Kalenderjahres; verbunden mit vielen Volksbräuchen.

Silvretta: vergletscherte kristalline Berggruppe der Zentralalpen, an der österreichisch-schweizerischen Grenze; im Piz Linard 3411 m.

Sima: (Kurzwort aus Silizium + Magnesium) die unter dem Sial liegende Zone der Erdkruste mit basaltähnlicher Zusammensetzung.

Sima Guang, 1009-1086, chinesischer Politiker und Historiker, bekämpfte als Minister der Song-Dynastie die Reformen des Wang Anshi und verfasste das Geschichtswerk «Durchgehender Spiegel zur Hilfe für die Regierung».

Sima Qian, 145 um 86 vor Christus, chinesischer Historiker und Schriftsteller; Begründer der traditionellen und biographischen Form der Geschichtsschreibung in China; Verfasser des ältesten chinesischen Geschichtswerkes «Shiji» (Aufzeichnungen des Historikers).

Simbabwe: Ruinenstätte (Nationalmonument) in der Republik Simbabwe, südöstlich von Masvingo; auf einem Hügel mörtellos gefugte Kult- und Befestigungsanlagen (9./10. Jahrhundert), von einer 2 bis 5 m starken elliptischen Mauer (225 m lang) umgeben. 1871 von K. Mauch entdeckt.

Simbabwe, Republik Simbabwe: Staat in Südzentralafrika; grenzt im Norden an Sambia, im Nordosten und Osten an Mozambique, im Süden an die Republik Südafrika (RSA), im Westen an Botswana und Namibia; verwaltungsmäßig in 8 Provinzen gegliedert; Währung ist der Simbabwe-Dollar.

Bevölkerung: Sie setzt sich zu 97% aus Afrikanern zusammen, die zur Bantusprachgruppe gehören. Davon sind 68% Shona, 16% Ndebele und 5% Tsonga. Am dichtesten ist das Hochveld besiedelt. Amtssprache ist Englisch. Etwa 25 % der Bewohner leben in Städten.

Natur: Simbabwe umfasst eine von Inselbergen überragte, 800 bis 1500m überm Meer gelegene Hochfläche, die im Osten von einer Randaufwölbung (bis 2596 m) eingefasst und im Norden und Süden von den Tälern (Niederveld) des mittleren Sambesi (mit dem Kariba Stausee) und Limpopo begrenzt wird. Es herrscht ein tropisches, im Hochveld subtropisches Klima mit nach Südwesten abnehmenden Niederschlagsmengen. Vorherrschende Vegetationsformen sind lichte Wälder sowie Baum- und Strauchsavannen; etwa 60% der Oberfläche werden von Wald- und Buschland bedeckt. Bedeutende Bodenschätze, besonders Steinkohle, Eisen-, Nichteisenmetallerze, Bauxit, Phosphate. Wirtschaft Simbabwe ist ein kapitalistischer Agrar-Industrie-Staat auf progressivem, antiimperialistischer Entwicklungsweg. Ausländische Monopole (besonders aus Großbritannien und der RSA) beherrschen weitgehend die Wirtschaft, davon den Bergbau als wichtigsten Wirtschaftszweig vollständig. Seitens der Regierung wird auf die schrittweise Beteiligung des Staates an Unternehmen in Industrie, im Bergbau, Bankwesen und Außenhandel und auf die Einschränkung des Einflusses transnationaler Monopole orientiert. Erste Schritte zur Verwirklichung dieses Programms sowie zur Verbesserung der Lebenslage der afrikanischen Bevölkerung, besonders im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen, wurden eingeleitet. Landwirtschaft. Ihrer Entwicklung wird große Aufmerksamkeit gewidmet. In diesem Wirtschaftszweig ist die Mehrzahl der Bevölkerung beschäftigt. Durch ein staatliches Wiederansiedlungsprogramm erhielten bisher über 30000 Familien kostenlos Grund und Boden, zum Teil aus ehemaligem Farmerland. Es kam zur Bildung von Kooperativen und Staatsfarmen. Der größte Teil der Lebensmittelproduktion und 70% des Exportwertes entstammen den hochmechanisierten Landwirtschaftsbetrieben der etwa 5000 Großfarmer (Anbau von Mais, Weizen, Tabak, Baumwolle, Kaffee, Zuckerrohr, Tee, Südfrüchten; Fleischerzeugung (intensive Rinderzucht)), die etwa 14,5 Millionen ha landwirtschaftlicher Nutzfläche (LN) bewirtschaften, während die etwa 450000 afrikanischen Wirtschaften (für die Eigenversorgung Mais-, Hirse-, Bohnen-, Erdnuss-, Reisanbau) nur über etwa 17 Millionen ha LN verfügen. Industrie. Simbabwe gehört zu den am stärksten industrialisierten Ländern Afrikas. Durch den Bergbau werden Chromerz und Asbest (an 2. Stelle in der kapitalistischen Welt), Steinkohle (Hwange), Gold, Wolfram, Eisen-, Kupfer-, Nickelerz, Silber, Zinnerz unter anderem gefordert. Die verarbeitende Industrie ist vielseitig. Wichtigste Zweige sind Eisen-, Buntmetallurgie, Maschinenbau, Erdölverarbeitung, chemische, Zement-, Leicht- und Lebensmittelindustrie. Wichtigste Industriezentren sind Kwekwe, Mutare, Harare, Bulawayo und Kadoma. Über 75% der Elektroenergie werden durch Wasserkraft (besonders Kraftwerk Kariba-Süd am Sambesi) gewonnen. Verkehr/Handel. Das Verkehrsnetz ist relativ gut entwickelt und wird durch Neubauten, besonders in ländlichen Gebieten, verbessert. Internationaler Flughafen in Harare. Ausfuhr von landwirtschaftlichen und Bergbauprodukten und Einfuhr von Maschinen, Rohstoffen und Halbfertigwaren und Erdöl, besonders über die Häfen der RSA und Mozambique. Bedeutend ist der Fremdenverkehr (Victoriafälle). Haupthandelspartner sind die RSA, Großbritannien, USA Japan, BRD, Sambia, Mozambique und Botswana.

