Lexikon L

Laban, Rudolf von, 15.12.1879-1.7.1958, Choreograph, Tanzpädagoge und -theoretiker ungarischer Herkunft; Begründer des Ausdruckstanzes; entwickelte unter anderem eine Tanztheorie und eine Tanzschrift («Laban-Notation»).

Labdanum: weiche, harzige Masse aus den Blättern der Zistrose (Cistus ladaniferus); aus Labdanum gewonnene Labdanum Öle werden in der Parfümerie verwendet

Labé, Louise, um 1525-25.4.1566, französische Dichterin; gehört zur sogenannt Lyoner Dichterschule. Ihre sehr persönlich empfundenen Liebessonette (von R. M. Rilke) zählen zum Besten der französischen Lyrik.

Label: Beklebe-, Anhängezettel, Etikett; Aufschrift; Schallplattenmarke.

Labenwolf, Pankraz, 1492-20.9.1563, Erzgießer, aus seiner Nürnberger Werkstatt stammen der Puttenbrunnen im Nürnberger Rathaushof (1557) und eine Grabplatte des Grafen von Zimbern (1531) in der Stadtkirche von Meßkirch (Baden-Württemberg).

Laberdan: in Lake eingelegter, salzgarer Kabeljau, geköpft und ausgenommen.

Laberius, Decimus, um 106-43 vor Christus, römischer Mimendichter, Ritter, seine nur in Fragmenten erhaltenen Mimen standen inhaltlich der Komödie nahe, waren volkstümlich und besaßen teilweise zeitpolitische Anspielungen.

Labiche, Eugène, 5.5.1815-13.1.1888, französischer Dramatiker; Verfasser bühnenwirksamer Unterhaltungskomödien und Schwänke, zum Beispiel «Ein Florentiner Hut» (1851, deutsch).

labil: 1. allgemein schwankend; leicht störbar.

2. Physik Gleichgewicht.

Labkraut, Galium: Gattung der Rötegewächse mit vierzipfligen weißen oder gelben Blüten in endständigen Blütenständen; die Nebenblätter sind den Laubblättern gleichgestaltet und in Quirlen angeordnet; siehe auch Klettenlabkraut Labmagen Wiederkäuermagen.

Laboratorium, Kurzwort Labor: mit zweckdienlichen Installationen, Geräten und Arbeitsschutzvorrichtungen ausgestatteter Arbeitsraum (auch Raumgruppe oder Gebäudekomplex) zur Durchführung bakteriologischer, chemischer, medizinischer, physikalischer, technischer und anderer experimenteller Untersuchungen für Prüflings-, Entwicklungs-, Forschungs- oder Unterrichtszwecke.

laborieren: (lateinisch) sich abmühen; allerlei versuchen, um eine Krankheit zu überwinden. Labormesstechnik Prozessmesstechnik.

Laborsystem: physikalisches Bezugssystem, in dem entsprechend der experimentellen Praxis der Beobachter mit seinen Geräten ruht; siehe auch Schwerpunktsystem.

Labrador: Halbinsel im Nordosten Kanadas; 1,56 Millionen km2; vom östlichen Teil des Kanadischen Schildes gebildet; die West- und Nordküste ist flach und wenig gegliedert, die Ostküste hat zahlreiche Fjorde. Pleistozän überformtes, seenreiches Hügelland von durchschnittlich 600 m Höhe, nur in den Torngat Mountains im Nordosten bis 1676 m hoch; das subarktische bis kaltgemäßigte Klima wird durch den kalten Labradorstrom im Osten und die Hudsonbucht im Westen ungünstig beeinflusst. An Wasserfallen und Stromschnellen reiche Flüsse (Elektroenergieerzeugung am Churchill), zahlreiche Seen (Lake Mistassini mit 2175 km2); überwiegend Nadelwald, nach Norden allmählich in die baumlose Tundra übergehend; Eisen-, Nickel-, Kupfer-, Zink-, Blei-, Silber- und Golderz, seit 1954 Abbau des bisher größten in Nordamerika bekannten Eisenerzvorkommens im Seengebiet Zentral-Labrador; Bergbau, Fischerei, Holzwirtschaft, Pelztierjagd. 1000 von Normannen, 1497 von G. Caboto erneut entdeckt, seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Hudson’s Bay Company; 1869 kam der Westteil, 1949 auch die Ostküste (die seit 1763 verwaltungsmäßig zu Neufundland zählte) an Kanada.

Labradorit: Mineral aus der Gruppe der Feldspate, zu den triklinen Plagioklasen gehörend; blau, grün, gelb, rot und violett schillernd; vielfach als Schmuckstein verarbeitet.

Labradorstrom: kalte Meeresströmung im Nordwestatlantik; verläuft vor der Ostküste von Labrador und Neufundland nach Süden und trifft bei 42° nördliche Breite auf den Golfstrom (häufig Nebelbildung); transportiert viele Eisberge südwärts.

Labriola, Antonio, 2.7.1843-2.2.1904, italienischer Philosoph; gelangte von G. W. F. Hegel über J. F. Herbart zu K. Marx; bekannte sich als einer der ersten europäischen Hochschullehrer zum Marxismus; stand mit F. Engels in Briefwechsel. Labriola beschäftigte sich besonders mit Problemen des historischen Materialismus, des wissenschaftlichen Sozialismus und der politischen Ökonomie; er kritisierte den Neukantianismus, E. Bernsteins Revisionismus sowie die Auffassungen T. G. Masaryks. Seine Schriften zur materialistischen Geschichtsauffassung enthalten Elemente des mechanischen Materialismus.

La Bruyère, Jean de, 16.8.1645-10.5.1696, französischer Schriftsteller; schuf in seinem Hauptwerk «Charakterbilder» (1688, deutsch) realistischen Porträts, die auf moralische und soziale Missstände im Hochabsolutismus hinweisen.

Labskaus: seemännisches Eintopfgericht aus Pökelfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Salzgurken unter anderem

Labyrinth: 1. allgemein Irrgang, Irrgarten; übertragen Durcheinander, Wirrwarr.

2. Anatomie: a) Labyrinth, Innenohr, aus dem Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat) und der Schnecke (Cochlea), dem eigentlich Hörorgan, bestehendes System. Die knöcherne Wand des in der Felsenbeinpyramide liegenden Hohlraumsystems wird als knöchernes Labyrinth bezeichnet; in seinem Inneren trägt ein Schlauchsystem (häutiges Labyrinth) Sinnesepithelien, die zur Aufnahme statische und akustische Reize dienen (Gleichgewichtssinn);

b) im oberen Schlundknochen der Labyrinthfische liegendes System von Knochenlamellen, die von blutgefäßreicher Schleimhaut überzogen sind und die Luftatmung ermöglichen.

3. Baukunst: Gebäude von kompliziertem Grundriss, das aus verwirrend ineinander gehenden Gängen und Räumen besteht. Die Bezeichnung stammt von dem Labyrinth, das der sagenhafte König Minos von Kreta durch Dädalus für den Minotaurus erbauen ließ. Diese Sage geht wohl auf die weitverzweigte Palastanlage von Knossos auf Kreta zurück, deren Reste freigelegt wurden. Nach weiteren einzelnen antiken Beispielen legten die Gartenarchitekten des Barocks Labyrinthe aus kunstvoll beschnittenen Hecken an. Als komplizierte spiralartige geometrische Figur ist das Labyrinth auf Fußböden nicht nur in der Antike, sondern auch im Mittelalter vorwiegend in französischen Kirchen, in denen es als «Jerusalemweg» zu Bußübungen diente, dargestellt.

Labyrinthentzündung, Labyrinthitis: durch Bakterien oder Viren hervorgerufene Entzündung des Innenohrs. Symptome sind starker Drehschwindel, Brechreiz, eventuell Erbrechen, schnelles Nachlassen der Hörfunktion bis zur völligen Ertaubung; verursacht durch chronischen Mittelohrentzündung oder Virusinfekt, besonders Grippe.

Labyrinthfische, Anabantidae: meist farbenprächtige Süßwasserfische pflanzenreicher Gewässer Afrikas und Südostasiens; können mit Hilfe eines zusätzlichen Atemorgans (Labyrinth) Luftsauerstoff atmen; viele Arten betreiben Brutpflege und bauen ein Schaumnest an der Wasseroberfläche, in das die Eier abgelegt werden. Beliebte Aquarienfische sind Fadenfische, Kampffische.

Labyrinthodontia, Labyrinthzähner: vom Oberdevon bis zur Obertrias lebende Amphibien mit labyrinthisch gefaltetem Zahnschmelz; aus den Labyrinthodontia entstanden etwa im Unterkarbon die Reptilien.

Labyrinthschwindel: Schwindel, auch verbunden mit Körperhaltungsstörungen, bei Erkrankungen des Innenohrs (Labyrinth). In besonderen Fällen bestehen isolierte Schäden im Gleichgewichtsnerv, der die Labyrinth Funktionen dem Hirn zuleitet. Ursache des Labyrinthschwindel sind örtliche Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Knochenbrüche. Kennzeichnend für Labyrinthschwindel sind rhythmische, unwillkürliche ruckförmige Augenbewegungen (Nystagmus).

La Ceiba: Stadt (Departements Zentrum) in Honduras, am Karibischen Meer, 53000 Einwohner; Sagemühlen, Margarine-, Seifenindustrie; Hafen (Bananenausfuhr) des US-Monopols Standard Fruit and Steamship Co.

La Chaux-de-Fonds: Stadt im Westen der Schweiz (Kanton Neuenburg), im Schweizer Jura; 37000 Einwohner; Mittelpunkt des Uhren- und Feinmessinstrumentenbaus; Uhrmacherschule, Technikum, Konservatorium; Uhrenmuseum.

Lachgas, Distickstoffmonoxid: farbloses, schwach süßlich riechendes, mäßig wasserlösliche Gas der Formel N20; F -91°C; Kp -88°C. Lachgas hat größte Bedeutung als Narkosemittel erlangt.

Lachmann, Karl, 4.3.1793-13.3.1851, Altphilologe und Germanist; Professor in Königsberg (Kaliningrad) und Berlin (seit 1825); begründete die germanistische Textedition durch Anwendung der (altphilologischen) Textkritik auf deutsche Texte des Mittelalters.

Lachnit, Wilhelm, 12.11.1899-14.11.1962, Maler und Graphiker, 1921/23 Studium an der Kunstakademie Dresden, dort 1947/54 Professor; seit 1926 Mitglied der KPD und seit 1929 der Asso, vom Faschismus verfolgt. Anfangs dem sozial orientierten Verismus nahestehend, bekommt seine Formensprache ab 1930 zunehmend lyrische Züge. Nach 1945 bestimmen zeitbezogene Themen seine Arbeiten, er schuf harmonische dekorative Darstellungen von Mensch und Umwelt und leistete einen wichtigen Beitrag zur baugebundenen Kunst.

Lachs, Salm, Salmo salar: bis 150 cm langer Raubfisch der nordatlantischen Küstengewässer; steigt zum Laichen in die Quellgebiete der nordeuropäischen und nordamerikanischen Flüsse auf; wertvoller Speisefisch. Siehe auch Fische.

Lachsfische, Salmonidae: Fischfamilie mit einer Fettflosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse; nur auf der Nordhalbkugel verbreitet; teils Wanderfische, die vom Meer weite Strecken bis zu den Laichplätzen in Flüssen zurücklegen, teils Standfische im Süßwasser, geschätzte Speise- und Sportfische. Siehe auch Äsche, Forellen, Lachs.

Lachte: zur Harzgewinnung am lebenden Baum geschaffene Wundfläche.

Lachter: (niederdeutsch, «Klafter») alte Längeneinheit (Bergbau) zwischen 1,8 und 2,1 m.

Laci: Stadt in Albanien, nördlich von Tirana; 5000 Einwohner; Superphosphatwerk, Holzverarbeitung.

Läcis, Vilis, 12.5.1904-6.2.1966, lettisch-sowjetischer Schriftsteller und Politiker; bedeutendster Vertreter des kritischen Realismus in der lett. Literatur der 30er Jahre (Romantrilogie «Vögel ohne Flügel»), 1931/32, deutsch; Roman «Der Fischersohn», 1933/34, deutsch); leistete mit den Romanen «Sturmjahre» (1946/48, deutsch) und «Zu neuen Ufern» (1952, deutsch) einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des sozialistischen Realismus. Läcis hatte in der Lettischen SSR hohe Partei- und Staatsfunktionen inne (1940/59 Vorsitzender des Ministerrates).

Lacke: unpigmentierte Anstrichstoffe. Die Lacke sind echte oder kolloide Lösungen, zum Teil auch Dispersionen, von Filmbildnern (trocknende Öle, Alkyd- oder andere Harze, Nitratzellulose) in organischen Lösungsmitteln und ergeben nach dem Trocknen farblose Anstriche. Manche Lacke enthalten zusätzlich Trockenstoffe (Sikkative) und Weichmacher. Durch Zusatz von Pigmenten oder Farbstoffen entstehen Lackfarben. Die Bildung der Anstrichfilme (Filmbildung) erfolgt entweder durch Verdunsten der Lösungsmittel (physikalische Trocknung) oder durch Oxydation beziehungsweise Polymerisation (ehem. Trocknung), bei normaler (lufttrocknende Lacke) oder erhöhter Temperatur (ofentrocknende Lacke oder Einbrennlacke). Anstriche aus physikalisch trocknenden Lacke bleiben löslich (reversibel), während chemisch trocknende Lacke meist unlösliche (irreversible) Anstriche bilden.

Lackkunst: das Überziehen kunsthandwerklicher Gegenstände aus verschiedenen Materialien, vor allem aus Holz und Metall, mit Lack, dessen Grundmaterial der Saft des Lackbaums (Rhus vernicifera) ist sowie die selbständige Lackmalerei. Seit dem 16./11. Jahrhundert vor Christus in China bekannt verbreitete sich die Lackkunst besonders in Japan, Korea, Indien, Iran und Zentralasien sowie in der Volkskunst zahlreicher Länder.

Lackleder: Leder mit einer spiegelglatten und hochglänzenden Oberfläche. Die Zurichtung erfolgt jetzt auf der Basis von Polyurethanen, früher wurden Leinöllacke verwendet; vornehmlich für Mode- und Luxusartikel.

Lackmus: Farbstoff der Lackmusflechte; wird zum Beispiel in Form von Lackmuspapier als Neutralisationsindikator verwendet; der Farbumschlag erfolgt von Rot (sauer) nach Blau (alkalisch) im pH-Bereich 5,5 bis 8,0.

Lackmusflechte, Roccella: an Felsküsten wärmerer Gebiete vorkommende Gattung von Strauchflechten; zur Farbstoffgewinnung (Lackmus) verwendet.

Laclos, Pierre Choderlos de, 19.10.1741 bis 5.11.1803, französischer Schriftsteller, schildert in seinem Briefroman «Schlimme Liebschaften» (1782, deutsch) den Verfall der feudalen Adelsgesellschaft.

La Coruña: Stadt im Nordwesten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz La Coruña, auf einer Halbinsel am Atlantik; 220000 Einwohner; Schiffbau, Tabak-, Fischkonserven- und Holzindustrie, Erdölverarbeitung, Fischfang; Hafen; Seefahrtsschule; Seebad; Kirchen (12. bis 18. Jahrhundert), Leuchtturm aus der Römerzeit.

Lacq: Gemeinde im Südwesten Frankreichs, nordwestlich von Pau; 700 Einwohner; in der Nähe Arbeiterwohnstadt Mourenx-Ville-Nouvelle, Erdgasforderung, -raffinerie, -kraftwerk, Kunststoffherstellung; Schwefelgewinnung und -Verarbeitung; Ausgangspunkt von Erdgasleitungen (Paris, Lyon, Nantes, Toulouse).

Lacrosse: hockeyähnliches Torspiel zweier Mannschaften von je 10 (Männer) beziehungsweise 12 (Frauen) Spieler(inne)n. Das Spielfeld ist 100 m x 64 m (Männer) beziehungsweise 110 m x 73 m (Frauen), die Tore sind 1,83 m x 1,83 m groß. Der 142 oder 170 g schwere Gummiball von 20 cm Umfang soll mittels bis 91,4 cm langer, mit Fangnetzen versehener Schläger möglichst oft in das gegnerische Tor getrieben werden. Die Spielzeit beträgt 4mal 15 min (Männer) beziehungsweise 2 x 25 min (Frauen). Olymp. Sportart 1904 und 1908.

Lada, Josef, 17.12.1887-14.12.1957, tschechischer Graphiker, Maler und Schriftsteller; gab dem von J. Haäek geschaffenen «braven Soldaten Schwejk» die bildliche Gestalt; schuf viele lebendige Kinderbuchillustrationen.

Lada WAS 2108: Markenbezeichnung für den im Automobilwerk Togliatti gefertigten fünfsitzigen PKW mit zweitüriger Karosserie, Heckklappe im Fließheck und Frontantrieb. Vorgesehen sind 3 Motorvarianten mit 1200 cm3, 1300 cm3 beziehungsweise 1500 cm3 Hubvolumen und 40 kW, 48 kW beziehungsweise 55 kW Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa 150 km/h (Motor mit 1300 cm3 Hubvolumen). Siehe auch Shiguli.

Lade: Teil des Webstuhls beziehungsweise der Webmaschine mit Schützenkästen und Blatt.

Ladedruckverhältnis: Druckverhältnis zwischen dem Druck der durch Aufladung vorverdichteten Luft beim Dieselmotor und dem atmosphärischen Luftdruck. Bei Hochdruckaufladung ist das Ladedruckverhältnis größer als 2.

Ladefähigkeit: ein Teil der Tragfähigkeit des Schiffes, das heißt die Nutzladung.

Ladegerät, Ladeeinrichtung: Gerät mit Transformator und Ladegleichrichter zum Aufladen von Akkumulatoren aus dem Wechselstromnetz. Der Ladestrom ändert sich abhängig vom Ladezustand beziehungsweise von der Zellenspannung.

Ladegeschirr: Gesamtheit der auf einem Schiff zum Laden und Löschen der Fracht vorhandenen Einrichtungen. Auf den meisten Trockenfrachtschiffen ist der Ladebaum üblich, ein baumartiges Stahlrohr, das mit seinem Fuß drehbar an einem Lademast oder -pfosten (kurzer Mast, häufig mit Lüfterkopf) angebracht ist. Der Ladebaum trägt das mit einem Ladehaken versehene, über Lade- und Leitblock zur Ladewinde führende Lastseil (Ladeläufer). Außer dem Leichtgut- oder Normalgeschirr, mehreren Ladebäumen mit einer Tragfähigkeit bis zu 101 weisen Schiffe im Allgemeinen einen Schwergutladebaum von 20 bis 501 seltener 1001 und mehr Tragfähigkeit auf.

Ladek-Zdroj: Stadt in Polen (Wojewodschaft Walbrzych); 6000 Einwohner; Kur- und Erholungsort (450 m über dem Meeresspiegel; radioaktive Schwefelquellen) inmitten der bewaldeten Sudety; Stadtkern mit spätbarocken Patrizierhäusern.

Lademaß: auf Güterbahnhöfen über Gleisen aufgestelltes rahmenartiges Gerät zum Überprüfen der von beladenen offenen Güterwagen einzuhaltenden Abmessungen.

Ladenpreis: soviel wie Einzelhandelsverkaufspreis.

Ladepflicht: gesetzt. Pflicht der Wirtschaftseinheiten, die bereitgestellten Transportmittel innerhalb der Ladefrist zu be- oder entladen (Entladepflicht).

Lader: 1. Einrichtung zur Vorverdichtung der dem Zylinder zugeführten Luft beim Verbrennungsmotor zur Leistungssteigerung. Lader sind vorwiegend Kreiselverdichter oder Rotationskolbenverdichter. Abgasturbolader bestehen aus Abgasturbine und Verdichter im Verbund. Sie nutzen die Wärmeenergie der Abgase zur Vorverdichtung der Luft.

2. mittels Rad- oder Raupenfahrwerks fahrbares Gerät zum Aufnehmen und Verladen von Schüttgut auf Lagerplätzen, von losem Gestein und Sprengfels in Steinbruch- und Bergbaubetrieben, zum Erdaushub auf Baustellen sowie für Arbeiten auf dem Planum im Tagebau. Bei Unstetiglader erfolgen Aufnehmen und Entladen getrennt und nacheinander, so zum Beispiel beim Front(schaufei)lader, dessen Ausleger mit dem Ladeorgan nur an der Stirnseite auf- und abbewegt werden kann. Der Schwenk(schaufel)lader kann den Ausleger 180 bis 360° um seine senkrechte Achse schwenken. Der Überkopflader führt sein Ladeorgan nach Aufnahme der Ladung zu deren Abwurf über das Fahrzeug hinweg. Bei Stetigladern erfolgen Aufnehmen und Entladen gleichzeitig sowie kontinuierlich. Sie unterscheiden sich voneinander im Wesentlichen durch das Ladeorgan, das dem Gerät den Namen gibt, wie Frässcheibenlader oder Pratzenlader mit einer vorgebauten, festen, schrägen Ladeschaufel, auf der 2 Frässcheiben rotieren beziehungsweise 2 Pratzenarme hin- und hergeschwenkt werden und das Gut aufnehmen, Kugelschaufler mit kugelförmigem, rotierendem Schaufelrad, Schaufelradlader mit einem um eine horizontale Achse rotierenden schaufelbestückten Rad.

Ladestock: Stab, mit dem bei Vorderladern das Geschoß auf der Pulverladung festgestoßen wurde.

Ladestraße: Straße innerhalb eines Freilade- (Güter-) Bahnhofs, in der der Güterumschlag vom Schienen zum Straßenfahrzeug und umgekehrt erfolgt; befindet sich neben und in gleicher Höhe mit dem Lade- beziehungsweise Freiladegleis und kann mit einer Laderampe verbunden sein.

Latakia: Stadt (Provinzzentrum) an der Mittelmeerküste Syriens; 210000 Einwohner; Lebensmittelherstellung, Zement- und Tabakproduktion, Olivenverarbeitung; seit 1961 moderner Haupthafen des Landes (mit Hilfe der SFRJ erbaut); Universität; bei Latakia Asphaltgewinnung.

lädieren: (lateinisch) beschädigen, verletzen.

Ladin: (nach dem Volksstamm der Ladiner) Stufe der alpinen Trias, entspricht dem oberen Muschelkalk und unteren Keuper; besteht vorwiegend aus Karbonatgesteinen (zum Beispiel Wettersteinkalk).

Ladogasee: größter Süßwassersee Europas, im Nordwesten des europäischen Teils; 17700 km2, mit Inseln (etwa 660) 18140 km2; bis 230 m tief; buchtenreiches Nordufer, am flachen Südufer der Neue Ladogakanal (200 km); fischreich; Hauptzuflüsse Swir und Wolchow, einziger Abfluss Newa.

Ladung: 1. Militärtechnik: gewöhnlich mit einem Detonator oder Zündsatz zur Auslösung der Detonation oder des Abbrandes versehene bestimmte Menge Explosivstoff.

2. Physik: additive physikalische Größe, die bei den bisher bekannten elementaren Wechselwirkungen erhalten bleibt, das heißt die Gesamtladung eines Systems ist gleich der Summe seiner Teilladungen. Man unterscheidet elektrische Ladung Q, baryonische Ladung, Baryonenzahl oder Atommassenzahl A, leptonische Ladung oder Leptonenzahl L, Hyperladung Y, Charm C. Alle diese Ladungen haben eine kleinste natürliche Einheit oder Elementarladung. Siehe auch elektrische Ladung.

3. Recht: Aufforderung zum Erscheinen vor Gericht oder einer anderen Behörde. Die Ladungsfrist ist die Zeitspanne zwischen Zustellung der Ladung und dem angesetzten Termin.

Ladungsaustausch: Austausch der elektrischen Ladung bei der Streuung von Elementarteilchen aneinander, zum Beispiel wird die Ladung des Pions n beim Prozess ji+ + n 7t° + p auf das Neutron n übertragen und dieses in ein Proton p umgewandelt; gilt entsprechend für andere Ladungen. ladungsgekoppelte Bauelemente Ladungsverschiebungsschaltung.

Ladungssymmetrie: Unabhängigkeit der starken Wechselwirkung von der elektrischen Ladung; ermöglicht die Einführung des Isospins für die Hadronen. Ladungsverschiebungsschaltung: eine Schaltungsanordnung, bei der eine an der Oberfläche eines Halbleiters transportierte und kurzzeitig gespeicherte Minoritätsträgerladung ein Maß für eine zu verarbeitende Information ist. Der Transport wird mittels Feldelektroden über dem Halbleitergebiet gesteuert. Für Ladungssymmetrie werden ladungsgekoppelte Bauelemente, CCD (Abkürzung von englischem Charge coupled device) eingesetzt. Anwendung von Ladungssymmetrie in Verzögerungsleitungen, Speichern, Schieberegistern unter anderem

Lady: in Großbritannien

a) allgemein weiblicher Titel des Hochadels;

b) Höflichkeitsanrede (mit dem Vornamen) für die Tochter eines Hochadligen oder die Gattin eines Niederadligen;

c) unpersönliche Anrede für Frauen («Ladies» = «meine Damen»);

d) Our Lady: kirchensprachlich die Mutter Jesu. Siehe auch Lord.

ladylike: nach Art einer Lady; vornehm; damenhaft.

Lae: Stadt in Papua-Neuguinea, an der Nordostküste von Neuguinea; 65000 Einwohner; nach Port Moresby zweitwichtigster Hochseehafen des Landes. Laennec, René Théophile Hyacinthe, 17.2.1781-13.8.1826, französischer Arzt; 1823/26 Professor in Paris; erfand 1816 das Stethoskop und entwickelte die Auskultation zur Grundlage für eine exakte Diagnostik von Herz- und Lungenkrankheiten.

Laermans, Eugene, 22.10.1864-23.2.1940, belgischer Maler und Graphiker; widmete sich besonders der Gestaltung sozialer Themen, aber auch der Landschaftsmalerei; hat hervorragenden Anteil an der Entwicklung der proletarischen Kunst in Belgien.

Laertes, in der griechischen Sage Vater des Odysseus.

Laeten: Germanen, die seit dem 2. Jahrhundert von römischen Kaisern in der Provinz Gallien als Militärkolonisten (Bauern, die als Krieger aufgeboten werden konnten) an strategisch wichtigen Stellen angesiedelt und von Präfekten befehligt wurden; die Laermans waren ursprünglich freiwillig zugezogen oder Kriegsgefangene.

Lafargue, Paul, 15.1.1842-26.11.1911, französischer Arbeiterführer; Schwiegersohn von K. Marx; Mitglied der I. Internationale, Mitbegründer der sozialistischen Arbeiterpartei (1880), nach ihrer Spaltung Ende des 19. Jahrhundert einer der Führer des revolutionären, marxistischen Flügels.

Lafayette, Marie Joseph de Motier, Marquis de, 6.9.1757-20.5.1834, französischer General und Politiker; nahm am nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil, wurde 1789 als Angehöriger des liberalen Adels in die Generalstände gewählt und ging zum Dritten Stand über; mit dem Fortgang der Revolution wurde Lafayette ihr erbitterter Gegner, emigrierte 1792; unterstützte 1830 die Julirevolution.

La Fayette, Marie-Madeleine Comtesse de, 18.3.1634-25.5.1693, französische Schriftstellerin; Verfasserin des psychologischen Romans «Die Prinzessin von Cleves» (1678, deutsch), der die Entwicklung der realistischen Erzählliteratur stark beeinflusste.

Lafette: Gesamtheit derjenigen Teile des Geschützes, die das Rohr aufnehmen und sein vertikales und horizontales Richten ermöglichen (Oberlafette) sowie die Rückstoßenergie beim Schuss aufnehmen und auf den Boden beziehungsweise die Waffenbasis übertragen (Unterlafette). Man unterscheidet bewegliche (Räder- oder Kettenfahrwerk), halbstationäre (auf bewegliche Basis: Panzer, Selbstfahrlafette, Schiff, Flugzeug und so weiter) und stationäre Lafette (auf unbewegliche Basis: Küstengeschütz).

La Fontaine, Jean de, 8.7.1621-14.4.1695, französischer Dichter; bekannt vor allem als Autor von «Fabeln» (1668/78, deutsch), die vordergründige Moralbelehrung meiden, und der zur galanten Unterhaltungsliteratur gehörenden Verserzählungen, die durch Natürlichkeit und Gefälligkeit eine Übergangsrolle von der Klassik zur sensualistischen Literatur einnehmen.

Lagasch: altorientalischer Stadtstaat des 3. Jahrtausend vor Christus in Sumer, der sich im 25. und 24. Jahrhundert vor Christus, besonders unter Urnansche, dem Begründer der 1. Dynastie von Lagasch, zur stärksten Macht in Sumer entwickelte; heute Al-Hiba. Eine nochmalige Blüte erlebte Lagasch unter Gudea im 21. Jahrhundert vor Christus. In dieser Zeit wurde es mit prächtigen Bauten ausgestattet. Ausgrabungen 1877 bis 1933 förderten Kunstwerke und Keilschrifttexte zutage.

Lage: 1. Lage, Heftlage-. Buchbinderei aus mehreren zusammengeklebten oder gefalzten beziehungsweise eingesteckten Blättern oder Bogen(teilen) bestehendes Teil- oder Fertigprodukt.

2. Musik: a) in der Harmonielehre höchster Ton eines Akkordes in seinem intervallischen Verhältnis zum Grundton, zum Beispiel als Oktav-, Terz- oder Quintlage;

b) Stimmabstand im vierstimmigen Satz als enge, weite oder gemischte Lage;

c) bei Saiteninstrumenten Griffbereich der 4 Finger auf einer Saite;

d) Höhenbereich einer Sing- oder Instrumentalstimme (hohe, tiefe oder mittlere Lage).

Lagena: (lateinisch - griechisch, «Flasche») blindsackartige Ausstülpung im häutigen Labyrinth der Fische, Lurche und Kriechtiere. Die Lagena weist bei Krokodilen und Vögeln bereits eine leichte Krümmung auf und ist bei Säugetieren sowie beim Menschen zur Schnecke entwickelt.

Lagenholz: Sammelbezeichnung für aus symmetrisch zur Dicke geschichteten und mit härtbaren Plastikwerkstoffen geklebten Furnieren. Hergestellt werden flächige Formen (zum Beispiel Platten) und Formteile (zum Beispiel Stuhlsitze). Man unterscheidet nach Verdichtungsgrad und Plastikgehalt Normal-, Press-, Plast- und Plast-Press-Lagenholz und je nach Anordnung der Faserrichtung der Furnierlagen Schicht-, Sperr- oder Sternholz.

Lagenschüttung: Bauverfahren für Dämme; mittels Kipper, Loren oder Förderband werden die Schüttmassen in je 0,5 bis 1 m dicken Lagen eingebaut und einzeln verdichtet. Siehe auch Seitenschüttung.

Lagenschwimmen: Wettbewerb, bei dem Teilstrecken (jeweils 50 beziehungsweise 100 m) im Schmetterlings-, Rücken-, Brust- und Kraulschwimmen in der angegebenen Reihenfolge zurückzulegen sind. In der Lagenstaffel schwimmen 4 Schwimmer(innen) je 100 m in einer Schwimmart (Reihenfolge: Rücken-, Brust-, Schmetterlings-, Kraulschwimmen). Lagenstaffel Lagenschwimmen.

Lageplan: Zeichner. Darstellung über die Bebauung von Grundstücken mit Angaben der Baufluchtlinien, Versorgungs- und Abwasserleitungen, mit Höhenangaben, Nordpfeil unter anderem

Lager: 1. Bautechnik: Konstruktion aus Stahl oder Gummi zum Übertragen von Kräften und Verhindern beziehungsweise Ermöglichen von Bewegungen an Stützpunkten von Bauwerken. Der Lagerkörper setzt sich aus Lageroberteil, Lagerunterteil und der Kipp- oder Bewegungsvorrichtung zur Aufnahme horizontaler Kräfte zusammen. Man unterscheidet feste Lager (Widerlager, Kipplager) und bewegliche Lager (Rollenlager, Pendellager, Kugellager) zur Längs-, Quer- oder allseitigen Bewegung. Siehe auch Auflager, Gleitlager, Gummilager.

2. L, Thallus - Botanik: vielzelliger beziehungsweise vielkerniger, ungegliederter oder äußerlich zum Teil hochdifferenzierter Körper der niederen Pflanzen ohne echte Organe, wie Wurzel, Stengel, Blatt und ohne Leitbündel. Siehe auch Lagerpflanzen.

3. Maschinenbau: Maschinenelement zur Aufnahme und Führung eines schwingenden Maschinenteils beziehungsweise einer sich drehenden Welle, einer Achse oder eines Zapfens, die mit dem Lager ein Dreh Paar bilden. Nach Art der im Lager auftretenden Reibung unterscheidet man Gleit- und Wälzlager. Die Gleitlager (gleitende Reibung) sind oft zweiteilig und mit besonderen Schalen aus Gusseisen mit Lamellengraphit, Bronze, Rotguss, Weißmetall, Pressstoff unter anderem versehen. Bei den Wälzlagern ist die gleitende Reibung durch die wesentlich geringere rollende Reibung mit viel kleinerem Anlaufwiderstand ersetzt. Als Werkstoffe für (insbesondere Gleit-) Lager werden häufig auch Plaste verwendet, vor allem Schichtpressstoffe und Polyamid.

4. Wirtschaft, Gebäude, Räume, Plätze zur Vorratshaltung von Material, Fertigerzeugnissen unter anderem

Lagerfestigkeit: 1. Eigenschaft: pflanzlicher Endprodukte, schädigenden Einflüssen während der Lagerung zu widerstehen.

2. Standfestigkeit.

Lagergetreide: Getreidepflanzenbestand mit mangelnder Standfestigkeit insbesondere gegen das Umlegen durch Regen oder Wind; wird vorwiegend durch zu hohe Stickstoffgaben verursacht.

Lagerhaltungstheorie: Teilgebiet der Operationsforschung; untersucht den Prozess der Lagerhaltung in Produktion und Handel mittels mathematisch-statistischer Modelle; stellt Regeln auf, die zum Beispiel die Minimierung der Gesamtkosten aus Lagerungs-, Beschaffungs- und Fehlmengenkosten gestatten; trägt damit zur Intensivierung bei.

Lagerkvist, Pär, 23.5.1891-11.7.1974, schwedischer Dichter; vertrat einen religiös geprägten Humanismus. In den Romanen «Der Henker» (1933, deutsch) und «Der Zwerg» (1944, deutsch) wandte er sich gegen den Faschismus. Religionsgeschichtliche Stoffe behandeln «Barabbas» (1950, deutsch), «Die Sibylle» (1956, deutsch) und andere Romane.

Lagerlöf, Selma, 20.11.1858-16.3.1940, schwedische Schriftstellerin; führende Vertreterin der schwedischen Neuromantik; verband in ihren vom christlichen Humanismus geprägten Novellen und Romanen die romantisch idealisierte Darstellung der Natur und der Menschen der Provinzen Värmland und Dalarna mit Volkstraditionen, Märchen- und Sagenmotiven («Gösta Berling», 1891, deutsch). Weltberühmt wurde auch ihr Kinderbuch «Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen» (1906, deutsch).

Lagermetalle: Legierungen für Gleitlagerschalen an Maschinen; besitzen bei geeigneter Schmierung geringe Reibung, geringen Verschleiß und erwärmen sich nur wenig. Wichtigste Lagermetalle sind Zinn-Blei Legierungen (Weißmetalle) und Bronzen; neuerdings werden für hochbeanspruchte Lager Plast- und Sinterwerkstoffe verwendet.

Lagerpflanzen, Thallophyten (griechisch): niedere Pflanzen, deren Körper aus einem Lager (Thallus) von kugeliger, fadenförmiger, flächiger, zum Teil auch höher differenzierter Gestalt besteht. Zu den Lagerpflanzen gehören Algen, Schleimpilze, Pilze, Flechten und Lebermoose. Siehe auch Sprosspflanzen.

Lagerschale: Abschnitt eines längsgeteilten Hohlzylinders aus metallischen oder nichtmetallischen Werkstoffen mit einer Gleitwerkstoffschicht an der Innenseite; paarweise mit oder ohne Bund an den Enden für Gleitlager ausgeführt; je nach Schmierungsart, Einbau- und Belastungsverhältnissen mit Schmiernuten und Bohrungen für die Schmierstoffzuführung versehen.

Lagerstätte: natürliche Anreicherung mineralischer Rohstoffe (Minerale und Gesteine einschließlich ihrer flüssigen (Wasser, Erdöl) und gasförmigen (Erdgas) Poreninhalte) in der Erdrinde, die nach den technischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten mit Volkswirtschaft!ichen Nutzen gewonnen und verwendet werden können.

Lagerstättenarchiv: Teil des bergmännischen Risswerks, in dem die Informationen, die räumlich einer Lagerstätte zugeordnet werden können, graphisch übersichtlich und lagerichtig dargestellt werden. Es dient der Vorratsberechnung, Projektierung und Überwachung des Abbaues.

lagerstättenkontrollierende Faktoren: Geologie Strukturen (zum Beispiel tektonische) und Substanzen (Nebengestein, Transportmedium u. ä.), die unter den konkreten geologischen Bedingungen eines Untersuchungsgebietes die Entstehung von Lagerstätten bewirkten. Es werden regionale und lokale lagerstättenkontrollierende Faktoren unterschieden.

Lagerstättenlehre: Wissenschaftsgebiet, das sich mit der Entstehung (Genese), dem stofflichen Inhalt und dem Bau von Lagerstätten befasst.

Lagerstättenprognose: Geologie wissenschaftliche Voraussage der Existenz bisher unbekannter Lagerstätten in einem bestimmten Gebiet; auch als Höffigkeitsanalyse (-einschätzung) bezeichnet.

Lagerstein: flacher, gehöhlter oder gelochter Stein aus Achat, Saphir oder einer Beryllium-Legierung unter anderem, der für sehr reibungsarme horizontale oder vertikale Lagerung von zugespitzten oder gerundeten Achsen benutzt wird, zum Beispiel bei Uhren.

Lagerströme: durch Spannungsinduktion in Lagern und Welle elektrischer Maschinen fließende unerwünschte Ströme, die besonders bei großen Maschinen Lagerschäden hervorrufen können.

Lagertechnik: technische Ausrüstung zum Transport, Umschlag und zur Lagerung von Stückgut in Lagergebäuden oder auf Freilagern beziehungsweise von Schüttgut in Bunkern, Lagerhallen oder auf Freilagern; besteht aus Fördermitteln (unter anderem Krane, Regalförderer, Stapler, Lader, Haldenschüttgeräte), Lagerungshilfsmitteln (zum Beispiel Paletten, Container, Behälter), Lagerregalen (für Stückgutlager).und im weiteren Sinne auch aus dem Baukörper (Bunker, spezielle Lagergebäude, zum Beispiel Paletten Silos).

Lagerung: Geologie die Art der räumlichen Anordnung von Gesteinen in der Erdkruste (zum Beispiel Schichten, Erzgänge).

Lagervertrag: Wirtschaftsvertrag, nach dem ein Lagerhalter Gegenstände für einen Einlagerer gegen Entgelt ordnungsgemäß aufzubewahren hat. Die Gefahr des zufälligen Unterganges oder einer zufälligen Verschlechterung der Gegenstände bleibt beim Einlagerer.

Laghouat: Stadt (Wilayatszentrum) in Algerien, am Südfuss des Saharaatlasses, in einer Oase; 70000 Einwohner; Handelszentrum; Ausgangspunkt von Transsaharapisten; Große Moschee.

Lago Maggiore, Langensee: zweitgrößter See am südlichen Alpenrand, zu 80% zu Italien und zu 20% zur Schweiz gehörig; 193 m über dem Meeresspiegel; 212 km2, bis 372 m tief; mehrere Felseninseln (Borromäische Inseln); vom Tessin (Ticino) durchflossen; mildes Klima; subtropische Vegetation; starker Fremdenverkehr, besonders in Ascona, Locarno (Schweiz) und Stresa (Italien); Schiffsverkehr.

Lagos: 1. Bundesstaat im Südwesten Nigerias; 3345 km2, 2,3 Millionen Einwohner; 688 Einwohner/km2; Hauptstadt Ikeja.

2. Hauptstadt von Nigeria (Abuja), an der Küste des Golfes von Guinea und auf mehreren ihr vorgelagerten Inseln; 1,1 Millionen, mit Vororten 4,4 Millionen Einwohner; Textil-, Lebensmittel-, Metallverarbeitungs-, chemische, Zement-, polygraphische Industrie; internationale Messe; wichtigster nigerianischer Hochseehafen, bei Lagos in Ikeja internationaler Flughafen; Universität, medizinische Akademie; Theater, Museum, botanischer Garten; Badestrand.

Lagrange, Joseph Louis, 25.1.1736-10.4.1813, französischer Mathematiker; wirkte in Berlin und Paris; vollendete die Newtonsche Mechanik, lieferte wichtige Beiträge zu Variationsrechnung, Zahlentheorie, Himmelsmechanik, Algebra und zur Begründung der Analysis.

La Guaira: Stadt im Norden Venezuelas, am Karibischen Meer; 75000 Einwohner; wichtigster Hafen des Landes (fast 50% des Imports); Fischfang; Seebad.

La Guma, Alex, 20.2.1925-11.10.1985, südafrikanischer Schriftsteller, lebte im Exil in Havanna; Generalsekretär des Afro-Asiat. Schriftstellerverbandes; führendes Mitglied des ANC von Südafrika. Seine Kurzgeschichten und Romane («Im Spätsommernebel», 1972, deutsch) künden vom Widerstand, von moralischer Überlegenheit und dem politischen Reifeprozess der vom Rassistenregime Verfolgten.

Lagune: 1. durch eine Sandzunge (Nehrung, Lido) oder eine Reihe von Sandinseln abgeschnürter flacher Meeresteil.

2. soviel wie Haff.

3. kanalartiger Flachwasserbereich zwischen Korallenriff und Küste beziehungsweise innerhalb eines Atolls.

Lagunillas: Stadt in Venezuela, am Ostufer des Maracaibo-Sees, wächst mit der 20 km nördlich gelegenen Stadt Ciudad Ojeda zusammen; 85000 Einwohner; Zentrum der Erdölförderung in den Bolivar-Feldern, einem der größten südamerikanischen Erdölgebiete; Ausgangspunkt einer Pipeline zur Küste.

La Habana: 1. Provinz im Westteil Kubas; 5674 km2, 590000 Einwohner; 104 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Havanna-, im Territorium bedeutende Industrieballungen (Mariel mit Wärmegroßkraftwerk (200 MW), San José, Santa Cruz) sowie Grüngürtel hauptsächlich zur Versorgung von Havanna; hochentwickelte Landwirtschaft mit Anbau von Zuckerrohr, Früchten; Viehzucht; Küsten- und Hochseefischerei.

2. Havanna.

Lahaut, Julien, 1885-18.8.1950, belgischer Arbeiterführer; seit 1923 Mitglied der KP, 1941/45 inhaftiert (KZ); seit 1945 Vorsitzender der KP, von Faschisten ermordet während des Kampfes gegen die Rückkehr Leopolds III. auf den Thron.

Lähmung: nervlich bedingte, mehr oder weniger vollständige Bewegungseinschränkung von Muskeln; die zentrale Lähmung entsteht bei einer Schädigung von Nervenzellen beziehungsweise Nervenbahnen im Gehirn oder Rückenmark, die periphere Lähmung bei Schädigung eines vom Rückenmark ausgehenden Nervs. Außerdem treten Lähmungen auch bei psychogen-hyster. Reaktionen ohne organische Schädigung im Bereich des Nervensystems auf. Bei einer vollständigen Lähmung spricht man von Paralyse, bei einer unvollständigen Lähmung von Parese (Funktionsschwäche eines Muskels oder einer Muskelgruppe).

Lahn: rechter Nebenfluss des Rheins, in der BRD; 245 km; entspringt im Rothaargebirge und mündet bei Niederlahnstein; ab Gießen schiffbar.

Lahore, Lahor. Stadt im Nordosten Pakistans, Verwaltungszentrum der Provinz Punjab; 2,9 Millionen Einwohner; metallurgische, Textil-, Lebensmittel- und Lederindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, handwerklichen Gold- und Silberwarenherstellung; Eisenbahnknoten mit Reparaturwerk; Universität; religiöses Zentrum der Sikhs.

Lahti: Stadt im Süden Finnlands, am See Vesijärvi und am Höhenzug Salpausselkä; 95000 Einwohner; Holzverarbeitung (besonders Möbelherstellung), Maschinenbau, Lebensmittel-, Bekleidungs-, Glasindustrie; Wintersportzentrum (Sprungschanze), Sportschule.

Lahuti, Lohuti, Abulkasim, 31.12.1887-16.3.1957, tadshikisch-sowjetischer Lyriker persischer Herkunft; gestaltete in Gedichten (Sammlungen «Rote Literatur», 1926; «Ruf des Lebens», 1956) und Poemen («Wir werden siegen», 1930; «Weggenossen», 1943) Probleme der Revolution und des sozialistischen Aufbaus; Autor der tadschikischen Nationalhymne und des ersten tadschikischen Opernlibrettos («Der Schmied Kowa», 1939).

Laich: von einer Schleim- oder Gallerthülle umgebene, einzeln, in Klumpen oder Schnüren, meist im Wasser abgelegte Eier von Fischen, Schnecken und Lurchen.

Laicher, Laichfisch: geschlechtsreifer, zur Zucht ausgewählter Fisch.

Laichkraut, Potamogeton: wichtigste, weltweit verbreitete Gattung der Laichkrautgewächse mit vielen, vorwiegend im Süßwasser vorkommenden Arten, oft mit verschieden gestalteten Unterwasser- und Schwimmblättern, zum Beispiel das Schwimmende Laichkraut (Potamogeton natans) in Teichen, Seen und Gräben.

Laichwanderungen: regelmäßige Wanderungen von Wassertieren zum Laichgebiet innerhalb des Meeres (Dorsch, Hering) beziehungsweise vom Süßwasser zum Meer (Aal, Wollhandkrabbe) oder umgekehrt (Lachs).

Laie: (lateinisch - griechisch laos, «Volk») 1. allgemein Nichtfachmann, Unkundiger.

2. besonders in der katholischen Kirche Bezeichnung für den Gläubigen, der nicht dem Klerus oder dem Ordensstand angehört.

Laienbruder: Mitglied eines Mönchsordens, aber ohne geistliche Weihe, auch Klosterbruder genannt.

Laienfürsten: im mittelalterlichen deutschen Reich die weltlichen Fürsten im Unterschied zu den geistlichen.

Laienkunst: eine Seite der Freizeitbetätigung Werktätiger in der sozialistischen Gesellschaft, die auf spezifischer Weise zur Ausbildung schöpferischer Fähigkeiten und Bedürfnisse der Menschen und damit zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit beiträgt. Sie verfeinert den ästhetischen Sinn und Geschmack, erweitert und vertieft das Kunstverständnis. Laienkunst ist ein wichtiger Bestandteil der sozialistischen deutschen Nationalkultur.

Laika: über den gesamten Norden der UdSSR in 6 anerkannten Rassen verbreiteter wolfsähnlicher Hund, je nach Rasse knapp 50 cm (Karelische Finnische Laika) bis 65 cm (Ostsibirische Laika) hoch.

Laine, Pascal, geboren 10.5.1942, französischer Schriftsteller; gestaltet vornehmlich Probleme der geistigen Emanzipation sozial benachteiligter Jugendlicher (Romane «Irrevolution», 1971, deutsch; «Die Spitzenklöpplerin», 1974, deutsch).

laissez faire, laissez aller (französisch, «lasst machen, lasst gehen!»): Wirtschaftsprinzip des Liberalismus, das den Bedingungen des Kapitalismus der freien Konkurrenz entsprach; plädiert für das «freie Spiel der freien Kräfte», gegen die Einmischung des Staates in die Wirtschaft. Siehe auch Manchestertum.

Ludwig der Große, 5.3.1326-11.9.1382, König seit 1342, seit 1370 auch von Polen (Haus Anjou).

2. Ludwig der Große II., 1.7.1506-29.8.1526, König von Ungarn und Böhmen seit 1516 (Jagiellone); unterlag den Türken in der Schlacht bei Mohäcs 1526.

Lakai: um 1500 Fußsoldat, später herrschaftlicher Diener in Livree; übertragen finanziell abhängiger Mitläufer; Kriecher.

Lake: a) Koch- oder Pökelsalzlösung zur Haltbarmachung, Reifung beziehungsweise Geschmacksgebung von Fisch, Fleisch, Gemüse;

b) beim trockenen Einsalzen beziehungsweise -pökeln von Fleisch, Fisch, Gemüse entstehende Salzlösung.

Lake District: Landschaft im Nordwesten Englands (Großbritannien), in den Cumbrian Mountains, Bergland bis 979 m hoch; entlang geologischer Bruchlinien entstanden, durch Gletschertätigkeit langgestreckte Seen (Windermere, Ullswater unter anderem); Trinkwasserreservoire für englische Städte; Fischfang; Schaf- und Rinderzucht; Naturschutzgebiet.

Laken: 1. Laken: großes Leinentuch; Bett-, Badetuch.

2. Laken: Dagestaner.

Lake Placid: Ort im Nordosten des Bundesstaates New York (USA), im Adirondack Gebirge, 530 m über dem Meeresspiegel; 3000 Einwohner; Fremdenverkehr und Wintersportzentrum; Austragungsort der Olymp. Winterspiele 1932 und 1980.

Lakkolith: innerhalb der Erdkruste erstarrte Magmamasse meist pilzförmigen Querschnitts mit gewölbter Oberfläche; meist aus sauren Gesteinen bestehend.

Lakomy, Reinhard, geboren 19.1.1946, Musiker (Piano, Synthesizer), Interpret, Komponist; gehört zu den profiliertesten Vertretern eines neuartigen Schlagertyps in der DDR, den er durch die Synthese mit Elementen aus Jazz und Rockmusik herausbilden half; schuf ferner elektronische Rockmusik («Der Traum von Asgard», 1983) unter anderem

Lakonien, Lakonia: griechische Landschaft im südlichen Peloponnes, am Golf von Lakonien, vom Eurotas durchflossen; als Distrikt 3636 km2, 96000 Einwohner; 26 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Sparta-, Anbau von Weizen, Oliven, Baumwolle, Wein und Feigen; Kerngebiet des antiken Sparta.

lakonisch: (lateinisch - griechisch, zu «Lakonien») kurz und treffend, mit wenigen Worten viel sagend.

lacrimogen: (lateinisch) tränenerzeugend, tränenreizend; Lacrimogene sind Augenreizstoffe.

Lakritze: (lateinisch - griechisch) eingedickter Süßholzwurzelsaft; mit maximal 95% Zusätzen zu Lakritz Waren (Bonbon oder Hustenmittel) verarbeitet.

Lakshadweep: Unionsterritorium von Indien, im Nordwesten des Indischen Ozeans; bis 1973 Lakkadiven, Amindiven und Minicoy-, 32 km2, 40000 Einwohner; 1250 Einwohner/km2; Verwaltungssitz Kavaratti auf der gleichnamigen Insel; Gruppierung von 24 Koralleninseln mit etwa 10 Dörfern; Nutzung der Kokospalme; Fischfang; Fremdenverkehr; geringer Anbau von Getreide; Heimindustrie.

Lakshmi, hinduistische Göttin des Glücks und der Schönheit, Gemahlin Vishnus; ihr Symbol ist die Lotosblüte.

Laktame, Lactame-, chemische Verbindungen mit der Atomgruppe -CO-N Hals Glied einer ringgeschlossenen Atomkette. Die Laktame leiten sich von Aminosäuren durch intramolekulare Wasserabspaltung ab. Technisch wichtig ist Kaprolaktam.

Laktanz, Lucius Caecilius Finnianus Lactantius, um 250-nach 317, christlicher lateinischer Schriftsteller aus Nordafrika; bedeutender Stilist, sein Hauptwerk sind «Divinae Institutiones» (Göttliche Unterweisungen) in 7 Büchern.

Lactatdehydrogenase: Enzym in tierischen und menschlichen Zellen, das Milchsäure (Laktat) zu Brenztraubensäure (Pyruvat) oxydiert. Lactatdehydrogenase besitzt in der medizinischen Diagnostik für Herz- oder Lebererkrankungen Bedeutung.

Laktation: Absonderung von Milch aus den weiblichen Brustdrüsen. Die Laktation beginnt am 2. bis 4. Tag nach der Entbindung und wird hormonal durch das Prolaktin gesteuert. Durch regelmäßige und vollständige Brustentleerung kann die Laktation über mehrere Monate in Gang gehalten werden (Laktationsperiode).

Laktationshormon, Prolaktin (lateinisch), Luteotropin (lateinisch + griechisch), Abkürzung LTH: im Hypophysenvorderlappen gebildetes Proteohormon, das als gonadotropes Hormon auf den Gelbkörper und die Milchdrüsen stimulierend einwirkt.

Lactone: chemische Verbindungen mit der Atomgruppe -CO-O als Glied einer ringgeschlossenen Atomkette; allgemeine Formel CO-R-O. Die Laktone leiten sich von Hydroxycarbonsäuren durch intramolekulare Wasserabspaltung ab; sie sind innere Ester. Die einfachen Laktone sind Flüssigkeiten oder Feststoffe mit angenehmem Geruch.

Lactose (lateinisch + griechisch), Laktose, Milchzucker, ein Disaccharid der Summenformel C12H22On, das durch verdünnte Säuren oder Enzyme (Laktasen) zu D-Glukose und D-Galaktose gespalten wird. Laktose bildet farb- und geruchlose, schwach süße, mäßig wasserlösliche Kristalle; F 222,8 °C. Sie kommt fast ausschließlich in der Milch vor, bei deren Sauerwerden sie mikrobiell in Milchsäure übergeht, und wird aus Molke gewonnen. Lactose wird als Arzneiträger bei der Pulver- oder Tablettenherstellung verwendet; für Säuglinge ist Lactose ein mildes Abführmittel (etwa 15 g).

Lakune, Lacuna: Anatomie so viel wie Spalt (-raum), Lücke.

Lalebuch: 1597 in Straßburg gedruckte Sammlung von Schwänken aus der kleinbürgerlichen Welt (Lale(n)burger = Narrenburger), eine Kritik an fürstlicher Willkür und Verspottung des Spießbürgertums. Die 2. Ausgabe erschien unter dem Titel «Die Schildbürger» (1598; später «Schildbürger»); hier dient vorgespielte Narrheit als Schutz gegen Ausnutzung durch Könige und Fürsten, bis sie in wirkliche Narrheit umschlägt.

Lalic, Mihajlo, geboren 7.10.1914, jugoslawischer (serbischer) Schriftsteller; schrieb Romane («Die Hochzeit», 1950, deutsch; «Treibjagd», 1960; «Der Berg der Klagen», 1957, neubearbeitet 1962, deutsch), Novellen und Lyrik mit Themen aus der nationalen Befreiungsbewegung, an der er aktiv teilnahm.

Lalo, Edouard, 17.1.1823-22.4.1892, französischer Komponist spanischer Herkunft; schrieb Opern, Kammer- und Klaviermusik, effektvoll-virtuose Violinkonzerte (P. de Sarasate gewidmet) programmgebundener Richtung unter anderem; am bekanntesten seine «Symphonie espagnole» (1873).

Lalor: 1. James Fintan Lalor, 1807-27.12.1849, irischer Patriot, Publizist; Bruder von Lalor 2; führendes Mitglied der revolutionär-demokratische Gruppe «Junges Irland» und der Ir. Konföderation; bei der Vorbereitung eines Aufstandes 1848 verhaftet, an Haftfolgen verstorben.

2. Peter Lalor, um 1827-9.2.1889, australischer Politiker, Bruder von Lalor 1; Gründer (1854) und Führer der Reformliga von Ballarat, als Abgeordneter und Minister (1875, 1877/80) in Victoria auf zunehmend reaktionärer Position.

La Louviere: Stadt im Süden Belgiens, in der Provinz Hennegau, am Canal du Centre; 77000 Einwohner; Hütten- und Metallindustrie, Lokomotiv- und Waggonbau.

Lama: (tibetisch, «Oberen)) Priester beziehungsweise Mönch des Lamaismus.

Lamagazelle, Ammodorcas clarkei: zierliche ostafrikanische Gazelle mit 80 bis 88 cm Schulterhöhe, oberseits bräunliches, unterseits weißliches Fell und sichelförmig nach vom geschwungenen Hörnern.

Lamaismus: seit dem 7. Jahrhundert in Tibet entwickelte Form des Mahayana-Buddhismus Cr Buddhismus), erst um 1000 endgültig eingebürgert. Bis 1959, als der Dalai-Lama (zugleich weltlicher Herrscher) Tibet verließ, bestand eine doppelte Spitze aus dem Dalai-Lama in Lhasa und dem Pantschen-Erdeni-Lama in Tashilhunpo, der seitdem vorübergehend die alleinige Spitze des Lamaismus in China darstellt.

La Mancha, Mancha: Steppengebiet im mittleren Spanien, im Südosten der Meseta, am Oberlauf des Guadiana; 700 bis 1000 m hoch, aus tertiären Kalken und Mergeln; extrem trockenes subtropisches Klima; Waldlos; Gewinnung von Espartogras; extensiver Weizen- und Gerstenanbau, in Flusstälern Wein- und Olivenbau; Schafzucht; Burgen. Heimat von Cervantes Romanhelden Don Quichote.

Lamarck, Jean Baptiste de, 1.8.1744-18.12.1829, französischer Naturforscher; begründete mit seinem Werk «Zoologische Philosophie» (1809, deutsch) eine Abstammungslehre, wobei er den Prozess der Veränderung der Arten durch innere Faktoren und «Vererbung erworbener Eigenschaften» (Lamarckismus) erklärte. Lamarck schuf die erste grundlegende Klassifizierung der wirbellosen Tiere (1815/22).

Lamarckismus: von J. B. de Lamarck 1809 begründete Evolutionstheorie. Seine entscheidende Annahme, dass sich die im individuellen Leben erworbenen Eigenschaften vererben, hat sich durch genetische Untersuchungen als falsch erwiesen. Siehe auch Darwinismus.

Lamartine, Alphonse de, 21.10.1790-1.3.1869, französischer Dichter; Hauptvertreter der französischen Romantik; seine melancholische Lyrik spiegelt die Diskrepanz zwischen seinen politisch-religiös restaurativen Überzeugungen («Poetisch-religiöse Harmonien», 1830) und der bürgerlichen Realität wider.

Lamas, Lama: südamerikanische Kamele ohne Fetthöcker auf dem Rücken; vorwiegend anspruchslose Gebirgstiere. Wildformen sind Guanako und Vikunja; Haustiere das vom Guanako abstammende Alpaka und das Lama (Lama guanicoe f. glama), das sehr unterschiedlich gefärbt ist und vorwiegend als Lasttier, aber auch als Milch- und Wolllieferant verwendet wird.

Lamassu: in der neuassyrischen Kunst Mischwesen in Gestalt eines geflügelten Stiers oder Löwen mit Menschenkopf; seit dem 9. Jahrhundert vor Christus bekannt, als kolossale göttliche Wächter gegen böse Mächte flankieren sie Eingänge der Palast- und Tempeltore in Nimrud und Dur Schamikin (Chorsabad); Vorbilder für ähnliche Figuren in Persepolis.

Lamb, Willis Eugene, geboren 12.7.1913, US-amerikanischer Physiker; wies 1947 erstmals die Hyperfeinstruktur des Wasserstoffspektrums nach.

Lambaréné: (französisch) Stadt (Regionszentrum) in Gabun, überwiegend auf einer Insel im Unterlauf des Ogooué; 25000 Einwohner; am Nordufer 3 km Flussaufwärts Hospital (medizinisches Zentrum, 1926 erbaut, 1913 von A. Schweitzer gegründet) mit kleiner Siedlung (etwa 1000 Einwohner); Holzverarbeitung; Flughafen.

Lambert, Johann Heinrich, 26.8.1728-25.9.1777, Mathematiker, Philosoph und Physiker; schuf wichtige Arbeiten zur darstellenden und nichteuklidische Geometrie sowie zur Logik. Lambert bewies 1767 die Irrationalität von n und begründete die Fotometrie; in kosmologische und erkenntnistheoretische Hinsicht war Lambert ein Vorläufer I. Kants.

Lambertsches Kosinusgesetz: (nach J. H. Lambert) Gesetz, nach dem die Lichtstärke 1 eines sogenannt Lambert-Strahlers vom Kosinus des Winkels e zwischen Flächennormale und Betrachtungsrichtung abhängt; /(e) = /0 cos e. Ein Lambert-Strahler hat aus jeder Richtung betrachtet die gleiche Leuchtdichte.

Lamberz, Werner, 14.4.1929-6.3.1978 (verunglückt), Politiker, Heizungsmonteur. Lamberz gehörte seit 1947 der SED an. Er war 1953/63 Mitglied und Sekretär des Zentralrats der FDJ, wurde 1963 Kandidat, 1967 Mitglied und Sekretär des ZK der SED, 1970 Kandidat und war seit 1971 Mitglied des Politbüros des ZK der SED. Lamberz war Abgeordneter der Volkskammer seit 1967.

Lambrakis, Grigoris, 3.4.1913-27.5.1963, griechischer Arzt und Politiker; kämpfte 1941/44 in den Reihen der Nationalen Befreiungsfront (EAM) gegen die faschistischen Okkupanten; als aktiver Kämpfer für Demokratie und sozialen Fortschritt und Initiator der Marathon-Friedensmärsche in Griechenland von der Reaktion ermordet.

Lambrequin: schwerer, mit Quasten versehener Behang über Bett- und Thronhimmel oder Fenstern; oft in Stein oder Holz nachgebildet. In der Heraldik heißt die Helmdecke Lambrequin

Lamé: (französisch) glitzerndes Natur- oder Chemieseidengewebe in Atlasbindung mit Metallfäden als Schussfäden; für Abendkleider und Bühnenkleidung.

Lamelle: dünnes Blättchen oder relativ dünne Scheibe meist aus Metall oder Plast, zum Beispiel in Schaltkupplungen (Lamellenkupplungen), bei Kranhaken (Lamellenhaken), in Lamellenverschlüssen bei Fotoapparaten.

Lamellieren: (französisch) Blechung: Unterteilen der von magnetischen Wechselfeldern durchsetzten ferromagnetischen Teile elektrische Maschinen und Geräte in meist 0,5 oder 0,35 mm dicke Elektrobleche zum Herabsetzen der Wirbelstromverluste.

lamentieren: (lateinisch) jammern, klagen.

Lamento: (italienisch) Wehklage, Klagegesang; (lautes) Gejammer.

Lametta: schmale Zinn- oder Aluminium Streifen als Schmuck insbesondere von Weihnachtsbäumen.

La Mettrie, Julien Offray de, 25.12.1709-11.11.1751, französischer Philosoph und Arzt. La Mettrie, Vertreter des mechanischen Materialismus, ging von der Physik R. Descartes und dem englischen Materialismus (J. Locke) aus. Der Materie ordnete er als wesentliche Eigenschaft Kraft oder Bewegung, ihren höheren Formen Empfindungs- oder Denkfähigkeit zu. Die Organismen verglich La Mettrie mit Mechanismen, den Menschen mit einem besonders komplizierten Uhrwerk («Der Mensch eine Maschine», 1748, deutsch). Die Geistigkeit der Seele lehnte er ab. Als entschiedener Gegner des religiösen Fanatismus, des Aberglaubens und des moralischen Rigorismus wurde La Mettrie einer der ideologischen Wegbereiter der Französischen Revolution. In Frankreich und Holland wegen seines konsequenten Materialismus und Atheismus verleumdet und verfolgt, fand er in Preußen Asyl. Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften.

Lamia: (griechisch, «Verschlingerin») in der griechischen Sage und im antiken Volksglauben eine hässliche weibliche Spukgestalt, eine Art Vampir, die die Kinder raubte.

Laminat, Schaumstofflaminat: textiles Flächengebilde, das durch Kleben, Schweißen, Nähen oder Nadeln zum Beispiel mit einer Schaumstoffbahn oder -folie verbunden wird, um besondere Eigenschaften, zum Beispiel Wärmedämmung, zu erzielen; für leichte, wärmende Oberkleidung.

Laminieren: (französisch) 1. Buchbinderei: Kaschieren.

2. Kunst: Glas.

3. Textiltechnik: Verbinden eines oder mehrerer textiler Flächengebilde mit einer Schaumstofffolie oder einem anderen nichttextilen Flächengebilde. Siehe auch Laminat.

Lämmerdysenterie: Infektion der neugeborenen Lämmer mit Clostridien. Es treten hochgradiger Durchfall und schnelle Entkräftung der Jungtiere auf. Die Lämmerdysenterie verläuft mit hohen Verlustraten. Prophylaxe durch Impfung der Muttertiere.

Lammfelle: Felle von Jungtieren der Schafe, und zwar der Fettschwanzschafe (Lämmer von Karakul als Goljak, Breitschwanz oder Persianer, sogenannt Halbpersianer als Bagdad, Schiras, Krimmer, Metis), der Fettsteißschafe (Astrachan, Indisch Lamm), der Kurzschwanzschafe (benannt nach Herkunft, wie Toskaner, Isländer, Sardiner unter anderem). Nach der Veredlung unterscheidet man Oberhaar-Lammfelle mit naturlangem Haar, Tiefschur-Lammfelle mit breitschwanzähnlicher Musterung, Hochschur-Lammfelle mit samtartig glänzender Fläche.

Lamoureux, Charles, 28.9.1834-21.12.1899, französischer Dirigent; nach 1870 im Pariser Musikleben führender Konzert- und Operndirigent, insbesondere der von ihm 1882 als «Nouveau Concerts» begründeten Lamoureux-Konzerte.

Lampang: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten von Thailand, am Wang; 45000 Einwohner; Düngemittelfabrik, Handwerk, Holzhandel; Flughafen.

Lampe: (französisch griechisch) technische Ausführungsform von künstlichen Lichtquellen; Fackeln, Kerzen, Leuchtstoffe u. ä. sind keine Lampe Fälschlich werden Leuchten oft Lampe genannt.

Lampe, Alfred, 14.5.1900-10.12.1943, polnischer Arbeiterführer und marxistischer Theoretiker; seit 1921 Mitglied der KP, seit 1926 des ZK und 1929/33 des Politbüros des ZK; 1933/39 in Haft; 1943 Mitbegründer des Bundes polnischer Patrioten sowie der Kosciuszko-Division in der UdSSR.

Lampel, Peter Martin, 15.5.1894-22.2.1965, Schriftsteller, Maler; emigrierte 1936 (Indonesien, Australien, USA), kehrte 1949 zurück; schrieb bühnenwirksame linksbürgerliche Zeitstücke («Revolte im Erziehungshaus», 1928; «Giftgas über Berlin», 1929).

Lampenbürstenchromosomen: Funktionsform von Chromosomen in reifenden Oozyten (Eizellen) bei Tieren mit dotterreichen Eiern (zum Beispiel Amphibien); ihr Aussehen ist durch seitliche Schleifenbildung der DNS bedingt.

Lampert von Hersfeld, vor 1028-nach 1081, Geschichtsschreiber, seit 1058 Mönch im Kloster Hersfeld, seit 1081 Abt des Klosters Hasungen; verfasste als Gegner Heinrichs IV. 1077/79 umfangreiche Annalen.

Lamprecht, Karl, 25.2.1856-10.5.1915, Historiker; förderte die Erforschung der Wirtschafts-, Kultur-, Regional- und Universalgeschichte; progressiv war sein Ansatz, den Einfluss der Wirtschafts- und Sozialgeschichte auf die politische Geschichte hervorzuheben; Hauptwerke: «Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter», 4 Bände, 1885/86; «Deutsche Geschichte», 14 Bände, 1891/1909.

Lamprecht, Pfaffe: moselfränkischer geistlicher Dichter, verfasste in Köln um 1130 nach französischer Vorlage ein «Alexanderlied». Dieses erste große deutsche weltliche Epos stellt die erste Bearbeitung eines antiken Stoffes wie einer französischen Quelle in deutscher Sprache dar.

Lamprophyr: (griechisch) Bezeichnung für eine Gruppe dunkle, basische Ganggesteine.

Lanark: ehemalige Grafschaft im Süden Schottlands (Großbritannien), südöstlich von Glasgow; etwa 2300 km2, 1,5 Millionen Einwohner; wichtigster Ort Glasgow; heute Teil der Region Strathclyde; Tiefland und Bergland (bis 732 m); Steinkohlenvorkommen; stark industrialisiert (Stahlerzeugung, Maschinenbau, Textilindustrie); intensive Landwirtschaft.

Lancashire: Grafschaft im Westen Englands (Großbritannien), zwischen der Ir. See und den Penninen; 3043 km2, 1,4 Millionen Einwohner; 450 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Preston (als Agglomeration Central Lancashire mit den Städten Chorley und Leyland 235000 Einwohner); im Norden und Osten hügelig und gebirgig, im Westen fruchtbare Küstenebene; sich erschöpfende Steinkohlen- und Eisenerzlagerstätten; rückläufige Textilindustrie, besonders Baumwollspinnerei und -weberei, Textil- und Werkzeugmaschinenbau; Färbereien, Gerbereien; Ackerbau (Kartoffeln, Erbsen); Viehzucht (Geflügel); Häfen.

Lancaster: Nebenlinie der Dynastie Plantagenet, 1399/1471 englischer Dynastie; in den Rosenkriegen gestürzt und in direkter Linie ausgerottet.

Lancaster: Stadt im Bundesstaat Pennsylvania (USA); 55000 Einwohner; Mittelpunkt eines entwickelten landwirtschaftlichen Gebietes; Herstellung von Rundfunkgeräten, Uhren, Linoleum, Getränken, Landmaschinen.

Lancaster, Burt, geboren 2.11.1913, US-amerikanischer Filmschauspieler und -produzent; entwickelte sich zu einem der bedeutenden Charakterdarsteller des amerikanischen Films («Marty», «Der Regenmacher», «Elmer Gantry», «Urteil von Nürnberg»); spielte auch in italienischen Filmen («Der Leopard», «Gewalt und Leidenschaft», «1900») und war Kommentator der sowjetisch-amerikanischen Fernsehe Koproduktion «Die entscheidende Front».

Lanceray, Lansere, Jewgeni Jewgenjewitsch, 4.9.1875-13. 9.1946, russisch-sowjetischer Maler und Graphiker; malte als Mitglied der «Mir Iskusstwa» zunächst Bilder zur russischen Geschichte der Zeit Peters I., schuf politische Karikaturen sowie Illustrationen (L. Tolstoi «Hadschi-Murat», «Die Kosaken»). Seit den 30er Jahren entstanden vorwiegend Wandmalereien, auch Bühnenbilder.

lancieren: jemanden an einen vorteilhaften Platz, etwas in die Öffentlichkeit, in die Zeitung bringen.

Lancret, Nicolas, 22.1.1690-14.9.1745, französischer Maler. Hauptthemen seiner zuweilen von der Szenerie des Theaters angeregten Gemälde sind galante Feste in der Art A. Watteaus.

Lancut: Stadt in Polen (Wojewodschaft Rzeszow), im Karpatenvorland; 15000 Einwohner; Schraubenfabrik, Nahrungsmittelindustrie; Touristenzentrum; Musikfestspiele; frühbarockes Schloss mit Park (Kutschenmuseum).

Land: a) als politisches Territorium ein Staat oder Gliedstaat davon, zum Beispiel die Steiermark als Bundesland Österreichs;

b) die feste Erdoberfläche im Gegensatz zum Meer (Festland), untergliedert je nach Lage zum Meer in Binnen- und Küstenland, nach der Höhenlage in Tiefland, Hochland, Flachland, Hügelland, Gebirgsland und Bergland;

c) Ausschnitt aus der festen Erdoberfläche, vielfach typisierend verwendet (Sumpfland, Marschland, Geestland) und ohne scharfe Trennung zum Begriff Landschaft;

d) eine bestimmte Landschaft, zum Beispiel das Land Lebus;

e) bebaubarer Boden (Ackerland);

f) Gegend mit überwiegender Landwirtschaft (früher im Gegensatz zur Stadt oft als rückständig abgewertet);

g) Begriff zur Kennzeichnung der Nutzungsart, zum Beispiel Waldland, Gartenland, Ödland, Siedlungsland.

Landau: 1. Edmund Landau, 14.2.1877-19.2.1938, Mathematiker; arbeitete vorwiegend zu Primzahl-, analytische Zahlentheorie und Funktionentheorie.

2. Landau, Lew Dawidowitsch, 22.1.1908-1.4.1968, sowjetischer Physiker; erklärte die Suprafluidität von Helium und befasste sich unter anderem auch mit Quantenfeldtheorie und Plasmatheorie. Gemeinsam mit E. M. Lifschitz verfasste er ein vielbändiges Lehrbuch der theoretischen Physik, das international als Standardwerk gilt.

Landauer: (nach Landau in der Pfalz) zweiachsiger Kutschwagen mit abklappbarem Verdeck.

Landauer, Gustav, 7.4.1870—2.5.1919, Schriftsteller; wendete sich in politischen Publizistik, belletristischen Prosa und kulturkritischen Essays gegen Krieg und Imperialismus; vertrat einen anarchistisch ausgerichteten utopischen Sozialismus. Landauer wurde bei der Niederschlagung der Münchener Räterepublik, deren Volksbeauftragter für Volksaufklärung er war, ermordet. 1921 erschienen gesammelte Aufsätze unter dem Titel «Der werdende Mensch».

Landau in der Pfalz: kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz, in der Oberrheinischen Tiefebene; 37000 Einwohner; Gummi- (Reifen) und polygraphische Industrie; pädagogische Hochschule, Technikum; Pfarrkirche (13./14. Jahrhundert).

Landbauzonen: durch bestimmte Kulturpflanzengemeinschaften charakterisierte größere Gebiete.

Landbuch Kaiser Karls IV.: 1375 in Brandenburg auf Veranlassung des Kaisers verfasstes Verzeichnis über die ihm zustehenden Einkünfte beziehungsweise ihren Verbleib in diesem für seine Hausmacht neu erworbenen Gebiet.

Lande, Alfred, geboren 13.12.1888; US-amerikanischer Physiker deutscher Herkunft; arbeitete über Quantentheorie und ihre logischen Grundlagen, zum Zeeman-Effekt und zur Thermodynamik.

Landé-Faktor: (nach A Lande) gyromagnetischer Faktor, Kurzwort g-Faktor dimensionsloser Proportionalitätsfaktor zwischen gyromagnetischen Verhältnis (gyromagnetische Effekte) y = g eines Teilchens oder Teilchensystems und dem Bohrschen Magneton /iB. Für Nukleonen wird stattdessen das Kernmagneton /iN benutzt. Der Wert des Landé-Faktor ist abhängig von der Art des Teilchens, des Drehimpulses und (bei Systemen) der Kopplung; zum Beispiel ist g = 1 für den Bahnmagnetismus eines Elektrons, aber g = 2 für seinen Spinmagnetismus.

Landehilfen, Auftriebshilfen: Klappen (zum Beispiel Lande-, Spalt-, Spreiz-, Strahl-, Fowlerklappe, Spoiler) an der Hinterkante von Flugzeugtragflächen, die vor dem Landen ausgestellt oder -gefahren werden, um den Auftrieb zu erhöhen und die Landestrecke zu verkürzen; auch kleine Flügel vor der Tragfläche (Vorflügel). Landehilfen werden zur Erhöhung des aerodynamischen Auftriebes auch beim Start verwendet.

Lander: Teil einer Mond- oder Planetensonde, der von dem den Himmelskörper als Satellit umkreisenden (Orbiter 1) oder ihn passierenden Teil abgetrennt wird und (weich) landet.

Länderkampf, in Sportspielen Länderspiel: von nationalen Sportverbänden verschiedener Staaten vereinbarter Wettkampf zwischen Nationalmannschaften

Länderkunde, regionale Geographie. Zweig der Geographie, der im Gegensatz zur allgemeinen Geographie mehr oder weniger große Teilgebiete der Erde (einschließlich der Meeresräume) im Zusammenhang mit allen geographischen Erscheinungen behandelt und ihre charakteristischen individuellen Züge herausarbeitet. Sie wird von vielen Geographen als das eigentliche Ziel der Geographie angesehen. Das in der bürgerlichen Geographie für ein umfassendes Herangehen entwickelte sogenannt länderkundliches Schema ist überholt, da es nicht exakt natur- und gesellschaftswissenschaftlicher Zusammenhänge unterscheidet, die formale Seite überbetont und die Gefahr lexikalischer Fülle einschließt. Heute überwiegen «problemorientierte» Länderkunde. Bei einer Betonung von Geschichte, Kultur und gesellschaftliche Struktur unter Zurückstellung der regionalen Gliederung spricht man von Landeskunde.

Länderwertung: Sport Bewertung der in Länderkämpfen oder internationalen Großveranstaltungen erreichten Erfolge (Medaillen-, Platz- oder Rangwertung durch Umrechnung in Punkte beziehungsweise Länderspielbilanzen); meist inoffiziell.

Landesaufnahme, Landesvermessung: Vermessung des Territoriums eines Staates, das heißt Anlage geodätischer Lage-, Höhen- und Schwerenetze.

Landesfarben, Nationalfarben: in bestimmter Reihenfolge in der Staats- beziehungsweise Nationalflagge vorkommende Farben; auch auf Kokarden, Wappen, Abzeichen unter anderem verwendet.

Landesherrschaft: im mittelalterlichen deutschen Reich die vom König weitgehend unabhängige Herrschaft eines Territorialfürsten (Landesherrn) über ein bestimmtes Territorium («Land») und seine Bewohner mit Hilfe von Ministerialen, Burgen, Gerichtsbarkeit und Städtegründungen. Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert entstand die Landesherrschaft, seit dem 15. Jahrhundert wurde sie von den Fürsten zur Landeshoheit, das heißt durch volle Ausbildung der Ämterverfassung und Schaffung von Ansätzen zu einer zentralen Behördenorganisation zur rechtlichen Unabhängigkeit ihres Territoriums mit eigener Außenpolitik und voller gesetzlicher Macht nach innen weiterentwickelt.

Landeskultur: Gesamtheit gesellschaftliche Maßnahmen auf Grund des Landeskulturgesetzes der DDR zur Gestaltung der natürlichen Umwelt und zur Verschönerung der sozialistischen Heimat, zum Schutz natürlicher Standortfaktoren (Boden, Luft, Wasser, Pflanzen- und Tierwelt) als Produktionsgrundlagen und zur Reproduktion der Bodenfruchtbarkeit, als Quelle der Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensfreude des Menschen, um diese im Interesse des materiellen und kulturellen Reichtums der Gesellschaft zu erhalten, zu verbessern sowie rationell und effektiv zu nutzen. Siehe auch Landschaftsgestaltung, Naturschutz, Umweltschutz.

Landesnationalrat: von revolutionären Kräften Polens auf Initiative der polnischen Arbeiterpartei am 1.1.1944 in Warschau gebildetes Organ zur Leitung des nationalen und sozialen Befreiungskampfes (Vorsitzender B. Bierut); war die Keimzelle der volksdemokratischen Staatsmacht und nach der Befreiung Polens höchstes gesetzgebendes Organ; Februar 1947 vom Sejm abgelöst.

Landesrecht: die vom Gesetzgeber eines Landes, das Gliedstaat eines Bundesstaates ist, erlassenen Rechtsvorschriften.

Landesstädte: im mittelalterlichen deutschen Reich die Städte in fürstlichen Territorien, die (im Unterschied zu den Reichsstädten) der seit dem 15. Jahrhundert erstarkten fürstlichen Gewalt unterstanden (Landeshoheit).

Landesverrat: Verbrecher, feindliche Tätigkeit gegen den sozialistischen Staat in Form von Spionage, landesverräterische Nachrichtenübermittlung oder landesverräterische Agententätigkeit; unter strenge Strafe gestellt.

Landesverteidigung: Gesamtheit aller Maßnahmen und Einrichtungen eines Staates zum Schutz seiner Bürger, seiner Souveränität und territorialen Integrität mit vorwiegend militärischen Mitteln.

Landflucht: die Abwanderung vorwiegend landwirtschaftliche Arbeitskräfte in die Städte infolge der wachsenden ökonomischen und sozialen Rückständigkeit des Dorfes gegenüber der Stadt und der zunehmenden Verelendung des Landproletariats und der werktätigen Bauern.

Landfriede: seit Ende des 11. Jahrhundert von weltlichen Fürsten erlassenes Friedensgebot, das ähnlich dem Gottesfrieden das Fehdeunwesen und die damit verbundenen Gewalttaten bekämpfen sollte. Für Bruch des Landfrieden wurden Strafen (Todesstrafe, Verstümmelungen) festgesetzt. Heinrich IV. erließ 1103 einen vierjährigen Reichslandfriede. Seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert diente die Landfriedegesetzgebung zunehmend dem Auf- und Ausbau der fürstlichen Landesherrschaft.

Landgericht: Kollegialgericht, die erstinstanzliche Rechtsprechung in Zivil- und Strafsachen ausübt, soweit diese nicht dem Amtsgericht übertragen ist; das Landgericht befindet auch über Berufungen und Beschwerden gegen Entscheidungen der Amtsgerichte; als Spruchabteilungen bestehen Kammern und das Schwurgericht. In der DDR wurden die Landgericht durch das Gerichtsverfassungsgesetz von 1952 aufgelöst.

Landgewinnung: Gewinnung kultivierbarer Bodenflächen

a) an der Küste und in Flussdeltas durch Eindeichung, Entwässerung und Entsalzung (vor allem im Wattenmeer vor der niederländischen Küste, zum Beispiel Zuiderzee, Deltaplan, und vor der Küste der KDVR), durch Aufschüttungen im Meer (unter anderem Baulandgewinnung in Monaco und Japan);

b) im Binnenland aus Seen, Sümpfen, Mooren;

c) aus ehemaligen Bergbau-, Unland- und Ödlandflächen durch Wiederurbarmachung und Rekultivierung;

d) in Trockengebieten (als Neulandgewinnung bezeichnet) durch Bewässerung, Anlage von Schutzwaldstreifen und Anwendung besonderer Anbaumethoden. Seit 1917 wurden in Russland über 70 Millionen ha Neuland gewonnen.

Landgraf: im Mittelalter deutscher Reichsfürst im Range zwischen Graf und Herzog; hatte den Vorsitz im Landfriedensgericht.

Landhafte, Echte Netzflügler, Neuroptera: Insektenordnung mit etwa 70 mitteleuropäische Arten; erkennbar an 4 gleichgroßen, netzartig geäderten, oft farblosen Flügeln; Vollkerfe und Larven ernähren sich räuberisch und sind zum Teil wichtige Schädlingsvertilger. Siehe auch Netzflügler.

Landklima, Kontinentalklima, Binnenklima: vom Festland beeinflusstes Klima mit relativ heißen Sommern und kalten Wintern; große jährliche und tägliche Temperaturschwankungen; siehe auch Seeklima.

Landkreis: politisch-territoriale Einheit im Staatsaufbau der DDR. Die Landkreise sind neben den Stadtkreisen Gebietseinheiten innerhalb der Bezirke. Die gewählte Volksvertretung des Landkreises ist der Kreistag. Im Jahre 1984 bestanden in der DDR 191 Landkreis Der Landkreis gliedert sich in Städte und Gemeinden, die häufig in Gemeindeverbänden Zusammenwirken.

Land Lebus: flachwelliges, eiszeitlich geformtes Gebiet nordwestlich von Frankfurt mit Steilabfall zur mittleren Oder, vorwiegend Ackerbau; Hauptort ist Müncheberg.

Landler, Jenö, 23.11.1875-25.2.1928, ungarischer Revolutionär; zunächst linker Sozialdemokrat und Führer des Eisenbahnerbundes; im November 1918 Mitglied des Nationalrats; während der Räterepublik Volkskommissar für Inneres, später Oberbefehlshaber der ungarischen Roten Armee. 1919 emigrierte er, wurde Mitglied der KP und ihres ZK, leitete von Wien aus die illegale KP.

Ländler, Landler, alter bayerisch-österreichischer figurenreicher mehrteiliger Werbetanz im langsamen 3/4-Takt; auch Sammelbezeichnung für mit ihm verwandte Werbetänze der Alpenländer (Schuhplattler, Steirer unter anderem); Vorform des Walzers.

Landmaschinen: Gesamtheit der speziell in den Produktionszweigen der Landwirtschaft eingesetzten technischen Arbeitsmittel (Geräte, Kraft- und Arbeitsmaschinen, Aggregate) zur Mechanisierung und Automatisierung der Tier- und Pflanzenproduktion. Die Zuordnung verschiedenartiger, in ihren Leistungen aufeinander abgestimmter Landmaschinen zu Maschinensystemen ermöglicht die durchgängige Mechanisierung vollständiger Produktionsprozesse. Für die sozialistische Landwirtschaft der DDR werden Landmaschinen durch die landtechnische Wissenschaft und Industrie sowie in internationaler Kooperation im RGW entwickelt, geprüft und in großen Serien gefertigt.

Landnamabok, «Buch von den Landnehmungen»: Geschichtswerk über die Besiedlung Islands im 9./10. Jahrhundert; vielleicht von Ari Thorgilsson (1067-1148).

Landowska, Wanda, 5.7.1879-16.8.1959, polnische Pianistin und Cembalistin; lebte seit 1900 in Paris, emigrierte 1940 in die USA; erwarb sich große Verdienste um die Wiedererweckung alter Cembalomusik und als Cembalolehrerin; trat auch als Komponistin und Musikschriftstellerin hervor.

Landrecht: im Mittelalter in einem einzelnen deutschen Land allgemein geltendes Recht im Unterschied einerseits zu den Ortsrechten und den Sonderrechten für einzelne Klassen und Schichten, zum Beispiel Lehn-, Dienst-, Hofrecht, andererseits zum grundsätzlich für das ganze Reich geltenden gemeinen Recht; später Bezeichnung der zusammengefassten Gesetzgebung eines Einzelstaates unter Aufhebung des gemeinen Rechts, zum Beispiel Preußisches Allgemeines Landrecht.

Landsassen: in der Feudalgesellschaft persönlich freie, aber feudalabhängige Bauern mit geringem Grundbesitz.

Landsberg, Grigori, 22.11.1890-2.2.1957, sowjetischer Physiker; entdeckte 1927 zusammen mit I. Mandelstam und unabhängig von C. Raman den nach diesem benannt Effekt der Lichtstreuung.

Landsberg am Lech: Kreisstadt in Bayern, in Oberbayern, am Südende des Lechfeldes, westlich vom Ammersee; 18000 Einwohner; Textil- und Baustoffindustrie, Plastikverarbeitung. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (15. Jahrhundert), barocke ehemalige Jesuitenklosterkirche und Johanniskirche, Rathaus (um 1700), Tore und Türme der Stadtbefestigung (13./15. Jahrhundert).

Landschaft: ein Teil der Erdoberfläche, der nach seinem äußeren Erscheinungsbild und durch das Zusammenwirken von Relief, Klima, Wasser, Boden, Tier- und Pflanzenwelt sowie von menschlicher Betätigung eine charakteristische räumliche Einheit bildet, die unterschiedlich groß sein kann. Der vom Menschen noch weitgehend unbeeinflussten Naturlandschaft steht die durch menschliche Einwirkung in bestimmter Weise veränderte Kulturlandschaft gegenüber. Den Zustand der Landschaft vor Beginn menschlicher Eingriffe bezeichnet man als Urlandschaft. Nach vorherrschenden Merkmalen beziehungsweise Funktionen unterscheidet man zum Beispiel Gebirgs-, Seen-, Wald-, Küsten-, Gletscher-, Vulkan-, Wüsten-, Heide-, Steppen- beziehungsweise Industrielandschaft, Bergbaulandschaft, Ackerlandschaft, Verkehrslandschaft, Stadtlandschaft, Erholungslandschaft, auch Wald-Seenlandschaften. Die Naturlandschaften (Landschaftstypen) auf der Erdoberfläche wurden in ihrer gesetzmäßigen Anordnung vor allem durch die klimatische Großgliederung (Landschaftsgürtel oder physische Zonen), daneben (azonal) durch das Relief, die Exposition und die Entfernung zum Meer bestimmt. Um Landschaften beziehungsweise Landschaftsteile von hohem natürlichen Reiz oder wissenschaftlicher Wert vor nachteiligen menschlichen Einflüssen zu bewahren, werden sie heute vielfach unter besonderen Schutz gestellt (Naturschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet). In der DDR bildet für die Entwicklung der Landschaft das Landeskulturgesetz den Rahmen.

Landschaften: genossenschaftliche Kreditinstitute des 18. Jahrhundert in Preußen zur Förderung des Großgrundbesitzes. Die Landschaften entwickelten sich später zu Hypothekenbanken mit öffentlich-rechtlichem Charakter.

Landschaftsbild: komplexe Darstellung eines Ausschnitts der unberührten natürlichen oder vom Menschen umgestalteten beziehungsweise neugeschaffenen Umwelt des Menschen in Malerei (Landschaftsmalerei), Graphik und Fotografie. Von der realistischen Schilderung eines bestimmten Gebiets bis zur reinen Phantasielandschaft gibt es viele Übergangsformen. Das Landschaftsbild kann Teil eines Bildes (Hintergrund o. ä.) oder selbständige künstlerische Aufgabe sein. Im Laufe der Entwicklung entstanden spezielle Gattungen: Seestück (Marinebild), Stadt- und Industrielandschaft. Die Geschichte des Landschaftsbildes ist eng mit der des Realismus verbunden. Über die formelhafte, unräumliche Signalisierung einer Landschaft (ägyptischer Kunst) gelangte erst die Malerei der römischen Kaiserzeit hinaus (Odyssee Landschaften im Vatikan). Doch das Mittelalter reduzierte diese Errungenschaften wieder auf streng stilisierte Abkürzungen. Dagegen entwickelte sich das Landschaftsbild zu einem Hauptgegenstand der ostasiatischen Malerei und Graphik (in China seit dem 6. Jahrhundert). In Europa begann erst im 14. Jahrhundert mit dem wachsenden Interesse am Irdischen die Entwicklung eines neuen Landschaftsbild Zugleich eröffnete die Anwendung der Perspektive den Tiefenraum. Einen großen Fortschritt zeigen die burgundisch-niederländische Miniaturen im frühen 15. Jahrhundert K. Witz gab in dem Tafelbild «Petri Fischzug» (1444) erstmalig eine bestimmte Landschaft wieder. Landschaften um ihrer selbst willen dargestellt, ohne menschliche Figuren, erscheinen um 1500 zuerst in Zeichnung, Aquarell und Graphik (Leonardo da Vinci, A. Dürer, A. Altdorfer). P. Bruegel der Ältere gestaltete die Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten (um 1560). Um 1600 begann in Italien die Entwicklung des idealen Landschaftsbild, einer freien, summierenden Komposition landschaftliche Elemente zu großartiger, harmonischer Wirkung (mit Staffagefiguren der antiken Mythologie: heroisches Landschaftsbild). Im 17. Jahrhundert erfolgte in Holland eine starke Differenzierung des Landschaftsbild (zum Beispiel Winter-, Mondschein-Landschaftsbild u. ä.). Nachdem sich im 16. und besonders im 17. Jahrhundert (M. Merian) in der Graphik topographischen Darstellungen verbreiteten, erlebte die Stadtdarstellung in der venezian. Vedutenmalerei des 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt (Canaletto). Zu gedankenvoller Sinnbildlichkeit formte die Romantik das Landschaftsbild, bei gleichzeitiger Erweiterung seiner realistischen Elemente (C. D. Friedrich). Engl. Landschaftsmaler sowie die französische Schule von Barbizon bereiteten den Impressionismus vor, der konsequent zur Freilichtmalerei überging. P. Cézanne, P. Gauguin und besonders V. van Gogh leiteten zum Expressionismus und Kubismus über, wobei das Landschaftsbild zum Ausdrucksträger erregter Gefühle übersteigert wurde. Daneben hat es immer eine realistische Landschaftsdarstellung gegeben, deren Traditionen im sozialistischen Realismus weiterleben.

Landschaftsfotografie: Genre der künstlerischen Fotografie; die von der Natur und vom Menschen geformte Landschaft wird zum Bildgegenstand, in dem der Fotograf sein Wirklichkeitsverhältnis ausdrückt. Landschaftsfotografie widerspiegelt individuelle und gesellschaftliche Wertvorstellungen und Haltungen.

Landschaftsgestaltung: aus der Territorial- und Landschaftsplanung abgeleitete Maßnahmen zur Schaffung einer geordneten leistungsfähigen Wirtschafts- und Erholungslandschaft sowie zur Behebung beziehungsweise Verminderung durch technische Eingriffe verursachter oder zu erwartender Beeinträchtigungen des Landschaftsgefüges.

Landschaftshaushalt: Wirkungsgefüge von Klima, Wasser- und Bodenverhältnissen in Beziehung zur Pflanzen- und Tierwelt eines bestimmten Abschnittes der Erdoberfläche. Seiner Erforschung dient die Landschaftsökologie durch Analyse sowohl der Substanzen, Prozesse und Raumgefüge der Natur als auch der technischen Maßnahmen und Objekte, mit denen die Natur genutzt und verändert wird.

Landschaftspflege: Maßnahmen zur planmäßigen Erhaltung und Mehrung natürlicher Ressourcen in der Landschaft, in Landschaftsschutzgebieten meist auf der Grundlage von Landschaftspflegeplänen, die von staatlichen Organen beschlossen sind.

Landschaftsschutzgebiet: Landschaftsteil, der wegen natürlicher und kultureller Eigenheiten unter gesetzlichen Schutz steht; ist meist als Erholungs- und Wandergebiet geeignet. Siehe auch Landschaftspflege, Naturschutz, Naturschutzgebiet.

Landschildkröten, Testudinidae: Familie der Schildkröten mit meist hochgewölbtem Panzer, stimmigen, säulenförmigen Beinen und bis auf die Krallen zu Klumpfüßen verwachsenen Zehen; der Kopf kann vollständig eingezogen werden; vorwiegend Pflanzenfresser. In Südeuropa die knapp 30 cm lange und 5 kg schwere Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni), in Westasien und Nordwestafrika die ihr ähnlicher Maur. Landschildkröten (T. graeca); Trockengebiete Mittelasiens bewohnt die Steppen- oder Vierzehenschildkröte (Agrionemys horsfieldii) mit relativ flachem Panzer. Viele Arten sind vom Aussterben bedroht, so die Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata) auf Madagaskar und die sogenannte Riesenschildkröten.

Landshut: kreisfreie und Kreisstadt in Bayern, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirks Niederbayern, an der Isar; 56000 Einwohner; Autoreifen- und Kondensatoren Herstellung; Agrarmarkt; in der Umgebung Hopfenanbau; Altstadt mit Giebelhäusern des 15. und 16. Jahrhundert, zahlreiche Kirchen, unter anderem Pfarrkirche St. Martin (14./15. Jahrhundert) mit 133 m hohem Turm, Stadtresidenz (16./18. Jahrhundert); über der Stadt Burg Trausnitz (13./17. Jahrhundert).

Landsknechte: vom 15. bis 17. Jahrhundert deutsche Söldner zu Fuß (im Unterschied zu den ausländischen «Schweizern»); ließen sich von Städten, Fürsten und Königen anwerben, waren mit Schwert, Spieß, Hellebarde oder Hakenbüchse ausgerüstet, organisiert in Fähnlein (300 bis 500 Landsknechte) und Regiment (10 bis 15 Fähnlein). Sie lösten die Ritterheere ab, entarteten später (Dreißigjähriger Krieg) und wurden durch stehende Heere ersetzt.

Landskrona: Stadt im Süden Schwedens, am Öresund; 38000 Einwohner; Maschinenbau, chemische, Bekleidungs-, Zuckerindustrie; Hafen, Fährverkehr nach Kopenhagen; alte Festung.

Landsmannschaften: revanchistische Organisationen in der BRD und in Westberlin, deren Mitglieder Umsiedler und deren Nachkommen aus Gebieten heutiger sozialistischer Staaten Europas sowie Neofaschisten sind. Die Landsmannschaften lehnen eine völkerrechtliche Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und der DDR ab; das Münchener Abkommen erklären sie für rechtsgültig. Dachverband der Landsmannschaften ist der Bund der Vertriebenen. Die Landsmannschaften werden von der Bundesregierung, den Ländern und von anderen Institutionen der BRD finanziell unterstützt; Mitglieder der Landsmannschaften sind im Bundestag und in anderen parlamentarischen Gremien als Abgeordnete tätig.

Landstände: Feudalherren und Städte in den deutschen Territorien des Mittelalters (Adel, Klerus, Landesstädte), die seit etwa 1300 den Fürsten mit dem Anspruch entgegentraten, bei Steuerbewilligungen, Erlass von Landesgesetzen, Kriegserklärung und Friedensschluss mitzuwirken. Das unmittelbare Ziel der Landstände bestand in der Erhaltung und dem weiteren Ausbau ihrer Rechte, Freiheiten und Privilegien gegenüber der Landesherrschaft. Die Mitglieder der Landstände bildeten vom 15. bis zum 17./18. Jahrhundert Landtage.

Landsteiner, Karl, 14.6.1868-26.6.1943, österreichischer Serologe; in Wien und New York tätig; entdeckte um 1900 das ABO-Blutgruppensystem, gemeinsam mit P. Levine 1927 das M/N-System und 1940 mit A. Wiener den Rhesusfaktor.

Landstreitkräfte: Teilstreitkräfte für Kampfhandlungen zu Lande. In einigen deutschsprachigen Staaten hat sich die frühere Bezeichnung Heer erhalten. Landstreitkräfte bestehen aus verschiedenen Waffengattungen (motorisierte Schützentruppen, Panzertruppen, Raketentruppen und Artillerie, Luftlandetruppen, Truppenluftabwehr unter anderem), Spezialtruppen (zum Beispiel Pionier-, Nachrichtentruppen) und Diensten (ehem., rückwärtige Dienste unter anderem).

Landstufe: 1. allgemeine Bezeichnung für einen stufenförmig geformten Reliefteil der Erdoberfläche.

2. Schichtstufe.

Landtag: 1. Geschichte: Landstände.

2. Staatsrecht: das gewählte Parlament der Gliedstaaten verschiedener Bundesstaaten, zum Beispiel der Republik Österreich, der BRD. In der DDR bestanden Landtag bis 1952. Mit der Neugliederung des Staatsgebietes der DDR entstanden neue sozialistische Vertretungsorgane (Bezirkstage und so weiter).

Landtechnik, Agrartechnik: Zweig der technischen Wissenschaften und Industriezweig (Produktion und Instandhaltung landtechnische Arbeitsmittel) sowie Grenzgebiet der Landwirtschaftswissenschaften (Anwendungstechnik der Mechanisierung und Automatisierung landwirtschaftliche Produktionsprozesse). Siehe auch Landmaschinen, landtechnische Instandhaltung: Gesamtheit der Maßnahmen zum Überwachen, Erhalten und Wiederherstellen der Gebrauchseigenschaften landtechnischer Arbeitsmittel; wichtigster Hilfsprozess für den Hauptprozess «Produktion».

Landung: 1. Luftfahrt: Aufsetzen eines Luftfahrzeugs aus dem Flug-, Gleit- oder Schwebezustand mit Minimalgeschwindigkeit auf den Erdboden beziehungsweise auf die Wasseroberfläche (Wassern). Als Notlandung beziehungsweise Notwassern bezeichnet man jede unvorhergesehene Landung Schlechtwetterlandung unter ungünstigen Sichtbedingungen sind möglich, indem das Flugzeug durch Funknavigation zum Aufsetzpunkt geleitet wird (zum Beispiel durch Instrumentenlandesystem), wobei jedoch die Einhaltung der geforderten Minima (Flugzeug-, Flugplatz-, Kommandantenminimum) gewährleistet sein muss. Eine Landung ohne jede Bodensicht (Blindlandung) erfordert ihre Automatisierung, an der noch gearbeitet wird. Eine Ziellandung ist die Landung eines Sportflugzeuges auf einer vorher festgelegten kleinen Fläche.

2. Raumfahrt: Niedergehen eines Raumflugkörpers auf der Oberfläche der Erde, des Erdmondes oder eines Planeten(Mondes). Man unterscheidet harte Landung (ungebremste Landung), bei der der Raumflugkörper zerstört wird, und weiche Landung, bei der der durch Triebwerksschub oder beziehungsweise und andere Mittel abgebremste Raumflugkörper in der Regel unzerstört und funktionstüchtig bleibt.

Landungsschiff: flachgehendes Kampfschiff für die Überführung und Anlandung von Seelandungstruppen an der Küste. Landungsschiff verfügen über Vorrichtungen für das Be- und Entladen der Kampftechnik und die Anlandung der Truppen, sind mit Navigationsanlagen und Nachrichtenmitteln ausgerüstet sowie mit Raketen und Universalartillerie bewaffnet.

Landvogt: im Mittelalter (seit 13. Jahrhundert) kaiserlicher Statthalter (Reichsvogt) im Range eines Grafen zur Verwaltung von Reichsbesitz; Verwalter, Vorsteher einer Landvogtei.

Landwanzen, Geocorisae: Unterordnung der Wanzen mit mehr als 20000 rezenten Arten; Entwicklung ohne Puppenruhe. An Pflanzen saugende Arten sind teils Schädlinge, räuberisch lebende Arten meist Schädlingsvertilger.

Landwehr: 1. L, Landsturm: ursprünglich ältere Jahrgänge der wehrfähigen Männer, für den Kriegsdienst, später auch milizartiges Volksaufgebot (zum Beispiel preußische Landwehr von 1813) sowie Reserveformation für stehende Heere.

2. frühere Bezeichnung für wallartige Grenzbefestigung. Landwind und Seewind: lokale Luftzirkulation zwischen Land und Meer infolge unterschiedlicher Erwärmung; weht dicht an der Erdoberfläche tagsüber vom Meer zum Land (Seewind), nachts vom Land zum Meer (Landwind).

Landwirt: frühere Berufsbezeichnung für in der Landwirtschaft tätige Personen mit einem eigenen oder gepachteten Betrieb beziehungsweise in leitender Tätigkeit als Angestellter. Außerdem Bezeichnung für ausgebildete Fachkräfte der Landwirtschaft, zum Beispiel staatlich geprüfter Landwirt, Diplomlandwirt. Nach erfolgreichem Abschluss einer Fachschule wird heute in der DDR der Titel Agraringenieur, nach erfolgreichem Hochschulabschluss der akademische Grad Diplomagraringenieur beziehungsweise Diplomagrarökonom verliehen.

Landwirtschaft: Bereich der Volkswirtschaft, der Pflanzenproduktion, Tierproduktion sowie Gemüse- und Obstproduktion, im weiteren Sinne auch Forstwirtschaft, Jagd und Binnenfischerei umfasst: Die Landwirtschaft wird vom Stand der Entwicklung der Produktivkräfte und vom Charakter der Produktionsverhältnisse entscheidend geprägt. Der Beginn der landwirtschaftlichen Tätigkeit des Menschen (Übergang vom Sammeln und Jagen zum Pflanzenbau und zur Tierzüchtung und -haltung) liegt etwa 7000 bis 10000 Jahre zurück. In der Sklaverei Gesellschaft gab es bereits relativ hochentwickelte Zentren der Bodenbebauung und Viehzucht. Im Feudalismus wurde eine umfangreiche Rodung und Urbarmachung durchgeführt und der Übergang zur Dreifelderwirtschaft vollzogen. Die Höherentwicklung der Landwirtschaft war das Ergebnis der Arbeit der unmittelbaren Produzenten, die jedoch als Sklaven beziehungsweise leibeigene und hörige Bauern von den Produktionsergebnissen ganz oder fast völlig ausgeschlossen waren. Der Übergang zur Entwicklung des Kapitalismus in der Landwirtschaft vollzog sich in den meisten europäischen und einer Reihe weiterer Länder im 18./19. Jahrhundert. Lenin unterschied 2 Wege der Entwicklung des Kapitalismus in der Landwirtschaft Der Weg ist gekennzeichnet durch Umwandlung fronherrschaftlichen Gutsbesitzes über Reformen in kapitalistisch-junkerlichen Gutswirtschaften, oft bei längerer Beibehaltung halbfeudaler Ausbeutungsformen (charakteristisch besonders für das preußische Ostelbien, für Italien, Japan). Der amerikanische Weg ist durch einen radikalen Bruch mit den Feudalverhältnissen charakterisiert. Bei diesem Weg werden Feudalländereien enteignet und aufgeteilt (zum Beispiel in Frankreich 1789/94). Diese Form des Übergangs vollzog sich zum Teil auch dort, wo Boden zur Kolonisation zur Verfügung stand (zum Beispiel in den USA im 18. /19. Jahrhundert, wobei die Ureinwohner vertrieben oder vernichtet wurden). Die kapitalistische Entwicklung führte einerseits zu einem Aufschwung der Landwirtschaft, andererseits zu einem ständigen Differenzierungsprozess in der Bauernschaft, der sich im Imperialismus weiter verstärkt. Das Monopolkapital betreibt die Anpassung der bäuerlichen Produzenten an seine Produktions- und Verwertungsbedingungen und ruiniert dabei große Teile der Bauernschaft (Bauern).

