Lexikon M

Maas, französisch Meuse: Fluss in Westeuropa; 925 km (in Frankreich 492, in Belgien 194, in den Niederlanden 239 km); entspringt auf dem Plateau von Langres (Frankreich), mündet im Rhein-Main-Schelde-Delta in die Nordsee; ab Sedan schiffbar, bildet in Belgien zum Teil tiefeingeschnittenes Tal (Industriegasse, Konzentration um Lüttich); Kanalverbindungen mit anderen Fluss- und Kanalsystemen (unter anderem über Albert-Kanal mit Seehafen Antwerpen).

Maass, Joachim, 11.9.1901-15.10.1972, Schriftsteller, Übersetzer; emigrierte 1939 in die USA; seine zum Teil gesellschaftskritische Werke sind geprägt durch psychologischer Tiefe und hintersinnige Ironie (unter anderem Familien- und Entwicklungsroman «Ein Testament», 1939).

Maaßen: 1. Hanns, 26.12.1908-23.6.1983, Schriftsteller; emigrierte 1935; nahm am Spanischen Freiheitskampf 1936/39 teil (literarische Chronik «Die Söhne des Tschapajew», 1960); ferner «Die Messe des Barcelo» (1956).

2. Karl Georg, 23.8.1769-2.11.1834, preußischer Politiker; war an der Aufhebung der Binnenzölle beteiligt und hatte als Finanzminister (seit 1830) großen Anteil an der Vorbereitung des Deutschen Zollvereins.

Maastricht: Stadt im Süden der Niederlande, Verwaltungszentrum der Provinz Limburg, an der Maas; 110000 Einwohner; Steinbrüche; Maschinenbau, Herstellung von Fayencen, Porzellan, Glas, Papier, Zement; Brauereien; Universität; romanische St.-Servatius-Kirche (11. Jahrhundert; älteste Kirche der Niederlande), gotische Kirchen und Rathaus (17. Jahrhundert). Maat Dienstgrad.

Maazel, Lorin, geboren 6.3.1930, US-amerikanischer Dirigent niederländischer Herkunft; begann seine Laufbahn mit 9 Jahren; wirkte zunächst in den USA, seit 1953 vor allem in Europa; war 1982/85 Intendant der Wiener Staatsoper.

Mabhida, Moises, 14.10.1923-8.3.1986, südafrikanischer Arbeiterführer; trat 1942 der KP bei und arbeitete seit Anfang der 50er Jahre in der Gewerkschaftsbewegung. Mabhida lebte seit 1960 im Exil; seit 1981 Generalsekretär der KP.

Mabillon, Jean, 23.11.1632-27.12.1707, französischer Gelehrter; Begründer der historischen Hilfswissenschaften Urkundenlehre, Paläographie und Chronologie.

Mably, Gabriel Bonnot de, 14.3.1709-23.4.1785, französischer Historiker; begründete als Sozialtheoretiker der Aufklärung die kommunistische Gesellschaftsordnung als der menschlichen Natur gemäß; erklärte einen Ausgleich der Besitzunterschiede und den Ausbau der Volksrechte auf gesetzgeberische Wege als das Nächstmögliche.

Mac, Abkürzung Mc: Bestandteil schottischer und irischer Familiennamen mit der ursprünglichen Bedeutung «Sohn des...».

MacArthur, Douglas, 26.1.1880-5.4.1964, US-amerikanischer General; befehligte 1941/51 die Truppen der USA im Fernen Osten, unter anderem 1945/50 die Okkupationstruppen in Japan und 1950/51 die Interventionsstreitkräfte in Korea.

Macau, chinesisch Aomen (aumon): chinesisches Territorium unter vorübergehender portugiesischer Verwaltung an der südchinesischen Küste, am Delta des Zhu Jiang; besteht aus der gleichnamigen Halbinsel und 2 Inseln (Taipa, Coloane); 16 km, 400000 Einwohner (davon 98% Chinesen); 25000 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Macau. Wichtigster Industriezweig ist die Textilindustrie, ferner Produktion von Feuerwerkskörpern, Plastewaren, Zündhölzern, Spielzeug und Transistorradios; Fischfang und -Verarbeitung; ausgeprägter Tourismus (Besucher vor allem aus Hongkong); zahlreiche Spielkasinos. Die Landwirtschaft kann nur 8 % des Eigenbedarfs decken. Bedeutender Umschlaghafen, Transithandel mit China (zunehmend) und Hongkong, Haupthandelspartner sind weiterhin Portugal, die BRD, die USA, Frankreich und Schweden. 1557/1848 portugiesische Handelsniederlassung, seit 1848 Kolonie Portugals, 1971 auf Antrag der VR China durch die UN in der Liste der zu entkolonialisierenden Länder gestrichen, jedoch weiterhin von Portugal besetzt.

Macbeth, erschlagen 15.8.1057, schottischer Feudalherr; wurde im Verlauf von Feudalkämpfen 1040 König von Schottland durch Mord an Duncan I.; dessen Sohn Malcolm III. besiegte ihn 1057. Stoff der Sage, Drama von W. Shakespeare, Oper von G. Verdi.

Macchie: durch Abholzung entstandenes, mannshohes Degradationsstadium des immergrünen Steineichen-Waldes im Mittelmeergebiet mit Steineiche, Ölbaum, Myrte unter anderem. Bei noch stärkerer menschlicher Beeinflussung (regelmäßiges Abbrennen, starke Beweidung) entsteht eine baumlose, offene Vegetationsform, die Garigue.

MacColl, Ewan, geboren 25.1.1915, englischer Dramatiker und Folklorist; schrieb gesellschaftskritisch-satirische Dramen wie «Unternehmen Ölzweig» (1939, deutsch; nach Aristophanes), «Uran 235» (1948, deutsch), «Rummelplatz» (1960, deutsch), «Narrenfest» (1965); war Mitbegründer des progressiven Theatre Workshop. An Folklore anknüpfende Gedichte und Songs erschienen in einem «Ewan-Mc-Coll Peggy-Seeger-Liederbuch» (1963).

MacDiarmid, Hugh, eigentlich Christopher Murray Grieve, 11.8.1892-9.9.1978, schottischer Dichter; schrieb in den 20er Jahren der Folklore verhaftete Poesie («Ein Betrunkener schaut auf die Distel», 1926, Auszüge deutsch) und wandte sich dann in den 3 «Hymnen an Lenin» (1930, 1932, 1944; teilweise deutsch) sowie in dem polemischen philosophischen Gegenwartspoem «Die Schlacht geht weiter» (1937/57) der epischen sozialistisch-realistische Dichtung zu. Deutsche Auswahl seiner Gedichte «Ein Wind sprang auf» (1968).

MacDonald, James Ramsay, 12.10.1866-9.11.1937, britischer Politiker; 1900 Mitbegründer, 1911/14 (Rücktritt als Pazifist) und 1922/31 Führer der Labour Party. Als Premierminister von Labour Regierungen (1924 und 1929/31) sowie (nach Parteiausschluss 1932 wegen Paktierens mit den bürgerlichen Parteien) einer bürgerlichen Koalitionsregierung (1931/35) diente er dem Monopolkapital und wälzte die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die Volksmassen ab.

MacDonnell Ranges, MacDonnell-Kette: Gebirgssystem im Nordterritorium (Australien); bis 1511m; aus Quarziten und Sandstein aufgebaut; stark zerschluchtet; Trockengebiet mit dürftiger Vegetation.

MacDowell, Edward, 18.12.1861 bis 21.1.1908, US-amerikanischer Komponist und Pianist; seine als direkte «Sprache der Seele» konzipierte Musik (sinfonische Dichtungen, Klavierwerke unter anderem), in der er oft indianische und afroamerikanische Melodien verwendete, ist naturverbunden und der Spätromantik verpflichtet.

Macedonski, Alexandru, 14.3.1854 bis 24.11.1920, rumänischer Schriftsteller, beeinflusst von den französischen Parnassiens und den Symbolisten, übte er in seiner symbolistischen, formbereichernden Lyrik Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft (Gedichtbände «Excelsior», 1895; «Bronzes», 1897; «Heilige Blumen», 1912); trat auch als Dramatiker und Romancier hervor.

Maceo Grajales, Antonio, 14.6.1845-7.12.1896 (gefallen), kubanischer Revolutionär und General; Mulatte; kämpfte im Zehnjährigen Krieg 1868/78 gegen Spanien, landete 1895 von Kostarika aus mit einer Gruppe im Westen Kubas und leitete damit den Endkampf gegen die spanische Herrschaft ein.

Macerata: Stadt in Mittelitalien (Marken), Verwaltungszentrum der Provinz Macerata, südlich von Ancona; 44000 Einwohner; Seiden-, Papier-, Lederindustrie; Verarbeitung von Wein und Oliven; Universität (gegründet 1290), Pinakothek; alte Stadtmauern, Kirchen, Paläste.

Mach: 1. Ernst, 18.2.1838-19.2.1916, österreichischer Physiker und Philosoph; Professor in Graz, Prag und Wien; lieferte bedeutende experimentelle Arbeiten zur Akustik und Strömungslehre (entdeckte 1887 den Mach-Kegel) und einflussreiche Untersuchungen zur Geschichte der Physik; entwickelte die subjektiv-idealistische Philosophie des Empiriokritizismus (Machismus); siehe auch Machsches Prinzip.

2. Friedrich, geboren 1.6.1925, Mikrobiologe; Professor an der Sektion Biologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; arbeitet besonders über Ultrastruktur von Mikroorganismen und Bakteriophagen.

Mácha, Karel Hynek, 16.11.1810-6.11.1836, tschechischer Dichter. Sein philosophischer Versepos «Der Mai» (1836, deutsch), die Novelle «Zigeuner» (postum 1867, deutsch), historische Erzählungen und Gedichte (dt. Auswahl 1862; «Die 7 Sonette», 1936) bilden den Höhepunkt der tschechischen revolutionären Romantik.

Machado, Gustavo, 19.7.1898-17.7.1983, venezolanischer Arbeiterführer, Jurist; 1925 Mitbegründer der KP Kubas, kämpfte 1926/28 mit A. C. Sandino in Nikaragua, 1931 Mitbegründer der KP Venezuelas, 1936 Mitglied ihres ZK, 1946 des Politbüros, seit 1971 Vorsitzender der Partei.

Machado de Assis, Joaquim Maria, 21.6.1839-26.9.1908, brasilianischer Romancier; gestaltete das Scheitern bürgerliche Helden unter den von Konvention und Korruption beherrschten Verhältnissen des zeitgenössischen Brasilien («Die nachträglichen Memoiren des Bras Cubas», 1881, deutsch; «Dom Casmurro», 1900, deutsch).

Machado y Ruiz, Antonio, 26.7.1875-21.2.1939, spanischer Dichter; bekannte sich zur spanischen Republik; als Erbe der Generation von 1898 stritt er in seinen Werken, zum Beispiel «Poesie und Prosa des Krieges» (1937), für ein neues Spanien.

Machairodus, Säbelzahntiger: löwengroßes, katzenartiges Raubtier mit überlangen, bis 15 cm großen Reißzähnen im Oberkiefer; lebte im Neogen.

Machaut, Guillaume de, um 1300-April 1377, französischer Dichter und Komponist; neben P. de Vitry Hauptmeister der Ars nova mit instrumental begleiteten Balladen, Rondeaux unter anderem; schuf ferner französische und lateinische Motetten sowie eine vollständige vierstimmige Messe. Machaut übertrug die Isorhythmik vom Motettensatz auch auf Messen- und Kantilenensätze, gestaltete melodisch reichhaltige Oberstimmen und fasste die Errungenschaften der Ars nova zusammen.

Machet, Samora Moisés, geboren 29.9.1933, mozambiquischer Politiker; schloss sich 1962 der FRELIMO an, war führend an der Vorbereitung des bewaffneten Kampfes beteiligt, den er seit 1966 leitete; seit 1970 Präsident der FRELIMO; seit Proklamation der Unabhängigkeit (1975) ist Machet Präsident der VR Mozambique. Machet hat in wenigen, thematisch und sprachlich jedoch bedeutsamen Gedichten Wichtiges zur Herausbildung der neuen mozambiquischen Literatur geleistet.

Machete: Haumesser (in Mittel- und Südamerika).

Machfus, Nagib, geboren 1911, ägyptischer Schriftsteller; Vertreter des kritischen Realismus in der arabischen Literatur, wandte sich in seinen ersten Romanen historischer, später sozialkritische Themen zu («Der Dieb und die Hunde», 1961, deutsch), neigt aber auch zur Mystik. Viele seiner Romane wurden in Ägypten verfilmt. deutsch Auswahl seiner Erzählungen «Die Moschee in der Gasse» (1978).

Machiavelli, Niccolo, 3.5.1469-22.6.1527, florentinischer Staatsmann, Historiker und Philosoph; sein Hauptwerk «Der Fürst» (1513, deutsch) ist Ausdruck frühbürgerlichen Interessen an der Einigung Italiens. Es desillusioniert durch die Beschreibung politischer Zustände und Herrschaftspraktiken im Feudalismus die religiös verklärten Machtansprüche feudaler Herrscher. Machiavelli gesteht dem Staat die absolute Gewalt über das Individuum zu. Der Machiavellismus (rücksichtslose Machtpolitik, die zur Erreichung ihrer Ziele keinerlei Mittel scheut) ist eine Verfälschung der staatstheoretischen Auffassungen Machiavellis.

Machinationen: (dat. griechisch) Machenschaften, hinterlistiges Ränkespiel.

Machorka: a) Rundblatt Tabaksorte (Nicotiana rustica) mit großen, dickrippigen Blättern;

b) daraus hergestellter kräftiger dunkler Pfeifen- und Zigarettentabak.

Machsches Prinzip: (nach E. Mach) Hypothese, wonach lokale Inertialsysteme durch die mittlere Bewegung aller fernen astronomischen Objekte determiniert sind. Nach dem Machsches Prinzip ist die träge Masse eines Körpers durch die «fernen Massen» des Kosmos und deren Verteilung bestimmt.

Macht: soziales Verhältnis, das Klassen, Gruppen und Individuen auf der Grundlage ihrer Stellung im Produktionsprozess, der Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln sowie der Verfügbarkeit über die sozialpolitische Institutionen und geistig-kulturellen Potentiale ermöglicht, gegenüber anderen Klassen, Gruppen und Individuen ihre Interessen durchzusetzen. Die ökonomische Macht ist Grundlage der politischen und ideologischen Herrschaft. Die Machtfrage ist die Hauptfrage der Revolution. Wichtigstes Instrument zur Ausübung der Macht ist der Staat. Während für die antagonistische Klassengesellschaft die Herrschaft einer ausbeutenden Minderheit charakteristisch ist, schafft die Macht der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten die Voraussetzungen für die Entwicklung der schöpferischen Kräfte und Fähigkeiten der Volksmassen.

Mächtiges Häuflein, Novatoren: Gruppe namhafter russischer Komponisten (A. Balakirew, A. P. Borodin, C. A. Cui, P. Mussorgski und N. A. Rimski-Korsakow), die sich 1862 in Petersburg zusammenschlossen, um die Entwicklung einer nationalen russischen Musik zu fördern. Die Bezeichnung Mächtiges Häuflein prägte 1867 W. W. Stassow, der die Bestrebungen des Mächtiges Häuflein publizistisch vertrat.

Mächtigkeit: 1. Dicke einer Schicht oder eines geologischen Körpers; es ist der senkrechte Abstand der beiden Begrenzungsflächen.

2. Kardinalzahl.

Makhtumkuli, Pseudonym Fragt, turkmenischer Dichter des 18. Jahrhundert; Begründer der klassischen turkmenische Literatur; setzte sich in seinen Gedichten vor allem für die Einigung des Volkes ein und trat gegen die Willkür der Feudalherren auf; trug durch die Verwendung der Volkssprache in seinen Werken zur Reformierung der turkmenischen Literatursprache bei.

Machu Picchu: altperuanische Ruinenstätte nordwestlich von Cuzco im Urubamba-Tal; im 15. und 16. Jahrhundert starke Bergfestung des Inka-Reiches; Tempel (Kultanlage mit Rundturm), Wohngebäude und so weiter aus großen polygonalen und quaderförmigen Steinblöcken errichtet.

Macke, August, 3.1.1887-26.9.1914, Maler und Graphiker; bedeutender Vertreter des Expressionismus (Blauer Reiter); strebte in seinen Kompositionen eine helle, leuchtende Farbigkeit an sowie einen klaren, rhythmischen Bildaufbau aus großförmigen, im Spätwerk facettierten Bildelementen.

Mackensen, Fritz, 8.4.1866-12.5.1953, Maler, Graphiker und Bildhauer; Mitbegründer der Worpsweder Künstlerkolonie; gestaltete mit realistischen Empfinden vor allem ländliche Idylle mit charaktervollen Figuren. Monumentalisierung und Heroisierung des Heimatlichen sind Mackensens Reaktionen auf die Widersprüche seiner Zeit.

Mackenzie: längster Fluss Kanadas, zweitlängster Nordamerikas; 4240 km, Einzugsgebiet 1,805 Millionen km3; entspringt im Kanadischen Felsengebirge als Finlay, der sich mit anderen Flüssen zum Peace vereinigt, den Athabasca aufnimmt und als Slave die Verbindung zum Großen Sklavensee herstellt, aus diesem als Mackenzie abfließt und mit 36000 km2 großem Delta in die Beaufortsee des Arktischen Ozeans mündet. Nebenflüsse, links Liard, Keele, rechts Great Bear; Wasserkraftwerk am Peace mit 2091 MW.

Mackenzie: 1. Sir Alexander, 1764 bis 11.3.1820, britischer Nordamerikareisender; führte 1789 eine Kanuexpedition über den Großen Sklavensee und den später nach ihm benannt Fluss zum Arkt. Ozean; durchquerte 1792/93 als erster das nördliche Nordamerika bis zur Pazifikküste.

2. William Lyon, 12.3.1795-28.8.1861, kanadischer bürgerlicher Revolutionär; führte 1837 den Aufstand in Oberkanada (Ontario) für demokratische Umgestaltungen und Einigung des Landes; 1837/49 Exil; 1850/58 Abgeordneter.

Mackenzie Distrikt: westlicher Verwaltungsbezirk der Nordwest-Territorien (Kanada); 1366190 km2, 24000 Einwohner; 0,02 Einwohner/km2; Hauptort Yellowknife-, der bevölkertste und produktivste Teil der Nordwestterritorien; im Westen Gebirge, in der Mitte die Ebene des Mackenzie, im Osten und Norden Plateaus und Ebenen; subarktische Klima; Hauptwirtschaftszweig ist der Bergbau (Zink-, Gold-, Bleierz, Erdöl, Erdgas); Holzwirtschaft, Pelztierfang (Haupterwerbszweig der Eskimos und Indianer); Fischfang.

MacLeish, Archibald, 7.5.1892-20.4.1982, US-amerikanischer Dichter, Dramatiker und Kritiker; schrieb, beeinflusst von E. Pound und T. S. Eliot, Gedichte über die Hoffnungslosigkeit des Menschen nach dem 1. Weltkrieg, ein Epos über die spanische Eroberung Mexikos («Conquistador», 1932) und das Versdrama «Spiel um Job» (1958, deutsch) um das tragische Dasein des «modernen Menschen».

MacLennan, Hugh, geboren 20.3.1907, anglokanadischer Schriftsteller; im Zentrum seiner realistischen Romane steht die Frage nach der Koexistenz der anglo- und frankokanadischer Kultur («Zwei Einsamkeiten», 1945, deutsch; «Rückkehr zu Penelope», 1941, deutsch; «Die Nacht der Versöhnung», 1959, deutsch; «Unruhiger Sommer», 1967, deutsch).

Mac-Mahon, Patrice Maurice de, 13.6.1808-17.10.1893, Marschall von Frankreich; war 1871 maßgeblich an der Niederschlagung der Pariser Kommune beteiligt, 1873/79 Staatspräsident, musste wegen seiner monarchistischen Einstellung zurücktreten.

MacManus, Arthur, 1889-27.2.1927, britischer Arbeiterführer; als führendes Mitglied der britischen sozialistischen Partei während des 1. Weltkrieges auf internationalistische Position maßgeblich an der revolutionären Betriebsrätebewegung in Schottland beteiligt; 1920 Mitbegründer, bis 1923 Vorsitzender der KP, seit 1921 Mitglied des Exekutivkomitees der KI.

Macpherson, James, 27.10.1736 bis 17.2.1796, schottischer Dichter; schuf aus dem irischen schottischen Sagenkreis um Fingal und Ossian «Fragmente der alten hochschottischen Dichtkunst)) (1760, deutsch), die meisterhafte Nachahmungen gälischer Volkspoesie waren und Einfluss auf J. G. Herder und die Sturm- und-Drang-Bewegung hatten.

Macquarie: zu Australien gehörende Inselgruppe im Pazifischen Südpolarmeer, etwa 1400 km südöstlich von Tasmanien; 230 km2; Stützpunkt für Antarktisforschung, meteorologische Station.

Macrobius, Ambrosius Theodosius, um 400 nach Christus, lateinischer Schriftsteller; erörtert in seinen «Saturnalia» (Gespräche am Saturnalienfest) kulturhistorische, philosophische, grammatische und andere Probleme.

Macula: Fleck; scharf oder unscharf begrenzte, im Hautniveau liegende umschriebene Farbänderung der Haut (Blutaustritt, Vermehrung oder Verminderung des Pigmentgehaltes oder der Durchblutung) bei erhaltener Oberflächenstruktur. Auch Bezeichnung für einen abgegrenzten Bezirk in Organen, zum Beispiel Macula statica, das Sinnesfeld im Labyrinth.

Madách, Imre, 21.1.1823-5.10.1864, ungarischer Dichter, sein philosophisches Drama «Die Tragödie des Menschen» (1861, deutsch) wird als der ungarische «Faust» bezeichnet.

Madagaskar, Demokratische Republik Madagaskar: Staat auf der Insel Madagaskar und umliegenden Inseln (4 größere und zahlreiche kleine Eilande), im Indischen Ozean, durch die 400 km breite Straße von Mozambique von der Küste Ostafrikas getrennt; verwaltungsmäßig in 5 Provinzen gegliedert. Währung ist der Madagaskar-Franc.

Bevölkerung: Sie setzt sich aus 18 ethnischen Gruppen zusammen, deren bedeutendste Merina, Betsimisaraka und Betsileo sind. Amtssprachen sind Malagasy und Französisch. Am dichtesten sind die Hochländer besiedelt. Etwa 15% der Bewohner leben in Städten.

Natur: Die bis 1580 km lange und 580 km breite, zum Teil korallenumsäumte Insel Madagaskar sitzt als Horst einer untermeerischen Schwelle auf und fällt nach Osten steil zum Indischen Ozean ab, während sie sich nach Westen allmählich abdacht und dort Raum für einen breiten, flachen, zum Teil versumpften Küstenstreifen lässt. Im Innern breitet sich Hochland mit 4 annähernd in Nord-Süd-Richtung ziehenden Gebirgszügen aus, die sich bis 2886 m erheben. Es herrscht ein tropisches maritimes Passatklima (Südostpassat) mit häufigen Wirbelstürmen. Madagaskar wird von energiereichen, nicht schiffbaren Flüssen durchzogen. Im niederschlagsarmen Westen und Südwesten, die im Regenschatten des Passates liegen, sind Domstrauchsavannen, auf den Hochflächen Savannen mit niedrigem Baumwuchs, im Osten tropischen Regenwald vorherrschend. Etwa 16% der Bucht Antseranana im Norden Madagaskars Staatsfläche sind bewaldet. Madagaskar besitzt reiche Bodenschätze (Chrom, Nickel, Graphit, Uran, Kohle, Erdöl, Beryllium, Gold, Bauxit, Quarz, Eisen, Edelsteine).

Landwirtschaft: In ihr sind 80% der Beschäftigten tätig. Der ausländische Großgrundbesitz über 100 ha wurde verstaatlicht und durch Einleitung einer Agrarreform (1975) feudalistische Vormachtstellung gebrochen. Es entstanden Kooperativen und Staatsfarmen. Die traditionellen Dorfgemeinschaften («Fokolonas»), in denen 80% der Landbevölkerung wohnen, wurden nach den Grundsätzen der Verfassung Madagaskars als Basen der dezentralisierten politischen Verwaltung des Landes wiederbelebt. Nur 5 % der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Für den Eigenbedarf Anbau besonders von Reis (ständige Vergrößerung der Anbaufläche, um Lebensmittelimporte zu drosseln), ferner von Maniok, Bataten, Mais und Erdnüssen, für den Export von Kaffee, Vanille (50% der Weltproduktion), Zuckerrohr, Kakao, Tee, Baumwolle, Gewürznelken, Tabak und Pfeffer. Umfangreiche, jedoch ertragsarme Viehhaltung; Waldnutzung und Küstenfischerei. Industrie. Verarbeitungsindustrie und Bergbau (Uranerz, Graphit, Glimmer) sind gering entwickelt. Vorherrschend sind Kleinbetriebe. Wichtigste Industriezweige sind Nahrungsmittel- und Genussmittel-, Textil-, Leder-, chemische (Seife, Parfüm, Düngemittel), Zementindustrie und die Verarbeitung von Graphit, Glimmer und Erdöl. Verkehr. Das Verkehrsnetz ist noch ungenügend ausgebaut. Eisenbahn- (884 km) und Straßenverbindungen (nur 16% der 35000 km Straßen sind befestigt) bestehen zwischen dem Hochland und der Küste. Das Fehlen gut ausgebauter Verkehrsverbindungen längs der Küste wird durch die bedeutende Küstenschifffahrt zum Teil ausgeglichen. Von den zahlreichen Häfen haben Toamasina, Antseranana, Toliary und Mahajanga größte Bedeutung; internationaler Flughafen in Antananarivo, sonst zahlreiche Flughäfen für den Binnenverkehr. Handel. Er steht zu 80% unter staatlicher Kontrolle. An der Ausfuhr sind landwirtschaftliche Erzeugnisse mit 90% beteiligt. Eingeführt werden Lebensmittel, Metalle, Industrieeinrichtungen und Rohöl. Haupthandelspartner sind Frankreich, die BRD, die USA und Japan.

Geschichte: Die Besiedlung erfolgte vom 10. Jahrhundert vor Christus bis zum 10. Jahrhundert nach Christus vor allem aus Süd- und Südostasien. Im 11. Jahrhundert Herausbildung einer feudalen Gesellschaft, wozu außer der einheimischen ökonomischen Entwicklung der arabischen Einfluss und der Islam beitrugen. Seit dem 14./15. Jahrhundert festigte sich im Inneren von Madagaskar der Staat Imerina. 1500 erreichten die ersten Europäer Madagaskar und 1698 wurden französische, englische und niederländische Niederlassungen an den Küsten angelegt. 1885 wurde Madagaskar französisches Protektorat und 1896 französische Kolonie. 1936 Gründung einer madagassische Sektion der KP Frankreichs (Verbot 1939), 1937 Bildung der ersten Gewerkschaften. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden mehrere antikolonial orientierte Parteien und Organisationen. 1947 Niederschlagung eines umfassenden Volksaufstandes gegen die französische Kolonialherrschaft. Am 26.6.1960 errang Madagaskar die staatliche Selbständigkeit, die engen Bindungen zu Frankreich blieben jedoch erhalten. Im Frühjahr 1972 leiteten machtvolle Demonstrationen den Sturz des proimperialistischen Regimes des Präsidenten P. Tsiranana ein. Die Machtübernahme durch das Militär war mit einer Umorientierung auf eine antiimperialistische Innen- und Außenpolitik verbunden. Als höchstes Machtorgan Madagaskars konstituierte sich im Juni 1975 ein Oberster Revolutionsrat. Im Dezember 1975 wurden mit einem Referendum die «Charta der madagassischen sozialistischen Revolution» und D. Ratsiraka als Staats- und Regierungschef der demokratischen Republik Madagaskar bestätigt. Im Referendum zeigte das Volk von Madagaskar seine Zustimmung zu einer Politik der sozialökonomischen Umgestaltungen (Verstaatlichungen, Einleitung einer Agrarreform, Nationalisierung ausländischer Grundbesitzes über 100 ha). Mit dem Gesetz über den Wirtschaftsplan 1978/80 und der Bildung eines Obersten Planungsrats wurden weitere Schritte eingeleitet, um langfristig den Aufbau einer unabhängigen nationalen Wirtschaft vollziehen zu können. Im Dezember 1976 schlossen sich progressive Parteien in der Nationalen Front zur Verteidigung der Revolution (französisch Abkürzung FNDR) zusammen. 1976/77 wurde eine neue politisch-administrative Gliederung Madagaskars eingeführt, 1977 wurden die obersten Machtorgane reorganisiert. Die außenpolitischen Akzente sind mit einem besonderen Engagement für die Unterstützung der progressiven Kräfte Afrikas, mit dem energischen Eintreten für die Umwandlung des Indischen Ozeans in eine Zone des Friedens und mit guten Beziehungen zu den Staaten der Sozialist Gemeinschaft gesetzt. In den UN und in der Bewegung der Nichtpaktgebundenen vertritt Madagaskar aktiv antiimperialistische Positionen.

Mäander: (nach einem kleinasiatischen Fluss) 1. Geomorphologie regelmäßig schwingende Fluss- oder Talwindung. Flussmäander in breiten Talauen werden als freie Mäander, die Windungen mäandrierender Täler als Talmäander oder eingesenkte Mäander bezeichnet. Sie sind zum Teil als Gleitmäander mit asymmetrischem Talquerschnitt ausgebildet (siehe auch Prallhang). Schmale Mäanderhälse können bei Hochwasser durchbrochen werden, so dass die ursprüngliche Schlinge zum Totwasser wird und später verlandet.

2. Kunst rechtwinklig gebrochenes oder spiralförmig fortlaufendes Gaufender Hund) Ornamentband. Seit prähistorischer Zeit gebräuchlich, erhielt der Mäander seine klassische Prägung in Griechenland und wurde besonders vom Klassizismus wieder aufgenommen.

Maanshan: Stadt im Osten Chinas, im Südosten der Provinz Anhui, am Chang Jiang; 130000 Einwohner; metallurgisches Kombinat (im Ausbau), Maschinenbau, Energieerzeugung, chemische und Zementindustrie; Eisenbahnstation; in der Nähe reiche Erzvorkommen.

Maar: durch vulkanische Gasexplosion entstandener, von vulkanischen Auswurfstoffen umgebener, häufig mit Wasser gefüllter Krater, zum Beispiel in der Eifel und Auvergne.

Madagaskarstrauß: ausgestorbener, 3 m hoher, flugunfähiger Laufvogel; lebte vom Pleistozän bis zum 17. Jahrhundert auf Madagaskar; Eier mit 101 Inhalt, etwa 12 kg schwer.

Madagassen, Malgasi: die teilweise indonesische (Merina, Betsileo unter anderem), teils negriden (Sakalawen), ausnahmslos aber indonesischen Sprachen sprechenden Volksgruppen Madagaskars; etwa 9 Millionen; Bodenbauer (Nassreis) mit Viehzucht (Zebu); bis Ende 19. Jahrhundert feudal-hierarchische Gliederung der Bevölkerung (Adel, freie bäuerliche Bevölkerung (bei den Merina Howa genannt) und Sklaven.

Maddox, Richard Leach, 1816-1902, britischer Arzt; stellte 1871 erstmalig Silberbromidgelatine-Emulsionen auf Glasplatten her; Grundlage für die spätere Trockenplatte und die Filmindustrie.

Madeira, Madeirawein: goldgelber Dessertwein mit einem Volumengehalt an Alkohol von mindestens 17% von der Insel Madeira Gekeltert werden die Traubensorten Malvasier, Muskateller, Alicante und Verdelho.

Madeira: 1. Madeira: rechter und bedeutendster Nebenfluss des Amazonas; 3200 km, Einzugsgebiet etwa 1,25 Millionen km2; entspringt mit den Quellflüssen Mamoré und Beni in den bolivianischen Kordilleren, durchbricht mit zahlreichen Stromschnellen und Wasserfällen das Brasilianische Bergland; über 90 größere Nebenflüsse; wichtige Binnenwasserstraße Brasiliens und Boliviens, 1300 km schiffbar.

2. Madeira: portugiesische Insel im Atlantik, westlich der Küste Marokkos; 741 km2, als Distrikt Funchal mit Porto Santo unter anderem Nebeninseln 796 km2, 260000 Einwohner; 326 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum und Haupthafen Funchal, vulkanischen Ursprungs (zum Teil noch tätige Vulkane), bis 1861 m hoch, meist Steilküste; ausgeglichenes, nicht sehr feuchtes heilkräftiges Seeklima; Anbau (auch Terrassenkulturen) von Mais, Wein, Zuckerrohr, Tabak, Bananen, Ananas, Zitrusfrüchten, Zwiebeln, Frühgemüse bei zum Teil künstlicher Bewässerung; Rinderzucht; Fischfang; Herstellung von Zucker, Spirituosen, Fischkonserven, Spitzen (Heimarbeit), Körben (Export); internationaler Flughafen; Fremdenverkehr; Sanatorien.

Mademoiselle, Mesdemoiselles, Abkürzung Mile: Fräulein, mein Fräulein; französische Anrede für eine unverheiratete Frau.

Maden: beinlose Larven der Fliegen und einiger Hautflügler.

Madenhacker, Buphagus: Gattung kurzschnäbliger brauner afrikanischer Stare, die Schmarotzer von der Haut des Viehs und Großwildes ablesen; legen 3 bis 5 Eier, Höhlenbrüter. Siehe auch Stare.

Madenwurm, Kinderwurm, Enterobius vermicularis: bis 12 mm langer, an beiden Enden zugespitzter, weißlicher Fadenwurm; schmarotzt im Dickdarm des Menschen, besonders von Kindern; Infektion durch Verschlucken der Eier.

Maderna, Bruno, 21.4.1920-13.11.1973, italienischer Komponist und Dirigent; engagierte sich in seinen Stücken frühzeitig für die Nutzung elektronischer und sonoristische Gestaltungsmittel; förderte als Dirigent junge Komponisten und ihre zum Teil experimentellen Werke.

Maderno, Maderna, Carlo, 1556-30.1.1629 (ermordet), italienischer Architekt; vollendete als bedeutendster Vertreter des römischen Frühbarocks Langhaus, Vorhalle und Fassade der Peterskirche. Mit der Front von S. Susanna in Rom schuf er den Prototyp der Kirchenfassaden des 17. Jahrhundert.

Madero, Francisco Indalecio, 30.10.1873-22.2.1913, mexikanischer Politiker, Großgrundbesitzer; Führer der Liberalen im Kampf gegen die Diaz-Diktatur; mit dem von Madero geleiteten Aufstand (1910/11) begann die bürgerlich-demokratische Revolution; seit 1911 war er Präsident; durch Militärputsch gestürzt und erschossen.

Madersperger, Josef, 6.10.1768-2.10.1850, österreichischer Schneidermeister; erfand 1814 die Nähmaschine.

Madhya Pradesh, flächengrößter Unionsstaat Indiens, im zentralen Teil des Landes; 442841km2, 52,1 Millionen Einwohner; 118 Einwohner/km2; Hauptstadt Bhopal; umfasst den Norden des Hochlandes von Dekan zwischen Gangestiefland und Godavari. Hauptanbauprodukte sind Reis, Hirse, Weizen, Baumwolle, Erdnüsse und Zuckerrohr; verbreitet Rinderzucht. Bergbau auf Steinkohle, Eisen- und Manganerz, Bauxit, Diamanten; neben der traditionellen Textil- und Lebensmittelindustrie entwickelt sich die Schwerindustrie (Eisen-Metallurgie-Kombinat Bhilai, Aluminiumindustrie in Korba); Maschinenbau, Zement- und keramischen Industrie.

Madison: Hauptstadt des Bundesstaates Wisconsin (USA); 170000 Einwohner; Landmaschinenbau, Elektro-, polygraphische Industrie, Holz- und Fleischverarbeitung; Verlage; Landwirtschaftsmarkt; Universität, Akademie, Holzforschungsinstitut; Museen, Kunstausstellungen, Capitol (87 m).

Madison, James, 16.3.1751-28.6.1836, US-amerikanischer Politiker (demokratische Partei); im Unabhängigkeitskrieg Anhänger T. Jeffersons; Präsident der USA 1809/17.

Madonna: katholischer Name der Maria, der Mutter Jesu. In der bildenden Kunst wird unter Madonna die aus dem biblischen Zusammenhang gelöste Darstellung der Maria verstanden, meist mit dem Kind. Liturg. Verehrung und Volksfrömmigkeit gaben Anlass für die Verselbständigung des Madonnenbildes. In der byzantinischen Kunst entwickelten sich feststehende Typen, an denen im orthodoxen Bereich festgehalten wurde. Seit der Gotik nimmt die Madonna immer stärker menschlich-mütterliche Züge an und wird in vielfältigen Abwandlungen, im 19. /20. Jahrhundert auch in Zeitbezügen, dargestellt.

Madras: Hauptstadt des Unionsstaates Tamil Nadu (Indien), an der Mündung des Coom in das Bengal. Meer; 4,3 Millionen Einwohner; Aluminiumhütte, Textil-, Lebensmittel-, chemische, elektrotechnische, Lederindustrie, Maschinen- und Waggonbau, Kernkraftwerk Kalpakkam; Großhafen, internationaler Flughafen; Universität, Hochschulen; bei Madras Erdölverarbeitung.

Madrid: Hauptstadt Spaniens, Zentrum der Region und Provinz Madrid (7995 km2, 4,7 Millionen Einwohner); auf der Hochebene von Neukastilien, am Manzanares; 3,19 Millionen Einwohner; bedeutende Industriekonzentration mit Gießereien, Flugzeug-, Kfz-, Elektro-, Plaste-, Kautschuk-, Leder-, Tabak-, polygraphische, Bekleidungs- und Papierindustrie, Maschinenbau; Handels-, Finanz- und Verkehrszentrum; internationaler Flughafen Barajas, U-Bahn, Autobahnring; Universität, Akademien, wissenschaftliche Institute, Hochschulen; Museen, Oper, Konzerthaus, zahlreiche Theater; Oberster Gerichtshof, Sternwarte, botanischer und zoologischer Garten, Parks (Retiro); Stierkampfarenen, Stadien, Fernsehturm (166 m). Alte Kathedrale (1626/51), Plaza Mayor (1617/19) mit Rathaus (1629); Hospicio Municipal (1722/29, heute Stadtmuseum), Palacio Real (Entwurf 1735 von F. Juvarra, 1738/64 durch G. B. Sacchetti errichtet; heute Museum), Museo National del Prado (1785/87); nordwestlich von Madrid El Pardo. Bereits 931/32 als maurische Festung erwähnt, 1083 von Kastilien erobert; seit 1508 Universitätsstadt und seit 1561 Hauptstadt Spaniens. Der Volksaufstand vom 2.5.1808 in Madrid leitete den spanischen Unabhängigkeitskampf gegen Napoleon I. ein; heldenhafte Verteidigung im Spanischen Freiheitskampf 1936/39; Zentrum des politischen Kampfes in Spanien; 1980/83 Tagungsort der 2. KSZE-Nachfolgekonferenz.

Madrid Hurtado, Miguel de la, geboren 12.12.1934, mexikanischer Politiker (Revolutionäre Institutionelle Partei), Jurist; tritt als Präsident (seit 1982) für politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit, Entspannung und Abrüstung sowie für die Entwicklung der Verbindungen zu den sozialistischen Ländern ein.

Madrigal:

1. Literatur: ursprünglich einstrophiges Hirtenlied; in der italienischen Renaissance kurzes, ländliches-heiteres Lied, später inhaltlich und formal erweitert (3 Terzette, 2 abschließende Reimpaare); im 18./19. Jahrhundert auch in der deutschen Literatur gepflegt (C. F. Geliert, F. Hagedorn, J. W. Goethe, L. Uhland unter anderem).

2. Musik: mehrstimmiges Gesangsstück;

a) in der italienischen Musik des 14. Jahrhundert zwei- bis dreistimmig;

b) im 16./17. Jahrhundert polyphone vier- bis sechsstimmige weltliche Vokalkomposition; fand große Verbreitung in Europa.

Madura: Insel im Malaiischen Archipel, vor der Nordostküste Javas, zu Indonesien gehörend; 4481 km2, 2,3 Millionen Einwohner; Hauptort Pamekasan\ zum größten Teil aus Kalkstein und Mergelschichten aufgebautes, bis 471 m aufragendes Hügelland mit tropischen Klima; Anbau von Reis, Mais, Zuckerrohr, Erdnüssen, Gewürzen und Kokospalmen, Gewinnung von Kautschuk; bedeutende Rinderhaltung.

Maebashi: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Gumma, nordwestlich von Tokio, im äußersten Nordwesten der intensiv agrarisch genutzten Kanto-Ebene; 270000 Einwohner; Seidenverarbeitung; Universität.

Maecenas, Gaius Cilnius, um 69-8 vor Christus, reicher römischer Ritter aus etruskischen Adelsgeschlecht; Freund des Kaisers Augustus; als Förderer junger Dichter (Vergil, Horaz, Properz) sprichwörtlich geworden (Mäzen).

Maerlant, Jacob van, um 1235 um 1300, niederländischer Dichter; schrieb Ritterromane, später umfangreiche Lehrgedichte über naturkundliche («Merkwürdigkeiten der Natur», um 1266), religiöse («Reimbibel», um 1271) und historischen Themen («Spiegel der Geschichte», um 1283/88).

Maes, Nicolaes, Januar 1634-24.12.1693, holländischer Maler; lebte ab 1673 in Amsterdam; sein Schaffen (Bildnisse und Genrebilder) stand anfangs deutlich unter Einfluss seines Lehrers Rembrandt; um 1660 Stilwandel unter flämischen Einfluss.

Maestà: italienische Bezeichnung für die Darstellung der thronenden Madonna, umgeben von einer Engel- und Heiligenschar.

maestoso: Musik erhaben, majestätisch.

Maestro: Meister; in Italien inoffizieller Titel insbesondere für Dirigenten, aber auch für Solisten, Komponisten und Lehrer an Konservatorien.

Maeterlinck, Maurice, 29.8.1862-6.5.1949, belgischer Schriftsteller französischer Sprache; verband in seiner Lyrik und in seinen Dramen («Pelleas und Melisande», 1892, deutsch), ebenso in seinen philosophischen Essays («Das Leben der Bienen», 1901, deutsch) unter anderem symbolistische Formen mit mystischen Aussagen; Vorläufer des Surrealismus.

Mäeutik: (griechisch, «Hebammenkunst») Methode des Sokrates, durch dialektische Argumentation und bewusste Selbstzurückhaltung («ich weiß, dass ich nichts weiß») die Gesprächspartner zu eigener Erkenntnis und Lösung der Probleme zu führen.

Mafia: illegale Terrororganisation mit großem politischen und ökonomischen Einfluss in Italien; entstand im 19. Jahrhundert auf Sizilien als antifeudaler Geheimbund; die großen Landeigentümer bildeten die Organisation zu ihnen persönlich verpflichteten Erpresserbanden um; heute Verbrecherorganisation mit Verzweigungen in den USA (dort als Cosa nostra bekannt).

Magadha: altindische Landschaft am unteren Ganges, seit dem 6. Jahrhundert vor Christus Königreich; entwickelte sich im 5./4. Jahrhundert vor Christus unter der Dynastie der Nanda zur stärksten Macht in Nordindien. In der Folgezeit mehrmals Kerngebiet größerer indischer Reiche.

Magalhaes, Fernäo de, Fernando de Magallanes, Magellan, um 1480-27.4.1521 (gefallen), portugiesischer Seefahrer in spanischen Diensten; führte die erste Weltumseglung (1519/22) durch, fand dabei 1520 die später nach ihm benannt Straße im Süden Südamerikas und überquerte den Stillen Ozean. Nach seinem Tode führte J. S. Elcano die Expedition zu Ende.

Magellanstraße, Magalhäesstraße: Meeresstraße vom Atlant, zum Stillen Ozean, trennt den Feuerlandarchipel vom südamerikanischen Festland; 583 km lang, besonders im östlichen Teil durch golfartig geformte Buchten unterschiedlich breit; nebelreich; auf der Festlandseite der chilenischen Hafen Punta Arenas. 1520 von F. de Magalhäes entdeckt.

Magazin: 1. Magazin: Lagerraum, -haus, Speicher, Ablage; Verkaufsstelle.

2. Magazin: Behälter an automatischen und halbautomatischen Feuerwaffen für eine bestimmte Anzahl Patronen, aus dem ein Mechanismus (Federboden) die Patronen in das Patronenlager einführt. Man unterscheidet Stangen-, Teller- und Trommelmagazin.

3. Magazin: illustrierte Zeitschrift belehrenden oder unterhaltenden («bunten») Charakters; auch journalistischer Form bei Rundfunk und Fernsehen.

Magdalena: größter Fluss und wichtigste Binnenwasserstraße Kolumbiens; 1540 km; entspringt in der kolumbianischen Zentralkordillere, durchströmt von Süden nach Norden das Längstal zwischen Zentral- und Ostkordillere, mündet mit einem versumpften Delta in das Karibische Meer; bedeutendster (rechter) Nebenfluss Cauca; 1300 km schiffbar.

Magdalénien: Jägerkultur der späten Altsteinzeit; von Spanien bis Mitteleuropa verbreitet; benannt nach der Grotte La Madeleine im französischen Departement Dordogne.

Magdeburger Börde: waldarmes, ackerbaulich intensiv genutztes Lößgebiet westlich der Elbe zwischen Ohre und Bode; Schwarzerde; bedeutendes Anbaugebiet für Zuckerrüben und Weizen; Nahrungsmittelindustrie.

Magdeburger Halbkugeln: von O. Guericke bei seinen (Schau-)Versuchen zum Nachweis der Luftdruckwirkung verwendete hohle, metallene Halbkugeln; nachdem sie luftdicht schließend aneinandergesetzt und luftleer gepumpt waren, konnten selbst je 8 Pferde auf beiden Seiten die Magdeburger Halbkugeln nicht auseinanderreißen.

Magdeburger Recht: mittelalterliches Recht der Stadt Magdeburg, das auf ein Privileg des Erzbischofs Wichmann von 1188 zurückgeht und in der Folgezeit ergänzt wurde. Das Magdeburger Recht wurde von vielen Städten des Gebiets der Ostexpansion sowie unter anderem Polens und Böhmens übernommen; sein Einfluss erlosch im 16. Jahrhundert.

Magellansche Wolken: (nach F. de Magalhäes) 2 am Südhimmel als Nebelflecke mit bloßem Auge sichtbare, kleine extragalaktische Sternsysteme. Die Große Magellansche Wolke ist 50 kpc, die Kleine Magellansche Wolke (die geteilt ist) 66 kpc vom Milchstraßensystem entfernt, dessen Begleiter sie sind.

Magelone, Die schöne Magelone: von Veit Warbeck nach einem 1480 gedruckten Prosaroman bearbeitetes Volksbuch (1535); schildert die Liebesgeschichte der neapolitanische Königstochter Magelone und Peters, Sohn des Grafen von der Provence; dramatisiert von H. Sachs, Lope de Vega unter anderem, zahlreiche Nachdichtungen.

Magen, Ventriculus, Gaster, Stomachus: sackartig erweiterter, als Aufnahmeraum für die aufgenommene Nahrung dienender Teil des Verdauungstraktes. Am Magenmund (Cardia) tritt die Speiseröhre in den Magen ein, Magengrund (Fundus1 und Magenkörper (Corpus) schließen sich an, bevor am Magenausgang, dem Pylorus, der Zwölffingerdarm beginnt; die ungleich langen Ränder des Magen sind links die große Krümmung (Curvatura major), rechts die kleine Krümmung (Curvatura minor). Die Magendrüsen in der Schleimhaut produzieren den Magensaft, der die Bestandteile der aufgenommenen Nahrung umwandelt und der weiteren Verdauung zuführt.

Magenbitter: verdauungslordemde Spirituose mit bitteraromatischen Kräuter- und Gewürzauszügen oder -destillaten und einem Volumenanteil an Alkohol von meist 40%. Siehe auch Likör.

Magen-Darm-Katarrh, Gastroenteritis, Gastroenterokolitis: Schleimhautentzündung des Magens und Darmes, oft verbunden mit Erbrechen, Durchfall, Leibschmerzen und Fieber; verursacht durch Bakterien, Viren, allergische Reaktionen oder Ernährungsfehler.

Magenfliegen, Gasterophilidae: Fliegenfamilie mit stark behaarten Vollinsekten, deren Weibchen ihre Eier an die Haare von Huftieren kitten; die Eier oder die Larven werden aufgeleckt beziehungsweise gelangen aktiv in den Magen-Darm-Kanal, wo sie Verdauungsstörungen oder Tumore hervorrufen.