Simenon, Georges, geboren 12.2.1903, belgischer Schriftsteller französischer Sprache; lebt seit 1957 in der Schweiz; schreibt psychologische Kriminalromane, viele mit der Zentralgestalt des Kommissars Maigret.

Simeon I., um 865-27.5.927, bedeutendster Herrscher des 1. Bulgarenreiches; Sohn von Boris I.; seit 893 Fürst, wurde nach 917 zum «Zar aller Bulgaren und Griechen» ausgerufen; eroberte in Kriegen gegen Byzanz große Teile der Balkanhalbinsel; förderte die kulturelle Entwicklung Bulgariens.

Simile-Prinzip: (lateinisch similis, «ähnlich») ein in der Homöopathie vertretenes unwissenschaftliches Lehr- und Heilprinzip, das sich aus der Signaturenlehre entwickelte («Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt»); das heißt bei Erkrankungen werden solche Stoffe in homöopathische Verdünnungen gegeben, die in hohen Dosen Symptome verursachen, wie sie bei der zu behandelnden Krankheit vorliegen.

Simmel: 1. Georg, 1.3.1858-26.9.1918, Philosoph und Soziologe; zunächst am geschichtsphilosophischen Positivismus (H. Spencer), später an der Lebensphilosophie orientiert; repräsentiert einen extremen Relativismus.

2. Johannes Mario, geboren 7.4.1924, österreichischer Schriftsteller, seine Frühwerke («Mich wundert, dass ich so fröhlich bin», 1949) zeigen Ansätze von Gesellschaftskritik, die jedoch einer zielstrebigen Trivialisierungstendenz publikumswirksamer Erfolgsbücher aufgeopfert werden («Es muss nicht immer Kaviar sein», 1960; «Der Stoff, aus dem die Träume sind», 1971).

Simmondsche Krankheit, Panhypopituitarismus (lateinisch griechisch): durch Geschwülste, Entzündungen, Verletzungen, Mangeldurchblutung unter anderem hervorgerufener schleichender Funktionsausfall des Hypophysenvorderlappens mit sekundärer Unterfunktion von Nebennierenrinde, Schilddrüse und Keimdrüsen; äußert sich unter anderem in Kräfteverfall, Apathie, Blässe, Kreislaufschwäche, selten in Magerkeit. benannt nach dem Hamburger Pathologen Morris Simmonds (1855-1925). Das Sheehan-Syndrom als Sonderform der Simmondsche Krankheit entsteht durch eine Nekrose des Hypophys