Unter den Bedingungen des Sozialismus nimmt die Landwirtschaft auf der Grundlage sozialistischer Produktionsverhältnisse qualitativ neue Züge an. Es entwickelt sich die mit der Arbeiterklasse eng verbundene Klasse der Genossenschaftsbauern. Die historische Rückständigkeit der Landwirtschaft wird durch wachsende Anwendung der fortgeschrittenen Erkenntnisse von Wissenschaft und Technik überwunden. Die wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land werden planmäßig abgebaut. Gegenwärtig hat die Landwirtschaft in der DDR bereits ein Niveau erreicht, bei dem sich die Intensivierung der Produktion auf der Grundlage von Wissenschaft und Technik vollzieht (Anwendung ganzer Maschinensysteme, der Biotechnologie und Genetik, Verlagerung bestimmter Arbeiten auf selbständige spezialisierte Betriebe unter anderem). Mit der weiteren Spezialisierung und Konzentration der Produktion vertieft sich die Kooperation zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben und Betrieben der Nahrungsgüterwirtschaft; es bildet sich der volkswirtschaftliche Agrar-Industrie-Komplex heraus. Charakteristische Organisationsformen der sozialistischen Landwirtschaft in der DDR sind die LPG und VEG. Die Kooperation der spezialisierten LPG und VEG in der Tier- und Pflanzenproduktion ist längerfristig der Weg, um die Potenzen des genossenschaftlichen Eigentums zu erschließen und die Intensivierung der Produktion auf Dauer durchzusetzen. Durch Ausnutzung der objektiven ökonomischen Gesetze des Sozialismus werden die landwirtschaftliche Produktion und deren Effektivität gesteigert und ein wachsender Beitrag zur stabilen Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und der Industrie mit Rohstoffen sowie zur Steigerung des Nationaleinkommens geleistet.

landwirtschaftliche Betriebssysteme, Betriebstypen: landwirtschaftliche Betriebe mit gleicher Betriebsorganisation, charakterisiert durch Art und Umfang der Betriebszweige (zum Beispiel Viehwirtschaft, Acker- und Grünlandnutzung). Derartige Betriebe entstanden unter kapitalistischen Produktionsbedingungen und bäuerliche Struktur in starker Abhängigkeit von den natürlichen Produktionsbedingungen. In der sozialistischen Landwirtschaft sind andere Organisationsprinzipien bestimmend. Sie zielen ab auf hohe bedarfsgerechte Produktion in guter Qualität mit minimalem gesellschaftlichen Arbeitsaufwand je Produkteneinheit durch optimale Kombination der Elemente des Produktionsprozesses (Arbeitskräfte, Arbeitsmittel, Arbeitsgegenstände) und Arbeitsteilung auf der Basis der Kooperation und Spezialisierung bei Berücksichtigung der natürlichen Standortbedingungen.

landwirtschaftliche Nutzfläche, Abkürzung LN: Gesamtheit der landwirtschaftlich genutzten Flächen; umfasst Ackerland, Dauergrünland, Gartenland, Obstland einschließlich Baumschulen, Rebland und Hopfenland.

Landwirtschaftsausstellung: Lehr- und Leistungsschau der Landwirtschaft zur Popularisierung neuester Erkenntnisse der Wissenschaft und Praxis, besonders bei der Intensivierung der Pflanzen- und Tierproduktion und der Vervollkommnung der gesellschaftlichen Organisation der Produktion. Die Landwirtschaftsausstellung der DDR findet seit 1950 in Markkleeberg bei Leipzig (jetzt unter der Bezeichnung agrä) statt.

Landwirtschaftswissenschaften, Agrarwissenschaften: natur- und gesellschaftswissenschaftliche sowie technischen Disziplinen, die sich mit der Erforschung der materiellen Produktionsbedingungen, der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse der Landwirtschaft befassen.

Lang: 1. Alexander Lang, geboren 24.9.1941, Schauspieler und Regisseur; gehört, seit 1969 am Deutschen Theater in Berlin, zu dessen profilierten Darstellern; trat mit unkonventionellen Inszenierungen hervor («Ein Sommernachtstraum», «Dantons Tod») und wurde durch Kino- und Fernsehfilme bekannt.

2. Fritz Lang, 5.12.1890-2.8.1976, österreichischer Filmregisseur; schuf die von Fatalismus und Phantastik getragenen Filme «Der müde Tod», «Dr. Mabuse, der Spieler», «Metropolis»; 1933/56 war er in Hollywood tätig. Seine bedeutendsten Filme waren «M», «Henker sterben auch», «Engel der Gejagten».

Langdon-Downsche Erkrankung, Down-Syndrom: angeborene Form des Schwachsinns, kombiniert mit Abarten im Erscheinungsbild und oftmals mit Herzfehler. Die Langdon-Downsche Erkrankung beruht auf einer Abweichung der Chromosomen (das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden). Die Langdon-Downsche Erkrankung erfordert eine sonderpädagogische Förderung, eine Behandlung ist nicht möglich. benannt nach dem britischen Arzt Langdon Down (1828-1896).

Lange: 1. Dorothea Lange, 26.1.1895 bis 11.10.1965, US-amerikanische Bildjournalistin und Dokumentaristin; in Bildern von hoher Formprägnanz hielt sie soziale Beziehungen besonders verarmter Schichten des Volkes fest; vor 1945 arbeitete sie besonders als Dokumentaristin, in den 50er Jahren schuf sie Bildzyklen für die Zeitschrift «Life».

2. Friedrich Albert Lange, 28.9.1828-21.11.1875, Philosoph; Mitbegründer des frühen Neukantianismus und Vorläufer der revisionistischen Marxfälschung; vertrat einen «ethischen Sozialismus». Lange akzeptierte den Materialismus als Methode der Naturwissenschaft, lehnte ihn jedoch als Weltanschauung ab. Seine «Geschichte des Materialismus» (1866) entstellt die Entwicklung dieser philosophischen Grundrichtung.

3. Helene Lange, 9.4.1848-13.5.1930, eine Führerin der bürgerlichen Frauenbewegung, Pädagogin; war seit 1902 Vorsitzende des bürgerlichen Allg. Deutschen Frauenvereins; trat besonders für die Frauenbildung und das Wirken der Frauen in der Politik ein.

4. Herbert Lange, geboren 7.5.1917, Wirtschaftswissenschaftler; Professor für sozialistische Betriebswirtschaft an der TU Dresden; wichtigste Veröffentlichungen: «Der Betriebsplan des volkseigenen Industriebetriebes» (1952), «Die planmäßig vorbeugenden Reparaturen in Industriebetrieben» (1956), «Technische Produktionsvorbereitung, Rationalisierung» (1972).

Länge:

1. Astronomie: eine Koordinate im Ekliptikal- und im galaktischen Koordinatensystem.

2. Physik: Basisgrößenart, Zeichen (und andere, zum Beispiel s für Weglänge und r für Radius), SI-Einheit Meter (m).

3. Sport: in einigen Sportarten in Geschwindigkeitswettbewerben angegebener Vorsprung (geschätzter Abstand), zum Beispiel Körper- oder Bootslänge.

Langeland: langgestreckte dänische Ostseeinsel zwischen Fünen und Lolland; 284 km2, 16000 Einwohner; wichtigster Ort Rudkobing; flachwellige Grundmoränenlandschaft mit fruchtbaren Böden; entwickelte Landwirtschaft (Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln); Fischerei; Brücke nach Fünen, Fährlinien; Seebäder.

Langen, Eugen, 9.10.1833-2.10.1895, Ingenieur; war am Bau der ersten wirtschaftlich arbeitenden Gasverbrennungskraftmaschine beteiligt.

Langenbeck, Wolfgang, 21.6.1899-27.3.1967, Chemiker; Professor für organische Chemie in Dresden, Rostock und Halle; untersuchte insbesondere Struktur und Wirkungsweise organischer und anorganischer Katalysatoren.

Längen-Breiten-Index: in der Anthropologie Bezeichnung für das Verhältnis von Breitenmaßen zu Längenmaßen des menschlichen Körpers. So bedeutet zum Beispiel der Längen-Breiten-Index des Kopfes das Verhältnis der größten Kopfbreite zur größten Kopflänge (Stirn bis Hinterhaupt).

Längeneinheit: Maßeinheit der Länge; SI-Einheit (Basiseinheit) ist das Meter, Zeichen m. Das Meter ist die Länge der Strecke, die Licht im Vakuum während der Dauer von (299792458) S durch läuft. Andere, SI-fremde Längeneinheit, sind Angström, astronomische Einheit, Lichtjahr, Parsec, Seemeile, X-Einheit.

Längengrad: Fläche der Erdkugel, die von zwei um 1° auseinanderliegenden Meridianen begrenzt wird; stellt ein sphärisches Zweieck dar.

Längenkontraktion: eine Folgerung aus der Speziellen Relativitätstheorie. Danach erscheint für einen ruhenden Beobachter die Länge L eines in Längsrichtung mit der Geschwindigkeit v bewegten starren Körpers, zum Beispiel eines Maßstabs, gegenüber der Ruhlänge L (im Ruhsystem des Körpers) um den Faktor (c Vakuumlichtgeschwindigkeit). Die Längenkontraktion bewirkt eine Volumenkontraktion, da senkrecht zur Bewegungsrichtung keine Längenkontraktion auftritt.

Längenkreis: auf dem Erdäquator senkrecht stehender, durch die Erdpole verlaufender Großkreis, der die Punkte gleicher geographischer Länge verbindet und dessen Mittelpunkt mit dem Erdmittelpunkt zusammenfällt.

Längenmesstechnik: Sammelbegriff für das Messen (Ergebnis: Maßzahl), Lehren (Vergleich mit Grenzmaßen) und Prüfen (Vergleich mit Toleranzen) geometrischen Größen (Längen und Winkel), die dazu notwendigen Verfahren, verwendeten Geräte und fehlerkritische Abschätzungen. Unterscheidung der Geräte nach Funktionsprinzip in mechanischer, optischer, elektrischer und pneumatischer; nach Messaufgaben in Geräte zur Bestimmung absoluter oder relativer Größen, von Längen- und Winkelkoordinaten, zur Prüfung geometrischer Formen sowie zur Oberflächenprüfung und -messung.

Langensalza, Bad: Kreisstadt im Bezirk Erfurt, im Thüringer Becken, an Salza und Unstrut; 17000 Einwohner; Textil-, Leder-, Möbel-, polygraphische, Lebensmittelindustrie, Travertin-, bei Langensalza Erdgasgewinnung; Agrarzentrum; Schwefelbad; Heimatmuseum; historische Altstadt (Rekonstruktion) mit Stadtmauerring (13./14. Jahrhundert), Markt- (14./15. Jahrhundert), Bergkirche (14. Jahrhundert), Friederikenschlößchen (18. Jahrhundert), Rathaus (18. Jahrhundert) und Fachwerkhäusern.

Längenuhr, Marinechronometer, Schiffschronometer, Seechronometer, sehr genau gehende mechanische (mit 56 h Gangzeit nach dem Aufzug) oder quarzgesteuerte Uhr in kardanischer Aufhängung, die früher in Verbindung mit dem Sextanten der Bestimmung der geographischen Länge des Standorts eines Schiffes diente.

Langeoog: eine der Ostfriesische Inseln, vor der Nordseeküste; 20 km2, 3000 Einwohner; schmale Düneninsel; Seebad.

Langerhans, Paul, 25.7.1847-20.7.1888, Pathologe; seit 1875 in Funchal tätig; beschrieb 1869 die nach ihm benannten Langerhansschen Inseln.

Langer Marsch: militärische Operation von Oktober 1934 bis Oktober 1935 zur Verlegung der Hauptkräfte der chinesischen Roten Armee von Süd nach Nordchina, ausgelöst infolge einer militärischen Einkreisung ihrer Hauptbasis durch Guomindang-Armeen. Der Lange Marsch endete mit der Errichtung eines neuen revolutionären Zentrums (Yan’an, Provinz Shaanxi), das zur Hauptbasis im Kampf gegen den japanischen Aggressor wurde.

Langes Parlament: englische Ständeversammlung, die von Karl I. nach Entlassung des Kurzen Parlaments im November 1640 zur Bewilligung von Mitteln für den Krieg gegen die aufständischen Schotten einberufen werden musste; auch sie übte Kritik an der feudalabsolutistischen Politik, widersetzte sich der Auflösung und wurde zur revolutionären Volksvertretung, die den aktiven Kampf in der bürgerlichen Revolution organisierte. 1648 von den kompromissbereiten großbürgerlich-presbyterianischen Mitgliedern gesäubert, beschloss es als Minderheit (sogenannt Rumpfparlament) die Hinrichtung des Königs und die Ausrufung der Republik (Commonwealth; 1649). 1653 wurde mit der Errichtung der Militärdiktatur (sogenannt Protektorat) unter O. Cromwell das Lange Parlament aufgelöst. Nach Cromwells Tod und dem Rücktritt seines Sohnes tagte es unter Hinzuziehung der 1648 ausgeschlossenen Mitglieder 1659 wieder und beschloss zur Sicherung der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung die Restaurierung der Dynastie Stuart. 1660 Selbstauflösung.

Langevin, Paul, 23.1.1872-19.12.1946, französischer Physiker; lieferte bedeutende Arbeiten über Elektrizitätsleitung in Gasen, über Magnetismus, Brownsche Bewegung sowie Schall- und Ultraschalltechnik.

Langgässer, Elisabeth, 23.2.1899-26.7.1950, Schriftstellerin; erhielt 1936 als Jüdin Schreibverbot; verfasste von katholischen Religiosität geprägte und humanistische Gesinnung bezeugende Gedichte, Erzählungen und Romane («Das unauslöschliche Siegel», 1946).

Langhans, Carl Gotthard, 15.12.1732-1.10.1808, Architekt. Seit 1786 in Berlin; Vertreter des deutschen Früh Mystizismus; sein Hauptwerk ist das Brandenburger Tor (1788/91) in Berlin.

Langhoff: 1. Thomas Langhoff, geboren 8.4.1938, Theater- und Fernsehregisseur, Sohn von Langhoff 2; trat an Berliner Bühnen (Maxim Gorki Theater, Deutsches Theater) mit Klassikeraufführungen («Drei Schwestern», «Ein Sommernachtstraum», «Maria Stuart») hervor; im Fernsehen inszenierte er die Filme «Befragung Anna O.», «Stine», «Guten Morgen, du Schöne», «Muhme Mehle».

2. Wolfgang Langhoff, 6.10.1901-25.8.1966, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter, spielte in Königsberg (Kaliningrad), Wiesbaden und Düsseldorf, fand den Weg zur Arbeiterbewegung; schrieb über seine Haftzeit im KZ (1933/34) das Buch «Die Moorsoldaten»; emigrierte 1934 in die Schweiz. 1946/63 war Langhoff Intendant des Deutschen Theaters, Berlin; als Regisseur hatte er bedeutenden Anteil an der Ausprägung der sozialistischen Theaterkunst in der DDR; als Schauspieler bei Bühne, Film und Fernsehen machte er sich durch seine eigenständige, parteiliche Rollengestaltung einen Namen. Gründungsmitglied und später Vizepräsident der AdK; Mitbegründer und erster Präsident des Zentrums DDR des ITI.

Langholz, Langrundholz: als Furnier-, Stamm-, Gruben- oder Schichtholz verwendbarer Schaft (Stamm) des Baumes.

Langland, William, um 1330-um 1400, englischer Dichter und Prediger; schrieb die christliche allegorische Traumvisionsdichtung «Peter der Pflüger» (1362/98, deutsch), in der der die Menschheit erlösende Pflüger-Heiland als Verkörperung des arbeitenden Menschen erscheint. Neben G. Chaucers Werken gehört dieses Poem zu den bedeutendsten Dichtungen des englischen Mittelalters

Langlauf: Geschwindigkeitswettbewerbe entweder in klassischen oder in Skating-Technik (Freistil) auf Skiern in Loipen, wettkampfmäßig international über 15, 30 und 50 km sowie 4 x 10-km-Staffel (Männer), 5, 10 und 20 km sowie 4 x 5-km-Staffel (Frauen). Es erfolgt Einzelstart (außer Staffeln und Massenläufe) mit mindestens 30 s Abstand. Die Loipe darf nicht verlassen werden, beide Stöcke können ausgetauscht werden, Skier nicht. Olymp, (seit 1924) und Weltmeisterschaftsdisziplin (seit 1937).

Langleine: wichtiges Angelgerät der Meeres- und Binnenfischerei, aus einer Hauptleine bestehend, an der in kleinen Abständen kurze Mundschnüre mit beköderten Haken hängen.

Langmetrage Film: Film von etwa 2 500 m Länge (etwa 1 1/2 Stunden Laufzeit), meist Spielfilm.

Langner, Maria, 10.1.1901 - 10.9.1967, Schriftstellerin; 1944/45 wegen antifaschistischer Tätigkeit inhaftiert (Erlebnisbericht «Die letzte Bastion», 1948); wandte sich mit dem Roman «Stahl» (1952) frühzeitig dem sozialistischen Aufbau in der DDR zu.

Langobarden: («Langbärte») germanischer Stamm, seit Beginn des 1. Jahrhundert nach Christus beiderseits der Unterelbe ansässig. Um 400 wanderten die Langobarden nach Süden, siedelten in der Folgezeit im östlichen Niederösterreich und nach der Vernichtung der Heruler um 505 in Westungarn (Föderatenverhältnis zum Byzantinischen Reich). Unter König Alboin eroberten die Langobarden 568 Norditalien und Teile Mittelitaliens (Langobardenreich mit Hauptstadt Pavia). 774 wurde das Langobardenreich durch Karl den Großen der fränkischen Herrschaft unterworfen.

Langres: Stadt im Osten Frankreichs, auf dem wenig fruchtbaren Plateau von Langres (bis 465 m); 12000 Einwohner; Herstellung von Kunststoffen, Messerwaren, Transportkarren, Elektrogeräten; Museen; Befestigungsanlagen mit Türmen und Toren, römische Baureste; Geburtsort von D. Diderot.

Langstand: Tierzucht Form der Anbindehaltung im Rinderstall mit einer Standlänge von 2,60 bis 2,80 m ohne abgesetzte Kotplatte. Die Tiere können sich gut vor- und rückwärts bewegen (bevorzugt für Abkalbe- und Krankenställe) allerdings ist viel Einstreu nötig und die Sauberhaltung erschwert. Siehe auch Kurzstand, Mittellangstand.

Langstreckenlauf: leichtathletische Disziplin; Geschwindigkeitswettbewerbe über Strecken länger als 1 Meile.

Längsverband: Anordnung von Konstruktionsteilen in Skelettbauten und Dachtragwerken, die eine Aussteifung des Bauwerkes in der Längsrichtung sichern.

Längswerk: Schutzbau aus Steinen, Stahlbeton, Faschinen oder Dalben längs eines Kanal- oder Flussufers, zum Beispiel als Deckwerk oder Leitwerk errichtet.

Languedoc: historisches Gebiet im Süden Frankreichs, zwischen Cevennen, unterer Rhône und dem Golfe du Lion; als Wirtschaftsregion Languedoc-Roussillon 27376 km2, 1,8 Millionen Einwohner; 67 Einwohner/km2; wichtigster Ort Montpellier, teils gebirgig (Südrand des Zentralplateaus), teils fruchtbare Ebene und Becken; Mittelmeerklima; Bauxitbergbau; Lebensmittel- und Textilindustrie; wichtiges Wein-, Obst- und Gemüseanbaugebiet (Bewässerungsanlagen); Hafen Sète; Fremdenverkehr an der Küste.

Langue d'oc: im Mittelalter übliche Bezeichnung für die provenzalische Sprache (romanische Sprachen) nach der Bejahungspartikel «oc», daher auch als Okzitanisch bezeichnet. Die Langue d'oc nimmt gegenüber dem Französischen eine sprachlich und kulturell selbständige Rolle ein.

Languren, Presbytis: südasiatischer Vertreter der Schlankaffen mit Kehlsäcken als Resonanzorgan, schlanken, langen Gliedmaßen, überkörperlangem Schwanz.

Languste, Palinurus vulgaris: scherenloser, bestachelter Zehnfußkrebs der Ostatlantik- und Mittelmeerküsten; bis 50 cm lang und 8 kg schwer; Speisekrebs.

Langzeile: Verszeile, bestehend aus 2 auf eine oder auf 2 Zeilen verteilte vierhebige Kurzzeilen, deren Kadenzformen (Kadenz 1) regelhaft aufeinander abgestimmt sind; zum Beispiel altdeutscher Reimvers oder die sogenannte Nibelungenzeile.

Lanner, Joseph, 12.4.1801-14.4.1843, österreichischer Geiger, Kapellmeister und Komponist; Meister des Wiener Walzers, dessen zyklische Form er entwickelte («Die Schönbrunner» unter anderem).

Lanoux, Armand, 24.10.1913-23.3.1983, französischer Schriftsteller; gestaltete in lebendigen zeitgeschichtlichen Romanen wie «Der Tote von Volmerange» (1956, deutsch), «Wenn das Meer zurückweicht» (1963, deutsch) die Frage nach den Hintergründen des Krieges und andere aktuelle Probleme; verfasste literaturhistorische Studien über E. Zola («Guten Tag, Herr Zola», 1954) und G. de Maupassant (1967).

Lansing: Hauptstadt des Bundesstaates Michigan (USA); 130000 Einwohner (davon 14% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 470000 Einwohner; Kraftfahrzeug-, Traktoren-, Maschinenbau.

Lansing, Robert, 17.10.1864-30.10.1928, US-amerikanischer Politiker und Völkerrechtler; 1915/20 Außenminister, Verfechter einer expansionistischen Politik (Intervention in Mexiko, 1916/17) und der Teilnahme am 1. Weltkrieg.

Lanthan, Symbol La: chemisches Element der Kernladungszahl 57; Seltenerdmetall; Atommasse 138,91; Wertigkeit +3; F920°C; Dichte 6,17 g/cm3; ist als Phosphat im Monazitsand enthalten. Das ziemlich unedle, silberglänzende Metall läuft an der Luft rasch an und wird auch von heißem Wasser angegriffen. Lanthan Verbindungen, zum Beispiel Chlorid, sind im Allgemeinen farblos. Lanthan wurde 1839 von dem schwedischen Chemiker Carl Gustav Mosander (1797-1858) aus Lanthanoxid hergestellt, das bereits 1803 aus Zeriterde isoliert worden war.

Lanthanoide, Lanthaniden: die 14 im Periodensystem der Elemente auf das Lanthan folgenden chemisches Elemente Zer bis Lutetium.

Lanugo: (lateinisch; Lanugines) Flaumhaarkleid, das den menschlichen Fetus etwa ab 5. Monat bedeckt und kurz vor der Geburt zum Teil (Gesicht, Unterleib) wieder abgestoßen wird.

Lanza, Mario, eigentlich Alfredo Cocozza, 31.1.1921-7.10.1959, US-amerikanischer Sänger (Tenor) italienischer Herkunft; wurde durch Filme und Schallplatten international bekannt und danach als Konzertsänger beliebter Belcanto-Stücke gefeiert.

Lanze: speerartige (schwere) Stoß- und Wurfwaffe, die im Altertum und später bei Reitertruppen bis zu Beginn des 1. Weltkrieges in Gebrauch war.

Lanzelot vom See, Ritter der Artussage, liebte Ginover, die Gattin des Königs Artus; Titelgestalt zweier französischer Epen (um 1170). In Anlehnung an diese verfasste Ulrich von Zatzikhoven zwischen 1194 und 1200 das deutsche höfliche Versepos «Lanzelot». Vom 13. bis 15. Jahrhundert entstanden zahlreiche französische und deutsche Prosabearbeitungen, 1225/30 als erster deutscher Prosaroman der Prosa-Lanzelot.

Lanzette: kleines, zweischneidiges Messer, besonders zum Impfen.

Lanzettfischchen, Branchiostoma: einzige rezente Vertreter der Schädellosen, einem Unterstamm der Chordatiere; Gestalt fischähnlich, aber ohne erkennbare Kopfregion, mit zeitlebens vorhandener Chorda dorsalis, Neuralrohr, segmental angeordneter Muskulatur und röhrenförmigem Herzschlauch; der durchscheinende Körper ist bis 7 cm lang mit unpaarem Flossensaum; 13 ähnliche Arten als Bodenbewohner der Küsten vieler Meere.

Lanzhou, Lantschou: Stadt in China, Verwaltungszentrum der Provinz Gansu, am oberen Huang He; 1,5 Millionen Einwohner; eines der wichtigsten Kernforschungszentren Chinas; bedeutende Erdölverarbeitung, Produktion von Bergbauausrüstungen, Maschinen, synthetisches Gummi, Kunstdünger, Aluminium und Textilien; Eisenbahnknoten; Universität.

Lao, Laoten: thaisprachiges Volk in Laos und in Nord- und Ostthailand; 13 Millionen; vorwiegend Nassreisbauern; Buddhisten.

Laokoon, in der griechischen Sage trojanischer Apollon-Priester; warnte die Trojaner, das hölzerne Pferd (Danaergeschenk) in die Stadt zu ziehen; wurde danach mit seinen 2 Söhnen von 2 Schlangen erwürgt. Von den Bildhauern Hagesandros, Polydoros und Athanadoros wurde im 1. Jahrhundert vor Christus in einer berühmten Figurengruppe (heute im Vatikan) die Schlangenszene dargestellt. Die Plastik wurde 1506 in den Titusthermen in Rom entdeckt und hat stark auf die neuere Kunstbetrachtung, besonders des Klassizismus, eingewirkt (J. J. Winckelmann, G. E. Lessing u. a,).

Laon: Stadt im Norden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Aisne, nordwestlich von Reims; 26000 Einwohner; metallverarbeitende, Glas-, chemische und Lebensmittelindustrie; Gemüseanbau; zum Teil von Mauern umgebene Oberstadt. Kathedrale Notre Dame (begonnen vor 1174, Chor Anfang 13. Jahrhundert), eines der bedeutendsten Werke der französischen Frühgotik; Bischofspalast (13. Jahrhundert, mit Doppelkapelle 12. Jahrhundert); Templerkapelle (um 1140) unter anderem

La Oroya: Stadt in Zentralperu, 3700 m über dem Meeresspiegel; 25000 Einwohner; Hüttenzentrum, Aufbereitung der Polymetallerze von Cerro de Paseo; gute Verkehrsverbindung zum Exporthafen Callao.

Laos, Volksdemokratische Republik Laos: Binnenstaat in Südostasien; grenzt im Nordwesten an Burma, im Norden an China, im Osten an Vietnam, im Süden an Kampuchea und im Westen an Thailand; verwaltungsmäßig in 13 Provinzen und die Hauptstadt gegliedert. Währung ist der Kip.

Bevölkerung: Sie besteht aus 68 Nationalitäten und ethnischen Gruppen. Hauptgruppen sind die Lao-Lum mit etwa 78%, die vorwiegend in den Tälern siedeln, die Lao-Theung mit 17%, die an den Berghängen leben, und schließlich mit etwa 5% Anteil die Lao-Sung als Bewohner der Gipfelregionen. Daneben gibt es vietnamesische und chinesische Minderheiten. Amtssprache ist Laotisch.

Natur: Der Norden und der zentrale Teil des Landes sind von Gebirgsketten durchzogen, zwischen denen Hochebenen eingeschlossen sind, wie zum Beispiel die 120 km große «Ebene der Tonkrüge» in der Provinz Xieng Khouang. Die Gebirge (höchste Erhebung Phou Bia mit 2817 m) sind durch den tiefeingeschnittenen Mekong und seine Nebenflüsse stark gegliedert; nur etwa 7,5 % der Oberfläche sind Tiefebenen. Es herrscht tropisches Monsunklima mit winterlicher Trockenzeit. Etwa 60% der Fläche sind waldbedeckt; vor allem der Norden ist reich an tropischen Edelhölzern wie Teak oder Mahagoni. Zahlreiche abbauwürdige Bodenschätze (Stein- und Braunkohle, Eisen-, Kupfer-, Zinnerz, Mangan, Blei, Kali, Salze unter anderem), deren Lagerstätten aber kaum erkundet sind und für die Wirtschaft nur wenig Bedeutung haben. Wirtschaft Laos ist ein Agrarstaat, der noch zu den wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Ländern der Erde gehört. 60 Jahre Kolonialherrschaft und nahezu 30 Jahre Krieg haben eine deformierte, mit schweren Zerstörungen belastete Wirtschaft hinterlassen. Die Volksmacht orientiert auf die schrittweise Überwindung dieses Erbes und die Schaffung der materiell-technische Basis für den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft unter Umgehung der kapitalistischen

Kunst: Die ältesten Kulturdenkmäler sind Gefäße aus Sandstein in Form von Krügen. Die größten haben eine Höhe bis 2,5 m und einen Durchmesser bis 1,5 m. Vermutungen zufolge stammen sie aus der 1. Hälfte des 1. Jahrhundert nach Christus und dienten als Urnen zur Bestattung der Toten. Mitte des 1. Jahrhundert befand sich ein bedeutender Teil des heutigen Laos im Einflussbereich der Kultur austroasiatischer Völker. Ab Ende des 13. Jahrhundert wurde die laotische Kunst von Siam, Burma und besonders Kampuchea (Khmer-Kunst) beeinflusst. Der Buddhismus leistete einen eigenständigen Beitrag zu ihrer Entwicklung. Der Beginn der Herausbildung einer nationalen laotischen Kunst ist eng mit der Schaffung des ersten frühfeudalen Staates Lane Xang (1353) verknüpft. Architektur. Zeugen des Einflusses der Kultur der austroasiatischen Völker sind noch zum Teil erhaltene Tempel in Südlaos (Vat Phu), die denen von Angkor des 6. bis 11. Jahrhundert gleichen. Die meisten Baudenkmäler, zum Teil aus Holz, zum Teil aus Stein, entstammen dem 16. Jahrhundert Zu ihnen gehören die sogenannte Vat, buddhistische Klosteranlagen, in deren Zentrum saalartige rechteckige Tempel, die Sim, liegen. Im Inneren der Sim befinden sich Buddha Statuen. Charakteristisch sind tief herabgezogene oder auch stufenförmig übereinander angeordnete Satteldächer. Künstlerisch vollendete Klosteranlagen befinden sich in Vientiane (Vat Phra Keo) und in Luang Prabang (Vat Xieng Thong, Vat May). Von großer Vielfalt sind die sogenannte That, Heiligtümer in Gestalt einer Stupa aus Stein oder Ziegeln: über ovalen, meist jedoch quadratischen oder achteckigen Sockeln erheben sich glockenförmige Spitzen, die von weiteren Türmen umgeben sein können. Der größte That in Laos ist der That Luang in Vientiane (1566 von König Setthathirat).

Plastik: Die älteste Buddha Figur stammt aus dem Tempel Wat Manorom in Luang Prabang (1372); typisch für den laotischen Stil seit dem 17. Jahrhundert ist der stehende, sitzende oder liegende Buddha, mit vollem Gesicht, eingravierten Augenbrauen, stilisierten langgezogenen Ohrläppchen und enganliegender Kleidung. Malerei. In der Wandmalerei sind Episoden aus dem Leben Buddhas zentrales Thema mit vorgegebenen ikonographischen Merkmalen. Im 20. Jahrhundert wurden nach Erlangung der Unabhängigkeit Versuche unternommen, die traditionelle klassische und angewandte Kunst wieder zu beleben. 1959 Gründung einer Kunstschule für Malerei, Plastik und angewandte Kunst in Vientiane. besonders das Kunsthandwerk (Weberei, Flechtarbeiten, Lackkunst), aber auch Plastik, Malerei (Aquarell) und Graphik erlebten einen Aufschwung. Neben religiösen und mythologischen Stoffen finden Themen aus dem Alltag des Volkes eine Widerspiegelung. Die moderne Architektur nutzt die Errungenschaften des europäischen Städtebaus unter Berücksichtigung der Formen nationaler Baukunst.

Musik: Mit der sozialen Differenzierung und der Ausbildung der Feudalgesellschaft (8. Jahrhundert) sonderte sich die Musik des Feudaladels von der des Volkes ab. Erstere zeigte überethnische Tendenzen (Identitäten mit der des kampucheanischen und thailändischen Hofes). Das Hoforchester für zeremoniell-rituelle Zwecke, zum Beispiel für Tanzspiele mit Themen des indischen Ramayana Epos (der Buddhismus war seit dem 14. Jahrhundert wesentlich), bestand aus einem Xylophon-Metallophon Kern (Buckelgongs, Zimbeln), weiterhin aus Trommeln, Rohrblattinstrument und Fiedeln. Die Musik ist in hohem Maße organisiert, verwendet melodische Formeln und ist heterophon. Ein Orchestertyp mit Saiteninstrumenten diente der Unterhaltung. Beide Ensembleformen begegnen auch auf dem Land. Die Bauernmusik (solistischer und instrumentalbegleiteter Gesang, improvisiertes Wettsingen, solistische und ensemblemäßige Instrumentalmusik, Tanz) ist viel weniger kompliziert aufgebaut. Typ. Volksinstrument ist die Khene, bestehend aus unterschiedlich langen Bambusflöten. Im 20. Jahrhundert entstand das von chinesischen, und vietnamesischen Vorbildern beeinflusste Massenlied. Seit Gründung der VDR Laos 1975 werden die laotischen musikalischen Traditionen gefördert und gepflegt.

Lao She, eigentlich Shu Qingchun, 3.2.1899-24.8.1966 (in der «Kulturrevolution» ermordet), chinesischer Erzähler und Dramatiker. In seinen zahlreichen Werken schildert er mit Einfühlungsvermögen und sprachliche Gestaltungskraft, mit Humor, aber letztlich einem tragischen Grundgefühl Menschen im politischen und sozialen Milieu Chinas vor der Befreiung, wie zum Beispiel in dem Roman «Rikschakuli» (1939, deutsch) oder der Erzählung «Die Mondsichel (dt.). Nach der Befreiung schrieb Lao She hauptsächlich Dramen, in denen er die Anstrengungen beim Aufbau eines neuen Chinas gestaltete («Drachenbartgraben», 1950; «Das Teehaus», 1958). Laoten Lao.

Laozi, Laotse, Laudsi (beide auch laudsa; «der alte Meister»), sagenhafte Gestalt des alten China, deren Historizität nicht erwiesen ist; nach der Legende Verfasser des «Daodejing» (Dau-de-djing, Taoteking, 4./3. Jahrhundert vor Christus), des klassischen Buches des Daoismus, in dem das daoistische Menschenbild (Passivität, Verinnerlichung, Bescheidenheit, Einfachheit) begründet wird. Laparoskopie Endoskopie.

Laparotomie: (griechisch) Eröffnung der Bauchhöhle zur Untersuchung und Diagnosestellung (Probelaparotomie) oder zur operativen Behandlung von Bauchorganen.

La Paz: (spanisch, «der Frieden») 1. Stadt (Departements Zentrum) in Bolivien und Regierungssitz des Landes, in einem Talkessel des Altiplano, mit 3694 m über dem Meeresspiegel höchstgelegene Großstadt der Welt; 880000 Einwohner; erbringt 60% der Industrieproduktion des Landes, besonders Textil-, Tabak-, Papier-, Möbel-, Plaste-, Zement-, Leder- und Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen El Alto; Universität; Nationalmuseum.

2. Hauptstadt des Bundesstaates Baja California Sur (Mexiko), auf der Südspitze der Halbinsel Niederkalifornien; 70000 Einwohner; internationaler Flughafen.

La Pérouse, Lapérouse, Jean François de Galaup, Comte de, 22.8.1741—1788, französischer Seefahrer; 1785 von Ludwig XVI. mit einer Entdeckungsreise um die Welt beauftragt; erforschte 1786 die Hawaii-Inseln, die nordwestamerikanische Küste sowie die Gewässer und Küsten im nordöstlichen Asien, entdeckte die La-Pérouse-Straße, bei Erkundung der melanesischen Inseln verschollen.

La-Pérouse-Straffe: (nach J. F. La Pérouse) Soya-Straße: Meeresstraße zwischen den Inseln Sachalin und Hokkaido (Japan); 40 bis 46 km breit; verbindet das Japanische mit dem Ochotskische Meer.

Lapidarschrift, Monumentalschrift: nur aus Großbuchstaben bestehende Schrift, meist für in Stein gemeißelte Inschriften verwendet.

Lapilli: (italienisch, «Steinchen») haselnuss- bis walnussgroßes festes vulkanisches Auswurfmaterial unregelmäßiger Form.

Lapithen: in der griechischen Sage nordthessalisches starkes Volk. Bei der Hochzeit seines Königs Peirithoos kam es zum Kampf gegen die Zentauren; die Lapithen blieben Sieger.

Laplace, Pierre Simon, Marquis de, 28.3.1749-5.3.1827, französischer Mathematiker und Astronom; lieferte wichtige Beiträge zur höheren Analysis, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Himmelsmechanik. Siehe auch Kosmogonie.

Laplace-Transformation: (nach P. S. Laplace) Abbildung, bei der der Originalfunktion f(x) durch die Vorschrift eine Bildfunktion g(f), die Laplace-Transformierte, zugeordnet wird. Durch Anwendung der Laplace-Transformation wird zum Beispiel eine gewöhnliche Differentialgleichung in eine algebraische Gleichung überführt.

La Plata: (spanisch, «das Silber») 1. Río de la Plata.

2. Stadt (Provinzzentrum) in Argentinien, am Rio de la Plata; 460000 Einwohner; Erdölraffinerie, Nahrungsmittel- (Großschlächtereien, -mühlen), Textil-, Zementindustrie; Exporthafen; Universität; berühmtes naturhistorisches Museum.

La-Plata-Staaten: die im Einzugsgebiet des Rio de la Plata liegenden südamerikanischen Staaten Argentinien, Uruguay und Paraguay.

Lappalie: (zu «Lappen») Kleinigkeit, Nichtigkeit, Belanglosigkeit.

Lappeenranta, Villmanstrand: Stadt im Südosten Finnlands, auf dem Salpausselkä, am Saimaa See; 53000 Einwohner; Zellulose-, Papier-, Holz- und Lebensmittelindustrie, Maschinenbau; Beginn des Saimaakanals; technische Universität.

Lappen, Selbstbezeichnung Samen: Volk mit Sprache in Nordskandinavien (Norwegen, Schweden, Finnland; 46000) und auf der Halbinsel Kola; anthropologisch unterscheiden sie sich deutlich von den übrigen skandinavischen Völkern (unter anderem geringere Körpergröße); traditionelle Wirtschaftsformen sind Renzucht, Jagd und Fischfang.

Läppen: spannendes Feinbearbeitungsverfahren, bei dem die Spanabnahme durch loses Korn erfolgt, das stets mit einer Paste oder Flüssigkeit (Öl) als Läppgemisch verwendet wird, zur Verbesserung von Maß, Form und Rauheit. Das konventionelle Läppen schließt die Verfahren Außenrundläppen, Innenrundläppen, Kugelläppen und Flachläppen, sowie das Formläppen oder Profilläppen und das Einläppen ein. Dazu ist stets ein formübertragendes Gegenstück (Werkzeug) erforderlich, das die gewünschte Werkstückform realisiert. Das Läppgemisch wird zwischen Werkstück und Gegenstück zugeführt, wobei eine Relativbewegung zwischen beiden erfolgt. Beim Stoßläppen wird das formübertragende Gegenstück in hochfrequente Schwingungen versetzt, wodurch das Korn eine Werkstoffabtragung bewirkt. Das Verfahren dient hauptsächlich zur Herstellung von Durchbrüchen in harten Werkstoffen (zum Beispiel Glas). Strahlläppen (Läppgemisch wird unter Druck auf die Werkstückoberfläche gestrahlt), Tauch-L (Werkstück hängt in einer mit Läppgemisch gefüllten rotierenden Trommel) und Polierläppen (Werkstück wird von Hand an eine mit Läpppaste bestrichene rotierende Lederscheibe gedrückt) zählen zu den Verfahren ohne formübertragendes Gegenstück. Hier ist nur eine Verbesserung der Oberflächenrauheit möglich.

Lappenfarn, Lastrea limbosperma: bis 1 m hoher Berg- und Bruch-Waldfarn mit goldgelben Drüsen an der Blattunterseite; kalkmeidend.

Lappenfibrom: Granulationsgewebewucherung im Schleimhautbereich zahnloser Kieferabschnitte, meist verursacht durch Prothesenreize.

Lappentaucher, Steißfüße, Podicipediformes: weltweit verbreitete Ordnung schwimm- und tauchgewandter Wasservögel verschilfter Binnengewässer mit breiten Schwimmlappen beiderseits an den einzelnen Zehen und weit hinten ansetzenden Beinen («Steißfüße»); bauen Schwimmnester aus faulenden Pflanzen und tragen häufig ihre Jungen auf dem Rücken; der 50 cm lange Haubentaucher (Podiceps cristatus) in Europa, Südafrika und Südostasien; der 27 cm lange Zwergtaucher (P. ruficollis) in Europa, Südasien und Südafrika.

Lappland: nach dem Volk der Lappen benannte Landschaft im Norden Skandinaviens, umfasst die nördlichsten Gebiete Norwegens, Schwedens und Finnlands sowie den Westteil der zur UdSSR gehörenden Halbinsel Kola; etwa 460000 km2; im Westen Anteil am Skandinavischen Gebirge, im Osten eiszeitlich überformte Rumpfflächenlandschaft (Plateaus und Einzelberge); harte und lange Winter, kurze Sommer, Mitternachtssonne; im Norden Tundra, nach Süden in Waldtundra und Wald übergehend. Nur ein geringer Teil der Bevölkerung sind heute noch Lappen (Samen). Bodenschätze gibt es im schwedischen (Eisenerz bei Kiruna und Gällivare) und sowjetischen Teil (Nickel bei Petschenga); Naturschutzgebiete.

Lapsus: leichter Fehler, Versehen.

Lapsus linguae: Sprechfehler; das „Sich Versprechen“.

Laptewsee: Randmeer des Arktische Ozeans, zwischen der Halbinsel Taimyr und Sewernaja Semlja im Westen und den Neusibirischen Inseln im Osten; 662000 km2, bis 3385 m tief, Salzgehalt 20 bis 34 %; größtenteils eisbedeckt; im Westen viele Inseln; fischreich (zum Teil Fischfang); Zinngewinnung im Küstenschelf.

Lapua-Bewegung, Lappo-Bewegung (schwedisch Lappo): faschistische Bewegung in Finnland, bildete sich 1929 im großbäuerlichen Gebiet um Lapua heraus; die Lapua-Bewegung terrorisierte die KP und andere demokratische Kräfte, inszenierte im Juli 1930 den «Marsch auf Helsinki» und erzwang in einer Atmosphäre des Terrors Neuwahlen zum Reichstag; unternahm 1932 einen Putschversuch, der misslang. Die Lapua-Bewegung fand ihre Fortsetzung in der 1932 gegründeten Vaterländische Volksbewegung, deren parlamentarischen Einfluss jedoch gering blieb.

L'Aquila: Stadt in Mittelitauen, Verwaltungszentrum der Region Abruzzen und der Provinz L'Aquila, am Atemo; 65000 Einwohner; Textil-, Papier-, Lederindustrie, Spitzenherstellung; Fremdenverkehr; Kirche Santa Maria de Collemaggio (13. Jahrhundert).

Lar, Weißhandgibbon, Hylobates lar: zu den Gibbons gehörender Affe mit unterschiedlicher Färbung, aber stets weißen Hand- und Fußoberseiten; lebt in südasiatischen Urwäldern.

Lara, Jesús, geboren 1890, bolivianischer Romancier; stellt in seinen Werken, zum Beispiel «Verkauft wie Schaf und Huhn» (1952, deutsch) das Leben der indianischen Bauern und ihren Kampf gegen die Großgrundbesitzer dar; publizierte 1969 einen Erzählband über Kampf und Tod Che Guevaras.

Lärche, Larix: Gattung sommergrüner, lichtliebender Nadelhölzer (Kieferngewächse) mit weichen Nadeln, die in dichten Büscheln an Kurztrieben und einzeln an Langtrieben stehen, und kleinen Samenzapfen; Bäume der gemäßigten Zone der nördlichen Erdhalbkugel, vorwiegend im Gebirge; beste Leistungen auf nährstoffreichen, lehmigen Standorten. Die europäischen Lärche (Larix decidua) ist besonders in den Alpen bis zur Baumgrenze verbreitet; angepflanzt wird in Mitteleuropa auch die in Sibirien bis Ostasien Wälder bildende Japanische Lärche (Larix kaempferi). Die Lärche liefert wertvolles Nutzholz.

Lardner, Ringgold Wilmer, 6.3.1885-25.9.1933, US-amerikanischer Schriftsteller und Sportjournalist; schrieb, oft in der Umgangssprache, witzige, satirische-gesellschaftskritischen Kurzgeschichten («Das Liebesnest», 1926, deutsch).

Laren: altrömische Schutzgottheiten des Hauses, der Familie, der Feldmark und der Kreuzwege; im Hausinnern in einem Schrein verehrt.

Largesse: (larges; französisch) Freigebigkeit, Großzügigkeit.

larghetto: Musik ziemlich breit, weniger langsam als largo.

largo: (italienisch) Musik breit, langsam, gemessen.

Largo Caballero, Francisco, 15.10.1869-22.3.1946, spanischer Politiker, behinderte als Ministerpräsident (1936/37) der Volksfrontregierung durch innen- und außenpolitische Inkonsequenz und zunehmend antikommunistische Haltung den Spanischen Freiheitskampf.

La Rioja: Region in Norden Spaniens, die Provinz Logroño umfassend; 5034 km2, 240000 Einwohner; 48 Einwohner/km2; wichtigster Ort Logroño (71000 Einwohner); Weinbaulandschaft am oberen Ebro, im Süden Anteil am Iberischen Gebirge (bis 2262 m); Weinkellerei und -handel, Lebensmittelindustrie.

Larionow, Michail Fjodorowitsch, 3.6.1881 bis 10.5.1964, russischer Maler; lebte seit 1915 in Frankreich. Begann zunächst in der Nachfolge des Impressionismus und wurde später, unter dem Einfluss von P. Cézanne und den Fauves, Mitglied der Künstlergruppe «Karo-Bube». 1912 begründete er die Vereinigung «Eselsschwanz» und den Rayonismus, dessen Manifest er 1913 zusammen mit N. S. Gontscharowa veröffentlichte.

Larisa, Larissa: Stadt im Osten Griechenlands, Verwaltungszentrum des Landesteils Thessalien und des Distrikts Larisa; 103000 Einwohner; Textil-, Tabak- und Nahrungsmittelindustrie; Messe; Museum; nach Erdbeben von 1941 neu aufgebaut.

Larkin, James Joseph, um 1877-30.1.1947, irischer Arbeiterführer; seit 1906 Organisator kämpferischer Gewerkschaften, kämpfte als Mitbegründer der Labour Party (1912) gegen den Opportunismus ihrer Führer; während der Emigration (1914/23) in den USA Übergang auf anarchosyndikalistische Positionen, Trennung von der revolutionären Arbeiterbewegung.

Lärm: (französisch, zu «Alarm») hörbarer Schall (Einzeltöne, Geräusche, Klänge, Sprache unter anderem), der als belästigend, störend oder unangenehm empfunden wird und zur Beeinträchtigung und Schädigung der Gesundheit führen kann. Nach dem Ort des Auftretens oder seinem Ursprung unterscheidet man unter anderem Industrielärm, Arbeitslärm, Baulärm, Verkehrslärm, Diskolärm und Wohnlärm. Andauernder Lärm führt zu Innenohrschäden (Lärmschwerhörigkeit) und zu weiteren Organstörungen. Zu den wichtigsten Kenngrößen des Lärms gehören seine Frequenz, seine Intensität und seine Dauer. Die Intensität wird im Pegelmaß Dezibel (Zeichen dB) angegeben.

Lärmbekämpfung, Schallschutz: alle Maßnahmen zur Lärmminderung oder -beseitigung an der Quelle der Schallentstehung (zum Beispiel durch geräuscharme Konstruktionen und Technologien wie Schweißen statt Nieten, Getriebezahnräder aus Kunststoff, Verwendung schallschluckender Werkzeuge in der Bauindustrie), auf dem Ausbreitungsweg des Schalls (unter anderem durch Kapselung der Lärmquelle, Trennen des Arbeitsplatzes vom Lärmerzeuger, zum Beispiel durch Schallschutzkabinen und -wände, Vermeiden des Sekundärschalls, unter anderem durch Lagerung auf schalldämmenden Unterlagen) und beim Empfänger (durch individuellen Hörschutz mit Gehörschutzwatte, -stöpseln, -kappen und -helmen).

Larmor-Präzession: (nach einem britischen Physiker) im klassischen Atommodell eine Präzession (Kreisel) des magnetischen Moments eines Teilchens (Elektron, Atom, Kern) um die Richtung eines äußeren Magnetfeldes infolge der Änderung des mit dem magnetischen Moment verbundenen Drehimpulses durch das Feld; ähnlich der Präzession eines mechanischen Kreisels im Schwerefeld der Erde.

larmoyant: (französisch) weinerlich, rührselig.

Lärmschwerhörigkeit: zunehmende, meistens symmetrische Innenohrschädigung durch ständige, vielfach berufsbedingte Schallüberlastung. Die Schadwirkung des Lärms ist an der Zerstörung von Hörsinneszellen (Haarzellen) im Tierexperiment beweisbar und beginnt beim Menschen bei einer Schallintensität von 85 dB. Entwicklung und Ausmaß einer Lärmschwerhörigkeit sind von der Überschreitung der kritischen Intensität (Gesamtschallpegel), der Beschallungsdauer und der sehr unterschiedlicher Lärmempfindlichkeit des Menschen abhängig. Die Lärmschwerhörigkeit wird als entschädigungspflichtige Berufskrankheit anerkannt.

Larnaka: Stadt im Südosten Zyperns; 40000 Einwohner; Textilindustrie, Zigaretten-, Schuh- und Seifenherstellung, Erdölraffinerie; Hafen und internationaler Flughafen.

Larni, Martti, geboren 22.9.1909, finnischer Schriftsteller; wurde mit den satirischen Gesellschaftsromanen «Gauner wider Willen» (1957, deutsch) und «Die schöne Schweinehirtin» (1959, deutsch), in denen er US-amerikanische und finnische Lebensverhältnisse schildert, bekannt.

Laroche, Hermann Augustinowitsch, 25.5.1845-18.10.1904, russischer Musikkritiker; schrieb Arbeiten über M. Glinka und P. Tschaikowski, die noch heute von Bedeutung sind, während er die revolutionären Ziele und ästhetischen Prinzipien der Komponisten des Mächtigen Häufleins verkannte.

La Rochefoucauld, François Duc de, 15.9.1613-17.3.1680, französischer Schriftsteller, Moralist, Verfasser von zeitkritischen «Memoiren» (1662) sowie «Maximen und Reflexionen» (1665, deutsch).

La Rochelle: Stadt im Südwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Charente Maritime, nordwestlich der Gironde; 75000 Einwohner; Schiff-, Flugzeug-, Kfz- und Maschinenbau; Fischerei- und Handelshafen mit Vorhafen La Pallice; Schulen für Gewässerkunde und Schiffsmedizin.

Larra, Mariano José de, 24.3.1809-13.2.1837 (Selbsttötung), spanischer Journalist und Schriftsteller; gewandter Sittenschilderer und Satiriker sowie Kritiker der zeitgenössischen Verhältnisse; Roman «Der Knappe Don Enriques des Schmerzensreichen» (1834).

Larsa: altorientalischer Stadtstaat in Sumer, am Unterlauf des Euphrat; heute Senkere-, war im 25. Jahrhundert vor Christus von Lagasch, im 24. Jahrhundert von Akkad abhängig und wurde im 20. Jahrhundert von den Elamitern erobert. Hammurapi vertrieb um 1698 vor Christus Rimsin, den letzten elamitische Herrscher aus Larsa, das Bestandteil des Babylonischen Reiches wurde.

l'art pour l'art: (französisch, «die Kunst um der Kunst willen») spätbürgerliche ästhetisierende Kunstauffassung, die die Kunst als Selbstzweck und unabhängig von den gesellschaftlichen Zusammenhängen erklärt. Konnte die l’art-pour-l’art-Bewegung zunächst einen Protest gegen die utilitaristische Verwandlung der Kunstwerke in Waren bedeuten, so wurde sie Mitte des 20. Jahrhundert volksfeindlich und elitär und negierte programmatisch jede soziale Funktion und Wirkung der Kunst.

Larve: 1. allgemeine Gesichtsmaske (Nachbildung eines Gesichts mit Sehschlitzen).

2. Zoologie: vom ausgewachsenen Tier im äußeren und inneren Bau meist stark abweichende Jugendform. Larven haben Organe (Larvale Organe), die dem vollentwickelten Tier fehlen und im Verlaufe einer Verwandlung (Metamorphose) rück- oder umgebildet werden. Larvenstadien kommen zum Beispiel bei Insekten und Lurchen vor.

Laryngal: (griechisch) Glottal (dat. griechisch): Kehlkopflaut.

Laryngektomie: operatives Entfernen des Kehlkopfes bei Kehlkopfkrebs. Die Atmung wird durch Verlegen der Luftröhre in den Bereich des mittleren unteren Halsabschnittes ermöglicht. Eine Ersatzsprache muss erlernt werden.

Laryngitis: Entzündung der Kehlkopfschleimhaut einschließlich der Stimmlippen. Die Laryngitis verläuft akut oder chronisch. Symptome der Laryngitis sind bei Stimmbandbefall ständige Heiserkeit, rasche Ermüdung der Stimme, Missempfindungen beim Sprechen.

Laryngologie: spezielle Lehre von den Kehlkopfkrankheiten (akute und chronischen Entzündungen, gut- und bösartige Geschwülste, Fremdkörper, Funktionsstörungen und Lähmungen der Kehlkopfmuskeln).

La Salle, Robert Cavelier Sieur de, 22.11.1643-19.3.1687 (ermordet); französischer Entdecker; durchquerte als erster Europäer das Innere Nordamerikas von Norden nach Süden; bereiste das Gebiet der Großen Seen, befuhr 1682 den Mississippi von der Illinois Mündung bis zum Golf von Mexiko und nahm das Land beiderseits des Stroms unter dem Namen Louisiana für Frankreich in Besitz.

Lasarew: 1. Michail Petrowitsch, 14.11.1788-23.4.1851, russischer Seeoffizier; nahm zwischen 1813 und 1825 an drei Weltumsegelungen teil (1819/21 unter F. F. von Bellingshausen an der ersten russischen Südpolarexpedition); seit 1833 Admiral der russischen Schwarzmeerflotte.

2. Wiktor Nikititsch, geboren 3.9.1897, sowjetischer Kunstwissenschaftler; Professor an der Lomonossow-Universität Moskau; Spezialist auf dem Gebiet der altrussischen und byzantinischen Malerei sowie der Kunst der Renaissance.

Las Casas, Bartolomé de, 1474-31.7.1566, spanischer Geschichtsschreiber, Dominikaner; Bischof von Chiapas (Mexiko); setzte sich unter dem Eindruck der Massenausrottung der Indianer leidenschaftlich für deren humane Behandlung ein; sein Hauptwerk als Historiker, die «Allgemeine Geschichte Indiens», erschien erst 1875/76.

Lascaux: 1940 entdeckte Höhle südöstlich von Montignac im Departement Dordogne (Frankreich); hier fand man Hunderte farbige Wandmalereien und Ritzzeichnungen (vor allem Tierbilder, auch Szenen der Jagdmagie unter anderem) aus dem mittleren bis späten Magdalénien.

Laschenverbindung: zwei- oder allseitige Verbindung von Bauteilen (Schienen, Träger) durch seitliche Verbindungsmittel (Laschen) aus Stahl, Plast oder Holz zu deren Befestigung beziehungsweise zur Überleitung von Kräften.

Laser: Kurzwort aus light amplification by stimulated emission of radiation, englisch, «Lichtverstärkung durch induzierte Strahlungsemission», Anordnung zur Verstärkung und Erzeugung von monochromatischen, kohärentem Licht. Man unterscheidet Gaslaser, Flüssigkeitslaser, Festkörperlaser und Halbleiterlaser je nach dem verwendeten aktiven Medium. In diesem erzeugt man durch optisches Pumpen mit einer starken Lichtquelle (Blitzlampe), durch Gasentladung oder durch Injektion von Ladungsträgern (Stromfluss durch einen pn-Übergang) eine Besetzungsinversion der Elektronen auf den Energieniveaus £, und E2. Infolgedessen können eingestrahlte Lichtwellen der Frequenz v durch induzierte Emission verstärkt werden, wenn hv = E2~ Ex (h Planck-Konstante). Lichterzeugung wird durch Rückkopplung mit Hilfe eines Resonators erreicht, der zum Beispiel aus 2 Spiegeln besteht, zwischen denen die Lichtwelle hin- und herläuft und dabei immer weiter verstärkt wird. Diese Oszillation wird durch spontane Emissionsakte ausgelöst. Wegen ihrer Monochromasie, Kohärenz, sehr kleinen Strahldivergenz und hohen Intensität werden Laserstrahlen vielfach in der naturwissenschaftlichen Forschung, in der Messtechnik, für Ortungs- und Entfernungsmessungen, zur Werkstoffbearbeitung und in der Medizin eingesetzt. besonders wichtig sind Laser für optischer Informationsübertragung, -Verarbeitung und -Speicherung. Hochleistungslaser werden auch in Versuchsanlagen zur gesteuerten Kernfusion verwendet. Den ersten Laser, einen Rubin-Festkörperlaser, entwickelte 1960 der US-amerikanischer Physiker T. H. Maiman (geboren 1927) nach theoretischen Vorarbeiten von N. G. Bassow unter anderem; siehe auch Dauerstrichlaser, GaAs-Laser, Graser, Lichtradar, Maser, Riesenimpulslaser.

Laserdrucker: elektrographischer Schnelldrucker, die zu vervielfältigenden Informationen sind digital gespeichert. Mittels Laserstation, Modulators und Spiegelsystems werden sie in Lichtimpulse umgewandelt, die auf einer Fotoleiter beschichteten Drucktrommel latente Ladungsbilder erzeugen. Darauf schlägt sich ein Pulvergemisch (Toner) nieder und bildet ein elektrostatisches Bild, das auf Papier übertragen und fixiert wird. Siehe auch Xerographie.

La Serena: (spanisch, «die Heitere») Stadt (Provinzzentrum) in Mittelchile, im Kleinen Norden; 91000 Einwohner; Agrar- und Ausfuhrzentrum von Bergbauprodukten; Flughafen, an der Carretera Panamericana, Hafen in Coquimbo\ in der Umgebung Bewässerungsfeldbau und Förderung von Gold-, Kupfer- und Eisenerz.

Laserglas: neodymoxid haltiges Glas; dient zur Herstellung von Lasern.

Laserschneiden: thermisches Trennverfahren für die unterschiedlichsten Werkstoffe. Der in einem Resonator erzeugte energiereiche parallele Lichtstrahl wird durch Spiegel und Linsen so gebündelt, dass er an einer Bearbeitungsdüse austritt. Beim Trennvorgang wird entweder die Düse oder das Werkstück bewegt.

Laserschweißen: Verfahren zum Verbinden dünner Werkstoffe. Die Wärmezufuhr erfolgt ähnlich der beim Laserschneiden.

Laserstrahlbearbeitung: abtragendes Bearbeitungsverfahren, das das physikalische Prinzip der Lichtverstärkung durch äußere Strahlungserregung ausnutzt und durch Energiebündelung auf kleiner Fläche hohe Energiedichte zum Verdampfen schwer- oder sonst nicht bearbeitbarer Werkstoffe erreicht (zum Beispiel für Feinstbohrungen).

Läsion: Verletzung des Gewebezusammenhangs (Wunde) und dadurch bedingte Funktionsstörung, zum Beispiel bei Knochenbrüchen.

Lask, Berta, 17.11.1878-28.3.1967, Schriftstellerin; Mitbegründerin des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, 1933/53 in der Sowjetunion im Exil; schrieb Dramen für das Arbeitertheater («Thomas Müntzer», 1925; «Leuna 1921», 1927), Erzählungen für die Arbeiterjugend («Otto und Elsa», 1956), die autobiographische Romantrilogie «Stille und Sturm» (1955) sowie Lyrik und Publizistik.

Laskaratos, Andreas, 1811-23.7.1901, griechischer Schriftsteller, Jurist; kämpferischer Satiriker gegen Demagogie, Aberglauben, Obskurantismus und Klerikalismus.

Lasker-Schüler, Else, 11.2.1869-22.1.1945, Schriftstellerin; ab 1934 vereinsamt im palästinensischen Exil; schrieb neben lyrischen Erzählungen und Dramen Gedichte von großer Sensibilität und Gefühlsintensität, die, an jüdische Tradition anknüpfend, neben visionären Erlösungshoffnungen Liebe und Kunst als humanes Sein beschwören («Hebräische Balladen», 1913; «Mein blaues Klavier», 1943).

La Skhirra: Ort in Tunesien, am Golf von Gabes (Mittelmeer); Erdölexporthafen; Erdölleitung von Edjeleh (Algerien) und Al-Borma.

Laso, Sergej Georgijewitsch, 7.3.1894-Ende Mai 1920, sowjetischer Revolutionär und Volksheld; nahm 1917 am Kampf um die Sowjetmacht in Irkutsk teil; 1918 Kommandeur der Balkanfront, leitete 1919 den Partisanenkampf im Fernen Osten; von japanischen Interventen gefangengenommen, gefoltert und ermordet.

Las Palmas: Stadt auf den kanarischen Inseln, Verwaltungszentrum der spanischen Provinz Las Palmas, im Wechsel mit Santa Cruz de Tenerife Zentrum der Region kanarischen Inseln, auf Gran Canaria; 360000 Einwohner; Tabakverarbeitung, Fischkonservenindustrie; Herstellung von Stickereien; Hafen, internationaler Flughafen, Stützpunkt für interkontinentalen See- und Luftverkehr; Kathedrale (15. Jahrhundert); Tourismus.

La Spezia: Stadt in Oberitalien (Ligurien), Verwaltungszentrum der Provinz La Spezia, an der Riviera di Levante; 120000 Einwohner; Militär- und Handelshafen (Erdöl- und Kohleeinfuhr); Werften, Docks, Metall-, Textilindustrie; Erdölraffinerie; Seebad.

Lassalle, Ferdinand, 11.4.1825-31.8.1864, Schriftsteller und Politiker; unterstützte Anfang der 60er Jahre die fortgeschrittensten deutschen Arbeiter, sich erneut organisatorisch und politisch von der Bourgeoisie zu trennen und eine eigene Organisation zu bilden. Mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863, dessen erster Präsident Lassalle war, erwarb er sich historische Verdienste. Seine theoretischen und politischen Auffassungen (Lassalle anismus) waren jedoch opportunistisch, hatten negative Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung.

Lässigkeitsverlust: bei Kolbenmaschinen der Spaltverlust beim Durchblasen zwischen Kolben und Kolbenring beziehungsweise Zylinderwand.

Lassila, Maiju, eigentlich Algoth Tietäväinen-Untola, 28.11.1868-21.5.1918, finnischer Schriftsteller; schilderte unter anderem in den Erzählungen «Wie Antti Streichhölzer holte» (1910) und «Manasse Jäppinen» (1912, deutsch) das Leben finnischer Bauern und Arbeiter; wurde 1918 als Teilnehmer der revolutionären Bewegung von finnischen Weißgardisten ermordet.

Lasso: Wurfseil mit Schlinge zum Einfangen von Tieren; vor allem von Gauchos und Cowboys, früher auch in Ungarn, verwendet.

Lasso, Orlando di, um 1532-14.6.1594, flämischer Komponist; Studien in Italien, 1553 Kapellmeister in Rom, 1556 Tenorist der Bayer. Hofkapelle und seit 1564 Hofkapellmeister; einer der bedeutendsten Meister der spätniederländischen Vokalpolyphonie (Niederländische Schule); schrieb zahlreiche Messen, Motetten, italienisch Madrigale, französisch Chansons, deutsche Liedsätze unter anderem; erweiterte den Singstil mit charakteristische Affektdarstellung, deutliche Oberstimmenführung, Bassstimme als Harmoniestütze bei zunehmender Dur-Moll-Tonalität.

Last: (zu «laden»)

1. Elektrotechnik: Belastung.

2. Metrologie: im Mittelalter vor allem im Bereich der Hanse übliche Maßeinheit für Schiffstragfähigkeit; 1 Danziger Roggenlast entsprach etwa 2000 kg.

3. Schifffahrt: Vorratsraum für Proviant, Tauwerk, Farben, Lampen unter anderem auf Schiffen.

Last, Jef, 2.5.1898-15.2.1972, niederländischer Schriftsteller; schrieb revolutionäre Lyrik («Genossen», 1930) und Prosa (Roman «Liebe in den Portalen», 1932); 1931 Mitherausgeber der Zeitschrift niederländischer revolutionärer Schriftsteller «Links Richten» (Nach links!); stand später unter dem Einfluss chinesischer Philosophie.

Lastannahme: als Grundlage der statischen Berechnung durch Standards festgelegte Belastungskennwerte für Eigenmasse, Verkehrs-, Wind- und Schneelasten von Hochbauten, Brücken unter anderem Lastaufnahmemittel: Element, mit dem die Last unmittelbar an Hebezeuge angeschlagen wird (Anschlägen 1) und das das erforderliche Bindeglied zwischen Tragmittel des Hebezeuges und der Last bildet. Lastannahme werden nach Art ihrer konstruktiven Gestaltung und Wartungsweise unterschieden. Anschlagmittel werden völlig oder teilweise um die Last geschlungen oder in vorhandene Haken, Schäkel oder Ösen, eingehängt. Hierzu gehören insbesondere Anschlagseile, -ketten, -bänder, Gehänge und Traversen. Zangen und Klemmen nehmen die Last reibschlüssig auf. Bei Zangen sind beide Klemmarme beweglich; in Klemmen wirkt dagegen ein Klemmhebel, Exzenter, Keil oder eine Klemmrolle mit einer festen Backe zusammen. Krangabeln verwendet man für Ladeeinheiten (palettierte und gebündelte Güter). Spreader, Lasthaftgeräte und Greifer zählen ebenfalls zu den Lastannahme

Laster: (althochdeutsch lastar, «Schmähung», «Tadel», «Schande») von der herrschenden Moral als unsittlich bezeichnete Verhaltens- oder Denkweise; auch Verhalten, das ein als gesellschaftliche Norm angesehenes Maß wesentlich überschreitet (zum Beispiel Sucht, Habgier).

Lasthaftgerät: Lastaufnahmemittel, bei dem durch magnetische Kräfte in Lastmagneten (Elektrolastmagnet) und pneumatische Kräfte in Vakuum-Lasthaftgerät die Befestigung der Last am Aufnahmegerät selbsttätig beziehungsweise ferngesteuert ohne Anschläger erfolgt.

Lastkahn: durch Schleppen (Schleppkahn) fortbewegtes oder mit der Strömung treibendes Binnenschiff zum Befördern von Lasten.

Lastkraftwagen, Abkürzung LKW, Lkw, neuerdings Güterkraftwagen, Abkürzung GKW, Gkw: Kfz zur Güterbeförderung mit mehr als 11 Nutzmasse. Der Aufbau besteht aus Fahrerhaus und Laderaum (Pritsche, Kasten, Kipper sowie Spezialausführungen für Möbel-, Flüssigkeits-, Kühl-, Viehtransport unter anderem). Der Antrieb erfolgt mittels Otto- (besonders für leichte Lastkraftwagen) oder Dieselmotors. Der Lastkraftwagen wird als Einzelfahrzeug oder mit 1 beziehungsweise 2 Anhängern als Lastzug verwendet.

Lastman, Pieter Pietersz, 1583-1633 (4. 4. begraben), holländischer Maler, Lehrer von Rembrandt und J. Lievens. Anfangs von A Elsheimer beeinflusst, fand Lastman nach 1608 zu einem eigenen Stil. Er bevorzugte Themen der biblischen und antiken Historie.

last not least: sprichwörtlich gewordene Redewendung nach Shakespeare, wenn jemand zwar der Reihenfolge, aber nicht dem Werte nach zuletzt genannt wird.

Lästrygonen: in der griechischen Sage ein Volk menschenfressender Riesen; vernichteten die Schiffe des Odysseus bei der Heimfahrt von Troja nach Griechenland bis auf eines.

Lastschalter: Schaltgerät in elektrische Energieversorgungsanlagen, dessen Schaltvermögen zum Ein- und Ausschalten von Strömen bis zum l,25fachen Nennstrom ausreicht und das im Unterschied zum Leistungsschalter Kurzschlussströme nicht abschalten kann. Der Lasttrennschalter hat offene Kontakte, das heißt eine den Schaltzustand deutlich erkennbar machende Trennstelle.

Lastschrift: Buchung eines ökonomischen Vorgangs auf der Soll- (Debet-) Seite eines Kontos in der Finanzrechnung von Betrieben und Haushaltorganisationen.

Lastschriftverfahren: in der DDR zwischenbetriebliche Verrechnungsverfahren auf der Grundlage des Prinzips des Sofortakzepts, wobei der Verkäufer bei Einreichung des Zahlungsauftrags den Rechnungsbetrag von seiner Bank sofort auf seinem Konto gutgeschrieben erhält und die Bank des Käufers bei Eingang des Lastschriftauftrages den Rechnungsbetrag sofort von dessen Konto abbucht. Lastsetzungslinie: Linie, welche die Setzung des Lockergesteins im Verhältnis zur aufgebrachten Last für die Baugrundmechanik ausweist.

Las Tunas: 1. Provinz im Osten von Kuba; 6376 km2, 440000 Einwohner; 69 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Las Tunas. 2. Bedeutendes Agrargebiet, besonders Anbau von i Zuckerrohr, Reis, tropischen Früchten; Viehzucht; Zucker- und Nahrungsmittelindustrie (Konserven).

2. Las Tunas, Victoria de las Tunas-, Stadt, Verwaltungszentrum von Las Tunas 1; 220000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Tabakindustrie, Maschinenbau; Verkehrsknoten. Lastzug Lastkraftwagen.

Lasurfarbe: dünne, durchsichtige Farbe, die, im Unterschied zur Deckfarbe, darunterliegende Töne durchschimmern lässt.

Lapislazuli, Lasurstein: Mineral, Natrium-Kalzium Aluminium-Silikat; Kristallsystem kubisch, Härte 5,5, Dichte 2,38 bis 2,42 g/cm3; bildet dichte, tiefblaue Aggregate mit Pyrit Einschlüssen; Schmuckstein; Vorkommen in Afghanistan, Russland, Chile und China.

Las Vegas: Stadt im Süden des Bundesstaates Nevada (USA), in wüstenhafter Umgebung; 170000 Einwohner; Touristen- und Vergnügungszentrum mit Spielbanken unter anderem; internationaler Flughafen; Zweig der Universität von Nevada; 80 km entfernt Kernwaffenversuchsgelände.

lasziv: schlüpfrig (in erotischer Beziehung), unzüchtig.

Latacunga: Stadt (Provinzzentrum) in ferner Olinda und Recife sowie Rio de Janeiro (1565). Als wichtige Bauten dieser frühen Kolonialzeit sind Forts in Santo Domingo, Havanna, Santiago de Cuba, La Guaira, Olinda und Bahia erhalten. Zeugen der bis 1570 vorherrschenden Gotik mit Elementen unter anderem des Mudéjarstils in Santo Domingo (Palast Diego Colóns, 1510/14; Kathedrale) und besonders in Mexiko, wo auch Bauten des in Lateinamerika weniger entfalteten Platereskenstils (Casa de las Monjas und Casa del Adelantado de Montejo in Mérida) angetroffen werden. Ekuador, am Rio Patate, 2800 m über dem Meeresspiegel; 20000 Einwohner; Mittelpunkt eines innerandinen Hochbeckens mit bedeutender Viehzucht; Nahrungsmittelindustrie; an der Carretera Panamericana; erdbebengefährdet.

Lateinamerika, Iberoamerika: die Länder Mittel- und Südamerikas, die als Folge der jahrhundertelangen kolonialen Unterdrückung durch Spanien und Portugal Ober. Halbinsel) von der spanischen und portugiesischen Sprache und Kultur wesentlich beeinflusst wurden.

Lateinamerikanische Freihandelsassoziation, Asociación Latinoamericana de Libre Comercio Abkürzung ALALC, Latin American Free Trade Association, Abkürzung LAFTA: zwischenstaatliche wirtschaftliche Vereinigung lateinamerikanischen Staaten; gegründet 1960; Sitz Montevideo. Die LAFTA nach westeuropäischen Integrationsmodellen konzipiert, wurde 1981 durch die Lateinamerikanische Integrationsvereinigung ersetzt. Lateinamerikanische Integrationsvereinigung, Asociación Latinoamericana de Integración, Abkürzung ALADI: Nachfolgeorganisation der Lateinamerikanischen Freihandelsassoziation; gegründet 1980 in Montevideo, Aufnahme der Arbeit 1981. ALADI hat die Aufgabe, den Handel zwischen den beteiligten Staaten (Argentinien, Brasilien, Mexiko; Chile, Kolumbien, Peru, Uruguay, Venezuela; Bolivien, Ekuador und Paraguay) zu regulieren, zu fördern und eine regionale Integration herauszubilden.

lateinamerikanische Kunst: die Kunst der in Sprache und Kultur maßgebend von Spanien und Portugal beeinflussten Staaten Mittel- und Südamerikas. Sie entwickelte sich auf den Trümmern der durch die europäischen Eroberer im 16. Jahrhundert zerstörten, zum Teil sehr hochstehenden Kulturen der amerikanischen Ureinwohner, insbesondere der Azteken, Maya und des Inkareiches. Mit den ersten Stadtgründungen der Spanier Ende des 15. und im 16. Jahrhundert auf den Antillen (La Navidad auf Haiti; Santo Domingo; Santiago de Cuba, Trinidad und Havanna auf Kuba), danach in Mexiko sowie von Quito in Ekuador; Lima in Peru; Bogotá in Kolumbien; Buenos Aires, Córdoba und Salta in Argentinien; Sucre, La Paz und Potosí in Bolivien; Santiago de Chile; Coro, Caracas und La Guaira in Venezuela; Antigua in Guatemala begann die spanisch beeinflusste Architektur Lateinamerikas. Die Portugiesen gründeten als Hauptstadt ihrer brasilianischen Besitzungen 1549 Bahia.

Mehr Nachfolge fand der strenge Stil J. de Herreras, besonders in der Ordensbaukunst. Zahlreiche Bauwerke dieser und späterer Zeit fielen Erdbeben zum Opfer (Guatemala, Ekuador, Bolivien, Chile). Um die Mitte des 17. Jahrhundert erste Beispiele des Frühbarocks: Hauptkirche von Puebla, Kathedrale in Mexiko (Stadt).

Der Barock bringt überall eine Fülle aufwendig gestalteter sakraler (Kathedrale in Mexiko (Stadt), Havanna, Caracas, Sucre, Cuzco; Kirchen S. Lorenzo in Potosí, La Compañia und La Merced in Quito, S. Francisco in Lima, S. Ignacio in Bogotá, La Merced in Antigua) und profaner (Cabildos von Salta und Buenos Aires, Ayuntamientos von Antigua und Havanna; Palastbauten in Salta, Potosí, La Paz, Cuzco, Santiago de Chile, Antigua, Havanna, Mexiko (Stadt), Puebla; Casa de Moneda in Potosí; Universitäten in Sucre und Antigua) Gebäude hervor. Typisch für Mexiko sind die Bauten des sogenannt Ultrabarocks, einer Spielart des Churriguerismus, die mit überwältigend reichen Ornamenten in Stein, Stuck und Holz alle Gestaltungskraft auf den Schmuck des Inneren und die Fassaden konzentrierte (Sagrario Metropolitano und Capilla del Pocito in Mexiko (Stadt), S. Prisca in Taxco, S. Martin in Tepotzotlán, Werke der Schule von Puebla; die Stadtpaläste Casa de Alfeñique in Puebla, Casa de Azulejos in Mexiko (Stadt)). In den Jesuitenreduktionen Paraguays (in ihnen lebten 140000 Indios) entstanden streng gestaltete, weiträumige Kirchen. Wichtige Beispiele der Barockarchitektur Brasiliens sind in Bahia, Rio de Janeiro, Ouro Preto, Congonhas und Säo Joäo deI Rei (Bauten M. F. de Lisboas und seines Sohnes F. A. de Lisboa, genannt Aleijadinho, des hervorragendsten Architekten und Bildhauers der Kolonialepoche). In Mexiko gelangten im Dienste der Kirche alle Künste zur Entfaltung; Kräfte der einheimischen Bevölkerung wurden zu den großen Aufgaben in breitem Maße herangezogen.

Im 18. Jahrhundert begründete M. Cabrera eine eigenständige Schule der Porträtmalerei. In Guatemala blühte die Bildhauerkunst, deren starkfarbige Holz- und Keramikfiguren vielfach exportiert wurden. Reich an qualitätsvollen geschnitzten Altären, Kanzeln, Gestühlen und Skulpturen, die ebenfalls in andere Gebiete des Kontinents ausgeführt wurden, sind die Kirchen Ekuadors (besonders Quitos). Kolumbien verfügte über eine der bedeutendsten Malerschulen mit den Zentren Tunja und Bogotá, deren Ruf aber noch übertroffen wurde durch Lima und die weit wirkende Schule von Cuzco in Peru mit ihren naiven, farbenfrohen Bildern; Schöpfer der Gemälde wie der Plastiken waren hier und auch in Argentinien häufig Meister aus der indianischen Bevölkerung. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert ist eine Hinwendung zu weltlicher Thematik spürbar. Nach Erringung der Unabhängigkeit wurden im 19. Jahrhundert in vielen Ländern staatliche Kunstakademien gegründet, deren Kräfte (meist Spanier, Italiener, Franzosen) den europäischen Klassizismus allgemeine durchsetzten. In der Romantik wuchs die Zahl der Maler, die sich in idyllischen Darstellungen der heimatlichen Landschaft und dem Volksleben zuwendeten. Jedoch wurden bis zum Beginn des 20. Jahrhundert die entscheidenden Anregungen in Europa gesucht, so dass sich die Herausbildung der Nationalkunst in den einzelnen Ländern im Wesentlichen erst im 20. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Kampf um die 2. Unabhängigkeit und vor allem in Perioden des demokratischen Aufschwungs vollzog. Führend war hier zunächst die mexikanische Kunst (Mexiko (Kunst)), die das Werk vieler progressiver Künstler Lateinamerikas beeinflusste (insbesondere Monumentalmalerei und Graphik). Zu den namhaften Malern des Kontinents zählen die Argentinier A. Bemi und E. Spilimbergo; die Brasilianer E. Di Cavalcanti, T. do Amaral, C. Portinari, A. Volpi, Segall; die Chilenen R. S. Matta Echaurren und J. Venturelli; der Ekuadorianer O. Guayasamin; die Guatemalteken R. Lazo und C. Mérida; die Haitianer H. Hyppolite und L. Poisson; der Peruaner M. Urteaga. Zahlreiche Kulturschaffende Lateinamerikas (besonders Chiles) können ihre fortschrittlichen Konzeptionen nur in der Emigration verwirklichen, während die Kunstszene ihrer Heimat sich nach US-amerikanischen Vorbild den Gesetzen des Marktes anpasst. Einen neuen Weg gehen auf Grund der veränderten sozialökonomische Bedingungen nach der Revolution die Gegenwartskunst und die Architektur Kubas (Kuba (Kunst)) und Nikaraguas. Für alle lateinamerikanischen Hauptstädte typisch ist der krasse Gegensatz zwischen ausgedehnten Elendssiedlungen und hypermodernen Verwaltungs-, Handels- und Bankvierteln. Bedeutendste Beispiele neuer Architektur sind solche, sämtliche Künste integrierenden Ensembles wie die Universitätsstädte von Mexiko (Stadt) und Caracas oder die Anlage Brasilias. Weltbekannte Architekten sind die Brasilianer L. Costa, die Gebrüder Roberto, R. Burle-Marx, A. E. Reidy, O. Niemeyer; die Kolumbianer G. Serrano Camargo und G. Solano; der Kubaner R. Porro; die Mexikaner J. Villagrán García, J. O’Gorman, M. Pani, J. González Reyna, F. Candela, A. Prieto; der Peruaner E. Seoane; der Venezolaner C. R. Villanueva.

lateinamerikanische Literaturen: Gesamtheit der Nationalliteraturen der Völker Lateinamerikas. Die lateinamerikanische Literatur entwickelte sich anfangs als Literatur einer durch Eroberung konstituierten herrschenden Klasse. Eine organische Verbindung mit dem literarischen Schaffen der Volksmassen (überlebende Elemente der weitgehend vernichteten indianischen Literaturen sowie der afroamerikanische und kreolische Volksdichtung) kam endgültig erst im 20. Jahrhundert zustande. Die einzelnen lateinamerikanischen Literaturen entwickelten sich sowohl auf Grund fortschreitender nationaler Differenzierung als auch im Rahmen weitreichender Gemeinsamkeiten in Bezug auf Sprache, historische Traditionen und solidarische Beziehungen im antiimperialistischen Kampf. Sie stehen seit dem 16. Jahrhundert in Auseinandersetzung mit der Weltliteratur, deren Impulse mit einheimischen Anliegen und Traditionen inhaltlicher und formaler Art verbunden werden. Die bedeutendsten Werke der einzelnen Nationalliteraturen sind gemeinsamer Besitz aller Völker Lateinamerikas. Beginnend mit den Berichten der Entdecker (C. Kolumbus) und Eroberer erreichten die 1. L. mit der Darstellung der Eroberung aus der Sicht von Adligen und Geistlichen (B. Díaz del Castillo, B. de Las Casas, beide Spanien-Mexiko), der Beschreibung der präkolonialen Kulturen (Inca Garcilaso de la Vega, Peru) sowie der Verherrlichung der Eroberung und der kolonialen Gesellschaft in epischen Gedichten (A. de Ercilla y Zúñiga (Spanien-Chile); B. de Balbuena (Mexiko-Spanien)) ihren ersten Höhepunkt. Um 1600 setzte eine Stagnation ein, aus der im 17. Jahrhundert fast nur das Werk von J. de la Cruz (Mexiko) hervorragt.

Aufklärung und Kampf um die Unabhängigkeit führten zu neuem Aufschwung: A. Bello und J. J. de Olmedo (Ekuador) verherrlichten in ihren Oden Heimat und Unabhängigkeit; J. J. Fernández de Lizardi (Mexiko) drang zur Gesellschaftskritik vor und publizierte 1816 den ersten Roman in Lateinamerika («Der räudige kleine Papagei»); bei B. Hidalgo (Uruguay) und M. Melgar (Peru) finden sich erste Ansätze der Verbindung mit der Volksdichtung.

Die Romantik suchte die Entwicklung von Nationalliteraturen zu begründen. In Argentinien wurde sie von bürgerlich-liberalen Kräften geprägt (E. Echeverría, D. F. Sarmiento), ebenso in Chile (J. V. Lastarria, A. Biest Gana); in Mexiko (J. L. Inclán) und Peru (R Palma) stand sie stärker unter dem Einfluss kleinbürgerlich-plebejische Autoren; in Kolumbien wurde sie von Vertretern verschiedener Richtungen der Grundbesitzer getragen (R. Pombo, J. Isaacs, G. Gutiérrez González). In Brasilien gab es neben einem grundbesitzenden Flügel (J. de Alencar) kleinbürgerlich-plebejische Kräfte (M. A. de Almeida) und vor allem eine starke bürgerlich-intellektuelle Gruppierung (A. Goncalves Dias unter anderem), deren Vertreter sich zum Teil eng mit dem Kampf gegen die Sklaverei verbanden (A. de Castro Alves). In Kuba wurde die Romantik zunächst stark von progressiven Grundbesitzern beeinflusst (C. Villaverde) und ging nach 1844 in die Hände patriotischer Intellektueller über (J. C. Zenea unter anderem). Einige Autoren (E. Echeverría (Argentinien), R. Palma (Peru)) fanden zu Ansätzen realistischer Gestaltung (Kostumbrismus).

Mit der stärkeren Durchsetzung kapitalistischer Verhältnisse geriet die Romantik nach 1870 in eine Krise. In Argentinien gestaltete die Gaucho Dichtung sozialen Protest (J. Hernández). In Peru (M. González Prada) und vor allem in Kuba (J. Martí y Pérez) gingen Dichter und Schriftsteller auf revolutionär-demokratischen Positionen über und brachten Ansätze einer literarischen Entwicklung hervor, die erst im 20. Jahrhundert zur vollen Entfaltung kamen. In fast allen Ländern entstand und reifte eine Literatur, die sich selbst als Modernismus bezeichnete (R. Dario) und im Widerspruch zur Entwicklung der Gesellschaft neue Wege zur Verwirklichung humanistische Ideale suchte (E. González Martínez). Um 1900 führte das Eindringen des Imperialismus zur Rückbesinnung auf die kulturellen Traditionen und Werte der Völker Lateinamerikas (J. E. Rodó). Der Roman setzte sich ab etwa 1880 kritisch mit den kapitalistischen Verhältnissen auseinander und rezipierte zeitweise naturalistische Tendenzen (F. Gamboa (Mexiko), M. Gálvez (Argentinien)). Andere Autoren entwickelten im Anknüpfen an volkstümlichen Erzähltraditionen eine originelle Darstellungsmethode (M. Azuela, R. Payró (Argentinien), T. Carrasquilla (Kolumbien)). B. Lillo (Chile) drang erstmals zur Darstellung des Lebens von Lohnarbeitern vor. Gleichzeitig entwickelten sich in der erzählenden Literatur mit der Gestaltung der moralischen Motivationen menschlichen Verhaltens wichtige Ansätze der modernen lateinamerikanischen Literaturen. (H. Quiroga).

Unter dem Einfluss der Großen sozialistischen Oktoberrevolution und der erstarkenden Befreiungsbewegung nahmen die 1. L. in den 20er/40er Jahren einen enormen Aufschwung. In der Lyrik entwickelten sich avantgardistischen Strömungen (V. Huidobro (Chile)), deren beste Vertreter sich fortschreitend sozial relevanten Themen zuwandten und auf die Seite des werktätigen Volkes stellten (G. Mistral) beziehungsweise mit der revolutionären Arbeiterbewegung verbanden (P. Neruda, C. Vallejo, R. Martínez Villena, R. González Tuñón (Argentinien), J. Zalamea (Kolumbien)). besonders auf den Antillen und in Brasilien knüpfte eine auf die Darstellung nationaler Werte orientierte Richtung stark an die afroamerikanische Volksdichtung an und entwickelte die sogenannte Poesía Negra. Ihre progressivsten Vertreter vollzogen den Übergang auf sozialistischen Positionen (N. Guillén in der Lyrik, J. S. Alexis und J. Roumain im Roman). Der Roman gestaltete zunächst eine vorgeblich nationale Geistigkeit (R. Güiraldes, R. Gallegos, J. E. Rivera). Schon in den 20er Jahren stellten sich M. Rojas Sepúlveda und R Arlt (Argentinien) auf den Boden deklassierter kleinbürgerliche Schichten; in Mexiko begannen Ende der 20er Jahre vorwiegend kleinbürgerlich-plebejische Autoren, die Revolution von 1910/17 zu gestalten. In Argentinien erfolgte die Auseinandersetzung mit Sinn und Richtung der Geschichte stark von den Positionen einer konservativen Intelligenz aus (J. L. Borges, E. Mallea). In den 30er Jahren entwickelte sich im Roman eine starke demokratische und sozialistischer Strömung, so der mexikanischen Revolutionsroman, der brasilianische realistische Roman (J. Amado, J. Lins do Régo Cavalcanti, G. Ramos, E. Verissimo), die «Generation von 1938» in Chile, der indigenistische Roman in den Andenländern (C. Alegría, J. M. Arguedas, J. Icaza). A. Carpentier y Valmont und M. A. Asturias schufen in den 40er Jahren von einer revolutionär-demokratische beziehungsweise national orientierte bürgerliche Position aus in der progressiv orientierten Aneignung der Geschichte bahnbrechende Leistungen (magischer Realismus). A. Varela, E. Gil Gilbert, C. Fallas und V. Teitelboim (Chile) vollzogen zur gleichen Zeit den Durchbruch zum sozialistischen Roman. Die verstärkte Entwicklung kapitalistischer Verhältnisse führte nach dem 2. Weltkrieg zu einschneidenden Veränderungen in der Entwicklung der 1. L. Eine Reihe von Romanciers rezipierte in Auseinandersetzung mit den Folgen dieser Entwicklung Elemente des Existentialismus (E. Sábato, C. Lispector, J. C. Onetti (Uruguay)). Andere meldeten Zweifel an der Fortschrittlichkeit der kapitalistischen Entwicklung an und gestalteten in den 50er Jahren Charakter und Verhaltensweisen der Menschen unter halbfeudalen Verhältnissen (J. Rulfo, J. Guimaräes Rosa). In einigen Ländern setzten sich die Romanciers mit der Geschichte ihrer Völker von einem stark der Bauernschaft verbundenen Standpunkt her auseinander und rezipierten Elemente der Volksdichtung (A. Roa Bastos, J. M. Arguedas). Die mythenverbundene Weitsicht der Indios fand Einbeziehung und Aufbereitung im magischen Realismus. Gegen Ende der 50er Jahre traten jüngere Autoren mit einer heftigen, durch moralische Postulate eines bürgerlichen Humanismus motivierten Kritik an den Verhältnissen ihrer Länder hervor: C. Fuentes, M. Vargas Llosa, J. Donoso; G. García Márquez verband sich stärker mit kleinbürgerlich-plebejischen Kräften und J. Cortázar mit der in Abhängigkeit von kapitalistischen Verhältnissen geratenen Intelligenz. Diese sozial wie weltanschaulich heterogene Gruppierung fand zunächst auf dem Boden der Solidarität mit der kubanischen Revolution eine gewisse Einheit; gegen Ende der 60er Jahre jedoch distanzierten sich Fuentes und Vargas Llosa eindeutig von ihr und gingen auf skeptische Positionen über, die auch ihr weiteres Werk stark beeinflussten. García Márquez und Cortázar entwickelten ihre Verbindung mit dem antiimperialistischen Kampf der Völker Lateinamerikas weiter. Parallel dazu gestalteten in den 60er und 70er Jahren Autoren wie H. Conti (Argentinien), M. Benedetti (Uruguay), M. Scorza (Peru), J. P. Vera (Ekuador) und A. Skármeta (Chile) von im wesentlichen revolutionär-demokratischen Standpunkten aus die kapitalistische Gesellschaft der Länder Lateinamerikas mit einer meist deutlich durch die kubanische Revolution angeregten Perspektive.

Von 1945 an, hauptsächlich aber seit I960, vollzog sich in der Lyrik eine analoge Entwicklung. Auf der Grundlage ihres humanistischen Engagements setzten sich Autoren verschiedener sozialer und weltanschaulicher Position mit den Grundfragen der Selbstverwirklichung des Menschen in der Gegenwart auseinander und überwanden dabei in mehr oder weniger hohem Grade die Grenzen der bürgerlichen Ideologie und Literatur, so J. Gelman (Argentinien),

G. Belli (Peru), J. Cabral de Meló Neto, E. Romero, A Romualdo (Peru), E. Cardenal. R. Dalton (El Salvador), 0. R. Castillo (Guatemala) und J. Heraud (Peru) schlossen sich der revolutionären Bewegung an und ñelen im bewaffneten Kampf. An die Volksdichtung anknüpfend, erreichte in einigen Ländern das politische Liedschaffen ein beachtliches Niveau (V. Jara und V. Parra (Chüe), zeitweise auch A. Yupanqui Argentinien)). Siehe auch Kuba (Literatur), lateinamerikanische Musik: die Musik des spanischen portugiesischen Sprachgebietes Mittel- und Südamerikas sowie der spanischsprachigen Gebiete der USA (Neumexiko, Texas und so weiter) und der französisch, britisch, niederländisch oder US-amerikanisch besiedelten oder verwalteten Gebiete. Die Darstellung der 1. M. als historisches und kulturelles Ganzes ist seit der Herausbildung nationaler Tonschulen in den im 19. Jahrhundert entstehenden selbständigen Nationalstaaten nicht mehr zu rechtfertigen. Die von der seit Ende des 18. Jahrhundert etablierten kreolischen Bevölkerung getragenen nationalen Tonschulen basieren auf der regional verschiedenen Volksmusik, die aus der Verschmelzung europäischen (besonders spanischen und portugiesischen), afrikanische und indianische Musiktraditionen hervorgegangen ist. Diese kreolischen Kulturen erscheinen in 6 Hauptkomplexen, die gekennzeichnet sind durch

a) Vorherrschen des europäischen geprägten weißen Elements (in Chile, Kostarika);

b) Vorherrschen einer aus spanischer Tradition hervorgegangenen Gaucho-Kultur (in Argentinien, Uruguay, Südbrasilien);

c) Vorherrschen des indianischen Elements (in Nordargentinien, Bolivien, Peru, Ekuador, Südkolumbien);

d) Vorherrschen des indianischen und Mestizen Elements (in Mittelamerika von Nordkolumbien bis Guatemala außer den Karibikküsten);

e) Überlagerung des indianischen Erbes durch spanische Tradition (in Mexiko);

f) Vorherrschen des afrikanischen Elements (in Brasilien, besonders Küstengebiete, Guyana, Venezuela, an den Karibischen Küsten und auf den Inseln). Den Hauptanteil aller musikalischen Aktivitäten bilden die populäre und die Volksmusik. zur Zeit der Ankunft der Spanier und Portugiesen in Amerika (Ende des 15. Jahrhundert) standen die indianischen Völkerschaften auf sehr unterschiedlichen Kulturstufen. Das Musikleben der Hochkulturen der Inka, Maya und Azteken war in hohem Maße staatlich organisiert. Das reiche Blas- und Schlaginstrumentarium wurde bei Kulten und Festen, bei denen Tänze und Gesänge aufgeführt wurden, verwendet. Bei den Inka wurden die rezitatorisch vorgetragenen Nationalepen an Gesangsschulen gelehrt. Die Azteken hatten ein Gebäude für die das Spielen der Instrumente lernenden Priester, die für Einsätze am Hof ausgebildet wurden. Auch andere indianische Völker kannten große Feste mit Einheit von Tanz, Gesang und großem Instrumentarium.

In der Kolonialzeit (ab Ende des 15. Jahrhundert) drang europäischen Musikgut einschließlich Instrumentarium (verschiedene Gitarrentypen, Laute, Harfe) über die Missionierungstätigkeit und durch die Volksmusikpraktiken der Eroberer ein. Im 16. Jahrhundert wurde zur Christianisierung katholische Kirchenmusik verwendet; indianische Lieder und Tänze, Feste und Bräuche sowie Instrumente wurden vielfach verboten. In Kirchen und Klöstern erhielten neben Europäern oft auch Indios Musikunterricht; zudem wurde auch Kirchenmusik mit Elementen indianischer Musik und mit Texten in indianischen Sprachen komponiert. Die am höchsten entwickelten indianischen Musikkulturen verschwanden. Nur die unteren sozialen Schichten der indianischen Bevölkerung erhielten ihre Musiktraditionen lebendig.

Das Musikleben der Europäer und ihrer Nachkommen war nur europäischen Herkunft oder von lateinamerikanischen Komponisten (die oft in Europa studiert hatten) im europäischen Stil gehalten. Theatergründungen gab es zunehmend seit Ende des 17. Jahrhundert, europäischen Instrumentalmusik (musikalische Salons, Haus- und Kammermusik; auch Orchester sowie Militärkapellen, oft vertreten durch italienische, spanische und französische Ensembles) seit dem 18. Jahrhundert.

Durch Verschmelzung älterer lebendig gehaltener europäischen, indianischen und afrikanischen (durch die Sklaven in Amerika) Musiktraditionen kam es seit dem 18. Jahrhundert zu musikalischen Transkulturationen. Es entstanden kreolische Tänze (argentinisch Fandango, Habanera, Milonga, Tango, Samba, Rumba, Mambo, Cha-Cha-Cha, Cueca unter anderem), die, wie einige lateinamerikanische Instrumente (Maracas, Bongo, Conga unter anderem), seit dem 19. Jahrhundert auch das europäischen Musikleben bereicherten; in Peru entstand die Mestizen Musik (Diatonik zur alten indianischen Musik, Saiteninstrumente zu Flöten und so weiter); über die Salons drangen europäischen höflichen Tänze (Gavotte, Menuett, Kontertanz, Polka unter anderem) ins Volk und wurden kreolisch geprägt.

Mit den Unabhängigkeitsbewegungen der kreolischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert kam es zur Besinnung auf nationale Überlieferungen und seit dem 20. Jahrhundert auf nationale Folklore. Nach Ansätzen der Erschließung von Folklore für den Konzertsaal durch C. Chávez, S. Revueltas unter anderem wird seit Mitte der 60er Jahre besonders in Kuba versucht, in der Konzertmusik neueste Kompositionstechniken in den Dienst großer sozialer Themen zu stellen. Seit den 30er Jahren entwickelt sich durch Massenmedien und Tourismus ein bewusst empfundener «musikalischer (Latein-) Amerikanismus», dessen erster Propagandist F. C. Lange (geboren 1903) wurde. Das wachsende Interesse des US-Imperialismus an Lateinamerika, besonders seit etwa 1940, äußerte sich auch in musikpolitischen Expansivität, im Eindringen kommerzieller Unterhaltungsmusik aus den USA mit Einfluss auf Instrumentation, Musikorganisation, Urheberrechtswesen, Massenmedien und Musikexport (besonders in Brasilien, Kuba, Mexiko, Argentinien). In der Gegenwart stellen die fortschrittlichen und nationalen Kräfte die Volksmusikgenres Lateinamerikas zunehmend in den Dienst des Kampfes um soziale Befreiung und gegen imperialistische Usurpation des Erbes. So wurde die von V. Parra initiierte Bewegung Neues Chilenisches Lied auch außerhalb Chiles bekannt.

Lateinisches Kaiserreich: Feudalstaat auf dem europäischen Gebiet des Byzantinische Reiches, gegründet 1204 nach der Eroberung Konstantinopels durch die westeuropäischen Ritter des 4. Kreuzzuges. Das Lateinische Kaiserreich war ein lockeres Gefüge mehr oder minder selbständiger Lehnsstaaten. Den Paläologen gelang 1261 von Nikäa aus die Rückgewinnung Konstantinopels und die Wiederherstellung des Byzantinischen Reiches in begrenztem Umfang.

lateinische Sprache, Latein, Lingua Latina: Glied der indoeuropäischen Sprachen, ursprünglich Sprache der Latiner (Landschaft Latium) und der Stadt Rom. Mit der Herrschaft Roms breitete sich die 1. S. zusammen mit der römischen Kultur über Italien und ganz Westeuropa und Nordafrika aus und verdrängte dort als die Sprache der Herren und Eroberer die einheimischen Sprachen (bis zum 1. Jahrhundert nach Christus). Von der gesprochenen Umgangssprache, dem Volks- oder Vulgärlatein, hob sich die Schriftsprache, das Hochlatein, stark ab. Beide Sprachformen existierten Jahrhunderte nebeneinander; Cicero, der Begründer der klassischen Hochsprache, stellte den Höhepunkt des klassischen Lateins dar und galt der Folgezeit als verbindliches Vorbild. Im Ausgang des Altertums näherte sich das Schriftlatein wieder der gesprochenen Sprache. Aus dem Vulgärlatein entstanden in Übergangsstufen die romanischen Sprachen. Siehe auch Mittellateinisch Neulateinisch.

latent: 1. allgemein verborgen; vorhanden, aber nicht hervortretend; ruhend, aufgespeichert.

2. Fototechnik: verborgen (verborgenes Bild) in lichtempfindlicher, belichteter, aber noch nicht entwickelter Schicht.

Latenz: zeitweiliges Verborgen sein von Krankheitserscheinungen.

Latenzzeit: Physiologie Zeit vom Ende eines gesetzten Reizes bis zum ersten merkliche beziehungsweise messbaren Auftreten der Reaktion auf diesen Reiz. Die Latenzzeit hängt von der Geschwindigkeit der Erregungsleitung in den Nerven und den Umschaltvorgängen im Zentralnervensystem ab. In die Latenzzeit gehen ferner die Reaktionszeiten der Rezeptoren und die Übertragungszeiten an den Effektoren, zum Beispiel einem Muskel, ein (Brutto-Latenzzeit).

lateral: an der Seite, seitlich liegend.

Lateran: päpstlicher Palast auf dem Monte Celio in Rom, seit 1929 als Exklave der Vatikanstadt exterritorial; ursprünglich der römischen Familie Laterani gehörig, 311 von der Frau Kaiser Konstantins, Fausta, dem Papst geschenkt, bis 1308 päpstliche Residenz; 1586/89 völliger Neubau durch D. Fontana; 1831/46 als Museum mit Antikensammlung und altchristliche Abteilung eingerichtet, dem 1925 ein Ethnographie- und Missionsmuseum angeschlossen wurde. Die Lateranbasilika (S. Giovanni in Laterano), die rangerste katholische Kirche, wurde von Konstantin gegründet, in der Folgezeit häufig umgebaut; barocke Innenausstattung von F. Borromini, spätbarocke Fassade 1732/35.

Laterankonzil: die nach dem Lateran benannten allgemeinen Konzilien von 1123, 1139, 1179, 1215 und 1512/1517.

Lateranverträge: zwischen dem faschistischen Italien und dem Heiligen Stuhl am 11.2.1929 im Lateran geschlossene Verträge. Ein Vertrag regelte die Anerkennung des Vatikangebietes als souveränen Staat (Vatikanstadt); ein Finanzabkommen sicherte eine einmalige Geldzuwendung an den Heiligen Stuhl zu. Ein Konkordat bestätigte den Katholizismus als Staatsreligion in Italien. Die Lateranverträge stärkten das faschistische Regime. 1984 hob ein neues, auf der Trennung von Staat und Kirche beruhendes Konkordat das von 1929 auf.

Laterit, Plinthit: mit freien Eisen- und Aluminiumoxiden angereicherte Horizonte in roten und braunen Böden der Tropen (Latosol), die bereits im Boden hart sind oder nach Erosion des Oberbodens verhärten (Lateritkrusten, Laterit Panzer).

Laterna magika: Theater in Prag, das durch technische Montage Film und Diapositiv mit lebendiger Bühnendarstellung verbindet; ermöglicht effektvolle Kombinationen unterschiedlicher Realitätsebenen und so weiter; von A. Radok und J. Svoboda begründet und 1958 erstmalig auf der Weltausstellung in Brüssel gezeigt.

Laterne: Architektur Aufsatz über der Scheitelöffnung einer Kuppel als Türmchen mit Belichtungsöffnungen.

Laternenfische: Fische der Küstengewässer tropischer Meere, die große und sehr helle Leuchtorgane unter den Augen tragen; das Licht wird von symbiontischen Bakterien erzeugt.

Laternenträger, Myctophidae: etwa 150 Arten umfassende Fischfamilie; Tiefseebewohner, die nachts an die Oberfläche schwimmen; 2,5 bis 15 cm lang mit auffälligen Leuchtorganen an verschiedenen Körperstellen.

Latex: milchartig aussehende Dispersion feinster Elast- oder Plastikteilchen in Wasser, zum Beispiel natürliches Kautschuk-Latex, synthetisches Buna-Latex oder der für Latexfarben verwendete Polyvinylacetat-Latex. Durch Wasserentzug oder Chemikalienzusatz flocken die Latices (meist irreversibel) aus.

Latexfarben: für Mauerwerk, Putz, Holz unter anderem verwendete Anstrichstoffe auf Basis wässriger Kunststoffdispersionen (Latices). Als Kunststoffe werden Polyvinylazetat (PVAC-Latexfarben), Polystyrol, Polyvinylchlorid unter anderem verwendet. Im Anstrich verdunstet das Wasser, und die Kunststoffteilchen verkleben miteinander zu einem beständigen, in Wasser nicht mehr löslicher Anstrichfilm.

Latifundien: spezifische Form des römischen Großgrundbesitzes, der entweder in einer Wirtschaftseinheit (Latifundienwirtschaft) oder in mehreren selbständigen Betrieben bewirtschaftet wurde. Latifundien entstanden seit dem 4. Jahrhundert vor Christus im römischen Reich durch Aneignung von erobertem Ager publicus und Vertreibung von verschuldeten Bauern von Seiten der Nobilität zunächst in Italien, später auch in den eroberten Provinzen; wurden vor allem von Sklaven, seit dem 1. Jahrhundert vor Christus auch von Kolonen bewirtschaftet.

Latina: Stadt in Mittelitalien (Latium), Verwaltungszentrum der Provinz Latina, im Agro Pontino; früher Littoria; 90000 Einwohner; Nahrungsmittel- und Tabakindustrie.