Magengeschwür, Ulcus ventriculi: tieferer Defekt in der Magenschleimhaut; Entstehung wird durch Disposition, Stress, Schadstoffe wie Alkohol, Nikotin und manche Arzneimittel begünstigt; charakteristisch sind periodische Oberbauchschmerzen in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme. Magengeschwüre können bluten, entarten, die Magenwand durchbrechen (Perforation) und zu Magenverengung führen.

Magenmittel: Arzneimittel, die bei gestörter Magenfunktion angewendet werden. Hierzu gehören die Bittermittel und Stomachika (Appetit und Verdauung anregende Zubereitungen), Antazida und Enterika (Mittel, die bei zu geringer Magensaftproduktion angewandt werden).

Magenresektion: operative Entfernung von Teilen des Magens mit anschließender Wiederherstellung der Kontinuität zwischen Magen und Darm; vorwiegend angewendet bei Krebs und Geschwüren des Magens.

Magensaft: farblose, durch die Drüsen in der Magenschleimhaut bei Nahrungsaufnahme abgesonderte Flüssigkeit (etwa 1,51 täglich), die neben Schleimstoffen Salzsäure (etwa in 0,2%iger Konzentration) und Pepsine enthält Letztere leiten die Spaltung der Nahrungseiweiße ein.

Magenschleimhautentzündung, Gastritis, Magenkatarrh: Rötung und Schwellung der Magenschleimhaut; akute Formen entstehen durch äußere Ursachen, wie direkte chemische oder bakterielle Wirkungen, oder Genussmittelmissbrauch (Alkohol, Nikotin). Die chronische Magenschleimhautentzündung kann nur durch feingewebliche Untersuchungen der Magenschleimhaut festgestellt werden. Häufige Symptome sind Appetitlosigkeit und Völlegefühl.

Magenstein, Darmstein, Enterolith, Gastrolith: im Magen sehr selten, im Dickdarm von Säugetieren häufiger vorkommender Fremdkörper aus mineralischen Konkrementen, aus Pflanzen- oder Tierhaaren (Bezoar) oder aus zusammengeballten, unverdauten Nahrungsbestandteilen.

Magenwurmbefall: durch Fadenwürmer hervorgerufene Erkrankung der Haus- und Nutztiere; führt zur Schädigung der Magen- und Darmschleimhaut. Als Symptome zeigen sich unter anderem Durchfall und Abmagerung. Es werden vorwiegend Jungtiere und Tiere auf der Weide befallen.

Magerbeton: Beton mit geringem Bindemittelanteil und niedriger Festigkeit; meist als Ausgleichsschicht unter Fundamenten und Rohrleitungen aus Beton oder Steinzeug.

Mageres Volk, Popolo minuto: die «jüngeren» Zünfte der kleinen Handwerker und Bürger in Oberitalienischen Stadtstaaten im 13. bis 15. Jahrhundert Sie organisierten 1378 in Florenz den Aufstand der Ciompi. Siehe auch Fettes Volk.

Magersucht: konstitutionell, hormonal oder seelisch bedingte Neigung zur Abmagerung, zum Beispiel bei Unterfunktion der Hypophyse (Simmondsche Krankheit) oder infolge psychogener Verweigerung einer ausreichenden Nahrungsaufnahme (Anorexia nervosa), insbesondere bei jungen Mädchen. Von der Magersucht müssen Magerkeit, schließlich Auszehrung (Kachexie) infolge von Krebs, Unterernährung und chronischen Infektionskrankheiten unterschieden werden.

maggiore: Musik größer, mit der größeren (=Dur-)Terz.

Maggiore: Musik a) italienische Bezeichnung für Dur;

b) Durabschnitt einer Mollkomposition.

Maghreb: («Westen») arabische Bezeichnung für Marokko, Mauretanien, Algerien, Tunesien und Libyen, als die westlichsten Gebiete der arabischen Welt.

Magie: Zauberei, Zauberkunst; vermeintliche Fähigkeit, Geister zu beschwören, die Natur zu beherrschen und Krankheiten zu heilen; oft eng mit Kult und Religion verbunden, überlebt als Bestandteil des Aber- und Volksglaubens; von Scharlatanen geschäftlich ausgenutzt.

Magier: 1. Magier: ursprünglich mit priesterlichen Aufgaben betraute med. Sippe, dann Bezeichnung für die zoroastrischen Priester.

2. Zauberkünstler, der als Manipulator oder Illusionist auftritt; dazu gehören auch Experimentalisten, Entfesselungs-, Papierreißkünstler, Handschattenspieler. Die Vorführungen des Magiers beruhen auf optische Täuschung durch Fingerfertigkeit und Geschwindigkeitseffekte.

Maginot-Linie: militärisch befestigte Zone entlang der französischen Ostgrenze (vom Oberelsaß bis Sedan); erbaut 1928/32 nach Plänen des Kriegsministers A. Maginot; im 2. Weltkrieg von den faschistischen deutschen Truppen im Mai/Juni 1940 im Norden umgangen.

magisch: auf Magie beruhend; zauberisch; geheimnisvoll.

magischer Realismus, Realismo Mágico: in Lateinamerika von Asturias entwickelte Form des Realismus (besonders im Prosaschaffen); stellte sich seit den 30er Jahren, zum Teil vom Surrealismus angeregt, auf einen vorwiegend den bäuerlichen Massen verbundenen demokratischen Standpunkt und gestaltete die Wirklichkeit durch die Perspektive des stark von mythologischen und magischen Vorstellungen geprägten Bewusstseins der indianischen und afroamerikanischen Bevölkerung beziehungsweise im Geiste ihrer poetische Traditionen; erreichte um die Jahrhundertmitte seinen Höhepunkt und gelangte durch seinen humanistischen Gehalt sowie seine von den Traditionen der bürgerlichen Weltliteratur völlig freie, sehr originelle Darstellungsweise zu hoher internationaler Geltung; wichtigste Vertreter neben Asturias sind J. Arguedas, A. Roa Bastos, partiell G. Garcia Márquez, A. Carpentier unter anderem.

magisches Quadrat: ein quadratisches Schema von n ä 3 Zeilen und n Spalten, in dessen Felder voneinander verschiedene Zahlen so eingesetzt werden, dass die n Zeilen-, die n Spaltensummen und die 2 Summen der Diagonalglieder einander gleich sind.

Magister: (lateinisch, «Meister») 1. im alten Rom Titel für Staatsbeamte.

2. im Mittelalter Lehrkraft an Universitäten und anderen höheren Bildungseinrichtungen; heute in einigen Ländern (zum Beispiel Großbritannien, USA, Polen) unterer akadem. Grad.

Magistrale: (dat.) repräsentative Hauptverkehrs- und Geschäftsstraße in Großstädten.

Maglemose-Kultur: Jäger- und Fischerkultur der Mittelsteinzeit in Nordeuropa (von etwa 8000 bis etwa 5000 vor Christus); nach dem Fundort Magiemose auf Seeland (Dänemark) benannt.

Magma: (dat. griechisch, «Brei») natürlich vorkommende, gashaltige, meist Silikat. Gesteinsschmelze, in tieferen Teilen der Erdkruste entstehend, zur Intrusion in höhere Krustenteile und schließlich auch zur Extrusion (als Lava) fähig. Aus Magma entstehen durch Erstarrung und ähnliche Prozesse die verschiedensten magmatischen Gesteine.

Magmatismus: alle Vorgänge, die mit magmatischen Erscheinungen Zusammenhängen (Intrusion und Eruption von magmatischen Gesteinsschmelzen sowie ihre Erstarrung).

Magna Charta Libertatum, («Große Urkunde der Freiheiten») The Great Charter; englisch, «Großer Freiheitsbrief»): grundlegendes britisches Staatsgesetz, von Johann ohne Land am IS. 6. 1215 unter dem Druck der Stände (weltlicher und geistlicher Feudaladel, Stadtpatriziat) erlassen; bestätigte und erweiterte die Privilegien der Feudalaristokratie, enthielt geringe Zugeständnisse an den niederen Adel (Regulierung der Abgaben) und das Stadtpatriziat (erweiterte Selbstverwaltung, Handelserleichterung, Vereinheitlichung von Maß und Gewicht) und versprach jedem Freien Schutz vor Rechtswillkür. Die Anliegen der Volksmassen blieben unberücksichtigt. Ein Kontrollkomitee des Hochadels wurde zur Keimzelle der parlamentarischen Ständeversammlung. Die Magna Charta Libertatum leitete die verfassungsmäßige Beschränkung der Krone ein; die aufstrebende Bourgeoisie nutzte sie, um ihre Klassenherrschaft und den Nationalstaat zu festigen.

Magnani, Anna, 11.4.1909-26.9.1973, italienische Schauspielerin; machte sich vor allem durch die Gestaltung einfacher Frauen in neorealistischen Filmen einen Namen («Rom offene Stadt», «Bandito», «Vulcano», «Mamma Roma»), wirkte auch in den USA in Filmen mit («Der Mann in der Schlangenhaut»).

Magnat: a) im feudalen Polen Angehöriger des hohen Adels und Inhaber höchster Ämter und Würden; übertragen auch Großgrundbesitzer, der zugleich Großkapitalist war;

b) in Ungarn bis 1918 Haupt großer Adelsgeschlechter.

Magnesia: in der Antike 2 thessalische Kolonien und blühende Provinzstädte in Kleinasien, Magnesia am Mäander und Magnesia am Sipylos. Bei letzterer unterlag 190 vor Christus der Seleukiden-König Antiochos in. gegen die Römer.

Magnesiabinder, (nach einer griechischen Halbinsel) Sorelzement (nach einem französischen Ingenieur): aus Dolomit oder Magnesit gebranntes Magnesiumoxid; erhärtet mit konzentrierter Magnesiumsalzlösung zu Steinholzestrich.

Magnesit, Bitterspat: Mineral, Magnesiumkarbonat; Kristallsystem trigonal, Farbe weiß, Härte 4 bis 4,5, Dichte 2,9 bis 3,1 g/cm3, meist körnige Aggregate oder dichte Massen; entsteht hydrothermal und sedimentär, kommt.

Magnesitsteine: basische hochfeuerfeste Steine für die Zustellung, zum Beispiel von Siemens-Martin-Öfen; hergestellt aus eisenoxidhaltigem Magnesit.

Magnesium, Symbol Mg: chemisches Element der Kernladungszahl 12; Atommasse 24,305; Wertigkeit +2. Magnesium ist in der Natur weit verbreitet in den Mineralen Magnesit und den Silikaten Serpentin, Olivin, Talk, Asbest, Meerschaum unter anderem. Als Bestandteil des Chlorophylls ist es für grüne Pflanzen lebensnotwendig.

Magnesium ist ein sehr unedles, silberglänzendes Leichtmetall, das an der Luft durch eine dünne Oxidschicht vor weiterer Oxydation geschützt wird. Es verbrennt mit intensiv weißem Licht zu Magnesiumoxid. Wasserdampf wird durch Magnesium zu Wasserstoff reduziert, weshalb Magnesiumbrände nicht mit Wasser gelöscht werden dürfen (Explosionsgefahr); anzuwenden ist trockener Sand. Magnesium löst sich leicht in Säuren, nicht in Alkalien. Es wird legiert (mit bis zu 10% Aluminium, Zink, Mangan unter anderem) im Leichtbau, besonders Flugzeugbau, eingesetzt, ferner für pyrotechnische Effekte. Rohstoffe für die Magnesiumgewinnung sind Carnallit, Magnesit, Dolomit und Magnesiumchlorid Laugen der Kaliwerke. Bei der elektrolytischen Magnesiumgewinnung wird der Magnesit erhitzt, wobei Magnesiumoxid und Kohlendioxid entstehen. Das Magnesiumoxid wird mit Kohlenstoff und Chlor zu Magnesiumchlorid und Kohlenmonoxid umgesetzt. Dem Magnesiumchlorid wird Flussspat zugesetzt, und bei 700 °C erfolgt dann die Schmelzflusselektrolyse (Elektrolyse) zur eigentlich Magnesiumgewinnung. Bei der elektrothermischen Magnesiumgewinnung wird Magnesit durch Brennen in Magnesiumoxid umgesetzt, das in einem Elektroofen bei 2000°C durch Kohlenstoff zu dampfförmigem Magnesium reduziert wird; anschließend erfolgt die Kondensation des Magnesiumdampfes. Elementares Magnesium wurde erstmals 1808 von H. Davy durch Schmelzelektrolyse gewonnen.

magnesiumorganische Verbindungen: organische chemische Verbindungen mit Magnesium-Kohlenstoff-Bindung, zum Beispiel das feste,-ätherlösliche, im Vakuum sublimierbare Dimethylmagnesium. besonders wichtig für chemische Synthesen sind die auch als «Grignard-Verbindungen» bezeichneten Alkyl- und Aryl Magnesium vom Typ R-MgX (X = Halogen).

Magnesiumverbindungen: Stoffe, in denen Magnesium, meist als Mg2+-Ion, chemisch gebunden ist. Magnesiumverbindungen fallen als Nebenprodukt bei der Kalisalzverarbeitung an. Die nachstehend beschriebenen Magnesiumverbindungen sind farblos. Sie sind teils leicht wasserlöslich (Bromid, Chlorid, Jodid, Nitrat, Sulfat), teils lösen sie sich schwer in Wasser (Fluorid, Hydroxid, Oxid, Phosphat, Carbonat und die Silikate). Magnesiumchlorid ist im Carnallit enthalten. Das Hexahydrat ist stark hygroskopisch und verursacht das Feuchtwerden von Kochsalz. Magnesiumhydroxid fällt aus Magnesiumsalzlösungen bei Zusatz von Alkalilaugen als flockiger Niederschlag aus. Magnesiumkarbonat kommt als Magnesit und im Dolomit vor; es löst sich in kohlendioxidhaltigem Wasser unter Bildung von Magnesiumhydrogenkarbonat das einen Teil der Wasserhärte verursacht. Magnesiumoxid, Magnesia ist ein weißes, lockeres Pulver (2800°C); es ergibt durch Sintern feuerfeste Magnesitsteine; mit Magnesiumchloridlösung erhärtet es zu Magnesiabinder. Magnesiumsulfat in der Natur als Kieserit, als Bittersalz sowie auch im Kainit vorkommend, wird als Düngemittel und zur Flammschutzimprägnierung verwendet. Siehe auch magnesiumorganische Verbindungen.

Magnet: Körper, von dem ein magnetisches Feld ausgeht. Im Gegensatz zu den elektrischen Ladungen gibt es keine isolierten magnetischen Pole, diese treten vielmehr stets paarweise auf (als magnetische Dipole); aber magnetischer Monopol. Nahe den Enden eines Magnets befinden sich der Nordpol N (positiver Pol) beziehungsweise der Südpol S (negativer Pol). Dauern oder Permanentmagnet bestehen aus ferro- oder ferrimagnetischen Material. Sie lassen sich durch ein äußeres Magnetfeld stark magnetisieren und behalten auch in Gegenfeldern eine remanente Magnetisierung, falls deren Feldstärke kleiner als die Koerzitivfeldstärke ist (Hysterese). Elektromagnet bestehen aus einer vom Strom durchflossenen Spule mit einem Kern aus weichmagnetischem Material. Nach der Kernform unterscheidet man Stabmagnet, Hufeisenmagnet, Topfmagnet unter anderem Dauermagnet (zum Beispiel in Lautsprechern) und Elektromagnet (zum Beispiel als Lasthebemagnet, in Elektromotoren, Relais) werden technisch vielfach verwendet; siehe auch magnetische Werkstoffe.

Magnetanomalie: soviel wie erdmagnetische Anomalie (Erdmagnetismus).

Magnetbildaufzeichnung, Abkürzung MAZ (mats), Videoaufzeichnung: Verfahren zur Speicherung von Fernsehprogrammen auf (Video-) Magnetband mit Hilfe eines Videorecorders. Das elektrische Fernsehbildsignal wird nach einer Zwischenmodulation (Frequenzmodulation) mit Hilfe rotierender Magnetköpfe auf einem speziellen Magnetband aufgezeichnet, wobei die magnetischen Bildspuren quer zur Bewegungsrichtung des Bandes verlaufen (Transversalverfahren). Gleichzeitig werden die Fernsehton- und Steuersignale als magnetische Spuren an den Bandrändern in Längsrichtung des Bandes gespeichert. Bei einer Breite des Magnetbandes von 50,8 mm und einem Abstand der Bildspuren von 0,25 mm benötigt man zur Aufzeichnung eines Fernsehbildes etwa die doppelte Fläche eines 35-mm-Kinefilmbildes. Die Magnetbildaufzeichnung hat sich in der Fernsehstudiotechnik auf Grund der hohen Bildqualität und Flexibilität bei der Programmgestaltung fast ausschließlich durchgesetzt. Die Kombination von geeignetem Fernsehempfänger und (Heim-) Videorecorder ermöglicht die Magnetbildaufzeichnung auf Videobandkassetten auch für den Heimgebrauch. Siehe auch Fernsehaufzeichnung.

Magnetblasenspeicher, Bubble-Speicher, Domänentransportspeicher. Speicher für binärkodierte Informationen, bei dem in einer dünnen ferrimagnetischen Schicht magnetische Domänen («Blasen») erzeugt und durch ein rotierendes Magnetfeld transportiert werden. Als Detektor für die mikroskopischen Domänen sind zum Beispiel Hall-Elemente geeignet. In Magnetblasenspeicher bleiben gespeicherte große Informationsmengen auch ohne Versorgungsspannung erhalten.

magnetinduktive Prüfung: Teilgebiet der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung, das die Prüfverfahren umfasst, die die Wirkung magnetischer Felder nutzen; eingesetzt zur Fehlersuche in Werkstücken, zur Überwachung der Werkstoffeigenschaften und zur zerstörungsfreien Wand- und Schichtdickenmessung; siehe auch Magnetpulverprüfung..

magnetische Doppelschicht: mit magnetischen Dipolen belegtes Flächenstück, äquivalent einer stromdurchflossenen Drahtschleife, die das Flächenstück begrenzt.

magnetische Feldstärke: vektorielle Größe ff, die neben der magnetischen Flussdichte B zur Beschreibung des magnetischen Feldes dient.

magnetische Flasche, Magnetfalle: Kombination von Magnetfeldern, mit der heiße Plasmen gehaltert und von den Gefäßwänden isoliert werden können.

magnetische Flussdichte, magnetische Induktion-. vektorielle Größe B, die neben der magnetischen Feldstärke ff zur Beschreibung des magnetischen Feldes dient; SI-Einheit Tesla (T). Die Feldlinien des B-Feldes sind stets geschlossen, sie laufen zum Beispiel durch einen Magneten stetig hindurch, während die Feldlinien des ff-Feldes in den Polen enden.

magnetische Kraft: Kraft, die ein magnetisches Feld auf magnetische Dipole und bewegte elektrische Ladungen (s. ä. Lorentz-Kraft) ausübt. Die magnetische Kraft auf einen (isoliert gedachten) Magnetpol ist gleich dem Produkt aus magnetischer Polstärke und Feldstärke; 2 Magnetpole wirken nach dem I Coulombschen Gesetz aufeinander. Die magnetische Kraft zwischen stromdurchflossenen Leitern wird nach dem Ampereschen Gesetz berechnet.

magnetische Polarisation: Quotient aus magnetischer (Dipol-)Moment nach Coulomb und Volumen eines Körpers, Zeichen, SI-Einheit Tesla (T). Magnetische Polarisation entsteht durch Elementarströme oder durch Einwirkung eines magnetischen Feldes auf Materie. Sie hängt mit der magnetischen Feldstärke ff und der magnetischen Flussdichte B zusammen (magnetische Feldkonstante). J stellt also den Beitrag des Stoffes zur magnetischen Flussdichte dar.

magnetische Polstärke nach Coulomb: analog zur elektrischen Ladung gebildeter Begriff für die magnetische Kraftwirkung isoliert gedachter Magnetpole, die entsprechend dem Coulombschen Gesetz aufeinander einwirken; Zeichen p, SI-Einheit Weber (Wb). Siehe auch magnetisches Moment.

magnetischer Fluss, Induktionsfluss: Produkt P aus magnetischer Flussdichte B und von ihr durchsetzter Fläche beziehungsweise Flächenintegral über die Normalkomponente von B\ SI-Einheit Weber (Wb). Wegen der Quellenfreiheit des B-Feldes ist der magnetische Fluss für alle Querschnitte eines magnetischen Kreises (ohne Streuung) gleich.

magnetischer Kreis: Hauptweg der magnetischen Feldlinien in elektrischen Maschinen und Geräten. Das Magnetfeld im geschlossenen magnetischen Kreis wird vom Magnetisierungs- oder Erregerstrom beziehungsweise von einem Dauermagneten erregt. Die Abhängigkeit des magnetischen Flusses von der Erregung (Durchflutung) zeigt die Magnetisierungskennlinie. Um den magnetischen Widerstand (Reluktanz) klein zu halten, wird der magnetische Kreis weitgehend aus ferromagnetischen Werkstoffen, meist aus Eisenlegierungen (Eisenkreis) hergestellt. Bei Wechselfeldern besteht der magnetische Kreis zur Verringerung der Wirbelstromverluste aus isolierten Elektroblechen (Schichtkern, Bandkern, Ringkern) oder bei höheren Frequenzen aus kleinen zusammengepressten, auch gesinterten ferromagnetischen Teilchen (Ferrite, Massekern). Bewickelte Teile des magnetischen Kreis werden als Kern, unbewickelte als Joch (Rückschlussjoch) bezeichnet.

magnetischer Monopol: hypothetische Teilchen, das nur magnetische Ladung trägt; wurde 1931 von P. Dirac zur Erklärung der Quantisierung der elektrischen Ladung in die Maxwellsche Elektrodynamik eingeführt (Diracscher Monopol). Allgemeiner treten in Eichfeldtheorien sogenannt topologische Monopole auf.

magnetischer Widerstand, Reluktanz: analog zum elektrischen Widerstand definierte physikalische Größe, Quotient aus magnetischer Spannung und magnetischen Fluss in einem magnetischen Kreis. Der Kehrwert des magnetischen Widerstands heißt magnetische Leitwert (Permeanz), Zeichen A, SI-Einheit Henry (H).

magnetisches Feld, Magnetfeld: physikalisches Objekt, das im leeren oder stofferfüllter Raum auftritt und von Magneten oder elektrischen Strömen verursacht wird; existiert entweder als magnetostatischen oder verknüpft mit zeitlich veränderten elektrischen Feldern, als elektro-magnetisches Feld; gekennzeichnet durch die magnetische Feldstärke und die magnetische Flussdichte. Auch Sterne und Planeten können ein magnetisches Feld besitzen, zum Beispiel die Erde. Die Sonnenflecken sind der Sitz starker magnetischer Felder.

magnetisches Moment: vektorielle Größe zur Kennzeichnung der magnetischen Eigenschaften einer Stromschleife. Der Betrag des magnetischen Moments nach Ampère ist m = IA, des magnetischen Moments nach Coulomb beziehungsweise Wb m (elektrische Stromstärke, A von der Stromschleife umfasste Fläche, ß0 magnetische Feldkonstante). Das magnetische Moment elektrisch geladener Teilchen ist mit ihrem mechanischen Drehimpuls verbunden, insbesondere das von Elektronen, Atomen oder Kernen mit ihrem Bahndrehimpuls oder dem Spin und verursacht den Magnetismus eines Stoffes. Der Anteil, der durch den Bahndrehimpuls zustande kommt, wird als Bahnmagnetismus bezeichnet; analog sind -Spin- und Kernmagnetismus definiert. Nach der Bohrschen Atomtheorie hat zum Beispiel ein Elektron mit dem Bahndrehimpuls I ein magnetischer Bahnmoment vom Betrag m, = (pB Bohrsches Magneton, I = 0, 1, 2, ...) und gleicher Richtung wie /; sein magnetischer Spinmoment hat dagegen den Betrag m, = 2 spB (s = 1/2, 3/2,...), ist also bei vergleichbarer Größe des Drehimpulses doppelt so groß (magnetomechanische Anomalie). Infolgedessen fällt das resultierende magnetische Moment eines Elektrons nicht in die Richtung des Gesamtdrehimpulses. Da dieser zeitlich konstant ist (Erhaltung des Drehimpulses), präzediert das magnetische Moment um den Drehimpuls und nur die in dessen Richtung fallende Komponente tritt in Erscheinung. Das atomare magnetische Moment wird in Festkörpern insbesondere durch die Wechselwirkungen im Kristall gegenüber dem magnetischen Moment des freien Atoms verändert. Das magnetische Moment von Nukleonen weicht wegen der ausgeprägten Struktur der Nukleonen zum Teil stark vom Wert des Kernmagnetons ab.

magnetische Streuung:

1. magnetische Streuung, induktive Streuung: bei elektrischen Maschinen und Geräten die Erscheinung, dass ein Teil (Streufeld) des von einem Stromkreis erzeugten Magnetfelds nicht mit einer 2. Spule verkettet ist und in ihr keine Spannung induziert. Dies führt zur Streuspannung beziehungsweise zur Streureaktanz in der erregenden Wicklung.

2. unerwünschter Verlauf eines Teils des Magnetfelds auf Wegen, auf denen es nicht zur Kraftanziehung beiträgt.

magnetische Stürme, erdmagnetische Gewitter. starke zeitliche Störungen des Erdmagnetfeldes, verursacht durch Strahlungsausbrüche auf der Sonne.

magnetische Werkstoffe: im engeren Sinne Sammelbegriff für alle Stoffe, die eine wesentlich höhere Leitfähigkeit für den magnetischen Fluss aufweisen als das Vakuum (ferromagnetische Werkstoffe, Ferromagnetika). Es sind dies Eisen, Nickel, Kobalt und deren Legierungen. Je nach Größe der Koerzitivfeldstärke werden hartmagnetische und weichmagnetische Werkstoffe unterschieden. Hartmagnetische Werkstoffe (Dauermagnetwerkstoffe) weisen eine hohe Koerzitivfeldstärke auf und sind dauerhaft magnetisierbar. Zu ihnen gehören unter anderem Kohlenstoffstahl und dessen Legierungen mit Chrom, Kobalt, Nickel und Aluminium (zum Beispiel AlNiCo), hartmagnetische Ferrite sowie die Seltene-Erden-Werkstoffe (zum Beispiel Samarium-Kobalt (SmCo5)). Weichmagnetische Werkstoffe sind wegen der geringen Ummagnetisierungsenergie besonders für Wechselstrom-Magnetisierung geeignet. Sie werden zur Verringerung der Wirbelstromverluste geblecht (lamelliert) eingesetzt. Zu ihnen gehören reines, kohlenstoffarmes Eisen und seine Legierungen mit Silizium, Nickel und Kobalt, die weichmagnetische Ferrite sowie die neuentwickelten amorphen metallischen Werkstoffe, die zum Teil außergewöhnlich niedrige Magnetisierungsverluste aufweisen, vorerst aber nur als äußerst dünne Bänder herstellbar sind. im weiteren Sinne gehören zu den magnetischen Werkstoffe nichtferromagnetische (schwachmagnetische, unmagnetische) Stähle, die für Konstruktionsteile mit hoher mechanischen Beanspruchung verwendet werden, die aber den magnetischen Feldverlauf nicht stören und in denen nur geringe Magnetisierungsverluste auftreten sollen.

magnetische Widerstandsänderung: ein galvanomagnetischer Effekt; Zunahme des elektrischen Widerstandes eines stromführenden Leiters oder Halbleiters, wenn auf diesen ein Magnetfeld einwirkt. Die Stärke der magnetischen Widerstandsänderung ist dem Quadrat der magnetischen Flussdichte proportional und hängt außerdem von der Temperatur ab. Siehe auch Wismut Spirale.

Magnetisierung: Quotient aus magnetischen (Dipol-)Moment nach Ampère und Volumen eines Körpers, Zeichen M, SI-Einheit A/m. Das Produkt J = M ist die magnetische Polarisation (ß0 magnetische Feldkonstante).

Magnetisierungsstrom: der zum Aufbau des magnetischen Felds in einer Spule oder Wicklung elektrischer Maschinen und Geräte erforderlicher Wechselstrom. Der Magnetisierungsstrom ist ein induktiver Blindstrom, der Oberwellen enthält.

Magnetismus: Gesamtheit aller Erscheinungen, die sich auf das magnetische Feld und das Verhalten der Stoffe in ihm beziehen; Eigenschaft bestimmter Körper (Magnet) oder stromdurchflossener Leiter, auf andere Körper, insbesondere Eisen, Kräfte auszuüben. Der Magnetismus wird durch die Bahnbewegung der Elektronen oder den Eigendrehimpuls (Spin) von Elektronen oder Atomkernen verursacht. Die Bahnbewegung führt zum Diamagnetismus, der bei Stoffen, die permanente magnetische Dipolmomente haben, vom Paramagnetismus überdeckt wird. In Festkörpern treten beim Vorhandensein permanenter magnetischer Dipolmomente geordnete magnetische Strukturen auf, die zu Ferromagnetismus, Antiferromagnetismus und Ferrimagnetismus führen. Unter Elektromagnetismus fasst man alle Erscheinungen zusammen, an denen elektrische und magnetische Felder gleichzeitig beteiligt sind.

Magnetit, Magneteisenerz: Mineral, Eisenoxid; Kristallsystem kubisch, Härte 5,5 bis 6, Dichte 4,9 bis 5,2 g/cm3, halbmetallisch glänzende, eisenschwarze Kristalle oder dichte bis körnige Massen; entsteht magmatisch, kontaktmetasomatisch, hydrothermal oder regionalmetamorph, auch sedimentär in Seifen. Wichtigstes Eisenerz, das unter anderem im Ural (Magnitnaja Gora) und in Kriwoi Rog, Kiruna (Schweden), am Oberen See (USA) vorkommt.

Magnetkissenbahn, Magnetschienenbahn: räderloses Transportmittel der berührungsfreien Fahrtechnik, bei dem die Fahrzeuge durch Magnetfelder im Schwebezustand über der Fahrbahn gehalten werden. Vorteile sind der Wegfall der Roll- und Reibungswiderstände, der ruhige Fahrzeuglauf und die Umweltfreundlichkeit. Die Magnetkissenbahn eignet sich vor allem zur Überwindung großer Strecken mit hoher Geschwindigkeit (300 bis 500 km/h), aber auch für Kurzstreckenverkehr (80 km/h). Eine zusätzliche, seitliche Führung der Fahrzeuge zur Spurhaltung erfolgt meist magnetisch, der Vortrieb am günstigsten durch einen Linearmotor. Forschungen zur Magnetkissenbahn laufen in mehreren Ländern; die erste Magnetkissenbahn wurde 1984 in Birmingham in Betrieb genommen.

Magnetochemie: Teilgebiet der physikalischen Chemie, das die Beziehungen zwischen dem magnetischen Verhalten der Stoffe und ihrer Elektronenstruktur untersucht. Beispielsweise sind alle Atome, Moleküle oder Ionen mit ungekoppelten Elektronen paramagnetisch, die anderen diamagnetisch. Magnet. Messungen werden als Hilfsmittel zur Strukturaufklärung verwendet und liefern Aussagen über Koordinationszahlen in Komplexverbindungen, über räumliche Anordnung von Liganden, über Oxydationsstufen und Bindungstypen sowie über das Vorliegen freier Radikale. Eine unmittelbare Beeinflussung der Geschwindigkeit chemischer Reaktionen durch äußere Magnetfelder findet erst bei extrem hohen Feldstärken (>15 Millionen A/m) statt.

Magnetogramm: Aufzeichnung der zeitlichen Schwankung des Erdmagnetfeldes an einem festen Ort. Registriert werden die Totalintensität und ihre vektoriellen Komponenten. Siehe auch Erdmagnetismus.

Magnetohydrodynamik: Abkürzung MHD: Theorie zur Beschreibung der Strömungsvorgänge in Plasmen oder elektrisch leitenden Flüssigkeiten unter der Wirkung elektrischer und magnetischer Felder; wichtig für MHD-Generatoren, die gesteuerte Kernfusion und die Theorie kosmischer Plasmen.

magnetohydrodynamischer Generator, Kurzwort MHD-Generator, magnetoplasmadynamischer Generator, Kurzwort MPD-Generator. Energiewandler mit direkter Umwandlung von Wärme aus dem Energieinhalt heißer, strömender, elektrisch leitender Gase in elektrische Energie. Im linearen Faraday-Generator strömt ein durch Erhitzen ionisiertes Gas (Plasma) in einem Kanal durch ein Magnetfeld, wodurch eine induzierte Spannung an den Wänden abgenommen werden kann. Der magnetohydrodynamischer Generator kann als Vorschalteinheit für ein konventionelles Großkraftwerk im Temperaturbereich von 500 bis 3000°C arbeiten, wodurch höhere Wirkungsgrade erreichbar sind; den Einsatz erschweren bisher Werkstoffprobleme. In Umkehrung des Generatorprinzips sind MHD-Antriebe (MHD-Pumpe, Pinch-Antrieb) entstanden.

magnetokalorischer Effekt: Temperaturänderung bei Änderung der Magnetisierung; meist erhöht sich mit zunehmender Magnetisierung die Temperatur.

Magnetometer: Gerät zur Messung von Größe und Richtung magnetischer Felder. Die Messmethoden beruhen auf dem Vergleich von Drehmomenten von Magnetstäben, Induktionswirkungen an bewegten Spulen, Ablenkung von Elektronenstrahlen, Messung der Präzessionsfrequenz von Elementarteilchen, Beeinflussung supraleitender Stromkreise unter anderem Siehe auch Fluxgate-Magnetometer, Protonenmagnetometer.

magnetomotorischer Speicher: Speicher, bei dem die Information in einer magnetisierbaren Schicht gespeichert und mittels einer Bewegung dieser Schicht gegenüber einem Magnetkopf gelesen wird. Analoge magnetomotorische Speicher werden besonders in der Audio- und Videotechnik eingesetzt (siehe auch Magnettongerät, Videorecorder). Digitale magnetomotorische Speicher sind in der Rechentechnik unentbehrlich. Neben Magnettrommel-, Magnetplatten- (Wechsel- und Festplattenspeicher) und Magnetbandspeichern mit Übertragungsraten bis 3 MByte/s für Großrechner sind kleinere und billigere Geräte wie Diskettenspeicher (Floppy-Disk, (Magnet-Folienspeicher) und Magnetkassettenspeicher mit geringeren Übertragungsraten bis 0,5 MByte/s besonders für die Klein- und Mikrorechen-technik von Bedeutung. Disketten (Platten aus einseitig magnetisierbarer Plastfolie) und Magnetkassetten werden auch als Primärdatenträger in Datenerfassungsgeräten verwendet,

Magnetosphäre: erdnaher Raum, in dem Erdmagnetfeld und solarer Teilchenstrom von Elektronen und Protonen in Wechselbeziehung stehen; enthält Polarlichtzonen und Strahlungsgürtel. Die Magnetosphäre reicht infolge des Sonnenwindes in Richtung zur Sonne etwa 10 und in entgegengesetzter Richtung weit über 100 Erdradien in den Weltraum hinaus.

Magnetostatik: (griechisch) Lehre von den zeitlich unveränderlichen Magnetfeldern, die von Permanentmagneten oder zeitlich konstanten Strömen erzeugt werden.

Magnetostriktion: die Erscheinung, dass ein ferromagnetischer Stoff (besonders Nickel) seine Abmessungen geringfügig ändert, wenn man seine Magnetisierung ändert; wird zum Beispiel zur magnetostriktiven Ultraschallerzeugung benutzt.

Magnetotellurik: (griechisch + lateinisch) Verfahren der Geophysik zur Untersuchung der Struktur der Erdkruste; dabei werden an einem Ort gleichzeitig die zeitliche Schwankungen des Erdmagnetismus und die des natürlichen elektrischen Erdstroms gemessen und gemeinsam ausgewertet.

Magnetpole, erdmagnetische Pole: Punkte der Erdoberfläche, an denen eine Magnetnadel senkrecht nach unten weist. Der magnetische Nordpol liegt in der Antarktis, der magnetische Südpol im Nordosten Kanadas. Die Lage der Magnetpole verändert sich im Laufe der Zeit allmählich. Siehe auch Erdmagnetismus.

Magnetpulverprüfung: Verfahren der zerstörungsfreien Prüfung ferromagnetischer Werkstoffe. Die Werkstücke werden magnetisiert und mit einer Öl-Eisenpulver-Suspension überspült, wobei sich das Pulver über Fehlstellen (Haarrisse, Schlackenzeilen) absetzt.

Magnetschweif: von der Sonne abgewandter Teil der Erdmagnetosphäre, der durch den Sonnenwind auf weit mehr als das Zehnfache der Gegenseite gestreckt ist und die geometrische Form eines Schweifes hat. Siehe auch Magnetosphäre.

Magnetsteilförderer: Bandförderer, der gegen die Horizontale in einem Winkel zwischen 20 und 90° geneigt ist und zur Steilforderung ferromagnetischer Güter, wie Stahlspäne, stählerne Kleinteile, dient. Das Anhaften der Güter während des Förderns erfolgt durch Magnete, die unterhalb des Förderturms angeordnet sind.

Magnettonfilmverfahren: technisches Verfahren zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Schallereignissen mittels Magnettontechnik. Die Schallereignisse werden auf unperforiertem Magnetband (meist Sprache und Geräusche) oder auf perforiertem, 17,5 mm oder 35 mm breitem Magnetfilm (Musikaufnahmen) gespeichert (Atelierspur) und bei der Filmendfertigung am Mischpult auf dem gemischten Magnetfilm (je nach Filmverfahren Einspur- oder Mehrspurverfahren) vereint. Theaterkopien können Magnettonspuren (Theaterspur) erhalten, jedoch dominiert die Umspielung auf eine Lichttonspur.

Magnettongerät: Gerät zur magnetischen Schallspeicherung (Aufnahme und Wiedergabe), das meist mit Band (Tonbandgerät), selten mit Draht (Drahttongerät), Platte oder Zylinder als Träger der magnetisierbaren Schicht arbeitet. Bei der Schallaufnahme werden die Niederfrequenzspannungen des Mikrophons verstärkt und dem Aufzeichnungskopf (Spule auf weichmagnetischen Ringkern mit Spalt) zugeführt, in dem zusätzlich ein hochfrequentes Magnetfeld erzeugt wird. Auf dem am Spalt vorbeilaufenden Tonband (dünne Plastfolie mit einseitig aufgebrachter ferromagnetische Schicht (Magnetit, Chromdioxid)) entsteht eine remanente Magnetisierung, die beim Abspielen in der Spule des Wiedergabekopfes eine elektrische Spannung induziert, die verstärkt und dem Lautsprecher zugeführt wird. Beim Heim-Magnettongerät dient ein Kombikopf zur Aufnahme und Wiedergabe. Vor jeder Aufzeichnung werden mit dem Löschkopf eventuell vorhandene Aufzeichnungen gelöscht. Beim Doppelspurverfahren wird jeweils nur die Hälfte, beim unterspurverfahren ein Viertel des Bandes für 1 Durchlauf benutzt (ergibt doppelte beziehungsweise vierfache Laufzeit). Für Zweikanal-Stereoaufnahmen werden die beiden Signale getrennt auf 2 Spuren aufgezeichnet. Kassettenrecorder sind kleine tragbare Magnettongerät mit Kompaktkassetten, bei Kombination mit Reiseempfängern spricht man von Radiorecordern. Diktiergeräte sind besonders kleine und technisch einfache Magnettongerät und dienen ausschließlich zur Speicherung von Sprache.

Magnetverstärker, Transduktor: magnetisch verkoppelte elektrische Steuer- und Arbeitskreise mit Verstärkerwirkung; Anwendung unter anderem in der Steuerungstechnik.

Magnifizenz: (dat., «Herrlichkeit») traditionelle feierliche Anrede des Rektors einer Universität oder Hochschule (Rector magnificus).

Magnitude: Maß für die bei einem Erdbeben freigesetzte Energie E, Zeichen Magnitude Die Magnitude ist aus dem Seismogramm ableitbar; sie wird aus dem Logarithmus der maximalen Geschwindigkeit der Bodenbewegung und aus der Herdentfernung berechnet. Es gilt log E = 1,5 M + 4,8, wobei E in Joule gemessen wird. Siehe auch Richter-Skala.

Magnoliengewächse: (nach einem französischen Botaniker) Magnoliaceae: Holzgewächse gemäßigter bis tropische Gebiete mit ungeteilten Blättern und großen Blüten. Charakteristische Merkmale der Blüte sind die meist unbestimmte Zahl und spiralige Anordnung der Blütenglieder, die gestreckte Blütenachse, die freien Fruchtblätter und die oft fehlende Gliederung der Blütenhülle in Kelch und Krone; in Mitteleuropa weiß bis violett blühende Arten der Gattung Magnolia und der gelbgrün blühende nordamerikanische Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera).

Magnum-Gruppe: internationale Vereinigung von bürgerlich-humanistischen Fotografen, die sich der Bildagentur «Magnum Photos», die 1947 von H. Cartier-Bresson, R. Capa und D. Seymour in Paris gegründet wurde, anschlossen. Ihre Arbeiten, die soziale Missstände in kapitalistischen Ländern sowie Verbrechen imperialistischer Kriege entlarvten, gaben durch ihr menschliches Interesse der modernen Bildjournalistik wesentliche Impulse.

Magnus, Heinrich Gustav, 2.5.1802-4.4.1870, Physiker und Chemiker, Professor in Berlin; arbeitete über Ballistik und Aerodynamik (entdeckte 1852 den nach ihm benannt Effekt), Elektrochemie und Thermodynamik.

Magnus-Effekt: (nach H. G. Magnus) Erscheinung, dass ein in einer Gas- oder Flüssigkeitsströmung mit der Drehachse senkrecht zur Strömungsrichtung rotierender Körper eine Kraft erfährt, die ihn nach der Seite treibt, auf der Strömungs- und Drehrichtung übereinstimmen.

Magnus Eriksson, 1316-1374, schwedischer-norwegischer König 1319/63; führte ein für ganz Schweden gültiges Landrecht ein; versuchte, die Macht des Adels einzuschränken, der ihn jedoch mit Hilfe Albrechts III. von Mecklenburg zur Abdankung zwang.

Mago, karthagischer Schriftsteller der 1. Hälfte des 2. Jahrhundert vor Christus; schrieb Bücher über die Landwirtschaft, die ins Griechische und Lateinische übersetzt wurden und in der Antike als Standardwerke galten, aber nicht erhalten sind.

Magritte, René, 21.11.1898-15.8.1967, belgischer Maler; Vertreter des Surrealismus; die Strukturseiner Bilder beruht auf Konfrontation einander fremder Bildinhalte und erzeugt eine Stimmung traumhaft verlorener Phantasiewelten, Werke der 20er Jahre zeigen Einflüsse der Pittura metafisica.

Mahagoni: Sammelbezeichnung für einige hochwertige, sehr polierfähige rosafarbene bis rotbraune afrikanische und amerikanische Laubholzarten; Verwendung im Boots- und Möbelbau.

Mahajanga: Stadt (Provinzzentrum) an der Westküste von Madagaskar; früher Majunga\ 90000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, Zementindustrie; Hochseehafen, Flughafen.

Maharero, Samuel, gestorben 14.3.1923, Oberhäuptling der Herero; entgegen der Erbfolge 1891 von der deutschen Kolonialverwaltung zum Oberhäuptling ernannt, geriet daher in Abhängigkeit; wandelte sich später und wurde zu einem der Führer des Herero- und Nama-Aufstandes.

Mahatma: (Sanskrit, «große Seele») Ehrentitel in Indien, zum Beispiel Mahatma Gandhi.

Mahavira: (Sanskrit, «großer Held») Ehrenname Vardhamanas, des Neubegründers des Jainismus.

Mahaweli Ganga: längster Fluss von Sri Lanka; 335 km; entspringt im Süden des zentralen Hochlandes, mündet bei Trincomalee in den Indischen Ozean; im Tiefland umfangreiches Stausystem (Mahaweli Ganga Projekt) zur Bewässerung von 260000 ha Land und Elektroenergiegewinnung (500 MW) im Bau.

Mahdi: («der unter göttliche Leitung Stehende») Titel des von den Muslimen in der Endzeit erwarteten Erlösers (Messias). Im 19. Jahrhundert erklärte sich der Derwisch Muhammad Ahmad Ibn Abdallah (1843-1885) zum Mahdi Der Mahdi-Aufstand im Sudan (1881/85) richtete sich gegen die ägyptische und britische Eroberungsabsichten.

Mähdrescher: aus Mähmaschine und Dreschmaschine kombinierte Halmfruchterntemaschine (Kombine); vorwiegend als Selbstfahr-Mähdrescher mit Frontmähwerk für den Mähdrusch ausgebildet. Für den Schwaddrusch ist das Schneidwerk gegen Aufnehmer-Trommel oder Zinkentuchaufnehmer austauschbar. Bei Schneidwerksbreiten bis zu 7,60 m und stufenloser Regelung der Fahrgeschwindigkeit von 0 bis 20 km/h erreicht der Mähdrescher Getreide-Durchsatzleistungen von 10 kg/s und Flächenleistungen bis zu 2,5 ha/h.

Mahe: größte Insel der Seychellen, im Indischen Ozean; 145 km2, 60000 Einwohner; von Korallenriffen umsäumt und vulkanische Entstehung, bis 912 m hoch; Produktion von Kopra, Vanille, Zimt. Auf Mahe liegt die Landeshauptstadt Victoria.

Mah-Jongg: aus China stammendes dominoartiges Ablegespiel zu viert mit 144 Spielsteinen. Aus dem Mah-Jongg ist das weniger vielseitige Romme hervorgegangen.

Mahler, Gustav, 7.7.1860-18.5.1911, österreichischer Komponist und Dirigent; nach Kapellmeistertätigkeit unter anderem Leiter der Wiener Hofoper 1897/1907 und der Metropolitan Opera 1907/11. In Mahlers kompositorisches Schaffen spiegelt sich die leidenschaftliche und zutiefst ehrliche Auseinandersetzung mit den Widersprüchen der spätbürgerlichen Gesellschaft wider, das geschieht einerseits durch die verschärfte Aufnahme beethovenscher sinfonischer Traditionen, andererseits durch betonten Rückgriff auf das Volkslied und den Volkston, beides aus der Hoffnung heraus, eine humanistische Perspektive mit erkämpfen zu können. Mahler schuf 10 Sinfonien (zum Teil mit Solostimmen und Chören; 10. Sinfonie unvollendet), die sinfonische Kantate «Das Lied von der Erde», «Lieder eines fahrenden Gesellen», Lieder aus «Des Knaben Wunderhorn», «Kindertotenlieder» unter anderem. Mit den realistisch-sozialkritischen Zügen seines Schaffens wirkte Mahler entscheidend auf die Sozialist Sinfonik (zum Beispiel D. D. Schostakowitsch).

Mahlungsgrad: Bearbeitungszustand eines Papierfaserstoffs nach der Behandlung in Mahlgeräten. Der Mahlungsgrad wird durch das Mahlungsgrad-Prüfgerät ermittelt (Geschwindigkeit der Entwässerbarkeit des Papierstoffs) und in °SR (nach Schopper-Riegler) angegeben. Rösche Mahlung (20 bis 30°SR) ergibt schnell entwässerbaren, schmierige Mahlung (80 bis 90°SR) langsam entwässerbaren Papierstoff

Mähmaschinen, Mäher. Sammelbegriff für eine Gruppe verschiedenartiger Halmfutter- und Halmfruchterntemaschinen, deren Grundaufgabe im Abtrennen (Mähen) oberirdische Pflanzenteile liegt. Hauptformen der Mähmaschinen sind handgeführte Rasenmähmaschinen, gespanngezogene Grasmähmaschinen und Getreidemähmaschinen, traktorbetriebene Anbau-Mähwerke, aufgesattelte oder an den Traktor angehängte Mählader, Mähbinder und Mähhäcksler sowie Selbstfahrmähmaschinen als Schwad-Mähmaschinen, Feldhäcksler und Mähdrescher. Mähmaschinen sind im Regelfälle mit Fingerschneidwerken ausgerüstet, deren Mähbalken mit fingerartigen Einzelgliedern ausgestattet ist, zwischen denen ein mit Klingen besetztes Mähmesser hin- und herschwingt und das Halmgut mäht Rotationsschneidwerke sind bei Rasenmähmaschinen und Traktor Anbaumähmaschinen (Rotormähmaschinen beziehungsweise Kreiselmähmaschinen) anzutreffen.

