Lexikon C

Caballero: spanischer Ritter des Mittelalters; seine Adelsprivilegien beruhten auf dem Vorrecht, als Vasall zu Pferde (spanisch caballo) zu kämpfen; heute noch gehobene Anrede in spanischsprachigen Ländern.

Cabanis, Pierre Jean Georges, 5.6.1757-5.5.1808, französischer Physiologe und Philosoph; vulgarisierte den Materialismus; reduzierte die Erkenntnis auf physiologische Prozesse; war in der Französischen Revolution Anhänger der Girondisten.

Cabaza, Cabaga: brasilianisches Rhythmusinstrument für die Samba; früher ausgehöhlter Flaschenkürbis, mit einem Perlennetz überzogen, heute aus Kunststoffen gefertigt.

Cabet, Etienne, 1.1.1788-8.11. 1856, französischer utopischer Kommunist; orientierte das Frühproletariat mit seinem Hauptwerk «Reise nach Ikarien» (1840, deutsch), der Zeitung «Le Populaire» und vielen Flugschriften auf einen gewaltlosen Weg zum Kommunismus über eine demokratische Republik; gründete nach dem Scheitern seiner Taktik 1848 eine kommunistische Musterkolonie in Nauvoo (Illinois, USA).

Cabimas: Stadt in Venezuela, am Ostufer der Lagune von Maracaibo; 160000 Einwohner; wichtiges Zentrum im La Rosa-Erdölfeld; Hafen.

Cable, George Washington, 12.10.1844-31.1.1925, US-amerikanischer Schriftsteller; Vertreter der sogenannt Lokalkoloritbewegung des Südens, der in realistischen historischen Erzählungen das Leben der Kreolen darstellte und gegen Rassendiskriminierung auftrat («Aus alten Kreolentagen», 1879, deutsch).

Cabochiens: Anhänger einer Volksbewegung in Paris, die 1413 unter Führung des Fleischermeisters S. Caboche kurzzeitig die politische Macht in der Stadt eroberten. Gegen die Cabochiens gingen der Adel und die Oberschicht des Pariser Bürgertums geschlossen vor.

Caboto, englisch Cabot, italienischer Seefahrer: 1. Giovanni (John), um 1455-um 1498; entdeckte 1497 in englischen Diensten auf der Suche nach der Nordwestlichen Durchfahrt Nordamerika (Neufundland) wieder.

2. Sebastiano (Sebastian), um 1476-1557, Sohn von Caboto 1; begleitete seinen Vater auf dessen Reisen; reiste in spanischen Diensten zum Rio de la Plata und befuhr 1526/30 den Paraná und Rio Paraguay bis zum heutigen Asunción.

Cabral: 1. Amilcar, 12. 9. 1925-20.1.1973, Politiker Guinea-Bissaus; 1956 Mitbegründer der afrikanischen Unabhängigkeitspartei Guineas und der Kapverdische Inseln, seit 1959 ihr Generalsekretär; war Hauptinitiator und Führer des bewaffneten Kampfes gegen die portugiesische Kolonialherrschaft; fiel einem imperialistischen Mordanschlag zum Opfer.

2. Pedro Alvarez, 1467 oder 1468-um 1526, portugiesischer Seefahrer; unternahm nach Vasco da Gama die zweite große Seefahrt nach Indien, nahm dabei 1500 Brasilien für Portugal in Besitz und legte bei Cochin und Calicut (Kozhikode) in Indien mehrere portugiesische Handelsniederlassungen an.

Cabriole: in der klassischen Balletttechnik ein Sprungschritt mit gestreckten Beinen in verschiedenen Richtungen, wobei in der Luft das untere Bein dynamisch gegen das obere schlägt.

Caccia: a) italienische Form der Vokalkomposition des 14./16. Jahrhundert, deren beide Stimmen in der Regel als Kanon mit einer hinzutretenden imitierenden instrumentalen Stützstimme geführt sind; es beseht häufig Textverwandtschaft mit zeitgenössischer italienischer Jagddichtung;

b) Bezeichnung für unterschiedlichste Jagdmusiken.

Cachenez: quadratisches Halstuch, meist aus Seide gefertigt; beliebtes mod. Zubehör.

Cachou: in Faden- oder Nadelform gepresste Mischung aus Süßholzsaft, Anisöl und Salmiak; dient unter anderem zur Bonbonherstellung (zum Beispiel Lakritze).

CAD/CAM-System: System von rechnergestützter Konstruktion (CAD, Abkürzung für englisch computer aided design) und rechnergestützter Fertigung (CAM, Abkürzung für englisch computer aided manufacturing); entwickelt sich zu einer Schlüsseltechnologie für die intensiv erweiterte Reproduktion.

Caddo: 1. ehemals bedeutender indianischer Stammesbund in Nordtexas und Arkansas (USA; nur noch etwa 1200).

2. indianische Sprachgruppe zwischen Rocky Mountains und Mississippi, umfasst Caddo, Arikara, Pawnee unter anderem; nur noch etwa 4800 in Reservationen; Bodenbauer, früher zum Teil auch Prärieindianer.

Cadoudal, Georges, 1.1. 1771-25. 6. 1804 (hingerichtet), französischer Royalist; 1793 einer der Führer des Vendée-Aufstandes, konspirierte gegen Napoleon Bonaparte, auf den er 1800 und 1804 Mordanschläge unternahm.

Cadre-Partie: Billard- karambol - Spielart, bei der das Billard in 6 oder 9 Felder aufgeteilt ist. Je nach Spielart muss bei der 1. oder 2. Karambolage 1 Spielball aus dem entsprechend Feld herausgetrieben werden.

Caelius mons: einer der 7 Hügel im Südosten des antiken Rom; ein etwa 2 km langes, 400 bis 500 m breites und etwa 45 m hohes Plateau.

Cafeteria: 1. Kaffeehaus.

2. Schnellgaststätte zur Selbstbedienung, mit begrenztem Sortiment an kalten und warmen Speisen sowie Getränken.

Cagliari: Stadt im Süden der italienischen Insel Sardinien; Verwaltungszentrum der Region Sardinien und der Provinz Cagliari; 230000 Einwohner; Erdölverarbeitung, petrolchemische, metallurgische, metallverarbeitende und Nahrungsmittelindustrie; Salzgärten; Hafen für Verkehr mit Festland; Fischerei; Universität (1596).

Caisson, (französisch italienisch, «Kasten») Bautechnik unten offener Senkkasten aus Stahl oder Stahlbeton für Gründungsarbeiten unter Wasser oder im Grundwasser, aus dem das Wasser durch Druckluft verdrängt wird. Der Caisson besitzt ein Schachtrohr mit Luftschleusen zum Einschleusen der Arbeitskräfte (Druckausgleich) und für den Erdstoff- beziehungsweise Baustofftransport. Er wird bis auf die vorgesehene Tiefe in tragfähigen Baugrund unter gleichzeitiger Höherführung des über dem Caisson auszuführenden Baukörpers abgesenkt.

Dekompressionskrankheit, Caissonkrankheit, Taucherkrankheit: eine Druckluftkrankheit, die bei Tauchern und Caissonarbeitern auftritt. In Tiefen unter 15 m werden im Blut mehr Gase gelöst als unter normalem Atmosphärendruck; bei zu schnellem Aufstieg werden diese Gase, vornehmlich Stickstoff, frei und bilden Bläschen (Stickstoffembolie). Es kommt zu nervösen Störungen, motorischen Ausfällen, in schweren Fällen zu Lähmungen und Tod. Vermieden wird die C. durch vorschriftsmäßig durchgeführte Dekompression, das heißt in bestimmten Tiefen eingelegte Pausen.

Calabar: Hauptstadt des Bundesstaates Cross River (Nigeria), am Ästuar des Cross River in den Golf von Bonny (Atlantik); 80000 Einwohner; Holzverarbeitung, Palmölgewinnung, Zementwerk; Hafen, Flughafen.

Calais: Stadt im Norden Frankreichs, am Kanal (Straße von Dover); 80000 Einwohner; Holz-, Papier- und elektrotechnischen Industrie, Herstellung von synthetischen Textilfasern, Tüll und Spitzen; Hafen (Kohle- und Erzeinfuhr, Fährverkehr nach England); Seebad; von A. Rodin geschaffenes Denkmal «Die Bürger von Calais». Seit dem 12. Jahrhundert bekannt, kam im Hundertjährigen Krieg unter englischer Herrschaft (1347), 1558 wieder an die französische Krone; entwickelte sich zu einer bedeutenden Seefestung.

Calamus, (lateinisch griechisch, «(Schilf)rohr»,) im Altertum als Schreibgerät verwendeter Griffel aus Rohr, mit schräg zugeschnittener und gespaltener Spitze.

Calatrava, Orden von (nach einem Schloss): im 12. Jahrhundert entstandene militärische Vereinigung (Orden) spanischer Ritter; Beteiligung an der Reconquista; gehörte zu den großen Orden Spaniens, deren Großmeister auf Grund ihres Vermögens und ihrer Truppenstärke im Spätmittelalter an politischem und sozialem Einfluss gewannen. Sein Besitz wurde 1482 von der Krone übernommen, der Orden wurde 1873 aufgelöst.

Calayos: aus Südamerika oder Spanien stammende Felle junger Lämmer; haben meist gute Locke- oder Moirezeichnung.

Calcit, Kalzit, Kalkspat: Mineral, Kalziumkarbonat; Kristallsystem trigonal; farblos oder weiß; Härte 3, Dichte 2,6 bis 2,8 g/cm3; von ausgezeichneter Spaltbarkeit. Calcit ist weltweit verbreitet und außerordentlich formenreich; häufig sind große Kristalle und auch kristalline Massen (Marmor). Wasserklarer Calcit wird wegen der gut sichtbaren Doppelbrechung als Doppelspat bezeichnet (Verwendung in der optischen Industrie). Calcit entstand hydrothermal, auch metasomatisch, als Quellabscheidung (Stalaktiten) sowie in chemischen und biogenen Sedimenten.

Calculus: im 17./18. Jahrhundert Bezeichnung für die Infinitesimalrechnung in der von G. W. Leibniz geschaffenen Symbolschreibweise.

Calcutta, Kalkutta: Hauptstadt des Unionsstaates Westbengalen (Indien); 3,3 Millionen Einwohner; zusammen mit weiteren Städten 100 km entlang des Hooghly- (Hugli-) Flusses, darunter der Industriestadt Howrah (Haura), mit 9,2 Millionen Einwohner die umfangreichste Stadtagglomeration Indiens; Hauptzentrum der Juteindustrie, weiterhin Baumwollverarbeitung, vielfältiger Maschinenbau (Schiffe, Fahrzeuge, Ausrüstungen), chemische Industrie, Papierindustrie sowie Erdölraffinerie in Haldia; 2 Universitäten; Hochseehafen Diamond Harbour 150 km von der Küste entfernt, internationale Flughafen Dum Dum, U-Bahn im Bau.

Calder, Alexander, 22.7.1898-11.11.1976, US-amerikanischer Bildhauer, Maler, Graphiker; schuf nonfigurative Bildwerke und wurde seit 1930 zum Bahnbrecher der kinetischen Kunst («Mobiles», ausgewogene schwebende freie Formen).

Calderón dela Barca, Pedro, 17.1.1600-25.5.1681, spanischer Dramatiker, geistliche Würdenträger; verfasste mehr als 200 Bühnenstücke, deren Themen vor allem Ehrauffassung, katholische Religion und Monarchie sind und die sich durch gedankt. Tiefe, dramatische Konfliktgestaltung, kunstvolle Komposition und sprachliche Differenzierung auszeichnen; entwickelte die Bühnentechnik; «Dame Kobold» (1629), «Das Leben ein Traum» (1635), «Der Richter von Zalamea» (1651; alle deutsch).

Caldwell, Erskine Preston, geboren 17.12.1903, US-amerikanischer Schriftsteller; stellte in kritischen realistischen Romanen und Kurzgeschichten oft humoristisch und grotesk das schwere Leben der armen Teilpächter und des Landproletariats im Süden der USA dar («Die Tabakstraße», 1932, d(.; «Gottes kleiner Acker», 1933, deutsch) und setzte sich mit Rassenvorurteilen auseinander («Ein heißer Tag», 1940, deutsch).

Cale, Caillet, Guillaume, gestorben 10.6.1358 (hingerichtet), Führer des großen, als Jacquerie bekannten französischen Bauernaufstandes von 1358. Cale suchte vergeblich das Bündnis mit dem städtlichen Bürgertum, das vor der Wucht des Aufstandes zurückschreckte.

Caledon: rechter Nebenfluss des Oranje; etwa 480 km; entspringt in den Drakensbergen im Nordosten Lesothos, bildet weithin die Grenze zur Republik Südafrika und durchfließt diese mit seinem Unterlauf.

Calgary: Stadt in Kanada, im Süden der Provinz Alberta, am Zusammenfluss des Bow und Elbow River; 470000 Einwohner; Zentrum eines der größten Erdöl- und Erdgasgebiete des Landes; Gewinnung und Verarbeitung von Erdöl und Erdgas (Pipeline), Stahl-, chemische, Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbau; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Universität, Planetarium.

Cälimangebirge, rumänisch Munții Călimani: Gebirgsmassiv in den zentralen Ostkarpaten (Rumänien), das ein etwa 1700 m hohes bewaldetes Plateau darstellt, wird vom Pietrosu mit 2100 m überragt; Kohle-, Manganbergbau bei Saru Dornei, Schwefellager, Mineralquellen; Steinbrüche; Wald-, Weidewirtschaft.

Calina: sommerlicher Hitzenebel über spanischen Trockengebieten, erzeugt durch Staubmassen in aufsteigender Warmluft; in Äthiopien Gobar genannt.

Calinescu: 1. Armand, 22.5.1893-21.9.1939, rumänischer Politiker; seit März 1939 Ministerpräsident, versuchte Calinescu, die Faschisierung Rumäniens und dessen Annäherung an das faschistische Deutschland aufzuhalten. Er wurde von der Eisernen Garde ermordet.

2. George, 19.6.1899-12.3.1965; rumänischer Schriftsteller, schrieb Romane («Rätsel um Ottilie», 1938, deutsch; «Rendezvous und Audienzen», 1954, deutsch; «Schicksal einer Lebedame», 1960, deutsch) über den Weg der rumänischen Intelligenz seit Beginn des 20. Jahrhundert, Gedichte, literarhistorische Monographien (M. Eminescu, I. Creanga) sowie eine «Geschichte der rumänischen Literatur» (1941).

Calit: (Kunstwort) keramischer Isolierstoff (Steatitwerkstoff) besonders für Hochfrequenz.

Calla, Schlangenwurz, Kalla: Gattung der Aronstabgewächse; heimisch ist die Sumpfcalla (Drachenwurz, Schweinsohr, Calla palustris); Blütenstand von einem weißen Hochblatt umhüllt, später rote Beerenflüchte tragend; Giftpflanze, Staude in Waldsümpfen; die als Zimmercalla bezeichnete Zierpflanze gehört zur verwandten Gattung Zantedeschia.

Callaghan: 1. Leonard James Callaghan, geboren 27.3.1912, britischer Politiker, 1964/70 Minister, 1974/76 Außenminister, 1976/80 Führer der Labour Party, 1976/79 Premierminister.

2. Morley Callaghan, geboren 22.9.1903, anglokanadischer Schriftsteller; schrieb zahlreiche Kurzgeschichten und schilderte in seinen besten Romanen das Schicksal einfacher Menschen («So ist mein Liebstes», 1934; «Sie werden die Erde erben», 1935; «Meine Freude im Himmel», 1937).

Callao: Stadt (Departements Zentrum) im mittleren Peru, am Stillen Ozean, mit Lima zusammengewachsen; 440000 Einwohner; wichtige Industriestadt mit Zucker-, chemische, holz- und metallverarbeitender Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau (Schiffbau), Fischmehlproduktion; bedeutender Handels- und Fischereihafen Perus.

Callier-Effekt: von dem französischen Chemiker A Callier entdeckte Erscheinung, dass die Schwärzung einer fotografischen Schicht durch ihre Körnung bei gerichtetem und diffusem Licht verschieden ist. Der Callier-Effekt ist die Ursache dafür, dass beim Vergrößern verschiedene Beleuchtungsarten verschiedene Bildkontraste ergeben.

Callot, Jacques, 1592-24.3.1635, französischer Zeichner und Radierer; schilderte mit technischer Virtuosität in meist kleinfigurigen Massenszenen das politische, soziale und religiöse Leben seiner Zeit und wurde mit den Folgen «Schrecken des Krieges» (1632/33) zum Ankläger von Grausamkeit und Gewalt.

Calonne, Charles Alexandre de, 20.1.1734-30.10.1802, französischer Politiker; 1783/87 generalkontrolleur der Finanzen; sein begrenztes Reformprogramm zur Sanierung der Staatsfinanzen wurde durch die Privilegierten abgelehnt, damit scheiterte der letzte Versuch, den drohenden Staatsbankrott und die heraufziehende Revolution abzuwenden. Calonne emigrierte 1789 nach Großbritannien.

Caltanissetta: Stadt im Zentrum der italienischen Insel Sizilien, Verwaltungszentrum der Provinz Caltanissetta; 61000 Einwohner; Schwefelbergbau, Agrarproduktenverarbeitung; Bergbauschule; Museum.

Calumet-Kalumet, umgangssprachliche Friedenspfeife. Kult- und Zeremonialobjekt nordamerikanischer Indianer; 30 cm langes Rohr mit Federfächer, Pfeifenkopf zumeist aus Catlinit; zur Bekräftigung von Friedensschlüssen geraucht.

Calvados, in der Normandie (Frankreich) aus Äpfeln hergestellter Edelbrand (Apfelbrand).

Calvin: 1. Calvin, Johann, 10.7.1509-27.5.1564, Theologe und Jurist, neben Luther und Zwingli bedeutendster Reformator des 16. Jahrhundert. Seine reformatorische Tätigkeit ist aufs engste mit Genf verbunden, wo er seine Ansichten von Kirche und (Stadt-) Staat verwirklichen konnte, zum Teil unter Anwendung intoleranter Maßnahmen. Calvin wurde bestimmend für die Reformation in Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden und in Schottland, später zum Teil auch in den USA Für Calvins Theologie, den Kalvinismus, ist eine strenge Prädestinationslehre charakteristisch. Die These, dass sich die Auserwähltheit der Menschen an der Größe ihres Arbeitserfolges zeige, verschaffte dem Kalvinismus unter dem aufstrebenden Bürgertum viele Anhänger.

2. Calvin, Melvin, geboren 8.4.1911, US-amerikanischer Chemiker; Professor an der Universität Berkeley; hat bedeutende Verdienste um die Aufklärung der pflanzlichen Fotosynthese.

Calvino, Italo, geboren 15.10.1923, italienischer Schriftsteller, nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil; behandelt in seinem ersten Roman «Wo Spinnen ihre Nester bauen» (1947, deutsch) das Schicksal einer Partisanengruppe. Calvino durchleuchtet die Wirklichkeit oft mit geistvoller Ironie, überhöht sie ins Märchenhafte, Groteske, so in den historischen Romanen «Der geteilte Visconte» (1952), «Der Baron auf den Bäumen» (1957), «Der Ritter, den es nicht gab» (1959, alle deutsch). Thema der «Kosmokomischen Geschichten» (1965, deutsch) und des geschichtsphilosophischen Romanes «Die unsichtbaren Städte» (1972, deutsch) ist das Problem der Weiterentwicklung der Menschheit.

Calypso: 1. auf den karibischen Inseln verbreitetes, in der dortigen afroamerikanischer Folklore wurzelndes Tanzlied.

2. um 1955 in Amerika entwickelter Modetanz, oft im 4/4-Takt, der sowohl in der Musik als auch im (sehr uneinheitlichen) Schrittmaterial eine Verquickung bereits vorhandener Tänze darstellt, wobei Rumba-, Samba- und Mambo-Elemente vorherrschen; in einigen Gegenden Mittelamerikas auch als Volkstanz bekannt.

Camacho, Marcelino, geboren 21.1.1918, spanischer Arbeiterführer, Metallarbeiter; Mitglied der spanischen KP; wegen seines antifaschistischen Kampfes 1940 verhaftet und nach Spanisch-Marokko deportiert, lebte nach seiner Flucht bis 1957 in Algerien; arbeitete aktiv in den Arbeiterkomissionen (Comisiones Obreras) und gründete 1964 die erste Arbeiterkommission der Metallarbeiter, 1965 Vorsitzender der Gesamtarbeiterkommission von Madrid; danach wiederholt in Haft; 1978 Wahl zum Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes der Arbeiterkommissionen.

Camaguey: 1. Provinz im Osten von Kuba; 14142 km2, 660000 Einwohner; 47 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Camaguey 2. Im Norden sind die Inselgruppen des Camaguey-Archipels, im Süden die Jardines de la Reina vorgelagert. Wichtiges Landwirtschaftsgebiet mit Anbau von Zuckerrohr, tropischen Früchten, Reis, Getreide und Tabak sowie Viehzucht und Fischwirtschaft. Auf die Landwirtschaft aufbauende Industrie (Zucker-, Konservenindustrie), Zementwerk Nuevitas; Eisenerzlagerstätten, Laterite und nichtmetallische Bodenschätze; Industriestandorte Nuevitas, Santa Cruz del Sur.

2. Stadt in Camaguey 1 und deren Verwaltungszentrum; 250000 Einwohner; Bau-, Holz-, Lebensmittel-, Tabak- und Futtermittelindustrie, Eisenbahnwerkstätten; Verkehrsknoten; berühmte Bauwerke, unter anderem Kastell von 1617; in der Nähe der Stadt Eisenerz-, Kalk-Stein-, Magnesit Lagerstätten.

Camargue: Landschaft im Süden Frankreichs, im Rhonedelta zwischen Grande Rhône und Canal du Rhône; 743 km2; flache Strandseen und schilfbewachsene Sümpfe wechseln mit salzhaltigen Böden, Dünen und fruchtbarer Marsch; Zucht von Schafen, Rindern, Pferden, Kampfstieren; Pflanzen- und Tierreservate (Flamingos); auf trockengelegten Böden Reisanbau; Salzgewinnung.

Cambral: Stadt im Norden Frankreichs, an der Schelde; 40000 Einwohner; metallverarbeitende, Batist- und Leinenindustrie; Zichorienfabrik; gotische Kathedrale. Im Frieden von Cambral (sogenannt Damenfrieden) 1529 zwischen Margarete von Parma und Luise von Savoyen wurde Frankreich für den Verzicht auf Italien, Flandern und das Artois der Besitz des Herzogtums Burgund bestätigt. 1678 (Friede von Nijmegen) kam Cambral endgültig an Frankreich. Bei Cambral erfolgte vom 20. bis 22.11. 1917 der erste größere britische Panzereinsatz im 1. Weltkrieg; der deutsche Gegenangriff vom 30.11. bis 7.12. führte zur nahezu vollständigen Rückgewinnung des Geländeverlustes.

Cambrian Mountains, Cambrisches Gebirge, Kambrisches Gebirge-, Mittelgebirge im Westen von Wales (Großbritannien), mit dem 1085 m hohen Snowdon, im Paläozoikum gefaltete Gesteine, tertiäre Hochflächen; glazial überformt; nebel- und regenreiches raues Klima; Moore, Wälder bis 700 m Gebirgslage (Naturschutzgebiet); in den Tälern Geschiebelehm; dünne Besiedlung; Talsperren; im Süden Steinkohle.

Cambric, Kambrik, Cambrai (nach der Stadt): feinfädiges, weiches Baumwollgewebe in Leinwandbindung.

Cambridge: 1. Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Cambridgeshire, an der Südgrenze der Fens (Fen District); am Cam; 90000 Einwohner; feinmechanisch-optische Industrie, Rundfunk- und Fernsehgerätebau; neben Oxford bedeutendste englischen Universität (1209); Universitätsbücherei, Sternwarte; historische Universitätsbauten (unter anderem King’s College Chapel 15./16. Jahrhundert). Cambridge war römische Militärstation Camboritum sowie Burgort der Angelsachsen und Normannen.

2. Stadt im Bundesstaat Massachusetts (USA), am Charles; Vorort von Boston; 99000 Einwohner; elektrotechnische und polygraphische Industrie; Harvard-Universität (älteste Amerikas, gegründet 1636); technische Hochschule.

Camerarius, Jakob, 12.2.1665-11.9.1721, Botaniker; wies experimentell die Sexualität der Blütenpflanzen nach.

Cameron: 1. Charles, zwischen 1730 und 1740—1812(?), britischer Architekt; seit 1799 in Russland als Hofarchitekt Katharinas II. und Pauls I. tätig. Seine Hauptwerke im Stil des russischen Klassizismus sind das Ensemble in Zarskoje Selo (Puschkin) mit römischen Bädern (1780/85) und Cameron-Galerie (1783/86) sowie das Palastensemble in Pawlowsk (1780/99).

2. Julia Margaret, 1815-1879, englische Fotografin; wandte sich nach 1863 unter dem Einfluss der präraffaelitische Malerei speziell der Porträtdarstellung zu; ihre Arbeiten hatten für Jahrzehnte wegbereitenden Einfluss auf die realistische Porträtfotografie; am berühmtesten wurden ihre Aufnahmen von Sir John Herschel, Robert Browning, George F. Watts, Charles Darwin unter anderem.

Camiri: Ort in Bolivien, nahe der Grenze zu Paraguay; Zentrum eines Erdölgebietes mit Pipelines nach Cochabamba, Santa Cruz, Sucre, Yacuiba und Villa Hayes; Erdölraffinerie.

Camoes, Luis Vaz de, 1524(?)-10.6.1580, portugiesischer Dichter; vereinigte in seinem Werk alle wichtigen Strömungen der portugiesischen Literatur des 16. Jahrhundert Schuf mit «Die Lusiaden» (1572, deutsch) das portugiesischen Nationalepos, in dem er die Entdeckung und Eroberung Indiens als Großtat der portugiesischen Nation gestaltete, aber auch im Widerspruch zwischen den humanistischen Idealen und der Wirklichkeit die Ursache für den beginnenden Niedergang Portugals erkannte und diese Entwicklung kritisierte.

Camon, Ferdinando, geboren 14.11.1935, italienischer Schriftsteller; schildert in seiner Romantrilogie «Zyklus der Letzten» («Der fünfte Stand» (1970; deutsch), «Das ewige Leben» (1972; deutsch) und «Ein Altar für die Mutter» (1978; deutsch)) die primitiven Lebensverhältnisse der ländlichen Bevölkerung seiner norditalienischen Heimat Venetien.

Camouflage: 1. Vortäuschung, Tarnung, besonders der politischen Absichten.

2. Geochemie - Ersatz (Tarnung) eines häufigen Elementes in einem Mineral durch ein Spurenelement gleicher Wertigkeit und Raumbeanspruchung, zum Beispiel Zirkonium durch Hafnium im Mineral Zirkon. Camouflage ist eine Art der Diadochie.

CAMP: Abkürzung für zyklische Adenosinmonophosphat, ein im Zellstoffwechsel regulatorisch wirkendes Adenin-Nukleotid. Es vermittelt als «zweiter Bote» (englisch «second messenger») die Wirkung mancher Hormone (Adrenalin, Glukagon) auf zellulärer Ebene.

Campagna Romana: Tiefland in der italienischen Region Latium, in der Umgebung Roms; aus vulkanischen Tuffen und Lavadecken, hügelig, baumlos; im Altertum fruchtbar, später versumpft und verödet, in neuerer Zeit teilweise wieder landwirtschaftlich nutzbar gemacht; zahlreiche antike Ruinen.

Campanella, Giovanni Domenico, Mönchsname Tommaso, 5. 9. 1568-21. 5. 1639, italienischer Philosoph; verteidigte die empirische Naturforschung. 1599 kämpfte er führend im kalabrischen Bauernaufstand gegen die spanische Fremdherrschaft. Von der Inquisition 27 Jahre eingekerkert, entwarf Campanella in seinem in Latein verfassten Buch «Der Sonnenstaat» (1623) ein von einer Hierarchie von Weisen geleitetes kommunistisches Gemeinwesen mit gesellschaftlichen Eigentum, organisierter Produktion und Verteilung sowie allgemeine Arbeitspflicht, Erziehung und Bildung.

Campbell-Bannerman, Sir Henry, 7.9. 1836-22.4. 1908, britischer Politiker; 1898/1908 Führer der Liberalen Partei, Kritiker des Burenkrieges; als Premierminister (1905/08) betrieb er unter dem Einfluss von Lloyd George ein soziales Reformprogramm zur Beschwichtigung der Arbeiterbewegung.

Campbell-Insel: zu Neuseeland gehörende Felseninsel (vulkanische und Sedimentgestein) im Stillen Ozean, südlich von Neuseeland; 114 km2, 10 Einwohner; bis 569 m hoch; weithin grasbedeckt; meteorologischen Station.

Campe: 1. Friedrich, 13.9. 1777-9.8. 1846, Buchhändler und Verleger, gründete 1802 in Nürnberg einen Verlag und eine Druckerei; war Mitbegründer des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig und dessen erster Vorsteher (1825/28).

2. Joachim Heinrich, 29.6. 1746-22. 10. 1818, Pädagoge; entwickelte die Grundsätze J. J. Rousseaus und des Philanthropismus weiter und publizierte sie in zahlreichen Schriften; Lehrer der Brüder Humboldt, bedeutender Kinder- und Jugendbuchautor; bekannte sich zur Französischen Revolution und wurde 1792 Ehrenbürger der französischen Republik.

Campeche: Hauptstadt des Bundesstaates Campeche (Mexiko), im Südwesten der Halbinsel Yucatán; 100000 Einwohner; Holz-, Textil-, Tabak-, Hutindustrie; Fischerei; Hafen am Golf von Campeche; Universität.

Campeche, Golf von: Meeresgebiet im Süden des Golfes von Mexiko mit einem vor der Halbinsel Yucatán bis 250 km breiten und vereinzelt mit kleinen Inseln durchsetzen Schelfgürtel; fällt mit einem Steilabfall auf über 3000 m Tiefe ab; wichtigster Hochseehafen ist Veracruz (Mexiko).

Camphausen, Gottfried Ludolf, 10.1. 1803-3.12. 1890, preußischer Bankier und Industrieller. Als einer der Führer der rheinischen Großbourgeoisie wurde Camphausen nach der Märzrevolution 1848 preußischer Ministerpräsident. Er war bestrebt, die Revolution ein-, zudämmen und die Klasseninteressen der Bourgeoisie im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie durchzusetzen. Nach 1850 zog sich Camphausen aus der Politik zurück.

Campin, Robert, um 1375-26.4. 1444, niederländischer Maler; Mitbegründer der altniederländische Malerei; seine Werke zeigen große Naturtreue, drastischer Realismus, kräftige Plastizität, scharfe Zeichnung, Licht-Schatten-Modellierung und dramatische Auffassung; Hauptwerke sind «Merode-Altar» (New York) und Altar des Kanonikus Werl (1438, Madrid); wahrscheinlich identisch mit dem Meister von Flemalle, benannt nach 3 Altartafeln aus dem ehemaligen Kloster Flemalle bei Lüttich.

Campinas: Stadt im Bundesstaat Sao Paulo (Brasilien); 570000 Einwohner; Eisenbahnwerkstätten, Leicht-, Nahrungsmittel- und pharmazeutische Industrie; Verkehrsknoten; Universität, landwirtschaftliches Institut; in der Nähe Weinanbau und Seidenraupenzucht.

Camping: Ferien- oder Wochenendaufenthalt im Freien in Zelten oder Campinganhängern; vollzieht sich auf landschaftlich und bioklimatisch günstig gelegenen, den Hygienevorschriften entsprechenden und meist mit Verpflegungs- und Dienstleistungseinrichtungen versehenen Camping- oder Zeltplätzen.

Campinganhänger: für Wohnen und Schlafen (im Urlaub) eingerichtetes, mit Kochgelegenheit, zum Teil auch mit Sanitäreinrichtungen ausgestattetes, geschlossenes, meist einachsiges Anhängefahrzeug, das von einem PKW gezogen werden kann.

Campoformio: soviel wie Campoformido; Gemeinde in Italien; südwestlich von Udine. Der am 17.10.1797 zwischen Österreich und Frankreich geschlossene Frieden von Campoformio beendete den 1. Koalitionskrieg gegen die Französische Republik.

Campo Grande: Hauptstadt des Bundesstaates Süd-Mato-Grosso (Brasilien); 180000 Einwohner; Handels- und Wirtschaftszentrum; internationaler Flughafen.

Campomanes, Pedro Rodriguez, 1. 7. 1723-3.2. 1803, spanischer Staatsmann und Vertreter des aufgeklärten Absolutismus; 1762 Finanzminister, ab 1786 Präsident des Rates von Kastilien und Erster Minister Karls III.; führte auf wirtschaftlichem, juristischem und kulturellem Gebiet zahlreiche Reformen durch.

Campos: Stadt im Bundesstaat Rio de Janeiro (Brasilien), am Paraiba; 340000 Einwohner; Zentrum eines Agrargebietes mit Nahrungsmittel-, Textil-, Zementindustrie.

Camposanto: Name für den italienischen Friedhof; meist quadratisch oder rechteckig angelegt und von einer Arkadenhalle umgeben. Am bedeutendsten ist der Camposanto neben dem Dom zu Pisa.

Camus, Albert, 7.11. 1913-4.1. 1960 (Autounfall), französischer Schriftsteller algerischer Herkunft, Vertreter des literarischen Existentialismus; seinen meisten Werken, insbesondere dem Roman «Der Fremde» und dem Essay «Der Mythos von Sisyphos» (beide 1942, deutsch) liegt die Überzeugung von der Absurdität der menschlichen Existenz zugrunde. Der aus der Resistance-Situation entstandene Roman «Die Pest» (1947, deutsch) vermag dieses Konzept nur teilweise zu überwinden und mündet in einen allgemeinen Geschichtsfatalismus.

Canadian: rechter Nebenfluss des Arkansas, im Süden der USA; 1500 km; entspringt im Felsengebirge; größter linker Nebenfluss North Canadian; stark schwankende Wasserführung; mehrere Staudämme (der größte ist der von Eufaula, etwa 30 km vor der Mündung).

Canal du Centre: Kanal in Mittelfrankreich zwischen Saône (bei Chalon) und Loire (bei Digoin); 114 km; seit 1790; 63 Schleusen; Schifffahrtsweg für Schiffe bis 7001 (Kohle-, Brennstoff- und Erztransport).

Canaletto, italienischer Maler und Radierer: 1. Antonio Canal, genannt Canaletto, 18.10. 1697-20. 4. 1768; schuf zahlreiche Stadtansichten genrehafter Ausführung von seiner Heimatstadt Venedig.

2. Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, 30.1. 1721—17.11. 1780, Neffe von Canaletto 1; seine Stadtansichten (besonders von Dresden, Warschau und Wien) gehören in ihrer Verbindung von Wirklichkeitstreue und sensibler Malkultur zu den Hauptleistungen der Vedutenmalerei des 18. Jahrhundert

Canaris, Wilhelm Walter, 1.1. 1887-9.4. 1945 (hingerichtet), Admiral und Spionagespezialist; 1935/44 Chef des Amtes Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht und in dieser Funktion einer der Verantwortlichen für die völkerrechtswidrige und Verbrecher. Kriegführung des faschistischen Deutschlands; nach der Verschwörung vom 20. 7. 1943 verhaftet.

Canasta: rommé-ähnliche Kartenablegespiel mit 104 Blatt und Jokern für 2 und mehr Spieler. Als Canasta im engeren Sinne bezeichnet man 7 Karten gleicher Werte.

Candela, Zeichen cd: Einheit der Lichtstärke; SI-Basiseinheit; die Lichtstärke in einer bestimmten Richtung einer Strahlungsquelle, die monochromatischer Strahlung der Frequenz 540 THz aussendet und deren Strahlstärke in dieser Richtung (1/683) W/sr beträgt.

Canetti, Elias, geboren 25. 7. 1905, österreichischer Schriftsteller, seit 1938 im Exil in Großbritannien; als Dramatiker («Hochzeit», 1932), Romancier («Die Blendung», 1935) und Sozialpsychologe («Masse und Macht», 1960) analysiert Canetti ideologie-, sprach- und sozialkritisch Krisen und Katastrophenerscheinungen der spätbürgerlichen Gesellschaft.

Cannae: antike Kleinstadt in Apulien, am Fluss Aufidus (heute Ofanto) gelegen; hier mussten die Römer am 2. 8. 216 vor Christus, obwohl zahlenmäßig überlegen, im 2. Punischen Krieg eine schwere Niederlage gegen die karthagische Truppen unter Hannibal hinnehmen (klassisches Beispiel einer gelungenen Umfassungsschlacht).

Canning, George, 11.4. 1770-8. 8. 1827, britischer Politiker; seit 1806 Führer der «linken Tories», 1807/09 und 1822/27 Außenminister, 1827 Premierminister. Um die britischen Absatzmärkte zu erweitern und andere Großmächte zu schwächen, befürwortete Canning während des Koalitionskrieges gegen Frankreich 1807 den Überfall auf das neutrale Dänemark und unterstützte unter anderem die Unabhängigkeitskämpfe der spanischen und portugiesischen Kolonien in Südamerika sowie die der Griechen.

Cannizzaro, Stanislao, 13.7. 1826-10.5. 1910, italienischer Chemiker; trug durch Klärung der Begriffe Atom-, Molekular- und Äquivalentgewicht wesentlich zur Durchsetzung der Lehre von den Atomen und Molekülen bei.

Cano, Alonso de, 19. 3. 1601-3. 9. 1667, spanischer Maler, Bildhauer und Architekt; Hofmaler und -architekt Philipps IV.; fruchtbringendes Wirken für die Architektur, Wegbereiter des Churriguerismus, Schöpfer polychromer Skulpturen und eines umfangreichen malerischen Luovres anmutige, stille Bilder, oft direkt angelehnt an Kompositionen von A. Dürer, Correggio oder J. Ribera.

Canossa: verfallene Felsenburg im Apennin, südwestlich von Reggio nell’Emilia (Italien). Der deutsche König Heinrich IV. erreichte hier 1077 nach dreitägiger Buße von Papst Gregor VII. die Lösung vom Kirchenbann. Er lockerte dadurch vorerst das Bündnis zwischen Papst und deutschen Fürsten, musste aber der politischen Macht des Papsttums Rechnung tragen.

Canotier: kleiner steifer Rundhut, meist aus Stroh; oft mit Schleifen, Bändern oder Blumentuffs garniert, insbesondere Ende des 19. Jahrhundert; später auch als Herrenhut (Kreissäge) getragen.

Canova, Antonio, 1.11.1757-13.10.1822, italienischer Bildhauer, neben B. Thorvaldsen ist Canova der wichtigste Vertreter der klassizistischen Bildnerei. Seine technisch vollendeten Skulpturen erreichten trotz idealer Zielsetzung nicht die angestrebte Klarheit der antiken Vorbilder, fanden aber in ihrer Neigung zu süßliche Sentimentalität und überbetonter Grazie im 19. Jahrhundert viele Nachahmer (Amor und Psyche).

Cantor, Georg, 3.3.1845-6.1.1918, Mathematiker; Begründer der Mengenlehre; lehrte 1869/1918 an der Universität Halle; auf Cantor geht die Gründung der «Deutschen Mathematiker-Vereinigung» (1890) zurück.

Cantus: a) Gesang;

b) die Oberstimme im mehrstimmigen mittelalterlicher Vokalsatz (ab 17. Jahrhundert Sopran).

Cantus firmus, Abkürzung (c.f): in der Polyphonie die dem mehrstimmigen Satz vorgegebene Melodie oder Tonfolge (Volkslied, Choral, Neuschöpfung u. ä.); früheste Quellen liegen in der mittelalterlichen Mehrstimmigkeit.

Canuts, Canuses: im 17./19. Jahrhundert Bezeichnung für die in der Textilindustrie von Lyon beschäftigten Seidenweber (Arbeiter, Handwerker und Gesellen). Der Aufstand der Canuts von 1831 gilt als Wende in der Geschichte der französischen und internationalen Arbeiterbewegung; er stellt den ersten Arbeiteraufstand überhaupt dar.

Cao Bang: Stadt (Provinzzentrum) im Nordosten Vietnams; Holz- und Metallverarbeitung, Glaswerk; Zentrum eines Bergbaugebietes mit Eisen- und Buntmetallvorkommen sowie einem Stahlwerk.

Cao Cao, 155-220, chinesischer Staatsmann und Dichter, 220 Begründer des Reiches Wei, eines der Drei Reiche (220/80). Er führte in Nordchina ein feudales Siedlersystem ein. Seine aufgeklärte politische Haltung und sein Bestreben, das Reich zu einen, spiegeln sich in vielen seiner Gedichte wider.

Cape: ärmelloser formgeschnittener Umhang, mit Kapuze auch als Wetterschutz getragen.

Capet: 1. Hugo, 940-24.10.996, französischer König seit 987 und Begründer der Dynastie der Kapelinger, die bis 1328 direkt und durch ihre Nebenlinien Valois, Bourbon und Orléans bis 1792 beziehungsweise 1848 in Frankreich regierten.

2. Louis, bürgerlicher Name für den französischen König Ludwig XVI.

Capite censi: (lateinisch, «nach dem Kopf Geschätzte») vermögenslose römische Bürger, die bei der amtlichen Schätzung (census) nur Angaben über ihre Person (caput) machten.

Capote, Truman, 30.9.1924-25.8.1984, US-amerikanischer Schriftsteller; erzählte stilistisch brillant von Einsamkeit, Angst und Enttäuschung sensibler Menschen. In «Kaltblütig» (1966, deutsch) zeichnete er mit beklemmender Intensität den Mord an einer Familie nach und zeigte die Täter als Produkt einer kranken Gesellschaft.

Capri: italienische Insel im Golf von Neapel; 10,4 km2, mit den Siedlungen Capri (7900 Einwohner) und Anacapri (4500 Einwohner); bis 586 m hoch; Mittelmeervegetation, Garten-, Obst- und Weinbau Fischerei; Fremdenverkehr; Reste römischer Bauten (Villa des Tiberius); an der Nordküste die Blaue Grotte, eine Brandungshöhle mit blauem Licht.

Caprivi, Leo Graf von, 24.2.1831-6.2.1899, General und Politiker; 1883/88 Chef der Admiralität; wurde im März 1890 überraschend als Nachfolger Bismarcks zum Reichskanzler und preußische Ministerpräsidenten berufen. Caprivi wollte die Interessen der Bourgeoisie stärker berücksichtigen und die Sozialdemokratie von der Arbeiterklasse isolieren (Arbeiterschutzgesetze 1891); wurde 1894 durch eine Junkerfronde gestürzt.

Caprivi-Streifen, Caprivi-Zipfel (nach Leo von Caprivi): 450 km langer und 30 bis 100 km schmaler Landkorridor im Nordosten Namibias zum Sambesi zwischen Angola und Sambia im Norden und Botswana im S.

Capsien: nach Capsa (antiker Ort im Süden Tunesiens, heute Gafsa) benannt Kultur des Endpaläolithikums und Mesolithikums, die in Nordafrika verbreitet war.

Capturing: (englisch, «Abfangen») Geochemie Ersatz eines häufigen Elementes in einem Mineral durch ein Spurenelement mit gleicher Raumbeanspruchung, aber höherer Wertigkeit, zum Beispiel Barium für Kalium im Orthoklas. Capturing ist eine Art der Diadochie.

Capua: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien, am Volturno; 19000 Einwohner; Verarbeitung von Agrarprodukten; Museum; römisches Amphitheater, Dom und mittelalterlichen Bauten. Um 500 v. nach Christus von Etruskern gegründet, 73 vor Christus war die Gladiatorenschule in Capua Ausgangspunkt des Sklavenaufstands unter Spartacus. Das heutige Capua entstand 856 als Hauptstadt eines langobardischen Fürstentums.

Carabinieri: Polizeibataillone in den italienischen Provinzen, in Kriegszeiten als Waffengattung der Landstreitkräfte auch an der Front eingesetzt.

Caracalla, Spitzname (nach seinem gallischer Kapuzenmantel) des Marcus Aurelius Severus Antoninus, vorher Septimius Bassianus, 4.4.186-8.4.217 (ermordet), seit 4.2.211 römischer Kaiser, Sohn des L. S. Severus; verlieh 212 durch die Verordnung «Constitutio Antoniniana» allen Freigeborenen im Reich das römische Bürgerrecht.

Caracas: Hauptstadt Venezuelas und des Bundesdistriktes Caracas, in einem Talkessel der Küstenkordillere am Fuße des Monte Ávila; 1,7 Millionen Einwohner, als Agglomeration 2,5 Millionen Einwohner; Finanz-, Handels-, Industrie- und Verwaltungszentrum Venezuelas; Textil-, Papier-, Zement-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie; 3 Universitäten, mehrere wissenschaftliche Akademien und Institute, Bibliotheken, Theater, Kathedrale; Endpunkt einer Erdöl- und Erdgasleitung, internationaler Flughafen Maiquetia, U-Bahn.

Caragiale, Ion Luca, 30.1.1852-9.6.1911, rumänischer kritisch-realistischer Schriftsteller; entwickelte die Skizze als Literaturgattung zu hoher Meisterschaft; die Satire seiner Komödien («Eine stürmische Nacht», 1878, deutsch; «Herr Leonida und die Reaktion», 1879; «Ein verlorener Liebesbrief», 1884, deutsch) und Skizzen («Momente und Skizzen», 1890/91) sowie seine konfliktreichen Novellen («Eine Osterkerze», 1892, deutsch) sind gegen die Institutionen der bürgerlichen rumänischen Gesellschaft gerichtet.

Carathéodory, Constantin, 13.9.1873-2.2.1950, griechischer Mathematiker; wirkte in München, schrieb grundsätzliche Beiträge zur Variationsrechnung, zur Theorie der reellen Funktionen, zur Thermodynamik und Relativitätstheorie.

Caravaggio, Michelangelo da, 28. 9. 1573-18.7.1610, italienischer Maler; tätig in Rom und Neapel, ein Hauptmeister des Frühbarock. Seine religiösen Darstellungen, Genrebilder und Porträts zeichnen sich durch einen mitunter krassen Naturalismus und starke Hell-Dunkel-Kontraste aus, die bei seinen Nachfolgern, den sogenannt Caravaggisten, weite Verbreitung fanden.

Carbonado, Carbon, (beide lateinisch): Mineralischer unreiner, schwarzer Diamant; Verwendung ausschließlich zu technischen Zwecken.

Carbonari: (italienisch, «Köhler») Anhänger eines revolutionären Geheimbundes in Italien; wandten sich gegen die französische (1806/15) beziehungsweise österreichischer Xseit 1815) Fremdherrschaft; Höhepunkt ihrer Wirksamkeit waren die bürgerlich-liberalen Revolutionen 1820/21 im Königreich beider Sizilien und 1831 im Kirchenstaat sowie in den Herzogtümern Parma beziehungsweise Modena. Nach 1831 gingen die Carbonari größerenteils in der Bewegung «Junges Italien» auf. Ähnliche Organisationen entstanden seit 1820 in Frankreich.

Cardano, Gerolamo (Geronimo), 24.9.1501-21.9.1576, italienischer Arzt, Mathematiker, Physiker und Philosoph; publizierte 1545 die ihm von N. Tartaglia übermittelte Lösung der kubischen Gleichung (kardanische Formel), machte die kardanische Aufhängung bekannt; schrieb eine Abhandlung über das Fleckfieber. Als pantheistischer Naturphilosoph vertrat er den Hylozoismus.

Cardenal, Ernesto, geboren 20.1.1925, nikaraguanischer Lyriker, Geistlicher, führend in der FSLN, seit 1979 Kulturminister; begann mit «Die Stunde Null» (1960, deutsch) und «Gethsemani, Ky.» (1961) ein Werk zu entwickeln, das dem Ringen um die Verwirklichung humanistische Werte sowie der progressiven Umgestaltung der gesellschaftlichen Beziehungen auf der Grundlage des Evangeliums verpflichtet ist; «Das Evangelium in Solentiname» (1978) ist ein Bericht über seine Arbeit als Landgeistlicher.

Cardiff: Hauptstadt von Wales (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft South Glamorgan, am Bristolkanal; 275000 Einwohner; bedeutendes Industriezentrum, unter anderem Eisen-, Kupfer- und Zinkmetallurgie, Kraftfahrzeug- und Maschinenbau, Lebensmittelindustrie; Hafen (früher einer der bedeutendsten Kohleausfuhrhäfen der Welt), internationaler Flughafen; Universität von Wales (1883), Technikum, nationale Medizinschule, Kunstschule; Nationalmuseum von Wales; Sportzentrum; Schloss (12. Jahrhundert), anglikanische Kathedrale (12./13. Jahrhundert).

Cardigan: Jacke oder Mantel, kragenlos, mit spitzem Ausschnitt und schmaler Silhouette.