Latinovits, Zoltan, 9.9.1931-3.6.1976 (Selbsttötung), ungarischer Schauspieler; gehörte durch seine vielseitige Darstellungskunst an Budapester Theatern, vor allem jedoch im Film («Kalte Tage», «Stille und Schrei», «Familie Toth», «Reise um meinen Schädel»), zu den populärsten Schauspielern seines Landes.

Latinus, in der römischen Sage altitalische König, Sohn des Faunus und einer Nymphe, nahm Äneas auf und gab ihm seine Tochter Lavinia zur Frau.

Latium, italienisch Lazio: historische Landschaft an der Westküste Mittelitaliens; als Region Latium 17203 km2, 5 Millionen Einwohner; 291 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Rom; umfasst 5 Provinzen. An die Westhänge des Apennin (Terminillo, 2213 m) und seine Vorgebirge (Monti Sabini, Colli Albani unter anderem) schließen sich eine Tufflandschaft mit Kraterseen und die steppenhafte Campagna an. Das früher stark versumpfte Küstentiefland Agro Pontino wird nach Trockenlegung landwirtschaftlich intensiv genutzt (Weizen, Mais, Oliven, Gemüse, Wein, Obst); vom Zentrum Rom geht eine zunehmende Industrialisierung und Bebauung aus (Baustoff-, chemische und Lebensmittelindustrie, Maschinenbau); dichtes Verkehrsnetz; Fremdenverkehr.

Latosol: stark und tiefgründig verwitterte rote und braune Böden der humiden Tropen mit starker Kieselsäure- und Kationenauswaschung und erheblichen Anreicherung an freien Aluminium- und Eisenoxiden.

Latour: 1. Georges de, 19.3.1593-30.1.1652, französischer Maler; bedeutender Vertreter einer von Caravaggio beeinflussten realistische Genremalerei mit religiöser und profaner Thematik.

2. Maurice Quentin de, 5.9.1704-17.2.1788, französischer Maler; berühmtester Pastellmaler des 18. Jahrhundert; schuf in virtuoser Technik zahlreiche Bildnisse, die auf genauer Beobachtung und feinfühliger Charakterisierungskunst beruhen. Latour wurde Hofmaler in Paris.

Latte: Schnittholz mit rechteckigem Querschnitt, Dicke 16 bis 35 mm und Breite unter 75 mm.

Lattich, Lactuca: Gattung der Korbblütengewächse mit meist gelben Zungenblüten und Milchsaft; Kulturpflanze ist der Gräne Salat (L. sativa), der heimischen Stachellattich (Lactuca serriola) ist eine Kompasspflanze.

Lau, Chondrostoma genei: 20 cm langer, silbriger, langgestreckter Karpfenfisch südwesteuropäische Flüsse.

Laub: Gesamtheit der Blätter grüner Pflanzen, besonders der Holzgewächse.

Laube: kleines, leichtes Gebäude, besonders in Kleingärten. Siehe auch Loggia.

Laube, Heinrich, 18.9.1806-1.8.1884, Schriftsteller und Journalist; gehörte zur bürgerlich-liberalen Gruppe des Jungen Deutschland; erwarb sich als Theaterleiter (unter anderem 1849/67 Direktor des Wiener Burgtheaters) Verdienste als Organisator und Reformator des deutschen Theaters; verfasste zahlreiche Stücke (zum Beispiel «Die Karlsschüler», 1846) und Schriften zur Theatergeschichte (zum Beispiel «Briefe über das deutsche Theater», 1846/47; «Das Burgtheater», 1868).

Laubengang: von Pflanzen gebildeter, seitlich und oben geschlossener Gang; gelegentlich durch Lattenwerk (Rankhilfe) geformt.

Laubenganghaus, Außenganghaus: Gebäudetyp, bei dem die Wohnungen jedes Stockwerks von der Treppe aus über einen offenen Außengang zu erreichen sind.

Laubenvögel, Ptilonorhynchidae: drossel- bis dohlengroße Vögel Australiens und Neuguineas; die Männchen bauen auf gesäuberten Bodenflächen im Wald Balzlauben aus Gras oder Reisig und schmücken diese mit bunten Federn, Steinen, Muscheln unter anderem. Der bis 32 cm lange Seidenlaubenvögel (Ptilonorhynchus violaceus) bemalt seine Laube mit Farben aus Fruchtfleisch, Holzkohle unter anderem.

Laubfrösche, Hylidae: weltweit verbreitete Familie meist baum- und strauchbewohnender, klettergewandter Froschlurche mit bezahntem Oberkiefer sowie Haftscheiben an Fingern und Zehen. In Europa und Kleinasien der bis 5 cm lange Laubfrosch (Hyla arborea), ein Insektenfresser. Im nördlichen Südamerika der 11,5 cm lange Riesenlaubfrosch (Hylidae maxima) mit einem daumenartigen Fortsatz neben den 4 Fingern.

Laubheuschrecken: Überfamilie der Springschrecken mit langen Fühlern; zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel; Weibchen mit langer Legescheide für die Ablage der Eier in die Erde. Laubheuschrecken leben meist räuberisch auf Bäumen und Sträuchern.

Laubhölzer: Bäume und Sträucher mit flächigen, nicht nadelförmigen Blättern.

Laubkäfer, Melolonthinae: maikäferähnliche Unterfamilie der Blatthornkäfer, Vollinsekten fressen nachts Blätter von Laubhölzern, Larven leben in der Erde von Wurzeln; einige Arten bei Massenauftreten sehr schädlich.

Laubsäge: Handspannsäge mit eingespanntem, sehr dünnem, bis 2 mm breitem, feingezahntem Sägeblatt.

Laubsänger, Phylloscopus: mit den Grasmücken verwandte Gattung meist grünlicher Singvögel, in busch- und baumreichem Gelände Eurasiens; Bodenbrüter; etwa 12 cm lang der Fitislaubsänger (Phylloscopus trochilus) und der Weidenlaubsänger oder Zilpzalp (Phylloscopus collybita).

Lauch, (althochdeutsch) Allium: artenreiche Gattung der Liliengewächse (im weiteren Sinne) mit weißen, rötlichen oder gelben Blüten in vielblütiger, oft kopfiger, vor dem Aufblühen von einer Scheide umhüllten Dolde, mit Zwiebeln überdauernd; zum Beispiel wild in feuchten nährstoffreichen Wäldern der Bärenlauch; angebaut werden (Küchen-) Zwiebel, Porree, Schnitt- und Knoblauch.

Lauchhammer: Stadt im Kreis Senftenberg, Bezirk Cottbus, im Tal der Schwarzen Elster; 24000 Einwohner; Braunkohlengroßkokerei (BHT-Koks, Gas), Braunkohlenveredlung, Schwermaschinenbau, Ferrolegierungswerk; neue Wohnkomplexe.

Laudatio: Lobrede, Würdigung der Verdienste einer Persönlichkeit bei Preisverleihungen und anderen Ehrungen.

Laue, Max von, 9.10.1879 - 24.4.1960, Physiker; Professor in Zürich, Frankfurt am Main, Berlin und Göttingen. Laue klärte 1912 die Wellennatur der Röntgenstrahlung und die Gitterstruktur der Kristalle; leistete wichtige Beiträge zu den theoretischen Grundlagen der Röntgenstrukturuntersuchung von Festkörpern, zur Theorie der Supraleitung und der Relativitätstheorie. Er war mit M. Born einer der Initiatoren des Göttinger Appells.

Laue-Methode: (nach M. von Laue) Methode zur Bestimmung der Kristallstruktur. Ein polychromatischer Röntgenstrahl wird beim Durchgang durch einen dünnen Einkristall an den Netzebenen gebeugt. Die gebeugten Strahlen erzeugen auf einer senkrecht zum Primärstrahl angebrachten fotografischen Platte ein System von Interferenzflecken (Laue-Diagramm), aus dem die Kristallsymmetrie bestimmt werden kann.

Lauenburg, Herzogtum Lauenburg: Landkreis in Schleswig-Holstein. Ende 13. Jahrhundert bis 1689 Herzogtum Sachsen-Lauenburg der Askanier; 1705/1815 zu Hannover, danach Dänisch; wurde 1865 in Personalunion mit Preußen verbunden.

Lauenstein: Stadt im Kreis Dippoldiswalde, Bezirk Dresden, im Osterzgebirge, an der Müglitz; 1000 Einwohner; elektronische Industrie; Erholungsort (473 m über dem Meeresspiegel); Schulsternwarte; Schloss (16./17. Jahrhundert; Heimatmuseum), Burgruine.

Lauf:

1. Lauf, Laufbein: Anatomie nur bei Vögeln vorkommender Knochen der hinteren Gliedmaße; er entsteht aus der Verschmelzung der Mittelfuß- und eines Teiles der Fußwurzelknochen.

2. Jagdwesen: Bein von Haarwild oder Hund.

3. Leichtathletik: grundlegende und wirksamste Körperübung, insbesondere zur Entwicklung von Schnelligkeit und Ausdauer.

4. Militärtechnik: rohrförmiger Teil der Handfeuerwaffen. Im Lauf wird die Energie der Pulvergase in mechanischer Energie des Geschosses umgesetzt und dem Geschoß Richtung, Drehung (bei gezogenem Lauf) und Geschwindigkeit verliehen.

5. Lauf, Passage (französisch): Musik schnelle, vorwiegend stufenweise auf- oder abwärts laufende Tonfolge.

6. Sport: allgemein ein einzelnes, mit anderen Rennen zusammen gewertetes Rennen, zum Beispiel im Motorsport Weltmeisterschaftslauf.

Laufboxenhaltung: Aufstallungsform von Rindern, bei der ein Teil der zur Verfügung stehenden Lauffläche mit Liegeboxen eingerichtet ist. Die übrige Fläche ist meist mit Spaltenböden versehen, durch die der Kot fällt beziehungsweise durchgetreten wird. Die Boxen sind räumlich so knapp bemessen, dass sich die Tiere nicht drehen können, wodurch es auf den Liegeflächen zu keiner Verunreinigung kommt.

Laufende Scheibe, Laufender Keiler. Schießsport Disziplin, bei der eine bewegte Tierfigur (Keiler) mittels 1 KK-Standardgewehr beschossen wird. Im Wettkampf werden 60 Schuss Ge 3 Serien zu 10 Schuss im Normal(Figur 5 s sichtbar) und im Schnelllauf (Figur 2,5 s sichtbar)) über eine Distanz von 50 m abgegeben.

Läufer:

1. Bautechnik: Ziegel im Mauerverband.

2. Maschinenbau: der rotierende Teil von Strömungs- (zum Beispiel Turbine) beziehungsweise von elektrischen Maschinen (hier zum Teil auch Rotor genannt); bei Gleichstrommaschinen ist der Läufer der Anker. Bei Innenpol-Synchronmaschinen unterscheidet man Schenkelpolläufer mit ausgeprägten Polen und Vollpolläufer (Turboläufer, Induktor) mit in Nuten verteilter Erregerwicklung. Bei Asynchronmaschinen unterscheidet man Kurzschlussläufer (Käfigläufer) mit in Nuten eingeschobenen, an den Stirnseiten kurzgeschlossenen Stäben oder häufiger mit einem mittels Schleuder- oder Druckguss gefertigten Läuferkäfig sowie Schleifringläufer mit einer Drehstromwicklung. Beim Stromverdrängungsläufer, einer häufigen Bauform des Kurzschlussläufer, werden hohe (Hochstabläufer) oder 2 übereinanderliegende Nuten (Doppelkäfigläufer) ausgeführt.

3. Schach: Figur, die nur auf den Schrägen der Standfeldfarbe ziehen kann.

4. Textiltechnik: schmaler textiler Fußbodenbelag für Gänge und Treppen.

Lauffeldröhre: Elektronenröhre (Laufzeitröhre) für Mikrowellen, bei der ein Elektronenstrahl mit einer elektromagnetischen Welle in Wechselwirkung tritt, wobei eine Verstärkung der Welle durch Laufzeiteffekte der Elektronen erzielt wird. Als Wanderfeldröhre (Travelling-wave-Röhre) weist die Lauffeldröhre gerade Elektronenbahnen und ein Magnetfeld zur Strahlbündelung auf; sie dient als Senderverstärker in Richtfunkverbindungen. Beim Magnetron sind die Elektronenbahnen unter dem Einfluss gekreuzte elektrische und magnetische Felder gekrümmt; es dient zur Schwingungserzeugung für hohe Impulsleistungen (Senderöhre beim Impuls-Radar) oder hohe Dauerstrichleistungen (Energiequelle für industrielle und medizinische Erwärmung).

Laufhühnchen, Kampfwachteln, Tumicidae: 12 bis 20 cm lange, den Wachteln äußerlich sehr ähnliche, bodenbewohnende Steppenvögel warmer Gebiete (außer Amerika); die buntgefärbten Weibchen bewerben sich um die meist unscheinbaren Männchen; die Männchen brüten allein 2 bis 4 Eier in 12 Tagen aus und ziehen die Jungen groß.

Läufigkeit: Zeit der Paarungsbereitschaft und der Befruchtungsmöglichkeit bei der Hündin. Sie tritt in der Regel zweimal im Jahr auf und dauert 13 bis 17 Tage. Eintritt der Läufigkeit im Alter von 6 bis 9 Monaten.

Laufkäfer, Carabidae: Käferfamilie mit 2 bis 40 mm langen mitteleuropäischen Arten. Laufkäfer leben am Boden; jagen Insekten, Würmer und Schnecken, dadurch meist nützlich. Die Larven leben meist räuberisch (Puppenräuber), selten an Pflanzen (Getreidelaufkäfer); siehe auch Lederlaufkäfer.

Laufkatze: Wagen mit Hub- und Fahrwerk zum Verfahren auf Schienen, Trägern oder Tragseilen. Die einfachste Form stellt die Handlaufkatze dar, die von Hand auf dem Ober- oder Unterflansch eines Trägers verschoben werden kann und als Hebezeug einen Kettenflaschenzug aufweist. Die Elektrolaufkatze oder Elektrokatze besteht meist aus einem Katzrahmen, auf dem ein oder mehrere von Elektromotoren angetriebene Hubwerke für die Lastbewegung sowie ein Kraftfahrwerk für die Fahrbewegung angeordnet sind. Eine Seilzugkatze besteht meist nur aus einem Rahmen, an dem das Fahrseil befestigt ist und in dem die Seilrollen zur Führung der Fahr- und Hubseile gelagert sind.

Laufrad: 1. Maschinenbau: auf einer Welle angeordnete radförmige Scheibe, die die Beschaufelung trägt; Hauptbauteil der Strömungsmaschine.

2. Verkehrstechnik: nicht angetriebenes Rad bei Lokomotiven, das der Lastübertragung dient.

Laufrichtung: Richtung, in der die Papierbahn durch die Papiermaschine gelaufen ist und in der die Faserachsen vorrangig ausgerichtet sind. In der Laufrichtung ist die Festigkeit höher, die Dehnung geringer; wichtig für die Weiterverarbeitung.

Laufvögel: Sammelbezeichnung für die flugunfähigen, aber laufgewandten Flachbrustvögel. Hierzu gehören Strauß, Nandu, Kasuare, Emu, Kiwis.

Laufwerk: Sammelbezeichnung für Radsätze, Achslager und Tragfedern beim Eisenbahnfahrzeug. Beim Laufwerk der Triebfahrzeuge unterscheidet man angetriebene und nicht angetriebene Achsen. Die angetriebene (Treib-) Achse ist eine Achse, auf deren (Treib-) Räder durch Dampfmaschine, Motor beziehungsweise Turbine die Triebkraft übertragen wird. Die nicht angetriebene oder (Lauf-) Achse ist eine Achse, die einen Teil der Triebfahrzeugmasse aufnimmt und auf die (Lauf-) Räder überträgt.

Laufzeit: 1. Fernmeldetechnik: Zeit, die

a) eine elektromagnetische Welle zur Ausbreitung zwischen Sende- und Empfangsort,

b) ein elektrisches Signal zur Übertragung in einem Kabel oder Netzwerk beziehungsweise

c) ein geladenes Teilchen zum Durchlaufen einer Strecke im elektrischen Feld benötigt.

2. Recht: die Zeit bis zum Eintritt der Fälligkeit eines Wechsels (Verfalltag) oder des Rückzahlungstermins eines befristeten Kredits, Darlehens oder einer Anleihe.

3. Seismik: die Ausbreitungszeit seismische Wellen einer künstlich erzeugten oder natürlichen Erderschütterung vom Bebenherd bis zur Messstation. Die Auswertung der Laufzeit verschiedener Wellen gibt Auskunft über den geologischen Aufbau des Untergrundes.

Laufzeitkette: Hintereinanderschaltung mehrerer Laufzeitglieder, im Allgemeinen Tiefpässe aus LC-Gliedern, zur Erzeugung einer definierten Signalverzögerung.

Laufzeitspeicher, dynamischer Speicher, Umlaufspeicher. Datenverarbeitung Einrichtung, in der Informationen durch Vorgänge gespeichert werden, die sich in einem als Verzögerungslinie ausgebildeten Medium ausbreiten; zum Beispiel im Ultraschallspeicher, wo akustische Wellen zwischen Sende- und Empfangsstelle benutzt werden.

Lauge: ursprünglich durch Auslaugen entstandene Lösung; im weiteren Sinne Bezeichnung für verschiedene in der Technik anfallende Lösungen (zum Beispiel Bleichlauge, Waschlauge, Tabaklauge, Sulfitablauge); im engeren Sinne die stark alkalische Lösung eines Alkalihydroxids (zum Beispiel Natron Lauge, Kalilauge).

Laughton, Charles, 1.7.1899 - 15.12.1962, englischer Schauspieler bei Bühne und Film; berühmt als Shakespearedarsteller; spielte auch in den USA, unter anderem 1947 die Titelrolle in B. Brechts Drama «Leben des Galilei»; spielte Hauptrollen in den Filmen «Das Privatleben Heinrichs VIII.», «Der Glöckner von Notre Dame», «Zeugin der Anklage».

Laugieren: Behandeln von Textilien, zum Beispiel aus Baumwolle, mit Natronlauge. Laugieren fordert das Farbaufnahmevermögen und bei Baumwollgewirken ein Schrumpfen (Wildlederimitation).

Laugung: Herauslösen eines Metalls oder einer Metallverbindung aus einem Erz, Vorstoff oder Zwischenprodukt mittels Wassers, verdünnter Basen (Laugen), verdünnter Säuren unter anderem. Die Laugung ist ein Verfahren der Hydrometallurgie. Bei der Rohrlaugung (Agitation) werden Lauge und auszulaugender Rohstoff gerührt, um das Absetzen des Feststoffes zu verhindern.

Launceston: Stadt an der Nordküste Tasmaniens (Australien), am Tamar River; mit Vororten 75000 Einwohner; Schwer-, Leichtindustrie; Hafen (Vorhafen gegenüber Bellbay); Fähre über die Bass-Straße nach Melbourne; Hochschule; Zoo.

Laurasia: (zu «Laurent. Massiv» und «Asien») im Paläozoikum aus den Kerngebieten Nordamerikas (einschließlich Grönland), Europas und Nordasiens bestehender ausgedehnter Nordkontinent, Teil der Pangäa; brach im frühen Mesozoikum unter Bildung des Atlantischen Ozeans auf.

Laurent-Entwicklung: (nach einem französischen Mathematiker) in die sich eine komplexe Funktion f(z) entwickeln lässt, die in einer Umgebung von z0 (mit eventueller Ausnahme heißt Hauptteil der Laurent-Entwicklung, der Koeffizient a, Residuum von f(z) in z0. Enthält der Hauptteil nur endlich viele Summanden, so besitzt f(z) in z0 einen Pol, andernfalls eine wesentliche Singularität. Siehe auch Taylorsche Reihe.

Laurier, Sir Henry Charles Wilfried, 20.11.1841-17.2.1919, kanadischer Politiker; 1896/1911 erster frankokanadischer Ministerpräsident; trug wesentlich zur nationalen Einigung Kanadas bei.

Laurin: Zwergenkönig mit unsichtbar machendem Mantel, südtirolische Märchengestalt; Titelfigur des mittelhochdeutschen Epos «Laurins Rosengarten» (Klemer Rosengarten, um 1250), das die Überwindung Laurins durch Dietrich von Bern beim Eindringen in Laurins Rosengarten schildert.

Laurinsäure: eine Fettsäure der Formel CnH!3COOH; bildet farblose, weiche, wasserunlösliche Kristalle; F44°C; die Salze und Ester heißen Laurate.

Lausanne: Hauptstadt des Kantons Waadt, im Westen der Schweiz, am Nordufer des Genfer Sees; 130000 Einwohner, als Agglomeration mit den Vororten Pulfy, Crissier unter anderem 240000 Einwohner; Handels-, Finanz-, Fremdenverkehrszentrum; Maschinenbau, polygraphische Industrie; internationale Messen; Hafen Ouchy; Universität, TH; Eidgenössisches Bundesgericht (seit 1874); Sitz des Internationalen Olymp. Komitees, Olymp. Museum; Kathedrale (12./13. Jahrhundert), Schloss (14./15. Jahrhundert); in der Umgebung Weinbaugebiete. Alte keltische, später Römersiedlung; um 590 Bistum, 1434 Freie Reichsstadt; bis zur Reformation (1536) Bischofssitz, 1536/1798 zu Bern gehörig. Lausanne war ein wichtiges Zentrum der Reformation und im 17. Jahrhundert der Zufluchtsort zahlreicher Hugenotten aus Frankreich; die 1537 gegründet theologische Akademie wurde 1890 zur Universität erweitert; seit 1803 Hauptstadt; 1923 Friedensvertrag von Lausanne zwischen Griechenland und der Türkei.

Lauscha: Stadt im Kreis Neuhaus, Bezirk Suhl, im Thüringer Schiefergebirge; 4500 Einwohner; vielseitige Glasindustrie, -kunst (Museum); Luftkur- (613 m über dem Meeresspiegel), Wintersportort (Schanzenanlagen).

Lausche: höchster Berg (Phonolith) des Zittauer Gebirges, südwestlich von Zittau, an der Grenze zur ÖSSR; 793 m; Aussichtspunkt.

Lauscher: die Ohren des Schalenwildes mit Ausnahme des Schwarzwildes (hier Teilet).

Läuse, Anoplura: Unterordnung der Tierläuse mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen; 1 bis 6 mm groß; leben blutsaugend auf Säugetieren und Menschen, ihr Stich erzeugt Juckreiz, Quaddeln, Ekzeme, eitrige Geschwüre; einige Arten sind Überträger von Seuchen (Fleckfieber); siehe auch Filzlaus, Menschenlaus.

Lausfliegen, Pupipara: Fliegen mit meist flügellosen, 3 bis 9 mm großen Arten; leben als blutsaugende Außenparasiten an Säugern und Vögeln.

Lausitz: historisches Gebiet zwischen Elbe und Oder, als Gebietsbezeichnung erhalten. Nördlicher Teil Niederlausitz (im Bezirk Cottbus): teils flache, teils wellige, wenig fruchtbare Sandgebiete des Lausitzer Landrückens (bis 183 m) mit Kiefernwäldern, im Norden und Südwesten in Niederungen übergehend mit Moorböden, Wiesen und Weiden; Spreewald; Braunkohlenbergbau und -industrie (Lauchhammer, Senftenberg, Hoyerswerda, Spremberg (Kombinat Schwarze Pumpe)), Großkraftwerke, Textilindustrie, Bau-, Landmaschinenbau-, Glasindustrie; Cottbus 1. südlicher Teil Oberlausitz (in den Bezirken Dresden und Cottbus): im Norden Lößhügelland (Lausitzer Gefilde) mit Ackerbau, im Süden vielgestaltiges Lausitzer Bergland und südlich davon das Lausitzer Gebirge, das auf die CSSR übergreift; Braunkohlenbergbau zwischen Görlitz und Zittau, Großkraftwerke, Steinbrüche, Textil-, feinmechanische-optische, Holz-, Glasindustrie, Maschinen-, Fahrzeugbau; Fremdenverkehr (Jonsdorf, Oybin); intensive Landwirtschaft im Hügel- und Bergland. Bedeutende Städte sind Görlitz, Bautzen, Zittau und Löbau. Die Lausitz ist Siedlungsgebiet der Sorben. Von den slawischen Lusici die Niederlausitz und den Milzenen die Oberlausitz besiedelt; während der 1. Etappe der Ostexpansion vom deutschen Feudaladel erobert; 1136 kam das Gebiet an die wettinische Markgrafen von Meißen. Für die verwaltungsmäßig getrennten Gebiete der eigentliche Lausitz und des Landes Budissin (Bautzen) bildeten sich seit Mitte des 15. Jahrhundert die Namen Niederlausitz und Oberlausitz heraus. Die Niederlausitz kam 1303 zu Brandenburg, 1368 zu Böhmen. Die Oberlausitz, seit 1158 in böhmischen Besitz, wurde 1253 an Brandenburg verpfändet; 1319/29 erneut böhmisch. Der 1346 geschlossene Sechsstädtebund unter Führung Bautzens errang eine selbständige Stellung gegenüber dem Adel. 1623 verpfändet, gehörten die beiden Lausitzen seit 1635 zu Kursachsen. 1815 musste Sachsen die Niederlausitz und Teile der nördlichen Oberlausitz an Preußen abtreten.

Lausitzer Hauptabbruch: bedeutender Tiefenbruch im Gebiet der Niederlausitz, an dem das Lausitzer Massiv gegen die nordöstliche gelegene tiefe, von mächtigen Sedimenten erfüllte norddeutsch-polnische Senke grenzt.

Lausitzer Kultur: Kulturgruppe der späten Bronzezeit (13./8. Jahrhundert vor Christus) im östlichen Mitteleuropa; kennzeichnend sind Brandbestattungen in Urnenfeldern, mit Buckeln und Riefen verzierte Tongefäße, Bodenbau und Viehzucht, aber auch befestigte Höhenburgen; benannt nach dem Hauptverbreitungsgebiet, der Lausitz.

Läuslinge, Kieferläuse, Mallophaga: Unterordnung der Tierläuse mit beißenden Mundwerkzeugen; leben im Fell von Säugetieren (Haarlinge) und im Gefieder von Vögeln (Federlinge) fressen Haare, Federn oder Hautteilchen, saugen kein Blut; Vollkerfe sind mit bloßem Auge erkennbar.

Laut: größtenteils mit Hilfe des Atemstromes bei bestimmter Stellung der Sprechwerkzeuge hervorgebrachter Schall; zur Bildung von Silben und Wörtern dienender Einzelbestandteil. Man unterscheidet Vokale, Konsonanten und die zwischen ihnen liegenden Halbvokale. Bei der Lautbildung klassifiziert man nach Artikulationsart (zum Beispiel Explosivlaute, Frikativlaute) und Artikulationsstelle (zum Beispiel Labial, Dental).

Laut: Insel im Malaiischen Archipel, südöstlich von Kalimantan, zu Indonesien gehörend; Hauptort und Hafen Kotabaru, überwiegend Tiefland, im Norden Bergland bis 725 m über dem Meeresspiegel; tropisches Klima; von immergrünem tropischen Regenwald bedeckt; Steinkohlen- und Eisenerzlagerstätten.

Lautaro, um 1537-1557, Führer der chilenischen Araukaner; brachte den spanischen Kolonisatoren mehrere Niederlagen bei, besonders in der Schlacht von Tucapel 1553. Im chilenischen Nationalepos «Araucana» von A. de Ercilla y Zuniga sowie in «Der große Gesang» von P. Neruda verherrlicht.

Laute: (arabisch) Zupfinstrument arabischer Herkunft mit bauchigem, aus dünnen Holzspänen zusammengesetztem, zargenlosem Schallkörper, dessen flache Decke eine oft kunstvoll geschnitzte Rosette aufweist. Über das breite Griffbrett mit Bünden laufen 4 bis über 20 Saiten (verschieden nach Zeit und Landschaft). Im 15./17. Jahrhundert wurde in der Hausmusik die Knickhalslaute zu Gesangsbegleitung und Solospiel (mit eigener Griffschrift, der Lautentabulatur), in der Kammer- und Orchestermusik die Theorbe zur akkordlichen Stütze verwendet. Die heutige («gitarrisierte») Laute hat nur 6 Saiten.

Lauter, Lauter (Sachsen)-. Stadt im Kreis Aue, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Westerzgebirge; 7 500 Einwohner; Metallwaren-, Emaillewaren-Herstellung, Maschinenbau, Papierfabrik; Stadtkirche (1628).

Läuterbottich: Brauerei Gefäß zum Trennen der Maische in Würze und Treber, heute meist durch Maischefilter ersetzt.

Lauterbrunnen: Kurort in der mittleren Schweiz (Kanton Bern), am Fuße der Jungfrau, im 18 km langen Lauterbrunnental; 3700 Einwohner; Spitzenklöppelei; mehrere Bergbahnen.

Läutern: 1. Pelzbearbeitung: Säubern von Pelzfellen mittels Holzspänen von Farbruß und Fettresten in der Läutertonne, so dass sich Glanz und Spiel des Haarkleides erhöhen.

2. Silikattechnik: Entfernen von sichtbaren Einschlüssen (besonders Gasblasen) bei Glasschmelzen; dazu dienen Läuterungsmittel (gasabspaltende Zusätze, zum Beispiel Natriumsulfat).

Läuterung: Pflegemaßnahme im Dickungsalter eines Waldbestandes mit der Aufgabe, schlecht geformte Stämme und unerwünschte Mischhölzer zu entfernen; Teil der Jungwuchspflege.

Lautgeschichte: Darstellung der historischen Entwicklung der Laute einer Sprache.

Lautgesetz: lehrsatzmäßige Darstellung von sprachlichen Veränderungen, die innerhalb der historischen Entwicklung einer Sprache als regelmäßig beobachtet werden (Lautwandel). Siehe auch Lautverschiebung.

Lautschrift: 1. Schrift, die die einzelnen Laute (nicht Silben oder Wörter) darstellt, wie zum Beispiel die lateinische oder die kyrillische Schrift.

2. Lautschrift, phonetische Transkription: Lautumschrift, die den gesprochenen (im Gegensatz zum geschriebenen) Laut festhält.

Lautsprecher: elektroakustisches Wiedergabegerät zum Umwandeln niederfrequenter elektrischer Wechselspannungen in Schall. Ein elektroakustischer Wandler erzeugt mechanische Schwingungen, die auf eine Membran aus steifem, dünnem Pappenguss oder Folie übertragen und von ihr als Schall abgestrahlt werden. Nach dem Wandlerprinzip unterscheidet man elektromagnetische (Freischwinger Lautsprecher), elektrodynamische, elektrostatische und piezoelektrische Lautsprecher. Beim meistverwendeten elektrodynamische Lautsprecher befindet sich im ringförmigen Luftspalt des Dauermagneten eine federnd befestigte Schwingspule, die sich proportional zum durchfließenden Tonfrequenzstrom bewegt und die Schwingungen meist auf eine Konus- oder Nawi-Membran überträgt Lautsprecher werden in ein Gehäuse (Box) eingebaut oder auf einer Schallwand befestigt, um den akustischen Kurzschluss (Druckausgleich zwischen Membranvorder- und -rückseite) zu vermeiden, durch den sonst die Schallabstrahlung der tiefen Frequenzen merklich verschlechtert würde.

Lautstärkepegel: subjektive Bewertungsgröße für das Lautempfinden, das heißt für die Lautstärke. Der Lautstärkepegel wird durch subjektiven Vergleich mit einem als gleich laut empfundenen Normalschall von 1000 Hz ermittelt, dessen Schalldruck p im Verhältnis zum Schalldruck p0 des gleichen Tones an der Hörschwelle bestimmt wird. In neuerer Zeit wird eine objektive Lautstärkemessung mittels Messgeräten möglich. Man definiert den Lautstärkepegel zu LN = 20 lg (p/po) phon. Seine Einheit Phon ist dimensionslos. Bei 1000 Hz ist der Lautstärkepegel in phon gleich dem Schalldruckpegel in dB. Das Sone (Zeichen sone) ist die Einheit für eine andere Bewertungsgröße der Lautstärke, die Lautheit N. Diese beträgt 1 sone, wenn der Lautstärkepegel 40 phon beträgt; sie ist n sone, wenn ein Beobachter sie als n-mal so laut abschätzt wie die Lautheit 1 sone.

Lautstärkeregler: kontinuierlich einstellbarer Widerstand in Rundfunk- und Fernsehempfängern; ausgeführt als Dreh- oder Schiebewiderstand.

Lautverschiebung: gleichartige Veränderung einer oder mehrerer Lautklassen unter Beibehaltung der Artikulationsstelle (zum Beispiel Verschlusslaute zu entsprechenden Reibelauten). I. Grimm beschrieb für die germanischen Sprachen als erster 2 typische Lautverschiebung. Die erste oder germanische Lautverschiebung (Abschluss um 500 vor Christus) gliederte die germanischen Sprachen aus dem Indoeuropäischen aus. Die indoeuropäischen stimmlosen Verschlusslaute p, t, k werden zu f, t>,3C. Die zweite oder (althochdeutsche Lautverschiebung (6. bis 12./13. Jahrhundert, Zentrum im Südwesten, allmähliche Ausbreitung nach Norden) führte zum hochdeutschen Konsonantenstand. Die germanischen stimmlosen Verschlusslaute werden entweder zu Affrikaten, p, t, k werden zu pf (ph), (tz) z, kh (ch) oder zu (ff) f, (zz) z, hh (altsächsisch althochdeutsch slä(f)fan, «schlafen», Attila > Etzel, altsächsisch ik > althochdeutsch ih, «ich»), An der zweiten Lautverschiebung orientiert sich die traditionelle Grobeinteilung der deutschen Mundarten, so die Abgrenzung von Nieder- und Hochdeutsch nach der Benrather Linie mit nördlich «water», «open», «maken», südlich «wasser», «offen», «machen» und die Abgrenzung von Mittel- und Oberdeutsch nach der Germersheimer Linie mit nördlich «appel», südlich «apfel» (danach auch appel/apfel-Linie genannt).

Lavaldüse: (nach C. G. de Laval) Maschinenelement; besteht aus einer Düse mit einem sich zunächst kontinuierlich vermindernden, sich dann erweiternden Strömungsquerschnitt, wodurch der hindurchgeleitete Gasstrom Überschallgeschwindigkeit erreicht; Verwendung im Turbinenbau, insbesondere bei Luftstrahltriebwerken.

Lavendelöl: hellgelbes, lavendelartig riechendes ätherisches Öl., das durch Wasserdampfdestillation blühender Pflanzen des Lavandins (Kreuzung von Lavendel und Spik) gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird.

Lavater, Johann Caspar, 15.11.1741-2.1.1801, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; Protestant. Pfarrer, stand in enger Beziehung zum deutschen Sturm und Drang; vertrat als Aufklärer die Einheit der physiologischen, geistigen und moralischen Kräfte des Menschen («Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe», 4 Bände, 1775/78).

Lavendel, Lavandula angustifolia: Lippenblütler mit schmalen, weißfilzigen Blättern und duftenden blauvioletten Blüten, aus denen Lavendelöl gewonnen wird (Parfumpflanze); im Mittelmeergebiet heimische Kulturpflanze.

Lavendelöl: gelbliches, erfrischend nach Lavendel riechendes ätherisches Öl, das aus Lavendelblüten durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird und bis 60% Linalylacetat enthält. Lavendelöl wird für Parfüme und insbesondere für Kölnischwasser verwendet.

Lavera: Ortsteil der Stadt Port-de-Bouc im Süden Frankreichs, östlich des Rhönedeltas; 12000 Einwohner; Erdöleinfuhrhafen (Teil des Hafens von Marseille), Erdölraffinerie, Tanklager; Petrolchemie, Plastikerzeugung; Erdölleitungen über Lyon und Strasbourg bis in den Südwesten der BRD.

Laveran, Charles Louis Alphonse, 18.6.1845-18.5.1922, französischer Parasitologe; seit 1894 Direktor des Pasteur Instituts in Paris; entdeckte 1880 den Erreger der Malaria.

lavieren: 1. (niederländisch - französisch, «Luv gewinnen»): im Zickzack gegen den Wind ansegeln; übertragen vorsichtig zu Werke gehen, sich (geschickt) durchwinden.

2. Lavieren (italienisch lavare, «waschen»): auf dem Malgrund aufgetragene Farbe mit Wasser abwaschen beziehungsweise Feder- und Bleistiftzeichnungen mit Bister oder Sepia antuschen, um Schattenwirkungen oder plastische Modellierung zu erzielen.

Lavoisier, Antoine Laurent, 26.8.1743-8.5.1794, französischer Chemiker. Durch quantitative Bestimmung aller Reaktionsteilnehmer am Oxydations-Reduktions-Prozess erklärte er diesen erstmals als Aufnahme beziehungsweise Abgabe von Sauerstoff und widerlegte damit die Phlogistontheorie; er erkannte als erster durch klare Begriffsbestimmung eine Reihe von Stoffen als chemische Elemente und schuf so die Grundlagen für die Entstehung der klassischen Chemie. Lavoisier wurde als leitender Steuereinnehmer der Monarchie guillotiniert.

Lawine, Lahn: an Gebirgshängen niedergehende Schnee- und Eismassen; ausgelöst durch verminderte Kohäsion der Schneeteilchen, durch Überfeuchtung, Überlastung, durch Bewegungen von Menschen (Skifahren) und Tieren sowie durch Schallwellen. Man unterscheidet folgende Lawinentypen: Trockenschneelawine (frühere Bezeichnung Staublawine), bei Frost und Neuschnee, mit starken Luftwirbeln; Feuchtschnee-L (frühere Bezeichnung Grundlawine), bei feuchtem Neuschnee, Föhn oder Tauwetter abgleitende Schneemassen, meist an rinnenförmigen Lawinenbahnen; Eislawine (Gletscherlawine), bei Abgleiten von Gletschereis an Gletscherbrüchen. Schutzmaßnahmen: Anlage von Schutzwaldstreifen (sogenannt Bannwald), Lawinenverbauung (Mauern, Wälle, Zäune), Lawinengalerie (Überdachung von Verkehrswegen, zum Beispiel Lawinentunnel), künstliche Herbeiführung von Lawinenabgängen durch Beschießen und Schalldruck.

Lawrence: 1. David Herbert Lawrence, 11.9.1885-2.3.1930, englischer Schriftsteller; Bergmannssohn; gestaltete nach realistischen Milieuschilderungen («Söhne und Liebhaber», 1913, deutsch) in Romanen und Erzählungen zunehmend psychoanalytische und erotische Themen und stellte bei freier Darstellung des Sexuellen den sterilen bürgerlichen Konventionen das Naturgemäße, Unterbewusste, Triebhafte entgegen, so in den Romanen «Der Regenbogen» (1915, deutsch), «Liebende Frauen» (1920, deutsch), «Lady Chatterley und ihr Liebhaber» (1928, deutsch) und den Erzählungen «Die Frau, die davonritt» (1928, deutsch). Er schrieb auch Essays («Spiel des Unbewussten», 1922, deutsch) und Gedichte.

2. Ernest Orlando Lawrence, 8.8.1901-27.8.1958, US-amerikanischer Physiker; konstruierte 1931 das Zyklotron; zahlreiche Arbeiten zur Kernphysik.

Lawrencium, (nach E. 0. Lawrence) Symbol Lr: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 103; längste Halbwertszeit (Lr 260) 3 min. Als Lr 257 wurde es erstmals 1961 in den USA von A. Ghiorso und Mitarbeitern durch Beschuss von Kalifornium 249/252 mit Bor10/-ll-Kernen hergestellt.

Lawrenjow, Boris Andrejewitsch, 17.7.1891-7.1.1959, russisch-sowjetischer Schriftsteller; gestaltete in konfliktreichen Erzählungen (dt. Auswahl «Wind kommt auf», 1960) dramatische Ereignisse aus Revolution und Bürgerkrieg («Der letzte Schuss», 1926, deutsch); schuf auch Schauspiele («Die Bresche», 1928, deutsch; «Für die auf See», 1945, deutsch).

Lawrow, Kirill Jurjewitsch, geboren 15.9.1925, sowjetischer Schauspieler; wirkt seit 1955 am Leningrader Großen Dramatisches Theater, spielte unter anderem in den Filmen «Die Lebenden und die Toten», «Die Brüder Karamasow», «Bändigung des Feuers», «Vertrauen», «Rückkopplung».

Lawson, John Howard, 25.9.1894-11.8.1977, US-amerikanischer Dramatiker, Mitbegründer des fortschrittlichen «New Playwrights Theatre» in New York, einer der Hollywood Ten; schrieb gesellschaftskritische, antifaschistische und Antikriegsdramen («Parlor Magic», 1962, deutsch) und marxistische Studien über Drama und Film.

Lawson-Kriterium: nach einem US-amerikanischer Physiker): notwendige Bedingung für das Einsetzen einer gesteuerten thermonuklearen Reaktion (Kernfusion) mit Energiegewinn; das Produkt aus Teilchenzahldichte n und Einschließungszeit r des Plasmas muss einen bestimmten, von der Plasmatemperatur abhängigen Wert überschreiten; bei 100 Millionen K. ist zum Beispiel nr = 1014 s/cm3.

lax (lateinisch): schlaff, lässig, lau, nicht streng.

Laxness, Halldor, geboren 23.4.1902, isländischer Romancier, Erzähler, Dramatiker und Essayist; Arbeitersohn, vorübergehend Katholik, sympathisiert nach Aufenthalten in den USA, in Kanada und der UdSSR mit dem Sozialismus. Zeit- und Selbstanalyse ist sein Roman «Der große Weber von Kaschmir» (1927). In sozialkritischen Romanen schildert Laxness das Leben einfacher isländischer Menschen («Salka Valka», 1931/32, deutsch; «Sein eigener Herr», 1934/35, deutsch; «Weltlicht», 1937/40, deutsch; «Islandglocke» 1943/46, deutsch; «Atomstation», 1948, deutsch; «Gerpla», 1952, deutsch; «Das Fischkonzert», 1957, deutsch; «Das wiedergefundene Paradies», 1960, deutsch; «Seelsorge am Gletscher», 1968, deutsch). Außer Romanen schrieb er Erzählungen, Dramen, Erinnerungen, Essays.

Laya: altertümlichen, aus zweizinkigen Gabeln bestehendes Ackergerät der Basken; seit Anfang 20. Jahrhundert außer Gebrauch.

Laye, Camara, 1.1.1928-5.2.1980, Romancier aus Guinea; im Exil in Senegal wandte er sich ausschließlich der Erforschung und Edition traditioneller Kultur und Geschichte zu. Trotz konservativer Grundhaltung gelang Laye Bedeutendes bei der literarischen Gestaltung eines afrikanischen Humanitätsideals («Der Blick des Königs», 1956, deutsch).

Layout: 1. Elektronik: Anordnung von Schaltelementen zu einer Schaltung. Meist wird mit Layout die Oberflächenstruktur eines in Halbleiterblocktechnik hergestellten integrierten Schaltkreises bezeichnet.

2. Polygraphie: skizzierter oder teilweise geklebter Umbruch- und Aufteilungsentwurf in endgültiger Größe, Farbe, Stellung unter anderem; Grundlage für den Umbruch.

Lazar, eigentlich Wieghardt-Lazar, Auguste, 12.9.1887-7.4.1970, Schriftstellerin; 1939/49 im Exil in Großbritannien; verfasste lebendig geschriebene, fortschrittliche Kinderbücher («Sally Bleistift in Amerika», 1935; «Jura in der Leninhütte», 1960), Erzählungen und autobiographische «Aufzeichnungen aus bewegter Zeit» («Arabesken», 1957).

Lazarillo de Tormes: spanischer Schelmenroman aus dem 16. Jahrhundert, zeigt die gesellschaftlichen Verhältnisse Spaniens nach der Reconquista.

Lazaristen: (nach der ersten Niederlassung in Saint-Lazare) religiöse Genossenschaft für Volksmission, auch Vinzentiner genannt; 1625 in Paris von Vinzenz von Paul gegründet; lateinischer Name Congregatio missionis, Abkürzung CM.

Lazulith: (arabisch + griechisch) Mineral, wasserhaltiges Magnesium-Eisen-Aluminium-Phosphat; Kristallsystem monoklin, Härte 5 bis 6, Dichte 3,1 g/cm3, Farbe hell- bis himmelblau; Vorkommen in Quarziten in Österreich (Werfen), Brasilien (Minas Gerais) und Madagaskar.

Lazzari, Costantino, 1857-1927, italienischer Arbeiterführer; 1882 Mitbegründer der sozialistischen Arbeiterpartei, der späteren Italienischen sozialistischen Partei; 1912/19 Sekretär der Partei; verharrte auf zentristischen Positionen.

Lazzaroni: das städtliche Lumpenproletariat in Unteritalien (besonders Neapel) bis zur Mitte des 19. Jahrhundert; häufig konterrevolutionär manipuliert.

LDAC-Verfahren: ein Windfrischverfahren, bei dem gemeinsam mit dem Sauerstoff Kalkstaub auf das flüssige Roheisen geblasen wird; in Österreich aus dem LD-Verfahren entwickelt.

LDC-Länder, Least developed countries, Abkürzung LDC: Gruppe der auf Grund jahrhundertelanger kolonialer Ausbeutung ökonomisch auf niedrigster Entwicklungsstufe stehender Länder; nach den von den UN aufgestellten Kriterien gegenwärtig 36 Länder, darunter 26 Staaten Afrikas.

LD-Verfahren: von den Vereinigten österreichischen Eisen- und Stahlwerken Linz und der österreichischen Alpinen Montan Gesellschaft Donawitz 1952 entwickeltes Windfrischverfahren zur Stahlherstellung.

Le: Name zweier vietnamesischen Dynastien (980/1009 beziehungsweise 1428/1789); der 2. Le-Dynastie gelang im 15. Jahrhundert die Festigung der feudalistischen Zentralgewalt (besonders unter Le Loi 1428/33 und Le Thanh Ton 1460/97), ab 16. Jahrhundert erneute Machtzersplitterung.

Leacock, Stephen, 30.12.1869-28.3.1944, anglokanadischer Schriftsteller; wurde bekannt durch seine humoristischen und satirischen Erzählungen, Burlesken, Parodien und Skizzen («Sonnige Skizzen über eine kleine Stadt», 1912; «Die Abenteuer der armen Reichen», 1914, deutsch).

Lear, legendärer britischer König, dessen Name wahrscheinlich von dem Seegott Llyr der alten Bretonen abgeleitet ist; Titel- und Hauptheld einer Tragödie von W. Shakespeare. Als Quelle dient vor allem die «Geschichte der Britenkönige» von Geoffrey of Monmouth aus dem frühen 12. Jahrhundert.

Leasing: (englisch, «Verpachtung») Form der zeitlich begrenzten Vermietung von Anlagen (Datenverarbeitungsanlagen, Automaten), Produktionsmitteln oder auch Grundstücken, die dem Vermieter Mehrfachnutzung seines Eigentums und erhöhten Profit sichert, dem Mieter aufwendige Investitionen erspart, ihn aber in vielen Nachfolgebereichen vom Vermieter abhängig macht. besonders Monopole und spezielle Leasinggesellschaften nutzen das Leasing zur Ausplünderung kleiner Firmen und ökonomisch unterentwickelter Länder.

Lebedew: 1. Alexander Fjodorowitsch Lebedew, 6.6.1882 - 28.1.1936, sowjetischer Bodenkundler und Geologe; leistete grundlegende Arbeiten auf den Gebieten der Geomechanik, der theoretischen Hydrogeologie und der Dynamik unterirdischer Wässer.

2. Pjotr Nikolajewitsch Lebedew, 8.3.1866 - 14.3.1912, russischer Physiker; wies 1907 den Lichtdruck nach und erklärte damit unter anderem die Entstehung der Kometenschweife.

3. Walentin Witaljewitsch Lebedew, geboren 14.4.1942, sowjetischer Kosmonaut; führte zusammen mit A. N. Beresowoi beim Raumflugunternehmen Sojus T-5/Salut 7 einen Langzeitflug aus (13.5./10.12.1982).

4. Wladimir Wassiljewitsch Lebedew, 27.5.1891 - 21.11.1967, sowjetischer Maler und Graphiker. Lebedew schuf politische Karikaturen (für «Satirikon»), etwa 600 ROSTA-Fenster in Petrograd (Leningrad) sowie Kinderbuchillustrationen (seit 1924 enge Zusammenarbeit mit S. J. Marschak).

Leben: «besondere Bewegungsform der Materie, die auf einer bestimmten Etappe ihrer historischer Entwicklung entstanden ist» (Oparin) und uns heute in einer Organismenvielfalt (Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere) mit weit über 1 Millionen Arten entgegentritt. Die dem Leben eigenen biologischen Gesetzmäßigkeiten unterscheiden sich qualitativ von den chemischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Das Leben ist an das Vorhandensein von Proteinen und Nukleinsäuren und die daran ablaufenden Stoffwechselprozesse geknüpft. Kriterien des Lebens sind Stoffwechsel, Reizbarkeit, Wachstum, Fortpflanzung, Entwicklung, Bewegung. Die Entstehung des Leben auf der Erde hat sich vor mehr als 3 Md. Jahren vollzogen. Im Verlaufe einer langen, heute keineswegs abgeschlossenen Entwicklung entstanden aus den primitiven Urorganismen die heutigen Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere. zwischen diesen 3 großen Organismengruppen besteht ein Stoffkreislauf. Die Pflanzen wandeln mit Hilfe der Sonnenenergie anorganischer Stoffe in energiereiche organische Verbindungen um. Diese werden von Tieren und Bakterien zum Bau- und Energiestoffwechsel benötigt und letztlich wieder mineralisiert. Während der Idealismus das Leben als Ausdruck eines übernatürlichen Prinzips deutet, sieht der Materialismus im Leben einen materiellen Vorgang hohen Komplikationsgrades.

Lebende Steine, Lithops: in den südafrikanischen Trockengebieten verbreitete Mittagsblumengewächse mit je 2 extrem sukkulenten, zum Teil in den Boden eingesenkten Blättern, die in Form und Farbe Steinen ähneln.

Lebendverbauung: Verklebung von Bodenpartikeln durch mikrobielle Schleimstoffe, Pilzmyzel und Haarwurzeln zu relativ stabilen Komplexen (Krümeln).

Lebensbaum, Thuja: Gattung immergrüner schuppenblättriger einhäusiger Nadelhölzer der Zypressengewächse mit holzigen Zapfen. Der aufstrebende Äste tragende Morgenländischen Lebensbaum (T. orientalis) aus Ostasien ist frostempfindlich; häufig als Zierbaum angepflanzt wird der Abendland. Lebensbaum (Thuja occidentalis) aus Nordamerika, mit vorwiegend waagerechten Ästen; davon viele Zierformen mit pyramiden-, kugel-, säulenförmigem oder hängendem Wuchs.

Lebensbedingungen, Lebenslage: Gesamtheit der objektiven (gesellschaftlichen und natürlichen) und subjektiven Verhältnisse und Bedingungen, die der Mensch in seinem Leben vorfindet und gestaltet. Niveau, Entwicklungsrichtung und -tempo der Lebensbedingungen werden entscheidend durch den Charakter der herrschenden Produktionsverhältnisse, den Entwicklungsstand der Produktivkräfte, die Wirkung der Gesamtheit der politischen, sozialen, ökonomischen, rechtlichen, kulturellen und gesundheitlichen Maßnahmen eines Staates sowie die Arbeitsleistungen der Mitglieder der Gesellschaft bestimmt. Siehe auch Arbeits- und Lebensbedingungen.

Lebensdauer: 1. Biologie: Zeit von der Entstehung bis zum Tode eines Individuums.

2. Kernphysik: Radioaktivität, Flugzeitmessung.

Lebenserwartung: statistisch ermittelte Angabe darüber, wie lange Angehörige einer bestimmten Altersgruppe im Durchschnitt noch leben werden; die durchschnittliche Lebenserwartung wird in Sterbetafeln erfasst.

Lebensformen: Organismen mit gleichartiger Anpassung an die Umwelt. Pflanzen werden nach der Anordnung der Erneuerungsknospen zur Überdauerung ungünstiger Jahreszeiten gegliedert in Phanerophyten (Bäume und Sträucher; Erneuerungsknospen höher als 50 cm über dem Erdboden), Chamaephyten (Zwergsträucher, Erneuerungsknospen nahe dem Erdboden), Hemikryptophyten (Oberflächenpflanzen; Erneuerungsknospen dicht an der Erdoberfläche; zum Beispiel Wegerich und viele Gräser); Kryptophyten oder Geophyten (Erdpflanzen; Erneuerungsknospen unter der Erdoberfläche an Erdsprossen; zum Beispiel Buschwindröschen oder Zwiebeln von Tulpe, Lilie unter anderem), Therophyten (Einjährige; Überdauerung nur durch Samen). Bei Tieren werden Lebensformen unter anderem nach der Bewegungs- und Ernährungsweise oder nach dem Aufenthaltsort unterschieden (zum Beispiel Schaufelgräber, Baumkletterer).

Lebenshaltungskosten: Ausmaß der Geldaufwendungen in genau definierten Familienhaushalten verschiedener Klassen und Schichten der Bevölkerung für den Lebensunterhalt in einer bestimmten Zeiteinheit. Die Lebenshaltungskosten hängen von den Preisen für Konsumgüter und Dienstleistungen, von Verbrauchsgewohnheiten und -tendenzen und weiteren Faktoren ab; unterliegen im Kapitalismus der krisenhaften Entwicklung und haben im Imperialismus, durch die inflationäre Geldentwertung bedingt, steigende Tendenz.

Lebenshaltungskostenindex, Preisindex der Lebenshaltung der Bevölkerung: Kennziffer zur Charakterisierung der durchschnittlichen Veränderungen der Haushaltausgaben für die Lebenshaltung in bestimmten Bevölkerungsgruppen auf Grund der Entwicklung der Einzelhandelspreise für Waren sowie der Preise, Tarife oder Gebühren für in Anspruch genommene Leistungen. Im Unterschied zum Einzelhandelspreisindex wird der Lebenshaltungskostenindex unter Verwendung eines konstanten Verbrauchsschemas (Warenkorb) einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, zum Beispiel Dreipersonenhaushalt von Arbeitern und Angestellten, berechnet.

Lebenskraft, Vis vitalis: eine von Naturforschern des 18. Jahrhundert angenommene Kraft, die zur Erzeugung von Lebewesen wie von organischen chemischen Verbindungen vorausgesetzt wurde. Die synthetische Herstellung derartiger Verbindungen, zum Beispiel die Harnstoffsynthese durch F. Wöhler, widerlegte die Existenz einer solchen Kraft.

Lebensmittel: Stoffe (einschließlich Wasser), die dazu bestimmt sind, zur Befriedigung des Nahrungsbedarfs (Nahrungsmittel) oder zum Genuss (Genussmittel) in unverändertem oder zubereitetem, be- oder verarbeitetem Zustand von Menschen gegessen, getrunken oder anderweitig aufgenommen zu werden. U. a. sind Backpulver, Konservierungsmittel und Lebensmittelfarbstoffe den Lebensmittel rechtlich gleichgestellt.

Lebensmittelchemie: selbständige naturwissenschaftliche Disziplin zur chemischen Untersuchung und Beurteilung von Lebensmitteln, einschließlich Lebensmittelrohstoffen, -zusatz-, -behandlungs- und -verpackungsstoffen, hinsichtlich Zusammensetzung, Funktion, Veränderung, Eignung und Modifizierbarkeit mit dem Ziel der Sicherung und Erhöhung der Lebensmittelqualität im Dienste einer gesundheits- und leistungsfordernden Ernährung. Dies schließt entsprechende Untersuchungen sowohl zur hygienischen und toxikologischen Überwachung des Lebensmittelverkehrs im Sinne des Lebensmittelgesetzes als auch zur Entwicklung von Lebensmitteln mit verbesserten Gebrauchswerteigenschaften aus neuen Rohstoffen und nach ökonomisch günstigeren Verfahren ein.

Lebensmittelvergiftung: Erkrankung durch Genuss bakteriell infizierter, chemisch verunreinigter oder giftiger Nahrungsmittel; Kennzeichen sind meist Brechdurchfall und Leibkrämpfe nach wenigen Stunden; bei der lebensgefährlichen Knollenblätterpilzvergiftung beträgt die Latenzzeit bis zu 48 Stunden. Siehe auch Botulismus.

Lebensphilosophie: Grundströmung der spätbürgerlichen Philosophie des 19./20. Jahrhundert, die das wachsende Gefühl der Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Gesellschaft in der Weltanschauung des bürgerlichen Menschen durch einen mystischen Lebensbegriff ausdrückt. Ihre Anhänger stehen häufig auf subjektiv-idealistischen Positionen; gefühls- und instinktbetontes irrationales Erleben wird gegen den Verstand gesetzt; Intuition und mystische Schau ersetzen rationales, methodisch gelenktes Erkennen. Die Lebensphilosophie ist unfähig und nicht willens, objektive Tatbestände zu erfassen. Hauptvertreter sind unter anderem W. Dilthey, F. Nietzsche, H. Bergson.

Lebensraumdoktrin: antihumanistische pseudowissenschaftliche Theorie der imperialistischen Geopolitik, die behauptet, dass die sozialökonomische Verhältnisse und der Lebensstandard eines Volkes von der Größe und Beschaffenheit des ihm zur Verfügung stehenden Territoriums (sogenannt Lebensraum) bestimmt werden. Die Lebensraumdoktrin verschleiert die durch die kapitalistische Klassenherrschaft bedingten Ursachen für die unzulänglichen Lebensbedingungen der werktätigen Bevölkerung in den kapitalistischen Ländern und dient zur Rechtfertigung des imperialistischen Anspruchs auf fremde Territorien. Kernstück der Lebensraumdoktrin bildet die faschistische «Volk-ohne-Raum»-Theorie.

Lebensschicht, Stratum: vertikale Schichtung innerhalb einer Biozönose, zum Beispiel Kraut-, Strauch- oder Kronenschicht.

Lebensstandard, Lebensniveau: historisch bedingtes Niveau der Gesamtheit der Existenz-, Arbeits- und Lebensbedingungen der Bevölkerung beziehungsweise einzelner Klassen und Schichten; im engeren Sinne Grad der Befriedigung der materiellen und geistig-kulturellen Bedürfnisse. Höhe und Entwicklungsrichtung des Lebensstandards sind wesentlich von den jeweils herrschenden Produktionsverhältnissen und vom Entwicklungsstand der Produktivkräfte abhängig. Der Lebensstandard des Proletariats wird des Weiteren beeinflusst von der klassenmäßigen Organisiertheit, Bewusstheit und Kampfaktivität des Proletariats. Hauptfaktoren des Lebensstandard des Proletariats sind das Niveau des Reallohnes und sein Verhältnis zum Wert der Arbeitskraft, der Grad der Arbeitsintensität und die Länge des Arbeitstages, das Ausmaß der Arbeitslosigkeit, der Einfluss der kapitalistischen Wirtschaftskrisen und der Kriege. Der Tendenz des Absinkens des Lebensstandards vermag die Arbeiterklasse nur durch den organisierten Kampf entgegenzuwirken. Im Sozialismus findet auf der Grundlage eines hohen Entwicklungstempos der sozialistischen Produktion, der Erhöhung der Effektivität, des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und des Wachstums der Arbeitsproduktivität eine stetige Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensstandard statt, was sich in wachsenden Realeinkommen, Ausgaben des Staates für Kultur, Volksbildung, Verkehrs-, Gesundheits- und Sozialwesen unter anderem Maßnahmen ausdrückt (Hauptaufgabe).

Lebensversicherung: Sammelbezeichnung für Formen der freiwilligen Personenversicherung, bei denen die Auszahlung der Versicherungsleistungen an das Erreichen eines bestimmten Alters oder den Tod der versicherten Person geknüpft ist.

Lebensweise: Gemeinsamkeiten in den Formen des Sozialverhaltens von Menschen einer Gesellschaft, mit denen sie auf ihre Lebensbedingungen aneignend und verändernd reagieren; die für eine Schicht, Klasse oder Gesellschaft typische Lebenstätigkeiten. Geschlossenheit und Dauer einer Gesellschaftsordnung sind Ursache der oft langen Wirksamkeit einer ausgebildeten Lebensweise Veränderungen in den gesellschaftlichen, insbesondere den sozialökonomischen Verhältnissen, ziehen Umwälzungen der Lebensweise nach sich. So bildet sich mit der sozialistischen Produktionsweise auch die Lebensweise der Werktätigen in einem langwierigen historischen Prozess um. Denken und Handeln werden zunehmend charakterisiert durch gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein, Solidarität und Internationalismus, durch ein neues Verhältnis zur Arbeit und zum Reichtum an Gebrauchswerten, Freizeit und Genüssen, durch achtungsvolle Beziehungen zum Mitmenschen und Kollektivität. Im Zentrum sozialistischer Lebensweise steht die gewissenhafte, ehrliche, gesellschaftlich nützliche Arbeit, die auf dem sozialistischen Eigentum an Produktionsmitteln beruht, sich unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei entfaltet und auf dem Boden sozialer Sicherheit die allseitige sozialistische Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht und erfordert.

Leber, Hepar (griechisch): größte, unter der rechten Zwerchfellkuppel liegende, in Lappen und Segmente unterteilte Drüse. Die Blutversorgung erfolgt durch die Leberarterie, die sauerstoffreiches Blut führt, und die im Darm mit Nährstoffen angereicherte Pfortader. Der Blutabfluss erfolgt durch die Lebervenen. Die Leberzellen sind innerhalb der Leberläppchen in Strängen (Leberzellbalken) angeordnet. Im Zentrum der Leberläppchen liegt die Zentralvene, in welche die zwischen den Leberzellbalken verlaufenden Leberkapillaren einmünden. zwischen den Leberzellen entstehen die Gallenkapillaren, die sich zu den Gallengängen vereinigen. Sie leiten die Gallenflüssigkeit zur Gallenblase beziehungsweise zum Zwölffingerdarm. Zu den wesentlichen Funktionen der Leber gehören Kohlenhydratstoffwechsel, Bildung und Speicherung von Glykogen, Eiweißstoffwechsel (besonders die Ausscheidung der Endprodukte in das Blut; Harnstoff, Harnsäure), Bildung von Fibrinogen, Absonderung von Gallensaft und Entgiftung der über die Pfortader vom Darm aufgenommenen Stoffe.

Leber, Julius, 16.11.1891-5.1.1945 (ermordet), Sozialdemokratischer Funktionär, seit 1913 Mitglied der Sozialdemokratie, 1924/33 Abgeordneter des Reichstags; 1933/37 inhaftiert; Leber gehörte zum "T Kreisauer Kreis und nahm 1944 Kontakte zur illegalen Landesleitung der KPD auf.

Leberbalsam, Ageratum: Gattung der Korbblütler mit vorherrschend blauen Röhrenblüten in dichtstehenden, trugdoldig angeordneten Blütenköpfchen; in Amerika heimisch. Als Zierpflanze in Mitteleuropa beliebt ist Ageratum houstonianum.

Leberblümchen, Hepatica nobilis: Hahnenfußgewächs mit blauen Blüten, die vor den dreilappigen Laubblättern erscheinen; Frühlingsblüher des Laubwaldes; auch als Zierpflanze kultiviert.

Leberegel: in der Leber von Säugetieren schmarotzende Saugwürmer. Der Große Leberegel (Fasciola hepatica) ist 2 bis 3 cm lang, blattförmig; lebt in den Gallengängen unter anderem von Rind, Schaf, Pferd und Schwein; Erreger der Leberfäule. Der Kleine Leberegel (Dicrocoelium dendriticum) ist 4 bis 9 mm lang, gestreckt-oval; lebt in den Gallengängen besonders von Schafen. Beide entwickeln sich über in Schlamm- beziehungsweise Landschnecken lebende Zwischenstadien.

Leberegelbefall: durch Befall mit dem Kleinen Leberegel hervorgerufene Erkrankung bei Schaf, Rind, Ziege und anderen Haus- und Nutztieren. Der Leberegelbefall führt zu chronischen Leber- und Gallengangentzündungen mit starken Verdickungen der Gallengänge. Bei massivem Befall kommt es zu Entwicklungs- und Leistungsminderung der Tiere. Die Bekämpfung erfolgt durch Vernichtung der Leberegelschnecke, die bei der Übertragung der Erkrankung eine wesentliche Rolle spielt.

Leberegelkrankheit, Leberegelseuche, Fasziolose (lateinisch + griechisch): Weide-Parasitose mit großen wirtschaftlichen Schäden; Erreger ist der Große Leberegel. Die Leberegelkrankheit führt zur Anämie der Tiere. Es kommt zu Masse- und Leistungsabnahme. Die Leberegelkrankheit ist melde- und bekämpfungspflichtig.

Leberfleck, Lentigo: brauner, etwa linsengroßer, angeborener oder später auftretender Pigmentfleck der Haut. Entweder liegt eine örtliche Pigmentvermehrung vor, oder der Leberfleck setzt sich aus sogenannten Naevuszellen zusammen. Diese leiten sich entwicklungsgeschichtlich wahrscheinlich vom Nervensystem ab.

Leberkäse: Kochwurst Aufschnittware mittlerer Qualität aus meist sehr fein zerkleinertem Brät mit etwa 25% Leberanteil als Richtwert. Leberpastete ist ein qualitativ besseres, den Fleischpasteten zugehöriges Erzeugnis.

Leberkokzidiose: durch Kokzidien der Gattung Eimeria stiedai verursachte entzündliche Veränderungen des Gallengangsystems. Die Leberkokzidiose tritt besonders bei Kaninchen bis zur 8. Lebenswoche auf. Symptome der Leberkokzidiose sind Durchfall und Abmagerung; Todesfälle treten oft auf. Bekämpfung erfolgt durch Verbesserung der Haltungshygiene und Kokzidiostatika.

Leberpilz, Fistulina hepatica: einer Ochsenzunge ähnlicher Hutpilz mit dunkelrotem, unterseits gelbem Fruchtkörper; an Eichenstämmen und -Stümpfen; jung essbar.

Lebert, Hans, geboren 9.1.1919, österreichischer Schriftsteller; stellte in kritisch-realistische Erzählungen wie «Das Schiff im Gebirge» (1955) und Romanen wie «Die Wolfshaut» (1960), «Der Feuerkreis» (1972) die Frage nach gesellschaftlicher Verantwortung, insbesondere mit Blick auf die faschistischen Verbrechen.

Lebertran, Oleum Jecoris: aus der Leber verschiedener Dorscharten gewonnenes, Vitamin A und D sowie zahlreiche Spurenelemente enthaltendes Öl. Lebertransalbe wird zur Wund- und Kinderpflege verwendet.

Leberwurstbaum, Kigelia: Gattung der Bignonien Gewächse mit grauen, an langen Stielen herabhängenden wurstförmigen, ungenießbaren Früchten, die in der Volksmedizin verwendet werden; im tropischen Afrika beheimatet.

Leberzirrhose, Leberschrumpfung: chronisch fortschreitende Erkrankung der Leber mit Zerstörung der Leberzellen, Umbau der Organstruktur und Funktionsminderung, schließlich Funktionsverlust der Leber. Leberzirrhose tritt am häufigsten infolge Alkoholmissbrauchs und Hepatitis auf.

Lebesgue, Henri Léon, 28.6.1875-26.7.1941, französischer Mathematiker; Mitbegründer der modernen Theorie der reellen Funktionen und der modernen Maß- und Integrationstheorie; gab auch grundlegende Beiträge zur Mengenlehre.

Lebkuchen, Pfefferkuchen: stark gesüßte und gewürzte Fein- und Dauerbackware in vielen Arten und Qualitätsstufen, teils auf Oblaten oder Waffelblättern gebacken.

Lebrun, Charles, 24.2.1619-12.2.1690, französischer Maler. Als Mitbegründer und Direktor der Königlichen Akademie in Paris sowie der Gobelin- und Möbelmanufaktur wirkte Lebrun entscheidend auf die Herausbildung des Louis-Quatorze-Stils (unter anderem Ausgestaltung der Schlösser Fontainebleau und Versailles).

Lee, Stanislaw Jerzy, 6.3.1909-7.5.1966, polnischer Lyriker und Satiriker; wurde durch seine Aphorismen und Epigramme international bekannt («Unfrisierte Gedanken», 1957, deutsch; «Neue unfrisierte Gedanken», 1964, deutsch); trat auch als Übersetzer hervor (H. Heine, K. Tucholsky, B. Brecht).

Lecce: Stadt in Unteritalien (Apulien), Verwaltungszentrum der Provinz Lecce; 90000 Einwohner; Bekleidungs-, Nahrungsmittel-, Papierindustrie; Kunsthandwerk; Weinmesse; römisches Amphitheater, normannische Kirche (12. Jahrhundert),Barockbauten (16./18. Jahrhundert).

Lech: rechter Nebenfluss der Donau, in Österreich und in der BRD; 263 km; entspringt in Vorarlberg, trennt Allgäuer von Lechtaler Alpen, tritt nach Bayern über, durchfließt Augsburg, mündet unterhalb von Donauwörth; wichtigster Nebenfluss Wertach-, Wasserkraftgewinnung.

Le Chatelier Braunsches Prinzip, Prinzip des kleinsten Zwangs: aus dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik folgendes Prinzip der Gleichgewichtsthermodynamik, nach dem jede durch äußere Einwirkung erzwungene Änderung einer Zustandsgröße eine Änderung des Systemzustandes hervorruft, die dem Zwang ausweicht, ihn vermindert. Wird zum Beispiel Eis unter Druck gesetzt, der sein spezifisches Volumen (Zustandsgröße) zu verkleinern sucht, so schmilzt es, weil Wasser einen kleineren Raum einnimmt als die gleiche Menge Eis. benannt nach dem französischen Chemiker und Physiker H. de Chatelier und dem Physiker K. F. Braun.

Lechfeld: Schotterebene zwischen Lech und Wertach, südlich von Augsburg. In der Schlacht auf dem Lechfeld am 10. 8. 955 besiegte ein deutsches Heer unter Otto I. die Ungarn, die ihre Raub- und Beutezüge in deutsches Gebiet danach einstellten.

Lechtaler Alpen: Teil der österreichischen Kalkalpen in Tirol, zwischen Lech- und Oberinntal; mit der 3036 m hohen Parseierspitze-, im Westen Flexen Sattel (1773 m), im Osten Fernpaß (1210 m); Alm-, Holzwirtschaft.

Leck: undichte Stelle in der Außenhaut eines Schiffes, auch in einem Tank, Kessel u. ä.

Leckage, Rinnverlust: Masseverlust bei Flüssigkeiten durch beschädigte oder undichte Transportgefäße, Verdunstung unter anderem

Leckstein: (zu «lecken») Mineralstoffbeifutter für Wiederkäuer und Pferde, das industriell hergestellt und den Tieren (zum Beispiel auf der Weide) zur freien Aufnahme vorgelegt wird.

Lecksucht: (zu «lecken») abnormes Verhalten bei Tieren, vor allem bei Wiederkäuern, bei dem ein starkes Verlangen zum Belecken von Gegenständen vorliegt. Ursache der Lecksucht ist ein Mangel an Vitaminen oder Mineralen.

Leconte de Lisle, Charles Marie, 22.10.1818-18.7.1894, französischer Dichter; lehnte romantische Gefühlspoesie zugunsten einer unpersönlichen und thematisch neutralen Kunst ab (unter anderem «Antike Poeme», 1852). Mitbegründer der Schule der Parnassiens.

Lecoq de Boisbaudran, François, 18.4.1838-18.5.1912, französischer Chemiker; erforschte besonders die Lanthaniden und war an der Entdeckung der Elemente Gallium, Samarium und Dysprosium beteiligt.

Le Corbusier, eigentlich Charles Edouard Jeanneret, 6.10.1887-27.8.1965, französischer Architekt, Architekturtheoretiker und Maler schweizerischer Herkunft; wirkte revolutionierend auf die gesamte moderne Architektur. Wegweisend wurden seine Gedanken zu Bauweise, Bauformen, funktioneller Gestaltung und städtebauliche Konzentration. Mit neuartigen Baumaterialien (Beton, Stahl, Glas) entwickelte er, meist vom Kubus ausgehend und unter Betonung der strukturellen Elemente, einheitliches Raumgebilde von betont sachlicher Zweckmäßigkeit.

Le Creusot: Stadt im mittleren Frankreich, südwestlich von Dyon; 34000 Einwohner; Stahl- und Walzwerke, Lokomotiv-, Maschinenbau; Rüstungsindustrie.

Lectisternium: bei den Römern die Bewirtung einer oder mehrerer Gottheiten, wobei den auf Polsterlagern ruhenden Götterstatuen wie menschliche Gästen Speisen vorgesetzt wurden.

Leda, in der griechischen Sage Tochter des Königs Thestios, Frau des Königs Tyndareos von Sparta, Mutter der Klytaimestra. Leda wurde durch Zeus (in Gestalt eines Schwanes) Mutter der Helena und der Dioskuren.

Ledebur, Adolf, 11.1.1837-7.6.1906, Hüttenfachmann, Forscher auf dem Gebiet des Eisenhüttenwesens; erster Professor für Eisenhüttenkunde, auch für mechanisch-metallurgische Technologie, an der Bergakademie Freiberg (seit 1875).

Ledeburit: (nach A. Ledebur) eutektisches Gefügebestandteil des weißen Roh- und Gusseisens; enthält 4,3% Kohlenstoff und besteht aus einem Gemenge von Zementit und Austenit.

Leder: durch Gerben widerstandsfähig gemachte Haut verschiedener Tierarten. Die Teile einer Hautfläche werden verschieden benannt (Haut). Die Lederherstellung erfolgt in der Lederfabrik. Die Rohware (Häute und Felle) wird, soweit sie nicht als gepickelte Hautblöße (Pickeln) oder gegerbtes Halbfabrikat angeliefert wird, vorübergehend durch Konservierung haltbar gemacht, dann in der Wasserwerkstatt geweicht und im Äscher unter Einwirkung von Kalziumhydroxid oder zusammen mit Natriumsulfid dem Haarlockerungs- und Hautaufschlussprozess unterworfen, das Unterhautbindegewebe wird maschinell abgetrennt. Die Hautblöße wird auf der (Bandmesser-) Spaltmaschine in 2 oder 3 Schichten aufgeteilt; der Narbenspalt ergibt Vollleder, Mittel- und Fleischspalt Spaltleder. Nach der Gerbung erfolgt eine je nach Lederart entsprechend Zurichtung, zum Beispiel ein zusätzliches Egalisieren der Dicke durch Falzen oder Blanchieren, ein Schleifen zum Erzielen einer samtartigen Oberfläche (Velourleder). Die meisten Leder werden gefärbt und gefettet. Nach dem Trocknen erfolgt ein Verfestigen des Fasergefüges durch Walzen (Sohlleder) oder ein Weichmachen durch Stollen oder Aufwalken. Durch die Deckfarbenzurichtung mit Bindemitteln und Pigmenten erhalten die Leder eine gleichmäßige, farbige und glänzende Oberfläche.

Lederer, Hugo, 16.11.1871 - 1.8.1940, Bildhauer. Obwohl Lederer den neubarocken Formenkanon der Begas-Schule überwand, entging er nicht der Tendenz zur Monumentalisierung und Heroisierung (Bismarckdenkmal, Hamburg).

Lederfaserwerkstoff, Kurzwort Lefa, Faserkunstleder. aus zerfaserten Lederabfällen und beziehungsweise oder Zellulose und natürliches oder künstliches Kautschuk als Bindemittel hergestellter Werkstoff für Brandsohlen, Hinterkappen und Kleinlederwaren. Die Mischung aus Faserbrei und Bindemittel wird auf Langsiebmaschinen mechanisch entwässert, danach getrocknet und druckverdichtet.

Lederhaut, Corium: durch den Gehalt an Bindegewebe ausgezeichnete Schicht der Haut der Wirbeltiere und des Menschen unter der Epidermis. Die Lederhaut bestimmter Tiere wird durch Gerben zu Leder verarbeitet.

Lederlaufkäfer, Carabus coriaceus: mit 35 bis 40 mm Länge größter mitteleuropäischer Laufkäfer; lebt in feuchten Wäldern am Boden räuberisch von Schnecken und Würmern. Siehe auch Laufkäfer.

Lederschildkröten, Dermochelyidae: Meeresschildkröten mit bis 2 m langem Panzer und 600 kg Gewicht; Beine zu Paddeln umgebildet; einzige rezente Art ist Dermochelys coriacea in tropischen und subtropischen Meeren.

Ledoux, Claude Nicolas, 21.3.1736 - 19.11.1806, französischer Architekt; einer der Hauptvertreter der Revolutionsarchitektur. In seinen meist unausgeführt gebliebenen Entwürfen reduziert er Grundrisse und Baukörper auf einfachste geometrische und stereometrische Formen.

Ledru-Rollin, Alexandre Auguste, 2.2.1807 - 31.12.1874, französischer Politiker; 1848 Innenminister der Provisorischen Regierung, beteiligt an der Niederwerfung des Juniaufstandes 1848, Führer der neuen oppositionellen Bergpartei; 1849/70 Verbannung, legte sein Mandat als Abgeordneter der Nationalversammlung 1871 aus Protest gegen den Frankfurter Friedensvertrag nieder.

Leduc-Righi-Effekt, (nach einem französischen und einem italienischen Physiker) Righi-Leduc-Effekt: ein thermomagnetischer Effekt; an einem Elektronenleiter, insbesondere an einem Halbleiter, durch den ein Wärmestrom fließt und auf den senkrecht zur Wärmestromrichtung ein Magnetfeld einwirkt, entsteht dabei in der 3. (zu den beiden anderen senkrechten) Richtung eine Temperaturdifferenz.

Lee: (niederdeutsch altnordisch, «Schutz») dem Wind abgekehrte Seite, zum Beispiel eines Schiffes oder Gebirges; siehe auch Luv.

Lee: 1. Robert Edward, 19.1.1807-12.10.1870, US-amerikanischer General; Oberbefehlshaber der Südstaaten im Bürgerkrieg der USA 1861/65.

2. Tsung Dao, geboren 25.11.1926, US-amerikanischer Physiker chinesischer Herkunft; sagte 1956 mit C. N. Yang das Gesetz von der Nichterhaltung der Parität bei der schwachen Wechselwirkung voraus.

Leeds: Stadt im mittleren England (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Großstadtgrafschaft West Yorkshire, am Aire und Leeds-Liverpool-Kanal; 450000 Einwohner, Mittelpunkt eines Ballungsgebietes von 1,7 Millionen Einwohner; Zentrum der Wollwarenherstellung und der Bekleidungsindustrie Großbritanniens; Maschinenbau, Leder-, Schuh-, Möbel- und polygraphische Industrie; internationaler Flughafen; Universität; Museen, Kunstgalerie.

Lee Kuan Yew, geboren 16.9.1923, Politiker Singapurs chinesischer Nationalität; Jurist; 1954 Mitbegründer, seit 1966 Generalsekretär der Sozial-demokratischen Volksaktionspartei; Ministerpräsident seit 1959.

Leerdarm, Jejunum: zwischen Zwölffingerdarm und Krummdarm liegender Dünndarmabschnitt.

leere Menge: Menge, die keine Elemente enthält; zum Beispiel beschreibbar als die Menge aller natürlichen Zahlen, deren Quadrat 7 ist.

Leerlauf: 1. Betriebszustand, in dem einer elektrischen Energiequelle keine Energie entnommen wird.

2. schaltungstechnische Maßnahme in der Messtechnik beziehungsweise Betriebszustand in elektrotechnischen Einrichtungen, bei der der Widerstand zwischen den Anschlussklemmen eines Zweipols oder Vierpols den Wert unendlich annimmt.

3. Betriebszustand eines mit niedriger Drehzahl ausgekuppelt laufenden Kfz-Motors.

Leeuwarden: Stadt im Norden der Niederlande, Verwaltungszentrum der Provinz Friesland, am Kanal von Groningen nach Harlingen; 85000 Einwohner; Metall-, Papier-, Möbel- und Textilindustrie; Molkerei; Frieslandhalle; Museen.

Leeuwenhoek, Antony van, 24.10.1632-27.8.1723, niederländischer Naturforscher, baute rund 400 Mikroskope, entdeckte unter anderem die Blutkörperchen des Menschen, zahlreiche Einzeller und die Spermatozoen bei Tieren, sah erstmals Bakterien.

Leeward Inseln: im weitesten Sinne nördliche Gruppe der Inseln über dem Wind (Kleine Antillen), im Osten des Karibischen Meeres, von den Jungferninseln bis Marie Galante; im engeren Sinne die selbständigen Staaten Antigua, Saint Christopher und Nevis, die britische Kolonien Anguilla, Montserrat und die britische Jungferninseln, der nördliche Teil der Niederländischen Antillen sowie das französische Überseedepartement Guadeloupe. Überwiegend vulkanische Gebirgsinseln mit zum Teil noch tätigen Vulkanen (Mount Misery auf St. Christopher, 1131 m); bei ständig feuchtem tropischen Klima mit gehäuft auftretenden Wirbelstürmen Anbau von Zuckerrohr, Kakao, Kokospalmen, Zitrusfrüchten und Bananen; Rumdestillation, Salzgewinnung; US-Militärstützpunkt auf Antigua.

Lefebvre: 1. Georges Lefebvre, 6.8.1874-28.8.1959, französischer Historiker; forderte durch seine Arbeiten zu Bauern- und anderen Volksbewegungen vor und während der Französischen Revolution die Erforschung der Rolle der Massen in der Revolutionszeit; gab seit 1932 die «Annales historiques de la Révolution française» heraus.

Raymond Lefebvre, 24.4.1891 etwa 1.10.1920 (verschollen), französischer Arbeiterführer und Schriftsteller; setzte sich für den Beitritt der linken Sozialisten zur Kommunistischen Internationale und für die Gründung der KP ein.

Lefzen: (zu «Lippe») Lippen des Hundes und anderer Raubtiere.

legal: (lateinisch) gesetzlich, den bestehenden Gesetzen entsprechend.

Legalisation: (dat.) Beglaubigung der Echtheit einer ausländischen, öffentlichen Urkunde durch konsularischen oder diplomatischen Vertreter.

Legalität: Gesetzlichkeit, Rechtmäßigkeit, Übereinstimmung mit den geltenden Rechtsnormen eines Staates; Rechtsgültigkeit.

legato: Musik gebunden; die Töne sind ohne abzusetzen eng aneinander gebunden zu musizieren.

Legedarm: der Eileiter des Huhns; beginnt am Eierstock mit trichterförmiger Öffnung (Infundibulum), danach folgen der drüsenreiche, eiweißproduzierende Abschnitt, der englumige Isthmus (bildet Schalenhaut), der die Kalkschale bildende Eihalter (Gebärmutter) und die in die Kloake mündende schleimbildende Scheide.

Legende: (lateinisch, «das zu Lesende») 1. bildende Kunst der einem Kunstwerk beigegebene Text (als Banderole, Um- oder Beischrift); bei Münzen u. ä. Bezeichnung für jede Schrift.

2. Kartographie: Zeichenerklärung.

3. Literatur: kurze, volkstümliche religiöse Vers- oder Prosaerzählung über das (sagenhafte) Leben eines Heiligen, über Wunder oder über eine historische Persönlichkeit. Neben kirchenoffiziellen Legenden entstanden auch Volkslegenden; es gibt ferner Legende nichtchristlichen Inhalts (Verarbeitung orientalischer Stoffe und Motive). Blütezeit der christlichen Legende war das 12. Jahrhundert (Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue). Humoristische Legende entstanden zur Zeit der Reformation (H. Sachs unter anderem); Neubildungen der Legende schufen unter anderem J. W. Goethe, H. Heine und G. Keller.

4. Polygraphie: Bildunterschriften beziehungsweise Tabellen-überschriften neben den zugehörigen Kolonnen.

Legendre, Adrien Marie, 18.9.1752-10.1.1833, französischer Mathematiker; gab grundlegende Beiträge zur Zahlentheorie, Himmelsmechanik und Variationsrechnung sowie über das Parallelenpostulat und elliptische Integrale.

Legenot: Erkrankung des Geflügels, bei der die Eiablage erschwert oder unmöglich ist; verursacht durch infektiöse Entzündung des Eileiters, ferner durch Haltungs- und Fütterungsfehler.

Léger, Fernand, 4.2.1881-17.8.1955, französischer Maler und Graphiker; gelangte vom Neo-Impressionismus zum Kubismus. Das Verhältnis von Mensch und Technik beherrscht die meisten seiner Kompositionen. Die Einzelformen sind scharf konturiert und von einfacher geometrischer Gestalt. Léger schuf zahlreiche Wandbilder.

Leggins, Leggings: aus 2 Leder-beinlingen bestehende, mit Fransen und oftmals Stickereien reich verzierte hosenartige Bekleidung nordamerikanischer Indianer, später auch der nichtindianischen Waldläufer und Jäger. Siehe auch Trapper.

Leghorn: (nach dem englischen Namen für Livorno) aus italienischen Landhühnern gezüchtete Rasse, deren weißer Farbschlag weltweite Verbreitung besitzt. Er zeichnet sich durch hohe Legeleistung (bis zu 250 Eier pro Tier und Jahr) und Eignung zur Großhaltung aus. Siehe auch Hühner.

Legien, Carl, 1.12.1861-26.12.1920, Sozialdemokratischer Gewerkschaftsführer, Drechsler; erwarb sich Verdienste bei den Kämpfen der Arbeiterklasse um das Koalitionsrecht und der Zusammenführung der Gewerkschaftsverbände (1892); 1890/1919 war er Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, vertrat eine reformistischen Politik; schloss im November 1918 das Arbeitsgemeinschaftsabkommen mit dem Monopolkapital; seit 1919 Vorsitzender des ADGB.

Legieren: Binden von Suppen und Soßen mit einer Liaison (Eigelb mit Sahne beziehungsweise Weißwein) unter vorsichtigem Einrühren in die heiße Flüssigkeit ohne aufzukochen.

Legierungen: erschmolzene Mischungen von Metallen beziehungsweise Metallen mit Nichtmetallen. Sie weisen im Vergleich zu den Ursprungsmetallen meist veränderte Eigenschaften auf, zum Beispiel höhere Festigkeit und Härte. Legierungen sind meist technisch wichtiger als reine Metalle. Bekannte Legierungen sind unter anderem Stahl, Gusseisen, Messing, Bronze, Neusilber. Je nach Wahl der Legierungselemente und deren Anteilhöhe entstehen Gusslegierungen beziehungsweise Knetlegierungen.

Legion: größte Truppeneinheit des Heeres im alten Rom, zu Beginn der Republik 4200 Mann Fußvolk und 300 Reiter umfassend. Seit der Heeresreform des Marius (105 vor Christus) befanden sich in der Legion gleichartig bewaffnete Berufssoldaten. Sie war in 30 Manipel zu je 200 Mann gegliedert. 3 Manipel bildeten 1 Kohorte. Der Führer einer Legion war der Legat. In der Kaiserzeit umfasste die Legion 6100 Mann Fußvolk und 726 Reiter sowie leichtbewaffnete Hilfstruppen.

Legionär: (lateinisch) Angehöriger einer Legion im alten Rom im Unterschied zu den Angehörigen der Hilfstruppen (Auxilia).

Legislative: die gesetzgebende Gewalt im bürgerlichen Staat (im Unterschied zu der vollziehenden und der richterliche Gewalt); auch die gesetzgebende Versammlung (Parlament).

Legismus, Legalismus: altchinesische, im Prozess des Zerfalls der asiatischen Produktionsweise entstandene Ideologie; Hauptvertreter war Han Feizi (3. Jahrhundert vor Christus), Anfänge reichen in das 7. Jahrhundert vor Christus zurück. Der Legismus betonte den Einsatz repressiver Gewalt und die soziale Funktion von Gesetz und Strafe; forderte totale Unterwerfung aller unter einen despotischer Herrscher und reduzierte die Menschen auf ein Organ des Staates. Er bildete eine Quelle der herrschenden Ideologie des chinesischen Feudalstaates.

legitim: (dat.) gesetzlich anerkannt, rechtmäßig.

Legitimation: 1. allgemein Beglaubigung, Ausweis, Nachweis.

2. Familienrecht: Ehelichkeitserklärung eines nichtehelichen Kindes.

3. Zivilprozessrecht: Sachlegitimation.

legitimieren: (dat.) für gesetzlich beziehungsweise rechtmäßig erklären; berechtigen; (sich) ausweisen.

Legnano: Stadt in Oberitalien (Lombardei), nordwestlich von Mailand; 49000 Einwohner; bedeutende Baumwollverarbeitung, Maschinenbau; Kraftwerke; Kirche San Magno (16. Jahrhundert). In der Schlacht bei Legnano schlug am 29.5.1176 das im Kern aus Fußtruppen bestehende Aufgebot des Lombardischen Städtebundes das Ritterheer Kaiser Friedrichs I.

Legnica: 1. Wojewodschaft im Südwesten Polens; 4037 km2; 465000 Einwohner; 115 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Legnica 2; im Norden Tief-, im Süden Hügel- und Bergland. Zentrum der Förderung (Lubin, Polkowice, Rudna) und Verhüttung (L., Zukowice) der 1957 entdeckten Kupfererze; ferner Maschinen-, Anlagenbau, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Weizen-, Zuckerrüben-, Gerste-, Kartoffelanbau, Rinder-, Schweinezucht; Flussschifffahrt auf der Oder.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Legnica 1, am Oderzufluss Kaczawa; 92000 Einwohner; Kupferhütte, Maschinenbau, elektrotechnische, Holz-, Papier-, Konfektions-, Lebensmittelindustrie, Pianobau; Verkehrsknoten; Museum; Piastenburg (13. Jahrhundert), barockes Schloss, barocke Kirche mit Grabkapelle der Piasten, Renaissancehäuser.

Leguane, Iguanidae: Echsenfamilie; häufig mit Stachelschuppen, Kopf-, Rücken- und Schwanzkämmen sowie aufblähbarem Kehlsack; ernähren sich räuberisch, einige auch pflanzlich; leben in Amerika, auf Madagaskar und den Fidschiinseln. Bis 2 m lang der Grüne Leguane (Iguana iguana), lebt in Regenwäldern Mittelamerikas und des nördlichen Südamerikas; vorwiegend Trockengebiete der USA und Mexikos bewohnen verschiedene, 10 bis 30 cm lange Zaunleguane (Sceloporus) und Halsbandleguane (Crotaphytus); siehe auch Anolis, Basilisken, Krötenechsen, Drusenköpfe, Meerechse.

Legumine: zu den Globulinen gehörende Eiweißstoffe in Hülsenfruchtartigen.

Legung: Art des Führens der Fäden mittels Fadenführer zu den Nadeln während des Maschenbildungsprozesses.

Legwespen, Terebrantes: Gruppe der Hautflügler; Vollkerfe mit deutlicher Gliederung zwischen Brust und Hinterleib; Weibchen häufig mit sehr langem Legerohr; Larven leben parasitär in anderen Insekten.

Lehar, Franz, 30.4.1870-24.10.1948, österreichischer Operettenkomponist ungarischer Herkunft; zählt mit melodienreichen Operetten (unter anderem «Die lustige Witwe», «Der Graf von Luxemburg», «Paganini») und gefälligen Liedern, Tänzen und Filmmusiken zu den erfolgreichsten Komponisten unterhaltender Musik des 20. Jahrhundert.

Le Havre: Stadt im Norden Frankreichs, am Seine Trichter; 220000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau; Erdölraffinerie (Leitung nach Paris); Elektro- und chemische Industrie; Hochseefischerei; zweitgrößter Überseehafen Frankreichs, Erdöl-, Erz-, Container- und Passagierhafen, Docks, Fähre nach Großbritannien, internationaler Flughafen; Unter- und Oberstadt; Kunstgalerie; Kirche Notre Dame (16. Jahrhundert); Hängebrücke von Tancanille (960 m); 20 km nördlich von Le Havre Großhafen für Erdölimporte, zur Aufnahme von Tankern bis zu 500000 BRT.

Lehm: (zu «Leim») aus Verwitterungs- und zum Teil Bodenbildungsprozessen hervorgegangenes Lockerprodukt, weitgehend entkalkt; tonmineralhaltig; durch Eisenverbindungen gelb bis braun gefärbt; Grundstoff der Ziegelindustrie. Siehe auch Lehmboden.

Lehmann: 1. Christa Lehmann, geboren 30.3.1921, Schauspielerin; entwickelte sich, seit 1947 am Deutschen Nationaltheater Weimar, zur bedeutenden Charakterdarstellerin, auch bei Film und Fernsehen; führt Regie in Oper, Musical und Schauspiel; seit 1969 Professor an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar, 1976/81 Schauspieldirektorin.

2. Else Lehmann, 27.6.1866-6.3.1940, Schauspielerin; gehörte, vor allem durch ihre Gestaltung von Ibsen- und Hauptmann-Rollen, zu den bedeutenden Darstellerinnen des deutschen Naturalismus; spielte 1889/1933 am Lessing- und am Deutschen Theater, Berlin; starb in der Emigration in Prag.

3. Helmut Lehmann, 1.12.1882-9.2.1959, Politiker, Angestellter. Lehmann wurde 1903 Mitglied der Sozialdemokratie und war in den Jahren der Weimarer Republik besonders auf sozialpolitischem Gebiet tätig. Er kämpfte 1933/45 gegen den Faschismus und wurde mehrmals inhaftiert. Nach 1945 erwarb sich Lehmann große Verdienste um die Einheit der Arbeiterbewegung. Er wurde 1945 Mitglied des Zentralausschusses der SPD und gehörte seit 1946 dem Parteivorstand beziehungsweise dem ZK der SED an. 1946/50 war er Mitglied des Zentralsekretariats, 1949/50 des Politbüros des Parteivorstandes der SED. Seit 1946 war Lehmann Vorsitzender der Volkssolidarität.

4. Johann Gottlob Lehmann, 4.7.1719-11.1.1767, Geologe, Mineraloge und Chemiker; wirkte in Berlin und Petersburg (Leningrad); beschrieb erstmalig ein geologisches Profil des Thüringer Beckens (1756) und verknüpfte bewusst Stratigraphie und Erdgeschichte, wodurch er zur Begründung der historischen Geologie beitrug.

5. Lilli Lehmann, 24.11.1848-17.5.1929, Sängerin (Sopran); bedeutende Wagner-Sängerin, später vor allem berühmt als Mozart-Interpretin und Lehrerin am Salzburger Mozarteum.

6. Lotte Lehmann, 27.2.1888-26.8.1976, Sängerin (Sopran); debütierte 1910 in Hamburg, wirkte 1914/38 in Wien, 1934/45 in New York (Metropolitan Opera); veröffentlichte Autobiographien und andere Schriften.

7. Nikolaus Joachim Lehmann, geboren 15.3.1921, Mathematiker und Techniker; seit 1953 Professor an der TU Dresden, wichtige Arbeiten zur Entwicklung von Rechenautomaten und zur mathematischen Informationsverarbeitung.

8. Wilhelm Lehmann, 4.5.1882-17.11.1968, Schriftsteller; lebte nach 1945 in der BRD; Vertreter einer das Einfache und Idyllische als Gegenpol zur Hektik moderner «Zivilisation» beschwörenden Naturlyrik («Antwort des Schweigens», 1935; «Entzückender Staub», 1946); schrieb auch Romane und eine «Poetologie» (1947/61).

Lehmboden: Boden bestimmter Körnungsart; bestehend aus einem Gemisch von Sand (mehr als 50%), Ton (weniger als 30%) und Schluff. Die Eigenschaften des Lehmbodens liegen zwischen denen von Sand- und Tonböden; Lehmboden sind in der Regel sehr fruchtbar und Pflanzenstandort besonders anspruchsvoller Fruchtarten.

Lehmbruck, Wilhelm, 4.1.1881-25.3.1919, Bildhauer und Graphiker. Neben zartgliedrigen weiblichen Akten, oft von überlangen Proportionen, entstanden von A. Maillol und der griechischen Klassik beeinflusste Bildwerke von körperlicher Geschlossenheit und Schlichtheit.

Lehmdichtung: aus bindigem Lockergestein hergestelltes Dichtungselement im Wasserbauwerk. Im Tiefbau auch zum Schutz des Grundwassers vor versickernden Flüssigkeiten verwendet.

Lehmschindel: Dachdeckungsmaterial aus Stroh und Lehm für Stallbauten u. ä.

Lehmstein, Luftziegel: Mauerstein, hergestellt aus frischem Lehm und Häcksel oder Holzwolle, luftgetrocknet, wenig druck- und wetterfest.

Lehnmühle: Trinkwassertalsperre an der Wilden Weißeritz, im Osterzgebirge, südwestlich von Dippoldiswalde; 1,4 km2, Stauraum 21,9 Millionen m3.

Lehnswesen: die im frühen und vollentfalteten Feudalismus typische Form der Beziehungen zwischen Angehörigen des Feudaladels auf der Basis des feudalen Grundeigentums; entwickelte sich seit dem 8. Jahrhundert unter den Bedingungen der vorherrschenden Naturalwirtschaft. Der Lehnsmann (Vasall) erhielt vom Lehnsherrn (Senior) ein Benefizium, auch als Feudum (Lehen) bezeichnet, und war dafür zur Leistung von Lehnsdiensten, besonders Kriegsdienst, verpflichtet. Lehnsherrn und Lehnsmann verband eine eidlich begründete Treueverpflichtung. Das Lehnswesen wurde als ein Grundelement der feudalen Gesellschaftsordnung von den Karolingern als Mittel zur Zentralisierung des Frankenreiches gefördert. Indem seit dem 9. Jahrhundert bei Mannfall (Tod des Vasallen) und Herrenfall (Tod des Seniors) allmählich immer seltener um Erneuerung des Lehnsverhältnisses nachgesucht wurde, setzte sich allmählich die Erblichkeit der Lehen durch.

Lehnwort: aus einer fremden Sprache übernommenes Wort, das sich in Lautung, Betonung und Flexion angepasst hat; im Deutschen zum Beispiel «Kirsche» aus vulgärlateinisch «ceresia» griechisch «keräsion».

Lehrauftrag: Auftrag an einen Wissenschaftler oder bewährten Praktiker, an einer Universität, Hoch- oder Fachschule als Lehrbeauftragter Vorlesungen, Übungen oder Seminare zu einem bestimmten Gebiet zu übernehmen; wird vom Rektor beziehungsweise Direktor erteilt. i

Lehrausbilder: in sozialistischen Betrieben und Betriebsberufsschulen für die berufspraktische Ausbildung der Lehrlinge verantwortliche Facharbeiter oder Meister.

Lehrautomat: technische Einrichtung zur Vermittlung eines Lehrstoffes, die den als Lehrprogramm aufbereiteten Lehrstoff speichert, dem Lernenden schrittweise anbietet und auf die Verarbeitung der einzelnen Lernschritte zweckmäßig reagiert. Bei einfachen Prüfautomaten erfolgt diese Reaktion durch positive beziehungsweise negative Bewertung, bei adaptiven Lehrautomaten durch Anpassung des Lehrprogramms an das individuelle Lernverhalten.

Lehre: 1. Lehrverhältnis.

2. Messmittel, mit dem Werkstücke auf Einhaltung von Grenzmaßen geprüft werden. Es enthält keine während des Messens beweglicher Teile. Man unterscheidet Maßlehre (zum Beispiel Blech- und Drahtlehre), Formlehre (zum Beispiel Radiuslehre), Paarungslehre (Kombination von Maß- und Formlehre) und Grenzlehre (L. mit 2 Maßen zur Kontrolle beider Grenzmaße).

Lehren: Vermitteln von Wissen und Können, Führen von Lernprozessen; dient im Unterricht der sozialistischen Schule der Vermittlung zwischen den Lernenden und dem Unterrichtsstoff, der Organisation der Lerntätigkeit der Schüler und ihrer Befähigung zum selbständigen effektiven Lernen.

Lehrer: berufsmäßig Unterrichtender; in der DDR an Instituten für Lehrerbildung, pädagogische Hochschulen oder Universitäten ausgebildete Fachkraft, die Kinder, Jugendliche oder Erwachsene unterrichtet und erzieht.

Lehrerbildung: Gesamtheit der Maßnahmen und Einrichtungen zur qualifizierten politisch-ideologischen, fachwissenschaftlichen und pädagogisch-psychologischen Ausbildung der Lehrerstudenten auf der Grundlage staatlicher Studienpläne und Lehrprogramme. Die Ausbildung der Unterstufenlehrer der allgemeinbildenden Oberschule erfolgt an Instituten für Lehrerbildung (Abschluss mit Staatsexamen), der Oberstufenlehrer sowie der Lehrer für Erwachsenenbildung an pädagogischen Hochschulen und Universitäten (Abschluss mit Diplomprüfung).

Lehrerweiterbildung: auf zentralen staatlichen Festlegungen beruhende politisch-ideologische, fachwissenschaftliche und pädagogisch-psychologische Qualifizierung aller Lehrer der allgemeinbildenden Oberschule mit abgeschlossener Ausbildung. Die Lehrerweiterbildung erfolgt als Kursweiterbildung, in Fachzirkeln und anderen Veranstaltungen sowie im Selbststudium.

Lehrfilm: meist Kurzfilm von 300 bis 600 m Länge (etwa 10 bis 20 min Laufzeit), der vorrangig der Weiterbildung in einem bestimmten Fachbereich dient und einem Zuschauerkreis mit gleicher Bildungsstufe oder gleichem Beruf einen Wissensstoff in entsprechender pädagogischen Form vermittelt.

Lehrlingswohnheim: einem Betrieb angeschlossene Unterkunfts- und Erziehungsstätte für Jugendliche, die sich in einem Lehrverhältnis befinden.

Lehrplan: im Bildungswesen verbindlicher staatlicher Plan der Bildungs- und Erziehungsarbeit im Unterricht; weist Ziele, Aufgaben, Inhalt, didaktische methodische Hinweise und Zeitvorgaben sowohl für den gesamten Jahreslehrgang als auch für die einzelnen Stoffeinheiten des jeweiligen Unterrichtsfaches aus. Die Gesamtheit der Lehrpläne aller Unterrichtsfächer bildet das Lehrplanwerk.

Lehrprogramm: 1. Hoch- und Fachschulwesen in der Ausbildung der Studenten; enthält Angaben über Ziel und Inhalt des jeweiligen Faches sowie über die organisatorisch-methodische Gestaltung der Lehre.

2. Kybernetik: didaktisch und lerntheoretisch begründete, als Algorithmus aufbereitete Vorschrift für den Lernprozess. Lehrprogramme werden dem Lernenden in Buchform, mittels Tonträger (Sprachkabinett) oder visuell (durch Lehrautomaten mit Bildschirmanzeige) geboten. Sie setzen sich aus Lerneinheiten beziehungsweise Lehrschritten zusammen. Nach der Makrostruktur unterscheidet man zwischen linearem Lehrprogramm (nur ein Weg) und verzweigtem Lehrprogramm (mit verschiedenen parallelen Wegen, Korrektur- und Hilfsschritten, die abhängig vom Lernerfolg gegangen werden).

Lehrstück: dramatische Form mit vorherrschend didaktische Elementen (im geistlichen Drama des Mittelalters und im Schuldrama des 16. Jahrhundert); von proletarisch-revolutionären Autoren und Theatergruppen in den 20er und 30er Jahren unseres Jahrhunderts für agitatorische und propagandistische Zwecke weiterentwickelt. Für B. Brecht war das Lehrstück eine wichtige Durchgangsstufe zur Ausprägung des epischen Theaters.

Lehrverhältnis, Lehre-. Ausbildungsverhältnis, das durch Abschluss eines Lehrvertrages zwischen Betrieb und Lehrling zum Erlernen eines Ausbildungsberufes eingegangen wird; endet mit der Facharbeiterprüfung.

Lehrvertrag: schriftliche Vereinbarung zwischen Betrieb und Lehrling über Rechte und Pflichten bei der Ausbildung zum Facharbeiter in einem zugelassenen Facharbeiterberuf; Jugendliche unter 18 Jahren benötigen dazu die schriftliche Zustimmung der Erziehungsberechtigten.

Lehrwerkstatt: betriebliche Ausbildungseinrichtung, in der Lehrlinge die berufspraktischen und Teile der berufstheoretischen Ausbildung erhalten.

Lehrzeit: Dauer der Ausbildung eines Lehrlings zum Facharbeiter; für Absolventen der zehnklassigen Oberschule in der Regel 2 Jahre.

Leibeigenschaft: rechtlich fixierte unmittelbare persönliche Abhängigkeit meist bäuerliche Produzenten vom Feudalherrn, unter anderem verbunden mit unbemessener Fron und dem Verlust der persönlichen Freizügigkeit. Bei der Entstehung des Feudalismus bildete sich die erste Leibeigenschaft heraus, die mit dem Übergang zur vollen Entfaltung der Feudalgesellschaft weitgehend verschwand. Die Tendenz zur Leibeigenschaft verstärkte sich im 16. Jahrhundert vor allem in den Gebieten östlich der Elbe, wo sich bis Mitte des 17. Jahrhundert eine zweite Leibeigenschaft herausbildete. Diese war durch krasse Ausbeutung der häufig von ihrem Boden vertriebenen («gelegten») Bauern gekennzeichnet. Die Leibeigenschaft wurde erst mit dem Übergang zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung beseitigt. Reste blieben in Deutschland bis 1918 erhalten.