Mähnenratte, Lophiomys imhausi: Nagetier mit langem, buschigem Schwanz und mähnenartiger Behaarung an Rücken und Körperseiten; bewohnt dicht bewaldetes Bergland Ostafrikas.

Mähnenspringer, Mähnenschaf, Ammotragus lervia: wiederkäuender Paarhufer Nordafrikas; schafähnlich, Sand gelb; Männchen mit langem Haarbehang; gut und sicher kletternder und springender Bergbewohner.

Mähnenwolf, Chrysocyon brachyurus: Schäferhund großer, hochbeiniger, langhaariger, rotbrauner Wildhund mit fuchsartigem Kopf und schwarzen Beinen; ernährt sich vorwiegend von Kleinnagern; bewohnt Steppengebiete Südamerikas.

Mahonie: (nach einem US-amerikanischer Botaniker) Mahonia aquifolium: immergrüner, zu den Berberitzen-Gewächsen gehörender Zierstrauch aus Nordamerika, mit gelben Blüten in vielblütigen Blütenständen und blauen Beeren.

Maia, in der griechischen Sage Bergnymphe, Tochter des Atlas, wurde durch Zeus Mutter des Hermes.

Maiano: 1. Benedetto da, eigentlich Benedetto di Leonardo, 1442-27.5.1497, italienischer Bildhauer der Frührenaissance; Bruder von Maiano 2; schuf in Florenz reich dekorierte kirchliche Ausstattungsstücke (Kanzel in S. Croce) sowie Bildnisbüsten.

2. Giuliano da, eigentlich Giuliano di Leonardo d’Antonio, 1432-17.10.1490, italienischer Baumeister und Holzbildhauer; erbaute den Dom zu Faenza 1474/86 sowie weitere Kirchen und Paläste; schuf auch Innenausstattungen.

Maiaufstand des tschechischen Volkes: Höhepunkt des nationalen Befreiungskampfes gegen die faschistischen Okkupanten; begann Anfang Mai 1945 mit Erhebungen in Nordböhmen, die aus dem verstärkten Partisanenkampf erwuchsen, und kulminierte im Prager Aufstand ab 5. 5. An der Spitze des Aufstands in der Hauptstadt standen das illegale ZK der KPTsch und der tschechische Nationalrat. Dem Aufstand, an dein sich etwa 100000 Menschen beteiligten und der von der Mehrheit der tschechischen Bevölkerung unterstützt wurde, kam die Rote Armee zu Hilfe, indem sie die Prager Operation vorverlegte (9. 5. Befreiung Prags durch die Rote Armee).

Maidana, Antonio, geboren 25.10.1916, Paraguay. Arbeiterführer; seit 1936 Mitglied der KP, wurde 1943 Mitglied des ZK, 1949 Mitglied der Politischen Kommission des ZK, 1953 Sekretär des ZK, seit 1978 ist er Erster Sekretär des ZK; wegen seiner revolutionären Tätigkeit wiederholt verhaftet, 1941 zum Tode verurteilt, seit 1980 verschleppt; weltweite Solidaritätsaktionen für seine Befreiung.

Maifisch, Alosa alosa: bis 70 cm langer Heringsartiger, der im östlichen Atlantik von Nordafrika bis Norwegen und angrenzenden Meeren lebt; wandert zum Laichen in Flüsse.

Maiglöckchen, Convallaria majalis: giftige, unter Naturschutz stehende Staude der Laubwälder aus der Familie der Liliengewächse, mit weißen, stark duftenden Blütentrauben, breitlanzettliche Blättern und roten Beerenfrüchten. Das Maiglöckchen enthält herzwirksame Glykoside.

Maikäfer, Melolontha: Gattung der Blatthornkäfer, die Feldmaikäfer und Waldmaikäfer fliegen an Maiabenden und werden bei Massenvermehrungen durch Blattfraß an Obst- und Laubbäumen schädlich, ihre Larven (Engerlinge) in der Erde durch Wurzelfraß. Entwicklungsdauer je nach Klima 3 bis 5 Jahre. Siehe auch Blatthornkäfer.

Mailand: italienisch Milano, Stadt in Oberitalien (Lombardei), Verwaltungszentrum der Region Lombardei und der Provinz Mailand, in der oberen Poebene; 1,64 Millionen Einwohner, Kern eines Ballungsgebietes mit 6,2 Millionen Einwohner; bedeutendstes Wirtschaftszentrum Italiens mit etwa 10% der Industrieproduktion des Landes, Sitz der Industriekonzerne Dunlop-Pirelli Union (Gummi), IFI (Fahrzeuge), Montedison (Chemie) unter anderem; Maschinen- und Fahrzeugbau, Erdölverarbeitung, Metallurgie, Textil-, chemische, elektrotechnische/elektronische, Gummi-, Papier-, Porzellan-, polygraphische, Bekleidungs- und Lebensmittelindustrie; Verlage; Industrieverlagerung an die Peripherie; Mustermesse, Börse; wichtigster Verkehrsknoten Oberitaliens (Eisen- und Autobahnen, Straßen, Kanäle, Erdölleitungen), internationale Flughäfen; U-Bahn; 2 Universitäten, Hochschulen, zahlreiche Theater, unter anderem das Opernhaus Scala, Museen, Bibliotheken, Gemäldegalerie Brera. Gotischer Dom (weißer Marmor; begonnen um 1386, Kuppel 1759/75; Fertigstellung 19. Jahrhundert), S. Ambrogio (12. Jahrhundert), S. Eustorgio (1278; barockisiert), Zentralbau S. Lorenzo (älteste Kirche Mailands), S. Maria delle Grazie (15. Jahrhundert; im Kloster «Abendmahl» von Leonardo da Vinci), zahlreiche Paläste, besonders der Renaissance (Castello Sforzesco). Kelt. Gründung im 4. Jahrhundert vor Christus, 222 vor Christus römisch (Mediolanum), 569 nach Christus langobardisch, 774 fränkisch, 951 dem deutschen Reich lehnspflichtig. 1097/98 wurde Mailand erste oberitalienische Stadtrepublik; im 12. Jahrhundert Haupt des gegen Friedrich I. Barbarossa gerichteten Lombardischen Bundes; unter den Visconti (seit 1277, Herzogtum seit 1395) und Sforza (seit 1450) Blütezeit; 1535 wurde Mailand spanisch, 1714 österreichisch; 1848/49 ein Mittelpunkt der Revolution; 1859 piemontesisch, 1861 beim Königreich Italien. Im bewaffneten antifaschistischen Widerstandskampf 1943/45 war Mailand Sitz des Komitees der Nationalen Befreiung für Oberitalien.

Mailer, Norman, geboren 31.1.1923, US-amerikanischer Schriftsteller; sein den Militarismus scharf kritisierender Kriegsroman «Die Nackten und die Toten» (1948, deutsch) war ein Welterfolg. Spätere Romane lassen soziale Bewusstheit, aber anarchistisch-individualistische Züge erkennen. Mailer verfasste glänzende kultur- und sozialkritische Publizistik, besonders die Reportage «Heere aus der Nacht» (1968, deutsch) über eine machtvolle Aktion gegen den Vietnamkrieg der USA.

Maillol, Aristide, 8.12.1861-27.9.1944, französischer Bildhauer und Graphiker, nach A. Rodin der bedeutendste Vertreter der französischen Plastik der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert, der nachhaltig die gesamte europäischen Bildhauerei beeinflusste. Gestaltete besonders kraftvolle weibliche Aktfiguren von betonter Geschlossenheit der Form und ruhiger, verinnerlichter Haltung.

Main: größter rechter Nebenfluss des Rheins, in der BRD; 524 km, davon 396 km schiffbar, entspringt als Roter Main (Fränkische Schweiz) und Weißer Main (Fichtelgebirge), Vereinigung bei Kulmbach, durchfließt in großen Schleifen das Fränkische Stufenland, mündet bei Mainz; wichtigste Nebenflüsse sind Frank. Saale (von rechts), Regnitz und Tauber (von links); Staustufen mit Wasserkraftwerken, Verbindung zur Donau (Rhein-Main-Donau-Großschifffahrtsstraße) im Bau.

Mainardi, Enrico, 19.5.1897-10.4.1976, italienischer Violoncellist; erwarb als Interpret, auch als Dirigent eines Kammerorchesters und als Lehrer hohes internationales Ansehen.

Maine-Zwischenfall: Explosion des US-amerikanischen Schlachtschiffes «Maine» am 15.2.1898 im Hafen von Havanna; war den expansionistischen, imperialistischen Kreisen der USA Vorwand für das militärische Eingreifen in den kubanischen Unabhängigkeitskrieg (1895/98) und für den Spanisch-Nordamerikanischer Krieg.

Mainland: 1. Mainland, Pomona: größte der schottischen Orkney-Inseln (Großbritannien); 492 km2, 13000 Einwohner; wichtigster Ort Kirkwall, bis 269 m hoch; ozeanisches Klima; an der Südseite die Bucht Scapa Flow; Seen (Forellenfang); internationaler Flughafen, Fährverbindungen.

2. größte der schottischen Shetlandinseln (Großbritannien); 938 km2; 14000 Einwohner; wichtigster Ort Lerwick; bis 450 m ansteigend; ozeanisches Klima; internationaler Flughafen, Fährverbindungen.

Mainstream: (englisch, «Hauptstrom») Bezeichnung für musikalische Formen des Jazz, die sich zwischen seinen stilistischen Extremen traditioneller und moderner Jazz bewegen; sind deshalb am weitesten verbreitet und oft auch am meisten kommerzialisiert.

Mainzer Klubisten: die Mitglieder der jakobinischen «Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit» in Mainz 1792/93, die den Sturz des Feudalismus im Bündnis mit den Volksmassen erstrebten. Sie gründeten im März 1793 die Mainzer Republik, die erste bürgerlich-demokratische Staatsordnung auf deutschem Boden. Die führenden Mainzer Klubisten waren G. Förster und A. J. Hofmann.

Maipu: Ort in Chile, nahe Santiago. In der Entscheidungsschlacht bei Maipu am 5.4.1818 schlug ein argentinisch-chilenisches Befreiungsheer unter J. de San Martin und B. O’Higgins die spanische Kolonialtruppen; damit war die Befreiung Chiles vollendet. Nationale Gedenkstätte.

Maiquetia: Stadt im Norden Venezuelas; gehört zur Bevölkerungs- und Wirtschaftsagglomeration von Caracas; 120000 Einwohner; internationaler Flughafen, in der Nähe Hochseehafen La Guaira.

Mairitterling, Maipilz, Calocybe gambosa: weißgelbliche Ritterling mit Mehlgeruch; auf Triften und besonders unter Haselnussbüschen, oft im Hexenring; Speisepilz. Siehe auch Pilze.

Mais, Kukuruz, Zea mays: einhäusige, bis 3 m hohe Getreideart. Die weiblichen Blütenstände (Maiskolben) werden von langen Hüllblättern scheidenartig umschlossen. Die männlichen Blütenstände bilden große, endständige Rispen. Mais wird seit 5000 Jahren angebaut, Wildformen sind aus Mexiko bekannt Mais ist über die gesamte Erde verbreitet. Er gedeiht auf leichten bis mittelschweren Böden. Die Körner werden als Futter und zur Nährmittelherstellung, nicht ausgereifter Mais wird als Silomais oder Futtermais (Grün-) Mais verwendet. Anbau besonders in den USA, China, Brasilien; siehe auch Kulturpflanzen.

Maisbeulenbrand, Beulenbrand: durch den Pilz Ustilago maydis verursachte Krankheit am Mais. An der Infektionsstelle bilden sich blasige bis faustgroß aufgetriebene, silbergrau glänzende Beulen (Gallen) an Stengeln, Kolben, Blättern und Rispen. In ihnen ist die Sporenmasse enthalten, die knapp 4 Wochen nach der Infektion reif und erneut infektionsfähig ist. Die wirksamste Bekämpfungsmaßnahme ist eine mindestens dreijährige Anbaupause für Mais auf befallenen Flächen, da die Hauptinfektion vom Boden ausgeht.

Maische: aus geschrotetem Getreide, Kartoffeln, Obst und so weiter unter Wasserzusatz hergestelltes unfiltriertes Gemisch, das zur Vergärung bestimmt ist. Die Maische wird durch Enzyme (Malz, Enzympräparate) und eventuell thermischen Aufschluss verflüssigt und verzuckert; anschließend erfolgt die Vergärung durch Hefezusatz. Sie wird zur Bier-, Spiritus- und Weinherstellung verwendet

Maisgürtel, Corn Belt: bedeutendste Landbauzone in den USA; umfasst die Bundesstaaten Indiana, Ohio, Illinois, Iowa, Missouri; gemäßigtes, ausreichend feuchtes Klima, wenig bewegtes Relief, fruchtbare Böden. Etwa 35 bis 50% der Ackerfläche sind dem Maisanbau bei Erträgen von über 60 dt/ha Vorbehalten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Maisgürtel zum Hauptanbaugebiet für Sojabohnen (66% der Ernte). Mais und Sojabohnen bilden die Futtergrundlage für eine umfangreiche Rinder- und Schweinemast. Die Zunahme der Zahl der Farmen mit über 100 ha Anbaufläche und von Pachtbetrieben bewirkt eine Abnahme der Zahl der Familienbetriebe und wachsende Landflucht.

Maisöl, Maiskeimöl: aus Maiskeimlingen gepresstes oder extrahiertes, gelbes bis braunes fettes Öl; Nebenprodukt bei der Gewinnung von Maismehl und -stärke; wird als Speiseöl sowie zur Herstellung von Margarine, Seife und Schmiermitteln verwendet.

Maisonette: (französisch, «Häuschen») räumliche Ordnung in vielgeschossigen Wohngebäuden, in denen sich ein Wohnbereich über 2 Geschosse mit eigener, innenliegender Treppe erstreckt.

Maistre, Joseph Marie Comte de, 1.4.1753-26.2.1821, französischer Philosoph; einflussreicher Ideologe des Legitimismus; vertrat ultraroyalistische und ultramontane Gesellschaftstheorien; entwickelte die Lehre von der «Unfehlbarkeit» des Papstes und verlangte die Unterordnung der weltlichen unter die geistliche Gewalt.

Maiszünsler, Ostrinia nubilalis: Schmetterling mit 30 mm Spannweite; Raupe bohrt in den Stengeln von Mais, Hopfen, Hanf und Hirse; am Bohrmehl erkennbar. Siehe auch Schmetterlinge.

Maitreya: (Sanskrit) nach buddhistischer Lehre der zukünftige Buddha, der jetzt noch Bodhisattva in seinem Paradies sein soll.

Maiwoche: die «blutige Woche» (21./28.5.1871) erbitterter Straßenkämpfe in Paris mit Truppen der Regierung Thiers («Versailler»), in denen die Kommunarden trotz heldenhaften Widerstandes geschlagen wurden. Zehntausende wurden füsiliert, eingekerkert oder deportiert.

Matzinseln, Cominseln: 2 Inseln im Karibischen Meer, vor der Küste von Nikaragua; 10,8 km2, etwa 2000 Einwohner; seit 1946 an die USA verpachtet, die hier Militärstützpunkte unterhalten. Nikaragua drängt auf Lösung des Pachtvertrages.

Majakowski, Wladimir Wladimirowitsch, 19.7.1893-14.4.1930 (Selbsttötung), russisch-sowjetischer Dichter, trat 1912 als einer der Wortführer des russischen Futurismus mit Gedichten hervor, stellte sein weiteres Schaffen vorbehaltlos in den Dienst der Sozialist Revolution, die er in Gedichten wie «Ode an die Revolution» (1918, deutsch) und «Linker Marsch» (1918, deutsch) besang. In den Poemen «Wladimir Iljitsch Lenin» (1924, deutsch) und «Gut und schön!» (1927, deutsch) äußert sich das reife Werk des Dichters. In zahlreichen Gedichten gestaltete Majakowski den sozialistischen Aufbau («Erzählung des Gießers Iwan Kosyrew vom Einzug in die neue Wohnung», 1928, deutsch). Mit Erscheinungen, die der gesellschaftlichen Entwicklung hemmend im Wege standen, setzte er sich in satirischen Versen («Die auf Sitzungen Versessenen», 1922, deutsch) und in den Komödien «Die Wanze» (1928, deutsch) und «Das Schwitzbad» (1929, deutsch) auseinander. In scharfer Form geißelte er die Zustände in den kapitalistischen Ländern («Black and White», 1925, deutsch). Unvollendet blieb das Poem über den ersten Fünfjahrplan «Mit voller Stimmkraft» (1930, deutsch). Majakowskis originelle dichterische Schöpfungen haben die Lyrik des 20. Jahrhundert nachhaltig beeinflusst.

Majapahit: feudales indonesisches Reich im Osten Javas; erreichte im 14. Jahrhundert den Höhepunkt der Macht und dehnte seine Oberhoheit über andere Teile Indonesiens aus. Danach zerfiel das Reich infolge innerer Konflikte, bestand jedoch als Binnenstaat noch bis Anfang des 16. Jahrhundert weiter.

Majdanek: Vorstadt von Lublin (Polen). Seit Oktober 1941 wurden im faschistischen Vernichtungslager Majdanek etwa 360000 Menschen (vorwiegend Juden aus Polen und anderen Ländern) grausam ermordet; am 24.7.1944 durch die Rote Armee befreit. Gedenkstätte.

Majerova, eigentlich Bartosova, Marie, 1.2.1882-16.1.1967, tschechische Schriftstellerin. Ihr umfangreiches Erzählwerk gehört zu den frühen Spitzenleistungen des Sozialist Realismus, zum Beispiel ihre Romane über den Weg zur Revolution («Platz der Republik», 1914; «Die schönste aller Welten», 1923; «Die Talsperre», 1932; «Die Sirene», 1935; alle deutsch). Reiseberichte und Kinderbücher stehen im Dienst der Völkerfreundschaft («Bruno», 1930, deutsch, die Geschichte eines deutschen Jungen im tschechischen Dorf).

Majestät: (dat., «Hoheit») Titel und Anrede von Kaisern, seit dem 15. Jahrhundert des Königs von Frankreich, seit dem 18. Jahrhundert aller Könige; für Kaiser dann die Steigerung kaiserlicher Majestät.

majestätisch: erhaben, herrlich; würde-, hoheitsvoll.

Majestätsbrief: schriftliche Festlegung von kaiserlichen Sonderrechten, staatsrechtliche Urkunde; am bekanntesten der Majestätsbrief Kaiser Rudolfs II. von 1609, der den böhmischen Protestanten Religionsfreiheit und gleiche Rechte wie den Katholiken gewährte; seine Verletzung war der Anlass des Dreißigjährigen Krieges.

Maji-Maji-Aufstand: 1905/07 Erhebung der Bevölkerung im Süden der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania); wurde durch die Einführung der Zwangsarbeit und einer Hüttensteuer ausgelöst; grausam niedergeschlagen.

Majolika: italienische Bezeichnung für Fayence.

Majoran, Majorana hortensis: aromatische Lippenblütler mit graufilzigen Blättern, kleinen weißen oder hellrötlichen Blüten und scheinbar einblättrigem Kelch; einjährige Gewürzpflanze.

majorenn: volljährig, großjährig, mündig.

Majuskeln: Großbuchstaben im Unterschied zu den Minuskeln. Ausgehend von Steininschriften (Monumental- oder Lapidarschriften) entwickelten sich Buchschriften (Kapitalschriften, Unziale) in der griechischen und lateinischen Schrift. Siehe auch Versalien.

makaber: düster, totenähnlich, gruselig; frivol.

Makadam: hohlraumreiche Konstruktionsschichten im Straßenbau mit bituminösen Bindemitteln, Splitt und Schotter, benannt nach dem schottischen Ingenieur J. L. McAdam.

Makaken, Macaca: in Herden lebende Affen Südostasiens, mit mittellangem bis kurzem Schwanz und Gesäßschwielen; in Nordafrika und auf Gibraltar der Magol (Macaca sylvana), einziger europäischen Affe. In Wäldern Südindiens lebt der Hutaffe (Macaca radiata).

Makame: (arabisch) Gattung der arabischen Kunstprosa mit eingestreuten Versen; von Hamadhani (909-1007) geschaffen, von Hariri (1054-1122) zur Vollendung geführt.

Makarenko, Anton Semjonowitsch, 13.3.1888-1.4.1939, sowjetischer Erzieher und Schriftsteller; wurde weltbekannt durch seine Erfolge bei der Erziehung verwahrloster Jugendlicher (ab 1920 Gorki-Kolonie bei Poltawa, ab 1928 Dzierzynski-Kommune bei Charkow). Makarenko erarbeitete grundlegende theoretische Erkenntnisse besonders zur Kollektiv- und Familienerziehung sowie zur Erziehung zu bewusster Disziplin. Seine Werke («Ein Buch für Eltern», 1937, deutsch; «Der Weg ins Leben», 1933/35, deutsch; «Flaggen auf den Türmen», 1938, deutsch) enthalten auch Ausführungen über Arbeitserziehung, Probleme der sittlichen Erziehung und über Anforderungen an den Lehrerberuf.

Makarikari-Becken: Salzpfanne im Nordosten von Botswana, mit 900 m über dem Meeresspiegel tiefster Teil der Kalahari; zur Regenzeit Salzsümpfe; Soda-, Natriumsulfat Gewinnung.

Ma kariös III., eigentlich Michael Christodoulos Mouskos, 13.8.1913-3.8.1977, zyprische Politiker und Geistlicher; seit 1950 griechisch-orthodoxer Erzbischof von Zypern; Führer der nationalen Befreiungsbewegung; 1956/57 von der britischen Kolonialmacht verbannt; 1960/77 Präsident der Republik, Juli/Dezember 1974 im Exil; betrieb eine Politik der Unabhängigkeit und der Nichtpaktgebundenheit.

Makarow, Stepan Ossipowitsch, 8.1.1849-13.4.1904 (gefallen), russischer Seeoffizier und Polarforscher; Vorkämpfer für die Nutzbarmachung des Nördlichen Seeweges; entwarf den ersten Eisbrecher («Jermak»), mit dem er 1898/99 Fahrten nach Spitzbergen und Nowaja Semlja unternahm.

Makart, Hans, 28.5.1840-3.10.1884, österreichischer Maler. Makarts Kunst mit ihrer Tendenz zum Dekorativen, Pathetischen und Prunkhaften entsprach dem neubarocken Ideal des habsburgischen Großbürgertums der Gründerzeit, als dessen Repräsentant er zum «Malerfürsten» aufstieg.

Makeba, Miriam, geboren 4.3.1932, südafrikanische Sängerin; nach Konzertreisen in Europa (seit 1959) arbeitete sie in den USA mit H. Belafonte zusammen; kämpft, besonders mit ihren Liedern, gegen Kolonialismus und Rassismus, für die Befreiung Afrikas; aus ihrem Heimatland vertrieben, lebt sie seit 1968 in Guinea; kubanische Ehrenstaatsbürgerin (1972).

Makedonen: byzantinische Dynastie (867/1056), deren erster Vertreter, Basileios I., aus dem Thema Makedonien stammte; unter den Makedonen erreichte der Feudalisierungsprozess seinen Höhepunkt, entfaltete das Reich seine größte Macht.

Makedonisch: zur Gruppe der südslawischen Sprachen gehörige Sprache der slawischen Bevölkerung Makedoniens; steht dem Bulgarischen nahe. Charakteristisch sind unter anderem Betonung auf der drittletzten Silbe und analytischen Formenbildung wie in den anderen Balkansprachen; verwendet die kyrillische Schrift.

Makette, Makel, Maquette: Manuskript, bei dem alle Einzelteile so geschrieben sind, dass sie dem späteren Zeilenverlauf und der Zeilenzahl des Druckproduktes entsprechen.

Make-up: Zurechtmachen des Gesichts und der angrenzenden Hals- und eventuell auch Nackenpartie mit Hilfe kosmetischer Mittel.

Makifrösche, Phyllomedusa: Gattung der Laubfrösche mit senkrechten Pupillen, langen, dünnen Gliedmaßen, Greifhänden und -fußen; setzen ihren Laich auf Blättern ab; Baumbewohner Mittel- und Südamerikas.

Makkabäer: 1. jüdisches Herrschergeschlecht, das sich auf Judas mit Beinamen Makkabäus zurückführt; leitete den jüdischen Befreiungskampf gegen die Seleukiden (2. Jahrhundert vor Christus). 2. 2 alttestamentliche Bücher aus dem 1. Jahrhundert vor Christus

Makler, Mäkler. Gewerbetreibender, der gegen Entgelt (Maklerlohn, Maklerprovision) Verträge zwischen anderen vermittelt; benennt die Partner einander für den Vertragsabschluss, bei beiderseitiger Bevollmächtigung schließt er den Vertrag. Der Schiffsmakler vermittelt Verträge mit dem Verfrachter (Frachtvertrag) oder Reeder.

Mäkler: Führungsgestell für Rammwerkzeug (Ramme).

Mako: (nach einem hohen ägyptischen Beamten) Sammelbegriff für verschiedene oberägyptische Baumwollsorten, die sehr fein und langfaserig sind, gelblicher Ton und seidigen Glanz aufweisen; wird zu feinen Garnen versponnen.

Mako: Stadt im Süden Ungarns (Bezirk Csongrad), an der Maros, östlich von Szeged; 30000 Einwohner; Landmaschinenbau; in der Umgebung bedeutender Zwiebelanbau.

Makonde Kunst: ursprünglich Kunst der bantusprachigen Makonde in Südtansania und Nordmozambique, umfasst die bedeutendsten Plastiken Ostafrikas und besitzt eine Tradition in vielgestaltigen Masken, die mit der Initiation verknüpft sind, in Ahnenplastiken wie auch geschnitzten Gebrauchsgegenständen. Nach der Erringung der Unabhängigkeit Tansanias entstand eine neue Makonde-Kunst; Gestaltung weltlicher Volksszenen, besonders des Dorfes, realistische Plastiken mit sozialem Aussagewert, Symbol. Kompositionen unter anderem

Makord: im Kern rosa bis braunes, im Splint grau rosa, wenig schwindendes afrikanisches Laubholz geringer Festigkeit; Verwendung als Furnier- oder Schnittholz.

Makowski: 1. Jozef Tadeusz Makowski, 29.1.1882-1.11.1932, polnischer Maler und Graphiker; lebte seit 1908 vorwiegend in Paris; stellte in einer stilisierten und zugleich poesievollen Art vor allem Menschen, häufig Kinder, dar, scheinbar naiv, dabei oft als vereinsamt.

2. Wladimir Jegorowitsch Makowski, 7.2.1846-21.2.1920, russischer Maler und Graphiker; Mitglied der Peredwischniki; schuf sozialkritische Genrebilder («Der Verurteilte», 1879), später gestaltete er Themen aus dem Leben und dem revolutionären Kampf der Arbeiterklasse.

Makramee: alte, ursprünglich arabische Knüpfarbeit, bei der festgedrehte Fäden mit Fransenbildung zu Spitzen, Einsätzen unter anderem geknotet werden.

Makrele, Scomber scombrus: bis 50 cm langer Schwann-Fisch der Küsten Europas und des östlichen Nordamerikas; wertvoller Speisefisch.

Makrobiose: (griechisch) Langlebigkeit.

Makrobiotik: (griechisch) die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern, insbesondere durch gesunde Lebensweise; ein von C. W. Hufeland eingeführter Begriff.

Makrofotografie, Lupenfotografie: fotografisches Aufnahmeverfahren beziehungsweise fotografische Aufnahme zur Wiedergabe eines kleinen Objektes im vergrößerten Maßstab. Siehe auch Mikrofotografie.

Makroinformationen, Kurzwort Makros: Polygraphie Satzinformationen für die Satzherstellung mittels EDVA die häufig in der gleichen Form auftreten und als Informationsketten im Satzprogramm enthalten sind.

Makroklima, Großklima: Klimaerscheinungen in großen Naturräumen (wie Länder, Regionen, Kontinente), auch global übergreifend.

Makrokosmos: («große Welt») das Weltganze, Weltall, Universum. In der antiken und mittelalterlichen Philosophie wurde zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos, zwischen Weltall und Mensch eine Analogie angenommen. Das Weltall ist beseelt, der Mensch ist eine kleine Welt mit gleicher Struktur und gleichen Eigenschaften. In der Renaissancephilosophie wurde diese Lehre von Nikolaus von Kues, G. Bruno, Paracelsus, J. Böhme unter anderem fortgesetzt.

Makromolekül: sehr großes, meist aus mehr als 1000 Atomen bestehendes Molekül Die relative Molekülmasse eines Makromolekül überschreitet in der Regel den Wert 10000; jedoch ist die Abgrenzung gegenüber kleineren Molekülen unscharf. Ein Makromolekül kann durch Polyreaktionen (Polymerisation, Polyaddition, Polykondensation) aus kleineren, gleich- oder verschiedenartigen Molekülen, den Monomeren, aufgebaut werden. Die makromolekularen Stoffe (auch hochmolekulare Stoffe genannt) werden daher auch als Polymere oder Hochpolymere bezeichnet. Aus organischem Makromolekül bestehen zum Beispiel Eiweiße, Stärke, Zellulose, Plaste, Elaste und Chemiefaserstoffe, aus anorganischem Makromolekül zum Beispiel plastisches Schwefel und im weiteren Sinne auch viele Silikate (Gläser, Asbest, Glimmer unter anderem). Nicht zu den Makromolekülen rechnet man die Ionengitter der salzartigen Stoffe und die Atomverbände, wie sie in den Metallen vorliegen. Einige Makromolekül besitzen kettenförmigen Aufbau (lineare Makromolekül), zum Beispiel gestreckt in Faserstoffen (Fadenmoleküle) und als Knäuel in Stärke (Knäuelmoleküle); andere sind stark verzweigt sowie flächig oder räumlich vernetzt, letzteres zum Beispiel bei ausgehärteten Duroplasten und Gerüstsilikaten. Manche Makromoleküle können zu Überstrukturen zusammen treten (Mizellen, Helix-, Doppelhelix- und Mehrfachhelixstrukturen). Intra- und intermolekulare Wechselwirkungen in Makromolekülen, zum Beispiel Wasserstoffbrücken, können zu hochgeordneten Strukturen mit außerordentlicher biochemischer Spezifität führen (Enzyme, Nukleinsäuren).

Makronährstoffe, Hauptnährstoffe: in der Pflanzenernährungs- und Düngungslehre Sammelbegriff für die in größeren Mengen im Boden vorkommenden und von den Pflanzen auch in verhältnismäßig großen Mengen benötigten Nährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Schwefel, Kalium, Kalzium, Magnesium; zuweilen wird auch Eisen zu den Makronährstoffe gerechnet).

Makrone: (französisch -

Makrophagen: (griechisch) zur Phagozytose (Aufnahme von belebten und unbelebten Substanzen) befähigte Bindegewebezellen, die sich aus dem Zellverband lösen und zu frei beweglichen Zellen werden können.

Makropode: (griechisch) Paradiesfisch, Großflosser, Macropodus opercularis: bis 12 cm langer Labyrinthfisch südostasiatisches Süßgewässer, baut ein Schaumnest und bewacht die Brut; beliebter Aquarienfisch.

makroskopisch: (griechisch) mit den menschlichen Sinnen ohne technische Hilfsmittel wahrnehmbar, ein mit den Sinnen erfassbares System als Ganzes betreffend.

Makrozustand: statistische Physik Zustand eines Vielteilchensystems. Unterteilt man den /i-Raum (Phasenraum) in Zellen der Größe W (A Planck Konstante, Zahl der Freiheitsgrade des einzelnen Teilchens), so wird der Makrozustand durch die Angabe der Anzahl der Teilchenzustände (Phasenpunkte) pro Zelle gekennzeichnet. Der Makrozustand bestimmt die makroskopisch messbaren physikalischen Größen, zum Beispiel Druck und Temperatur. Jeder Makrozustand kann im Allgemeinen durch verschiedene Mikrozustände realisiert werden.

Maksimovic, Desanka, geboren 16.5.1898, serbische Schriftstellerin; führte besonders als Lyrikerin die humanistische und antifaschistische Tradition der serbischen Literatur weiter («Das Mahl auf der Wiese», 1932; «Duft der Erde», 1955; «Ich fordere Begnadigung», 1964; «Niemandsland», 1979).

Makulatur: nicht qualitätsgerechter Knickbogen; Altpapier, Abfallpapier; übertragen unbrauchbare Schriftsteller, oder publizistischen Arbeiten.

Mal: 1. Medizin: Naevus.

2. Sport a) Markierung von Start-, Umkehr- oder Zielpunkten (Zielmal);

b) bei Schlagball- oder Abwurfspielen begrenzter Platz zum Schlagen oder Werfen (Schlagmal, Wurfmal);

c) im Rugby das «Tor» beziehungsweise das Field (Rugby).

Malabarküste, Pfefferküste: fruchtbarer Küstenstreifen im Südwesten Indiens, am Arabischen Meer, östlich begrenzt durch die Westghats; 700 km lang, bis 80 km breit; Alluvial Gebiete mit Lagunen, teilweise auch Dünen; tropisches Monsunklima; Anbau von Reis, Kokospalmen, Pfeffer.

Malabo: Hauptstadt von Äquatorial-Guinea, an der Nordküste der Insel Bioko; früher Santa Isabel; 40000 Einwohner; Holz-, Lebensmittelindustrie; Handelszentrum; Hochseehafen, bei Malabo internationaler Flughafen.

Malabsorption: ungenügende Aufnahme von Nahrungsstoffen durch die Darmzotten; führt zu chronischen Durchfällen und ungenügender Gewichtszunahme der Kinder. Ursache ist häufig eine Schleimhautschädigung des Darmes durch Infektion, seltener liegen angeborene Störungen vor.

Malacca, Malakka: Gliedstaat Malaysias; im 15. Jahrhundert bedeutendes Sultanat und Handelszentrum, das die Halbinsel Malakka und große Teile Ostsumatras beherrschte. Das koloniale Malacca wechselte mehrmals den Besitzer (1511 portugiesisch, 1641 niederländisch, 1824 britisch).

Malachit: (griechisch) Mineral, wasserhaltiges Kupferkarbonat; Kristallsystem monoklin, Härte 3,5 bis 4, Dichte 3,9 bis 4,1 g/cm3, meist nierig-traubige Massen von unterschiedlicher grüner Färbung (Schmuckstein), Oxydationsbildung auf Kupferlagerstätten im Ural (UdSSR), in Tsumeb (Namibia) und Shaba (Zaire).

Malachitgrün: blaugrüner basischer Triphenylmethanfarbstoff, der unter anderem zum Bedrucken von Seide und in der Mikroskopiertechnik verwendet wird.

malade: (französisch) umgangssprachlich (leicht) krank, unpässlich; erschöpft.

mala fides: (lateinisch) böser Glaube; siehe auch guter Glaube.

Malaga: feiner, feuriger, hocharomatischer spanischer Dessertwein aus dem Weinbaugebiet von Málaga.

Málaga: Stadt im Süden Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Malaga, am Mittelmeer; 503000 Einwohner; Textil-, Leder-, Glas-, Baustoff-, Fischkonserven- und chemische Industrie, Schiffbau; Erdölverarbeitung; Fischfang; Hafen (Weinausfuhr, Erdöleinfuhr), Erdölleitung nach Puertollano; internationaler Flughafen; Stierkampfarena; maurische Festungen (Alcazaba, Gibralfaro), Kathedrale (16. Jahrhundert); phönikische und römische Baureste; Geburtsort von P. Picasso. In der Umgebung Zitrusfrüchte- und Weinanbau (Malagawein); westlich und östlich von Malaga die Costa del Sol (Sonnenküste) mit starkem Tourismus. Nach 1100 v. Chr. phönikische Kolonie (Malaca), dann karthagisch, seit Ende des 3. Jahrhundert vor Christus römisch, im 4. Jahrhundert nach Christus westgotisch, 554/624 byzantinisch, danach bis 711 erneut westgotisch; unter maurischer Herrschaft (711/1487) war es Handels- und Wirtschaftszentrum; 1487 Eroberung durch Kastilien.

Malagasy: 1. Malagasy: zu den malaiisch-polynesischen Sprachen gehörende Staatssprache der Republik Madagaskar.

2. Madagassen.

Malaien: früher Bezeichnung für die Völker des Malaiischen Archipels, heute richtiger als Indonesier bezeichnet. Die Malaien (Selbstbezeichnung Orang Melayu) bewohnen als Handwerker, Händler und Seefahrer Malaya, die östliche Hälfte Sumateras und Küstengebiete Kalimantans; 15 Millionen; Muslime. Ihre Sprache ist heute in ganz Indonesien (Bahasa Indonesia) und Malaysia Verkehrssprache.

Malaienbär, Helarctos malayanus: Bär mit kurz-haarigem, glänzend schwarzem Fell und hufeisenförmiger heller Brustzeichnung; Urwaldbewohner Südostasiens.

Malaiisch: zu den malaiisch-polynesischen Sprachen gehörende Staatssprache von Malaysia, Singapur und Brunei; auf dem klassischen Malaiisch beruhend; seit 1972 mit der Bahasa Indonesia vereinheitlichte Rechtschreibung.

malaiische Literatur: Die klassische malaiische Literatur (überliefert seit dem 17. Jahrhundert, da nach dem Eindringen des Islams um 1400 die altmalaiischen Quellen verlorengingen, im Gegensatz zum Beispiel zur nicht islamisierten javanische Literatur, die bis in das 9. Jahrhundert belegt ist) ist vorwiegend anonym und schwer datierbar. Sie zerfällt in mündlich überlieferte Volksdichtung (Peng-li pur Lara «Tröster im Kummer»), Erzählungen, Rätsel und Sprüche; Pantun, vierzeiliges Sinngedicht mit verschränkten Reimassonanzen) und in schriftlich überlieferte, oft von ausländischen Vorbildern (Indien, Arabien, Persien) beeinflusste Zeugnisse in der Form des Hikayat (Prosanovelle oder -roman) und der epischen Form des Syair (aus Vierzeilern mit gleichen Reimassonanzen bestehendes Epos, bestimmend für den Inhalt ist meist das Wunderbare). Echt malaiisch dagegen sind die Sejarah (Chroniken) und Silsilah (Lokalchroniken). Als größte Werke gelten die «Malaien-Sejarah» (1612) und das «Hikayat von Hang Tuah» (Glücksbaron). Den Ausklang der klassischen malaiischen Literatur und zugleich den Übergang zur neueren Literatur bildet Abdullah bin Abdulkadir Munsyi (1796-1856), der sprachlich und inhaltlich mit den überkommenen Schablonen brach und zu einer weltoffeneren Themenwahl kam. Sein autobiographisches, kultur- und zeitgeschichtlich wertvolles Hauptwerk ist «Die Lebensgeschichte Abdullahs» (1843).

Malaiischer Archipel, Indischer Archipel: die zwischen dem asiatischen Festland und Australien in den Grenzgewässern des Indischen und des Stillen Ozeans gelegenen südostasiatischen Inselgruppen (von 11° bis 21° nördliche Breite und von 95° bis 136° östliche Länge), die über 10000 Inseln mit mehr als 2 Millionen km2 und 220 Millionen Einwohner umfassen; politisch hauptsächlich zu Indonesien, den Philippinen, Malaysia und Brunei gehörend. Der Malaiische Archipel besteht aus den Großen und Kleinen Sundainseln, den Maluku und den Philippinen-, die größten Inseln sind Kalimantan, Sumatera, Jawa, Sulawesi, Luzon und Mindanao. Außer einer Vielzahl von kleinen Koralleninseln meist gebirgige vulkanreiche Inseln als Überreste einer zerbrochenen Landverbindung zwischen Asien und Australien; von den 330 Vulkanen sind 128 noch tätig; oft Erdbeben. Bei tropischen Klima mit starkem monsunalem Einfluss ausgedehnte, meist stark versumpfte Tiefebenen besonders in Nordost-Sumatera, Süd- und West-Kalimantan; auf den östlichen Inseln sowie in höheren Gebirgslagen Monsunwald, in Leelagen auch Savanne, in den Tiefländern bis etwa 600 m über dem Meeresspiegel immergrüner tropischer Regenwald (z.T. Brandrodung) vorherrschend; an den Küsten vielfach Mangrovendickichte. Der Malaiische Archipel ist reich an Bodenschätzen, unter anderem an Stein- und Braunkohle, Erdöl, Erdgas, Eisen-, Uran-, Zinn- und anderen Buntmetallerzen.

malaiisch-polynesische Philologie: Wissenschaft von den malaiisch-polynesischen Sprachen und deren Literaturen. W. Marsden verwies 1817 erstmalig auf die Verwandtschaft der malaiisch-polynesischen Sprachen; T. S. Raffles und W. von Humboldt beschrieben zum ersten Mal das Javanische; H. Neubronner van der Tuuk entdeckte die Austauschbarkeit und Unbeständigkeit der Lautreihen RDL und RGH; J. A. L. Brandes, H. Kern, R. Brandstetter und O. Dempwolff erforschten diese Erscheinung sowie die malaiisch-polynesische Wortwurzelstruktur noch eingehender.

Malaiisch-polynesische Sprachen: Gruppe verwandter, in Indonesien, in Malaysia, auf Madagaskar, auf den Philippinen und in Polynesien gesprochener Sprachen, die in einen westlichen (indonesischen oder malaiischen) Zweig mit der sumateranische, javanisch-maduresisch-balinesische, Sulawesi-,. Kalimantan-, Molukken-, philippinische und Malagasi- (madagassische) Gruppe und in einen östlichen (polynesischen) Zweig, dem unter anderem Samoanisch, Fidschi, Tahiti, Hawaiisch, Papua, Rapanui, Maori angehören, unterteilt werden.

Malakka: 1. Malakka, Malaiische Halbinsel, schmale Landzunge im südlichen Teil Hinterindiens, zwischen Andaman Meer im Westen und dem Golf von Thailand sowie dem Südchinesischen Meer im Osten; im Süden durch die Straße von Malakka von Sumatera sowie durch die Johorstraße von Singapur getrennt; 237000 km2, 1200 km lang, 330 bis 42 km (Isthmus von Kra) breit; gehört politisch zu Burma, Thailand und Malaysia. Die das Innere der Halbinsel durchziehenden, meist aus Granit, Gneis, Schiefer und Kalkstein aufgebauten Gebirgsketten (Tahan 2190 m) werden nach Süden zu niedriger und laufen in Berg- und Hügelländern aus. zwischen den Gebirgsketten sind langgestreckte Talzüge eingebettet. Die Küsten sind meist flach und verbreitern sich nach Süden hin zu großen, vielfach versumpften Ebenen. An der im Schutz von Sumatera gelegenen Westküste hat sich ein nahezu geschlossener Mangrovengürtel entwickelt, der an der brandungsreichen Ostküste fehlt. Es herrscht tropisches Klima (Hauptregenzeit im Osten während des Nordostmonsuns im Januar, im Westen während des Südwestmonsuns im Juli); tropischer Regenwald; Anbau von Reis, Kautschuk und Kokospalmen in Großplantagen. Bergbau auf Zinnerz, ferner auf Gold-, Silber-, Wolfram-, Mangan-, Eisenerz, Bauxit und Kaolin.

Malakka, Straße von, Malakkastraße: Meeresstraße zwischen Malakka und Sumatera; 780 km lang, an der schmälsten Stelle 67 km breit bis 50 m tief; mit mehreren Inseln durchsetzt; starke Gezeitenströmungen (bis 3,5 sm/h); verbindet das Andaman. Meer (Indische Ozean) mit dem Südchinesischen Meer (Stiller Ozean); am Eingang des Südchinesischen Meeres liegt Singapur, der bedeutendste Hafen Südostasiens.

Malakologie, Malakozoologie (beide griechisch): Lehre von den Weichtieren, früher auch Conchologie oder Konchyliologie genannt.

Malanggan: (melanesisches) bemaltes hölzernes Kultobjekt und Ritus bei Totenfeiern auf Neuirland.

Malanje: Stadt (Distriktzentrum) im Norden Angolas, 1150 m ü. M; früher Malange 32000 Einwohner; Handelszentrum; Lebensmittelindustrie; bei Malanje in Quissol Zuckerfabrik; Flughafen.

Malaparte, Curzio, eigentlich Kurt Suckert, 9.6.1898-19.7.1957, italienischer Schriftsteller; errang internationalen Erfolg mit den Romanen «Kaputt» (1944, deutsch) und «Die Haut» (1949, deutsch), beide mit antifaschistischer Tendenz, sowie «Verdammte Toskaner» (1956, deutsch), in denen er die Wirklichkeit verzerrt, das Grausame und Hässliche in den Vordergrund gerückt, widerspiegelte.

Malaria, (italienisch, «böse Luft») Wechselfieber, Sumpffieber. durch Malariaplasmodien (Sporentierchen) hervorgerufene und weibliche Anopheles-Mücken übertragene, weit verbreitete Infektionskrankheit der warmen Länder mit charakteristische Fieberanfällen entweder jeden 3. Tag (Malaria tertiana), jeden 4. Tag (Malaria quartana) oder unregelmäßig (Ai. tropica). Die Seuchenbekämpfung erfolgt durch Mückenvernichtung (Gewässersanierung, Insektizide) und individuelle Vorbeugung (Moskitonetze, Arzneimitteleinnahme).

Mälarsee, schwedisch Mälaren. See im mittleren Schweden, westlich von Stockholm; 1140 km2 (410 km2 Inseln), bis 64 m tief; Abfluss zur Ostsee (Schiffsverkehr); Industrie in Västeras; Schlösser Gripsholm und Drottningholm, historische Stätten Birka und Sigtuna (Wikingersiedlungen).

Malawi, Republik Malawi: Staat in Ost- und Südzentralafrika; grenzt im Norden an Tansania, im Osten an Tansania und Mozambique, im Süden an Mozambique sowie im Westen an Mozambique und Sambia; verwaltungsmäßig in 3 Regionen mit 24 Distrikten gegliedert. Die Bevölkerung gehört zur Bantu-Sprachfamilie; wichtigste ethnische Gruppen sind Malawi, Chewa, Yao-Lomwe und Angoni-Tonga. Amtssprachen sind Englisch und Chinyanja. Währung ist Kwacha. Malawi umfasst den größten Teil des Malawigrabens (Teil des Ostafrikanischen Grabensystems) mit Malawisee sowie dessen südlichen und westlichen; bis 3003 m hohen Randaufwölbungen. Etwa zwei Drittel der Oberfläche sind Hochebenen. Es herrscht tropisches Monsunklima. Vorherrschend sind laubabwerfende Wälder, Baum- und Strauchsavannen. Die Bodenschätze (Bauxit, Steinkohle, Eisen, Kupfer, Platin, Gold, Asbest, Graphit unter anderem) sind noch wenig erschlossen. Malawi ist ein schwach entwickeltes Agrarland in ökonomischer Abhängigkeit vom Auslandskapital (besonders Großbritannien und Republik Südafrika (RSA)). In der Landwirtschaft sind 85% der Erwerbstätigen beschäftigt. Es überwiegt rückständige Naturalwirtschaft Etwa 150000 arbeiten im Ausland (besonders RSA; bedeutende Valutaeinnahmen). Wichtigste Wirtschaftszweige sind der exportorientierte Anbau von Tee, Tabak, Zuckerrohr und Erdnüssen auf modernen Plantagen, die überwiegend Europäern gehören, und die Edelholzgewinnung. Für den Eigenbedarf Anbau von Mais, Hirse und Hülsenfrüchten; Fischfang. Die Verarbeitungsindustrie begann sich erst seit den 70er Jahren zu entwickeln. Sie ist hauptsächlich in Blantyre konzentriert und umfasst Betriebe zur Erstverarbeitung landwirtschaftliche Produkte, Herstellung von Textilien, Holz-, Lederwaren, Zement und Düngemitteln. Das Straßennetz (1900 km, davon 40% asphaltiert) ist im Süden relativ dicht. Durch das Eisenbahnnetz (785 km) wird Lilongwe mit den Hochseehäfen Beira und Nacala in Mocambique am Indischen Ozean verbunden. Internationale Flughäfen bei Blantyre und Lilongwe. Ausfuhr von Agrargütern und Holz, Einfuhr von Industriewaren, Brennstoffen und Lebensmitteln. Haupthandelspartner sind Großbritannien, RSA, ferner Simbabwe, Niederlande und Japan. Ende des 15. Jahrhundert vereinigten sich die Stämme der Malawigruppe. 1891 errichtete Großbritannien das Protektorat Britisch-Zentralafrika (seit 1907 Njassaland). Systematischer Landraub und Zwangsrekrutierungen führten im Februar 1915 zum Aufstand unter J. Chilembwe. Die britische Kolonialmacht vereinte Njassaland 1953/63 mit Nord- und Südrhodesien zur Föderation von Rhodesien und Njassaland. Im September 1959 wurde die Kongresspartei Malawi gegründet. Als Malawi errang Njassaland am 6.7.1964 die staatliche Selbständigkeit; seit 6.7.1966 ist Malawi Republik. Staatspräsident ist N. K. Banda. Die innenpolitische Lage ist durch eine weitgehende Konzentration der Macht in den Händen des Staatspräsidenten und die Verfolgung aller oppositionellen Kräfte charakterisiert. 1975 entstand in der Illegalität die sozialistische Liga Malawis (englisch Abkürzung LESOMA) als oppositionelle Organisation und politischen Kraft für eine demokratische Umgestaltung.