Carducci, Giosue, 27.7.1835-16.2.1907, italienischer Lyriker und Literarhistoriker; wandte sich in seinen Gedichten («Jamben und Epoden», 1872; «Barbarische Oden», 1877/89, deutsch) gegen Kirche, Monarchie und Romantik, trat für ein geeintes unabhängiges Italien ein.

Carissimi, Giacomo, 18. 4. 1605—12.1. 1674, italienischer Komponist; bedeutungsvoll für die Entwicklung des Oratoriums und der weltlichen Solokantate, zu deren wichtigsten Meistern er gehörte.

Carlos, spanische Fürsten: 1. Carlos, Don Carlos, 8.6. 1545-24.7. 1568, Thronfolger, Sohn Philipps n. von Spanien und Marias von Portugal; starb nach unversöhntem Streit mit seinem Vater im Gefängnis. In Schillers Drama «Don Carlos» idealisiert und unhistorisch.

2. Carlos, Carlos Maria Isidro de Borbön (Jbon), 29. 3. 1788-10.3. 1855, Thronprätendent (Karl V.), Bruder Ferdinands VII.; Vertreter der klerikal-absolutistischen Reaktion; versuchte im 1. Karlistenkrieg (1833/40) erfolglos, den Thron zu erobern.

Carmina Burana: (lateinisch, «Lieder aus Beuren») 1. wichtigste Sammlung von Vagantendichtungen, die im Kloster Benediktbeueren (Oberbayern) um 1220 zusammengestellt wurde. Die meist unbekannten Verfasser (Vaganten und Kleriker) bewahrten volkstümliches Liedgut (Liebes- und Naturlieder von hohem poetischem Reiz; politische Lieder unter anderem gegen Missstände in der Kirche): Die meisten Lieder sind in Latein abgefasst, daneben finden sich deutsche Lieder und einige lateinisch-deutsche Mischdichtungen.

2. Titel einer szenischen Kantate von Carmina Burana Orff, der einige ausgewählte Texte der Carmina Burana zugrunde liegen.

Carnac: Ort in der Bretagne (Frankreich), der durch eine Vielzahl jungstein- und bronzezeitlichen megalithischen Denkmäler bekannt ist. Siehe auch Menhir.

Carnallit: (nach einem Geologen) Mineral, wasserhaltiges Kalium-Magnesium-Chlorid; rhombisches Kristallsystem; farblos, gelblich, durch Hämatit auch rot gefärbt; Härte 1 bis 2; Dichte 1,6 g/cm3. Carnallit kommt in Kristallen auf Klüften, hauptsächlich aber in grobkörnigen Aggregaten in Salzlagern vor. Er ist wichtigstes Kalisalz.

Carnap, Rudolf, 18. 5. 1891-16. 9. 1970, Philosoph; zählt mit M. Schlick zu den bedeutendsten Repräsentanten des Wiener Kreises; lehrte seit 1936 in den USA. Carnap vertrat einen logischen Empirismus; er beschäftigte sich besonders mit logischer Sprachanalyse, Symbol. Logik und den logischen Grundlagen der Mathematik.

Carnot: 1. Lazare Nicolas Marguerite, 13.5.1753-3.8.1823, französischer Staatsmann; 1791 Mitglied der Assemblée nationale, 1792 des Konvents und seit August 1793 des Wohlfahrtsausschusses (Militärwesen). Er gilt als einer der Organisatoren der militärischen Siege Frankreichs über die 1. Koalition. 1794 begünstigte Carnot den Sturz Robespierres, 1800 war er kurze Zeit Kriegsminister Napoleon Bonapartes, der Carnot in den Grafenstand erhob. 1813/14 unterstützte er den Kaiser mit dem Angebot einer neuen «Massenerhebung». 1815 von den Bourbonen aus Frankreich verbannt.

2. (Nicolas Léonard) Sadi, 1.6.1796-24.8.1832, französischer Physiker, Sohn von Carnot 1; berechnete 1824 auf Grund des nach ihm benannte thermodynamische Kreisprozesses den Wirkungsgrad von Dampfmaschinen.

Carol: a) volkstümlicher englischer Liedtyp seit dem 16. Jahrhundert, besonders zum Lob des Weihnachtsfestes;

b) im 14./15. Jahrhundert meist mehrstimmiges Refrainlied, das an einen mittelalterlichen Rundtanz (Carola) anknüpft.

Carossa, Hans, 15.12.1878-12.9.1956, Schriftsteller und Arzt; fand mit konservativ-humanistisch geprägter, stark verinnerlichter Prosa, besonders mit autobiographischen Romanen («Verwandlungen einer Jugend», 1928) und Erzählungen sowie Tagebüchern großen Anklang.

Carpeaux, Jean Baptiste, 11.5.1827-11.10.1875, französischer Bildhauer, bildete sich in Rom unter dem Eindruck der Kunst Michelangelos und der italienischen Barockskulptur, überwand den akademischer Klassizismus und schuf kraftvoll bewegte Plastiken voller Anmut und Sinnenfreude.

Carpentariagolf: 640 km weit in das nordaustralische Festland hineinragende Meeresbucht; 690 km breit; flache, hafenlose Mangrovenküste (Bauxitlager); auf der im Carpentariagolf gelegenen Insel Groote Eylandt Manganerz- und Bauxitvorkommen.

Carpenter-Effekt: die von dem britischen Physiologen William Benjamin Carpenter (1813-1885) entdeckte Erscheinung, dass die lebhafte Vorstellung einer Bewegung unwillkürlich zum Vollzug dieser Bewegung führen kann (auch ideomotorische Gesetz genannt).

Carrera: 1. José Miguel, 16.10. 1785-4. 9. 1821 (hingerichtet); Hauptvertreter der kreolisch-aristokratische Strömung in der chilenischen Unabhängigkeitsbewegung 1810/22; politische Gegner von B. O’Higgins; versuchte von Argentinien und Uruguay aus, die Führung der chilenischen Unabhängigkeitsbewegung zu übernehmen.

2. Rafael, 24.10.1814-15.4.1865, guatemaltekischer Politiker, während seiner klerikal-konservativen Diktatur (1844/48 und seit 1851) konnten sich Großgrundbesitz und Kirchenhierarchie ausweiten. Carretera Interamericana, Carretera Panamericana Panamerikastraße.

Carriera, Rosalba, 7.10.1675-15.4.1757, italienische Malerin; berühmt durch Pastellbildnisse der höflichen Gesellschaft ihrer Zeit.

Carrington, Peter Alexander Rupert, Baron Carrington, geboren 6.6.1919, britischer konservativer Politiker, seit 1959 wiederholt Minister konservativer Regierungen, 1970/74 Kriegsminister, 1979/82 Außenminister, seit 1984 Generalsekretär der NATO.

Carrion, Benjamin, 20.4.1897-1979, ekuadorianischer Schriftsteller, führte progressive Traditionen unter neuen historischen Bedingungen weiter («Die Schöpfer des neuen Amerika», 1928; «Briefe an das ekuadorianische Volk», 1943); ergriff 1960 in den «Neuen Briefen an das ekuadorianische Volk» leidenschaftlich Partei für die kubanische Revolution.

Carson City: Hauptstadt des Bundesstaates Nevada (USA), in der Sierra Nevada; 32000 Einwohner; Handelszentrum eines Viehzucht- und Bergbaugebietes; Fremdenverkehr.

Cartagena: 1. Stadt im Südosten Spaniens, am Mittelmeer; 170000 Einwohner; NE-Metallurgie, Schiffbau, Schwefelverarbeitung; Handels- und wichtigster Kriegshafen Spaniens; Docks, Werften; US-Flottenstützpunkt; Kolumbusdenkmal; im nahegelegenen Escombreras Erdölraffinerie (Stickstoff-düngemittel); westlich von Cartagena Buntmetallbergbau.

2. Stadt (Departements Zentrum) im Nordwesten Kolumbiens, am Karibischen Meer, 440000 Einwohner; Erdölverarbeitung (Raffinerien), Textil-, Nahrungsmittelindustrie, Werften; Endpunkt einer Erdölleitung aus dem Gebiet Barrancabermeja, Erdölhafen, Binnenschifffahrtsweg durch Dique-Kanal zum Magdalena, Flughafen.

Cartago: Stadt (Provinzzentrum) in Kostarika, südöstlich von San José; 27000 Einwohner; Mittelpunkt eines reichen Agrargebietes; wiederholt von Erdbeben zerstört.

Cartan, Éüe, 9.4.1869-6.5.1951, französischer Mathematiker; hatte sehr großen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Mathematik, seine Hauptarbeiten betrafen Liesche Gruppen, partielle Differentialgleichungen und Differentialgeometrie.

Cartier, Jacques, 31.12.1491-1.9.1557, französischer Seefahrer; auf 3 Reisen zur Suche der Nordwestlichen Durchfahrt entdeckte und erforschte er 1534/42 das Gebiet des Sankt-Lorenz-Stromes bis Montreal; nahm Kanada für Frankreich in Besitz.

Carus, Carl Gustav, 3.1.1789-28.7.1869, Arzt, Philosoph, Maler; Professor in Dresden; verfasste zahlreiche Arbeiten zur vergleichenden Anatomie, die er als selbständige Wissenschaft mitbegründete, zur Kranioskopie und Psychologie. Carus vertrat eine von I. Kant und F. W. Schelling beeinflusste idealistische Naturphilosophie, suchte sich jedoch bei der Erklärung der Naturerscheinungen auf die sinnliche Beobachtung zu beschränken. Als Maler knüpfte er an die Landschaftsauffassung von D. Friedrich und J. Dahl an.

Caruso, Enrico, 25.2.1873-2.8.1921, italienischer Sänger (Tenor); galt wegen seiner außergewöhnlichen Stimme und beeindruckenden Darstellungskraft als führender Tenor seiner Zeit.

Cary, Joyce, 7.12.1888-29.3.1957, englischer Schriftsteller; 1913/20 im Kolonialdienst in Nigeria; gestaltete in kritisch-realistischen Romanen und Romanzyklen oft humoristisch-ironisch Erscheinungen des Kolonialismus in Afrika, danach charakteristische Entwicklungen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert in Großbritannien (unter anderem «Des Pudels Kern», 1944, deutsch).

Casals, Pablo, 29.12.1876-22.10.1973, spanischer Violoncellist; galt als bedeutendster Violoncellist seiner Zeit; wirkte auch als Dirigent und Komponist; lebte aus Protest gegen das Franco-Regime in der Emigration.

Casanova: 1. Casanova Danielle, 9,1.1909-10.5.1943, französische Widerstandskämpferin; nahm am Spanischen Freiheitskampf und seit 1940 in der Résistance am Kampf gegen die faschistischen Okkupanten teil. Im Auftrag der illegalen Leitung der KP organisierte sie den Widerstand im nordfranzösischen Kohlenrevier und unter Pariser Intellektuellen. Casanova wurde 1942 von der französischen Polizei verhaftet, an die Gestapo ausgeliefert und nach Deutschland verschleppt. Sie kam im KZ Auschwitz ums Leben.

2. Casanova, Giovanni Giacomo, genannt Chevalier de Seingalt, 2.4.1725-4.6.1798, italienischer Abenteurer und Schriftsteller, lebte 40 Jahre als Hochstapler und Frauenheld in verschiedenen Städten Europas. In seinen 1791/98 in französischer Sprache verfassten Memoiren «Geschichte meines Lebens» (1826/36, deutsch) kritisiert er schonungslos Verfallserscheinungen des Ancien Régime.

Casapietra, Celestina, geboren 23. 8.1939, italienische Sängerin (Sopran); seit 1965 Mitglied der Berliner Staatsoper (Kammersängerin); ist als Opera- und Konzertsängerin auch international erfolgreich.

Cäsar, Caesar, zum Gattungsnamen «Kaiser» gewordener Eigenname G. I. Caesars, Beiname aller römischer Kaiser.

Cäsar, Gaius Iulius Caesar, 13.7.100-15.3.44 vor Christus, römischer Staatsmann, Feldherr, Schriftsteller und Redner; schloss 60 mit Pompejus und Crassus das 1. Triumvirat und war 59 Konsul; unterwarf 58/51 ganz Gallien und eröffnete durch das Überschreiten des Rubikon 49 den Bürgerkrieg; 48 schlug er Pompejus bei Pharsalos und setzte 47 im Alexandrinischen Krieg Kleopatra (die 46/44 seine Geliebte war) wieder als ägyptische Königin ein; 45 besiegte er auch die Anhänger des Pompejus; damit war Cäsar Alleinherrscher in Rom (seit 63 Pontifex maximus (oberster Priester), 46 Diktator auf 10 Jahre, 45 auf Lebenszeit) und führte den Titel Imperator. Cäsars Machtstreben sowie Lavieren zwischen Populären und Optimaten entsprach der Notwendigkeit, die republikanische Herrschaft der Senatoren von Rom durch eine Monarchie zu ersetzen, die auf einem Bündnis zwischen Senatoren, Rittern und provinzial Sklavenhaltern basiert und sich hauptsächlich auf die Armee stützt. Der stark auf republikanischen Traditionen ausgerichtete Teil der Senatsaristokratie bildete unter Leitung von G. Cassius Longinus, M. Iunius Brutus und D. Iunius Brutus eine Verschwörung gegen Cäsar, der er am 15. 3. 44 im Senat zum Opfer fiel. Cäsar verfasste unter anderem «De bello Gallico» (Der gallische Krieg), «De bello civili» (Der Bürgerkrieg); führte den Julian. Kalender ein.

Cäsarea: (lateinisch, «die Kaiserliche») zu Ehren eines römischen Kaisers benannt antike Städte, unter anderem Cäsarea Augusta (heute Saragossa).

Cäsarismus: auf Cäsar zurückgehende Form der Machtausübung in der Ausbeutergesellschaft durch einen Herrscher, der sich einer republikanischer Staatsform bedient, auf die privilegierte Armee stützt und zwischen den einander bekämpfenden besitzenden Klassen und sozialen Schichten laviert. Siehe auch Bonapartismus.

Casella, Alfredo, 25.7.1883-5.3.1947, italienischer Komponist; war um eine Verbindung neuer Musiksprache mit der italienischen Tradition des 17. /18. Jahrhundert bemüht; dies sicherte seinem umfangreichen Werk (unter anderem Opera, Ballette, Orchester- und Kammermusik sowie zahlreiche Bearbeitungen altitalienischer Musik) relativ breite Verständlichkeit. Casella wirkte auch als Pianist, Dirigent, Schriftsteller und Kritiker.

Casement, Sir Roger David, 1.9.18643.8.1916 (hingerichtet), irischer bürgerlicher Patriot; 1895/1912 im britischen Konsulatsdienst; emigrierte 1914 nach Deutschland, das er als Bundesgenossen im irischen Kampf gegen Großbritannien betrachtete; kurz vor dem Dubliner Aufstand von einem deutschen U-Boot angelandet, wurde er gefangengenommen.

Caserta: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien; Verwaltungszentrum der Provinz Caserta; 67000 Einwohner; Leichtindustrie, besonders Bekleidung; Schloss (18. Jahrhundert, nach Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder aufgebaut).

Cash, Johnny (eigentlich John Richard), geboren 26.2.1932, US-amerikanischer Sänger und Liederkomponist; wichtiger, jedoch nicht von Widersprüchen freier Vertreter von Country & Western.

Casiquiare, Brazo Casiquiare: linker Nebenfluss des Orinoco im Süden Venezuelas; 400 km; führt durch einen Flussarm über den Guainia und Rio Negro etwa ein Viertel des Orinoco-Wassers dem Amazonasstromsystem zu. Diese Bifurkation ist die größte der Erde. Sie wurde erstmalig 1799 von A von Humboldt befahren und beschrieben.

Cassado, Gaspar, 30.9.1897-24.12. 1966, spanischer Violoncellist; konzertierte seit 1918 mit großem internationalem Erfolg; komponierte auch einige Instrumentalwerke.

Cassian, Nina, geboren 27.9.1924, rumänische Lyrikerin; von modernistischen Positionen kommend, wandte sie sich seit 1944 in zahlreichen Gedichtbänden («Der Jahresreigen», 1957, deutsch; «Die täglichen Feste», 1961, deutsch; «Die Disziplin der Harfe», 1965) der revolutischen Vergangenheit zu und gestaltete Probleme des sozialistischen Rumänien, wobei sie emotionales mit intellektuellem Erleben verbindet.

Cassini, Giovanni Domenico (Jean Dominique), 8.6. oder 8.7.1625-14.9.1712, aus Italien stammender französischer Astronom; war ein sehr erfolgreicher Beobachter, entdeckte unter anderem die Jupiterrotation, die nach ihm benannt Teilung im Saturnring und 4 Saturnmonde.

Cassino: italienische Stadt nordwestlich von Neapel; Sitz des 529 gegründet Mutterklosters des Benediktinerordens (Monte Cassino). Im 2. Weltkrieg war das westlich über Cassino liegende Gebiet des Klosters eine faschistische deutsche Schlüsselstellung gegen die nach Rom vordringenden Alliierten, die nach schweren Kämpfen seit Februar 1944 erst im Mai 1944 eingenommen werden konnte.

Cassislikör: dunkelrot-violetter Fruchtsaftlikör aus schwarzen Johannisbeeren, zum Beispiel der besonders süße französische «Creme de Cassis».

Cassius, Gaius Cassius Longinus, gestorben 42 vor Christus, römischer Quästor; Urheber der Verschwörung gegen Cäsar; beging nach der Niederlage in der Schlacht bei Philippi Selbsttötung.

Cassola, Carlo, geboren 17.3.1917, italienischer Schriftsteller; der antifaschistische Widerstand bestimmt zunächst den Inhalt seiner Werke, zum Beispiel «Fausto und Anna» (1952), «Die alten Genossen» (1953), «Mara» (1960, deutsch). In späteren Romanen, unter anderem «Ein sprödes Herz» (1961), «Der Jäger» (1964, beide deutsch), «Gisela» (1974) behandelt Cassola psychologische Probleme.

Cassou, Jean, geboren 9.7.1897, französischer Schriftsteller und Kunstwissenschaftler; Verfasser zahlreicher Romane und Novellen vorwiegend kulturhistorischen-unterhaltenden Charakters.

Castagno, Andrea del, um 1421-19.8.1457, italienischer Maler der Frührenaissance; schuf kraftvolle, scharf umrissene und glänzend charakterisierte Gestalten in großformatigen Fresken, unter anderem die «uomini famosi» (berühmte Zeitgenossen) für S. Apollonia in Florenz.

Castel Gandolfo: Kurort in Mittelitalien, in der Region Latium, südöstlich von Rom am Lago di Albano; 5500 Einwohner; Fremdenverkehr; Sommerresidenz des Papstes; Vatikanisches Observatorium.

Castellammare di Stabia: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien, am Golf von Neapel; 74000 Einwohner; Werften, Waggonfabrik, Erdölraffinerie, Hafen; hydrologisches Institut; Museen; Heilquellen, Seebad; Schloss (12. Jahrhundert), Kirchen und antike Ruinen.

Castelo Branco, Camilo, 16.3.1825-6.6.1890 (Selbsttötung), portugiesischer Romancier, begründete von kleinbürgerlichen Positionen aus in Auseinandersetzung mit dem Verfall des feudalen Portugal und der beginnenden Durchsetzung kapitalistischer Verhältnisse den modernen portugiesischen Roman. Er schilderte satirisch die bürgerliche Gesellschaft («Herz, Kopf und Magen», 1862) beziehungsweise gestaltete das Aufbegehren von Leidenschaften gegen Konventionen und ökonomischen Interessen («Tödliche Liebe», 1863).

Castiglione: 1. Baldassare, 6.12.1478-7.2.1529, italienischer Schriftsteller und Diplomat; den Typ des allseitig gebildeten Renaissancemenschen stellte er in seinem Hauptwerk «Der Hofmann» (1528, deutsch; in Dialogform) als Idealbild dar.

2. Giovanni Benedetto, genannt il Grechetto, 1610 oder 1616-1665 oder 1670, italienischer Maler und Radierer, bevorzugte in seinen Gemälden solche biblischen und mythologischen Themen, die ihm Gelegenheit gaben, seine Fähigkeit als einer der besten Tiermaler seiner Zeit zu erweisen; schuf außerdem phantastisch-märchenhafte Radierungen.

Castro Alves, Antônio de, 14.3.1847-6.7.1871, brasilianischer Dichter; kritisierte die rückständigen, das Streben nach menschlicher Erfüllung erstickenden Verhältnisse in Brasilien sowie die Sklaverei als Haupthindernis jedweder gesellschaftlichen Entwicklung.

Castrum: (PL Castra): altrömisches befestigtes Militärlager.

Casus belli: Kriegsfall; unmittelbarer Anlass für den Beginn des Kriegszustandes. Die völkerrechtswidrige Herbeiführung des Casus belli begründet die völkerrechtliche Verantwortlichkeit des Aggressors.

Casus obliquus, obliquer Kasus: Grammatik Bezeichnung für alle Kasus außer dem Nominativ, dem Casus rectus.

Casus rectus: Grammatik Bezeichnung für den Nominativ, der den Gegenstand oder anderes direkt nennt. Siehe auch Casus obliquus.

CAT: 1. Luftfahrt: für Clear-Air-Turbulence.

2. Medizin: für Computertomographie.

3. Raumfahrt: für Erdsatellit, künstlicher.

Catamarca: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten Argentiniens; 55000 Einwohner; Fleischindustrie; Fremdenverkehr (Thermalquellen); in der Nähe Eisen-, Zink-, Kupfer- und Wolframerzbergbau.

Catania: Stadt im Osten der italienischen Insel Sizilien; Verwaltungszentrum der Provinz Catania, am Fuße des Ätna; 400000 Einwohner; Industrieschwerpunkt mit Maschinenbau, chemischer und vielseitiger Leichtindustrie (holzverarbeitende, keramische, Lebensmittelindustrie); Ausfuhrhafen; Universität (seit 1434), Weinbauschule, Bibliotheken, Museen; Fremdenverkehr; antike Baureste, Barockbauten.

Catanzaro: Stadt in Unteritalien, Verwaltungszentrum der Region Kalabrien und der Provinz Catanzaro; 94000 Einwohner; Schwefelgewinnung; Lebensmittelindustrie; Kraftwerk; antike Bauten.

Catilina, Lucius Sergius, 108-62 vor Christus (gefallen), römischer verarmter Patrizier; versuchte das Konsulat in Rom durch eine Verschwörung zu erreichen, die Cicero 63 aufdeckte. Diese Bewegung des Catilina dokumentiert die politische Krise der römischen Republik.

Catlin, George, 26.6.1796-23.12.1872, US-amerikanischer Ethnograph und Maler; besuchte 1832/48 zahlreiche nordamerikanische Indianerstämme, deren Lebensweise er beschrieb und in Bildern festhielt.

Catlinit: (nach G. Catlin) zur Herstellung der Köpfe von Calumets verwendeter schieferartiger roter Pfeifenstein, besonders aus dem Steinbruch von Pipestone im südlichen Minnesota (USA).

Cato, Name römischer Politiker: 1. Marcus Porcius Censorius, Cato d. Ä,-234-149 vor Christus, römischer konservativer Staatsmann; bekämpfte die Hellenisierung Roms; 195 Konsul; forderte im Senat wiederholt die Zerstörung Karthagos (Ceterum censeo Carthaginem esse delendam). In seiner Schrift «De agri cultura» (Über die Landwirtschaft) gab er den Aristokraten Ratschläge für eine intensive und rentable Landwirtschaft. Cato gilt als Begründer des lateinischen Prosastils.

2. Marcus Porcius, Cato Uticensis, Cato der Jüngere, 95-46 vor Christus (Selbsttötung), römischer Optimat, Urenkel von Cato 1; Gegner Cäsars, Vertreter republikanischer Traditionen; Stoiker.

Cattleya: Orchideengattung aus dem tropischen Südamerika; häufig als Zierpflanze in Gewächshäusern gezogen, viele Hybriden, siehe auch Orchideen.

Catull, Gaius Valerius Catullus, 87 oder 84-um 54 vor Christus, römischer Lyriker; Thematik seiner Gedichte sind verschiedene Lebensbereiche, unter anderem seine Liebe zu Lesbia (Clodia); vereinte Natürlichkeit und echte Empfindung mit reifer Formkunst; seine Feinde griff er in Gedichten mit schonungsloser Schärfe an.

Cauca: größter Nebenfluss des Magdalena, im Westen Kolumbiens; 1100 km; entspringt in der Zentralkordillere, im Unterlauf teilweise versumpftes Tiefland; 600 km schiffbar.

Cauchy, Augustin Louis, 21.8.1789-23.5.1857, französischer Mathematiker; verdient insbesondere um die Grundlegung der Analysis sowie Entwicklung der Funktionentheorie und Algebra; wichtige Arbeiten zur mathematischen Physik.

Caudillismus: die besonders für Lateinamerika typische Art der Diktatur, häufig in Form einer Militärdiktatur, die vorrangig die politischen Interessen von Großgrundbesitz und hohem Klerus vertritt; seit dem 19. Jahrhundert ausgeprägt.

Caudwell, Christopher, eigentlich Christopher St. John Sprigg, 20.10.1907-12.2.1937 (gefallen als Kämpfer der XV. Internationalen Brigade in Spanien), englischer Journalist, Verleger, Schriftsteller; leistete mit «Illusion und Wirklichkeit» (1937, deutsch) und «Studien zu einer sterbenden Kultur» (1938, deutsch) einen wichtigen Beitrag zur Begründung einer marxistische Literaturkritik in Großbritannien.

Cauer. Minna, 1.11.1842-3.8.1922, führende Vertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung; gründete 1888 den Verein «Frauenwohl» und 1895 (mit L. Braun) die Zeitschrift «Die Frauenbewegung»; vertrat den radikalen Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung.

Causa: 1. Ursache, Grund.

2. in der Geschichte der Philosophie mehrere Formen von Ursachen. Auf Aristoteles geht ihre Klassifikation in Causa materialis (Materialursache), Causa formalis (Formursache), Causa efficiens (Wirkursache) und Causa finalis (Zweckursache) zurück. Im Thomismus und Neothomismus wird die Lehre von den 4 Ursachen extrem idealistisch dargestellt. Siehe auch Kausalität.

3. Rechtsgrund; mit einer Rechtshandlung verfolgter Zweck; Rechtsfall, -sache, -streit.

Cavaignac: 1. Éléonore Louis Godefroy, 1801-5.5.1845, französischer utopischer Kommunist; Teilnehmer der Julirevolution 1830 und erklärter Gegner des monarchistischen Systems, kämpfte in Geheimgesellschaften für die Republik. Während des Julikönigtums mehrmals eingekerkert. 1843 wurde Cavaignac Präsident der Gesellschaft der Menschenrechte.

2. Louis Eugène, 15.10.1802-28.10.1857, französischer General; Bruder von Cavaignac 1; wurde nach der Februarrevolution 1848 Kriegsminister der Zweiten Republik und warf, mit umfangreichen Vollmachten versehen, im Juni 1848 den Aufstand der Pariser Arbeiter blutig nieder («Henker von Paris»).

Cavalcanti: 1. Emiliano Di, geboren 6.9.1897, brasilianischer Maler und Zeichner; anfangs von den europäischen Kunstströmungen beeinflusst, wird Cavalcanti in den 30er Jahren durch die realistische mexikanische Kunst angeregt, sich einer volksverbundenen nationalen Thematik zuzuwenden, in deren Mittelpunkt der einfache Brasilianer steht.

2. José Lins do Rêgo - Lins do Rêgo Cavalcanti.

Cavalier, Jean, 28.11.1681-17.5.1740, Führer des hugenottischen Kamisarden Aufstandes 1702/04 in Frankreich; später Offizier im Dienst des Herzogs von Savoyen.

Cavalieri, Francesco Bonaventura, um 1598-30.11.1647, italienischer Mathematiker und Geistlicher; befasste sich mit Flächeninhalts- und Volumenberechnungen.

Cavalierisches Prinzip: (nach F. B. Cavalieri) Regel, nach der 2 Körper gleichen Rauminhalt haben, wenn sie von jeder Ebene einer Schar paralleler Ebenen in flächengleichen Figuren geschnitten werden.

Cavour, Camillo Graf von, 10.8.1810-6.6.1861, italienischer Politiker; 1847 Mitbegründer der Zeitung «II Risorgimento»; 1852/59 und 1860/61 Ministerpräsident des Königreichs Sardinien-Piemont, seit 1861 Italiens; als Führer des gemäßigt-liberalen Flügels des Risorgimento erreichte er die Entstehung des bürgerlichen italienischen Nationalstaats unter der Krone des Hauses Savoyen.

Caxias do Sul: Stadt im Bundesstaat Rio Grande do Sul (Brasilien), nördlich von Porto Alegre; 170000 Einwohner; Mittelpunkt eines bedeutenden Weinanbaugebietes.

Caxton, William, um 1422-1491, erster englischer Buchdrucker (1475); erlernte den Buchdruck in Köln; druckte unter anderem Chaucers «Canterbury-Geschichten».

Cayenne: Verwaltungszentrum von Französisch-Guayana, auf einer Insel vor der Mündung des B. in den Atlantischen Ozean; 35000 Einwohner; wichtiges Industrie- und Handelszentrum; wissenschaftliche Institute (Tropenforschung, Bergbau, Landwirtschaft); Seehafen, internationaler Flughafen.

Cayley, Arthur, 16.8.1821-26.1.1895, britischer Mathematiker und Jurist; schrieb grundlegende Beiträge zur Invariantentheorie, über Matrizen, höhere Geometrie, algebraische Funktionen und Gruppentheorie.

Caylus, Anne Claude Philippe Graf von, 31.10.1692-5.9.1765, französischer Archäologe, Kunsttheoretiker und Radierer; seine zahlreichen Publikationen waren von großem Einfluss auf das damalige Pariser Kunstleben und förderten den Durchbruch des Klassizismus.

Cayman Inseln: britische Kolonie auf einer Inselgruppe im Karibischen Meer, südöstlich von Kuba; 259 km2, 17000 Einwohner; Verwaltungszentrum Georgetown; vorwiegend Kalkplateaus mit Korallenriffen, die der submarinen Cayman-Schwelle zwischen dem mittelamerikanischen Festland und Kuba aufsitzen; Schildkrötenfang.

CB-Greifer, (Kurzform für central bobbin, englisch) schwingender Bahngreifer, Zentralspulengreifer, umgangssprachlich Rundschiffchen: Schlingenlänger für Doppelsteppstichnaht, besonders in Haushaltnähmaschinen Zeichen für Neusekunde.

Ceará: Bundesstaat im Nordosten Brasiliens; 150630 km2, 5,3 Millionen Einwohner; 35 Einwohner/km2; Hauptstadt Fortaleza-, an feuchtheißer Atlantikküste in den sumpfigen Küstenebenen Zuckerrohr-, in den waldreichen Bergländern Kaffee-, Tabakanbau, auf von Dürren und Überschwemmungen heimgesuchten Hochflächen (Sertao) Baumwoll- und Getreideanbau; extensive Viehzucht; Uranvorkommen.

Cebu: 1. zu den Philippinen gehörende Insel; 4421 km2, etwa 2 Millionen Einwohner; gebirgig, bis 1013 m über dem Meeresspiegel; Anbau von Mais, Reis, Zuckerrohr; Bergbau auf Braunkohlen- und Kupfererz Basis.

2. Cebu, Zebu: Stadt (Provinzzentrum) auf den Philippinen, auf der Insel Cebu; 490000 Einwohner; chemische und Lebensmittelindustrie; Verkehrszentrum mit Flug- und Exporthafen. Dichtungen zu politischen Zeitproblemen und die «Lieder eines Sklaven» (1895, deutsch) dienten den Zielen des nationalen Befreiungskampfes. In seiner satirischen Prosa um Herrn Brou Èek (Käferlein) karikierte er das Spießertum.

Cecil, Edgar Algernon Robert, Viscount B. of Chelwood, 14.9.1864-24.11.1958, britischer konservativer Politiker, 1924/27 Minister, Mitglied der Abrüstungskommission des Völkerbundes, trat aus Protest gegen die Rüstungspolitik der britischen Regierung zurück; 1923/45 Präsident der Völkerbunds Union, seit 1946 Ehrenpräsident der UN.

Celan, Paul, eigentlich Paul Anczel, 23.11.1920-5.5.1970 (Selbsttötung), Lyriker und Übersetzer; übersiedelte 1948 nach Paris; schuf, vom französischen Symbolismus und Surrealismus beeinflusst, assoziationsreiche, oft verschlüsselte Verse von sinndunkler Wortmusik, die die Illusionslosigkeit des Dichters und seine Sehnsucht nach Menschlichkeit belegen; unter anderem «Sprachgitter» (1959), «Atemwende» (1967).

Celaya, Gabriel, eigentlich Rafael Mugica, geboren 18.5.1911, spanischer Schriftsteller; seine lebensbejahende humanistische Lyrik bringt Probleme des sozialen Lebens, die Erinnerung an den Spanischen Freiheitskampf und Protest gegen den Konformismus zum Ausdruck; Gedichtbände «Frieden und Eintracht» (1953), «Poetische Operationen» (1971); Roman «Die guten Geschäfte» (1965).

Cellini, Benvenuto, 1.11.1500-14.2.1571, italienischer Goldschmied und Bildhauer; tätig in Florenz, Rom und in Frankreich am Hof Franz I., für den er das bekannte goldene Salzfass schuf, das ebenso wie die Medaillen technisch raffiniert gearbeitet ist und wie seine Skulpturen manieristische Stilelemente zeigt. Seine Selbstbiographie übersetzte Goethe.

Celsius, Anders, 27.11.1701-25.4.1744, schwedischer Astronom; war wesentlich beteiligt an Meridianmessungen; führte 1742 die l00teilige Thermometerskale ein.

Celsus, Aulus Cornelius, 1. Hälfte des 1. Jahrhundert nach Christus, römischer Autor, Verfasser einer umfassenden Enzyklopädie, von der nur die Bücher über die Medizin erhalten sind.

Celtes, Celtis, eigentlich Pickel, Conrad, 1.2.1459-4.2.1508, Schriftsteller; verfasste neulateinische Lyrik (Vorbilder waren Ovid, Horaz) und Patriot. beziehungsweise historisch-ethnographischen Schriften («Beschreibung Nürnbergs», 1502); gab 1501 die Komödien der Hrotsvith heraus; gründete gelehrte Gesellschaften.

Cembalo, eigentlich Clavicémbalo (beide italienisch), Clavecin, Harpsichord, Kielflügel, Klavizimbel: weitverbreitetes Tasteninstrument des 15./18. Jahrhundert zum solistischen und konzertanten Spiel, seit dem 17. Jahrhundert auch zum Generalbassspiel. Die Saiten wurden durch Rabenfederkiele, später durch Leder-, Metall- oder Kunststoffzungen angerissen. 2 Grundformen (C. als großes Modell in Flügelform mit parallel zu den Tasten verlaufenden Saiten; Virginal und I Spinett als kleine Modelle). Schon im 16. Jahrhundert sind 

Celesta: Schlaginstrument, dessen abgestimmte Stahlplatten, die mit hölzernen Resonatoren verbunden sind, über Tasten mit befilzten Hämmerchen angeschlagen werden; 1886 von A. Mustel erfunden. Registerbildung durch mehrere Saitenbezüge und Celesta mit 2 Manualen nachweisbar. Um 1800 wurde das Celesta durch das Hammerklavier verdrängt; um 1900 setzte eine Wiederbelebung, besonders für Aufführungen alter Musik, ein.

Cent: 1. Cent (centum, «hundert») in vielen Ländern kleinste Währungseinheit und Münze.

2. Cent (lateinisch): Musik - logarithmischer Intervallmaß; hundertster Teil eines temperierten Halbtones; die Oktave hat also 1200 Cent.

Centri-Cleaner: Papierherstellung Einrichtung zur Reinigung des Ganzstoffs durch Zentrifugalwirkung. Das Abscheiden von Verunreinigungen erfolgt durch Volumen-, Dichte- und Drehimpuls-Unterschiede.

Cera: Pharmazie Wachs, zum Beispiel Bienen- und Pflanzenwachs; Cera sind Ester höherer Fettsäuren und höherer Alkohole, die bei der Salbenzubereitung verwendet werden.

Ceratiten: Ammoniten mit scheibenförmig spiralem Gehäuse, das meist einfache oder gegabelte Rippen trägt. Als Leitfossilien im Muschelkalk wichtig.

Ceratodus: von Untertrias bis Oberkreide nachgewiesene Gattung der Lungenfische (Dipnoi) mit charakteristisch gewellten, platten-förmigen Zähnen.

Cermets: (Kurzwort für Ceramic metals, englisch) pulvermetallurgisch hergestellte Verbundwerkstoffe (Sinterwerkstoffe) aus metallischen und nichtmetallischen Bestandteilen, insbesondere Oxiden, aber auch Boriden, Karbiden, Sihziden unter anderem. Die Cermets vereinigen in sich die große Härte und die Schwerschmelzbarkeit der nicht metallischen Anteile mit der guten Wärmeleitfähigkeit und Zähigkeit der Metalle. Cermets werden als Hochtemperaturwerkstoffe, Hartmetalle sowie in der Elektronik verwendet.

CERN, Abkürzung für Conseil (seit 1954 Organisation) Européen pour la Recherche Nucléaire («Europäische Organisation für Kernforschung»): 1952 von Ländern Europas gegründet Organisation zur theoretischen und experimentellen Grundlagenforschung in der Atom-, Kern- und Elementarteilchenphysik. Ihr Sitz ist seit 1954 Meyrin bei Genf. Dort befinden sich unter anderem ein 600-MeV-Synchrozyklotron, ein Protonensynchrotron sowie Speicherringe.

Cervantes Saavedra, Miguel de, 29. 9. 1547-23.4. 1616, spanischer Schriftsteller; sein Roman «Don Quijote» (l. Teil 1605, 2. Teil 1615, deutsch) ist eine kritische Analyse der zerfallenden spanischen Feudalgesellschaft des 17. Jahrhundert Den Realismus des Werkes prägen eine differenzierte Kritik der sozialen Verhältnisse und der Motive menschlichen Verhaltens. Cervantes Saavedra parodiert das funktionslos gewordene spanische Rittertum und zeigt die nüchtern-reale Weitsicht des einfachen Mannes aus dem Volke in Gestalt des Knappen Sancho Pansa. Er zeigte gegenüber der zeitgenössischen Literatur eine kritische Haltung und legte den Standort der Dichtung gegenüber Geschichte und Geschichtsschreibung fest. Cervantes Saavedra verfasste außerdem unter anderem «Novellen» (1613, deutsch) und Theaterstücke.

Cesena: Stadt in Oberitalien, in der Region Emilia Romagna, am Beginn des Savio-Tales; 90000 Einwohner; Mittelpunkt eines intensiven Landwirtschaftsgebietes (Obst-, Weinbau); Nahrungsmittelindustrie; Bibliothek (15. Jahrhundert); Museum; Kathedrale (14. Jahrhundert); Trabrennbahn.

Céspedes, Carlos Manuel de, 18.4. 1819-22. 3. 1874 (erschossen), kubanischer Revolutionär, Führer der ersten Unabhängigkeitsrevolution gegen Spanien (1868/78) und seit 1869 Präsident der Ersten Republik, Ehrentitel «Vater des Vaterlands»; war Gegner der Sklaverei und der Annexion Kubas durch die USA

Cestius-Pyramide: Grabmal des römischen Tribunen Gaius Cestius (gestorben 12 vor Christus), in Form einer Pyramide errichteter und mit Marmorplatten verkleideter Ziegelbau, in Rom neben der Porta San Paolo gelegen.

Cevennen, französisch Cévennes: Gebirge im Süden Frankreichs, im Tertiär am höchsten gehobener Teil (Südostabhang) des Zentral Massivs mit Steilabfall zum Tiefland zwischen Rhonetal und Mittelmeer, im Signal de Finiels 1702 m hoch; hauptsächlich aus Schiefer, stark zertalt Schluchten; kalter Fallwind; ursprünglich waldreich, durch Entwaldung und Ziegenverbiss zum Teil versteppt und kahl, Wiederaufforstung; extensive Viehzucht; Landflucht; Steinkohlenbergbau, Leichtindustrie.

Ceylon: vorwiegend aus kristallinen Gesteinen aufgebaute Insel im Indischen Ozean, die durch die Palkstraße und den Golf von Mannar von Vorderindien getrennt ist; umfasst das Staatsterritorium von Sri Lanka.

Cézanne, Paul, 19.1. 1839-22.10. 1906, französischer Maler. Cézanne kam 1861 nach Paris, wo er sich im Kreis der Impressionisten bildete und die Werke der alten Meister studierte. Sein Stil weist über den Impressionismus hinaus. Landschaften, Stillleben, Figurenbilder und Porträts sind gekennzeichnet durch eine großflächige Malweise, Verfestigung der Formen und eine reiche, neuartige Modulierung der Farben. Seine Kunst wirkte nicht nur vorbildlich auf Kubismus und Expressionismus, sondern auch auf das realistischen Kunstschaffen unserer Zeit.

CFR-Motor: (Kurzwort für Coopérative Fuel Research Motor, englisch) genormter Prüfmotor zum Messen der Klopffestigkeit (Oktanzahl) von Kraftstoffen; gestattet eine Veränderung der Verdichtung während des Betriebes zur Anpassung an die unterschied). Kraftstoffe.

Chablis: schwerer, weißer französischer Burgunderwein; benannt nach der gleichnamigen Ortschaft.

Cha-Cha-Cha: (nach dem Rasseln der Maracas) 1953 auf Kuba aus dem Mambo entwickelter Modetanz im V-Takt (vermutlich von E. Jorrin); wurde in den 60er Jahren zum Turniertanz stilisiert und wird mit ausgeprägter Schritttechnik getanzt.

Chaconne, Ciacona:

1. altspanischer Reigentanz: im Dreiertakt; um 1600 Bühnen-, dann Gesellschaftstanz.

2. instrumentales, auch vokales Variationsstück über einem meist 8taktigen Ostinato Bass im langsamen Dreiertakt; der Passacaglia verwandt. 1891-24.7. 1974, britischer Physiker; entdeckte 1932 das Neutron.

3. John, geboren 21.5.1920, britischer Philologe; entzifferte (1952) gemeinsam mit dem britischen Architekten Michael Ventris (1922-1956) die (alt-)kretische Schrift.

Chagas-Krankheit: durch Trypanosomen (Geißeltierchen) hervorgerufene und geflügelte Raubwanzen übertragene; für Kinder lebensgefährliche Infektionskrankheit in Mittel- und Südamerika; Kennzeichen sind hohes Fieber, Lymphknoten-, Herz-, Schilddrüsen-, Leber- und Milzbefall; bei Erwachsenen meist chronischen Verlauf; benannt nach dem brasilianischen Mikrobiologen Carlos Chagas (1879-1934).

Chagrinieren: das Aufpressen einer künstlichen Narbenprägung auf Ziegen- oder Schafleder. Chagrin(leder) wird unter anderem für Bucheinbände verwendet.

Chain, Sir Ernst Boris, 19. 6. 1906-12. 8. 1979, britischer Biochemiker polnischer Herkunft; Professor in Oxford; betrieb innerhalb der Oxford-Forschungsgruppe, die sich um die Anreicherung und Reinigung der Penizillinrohfiltrate sowie um die Konstitutionsaufklärung und therapeutische Wirksamkeit des Penizillins große Verdienste erwarb, die wichtigen chemischen Anfangsstudien.

Chair-Leder, Dänisch-Leder, Suède (französisch): tuchartiges, auf der Aasseite geschliffenes, weiches Bekleidungsleder für Trachtenhosen, Handschuhe unter anderem.

Chaiselongue: («langer Stuhl») gepolstertes Liegemöbel mit keilförmiger Kopflehne.

Chaitya Halle: buddhistische Sakralbauform, die ursprünglich in Holz ausgeführt wurde. Sie besteht aus einem basilikalen Langhaus mit apsisartigem Schluss, worin ein Stupa als Kultmittelpunkt steht. Ausgebildete, in Fels gehauene Formen entwickelten sich seit der Zeitenwende.

Chalat: mantelartige Oberbekleidung der Bevölkerung Vorder- und Mittelasiens; früher orientalisches Ehrenkleid.

Chaldäer: semitischer Volksstamm; begründete während des 9. Jahrhundert vor Christus in Südbabylonien den Staat Chaldäa. Die Chaldäer mussten viele Jahrhunderte ihre Unabhängigkeit gegen Babylon und Assyrien verteidigen. Der Chaldäer Nabopolassar proklamierte sich 626 vor Christus zum König von Babylon und schuf die chaldäische Dynastie. Zusammen mit den Medem zerstörten die Chaldäer 612 vor Christus Ninive und errichteten das Neubabylonische Reich.

Chalkis: Stadt auf der griechischen Insel Euböa, Verwaltungszentrum des Distrikts Euböa; 36000 Einwohner; Baustoffindustrie mit Zementwerk; Weinhandel; Drehbrücke zum Festland. In der Antike bekannte Handelsstadt, die zahlreiche Kolonien gründete.

Chalkogene: («Erzbildner») Elementfamilie; bildet im Periodensystem der Elemente die VI. Hauptgruppe; umfasst Sauerstoff, Schwefel, Selen, Tellur und Polonium.

Chalkographie: veraltete Bezeichnung für Kupferstich.

chalkophile Elemente, sulfophile Elemente (lateinisch): Elemente, die bevorzugt mit Schwefel Verbindungen eingehen, zum Beispiel Blei, Cadmium, Kupfer, Quecksilber, Silber und Wismut.

Chalkopyrit, Kupferkies: Mineral. Kupfer-Eisen-Sulfid; Kristallsystem tetragonal, Farbe messinggelb, Härte 3,5 bis 4, Dichte 4,1 bis 4,4 g/cm3. Chalkopyrit bildet metallisch glänzende Kristalle oder derbe Massen und ist ein wichtiges, hydrothermales Kupfererz auf Gängen und Lagern. Er entsteht auch sedimentär und ist weltweit verbreitet. Vorkommen z, B. in Freiberg, Mansfeld, Falun (Schweden). Siehe auch Minerale.

Chalkosin, Kupferglanz: Mineral, Kupfersulfid; tritt in mehreren, temperaturabhängigen Modifikationen auf (monoklin, >103°C hexagonal, >460°C kubisch) und ist dunkelblaugrau und metallisch glänzend; Härte 2,5 bis 3; Dichte 5,5 bis 5,8 g/cm3. Chalkosin kommt meist in derben feinkörnigen Massen vor und ist wichtigstes Kupfererz-Mineral; Vorkommen sind zum Beispiel in Tsumeb (Namibia) und in Butte (USA).

Chalone: Substanzen (Glykoproteine), die gewebsspezifisch die Zellvermehrung hemmen.

Cham: altes Kulturvolk im südlichen Hochland von Vietnam, das sprachlich indonesischen Völkern nahesteht; 50000; Reisbauer; Begründer des Reiches Tschampa.

Chamäleons, Chamaeleonidae: überwiegend afrikanische (eine Art in Südeuropa und Asien) Familie hochspezialisierter, baumbewohnender Echsen mit seitlich abgeflachtem Rumpf, meist mehr als körperlang vorschnellbarer Zunge zum Beutefang (meist Insekten), Greifschwanz, unabhängig voneinander beweglichen Augen und ausgeprägtem physiologischen Farbwechsel, wobei Farbe und Zeichnung mehr vom Erregungszustand als von der Umgebung abhängen. Chamäleons sind eierlegend oder lebendgebärend.

Chamaven: westgermanischer Stamm, seit etwa 100 nach Christus nördlich des Niederrheins zwischen Lippe und Ussel ansässig. Die Chamaven gingen im fränkischen Stammesverband auf. Erhalten ist ihr Stammesrecht, die Lex Francorum Chamavorum.

Chambal: Fluss im Nordwesten Indiens, rechter Nebenfluss des Yamuna; 800 km; entspringt im Vindhyagebirge im Nordwesten des Dekan; Nebenflüsse sind links Banas, rechts Parbati, Kali Sindh; im Oberlauf Stausee Gandhi Sagar.

Chamberlain: 1. Arthur Neville Chamberlain, 18.3.1869-9.11.1940, britischer konservativer Politiker; seit 1922 mit kurzen Unterbrechungen Minister, 1937/40 Premierminister; strebte als führendes Mitglied der Cliveden-Clique ein Übereinkommen mit dem faschistischen deutschen Imperialismus an und begünstigte dessen aggressive Politik (1938 Münchener Abkommen); nach Ausbruch des 2. Weltkrieges wegen inkonsequenter Kriegführung durch W. Churchill abgelöst.

2. Houston Stuart Chamberlain, 9.9.1855-9.1.1927, britischer Geschichtsphilosoph; seit 1916 deutscher Staatsbürger; Rassentheoretiker im Dienste des deutschen Imperialismus (Arier-Kult), ein Vorläufer der hitlerfaschistische Ideologie.

3. Sir (seit 1925) Joseph Austen Chamberlain, 16.10.1863-16.3.1937, britischer konservativer Politiker; 1924/29 Außenminister; erhielt 1925 den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen um den Locarnopakt, der gegen die UdSSR gerichtet war und den Frieden nicht einmal in Westeuropa zu sichern vermochte.