Leibeshöhle, Coelom (lateinisch griechisch): zwischen Körperwand und Verdauungskanal liegender, von serösen Häuten ausgekleideter, unterschiedlich unterteilter Hohlraum der Tiere und des Menschen. Bei den Säugetieren und dem Menschen durch das Zwerchfell in eine Brust-, Herzbeutel- und Bauchhöhle untergliedert.

Leibl, Wilhelm, 23.10.1844-4.12.1900, Maler und Graphiker; trat bereits während seines Studiums an der Münchner Akademie mit malerisch reifen Gestaltungen hervor. Die Begegnung mit der Kunst G. Courbets förderte seine Hinwendung zum Realismus. Den bürgerlichen Kunstbetrieb meidend, zog er sich 1873 nach Oberbayern zurück, wo er sein Hauptthema, die Welt der Bauern, fand. Seine Darstellungen zeichnen sich durch kraftvolle Modellierung und tiefe psychologische Durchdringung der Figuren sowie brillante, an der Malweise der alten Meister geschulte Technik aus («Dorfpolitiker», 1876/77; «Die Spinnerin», 1892). Leibl gilt als Vollender des malerischen Realismus in der Kunst des 19. Jahrhundert.

Leibnitz, Eberhard, 31.1.1910-24.1.1986, Chemiker; 1952/70 Direktor des Instituts für Technologie der Kohlewertstoffe der AdW sowie des Instituts für Information und Dokumentation der AdW, 1950/63 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig, 1955/58 Rektor der TH Merseburg. Leibnitz hat hervorragende Verdienste um den Wiederaufbau chemischer Betriebe in der damaligen sowjetischen Besatzungszone. Hauptarbeitsgebiete sind Kohle- und Erdölchemie, biologische Abwasserbehandlung unter anderem.

Leibniz, Gottfried Wilhelm, 1.7.1646-14.11.1716, Philosoph, Mathematiker, Historiker und Staatsmann; bedeutendster Gelehrter der deutschen Frühaufklärung. Leibniz suchte theologischen Ideen mit der Naturwissenschaft zu versöhnen, wobei er sich zum Teil materialistische Auffassungen näherte. Nach ihm besteht die Welt aus psychischen Kraftpunkten (Monaden), deren Zusammenhalt durch die von Gott gesetzte sogenannt prästabilierte Harmonie erfolgt. Im Rahmen seines objektiven Idealismus entwickelte Leibniz tiefe Gedanken zur Dialektik (qualitative Stufenfolge in der Natur, Möglichkeit Wirklichkeit, Tendenz); er suchte Empirismus und Rationalismus zu verbinden. Gegenüber J. Locke betonte er die Aktivität des menschlichen Intellekts im Erkenntnisprozess. Leibniz schuf die Grundlagen für eine universelle Zeichensprache und Methode der Logik. Der gesellschaftliche Fortschritt vollzieht sich nach Leibniz sehr allmählich, sei aber unbegrenzt; mit der Idee vom «Gottesstaat» strebte er ein bürgerliches Staatswesen an. Leibniz war von bedeutendem Einfluss auf die klassische deutsche Philosophie wie auf Entwicklung und Nutzung der Wissenschaft. Er stand mit den meisten europäischen Gelehrten in Verbindung und förderte die Gründung mehrerer Akademien; erster Präsident der von ihm 1700 gegründet AdW in Berlin. Als Mathematiker schuf Leibniz 1675 unabhängig von I. Newton die Infinitesimalrechnung; er fand grundlegende Einzelergebnisse über Tangenten, Differentiationsregeln sowie zur Anwendung seiner Infinitesimalmathematik, führte den Funktionsbegriff ein, lieferte etwa 1679 wichtige Ansätze zur mathematischen Logik und baute um 1673 eine der ersten Rechenmaschinen.

Leibrente, Lebensrente, Leibgedinge: in der Regel lebenslängliche Recht auf wiederkehrende Geldleistungen (zum Beispiel wegen erlittener Körperverletzung).

Leibung, Laibung (beide zu «Laib») die rechtwinklig zur Wandfläche stehenden Flächen, die sich durch Vertiefung von Türen und Fenstern ergeben (sind die Flächen abgeschrägt, werden sie Gewände genannt); siehe auch Bogen 1.

Leicester: Stadt im mittleren England (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Leicester, am Soar; 280000 Einwohner; Zentrum der britischen Schuh- und Strumpfindustrie; Maschinenbau, Herstellung von Strickwaren; Universität; römische Baureste, Kirchen aus dem 12. Jahrhundert.

Leich: (germanisch, «Spiel», «Tanz») mittelhochdeutsche singbare Gedichtart mit ungleichem Strophenbau; ist im Unterschied zum Lied (meist) durchkomponiert.

Leiche: (althochdeutsch, «Leib», «Körper») Leichnam (althochdeutsch, «Leibeshülle»): Körper eines verstorbenen Menschen oder Tieres (Kadaver); siehe auch Leichenschau, Tod.

Leichenbrand: in der Anthropologie und Prähistorie tibischer Bezeichnung für die nach der Leichenverbrennung übrigbleibenden Knochenreste von Mensch und Tier.

Leichenschau: gesetzlich geregelte Besichtigung und Untersuchung eines Verstorbenen durch einen Arzt zur Feststellung des Todes, der Todeszeit, -art und -Ursache. Die Durchführung der Leichenschau ist eine ärztliche Pflicht, der unverzüglich nachzukommen ist. Der Arzt stellt den Totenschein aus, ohne dessen Vorlage die Bestattung der Leiche nicht genehmigt wird. Bei Feuerbestattung ist eine zweite Leichenschau durch den Krematoriums Arzt erforderlich. Bei ungeklärter Todesart oder -Ursache, bei unbekannten Toten, bei Unfall, Selbsttötung, Verdacht auf Tötungsverbrechen, bei verstorbenen Kindern, Schwangeren, Wöchnerinnen, bei bestimmten ansteckenden Krankheiten, Geschwulstkrankheiten unter anderem ist eine Sektion erforderlich.

Leichhardt, Ludwig, 23.10.1813-1848 (verschollen), Australienforscher; durchquerte als erster Nordostaustralien von Brisbane bis Darwin (1844/45); versuchte 1848, Australien von Osten nach Westen zu durchqueren.

Leichtathletik: Sammelbezeichnung für sportliches Gehen, Laufen, Springen und Werfen (Stoßen) sowie daraus gebildete Mehrkämpfe um die kürzeste Zeit beziehungsweise größte Weite oder Höhe gemäß Wettkampfregeln.

Leichtbau: Konstruktionsprinzip, bei dem mittels spezifische Baustoffe (Leichtmetalle, -beton, Plaste), Fertigungsverfahren, Konstruktionsarten (zum Teil nach dem Vorbild der Natur) und durch effektiven Materialeinsatz Masseverminderungen erzielt werden.

Leichter, Barge: a) flachgehendes Küstenlastschiff, das Teilladungen von Schiffen aufnimmt, damit diese «geleichtert» Häfen mit geringer Wassertiefe anlaufen beziehungsweise Kanäle, Schleusen unter anderem passieren können;

b) antriebsloses, besatzungsloses, schwimmfähiges Lastfahrzeug für Transportgüter, das in Schlepp- oder Schubverbänden der Binnenschifffahrt beziehungsweise auf Leichter Transportschiffen über See befördert wird,

leichter Boden: leicht zu bearbeitender Boden; umfasst alle Böden der Körnungsarten Sand bis lehmiger Sand.

Leichter Transportschiff, Barge Carrier: Frachtschiff, das als Trägerschiff Leichter über See transportiert und diese mit bordeigenen Mitteln vor der Küste oder im Hafenbecken selbst aus dem Wasser an Bord nimmt beziehungsweise von Bord gibt. Leichter Transportschiff vom Typ LASH sind mit einem 500-t-Portalkran ausgerüstet; Leichter Transportschiff vom Typ Donau-See mit einer Hubplattform für 2700 t Tragfähigkeit. Die Leichter Transportschiff besitzen Tragfähigkeiten von 29000 bis 400001.

Leichtindustrie: Industriebereich, der im Wesentlichen die Industriezweige Holz- und Kulturwaren, Textilindustrie, Bekleidung und Näherzeugnisse, Leder-, Schuh- und Rauchwaren, Lebensmittel-, Zellstoff- und Papier-, polygraphische sowie Glas- und keramischer Industrie umfasst. Besondere Bedeutung hat die Leichtindustrie als Produzent von industriellen Konsumgütern.

Leichtlehm: Gemenge aus langfaserigen Stoffen (Stroh, Kartoffelkraut u. ä.) und fetter Lehmschlämme für wärme- und schalldämmende Wände; von geringer Festigkeit.

Leichtöl: die bei der Destillation von Stein- oder Braunkohlenteer bis 180°C siedende Teer-Ölfraktion. Leichtöl enthält neben Phenolen und Pyridinbasen insbesondere aliphatische (bei Schwelteer) oder aromatische Kohlenwasserstoffe (bei Kokerei Teer). Durch Wäsche mit Schwefelsäure und Natronlauge werden die Phenole und Pyridinbasen entfernt; das raffinierte Leichtöl wird hauptsächlich zur Treibstoffgewinnung eingesetzt.

Leichtspat, Lenzin: aus Kalziumsulfat, bestehendes Weißpigment von hoher Lichtechtheit; wird für Kalk-, Leim-, Tapetenfarben und Innenanstrichstoffe verwendet.

Leiden: Zustand, der Folge einer Krankheit ist; laienhafter Ausdruck für eine chronischen Krankheit.

Leiden: Stadt im Westen der Niederlande, in der Provinz Südholland; früher auch Leyden 100000 Einwohner; Metall-, Textil- und polygraphische Industrie; Verlage; Flusshafen; Universität (gegründet 1575), Universitätsbibliothek, Museen, Sternwarte; Geburtsort des holländischen Malers Rembrandt. Burg mit mittelalterlichem Kern, mehrere mittelalterliche Kirchen, Stadthaus (16. Jahrhundert, nach Brand von 1929 wiedererrichtet), Tuchhalle und Stadtwaage (17. Jahrhundert), Tore, Renaissancebürgerhäuser. Geht auf eine römische Siedlung zurück, um 1200 Stadtrecht; im 14./17. Jahrhundert Blütezeit der Tuchindustrie, Weberei, Optik; 1573/74 Zentrum des Widerstandes gegen die spanische Fremdherrschaft.

Leidener Flasche, Kleistsche Flasche: älteste Form des elektrischen Kondensators, Glasflasche mit metallenem Innen- und Außenbelag; 1745 von E. J. von Kleist in Cammin und P. van Musschenbroek in Leiden erfunden.

Leidenfrostsches Phänomen: (nach einem Arzt) Erscheinung, dass Wassertropfen, die auf eine heiße Metallplatte gebracht werden, nicht sofort verdampfen, sondern durch das entstehende wärmeisolierende Dampfpolster längere Zeit auf der Platte umherrollen.

Leidenschaft: intensive Bewusstseinsqualität, die durch gesteigerte Emotionalität bestimmt ist und die Persönlichkeit mit relativer Totalität ausfüllt. Verbunden mit Klassenbewusstsein, Einsatzbereitschaft und so weiter ist Leidenschaft dem kämpferischen, politisch und moralisch verpflichteten Charakter zugehörig. Übersteigerte Leidenschaft schränkt ausgleichende Eigenschaften, zum Beispiel Besonnenheit, ein.

Leie, Lys (lis; Französisch) Fluss im Westen Belgiens; 214 km; entspringt auf den Höhen von Artois (Frankreich), mündet in Gent in die Schelde; bildet streckenweise die Grenze zu Frankreich; geringes Gefälle, anfällig für Hochwasser, stark verschmutzt, zum Teil kanalisiert; Kanal nach Brügge.

Leier: (dat. griechisch) 1. Astronomie: Sternbild.

2. Musik: antiker beziehungsweise arabischer-afrikanischer Zupfinstrumententyp, bei dem aus einem kastenförmigen oder runden Schallkörper 2 durch ein Querholz, den Saitenhalter, verbundene Stäbe, die Jocharme, hervorragen. Siehe auch Lyra.

Leierantilopen, Damaliscus: Antilopen mit kurzhaarigem, glänzendem Fell, abfallendem Rücken und lyraartig geschwungenem, geringeltem Gehörn in beiden Geschlechtern. Siehe auch Buntbock.

Leierschwänze, Menuridae: braune, fast flugunfähige, bodenbewohnende Sperlingsvögel Südostaustraliens; das 30 cm lange Männchen hat einen 70 cm langen, leierförmigen Schwanz, es balzt auf vorbereiteter Tenne; das einzige Ei wird in 63 Tagen erbrütet.

Leif Eriksson, normannisch Seefahrer, Sohn Eriks des Roten; erreichte 1000 oder 1001 von Südgrönland aus Helluland (Baffinland), Markland (südlich Labrador) und Vinland (nördlich Neufundland oder Neuschottland); war wichtigster Vorentdecker Amerikas.

Leihbücherei: Bibliothek, vorwiegend in kapitalistischen Ländern, die ihre Tätigkeit als privates Gewerbe betreibt und ihren Kunden Bücher gegen eine Leihgebühr befristet zur Verfügung stellt. Siehe auch Bibliothek.

Leihe: zeitweilige unentgeltliche Überlassung von Sachen zwischen Bürgern zum Gebrauch. Für entgeltliche sowie unentgeltliche Überlassung aus gesellschaftlichen Fonds gelten die Bestimmungen über den Ausleihdienst. S. a. Dienstleistungsvertrag.

Leihhaus, Pfandhaus, Pfandleihanstalt, Versatzamt: im Kapitalismus staatliche, kommunale oder private Unternehmen, die Gegenstände gegen verzinsliche Darlehen verpfänden (Pfandkreditgeschäft).

Leihverpackung: wiederverwendungsfähige Versandverpackung, die Eigentum des Lieferers ist und vom Besteller termingemäß zurückzugeben ist.

Leim: wasserlösliche, besonders für Holz und Papier geeigneter Klebstoff. Klebgrundstoffe sind Eiweißstoffe (Glutinleim, Kaseinleim, Albuminleim), Kohlenhydrate (Dextrinleim) und Kunstharze (Kunstharzleim), zum Beispiel Harnstoffharze. Zu den Glutinleim gehören Hautleim, Knochenleim, Fischleim und Lederleim; reiner Glutinleim ist Gelatine.

Leimen: Verringern der Saugfähigkeit von Papier durch Zusätze hydrophober Stoffe bei der Herstellung zwecks Verbesserung der Beschreib- und Bedruckbarkeit.

Leimfarben: für Innenanstriche geeignete wässrige Anstrichstoffe, die tierischen oder pflanzlichen Leime als Bindemittel und hauptsächlich Kreide als Pigment enthalten. Durch Zusatz von Latexfarben wird die Beständigkeit der Anstriche erhöht.

Leimkraut, Lichtnelke, Silene: Gattung der Nelkengewächse, vielfach mit klebrigen Stengeln. Häufige Vertreter sind das Ackerleimkraut (Silene noctiflora), die zweihäusige Weiße Lichtnelke oder Weiße Nachtnelke (S. alba) an Wegrändern und die Rote Lichtnelke (S. dioica) in Laubwäldern.

Leimungsgrad: durch Leimung des Ganzstoffes hauptsächlich mit Harzleim erreichte Beschreibbarkeit des Papiers mit Tinte. Der Leimungsgrad wird mittels Leimungsgrad-Prüfgeräts ermittelt und durch die dimensionslose Leimungszahl, zum Beispiel für Schreibpapiere 1...10 (Vollleimung) ohne Maßeinheit, ausgedrückt.

Leimverbindung: flächenhafte Verbindung von Knotenpunkten eines Tragwerkes oder einer Rahmenkonstruktion mit wetterfestem Leim. Leimverbindung parallel zur Holzfaser sind zugfest. Im Stahl- und Stahlbetonbau wird eine abgewandelte Klebetechnik mit Spezialklebern angewendet.

Lein, Linum: Gattung der Leingewächse. Eine der ältesten Kulturpflanzen ist der aus dem Mittelmeergebiet stammende Saat-Lein oder Flachs (Linum usitatissimum) mit bastreichen Stengeln, wechselständigen, lanzettliche Blättern, hellblauen Blüten und Kapselfrüchten. Genutzt wird die Faser des Stengels (Faserlein) oder das Öl der Samen (Öllein). Kombinationslein kann als Faser- und Öllein genutzt werden. Bei der Gewinnung der Leinfaset werden die Stengel geröstet, Knicken und Schwingen befreien sie von Holzteilchen, Hecheln macht sie verspinnbar.

Leinberger, Hans, um 1470/80-um 1530, Bildschnitzer; tätig in Landshut; schuf ausdrucksstarke, von innerer Spannung erfüllte Figuren, steht der Donauschule nahe; Hauptwerke sind Johannisaltar zu Moosburg (1513/15), Christus in der Rast (Westberlin), Madonna von St. Martin (Landshut).

Leindotter, Camelina: Gattung der Kreuzblütler mit gelben Blüten und birnenförmigen Schötchen, dazu Kleinfrüchtiger Leindotter (Camelina microcarpa) und Saatleindotter (Camelina sativa) auf trockenen Ruderalstellen und Äckern; früher als Kulturpflanze zur Ölgewinnung angebaut.

Leinefelde: Stadt im Kreis Worbis, Bezirk Erfurt, im Eichsfeld; 15000 Einwohner; Baumwollspinnerei und -zwirnerei (seit 1962); Eisenbahnknoten; Musikschule «Hanns Eisler»; Neubauviertel.

Leinen, Linnen: Gewebe in verschiedenen Bindungen, meist jedoch in Leinwandbindung aus Lein- (Flachs-) oder Werggarn; vorwiegend für Bett- und Tischwäsche.

Leinkraut, Frauenflachs, Linaria: Gattung der Braunwurzgewächse mit schmalen Blättern und gespornten, löwenmaulähnliche Blüten in endständigen Trauben. An Wegrändern und auf Schutt wächst das ausdauernde Gemeine Leinkraut (Linaria vulgaris), eine alte Arzneipflanze.

Leino, eigentlich Lönnbohm, Eino, 6.7.1878-10.1.1926, finnischer Lyriker, Dramatiker und Epiker. Leinos Meisterwerk ist die dem Kalevala nahestehende Balladensammlung «Helkalieder» (2 Bände, 1903/16, deutsch). In seiner Lyrik greift er auf die Volkssprache zurück.

Leinöl: aus Leinsamen gepresstes oder extrahiertes gelbes fettes Öl von typischem Geruch und Geschmack. Leinöl ist in organischen Lösungsmitteln löslich. Es besteht vorwiegend aus Glyzeriden der Linolen- und Linolsäure. Leinöl zählt zu den trocknenden Ölen, da es an der Luft unter Sauerstoffaufnahme zu Linoxyn, einer harzartigen Substanz, polymerisiert; wird als Speiseöl, zur Herstellung von Firnis, Anstrichmitteln (Ölfarben), Linoleum und Glaserkitt verwendet.

Leinpfad: (mittelhochdeutsch, «Seilpfad») Treidelweg - unmittelbar an Kanälen oder an Flüssen in unterschiedlicher Höhe entlangführender Weg, auf dem früher Kähne und Schiffe von Menschen oder Pferden an Seilen gezogen («getreidelt») wurden.

Leinster: Provinz im Osten Irlands; 19632 km2, 1,8 Millionen Einwohner; 91 Einwohner/km2; umfasst 12 Grafschaften; wichtigster Ort Dublin-, Ebene aus Kalkgestein, im Südosten Wicklow-Bergland (926 m) mit Buntmetall-Lagerstätten; bedeutende Rinderhaltung, Ackerbau und Pferdezucht; Küstenfischerei; Industrie vor allem in und um Dublin.

Leinwand: ursprünglich Leinengewebe in Leinwandbindung, heute meist Gewebe aus Baumwolle und beziehungsweise oder Chemiefasern in Leinwandbindung (Bindung 4).

Leip, Hans, 22.9.1893-6.6.1983, Schriftsteller und Graphiker; schrieb zahlreiche Romane und Erzählungen sowie liedhafte Gedichte (Shanties), in denen meist seine abenteuerliche Seereisen volkstümlich gefälligen, oft humorvollen Niederschlag finden; auch historische Romane («Goedekes Knecht», 1925) und Stücke.

Leipziger Allerlei: Gericht aus jungem Mischgemüse nach festgelegter Rezeptur, besonders als Steril Konserve.

Leisewitz, Johann Anton, 9.5.1752-10.9.1806, Schriftsteller; Mitglied des Göttinger Hainbundes; sein Trauerspiel «Julius von Tarent» (1776) beeinflusste die Dramatik des Sturm und Drang.

Leishmania: (nach einem schottischer Mediziner) Leishmania: Gattung der Trypanosomen, deren Arten beim Menschen Tropenkrankheiten wie Kala-Azar, Orientbeule und Schleimhaut Leishmaniose verursachen; Überträger sind Arten der Sandmücke Phlebotomus; im Mückendarm lebt die begeißelte sogenannt Leptomonas-Form, im Menschen die geißellose Gewebe- oder Leishmania Form.

Leiste: 1. Anatomie: Bereich der Furche zwischen Bauchwand und Oberschenkel.

2. Textiltechnik: fester Geweberand (Web-, Salkante) durch Umkehr des Schussfadens bei höherer Fadendichte, mit festeren Fäden oder engerer Bindung.

Leisten: Schuhherstellung der Fußform nachgebildeter Körper aus Buchenholz, Plast oder Metall. Man unterscheidet nach dem Verwendungszweck Zwickleisten, Glättleisten und Ausputzleisten, nach der Schnittart Keilleisten, Kippleisten, Knickleisten und Leisten in starrer Ausführung.

Leistenkanal: Spaltraum, der die vordere Bauchwand des Menschen in der Leistenregion durchsetzt; enthält beim Mann den Samenstrang, bei der Frau das runde Mutterband.

Leistenkrokodil, Crocodylus porosus: bis 7 m langes Krokodil mit 2 perlschnurartigen Knochenleisten auf dem Oberkiefer zwischen Augen und Nasenlöchern; bewohnt die Küstengewässer von Südindien bis Nordaustralien.

Leistikow, Walter, 25.10.1865-24.7.1908, Maler und Graphiker; 1898 Mitbegründer der Berliner Sezession; entdeckte die märk. Wald- und Seenlandschaft als bildkünstlerisches Motiv. Seine stimmungsvollen Darstellungen zeigten anfangs Einflüsse des Jugendstils und später des Impressionismus.

Leistung: 1. Physik: Quotient aus verrichteter oder aufgewandter Arbeit und zugehöriger Zeit, Zeichen P für einen Massenpunkt das Produkt aus der an ihm angreifenden Kraft und seiner Geschwindigkeit, für elektrischen Gleichstrom das Produkt aus Spannung und Stromstärke; SI-Einheit Watt (W). Die Leistung ist wesentlicher Parameter einer Kraft- beziehungsweise Arbeitsmaschine. Maschinen größter Leistung sind Dampfturbinen mit 500 MW in Großkraftwerken zur Erzeugung elektrische Energie. Die kleinsten Leistungen zum Antrieb von elektrischen Uhrwerken betragen etwa 1 mW.

2. Psychologie: Ausmaß, in dem ein Mensch seine psychischen und physischen Kräfte beziehungsweise Fähigkeiten einsetzt, um ein Ergebnis (Ziel) zu erreichen; Leistung werden meist auf gesellschaftliche Maßstäbe (Normsystem, Leistungsanforderungssystem) bezogen.

3. Wirtschaft: a) so viel wie Arbeitsleistung;

b) Beitrag eines Werktätigen beziehungsweise Kollektivs (Brigade, Betrieb, Kombinat) zur ständig besseren Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft und ihrer Mitglieder; wird durch eine Vielzahl von quantitativen und qualitativen Größen gekennzeichnet, zum Beispiel Menge, Bedarfsgerechtheit, Qualität der Erzeugnisse und Leistungen; Effekte in der sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Betreuung der Menschen; Aufwand bei der Herstellung von Erzeugnissen.

Leistungsbereitschaft: positive Einstellung zu hoher Leistung; Antriebsgrundlage für Leistungsaktivitäten. Persönliche Leistungsbereitschaft aus Verantwortungsbewusstsein für gesellschaftliche Aufgaben ist eine Forderung sozialistischer Arbeitsmoral.

Leistungsbewertung: Grundsätze und Methoden zur komplexen Einschätzung der wirtschaftlichen Tätigkeit der Betriebe und Kombinate im System der Leitung, Planung und ökonomische Stimulierung. Mit Hilfe der Leistungsbewertung ist der reale Beitrag der wirtschaftenden Einheiten zum Nationaleinkommenszuwachs sowie zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft und ihrer Mitglieder auszuweisen. Hauptkennziffern der Leistungsbewertung der Kombinate und Betriebe sind Nettoproduktion, Gewinn, Konsumgüterproduktion und Export.

Leistungselektronik: Anwendung elektronischer Bauelemente zur Gleichrichtung, Steuerung beziehungsweise Regelung großer elektrischer Leistungen, vorzugsweise unter Einsatz von Halbleiterbauelementen; Anwendung in Walzwerken, Elektroloks, Elektrolyseanlagen, Schweißeinrichtungen unter anderem; siehe auch Elektrotechnik.

Leistungsfähigkeit: Gesamtheit vorhandener Fähigkeiten und Fertigkeiten der Gesamtpersönlichkeit gegenüber motorischen, geistigen und psychischen Leistungsanforderungen. Die Leistungsfähigkeit ist individuell verschieden. Bei Gesunden ist die Leistungsfähigkeit zudem noch abhängig von Alter, Geschlecht, körperlicher und geistiger Kondition. Die Leistungsfähigkeit kann durch Training erhöht werden. Krankheit schränkt die Leistungsfähigkeit ein.

Leistungsfaktor, Wirkfaktor, cos

Leistungsfaktormessgerät, co2-tp-Messgerät. Messgerät zur Bestimmung des Leistungsfaktors cos

Leistungsfonds: Geldfonds der volkseigenen Betriebe und Kombinate, der das materielle Interesse der Betriebskollektive an der Intensivierung der Produktion durch Mobilisierung von Leistungs- und Effektivitätsreserven stimuliert und zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen sowie für die sozialistische Rationalisierung genutzt wird. Zuführungen zum Leistungsfonds sind zu planen und vorzunehmen für die gezielte Überbietung staatlicher Planaufgaben, zur Steigerung der Arbeitsproduktivität, Senkung des spezifischen Verbrauchs von Energie, Rohstoffen, Material, zur Stimulierung einer hohen Qualität der Erzeugnisse, für die Produktion neuer und weiterentwickelter Erzeugnisse sowie für die Senkung von Ausschuss, Nacharbeit und Garantieleistungen.

Leistungsfutter: über das Erhaltungsfutter hinaus verabreichtes Futter, um höhere tierische Leistungen zu erzielen.

Leistungskennziffern, Leistungskennzahlen: 1. technisch-ökonomisch und psycho-physiologisch begründete Maßstäbe, mit denen die Arbeitsleistungen und -ergebnisse der Werktätigen nach Quantität und Qualität bestimmt, gemessen und abgerechnet und das materielle Interesse auf einen hohen Nutzeffekt der lebendigen und vergegenständlichten Arbeit gelenkt wird. Die Ausarbeitung von Leistungskennziffern ist eine Arbeitsrichtung der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation, ihre Anwendung ein wichtiges Element der betrieblichen Lohngestaltung.

2. Kenngrößen in Betrieben, Kombinaten und der gesamten Volkswirtschaft zur Leistungsbewertung.

Leistungsklage: Klage im Zivilprozess, mit der die Verurteilung des Verklagten zu einer Leistung beantragt wird, zum Beispiel zu einer Zahlung oder zur Herausgabe von Sachen.

Leistungsklasse: in verschiedenen Sportarten unterschied). Einstufung von Sportlern oder Mannschaften nach Leistungsvermögen.

Leistungsmasse: Kennziffer des technisch-ökonomischen Nutzeffekts eines Erzeugnisses, die die Erzeugnismasse der Leistung als einer bestimmten Gebrauchswerteigenschaft gegenüberstellt. So ist zum Beispiel die Leistungsmasse als Kenngröße bei Kraftmaschinen der Quotient aus der Masse der Kraftmaschine (einschließlich aller Hilfseinrichtungen, aber ohne Kraft- und Schmierstoff) und der zulässigen Höchstleistung. Die Leistungsmasse (frühere Bezeichnung Leistungsgewicht) gibt an, wie viel kg auf 1 kW Motorleistung entfallen (siehe auch Masse-Leistungs-Verhältnis). Die Leistungsmasse dient vor allem Niveauvergleichen zwischen gleichartigen Erzeugnissen verschiedener Produzenten.

Leistungsmedaillen: zusammenfassende Bezeichnung für mehrere staatliche Auszeichnungen, die für ausgezeichnete beziehungsweise hervorragende Leistungen und hohe Einsatzbereitschaft bei der Erfüllung der gestellten (Plan-) Aufgaben in verschiedenen Bereichen der Volkswirtschaft verliehen werden. Wenn in der nachfolgenden Tabelle keine Angabe erfolgt, handelt es sich um Einzelauszeichnungen. Mehrstufige Auszeichnungen gibt es in der Regel in den Stufen Gold, Silber und Bronze. Das angegebene Stiftungsjahr bezieht sich zum Teil auf Vorläufer der jeweiligen Auszeichnung.

Leistungsmessgerät, Wattmeter (nach J. Watt): Messgerät zur Ermittlung der Wirkleistung in Wechselstromnetzen (siehe auch elektrodynamisches Instrument). Leistungsmessgerät können auch zur Messung der Blindleistung eingerichtet werden.

Leistungsort, Erfüllungsort, der Ort, an dem der Schuldner seine Leistung zu erbringen hat; bei Zahlungen auch Zahlungsort genannt. Leistungsort kann der Sitz des Schuldners (Holschuld) oder des Gläubigers (Bringschuld) sein beziehungsweise es kann Versendung des Leistungsgegenstandes vereinbart werden (Schickschuld).

Leistungsparameter: technische und ökonomische Kenngrößen, die die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit eines Erzeugnisses bei seiner Anwendung charakterisieren. Leistungsparameter sind ein wichtiges Kriterium für die kritische Auseinandersetzung mit dem internationalen Höchststand in der Erzeugnis- und Verfahrensentwicklung.

Leistungsprinzip: Grundprinzip der Verteilung in der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation, im Sozialismus, wonach die Vergütung der für die Gesellschaft geleisteten Arbeit als Grundform der Verteilung von Konsumtionsmitteln für die individuelle Konsumtion fungiert. Das Leistungsprinzip erfordert planmäßige Übereinstimmung von Leistung und Arbeitseinkommen und beruht auf dem Grundsatz: gleicher Lohn für gleiche Arbeit. In der höheren Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation, im Kommunismus, wird das Leistungsprinzip durch das Prinzip der Verteilung nach den Bedürfnissen abgelöst. S. a. Gesetz der Verteilung nach der Arbeitsleistung.

Leistungsprüfung: 1. Pflanzenzüchtung: Kontrolle der Leistungen von Kulturpflanzen. Zur Begutachtung von Züchtungsmaterial werden zunächst Vorprüfungen von Einzelpflanzen-Nachkommenschaften als Mikro-Leistungsprüfung und vor der Zulassung von Neuzüchtungen als neue Sorte Makro-Leistungsprüfung auf größeren Flächen vorgenommen. Diese werden in Stamm-, Vor- und Hauptprüfungen unterteilt und nehmen mehrere Jahre in Anspruch.

2. Tierzucht: Kontrolle der Leistungen von Haustieren. Leistungsprüfungen werden entweder im Stall des Tierhalters oder wegen der Vergleichbarkeit der Umweltbedingungen in zentralen Prüfstationen durchgeführt. Je nach Tierart und Gebrauchszweck werden zum Beispiel Woli-Leistungsprüfung bei Schafen, Zugleistungsprüfung bei Pferden, Milchleistungsprüfung bei Kühen, Legeleistungsprüfung bei Geflügel oder Mastleistungsprüfung und Schlachtleistungsprüfung bei Schweinen durchgeführt.

Leistungsschalter: Schaltgerät zum Ein- und Ausschalten beliebig belasteter Stromkreise, das heißt von Betriebs-, Über- und insbesondere auch Kurzschlussströmen in Energieversorgungsanlagen. Der beim Ausschalten zwischen den Schaltkontakten auftretende Lichtbogen muss rasch gelöscht werden. Nach Löschprinzipien unterscheidet man unter anderem ölarme Leistungsschalter (Expansionsleistungsschalter), Druckluft-Leistungsschalter, Druckgas-Leistungsschalter (zum Beispiel SF6-Leistungsschalter), Freistrahl-Leistungsschalter, Hartgas-Leistungsschalter und Vakuum-Leistungsschalter Beim Leistungstrennschalter wird beim Ausschalten eine Trennstelle zwischen den Kontakten sichtbar.

Leistungsschild: ein sichtbar an Maschinen und Geräten angebrachtes Schild mit genormten Angaben unter anderem über Hersteller, Nennspannung.

Leistungsschutzrecht: im Urheberrechtsgesetz der DDR geregelter Schutz des Ansehens von Interpreten und ihrer künstlerischen Leistungen bei der Verbreitung durch Massenmedien (Interpretenrechte) sowie Schutz der betrieblichen Tonträgerhersteller in Bezug auf ihre Aufnahmen wissenschaftlich-technische Leistungsschutzrechte bestehen für Fotografen von Informations- oder Sachfotos, Kartographen bei Landkarten sowie Hersteller von technischen Zeichnungen oder plastische Darstellungen aus Wissenschaft und Technik.

Leistungssport, Spitzensport: auf Höchstleistungen (Rekorde, Meisterschaften) abzielende sportliche Betätigung im organisierten Wettkampfbetrieb innerhalb eines Sportverbandes durch Einstellung der gesamten Lebenshaltung auf ein wissenschaftlich fundiertes, langjähriges Training. In der DDR fordern Staat und Gesellschaft die Entwicklung des Leistungssports auf der Grundlage olympischer Prinzipien und Regeln. Siehe auch Freizeit- und Erholungssport, Körperkultur, Sport.

Leistungsvergleich: Methode sozialistischer Wirtschaftsführung zum Vergleich von Ergebnissen sowie der Wege, die zu den besten Ergebnissen führen. Durch den Leistungsvergleich werden weitere Reserven erschlossen. Wichtige Kriterien im Leistungsvergleich sind unter anderem das wissenschaftlich-technische Niveau der Erzeugnisse, die angewendete Technik und der Grad ihrer Ausnutzung; Kosten und Rentabilität.

Leistungsverstärker: elektronische Verstärkerschaltung, die so ausgelegt ist, dass sie eine möglichst große Ausgangssignalleistung liefern kann. In der Regel erfolgt die Aussteuerung der «Endstufentransistoren» über den gesamten Bereich ihres Ausgangskennlinienfeldes. Bei A-Verstärkern ist Ein- und Gegentaktschaltung, bei B-Verstärkern und C-Verstärkern nur Gegentaktschaltung sinnvoll realisierbar (A, B und C kennzeichnen die Lage des Arbeitspunktes im Kennlinienfeld).

Leistungsvertrag: Wirtschaftsvertrag über einen planmäßigen Ware-Geld-Austausch. Der Leistungsvertrag dient der rationellen, effektiven und kostengünstigen Bedarfsdeckung; wichtigste Rechtsgrundlage für den Leistungsvertrag ist das Vertragsgesetz vom 25.3.1982.

Leistungsverzeichnis: Bestandteil eines Bauleistungsvertrages; enthält alle für das Bauwerk erforderliche Teilleistungen nach Positionen geordnet, mit Beschreibung der Ausführungsleistung und Mengenangabe.

Leistungszeit, Erfüllungszeit: Frist, innerhalb der oder Termin, zu dem der Schuldner seine Leistung am 1 Leistungsort zu erbringen hat.

Leitapparat: im Gehäuse von Strömungsmaschinen fest eingebauter Leitring beziehungsweise Leitrad zum Umlenken der Strömungsrichtung des Arbeitsmediums (Wasser, Dampf, Gas) vor Eintritt in das Laufrad.

Leitartikel: in Zeitung oder Zeitschrift an bevorzugter, stets gleicher Stelle erscheinender Beitrag, in dem zu wichtigen, meist aktuellen politischen Fragen grundsätzlich Stellung genommen wird.

Leitbetrieb, Erzeugnisgruppen Leitbetrieb: Kombinatsbetrieb, der im Aufträge des Generaldirektors eines Kombinates die Arbeit einer Erzeugnisgruppe oder eines Leitbereiches innerhalb eines Kombinates organisiert. Der Leitbetrieb fördert den Erfahrungsaustausch der Betriebe der Erzeugnisgruppe in Arbeitsgemeinschaften oder unterstützt den Generaldirektor des Kombinates bei der Entscheidungsfindung, der Planausarbeitung, der Kontrolle der Planerfüllung für den Leitbereich.

Leitelement: ein chemisches Element, das sich bei bestimmten physikochemischen Bildungsbedingungen in geologischen Schichten anreichert, zum Beispiel Bor in marinen Sedimenten.

Leitender Ingenieur, Chief engineer: frühere Bezeichnung für den Leitenden Techn. Offizier (Chief).

Leitenzyme, Marker-Enzyme: die in einer Zellfraktion vorwiegend oder ausschließlich vorkommenden Enzyme. Leitenzyme dienen der biochemischen Charakterisierung und Reinheitsprüfung der beim Aufschluss von Zellen oder Geweben erhaltenen Fraktionen.

Leiter: ein Stoff, der den elektrischen Strom sowie Wärme sehr gut leitet. Elektrisch leitfähig sind auch Elektrolyte (Ionenleitung) und Gase (Ionen- und Elektronenleitung), aber als Leiter im engeren Sinne bezeichnet man Festkörper mit einem teilweise besetzten Valenzband (Bändermodell), vor allem Metalle; der Stromtransport erfolgt durch Bewegung der fast freien Elektronen im angelegten elektrischen Feld; die Elektronendichte und die Stöße mit den Ionen des Kristallgitters bestimmen die elektrische Leitfähigkeit. Siehe auch Halbleiter, Supraleitfähigkeit.

Leiterwerkstoffe, Leitermaterial: metallische Werkstoffe in der Elektrotechnik;

a) mit geringem spezifischen Widerstand für Leitungsdrähte, Stromschienen, Kabel, Wicklungsdrähte unter anderem Hierzu gehören Aluminium(legierungen), Kupfer(legierungen);

b) mit hohem spezifischen Widerstand (Widerstandswerkstoffe);

c) mit temperaturunabhängigem spezifischen Widerstand für Präzisionswiderstände in Messgeräten und -Schaltungen, zum Beispiel Konstantan, Chrom-Nickel-Legierungen.

Leitgewebe: langgestreckte, der Stoffleitung dienende Zellelemente im Innern der höheren Pflanzen, meist zu sogenannt Leit- oder Gebündeln vereinigt. Im Sieb- oder Bastteil (Phloem) werden die gelösten organischen Stoffe transportiert, und zwar in sogenannt Siebröhren, die aus einer Reihe lebender Zellen bestehen, deren aneinandergrenzende, meist schräge (größere Durchtrittsfläche) Querwände von Poren durchbrochen sind (Siebplatten). Im Holz- oder Gefäßteil (Xylem) wird das Bodenwasser mit den gelösten Mineralsalzen von den Wurzeln nach oben geleitet, und zwar in toten Gefäßen (Tracheen, Tracheiden), deren Wände durch ring-, schrauben- oder netzförmige Verdickungsleisten elastisch versteift oder vollständig verholzt sind bis auf runde oder längliche Aussparungen (Tüpfel), durch die der Wassertransport in die angrenzenden Gewebe ermöglicht wird. Tracheen können bei Lianen durch Auflösung der Querwände bis 5 m Länge erreichen.

Leitha: rechter Nebenfluss der Donau in Österreich und Ungarn; 167 km; aus den Quellflüssen Schwarza und Pitten; durchfließt das südliche Wiener Becken, rechts begleitet vom Leithagebirge, mündet als Lajta bei Mosonmagyarovar (Ungarn) in einen Nebenarm der Donau.

Leitmotiv: Musik charakteristische musikalische Gestalt mit thematischer Funktion, die besonders im musikdramatische Gefüge, aber auch in Instrumentalwerken zur klanglichen Symbolisierung bestimmter Charaktere, Situationen und so weiter dient; zu hoher Meisterschaft entwickelt von R. Wagner.

Leitrad: Leiteinrichtung in Strömungsmaschinen; im Gegensatz zum Laufrad feststehend.

Leitrohr: ein an fotografischen Teleskopen angebrachtes Fernrohr zu deren Nachführung.

Leitsalz: Substanz, welche die elektronische Leitfähigkeit einer Lösung erhöht, ohne sich an Elektrische Toden Vorgängen zu beteiligen.

Leitschaufel: Maschinenbau Teil des Leitapparates beziehungsweise -rades zur Umlenkung des Arbeitsmediums.

Leitstrahl, Leitfunkstrahl: gebündelte elektromagnetische Wellen, mit deren Hilfe Flugzeuge auf festgelegten Luftstraßen geführt werden können.

Leittier, Kopftier: weibliches führendes Tier im Rudel bei Rot- und Damwild.

Leitton: Musik ein Ton, der durch seine harmonische Bindung und melodische Funktion mit einem (meist Halbton-)Schritt aufwärts beziehungsweise abwärts zu einem Zielton hinleitet und eine «Auflösung» bewirkt (zum Beispiel die 7. Stufe zur Tonika).

Leittrieb: der aus der Endknospe oder aus der obersten nach dem Schnitt verbleibenden Knospe eines Astes sich entwickelnde Austrieb.

Leitung: 1. Technik: Verbindungselement zum Fortleiten von Energie, zum Beispiel elektrische Energie durch Drähte aus Kupfer oder Aluminium als Freileitung, Kabelleitung oder Installationsleitung, beziehungsweise von Stoffströmen, zum Beispiel von Gasen und Dämpfen (Stadtgas, Ferngas, Druckluft, Wasserdampf) und Flüssigkeiten (Wasser, Erdöl) durch Rohre aus Metall (Stahl, Blei), Plast oder Beton.

2. Wirtschaft: aus dem arbeitsteiligen Reproduktions- beziehungsweise Arbeitsprozess resultierende Funktion, die die Zielsetzung, Entscheidung, Organisation und Kontrolle aller an einem solchen Prozess beteiligten Kollektive, Leiter und Leitungsorgane einschließt. Der Charakter der Leitung ist immer von der Gesellschaftsordnung abhängig. Im Sozialismus ist die Leitung durch die prinzipielle Übereinstimmung gesellschaftlicher, kollektiver und persönlicher Interessen charakterisiert. Die Teilnahme der Werktätigen an der Leitung ist eine ihrer entscheidenden Grundlagen und Merkmal sozialistischer Demokratie. Eine Hauptform ihrer Realisierung ist die Teilnahme am sozialistischen Wettbewerb. Die wichtigsten sozialistischen Leitungsprinzipien sind

a) der demokratischen Zentralismus (Grundprinzip sozialistischer Leitung);

b) die Einheit von Politik, Ökonomie, Ideologie und Technik;

c) die Einzelleitung und persönliche Verantwortung bei kollektiver Beratung;

d) die Kontrolle der Durchführung festgelegter Maßnahmen;

e) das Produktionsprinzip in Verbindung mit dem Territorialprinzip.

Leitungsanästhesie: durch Injektion eines Lokalanästhetikums im Bereich eines bestimmten Nervs erzeugte reversible Blockade der Nervenleitung und damit Schmerzausschaltung für operative Eingriffe.

Leitungselektron: ein Elektron, das in einem Metall oder Halbleiter durch ein elektrisches Feld bewegt wird und so zum Stromfluss beiträgt. In Halbleitern erfolgt Ladungstransport außerdem durch Löcher (Defektelektronen), die unbesetzten Zuständen im sonst voll besetzten Valenzband entsprechen, während ein Leitungselektron einen Zustand im nicht aufgefüllten Leitungsband besetzt. Siehe auch Elektronenleitung, Bändermodell.

Leitungsnetz: Gesamtheit der Ver- und Entsorgungsleitungen (Wasser, Gas, Heizung, Informations- und Elektrokabel, Abwasser), bestehend aus den Zu- (Primär-Leitungsnetz), Hauptverteilungs- und Anschlussleitungen (Sekundär-Leitungsnetz).

Leitungsprüfer: Einrichtung mit Batterie, Prüfleitung und optische Anzeige (Glüh- oder Glimmlampe) des Stromdurchgangs zum Überprüfen spannungsloser Leitungen.

Leitwerk: 1. Datenverarbeitung: Zentraleinheit.

2. Flugzeugbau: am Rumpfende von Luftfahrzeugen angeordnete Flächen zum Stabilisieren der Fluglage und zum Einleiten von Drehbewegungen. Höhen- und Seitenleitwerk bestehen aus feststehender Flosse und beweglicher Ruder, das Drehungen um die Quer- beziehungsweise Hochachse bewirkt oder ausgleicht. Die an der Hinterkante der Tragflächen angeordneten Querruder leiten Drehungen um die Längsachse ein oder gleichen diese aus.

3. Wasserbau: Längswerk mit verbindender Holz- oder Stahlkonstruktion als seitliche Begrenzung der Schifffahrtsrinne besonders vor Schleusen und Brücken.

Leitzahl: Fototechnik die Leistungsfähigkeit einer Blitzlichtquelle kennzeichnender Zahlenwert, bezogen auf eine bestimmte Filmempfindlichkeit. Es gilt die Gleichung (Entfernung zwischen Objekt und Lichtquelle in m) x k (Blendenzahl) = Z (Leitzahl) beziehungsweise k = Z : 6 DIN Filmempfindlichkeitsunterschied verdoppeln (halbieren) die Leitzahl

Leizhou, Leitschou: buchtenreiche, rund 140 km lange Halbinsel in China, im Südwesten der Provinz Guangdong, gegenüber der Insel Hainan am Südchinesischen Meer; Hauptort und -hafen Zhanjiang hügeliges Tiefland bis zu 272 m; bei tropisches bis subtropisches Klima besonders Anbau von Reis und Zuckerrohr; reich an Steinkohlen- und Manganerzlagerstätten.

Lektion: 1. Bildungswesen: Vorlesung, Lehrvortrag; Belehrung.

2. Fechten: Einzelunterricht des Trainers mit dem Sportler.

3. Pferdesport: Teilaufgabe einer Dressurprüfung.

Lektor: 1. wissenschaftlicher Mitarbeiter im Verlag; arbeitet mit staatlichen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Institutionen zusammen, gewinnt und betreut Autoren, Übersetzer unter anderem, entwickelt und bearbeitet Titel bis zur Veröffentlichung.

2. mit der Durchführung von wissenschaftlichen Übungen und Praktika, auch von Vorlesungen und Seminaren an Universitäten und Hochschulen beauftragte promovierte Lehrkraft; auch Propagandist in gesellschaftlichen Organisationen.

lektorieren: (lateinisch) Manuskripte als Lektor fachlich, künstlerisch und stilistisch prüfen, begutachten und bearbeiten.

Lekythos: (griechisch; Lekythoi oder Lekythen) antike einhenklige Kanne mit engem Hals, hauptsächlich für Öl und im Totenkult in Gebrauch.

Lelewel, Joachim, 22.3.1786-29.5.1861, polnischer Historiker und Politiker; Ideologe der polnische Befreiungsbewegung; Führer des bürgerlich-demokratischen Flügels im polnischer Aufstand 1830/31 (Mitglied der Nationalregierung); war im Exil (Paris, Brüssel) unter anderem Mitglied der 1 polnischen Demokratischen Gesellschaft.

Le Locle: Stadt im Westen der Schweiz (Kanton Neuenburg), im Schweizer Jura; 12000 Einwohner; Uhrenindustrie; Technikum; Museum.

Lelouch, Claude, geboren 31.10.1937, französischer Filmregisseur; schuf unter anderem die Filme «Ein Mann und eine Frau», «Voyou oder Ein Strolch in Paris», «Ein Leben lang», «Ein anderer Mann, eine andere Frau», «Edith und Marcel».

Lelystad: Stadt in den mittleren Niederlanden, Verwaltungszentrum der Provinz Flevoland; 50000 Einwohner; Erdgaskraftwerk; Hafen. benannt nach C. Lely, der das Projekt für die Trockenlegung der Zuiderzee entwarf.

Lern, Stanislaw, geboren 12.9.1921, polnischer Schriftsteller; wurde durch seine wissenschaftlich-phantastischen Romane und Erzählungen, die sich durch hohen wissenschaftlichen Informationsgehalt und humanistischen Verantwortungsgefühl auszeichnen, international bekannt («Der Planet des Todes», 1951, deutsch; «Gast im Weltraum», 1955, deutsch; «Sterntagebücher», 1957, deutsch; «Robotermärchen», 1964, deutsch; «Der Schnupfen», 1976, deutsch). In Essays beschäftigte er sich mit Fragen der Wissenschafts- und Kulturentwicklung.

Le Mans: Stadt im Nordwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Sarthe, an der Sarthe; 150000 Einwohner; Auto-, Maschinen- und Traktorenbau; Elektro- und Textilindustrie; Messe; Museen; gotische Kathedrale (11./15. Jahrhundert), Kirche Notre-Dame-de-la-Couture (11./14. Jahrhundert); bekannte Autorennstrecke (seit 1924).

Lemelin, Roger, geboren 7.4.1919, frankokanadischer Romancier; sein Werk spiegelt die Zerstörung der bäuerlichen-patriarchalischen Lebensverhältnisse der Frankokanadier durch den Kapitalismus wider (zum Beispiel «Familie Flouffe», 1948).

Lemma: 1. Mathematik: eine schon in der Antike verwendete Bezeichnung für einen Hilfssatz, der zum Beweis von Lehrsätzen gebraucht wird.

2. Sprachwissenschaft: in der Wörterbuchschreibung das zu erklärende Stichwort.

Lemminge, Lemmini: bis 14 cm lange, kurzschwänzige Wühlmäuse im nördlichen Eurasien und Amerika; leben in Tundren, Birken- und Nadelwäldern; periodische Massenwanderungen.

Lemmnitz, Alfred, geboren 27.6.1905, Wirtschaftswissenschaftler; übernahm nach 1945 wichtige gesellschaftliche Funktionen, war unter anderem 1947/53 stellvertretender Direktor der Parteihochschule «Karl Marx» des ZK der SED, lehrte 1953/56 an der Wilhelm-Pieck-Universität Rostock, 1956/58 an der Hochschule für Ökonomie «Bruno Leuschner», Berlin; war 1958/63 Minister für Volksbildung. Lemmnitz beschäftigte sich wissenschaftlich vor allem mit Fragen der politischen Ökonomie des Kapitalismus und der Geld- und Finanzwirtschaft.

Lemnitz, Tiana, geboren 26.10.1897, Sängerin (Sopran); war unter anderem 1931/37 Mitglied der Dresdner, 1937/57 der Berliner Staatsoper; sang als Gast an internationalen Opernzentren.

Lemnos, Limnos: griechische Insel im Ägäischen Meer, im Distrikt Lesvos; 476 km2, 25000 Einwohner; Oliven- und Weinbau; Schafzucht; Fischerei; antike Baureste.

Lemongrasöl: (englisch lemon, «Zitrone») gelbes bis braunes, zitronenähnlich riechendes ätherisches Öl, das in tropischen Ländern aus Lemongras durch Wasserdampfdestillation gewonnen wird. Es enthält bis zu 85% Zitral und dient zu dessen Gewinnung.

Lemuren: 1. altrömische Geister der Toten, quälende Spukgestalten der Menschen.

2. Lemuren, Lemuridae: Familie madagassischer Halbaffen mit verlängerter Schnauze und langem, dicht behaartem Schwanz; nachtaktive Allesfresser. Der Mausmaki (Microcebus murinus), ein Insektenjäger, ist mit 13 cm Körperlänge das kleinste Herrentier. Zu den Makis (Lemur) zählen der in Felsen lebende bis 40 cm lange Katta (Lemur catta) und der im Urwald lebende Vari (L. variegatus), der Schlafnester in den Bäumen baut.

Le Nain, Lenain, französischer Maler, Brüder: Antoine, um 1588-25.5.1648; Louis, um 1593-23.5.1648; Mathieu, 1607-20.4.1677. In zum Teil enger Zusammenarbeit entstanden ihre ergreifenden Schilderungen des einfachen, harten Lebens der französischen Bauern unter der absolutistischen Herrschaft. 1648 wurden sie Mitglieder der Königliche Akademie.

Lenard, Philipp, 7.6.1862-20.5.1947, Physiker; lieferte ab 1886 grundlegende Arbeiten über Kathodenstrahlen, Phosphoreszenz, zum lichtelektrischen Effekt und stellte ein Atommodell auf. Lenard war aus antisemitischen Gründen Gegner A. Einsteins und schrieb eine vierbändige «Deutsche Physik» als Gegenstück zur «jüdischen Physik».

Lenard-Effekt: (nach P. Lenard) 1. elektrische Aufladung zerspritzender Wassertropfen (Wasserfall-Elektrizität).

2. Ionisation von Gasen durch ultraviolette Strahlung.

Lenau, Nikolaus, eigentlich Nikolaus Franz Niembsch Edler von Strehlenau, 13.8.1802-22.8.1850, österreichischer Dichter; bedeutendster Lyriker und Freiheitsdichter Österreichs im 19. Jahrhundert; verfasste klangvolle, von Rebellion gegen Unterdrückung erfüllte Naturlyrik, zum Beispiel «Schilflieder», «Waldlieder», «Die drei Zigeuner», und leidenschaftliche Freiheitslieder, zum Beispiel «Polenlieder» (1832). Mit den epischen Verdichtungen «Savonarola» (1837) und «Johannes Ziäka» (Jan Zizka; 1840) feierte er revolutionäre Nationalhelden. Optimistische, demokratische und revolutionäre Haltung trotz aller Verbitterung bezeugen seine Versepen «Faust» (1836), vor allem aber «Die Albigenser» (1842), sein Hauptwerk.

Lenbach, Franz von, 13.12.1836-6.5.1904, Maler; gehört mit seinen Bildnissen zu den typischen Vertretern des Akademismus der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert

Lende: Körperregion der Säugetiere und des Menschen zwischen Darmbeinkamm und 12. Rippe.

Lend-Lease Act, Leih- und Pachtgesetz: Gesetz der USA vom 11.3.1941 über die käufliche oder leih- und pachtweise Überlassung von Kriegsmaterial an die Staaten der Antihitlerkoalition; 1941/45 wurde ein Wert von rund 50 Md. Dollar erreicht. Der Lend-Lease Act half bei der Zerschlagung der deutschen und japanischen Aggressoren, diente aber vor allem den Interessen der USA und der Ausweitung ihrer Kapitalexpansion.

Leng, Molva molva: bis 1,80 m langer und 25 kg schwerer Raubfisch im nördlichen Atlantik; Speisefisch.

Lengenfeld: Stadt im Kreis Reichenbach, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Vogtland, an der Göltzsch; 7700 Einwohner; Textil-, Bekleidungs-, Bauindustrie, Fahrzeugteilefertigung; Parkfest (alle 2 Jahre).

Lengyel Kultur: (nach einem ungarischen Ort) frühkupferzeitliche Kultur von Bauern und Viehzüchtern des mittleren Donaugebietes (4./3. Jahrtausend vor Christus). Typisch sind bemalte Keramik und weibliche Idol Plastiken aus Ton.

Lenis: schwacher, ungespannter Konsonant; Lenes sind zum Beispiel die stimmhaften Konsonanten b, d, g, z, w.

Lenkoran: Stadt in der Aserbaidschan in der Lenkoraner Niederung, am Kaspischen Meer; 40000 Einwohner; Verarbeitungszentrum subtropischer Kulturen (besonders Tee); Fischverarbeitung, Möbelfabrikation, Weinkeltereien; Hafen; Theater.

Lenksystem: Raketentechnik Anlage für die Lenkung von Raketen; besteht aus elektronischen Geräten zur Errechnung beziehungsweise Verarbeitung der Lenkkommandos und ihre Übertragung auf die Lenkorgane (aerodynamisches Ruder, Strahlruder, schwenkbare und 1 Hilfstriebwerke).

Lenkung: 1. Vorrichtung an Fahrzeugen zum Ändern der Fahrtrichtung. Die bei Kraftwagen ausschließlich angewendete Achsschenkellenkung der Räder einer Achse erfolgt mittels Lenkrads und Übertragungsteilen. Gelenkt werden meist nur die Vorderräder, bei Sonderfahrzeugen zum Teil zusätzlich die Hinterräder (Allradlenkung). Zwecks Verringerung des Kraftaufwandes beim Lenken wird zunehmend die Hilfskraftlenkung (Servolenkung, Lenkhilfe) eingesetzt. Bei Anhänge- und Spannfahrzeugen wird die Drehschemellenkung angewendet. Bei Krafträdern und Fahrrädern wird das Vorderrad um die Steuerachse geschwenkt.

Veränderung von Richtung und Geschwindigkeit einer Rakete oder Raketenstufe. Man unterscheidet Selbst- (Inertial-) Lenkung und Fern- (Kommando-) Lenkung

Lenkverfahren: Verfahren zur Lenkung unbemannter Objekte mit Eigenantrieb. An das Lenksystem, zum Beispiel der Rakete, werden Lenkkommandos übermittelt, die aus dem Vergleich der mit Hilfe von Ortungsangaben ermittelten Werte des Istkurses mit denen des Sollkurses gewonnen werden. Bei der auf Eigenpeilung beruhenden Zielsuchlenkung steuert das Lenksystem die Rakete mit Hilfe von optischen, Infrarot- und Funkmessgeräten (bei Unterwasserortung auch mittels akustischer Geräte) ins Ziel. Da der gerätetechnische Aufwand an Bord der Rakete deren Reichweite begrenzt, wird sie meist mit anderen Lenkverfahren kombiniert. Bei der Fernlenkung werden die Lenkkommandos vom Boden aus über Funk (auch Licht-, Schall- oder Ultraschallwellen) direkt zum Lenksystem übertragen, das elektronisch oder elektromechanisch reagiert (Kommandolenkung), oder indirekt durch einen Funkmessleitstrahl an die Rakete übermittelt, die die Leitstrahlimpulse registriert und Abweichungen vom Leitstrahl durch das Lenksystem korrigiert (Leitstrahllenkung). Die Selbstlenkung erfolgt (ohne äußeren Eingriff) auf der Grundlage eines vorher festgelegten und eingegebenen Programms; Abweichungen vom Flugprogramm werden zum Beispiel mit Hilfe eines Stabilisators oder mittels optischer Geräte, die die Flugbahn an Fixsternkonstellationen überwachen (Astronavigation), registriert und automatisch korrigiert. Selbstlenkung wird bei Langstrecken-, interkontinentalen und Globalraketen angewendet. Ein modernes Lenkverfahren ist die Trägheitsnavigation mit Geländefolgeradar für Flügelraketen (zum Beispiel Cruise Missile).

Lennard-Jones-Potential: nach einem britischen Chemiker: Potential für ein der Wirklichkeit nahekommendes Molekülmodell; besteht aus 2 Anteilen, einer ist proportional r~u und bewirkt für kleinen Molekülabstand r Abstoßung, der andere ist proportional r~6 und bewirkt bei großem Abstand Anziehung.

Lenné, Peter Joseph, 29.9.1789-23.1.1866, Gartengestalter, letzter bedeutender Vertreter der klassischen englischen Gartenkunst in Deutschland; Generaldirektor der königlich-preußische Gärten, von denen er einen großen Teil im Stil des Landschaftsgartens neu gestaltete; Hauptwerke in Berlin und Potsdam (Pfaueninsel, Charlottenhof, Tiergarten, Erweiterungen in Sanssouci).

Lennep, Jacob van, 24.3.1802-25.8.1868, niederländischer Schriftsteller; wurde populär mit romantische historische Novellen und Romanen («Ferdinand Huyck», 1840, deutsch); der Roman «Klaasje Zevenster» (1835) ist eine realistische Widerspiegelung seiner Zeit.

Lenoir, Jean Joseph Étienne, 12.1.1822-7.8.1900, französischer Mechaniker; konstruierte 1860 den ersten betriebsfähigen Gasmotor.

Le Nôtre, Lenôtre, André, 12.3.1613-15.9.1700, französischer Gartenarchitekt; wurde mit der Anlage des Tuilerien-Parks, des Parks von Versailles (seit 1661) und weiteren Gartenentwürfen zum Schöpfer des Barockparks.

Lenya, Lotte, 18.10.1898-27.11.1981, Schauspielerin und Sängerin österreichischer Herkunft; verheiratet mit K. Weill; wurde als Interpretin von Rollen und Songs in Stücken von Brecht/Weill berühmt; emigrierte 1933 mit Weill über Paris und London nach den USA, wo sie unter anderem 1968 noch im Musical «Cabaret» mitwirkte.

Lenz: 1. Heinrich Friedrich Emil Lenz, 24.3.1804-10.2.1865, russischer Physiker deutscher Herkunft; untersuchte nahezu gleichzeitig mit M. Faraday und J. Henry die elektromagnetische Induktion und stellte 1833 die nach ihm benannt Regel auf; arbeitete auch über Geophysik und Meteorologie.

2. Jakob Michael Reinhold Lenz, 12.1.1751-24.5.1792, Schriftsteller; bürgerlicher Vertreter des Sturm und Drang; war in Straßburg mit Goethe und Herder befreundet. In seinen sozialen Dramen («Der Hofmeister», 1774; «Die Soldaten», 1776) kritisiert Lenz Adel und serviles Bürgertum. Die «Anmerkungen übers Theater» (1774) sind für die Shakespearerezeption und die Dramentheorie des Sturm und Drang programmatisch.

3. Siegfried Lenz, geboren 17.3.1926, Schriftsteller der BRD; verfasste antifaschistisch engagierte Dramen und besonders Romane («Stadtgespräch», 1963; «Deutschstunde», 1968; «Heimatmuseum», 1978) sowie anschaulich und farbig erzählte Geschichten («So zärtlich war Suleyken», 1955; «Einstein überquert die Elbe bei Hamburg», 1975).

Lenzen: im weiteren Sinne Leeren, Trockenmachen; im engeren Sinne Entfernen von eingedrungenem Wasser aus dem Schiffsraum, zum Beispiel mittels elektrisch angetriebener (Lenz-) Pumpen.

Leo, byzantinischer Kaiser 1. Leo III., um 675-18.6.741, Kaiser seit 717, ehemaliger kleinasiatischer Themenbefehlshaber; verteidigte 717/18 erfolgreich Konstantinopel gegen die Araber, löste durch das Verbot der Bilderverehrung (730) den Bilderstreit aus.

2. Leo VI., Leo der Weise, 19.9.866-12.5.912, Kaiser seit 886; unter ihm wurde das zusammenfassende Gesetzeswerk der Basiliken vollendet; er erlitt schwere Niederlagen gegen die Bulgaren und die Araber.

Leo, Päpste: 1. Leo X., 11.12.1475-1.12.1521, Papst seit 1513; Förderer von Kunst und Wissenschaften; erneuerte den Ablass zur Finanzierung des Neubaus der Peterskirche in Rom (äußerer Anlass zu Luthers Thesenanschlag von 1517) und leitete den Ketzerprozess gegen Luther ein.

2. Leo XIII., 2.3.1810-20.7.1903, Papst seit 1878; von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des modernen Katholizismus; beendete den Kulturkampf in Deutschland durch Ausgleich mit Bismarck. Seine Enzyklika «Rerum novarum» (1891) rechtfertigte den Kapitalismus und beeinflusste die katholische Soziallehre.

Leo Africanus, eigentlich al-Hassan Ibn Muhammad al Wassan, 1492-nach 1550, arabischer Afrikareisender; durchquerte unter anderem Nordafrika und das Nigergebiet (Tombouctou und Bomu) sowie Vorderasien; nach Gefangennahme durch Seeräuber kam er an den Hof Papst Leos X., in dessen Auftrag er eine Beschreibung Afrikas verfasste.

Leoben: Stadt in der Steiermark (Österreich), an der Mur; Zentrum des obersteirischen Eisenerzbergbaus; 32000 Einwohner; Industrie besonders im eingemeindeten Donawitz konzentriert; Eisenverhüttung, Stahl-, Walzwerk, Schamotte-, Baustoffindustrie, Brauerei; Montanistische Hochschule; Theater; Arkadenhöfe; oberhalb von Leoben die Massenburg (13. Jahrhundert).

Leochares, griechischer Erzgießer und Bildhauer des 4. Jahrhundert vor Christus aus Athen; arbeitete mit Skopas, Timotheos und Bryaxis am Mausoleum von Halikamassos, dessen Westfries ihm zugeschrieben wird. Außerdem werden der Apollon von Belvedere (Vatikan) und die Artemis von Versailles (Paris, Louvre) auf verlorene Bronzewerke des Leochares zurückgeführt.

León: 1. historische Landschaft im Nordwesten Spaniens, heute Teil der Region Kastilien-León. ursprünglich von Iberern bewohnt, im 2. Jahrhundert vor Christus unter römische, seit dem 5. Jahrhundert nach Christus westgotische und seit 717 maurische Herrschaft; kam um 755 zu Asturien; 910 entstand das Königreich León, 1230 Vereinigung mit Kastilien.

2. Stadt im Nordwesten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz León, südlich des Kantabrische Gebirges; 127000 Einwohner; Zucker- und chemische Industrie; Veterinärfakultät; Stadtbefestigung (11. Jahrhundert), romanische Kirche San Isidoro (11. Jahrhundert), frühgotische Kathedrale (12./14. Jahrhundert).

3. Stadt (Departements Zentrum) im Westen Nikaraguas; 97000 Einwohner; Lebensmittelindustrie; bedeutendes Agrarzentrum; Verkehrsknoten an der Carretera Interamericana; Universität.

4. León, León de los Aldamas: Stadt im Bundesstaat Guanajuato (Mexiko), am Rio Gómez, 1885 m über dem Meeresspiegel; 770000 Einwohner; Leder-, Schuh-, Textilindustrie; Handelszentrum; Eisenbahnknoten.

Leonardo da Vinci, 15.4.1452-2.5.1519, italienischer Maler, Bildhauer, Kunsttheoretiker, Mathematiker und Naturforscher; tätig in Florenz, Mailand, Rom und seit 1516 in Frankreich; einer der universellsten Künstler und zugleich enzyklopädischer Wissenschaftler der Renaissance; hinterließ eine Vielzahl von Studienblättern mit seinen Erfindungen und Erkenntnissen auf nahezu allen Gebieten der Technik und Naturwissenschaft, ferner zahlreiche, in verschiedenen Sammlungen befindliche Manuskripte, darunter auch kunsttheoretische Schriften, Fabeln und Erzählungen. Er erforschte unter anderem die Grundlagen der Mechanik und des Flugwesens. Als Maler aus der Werkstatt A. del Verrocchios hervorgegangen, schuf er mit seinem «Abendmahl» (1495/97; Wandbild im Refektorium des Klosters S. Maria delle Grazie in Mailand) die erste große Schöpfung des klassischen Stils der Hochrenaissance. Seine anderen Gemälde zeigen das Helldunkel einer malerisch wiedergegebenen Atmosphäre sowie idealisierte Figuren mit weich verschwimmenden Umrissen. Diese Malweise des sogenannt sfumato wurde von seinen Schülern nachgeahmt. Zu den wenigen erhaltenen Werken zählen die «Felsgrottenmadonna» (ab 1483), das Porträt der «Mona Lisa» (1503/06) und die «Heilige Anna selbdritt» (1508/10). Unter seinen zahlreichen Zeichnungen ragen die Studienblätter für ein begonnenes Wandbild «Anghiarischlacht», Skizzen für ein nicht ausgeführtes Reiterdenkmal sowie Architekturentwürfe unter anderem für Idealstädte und die Mailänder Domkuppel heraus.

Leonardo Fibonacci, Leonardo von Pisa, um 1170-nach 1240, italienischer Mathematiker; bürgerte die sogenannten arabischen Ziffern in Europa ein und arbeitete zur Zahlentheorie.

Leonardschaltung: (nach einem US-amerikanischer Ingenieur) Maschinensatz (Leonardsatz) aus Antriebsmotor (zum Beispiel Drehstromasynchronmotor), Erregermaschine und Gleichstrommaschine zur verlustarmen Drehzahlstellung von Gleichstrommotoren für beide Drehrichtungen; wird zunehmend durch Stromrichterschaltungen abgelöst.

Leoncavallo, Ruggiero, 23.4.1857-9.8.1919, italienischer Opernkomponist; ein Hauptvertreter des Verismus; sein Einakter «Der Bajazzo» (1892) wurde ein Welterfolg und gehört bis heute zu den meistgespielten Opern.

leonischer Faden: (nach der spanischen Stadt León) Effektfaden aus einem Garn oder einer Seide, umwunden mit Lahn, einem feinen, flach ausgewalzten Draht aus legiertem Metall, Silber oder Gold; für Gewebe, Stickereien und Posamenten.

Leonow: 1. Alexej Archipowitsch, geboren 30.5.1934, sowjetischer Kosmonaut; führte als erster Mensch bei einem Raumflug ein Ausstiegsmanöver in den freien Weltraum aus (18.3.1965, Woschod); Kommandant von Sojus 19 (Sojus-Apollo-Raumflugunternehmen).

2. Leonid Maximowitsch, geboren 31.5.1899, russischer sowjetischer Schriftsteller; trat Anfang der 20er Jahre mit originellen Erzählungen hervor, die den damals verbreiteten ekstatischen «ornamentalen» Prosastil aufwiesen (dt. Auswahl «Erzählungen», 1967). In den Romanen «Die Dachse» (1924, deutsch), «Der Dieb» (1927, Neufassung 1959, deutsch), «Werk im Urwald» (1930, deutsch), «Professor Skutarewski» (1932, deutsch) und «Weg zum Ozean» (1936, deutsch) drang Leonow zu hoher realistischen Gestaltungskunst vor. Nach Werken über den Krieg, dem Drama «Invasion» (1942) und der Erzählung «Die Einnahme von Welikoschumsk» (1944) schuf Leonow mit dem Roman «Der russische Wald» (1953, deutsch) und der Novelle «Evgenia Ivanovna» (1938/63, deutsch) Werke von großer künstlerischer Ausdruckskraft und einem hohen Grad an philosophischer Verallgemeinerung. Sammlungen wie «Literatur und Zeit» (1967) und «Tiefen der Zeit» (1976) enthalten publizistischen Arbeiten Leonows und theoretische Aufsätze zu Fragen der Literatur.

Leontief, Wassily, geboren 5.8.1906, US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler russischer Herkunft; entwickelte 1941 eine mathematische Methode zur Analyse von Produktionsverflechtungen, die Input-Output-Analyse (L.-Model!).

Leopard, (lateinisch griechisch, «Löwenpanther») Panther (lateinisch - griechisch - Sanskrit), Panthera pardus: Großkatze mit Flecken- und Ringzeichnung auf rotbraunem bis rahmgelbem Grund; klettert ausgezeichnet; lebt in Afrika und Asien. Schwarze Panther sind totale Schwärzlinge des Leopard

Leopardfrosch, Rana pipiens: bis 11cm langer Froschlurch; lebt in feuchten Biotopen Nord- und Mittelamerikas; wird häufig als Labortier verwendet.

Leopardi, Giacomo Graf, 29.6.1798-14.6.1837, italienischer Lyriker; Dichter des Weltschmerzes; unterstützte zunächst mit patriotischen Dichtungen (1818) die italienische Unabhängigkeitsbewegung. Schon hier zeigen sich Ansätze seines durch das Misslingen der nationalen Bestrebungen und persönlichen Krankheit bedingten Pessimismus, der die späteren Werke, zum Beispiel «Gesänge» (1826, deutsch), «Kleine moralische Schriften» (1827, vollständig 1834, deutsch), «Gedanken» (1845, vollständig 1898/1900, deutsch) beherrscht.

Leopold, Fürsten. Deutscher Kaiser: 1. Leopold, 9.6.1640-5.5.1705, König von Ungarn seit 1655, Kaiser seit 1658; zentralisierte den habsburgischen Staat und begründete dessen europäischen Großmachtstellung; erwarb 1699 in den Türkenkriegen unter anderem Ungarn und Siebenbürgen (Transilvania).

Anhalt-Dessau: 2. Leopold I., genannt «der alte Dessauer», 3.7.1676-9.4.1747, Fürst. seit 1693, preußischer Feldmarschall seit 1712; reorganisierte die Armee Friedrich Wilhelms I. und formte sie mittels harten Drills zu einem schlagkräftigen Instrument des feudalabsolutistischen Staates.

Belgien: 3. Leopold I., 16.12.1790-10.12.1865, Prinz von Sachsen-Coburg, erster König (seit 1831) nach Erringung der nationalen Unabhängigkeit.

4. Leopold II., 9.4.1835-17.12.1909, König seit 1865; berüchtigt durch seine besonders grausame Kolonialpolitik (Kongo).

5. Leopold III., 3.11.1901-25.9.1983, König 1934/51; kapitulierte gegen den Widerstand der Bevölkerung und der Regierung am 28.5.1940 vor den deutschen Faschisten; eine machtvolle Volksbewegung seit 1945 erzwang seine Abdankung.

Lepanto: soviel wie Naupaktos; Hafenstadt am Golf von Korinth. Bei Lepanto siegte am 7.10.1571 die vereinigte spanisch-venezianische Flotte unter Don Juan de Austria über die türkische Flotte; der Sieg sicherte Spanien vorübergehend die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer.

Lepidokrokit, Rubinglimmer: Mineral, Eisenoxohydroxid; Kristallsystem rhombisch, Härte 5, Dichte 4,0 g/cm3; dünne rubinrote Täfelchen, pulvrig, glaskopfartig; hydrothermal auf eisenführenden Lagerstätten.

Lepidopteren Blumen: (griechisch + deutsch) Pflanzen mit tiefen, röhrigen Blüten, deren Nektar nur langrüsseligen Schmetterlingen zugänglich ist.

Lepidus, Marcus Aemilius, um 89-13 vor Christus, römischer Staatsmann; Anhänger Cäsars; 46 Konsul; 44, nach Cäsars Ermordung, Pontifex Maximus; schloss 43 mit Antonius und Octavianus das 2. Triumvirat.

Lepontinische Alpen: östlicher Teil der inneren Gneis Alpen an der schweizerisch-italienischen Grenze; umfasst die Simplongruppe (Monte Leone, 3553 m), die Sankt-Gotthard-Gruppe (Pizzo Rotondo, 3192 m) und die Tessiner Alpen (Basodino, 3273 m).

Leporello: (nach dem Buch des Leporello in Mozarts «Don Giovanni») ziehharmonikaartig zusammenlegbare Reihe von Blättern, gefaltet oder aneinandergeklebt, als Bilderbuch, Prospekt u. ä.

Lepra, Aussatz: bakterielle chronischen Infektionskrankheit mit weiter Verbreitung in subtropischen und tropischen Gebieten; Kennzeichen sind schubweiser Befall von Haut, Schleimhäuten, Nerven und inneren Organen mit Knoten, Geschwüren sowie Lähmungen, Verstümmelungen und Siechtum.

Lepsius, Karl Richard, 23.12.1810-10.7.1884, Ägyptologe; wurde 1842 Professor in Berlin, 1865 Direktor des ägyptischen Museums in Berlin und 1873 Direktor der Preußischen Staatsbibliothek; führte J. F. Champollions Werk zu Ende, widmete sich außerdem vor allem der Geschichte und Chronologie Ägyptens.

Leptonen: Familie leichter Elementarteilchen, die nicht der starken Wechselwirkung unterliegen, halbzahlige Spinquantenzahl haben und daher der Fermi-Dirac-Statistik genügen. Den Leptonen wird eine leptonische Ladung oder Leptonenzahl L zugeordnet, die für Leptonen gleich 1, Antileptonen -1 und alle übrigen Elementarteilchen 0 ist; sie bleibt bei allen Wechselwirkungen erhalten. Nach den einheitlichen Eichfeldtheorien treten Prozesse auf, bei denen L nicht erhalten bleibt (bisher experimentell nicht nachgewiesen).

Leptospiren: zu den Bakterien (Spirochäten) gehörende fadenförmige Mikroorganismen mit umgebogenen Enden (Kleiderbügelform); die Darstellung der Leptospiren erfolgt mittels Färbung oder lebend im Dunkelfeld; Verursacher der Leptospirosen.

Leptospirosen: durch bestimmte Leptospiren verursachte und durch infiziertes Flusswasser, Abwasser oder Tierbiss (Ratten) übertragene seltene Infektionskrankheiten des Menschen und der Tiere mit hohem Fieber, Leber-, Nieren- und Hirnhautentzündung; exponiert sind Land- und Kanalarbeiter.

Lerchen, Alaudidae: weltweit verbreitete Familie bodenbewohnender, meist unauffällig gefärbter Singvögel baumarmer Gebiete; charakteristisch ist die verlängerte Kralle der Hinterzehe («Lerchensporn»). In Eurasien die Feldlerchen (Alauda arvensis); Waldblößen bewohnt die 14 cm lange Heidelerchen (Lullula arborea), Ödländer die Haubenlerchen (Galerida cristata).

Lerchensporn, Corydalis: Gattung der Erdrauchgewächse; ausdauernde Kräuter mit geteilten Blättern und gespornten, traubig angeordneten Blüten. In Laubwäldern und Gebüschen wächst der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava); der Gelbe Lerchensporn (Corydalis lutea) ist eine Zierpflanze.

Lérida: Stadt im Nordosten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Lérida, am Segre; 110000 Einwohner; Textil- und keramischer Industrie; Agrarmarkt; Museen; Festungsanlage (12. Jahrhundert), romanische gotische Kathedrale (13. Jahrhundert).

Lermontow, Michail Jurjewitsch, 15.10.1814 bis 27.7.1841, russischer Schriftsteller; brachte in Gedichten und Poemen, Romanen und Dramen Gedanken und Gefühle der jungen adligen Offiziere zum Ausdruck, die sich gegen die geistige Unterdrückung durch die zaristische Selbstherrschaft wandten und zum Kampf für die Freiheit aufriefen. Wegen des kühnen Gedichts «Der Tod des Dichters» (1837, deutsch), in dem er die herrschenden Kreise am Tode A. S. Puschkins schuldig sprach, wurde Lermontow gemaßregelt und an die Kaukasusfront geschickt; er fiel in einem von Adligen provozierten Duell. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Gedichte «Das Segel» (1832, deutsch), «Borodino» (1837, deutsch), das Poem «Der Dämon» (1841, deutsch) sowie der Roman «Ein Held unserer Zeit» (1840, deutsch).

Lernen: Prozess, der bestimmte Organismen, in gewissem Sinne auch technische Anlagen (Automaten u. ä.) befähigt, auf Grund früherer «Erfahrungen» sowie durch die organische Eingliederung neuer Erfahrungen in höherem Maße situationsangemessen zu reagieren und sich neuen Umweltbedingungen anzupassen. Menschliches Lernen ist eine vorwiegend einsichtige, aktive, sozial vermittelte Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten, Überzeugungen und Verhaltensweisen. Es ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen der Entwicklung des Menschen als gesellschaftliches Wesen und zugleich Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung des Menschen. Im Unterricht ist Lernen der Prozess der zielgerichteten Auseinandersetzung der Lernenden mit dem Unterrichtsstoff; Prozess der Aneignung sicherer, anwendungsbereiter Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten durch eigene, aktive Tätigkeit der Schüler.

Lernmatrix: elektrische Schaltungsstruktur zur Nachbildung von Lernvorgängen. Die Lernmatrix besteht aus 2 Scharen sich kreuzender Leitungen, denen zum Beispiel Merkmale und Bedeutungen zugeordnet werden können. In der Lernphase werden zugeordnete Merkmals- und Bedeutungsleitungen aktiviert, wobei sich an den Kreuzungspunkten nach dem Vorbild bedingter Reflexe bedingte Verknüpfungen ausbilden. In der Kannphase stellt die Lernmatrix dann eine Zuordnungsschaltung dar. Bei Eingabe eines Merkmalssatzes mittels Aktivierung der entsprechend Leitungen zeigt die Bedeutungsleitung mit der wahrscheinlichsten Bedeutung die höchste Aktivierung.

Lerntheorien: Theorien, die den Lernvorgang bei Mensch und Tier zu erklären suchen. Die Kontiguitätstheorie (E. R. Guthrie) betrachtet das Lernen als Resultat assoziativer Verbindungen gleichzeitig auftretender Reize und Reaktionen. Die Verstärkungstheorie (C. Lerntheorien Hull) führt Lernleistungen auf bekräftigende Folgen eines Verhaltens zurück. Auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus entwickelten P. J. Galperin, A. N. Leontjew und N. F. Talysina die Interiorisationstheorie als eine Theorie der etappenweisen Bildung geistiger Operationen. Diese werden als «verinnerlichte» (nämlich verallgemeinerte, automatisierte) äußere (materielle) Handlungen aufgefasst.

Lerski, Helmar, 18.2.1871-29.9.1956, schweizerischer Fotograf und Kameramann; befasste sich besonders mit Porträtfotografie. In Bildnissen einfacher Menschen bemühte er sich, die Würde der Porträtierten durch plastisch modulierende Lichtführung sichtbar zu machen (Bildband «Köpfe des Alltags», 1931).

Lesage, Alain-Rene, 8.5.1668-17.11.1747, französischer Schriftsteller; entwarf in seinen an pikaresken Vorbildern orientierten Romanen («Der hinkende Teufel», 1707, deutsch, unter anderem) sowie in dem Drama «Turcaret» (1709, deutsch) zeitgenössische Sittenbilder.

Les Baux: Berggemeinde im Süden Frankreichs, nordöstlich von Arles; 200 Einwohner; Ruinen aus der Karolingerzeit; Les Baux gab dem früher dort abgebauten Ausgangsstoff für die Aluminiumgewinnung den Namen Bauxit.

Lescot, Pierre, um 1510-10.9.1578, französischer Baumeister; in Paris als Hofbaumeister tätig, unter anderem am Bau des Louvre (1546/74), dem Hauptwerk der französischen Renaissance, ferner Gebäude des jetzigen Musée Carnavalet (ab 1544) und Fontaine des Innocents.

Lesegerät: optisches Gerät mit Beleuchtungseinrichtung zum Betrachten von Mikro- oder Mikrat Bildern beziehungsweise Microfiches durch vergrößernde Projektion auf einem Bildschirm bei heller Umgebung. Lassen sich mit dem Gerät auch vergrößerte Kopien herstellen, wird es Lese-Rückvergrößerungsgerät genannt

Leseglas: Sammellinse zur Vergrößerung, die an einem Stiel relativ weit weg vom Auge gehalten wird. Bei Benutzung des Leseglases wird der Augapfel bewegt. Siehe auch Lupe.

Lese-Rechtschreib-Schwäche, Abkürzung LRS, Legasthenie: spezielles Versagen beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens. Aufgrund ungenügender Trennschärfe im sprechmotorischen-akustischen Bereich sind die entsprechenden analytischen-synthetischen Fähigkeiten extrem behindert. Als Ursachen werden frühkindliche Hirnschädigungen und Vererbung angesehen.

Lesginka: kaukasischer Tanz in zahlreichen Varianten, meist im 6/8-Takt; improvisierter Solotanz für Männer, oft mit Dolchen; auch Paartanz.

Leskten, August, 8.7.1840-20.9.1916, Sprachwissenschaftler; seit 1870 Professor an der Universität Leipzig; einer der führenden Junggrammatiker, Indoeuropäist und Komparativist. Seine bedeutendsten Arbeiten sind «Deklination im Slavisch-Litauischen und Germanischen» (1876), «Grammatik der altbulgarischen Sprache» (1909) sowie «Grammatik der serbokroatischen Sprache» (Teil I, 1914).

Leskow, Nikolai Semjonowitsch, 16.2.1831-5.3.1895, russischer Schriftsteller; wandte sich gegen die Leibeigenschaft, dann jedoch auch gegen die revolutionär-demokratische Bewegung. Mit dem Roman «Die Klerisei» (1872, deutsch) und Erzählungen wie «Der Linkshänder» (1881, deutsch), «Der Toupetkünstler» (1883, deutsch) und «Der Tolpatsch» (1894, deutsch) fand Leskow wieder Anschluss an die fortschrittlichen Bestrebungen in Russland.

Les Landes: (französisch, «die Heidelandschaften») Landschaft im Südwesten Frankreichs, an der Küste des Golfes von Biscaya, zwischen Gironde und Adour; aus Sanden aufgeschüttete Ebene; einst ödes Heidegebiet, heute (mit Kiefern aufgeforstet) größtes Waldgebiet Frankreichs (10000 km!), an der Küste bis zu 100 m hohe Dünen; dünne Besiedlung; Harzgewinnung, chemische, Holz- und Zellstoffindustrie; südwestlich von Bordeaux Erdölförderung.

Lesotho, Königreich Lesotho: Staat in Südafrika, allseitig von der Republik Südafrika (RSA) umgeben; verwaltungsmäßig in 9 Distrikte gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich überwiegend aus Angehörigen von Bantustämmen (besonders Sotho) zusammen. Amtssprachen sind Englisch und Se Sotho. Währung ist Loti (Währungsparität mit dem südafrikanischen Rand). Lesotho ist ein von mächtigen Basaltdecken überlagertes, stark zerklüftetes Gebirgsland (80% der Oberfläche liegen über 2700 m über dem Meeresspiegel) auf der binnenseitigen Abdachung der Großen Randstufe mit den Maloti Mountains (3276 m) und Drakensbergen (3482 m), wo die Flüsse Oranje und Caledon entspringen, die Lesotho durchfließen. Es herrscht ein trockenes, kühles Hochlandklima (verbreitet Fröste) mit unregelmäßigen, oft bodenzerstörenden Regenfällen. Vorherrschend ist Grasvegetation, vielfach auch Torfmoore. Durch Überweidung starke Bodenerosion. Lesotho ist ein rückständiges Agrarland mit starken ökonomischen Bindungen an die RSA. Etwa 90% der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft (Naturalwirtschaft) tätig. Etwa 200000 verdingen sich als Wanderarbeiter in den Bergwerken und Farmen der RSA Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Weidewirtschaft, besonders die Schafhaltung. Wolle, Mohair und Lebendvieh erbringen etwa 75% des Exporterlöses. Nur ein Achtel des gesamten Bodens, der Gemeineigentum ist, ist für den Ackerbau (Mais, Sorghum, Weizen, Hülsenfrüchte) nutzbar. Exportbedeutung hat die Diamantengewinnung. Weitere Devisenbringer sind der Fremdenverkehr und die Einkünfte der Wanderarbeiter. Die Verarbeitungsindustrie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Durch eine etwa 3 km lange Stichbahn ist Lesotho an das Eisenbahnnetz der RSA angeschlossen; bei Maseru internationaler Flughafen. Einfuhr von Lebensmitteln und Industriewaren. Wichtigster Handelspartner ist die RSA (Zoll- und Währungsunion). Um die ökonomische Abhängigkeit von der RSA zu verringern, werden die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu anderen afrikanischen Staaten ausgebaut. Zu Beginn des 19. Jahrhundert drangen die vor den vorrückenden Buren flüchtenden Zulu- und Matabele-Stämme in das Land ein und trieben die Ureinwohner in die Berge zurück. 1818 vereinigte Häuptling Moshoeshoe I. die verschiedenen Stämme und begründete damit die Nation der Sotho; Freiheitskrieg gegen die Buren (1830/68). Der Errichtung des britischen Protektorats Basutoland 1868 folgte 1871 die Angliederung an die Kapkolonie; 1884 erhielt Basutoland erneut den Status eines Protektorats. 1952 Gründung des Afrikanischen Kongresses von Basutoland (seit 1958 Kongresspartei Basutolands), der an der Spitze der nationalen Unabhängigkeitsbewegung stand; Mai 1962 Gründung der KP Basutolands (1970 verboten). Seit Erringung der staatlichen Selbständigkeit am 4.10.1966 unter dem Namen Lesotho ist der Führer der Nationalen Partei, Lesotho Jonathan, Ministerpräsident. Seine Regierung betreibt eine reaktionäre Innenpolitik, die auf die Erhaltung der traditionellen sozialen Struktur und die Ausschaltung jeglicher Opposition gerichtet ist. Mit einem Staatsstreich vereinte Jonathan 1970 alle Macht in seiner Hand, verbot die Oppositionsparteien und zwang Moshoeshoe II. zeitweilig ins Exil. Wegen Ablehnung der Apartheidpolitik unterliegt Lesotho starkem Druck der RSA, und es kam seit 1980 wiederholt zu Aggressionsakten. Im Januar 1986 wurde die Regierung Jonathan durch einen Militärputsch unter General Lekhanya gestürzt.

Lesseps, Ferdinand Marie Vicomte de, 19.11.1805-7.12.1894, französischer Diplomat, Unternehmer, leitete 1859/69 den Bau des Suezkanals, gründete 1879 die Panamakanalgesellschaft, die 1881 den Bau des Panamakanals begann.

Lessing: 1. Doris Lessing, geboren 22.10.1919, englische Schriftstellerin; wandte sich in Romanen und Erzählungen über Afrika gegen Rassendiskriminierung und zeigte das Erstarken einer fortschrittlichen Bewegung («Afrikanische Tragödie», 1950, deutsch; «Der Zauber ist nicht verkäuflich», 1951/53, deutsch; «Martha Quest», 1952, deutsch). Spätere Werke spiegeln die Entwicklung in England wider, wobei psychologische, erotische und Science-fiction-Themen in den Vordergrund rücken, so in «Das goldene Notizbuch» (1962, deutsch), «Ein Mann und zwei Frauen» (1963), «Shikasta» (1979), «Das syrische Experiment» (1981).

2. Gotthold Ephraim Lessing, 22.1.1729-15.2.1781, Dichter, Literaturtheoretiker und -kritiker, herausragender Vertreter der deutschen Aufklärung; studierte in Leipzig Theologie und Medizin, beschäftigte sich mit Philosophie und Philologie und hatte Kontakte zur Schauspieltruppe der Neuberin. Lessing arbeitete als Publizist und Literaturkritiker in Berlin, als Gouvernements Sekretär in Breslau (Wroclaw), als Dramaturg und Kritiker in Hamburg, wo er vergeblich für die Entstehung eines deutschen Nationaltheaters wirkte, und ab 1770 als Bibliothekar in Wolfenbüttel. Er setzte sich theoretisch und praktisch mit den vorherrschenden französischen und deutschen literaturtheoretischen Auffassungen auseinander (zum Beispiel «Briefe, die neueste Literatur betreffend», 1759/65; «Hamburgische Dramaturgie», 1767/69). Schon seine Fabeln und Sinngedichte trugen eine deutliche gesellschaftskritische Tendenz und dienten den Emanzipationsbestrebungen des Bürgertums. Mit seinen bürgerlichen Trauerspielen «Miss Sara Sampson» (1755) und «F.milia Galotti» (1772) sowie mit dem ersten bedeutenden deutschen Lustspiel, «Minna von Barnhelm» (1767), schuf Lessing neue Genres der Dramatik, die den Interessen des Bürgertums entsprachen; bürgerliche Moral- und Tugendauffassungen werden der scharf kritisierten feudalabsolutistische Willkür gegenübergestellt. «Nathan der Weise» (1779) ist Lessings große Dichtung gegen religiöse Intoleranz und geistige Unterdrückung. In zahlreichen theoretischen-philosophischen Auseinandersetzungen kämpfte Lessing gegen die christliche Orthodoxie und gegen kleinbürgerlich-philiströse Aufklärung. Einen Höhepunkt historischen-philosophischen Denkens seiner Zeit erreichte er mit der Schrift «Die Erziehung des Menschengeschlechts» (1780).

3. Karl Friedrich Lessing, 15.2.1808-5.6.1880, Maler, Mitbegründer der Düsseldorfer Malerschule. Ausgehend von der Landschaftsmalerei, widmete er sich später besonders dem Historienbild. Mit seinem gegen den preußischen Staat und katholischer Klerikalismus gerichteten Werk («Hussitenpredigt», 1836) trat er für die Interessen des liberalen Bürgertums des Vormärz ein.

Leßner, Friedrich Christian Eduard, 27.2.1825-1.2.1910, proletarischer Revolutionär, Schneider, Mitglied des Bundes der Kommunisten; während der Revolution von 1848/49 Beginn der Zusammenarbeit mit Marx und Engels; 1852 im Kölner Kommunistenprozess zu 3 Jahren Festung verurteilt. Seit 1856 lebte Leßner in London, war 1864/72 Mitglied des Generalrats der IAA propagierte die Ideen des wissenschaftlichen Kommunismus.

Le Sueur, Eustache, 18.5.1617-30.4.1655, französischer Maler; Verfechter eines gegen den barocken Überschwang gerichteten klassischen Schönheitsideals des frühen akademischen Klassizismus.

Lesung: Beratung eines Antrages oder einer Gesetzesvorlage im Parlament.

Lesvos, Lesbos: griechische Insel im Ägäischen Meer, vor der Westküste Kleinasiens; 1613 km2, als Distrikt zusammen mit Lemnos 2154 km2, 110000 Einwohner; 51 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Mytilene (23000 Einwohner); Anbau von Weizen, Oliven, Zitrusfrüchten und Wein; Thermalquellen; antike und genuesische Bauten.

Leszczynski, Julian, Pseudonym Julian unter anderem, 8.1.1889-20.8.1939, führender Funktionär der polnische und internationalen Arbeiterbewegung; 1905 Mitglied der SDKPiL, 1918 der Kommunistischen Arbeiterpartei Polens; emigrierte 1925 in die UdSSR; 1929/38 Generalsekretär des ZK der KP Polens; 1929/37 Mitglied des EKKI; 1937 auf Grund falscher Anschuldigungen verurteilt, 1955 rehabilitiert.

Leszno: 1. Wojewodschaft im Westen Polens; 4154 km2, 360000 Einwohner; 87 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Leszno 2; umfasst ausgedehnte, im Nordwesten seenreiche Niederungen der Nizina Wielkopolska, von Oder, Barycz und anderen Flüssen durchflossen. Agrar-Industrie-Gebiet; Roggen-, Gerste-, Kartoffel-, Zuckerrübenanbau; Lebensmittel-, ferner Metall-, Glasindustrie und Maschinenbau.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Leszno 1; 50000 Einwohner; Lebensmittel-, Bekleidungsindustrie, Kugellagerfabrik; Verkehrsknoten; Museum; Rathaus (17. Jahrhundert), Kirchen (17. und 18. Jahrhundert). Bei Leszno Segelflugplatz (internationale Wettkämpfe).

letal: (dat.) tödlich verlaufend oder wirkend.

Letalität: Tödlichkeit; die Letalitätsziffer gibt das Verhältnis der in einem festgelegten Zeitraum an einer bestimmten Krankheit Verstorbenen, bezogen auf 100 an dieser Krankheit Erkrankten, an.

Lethargie: (griechisch) psychischer und körperlicher Teilnahmslosigkeit, zum Beispiel bei Schlafmittelvergiftung, Enzephalitis, Hirntumor und neurotische Reaktionen.

Lethe: in der griechischen Sage Fluss der Unterwelt, aus dem die Seelen Vergessen tranken.

Leto, in der griechischen Sage Titanin (römisch Latona), durch Zeus Mutter der Zwillinge Apoll und Artemis; siehe auch Niobe.

Letscho: a) ungarisches Gemüsegericht aus Paprika, Tomaten und Zwiebeln;

b) Konserve aus geschnittenen Paprikaschoten und Tomatenmark.

Lettau, Reinhard, geboren 10.9.1929, Schriftsteller; lebt in den USA; begann mit skurril-ironische und anekdotenhaften Geschichten («Schwierigkeiten beim Häuserbauen», 1962; «Auftritt Manigs», 1963); legte 1971 mit der Dokumentation «Täglicher Faschismus. Amerikanische Evidenz aus 6 Monaten» Faschisierungstendenzen in den USA bloß.

Letten: 1. Letten: Geologie - unverfestigter, meist roter, grüner, brauner oder violetter Schieferton.

2. Letten: Völkerkunde - zum baltischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen gehörendes Volk, Hauptbevölkerung der Lettischen SSR; (etwa 1,38 Millionen; insgesamt in UdSSR über 1,44 Millionen).

Lettland: an der Ostsee; 63700 km2, 2,57 Mil1. Einwohner; 40 Einwohner/km2; Hauptstadt Riga.

Bevölkerung: 54% Letten, 33% Russen, 5% Belorussen, 3% Ukrainer und 5% Angehörige anderer Nationalitäten. Etwa 70% der Bewohner leben in Städten. Unter der Sowjetmacht erfolgte eine beträchtliche Verbesserung der Lebenslage. So stieg beispielsweise bis heute die Zahl der Arzte und Krankenhausbetten, auf 10000 Einwohner bezogen, im Vergleich zu 1940 um das 3,5- beziehungsweise 2,2fache. 1971/75 Einführung der zehnjährigen Schulpflicht. Etwa 60% der Bürger haben eine Hoch- beziehungsweise Mittelschulbildung (1939 18%).

Natur: Die Lettland SSR hat eine vom Inlandeis geformte Oberfläche mit zum Teil versumpften und vermoorten Niederungen im zentralen Teil an unterer Daugava, Gauja und Venta; Moränenplatten und Hügelländer breiten sich im Westen, Vidzerner (bis 312 m) und Latgaler Höhen im Osten aus. Die wenig gegliederte Ostseeküste greift mit der Rigaer Bucht tief in das Land ein. Es herrscht ein Übergangsklima vom ozeanischen zum kontinentalen Typ. Etwa 12000, meist kurze Flüsse (Hauptstrom Westlich Dwina); etwa 3000 Seen, besonders im Osten; zu knapp 40% bewaldet. Von den Bodenschätzen haben nur Torf und Baustoffe größere wirtschaftliche Bedeutung.

Geschichte: Die Bildung der ersten lettischen Fürstentümer erfolgte im 12. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert unterlag Lettland dem Schwertbrüderorden und wurde zusammen mit Estland von deutschen Feudalherren beherrscht; seit Ende des 15. Jahrhundert entwickelte sich die Leibeigenschaft. 1558/61 Beseitigung der Ordensherrschaft durch das russische Heer. Der Teil nördlich der westlichen Dwina kam an Polen-Litauen, das restliche Gebiet wurde als Herzogtum Kurland polnisches Lehen; im 18. Jahrhundert kam ganz Lettland an Russland; 1817/19 Aufhebung der Leibeigenschaft. Mit der industriellen Entwicklung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert nahm die Arbeiterbewegung einen Aufschwung; 1904 Lettische Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet, die sich 1906 der SDAPR anschloss und 1914 mit der Partei der Bolschewiki vereinigte. Die Revolution 1905/07 erfasste ganz Lettland. 1917 siegte im nicht von deutschen Truppen (1. Weltkrieg) besetzten Teil Lettlands die Sowjetmacht; im Februar 1918 Okkupation ganz Lettlands durch deutsche Truppen; am 18.11.1918 Bildung der bürgerlichen provisorische Regierung Ulmanis; Dezember 1918/Januar 1919 abermals Sieg der Sowjetmacht, die im Mai 1919 wieder von Weißgardisten gestürzt wurde. Die 1920 gebildete KP Lettlands kämpfte bis 1940 in der Illegalität. 1920 Friedensvertrag mit Sowjetrussland; 1934/40 faschistische Regime in Lettland; 21.7.1940 Bildung der Lettland SSR, seit 5.8.1940 Unionsrepublik. Im 2. Weltkrieg wurde die Lettland SSR 1941 von faschistischen deutschen Truppen besetzt, im Mai 1945 vollständig durch die Rote Armee befreit. In den Nachkriegsjahren wurde die sozialistische Industrialisierung durchgeführt und 1950 die Kollektivierung der Landwirtschaft abgeschlossen. Siehe auch Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (Geschichte).

Kunst: Die mittelalterliche lettische Kunst spiegelt die Mittlerrolle des Landes zwischen Osten und Westen wider, lediglich Volkskunst und Kunsthandwerk zeigen eigenständige Züge (Schmuck, Textilien, Keramik). In der Steinbaukunst, die um 1200 den traditionellen Holzbau ersetzt, wurden romanische und ab Ende 13. Jahrhundert gotische Formen aus Westeuropa übernommen, ehe sich Ende 14. Jahrhundert eine eigenständige Variante der Gotik entwickelte (Dom und St. Petri in Riga). In der bildenden Kunst des Mittelalters bestimmen die Arbeiten norddeutscher Werkstätten Malerei und Plastik (Fresken im Dom und St. Jakobi in Riga). Im 16. Jahrhundert dringen Renaissance- und Manierismus Formen ein (Schwarzhäupterhaus in Riga, Fassade 1620, rekonstruiert); in der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert setzt sich der Barock durch, in dessen Bauten sich Strenge des Äußeren mit reicher Innenausstattung verbindet (Katharinenkirche in Kuldiga, Dannensternhaus in Riga unter anderem). Nach der Angliederung an Russland nähert sich auch die Kunst der russischen an. Seit Mitte 18. Jahrhundert setzte sich in Lettland der Klassizismus durch (Bauten von K. Haberland in Riga und Katakulu). Zahlreiche lettische Künstler erhielten ihre Ausbildung in Petersburg und arbeiteten dort. Um 1900 bildete sich eine ausgesprochen nationale Kunstschule heraus, Bedeutung erlangte auch die Bildhauerkunst und die Monumentalplastik. Die klassizistischen Architekturtraditionen wurden von J. Baumanis und K. Bohnstedt weitergeführt. Nach Errichtung der Sowjetmacht setzte sich der sozialistische Realismus in der bildenden Kunst durch. In jüngster Zeit haben vor allem Monumentalplastik (Mahnmale, Denkmäler), freie Graphik und Buchgraphik Bedeutung erlangt.

Literatur: Lange Zeit hemmte die Herrschaft deutscher Ordensritter und Feudalherren die Entwicklung einer eigenständigen lettischen Literatur; es entwickelte sich jedoch eine reiche Volksdichtung, vor allem die lettischen Volkslieder (Dainas). Lettische Schriftsteller traten nach der Aufhebung der Leibeigenschaft Mitte des 19. Jahrhundert mit der Aufklärer bürgerlich-nationalistischer Bewegung der Jungletten hervor. In den 90er Jahren des 19. Jahrhundert brach sich die sozialkritische, realistische Richtung Bahn. Der linke Flügel der Gruppe «Neue Strömung» machte sich um die Popularisierung sozialistischer Ideen verdient. Literarische Anerkennung fand um die Jahrhundertwende die Dichterin Aspazija; Vertreter demokratischer Traditionen und eines klassenbewussten Standpunktes waren E. Birznieks-Upitis, Sudrabu Edzus und A. Upits. Nach der Oktoberrevolution traten die fortschrittlichen Schriftsteller Lettlands, vor allem Upits, A. Arajs-Berce, Lettland Paegle, Lettland Laicens, V. Läcis und J. Sudrabkalns, auch während der Diktatur der Bourgeoisie für ein sowjetisches Lettland ein. Mit der Wiederherstellung der Sowjetmacht (1940) gelangte die lettische Literatur zu schöpferischen Entfaltung. Höhepunkte der neuen lettischen Sowjetliteratur sind die großen Romane von V. Läcis und A. Upits. Im Rahmen der multinationalen Sowjetliteratur weist die moderne Sowjet, lettische Literatur in der Lyrik, Prosa und Dramatik eine große Vielfalt an Themen und Formen auf.

Musik: Die vorwiegend einstimmigen lettischen Volkslieder haben meist lyrischer Charakter. Volksinstrumente sind Kokle (eine Art Zither), Hirtenflöte, Hirtentrompete, Dudelsack unter anderem Seit der Mitte des 19. Jahrhundert entwickelte sich die lettische Kunstmusik, insbesondere das Chorlied. Die 1873 begründeten Sängerfeste wurden zu einem charakteristischen Bestandteil des lettischen Musiklebens. Zum Klassiker der lettischen Musik wurde um 1900 J. Vitols und zum Schöpfer der nationalen Oper Alfreds Kalnins. Mit der Errichtung der Sowjetmacht 1940 und in den Nachkriegsjahren blühte das Musikleben in Lettland weiter auf. Bedeutende lettische Komponisten der Gegenwart sind M. Zariijs, A. Skulte, M. Grinblat und J. Ivanovs, P. Dambis und P. Plakidis. International bekannt wurde der Dirigent A. Jansons. Musikalisches Zentrum des Lettlands ist Riga. Hier gibt es unter anderem eine Oper (gegründet 1913), ein Konservatorium (gegründet 1919) und eine Philharmonie (gegründet 1941). In Lettland besteht ein dichtes Netz von Musikschulen und Musikfachschulen.

Lettner: (lateinisch, «Lesepult») Trennwand besonders in mittelalterlichen Kirchen West- und Mitteleuropas, die als Einbau Kleriker Chor und Laienschiff voneinander schied; oft plastisch oder ornamental gestaltet.