Malawicichliden: Sammelbezeichnung für im Malawisee lebende Buntbarsche; die etwa 150 Arten (Pseudotropheus, Labeotropheus unter anderem) sind vielfach prächtig gefärbt und treiben Brutpflege, zum Beispiel Maulbrüter; beliebte Aquarienfische.

Malawisee, Njassasee: See im Malawigraben, besonders zu Malawi, sonst zu Mozambique, das nördlichen Ostufer zu Tansania gehörend; 30800 km2, 571 km lang, bis 80 km breit und 750 m tief; Abfluss durch den Stromschnellen reichen Shire zum Sambesi; fischreich.

Malayalam: dravidische Sprache, die im Südwesten Indiens, besonders im Unionsstaat Kerala, von etwa 22 Millionen Menschen gesprochen wird.

Malaysia: Bundesstaat in Südostasien, besteht aus 2 durch das Südchinesische Meer getrennten Landesteilen, dem im Süden der Halbinsel Malakka gelegenen West-Malaysia (Malaya) sowie Ost-Malaysia im Nordwesten der Insel Kalimantan; benachbart sind Brunei, Indonesien, Singapur und Thailand. Malaysia umfasst 13 Gliedstaaten, davon 11 in West-Malaysia (Johor, Kedah, Kelantan, Malacca, Negeri Sembilan, Pahang, Penang, Perak, Periis, Selangor, Terengganu) und 2 in Ost-Malaysia (Sabah und Sarawak), sowie das Bundesterritorium der Hauptstadt Kuala Lumpur. Währung ist der Ringgit.

Bevölkerung: Die 3 großen nationalen Gruppen werden zu etwa 56% aus Malaien, zu 33% aus Chinesen und zu 10% aus Indem gebildet. Der restliche Anteil sind vorwiegend in Ost-Malaysia lebende, den Malaien verwandte kleinere ethnische Gruppen (Iban, Dajak). Amtssprache ist seit 1967 Malaiisch (Bahasa Malaysia), daneben existieren verschiedene Regionalsprachen sowie Englisch als Verkehrssprache. In West-Malaysia leben 30%, in Ost-Malaysia 17% der Bevölkerung in Städten.

Natur - Oberfläche: Sowohl Westals auch Ost-Malaysia ist von Gebirgsketten, die nach Süden in Berg- und Hügelländer auslaufen, durchzogen. Das Tiefland an den Küsten ist teilweise versumpft und von Mangrovendickicht bestanden. Das Klima wird durch den tropischen Monsun bestimmt; infolge der Meeresnähe sind die Niederschläge überall hoch (2000 bis 3000 mm/ Jahr) mit einem Maximum von November bis März. Pflanzenwelt. In West-Malaysia sind über 60%, in Ost-Malaysia 80% der Fläche von immergrünem tropischen Regenwald (durch Höhenlage modifiziert) bedeckt.

Geschichte: Begünstigt durch die strategische Lage, entstanden auf dem Gebiet des heutigen Malaysia seit den ersten Jahrhunderten nach Christus unter indischen und chinesischen Einflüssen die ältesten Staaten, die für die überregionalen Handelsbeziehungen größte Bedeutung erlangten (Srivijaya). Malacca wurde 1511 von Portugal, 1641 von den Niederlanden erobert, die Briten setzten sich 1786 in Penang fest. Der Londoner Vertrag vom 17.3.1824 trennte die kolonialen Interessensphären zwischen Großbritannien (Festland) und den Niederlanden (Inselwelt). Die Briten bildeten 1826 die Straits Settlements (Penang, Malacca, Singapur) und unterwarfen im Zuge der sogenannt Interventionspolitik seit den 70er Jahren die Sultanate Perak, Selangor, Negeri Sembilan und Pahang (ab 1895 sogenannt Föderierte Malaien Staaten). 1909 musste Siam unter britischen Druck Kedah, Perlis, Kelantan und Terengganu abtreten, die zusammen mit Johor die sogenannte Nichtföderierten Malaien Staaten bildeten. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zinnforderung, mit Beginn des 20. Jahrhundert die Kautschukproduktion. Beide Wirtschaftszweige führten zu einer Expansion der Kolonialwirtschaft, zu grundlegenden Veränderungen der ethnischen und Sozialstruktur und riesigen Profiten der vornehmlich britischen Monopole. Es setzte eine starke Einwanderung chinesischer und indischer Arbeitskräfte ein. Mit dem 20. Jahrhundert entwickelte sich die gewerkschaftliche und die nationale Bewegung, in Malaya von Anfang an ethnisch gespalten (hoher Anteil des chinesischen und indischen Proletariats). Die am 30.4.1930 gegründet KP stellte sich an die Spitze der Arbeiterbewegung. Während der japanischen Okkupation (1941/45) organisierte sie den Widerstand und schuf in den befreiten Landesteilen unabhängige Machtorgane. Die britische militärische Intervention (September 1945) führte zu einer Zuspitzung des antikolonialen Kampfes und zu einem Bürgerkrieg (1948 Verbot der KP). 1946 wurde aus den malaiischen Sultanaten sowie Malacca und Penang die Malaiische Union gebildet (1948 in Malaiische Föderation umgewandelt), die 1957 unter Beibehaltung bedeutender ökonomischer und militärischer Positionen des britischen Imperialismus die Unabhängigkeit erhielt Gestützt auf die traditionelle malaiische Feudalaristokratie sowie die chinesische und indische Bourgeoisie in Malaya und Singapur, betrieb Großbritannien die Bildung der Föderation Malaysia (16.9.1963) aus Malaya, Singapur (bis 1965) und den ehemals britischen Kolonien Sarawak und Sabah. Diese Entwicklung führte zu Spannungen mit Indonesien (sogenannt Konfrontationspolitik; beigelegt 1966). Seit Anfang der 70er Jahre ist die herrschende Klasse bestrebt, durch die Schaffung der Nationalen Front und eine «Neue ökonomische Politik» ihre politischen Positionen zu festigen und eine schnellere Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft zu erreichen, ohne grundsätzliche sozialökonomische und gesellschaftliche Veränderungen zuzulassen. Die bewusste Begünstigung des malaiischen Bevölkerungsteils wird verstärkt fortgesetzt. Malaysia ist Mitglied der ASEAN. Seine Beziehungen zu den Sozialist Staaten wurden seit Ende der 60er Jahre allmählich verbessert. Malaysia verfolgt das Konzept einer von den Großmächten respektierten Neutralisierung Südostasiens.

Malbork: Stadt in Polen (Wojewodschaft Elbing), am Nogat; 35000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Textilindustrie, Maschinenbau. Bedeutende gotische Marienburg des Deutschen Ritterordens aus dem 13. Jahrhundert (heute Museum mit Waffen- und Bernsteinsammlung); gegründet 1276, besteht aus-Hoch-, Mittelschloss und Vorburg, vor allem 14./15. Jahrhundert; restauriert im 19. Jahrhundert und nach 1945.

Malchin: Kreisstadt im Bezirk Neubrandenburg, an der Peene; 10800 Einwohner; Metall-, Leicht-, Lebensmittelindustrie, Mischfutter-, Betonwerk; Saatguthandel, Agrarzentrum; neues Stadtzentrum, gotische Stadttore, gotische Stadtkirche.

Malchow: Stadt im Kreis Waren, Bezirk Neubrandenburg, am Malchower See; 8400 Einwohner; Teppich-, Bekleidungs-, Möbel-, Holzindustrie; Agraringenieurschule; Erholungsort.

Male: Hauptstadt der Malediven, auf der Insel Male im Südteil des Male-Atolls, im Indischen Ozean; 34000 Einwohner; Hafen mit Handelsverkehr nach Sri Lanka und Indien (Malabarküste).

Malebranche, Nicolas de, 6.8.1638 bis 13.10.1715, französischer Philosoph; versuchte Descartes Dualismus von Körper und Seele in einem rationalistischen System zu überwinden, nach dem Gott durch Eingreifen die Einheit von Körper und Seele herstellt (Okkasionalismus).

Malediven, Republik der Malediven: Staat auf der Inselgruppe der Malediven, einer über 750 km langen und 120 km breiten Inselkette im Indischen Ozean, 650 km südwestlich von Sri Lanka. Die Bevölkerung ist ein Mischvolk arabischer, malaiischer und singhalesische Herkunft. Amtssprachen sind Divehi (Maledivisch) und Englisch. Währung ist die Rufiyaa. Die Malediven umfassen 19 Atolle mit 1196 Inseln und Eilanden, von denen 202 bewohnt sind. Auf den meist nur bis zu 2,5 m über dem Meeresspiegel aufragenden Koralleninseln gedeihen bei tropischen Monsunklima besonders Kokospalmen und werden Bananen, Zitrusfrüchte, Hirse, Mais, Yams und Gemüse angebaut. Keine Bodenschätze. Wichtigster Erwerbszweig sind der Fischfang und die Erzeugung von Trockenfisch; die erste Konservenfabrik wurde mit japanischer Hilfe errichtet; sich rasch entwickelnder Tourismus. Internationaler Flughafen auf Hulule (bei Male); Handelsschifffahrt. Das wirtschaftlich wenig entwickelte Land exportiert Fischprodukte (96% des Exportwertes), Kopra, Kaurimuscheln und Kokosnüsse. Importiert werden Reis und Konsumgüter. Die Hälfte des Außenhandels entfällt auf Indien; Handel auch mit Sri Lanka, Japan und Thailand.

Geschichte: Seit dem 2. Jahrhundert durch Tamilen und Singhalesen besiedelt; seit 1153 arabischer Sultanat; 1518/73 Kolonialisierungsversuche der Portugiesen. Seit 1645 unter niederländischen, ab 1796 unter britischen Einfluss; seit 1887 britisches Protektorat. Am 26.7.1965 erlangte das Sultanat Malediven nach einer antibritischen Erhebung 1964 die staatliche Selbständigkeit. Am 11.11.1968, nach einem Volksentscheid, Ausrufung der Republik. Amir Ibrahim Nasir wurde Staatspräsident. 1972 Verkündung einer neuen Verfassung; im März 1976 Auflösung des britischen Militärstützpunktes auf dem Addu-Atoll. Seit 1976 Mitglied der Bewegung der nichtpaktgebundenen Staaten. 1978 wurde Maumoon Abdul Gayoom zum neuen Staatspräsidenten gewählt.

Maleinsäure: (lateinisch malum, «Apfel») die cis-Form der Butendisäure. Maleinsäure bildet färb- und geruchlose, leicht wasserlösliche Kristalle; F 130,5 °C; die Salze und Ester heißen Maleate die trans-Form heißt Fumarsäure. Maleinsäureanhydrid, ist farblos, kristallisiert; F57°C. Es wird technisch zur Herstellung von Alkyd- und Polyesterharzen sowie von Äpfel- und Weinsäure verwendet.

Malé Karpaty, Kleine Karpaten: Mittelgebirge in der CSSR, Südteil der Westkarpaten, schließt sich im Norden an die Bilé Karpaty an; etwa 100 km lang, 10 bis 15 km breit, höchste Erhebung Zäruby mit 768 m; aus Granit, kristallinen Schiefern und Kalken aufgebaut; vorwiegend mit Laubwald bedeckt; am Gebirgsrand Obst- und Weinbau.

Malerei: Gattung der bildenden Kunst, in der unter Verwendung flächiger Malgründe mit Farben Abbilder der Wirklichkeit gegeben werden. Sie ist ein Mittel, die Wirklichkeit auf künstlerischer Weise widerzuspiegeln und auf die Gesellschaft und das Individuum einzuwirken. Die Malerei gehört zu den Ausdrucksformen des gesellschaftlichen Bewusstseins und zum Überbau der Gesellschaft. Die Malerei unterliegt wie jede Kunstgattung den allgemeinen Gesetzen der Ästhetik, in deren Rahmen sich ihre besondere Gesetzmäßigkeit hinsichtlich Inhalt und Form sowie ihre Technik entwickelt. Sie erfasst die Erscheinungen der realen Welt vielseitiger und vollständiger als andere Gattungen der bildenden Kunst. Stärker als die Plastik gibt sie dem mim. Ausdruck der Menschen, damit der Widerspiegelung ihrer seelischen Erlebnisse und ihrer gesellschaftlichen Beziehungen Raum. Sie kann am vollkommensten die atmosphärischen Stimmungswerte der Natur ausdrücken. Mit Hilfe der Zentralperspektive schafft sie den Eindruck räumlicher Tiefe, mittels der Farben spiegelt sie den farbigen Reichtum der Welt. Durch abstrahierende Formelemente vermag sie Stimmungen, Gefühle oder rhythmische Empfindungen wiederzugeben. Aus diesen Gründen nimmt die Malerei in der Kunst der Neuzeit einen bevorzugten Platz ein. Die Malerei vermag Vergangenes (Historienmalerei) und Gegenwärtiges (Genremalerei oder Sujet Malerei), Menschen (Porträtmalerei, Figurenmalerei, Gruppenbildnis) und Tiere (Tiermalerei), einzelne Dinge (Stilllebenmalerei) und den großen Zusammenhang der Natur (Landschaftsmalerei, Marinemalerei) darzustellen. Dem Ausdruck des künstlerischen Inhalts dient die Komposition; sie setzt die einzelnen Teile und Farben entsprechend den Erfordernissen der künstlerischen Ideen und den Gestaltungsgesetzen der Malerei in Beziehung. Dabei berücksichtigt der Maler die Gesetze der Zentral-, Luft- und Farbenperspektive. Hinsichtlich ihrer Zwecke werden monumentale Wandmalerei, Tafelmalerei (Herstellung von Gemälden auf Holztafeln, Leinwand und Malpappen), Buchmalerei und Miniaturmalerei unterschieden; nach der Maltechnik Fresko, Ölmalerei, Temperamalerei, Guaschmalerei, Pastellmalerei, Glasmalerei, Aquarell, das j1 Mosaik, die Enkaustik.

Geschichte: Die Malerei beginnt sich in der Urgesellschaft zu entwickeln. Die Höhlenmalerei spiegelt die unmittelbare Tätigkeit der Menschen dieser Gesellschaftsstufe wider. Obwohl ausgezeichnet durch gute Beobachtungsgabe, enthalten die Höhlenbilder ein bewusstes und in Kompositionen ausgedrücktes Erfassen der Wirklichkeit nur im Keim. Dies entwickelte sich erst in der Sklaverei Gesellschaft, in der die Kunst der Verherrlichung und Festigung der Gesellschaftsordnung, der Stärkung des Ansehens despotischer Herrscher und den staatserhaltenden religiösen Kulten diente. In dieser Kunst nahm erstmals die Gestalt des Menschen einen wichtigen Platz ein. Im Unterschied dazu ist im antiken Griechenland die Malerei von humanitären Ideen durchdrungen. Im Feudalismus setzten sich, vornehmlich unter dem Einfluss der Religionen, weltverneinende Tendenzen durch. In Europa herrschten das Mosaik, die Freskomalerei, Ikonenmalerei und Buchmalerei vor. In Vorderasien wurden während des Mittelalters hauptsächlich Miniaturen gemalt, in die einzelne realistische Wirklichkeitsbeobachtungen einflossen. In China entstand die Tuschmalerei auf Seide und Papier, die sich durch eine realistische Auffassung der Landschaft, der Menschen und Szenen auszeichnet. Die weitgreifende Entwicklung Europas im Frühkapitalismus hatte einen umfassenden Realismus in der Malerei zur Folge, dessen bedeutendstes Ergebnis das Eindringen genrehafter Elemente und die Ausbildung der Porträtmalerei war. Ihre erste Blüte erreichte diese realistische Malkunst in der italienischen Renaissance und in den bürgerlichen Niederlanden. Ausdruck des neuen bürgerlichen Auftrags war die Entwicklung der Tafelmalerei und die Vervollkommnung der Ölfarbentechnik. Unter Ausnutzung des neuen Darstellungsvermögens diente die Malerei im Zeitalter des Absolutismus der Verherrlichung der fürstlichen und kirchlichen Macht. Ihr setzte die bürgerliche Klasse in der Zeit der Aufklärung (Klassizismus) ein ideales Menschenbild entgegen. Im Zeitalter des fortschreitenden Kapitalismus entwickelte sich in der europäischen Malerei zwischen 1830 und 1871 eine dem gesellschaftlichen Fortschritt entsprechende und demokratische Inhalte gestaltende realistische Malerei. Doch machte der Kapitalismus die Malerei zur Ware und nutzte sie besonders in seinem imperialistischen Stadium zur Ablenkung von der Wirklichkeit aus. Die spätbürgerliche Kunst reflektiert in den verschiedensten Spielarten die Zerfallsprozesse innerhalb dieser Gesellschaft. Selbst unter diesen Bedingungen wirken demokratische Kräfte, die aus humanistischer Gesinnung ihre Kunst zum Instrument der Gesellschaftskritik (kritischer Realismus) entwickeln. Die Malerei in den sozialistischen Ländern knüpft an die besten Traditionen der fortschrittlichen Kunst der Vergangenheit an und entwickelt sie im Sinne des sozialistischen Realismus weiter.

malermäßige Instandhaltung: die zur Benutzbarkeit einer Wohnung erfordert. Malerarbeiten; die Kosten trägt bei Vertragsbeginn der Vermieter, später der Mieter.

Malermuschel, Unio pictorum: europäischen Süßwassermuschel, deren bis 9 cm lange Schalen früher als Mal Näpfe zum Anrühren von Farben benutzt wurden.

Malewitsch, Kasimir Sewerinowitsch, 23.2.1878—15.5.1935, russisch-sowjetischer Maler, Graphiker und Kunsttheoretiker, begründete 1916 den Suprematismus («Vom Kubismus und Futurismus zum Suprematismus») und bezeichnete so seine gegenstandslosen geometrischen Kompositionen, da in ihnen, befreit vom Gegenstand, die Empfindung dominiere.

Malfahren, Fliegerrennen, Sprint: Kurzstreckenbahnradrennen, bei dem alle Fahrer eines Laufes von der Startlinie (dem Mal) starten; im engeren Sinne das Malfahren über etwa 1000 m. Olymp, (seit 1896) und Weltmeisterschaftsdisziplin (seit 1893).

Malherbe, François de, 1555-6.10.1628, französischer Dichter und Kritiker, bereitete durch die Aufstellung fester, rationaler Sprach- und Dichtungsregelungen die französische Klassik vor, engte aber durch seinen Purismus deren poetischen Ausdruck ein.

Malheur: (französisch) (kleines) Unglück; Missgeschick.

Mall: mittelalterliches Großreich in Westafrika mit gesellschaftlichen Verhältnissen vom Typ der frühen Klassengesellschaft. Im 11. Jahrhundert als Staat der Mandingo gegründet, wurde Mall unter Mansa Musa (1307/32) zu einem Zentrum des Handels und der islamischen Kultur in Westafrika. Widersprüche innerhalb der herrschenden Klasse und Angriffe benachbarter Staaten führten seit dem 15. Jahrhundert zum Zerfall.

Mali, Republik Mali: Binnenstaat in Westafrika, am oberen Senegal und mittleren Niger; grenzt im Nordosten an Algerien, im Osten an Niger, im Süden an Niger, Burkina und Elfenbeinküste, im Südwesten an Guinea, im Westen an Senegal sowie im Westen, Nordwesten und Norden an Mauretanien; verwaltungsmäßig in 7 Regionen und einen Hauptstadt-Distrikt gegliedert. Die Bevölkerung besteht aus verschiedenen Völkern, die entweder Viehzucht oder Ackerbau betreiben. Amtssprache ist Französisch. Währung ist der Mali-Franc. Natur. Die Oberfläche erstreckt sich vom Nordrand der Oberguineaschwelle über das Nigerbecken bis weit in die Sahara. Es überwiegt von Inselbergen überragtes Tafelland. Tropisches Klima mit von Süden nach Norden abnehmenden Niederschlagshöhen. Hauptflüsse sind Niger und Senegal. entsprechend den klimatischen Bedingungen Wandlung der Vegetation von Süden nach Norden von Feuchtüber Trocken- und Domsavanne (Sahel) in Halbwüste und Wüste (60% der Landesfläche). Die bisher erkundeten Bodenschätze (Phosphat, Uran, Gold, Bauxit, Mangan, Kupfer, Zink, Eisen) werden zurzeit noch wenig genutzt. Wirtschaft Durch frühere lange Kolonialherrschaft ist Mali ein noch rückständiges Agrarland. Nach 1960 entstand ein bedeutender staatlicher Sektor. Etwa 90% der Beschäftigten sind in der Landwirtschaft tätig, davon ein großer Teil noch unter wirtschaftlichen Bedingungen. Durch Ausbau der Bewässerungswirtschaft (Staudämme am Senegal und Nigerzufluss Sankarani) wird eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion angestrebt. Mit Unterstützung staatlicher Aufkauforganisationen Anbau von Export- und Marktprodukten (Erdnüsse, Hirse, Mais; bei Bewässerung Reis, Baumwolle, Zuckerrohr); umfangreiche extensive Viehhaltung; Fischerei. Mit Hilfe sozialistischer Staaten begann der Aufbau einer Verarbeitungsindustrie, die Betriebe der Nahrungsmittel-, Tabak-, Metall-, Textil-, Papier-, Zement- und Keramikindustrie umfasst. Begonnen hat die Phosphat- und Goldgewinnung. Durch eine Bahnlinie ist Mali mit dem Atlantik (Dakar) verbunden. Das Straßennetz ist relativ gut ausgebaut. Internationaler Flughafen bei Bamako. Ausfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen (Baumwolle, Erdnüsse, Vieh, Häute) und Trockenfisch, Einfuhr von Lebensmitteln, Industrieausrüstungen, Transportmitteln und Treibstoffen; Haupthandelspartner sind Frankreich, die BRD, Elfenbeinküste, Senegal und die UdSSR. Geschichte. Besiedelt seit urgeschichtlicher Zeit, entfalteten sich im Mittelalter auf dem Territorium des heutigen Mali die Großreiche Ghana, Mali und Songhai. Nach der Unterwerfung durch die französischen Kolonialeroberer in den 90er Jahren des 19. Jahrhundert wurde die Kolonie Obersenegal und Niger (ab 1920 Französisch-Sudan) geschaffen, die seit 1902 zur Kolonialföderation Französisch-Westafrika gehörte. Der antikoloniale Kampf der Völker Malis erlebte nach dem 2. Weltkrieg unter der Führung der sudanesischen Union einen bedeutenden Aufschwung und führte am 20.6.1960 zur staatlichen Selbständigkeit der 1959 aus Sudan und Senegal gebildeten Föderation Mali und am 22.9.1960 zur Proklamierung der Republik Mali aus dem sudanesischer Teil der Föderation. Präsident wurde der Führer der sudanesischen Union, Mali Keita. Der zunächst von Mali verfolgte Prozess der sozialistischen Orientierung wurde durch einen Militärputsch vom 19.11.1968 unterbrochen. Die Macht übernahm am 25.11.1968 das Militärkomitee der Nationalen Befreiung (französisch Abkürzung CMLN), dessen Präsident, Mali Traoré, die Funktion des Staatschefs (seit 1969 auch Regierungschef) bekleidet. Eine neue, 1974 durch Referendum angenommene Verfassung orientierte auf die Rückkehr zu einer Zivilregierung. Am 31.3.1979 wurde als neue Einheitspartei die demokratische Union des Malinesischen Volkes (französisch Abkürzung UDPM) gegründet, die nach Parlamentswahlen im gleichen Jahr unter ihrem Generalsekretär Mali Traoré eine neue Zivilregierung bildete. Die Politik der UDPM ist gemäß ihrem Programm auf die Schaffung einer gerechten, solidarischen und demokratischen Gesellschaft gerichtet.

Malibran, Maria Felicità, 24.3.1808-23.9.1836, spanische Sängerin; Tochter und Schülerin des berühmten Gesangsmeisters Malibran Garcia; eine der gefeiertsten Künstlerinnen ihrer Zeit mit besonders großem Stimmumfang (Sopran bis Alt).

Malignität: (lateinisch) Bösartigkeit, besonders einer Geschwulst; im weiteren Sinne auch von Krankheiten.

Malikustik: (Kurzwort aus Malimo + Akustik) Schallschluckmaterial (Platten, Matten, Tapeten) für Produktions- und Büroräume, in Malimo-Nähwirktechnologie aus Vlies-Faden-Nähgewirke, aus Reißfasern und perforierten Basaltfaserfolien gefertigt.

Mallarmé, Stéphane de, 18.3.1842-10.9.1898, französischer Dichter, Haupt der symbolistischen Schule; erhob die Dichtung zum Kult gegen die banale bürgerliche Realität; seine sinndunklen, oft schwer deutbaren Gedichte sind von großer Musikalität und Suggestivwirkung («Nachmittag eines Fauns», 1876, deutsch).

Mallorca: größte Insel der spanischen Balearen, im Mittelmeer; 3505 km, 460000 Einwohner; wichtigster Ort Palma de Mallorca\ Berg- und Hügelland (bis 1445 m); Karsterscheinungen; Marmorbrüche; Anbau (zum Teil in Terrassenkultur) von Getreide, Wein, Mandeln, Oliven, Obst, Zitrusfrüchten; Fischfang; Meeressalinen; Herstellung von Majoliken, Schuhen, Glaswaren, Souvenirs; römische Baudenkmäler, Seebäder, starker Fremdenverkehr.

Malmberget: Teil der Gemeinde Gällivare im Norden Schwedens, am Fuß des Eisenerzberges Malmberget; 10000 Einwohner; Wohnort der Bergarbeiter, die in umliegenden Gruben (Koskullskulle) arbeiten; Bahn nach Lulea und Narvik; Museum.

Malmédy: Stadt im Osten Belgiens, in der Provinz Lüttich, am Südfuss des Hohen Venns; 6200 Einwohner; Papier- und Lederindustrie; Auto- und Motorradrennen. Malmédy gehörte 1815/1919 zu Preußen beziehungsweise Deutschland; nach dem Versailler Vertrag kam es mit Eupen an Belgien.

Malmö: Stadt im Süden Schwedens (Schonen), Verwaltungszentrum der Provinz Malmöhus, am Öresund; 230000 Einwohner, als Groß-Malmö,470000 Einwohner; Mittelpunkt eines Ballungsgebietes mit Schiff- und Maschinenbau, elektrotechnische, chemische, Zement-, Bekleidungs- und Lebensmittelindustrie, Erdölverarbeitung; Fischerei; Handelszentrum, Messe, Hafen, internationaler Flughafen (Sturup), Fähren zum gegenüberliegenden Kopenhagen; Hochschulen; Theater, Museen; Petrikirche (14. Jahrhundert), Schloss (15. Jahrhundert), Rathaus (16. Jahrhundert). Um 1150 gegründet, seit 1353 Stadt und bedeutender Handelsplatz im Mittelalter; 1658 schwedisch. Am 26.8.1848 schlossen Dänemark und Preußen in Malmö einen Waffenstillstand.

Maloja: Alpenpass im schweizerischen Kanton Graubünden; 1815 m; verbindet das Oberengadin mit dem Bergell. In der Nähe Fremdenverkehrsort Maloja

Maloka: (spanisch -indianisch) rechteckiges oder ovales großes Haus verwandter Familien (bis zu 100 Personen) der südamerikanischen Indianer des tropischen Waldlandes.

Malolos: Verwaltungszentrum auf Luzon (Philippinen). Auf dem am 15.9.1898 eröffneten Revolutionären Kongress von Malolos wurde im Januar 1899 die 2. Verfassung der Philippinischen Republik angenommen, die eine bürgerlich-demokratische Ordnung, Nationalisierung der Kirchengüter sowie Einengung der Vollmachten des Präsidenten zugunsten der Legislative vorsah. Die Annexion der Philippinen durch die USA verhinderte deren Einführung.

Mallachow, Lore, 4.10.1894-27.9.1973, Schriftstellerin; bemühte sich besonders um die Gestaltung von Frauenpersönlichkeiten (Roman über Christiane Vulpius «Du bist mir nah», 1957, neubearbeitet 1970).

Malonsäure: (lateinisch + deutsch) farb- und geruchlose, kristallisierte, wasserlösliche Dicarbonsäure der Formel CH2(COOH)2; F 136°C (unter Zersetzung); die Salze und Ester heißen Malonate. Malonsäure findet sich in der Natur nur selten; die Ester werden für organische chemische Synthesen, zum Beispiel von Barbituraten, verwendet.

Malopolska, Kleinpolen-, historisches Gebiet im Süden und Südosten Polens. Territorium des Stammes der Wislanen, seit Ende des 10. Jahrhundert zu Polen, umfasste es im 18. Jahrhundert etwa die damaligen Wojewodschaften Krakow, Sandomierz und Lublin; nach den Teilungen Polens größtenteils zu Österreich, kleinere Teile zu Russland; 1918/39 gehörte der überwiegende Teil, heute gehört das gesamte Malopolska wieder zu Polen.

Malpighi, Marcello, 10.3.1628-29.11.1694, italienischer Arzt und Naturforscher, begründete die mikroskopische Anatomie, entdeckte unter anderem die Kapillargefäße, beschrieb das Kapillarknäuel in der Niere (Malpighisches Körperchen) und die Malpighischen Körperchen der Milz.

Malraux, André, 3.11.1901-23.11.1976, französischer Schriftsteller, Teilnehmer am antifaschistischen Kampf (Spanien, Résistance); 1958/59 Kulturminister, seine von individualistischen Aktivismus gekennzeichneten Romane («So lebt der Mensch», 1933, deutsch; «Die Hoffnung», 1937, deutsch) und seine philosophischen Essays sind ein Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Epochenproblematik des 20. Jahrhundert.

Malstrom, norwegisch Malstrom oder Moskenstraumen: vor den äußeren Lofoten auftretende starke Gezeitenströmung. Bei Überlagerung mit Weststurm entsteht ein für kleine Schiffe sehr gefährlicher Seegang.

Malta, Republik Malta-. Staat auf der gleichnamigen Inselgruppe im Mittelmeer, bestehend aus den Inseln Malta (246 km2), Gozo (67 km2) und Comino (2,6 km2); von Sizilien 100 km, von Afrika 240 km entfernt. Die Einwohner sprechen Maltesisch (ein mit Italienisch durchsetztes Arabisch). Neben Maltesisch ist auch Englisch Amtssprache. Abnahme der Bevölkerung durch Auswanderung wegen Mangels an Arbeitsplätzen. Währung ist das Malta-Pfund. Inseln mit buchtenreicher Steilküste und wasserarmer Kalkhochfläche (bis 258 m), ohne Flüsse und Wälder, Karsterscheinungen; Mittelmeerklima. Industrie-Agrar-Staat, dessen Wirtschaft einseitig auf den britischen Flottenstützpunkt (1979 gekündigt) ausgerichtet war, beginnende Industrieentwicklung, auf ausländische Finanzhilfen, Krediten und Investitionen fußend; Fehlen eigener Rohstoffe; wichtigster Betrieb Reparaturwerft, sonst überwiegend Klein- und Kleinstbetriebe. Hauptzweig der verarbeitenden Industrie ist die Textilindustrie, ferner Nahrungsmittel-, Genussmittel-, chemische, elektrotechnische/elektronische, feinmechanischen, Tabak-, Holz-, Möbel- und keramischen Industrie; Spitzenklöppelei; Wärmekraftwerke. Die Landwirtschaft leidet unter Wassermangel, Zwergbetriebe mit Terrassenkulturen herrschen vor, Anbau von Kartoffeln, Getreide, Tomaten, Gemüse, Wein und Obst; Zucht von Rindern, Schweinen, Ziegen und Schafen; Fischerei. Keine Eisenbahn, gut ausgebautes Straßennetz; kleine Handelsflotte, wichtigster Hafen Valletta, internationaler Flughafen Luqa. Dem Ausgleich des defizitären Staatshaushaltes soll der Ausbau des Fremdenverkehrs und eine Steigerung der Exporte dienen. Exportiert werden Textilien, Gummi-, Plast-, Metall- und Tabakwaren sowie Kartoffeln, Gemüse, Blumen, Blumenzwiebeln und Sämereien; importiert Lebensmittel, Maschinen, Brennstoffe und andere Grundmaterialien. Haupthandelspartner sind die EG-Staaten (besonders Großbritannien, BRD); Ausbau der Handelsbeziehungen zu den sozialistischen Staaten. Um 1000 vor Christus phönikische Niederlassung, danach in karthagischer Besitz; 218 vor Christus wurde es römisch, 454 von Wandalen, 494 von Ostgoten, 533 von Byzantinern, 870 von Arabern (nachhaltiger kultureller Einfluss), 1090 von Normannen erobert; 1266 zum Herzogtum Sizilien. Karl V. überließ Malta 1530 dem Johanniterorden (Malteserorden). Dessen Herrschaft endete 1798 mit der Besetzung durch Napoleon Bonaparte. 1800 von Großbritannien besetzt, das es zu einem Flottenstützpunkt ausbaute. 1814 britische Kolonie, seit 1939 mit beschränkter innerer Selbstverwaltung. 1964 erhielt Malta die Unabhängigkeit im Rahmen des Commonwealth of Nations. Seit den 60er Jahren (1962/71 Regierung der Nationalistischen Partei) rasche Industrialisierung. Seit 1971 regiert die Labour Party (Ministerpräsident D. Mintoff 1971/84, seit 1984 C. Bonnici), die für die uneingeschränkte Unabhängigkeit Maltas eintrat. 1974 wurde Malta Republik; 1979 Auflösung der letzten britischen Militärstützpunkte auf Malta

Maltese: (lateinisch + griechisch) von der Dünndarmschleimhaut gebildetes Verdauungsenzym, das 1 Molekül Maltose zu 2 Molekülen Glukose abbaut.

Malter: (zu «mahlen») alte Volumeneinheit (Getreidemaß) unterschiedlichen Betrages (1,5 bis 12,5 hl).

Maltertalsperre: Stauwerk im Kreis Dippoldiswalde, Bezirk Dresden, im Osterzgebirge, an der Roten Weißeritz; 0,8 km2, Stauraum 8,8 Millionen m3; Hochwasserschutz, Betriebswasserversorgung, Elektroenergieerzeugung; Erholungsgebiet.

Malteser: (zu «Malta») 1. Johanniter. 4. eine der kleinsten und ältesten, aus dem Mittelmeerraum stammende, reinweiße Hunderasse mit langem, seidenweichem Haar.

Malteserkreuz: (nach der Kreuzform des Malteserordens) Getriebe für zeitlich aussetzende Bewegung, das heißt Teil eines Kurbeltriebschaltwerkes, das eine kontinuierliches Dreh in eine ruckweise Bewegung umwandelt; Anwendung in der Kinetechnik meist in Projektoren.

Malteser Kreuz: (nach dem Malteserorden) Bezeichnung für einen dänischen Trinkbranntwein vom Typ Aquavit.

Malthus, Thomas Robert, 14.2.1766-29.12.1834, britischer Ökonom und Geistlicher; Ideologe der Landaristokratie; begründete in seinem Werk «Abhandlung über das Bevölkerungsgesetz» (1798, deutsch) eine Bevölkerungstheorie, die das menschenfeindliche Wesen des Kapitalismus ideologisch verklärt (Malthusianismus).

Malthusianismus: von T. R. Malthus begründete Bevölkerungstheorie, die Armut und Elend der Werktätigen nicht aus den kapitalistischen Produktionsverhältnissen erklärt, sondern aus einem angeblich universellen Bevölkerungsgesetz. Nach diesem vollziehe sich das Wachstum der Bevölkerung in geometrischer Progression, während die Existenzmittel nur in arithmetischer Progression anwüchsen. Dabei stützt sich der Malthusianismus auf ein angebliches Gesetz des abnehmenden Bodenertrages. Indem nach dieser biologistischen Gesellschaftsauffassung die natürliche Vermehrung der Menschen Ursache der sozialen Missstände des Kapitalismus sein soll, werden diese als «ewig» und «natürlich» erklärt. Geeignete Mittel zur Herstellung der Übereinstimmung von Bevölkerungszahl und Menge der Existenzmittel seien geschlechtliche Enthaltsamkeit und Einschränkung der Armenunterstützung; auch Elend, Seuchen und Krieg dienten der Reduzierung der Bevölkerung. Gestützt auf Rassismus und Eugenik, betreibt in der Gegenwart der Neomalthusianismus eine offene Apologie des aggressiven Imperialismus und befürwortet die Ausrottung von Menschen auch durch Massenvernichtungsmittel (Sozialdarwinismus). K. Marx und F. Engels kritisierten den Malthusianismus als «Apologie des Elends der Arbeiterklasse» und als die «offenste Kriegserklärung der Bourgeoisie gegen das Proletariat».

Maltose, Malzzucker, ein Disaccharid der Formel C12H220n H20, das durch Enzyme (Maltosen) oder Säuren hydrolytisch in 2 Moleküle D-Glukose gespalten wird. Maltose bildet farb- und geruchlose, süße, in Wasser leicht lösliche Kristalle; F 102,5 °C. Sie findet sich als Abbauprodukt der Stärke zum Beispiel in Malzextrakt und Bier.

malträtieren: (französisch) misshandeln; quälen, peinigen.

Maltz, Albert, 28.10.1908-26.4.1985, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb zusammen mit G. Sklar gesellschaftskritischer Dramen («Hotelboy Ed Martin», 1932, deutsch) und wurde mit proletarischen Dramen zu einem prominenten Sprecher der amerikanischen Arbeiterbewegung («Der schwarze Schacht», 1935, deutsch); bekannter Drehbuchautor in Hollywood. In dem Roman «Der unterirdische Strom» (1940, deutsch) gestaltete er den Kampf amerikanischer Arbeiter gegen faschistischen Terror, in «Das Kreuz und der Pfeil» (1944, deutsch) die antifaschistische Tat eines deutschen Arbeiters. Der Roman «Ein langer Tag in einem kurzen Leben» (1957, deutsch) verarbeitet Erfahrungen der Haftzeit Maltz1 als einer der Hollywood Ten. Die «Geschichte eines Januar» (1966, deutsch) ist ein antifaschistischer Roman über Häftlinge des KZ Auschwitz.

Maluku, Molukken, Gewürzinseln: Inselgruppe im Osten des Malaiischen Archipels, zwischen Sulawesi und Neuguinea, als Provinz zu Indonesien gehörend; 74505km2, 1,4 Millionen Einwohner; 19 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Ambon. Die wichtigsten Inseln sind Halmahera, Seram, Buru, Morotai, Obi, Bacan und die Sula-Inseln; vorwiegend gebirgig (auf Seram bis 3019 m), mit teilweise noch tätigen Vulkanen; aus jungvulkanischen sowie kristallinen und Sedimentgesteinen aufgebaut. Hauptanbauprodukte sind außer Gewürzen (Muskatnuss, Nelken, Zimt, Pfeffer) Kokos- und Sagopalmen, Reis, Ananas, Kaffee, Tee und Zuckerrohr, Teakholz-, Kautschukgewinnung; Erdölförderung auf Seram. Die frühere weltwirtschaftliche Bedeutung der Maluku als Gewürzinseln ging verloren. Als «Gewürzinseln» seit dem 10. Jahrhundert den Arabern bekannt, gerieten die Maluku im 16. Jahrhundert teilweise unter portugiesischer, 1605/1949 unter niederländischer (japanische Okkupation 1942/45) Herrschaft.

Malus, Étienne Louis, 23.6. oder 7.1775-23. oder 24.2.1812, französischer Physiker und Offizier, entdeckte 1808 die Polarisation des Lichtes und deutete 1810 die Doppelbrechung.

Malusscher Satz: (nach É. L. Malus) Aussage der geometrischen Optik, wonach die Lichtstrahlen auch nach Reflexionen und Brechungen orthotop bleiben, das heißt, sie bleiben die Senkrechten zu den Wellenflächen.

Malvengewächse, Malvaceae: hauptsächlich in wärmeren Gebieten verbreitete Pflanzenfamilie mit meist handförmig geteilten Blättern, Außenkelch und zu einer Röhre verwachsenen Staubblättern; viele Zier-, Arznei- und Nutzpflanzen; siehe auch Eibisch, Stockrose.

Malyschkin, Alexander Georgijewitsch, 21.3.1892-3.8.1938, russisch-sowjet Schriftsteller; gestaltete in der Bürgerkriegserzählung «Der Fall von Dair» (1923, deutsch) die Bewegung der revolutionären Massen. Die Romane «Sewastopol (1931, deutsch) » und «Der dreizehnte Winter» (1938, deutsch) künden vom tiefen Bewusstseinswandel, den die Oktoberrevolution und die sozialistische Umgestaltung auslösten.

Maly Teatr, ross, Kleines Theater. 1824 in Moskau gegründetes Schauspielhaus, das zur Pflegestätte russischer und internationaler Klassik wurde; entwickelte sich nach der Oktoberrevolution zu einer der führenden sowjetischen Bühnen.

Malz: gekeimtes (Grünmalz), danach zur Herstellung von Darrmalz bei mehr (dunkles Malz) oder weniger hoher Temperatur (helles Malz) gedarrtes, das heißt so getrocknetes Getreide, besonders Gerste, dass die Enzyme möglichst erhalten bleiben. Darrmalz ist die Grundlage für die Herstellung von Bier und Whisky. Grünmalz dient vor allem zur Stärkeverzuckerung in Maischen zur Gärungsalkoholgewinnung.

Malzextrakt: konzentrierter wässriger Malzauszug; kohlenhydratreiches Diätetikum und Backhilfsmittel.

Malzkaffee: a) Kaffee-Ersatz aus geröstetem Malz;

b) daraus hergestelltes kaffeeähnliches, koffeinfreies Aufgussgetränk.

Malzkeime: beim Darren des Malzes als Rückstand anfallende Getreidekeime; proteinreiches Futtermittel, besonders für Milchkühe und Mastschweine.

Mamala: größtes Seebad in Rumänien, das sich über 7 km nördlich von Constanta zwischen dem Schwarzen Meer und dem flachen Strandsee Siutghiol erstreckt; zu Constanta gehörend; Getränkeherstellung.

Mamallapuram, Mahabalipuram, Mahavellipur. Ort im Unionsstaat Tamil Nadu (Indien), am Golf von Bengalen, südlich von Madras, mit Denkmälern der Pallava-Kunst. Zu den Kunstdenkmälern des 7. Jahrhundert gehören 5 kleine aus den Granitfelsen gehauene Monolith-Tempel, die sogenannte Fünf Rathas, Höhlentempel mit berühmten hinduistischen Reliefs, darunter das monumentale Felsrelief «Herabkunft des Ganges».

Mambas, Dendroaspis: Gattung baumbewohnender afrikanischer Giftnattern mit hochwirksamem neurotoxische Gift; 4 Arten, davon 3 grün gefärbt und etwa 2 m lang; die oliv- bis graubraune Schwarze Mambas (Dendroaspis polylepis) bis 4 m lang.

Mambo: (spanisch afrikanisch) um 1948 auf Kuba entstandener Modetanz im 4/4-, seltener im 2/4-Takt; geht auf afrikanische Kulttänze zurück, verbunden mit afrokubanischer Trommelrhythmik.

Mamertiner: («Marssöhne») die kampanischen Söldner des Agathokles von Syrakus; beherrschten nach dessen Tod Messana (Messina) und suchten Sizilien mit Raubzügen heim. Durch Hieran II. von Syrakus wurden sie 265 vor Christus besiegt.

Mamluken: (italienisch arabisch, «gekaufte weiße Sklaven») Mameluken, Mamelucken: meist türkische, auch kaukasischer Kriegsgefangene; gewannen als Leibgarde persischer und besonders ägyptischer Herrscher großen Einfluss. Die Mamluken Dynastie, eine exklusive Militäroligarchie in Ägypten und Syrien (1250/1517), ging aus freigelassenen Sklaven hervor. Mit der Eroberung Kairos 1517 durch die Osmanen endete ihre Herrschaft. Als sogenannte Mamluken Beys behaupteten sich die Mamluken, gestützt auf ihren Landbesitz, unter Verschmelzung mit den Osmanen bis 1805 an der Spitze der ägyptischen Feudalklasse.

Mammeri, Mouloud, geboren 28.12.1917, algerischer Schriftsteller französischer Sprache; insbesondere durch die Romane «Der vergessene Hügel» (1952, deutsch) und «Das Opium und der Knüppel» (1965) Mitbegründer der modernen algerischen Nationalliteratur.

Mammographie: (lateinisch + griechisch) Röntgenweichstrahlaufnahme der Brustdrüsen, überwiegend zur Brustkrebsdiagnostik.

Mammon: (griechisch aramäisch, «Hinterlegtes») in der Bibel Bezeichnung für Reichtum, Vermögen.

Mammut: über 4 m hohes Rüsseltier der Eiszeit mit bis 5 m langen Stoßzähnen und langem rotbraunem Fell; Tundren Bewohner, vor etwa 10000 Jahren ausgestorben; im Dauerfrostboden sind oft vollständige Kadaver erhalten.

Mammutbaum, Sequoiadendron giganteum: immergrüner kalifornischer Nadelbaum der Sumpfzypressengewächse mit einer Wuchshöhe bis 135 m, einem Stammdurchmesser bis 10 m und einem Alter über 3000 Jahre; 1843 in Europa eingeführt. Zahlreiche im Tertiär in Waldmooren lebende Arten sind Hauptelemente der mitteleuropäischen Braunkohle. Siehe auch Metasequoia.

Mamore: Quellfluss des in den Amazonas mündenden Madeira; etwa 1500 km; entspringt in den bolivianischen Kordilleren; bildet im Unterlauf die Grenze zu Brasilien; wichtigste Binnenwasserstraße Boliviens.

Mamsell: (französisch, «Fräulein»)

a) Wirtschafterin;

b) Gaststättenangestellte, die kalte oder warme Speisen zubereitet beziehungsweise ausgibt (kalte Mamsell, warne Mamsell)

c) veraltet Anrede für ein (bürgerliches) Mädchen.

Man, Isle of Man: der britischen Krone unterstehende Insel in der Ir. See mit eigener Verfassung, zwischen England und Nordirland; 588 km2, 64000 Einwohner, von denen nur noch wenige das keltischen Manx sprechen; 109 Einwohner/km2; Hauptstadt Douglas; Ebene im Norden, sonst gebirgig bis 620 m; Seeklima; zum Teil subtropische Vegetation; Woll- (Tweed), Mühlen- und elektronische Industrie; Landwirtschaft mit Getreide- und Kartoffelanbau, Gartenbau sowie Rinder- und Schafhaltung; Fischfang; zahlreiche Geldinstitute; Tourismus; internationale Motorradrennen um die Tourist Trophy.

Mana: nach der Vorstellung der Urbevölkerung Ozeaniens eine manchen belebten und im belebten Dingen innewohnende (Zauber-) Kraft. Siehe auch Manitu.

Mänaden: (lateinisch griechisch, «Rasende») Verehrerinnen des griechischen Gottes Dionysos (nach dessen Beinamen Bakchos, lateinisch Bacchus, auch Bakchen oder Bacchantinnen genannt), verehrten den Gott in orgiastischen Kulten.

Manado: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, im Norden der Insel Sulawesi; 170000 Einwohner; Nahrungsmittelindustrie; Goldbergbau; Hochsee-, Flughafen; Universität.

Management: System der Leitung und Überwachung des Reproduktionsprozesses auf den verschiedensten Ebenen (Betrieb, Unternehmen, Gesamtwirtschaft) durch bezahlte Angestellte des Kapitals; Ausdruck der Trennung von Kapitaleigentum und Kapitalfunktion und der Überflüssigkeit der Kapitaleigentümer für den Reproduktionsprozess. Das Management ist auf die Erzielung von Monopolprofiten und die Absicherung des kapitalistischen Ausbeutungsprozesses orientiert und hessische in den Spitzen, dem Top-Management, eng mit dem Kapitaleigentum verflöchten.

Managerkrankheit: umstrittener Begriff für Herz-Kreislauf-Störungen bei Menschen mittleren Lebensalters in verantwortungsvoller beruflicher Stellung mit anhaltender geistiger und seelische Überforderung und meist ungesunder Lebensweise (Schlaf-, Bewegungsmangel unter anderem).