4. Owen Chamberlain, geboren 10.7.1920, US-amerikanischer Physiker; wies 1955 mit E. Segri das Antiproton experimentell nach.

Chambers, Sir William, 23.2.1723-8.3.1796, britischer Architekt und Gartenkünstler; wurde nach Kenntnis der ostasiatischen Gartenkunst zum Schöpfer des sogenannt Engl. Gartens, durch dessen natürlich wirkende Anlage das barocke Schema des französischen Parks überwunden wurde.

Chambord: Gemeinde im nordwestfranzösischer Departement Loir-et-Cher, das Schloss Chambord, ein Hauptwerk der französischen Renaissance, 1523 für Franz I. begonnen, ist ein Mehrflügelbau um einen rechteckigen Hof mit einem Park von 5 407 ha.

Champagne: Landschaft im Nordosten Frankreichs, Teil der Wirtschaftsregion Champagne-Ardenne, wichtigster Ort Reims-, Schichtstufenlandschaft; im Nordwesten die Weinanbaugebiete von Reims und Epernay (Champagnerherstellung), im Süden auf Kreidekalken die trockene Champagne mit Schafzucht, im Südosten die feuchte Champagne mit Wiesen und Weideland (Zucht von Milch- und Schlachtvieh). Seit dem 10. Jahrhundert relativ selbständige Grafschaft im Königreich Frankreich; im 12./13. Jahrhundert wirtschaftlich bedeutsam durch die in verschiedenen Städten der Champagne abgehaltenen Messen; durch Heirat Philipps IV. mit der Erbin der Grafschaft wurde die Champagne in den Machtbereich des Königtums einbezogen, 1361 völlig in die königliche Domäne eingegliedert. Im 1. Weltkrieg war die Champagne 1915 und 1917 Schauplatz ergebnisloser französischer Offensiven.

Champagner: gesetzlich geschützte Bezeichnung für französischen Schaumwein aus der Champagne (Epernay, Reims).

Champignon, Egerling, Aga; ricus: Gattung der Blätterpilze; Fruchtkörper mit weißem bis braunem Huf, beringtem Stiel und rosa, später schwarzbraunen Blättern; meist gute Speisepilze. Siehe auch Pilze.

Chamsin, Khamsin beide (arabisch): in Ägypten Bezeichnung für trockenheißen Sandsturm der Sahara, in Libyen und Tunesien Gibli genannt.

Chamson, André, 6.6.1900-8.11.1983, französischer Schriftsteller; einer der Hauptvertreter der Kultur der französischen Volksfront, Teilnehmer der Résistance; verfasste die Romane «Der Wunderbrunnen» (1945, deutsch), «Der Turm von Konstanz» (1971) unter anderem.

Chan: Khan: Herrschertitel bei mongolischen und Turkvölkern.

2. Zen.

Chanat, Khanat: Amt oder Herrschaftsgebiet eines Chans.

Chandidas, 15. Jahrhundert, indischer Dichter, schrieb in Bengali das humanistische Poem «Lobpreisung des hochverehrten Krishna», in dem er dessen Liebe zu Radha verherrlichte; beeinflusste damit stark die nachfolgende Bengali-Literatur.

Chandpur: Stadt in Bangladesh, am unteren Meghna; etwa 120000 Einwohner; Juteindustrie, Streichholz- und Papiererzeugung; Eisenbahnknoten, Flusshafen.

Chandrasekhar, Subrahmanyan, geboren 19.10.1910, US-amerikanischer Astronom indischer Herkunft; leistete zahlreiche fundamentale Beiträge zur theoretischen Astrophysik, speziell zum inneren Aufbau der Sterne.

Changai-Gebirge: Gebirge im Innern der MVR; 200 km breit und über 600 km lang, im Mittel 2500 bis 3000 m hoch; höchste Erhebung ist der 3905 m hohe Otchon-Tengri, ein Bergmassiv mit mehreren kleinen Hängegletschern und Firnfeldern; vorwiegend aus Graniten und kristallinen Gesteinen aufgebaut und reich an Bodenschätzen, besonders Gold- und Eisenerzvorkommen; Gebirgs- und Gebirgswaldsteppen; intensive Weidewirtschaft.

Changbai Shan, Tschangpaischan: Plateaubergland mit zahlreichen Vulkanen und Kraterseen im Nordosten Chinas, an der koreanischen Grenze; höchste Erhebung ist der Baitou Shan mit 2744 m, durchschnittlich 1000 m hoch; der Changbai Shan ist bis 1800 m über dem Meeresspiegel dicht bewaldet und trägt wesentlich zur hohen Kontinentalität des Klimas Nordostchinas bei.

Changchun, Tschangtschun: Stadt im Nordosten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Jilin, am Yitong He; 1,3 Millionen Einwohner; mit Hilfe der UdSSR erbautes größtes Automobilwerk des Landes (40000 LKW jährlich unter anderem), Produktion von Lokomotiven, Waggons, Traktoren und Transformatoren, Textilien; Eisenbahnknoten; Universität.

Changeant: Chemieseidengewebe in Leinwandbindung mit schillernder Oberfläche (durch stark voneinander abweichende Farben der Kett- und Schussfäden).

Chang Jiang, Jangtsekiang, Blauer Fluss: längster und wirtschaftlich wichtigster Strom Chinas; 6300 km, Einzugsgebiet 1,83 Millionen km2, mittlerer jährlicher Abfluss 32190 m3/s, bei Hochflut bis 60000 mVs; entspringt im Tanggula-Gebirge, durchfließt im Oberlauf als Jinsha Jiang («Goldsandfluss») das sinotibetische Gebirgsland, im Mittellauf das Rote Becken, durchbricht zwischen Wanxian und Yichang den Wushan, durchfließt im Unterlauf die großen zentralchinesischen Seen Dongting und Poyang (natürliche Rückhaltebecken) und mündet nördlich von Shanghai mit breitem Trichter in das Ostchinesische Meer; Nebenflüsse sind links Yalong, Min, Jialing, Han Shui; rechts Wu, Yuan, Xiang, Gan; wichtigste Ost-West-Verkehrsader Zentralchinas und auf 2 800 km bis Yibin schiffbar, für Hochseeschiffe bis Wuhan (900 km); Wasserkraftreserven (90 GW), die vorerst noch wenig genutzt werden; in dem Schlucht reichen Tal im Osten der, Provinz Sichuan Kraftwerkskaskade (5000 MW); in der Provinz Hubei Kraftwerk Gezhouba (2170 MW) im Bau; beiderseits des Chang Jiang umfangreiche Bewässerungsanlagen mit teilweise künstlich angelegten Auffangbecken, besonders im Roten Becken und am Unterlauf.

Changsha, Tschangscha: Stadt im Osten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Hunan, am Unterlauf des Xiang Jiang; 800000 Einwohner; besonders Maschinenbau (schwere Werkzeugmaschinen, Präzisionsinstrumente), Aluminiumwerk, Fleischkombinat und Textilindustrie; Universität; wissenschaftliche Institute; Fluss- und Flughafen. Fundort (1949) bedeutender Grabbeigaben aus der Zeit der Streitenden Reiche (481/221 vor Christus): Bronzegerät, Lackarbeiten mit figürlichen Dekor, bemalte hölzerne Grabfiguren und das älteste chinesische Seidengemälde (Frau mit Phönix).

Chanson: 1. a) instrumental begleitetes, meist strophisches Lied des 20. Jahrhundert mit pointierter gesellschaftliche Aussage; dem Song verwandt;

b) kabarettistisches Vortragslied (mit Kehrreim) des 19. /20. Jahrhundert, dem Couplet verwandt.

2. Chanson insbesondere französische Lied seit dem hohen Mittelalter. Im Gegensatz zum geistlichen lateinischen Gesang mit meist erotischen oder (und) satirischen Inhalt. Höhepunkt im Minnelied der Troubadours, in der Ars nova und in der Frankoflämische Schule (mit realistischen Tonmalerei in den sogenannt Programmchansons zum Beispiel bei Chanson Janequin);

b) im 17./18. Jahrhundert Sammelbegriff für heitere, besinnliche, politisch-satirische und revolutionäre Strophenlieder (Carmagnole).

Chapeau claque: durch einen Federmechanismus zusammenklappbarer Zylinderhut.

Chapiteau: Zirkuszelt aus Leinwand mit Masten und Stützstangen; seit Mitte des 18. Jahrhundert nachgewiesen.

Chaplin, Sir Charles Spencer, 16.4.1888-25.12.1977, Filmschauspieler, -autor und -regisseur, spielte anfangs in einer englischen Pantomimentruppe; ging 1913 in die USA, wo er als Filmkomiker Weltruhm erlangte; setzte sich in seinen gesellschaftskritischen Filmen, die er seit 1917 als eigener Produzent in Hollywood drehte, für die Freiheit und Würde des Menschen ein («The Kid», «Goldrausch», «Zirkus», «Lichter der Großstadt», «Moderne Zeiten», «Der große Diktator», «Monsieur Verdoux», «Rampenlicht», unter anderem); verließ 1952 aus politischen Gründen die USA und lebte seitdem in der Schweiz (Vevey); drehte in London die Filme «Ein König in New York» und «Die Gräfin von Hongkong».

Chapman, Fredrik Henrik, 9.9.1721-19.8.1808, schwedischer Schiffbauer und Schiffskonstrukteur; führte mathematische Rechnungsweisen zur Ermittlung der günstigsten Schiffsform, der Stabilität sowie geeigneter Segelformen ein. Hauptwerke sind «Architectura Navalis Mercatoria» (1768; Handelsschiffarchitektur) und «Traktat über Schiffbau» (1775).

Charakter: Gesamtheit der wesentlichen, relativ stabilen Eigenschaften eines Menschen, die im sozialen Verhalten zum Ausdruck kommen und sich in ihm bilden (zum Beispiel Einsatzbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein, Bescheidenheit, Ehrlichkeit). In den Charakter gehen Klassenposition, Weltanschauung und moralische Einstellungen ein. Er bestimmt die individuelle Prägung einer gesellschaftlich geformten Persönlichkeit.

Charakterart, Kennart: Pflanzen- oder Tierart, die an eine bestimmte Lebensstätte gebunden ist und zum Beispiel auf Grund ihrer hohen Individuenzahl (Dominanten) eine Lebensgemeinschaft gut kennzeichnet.

Charakterdrama, Charakterstück: Terminus zur Kennzeichnung von Stücken, deren Struktur vom Primat ausgeprägter Charaktere bestimmt ist (diese Bestimmung vernachlässigt die dem Drama generell eigene Dialektik von Handlung und handelnden Menschen). Großes Charakterdrama hat besonders das antike, das Renaissance-, das klassische bürgerliche und das sozialistischen Theater hervorgebracht.

Charakteristikum: hervorstechende (bezeichnende) Eigenschaft.

Charakterstück: 1. Dramatik: Charakterdrama.

2. Musik: kurzes Instrumentalstück mit charakterisierender Überschrift; erlangt im 18. Jahrhundert vor allem in der Klaviermusik Bedeutung. Seine Überschrift bezeichnet meist eine Stimmung (heiter, traurig) oder einen Vorgang kleineren Ausmaßes.

Charaktertanz: im klassischen Ballett der nicht mit der klassischen Technik ausführbare, ballettmäßig umgestaltete Volkstanz unter anderem.

Charchorin: Siedlung in der MVR, am Ostfuß des Changai-Gebirges, in einer Talweitung des Orchon; Staatsgut mit umfangreichem Bewässerungsfeldbau (20 km langer Hauptkanal); in unmittelbarer Nähe der lamaistische Klosterkomplex von Erdeni Dsuu auf den Ruinen der mittelalterlichen Hauptstadt Karakorum; Museum.

Charcot-Insel: 2000 km2 große, eisbedeckte Insel westlich der Antarktische Halbinsel, durch Schelfeis mit Alexander-I.-Land verbunden; bis 610 m hoch. 1910 von dem französischen Polarforscher J. B. Charcot entdeckt.

Chardin: 1. Jean Baptiste Siméon, 2.11. 1699-6.12. 1779, französischer Maler, als Vertreter der bürgerlichen Richtung innerhalb der Malerei des Rokokos trat er mit koloristisch fein abgewogenen Stillleben und Sittenbildern hervor.

2. Pierre Teilhard de Chardin.

Charge: 1. allgemein Dienstgrad; Rang.

2. Hüttenwesen: a) Füllung (Ladung) eines metallurgischen Ofens (Möller);

b) gesamte geschmolzene Metallmenge, die nach einem Schmelzgang entnommen wird;

c) für den Durchsatz der eingebrachten Schmelzrohstoffe erforderlicher Zeit (Chargenzeit).

3. Theater: Neben- oder Episodenrolle.

Chargennummer: auf der Verpackung von Arzneifertigwaren aufgedruckte Nummer in arabischen Ziffern, die über Produktion und Herstellungsdatum des Arzneimittels Auskunft gibt.

Chariten: griechische Göttinnen der «Anmut» (römisch Grazien), meist drei genannt: Aglaia (Glanz), Euphrosyne (Frohsinn), Thaleia (Blühende); sie begleiteten Aphrodite und Dionysos, gesellten sich Musen und Horen zu.

Charleroi: Stadt im Süden Belgiens, in der Provinz Hennegau, an der Sambre; 220000 Einwohner; Steinkohlenbergbau; Eisenmetallurgie und Schwermaschinenbau, außerdem Elektro-, Glas- und keramische Industrie; Kanal nach Brüssel für Schiffe bis 15001; Hochschulen, Museen.

Charles, Ray, eigentlich Ray Charles Robinson, geboren 23.9. 1932, afroamerikanischer Sänger, Musiker und Komponist; seit 6. Lebensjahr blind; wurde vor allem als singender Pianist bekannt und gilt als wichtiger Vertreter von Rhythmen & Blues und Soul.

Charleston: (englisch; nach der Stadt) aus einem Volkstanz afroamerikanischer Hafenarbeiter um 1925 geschaffener Modetanz im 4/4-Takt.

Charleston: Hauptstadt des Bundesstaates West Virginia (USA), am schiffbaren Kanawha; 70000 Einwohner, als Metropolitan Area 250000 Einwohner; mit den Vororten Nitro, Institute und South-Charleston wichtiges Chemiezentrum (Herstellung von Stickstoff, synthetischer Kautschuk, synthetische Fasern); Erdölraffinerie, Metall- und Glasindustrie. In der Umgebung Steinkohlenförderung.

Charon, in der griechischen Sage greiser Fährmann, der in der Unterwelt die Toten über den Acheron setzte und dafür als Fährgeld einen Obolus erhielt.

Chäronea: antike Stadt in Böotien; hier besiegte 338 vor Christus der makedonische König Philipp II. eine von Athen und Theben geleitete griechische Koalition und unterwarf damit den größten Teil Griechenlands der Hegemonie Makedoniens. Das Löwendenkmal erinnert an die in der Schlacht Gefallenen. 86 vor Christus unterlag bei Chäronea Archelaos, der Feldherr Mithridates VI., den Truppen Sullas.

Charonton, Enguerrand, um 1410-um 1466, französischer Maler; tätig in Avignon 1447/61. Sein Werk ist großzügig komponiert und niederländisch und italienisch beeinflusst; Hauptwerk ist der Marienaltar in Villeneuve-les-Avignon (1454).

Chartern: Inanspruchnahme von Transportraum durch einen See- oder Luftfrachtvertrag (Chartervertrag) im Unterschied zum Güterfrachtvertrag, der transportgutbezogen geschlossen wird.

Chartistenbewegung: selbständige politische Bewegung des englischen Proletariats in der Mitte des 19. Jahrhundert; ihr Programm war die Volkscharta (1837/38), ein Verfassungsvorschlag mit demokratischen Forderungen. In der 1. Etappe (1837/39) formierte sich die Chartistenbewegung in der Auseinandersetzung zwischen kleinbürgerlich-gemäßigten, kleinbürgerlichen radikalen und proletarisch-sozialistische Strömungen; 1839 wurde die 1. Massenpetition eingebracht, nach deren Ablehnung Aufstände aufflammten. Die 2. Etappe (1840/48) begann mit der Gründung einer illegalen Parteiorganisation (National Charter Association, Abkürzung NCA) und brachte unter proletarischer Führung 1841/42 den Höhepunkt der vormarxistische proletarische Bewegung. In der 2. Massenpetition erhoben 1842 über 3,3 Millionen Unterzeichner ökonomische und politische Forderungen und unterstützten sie mit großen Streikbewegungen. Die NCA war die «erste Arbeiterpartei unserer Zeit» (Engels), ihre fortschrittlichsten Vertreter gründeten 1845 die sozialistische Gruppierung Brüderliche Demokraten. In der 3. Etappe (1848/54) vollzog sich nach einem Aufschwung unter dem Einfluss der bürgerlich-demokratischen Revolutionen in Europa (3. Massenpetition 1848) der Niedergang. Die Chartistenbewegung war «die erste breite, wirklich Massen erfassende, politisch klar ausgeprägte proletarische revolutionäre Bewegung» (Lenin). Sie hat einige Verbesserungen in der Lage der Arbeiterklasse erreicht, eine Arbeiterpresse begründet und wesentliche objektive Bedingungen zur Ausarbeitung der wissenschaftlichen Theorie für die Arbeiterklasse geschaffen.

Chartres: Stadt im mittleren Frankreich, Verwaltungszentrum des Departements Eure-et Loir, in der fruchtbaren Landschaft Beauce, südwestlich von Paris; 39000 Einwohner; Gießereien, elektronische Industrie; Landwirtschaftsmarkt. Die Kathedrale (1194/1260) ist der erste Bau der Hochgotik; mit ihren großartigen Skulpturen und farbigen Glasfenstern entwicklungsgeschichtlich bedeutsam.

Chartres, Schule von: Ende des 10. Jahrhundert in Chartres gegründet fortschrittliche Philosophenschule. Durch enge Berührung mit Naturwissenschaft, Ingenieurtechnik, Bauwesen, antikem Denken und arabischen Wissen wurde die Schule immer mehr vom scholastischen idealistischen Begriffsrealismus zum materialistischen Nominalismus und atheistischen-materialistischen Gedanken weitergeführt. Hauptvertreter sind Amalrich von Bena, David von Dinant, Bernhard und Thierry von Chartres, Gilbert von Poitiers, Wilhelm von Conches, Johannes von Salisbury unter anderem.

Chasaren: turksprachige Nomadenstämme; gründeten im 7. Jahrhundert zwischen Ural, Wolga, Dnepr und Kaukasus einen großen frühfeudalen Staat (Chasarische Khaganat), der 965 der Kiewer Rus unterlag. Die Chasaren gingen in anderen Turkstämmen auf.

Chassidismus: mystisch gestimmte religiöse Bewegung im Judentum, deren Anhänger sich Chassidim («Fromme») nannten; 18./20. Jahrhundert in Osteuropa verbreitet, knüpft an ältere Traditionen der jüdischen Mystik an; Hauptvertreter Baal-Schem-Tow (1699-1760).

Chassieren: beim Tanz geradlinige Fortbewegung mit raschen, «jagenden» Schritten.

Chassis: 1. Elektrotechnik: metallenes Gestell in Geräten und Anlagen, auf dem Bausteine und Bauelemente befestigt werden.

2. Kraftfahrzeugtechnik: Fahrgestell.

Chateaubriand, François René Vicomte de, 4.9.1768-4.7.1848, französischer Schriftsteller, Politiker und Diplomat; Hauptvertreter des politisch und religiös restaurativen Zweigs der französischen Romantik; verfasste unter anderem «Der Geist des Christentums» (1802), «Atala» (1801), «René» (1802; alle deutsch).

Chatham: Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), in der Grafschaft Kent, an der Trichtermündung des Medway; 62000 Einwohner; bildet mit Rochester und Gillingham ein Stadtgebiet; Kriegsschiffbau und -reparatur; Holzindustrie; Hafen, Docks, Militärarsenale; bedeutender Flottenstützpunkt.

Chatham-Inseln: zu Neuseeland gehörende kristalline und vulkanische Inselgruppe im Stillen Ozean, östlich von Neuseeland; 963 km2, 600 Einwohner; Schafzucht, Fischfang; Hauptinsel Chatham (891 km2).

Chatten: westgermanischer Stamm, der im 1. Jahrhundert vor Christus um Fulda, Eder, oberer und mittlerer Lahn ansässig war. Die Chatten drangen vermutlich nach Abzug der Ubier bis in das Rhein-Main-Gebiet vor und beteiligten sich am Kampf der Cherusker gegen die Römer (9/16 nach Christus). Im 4./S. Jahrhundert gingen sie wahrscheinlich im fränkischen Stammesverband auf, bewahrten jedoch auch später in Gestalt der Hessen eine gewisse Eigenständigkeit.

Chatti, Haiti: im Altertum Land im Halysbogen (Ostkleinasien); hier befand sich das hethitische Stammeszentrum Chattuscha. Chatti stellte im 17. /16. Jahrhundert vor Christus das Kerngebiet des Hethiterreiches dar. Der Name Chatti ging auf die indoeuropäischen Hethiter über. Die Vorbevölkerung wird zur Unterscheidung von den Hethitern als Proto-Chatti bezeichnet.

Chattopadhyaya: 1. Bankim Chandra, 26.6.1838-8.4.1894, indischer Schriftsteller; begründete mit «Die Tochter des Festungskommandanten» (1865) den modernen bengalische Roman. Aus dem Roman «Kloster der Seligkeit» (1882) stammt das bekannte indische Nationallied «Bande Mataram» («Ich grüße die Mutter»),

2. Sarat Chandra, 15.9.1876-16.1.1938, indischer Schriftsteller; schrieb in Bengali; begründete zusammen mit Premchand den kritischen Realismus in den indischen Literaturen; Helden seiner sozialkritischen Romane («Die Forderung des Weges», 1926; «Der Hausherr», 4 Bände, 1917/33) und Erzählungen sind einfache Menschen.

Hattuscha: befestigte Hauptstadt und Stammeszentrum des Hethiterreiches, nahe dem heutigen türkischen Dorf Bogazköy bei Ankara. Seit 1906 wurden bei Ausgrabungen unter anderem Burg, Stadtmauer, Wohnstätten und Tempel freigelegt und wichtige Keilschrifttafeln aus der 2. Hälfte des 2. Jahrtausend vor Christus gefunden.

Chaucer, Geoffrey, um 1340-25. 10. 1400, bedeutendster Dichter der mittelenglische Periode; erster englischer frühbürgerlicher Realist; schrieb höfliche Versepik zuerst unter französische («Buch von der Herzogin», 1369; «Rosenroman», um 1370), nach seiner Italienreise unter italienischen Einfluss («Haus der Fama», 1381; «Troilus und Cressida», 1382/84; «Legende von den guten Frauen», 1385/86). Sein wichtigstes Werk, aus der englischen Periode, sind die «Canterbury-Geschichten» (1387/1400, deutsch), ein lebendiges, volkstümliches, von Humor getöntes Bild des ausklingenden Feudalzeitalters in England.

Chauken: germanischer Stamm, der zu Beginn unserer Zeit zwischen Elbe und Ems sowie seit der 2. Hälfte des 1. Jahrhundert an der unteren Weser ansässig war. Die Chauken erkannten seit 12 vor Christus die römische Oberherrschaft an und nahmen nicht am Kampf der Cherusker teil. Um 30 begannen sie mit dem Angriff gegen die Römer, in den 40er Jahren erschienen sie als Seeräuber an der gallisch-niederrheinische Küste. Im 3. Jahrhundert drangen die Sachsen in das Gebiet der Chauken ein.

Chaumette, Pierre Gaspard, genannt Anaxgz goras, 24.5.1763-13.4.1794, französischer Revolutionär; Vertreter der linken Jakobiner; wurde 1790 Mitglied des Klubs der Cordeliers, als Prokurator (1792/94) der Kommune von Paris rief er zur konsequenten Verfolgung großbürgerlichen Spekulanten auf und setzte sich für die Übergabe des beschlagnahmten Besitzes von Emigranten und Staatsfeinden an das Volk ein; unter anderem sollten Betriebe der Verwaltung der Gemeinden unterstellt werden. Chaumette gehörte in Paris zu den Förderern der «Entchristlichung», im Zusammenhang mit dem «häbertistischen» Umsturzversuch vom März 1794 wurde er von den Jakobinern angeklagt und hingerichtet.

Chaussee: Landstraße mit befestigter Fahrbahn, erstmalig im 18. Jahrhundert in Frankreich gebaut.

Chauvinismus: besonders reaktionäre und extreme Erscheinungsform des bürgerlichen Nationalismus; richtet sich auf die offene, brutale und direkte Unterjochung anderer Völker, die Entfachung nationaler Feindschaft und die Unterdrückung der eigenen Nation.

Chavez, Carlos, 13.6.1899-2.8.1978, mexikanischer Komponist; machte sich, auch als Dirigent und Organisator, um die nationale mexikanische Musik verdient; gründete unter anderem das Konservatorium, 1928 das Sinfonieorchester Mexikos und leitete seit 1930 Sinfoniekonzerte für Arbeiter. Chavez Werke (Ballette, Sinfonien unter anderem) basieren auf avantgardistische Techniken, indianische Tradition, Revolutionserlebnis und Nähe zur Linken.

Chavez Morado, José, geboren 9.1.1909, mexikanischer Maler und Graphiker; seit 1938 Mitglied der «Werkstatt für Volksgraphik», 1950 Leiter einer Werkstatt zur Förderung der Synthese zwischen Architektur und bildender Kunst; bevorzugt antiimperialistische und auf die nationale Geschichte gerichtete Thematik. Zahlreiche straff komponierte Wandbilder mit symbolischen Elementen, zum Beispiel an der Universität (Fresken und Glasmosaik) und am Ministerium für Öffentliche Arbeiten (Steinmosaiken) in Mexiko (Stadt).

Chavis, Ben (Benjamin), geboren 22.1.1948, afroamerikanischer Geistlicher, Bürgerrechtskämpfer; unterstützte 1971 in Wilmington (N. Chavis) eine Demonstration gegen Rassendiskriminierung in Schulen, wurde 1972 verhaftet und unter falscher Anklage zu 34 Jahren Haft verurteilt; nach internationaler Protestbewegung 1979 mit Bewährung entlassen, 1980 Aufhebung des Urteils.

Cheilitis: unterschiedlich ausgeprägte Entzündung der Lippen (Rötung, Schuppung, Rhagaden, Erosionen) durch Witterungseinflüsse, Fieber, Eisenmangel oder andere schwere Erkrankungen.

Cheklanglamm: sehr seidiges, glänzendes, meist rein weißes Fell einer in China beheimateten Schafrasse. Cheklanglammfelle sind flachgewellt bis korkenzieherartig gelockt, sie werden meist in mod. Tönen gefärbt für Pelzbekleidung verwendet.

Chelate: Komplexverbindungen mit mehrzähligen Liganden, die das Zentralatom wie eine Kralle (griechisch chele) umfassen. Als Zentrale Form fungieren im Allgemeinen Metalle, die durch koordinative oder homöopolare Bindungen mit den funktionellen Gruppen des organischen Liganden verknüpft sind, so dass mehr oder weniger ringförmige stabile Atomanordnungen entstehen. Natürliche Chelate sind zum Beispiel Hämoglobin und Chlorophyll; in der analytischen Chemie sind unter anderem Nickel-Diacetyldioxim und Chelate mit Ethylendiamintetraessigsäure von Bedeutung.

Chelcicky, Cheltschizki, Petr, um 1390-1460, tschechischer Sozialtheoretiker; kritisierte in seinen vom Denken der Taboriten beeinflussten Schriften (Hauptwerk «Netz des Glaubens», um 1440) die feudale Gesellschaftsordnung und propagierte ein einfaches, an urchristliches Vorbild orientiertes Leben.

Cheliff, Oued Cheliff: längster Fluss Algeriens; 690 km; entspringt im Saharaatlas, durchfließt das Hochland der Schotts und den Küstenatlas, mündet ins Mittelmeer; an Cheliff und seinen Nebenflüssen Bewässerungsstau- und Kraftwerke; nicht schiffbar.

Chemcorprozess: (Kunstwort) Verfahren zur Erhöhung der Festigkeit von Glasoberflächen. Ein Grundglas wird in eine Lithiumsalzschmelze gebracht, wobei ein Austausch der Natrium- oder Kaliumionen durch Lithium-Ionen erfolgt. Anschließendes Tempern lässt an der Oberfläche eine Schicht mit extrem niedrigem Ausdehnungskoeffizienten entstehen, die die Festigkeit erhöht.

Chemie: (zurückgebildet aus «Alchimie») Wissenschaft von den Stoffen, ihrer Zusammensetzung, ihrem Aufbau, ihren unter stofflicher Umwandlungen (Stoffwandlungen) verlaufenden Wechselwirkungen (ehem. Reaktionen) und den diese Wechselwirkungen verursachenden Eigenschaften. Aufgaben der Chemie sind es, die Gesetze der chemischen Wechselwirkungen von Stoffen sowie die Struktur der Stoffe zu erforschen und auf Grund dieser Erkenntnisse neue Stoffe zu gewinnen sowie auch chemisch-technische Prozesse zu entwickeln. Dabei untersucht die Chemie nur solche Vorgänge, die auf Wechselwirkungen von Elektronenhüllen beruhen, während Veränderungen der Atomkerne, Reaktionen unter Einbeziehung von Kernbruchstücken oder zum Beispiel Elementumwandlungen der Kernphysik beziehungsweise der Kernchemie zuzuordnen sind. Der Wissenschaftszweig der anorganischen Chemie umfasst die chemischen Elemente und ihre Verbindungen mit Ausnahme der Kohlenstoffverbindungen, von denen nur wenige (zum Beispiel die Oxide, Kohlensäure, Carbonate, Karbide, Metallcarbonyle) der anorganischen Chemie zugerechnet werden. Die organische Chemie behandelt die Mehrzahl der Kohlenstoffverbindungen. Wichtige Teilgebiete der anorganischen und der Organ. Chemie sind die präparative Chemie (Synthesen), die analytische Chemie (qualitative und quantitative Zusammensetzung) und die theoretische Chemie (zum Beispiel Grundlagen der chemischen Bindung und des Reaktionsvermögens). Letztere steht in enger Beziehung zur physikalischen Chemie, welche die physikalischen Ursachen und Wirkungen chemische Vorgänge sowie die Abhängigkeit chemischer Prozesse von physikalischen Einflussgrößen untersucht. Die technische Chemie (unterteilt in chemischer Technologie und Verfahrenstechnik) befasst sich mit der Erforschung der zur Realisierung von chemischen Produktionsprozessen notwendigen Gesetzmäßigkeiten sowie der Entwicklung der dazu notwendigen Verfahren. Geschichtliches. Die Kenntnis chemischer Vorgänge reicht bis in die Urgesellschaft beziehungsweise die altorientalische Klassengesellschaft zurück (Erzeugung von Feuer, Gewinnung von Metallen, Herstellung von alkoholischen Getränken und Essig durch Gärung). Chemische Produktionsverfahren waren im Altertum besonders in Ägypten, Mesopotamien, Indien und China auf einem hohen Stand. Die Theorie wurde, wenn auch rein spekulativ, insbesondere durch griechische Philosophen entwickelt (Atomtheorie von Leukipp und Demokrit, Vier-Elemente-Lehre von Empedokles). Im 1. Jahrhundert kam die Alchimie auf. Sie wurde erst im 18. Jahrhundert überwunden; doch forderte bereits im 15. Jahrhundert Paracelsus, chemische Erfahrungen zur Herstellung von Arzneien einzusetzen (Iatrochemie), und G. Agricola (1494-1555), J. R. Glauber (1604-1668) unter anderem setzten sich für die Anwendung chemischer Kenntnisse zur Rationalisierung der gewerblich-chemischen Produktion ein. G. E. Stahl schuf 1697 die Phlogistontheorie, die A. L. Lavoisier um 1780 zur Oxydationstheorie weiterentwickelte. Auf der Grundlage quantitativer Untersuchungen schuf J. Dalton um 1800 die Anfänge einer wissenschaftlichen Atomtheorie. Elektrolyse, Spektralanalyse unter anderem Methoden führten zur Kenntnis weiterer chemische Elemente, deren umfassende Systematisierung 1868/69 D. I. Mendelejew und L. Meyer gelang. Die organische Chemie entwickelte sich, insbesondere seit F. Wöhler 1828 durch seine Harnstoffsynthese nachwies, dass organischen Substanzen ohne besondere «Lebenskraft» aus anorganischen Stoffen hergestellt werden können. Die Fortschritte in der organischen Chemie (J. von Liebig, A. M. Butlerow, A. Kekule unter anderem)

Das Faserstoffvorprodukt wird durch Spinndüsen in ein Färbbadgepresst. Dabei bildet sich der Faserstoff und wird abgezogen führten schließlich zur Entwicklung einer organischen chemischen Großindustrie (Farbstoffe, Arzneimittel sowie im 20. Jahrhundert insbesondere Synthesekautschuk, Chemiefaserstoffe und Plaste). Diese zog den Ausbau der im 18. Jahrhundert entstandenen chemischen Grundstoffindustrie (Mineralsäuren, Alkalien, Chlor) zu einer anorganischen chemischen Großindustrie nach sich, die Grundchemikalien für die sich besonders im 20. Jahrhundert entwickelnde Düngemittel- und Sprengstoffindustrie lieferte. Die katalytische Synthese von Ammoniak (Leuna-Werke, 1916) sowie auch andere großtechnischen Verfahren (Herstellung von Schwefelsäure, Salpetersäure, Benzin unter anderem) fußten auf den Erkenntnissen der sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert herausbildenden physikalischen Chemie (W. Ostwald, W. Nernst unter anderem). Durch die Entwicklung zum Beispiel der chemischen Thermodynamik, der Theorie der elektrolytischen Dissoziation (S. Arrhenius, 1887) und durch die Erforschung der Struktur der Atome (E. Rutherford, N. Bohr, 1911/13) wurde die physikalische Chemie immer mehr zur Grundlage der theoretischen und praktischen Chemie. Hinsichtlich der technischen organischen Chemie vollzog sich im 2. Drittel des 20. Jahrhundert eine zur Zeit wieder rückläufige Schwerpunktverlagerung von der ursprünglich allein vorhandenen Karbochemie auf die Petrolchemie. Besondere Leistungen für die Synthese organischen-chemischen Verbindungen werden von den mikrobiologischen Verfahren erwartet, die, abgesehen von der seit dem Altertum bekannten alkoholischen Gärung, etwa von 1940 an in größerem Maßstab, zum Beispiel zur Produktion von Antibiotika, betrieben werden.

Chemiefaserstoffe: industriell hergestellte Faserstoffe, die textil verarbeitbar sind und die im Gegensatz zu den Naturfaserstoffen durch chemische Verfahren aus natürliche oder synthetische organische Polymeren sowie aus anorganischen Substanzen hergestellt werden. Die Chemiefaserstoffe werden in der Regel aus Spinnmassen (Lösungen oder Schmelzen) erzeugt, indem diese durch Spinndüsen in Fällbäder (Nassspinnen), Heißluft (Trockenspinnen durch Verdunsten des Lösungsmittels) oder Kaltluft beziehungsweise Inertgas (Schmelzspinnen durch Erstarren der Schmelze) gepresst werden. Man stellt Chemiefasern endlicher Länge oder Chemieseiden praktisch unbegrenzter Länge her, letztere in Form eines einzigen Elementarfadens (Seide) oder einer Elementarfadenschar (polyfile Seide). Der Anteil der Chemiefaserstoffe am Gesamtfaserstoffaufkommen der Welt betrug 1980 52%; davon wurden drei Viertel vollsynthetisch, ein Viertel durch Umwandlung natürlicher Zellulose hergestellt.

Chemigraphie: a) Verfahren zur Herstellung von Hochdruckplatten durch Ätzen oder Gravieren von Metall- oder Plastikplatten; mittels Reproduktionsfotografie werden Kopiervorlagen hergestellt und durch Kopie auf eine lichtempfindlich beschichtete Metallplatte übertragen;

b) Betrieb für die Herstellung von Hochdruckplatten.

Chemikalien: Stoffe oder Stoffgemische zur Durchführung chemischer Umsetzungen in Labor und Technik.

Chemilumineszenz: bei chemischen Reaktionen ohne wesend. Temperaturerhöhung erfolgende Ausstrahlung von Licht («kaltes Licht»). Eine Chemilumineszenz ist zum Beispiel das bei der langsamen Oxydation von weißem Phosphor an der Luft im Dunkeln sichtbare grünliche Leuchten. Eine hohe Quantenausbeute zeigt die Luminolreaktion (Luminol). Die bei biologischen Vorgängen auftretende Chemilumineszenz heißt auch Biolumineszenz. Siehe auch Luziferin.

chemische Affinität: Triebkraft chemischer Reaktionen. Im Allgemeinen strebt jede chemische Umsetzung einem Gleichgewichtszustand zu, bei dem definitionsgemäß die chemische Affinität gleich Null ist; sie besitzt einen umso größeren Wert, je weiter das Reaktionssystem vom Gleichgewichtszustand entfernt ist. Bei konstantem Druck ist die Änderung der freien Reaktionsenthalpie (AG) beim Übergang vom Ausgangs zum Gleichgewichtszustand ein Maß für die chemische Affinität. Bei negativen Werten für AG laufen die Reaktionen in der durch die chemische Gleichung vorgegebenen Richtung bis zu den Endprodukten freiwillig ab; bei positiven Werten erfolgt die gegenläufige Reaktion,

chemische Analyse: Ermittlung der Zusammensetzung von chemischen Verbindungen oder Stoffgemischen nach Art (qualitative chemische Analyse) oder Menge (quantitative chemische Analyse) ihrer Bestandteile. Die klassische anorganische quantitative chemische Analyse unterscheidet zwischen Maßanalyse und Gewichtsanalyse. Die ursprünglich rein chemischen Methoden der chemischen Analyse werden in zunehmendem Maße durch physikalischen oder physikalisch-chemischen Verfahren (Spektroskopie, Fotometrie, Polarographie, Chromatographie unter anderem) ergänzt oder ersetzt. Mit Verfahren und Reagenzien hoher Empfindlichkeit ermöglicht die chemische Analyse auch den Nachweis und die Bestimmung von Stoffen in Mengen von 10"2g (Halbmikroanalyse) bis zu weniger als 10“10 g (Mikroanalyse).

chemische Bindung: Wechselwirkung, die den Zusammenhalt der Teilchen in einem Molekül, Ionenkristall oder Metall verursacht, zum Teil auch an Grenzflächen (Chemisorption) und in bestimmten Molekülverbänden (zum Beispiel Wasserstoffrückenbindung). In einem Molekül werden die Atome durch gemeinsame Elektronenpaare gebunden, zum Beispiel H:H (homöopolare Bindung). In einem Ionenkristall sowie den entsprechend Schmelzen und Dämpfen beruht der Zusammenhalt auf elektrostatischen Kräften. In einem Metall besteht eine Wechselwirkung zwischen positiven Metallionen und negativem Elektronengas ff metallische Bindung) zwischen allen Arten der chemischen Bindung gibt es Übergangsformen.

chemische Formel: Kurzdarstellung der chemischen Zusammensetzung von Stoffen unter Verwendung der chemischen Symbole. Die Summenformel (Bruttoformel) gibt das Verhältnis an, in dem die Atome miteinander chemisch verbunden sind, ohne dabei die Reihenfolge oder räumliche Lage der einzelnen Atome zu berücksichtigen; zum Beispiel zeigt die chemische Formel für Wasser, H20, dass je 2 Wasserstoffatome mit einem Sauerstoffatom verbunden sind. Die Strukturformel (Valenzstrichformel) gibt (ohne Rücksicht auf räumliche Verhältnisse) die Verknüpfung der Atome innerhalb eines Moleküls wieder.

chemische Gleichung: Kurzschreibweise von chemischen Reaktionen unter Verwendung von chemischen Formeln, zum Beispiel Zn + 2HC1 —» ZnCl2 + H2 (1 mol Zink reagiert mit 2 mol Chlorwasserstoff unter Bildung von 1 mol Zinkchlorid und 1 mol Wasserstoff. Das Zeichen ?= (auch «=) kennzeichnet ein chemisches Gleichgewicht.

chemische Kampfstoffe: in militärischer oder terroristischer Absicht verwendbare, überwiegend synthetisch erzeugte Substanzen zur schweren Schädigung und (Massen-)Vernichtung von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie zur nachhaltigen Beeinträchtigung der Umwelt. Man kann die chemischen Kampfstoffe nach ihren Wirkorten im Organismus in haut-, lungen-, nervenschädigende chemische Kampfstoffe unter anderem oder nach ihren physikalischen Eigenschaften in sesshafte und flüchtige chemische Kampfstoffe unterteilen; auch andere Einteilungen sind möglich. Die seit Jahren andauernden UN-Verhandlungen für ein weltweites Verbot zur Herstellung, Lagerung und zum Einsatz chemischer Kampfstoffe sind bislang erfolglos geblieben.

chemische Reaktion: durch Wechselwirkung der Elektronenhüllen bedingte Stoffumwandlung. Die chemische Reaktion führt von einem oder mehreren Ausgangsstoffen (Einsatzprodukten) zu einem oder mehreren Endstoffen (End-, Reaktionsprodukten); bei scheinbar unvollständigem Ablauf bildet sich ein chemisches Gleichgewicht aus. Die Kurzbeschreibung einer chemischen Reaktion erfolgt durch eine chemische Gleichung. Jede chemische Reaktion verläuft unter Aufnahme (endergone chemische Reaktion) oder Abgabe (exergone chemische Reaktion) von Energie, meist Wärme (endotherme beziehungsweise exotherme chemische Reaktion)\ manche exergon beziehungsweise exotherm verlaufenden chemischen Reaktion benötigen zu ihrem Ingangkommen die anfängliche Zufuhr von Aktivierungsenergie. Bei homogenen chemischen Reaktionen befinden sich alle Reaktionspartner (Ausgangs- und Endstoffe) in 1 Phase (Gas, Lösung); bei heterogenen chemischen Reaktion liegen mindestens 2 Phasen vor, entsprechend ihrer Reaktionsgeschwindigkeit erfordern chemischen Reaktion Zeiten von 1O-12 Sekunden bis zu vielen Jahren, wobei man die sehr schnell verlaufenden Ionenreaktionen zwischen meist anorganische Substanzen von den langsameren Zeitreaktionen zwischen meist organische Molekülen unterscheidet. Bei chemischer Reaktion I. Ordnung (bezüglich eines Reaktionspartners) ist die Reaktionsgeschwindigkeit der Konzentration dieses Partners direkt proportional, bei einer chemischen Reaktion II. Ordnung dem Quadrat seiner Konzentration; häufig treten gebrochene, selten Reaktionsordnungen >2 auf.

chemisches Element: Stoff, dessen Atome jeweils die gleiche Anzahl Protonen und somit die gleiche Kernladungszahl aufweisen. Diese Zahl legt die Einordnung in das Periodensystem fest (Ordnungszahl) und bestimmt zugleich die Anzahl der Elektronen in der Atomhülle, von welcher das chemische Verhalten abhängt. Ein chemisches Element kann durch chemische Methoden nicht weiter zerlegt und auch nicht in ein anderes chemisches Element umgewandelt werden; hierfür sind kernphysikalische Prozesse erforderlich. Bis jetzt (1985) sind 109 chemische Elemente bekannt, von denen etwa 94 in der Natur existieren, während die übrigen, oft nur in Form weniger Atome, künstlich hergestellt wurden. Bei gewöhnlichen Bedingungen sind 11 chemische Elemente gasförmig, 2 flüssig (Brom, Quecksilber) und die übrigen fest. Man unterscheidet 17 Nichtmetalle, 9 Halbmetalle (zum Teil willkürlich abgegrenzt) und 83 Metalle. 20 der chemischen Elemente weisen in ihren natürlichen Vorkommen nur ein einziges stabiles Nuklid auf und werden deshalb als Reinelemente bezeichnet (zum Beispiel Aluminium, Arsen, Gold, Jod, Natrium, Phosphor). Die übrigen natürlichen chemischen Elemente liegen als Isotopengemische von annähernd konstanter Zusammensetzung vor; sie werden Mischelemente genannt. Bei einigen der chemischen Elemente (zum Beispiel Kalium, Rubidium und Indium, in sehr geringen Anteilen auch bei Kohlenstoff und Wasserstoff) treten neben den stabilen Isotopen auch instabile auf, von anderen (zum Beispiel Uran, Thorium und Radium) kommen in der Natur nur instabile Isotope vor, weitere chemische Elemente (zum Beispiel die meisten Transurane) sind nur künstlich als instabile Nuklide zu gewinnen. Da von nahezu jedem chemischen Element künstliche, instabile Isotope hergestellt werden konnten, beträgt die Anzahl der bekannten Nuklide gegenwärtig etwa 1500. Bis heute fehlen jegliche Beweise für das Vorkommen anderer als die auf der Erde existierenden chemischen Elemente im Weltall.

chemisches Gleichgewicht: Zustand eines Stoffsystems, in welchem ständig eine chemische Reaktion (Hinreaktion, zum Beispiel A + B —» C + D) und ihre Umkehrung (Rückreaktion; C + D — A + B) mit gleicher Geschwindigkeit ablaufen, so dass sich das Mengenverhältnis der Stoffe (die Lage des chemischen Gleichgewichts) nicht ändert. Das chemische Gleichgewicht wird symbolisch durch zum Beispiel A + B = C + D dargestellt, wobei auch das Zeichen ^ angewendet werden kann. Die Lage eines chemischen Gleichgewichts ist von Temperatur, Druck und den Konzentrationsverhältnissen abhängig, nicht jedoch von der Anwesenheit eines Katalysators; letzterer beeinflusst lediglich die Zeit, innerhalb welcher sich das chemische Gleichgewicht einstellt. Die mathematische Behandlung des chemischen Gleichgewichts erfolgt durch das Massenwirkungsgesetz. Thermodynamisch betrachtet, herrscht für ein Stoffsystem chemisches Gleichgewicht, wenn die Änderungen der freien Energie beziehungsweise Enthalpie für die betreffende Reaktion gleich Null sind.

chemisches Symbol: Kurzzeichen für den Namen eines chemischen Elements. Ein chemisches Symbol wird im Allgemeinen aus dem lateinischen oder griechischen Namen des betreffenden Elements abgeleitet (zum Beispiel Cu für Kupfer, lateinisch cuprum\ oder S für Schwefel, lateinisch sulfur). Die Einführung der chemischen Symbole geht auf J. J. Berzelius zurück.

chemische Struktur: Beschaffenheit chemischer Individuen (Moleküle, Molekülionen) hinsichtlich der Lage der Atomkerne und der Verteilung der Elektronendichte,

chemische Thermodynamik: Teilgebiet der physikalischen Chemie, in dem Zusammenhänge zwischen Zustandsänderungen chemischer Systeme und den damit verbundenen Energieumsätzen untersucht werden. Zur Beschreibung des Zustandes dienen die Zustandsgrößenarten Temperatur, Druck, Volumen und Konzentration, die in Zustandsfunktionen, wie innere Energie, Enthalpie, Entropie, freie Energie und freie Enthalpie, eingehen.

chemische Verbindung: reine Substanz, deren Moleküle beziehungsweise Ionenverbände aus Atomen beziehungsweise Ionen verschiedener Elemente zusammengesetzt sind. Eine chemische Verbindung hat andere Eigenschaften als die in ihr chemisch gebundenen Elemente.

Chemisch Reinigung: Reinigung verschmutzter Textilien mit Fettlösern (Gemische aus Benzinen, Trichlorethen, Tetrachlormethan unter anderem) in geschlossenen Apparaten, auch Münzautomaten. Die Fettlöser werden durch Destillation zurückgewonnen,

Chemisett: Vorhemd; gestärkte Hemdbrust, oft mit Spitzenrüschen und Biesen geschmückt, in der Damenmode auch weißer Bluseneinsatz.

Chemisierung: bedeutsame objektive Entwicklungsrichtung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Sie umfasst die Herstellung, Verarbeitung, Veredelung und Weiterentwicklung chemischer Produkte (zum Beispiel Plaste, Elaste, Chemiefaserstoffe), die Modernisierung und Rationalisierung der Verfahrenstechnik und nimmt damit Einfluss auf die Intensivierung der Produktion in vielen Bereichen der Wirtschaft. Die Chemisierung wird wirksam durch die umfangreiche Produktion und Anwendung chemischer Erzeugnisse sowie durch die Einführung chemischer Verfahren, neuartiger Methoden und Wirkprinzipien in nahezu allen Bereichen der Industrie und Landwirtschaft.

Chemisorption: Bindung von Molekülen gasförmiger, flüssiger oder gelöster Stoffe an der Oberfläche von Feststoffen oder Flüssigkeiten durch chemische Wechselwirkungen zwischen den Partnern, die bis zur Dissoziation der adsorbierten Moleküle und zum Teil sehr stabilen Adsorptionsbindungen führen kann. Hierauf beruht die Bedeutung der Chemisorption für Reaktionen an festen Katalysatoren.

