Lexikon X

Xanten: Stadt in Nordrhein-Westfalen, am Niederrhein; 16000 Einwohner; Textil-, Emaille-, keramische und Schuhindustrie; Dommuseum, Museum für römische Altertümer; Fundamente eines römischen Amphitheaters erhalten; im Nordwesten der Stadt Ausgrabungen einer Siedlung etwa aus dem 1. Jahrhundert; gotischer Dom St. Viktor (reiche Innenausstattung), Bürgerhäuser, Reste der Stadtbefestigung.

Xanthippe, Frau des Sokrates; gilt als Symbol der zänkisch-launenhaften Ehefrau.

Xanthogensäure: Sammelname für Dithiokohlensäure Ester der allgemeinen Formel RO-CS-SH; die Salze dieser Ester heißen Xanthogenate. Xanthogensäure im engeren Sinne ist Äthyl-Xanthogensäure. Die niederen Xanthogensäuren sind unbeständige, gelbe Flüssigkeiten. Ein Xanthogenat der Zellulose ist der wesentliche Bestandteil der Viskose.

Xanthom: meist in Mehrzahl (Xanthomatose) auftretende gelbe Knötchen in der Haut.

X-Einheit, Zeichen XE: veraltende Maßeinheit der Länge in der Spektroskopie (amtlich seit 1.1.1980 ungültig); 1 XE = 1,00206 • 10“13 m = 0,100206 pm.

Xenakis: 1. Françoise Xenakis, geboren 1932, französische Schriftstellerin; Frau von Xenakis 2; gestaltet sensibel insbesondere Themen aus dem Griechenland der Gegenwart («Auf der Insel wollte sie ihm sagen», 1970, deutsch; «Der abgeschnittene Zopf», 1982).

2. Iannis Xenakis, geboren 1.5.1922, französischer Komponist griechischer Herkunft; lebt seit 1947 in Frankreich (1965 französischer Staatsbürger); wirkte bereits als erfolgreicher Architekt, als er sich der Musik zuwandte, in der er mathematische Gesetze anzuwenden versucht.

Xenien: (griechisch, eigentlich «Gastgeschenke») Titel des 13. Buches der Epigramme Martials; Goethe und Schiller nannten so ihre 1796 in Distichen verfassten Polemiken.

Xenon, (griechisch xenos, «fremd») Symbol Xe: chemisches Element der Kernladungszahl 54; Edelgas; Atommasse 131,29; Wertigkeit 0; ferner +8, +6, +4, +2; F-111,8°C; Kp -108,1°C; seltenstes Edelgas der Luft (0,000008 Vol.-%). Xenon ist farb- und geruchlos; es findet insbesondere in Leuchtturmscheinwerfern und fotografische Elektronenblitzlampen Anwendung (sonnenähnliches Licht). Xenonverbindungen, zum Beispiel das farblose, gasförmige Xenon(VI)-fluorid, XeF6, oder das äußerst explosible, unterhalb 0°C sublimierende Xenon(VIII)-oxid, Xe04, sind seit 1962 bekannt. Xenon wurde 1898 von W. Ramsay und Morris William Travers (1872-1961) spektroskopisch als Beimengung in aus Luft gewonnenem flüssigem Argon entdeckt.

Xenonlampe: Entladungslampe mit Xenon als Gasentladungsträger. Das Spektrum der Strahlung ist im sichtbaren Gebiet kontinuierlich und hat große Ähnlichkeit mit dem des Tageslichts.

Xenophanes, um 570-480 vor Christus, griechischer Philosoph und Dichter; bekämpfte aufklärerische Standpunkt die anthropomorphe Religion und entwickelte eine pantheistische Gottesvorstellung; gelangte zu ersten erkenntniskritische Reflexionen.

Xenophon, um 430-354 vor Christus, athenischer Geschichtsschreiber; setzte das Werk des Thukydides über den Peloponnes. Krieg fort; führte nach der Schlacht bei Kunaxa (401) 10000 griechische Söldner Kyros der Jüngere nach Griechenland zurück und beschrieb dies in seinem Werk «Anabasis». Xenophon verfasste eine griechische Geschichte, Schriften über Sokrates, Werke über die Pferdezucht unter anderem

Xenusion: fossiles Gliedertier; Körper und Stummelfüße geringelt, scheint stammesgeschichtlich zwischen den Ringelwürmern und den Gliederfüßern zu stehen; nur in 2 Exemplaren als kopfloser Abdruck bekannt.