Letzeburgisch: Staatssprache in Luxemburg (neben Französisch und Deutsch); entwickelte sich auf der Grundlage eines moselfränkischen Dialekts (deutsche Mundarten) zur Schrift- und Verkehrssprache; 1912 Pflichtfach an Volksschulen, seit 1942 zunehmend Parlamentssprache; 1946 Orthographiereform mit stärkerer Differenzierung vom Deutschen.

Leuchtdichte: Quotient aus Lichtstärke und effektiver Größe einer leuchtenden Fläche in einer Beobachtungsrichtung, Zeichen L, SI-Einheit cd/m2. Die analoge mit der Strahlstärke gebildete strahlungsphysikalische Größe ist die Strahldichte, Zeichen Le, SI-Einheit W/(m2 sr).

leuchtdichte-optimierte Spiegelleuchte: Leuchte, bei der durch spezielle Spiegelkonstruktion und durch eine prismatische Abdeckwanne eine Lichtstärkeverteilung geschaffen wird, die eine gleichmäßige Beleuchtung ermöglicht.

Leuchtdiode, Lumineszenzdiode, Sublaserdiode, LED (Abkürzung für light emitting diode, englisch): in Durchlassrichtung betriebene Halbleiterdiode, bei der in der Sperrschicht infolge strahlender Ladungsträgerrekombinationen Lichtemission im Dauerbetrieb erfolgt. Leuchtdiode werden hauptsächlich entsprechend ihrer Bauform, der Wellenlänge des abzustrahlenden Lichtes und nach dem Verwendungszweck unterschieden. Eine Sonderform ist die im Infrarotbereich emittierende Laserdiode.

Leuchte: Gerät zur Verteilung, Filterung oder Umformung des Lichtes einer oder mehrerer Lampen einschließlich der zur Befestigung, zum Schutz und zur Energieversorgung der Lampe notwendigen Bestandteile.

Leuchtelektron: Elektron außerhalb abgeschlossener Schalen der Elektronenhülle eines Atoms. Viele optische Spektrallinien bei Emission (Leuchten) und Absorption entstehen durch Übergänge von Leuchtelektronen zwischen verschiedenen Energieniveaus.

leuchtende Nachtwolken: Staubwolken in der hohen Atmosphäre der Erde, die am Abendhimmel aufleuchten. Sie befinden sich in 80 bis 100 km Höhe und bestehen wahrscheinlich größtenteils aus emporgeschleuderter Vulkanasche und aus Staubteilchen meteoritische Herkunft.

Leuchtfeuer: Seezeichen mit Laterne, das auch bei Nacht das Navigieren in Küstennahe ermöglicht. Als Lichtquelle dienen Spezial-Scheinwerferglühlampen oder druckgasbetriebene Glühlichtbrenner mit hoher Lichtstärke, zur Bündelung des Lichts ein System von Linsen oder Spiegelreflektoren, Gürtel- und Scheinwerferlinsen oder Parabolspiegel. Jedes Leuchtfeuer hat eine bestimmte Kennung (weißes oder farbiges Dauerlicht beziehungsweise mehr oder weniger schneller Lichtwechsel). Der Lichtwechsel kann bewirkt werden durch Relaisschaltung, durch Rotieren der Linsen oder Reflektoren beziehungsweise von Verdunkelungsblenden (Drehfeuer). Leuchtfeuer sind auf Leuchttürmen, Masten, Feuerschiffen, Baken, Dalben und Tonnen angebracht und markieren Hauptansteuerungspunkte, Fahrrinnen, Kurswechselstellen, Schifffahrtshindernisse unter anderem

Leuchtkäfer, Lampyridae: den Weichkäfern verwandte Käferfamilie mit Leuchtorganen am Hinterleib; fliegen an wannen Juniabenden in Gärten und an Waldrändern; Weibchen sind flügellos; kriechen zur Paarung auf hohe Pflanzenteile, sonst leben sie am Boden. Die 3 heimischen Arten werden im Volksmund Glüh- oder Johanniswürmchen genannt.

Leuchtkraft: von einem Stern oder Sternsystem abgegebener Strahlungsfluss, gemessen in Watt (W) oder Einheiten der Sonnenleuchtkraft (Ls), meist jedoch als absolute Helligkeit angegeben. Die Sonnenleuchtkraft beträgt Ls = 3,8 • 10” kW, die Leuchtkraft der meisten Sterne liegt zwischen 100000 Ls und 0,001 Ls. Siehe auch Masse-Leuchtkraft-Beziehung.

Leuchtkraftklasse: Zusammenfassung von Sternen, die innerhalb einer Spektralklasse eine ähnliche Leuchtkraft besitzen. Man folgt dabei der Anordnung der Sterne im Hertzsprung-Russell-Diagramm, so dass zum Beispiel die Sterne der Hauptreihe die Leuchtkraftklasse V und die Sterne des Riesenastes die Leuchtkraftklasse III bilden. Weitere Leuchtkraftklasse umfassen Sterne, die heller (Überriesen) beziehungsweise schwächer (Unterriesen) als die Riesensterne sind.

Leuchtkrebse, Euphausiacea: Ordnung Höherer Krebse mit 85 im Meer planktonisch lebenden Arten von garnelenartiger Gestalt und mit 10 Leuchtorganen; meist Filtrierer, seltener Räuber; einige als Krill bezeichnet, bilden riesige Schwärme, die vielfach ein Gebiet von mehreren hundert Quadratmetern einnehmen und Hauptnahrung der Bartenwale sowie vieler Fischarten sind; in einem Kubikmeter Meerwasser sind oft bis zu 15 kg Krill.

Leuchtmoose, Schistostega pennata: bis 1 cm hohe Moose; deren Vorkeime (Protonema) bei günstigem Lichteinfall leuchten. Der Vorkeim besitzt unter anderem auch linsenförmige Zellen, die eine als Sammellinse wirkende Vakuole aufweisen. Ein Teil der Strahlung wird von der Zellrückwand reflektiert und verursacht das Leuchten.

Leuchtröhre: Entladungslampe mit langem, geradem oder gebogenem Entladungsrohr, zum Teil mit Leuchtstoff (Leuchtstoffröhre) auf den Innenflächen. Leuchtröhre werden mit maximal 1000 V betrieben und strahlen je nach Gasfüllung verschiedenfarbiges Licht ab. Haupteinsatzgebiet ist die Werbung.

Leuchtschirm: mit Leuchtstoffen beschichteter (Glas-) Schirm, der beim Auftreffen unsichtbarer energiereicher Strahlung (Röntgen-, Elektronen oder ultraviolette Strahlung) durch Lumineszenz sichtbar aufleuchtet; zum Beispiel in Bildröhren. Siehe auch Röntgenleuchtschirm.

Leuchtspurmunition: Geschosse mit Leuchtsatz, die die Flugbahn sichtbar machen.

Leuchtstoffe, Luminophore, Lumophore, Phosphore: feste Substanzen, die während (fluoreszierende Leuchtstoffe) oder nach (phosphoreszierende Leuchtstoffe) Aufnahme von Licht-, Röntgen-, Elektronen- und anderer Strahlung sichtbares Licht aussenden und daher heller als ihre Umgebung erscheinen. Die Lichtabgabe fluoreszierender Leuchtstoffe endet praktisch mit dem Aufhören der Einstrahlung, die der phosphoreszierenden (nachleuchtenden) Leuchtstoffe hält Teile von Sekunden (zum Beispiel auf Fernsehbildschirmen) bis zu mehreren Stunden an. Selbstleuchtende Leuchtstoffe (zum Beispiel für Uhrzeiger und -ziffern) enthalten radioaktive Substanzen, deren Strahlung den Leuchtstoff ständig anregt. Der Einsatz von Leuchtstoffe in Entladungslampen (Leuchtröhren) trägt zur Erhöhung der Licht- und Energieausbeute bei. Leuchtfarben sind Anstrichstoffe, die Leuchtstoffe als Pigmente enthalten. Tageslicht-Leuchtfarben (für Verkehrszeichen oder Werbungszwecke) enthalten fluoreszierende, Dunkelheit-Signalfarben phosphoreszierende Leuchtstoffe

Leuchtstofflampe: Niederdruckentladungslampe, bei der die Lichterzeugung durch die Umwandlung der erzeugten UV-Strahlung mittels an der Innenseite der Lampe aufgetragener Leuchtstoffe erfolgt. Leuchtstofflampen gibt es in Stab-, U-, Ringform und als Doppelrohrlampe sowie für verschiedene Lichtfarben. Die Leuchtstofflampe ist wegen lichttechnischer Vorteile die bevorzugte Lampe für die Beleuchtung von Arbeitsräumen.

Leuchttechnik: Teilgebiet der Lichttechnik, das sich mit der Entwicklung und dem Bau von Leuchten befasst.

Leuchtturm: Turm, der an der Küste, auf Inseln und Klippen, auch vor der Küste auf künstlichen Inseln errichtet ist und ein starkes Leuchtfeuer trägt.

Leuchtmittel und Signalmittel: pyrotechnische Sätze, die (abhängig von ihrer Zusammensetzung) bei der Verbrennung weißes oder gelbes Licht zur Geländebeleuchtung erzeugen beziehungsweise farbige Lichtsignale oder Rauchzeichen liefern, die zur Übermittlung von Befehlen und so weiter oder als Erkennungszeichen dienen. Leuchtmittel werden in Granaten, Geschossen, Bomben und Patronen, Signalmittel vorwiegend in Patronen zum Einsatz gebracht.

Leucit, Mineral, Kalium-Aluminium-Silikat; dimorphes Kristallsystem (< 605 °C tetragonal, darüber kubisch), Härte 5,5 bis 6, Dichte 2,5 g/cm3; meist modellscharfe weiße Kristalle; Vorkommen in vulkanischen Gesteinen.

Leuckart, Rudolf, 7.10.1822-6. 2.1898, Zoologe; begründete die moderne Parasitologie.

Leucochloridium: in den Fühlern von Bernsteinschnecken lebende, grün-weiß geringelte Sporocyste des erwachsen in Singvögeln schmarotzenden Saugwurmes Urogonimus macrostomus; das Leucochloridium bewegt sich lebhaft, wird von dem Vogel abgerissen und verzehrt, der sich dadurch infiziert.

Leukämie, Leukose, Weißblütigkeit: bösartige, generalisierte Wucherungen der weißen Blutzellen (Leukozyten) im blutzellbildenden Gewebe, vorwiegend im Knochenmark, in der Milz und in den Lymphknoten, verbunden mit zum Teil exzessiver Vermehrung der Leukozyten im zirkulierenden Blut infolge Überproduktion oder Akkumulation. Durch Zerstörung der roten und funktionstüchtigen weißen Blutzellen sowie der Blutplättchen kommt es schließlich zu schwerer Anämie, zu hochgradiger Abwehrschwäche mit unbeherrschbaren Infektionen und beziehungsweise oder zu unstillbaren Blutungen. Die myeloische Leukämie (Myelose) geht vom Knochenmark (Myelon) aus, die lymphatische Leukämie (Lymphadenose) vom lymphatischen Gewebe. Bei Tieren wird die Leukämie meist als Leukose bezeichnet. Die Leukose des Rindes ist eine virusbedingte Tierseuche, die durch schrankenlose Wucherung des lymphatischen Systems gekennzeichnet ist. Die Leukose des Geflügels ist ebenfalls eine Virusinfektion. Sie kommt ferner bei Hunden, Pferden und Schafen sporadisch vor.

Leukas, Levkas: Insel der griechischen Ionischen Inseln, im Ionischen Meer, Verwaltungszentrum des mehrere Inseln umfassenden Distrikts Leukas (325 km2, 25000 Einwohner); 7100 Einwohner; verkarstet, bis 1012 m; stark erdbebengefährdet (schwere Schäden 1948, 1953); Anbau von Oliven und Wein; Ziegenzucht; Salzgärten.

Leukipp, Leukipp von Milet, Leukippos, griechischer Philosoph; entwickelte in der von ihm um 460 vor Christus in Abdera gegründet Schule (vielleicht zusammen mit seinem Schüler Demokrit) die Atomistik als Theorie der kleinsten Größen.

Leukoderm: angeborener (Albinismus) oder später auftretender Pigmentverlust der Haut (Vitiligo) aus unbekannter Ursache oder infolge einer vorübergehenden entzündlichen Hemmung der Pigmentbildung, zum Beispiel bei Schuppenflechte, Syphilis.

Leukom: dichte weiße Hornhautnarbe im Auge, kann zum Beispiel nach einer Hornhautentzündung auftreten.

Leukonychie: fleck-, streifenförmige oder totale Weißfärbung der Nagelplatten durch Lufteinlagerung; entweder angeboren oder erworben durch Manikür Verletzung, Pilzinfektion, Intoxikation oder auch durch Herzfehler und Leberschäden.

Leukopenie, Leukozytopenie (beide griechisch): verminderter Gehalt des Blutes an weißen Blutzellen (Leukozyten), zum Beispiel bei Virusinfektionen, Typhus und Zellbildungsstörungen im Knochenmark.

Leukoplakie: Bildung von unregelmäßigen, scharf begrenzten, etwas erhabenen Epitheltrübungen der Schleimhaut durch Verhornung, vornehmlich auf der Mund- und Genitalschleimhaut. Eine Beobachtung ist notwendig, da es zur krebsigen Entartung kommen kann.

Leukozytose: (griechisch) vermehrter Gehalt des Blutes an weißen Blutzellen (Leukozyten), zum Beispiel bei akuten Entzündungen und Stress.

Leukozyturie: Ausscheidung von weißen Blutzellen (Leukozyten) im Harn; tritt besonders bei der bakteriellen Entzündung der Niere (Pyelonephritis), Harnblase und bei Entzündung der ableitenden Harnwege sowie der Prostata auf. Siehe auch Harnsediment.

Leuktra: altgriechische Stadt in Böotien, südwestlich von Theben; hier unterlagen die Spartaner 371 vor Christus den Thebanern unter Epaminondas (erstmalige Anwendung der sogenannt schiefen Schlachtordnung).

Leuna: Stadt im Kreis Merseburg, Bezirk Halle, im Ballungsgebiet Halle-Leipzig; 9000 Einwohner; Sitz des Kombinats VEB Leuna-Werke «Walter Ulbricht»; neue Wohnviertel.

Leuthen: soviel wie Lutynia; polnische Gemeinde westlich von Wroclaw. Am 5.12.1757 siegten bei Leuthen während des Siebenjährigen Krieges preußische Truppen über die fast doppelt so starke österreichische Armee durch einen Flügelangriff; die Österreicher mussten Schlesien aufgeben.

Leuthold, Heinrich, 9.8.1827-1.7.1879, schweizerischer Lyriker deutscher Sprache; schrieb, am Münchener Dichterkreis orientiert, im Bewusstsein der Kunstfeindlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft klassizistische Gedichte und Versepen («Die Schlacht bei Sempach», 1870; «Hannibal», 1871); auch durch Nachdichtungen bedeutsam.

Leuven, Löwen-, Stadt im mittleren Belgien, in der Provinz Brabant, an der Dyle; 85000 Einwohner; Stahl- und Waggonbau, Möbel-, Tuch- und Schuhindustrie; Brauereien; flämische und wallonische katholische Universität (gegründet 1425); spätgotisches Rathaus und Kirche St-Pierre, großer Beginenhof (Anfang 14. Jahrhundert), Universitätshalle (1317 als Tuchhalle erbaut).

Leuzin, Leucin, Abkürzung Leu: eine essentielle aliphatische Aminosäure. Leucin bildet farb- und geruchlose, in heißem Wasser lösliche Kristalle.

Levade: Figur der Hohen Schule, bei der das Pferd mit angezogenen Vorderbeinen seinen Körper auf den gebeugten Hinterbeinen balanciert.

Levalloisien, nach dem Pariser Vorort Levallois-Perret: Steinbearbeitungstechnik altsteinzeitliche Jägerkulturen (breite Klingenabschläge).

Levante: (italienisch, «Sonnenaufgang», «Osten») Bezeichnung für die Anrainerstaaten des östlichen Mittelmeers (Türkei (Anatolien), Syrien, Libanon, Israel, Ägypten) sowie die Insel Zypern.

Levée en masse: (französisch, «Massenaufgebot») während der Französische Revolution die allgemeine Rekrutierung der ledigen Männer zwischen 18 und 25 Jahren durch den Konvent August 1793, im weiteren Sinne die vollständige Mobilisierung aller Ressourcen für die Landesverteidigung; war Grundlage der von Levée en masse Carnot organisierten Revolutionsarmeen.

Levellers: (englisch - französisch, «Gleichmacher») kleinbürgerlich-demokratische Bewegung in der englischen bürgerlichen Revolution mit starkem mittelbäuerlichen Anhang, die 1645/47 aus dem linken Flügel der Independenten hervorging und Soldatenräte im Parlamentsheer bildete; Ideologe J. Lilburne. Die Levellers vertraten die Interessen des revolutionärsten Teils des Bürgertums (Kleineigentümer), forderten in ihrem Programm «Agreement of the People» («Volksvertrag») politische Rechte (unter anderem allgemeines Wahlrecht) und ökonomische Freiheiten (vor allem Handels- und Gewerbefreiheit, Aufhebung der Einhegungen, Steuerreform); sie grenzten sich bewusst von der kleinbäuerlich-plebejischen Bewegung der «wahren Levellers» (Diggers) ab. Nach dem Sieg der Bourgeoisie wurden die Levellers 1649 von O. Cromwell blutig unterdrückt.

Leverrier, Urbain Jean Joseph, 11.3.1811-23.9.1877, französischer Astronom; folgerte aus den Bahnstörungen des Uranus die Existenz des Planeten Neptun und berechnete seine Bahn.

Levi: 1. Carlo, 29.11.1902-4.1.1975, italienischer Schriftsteller, Maler und Arzt; wegen seiner aktiven Teilnahme am Widerstandskampf mehrmals verbannt und eingekerkert. In seiner Reportage «Christus kam nur bis Eboli» (1945, deutsch) schildert er eindringlich soziale Not und kulturelle Rückständigkeit der süditalienischen Bauern. Später verfasste Levi Reiseberichte (zum Beispiel über Sizilien) und Essays.

2. Paul, 11.3.1883-9.2.1930, Arbeiterführer, Rechtsanwalt; Gegner des imperialistischen Krieges und der Sozialdemokratischen Burgfriedenspolitik; Mitbegründer der KPD und 1919/21 deren Vorsitzender; seit 1920 gehörte er dem Reichstag an; 1921 wegen parteifeindlichen Verhaltens aus der KPD ausgeschlossen, trat er 1922 wieder in die SPD ein, gehörte zu den führenden Vertretern ihres linken Flügels.

Leviathan: (hebräisch, nach einem biblischen Ungeheuer) Textiltechnik Waschmaschine für Wolle.

Levine, Norman, geboren 1924, anglokanadischer Schriftsteller, erzählt in dem Reisebericht «Kanada hat mich gemacht» (1958, deutsch) und in zahlreichen Kurzgeschichten vom alltäglichen Bemühen der Menschen, im spätkapitalistischen System zu bestehen.

Leviné, Eugen, 9.5.1883-5.6.1919, Arbeiterführer und Revolutionär; geboren in Russland, übersiedelte 1897 nach Deutschland; nahm an der russischen Revolution von 1905/07 teil, zwischen 1905 und 1908 mehrmals verhaftet, 1909 Rückkehr nach Deutschland; trat der Sozialdemokratie, 1917 der USPD und 1918 der KPD bei. Während der Novemberrevolution wirkte er im Ruhrgebiet, in Berlin, in Rheinland-Westfalen und in Bayern. Als einer der Führer der Münchener Räterepublik wurde er von einem Sondergericht zum Tode verurteilt und erschossen.

Levirat: (dat., «Schwagerehe») bei vielen Völkern verbreitete Pflicht eines Mannes, die Witwe des Bruders zu heiraten und zu versorgen.

Levi-Strauss, Claude, 28.11.1908, französischer Philosoph und Ethnologe; begründete, unter anderem in der soziologischen Tradition É. Dürkheims stehend und in Verbindung zur strukturellen Linguistik des Prager Linguistenkreises, den Strukturalismus in Frankreich.

Leviten: (hebräisch, nach dem israelischen Priesterstamm Levi) jüdischer Priester und Tempeldiener; jemandem die Leviten lesen: eine Strafpredigt halten.

Levkoje, Matthiola: Gattung der Kreuzblütengewächse. Von Bedeutung als Zierpflanze ist nur die aus dem Mittelmeergebiet stammende einjährige, graufilzige Garten-Levkoje (Matthiola incana) mit schmalen Blättern und einfachen oder gefüllten Blüten in verschiedenen Farben.

Lewada, Alexander, geboren 26.11.1909, ukrainisch-sowjetischer Dramatiker; sein umfangreiches Dramenschaffen zeichnet sich durch eine tiefe philosophische Durchdringung des Stoffes aus («Die letzte Begegnung», 1956; «Maria», 1958). Viel beachtet wurde das philosophische Versdrama «Faust und der Tod» (1960). Lewin; 1. Georg Waiden.

2. Lewada, Kurt, 9.9.1890-12.2.1947, Psychologe; emigrierte 1933 in die USA. Lewada, Vertreter der Gestaltpsychologie, schrieb unter anderem «Vorsatz, Wille und Bedürfnis» (1926), «Eine dynamische Theorie der Persönlichkeit» (1935).

3: Waldtraut, geboren 8.1.1937, Schriftstellerin; verfasst historische Romane und Erzählungen (Trilogie «Herr Lucius und sein schwarzer Schwan», 1973, «Die Ärztin von Lakros», 1977, «Die stillen Römer», 1980; «Federico», 1984), Biographien («Händel», 1984), Filmszenarien, Hörspiele, Libretti für Rockopern, Kinderbücher.

Lewis: nördlichste und größte Insel der Äußeren Hebriden (Großbritannien), Teil des schottischen Inselgebietes Western Islands; 2273 km2, 24000 Einwohner; wichtigster Ort Stornoway; Kliffküste; extrem feuchtes Klima; saure Böden auf Gneis und Granit; Torfmoore; Heringsfang; Tweed Weberei.

Lewis: 1. Gilbert Newton, 23.10.1875-23.3.1946, US-amerikanischer Physikochemiker; Professor in Berkeley; arbeitete über chemische Bindung und Säure-Base-Theorie; isolierte 1933 erstmals schweres Wasser.

2. Harry Sinclair, 7.2.1885-10.1.1951, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb von bürgerlich-humanistischen Positionen aus gesellschaftskritische, realistische Romane, in denen er ironisch und satirisch die geistige Mittelmäßigkeit der Kleinstadtbewohner zeigt («Die Hauptstraße», 1920, deutsch), den Prototyp des amerikanischen Spießbürgers gestaltet («Babbitt», 1922, deutsch) und sich gegen Korruption, Heuchelei und fehlende Ethik im gesellschaftlichen Leben wendet («Eimer Gantry», 1927, deutsch). «Das ist bei uns nicht möglich» (1935, deutsch) enthält die warnende Vision eines faschistischen Amerikas, und «Der königliche Kingsblood» (1947, deutsch) verurteilt die Rassendiskriminierung in den Nordstaaten.

Lewisit, (nach einem US-amerikanischer Chemiker) flüssiger, hautschädigender chemischer Kampfstoff (Chlorvinyl Arsin Dichlorid); Kp 169,8 °C (cis-Form) beziehungsweise 196,6°C (trans-Form); riecht aufdringlich nach Geranien.

Lewis-Säure: (nach G. N. Lewis) ein Stoff, dessen Moleküle Elektronenlücken aufweisen (Elektronenpaarakzeptor) und der somit durch Anlagerung eines Stoffes mit einem freien Elektronenpaar (Lewis-Base, Elektronenpaardonator) als Säure reagieren kann.

Lewitan, Isaak Iljitsch, 30.8.1860 oder 1861-4.8.1900, russischer Landschaftsmaler; suchte als bedeutendster Meister der russischen realistischen Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert einen Gleichklang der Stimmung des Menschen und der Natur, gestaltete in seinen Bildern auch sozialhistorische und philosophische Themen.

Lewitz: von der Eide durchflossenes Gebiet sandiger Platten und vermoorter Flussauen zwischen Neustädter und Schweriner See, Bezirk Schwerin; etwa 150 km2; seit 1958 durch Meliorationen (Jugendobjekt) gestaltet; Rinderzuchtgebiet; Fischzuchtteiche; LSG.

Lewizki, Dmitri Grigorjewitsch, 1735-16.4.1822, russischer Bildnismaler; 1771/88 Leiter der Porträtklasse der Petersburger Kunstakademie. In seinen ganzfigurigen Galaporträts verbinden sich effektvolle Komposition und reiche Farbigkeit mit einer lebendigen Unmittelbarkeit in der Auffassung, während im intimen Porträt eine vielschichtige psychologische Charakterisierung vorherrscht.

Lewski, eigentlich Kuntschew, Wassil, 6.7.1837-6.2.1873 (hingerichtet), bulgarischer revolutionärer Demokrat, Diakon; Ideologe und Organisator der nationalen Befreiungsbewegung. 1862 und 1868 kämpfte er in der Bulgarischen Legion in Belgrad gegen die Türken; 1869 Mitbegründer des Bulgarischen Revolutionären ZK in Bukarest und der Inneren Revolutionären Organisation, die der Vorbereitung eines Volksaufstandes gegen die türkische Fremdherrschaft in Bulgarien dienten.

Lex: (lateinisch; PI. Leges) Gesetz, Rechtsvorschrift; Gesetzesantrag.

Lexem: (griechisch) Wort oder Morphem als Einheit des Wortschatzes einer Sprache.

Lexer, Matthias, 18.10.1830-16.4.1892, Germanist; verfasste unter anderem ein «Mittelhochdeutsches Handwörterbuch» (3 Bände, 1872/78) und das entsprechend «Taschenwörterbuch».

Lex generalis: allgemeines, ein Gesamtgebiet regelndes Gesetz; siehe auch Lex specialis.

Lexikographie: (griechisch) Lehre von der Bearbeitung von Wörterbüchern, Lexika und anderen Nachschlagewerken.

Lexikologie: (griechisch) Lehre vom Wortschatz (Lexik) einer Sprache.

Lexikon: 1. alphabetisch nach Stichwörtern geordnetes Nachschlagewerk (Enzyklopädie).

2. Sprachwörterbuch, auch zwei- oder mehrsprachig.

Lexington: 1. Stadt im Bundesstaat Kentucky (USA); 200000 Einwohner (davon 14% Afroamerikaner); Zentrum eines bedeutenden Tabakanbaugebietes; Pferdezucht; Universität; bei Lexington Steinkohlenabbau.

2. Stadt bei Boston (Massachusetts, USA). Ort des Eröffnungsgefechts des nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieges zwischen britischen Truppen und nordamerikanischen Freiwilligen (Minutemen) am 19.4.1775.

Lex-Nerlinger, Alice, 29.10.1893-17.7.1975, Malerin und Graphikerin; Frau von O. Nerlinger; Studium bei E. Orlik in Berlin, dort Mitglied der Asso, vom Faschismus verfeint. Lex-Nerlinger kam in den 20er Jahren vom Konstruktivismus zum proletarisch-revolutionären Realismus; schuf später besonders Porträts.

Lex Salica: ältestes und bedeutendstes westgermanisches Stammesrecht (Gesetzbuch der sal. Franken); Urfassung im 6. Jahrhundert; spiegelt die frühfeudale Entwicklung in einem auf weströmischen Boden entstandenen Staat wider.

Lex specialis: spezielles, ein Teilgebiet regelndes Gesetz; seine Bestimmungen gehen denen der Lex generalis vor.

Ley, Hermann, geboren 30.11.1911, Philosoph; Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; beschäftigt sich insbesondere mit philosophische Fragen der Naturwissenschaften und Technik sowie der Geschichte der Philosophie und der Kritik und Analyse der spätbürgerlichen Philosophie; schrieb unter anderem «Geschichte der Aufklärung und des Atheismus» (3 Bände, 1966/71).

Leyte: Insel nördlich von Mindanao, zu den Philippinen gehörend; 7213 km2; 1,4 Millionen Einwohner; Hauptort und -hafen Tacloban gebirgig, von zahlreichen, bis 1349 m aufragenden erloschenen Vulkanen durchsetzt; Anbau von Reis, Zuckerrohr, Manilahanf, Kokospalmen. Im 2. Weltkrieg leitete die Landung US-amerikanische Truppen am 20.10.1944 die Rückeroberung der Philippinen ein; in der See-Luft-Schlacht bei Leyte am 23./26.10. büßten die japanischen Seestreitkräfte ihre operative Kampffähigkeit endgültig ein.

Lezaky: Gemeinde in der CSSR (Ostböhmischer Bezirk). Sie wurde am 24.6.1942 als «Racheakt» für das Attentat auf «Reichsprotektor» R. Heydrich von faschistischen deutschen Kommandos vernichtet; die Bewohner wurden ermordet oder verschleppt.

Lezithine, Lecithine-, zu den Phosphatiden gehörende Fettbegleitstoffe mit Cholin als Aminoalkohol. Die Lezithine sind gelbe bis braune, fettähnliche, jedoch sehr zerfließliche, wasserlösliche Massen mit grenzflächenaktiven Eigenschaften. Sie finden sich in allen lebenswichtigen menschlichen, tierischen und pflanzlichen Organen, besonders reichlich in Hirnsubstanz, Rückenmark und Eigelb. Lezithine werden meist aus Sojabohnen gewonnen und hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie, zum Beispiel als Emulgatoren für Margarine, verwendet. Lezithine haben wichtige Funktionen als Strukturbausteine von biologischen Membranen.

Lhasa, Lasa: Stadt in China, Verwaltungszentrum des Autonomen Gebietes Tibet, am Lhasa He, in einem Becken des Transhimalaja, 3600 m überm Meer; 110000 Einwohner; traditionelles Zentrum des Lamaismus mit zahlreichen Klöstern und dem Potala Palast (ursprünglich 7. Jahrhundert, Umbau im 17. Jahrhundert; ehemalige Residenz des Dalai Lama); Baustoff-, Elektro-, Leichtindustrie (Wolle- und Lederverarbeitung), Landmaschinenbau, Autoreparaturwerkstätten, Wasserkraftwerk; Straßenknoten, Flughafen 100 km von Lhasa entfernt.

Lomber, L'hombre (französisch spanisch hombre, «Mann», «Mensch»): spanisches Kartenspiel zu dritt, das mit 40 Blatt ohne Achten, Neunen und Zehnen gespielt wird.

L’ Hospital, Guillaume François Antoine de, 1661-2.2.1704, französischer Mathematiker; verfasste 1696 unter entscheidender Mithilfe Johann Bernoullis das erste Lehrbuch der Infinitesimalrechnung.

Liaison: (französisch) 1. allgemein Verbindung; Liebesverhältnis.

2. Phonetik Bindung; Aussprache von sonst stummen Konsonanten am Wortende vor vokalisch anlautendem dazugehörigem Wort, zum Beispiel im Französischen (nous avons, «wir haben»).

Liang Qichao, 23.11.1873-19.1.1929, chinesischer Philosoph, Schriftsteller und Politiker; vertrat die sinozentrische Idee einer angeblichen geistigen Überlegenheit der «östlichen Kultur» im Gegensatz zur materiellen Überlegenheit der «westlichen Kultur»; Schüler von Kang Youwei und Teilnehmer an der bürgerlich-liberalen Reformbewegung (Hunderttagereform).

Lianyungang: Stadt im Osten Chinas, im Norden der Provinz Jiangsu, am Gelben Meer; 210000 Einwohner; Fischwirtschaft, Salz- und Phosphatindustrie; Kohleumschlaghafen; Anfangspunkt der Long-Hai-Bahn.

Liaodong, Liaotung: Halbinsel im Nordosten Chinas, im Süden der Provinz Liaoning, am Gelben Meer; etwa 225 km lang und 80 bis 130 km breit; Hauptort und -hafen ist Lüda an der Südspitze. Im zentralen Teil Berg- und Hügelland, höchste Erhebung Qianshan mit 1132 m; entlang der Küste Tiefland; Anbau von Kaoliang (Sorghum-Hirseart), Mais, Tabak; weltberühmte Apfelsorten.

Liao He: Fluss im Nordosten Chinas; 1345 km; entspringt als Lao He im Süden des Großen Chingan und mündet bei Yingkou in die Bohai Bucht; Nebenflüsse links Xiliao He, Hun He, rechts Jiaolian He; reich an Sinkstoffen; auf 300 km schiffbar.

Liaoning: Provinz im Nordosten von China, am Gelben Meer; 151000 km2, 35,7 Millionen Einwohner; 236 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Shenyang. Die Nordostchinesische Ebene als Kerngebiet wird im Osten vom Changbai Shan und vom Qian Shan, im Westen vom Bergland von Liaoxi eingeschlossen; im Süden Halbinsel Liaodong; Monsunklima; reiche Lagerstätten von Eisenerzen, Steinkohle, Mangan, Ölschiefer, Uranerzen und Diamanten; bedeutendste Schwerindustriebasis Chinas mit Metallurgie und Maschinenbau, Schiffbau, elektronische, chemische, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; Anbau von Mais, Kaoliang (Sorghum-Hirseart), Sojabohnen, Weizen, Reis, Äpfeln; an der Küste Fischerei und Seesalzgewinnung; sehr dichtes Eisenbahnnetz; Haupthafen ist Lüda. Liaotung Liaodong.

Li Bai, Li Tai-bo, Li Taipe, Li Taipeh, 701-762, chinesischer Lyriker; seine mehr als 900 Gedichte zeugen von umfassender Bildung, unbändigem Streben nach Freiheit und sind von Lebenslust und Phantasie durchdrungen. besonders seine Liebes- und Naturgedichte («Mond über dem Emi-Gebirge») vereinen Stimmung und umgebende Natur. In seinen späten Gedichten («Schlacht südlich der Mauer») zeigte er Sympathie für das leidende Volk und Abscheu vor dem Krieg. Als Meister aller Stilmittel übte er großen Einfluss auf die chinesische Poesie aus.

Libby, Willard Frank, geboren 17.12.1908, US-amerikanischer Chemiker; Professor an der Universität Los Angeles; entwickelte die Radiokohlenstoffmethode zur Altersbestimmung von Fossilien; war Mitentdecker des Tritiums.

Libelle: 1. bestimmte Art von Haarspange.

2. dosen-, röhren- oder tonnenförmiger Glaskörper, der bis auf die zum Einstellen auf die Horizontale (oder Vertikale) dienende Libellenblase (Gasblase) mit Flüssigkeit gefüllt ist. Die Libelle wird zum Beispiel bei Richtwaage, Theodolit und Nivellier verwendet. Für Präzisionsmessungen finden auch elektronische Libellen Anwendung. Siehe auch Koinzidenzlibelle.

Libellen, Odonata: Insektenordnung; Vollinsekten mit 4 großen, netzartig geäderten, meist farblosen Flügeln und schlankem, oft lebhaft gefärbtem Körper, Kopf gut beweglich mit großen halbkugelförmigen Augen und kleinen Fühlern; Vollkerfe und Larven leben räuberisch; die unvollkommene Verwandlung erfolgt im Wasser.

Liber, altitalischer Gott, dem griechischen Weingott Dionysos gleichgesetzt.

liberal: (französisch) freiheitlich; großzügig; vorurteilsfrei; abwertend versöhnlerisch.

Liberalismus: im Kampf gegen den feudalistischen Obrigkeitsstaat im 18. Jahrhundert entstandene bürgerliche Ideologie und Politik, die die Freiheit des einzelnen an die Spitze aller Werte stellte; beruhte ideologisch auf den aufklärerischen Thesen von Naturrecht, Gesellschaftsvertrag und Gewaltenteilung und entsprach dem Streben der aufsteigenden Bourgeoisie nach Beseitigung aller politischen und wirtschaftlichen Schranken ihrer Entwicklung. Politisch vertritt der Liberalismus den Verfassungsstaat, ökonomisch die uneingeschränkte Freiheit der Produktion und des Handels, das heißt völlige Freiheit für die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft; hinsichtlich der Religion vertritt er Glaubens- und Bekenntnisfreiheit. Mit dem Übergang vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus geriet der Liberalismus in eine Krise. In der Gegenwart versucht der sogenannte Neo-Liberalismus die Existenz eines «dritten Weges» zwischen Kapitalismus und Sozialismus vorzutäuschen, um durch regulierende Eingriffe des Staates besonders in die Wirtschaft das Funktionieren der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu sichern. In der Arbeiterbewegung charakterisiert der Begriff Liberalismus ein opportunistisches, prinzipienloses Verhalten gegenüber Abweichungen von der revolutionären Linie.

Liberation: (lateinisch) Befreiung, Entlastung.

Libero: (italienisch, «der Freie») Fußball ohne direkten Gegenspieler im Abwehrzentrum operierender und sich in den Angriff einschaltender Abwehrspieler.

Libertät: (lateinisch) im deutschen Reich (bis 1806) die vollständige Unabhängigkeit der Landesfürsten gegenüber dem Kaiser; wurde im Westfälische Frieden (1648) bestätigt.

Liberté, Égalité, Fraternité (französisch): massenwirksame Losung (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) während der Französischen Revolution; verschleierte das Bestreben der Bourgeoisie, die Übernahme der politischen Macht durchzusetzen, die Linken (Enragés) kämpften für die tatsächliche Gleichheit, um Freiheit und Brüderlichkeit einen realen Inhalt zu geben.

Libertin: (französisch) leichtfertiger, liederlicher Mensch, Wüstling; früher Freigeist.

Libertinage: (französisch) Leichtfertigkeit, Ausschweifung, Zügellosigkeit; früher freigeistige Haltung.

Libertini: (lateinisch, «die Freigelassenen») im alten Rom aus der Sklaverei entlassene Personen, die römischen Bürger minderen Rechts wurden.

Liberum veto: im 17./18. Jahrhundert in Polen gesetzliches Einspruchsrecht der Mitglieder der Schlachta gegen beantragte Beschlüsse; diente vor allem den Magnaten, schwächte die Zentralgewalt; 1791 aufgehoben.

Libido: Geschlechtstrieb, Luststreben; Grundbegriff in der Psychoanalyse.

Libitina: (lateinisch) altrömische Göttin der Bestattung.

Libra: (lateinisch, «Pfund») 1. Astronomie Waage.

2. Metrologie a) altrömische Masseeinheit (327,5 g);

b) veraltete Masseeinheit in Spanien, Portugal und Südamerika, meist zwischen 459,0 und 460,1 g.

Library of Congress, Kongressbibliothek: Nationalbibliothek der USA in Washington, eine der größten Bibliotheken der Welt mit rund 19 Millionen Bänden, 33 Millionen Handschriften, etwa 3,6 Millionen Karten, 3,7 Millionen Musikalien unter anderem; gegründet 1800 als Parlamentsbibliothek.

Libration: Schwankung des Mondkörpers um die mittlere Lage relativ zur Erde. Durch die gleichförmig verlaufende gebundene Rotation (Resonanz 1) und die ungleichförmige Bahnbewegung kommt es zur Libration in Länge, wodurch man von der Erde aus zeitweilig über den Ost- beziehungsweise Westrand der Mondoberfläche hinaussehen kann. Da die Mondachse nicht genau senkrecht auf der Ebene der Mondbahn steht, ergibt sich auch eine Libration in Breite, wodurch zeitweise Gebiete um den Nord- beziehungsweise Südpol der Erde zugeneigt beziehungsweise von ihr weggeneigt sind. Wegen der Libration und eines parallaktischen Effekts sind insgesamt 59% der Mondoberfläche von der Erde aus sichtbar.

Librationspunkte, Lagrange-Punkte (nach J. Librationspunkte Lagrange): 5 Punkte in der Umgebung zweier einander umlaufender Himmelskörper, in denen ein dort befindliche 3. Körper minimalen Störungen ausgesetzt ist. In bestimmten Librationspunkten findet man kleine Himmelskörper, zum Beispiel im System Sonne-Jupiter die Trojaner (Planetoid).

Libretto: italienisch, «Büchlein» Textvorlage zu Oper, Operette, Singspiel, Oratorium und Kantate, auch Szenarium für ein Ballett; seit dem 18. Jahrhundert häufig kleinformatig gedrucktes Textbuch.

Libreville: Hauptstadt von Gabun, am Nordufer der Mündungsbucht des Gabun in den Golf von Guinea; 340000 Einwohner; Holzverarbeitung, Lebensmittel-, Textilindustrie, Werft; Straßenknoten, wichtigster gabunischer Hafen, internationaler Flughafen; Institute; Nationalmuseum.

Libuse, Libussa, Frau des ersten Pfemyslidenfürsten, sagenhafte Gründerin von Prag. Oper von B. Smetana (1881).

Libysche Wüste: nordöstlicher Teil der Sahara, westlich vom Nil, in Libyen, Ägypten und der Republik Sudan; etwa 2 Millionen km2; Kalk- und Sandsteintafeln (Schichtstufen), bis 1893 m hoch (Dschebel uweinat); im Nordosten Kattarasenke (bis 133 m unter dem Meeresspiegel); Oasen; im Nordosten Erdöl- und Erdgasförderung.

Lichen: Sammelbegriff für Hautkrankheiten, die durch das Auftreten von erbsengroßer, flacher oder spitzer, einzeln oder gruppiert stehender, oft juckender Knötchen (Knötchenflechte) von unterschiedlicher Farbgebung charakterisiert sind. Der Krankheitsverlauf ist akut oder chronisch, die Rückbildung häufig ohne Narben, bisweilen mit Atrophie oder Pigmentierung. Die Knötchen entstehen infolge einer Entzündung oder durch Ablagerung; siehe auch Lichenifikation.

Lichenifikation: vergrößerte Hautfelderung bei chronischen, juckenden Hautkrankheiten durch Zusammenfließen von Knötchen, zum Beispiel bei Ekzem.

Lichfield: Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Grafschaft Staffordshire; 23000 Einwohner; Metallindustrie; Fachwerkhäuser, gotische Kathedrale, eine der schönsten Kirchen Englands (1200/1370; Doppelturmfassade), St.-John’s-Hospital (gegründet 1495), Bischofspalast (1687).

Licht: elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen zwischen 100 um und 1 mm (sichtbare Strahlung, Ultraviolett und Infrarot); im engeren Sinne der Bereich 380 nm sAs 780 um, in dem der spektrale Hellempfindlichkeitsgrad des menschlichen Auges ungleich Null ist. Licht zeigt einen Dualismus. Einerseits besitzt es Wellencharakter, der unter anderem durch die Interferenz bewiesen wird, andererseits Quantencharakter, der unter anderem mit dem lichtelektrischen Effekt nachweisbar ist. Die Lichtquanten oder Photonen sind Elementarteilchen mit der Ruhmasse Null und der Energie W = hv (h Planck-Konstante, v Frequenz der Lichtwelle). Die Wellentheorie des Lichts wurde von C. Huygens 1690, T. Young 1817 und A. J. Fresnel (seit 1815) begründet. Den elektromagnetischen Charakter der Lichtwellen erkannte S. C. Maxwell 1862 (elektromagnetische Theorie des Licht). I. Newton entwarf 1704 die Korpuskulartheorie des Lichts, nach der das Licht aus Teilchen mit Ruhmasse bestehen sollte, die aber später als falsch erkannt wurde. Die Quantentheorie des Lichts geht auf A. Einstein (1905) zurück, der damit den lichtelektrischen Effekt deutete. Licht entsteht in den Atomen, Molekülen und Festkörpern beim zufälligen Übergang der atomaren Systeme in einen niedrigeren Energiezustand oder beim durch Strahlung angeregten Übergang (siehe auch spontane Emission, induzierte Emission). Die wichtigsten Lichtquellen sind Temperatur- und Gasentladungsstrahler sowie bestimmte Halbleiterbauelemente. Auf der induzierten Emission beruhen die Laser.

Lichtablenkung im Gravitationsfeld: Ablenkung von Lichtstrahlen in der Nähe großer Massen durch deren Gravitationsfeld. Sie ist zum Beispiel beobachtbar am Licht von Sternen, die während einer totalen Sonnenfinsternis nahe am Sonnenrand stehen, und erzeugt Doppel- oder Mehrfachbilder von Quasaren, wenn in der Nähe des Sehstrahls ein Sternsystem steht. Siehe auch Relativitätstheorie.

Lichtausbeute: Quotient des von einer Lampe abgegebenen Lichtstromes und der aufgenommenen elektrischen Leistung; Zeichen r, SI-Einheit Lumen/Watt. Wichtigste ökonomische Kennziffer einer Lampe.

Lichtbogen: hell leuchtende Gasstrecke einer Bogenentladung, verbunden mit hoher Stromstärke bei kleinem Spannungsabfall und hoher Wärmeentwicklung. Beim frei brennenden Lichtbogen wird die Bogenentladung durch kurze Berührung der Elektroden gezündet. Bei Hochdruck- und Höchstdruckentladungslampen brennt der Lichtbogen in einem geschlossenen Entladungsgefäß aus Quarzglas oder Keramik zwischen 2 Elektroden aus hochschmelzendem Metall (hauptsächlich Wolfram). Lichtbogen werden außerdem bei Quecksilberdampfgleichrichtern und bei der Lichtbogenerwärmung angewendet; unerwünscht sind Lichtbogen beim elektrischen Durchschlag von Isolationen und beim Öffnen von Schalterkontakten. Siehe auch Gasentladung.

Lichtbogenerwärmung: Erwärmung metallischer und nichtmetallischer Werkstoffe durch einen Lichtbogen mit Temperaturen über 10000 K. Anwendung erfolgt beim Lichtbogenschweißen, beim Schmelzen von Stahl, Gusseisen, Nickel, Kupfer unter anderem sowie bei der Roheisen- und Karbidherstellung.

Lichtbogenschutzarmatur, Schutzarmatur: Einrichtung an Isolatoren von Hochspannungsfreileitungen und -geraten, die bei Überschlägen den Lichtbogen von der Keramikoberfläche fernhalten und damit den Isolator vor Zerstörung durch zu starke Erhitzung schützen soll.

Lichtdermatosen: Sammelbezeichnung für Hautkrankheiten unterschiedlichen Aussehens, die durch Sonnenlicht verursacht werden infolge zu intensiver Bestrahlung, herabgesetzter Reizschwelle der Haut (angeboren, durch Medikamente, Kosmetika oder Porphyrin Stoffwechselstörung bedingt) und chronischen Einwirkung (vorzeitiges Altem der Haut).

Lichtdruck:

1. Lichtdruck, Strahlungsdruck: Physik - Druck, den ein durch einen Körper reflektierter oder absorbierter Lichtstrahl auf diesen ausübt; entsteht durch die Änderung des Impulses der auf den Körper treffenden Lichtquanten.

2. Polygraphie: Druckverfahren.

Lichtechtheit: Widerstandsfähigkeit der Farbe von Faserstoffen und Textilien jeder Art und in allen Verarbeitungszuständen gegen die Einwirkung von Tages- oder Kunstlicht.

lichte Höhe: senkrechter Abstand zwischen unterer und oberer Begrenzung von Räumen oder von Öffnungen. Bei Straßenunterführungen muss die 1. H. sichtbar angegeben sein.

lichtelektrischer Effekt: Erscheinung, bei der sich die elektrische Eigenschaften eines Festkörpers durch Einstrahlung von Licht ändern, im engeren Sinne der Fotoeffekt. Beim äußeren lichtelektrischen Effekt (äußerer Fotoeffekt oder Hallwachs-Effekt) treten aus einem Metall mit der Austrittsarbeit WA Elektronen der kinetischen Energie aus, wenn Lichtquanten der Energie hv eingestrahlt werden (h Planck-Konstante, v Frequenz der Lichtwelle). Die Zahl der Elektronen ist der Lichtintensität proportional; ist dagegen nicht von der Intensität, sondern nur von der Frequenz des Lichtes abhängig und erreicht bei einer unteren Grenzfrequenz den Wert Null. Obige Lenard-Einstein-Gleichung wurde von P. Lenard empirisch aufgestellt und von A. Einstein auf der Grundlage der Lichtquanten gedeutet. Der äußere lichtelektrische Effekt wird in der Fotozelle ausgenutzt. Beim inneren lichtelektrischen Effekt (innerer Fotoeffekt oder Halbleiterfotoeffekt) werden Festkörperelektronen durch Lichtenergie aus dem Valenzband (siehe auch Bändermodell) ins Leitungsband beziehungsweise in Akzeptor Zustände oder aus Donator Zuständen ins Leitungsband gehoben, so dass frei bewegliche Ladungsträger (Elektronen oder Löcher) entstehen, die zur elektrische Leitfähigkeit beitragen (Fotoleitung); Anwendung in Fotowiderstand, -diode, -element, lichtelektrische Zelle Fotozelle.

Lichtempfindliche Stoffe: Substanzen, die durch Licht chemisch verändert werden, indem ein Teil des absorbierten Lichts fotochemische Reaktionen hervorruft. Lichtempfindliche Stoffe werden technisch genutzt, zum Beispiel Silbersalze in der Fotografie, Fotolacke in der Mikroelektronik und Diazoniumverbindungen in der Lichtpaustechnik. Vielfach ist die Lichtempfindlichkeit unerwünscht, zum Beispiel beim Ausbleichen von Textilfarbstoffen. Siehe auch Fotochemie.

Lichten: (zu «leicht») seemännisch Leichtmachen, Heben, Hochziehen; zum Beispiel Lichten des Ankers (oder Hieven).

Lichtenberg, Lichtenberg (Erzgebirge): Gemeinde im Kreis Brand-Erbisdorf, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Osterzgebirge; 2300 Einwohner; VEB Medizinplaste; Trinkwasser-Talsperre (Damm 46 m hoch; 0,9 km2, Stauraum 14,4 Millionen m3) an der Gimmlitz.

Lichtenberg: 1. Bernhard Lichtenberg, 3.12.1875-5.11.1943, katholischer Theologe, Antifaschist; seit 1938 Dompropst in Berlin; wandte sich nach der Kristallnacht in seinen Predigten gegen die Judenverfolgungen und 1941 gegen die Ermordung Geisteskranker. Schwer herzkrank, verstarb er nach zweijähriger Gefängnishaft auf dem Transport in das KZ Dachau.

2. Georg Christoph Lichtenberg, 1.7.1742-24.2.1799, Schriftsteller und Physiker; Vertreter der Aufklärung. Wegweisend für die deutsche Kunstkritik war seine «Ausführliche Erklärung der Hogarthschen Kupferstiche» (1794/99; Fragment). Lichtenbergs geistreichironische gesellschaftskritische Gedanken über Zeitgeschichte, Kunst, Literatur, menschliche und wissenschaftliche Probleme sind ein Höhepunkt deutscher aphoristischer Prosa. Entdeckte die Lichtenbergschen Figuren.

Listenfeld, Gerhard, 6.11.1921-8.11.1978, Bildhauer; 1946/52 Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle-Burg Giebichenstein; seit 1965 dort Professor; schuf Porträts, Akte, Brunnen- und Denkmalsplastik.

Lichtenstein, Lichtenstein (Sachsen): Stadt im Kreis Hohenstein-Ernstthal, Bezirk Karl-Marx-Stadt; 13000 Einwohner; Strumpf-, Webwaren-, Textilveredlungs-, Konfektionsindustrie, Transformatorenbau; Schloss (16. Jahrhundert; jetzt Feierabendheim), Stadtkirche (18. Jahrhundert); Naherholungsgebiet für den Raum Karl-Marx-Stadt-Zwickau.

Lichtenstein, Leon, 16.5.1878-21.8.1933, Mathematiker polnischer Herkunft; wirkte in Berlin und Leipzig, lieferte grundlegende Arbeiten zur angewandten Mathematik (Hydrodynamik unter anderem) und über Potentialtheorie, Variationsrechnung und Differentialgleichungen.

Lichter:

1. Jagdwesen: Augen des Schalenwildes; siehe auch Seher.

2. Navigation: Lampen, die bei Nacht durch ihre Farbe, Anzahl und Stellung zueinander den Standort und beziehungsweise oder die Bewegungsrichtung, manchmal auch Typ und Größe eines Wasser- oder Luftfahrzeugs anzeigen oder zur Übermittlung von Informationen oder Weisungen an diese dienen. In der Schifffahrt bestehen die Positions- oder Navigationslichter aus den Seitenlichter, die backbord rotes und steuerbord grünes Licht zeigen, den weißen Topplichter am vorderen und hinteren Mast und dem weißen Hecklicht (bei geschlepptem Fahrzeug Steuerlicht genannt). Vor Anker liegende Schiffe zeigen 1 oder 2 rundum sichtbare weiße Ankerlichter. Signallichter regeln den Verkehr in Häfen oder übermitteln Informationen über besondere Bedingungen (Sturmwarnung unter anderem).

Lichtfarbemesser: Gerät zum Bestimmen der Farbtemperatur der Beleuchtung bei Farbaufnahmen.

Lichtfischerei: Fischfang, bei dem die Fische durch starke Glühlampen oder Unterwasserscheinwerfer angelockt werden.

Lichtgeschwindigkeit: Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetische Wellen; im engeren Sinne im Vakuum. Die Vakuumlichtgeschwindigkeit beträgt c0 = 299792458 m/s und ist eine physikalische Konstante (der Zahlenwert wurde 1983 mit der neuen Definition des Meters exakt festgelegt). In einem Stoff mit der Brechzahl n beträgt die Phasengeschwindigkeit des Lichtes c = c0/n. Siehe auch Relativitätstheorie, Mitführungskoeffizient.

Lichthof:

1. Bautechnik: in großflächigen Gebäudekomplexen angeordneter, oben offener oder mit Dachverglasung versehener Innenhof zur Beleuchtung und Belüftung angrenzender Innenräume.

2. Fotografie: Überstrahlungserscheinung durch Streuung des Lichtes in der fotografischen Schicht oder Reflexion am Schichtträger.

Lichtholzarten: Baumarten mit hohem Lichtbedürfnis im Unterschied zu Schattholzarten, die mehr oder weniger starken Schatten ertragen können. Das Lichtbedürfnis nimmt bei den Lichtholzarten in folgender Reihe ab: Lärche, Birke > Kiefer, Espe > Eiche, Esche.

Lichtjahr, Zeichen ly, früher Lj: Sl-fremde, in der Astronomie gültige Längeneinheit, heute meist nur in populärwissenschaftlicher Literatur benutzt. 1 ly = 9,460 5 • 1012 km ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt.

Lichtkante: schmale Volllinie zur Darstellung gerundeter Kanten bei Durchdringungen auf technischen Zeichnungen, die nur bis in die Nähe der Körperkanten gezogen wird.

Lichtkoagulation, Fotokoagulation: Augenheilkunde häufig angewendetes Behandlungsverfahren, bei dem energiereiches, intensives Licht im Augeninneren in einem Brennpunkt vereinigt wird und eine Koagulation des erkrankten Gewebes bewirkt; zum Beispiel bei Geschwülsten im Augeninneren oder bei drohender Netzhautablösung angewandt.

Lichtleiterkabel, Glasfaserkabel, Faseroptik, Fiberoptik: Anordnung von optischen Wellenleitern zur Übertragung von Trägersignalen im Lichtwellen- oder Infrarotbereich für die Zwecke der Nachrichten-, Daten- und Automatisierungstechnik. Ein Lichtleiterkabel besteht aus Lichtleiteradern, die um einen Zugentlastungskern verteilt und von Plastikfolien sowie einem äußeren Plastikkabelmantel umhüllt sind. Jede Lichtleiterader enthält in einem Kunststoffschlauch einen lose oder fest geführten Lichtleiter, der eine durch einen Lackfilmüberzug geschützte Glasfaser mit gestuftem oder parabolischem Verlauf des Brechungsindexes ist.

Lichtleiter-Übertragungssystem, optische Nachrichtenübertragung: System zur optischen Nachrichten-, Daten- oder Fernwirkübertragung, das aus einem Lichtleiterkabel sowie den optoelektronischen Wandlern (zum Beispiel Laser- oder Lumineszenzdiode auf der Sende- beziehungsweise Fotodiode auf der Empfangsseite) am Ein- und Ausgang der Übertragungsstrecke besteht.

Lichtmaschine: vom Kfz-Motor angetriebener Generator zur Erzeugung elektrische Energie für den Betrieb elektrischer Aggregate und die Ladung der Fahrzeugbatterie.

Lichtmess: 2. Februar, nach dem Volksglauben für den Witterungsverlauf bestimmend; in etwa Beginn des Vorfrühlings. Siehe auch Lostage.

Lichtmessung: Messung der fotometrischen Grundgrößen Lichtstrom, Lichtstärke, Beleuchtungsstärke und Leuchtdichte.

Lichtnelke: 1. Lichtnelke, Lychnis: Gattung der Nelkengewächse; auf feuchten Wiesen die Kuckucks-L (Lychnis flos cuculi) mit fleischfarbenen Blüten. Zierpflanzen sind die dunkelrot blühende, weißfilzige Kronen-Lichtnelke oder Vexiernelke (Lychnis coronaria) und die scharlachrote Brennende Liebe (Lychnis chalcedonica).

2. Leimkraut.

Lichtorgel: elektronisches Gerät, das bei der elektroakustischen Musikwiedergabe je nach Lautstärke und Frequenzanteilen der Musik verschiedenfarbige Effektleuchten unterschiedlich hell aufleuchten lässt.

Lichtpause: durch Lichteinwirkung entstandene Vervielfältigung transparenter Kopiervorlagen auf sensibilisiertem Papier. Unterscheidung in

a) Diazotypie (zum Beispiel Ozalid-Lichtpause), bei der auf Papier aufgetragene lichtempfindliche organische Diazoverbindungen bei Einwirkung von UV-Strahlung zerfallen, während an den nicht bestrahlten Stellen bei der Entwicklung mittels Ammoniakdämpfen Azofarbstoffe gebildet werden;

b) Blaupause (Zyanotypie), bei der das Papier mit einer Eisen(III)-Verbindung unter anderem sensibilisiert wird und durch Lichteinwirkung eine blaue Komplexverbindung (Berliner Blau) entsteht;

c) Eisen-Silber-Verfahren (Sepia-Lichtpause), das ebenfalls auf der Lichtempfindlichkeit von Eisen(III)-Verbindungen beruht;

d) Anilindruck, bei dem mit Phosphorsäure und Dichromat lichtempfindlich gemachtes Papier mit Anilindämpfen entwickelt wird.

Lichtradar, Lidar: Kurzwort aus light detecting and ranging: Verfahren zur Ortung und Entfernungsmessung (Genauigkeiten bis 10“6) entfernter Objekte mit gebündelten Lichtstrahlen einer gut modulierbaren Lichtquelle (Leuchtdiode, Laser).

Lichtraumumgrenzung: senkrecht zur Gleisachse und Schienenoberkante gemessene äußere Umgrenzung eines an allen Gleisen vorzusehenden Raumes. In die Lichtraumumgrenzung dürfen keine baulichen Anlagen, feste oder bewegliche Gegenstände hineinragen, damit die Schienenfahrzeuge gefahrlos an Gebäuden, Signalen, Masten und so weiter vorbeifahren können.

Lichtschranke: Strahlenschranke für sichtbares Licht oder Infrarotstrahlung. zwischen einem Lichtsender und einem -empfänger verläuft ein gebündelter Lichtstrahl. Bei Unterbrechung des Lichtstrahles durch äußere Einwirkung wird im Lichtempfänger ein elektrisches Signal erzeugt.

Lichtschutzsalbe: Sonnenschutzsalbe, die UV-Licht absorbierende Stoffe, zum Beispiel Umbelliferon oder Heliopan, enthält.

Lichtsignal: 1. von Hand oder meist automatisch oder verkehrsabhängig durch Mikrorechner gesteuertes farbiges Lichtzeichen zur Verkehrsregelung an Straßenknoten. Die Farben des Lichtsignal haben nach StVO die Bedeutung: Grün = «Verkehrsrichtung freigegeben»; Grün-Gelb = «Verkehrsrichtung noch freigegeben, Wechsel auf Gelb steht bevor»; Gelb = «Achtung, anhalten»; Rot = «Halt»; Rot-Gelb «noch Halt, Wechsel auf Grün steht bevor».

2. Eisenbahnsignal.

Lichtsinnesorgane: diffus über die Oberfläche des Körpers verteilte oder mit verschiedenen Hilfseinrichtungen in Organen (im weiteren Sinne Augen) vereinigte Sinneszellen zur Wahrnehmung elektromagnetische Schwingungen bestimmter Wellenlängen. Die Vielfalt von Augentypen (Pigmentbecherozellen, Komplex-, Kamera-, Linsenauge) gestattet, vorwiegend in Abhängigkeit von der Ausbildung des Hilfsapparates, neben der einfachen Hell-Dunkel-Unterscheidung das Richtungs-, Bewegungs- und Bild- oder Fernsehen sowie die Unterscheidung von Farben; siehe auch Auge 1.

Lichtsprechgerät: Gerät zur drahtlosen Übermittlung von Ferngesprächen mittels gerichteter elektromagnetische Wellen (meist im Infrarotbereich) zwischen 2 Endstellen. Ein Lichtsprechgerät enthält einen Fernsprechapparat, Baugruppen zur Erzeugung der Wähl- und Rufzeichen, optoelektronische Sende- und Empfangseinrichtungen sowie die Sende- und Empfangsoptik. Übertragungsstrecken mit Lichtsprechgerät erfordern optische Sicht zwischen den Endstellen.

Lichtstärke:

1. Fotometrie: Größe, die die Helligkeit einer Lichtquelle ausdrückt, eine Basisgröße des SI. Zeichen SI-Einheit Candela (cd). Die analoge strahlungsphysikalische Größe ist die Strahlstärke, Zeichen /j, SI-Einheit W/sr.

2. Fototechnik: Objektiv.

Lichtstift: Zusatzgerät für Bildschirmgeräte in Füllhaltergröße mit Lichtempfänger, mit dem Daten auf dem Bildschirm markiert oder verändert werden können.

Lichtstreuung: Ablenkung des Lichtes an kleinen Teilchen. Bei der Rayleigh-Streuung sind die Teilchen viel kleiner als die Wellenlänge A des Lichtes. Die Intensität des Streulichts ist richtungsunabhängig und proportional A-4. Die stärkere Streuung des blauen Anteils des Sonnenlichts durch die Atmosphäre ist die Ursache dafür, dass der Himmel blau ist. Siehe auch Brillouin-Streuung, Mie-Streuung, Raman-Effekt, Tyndall-Effekt.

Lichtstrom: Produkt aus der Lichtstärke einer Strahlungsquelle und durchstrahltem Raumwinkel, Zeichen e, x einer Lichtquelle: i>v = k 5 ®e, A VW dA. Der Faktor k, dessen Maximalwert 683 lm/W beträgt, heißt fotometrische Strahlungsäquivalent.

Lichttechnik: technisches Wissenschaftsgebiet, das sich mit der Lichterzeugung, -anwendung und -messung (Fotometrie und Farbmessung) befasst.

Lichttonverfahren: filmtechnische Verfahren zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Schallereignissen mit mechanischen-optischen und fotografischen Mitteln auf Kinofilm. Die zunächst auf Magnetband oder -film aufgezeichneten Schallereignisse werden mittels Lichttonkamera in fotografisch nutzbare Lichtschwankungen umgewandelt und auf Kinofilm aufgezeichnet. Die Tonspur befindet sich zwischen einer Perforationslochreihe und der Phasenbildreihe, vorwiegend in Zackenschrift (kammzackenähnlich), früher auch in Sprossenschrift (leitersprossenähnlich). Siehe auch Umspielung, Schallspeicherverfahren.

Lichtuhr: a) Uhr, die den lichtelektrischen Effekt einer Fotodiode für den Antrieb des Unruhmotors oder des Quarzschwingers ausnutzt;

b) Gerät, das durch Abbrennen einer Öl- beziehungsweise Wachsmenge den Zeitablauf erkennen lässt.

Lichtung: Forstwirtschaft Hiebsmaßnahme, die so stark in den Bestand eingreift, dass der Schluss des Kronendaches ständig unterbrochen ist; dient der Starkholzerziehung; ein Unterbau mit geeigneten Baumarten ist erforderlich. Der Begriff Lichtung ist auch für größere baumfreie Flächen innerhalb eines Waldes gebräuchlich.

Lichtwark, Alfred, 14.11.1852-13.1.1914, Kunsthistoriker und Kunstpädagoge; seit 1886 Direktor der Hamburger Kunsthalle; erwarb sich bedeutende Verdienste um die Kunsterziehung in der Schule.

Lichtwelligkeit: zeitlich nicht konstante Abgabe des Lichtstromes bei Entladungslampen beim Betrieb an Wechselspannung. Lichtwelligkeit wird vom Auge nicht wahrgenommen, führt jedoch zu stroboskopischen Effekten und damit zu Sinnestäuschungen (Unfallgefahr) und Beeinträchtigung der Sehleistung. Die Lichtwelligkeit kann durch schaltungstechnische Maßnahmen reduziert beziehungsweise beseitigt werden.

Lichtwurflampe: Glühlampe mit speziellem Leuchtkörper, die Licht in eine bestimmte Richtung abstrahlt und hohen Lichtstrom sowie große Leuchtdichte bei allerdings geringer Lebensdauer aufweist; Hauptanwendungsgebiet ist die Projektion.

Lichtzeigerinstrument, Lichtmarkeninstrument - empfindliches elektrisches Messinstrument (meist ein Galvanometer), bei dem an Stelle eines Zeigers ein Lichtstrahl den Messwert auf der Skale in Form einer Marke anzeigt.

Lichud, Sofroni, 1652-1730, russischer Denker griechischer Herkunft; Anhänger der Lehre des Aristoteles, die er (insbesondere die Aristotelische Logik) mit stark scholastische Tendenz in Russland verbreitete.

Licinius, Angehörige des altrömischen Plebejer Geschlechtes der Licinier: 1. Licinius, Gaius Licinius Stolo, 376/367 vor Christus römischer Volkstribun, setzte gemeinsam mit Lucius Sextius Lateranus 367 die sogenannte Licinisch-Sext. Gesetze durch, wodurch die führenden Schichten der Plebejer ihre politische Gleichstellung mit den Patriziern erreichten. 2. Licinius, Valerius Licinius Licinianus Augustus, um 248-324 (hingerichtet), römischer Kaiser seit 11.11.308; erließ gemeinsam mit Konstantin I. 313 das Toleranzedikt von Mailand (Anerkennung der christlichen Religion).

Li Dazhao, 6.10.1888-28.4.1927 (ermordet), chinesischer Arbeiterführer und Politiker; aktiver Teilnehmer an der Bewegung des 4. Mai 1919, einer der ersten Propagandisten des Marxismus-Leninismus in China, Mitbegründer der KP; hatte wesentlichen Anteil an der Schaffung der Einheitsfront mit der Guomindang.

Lidice: Bergarbeitersiedlung östlich von Kladno. Als «Vergeltung» für die Erschießung des «Reichsprotektors» R. Heydrich durch tschechische Widerstandskämpfer wurde Lidice am 10.6.1942 von faschistischen deutschen Kommandos völlig zerstört und eingeebnet, die männlichen Einwohner erschossen, Frauen und Kinder in KZ verschleppt und dort in ihrer Mehrzahl ermordet. Lidice wurde 1946 wiederaufgebaut; Nationaldenkmal.

Lidman, Sara, geboren 30.12.1923, schwedische Schriftstellerin; schrieb gesellschaftskritische Romane über Menschen ihrer nordschwedischen Heimat («Der Teermeiler», 1953, deutsch), schilderte die Rassenverfolgung in Südafrika («Ich und mein Sohn», 1961, deutsch), gestaltete Probleme des antikolonialen Kampfes («Mit fünf Diamanten», 1964, deutsch), erhob leidenschaftlichen Protest gegen den Vietnamkrieg der USA (Reisebericht «Gespräche in Hanoi», 1966, deutsch). In der Reportage «Die Grube» (1968, deutsch) entlarvte sie die Propaganda von der schwedischen «Wohlstandsgesellschaft»; mit «Dein Diener hört» (1977) wandte sie sich der Geschichte Nordschwedens zu.

Lidner, Bengt, 16.3.1757-4.1.1793, schwedischer Dichter; vertrat in Opposition zum Klassizismus bürgerlich-revolutionäre Anschauungen. Seine stimmungsvolle und gefühlsbetonte Lyrik bereitete die schwedische Romantik vor («Der Tod der Gräfin Spastara», 1783).

Lie: 1. Jonas, 6.11.1833-5.7.1908, norwegischer Schriftsteller, schrieb lebensvolle Romane über Menschen und Natur Nordnorwegens sowie Seeromane («Der Lotse und seine Frau», 1874, deutsch; «Rutland», 1880, deutsch). Eine sozialkritische Darstellung des Großstadtlebens zeichnet seinen Roman «Lebenslänglich verurteilt» (1883, deutsch) aus. Lie verfasste ferner von I. Turgenjew beeinflusste Gesellschaftsromane über den Verfall bürgerlicher Familienbeziehungen («Die Familie auf Gilje», 1883, deutsch).

2. Sophus, 17.12.1842-18.2.1899, norwegischer Mathematiker; wirkte in Kristiania (Oslo) und Leipzig; schuf die Theorie der kontinuierlichen Transformationsgruppen.

3. Trygve Halvdan, 16.7.1896-30.12.1968, norwegischer Politiker; bekleidete 1919/35 Funktionen in der Norwegischen Arbeiterpartei und im Gewerkschaftsbund, ab 1935 war er mehrmals Minister, 1946/53 erster Generalsekretär der UN.

Liebe: eine der Emotionen, die den Menschen am tiefsten, nachhaltigsten und total erfassen; kann infolge ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität soziale, sittliche und ästhetische Gefühle einschließen, weshalb sie bevorzugter Gegenstand der Kunst und Literatur ist. Neben der Liebe für das Kind, zum Vaterland und so weiter ist Liebe insbesondere die historisch-gesellschaftlich bestimmte Beziehung und Bindung zwischen den Geschlechtern, deren Grundlage das Fortpflanzungsbedürfnis ist. Neben der sexuellen Bindung ist Liebe mit dem Streben der Partner nach gegenseitiger Anerkennung, Wertschätzung, Förderung und besonders nach tiefster Zuneigung verbunden, erfasst die ganze Persönlichkeit der Partner und strebt nach Dauerhaftigkeit und Ausschließlichkeit.

Liebenstein, Bad: Stadt im Kreis Bad Salzungen, Bezirk Suhl, am Südwestrand des Thüringer Waldes; 8000 Einwohner; größtes Volksheilbad der DDR (324 m über dem Meeresspiegel; kohlensaure Eisen-Mangan-Arsen-Quellen) für Herz- und Kreislauferkrankungen; Herstellung von Leuchtstoffen, Wälzkörpern, Metall- und Holzwaren; Agraringenieur-, medizinische Fachschule; Burgruine (14. Jahrhundert),. Schloss Altenstein (19. Jahrhundert, Park), Fröbelgedenkstätte.

Liebenwerda, Bad: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, an der Schwarzen Elster; 6400 Einwohner; Fertigung von Mess- und Zeichengeräten, Druckerei, Orgelbau; Forstbaumschulen; Eisenmoorbad; Kreismuseum; Schloss (16. Jahrhundert).

Liebermann: 1. Max Liebermann, 20.7.1847-8.2.1935, Maler und Graphiker; malte, angeregt durch M. Munkacsy, G. Courbet und J. F. Millet, in der Frühzeit naturalistische Szenen aus dem Leben der arbeitenden Menschen («Gänserupferinnen», 1872; «Konservenmacherinnen», 1879); seit 1874 regelmäßig Studienaufenthalte in den Niederlanden, die entscheidend seine Motivwahl beeinflussten. In den 90er Jahren Hinwendung zum Impressionismus, zu dessen bedeutendsten Vertretern er gehört. Neben Genreszenen und Landschaften (Alsterbilder; Strandbilder aus Scheveningen) gestaltete er vortreffliche Bildnisse. Er hinterließ ein umfangreiches graphisches Werk und schrieb zahlreiche kunsttheoretische Essays. Von den Nazis diffamiert, legte er 1933 sein Amt als Präsident der Preußischen Akademie der Künste nieder.

2. Rolf Liebermann, geboren 14.9.1910, schweizerischer Komponist und Operndirektor; war 1959/72 Intendant der Hamburger Staatsoper und 1973/80 Generalintendant der Pariser Oper und Opéra Comique; schrieb unter anderem Opern, Instrumentalwerke (zum Beispiel «Concerto for Jazzband and Symphony Orchestra»), Filmmusik. Liebfrauenmilch; ursprünglich Wein aus der Umgebung der Liebfrauenkirche zu Worms; jetzt verbreitete Bezeichnung für liebliche Rheinweine.

Liebig, Justus Freiherr von, 12.5.1803-18.4.1873, Chemiker; Professor in Gießen, seit 1852 in München; wegweisend waren sein experimenteller Unterricht, seine Entdeckungen und Arbeiten über Organ. Chemie und Agrikulturchemie sowie die praktische Anwendung in Industrie und Landwirtschaft; veröffentlichte «Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie» (1840), «Die Tierchemie, oder die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie» (1843), «Chemische Briefe» (1844) unter anderem

Liebknecht: 1. Karl Liebknecht, 13.8.1871-15.1.1919, revolutionärer Führer der deutschen Linken und der KPD, Jurist; Sohn von Liebknecht 2; trat 1900 der Sozialdemokratie bei und stand von Anfang an auf revolutionären Positionen. Als Stadtverordneter von Berlin 1902/13, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses 1908/16 und Reichstagsabgeordneter seit 1912 bekämpfte Liebknecht vor allem Militarismus und Rüstungspolitik. Er war Mitbegründer der sozialistischen Jugendinternationale und 1907/10 ihr Präsident. Mit seiner Schrift «Militarismus und Antimilitarismus» (1907) gab er eine Analyse des Militarismus und entwickelte neue Gesichtspunkte für den antimilitaristischen Kampf; wegen der Publikation dieser Schrift wurde er zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt. Liebknecht bekämpfte Opportunismus und Reformismus und war neben R. Luxemburg der bedeutendste Führer der deutschen Linken. Mit Beginn des 1. Weltkrieges bekämpfte er die «Burgfriedenspolitik» und stimmte im Dezember 1914 gegen die Kriegskredite. Er war maßgeblich an der Entwicklung der Spartakusgruppe beteiligt. Am 1.5.1916 wurde Liebknecht während einer von der Spartakusgruppe organisierten Friedenskundgebung in Berlin verhaftet und von Dezember 1916 bis Oktober 1918 eingekerkert. In der Novemberrevolution 1918/19 proklamierte Liebknecht am 9. November 1918 in Berlin die freie sozialistische Republik. Er bereitete die Gründung der KPD mit vor und war gemeinsam mit R. Luxemburg Parteivorsitzender. Während der Januarkämpfe wurde Liebknecht zusammen mit R. Luxemburg von konterrevolutionären Militärs ermordet.

2. Wilhelm Liebknecht, 29.3.1826-7.8.1900, Mitbegründer und Führer der deutschen Sozialdemokratie; 1848 beteiligte sich Liebknecht am revolutionären Aufstand in Baden, 1849 an den bewaffneten Kämpfen der Reichsverfassungskampagne; 1850 emigrierte er nach Großbritannien, wurde Mitglied des Bundes der Kommunisten und Schüler und Freund von Marx und Engels. 1862 zurückgekehrt, trat er für eine selbständige Arbeiterbewegung ein und wurde 1863 Mitglied des Allg. Deutschen Arbeitervereins, um eine revolutionäre Konzeption durchzusetzen. 1865 ausgeschlossen, siedelte er nach Leipzig über und hatte mit A. Bebel entscheidenden Anteil an der Trennung der Arbeitervereine von der Bourgeoisie; 1869 Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und Redakteur des Parteiorgans «Volksstaat» (bis 1876) beziehungsweise «Vorwärts» (bis 1878); im Leipziger Hochverratsprozess 1872 hatte er großen Anteil an der Propagierung revolutionärer Prinzipien. 1867/71 und seit 1874 war er Reichstagsabgeordneter und einer der bedeutendsten Parlamentarier der Partei. Unter dem Sozialistengesetz gehörte er zur revolutionären Führung der Partei, war verantwortlich für das Organ «Der Sozialdemokrat» und für die internationalen Verbindungen der Partei. Als anerkannter Führer auch der internationalen Arbeiterbewegung gehörte er zu den Mitbegründern der II. Internationale. Seit 1891 war er Chefredakteur des «Vorwärts».

Liebstöckel, angelehnt an «lieb» und «Stecken», Levisticum officinale: blassgelb blühendes, ausdauerndes Doldengewächs mit Maggi ähnlicher Geruch und Geschmack («Maggipflanze»); als Gewürz- und Arzneipflanze kultiviert.

Liebstöckelrüssler, Otiorrhynchus ligustici: 9 bis 12 mm langer schwarzer Rüsselkäfer; schädigt besonders an Luzerne, Klee und Hülsenfrüchten.

Liechtenstein, Fürstentum Liechtenstein: Staat in Mitteleuropa, zwischen Österreich (Bundesland Vorarlberg) und der Schweiz (Kantone Sankt Gallen und Graubünden), östlich des Alpenrheins; verwaltungsmäßig gegliedert in das Unterland (Landschaft Schellenberg) und das Oberland (Landschaft Vaduz); zwei Drittel der Einwohner sind Staatsbürger Liechtensteins, ein Drittel Ausländer, vor allem Schweizer und Österreicher. Amtssprache ist Deutsch. Währung ist der Schweizer Franken. Das Unterland umfasst den Norden mit der Rheinebene, das Oberland die Mitte und den Süden mit steil zum Rätikon aufsteigendem Gebirgsland (Grauspitz, 2599 m; Schwarzhorn, 2574 m; alpine Hochtäler). Liechtenstein ist ein Industrieland mit Klein- und Mittelbetrieben der feinmechanischen, optische polygraphischen, pharmazeutischen, holzverarbeitenden (25% der Landesfläche mit Wald bedeckt) und Textilindustrie sowie des Maschinenbaus; Wasserkraftwerke bei Triesen und an der Samina, jedoch Energieimporte. Die Landwirtschaft, deren Beschäftigtenzahl stark rückgängig ist (z. Z. etwa 4 %), erzeugt Milch und Fleisch (Viehwirtschaft besonders im Saminatal); Weizen, Mais, Obst, Tabak und Wein. Liechtenstein wird von der Eisenbahnlinie Paris-Wien durchquert; starker Fremdenverkehr. Wegen günstiger Steuergesetze haben etwa 40000 ausländischen Firmen, darunter zahlreiche Konzerne und Banken, ihren Sitz in Liechtenstein (sogenannt Briefkastenfirmen). Neben Steuern sind Zölle und die Herausgabe von Briefmarken wichtige Einnahmequellen. Haupthandelspartner ist die Schweiz. Seit 1719 reichsunmittelbares Fürstentum, das aus den Herrschaften Vaduz und Schellenberg entstand; gehörte 1806/14 zum Rheinbund, seit 1815 zum Deutschen Bund und wurde nach dessen Auflösung (1866) selbständiger Staat. Bis 1918 bestand eine Zollunion mit Österreich-Ungarn; seit 1924 ist Liechtenstein durch Wirtschafts-, Post- und Zollunion mit der Schweiz verbunden, die es seit 1919 konsularisch und gegebenenfalls diplomatisch vertritt. Nach der Verfassung von 1921 ist Liechtenstein eine konstitutionelle Monarchie. Im Parlament hat die Vaterländische Union einen knappen Vorsprung gegenüber der Fortschrittlichen Bürgerpartei. Liechtenstein ist nicht Mitglied der UN, aber in verschiedenen UN-Organen und Spezialorganisationen vertreten und gehört zu den Unterzeichnern der KSZE Schlussakte von Helsinki.

Lied:

1. Literatur: strophisch einheitlich gegliedertes und gereimtes Gedicht, das durch melodische und rhythmische Einprägsamkeit leicht verstehbar ist; eine der ältesten und genremäßig äußerst vielgestaltigen Formen der lyrischen Dichtung. Vor allem als Volkslied (als Arbeitslied, Ständelied, als neuzeitliche Chanson, als Schlager) wirkte es in der jeweiligen kulturgeschichtliche Phase der verschiedenen historischen Epochen in alle Kreise der Gesellschaft hinein.

2. Musik: an strophische Gliederung angelehnte Vokalkomposition kleineren Formats. Als eine der am weitesten verbreiteten und historisch einflussreichsten musikalischen Gattungen wird das Lied im Allgemeinen einstimmig, mehrstimmig, solistisch oder chorisch mit oder ohne Instrumente vorgetragen. Seine Melodik, Rhythmik, Harmonik und enge Wort-Ton-Beziehung spiegeln verschiedenste, individuelle oder gemeinschaftliche, Erlebnisgehalte wider. Das Volkslied entspricht in Inhalt, Form und Ausdruck dem jeweiligen Empfinden und Streben des Volkes, wird von ihm gesungen, dabei oft umgestaltet und als Eigentum angesehen, es bildet eine wesentliche Grundlage jedes nationalen Musikschaffens. Die Klarheit der im Volkslied wurzelnden Form (Liedform) beeinflusste auch andere vokale und instrumentale Gattungen. Eine neuere Volksliedform ist das I Massenlied. Die Einteilung nach Volkslied und Kunstlied ist oft gebräuchlich, aber problematisch, weil sie das Volkslied zu Unrecht der Nichtkunst zuordnet. Mit Kunstlied ist im Allgemeinen ein von einem Komponisten geschaffenes komplizierteres Lied gemeint, das in der Regel eines ausgebildeten Interpreten bedarf. Bis ins 17. Jahrhundert ist es meist nicht möglich, das Kunstlied eindeutig vom Volkslied zu unterscheiden. Beide Gattungen haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder gegenseitig befruchtet.

Liederhandschriften: Sammlungen von handschriftlich aufgezeichneten Liedern und anderen Dichtungen vor allem des Mittelalters, häufig wertvoll ausgestattet und vielfarbig illustriert. Wichtigste deutsche Liederhandschriften sind Carmina Burana (Anfang 13. Jahrhundert im Kloster Benediktbeueren entstanden; über 300 lateinische, deutsche und deutsch-lateinische Vagantendichtungen), Kleine Heidelberger Liederhandschriften (Ende 13. Jahrhundert; Minnelieder, wahrscheinlich aus Straßburg), Weingartner oder Konstanzer Liederhandschriften (um 1300; Minnedichtungen), Große Heidelberger oder Manessische Liederhandschriften (nach 1300; benannt nach dem Züricher Ratsherrn Manesse; wichtigste Quelle für den deutschen Minnesang; 138 Miniaturen, unter anderem von Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach), Würzburger Liederhandschriften (Mitte 14. Jahrhundert). Von besonderem Wert sind Liederhandschriften, die, mittels einer Zeichenschrift, auch die Melodien überliefern, zum Beispiel Jenaer Liederhandschriften (Ende 14. Jahrhundert; einstimmige Minnelieder des 13. Jahrhundert), Colmarer Liederhandschriften (15. Jahrhundert; älteste Sammlung von Meisterliedern), Mondsee-Wiener Liederhandschriften (Anfang 15. Jahrhundert). Spätere Liederhandschriften enthalten auch Meister-, Volks- und Gesellschaftslieder, zum Beispiel Lochamer (Lochheimer) Liederbuch (um 1450; nach einem Nürnberger Patrizier benannt; mit 45 ein- und mehrstimmigen Musikstücken; wichtige Quelle für das ältere deutsche Volkslied). Die Liederhandschriften wurden im 16. Jahrhundert durch gedruckte Sammlungen verdrängt.

Liedermacher: Verfasser (Texter, eigene Interpreten, auch Komponisten) von meist politisch engagierten, chansonhaften, zumeist Gitarre begleiteten Liedern, die diese künstlerische Tätigkeit oft nebenberuflich ausüben.

Liedertafel: Bezeichnung für Männergesangvereine (nach dem Vorbild der von C. F. Zelter 1809 gegründet Berliner Liedertafel), die im 19. Jahrhundert eine unterschiedliche politische, organisatorische und künstlerische Ausprägung erhielten.

Liedertafelei: nach 1848 aufgekommener Männerchorstil sentimentalisch-spießbürgerlicher und oft nationalistische Richtung.

Liederzyklus: Folge von begleiteten Sololiedern, die, vom Komponisten unter gemeinsamer Opuszahl zusammengestellt, einen verschieden hohen Grad von textlichen und musikalischen Einheitlichkeit aufweist (zum Beispiel R. Schumann «Frauenliebe und -leben», F. Schubert «Die Winterreise»).

Liedform: vom Strophenlied und Volkstanz abgeleitete selbständige Musikform, die in der Vokal- und Instrumentalmusik anzutreffen ist. Die einteilige Liedform besteht aus einem musikalischen Hauptgedanken (Thema), die zweiteilige bringt ähnliche (a a') oder gegensätzliche (a b) musikalische Gedanken. In der dreiteiligen Liedform (a b a) steht Teil b kontrastierend zwischen gleichen oder ähnlichen Teilen. Diese in der Volksmusik wurzelnden einfachen Formen erfahren in großen und komplizierten Musikformen (Rondo, Da-capoArie, Ouvertüre, Sonate, Sinfonie, Konzert und so weiter) vielfältige Abwandlungen.

Lied ohne Worte, Chanson sans paroles: einsätziges lyrisches Klavierstück mit liedhafter Melodik; auch sonstiges kurzes Instrumentalstück; Bezeichnung von F. Mendelssohn Bartholdy eingeführt. Siehe auch Charakterstück.

Liefergrad: Verhältnis zwischen der tatsächlichen Fördermenge am Druckstutzen und der theoretischen, sich aus dem Hubvolumen einer Pumpe ergebenden Fördermenge.

Lieferklausel: Kurzform einer Vertragsabrede im internationalen Wirtschaftsverkehr, die nach den Incoterms oder Terms of trade ausgelegt wird.

Liefervertrag: Wirtschaftsvertrag über Erzeugnisse, die der Lieferer dem Besteller gegen Bezahlung zu übergeben hat. Die Lieferung umfasst sowohl die Übergabe der Erzeugnisse an den Besteller als auch die Verschaffung der Besitz-, Nutzungs- und Verfügungsbefugnisse über die Erzeugnisse für den Besteller. Der Liefervertrag ist in Übereinstimmung mit den staatlichen Planentscheidungen seiner Partner zu schließen und zu erfüllen.

Lieferwagen: drei- oder vierrädriges Kfz mit Pritschen- oder Kastenaufbau zur Beförderung von leichten Gütern; die Nutzmasse beträgt 0,5 bis 1,5 t. Siehe auch Lastkraftwagen.

Liegendes: ein unter einem betrachteten geologischen Körper (zum Beispiel Gesteinsschicht, Lagerstätte) liegender anderer geologischer Körper. Siehe auch Hangendes.

Liegenschaftsdokumentation: staatliche Karten- und Registrierwerk zum Nachweis aller in der DDR gelegenen Grundstücke unter Angabe der maßgeblichen tatsächlichen Merkmale und Eigenschaften (Lage, Nutzungsart, Rechtsverhältnisse, Flächeninhalt und so weiter). Die Liegenschaftsdokumentation besteht aus Flurkarten und Katasterbüchern (Flurbuch, Liegenschaftskartei). Sie wird vom Liegenschaftsdienst der Räte der Bezirke geführt.

Liegenschaftsvermessung: Bestimmung der maßgeblichen geometrischen Daten von Grundstücken mit geodätischen Verfahren für die Liegenschaftsdokumentation sowie Laufendhaltung der Dokumente durch Fortführungsmessungen.

Liegnitz: soviel wie Legnica. In der Schlacht auf der Wahlstatt südöstlich von Liegnitz am 9.4.1241 schlugen die Mongolen ein Aufgebot schlesischer Ritter unter Herzog Heinrich II. von Niederschlesien, zogen sich aber zurück.

Lien Viet: vietnamesische antikoloniale Einheitsfrontorganisation; gegründet 1946, am 3.3.1951 mit der Viet Minh vereinigt; war wesentliche Kraft im antifranzösischen Widerstandskampf; 1955 Weiterentwicklung zur Vaterländischen Front Vietnams.

Lienz: Stadt in Tirol (Österreich), in Osttirol, am Einfluss des Isel in die Drau, am Fuße der Lienzer Dolomiten (Sandspitze, 2772 m); 12000 Einwohner; Gießerei, Leder-, Metall- und Strickwarenindustrie; Burg Bruck.

Lier: Stadt im Norden Belgiens, in der Provinz Antwerpen, so. von Antwerpen; 28000 Einwohner; Seidenspinnerei; Messer- und Spitzenherstellung; spätgotische Gommariuskirche (14./16. Jahrhundert), Beifried (14. Jahrhundert), Beginenhof (13. Jahrhundert); Wirkungsstätte des belgischen Dichters F. Timmerman.

Lieschgras, Phleum: Ährenrispengras mit bis 10 cm langer Scheinähre; das Wiesenlieschgras (P. pratense) ist ein hochwertiges Feldfuttergras.

Lievens, Jan, 24.10.1607—4.6.1674, holländischer Maler; in seiner Frühzeit eng mit der malerischen Entwicklung Rembrandts verbunden, schuf Lievens nach Aufenthalten in London und Antwerpen seit 1644 vorwiegend repräsentative Auftragswerke (besonders Porträts, auch allegorische Bilder, Landschaften).

Lifar, Serge, geboren 2.4.1905, französischer Tänzer, Choreograph und Ballettschriftsteller russischer Herkunft; war 1923/29 Solist im Djagilew-Ballett, 1929/45 und 1947/58 Chefchoreograph der Grand Opera Paris.

Lifschitz, Michail Alexandrowitsch, geboren 23.7.1905, sowjetischer Philosoph und Ästhetiker; erwarb sich große Verdienste bei der Entwicklung der marxistisch-leninistischen Ästhetik, besonders mit der Anthologie «Marx/ Engels. Über Kunst und Literatur) (1957, deutsch); zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Ästhetik sowie zur älteren und zeitgenössischen Literatur und Kunst («Karl Marx und die Ästhetik», 1960, deutsch; «Die Krise des Hässlichen», 1971, deutsch).

Lift-Slab-Methode, Hubplattenverfahren: Mischbauweise, bei der Geschoßdecken an Stahl- oder Stahlbetonstützen hydraulisch gehoben und auf Konsolen abgesetzt werden. Diese Geschoßdecken werden im Erdgeschoß als durch Papplagen getrennte, übereinanderliegende Platten aus monolithischen Stahlbeton hergestellt.

Liga: 1. allgemein Bund, Vereinigung; Bündnis.

2. Liga, katholische Liga: Geschichte 1609/35 Bündnis der katholischen deutschen Landesfürsten unter Führung des bayerischen Herzogs Maximilian I. gegen die in der Union zusammengeschlossenen Protestantischen Fürsten; ihr bedeutendster Feldherr war Tilly.

3. Sport: Leistungsklasse etwa gleichstarker Mannschaften (meist in Sportspielen).

Ligatur: 1. Medizin: Chirurg. Abbinden eines blutenden Gefäßes über einer Klemme zur Blutstillung.

2. Musik: a) Bindebogen;

b) die zu einer Textsilbe gehörenden Töne in der Vokalmusik;

c) Bindung zweier Noten gleicher Tonhöhe vom leichten zum schweren Taktteil hinüber;

d) sinngleicher Begriff für Synkope im Kontrapunkt;

e) Verbindung melodisch zusammengehörender Noten in der Choral- und Mensuralnotation mongolischer Fürst; kämpfte gegen die mandschurischen Eroberer für die Unabhängigkeit der Mongolei.

Lignin: (lateinisch, zu «Lignum») makromolekulares Benzolderivat, das im Holz als Stützsubstanz die fadenförmigen Zellulosemoleküle umgibt. Lignin ist gelbbraun, geruchlos und erweicht in heißem Wasser. Ligninsulfonsäure ist in der Sulfitablauge enthalten, die bei der Zellstoffgewinnung aus Holz anfällt.

Lignit: Weichbraunkohle mit erdigem bis knorpeligem Gefüge und zum Teil holzigen Lagen oder Einschlüssen.

Lignum: Holz, Holzdroge; zum Beispiel Lignum Santali (Sandelholz), Juniperi (Wacholderholz).

Ligurer: vorindoeuropäisches Volk, siedelte im Westalpengebiet, in Südfrankreich, in der Poebene und im Oberrheingebiet; um 700 vor Christus von den Kelten in die Küstenregion (Ligurien) zurückgedrängt; seit Ende des 3. Jahrhundert vor Christus von Rom unterworfen.

Ligurien, italienisch Liguria: historische Landschaft in Oberitalien, um den Golf von Genua an der Küste des Ligurischen Meeres; als Region Ligurien 5413 km2, 1,9 Millionen Einwohner; 351 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Genua, umfasst 4 Provinzen. Im Schutze der Ligurischen Alpen und des Ligurischen Apennin die schmale klimabegünstigte Riviera mit mediterraner Vegetation; sehr dicht besiedelte Küstenzone; Industriezentren zwischen den Hafenstädten Genua und Savona, ferner La Spezia (Erdölverarbeitung, Eisenmetallurgie, Schiff- und Maschinenbau unter anderem); auf Bewässerungsland Obst- und Gemüsebau sowie Spezialkulturen (Schnittblumen); zahlreiche Seebäder.

Ligurische Alpen: südlicher Ausläufer der Westalpen in Oberitalien, mit dem 2651 m hohen Monte Marguareis, verbinden die Meeralpen mit dem Ligurischen Apennin und schirmen die Riviera di Ponente nach Norden ab.

Ligurischer Apennin: nördlichster Teil des Apennins in Oberitalien, durch die Colle di Cadibona (495 m) von den Ligurischen Alpen getrennt, im Monte Maggiorasca bis 1803 m hoch; schirmt die Riviera di Levante nach Norden ab.

Ligurisches Meer: nördlichster Teil des westlichen Mittelmeeres mit dem Golf von Genua; bis 2659 m tief; reicht von der Cote d’Azur und Riviera bis Korsika und zu den Toskanischen Inseln.

Liguster, Ligustrum: Gattung wärmeliebender Ölbaumgewächse mit weißen Blütenrispen und schwarzen Steinfrüchten. Als Heckenpflanze die Rainweide oder Gemeiner Liguster (Ligustrum vulgare) mit giftigen Beeren; als Zierstrauch der Japanische Liguster (Liguster ovalifolium) mit breiteren Blättern.

Ligusterschwärmer, Sphinx ligustri: bis 10 cm spannender mitteleuropäischer Schwärmer; Raupe grün mit violetten und weißen Schrägstrichen, am Körperende ein gebogenes Horn; an Liguster und Flieder. Siehe auch Schwärmer.

Li Hongzhang, 15.11.1823-7.11.1901, chinesischer Politiker, führend an der Niederschlagung der. Taiping Bewegung beteiligt; praktizierte eine Politik der Annäherung an die kapitalistischen Mächte.

liieren: (französisch) eng verbinden, vereinigen.

Likasi: Stadt in Zaire (Provinz Shaba), an der Benguelabahn, 1270 m über dem Meeresspiegel; früher Jadotville; 150000 Einwohner; Kupfer-, Kobalterzbergbau und Verhüttung, chemische, Zement-, Lebensmittelindustrie; nordöstlich von Likasi 2 Wasserkraftwerke am Lufira; Straßenknoten, Flughafen; mineralogisches Museum.

Li Keran, geboren 1907, chinesischer Maler; nach dem 2. Weltkrieg Professor an der Zentralen Akademie der Künste in Peking; schuf anfangs Agitationsbilder, Plakate, Zeichnungen und Genrebilder (Hirtenknaben mit Büffeln, Bauernszenen), nach 1953 dominieren Landschaftsdarstellungen.

Likör: Sammelbezeichnung für süße Spirituosen mit 220 bis 500 g/1 Gesamtextrakt, die mit Primasprit, Kornfeinbranddestillat beziehungsweise Edelbränden, gegebenenfalls unter Zusatz von Säften beziehungsweise Extrakten aus Früchten, Kräutern, Gewürzen oder ätherischen Ölen, Essenzen, hergestellt werden. Man unterscheidet Fruchtsaftlikör (Volumenanteil an Alkohol 25 bis 35%, zum Beispiel Kirschlikör), Fruchtaromalikör (Volumenanteil an Alkohol 30 bis 40%, zum Beispiel Apricot Brandy), Bitterlikör, Kräuterlikör und Gewürzlikör (Volumenanteil an Alkohol 30 bis 45%, zum Beispiel Pfefferminzlikör), Kaffeelikör, Mokkalikör, Teelikör und Kakaolikör (Volumenanteil an Alkohol 25 bis 32%, zum Beispiel Kakao mit Nuss), Emulsionslikör (Volumenanteil an Alkohol 20%, zum Beispiel Eierlikör, Schokoladenlikör) sowie Punschextrakte (Volumenanteil an Alkohol 25 bis 40%).

Liktoren: im alten Rom Staatsdiener, meist Libertini, die den obersten Beamten Fasces vorantrugen.

Likuta: (portugiesisch; PI. Makuta) kleinste Währungseinheit in Zaire.

Lilangeni: Währungseinheit in Swasiland; siehe auch Währung.

Lilburne, John, um 1614-29.8.1657, englischer kleinbürgerlich-demokratischer Agitator; 1641/45 Offizier im Parlamentsheer, wegen revolutionärer Forderungen im Interesse der kleinen Eigentümer degradiert und eingekerkert; 1647/49 Ideologe der Levellers, 1649/55 inhaftiert oder verbannt; seit 1655 Quäker.

Lilie, Lilium: artenreiche Gattung der Liliengewächse; Zwiebelpflanzen mit großen trichterförmigen Blüten; Gartenzierpflanzen sind zum Beispiel die Feuerlilie (Lilium bulbiferum) und der Türkenbund (Lilium martagon).

Lilienbanner: Fahne (mit der Lilie als Wappenblume) der französischen Könige, besonders der Bourbonen.

Liliencron, Detlev von, 3.6.1844-22.7.1909, Schriftsteller; verfasste impressionistische Lyrik («Heidebilder»), erzählende Prosa («Kriegsnovellen», 1895), balladeske Dichtungen («Pidder Lüng») und das humorvoll-phantastische Epos «Poggfred» (1896).

Liliengewächse, Liliaceae: weltweit verbreitete Familie einkeimblättriger Pflanzen, meist Stauden mit Zwiebel, Knolle oder Wurzelstock und strahligen dreizähligen Blüten, meist in traubigen oder rispigen Blütenständen angeordnet; auch Einzelblüten (Tulpe). Zu den Liliengewächsen im weiteren Sinne gehören unter anderem die Gattungen Lilie, Aloe, Herbstzeitlose, Lauch, Spargel, Tulpe, Maiglöckchen, Hyazinthe.

Lilienschweif, Steppenkerze, Eremurus: asiatisches Liliengewächs mit hoher, dekorativer Blütentraube; gelb, weiß oder rötlich blühend; Zierpflanze für große Gärten und Parks.

Lilienstein: Tafelberg im Elbsandsteingebirge, rechts der Elbe in einer Flussschlinge, gegenüber Königstein; 415 m.

Lilienthal, Otto, 23.5.1848-10.8.1896 (abgestürzt), Ingenieur; führte mit seinem Bruder Gustav (9.10.1849-1.2.1933) Untersuchungen über den Vogelflug durch (veröffentlichte «Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst»). Grundlegend für die Entwicklung des Flugwesens sind seine Arbeiten zur Erforschung des Auf- und Vortriebes, des Luftwiderstandes bewegter Flächen, der Stabilität im Flug; er erkannte den Vorteil der gewölbten Tragflächenform. 1891 flog er als erster Mensch mit einem Luftfahrzeug schwerer als Luft. Lilienthal gilt als Vater der modernen Luftfahrt, an dessen Erkenntnisse und Erfahrungen die Brüder j1 Wright und andere Flugpioniere anknüpften. In Anklam, seinem Geburtsort, existiert ein Lilienthalmuseum.

Lilith, (hebräisch) altorientalische weibliche Dämonengestalt; in jüdischer Vorstellung Nachtgespenst, später «Adams erste Frau» (so auch in Goethes Faust, Walpurgisnacht).

Lille: Stadt im Norden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Nord; 170000 Einwohner; Kern einer großen Bevölkerungsagglomeration mit über 1 Millionen Einwohner; Leinen-, Woll-, Baumwoll-, Elektro-, chemische und Lebensmittelindustrie, Textilmaschinenbau, Druckereien; internationale Messe; internationaler Flughafen; staatliche und katholische Universität, Museen; Kirche Sainte-Madeleine (17. Jahrhundert; Gemälde von P. P. Rubens und A. van Dyck), unvollendete Kathedrale (seit 1854); Rathaus (106 m hoher Turm).

Lillo, George, 4.2.1693-3.9.1739,.englischer Dramatiker; schrieb das erste eigentliche bürgerliche Trauerspiel «Der Kaufmann von London oder Begebenheiten George Bamwells» (1731, deutsch); beeinflusste G. E. Lessing.

Lilongwe: Hauptstadt von Malawi, auf einer Hochfläche, 1080 m überm Meer; 105000 Einwohner; Handelszentrum; Konfektionsindustrie; Verkehrsknoten, bei Lilongwe internationaler Flughafen.

Lima: (lateinisch, «Feile») seit dem Oberkarbon bekannte marine Muschelgattung mit radial gerippten oder konzentrisch gestreiften, gleichklappigen Schalen.

Lima: 1. Lima: Hauptstadt von Peru, mit der Hafenstadt Callao am Stillen Ozean zusammengewachsen; 4,2 Millionen Einwohner, als Groß-Lima 5 Millionen Einwohner; Verkehrs-, Verwaltungs-, Wirtschafts-, Handels- und Kulturzentrum des Landes mit 80% der Industrieproduktion: Metall-, Textil-, Nahrungsmittel-, Erdöl-, Möbel-, Schuh-, kosmetische Industrie, viele Handwerksbetriebe. Lima-Callao ist wichtigster Seehafen Perus, an der Carretera Panamericana, internationaler Flughafen; 8 Universitäten, darunter älteste Universität Südamerikas (gegründet 1551), Museen, Bibliotheken, Theater, Observatorium; Zentrum des internationalen Tourismus. Trotz häufiger Erdbeben blieben zahlreiche Bauten aus der spanischen Kolonialzeit erhalten. 1535 durch Spanier gegründet; 1764 durch Erdbeben verwüstet, 1881/83 von Chile besetzt.

2. Lima: Stadt im Bundesstaat Ohio (USA); mit Vororten 210000 Einwohner; ehemaliges Zentrum des Erdölbergbaus, jetzt Maschinenbau, Erdölverarbeitung, Chemieindustrie.

Limagne: Beckenlandschaft im mittleren Frankreich, am Nordrand des Zentralmassivs, in der Auvergne; bis Vichy vom Allier durchflossen; fruchtbare Ebene mit Verwitterungsböden, quellenreich; mildes Klima; Weiden, Acker- und Gartenbau, Weinberge.

Liman: Meeresbucht an der Schwarzmeerküste; durch Transgression des Meeres in ehemalige Täler und Erosionsschluchten entstanden; zum Teil durch eine Nehrung vom Meer abgeschlossen.

Limassol: Stadt (Distriktzentrum) an der Südküste Zyperns; 105000 Einwohner; Weinherstellung, Textil- und Ledergewerbe; Hafen; mehrfach durch Erdbeben zerstört.

Limba: (afrikanisch) weiches, gut beiz- und polierfähiges, wenig dauerhaftes gelbliches bis gelbgraues afrikanisches Laubholz; Verwendung für Furnier, Möbel- und Inneneinbau.

Limbach-Oberfrohna: Stadt im Kreis und Bezirk Karl-Marx-Stadt; 23000 Einwohner; Trikotagen-, Wäsche-, Handschuh-, Strumpfindustrie, Textilmaschinen-, Fahrzeugbremsenbau, feinmechanische Industrie; Heimatmuseum, zentrales Pionierlager.

Limbisches System: (lateinisch limbus, «Saum», nach der Lage) Gehirnregionen, die durch Nervenfaserbündel miteinander verbunden sind und funktionell Zusammenarbeiten. Neben Teilen des Endhirns drücken sich in der Zugehörigkeit des Zwischen- und Mittelhirns Verknüpfungen zum vegetativen Nervensystem und zum endokrinen System aus. Bei Säugetieren und beim Menschen werden im Limbischen System Beziehungen zwischen Bewusstseinsvorgängen, Emotionen und Motivationen einerseits und der Tätigkeit der inneren Organe andererseits hergestellt. Weiterhin hat es Bedeutung für Gedächtnisprozesse, insbesondere die Kurzzeitspeicherung von Informationen sowie deren Überleitung in das Langzeitgedächtnis.