Chemogenetik: Spezialgebiet der Genetik, das den Einfluss chemischer Stoffe auf das Erbgut, insbesondere im Hinblick auf die Auslösung von Mutationen, untersucht.

Chemoprophylaxe: Verabfolgen von Chemotherapeutika zum Schutz erkrankter oder gesunder Personen vor Infektionen, zur Verhinderung der Ausbreitung von Infektionen, insbesondere bei Abwehrschwäche des Organismus, oder zur Ausschaltung des Kranken als Infektionsquelle. Häufig wird zum Beispiel eine Rheumaprophylaxe mit langwirksamem Penizillin durchgeführt. In der Tierproduktion werden Chemoprophylaktika hauptsächlich mit dem Futter oder dem Tränkwasser eingesetzt (zum Beispiel Kokzidiostatika zur Verhütung der Kokzidiose beim Geflügel).

Chemoresistenz: Widerstandsfähigkeit von Krankheitserregern beziehungsweise von Krebszellen gegenüber einem Chemotherapeutikum.

Chemosynthese: auf rein chemischen Wege (ohne Hilfe des Sonnenlichtes) erfolgende stoffliche Aufbauvorgänge in Pflanzen.

Chemotherapeutika: Gruppe von Arzneimitteln, die lebende Krankheitserreger (Bakterien, Pilze, Viren, Protozoen, Würmer) im Organismus schädigen oder abtöten.

Chemotherapie: Behandlung von Infektionskrankheiten und Krebserkrankungen mit chemischen Mitteln (Chemotherapeutika), zum Beispiel Sulfonamide, Antibiotika und Virusmittel; begründet von P. Ehrlich.

Chengdu, Tschöngtu: Stadt in China, Verwaltungszentrum der Provinz Sichuan, im Nordwesten des Roten Beckens; 1,7 Millionen Einwohner; elektronische/elektrotechnische, chemische Industrie, Produktion von Messinstrumenten und Metallschneidewerkzeugen, größtes Zementwerk Chinas; Wärmekraftwerk (100 MW); Knotenpunkt der Bahnlinie Baoji-Chongqing und der Chengdu-Kunming-Bahn, Flughafen; Universität.

Chengdu-Kunming-Bahn: 1970 eröffnete Bahnlinie zwischen den Verwaltungszentren der Provinzen Sichuan und Yunnan in China; 1085 km lang mit 427 Tunneln (längster 6,5 km) und 653 Brücken; dient der wirtschaftlichen Erschließung des Südwestens.

Cherbourg: Stadt im Nordwesten Frankreichs, an der Kanalküste; 38000 Einwohner; Schiffbau, Metallindustrie; Kriegs-, Handels-, Fischerei- und Passagierhafen, Fährverkehr nach Großbritannien; Seebad. Im 2. Weltkrieg stark zerstört; am 26.6.1944 durch die westlichen Alliierten befreit.

Cherbuliez, Victor, 19.7.1829-2.7.1899, französischer Schriftsteller schweizerischer Herkunft; Verfasser eleganter Gesellschaftsromane («Der Graf Kostia», 1863, deutsch; unter anderem), bedeutender als Kunst- und Literaturkritiker; Mitarbeiter der «Revue des Deux Mondes».

Cherchez la femme: («Sucht die Frau!») Redensart, die besagt, dass man hinter einer Sache das Wirken einer Frau vermutet.

Cherokee, Tscherokesen: ehemalige Föderation von Indianerstämmen der Irokesen-Sprachgruppe in den südlichen Appalachen (USA) mit intensiver Maiskultur und hochentwickeltem Häuptlingstum; 1838/39 zwangsweise nach Oklahoma umgesiedelt, dort heute 66000.

Cherry Brandy: Fruchtsaftlikör aus Kirschsaft, Kirschbrand und Primasprit (nicht zu verwechseln mit Sherry).

Cherub, Kerub: geflügeltes Phantasiewesen (Engel), im Alten Testament Wächter an der Pforte zum Paradies, Hüter der Bundeslade und des israelitischen Heiligtums.

Cherubim, Luigi, 8. 9. 1760-15. 3. 1842, italienischer Komponist; seit 1788 in Paris, dort 1821/42 Direktor des Konservatoriums; schrieb während der Französischen Revolution Lieder und Massenhymnen, ferner von C W. Gluck ausgehende Revolutions- und «Rettungs-»Opern (unter anderem «Der Wasserträger», 1800); bedeutende Instrumental- und Kirchenmusik (Messen, Requiem); ein führender Meister seiner Zeit, von Beethoven hochgeschätzt.

Cherusker: westgermanischer Stamm, zwischen Teutoburger Wald und Elbe, besonders im Wesergebiet, ansässig. Die Cherusker bildeten den Kern der germanischen Stämme, die unter Arminius im Jahre 9 nach Christus die Römer im Teutoburger Wald besiegten. Später gingen die Cherusker in den Thüringern und Sachsen auf.

Chesapeake-Bay: stark gegliederte, sich 320 km von Norden nach Süden an der Ostküste der USA erstreckende Meeresbucht des Atlantischen Ozeans; zwischen 6 und 60 km breit, bis 40 m tief; für große Seeschiffe befahrbar; hafenreiche Küste (Baltimore, Norfolk). Die innere Bucht wird von einer 7,7 km langen Straßenbrücke bei Annapolis im Norden, die äußere von einer 32,6 km langen Straßenbrücke zwischen Norfolk und Cape Charles im Süden überspannt.

Chester: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Cheshire, südlich von Liverpool; 63000 Einwohner; Elektro-, Metall- und Lederindustrie; Fremdenverkehr; mittelalterliches Stadtbild: Stadtmauer mit Toren (14. Jahrhundert), gotische Kathedrale (13./15. Jahrhundert).

Chesterfield: Stadt im mittleren England (Großbritannien), südlich von Sheffield; 71000 Einwohner; Steinkohlenförderung; bedeutender Schwermaschinenbau, Papier- und chemische Industrie. Chesterfield-Inseln: unbewohnte Korallenriffe nordwestlich von Neukaledonien im Stillen Ozean, zu Französisch-Ozeanien; zusammen etwa 1 km2; bewaldet; Vorräte an Guano (Gewinnung 1921 eingestellt).

Chesterton, Gilbert Keith, 29.5.1874-14.6.1936, englischen Schriftsteller und Lyriker; übte eine von katholischen-mittelalterlichen Idealen ausgehende Gesellschaftskritik; verfasste zahlreiche militant-polemische Schriften; schrieb satirisch-phantastische Romane («Der Held von Notting-Hill», 1904, deutsch), Erzählungen, Essays sowie Kriminalgeschichten um den Amateurdetektiv Pater Brown.

Chetagurow, Kosta, 15.10.1859-1.4.1906,Osset. Lyriker, Dramatiker und revolutionär-demokratischer Publizist; gilt als Begründer und größter Dichter der ossetischen Literatur im 19. Jahrhundert; wandte sich in seinen Werken gegen die Unterdrückung seines Volkes durch den Zarismus und rief es zum Freiheitskampf auf.

Chevalier: a) ursprünglich der französischen Ritter, später niederer Adelstitel;

b) Angehöriger eines Ritterordens;

c) in Frankreich allgemein für Adliger.

Chevreau, Chevreauleder. chromgegerbtes Schuhoberleder mit glattem Narben, aus Ziegen- oder Zickelfellen.

Chevrette, Chevrette-Leder, chromgegerbtes Schafleder; feiner, aber weniger haltbar als Chevreau.

Chianti: Hügelland in Mittelitalien; in der Toskana, bei Florenz; Kastanien- und Eichenwälder; Wein-, Oliven- und Obstbau; die Heimat des roten Chianti Weines.

Chianti Wein: leichter Rotwein aus Chianti, der in bastumflochtenen bauchigen Flaschen gehandelt wird.

Chiasma: Überkreuzungsfigur, die in der Prophase der Meiose als Ergebnis eines Crossing-over zwischen jeweils 2 der 4 Chromatiden eines Bivalents entsteht.

Chiasma opticum: in der Schädelhöhle gelegene Kreuzungsstelle der beiden Sehnerven.

Chiasso: südlichste Stadt der Schweiz (Kanton Tessin), an der italienischen Grenze; 9000 Einwohner; metallverarbeitende und Tabakindustrie; Weinbau; Transitverkehr.

Chiaveri, Gaetano, 1689 - 5.3.1770, italienischer Architekt; kam 1730 an den sächsischen Hof. Sein Hauptwerk ist die katholische Hofkirche in Dresden (1738/55), die in ihrer Anlage auf die Schlosskapelle in Versailles zurückgeht.

Chiba: 1. Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, an der Ostseite der Tokio-Bucht; 5 129 km2, 4,5 Millionen Einwohner; 877 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Chiba 2; nach dem 2. Weltkrieg rasche wirtschaftliche Entwicklung durch die Ausbreitung der Keihin-Industriezone; Stahl- und Aluminiumindustrie, Maschinenbau, Erdölverarbeitung, petrolchemische, Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

2. Stadt in Chiba 1; 750000 Einwohner; bedeutender Handels- und Fischereihafen (Umschlag 123 Millionen t).

Chibcha, Tschibtscha: indianische Sprach- und Völkerfamilie zwischen Nikaragua und Ekuador; über 300000 (vorwiegend in Kolumbien). Vor der spanischen Eroberung (1. Hälfte 16. Jahrhundert; mit hoher Kultur, besonders die Chibcha im engeren Sinne oder Muisca irr Hochland von Bogotá (Kleinstaaten mit religiös verehrten Herrschern; Ahnen-, Sonnen- und Mondkult, Goldopfern an heiligen Seen, berühmte Goldarbeiten); entwickelter Bodenbau.

Chicago: Stadt im Bundesstaat Illinois (USA), mit Vororten zum Teil nach Indiana übergreifend, am Südwestufer des Michigansees; 3 Millionen Einwohner (davon 33% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 7 Millionen Einwohner; bedeutendes Industrie- und zweitwichtigstes Finanz- und Handelszentrum der USA; mannigfaltige Industrie, deren Grundlage die Eisenmetallurgie ist; führende Zweige sind Maschinen- und Fahrzeugbau (besonders die Produktion von Land- und Elektromaschinen, Waggons), die Erdölverarbeitung, die Fleisch-, Bekleidungs-, Möbel-, elektrotechnischen und polygraphischen Industrie; größter Vieh-, Fleisch- und getreidehandelsplatz der USA, wichtigster Bahnknoten des Landes, einer der führenden Binnenhäfen der Großen Seen, durch Sankt-Lorenz-Seeweg auch Seehafen, besitzt 2 Flughäfen (internationaler Flughafen O’Hare) sowie U-Bahn; mehrere Universitäten, technisch- und Kunsthochschule, Atomforschungszentrum, Bibliotheken, Theater, Oper, Museen; siehe auch Haymarket-Provokation.

Chicago-Stil: Anfang der 20er Jahre entstandene «weiße» Spielweise des Jazz, die musikalisch in den Swing überleitete; spielte eine Rolle in der Entwicklung des Jazz, weil hier erstmals typische Merkmale des «farbigen» Jazz von Weißen übernommen und mit den europäischen Musikvorstellungen verschmolzen wurden; brachte die Ablösung der Kollektivimprovisation durch das Chorusspiel.

Chicano: Angehöriger der spanisch sprechenden mexikanischen Minderheit in den USA besonders in den Großstädten; Chicanos sind überwiegend Mestizen.

Chichimeken: aztekische Bezeichnung für barbarische nordmexikanische Stämme, die im 12./13. Jahrhundert das Reich der Tolteken zerstörten und die hochentwickelte Kultur der Unterworfenen übernahmen sowie mehrere Stadtstaaten gründeten, unter denen der Staat der Tepaneken die Führung innehatte, bis Ende des 14. Jahrhundert der Städtedreibund unter Führung der ursprünglich ebenfalls chichimekische Azteken die Vorherrschaft übernahm.

Chiclegummi: eingedickter Saft der Rinde oder der essbaren Frucht des in Mittelamerika wachsenden Sapotillbaumes (Achras zapota); dient zur Kaugummiherstellung.

Chicorée: zu den Korbblütengewächsen gehörende Kulturform der Wegwarte; vitaminreiches Edelgemüse, dessen im Dunkeln getriebene, länglich-ovale Blätter gegessen werden.

Chief: an Bord übliche Kurzbezeichnung für den Leitenden Technischer Offizier auf Seeschiffen.

Chiffon: schleierartiges Natur- oder Chemieseidengewebe in Leinwandbindung mit sehr weichem Griff.

Chiffre: Kennwort, Ziffer, Zahl, Zahlzeichen, Namenszeichen, Monogramm; Geheimschrift, verschlüsseltes Schriftzeichen.

chiffrieren: in Geheimschrift abfassen, wobei Zahlen oder Buchstaben nach einem geheim vereinbarten System (Schlüssel, Code) angeordnet werden; siehe auch dechiffrieren.

Chignon: Haarknoten, der von einem Kamm je nach Mode tiefer oder höher im Nacken oder auf dem Kopf gehalten wird; nach 1550 in Europa aufgekommene Damenfrisur.

Childe, Vere Gordon, 14.4. 1892-19.10. 1957, britischer progressiver Urgeschichtsforscher; besonders bekannt durch zahlreiche Arbeiten über die Urgeschichte Englands und Europas.

Chile, Republik Chile: Staat an der Westküste Südamerikas; grenzt im Norden an Peru, im Nordosten an Bolivien, im Osten und Südosten an Argentinien. Administrativ gliedert sich Chile in 12 Regionen und die Hauptstadtregion. Zu Chile gehören neben einigen kleineren pazifischen Inseln auch die Osterinseln. Währung ist der Chilenische Peso.

Bevölkerung: Sie ist zu einem großen Teil europäischen Abstammung; etwa 38% Kreolen und 60% Mestizen. Im Süden leben noch 300000 Araukaner, im Norden etwa 100000 Aimara und Ketschua. Amtssprache ist Spanisch. Der überwiegende Teil der Einwohner lebt in den klimagünstigen mittleren Abschnitten des Landes, besonders im Raum Santiago und Valparaiso.

Natur: Oberfläche. Chile erstreckt sich über 4300 km entlang der Pazifikküste und ist durchschnittlich nur 150 bis 200 km breit. Die Oberfläche wird in starkem Maße durch die Anden geprägt; die Hochkordillere mit noch tätigen Vulkanen erreicht fast 7000 m (Llullaillaco, 6723 m; Tupungato, 6800 m), die Küstenkordillere im Norden etwa 2000 m. zwischen beiden liegt das Chilenische Längstal, das wegen seines milden Klimas gut für die Landwirtschaft geeignet ist. Nach Süden läuft die Hauptkordillere in teils vergletscherte Höhenzüge aus, die Küstenkordillere wird von tiefen Fjorden durchzogen. Bereits bei 45° südlicher Breite münden Gletscher bei Meeresniveau in die Fjorde. Den äußersten Süden bilden der Archipel von Patagonien und Feuerland. Klima. Es wird durch die große Längserstreckung zu einem entscheidenden Faktor der regionalen Abwandlungen. Es reicht von den trockenen Randtropen im Norden über die subtropische Stufe in Mittelchile bis zur subpolaren Zone der Feuerlandinseln im S. Die Wüste im Norden (Atacama; mit 100 mm Niederschlag/ Jahr niederschlagsärmstes Gebiet der Erde) wird durch die nach Süden zunehmenden Niederschläge von einer Flora immergrüner Bäume abgelöst. Das Land verfügt über reiche Bodenschätze, wie Kupfer, Salpeter, Kohle, Erdöl, Molybdän, Eisen-, Mangan-, Blei-, Quecksilber-, Chrom-, Kobalt-, Nickel-, Gold- und Silbererz.

Chilenisches Längstal, Valle Longitudinal: meridional verlaufende Senkungszone zwischen Hoch- und Küstenkordillere im Süden Chiles; 1080 km lang; beginnt im Norden am Rio Aconcagua südwestlich von Santiago mit etwa 500 m über dem Meeresspiegel, dacht sich nach Süden zu ab und verläuft ab Puerto Montt submarin weiter bis nach Patagonien, wo es durch die seit dem Tertiär erfolgende Absenkung in Buchten und Meeresstraßen aufgelöst ist. Vorwiegend Hügelland, das durch quer streichende Bergzüge mit Höhen bis zu 366 m über dem Meeresspiegel stärker gegliedert wird. Etwa ab 39° südliche Breite glazial geformt mit Seen vor den Talausgängen am Gebirgsrand (Chilenische Schweiz). Im äußersten Norden subtropisches Klima mit Hartlaubgehölzen, nach Süden Übergang zum gemäßigten Klima mit Laubmischwald. Das Chilenische Längstal ist Teil der Großregion Mittelchile, die den Wirtschaftskernraum des Landes darstellt.

Chiliasmus: frühchristlicher und mittelalterlicher-ketzer. Glaube der Ausgebeuteten und Unterdrückten an ein zu erwartendes oder zu erstreitendes (tausendjähriges) irdisches Gottesreich der Gleichheit und Brüderlichkeit, ohne Privateigentum und Besitz; prägte die sozialrevolutionäre Bewegung der radikalen böhmischen Hussiten, die Täuferbewegung und die Auffassungen T. Müntzers.

Chloe: küstennahe Insel im Süden Chiles; größte Insel des Landes. Im Norden durch den Kanal von Chacao, im Süden und Osten durch die Golfe von Ancud und von Corcovado vom Festland getrennt; 8395 km2; Hauptort Ancud. Teil der Küstenkordillere, gebirgig mit Höhen bis zu 820 m; warmgemäßigtes, niederschlagsreiches Klima; ausgedehnte Waldgebiete; Landwirtschaft mit betonter Schafzucht; Holz- und Fischereiwirtschaft.

Chiltern Hills: Hügelreihe im Südosten Englands, nördlich des Mittellaufes der Themse; plateauartig und nach Südosten einfallend mit Steilstufe nach NW; 68 km lang, bis 267 m hoch; aus Kreidekalk; Buchenwald, Dauerweiden; Milchwirtschaft.

Chimäre: 1. in der griechischen Sage Ungeheuer (vom Löwe, in der Mitte Ziege, hinten Schlange), das Feuer spie, wurde von Bellerophon getötet; übertragen Hirngespinst.

2. Pflanzenzüchtung: ein aus genetisch verschiedenen Zellen oder Geweben bestehender Organismus. Nach der Entstehung lassen sich Pfropf- und Mutations-Chimäre, nach der Gewebeanordnung Meriklinal-, Periklinal- und Sektorial-Chimäre unterscheiden.

Chimborazo: erloschener Vulkan in Ekuador mit zahlreichen Kratern; 6267 m; einem rund 4000 m hohen Sockel in der südamerikanischen Westkordillere glockenförmig aufsitzend; ab 4700 m mit Firn und Gletschereis bedeckt (16 kleinere, stark zerrissene Gletscher); von A. von Humboldt 1802 bis 5759 m Höhe bestiegen; die Erstbesteigung des Gipfels erfolgte durch E. Whymper 1880.

Chimbote: Stadt im Nordwesten Perus, am Stillen Ozean; 220000 Einwohner; Zentrum der Schwerindustrie des Landes mit Eisenhütten- und Stahlwerk (Erze aus Marcona), bedeutende Fischmehlproduktion; Handels- und Fischereihafen.

China-Clay: feinster Kaolin aus Gruben in Cornwall (Großbritannien), zum Beispiel aus Lee Moor in der Nähe von Plymouth.

Chinakohl, Brassica chinensis: Kreuzblütler mit lockeren Blattrosetten sowie fleischigen Blattstielen und -rippen. In Mitteleuropa wird zunehmend der verwandte Pekingkohl (B. pekinensis) angebaut.

Chinarindenbaum, Cinchona: Gattung baumförmiger Rötegewächse aus Südamerika; in den Tropen kultiviert. Von medizinischer Bedeutung ist die Rinde (Chinarinde, Cortex Chinae, Fiebemnde), die etwa 25 Alkaloide enthält, besonders Chinin und Chinidin (Antiarrhythmika).

Chinasäure: eine zuerst aus Chinarinde isolierte, sehr verbreitete Pflanzensäure; 1,3,4,5-Tetrahydroxyzyklohexankarbonsäure bildet farblose, wasserlösliche Kristalle; F161-162 °C.

Chinawissenschaften: interdisziplinäres und komplexes Wissenschaftsgebiet, das sich mit allen Aspekten der gesellschaftlichen Entwicklung Chinas, vor allem der Neuzeit und Gegenwart, beschäftigt.

Chinchillas, Chinchilla: Gattung bis 38 cm langer Nagetiere der peruanischen und chilenischen Anden; leben als Dämmerungs- und Nachttiere in Felsspalten und -höhlen; heute in ihrer Heimat fast ausgerottet. Die Langschwanz- oder Kleine Chinchillas (Chinchillas laniger) wird seit 1923 als Pelztier in Farmen gezüchtet. Bei einer Körpermaße bis 550 g bringt sie bei jährlich 2 bis 3 Würfen je 1 bis 4 (maximal 6) Junge zur Welt. Neben der Standardfarbe blau bis dunkelgrau gibt es verschiedene Mutationen. Siehe auch Pelztiere.

Chine, feinfädiges Gewebe, flammenartig gemustert mit unscharfen Konturen, die durch vor dem Weben bedruckte Kettfäden hervorgerufen werden.

Chinesen, Selbstbezeichnung Han: mongolides Volk in Ostasien, Hauptbevölkerung Chinas; etwa 950 Millionen; jahrtausendealte hohe Kultur; starke Ausbeutung im alten China zwang Millionen Chinesen zur Auswanderung (besonders Südostasien und USA).

Chinesenbart: Astüberwallungsnarbe an glattrindigen Laubholzarten, besonders an der Rotbuche.

Chinesisch: zur thai-chinesischen Gruppe der sinotibetische Sprachen zählende Sprache, Staatssprache in China, von 950 Millionen Menschen inner- und außerhalb Chinas gesprochen. Das Chinesisch kennt keine Flexion; die Beziehungen der Wörter zueinander im Satz werden durch Stellung und Hilfspartikeln geregelt. Tonakzente (in der Standard-Hochsprache 4) dienen der Unterscheidung lautgleicher, aber sinnverschiedener Wörter. Die einzelnen Dialekte unterscheiden sich vor allem zwischen Nord- und Südchina sehr erheblich.

chinesischer Talg: weißes bis graugelbes Fett, das die Samen des Talgbaumes einhüllt. Chinesischer Talg wird als Rohstoff für Seifen und Kerzen sowie zur Herstellung von Lacken verwendet.

chinesische Schrift: mehr als 3000 Jahre alte, aus einer Bilder- und Symbolschrift hervorgegangene und zum Teil zu einer Wort- oder Begriffsschrift entwickelte Schrift. Auch in der modernen Sprache ist die Kenntnis von mehreren tausend Schriftzeichen erforderlich. Eine Schriftreform strebt die systematische Vereinfachung der Schriftzeichen, die Popularisierung der Standard-Hochsprache (auf der Grundlage nordchinesischer Dialekte) und die allmähliche Einführung einer auf dem lateinischen Alphabet basierenden Lautumschrift an.

Chinesisches Schach: dem Schach verwandtes, in China, Korea und Japan verbreitetes Brettspiel mit Symbolsteinen auf 64feldrigem Brett.

Chingan, Großer, Da Hinggan Ling: von SSW nach NNO streichendes Gebirge im Nordosten Chinas; 1200 km lang, bis 400 km breit. Der Große Chingan weist Mittelgebirgsformen auf und erreicht Höhen bis 2034 m; vorwiegend aus kristallinen Gesteinen und Basalten aufgebaut. An seiner Westflanke erhebt er sich nur wenige hundert Meter über der Gobi und wird von Gebirgswaldsteppen bedeckt, während die Ostseite einen durch mehrere Bruchstufen gegliederten, bis zu 1600 m hohen Steilabfall darstellt und dicht bewaldet ist. Auf dem Gebirgskamm verläuft die Wasserscheide zwischen dem Binnenentwässerungsgebiet Zentralasiens und dem Stillen Ozean. Der Große Chingan ist reich an Bodenschätzen, besonders Gold-, Zinn- und Wolframerzen.

Chingan, Kleiner, Xiao Hinggan Ling: Mittelgebirge im Nordosten Chinas, das südlich des Amur vom Großen Chingan abzweigt; 700 km lang, bis 1150 m hoch. Vorwiegend aus kristallinen Schiefern, Porphyren, Graniten und Basalten aufgebaut, dicht bewaldet und reich an Bodenschätzen, besonders Steinkohle, Eisen- und Buntmetallerzen. Am Fuß der Südwesthänge intensiver Ackerbau.

Chin-Gebiet: Sondergebiet der Nationalität der Chin im Nordwesten von Burma, einem Gliedstaat entsprechend; grenzt im Westen und Norden an Bangladesh und Indien; 36000 km2, 360000 Einwohner; 10 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Falamische Gebirgig (2000 bis 3000 m) mit Monsuntrockenwald und Buschsteppe. Wirtschaftlich schwach entwickelt. Anbau von Reis, Mais und Tabak.

Chinhydron: (Kunstwort) eine dunkelbraune, grün glänzende Additionsverbindung zwischen para-Benzochinon (Chinone) und Hydrochinon; Anwendung für Chinhydronelektroden mit exakt pH-abhängigem, leicht reproduzierbarem, konstantem Potential.

Chinidin: ein Nebenalkaloid der Chinarinde; C20H24O2N2; bildet farblose Kristalle; F 172,5 °C. Chinidin wird medizinisch besonders bei Herzrhythmusstörungen verwendet (Antiarrhythmika).

Chinin: Hauptalkaloid der Chinarinde; ein weißes, bitter schmeckendes, schwer wasserlösliche Pulver; F177 °C (wasserfrei) beziehungsweise 57 °C (mit 3 Molekülen Kristallwasser). Die farblose Lösung von Chininsulfat fluoresziert intensiv blau. Chinin wirkt hemmend auf den Zellstoffwechsel, fiebersenkend, kurz vor der Geburt wehen verstärkend und anregend auf die Magensaftsekretion; besonders gut wirksam bei Malaria.

Chinoiserie: Dekorationsform des späten 17. und des 18. Jahrhundert, die sich an ostasiatischen, besonders aber an chinesischen Zier- und Genremotive anlehnt und am stärksten in der europäischen Raumkunst, der bildenden Kunst, im Kunstgewerbe und in der Gartengestaltung in Erscheinung tritt. Die «Chinamode» war vor allem in Deutschland durch die Produkte der Meißner Porzellanmanufaktur mit der «Höroldt-Malerei» sehr beliebt. In der Baukunst zeigt sie sich an fast allen Schlössern der Zeit, so zum Beispiel am Japanische Palais in Dresden und am Teehäuschen in Potsdam-Sanssouci.

Chinolin: eine bi- und stickstoffheterozyklische Base der Formel C,H7N. Chinolin ist eine farblose, wenig wasserlösliche Flüssigkeit von teerigem Geruch; es kommt im Steinkohlenteer vor. Das Ringsystem des isomeren Iso-Chinolin (Kp 242 °C) ist in vielen Alkaloiden enthalten.

Chintz: bunt bedrucktes Gewebe in Leinwandbindung mit wachsartig appretierter Oberfläche.

Chintzen: Kalandern des entsprechend appretierten textilen Flächengebildes zwischen verschieden schnell laufenden Walzen, von denen eine (Stahl-) Walze beheizt wird.

Chioggia: Stadt in Oberitalien, in der Region Venetien, auf einer Insel (Pfahlroste) am Südeingang der Lagune von Venedig; 54000 Einwohner; Zementwerk; Fischereihafen und Fischverarbeitung; Steinbrücke zum Festland; Dom (17. Jahrhundert), 60 m hoher Kampanile.

Chios: griechische Insel im Ägäischen Meer; 842 km2; als Distrikt 904 km2, 54000 Einwohner; 60 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Chios-Gebirgig, bis 1297 m; auf der Hochfläche nur spärlich bewachsen und dünn besiedelt; in der Küstenebene Anbau von Mastix, Wein, Oliven und Zitrusfrüchten; Schaf- und Ziegenzucht; Gerbereien; Abbau von Antimonerz; Marmorbrüche; Lebensmittelindustrie, Töpferei, Fischerei. In der Antike für den frühen Einsatz der Sklaven im Handwerk bekannt. Chios war Mitglied des 1. Att. Seebundes.

Chip: (englisch, »Plättchen») ein integrierter Schaltkreis, der nach einem Verfahren der Halbleiterblocktechnik oder der Schichttechnik hergestellt wird. Als Substrat verwendet man bei der Halbleiterblocktechnik einkristalline Halbleiterscheiben und bei der Schichttechnik Keramikplättchen.

Chippendale-Stil: englischer Möbelstil, der auf den Stil des Festlands gewirkt hat. Er vereinigt Elemente des englischen Barocks und des französischen Rokokos sowie chinesische und gotische Formen mit der Tendenz zum Geraden und Flachen (besonders Sitzmöbel); benannt nach dem britischen Möbeltischler Thomas Chippendale (um 1718-1779).

Chiralität: Eigenschaft von Körpern und zum Beispiel chemische Strukturen, sich mit ihrem Spiegelbild nicht zur Deckung bringen zu lassen. Beispiele für Chiralität sind die rechte und die linke Hand sowie die D- und L-Formen optisch aktiver Moleküle (optische Isomerie). Ein Sonderfall der Chiralität ist die Helixstruktur.

Chiriqui: erloschener Vulkan der mittelamerikanischen Kordillere, im Westen der Republik Panama; 3478 m; Solfatarentätigkeit.

Chiriqui-Golf: etwa 140 km breite Meeresbucht an der pazifischen Südwestküste Panamas; reicht 40 km landeinwärts; bis 50 m tief; zahlreiche Inseln und Lagunen; flache, stark versumpfte Küste.

Chirologie: unwissenschaftliche Lehre der Charakter- und Schicksalsdeutung aus den Handlinien.

Chiron: in der griechischen Sage gütiger, weiser Zentaur, unterrichtete viele griechische Helden in der Heilkunst und Jagd, im Waffenhandwerk, im Reiten und in der Musik; seine Schüler waren Achill, Äskulap unter anderem.

Chiropraktik: manuelle Behandlung der Wirbelsäule zur Korrektur von Fehlstellungen der Wirbelkörper, angewendet, um den zu Schmerzen führenden Druck auf Nerven zu beheben.

Chirotherium, Handtier, etwa hunde- bis bärengroßes Reptil der Triaszeit, dessen handförmige Fährten besonders häufig im Buntsandstein Vorkommen.

Chittagong, Tschittagong: Bezirksstadt im Osten von Bangladesh; 1,4 Millionen Einwohner; wichtiger Industriestandort mit Jute-, Holz-, Erdöl-, chemische Industrie, Stahlwerk, Werft, Maschinenbau, Zementwerk; Flughafen, Seehafen.

Chlopka, gestorben nach 1603 (vermutlich hingerichtet), Führer eines Bauernaufstandes in Zentral- und Südrussland; die Aufständischen wurden 1603 bei Moskau von den Truppen des Zaren geschlagen.

Chlor, (griechisch chloros, «gelbgrün») Symbol CI: chemisches Element der Kernladungszahl 17; Halogen; Atommasse 35, 453; Wertigkeiten -1, +7, seltener +5, +3, +1; F -102,0°C; Kp -34,1°C; kommt in der Natur nur gebunden vor, besonders im Meerwasser und in Salzlagern, auch in Organismen (lebensnotwendig); Minerale sind Halit (Steinsalz).

Chirurgie: («Handarbeit») Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Heilung von Wunden, Knochenbrüchen und von mechanisch verursachten Organerkrankungen sowie mit der operativen Behandlung von Geschwülsten, Missbildungen und eitrigen Infektionen befasst. Die Chirurgie gliedert sich in viele Spezialfächer, wie Thorax-Chirurgie (Brustkorb), Bauch-Chirurgie, Neuro-Chirurgie (Gehirn, Rückenmark und Nerven), Herz-Chirurgie, Gefäß-Chirurgie, plastische Chirurgie (Wiederherstellungschirurgie), September Chirurgie (Infektionen), Traumatologie (Unfall-Chirurgie). Moderne Geräte und Instrumente ermöglichen große operative Eingriffe. Voraussetzung dafür sind Narkosen, Bluttransfusionen und Asepsis.

Chitarrone, Römische Theorbe: große Basslaute (bis zu 2 m) des 17./18. Jahrhundert mit doppeltem Wirbelkasten für die Griffbrett- und Bordunsaiten; wurde besonders als Generalbassinstrument verwendet.

Chitin: aus acetylierten Glucosamin-Resten aufgebautes Polysacharid. Chitin ist eine weiße, amorphe, unlösliche Substanz; es bildet den Gerüststoff von Insekten, Krebsen und einigen Pilzen.

Chiton: Hauptbestandteil der altgriechischen Männer- und Frauenkleidung; bestand in den Formen des dorischen Chiton, einem röhrenförmig zusammengenähten Wolltuch, das auf einer oder beiden Schultern mit Spangen festgehalten, zum Teil auch um die Hüften gegürtet war, des ionischen Chiton, einer aus Kleinasien stammenden weitgeschnittenen Form, die reich gefältelt war und oft doppelt gegürtet wurde, und des Doppelchiton, einem Tuch mit breitem Überschlag über Brust und Hüften, das es nur für Frauen gab.

Chladnische Klangfiguren: aus Sand gebildete Figuren auf Platten, die zu Biege-Eigenschwingungen angeregt werden; geben den Verlauf der sogenannt Knotenlinien an, das sind die in Ruhe bleibenden Stellen der Platte. benannt nach dem Physiker Ernst Chladni (1756-1827).

Chlamys: altgriechisch, etwa knielanger Wollmantel für Männer, auf der Schulter oder Brust mit Gewandnadel befestigt.

Chloanthit, Weißnickelkies: Mineral, Nickelarsenid; kubisches Kristallsystem, grauweiße, würfelige Kristalle, Härte 5,5, Dichte 6,4 bis 6,6 g/cm3. Chloanthit ist ein wichtiges Nickelerz Mineral und auf hydrothermalen Wismut-Kobalt-Nickel-Gängen weit verbreitet.

Chloasma: bräunliche Pigmentierung im Gesicht (Stirn, Schläfen, Wangen, Mundumgebung), die während der Schwangerschaft (Chloasma uterinum), bei Einnahme von Ovulationshemmern oder durch Kosmetika auftritt, jedoch rückbildungsfähig ist.

Chlodwig I., Chlodowech I., 466-511, seit 482 Kleinkönig eines salfränkischen Stammes, Angehöriger des Merowinger-Geschlechts. Chlodwig I unterwarf 486 das Herrschaftsgebiet des römischen Statthalters in Gallien, Syagrius, 496 oder 498 Teile der Alemannen und 507 die Westgoten in Aquitanien. Durch Beseitigung der anderen fränkischen Kleinkönige begründete Chlodwig I das Frankenreich zwischen Rhein und Garonne. Sein Übertritt zum katholischen Christentum.

Chlorakne: akneartiger Hautausschlag besonders im Gesicht und an den Gliedmaßen, bedingt durch meist beruflichen Kontakt mit chlorierten aromatischen Kohlenwasserstoff Verbindungen.

Chloral: (Kunstwort) eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit; Trichloracetaldehyd; dient zur Herstellung von Insektiziden. Mit Wasser entsteht das feste, kristallisierte Chloralhydrat.

Chloramphenicol, Chlornitrin, Berlicetin (Kunstwörter): Breitspektrumantibiotikum mit sehr guter bakteriostatischer Wirkung bei Typhus, Paratyphus, Keuchhusten unter anderem Chloramphenicol wurde 1947 aus verschiedenen Streptomyzes-Arten isoliert und wird seit 1949 voll-synthetisch hergestellt.

Chlorbenzol: farblose, wasserunlösliche Flüssigkeit von typischem Geruch. Chlorbenzol wird als Lösungsmittel für Fette, Harze, Teere unter anderem verwendet und ist Zwischenprodukt bei der Synthese von Phenol, Insektiziden, Farbstoffen, Pharmaka und Riechstoffen.

Chlorbrommethan: farblose Flüssigkeit von typischem Geruch; in Handfeuerlöschern im Gemisch mit Methylenchlorid und Methylenbromid verwendet.

Chloressigsäure, Monochloressigsäure: eine farblose, hautreizende, kristalline Substanz; Formel ClCH2-COOH; F 62,5 °C; wird zur Herstellung von Carboxymethylcellulose, Barbituraten unter anderem verwendet.

Chlorfluoride, Interhalogenverbindungen. Chlorhydrine: synthetische organische Verbindungen, die in einer aliphatischen Atomkette an benachbarten Kohlenstoffatomen ein Cl-Atom und eine Hydroxylgruppe (OH) enthalten. Chlorfluoride entstehen zum Beispiel durch Addition von hypochloriger Säure, HOC1, an eine Doppelbindung.

Chloride: chemische Verbindungen zwischen Chlor und einem weiteren Element. Die Metallchloride sind die Salze des Chlorwasserstoffs; sie sind kristallisiert und meist wasserlöslich. Schwer löslich sind zum Beispiel Silber- und Quecksilber(I)-chlorid. Nichtmetallchloride, zum Beispiel Dischwefeldichlorid, S2C12, sind rasch oder allmählich verdampfende Flüssigkeiten oder Feststoffe.

Chlorite:

Chemie: Salze der chlorigen Säure; lösliche Chlorite, zum Beispiel Natriumchlorit, wirken durch Sauerstoffabgabe bleichend.

2. Chlorite: Mineralogie: Gruppe von Mineralen, wasserhaltige Eisen-Magnesium-Aluminium-Silikate. Sie kristallisieren monoklin, sind meist grün gefärbt und haben schuppige Aggregate mit vollkommener Spaltbarkeit; die Härte liegt bei etwa 2, die Dichte steigt mit dem Eisengehalt von 2,6 auf 3,3 g/cm3 an. Chlorite kommen als gesteinsbildende Minerale (Chloritschiefer) und als Verwitterungsprodukte vor. Wirtschaftlich interessant sind die eisenreichen Glieder Thuringil und mit geringerem Eisengehalt, Chamosit (dichte, oolithische Aggregate, grün grau und grünschwarz gefärbt). Sie sind in sedimentären Eisenerzen, oft metamorph, verbreitet (Schmiedefeld im Thüringer Wald, Lothringen (Frankreich), Nucice bei Prag). Auch Nikkeigehalte treten in Chloriten auf, so beim Schuchardtit (Vorkommen bei Zachowice (Polen)).

Chlorkalk: weißes, nach hypochloriger Säure riechendes Pulver; Calciumchlorid-Hypochlorit, vereinfachte Formel. Chlorkalk wirkt durch Sauerstoffabgabe bleichend und desinfizierend; er ist trocken und lichtgeschützt aufzubewahren.

Chlorkautschuk: durch Chlorieren von Natur- und Synthesekautschuk hergestellte weiße, harte bis elastische Masse; verwendet für Chlorkautschuklacke. Chlorkautschuklacke: Lösungen von Chlorkautschuk in organischen Lösungsmitteln mit Zusätzen von Weichmachern, Ölen und Harzen. Chlorkautschuke sind weitgehend alterungs- und chemikalienbeständig, jedoch hitzeempfindlich. Sie werden für Schutzanstriche in der chemischen Industrie, für Brückenanstriche und dergleichen eingesetzt.

Chlorknallgas: Gemisch aus Chlor und Wasserstoff im Volumenverhältnis 1:1; explodiert durch Zündung oder Sonnenlicht (Ultraviolettstrahlung).

Chlorodontie: grünliche Milchzahnverfärbung als Folge einer Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind, wobei sich Pigmente aus dem Blutfarbstoff in das Dentin der Zähne einlagern.

Chloroform, Dichlormethan: eine farblose, schwere, wasserunlösliche Flüssigkeit von süßlichem Geruch und narkotische Wirkung. Chloroform ist ein Lösungsmittel für Fette und Harze und dient zur Herstellung von Difluordichlormethan.

Chlorophyll, Blattgrün-, stark lipophiler (in Fett lösliche), wasserunlöslicher grüner Blattfarbstoff. Er tritt in den meisten höheren Pflanzen in 2 nahe miteinander verwandten Formen, dem blaugrünen Chlorophyll a und dem gelbgrünen Chlorophyll b auf.

Chloroplasten: durch ihren hohen Chlorophyllgehalt grün gefärbte Plastiden. Sie haben eine linsenförmige Gestalt mit einem Durchmesser von etwa 4 bis 8 |im. Sie sind durch eine doppelte Membran gegenüber dem Zellplasma abgegrenzt. Durch lokale Einfaltungen, gabelige Aufspaltung, Überlappung und Knickung sowie durch sekundäre Verschmelzung der inneren Membran entsteht ein zusammenhängendes Hohlraumsystem im Inneren des Chloroplasten An den Stellen, an denen die innere Membran stapelförmig übereinander gefaltet ist, wird das Chlorophyll im Chloroplasten verankert.

Chloropren: eine farblose, wasserunlösliche Flüssigkeit; 2-Chlorbuta-l,3-dien; chemische Formel CH2=CH-CC1=CH2; Kp 59°C; dient zur Herstellung von Chlorkautschuk.

Chloroschwefelsäure, Chlorsulfonsäure-, eine farblose, stechend riechende, stark ätzende, an der Luft rauchende Flüssigkeit; dient unter anderem zur Herstellung waschaktiver Substanzen.

Chlorose: durch Störungen in der Chlorophyllsynthese oder Chlorophyllzerfall hervorgerufenes Vergilben der Pflanze (häufig streifen- oder flockenförmig).

Chloroxide: chemische Verbindungen zwischen Chlor und Sauerstoff. Alle Chloroxide explodieren bereits bei mäßigem Erwärmen. Dichlormonoxid, C120, ein unbeständiges, gelbbraunes Gas (Kp 3,8°C), ist das Anhydrid der hypochlorigen Säure. Chlordioxid, C102, ein intensiv gelbes Gas (Kp 9,9°C), bildet sich aus Chloraten und Schwefelsäure. Dichlorhexoxid, C1206, ist ein rotbraunes, sehr zersetzliche Öl (3,5 °C). Dichlorheptoxid, C1207, eine farblose, ölige Flüssigkeit (Kp 82 °C), ist das Anhydrid der Perchlorsäure.

Chlorphenol: Sammelname für die 3 isomeren Substanzen. Während Ortho-Chlorphenol flüssig ist (8°C, Kp 176°C), sind meta- (29°C, Kp 214°C) und para-Chlorphenol (37°C, Kp 217°C) feste, kristallisierte Substanzen. Alle Chlorphenole haben einen intensiven, phenolähnlichen Geruch. Die Chlorphenole sind gute Desinfektionsmittel; sie übertreffen Phenol an Wirksamkeit und werden besonders in der Stomatologie (Zahnheilkunde) angewendet.

Chlorsauerstoffsäuren: sauerstoffhaltige Säuren des Chlors. Perchlorsäure, HC104 (Salze Perchlorate)-, Chlorsäure; chlorige Säure; hypochlorige Säure, HCIO (Hypochlorite). Mit Ausnahme der Perchlorsäure sind die Chlorsauerstoffsäuren nur in verdünnter wässriger Lösung beständig. Siehe auch Chlorsäure, Perchlorsäure.

Chlorsäure: starke, nur in wässriger Lösung bis zu einem Gehalt von 40% beständige Säure; Formel HCIO,. Ihre Salze, die Chlorate, sind wasserlöslich, giftig und geben (zum Beispiel beim Erhitzen) leicht Sauerstoff ab. Kaliumchlorat, KC103, findet in Zündholzköpfen und pyrotechnischen Artikeln, Natriumchlorat, als Unkrautbekämpfungsmittel Anwendung.

Chlorsilber: älterer Name für Silberchlorid.

Chlorwasserstoff: farbloses, stark ätzendes Gas; Kp -85,1°C; wird synthetisch oder aus Chloriden durch Schwefelsäure hergestellt; bildet an feuchter Luft weiße Nebel und löst sich leicht in Wasser zu Salzsäure. Chlorwasserstoff wirkt als Reizgas auf Schleimhäute, besonders die der Atemwege, stark ätzend und kann zu schweren Lungenentzündungen und tödl. -Ödemen fuhren.

Chlorzyan: ein farbloses, giftiges, Augen und Lungen reizendes Gas der Formel C1CN; F -6,5°C, Kp 12,5 °C; verwendet für chemische Synthesen.

Chnum: widdergestaltiger Gott in Ägypten; galt als Bringer der Nilflut und Schöpfer der Menschen.

Choanen: hintere Öffnungen der Nasenhöhlen bei lungenatmenden Wirbeltieren und beim Menschen; verbinden Nasenhöhle und oberen Schlund Abschnitt (Nasen-Rachen-Raum).

Chocallo-Schüttelrohr, Tubo (spanisch): zylindrisches, mit Körnern oder Schrot gefülltes Rhythmus- und Geräuschinstrument brasilianischen Ursprungs.

Chodowiecki, Daniel, 16.10.1726 - 7.2.1801, Maler, Radierer und Zeichner; seit 1743 in Berlin tätig. Chodowiecki war ein meisterhafter Schilderer des Bürgertums seiner Zeit. Er schuf zahllose Illustrationen zu Werken von F. G. Klopstock, G. E. Lessing, J. W. Goethe, F. Schiller, J. K. Lavater unter anderem.

Cholagoga: galletreibende Mittel; Oberbegriff für Choleretika und Cholekinetika.

Cholämie: vermehrter Übertritt von Gallenflüssigkeit in das Blut infolge Abflussbehinderungen in die Leber oder Gallenwege, zum Beispiel bei Steinen. Hochgradige Cholämie wirkt toxisch, zum Beispiel in Form einer erheblichen Blutungsneigung.

Cholangitis: Entzündung der Gallenwege, meist hervorgerufen durch aufsteigende bakterielle Infektion infolge Gallenabflussbehinderung, zum Beispiel durch Steine. Kennzeichen sind Fieberschübe, häufig Schüttelfrost, geringe Gelbsucht, Leber- und Milzvergrößerung.

Cholegraphie: Röntgenuntersuchung der Gallenblase (Cholezystographie) und beziehungsweise oder der Gallenwege (Cholangiographie) mit Kontrastmittel. Je nach Art der Kontrastmittelapplikation unterscheidet man unter anderem orale, intravenöse und postoperative Cholegraphie.

Cholekinetika: Mittel, die eine Entleerung der Gallenblase durch Kontraktion der glatten Muskulatur der Gallenblase oder -wege herbeiführen.

Cholera: Cholera asiatica, Cholera epidemica: durch Vibrionen (Schraubenbakterien) hervorgerufene, durch infizierte Lebensmittel oder Trinkwasser übertragene hochakute Infektionskrankheit; Kennzeichen sind bedrohliche Durchfälle («Reiswasserstühle»), rasche Austrocknung und Kreislaufzusammenbruch.

Choleretika: Mittel, die eine erhöhte Galleproduktion in den Leberzellen bewirken.

Choleriker: Temperamentstyp in der (veralteten) Auffassung des Hippokrates, der durch leichte Ansprechbarkeit der Gefühle sowie rasche, impulsive und heftige Reaktionen gekennzeichnet ist.

Cholesteatom: «Perlgeschwulst»; gutartige, mit entzündliche Reaktionen verbundene Plattenepithelgeschwulst des Mittelohrs, die zur Knochenaufzehrung und eventuell Infektionsüberleitung zum Innenohr und Hirn führt.

Cholesterol, Cholesterin: wichtiges Sterol des Menschen und der Tiere; Zwischenprodukt der Biosynthese anderer Steroide. Cholesterol kommt in freier oder mit Fettsäuren veresterter Form besonders in Gehirn, Nebennieren, Eidotter und allen biologischen Membranen vor.

Cholesterol Esterase: Enzym, das Cholesterol ester aufspaltet; dient in der medizinischen Diagnostik zur Ermittlung von toxischer Leberveränderungen.

Cholezystektomie: operative Entfernung der Gallenblase, meist infolge eines Steinleidens.

Cholezystographie: Röntgenuntersuchung der Gallenblase mit Kontrastmittel, das über die Leber ausgeschieden und in der Gallenblase angereichert wird.

Cholecystokinin-Pancreozymin: Peptidhormon aus der Schleimhaut des Dünndarms; fördert unter anderem die Abgabe der Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase.

Cholin: biogenes Amin bildet farblose, hygroskopische Kristalle. Cholin kommt als Bestandteil der Lezithine besonders in Gehirn, Eigelb und allen biologischen Membranen vor; dient im Stoffwechsel als Methylgruppenspender. Siehe auch Acetylcholin.

Cholinesterase: in Blutplasma, Leber, Pankreas und einigen Schlangengiften vorkommendes Enzym; spaltet unspezifisch Ester von Fettsäuren mit Cholin.

Cholinesterase-Hemmstoffe, Cholinesterasehemmer: chemische Substanzen, die mit Cholinesterasen eine feste Bindung eingehen und sie dadurch funktionsuntüchtig machen (Cholinesterase-Block). Dadurch kommt es zur Anhäufung von Acetylcholin. Cholinesterase-Hemmstoffe sind zum Beispiel Physostigmin, Neostigmin und organischen Phosphorsäureester.