Xerographie: elektrostatische Vervielfältigungsverfahren; eine mit einer fotoleitfähigen Halbleiterschicht (zum Beispiel Selen) überzogene Metallplatte o. ä. wird elektrostatisch aufgeladen. An den durch bildgemäße Belichtung leitfähig gewordenen Stellen fließen die Ladungen ab und es entsteht belichtungsabhängig ein latentes «elektrisches Bild», das durch Einstäuben mit Farbpulver sichtbar gemacht (entwickelt) und nach Übertragen des Pulvers auf den endgültigen Bildträger (Papier oder Metallfolie) dort durch Wärme oder Lösungsmittel fixiert wird.

xerophil: (griechisch) die Trockenheit liebend.

Xerophthalmie: Austrocknung der Horn- und Bindehaut des Auges infolge Vitamin-A-Mangels.

Xerophyten: Pflanzen, die großer Trockenheit angepasst sind, zum Beispiel durch verkleinerte Oberfläche, Behaarung und Wachsüberzüge als Verdunstungsschutz oder durch Ausbildung wasserspeichernder Gewebe (Sukkulenten); kommen besonders in Wüsten und Steppen vor.

Xerxes, um 520-465 vor Christus (ermordet), altpersischer Achämeniden König seit 485; schlug Aufstände in Ägypten und Babylonien nieder, setzte den Krieg gegen Griechenland fort, der mit Niederlagen bei Salamis (480), Platää und Mykale (479) endete.

X für ein U vormachen: jemandem etwas weismachen, um ihn zu übervorteilen; eigentlich das römische Zahlzeichen für 10 (X) aus 5 (V; soviel wie U) machen.

Xhosa, Kosa: negrides Volk der Südostbantu in Südafrika (östliches Kapland); 5 Millionen; Bodenbauer und Großviehzüchter, vielfach als Minenarbeiter tätig. Die Xhosa kämpften im 1. Drittel des 19. Jahrhundert vergeblich gegen die Buren und die britische Kolonialmacht. Im größten zusammenhängenden Siedlungsgebiet der Xhosa, der Transkei, wurde 1963 ein Bantustan geschaffen.

Xia-Dynastie: legendäres chinesisches Herrscherhaus um 2000/1600 vor Christus. Als Begründer der Xia-Dynastie gilt der sagenhafte Große Yu. Die Xia-Dynastie konnte bisher archäologisch nicht nachgewiesen werden.

Xiamen, Siamen, südchinesisch Amoy. Stadt in China, auf einer Insel vor der Küste der Provinz Fujian, durch einen Damm mit dem Festland verbunden; 350000 Einwohner; chemische und Elektroindustrie, Fischverarbeitung; Eisenbahnendpunkt, Übersee- und Flughafen; Universität, 18 wissenschaftliche Einrichtungen; 1980 zum Wirtschaftssondergebiet für Auslandsinvestitionen erklärt.

Xia Yan, geboren 30.10.1900, chinesischer Dramatiker und Filmautor; gestaltete insbesondere den Krieg gegen Japan (Dramen «Die Stadt des Kummers», 1940; «Bakterien des Faschismus», 1942) sowie die Rolle der Intellektuellen beim sozialistischen Aufbau («Die Prüfung», 1954); drehte Filme nach Werken von Mao Dun und Lu Xun («Seidenraupen im Frühling», 1934; «Das Neujahrsopfer», 1956).

Xi Jiang: Hauptfluss des Zhu-Jiang Flusssystems (China); 2129 km; führt auf den einzelnen Abschnitten seines Laufes verschiedene Namen; der im Guizhou Plateau entspringende, wasserreiche Qian Jiang bildet den Quellfluss, er erreicht bei Sanshui das Zhu-Jiang-Delta und mündet in das Südchinesisches Meer.

Xingu: rechter Nebenfluss des Amazonas, in Brasilien; 2100 km; entspringt mit mehreren Quellflüssen im Bergland von Mato Grosso, verbreitert sich im Unterlauf seenartig bis zu 15 km, mündet unterhalb von Porto de Moz; Klarwasserfluss.