Limburg: historisches Gebiet im Nordosten Belgiens und im Süden der Niederlande; umfasst westlich der Maas die belgische Provinz Limburg (2422 km2, 720000 Einwohner; 297 Einwohner/km2), östlich der Maas die niederländische Provinz Limburg (2209 km2, 1,1 Millionen Einwohner; 498 Einwohner/km2); überwiegend flach, sandig, moorig, zum Teil hügelig und lößbedeckt; Heide, Kiefernwald, Ackerland; besonders Weizen- und Gemüseanbau; Rinder-, Schweine- und Geflügelzucht; in der belgischen Provinz Limburg Steinkohlenbergbau und zunehmende Industrialisierung (Textil-, Papier-, elektrotechnische, chemische Industrie; Kfz-Montage); in der niederländischen Provinz Limburg petrolchemische und Baustoffindustrie, Kfz- und Maschinenbau. Das Gebiet war seit dem 12. Jahrhundert Herzogtum, 1815 wurde es Provinz des Königreiches der Vereinigten Niederlande, 1839 zwischen Belgien und den Niederlanden geteilt.

Limburg, Brüder von, Paul (Pol), Hermann (Hermant) und Jan (Jehannequin), niederländischer-französischer Miniaturmaler mit gemeinsamer Werkstatt am Anfang des 15. Jahrhundert; durch sorgfältige Malweise und Erfindungsreichtum gehören ihre Miniaturen zu den schönsten der Zeit; bedeutungsvoll sind die Landschaftsdarstellungen mit genau bestimmbaren Stadt- und Schlossansichten und Szenen des täglichen Lebens in den Monatsbildern ihres Meisterwerkes «Das sehr reiche Stundenbuch des Herzogs von Berry» (1413/16), die die niederländische Malerei vorbereiteten.

Limburg an der Lahn: Kreisstadt in Hessen, im fruchtbaren Limburger Becken zwischen Westerwald und Taunus; 29000 Einwohner; Blechwaren-, Glas-, Holzindustrie; spätromanisch-gotischer Dom (bedeutendstes deutsches Beispiel des Übergangsstils), ehemalige Burg der Lahngrafen, gotische Stadtkirche, Altes Rathaus.

Limerick: englische humorvoll-ironische 5-Zeilen-Gedicht (Reimschema aabba) mit widersinnig pointierter Endzeile; nach einem irischen Gesellschaftslied benannt; auch in der englischen Literatur gepflegt.

Limerick, irisch Luimneach: Stadt im Südwesten Irlands, Verwaltungszentrum der Grafschaft Limerick (Provinz Munster), am Shannon; 61000 Einwohner; Mühlen, Lebensmittel-, (Molkereiprodukte) und Textilindustrie; Hafen; nordwestlich von Limerick internationaler Flughafen Shannon Airport; Normannenburg (13. Jahrhundert); Protestant. (12. Jahrhundert) und katholische (19. Jahrhundert) Kathedrale.

Limes: 1. durch Kastelle, Wälle, Gräben, Palisaden und Wachtürme geschützter Grenzabschnitt des römischen Reiches; zum Beispiel obergermanisches-rät. Limes, vom Rhein bei Bonn bis zur Donau bei Regensburg, 584 km lang, seit 84 nach Christus angelegt; oder britannischen Limes, an der Nordgrenze Britannias (Hadrianswall).

2. Grenzwert.

Limette, saure (französisch), Citrus aurantifolia: zu den Rautengewächsen gehörendes Obstgehölz mit dünnschaligen, gelben Zitrusfrüchten; wird besonders in feuchten Tropengebieten kultiviert.

Limettenöl: gelbgrünes, zitronenähnlich riechendes ätherisches Öl, das aus den Schalen der sauren Limetten durch Wasserdampfdestillation gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird.

Limfjord, Limfjorden: längster Fjord Dänemarks; 180 km lang, bis 20 m tief; trennt den nördlichsten vom Hauptteil der Halbinsel Jütland ab; durchgängige Verbindung zwischen Nord- und Ostsee, wegen Untiefen nur begrenzt schiffbar.

Limit: 1. allgemeine Begrenzung, zum Beispiel eines verfügbaren Kredits (Kreditlimit).

2. Limit, Norm: Sport zur Zulassung für bestimmte Wettkämpfe nachzuweisende festgelegte Mindestleistung (zum Beispiel Olymp. Norm) oder Körpermasse. Siehe auch Gewichtsklasse

limited, (englisch, «begrenzt») Ld., Lim., lim., Ltd.: mit beschränkter Haftung; im englischen Sprachraum Zusatz zum Namen von Kapitalgesellschaften.

Limnisch: (griechisch limne, «Teich», «See») zu stehenden kontinentalen Gewässern gehörig; zum Beispiel die limnischen Sedimente wie Seekreide, Kieselgur, Gyttja, Dy und manche Kohlen.

Limnologie, (griechisch) Seekunde: Hydrologie der Seen; befasst sich insbesondere mit dem Wasser-, Energie- und Stoffhaushalt stehender Gewässer.

Limno-Meteorologie: Teilgebiet der Hydrometeorologie, das sich mit den atmosphärischen Einflüssen auf den Wasser-, Energie- und Stoffhaushalt stehender Gewässer befasst.

Limoges: Stadt im Südwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Haute-Vienne, an der Vienne; 145000 Einwohner; Herstellung von Porzellan, Fayencen, Emaillewaren; Elektro-, Papier-, Woll-, Schuhindustrie; Universität; Emaille- und Porzellanmuseum; Kathedrale (13./19. Jahrhundert), Kirchen (12./15. Jahrhundert); Geburtsort von A. Renoir.

Limón: Stadt (Provinzzentrum) in Kostarika, am Karibischen Meer; 37000 Einwohner; Erdölraffinerie, chemische Industrie; Hafen, Eisenbahn- und Flugverbindung nach San José.

Limonade: (französisch und italienisch arabisch persisch) alkoholfreies Erfrischungsgetränk, zum Teil kohlendioxidhaltig und gefärbt, mit Fruchtsaft, Essenzen oder anderen Auszügen und einem Zuckergehalt von 7 kg/hl. Bei Brause ist der Zuckergehalt auf 3,5 kg/hl vermindert.

Limousin: historisches Gebiet im mittleren Frankreich, im Westen des Zentralmassivs; als Wirtschaftsregion Limousin 16942 km2, 730000 Einwohner; 43 Einwohner/ km2; wichtigster Ort Limoges; hügelig und gebirgig, im Plateau de Millevaches 978 m hoch; niederschlagsreich; auf den Hochflächen Heide und Moor, sonst Wälder und Wiesen; Schaf- und Rinderzucht; Leichtindustrie; Wasserkraftwerke.

Limousine: (nach Limousin) geschlossener PKW mit festem Verdeck.

Limpopo: Fluss im östlichen Südafrika; 1609 km; entspringt mit 2 Quellflüssen bei Johannesburg (Republik Südafrika), im Mittellauf Grenzfluss zwischen der Republik Südafrika und Botswana beziehungsweise Simbabwe, durchfließt Mozambique (Be-, Entwässerungssysteme), mündet nordöstlich von Maputo in den Indischen Ozean; Hauptnebenfluss ist der von rechts zuströmende Olifants; im Unterlauf schiffbar.

Linaloe Öl: (spanisch + griechisch) gelbliches, blumig-holzig riechendes ätherisches Öl, das aus Rosenholz (Linaloeholz) durch Wasserdampfdestillation gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird. Linaloe Öl enthält bis 85% Linalool.

Linalool: ein farbloser, flüssiger, azyklischer Terpenalkohol von blumigem Geruch. Linalool ist unter anderem im Linaloeöl enthalten, wird synthetisch hergestellt und in der Parfümerie sowie zur Herstellung anderer Riechstoffe verwendet.

Linalylacetat: der Essigsäureester des Linalools; farblose, lavendelartig erfrischend riechende Flüssigkeit; Kp 220 °C. Es kommt in ätherischen Ölen vor, wird synthetisch hergestellt und für Parfüme und Kölnischwasser verwendet.

Linares: Stadt im Süden Spaniens, in der Provinz Jaén, am Südostrand der Sierra Morena; 52000 Einwohner; Blei-, Kupfer- und Silbererzbergbau; Museum.

Lin Biao, 1906-12.9.1971 (Flugzeugabsturz), chinesischer Politiker und Militär, hatte seit den 30er Jahren führende Positionen in der chinesischen Roten Armee (Mitbegründer) und der KP inne; 1956 Mitglied des Politbüros des ZK 1959 Verteidigungsminister; einer der Organisatoren der «Kulturrevolution» 1966/69; wurde auf dem IX. Parteitag der KP 1969 zum alleinigen Nachfolger Mao Zedongs erklärt, im September 1971 aller Ämter enthoben.

Lincke, Paul, 7.11.1866-3.9.1946, Komponist; Hauptvertreter der Berliner Operette («Frau Luna», «Im Reiche des Indra», «Lysistrata» unter anderem); war auch mit vielen Liedern, Tänzen, Revuen und Filmmusiken erfolgreich. Einige seiner Melodien («Das ist die Berliner Luft» unter anderem) sind bis heute sehr populär.

Lincoln: 1. Stadt im Osten Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Lincolnshire, am Fuß der Lincoln Heights; 77000 Einwohner; Fahrzeug- und Maschinenbau, Düngemittel-, Kautschuk- und elektrotechnische Industrie; Burg (11. Jahrhundert), berühmte frühgotische Kathedrale (13./14. Jahrhundert).

2. Hauptstadt des Bundesstaates Nebraska (USA); 170000 Einwohner; Nahrungsmittel-, feinmechanische und Pharmazeut. Industrie; 2 Universitäten.

Abraham Lincoln, 12.2.1809-15.4.1865 (ermordet), US-amerikanischer Staatsmann (Republikanische Partei); Präsident der USA seit 1861; führte den nordamerikanischen Bürgerkrieg gegen die sezessionistischen Südstaaten zur Wiederherstellung der nationalstaatlichen Einheit. Dazu erließ er eine Reihe revolutionärer Gesetze, unter anderem zur Sklavenbefreiung und zur demokratische Entwicklung der Agrarverhältnisse («amerikanischer Weg der Entwicklung des Kapitalismus in der Landwirtschaft», Lenin).

Lind, Jenny, 6.10.1820-2.11.1887, schwedische Sängerin (Sopran); berühmteste Koloratursängerin («schwedisch Nachtigall») ihrer Zeit; lebte seit 1856 in London.

Lindau: Kreisstadt in Bayern, in Schwaben, Stadtkern auf einer Insel im östlichen Bodensee; 24000 Einwohner; Maschinenbau; wichtiger Bodenseehafen mit Leuchtturm; Nobelpreisträgertagungen; Luftkurort; Spielbank; Altstadt aus dem Mittelalter (unter Denkmalschutz) mit ehemaliger Franziskanerkirche (13./14. Jahrhundert), Stephanskirche (16. Jahrhundert), Rathaus (15. Jahrhundert).

Lindau, Rudolf, 28.3.1888-18.10.1977, Historiker; 1906 Mitglied der Sozialdemokratie, 1918 der KPD, nach 1933 im Exil; 1948/50 Direktor der Parteihochschule «Karl Marx» (Professor); danach Wissenschaft), Mitarbeiter am Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED; publizierte zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.

Lindbergh, Charles Augustus, 4.2.1902-26.8.1974, US-amerikanischer Flieger; führte am 20./21.5.1927 den ersten Nonstopflug von New York nach Paris mit seinem Flugzeug «Spirit of Saint Louis» durch, wofür er 33 h und 30 min benötigte.

Lindblad, Bertil, 26.11.1895-25.6.1965, schwedischer Astronom; arbeitete über Dynamik in Galaxien und begründete mit J. H. Oort die Theorie der Rotation des Milchstraßensystems.

Linde, Tilia: zu den Lindengewächsen gehörender Baum der nördlichen gemäßigten Zone mit gelblichen, duftenden, nektarreichen Blüten in Trugdolden mit Flugblatt; heimisch sind die großblättrige Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und die kleinblättrige Winterlinde (Tilia cordata). Linde sind oft gepflanzte Alleebäume, die als Schnitzholz, zur Zeichenkohleherstellung und medizinisch (getrocknete Lindenblüten) genutzt werden.

Linde, Carl, 11.6.1842-16.11.1934, Ingenieur; entwickelte 1875 die erste brauchbare Kompressions-Kältemaschine mit Ammoniak und das nach ihm benannt Verfahren zur Gasverflüssigung, mit dem er 1895 flüssige Luft herstellte.

Lindemann: 1. Ferdinand von Lindemann, 12.4.1852-6.3.1939, Mathematiker; bewies 1882 die Transzendenz der Zahl n und damit die Unmöglichkeit der Quadratur des Kreises.

2. Werner Lindemann, geboren 7.10.1926, Schriftsteller; schreibt Gedichte und Kinderbücher («Der Tag sitzt vor dem Zelt», 1974; «Die Schule macht die Türen auf», 1976; «Sohn und Vater Rübesam», 1978; «Ein Nest versteckt in tiefen Zweigen», 1981).

Linden: Stadt in Guyana; früher Mackenzie; 30000 Einwohner; Zentrum der Bauxitindustrie, Bauxithütte.

Lindgren, Astrid, geboren 14.11.1907, schwedische Schriftstellerin; schrieb realistisch-phantastische Kinderbücher; die Serien über Pippi Langstrumpf (1945/48, deutsch), über die Kinder von Bullerby (1946/52, deutsch) unter anderem wurden weltbekannt.

Lindow, (Mark): Stadt im Kreis Neuruppin, Bezirk Potsdam, zwischen Wutz- und Gudelacksee; 2800 Einwohner; Erholungsort.

Lindsay: 1. Jack Lindsay, geboren 20.10.1900, englischer Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer, gelangte über das Studium der Geschichte zur marxistisch-leninistischen Weltanschauung; verfasste (sozialistisch-realistische) Romane über die römische Geschichte, die englische Geschichte («1649», 1938, deutsch; «Männer von Achtundvierzig», 1948, deutsch) und über den Klassenkampf im England der Nachkriegsjahre (Tetralogie «Der veruntreute Frühling», 1953, deutsch; «Steigende Flut», 1953; «Der Augenblick der Entscheidung», 1955; «Ein Domizil», 1957) sowie über Entwicklungsprobleme junger Intellektueller in den 60er Jahren («Masken und Gesichter»), 1963; «Unterirdischer Donner», 1965). Lindsay verfasste auch Beiträge zur Literaturkritik und Biographien sowie die Dichtung «Auf Wacht für Spanien» (1937) und «Friede lautet unsere Antwort» (1950).

2. Nicholas Vachel Lindsay, 10.11.1879-5.12.1931 (Selbsttötung), US-amerikanischer Dichter; schrieb von der Folklore inspirierte Gedichte, oft zu patriotischen und demokratischen Themen, die er dem Volk vortrug («Verse im Tausch für Brot», 1912). Lindsay verkündete ein «Evangelium des Schönen».

Lineal: 1. Plast-, Metall- oder Holzleiste, die an einer Seite meist mit Millimetereinteilung zum Zeichnen oder Anreißen gerader Linien sowie zur Maßermittlung versehen wird. Für gekrümmte Linien verwendet man Kurvenlineal (fest oder biegsam).

2. soviel wie Winkelmaß (Sternbild).

Lineament, Geofraktur, Erdnaht, Geosutur, Tiefenbruch: geotektonisch bedeutendes, tief hinabreichendes und geologisch alt angelegtes lineares Strukturelement der Erdkruste.

linear: 1. allgemein geradlinig; linienförmig.

2. Mathematik vom ersten Grad, zum Beispiel ein Polynom ax + b.

Linear-Antiqua: zu den runden Schriften gehörende Schriftgattung; umfasst die serifenbetonte Linear-Antiqua (Egyptienne) mit gleichmäßig dicken Strichen und Serifen sowie die serifenlose Linear-Antiqua (bisher Grotesk oder Steinschrift) mit gleichmäßig dicken Strichen.

linearer Satz: Musik das Miteinander verschiedener eigenständiger Melodie«linien» Kontrapunkt. Technik in der Polyphonie; in zeitgenössischer Musik oft stark dissonierend.

lineares Gleichungssystem: ein System linearer Gleichungen der Form zur Bestimmung der Unbekannten xt, ..., x„. Die Koeffizienten alk sowie die absoluten Glieder c, gehören einem Körper an. Das lineares Gleichungssystem heißt homogen, wenn alle c, = 0, und inhomogen, wenn mindestens ein c, 0. Ein homogenes lineares Gleichungssystem hat immer die «triviale» Lösung Xi = 0, ..., xn = 0. Man erhält jede Lösung eines inhomogenen lineares Gleichungssystem, indem man zu einer speziellen Lösung eine beliebige Lösung des zugehörigen homogenen linearen Gleichungssystems addiert. Es sei m = n, das heißt die Anzahl der Gleichungen gleich der Anzahl der Unbekannten. Wenn dann die Determinante det (aa) der Matrix verschieden von 0 ist, hat das lineare Gleichungssystem eine eindeutig bestimmte Lösung. Diese wird nach der Cramerschen Regel berechnet: Man ersetze in (att) die Me Spalte durch die Spalte mit den Elementen c,..., c„ und berechne von der entstehenden Matrix die Determinante h. Dann ist die Lösung des linearen Gleichungssystems gegeben. Lineares Gleichungssystem lassen sich durch viele numerische Verfahren, zum Beispiel das Gaußsche Eliminationsverfahren, die Gauß-Seidel-Methode, den verketteten Algorithmus oder durch allgemeine Relaxationsmethoden exakt oder näherungsweise lösen. Für sehr großes und spezielles lineares Gleichungssystem wurden für den Einsatz von Rechenautomaten besondere Verfahren geschaffen.

Linearmotor: elektrischer Motor zur direkten Erzeugung hin- und hergehender oder fortschreitender Bewegung bei berührungsloser Kraftübertragung. Linearmotor werden für Positioniereinrichtungen, zum Antrieb von Förderrinnen, Sortiereinrichtungen, Luft- und Magnetkissenfahrzeugen eingesetzt.

Ling, Pehr Henrik, 15.11.1776-3.5.1839, Begründer der schwedischen Gymnastik (Lingsche Gymnastik). Lingen, Theo, eigentlich Theodor Schmilz, 10.6.1903-10.11.1978, Schauspieler; wirkte in vielen Filmen als Komiker («Sieben Jahre Pech», «Der Theodor im Fußballtor»), bewies jedoch, 1929/44 in Berlin und seit 1948 am Wiener Burgtheater und an großen Bühnen der BRD, auch seine Fähigkeiten als Charakterdarsteller; inszenierte einige Filme («Frau Luna», «Das Lied der Nachtigall») und schrieb auch Lustspiele.

Lingen: Kreisstadt in Niedersachsen, im Emsland; 44000 Einwohner; Textilindustrie; Kernkraftwerk, Stahlerzeugung, Erdölraffinerie; Häfen am Dortmund-Ems-Kanal; westlich von Lingen Erdöl- und Erdgasförderung.

Lingga-Inseln: Inselgruppe im Malaiischen Archipel, vor der Ostküste von Sumatera beiderseits des Äquators, zu Indonesien gehörend; 2178 km2, etwa 31000 Einwohner; die größten Inseln sind Lingga und Singkep; Hauptort Selayar auf Singkep; Tiefland, auf der Insel Lingga Bergland bis 1163 m über dem Meeresspiegel; tropisches Klima; Bergbau auf Zinnerz.

Lingner, Max, 17.11.1888-14.3.1959, Maler und Graphiker; 1904/13 Studium an den Kunstakademien Leipzig und Dresden; 1928/49 in Paris, Zeichner für kommunistische Presseorgane, Mitglied der Franzos. KP, seit 1950 Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Lingner gestaltete in ausdrucksvoll-optimistische Weise das revolutionäre Leben des französischen Proletariats; in der DDR wirkte er namentlich durch seine Historien- und Wandbilder sowie Illustrationen zur Weltliteratur bahnbrechend für die Entwicklung der sozialistisch-realistischen Kunst.

Linguathek: Sammlung von Sprachlehrmitteln (Bücher, Schallplatten unter anderem Tonträger mit Text zum Erlernen von Fremdsprachen). In Bibliotheken können diese Materialien auch ausgeliehen werden.

Linie: 1. Genealogie: Verwandtenreihe, Geschlechterfolge (männliche, weibliche, jüngere, ältere, Hauptlinie und Nebenlinie eines Geschlechts).

2. Mathematik: eindimensionales geometrische Gebilde ohne Querausdehnung; krumme Linie sind Kurven, gerade Linie Geraden.

3. seemännisch Bezeichnung für Äquator.

4. Tierzucht: gegeneinander abgegrenzte, in bedingt geschlossener Zucht vermehrte Teilpopulation von Tieren einer Rasse, die sich aus einer Mindestzahl von Leistungsfamilien zusammensetzt.

Linienart: standardisierte Linien für technische Zeichnungen, wie breite Volllinie für Körperkanten, Strichlinie für unsichtbare Kanten, schmale Volllinie für Maßlinien, Maßhilfslinien, Schraffurlinien und Bezugslinien; Strich-Punkt-Linie für Symmetrie- und Mittellinien, Freihandlinie für Bruchlinie.

Linienbildfunktion: Abhängigkeit der Leuchtdichteverteilung vom Ort im Bild einer inkohärent leuchtenden Linie, deren einzelne Punkte mit der gleichen Punktbildfunktion abgebildet werden; eine Gütefunktion für optische Systeme.

Linienbreite, natürliche: der Anteil der Halbwertsbreite von Spektrallinien, der von der endlichen Lebensdauer angeregter Zustände, zum Beispiel von Atomen und Molekülen, herrührt; diese Zustände haben dann nach dem Heisenbergschen Unbestimmtheitsprinzip für Zeit und Energie unscharfe Energieniveaus und die beim Übergang entstehende elektromagnetische Strahlung hat keine scharfe Frequenz.

Linienführung, Trassierung (zu «Trasse»): Festlegung der Achse eines Verkehrsweges oder Leitungsnetzes im Grundriss und Längsschnitt (im Lage- und im Höhenplan) nach verkehrstechnischen, ingenieurgeologischen, technologischen und ökonomischen Gesichtspunkten.

Linieninseln: Inselgruppe in Polynesien (Stiller Ozean), überwiegend zu Kiribati gehörend, einige Atolle (Kingmanriff, Jarvis) US-amerikanische Kolonie (Militärstützpunkte); 615 km2, 1200 Einwohner; umfasst 11 größere (besonders Weihnachts-, Fanning-Insel, Washingtoninsel) und viele kleine Koralleninseln.

Linienkreuzung: Kreuzung von Tieren verschiedener Linien zur Feststellung und Ausnutzung wiederholbarer Kreuzungseffekte.

Linienprinzip: ein Strukturprinzip der staatlichen Leitung. entsprechend dem Linienprinzip sind weisungsmäßig unterstellte Organe in einer Weisungslinie miteinander verbunden. Siehe auch Funktionalprinzip, Territorialprinzip, Zweigprinzip.

Linienrichter: Kampfrichter in einigen Sportspielen, der dem Schiedsrichter assistiert und (außer im Eishockey) mit Hilfe einer Fahne hauptsächlich Ausbälle, Eckbälle und Abseitsstellungen anzeigt.

Linienriss: Konstruktionszeichnung der äußeren Form der Schiffskörper, die aus Längs-, Spantenriss und Wasserlinienriss besteht.

Linienschreiber: elektrisches Gerät zur Anzeige und gleichzeitigen Registrierung eines Messwerts auf einer bewegten Unterlage, zum Beispiel mittels Tinte auf Papier oder mittels Lichtstrahls auf Fotopapier.

Linientaufe, Äquatortaufe-, traditionelle, humorvolle, durch den «Meeresgott Neptun» vollzogene «Taufe» von Seeleuten und Fahrgästen, die erstmalig über den Äquator fahren.

Linienzucht: Verfahren zur Züchtung von genetisch und leistungsmäßig differenzierten Linien zwecks Ausnutzung wiederholbarer Kombinationseffekte durch Kreuzung.

Liniers y Bremond, Jacques Antoine Marie, 1753-26.8.1810, französischer Offizier in spanischen Diensten; erwarb sich Verdienste bei der Verteidigung von Buenos Aires gegen die Briten (1806/07); wurde 1807 Vizekönig für das La-Plata-Gebiet; von der Revolutionsjunta als Verschwörer hingerichtet.

Liniment: zum Einreiben dienende Arzneiform; enthält Arzneimittel und oftmals leichtflüchtige Stoffe in dickflüssiger Emulsion von Fett oder einem fettähnlichen Stoff in Wasser.

Linke: 1. im parlamentarischer Sprachgebrauch ursprünglich die bürgerlich-liberalen Parteien, später auch die Arbeiterparteien im Unterschied zu den konservativen Parteien oder Rechten (entsprechend der Sitzordnung in bürgerlichen Parlamenten vom Präsidium aus gesehen); allgemein gebräuchlich für fortschrittliche Parteien, Gruppen und so weiter

2. revolutionärer Flügel der internationalen Sozialdemokratie; hatte sich 1903 in Russland unter Lenin erstmals organisiert. Nach der russischen Revolution 1905/07 begann sich unter anderem auch in Deutschland aus den marxistischen Kräften der deutschen Sozialdemokratie um K. Liebknecht, R. Luxemburg, F. Mehring und C. Zetkin die politisch-ideologische Strömung der deutschen Linke zu entwickeln. Die Linke rangen um die Anwendung neuer Kampfformen, führten den entschiedensten Kampf gegen Imperialismus und Militarismus, gaben der Arbeiterklasse im Kampf gegen den Opportunismus eine revolutionäre Orientierung und vertraten konsequent den proletarischen Internationalismus. Die deutschen und andere Linke zögerten jedoch zu lange, mit dem Opportunismus auch organisatorisch zu brechen und eine Partei neuen Typs zu schaffen. Während des 1. Weltkrieges und unter dem Einfluss der Oktoberrevolution entstanden in vielen Ländern weitere linke Gruppen, aus denen sich ab 1918 kommunistischen Parteien bildeten.

Linköping: Stadt im mittleren Schweden, Verwaltungszentrum der Provinz Östergötland; 110000 Einwohner; Kfz- (Saab), Flugzeug- und Maschinenbau; Textil- und Lebensmittelindustrie; Eisenbahnwerkstätten; Universität; gotisch Dom, Schloss.

Linkrusta: Wand- und Deckenbelag mit auf Papier oder Gewebe aufgeprägtem dünnem Linoleum; Nachahmung von Ledertapete.

Linksauslage: Boxstellung von Rechtshändern flinker Fuß und linke Schulter vom); Rechtsauslage bei Linkshändern.

Linkshändigkeit: anlage- und beziehungsweise oder erziehungsbedingte linkshändige Ausübung von mehr oder weniger zahlreichen Tätigkeiten; führt zu stärkerer Entwicklung der rechten Hirnhälfte (Nervenbahnen zum Gehirn kreuzen im verlängerten Mark auf die Gegenseite). Beruf!. Behinderungen können die Folge sein, zum Beispiel bei Maschinenbetätigung. Linkshegelianer Junghegelianer. Linksinsuffizienz, Linksherzinsuffizienz: unzureichende Leistung der Muskulatur der linken Herzkammer infolge Bluthochdrucks, Herzklappenfehlers, Myokardinfarkts unter anderem; fuhrt zu verminderter Blutversorgung des Körperkreislaufs und zur Blutstauung im Lungenkreislauf mit Luftnot, Husten, Blausucht, schließlich Lungenödem.

Linkskurve, Die: Publikationsorgan des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (1929/33); herausgegeben von J. R. Becher, A. Gabor, K. Kläber, Renn, E. Weinert und (seit 1930) H. Marchwitza.

Links-Links-Gestrick: Grundbindung für Gestricke; beide Gestrick Seiten zeigen im Maschenstäbchen wechselnd rechte und linke Maschenseiten.

Linna, Väinö, geboren 20.12.1920, finnischer Erzähler; sein Antikriegsroman «Der unbekannte Soldat» (1954, deutsch) und die sozialkritische Romantrilogie «Hier unter dem Polarstern» (1959/62) zählen zu den herausragenden Werken der finnischen Nachkriegsepik.

Linné, Carl von, 23.5.1707-10.1.1778, schwedischer Naturforscher; zunächst Arzt in Stockholm, ab 1742 Professor für Botanik in Uppsala; hervorragender Systematiker, führte die doppelnamige Benennung (binäre Nomenklatur) der Pflanzen- und Tierarten ein und schuf durch kurze lateinische Beschreibungen eine zweckmäßige botanische Kunstsprache. In seinem ständig erweiterten «Systema naturae» (1735) klassifizierte er Mineralien, Pflanzen und Tiere, wobei er auch zahlreiche neue Arten beschrieb. Sein «künstliches» Pflanzensystem beruhte auf äußerlichen Merkmalen der Staubblätter und Griffel (Sexualsystem). Linné vertrat die Auffassung, dass die Arten im Wesentlichen konstant sind.

Linoleum: mit einem Gemisch aus Korkmehl und Leinölfirnis beschichtetes Jutegewebe als Fußbodenbelag. Linoleum wurde durch dauerhaftere und billigere Kunststoffbeläge verdrängt.

Linolsäure: die doppelt ungesättigte essentielle Fettsäure C„H31COOH; eine farblose, ölige, wasserunlösliche Flüssigkeit; F5°C; die Salze und Ester heißen Linoleate. Linolsäure kommt zusammen mit der dreifach ungesättigten, ebenfalls essentiellen Linolensäure (-11°C; Salze und Ester Linolenate), als Glycerid in Fetten und fetten Ölen vor; besonders reichhaltig an Linolensäure sind trocknende Öle, zum Beispiel Leinöl.

Linolschnitt: (dat. + deutsch) graphische Hochdrucktechnik, die sich um 1920 aus dem Holzschnitt entwickelte. Linoleum o. ä. leicht zu bearbeitende Kunststoffe dienen als Druckplatte. Der Linolschnitt eignet sich besonders für großflächige Wirkungen.

Linon: (französisch) feinfädiges, leinenähnliches, gebleichtes Baumwollgewebe in Leinwandbindung; für Unter-, Tischwäsche und Taschentücher.

Lins do Rêgo Cavalcanti, José, 3.7.1901-12.9.1957, brasilianischer Romancier; gestaltete den Niedergang der kolonialen Zuckerplantagen in Nordostbrasilien unter dem Ansturm kapitalistischer Verhältnisse und die Zerstörung der patriarchalischen Beziehungen zwischen den Menschen, zum Beispiel «Die alte Plantage» (1934), «Der Neger Ricardo» (1935), «Die Zuckerfabrik» (1936).

Linse:

1. Anatomie: Auge.

2. Linse, Lens culinaris - Botanik: einjähriger, wickenähnlicher Schmetterlingsblütler mit kleinen bläulich-weißen Blüten, dessen Hülsen 1 bis 3 scheibenförmige Samen (eiweißreiches Nahrungsmittel) enthalten. Hauptanbaugebiete sind Indien, Vorderasien und das Mittelmeergebiet.

3. Geologie: linsenförmiger (lentikulärer) Gesteinskörper, dessen Merkmale von denen umgebender Gesteine abweichen, zum Beispiel Tonlinse im Sand.

4. Optik: Bauelement aus einem für Licht hochtransparenten Werkstoff mit 2 brechenden oder einer brechenden und einer reflektierenden Fläche (Spiegellinse). Sphärische Linsen sind von Kugelflächen begrenzt, durch deren Mittelpunkte die optische Achse verläuft. Asphärische Linse enthalten mindestens eine Fläche, die von der Kugelform abweicht und rotationssymmetrisch, zylindrisch oder torisch sein kann. Zylinderlinsen werden zum Beispiel zur anamorphotischen Abbildung, torische Linse in Brillengläsern eingesetzt. Sammellinse wandeln ein Parallel in ein konvergentes Strahlenbündel um. Sie sind im Allgemeinen in der Mitte dicker als am Rand. Sie werden in bi-, plan- und konkavkonvexe Linse eingeteilt. Zerstreuungslinse wandeln ein Parallel in ein divergentes Strahlenbündel um. Sie sind in der Mitte dünner als am Rand. Man unterscheidet dabei bi-, plan- und konvexkonkave Linse. Mit flachen und achsnahen Lichtbündeln erzeugen Linsen eine Gaußsche Abbildung.

Linser, Karl, 10.9.1895-27.4.1976, Dermatologe; 1947/50 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig, 1951/62 an der Humboldt-Universität zu Berlin; erwarb sich große Verdienste bei der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in den ersten Jahren nach 1945, besonders aber beim Neuaufbau des Gesundheitswesens in der DDR; war Präsident der Deutschen Zentralverwaltung für das Gesundheitswesen; Mitglied des Präsidiums des Nationalrats der Nationalen Front.

Linton, William James, Pseudonym Spartacus, 7.12.1812-29.12.1897, englischer Lyriker, Essayist und Holzschnittkünstler; unterstützte mit dem Gedichtzyklus «Verse und Argumente gegen den Grundbesitz» (1851/53) den revolutionären Chartismus und verteidigte mit der Schrift «Die Pariser Commune» (1871) die Kommunarden; schrieb die Biographie «Das Leben Whittiers» (1893).

Linz: Hauptstadt des Bundeslandes Oberösterreich, an der Donau, im Linzer Becken; 200000 Einwohner; Zentrum der Eisenmetallurgie (Stahl-, Walzwerk, Kokerei), Stickstoffherstellung, Maschinen-, Schiffbau und vielseitige Leichtindustrie (unter anderem Elektro-,Papier-, Glasindustrie); Wärmekraftwerk; Donauhafen, internationaler Flughafen Hörsching; Universität, Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Konservatorium; Brucknerhaus; zahlreiche Bauten besonders des 17. Jahrhundert (Jesuiten-, Martinskirche (mit karolingischen Kern), Rathaus) und 18. Jahrhundert (Brüder-, Seminarkirche, Bischofshof), Schloss (16. Jahrhundert, seit Brand von 1800 Torso), Dom (19./20. Jahrhundert), barocke Häuser.

Lin Zexu, 1785-1850, chinesischer Politiker, vertrat patriotisch eingestellte Teile der feudalen Beamtenschaft, ließ als Provinzgouverneur 1839 in Guangzhou 20000 Kisten britischen Opiums verbrennen.

Liotard, Jean Etienne, 22.12.1702-12.6.1789, französischer Pastellmaler schweizerischer Herkunft; in seinen Porträts, vorwiegend der höflichen Gesellschaft, aber auch anderer sozialer Schichten, verband er äußere Genauigkeit mit psychologischer Durchdringung, nahm Gestaltungsprinzipien des 19. Jahrhundert vorweg; Hauptwerk «Schokoladenmädchen».

Liouville, Joseph, 24.3.1809-8.9.1882, französischer Mathematiker; zeigte die Existenz transzendenter Zahlen, schuf eine allgemeine Schwingungslehre und war Mitbegründer der analytischen Zahlentheorie; wichtige Beiträge zur Analysis.

Liouville-Gleichung: (nach J. Liouville) Erhaltungssatz für die Verteilungsfunktion eines Vielteilchensystems (Gas, Flüssigkeit, Festkörper); bildet die Grundlage der Nichtgleichgewichtsstatistik. Für ein aus N Molekülen der Masse m bestehendes System lautet sie % + Z beziehungsweise pt (/ = 1 ... N) Ort beziehungsweise Impuls des i-ten Moleküls und F, die darauf wirkende Kraft; Zeitkoordinate.

Liparische Inseln, Äolische Inseln: 17 süditalienische vulkanische Inseln, nördlich von Sizilien; 117 km2, 10000 Einwohner; Hauptinsel Lipari (37 km2); Anbau von Wein, Oliven, Feigen; Abbau von Schwefel, Bimsstein; Fischerei; tätige Vulkane Stromboli, Vulcano.

Lipasen: (griechisch) fettspaltende Enzyme der Klasse Hydrolasen.

Lipatow, Wil Wladimirowitsch, 10.4.1927-1.5.1979, russisch-sowjetischer Schriftsteller; gestaltete in den Erzählungen «Der Flugzeugheizer» (1955, deutsch) und «Viktoria und die Fischer» (1961, deutsch) sowie in den Romanen «Die Mär vom Direktor P.» (1969, deutsch), «Ermittlung zur Person» (1974, deutsch) und «Igor Sawwowitsch» (1977) den widerspruchsvollen Weg starker Persönlichkeiten und ihre Beziehungen zum Arbeitskollektiv.

Lipica, Lipizza: Ort in Slowenien, östlich von Triest; Gestüt (1580 gegründet) zur Zucht von Lipizzaner Pferden (Warmblutpferde). Lipide Fette.

Lipidspeicherkrankheit, Lipidose: auf angeborenen Enzymdefekten beruhende erbliche Fettstoffwechselstörung mit Ablagerung bestimmter, nicht weiter abbaufähiger Fettstoffe (Lipide) in zahlreichen Geweben und Organsystemen, insbesondere im Zentralnervensystem; zum Beispiel Sphingomyelin-Lipidspeicherkrankheit (Niemann-Picksche Krankheit), Zerebrosid-Lipidspeicherkrankheit (Gauchersche Krankheit). Siehe auch Hyperlipidämie.

Lipno nad Vltavou: Südböhmischer Bezirk, am Oberlauf der Vltava; 600 Einwohner; Talsperre Lipno mit Stausee (42 km lang, 48 km2, 306 Millionen m3) 1959 als erste Etappe der Vltava-Kaskade vollendet; Wasserkraftwerk; Erholungsgebiet.

Lipofuszin: körpereigenes Lipoid haltiges bräunliches Pigment als Endprodukt des Lysosomen Stoffwechsels, auch als Alterspigment bezeichnet, da es in alternden Zellen auftritt. In der Haut bewirkt es bräunliche Flecken.

Lipom, Fettgeschwulst: gutartige Neubildung aus Fettgewebe, meist im Unterhautzellgewebe vorkommend.

lipophil: (griechisch) fettfreundlich; in Fetten, fetten Ölen oder fettähnliche Verbindungen leicht löslich.

lipophob: (griechisch) fettfeindlich, fettabweisend; in Fetten oder fettähnliche Verbindungen nicht löslich.

Lipoproteide: zusammengesetzte Proteine, die einen Lipid- (Fett-) Anteil enthalten. Im Blut erfüllen Lipoproteide Transportaufgaben für Phospholipide, Triglyzeride und andere Lipide.

Lippe, Labium: a) Haut- beziehungsweise Schleimhautfalte unterschiedlicher Ausbildung und Funktion, zum Beispiel Lippe des Mundes, Stimmlippe;

b) Bezeichnung für vorspringende Ränder am Gelenkknorpel oder Knochen.

Lippe: 1. Lippe: rechter Nebenfluss des Rheins; 237 km; entspringt nordöstlich von Paderborn und mündet bei Wesel; linksseitig ab Hamm der 107 km lange Lippe-Seitenkanal.

2. historisches Gebiet um Detmold. 1123 als Herrschaft genannt, 1529 Reichsgrafschaft, im 17./18. Jahrhundert entstanden durch Teilung mehrere Linien; 1866 Anschluss an Preußen; 1918 bis 1933/34 Freistaat; 1947 zum Land Nordrhein-Westfalen. Lippenbändchen: mediane Schleimhautfalte zwischen Ober- beziehungsweise Unterlippe und Ober- beziehungsweise Unterkiefer. Ein abnorm stark entwickelte Lippe kann ein Diastema (Kieferanomalien) hervorrufen.

Lippenbär, Melursus ursinus: schwarzer Bär mit langer heller Schnauze und vorstreckbaren Lippen, der in Wäldern Indiens und Sri Lankas Termiten und Früchte frisst. Siehe auch Bären.

Lippenblütler, Lippenblütengewächse, Lamiaceae, Labiatae: weltweit verbreitete Pflanzenfamilie mit lippenförmigen Blüten, meist 2 Paar ungleichlangen Staubblättern und einem oberständigen Fruchtknoten, aus dem sich 4 Nussfrüchte entwickeln («Klausen»); Stengel vierkantig, Blätter kreuzgegenständig; reich an ätherischen Ölen. Viele Gewürz-, Parfüm- und Heilpflanzen, zum Beispiel Bohnenkraut, Lavendel, Pfefferminze, Günsel.

Lippendorf: Gemeinde im Kreis Borna, Bezirk Leipzig; 300 Einwohner; Ferrolegierungswerk; bei Lippendorf Braunkohlenkraftwerk (600 MW).

Lippfische, Labridae: meist in tropischen und subtropischen Meeren lebende Barschartige mit fleischigen Lippen, kräftiger Bezahnung und durchgehender Rückenflosse; treiben Brutpflege. Der bis 25 cm lange Meerjunker (Coris julis) lebt im Mittelmeer; siehe auch Putzerfische.

Lippi: 1. Filippino Lippi, 1457(?)—18.4.1504, italienischer Maler der Frührenaissance; Sohn von Lippi 2; tätig in Florenz; anfangs an seinem Lehrer S. Botticelli orientiert, kommt er später zu größerer Bewegtheit der Komposition und Linienführung. Hauptwerke sind die Fresken in den Uffizien, der Cappella Brancacci und der Cappella Strozzi (sämtlich in Florenz) sowie in der Cappella Carafa in Rom.

2. Fra Filippo Lippi, um 1406-9.10.1469, italienischer Maler der Frührenaissance; schuf zahlreiche mit genauen Naturdetails bereicherte anmutige Madonnenbilder sowie Fresken in den Domen zu Prato und Spoleto.

Lippold, eigentlich Brockdorff, Eva, geboren 15.4.1909, Schriftstellerin; gestaltet in einer 1981 unter dem Titel «Die Verlobte» verfilmten Romantrilogie Erlebnisse aus ihrem Widerstandskampf gegen den Faschismus («Haus der schweren Tore», 1971; «Leben, wo gestorben wird», 1974; Band 3 noch unveröffentlicht); schrieb auch Lyrik und schuf Nachdichtungen amerikanischer Volks- und Kampflieder.

Lips: 1. Eva, geboren 6.2.1906, Ethnologin; Frau von Lippold; 1933/48 Emigration in Frankreich und den USA; 1957/66 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig; arbeitete auf dem Gebiet der Allg. Völkerkunde; wirtschaftsethnologische und ethnobotanische Forschungen, verfasste zahlreiche wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Werke, besonders auch über die Indianer Nordamerikas.

2. Julius Ernst, 8.9.1895-21.1.1950, Völkerkundler und Rechtssoziologe; vor 1933 Professor an der Kölner Universität und Direktor des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums, 1933/48 aus Protest gegen die faschistische Konzeption der Völkerkunde Emigration (Frankreich und USA); 1948/50 Rektor der Leipziger Universität; siehe auch Erntevölker.

Lipschitz, Lipchitz, Jacques, 30.8.1891-26.5.1973, französischer Bildhauer polnischer Herkunft; lebte zeitweise in den USA; Vertreter des Kubismus in der Plastik, gelangte um 1930 wieder zur Gestaltung organisch gewachsener Formen.

liquid: (lateinisch, «flüssig») über Zahlungsmittel verfügend, zahlungsfähig sein, unbestritten und beitreibbar (bei Forderungen); siehe auch illiquid.

Liquidation: (lateinisch) 1. Beseitigung, Vernichtung.

2. Einziehung von Geldforderungen, zum Beispiel durch Ärzte und Rechtsanwälte.

3. Abwicklung.

Liquidatoren: 1907/10 entstandene rechtsopportunistische Gruppe in der SDAPR; versuchte, während der Reaktionsperiode nach 1907 ein reformistisches Parteiprogramm durchzusetzen und so die revolutionäre russische Arbeiterpartei zu «liquidieren»; 1912 aus der SDAPR ausgeschlossen. Hauptvertreter waren F. Dan, P. B. Axelrod und A. N. Potressow.

Liquiden: (lateinisch; Sing. Liquida) Sammelbezeichnung für die Laute 1 und r.

liquidieren: (lateinisch) aufheben; beseitigen; (ein Geschäft) auflösen; vernichten.

Liquidität: Zahlungsfähigkeit, liquidmagmatische Phase: Bildungsbereich während des Erstarrungsablaufs magmatische Schmelzen bei Temperaturen zwischen etwa 1300 und 650°C.

Liquiduslinie: Linienzug in Zustandsschaubildern von Legierungen, der das Gebiet der homogenen Schmelze (der vollständigen Verflüssigung) begrenzt. Siehe auch Soliduslinie.

Liroflor: (Kunstwort) Technologie zur Herstellung von gemusterten Wirkteppichen, wobei der Polfaden durch Maschen eingebunden ist und über eine Jacquardmaschine für die Musterung gesteuert wird. Auch Bezeichnung für die entsprechend Wirkmaschine.

Liropol: (Kunstwort) Wirkmaschine zur Herstellung von Frottiertextilien mit unterschiedlicher Vorder- und Rückseite.

Lisboa, Antonio Francisco de, genannt Aleijadinho («Kleiner Krüppel»), 29.3.1730 (oder 1738)—18.11.1814, brasilianischer Bildhauer und Architekt; schuf die Kirche S. Francisco in Sao Joao del Rei; die rokokohaft-beschwingten Fassaden der Igreja do Canno in Sabara, von S. Francisco des Assis in Ouro Prêto und für die Wallfahrtskirche Bom Jesus de Matosinhos in Congonhas mit monumentaler zweiläufiger Freitreppe (mit 12 Propheten-Standbildern aus Stein; 66 lebensgroße Holzfiguren der Kreuzwegstationen). Lisboas derbe, archaisch anmutende Figuren sind vielfach falsch proportioniert, berühren aber durch ihre eigenwillige Ausdruckskraft und gehören zu den bedeutendsten Leistungen der Kolonialzeit.

Liselotte von der Pfalz, eigentlich Elisabeth Charlotte, 27.5.1652-8.12.1722, Herzogin von Orléans; seit 1671 vermählt mit Herzog Philipp von Orléans; kritisierte in ihren Briefen scharf das Leben am Hof des französischen Königs Ludwig XIV., dessen Schwägerin sie war.

Lisene:

1. Architektur: senkrechter, flach aus der Mauerfläche heraustretender schmaler Wandstreifen zur optischen Gliederung, ohne bautechnische Funktion; besonders am romanischen Außenbau.

2. Holztechnik: konvexrundes Profil an Holzteilen; ein senkrechtes Zierelement im Möbelbau; siehe auch Kehlen.

Lissa, Zofia, 19.10.1908-26.3.1980, polnische Musikwissenschaftlerin; lehrte 1948/73 an der Universität Warschau (1951 Professor); schrieb unter anderem «Die Grundlagen der Musikästhetik» (1953), «Ästhetik der Filmmusik» (1964).

Lissabon, portugiesisch Lisboa: Hauptstadt Portugals und Verwaltungszentrum des Distrikts Lissabon, dicht vor der Mündung des Tejo in den Atlantik; 817000 Einwohner, als Großlissabon 2 Millionen Einwohner; Erd-ölraffinerie, Schiff-, Maschinen-, Waggonbau; elektrotechnische, keramische, Reifen-, Lebensmittel- und Textilindustrie; See- (Afrika-, Südamerikaverkehr) und Fischereihafen, internationaler Flughafen, 2277 km lange Hängebrücke über den Tejo, U-Bahn; Universität (1290), TH; Nationalarchiv, -bibliothek, -theater, -museum; Zoo; Sportstadion, Stierkampfarenen. Roman. Kathedrale, zahlreiche Kirchen und öffentliche Gebäude (Palast Necessidades, 1742/50; Rathaus, 1866). Im westlichen Vorort Belem ehemaliger Convento dos Jeronimos (1517/51; J. de Castilho) sowie Turm S. Vicente (1514/20; F. de Arruda), Hauptdenkmale des manuelinischen Stils, und Pao de Belem (18. Jahrhundert; jetzt Wohnsitz des Präsidenten). Phönikische Gründung, seit 2. Jahrhundert vor Christus römisch, im 5. Jahrhundert nach Christus suebisch, 585/714 westgotisch, 714/1147 maurisch; 1147 von Kreuzfahrern erobert, seit 1256 Hauptstadt; im 16. Jahrhundert führendes Handelszentrum; Mittelpunkt der bürgerlichen Revolution von 1820 und 1910 sowie der antifaschistischen-demokratischen Revolution von 1974.

Lissagaray, Prosper Olivier, 24.11.1838 bis 25.1.1901, französischer Publizist; wegen seines Auftretens gegen das Zweite Kaiserreich wiederholt eingekerkert; Barrikadenkämpfer während der Pariser Kommune; veröffentlichte im Asyl in Großbritannien «Die Geschichte der Kommune von 1871».

Lissajous-Figur: (nach einem französischen Physiker) Bahnkurve eines Punktes, der gleichzeitig in 2 zueinander senkrechten Richtungen schwingt. Die Lissajous-Figur hängt vom Frequenz- und Amplitudenverhältnis und von der Phasenverschiebung der beiden Schwingungen ab.

Lisseuse: (französisch) Spinnerei Wasch- und Plättmaschine für Kammzug zum Beseitigen der Kräuselung.

Lissitzky, El, eigentlich Lasar Markowitsch Lissizki, 22.11.1890-30.12.1941, sowjetischer Architekt, Gestalter und Graphiker; ausgehend vom Konstruktivismus, war er durch den Einsatz neuer Gestaltungsmittel an der Entwicklung der Architektur, künstlerische Fotografie und Fotomontage, der modernen Typografie und Buchkunst sowie der Plakatkunst in den 20er und 30er Jahren führend beteiligt; mit seinem universellen Schaffen, in dem er neuen revolutionären ideologischen beziehungsweise technisch-konstruktiven Vorstellungen Raum gab, übte er einen großen Einfluss besonders auf die moderne europäischen Kunst aus.

List, Friedrich, 6.8.1789-30.11.1846 (Selbsttötung), Wirtschaftstheoretiker und -politiker; ideologischer Vertreter der aufstrebenden deutschen Bourgeoisie; 1825/30 Emigrant in den USA; trat für deutsche Zolleinheit ein; forderte auf die Entwicklung der Industrie gerichtete Schutzzölle und hatte bedeutenden Anteil an der Entwicklung des deutschen Eisenbahnwesens.

Listenwahl: Wahlverfahren, bei dem nicht einzelne Personen, sondern in Listen (der Parteien) zusammengefasste Gruppen von Personen gewählt werden.

Lister, Joseph, Lord, 5.4.1827-10.2.1912, britischer Chirurg; Professor in London; führte 1867 die antiseptische Wundbehandlung mit Karbolsäure ein, die später durch die Asepsis abgelöst wurde.

Listeriose: (nach J. Lister) durch Bakterien (Listeria monocytogenes) hervorgerufene Infektionskrankheit der Tiere und des Menschen mit unterschiedlicher Ausprägung. Der Erreger greift vorwiegend das Zentralnervensystem an. Die Listeriose der Schafe ist die am häufigsten vorkommende Form. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika bei gleichzeitiger Durchführung hygienischer Maßnahmen:

Liszt, Ferenc (Franz), 22.10.1811-31.7.1886, ungarischer Komponist; errang als Klaviervirtuose in ganz Europa ungewöhnliche Erfolge und entwickelte eine neue virtuose Klaviertechnik. Liszt wirkte 1849/61 als Hofkapellmeister in Weimar, wo er sich, als Zentralgestalt der «Neudeutschen Schule», bahnbrechend unter anderem für R. Wagner, H. Berlioz, P. Cornelius einsetzte und Lehrer und Vorbild für eine bedeutende Pianisten Generation wurde. Von der Berliozschen Programmsinfonik ausgehend, schuf er die poetisch inspirierte einsätzige sinfonische Dichtung («Les Préludes», «Die Ideale», «Hungaria», «Tasso» unter anderem), ferner zahlreiche, meist sehr virtuose Klaviermusik (Etüden, «Ungarische Rhapsodien», poetisch-programmatische Stücke wie «Wasserspiele der Villa d’Este», «Liebesträume»), «Eine Faust-Sinfonie» und «Dante-Sinfonie», Messen, Oratorien, Lieder, Klavierparaphrasen. Zugleich setzte er sich für die Entwicklung der nationalen ungarischen Musik ein. Liszt war bedeutend auch als Musikorganisator (unter anderem Gründung des Allg. Deutschen Musikvereins 1861) und Förderer kompositorischer Talente.

Litanei: (dat. - griechisch) Wechselgebet zwischen Geistlichem und Gemeinde.

Litani, Nähr al-Litani: Fluss im Osten Libanons; 145 km; entspringt bei Balabak, entwässert die Bekaa Ebene nach Südwesten, mündet bei Sur in das Mittelmeer; umfangreiche Bewässerungsanlagen.

Litauer: zum baltischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen gehörendes Volk, besonders in der Litauischen SSR (über 2,7 Millionen; in der UdSSR etwa 2,85 Millionen) sowie in Polen, USA, Kanada, Australien und anderen Staaten (etwa 0,5 Millionen).

literarische Gattungen: die drei relativ stabilen literarischen Hauptformen künstlerischer Gestaltung: Epik, Lyrik und Dramatik. Sie entwickelten sich wie ihre literarischen Genres unter dem Einfluss der jeweils sozialökonomischen Bedingungen und den sich daraus ergebenden ästhetischen Interessen und kulturellen Bedürfnissen. Der Hauptunterschied zwischen den literarischen Gattungen besteht im Verhältnis des Dichters zur dargestellten Welt; in einem besonderen Vor- oder Zurücktreten des Subjektes gegenüber dem dargestellten Gegenstand. Daraus ergibt sich die Möglichkeit von Übergängen einer literarische Gattungen in eine andere, literarische Genres: die einzelnen Dichtungsarten, die durch Struktur und ästhetische Bestimmung voneinander unterschieden sind, zum Beispiel Ballade, Elegie, Hymne, Lied, Ode, Sonett in der Lyrik; Epos, Erzählung, Fabel, Märchen, Novelle, Roman, Sage in der Epik; dokumentarisches Theater, episches Theater, Fastnachtsspiel, Komödie, Schauspiel, Schwank, Tragödie, Volksstück in der Dramatik. Wie auch die literarischen Gattungen widerspiegeln die literarische Gattungen inhaltlich und formal das Wesen geschichtlicher Epochen und können daher einander unter dem Aspekt ihrer gesellschaftlichen Aufgabenstellung abwechseln (zum Beispiel Ablösung des I Epos durch den Roman zur Zeit des Aufblühens des Bürgertums), oder sie entstehen neu (Kurzgeschichte im 19. Jahrhundert).

Literat: ursprünglich Gelehrter, im 18./19. Jahrhundert Berufsschriftsteller; heute oft in abwertendem Sinne gebraucht für solche Autoren, die aus kommerziellen Gründen belanglose Literatur produzieren. Literatenmaler: im alten China und Japan Vertreter der antiakademische Richtung der Malerei, die von Literaten, Kalligraphen und Kunsttheoretikern als Nebenbeschäftigung zur geistigen Kultivierung und als ästhetisches Spiel ausgeübt wurde. Siehe auch Nanga.

Literatur: alle schriftlich fixierten Texte, auch wissenschaftliche und publizistische Arbeiten, Dokumentationen unter anderem; im engeren Sinne die künstlerisch gestaltete Literatur Die Literatur dient den geistig-kulturellen Ansprüchen der Leser. Historisch entstand sie nach mündlichen Erzählen, lyrischer-musikalischer Vorträgen und theatralischer Gestalten mit der Herausbildung der Schrift. Durch die Erfindung des Buchdrucks (15. Jahrhundert) wuchs die Masse verbreiteter Literatur immer mehr an. Sie spiegelt gesellschaftliche Interessen in der Art und Weise der Gestaltung von Ereignissen, Handlungen und Erscheinungen wider und entwirft jeweils ein bestimmtes, sozial begründetes Bild vom Menschen im geschichtlichen Prozess.

Literaturgeschichte: Geschichte der künstlerischen Literatur seit ihren Anfängen, auch deren Darstellung. Die wissenschaftliche Erforschung und Darstellung der Literaturgeschichte ist vielfältig und gliedert sich nach geschichtlich-sozial bestimmten Strömungen und nach ethnischen Gruppen, Völkern und Nationen, aber auch Autorengruppierungen sowie nach literarischen Gattungen. Die marxistisch-leninistische Literaturgeschichtsschreibung untersucht die jeweiligen historischen Beziehungen zwischen Literatur und Gesellschaft, spezifische literarische Erscheinungen sowie das Schaffen einzelner Schriftstellerpersönlichkeiten im historischen Zusammenhang. Sie orientiert sich sowohl auf die eigene nationale Literaturgeschichte wie auf die Literaturgeschichte anderer Nationen in ihren Wechselbeziehungen.

Literaturgesellschaft: die Einheit der Wechselbeziehungen zwischen Lesern, Schriftstellern, Verlagen, der Presse, Literaturkritik, Literaturwissenschaft unter anderem, die sich in der sozialistischen Gesellschaft herausgebildet hat. In der kulturellen Praxis zeigt sich die Vielfalt der Literaturgesellschaft in Form von Literaturdebatten, Dichterlesungen, Autorengesprächen, literaturkritische Auseinandersetzungen und Leserstimmen, generell in der wachsenden Öffentlichkeit des literarischen Kunsterlebnisses.

Literaturkritik: wissenschaftliche Untersuchung und Interpretation literarischer Werke, Erscheinungen oder Strömungen, die das ästhetische Verständnis fördern und dazu befähigen, Literatur aus den gesellschaftlichen Verhältnissen der Epoche zu begreifen. Meist handelt es sich um eine operative Literaturkritik, die von aktuellen Problemen der sozialen und ästhetischen Entwicklung ausgeht und den Leser in die Fragestellungen einbezieht.

Literatursatire: literarische Gestaltungsweise, die auf die Verspottung literarischer Erscheinungen (zum Beispiel bestimmter Werke, Strömungen, Autoren, eines bestimmten Ideengehaltes, bestimmter Stilmittel, Personenwahl) gerichtet ist. Der Übergang zur literarischen Parodie ist fließend.

Literatursoziologie: Zweig der allgemeinen Soziologie, der die Stellung der Literatur in der Gesellschaft erforscht. In der sozialistischen Kultur ist der Gegenstand der Literatursoziologie die Literaturgesellschaft. Untersucht werden unter anderem die Stellung des Schriftstellers, seine ökonomische Existenz, die klassenmäßige Zusammensetzung des Leserpublikums, dessen differenzierte ästhetische Bedürfnisse, Verlagswesen, System der Buchverbreitung und -propaganda.

Literaturtheorie: Teil der Literaturwissenschaft, der die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des literarischen Schaffens in ihren historischen Ausprägungen, die Spezifik der Literatur, ihre Gattungen, die Haltung des Schriftstellers zu seinem Material und dergleichen untersucht.

Literaturwissenschaft: wissenschaftliche Disziplin im Rahmen der Kultur- und Kunstwissenschaften, die auf die Erforschung und Darstellung der Literatur, der Gesetzmäßigkeiten ihrer Entwicklung und ihres Wechselverhältnisses mit der Gesellschaft gerichtet ist. Die Literaturwissenschaft umfasst als Teildisziplinen Literaturtheorie, vergleichende Literaturwissenschaft, Literaturgeschichte (Literaturhistoriographie), Literaturkritik, Methodenlehre der Literaturwissenschaft und bedingt Literatursoziologie sowie Literaturpropaganda und Literaturpädagogik. Die Literaturwissenschaft ist sich dabei des Kunstcharakters der Literatur bewusst und bezeugt ihre Eigenart im System der Künste. Als Wissenschaftsdisziplin entwickelte sich die deutsche Literaturwissenschaft im 19. Jahrhundert, bürgerlich-demokratisch orientiert, aus der klassischen und germanistischen Philologie. Spätere Perioden der bürgerlichen Literaturwissenschaft sind von Tendenzen zum Irrationalismus und Positivismus beeinflusst worden. Die marxistische Literaturwissenschaft versteht sich als spezifischer Teil der Gesellschaftswissenschaften.

Litewka: (polnisch, «litauische Jacke») lose gearbeiteter Uniformrock aus Tuch mit Umlegekragen und 2 Reihen Metallknöpfen.

Litfaßsäule: Anschlagsäule für Ankündigungen, Werbung u. ä.; benannt nach dem Berliner Buchdrucker Ernst Theodor Litfaß (1816-1874). Die erste Litfaßsäule wurde 1854 in Berlin aufgestellt.

Lithiasis: (griechisch; PI. -thiasen) Steinbefall; zum Beispiel bei Steinbildungen in Gallenblase oder Nieren.

Lithium, (dat. griechisch) Symbol Li: chemisches Element der Kernladungszahl 3; Alkalimetall; Atommasse 6,941; Wertigkeit +1; Kp 1340°C; mit der Dichte 0,534 g/cm3 ist Lithium das leichteste Metall. In der Natur tritt Lithium nur chemisch gebunden auf, zum Beispiel als Zinnwaldit, Spodumen, LiAlSi206, unter anderem Lithium ist weich und silberglänzend; es läuft an der Luft an und setzt sich mit Wasser zu Lithiumhydroxid und Wasserstoff um. Man gewinnt es durch Schmelzelektrolyse von Lithiumhalogeniden und verwendet es als härtenden Legierungszusatz für Magnesium und Aluminium; in der Kerntechnik dienen 6Li zur Erzeugung von Tritium und 7Li als Reaktorkühlmittel. Lithium wurde 1817 von dem schwedischen Chemiker Johan August Arfwedson (1792-1841) entdeckt.

Lithiumverbindungen: Stoffe, in denen Lithium, meist als farbloses Li+-Ion, chemisch gebunden ist. Die meisten Lithiumverbindungen sind wasserlöslich; Ausnahmen sind zum Beispiel Lithiumfluorid, -karbonat, Li2C03, und -phosphat. Verdampfende Lithiumverbindungen geben eine karminrote Flammenfärbung. Lithiumchlorid, F 614°C, ist hygroskopisch und wird beim Schweißen von Leichtmetallen eingesetzt. Lithiumhydrid, ergibt mit Wasser (neben dem Hydroxid) Wasserstoff und kann zu dessen Gewinnung dienen. Lithiumoxid, Li20, F oberhalb 1700°C, ein weißes Pulver, reagiert langsam mit Wasser zu Lithiumhydroxid, das eine stark alkalische Lösung ergibt. Lithiumstearat, ist Bestandteil von Schmierfetten. Lithiumdeuterid- (Li), 6LiD, ist ein thermonuklearer Sprengstoff, der bei der Reaktion mit Neutronen völlig in Helium übergeht (Kernfusionsbombe, «Wasserstoffbombe»).

Lithogenese: (griechisch) Gesamtheit der Vorgänge, die zur Bildung von Gesteinen, vor allem Sedimentgesteinen, führen.

Litho Geochemie: (griechisch) Teilgebiet der Geochemie, das sich mit der chemischen Zusammensetzung der Gesteinskruste der Erde befasst.

Lithographen-Kalk, Lithographen-Schiefer, sehr feinkörniger, reiner, durch Fossilfunde (unter anderem Archäopteryx) berühmt gewordener (Solnhofener) Plattenkalk, der unter anderem im Steindruck Verwendung findet.

Lithographie, (griechisch) Steindruck-, von A. Senefelder 1797 erfundenes ältestes Verfahren zur Druckformenherstellung für den Flachdruck; auch Bezeichnung für das in diesem Verfahren hergestellte graphisches Blatt sowie die Technik des Steindrucks (siehe auch Druckverfahren). Die künstlerischen Möglichkeiten der Lithographie begriffen zuerst die Franzosen (T. Géricault, E. Delacroix). Auch F. de Goya hat das Verfahren in seinem Spätwerk noch erprobt. Einen ungeheuren Aufschwung erlebte die reaktionsschnelle Lithographie als künstlerische Waffe in Frankreich nach 1830 (politische Karikaturen von H. Daumier, Sittenkritiken von P. Gavami). Nach der Jahrhundertwende strahlte dieses Beispiel auch auf Russland aus (A. Lebedew). In Deutschland diente die Lithographie vorwiegend Reproduktionszwecken. Massenwirksamkeit erlangte sie mit den volkstümlichen Bilderbogen. Erst A. von Menzel erreichte die künstlerische Höhe der Franzosen. Seine «Versuche auf Stein mit Pinsel und Schabeisen» leiten zugleich hin zur 2. Blüte der Lithographie, die der Impressionismus eröffnete (E. Manet, E. Carrière, M. Liebermann, Lithographie Corinth, M. Slevogt). H. de Toulouse-Lautrec verhalf der Farb-L zum Durchbruch. Von den bürgerlichen Künstlern des 20. Jahrhundert haben vor allem E. Munch, H. Matisse, P. Picasso, M. Chagall, E. Barlach, 0. Kokoschka, C. Hofer, Otto Müller die lithographische Kunst bereichert. Eine wichtige Rolle spielte die Lithographie im kritischen Realismus (K. Kollwitz, H. Zille, 0. Dix, G. Mucchi). In der Gegenwart gehört die Lithographie zu den bevorzugten graphischen Techniken.

Lithologie: (griechisch) im weiteren Sinne makroskopische Beschreibung von Gesteinsabfolgen unter Einbeziehung der Magmatite, Metamorphite und Sedimentite; im engeren Sinne Wissenschaft von der Bildung der Sedimente und Sedimentgesteine und der für ihre Untersuchung notwendigen Methoden.

Lithophanie: (griechisch) dünne, unglasierte Porzellanplatte mit bildlicher Reliefdarstellung, die im durchscheinenden Licht plastisch hervortritt; im 19. Jahrhundert als Fensterschmuck, Lichtschirm u. ä. verwendet.

lithophile Elemente: chemische Elemente (zum Beispiel Silizium, Aluminium, Magnesium, Kalium, Natrium), die bevorzugt in der Gesteinskruste (Lithosphäre) auftreten. Siehe auch Geochemie.

Lithopone: (griechisch) als Weißpigment für Anstrichstoffe, Plaste, Wachstuch u. a. verwendetes Ge; misch aus Zinksulfid, ZnS, und Bariumsulfat, BaSO.

Lithosphäre: (griechisch) die äußere, starre Gesteinsschale der Erde, sowohl die kontinentale wie auch die ozeanische Erdkruste, dazu der obere Teil des Erdmantels; ab etwa 120 km Tiefe von der Asthenosphäre unterlagert. Die Lithosphäre ist Aktionsbereich der im Fixismus und im Mobilismus unterschiedlich interpretierten globalen tektonische Prozesse.

Lithotripsie (griechisch): Zertrümmerung von Harnblasensteinen mit einem durch die Harnröhre eingebrachten zangenförmigen Instrument (Lithotriptor) oder durch Spiegelinstrumente mit Hilfe elektrischer beziehungsweise pneumatische Stöße.

litoral: ufer-, Strand-, küstennah, zum Strand gehörig; litorale Sedimente sind zum Beispiel am Küstensaum gebildete Gesteine wie Konglomerate, grobe Sandsteine, Austernkalke und Küstendünen.

Litoral: Lebensraum der Gewässerufer; Eulitoral nennt man die Zone wechselnden Wasserstandes; es folgt das Sublitoral, die ständig unter Wasser bleibende aber durchlichtete und mit Pflanzen bestandene Region. Siehe auch Benthal.

Litotes: (griechisch, «Schlichtheit») Umschreibung durch Verneinung des Gegenteils, zum Beispiel nicht schlecht = (sehr) gut.

Litten, Hans, 19.6.1903-4.2.1938 (ermordet), Jurist, Antifaschist; verteidigte als Rechtsanwalt in Berlin vor allem von der Klassenjustiz verfolgte Arbeiter; 1933 Verhaftung und Verschleppung in verschiedene KZ.

Little Rock: Hauptstadt des Bundesstaates Arkansas (USA); 160000 Einwohner (davon 32% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 370000 Einwohner; chemische, Holz-, Konservenindustrie, Baumwollhandel; Eisenbahnknoten, Flughafen; 2 Universitäten; südwestlich von Little Rock bedeutender Bauxitabbau mit Tonerde Werk und Aluminiumhütte.

Littlewood, Joan, geboren 6.10.1916, englische Regisseurin und Theaterleiterin; wurde mit dem Theatre Workshop, das sie 1945 zusammen mit E. Mac Coll gegründet hatte (seit 1954 in London), berühmt durch Wiederentdeckung und Weiterentwicklung des englischen Volkstheaters und die Förderung neuer sozialkritische Dramatik; arbeitete in den 60er Jahren mehrfach mit fortschrittlichen Theaterleuten in jungen Nationalstaaten.

Littmann, Enno, 16.9.1875-4.5.1958, Orientalist; Professor in Straßburg (Strasbourg), Göttingen, Bonn und Tübingen; arbeitete vor allem über semitische Epigraphik, äthiopischer Sprachen und äthiopische und arabische Folklore; von ihm stammt die ausgezeichnete deutsche Übersetzung der «Erzählungen aus den Tausendundein Nächten» (6 Bände, 1921/28).

Liturgie: (lateinisch griechisch, «Dienst am Volk») 1. Leistung der Bürger im alten Griechenland für die Polis; besonders in Athen seit Solon Pflicht der reichen Klasse zur Übernahme von Staatslasten für Theater, öffentliche Feste, Ausrüstung der Flotte unter anderem

2. vorgeschriebene Ordnung der gottesdienstlichen Handlungen, bei Orthodoxen Gesamtbezeichnung für den Gottesdienst.

Litwinow, Maxim Maximowitsch, 29.7.1876 bis 31.12.1951, sowjetischer Politiker und Diplomat; seit 1898 Mitglied der SDAPR; wirkte 1902/17 in der revolutionären Bewegung außerhalb Russlands; 1921/30 Stellvertretender Volkskommissar, 1930/39 Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten und 1934/38 Vertreter der UdSSR im Völkerbund; 1941/46 nochmals Stellvertretender Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten und 1941/43 Botschafter in den USA.

Litze: (lateinisch, «Faden») 1. leicht biegsame elektrische Leitung aus vielen verseilten oder verklebten dünnen Einzeldrähten.

2. bandförmiges Flachgeflecht zum Einfassen o. ä.

3. Litze, Helfe: Träger der Öse (Auge) an der Fachbildungsvorrichtung einer Webmaschine zur Aufnahme des Kettfadens.

Liu Bang, 247-195 vor Christus, chinesischer Kaiser seit 206 vor Christus, bäuerlicher Herkunft; begründete im Ergebnis großer Bauernaufstände die Han-Dynastie.

Liudolfinger: sächsisches Herrschergeschlecht, benannt nach Herzog Liudolf (844/66). Die Liudolfinger stellten 919/1024 die deutschen Könige (Heinrich I., Otto I., II. und Hl., Heinrich II.); nach Otto I. auch als Ottonen bezeichnet.

Liujia-Schlucht, Liukia-Schlucht: vom Huang He gebildete Felsschlucht westlich von Lanzhou (China); 12 km lang, 60 m breit; Stausee (5 km5, 148 m hohe Staumauer), dient der Elektroenergiegewinnung (größtes Wasserkraftwerk Chinas mit 1225 MW), dem Hochwasserschutz und der Bewässerung von über 140000 ha Ackerland.

Liu Shaoqi, 1898-12.11.1969, chinesischer Politiker; Mitglied der KP seit 1921, aktiv in der Gewerkschaftsbewegung, seit 1931 Mitglied des Politbüros, seit 1943 Sekretär des ZK der KP, 1949/53 Vizepräsident des WGB, 1954/59 Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, 1959/68 Vorsitzender der VR China; 1968 im Zuge der «Kulturrevolution» aller Ämter enthoben und Parteiausschluss, 1980 auf Beschluss des ZK der KP postum rehabilitiert.

Liutprand von Cremona, um 920-972, langobardischer Diplomat und Geschichtsschreiber; Kanzler König Berengarius II. von Italien; wurde 961 von König Otto I. zum Bischof von Cremona ernannt und war 968 dessen Gesandter am byzantinischen Hof. Seine Werke sind wichtige Quellen für die Geschichte Italiens und der Reichspolitik im 10. Jahrhundert.

Liuzhou: Stadt in China, im Autonomen Gebiet Guangxi Zhuang, am Liu Jiang; 300000 Einwohner; Maschinenbau, Metallurgie.

Livefotografie: (englisch live, «lebendig») ungestellte, aus der direkten Beobachtung der Wirklichkeit entstehende Fotografie. Die Livefotografie hat sich vor allem im Rahmen der Reportagefotografie entwickelt; sie ist Gegensatz zur Regiefotografie.

Liverpool: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Großstadtgrafschaft Merseyside, am rechten Ufer des Mündungstrichters des Mersey; 510000 Einwohner, Mittelpunkt eines Ballungsgebietes mit 1,5 Millionen Einwohner; Bevölkerungsabwanderung; hohe Arbeitslosigkeit besonders unter Jugendlichen; Schließung beziehungsweise Zusammenlegung zahlreicher Betriebe infolge der anhaltenden Wirtschaftskrise; Schiff-, Motoren- und Maschinenbau, Petrolchemie, Textil-, Lebensmittel- und Leichtindustrie, wissenschaftliche Gerätebau; Erdölraffinerie; Überseehafen (Container-, Öl- und Passagierhafen), Fähren nach Irland, Kanalverbindungen, Eisenbahn- und Straßentunnels unter dem Mersey; internationaler Flughafen Speke\ Börse, Banken; Universität, wissenschaftliche Institute; Walker Art Gallery, Philharmonie, Museen; Pferderennbahn; anglikanische und katholische Kathedrale (beide 20. Jahrhundert). Zuerst um 1190 erwähnt, 1207 (ergänzt 1229) Stadtrecht. Wirtschaftliche Bedeutung gewann Liverpool im 16. Jahrhundert (Sklaven- und Kolonialhandel), sie steigerte sich in der industriellen Revolution.

Livia Drusilla, 30.1.58 vor Christus -29 nach Christus, erste römische Augusta (Kaiserin), zunächst mit Tiberius Claudius Nero, seit 38 vor Christus mit Octavianus, dem späteren Augustus, verheiratet, den sie maßgeblich beeinflusste.

Livingstone, Maramba: Stadt (Provinzzentrum) im Süden Sambias, am Sambesi, nördlich der Victoriafälle; 72000 Einwohner; Textil-, Holz-, Lebensmittelindustrie; internationaler Flughafen; Nationalmuseum; Tierpark.

Livingstone, David, 19.3.1813-1.5.1873, britischer Missionar und Afrikareisender; erforschte seit 1849 Südzentralafrika, vor allem 1851/64 das Sambesi Gebiet (durchquerte 1854/56 Afrika von Luanda bis zur Sambesi Mündung, entdeckte 1855 die Victoriafälle und 1859 den Malawisee); 1866/73 forschte er auf der Suche nach den Quellseen des Nils im Gebiet der Zaire-Quellflüsse, entdeckte 1867 den Mweru- und 1868 den Bangweolosee, befuhr 1871 mit H. Stanley den Tanganjikasee.

Livingstonefälle: (nach D. Livingstone) 32 Wasserfälle im Unterlauf des Zaire, in der Republik Zaire; bis 40 m hoch; Nutzung durch Wasserkraftwerkskomplex Inga; Schifffahrtshindernis, durch Eisenbahnlinie Matadi-Kinshasa umgangen.

Living Theatre: (englisch, «Lebendiges Theater») bekanntestes US-amerikanisches Gruppentheater (Off-off-Broadway-Theater); 1951 von J. Malina und J. Beck in New York gegründet; 1963/70 vorwiegend in Westeuropa arbeitend, 1970 aufgelöst (Spaltung in 3 Gruppen, von denen diejenige um Beck und Malina den Namen Living Theatre beibehielt). Das Living Theatre bekämpfte (von anarchistischen Positionen aus) die imperialistische Gesellschaft, versuchte (anknüpfend an A. Artaud) das Publikum durch ritualisierte ekstatische Ausdrucksmittel (Schocks, Trance und so weiter) zu aktivieren; hatte große Wirkung auf das sogenannt alternative Theater (Gruppentheater) in imperialistischen Ländern.

Livius, Titus, 59 vor Christus -17 nach Christus, römischer Geschichtsschreiber; verfasste «Ab urbe condita», eine Geschichte Roms von der Gründung (753 vor Christus) bis zum Tode des Drusus (9 vor Christus) in 142 Büchern, ist nur teilweise erhalten.

Livius Andronicus, Lucius, gestorben Ende des 3. Jahrhundert vor Christus, erster namentlich bekannter römischer Dichter, geborener Grieche, Freigelassener; übersetzte die «Odyssee» ins Lateinische, bearbeitete griechische Tragödien und Komödien.

Livland: historische Landschaft im Nordwesten und im mittleren Teil der Lettischen SSR. Von finnougrische Liven bewohnt; im 13. Jahrhundert vom Schwertbrüderorden erobert, Gründung des livländischen Ordensstaates, in dem eine deutsche Oberschicht (Feudaladel, städtliches Bürgertum) herrschte. Im Livländischen Krieg kam 1583 der größte Teil Livlands an Polen-Litauen, ein Teil bildete das Herzogtum Kurland; 1629/1721 schwedisch, bis 1918 zu Russland; danach Teil der Republik Lettland, seit 1940 der Lettischen SSR.

Livländischer Krieg: militärische Auseinandersetzung 1558/83 zwischen Russland und Livland, seit 1561 auch zwischen Russland und Polen-Litauen sowie Schweden um den Zugang zur Ostsee und den Besitz Livlands und Estlands; verlief für Russland erfolglos, Polen gewann Livland und Polozk, Schweden das Gebiet um Iwangorod.

Livorno: Stadt in Mittelitalien (Toskana), Verwaltungszentrum der Provinz Livorno, am Tyrrhen. Meer; 175000 Einwohner; Erdölraffinerie; kleinere Stahlwerke, Schiff- und Maschinenbau, Textil- und Elektroindustrie; Fischverarbeitung; bedeutender Hafen, Kanal zum Arno; Marinehochschule; Theater, Museen; Dom.

Livre, (französisch, «Pfund»): französische Rechnungsmünze zu 20 Sous seit der Zeit Karls des Großen; Ende des 18. Jahrhundert durch den Franc abgelöst.

Li Xiannian, geboren 1909, chinesischer Politiker; Mitglied der KP seit 1927, seit Gründung der VR China in zahlreichen Leitungsfunktionen in Partei und Staatsapparat; Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros des ZK der KP; 1976/83 stellvertretender Ministerpräsident, seit 1983 Staatspräsident.

Li Ye, 1178-1265, chinesischer Beamter und Mathematiker; schrieb Arbeiten über algebraische Gleichungen und geometrische Probleme.

Liyong, Taban lo, geboren 1939, ugandischer Schriftsteller, Essayist und Kritiker; leistete Bedeutendes zur Neubewertung der Kultur der ostafrikanischen Völker in der nachkolonialen Periode. Seine Kurzgeschichten (zum Beispiel «Fixions», 1969) verbinden politische Satire, Märchen und Parabel, kritischer Sicht des Menschen in seiner heutigen Umwelt.

Lizenz: 1. allgemein Erlaubnis, Befugnis, Genehmigung als Instrument der staatlichen Leitung, zum Beispiel Importlizenz und Exportlizenz, Baulizenz.

2. Sport: in einigen Sportarten (meist bei professioneller Ausübung) geforderte Zulassung durch einen Sportverband.

3. Urheberrecht: a) gesetzt. L: durch das Urheberrechtsgesetz zulässige Verwendung geschützter Werke und Arbeiten ohne Zustimmung des Berechtigten, aber gegen Honorarzahlung;

b) urheberrechtliche-vertragliche Lizenz: Weitergabe vom Urheber übertragener Befugnisse durch eine kulturelle Einrichtung; Hauptfall ist die Verleger. Lizenz

4. wissenschaftlich-technischer Rechtsschutz: in der Regel dem Lizenznehmer vom Lizenzgeber durch Vertrag (Lizenzvertrag) überlassene Nutzungsbefugnis von wissenschaftlichen oder wissenschaftlich-technischen Ergebnissen (Erfindungen, Know-how u. ä.), von landwirtschaftlichen Kultur- und Züchtungsverfahren und deren Ergebnissen (Sortenschutz), industriellen Mustern (Musterschutz) sowie Warenkennzeichen.

Lizenzhandel: Export beziehungsweise Import von Erfindungen, Unterlagen zur Herstellung von Erzeugnissen, Warenzeichen und so weiter auf der Basis von Lizenzverträgen, die dem Lizenznehmer gegen Zahlung einer Gebühr die gewerbliche Nutzung des Vertragsgegenstandes gestatten. Im Rahmen der sozialistischen ökonomischen Integration dient der Lizenzhandel der Beschleunigung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, der schnellen Nutzung von Forschungsergebnissen der Partnerländer sowie der effektiven internationalen Arbeitsteilung in der Forschung unter anderem durch Vermeidung ökonomisch ungerechtfertigter Parallelforschung. Aber auch in den Beziehungen zu kapitalistischen Industriestaaten und Entwicklungsländern gewinnt der Lizenzhandel zunehmendes Gewicht.

Li Zicheng, 1606-1645, chinesischer Bauernführer; stellte sich an die Spitze einer großen bäuerlichen Aufstandsbewegung, besetzte 1644 Peking und stürzte die Ming-Dynastie; bei der Niederschlagung des Aufstandes durch die Mandschuren getötet.

Ljachow, Wladimir Afanasjewitsch, geboren 20.7.1941, sowjetischer Kosmonaut; absolvierte vom 25.2. bis 19.8.1979 als Kommandant von Sojus 32 zusammen mit W. W. Rjumin einen Langzeit-Raumflug (175 Tage) an Bord der Raumstation Salut 6. Siehe auch Salut 2, Sojus 1.

Ljapunow, Alexander Michailowitsch, 6.6.1857 bis 3.11.1918, russischer Mathematiker; seine Theorie der Stabilität der Bewegung ist noch heute für die Regelungstheorie bedeutsam; wichtige Arbeiten auch zur Theorie der Differentialgleichungen und zur Potentialtheorie.

Ljubljana: Hauptstadt Sloweniens, in einem fruchtbaren Becken von Krain; 305000 Einwohner; Turbinen- und Baumaschinenbau, elektronische, Textil-, chemische, Leder-, Papier-, Holzindustrie; Bekleidungsmesse; wichtiger Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Universität, Hochschulen, Akademien; Theater, Philharmonie, Landesmuseum; Renaissanceschloss (1416/1520), Fürstenhof (1642), Dom (Anfang 18. Jahrhundert), Rathaus (1717), Barockpaläste. Als Illyrische Siedlung Aemona entstanden, seit dem 1. Jahrhundert vor Christus römischer Kastell; im 6. Jahrhundert siedelten sich Slowenen an, im 9. Jahrhundert entstand eine Festung; deutsche Zuwanderung seit dem 12. Jahrhundert, 1260 erstmals als Stadt genannt (Laibach); 1335 an die Habsburger und später Hauptstadt des Herzogtums Krain; 1809/13 Hauptort der Illyrischen Provinzen Napoleons I., danach wieder zu Österreich, im 19. Jahrhundert Zentrum der slowenischen nationalen Bewegung. Ljubljana kam 1918 zu Jugoslawien; seit 1945 Hauptstadt Sloweniens.

Llano Estacado: Hochebene in den USA, im westlichen Texas und östliches Neumexiko; etwa 130000 km2, 600 bis 1500 m hoch; vorwiegend aus Kalk und Sandstein aufgebaut; zum größten Teil Steppe (Prärie) und Halbwüste; vorwiegend extensiv betriebene Viehzucht, örtlich auch Trockenfeldbau (Hirse, Weizen), in den Tälern Baumwollanbau auf Bewässerungsbasis; Erdöl- und Erdgasgewinnung.

Lloyd George, David, Earl Lloyd George of Dwyfor, 17.1.1863-26.3.1945, britischer Politiker; führendes Mitglied der Liberalen Partei; als Handels- (1905/08) und Finanzminister (1908/15) Initiator sozialer (Alters- und Krankenversicherung) und politische Reformen (Kompetenzbeschränkung des Oberhauses) mit dem sozialdemagogischen Ziel, die Arbeiterbewegung zu hemmen. 1916/22 war er Premierminister; verhinderte in den Friedensverhandlungen von Versailles eine zu starke Schwächung des deutschen Imperialismus, um weiteren revolutionären Erschütterungen vorzubeugen.

Lloyd's: (nach einem Londoner Kaffeehausbesitzer) ursprünglich Londoner Vereinigung von Versicherungsmaklern; fungiert heute als internationaler Markt für Versicherungen und Rückversicherungen. Die Mitglieder von Lloyd's schließen Versicherungsverträge, die durch Lloyd's Makler vermittelt werden, als Einzelversicherer auf eigenes Risiko ab, treten aber nach außen gemeinschaftlich auf. Dachgesellschaft von Lloyd's ist die Corporation of Lloyd’s mit Sitz in London.

Llull, Ramón, Raimundus Lullus, 1235-1315, katalanische Philosoph; suchte Wissenschaft, Philosophie und christliche Religion mit Hilfe der Logik (Lull. Kunst) als rationales Wissen zu begründen, das befähigt, die Muslime zum Christentum zu bekehren.

Lobatschewski, Nikolai Iwanowitsch, 1.12.1792-24.2.1856, russischer Mathematiker und Hochschulreformer; veröffentlichte als erster ab 1829/30 Arbeiten über hyperbolische Geometrie, verfasste Schriften zur Analysis.

Lobby: 1. Vorhalle; Wandelhalle, zum Beispiel im britischen und im US-amerikanischen Parlamentsgebäude, wo die Abgeordneten mit Außenstehenden verhandeln können.

2. Gesamtheit der Lobbyisten (siehe auch Lobbyismus).

Lobbyismus: in kapitalistischen Ländern verbreitetes System, mit dessen Hilfe sich kapitalistische Interessengruppen (große Industrie- und Bankmonopole, Unternehmerverbände unter anderem) unter Einsatz ihrer Agenten (Lobbyisten), durch Bestechung, Erpressung, Vergabe hochdotierter Beraterverträge unter anderem Methoden Einfluss auf die Entscheidungen des Parlaments und die Regierungspolitik sichern (zum Beispiel bei Verabschiedung von Gesetzen, Vergabe von Krediten, Rüstungsaufträgen, Subventionen, bei Nominierung einflussreicher Politiker).

Lobedanz, Reinhold, 29.8.1880-5.3.1955, Politiker, Jurist. Lobedanz war 1919/33 Mitglied der deutschen demokratischen Partei, er wurde von den Faschisten gemaßregelt. Als Mitbegründer und einer der führenden Politiker der CDU setzte er sich nach 1945 für den demokratischen und sozialistischen Aufbau ein; war 1949/52 Präsident der Länderkammer der DDR.

Lobelie, (nach einem flandrischer Botaniker) Lobelia: artenreiche Gattung der Lobelien Gewächse mit zu einer Röhre verklebten Staubbeuteln; vorwiegend in den Tropen und Subtropen verbreitet. Viele Arten enthalten Lobelin. Eine Zierpflanze ist die einjährige Blaue Lobelie oder Männertreu (Lobelia erinus).

Lobelin: Hauptalkaloid vieler Lobelien Arten; kristallisiert in farb- und geruchlosen, wenig wasserlösliche, sehr giftigen Nadeln; F 110°C. Lobelin wirkt atmungsanregend; das ähnliche Lobelanin, F 99 °C, wird als Nikotinersatz bei der Raucherentwöhnung angewandt.

Lobenlinie: (griechisch + lateinisch) Verwachsungslinie der Kammer- und Gehäusewand von Kopffüßer Schalen; wichtig für die Systematik und Stammesgeschichte zum Beispiel der Ammoniten.

Lobenstein, Moorbad Lobenstein: Kreisstadt im Bezirk Gera, im Frankenwald, 505 m überm Meer; 6500 Einwohner; Feingusswerk, elektronische, Metallwaren-, Holz-, Textilindustrie; Reste einer Burg (12. Jahrhundert), Barockschloss (1718).

Lobito: Stadt in Angola, am Atlantischen Ozean; 100000 Einwohner; Zement-, Holz-, Lebensmittel-, Metallindustrie; Werft; Salinen; zweitgrößter angolanischer Hochseehafen, Ausgangspunkt der Benguelabahn (Benguela), Flughafen.

Lobus: (lateinisch - griechisch) Lappen, Bezeichnung für Organteil, zum Beispiel von Leber, Lunge, Gehirn.

Locarno: Stadt und Kurort im Süden der Schweiz (Kanton Tessin), am Lago Maggiore; 11000 Einwohner; Uhren- und Schmuckwarenindustrie, Maschinenbau; meteorologisches Observatorium; mittelalterlich Castello Visconti (im Palazzo Museum); geschützte Lage, mildes Klima, zum Teil subtropische Vegetation (auf den Brissago-Inseln botanischer Garten); in der Umgebung Obst- und Weinbau.

Locarnopakt: aus mehreren Abkommen bestehendes Vertragswerk, das am 16.10.1925 zwischen Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, der Tschechoslowakei (als Siegermächte des 1. Weltkrieges) und Deutschland in Locarno abgeschlossen wurde. Der mit dem Beitritt Deutschlands (1926) zum damals antisowjetischer Völkerbund gekoppelte Locarnopakt enthielt eine Garantieerklärung für die im Versailler Vertrag fixierte deutsch-französische und deutschbelgischen Grenze, gab aber keine Garantie für die Westgrenze Polens und die Grenzen der Tschechoslowakei. Er begünstigte damit das Aggressionsstreben des deutschen Imperialismus nach O. Durch den Einmarsch der faschistischen Wehrmacht in die entmilitarisierte Rheinlandzone (1936) setzte Deutschland den Locarnopakt einseitig außer Kraft.

Lochband, Lochstreifen: Datenträger in Form eines Papierstreifens (17,5 bis 25,4 mm breit und etwa 0,1 mm dick), in den die Zeichen quer zur Längsrichtung in 5, 6, 7 oder 8 Kanälen nach einem Kode gestanzt werden.

Lochbandgeräte: zu den peripheren Geräten von Rechenautomaten gehörende Gerätegruppe, bestehend aus Streifenleser zur Eingabe von Daten und mitunter auch Programmen sowie Lochbandstanzern (Streifenstanzer) für Datenausgaben geringeren Umfangs.

Lochen: Heraustrennen von Teilen beliebigen Umrisses aus ebenen Werkstoffen (Blech, Papier, Leder unter anderem) längs einer geschlossenen Linie mittels Locheisens oder -zange von Hand oder unter Pressen mittels Lochwerkzeugs (Lochstempel und Schnittplatte). Der ausgeschnittene Teil ist dabei, im Unterschied zum I Ausschneiden, Abfall.

Lochkamera, Camera obscura (lateinisch): Kamera mit einer feinen Öffnung (Loch) anstelle eines Objektivs. Vergrößert man das Loch, wird das Bild heller und unscharfer. Ist das Loch zu klein, treten durch Beugung Unscharfen auf; erstmals von Ibn al-Haitham erwähnt.

Lochkarte: Datenträger in Form einer Karte aus Spezialpapier. Die üblichen Abmessungen sind 187,3 mm x 82,5 mm x 0,178 mm (Normallochkarte). Lochkarten sind meist in 80 Spalten und 12 Zeilen gegliedert, die Zeichen werden spaltenweise in einem 12-Kanal-Kode gestanzt. Siehe auch Handlochkarte.

Lochkartengeräte: zu den peripheren Geräten von Rechenautomaten gehörende Gerätegruppe, bestehend aus (Loch-) Kartenlesern zur Eingabe von Daten und Programmen, (Loch-) Kartenstanzern für Datenausgaben geringen Umfangs und kombinierten Lese-Stanzern, mit denen zusätzlich die Funktion Kartenmischen realisiert werden kann.

Lochkartentechnik: System aus technisch getrennt arbeitenden Maschinen der Datenverarbeitung, Vorstufe der elektronischen Datenverarbeitung. Mit Lochkartenstanzern werden 80- oder 90spaltige Lochkarten manuell erzeugt, mit Lochkartenprüfern manuell geprüft. entsprechend Geräte gestatten das mechanische Mischen, Doppeln, Sortieren und Tabellieren.

Lochner, Stephan, um 1410-1451, Maler; Hauptmeister der spätgotische Kölner Malerschule; in seinen stimmungsvollen, farbenprächtigen Bildern verband er räumlich-plastische Gestaltung und die Betonung naturgetreuer Details mit Zügen lyrischer Empfindsamkeit und einem malerisch weichen Stil. Hauptwerke: «Dreikönigsaltar» im Kölner Dom (um 1440), «Madonna in der Rosenlaube» (1448; Köln, Wallraf-Richartz-Museum).

Loch Ness: See im Norden Schottlands (Großbritannien), in der Glen-More-Furche; 56 km2, 36 km lang, bis 1,6 km breit; bis 230 m tief; vom Kaledonischen Kanal benutzt; entwässert zum Moray Firth.

Lochow, Jost Ferdinand Friedrich von, 16.9.1849-8.9.1924, Landwirt und Pflanzenzüchter; weltweite Verbreitung fand der von ihm gezüchtete «Petkuser Winterroggen».

Lochplatte: große, mit unterschiedlich geformten Löchern und Aussparungen versehene Stahlgussplatte als Arbeitsunterlage für Schmiede- und Biegearbeiten.

Lochstickerei: Art der Stickerei, bei der vor dem Sticken in den Stickgrund mustermäßig gebohrte Löcher mit einem festen Rand umstickt werden.

Locke: natürliche Drehung der Haare von Pelzfellen zu verschiedenen, die Qualität beeinflussenden Formen.

Locke, John, 29.8.1632-28.10.1704, englischer Philosoph, ökonomischer Psychologe und Pädagoge; Ideologe der liberalen Bourgeoisie in der Endphase der bürgerlichen Revolution in England. Lockes sensualistische und weitgehend materialistische Philosophie war der erste klassische Ausdruck der Aufklärungsideologie und beeinflusste vor allem die französischen Materialisten. In der Erkenntnistheorie unterschied Locke zwischen primären Qualitäten (Festigkeit, Ausdehnung, Gestalt unter anderem) und sekundären Qualitäten (Farben, Töne, Geschmack), wobei er allein den primären Qualitäten objektive Existenz zubilligte. Locke formulierte den berühmten Satz, dass nichts im Intellekt sei, was nicht zuvor in den Sinnen existiert habe. Von dieser Position widerlegte er den Descartschen Begriff von den angeborenen Ideen. Nach Locke ist das Recht auf Eigentum ein ursprüngliches Recht des Menschen. Um dieses zu sichern, werde durch einen Vertrag zwischen Volk und Herrscher der Staat geschaffen. Locke vertrat die konstitutionelle Monarchie, formulierte die Prinzipien der Gewaltenteilung im Staat und lehnte das feudale Grundeigentum mit naturrechtlichen Argumenten ab. Er begründete das Toleranzideal der Aufklärung, das zwischen Wissen und Glauben vermitteln soll. Hauptwerk «Versuch über den menschlichen Verstand» (1690, deutsch). Lockes Pädagogik gab der Erziehung eine großbürgerlich-antifeudale Orientierung. Sein Erziehungsideal für die herrschenden Kreise war der geistig und körperlich lebensnah ausgebildete «Gentleman». Die Kinder der Armen sollten in sogenannten Arbeitsschulen zu gehorsamen, geschickten Arbeitern herangebildet werden.

Lodde, Mallotus villosus: bis 20 cm langer Lachsfisch, der sich von tierischem Plankton ernährt; Beutefisch des Kabeljaus und anderer Dorschartiger, wird deshalb als Köderfisch benutzt; lebt in Schwärmen im Eismeer; Nutzfisch.

Loden: gewalktes Streichgarngewebe mit stark gerauter Strichhaardecke; für Oberkleidung.

Lodi: Stadt in Oberitalien (Lombardei), südöstlich von Mailand; 43000 Einwohner; Zentrum der Erdgasförderung der Poebene (Cornigliano, Caviaga) mit Leitungen zu Industriezentren der Poebene und nach Genua; Textilindustrie, Käseherstellung, Majoliken; Dom (12. Jahrhundert).

Lodoidamba, Tschadraawalyn, 1917-1969, mongolischer Schriftsteller; verfasste den ersten mongolischen Roman nach der Volksrevolution («Im Altai», 1951); als eines der bedeutendsten Werke der mongolischen Literatur gilt sein Roman «Der durchsichtige Tamir» (2 Bände, 1962/67, deutsch).

Lodotschnikow, Wladimir Nikitowitsch, 26.5.1887-11.1.1943, sowjetischer Geologe und Petrograph; bearbeitete petrographische Probleme des Altai, Kaukasus und Woronescher Gebiets, leistete grundlegende Beiträge zur Petrogenese.

Lodz: 1. Stadtwojewodschaft im mittleren Teil Polens; 1526 km2, 1,14 Millionen Einwohner; 747 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Lodz 2 im Norden Niederungen, im Süden Hügelland; hochentwickeltes Industriegebiet, besonders Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie, ferner Textil- und Werkzeugmaschinenbau, chemischer, elektrotechnischer, polygraphische und Lebensmittelindustrie; auf die Versorgung der dichtbevölkerten Region orientierte Landwirtschaft mit Getreide-, Kartoffel-, Gemüseanbau, Obstbau sowie Rinder- und Schweinezucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Lodz 1; 845000 Einwohner; zweitgrößte Stadt sowie ein Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum Polens; traditionelles Zentrum der polnischen Textil- und Konfektionsindustrie; außerdem Maschinen-, Transformatorenbau, elektrotechnischer, chemischer (Chemiefasern), polygraphische, Papier- und Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten; Universität, 6 Hochschulen, medizinische Akademie; Theater, Philharmonie; Filmstudio; Museen, Sporthalle, Zoo; moderne Umgestaltung des Stadtzentrums. 1332 erstmals erwähnt, 1423 Stadtrecht; 1793 (2. Teilung Polens) an Preußen, 1807 zum Großherzogturn Warschau, seit 1815 gehörte Lodz zu Kongresspolen; im 19. Jahrhundert Entwicklung zum wichtigsten Zentrum der Textilindustrie. 1905 beteiligte sich das Lodzer Komitee der SDKPiL am ersten bewaffneten Aufstand des Proletariats im zaristischen Russland; 1939/45 von faschistischen deutschen Truppen besetzt.

Loebinger, Lotte, geboren 10.10.1905, Schauspielerin; spielte vor 1933 unter anderem an der Piscator-Bühne in Berlin, emigrierte 1934 über Polen und die CSR nach der UdSSR, wo sie unter anderem bei Film und Rundfunk tätig war. Nach der Rückkehr (1946) nach Berlin gestaltete sie am Deutschen Theater und am Maxim Gorki Theater sowie bei Film und Fernsehen mit politischen Engagement, Güte und Humor zahlreiche Frauenrollen.

Loeffler, Friedrich August Johannes, 24.6.1852-9.4.1915, Hygieniker; 1888/1913 Professor in Greifswald, 1913/15 Direktor des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin; entdeckte die Erreger der Diphtherie und verschiedener Tierseuchen, entwickelte ein Schutzserum gegen Maul- und Klauenseuche.

Loerke, Oskar, 13.3.1884-24.2.1941, Schriftsteller; schuf Gedichte, die Bemühen um Bewahrung humanistischen Geistesgutes wie auch Tendenzen der Flucht aus gesellschaftlicher Realität bezeugen («Wanderschaft», 1911; «Atem der Erde», 1930; «Magische Verse», 1938); schrieb auch Erzählungen und Essays.

Loetscher, Hugo, geboren 22.12.1929, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; analysierte in kritischen realistischen Romanen inhumane Tendenzen der bürgerlichen Gesellschaft der Schweiz («Abwässer. Ein Gutachten», 1963; «Die Kranzflechterin», 1964; «Noah», 1967; «Der Immune», 1975; «Wunderwelt. Eine brasilianische Begegnung», 1979).

Loewe: 1. Carl, 30.11.1796-20.4.1869, Komponist; bedeutendster Meister der neueren deutschen Gesangsballade («Edward», «Erlkönig», «Der Zauberlehrling», «Archibald Douglas», «Tom der Reimer» unter anderem), für die er als Sängerpianist erfolgreich wirkte; schrieb auch (heute vergessene) Opern und Oratorien.

2. Loewe, Frederick, eigentlich Fritz Löwe, geboren 10.6.1904, US-amerikanischer Komponist österreichischer Herkunft; trat seit 1935 mit Operetten und Musicals hervor, von denen «My fair Lady» (1956) ein Welterfolg wurde.

Löffelhund, Otocyon megalotis: fuchsähnliches, gelbliches braunes Raubtier ost- und südafrikanischen Steppen und Halbwüsten mit großen, tütenförmigen Ohren; vorwiegend Insekten- und Kleintierfresser. Siehe auch Hunde.

Löffler, Plataleinae: mit den Ibissen verwandte, weiß oder rosa gefärbte Sumpfvögel mit löffelartig verbreitertem Schnabel; von Südeuropa bis Indien brütet der 80 cm lange Löffler (Platalea leucorodia) gesellig im Schilf; im tropischen Amerika nistet der 65 cm lange Rosalöffler (Ajaia ajaia) in Bäumen.

Lofthus Bewegung: Bauernaufruhr 1786 in Südnorwegen gegen Versuche, die verhältnismäßig unabhängige Stellung der Bauern einzuschränken; nach der Verhaftung des Wortführers C. Jensen (1787) vom Hofe Lofthus unterdrückt.

Log:

1. Geophysik: in der Bohrlochmessung die Messfahrt der Sonde in der Bohrung zur geophysikalischen Untersuchung der durchteuften Gesteine; auch die dabei gewonnenen Aufzeichnungen.

2. Schifffahrt: Gerät zum Messen (Loggen) der Schiffsgeschwindigkeit. Mit dem hydromechanischen Log oder Propellerlog wird die Drehzahl einer Schraube gemessen, die vom Schiff nachgeschleppt wird. Die Geschwindigkeit ist an der Loguhr ablesbar. Bei dem aus dem Schiffsboden senkrecht ausfahrbaren Bodenlog (für kleine und mittelgroße Schiffe) und dem aus dem Vorsteven waagerecht herausragenden hydrodynamischen Log oder Steven-Log (für große Schiffe) wird der entstehende Staudruck des Wassers elektrisch in Geschwindigkeitswerte umgewandelt, die an einem Fahrtempfänger abgelesen werden können. Letzterer ist oft in einer Fahrtmessanlage mit einem Wegempfänger zur Anzeige des zurückgelegten Weges und mit einem Fahrtschreiber zur Registrierung der Geschwindigkeitswerte verbunden. Außerdem gibt es nach dem elektrodynamischen Messprinzip arbeitende, transistorisierte Fahrtmessanlagen, bei denen der gemessene Fahrtweg analog und der Wegwert digital auf die Empfänger übertragen werden. Als Doppler-Log oder Doppler-Sonarsystem wird ein Unterwassermessverfahren bezeichnet, das eine Kombination des Echolot- und des Dopplerprinzips darstellt; es arbeitet mit Ultraschall. 1577 erfand der englische Kupferstecher Humphrey das Hand-Log.

Brechnussgewächse, Logangewächse, (nach einem US-amerikanischen Gouverneur), Loganiaceae: überwiegend tropisches Holzgewächse mit gegenständigen Blättern. Arten der Gattung Strychnos liefern Pfeilgifte (zum Beispiel das Curare), der Brechnussbaum das Alkaloid Strychnin; windende Sträucher der Gattung Gelsemium als Zierpflanzen.

Logarithmenpapier: ein Funktionspapier, logarithmisches Dekrement Dämpfung 2. logarithmische Skale Funktionsleiter.

Logatom: einsilbiges, aus Sprachlauten zusammengesetztes Kunstwort. Zur Beurteilung der Güte elektroakustischer Anlagen wird unter Verwendung vieler Logatom die Silbenverständlichkeit (%-Zahl der richtig verstandenen Logatome) gemessen.

Logau, Friedrich von, Pseudonym Salomon von Golaw, Juni 1604-24.7.1655, Schriftsteller, wandte sich in satirischen Epigrammen gegen Krieg, sozialen Dünkel, Gewissenszwang und Überfremdung der deutschen Sprache («Erstes Hundert Teutscher Reimen-Sprüche Salomons von Golau», 1638; «Salomons von Golau Deutscher Sinngedichte drei Tausend», 1654).

Logbuch, Schiffstagebuch, gesetzlich vorgeschriebenes Tagebuch auf Seeschiffen, in das alle wesentliche Vorkommnisse und Daten chronologisch eingetragen werden.

Loge: (französisch - germanisch) 1. im Theater oder Kino ein von den übrigen Zuschauerplätzen abgeteilter kleiner Raum mit wenigen Sitzplätzen.

2. Organisationsform und Versammlungsort der Freimaurer.

Logentheater: mehrstöckiges Theater, dessen Ränge in Logen abgeteilt sind; typische Theater-Bauform des Feudalabsolutismus im 17. und 18. Jahrhundert; in der Mittelloge des 1. Ranges, die dem jeweiligen Herrscher Vorbehalten war, lag der Fluchtpunkt der perspektiv. Bühnenmalerei.

Logger: Fischereifahrzeug; früher anderthalb- oder zweimastiger Segler, heute Motorschiff für den Fang mit dem Treibnetz oder der Ringwade in der kleinen Hochseefischerei.

Loggia: (germanisch, «Laube») 1. gewölbte, nach einer oder mehreren Seiten hin offene Bogenhalle, die von Säulen oder Pfeilern getragen wird. Sie kann ein selbständiges Gebäude oder einem Haus vorgelagert beziehungsweise eingegliedert sein.

2. bei Wohnhäusern ein innerhalb der Mauerflucht liegender, nach vom oder auch nach den Seiten offener Raum, im Unterschied zum Balkon.

logieren: (französisch - germanisch) wohnen; beherbergen.