Chondriten: an Pflanzenreste erinnernde, oft regelmäßig verzweigte Grabgänge mariner Würmer; nachgewiesen vom Kambrium bis zum Tertiär.

Chondrodystrophie, Chondrodysplasie: angeborene, vererbbare Störung der Knorpelbildung. Die Chondrodystrophie führt zur Verminderung des Längenwachstums der Gliedmaßen und zu Zwergwuchs. Chondrodystrophie beeinträchtigt nicht die Intelligenz. Eine Behandlung ist nicht möglich.

Chondroitinschwefelsäure: Vertreter der Glykosaminoglykane mit großem Wasserbindungsvermögen. Chondroitinschwefelsäure findet sich vor allem im Knorpel, weiterhin in der Haut, in Sehnen und Gefäßwänden.

Chons, ägyptischer Mondgott, im Neuen Reich auch als Heilgott verehrt.

Chopin, Fryderyk, 1.3. 1810-17.10. 1849, größter polnischer Komponist und Pianist des 19. Jahrhundert, väterlicherseits französischer Herkunft; trat schon mit 8 Jahren als Wunderkind auf; reiste als Virtuose 1829 nach Wien, von dort (auf die Nachricht vom niedergeschlagenen Warschauer Aufstand) 1831 nach Paris («Revolutionsetüde»); war eng mit G. Sand befreundet. Chopin schrieb sensible und leidenschaftliche Werke für (oder mit) Klavier (Mazurkas, Polonaisen, Walzer, Nocturnes, Balladen, Préludes, Etüden, Scherzi, 3 Sonaten, 2 Konzerte unter anderem, auch einige Lieder), dem er durch einen differenzierten Satz, kühne chromatische Harmonik, Eleganz der melodisch-rhythmischen Diktion unter anderem neue Ausdrucksbereiche erschloss. Seine Werke wurzeln in der polnischen Volksmusik, sind aber bereichert durch die Errungenschaften der internationalen Musik von W. A. Mozart bis F. Schubert und wirkten ihrerseits auf die europäischen Klaviermusik bis in unsere Zeit.

Chopper, Zerhacker, elektrische (zum Beispiel polarisiertes Relais) oder elektronische Baugruppe zur Umwandlung einer Gleichspannung in eine Wechselspannung (zwischen 50 Hz und einigen kHz); Anwendung als Chopper- oder Zerhacker-Verstärker zur driftarmen Verstärkung kleiner Gleichspannungen mittels Wechselspannungsverstärker und spezieller (phasenempfindlicher) Gleichrichtung.

Chor: 1. Kirchenbau: der Altarraum, der sich östlich an das Querschiff anschließt und von diesem zum Teil durch Chorschranken, den Lettner oder Chorgitter abgetrennt ist. Am Ostende des Chors liegt die Apsis. Meist ist der Chor etwas höher als das Niveau der Kirche angelegt, besonders hoch über einer Krypta. Zuweilen sind die Seitenschiffe als Chorumgang weitergeführt, den oft ein Kapellenkranz umgibt. Manche deutschen romanischen Kirchen haben einen zweiten Chor im Westen.

2. Musik: a) in jeder Stimme mehrfach besetztes Gesangsensemble (Männer-, Frauen-, gemischter Chor und so weiter);

b) Komposition dafür;

c) Gruppe von zusammengehörigen und in Stimmlagen besetzten gleichartigen Musikinstrumenten (zum Beispiel Bläser- oder Blockflötenchor).

3. Theater: in der Antike eine Gruppe der in der Orchestra gemeinsam sprechenden, singenden und tänzerisch agierenden Mitspieler. In der Blütezeit des altgriechischen Theaters hatte der Chor (als Repräsentant unterschiedlicher Gruppen der Gesellschaft) Handlungs- und zugleich kommentierende Funktion. Auch im modernen Drama (zum Beispiel bei Brecht, Wischnewski unter anderem) wird der Chor als Gestaltungsmittel genutzt.

Choral: Kirchengesang; in der katholischen Kirche der unbegleitete einstimmige, lateinsprachige Gregorianischer Gesang, in der Protestantische seit Luther (16. Jahrhundert) das strophische nationalsprachige Kirchenlied.

Chorda dorsalis, Achsenstab, Notochord, Rückenseite: ventral des Neuralrohres gelegener elastischer großzelliger Strang, primitivstes Achsenskelett. Stützorgan der danach benannt Chordatiere; wird bei Wirbeltieren während der Embryonalentwicklung durch die Wirbelsäule verdrängt. Bei den Säugetieren bleibt ein Chordarest zeitlebens in den Zwischenwirbelscheiben erhalten.

Chordatiere, Chordata: höchstentwickelter Tierstamm der Rückenmarks- oder Neumundtiere, zu dem Manteltiere, Schädellose und Wirbeltiere gehören. Der Körper wird von einem elastischen Stützstab, der Chorda dorsalis, längs durchzogen. Darüber liegt das Neuralrohr, darunter der Darm, dessen Vorderteil als Kiemendarm ausgebildet ist. Diese Merkmale sind bei allen Embryonen angelegt, bei erwachsenen Chordatieren jedoch stark abgewandelt beziehungsweise reduziert.

Chorell, Walentin, geboren 8.4.1912, finnland-schwedischer Schriftsteller, verfasste zahlreiche gesellschaftskritische Dramen mit psychoanalytischer Tendenz («Madame», 1952; «Das Negerkind», 1966; «Revolte», 1971), die Romantrilogie «Mirjam» (1954/58, 1. Band deutsch) sowie Hörspiele.

Choreographie: Kunst der Gestaltung und Organisierung von tänzerischen Bewegungsabläufen in der Zeit und im Raum; vom Choreographen in enger Verbindung mit der Musik gestaltete Umsetzung der Handlungsvorlage; auch die sigelartige Aufzeichnung der tänzerischen Bewegungsfolgen (Tanzschrift).

Choreutik: in Altgriechenland die Gestaltung und Einstudierung von Tänzen in Tragödien und Komödien, seit Euripides meist durch Choreuten (Chorlehrer). Bei R. von Laban so viel wie tänzerische Formenlehre.

Chorfrösche, Pseudacris: Gattung der Laubfrösche von maximal 5 cm Länge mit lautem, metallisch trillerndem Paarungsruf; jagen Insekten und bewohnen Sumpfgebiete Nordamerikas.

Chorgestühl: hölzerne Sitzreihen für die Geistlichkeit an den beiden Längsseiten eines Chors in Dom-, Stifts- und Klosterkirchen; meist in 2 Reihen hintereinander angeordnet. Die Rückwand (Dorsale) ist mit kunstvollen Baldachinen gekrönt. Die einzelnen Plätze (Stallen) haben Armlehnen und Klappsitze mit Miserikordien (konsolartige Gesäßstützen). Das Chorgestühl ist ein wichtiger Teil der kirchlichen Innenarchitektur und meist mit reicher Schnitzerei versehen.

Chorioiditis: Entzündung der Aderhaut des Auges durch Mikroorganismen oder Toxine.

Chorion, Zottenhaut: äußere, mit Zotten versehene Embryonalhülle der Säugetiere; dient dem Stoffaustausch und stellt einen Teil der Plazenta dar.

Chorionepitheliom: bösartige Geschwulstbildung nach Blasenmole, Fehlgeburt oder Geburt aus in der Gebärmutterhöhle zurückgebliebenen Chorionzotten.

Choriongonadotropin: in der Plazenta gebildetes Hormon, das auf den Gelbkörper einwirkt; dient zum frühen Schwangerschaftsnachweis.

C-Horizont, Untergrund: nicht von der Bodenbildung erfasster Teil des Ausgangsmaterials; siehe auch Bodenhorizont.

Chorologie, Arealkunde: Betrachtungsweise und Darstellung der Wirklichkeit unter dem Aspekt räumlicher Anordnung und räumliche Zusammenhänge beziehungsweise Wechselwirkungen. In der physischen Geographie Lehre von den heterogenen Landschaftseinheiten (Choren). Die Chorologie findet als Verbreitungslehre in der Pflanzen- und Tiergeographie sowie in der Urgeschichte Anwendung.

Chorowod: alter, vielfiguriger russischer Reigentanz mit pantomimische Darstellung des von den Ausführenden gesungenen Tanzliedes.

Chorsabad: Dorf bei Mosul (Irak) mit Ruinen der assyrischen Residenz Sargons II. (722/705 vor Christus) Dur-Scharrukin; Palast- und Tempelanlagen mit zahlreichen Kunstwerken, unter anderem Reliefkunst. Siehe auch assyrische Kunst.

Chorschranken: steinerne Brüstungen, die den nur Geistlichen zugänglichen Chor einer Kirche gegen Langhaus und Querschiff abschließen. An den Außenseiten tragen sie in spätromanischer Zeit häufig reichen Reliefschmuck (Hildesheim, Halberstadt, Bamberg). Seit dem 15. Jahrhundert und besonders seit der Gegenreformation wurden die Chorschranken durch schmiedeeiserne Chorgitter abgelöst.

Chortatzis, Georgios, griechischer Dramatiker des ausgehenden 16. Jahrhundert; Verfasser der «Erophili», eines Schauerdramas, das, wie auch die anderen Stücke des sogenannt Kretischen Theaters, die Entwicklung des kretischen Dialektes zur Literatursprache dokumentiert.

Chorus: im Jazz nach Absprache erfolgte solistische, nur von der Rhythmusgruppe begleitete Improvisation über ein Thema oder Motiv und die ihnen zugrunde liegenden Harmoniefolgen; individualisierte Weiterentwicklung der ursprünglich Kollektivimprovisation des «farbigen» New Orleans Jazz.

Chota Nagpur, Tschota Nagpur. Bergland im Nordosten des Dekan (Indien), das im Norden und Osten vom Gangestiefland begrenzt wird; durchschnittlich zwischen 500 und 800 m, maximal 1360 m über dem Meeresspiegel; es wird vor allem aus Gneisen und Basalten (Trapp) aufgebaut; tropisches Monsunklima mit zum Teil stark degradierten trockenen und feuchten Monsunwäldern; reich an Bodenschätzen mit bedeutendem Bergbau auf Steinkohle, Eisen-, Kupfer-, Chrom- und Manganerze sowie Bauxit und Glimmer.

Chouans: die Teilnehmer einer konterrevolutionären Bewegung im Nordwesten Frankreichs; standen nach der Niederlage des Vendée-Aufstandes 1793/99 in einem erbitterten Kleinkrieg gegen die Republik.

Chow-Chow: aus Ostasien stammende, zu den Spitzen zählende Hunderasse; mindestens 45,5 cm hoch, löwenähnliche Halskrause, üppiges langes Haar, schwarz, rot, blau, zimt, creme oder weiß, blaue Zunge.

Chraibi, Driss, geboren 15.7.1926, marokkanischer Schriftsteller französischer Sprache; behandelt in seinen Romanen («Die Böcke», 1955; «Ein Freund wird Sie besuchen», 1967) unter anderem Probleme, die sich aus dem früheren und heutigen Verhältnis Frankreichs zu Marokko ergeben.

Chrestomathie: Sammlung ausgewählter Prosastücke aus Werken von Schriftstellern, besonders für den Unterricht.

Chrétien de Troyes, Chrestien de Troyes, um 1130-1183, französischer Dichter; Hauptvertreter des auf Sagen und Legenden beruhenden höflichen Versromans, verfasste «Parzival oder die Gralssage» (herausgegeben 1530, deutsch); übte starken Einfluss auf die mittelhochdeutsche Literatur aus.

Christ, Richard, geboren 30.12.1931, Schriftsteller; verfasst Erzählungen («Das Chamäleon oder Die Kunst, modern zu sein», 1973), Features, Feuilletons («Immer fehlt was», 1971) und Reisebücher (unter anderem «Reisebilder. Ansichtskarten aus der DDR», 1974; «Um die halbe Erde in hundert Tagen», 1976; «Mein Indien», 1984).

Christchurch: größte Stadt der Südinsel Neuseelands, in der Canterbury-Ebene, am Pazifik; 165000, mit Vororten 290000 Einwohner; Lebensmittel-, Leicht-, chemische Industrie, Maschinenbau; Hafen (im Vorort Lyttelton), internationaler Flughafen (Antarktisversorgungsbasis); Universität; Museum, botanischer Garten.

Christen, Ada, eigentlich Christiane von Breden, 6.3.1839-19.5.1901, österreichische Schriftstellerin; nahm mit der sozialkritischen Realitätsnähe ihrer Gedichte («Lieder einer Verlorenen», 1868) und Erzählprosa («Vom Wege», 1874) Tendenzen des Naturalismus vorweg.

Christengemeinschaft: an der Anthroposophie orientierte, 1922 in der Schweiz gegründete Glaubensgemeinschaft, wollte ursprünglich die evangelische Kirche erneuern.

Christentum: monotheistische Weltreligion, die sich auf das im Neuen Testament überlieferte Leben und die Lehren des Jesus (Beiname Christus) von Nazareth beruft. Das Christentum fand seine geschichtlich wirksam gewordene Ausformung, als es in die hellenistische Welt eindrang und von rechtlos gewordenen und verarmten Schichten aufgenommen wurde. Hier verband sich die Christuslehre jüdisch-eschatologische Herkunft mit (meist orientalischen) Mysterien- und Erlösungskulten und mit Elementen der spätgriechischen Philosophie zur christlichen Heilslehre. Die ersten Gemeinden überlokaler Bedeutung entstanden auf hellenistischen Boden; rasch wachsenden führenden Einfluss gewann die Gemeinde zu Rom. Da sich die Anhänger des Christentums der ersten Jahrhunderte mit manchen Lehren und durch ihr praktisches Verhalten in Gegensatz zur Staatsgewalt des römischen Weltreiches setzten, wurden sie zeitweilig verfolgt. Das hörte erst im 4. Jahrhundert auf, als Konstantin I. (306/37) das Christentum staatlich anerkannte (311 und 313 Toleranzedikte) und es 391 durch Theodosius zur Staatsreligion erhoben wurde. Im Kampf um organisatorisch-administrative und dogmatische Streitfragen trennten sich 1054 die östlich-orthodoxen Kirchen und die römisch-katholische Kirche. Im 16. Jahrhundert lösten sich durch die Reformation die evangelisch-lutherische und die reformierten Kirchen von der römisch-katholischen Kirche. Die Wandlungsfähigkeit des Christentums ließ die christlichen Kirchen meist zu geeigneten Werkzeugen für die Ausbeuterordnungen werden. Jedoch gab und gibt es auch religiöse Gruppen, die in ihrem ehrlichen Streben, die sozialen Forderungen des ursprünglichen Christentums zu verwirklichen, in Gegensatz zu den Interessen der Ausbeuterklassen beziehungsweise des Klerus traten beziehungsweise treten (Ketzer; Häresie; in der Gegenwart Theologie der Befreiung). Heute arbeiten viele Christen und Nichtchristen im Kampf um die Sicherung des Friedens und um soziale Gerechtigkeit zusammen.

Christenverfolgungen: zeitweilige Maßnahmen gegen die Anhänger des Christentums der ersten Jahrhunderte, durch die Toleranzedikte Konstantins I. und die Erhebung zur Staatsreligion (391) durch Theodosius beendet.

Christian Science, Christliche Wissenschaft: in den USA 1876 gegründet Sekte; Sünde, Krankheit, Tod seien durch richtiges Denken, das heißt mystische Einigung mit Gott, und Abwendung vom Materiellen zu überwinden («Gesundbeter»).

Christie, Agatha Mary Clarissa, 15.9.1891-12.1.1976, englische Schriftstellerin; schrieb zahlreiche viel übersetzte und verfilmte Kriminalromane, -erzählungen und -dramen, spannend psychologisch, aber nicht sozial motiviert, jedoch ausgeklügelt konstruiert, um den belgischen Kriminalisten Hercule Poirot oder die scharfsinnige Miss Marple («Zeugin der Anklage», 1956, deutsch).

Christine de Pizan, 1364-um 1430, französische Dichterin italienischer Herkunft; nahm in ihrer Liebeslyrik sowie in Dichtungen über historische Stoffe Elemente der Renaissance vorweg; verfasste unter anderem «Spruch von der Rose» (1400).

Christliche Friedenskonferenz, Abkürzung CFK, Prager Christliche Friedenskonferenz: ökumenische Bewegung christlicher Kirchen und Einzelpersönlichkeiten verschiedener nichtkatholische Konfessionen aus allen Erdteilen; Beitrag der Christenheit zur Erhaltung des Weltfriedens; 1957 von evangelischen Kirchen in der CSSR ausgelöst, gewann sie in den 70er Jahren wachsende Wirksamkeit bei der Mobilisierung von Gläubigen und ihrer Kirchen für den Frieden. Von der Christlichen Friedenskonferenz inspiriert finden Allchristliche Friedensversammlungen statt.

Christliche Vereinigung: im deutschen Bauernkrieg 1524/26 verbreitetste Form des Zusammenschlusses aller revolutionären Kräfte zur Durchsetzung des Göttlichen Rechtes; zugleich auch Form einer erstrebten Ordnung freier und gleicher Gemeinden gemäß der Bibel; spiegelte den Einfluss der Reformation auf den Bauernkrieg wider.

Christliche Wissenschaft - Christian Science.

Christoph-Methode: 1959 von dem Metallarbeiter Günter Christoph (geboren 1933) begründete sozialistische Wettbewerbsmethode zur täglichen Erfüllung und Übererfüllung des auf jeden Arbeitsplatz aufgeschlüsselten Planes nach dem Beispiel des sowjetischen Häuer-Brigadiers N. Mamai; im Braunkohlenbergbau der DDR gleichfalls durch den Baggerführer W. Wehner (Christoph-Wehner-Methode) schöpferisch im innerbetrieblichen Wettbewerb entwickelt. Durch das Aufdecken der Hemmnisse, die die tägliche Planerfüllung beeinträchtigen, ist diese Methode eng mit der Seifert-Methode verbunden.

Christophorus, (lateinisch griechisch, «Christusträger») katholischer Heiliger; trug der Legende nach das Christuskind auf der Schulter durch einen Fluss.

Christophskraut, Actaea spicata: Hahnenfußgewächs schattiger Laubwälder (bevorzugt Buchenwälder) mit weißen Blütentrauben und später schwarzen Beeren; die Wurzel wurde früher als Volksheilmittel verwendet; giftverdächtig.

Christus, Petrus, 1420-1472/73, niederländischer Maler; schuf unter dem Einfluss von J. van Eyck meisterhafte Gemälde mit stilllebenhaften Einzelheiten, unter anderem auf seinem genrehaften Hauptwerk «Der heilige Eligius».

Christusdorn, Euphorbia milii: Wolfsmilchgewächs aus Madagaskar; ein Dornenstrauch, der in Europa wegen seiner prächtig rot gefärbten Hochblätter als Topfpflanze beliebt ist.

Chrom, fachsprachlich Chromium, Symbol Cr: metallisches chemisches Element der Kernladungszahl 24; Atommasse 51, 996; Wertigkeiten +3, +6, seltener + 2, +4; F etwa 1890°C, Kp etwa 3390°C, Dichte 7,19 g/cm3. Chrom kommt in der Natur nur chemisch gebunden vor; Minerale sind Chromit (Chromeisenstein, Krokoit)Rotbleierz, unter anderem Chrom ist silberweiß glänzend, in technischer Reinheit hart und spröde, extrem rein jedoch weich, zäh und dehnbar. Chrom ist sehr korrosionsfest; sein Glanz bleibt auch an feuchter Luft unverändert. Salz- und verdünnte Schwefelsäure lösen Chrom langsam zu Chrom(II)-salzen; Salpetersäure und Königswasser greifen erst beim Sieden langsam an; gegenüber Alkalien ist Chrom beständig. Aus Chromit stellt man durch Reduktion mit Koks im Elektroofen meist Ferrochrom (60 bis 75% Chrom) her; technisch reines Chrom gewinnt man durch Reduktion von Chrom(III)-oxid, mittels Aluminium. Chrom und Ferrochrom dienen zur Herstellung mechanisch hochbeanspruchbarer und korrosionsfester Chrom- und Chrom-Nickel-Stähle. Auf Metallen werden Chromschichten als korrosionsfeste oder dekorative Überzüge erzeugt (Verchromen). Chrom wurde 1798 von dem französischen Chemiker Louis-Nicolas Vauquelin (1763-1829) entdeckt; es erhielt seinen Namen «chrome» (Farbe) wegen der verschiedenen Färbungen der Verbindungen. Siehe auch Chromverbindungen,

chromaffine Zellen, phäochrome Zellen (griechisch): Zellen, die sich bei Fixierung mit Chromsäure oder Chromsalzlösungen gelbbraun färben; die Chromaffinität beruht auf dem Gehalt der Zellen an reduzierenden Substanzen, zum Beispiel Adrenalin und Noradrenalin, in Zellen des Nebennierenmarks beziehungsweise der sympathischen Paraganglien oder von Serotonin in bestimmten Epithelzellen des Magen-Darm-Kanals.

Chromatieren: Verfahren, bei dem durch Tauchen von Metallen in wässrige, chromathaltige Lösungen bis zu dicke Oberflächenschichten entstellen, die zum Beispiel die Korrosionsbeständigkeit des Metalls und die Haftfestigkeit nachfolgender Anstrichschichten erhöhen. Je nach dem angewendeten Verfahren erhält man farblose (transparente), gelbe, grüne, blaue oder schwarze Chromatschichten.

Chromatik: Tonfolge, die außer den Tönen der Diatonik noch Töne zwischen diesen verwendet, zum Beispiel neben c und d noch cis und (oder) des; aus Halbtönen bestehende Tonfolge.

Chromatin: Zustandsform der Chromosomen bei Kernteilungsruhe. Heterochromatin bildet netzartige, gekörnte und mit Kernfarbstoffen stark anfärbbare Strukturen im Zellkern, Euchromatin ist nur schwach oder gar nicht färbbar. Im Unterschied zu letzterem ist das genetisch meist inaktive Heterochromatin auch zwischen den Zellteilungen spiralisiert und daher deutlich anfärbbar.

chromatisch: (griechisch) Optik farbig,

chromatische Aberration, Farbfehler, durch die Dispersion des Lichtes bedingter Abbildungsfehler, der auch bei der Gaußschen Abbildung auftritt. Da die Brechzahl eine Funktion der Wellenlänge ist, folgt aus der Abbeschen Invarianten für jede Wellenlänge eine andere Schnittweite. Ein Punkt der optischen Achse wird mit weißem Licht in einen Zerstreuungskreis mit farbigem Saum abgebildet,

Chromatographie: Gruppe von Verfahren zur analytischen und präparativen Trennung von Stoffgemischen durch Verteilung zwischen einer mobilen (beweglichen) und einer stationären (ruhenden) Phase. Die Verfahren werden nach dem zugrunde liegenden Trennprinzip (Adsorptions-, Verteilungschromatographie) beziehungsweise nach der apparativen und methodischen Ausgestaltung unterschieden. Die stationäre Phase (Aluminiumoxid, Schamottemehl unter anderem) ist als grieß- bis pulverförmige Festsubstanz in einem Rohr (Kolonne) eingefüllt (Säulen- und Gaschromatographie), als dünne Schicht auf einer Glasplatte aufgebracht (Dünnschichtchromatographie), oder sie besteht aus einem Streifen Filterpapier beziehungsweise einem Rundfilter (Papierchromatographie) oder auch einem dünnen Film einer nichtflüchtigen Trennflüssigkeit auf der Innenwand einer Kapillare (Kapillar-Gaschromatographie). Die gasförmige (Trägergas) oder flüssige mobile Phase transportiert die gasförmige beziehungsweise verdampfte (Gas-, Gas-Flüssigchromatographie) oder gelöste Analysenprobe vom Startpunkt (Kolonnenanfang) in Laufrichtung durch die stationäre Phase. Dabei werden infolge verschieden starker Adsorptions- (Adsorptionschromatographie) beziehungsweise Absorptionswechselwirkungen (Verteilungschromatographie) mit der stationären Phase die einzelnen Komponenten verschieden schnell in Laufrichtung durch die stationäre Phase transportiert. Bei Abbruch der Analyse können sie an verschiedenen Stellen an der Säule, der Dünnschichtplatte beziehungsweise des Filterpapiers, zum Beispiel durch Eigenfärbung, eine Farbreaktion oder UV-Bestrahlung, sichtbar gemacht werden (Chromatogramm); bei genügend langer Analysendauer treten sie zu verschiedenen Zeiten (bei der Gas- und Gas-Flüssigchromatographie Retentionszeit) aus der Säule aus und können getrennt aufgefangen beziehungsweise durch Eigenschaftsveränderungen der mobilen Phase identifiziert werden.

Chromatophoren: Farbstoffträger; in pflanzlichen Zellen als verschieden gestaltete Zytoplasmakörper (Plastiden), in der Haut von Tieren als Farbstoffzellen, die durch Gestaltänderung oder Wanderung Farbwechsel hervorrufen (Melanozyten).

Chromeffektlack: luft- oder ofentrocknender, in der Regel aluminiumpigmentierter Anstrichstoff zur Imitation von Verchromungen.

Chromgelb: aus Bleichromat, PbCr04, bestehendes, leuchtend gelbes Pigment mit gutem Deckvermögen für Außenanstriche sowie für Druck-, Künstler-, Maler- unter anderem Farben.

Chromgrün: aus Chromgelb und Berliner Blau bestehendes Mischpigment mit gutem Deckvermögen für Außenanstriche sowie für Druck-, Künstler-, Maler- unter anderem Farben.

Chromit, Chromeisenerz-. Mineral, Eisenchromoxid; kubisches Kristallsystem, Farbe schwarz, metallisch glänzend, Härte 5,5 bis 6, Dichte 4,5 bis 4,8 g/cm3. Chromit ist wichtigstes Chromerz Mineral (etwa 46% Chromgehalt), das magmatisch in ultrabasischen Gesteinen vorkommt (zum Beispiel bei Guleman (Türkei), Bushveld (Republik Südafrika), Ural).

2. Chromverbindungen.

Chromleder: Sammelbezeichnung für chromgegerbte Leder aller Art. Chromleder sind leichter, zäher und temperaturbeständiger als pflanzlich-synthetisch gegerbte Leder.

Chrommagnesitstein: basischer feuerfester Baustein aus Sintermagnesit und 20 bis 40% Chrom(III)-oxid, Cr203, der temperaturwechselbeständiger als ein normaler, chromoxidfreier Magnesitstein ist.

Chromoproteine: Proteine, die als prosthetische Gruppe einen Farbstoff gebunden enthalten. Vertreter der Chromoproteine sind Hämoproteine und Flavoproteine.

Chromorange: aus basischen bis neutralen Bleichromaten, bestehendes Pigment für Anstrichstoffe sowie für Druck-, Künstler- unter anderem Farben.

Chromosomen: faden- oder stäbchenförmige Gebilde (Kernschleifen), die sich zu Beginn einer Kernteilung aus dem Chromatin bilden. Chromosomen bestehen dann aus 2 längs aneinander liegenden Chromatiden, die genau die gleiche Erbinformation enthalten. In den Chromatiden liegen die feinfädigen Chromonemata, auf denen perlschnurartig angeordnet, stärker färbbare Körnchen (Chromomeren) sichtbar sind. Die Chromomeren enthalten DNS (Träger der Erbanlagen) in Verbindung mit Proteinen. Jedes Chromosom besitzt eine sogenannt Primäreinschnürung, das Zentromer oder Kinetochor (Ansatzstelle der Spindelfasern bei Zellkernteilung).

Chromosomenaberration: zahlenmäßige Veränderung der Chromosomen (numerische Chromosomenaberration) durch Fehler bei der Verteilung der Chromosomen während der Zellteilung oder grobe strukturelle Veränderung der Chromosomen (strukturelle Chromosomenaberration) infolge von Chromosomenbrüchen. Chromosomenaberration fuhren meistens zu krankhaften Störungen.

Chromosomenanalyse: Untersuchung der Chromosomen im Hinblick auf Chromosomenaberrationen und die Konstellation der Geschlechtschromosomen. Die Chromosomenanalyse hat für die Diagnostik und die Erbprognose bei zahlreichen Krankheiten eine große Bedeutung.

Chromosomenkarte: graphische Darstellung eines Chromosoms als Aufeinanderfolge der entsprechend Gene und deren relativen Abstände voneinander.

Chromosomenmutation: Mutationsform, bei der die Struktur eines oder mehrerer Chromosomen verändert ist. Es werden Deletionen (Chromosomenstückverlust), Inversionen (Drehung von Chromosomenstücken um 180°), Duplikationen (Verdopplung von Chromosomenabschnitten) und Translokationen (Umlagerung von Chromosomenabschnitten an andere, nicht homologe Chromosomen) unterschieden. Chromosomenmutationen können spontan eintreten oder experimentell induziert werden.

Chromosomensubstitution: Austausch einzelner Chromosomen gegen andere.

Chromoxidgrün: aus Chrom(in)-oxid, bestehendes, laub- bis graugrünes, lichtechtes Pigment für Anstrichstoffe sowie für Leim-, Kalk- und Silikatfarben.

Chromoxidhydratgrün: smaragdgrünes, lichtechtes, vorwiegend für Lasurfarben verwendetes Pigment der chemischen Formel.

Chromrot: aus basischen Bleichromat, bestehendes, alkalibeständiges Pigment für Anstrichstoffe sowie für Druck-, Künstler-, Maler- unter anderem Farben.

Chromschwefelsäure: sehr stark hautätzendes Gemisch aus Natrium- oder Kaliumdichromat und konzentrierter Schwefelsäure zum Reinigen, insbesondere Entfetten von Glasgeräten.

Chromverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Chrom. Die in der Regel blauen Chrom(II)-verbindungen gehen leicht in die meist grünen Chrom(IU)-verbindungen über. Starke Oxydationsmittel führen beide in Chrom(VI)-verbindungen über, in alkalischem Milieu entstehen hierbei die gelben Chromate, in saurem die orangefarbenen Dichromate. Das graugrüne, unlösliche Chrom(III)-oxid, ist ein Farbpigment. Der violette, wasserlösliche Chromalaun, dient zur Herstellung von Chromleder. Chrom(III)-hydroxid, fällt in wasserhaltiger Form aus Chrom(III)-salzlösungen durch Alkalilaugen als graugrüner, amphoterer Niederschlag aus, der sich im Überschuss von Lauge zu grünem Chromit löst. Chrom(IV)-oxid (Chromdioxid) , schwarz und unlöslich, wird als hochwertiger Träger von Bild- oder Toninformationen auf Magnetbändern verwendet. Chrom(V7)-oxid (Chromtrioxid), bildet dunkelrote Kristalle, wird in Verchromungselektrolyten eingesetzt und löst sich in Wasser zu gelber Chromsäure, H2Cr04 (Salze Chromate). Hieraus entsteht bei Säurezusatz Dichromsäure, H2Cr207 (Salze Dichromate). Kaliumuni Natriumdichromat, beziehungsweise Na2Cr20, 2H20, sind orangefarben, wasserlöslich und giftig; sie finden unter anderem als Gerbereihilfsmittel und zum Chromatieren galvanischer Zinküberzüge Anwendung. Eine flüssige, leicht verdampfbare Chromverbindungen ist das tiefrote Chromylchlorid; F96 °C, Kp 117°C. Chromhaltige Pigmente sind Barytgelb, Chromgelb, -grün, -orange, -rot, -oxidgrün und -oxidhydratgrün. Durch Einwirken von chromathaltigen Dämpfen, Stäuben und Flüssigkeiten auf Haut und Atmungsorgane können Ekzeme, Ätzgeschwüre, besonders der Nasenschleimhaut, und Chromat-Lungenkrebs auftreten.

Chronaxie: Zeit, in der ein elektrischer Gleichstrom in einem erregbaren Gewebe, zum Beispiel Muskeln, Nerven, fließen muss, damit eine Erregung entsteht (Nutzzeit). Die Stromstärke wird dabei doppelt so groß gewählt wie jene, die gerade ausreichen würde, um bei wesentlich längerer Einwirkung eine Erregung auszulösen (Rheobase). Die Chronaxie ist die Nutzzeit bei doppelter Rheobase-Intensität; für Nerven 0,3 bis 0,8 ms.

Chronik: Aufzeichnung geschichtlicher Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge ungeachtet ihres Zusammenhangs; besonders im Mittelalter gepflegt, meist größere Zeiträume umschließend; vorwiegend in Prosa, aber auch in Reimform (Reimchronik) abgefasst. Als Chronik werden literaturwissenschaftlich auch einzelne epische oder dramatische Werke strukturell zu bestimmen gesucht (zum Beispiel Brecht «Mutter Courage» als «C. aus dem Dreißigjährigen Kriege»),

chronikalische Erzählung: fingierte Chronik, das heißt eine Erzählung (auch Novelle, Roman), die als Herausgabe einer alten Chronik ausgegeben wird und sich an die Technik der Chronik anlehnt, um den Eindruck der objektiv-historischer Wahrheit des Dargestellten zu erwecken. Die chronikalische Erzählung ist besonders in der Zeit der Romantik gestaltet worden, so von C. von Brentano («Chronika eines fahrenden Schülers»), später von C F Meyer, A. Stifter, T. Storm, T. Mann («Doktor Faustus»).

Chronobiologie: Lehre von den periodischen Änderungen biologischer Funktionen. Es sind Jahres-, Tages-, Stunden-, Minuten-, Sekunden- unter anderem Perioden zu unterscheiden. Ihnen unterliegen die meisten Funktionen, zum Beispiel die Körpertemperatur mit einem Minimum in den frühen Morgen- und einem Maximum in den späten Nachmittagsstunden (24-Stunden-Periode).

Chronofotografie: fotografisches Aufzeichnen verschiedener Bewegungsphasen in einer Serie von Aufnahmen in gleichmäßigen kurzen Zeitabständen auf demselben Negativ.

Chronograph: 1. tragbare Uhr, die die fortlaufende Tageszeit angibt und eine Stoppeinrichtung für Kurzzeitmessung mit Sekunden- und Minutenzählanzeige hat.

2. Zeitlaufgerät, das als Zeitschreiber für sportliche, technische und wissenschaftliche Zwecke neben der Normalzeitangabe vergleichende Zeitmessungen durchführt und beim Streifenchronograph auf einem laufenden Papierstreifen aufzeichnet. Beim Walzenchronograph ist das Papier auf eine umlaufende Walze gespannt, beim Bandchronograph können gleichzeitig mehrere Aufzeichnungen gemacht werden, beim Druckchronograph wird die Zeit in Druckschrift ausgegeben.

Chronologie: (griechisch, «Zeitkunde») 1. Teilgebiet der Astronomie, das sich mit astronomisch bestimmter Zeitmessung und der Festlegung einer Zeitskale sowie Maßeinheiten der Zeit befasst. Siehe auch Kalender 2.

2. historische Hilfswissenschaft, die die Zeiteinteilung und -bezeichnung der Völker in den verschiedenen Gesellschaftsepochen sowie das darauf beruhende Kalenderwesen untersucht. Daraus entwickelt sie Methoden, die überlieferten Zeitangaben kritisch zu prüfen, gegebenenfalls zu berichtigen und mit der modernen Zeitrechnung in Übereinstimmung zu bringen.

chronologisch: (griechisch) in zeitlicher Reihenfolge.

Chronometer: 1. sekundengenau gehende Uhr, die zum Beispiel zur Pflichtausrüstung von Seeschiffen gehört, da sie bei der Navigation als Zeitnormal mit eingesetzt werden kann.

2. eine nach internationalen Vereinbarungen feinregulierte Kleinuhr mit amtlichem Prüfzeugnis.

Chronoskop: Uhr, die den zeitlichen Ablauf von Kurzzeitvorgängen durch einen großen Sekundenzeiger anzeigt; siehe auch Kurzzeitmessgerät.

Chronotherm: mit einer Uhr verbundener Thermostat zur automatischen zeitlichen Regelung einer Raumheizungsanlage.

Chrono-Zyklo-Fotografie: fotografisches Aufzeichnen von Bewegungsbahnen bestimmter Punkte als Lichtspuren auf demselben Negativ bei längerer Belichtungszeit.

Chrysantheme: aus Ostasien stammende, zu den Korbblütlern gehörende Zierpflanze, die unter Glas oder im Freiland angebaut und in vielen Farben und Formen gezüchtet wird.

Chrysarobin: Ausscheidungsprodukt aus dem Holz des brasilianischen Goabaums (Andira araroba), das eine Mischung verschiedener Anthrazen-abkömmlinge darstellt; wegen seiner Reizwirkung wird es als Salbe bei Schuppenflechte und parasitären Hauterkrankungen angewendet.

chryselephantine Plastik: in der klassischen Antike in Goldelfenbeintechnik hergestellte überlebensgroße Kultfiguren, bei denen über einem Holzkern die nackten Teile des Körpers aus Elfenbein, die bekleideten aus Goldbelag gebildet wurden. Berühmteste Werke sind der Zeus von Olympia und die Athena Parthenos des Phidias.

Chrysipp, um 280-207 vor Christus, griechischer Philosoph; Systematiker der Lehren der älteren Stoa; teilte die Philosophie in Physik, Logik und Ethik ein.

Chrysoberyll: Mineral, Beryllium-Aluminium-Oxid; rhomb. Kristallsystem, Härte 8,5, Dichte 3,7 g/cm3; gelbgrüne, dicktafelige Kristalle. Die grüne, bei künstlichen Licht violett-rote Edelsteinvarietät des Chrysoberylls wird Alexandrit genannt; Vorkommen in Pegmatiten im Ural, in Brasilien.

Chrysostomos, (griechisch, «Goldmund»), Johannes, um 345-14. 9. 407, griechischer Kirchenlehrer; bis 404 Patriarch von Konstantinopel; bedeutendster Prediger der griechischen Kirche; kritisierte soziale Missstände bei Kirche und Hof.

Chrysotherapie: (griechisch, «Goldtherapie») Injektionsbehandlung mit Goldsalzpräparaten bei rheumatisch bedingten chronischen Gelenkentzündungen. Gold lagert sich in den Innenhäuten der Gelenkkapsel ab, hemmt die Freisetzung von Enzymen mit zytotoxische Eigenschaften und hat einen immundepressiven Effekt. Nebenwirkungen sind Haut-, Leber-, Nieren- und Blutveränderungen.

chthonische Götter: griechische Gottheiten des Erdbodens und der Erdentiefe (chthon «Erde»), die Wachstum und Gedeihen schenkten und die Toten aufnahmen; besonders Hades, Pluton, Demeter, Persephone, Hekate.

Chui: Judo Ermahnung bei mittleren oder wiederholten leichten Regelverstößen; in der Wertigkeit dem Yuko entsprechend Strafe.

Chukyo: Bezeichnung für eine Industriezone in Japan, deren Zentrum Nagoya bildet, die bereits zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg entstand und sich in den letzten Jahrzehnten rasch ausdehnte; etwa 7 Millionen Einwohner. In den Präfekturen Aichi (mit Nagoya), Gifu und Mie ist mehr als ein Viertel der Produktion des japanischen Fahrzeugbaus konzentriert, je ein Fünftel der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie der Glas- und Keramikherstellung, mehr als ein Zehntel des Maschinenbaus und der Metallurgie.

Chuquicamata: Stadt im Norden Chiles, in der Atacama-Wüste; 30000 Einwohner; bedeutendster Kupfertagebau der Erde (300000 t Kupfer/Jahr; 1,4 bis 1,8% Kupfergehalt der Erze) in 2800 m über dem Meeresspiegel; Kupferhütten; Ausfuhrhafen Tocopilla.

Churchill: Fluss in Kanada, in den Provinzen Saskatchewan und Manitoba; 1609 km; entspringt in den Vorbergen des Felsengebirges, durchfließt im Ober- und Mittellauf zahlreiche größere und kleinere Flussseen und mündet in die Hudsonbucht; nicht schiffbar. Nutzung der Wasserkraftreserven durch Überstauung von Flussseen (3 Stauseen mit insgesamt 6651 km2 speisen das Wasserkraftwerk Churchill Falls mit 5225 MW). An der Mündung liegt der Getreideausfuhrhafen Churchill.

Churri, Hurri: vorderasiatische Stämme, die wahrscheinlich zur ältesten Bevölkerungsschicht zählten; sprachlich mit den Proto-Chatti verwandt. Stammsitz war Churrum (etwa das heutige Armenien). Die Churri gründeten im 15. Jahrhundert vor Christus in Nordwestmesopotamien das Reich der Mitanni, das etwa 100 Jahre später den Hethitern unterlag. Seit etwa 1000 vor Christus ist der Name Churri in den historischen Quellen verschwunden. Dekorative Keramik, Bronzestatuetten und -gerät, Steinplastik, Rollsiegel und Architektur weisen Züge selbständiger Entwicklung auf. In der Kunst des Mitannistaates ist auch nach der Niederwerfung durch die Hethiter die hurritische Komponente weiter vorherrschend; angrenzende ägyptische, hethitische, assyrische Kulturbereiche wurden künstlerisch angeregt. Siehe auch altvorderasiatische Kunst.

Churriguerismus: Ausprägung des spanischen Barocks in Lateinamerika; benannt nach dem spanischen Bildhauer und Architekten José de Churriguera (1665-1723). Der Churriguerismus griff mit seinem phantastisch wuchernden plastischen Ornament von der Dekorationskunst auf die gesamte Baukunst über und löste bis zum Ende des 18. Jahrhundert Innenräume wie Fassaden in bewegte Licht-Schatten-Spiele auf.

Chwarizmi, al-, vor 800-nach 847, persischer Mathematiker, Astronom und Geograph; wirkte in Bagdad; schrieb bedeutende und zu den frühesten zählende algebraische Abhandlungen in arabischer Sprache, übernahm als einer der ersten die indischen Ziffern einschließlich der Null (siehe auch arabische Ziffern).

Chylus: Milchsaft, der nach fettreichen Mahlzeiten im Brustmilchgang auftritt. Sein Aussehen kommt durch die zahlreichen Fetttröpfchen zustande, die von der Darmwand in die Lymphe aufgenommen worden sind. Der Chylus gelangt im oberen Brustbereich in die venöse Blutbahn.

Chymotrypsin: zu den Proteasen gehörendes Enzym, das im Sekret der Bauchspeicheldrüse enthalten ist. Chymotrypsin spaltet Eiweißstoffe zu Peptiden und Aminosäuren.

Chymus: der im Magen durch Homogenisierung entstandene Nahrungsbrei, der infolge von Beimengung der Salzsäure des Magensaftes angesäuert ist.

Ciborium: 1. säulengestützter, meist steinerner Altarüberbau besonders byzantinische und italienische Kirchen des frühen Mittelalters; am Ciborium hing das Gefäß mit dem geweihten Brot; zwischen den Säulen befanden sich Vorhänge.

2. in der katholischen Kirche das Tabernakel (Hostiengefäß), oft in Gestalt eines Turmes oder einer Taube aus Edelmetall.

Cicero, Marcus Tullius, 3.1.106-7.12.43 vor Christus (ermordet), römischer Redner und Schriftsteller sowie republikanisch gesinnter Politiker; zunächst Advokat; 63 Konsul, entlarvte in dieser Zeit die Verschwörung des Catilina. Später wurde Cicero Optimat und Ideologe der republikanischen Staatsform unter Beibehaltung der Senatsherrschaft. Verfasste lateinische Kunstprosa in höchster Vollendung, außerdem Reden (57 sind erhalten; unter anderem die gegen Verres), rhetorische Werke, philosophische Schriften und Briefe.

Cid, (arabisch, «Herr») eigentlich Rodrigo Diaz de Vivar, genannt El Campeador (Der Kämpfer), um 1043-1099, spanischer Nationalheld; Ritter und Heerführer während der Reconquista, kämpfte zunächst auf maurischer, dann auf christlicher Seite, eroberte 1094 Valencia; ist Hauptfigur des spanischen Nationalepos «Lied von meinem Cid» (1140) unter anderem Werke der Weltliteratur (Tragödie von Corneille, Romanzenzyklus von Herder unter anderem).

Ci-Dichtung: altchinesische liedhafte Gedichtform mit unregelmäßigen Versen, die in der Song Zeit (12. Jahrhundert) zur Blüte gelangte und auf bestimmten Melodien basiert.

Ciego de Avila: 1. Provinz im Zentralteil Kubas; 6488 km2, 320000 Einwohner; 49 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Ciego de Avila 2; wichtiges Agrargebiet mit Anbau von Zuckerrohr, tropischen Früchten; Viehzucht; bisher noch wenig Industrie.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Ciego de Avila 1; 210000 Einwohner; Agrarzentrum; Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbaubetriebe, Wärmekraftwerk.

Cienfuegos: 1. Provinz an der Südküste Kubas; 4151 km2, 330000 Einwohner; 79 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Cienfuegos 2; im Osten Teil der Sierra del Escambray; bisher vorwiegend Landwirtschaft mit Zuckerrohranbau und Viehzucht, in der letzten Zeit zunehmende Industrialisierung, besonders in Cienfuegos 2.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Cienfuegos 1; 240000 Einwohner; Entwicklung zu einem wichtigen Industriezentrum (Chemie, Maschinenbau und Zementproduktion). Bei Cienfuegos erstes Kernkraftwerk (880 MW) Kubas im Bau sowie Abbau von Eisen- und Kupfererzen. Nach Havanna zweitwichtigster Seehafen Kubas, Hauptumschlagplatz für Zucker (Ausfuhr); Bauten aus der spanischen Kolonialzeit.

Cimabue, Giovanni, um 1240-1302, italienischer Maler; erfüllte die byzantinisch beeinflusste Malerei Italiens (sogenannt Maniera greca) mit neuer Kraft und Größe; Fresken in der Oberkirche von S. Francesco in Assisi; thronende Madonna mit Engeln (Florenz), weitere Werke in Rom und Pisa.

Cincinnati: Stadt im Bundesstaat Ohio (USA), am schiffbaren Ohio; 390000 Einwohner (etwa 5% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 1,4 Millionen Einwohner; bedeutendes Industriezentrum der USA Maschinenbau (Werkzeugmaschinenbau, Flugzeugmotorenbau, Autos unter anderem), chemische, ferner Leicht- und Konsumgüterindustrie. Handels- und Verkehrsknoten mit Kanalverbindung zu den Großen Seen, Flughafen; 2 Universitäten.

Cinna, Lucius Cornelius, um 130-84 vor Christus (ermordet), römischer Patrizier; Parteigänger des Marius, war 87/84 Konsul; brachte Gesetze gegen die Sullaner ein, die ihn deshalb zur Flucht trieben. 87 eroberte Cinna gemeinsam mit Marius Rom und ließ die Sullaner verfolgen.

Cinquecento, «500» Bezeichnung für das 16. Jahrhundert in der italienischen Kunstgeschichte; auch als Stilbegriff gebräuchlich, dann auf die Kunst der Hochrenaissance beschränkt.

Ciobanu, Ion, geboren 6.11.1927, moldauisch-sowjetische Schriftsteller; gestaltete in dem historischen Roman «Kodri» (1952/57) den nationalen Befreiungskampf seines Volkes; die gesellschaftlichen Veränderungen in der Moldauischen SSR stehen im Mittelpunkt des konfliktreichen Romans «Brücken» (1966). Neben Lyrik erschienen auch Essays zu Fragen der Literatur.

Circulus vitiosus: (lateinisch, «fehlerhafter Kreis(lauf)»)

1. Logik: Zirkelschluss; Beweisfehler, bei dem die zu beweisende Aussage schon unter den Voraussetzungen vorkommt.

2. Medizin: fehlerhafter Kreislauf infolge ursächliche Verknüpfung mehrerer krankhafter Störungen, die sich gegenseitig verstärken.

3. Psychologie: anhaltende und sich wechselseitig steigernde Kettenreaktion zwischen dem psychischen Zustand der Persönlichkeit, ihrem Verhalten, ihren Beziehungen zur Umwelt und dem Erlebnis dieser Zustände.

Cirebon, Tjirebon: Stadt in Indonesien, im Nordwesten Jawas; 180000 Einwohner; bedeutender Industriestandort mit Werft, chemische, Leicht- und Lebensmittelindustrie; Hochseehafen; in der Umgebung besonders Reis- und Zuckerrohranbau.

cis-1,4-Polyisopren: durch stereospezifischen Polymerisation von Isopren hergestellter synthetischer Kautschuk, der hinsichtlich chemischer Struktur und Eigenschaften dem Naturkautschuk weitgehend ähnelt.