Managertheorie: reaktionäre bürgerliche Theorie, nach der die Kapitalisten als Eigentümer der Produktionsmittel ihren Einfluss auf die Wirtschaft verloren und an die Direktoren, Techniker, Ingenieure, Leiter der Großbetriebe (Manager) abgegeben hätten, so dass der Kapitalismus durch die Herrschaft von Managern abgelöst worden sei.

Managua: Hauptstadt von Nikaragua, am Südufer des Managua Sees; 1 Millionen Einwohner; bedeutendstes Industriezentrum des Landes mit Konsumgüterherstellung, Verarbeitung von Agrarprodukten, Erdölraffinerie, metallverarbeitender Industrie; Eisenbahnknoten, internationaler Flughafen «Augusto Cesar Sandino», Anschluss an die Carretera Panamericana; Universität. 1931 und 1972 durch Erdbeben fast völlig zerstört; Wiederaufbau.

Managuasee: See im Grabenbruch der Nicaraguasenke (Mittelamerika); 1450 km2, bis 22 m tief; mit dem östlich davon gelegenen Nicaraguasee durch den Rio Tipitapa verbunden.

Manama, AI-, Menama: Hauptstadt von Bahrein, an der Nordküste der Insel Bahrein; 120000 Einwohner; Wirtschafts- und Verwaltungszentrum des Landes; neuangelegter Industriekomplex mit Erdölverarbeitung, Maschinenbau, Reparaturwerft, daneben Leichtindustrie; bedeutender Hafen mit Freihafenzone Mina Sulman, Fischereihafen, internationaler Flughafen auf der Insel Muharrak gegenüber Manama

Manas: bedeutendstes Heldenepos der kirgisischen Folklore über Leben und Kämpfe des kirgisischen Helden Manas, seines Sohnes und seines Enkels für die Einheit und Unabhängigkeit des Volkes (dt. Übersetzung unter dem Titel «Manas der Hochherzige»).

Manasiu: Gipfel im Himalaja, im nördlichen Zentralnepal; 8156 m; Erstbesteigung 1956 durch eine japanische Expedition unter Y. Maki.

Manaus: Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas (Brasilien), am Rio Negro oberhalb der Mündung in den Amazonas; 610000 Einwohner; Wirtschafts-, Verwaltungs-, Kulturzentrum des Amazonasbeckens; Jute-, Erdöl-, Kautschuk-, Holzindustrie; Haupthandelsplatz für Urwaldprodukte; Binnenhafen für Fluss- und mittlere Seeschiffe, Freihafenzone, Flughafen; Universität, Opernhaus. Um 1900 im Kautschukboom Entwicklung zur Großstadt.

Manchester, (nach der Stadt) Genuacord: Textiltechnik spezieller strapazierfähiger Kordsamt (Kord) in Köperbindung.

Manchester: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Großstadtgrafschaft Greater Manchester (1286 km2, 2,7 Millionen Einwohner), am Südwestrand der Penninen; 450000 Einwohner; älteste Industriestadt der Erde (Ausgangspunkt der industriellen Revolution), seit den 70er Jahren wirtschaftlicher Niedergang infolge von Strukturkrisen der traditionellen Industriezweige; Textilindustrie; Textil- und Werkzeugmaschinenbau, Fahrzeugbau, chemische (Plaste, Farben), Bekleidungs-, Tabak- und Elektroindustrie; Banken und Versicherungen; Hafen am 58 km langen Manchester-Schiffskanal (für Seeschiffe benutzbar), internationaler Flughafen; Universität, Hochschulen (Handel, Technologie), Forschungsinstitute, Sternwarte; Bibliotheken, Museen, Kunstgalerie; Sinfonieorchester; Zoo; Kathedrale (15 Jahrhundert). Manchester war römisches Militärlager (Mancunium), dann angelsächsischen Burgort und erhielt 1359 Marktrecht; im 18. Jahrhundert führende Baumwollindustriestadt der Welt, im 19. Jahrhundert ein Zentrum der englischen Arbeiterbewegung (Peterloo) und des liberalen Bürgertums (Anti-Com-Law League).

Manchestertum, Manchesterliberalismus: extremste Richtung einer auf Freihandel orientierten Wirtschaftspolitik und des ungehemmten kapitalistischen Profitstrebens; geht aus von dem liberalistischen Wirtschaftsprinzip des sogenannt freien Spiels der freien Kräfte (laissez faire, laissez aller); benannt nach der britischen Stadt Manchester, dem Ausgangspunkt dieser Bestrebungen zu Beginn des 19. Jahrhundert.

Mancisidor, José, 20. 4.1894-2. 9.1956, mexikanischer Schriftsteller; gestaltete in Romanen als einer der ersten Autoren in Lateinamerika den Kampf der Arbeiterklasse und den antiimperialistischen Kampf («Die rote Stadt», 1932).

Manco Capac:

1. Manco Capac, legendärer Gründer des Inkareiches.

2. Manco Capac II., 1500-1544, Inka; 1534 durch Pizarro zum Schattenkönig erhoben, führte 1535/36 einen der letzten großen Aufstände gegen die spanischen Eroberer.

Mandäer: (aramäisch, «Wissende») Anhänger der einzigen bis heute fortlebenden gnostische Täufer Sekte in Südirak und Westiran.

Mandalay: Stadt (Provinzzentrum) in Mittelburma, am Irrawaddy; 460000 Einwohner; Kunsthandwerk (Gold- und Silberverarbeitung), Leichtindustrie (vor allem Holzverarbeitung und Textilfabrikation); Verkehrszentrum mit internationalem Flughafen; Universität; buddhistischer Wallfahrtsort mit zahlreichen Klöstern, Tempeln und Pagoden (ehemalige Königsstadt).

Mandan: ehemals bedeutender Prärieindianerstamm der Sioux am oberen Missouri; Bodenbauer und Bisonjäger; Mitte 19. Jahrhundert durch Blattern Epidemie nahezu vernichtet.

Mandant: Auftraggeber, besonders derjenige, der einen Rechtsanwalt mit seiner Vertretung beauftragt.

Mandarin: (portugiesisch Hindustani Sanskrit, «Ratgeber») früher in Europa übliche Bezeichnung für hohe chinesische Beamte.

Mandarine: (nach der Insel Mandara (Mauritius)) Citrus reticulata: zu den Rautengewächsen gehörendes immergrünes Obstgehölz aus Südostasien mit kleinen, etwas abgeflachten Zitrusfrüchten; heute in den Subtropen weltweit angebaut. Unterarten sind die süße, fast kernlose Clementine mit roter Fruchtschale sowie die Tangerine als kleinste mandarinenartige Frucht.

Mandarinente, Aix galericulata: buntfarbige Ente Ostasiens; Männchen mit Federkragen und segelartigen Schulterfedern; in Europa als Ziervogel gehalten. Siehe auch Enten.

Mandarin Sprache: europäisierter Ausdruck für die chinesischen «Beamtensprache», eine 4er modernen chinesische Standardsprache vorausgehende Sprachform, die auf nordchinesischen Dialekten basierte und von Beamten aller Provinzen gesprochen wurde.

Mandat: 1. Recht: allgemein Auftrag zur Wahrnehmung der Interessen eines anderen, meist mit Vollmacht verbunden, zum Beispiel die einem Rechtsanwalt erteilte Vertretungsvollmacht.

2. Staatsrecht: a) Abgeordnetensitz;

b) im sozialistischen Staat der von den Wählern einem Abgeordneten durch die direkte Wahl erteilte generelle Auftrag, in seiner gesamten Abgeordnetentätigkeit ihre Interessen zu vertreten und ihnen darüber Rechenschaft zu geben.

3. Völkerrecht: a) von den UN erteilter Auftrag (zum Beispiel für UN-Streitkräfte);

b) im Auftrag des Völkerbundes nach dem 1. Weltkrieg durch einen Staat (Mandatar) ausgeübte sogenannt Vormundschaft über frühere deutsche Kolonien beziehungsweise vom Osmanischen Reich abgetrennte arabische Gebiete (Mandatsgebiete). Das Mandatssystem war eine verschleierte Form der kolonialen Unterdrückung.

Mandater: (lateinisch) frühere Bezeichnung für Beauftragten, juristischen oder natürlichen Person, die für einen anderen (Mandant) einen Auftrag (Mandat) ausführt.

Mandatsprüfungskommission: gewählter Parlamentsausschuss zur Prüfung der Gültigkeit der Wahl der Parlamentsmitglieder; auch auf Parteitagen, Delegiertenkonferenzen und so weiter gebildete Kommission zur Prüfung der Gültigkeit der Mandate der Delegierten.

Mandel: alte Zähleinheit; 1 Mandel = 15 Stück.

Mandel, Georges, 5.6.1885-17.7.1944 (von SS ermordet), französischer Politiker; 1917/20 Sekretär G. B. Clemenceaus, seit 1934 wiederholt Minister, lehnte als einziger führender Rechtspolitiker 1938 das Münchener Abkommen und 1940 den Waffenstillstand mit dem faschistischen Deutschland ab.

Mandela: 1. Nelson Rolihlahla, geboren 18.7.1918, südafrikanischer Politiker, 1944 Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (Abkürzung ANC); Führer des illegalen Kampfes des ANC seit 1960; 1964 zu lebenslängliche Zuchthaus verurteilt.

2. Winnie Nomzamo, geboren 1934, Frau von Nelson Mandela seit 1958; wurde mehrmals verhaftet und gebannt; ihr Leben und Kampf gegen die Apartheid machten sie zu einem Symbol des Befreiungskampfes in Südafrika.

Mandelbaum, Prunus amygdalus: pfirsichähnliches Rosengewächs aus Westasien mit vor den Blättern erscheinenden rosa Blüten; die ölhaltigen Samen sind essbar („süße“ oder „bittere“ Mandeln); das Bittermandelöl wird in der Spirituosen-, Parfüm- und Seifenindustrie genutzt.

Mandelbäumchen, Mandelröschen: zu den Rosengewächsen gehörendes Ziergehölz aus China; die Kulturform mit dicht gefüllten rosa Blüten, die vor den Blättern erscheinen.

Mandelentzündung, Angina tonsillaris, Tonsillitis (lateinisch + griechisch): Entzündung der Gaumenmandeln mit Schluckbeschwerden und Fieber. Bei der katarrhalischen Mandelentzündung tritt Rötung der geschwollenen Mandeln auf, während die eitrige Mandelentzündung durch Bildung gelblicher Süppchen gekennzeichnet ist. Häufige Rückfälle fuhren zur chronischen Mandelentzündung Die Behandlung erfolgt durch Mandelausschälung (Tonsillektomie).

Mandeln, Tonsillen: lymphoepitheliale Organe am Übergang von der Mund- (Gaumenmandeln, Zungenmandeln) und Nasenhöhle zum Schlund (Rachenmandel); dienen der Abwehr körperfremder Stoffe (Immunsystem).

Mandelöl: aus Mandelbaumfrüchten kaltgepresstes, hellgelbes, wohlschmeckendes, jedoch leicht ranzig werdendes fettes Öl; wird als Salbengrundlage, Feinschmieröl sowie für kosmetische Präparate verwendet

Mandelsäure: eine färb- und geruchlose, kristalline, wasserlösliche Substanz; die Salze und Ester heißen Mandelate. Mandelsäurenitril ist Bestandteil des Amygdalins der bitteren Mandeln.

Mandelstam: 1. Leonid Isaakowitsch, 4.5.1879-27.11.1944, sowjetischer Physiker; entdeckte 1927 zusammen mit G. S. Landsberg und unabhängig von C. Raman den nach diesem benannten Effekt der Lichtstreuung.

2. Ossip Emiljewitsch, 15.1.1891-27.12.1938, russisch-sowjetischer Schriftsteller; anfangs vom Symbolismus beeinflusst, wandte er sich einer literarischen Gegenströmung, dem Akmeismus, zu; trotz idealistischen Tradition sympathisierte er mit der Oktoberrevolution (dt. Sammlung «Hufeisenfinder», 1975). Mandelstam schrieb das autobiographische Werk «Rauschen der Zeit» (1925, deutsch), die Erzählung «Die ägyptische Briefmarke» (1928, deutsch), die «Reise nach Armenien» (1933). Seine Kunstauffassung verdeutlicht der Essay «Gespräch über Dante» (1933, deutsch).

Mander, Carel van, Mai 1548-2.9.1606, niederländischer Maler und Kunsthistoriograph; Manieristischer Lehrer von F. Hals; verfasste «Das Malerbuch» (1604), ein bedeutendes Quellenwerk mit Künstlerbiographien.

Mandeville, Bernard de, 1670-21.7.1733, englischer philosophischer Schriftsteller und Arzt; sein Denken enthielt atheistische und materialistische Tendenzen. Mandeville zeigte als Satiriker in seiner «Bienenfabel» (1714, deutsch), dass im Kapitalismus Unmoral gesellschaftliche Existenzbedingung, Egoismus Triebkraft des Fortschritts ist.

Mande-Völker: afrikanische Völkergruppe (Mandingo, Soninke, Bambara, Susu, Mende, Kpelle unter anderem) in Mali, Guinea, Senegal, Elfenbeinküste und angrenzenden Gebieten; über 10 Millionen; Negride.

Mandibel: erstes Mundgliedmassen Paar (sogenannt Oberkiefer) der Insekten, Krebstiere und Tausendfüßer.

Mandibula: Unterkieferknochen.

Mandingo, Monde, Malinke: negrides Volk der Gruppe der Mande-Sprachen in Mali, Nordguinea, Ostsenegal und im Norden der Elfenbeinküste; Staatsvolk des alten Mali-Reiches; Bodenbauer, Handwerker, Händler; Muslime; mit den am Niger lebenden Bambara bilden sie eine Spracheinheit; zusammen 5 Millionen.

Mandola: (deutsch - griechisch - arabisch) 1. Tenorinstrument der neapolitanischen Mandoline.

2. Mandola, Mandora (deutsch - griechisch - arabisch): kleine Laute arabischer Herkunft.

Mandoline: (französisch deutsch arabisch) kleines lautenförmiges Zupfinstrument mit 4 Doppelsaiten aus Stahl, die mit einem Plektron («Penna») angerissen werden, wobei Tremolo Spiel beliebt ist; entstand im 17. Jahrhundert in Italien und ist in der Gegenwart besonders als Volksmusikinstrument gebräuchlich. Heute verwendete Typen sind die italienischen, auch neapolitanische (Rund-) Mandoline und die portugiesische (Halbrund-) Mandoline

Mandorla, Mandelglorie beide (deutsch griechisch): in der Malerei und Plastik ovale oder runde, die Figur ganz umrahmende Aureole (besonders bei Christus und Maria).

Mandrill, Mandrillus sphinx: bis 80 cm langer, schwanzloser Pavian mit nacktem grellrot, blau und violett gefärbtem Gesicht und blaurotem Gesäß; meist Bodenbewohner; vorwiegend Pflanzenfresser, fast ebenso bunt aber etwas kleiner ist der Drill (Mandrillus leucophaeus); beide leben in Wäldern Westafrikas. Siehe auch Affen.

Mandschurei: historische Landschaft im Nordosten Chinas, zwischen Amur und Ussuri im Norden und Osten, Gelbem Meer im Süden und Großem Chingan im Westen; etwa 350000 km2. Überwiegend flachwelliges Tiefland in etwa 45 bis 180 m über dem Meeresspiegel (Nordostchinesische Ebene), im Südosten und Südwesten Bergländer (im Changbai Shan bis 2744 m); gemäßigtes außertropisches Monsunklima; zum größten Teil lößbedeckt; eines der bedeutendsten Ackerbaugebiete Chinas; Laubwälder (besonders Eichen) stocken im Südwesten und Osten, Mischwälder im Norden; reich an Bodenschätzen, besonders Steinkohle, Eisen-, Blei-, Zinkerz sowie Ölschiefer und Bauxit; Stammland der Manzhu.

Manege: runder oder ovaler Vorführungsplatz im Zirkus; Zirkusarena; Reitbahn; von der Piste begrenzte Fläche mit 9, 11, 13 oder 17 m Durchmesser, soll erstmalig 1767 in Paris in der heutigen Form errichtet worden sein.

Manen: (dat., «die Guten») in der römischen Religion die Totengeister, Unterweltsgeister; in der Kaiserzeit die zu Göttern erhobenen Seelen der Verstorbenen (Di manes, «gute Götter»).

Manet, Edouard, 23.1.1832-30.4.1883, französischer Maler und Graphiker. Beeinflusst durch G. Courbet, jedoch ohne dessen soziales Engagement, wandte sich Manet früh der Freilichtmalerei zu. Immer mehr hellte sich seine Palette auf, gewannen seine Darstellungen an sonnendurchfluteter Helligkeit, womit er wesentliche Impulse für die Entwicklung des Impressionismus gegeben hat. In seiner Malerei verzichtete Manet nie auf die lineare Bestimmtheit der Formen, während er in der Graphik (besonders seinen Lithographien) diese preisgab und damit uneingeschränkt impressionistische Auffassungen folgte. Bahnbrechend wirkte er mit der Entdeckung neuer thematischer Bereiche; wenig belangvolle und alltägliche Szenen wertete er durch großformatige Kompositionen auf und steigerte sie zu eindrucksvollen Gestaltungen («Frühstück im Freien», 1863; «Eine Bar in den Folies Bergère», 1882). Den Opfern der Pariser Kommune gewidmet sind seine Gemälde «Erschießung» sowie die Lithographie «Die Barrikade».

Manetho, altägyptischer Hohepriester in Heliopolis; um 280 vor Christus verfasste er in griechischer Sprache eine von König Menes bis zur 2. persischen Eroberung durch Artaxerxes III. Ochus reichende Geschichte Ägyptens in 3 Büchern. Manetho wird die Einteilung der altägyptischen Geschichte in 30 Dynastien zugeschrieben.

Manfaluti, Mustafa Lutfi al-, 1876-1924, ägyptischer Schriftsteller; verfasste zahlreiche sentimentale, von der französischen Romantik beeinflusste Novellen und Essays, in denen er sich gegen soziales Unrecht wandte.

Manfred, 1231-26.2.1266, König von Sizilien seit 1258; Sohn Friedrichs II., erkämpfte sich 1260 die Schutzherrschaft über Florenz und große Teile der Toskana; er unterlag und fiel im Kampf gegen Karl von Anjou.

Mangaben, Cercocebus: langschwänzige, baumbewohnende Affen mit auffälliger Augenrandzeichnung und Backentaschen; leben in afrikanischen Waldgebieten; einen, langhaarigen Schulterbehang trägt die Mantel-Mi (Cercocebus albigena). Siehe auch Affen.

Mangalia: Kur- und Badeort an der Schwarzmeerküste Rumäniens, mit den neuen Seebädern Saturn, Venus, Aurora, Jupiter, Neptun; Olimp zu Constanta gehörend; 31000 Einwohner; Werft, Lebensmittelindustrie; Seehafen; Thermalquellen; archäologisches Museum; Moschee (1590).

Mangan, Symbol Mn: chemisches Element der Kernladungszahl 25; Atommasse 54,938; Wertigkeiten +2, +4, +7, seltener +1, +3, +5, +6; 1244°C; Kp2150°C; Dichte 7,4g/cm3. Das Hauptmineral ist Braunstein; Manganoxide finden sich auch in den Manganknallen am Boden der Ozeane. Mangan Verbindungen sind für höhere Organismen lebensnotwendig. Mangan ist ein silberweißes, hartes, sprödes, ziemlich unedles Metall, das an feuchter Luft anläuft und sich leicht in Säuren zu Mangan(II)-salzen löst. Man verwendet es hauptsächlich als Legierungselement in Stählen. Manganvergiftungen treten besonders durch Einatmen von Mangandioxidstäuben auf und können zu schweren chronischen Nervenkrankheiten führen (Manganismus). Als Element wurde Mangan erstmals 1774 von dem schwedischen Chemiker Johan Gottlieb Gahn (1745-1818) hergestellt.

Manganbraun, Bister: aus Mangan(m)-oxidhydrat bestehendes dunkelbraunes Pigment für Künstlerinal-Farben.

Manganin: Kupfer-Mangan-Nickel Legierung (etwa 15 % Mn, 2 % Ni) mit geringer Temperaturabhängigkeit des elektrischen Widerstandes; verwendet für Messwiderstände.

Manganit: Mineral, Manganoxidhydrat; Kristallsystem monoklin, Härte 4, Dichte 4,3 g/cm3; schwarze, halbmetallisch glänzende, prismatische Kristalle; kommt als Seltenheit auf hydrothermalen Gängen mit Baryt vor, zum Beispiel in Ilmenau.

Manganschwarz: aus unreinem Mangandioxid, Mn02, bestehendes schwarzbraunes Pigment für Kalk-, Keramik-, Leim- und andere Farben.

Manganverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Mangan. In saurem Milieu sind die Oxydationsstufen +2 und +7, in alkalischen +4 und + 6 am beständigsten Mangan(II)-chlorid, ist leicht wasserlöslich und wie die meisten Mangan(II)-verbindungen rosafarben. Mangan(IV)-oxid, Pyrolusit ein grauschwarzes Pulver, spaltet oberhalb 500 °C Sauerstoff ab und dient, zum Beispiel im Zink-Salmiak-Kohle-Element, als Oxydationsmittel. Permanganate sind die Salze der nur in verdünnter, wässriger Lösung beständigen Permangansäure. Deren Anhydrid Mangan(VII)-oxid ist eine schwarzviolette, explosible Flüssigkeit. Kaliumpermanganat die wichtigste Mangan(VII)-verbindung, bildet braunviolette, schwach metallisch glänzende, in Wasser mit intensiv violetter Farbe löslichen Kristalle. Es spaltet bereits bei mäßigem Erhitzen Sauerstoff ab und wird als starkes Oxydationsmittel, zum Beispiel zum Desinfizieren, verwendet. Die intensiv grünen Manganate, zum Beispiel Kaliummanganat leiten sich von der unbeständigen Mangansäure ab. Siehe auch Manganbraun, Manganschwarz.

Mangel: (deutsch - griechisch) Appretur Maschine der Textilveredlung, die Textilien durch Pressen unter hohem Druck Glätte und seidigen Glanz verleiht.

Mängel: bei nicht qualitätsgerechter Leistung des Schuldners dem Leistungsgegenstand anhaftende Fehler oder Schäden, die Garantieansprüche oder andere vertragliche Ansprüche begründen, sogenannt Sachmängel. Siehe auch Garantie 4, Rechtsmängel.

Mangelkrankheiten: schwerwiegende Störungen der Lebensfunktionen bei Mensch und Tier infolge unzureichender, einseitiger, falsch zusammengesetzter Ernährung mit ungenügender Zufuhr lebenswichtiger Stoffe, zum Beispiel Eiweiß (Kwashiorkor), Minerale (besonders Eisen- und Jodmangel), Vitamine (besonders Vitamin-B-Mangel, Beriberi, Pellagra). Mangelkrankheiten an Pflanzen sind auf ungenügende Zufuhr von lebenswichtigen Pflanzennährstoffen zurückzuführen. Sie können auch durch Überschuss anderer Pflanzennährstoffe entstehen.

Manger, Itzik, 30.5.1901-21.2.1969, jiddischer Schriftsteller, lebte bis 1939 in Warschau, dann in Frankreich, Großbritannien, den USA und Israel; sein Roman «Das Buch vom Paradies» (1939, deutsch) vermittelt trotz märchenhafter Elemente ein realistisches Bild vom Leben der Juden in der osteuropäischen Kleinstadt.

Mangobaum, Mangifera indica: zu den Sumachgewächsen gehörender, in den Tropen verbreiteter Obstbaum mit gelben, längliche, bis 2 kg schweren wohlschmeckenden Steinfrüchten, den Mangopflaumen.

Mangold, Beta vulgaris subsp. vulgaris: Gänsefussgewächs, Unterart der Speiserübe; zweijährige, sehr alte Kulturpflanze, von der die Blattspreiten (Blattmangold) oder die Blattstiele (Rippenmangold) als Kochgemüse genutzt werden.

Mangrove: Küstenwaldformation tropischer, von Gezeiten beeinflusster Küsten und Flussmündungen, gebildet durch salzertragende, immergrüne Holzpflanzen oft mit Stelz- und Luftwurzeln, deren Keimlinge sich auf der Mutterpflanze entwickeln (Viviparie) und speerartig in den Schlamm herabfallen.

Manhes, Frédéric Henri, 9.6.1889-25.6.1959, französischer Politiker; als aktiver Widerstandskämpfer von französischen Kollaborateuren 1943 verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert (Haft im KZ Buchenwald), seit 1951 Präsident der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer.

Mani, Manichäus 14.4.216 - 26.2.276, persischer Religionsstifter, predigte seit 241 eine eigene Lehre (Manichäismus).

Manichäismus: von Mani begründete spätantike, gnostische Weltreligion mit christlichen, persischen und buddhistischen Elementen; verkündet den Dualismus zwischen Licht und Finsternis, Geist und Körper. Im Zentrum der Lehre steht die Erlösung aus der irdischen Finsternis; umfangreiche Literatur in verschiedenen Sprachen (Texte aus Turfan in Zentralasien, koptische Handschriften). Der Manichäismus war ein starker Rivale der christlichen Kirche und wirkte unter anderem bei Bogomilen und Katharern nach.

Manie: (griechisch, «Raserei», «Wahn») phasisch auftretender krankhaft gesteigerter heiterer Erregungszustand mit nicht zielgerichteter, übertriebener Geschäftigkeit ohne nennenswerten Nutzeffekt, Ideenflucht, Selbstüberschätzung mit Enthemmung der Persönlichkeit.

Manier: (französisch) 1. allgemein Eigenart; Art und Weise; Gewohnheit, Sitte.

2. Kunst: zur Gewohnheit gewordene Eigentümlichkeit, die nicht mehr Ausdruck schöpferischen Antriebs ist; Künstelei. Siehe auch Manierismus.

Maniera greca: (italienisch, «griechischer Art») von L. Ghiberti und G. Vasari eingeführte, noch heute übliche Bezeichnung für die byzantinisch beeinflusste italienische Malerei im 13. und frühen 14. Jahrhundert mit ihren stilisierten Formen.

Manieren: (französisch) Benehmen, Umgangsformen.

Manierismus: (französisch) widerspruchsvolle Stilströmung der europäischen Kunst zwischen Hochrenaissance und Barock, etwa 1520/1600, die das politische, wirtschaftliche und geistige Chaos Europas im Zeitalter der Gegenreformation widerspiegelt. Die Bewertung des Manierismus zählt zu den am meisten diskutierten Problemen der Kunstwissenschaft. Der Manierismus begann in Florenz mit der rein artistischen Weiterführung der stilistischen Eigenart der vorangegangenen klassischen Kunst der Hochrenaissance; es entstand eine überfeinerte, intellektuelle Kunst von höchstem ästhetischen Raffinement, die den Realismus und Humanismus der Frührenaissance und die idealisierte Harmonie der Hochrenaissance ablöste. Kennzeichnend sind eine Überbewertung der künstlerischen Form gegenüber der natürlichen Proportion, so dass labile, überlängte Figuren beliebt wurden sowie Unruhe im Bildaufbau, ekstatische Spannungen und changierende, gebrochene Farben. Bedeutende Leistungen erfolgten auf dem Gebiet der Porträtmalerei durch Vertiefung der individuellen Züge und Erfassung des Psychischen; in der Bildhauerkunst wurde die rundansichtige bewegte Figurengruppe zur höchsten Vollendung gebracht, insbesondere durch Giovanni da Bologna, dessen zahlreiche, viel kopierte Bronzestatuetten den Stil über ganz Europa verbreiteten. Zu den Hauptmeistern des Manierismus in der italienischen Malerei zählen Tintoretto, Parmigianino, J. Pontormo, A. Bronzino sowie der Spanier El Greco. Ein weiteres europäischen Zentrum des Manierismus wurde der Hof Rudolfs II. in Prag mit den Künstlern H. von Aachen, B. Spranger, G. Arcimboldi und A. de Vries sowie die Schule von Fontainebleau mit einem reichen von den Italienern F. Primaticcio und G. B. Rosso entwickelten Dekorationsstil. Den Manierismus in Nordeuropa beeinflussten besonders die niederländischen Manieristen, die eine eigene künstlerische Spielart des Manierismus entwickelten.

manifest: deutlich, offenbar.

Manifest: 1. allgemein öffentliche Erklärung; Darlegung von Grundsätzen; Kundmachung.

2. Schifffahrt: ein auf ein Schiff ausgefertigtes detailliertes Verzeichnis des gesamten Ladegutes; wird als Nachweis gegenüber (Zoll-) Behörden und für innerbetriebliche Zwecke verwendet.

Manifestation: Sichtbarmachung; Offenbarwerden; Bekanntmachung; Kundgebung.

Manifestationsalter: Lebensalter, in dem (insbesondere erbliche) Krankheiten auftreten, obwohl die Anlage für die Krankheit seit Lebensbeginn vorhanden war.

Manila: Hauptstadt der Philippinen, auf der Insel Luzon; 1,6 Millionen Einwohner, Groß-Manila umfasst 4 Großstädte, darunter den Regierungssitz Quezon City (1,2 Millionen Einwohner), sowie weitere 13 Städte; insgesamt 5,9 Millionen Einwohner; wichtigster Industriestandort mit der Hälfte aller Betriebe des Landes, darunter Stahl- und Walzwerk, Aluminiumhütte, Maschinenbau, Werft, Elektrotechnik, chemisches, Baustoff-, Leicht- und Lebensmittelindustrie; wichtigster Hochseehafen, internationaler Flughafen; 3 Universitäten, Hoch- und Fachschulen; in der Nähe Chromerzbergbau. Von Spaniern (Legazpi) 1571 gegründet, 1762/64 britisch, 1898 durch die USA besetzt; Januar 1942 Einmarsch der Japaner, Februar 1945 durch philippinische Partisanen und USA-Truppen befreit. Seit 1976 Hauptstadt

Manin, Daniele, 13.5.1804-22.9.1857, italienischer Patriot; während der Revolution 1848/49 Präsident der Republik Venedig und Organisator ihrer Verteidigung gegen die Österreicher; ging in der Emigration auf liberale Positionen über.

Maniok, Mandioka, Manihot esculenta: südamerikanische Wolfsmilchgewächs, dessen stärkereiche, mehrere Kilogramm schwere Wurzelknollen in tropischen Gebieten als wichtiges Nahrungsmittel genutzt werden (wegen des giftigen Milchsaftes nur gekocht oder geröstet).

Manipulation: 1. allgemein Handgriff, Kunstgriff; Handhabung, Verfahren; Machenschaften, Kniff.

1. Manipulation, Manipulierung des Bewusstseins: Politik auf der Grundlage fast unumschränkter Verfügungsgewalt über die Mittel der Ideologieproduktion und -Verbreitung (Massenmedien) geführter psychischer Krieg des Imperialismus gegen selbständiges Denken, fortschrittliche gesellschaftliche Bestrebungen, insbesondere gegen Arbeiterbewegung und Sozialismus; eine Hauptform imperialistischen Klassenkampfes. Die Manipulation soll das Bewusstsein breitester Bevölkerungsschichten entgegen deren objektiven Interessen den volksfeindlichen Klasseninteressen der Monopolbourgeoisie und ihrer imperialistischer Ideologie unterordnen.

Manipulator: 1. Zauberkünstler, dessen Kunststücke vorwiegend auf Fingerfertigkeit beruhen.

2. Gerät, das Funktionen der menschlichen Hand nachahmt und zum Handhaben von Werkstücken und Werkzeugen oder zum Fertigen dient, indem es ein Werkzeug auf definierten Bahnen oder zu definierten Positionen führt. Im Gegensatz zum nichtprogrammierbaren Manipulator, dessen Bewegungsabläufe von Hand gesteuert werden, besitzt der programmierbare Manipulator einen festen oder flexiblen Programmspeicher und kann mit Sensoren ausgerüstet sein (Industrieroboter).

Manipur: Unionsstaat im Nordosten Indiens; 22356 km2, 1,4 Millionen Einwohner; 63 Einwohner/km2; Hauptstadt Imphal; umfasst eine von bis 2800 m hohen Gebirgen umrahmte Beckenlandschaft (etwa 800 m über dem Meeresspiegel); vorwiegend Anbau von Reis, Zuckerrohr, Tabak und Gewürzen; Handweberei, Holzverarbeitung.

Manisa: Stadt (Provinzzentrum) im Westen der Türkei, östlich von Izmir; 94000 Einwohner; Textil-, Leder-, Holzindustrie; Eisenbahnknoten; bei Manisa Magnesit- und Zinklagerstätten.

manisch-depressive Krankheit, Zyklophrenie, Zyklothymie (beide dat. griechisch), früher manisch-depressives Irresein: vorwiegend auf endogen-konstitutioneller Grundlage beruhende, periodisch auftretende manisch und depressive Verstimmungen.

Manitoba: Provinz im mittleren Teil Kanadas, südwestlich der Hudsonbucht, östlichste der 3 Prärieprovinzen; 650086 km2, 1 Millionen Einwohner (4% Indianer); 1,5 Einwohner/km2; Hauptstadt Winnipeg. Im Osten und Norden Kanadisches Schild, im Süden und Südwesten Hügelland und Hoch-plateau, bis 735 m hoch; kontinentales Klima; zahlreiche Flüsse und Seen (unter anderem Winnipegsee), Hauptstrom Nelson (Wasserkraftwerke); im Norden Waldtundra, an der Hudsonbucht baumlose Tundra, im Zentralteil Nadelwald, im Südwesten Prärie. Hauptwirtschaftszweige sind die verarbeitende Industrie (Produktion von Papier, Zellulose, Erdölverarbeitung unter anderem) und der Bergbau (Nickel-, Kupfer-, Zinkerz, Erdöl). Die Landwirtschaft erzeugt vorwiegend im Süden Weizen, Gerste, Hafer, Leinsaat; außerdem Viehzucht (Rinder, Schweine), Forstwirtschaft; bedeutender Fischfang; Kernforschungsinstitut Pinawa; Tourismus (Fischfang, Wassersport); von Churchill (Hudsonbucht) im Sommer direkte Schiffsverbindung mit Europa (Getreideexport).

Manitobasee: langgestreckter Süßwassersee im Süden Kanadas, in der Provinz Manitoba; 248 m über dem Meeresspiegel, 4706 km2, 190 km lang, bis 40 km breit, bis 28 m tief; sehr buchtenreich.

Manitu, Manito: 1. bei den Algonkin Indianern gute oder böse geheimnisvolle Kraft, die bestimmten Dingen, der Natur, Personen und mythisch-religiösen Erscheinungen eigen sein soll; bei den Irokesen Orenda, bei den Dakota Wakonda genannt.

2. von Manitu 1 abgeleitete Bezeichnung der nordamerikanischen Indianer für den Gott der Christen (der «große Geist»).

Manizales: Stadt (Departements Zentrum) in Kolumbien, im fruchtbaren Cauca-Tal, 2150 m über dem Meeresspiegel; 250000 Einwohner; vielseitige verarbeitende Industrie; Handelszentrum im bedeutenden Kaffeeanbaugebiet; Verkehrsknoten; Universität.

Manko: Minusdifferenz; fehlender Geldbetrag oder Warenvorrat, der durch Vergleich von Soll- und Istbestand festgestellt wird.

Mann: 1. Dieter Mann, geboren 20.6.1941, Schauspieler; entwickelte sich, seit 1964 am Deutschen Theater, Berlin (Intendant seit 1984), zu einem vielseitigen Charakterdarsteller in zeitgenössischen und klassischen Stücken (zum Beispiel Wibeau in «Die neuen Leiden des jungen W.», Antonio in «Torquato Tasso»), auch in Film- und Fernsehrollen («Auf der Suche nach Gatt»).

2. Heinrich Mann, 27.3.1871-12.3.1950, Schriftsteller, Bruder von Mann 4; Repräsentant des kritischen Realismus des 20, Jahrhundert; würdigte die weltgeschichtliche Bedeutung der Sowjetunion. Mann entstammte einer Patrizierfamilie; nach dem Studium 1893/98 hielt er sich in Frankreich und Italien, dann in München, ab 1925 in Berlin auf; 1931 Präsident der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste; 1933 Emigration nach Frankreich, wo er sich im Rahmen der Volksfrontpolitik der Arbeiterklasse näherte (1938 Präsident der deutschen Volksfrontkomitees); seit 1940 in den USA; 1950 zum ersten Präsidenten der AdK der DDR berufen. In einer Reihe gesellschaftskritische Romane entlarvt Mann schonungslos die imperialistische Gesellschaft («Im Schlaraffenland», 1900; «Professor Unrat», 1905, Satire auf das kaiserlich-imperialistische Schulwesen und das Spießertum; «Die kleine Stadt», 1909; «Der Untertan», 1918, eine der schärfsten grotesk-satirischen Anklagen gegen das deutsche Kaiserreich und seinen Untertanengeist). In dem zweibändigen Roman «Die Jugend des Königs Henri Quatre» (1935) und «Die Vollendung des Königs Henri Quatre» (1938) gestaltet Mann, alle Schichten der Gesellschaft einbeziehend und für den historischen Fortschritt Partei ergreifend, die Erziehung des Königs zur Humanität, sein Wirken für Einheit und Größe der Nation. Eine bitter-ironische Gesellschaftssatire ist der 1941/43 entstandene Roman «Empfang bei der Welt» (1956). Mann schrieb ferner Erzählungen («Die Branzilla», 1908; «Kobes», 1925) sowie Dramen («Madame Legros», 1913). Ausdruck seiner kämpferischen Persönlichkeit ist auch seine Essayistik (unter anderem Sammelbände «Geist und Tat», 1910; «Mut», 1939). In seinem autobiographischen Erkenntnisbericht «Ein Zeitalter wird besichtigt» (1945) zieht Mann die Bilanz seines Lebens und seiner Zeit; er tritt ein für Völkerverständigung, Erhaltung humanistischer Werte, für eine friedvolle, vom Sozialismus bestimmte Welt.

3. Klaus Mann, 18.11.1906-22.5.1949 (Selbsttötung), Schriftsteller, Sohn von Mann 4; emigrierte 1933; Mitherausgeber der antifaschistischen Zeitschrift «Die Sammlung» (1933/35). Manns Gesamtwerk ist autobiographisch bestimmt; er schrieb, ständig «Auf der Suche nach einem Weg» (Essaysammlung, 1931), neben Novellen und Stücken den Tschaikowski-Roman «Symphonie pathétique» (1935), den antifaschistischen Schlüsselroman «Mephisto» (1936), den Emigrantenroman «Der Vulkan» (1939) und die sozial- und kulturkritische Autobiographie «Der Wendepunkt» (1952).

4. Thomas Mann, 6.6.1875-12.8.1955, Schriftsteller, Bruder von Mann 2; einer der bedeutendsten Epiker des 20. Jahrhundert und weltliterarischer Repräsentant des bürgerlichen Humanismus. Mann entstammte einer Patrizierfamilie; studierte in München, hielt sich 1895/97 in Italien auf, war 1898/99 Redakteur am «Simplicissimus»; lebte als freischaffender Schriftsteller vorwiegend in Berlin und München; verteidigte in Reden und Aufsätzen die Weimarer Republik und warnte vor der Gefahr des aufkommenden Faschismus; unternahm zahlreiche Auslandsreisen, kehrte 1933 nicht zurück (Exil in Frankreich, Schweiz, ab 1938 USA wurde amerikanischer Staatsbürger); ab 1940 antifaschistische Rundfunkansprachen («Deutsche Hörer»); lebte ab 1952 in der Schweiz. Grundthema seines traditionsverbundenen realistischen Werkes ist der Verfallsprozess der bürgerlichen Gesellschaft. Mann begann mit Novellen (unter anderem «Tristan», 1903; «Tonio Kröger», 1903; «Der Tod in Venedig», 1912), die die Künstlerproblematik in der kapitalistischen Welt widerspiegeln; mit faschistischen Tendenzen setzte er sich in «Mario und der Zauberer») (1930) auseinander. Weltweite Bedeutung erlangte Mann mit seinen Romanen. Den geistig-moralischer und wirtschaftlicher Niedergang eines Kaufmannsgeschlechts verfolgte er in den «Buddenbrooks» (1901); in «Königliche Hoheit» (1909) ironisiert er die Allianz von Feudalaristokratie und Großkapital; «Der Zauberberg» (1924), eine Zeitanalyse bürgerlichen Lebens- und Denkweisen zwischen Humanität und präfaschistische Haltung, ist Ausdruck seines Bemühens um die Verwirklichung humanistischer Ideale unter den Bedingungen imperialistischen Verfalls; die Durchsetzung humanistischer Gesittung gegenüber der Barbarei beherrscht die Tetralogie «Joseph und seine Brüder» (1933/43); «Lotte in Weimar» (1939) bezeichnet Manns Hinwendung zur progressiven Vergangenheit des Bürgertums (Goethe); eine tiefgründige Abrechnung mit dem Bürgertum, seiner Kultur und Philosophie ist der «Kultur- und Epochenroman» «Doktor Faustus» (1947). Manns letztes größeres Werk, die «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» (1954), in dem er, parodistisch-burlesk, noch einmal die Künstler-Bürger-Problematik aufgriff, blieb Fragment Auch Manns Briefe und Tagebücher, Studien, Essays und Reden («Die Forderung des Tages», 1930; «Vom kommenden Sieg der Demokratie», 1938; «Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters», 1932) sind bedeutsame Zeugnisse umfassender Bildung und humanistischer Gesinnung.

5. Mann (maen), Tom (eigentlich Thomas), 15.4.1856-13.3.1941, britischer Arbeiterführer, Gewerkschaftsfunktionär, 1889 Mitorganisator des Londoner Docker Streiks, Mitbegründer kämpferischer Gewerkschaften, 1893 der Unabhängigen Arbeiterpartei, 1920 der KP.

Manna: (lateinisch - griechisch - hebräisch, «Gabe») Bezeichnung für verschiedenartige, essbare, auch pharmazeutisch verwendbare pflanzlicher Stoffe, die Mannit enthalten. Handelsübliche Manna ist der getrocknete Saft der Mannaesche mit 30 bis 50% Mannit

Mannaflechte, Lecanora esculenta: kleinlappige bis knollige Flechte der Steppen Asiens und Nordafrikas; essbar.

Männchen: Kunstflugfigur, das Flugzeug steigt aus dem Normal- oder Rückenflug senkrecht in die Höhe, kippt nach Erreichen des höchsten Punktes ab, geht in den Sturzflug über und fliegt nach dem Abfangen wie vor Beginn der Figur weiter.

Mannequin: ursprünglich Gliederpuppe; seit Mitte des 19. Jahrhundert Bezeichnung für die Vorführdame von Modellen verschiedener Kleidungsstücke bei Modenschauen. Siehe auch Dressman.

Mannerheim, Carl Gustav Emil. Freiherr von, 4.6.1867-27.1.1951, finnischer Militär und Politiker, unterdrückte 1918 blutig die revolutionäre Bewegung; 1918/19 Reichsverweser; in den finnisch-sowjetischen Kriegen 1939/40 und 1941/44 Oberbefehlshaber; 1944/46 Staatspräsident.

Männerkindbett, Couvade: bei einigen südamerikanischen Indianerstämmen und Dravida-Gruppen verbreitete Sitte, der zufolge nach der Geburt eines Kindes auch (oder vor allem) der Vater eine Art Wochenbett abzuhalten hat und sich dabei besonderen Speise- und anderen Verboten (Tabus) unterwerfen muss.

Männertreu: umgangssprachliche Bezeichnung für Ehrenpreis-Arten und die Blaue Lobelie.

Mannhardt, Wilhelm, 26.3.1831-25.12.1880, Sagen- und Mythenforscher, sein Hauptwerk über Wald- und Feldkulte (1875) ist eine vergleichende Darstellung europäischen Volksbräuche.

Mannheim, Karl, 27.3.1893-9.1.1947, Soziologe; Professor in Heidelberg, Frankfurt am Main, ab 1933 in London; begründete mit Mannheim Scheler die sogenannte Wissenssoziologie; vertrat einen rationalen Liberalismus mit elitetheoretische Ansätzen; liberaler Gegner des Faschismus; schrieb unter anderem «Ideologie und Utopie» (1929).

Mannheimer Schule: Komponistenkreis am kurpfälzischen Hof in Mannheim Mitte des 18. Jahrhundert, vorwiegend tschechisch, aber auch Österreich, und deutscher Herkunft; einer der wichtigsten Vortrupps der Wiener Klassik auf dem Gebiete der Sinfonie und der Kammermusik im Hinblick auf ihre Fähigkeit, das Ideengut der Aufklärung mit spezifischen musikalischen Mitteln zu gestalten. Neuerungen waren: Verzicht auf den Generalbass, bewusst einfache homophone Schreibweise, periodisch klar gegliederte Thematik, Ausprägung zweier gegensätzlicher Themen, Orchester Crescendo und -tremolo, Einfügung des Menuetts an 3. Stelle der viersätzigen Sinfonie unter anderem Hauptmeister sind J. Stamic, F. X. Richter, A. Filtz, K. Stamic, J. C. Cannabich, F. Danzi, C. G. Toëschi.

Manninen, Otto, 13.8.1872 - 6.4.1950, finnischer Dichter, schuf symbolistische, von tiefem Humanitätsglauben erfüllte Dichtungen («Strophen», 1905/10; «Der ruhige Strom», 1925; «Der Reisende», 1938) und übertrug Werke der Weltliteratur (Homer, Molière, Goethe, Ibsen) ins Finnische.

Mannit: (zu «Manna») ein sechswertiger Zuckeralkohol; entsteht durch Reduktion von Mannose und Fruktose; bildet farb- und geruchlose, süß schmeckende, leicht wasserlösliche Kristalle; F165 bis 166 °C. Mannit ist der Hauptbestandteil der Manna und eignet sich als Diabetikerzucker.

Mannose: (griechisch + hebräisch) zu den Aldohexosen (Monosacharide) gehörender Zucker der Formel C6Hu06; bildet farblose, süße, leicht wasserlösliche Kristalle und kommt als Baustein von Polysachariden (Mannane), Glykosiden und Muskelproteiden vor.

Mannstreu, Eryngium: distelartiges Doldengewächs mit stacheligen Blättern und Blütenköpfen. Heimisch sind Feldmannstreu (Eryngium campestre), Flachblättriger Mannstreu (Eryngium planum) und Strandmannstreu (Stranddistel, Eryngium maritimum).

Manometer: Gerät zum Messen des Druckes in Flüssigkeiten, Gasen und Dämpfen. Manometer zeigen entweder den absoluten Druck, den Über- oder Unterdrück gegenüber Atmosphärendruck oder die Differenz zweier Drücke an. Flüssigkeitsmanometer bestehen aus einem U-Rohr, das mit Wasser, Alkohol oder Quecksilber gefüllt ist. Stets ist die Höhendifferenz Ah beider Flüssigkeitssäulen dem Druck p beziehungsweise der Druckdifferenz proportional. Ein technisches Flüssigkeitsmanometer für Druckdifferenzen, zum Beispiel am Venturi-Rohr, ist die Ringwaage. Genaue Messungen bei höheren Drücken ermöglichen Kolbenmanometer (Druckwaagen), bei denen der Druck auf einen beweglich belasteten Kolben wirkt. Bei Federmanometer, zum Beispiel Röhrenfedermanometer (Bourdonrohr) oder Membranfedermanometer, biegt sich ein elastisches Glied unter der Wirkung des Innendrucks p und betätigt dabei einen Zeiger. Für sehr hohe Drücke (> 1000 MPa) verwendet man Widerstandsmanometer, in denen sich ein Manganin Draht unter der Wirkung des Drucks deformiert. Die damit verbundene Änderung des elektrischen Widerstandes wird gemessen. Schnell wechselnde Drücke misst man mit elektrische Manometer auf der Grundlage des piezoelektrischen Effekts; siehe auch Barometer,

ma non troppo: (italienisch) Musik aber nicht zu sehr (in Verbindung mit Tempo- oder Musizieranweisung.

Manöver: 1. Militärwesen a) Umgruppierung oder Veränderung der Bewegungsrichtung von Truppen (Kurs- beziehungsweise Positionsänderung bei Flugzeugen und Schiffen), um günstigere Gefechtslagen zu erreichen;

b) Verlegung des Feuers von Waffen auf neue Ziele (vorwiegend bei Raketentruppen und Artillerie als Manöver bezeichnet);

c) zweiseitige Truppenübung, höchste Form der operativen und Gefechtsausbildung.