Xinhai-Revolution: erste Etappe der bürgerlich-demokratischen Revolution in China. Die Xinhai-Revolution führte 1911/12 mit dem Sturz der Qing-Dynastie zur Errichtung der Republik. Ausgelöst wurde die Xinhai-Revolution durch einen von der «Liga der Verbündeten» geleiteten Aufstand am 10.10.1911 in Wuchang (Wuhan). Am 29.12.1911 kam es zur Bildung einer provisorischen Regierung, die für den 1.1.1912 die Chinesische Republik verkündete. Wichtige antifeudale und antiimperialistische Aufgaben der Revolution blieben nach der Niederschlagung 1913 durch die Reaktion unter Yuan Shikai ungelöst.

Xinjiang Uygur, Autonomes Gebiet, Xinjiang der Uiguren, Sinkiang der Uiguren: autonomes Gebiet der Uygur im Nordwesten Chinas; früher Ostturkestan\ 1646800 km2, 13,1 Millionen Einwohner (davon 4 Millionen Han-Chinesen, sonst Uygur, Hui, Kasachen, Mongolen unter anderem); 8 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Ürümqi. Das Dsungarische Becken im Norden wird durch den 7000 m hohen östlichen Tienschan vom Tarimbecken mit der Sandwüste Taklimakan im Süden getrennt. Bei extrem trockenem Kontinentalklima der kühlgemäßigten Zone (im Norden um 700 mm, im Süden unter 100 mm Jahresniederschlag) Steppen und Wüstensteppen; Hauptstrom ist der abflusslose Tarim. Reiche Vorkommen an Erdöl, Uran, Eisenerz, Kohle, Buntmetallen, Schwerspat; Erdölförderung bei Karamay, Kohleabbau bei Hami und Ürümqi, Urangewinnung; Kernforschung, Produktion von Radionukliden (in Hami; Atomversuchsgelände am Lop Nor), Metallurgie, Maschinenbau, Textilindustrie; an den Gebirgsrändern Oasen- und Bewässerungswirtschaft; Wanderviehzucht (vorwiegend in der Dsungarei). Verkehrsmäßig erschlossen durch die Xinjiang-Bahn und zahlreiche Fluglinien.

Xiuhtecuhtli, («Herr des Türkises») aztekische Feuergott.

Xerographie: Verfahren, um zum Beispiel bei Bildpostkarten durch Aufprägen einer mit spezieller Linsenstruktur versehenen Plastikbeschichtung auf die streifenförmig gerasterte, im Offsetdruck hergestellte Abbildung eine dreidimensionale Wirkung zu erzielen.

Xylan, Holzgummi: zu den Pentosanen (Hemicellulosen) gehörendes Polysacharid, das zu 90% aus Xylose Baugruppen (Rest Glukose- und Galactose Gruppen) besteht. Xylan bildet ein amorphes, weißes, wasserunlösliches Pulver. Es begleitet die Zellulose in nahezu allen Pflanzen, insbesondere in Laubhölzern (bis 30% Gehalt).

Xylit:

1. Chemie: Zuckeralkohole.

2. Petrographie: fossiles Holz in der Weichbraunkohle.

Xylol, fachsprachlich Xylen: Sammelname für die 3 isomeren Arene. Die Xylol sind farblose, brennbare, benzolähnlich riechende Flüssigkeiten (Kp 138,3 °C, 139,2°C und 144,4°C), die aus Erdöl oder Steinkohlenteer gewonnen und als Lösungsmittel sowie für chemische Synthesen verwendet werden. Die nach Einatmen auftretenden Gesundheitsstörungen ähneln denen, die durch Toluol verursacht werden. Bei höheren Konzentrationen besitzt Xylol eine stärkere Narkose- und Reizwirkung als Toluol und Benzol. Xylol Erkrankungen sind anerkannte Berufskrankheiten.

Xylophon: Schlaginstrument aus abgestimmten liegenden Holzstäben, die mit 2 Holzschlegeln geschlagen werden; Verwendung besonders in der Volks- und Unterhaltungsmusik, seit Anfang des 20. Jahrhundert auch im Sinfonie- und Opernorchester.

Xylose, Holzzucker: zu den Aldopentosen (Monosacharide) gehörender Zucker; bildet farblose, sehr süß schmeckende, wasserlösliche Kristalle; F 154°C. Xylose kommt gebunden besonders in Hemicellulosen (zum Beispiel im Holz) vor.