Cister: Zupfinstrument des 16./18. Jahrhundert, hervorgegangen aus der Zupf-Fiedel des frühen MA; früher flacher, birnenförmiger Schallkörper und vorderständige Wirbel auf der Wirbelplatte, 4 bis 12 oft in Doppelchören angeordnete Metallsaiten und Schallrosette; später verschiedenartige Korpusformen, Wirbelkasten, offenes Schalloch und Darmsaiten; um 1830 durch Gitarre verdrängt, als «Wald-» oder «Bergzither» aber vereinzelt noch bis in die Gegenwart überliefert.

cis-trans-lsomerie: bei chemischen Verbindungen vom Typ R-CX=CY-R auftretende Form der Stereoisomerie; dabei können R und R1 auch H sowie Y=X sein. Die 4 Atome oder Atomgruppen, die an doppelt miteinander verbundenen Kohlenstoffatomen haften, liegen in einer Ebene und sind mangels freier Drehbarkeit der Doppelbindung starr zueinander angeordnet. Bei der cis-Verbindung ist der Abstand zwischen X und Y (beziehungsweise R und R1) geringer als bei der trans-Verbindung, so dass sich unterschiedliche Eigenschaften ergeben. cis-trans-Isomere sind zum Beispiel Malein- (cis) und Fumarsäure (trans).

Zistrosengewächse, Cistaceae: Familie auffällig blühender, krautiger und kleiner strauchiger Gewächse, die hauptsächlich in der Gebüschvegetation (Garigue) des Mittelmeergebietes verbreitet ist. Bekannte Gattungen sind Cistrose (Cistus) oder das Sonnenröschen (Helianthemum), letztere auch mit zahlreichen Gartenformen.

citius-altius-fortius: (lateinisch) «(immer) schneller, höher, stärker»; olympische Devise.

Citoyen: ursprünglich Bezeichnung für den Bürger einer freien Stadt; seit der Franzos. Revolution gebräuchliche Anrede für «Staatsbürger». Seit dem 19. Jahrhundert wird Citoyen als Antithese zum (profitmachenden) Bourgeois benutzt.

Citrin, Zitrin: oft fälschlich als Topas bezeichnete gelbe bis braune Varietät des Quarzes.

Ciudad Guayana: Stadt im Osten von Venezuela, am Orinoco; 200000 Einwohner; Schwarzmetallurgie; Erzhafen Puerto Ordaz-Palva; aus Santo Tomé de Guayana und San Félix de Guayana zusammengewachsen.

Ciudad Juárez: Grenzstadt in Mexiko, am Rio Grande del Norte, gegenüber El Paso (USA); 630000 Einwohner; Handels- und Verkehrsmittelpunkt; Nahrungsmittelindustrie (Wein- und Branntweinherstellung); Fremdenverkehr; in der Umgebung Bewässerungsfeldbau.

Civitas: (lateinisch, «Bürgerschaft») 1. Gesamtheit der freien römischen Bürger im Gegensatz zu den Nichtrömern.

2. in der Spätantike die städtlichen Gemeinden.

Civitavecchia: Stadt in Mittelitalien, in der Region Latium, am Tyrrhenischen Meer; 48000 Einwohner; metallverarbeitende, chemische und Zementindustrie; Kraftwerk; Hafen, Eisenbahnfähre nach Sardinien; Schwefelquellen; Seebad; etruskischer und römischer Altertümer.

Cixi, 1835-1908, chinesische Herrscherin; Witwe des Kaisers Yizhu, seit 1861 faktisch Kaiserin von China, Haupt der Reaktion.

Clactonien: frühe und mittlere altsteinzeitliche Kultur, die im Süden Großbritanniens, im Norden Frankreichs und in Mittel- und Osteuropa verbreitet war; benannt nach Clacton-on-Sea im Südosten Großbritanniens.

Claes, Ernest, 24.10.1885-2.9.1968, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; Vertreter der flämischen Heimatliteratur mit Romanen und Erzählungen («Flachskopf», 1920, deutsch; «Die wenig erbauliche Geschichte von Karlchen Dop», 1924, deutsch; unter anderem).

Clair, eigentlich Chomette, René, 11.11.1898-15.3.1981, französischer Filmregisseur und -autor; begründete mit den Weltruf des französischen Films; schuf unter anderem «Paris schläft», «Der Florentinerhut», «Unter den Dächern von Paris», «Schweigen ist Gold», «Das große Manöver», «Die Mausefalle», «Alles Gold dieser Welt», «Galante Feste»; trat auch als Filmtheoretiker und Schriftsteller hervor.

Clan: («Blutsverwandtschaft») 1. in Irland, Wales und Schottland ein aus den Gentil-Kollektiven der spätkeltische Urgesellschaft hervorgegangener Lehnsverband mit gemeinsamem Grundeigentum und patriarchalische Struktur. Die Clanverfassung wurde durch die Engländer aufgelöst, zuletzt 1745 in Schottland, wo die Clanzugehörigkeit noch immer gepflegt wird. Siehe auch Gens.

2. Gruppe (oft auf verwandtschaftliche Grundlage) mit gemeinsamen privategoistischen Interessen. Clapeyron, Benoît Pierre Émile, 26. oder 21.2.1799-28.1.1864, französischer Ingenieur; entwickelte 1834 die Thermodynamik von Carnot weiter und wandte sie vorwiegend auf den Bau von Dampfmaschinen an (1842). Siehe auch Clausius-Clapeyronsche Gleichung.

Claque: (französisch, «Klatscher») Gesamtheit der Personen (Claqueure), die auf Bestellung und gegen Honorar im Theater applaudieren; war schon im römischen Theater üblich und hat sich in den europäischen Theaterzentren bis Anfang des 20. Jahrhundert erhalten.

Clarinblasen: im 17./18. Jahrhundert ausgeübte Kunstfertigkeit des Trompetenspiels in hoher Lage auf der Naturtrompete, in der die Naturtöne im Sekundabstand aufeinanderfolgen. Wichtig sind enges und flaches Trompetenmundstück, guter Ansatz und vorteilhafter Lippenbau des Bläsers. J. S. Bach forderte das Clarinblasen zum Beispiel im 2. Brandenburgischen Konzert. Nach Aufkommen der Ventile verlor das Clarinblasen an Bedeutung, erlebt aber seit Mitte des 20. Jahrhundert eine Wiederbelebung.

Clark: 1. John Mathematische Schule.

2. John Pepper Clark, geboren 6.4.1935, nigerianischer Schriftsteller, setzt sich in mythologisch motivierter Lyrik und in Versdramen mit afrikanischen Traditionen und neokolonialen Erscheinungen der Gegenwart auseinander, Gedichtband «Schilfrohr im Strom» (1965).

Clarke-Wert, Clarke-Zahl, Clarke: durchschnittliches Gehalt eines chemischen Elementes (in Masse-% beziehungsweise ppm) in der Erdkruste. Der Clarke-Wert ist eine wichtige geochemischer Bezugsgröße; benannt nach dem US-amerikanischen Mineralogen und Geochemiker Frank Wigglesworth Clarke (1847-1931).

Clarté: (französisch, «Klarheit») internationale Bewegung Intellektueller unterschiedlicher politische Anschauungen mit Gruppen in fast allen europäischen Staaten, Ägypten, Palästina, Japan und einigen Ländern Lateinamerikas; 1919 von H. Barbusse, R. Rolland unter anderem gegründet. Ziele der Clarté waren der Kampf gegen den Imperialismus (als Ursache für Krieg und die Leiden der Völker), die Verbreitung der Wahrheit über die junge Sowjetmacht und die ideologische Vorbereitung der sozialistischen Revolution. Bedeutende Schriftsteller schlossen sich an beziehungsweise sympathisierten mit der Clarté (unter anderem G. B. Shaw, H. G. Wells, U. Sinclair, H. Mann, S. Zweig). Nach der Auflösung 1923 wurden die Ziele der Clarté in den 30er Jahren von der internationalen Bewegung gegen den Faschismus wiederaufgenommen.

Classifiner: Drucksortierer zur Ausscheidung von Verunreinigungen (Fremdkörpern) bei der Aufbereitung von Altpapier. Im Classifiner passieren die Papierfasern eine Siebplatte, während ein Rotor mit Schabern dicht davor rotiert und die Verunreinigungen durch Pulsationswirkung fortlaufend löst und in ein sekundäres Reinigungssystem abführt.

Claudel, Paul, 6.8.1868-23.2.1955, französischer Schriftsteller und Diplomat; Hauptvertreter des Renouveau catholique; Verfasser mystischer Dichtungen und Dramen, zum Beispiel «Der seidene Schuh» (1928, deutsch), die ethischen Zeitprobleme aus religiöser Sicht behandeln.

Claudian, Claudius Claudianus, um 375-nach 404, lateinischer Dichter; neben dem mythologischen Epos «Raub der Proserpina» schrieb er, ein Bewunderer der römischen Vergangenheit, als Hofdichter des Stilicho Gedichte panegyrischen Inhalts auf diesen und auf Mitglieder des Kaiserhauses.

Claudius: 1. Eduard Claudius, eigentlich Schmidt, Eduard, 29.7.1911-13.12.1976, Schriftsteller; stammt aus dem Proletariat, 1934/45 im Exil, Spanienkämpfer, 1959/61 Botschafter der DDR in Vietnam; schrieb den Spanienroman «Grüne Oliven und nackte Berge» (1944), den ersten Roman über den sozialistischen Aufbau, «Menschen an unserer Seite» (1951), ferner «Salz der Erde» (1948), «Von der Liebe soll man nicht nur sprechen» (1957), «Wintermärchen auf Rügen» (1965), zahlreiche Erzählungen, Nachdichtungen vietnamesisches Märchen, Reportagen; Autobiographie «Ruhelose Jahre» (1968).

2. Matthias Claudius, 15.8.1740-21.1.1815, Lyriker und Publizist. In christlicher Grundhaltung verharrend, nahm Claudius nicht an den großen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen seiner Zeit teil. Als Herausgeber und Rezensent des «Wandsbecker Boten» (1770/75) hatte er Kontakte zu vielen literarischen Zeitgenossen und förderte unter anderem die Literatur des Sturm und Drang; schrieb volksliedhafte Gedichte und Lieder («Der Mond ist aufgegangen»).

Claudius, Tiberius Gaius Nero Germanicus, 1.8.10 vor Christus-13.10.54 nach Christus, seit 24.1.41 römischer Kaiser, Sohn des Drusus; von Prätorianern zum Kaiser erhoben, schlug Claudius 42 einen Aufstandsversuch der Senatoren nieder; eroberte Teile Britanniens, förderte durch Bürgerrechtsverleihungen an außeritalische Städte die Romanisierung der Provinzen; entfaltete rege Bautätigkeit. Claudius wurde von seiner vierten Frau, Agrippina der Jüngere, vergiftet.

Claus: 1. Hugo Claus, geboren 5.4.1929, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; schrieb Lyrik («Kleine Reihe», 1947), Dramen («Eine Braut am Morgen», 1955, deutsch), Romane («Die Hundstage», 1952; «Die Verwunderung», 1962, deutsch), auch Filmszenarien und Essays.

2. Karl Karlowitsch Claus, 22.1.1796-24.3.1864, russischer Chemiker, Pharmazeut und Botaniker; Professor an den Universitäten Dorpat (Tartu) und Kasan; entdeckte unter anderem das chemische Element Ruthenium.

Clausen, Wilhelm, 23.12.1878-28.4.1961, Ophthalmologe; Professor in Würzburg und Halle; kann als Vorläufer von W. P. Filatow gelten, da ihm bereits 1910 eine Hornhauttransplantation gelang; Mitglied der Leopoldina.

Clausewitz, Carl Philipp Gottfried von, 1.6.1780-16.11.1831, preußischer General und Militärtheoretiker; verließ 1812 aus Protest gegen das schmachvolle preußisches-französisches Bündnis die preußische Armee und trat in russische Dienste. Als Generalstabsoffizier war er maßgeblich am Zustandekommen der Konvention von Tauroggen beteiligt. Clausewitz erwarb sich große Verdienste als Militärtheoretiker; Hauptwerk «Vom Kriege» (1832/34).

Clausius, Rudolf, 2.1.1822-24.8.1888, Physiker; formulierte 1850 den 2. Hauptsatz der Thermodynamik und führte in diesem Zusammenhang 1865 den Begriff Entropie ein; stellte 1857 die Grundlagen der kinetischen Gastheorie auf.

Clausius-Clapeyronsche Gleichung: Formel für die Abhängigkeit des Dampfdruckes p reiner Flüssigkeiten von der Temperatur T\ dp/dT = Q/(TAV). Dabei bedeuten Q Verdampfungswärme, T Siedetemperatur und A V Volumendifferenz zwischen Dampf und Flüssigkeit. Die Clausius-Clapeyronsche Gleichung wurde 1834 von B. Clapeyron aufgestellt und später von R. Clausius theoretisch begründet entsprechend Gleichungen gelten allgemein bei Phasengleichgewichten von Einstoffsystemen.

Clausiussches Prinzip: (nach R. Clausius) Erfahrungssatz, nach dem Wärme niemals von selbst von einem kälteren zu einem wärmeren Körper übergehen kann.

Clavecinisten: französische Komponisten des 17./18. Jahrhundert, die vorwiegend Musik für das Clavecin (Cembalo) schufen, unter anderem J. Champion de Chambonnieres (um 1602-1672), L. (um 1626-1661) und F. Couperin (1668-1733), J. P. Rameau (1683-1764), L. Marchand (1669-1732), Louis-Claude Daquin (1694-1772). Ihr Kompositionsstil, von der englischen Virginalmusik beeinflusst, kennzeichnet eine wichtige Stufe charakteristische Cembalomusik, die unter anderem stark auf J. S. Bachs Klavierschaffen wirkte («Französische Suiten»), Die Stücke sind oft mit poetischen programmatischen Überschriften versehen und zu «Ordres» (Suiten) zusammengefasst.

Clavel, Bernard, geboren 29.5.1923, französischer Schriftsteller; tritt in seinem gesellschaftlichen Themen verpflichtenden Schaffen für die Bewahrung kritischer realistischer Methoden ein; Roman «Das Haus der anderen» (1962, deutsch) unter anderem.

Claves: 2 Rundstäbe aus exotischen Hartholz, die kurz und scharf gegeneinander geschlagen werden, wobei der hohle Handteller der linken Hand als Resonanzkörper wirkt; Schlaginstrument kubanischer Herkunft.

Clavichord, Klavichord: Tasteninstrument, dessen Saiten durch Andrücken von Metallstiften (Tangenten), die auf den Tastenenden befestigt sind, zum Klingen gebracht werden. Das Clavichord, als Tischinstrument oder mit Füßen versehen, besteht aus einem rechteckigen Gehäuse, in dem sich Anhängestock, Steg, Stimmstock mit Wirbel, Metallsaiten, Resonanzboden mit Schallrosette und Klaviatur befinden; war vom 15./18. Jahrhundert besonders in Deutschland und Italien verbreitet; meist solistisch gebraucht; wurde um 1800 durch das Hammerklavier verdrängt; um 1900 jedoch Beginn einer Wiederbelebung, besonders für Aufführungen alter Musik.

Clayton-Bulwer-Vertrag: US-amerikanischer-britischer Kompromiss um den Bau eines Kanals durch Mittelamerika, 1850 unterzeichnet; beide Seiten verpflichteten sich zum gemeinsamen Bau und zur Neutralisierung eines künftigen Kanals; 1901 durch den Hay-Pauncefote-Vertrag ersetzt.

Clear-Air-Turbulence, Abkürzung CAT: im Strahlstrom infolge starker Windgeschwindigkeitsänderungen (Windscherung) auftretende, nicht an Wolken gebundene, für Flugzeuge gefährliche Turbulenz. Sie kann im gesamten Bereich des Strahlstromes auftreten, der gewöhnlich mehrere 1000 km lang, mehrere 100 km breit und wenige km vertikal stark ist. CAT-Gebiete werden durch Höhenänderung gemieden.

Clearance: Klärwert; Maß für die Menge einer Substanz, die aus dem Blut ausgeschieden wird (zum Beispiel durch die Niere). Bei der Wertangabe bezieht man sich auf die Konzentration dieser Substanz im Blutplasma. Dadurch ergibt sich rechnerisch ein scheinbares Plasmavolumen, das in 1 Minute von der Substanz befreit wird. Die Clearance spielt unter anderem in der Diagnose von Nierenerkrankungen eine Rolle.

Clearing: Verrechnung von gegenseitigen Forderungen und Verbindlichkeiten über eine Verrechnungsstelle (Clearinghaus); heute allgemein zwischen Banken (Banken-Clearing). Im internationalen Handel ist das Clearing eine Verrechnungsmethode, bei der Lieferungen bei besonderen Banken (Clearingbanken) auf Clearingkonten erfasst und gegeneinander aufgerechnet werden (Devisen-Clearing). Clearing ist in der Regel durch Zahlungsabkommen unter anderem internationale Verträge zwischenstaatlich geregelt, wobei entweder mehrere Staaten (multilaterales Clearing; wie zwischen Mitgliedsländern) oder nur 2 Staaten (bilaterales Clearing) beteiligt sind.

Clementi, Muzio, 23.1.1752-10.3.1832, italienischer Klavierkomponist, -virtuose und -pädagoge; wirkte vor allem in London (auch als Musikverleger und Klavierfabrikant); seine von Beethoven geschätzten formklaren und ausdrucksstarken Sonaten zählen zur wertvollen klassischen Klaviermusik.

Cleve, Joos van, eigentlich Joos van der Beke, um 1485-1540/42, niederländischer Maler; schuf unter dem Einfluss der Antwerpener Manieristen und der Kunst Leonardo da Vincis figurenüberladene großformatige Altarbilder von erlesener farblicher Abstimmung; identisch mit dem «Meister des Todes Mariä».

Cleveland: Stadt im Bundesstaat Ohio (USA), am Eriesee; 570000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,9 Millionen Einwohner; führender Wirtschaftszweig ist die Schwerindustrie, gefolgt vom Maschinenbau, der Farben-, chemische, Textil-, polygraphische, elektrotechnische Industrie und dem Fahrzeugbau; bedeutender Binnenhafen (Umschlag 21,6 Millionen t) der Großen Seen (Verladung von Eisenerz und Kohle), U Bahn, internationaler Flughafen, bedeutender Verkehrsknoten. Neben 3 Universitäten Forschungsinstitute, Theater, Museen; Forschungszentrum der NASA.

Cleveland Hills: Hügelland im Nordosten Englands (Großbritannien), südlich des unteren Tees; bis 454 m hoch; Teil des englischen Stufenlandes (Jurastufe); Zwergstrauchheide auf Podsolboden; Förderung von Eisenerzen aus dem Jura.

Climax: Bergbauort im Bundesstaat Colorado (USA), 3450 m überm Meer, im Felsengebirge; fordert über 50% der Molybdänproduktion der kapitalistischen Länder; Sonnenobservatorium.

Clipperton: (nach dem Entdecker) Korallenatoll im östlichen Stillen Ozean, etwa 1100 km westlich von Mexiko; zu Französisch-Polynesien; 1,6 km2; nicht ständig bewohnt.

Cloncurry: Stadt in Queensland (Australien), am Cloncurry Creek; 2000 Einwohner; ehemals bedeutendes Zentrum des Gold-, Kupfer- und Uranbergbaus, inzwischen in der Bedeutung hinter Mount Isa (150 km westlich) zurückgefallen.

Cloos, Hans, 8.11.1885-26.9.1951, Geologe; Professor an den Universitäten Breslau (Wroclaw) und Bonn; verfasste grundlegende Arbeiten zur Tektonik und zum Bau der Plutone, entwickelte die experimentelle Richtung der tektonischen Geologie; unternahm geologische Forschungsreisen in Europa, Nordamerika und Südostasien.

Cloots, Jean Baptiste du Val de Grace, Baron von, nannte sich selbst Anacharsis Cloots, 24.6.1755-24.3.1794, französischer Revolutionär preußischer Herkunft; schloss sich 1789 dem Jakobinerklub an und verlangte als «Redner des Menschengeschlechts» die gewaltsame Republikanisierung Europas durch die französischen Revolutionsarmeen. Unter dem Vorwand einer Teilnahme an dem geplanten häbertistischen Aufstand vom März 1794 angeklagt und hingerichtet.

Cloqué: Doppelgewebe in verschiedener Bindung mit aufgeworfener, blasiger Musterung durch Verwendung von Kreppgarn oder schrumpfenden Chemieseiden.

Clouet: 1. François Clouet, um 1505-22.9.1572, französischer Maler; Sohn von Clouet 2; schuf Porträts und farbige Bildniszeichnungen der französischen Aristokratie, beeinflusst von Holbein der Jüngere, signiertes Hauptwerk ist die badende sogenannt «Diane de Poitiers».

2. Jean Clouet, um 1485-1540/41, Hofmaler Franz I. von Frankreich; Porträtist, von dem etwa 130 Bildniszeichnungen als Vorstudien zu Gemälden erhalten sind; ihm zugeschrieben wird ein Porträt Franz’ I.

Clown: ursprünglich Spaßmacher der englischen Bühne, im 18. und 19. Jahrhundert in der englischen Pantomime. Den Zirkusclown, dessen Auftritt eine Mischung aus Elementen der englischen Pantomime, der Commedia dell’arte und der Akrobatik ist, gibt es seit etwa 1820 (Dressurclown, Groteskclown, Musikalclown unter anderem).

Club of Rome: Organisation von rund 70 Wissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Club of Rome, 1968 in Rom gegründet, organisiert interdisziplinäre Forschungen zu Entwicklungsperspektiven der Menschheit. Berichte an den Club of Rome über globale Probleme (Energie-, Rohstoff-, Ernähungs-, Umwelt- und Bevölkerungsprobleme) sind unter anderem «Die Grenzen des Wachstums» (sogenannt Nullwachstum), «Menschheit am Wendepunkt» (sogenannt organisches Wachstum), der ROI-Bericht (Reform der internationalen Ordnung) und «Die Ziele der Menschheit» unter anderem. Als Grundwiderspruch unserer Epoche wird nicht der zwischen Kapitalismus und Sozialismus, sondern ein sogenannt Nord-Süd-Konflikt gesehen.

Cluj-Napoca: Bezirksstadt in Rumänien (Bezirk Cluj), in Transilvania, am Kleinen Some; früher Cluj; 290000 Einwohner; Maschinen-, Waggonbau, elektronische, Porzellan-, pharmazeutische, Möbel-, Textil-, polygraphische, Schuh-, Nahrungsmittelindustrie, Ziegelei; Industriegebiet Some-Nord; Straßenknoten, Flughafen; Universität, Hochschulen, Polytechnikum; Theater, Museen, botanischer Garten; alte Stadtbefestigung. Unter römischer Herrschaft wurde die Dakersiedlung Napoca zur Stadt ausgebaut. Auf deren Trümmern entstand die 1173 urkundlich genannt Stadt (Culus), die sich unter ihren rumänischen, ungarischen und deutschen Bewohnern zum kulturellen und Wirtschaftszentrum Transsilvaniens entwickelte. 1437, 1514, 1784 und 1848 war Cluj Ausgangspunkt revolutionärer Erhebungen.

Cluny: Stadt im Osten Frankreichs, nordwestlich von Macon; 4000 Einwohner; Gestüt; Viehmarkt; Schulen. Die Entstehung der Stadt geht auf die 910 gegründet Benediktinerabtei zurück; Ausgangspunkt der Kluniazenser Reformbewegung im 10. und 11. Jahrhundert, die Rückkehr zum asketischen Mönchtum der Benediktinerregel forderte und die Abhängigkeit der Klöster von den Bischöfen bekämpfte. Als ein solches Zentrum war Cluny für die Baukunst der Kongregation bestimmend, beeinflusste aber auch andere Klöster. Die 2. Kirche von Cluny (vollendet 981) besaß ein reich ausgebildetes Altarhaus (Sanktuarium) mit Presbyteriums-Seitenschiffen und Querhauskapellen und war Vorbild für die ältere burgundische Bauschule. Die 3. Kirche (begonnen 1089) war mit Paradies, Vor- und Hauptkirche, 2 Querhäusern, Kapellenumgangschor und 6 Türmen die größte und reichste ihrer Zeit und beeinflusste die jüngere burgundische Schule. Sie wurde im 19. Jahrhundert zerstört.

Cluster: (englisch, «Traube, Haufen») Klangballung beziehungsweise -färbe, die durch gleichzeitiges Erzeugen mehrerer kleiner Intervalle entsteht, indem man zum Beispiel den Unterarm auf die Klaviatur legt. Auch die zeitgenössische Orchestermusik verwendet entsprechend Klangeffekte als Ausdrucksmittel.

Clusterverbindungen: Verbindungen höherer Ordnung, die in ihrem Zentrum 3 oder mehr miteinander verknüpfte Atome des gleichen Metalls (Metallatom-Inselstrukturen) enthalten. So existieren zum Beispiel Clusterverbindungen; unter anderem wurden die Clusterverbindungen Mo308, Re3Cl12 und Rh6(CO)16 nachgewiesen.

Clüver, Klüwer, latinisiert Cluverius, Philipp, 1580-31.12. 1622, Altertumsforscher und Geograph; bereiste Europa (besonders Italien) und lebte seit 1615 in Leiden; gilt als Begründer der historischen Geographie.

Clyde: bedeutendster schottischer Fluss; 157 km; entspringt in den Southern Uplands, mündet in den Firth of Clyde (North Channel); Kanal zum Firth of Forth; Wasserkraftwerke bei Lanark; am Unterlauf Industrie- und Bevölkerungsballung Clydeside mit Glasgow als Zentrum; Werften, Häfen.

Cobbett, William, 9.3. 1762 oder 1763—18. 6. 1835, britischer kleinbürgerlich-radikaler Publizist; trat in seiner Schrift «Freund des armen Mannes» für soziale Verbesserungen und allgemein Wahlrecht ein; literarischer Vorkämpfer der Chartistenbewegung.

Coburger Lerchen: zu den Farbentauben gehörende, wirtschaftlich genutzte Haustaubenrasse mit kräftigem Körperbau; wird in den Farbschlägen silberfarbig und gelercht gezüchtet.

Cockcroft, Sir John Douglas, 27.5. 1897-18. 9. 1967, britischer Physiker; entwickelte mit E. Walton eine Kaskadenschaltung zur Teilchenbeschleunigung, mit der beide 1932 die erste Kernumwandlung mit künstlich beschleunigten Protonen durchführten.

Cockerspaniel: (englisch woodcock, «Schnepfe») eine der ältesten, seit 1893 selbständige Jagdhunderasse zum Stöbern; mittelgroß, etwa 41 cm hoch, anliegendes seidiges Haar, einfarbig rot oder schwarz, sowie Blau-, Braun- oder Orangeschimmel, weiß-schwarz oder dreifarbig; Rute kurz kupiert.

Cockney: Londoner Stadtdialekt, gekennzeichnet durch starke Diphthongierung, urwüchsig-bildhaften Wortschatz, Reimslang unter anderem.

Cockpit, Kockpit:

1. Luftfahrt: Besatzungsraum (Arbeitsraum der Besatzung) im Flugzeug; auch Kabine, Kanzel des Piloten.

2. Motorsport: bei Rennwagen Zugangsöffnung zum Fahrersitz, ohne dass beim Ein- und Aussteigen eine Tür geöffnet oder Teile der Karosserie bewegt werden müssen.

3. Cockpit, Plicht (niederdeutsch): Segeln eine mit Sitzbänken versehene, offene Vertiefung im Deck von Yachten unmittelbar vor dem Ruder.

Cocktail: Mischgetränk aus Spirituosen, auch (Wermut-) Wein, meist mit Kirsche oder Olive; eisgekühlt.

Cocktail: Kombination bestimmter Arzneimittel, die gleichzeitig injiziert werden, wenn eine starke beruhigende und schmerzvermindernde Wirkung erzielt werden soll.

Cocos: Insel im Stillen Ozean, 550 km südwestlich der Nicoya-Halbinsel, zu Kostarika gehörend; etwa 20 km2, unbewohnt; bis 589 m über dem Meeresspiegel, Nordküste flach und buchtenreich, Südküste steil und felsig.

Cocos-Inseln, Keelinginseln: Inselgruppe im Indischen Ozean, 1100 km südwestlich von Sumatera; zu Australien gehörend; 14,2 km2, 650 Einwohner; besteht aus 2 Atollen mit 27 kleinen Inseln; Kokospalmenanbau.

Cocteau, Jean, 5. 7. 1889-11.10. 1963, französischer Schriftsteller, Filmemacher und Choreograph; vielseitiges, eigenwilliges Werk mit stark poetisch-phantastischen Zügen; zunächst avantgardistischer, Symbolismus und Surrealismus verpflichtete Lyrik, dann phantasievolle, auch satirische Prosa («Die große Kluft», Roman, 1923; «Kinder der Nacht», Erzählung, 1929; beide deutsch), mythologische und psychologische Bühnenwerke («Orpheus», 1927; «Antigone», 1928; beide deutsch); Welterfolg als Filmautor und Regisseur («Orpheus», 1950); weitreichender avantgardistischer Einfluss auch auf Malerei, Musik und Ballett.

Code de pointage: Gerätturnen für Männer und Frauen unterschiedlicher, von Zeit zu Zeit überarbeitete Wertungsvorschriften der Internationalen Turn-Föderation zur einheitlichen Beurteilung der Pflicht- und Kürkombinationen.

Codex: 1. spätantike und mittelalterliche Buchform, bei der nach dem Vorbild wachsüberzogener Holztafeln mehrere beschriebene Lagen von Papyrus-, Pergament- oder Papierblättern (in einem Holzdeckelband) zusammengefügt wurden.

2. Gesetzbuch, zum Beispiel Codex iuris canonici.

Codex argenteus: (-us; lateinisch, «Silberner Kodex») Handschrift (Silber- und Goldschrift auf purpurfarbenem Pergament) der westgotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila; entstand im 6. Jahrhundert in Oberitalien; seit 1669 in Uppsala (Schweden) aufbewahrt.

Codovilla, Victorio, 8.2.1894-15.4.1970, argentinischer Arbeiterführer italienischer Herkunft; 1918 Mitbegründer der Internationalen sozialistischen Partei Argentiniens (seit 1920 KP), seit Gründung Mitglied des ZK, 1941/63 dessen Sekretär, seit 1963 Vorsitzender der Partei; seit Gründung der KI führende Persönlichkeit der internationalen kommunistischen Bewegung.

Coelestin: Mineral, Strontiumsulfat; rhombisches Kristallsystem, Härte 3 bis 3,5, Dichte 3,9 bis 4 g/cm3; besitzt meist gutausgebildete, flächenreiche, durchsichtige, blaue bis farblose Kristalle, in Kalken zum Teil auch faserig (Fasercoelestin). Vorkommen in Rüdersdorf bei Berlin, Jena, braune Kristalle in Scharfenberg bei Meißen.

Coello, Claudio, 2.3.1642-20.4.1693, spanischer Maler; neben Deckenfresken in Toledo, Madrid und Zaragoza schuf Coello großformatige religiöse Tafelbilder («Überführung der Santa Forma durch Carlos II.», Escorial, 1686/90), die sich durch brillante Farbgebung und Monumentalität der Darstellung auszeichnen, aber auch treffende Porträts.

Coesit: Mineral, Siliziumdioxid; Kristallsystem monoklin, Dichte 3 g/cm3; farblos; bildet sich bei extrem hohen Drucken und kommt in Meteoritenkratern (Canyon Diablo in Arizona (USA)) vor.

Cognac: Stadt im Südwesten Frankreichs, an der Charente; 23000 Einwohner; Herstellung von Weinbrand («Kognak»), Fässern, Flaschen, Korken. Die Heilige Liga von Cognac wurde am 22. 5.1526 als politisches und militärisches Bündnis zwischen Franz I. von Frankreich, Papst Clemens VII., Mailand, Venedig und Florenz zur Abwehr der Hegemonie Spaniens zur Zeit Karls V. geschlossen.

Cognomen: (lateinisch, «Beiname») erblicher Beiname, an з. Stelle im römischen Namen stehend. Siehe auch Gentilname, Familiennamen, Vornamen.

Cohen, Hermann, 4.7.1842-4.4.1918, Philosoph; Begründer und führender Vertreter der Marburger Schule des Neukantianismus; beschäftigte sich mit Fragen der Erkenntnistheorie und Ethik; kritisierte Marx im Namen eines «ethischen Sozialismus».

Cohnheim, Julius, 20.7.1839-15. 8. 1884, Pathologe, Professor in Kiel, Breslau (Wroclaw) und Leipzig; lieferte grundlegende Arbeiten über den zellularen Mechanismus der Entzündung, indem er den Austritt der weißen Blutzellen durch die Gefäßwände experimentell nachwies; forderte die bakteriologische Arbeiten von R. Koch.

Coiba: Insel im Stillen Ozean (Golf von Chiriqui), vor der Südwestküste von Panama, zur Republik Panama gehörend; 550 km2; Hauptort Colonia Penal; gebirgig mit Höhen bis 400 m über dem Meeresspiegel; dichter tropischer Regenwald; an der Ostküste Mangrovenwälder; Fischerei.

Coiffure: Frisur, Haartracht; in Frankreich einschließlich des eingeordneten Schmucks, eingearbeiteter Bänder oder Blumen und so weiter

Coimbra: Stadt im mittleren Portugal, Verwaltungszentrum des Distrikts Coimbra, am Mondego; 56000 Einwohner; Woll- und Strumpfwarenherstellung, keramische und Papierindustrie; Unter- und Oberstadt. Über dem mittelalterlichen Viertel der Unterstadt die romanische alte Kathedrale (um 1170; reiches Nordportal: 16. Jahrhundert), in der Oberstadt der 1598 begonnene Renaissancebau der Neuen Kathedrale (beendet im 17. Jahrhundert), im ehemaligen königlichen Palast die älteste portugiesische Universität (gegründet 1307).

Coincidentia oppositorum: («Zusammenfall der Gegensätze») in der Philosophie des Nikolaus von Kues das dialektische Prinzip der Durchdringung und Einheit der Gegensätze, die im Unendlichen (Gott) zusammenfallen und sich auflösen. Die marxistische Philosophie hat den rationellen Kern der Coincidentia oppositorum im dialektischen Gesetz von der Einheit und dem Kampf der Gegensätze aufgehoben und weitergeführt.

Cola di Rienzo, 1318—8. 10.1354 (ermordet), römischer Politiker und Humanist; errichtete 1347 mit Hilfe des Volkes eine Republik nach antikem Vorbild, die an einer Adelsrevolte zerbrach. Ein von Papst Innozenz VI. von Avignon aus manipulierter neuerlicher Versuch 1354 endete mit einem Volksaufstand gegen Cola di Rienzo, da er harte Unterdrückungsmaßnahmen anwandte. Oper von R. Wagner («Rienzi»).

Colascione: aus Süditalien stammende Langhalslaute (bis zu 2 m Länge) des 15./18. Jahrhundert mit Darmbünden; hatte ursprünglich 2 oder 3, später bis zu 6 Saiten; diente als Generalbassinstrument.

Colbert, Jean Baptiste, 28. 8. 1619-6. 9. 1683, französischer Staatsmann; als Minister Ludwigs XIV. wurde Colbert zum klassischen Vertreter des Merkantilismus (Colbertismus). Seine Maßnahmen (Ordnung in den Finanzen, Verbesserung der Infrastruktur durch den Bau von Kanälen und Straßen, Förderung der Manufakturen, Bau einer starken Kriegsflotte und planmäßige Ausdehnung des Kolonialreiches) forderten den kurzfristigen Aufschwung des Absolutismus und wirkten sich günstig auf die bürgerlich-kapitalistische Entwicklung aus. Die militärische Expansionspolitik unter Ludwig XIV. vernichtete die zeitweiligen Erfolge der von Colbert geführten Politik im Bereich der Wirtschaft und Finanzen.

Colbitz-Letzlinger Heide, Letzlinger Heide: Teil des südlichen Landrückens westlich der Elbe, südlich von Stendal, in der Altmark; bis 139 m (Zackelberg); hügeliges Waldgebiet.

Colchester: Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), in der Grafschaft Essex, am Colne; 82000 Einwohner; Maschinen- und Motorenbau; Austernzucht; Rosarien; Universität von Essex; Innenstadt von römischen Mauern umgeben; Schloss (11. Jahrhundert).

Cold-box-Verfahren: Gießerei Kernherstellungsverfahren in kalten Kernkästen mit organischen oder anorganische schnellhärtenden Bindern. Die Aushärtung wird meist durch Begasung beschleunigt.

Col de Frejus: Pass in den französischen Westalpen (Departement Savoie); 2452 m; verbindet wie der unter ihm liegende 13,6 km lange Mont-Cenis-Eisenbahntunnel und der 1980 fertiggestellte 12,9 km lange Frejus-Straßentunnel das Tal des Are mit dem Tal der Dora Riparia (Italien).

Colette, Sidonie Gabrielle, 28.1.1873-3.8.1954, französische Schriftstellerin; verfasste nach dem Erfolg ihrer autobiographischen Romanserie «Claudine» (1900/03, deutsch) zahlreiche Werke aus der Gefühls- und Erlebenswelt der Frau, zum Beispiel «Mitsou» (1919, deutsch) unter anderem.

Coligny, Gaspard de, 16.2.1519-24.8.1572, französischer Politiker und Admiral; als Hugenottenführer in der Bartholomäusnacht ermordet.

Collin, Hendrik, 22.6.1869-16.9.1944, niederländischer Politiker, Führer der katholischen Partei; war 1908/14 Kriegsminister sowie 1925 und 1933/39 Ministerpräsident; starb in deutscher faschistischer Gefangenschaft.

Colima: Hauptstadt des Bundesstaates Colima (Mexiko), südlich des Vulkans Nevado de Colima (4265 m); 71000 Einwohner; Lebensmittel-, Möbelindustrie, Pflastersteingewinnung; Wasserkraftwerk; Museum.

Collage: aus verschiedenen Materialien (farbiges Papier, Gewebefetzen) montiertes Klebebild; um 1912 unter dem Begriff Papiers collés in die spätbürgerliche Kunst eingeführt. Die Collage beeinflusste auch die Fotomontage. Das Montageprinzip der Collage wird häufig in der Karikatur, teilweise auch in Gemälden und Graphik angewendet.

Collett, Camilla, 23.1.1813-6.3.1895, norwegische Schriftstellerin, Vorkämpferin der bürgerlichen Frauenbewegung; bahnte dem kritischen Realismus in Norwegen den Weg mit dem Gesellschaftsroman «Die Amtmannstöchter» (1855, deutsch), in dem sie die Unterdrückung der bürgerlichen Frau anklagt.

Colli Albani, Albanergebirge: vulkanische Ringgebirge in Mittelitalien, südöstlich von Rom; bis 949 m (Monte Cavo), mit wassergefüllten jüngeren Kratern (Lago di Nemi, Lago di Albano) Kastanienwälder, Olivenhaine und berühmter Weinbau; Villenorte; zahlreiche antike Bauwerke.

Collobloc-Rasterverfahren: (Kunstwort) Polygraphie historische Herstellungsverfahren für Buchdruckplatten, deren Druckelemente aus einer gehärteten Chromatkolloidschicht bestehen.

Collodi, eigentlich Lorenzini, Carlo, 24.11.1826-26.10. 1890, italienischer Schriftsteller; weltbekannt durch sein Buch «Pinocchios Abenteuer» (1893, deutsch), das erste realistische Werk der Kinderliteratur.

Collot d' Herbois, Jean Marie, 1750-8.1.1796, französischer Revolutionär; Mitglied des Jakobinerklubs, des Konvents und (seit September 1793) des Wohlfahrtsausschusses. Nach dem Sturz Robespierres wurde er als «linker» Thermidorianer 1795 nach Cayenne deportiert.

Collum, Herbert, 18.7.1914-29.4.1982, Organist, Cembalist, Chordirigent und Komponist; war seit 1934 Organist der Dresdner Kreuzkirche; schrieb Orgel-, Chor-, Orchestermusik, Lieder unter anderem.

Colmar: Stadt im Osten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Haut-Rhin, in der Oberrheinebene; 65000 Einwohner; Aluminiumwalzwerk, Textil- (Jute), Metall-, Uhren- und polygraphischen Industrie; Rheinhafen, internationaler Flughafen; Unterlinden-Museum mit «Isenheimer Altar» von M. Grünewald; mittelalterliche Altstadt; Dominikanerkirche (11. Jahrhundert), romanisch-gotischen Kirche (13./14. Jahrhundert).

Coloane Cárdenas, Francisco, geboren 19. 7. 1910, chilenischer Novellist; gestaltet aus eigener Lebenserfahrung das Streben arbeitender Menschen nach Kameradschaft und Solidarität («Kap Hoorn», 1941; «Feuerland», 1956).

Colombe, Michel, um 1430-nach 1512, französischer Bildhauer; tätig seit 1496 in Tours; Hauptmeister der letzten Phase der Gotik in Frankreich; Hauptwerk ist das Marmorgrabmal für Franz II. von Bretagne in Nantes.

Colombo: Hauptstadt von Sri Lanka; im Westen der Insel Ceylon am Indischen Ozean; 990000 Einwohner; wichtigster Hafen und Industriestandort des Landes; Stadtagglomeration mit Mount Lavinia (Villenstadt und Seebad mit 150000 Einwohner); Lebensmittel-, Gummi-, Leder-, Textilindustrie, Stahlwerk, Werft; Universität; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; 60 km nordöstlich von Colombo.

Colombostaaten: Burma, Ceylon (Sri Lanka), Indien, Indonesien und Pakistan; benannt nach dem Tagungsort der Ministerpräsidenten dieser Staaten, wo 1955 die antikolonialistische Bandung Konferenz einberufen wurde.

Colón: Stadt (Provinzzentrum) in Panama, auf einer Halbinsel am atlantischen Eingang des Panamakanals, jedoch bis 1978 Enklave in der ehemaligen Panamakanalzone, mit deren Hafen Cristóbal sie zusammengewachsen ist; 90000 Einwohner; zweitgrößte Stadt und zweitwichtigstes Industriezentrum Panamas; Handels- und Fremdenverkehrszentrum; Freihafen. Colón wurde 1852 beim Bau der Panamabahn von den USA auf einer Koralleninsel als Aspinwall gegründet.

Colonia: (lateinisch, «Niederlassung») im alten Rom Ansiedlung römischer Bauern, Bürger und Veteranen in unterworfenen Gebieten, verwaltungsmäßig autonom.

Colorado: 1. Fluss im Südwesten der USA und im Nordwesten Mexikos; 3200 km; entspringt mit den 2 Quellflüssen Green und Grand River im Felsengebirge, durchfließt in tiefen Canons das wüstenhafte Coloradoplateau und mündet auf mexikanischen Gebiet in den Golf von Kalifornien; stark schwankende Wasserführung. Der bekannteste Cañón ist der 1200 bis 1800 m tiefe und 320 km lange Grand Canyon. Nebenflüsse sind San Juan, Little Colorado, Güa. 980 km schiffbar; Staudämme dienen der Bewässerung und Elektroenergiegewinnung (unter anderem Hoover Damm mit 658 km2 großem Stausee Lake Mead und Wasserkraftwerk mit 1344 MW).

2. Colorado: Fluss im Bundesstaat Texas (USA); 1438 km; entspringt im Süden der Hochebene der Llano Estacado und mündet in den Golf von Mexiko; bis Austin auf 320 km schiffbar; zahlreiche Staudämme.

3. Colorado: Fluss im südlichen Argentinien; 1150 km; entspringt an der Ostabdachung der Kordilleren und durchfließt in einem breiten, tief eingeschnittenen Tal den Südteil der argentinischen Pampa, mündet in einem Delta mit mehreren Armen in den Atlantischen Ozean; Nebenfluss von links ist der nur episodisch wasserführende Curaö.

4. Colorado, Abkürzung Colo.-. Staat im Westen der USA; 269595 km2, 2,8 Millionen Einwohner; 10 Einwohner/km2; Hauptstadt Denver. Der Westen hat Anteil am Coloradoplateau, der Osten an der Prärietafel. Bei trockenkontinentalem Klima im Westen halbwüsten-, im Osten steppenartige Vegetation. Grundlage der Industrie bildet der entwickelte Bergbau sowie die Landwirtschaft. Colorado steht in der Gewinnung von Uran-, Molybdän-, Vanadium- und Wolframerzen in den USA an der Spitze; Förderung von Blei-, Zink-, Kupfer-, Gold- und Silbererz, von Erdöl und Kohle. Basierend auf dem Bergbau sind die Eisenhütten- und Rüstungsindustrie, basierend auf der Landwirtschaft, die vorwiegend Weizen, Gerste, Mais, Hafer, Zuckerrüben, Luzerne, Gemüse, Kartoffeln und Obst anbaut (zum Teil mit Bewässerung), die Lebensmittelindustrie die wichtigsten Industriezweige des Staates. In dem sehr dünn besiedelten Gebiet des Felsengebirges ist Schaf- und Rinderzucht vorherrschend. Größte Bedeutung hat der Straßenverkehr.

Colorado Springs: Stadt und Kurort im Bundesstaat Colorado (USA), 2000m überm Meer; 215000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Goldaufbereitungsanlagen; Akademie der Luftwaffe, Universität, Colleges; in der Nähe das Oberkommando für Luftverteidigung; in der Umgebung von Colorado Springs Gold-, Silber- und Steinkohlenbergwerke.

Colorset-Verfahren: graphisches Entwurfsverfahren für Plakate u. ä., bei dem auf einer Spezialfolie zusammengestellte schablonierte Abreibe Zeichen auf einen Trägerstoff abgerieben und danach mit Malfarben ausgefüllt werden; die Abreibe Maske wird danach entfernt.

Columbia: 1. Columbia: Fluss im Südwesten Kanadas und im Nordwesten der USA; 1953 km; entspringt im Felsengebirge in Kanada, durchbricht das Kaskadengebirge und mündet in einer breiten Trichtermündung auf dem Territorium der USA in den Stillen Ozean. Nebenflüsse sind von rechts Okanagan, Yakima, von links Kootenay, Clark Fork, Snake River, John Day, Deschutes, Willamette; 1038 km schiffbar, davon 160 km für Seeschiffe; mehrere Staudämme zur Bewässerung und Elektroenergiegewinnung. Bedeutende Wasserkraftwerke sind John Day (2700 MW), The Dalles (2060 MW), Chief Joseph (2014 MW (die 3 größten der USA)), Grand Coulee (1974MW, am F. D. Roosevelt Lake (324 km2)). Seit 1961 Vertrag zwischen USA und Kanada über Nutzung des Columbia.

2. Hauptstadt des Bundesstaates Südkarolina (USA), am schiffbaren Congaree; 97000 Einwohner, als Metropolitan Area 370000 Einwohner (33% Afroamerikaner); Baumwoll- und chemische Industrie; Bahnknoten, Flughafen; Universität.

Columbus: 1. Hauptstadt des Bundesstaates Ohio (USA), am schiffbaren Scioto; 560000 Einwohner; als Metropolitan Area 1,09 Millionen Einwohner; Maschinen- und Fahrzeugbau, Zentrum des Flugzeugbaus, Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten;

3 Universitäten.

2. Stadt im Bundesstaat Georgia (USA), am schiffbaren Chattahoochee; 170000 Einwohner (davon 26% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 240000 Einwohner; Textil-, Lebensmittelindustrie, Gerätebau.

Columella: schalldruckübertragendes Knöchelchen im Mittelohr der Lurche, Kriechtiere und Vögel.

Comanche, Komantschen: Gruppe von Prärieindianerstämmen der uto-aztekische Sprachfamilie in Texas und Neumexiko (USA); 4250 (einst über 12000); nach Niederlagen durch US-amerikanische Truppen in den Jahren 1867 und 1874 gingen die Reste der Comanche in Reservationen in Oklahoma zu Bodenbau und Viehzucht über.

Corner See, italienisch Lago di Como: oberitalienischer Alpenrandsee in der mediterranen Klimazone der Alpen; 146 km2, bis 410 m tief; von der Adda durchflossen; an seinen 3 fjordartigen Armen vielbesuchte Ortschaften (Como, Lecco unter anderem), Villen und Parks mit subtropischer Pflanzenwelt.

Comes: 1. im antiken Rom Begleiter oder Berater eines Staatsbeamten; später Beamter im Büro eines Provinzstatthalters; seit Diokletian waren die Comes hohe Kanzleibeamte und Truppenführer.

2. Graf.

Comics: gezeichnete Bildergeschichten unterhaltender Art, die in Fortsetzungen in der Presse oder besonderen Heften erscheinen; in der kapitalistischen Gesellschaft häufig Darstellung von Gewaltverbrechen, Pornographie, Science-Fiction Abenteuern, Kriegsverherrlichung, oft verbunden mit antisowjetische und antikommunistische Hetze.

Commedia dell'arte: Mitte des 16. Jahrhundert entstandenes, auf Improvisation beruhendes, unliterarisches, mit feststehenden Typen (Masken) wirkendes, artistisches Berufstheater. Das Spiel der Commedia dell'arte fand auf der Grundlage detaillierter schriftlich fixierter Szenarien (Canevas) statt, in deren Ablauf artistische und clowneske Solo- oder Duoszenen (Lazzi) sowie Gesangs- und Tanzdarbietungen eingefügt werden konnten. Zu den wichtigsten maskierten Typen gehörten der geizige Kaufmann Pantalone, der schwatzhafte Rechtsverdreher Dottore, der großmäulig feige Capitano und zahlreiche differenzierte Dienergestalten (Zanni) wie Arlecchino und Colombina, Brighella, Truffaldino, Pulcinella. Obwohl die Commedia dell'arte Verbreitung und nationale Rezeption in vielen europäischen Ländern erfuhr, setzten seit Mitte des 17. Jahrhundert ihre Veräußerlichung und ihr Verfall ein.