2. Seefahrt: a) Verrichtung auf Schiffen, zum Beispiel Ankermanöver (Werfen und Aufholen des Ankers), Bootsmanöver (Aussetzen und Aufnehmen der Rettungsboote);

b) Bewegungsänderung eines Schiffes, zum Beispiel Drehen, Anlegen oder Verholen durch Ruder- und Maschinenmanöver übertragen Kunstgriff; Scheinmaßnahme, Winkelzug.

Mansarde: (nach J. Hardouin-Mansart) im weiteren Sinne Dachkammer; im engeren Sinne bewohnbares Dachgeschoß mit schräger Wand und daraus vorspringenden Fenstern.

Manschette: 1. verstärkter, zum Teil umgeklappter Abschluss an langärmeligen Oberhemden, Blusen und so weiter; meist geknöpft oder von Manschettenknöpfen zusammengehalten.

2. Maschinenelement zum Abdichten des Spalts zwischen sich relativ zueinander bewegenden Teilen bei geringen Drücken und Geschwindigkeiten; meist aus Gummi oder Leder in Scheibenform zur Befestigung und einer parallel zur Berührungsfläche liegenden Dichtlippe (zum Beispiel bei Kolbenpumpen, Luftzylindern).

Manse Bewegung: antijapanische nationale Bewegung in Korea; stand unter der Losung «Es lebe die Unabhängigkeit Koreas» (koreanisch «manse» = «es lebe»); Anlass war die Trauerfeier für den koreanischen Exkaiser Sun Dschong am 10.6.1926. Die Manse Bewegung, die erste von der KP geleitete Massenbewegung Koreas, wurde von der japanischen Polizei blutig niedergeschlagen, jedoch die Unabhängigkeitsbewegung hielt an.

Mansfield, Katherine, eigentlich Kathleen Beauchamp-Murry, 14.10.1888-9.1.1923, englische Schriftstellerin neuseeländischer Herkunft; schrieb Kurzgeschichten mit feinsinniger psychologische Analyse und impressionistische Stimmungsschilderungen («Seligkeit», 1920, deutsch; «Das Gartenfest», 1922, deutsch); hinterließ Briefe und Tagebücher; Deutsch Auswahl «Ausgewählte Werke» (2 Bände, 1981).

Mantegna, Andrea, 1431-13.9.1506, italienischer Maler und Kupferstecher, bedeutendster Meister der Frührenaissance in Oberitalien. Seine Werke zeichnen sich durch klare Komposition und meisterhafte Perspektive aus. insbesondere seine Fresken zur Jakobsgeschichte in der Eremitani-Kapelle in Padua, 1448/59 (1944 zerstört, zum Teil restauriert) zeigen gewagte Verkürzungen, anatomische Durchbildung und an der Antike geschulte Plastizität der heroischen Gestalten. Seit 1460 in Mantua am Hofe der Gonzaga, schuf er in ihrem Auftrag illusionistische Wand- und Deckenmalerei, allegorische Gemälde und das erste reine Gruppenbildnis. Als Kupferstecher beeinflusste er unter anderem A Dürer.

Mantel: 1. den Körper der Weichtiere (Mollusken) meist seitlich und hinten umgebende Falte der Körperwand; scheidet nach außen meistens eine Schale ab.

2. Mantel, Pallium: Bezeichnung für Großhirnrinde.

3. Mantel, Mantelfläche: bei Kegel und Zylinder Teil der Oberfläche, bestehend aus allen Punkten auf den Körper erzeugenden Mantellinien.

4. Bereifung.

Mantelgesetz, Rahmengesetz: Gesetz, das allgemeine Bestimmungen enthält und die nähere Regelung weiteren Rechtsvorschriften überlässt.

Mantelpfahl: Bohrpfahl mit dünnem Stahlblechmantel zum Schutz gegen aggressive Stoffe im Wasser oder Baugrund.

Manteltiere, Tunikaten, Tunicata: primitive meeresbewohnende Chordatiere, meist von einem tonnenförmigen «Mantel» aus zelluloseähnliche Hautausscheidungen umhüllt; sie haben Ein- und Ausströmöffnungen; Vorderdarm mit großem Kiemenkorb zur Atmung und Filtration des Planktons; leben freischwimmend oder festsitzend, einzeln oder in Kolonien; geschlechtliche und ungeschlechtliche Vermehrung durch Knospung; Entwicklung über ein Larvenstadium; siehe auch Feuerwalzen, Salpen, Seescheiden.

Mantel-und-Degen-Stück: eines der drei Hauptgenres der klassischen spanischen Dramatik (neben dem historischen und politischen Schauspiel, Comedia de cuerpo, und dem geistlichen Drama, Auto sacramentale). Mantel-und-Degen-Stück sind zeitgenössische Gesellschaftsstücke mit turbulenter Intrigenhandlung, in denen meist die Welt der adligen Ehren- und Liebeshändel durch volkstümliche Diener und Spaßmachergestalten (Graciosi) verfremdet wird (zum Beispiel Calderons «Dame Kobold»).

Mantelzellen: Zellen der Neuroglia, umgeben mantelartig periphere Ganglienzellen.

Manteuffel, Otto Theodor Freiherr von, 3.2.1805-26.11.1882, preußischer Politiker; war als Innenminister maßgeblich an der Oktroyierung der Verfassung im Dezember 1848 und 1849 an der Einführung des reaktionären Dreiklassenwahlrechts beteiligt; als Ministerpräsident und Außenminister (1850/58) verfolgte er eine reaktionäre Politik und unterdrückte mit den Mitteln der Polizeiwillkür und des Verfassungsbruchs jede Volksbewegung.

Mantille: knielanger Schulterumhang in der Frauenmode des 18./19 Jahrhundert.

Mantinea: altgriechische Stadt im Osten Arkadiens (Peloponnes). 362 vor Christus unterlagen bei Mantinea die Athener und Spartaner den Thebanem unter Epaminondas.

Manto, Saadat Hasan, 11.5.1912-18.1.1955, Pakistan. Schriftsteller und Drehbuchautor, schrieb in Urdu. Helden seiner in 15 Sammelbänden enthaltenen Erzählungen («Kaltes Fleisch», 1950; «Hinter dem Vorhang», 1953) sind soziale Außenseiter, übersetzte auch aus dem Russischen (A. S. Puschkin, Manto Gorki). Nach 1947 isolierte er sich zunehmend von den gesellschaftlichen Entwicklungen.

Mantua, italienisch Mantova: Stadt in Oberitalien (Lombardei), Verwaltungszentrum der Provinz Mantua, am Mincio; 61000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Walzwerke, Maschinenbau, chemische, Textilindustrie; Museen. Roman. Dom (Umbau 16. Jahrhundert; Barockfassade), S. Andrea (15. Jahrhundert; Kuppel 18. Jahrhundert) mit Backsteinkampanile (1414), Palazzo Ducale (13./18. Jahrhundert; mit Fresken von A. Mantegna), Palazzo del Te (seit 1524/25, von G. Romano). Etruskische Siedlung; Stadtrepublik seit 1115; 1328/1708 unter den Gonzaga; im 18./19. Jahrhundert starke österreichische Festung; seit 1866 bei Italien.

Manu: (Sanskrit, «Mensch») nach indischer Tradition Verfasser eines berühmten Gesetzbuches («Manusmriti» oder «Manava-Dharma-Shastra»), das im 2. Jahrhundert vor Christus entstand und neben religiösen Vorschriften auch weltliches Recht, besonders die Grundlagen der Kastenordnung, enthält.

Manual: lateinisch «Handw Tastenreihe (Klaviatur) bei Orgel (1 bis 5 Manual) und Cembalo (1 bis 3 Manual).

Manuel, Niklas, genannt Manuel Deutsch, um 1484-28.4.1530, schweizerischer Dichter deutscher Sprache, Maler und Graphiker, seine unter dem Einfluss der Reformationsbewegung entstandenen Dramen mit antipäpstlicher Tendenz («Vom Papst und seiner Priesterschaft», 1523; «Der Ablaßkrämer», 1525) waren von stark aktuell-politische Bedeutung. Als Maler und Graphiker (einige seiner Werke illustrierte er selbst) ist er von A. Dürer und H. Baidung beeinflusst. Er malte farbenprächtige Bilder mit biblischen und mythologischen Szenen. Seine Wandmalereien sind nicht erhalten.

Manuel I., Manuel der Große, 31.5.1469-13.12.1521, König von Portugal seit 1495; unter seiner Herrschaft wirtschaftliche und kulturelle Blüte, Errichtung eines Kolonialreichs in Indien. Manuelinischer Stil, Emanuelinischer Stil: portugiesischer Baustil zur Zeit König Manuels I. Bezeichnend ist die Vermischung der Formen von Spätgotik und Frührenaissance mit Anregungen aus Übersee und dem islamischen Bereich in der wuchernden naturalistische Bauernromantik(Ast- und Wurzelwerk, Girlanden, Taue, Riemen). Hauptmeister ist J. de Castilho.

Manufacturing Belt: (englisch, «Industriegürtel») bedeutendste Zone der Verdichtung von Industriestandorten in den USA; umfasst ganz die Staaten Rhode Island, Connecticut, Maryland, Delaware, New Jersey, Pennsylvania, Ohio, Illinois, Indiana und zum Teil ihnen angrenzende Staaten. Der Manufacturing Belt entstand mit der Leicht- und eisenverarbeitenden Industrie der Neuenglandstaaten und breitete sich, begünstigt durch Bodenschätze (Steinkohle, Eisenerz, Erdöl) und Verkehrswege (Hudson, Mohawk, Ontario- und Eriesee), im 19. Jahrhundert weiter nach Westen aus.

Manufaktur: (lateinisch, eigentlich «mit der Hand gemachte Arbeit») im Frühkapitalismus Kooperation, die auf innerbetriebliche Arbeitsteilung und handwerklichen Technik beruht, Die Manufakturperiode (in den einzelnen Ländern zeitlich verschieden) hatte ihre Blütezeit etwa vom 16. bis 18. Jahrhundert Grundformen sind

a) heterogene Manufaktur, eine Kombination verschiedenartiger Handwerke zur Herstellung eines Produkts;

b) organische Manufaktur, die höchste Form der Manufaktur, in der ein ehemals einheiti. Arbeitsvorgang; in verschiedene Teiloperationen zerlegt ist, die sich organisch zu einem Produktionsprozess zusammenfügen; der Lohnarbeiter erwirbt bei steigender Arbeitsproduktivität eine höhere, zugleich jedoch einseitigere Geschicklichkeit. Die Manufaktur wurde mit der industriellen Revolution durch das kapitalistische Fabriksystem abgelöst.

Manul, Otocolobus manul: gedrungene, reichlich hauskatzengroße, rundköpfige, langhaarige Kleinkatze der Zentralasiatischen Hochsteppen und Gebirge.

manu propria, Abkürzung (m. p.): mit eigener Hand, eigenhändig.

Manuskript: (lateinisch, «mit der Hand Geschriebenes») Urschrift, die als geistiges Produkt eines Autors urheberrechtlich geschützt ist; wird als eigenhändige Niederschrift (Autograph), heute meist in Maschinenschrift einem Verlag beziehungsweise dem Hör- oder Fernsehfunk übergeben und dient nach erfolgter Bearbeitung zur Satz- oder Sendereife als Vorlage für eine Veröffentlichung. Techn. Anforderungen an ein Manuskript sind in TGL festgelegt.

Manutius, Aldus, um 1450-8.2.1515, italienischer Humanist, Frühdrucker; druckte in Venedig hebräische, griechische und lateinische Werke der Antike, die er als erster in handlicher, kleiner Form in einer Kursivschrift herausgab und die als «Aldinen» bezeichnet werden. Das von Manutius mit Holzschnitten gedruckte Werk des Francesco Colonna «Hypnerotomachia Poliphili» gehört zu den schönsten gedruckten Renaissance-Büchern.

Manyoshu: (japanisch, «Zehntausend-Blätter Sammlung» oder «Sammlung vieler Generationen») älteste erhaltene Anthologie altjapanische Lyrik; wurde um 764 zum Teil aus bereits vorhandenen Sammlungen zusammengestellt und enthält etwa 4500 Gedichte unterschiedlichster Form und Thematik aus mehr als viereinhalb Jahrhunderten; neben altüberlieferten Liedern stehen die kunstvollen Schöpfungen der ersten Dichterpersönlichkeiten der japanischen Literatur. Das Manyoshu setzte bis in die Gegenwart gültige Maßstäbe in der Poesie.

Manytsch: System von Seen, Limanen und Flüssen, in der Kuma-Manytsch-Senke (Grenze Europa/Asien), an der Nordgrenze Nordkaukasiens. Aus dem Manytsch-Gudilo-See (344 km2, 0,6 m tief) fließt nach Westen der 219 km lange westliche Manytsch, ein linker Nebenfluss des Don, mit 3 Stauseen; durch den Newinnomyssker Kanal und den linken Nebenfluss Jegorlyk wird ihm Wasser vom Kuban zugeführt. Der 200 km lange östliche Manytsch durchfließt die Region Stawropol, versickert meist in den Steppen der Kalmykischen ASSR und erreicht nur in niederschlagsreichen Jahren die Kuma. Seit 1961 besteht der Kuma-Manytsch-Bewässerungskanal.

Manzanillo: 1. Stadt in Kuba, in der Provinz Granma, am Golf von Guacanayabo; 87000 Einwohner; Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Fischerei und Küstenschifffahrt; Zuckerausfuhrhafen, Flughafen.

2. Stadt im Bundesstaat Colima (Mexiko), am Stillen Ozean; 87000 Einwohner; Fischkonservenindustrie, Sägemühlen; Fremdenverkehr, wichtiger Ein- und Ausfuhrhafen für das westliche Mexiko, Flughafen.

Manzhouli: Stadt in China, im Nordosten des Autonomen Gebietes Innere Mongolei, an der sowjetischen Grenze; 50000 Einwohner; Fleischverarbeitung, chemische, Baustoff- und Holzindustrie, Kohleabbau; Grenzbahnhof.

Mandschu, Mandschuren: mongolides Volk und nationale Minderheit im Nordosten Chinas; 3,5 Millionen; ursprünglich Jäger, Viehzüchter und Bauern; stürzten 1644 die Ming-Dynastie und errichteten ihre Herrschaft über ganz China; ihre mandschurisch-tungusische Sprache war bis 1911 Amtssprache am kaiserlichen Hof; inzwischen sind die Mandschu sprachlich und kulturell von den Chinesen assimiliert.

Manzini: Stadt (Distriktzentrum) in Swasiland; früher Bremersdorp, 20000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Baumwollentkörnung; Handelszentrum; Straßenknoten. Westlich von Manzini Industriegebiet Matsapa. Bis 1902 Hauptstadt von Swasiland.

Manzoni, Alessandro, 7.3.1785-22.5.1873, italienischer Schriftsteller; Theoretiker und Hauptvertreter der italienischen Romantik; neben Hymnen, Oden und 2 Tragödien mit nationalen Stoffen («Der Graf von Carmagnola», 1820; «Adelgis», 1823; beide deutsch) ist sein Hauptwerk der historischen Roman «Die Verlobten» (1827, deutsch), der zu den wichtigsten realistischen Zeugnissen der Weltliteratur gehört.

Manzu, Giacomo, geboren 24.12.1908, italienischer Bildhauer und Graphiker; hat sich als Bildhauer im Wesentlichen autodidaktisch gebildet. Bewahrte die realistischen Traditionen der Plastik erst im Widerstand gegen Faschismus und Krieg, dann als Alternative zu den Strömungen der spätbürgerlichen Kunst. Manzu schuf lebensnahe Bildnisse, figurische Kompositionen anmutiger Mädchen und Liebespaare; bedeutend sind seine 50 Skulpturen von Kardinälen sowie seine Reliefs, in denen er christliche und zeitkritische Themen miteinander verbindet.

Mao Dun, eigentlich Shen Yanbing, 4.7.1896-27.3.1981, chinesischer Erzähler und Kritiker; 1949/64 Minister für Kultur, schilderte in seinen Romanen und Erzählungen ein breites soziales Panorama, wandte sich gegen die imperialistischen Aggressoren und das reaktionäre Guomindang-Regime (Romane «Shanghai im Zwielicht», 1932, deutsch; «Zersetzung», 1941; Erzählungen «Seidenraupen im Frühling», 1932, deutsch). Er leistete einen bedeutenden theoretischen und praktischen Beitrag für eine realistische Literatur in China.

Maoismus: von Mao Zedong begründete nationalistische und antimarxistische politische ideologische Strömung kleinbürgerlichen Ursprungs, die sich unter den spezifischen gesellschaftlichen Bedingungen in China herausbildete und dort zur Ideologie einer in den 60er Jahren herrschenden, inzwischen abgelösten militärbürokratische Clique wurde, die die kommunistische Weltbewegung zu spalten suchte. Der Maoismus, der die Arbeiterklasse Chinas völlig entrechtete, vertrat eine utopische und reaktionäre Gesellschaftsauffassung; Antisowjetismus und Großmachtchauvinismus veranlassten China, zeitweise mit den reaktionärsten Kräften des Imperialismus zu paktieren und eine den Frieden aufs äußerste gefährdende Politik zu verfolgen. Zahlreiche innen- und außenpolitische Fehlschläge führten den Maoismus in eine tiefe Krise.

Maori: (Selbstbezeichnung, «Einheimische») polynesische Ureinwohner Neuseelands; 280000; zur Hälfte Mischlinge; einst mit eigener hoher Kultur; 1860/72 durch Vernichtungskriege Großbritanniens stark dezimiert, seither der europäischen Lebensweise weitgehend angepasst.

Mao Zedong, Mao Tse-tung, 26.12.1893-9.9.1976, chinesischer Politiker und Ideologe; Mitbegründer der KP Chinas; nahm aktiv an der Bauernbewegung 1924/27 teil, als Führer einer der ersten Einheiten der chinesischen Roten Armee war er maßgeblich an der Errichtung von Sowjetgebieten in China beteiligt und wurde 1931 zum Vorsitzenden der provisorischen demokratischen Regierung für die Sowjetgebiete gewählt. Nach der Beratung in Zunyi 1935 übernahm Mao Zedong faktisch die Führung der KP (1945 Wahl zum Vorsitzenden des ZK der KP). 1949/59 war er auch Vorsitzender der Zentralen Volksregierung beziehungsweise der VR China; hauptverantwortlich für die Durchsetzung und Eskalation einer nationalistisch-hegemonistischen, antisowjetische Linie in Partei und Staat seit 1958, die zu massiven Verletzungen der Erfordernisse des sozialistischen Aufbaus führte («großer Sprung nach vom», «Kulturrevolution») und China zeitweise in eine Konfrontation mit den Kräften des Sozialismus und des Friedens in der Welt trieb.

Manasarovar: Hochgebirgssee im Westen Chinas (Autonomes Gebiet Tibet), nahe der Grenze zu Indien und Nepal; 4603 m über dem Meeresspiegel, etwa 500 km2; zahlreiche kurze Zuflüsse; Quellsee des Sutlej; am Ufer Klosterbauten; Wallfahrtsort des Buddhismus.

Maputo: Hauptstadt und Provinz von Mozambique, an der Delagoa-Bucht des Indischen Ozeans; früher Lourenco Marques; 760000 Einwohner; Möbelherstellung, Textil-, Lebensmittelbetriebe, Eisengießerei, Zementwerk, Werft, Erdölraffinerie und Düngemittelwerk, besonders in der Vorstadt Matola, internationale Messe; wichtigster mozambiquischer Hochseehafen, internationaler Flughafen; Universität, Observatorium, naturhistorisches Museum, Zoo; Kurort.

Maqam: in Nordafrika, Vorder- und Mittelasien (aserbaidschanisch Mugam, tadshikisch und usbekisch Makom) gebräuchliche Bezeichnung für einen Bund, einen Ton, eine Tonleiter, einen tonal melodische Merkmalkomplex, einen vielteiligen Vokalzyklus.

Maquis: («Dickicht») Bezeichnung für die Partisaneneinheiten innerhalb der französischen Résistance; Zentren des Kampfes des Maquis, der eine entscheidende Rolle beim nationalen Aufstand 1944 spielte, waren Savoyen, die Pyrenäen und Burgund.

Marabus, Kropfstörche, Leptoptilos: kahlköpfige Störche mit riesigem Schnabel und nacktem Kehlsack; vorwiegend Aasfresser. Etwa 1,50 m lang ist der afrikanischen Marabus (Leptoptilos crumeniferus); mit 3,20 m hat der Asiatische Marabus (Leptoptilos javanicus) die größte Flügelspannweite unter den rezenten Vögeln; verwandt ist der südamerikanische Jabiru (Jabiru mycteria).

Maracaibo: Hauptstadt des Bundesstaates Zulia (Venezuela), am Ausgang des Maracaibo Sees in den Golf von Venezuela; 870000 Einwohner; bedeutendes Industrie- und Handelszentrum des Maracaibo Beckens mit petrolchemischer, Nahrungsmittel-, Leder-, Holzindustrie, Schiffbau; Mittelpunkt des größten Erdölgebietes im Westen des Landes; Hafen durch eine Brücke über den Maracaibo See mit dem Straßennetz des Landes verbunden, internationaler Flughafen; Universität.

Maracaibo See: Lagune an der venezolanische Küste des Karibischen Meeres, als Brackwassersee mit dem Golf von Venezuela durch eine See-Enge verbunden; 14343 km2, bis 50 m tief; Zentrum des größten Erdölfördergebietes Venezuelas; Seeschiffsverkehr in einer 75 km langen Fahrrinne (Canal de San Carlos), die von einer 8,3 km langen und 50 m hohen Brücke bei Maracaibo überspannt wird.

Maracas: Rhythmus- und Rasselinstrument; an einem Stiel befestigt, mit Körnern gefüllte Hohlkugeln aus Holz, Plast oder Metall, die paarweise geschüttelt werden; ohne Stiel Rumbakugeln.

Maracay: Hauptstadt des Bundesstaates Aragua (Venezuela), südwestlich von Caracas; 350000 Einwohner; Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, chemische und Pharmazeut. Industrie; wissenschaftliche Institute.

Marals, eigentlich Villain-Marais, Jean, geboren 11.12.1913, französischer Schauspieler; war zeitweilig Mitglied der Comédie-Française, spielte in vielen Filmen vor allem Draufgänger- und Abenteurerrollen («Der Geliebte einer Königin», «Die Schöne und die Bestie», «Orpheus», «Der Graf von Monte Christo», «Der ehrenwerte Stanislas», «Fantomas», «Eselshaut»).

Marajo Bucht: trichterförmige Meeresbucht des Atlantischen Ozeans im Nordosten Südamerikas, im Mündungsgebiet des Amazonas und Tocantins; 240 km lang, bis 60 km breit; entlang der Ufer vielfach dichte Mangrovenbestände; Hauptschifffahrtsweg zwischen Atlantischen Ozean und Amazonasstromsystem.

Maras, Dolichotinae: hasenähnliche, schlanke, hochbeinige Nagetiere mit großen Ohren und Stummelschwanz; gesellig lebende Steppenbewohner Südamerikas. Bis 75 cm lang und 15 kg schwer wird der Pampashase (Dolichotis patagonum).

Mara: Stadt (Provinzzentrum) im Süden der Türkei, in Südostanatolien; 180000 Einwohner; Textilindustrie, Nahrungsmittelherstellung; bei Mara Staudamm und Wasserkraftwerk.

Maraschino: Kirschfruchtsaftlikör, der aus Marasken, einer Dalmatiner Sauerkirschenart, hergestellt wird.

Marat, Jean-Paul, 24.5.1744-13.7.1793, französischer Revolutionär, Volksführer, Arzt, Publizist; gab seit 1789 als Organ der revolutionären Demokratie die Zeitung «Ami du peuple» («Volksfreund») heraus, die politische und soziale Forderungen der Sansculotten aufgriff und konsequent vertrat Marat war Mitglied des Klubs der Cordeliers, Abgeordneter des Konvents seit 1792 und einer der Führer des Jakobinerklubs sowie der Bergpartei. Er inspirierte den Aufstand vom 31.5. bis 2.6.1793, der zum Sturz der Girondisten führte; von Charlotte Corday d’Armont ermordet. Marat wurde wegen seines Eintretens für die Volksmassen vom Großbürgertum verleumdet und verfolgt, dadurch erwarb er sich das Vertrauen der Volksmassen.

Marathen: 1. Volk mit indoarische Sprache (Marat hi) in Maharashtra (Indien), dessen Benennung auf Marathen 2 zurückgeht; 51 Millionen

2. hinduistischer Krieger-, später auch Bauern- und Brahmanenkaste im nordwestlichen Dekan; früher auch Maharatten genannt. Die in einer Konföderation (Marathenbund) zusammengeschlossenen hinduistischen Marathenfürsten trugen mit ihren Kriegszügen unter ihrem Führer Shivaji (1660/80) entscheidend zum Untergang des Mogulreiches bei und beherrschten im 18. Jahrhundert weite Gebiete Indiens. Sie leisteten der britischen Kolonialexpansion Ende des 18. Jahrhundert/Anfang des 19. Jahrhundert erbitterten Widerstand.

Marathon: (griechisch, «Fenchelfeld») Ort nordöstlich von Athen; hier siegten 490 vor Christus die Athener unter Miltiades der Jüngere über die Perser.

Marathonlauf: längste (42,195 km) olympische Laufdisziplin; benannt nach dem Lauf des Siegesboten von Marathon nach Athen.

Maratti: (nach dem italienischen Konstrukteur Mario Rattinger) Kettengewirke hoher Elastizität, hergestellt auf der auch Maratti Maschine genannten Rund Milanese-Kettenwirkmaschine.

Maratti, Maratta, Carlo, 15.5.1625-15.12.1713, italienischer Maler, schuf Altar- und Andachtsbilder sowie Porträts, die mit ihrer strengen und klar gegliederten Komposition die klassizistische Richtung der römischen Barockmalerei vertreten.

Marbach am Neckar: Stadt in Baden-Württemberg, nordöstlich von Ludwigsburg; 12000 Einwohner; Leder- und Holzindustrie; Alexanderkirche (15. Jahrhundert); Geburtshaus Schillers, Schiller-Nationalmuseum (seit 1903), Literaturarchiv.

Mai-bod, gestorben um 36 nach Christus, König der Markomannen seit 8 vor Christus; führte diese nach Böhmen und unterlag nach einer Auseinandersetzung mit Arminius (17 nach Christus) der Opposition des markomannischen Sippenadels.

Marburg an der Lahn: Kreisstadt in Hessen; 70000 Einwohner; metallverarbeitende, Elektro-, Pharmazeut Industrie, Philipps-Universität (1527); Bibliotheken. Altstadt mit Elisabethkirche (1235/83; früheste deutsche gotische Kirche); Schlossberg mit Schloss (heute zum Teil Museum; ursprüngliche Burg seit etwa 1260, Umbauten bis 15. Jahrhundert); Rathaus (16. Jahrhundert). Marburg an der Lahn entstand im 12. Jahrhundert, Stadtrecht für die 1. Hälfte des 14. Jahrhundert belegt 1527 wurde die Universität gegründet; 1529 fand das Marburg an der Lahner Religionsgespräch zwischen Luther, Zwingli und anderen Reformatoren statt. Im 13./17. Jahrhundert war Marburg an der Lahn zeitweise Residenz der Landgrafen von Hessen, 1866 kam es an Preußen.

Marc, Franz, 8.2.1880-4.3.1916, Maler, Graphiker und Plastiker, 1900/03 Studium an der Münchner Akademie, 1903 und 1907 Reisen nach Paris; gründete 1911 mit W. Kandinsky in München den Blauen Reiter und war an der seit 1912 erscheinenden Programmschrift gleichen Titels beteiligt. Die Darstellung des Tieres als Symbol für Leben, Ursprünglichkeit und Reinheit bildet den Hauptgegenstand seiner Kunst, mit der er in idealistisch-visionärer Weise das Wesen der Dinge gleichnishaft zu erfassen versuchte.

Marceau: 1. François Séverin, 1.3.1769-21.9.1796, volkstümlicher französischer Revolutionsgeneral; erwarb sich besondere Verdienste bei der Niederwerfung des Aufstandes in der Vendée.

2. Marcel, geboren 22.3.1923, französischer Pantomime; bewirkte mit seinen Gastspielen vielerorts das Wiederaufleben der traditionellen Kunst der Pantomime; erarbeitete Mimodramen und schuf die Figur des Bip, des liebenswerten kleinen Mannes aus dem Volk.

Marcel: 1. Ètienne, 1316-31.7.1358 (ermordet), Vorsteher der Pariser Kaufmannschaft; Führer der demokratischen Reformen verfolgenden Aufstandsbewegung in Paris 1356/58, stand vorübergehend mit der Jacquerie in Verbindung.

2. Gabriel Honoré, 7.12.1889-8.10.1973, französischer Philosoph und Dramatiker, Vertreter eines christlichen Existentialismus in Frankreich. Seine Philosophie soll gegenüber der Offenbarung nur vorbereitenden Charakter haben.

Märchen: (mittelhochdeutsch maere, «Kunde», «Nachricht») kürzere, vom Phantastischen und Wunderbaren getragene volkstümliche Prosaerzählung, in der das Gute belohnt, das Böse bestraft wird; die Märchengestalten sind meist typisiert und frei von inneren Widersprüchen. Das Märchen spiegelt oft die soziale Lage, Lebensweisheiten und Hoffnungen des Volkes sowie seine Kritik an der zeitgenössischen Moral wider. Volksmärchen (gesammelt von J. und W. Grimm, J. K. A Musäus) sind in der deutschen Literatur seit dem frühen Mittelalter bekannt. Viele von ihnen haben Entsprechungen in den Literaturen anderer Völker. In der Romantik schufen unter anderem C. Brentano, E. T. A. Hoffmann, A. von Chamisso, L. Tieck und besonders W. Hauff das Kunstmärchen J. W. Goethe gab mit seinem «Märchen» Anregungen zur Weiterentwicklung des Genres, Weitberühmtheit gewann vor allem das Schaffen des Dänen H. C. Andersen. In der spätbürgerlichen Literatur spiegeln sich Epochenprobleme, unter anderem im Fragen nach dem Sinn des Lebens wider (O. Wilde, H. Hesse). Andererseits zeigte sich gleichzeitig die Tendenz des Verlustes an realistischen Gehalt. Die sozialistische Literatur im 20. Jahrhundert pflegt auch das Märchen und bereicherte es um neue Stoffe (M. Gorki, F. Fühmann).

Marchlewski, Pseudonym Karski, Julian, 17.5.1866-22.3.1925, Funktionär der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung; seit 1884 in der polnischen revolutionären Bewegung tätig, wurde 1891/92 von der zaristischen Polizei eingekerkert und emigrierte danach in die Schweiz; 1893 Mitbegründer der Sozialdemokratie des Königreichs Polens. Seit 1896 wirkte Marchlewski in Deutschland als Journalist an revolutionären Presseorganen (unter anderem «Leipziger Volkszeitung», 1902/13) mit 1905 nahm er an den revolutionären Kämpfen in Polen teil. Marchlewski kämpfte in den Reihen der deutschen Linken und war Mitbegründer der Spartakusgruppe, 1916/18 war er eingekerkert. Danach in Sowjetrussland, Deutschland und in Polen tätig; 1919/22 Diplomat der Sowjetregierung; Marchlewski war Mitbegründer der KI und der Internationalen Roten Hilfe, deren Vorsitzender er war.

Marchwitza, Hans, 25.6.1890-17.1.1965, Schriftsteller, Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, war Kämpfer der Roten Ruhrarmee, emigrierte 1933, nahm 1936/38 am Spanischen Freiheitskampf teil; 1941/46 in den USA; Gründungsmitglied der AdK; 1950/51 Botschaftsrat der DDR in Prag. Marchwitza berichtet in autobiographischen Büchern vom Leben und Kampf des Proletariats («Sturm auf Essen», 1930; «Walzwerk», 1932; «Meine Jugend», 1947). In der Romantrilogie «Die Kumiaks» (1934), «Die Heimkehr der Kumiaks» (1952), «Die Kumiaks und ihre Kinder» (1959) schildert er den Weg einer Bergarbeiterfamilie in der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert; ferner Roman «Roheisen» (1955), Erzählungen, Reportagen und Gedichte.

Marcinkevicius, Justinas, geboren 10.3.1930, litauisch-sowjetische Schriftsteller; gestaltet in seinen Poemen vor allem den Weg der jungen Generation zum Sozialismus und den antifaschistischen Kampf («Blut und Asche», 1960); schrieb Erzählungen («Die Fichte, die gelacht hat», 1961, deutsch), Gedichte (dt. Auswahl «Auf der Erde geht ein Vogel», 1969) und Dramen.

Mareks, Gerhard, 18.2.1889-5.12.1981, Bildhauer und Graphiker in der Deutschland; 1919/25 Leiter der Töpferwerkstatt am Bauhaus Weimar und bis zu seiner Entlassung 1933 Professor an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein. Sein Schaffen umfasst Akt- und Gewandfiguren, Bildnisse, Tierplastiken, zahlreiche Mahnmale sowie Holzschnitte. Nach 1945 setzte Mareks mit zahlreichen Mahnmalen gegen Krieg und für ein humanistisches Menschenbild die besten realistischen Traditionen der deutschen Bildhauerei fort.

Marconi, Guglielmo, 25.4.1874-20.7.1937, italienischer Physiker; Pionier der Funktechnik; erfand unter anderem den abgestimmten Schwingkreis und die Hohlspiegelantenne und führte drahtlose Signalübertragungen 1895 in Europa und 1902 zwischen Europa und den USA durch.

Marcos, Ferdinand, geboren 11.9.1917, philippinischer Politiker, Jurist; 1960/64 Vorsitzender der Liberalen Partei, 1964 Übertritt zur nationalistischen Partei, deren Führung er übernahm; Senatspräsident 1963/65,1965/86 Präsident, 1973/81 auch Ministerpräsident.

Marcuse, Herbert, 19.7.1898-29.7.1979, US-amerikanischer Philosoph deutscher Herkunft; Vertreter der Frankfurter Schule; entwickelte, beeinflusst von G. W. F. Hegel, Heidegger und S. Freud, Gesellschaftstheorien, die vorgeben, den Herrschaftsmechanismus der spätkapitalistischen Gesellschaft aufzudecken, dabei aber an den bestimmenden ökonomischen Faktoren Vorbeigehen. Marcuse forderte vor allem politische Aktionen, und zwar von angeblich revolutionären Kräften außerhalb der seiner Auffassung nach nicht mehr revolutionären Arbeiterbewegung; war geistiger Führer der sogenannt neuen Linken in der amerikanischen und westeuropäischen Studentenbewegung der 60er Jahre. Marcuse wirkte infolge seines Verkennens der historischen Mission der Arbeiterklasse und der führenden Rolle der marxistisch-leninistischen Partei desorientierend, besonders auf antiimperialistische Kräfte in der Intelligenz.

Mar del Plata: Stadt in Argentinien, am Atlantik; 300000 Einwohner; Lebensmittel-, Leichtindustrie; Hafen mit Küstenfischerei, Flughafen; 2 Universitäten, Institut für Meeresbiologie; bedeutendstes Seebad Argentiniens mit Spielkasino.

Marder, Mustelidae: Familie schlanker, geschmeidiger Raubtiere (Wiesel, Otter), aber auch von gedrungenem Körperbau (Dachs, Vielfraß); Kopf-Rumpf-Länge etwa 20 cm bis 1 m; Stinkdrüsen am After, besonders ausgeprägt bei Stinktieren; bewohnen außer Australien alle Erdteile. Echte Marder (Martes) sind geschätzte Pelztiere. In Eurasien lebt der Baum- oder Edelmarder (Martes martes) mit gelblichen Kehlfleck in Wäldern und der Stein- oder Hausmarder (Mustelidae foina) mit weißem Kehlfleck als Kulturfolger in Siedlungsnähe.

Marderbär, Binturong (indonesisch), Arctictis binturong: bis 1 m großer Vertreter der Schleichkatzen mit rauem, zottigem schwarzem Fell und Wickelschwanz; Baumbewohner in tropischen Wäldern Südostasiens. Siehe auch Raubtiere.

Marderhund, Nyctereutes procyonoides: dämmerungs- und nachtaktiver, waldbewohnender Wildhund mit kurzen, runden Ohren, buschigem Schwanz und langhaarigem dichtem Fell. Seine Heimat ist Ostasien; in der UdSSR ausgesetzt, breitet er sich westwärts aus. Zur Pelztierzucht werden Marderhund heute vorwiegend in Finnland in Farmen gehalten. Ihr Fell wird auch als Seefuchs, Tanuki, Japanfuchs oder Enok bezeichnet und auf Auktionen als Russian Raccoon oder Finnraccoon angeboten. Siehe auch Hunde, Pelztiere.

Marduk, (Jungrind des Sonnengottes»), Stadtgott von Babylon, später Reichsgott der Babylonier; galt ferner als Licht- und Heilgott sowie als Herr der Götter; sein Planet war der Jupiter, sein Symboltier der Drache.

Mare: (lateinisch, «Meer»; PI. Maria, umgangssprachlich auch Mare) gegenüber den Terrae tiefliegender Bereich der Mondoberfläche; man unterscheidet nach Größenordnung, Tiefenlage und Mächtigkeit der Basaltbedeckung die flachen Epikontinental-Maria und die kleineren, Mascons führenden Kessel-Maria mit mächtiger Basaltdecke. Die Maria im Alter zwischen 2 und 4,7 Md. Jahren sind durch Einschlag massereicher Meteoriten entstanden und anschließend von Basaltmagma überflutet worden. Sie wurden früher als Meere angesehen.

Märe, Mär: ursprünglich Kunde, Nachricht; auch dichterisch gestaltete Nachricht (Erzählung); seit dem 13. Jahrhundert bezeichnet Märe nur noch eine erdichtete Geschichte (Märchen).

Marées, Hans von, 24.12.1837-5.6.1887, Maler; lebte nach verschiedenen Aufenthalten in Italien (1864/70; 1873) seit 1875 ständig in Rom. Neben Bildnissen und einigen Genreszenen schuf Marées meist figürliche Darstellungen. Seine unsentimentalen Idylle Bilder schildern den Menschen in tiefer Harmonie mit der Natur. Die Farben sind schwer und leuchten nur selten aus dunklem Grund ungebrochen rein. Marées Streben nach einem idealen Menschenbild ist eine Reaktion auf die inhaltlich verflachte bürgerliche Malerei seiner Zeit, doch ohne tiefere Einsicht in die realen gesellschaftlichen Zusammenhänge.

Maremmen, italienisch Maremme: Schwemmland an den durch die Küstenversetzung abgeschlossenen Flussmündungen der Westküste Mittelitaliens, zum Teil girlandenförmig zwischen felsigen Kaps entwickelt; früher versumpft und malariagefährdet, seit Anfang des 19. Jahrhundert entwässert, inzwischen melioriert, davor Badestrand.

Marengo: italienische Ortschaft südöstlich von Alessandria. Bei Marengo siegten am 14.6.1800 von Napoleon Bonaparte geführte französische Truppen über die Österreicher, die Italien verlassen mussten.

Marenzio, Luca, 1553 oder 1554-22.8.1599, italienischer Komponist; einer der hervorragendsten Vertreter der Madrigalkomposition, äußerst vielseitig in der ausdrucksstarken Ausdeutung des Textes.

Marfan-Syndrom, Arachnodaktylie (arax-; griechisch), Spinnenfingrigkeit: angeborene Störung mit Überlänge der Gliedmaßen, Muskelschlaffheit, zum Teil bestehen Herz- und Augenfehler. Eine orthopädische und augenärztliche Behandlung ist erforderlich, benannt nach dem französischen Kinderarzt Jean Bernard Antoine Marfan (1858-1942).

Marform-Verfahren: (Kunstwort) Tiefziehverfahren, das Gummipressen und -ziehen auf doppeltwirkenden Pressen kombiniert und große Ziehtiefen ermöglicht.

Margarine: (französisch griechisch) der Butter ähnliches Streichfett, das aus pflanzlichen Fetten hergestellt wird und gegenüber Butter den ernährungsphysiologischen Vorteil aufweist, mehr ungesättigte langkettige Fettsäuren und Vitamin E sowie kaum Cholesterol zu enthalten. Die Bezeichnung Margarine geht auf Margarinsäure (Alkansäuren) zurück. Als Rohstoffe werden ferner Milch oder Wasser, Emulgatoren, Kochsalz, Vitamine, Aroma-, Farbstoffe, Konservierungsmittel und 0,2 % Kartoffelstärke als Indikator verwendet. Man unterscheidet Delikateß-, Tafel- und Haushaltsmargarine sowie energiearme Margarine; letztere enthält bis zu 60% Wasser. Die Margarineherstellung gelang erstmals 1869 dem französischen Chemiker Meges-Mouries aus dem niedrigschmelzenden Anteil von Rindertalg (Premier Jus). Nach modernen, kontinuierlichen (zum Beispiel Kombinator-, Votator-) Verfahren werden die Komponenten automatisch dosiert und gemischt, in einem Kratzkühler (ammoniakgekühlter Hohlzylinder mit schnelllaufender Messerwelle) mit nachgeschaltetem Ruherohr emulgiert und kristallisiert; danach wird die Margarine dem Abpackautomaten zugeleitet.

Margate: Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), in der Grafschaft Kent, am Südufer der Themsemündung; 49000 Einwohner; Leichtindustrie; vielbesuchtes Seebad; Reste römischer Bauten, Museum.

Marge: (französisch, eigentlich «Rand») Spielraum, Spanne; Schwankungsmöglichkeiten für Preise, Gewinne, Aktien- und Devisenkurse.

Marggraf, Andreas Sigismund, 3.3.1709-7.8.1782, Chemiker, entdeckte 1747 den Zuckergehalt der Runkelrübe. Sein Schüler F. K Achard beschäftigte sich mit deren Züchtung und Anbau und gründete 1801 die erste Rübenzuckerfabrik.

Marginalien: 1. Randbemerkungen, besonders in Handschriften und Akten.

2. bei Büchern unter anderem die als Zwischenüberschriften oder als Randtitel wirkenden Anmerkungen seitlich neben der Satzfläche.

Margrethe, dänische Königinnen: 1. Margrethe März 1353-28.10.1412, Königin von Dänemark und Norwegen seit 1387, von Schweden seit 1389 nach Vertreibung des schwedischen Königs Albrecht (III. von Mecklenburg). Auf ihr Betreiben erfolgte 1397 die Bildung der Kalmarer Union.

2. Margrethe II., geboren 16.4.1940, Königin seit 1972.

Marguerite de Navarre, Margarete von Navarra, 11.4.1492-21.12.1549, französische Schriftstellerin; Schwester Franz I., Mutter Heinrichs IV.; machte als Königin von Navarra ihren Hof zu einem Zentrum der Renaissancekultur; ihr Hauptwerk ist die an italienischen Vorbildern orientierte Novellensammlung «Heptameron» (postum 1558, deutsch).

Mari: finnougrisches Volk am linken Ufer des Wolgamittellaufes, in der ASSR der Mari (etwa 315000), auch in anderen autonomen Gebieten und Republiken im Wolgagebiet und im Ural (Gesamtzahl in der UdSSR 600000); früher Tscheremissen genannt.

Mari: altorientalischer Stadtstaat am mittleren Euphrat, heute Teil Hariri, der die Handelswege von Akkad nach Syrien beherrschte und selbst weitreichende (bis Kreta) Handelsbeziehungen unterhielt; wurde im 24. Jahrhundert vor Christus von Sargon I. von Akkad und um 1694 vor Christus durch Hammurapi erobert. Ausgegraben wurden Reste von Stadtanlagen, Tempeln und Skulpturen des 3. Jahrtausend vor Christus, unter anderem der große Palast des Zimrilim.

Maria, nach der kirchlichen Lehre die Mutter Jesu. Die christliche Kunst kennt zahlreiche Darstellungen Marias mit dem Jesuskind («Madonnen») seit dem 2. Jahrhundert und szenische Darstellungen («Marienleben») seit dem 12. Jahrhundert.

Maria, Mary, Königinnen von England: 1. Maria genannt Maria die Katholische oder Maria die Blutige, 18.2.1516-17.11.1558, Königin seit 1553 (Dynastie Tudor); als Frau Philipps II. von Spanien (1554) diente ihre Herrschaft der englischen-spanischen Feudalreaktion zum Versuch der gewaltsamen Rekatholisierung Englands.

2. Maria II., 30.4.1662-28.12.1694, Königin seit 1689 (Dynastie Stuart) in gemeinsamer Regierung mit ihrem Mann, Wilhelm III. von Oranien. Durch ihre Wahl vollzog die englische Bourgeoisie den legalen Übergang zur konstitutionellen Monarchie.

Marianen: etwa 800 km langer Inselbogen im Stillen Ozean (Mikronesien), zu dem außer Guam (USA-Kolonie) 13 weitere vulkanische (Saipan (122 km2), Tinian (101 km2), Rota (85 km2)) sowie 3 kleinere nördlich von Guam gelegene Inseln, gehören; 953 km2, 125000 Einwohner; außer Guam Teil des von den USA verwalteten ÜN-Treuhandgebietes Pazifische Inseln, 1978 widerrechtlich zu einem von den USA abhängigen Territorium (Nord-Marianen (Commonwealth der Nördlichen Marianen, Verwaltungssitz Saipan (10000 Einwohner)) gemacht. Die Inseln mit zum Teil noch tätigen Vulkanen unter tropischen Seeklima werden vorwiegend von Savanne bedeckt; ungenutzte Bodenschätze (Apatit, Schwefel, Mangan). Unter USA-Herrschaft Niedergang der Landwirtschaft, Zuckerindustrie und Fischerei; bedeutender Fremdenverkehr. Südlich der Marianen der Marianengraben mit dem Witjas-Tief (11034 m). Auf den Inseln Tinian und Saipan USA-Militärstützpunkte. 1521 von Magalhäes für Spanien entdeckt, das Guam 1898 den USA und andere Inseln 1899 Deutschland überlassen musste; diese wurden nach Besetzung im 1. Weltkrieg seit 1922 als Völkerbundsmandat von Japan, seit 1947 als UN-Treuhandgebiet von den USA verwaltet. Die Marianen wurden durch die USA als Militärbasen ausgebaut und 1978 unter dem Status eines assoziierten Mitglieds der USA faktisch annektiert.

Marianne: (französisch) als Frau mit phrygischer Mütze dargestellte Symbol. Verkörperung der Französischen Republik.

Maria Stuart, 8.12.1542—8.2.1587, Königin von Schottland 1542/67; lebte 1548/61 am französischen Hofe; nach ihrer Rückkehr an der Spitze der katholischen Feudalreaktion Schottlands gegen die bürgerlich-kalvinistische Bewegung Prätendentin der englischen Feudalreaktion gegen Elizabeth I.; 1567 zur Abdankung, 1568 zur Flucht gezwungen, in England gefangengesetzt, nach mehreren katholischen feudalistischen Verschwörungen hingerichtet. Idealisierte Heldin bei Vega Carpio, Schiller, Swinburne unter anderem

Maria Theresia, 13.5.1717-29.11.1780, Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen (seit 1740); Ehefrau des deutschen Kaisers Franz I.; unterstützte innenpolitische Reformen im Geiste des aufgeklärten Absolutismus, die von ihrem Sohn Josef n. weitergeführt wurden.

Mariatheresientaler: österreichische Münze mit dem Bildnis Maria Theresias; geprägt laut Konvention von 1753 (Konventionsmünze); wichtigste Handelsmünze zum Beispiel in der Levante (Levantetaler), in Afrika und in Arabien.

Marie Antoinette, 2.11.1755-16.10.1793 (guillotiniert), als Frau Ludwigs XVI. seit 1774 Königin von Frankreich; Tochter Maria Theresias; nach dem Sturm auf die Bastille rief sie zur Intervention der ausländischen Mächte auf; wegen Landesverrats zum Tode verurteilt.

Marie-Byrd-Land: von Inlandeis bedecktes Gebiet in Westantarktika; im Innern Eisschild bis 4300 m Mächtigkeit; am Rande hohe Gebirgsketten.

Marie de France, 2. Hälfte des 12. Jahrhundert, französische Schriftstellerin; Verfasserin von Verserzählungen (Lais; 1160/65) über Stoffe des keltisch-breton. Sagenkreises (Griseldis-, Tristan- und-Isolde-Motiv unter anderem).

Marienberg: Kreisstadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt, im mittleren Erzgebirge, 610m überm Meer; 11500 Einwohner; Federnwerk, Holz-, Plast-, Textilindustrie; regelmäßig angelegte ehemalige Bergbaustadt (gegründet 1521); Rathaus (16. Jahrhundert), Fürstenhaus, Marienkirche (16. Jahrhundert), Zschopauer Tor (16. Jahrhundert; Heimatmuseum).