Logik: (griechisch, «Denklehre»)

1. Logik, formale Logik: Wissenschaft von der Struktur, den Gesetzen und Formen folgerichtigen Denkens, speziell von den Gesetzmäßigkeiten bei der Verknüpfung von Gedanken zu einem logischen Schluss, mit dessen Hilfe abgeleitetes Wissen aus früher geprüften Wahrheiten ohne neuerl. Rückgriff auf die Erfahrung erhalten werden kann. Die traditionelle Logik ist die erste Stufe der Logik Sie untersucht die allgemeinen Gesetze des logischen Denkens (Identitätssatz, Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch, Satz vom ausgeschlossenen Dritten, Satz vom zureichenden Grunde) und die allgemeinen Denkformen (Urteil, Begriff, logischer Schluss), durch die bestimmte allgemeine Beziehungen der materiellen Wirklichkeit im Denken widergespiegelt werden. Die traditionelle Logik wurde durch Aristoteles begründet, der insbesondere die Syllogistik schuf. Die mathematische Logik (Symbol. Logik oder Logistik) ist die zweite, moderne Stufe der Logik Obwohl sie vom Gegenstand her das gleiche Anliegen wie die traditionelle Logik verfolgt, unterscheidet sie sich von dieser durch den Abstraktionsgrad. Die mathematische Logik verwendet umfassend mathematische Methoden und untersucht die Gesetzmäßigkeiten des Denkens mit Hilfe eines umfangreichen Formelapparates, mittels Kalkülen und formalisierter Sprachen.. Das ermöglicht die Erfassung von sehr komplizierten Denkzusammenhängen, wie man sie bei logischen Konstruktionen zum Beispiel in Mathematik und Kybernetik, unter anderem auch für den Entwurf und Betrieb von Rechen- und Steuerungsanlagen, benötigt (siehe auch Schaltalgebra). Hauptgebiete der mathematischen Logik sind Aussagenlogik, Prädikatenlogik, Klassenlogik, Relationenlogik, Stufenlogik (Typentheorie); spezielle Untersuchungen befassen sich unter anderem mit Fragen der mehrwertigen Logik, der Modallogik, der intuitionistischen und der konstruktiven Logik. Die mathematische Logik basiert auf Ideen von G. W. Leibniz und B. Bolzano; erste wesentliche Ansätze für eine Mathematisierung der Logik stammen von G. Boole, E. Schröder und G. Frege. Der eigentliche Ausbau der mathematischen Logik erfolgte im 20. Jahrhundert, beginnend mit Arbeiten von B. Russell, D. Hilbert unter anderem

2. Elektronik/Datenverarbeitung: Gesamtheit logischer Schaltungen eines Gerätes oder für eine bestimmte Funktion (zum Beispiel Steuerlogik).

dialektische Logik: Lehre der marxistisch-leninistischen Philosophie von den allgemeinsten Gesetzen der Entstehung und Entwicklung des Denkens, die dialektische Methode in ihrer Anwendung auf den Denkprozess, auf die Erkenntnis als Widerspiegelung der Außenwelt im Bewusstsein des Menschen. Die dialektische Logik wird oft mit der Dialektik und dem dialektischen Materialismus identifiziert, indem sie als Wissenschaft von den allgemeinsten Entwicklungsgesetzen in Natur, Gesellschaft und im Denken bezeichnet wird.

Logikanalysator: elektronisches Gerät zur Prüfung und Funktionskontrolle (hoch)integrierter («logischer») Digitalschaltungen; im Prinzip ein Elektronenstrahloszilloskop, das mehrere (bis zu 48) gleichzeitig in einer Schaltung auftretende Signalverläufe untereinander darzustellen gestattet.

Logikelement, logisches Verknüpfungselement: elektronische Schaltung ohne speichernde Funktion zur technischen Realisierung logischer Operationen. Zum Aufbau kombinatorische Schaltungen, zum Beispiel in Rechenautomaten, werden sie entsprechend den Regeln der Schaltalgebra miteinander verbunden. Logikelement bestehen aus Transistoren, Dioden, Widerständen und so weiter (im Allgemeinen in Form integrierter Schaltkreise), deren binäres Schaltverhalten ausgenutzt wird. Das Logikelement Negator liefert am Ausgang den entgegengesetzten (negierten) Signalwert des Eingangs; das UND-Glied liefert nur dann ein «1»-Signal, wenn alle Eingänge mit «1»-Signalen belegt sind; das ODER-Glied liefert dann ein «1»-Signal, wenn an mindestens einem Eingang ein «1»-Signal liegt. Das NAND-Glied (von englisch not and, «nicht- und») besteht aus UND-Glied und nachfolgendem Negator; das NOR-Glied (von englischen not or, «nicht- oder») aus ODER-Glied mit nachfolgendem Negator. Die Antivalenzschaltung liefert dann ein «1»-Signal, wenn die Eingangssignale entgegengesetzte Werte haben; die Äquivalenzschaltung liefert dann ein «1»-Signal am Ausgang, wenn beide Eingangssignale den gleichen Wert haben.

Logis: französisch - germanisch; PI. Logis:

a) (zeitweilige) Wohnung, Unterkunft;

b) früher Gemeinschaftswohnraum der Mannschaft auf Handelsschiffen.

logische Operation: Verknüpfung von logischen Operanden a und b, die die Wahrheitswerte wahr und falsch (0) haben; entspricht einer extensionalen Aussagenverbindung. In der Rechentechnik werden im Allgemeinen die 1. O. Negation, Konjunktion, Disjunktion (logisch ODER), Alternative (exklusives ODER), Äquivalenz und Implikation verwendet.

logischer Pegel: Wertebereich einer physikalischen Größe (meist elektrische Spannung), der dem Wahrheitswert 0 oder 1 eines logischen Operanden zugeordnet ist und (bei positiver Logik) mit L (low, niedrig) beziehungsweise H (high, hoch) gekennzeichnet wird. Für die einzelnen Schaltkreisfamilien sind die logischen Pegel besonders festgelegt.

Logisches und Historisches: korrelative philosophische Kategorien, die unterschiedlicher, sich wechselseitig bedingende Aspekte der wissenschaftlichen Erkenntnis zum Ausdruck bringen. Das Logische erfasst in systematischer Form die inneren Bewegungs- und Strukturgesetze des Untersuchungsobjektes; das Historische widerspiegelt sein reales geschichtlichen Werden, seine Entstehung und Entwicklung. Je nach Aufgabenstellung kann der logisch-systematischen oder historischen Untersuchungsaspekt zeitweilig im Vordergrund stehen; beide bilden jedoch prinzipiell eine Einheit, die zu erforschen und theoretisch widerzuspiegeln ist.

Logographen: (griechisch) 1. die ersten Verfasser griechischer historischer Prosa vor Herodot im 6./5. Jahrhundert vor Christus 2. im alten Athen Verfasser von Gerichtsreden.

Logogriph: (griechisch) Rätselart, bei der Wörter durch Zufügen oder Weglassen von Buchstaben eine andere Bedeutung erhalten, zum Beispiel Hafen, Haufen.

Logone: wichtigster und linker Nebenfluss des Schari; 805 km; entspringt im Osten Kameruns, zum Teil Grenzfluss zwischen Kamerun und Tschad; hat bei Hochwasser Verbindung über den Fluss Mayo Kebbi zum Benue, bildet ausgedehnte Überschwemmungsgebiete und mündet bei N’Djamena (Tschad); bis unterhalb Bongo zur Regenzeit schiffbar.

Logopädie: (griechisch) heilpädagogische Disziplin, die sich mit dem pädagogisch-psychologischen Anteil bei der Behandlung von Stimm- und Sprachstörungen befasst.

Logos: Zentralbegriff altgriechischer Wissenschaft, der mit Erklärungen und Definitionen den Sinn der Erscheinungen rational ergründen soll; ursprünglich die ordnende Sammlung und Aufzählung von Dingen, die sich als intellektuelle Tätigkeit (Logos = Rechnung, Vernunft, Gedanke, Lehre) im logischen Sprechen ausdrückt (Logos = Rede, Wort) und mit der realen Rationalität und Ordnung selbst identisch ist (Logos = Gesetzmäßigkeit, Struktur); Gegenbegriff zum Irrationalen, Mythischen, Ungeordneten.

Logotype: Drucktype, auf der 2 oder mehr Buchstaben vereinigt sind, gewöhnlich oft gebrauchte Vor- und Nachsilben (zum Beispiel ge, en, ung); früher im Handsatz verwendet.

Luohan: Jünger Buddhas. Seit Entwicklung des Zen-Buddhismus in China (ab 6. Jahrhundert nach Christus) wurden von den 500 Luohan (Lohan) meist 18 oder 16 der berühmtesten in der Kunst Ostasiens dargestellt. Die Lohanfiguren stehen in der Haupthalle buddhistischer Tempel.

Lohblüte, Fuligo septica: auf Gerberlohe, faulem Holz oder feuchtem Laub vorkommender gelber Schleimpilz, bis 1,5 m2 groß.

Lohe: gemahlene gerbstoffhaltige Baumrinde; früher häufig verwendetes Gerbmittel bei der Lederherstellung.

Lohengrin, Gralsritter der Artussage, kommt als Schwanenritter (in einem von einem Schwan gezogenen Schiff) der Herzogin von Brabant zu Hilfe. Als sie ihm die (verbotene) Frage nach seiner Herkunft stellt, muss er sie wieder verlassen. Bei Wolfram von Eschenbach ist Lohengrin Sohn des Parzival; weitere Bearbeitungen durch Konrad von Würzburg (um 1270) und 2 anonyme Verfasser (Ende 13. Jahrhundert); Oper von R Wagner (1847).

Lohkaninchen: zierliche Kaninchenrasse englischen Ursprungs (2 bis 3,25 kg schwer) mit typischer Lohzeichnung an Kopf und Rumpf in den Farbschlägen Schwarz-, Braun- und Blauloh. Siehe auch Kaninchen.

Lohmann, Karl, 10.4.1898-22.4.1978, Biochemiker; 1937/51 Professor und Direktor der Institute für Biochemie, Medizin und Biologie der AdW. Lohkaninchen entdeckte die Adenosintriphosphorsäure und die Cocarboxylase.

Lohn, Arbeitslohn, im Sozialismus der Anteil der Werktätigen an dem Teil des gesellschaftlichen Konsumtionsfonds, der den Arbeitern und Angestellten vom Staat individuell entsprechend der Quantität und Qualität der geleisteten Arbeit in Geldform gezahlt wird. Seine Grundformen sind Zeitlohn und Stücklohn. Beim Zeitlohn in Form des einfachen Zeitlohn erfolgt die Lohnberechnung nach der Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden; beim Prämienzeitlohn werden beim Erreichen bestimmter Kennziffern (zum Beispiel sparsamster Rohstoffverbrauch) Prämienzuschläge gezahlt.

- Der Stücklohn tritt in verschiedenen Formen auf, zum Beispiel als direkter proportionaler Stücklohn, bei dem sich der Mehrleistungslohn gleichlaufend mit der quantitativen Arbeitsleistung verändert; als Prämienstück-Lohn bei dem ein direktes proportionales Stücklohnsystem um einen oder mehrere beeinflussbare Faktoren beziehungsweise Kennziffern (Qualität, Senkung des Energieverbrauchs und so weiter) erweitert und durch zusätzliche Prämien anerkannt wird. Jede der genannten Lohnformen tritt sowohl individuell als auch kollektiv auf, je nachdem, ob die quantitative Arbeitsleistung individuell oder kollektiv gemessen wird. Der Lohn wird für die Arbeiter in der Regel als Stundenlohn, für Angestellte in Form von Monatslohn (Gehalt) gezahlt. Im Kapitalismus ist der Lohn der Preis der Ware Arbeitskraft. Siehe auch Grundlohn, Naturallohn, Nominallohn, Objektlohn, Produktivlöhne, Reallohn, Relativlohn.

Lohnabrechnung: vom Betrieb für den Kalendermonat vorzunehmende Berechnung des Brutto- und Nettolohnes und der Lohnabzüge des Werktätigen. Die Lohnabrechnung ist dem Werktätigen bei der Lohnzahlung in einem verständlichen Nachweis auszuhändigen und auf Verlangen zu erläutern.

Lohnarbeit: für Kapitalisten gegen Entgelt (Lohn) geleistete Arbeit; widerspiegelt das gesellschaftliche Verhältnis der Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die Eigentümer der Produktionsmittel, die Bourgeoisie.

Lohnarbeiter, Proletarier: Angehöriger der Arbeiterklasse im Kapitalismus, der der kapitalistischen Ausbeutung unterliegt. Er besitzt keine Produktionsmittel und ist deshalb gezwungen, seine zur Ware gewordene Arbeitskraft an den Besitzer der Produktionsmittel, den Kapitalisten, zu verkaufen. Der «doppelt freie» Lohnarbeiter ist Voraussetzung der kapitalistischen Produktion. Er ist

a) juristisch freier Eigentümer seiner Person und seines Arbeitsvermögens als Voraussetzung dafür, dass er seine Arbeitskraft auf dem Markt als Ware verkaufen kann;

b) frei von Eigentum an Produktionsmitteln und damit zum Verkauf seiner Arbeitskraft gezwungen. Veränderungen in der Lohnhöhe und im Konsumniveau der Lohnarbeiter ändern nichts an ihrer sozialen Stellung als Ausgebeutete. Die «doppelt freien» Lohnarbeiter sind durch die ursprünglich Akkumulation des Kapitals entstanden, und ihre Zahl wächst mit der kapitalistischen Akkumulation, so dass die Klasse der Lohnarbeiter, die Arbeiterklasse oder das Proletariat, die zahlenmäßig stärkste Klasse der kapitalistischen Gesellschaft wird.

Lohneinbehaltung: Einbehaltung eines Teils des Nettolohnes des Werktätigen durch den Betrieb; Lohneinbehaltung ist nur im Rahmen der in Rechtsvorschriften enthaltenen Möglichkeiten erlaubt (zum Beispiel auf Grund einer Pfändungsanordnung oder einer Vereinbarung zwischen Betrieb und Werktätigem).

Lohner, Helmut, geboren 23.4.1933, österreichischer Schauspieler; vielseitiger Charakterdarsteller unter anderem am Züricher Schauspielhaus und am Wiener Burgtheater, herausragend durch seine gestorben und mim. Gestaltungskraft, seine Sprechkultur und Sensibilität; bekannt auch als Filmschauspieler, Rezitator und Sänger.

Lohnfonds: Summe der Löhne und Gehälter, die der sozialistische Staat planmäßig und in Abhängigkeit von Umfang und Struktur des Nationaleinkommens für einen Planzeitraum festlegt und entsprechend den ökonomischen und sozialpolitischen Erfordernissen bis auf die Betriebe und Einrichtungen differenziert verteilt. Lohnfonds und Prämienfonds bilden zusammen die Fonds des Arbeitseinkommens und bestimmen die Mittel, die in Abhängigkeit von der Übernahme und Erfüllung hoher Planaufgaben für die Entlohnung und Prämierung der Werktätigen zur Befriedigung ihrer individuellen Bedürfnisse bereitstehen.

Lohngruppen: Abstufung der Tariflöhne der Arbeiter nach den unterschiedlichen Qualifikationsanforderungen verschiedenartiger Arbeitsaufgaben. Die Anzahl der Lohngruppen wird durch die wesentlichen Unterschiede der Qualifikationsanforderungen bestimmt.

Lohnintensität: Anteil der Lohnkosten an den Gesamtkosten je Erzeugniseinheit. Mit zunehmender Mechanisierung und Automatisierung verändert sich die Kostenstruktur, und der Lohnkostenanteil geht zurück.

Lohnsteuer: Steuer auf die Arbeitseinkommen der Arbeiter und Angestellten als Beitrag der Werktätigen zur Finanzierung gesamtgesellschaftliche Aufgaben; die sozialen Verhältnisse werden mittels Steuerklassen berücksichtigt.

Lohnveredelung: Außenhandelsgeschäft, bei dem eine Ware (meist Rohstoff oder Halbfabrikat) zur Weiterverarbeitung beziehungsweise endgültigen Fertigstellung in ein anderes Land geliefert und nach der Bearbeitung (Veredelung) wieder an den Besteller zurückgeliefert wird. Der Besteller zahlt dem Veredler für die Verarbeitung den sogenannten Veredelungslohn. Verträge über Lohnveredelung werden Lohnveredelungsverträge beziehungsweise Lohnverarbeitungsverträge genannt.

Lohnwerk: Entwicklungsstufe des Handwerks, bei der der Kunde die Rohstoffe, der Handwerker gegen Entgelt («Lohn») die Arbeit liefert.

Lohrinde: gerbstoffhaltige, während der Vegetationszeit von gefällten Bäumen geschälte Rinde von Eiche, Fichte, Douglasie und Birke; sie diente früher häufig als Grundstoff zur Gerbung.

Loipe: präparierte und markierte Skilanglaufstrecke.

Loire: längster Fluss Frankreichs; 1020 km; Einzugsgebiet 115000 km2; entspringt am Ostrand des Zentralmassivs, mündet mit 50 km langem und bis 8 km breitem Mündungstrichter in den Atlantik; durchfließt im Wechsel von Schluchten und Ebenen (Limagne) den Osten des Zentralmassivs, das waldige und sumpfige Hügelland im Süden des Pariser Beckens und das fruchtbare Tiefland unterhalb Tours (Gemüse-, Weinbau); für Seeschiffe bis Nantes schiffbar; Nebenflüsse Allier, Vienne unter anderem; ökonomisch unbedeutende Kanäle zur Seine, Saône und nach Brest; berühmte Schlösser zwischen Orléans und Angers; am Mittellauf Kernkraftwerke; am Mündungstrichter Erdölraffinerie Donges und Hafen Saint-Nazaire.

Loja: Stadt (Provinzzentrum) in Ekuador, 2200 m über dem Meeresspiegel; 55000 Einwohner; Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Universität; an der Carretera Panamericana, Flughafen.

Lokalanästhesie: örtliche Betäubung zum Ausschalten der Schmerzempfindung in einem umschriebenen Gebiet; das Betäubungsmittel kann auf Haut oder Schleimhaut aufgepinselt oder zerstäubt (Oberflächenanästhesie), in das Gewebe flächenhaft eingespritzt (Infiltrationsanästhesie) oder an schmerzleitenden Nervenbahnen deponiert (Leitungsanästhesie) werden.

Lokalanästhetika, Lokalanalgetika: Arzneimittel verschiedener chemischer Struktur (Ester, Amide, Ketone), die bei lokaler Applikation eine reversible, örtlich begrenzte Ausschaltung der Schmerzempfindung hervorrufen, zum Beispiel Kokain, Lidocain und Procain.

Lokale Gruppe: ein kleiner Galaxienhaufen, zu dem das Milchstraßensystem, der Andromeda Nebel und mindestens 25 weitere Sternsysteme gehören.

Lokalerregung: nicht fortgeleiteter Erregungszustand zum Beispiel von Nervenfasern, deren Membran einen Zustand der Depolarisation aufweist, der für die Auslösung einer fortleitbaren Erregung unterschwellig ist.

Lokalfarbe: in der Malerei der reine, ungebrochene Farbton, der einen Gegenstand oder einen Bildteil besonders heraustreten lässt.

Lokalgruppe: Gesellschaftseinheit der australischen Ureinwohner, Buschmänner und anderer Sammler- und Jägervölker, die einen größeren Kreis von Verwandten umfasst und die ein bestimmtes Territorium als ihr Eigentum ansieht.

Lokalisation: (lateinisch) örtliche Begrenzung, Ortsbestimmung.

Lokalisationslehre: Zuordnung von Funktionen (zum Beispiel Wahrnehmung optische Eindrücke oder von Schmerzempfindungen, Steuerung der Muskeltätigkeit) zu bestimmten Feldern der Großhirnrinde, zum Beispiel Sehzentrum, Körperfühlsphäre, Sprachzentrum.

Lokalsatz, Ortssalz: Nebensatz zur Bestimmung von Ort, Ausgangspunkt oder Richtung eines im Hauptsatz enthaltenen Vorgangs, zum Beispiel: Er lebte, «wo er geboren war».

Lokalspitze: kurzer journalistischer (oft satirischer) Beitrag an der Spitze der ersten Spalte der Lokal- oder Kreisseite einer Tageszeitung.

Lokaltermin: Verhandlung außerhalb des Gerichts, zum Beispiel am Ereignisort; meist zum Zwecke der Beweisaufnahme.

Lokativ: Ortsfall; im Deutschen durch Präposition und Substantiv wiedergegeben, zum Beispiel im Wald.

Lokator, Siedelmeister. Ritter, Bürger oder wohlhabender Bauer, der von geistlichen oder weltlichen Feudalherren während der zweiten Etappe der Ostexpansion mit der planmäßigen Gründung von Dörfern oder Städten beauftragt wurde.

Lokayata: (Sanskrit loka, «Welt») altindischer Materialismus, nach dem die Welt (bei Uddalaka) aus den Urelementen Glut, Wasser und Essen (fester Stoff) besteht. Der Geist entsteht aus einer Mischung dieser Elemente im Leibe. Gott, Seele, Tatvergeltung und Seelenwanderung existieren nicht.

Loki, Dämon der altnordischen mythologischen Dichtung; listiger Helfer, meist aber Feind der Götter; Vater von Fenrir, Hel und Midgardschlange; verschuldete Baldrs Tod.

Lokomotion: mit Ortsveränderung verbundene aktive Bewegung eines Individuums, die zu den charakteristischen Erscheinungen des Lebens gehört (Schwimmen, Kriechen, Laufen, Springen, Klettern, Fliegen).

Lokomotive, Kurzwort Lok: fahrbare, schienengebundene Kraftmaschine mit eigener (Dampfmaschine, Druckluftmotor, Verbrennungsmotor) oder fremder Kraftquelle (Elektromotor) zur Zugförderung im Eisenbahnbetrieb. Die Lokomotive besteht aus dem Laufwerk mit mindestens 2 Achsen, dem Stahlrahmen mit Querversteifung, den Pufferbohlen zum Anbringen der Zug- und Stoßvorrichtung, dem Triebwerk (Dampfmaschine, Kolbenmotor, Turbine, Elektromotor), dem Aufbau mit Führerstand und je nach Bauart Kessel, Vorratsbehälter oder Transformator. Bei der Dampflokomotive wird der Heißdampf in einem Kessel durch Verbrennung von Kohle oder Öl erzeugt und zu den Kolben geleitet. Die Kraftübertragung vom Kolben erfolgt durch Treib- und Kuppelstangen zu den Treib- und Kuppelachsen. Der Brennstoff und das zur Dampferzeugung benötigte Wasser werden im Tender mitgeführt. Der Wirkungsgrad der Dampflokomotive ist gering und beträgt bei günstigen Bedingungen etwa 12 %. Sonderbauarten sind unter anderem die Druckluftlokomotive (mit Druckluftmotor angetrieben, ähnlich der Dampfmaschine), die als Grubenlokomotive und in explosionsgefährdeten Betrieben angewendet wird; die feuerlose Lokomotive mit einem Kessel, in dem Dampf, der einer ortsfesten Dampferzeugungsanlage entnommen wird, gespeichert ist; sowie die Dampfturbinenlokomotive, die nur in wenigen Stückzahlen gebaut wurde. Die elektrische Lokomotive (Elektrolokomotive, kurz E-Lok, auch Ellok) bezieht ihre Energie (Gleich- oder Drehstrom bis 3 kV, Wechselstrom bis 25 kV) durch den Fahrdraht oder bei niedriger Spannung durch die Stromschiene (Triebwagen der U-, S-Bahn). Die meistens einzeln angetriebenen Achsen werden in zwei- oder dreiachsigen Drehgestellen zusammengefasst. Die Antriebsmotoren werden im Allgemeinen beim Bremsen als Generatoren geschaltet. Die dabei entstehende elektrische Energie wird entweder in Widerständen in Wärme umgewandelt oder in das Netz zurückgeführt (Stromrückgewinnung mittels Nutzbremse). Die elektrische Speicher- oder Akkumulatoren Lokomotive ist mit einer kräftigen Akkubatterie und einem Elektromotor ausgerüstet, dient Rangierzwecken und wird auch im Bergwerk eingesetzt. Die Diesellokomotive hat als Antrieb 1 oder 2 Dieselmotoren. Ein besonderes Getriebe ist zur Kraftübertragung erforderlich, das die Treibachsen vom Dieselmotor trennt, da dieser nicht unter Belastung anlaufen kann und die Drehrichtung im Allgemeinen nicht umkehrbar ist. Nach der Kraftübertragung werden unterschieden dieselelektrischen, -hydraulischen und -mechanischen Lokomotive. Bei der dieselelektrischen Lokomotive ist an den Dieselmotor ein Generator zur Stromerzeugung gekoppelt. Mit dem Strom werden die Fahrmotoren der Treibachsen gespeist. Die dieselhydraulische Lokomotive hat ein Strömungsgetriebe (hydrodynamisch) oder Ölpumpe und Ölmotor (hydrostatische) und die dieselmechanische Lokomotive ein Zahnradstufengetriebe zur Kraftübertragung. Siehe auch Eisenbahn.

Lokris: 2 antike, von Lokrern besiedelte mittelgriechische Landschaften, durch Phokis (gebirgiger Distrikt) in das östliche Lokris am Golf von Euböa und in das westliche Lokris am Golf von Korinth getrennt.

Lolch, Weidelgras, Raugras (englisch rye (rai), «Roggen»), Lolium: Gräsergattung, dazu als trittfestes ausdauerndes Futter- und Weidegras das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) und das für den Feldfutterbau wichtige zweijährige Welsche Weidelgras (Lolium multiflorum).

Lolland und Falster: dänische Inseln in der westlichen Ostsee, durch den Guldborgsund voneinander getrennt, südlich von Seeland (Brücke); als Amt mit Nebeninseln zusammen 1795 km2, 125000 Einwohner; davon Lolland (früher Laaland) 1243 km2, 78000 Einwohner; Falster 514 km2, 45000 Einwohner; Verwaltungszentrum Nykobing-Falster,; flachwellige, fruchtbare Grundmoränenlandschaft mit Geschiebelehmböden; entwickelte Landwirtschaft (Zuckerrüben, Weizen, Viehhaltung); Lebensmittelindustrie und Schiffbau; internationale Fährverbindungen von Gedser nach Warnemünde (DDR) und Lübeck sowie von Rodbyhavn nach Puttgarden (BRD; sogenannt Vogelfluglinie).

Lollarden: Beiname für die Mitglieder des religiösen Krankenpflegeordens der Alexianer nach ihrer Art zu singen (lollen = summen). Die Lollarden traten um 1350 in Flandern und seit etwa. 1375 in England auf, verbanden sich mit Anhängern J. Wiclifs, betrieben eine antifeudale Volksagitation und wurden deshalb wegen Ketzerei verfolgt.

Lollobrigida, Gina, geboren 4.7.1927, italienische Filmschauspielerin; spielte in Italien, Frankreich, Großbritannien und den USA («Achtung Banditi!», «Fanfan, der Husar», «Brot, Liebe und Fantasie», «Der Glöckner von Notre Dame», «Kaiserliche Venus»); seit 1970 als Fotografin tätig (Bildband «Mein Italien», 1972).

Lombard: (nach den lombardische Geldwechslern) Beleihung von Wertpapieren oder Waren durch eine Bank gegen Pfandstellung und Verzinsung. Das Lombardgeschäft ist eine Form des kapitalistischen Bankkreditgeschäfts (Lombardkredit), das durch die relativ hohe Verzinsung (Lombardsatz) zusätzliche Profite sichert.

Lombardei, italienisch Lombardia: historische Landschaft in Oberitalien, zwischen mittlerem Po und Schweizer Grenze, als Region Lombardei 23850 km2, 8,9 Millionen Einwohner; 373 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Mailand; umfasst 9 Provinzen; Anteil an Alpen, seenreichem südlichen Alpenvorland und an der Poebene; Getreide- und Futteranbau, Obst- und Weinbau, im Süden (Bewässerungsland am Po) auch Spezialkulturen, besonders Reis, Gemüse; intensive Milchwirtschaft; Seidenraupenzucht. Starke Verstädterung; vielseitige Industriestruktur, industrielles Ballungsgebiet um Mailand mit Maschinen- und Fahrzeugbau, Eisenmetallurgie und Erdölverarbeitung; chemische, elektrotechnische/elektronische, Textil-, Schuhwaren- und andere Industrie; Energieerzeugung durch Wasserkraftwerke an Alpenflüssen; dichtes Verkehrsnetz; an den Alpenrandseen (Lago Maggiore, Luganer, Corner, Gardasee) Fremdenverkehr.

Lombardi, Lombardo, italienischer Bildhauer- und Baumeisterfamilie in Venedig. Ihr hervorragendster Vertreter war Pietro (um 1435-1515). Seine Bauten in einem reichen Dekorationsstil (S. Maria dei Miracoli, Palazzo Dario) prägten die spezifisch venezianischer Frührenaissance. Zusammen mit seinen Söhnen schuf er u. a. figurenreiche Wandgrabmäler der Dogen.

Lombardischer Bund: Bund Oberitalienischen Städte seit 1167 unter Führung Mailands gegen die feudale Machtpolitik Friedrichs I., war trotz innerer Gegensätze (Cremona-Mailand) die entscheidende antikaiserliche Kraft in Oberitalien; schlug Friedrich I. 1167 bei Legnano und zwang ihn im Konstanzer Frieden (1183) zu seiner Anerkennung.

Lombardo Toledano, Vicente, 16.7.1894-16.11.1968, mexikanischer Politiker, Jurist; 1921/31 Sekretär des Mexikanischen Regionalen Arbeiterbundes; gründete 1936 die später nach ihm benannte Arbeiteruniversität in Mexiko; 1938 Mitbegründer und Vorsitzender des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes; 1945/65 Vizepräsident des WGB, gründete 1948 die Volkspartei (seit 1960 sozialistische Volkspartei); seit 1950 Mitglied des Weltfriedensrates.

Lombard Street: Straße im Londoner Zentrum, Hauptsitz der britischen und internationalen Bankmonopole; im übertragenen Sinne der Londoner Geld- und Kapitalmarkt.

Lombok: Insel im Malaiischen Archipel, eine der Kleinen Sundainseln, zu Indonesien gehörend; 4692 km2, 1,4 Millionen Einwohner; Hauptort Mataram-, gebirgig mit tätigem Vulkan Rinjani (3726 m); bei tropischen Klima Anbau von Reis, Zuckerrohr, Kaffee, Tabak, Baumwolle, Kokospalmen; Zinnerzlagerstätten.

Lomonossow, Michail Wassiljewitsch, 19.11.1711-15.4.1765, russischer Gelehrter und Dichter; Sohn eines freien Bauern aus dem Gouvernement Archangelsk am Weißen Meer; erhielt eine solide Bildung, ging 1730 nach Moskau, wo er seine Herkunft verschwieg, um studieren zu können. Lomonossow vertiefte sein Wissen in Petersburg, Freiberg und Marburg und wirkte ab 1741 an der Petersburger Akademie der Wissenschaften, seit 1745 als Professor für Chemie; er schlug in der Chemie, Physik, Astronomie, Geologie, Geographie, Geschichte und Philologie neue Wege ein. 1755 erfolgte auf seine Initiative die Gründung der Moskauer Universität. Lomonossow vertrat eine materialistische (atomistische) Weltanschauung und war als Naturforscher ein Anhänger des Entwicklungsgedankens; seine theoretischen Erkenntnisse zeichneten sich durch eine enge Verbindung zur Praxis aus. Auf dem Gebiet der Naturwissenschaften formulierte er unter anderem ein «Gesetz von der Erhaltung der Materie und Bewegung», das später in den Erhaltungssätzen für Masse und Energie aufging; mit ihm wie mit anderen Einsichten nahm er wesentliche Gedanken des wissenschaftlichen Fortschritts vorweg. Mit dem «Brief über die Regeln der russischen Dichtkunst», einem Lehrbuch der Rhetorik, einer «Russischen Grammatik» und einer Arbeit über die Stilhierarchie im Russischen schuf er die Grundlagen der modernen russischen Literatursprache. In seinen literarischen Werken, vornehmlich Oden, Tragödien und Epigrammen, vertrat er als Repräsentant der russischen Aufklärung und des Klassizismus die Ideen des von Peter I. geprägten aufgeklärten Absolutismus. Lomonossow leistete einen universalen Beitrag zur Entwicklung der russischen Wissenschaft, Dichtkunst und Nationalkultur. In deutscher Übersetzung erschienen «Ausgewählte Schriften» (1961).

Lomza: 1. Wojewodschaft im Nordosten Polens; 6684 km2, 330000 Einwohner; 49 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum £. 2; umfasst von Narew, Biebrza und Pisa durchflossene sumpfreiche Niederungen; Viehzucht (Schweine, Pferde), Getreide-, Kartoffel-, Gemüseanbau und Obstbau; Nahrungsmittel-, Leicht-, Baustoffindustrie; Touristengebiet.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Lomza 1, am Narew; 43000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Textil-, Holzindustrie; Museum mit Bernsteinsammlung; gotische Kathedrale (16. Jahrhundert).

London: 1. Hauptstadt Großbritanniens und Englands, Zentrum des Commonwealth of Nations, Residenz, Sitz der Regierung, der zentralen Verwaltungsstellen; Industrie-, Finanz- und Handelsmittelpunkt; an der Themse, in der Parklandschaft des Londoner Beckens; als Großstadtgrafschaft Greater London 1580 km2, 6,7 Millionen Einwohner; 4240 Einwohner/km2; in 32 Stadtteile von Großstadtgröße gegliedert mit der City (2,7 km2, 4300 Einwohner) als Kern, hier Sitz der Banken (Lombard Street), Börsen, Versicherungen, Zeitungsverlage (Fleet Street); südwestlich davon der Stadtteil Westminster mit Sitz des Hofes (Buckingham Palace), des Parlaments, der Regierung (Whitehall) und des Premierministers (Downing Street), der Nordwesten Mittelpunkt von Wissenschaft und Kunst, im Westen die Wohnviertel der besitzenden Klassen (Westend) sowie auch das Ausländer- und Vergnügungsviertel Soho, im Norden, Nordosten und besonders im Osten (East End) Fabriken und die Wohngebiete der Arbeiter, zum Teil als Slums. Durch den Greater-London-Plan, der zur Anlage eines Grüngürtels um die Stadt führte, wird das Wachstum Londons begrenzt. Londons Industrie ist vielseitig: Nichteisenmetallurgie, Erdöl- und Zuckerraffinerien; Schiff-, Maschinen-, Automobil- und Flugzeugbau; elektrotechnische/elektronische, Bekleidungs-, Möbel-, Papier-, Zement-, chemische, pharmazeutische, polygraphische: Industrie; Kraftwerke; Zentrum des Zeitungs- und Verlagswesens und der Filmproduktion; internationale Messe, mehrmals Weltausstellungen, Märkte; alter Hafen mit zahlreichen Docks entlang der Themse im engeren Stadtgebiet, heute bedeutungslos, da der Güterumschlag über den Ölhafen Thames Haven und den modernen Containerhafen bei Tilbury abgewickelt wird; Hauptverkehrsknoten der britischen Hauptinsel, Eisenbahnlinien und Straßen nach allen Richtungen, Kanalverbindungen, internationale Flughäfen (Heathrow, Gatwick), starker innerstädtischer Verkehr (Eisenbahn, U-Bahn, Autobusse), Tunnel und Brücken (Tower Bridge) zur Verbindung beider Themseufer; Sperrschleuse an der Themse als Hochwasserschutz für London im Bau; 3 Universitäten, Hochschulen und wissenschaftliche Institute; im Stadtteil Greenwich bis 1948 die für die Berechnung der geographischen Länge (Nullmeridian) maßgebliche Sternwarte; Opern- und Konzerthäuser (Covent Garden), Museen (britisches Museum mit weltbekannter Bibliothek), Kulturzentrum Barbican, Bibliotheken, Gemäldesammlungen (Nationalgalerie), mehrere Orchester; bekannte Parks (Hyde Park) und Plätze (Trafalgar Square); auf dem Highgate Friedhof das Grab von K. Marx; Kongressstadt; Sportstätten Wimbledon (Tennis) und Wembley Stadion (Fußball) unter anderem; Olymp. Spiele 1908 und 1948; Zoo; Rundfunk- und Fernsehstudios und -sender (BBC). Den Wiederaufbau der durch Brand 1666 zerstörten City führte C. Wren aus (St. Paul’s Cathedral, 1675/1710; St. James Church, 1682/84; Marlborough House, 1710; unter anderem); weitere Bauten sind die gotischen Westminster Abbey, der Tower (seit 1078), Buckingham Palace (18./19. Jahrhundert), Parlament (seit 1840) mit Big Ben-Glockenturm unter anderem. Im 1./5. Jahrhundert römisches Militärlager Londinium, im 7./9. Jahrhundert Hauptstadt des angelsächsischen Königreiches Essex Lundenwic, im 9. Jahrhundert mehrmals von Dänen erobert; seit 1066 englische Hauptresidenz (Tower); 1191 Status einer freien Kommune; 1381 von aufständischen Bauern unter Wat Tyler besetzt. London war Zentrum der bürgerlichen Revolution 1640/60, im 18./19. Jahrhundert ein Mittelpunkt der kapitalistischen Welt und im 19. Jahrhundert der internationalen Arbeiterbewegung, Exil von K. Marx (1849/83) und F. Engels (1870/95); 1864 Gründungsort der I. Internationale.

2. Stadt in Kanada, im Süden der Provinz Ontario; 280000 Einwohner; Maschinenbau, Erdölverarbeitung, Leder-, Textil-, Elektro-, Lebensmittelindustrie; Universität; Hafen Port Stanley am Eriesee.

Jack London, (eigentlich John Griffith), 12.1.1876-22.11.1916 (Selbsttötung), US-amerikanischer Schriftsteller, führte ein abenteuerliches Leben, das den Stoff für seine zahlreichen, glänzend erzählten Romane und Erzählungen bildet («Abenteuer des Schienenstranges», 1907, deutsch; «Martin Eden», 1909, deutsch; «Alaska-Kid», 1912, deutsch; «König Alkohol», 1913, deutsch). London war trotz widersprüchliche Auffassungen ein scharfer Kritiker der kapitalistischen Gesellschaft; als Mitglied der «Socialist Labour Party» (sozialistische Arbeiterpartei) schrieb er Reportagen, Aufsätze und Reden. «Die eiserne Ferse» (1907, deutsch) ist ein utopischer Roman über einen blutigen Aufstand der unterdrückten Massen. London verfasste auch viele spannende Tiererzählungen, oft mit Symbol. Bedeutung («Der Ruf der Wildnis», 1903, deutsch; «Wolfsblut», 1906, deutsch). Er beeinflusste stark die internationale proletarische Literatur.

Londonderry: Stadt im Norden Nordirlands (britischer Teil der Insel Irland), Verwaltungszentrum der Grafschaft Londonderry, am Foyle; 52000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Schwefelverarbeitung, Textil- und Schuhindustrie; Hafen; Colleges; Museum. Entstand als Dienstsiedlung Derry eines 546 gegründet Klosters; gehörte im Mittelalter der Familie O’Neill; nach Enteignung der irische Grundbesitzer und Kolonialisierung durch Londoner Bodenspekulanten um 1610 in Londonderry umbenannt; Zentrum der irische Bürgerrechtsbewegung.

Londoner Beschlüsse: auf der Tagung der Außenminister der Beneluxstaaten, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Kanadas, der USA und der BRD vom 28.9. bis 3.10.1954 in London nach dem Scheitern der europäischen Verteidigungsgemeinschaft gefasste Beschlüsse über die Aufrüstung der BRD und die Modalitäten ihrer Einbeziehung in die NATO; durch die Pariser Verträge vertraglich vereinbart.

Long Beach: Stadt im Bundesstaat Kalifornien (USA) und Vorort von Los Angeles; 360000 Einwohner (davon 11% Afroamerikaner); Erdölverarbeitung, Schiff-, Flugzeug-, Raketenbau, Elektroindustrie, Konservenherstellung; bedeutender Seehafen, Flughafen; Seebad; Marinebasis.

Long Drink: erfrischendes Bargetränk, meist mit Eiszusatz (zum Beispiel Cobbler, Fizz); im Gegensatz zum Short Drink relativ alkoholarm.

Longe: (französisch) 1. Trainingshilfsgerät (mit Halteseil verbundener Gürtel) zur Sicherung beim Erlernen schwieriger Sprünge u. ä.; Unterscheidung in Deckenlonge und Handlonge.

2. im Pferdesport lange Laufleine zur Führung des Pferdes auf einer Kreislinie; im Zirkus allgemeine Leine zum Führen dressierter Tiere.

Longfellow, Henry Wadsworth, 27.2.1807-24.3.1882, US-amerikanischer Dichter; versuchte mit der Verserzählung «Das Lied von Hiawatha» (1855, deutsch) nach indianischen Sagen ein amerikanischen Nationalepos zu schaffen. Sein Werk umfasst außerdem die Idylle «Evangeline» (1847, deutsch) und Nachdichtungen europäischen Literatur.

Long-Hai-Bahn, Lunghaibahn: wichtigste Ost-West-Verbindung im nördlichen China zwischen Lianyungang am Gelben Meer und Lanzhou am oberen Huang He in der Provinz Gansu; 1736 km lang, ihre westliche Fortsetzung ist die Xinjiang-Bahn; im Westabschnitt Baoji-Lanzhou elektrifiziert.

Long Island: Insel an der Ostküste Nordamerikas (USA), zum Bundesstaat New York gehörend; 3780 km2, etwa 200 km lang; Villenorte und Seebäder, im Westen die New-Yorker Stadtteile Brooklyn und Queens; durch Brücken und Tunnel mit Manhattan verbunden. Standort der New-Yorker Flughäfen La Guardia und John F. Kennedy.

longitudinal: in Längsrichtung erfolgend; siehe auch Welle.

Longmen, Longmenshan (luqmon jan; «Drachentorberg»): Kalksteinberg in der Provinz Henan (Nordchina). In diesem und in dem gegenüberliegenden Felsen befinden sich 1352 buddhistischer Höhlentempel und 785 Nischen, die größtenteils durch Inschriften datiert (5./9. Jahrhundert nach Christus) sind; reicher Relief- und Skulpturenschmuck.

Longos, um 200, griechischer Erzähler, sein Hirtenroman «Daphnis und Cloe» ist der beste der erhaltenen griechischen Romane und hatte große Wirkung auf die Weltliteratur.

Longshan Kultur, Schwarzkeramik-Kultur. spätneolithische Kultur in Nordostchina (1. Hälfte des 2. Jahrtausend vor Christus); charakterisiert durch eine graue bis schwarze, polierte Keramik mit Schnur- und Matteneindrücken, Linien und Streifenmustern; Träger waren besonders Bauern.

Longuelune, Zacharias, 1669 bis 30.11.1748, französischer Architekt; seit 1715 sächsischer Hofbaumeister in Dresden, Vertreter der klassizistischen Richtung des Barocks. Hauptwerke: Orangerie in Pillnitz (1724), Umbau des Schlosses Moritzburg (1726).

Longwy: Stadt im Nordosten Frankreichs nahe der belgischen und luxemburgischen Grenze; 22000 Einwohner; Eisenerzbergbau; Eisen- und Stahlerzeugung (stark von Krisenerscheinungen betroffen), keramische und Emailindustrie.

Lon Nol, geboren 13.11.1913, kampucheanischer Politiker und Militär; führend am reaktionären Staatsstreich von 1970 beteiligt; 1966/67 und 1969/72 Ministerpräsident, 1972/75 Präsident; seit 1975 im Exil.

Lönnrot, Elias, 19.4.1802-19.3.1884, finnischer Folklorist, Arzt, Philologe; Begründer der finnischen Literatursprache; 1853/62 Professor für finnische Sprache in Helsinki. Lönnrots Hauptleistung bestand in der Sammlung und Nachdichtung finnisch-karelischer epischer und lyrischer Gesänge (Runen), die er zum «Kalevala» (1835, 1849, deutsch) zusammenstellte.

Löns, Hermann, 29.8.1866-26.9.1914 (gefallen), Schriftsteller; verfasste Tier- und Jagdgeschichten («Mümmelmann», 1909) sowie Gedichte und Romane mit konservativer, zum Teil nationalistische Tendenz («Der Wehrwolf», 1910).

Look: (englisch, «Aussehen») kurzlebige Modeerscheinung; jeweils neuartige Gestaltungsidee in der Modeentwicklung; Begriff gebräuchlich seit dem 1947 durch C. Dior kreierten «New-Look».

Looping: Kunstflugfigur, Überschlag nach oben oder unten aus dem Normal- oder Rückenflug.

Loos, Adolf, 10.12.1870-23.8.1933, österreichischer Architekt und Architekturtheoretiker; gehört zu den Wegbereitern der modernen österreichischen Architektur, in deren Bauten Zweckmäßigkeit, strukturelle Wirkung des Baumaterials und klare Flächenaufteilung Zusammenwirken.

Lopes, Henri, geboren 12.9.1937, kongolesischer Schriftsteller, schreibt Französisch; kritisch-realistischer Erzähler und Lyriker, zeitweilig Ministerpräsident und Minister, verbindet kritische Sicht auf die gesellschaftliche Realität afrikanischer Länder mit tief empfundener sozialer Verantwortung (Roman «Revolution ohne tam-tam», 1977, deutsch).

López de Santa Anna, Antonio, 21.2.1797—21.6.1876, mexikanischer Politiker, General; führte 1823 den Aufstand gegen Kaiser Agustín I., 1833/47 mehrmals Präsident, ab 1853 «ständiger Diktator», 1855 durch eine Erhebung der Liberalen gestürzt. Unter seiner Regierung verlor Mexiko im Krieg von 1846/48 etwa 50% seines Territoriums an die USA.

López Portillo, José, geboren 16.6.1920, mexikanischer Politiker, Jurist; 1976/82 Präsident; setzte sich innenpolitisch mit einem umfassenden Programm sozialer und politischen Reformen für eine eigenständige kapitalistische Entwicklung, außenpolitisch gegen die Interventionspolitik der USA, für friedliche Koexistenz und Abrüstung ein.

Lop Nor, Luobubo: flacher, abflussloser Salzsee im Nordwesten Chinas (Autonomes Gebiet Xinjiang Uygur), im Osten des Tarimbeckens; 780 m über dem Meeresspiegel, Größe, Tiefe und Lage stark wechselnd («Wandernder See»; etwa 2570 km2), da nur Zufluss durch den Tarim; in der Nähe Kernwaffentestgelände.

Loquat, Wollmispel, Eriobotrya japónica: immergrünes Rosengewächs Ostasiens mit ovalen, gelben, aromatischen Früchten; als Obstgehölz auch im Mittelmeergebiet angebaut.

Lorain: Stadt im Bundesstaat Ohio (USA), am Eriesee; mit Vororten 280000 Einwohner; Stahlwerk, Schiffbau, Automontage, Konfektionsindustrie; Hafen.

Lorbeergewächse, Lauraceae: tropische und subtropische Holzgewächse mit immergrünen, glattrandigen Blättern; enthalten ätherische Öle. Der im Mittelmeerraum verbreitete Lorbeerbaum (Laurus nobilis) ist eine Gewürz- und Heilpflanze (Lorbeerblätter, -öl); siehe auch Kampferbaum, Zimtbaum.

Lorcheln: Schlauchpilze mit hutartigem, gefaltetem, meist gestieltem Fruchtkörper von brauner oder grauer Farbe, zum Beispiel die giftige Frühjahrs-Lorcheln (Gyromitra esculenta) oder die essbare Herbstlorcheln (Helvella crispa). Siehe auch Pilze.

Lord: in Großbritannien

a) allgemeiner Titel des Hochadels (Nobility) sowie anderer Peers (anglikanische Bischöfe, oberste Richter), House of Lords = Oberhaus;

b) Höflichkeitsanrede für den ältesten Sohn eines Hochadligen und (mit dem Vornamen) für jüngere Söhne eines Duke oder Marquess;

c) Amtstitelbestandteil hoher Beamter (zum Beispiel Erster Lord der Admiralität, Lordkanzler, Lord Mayor);

d) The beziehungsweise Our Lord: kirchensprachlich für Gott.

Lordkanzler, Lord Chancellor: erster politischer Ratgeber und Minister des Königs; im Regierungssystem Großbritanniens höchster Justizbeamter, als Justizminister Mitglied der Regierung, Vorsitzender des Oberhauses.

Lord Mayor: Oberbürgermeister in englisch sprechenden Ländern.

Lordose: (griechisch) Krümmung der Wirbelsäule nach vom, die normalerweise in leichter Form an der Hals- und Lendenwirbelsäule zu finden ist. Verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule führt zum Hohlkreuz-, unter anderem verursacht durch wachstumsabhängige Wirbelverformungen.

Lorelei: (mittelhochdeutsch, «Elfenfels») steiler Schieferfelsen oberhalb von St. Goarshausen; 132 m über dem rechten Rheinufer aufregend, 2 Bahntunnel; Einengung des Rheins auf 113 m.

Loren, Sophia, eigentlich Sofia Scicolone, geboren 20.9.1934, italienische Filmschauspielerin; entwickelte sich zu einer vielseitigen, international bedeutenden Darstellerin durch Filme wie «Liebe, Brot und 1000 Küsse», «Die schwarze Orchidee», «...und dennoch leben sie», «Die Eingeschlossenen», «Die Gräfin von Hongkong», «Sonnenblumen», «Das Urteil», «Blutfehde».

Lorenc, Kito, geboren 4.3.1938, sorbischer Lyriker; sein Gedichtzyklus « Struga. Bilder einer Landschaft» (1967) brachte der sorbischen Gegenwartspoesie übernationale Geltung; das von Lorenc edierte «Sorbische Lesebuch» (1981) vermittelt erstmals eine Gesamtvorstellung der Literatur der Sorben; ferner Nachdichtungen und Essays.

Lorentz, Hendrik Antoon, 18.7.1853-4.2.1928, niederländischer Physiker; entwickelte eine Elektronentheorie der Materie, die sich unter anderem bei der Erklärung des Zeeman-Effekts bewährte, und lieferte Vorarbeiten zur Relativitätstheorie.

Lorentz-Kraft: (nach H. A. Lorentz) Kraft F, die ein elektrisches Feld der Feldstärke E und ein magnetisches Feld der magnetischen Flussdichte B auf ein bewegtes Teilchen mit der elektrischen Ladung Q und der Geschwindigkeit v ausüben: F = Q(E + v x B). Oft wird nur der vom Magnetfeld verursachte Anteil Q(v x B) als Lorentz-Kraft bezeichnet; dieser Anteil steht senkrecht auf Bewegungs- und Feldrichtung und verrichtet keine Arbeit, sondern krümmt nur die Teilchenbahn.

Lorentz-Transformation: (nach H. A. Lorentz) allgemeinste Koordinatentransformation, die den Abstand zweier Ereignisse (Raum-Zeit-Kontinuum) mit der Zeitdifferenz At und dem räumlichen Abstand Ar ungeändert lässt und daher Inertialsysteme wieder in solche überführt (c Vakuumlichtgeschwindigkeit). Zu den Lorentz-Transformation gehören Translationen, räumliche Drehungen und Transformationen in ein mit konstanter Geschwindigkeit v bewegtes, nicht rotierendes Bezugssystem (spezielle Lorentz-Transformation); spezielle Lorentz-Transformation verknüpfen also räumliche und zeitliche Koordinaten. Siehe auch Relativitätstheorie.

Lorenz: 1. Konrad Lorenz, geboren 7.11.1903, österreichischer Verhaltensforscher; Mitbegründer der vergleichenden Verhaltensforschung; untersuchte unter anderem die ontogenetischen und phylogenetischen Grundlagen des instinktiven Verhaltens der Tiere.

2. Max Lorenz, 17.5.1901-12.1.1975, Sänger (Tenor); debütierte 1926 in Dresden, wirkte insbesondere als Wagnersänger unter anderem an den Staatsopern Berlin und Wien, an der Metropolitan Opera New York sowie in Bayreuth und Salzburg.

3. Siegfried Lorenz, geboren 26.11.1930, Politiker, Mechaniker, Diplomgesellschaftswissenschaftler, seit 1945 Mitglied der Partei der Arbeiterklasse; 1967/71 Kandidat, seit 1971 Mitglied des ZK der SED; 1985/86 Kandidat, seit 1986 Mitglied des Politbüros des ZK der SED. 1976 wurde Lorenz 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt. Seit 1963 ist er Abgeordneter der Volkskammer.

4. Siegfried Lorenz, geboren 30.8.1945, Sänger (Bariton); seit 1982 Professor an der Musikhochschule Weimar; war 1973/78 Solist des Gewandhauses zu Leipzig; seit 1978 Mitglied der Berliner Staatsoper (Kammersänger); Konzert- und Operngastspiele brachten ihm auch internationalen Erfolg.

Lorenzetti: 1. Ambrogio Lorenzetti, nachweisbar 1332/47, italienischer Maler; zuerst in Florenz, dann in Siena tätig; Hauptwerk sind die Fresken im Rathaus zu Siena mit Darstellung des guten und schlechten Regiments (1335/40) mit treffend charakterisierten Gestalten; das Stadtbild im Hintergrund ist so genau, wie es vorher kein Künstler gemalt hat.

2. Pietro Lorenzetti, um 1280 etwa 1348, italienischer Maler; Bruder von Lorenzetti 1; die Fresken der Unterkirche von Assisi (um 1330) zeigen in dem Streben nach seelische Vertiefung und der Gestaltung lebhaft dramatischen Szenen am besten seinen persönlichen Stil.

Loreto: Stadt in Mittelitalien (Marken); 11000 Einwohner; Wallfahrtsort. Kirche della Casa Santa als dreischiffige Hallenkirche mit dreischiffigem Querhaus (Neubau begonnen 1468, 1587 vollendet) mit reicher Ausstattung: Wandgemälde von Melozzo da Forli und Loreto Signorelli, Marmorbrunnen von B. da Maiano; unter der Vierungskuppel die Casa Santa (Ziegelbau; Marmorbrüstung von A. Sansovino).

Lorettohöhe: Bergrücken nördlich von Arras (Nordfrankreich). Im 1. Weltkrieg von deutschen und britischen-französischen Truppen 1914/15 unter beiderseits hohen Verlusten erbittert umkämpft.

Lorgnette: (französisch) Brille mit Stiel, die vor die Augen gehalten wird.

Lorgnon: (französisch) Stieleinglas, -brille.

Lorient: Stadt im Nordwesten Frankreichs, an der Südküste der Bretagne; 60000 Einwohner; Militär-, Handels- und Fischereihafen; Schiffbau; Seebad; Vorhafen Port-Louis.

Loriot, eigentlich Vico von Bülow, geboren 12.11.1923, Karikaturist der BRD; in seinen Arbeiten (Zeichnungen, Cartoons) kritisiert er mit feinsinnigem Humor menschliche Schwächen und Verhaltensweisen.

Loris: 1. Loris, Pinselzüngler, Trichoglossinae: artenreiche Gruppe sehr farbenprächtiger mittelgroßer Papageien des indo-australischen Gebietes. Die an der Spitze ausgefaserte Zunge («Pinselzunge») dient zum Auflecken von Nektar und Fruchtsäften. Siehe auch Papageien.

2. Loris, Lorisidae: nachtaktive, allesfressende Halbaffen mit kürzwolligem Fell und kurzem oder fehlendem Schwanz; Baumbewohner. In Südasien der bis 40 cm lange Plumploris (Nycticebus coucang); in afrikanischen Regenwäldern der Potto (Perodicticus potto).

Lo-Ro-Schiff: kombiniertes Stückgutfrachtschiff, das einerseits im vorderen Teil an Deck und in den Laderäumen mit Kranen und andererseits im hinteren Teil über eine Heckrampe sowie schiefe Ebenen im Schiff mit rollenden Gütern be- und entladen wird. Kran- und der Ro-Ro-Umschlag können gleichzeitig erfolgen, so dass dadurch eine schnellere Schiffsabfertigung möglich ist.

Lörrach: Kreisstadt in Baden-Württemberg, am Südrand des Schwarzwaldes; 42000 Einwohner; Textil- und Schokoladenindustrie; pädagogische Hochschule.

Lorrain, eigentlich Gellee, Claude, 1600-23.11.1682, französischer Maler und Radierer; vorwiegend in Rom tätig. Innerhalb seines Werkes dominiert, angeregt von N. Poussin, die ideale Landschaft, deren lyrische Grundhaltung besonders aus der stimmungshaften Wiedergabe des Lichtes und der atmosphärischen Erscheinungen resultiert; die Staffage entstammt der mythologischen, historischen und biblischen Thematik. Lorrains Bilder und Zeichnungen waren vorbildwirkend für das 18. und 19. Jahrhundert.

Lortkipanidse, Niko, 17.9.1880-25.5.1944, georgisch-sowjetischer Schriftsteller; Meister der kleinen Form, behandelte in seiner Prosa Stoffe aus Georgiens Vergangenheit. Sein Realismus trifft in prägnanter Weise das Wesentliche der gesellschaftlichen Situation («Der schreckliche Herr», 1911; «Zerstörte Nester», 1916; «Die Frau mit dem Kopftuch», 1925; «Von den Pfaden auf die Schienen», 1928; «Der Bildhauer», 1936).

Lortzing, Albert, 23.10.1801-21.1.1851, Komponist; 1833/45 und 1849/50 Schauspieler, Sänger und Kapellmeister in Leipzig, 1846/48 in Wien, 1850 in Berlin. Lortzing war ein von den Ideen des Vormärz angeregter, unter der Restaurationszeit leidender, revolutionär-demokratischer Künstler, der leidenschaftlich für eine nationalpatriotische Entwicklung der Musik eintrat. An das deutsche Singspiel des 18. Jahrhundert anknüpfend, schuf er die heiter-volkstümliche deutsche Spieloper. Die erfolgreichsten seiner 12 Opern, deren Libretti er fast alle selbst schrieb, sind «Zar und Zimmermann» (1837), «Der Wildschütz» (1842), «Undine» (1845), «Der Waffenschmied» (1846). 1848 versuchte er sich an einer Revolutionsoper «Regina».

Los: 1. Mittel zur Herbeiführung einer Entscheidung.

2. bei Lotterien Anteilschein mit Urkundeneigenschaft über die Rechte des Spielers.

3. Fachausdruck bei Rauchwarenauktionen; umfasst eine Anzahl in Größe, Geschlecht und Farbe gleicher Felle, die gemeinsam zum Verkauf gelangen.

4. Los, Produktionslos, Fertigungslos, Partie (französisch): festgelegte Anzahl konstruktiv gleichartiger Produkte (Einzelteile, Montageeinheiten, komplette Erzeugnisse), die unter Vorgabe einer einmaligen Vorbereitungs- und Abschlusszeit in einem Arbeitsgang in zusammenhängender Folge gefertigt werden. Die Losgröße ist die Menge der in einem Los zu fertigenden Produkte. Die optimale Losgröße ist diejenige Stückzahl, bei der die Summe aus den Kosten und dem Umlaufmittelbindungsverlust je Stück das Minimum erreicht.

Los Alamos: Ort im Bundesstaat Neumexiko (USA), 2286 m über dem Meeresspiegel; 13000 Einwohner; Sitz des Forschungszentrums für Kerntechnik und Plasmaphysik (gegründet 1942; Konstruktion der 1. Atom- und Wasserstoffbombe).

Los Angeles: Stadt im Süden des Bundesstaates Kalifornien (USA), an der Küste des Stillen Ozeans, inmitten eines künstlich bewässerten, äußerst fruchtbaren Gartenbaugebietes; 3 Millionen Einwohner (davon 17% Afroamerikaner), als Metropolitan Area (einschließlich Long Beach) 7,5 Millionen Einwohner; bedeutendes Handels-, Finanz- und Industriezentrum der USA; Flugzeug- (Lockheed, Douglas, Northrop unter anderem), Automobil-, Maschinenbau, Film- (im Stadtteil Hollywood), Fischkonserven-, chemischer, Lebensmittelindustrie, Metall-, Erdölverarbeitung, Polygraphie; führender Eisenbahn- und Luftverkehrsknoten der USA in den Vorstädten San Pedro und Wilmington leistungsfähiger Seehafen; Fremdenverkehrs- (Seebad Santa Monica unter anderem), Bildungs- und Forschungszentrum der USA mit 3 Universitäten, verschiedenen Fachhochschulen, Bibliotheken, Observatorium; Olymp. Spiele 1932 und 1984.

Löschen: 1. Löschen (zu «liegen»): Bautechnik Hydratation gebrannten Kalkes unter großer Wärmeentwicklung (Entzünden von Holz möglich).

2. Löschen (zu «los»): seemännisch Entladen eines Schiffes.

Loschmidt, Josef, 15.3.1821-8.7.1895, österreichischer Physiker und Chemiker; arbeitete zur kinetischen Gastheorie, zur Elektrodynamik und physikalischen Chemie; errechnete 1865 die nach ihm benannt Konstante.

Loschmidt-Konstante: (nach J. Loschmidt) Anzahl Nl der in Im1 enthaltenen Gasmoleküle bei Normalbedingungen; NL = 2,69 • 1025 m-3; siehe auch Avogadro-Konstante.

Losinj: eine der Dalmatinische Inseln, zu Kroatien, im Kvarner; 74 km2, 8000 Einwohner; im Nordteil bis 588 m hoch; Wein-, Olivenbau; Fischerei; Fremdenverkehr; Drehbrücke zur Insel Cres.

Losonczi, Pal, geboren 18.9.1919, ungarischer Politiker; seit 1945 Mitglied der KP, seit 1954 Kandidat des ZK der Partei der ungarischen Werktätigen, seit 1957 Mitglied des ZK der USAP, seit 1975 des Politbüros; 1960/67 Minister für Landwirtschaft, seit 1967 Vorsitzender des Präsidialrats.

Löß: sehr feinkörniges (Korngröße 0,01 bis 0,005 mm), bräunlich-gelbes, poröses äolisches Sediment aus 60 bis 80% Quarz und 10 bis 15% Kalziumkarbonat; entstand in Interglazialzeiten und im Postglazial durch Auswehung pleistozäner Geschiebemergel und Ablagerung im Vorland vereister Gebiete. Siehe auch Lößboden.

Lößboden: aus Löß entstandener, sehr fruchtbarer Boden mit den Körnungsarten lehmiger Schluff, Schluff Lehm und schluffiger Ton.

Lossenko, Anton Pawlowitsch, 10.8.1737-4.12.1773, russischer Historienmaler; gehörte als Direktor der Petersburger Kunstakademie zu den Begründern eines pädagogischen Systems für die Ausbildung von Künstlern in Russland. In seinen Historiengemälden finden Ideen der Aufklärung und Prinzipien des Klassizismus Ausdruck.

Lößnitz: 1. Lößnitz: Obst- und Weinbaugebiet am nordöstlichen Elbtalhang zwischen Weinböhla und Radebeul, nordwestlich von Dresden.

2. Stadt im Kreis Aue, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Westerzgebirge; 7 800 Einwohner; Wäsche-, Bekleidungs-, Papierverarbeitungsindustrie; Holzschnitzerei.

Lößplateau: Landschaft in Nordchina, zwischen Großer Mauer im Norden und Qin Ling im Süden, Taihanggebirge im Osten und dem Gebiet nordwestlich von Lanzhou im Westen; über 500000 km2. Das durch Bergrücken, Becken und Plateaus reich gegliederte Lößplateau erhebt sich im Mittel 1000 bis 2000 m über dem Meeresspiegel und erreicht im Wutai Shan 3491 m. Es wird von einer mächtigen Lössdecke überzogen, die örtlich bis zu 100 m stark ist. Durch intensive Erosionsprozesse sind weitverzweigte tiefe Lößschluchten entstanden. Der abgetragene Löß wird durch Huang He, Wei He, Fen He und ihre Nebenflüsse abtransportiert. Hinzu kommt die Deflation, die besonders auf den unter Ackernutzung stehenden Flächen sehr wirksam ist. Um die Erosions- und Deflationsprozesse zu vermindern, werden seit 1949 gezielte Meliorationsmaßnahmen durchgeführt, so unter anderem Aufforstungen, Terrassierung der Hänge, Anlage von Staubecken.

Lostage: Kalendertage (insgesamt 84), von deren Wetterablauf sich der Volksglaube künftige Witterungsereignisse abhängig dachte, zum Beispiel die 12 Tage nach Weihnachten, Lichtmess (2. Februar), Eisheilige (11./13. Mai), Siebenschläfer (27. Juni), beziehungsweise an denen durch Orakelbräuche (Bleigießen unter anderem) künftige Ereignisse vorherzusehen seien, zum Beispiel Andreastag (30. November), Silvester (31. Dezember).

Lost Generation, Verlorene Generation: Gruppe US-amerikanischer Schriftsteller, die nach dem 1. Weltkrieg neben starken Antikriegstendenzen ein pessimistisches Gefühl des Verlorenseins und der Abkehr von traditionellen Werten zum Ausdruck brachten (E. Hemingway, J. Dos Passos, F. S. Fitzgerald, E. E. Cummings unter anderem), ohne gesellschaftliche Zusammenhänge und einen sozialen Ausweg aus der Situation zu erkennen.

Losung: (zu «los» beziehungsweise «lösen») Exkremente von Wild und Hunden; siehe auch Geschmeiß.

Lösung: 1. Chemie: homogenes Stoffsystem, in dem eine oder mehrere Substanzen (gelöster Stoff) in einer anderen (Lösungsmittel) molekular, atomar oder in Ionenform verteilt sind. im Allgemeinen enthält eine Lösung gasförmige, flüssige oder feste Komponenten als gelöste Stoffe; das Lösungsmittel ist überwiegend flüssig, selten fest (feste Lösung). Während manche Substanzen unbegrenzt ineinander löslich sind, existiert für die meisten eine obere, temperaturabhängige Grenze der Löslichkeit, bei deren Erreichen eine gesättigte Lösung vorliegt. Beim Erhitzen nimmt die Löslichkeit der festen Stoffe in der Regel zu, die der Gase stets ab. Die meisten festen Stoffe scheiden sich daher bei Abkühlung ihrer gesättigten Lösung, häufig in kristalliner Form, ab. Kühlt man eine Lösung vorsichtig, insbesondere erschütterungsfrei, ab, so kann die Abscheidung des Feststoffes ausbleiben, und es bildet sich als metastabiler Zustand eine übersättigte Lösung Aus dieser lässt sich der überschüssig gelöste Stoff durch weitere Abkühlung, Erschütterung oder «Impfen» ausscheiden.

2. Lösung, Solutio (lateinisch; Solutiones); Medizin: flüssige Arzneiform für den inneren und äußeren Gebrauch. Injektionslösungen sind sterile Lösungen zur Anwendung in das Körperinnere.

Lösungsmittelveredlung: umweltfreundliche und energiesparende Veredlungstechnologie für textile Flächengebilde, bei der zum Beispiel beim Reinigen von Verschmutzungen oder Aufbringen von Textilhilfsmitteln mit einem Lösungsmittel, zum Beispiel Tetrachlorethen, statt mit Wasser gearbeitet wird.

Lot: (mittelhochdeutsch, eigentlich «Blei»)

1. Lot, Senklot. Bautechnik: an einem Faden hängendes, kegelförmiges oder zylindrisches Metallstück mit Spitze, zur Prüfung der senkrechten Lage der Mauer oder zum Herunterloten eines Punktes.

2. Fertigungstechnik: Löten.

3. Geodäsie: Einrichtung zum Aufstellen eines Messinstruments über einem vorgegebenen Punkt der Erdoberfläche, zum Beispiel Schnurlot, Lotstab oder optisches Lot (kleines Zielfernrohr).

4. Lot, Senkrechte, Orthogonale (lateinisch griechisch); Geometrie: Gerade beziehungsweise Strecke, die auf einer gegebenen Strecke, Geraden oder Ebene senkrecht steht. Der Schnittpunkt des Lots mit der gegebenen Figur heißt Fußpunkt. Von einem Punkt außerhalb einer Geraden beziehungsweise Ebene kann auf diese Gerade beziehungsweise Ebene genau ein Lot gefallt werden.

5. Metrologie: alte Masseeinheit (Apothekergewichte).

6. Schifffahrt: Gerät zum Messen (Loten) der Wassertiefe; dazu diente früher das Handlot, mit dem die Wassertiefe nach der Eintauchlänge einer durch ein Bleistück beschwerten Leine (oder Drahtseil) gemessen wurde und das heute nur noch in der Binnenschifffahrt üblich ist. Auf See wird heute das Echolot eingesetzt.

Lot, biblische Gestalt; seine Flucht aus Sodom und Gomorrha ist häufig verwendetes Motiv der bildenden Kunst.

LOT, Abkürzung für Polskie Linie Lotnicze (polnisch, «polnische Fluglinien»): staatliche Luftverkehrsgesellschaft Polens; 1929 gegründet; auch Inlandflugverkehr.

Löten: Fügeverfahren, bei dem Werkstücke aus gleich- oder ungleichartigen Konstruktionswerkstoffen mit Hilfe eines geschmolzenen Zusatzwerkstoffes (Lot) miteinander (Lötverbindung) oder mit einem Lot stoffschlüssig verbunden (Auftragslötung) werden. Das Lot, dessen Schmelztemperatur unterhalb derjenigen der Konstruktionswerkstoffe liegt, benetzt diese und schmilzt sie an. Beim Schmelzlöten unterscheidet man

a) nach der Arbeitstemperatur zwischen Niedrigtemperaturlöten (unter 40 % der Schmelztemperatur des Konstruktionswerkstoffes) und Hochtemperaturlöten (über 40% der Schmelztemperatur des Konstruktionswerkstoffes) und

b) nach der Wärmezuführung Löten mit lokaler Erwärmung (zum Beispiel Kolbenlöten mit Hilfe eines elektrisch oder mit Flamme erwärmten Lötkolbens, Flammlöten mit Lötlampe oder Gasbrenner, Widerstandslöten mit direkter oder indirekter Erwärmung, Induktionslöten mit Netz-, Mittel- oder Hochfrequenz, Lichtbogenlöten, Laserlöten, Lichtstrahllöten) sowie Löten mit allgemeiner Erwärmung (zum Beispiel Tauchlöten im Lot oder Salzbad, Ofenlöten an Luft mit Flussmitteln, in Schutzgas oder im Vakuum).

Lötglas: leichtschmelzendes Glas, das zum Verbinden von Glas-, Glimmer-, Metall- und Keramikteilen verwendet wird.

Lothar, Fürsten: 1. Lothar, 795-29.9.855, fränkischer König und Kaiser; Sohn Ludwigs I.; seit 817 Mitregent seines Vaters; nach dessen Tod (840) im Kampf um die Alleinherrschaft im fränkischen Großreich gegen seine Brüder Ludwig II. und Karl II. unterlegen, erhielt er im Vertrag zu Verdun 843 das Mittelreich.

2. Lothar II., 825-8.8.869, Sohn von Lothar 1, seit 855 König des nördlichen Teils des fränkischen Mittelreichs, das nach ihm Lotharingien (Lothringen) genannt wurde.

3. Lothar III., 1075-4.12.1137, Graf von Supplinburg, Herzog von Sachsen seit 1106, deutscher König seit 1125, Kaiser seit 1133; bekämpfte die Krongut Politik Heinrichs V. (1115 Schlacht am Welfesholz); als König versuchte er eine Stärkung der Zentralgewalt und förderte die einsetzende zweite Etappe der Ostexpansion.

4. Lothar, 941-986, westfränkischer König seit 954, stand bis zum Tode seines Onkels, Kaiser Ottos I. (973), unter dessen Einfluss, beherrschte aber nur karolingische Restgebiete um Laon.

Lothringen, französisch Lorraine: historisches Gebiet im Nordosten Frankreichs, als Wirtschaftsregion Lothringen 23547 km2, 2,3 Millionen Einwohner, 98 Einwohner/km2; wichtigste Orte Metz und Nancy-, Stufenland aus Trias- und Jurastufen mit Steilabfall nach 0; größere Flüsse sind Maas und Mosel. Die traditionelle eisenproduzierende Schwerindustrie leidet seit den 70er Jahren unter den Auswirkungen der Stahlkrise (Betriebsstillegungen). Förderung von phosphorhaltigem Eisenerz (Minette), Steinkohle, Steinsalz; Eisenmetallurgie, Kokerei; Petrol- und Salzchemie; Textil-, Papier-, Steingut-, Glas- und noch schwach entwickelte metallverarbeitende Industrie; auf meist fruchtbarem Ackerland Weizen-, Zuckerrüben-, Wein-, Obst- und Hopfenanbau; Viehzucht; stadtähnliche Ackerbaudörfer; ehemalige bedeutende Festungen Sedan, Verdun, Metz, Toul, Epinal; von der deutsch-französische Sprachgrenze (Thionville Sarrebourg) durchzogen. Siehe auch Elsaß-Lothringen.

Loti, Pierre, eigentlich Julien Viaud, 14.1.1850—10.6.1923, französischer Schriftsteller; Verfasser exotischer beziehungsweise regionalistische Romane und Beschreibungen, unter anderem «Islandfischer» (1886, deutsch).

Lotophagen: (griechisch, «Lotosesser») in der griechischen Sage Märchenvolk, dessen wohlschmeckende Lotosspeise Vergessen bewirkte; Odysseus hielt sich bei ihnen auf.

Lotosblume: (griechisch + deutsch) Seerosengewächs; die Ägyptische Lotosblume (Nymphaea lotus) hat weiße, sich nachts öffnende Blüten, die Blaue Lotosblume (Nymphaea caerulea) ist ein Tagblüher des Nilgebiets; von beiden Arten dienen die stärkereichen Wurzelstöcke als Nahrung, die gemahlenen Samen werden zur Brotbereitung verwendet. Die amerikanische Gelbe Lotosblume (Nelumbo lutea) und die Indischen Lotosblume (Nelumbo nucifera) gehören einer anderen Gattung an.

Lötrohr: Instrument zur analytischen Untersuchung von Mineralen und anderen Substanzen. Das Lötrohr ist ein winklig abgebogenes Metallrohr mit Mundstück und Düsenspitze, durch welches Luft in eine Flamme geblasen wird. Die erzeugte Stichflamme kann oxydierend oder reduzierend auf das auf Holzkohle befindliche Analysenobjekt gerichtet werden.

Lötschbergtunnel: Eisenbahntunnel in den Berner Alpen (Schweiz); verbindet Lötsch- und Kandertal (14612 m lang). Im Lötschbergtunnel wird der Lötschenpass (2 692 m) in 1242 m Höhe von der Lötschbergbahn (Teilstück der internationalen Linie Paris-Mailand) unterfahren.

Lotse: Berater des Kapitäns in schwierigen Fahrwassern; oft besteht dann Lotsenpflicht. Auch bei Lotsenberatung behält der Kapitän im Allgemeinen (Ausnahme zum Beispiel Panamakanal) die Verantwortung für das Schiff. Der Lotse muss entsprechend Ausbildung und Berufserfahrung besitzen, um staatlich zugelassen zu werden.

Lotsenfisch, Naucrates ductor: bis 70 cm lange, zebraartig gestreifte Stachelmakrele tropischer und subtropischer Meere; begleitet Schiffe, Wale und besonders Haie, um sich von anfallenden Nahrungsresten zu ernähren.

Lotter: 1. Hieronymus, 1497/98-22.7.1580, Baumeister und Kaufherr; tätig in Leipzig, wo er mehrmals das Amt des Bürgermeisters bekleidete. Bauleiter der wichtigsten Renaissancebauten in Leipzig (Alte Waage, 1555; Altes Rathaus, 1556/57; Umbau der Pleißenburg); er war ferner Oberbaumeister von Schloss Augustusburg.

2. Melchior der Ältere, vor 1470-1.2.1549, Buchdrucker; seit 1491 in Leipzig; errichtete, nachdem er 1517 die 95 Thesen Luthers gedruckt hatte, in Wittenberg eine Zweigdruckerei unter Leitung seiner Söhne Melchior der Jüngere (gestorben um 1528) und Michael (gestorben um 1558), die bis 1524 die Schriften Luthers, Melanchthons und Karlstadts druckte.

Lotterie: (niederländisch, zu «Los») Auslosung (Geld, Sachwerte) gemäß Plan nach Zahlung eines Einsatzes. Bei der Klassenlotterie sind Zahl und Preis der Lose sowie Zahl und Höhe der Geldgewinne festgelegt; es gibt mehrere, zeitlich getrennte Ziehungen (Klassen). Siehe auch Zahlenlotto.

Lotto: (italienisch germanisch, zu «Los») 1. Kartenablegespiel.

2. Zahlenlotto.

Lotze, Rudolph Hermann, 21.5.1817-1.7.1881, Philosoph und Physiologe; versuchte eine Kompilation der deutschen idealistischen Philosophie und der Naturwissenschaften; bekämpfte den Vitalismus und entwickelte einen theistischen objektiven Idealismus.

Lotzer, Sebastian, geboren um 1490, Laienprediger in Oberschwaben; fasste während des deutschen Bauernkrieges als Feldschreiber des Baltringer Haufens die lokalen Beschwerden der Bauern zu den «Zwölf Artikeln» zusammen; floh nach der Niederlage des Bauernkrieges nach St. Gallen, wo sich seine Spuren verloren.

Loubomo, Lubomo: Stadt (Regionszentrum) im Süden der Volksrepublik Kongo; früher Dolisie; 30000 Einwohner; Verkehrs- und Handelszentrum; Flughafen.

Lough Corrib: See im Westen Irlands, in der Provinz Connaught; 168 km2; reich an Inseln; Abfluss zur Galway Bay.

Lough Neagh: See in Nordirland (britischer Teil der Insel Irland); 396 km2, bis 34 m tief; größter See der britischen Inseln; Abfluss durch den Fluss Bann zur Ir. See; Aal-, Lachsfang; Brauch- und Trinkwasserreservoir.

Louis-Bar-Syndrom: seltene erbliche Erkrankung im Kindesalter mit Bewegungsstörungen (Ataxie) infolge Fehlbildung des Kleinhirns, Erweiterungen der Kapillargefäße an den Bindehäuten (Teleangiektasie) und Infektanfälligkeit; benannt nach der französischen Ärztin Denise Louis-Bar.

Louisdor: französische Hauptgoldmünze 1640/1794; später auch in Deutschland gängig.

Louisiade-Archipel: östlich von Neuguinea gelegene, zu Papua-Neuguinea gehörende Inselgruppe, aus 9 größeren und vielen kleineren Inseln bestehend; insgesamt 2200 km2, 3400 Einwohner; teils gebirgig (bis 1036 m) und dicht bewaldet, teils flache Koralleninseln; Goldgewinnung.

Louisiana, Abkürzung La.: Bundesstaat im Süden der USA, am Golf von Mexiko; 123677 km2, 4,2 Millionen Einwohner (etwa 30% Afroamerikaner); 34 Einwohner/km2; Hauptstadt Baton Rouge. Fruchtbare Tiefebene, vom seen- und sumpfreichen Deltagebiet des Mississippi gebildet, geht im Nordwesten in flachwelliges Hügelland über; subtropisches Klima. Der Bergbau als führender Zweig mit Erdöl-, Erdgas-, Salz- und Schwefelgewinnung schafft die Grundlage für eine bedeutende chemische und petrolchemische Industrie; des weiteren Aluminium-, holzverarbeitende, Textil-, Tabakindustrie, Schiff-, Maschinenbau; bedeutende Elektrizitätsproduktion (45,7 Md. kWh; installierte Leistung 12000 MW). In der Landwirtschaft erheblicher Rückgang der Farmen; Anbau von Reis, Sojabohnen, Zuckerrohr; geringere Bedeutung hat der Anbau von Baumwolle, Mais, Gemüse und der Obstbau. Küstenfischerei, Fremdenverkehr. Neben Eisenbahn- und Straßenverkehr Transport auf den Binnenwasserstraßen und in Rohrleitungssystemen. Von Spaniern im 16. Jahrhundert teilweise erkundet, von La Salle 1682 für Frankreich in Besitz genommen (nach Ludwig XIV. benannt), umfasste den Einzugsbereich des Mississippi. 1762 kam Louisiana westlich des Mississippi an Spanien, 1763 das östliche Louisiana an Großbritannien. Der Westteil ging 1800/01 an Frankreich zurück und wurde 1803 an die USA verkauft, aus seinem Südzipfel entstand 1812 Louisiana als 18. Bundesstaat der USA.

Louis-Quatorze-Stil: Bezeichnung für die französische offiziell-repräsentative Kunst während der Regierung Ludwigs XIV. (1643/1715); zugleich Blütezeit des klassisch-strengen Barocks.

Louis-Quinze-Stil: Bezeichnung für die französische Kunst am Hofe Ludwigs XV. (1715/74), die Blütezeit des spielerisch-dekorativen Rokokos, auch style rocaille genannt.

Louis-Seize-Stil: Richtung der französischen Kunst zur Zeit Ludwigs XVI. (1774/92), die als Reaktion auf das Rokoko die Wiederherstellung klassischer Stiltendenzen erstrebte.

Louisville: Stadt im Bundesstaat Kentucky (USA), am Ohio; 300000 Einwohner; Industriezentrum mit Genussmittel- (Whisky (Brennereizentrum der USA), Tabak), Lebensmittel-, Fahrzeug-, buntmetallurgische, chemische, polygraphische Industrie; Flusshafen; Universität.

Louny: Kreisstadt in der ÖSSR (Nordböhmischer Bezirk), an der Ohre; 19900 Einwohner; Maschinenbau, Porzellanindustrie (besonders technisches Porzellan).

Lourdes: Stadt im Südwesten Frankreichs, am Nordfuß der Pyrenäen; 16000 Einwohner; Holz- und Andenkenindustrie; internationaler Flughafen; bedeutendster katholischer Wallfahrtsort (angebliche Marienerscheinung der Bernadette Soubirous 1858); neugotische Basilika (19. Jahrhundert) über Quelle, deren Wasser Wunderheilungen zugeschrieben werden; Grotten mit prähistorischen Funden.

Louvois, François Michel Le Tellier, Marquis de, 18.1.1641—16.7.1691, französischer Politiker, Kriegsminister Ludwigs XIV. seit 1668, Kanzler seit 1677; schuf das damals stärkste stehende Heer Europas und einen starken Festungsgürtel als Grundlagen einer aggressiven Außenpolitik.

Louvre: (französisch) Schlossbau in Paris, heute eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Seit 1546 entstand ein Neubau von P. Lescot (erweitert und verändert bis 1868). Der im Louvre aufbewahrte königliche Kunstbesitz wurde in der Französischen Revolution zum Nationaleigentum erklärt und 1793 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Louvre besitzt reiche Schätze ägyptischer, assyrisch-babylonischer, griechischer und römischer Kunst. Er enthält eine Gemäldegalerie mit bedeutenden Werken unter anderem von Leonardo, Raffael, Tizian, Rubens und Rembrandt, eine Skulpturenabteilung, ein Kupferstichkabinett, eine Möbelsammlung unter anderem

Lovcen: kahler Kalkberg (1749 m) in Montenegro; Wahrzeichen der Bucht von Kotor.

Loviisa, Lovisa (-sa; schwedisch): Stadt im Süden Finnlands, am Finn. Meerbusen; 9000 Einwohner; Holzindustrie, Kernkraftwerk; Hafen.

Lovinescu, Horia, geboren 20.8.1917, rumänischer Dramatiker; gestaltet vor allem Entwicklungsprozesse der sozialistischen Bewusstseinsbildung, so in «Die zerstörte Zitadelle» (1954, deutsch), «Geschwister Boga» (1957), «Fieber» (1962, deutsch) und künstlerische Schaffensprobleme aufgreifend, in «Der Tod eines Künstlers» (1964) und «Auch ich war in Arkadien» (1971).

Löwe: (lateinisch griechisch) 1. Löwe, Leo (lateinisch): Astronomie

a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild des nördlichen Himmels; der hellste Stern heißt Regulus;

b) 5. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

2. Löwe, Panthera leo: Zoologie das tropischen Afrika bewohnende, gesellig lebende gelbe Großkatze; Männchen meist mit Kopf-, Hals- und Bauchmähne; Restbestände des Löwe außerdem in vorderindischen Schutzgebiet.

Löwe, Fritz, 1.9.1874-4.3.1955, Physiker; arbeitete in den Zeiss-Werken in Jena vor allem über Refraktometrie und Spektrometrie.

Lowell, James Russell, 22.2.1819-12.8.1891, US-amerikanischer Dichter, Kritiker und Politiker; schrieb satirische Verse und Essays («Die Bigelow-Schriften», 1848, 1867; «Eine Fabel für Kritiker», 1848) und wandte sich gegen die Sklaverei und die amerikanische Expansionspolitik. Er forderte die europäische Literatur in den USA und war Herausgeber der literarischen Zeitschrift «The Atlantic Monthly» (Atlantische Monatsschrift).

Löwen: soviel wie Leuven. Bei Löwen schlug im Oktober 891 ein ostfränkisches Heer unter Arnulf von Kärnten die Normannen.

Löwenäffchen, Röteläffchen, Leontideus rosalia: tagaktives, sprunggewandtes Krallenäffchen mit langhaarigem, orangegelb bis orangerot gefärbtem Fell; lebt in den Wäldern der brasilianischen Küstengebirge. Siehe auch Krallenäffchen.

Lowenfels, Walter, 10.5.1897-9.7.1976, US-amerikanischer Dichter; wegen seiner fortschrittlichen Haltung verfolgt und zu Gefängnis verurteilt; schrieb Gedichte, in denen er, oft in freien Rhythmen und die gesprochene Sprache verwendend, den Kampf des amerikanischen Volkes gegen Unterdrückung und Ausbeutung und für den Frieden gestaltet (dt. Auswahl «Eines Wortes Wirbelwind», 1969).

Löwenmaul, Antirrhinum majus: zu den Braunwurzgewächsen gehörende krautige, formenreiche Zierpflanze aus Südeuropa mit traubigen Blütenständen. Die Kronröhre der zweilippigen Blüte ist durch eine Ausstülpung der Unterlippe verschlossen.

Löwenzahn, Kuhblume, Taraxacum: Gattung der Korbblütler mit Zungenblüten und Milchsaft; verbreitet ist der Gemeine Löwenzahn (Taraxacum officinale) mit schrotsägeförmigen Blättern in grundständiger Rosette, gelbem Blütenkorb und Früchten mit einem Haarfallschirm (Pusteblume). Der Zentralasiatischen Kautschuk-Löwenzahn (Taraxacum bicorne) wird zur Kautschukgewinnung angebaut.

Lowetsch: Bezirksstadt im Norden Bulgariens, am Donauzufluss Osym; 50000 Einwohner; Fahrzeugbau, Leicht-, Lebensmittelindustrie; Agrarzentrum; Theater, Museen; überdachte Brücke (1874; einzige auf der Balkanhalbinsel).

Low-Key-Technik: (griechisch, «Tieftontechnik») fotografische Technik, durch die Bilder mit vorwiegend dunklen Grautönen erzeugt werden. S. a. High-Key-Technik.

Lowlands: Senke im mittleren Schottland (Großbritannien), zwischen Southern Uplands und Grampian Mountains, durch eine geologischen Störung gegen die Highlands abgegrenzt; am weitesten entwickelter und am dichtesten besiedelter Teil Schottlands; Steinkohlenbergbau; stark industrialisiert; wichtigste Orte sind Glasgow, Edinburgh.

Low velocity zone: (englisch, «Zone geringer Geschwindigkeit»), Abkürzung LVZ: Tiefenbereich der Erdkruste und besonders im oberen Mantel der Erde, in dem ungewöhnlich niedrige Geschwindigkeiten seismische Wellen (Erdbebenwellen) auftreten. Ihr Auftreten im oberen Mantel wird mit der teilweisen Aufschmelzung der Materie erklärt. Von B. f Gutenberg entdeckt und daher früher auch Gutenbergzone genannt.

Loxodrome: (griechisch, «Schieflaufende») Kurve, die jede Meridiankurve auf einer gegebenen Drehfläche unter dem gleichen Winkel schneidet; auf der Erdoberfläche eine Kurve festen Kurses, die auf Mercator Entwürfen als Gerade erscheint.

loyal: (französisch) gesetzlich, rechtmäßig; zur Regierung stehend; vertragstreu; redlich; anständig.

Loyaute Inseln: (französisch) Koralleninseln östlich der Insel Neukaledonien, im Stillen Ozean, Teil der französischen Kolonie Neukaledonien; 2353 km2 (größte Insel Lifou, 1150 km2), 15000 Einwohner; Gewinnung von Kopra und Kautschuk, Anbau von Taro, Zuckerrohr und Südfrüchten.

Loznica: Stadt in Serbien, an der Drina; 14000 Einwohner; chemische, Zellulose-, Papier-, Textilindustrie; in der Nähe das Heilbad Banja Koviljaca.

LRV, Abkürzung für Lunar Roving Vehicle: Bezeichnung für die bei den Mondlandeunternehmen Apollo 15 bis Apollo 17 auf der Mondoberfläche benutzten Elektrofahrzeuge. Siehe auch Apollo.

Luanda: Hauptstadt Angolas, am Atlantischen Ozean; 1 Millionen Einwohner; Erdölraffinerie, Zement-, Leicht-, Lebensmittel-, Metall-, chemische Industrie, Walzwerk; größter angolanischer Hochseehafen, internationaler Flughafen; Universität; Observatorium; Theater; Fort Sao Miguel (16. Jahrhundert; Zentrales Museum), Kirchen (17. Jahrhundert).

Luang Prabang: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten von Laos, am Mekong; 45000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Holzverarbeitung; Fluss- und Flughafen; buddhistisches Religionszentrum mit zahlreichen Tempeln.

Luangwa: linker Nebenfluss des Sambesi, im Nordosten Sambias; 770 km; entspringt an der Grenze zu Malawi, bildet im Unterlauf zum Teil die Grenze zu Mozambique; streckenweise schiffbar.

Luanshya: Stadt im Kupfergürtel Sambias, auf der Lundaschwelle, 1238 m über dem Meeresspiegel; 165000 Einwohner; Kupfererzbergbau und -raffinerie; Schweißelektrodenherstellung.

Luapula: Fluss in Zentralafrika; 550 km; entspringt dem Bangweolosee (Sambia) und mündet in den Mwerusee; Grenzfluss zwischen Sambia und Zaire; im Unterlauf schiffbar.

Luba: 1. Luba, Baluba: Bantuvolk in Südostzaire; 4,5 Millionen; Bodenbauer und Bergarbeiter, früher auch Händler, Eisenschmiede und Jäger; ihre Sprache, das Kiluba, ist eine verbreitete Verkehrssprache in Zaire.

2. durch Zusammenschluss verschiedener ethnischer Gruppen gebildete Stammesföderation im Süden und Südosten der heutigen Region Shaba; im 16. Jahrhundert gegründet und im 19. Jahrhundert in 2 Staaten (Luba und Kasongo) zerfallen, dann in den «Kongo-Freistaat» einbezogen.

Luban: Stadt in Polen (Wojewodschaft Jelenia Gòra), am Bobrzufluss Kwisa; 21000 Einwohner; Maschinenbau, Textil-, Lederindustrie; Rathaus (16. Jahrhundert).

Lubango: Stadt (Distriktzentrum) im Südwesten Angolas, 1826m überm Meer; früher Sä da Bandeira; 35000 Einwohner; Verarbeitung von Agrargütern; Handelszentrum; Straßenknoten, Flughafen; Institut für Hochschullehrerbildung; Völkerkundemuseum.

Lubarda, Petar, geboren 27.7.1907, jugoslawischer Maler; wandte sich von einer fauvistisch angeregten Landschaftsmalerei seit den 50er Jahren stärker abstrahierten Darstellungen zu.

Lübben, Lübben (Spreewald), sorbisch Lubin: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, an der Spree; 14000 Einwohner; Metallwaren-, Trikotagen-, Papier-, Baustoffindustrie; Gemüsebau, -Verarbeitung; Ausgangspunkt für Spreewaldfahrten; ehemaliges Schloss (1682), Paul-Gerhardt-Kirche (um 1500).

Lübbenau, Lübbenau (Spreewald), sorbisch Lubnjow: Stadt im Kreis Calau, Bezirk Cottbus, im Spreewald; 21000 Einwohner; Braunkohlengroßkraftwerk (1300 MW), Beton-, Trikotagenwerk; Gemüsebau, -Verarbeitung; Spreewaldmuseum, -fahrten; neue sozialistische Wohnstadt; Schloss (1817/20; Fachschule) mit Landschaftspark.

Lubbock: Stadt im Nordwesten des Bundesstaates Texas (USA); 170000 Einwohner; Cotton Ölgewinnung, Maschinenbau; Handelszentrum der südlichen Großen Ebenen (Baumwolle, Getreide); technische Universität.

Lübeck, Hansestadt Lübeck, kreisfreie Stadt in Schleswig-Holstein, an der Trave und dem Elbe-Lübeck-Kanal; 220000 Einwohner; bedeutender Ostseehafen (vorwiegend Massen- und Stückgutumschlag); Schiff- und Maschinenbau; Eisenverhüttung, vielseitige Leicht- und Lebensmittelindustrie (unter anderem Marzipanherstellung); medizinische Akademie, Fachhochschulen; Theater, Museen; Ostseebad Travemünde. Altstadt mit gotischen Backsteinbauten: Dom, Marien-, Jakobi-, Katharinenkirche (seit 1947 mit Plastik von E. Barlach und G. Mareks), gotisches Rathaus mit Schauwand, Holstentor und andere Reste der Stadtbefestigung, Stifte und Stiftungshöfe. 1143 gegründet, 1188 Stadtrecht (Lübisches Recht); seit 1226 Reichsstadt; im 14./15. Jahrhundert Blütezeit als Haupt der Hanse, im 17. Jahrhundert von Hamburg überflügelt; 1815 als «Freie und Hansestadt» Anschluss an den Deutschen Bund; 1937 an die preußische Provinz Schleswig-Holstein.

Lubin: 1. Lübben.

2. Stadt in Polen (Wojewodschaft Legnica); 67000 Einwohner; Kupfererz Förderung und -Verhüttung; Kunsteisbahn.

Lübisches Recht: mit bedeutenden Freiheiten verbundenes Stadtrecht der mittelalterlichen Stadt Lübeck, entstand durch Übertragung des Köln-Soester Rechts sowie durch die Rechtsprivilegien Heinrichs des Löwen, Friedrichs I. und Friedrichs II. Das Lübische Recht wurde von zahlreichen Städten des südlichen Küstengebietes der Ostsee übernommen. Es förderte die Entwicklung des städtlichen Handels und Gewerbes und bot den Bürgern eine günstige Rechtsstellung. Siehe auch Stadtrecht.

Lubitsch, Ernst, 28.1.1892-30.11.1947, Filmregisseur; begann als Schauspieler bei M. Reinhardt, wurde nach dem 1. Weltkrieg zu einem der führenden Regisseure des deutschen Stummfilms («Madame Dubarry», «Anna Boleyn»); ging 1923 nach Hollywood, schuf dort Lustspiel- und Musikfilme («Lady Windermeres Fächer»), sowie den antifaschistischen Film «Sein oder Nichtsein».

Lubitz, Monika, geboren 3.6.1943, Tänzerin; 1964/70 Solistin und Primaballerina in Leipzig, seit 1972 an der Berliner Staatsoper; tanzt Hauptrollen in klassischen und neueren Balletten.

Lublin: 1. Wojewodschaft im Osten Polens; 6791 km2, 945000 Einwohner; 139 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Lublin überwiegend Hügelland der Wyzyna Lubelska, im Norden und Westen Talniederungen an Wieprz, Bystrzyca und Wisla. Industrie-Agrar-Gebiet; Steinkohlenforderung (östlich von Leczna in Bogdanka (L.er Revier)), Landmaschinen- und Fahrzeugbau, chemische (Pulawy), Leicht-, Lebensmittelindustrie. Intensiver Acker- (Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse, Hanf, Hopfen, Tabak) und Obstbau; Schweine-, Rinder-, Pferdezucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Lublin 1, an der tief eingeschnittenen Bystrzyca; 310000 Einwohner; Wirtschafts- und Kulturzentrum Ostpolens; Lebensmittelindustrie, Maschinen- und LKW-Bau, Gießerei, chemische, vielseitige Leichtindustrie; Verkehrsknoten; 2 Universitäten, 3 Hochschulen, Akademien; Theater, Philharmonie, Museen; Altes Rathaus (16./18. Jahrhundert), Kathedrale (16./17. Jahrhundert), Burg, zahlreiche Kirchen, Klöster, Paläste; Stadttore; Vorstadt Majdanek. 1317 Stadtrecht; 1569 Abschluss der Lubliner Union; 1795 (3. Teilung Polens) kam es zu Österreich, 1815 zu Kongresspolen; seit Ende des 19. Jahrhundert Entwicklung zur Industriestadt. 1918 konstituierte sich hier die Provisorische Regierung der Republik Polen; 1939/44 von faschistischen deutschen Truppen besetzt; bis Januar 1945 Sitz des Landesnationalrates und des polnischen Komitees der Nationalen Befreiung.

Lubliner Union: in Lublin vollzogene staatsrechtliche Vereinigung Polens und Litauens vom 28.6.1569 zu einem einheitlichen Staat (bis 1795), der sogenannt Rzeczpospolita, mit gemeinsamem Monarchen und Sejm, einheitliche Außenpolitik und Währung.

Lubmin: Gemeinde im Kreis Greifswald, Bezirk Rostock, am Greifswalder Bodden; 1400 Einwohner; Seebad. Bei Lubmin entstand in Kooperation mit der UdSSR das Kernkraftwerk «Bruno Leuschner» (3520 MW).

Lubok: russische Bezeichnung für Bilderbogen, volkstümliche Einblattdrucke; in Russland seit dem 17. Jahrhundert verbreitet als von Holzstöcken oder Kupferplatten gedruckte, oft handkolorierte große Bilderbogen, die dann geschnitten oder in Buchform gefalzt wurden und Bilderzählungen zu vielfältigen Sujets darstellten.

Lübsow Gruppe: germanischer Fürstengräber des 1./2. Jahrhundert nach Christus mit römischen Importgut, besonders Silber- und Glasbecher, Kannen, Kessel, Schmuck; benannt nach der Fundstelle Lübsow (Lubieszewo, Polen).

Lubumbashi: Stadt in Zaire, Verwaltungszentrum der Region Shaba, 2150 m über dem Meeresspiegel; früher Elisabethville; 450000 Einwohner; Industriestadt mit Buntmetallurgie (besonders Kobalt, Kupfer); außerdem Nahrungsmittel-, chemische, Baustoff-, Metall-, vielseitige Leichtindustrie; Verkehrsknoten; internationaler Flughafen; Universität, Museum, Observatorium, Zoo.

Lübz: Kreisstadt im Bezirk Schwerin, an der Eide; 7500 Einwohner; Agrarzentrum; Lebensmittel-, Holzindustrie, Mineralwollwerk; Stadtkirche (1570), Amtsturm (14. Jahrhundert).

Lucas van Leyden, 1494-1533, niederländischer Maler, Kupferstecher und Holzschnittzeichner; tätig in Leyden; beeinflusst durch die Graphik A. Dürers, wurde er zum Hauptmeister des niederländischen Kupferstichs des 16. Jahrhundert. In seinen Gemälden dominieren religiöse Themen, doch malte er auch Porträts und Genreszenen (Schach- und Kartenspiel), die sich auch in seinem graphischen Werk finden («Das Milchmädchen»).

Lucca: Stadt in Mittelitalien (Toskana), Verwaltungszentrum der Provinz Lucca; 92000 Einwohner; Maschinenbau, Textil-, Papier-, Nahrungsmittelindustrie; Theater, Gemäldesammlungen; Reste eines römischen Amphitheaters, romanisch-gotischer Dom (11. Jahrhundert, Umbau 15. Jahrhundert), San Michele (gegründet vor 795, mehrere spätere Umbauten). Seit 177 vor Christus war Lucca römische Kolonie, 1119/1314 Stadtrepublik; seit 1817 Herzogtum, kam 1847 an das Großherzogtum Toskana; seit 1861 beim Königreich Italien.

Lucebert, eigentlich Lubertus Jacobus Swaanswgk (niederländisch -weik), geboren 15.9.1924, niederländischer Lyriker, Maler, Grafiker; Vertreter der sogenannt experimentellen Dichtung der niederländischen Literatur der 50er Jahre; veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände («Apokryph», 1952).

Luchian, Stefan, 1.2.1868-28.6.1916, rumänischer Maler; studierte unter anderem in München und Paris, wurde mit seinen Bildnissen einfacher Menschen und seinen farbintensiven Stillleben und Landschaften zum Begründer der modernen rumänischen Malerei.

Luchs: 1. Astronomie: Sternbild.

2. Luchs; Zoologie: langbeinige, stummelschwänzige, bis 1,10 m lange Kleinkatze mit Haarpinseln an den Ohren und Backenbart; Einzelgänger; Waldbewohner Eurasiens und Nordamerikas; gelegentlich auch in der Deutschland vorkommend.

Lucilius, Gaius, gestorben 102 vor Christus, römischer Satirendichter aus Latium; schuf mit seinen 30 Büchern «Saturae» die Satire im modernen Sinne als literarische Kunstform. Sie diente ihm als Mittel der Polemik gegen Mängel in Politik und Gesellschaft.

Luckau: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, in der Niederlausitz; 6600 Einwohner; Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, Bau-, Textilindustrie; Straßenknoten; Kreismuseum; gotische Nikolaikirche, Barockbauten, Stadtbefestigung (13. Jahrhundert).

Lucke, Hans, geboren 25.4.1927, Dramatiker; greift in seinen Stücken Probleme der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit auf («Fanal», 1953; «Mäßigung ist aller Laster Anfang», 1969; «Die eigene Haut», 1976).

Lückendorf, Luftkurort Lückendorf-. Gemeinde im Kreis Zittau, Bezirk Dresden, im Zittauer Gebirge, 500 bis 560 m über dem Meeresspiegel; 590 Einwohner; Wintersport, Volkssternwarte; Barockkirche (1690).

Lückenhalter: festsitzender oder abnehmbarer kieferorthopädischer Hilfsapparat, der einen unerwünschten Lückenschluss durch Wanderung von Nachbarzähnen bei vorzeitigem Milchzahnverlust verhindert.

Luckenwalde: Kreisstadt im Bezirk Potsdam, nördlich des Flämings, an der Nuthe; 27000 Einwohner; elektronische, Maschinenbauindustrie, Herstellung von Wälzlagern, Metallwaren, Hüten, Hausschuhen, Möbeln und Papierwaren; Fachschulen; Heimatmuseum, Theater, Tierpark; Marktturm (13. Jahrhundert), Johanniskirche (16. Jahrhundert).

Ludditen Bewegung: Maschinenstürmerei in Großbritannien, benannt nach dem legendären Webergesellen Ned Ludd; entstand um 1760 in den Textilzentren (Sheffield, Nottingham), verbreitete sich über das ganze Land, fand ihren Höhepunkt in der Wirtschaftskrise 1811/17; von der bürgerlichen Staatsmacht grausam unterdrückt.

Ludemis, Menelaos 25./26.10.1915-23.1.1977, griechischer Schriftsteller; früh verwaist, ohne geordneten Bildungsgang und Beruf; trat mit einer Vielzahl von Romanen und Dichtungen hervor, die durch Engagement für den Sozialismus gekennzeichnet sind und Ludemis lange Emigration eintrugen. Deutsch erschien sein Entwicklungsroman «Ein Kind zählt die Sterne» (1956/57).

Luden, Heinrich, 10.4.1780-23.5.1847, Historiker, seit 1806 Professor in Jena; trat für die Errichtung eines bürgerlich-konstitutionellen Nationalstaates ein; förderte Burschenschaften und Wartburgfest; Hauptwerk «Die Geschichte des deutschen Volkes» (12 Bände, 1825/37).

Ludendorff, Erich, 9.4.1865-20.12.1937, General und Politiker; hatte als Erster Generalquartiermeister in der von Hindenburg geführten Obersten Heeresleitung 1916/18 maßgeblichen Einfluss auf die Gesamtpolitik des deutschen Imperialismus; war 1920 am Kapp-Putsch beteiligt und 1923 am Putschversuch A. Hitlers; propagierte als Militärschriftsteller die Theorie vom «totalen Krieg».

Lüdenscheid: Kreisstadt in Nordrhein-Westfalen, im Sauerland; 75000 Einwohner; Zentrum der Kleinmetallindustrie der BRD; elektrotechnische und Kunststoffindustrie; Museum; Kongressort.

Lüderitz: (nach A. Lüderitz) Stadt (Distriktzentrum) in Namibia, an der Lüderitzbucht des Atlantischen Ozeans; früher Angra Pequena, Lüderitzbucht; 5000 Einwohner; Fischverarbeitung, Bootsbau; Meerwasserdestillation; Diamantenhandel; Hochseehafen, Flughafen; Museum; Fremdenverkehr.