Commoner: traditionelle Bezeichnung für jeden britischen Bürger, der nicht zum Hochadel gehört und damit für das Unterhaus (house of Commons) kandidieren kann; im engeren Sinne Mitglied des Unterhauses.

Commonwealth of Nations: («Gemeinschaft der Nationen») lose zwischenstaatliche Vereinigung Großbritanniens und zahlreicher aus seinem Kolonialreich hervorgegangener unabhängiger Staaten auf freiwilliger Grundlage. Das Commonwealth of Nations entstand im Zerfallsprozess der Kolonialherrschaft. Die Bildung der Gemeinschaft wurde 1926 beschlossen, 1931 (Westminster-Statut) als British Commonwealth of Nations begründet; seit 1947 zur Betonung der Souveränität der Gliedstaaten (Commonwealth-Countries) und zur Verschleierung neokolonialistische Ziele der alten Kolonialmacht Commonwealth of Nations genannt. Es besitzt keine geschriebene Verfassung und betreibt keine gemeinsame Politik. Grundsatzdokumente sind das Westminster-Statut und die Prinzipiendeklaration des Commonwealth of Nations von 1971. Der Zusammenhalt der (1984) 49 Gliedstaaten gründet sich auf ökonomische Verflechtungen und Abhängigkeiten aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft, auf neokolonialistische Beeinflussungen und andere vielgestaltige Interessen der Gliedstaaten. Ihre wachsende politische und ökonomische Unabhängigkeit, Unterstützung durch sozialistische Staaten, aber auch Kapitalimporte imperialistischer Staaten haben den britischen Einfluss verringert. Interessengegensätze zwischen antiimperialistischen, nichtpaktgebundenen und monopolkapitalistische, teilweise Militärpakten angehörenden Gliedstaaten, der Beitritt Großbritanniens zur EWG (1973), die damit verbundene Aufhebung des Zollpräferenzsystems mit Großbritannien und dessen wachsende wirtschaftliche Schwäche sowie verstärkte Formen regionaler Zusammenarbeit bestimmen zunehmend die Beziehungen im Commonwealth of Nations.

Communauté Française, Französische Gemeinschaft: nach der Auflösung der Französischen Union (1958) erfolgter loser politischer, ökonomischer und militärischer Verbund Frankreichs mit seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien. Die in den 60er Jahren mehrfach reorganisierte Communauté Française sollte ursprünglich die französische Kolonialherrschaft in verschleierter Form aufrechterhalten. Nach der Erringung der politischen Unabhängigkeit verblieb ein Großteil der selbständigen Staaten in der Communauté Française neokolonialistischen Praktiken führen dazu, dass der tatsächliche Einfluss Frankreichs in einigen seiner ehemaligen Kolonien noch immer beträchtlich ist.

Communs: im Barock von der Dienerschaft bewohnte kleinere Nebengebäude seitlich des Ehrenhofs von Schlössern, zum Beispiel die Communs des Neuen Palais in Sanssouci.

Como: Stadt in Oberitalien, in der Region Lombardei, Verwaltungszentrum der Provinz Como, am Corner See; 97000 Einwohner; Maschinenbau, Uhren-, Kunstfaser-, Bekleidungs- und Seidenindustrie; Fremdenverkehr; Altstadt nach römischen Plan, Bauwerke vom 11. bis 18. Jahrhundert (Mauer, Dom, Stadthaus).

Compagnie, Abkürzung Cie., Co., Comp. Kompanie: Privatwirtschaftlichen Unternehmen mit mehreren Inhabern, auf die im Namen (Firma) des Unternehmens neben dem Hauptinhaber durch den Zusatz «& Cie.» oder «& Co.» hingewiesen wird.

Compagnon, Abkürzung Co., Kompagnon: Teilinhaber eines Privatwirtschaftlichen Unternehmens, der in der Firma nicht namentlich genannt wird, auf den aber unter Umständen durch den Zusatz «& Co.» hingewiesen wird.

Compliance: (englisch) Maß der druckabhängigen Dehnbarkeit eines aus Hohlräumen bestehenden Organs; so ist dieses Verhältnis von Volumenänderung bei Druckänderung für die Lunge 2 Liter bei Füllungsdruckänderung von 1 kPa.

Compound: («Verbund, Mischung») homogene Mischung aus 2 oder mehreren hochpolymeren Stoffen oder eines hochpolymeren Stoßes mit Verarbeitungshilfsmitteln (Weichmacher, Pigmente, Farbstoffe, Stabilisatoren unter anderem).

Compound-Verfahren: (englisch) Medizintechnik ein Bilderzeugungsverfahren mit Hilfe des Ultraschalls.

Compton-Effekt: (nach A. H. Compton) die bei der Streuung von monochromatischen Photonen der Wellenlänge X an freien Elektronen der Masse m auftretende, richtungsabhängige Vergrößerung von X um AA = A0(l cos), wobei S der Streuwinkel der Photonen und A0 = h/(mc) die Compton-Wellenlänge des Elektrons ist (h Planck Konstante, c Lichtgeschwindigkeit).

Computergraphik: (englisch + griechisch) rechnergestützte Erzeugung, Bearbeitung und Darstellung von Zeichnungen und dreidimensionalen Objekten auf einem Bildschirm; anwendbar für Konstruktionsaufgaben, bei der Simulation von Vorgängen, wie chemische Reaktionen oder beim Flugsimulator, bei Trickfilmen unter anderem.

Computersatz: Polygraphie Maschinensatz, der mit Unterstützung einer EDVA (Computer) hergestellt wird. Siehe auch Satz, Setzmaschine.

Computertomographie, (englisch + griechisch) Abkürzung CT, CAT: röntgendiagnostische Verfahren zur Erzeugung von Körperquerschnittsbildern mit elektronischen Mitteln, insbesondere im Bereich des Schädels und des Brust- und Bauchraumes. Im Unterschied zur Tomographie wird dabei nur die schmale abzubildende Körperschicht durchstrahlt. Die den Körper durchdringende Strahlung wird elektronisch registriert, und die Messwerte werden zur Berechnung durch einen Computer verwendet. Die Entwicklung des Verfahrens stammt von dem britischen Elektroingenieur Godfrey Newbold Hounsfield (geboren 1919) und dem US-amerikanischen Physiker Allan Macleod Cormack (geboren 1924).

Comte: Graf, französischer Adelstitel Comte, Auguste, 19.1.1798-5.-9.1857, französischer Philosoph und Soziologe; Assistent von Saint-Simon; Hauptvertreter des Positivismus, Mitbegründer der bürgerlichen Soziologie. Comte vertrat eine idealistische Stadientheorie, nach der die Menschheit in ihrer geistigen Entwicklung ein theologisches, ein metaphysisches (philosophisches) und schließlich ein «positives» Stadium durchlaufe. Letzteres sei die kapitalistische Industriegesellschaft als Ziel der Geschichte. Er verlangte die Mathematisierung der Sozialwissenschaften. Comte entwarf eine gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung gerichtete Soziallehre, in der er im Sinne eines religiös-ethischen Menschheitskultus an das Proletariat appelliert, sich von Klassenkampf und Revolution fernzuhalten. Sein Hauptwerk ist «Die positive Philosophie» (1830/42, deutsch).

Concertante, Sinfonia concertante (beide italienisch): Musikstück für Orchester und konzertierende(s) Soloinstrument(e); nicht an die Form des Konzertes gebunden.

Concerto grosso: («großes Konzert») mehrsätziges Instrumentalstück mit Wechsel zwischen einer Solistengruppe (Concertino) und dem vollen Orchester (Ripieno, Tutti); Vorform des Konzerts. Concerto grosso wurden seit etwa 1680 von A. Corelli, A. Vivaldi, G. F. Händel, J. S. Bach («Brandenburgische Konzerte») unter anderem geschaffen.

Conchae nasales, Nasenmuscheln: von der seitlichen Wand der Nasenhöhle ausgehende stromlinienförmige Fortsätze; siehe auch Nase.

Conche: Maschine zum mechanischen Bearbeiten (5 bis 48 h bei 55 bis 90°C) von Schokoladenmasse, um glatte Konsistenz zu erzielen, Geschmack und Aroma sowie das Fließverhalten für die Weiterverarbeitung zu verbessern.

Concours: (französisch) Wettbewerb, Leistungsschau, Turnier.

Condillac, Etienne Bonnot de, 30.9.1715-3.8. 1780, französischer Philosoph; wandte als Vertreter der Aufklärung den Sensualismus J. Lokkes zur Widerlegung der idealistischen Systeme des 16. Jahrhundert an. Nach Condillac hängt «von der Erziehung und den äußeren Umständen ... die ganze Entwicklung des Menschen ab».

Conditio sine qua non: (lateinisch, «die Bedingung, ohne die (es) nicht (geht)») unerlässliche Bedingung, ohne die ein Ereignis nicht eintreten kann; unbedingte Voraussetzung.

Condorcet, Marie Jean Antoine Marquis de, 17.9.1743-6.4.1794, französischer Philosoph; Mitarbeiter an der «Encyclopédie». Condorcet entwickelte im Rahmen einer optimistischen Geschichtsphilosophie eine mechanische-lineare Fortschrittskonzeption; der Fortschritt menschlichen Vernunft führe zu immer höheren Stadien in der Geschichte und gipfele im notwendigen Sieg der bürgerlichen Gesellschaft. Condorcet beteiligte sich aktiv an der Französischen Revolution. 1792 war er Präsident der Nationalversammlung; er verfasste die Präambel zum Verfassungsentwurf von 1793, die die bürgerliche Freiheiten verteidigte; 1792 legte Condorcet als Vertreter der Girondisten einen Plan zur Schaffung eines einheitlichen staatlichen Schulwesens vor, das die Freiheit und Gleichheit in der Bildung und Erziehung aller Kinder sichern sollte. Sein Hauptwerk ist «Entwurf einer historischen Darstellung der Fortschritte des menschlichen Geistes» (1794).

Conductus: a) im 11. Jahrhundert einleitendes einstimmiges lateinisches Lied in der Liturgie, aber auch mit außerliturgischer geistlicher oder weltlicher Prägung;

b) im 12./13. Jahrhundert verbreiteter Typus der mittelalterlichen mehrstimmigen Vokalmusik mit frei erfundener Melodie in der Unterstimme und gleichzeitig zu singenden Textsilben in allen Stimmen; häufig mit reicher Melismatik durchkomponiert; neben dem Organum wichtigste Gattung der Notre-Dame-Schule.

confer, conferatur (beide lateinisch), Abkürzung cf., cfr., conf.: in wissenschaftlichen Werken so viel wie «man vergleiche».

Conférencier: Vortragskünstler, der die Darbietungen in unterhaltenden Veranstaltungen vorstellt.

Confessio: (lateinisch, «Bekenntnis») Sündenbekenntnis, Glaubensbekenntnis; katholischer Altar bei einem Märtyrergrab.

Conga: 1. sich nach unten verjüngende Trommel mit nur einem Schlagfell, sowohl einzeln als auch in Zweiergruppen verwendet; ursprünglich kubanisches Volksmusikinstrument.

2. kubanischer Volkstanz im 4/4-Takt mit Akzent auf dem 4. Taktteil; nach 1950 Modetanz.

Congreve, William, 24.1.1670-19.1.1729, englischer Dramatiker; neben W. Wycherley bedeutendster Vertreter der den moralischen Verfall der Aristokratie der Stuart-Zeit widerspiegelnden Restaurationskomödie («Der alte Junggeselle», 1693; «Liebe für Liebe», 1695, deutsch; «Der Lauf der Welt», 1700, deutsch); schrieb auch Gedichte, Operntexte und die Tragödie «Die Braut in Trauer» (1697, deutsch).

Coninxloo, Gillis van, 24.1.1544-4.1.1607, niederländischer Landschaftsmaler; verließ 1585, wegen seines Glaubens verfolgt, Amsterdam und lebte bis 1587 in Frankenthal bei Frankfurt/Main; war das Haupt der sogenannt «Frankenthaler Maler» (niederländische Emigranten); beeinflusste wesentlich die Entwicklung der Landschaftsmalerei.

Coniuratio: (lateinisch, «Schwurvereinigung») Bezeichnung für Schwurbünde freier und unfreier Bauern im 9. Jahrhundert gegen die sich festigende Feudalherrschaft; seit dem 11. Jahrhundert auch Bezeichnung für die Eidgenossenschaften der Handwerker und Kaufleute, die Kommune (j1 Kommunalbewegung).

Connacht: historische Provinz im Westen Irlands, am Atlantischen Ozean; umfasst die Grafschaften Galway, Leitrim, May, Roscommon und Sligo (17122 km2, 390000 Einwohner); wichtigster Ort Galway; auf wenig fruchtbaren Böden Schafzucht, Kartoffelanbau; Leinenindustrie, Fischerei.

Connecticut, Abkürzung Conn.: Staat im Nordosten der USA am Atlantischen Ozean; 12997 km2, 3,1 Millionen Einwohner (davon 7% Afroamerikaner); 239 Einwohner/km2; Hauptstadt Hartford. Im Osten flachwelliges Hochland (200 bis 400 m), westlich des breiten Tales des Connecticut bis zu etwa 700 m hohes Hügelland. Bei gemäßigt ozeanischen Klima mit schneereichen Wintern dicht bewaldet Entwickelter Industriestaat, dessen Hauptzweige die Rüstungsindustrie, der Maschinenbau (Hartford, New Haven, Bridgeport, Waterbury), die holzverarbeitende und die Papierindustrie sind. Die Landwirtschaft hat sich auf die Milchwirtschaft, den Gemüse-, Obst- und Tabakanbau spezialisiert. Infolge seiner geographischen Lage gut ausgebautes Eisenbahn- und Straßennetz sowie entwickeltes Flugnetz; Seehäfen sind New Haven, Bridgeport, New London; Binnenhafen in Hartford.

Connolly, James, 5. 6. 1868-12. 5. 1916 (hingerichtet), irischer proletarischer Revolutionär und Kämpfer für die Unabhängigkeit Irlands; begründete und führte 1896/1903 die sozialistische Republikanischen Partei; schuf 1913 eine bewaffnete Arbeiterorganisation, die er in Dubliner Aufstand 1916 führte. Lenin schätzte Connollys marxistische Analysen zur nationalen und sozialen Frage Irlands, die noch heute aktuell sind.

Conn-Syndrom, (nach einem britischen Arzt) primärer Hyperaldosteronismus: hormonale Störung des Mineralstoffwechsels (Natrium, Kalium, Magnesium), verursacht durch Tumor oder Hyperplasie der Nebennierenrinde mit gesteigerter Produktion des Hormons Aldosteron. Kennzeichen sind Bluthochdruck und Muskelschwäche unter anderem.

Conodonten: meist zahnähnliche, 0,2 bis 4 mm lange Skelettelemente mariner freischwimmender Tiere; wichtige Leitfossilien vom Kambrium bis Obertrias.

Conquista: («Eroberung») Bezeichnung für die spanische und portugiesische Kolonialeroberungen in Übersee, die nach der Reconquista von den sogenannt Konquistadoren getragen wurden.

Conrad: 1. Joseph Conrad, eigentlich Jozef Teodor Konrad Korzeniowski, 3.12.1857-3.8.1924, englischer Schriftsteller polnischer Herkunft; schilderte in kritisch-realistischen, psychologischen tieflotenden Romanen das Leben des Menschen im Kampf gegen die Gewalten der Natur (See, Tropen) und der kolonialistisch-imperialistischen Gesellschaft («Almayers Wahn», 1895, deutsch; «Der Nigger vom Narzissus», 1897, deutsch; «Herz der Finsternis», 1902; «Nostromo», 1904, deutsch); wandte in «Lord Jim» (1900, deutsch) vorwiegend die Erzähltechnik des Bewusstseinsstroms an.

2. Michael Georg Conrad, 5.4.1846-20.12.1927, Schriftsteller, wurde weniger durch seine umfangreichen Romane als durch die Herausgabe der Zeitschrift «Die Gesellschaft» (1885/1901), in der er das Werk Zolas in Deutschland bekanntmachte, zu einem der Wegbereiter des deutschen Naturalismus.

3. Victor Conrad, 25.-8.1876-25.4.1962, österreichischer Geophysiker; lebte ab 1939 in den USA; erkannte 1925 auf Grund von Beobachtungen der Ausbreitung von Erdbebenwellen (speziell des Tauern-Bebens vom 28.11. 1923) eine vertikale stoffliche Gliederung der Erdkruste.

Conrad-Diskontinuität: (nach V. Conrad) seismische Unstetigkeitsfläche zwischen Granit- und Gabbroschicht der Erdkruste; liegt im mitteleuropäischen Raum in einer Tiefe von 12 bis 18 km.

Conrad, Hermann, 12.7. 1862-8.3. 1890, Schriftsteller; Mitherausgeber der frühnaturalistischen Lyrikanthologie «Moderne Dichtercharaktere» (1885); seine Prosa und Lyrik widerspiegeln eine unklare antibürgerliche Position zwischen Erlösungssehnsucht und Verzweiflung.

Conrad von Hötzendorf, Franz Graf, 11.11. 1852-25.8. 1925, österreichischer Feldmarschall; 1906/11 und 1912/17 Chef des Generalstabes der österreichisch-ungarischen Armee, danach Oberbefehlshaber an der Tiroler Front; nach dem Misserfolg der österreich-ungarischen Offensive am Piave wurde er 1918 abgesetzt. Conrad von Hötzendorf war ein Exponent der aggressivsten Kreise des österreichischen Imperialismus, er trat für die Annexionspolitik auf der Balkanhalbinsel ein.

Conscience, Hendrik, 3.12. 1812-10. 9. 1883, belgischer Schriftsteller niederländische Sprache; Mitbegründer der neueren flämischen Literatur; schuf ein umfangreiches Prosawerk, erlangte große Popularität mit historischen Romanen («Der Löwe von Flandern», 1838, deutsch) und Dorfnovellen («Baas Gansendonck», 1850).

Consecutio temporum: im klassischen Latein entwickelte Abhängigkeit der Tempora im zusammengesetzten Satz; im Deutschen nicht durchgängig befolgt.

Conseil: Rat; Versammlung, Ratsversammlung; in Frankreich häufig für beratende Körperschaft.

Consensus: 1. allgemein Zustimmung, Übereinstimmung; Einigkeit vertragschließender Parteien über den Vertragsinhalt.

2. Völkerrecht: allgemeine Zustimmung zu Beschlüssen internationaler Konferenzen oder von Organen internationaler Organisationen ohne besonderes Abstimmungsverfahren. Der Consensus wird in der Regel in der Weise festgestellt, dass der Konferenzvorsitzende oder Tagungsleiter feststellt, dass keiner der Teilnehmer gegen den vorliegenden Beschlussentwurf aufgetreten ist, so dass davon ausgegangen werden kann, dass der Beschluss angenommen ist.

Considerant, Prosper Victor, 12.10.1808-27.12.1893, französischer utopischer Sozialist; Begründer der fourieristischen Schule (unter anderem «Gesellschaftliche Bestimmung», 1834/44); orientierte nach dem Lyoner Aufstand 1834 auf den politischen Kampf für eine «Friedliche Demokratie» (Titel seiner Zeitung) und leitete 1854/69 eine fourieristische Kolonie in Texas.

Consilium: (lateinisch) Rat, Beirat; im antiken Rom einberufene Versammlung von Bürgern, Soldaten unter anderem.

Consilium abeundi: (lateinisch, «der Rat, abzugehen») im bürgerlichen Schulwesen die Androhung des strafweisen Ausschlusses von einer höheren Schule oder einer Universität.

Consol-Verfahren: Funknavigationsverfahren für See- und Luftfahrzeuge. Durch ein Richtfunkfeuer wird mit 3 in gleichen Abständen auf einer Basis errichteten Antennen ein schwenkbarer Leitstrahlfächer erzeugt, dessen Sektoren je nach Lage einen bestimmten Winkelbereich überdecken und in denen man eine Punkt- oder Strichtastung empfängt. Der Durchgang des Leitstrahls durch den Ort des Fahrzeuges wird mit einem Rundfunkempfänger durch Auszählen von Punkt- oder Strichzeichen mit Hilfe von Consol-Navigationskarten festgelegt.

Consort: a) im 16./18. Jahrhundert Instrumentalensemble; als whole consort ausschließlich mit einer Instrumentenfamilie besetzt (zum Beispiel Bläser oder Streicher), als broken consort mit gemischter Besetzung;

b) im 20. Jahrhundert Instrumental- oder Vokalensemble, das mit historischen Instrumenten alte Musik pflegt;

c) die von diesen Ensembles gespielte Musik.

Constable, John, 11.6.1776-31.3.1837, englischer Maler. Im Schaffen Constables spielt die Wiedergabe unmittelbarer Naturbeobachtungen und unterschiede atmosphärische Erscheinungen eine besondere Rolle. Herausragend ist seine Bedeutung für die Entwicklung der realistischen Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert, insbesondere sein Einfluss auf die Schule von Barbizon und die Impressionisten.

Constans, Flavius Iulius, 323-350 (ermordet), seit 9.9.337 römischer Kaiser; Sohn Konstantins I.; führte erfolgreiche Feldzüge gegen Sarmaten, Franken, Pikten und Skoten.

Constantine, arabisch Ksantina, Kusantina: Stadt (Wilayatszentrum) im Nordosten Algeriens, auf einer vom Fluss Oued Rhumel umgrenzten, steil aufragenden Kalksteinplatte; 490000 Einwohner; wichtiges algerisches Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum; Lebensmittel-, Metall-, Leder-, Textil-, Zementindustrie, Traktorenwerk; Handelszentrum (besonders Getreide); Verkehrsknoten; internationaler Flughafen; Universität, islamische Hochschule; Museen; mittelalterliche Bauten.

Constantinus Africanus, um 1020-1087, arabischer Gelehrter aus Nordafrika; tragende Gestalt der ersten Rezeptionswelle griechisch-arabischer Naturwissenschaft und Medizin aus der Schule von Salerno. Mit seinen Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische beginnt die systematische Erschließung des arabischen und griechischen Wissensgutes durch das mittelalterliche Europa.

Constantius, römischer Kaiser: 1. Constantius I. Chlorus («Der Blasse»), Gaius Flavius Valerius Constantius, um 250-25. 7. 306, Kaiser (Augustus des Westens) seit 305; Vater von Konstantin I.; 293 Cäsar und Mitregent des Maximianus.

2. Constantius, Flavius Iulius Constantius, 7.8.317-3.11.361, Kaiser des Ostteiles seit 9.9.337, des gesamten Reiches seit 353; Sohn Konstantins I.; erklärte Julian 355 zum Cäsar; betrieb auf der Grundlage des Arianismus eine aktive Kirchenpolitik.

Contadora-Gruppe: lateinamerikanische Staatengruppe (Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Panama), benannt nach der panamaischen Insel Contadora, auf der Januar 1983 eine erste Beratung der Außenminister dieser Staaten stattfand. Die Contadora-Gruppe tritt ein für eine friedliche Lösung der vom US-Imperialismus in Mittelamerika angeheizten Konflikte, fordert die Herbeiführung einer Entspannung in der Region, das Verbot jeglicher Einmischung von außen (Präsenz von Militärberatern und Truppen), die Respektierung der Bürgerrechte, die Festigung demokratischer Regime, den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen unter anderem.

Container: (englisch - französisch, «Behälter»)

1. großes Transportgefäß von dauerhafter Beschaffenheit für wiederholte Verwendung und mit standardisierten Abmessungen. Je nach Verwendungszweck und Konstruktion existieren neben der quaderförmigen Hauptform offene Flachcontainer, Schüttgutcontainer, Flüssigkeitscontainer sowie Kühlcontainer.

2. gegen Zerstörung widerstandsfähiger Behälter zum Transport radioaktiver Strahlungsquellen oder ausgebrannter Brennelemente von Kernreaktoren mit hoher Abschirmwirkung gegen Strahlung.

Containerschiff: Frachtschiff zur ausschließlichen oder teilweisen Beförderung von Containern. Vollcontainerschiff weisen Führungs- und Führungsstandgerüste im Laderaum auf, in welche die Container mittels Kranen eingesetzt und auch wieder herausgeholt werden. Die größten Vollcontainerschiff transportieren bis 3000 Container, und zwar übereinander gestapelt in 6 bis 9 Lagen in den Laderäumen und in 2 bis 4 Lagen an Deck. Semi- oder Teilcontainerschiff sind sowohl für den Transport von Containern wie auch für andere Stückgutladungen eingerichtet.

Containerumschlaggerät: spezielles Fördermittel für den Umschlag und begrenzten Horizontaltransport von Containern. Auf großen Umschlagplätzen (Häfen, Bahnhöfen) setzt man Portalkrane (Containerkrane) ein, die einen Spreader als Lastaufnahmemittel aufweisen. Für den Umschlag in Überseehäfen vom Kai in die Seeschiffe und umgekehrt werden speziell für den Containertransport konstruierte schienenfahrbare Portalkrane (Portainer), meist mit hochklappbarem seeseitigem Ausleger, verwendet. Der Horizontaltransport auf Lagerplätzen erfolgt mit Portalstaplern (setzen 2 bis 3 Container übereinander), Portalhubwagen, Containerwagen oder auch Front- oder Seitenstapler. Es gibt ferner Spezial-LKWs mit hydraulischer Kraneinrichtung zum Aufnehmen und Absetzen der Container von beziehungsweise auf Waggons.

Containerzug: ausschließlich aus Containertragwagen bestehende, zwischen Containerbahnhöfen ohne rangierdienstliche Behandlung durchlaufende Fahreinheit der Eisenbahn. Die einzelnen Wagen sind kurzgekuppelt, nur das Triebfahrzeug wird an- und abgekuppelt. Dieses und die hohe Fahrgeschwindigkeit (bis 120 km/h) ergeben eine erhebliche Verkürzung der Transportzeit.

Contessa: (italienisch) Gräfin, ehemaliger italienischer Adelstitel.

Contest: Wettkampf zwischen Funkamateuren um eine Höchstzahl von Funkverbindungen auf festgelegten Frequenzen in festgelegter Zeit.

Conlinuo: Kurzwort für Basso continuo (Generalbass).

Contradictio in adjecto: (lateinisch, «Widerspruch im Beigefügten») Logik Fehler bei der Bildung eines Artbegriffs, wenn zum Gattungsbegriff ein konträrer Begriff als differentia specifica hinzugefügt wird; zum Beispiel viereckiger Kreis.

Contrat social: (französisch, «Gesellschaftsvertrag») Titel des 1762 erschienenen staatstheoretischen Hauptwerkes von J. J. Rousseau, in dem die Volkssouveränität naturrechtlich begründet wurde.

Contusio cerebri: Schädelhirntrauma mit einer organischen Schädigung der Hirnsubstanz.

Conularien: vom Kambrium bis Obertrias lebende marine Hohltiere (Coelenteraten) mit dünnem, chitinigem, pyramidenförmigem Gehäuse; bis 10 cm lang.

Convertiplan, Wandelflugzeug: Flugzeug, bei dem die Stellung der Triebwerke oder der Tragfläche einschließlich der Triebwerke verändert werden kann. Dadurch vereint der Convertiplan in sich weitgehend die Vorteile von Starrflügler und Hubschrauber.

Conveyer-Conveyor: veraltete Bezeichnung für Stetigförderer.

Conwentz, Hugo, 20.1.1855-12. 5.1922, Botaniker; arbeitete auf dem Gebiet der Paläobotanik, begründete die Naturschutzbewegung in Deutschland.

Cook: 1. Arthur James Cook, 22.11.1883-2.11.1931, britischer Arbeiterführer, organisierte 1918/21 Streiks mit politischen Forderungen (Beendigung der Intervention gegen Sowjetrussland), wiederholt inhaftiert; seit 1924 Generalsekretär des britischen Bergarbeiterverbandes, leitete 1926 den machtvollen Streik der Bergarbeiter und wandte sich 1927 als einziger Gewerkschaftsführer gegen die Zusammenarbeit des Trades Union Congress mit den Unternehmern.

2. Frederick Albert Cook, 10.6.1865-5.8.1940, US-amerikanischer Arzt und Polarreisender; erreichte nach eigenen, stark umstrittenen Angaben von der Axel-Heiberg-Insel aus den Nordpol am 21.4.1908, ein Jahr vor R. E. Peary.

3. James Cook, 27.10.1728-14.2.1779, britischer Seeoffizier und Forschungsreisender; unternahm 3, besonders im Pazifik und seinen antarktischen Randgebieten entdeckungsreiche Weltreisen (1768/71, 1772/75, 1776/79). Auf der ersten stellte er die Inselnatur Neuseelands fest und erforschte die Küste Ostaustraliens. Auf der zweiten kam er bis in hohe südlicher Breiten und vermutete hinter dem südlichen Packeisgürtel ein antarktisches Festland. Auf der dritten erforschte er die Nordwestküste Nordamerikas sowie die Beringstraße und entdeckte Hawaii, wo er von Ureinwohnern im Kampf getötet wurde. Cook hat wesentlich zur Erkenntnis der wahren Land-Wasser-Verteilung auf der Erde beigetragen und der Legende vom «Südland» (Terra australis incognita) die Grundlage entzogen.

Cookinseln: Gruppe von 15 Inseln im Stillen Ozean (Polynesien), zu Neuseeland gehörend (innere Autonomie), 3700 km nordöstlich von Neuseeland; 237 km2, 20000 Einwohner; Verwaltungszentrum Avarua (auf der Hauptinsel Rarotonga); zum Teil vulkanische, zum Teil Koralleninseln; Kokosnüsse, Zitrusfrüchte, Ananas, Orangen, Bananen, Tomaten, Maniok; Fischfang; Textilindustrie, Fertigung handwerklicher Erzeugnisse; Perlenfischerei, -zucht; Touristik. 1773 von J. Cook entdeckt.

Cookstraße: schmale Meeresstraße zwischen der Nord- und Südinsel Neuseelands; an der schmälsten Stelle 22,5 km breit; 2 Untersee-Hochspannungskabel. 1769 von J. Cook entdeckt.

Cooler: ein Long Drink, mit Wein, Fruchtsaft, Sodawasser, Kristalleis unter anderem hergestellt.

Coombs-Test, Race-Coombs-Test (nach den Entdeckern): Methode zum Nachweis bestimmter Antikörper, 1945 entwickelt. Der Coombs-Test hat besondere Bedeutung für das Neugeborene bei der Feststellung von Blutgruppenunverträglichkeiten zwischen Mutter und Kind.

Cooper: 1. James Fenimore Cooper, 15.9.1789-14.9.1851, US-amerikanischer Schriftsteller; Begründer des historischen Romans in den USA mit dem Patriot. Roman über den Unabhängigkeitskrieg «Der Spion» (1821, deutsch) sowie See-, Grenzer- und Indianerromanen. «Die Lederstrumpferzählungen» (1823/41, deutsch) gestalten das Leben des Waldläufers Natty Bumppo und vereinen realistische Schilderung des Milieus und der Indianer mit romantischer Darstellung des Grenzerlebens.

2. Leon N. Cooper, geboren 28.2.1930, US-amerikanischer Physiker; entwickelte mit J. Bardeen und J. Schrieffer eine mikroskopische Theorie der Supraleitfähigkeit (BCS-Theorie).

3. Thomas Cooper, 22.10.1759-11.5.1839, US-amerikanischer Aufklärungsphilosoph; Anhänger des Deismus, Mitstreiter J. Priestleys; beeinflusste T. Jefferson. Cooper lehrte, dass die Materie ewig sei und sich nach ihren eigenen Gesetzen entwickle. Er bestritt die «Unsterblichkeit der Seele» und die Existenz «angeborener Ideen»; war Anhänger bürgerlich-demokratischer Gleichheitsauffassungen, lehnte jedoch deren Anwendung auf die Sklaven ab. Cooper wurde vom Klerus verfolgt.

Cooper Creek: bedeutendster Fluss Zentralaustraliens; 960 km; entspringt mit Barcoo Creek und Thomson River in der ostaustralischen Kordillere, mündet bei gelegentlichen Hochwasser in den Eyresee.

Cope, Jack, geboren 3.6.1913, südafrikanischer Schriftsteller europäischen Herkunft; beschreibt in seinem historischen Roman «Aufstand der Speere» (1955, deutsch) den antikolonialen Kampf der Zulu und in «Auftrag in Kapstadt» (1969, deutsch) den antirassistischen Widerstand demokratischer Kräfte Südafrikas.

Copland, eigentlich Caplan, Aaron, geboren 14.11. 1900, US-amerikanischer Komponist und Musikschriftsteller; schrieb in volkstümlichen amerikanischen Stil Werke in allen Gattungen, unter anderem das sinfonische «Lincoln-Portrait» und das Wildwestballett «Billy the Kid».

Copley, John Singleton, 3.7. 1738-9. 9. 1815, US-amerikanischer Maler, kam 1774 als angesehener Porträtist nach Europa. Nach einem Aufenthalt in Frankreich und Italien ließ er sich in London nieder, wo er sich mit großem Erfolg der Bildnis- und Historienmalerei widmete.

Copperheads: (englisch, «Kupferköpfe») Verschwörergruppe der Handelsbourgeoisie der Nordstaaten (besonders New York) der USA im Bürgerkrieg 1861/65, traten für die Erhaltung der Sklaverei ein.

COPUOS: Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums.

Cordaiten, Cordaitales: zu den Nacktsamern gehörende, bis 30 m hohe Bäume mit langen, bandförmigen Blättern und kätzchenförmigen Blütenständen; Kohlebildner des Oberkarbons und des Rotliegenden; benannt nach dem Prager Botaniker August Joseph Corda (1809-1849).

Cordeliers: (französisch, «Strickträger») 1790 in Paris gegründet politischer Klub, in dem sich die konsequentesten demokratischen und linken Kräfte des französischen Bürgertums vereinten. Mitglieder waren unter anderem J. P. Marat, P. G. Chaumette, J. R Hében, G. J. Danton und J. Roux. Gemeinsam mit den Jakobinern organisierten die Cordeliers den Volksaufstand vom 10. 8. 1792, der mit dem Sturz der Bourbonen endete. Die Cordeliers vertraten zu politischen und sozialen Fragen radikalere Ansichten als der Jakobinerklub. Im Februar/März 1794 waren die Cordeliers Zentrum der Angriffe der Hébertisten auf M. de Robespierre, im April 1794 lösten sie sich auf.

Cordial Médoc: Edellikör aus Weinbrand, Süßwein unter anderem; benannt nach dem französischen Weinbaugebiet Médoc.

Cordierit, (nach einem französischen Geologen) Dichroit: Mineral, Magnesium-Aluminium-Silikat; rhombisches Kristallsystem, Farbe graublau in verschiedenen Tönen, Härte 7 bis 7,5, Dichte 2,6 g/cm3; Mineral der Kontaktmetamorphose.

Córdoba: 1. Stadt im Süden Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Córdoba, am Guadalquivir; 280000 Einwohner; Kupferraffinerie, Maschinenbau, Leder-, Gold- und Silberwarenherstellung; Stierkampfarena; maurische Gepräge der Stadt mit engen Gässchen, niedrigen, weißen Häusern und Patios (Höfen). Die in Relikten belegbare kulturelle Tradition Córdobas reicht bis in römische und westgotische Zeit zurück; besonders wertvolle Zeugnisse sind erhalten aus maurischer Zeit (Moschee, größte nach Mekka) und späteren Jahrhunderten (Kathedrale 16. Jahrhundert; Synagoge 14. Jahrhundert; Bauten im Mudéjarstil; zahlreiche Kirchen, Paläste mit mehreren Innenhöfen, Platzanlagen, Museen). Phönikische Gründung, im Altertum durch Metallproduktion berühmt; 711 von, den Mauren erobert; seit 756 Hauptstadt des arabischen-maurische Emirats (seit 929 Kalifats) Córdoba; bedeutendes Kultur- und Gewerbezentrum; 1236 Eroberung durch Kastilien.

2. Stadt (Provinzzentrum) im mittleren Argentinien, am Fuße der bis 2550 m ansteigenden Sierra de Córdoba; 1,02 Millionen Einwohner; wichtiges Industrie-, Handels-, Verkehrs-, Kulturzentrum; Maschinen- und Fahrzeugbau (Flugzeugbau), chemischer, Zement-, Nahrungsmittelindustrie; Fremdenverkehr; internationaler Flughafen; 2 Universitäten (eine 1613 gegründet), Innenstadt mit zahlreichen Barockbauten. 1573 gegründet; Zentrum der Arbeiterbewegung.

Coregonen, Coregonidae: zu den Lachsartigen gehörende Familie der Fische; Bewohner kühler Gewässer der nördlichen Halbkugel, einige von Wirtschaftliche Bedeutung; in europäischen Gewässern unter anderem Schnäpel (Coregonus oxyrhynchus), Blaufelchen, Kleine Moräne (C. albula) und die 50 cm lange Große Maräne oder Bodenrenke (C. fera).

Corelli, Arcangelo, 17.2.1653-8.1.1713, italienischer Komponist und Violinist; wirkte in Rom im Dienste der hohen Geistlichkeit und Aristokratie; ein Hauptmeister des Concerto grosso und der Sonate; ihr volkstümlicher-kantabler Stil war von starker Wirkung unter anderem auf Händel.

Coremans, Edward, 1.2.1835-2.11.1910, belgischer Politiker; klerikaler Flamenführer und Präsident des «Nederduitsche Bond», erreichte 1898 die Anerkennung des Flämischen als zweite offizielle Sprache in Belgien.

Corhartstein: schmelzflüssig gegossener, hochfeuerfester Stein mit hohem Aluminiumoxidgehalt für Glasschmelzwannen; benannt nach den Firmen Corning Glass Works und Hartford Empire Comp.

Cori, Carl Ferdinand, geboren 5.12.1896, US-amerikanischer Biochemiker tschechischer Herkunft, Professor in Saint Louis (Miss.); arbeitete zusammen mit seiner Frau Gerty Theresa (1896-1957) über den katalytische Glykogenstoffwechsel und über den Enzymstoffwechsel tierischer Gewebe.

Corinth, Lovis, 21.7.1858-17.7.1925, Maler und Graphiker; einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus. Mit kraftvoll-sinnlichen Farben und vitalen Pinselzügen malte er mythologische und religiöse Themen, Landschaften, Akte, Bildnisse und Stillleben. Seit 1911 wandte er sich in verstärktem Maße der Graphik zu. Er schuf meisterhafte Radierungen, Lithographien und Buchillustrationen.

Coriolan, Gnaeus Marcius, Coriolanus, römischer legendärer Patrizier; erhielt seinen Beinamen für die Eroberung von Corioli 493 vor Christus Nach seiner Verbannung durch die Plebejer aus Rom belagerte er es 489/488 vor Christus mit einem volskische Heer, wobei seine Mutter und seine Gattin die Eroberung verhinderten.

Coriolis-Kraft: Kraft, die auf einen Körper wirkt, der sich in einem mit der Winkelgeschwindigkeit

Cork, irisch Corcaigh: Stadt im Süden Irlands, Verwaltungszentrum der Grafschaft Cork, an der Fjordmündung des Lee; 135000 Einwohner; vielseitige Industrie, Stahlerzeugung, Schiff- und Maschinenbau, Mineraldünger- (Phosphate), Textil- und Automobilindustrie, Bierbrauerei; Erdölraffinerie, südlich von Cork Erdgasförderung im Meer; Hafen, Vorhafen Cobh, internationaler Flughafen; Universität (Teil der Nationaluniversität Dublin); Museum, Kunstschule; Choral- und Filmfestival.

Corned beef: Fleischerzeugnis aus vorgekochtem, gepökeltem, knochen- und sehnenarmem stückigem Rindfleisch, das mit Knochenbrühe bindefähig gemacht ist; Corned pork wird aus Schweinefleisch hergestellt; Kraftfleisch ist eine Mischung von beidem.

Corneille, Pierre, 6.6.1606-1.10.1684, französischer Dramatiker; neben J. Racine Hauptvertreter der klassischen französischen Tragödie. Seine vom Rationalismus getragenen Stücke «Cid» (1635), «Horatius» (1640, beide deutsch) unter anderem vertreten den Vorrang staatlicher gegenüber individuellen Interessen.

Cornelia: Name von Frauen aus dem römischen Geschlecht der Comelier, zum Beispiel Cornelia, die Tochter des Publius Cornelius Scipio Africanus und Mutter der Gracchen.

Cornelier: Angehörige eines der bekanntesten römischen Geschlechter mit patrizischen und plebejischen Zweig.

Cornelius: 1. Peter von Cornelius, 23.9.1783-6.3.1867, Maler; Schüler der Düsseldorfer Akademie, schloss sich 1812 in Rom dem Kreis der Nazarener an; klassizistischen Formen verband er mit romantischen Empfinden zu leidenschaftlich-dramatischen Gestaltungen.

2. Peter Cornelius, 24.12.1824-26.10.1874, Komponist und Schriftsteller; Neffe von Cornelius 1; schrieb Liederzyklen, zum Teil auf eigene Texte, Chöre, Kirchenmusik und Opern, unter anderem «Der Barbier von Bagdad» (1858).

Corner: Methode der Spekulation, bei der durch gezielte Käufe an der Börse die Nachfrage künstlich erhöht wird, um Preis- und Kurssteigerungen zu erzielen.

Corno da caccia: a) so viel wie Jagdhorn;

b) seit etwa 1980 auch kleines Ventilhorn in 4-Fuß-Lage zur Ausführung von historischen Como-da-caccia-Partien.

Cornu, Auguste, 9.8.1888-6.5.1981, französischer Philosophiehistoriker; leistete bahnbrechende Arbeit bei der Erforschung der Entstehungsgeschichte des Marxismus; 1948/56 Professor für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin; schrieb unter anderem «Karl Marx und Friedrich Engels» (3 Bände, 1954/68).

Cornwall: Halbinsel im Südwesten Englands (Großbritannien), als Grafschaft Cornwall and Isles of Scilly 3546 km2, 410000 Einwohner; 115 Einwohner/km2; 112 km lang, bis 60 km breit und bis 419 m hoch; aus Granit, Sandstein und Schiefern bestehend; Steilküsten, kahle Plateaus mit Mooren; ozeanisches Klima, an der Südküste besonders milde Wintertemperaturen, submediterrane Vegetation, Frühgemüseanbau und Blumenzucht; Zinnerz- und Kaolinforderung; Seebäder, Häfen.

Coro: Hauptstadt des Bundesstaates Falcón, im Nordwesten Venezuelas; 56000 Einwohner; reiche Erdölvorkommen; der Hafen La Vela de Coro liegt 10 km von Coro entfernt. Hier landete 1498 A. Vespucci.

Koromandelküste: 60 bis 100 km breiter und über 1000 km langer, fruchtbarer Schwemmlandstreifen an der südlichen Ostküste Vorderindiens, erstreckt sich von der Krischna Mündung im Norden bis zur Palkstraße im S. Intensiv betriebene Landwirtschaft mit bevorzugtem Anbau von Reis, Baumwolle, Tabak und Kokospalmen. Der annähernd küstenparallel verlaufende Buckingham Kanal bildet eine wichtige Binnenwasserstraße.

Coronado, Francisco Vásquez de, um 1500-1544, spanischer Konquistador, unternahm 1540/42 von Nordmexiko aus einen großen Entdeckungszug in das Colorado- und obere Rio-Grande Gebiet und durchzog die Prärie bis zum Arkansas.

Corot, Jean Baptiste Camille, 17.7.1796-22.2.1875, französischer Maler und Graphiker. Corot wurde vor allem durch seine stimmungsvollen Landschaftsdarstellungen bekannt, die in matten silbrigen Tönen die weiche Atmosphäre dämmriger Tagesstunden festhalten. In seiner Auffassung den «Paysages intimes» der Schule von Barbizon nahestehend, beeinflusste er die Entwicklung des Impressionismus in Frankreich.

Corps diplomatique-diplomatisches Korps: Corpus (lateinisch; PI. -pora): Leib, Körper; verwendet für bestimmte Organteile.

Corpus Christi: Stadt im Bundesstaat Texas (USA), am Golf von Mexiko; 220000 Einwohner (5% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 300000 Einwohner; Erdölverarbeitung, chemischer, Baumwoll-, Zement-, Aluminiumindustrie; Seehafen (Ausfuhr von Erdöl und Baumwolle).

Corpus delicti: der Gegenstand, das Werkzeug oder die Spuren eines Verbrechens.

Corpus iuris civilis: Rechtssammlung des oströmischen Kaisers Justinian (zusammengestellt 528/34 nach Christus), die in der von italienischen Kommentatoren gegebenen Gestalt seit 1495 als Kern des Gemeinen Rechts zum Teil bis 1900 in Deutschland galt, soweit nicht einzelstaatlicher Gesetzbücher Vorlagen; besteht aus Institutionen (Grundlehren), Digesten oder Pandekten (Auszüge aus römischen Juristenschriften), Codex Justinianeus (Kaisererlasse seit Hadrian), Novellen (spätere Erlasse Justinians).

Correggio, eigentlich Antonio Allegri, um 1494-5.3.1534, italienischer Maler der Hochrenaissance; tätig in Parma. Seine großformatigen Altarbilder von meisterhafter Farbigkeit zeigen eine betonte Diagonalkomposition, starke Figurenverkürzungen und eine von Lichteffekten hervorgerufene Stimmung («Heilige Nacht», Dresden). Er wurde dadurch zu einem Vorläufer der Barockmalerei.

Correns: 1. Carl, 19.9.1864-14. 2. 1933, Botaniker, bedeutender Vererbungsforscher; einer der Wiederentdecker der Mendelschen Vererbungsregeln (1900).

Corrientes: Stadt (Provinzzentrum) in Argentinien, unterhalb der Vereinigung des Paraná und Paraguay; 180000 Einwohner; Schiffswerften, Nahrungsmittel-, Holzindustrie, Gerbereien; Flusshafen, internationaler Flughafen; landwirtschaftliche Hochschule, Kunstakademie, verschiedene Institute der Universidad del Nordeste und der Litoral-Universität.

Cortaillod-Kultur: jungsteinzeitliche Kultur in Westeuropa; benannt nach Cortaillod am Neuenburger See (Schweiz).

Cortes: Ständevertretungen, später Parlamente in Spanien und Portugal; im Mittelalter die ständ. Vertretung von Klerus, Adel und Bürgertum mit begrenztem Einfluss auf die Gesetzgebung (in León seit 1188, Kastilien 1250, Portugal 1254, Navarra 1300); seit Karl I. (1516/56) fast ohne Bedeutung. Im 19. Jahrhundert vollzog sich Wandel zu liberaler Parlamentsform. In Franco-Spanien waren die Cortes ohne politischen Einfluss.

Cortés, (kortes) Cortez, Hernán, 1485-2.12. 1547, spanischer Konquistador, eroberte 1519/21 das Aztekenreich und vernichtete es; 1525 Statthalter (bis 1530) und Generalkapitän von Neuspanien (Mexiko); 1524/26 unternahm er einen Entdeckungs- und Eroberungszug bis Honduras, 1535 bis zur Halbinsel Kalifornien.

Cortina d'Ampezzo: Kurort (1224m über dem Meeresspiegel) in Oberitalien, in der Region Venetien; 8600 Einwohner; Touristik- und Wintersportzentrum in den Dolomiten, Austragungsort der Olymp. Winterspiele 1956.

Cortisches Organ: (nach einem italienischen Anatomen) Organon spirale (griechisch): Sinnesorgan der Wirbeltiere und des Menschen zur Wahrnehmung akustischer Reize. Das Corti’sche Organ liegt im Schneckengang (Ductus cochlearis) des Labyrinthes und besteht hauptsächlich aus Sinneszellen und Stützzellen.

Cortona, eigentlich Berrettini, Pietro da, 1.11.1596-16.5.1669, italienischer Maler und Architekt; seine Hauptwerke im Palazzo Pitti (Florenz) und im Palazzo Barberini (Rom) leiten den barocken Illusionismus in der Deckenmalerei ein.

Cortot, Alfred, 26.9.1877-15.6.1962, französischer Pianist; war einer der besten Pianisten und Musikpädagogen seiner Zeit; ist besonders als Chopin- und Schumann-Interpret sowie als Kammermusiker (mit I. Thibaud und P. Casals) hervorgetreten.

Corumbá: Stadt im Bundesstaat Mato Grosso (Brasilien), am Paraguay; 75000 Einwohner; Viehzucht- und größtes Industriezentrum im Westen Brasiliens; Verkehrsknoten mit Binnenhafen, Eisenbahnübergang nach Bolivien, bedeutende Flussschifffahrt, Flugplatz; Pädagogische Hochschule; in der Nähe Manganerzbau, Eisenerzlagerstätten am Morro do Urucum und Lagoa Jacadigo.