Marienkäfer, Coccinellidae: Käferfamilie; mitteleuropäische Arten bis 1 cm lang, halbkugelig, mit meist roten oder gelben, schwarz gefleckten Flügeldecken, zum Beispiel der Siebenpunkt (Coccinella septempunctata); Vollkerfe und Larven vertilgen vorwiegend Blatt- und Schildläuse, deshalb sehr nützlich.

Marimba: (spanisch - Bantu) ursprünglich afrikanische Xylophon artiges Schlaginstrument; heute auch in Südamerika verbreitet.

Marimbaphon: aus der Marimba entwickeltes Xylophon mit Klangholzplatten (meist Palisander), unter denen Resonanzröhren aus Leichtmetall angebracht sind; wird mit 2 Filzschlegeln geschlagen.

marin: zum Meer gehörig, aus dem Meer stammend.

Marinade: (französisch) a) saure Beize oder Würztunke, besonders für Fisch, Fleisch und Gemüse;

b) marinierte Fischware mit begrenzter Haltbarkeit.

Marine: (französisch) Bezeichnung für die Seestreitkräfte und die Hochseeflotte mancher Staaten.

Marinemalerei: Zweig der Malerei, deren Gegenstand das Meer in seinen verschiedenen Erscheinungsformen, auch Küstenlandschaften, Seeschlachten unter anderem sind. Eine Marinemalerei als selbständige Gattung der Malerei und Graphik entstand in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhundert Siehe auch Landschaftsbild.

Marini: 1. Giambattista - Marino.

2. Marino, 27.2.1901-6.8.1980, italienischer Bildhauer und Maler. Charakteristisch für seine plastische Gestaltungen (Figuren, Pferde, Reiter, Bildnisse) sind die stark vereinfachten, fest miteinander verspannten Formen bei Betonung des Funktionellen und malerische Auflockerung der Oberfläche (zum Teil durch Bemalung).

Marinieren (französisch) Einlegen von Fisch, Fleisch, Gemüse in Marinade.

Marinka, Schizothorax: Gattung langgestreckter, kleintierfressender karpfenartiger Fische asiatischer Fließgewässer, deren Laich giftig ist.

Marino, Marini, Giambattista, 14.10.1569-24. (oder 25.) 3.1625, italienischer Dichter; wurde mit seinen die unbeständige und oberflächliche sinnliche Liebe preisenden Gedichten und dem allegorisches Epos «Adonis» (1623, teilweise deutsch) zum Begründer des als Marinismus bezeichneten gekünstelten Stils, der die europäischen Barockdichtung nachhaltig beeinflusste.

Marionette: (französisch, «Mariechen») Gliederpuppe des Puppentheaters; im Unterschied zu Hand- oder Stabpuppen an Fäden von oben geführt; übertragen unselbständiger, willenloser Mensch, der anderen als Werkzeug dient.

Mariotte, Edme, um 1620-12.5.1684, französischer Physiker; entdeckte 1679, wie vorher R Boyle, den Zusammenhang von Druck und Volumen eines Gases und fand 1666 den blinden Fleck im menschlichen Auge.

Mari-Texte: etwa 20000 Keilschrifttafeln insbesondere aus den Archiven des altbabylonischen Königspalastes von Mari. Sie bestehen aus Wirtschaftsurkunden und Briefen (unter anderem politische Korrespondenz), die guten Einblick in die politische Situation der Zeit Hammurapis von Babylon sowie die damaligen Wirtschafts- und Sozialverhältnisse bieten.

Marius, Gaius, um 156-13.1.86 vor Christus, römischer Heerführer und Politiker; Führer der Populären, 107 Konsul; setzte 105 eine Heeresreform durch, wodurch das Söldnerheer eingeführt wurde, eine wichtige Voraussetzung für die Bürgerkriege der späten Republik.

Marivaux, Pierre de, 4.2.1688-12.2.1763, französischer Schriftsteller; Verfasser geistreicher Sittenkomödien und sensualistisch-psychologische Romane («Das Leben der Marianne», 1731/41, deutsch).

Mariza, Marica, Maritza: Fluss auf der Balkanhalbinsel, wichtigster Fluss im Süden Bulgariens; 525 km, davon 310 km in Bulgarien; entspringt im Rila am Musala, fließt zwischen Sredna Gora und Rila, durchströmt die Thrakische Tiefebene, bildet im Unterlauf die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei, mündet in die Ägäis; Hauptnebenflüsse: Topolnica und Tundsha (von links) sowie Tschepinska und Arda (von rechts); Bewässerung und Energiegewinnung; ab Edime (Türkei) schiffbar.

Mark Anton, Marcus Antonius, 82-1.8.30 vor Christus (Selbsttötung), römischer Staatsmann und Feldherr; Parteigänger Cäsars; 44 Konsul; schloss 43 mit Octavianus und Lepidus das 2. Triumvirat; siegte 42 bei Philippi über die Cäsarmörder. Sein Einflussgebiet war der Osten des Reiches, wo er sich an der Provinzialbevölkerung maßlos bereicherte; verbündete sich mit Kleopatra VII., die er 37 vor Christus heiratete; wurde 31 durch Octavianus besiegt.

Markasit, Speerkies, Kammkies, Leberkies, Strahlkies: Mineral, Eisensulfid; Kristallsystem rhombisch, Härte 6 bis 6,5, Dichte 4,9 g/cm3, nadelige oder tafelige Kristalle, konzentrisch-schalige Aggregate, bronzegelb metallisch; weltweit verbreitet im hydrothermalen und sedimentären Bereich.

Mark Aurel, Marcus Aurelius, 26.4.121-17.3.180, römischer Kaiser seit 7.3.161; führte langwierige Kämpfe an den Grenzen des Reiches (gegen die Parther, Markomannen, Quaden, in Britannia). Mark Aurel regierte zwar in Übereinstimmung mit dem Senat, baute aber die kaiserliche Verwaltung weiter aus. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der späten eklektizistischen Stoa; verfasste unter anderem «Selbstbetrachtungen».

Marke:

1. Datenverarbeitung: Zeichenfolge zur Kennzeichnung einer Programminstruktion oder einer Anweisung einer Programmiersprache; auch Begrenzung einer Datenfolge auf Speichern.

2. Recht: Zeichen (Wort, Bild), das die Waren oder Dienstleistungen eines Betriebes kennzeichnet, um sie von denen anderer Betriebe zu unterscheiden. Marke werden durch Eintragung in das beim Patentamt geführte Register für Marke rechtlich geschützt.

Marke, König Marke, in der Tristansage König von Cornwallis, Onkel Tristans, vermählt mit Isolde.

Marken, italienisch Marche (marke): Region in Mittelitalien, vom Apennin zum Küstentiefland der Adria reichend; 9694 km2, 1,4 Millionen Einwohner; 145 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Ancona; 4 Provinzen umfassend; meist Hügel- und Gebirgsland mit fruchtbaren Tälern; wichtiges Landwirtschaftsgebiet mit Bewässerungsanlagen, Futtermittel- (Rinder- und Schweinezucht), Wein-, Zuckerrüben-, Gemüseanbau, Seidenraupenzucht; Textil-, Papier-, chemische, Leder-, Instrumentenindustrie; Fischerei.

Markenartikel: mit Warenkennzeichen (Handels- oder Fabrikmarke) gekennzeichnete Ware, die den Anbieter gesetzlich zur Einhaltung einer gleichbleibenden Qualität verpflichtet und die in der Regel zu einem einheitlichen Preis angeboten wird.

Marketender: früher Händler, der die Truppen ins Feld begleitete.

Marketing: Gesamtheit strategischer und taktischer Methoden und Mittel von Großunternehmen der Produktion und des Handels im Konkurrenzkampf zur Sicherung wachsender Marktanteile und Profite durch Markt- und Käufermanipulation unter anderem mittels Reklame.

Marketing research: Bezeichnung für Absatzforschung.

Markgenossenschaft: in der Feudalzeit Form des gemeinsamen ökonomischen und gesellschaftlichen Lebens der Bauern auf genossenschaftliche Grundlage; regelte wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Belange der Bauern. Die Markgenossenschaft organisierte durch den Flurzwang Bestellung und Aussaat, sicherte die gemeinsame Nutzung von Wäldern, Wiesen und Gewässern (Allmende) und war an der niederen Gerichtsbarkeit beteiligt. Die Markgenossenschaft war Rückhalt für den Widerstand gegen die Herren. Ihr Zerfall setzte im 13./14. Jahrhundert ein.

Märkische Schweiz: waldreiches Hügelland im Barnim (Bezirk Frankfurt) mit vielen Seen (Schermützelsee) um Buckow, nordöstlich von Berlin; Erholungsgebiet.

Markise: Sonnendach über Balkonen und Fenstern aus strapazierfähigem Stoff oder Plastikmaterial, roll- oder faltbar.

Markisette: sehr feines durchsichtiges Gewebe; für Gardinen und Kleider.

Markomannen: germanischer Stamm, ursprünglich in der Maingegend ansässig. Zu Beginn unserer Zeit zogen die Markomannen nach Böhmen, wo sie unter Marbod einen lockeren Stammesbund bildeten, der infolge der Angriffe der Cherusker 17 nach Christus und der Opposition des Sippenadels gegen Marbod zerfiel. Im 2. Jahrhundert begannen die Einfälle der Markomannen in das römische Imperium, deren Höhepunkt 166/180 der Markomannenkrieg war. Im 4. Jahrhundert wurden die Markomannen von den Römern südlich der Donau angesiedelt.

Markow: 1. Andrei Andrejewitsch Markow, 14.6.1856 bis 20.7.1922, russischer Mathematiker, arbeitete vorwiegend über Wahrscheinlichkeitsrechnung, zur Funktionen- und Zahlentheorie.

2. Georgi Mokejewitsch Markow, geboren 19.4.1911, russisch-sowjetischer Schriftsteller, seit 1956 Sekretär des sowjetischen Schriftstellerverbandes; gestaltete vorwiegend das Schicksal der Menschen Sibiriens in der Epoche der sozialistischen Revolution, so in den mehrbändigen Romanen «Die Strogows» (1939/46, deutsch), «Salz der Erde» (1954/60, deutsch), «Vater und Sohn» (1963/64, deutsch), «Sibirien» (1969/73, deutsch) und «Dem künftigen Jahrhundert» (1.Teil 1981).

Markovsche Kette: (nach A. A. Markow) Wahrscheinlichkeitsrechnung spezieller stochastischer Prozess X(t) mit höchstens abzahlbarem Zustandsraum und stetigem Parameterraum. Bei ihm werden die Übergangswahrscheinlichkeiten, das heißt die Wahrscheinlichkeit des Übergangs vom Zustand i im Zeitpunkt s in den Zustand zum Zeitpunkt t, s < t, zu sogenannt Übergangsmatrizen zusammengefasst.

Markscheide, (zu Mark, «(organisches) Gewebe») Myelinscheide (griechisch + deutsch): Anatomie aus fettähnlichen Substanzen (Lipiden) und Eiweißen lamellenartig aufgebaute Umhüllung von Nervenfasern.

Markscheidewesen: Bergbau Gewinnung, Verarbeitung, Speicherung und Abgabe aller räumlich zugeordneten Daten, die im bergmännischen Risswerk dargestellt und bei Suche, Erkundung, Aufschluss sowie Nutzung von Bodenschätzen und beim Betrieb, bei Stilllegung von Bergwerken und Sanierung der vom Bergbau verursachten Schäden verwendet werden. Das Markscheidewesen bedient sich dabei der Methoden des Vermessungswesens, der Kartographie und der Datenverarbeitung. Die bergmännische Vermessung gewinnt die räumliche Lageinformation für geologische Aufschlüsse und geophysikalische Messpunkte, für Grubenbaue und Objekte über Tage sowie für bergtechnische Anlagen unter Tage; ferner stellt sie Boden- und Gebirgsbewegungen fest.

Markt: 1. mit dem Aufkommen der Warenproduktion entstandene Sphäre der Warenzirkulation im Sinne der Gesamtheit der Kauf- und Verkaufsakte, des Zusammentreffens von Warenangebot und zahlungsfähiger Nachfrage. Der Binnenmarkt umfasst den Bereich der Warenzirkulation innerhalb der Grenzen einer Volkswirtschaft (nationaler Markt) im Unterschied zum Außenmarkt (internationaler Markt). Auf dem kapitalistischen Markt vollziehen sich die Warenbeziehungen infolge des elementaren Wirkens der ökonomischen Gesetze des Kapitalismus spontan und anarchisch (Konkurrenzkampf, Absatzschwierigkeiten, mangelnde Massenkaufkraft). Auf ihm tobt ein erbitterter Konkurrenzkampf um den profitabelsten Verkauf beziehungsweise Kauf der Waren (Absatzmarkt), verbunden mit dem Kampf um Kapitalanlagesphären und Rohstoffquellen. Neben dem allgemeinen Warenmarkt gibt es im Kapitalismus den I Kapitalmarkt, den Markt der Wertpapiere (Börse), den Geldmarkt und den Arbeitskräftemarkt (Kauf und Verkauf der Ware Arbeitskraft). Im Ergebnis der Verflechtung der Außenmärkte kapitalistischer Länder entstand der kapitalistischen Weltmarkt. Der sozialistische Markt ist ausschließlich Warenmarkt; er ist frei von Anarchie und Konkurrenz. Er entwickelt und erweitert sich planmäßig und proportional, da mit dem planmäßigen Anwachsen der Produktion eine entsprechend Vermehrung der Kaufkraft der Werktätigen verbunden ist. Siehe auch Schwarzmarkt.

2. Verkaufsveranstaltung (auch der Platz, an dein sie stattfindet) zu regelmäßigen Zeiten, zum Beispiel Wochenmarkt.

Marktforschung: systematische wissenschaftliche Untersuchung der gegenwärtig ablaufenden Marktprozesse und Einschätzung der künftigen Entwicklung des gesamten Marktes oder einzelner Teilbereiche (Binnen- oder Außenmarkt, Territorial- oder Branchenmarkt). Die Marktforschung untersucht vorrangig die Nachfrage-, Angebots- und Vermittlungs- beziehungsweise Realisierungsbedingungen. Sie stützt sich auf wissenschaftlichen Methoden (unter anderem Aufbereitung statistischer Materialien, systematische Verbraucherbefragungen) und bedient sich rationeller Instrumentarien (EDV). Exakte Ergebnisse der Marktforschung sind Bedingung für die Sicherung der Proportionalität zwischen Produktion und Konsumtion beziehungsweise zwischen Kauf- und Warenfonds der Bevölkerung.

Marktpreis: durch Angebot und Nachfrage sich herausbildender Preis, in der einfachen Warenproduktion auf der Grundlage des Marktwertes, im Kapitalismus des Marktproduktionspreises ff Produktionspreis). Siehe auch Marktwert. Feudalherrn unterworfen und entwickelten sich seit dem 11. Jahrhundert vielfach zu Städten.

Mark Twain, eigentlich Samuel Langhorne Clemens, 30.11.1835—21.4.1910, US-amerikanischer Schriftsteller; begann mit grotesk-humoristischen Erzählungen wie «Der berühmte Springfrosch von Calaveras» (1865, deutsch). Kindheitserlebnisse und genaue Beobachtung der Gesellschaft prägten die humoristisch-kritischen Romane «Tom Sawyers Abenteuer» (1876, deutsch) und «Huckleberry Finns Abenteuer» (1884, deutsch). «Leben auf dem Mississippi» (1883, deutsch) berichtet über seine Lotsenzeit. Reiseschilderungen wie «Die Arglosen im Ausland» (1869, deutsch) mischen Humor und Satire. Von beißender Schärfe war seine Sozialkritik in dem Roman «Das vergoldete Zeitalter» (1873, deutsch), dessen Titel der gesamten Epoche den Namen gab, sowie in «Ein Yankee an König Artus Hof» (1889, deutsch), «Wie die Stadt Hadleyburg verderbt wurde» (1900, deutsch) und «König Leopolds Selbstgespräch» (1905, deutsch).

Marktwert: gesellschaftlicher Wert der Ware; wird bestimmt auf der Grundlage der Durchschnittsproduktivität des Zweiges durch diejenige Menge an gesellschaftlich notwendiger Arbeit, die zur Befriedigung des Bedürfnisses erforderlich ist

Markwald: von mehreren Dörfern oder Bauern gemeinsam genutztes Waldgebiet zwischen mittelalterlichen Dorfmarken; oft auch Bezeichnung für nicht aufgeteilten Wald der Gemeindeflur (Allmende).

Marlborough, John Churchill, Duke of Marlborough, 26.5.1650-16.6.1722, englischer Feldherr und Politiker (Whig); seit 1702 politischer Berater von Anna Stuart und Oberbefehlshaber, 1704/09 erfolgreicher Heerführer im Spanischen Erbfolgekrieg; 1711 von den Tories gestürzt.

Marmarameer: Erweiterung der Meeresstraße zwischen der Balkanhalbinsel und Kleinasien; durch die Dardanellen mit dem Ägäischen Meer, durch den Bosporus mit dem Schwarzen Meer verbunden; 11472 km2, 280 km lang, bis 80 km breit, bis 1355 m tief; Salzgehalt 26 %o; bedeutender Schiffsverkehr.

Marmelade: meist durch Einkochen von Obstpulpe oder -mark mit Zucker- und Pektin Zusatz erzeugter gelierter Brotaufstrich, überwiegend gefärbt. Im Gegensatz zur Konfitüre enthält Marmelade im Allgemeinen weniger Obstanteil und keine Obststücke.

Marmor: meist grobkörniger, metamorpher Kalkstein mit Calcit als Hauptmineral; weiß oder verschieden gefärbt. In der bildenden Kunst ist der Marmor als Werkstoff für Architektur und Plastik seit der Antike bis ins 19. Jahrhundert hochgeschätzt. Berühmte antike Marmorbrüche waren auf der Insel Paros und im Pentelikon-Gebirge in Attika; bekanntester italienischer Marmor ist der von Carrara, dessen makellose Reinheit ihn zum bevorzugten Bildmaterial der Klassizisten machte. Der Barock erzielte mit farbigen, reichgeäderten Sorten prunkvolle, zum Teil naturalistische Effekte. Im Barock wurde der Marmor auch häufig imitiert (Stuckmarkt). In der Kunst des 20. Jahrhundert ist Marmor nicht mehr Hauptmaterial, gehört aber zur Palette der immer wieder verwendeten Werkstoffe; siehe auch Kunststein 2.

Marmorknochenkrankheit, Osteopetrosis (griechisch), Albers-Schönbergsche Krankheit (nach dem Hamburger Röntgenologen H. E. Albers-Schönberg): erbliche Skeletterkrankung mit zunehmender Verknöcherung der Knochenmarkräume und daraus resultierender Störung der Blutzellbildung sowie Neigung zu spontanen Knochenbrüchen.

Marktsiedlungen: aus Umschlagplätzen und Rastorten (Wiken, Emporien) des 8./9. Jahrhundert hervorgegangene Siedlungen; durch enge wirtschaftliche Beziehung zum umgebenden Agrargebiet, durch Marktrecht, Zollrechte und Münzstätte charakterisiert.

Marmormolch, Triturus marmoratus: bis 14 cm langer Molch mit leuchtend grüner, schwarz marmorierter Oberseite und dunkler Unterseite; Männchen mit einem glattrandigen, dunkel gebänderten Kamm zur Laichzeit; in Spanien und Westfrankreich verbreitet.

Marne: Fluss im Nordosten Frankreichs; 525 km; entspringt auf dem Plateau von Langres, mündet bei Charenton (Agglomeration Paris) in die Seine; durchfließt die Champagne; Stausee «Marne»; auf 380 km bis zur Einmündung des Rhein-Marne-Kanals schiffbar, außerdem Kanäle zu Saône, Aisne und zur Saar, zur künstlichen Bewässerung genutzt; Weinbau. In der Schlacht an der Marne (6./9.9.1914) scheiterte die deutsche Blitzkriegsstrategie gegen Frankreich endgültig. Die britische-französische Hauptkräfte zwangen die deutschen Truppen zum Rückzug hinter die Aisne. Die Schlacht war ein entscheidender Wendepunkt im Verlauf des 1. Weltkrieges.

Marnix van Sint Aldegonde, Philipp van, 1540-15.12.1598, niederländischer Schriftsteller und Staatsmann; entschiedener Vertreter des Kalvinismus; stand auf der Seite der niederländischen Freiheitsbewegung gegen Spanien; sein Hauptwerk ist die antikatholische Satire «Der Bienenkorb der Heiligen Römischen Kirche» (1569, deutsch).

marode: (französisch) ermüdet, erschöpft; marschunfähig.

Marodeur: (französisch) plündernder Soldat.

Marokko, Staat im Nordwesten Afrikas; grenzt im Norden ans Mittelmeer, im Osten an Algerien, im Süden an Westsahara und im Westen an den Atlantischen Ozean; verwaltungsmäßig in 31 Provinzen und 2 Stadtpräfekturen (Casablanca, Rabat-Salé) gegliedert. Währung ist der Dirham.

Bevölkerung: Etwa 40% sind Berber, über die Hälfte Araber. Amtssprache ist Arabisch. Die Bewohner leben überwiegend in der Meseta und im Rif. Etwa 43 % wohnen in Städten.

Natur: Die Oberfläche Marokkos wird vom Gebirgssystem des Atlas bestimmt, dessen Gebirgsteile Rif, Mittlerer und Hoher Atlas (Dschebel Toubkal (Adrar n’dem Toubkal), 4165 m) sowie Antiatlas sich zwischen Mittelmeer- und Atlantikküste im Norden und Nordwesten und der Sahara im Süden erstrecken und das Land in Südwest-Nordost-Richtung durchziehen. Kerngebiet ist die marokkanische Meseta, eine durchschnittlich 600 m über dem Meeresspiegel gelegene Ebene zwischen den Atlasketten und dem Atlantischen Ozean. Im Nordwesten am Atlantik breitet sich ein bis 80 km breites Küstentiefland aus. Sudöstlich der Atlasketten erfolgt der Übergang zur Sahara mit mehreren Oasen. Das Klima ist mediterran, südlich des Hohen und Mittleren Atlas herrscht trocken-heißes Wüstenklima. Im Küstenbereich mediterrane, landeinwärts Steppenvegetation mit Haifagras, im Süden, im Übergangsbereich zur Sahara, wüstenhafter Pflanzenwuchs. Im Rif und Mittleren Atlas Wälder mit Korkeichen. Reiche Bodenschätze, besonders Phosphate (50% der Weltvorkommen), aber auch Buntmetall-, Eisenerze und Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Ölschiefer, Erdgas).

Maronenröhrling, Xerocomus badius: Ständerpilz mit kastanienbraunem Hut, grüngelben Röhren (bei Druck Blaufärbung) und hellbraunem Stiel. Der Maronenröhrling ist ein guter Speisepilz und von Juni bis November vorwiegend in Nadelwäldern häufig zu finden. Siehe auch Pilze.

Maroniten: Anhänger einer aus den christologischen Streitigkeiten des 7. Jahrhundert hervorgegangenen Kirche in Libanon und Syrien; unterstellten sich 1445 dem Papst; waren nach dem 1. Weltkrieg die sicherste Stütze der französischen Mandatsherrschaft. Der größte Teil der libanesischen Bourgeoisie, der Anhänger der Phalange-Partei und ihrer rechtsextremistische Milizen ist maronitisch.

Maroquinleder, (französisch + deutsch) Marokkoleder. genarbtes, meist sumach gegerbtes Leder aus Ziegenfellen; für Schuhe.

Marot, Clément, 23.11.1496-12.9.1544, französischer Lyriker; Dichter der Frührenaissance, Erneuerer der Lyrik; verband humanistischer Ideen stark subjektiver Persönlichkeitsorientierung mit Traditionen der nationalen Volkspoesie (Tanzlieder unter anderem), bekannt auch durch Psalmenübertragungen.

Marranos: (arabisch, «Schweine») Maranen: verächtliche Bezeichnung für die im 15. und 16. Jahrhundert zumeist zwangsweise zum Christentum übergetretenen Juden in Spanien.

Marryat, Frederick, 10.7.1792-9.8.1848, englischer Schriftsteller, Kapitän; schrieb zahlreiche unterhaltsame und abenteuerliche Seeromane mit Sinn für Humor, Groteske und Übersinnliches, auch für Reformen; zu beliebten Jugendbüchern wurden «Peter Simpel» (1832/33, deutsch), «Jakob Ehrlich» (1833/34, deutsch), «Sigismund Rüstig» (1841, deutsch).

Mars: 1. Mars (nach dem Gott) - Astronomie: ein äußerer Planet, der Erde benachbart; fällt durch seine rötliche Farbe und durch seine erdähnliche Oberflächenbedingungen auf. Die dünne Atmosphäre enthält 95,3Vol.-% Kohlendioxid, 2,7% Stickstoff, 1,6% Argon sowie geringe Anteile von Sauerstoff, Kohlenmonoxid, Wasserdampf und weiteren Edelgasen. Die Bodentemperaturen liegen zwischen -143 °C an den Polen und +17°C, die am Äquator am frühen Nachmittag erreicht werden. Auf dem Mars gibt es eine jahreszeitliche Windtätigkeit, durch die feines Oberflächenmaterial verlagert wird. Die Marsoberfläche zeigt zahlreiche Einschlagskrater, Vulkane, Grabensysteme, Stromtäler, mäandrierende Flussbetten und andere Anzeichen für das frühere Vorkommen von flüssigem Wasser. Die Polkappen des Mars bestehen nur in ihrem Zentrum aus Wassereis, der größte Teil ist Kohlensäureschnee. Lebensspuren wurden bisher nicht gefunden. Der Mars besitzt 2 kleine Monde; siehe auch Mariner, Viking.

2. Mars (nach dem Planeten) - Raumfahrt: Bezeichnung für sowjetische Marssonden. Mars 1 wurde 1962, Mars 2 und Mars 3 wurden 1971, Mars 4 bis 7.1973 gestartet. Mars 2, Mars 3 und Mars 6 übermittelten aus Marssatellitenbahnen Fotos der Marsoberfläche und stießen Landekapseln aus (M. 3, Mars 6), die Messdaten während des Abstiegs in der Atmosphäre und äußerst kurze Zeit nach der Landung von der Planetenoberfläche übermittelten. Siehe auch Planetensonde.

Mars (lateinisch), römischer Kriegsgott (griechisch Ares), Vater von Romulus und Remus; nach ihm ist der Monat März (mensis Martius) benannt.

Marsala: (nach der Stadt) goldgelber sizilianischer Dessertwein mit einem Volumenanteil an Alkohol von etwa 16 bis 20% und 50 g Zucker/1.

Marsch: 1. Marsch (französisch): Art der Verlegung von Truppen auf Ketten-, Räder- oder Schienenfahrzeugen, auch zu Fuß, in festgelegter Marschordnung, auf befohlenen Marschstraßen beziehungsweise Marschrouten.

2. Marsch (französisch): vorwiegend geradtaktige Instrumentalkomposition, die durch starke, regelmäßige Akzentuierungen den Gleichschritt einer Gruppe von Menschen unterstützt und deren gemeinsames Handeln fördert, deshalb als Gebrauchsmusik Hauptgattung der Militärmusik; fand in stilisierter Form Eingang in verschiedenste Musikgattungen. Man unterscheidet unter anderem Militär-, Triumph-, Fest-, Parade-, Trauer-, Geschwind-, Reiter-, Ein- und Auszugsmarsch. Der Militärmarsch war ursprünglich zweiteilig und wurde etwa seit der Wiener Klassik durch einen in der Mitte stehenden Trio-Teil erweitert.

3. Marsch (zu «Meer»): fruchtbares Schwemmland an Flüssen und Meeresküsten; meist durch Deiche gegen Überschwemmungen geschützt. Bei tiefliegendem Grundwasser und Durchlüftung guter Ackerboden (Marschboden).

Marschak, Samuil Jakowlewitsch, 3.11.1887-4.7.1964, russisch-sowjetischer Lyriker und Kinderbuchautor, wurde durch humorvolle Verserzählungen («Das Katzenhaus», 1945, deutsch) und spannende Märchenstücke («Die zwölf Monate», 1943, deutsch; «Die klugen Dinge», 1964, deutsch) weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt. Marschak fand auch als Nachdichter von Werken W. Shakespeares, R. Bums, H. Heines u. a. hohe Anerkennung.

Marschall: (althochdeutsch «Pferdeknecht») ursprünglich Stallmeister, dann Vorsteher des königlichen Marstalls und der Reisigen, später eines der 4 alten Erzämter (Erzmarschall) danach Leiter der fürstlichen Hofhaltung (Hofmarschall) und Oberbefehlshaber im Kriege (Feldmarschall). Bei den geistlichen Ritterorden war der Ordensmarschall im Kriege Oberbefehlshaber, im Frieden Verwalter von Waffen und Pferden sowie Stellvertreter des Meisters.

Marsch auf Rom: glorifizierende Bezeichnung für die faschistischen Machtergreifung in Italien durch B. Mussolini (28./30.10.1922). Vom Parteitag der Faschisten in Neapel (24./28.10.1922) begaben sich mehrere tausend seiner Anhänger nach Rom; sie zogen nach der Beauftragung Mussolinis mit der Regierungsbildung durch den König mordend und plündernd durch die Stadt.

Marschner, Heinrich, 16.8.1795-14.12.1861, Komponist und Kapellmeister; war besonders mit seinen romantischen Dämonen- und Geisteropern («Der Vampyr», «Hans Heiling») von stellenweise erstaunliche Ausdruckskraft einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Oper zwischen C. von Weber und R. Wagner.

Marschwirtschaft: Weidebetrieb auf dem Marschboden der Küstengebiete und Flussniederungen.

Marseillaise: für die französische Rheinarmee von C. J. Rouget de Lisle 1792 gedichtetes und komponiertes Revolutionslied; französische Nationalhymne seit der Dritten Republik.

Marseille: Stadt im Süden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Bouches-du Rhône; am Golfe du Lion, östlich des Rhönedeltas; 910000 Einwohner, als Agglomeration etwa 1,1 Millionen Einwohner; Maschinen-, Fahrzeug- und Schiffbau, Erdölverarbeitung, Stahl-, chemische, Textil- und Lebensmittelindustrie; Messen, Börse; größter Handelshafen Frankreichs mit neuen Hafenanlagen von etwa 10 km Länge am Golf von Fos, über die ein Drittel des französischen Seehandels abgewickelt wird, alter Hafen (untertunnelt) dient nur noch als Boots- und Yachthafen; Kanal zur Rhône, U-Bahn, internationaler Flughafen; Erdölleitung in die BRD (Abzweige in die Schweiz und nach Ostfrankreich); Universität, Hoch- und Fachschulen; Sternwarte; griechische und römische Baudenkmäler; Kirche Notre-Dame-de-la-Garde (19. Jahrhundert), alte Kathedrale (12. Jahrhundert), neue Kathedrale (19. Jahrhundert); 1,5 km vor der Küste auf einer Felseninsel das Château d’If.

Marsfeld, Campus Martius: die Ebene zwischen Tiber und den Hügeln der Stadt im alten Rom; wurde für Volksversammlungen, als Exerzierplatz unter anderem genutzt; seit dem 3. Jahrhundert vor Christus bebaut.

Marshall: 1. Alfred Marshall, 26.7.1842-18.7.1924, britischer Ökonom; Vertreter der Mathematischen Schule.

2. Bruce Marshall, geboren 24.6.1899, schottischer Schriftsteller; schildert in Romanen mit Humor und Ironie und kritischen Blick auf die Wirklichkeit das Wirken katholischer Geistlicher in der Gegenwart («Das Wunder des Malachias», 1931, deutsch; «Alle Herrlichkeit ist innerlich», 1944, deutsch); im 2. Weltkrieg spielt «Das weiße Kaninchen» (1952, deutsch). Neuere, in die Zukunft verlegte Werke haben eine antikommunistische Tendenz («Peter II.», 1976; «Marx I.», 1976).

3. George Catlett Marshall, 31.12.1880-16.10.1959, US-amerikanischer Militär und Politiker; 1939/45 Chef des Generalstabes der Armee und Vorsitzender des Vereinigten Stabes der Alliierten; als Außenminister (1947/49) war er für den Marshallplan (European Recovery Program) verantwortlich und an der Formulierung der Truman-Doktrin beteiligt.

Marshallinseln: Inselgruppe im westlichen Stillen Ozean (Mikronesien); 181 km2, 31000 Einwohner; Teil des von den USA verwalteten UN-Treuhandgebietes Pazifischer Inseln, 1980/81 durch die USA als assoziierter Freistaat mit innerer Selbstverwaltung annektiert. Die 34 Atolle und 870 Riffe der Marshallinseln bestehen überwiegend aus Koralleninseln und setzen sich aus den 2 Atollreihen mit der Ralikgruppe (18 Atolle; Hauptatolle Jaluit und Kwajalein; außerdem Bikini und Eniwetok) im Südwesten und der Ratakgruppe (16 Atolle) mit dem Atoll Majuro (dort Verwaltungszentrum Majuro (6000 Einwohner)) im Nordosten zusammen; tropisches Seeklima; Nutzung der Kokospalme, Bananenanbau; Fischfang. Auf dem Atoll Kwajalein (29 km mit 1680 km2 großer Lagune) befindet sich ein Raketenversuchsgelände der USA. 1529 entdeckt, 1885 von Deutschland annektiert, seit 1922 als Völkerbundsmandat von Japan verwaltet, seit 1947 UN-Treuhandgebiet der USA, die die Atolle Bikini und Eniwetok durch Kernwaffenversuche verwüsteten; 1980 unter dem Status eines assoziierten Mitglieds der USA faktisch annektiert.

Marsilius von Padua, zwischen 1275/80-zwischen 1336/43, Staatstheoretiker und Arzt; verfasste mit Johannes von Jandun den «Verteidiger des Friedens» (1324), eine Kampfansage an feudale Kirche und Papsttum und ein Bekenntnis zur republikanischen Volkssouveränität; Vertreter der ärmeren Städtebürger und des lateinische Averroismus.

Mars-Ia-Tour: Gemeinde in Frankreich, westlich von Metz. Im Deutsch-Französischen Krieg fand bei Mars-Ia-Tour und Vionville am 16. 8.1870 eine der für beide Seiten verlustreichsten Schlachten statt; sie schuf die Voraussetzungen für den Sieg der deutschen Truppen in der Schlacht bei Sedan am 1./2.9.1870.

Marsman, Hendrik, 30.9.1899-21.6.1940, niederländischer Schriftsteller; war mit seinen frühen expressionistischen Gedichten, Kritiken und Essays einer der zentralen niederländischen Dichter nach dem 1. Weltkrieg; vertrat später eine vitalistische Richtung, zum Beispiel in dem Roman «Der Tod der Angèle Degroux» (1933).

Marstall: (althochdeutsch) Bezeichnung für die fürstliche Stallungen; eigentlich Pferdestall; auch für die Gesamtheit der Pferde eines fürstlichen Hofes.

Marston Moor: Moorgebiet in England, westlich von York. In der bürgerlichen Revolution siegte hier am 2.7.1644 das Parlamentsheer über die Truppen Karls I.

Märten, Lu, 24.9.1879-1970, Schriftstellerin; seit 1898 mit der sozialistischen Arbeiterbewegung verbunden; schrieb Gedichte, Märchen, Romane, das Schauspiel «Bergarbeiter» (1907), die Autobiographie «Torso. Das Buch eines Kindes» (1909). insbesondere in den 20er Jahren trat sie in der Literatur und Kunstkritik hervor («Wesen und Veränderung der Formen. Resultate historisch-materialistischer Untersuchungen. Geschichte der Künste von den Anfängen bis zur Gegenwart», 1924).

Martens, Wilfried, geboren 19.4.1936, belgischer Politiker, Rechtsanwalt; 1972/79 Vorsitzender der flämischen Christl. Volkspartei, 1979/März 1981 und seit Dezember 1981 Ministerpräsident.

Martensit: (nach einem Ingenieur) nadliges Gefüge des gehärteten Stahls, das bei rascher Abkühlung entsteht. Martensit zerfällt durch Anlassen in Ferrit und Zementit.

Martial, Marcus Valerius Martialis, um 40-um 102, lateinischer Epigrammatiker; schrieb 15 Bücher geistreicher, feingeschliffener Spottverse mit schlagenden Pointen auf den Sittenverfall seiner Zeit.

martialisch: (nach dem Kriegsgott Mars) kriegerisch; wild, furchteinflößend.

Martianus Capella, lebte wahrscheinlich Anfang des 5. Jahrhundert nach Christus, lateinischer Schriftsteller; sein Werk «Die Hochzeit der Philologie mit Merkur» ist in phantastischer Einkleidung eine Enzyklopädie der 7 Freien Künste. Das Werk hatte im Mittelalter große Bedeutung.

Martigny: Stadt im Südwesten der Schweiz (Kanton Wallis), am Rhone-Knie; 11000 Einwohner; Aluminiumwerk, Herstellung von Metallwaren; Obst- und Weinbau. In der Nähe Talsperren und Wasserkraftwerke (unter anderem Fionnay-Grande-Dixence mit 284 m hoher Staumauer).

Martin: 1. Martin, Frank, 15.9.1890-21.11.1974, schweizerischer Komponist; lebte seit 1946 in den Niederlanden; schrieb Instrumentalmusik, Opera, Oratorien, in denen er sich zur Tradition bekannte und neue Gestaltungsmittel nur vorsichtig nutzte.

2. Karl-Heinz Martin, 6.5.1888-13.1.1948, Regisseur und Theaterleiter; wirkte an führenden Berliner Bühnen, auch in München und Wien; galt in den 20er Jahren als einer der bedeutenden Regisseure des Expressionismus; bemühte sich um ein zeitkritisches volkstümliches Theater; erhielt in der Zeit des Faschismus Berufsverbot und war nach 1945 Intendant des Hebbel-Theaters Westberlin.

3. Martin, Pierre, 18.8.1824-24.5.1915, französischer Metallurge; erfand 1864 das Verfahren zur Stahlerzeugung im sauren, regenerativgefeuerten Flammofen, den F. Siemens 1856 zur Betriebsreife entwickelt hatte; bekannt als Siemens-Martin-Verfahren.

4. Siegmund Peter Martin, 15.10.1780-20.11.1834, Jurist und Publizist; war 1809 neben F. W. K. Dörnberg Führer der antinapoleonischen Erhebung in Hessen; unterstützte nach 1816 die oppositionelle bürgerliche Bewegung. Martin wurde mit der Herausgabe des Wochenblattes «Der Fürsten- und Volksfreund» (1831) Mitbegründer einer politischen Tagespresse in Deutschland.

Martini, Simone, um 1284-1344, italienischer Maler; neben Giotto Hauptmeister der Malerei des Trecento; überwand die sogenannte Maniera greca; seine Bilder sind von feiner Linienführung, heller Farbigkeit und lassen Liebe zum Detail erkennen; Fresken im Rathaus zu Siena («Maestà», 1315) und Tafelbilder («Verkündigung», 1333, Florenz).

Martinique: sogenannt französischer Überseedepartement im Karibischen Meer, auf der Insel Martinique, der zweitgrößten Insel der Kleinen Antillen; 1102 km2, 330000 Einwohner; 299 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Fort-de-France. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Mulatten und Afroamerikanern. Die 65 km lange Vulkaninsel ist stark gebirgig und erreicht mit dem noch aktiven Vulkan Montagne Pelée 1463 m; feuchtheißes tropisches Klima; an den Luvseiten der Berghänge immergrüner tropischer Regenwald, in Leelagen Domstrauchsavanne. Schwach entwickeltes Agrarland, dessen Wirtschaft von französischen Monopolen beherrscht wird. 75% der landwirtschaftlichen Nutzfläche befinden sich in den Händen weniger Familien; die Arbeitslosenquote beträgt etwa 40%. Für den Export werden in Monokultur Bananen, Zuckerrohr, Ananas, für den Binnenmarkt Maniok, Gemüse, Bataten und Kokosnüsse angebaut; Viehzucht und Fischfang für Eigenversorgung. In der Industrie vor allem Verarbeitung von Agrarprodukten; Konservenfabriken, Rum-Destillerien, Rückgang der Zuckerproduktion; Erdölraffinerie, Zementfabrik. Internationaler Tourismus; Hauptsee- und -flughafen Fort-de-France. 1502 durch Kolumbus entdeckt; ab 1635 französische Kolonisation (1674 Kronbesitz); Plantagenproduktion (Zuckerrohr- und Kakao-, ab 1723 Kaffeeanbau) und Sklaverei. Anfang des 19. Jahrhundert wiederholt durch Großbritannien okkupiert. Unter dem Einfluss der Französischen Revolution entwickelte sich der Volkskampf der Sklaven, die nach dem Maiaufstand von 1848 die Aufhebung der Sklaverei durchsetzten. Nach der Besetzung Frankreichs durch das faschistische Deutschland stand Martinique auf Seiten des Vichy Regimes, nach einem Aufstand 1943 der Exilregierung de Gaulles. Seit 1946 französische Überseedepartement. Die Kommunisten, 1936 in einer Föderation der Französischen KP, seit 1957 in selbständiger Partei organisiert, kämpfen für die endgültige Überwindung des Kolonialstatus.

Martinshorn: (nach dem Erbauer) 1. Musik Schalmei.

2. Verkehr - akustische Warneinrichtung (Zweitonhupe) für Kfz, die (meist in Verbindung mit Blaulicht) den Benutzern (Polizei, Feuerwehr) Sonderrechte im Straßenverkehr einräumt. Siehe auch Sirene 2.

Martinson: 1. Harry, 6.5.1904-12.2.1978, schwedischer Schriftsteller; schrieb realistische autobiographische Romane («Die Nesseln blühen», 1935, deutsch; «Der Weg hinaus», 1936, deutsch), den lyrischen Reisebericht «Reisen ohne Ziel» (1932, deutsch) sowie Lyrik (dt. Auswahl «Die Henker des Lebenstraums», 1973), Hörspiele und Dramen. Mit dem existentialistisch beeinflussten Versepos «Aniara» (1956, deutsch) warnte er vor der atomaren Gefahr. Kulturhistorische und philosophische Betrachtungen prägen seine späte Lyrik sowie den Roman «Der Weg nach Glockenreich», 1948, deutsch).

2. Moa, 2.11.1890-5.8.1964, schwedische Schriftstellerin; nahm aktiv am Kampf der schwedischen Arbeiter teil, schrieb realistische Romane über proletarische Frauenschicksale, wie «Mutter heiratet» (1936, deutsch), «Kirchliche Trauung» (1938, deutsch), «Die Rosen des Königs» (1939, deutsch) und «Der unsichtbare Liebhaber» (1943, deutsch).

Martinu, Bohuslav, 8.12.1890-28.8.1959, tschechischer Komponist; lebte seit 1923 in Paris, emigrierte 1940 nach den USA und war seit 1953 wieder in Europa (Schweiz, Frankreich). In seinem überaus umfangreichen Schaffen (unter anderem Opern, Sinfonien, Instrumentalkonzerte, Kammer- und Vokalmusik) fand er eine überzeugende Synthese zwischen nationalen Traditionen, die er im Ausland nie verleugnete und sehr unterschiedlichen zeitgenössischen Gestaltungsmitteln. Seine Werke finden in der Gegenwart noch zunehmende internationale Anerkennung.

Marti y Pérez, José María, 28.1.1853-19.5.1895, Nationalheld Kubas, Dichterund Politiker, organisierte seit 1870 im Exil den Widerstand gegen die spanischer Kolonialherrschaft und gründete 1892 die Kubanische Revolutionäre Partei. Fiel bei Beginn des Unabhängigkeitskrieges. In seinen Werken bezog Marti y Pérez eine radikal-antiimperialistischer Position.

Martos, Iwan Petrowitsch, 1754-17.4.1835, russischer Bildhauer, seit 1814 Rektor der Petersburger Kunstakademie. Als bedeutender Bildhauer des Klassizismus in Russland verband Martos dessen Prinzipien in seinen Porträts, Grabdenkmälern, Statuen und Monumentalplastiken mit kraftvoller Plastizität der Formen.

Martow L., eigentlich Juli Ossipowitsch Zederbaum, 6.12.1873-4.4.1923, russischer Sozialdemokrat; führender Menschewik, nach der Revolution 1905/07 ein Hauptvertreter der Liquidatoren; nach 1917 Gegner der Diktatur des Proletariats; emigrierte 1920 nach Deutschland.

Märtyrer: Blutzeuge; ein für seine Überzeugung Verfolgung oder den Tod (Martyrium) Erleidender.

MARV: (Abkürzung für Manoeuvrable Reentry Vehicle, englisch) lenkbarer Mehrfachsprengkopf. MARV werden als Mehrfachsprengköpfe der 5. Generation bezeichnet. Siehe auch MRV, MIRV.

Maryland, Abkürzung Md.: Bundesstaat im Osten der USA am Atlantischen Ozean; 27092 km2, 4,2 Millionen Einwohner (18% Afroamerikaner); 155 Einwohner/km2; Hauptstadt Annapolis. Im Osten Küstenebene beiderseits der Chesapeake Bay, im Zentralteil und im Westen Piedmont Plateau und Appalachen, bis 1024 m hoch; gemäßigtes Seeklima. Hauptwirtschaftszweig ist die Industrie mit Eisenmetallurgie, Schiff-, Flugzeug- und Fahrzeugbau, chemische, petrolchemische, elektronische Industrie unter anderem, Abbau von Steinkohle und Tonerde. Die Landwirtschaft produziert Mais, Sojabohnen, Tabak, Kartoffeln, Gemüse, Obst; Viehzucht, Milchwirtschaft, Geflügelzucht; Fischfang, Austernzucht. Schiffsverkehr auf Chesapeake Bay und Potomac; Haupthafen und bedeutendster Industriestandort Baltimore; wachsender Fremdenverkehr.

Märzaufstand, Aufstand des 1. März-, Erhebung des koreanischen Volkes im März 1919 gegen die japanische Kolonialherrschaft; erfolgte unter dem Einfluss der Oktoberrevolution. Hauptkraft der Bewegung waren die Bauern, insgesamt beteiligten sich über 2 Mill. Menschen. Da die Arbeiterklasse noch sehr schwach war und die Bourgeoisie Verrat übte, konnte die Kolonialmacht den Märzaufstand blutig niederschlagen, sie war jedoch gezwungen, bestimmte Veränderungen ihrer Herrschaftsformen vorzunehmen, die von der sich entwickelnden Arbeiterbewegung ausgenutzt wurden.

Märzbecher, Märzenbecher, Frühlingsknotenblume, Leucojum vernum: Amaryllisgewächs; Zwiebelpflanze feuchter, nährstoffreicher Wälder (u. N.); schmale grundständige Blätter und weiße, glockige Blüten mit kleinen grünen Flecken an den Blütenblattspitzen; auch Zierpflanze.

Marzipan: hochwertige Zuckerware von plastischer Konsistenz aus Marzipanrohmasse (feinverriebene, abgeröstete Mandel-Zucker-Masse) und Zucker.

Märzkämpfe: 1. Märzkämpfe 1919: Generalstreik der Berliner Arbeiter (3./12.3.1919) für Sozialisierung, Anerkennung der Räte, Freilassung aller politischen Gefangenen, Auflösung der Freikorps, Bildung einer revolutionären Arbeiterwehr sowie für die Aufnahme normaler Beziehungen zu Sowjetrussland; die Regierung verhängte den Belagerungszustand über Berlin, rechte Sozialdemokratischer Führer spalteten die Streikfront, provozierten bewaffnete Auseinandersetzungen und betrieben die Liquidierung der Volksmarinedivision. Noske-Truppen ermordeten mehr als 1200 Arbeiter.

2. Märzkämpfe 1921: bewaffnete Kämpfe der Arbeiterklasse in Mitteldeutschland (Mansfeld, Leuna), provoziert durch Monopolherren und die preußische Regierung. Auf die Besetzung des Industriereviers durch starke Einheiten der Polizei (19.3.1921) antworteten unter Führung der VKPD etwa 150000 Arbeiter mit einem Generalstreik und einige tausend Arbeiter (obwohl hierzu die objektiven Bedingungen fehlten) mit dem bewaffneten Kampf, der brutal niedergeschlagen wurde. Die KI zog auf ihrem III. Weltkongress wichtige Lehren aus den Märzkämpfen für die Gewinnung der Mehrheit der Arbeiterklasse.