Lüderitz, Adolf, 16.7.1834-24.10.1886, Großkaufmann und Kolonialpolitiker; hatte Besitzungen in Afrika und ließ 1883 in Südwestafrika bei Angra Pequena (Lüderitz) Hafen und Ländereien kaufen. Er erreichte, dass diese Besitzungen 1884 unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt wurden, wodurch die erste deutsche Kolonie in Afrika entstand.

Luderplatz: (mittelhochdeutsch luoder, «Lockspeise») Ort, an dem Kadaver zum Anlocken von Raubwild, Raubzeug und Schwarzwild ausgelegt werden.

Ludowinger: Fürstengeschlecht, seit dem 11. Jahrhundert in Thüringen; ihr Zentrum wurde die Wartburg. Die Ludowinger waren seit 1130 Landgrafen von Thüringen; sie starben mit Heinrich Raspe 1247 aus.

Ludwig: 1. Carl Friedrich Wilhelm Ludwig, 20.12.1816-23.4.1895, Physiologe; Professor unter anderem in Marburg, Wien und Leipzig, bedeutender Forscher und Lehrer, Begründer der modernen experimentellen Physiologie.

2. Otto Ludwig, 12.2.1813-25.2.1865, Schriftsteller; bemühte sich nach der Revolution von 1848/49, in kleinbürgerlich-konservativer Haltung und auf theoretischen Studien gestützt («Shakespeare-Studien», 1871), um die Weiterführung der bürgerlichen Dramatik («Der Erbförster», 1853); erfolgreich waren realistische Erzählwerke aus dem kleinbürgerlich-plebejischer Alltag seiner Thüringer Heimat («Die Heiterethei», 1855/56; «Zwischen Himmel und Erde», 1856).

3. Rolf Ludwig, geboren 28.7.1925, Schauspieler; seit 1950 in Berlin an der Volksbühne und am Deutschen Theater tätig; entwickelte sich vom jugendlichen Komiker zum vielseitigen Charakterdarsteller («Der Drache»), auch bei Film und Fernsehen («Der Hauptmann von Köln», «Der Mann mit dem Objektiv», «Solange Leben in mir ist», «Lotte in Weimar», «Ich zwing dich zu leben»).

Ludwig, Fürsten. Deutscher König und römischer Kaiser: 1. Ludwig TV., 1282-11.10.1347, König seit 1314, Kaiser seit 1328; von seinen Gegnern « Ludwig der Bayer» genannt; kämpfte gegen die Einmischung des Papstes bei der Königswahl (Kurverein zu Rhens), ohne dass es ihm gelang, die vor allem in den deutschen Städten entstandene antikuriale Oppositionsbewegung zur Stärkung der Zentralgewalt auszunutzen.

Bayern: 2. Ludwig, 25.8.1786-29.2.1868, König 1825/48; betrieb eine reaktionäre, stark klerikal bestimmte Politik; machte durch zahlreiche Prachtbauten (Odeon, Feldherrnhalle, Pinakothek, Glyptothek) München zur Kunststadt; sein Verhältnis zur spanischen Tänzerin Ludwig Montez (1818-1861), der er wesentlichen Einfluss auf die Angelegenheiten des Staates gewährte, hatte seit 1846 zu einer Krise der Dynastie Wittelsbach geführt. Ludwig wurde unter dem Druck der revolutionären Volksbewegung zur Abdankung gezwungen. 3. Ludwig II., 25.8.1845-13.6.1886 (ertrunken), König seit 1864; stürzte den Staat durch phantastische Schlossbauten in Schulden; Ende 1870 schrieb Ludwig für geheime Zuwendungen den von Bismarck entworfenen «Kaiserbrief», der Wilhelm I. die deutsche Kaiserwürde antrug. Er förderte R. Wagner und die Bayreuther Festspiele. Seit den 70er Jahren geisteskrank.

Frankenreich: Ludwig der Fromme, 778-20. 6. 840, Sohn und seit 814 Nachfolger Karls des Großen, Mitkaiser seit 813. Unter Ludwigs Herrschaft schritt der Zerfallsprozess des fränkischen Großreiches rasch voran; die 830 ausbrechenden Kämpfe, in deren Verlauf er von seinen Söhnen zeitweise abgesetzt wurde, waren Ausdruck der wachsenden Macht der Feudalherren. 5. Ludwig II., Ludwig der Deutsche, 804 oder 805-28. 8. 876, König 840/76; Sohn von Ludwig 4; Unterkönig von Bayern seit 817, erster König des durch den Vertrag zu Verdun 843 entstandenen Ostfrankenreiches. 6. Ludwig IV., Ludwig das Kind, 893-24. 9. 911, ostfränkische König seit 900; Sohn Arnulfs von Kärnten; die Regentschaft während seiner Minderjährigkeit führte Hatto von Mainz. Mit Ludwig erlosch das Geschlecht der Karolinger im Ostfrankenreich.

Frankreich: 7. Ludwig IX., Ludwig der Heilige, 25.4.1214-25. 8.1270, König seit 1226; setzte mit der Ausdehnung der Krondomäne und der Befugnisse der königlichen Beamten die innerstaatliche Festigung Frankreichs fort; unternahm 2 Kreuzzüge (1248/54 und 1270). 8. Ludwig XI., 3.7.1423-30.8.1483, König seit 1461; Wegbereiter des französischen Absolutismus; er behauptete sich in jahrelangen Auseinandersetzungen gegen Koalitionen französischer Feudalgewalten; im beginnenden Kampf mit dem Hause Habsburg um die burgundischen Länder gewann er 1477 das Herzogtum Burgund als erledigtes Lehen und die Picardie. 9. Ludwig XIV., der «Sonnenkönig», 5. 9.1638-1. 9.1715, König seit 1643; regierte nach dem Tode Mazarins (1661) selbstherrlich in Frankreich («Der Staat bin ich»), das er mit ausgewählten Ministern, besonders J. B. Colbert (Merkantilismus) und Frankreich M. Louvois, auf die Höhe seiner Macht führte; verfolgte die Hugenotten (Aufhebung des Edikts von Nantes, 1685). Seine kostspielige Eroberungspolitik (Reunionen, Spanischer Erbfolgekrieg 1701/14) ruinierte Frankreich wirtschaftlich; die Staatsschulden bildeten ein wesentliches Element der nach seinem Tod verstärkt einsetzenden Krise des Ancien Régime. Seine Hofhaltung in Versailles mit der Prunksucht, aber auch mit der Pflege klassischer Kultur wurde zum Vorbild für das spätfeudale Europa.

10. Ludwig XV., 15.2.1710-10.5.1774, König seit 1715; die Regierungsgeschäfte führten Herzog Philipp II. von Orléans (1715/23) und Kardinal Fleury (1723/43), dann großer Einfluss seiner Mätressen, der Marquise de Pompadour (1745/64) und der Gräfin Dubarry (1769/74). 11. Ludwig XVI., 23.8.1754-21.1.1793 (guillotiniert), König 1774/92; unter seiner Regierung erreichte die Krise des Feudalsystems ihren Höhepunkt und führte zur Französischen Revolution; seine Versuche, die Revolution mit Hilfe ausländischer Feudalmächte zu unterdrücken, scheiterten; durch einen Volksaufstand (10.8.) 1792 abgesetzt, wurde Ludwig wegen Landesverrats zum Tode verurteilt.

12. Ludwig XVIII., 17.11.1755-16.9.1824, König seit 1814 (unterbrochen durch die Hundert Tage); 1791/1814 als Graf der Provence einer der Führer der konterrevolutionären Emigration; betrieb als König eine gemäßigte Restauration, schlug 1823 im Auftrag der Heiligen Allianz die Revolution in Spanien nieder.

Ludwig Philipp, Louis Philippe (französisch), 6.10.1773-26.8.1850, König von Frankreich 1830/48 (Haus Orléans), Sohn von Philippe Égalité; stand den Girondisten nahe, emigrierte 1793/1814; 1814/30 in Opposition zu den Bourbonen; nach der Julirevolution als Sachwalter der Großbourgeoisie als «Bürgerkönig» eingesetzt, gestürzt durch die Februarrevolution.

Ludwigslied: ältestes episches Preislied in deutscher (rheinfränkischer) Sprache; verfasst 881/82 von einem Geistlichen; verherrlicht den Sieg des westfränkischen Königs Ludwig III. über die Normannen (881) als göttliche Fügung.

Ludwigslust: Kreisstadt im Bezirk Schwerin; 14000 Einwohner; Baumaschinenbau, Fleischwaren-, Getränkeindustrie, Landbaukombinat, Meliorationsbau; Schloss (1772/76; Park), Stadtkirche (1765/70). 1724 Errichtung eines Jagdhauses, nach Ausbau seit 1764 Residenz der Herzoge von Mecklenburg, seit 1837 Nebenresidenz; 1876 Stadtrecht.

Lueger: 1. Karl Lueger, 24.10.1844-10.3.1910, österreichischer Politiker; einer der Gründer der christlich-sozialen Partei, militanter Antisemit, seit 1897 Bürgermeister von Wien.

2. Otto Lueger, 13.10.1843-1.5.1911, Wasserbauingenieur; bekannt durch Herausgabe des «Lexikons der gesamten Technik» (7 Bände, 1894/99).

Luffa, Schwammgurke, Luffagurke, Luffa cylindrica: einjähriges tropisches Kürbisgewächs mit 60 cm langen, zylindrischen bis keulenförmigen Früchten, die unreif als Nahrungsmittel dienen. Die Leitbündelnetze der reifen Früchte werden als Badeschwämme verwendet.

Luftbild, Aerofotografie: fotografische Aufnahme aus großer Höhe mit Spezialkameras mit großen Objektivbrennweiten (150 bis 4000 mm), zum Teil auf Infrarotmaterial; für wissenschaftliche und andere Zwecke, zum Beispiel Landvermessung, Wettervorhersage, Luftaufklärung.

Luftdichte: Luftmasse je Volumeneinheit; nimmt mit der Höhe ebenso wie der Luftdruck ab. Bei 0°C und 1013,25 hPa enthält ein Volumen von 11 eine Masse von 1,293 g Luft. Die Luftdichte ist vom Luftdruck, von der Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit abhängig.

Luftdruck: Meteorologie - aerostatischer Druck der unter dem Einfluss der Schwerkraft der Erde stehenden Luft; an der Erdoberfläche im Mittel («Normalatmosphäre») 1013,25 hPa bei 15°C Durchschnittstemperatur.

Luftdruckwaffen: Schusswaffen (Luftgewehre und Luftpistolen), bei denen das Geschoß (Kaliber 4,5 mm) seine Anfangsgeschwindigkeit durch Luft erhält, die beim Abziehen der gespannten Waffe komprimiert wird.

Lüfter, Ventilator: meist nach dem Wirkprinzip des Kreiselverdichters gebaute Arbeitsmaschine zur Förderung von Luft beziehungsweise Gasen mit niedriger Druckerhöhung. Das Druckverhältnis zwischen Ansaug- und Förderdruck ist kleiner als 1,1. Bei größerem Förderdruck spricht man vom Gebläse. Einsatz erfolgt zum Beispiel in der Klimatechnik.

Luftfahrt, Aeronautik: Benutzung des Luftraums durch den Menschen mit Hilfe von Luftfahrzeugen. Nach den Auftriebsarten untergliedert sich die Luftfahrt in Luftschifffahrt (mit Luftfahrzeugen leichter als Luft und statischer Auftrieb) und in Flugtechnik (mit Luftfahrzeugen schwerer als Luft und dynamischer Auftrieb). Luftfahrt ist nur in dem mit Luft erfüllten Raum möglich, der die Erde umgibt; in Höhen über etwa 70 km fehlt der Auftrieb, dort beginnt die Raumfahrt. Hauptträger der Luftfahrt ist das Flugzeug-, mit ihm führt man sowohl die allgemeine Luftfahrt (Geschäfts-, Taxi-, Charterfliegerei, Flugschulung, Sportfliegerei, Arbeitsluftfahrt und Wirtschaftsflug) als auch die Militärluftfahrt und besonders den Luftverkehr durch. 1783 erster Aufstieg eines Heißluftballons (Montgolfière) der Brüder Montgolfier; 1891/96 Gleitflüge O. Lilienthals; 1900 Erstflug eines Luftschiffs (Graf F. von Zeppelin); seit 1903 Motorflüge (Brüder Wright); 1919 und 1928 erste Atlantik Überquerungen durch J. W. Alcock und A. Whitten Brown (W-O) sowie durch H. Köhl, E. G. von Hünefeld, J. Fitzmaurice (O-W); 1929 erster Instrumentenflug; 1937 erste Transpolarflüge (W. P. Tschkalow, M. M. Gromow); 1939 erstes Strahl- und Raketenflugzeug (E. Heinkel); nach 1945 planmäßiger Transatlantik- und Transkontinental Luftverkehr, 1949 Erreichen der Schallgeschwindigkeit (C. Yeager, USA); 1956 Beginn des Strahlluftverkehrs (TU 104); 1968 beziehungsweise 1969 Erstflüge von Überschallverkehrsflugzeugen (TU 144, UdSSR und «Concorde» Frankreich/Großbritannien).

Luftfahrtinformationsdienst, Aeronautical Information Service, Abkürzung AIS: Teil der Flugsicherung; erarbeitet eigene und verteilt oder veröffentlicht eigene und fremde Informationen, Vorschriften und Regeln für die Durchführung des Flugbetriebes, zum Beispiel bei zeitweiligen oder längerfristigen Änderungen des Betriebszustandes von Flughäfen und Funknavigationsanlagen. Bezug wird dabei stets auf Luftfahrthandbücher (Aeronautical Information Publication, Abkürzung AIP) genommen, die grundsätzlichen Angaben über die Luftfahrt des jeweiligen Landes enthalten und zwischen den Staaten ausgetauscht werden.

Luftfahrtkarten, Luftnavigationskarten: thematische Karten, die auf einer vereinfachten topographischen Grundlage Informationen für die Flugsicherung enthalten und der Navigation dienen. Nach den Richtlinien der International Civil Aviation Organization (Abkürzung ICAO) werden Luftfahrtkarten für die terrestrische und technische Navigation unterschieden, deren Beschriftung in englischer Sprache erfolgt.

Luftfahrzeug: nach internationalem Luftrecht jedes Fluggerät, das

a) unter Ausnutzung des statischen Auftriebs in der Luft schwebt (Prinzip «leichter als Luft»), wie Ballon und Luftschiff, oder

b) durch dynamischen Auftrieb in der Luft fliegt (Prinzip «schwerer als Luft»), wie Flugzeug, Fallschirm, Gleiter und Drachen sowie Flugmodelle mit mehr als 5 kg Masse.

Luftfeuchte, Luftfeuchtigkeit-. Wasserdampfgehalt der Luft; er ist temperaturabhängig und schwankt zeitlich und räumlich zwischen 0 und 4 Vol.-%; wird angegeben als absolute Luftfeuchte (g Wasserdampf/m3 Luft), als spezifische Luftfeuchte (g Wasserdampf/kg Luft) sowie als relative Luftfeuchte (Verhältnis von absoluter zu der für die herrschende Temperatur bei Sättigung möglichen maximalen Luftfeuchte in %).

Luftfilter: Bestandteil von Lüftungs- und Klimaanlagen zum Reinigen der Frisch- und Umluft von Staubteilchen. In Streichfiltern zum Beispiel wird der Luftstrom an ölbesprühten Lamellen mehrmals umgeleitet, wobei die Staubpartikeln an der Ölschicht haftenbleiben.

Luftfracht: von einer Luftverkehrsgesellschaft auf Grund eines ausgestellten Luftfrachtbriefs angenommenes und mit einem Luftfahrzeug befördertes Gut, insbesondere leichtverderbliche Waren, hochwertige Industrieerzeugnisse, Kunstgegenstände sowie eilbedürftiges Stückgut; im weiteren Sinne auch unbegleitetes Reisegepäck. Nicht zur Luftfracht zählen dagegen Luftpost und Reisegepäck im engeren Sinne

Luftheizgerät, Heizlüfter, elektrisches Heizgerät, das neben einem Ventilator einen Heizkörper zum Erwärmen durchströmender Luft aufweist.

Lufthoheit: uneingeschränkte Souveränität eines Staates über den Luftraum über seinem Staatsgebiet, das heißt über dem Festland, den Binnengewässern und den Territorialgewässern. Jede Verletzung des Luftraumes ist eine Verletzung der staatlichen Souveränität.

Luftkissenfahrzeug, Bodeneffektfahrzeug: Land- oder Wasserfahrzeug (dann auch Luftkissenschiff genannt), das sich ohne Berührung des Erdbodens beziehungsweise Wassers vorwärtsbewegt, da unter ihm ein Luftkissen erzeugt wird. Hierzu wird Luft meist von oben her angesaugt, durch von Gasturbinentriebwerken angetriebene Gebläse verdichtet und durch kleine Düsen unter den Boden gedrückt, so dass das Luftkissenfahrzeug in 0,2 bis 1,5 m Höhe schwebt. Der Vortrieb erfolgt durch von Gasturbinen oder Motoren angetriebene Luft- oder Schiffsschrauben.

Luftkraft: aus der Überlagerung von Auftrieb und Widerstandskraft resultierende Kraft auf einen umströmten Tragflügel.

Luftkühlung: Kühlungsart für Verbrennungsmotoren und andere Kolbenmaschinen, bei der Luft als Kühlmedium zur Wärmeabfuhr verwendet wird. Zur Verbesserung der Kühlwirkung wird die Oberfläche durch Kühlrippen vergrößert.

Luftlandetruppen: Waffengattung der Landstreitkräfte; werden von Transportflugzeugen oder Hubschraubern im Rücken beziehungsweise Hinterland des Gegners gelandet oder mit dem Fallschirm (Fallschirmjägertruppen) abgesetzt, um dort Kampfaufgaben zu lösen.

Luftlinie: kürzeste, das heißt gerade, Verbindungslinie zweier Punkte beziehungsweise Orte. Bei größerer Entfernung auf der Erdoberfläche folgt sie der Erdkrümmung und ist daher nahezu gleichmäßig gebogen.

Luftmasse: Meteorologie großer troposphärischer Luftkörper über mehreren tausend km2 Fläche, in dem die Luft einheitliche Eigenschaften (Wärmegehalt, Schichtung, Feuchte unter anderem) aufweist. Luftmassen werden durch die atmosphärische Zirkulation verlagert und bilden im Konvergenzbereich unterschiedlicher Luftmassen wetterwirksame Wetterfronten.

Luftmine: im 2. Weltkrieg übliche Bezeichnung für eine besonders dünnwandige Sprengbombe (Minenbombe) mit geringer Splitter-, aber großer Luftdruckwirkung.

Luftpost, Flugpost-, Beförderung von Postsendungen auf dem Luftwege; regelmäßige Luftpostverbindungen mit Flugzeugen bestehen seit 1920.

Luftpumpe:

1. Astronomie: Sternbild.

2. eine Vakuumpumpe, in Form der Kolbenluftpumpe von O. Guericke vor 1650 erfunden.

Luftreinhaltung: Zusammenfassung aller Maßnahmen zur Erhaltung der natürlichen Umweltbedingungen in der Atmosphäre. Sie wird durch gesetzliche Bestimmungen von Emissions- und Immissionskonzentrationen geregelt; wichtigste Rechtsgrundlage ist das Landeskulturgesetz. Hauptprobleme sind Entstaubung sowie Abscheidung und Entgiftung von Abgasen, Nebeln und Dämpfen aus Industrieanlagen.

Luftröhre, Trachea: Verbindungsrohr zwischen Kehlkopf und Lunge; besteht aus nach hinten offenen, durch Bindegewebe untereinander verbundenen Knorpelspangen; wird von Flimmerepithel ausgekleidet und teilt sich vor Eintritt in die Lunge in 2 Hauptbronchien.

Luftröhrenschnitt, Tracheotomie: operative Eröffnung der Luftröhre mit Einlegen eines Röhrchens (Tubus) bei Erstickungsgefahr durch Verlegen der Atemwege und zur Dauerbeatmung.

Luftschiff: lenkbares Luftfahrzeug mit eigenem Antrieb, dessen Tragkörper mit einem Gas (Wasserstoff, Helium) gefüllt ist, das eine geringere Dichte als Luft hat. Je nach Bauart des Tragkörpers unterscheidet man unstarre, halbstarre und starre Luftschiff Das starre Luftschiff, dessen bekanntester Vertreter das Zeppelin-Luftschiff ist, setzte sich gegenüber dem unstarren System wegen seiner größeren Stabilität und Wendigkeit durch. Zur Regelung der Tragkraft dienen Ventile und Ballast. Das Leitwerk der Luftschiffe entspricht dem von Flugzeugen (mit 2 Seitenleitwerken). Die Triebwerke früherer Luftschiff, meist Ottomotoren, waren in Gondeln unter dem Rumpf angeordnet. Ebenso waren Besatzung und Fahrgäste in Gondeln untergebracht. Luftschiffe wurden für den Luftverkehr (besonders für die Atlantiküberquerung) von 1910 bis 1937, im 1. Weltkrieg auch militärisch eingesetzt. Das deutsche Luftschiff LZ 129 verbrannte 1937 beim Landemanöver in Lakehurst (USA). Dies bedeutete das Ende der Zeppelinluftschifffahrt. In einigen Ländern wurden neue Luftschiff konstruiert, die zum Beispiel für geologische Erkundungen vorgesehen sind oder als fliegender Kran und zum Transport sperriger Großanlagen eingesetzt werden sollen.

Luftschraube, Propeller: Vorrichtung mit 2 bis 4 profilierten Blättern zum Erzeugen der Vortriebskraft (Schub) für Starrflügelflugzeuge (auch Luftkissenfahrzeuge und Motorschlitten) durch Beschleunigung großer Luftmassen entgegen der Flugrichtung, wobei man Zug- und Druckluftschraube unterscheidet. Die Verstellluftschraube ermöglicht die Änderung des Anstellwinkels (Start-, Reise-, Bremsstellung unter anderem) je nach Erfordernis während des Fluges.

Luftspeichermotor: Dieselmotor, bei dem der Verbrennungsraum in Hauptverbrennungs- und Luftspeicherraum unterteilt ist. Der in den Hauptverbrennungsraum eingepresste Kraftstoff gelangt zum Teil in den der Düse gegenüberliegenden Luftspeicher, entzündet sich dort, bläst durch die schlagartige Drucksteigerung den Speicherinhalt in den Hauptverbrennungsraum und bewirkt somit intensive Vermischung und vollständige Verbrennung.

Luftspiegelung: Strahlenbrechung in der Atmosphäre im Bereich starker vertikaler Dichteänderung, in dem bei flachem Einfallswinkel Totalreflexion auftritt; am häufigsten ist die Luftspiegelung nach unten (Fata Morgana, Kimmung) infolge Dichtezunahme mit der Höhe; selten ist die Luftspiegelung nach oben infolge Dichteabnahme mit der Höhe.

Luftstrahltriebwerk: Maschine zum Erzeugen einer Vortriebskraft (Schub) für Flugzeuge und Flugkörper durch Beschleunigen durchströmender Luft entgegen der Flugrichtung. Hierzu wird die Luft verdichtet, kontinuierlich Brennstoff eingespritzt, durch dessen Verbrennung Gas hoher Wärmeenergie erzeugt und diese in einer Schubdüse in kinetische Energie umgewandelt, so dass die Ausström- größer als die Einströmgeschwindigkeit ist. Beim Turbinen-Luftstrahltriebwerk (Abkürzung TL, Kurzbezeichnung Strahlturbine) wird die Luft im Flug durch Aufstau und in einem Verdichter, der von einer auf gleicher Welle sitzenden Gasturbine angetrieben wird, verdichtet. Das heute besonders wegen größerer Wirtschaftlichkeit und geringerer Lärmentwicklung bevorzugte Zweistromturbinen-Luftstrahltriebwerk (Abkürzung ZTL) hat einen zusätzlichen Verdichter und einen zweiten, äußeren Strömungskanal, durch den vorverdichtete Luft unmittelbar der Schubdüse zugeführt und dem Verbrennungsgas beigemischt wird. Beim Propellerturbinen-Luftstrahltriebwerk (Abkürzung PTL, Kurzbezeichnung Turboprop) wird im Unterschied zum TL der größte Teil der erzeugten Energie an die Luftschraube abgegeben und in der Schubdüse nur ein geringer zusätzlichen Schub erzeugt.

Luftstraße: zur Gewährleistung der Flugsicherheit im Luftraum eingerichteter Korridor rechteckigen Querschnitts, dessen Lage (insbesondere an Punkten der Änderung seines Verlaufs und an Kreuzungen) durch Funkfeuer markiert ist. Die Benutzung der Luftstraße ist anmeldepflichtig (Flugsicherung); die Einhaltung ihres im Flughandbuch verzeichneten Verlaufs verbindlich.

Luftstreitkräfte: Teilstreitkraft für die Vernichtung von Zielen auf dem Kriegsschauplatz, im Hinterland des Gegners oder im Luftraum mittels bemannter und unbemannter Flugkörper, selbständig oder im Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften, auch für Lufttransporte. Luftstreitkräfte können Front-, Fern- und Transportfliegerkräfte umfassen, zu denen verschiedene Waffengattungen (zum Beispiel Aufklärungs-, Bomben-, Jagdfliegerkräfte), Spezialtruppen (funktechnische Truppen der fliegertechnischen Versorgung unter anderem) sowie Dienste (zum Beispiel Flugwetterdienst) gehören.

Lüftung: natürliche oder künstliche Zuführung von Frischluft zur Erhaltung einer gesunden und unverbrauchten Luft in Arbeits- und Aufenthaltsräumen. Die natürliche Lüftung erfolgt durch Fenster und Türen. Die künstlichen oder Zwangslüftung durch Ab- und Zuluftkanäle benötigt Motorlüfter (Ventilatoren), die als Druck- oder Säuglüfter arbeiten. Die Kombination beider Prinzipe in einer Anlage, in der Frischluft eingedrückt und Abluft abgesaugt wird, bezeichnet man als Verbundlüftung, sie besitzt technische und ökonomische Vorteile.

Luftverkehr: Teil der zivilen Luftfahrt. Der Luftverkehr umfasst die Beförderung von Personen, Gepäckstücken, Frachtsendungen und Post gegen Entgelt mittels staatlich dafür zugelassener Luftfahrzeuge. Voraussetzungen für den Luftverkehr sind seinen Erfordernissen entsprechende Flughäfen, Flugsicherung, Navigationseinrichtungen zu Lande und zur See sowie fliegendes (Besatzung 1) und Bodenpersonal. Vorteile des Luftverkehr im Vergleich zu den anderen Verkehrszweigen sind seine hohe Beförderungsgeschwindigkeit und die weitgehende Unabhängigkeit der Linienführung von der Gestaltung der Erdoberfläche, die ihn in verkehrsunerschlossenen und bodenverkehrsfeindlichen Gebieten bedeutungsvoll machen. Nachteilig wirken seine noch nicht gänzlich überwundene Abhängigkeit von meteorologischer und klimatischer Bedingungen sowie die hohen Anschaffungskosten der Luftfahrzeuge und die relativ hohen Betriebskosten, die sich im Preis der Beförderung widerspiegeln. Trotz dieser Nachteile hat sich der Luftverkehr insbesondere durch den Einsatz von Airbussen im Kurz- und Mittelstreckenbereich sowie Großraumflugzeugen im Langstreckenbereich zum Massenverkehr entwickelt. Die Bedeutung des Luftverkehrs für den einzelnen und für die Gesellschaft besteht in den erzielbaren Zeiteinsparungen sowie beim Versand von Luftfrachtsendungen im schnellen (direkten) und Verpackungskosten sparenden Transport. Die Einsatzbereiche des Luftverkehrs, nach denen auch die Luftfahrzeuge ausgelegt werden, sind Ultrakurz Streckenflugverkehr (bis 300 km), Kurzstreckenflugverkehr (von 300 bis 1500 km), Mittelstreckenflugverkehr (von 1500 bis 1000 km) und Langstreckenflugverkehr (über 3000 km). Die Luftverkehrsgesellschaften (Linien-, Bedarfsflug-, Luftfrachtgesellschaften) erfüllen ihre Aufgaben auf der Grundlage verbindlicher Beförderungsbedingungen zu den im Flugplan festgelegten (Linienflugverkehr)l oder zu vereinbarten Zeiten (Bedarfsflugverkehr) und geltender Tarife. Die meisten Luftverkehr betreibenden Staaten haben sich in der International Civil Aviation Organization, Abkürzung ICAO, zusammengeschlossen. Die nationalen Regelungen der rechtlichen Angelegenheiten des Luftverkehrs erfolgen durch die Gesetzgebung des jeweiligen Staates. Den Luftverkehr eröffneten Luftschiffe. Obwohl bereits 1910 in Zürich die «Gewerbsmäßige Passagier-Motorluftfahrt» als erste Luftverkehrsorganisation gegründet wurde, begann der Luftverkehr mit Motorflugzeugen (mit umgebauten Militärflugzeugen) erst nach dem 1. Weltkrieg. 1919 wurde das erste zivile Verkehrsflugzeug (Junkers «F 13») konstruiert. Im gleichen Jahr erfolgten auch die Einrichtung einer zivilen Luftpostlinie (Berlin-Weimar) sowie die Gründung der niederländischen KLM als einer der ersten Luftverkehrsgesellschaften der Welt, die 1920 die erste internationale Flugstrecke (Amsterdam London) einrichtete. Die anfangs beflogenen Strecken waren entsprechend der Reichweite der Flugzeuge sehr kurz, der Luftverkehr war sehr wetterabhängig und auf den Tag beschränkt. Um 1928 entstanden durch die Ausrüstung der Flugzeuge mit mehreren Motoren und entsprechenden Anlagen für den Blindflug Voraussetzungen für den planmäßigen Nacht-Luftverkehr. Die weitere Entwicklung des Luftverkehr in den 30er Jahren war gekennzeichnet durch die Entwicklung der ersten Verkehrsflughäfen, die Einführung des Flugfunkverkehrs sowie von Navigations- und Flugsicherungsanlagen für Flughafenbereich und Strecke. Diese erste Etappe der Entwicklung des Luftverkehrs, die bis zur Herstellung erster Luftverkehrsverbindungen zwischen den Erdteilen reichte, beendete der 2. Weltkrieg. 1944 wurden mit der Gründung der ICAO Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des Luftverkehrs nach dem 2. Weltkrieg geschaffen.

Luftverteidigung des Landes, Abkürzung LV: Gesamtheit der staatlichen Maßnahmen und der Kampfhandlungen der Truppen, mit denen Industriegebiete, die Bevölkerung, die Streitkräfte und andere wichtige Zentren und Objekte vor Luftangriffen geschützt werden. Waffengattungen der Truppen der Luftverteidigung des Landes sind die Fla-Raketentruppen und die Fliegerkräfte der Luftverteidigung des Landes (Abfangjagdflugzeuge). In einigen Armeen sind die Aufgaben der Luftverteidigung des Landes den Luftstreitkräften zugeordnet. In der DDR sind die Truppen der Luftverteidigung des Landes Bestandteil der Teilstreitkraft Luftstreitkräfte/Luftverteidigung.

Luftverunreinigung, Luftverschmutzung: Veränderung der natürlichen Beschaffenheit der Luft durch feste, flüssige oder gasförmige Stoffe, wie Metallstaube und -Verbindungen, Schwefeldioxid (meist Hauptschadstoff), Ammoniak, Chlor und Fluorverbindungen. Abhängig von der Konzentration dieser Stoffe, können Schädigungen an Pflanzen, Tieren, Bauwerken, im Boden und beim Menschen auftreten. Die gesetzlichen Grenzwerte der Luftverunreinigung gelten meist dem Schutz des Menschen vor Luftverunreinigung; ihre Einhaltung wird im Rahmen des Umweltschutzes durch das Landeskulturgesetz gefordert.

Luftvorwärmer, Kurzwort Luvo: Teil des Dampferzeugers; dient der Vorwärmung der Verbrennungsluft mittels Feuerungsabgasen.

Luftwurzeln: an oberirdische Sprossen entstehende Wurzeln, zum Beispiel Haft- und Stützwurzeln; auch Bezeichnung für Atemwurzeln.

Lugal-Zagesi, altorientalischer Herrscher von Umma, regierte um 2360/um 2350 vor Christus; eroberte Lagasch zur Regierungszeit des Urukagina und errichtete infolge Unterwerfung von Uruk, Ur, Larsa und Adab den ersten größeren sumerischen Territorial-Staat. Das ermöglichte ein großes zusammenhängendes künstliches Bewässerungssystem in Südmesopotamien und die koordinierte Abwehr plündernder Steppen- und Bergvölker. Lugal-Zagesi wurde um 2350 vor Christus durch Sargon I. von Akkad besiegt und im Tempel von Nippur geopfert.

Luganer See: schmaler, mehrzipfliger See am südlichen Alpenrand, zur Schweiz und zu Italien gehörend; 271 m über dem Meeresspiegel; 49 km2, 35 km lang, 3 km breit, bis 288 m tief; mildes Klima, subtropische Ufervegetation; Wein-, Obstbau, Mais-, Tabakanbau; Fremdenverkehrsorte Lugano (Schweiz), Porlezza (Italien).

Lugano: Stadt im Süden der Schweiz (Kanton Tessin), am Luganer See; 28000 italienisch sprechende Einwohner; Maschinenbau, Textilindustrie; Wasserkraftwerk; Fremdenverkehr; Technikum; Kunstsammlungen, botanischer Garten; Kirchen aus dem 15. und 16. Jahrhundert (San Lorenzo unter anderem).

Lugau, (Erzgebirge): Stadt im Kreis Stollberg, Bezirk Karl-Marx-Stadt, am Nordrand des Erzgebirges; 10700 Einwohner; Ziehwerk, Maschinen-, Gerätebau, Textilindustrie, Bauwirtschaft.

Lüge: bewusst geäußerte Unwahrheit, die Nachteile abwenden oder Vorteile verschaffen soll; siehe auch Irrtum.

Lügendetektor, Polygraph (griechisch): Registriergerät zur Feststellung hypothetisch begründeter Zusammenhänge zwischen psychische und physiologische Reaktionen während einer Vernehmung; vom USA-Geheimdienst und in einigen Bundesstaaten der USA im Strafverfahren verwendet, Mittel der Terrorisierung.

Lugo: Stadt im Nordwesten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Lugo, am Mino, in fruchtbarer Ebene; 70000 Einwohner; Fleischkonservenindustrie; Agrarmarkt; Museum; Schwefelbäder; guterhaltene Stadtmauern aus der Römerzeit mit 50 Rundtürmen; romanische Kathedrale (12. Jahrhundert).

Luise, 10.3.1776-19.7.1810, Königin von Preußen; seit 1793 Frau Friedrich Wilhelms III.; bat 1807 in Tilsit (Sowjetsk) Napoleon I. vergeblich um mildere Friedensbedingungen für Preußen.

Luise-Ermisch-Methode: von der Arbeiterin Luise Ermisch im VEB Hallesche Kleiderwerke 1949 begründete Methode des sozialistischen Wettbewerbs von Mann zu Mann nach dem Prinzip, dass Qualität und Quantität der Produktion eine Einheit bilden.

Luisenthal: Gemeinde im Kreis Gotha, Bezirk Erfurt, am Nordrand des Thüringer Waldes, an der Ohra; 1800 Einwohner; Erholungsort (425 bis 465 m über dem Meeresspiegel); Hebezeugbau, Holz-, Polstermöbel-, Glasveredlungsindustrie. Oberhalb von Luisenthal die Ohratalsperre.

Lukacs, 13.4.1885-4.6.1971, ungarischer Politiker, Literarhistoriker, Philosoph und Ästhetiker; 1933/44 Emigration in der UdSSR. Vielfältiges Wirken in der ungarischen und internationalen kommunistischen Bewegung auf politischen und theoretischen Gebiet. Lukacs veröffentlichte philosophische Arbeiten zur deutschen Literatur und Ideologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhundert, mit heftig umstrittenem theoretischem Konzept. Veröffentlichte in deutscher Sprache unter anderem «Theorie des Romans» (1916), «Balzac und der französische Realismus» (1952); «Die Zerstörung der Vernunft» (1955), «Die Eigenart des Ästhetischen» (1963).

Lukan, Marcus Annaeus Lucanus, 3.11.39-30.4.65 (von Nero zur Selbsttötung veranlasst), römischer Dichter, aus Spanien stammend; Neffe des Philosophen Seneca; nach Vergil der bedeutendste römische Epiker. Von seinen Werken ist das (unvollendete) historische Epos «Pharsalia» (auch «Bellum civile», Bürgerkrieg) erhalten, das den Bürgerkrieg zwischen Pompejus und Cäsar bis zur Schlacht von Pharsalos behandelt.

Lukas, (dat. - griechisch) nach biblischer Überlieferung Verfasser des nach ihm benannt 3. Evangeliums und der Apostelgeschichte.

Lukasgilde: im Mittelalter und in der Renaissance vor allem am Niederrhein und in den Niederlanden Zunft der Maler, Bildschnitzer und Drucker; genannt nach ihrem Schutzpatron, dem Evangelisten Lukas, der nach der Legende Maler gewesen sein soll.

Lukasscher Turm, (nach dem Erfinder) Brahmas Pyramide-, Geduldsspiel mit verschieden großen Spielscheiben, die umzuschichten sind, wobei nie eine größere Scheibe auf einer kleineren liegen darf.

Lukavac: Stadt in Bosnien; 10000 Einwohner; Kokerei, Wärmekraftwerk; chemische, Glas-, Mineraldüngerindustrie.

Luke: am Rand verstärkte und mit einer Wand (Lukensüll) umkleidete Öffnung im Dock eines Schiffes; man unterscheidet nach dem Verwendungszweck Ladeluke, Bunkerluke oder Kohlenluke, Tankluke, Proviantluke, Einsteigluke unter anderem. Die Lukenabdeckung (Lukenverschluss) geschieht auf Binnenlastschiffen mit einzelnen Leichtmetall-, Wellblech- oder verschiebbaren Lukendeckeln. Seeschiffe weisen zum großen Teil mechanische beziehungsweise hydraulische Lukenverschlüsse mit Stahldeckeln, selten noch hölzerne Lukendeckel auf.

Lukian, um 120-nach 180, griechischer Schriftsteller; verspottete in seinen zahlreichen Werken, darunter viele Dialoge (Hetären-, Götter-, Totengespräche), mit geistreichem Witz Mängel und Verkehrtheiten seiner Zeitgenossen, der philosophischen Systeme, der Religion unter anderem

Lukmanier: schweizerischer Pass in der Sankt-Gotthard-Gruppe; 1972 m; verbindet den Vorderrhein mit dem Tessin Tal.

Lukowsky, Rolf, geboren 14.7.1926, Komponist; schrieb vor allem Lieder und Kantaten, von denen einige besonders erfolgreich waren; auch Bearbeiter und Herausgeber von Chormusik.

Lukrez, Titus Lucretius Carus, um 98-55 vor Christus, römischer Philosoph und Dichter; stellt in seinem Lehrgedicht «De rerum natura» (Von der Natur der Dinge), dem einzigen vollständig erhaltenen Werk des antiken Materialismus, mit großer dichterischen Kraft die atomistische Philosophie Epikurs dar, um durch rationalistische Weltdeutung und atheistische Aufklärung seinen Zeitgenossen in den Wirren der niedergehenden römischen Republik kritische Bewusstsein, Lebenshilfe und Gelassenheit zu vermitteln. Lukrez hatte großen Einfluss auf die Aufklärung.

Luksor, Luxor, Al-Uqsor: Stadt in Oberägypten, am Nil; 40000 Einwohner; Zuckerfabrik, Handwerksbetriebe; Fremdenverkehrs-, Kurort. Luksor steht auf dem Boden des altägyptischen Theben, erhalten ist der Amun Tempel des Neuen Reiches.

Lukull, Lucius Licinius Lucullus, um 117-um 57 vor Christus, römischer Feldherr und reicher Sklavenhalter; 74 Konsul, besiegte 74/71 Mithridates VI. Eupator; bekannt wegen seiner üppigen Gastmähler.

lukullisch: (dat., nach Lukull) schwelgerisch, üppig; raffiniert zubereitet.

Lulea: Stadt im Norden Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz Norrbotten, an der Mündung des Luleälven in den Bottnischen Meerbusen; 67000 Einwohner; Eisen-, Stahl- und Walzwerk, Kfz-, Zellulose- und elektrotechnische Industrie; Hafen (im Winter vereist); internationaler Flughafen.

Lully, Jean Baptiste, 28.11.1632-22.3.1687, französischer Komponist italienischer Herkunft, wirkte am Hofe Ludwigs XIV.; schuf unter anderem den nationalfranzösischen Typ der Oper (Tragédie lyrique) und die «französische» Ouvertüre mit angehängtem «Ballett»; starker Einfluss auf andere Länder (deutsche «Lullisten»). Hauptwerke sind die Opern «Les fêtes de l’Amour et de Bacchus», «Cadmus et Hermione», «Thesée», «Persée»; ferner Ballette unter anderem

Lumbago: 1. Lumbago, Hexenschuss-, Medizin plötzlich einschießender Lendenkreuzschmerz, überwiegend auf der Grundlage degenerativer Veränderungen der Zwischenwirbelscheiben. Durch Verspannungen der Rückenmuskulatur kommt es zu Bewegungseinschränkungen und einer Schonhaltung des Rumpfes.

2. Lumbago, Kreuzverschlag, Nierenverschlag: Veterinärmedizin - durch starke Beanspruchung nach mehrtägiger Ruhe und kohlenhydratreiche Fütterung ausgelöste Muskelerkrankung des Pferdes. Kennzeichen des Lumbagos sind Lähmungserscheinungen der Hinterhand, geschwollene und verhärtete Muskulatur und Rotfärbung des Harns durch Muskelfarbstoff.

lumbal: (dat.) die Lende betreffend, zur Lendenregion beziehungsweise -Wirbelsäule gehörend.

Lumbalpunktion, Lendenstich-. Anstechen (Punktion) des Rückenmarkkanals zwischen dem 3. und 4. oder 4. und 5. Lendenwirbel mit einer langen Hohlnadel (Lumbalpunktionskanüle) zur Entnahme von Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit; wichtig für die Diagnose und Behandlung organischer Erkrankungen des Zentralnervensystems.

Lumberjack: (englisch, «Holzfällen)) taillenlange Jacke oder Bluse mit Bündchen Abschluss an Ärmel und Taille; ursprünglich Arbeitsjacke nordamerikanische Holzfäller.

Lumen: (lateinisch, «Licht»)

1. Anatomie: Lichtung; lichte Weite von Hohlorganen, Gängen, Kanälen.

2. Metrologie: fotometrische Einheit.

Lumet, Sidney, geboren 25.6.1924, US-amerikanischer Filmregisseur; stellt sich besonders sozialer Alltagsproblematik («Die zwölf Geschworenen», «Der Mann in der Schlangenhaut», «Mord im Orientexpress»).

Lumière, französischer Chemiker, Brüder: Auguste, 19.10.1862-10.4.1954, und Louis, 5.10.1864-6.6.1948; verdient um die Entwicklung der Fotografie, insbesondere der Farbfotografie, Louis auch um die Kinematographie.

Lumineszenz: Bezeichnung für alle Arten des kalten Leuchtens vieler Stoffe im Unterschied zur Temperaturstrahlung. Die zur Emission elektromagnetischer Strahlung nötige Anregung der Atome oder Moleküle kann auf verschiedene Weise erfolgen, zum Beispiel durch Belichtung (Photolumineszenz), Erwärmung (Thermolumineszenz), radioaktive Bestrahlung (Radiolumineszenz), Stromdurchgang (Elektrolumineszenz), Elektronenbeschuss (Kathodolumineszenz), chemische Reaktionen (Chemilumineszenz), Stoffwechselvorgänge (Biolumineszenz). Siehe auch Fluoreszenz, Phosphoreszenz.

Lumineszenz Anzeigeeinrichtung: Kombination beziehungsweise Zusammenstellung von Leuchtdioden und Lumineszenz Tableaus (Leuchtdioden sind in einem Bauelement so angeordnet, dass bei entsprechend Beschaltung Leuchtbalken zur 7-Segment-Anzeige von Symbolen und Zahlen aktiviert werden) zur Darstellung von mehrstelligen Zahlen und Symbolen beziehungsweise Leuchtsäulen; Anwendung in elektronischen Rechnern, Zählern, Uhren, Aussteuerungsanzeigen für NF-Signale unter anderem

Luminographie, Lumineszenz Kopie: fotografisches Vervielfältigungsverfahren; einseitig gemalte oder gedruckte Originale werden mit einer fotografischen Schicht in Kontakt gebracht und von der Originalrückseite aus mittels Lumineszenz Lichtquelle belichtet.

Luminol: eine feste, weiße Substanz, die bei der Oxydation in alkalischer Lösung mit hoher Quantenausbeute eine intensiv blaue Chemilumineszenz zeigt. Luminol ist 3-Aminophthalsäurehydrazid, H2N-C4H3-CO-NH-NH-CO, und dient unter anderem zum Nachweis von Blutspuren.

Lummen: Gruppe der Alkenvögel nordischer Meere; oberseits schwarz, unterseits weiß; ernähren sich von kleinen Seefischen; Koloniebrüter an steilen Felsinseln; die 45 cm lange und 1 kg schwere Trottellummen (Uria aalge) legt 1 Ei auf einen Felsvorsprung; die 35 cm lange Gryllteiste (Cepphus grylle) legt 2 Eier in eine Felsspalte dicht über dem Wasser. Siehe auch Alken.

Lumpenproletariat: aus verschiedenen sozialen Klassen und Schichten stammende sozial entwurzelte Elemente der kapitalistischen Gesellschaft, zum Beispiel Bettler, Vagabunden, Verbrecher, Zuhälter, Prostituierte. Dieses, vom kapitalistischen Konkurrenzkampf ständig erzeugte «käufliches Gesindel» (Engels) als Ausdruck der «passiven Verfaulung der untersten Schichten der kapitalistischen Gesellschaft» (Marx) wird von der Bourgeoisie im Klassenkampf oft als Streikbrecher, Spitzel, Agenten, Provokateure und für andere reaktionäre Ziele ausgenutzt.

Lumumba, Patrice, 2.7.1925-18.1.1961, kongolesischer Politiker, 1958 Mitbegründer und Vorsitzender der Kongolesischen Nationalbewegung (französisch Abkürzung MNC). Als erster Ministerpräsident (seit 30.6.1960) der Republik Kongo-Kinshasa (heute Zaire) verfolgte er eine konsequent antiimperialistischen Politik und wandte sich insbesondere gegen die belgische Intervention und die Abspaltung der Kupferprovinz Katanga (heute Shaba) durch proimperialistische Kräfte. Nach dem Staatsstreich am 14.9.1960 unter Mobutu Sese Seko wurde Lumumba verhaftet und nach Katanga ausgeliefert, wo er im Interesse der inneren und äußeren Reaktion hinterhältig ermordet wurde. Lumut Brunei.

Luna: Bezeichnung für sowjetische Mondsonden unterschiedlichen Aufbaus und unterschiedlicher Aufgaben:

a) Erreichen der Mondnähe und harte Landung (Luna 1, Luna). Luna 1 gelangte 1959 als erster Raumflugkörper in den interplanetaren Raum; Luna 2 erreichte am 13.9.1959 die Mondoberfläche.

b) Umfliegen des Mondes und Fotografieren seiner Rückseite durch Luna 3 im Oktober 1959.

c) weiche Landung (Luna 9, Luna 13). Mit Luna 9 gelang am 3.2.1966 die erste weiche Landung eines irdischen Körpers auf dem Mond; Luna 13 (1966) führte darüber hinaus noch Bodenuntersuchungen aus.

d) Flug in Mondsatellitenbahnen (Luna 10, Luna 11, Luna 12, Luna 14, Luna 19, Luna 22). Luna 10 wurde am 3.4.1966 mit dem Einflug in eine Mondumlaufbahn zum ersten Mondsatelliten.

e) weiche Landung und Rückführung erbohrter Bodenproben zur Erde (Luna 16, Luna 20, Luna 24). Luna 16 (1970) gewann erstmals Mondbodenproben und sandte sie in einem hermetischer Behälter nach Rückstart vom Mond zur Erde. 0 Aussetzen eines funkferngesteuerten Mondmobils (Luna 17, Luna 21); siehe auch Lunochod, Mondsonde.

Luna (lateinisch, «Mond»), römische Mondgöttin (griechisch Selene).

Lunabas: (Kurzwort aus Luna + Basit) basische Gesteinstypen der Maria (Mare). Die Gesteine der Mond Maria sind im Mineralbestand und Gefüge irdischer Basalten sehr ähnlich. Abweichend ist vor allem ihr relativ hoher Titangehalt, außerdem kommen in ihnen einige auf der Erde unbekannte Minerale vor.

lunar: zum Mond gehörig, auf ihn bezogen.

Lunar Orbiter: Bezeichnung für Mondsatelliten der USA, die 1966/67 in Vorbereitung des Apollo-Mondlandeprogramms aus niedrigen Umlaufbahnen Fotos der Mondoberfläche anfertigten und Messdaten aufnahmen. Siehe auch Mondsonde.

Lunar Tektonik, Mondtektonik, Selenotektonik: Krustengestaltung des Mondes beziehungsweise die Lehre darüber. Die Lunar Tektonik ist im wesentlichen Bruchtektonik; Faltentektonik ist wegen fehlender Sedimente nicht vorhanden. Sie lässt Schlüsse auf die ursprüngliche Gestaltung der Erdkruste zu.

Lunation: (lateinisch) ein vollständiger Zyklus der Mondphasen (Phase).

Lunatscharski, Anatoli Wassiljewitsch, 23.11.1875-26.12.1933, russisch-sowjetischer Parteiführer, Politiker, Kunst- und Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer; schloss sich früh der revolutionären Bewegung an, wurde mehrfach verhaftet und verbannt. Von W. Lenin 1904 nach Genf gerufen, nahm Lunatscharski an der Schaffung der Presse der Bolschewiki teil; 1905 wirkte er im revolutionären Petersburg, 1907/17 lebte er in der Emigration. Nach der Überwindung philosophischer Meinungsverschiedenheiten näherte sich Lunatscharski 1915/16 wieder Leninschen Positionen, 1917 stellte er seine ganze Kraft in den Dienst der Sowjetmacht. Lunatscharski erwarb sich auch große Verdienste als erster sowjetischer Volkskommissar für Bildungswesen (1917/29). Er trug maßgeblich zur Herausbildung der Theorie des sozialistischen Realismus und zur Entwicklung der Sowjetliteratur bei, so durch seine Aufsätze und Essays (dt. Ausgaben «Die Revolution und die Kunst», 1962; «Das Erbe», 1965) und seine Dramen («Faust und die Stadt», 1920, deutsch; «Der befreite Don Quichote», 1923, deutsch).

Lunch: Gabelfrühstück; besonders in England als kleine Mahlzeit um die Mittagsstunde verbreitet.

Lund: Stadt im Süden Schwedens, nordöstlich von Malmö; 77000 Einwohner; Maschinenbau, polygraphische, Textil- und Möbelindustrie; Herstellung von Kartonagen; Universität (seit 1668); romanischer Dom (12. Jahrhundert). Im 10. Jahrhundert gegründet, wurde Lund zu einem der Zentren für die Christianisierung Skandinaviens; Mitte des 11. Jahrhundert Bistum, 1104/1536 Erzbistum; wiederholt Residenz dänischer Könige; seit 1658 schwedisch.

Lunda, Balunda: Bantuvolk im Grenzgebiet Angola-Zaire-Sambia; 600000; Bodenbauer, zum Teil Jäger; in der Sozialstruktur starke mutterrechtliche Züge. Begründer des gleichnamigen präkolonialen Staates (17./19. Jahrhundert).

Lunda: ehemaliges afrikanisches Königreich mit Zentrum zwischen den Flüssen Zaire und Lubilasch; um 1600 gegründet; es gab eine frühstaatliche Organisation, militärische Gliederungen und die Tributpflicht unterworfener Stämme. Die Herrscher bereicherten sich am Sklaven-, Elfenbein- und Waffenhandel. Durch das Eindringen portugiesischer und belgischer Kolonialisten zerfiel das Reich Ende des 19. Jahrhundert.

Lundaschwelle, Südäquatorialschwelle: Hochland im südlichen Äquatorialafrika, südliche Randschwelle des Zairebeckens; durchschnittlich 1200 m bis 1400 m hoch; kristalliner Sockel, von flachen Deckschichten überlagert; Wasserscheide zwischen Zaire- und Kalahari-Becken.

Lünette: (französisch, «Möndchen»)

1. Baukunst: halbkreis- oder kreissegmentförmiger Aufsatz als Abschluss von Portalen, Fenstern unter anderem, besonders in der Frührenaissance.

2. Lünette, Setzstock. Fertigungstechnik: ortsfeste oder in Vorschubrichtung bewegte, mit Gleit- oder Rollenbacken ausgerüstete Vorrichtung zum Stützen langer instabiler oder besonders schwerer Rotationsteile auf Werkzeugmaschinen.

Lunéville: Stadt im Nordosten Frankreichs, südöstlich von Nancy; 25000 Einwohner; Waggonbau, elektronische Industrie; Schloss (18. Jahrhundert), Barockpark. Der Frieden von Lunéville (9.2.1801) bestätigte im Wesentlichen die Bestimmungen des Friedens von Campofonnio und beendete zwischen Frankreich und Österreich den 2. Koalitionskrieg.

Lunge, Pulmo: paariges, vom Brustfell umhülltes Atmungsorgan. Untergliederung erfolgt in Lungenlappen beziehungsweise Lungensegmente (rechte Lunge mit 3 Lappen oder 10 Segmenten, linke Lunge mit 2 Lappen oder 9 Segmenten). Endabschnitte der sich verzweigenden Bronchien sind die Lungenbläschen (Alveolen), in denen der Gasaustausch erfolgt.

Lungenfische, Dipnoi: altertümliche Gruppe der Süßwasserfische; 3 Arten in Afrika, je eine in Australien und Südamerika. Lungenfische sind aal- bis walzenförmig, paarige Lungensäcke ermöglichen neben der Kiemenatmung die Aufnahme atmosphärischer Luft; Brust- und Bauchflossen mehr oder weniger stark zu Stützorganen umgebildet. Die afrikanische Arten und der Südamerikanischen Lungenfische können Trockenzeiten in erhärteten Schleimkapseln überdauern.

Lungenkraut, Pulmonaria: Gattung im Frühling blühender Borretschgewächse mit roten, später blauen Blüten; in Laubwäldern vorkommend. Häufigste Art ist das ausdauernde Echte Lungenkraut (P. officinalis).

Lungenpfeifen, Parabronchien: System miteinander verbundener Bronchien der Vogellunge zur Verbesserung des Gasaustausches. Lungenresektion: operative Entfernung einzelner Lungenteile, zum Beispiel Segmente, Lappen (Lobektomie), oder eines Lungenflügels (Pneumonektomie)-, meist bei Tumor oder Tuberkulose der Lunge,

lungenschädigende Kampfstoffe: seit dem 1. Weltkrieg bekannte Gifte («Grünkreuz»), die durch Zerstörung der Lungenbläschen zur Erstickung fuhren. Zu den 1. K. gehören Chlor und Phosgen; sie sind wegen des perfekten Atemschutzes militärisch nicht mehr aktuell, jedoch für die ungeschützte Zivilbevölkerung gefährlich.

Lungenwurmkrankheit: durch Fadenwürmer und deren parasitisch lebende Larvenstadien verursachte Erkrankung der Atmungsorgane der Säugetiere; meldepflichtig.

Lungenegel: in der Lunge von Säugetieren schmarotzende Saugwürmer, der bis 15 mm lange, kaffeebohnenförmige Ostasiatische Lungenegel (Paragonimus westermani) befällt den Menschen besonders in Süd- und Ostasien; ein wichtiger Krankheitserreger, Überträger sind Süßwasserkrebse, in denen sich das letzte Larvenstadium einkapselt.

Lungenentzündung, Pneumonie (griechisch): meist durch Viren oder Bakterien verursachte Infektionskrankheit der Lunge; unterschieden werden 2 Hauptformen;

a) lobäre, kruppöse oder fibrinöse Lungenentzündung mit Befall eines Lungenlappens insgesamt, häufig auch des entsprechenden Brustfellabschnittes; Brustfellerguss, seltener -Vereiterung können die Folge sein;

b) lobuläre, herdförmige Lungenentzündung oder Bronchopneumonie nach akuter Bronchitis, nach Infektionskrankheiten, wie Grippe, Masern, nach Verschlucken von flüssigen oder festen Stoffen (Aspirationspneumonie), infolge mangelhafter Lungenbelüftung bei Bettlägerigen (hypostatische Pneumonie) oder durch Sekretverhaltung in Bronchien mit Abflusshindernissen (Retentionspneumonie).

Lunik: ursprünglich Bezeichnung der sowjetischen Mondsonden Luna 1 bis Luna 3; siehe auch Luna.

Lunker: Gussfehler, der als Hohlraum am oder im Gussstück bei der Erstarrung durch Volumenminderung entstehen kann (nicht zu verwechseln mit Blasen).

Lunochod: (russisch, «Mondgeher») Bezeichnung für sowjetische funkferngesteuerte unbemannte Mondfahrzeuge von etwa 800 kg Masse für Fotoaufnahmen, Bodenuntersuchungen, Strahlungsmessungen, topographische Erkundung und Entfernungsmessungen. Lunochod 1 wurde am 17.11.1970 von der Mondsonde Luna 17 gelandet; es arbeitete 10 Monate lang und legte dabei über 10 km zurück. Lunochod 2, am 15.1.1973 von Luna 21 gelandet, legte in 4'/2 Monaten etwa 37 km zurück und übermittelte etwa 80000 Fernsehaufnahmen zur Erde.

Lunte: 1. Jagdwesen: Schwanz von Fuchs und Marder.

2. Militärtechnik: mit Bleiazetat (Bleizucker) und Salpeter getränkte Hanfschnur zum Zünden von Pulverladungen (bis ins 19. Jahrhundert).

3. Spinnerei: Vorgarn.

Luo Guanzhong, um 1330-um 1400, chinesischer Schriftsteller, schuf den ersten uns bekannten chinesischen Roman (Geschichte der Drei Reiche), der große Vorbildwirkung erreichte.

Luoyang, Lojang: Stadt in China, im Nordwesten der Provinz Henan, an der Long-Hai-Bahn; 500000 Einwohner; größtes Traktorenwerk Chinas, Produktion von Kugellagern, Bergbauausrüstungen, Stahl und Eisen, Chemikalien, Glas-, pharmazeutische und Textilindustrie; Eisenbahnknoten. Eine der ältesten Städte der Welt, Hauptstadt des chinesischen Reiches im 8-/6. Jahrhundert vor Christus und 1./3. Jahrhundert nach Christus; berühmt durch buddhistische Höhlenplastiken in den Höhlentempeln von Longmen bei Luoyang.

Lupan, Andrej, geboren 15.2.1912, moldauisch-sowjetischer Schriftsteller; begann in den 30er Jahren mit politischer Lyrik, wandte sich nach dem Krieg, an Folklore und klassische Traditionen anknüpfend, der Gestaltung des Kriegserlebnisses und des bäuerlichen Lebens zu. Als Lyriker, Dramatiker und Verfasser kulturpolitische Aufsätze sowie als Übersetzer (A. S. Puschkin, N. A. Nekrassow, W. W. Majakowski) bestimmte er die Entwicklung der moldauischen Literatur mit.

Lupe: sammelndes optisches System zur Vergrößerung, das dicht vor das unbewegte Auge gehalten wird. Die Normalvergrößerung der Lupe (das Objekt liegt dabei in der Brennebene) beträgt 250/f (Brennweite in mm).

Lupine: (lateinisch lupus, «Wolf») Lupinus: Gattung der Schmetterlingsblütler mit traubigen Blütenständen (gelb, weiß, blau oder rot blühend), gefingerten Blättern und eiweißreichen Samen. Die nordamerikanischen Stauden- oder Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus) ist eine Zierpflanze; die Gelbe Lupine (Lupinus luteus), die Blaue Lupine (Lupinus angustifolius) und die Weiße Lupine (Lupinus albus) sind einjährige Futter- und Gründüngerpflanzen. Zuchtformen (Süßlupine) sind fast ohne Bitterstoffe.

Lupinenkrankheit, Lupinose: Futtermittelvergiftung nach Verfütterung von Bitterlupinen bei Pferd und Schaf; Symptome sind Störungen des Zentralnervensystems; wahrscheinlich verursacht durch die Giftstoffe bestimmter Pilze.

Lupold von Bebenburg, um 1297-28.10.1363, Bischof von Bamberg seit 1353. Lupold von Bebenburg, der erste deutsche Staatsrechtler, begründete in seinem 1340 entstandenen Traktat «Über die Rechte des Königtums und des Römischen Reiches» die im Kurverein zu Rhens gefassten Beschlüsse.

Luppe: 1. Fertigungstechnik: beim Walzen nahtloser Rohre in der ersten von 3 erforderlichen Herstellungsetappen erzeugtes Halbzeug (kurzer, dickwandiger Hohlkörper). Die Herstellung kann zum Beispiel durch Schrägwalzen oder Hohlstranggießen erfolgen.

2. Hüttenwesen: Rennarbeit.

Lupus: 1. Astronomie: das Sternbild Wolf.

2. L, Wolf; Medizin:

a) Lupus vulgaris: veralteter Begriff für eine Form der Hauttuberkulose mit fortschreitender Zerstörung der Haut und des Knorpels, besonders im Gesicht;

b) Lupus Erythematodes.

Lupus in fabula: (lateinisch, «der Wolf in der Fabel») Redewendung nach Terenz, die gebraucht wird, wenn eine Person, von der man gerade spricht, unverhofft erscheint.

Lurpat, Jean, 1.7.1892-6.1.1966, französischer Maler, Graphiker und Teppichkünstler; gestaltete zahlreiche Gobelins, in denen Symbole des Weltalls, des Tier- und Pflanzenreiches sowie die menschliche Figur in ein phantasievoll-dekoratives Formenspiel einbezogen sind.

Lurche, Amphibien (lateinisch griechisch, «Doppellebige») Amphibia: Klasse wechselwarmer Wirbeltiere mit mehr oder weniger nackter, drüsenreicher Haut und einem aus zwei Vorhöfen und einer Hauptkammer bestehendem Herzen; Eiablage und Larvenentwicklung im Wasser, dann Verwandlung (Metamorphose) zum lungenatmenden Landtier; siehe auch Blindwühlen, Froschlurche, Schwanzlurche.

Lure: etwa 2 m langes mammutzahnähnliches gewundenes Blasinstrument mit Kesselmundstück; germanisches Kultinstrument; während der Bronzezeit in Nordeuropa verbreitet; meist paarweise in gleicher Stimmung gefunden.

Luren: iranisches Volk in Luristan, das einen persischer Dialekt spricht; 1,5 Millionen; Hirtennomaden, kulturell den Kurden nahestehend.

Lurex: (Kunstwort) Handelsbezeichnung für Effektfäden aus Metallfolie; für Festkleidung.

Luristan; Bergland im westlichen Iran. In der 2. Hälfte des 2. Jahrtausend vor Christus formte sich hier ein eigener Stil der Metallkunst (Mischbildungen Mensch), und tierischen Figürlichen Pferd, Steinbock und pantherähnliche Raubtiere sind Hauptmotive am Pferdeschmuck, an sogenannt Standarten (figürliche Aufsätze), Waffen und anderen künstlerisch verzierten Gegenständen. Zu den der skythischen, altsibirischen und Ordos-Kunst verwandten Motiven kamen später assyrische hinzu. Nachwirkungen finden sich in der medischen Kunst und persischen Kunst.

Lusaka: Hauptstadt von Sambia, auf einer Hochfläche, etwa 1300m überm Meer; 640000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, chemische, Schuh-, Zementindustrie; in der Nähe Kupfererzbergbau; Handelszentrum; Verkehrsknoten, nordöstlich von Lusaka internationaler Flughafen; Universität, Hochschule; Theater.

Lusche: in Kartenspielen Karte ohne Augen für die Spielberechnung (im Skat Sieben, Acht, Neun).

Lüshun: Stadtkreis in China, im Verwaltungsgebiet Lüda. Seit 1880 Kriegshafen (Port Arthur), 1898/1905 an Russland verpachtet, 1905/45 japanisch, 1945/55 chinesisch-sowjetischer Flottenstützpunkt, danach an China zurückgegeben.

Lusitania: britischer Passagierschiff, das während des 1. Weltkrieges am 7.5.1915 völkerrechtswidrig von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, wobei 1198 Passagiere, darunter 139 US-Amerikaner, den Tod fanden. Der Lusitania-Zwischenfall verschlechterte die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA, auf deren Protest hin der deutsche U-Boot-Krieg zeitweilig eingeschränkt wurde.

Lusitania: römischer Name des heutigen Portugals.

Lusitanistik: Bezeichnung für die Wissenschaftszweige, die sich mit Sprache, Kultur und Literatur Portugals und anderer portugiesischsprachiger Länder befassen.

Lusizer: slawischer Stamm im Gebiet der heutigen Niederlausitz, erstmals um 850 erwähnt; nahm eine sehr selbständige Stellung gegenüber den Nachbarstämmen ein; ging später mit den Milzenern in den Sorben auf.

Lüster: 1. Lüster, Kronleuchter: Hängeleuchte mit Glasprismen.

2. metallisch glänzender Überzug auf Glas, Porzellan, besonders auf Fayence. Nach verwendetem Material und der Farbe werden Goldlüster, Silberlüster, Rubinlüster unter anderem unterschieden.

Lüsterklemme: ein- oder mehrpoliges beidseitiges Klemmelement aus Plast oder Keramik für die Verbindung je zweier Drähte zum Anschluss von elektrischen Geräten kleiner Leistung (zum Beispiel Leuchten).

Lüstrieren, Polieren beide (französisch): das Tränken von Garnen und Zwirnen mit Stärke oder Paraffin und die anschließende Behandlung (in Strangform) in Bürsten- beziehungsweise Leistentrommeln, um Glanz und Scheuerfestigkeit zu erhöhen.

Lustrum: im alten Rom Sühnefeier, Sühneopfer, besonders das von den Zensoren aller 5 Jahre nach dem Abschluss der Steuerschätzung (Zensus) dargebrachte Reinigungsopfer, daher bezeichnete Lustrum auch den Zeitraum von 5 Jahren.

Lut, Daschti-Lut: etwa 400 km langes und durchschnittlich 400 m über dem Meeresspiegel gelegenes Einbruchsbecken im Südosten des Hochlandes von Iran; extrem trockenheißes Wüstengebiet mit ausgedehnten Salzsümpfen und Takyr Flächen im Beckenzentrum; im Osten und Süden treten auch größere Sandfelder auf.

Lutetium, (nach Lutetia, lat für Paris) Symbol Lu: chemisches Element der Kernladungszahl 71; Seltenerdmetall; Atommasse 174,97; Wertigkeit +3; F1675 °C; Dichte 9,87 g/cm3. Lutetium Verbindungen sind im Allgemeinen farblos. Lutetium wurde 1906 nahezu gleichzeitig von C. Auer von Welsbach und dem französischen Chemiker Georges Urbain (1872-1938) entdeckt. Auf letzteren geht der Name Lutetium zurück, während C. Auer von Welsbach das neue Element als Cassiopeium bezeichnete.

Luther: 1. Hans, 10.3.1879-11.5.1962, Politiker; 1922/25 Ernährungs- und Finanzminister, 1925/26 Reichskanzler und als solcher Unterzeichner des Locarno Paktes; wurde 1927 Mitglied der Deutschen Volkspartei; 1930/33 Präsident der Reichsbank, 1933/36 Botschafter des faschistischen Deutschlands in den USA.

2. Martin, 10.11.1483-18.2.1546, Initiator der deutschen Reformation; begann 1501 an der Universität Erfurt Jura zu studieren, trat aber 1505 in das Augustinerkloster in Erfurt ein, entschied sich für ein Theologiestudium und wurde 1512 Professor der Heiligen Schrift an der Universität Wittenberg; Luther gelangte durch intensives Studium der Bibel zu einem Kirchenbegriff, der die Papstkirche grundsätzlich in Frage stellte. In seinen 95 Thesen vom 31.10.1517 bekämpfte er den Ablaßhandel und andere Missstände in der Kirche und löste damit eine Bewegung gegen das Papsttum aus, die die deutsche frühbürgerliche Revolution einleitete. Vom Papst als Ketzer gebannt, lehnte er, von der Sympathie des Bürgertums, der Reichsritter, vieler Angehöriger der Reichsstände und einiger Fürsten unterstützt, auf dem Reichstag zu Worms (1521) den Widerruf seiner Lehre ab. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen ließ ihn danach auf der Wartburg in Sicherheit bringen. Dort begann Luther die Bibelübersetzung (Neues Testament, 1522 gedruckt), die für die weitere Entwicklung der einheitlichen deutschen Schriftsprache große Bedeutung besaß und den Volksmassen 1524/25 zur Begründung ihrer revolutionären Forderungen diente. 1522 kehrte er nach Wittenberg zurück und wandte sich gegen selbständige und gewaltsame Aktionen zur Durchsetzung der Reformation. Im Bauernkrieg verurteilte er das revolutionäre Vorgehen der Bauern schärfstens und stellte sich entschieden auf die Seite der Obrigkeit. Nach 1525 wandte er sich auch scharf gegen die Täufer und die Anhänger Zwinglis. Unter den veränderten Bedingungen der nachrevolutionären Zeit kämpfte er um die Festigung der von ihm begründeten neuen Konfession, die allerdings politisch mehr und mehr den Interessen der Territorialfürsten diente; von ihr gingen aber zum Beispiel auch Impulse zur Verbesserung des Bildungswesens aus. Luther erreichte europäischen Wirkung unter anderem durch die Ausbreitung der Reformation, die Förderung nationalsprachliche Bibelübersetzungen und Anregungen auf weiterwirkende reformatorische Ideologien.

lutherische Kirchen, Lutheraner: Kirchen der Reformation, die Anhänger Luthers, im Unterschied zu den von Zwingli und Calvin bestimmten reformierten Kirchen, heute im Luther. Weltbund vereinigt; betrachten insbesondere die Augsburger Konfession und Luthers Katechismus als Lehrgrundlage.

Luthuli, Albert John, 1898—21.7.1967, südafrikanischer Politiker, Lehrer, trat 1946 dem Afrikanischen Nationalkongress bei, dessen Präsident er 1952 wurde. Wegen seines Kampfes für die Rechte der afrikanischen Bevölkerung und gegen die Apartheidpolitik wurde Luthuli mehrmals verurteilt und verbannt.

Liutizen, Wilzen: Bezeichnung für die seit dem 6./7. Jahrhundert südöstlich der Warnow bis zur nordwestlichen Grenze der Uckermark lebenden slawische Stämme (Redarier unter anderem); 928/29 von König Heinrich I. unterworfen, nach dem Slawenaufstand 983 wieder unabhängig; nach dem Zerfall des relativ starken Lutizenbundes (Zentrum Rethra) im 11. Jahrhundert wurden die Lutizen im 12. Jahrhundert durch Albrecht den Bären endgültig unterworfen.

Luton: Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), nördlich von London; 160000 Einwohner; Brau-, Automobil- und Flugzeugindustrie; Technikum; Museen; Marienkirche (12./14. Jahrhundert).

Lutoslawski, Witold, geboren 25.1.1913, polnischer Komponist und Dirigent; gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. In seinen bis etwa 1955 entstandenen Werken verarbeitete Lutoslawski besonders Elemente der polnische Folklore («Mala Suita», 1950; «Konzert für Orchester», 1954). Nach einer Phase der Auseinandersetzung mit seriellen Kompositionsverfahren («Trauermusik für Béla Bartok», 1958) entwickelte er eine spezifische Technik begrenzter («kontrollierter», «partiellen)) Aleatorik, von der alle späteren Werke («Jeux Vénitiens», 1961; «Trois Poèmes d’Henry Michaud», 1963; 2. Sinfonie, 1967; «Livre pour Orchestre», 1968; unter anderem) wesentlich bestimmt sind.

Lutte, Lotte: Bergbau Rohr von 20 bis 100 cm Durchmesser aus Blech, Spezialpappe, Segeltuch oder Plast zum Absaugen schädlicher Gase sowie zum Zuführen frischer Wetter bei niedrigen Drücken in Strecken durch in den Luttenstrang eingebaute Lüfter.

Lutter, Rauhbrand: aroma- und fuselölreiches alkoholische Erstdestillat aus vergorener Maische.

Lüttich, Liège: 1. Provinz im Osten Belgiens; 3862 km2, 1 Millionen Einwohner; 259 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Lüttich 2; umfasst die Landschaften Hesbaye, Condroz, Herveland und die höchsten Teile der Ardennen; tiefeingeschnittene Täler; Wälder, Weiden; Obst-, Gemüse- und Ackerbau (besonders Zuckerrüben); Industrieballung im Maastal (Steinkohlenbergbau, Eisen- und Buntmetallurgie, eisenverarbeitende und Textilindustrie) mit großen Strukturproblemen und hoher Arbeitslosigkeit. 720 wurde das Bistum Lüttich gegründet; 1467 von Karl dem Kühnen erobert; im 15./17. Jahrhundert wiederholt Aufstände der Zünfte gegen die bischöfliche Herrschaft. Lüttich kam 1797 an Frankreich, 1815 an das Königreich der Vereinigten Niederlande, 1830 an Belgien.

2. Stadt im Osten Belgiens, Verwaltungszentrum der Provinz Lüttich, an der Maas und am Albert-Kanal; 210000 Einwohner; Steinkohlenbergbau; Eisenmetallurgie, Rüstungs-, Gummi- (Kautschuk), Glas-, Textil-, chemische, feinmechanische, elektrotechnische Industrie; Fluss- und internationaler Flughafen; Universität, Konservatorium; Theater, Museen, Gemäldegalerie, Kongresshalle; Festung, Zitadelle; gotische Kathedrale St. Paul und andere mittelalterlichen Kirchen (St-Jacques, Ste-Croix, St-Martin, St-Barthelemy), spätgotische fürst-bischöfliche Residenz (heute Justizpalast).

Lüttwitz, Walther, Freiherr von, 2.2.1859-22.9.1942, General; seit 1890 Generalstabsoffizier; in der Novemberrevolution und beim Kapp-Putsch einer der Führer der Konterrevolution.

Lutz: (nach einem österreichischen Eiskunstläufer) Eiskunstlauf Sprung von rückwärts-auswärts mit ganzer Drehung entgegengesetzt zur Bewegung auf das andere Bein. Beim Doppellutz werden 2, beim dreifachen Lutz 3 Umdrehungen in der Luft ausgeführt.

Lützen: Stadt südwestlich von Leipzig. Im Dreißigjährigen Krieg besiegte hier am 16.11.1632 ein schwedisches Heer die kaiserliche Armee unter Wallenstein. In der Schlacht wurde der schwedische König Gustav II. Adolf getötet. Gustav-Adolf-Gedenkstätte.

Lützow, Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von, 18.5.1782-6.12.1834, preußischer Offizier und deutscher Patriot; stellte im Februar 1813 (nach Plänen G. J. D. Scharnhorsts) ein nach ihm benannt Freikorps zum Kampf gegen die französische Fremdherrschaft auf; es erhielt starken Zustrom aus der patriotisch gesinnten Jugend (unter anderem T. Körner) und der bürgerlichen Intelligenz und wurde die bekannteste deutsche Freiwilligeneinheit des Befreiungskrieges 1813/14; bereits Ende 1813 wurde es regulären Truppenverbänden zugeteilt, 1814, nach der Verwundung von Lützow, endgültig aufgelöst.

Luv: (niederdeutsch - altnordisch) dem Wind zugekehrte Seite, zum Beispiel eines Schiffes oder Gebirges; siehe auch Lee.

Luvua: einer der Quellflüsse des Lualaba, in Zaire; etwa 350 km; entströmt dem Mwerusee; mehrere Wasserfälle und Stromschnellen; am Mittellauf Wasserkraftwerk.

Luxembourg: Provinz im Südosten Belgiens; 4441km2, 220000 Einwohner; 50 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Arlon; raue, bewaldete Hochfläche der Ardennen mit tiefeingeschnittenen Tälern; niederschlagsreich; in wirtschaftlicher Entwicklung zurückgeblieben; Wald- und Viehwirtschaft.

Luxemburg: (mittelhochdeutsch, «Kleine Burg») Großherzogtum Luxemburg: Staat in Westeuropa zwischen BRD, Belgien und Frankreich; in 3 Distrikte mit 12 Kantonen gegliedert; einen moselfränkischen Dialekt (letzebuergesch) sprechende Einwohner, Amtssprachen sind Französisch, Deutsch und Letzebuergesch (Letzeburgisch); etwa 25% der Bevölkerung sind Ausländer. Währung ist der Luxemburg. Franc. Im Norden hat Luxemburg im Ösling (562 m) Anteil an den waldreichen, stark zertalten Hochflächen der Ardennen. Der als Gutland bezeichnete Süden ist eine fruchtbare Tieflandebene mit den Tälern von Mosel und Alzette. Nahe der französischen Grenze lagert Eisenerz. Luxemburg ist ein entwickelter Industriestaat mit entfaltetem staatsmonopolistischen System, in dem Produktion und Kapital in internationalen Monopolvereinigungen konzentriert sind. Durch enge Verflechtung mit französischen, belgischen und USA-Monopolen dringt in starkem Maße Auslandskapital in die Wirtschaft ein. Eine unternehmerfreundliche Steuergesetzgebung machte Luxemburg zum Sitz von über 3000 Holdinggesellschaften und zu einem der größten Bankzentren Westeuropas (etwa 100 Banken und Versicherungen beziehungsweise Filialen). Grundlage der Wirtschaft ist die Eisenmetallurgie, die etwa die Hälfte der industriellen Produktion stellt und vom multinationalen Konzern ARBED beherrscht wird. Die Stahlproduktion Luxemburgs ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl die höchste der Welt, doch sind Erzbergbau und Stahlerzeugung in Auswirkung der Strukturkrise der EG-Stahlindustrie rückläufig. Von Bedeutung ist auch die chemische Industrie (besonders Kunststoffe und -fasern), die mit USA-, BRD- und französischen Kapital entwickelt wurde. Weitere Industriezweige sind Maschinenbau und Elektrotechnik. Die Landwirtschaft, die etwa 50% des Territoriums bewirtschaftet, und in der nur etwa 5 % der Berufstätigen arbeiten, kann den Eigenbedarf nicht decken; in ihr dominieren Klein- und Mittelbetriebe, die durch die EG-Konkurrenz schwer getroffen wurden. Hauptzweig ist die Viehwirtschaft (Rinder, Schweine; Export von Fleisch und Butter); Anbauprodukte sind vor allem Futtergetreide (Hafer, Gerste), Weizen, Obst und Wein. Die Rosenzucht dient dem Export. Wald bedeckt etwa ein Drittel der Landesfläche. Luxemburg besitzt ein sehr dichtes Straßennetz und eine eigene Fluggesellschaft LUXAIR (Flughafen Findel). Einzige Wasserstraße ist die Mosel; Erdgas wird über eine Leitung aus den Niederlanden herangeführt. Der Auslandstourismus ist bedeutend. Der Außenhandel wird überwiegend mit den Nachbarländern (EG-Staaten) abgewickelt. Exportiert werden Erzeugnisse der Hütten- und chemischen Industrie, importiert Rohstoffe, Maschinen und Ausrüstungen. Es besteht eine Wirtschaftsunion (Beneluxunion) mit Belgien und den Niederlanden (mit Belgien auch Zoll- und Währungsgemeinschaft). Luxemburg war Siedlungsgebiet keltischer Stämme, im 5. Jahrhundert von Franken besetzt. Im 10. Jahrhundert erfolgte unter den Grafen von Lützelburg die Bildung der Grafschaft Luxemburg, die 1354 in ein Herzogtum umgewandelt wurde. 1308/13, 1346/1400, 1410/37 waren die Luxemburger Herrscher römisch-deutsche Könige und Kaiser. 1443/77 war Luxemburg burgundisch, kam 1477 an die Österreich, und 1555 an die spanische Linie der Habsburger, wurde 1713 erneut österreichisch, 1794/1815 von Frankreich besetzt. Durch den Wiener Kongress (1815) wurde Luxemburg Großherzogtum, das in Personalunion (bis 1890) mit den Niederlanden verbunden war, die gleichnamige Hauptstadt wurde zur Festung des Deutschen Bundes mit preußischen Besatzungstruppen (1867 abgezogen) erklärt. 1839 kam der seit der belgischen Revolution von 1830 beanspruchte wallonische Landesteil an Belgien, das übrige Gebiet verblieb im Deutschen Bund. Luxemburg wurde 1842 Mitglied des Deutschen Zollvereins, nach Auflösung des Deutschen Bundes (1866) politisch selbständig bei Beibehaltung der Zollunion mit Deutschland (bis 1918). 1891 Gründung der sozialistischen Partei, aus deren linkem Flügel 1921 die KP entstand. 1921 Bildung einer Wirtschafts- und Währungsunion mit Belgien. 1940 wurde Luxemburg durch faschistische deutsche Truppen besetzt, 1942/44 annektiert. Nach der Befreiung unter US-amerikanischen Einfluss, 1948 Beitritt zum Marshallplan, 1949 zur NATO; seit 1957 Mitglied der EWG. Die Wirtschaftskrise und der Währungsverfall seit den 70er Jahren trafen Luxemburg schwer (Rückgang der Stahlproduktion, Verlust von mehr als 10000 Arbeitsplätzen). Staatsoberhaupt ist seit 1964 Großherzog Jean.

Luxemburg: Hauptstadt des Großherzogtums Luxemburg und Verwaltungszentrum des Distrikts Luxemburg, am Zusammenfluss von Alzette und Petrusse (zahlreiche Brücken); 79000 Einwohner; Maschinenbau, chemische Industrie; internationaler Flughafen Findel-, Handels- und Finanzzentrum, internationale Messe, Sitz der Montanunion und des Gerichtshofes der EG; Tagungsort; Universität, Konservatorium, Nationales Sportinstitut; Staatsmuseum, Gemäldegalerie; Rundfunksender; Schloss (16./18. Jahrhundert). 1815/66 deutsche Bundesfestung mit preußischer Besatzung; die Festung wurde 1867 geschleift.

Luxemburg, Rosa, 5.3.1871-15.1.1919, Führerin der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung; nahm seit 1887 am Kampf der polnischen Arbeiterbewegung teil. 1889 emigrierte sie in die Schweiz, wo sie studierte und 1897 promovierte; 1893 Mitbegründerin der Sozialdemokratie des Königreichs Polen; seit 1898 in Deutschland, kämpfte sie als Mitglied der deutschen Sozialdemokratie und zugleich in der polnischen revolutionären Bewegung. 1898/99 publizierte sie ihre Arbeit «Sozialreform oder Revolution?», die sich grundsätzlich mit dem Bernsteinschen Revisionismus auseinandersetzte. 1904/14 vertrat sie die SDKPiL im Internationalen sozialistischen Büro. 1905 nahm sie an den revolutionären Kämpfen in Warschau teil. Luxemburg entwickelte sich zu einer führenden Vertreterin der deutschen Linken, verteidigte in Theorie und Praxis den Marxismus gegen Opportunismus und Revisionismus und leistete in vielen wissenschaftlichen und propagandistische Arbeiten bedeutende Beiträge zur Theorie des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse; sie hatte entscheidenden Anteil am Zusammenschluss der revolutionären Kräfte während des 1. Weltkrieges. Mehrmals eingekerkert, schrieb sie im Gefängnis die Junius-Broschüre, Flugblätter und Beiträge für die «Spartakusbriefe». Seit November 1918 gab sie mit K. Liebknecht «Die Rote Fahne» heraus und bereitete die Gründung der KPD vor, deren Vorsitzende sie gemeinsam mit K. Liebknecht wurde. Während der Januarkämpfe wurde Luxemburg zusammen mit K Liebknecht von konterrevolutionären Militärs ermordet.

Luxemburger, Lützelburger Fürstengeschlecht. Die Luxemburger waren 963/1176 (ältere Linie) und seit 1214 (jüngere Linie) Grafen von Luxemburg; letztere stellte 1308/1437 mit Unterbrechungen die römischen deutschen Könige und Kaiser (Gipfelpunkt ihrer Macht unter Karl IV.); seit 1310 waren sie gleichzeitig Könige von Böhmen, seit 1387 auch von Ungarn. Sie erloschen im Mannesstamm 1437 mit Kaiser Sigismund.

Lu Xun, Lu Hsün, Lu Sin, eigentlich Zhou Shuren, 25.9.1881-19.10.1936, chinesischer Erzähler und Essayist; Vorkämpfer für eine neue, demokratische Kultur, legte den Grundstein für die neue chinesische Literatur. In seinen frühen Erzählungen (Sammlungen «Kampfruf», 1923, deutsch; «Ängstliches Suchen», 1926, deutsch) ergriff er Partei für die sozial und geistig Unterdrückten; in den 30er Jahren setzte er sich für die Entwicklung der proletarisch-revolutionären Literatur ein und wandte sich, vornehmlich mit Essays, gegen politische und geistige Reaktion.

Luxus: im Allgemeinen Verschwendung, Üppigkeit, Prunksucht. In der Kulturgeschichte der Klassengesellschaften ist Luxus der über dem Niveau notwendiger Bedürfnisbefriedigung liegende Genuss von Produkten im weiteren Sinne durch die herrschenden Ausbeuterklassen.

Luzern: 1. Kanton im Schweizer Mittelland, westlich des Vierwaldstätter Sees; 1492 km2, 295000 überwiegend deutsch sprechende Einwohner; 198 Einwohner/km2; Hauptstadt Luzern 2; umfasst 400 bis 600 m hohe Berg- und Hügellandschaft und Teile der Hochalpen mit Brienzer Rothorn (2353 m); Metall-, Textil-, Holzindustrie; Erdölraffinerie; um Luzern 2 Obstbau, in den Alpentälern Graswirtschaft; Fremdenverkehr.

2. Hauptstadt von Luzern 1, am Ausfluss der Reuß aus dem Vierwaldstätter See; 63000 Einwohner; als Agglomeration 160000 Einwohner; Maschinen-, Apparatebau, feinmechanische, Textil-, Chemiefaser-, Lebensmittelindustrie; Goldschmiedegewerbe; Fachschulen, Konservatorium, internationale Musikfestwochen; Museen; Gletschergarten; Fremdenverkehr (Zugang zu den Zentralalpen). Eindrucksvolle Altstadt mit Resten der mittelalterlichen Stadtbefestigung mit zahlreichen Türmen; mehrere Brücken über die Reuß (hölzerne überdeckte Kapellbrücke, ursprünglich um 1300, ständig erneuert, mit achteckigem Wasserturm, um 1300; Spreuerbrücke, um 1400,1566 erneuert), Rathaus (1599/1606), Hofkirche (1633/44) und andere Kirchen, alte Bürgerhäuser.

Luzerne: (französisch) Schneckenklee, Medicago: Gattung der Schmetterlingsblütler mit dreiteiligen Blättern und sichel- bis schneckenförmigen Hülsen. Die blau blühende Saat-Luzerne (M. sativa) ist eine Futterpflanze mit tiefen Pfahlwurzeln.

luzid: klar, hell; durchsichtig; glänzend, strahlend, leuchtend.

Luzifer: (dat., «Lichtbringer») Name des Teufels bei den Kirchenvätern; ursprünglich der Morgenstern.

Luziferin: Sammelname für Substanzen, auf deren Oxydation die Biolumineszenz der Leuchtorganismen (Leuchtkäfer, -bakterien unter anderem) beruht. Die hierzu erforderlichen Enzyme heißen Luciferasen.

Luzon: größte Insel der Philippinen; 108172 km2, etwa 20 Millionen Einwohner; bedeutendste Stadt und wichtigster Hafen Manila. Vorwiegend gebirgig (Mount Pulag 2928 m), mehrere noch tätige Vulkane (unter anderem Mayon mit 2462m, letzter Ausbruch 1984); größere Ebenen besonders im Norden; stark gegliederte Küste mit vorgelagerten Korallenriffen; häufig treten Erdbeben auf. Tropisches Monsunklima mit hoher Taifun Gefährdung; im Osten immergrüner tropischen Regenwald, nach Westen in Monsunwälder übergehend. Hauptanbaukulturen sind Reis, Mais, Tabak, Manila- und Sisalhanf, Zuckerrohr, Kokospalmen, Kaffee, Kakao, Bananen, Baumwolle. Der entwickelte Bergbau fordert vor allem Eisen-, Mangan-, Kupfer-, Chrom- und Golderze sowie Steinkohle, Erdöl und Erdgas. Industrielles Zentrum ist das Gebiet um Manila mit einem vielseitigen Produktionsspektrum.

Lyasen: (griechisch) Klasse von Enzymen, die kovalente Bindungen ohne Wassereinbau spalten, zum Beispiel Aldolase.

Lychen: Stadt im Kreis Templin, Bezirk Neubrandenburg, in der Uckermark, in wald- und seenreicher Umgebung; 3400 Einwohner; Metallindustrie, Land-, Forstwirtschaft; Erholungsort (65 m über dem Meeresspiegel); Rathaus (1748), Johanneskirche (13. Jahrhundert), Stargarder Tor.

Lydien: (lateinisch griechisch) in der Antike Landschaft in Westkleinasien; im 7. und 6. Jahrhundert vor Christus Zentrum des Lydischen Reiches mit der Hauptstadt Sardes. 546 vor Christus wurde das Lydische Reich von dem Perserkönig Kyros H. erobert.

Lydisch: (zu «Lydien») a) altgriechische Tonart (Leiter c'-c, abwärts);

b) Kirchentonart (Leiter f-f1, aufwärts).

lydische Kunst: die im 7./6. Jahrhundert vor Christus in Lydien entstandene Kunst, die in eigentümliche Weise kleinasiatische Elemente mit griechischen Formen verbindet; charakteristisch sind Grabhügel (Grabmal des Tantalos bei Smyrna) - oder Grabhöhlen mit in die Felswand eingehauenen Fassaden (Grab des Midas).

Lyell, Charles, 14.11.1797-22.2.1875, britischer Geologe; gehörte zusammen mit K. E. A. von Hoff zu den Begründern des Aktualismus; bekämpfte die Katastrophentheorie und verfasste neben zahlreichen, durch genaue Beobachtungen ausgezeichnete Beschreibungen von ihm bereister Länder das erste umfassende Lehrbuch der dynamischen Geologie.

Lygdamus: (Pseudonym) römischer Dichter wohl aus der Zeit des Kaisers Augustus; 6 seiner Gedichte sind in der Sammlung der Gedichte des Tibull erhalten.

Lykien: (griechisch) in der Antike gebirgige Landschaft in Südwestkleinasien; wurde 545 vor Christus persisch, 334 vor Christus makedonisch-griechisch und 43 nach Christus römisch.

lykische Kunst: Ableger der griechischen Kunst in Lykien vom 6. bis 4. Jahrhundert vor Christus Charakteristisch für die lykische Kunst, in der sich orientalischen mit griechischen Elementen vermischen, sind reliefgeschmückte Felsgräber und turmartige Grabdenkmäler, deren bedeutendste das Harpyien- und das Nereiden-Monument in Xanthos sind.

Lykophron, Lykophron von Chalkis, 1. Hälfte des 3. Jahrhundert vor Christus, griechischer Dichter und Gelehrter; von seinen Dichtungen ist nur das durch seine Dunkelheit und Gelehrsamkeit ausgezeichnete, schon in der Antike ohne Kommentar unverständliches Gedicht (Alexandra, die Weissagungen Alexandras (Kassandra) über Trojas Untergang, erhalten.

Lykurg, sagenhafter, göttlich verehrter Gesetzgeber Spartas, soll im 9. Jahrhundert vor Christus nach delphischen Orakelsprüchen die Gesellschafts- und Staatsverfassung Spartas geschaffen haben.

Lyly, John, um 1554-November 1606, englischer Schriftsteller und Dramatiker; schrieb die einflussreichen höflichen Romane «Euphues oder die Anatomie des Geistreichen» (1578/80) und «Euphues und mein England» (1580), durch die der gekünstelte Modestil des Euphuismus geprägt wurde, sowie Komödien im gehobenen höflichen Stil, meist in mythologischer oder antiker Einkleidung.

Lymphadenitis: entzündliche Lymphknotenschwellung in der Nachbarschaft von Entzündungsherden oder bei bestimmten akuten und chronischen Infektionskrankheiten, zum Beispiel Toxoplasmose, Sarkoidose.

Lymphangiom: (lateinisch + griechisch) geschwulstähnliche gutartige Wucherung von Lymphgefäßen der Haut und Schleimhaut.

Lymphangitis: Lymphgefäßentzündung nach Eindringen von Erregern in die Lymphspalten, sichtbar zum Beispiel als roter Streifen am Ann.

lymphatisch: zur Lymphe beziehungsweise zum Lymphsystem gehörend; Lymphozyten und Lymphknoten enthaltend,

lymphatischer Apparat: Gesamtheit des lymphatischen Gewebes (zum Beispiel Lymphknoten, Milz, Thymus, Mandeln), das der Abwehr von körperfremden Substanzen und der Bildung von Lymphozyten dient. Lymphdrüse: veraltete Bezeichnung für Lymphknoten (Lymphgefäße).

Lymphe: zwischen Blutbahn und Gewebezellen befindliche, farblose, wenig Zellen enthaltende Flüssigkeit. Sie wird aus dem Netz der arteriellen Blutkapillaren ins Gewebe gepresst (Blut-Lymphe) und dient als Transportmedium für Nährstoffe und Stoffwechselprodukte (Gewebe-Lymphe). Beim Durchströmen der Lymphknoten nimmt sie die Lymphozyten auf.

Lymphgefäße: Leitungsbahnen, die die Lymphe aus den Geweben in das Venensystem leiten; sie besitzen Klappen, die die Strömungsrichtung regeln; das größte Lymphgefäß ist der im Brustkorb verlaufende Milchbrustgang. Bei Vögeln, Säugetieren und dem Menschen sind in die Lymphgefäße die Lymphknoten (Nodi lymphatici) eingeschaltet; sie reinigen als Filter die Lymphe von Fremdstoffen beziehungsweise Bakterien, produzieren Antikörper und gelten als Bildungsstätte der Lymphozyten.

Lymphnodulektomie: (lateinisch + griechisch) operative Entfernung von Lymphknoten zur Verbesserung der Heilungsaussichten bei Hodentumoren.

Lymphogranuloma inguinale, Lymphopathia venerea, vierte Geschlechtskrankheit: durch ein adeno tropes Virus verursachte tropische Geschlechtskrankheit. Die Ansteckung wird nach 5 bis 21 Tagen durch eine abheilende Erosion sichtbar. Später schwellen die Lymphknoten an und schmelzen eitrig ein mit Verödung der Lymphgefäße und Ausbildung einer Elefantiasis.

Lymphogranulomatose, Hodgkinsche Krankheit; nach einem britischen Internisten): chronisch fortschreitende bösartige Erkrankung des lymphoretikulären Zellsystems von Lymphknoten, Milz, Leber, seltener Lunge, Verdauungskanal! Knochen, Haut, Zentralnervensystem mit charakteristischen Gewebewucherungen (spezifische Granulome); Kennzeichen sind Lymphknoten-, Milz- und Lebervergrößerungen, Schweißausbrüche unter anderem

Lymphographie: röntgenologische Darstellung zunächst der Lymphgefäße nach direkter Injektion von Kontrastmittel (Lymphangiogramm) und anschließend der Lymphknoten, in denen das Kontrastmittel mehrere Monate lang gespeichert wird (Lymphadenogramm).

Lymphome: Sammelbegriff für örtlich begrenzte oder generalisierte Lymphknotenanschwellungen vielfältiger Ursachen;

a) entzündlich bedingt (Lymphadenitis);

b) durch bösartige Lymphgewebewucherungen hervorgerufen (maligne Lymphome), zum Beispiel 1 Lymphogranulomatose und Geschwulst;

c) bei Erkrankungen des Abwehrsystems, zum Beispiel Antikörpermangel;

d) bei Stoffwechselstörungen, zum Beispiel Lipidspeicherkrankheiten.

Lymphozyten: (dat. + griechisch) besondere Form der weißen Blutzellen.

Lynch, Jack (eigentlich John Mary), geboren 15.8.1917, irischer Politiker, 1957/66 Minister, 1966/79 Führer der Partei Fianna Fáil, 1966/73 und 1977/79 Ministerpräsident; verstärkte die ökonomischen Bindungen Irlands an Großbritannien und vollzog den Beitritt des Landes zur EWG.

Lynchjustiz: grausame Misshandlung oder Tötung eines Menschen wegen einer angeblichen Straftat durch eine aufgehetzte Menge. Vermutlich nach dem Richter Charles Lynch (1736-1796) aus Virginia benannt.

Lynkeus: (griechisch «der Luchsäugige») in der griechischen Sage Argonaut, berühmt durch sein scharfes Auge, von den Dioskuren im Kampf getötet; Türmer in Goethes «Faust II».

Lynn Lake: Ort in Kanada, im Nordwesten der Provinz Manitoba, nordöstlich von Flin Flon; Abbau von Kobalt-, Nickel- und Kupfererzen.

Lynx: (lateinisch - griechisch) das Sternbild Luchs.

Lyon: Stadt im Osten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Rhône, an der Mündung der Saône in die Rhône; 455000 Einwohner; Zentrum einer Agglomeration mit 1,2 Millionen Einwohner; vielseitige Industrie, besonders Maschinenbau, Straßen- und Schienenfahrzeugbau, elektronische, chemische, pharmazeutische, Glas-, Leder-, Bekleidungsindustrie, Verarbeitung von synthetischen Fasern (früher bedeutende Seidenindustrie); Erdölraffinerie; internationaler Flughafen, Flusshafen, U-Bahn; internationale Messe, älteste Börse Frankreichs, Weltausstellungen, Kongresse; Universität, TH, zahlreiche Museen, bedeutende Bibliothek; Oper, berühmtes Puppentheater (Guignol Lyonnais); römische Baudenkmäler, Kathedrale (12./15. Jahrhundert). Im 5. Jahrhundert burgundische Hauptstadt, seit 1312 Französisch; seit dem 15. Jahrhundert Entwicklung der Seidenindustrie, im 19. Jahrhundert Zentrum der entstehenden Arbeiterbewegung. Die Aufstände der Lyoner Seidenweber 1831 und 1834 waren die ersten selbständigen Aktionen des französischen Frühproletariats. Am 3.9.1870 erfolgte die Ausrufung der Republik und am 23.3.1871 der Kommune in Lyon Die Stadt wurde im Sept 1944 durch Partisanen von deutschen Faschisten und französischen Kollaborateuren befreit.

Lyonnais, französisch: Landschaft im Osten Frankreichs, um Lyon, zwischen Loire und Rhône, das untere Saône-Tal einschließend; gebirgig (bis 937 m); bedeutende Industrie (Lyon, Mäcon unter anderem); Viehzucht; Garten- und Obstbau.

lyophil: (griechisch) flüssigkeitsfreundlich, eine Flüssigkeit (ein Lösungsmittel) aufnehmend.

lyophob: (griechisch) flüssigkeitsfeindlich, eine Flüssigkeit (ein Lösungsmittel) abweisend.

Lyra: 1. das Sternbild Leier.

2. Lyra; altgriechisches siebenseitiges Zupfinstrument mit rundem, schildkrötenähnlicher Schallkörper, der in anfangs gerade, später geschwungene Jocharme ausläuft; wird mit Plektron gespielt (siehe auch Leier).

3. Lyra, Lira: im Mittelalter birnenförmiges, fünfsaitiges Streichinstrument mit 2 Bordunsaiten, dem Rebec verwandt; im 16. Jahrhundert Bezeichnung für die fiedelähnlicher Vorläufer der modernen Violin-Instrumente.

4. Lyra: ab 18./19. Jahrhundert im Militär- und Blasorchester tragbares Metallstabglockenspiel in einer der Lyra 2 ähnlichen Form.

Lyrik, lyrische Dichtung: literarische Gattung, in der sich ein von einem bestimmten Sachverhalt bewegtes Ich in unmittelbarer Aussage mitteilt. Im spezifischen lyrischen Text wird vom lyrischen Subjekt selbst der weltanschauliche Gehalt erschlossen und ausgedrückt. Den Gegenstand der lyrischen Dichtung bilden somit sowohl das Erlebte, das Subjekt als auch die ins Werk eingespannte ideelle Dimension. Seit den Anfängen der menschlichen Gesellschaft prägten sich in den verschiedenen Kulturentwicklungen der Völker vor allem die Grundformen Lied, Hymne und Spruch aus, die dann in vielfältigen Varianten eine reiche Tradition ausbildeten. Lyrische Genres bilden unter anderem Dithyrambus, Elegie, Epigramm, Ghasel, Kanzone, Madrigal, Ode, Rhapsodie, Romanze, Sonett, Sprichwort, Volkslied und Ballade. In der Literatur der DDR entwickelte sich, basierend auf dem Schaffen der älteren sozialistischen Dichter (B. Brecht, Kuba, E. Weinert, Lyrik Fürnberg, G. Maurer, J. Bobrowski, S. Hermlin) eine weitgespannte Lyrikproduktion, in der auch in den nachfolgenden Dichtergenerationen um eine weltanschauliche Verarbeitung der Lebensprobleme der entstehenden gesellschaftlichen Verhältnisse gerungen wird; in den 70er Jahren wurden vor allem auch operative Genres (politisches Lied, Protestsong) ausgeprägt.

Lysander, um 455-395 vor Christus (gefallen), spartanischer Feldherr; zwang Athen im Peloponnes. Krieg zur Kapitulation.

Lysergsäurediethylamid: (griechisch + französisch + deutsch) Abkürzung LSD: durch chemische Umwandlung der im Mutterkorn vorkommenden Lysergsäure herstellbares Suchtgift. Lysergsäurediethylamid ist ein weißes Kristallpulver, das bereits in Mengen von 10ig optische und akustische Halluzinationen hervorruft, wobei das Gefühl für Zeit, Raum und Geschwindigkeit verlorengeht. Imperialistische Staaten dient Lysergsäurediethylamid als Modell für chemische Kampfstoffe mit Psychogiftwirkung. Durch Erlöschen des Patentschutzes gerieten Produktion und Vertrieb außer staatlicher Kontrolle. Dadurch hat sich der Lysergsäurediethylamid missbrauch in den USA und verschiedenen Ländern schnell ausgebreitet. Wiederholte Zufuhr von Lysergsäurediethylamid führt zur Sucht verbunden mit starken psychischen Störungen, körperlichen und sozialem Verfall und nicht selten zu kriminellen Handlungen.

Lysias, um 445-um 380 vor Christus, griechischer Redner; schrieb für andere Gerichtsreden. Von 233 ihm zugeschriebenen Reden sind 34 erhalten. Ihre klare Sprache galt den Attizisten als Vorbild.

Lysimachos, um 355-281 vor Christus (gefallen), Feldherr Alexanders des Großen; beherrschte als Diadoche Thrakien seit 323, nahm 305 den Königstitel an.

Lysimeter: (griechisch) Messanlage zur Erfassung des Wasserhaushaltes eines bewachsenen Bodenvolumens; erfolgt durch Wägung und Bestimmung der durch Niederschlag, Tau und Beregnung zugeführten und durch Abfluss (Sickerwasser) und Verdunstung abgegebenen Wassermengen.

Lysin, Symbol Lys: eine essentielle Aminosäure; bildet farb- und geruchlose, wasserlösliche Kristalle und wird als Futtermittelzusatz verwendet.

Lysipp, griechischer Bildhauer des 4. Jahrhundert vor Christus; für Alexander den Großen tätig, von dem er mehrere Bildnisse schuf. Den durch raumgreifende Bewegung und gestreckte Proportionen charakterisierten, neuen plastischen Stil des Lysipp zeigt am deutlichsten die in einer römischen Marmorkopie erhaltene Statue des Apoxyomenos (einen jugendlichen Athleten darstellend; Vatikan).

Lysis: (griechisch) allmählicher Fieberabfall.

Lysosomen: granuläre, membranumgebene Organellen zahlreicher Zellen, die hydrolyt. Enzyme enthalten und an intrazellulären Abbauprozessen beteiligt sind.

Lysotypie: Typisierung von Bakterienstämmen durch Bakteriophagen, die jeweils nur eine bestimmte Bakterienart (beziehungsweise einen Bakterientyp) angreifen und auflösen.

Lysozym, Muramidase: (lateinisch + griechisch) in Speichel, Tränen und Schleimhäuten vorkommendes Enzym, das gegen Bakterien wirkt, indem es deren Zellwand (Proteoglykanmantel) hydrolytisch abbaut.

Lyssenko, Nikolai, 22.3.1842-6.11.1912, ukrainischer Komponist, Pianist, Chordirigent, Volksmusikforscher und Musikpädagoge; befasste sich eingehend mit der ukrainischen Volksmusik und gilt als Schöpfer des nationalen ukrainischen Musikstils; komponierte Opern, Chorwerke, Lieder.

Lyzeum: (lateinisch griechisch) höhere Schule, in Deutschland bis 1945 höhere Mädchenschule.