Coryza contagiosa: Veterinärmedizin Entzündung der oberen Atemwege; beim Geflügel als bakteriell bedingter ansteckender Schnupfen nach Schwächung der Abwehrkraft und beim Rind als virusbedingtes bösartiges Katarrhalfieber auftretend.

Cosel, Anna Constanze Reichsgräfin von, 17.10.1680-31.3.1765, politisch engagierte Mätresse August II.; wurde 1716/33 auf Burg Stolpen gefangen gehalten.

Cosgrave, William Thomas, 6.6.1880-16.11.1965, irischer bürgerlicher Politiker des Sinn Fein; Teilnehmer am Dubliner Aufstand 1916; unterstützte 1921 den Dominionvertrag mit Großbritannien, 1922/32 Ministerpräsident; 1932 Gründer und bis 1944 Führer der Partei Fine Gael.

Cosic, Dobrica, geboren 29.12.1921, jugoslawischer (serbischer) Schriftsteller; gestaltete in seiner Prosa vor allem Fragen des antifaschistischen Widerstandskampfes seines Volkes («Die Sonne ist fern», 1951, deutsch; Trilogie «Teilungen», 1961/63) und ging den historischen Wurzeln des Heldentums in diesem Kampf nach («Der Herd wird verlöschen», 1954, deutsch).

Cosmas von Prag, um 1045-21.10.1125, tschechischer Geschichtsschreiber, Kapiteldekan des Prager Domkapitels; verfasste unter Verwendung älterer, verlorengegangener Quellen 3 Bücher zur böhmischen Geschichte bis 1125, die spätere Chronisten bis 1283 fortsetzten.

Cosmaten: Gruppe römischer Bau- und Marmordekorationskünstler des 12./14. Jahrhundert; den Charakter der Cosmaten-Arbeiten bestimmte die Tätigkeit zweier Familien, deren Häupter Cosmas hießen. Sie schufen stark dekorative kirchliche Ausstattungen (Kanzeln, Altäre, Grabmäler, Fußböden unter anderem).

Cossa, Francesco del, um 1435/36-1477/78, italienischer Maler der Frührenaissance; seine Fresken im Palazzo Schifanoia in Ferrara zeigen als Monatsbilder realistischer Genredarstellungen aus dem höflichen Leben.

Cossiga, Francesco, geboren 26.7.1928, italienischer Politiker (christlich-demokratische Partei); 1979/80 Ministerpräsident, 1983/85 Senatspräsident, seit 1985 Staatspräsident.

Costa: 1. Andrea Costa, 30.11.1851-19.1.1910, italienischer Arbeiterführer; löste sich 1879 vom Anarchismus, 1882 war er erster sozialistischer Abgeordneter im Parlament.

2. Lúcio Costa, geboren 27.2.1902, brasilianischer Architekt; 1936/37 mit einem von Le Corbusier beratenen Kollektiv Entwurf für das Gebäude des Ministeriums für Bildung und Gesundheitswesen in Rio de Janeiro, das die Entwicklung der brasilianischen Baukunst entscheidend beeinflusste; 1957 städtebauliche Planung für Brasilia.

Costa Brava: (spanisch, «wilde Küste») Teil der spanischen Mittelmeerküste, nordöstlich von Barcelona; zum Teil felsig, buchtenreich; Badeorte, Tourismus.

Costa del Sol: (spanisch, «Sonnenküste») südlichster Teil der spanischen Mittelmeerküste, östlich von Málaga; teils felsig, teils sandig; große Seebäder.

cost and freight: (englisch, «Kosten und Fracht»), Abkürzung (c. &f, cf.): internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer alle Kosten bis zum Bestimmungshafen, meist auch die Löschkosten, jedoch nicht Versicherungskosten, überträgt.

Coster, Charles de, 20.8.1827-7.5.1879, belgischer Schriftsteller französischer Sprache; hat insbesondere mit dem historischen Roman «Die Geschichte von Ulenspiegel und Lamme Goedzak» (1868, deutsch) entscheidend zur Entwicklung einer eigenständigen belgischen Nationalliteratur beigetragen.

cost-Insurance-freight: (englisch, «Kosten, Versicherung, Fracht»), Abkürzung cif.,c.i.f: internationale Vertragsklausel, die dem Verkäufer über die Kosten und die Fracht gemäß der Klausel «cost and freight» hinaus die Versicherungskosten überträgt.

Cotentin: Halbinsel im Nordwesten Frankreichs, wichtigster Ort Cherbourg; bis 191 m; im Norden Granitsteilküste, im Osten Polder mit Wiesen, Weiden und Rinderzucht, im Westen Dünenküste, Heide und Schafzucht.

Cotonou: Stadt (Regierungssitz) in Benin, am Golf von Guinea; 330000 Einwohner; in und um Cotonou Textil-, Lebensmittel-, Holz-, Zement-, Metallindustrie; wichtigster Landeshafen, internationaler Flughafen; Technikum.

Cotopaxi: höchster noch tätiger Vulkan der Erde, in der Ostkordillere Ekuadors; 5896 m; Kraterdurchmesser 800 m, ab 4000 m mit Firn- und Gletschereis bedeckt; letzter Ausbruch 1906; erstmalig 1872/73 von W. Reiß und A. Stübel bestiegen.

Cotswold Hills: Hügelkette im Südwesten Englands (Großbritannien); 110 km lang, bis 326 m hoch; Teil des englischen Stufenlandes, plateauartig, mit bis 180 m hoher, nach Nordwesten gerichteter Steilstufe; aus Jurakalk bestehend; Wasserscheide zwischen Severn und Themse; Schafweiden.

Cotta: 1. Bernhard von Cotta, 24.10. 1808-14. 9. 1879, Geologe; Sohn von Cotta 2; Professor an der Bergakademie Freiberg; verfasste zahlreiche Arbeiten zur regionalen und historischen Geologie des sächsisch-thüringischen Raumes und grundlegende Arbeiten zur Petrographie und Lagerstättenlehre; formulierte ein «Entwicklungsgesetz der Erde».

2. Heinrich Cotta, 30.10. 1763-25.10. 1844, Fortstwis27. 4. 1764-29.12. 1832, Buchhändler und Verleger; machte aus der 1659 in Tübingen gegründet J. G. Cotta'sche Buchhandlung (seit 1810 in Stuttgart) einen der bedeutendsten Verlage, in dem die Werke vieler namhafter Dichter seiner Zeit (unter anderem Schiller und Goethe) erschienen.

Cottage System: eine Methode der Bereitstellung von Werkswohnungen und -Siedlungshäusern, oft mit einem Stück Land, für die Arbeiter und Angestellten in der Nähe der Arbeitsstätte gegen Lohnabzug, um die Werktätigen in größere Abhängigkeit von den Unternehmern zu bringen. Das Cottagesystem wurde in England entwickelt und später in anderen Ländern nachgeahmt.

Cottische Alpen-Kottische Alpen: Gruppe der inneren Gleiskette der Westalpen, an der italienisch-französischen Grenze, mit dem 3 841 m hohen Monte Viso (italienisch Monviso).

Cotton: 1., Eugénie Cotton, 13.10.1881-16.6.1967, französische Friedenskämpferin, Physikerin; seit 1945 Präsidentin der IDFF, seit 1950 Vizepräsidentin des Weltfriedensrates.

2. Cotton, William Cotton, 1819-1887, britischer Konstrukteur; erfand 1864 die nach ihm benannt Flachkulierwirkmaschine.

Cottonmaschine: Flachkulierwirkmaschine zur Herstellung formgerechter Damenstrümpfe. Siehe auch Wirkmaschine.

Cotton-Mouton-Effekt, (nach 2 französischen Physikern) magnetische Doppelbrechung: Doppelbrechung des Lichtes an durchsichtigen, optisch isotropen Stoffen, die sich im Magnetfeld befinden. Der Cotton-Mouton-Effekt entspricht dem Kerr-Effekt bei elektrischen Feldern.

Coubertin, Pierre Baron de, 1.1. 1863-2. 9. 1937, französischer Pädagoge und Historiker; Begründer der modernen olympischen Bewegung unter Nutzung der Traditionen der antiken Olymp. Spiele (Gründungskongress 1894 in Paris); 1894/96 Generalsekretär und 1896/1916 sowie 1919/25 Präsident des IOC; 1925 auf Lebenszeit zum Ehrenpräsidenten der Olympischen Spiele ernannt.

Couleur: Farbe; im Kartenspiel die Trumpffarbe; früher Bezeichnung für die Farben der bürgerlichen Student. Verbindungen.

Couloir: rinnenförmige Vertiefung eines Hanges oder einer Fels- beziehungsweise Eiswand; Schlucht.

Coulomb, (nach Charles Augustin de Coulomb) Zeichen C: SI-Einheit der Elektrizitätsmenge; 1 C = 1 A-s (Amperesekunde). Für die SI-fremde Einheit Amperestunde (1 A-h = 3600 C) darf bei Angabe der «Kapazität» von elektrochemischen Batterien auch das Zeichen Ah benutzt werden.

Coulomb, Charles Augustin de, 14.6.1736-23.8.1806, französischer Physiker und Ingenieur; mit der von ihm konstruierten Drehwaage entdeckte er 1785 das nach ihm benannt Gesetz der Elektrostatik.

Coulomb-Anregung: (nach Charles Augustin de Coulomb) Anregung eines Atomkerns auf höhere Energiezustände durch die Wirkung des elektrostatischen Feldes eines anderen geladenen Teilchens oder Atomkerns während einer Kernreaktion.

Coulomb-Barriere, Coulomb-Wall (beide nach Charles Augustin de Coulomb): wallartiger Verlauf der potentiellen Energie (des Potentials) um einen Atomkern; wird verursacht durch das Zusammenwirken von anziehenden Kernkräften und der elektrostatischen Abstoßung positiv geladener Teilchen durch die Kernladung. Die Coulomb-Barriere hindert die Nukleonen am Verlassen des Kerns und erschwert das Eindringen positiv geladener Teilchen. Siehe auch Kern 3, Tunneleffekt.

Coulombsche Drehwaage: Gerät zum Messen elektrischer und magnetischer Kräfte, beruht auf der Torsion eines Fadens. Prakt. Bedeutung besitzt die Coulombsche Drehwaage zur Messung der Suszeptibilität dia- und paramagnetischer Stoffe. Um 1784 von Charles Augustin de Coulomb konstruiert.

Coulombsches Gesetz: (nach Charles Augustin de Coulomb) grundlegendes Gesetz der Elektrizitätslehre, nach dem 2 punktförmige geladene Körper aufeinander einwirken. Der Betrag der Coulomb-Kraft zwischen beiden ist dem Produkt aus den Ladungen Q1 und Q2 direkt und dem Quadrat ihres Abstandes r umgekehrt proportional; e Dielektrizitätskonstante. Gleichnamige Ladungen stoßen sich ab, ungleichnamige Ladungen ziehen einander an. Ein analoges Gesetz gilt für 2 Magnetpole.

Coulometrie: (nach Charles Augustin de Coulomb) elektrometrisches Verfahren der quantitativen chemischen Analyse zur Ermittlung einer elektrolytisch umgesetzten Stoffmenge durch Berechnung aus der dafür benötigten Strommenge.

Countdown: («Herunterzählen») englische-amerikanische Bezeichnung für die nach einem genauen Zeitplan ablaufenden Startvorbereitungen von Raketen; vom Zeitpunkt t = 0 (Start) an rückwärts nach Stunden, Minuten und Sekunden festgelegt.

Country: Bezeichnung für die euroamerikanischen ländlichen Volksmusik; kam Anfang des 20. Jahrhundert mit deren kommerzieller Ausbeutung auf. Dabei wurde aus der authentischen weißen Volksmusik der USA ein Klischee ihrer selbst, das dann in den Hollywood-Studios mit dem völlig verfälschten Cowboybild der Filmindustrie verbunden wurde. Heute ist dieser Begriff ein Etikett für kommerziell produzierte Pseudofolklore.

Coup: Schlag, geschickter Streich.

Coup double: Fechten Doppeltreffer beim Degenfechten, der beiden Fechtern angerechnet wird. Siehe auch Action simultanée.

Couperin, François, genannt le Grand («der Große»), 10.11.1668-12.9.1733, französischer Komponist; entstammte einer berühmten Musikerfamilie; hervorragend als Schöpfer von Clavecin-, Kammer- und Kirchenmusik; entwickelte, unter Einbezug starker programmatische Elemente, vor allem die französische Suiten Kunst weiter.

Couperus, Louis Marie Anne, 10.6.1863-16.7.1923, niederländischer Schriftsteller, schrieb psychologische, symbolisch-allegorische historische Romane («Eline Vere», 1889), autobiographische Skizzen, Reiseberichte und Gedichte.

Couplet: a) Strophenlied mit Kehrreim in Vaudeville, Singspiel, Opéra comique und Operette;

b) im Kabarett keckes kleines Lied, oft mit politisch-satirischen Inhalt;

c) Zwischensatz im Rondeau des 17./18. Jahrhundert.

Courant, Richard, 8.1.1888-27.1.1972, US-amerikanischer Mathematiker deutscher Herkunft; lieferte hervorragende Beiträge zur mathematischen Physik.

Courante: 1. französischer höflicher Paartanz im 3/4- oder 4/4-Takt, 1550 pantomimisch zur Einleitung des Ballfestes; seit 1670 höflicher gravitätische Zeremonialtanz.

2. seit dem 17. Jahrhundert bewegter Satz der Instrumental-suite, der Allemande folgend.

Courbet, Gustave, 10.6.1819-31.12.1877, französischer Maler; bildete sich autodidaktisch durch das Studium der Werke von D. Velázquez, Rembrandt und F. Hals. Während der Pariser Kommune 1871 Beauftragter für Kunstschutz, deshalb und wegen seines Bekenntnisses als Sozialistischer Demokrat und Republikaner folgten Gefängnis und Enteignung. Courbet schuf neben Darstellungen des einfachen Volkslebens und des arbeitenden Menschen auch Landschaften, Stillleben und Bildnisse. Er wurde zum Begründer einer realistischen Malerei in Frankreich und beeinflusste besonders das Schaffen vieler deutscher Künstler (H. Thoma, W. Leibi unter anderem).

Courier, Paul-Louis, 4.1.1772-10.4.1825 (ermordet), französischer Publizist; Verfasser glänzend geschriebener, von Antiklerikalismus und Liberalismus getragener Pamphlete gegen die Restauration.

Coustou, französische Bildhauerfamilie des Barocks, die vorwiegend in Paris lebte:

1. Guillaume d. Ä, 25.4.1677-20.2.1746; Bruder von Coustou 3, mit dem er gemeinsam zahlreiche Bildwerke für die Schlösser in Versailles und Marly schuf.

2. Guillaume der Jüngere, 19.3.1716-13.7.1777; Sohn von Coustou 1; schuf unter anderem die zum Rokoko tendierenden Figuren «Mars» und «Venus» für Schloss Sanssouci.

3. Nicolas Coustou, 8.1.1658-1.5.1733; Bruder von Coustou 1; war 1683/86 in Rom tätig.

Couthon, Georges, 22.12.1756-28.7.1794 (guillotiniert), französischer Revolutionär; Mitglied des Konvents und des Wohlfahrtsausschusses; wirkte aktiv am Sturz der Girondisten und der Niederwerfung der Konterrevolution in Lyon (1793) mit. Gemeinsam mit Robespierre und Saint-Just bildete er das sogenannt Triumvirat, das zur Zeit der Jakobinerdiktatur einen großen Einfluss ausübte.

Couture: Schneiderkunst; Haute-Couture ist die richtungweisende Modegestaltung der Pariser Modeschöpfer.

Couverture, Kuvertüre: bunt bedruckter Bettbezugsstoff, meist in Leinwandbindung.

Covadonga: nationaler Gedenk- und Wallfahrtsort im Norden Spaniens, im Kalkgebirge von Asturien, östlich von Oviedo; Naturschutzgebiet (150 ha) auf dem Gelände des ersten Sieges der Spanier über die Mauren (718).

Covellin, (nach einem italienischen Mineralogen) Kupferindig (zu «Indigo»): Mineral, Kupfersulfid; Kristallsystem hexagonal, Farbe blauschwarz, Härte 1,5 bis 2, Dichte 4,68 g/cm3; entsteht auf Kupferlagerstätten, besonders im Bereich der Oxydationszone; Vorkommen bei Alghero (Sardinien; große Kristalle), Bor, Mansfeld.

Covenant: (englisch, «feierlicher Vertrag») nationales Bündnis der schottischen Presbyterianer von 1581 zur religiös motivierten Verteidigung ihrer Klasseninteressen gegen die feudal-absolutistischen Herrschaft; 1637/38 gegen englischer Vorherrschaftsbestrebungen erneuert, wurde der Covenant äußerer Anlass der bürgerlichen Revolution in England.

Covent Garden: englische, «Klostergarten»: seit Mitte des 17. Jahrhundert Londons Hauptmarkt mit dem gleichnamigen, 1771 erbauten und mehrfach umgebauten Theatergebäude, das ursprünglich Schauspielbühne, seit dem 19. Jahrhundert vorwiegend, später ausschließlich Opernhaus war.

Coventry: Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Midlands, östlich von Birmingham; 315000 Einwohner, als Agglomeration 680000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Automobil-, Flugzeug-, Maschinen- und Motorenbau, Elektro- und chemische Industrie; Universität von Warwick, Fach- und Kunstschule; neue Kathedrale (1962). Coventry entstand als Dienstsiedlung eines 1043 gegründet Klosters, erhielt 1153 Stadtrechte und wurde im 12. Jahrhundert Bischofssitz.

- Im November 1940 wurde Coventry durch deutsche Luftangriffe fast völlig zerstört. Die Stadt wurde zum Symbol der barbarischer faschistischer Luftkriegführung im 2. Weltkrieg. Partnerstadt Dresdens.

Covercoat: meliertes Gewebe in Atlas- oder Köperbindung mit gabardineähnlichem Aussehen.

Covilhäo, Pedro de, um 1447-um 1525, portugiesischer Reisender; erreichte 1488 im Auftrag des portugiesischen Königs von Alexandria (Ägypten) aus über Aden Indien (Goa und Calicut); reiste 1492 von Ägypten aus nach Äthiopien, das er bis zu seinem Tode nicht verlassen durfte.

Kuhglocke, Cowbell, Cencerro: lateinamerikanisches Rhythmusinstrument aus Kupfer oder Messing in unterschiedliche Größen (8 bis 25 cm) ohne Klöppel; wird mit einem kurzen Stab aus Hartholz (Claves) angeschlagen.

Cowpersche Drüsen, (nach einem britischen Anatomen), Glandulae bulbourethrales (lateinisch + griechisch): paarige schleimproduzierende Geschlechtsdrüsen männlicher Säugetiere und des Mannes. Ihr Sekret ist Bestandteil der Samenflüssigkeit.

Coysevox, Antoine, 29.9. (getauft) 1640-10.10.1720, französischer Bildhauer; einer der bedeutendsten Vertreter des französischen Hochbarocks, war seit 1660 maßgeblich an der plastischen Ausstattung von Versailles beteiligt.

Crabbe, George, 24.12.1754-3. 2.1832, englischer Dichter; schilderte in den Verserzählungen «Das Dorf» (1783), «Das Kirchenbuch» (1807) und «Der Marktflecken» (1810; danach die Oper «Peter Grimes» von B. Britten) nüchtern-realistisch die soziale Lage der Dorfbewohner, Fischer und Kleinbürger.

Crabtree-Effekt: besonders in Tumorzellen zu beobachtende Hemmung der Zellatmung (Atmungskette) nach Glukosezusatz.

Cracker: Dauerbackware; kleinstückiges, fetthaltiges, lockeres, meist pikant gewürztes Flachgebäck.

Craig, Edward Gordon, 16.1.1872-29.7.1966, englischer Regisseur und Theatertheoretiker; bekämpfte Naturalismus und Historismus, betonte die Eigengesetzlichkeit der Theaterkunst, wobei er Regie und Bühnengestaltung als bestimmend betrachtete.

Cramer, Heinz von, geboren 17.7.1924, Schriftsteller der BRD; sucht in aufklärerischer Haltung zur Humanisierung der (bürgerlichen) Gesellschaft beizutragen, wobei er oft zu präziser Gesellschaftskritik vorstößt (Romane «Die Kunstfigur», 1958; «Die Konzessionen des Himmels», 1961).

Cranach, Lucas der Ältere, 1472-16.10.1553, Maler und Graphiker; anfangs in Wien tätig, seit 1505 in Wittenberg als Hofmaler Friedrichs des Weisen von Sachsen, gründete dort eine umfangreiche Werkstatt, war mehrfach Ratsherr und Bürgermeister. Als Freund Luthers war er Anhänger der Reformation. Seine die Landschaft einbeziehenden Frühwerke (Kreuzigung in Wien, 1500; Schleißheim, 1503) sind von spannungsgeladener Dramatik und wegweisend für die Donauschule; von märchenhafter Stimmung ist die «Ruhe auf der Flucht» (1504); ein hervorragendes Gelehrtenporträt stellt unter anderem «Dr. J. Cuspinian» (1503) dar. Das umfangreiche, mit Hilfe von Schülern und Gehilfen ausgeführte Wittenberger Schaffen umfasst christliche, antike und mythologische Themen sowie bedeutende Porträts (Bildnisse Luthers und seiner Eltern). Dem höflichen Geschmack seiner Auftraggeber entsprechend mehren sich zunehmend manieristische Stilelemente. Daneben finden sich aber auch realistische Naturstudien, vor allem in den Zeichnungen, sowie volkstümliche Holzschnitte. Von seinen beiden als Schüler und Gehilfen tätigen Söhnen Hans (um 1510-1537) und Lucas der Jüngere (1515-1586) erlangte letzterer selbständige Bedeutung und führte nach dem Tode des Vaters die Werkstatt weiter.

Crane: 1. Stephen Crane, 1.11.1871-5.6.1900, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb naturalistische Erzählungen und Romane («Maggie, das Straßenkind», 1893, deutsch), in denen die Menschen Opfer des Milieus und ihrer Erbanlagen werden. Der Kriegsroman «Das rote Siegel» (1895, deutsch) gilt als klassischer Roman der amerikanischen Kriegsliteratur.

2. Walter Crane, 15.8.1845-17.3.1915, englischer Maler, Graphiker und Kunstgewerbler; reformierte nicht nur die englischer Buchkunst, sondern wurde mit seinen Entwürfen für Tapeten, Glasfenster und Innendekorationen ein wichtiger Wegbereiter des modernen Kunsthandwerks.

Cranmer, Thomas, 2.7.1489-22.3.1556 (hingerichtet), englischer Geistlicher und Staatsmann, seit 1533 Erzbischof von Canterbury; sicherte durch seine Zustimmung zur Bildung der anglikanische Staatskirche (1534) den Erfolg der englischen Reformation, die er als Berater Heinrichs Vin. und besonders Eduards VI. festigte. Er wurde Opfer der katholischen-feudalistischen Reaktion unter Maria I.

Crassus, Marcus Licinius, 115-53 vor Christus (gefallen), römischer, sehr reicher und einflussreicher Sklavenhalter und Feldherr; besiegte 71 Spartacus; schloss 60 mit Cäsar und Pompeius das 1. Triumvirat; war 70 und 55 Konsul.

Credésche Prophylaxe: gesetzlich vorgeschriebene vorbeugende Behandlung der Augenbindehaut Neugeborener gegen eine Gonokokkeninfektion bei der Geburt; früher mit schwacher Höllensteinlösung, inzwischen mit Penizillin; eingeführt vom Leipziger Gynäkologen Karl Sigmund Credé (1819-1892). Siehe auch Blennorrhoe.

Credi, Lorenzo di, zwischen 1456 und 1460-12.1.1537, italienischer Maler, Schüler von A. del Verrocchio, beeinflusst von seinem Mitschüler Leonardo da Vinci; blieb jedoch dem Stil des 15. Jahrhundert verhaftet; schuf Bildnisse und Andachtsbilder in hellen Farben mit anmutigen Gestalten.

Crédit Mobilier: französische Aktienbank für Gründungsspekulationen; gegründet 1852, zusammengebrochen 1867; Vorläufer der modernen Großbanken.

Credner, Karl Hermann, 1.10.1841-21.7.1913, Geologe und Paläontologe; Professor an der Universität Leipzig; verfasste neben international anerkannten Lehrbüchern zahlreiche Arbeiten zur Geologie Sachsens und begründete dessen erste geologische Spezialkartierung im Maßstab 1:25000.

Credneria: fossile Laubholzgattung der oberen Kreide, deren Blattabdrücke weltweit verbreitet sind (Leitfossil); wird zu den Platanengewächsen gezählt; benannt nach dem Theologen Karl August Credner (1797-1857).

Credo: (lateinisch, «ich glaube») Beginn und Bezeichnung des christlichen Glaubensbekenntnisses; heute Verwendung im Gottesdienst. In der Messe als musikalisch-zyklische Form der 3.der 5 vertonten Ordinariumssätze.

Cree, Kri: Indianerstämme der Algonkinsprachgruppe zwischen dem Fluss Churchill und der Halbinsel Labrador (Kanada); über 70000; subarktischer Jäger (Pelztierfang) und Fischer.

Creek: intermittierend fließendes Gewässer in den Trockengebieten Australiens; führt, ähnlich wie die Fiumara in Italien und der Rivier in Südafrika, Wasser nur während der winterliche Regenzeit und trocknet im Sommer bis auf einzelne Restlachen aus.

2. Creek, Krik: früher bedeutender Stammesbund der Muskogee-Indianer in Alabama und Georgia (USA); entwickeltes Häuptlingstum; intensive Maiskultur; 1813/14 von amerikanischen Truppen besiegt, wurden die Reste nach Oklahoma deportiert; heute dort 17000.

creme: (französisch griechisch) rahmfarbig, zart gelblich.

Creme, Krem: 1. flüssige bis pastenartige Emulsion tierische, pflanzliche und mineralische Fette (zum Beispiel Schweineschmalz, Wollfett, Vaseline), Öle (zum Beispiel Oliven-, Erdnussöl), Wachse (zum Beispiel Bienenwachs, Hartparaffin) und Wasser, entweder fettend oder fettarm beziehungsweise fettfrei. In der Kosmetik dient Creme der Hautpflege (auch flüssig als Haut- oder Gesichtsmilch) oder als Schutzschicht gegen Verunreinigung und Witterungseinflüsse. Den Wirkstoffen entsprechend gibt es unter anderem Sonnenschutz-, Sommersprossen-, Enthaarungs- oder Massagecreme.

2. sahne- bis pastenartige, streichfähige, nicht standfeste Speise (zum Beispiel Eis-, Fruchtcreme).

Cremona: Stadt in Oberitalien, in der Region Lombardei, Verwaltungszentrum der Provinz Cremona, am Po; 82000 Einwohner; Erdölraffinerie, Maschinenbau; Leicht- und Lebensmittelindustrie; Theater; romanischer Dom (12. Jahrhundert) mit 111m hohem Kampanile (13. Jahrhundert); im 17./18. Jahrhundert Zentrum des italienischen Geigenbaues (Amati, Stradivari, Bergonzi, Guameri).

Cremona-Plan, Graphostatik: in der Statik angewandtes graphisches Verfahren zur Ermittlung der Kräfte in einem Stabwerk sowie der Druck-, Zug- oder Nullstäbe in einem Fachwerk; benannt nach dem Mitbegründer der Fachwerktheorie, dem italienischen Mathematiker Luigi Cremona (1830-1903).

Creodontier: primitive Säuger des Tertiärs; einige mit Raubtiergebiss (Urraubtiere), aber vermutlich keine Vorfahren der rezenten Raubtiere.

Crioceras: Ammoniten-Gattung der Unterkreide, deren Schale eine offene Spirale bildet; phylogenetische Abbauform kurz vor dem Aussterben.

Cripps, Sir Richard Stafford, 24.4. 1889-21. 4. 1952, britischer Politiker; lehnte in den 30er Jahren die Opportunistische Politik der Labour-Führung ab und trat für einheitliche politische Maßnahmen der Arbeiterklasse ein; wurde deshalb 1939 aus der Labour Party ausgeschlossen, jedoch rehabilitiert. 1940/42 war er Botschafter in der UdSSR; als Finanzminister (1947/50) betrieb er eine arbeiterfeindliche Lohnstoppolitik.

Crispi, Francesco, 4. 10. 1819-11. 8. 1901, italienischer Politiker; stand 1848/49 und 1860 im Lager der kleinbürgerlichen Demokratie; Ministerpräsident 1887/91 und 1893/96; unterdrückte gewaltsam die Arbeiterbewegung und betrieb eine abenteuerlicher Kolonialpolitik (Niederlage bei Adua, 1896); Anhänger des Dreibundes.

Criss-Cross-Auslage: Buchbinderei das versetzte Ablegen von Buchblocks in der Auslage von Buchbindereimaschinen.

Crista: Leiste; leistenartige Erhebung an Knochen unter anderen Organen.

Cristinos: die Anhänger der spanischen Regentin (seit 1833) Maria Cristina de Borbón und ihrer Tochter Isabella II.; rekrutierten sich aus Vertretern der liberalen Bourgeoisie und des liberalen Adels, der Armee und der Beamtenschaft; im Kampf um die Thronfolge Isabellas II. nach dem Tod Ferdinands VH. wurden sie von Großbritannien und Frankreich unterstützt (1. Karlistenkrieg, 1833/40).

Cristobalit: (nach San Cristóbal) Mineral, Siliziumdioxid; die tetragonale Modifikation wandelt sich bei 180 bis 270°C in eine kubisches um; Farbe milchweiß, Härte 6,5, Dichte 2,32 g/cm3. Vorkommen auf Hohlräumen in vulkanischen Gesteinen.

Cristofori, Bartolomeo, 4.5.1655-27.1.1731, italienischer Instrumentenbauer; ansässig in Florenz; erfand vor 1700 das Hammerklavier.

Croce, Benedetto, 25.2.1866-20.11.1952, italienischer Philosoph, Literaturhistoriker und Politiker; Vertreter des italienischen Neuhegelianismus; verstand die Welt als Verwirklichung des Geistes, die Geschichte als Bewegung der Philosophie; kritisierte als Ideologe der italienischen liberalen Bourgeoisie den Faschismus und Klerikalismus; war Herausgeber der Zeitschrift «La Critica» (seit 1903) sowie Präsident der Italienischen Liberalen Partei.

Cromwell, Oliver, 25.4.1599-3.9.1658, englischer Staatsmann in der bürgerlichen Revolution; Führer der Independenten, Reorganisator des Parlamentsheeres (Eisenseiten); siegte bei Marston Moor (1644) und Naseby (1645); setzte unter dem Druck kleinbürgerlich-demokratischen Bewegungen im Heer 1649 die Hinrichtung Karls I. durch, sicherte als führender Politiker, seit 1653 als Lordprotektor der englischen Republik im Interesse der Bourgeoisie die Erfolge der bürgerlichen Revolution gegen Gefährdung durch feudale Reaktion, äußere Gegner (Niederlande, Spanien), nationale (Irland) und demokratische Bewegungen (Levellers, Diggers).

Cronin: 1. Archibald Joseph, 19.7.1896-5.1.1981, schottischer Schriftsteller und Arzt; seine kritisch-realistischen Romane befassen sich mit widerspruchsvollen Beziehungen zwischen den Gesellschaftsklassen, zum Beispiel in «Die Sterne blicken herab» (1935, deutsch), und mit persönlichen Problemen aus dem Arztleben in «Die Zitadelle» (1937, deutsch), «Dr. Shannons Weg» (1948, deutsch); christliche Elemente treten hervor unter anderem in «Die Schlüssel zum Königreich» (1941, deutsch).

2. James W., geboren 29.9.1931, US-amerikanischer Physiker; wies 1964 mit V. Fitch die Verletzung einer grundlegenden Symmetrie (CP-Invarianz) beim Zerfall neutraler K-Mesonen nach.

Crookes, Sir William, 17.6.1832-4.4.1919, britischer Physiker und Chemiker, entdeckte 1861 das Thallium, untersuchte Kathodenstrahlen, erfand 1874 ein Radiometer («Lichtmühle») und zählte 1903 mittels Szintillationen a-Teilchen.

Cross: 1. Kurzform für alle Querfeldeingeschwindigkeitswettbewerbe (Cross-Country Lauf, Moto-Cross, Querfeldeinrennen).

3. Boxen: Schlag zum Kopf, der die gegnerische Deckung (Parade, gerader Schlag) überkreuzt.

Cross-Check: Eishockey unerlaubte Behinderung eines Gegners durch Stoßen mit quergehaltenem Schläger; Strafe: 2-min-Herausstellung.

Cross-Country-Lauf, Cross-Lauf, Cross: Lauf bei wechselnden Bodenverhältnissen über unterschiedlich lange Strecken (Querfeldein- und Geländelauf).

Crossing-over: Prozess, der zur Neukombination von Allelen solcher Gene führt, die auf einem Chromosom liegen; dazu erfolgt (in der Regel in der Prophase der Meiose) in 2 Chromatiden homologer Chromosomen an identischen Orten ein Bruch, und die Bruchstücke vereinigen sich über Kreuz.

Crouchstellung: Boxen etwas geduckte Kampfstellung bei möglichst hoch gehaltenen Fäusten und leicht pendelndem Oberkörper.

Croupier: Gehilfe des Bankhalters in Spielbanken.

Crow, (englisch, zu indianisch Absaroka, «Krähen») Krähenindianer: den Dakota zugehöriger Prärieindianerstamm der Sioux-Sprachgruppe am Yellowstone (Montana/USA); in Reservationen, früher nomadischer Bisonjäger, heute Pferdezüchter, etwa 3000.

Croydon: Stadtteil von London (südlicher Außenbezirk), Teil der englischen Großstadtgrafschaft Greater London; 330000 Einwohner; bildet seit 1. 4. 1965 mit Coulsdon und Purley den neuen Stadtteil Croydon; erster Flughafen Großbritanniens (1915; 1959 geschlossen).

Crozetinseln: zu Frankreich gehörende vulkanische Inselgruppe im südlichen Indischen Ozean bei etwa 52° östliche Länge und 46° südliche Breite; 476 km2, bis 1900 m hoch; westliche Inseln mit niederer Vegetation, östlich mit alpinem Charakter; Pelzrobbenschutzgebiet; Forschungsstation.

Cruikshank, George, 27.9.1792-1.2.1878, englischer Graphiker und Maler; schuf gesellschaftskritischen Karikaturen (Holzschnitte, Holzstiche, Radierungen), wodurch er auch das Schaffen vieler deutscher und französischer Künstler beeinflusste.

Cruise Missile: boden-, see- beziehungsweise luftgestützte strategische Flügelrakete der USA mit Trägheitslenk- und Geländevergleichssystem. Die Cruise Missile (Länge etwa 4 beziehungsweise 6 m, Durchmesser etwa 50 cm, Startmasse etwa 1200 kg) fliegt (800 bis 885 km/h) das Ziel nach einem gegebenen Programm in geringer Höhe (bis unter 30 m) an. Sie verfügt über eine große Reichweite (550 bis 2800 km) und Treffgenauigkeit (Abweichung <10 m).

Crusta: alkoholisches Bargetränk in einem Glas mit etwa 1 cm breiter Zitrussaft-Zucker-Kruste am oberen Rand.

Crustleder, Crusts: Handelsbezeichnung eines gefetteten, getrockneten Leders vor der Deckfarbenzurichtung.

Crwth, Crowd: zur Gruppe der Leiern gehörendes lyraförmiges oder 4eckiges Instrument der keltischen Barden mit Griffbrett und 3 bis 6 Saiten; bis zum 11. Jahrhundert als Zupf-, dann auch als Streichinstrument benutzt.

Csarda: ungarische (Wein-) Gaststätte im ländlichen Stil.

Csardas: ungarischer Nationaltanz mit langsamer Einleitung (Lassu) und schnellem Hauptteil (Friska) in geradem Takt; entstanden aus folkloristischen Vorformen; wurde um 1835 gesellschaftsfähig und bürgerlicher Modetanz; auch in die Kunstmusik eingegangen (F. Liszt, J. Brahms, Z. Kodaly, F. Farkas unter anderem).

Csokor, Franz Theodor, 6.9.1885-5.1.1969, österreichischer Schriftsteller; 1938/46 im Exil; expressionistischer Dramatiker («Die rote Straße», 1918), von G. Büchner beeinflusst («Gesellschaft der Menschenrechte», 1929); in seiner «Europäischen Trilogie» («Dritter November 1918», 1936, Erstfassung 1923; «Besetztes Gebiet», 1930; «Der verlorene Sohn», 1947; 1952 zusammengefasst) gestaltete Csokor Zeitprobleme aus humanistischer Sicht.

Cugnot, Nicolas Joseph, 25.2.1725-2.10.1804, französischer Ingenieur; baute 1769 den ersten mit Dampf betriebenen dreirädrigen Kraftwagen mittlerer Größe (Geschwindigkeit 4 km/h), der sich aber nicht durchsetzte.

Cul de lampe: nach unten spitz zulaufende Vignette am Schluss eines Kapitels in der Buchkunst; ein von der Decke oder dem Gewölbe herabhängendes, zapfenförmiges Bauglied (zum Beispiel ein die Gewölberippen zusammenfassender Knauf) in der Baukunst.

Cullen, Countee, 30.5.1903-9.1.1946, US-amerikanischer Dichter; seine bilderreiche Lyrik ist Ausdruck des Protestes der Afroamerikaner gegen Rassismus und Diskriminierung.

Cumae, griechisch Karne: älteste und nördlichste griechische Kolonie in Süditalien, westlich von Neapel, etwa 750 vor Christus gegründet; heute Cuma, 524 und 474 vor Christus erlitten die Etrusker in Kriegen bei Cumae Niederlagen. Reste der Orakelstätte des Apollon sind erhalten (1930 Ausgrabungen).

Cumberland: 1. linker Nebenfluss des Ohio, im Osten der USA; 1109 km; entspringt im Südwesten der Appalachen und durchfließt das Cumberland-Plateau; 738 km schiffbar, mehrere große Staudämme zur Bewässerung und Elektroenergiegewinnung.

2. ehemalige Grafschaft im Nordwesten Englands, an der Irischen See und dem Solway Firth; etwa 4000 km2, 300000 Einwohner; Teil der heutigen Grafschaft Cumbria-, teils Ebene, teils gebirgig (bis 979 m hoch), Seen; Schaf- und Rinderzucht; Fischerei, Tourismus.

cum grano salis: «mit einem Körnchen Salz», das heißt Verstand; mit gewisser Einschränkung; nicht wörtlich zu nehmen.

cum laude: (lateinisch, «mit Lob») Prädikat «gut» bei akademischen Prüfungen, besonders bei Promotionen. Ferner gibt es die Prädikate magna cum laude («mit großem Lob») «sehr gut», summa cum laude («mit höchstem Lob») «ausgezeichnet», rite («ordnungsgemäß») «genügend», non sufficit «nicht genügend».

Cummings, Edward Estlin, 14.10.1894-3.9.1962, US-amerikanischer Schriftsteller; gestaltete das Erleben des 1. Weltkriegs in dem Antikriegsroman «Der endlose Raum» (1922, deutsch). Die eigenwillige, groteske und oft sinnentstellende Dichtung zeigt seine elitäre Ablehnung der verflachten bürgerlichen Kultur (dt. Auswahl «so klein wie die weit und so groß wie allein», 1981).

cum tempore, (lateinisch, «mit Zeit») Abkürzung (c.t): Bezeichnung für den an Hochschulen und Universitäten zum Teil üblicher Beginn von Lehrveranstaltungen 15 Minuten nach der vollen Stunde («akademisches Viertel»). Cumulus Wolken.

Cuneiforme Keilbein.

Cupal: (Kunstwort) durch Plattieren von Elektrolytkupfer auf Reinaluminium hergestellter Verbundwerkstoff; sehr korrosionsbeständig.

Curacao: Hauptinsel der Niederländischen Antillen, vor der Küste Venezuelas; 444 km2, 170000 Einwohner (überwiegend Mulatten und Afroamerikaner); Hauptort sowie Verwaltungszentrum der Niederländischen Antillen Willemstad (52000 Einwohner). Flache Felsinsel mit von Korallenriffen umgebener Steilküste und trockenheißem Klima. Verarbeitung von Erdöl aus Venezuela. Phosphatabbau; Produktion von Rohstoffen für die Likörherstellung (Curacao), Destillate aus Pomeranzen.

Curie: (nach P. und M. Curie) n, Zeichen Ci: veraltende Maßeinheit der Aktivität (amtlich seit 1.1.1980 ungültig); 1 Ci = 37 10’ Bq (Becquerel).

Curie: 1. Marie, geboren Sklodowska, 7.11.1867-4.7.1934, französische Physikerin polnischer Herkunft; wirkte seit 1891 in Paris; untersuchte mit ihrem Mann (C.) die von A. H. Becquerel 1896 entdeckte Strahlung des Urans; führte 1898 den Begriff Radioaktivität ein; entdeckte mit ihrem Mann bei der Untersuchung uranhaltiger Mineralien die Elemente Polonium und Radium (1898); hielt als erste Frau Vorlesungen an der Sorbonne (1906).

2. Pierre, 15.5.1859-19.4.1906, französischer Physiker; entdeckte mit seiner Frau (C. 1) die Elemente Polonium und Radium und gemeinsam mit seinem Bruder Jacques die Piezoelektrizität der Kristalle (1880); arbeitete über paramagnetische und ferromagnetische Stoffe.

Curie-Punkt, Curie-Temperatur (nach P. Curie): Temperatur, oberhalb derer die spontane Magnetisierung eines ferromagnetischen Stoffes oder die spontane Polarisation eines ferroelektrischen Stoffes verschwindet; allgemein die Temperatur, bei der eine Phasenumwandlung 2. Art stattfindet.

Curium, (nach M. und P. Curie) Symbol Cm: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 96; Wertigkeit +3, +4; das beständigste Isotop ist Cm 247 (Halbwertszeit 15,6 Millionen Jahre). Curium ist ein unedles, hartes, sprödes Metall; F1360°C, Dichte 13,5 g/cm3; es wurde erstmals 1944 von G. T. Seaborg und Mitarbeitern in den USA hergestellt.

Curling: dem Eisstockschießen ähnliche Sportart für Vierermannschaften; Zielschießen mit steinernen, 16 bis 20 kg schweren flachrunden Spielsteinen von bis zu 91 cm Umfang auf einer 44,5 m langen, 4,75 m breiten Bahn; Weltweit 1959) und Europameisterschaften (seit 1975).

Currency-Theorie, Currency-Prinzip: im Unterschied zur Banking-Theorie unter anderem von D. Ricardo entwickeltes Währungsprinzip, nach dem die Banknotenausgabe an die Zu- und Abnahme der Goldvorräte eines Landes gebunden werden soll. Die Currency-Theorie ist unwissenschaftlich, weil sie auf der Quantitätstheorie beruht und Geld ausschließlich in seiner Funktion als Zirkulationsmittel auffasst.

Curry: Gewürzmischung aus Kurkuma, Pfeffer, Ingwer, Mazis, Kardamom, Paprika, Nelken, Zimt unter anderem; auch zum Zubereiten von Currysoße verwendet.

Curtis: 1. Herrenhof, besonders die fränkischen Königshöfe (curtis regia), die als befestigte Lager und Verpflegungsstationen dienten.

2. Haupt Hof eines Fronhofverbandes oder allgemein ein Gehöft im Mittelalter.

Curtis-Rad, C-Rad: 2- oder 3kränziges Gleichdrucklaufrad der (Curtis-) Dampfturbine; dient zur Geschwindigkeitsstufung des Dampfes. Das Curtis-Rad wurde 1898 von dem US-amerikanischen Turbinenbauer Charles Gordon Curtis (1860-1953) konstruiert.

Curtius Rufus, lebte wahrscheinlich im 1. Jahrhundert nach Christus, römischer Schriftsteller, schrieb die «Geschichten Alexanders des Großen», die unterhaltende Lektüre bietet.

Cushing-Syndrom: Erkrankung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) beziehungsweise der Nebenniere; benannt nach dem US-amerikanischen Neurochirurgen Harvey Cushing (1869-1939). Das Cushing-Syndrom ist unter anderem durch Fettsucht und hohen Blutdruck gekennzeichnet. Eine operative Behandlung ist möglich.

Custine, Adam Philippe, Graf von, 4.2.1740-28.8.1793, französischer General; 1789 Mitglied der Nationalversammlung, 1792 Befehlshaber der Nordarmee, die im Oktober 1792 Mainz besetzte und damit günstige Voraussetzungen für die Tätigkeit der Mainzer Klubisten schuf. Custine wurde wegen erlittener militärischer Niederlagen des Hochverrats beschuldigt, vor das Revolutionstribunal gestellt, zum Tode verurteilt und guillotiniert.

Cutaway, Kurzwort Cut (deutsch auch keet): langer schwarzer Herrenrock mit abgerundeten Schoßteilen; zur gestreiften Hose als Gesellschaftsanzug getragen.

Cutter-Schneidmischer: Feinzerkleinerungsmaschine für tierisches Gewebe (Fleisch, Fisch, Fett); besteht aus einer im Zentrum hochgezogenen, sich langsam drehenden Schale, in der ein Messersystem mit hoher Umdrehungszahl rotiert.

Cuvier, Georges Baron de, 23.8.1769-13.5.1832, französischer Naturforscher; begründete mit vergleichend-anatomischen Methoden die moderne Paläontologie der Wirbeltiere.

Cuyp, Aelbert, 1620-15.11.1691, holländischer Maler; begann in der Art von J. van Goyen, fand nach 1650 in Fluss- und Flachlandschaften mit Figuren und weidenden Herden seinen eigenen Stil, der von einer nuancierten Wiedergabe des Lichtes geprägt ist.

Cuza, Alexandru Ioan, 20.3.1820-15.5.1873, rumänisch Bojar, gehörte zu den Wortführern der revolutionären Bewegung 1848 in der Moldova. 1859 in Personalunion zum Fürsten der Moldova und der Walachei gewählt, womit der 1861 abgeschlossene Prozess der Vereinigung beider Länder zum Fürstentum Rumänien eingeleitet wurde. Er setzte wesentliche bürgerliche Reformen durch (unter anderem 1864 eine Agrarreform). Reaktionäre Elemente des Adels und der Bourgeoisie stürzten ihn 1866 und zwangen ihn ins Exil.

Cuzco, Cusco: Stadt (Departements Zentrum) im Süden von Peru, auf dem Hochland der Puna, 3416 m über dem Meeresspiegel; 180000 Einwohner; Zucker-, Textil-, Tabakindustrie; Handels- und Verkehrszentrum; internationaler Tourismus; archäologisches Museum, Kirchen und Klöster aus der spanischen Kolonialzeit, Universität (1597 gegründet). Hauptstadt des Inkareiches, mindestens seit dem 12. Jahrhundert besiedelt; Sonnentempel und Paläste aus behauenen Steinquadern. Im Verlauf der Conquista brannte das alte Cuzco 1533 nieder; auf den Grundmauern entstand eine neue Stadt im spanischen Kolonialstil. In der Nähe die Inkaruinenstätte Machu Picchu.

Cycas: Gattung der Palmfarngewächse; in Südjapan, Südostasien, Nordaustralien, Madagaskar und Afrika verbreitet. Stammbildende Holzgewächse mit in einem Schopf stehenden starren gefiederten Blättern, als sogenannte Palmwedel für Grabschmuck verwendet. Das stärkereiche Mark wird als Nahrungsmittel genutzt (C.-Sago). Siehe auch Palmfarne.

Cymbal: 1. Cymbal, Cimbalom: Bezeichnung für Hackbrett in Südosteuropa, wo es heute in vergrößerter und modernisierter Form unter anderem in ungarische Zigeunermusik und in Rumänien verwendet wird.

2. Schlaginstrument (kleine Metallbecken) der alten Griechen und Römer.

3. Glockenspiel des Mittelalters.

Cypris, Cypria, Beiname der Liebesgöttin Aphrodite, nach ihrer Hauptkultstätte, der Insel Zypern.

Cytherea, Beiname der Liebesgöttin Aphrodite nach ihrer Kultstätte auf der Insel Kythera.

Czakan, Stockflöte-. Spazierstock mit eingebohrter Blockflöte; beliebtes Modeinstrument Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert.

Czerny: 1. Adalbert, 25.3.1863-3.10.1941, Pädiater; Professor in Breslau (Wroclaw), Strasbourg, Berlin und Düsseldorf; einer der Begründer der deutschen pädiatrische Schule. Ihm gebührt das Verdienst, eine einheitliche Lehre von den Durchfallerkrankungen geschaffen zu haben. Czerny beschrieb zahlreiche Krankheitsbilder erstmalig.

2. Carl, 20.2.1791-15.7.1857, österreichischer Klavierpädagoge, -virtuose und Komponist; war Schüler von L. van Beethoven und Lehrer von F. Liszt; schuf instruktive Unterrichtswerke für Klavier («Schule der Geläufigkeit», «Kunst der Fingerfertigkeit» unter anderem) ohne eigentlich ästhetischen Wert.