Märzrevolution: erste Etappe der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 in Deutschland. Sie begann Ende Februar 1848 in Baden unter dem Eindruck der französischen Februarrevolution, erfasste in der ersten Märzhälfte alle süd-, südwest-, mittel- und norddeutschen Staaten und fand ihren Höhepunkt in der Wiener Märzrevolution (13. 3.), die zur Abdankung und zur Flucht Metternichs führte, sowie in der Berliner Märzrevolution (18./19. 3.), in der das Volk den Abzug der preußischen Truppen aus der Hauptstadt erkämpfte. Die Märzrevolution zwang die Reaktion zu erheblichen Konzessionen (Presse-, Vereins-, Versammlungsfreiheit, Ministerien mit Vertretern der liberalen Bourgeoisie unter anderem), vermochte jedoch nicht, sie zu vernichten.

Masaccio, 21.12.1401-1428(7), italienischer Maler; tätig in Florenz und Rom; bahnbrechender Meister der Frührenaissance, der betont plastische und rhythmisch gruppierte Figurenszenen schuf. Sein Hauptwerk sind die Fresken in der Brancacci-Kapelle in S. Maria del Carmine in Florenz (1425/28). Zusammenarbeit mit Masolino.

Masanetz, Guido, geboren 17.5.1914, Komponist; schrieb Orchester-, Film- und Bühnenmusik. Seine Operette «In Frisco ist der Teufel los» (1962; Erstfassung «Wer braucht Geld?») war besonders erfolgreich.

Masaniello, eigentlich Tommaso Aniello, 29.6.1620-16.7.1647 (ermordet); Organisator eines Aufstands gegen die spanische Fremdherrschaft 1647/48 in Neapel. Oper «Die Stumme von Portici» von D. F. Auber (1828).

Masaryk, Tomas Garrigue, 7.3.1850-14.9.1937, tschechischer bürgerlicher Philosoph und Politiker; Philosophieprofessor in Prag 1882/1914; arbeitete im 1. Weltkrieg als Emigrant auf die Bildung einer bürgerlichen tschechoslowakischen Republik hin, deren erster Präsident er 1918/35 war. Sein Antisowjetismus führte unter anderem zum Einsatz der Tschechoslowakischen Legion 1918 gegen die Sowjetmacht. Der Masarykismus war eine Variante des bürgerlichen Reformismus.

Masche: (althochdeutsch, «Knoten») Fadenelement des Strickens und Wirkens, gebildet durch Verbindung neben- (Maschenreihe) oder übereinanderliegender (Maschenstäbchen) Schleifen. Der Vorgang der Maschenbildung (stets in mehreren Arbeitsstufen) ist beim Maschinenstricken und -wirken je nach Nadelart (Zungen- oder Spitzennadel) und Verfahren (Stricken, Kulieren, Kettenwirken) verschieden. Beim Stricken mit Zungennadeln werden die Maschen nacheinander gebildet, wogegen beim Kulieren und Kettenwirken mit Spitzennadeln, die in fester Nadelbarre liegen, jeweils eine Maschenreihe gleichzeitig entsteht.

Maschenfeinheit: Angabe zur Größe von Maschen, durch Auszählen der Maschenanzahl je Längeneinheit in Längs- und Querrichtung, maschenfest: Qualitätsmerkmal für Maschentextilien; diese sind widerstandsfähig gegen Auflösen von Maschen (Laufmaschen) oder Herausziehen einzelner Maschenteile.

Maschenware: Sammelbezeichnung für nach der Strick- und Wirktechnik hergestellte textile Flächengebilde.

Maschine: (französisch griechisch) Verkettung von Mechanismen zur Umwandlung von Energieformen, Realisierung von Bewegungsabläufen und zum technischen Umsetzen von Kräften, deren Richtung, Größe und Angriffspunkt geändert werden kann. Siehe auch Arbeitsmaschine, Kraftmaschine, elektrische Maschinen.

Maschinenpark: Ausrüstung des Betriebes mit Kraft- und Arbeitsmaschinen einschließlich Ersatz- und Reservemaschinen. Der Maschinenpark ist Bestandteil der Grundmittel des Betriebes. Für die Reproduktion des Maschinenparks sind persönliche Pflege, fachgemäße Behandlung, planmäßig vorbeugende Instandhaltung sowie planmäßiger Ersatz und Erweiterung von Bedeutung.

Maschinensprache: Basissprache zur Programmierung von Rechenautomaten. Die Maschinensprache verwendet unmittelbar binäre Maschinenbefehle und bedarf keiner Übersetzung; siehe auch Mikroprogramm. Ein Programm, das in Maschinensprache formuliert ist, heißt Maschinenprogramm. Die Maschinensprache wird sehr selten direkt verwendet. Das nächsthöhere Niveau ist die Assemblersprache. Sie entspricht dem Befehlsvorrat des Rechenautomaten direkt, erlaubt jedoch den Verzicht auf den Binärkode der Maschinenbefehle durch Verwendung eines mnemonischen Operationskodes (zum Beispiel ADD A für Addiere zum Register A), Symbol. Adressen (Marken) und anderer vereinfachender Festlegungen. Die Übersetzung derartiger Programme in Maschinenprogramme geschieht durch den Assembler (ein Übersetzungsprogramm und Komponente des Betriebssystems).

Maschinenstürmerei: Ausdruck des Protestes des erwachenden, aber noch unerfahrenen Proletariats gegen das vom Kapitalismus erzeugte Massenelend zu Anfang des 19. Jahrhundert; führte zur massenhaften Zerstörung von Maschinen, in denen die Proletarier fälschlicherweise die Ursache ihres Elends sahen. In Großbritannien ist die Maschinenstürmerei unter dem Begriff Ludditen Bewegung bekannt geworden. In Deutschland war sie vor allem in Gebieten mit ausgeprägter Heimarbeit verbreitet.

Maschinentelegraf: aus Geber und Empfänger bestehende Anlage auf Schiffen zum Übertragen der Fahrt- beziehungsweise Maschinenkommandos (in Worten) oder Fahrstufen (in Ziffern) von der Kommandobrücke beziehungsweise vom Ruderhaus in den Maschinenraum und zur Rückmeldung über die Ausführung der Kommandos.

Maschinenwaffen: automatische Feuerwaffen mit Zuführung der Patronen beziehungsweise Granatpatronen aus Magazinen oder Gurten, die außer Zielen beziehungsweise Richten und Abziehen alle Vorgänge beim Schießen (Entriegeln des Verschlusses, Ausziehen und Auswerfen der Patronenhülsen, Nachladen, Verriegeln, Zünden) selbsttätig ausführen. Die Maschinenpistole (Abkürzung MPi) ist eine Handfeuerwaffe mit einer praktischen Feuergeschwindigkeit bis 100 Schuss je Minute. Das Maschinengewehr (Abkürzung MG) ist eine ortsbeweglich oder ortsfest (in Flugzeugen, Panzern, Schützenpanzerwagen und so weiter) eingebaute Maschinenwaffen; man unterscheidet leichte MG (Abkürzung IMG), schwere MG (Abkürzung sMG) und überschwere MG (Abkürzung üMG). Maschinenkanonen (Abkürzung MK) sind kleinkalibrige Geschütze mit hoher Feuergeschwindigkeit zur Luftabwehr, für den Erdkampf sowie als Bordbewaffnung von Flugzeugen, Panzern, Schützenpanzern und Kampfschiffen.

Mascon: (Kurzwort für mass concentration, englisch, «Massekonzentration») lokale Masseanreicherung in der tieferen Mondkruste im Bereich der Kessel-Maria, verbunden mit einem Anstieg der Schwerkraft. Die Mascons können entstanden sein durch Einschlag großer Eisen-Nickel-Meteorite und darauf folgende magmatische Prozesse (Schmelzung und Differentiation) oder durch alleinige magmatische Differentiation schwerer und leichter mineralischer Bestandteile mit Anreicherung der schweren in der Tiefe.

Masefield, John, 1.6.1878-12.5.1967, englischer Schriftsteller; 1930/67 poeta laureatus (Hofdichter) Englands. Nach realistische «Salzwasserballaden» (1902, deutsch) kam, beeinflusst von W. B. Yeats, ein metaphysischer Zug in sein Schaffen. Masefield belebte Versepos («Reineke Fuchs», 1919) und Versdrama; er schrieb auch See- und Abenteuerromane sowie Stücke.

Masel, Lew Abramowitsch, geboren 26.5.1907, sowjetischer Musikwissenschaftler; lehrte seit 1933 (1939 Professor) am Moskauer Konservatorium; machte sich besonders als Chopin- und Schostakowitsch-Forscher einen Namen und veröffentlichte Arbeiten zur Musiktheorie und -ästhetik.

Maser: (englisch Kunstwort aus microwave amplification by stimulated emission of radiation, englisch, «Mikrowellenverstärkung durch induzierte Strahlungsemission»): ein Mikrowellenverstärker, der wie der Laser die induzierte Emission bei Elektronenübergängen zwischen Energieniveaus eines Quantensystems (Gasmoleküle oder Fremdionen in einem Festkörper) ausnutzt. Während sich beim Reflexionsmaser das aktive Medium (also das Quantensystem) in einer stehenden elektromagnetischer Welle im Hohlraumresonator befindet, wird beim Wanderwellenmaser eine fortschreitende Welle durch das Medium geschickt. Bei hoher Rückkopplung der verstärkten Welle kommt es zur Selbsterregung (Oszillation); die dabei erzeugten Mikrowellen sind so frequenzstabil, dass man mit Maser Frequenznormale schaffen kann (siehe auch Atomuhr). Als Verstärker sind Maser besonders rauscharm (sie arbeiten bei tiefsten Temperaturen); sie werden zum Beispiel in der Radioastronomie eingesetzt.

Masereel, Frans, 30.7.1889-3.1.1972, belgischer Graphiker und Maler. Im Mittelpunkt der humanistischen Weltauffassung Masereels steht der unterdrückte und sich von den Fesseln des Kapitalismus befreiende Mensch. Masereel gelangte von einer pazifistisch-sozialkritische Haltung zur Zeit des 1. Weltkrieges zu einer engagiert antifaschistischen Position seit 1933 und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des sozialistischen Realismus. Er wurde vor allem durch seine aussagestarken, massenwirksamen Holzschnittfolgen bekannt, in denen sich hohe künstlerische Meisterschaft mit großem sozialem Verantwortungsgefühl verbindet. Expressionistische Formauffassungen folgend, beeindrucken sie durch ihre akzentuiert gesetzten Schwarz-Weiß-Kontraste und die vereinfachte, oft splittrige Formensprache («Passion eines Menschen», 1918; «Die Stadt», 1925; «Jugend», 1948). Masereel hinterließ auch ein beachtliches malerisches Luvre (Aquarelle und Gemälde mit Großstadtszenen, Hafenansichten, Matrosen, Fischern).

Masern, Morbilli: durch ein Virus hervorgerufene akute, fieberhafte, besonders Kinder befallende Krankheit. Charakteristisch ist ein katarrhalisches Vorstadium mit Bronchitis und Bindehautentzündung, dem ein großfleckiger Ausschlag am ganzen Körper folgt. Zur Prophylaxe dient die Schutzimpfung. Siehe auch Infektionskrankheiten.

Maserung, Textur: durch Längsschnitt (Holzschnitte) angeschnittener Jahrringe sich ergebende natürliche Zeichnung auf der Holzoberfläche.

Mashrabiya: kunstvolles, lichtdämpfendes Holzgitterwerk vor den Fenstern vornehmer orientalischer Wohnbauten im oberen Geschoß, auch erkerartig, auf Konsolen ruhend gestaltet.

Masina, Giulietta, geboren 22.2.1921, italienische Schauspielerin; verheiratet mit F. Fellini; erlangte in einigen Filmen mit der Gestaltung tragischer Frauenschicksale Welterfolg («La Strada», «Die Nächte der Cabiria», «Julia und die Geister»); widmete sich später der Journalistik.

Massinissa, um 240-um 149 vor Christus, König der Massilier in Ost-Numidien; im 2. Punischen Krieg zunächst Verbündeter Karthagos, dann seit 206 Roms; errichtete 201 mit Unterstützung Roms ein nomadisches Großreich. Massinissas Überfälle auf karthagische Gebiete waren der Anlass für den 3. Punischen Krieg.

Masira: Insel an der Südostküste der Arabischen Halbinsel, zu Oman gehörend; 65 km lang, 15 km breit; Hauptort Dawa.

Maskarenen: auf untermeerischer Schwelle aufsitzende Inselgruppe im Indischen Ozean, östlich von Madagaskar, mit Mauritius, Réunion, Rodrigues und anderen kleineren Inseln; etwa 4700 km2, 1,5 MUL Einwohner

Maskaron: Maske oder fratzenhaftes Gesicht; häufig in der dekorativen Barockplastik.

Maskat, Muscat: Hauptstadt von Oman, an der Küste des Golfes von Oman; 80000 Einwohner; Handelszentrum im Knotenpunkt der Karawanenwege; Haupthafen des Landes, in der Nähe neuerbauter Erdölhafen Mina al-Fahal, Stückguthafen Mina Qabus und internationaler Flughafen Al-Sib.

Maske: 1. Nachbildung eines Kopfes oder Gesichts durch eine Hohlform; bei Naturvölkern vor allem zu religiösen beziehungsweise kultischen Zwecken; als spezifisch theatralisches Charakteristikum in vielen Theaterformen verwendet (Antike, Commedia dell’arte, asiatisches Theater), erneuert auch im modernen Theater. Bezeichnung auch für die ganze vermummte Gestalt. Die Halbmaske verhüllt nur die obere Gesichtshälfte. Die Totenmaske ist ein Gips oder Wachsabdruck vom Gesicht eines Verstorbenen.

2. Maske, Schminkmaske: Verwandlung des Gesichts eines Schauspielers im Sinne der darzustellenden Rolle, wobei durch den Maskenbildner Farbe, Puder, plastische Masse und so weiter direkt auf die Haut aufgetragen werden.

3. Fototechnik: dem jeweiligen Verwendungszweck angepasstes Vorschalt Durchsichtsbild oder -blende zur Verbesserung der Bildwiedergabe. Übl. Masken sind Silber- und Farbmasken zur Gradationsverbesserung beziehungsweise Farbkorrektur von Farbauszügen und -bildern.

4. Mikroelektronik: Hilfsmittel zur Herstellung von integrierten Schaltkreisen und Transistoren mit Hilfe des Planarprozesses. Die Maske dient zur Strukturierung der Halbleiteroberfläche im technologischen Prozess der Fotolithographie oder zur Abdeckung bestimmter Oberflächenschichten auf dem Halbleiterkristall.

Maskenbildner: Mitarbeiter bei Theater und anderen darstellenden Künsten, der für rollengerechte Gesichts- und Haargestaltung der Darsteller verantwortlich ist (Schminken, Frisieren; Herstellen und Anlegen von Perücken, Kopfputz und Masken).

Maskenformverfahren: Feingussverfahren zur Herstellung von Gießformen, meist aus kunstharzgebundenen Formstoffen, die schalenförmig den Formhohlraum bilden; ergibt maßhaltige Gussstücke guter Oberflächenqualität.

Maskenspiele, englisch und französisch Masques (englisch maesks, französisch mask): höfliche Repräsentationsspiele mit Liedern, Chören, Tänzen in reicher Dekoration, meist allegorisch-mythologischen Inhalts, besonders in England im 16. und 17. Jahrhundert beliebt; von I. Jones und B. Jonson zu theatralischen Meisterschaft geführt; bis in H. Purcells und G. F. Händels Bühnenmusiken wirkend.

Maskenverfahren, fotomechanisches Korrekturverfahren, Maskieren (französisch italienisch arabisch): Polygraphie Verfahren zur Ton- und Farbwertkorrektur bei Reproduktion ein- und mehrfarbiger Bildvorlagen. Eine Maske (Hilfsdianegativ oder Kombination davon (Kompensativ) beziehungsweise Spezialfilm) wird mit dem Farbauszug oder dem ursprünglichen Schwarzweißfilm passgerecht vereinigt; (geringe) manuelle Retusche ist aber stets nötig.

Maskotte, (französisch «kleine Hexe») Maskottchen: vermeintliche Glücksbringer, meist Puppe oder Tierfigur.

maskulin: männlich, männlichen Geschlechts.

Maskulinum, Abkürzung: Grammatik männliches Geschlecht; auch männliches Substantiv.

Masochismus: sexuelle Eigenart mit Befriedigung durch Schmerzerduldung oder Erniedrigung durch den Partner; benannt nach dem Schriftsteller L. von Sacher-Masoch (1835-1895). Siehe auch Sadismus.

Mason-Dixon-Linie: (nach den britischen Vermessern) Grenzlinie zwischen den USA-Staaten Maryland und Pennsylvanien (39°42'23,6"), die zugleich Grenze zwischen den freien Nord- und den sklavenhaltenden Südstaaten war; wurde 1763/67 festgelegt.

Masri, Walid, geboren 10.6.1954, libanesischer Funktionär der Jugendbewegung; seit 1982 Präsident des WBDJ.

Maß: 1. Mathematik: Maßtheorie.

2. Maß, Maßei, Mäßchen: Metrologie alte Volumeneinheit (Hohlmaß für Flüssigkeiten) zwischen 0,33 und 3,841.

3. Philosophie: Qualität und Quantität.

Massa: Stadt in Mittelitalien (Toskana), Verwaltungszentrum der Provinz Massa e Carrara, am Fuß der Apuanische Alpen; 65000 Einwohner; chemische Industrie; Pyrit Erzabbau, Marmorbrüche; Burg (14. Jahrhundert), Dom (15. Jahrhundert).

Massachusetts, Abkürzung Mass.: Bundesstaat im Nordosten der USA, am Atlantischen Ozean; 21456 km2, 5,7 Millionen Einwohner; 266 Einwohner/km2; Hauptstadt, Hafen und Wirtschaftszentrum Boston. Im Osten Küstentiefland, im mittleren Teil Hügelland, im Westen Ausläufer der Appalachen (bis 1068 m); gemäßigtes Seeklima, überwiegend Prärie, in den Appalachen Nadelwälder. Wenig Bodenschätze; alter Industriebezirk der USA mit heute bedeutender verarbeitender Industrie (Maschinen- und Fahrzeugbau, Leicht-, Uhren-, elektronische/elektrotechnische Industrie, Herstellung von Leder- und Silberwaren, Werkzeugen und Waffen); unbedeutende Landwirtschaft; bedeutende Hochseefischerei; dichtes Eisenbahnnetz. Seit 1620 von Pilgervätern besiedelt, 1643/84 Teil der Vereinigten Kolonien von Neuengland, führend im Unabhängigkeitskrieg 1775/83, Schauplatz des Volksaufstands unter D. Shays 1786/87.

Massage: Methode der Physiotherapie. Mit den massierenden Händen (Streichen, Reiben, Kneten, Klatschen unter anderem) oder mit Apparaten (zum Beispiel Druckwasserstrahl bei Unterwassermassage) wird eine mechanische Reizwirkung auf die Haut und tiefere Gewebeschichten, reflektorisch auch auf innere Organe, ausgeübt; dient zur Beeinflussung zahlreicher Erkrankungen, insbesondere des Bewegungsapparates.

Massai: überwiegend äthiopides Volk der nilotische Sprachfamilie nördlich und südlich des Kilimandscharo (Kenia, Tansania); etwa 420000; vorwiegend Hirtennomaden; auf Altersklassen beruhende Sozialstruktur.

Massai-Ebene, Massaisteppe: Landschaft im Nordosten von Tansania südlich vom Kilimandscharo und Mweru; Rumpffläche (1200 bis 1500 m über dem Meeresspiegel); Domstrauchsavanne; nomadische Viehhaltung der Massai.

Maßanalyse, Volumetrie: quantitative chemische Analysenmethode, bei der die Menge eines in Lösung befindlichen Stoffes durch abgemessene Zugabe einer Reagenzlösung (Maßlösung) bekannter Konzentration ermittelt wird. Der Reagenzgehalt der Maßlösung wird als Titer bezeichnet. Die in einem Titriergefäß (zum Beispiel einem Weithals-Erlenmeyerkolben) befindliche Analysenlösung wird unter Umschwenken aus einer Bürette so lange mit Maßlösung versetzt (Titrieren), bis das Ende der Reaktion am Äquivalenzpunkt durch einen Farbumschlag (zum Beispiel eines zugesetzten Indikators) oder durch sprunghafte Änderung einer anderen physikalischen Eigenschaft (elektrisches Potential, elektrische Leitfähigkeit unter anderem) angezeigt wird. Die maßanalytische Bestimmung einer Säure beziehungsweise Base durch Neutralisation wird als Alkalimetrie beziehungsweise Azidimetrie bezeichnet. Siehe auch Komplexometrie.

Maßangabe: 1. Maßangabe, Bemaßung: in technischen Zeichnungen die Beschreibung der Größe einschließlich der zulässigen Toleranzen und der Gestalt durch eine Zahlenangabe in der Mitte über der Maßlinie, die bei Bedarf durch Messhilfslinien aus der Darstellung herausgezogen wird.

2. in der Bautechnik bei Stahltragwerken Eintragung des Maßes an der Körperkante.

Massary, Fritzi, eigentlich Friederike Massaryk, 31.3.1882-30.1.1969, österreichische Sängerin (Sopran); emigrierte 1933 nach den USA; gefeierte Interpretin von Rollen in Operetten und Revuen von O. Straus, F. Lehar, L. Fall unter anderem

Massaua, Massawa: Stadt im Norden von Äthiopien, in der Provinz Eritrea, auf 2 küstennahen Inseln (Dämme zum Festland) im Roten Meer; 35000 Einwohner; Zement-, Fisch-, Metall-, Tabakindustrie; Salinen; Hochseehafen, Flughafen.

Masse: physikalische Basisgröße, Zeichen, SI-Einheit Kilogramm (kg). Die Masse ist eine Grundeigenschaft aller Materie, sie ist

a) als träge Masse (m,) ein Maß für die Trägheit aller Körper gegenüber Änderungen ihres Bewegungszustandes und bestimmt die durch eine äußere Kraft F hervorgerufene Beschleunigung a nach dem 2. Newtonschen Axiom a = F/m, und

b) als schwere Masse (m) ein Maß für die Eigenschaft aller Körper, Quelle eines Gravitationsfeldes zu sein und im Gravitationsfeld anderer Körper beschleunigt zu werden. Die Gleichheit von träger und schwerer Masse ist für die Allgemeine Relativitätstheorie grundlegend (siehe auch Äquivalenzprinzip) und wurde durch Präzisionsmessungen bewiesen. Die Masse ist prinzipiell vom Bewegungszustand des Körpers abhängig. Eine Ruhmasse m0 erfährt eine relativistische Massenzunahme auf m = mj/yi - (v/c)2, wenn sie mit der Geschwindigkeit v bewegt wird (c Lichtgeschwindigkeit). Außerdem ist die Masse der Energie W= mc2 äquivalent; der Masse 1 g entspricht die Energie 9 1013 J = 25 GWh (Gigawattstunden).

Masseausgleich: Ausgleich unsymmetrisch wirkender Massekräfte und der dynamischen Kräfte durch Gegenmassen und andere Maßnahmen bei Maschinen und Maschinenanlagen, insbesondere bei Hubkolbenmaschinen.

Maßeinheit: Einheit einer physikalischen Größe, die als Bezugsgröße für die Bestimmung und Angabe des Wertes gleichartiger Größen festgelegt und der der Zahlenwert 1 zugeordnet wurde. Dezimale Vielfache und Teile der meisten gültigen Maßeinheit werden durch Vorsätze bezeichnet. SI-Einheiten sind die Maßeinheit des Internationalen Einheitensystems (Système International d’Unités, Abkürzung SI). SI-Basiseinheiten sind Meter (m), Kilogramm (kg), Sekunde (s), Ampere (A), Kelvin (K), Mol (mol) und Candela (cd). Abgeleitete SI-Einheiten werden aus diesen und den ergänzenden SI-Einheiten Radiant (1 rad = 1 m/m) für den ebenen und Steradiant (1 sr = 1 m2/m2) für den Raumwinkel als Potenzprodukte kohärent, das heißt nur mit dem Zahlenfaktor 1 gebildet, zum Beispiel m/s2 für Beschleunigung; sie haben zum Teil selbständige Namen. Außer den Maßeinheit des SI und ihren dezimalen Vielfachen und Teilen sind noch andere, Sl-fremde Maßeinheit gültig, zum Beispiel Minute und Stunde.

Massel: 1. Massel: von einer Hütte gelieferter, zum Umschmelzen bestimmter Metallbarren.

2. Massel: Glück; siehe auch Schlamassel.

Masse-Leistungs-Verhältnis: Kennziffer für Maschinen oder technische Einrichtungen, die eine Aussage gibt über den Umfang der Materialaufwendungen und die dabei erreichten Parameter, die für den Gebrauchswert entscheidend sind (zum Beispiel Motormasse, bezogen auf die Leistungsabgabe). Im Sinne der Materialökonomie sollen mit geringer Masse möglichst hohe Leistungswerte erzielt werden. Die Anwendung der Mikroelektronik trägt zum Beispiel zu erheblichen Verbesserungen des Masse-Leistungs-Verhältnis bei.

Masse-Leuchtkraft-Beziehung: aus Beobachtungen abgeleiteter Zusammenhang zwischen Masse m und Leuchtkraft für Sterne, die im Hertzsprung-Russell-Diagramm auf der Hauptreihe liegen, wonach die Leuchtkraft etwa mit m3-5 zunimmt. Sie wird benutzt, um aus der leichter zu bestimmenden Leuchtkraft die Masse zu ermitteln.

Massena: Stadt im Norden des Bundesstaates New York (USA), am Sankt-Lorenz-Strom und am Kanal zwischen Sankt-Lorenz-Strom und Grasse River; 16000 Einwohner; Aluminiumverhüttung; Herstellung von Motorblöcken, Autoteilen; Hydroenergiegewinnung; Brücke nach Ontario (Kanada); Thermalbad.

Massenbeton: für große Monolithbauten (Fundamente, Talsperren) verwendeter Grobmörtel aus Zuschlagstoffen bis 500 mm Durchmesser und geringem Zementanteil.

Massenbewegung: alle Prozesse der Denudation, die vorwiegend ohne oder seltener mit Hilfe eines Transportmediums unter dem Einfluss der Schwerkraft an Hängen und Felswänden ablaufen. Zu den trockenen Massenbewegung gehören Steinschlag, Fels- und Bergsturz, zu den durch starke Überfeuchtung von Lockermaterial ausgelösten feuchten Massenbewegung Rutschungen, Bodenfließen, Gekriech und Solifluktion (letztere unter Mitwirkung von lateralem Bodeneisdruck).

Massenet, Jules, 12.5.1842-13.8.1912, französischer Komponist; war erfolgreich mit lyrischen gefühlvollen Opern («Manon», 1884, unter anderem); schrieb auch Oratorien, Orchester- und Kammermusik sowie Lieder.

Massenfertigung: Fertigungsart zur ständigen oder langzeitigen Herstellung gleicher Erzeugnisse (Massenbedarfsgüter, zum Beispiel Standardteile, Wälzlager, Glühlampen). Sie erfordert konstruktiv und technologisch ausgereifte Erzeugnisse sowie eine perfekte Organisation der Produktion. Massenfertigung erfolgt meist in Fließfertigung mit hohem Mechanisierungs- und Automatisierungsgrad. Siehe auch Einzelfertigung, Serienfertigung.

Massengesellschaft: bürgerlicher Gesellschaftsbegriff, der die Volksmassen als Schöpfer der Geschichte negiert und damit der Verschleierung des Klassencharakters des Imperialismus und der Verleumdung des Sozialismus dient. Ausgangspunkt ist die angeblich als Folge fortschreitender Vergesellschaftung der Produktion und ständiger Einwirkung der Massenmedien behauptete «Vermassung des Menschen». Diese führe zum Verlust der Persönlichkeit, zur allgemeinen Nivellierung des kulturellen Anspruchs und zum Abbau der Demokratie.

Massenkommunikation: Übermittlung von Informationen und Ideologie mit Hilfe von Massenmedien an große Gruppen.

Massenkultur: objektive, wesentliche Seite der Existenz- und Wirkungsweise der Kultur, eingeleitet mit dem Übergang des Kapitalismus in sein imperialistischen Stadium; Ergebnis der Durchsetzung des Kapitalverhältnisses, der Ware-Geld-Beziehungen und von industriell und arbeitsteilig vollzogenen Produktions- und Absatzformen einerseits, von zunehmender Klassenpolarisierung, relativ ähnliche Arbeits- und Lebensbedingungen und dem Entstehen von Freizeit für die werktätigen Massen andererseits; als eine zivilisatorische Funktion des Kapitals führt sie dazu, dass die Volksmassen erstmals in der Geschichte zum Adressaten, Käufer beziehungsweise Konsumenten von Kultur und Kunst werden (Mode, Tourismus, Medien, Pop); gleichzeitig ist Massenkultur im Kapitalismus ein äußerst profitträchtiges und ideologiewirksames Element der Herrschaftssicherung (Kulturimperialismus, transnationale Kulturkonzerne) durch die effektive Verbindung von Ökonomie und Technik, Ideologie und Kultur; demokratische und sozialistische Elemente existieren nicht allein außerhalb der Massenkultur Massenkulturelle Prozesse im Sozialismus werden sowohl arbeitsteilig als auch durch die Werktätigen selbst (zum Beispiel künstlerisches Volksschaffen) formiert beziehungsweise durch Internationalisierung von kulturellen Leistungen beeinflusst; sie zielen auf die Befriedigung und Entwicklung der Bedürfnisse nach Unterhaltung und Entspannung, Erkenntnis und Genuss sowie Selbstbetätigung, welche in ein sozial-aktives Denken und Handeln münden.

Massenlied: zumeist chorisch-einstimmiges, einprägsames Lied des politisch-öffentlichen Lebens; hat revolutionär-kämpferischen, marschartigen, aber auch hymnischer oder lyrischer Charakter.

Massenmedien, Massenkommunikationsmittel: Presse, Hörfunk, Fernsehen, Film unter anderem Information und Ideologie verbreitende Einrichtungen, die auf breite Massen einwirken und deren Bewusstsein beeinflussen; besitzen als Instrumente der herrschenden Klasse große, durch den wissenschaftlichen Fortschritt weiter zunehmende Bedeutung. Es werden die Massenmedien oft durch transnationale Medienmonopole beherrscht.

Massenprozent: Konzentrationsmaß, das angibt, wie viel g eines Stoffes in 100 g Gemisch enthalten sind; auch als Masseprozent, früher Gewichtsprozent, bezeichnet.

Massenpunkt: physikalische Abstraktion, bei der die Masse eines Körpers in seinem Schwerpunkt konzentriert gedacht wird. Die Behandlung von Körpern als Massenpunkt ist berechtigt, wenn ihre innere Struktur für den Ablauf der Bewegung keine Rolle spielt.

Massenseparator, Massentrenner, wie ein Massenspektrograph, aber mit sehr hohen Ionenströmen aus einer leistungsfähigen Ionenquelle arbeitendes Gerät; dient zur Reindarstellung oder Anreicherung einzelner Isotope in größeren Mengen. Siehe auch Isotopentrennung.

Massenskale: durch Übereinkunft festgelegte Skale für die Atom-, Molekular- und Elementarteilchenmassen. Seit 1961 ist die relative Atom- oder Nukliden-Massenskale gültig. Dem Kohlenstoffisotop C 12 als Bezugsnuklid wird dabei die relative Atommasse 12,000 zugeordnet. Die Einheit dieser Massenskale heißt atomare Masseeinheit.

Massenspektrograph: Gerät zum Bestimmen der Massen und relativen Häufigkeiten von Isotopen. Ionen des zu untersuchenden Elements werden in einer Ionenquelle erzeugt, in einem elektrischen Feld beschleunigt und dann in elektrischen und magnetischen Feldern entsprechend ihren unterschiedlichen Massen verschieden stark abgelenkt. Die Registrierung des Massenspektrums erfolgt mit einer Fotoplatte (die Intensität der Schwärzung ist ein Maß für die Häufigkeit) beziehungsweise mit Faraday-Käfigen (die registrierte Ladungsmenge ist der Häufigkeit proportional). Maßgebend für die Qualität eines Massenspektrograph sind seine Auflösung, das heißt die kleinste Massendifferenz, die noch unterschieden werden kann, und seine Empfindlichkeit für den Nachweis sehr geringer Beimischungen bestimmter Massen.

Massenspektroskopie: hochempfindliche Verfahren zur Trennung von Isotopen sowie zur qualitativen und quantitativen Analyse verdampfbarer Stoffe, die in einem Massenspektrographen ionisiert werden.

Massenstahl: unlegierter Stahl, der ohne weitere Wärmebehandlung so verarbeitet wird, wie er nach der letzten Formgebung beim Hersteller anfällt (zum Beispiel Hochbaustahl). Die Bewertung und Standardisierung erfolgt nach Festigkeitswerten, zum Beispiel St 40; im Gegensatz zu Qualitäts- und Edelstählen ist die chemische Zusammensetzung von untergeordneter Bedeutung.

Massenstart: Startart, bei der alle Teilnehmer gemeinsam den Wettkampf aufnehmen, zum Beispiel im Marathonlauf und Straßenradsport.

Massentransport: die Verfrachtung von Lockermaterial durch Transportmedien, wie Flüsse, Gletscher, Meeresströmungen oder Wind.

Massenübungen: gymnastisch-tumerische Gemeinschaftsübungen; unvorbereitete Massenübungen dienen der aktiven Erholung, vorbereitete Massenübungen sind künstlerisch gestaltete sportliche Vorführungen (Sportschau).

Massenverhältnis, Ziolkowskische Zahl (nach K. E. Ziolkowski): Verhältnis von Startmasse zu Leermasse einer Rakete; wesentliche Beurteilungsgröße für die konstruktive Güte von Raketen. Angestrebt wird ein möglichst hohes Massenverhältnis; gegenwärtig liegt der Durchschnittswert für mehrstufige Trägerraketen bei 10 bis 15.

Massenwechsel, Populationsdynamik: Schwankungen der Bevölkerungsdichte einer Art, die in einem bestimmten Gebiet im Laufe der Generationen durch innere und äußere Faktoren hervorgerufen werden.

Massenwirkungsgesetz: Gesetzmäßigkeit, welche die Lage des Gleichgewichts chemischer Reaktionen beschreibt. Für homogene Systeme (Lösungen, Gasgemische) besagt das Massenwirkungsgesetz, dass im Zustand des chemischen Gleichgewichts der Quotient aus dem Produkt der Aktivitäten (vereinfacht: Konzentrationen) beziehungsweise Partialdrucke der Endprodukte und dem Produkt der Aktivitäten beziehungsweise Partialdrucke der Ausgangsstoffe gleich einer temperaturabhängigen, charakteristischen Gleichgewichtskonstanten K ist. Zum Beispiel liefert das Massenwirkungsgesetz für die Reaktion A + B C + D den Ausdruck ac-aD/(aA-aB) = K. Mit dem Massenwirkungsgesetz lassen sich die Einflüsse von Konzentrations- oder Druckänderungen einzelner Reaktionspartner auf die Ausbeute berechnen. Das Massenwirkungsgesetz wurde 1867 von C. Guldberg und P. Waage auf experimenteller Grundlage aufgestellt.

Masserberg: Gemeinde im Kreis Hildburghausen, Bezirk Suhl, im Thüringer Schiefergebirge, am Rennsteig; 800 Einwohner; bedeutender Erholungs- und Luftkurort (830 m über dem Meeresspiegel), Augenheilstätte; Wintersport.

Massewitsch, Alla Genrichowna, geboren 9.10.1918, sowjetische Astronomin; arbeitete über theoretische Astrophysik, insbesondere über den inneren Aufbau und die Entwicklung der Sterne.

massiv: fest, voll (nicht hohl); dauerhaft, wuchtig; grob.

Massiv: Massenerhebung großer Geschlossenheit (zum Beispiel Harz, Ötztaler Alpen).

Massivbau: Baumethode, bei der tragende Bauteile aus spezifisch schweren Baustoffen (Beton, Stahlbeton unter anderem) hergestellt werden. Siehe auch Gleitbau, Skelettbau.

Massivumformen: übliche, aber unexakte Sammelbezeichnung für Umformverfahren zur gezielten Änderung des Querschnittes oder Achsverlaufes von meist massiven Rohteilen (zum Beispiel Stangen oder Stangenabschnitte).

Maßordnung: Grundlage für die gegenseitige Abstimmung der Maße von Bauwerken, -elementen und Erzeugnissen für Bauwerke. Maßordnung ist die Voraussetzung für den Übergang vom Anpaßbau zum Austauschbau, beruhend auf dem Dezimetersystem (Grundeinheit 0,1 m = 100 mm = Modul M, Zeichen (M)). Das Rastermaß (Mr) ergibt sich durch Multiplizieren oder Dividieren von Maßordnung mit einer ganzen Zahl, zum Beispiel 4 x M = 400 mm. Das Baustandardmaß (Ms) entspricht dem Vielfachen von Maßordnung oder Mr. Das Baurichtmaß (R), ein theoretisches Maß auf der Basis von Ms, wird von Systemlinien begrenzt und gibt den für ein Bauteil oder Gebäude vorgesehenen Raum an. Das Konstruktionsmaß (K) entspricht der Fertigungsgröße eines Bauelements.

Maßstab:

1. Kartographie: Verhältnis einer Länge auf der Karte zur wahren Länge in der Natur. Der Maßstab wird in numerischer Form durch einen Bruch oder eine Proportion dargestellt; 1:25000 bedeutet 1 cm auf der Karte = 25000 cm (250 m) in der Natur (großer Maßstab); 1:5 Millionen bedeutet 1 cm auf der Karte =5000000 cm (50 km) in der Natur (kleiner Maßstab). In graphischer Form wird der Maßstab durch auf der Karte angebrachte Maßstabsleisten angegeben, die das Ermitteln der in der Karte gemessenen Entfernungen gestatten.

2. Messtechnik: eine Längen- beziehungsweise Winkelmaßverkörperung, deren Teilung auf einer Teilungsfläche eines -trägers beziehungsweise innerhalb derselben oder wie bei Wellenlängennormalen durch eine definierte Impulszahl aufgebracht beziehungsweise bestimmt ist, zum Beispiel Gliedermaßstab, Messband, Strichmaßstab aus Stahl oder Glas sowie Lichtwellenmaßstab.

3. technisches Zeichnen: Angabe des Verhältnisses der Größe der Darstellung zur wirklichen Größe des Objektes; standardisiert.

Maßsystem: System physikalischer Größen (Größensystem), aufgebaut aus voneinander unabhängigen Basisgrößen (frühere Bezeichnung Grundgrößen) und davon abgeleiteten Größen sowie ein zugehöriges System von Maßeinheiten (Einheitensystem) aus Basiseinheiten und abgeleiteten Einheiten. Gesetzlich gilt in der DDR das Internationale Einheitensystem (Maßeinheit); das Teil-Maßsystem für die Mechanik wurde früher als MKS-System bezeichnet. Ältere Maßsystem sind das physikalische Maßsystem mit den Basiseinheiten cm (Länge), g (Masse) und s (Zeit), das als CGS-System auch in der Elektrodynamik angewendet wurde, und das technische Maßsystem mit den Basiseinheiten m (Länge), kp (Kraft) und s (Zeit).

Maßtheorie: Theorie zur Bestimmung von Inhalten allgemeiner Punktmengen, ihrem Maß; einem Intervall a s x s b wird zum Beispiel das Maß b a, die Länge des Intervalls, zugeordnet. Eine Menge M heißt messbar, wenn ihr eine nichtnegative reelle Zahl m(M), ihr Muss, zugeordnet werden kann. Für zwei messbare punktfremde Mengen Mt und M2 soll auch ihre Vereinigung M, uM2 mit dem Maß m(MtuM7) = m(Mt) + m(M2) messbar sein. Eine aus einem Punkt bestehende Menge hat das Maß 0, ebenso jede abzählbare Punktmenge. Die Maßtheorie steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Integralrechnung und ist insbesondere für die Wahrscheinlichkeitsrechnung wichtig.

Maßverkörperung: Messmittel zur Darstellung eines oder mehrerer Werte einer physikalischen Größe, zum Beispiel Wägestück für Masse, Endmaß für Länge, auch Lehren und Lichtwellennormale.

Maßwerk: mit dem Zirkel konstruiertes, «gemessenes» Bauornament, das den auf geometrischen Gesetzmäßigkeit und Flächigkeit gerichteten Formsinn der Gotik offenbart. Von romanischen Radfenstern ausgehend, füllt das Maßwerk zunächst dekorativ die Fensterbogenzwickel (ältestes Maßwerk in den Chorkapellen der Kathedrale von Reims, 1211/27), danach wird es auf Brüstungen, Portale, Wandflächen und so weiter übertragen. Wichtigste Stufen der variationsreichen Entwicklung waren in der Frühzeit Kreis mit Passformen (Sechspass unter anderem); Mitte des 13. Jahrhundert setzen eckige, spitze Formen ein, um 1300 haben sie den Kreis verdrängt. Das 14. Jahrhundert liebt strahlenförmig sich ausbreitendes Maßwerk, während im 15. Jahrhundert freie asymmetrische Bildungen und dynamische Wirbel vorherrschen (Flamboyantstil). besonders in der Spätgotik wird das Maßwerk auch im Kunsthandwerk verwendet.

Massys, Quentin, 1466-1530, niederländischer Maler, tätig in Antwerpen; verband in seinen großen Altarwerken und Madonnenbildern realistische Traditionen der altniederländischen Malerei mit italienischen Renaissanceideen. Mit seinen Genrebildern («Der Geldwechsler mit seiner Frau») und Porträts wurde er zum Wegbereiter des niederländischen Sittenbildes.

Mast: 1. Mast - nadelförmiges Tragwerk für Leitungen, Leuchten, Antennen unter anderem aus Spann- oder Schleuderbeton, Stahlfachwerk oder -rohr, Holz und faserbewehrtem Plast; höchster Mast ist ein Stahlgittermast mit 642 m Höhe für Sendeantennen in Konstantynow (Polen).

2. Mast - Freileitungsmast Elektrotechnik: Tragkonstruktion zum Befestigen von Freileitungen elektrischer Energieversorgungsanlagen oder Fernsprechnetze. Man unterscheidet zum Beispiel nach Konstruktion Stahlbetonmast, Stahlgittermast und nach Verwendung Tragmast, Winkelmast, Endmast. Das Mastbild, eine schematische Darstellung des Masts, zeigt die Leiteranordnung.

3. Mast - Forstwirtschaft: nach altem Sprachgebrauch die Höhe des Samenertrages, vor allem in Eichen- und Buchenwäldern; heute für alle Baumarten üblich (Vollmast, Halbmast, Viertelmast, Sprengmast und Fehlmast).

4. Mast - Schifffahrt: Hauptstütze der Takelage; besteht auf kleinen Schiffen meist aus einem Stück (Pfahlmast), bei großen in der Regel aus Untermast und einer Verlängerung (Stenge). Mast vollgetakelter Segelschiffe haben 2 Stengen. Der Fockmast ist der vorderste Mast auf mehrmastigen Segelschiffen, der Großmast der zweite Mast von vom auf allen Mehrmastern beziehungsweise der vordere große Mast auf Anderthalbmastern. Mittelmast nennt man den mittleren Mast auf Fünfmastschiffen, Hauptmast den zweitletzten Mast eines Vier- oder Fünfmastschiffs, Kreuzmast den hintersten Mast von Vollschiffen beziehungsweise den letzten vollgetakelten Mast auf Vier- und Fünfmastbarken. Der Besanmast ist der hinterste Mast auf Drei- bis Fünfmastern (außer bei Vollschiffen), gelegentlich auch auf Anderthalbmastern, wo er heute bei sehr kleinen Abmessungen oft als Treibermast bezeichnet wird. Auf Nichtsegelschiffen werden an den Mast Ladebäume und Signaleinrichtungen gefahren.

5. Mast - Tierzucht: Produktionsabschnitt zur Erzeugung schlachtreifer Tiere durch nährstoffreiche Fütterung; Schnell- oder Intensivmast wird mit viel, Wirtschaftsmast mit wenig Konzentratfutter betrieben.

Mastaba: (arabisch, «Bank») altägyptische repräsentative Grabform (Steinkammergrab) für Beamte, mit bankartigem Oberbau und unterirdischer Grabkammer; ausgebildet seit frühstaatlicher Zeit, Keimform der Pyramide, im späten Alten Reich wurde der Oberbau oft mit reliefgeschmückten Kulträumen ausgestattet.

Mastdarm, Rektum, Intestinum rectum (lateinisch) an den Grimmdarm anschließender letzter Darmabschnitt; am Ende (After) befinden sich ein willkürlicher und unwillkürlicher Schließmuskel sowie venöse Blutgefäße, die bei Erweiterung zu Hämorrhoiden führen. Der Mastdarm dient der Austreibung des Kotes.

Master-Gleichung. (englisch master, «Meister», «meistern») Bilanzgleichung für die Zeitabhängigkeit von Besetzungszahlen N, von Zuständen i, insbesondere in der Quantentheorie. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass je Zeiteinheit ein Teilchen vom Zustand j in den Zustand i übergeht. Der erste Term auf der rechten Seite gibt die Zahl der je Zeiteinheit in den Zustand i übergehenden, der zweite Term die Zahl der je Zeiteinheit den Zustand / verlassenden Teilchen an.

Mastix: 1. gelbliches Harz aus der Rinde des Mastixstrauches (Pistacia lentiscus; Mittelmeergebiet); wird unter anderem für Firnisse und Zahnkitte verwendet.

Mastixioideenflora: (griechisch + lateinisch) immergrüne Waldvegetation des Tertiärs Mitteleuropas, weist auf feuchtwarmes Klima hin (Früchte, Samen und ganzrandige Blätter).

Mastkorb: Korb auf dem Masttop (Topp) von Schiffen des Mittelalters unter anderem für Ausguck, Schützen. Siehe auch Krähennest.

Mastodonten: (griechisch; Sing. Mastodon) im Tertiär und Altpleistozän lebende Vorfahren der Elefanten; manche Mastodonten besaßen Stoßzähne außer im Oberkiefer auch im noch langen Unterkiefer.

Mastopathie: Erkrankung der Brustdrüse mit Gewebeumbildung; meist in Form hormonal bedingter Wucherungen des Brustdrüsen- und Bindegewebes mit Zystenbildung (Mastopathia fibrosa cystica). Die Mastopathie befällt vorwiegend Frauen und ist eine kontrollbedürftige, nicht bösartige Erkrankung.

Mastprüfanstalt: staatliche Einrichtung zur Prüfung der Mast- und Schlachtleistung von Tieren aus Zuchtbetrieben. Unter gleichen Haltungs- und Fütterungsbedingungen wird hier die unterschiedliche erbliche Veranlagung von Tieren ermittelt.

Mastroianni, Marcello, geboren 28.9.1924, italienischer Filmschauspieler, entwickelte sich zu einem vielseitigen Charakterdarsteller zeitgenössischer Vertreter der bürgerlichen Gesellschaft («Chronik armer Liebesleute», «Das süße Leben», «8'/j», «Die Weber von Turin», «Sonnenblumen», «Salut l’Artiste», «Die Stadt der Frauen»).

Masturbation, Selbstbefriedigung, auch Onanie (fälschlich nach einer biblischen Gestalt): sexuelle Befriedigung durch manuelle Reizung der Geschlechtsorgane.

Masvingo: Stadt (Provinzzentrum) im Süden von Simbabwe, 1060 m über dem Meeresspiegel; früher Fort Victoria-, 31000 Einwohner; Handelszentrum; Lebensmittelindustrie; Straßenknoten, Flughafen. In der Nähe Erzbergbau; südlich Simbabwe-Ruinenstätte.

Matabelereich: afrikanischer Staat; entstand um 1840 auf dem Territorium des heutigen Simbabwe; unter König I Lobengula (1870/94) größte Ausdehnung und Stabilität; Ende des 19 Jahrhundert von britischen Kolonialisten zerschlagen.

Matadi: Stadt (Regionszentrum) im Westen von Zaire, am Unterlauf des Zaire, 158 km vor seiner Mündung in den Atlantik, an der Grenze zu Angola; 165000 Einwohner; Fischverarbeitung, Pharmazeut., polygraphische Industrie; Handelszentrum. Nordöstlich von Matadi Wasserkraftwerkskomplex Inga; wichtigster Hochseehafen Zaires, Flughafen.

Matador: 1. Stierkampf.

2. übertragen hervorragender Mann; Sieger.

Matagalpa: Stadt (Departements Zentrum) im Inneren Nikaraguas; 40000 Einwohner; Zentrum eines Kaffeeanbaugebietes; Holz-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie; nahebei Golderzminen.

Matamoros: Stadt im Bundesstaat Tamaulipas (Mexiko), im Mündungsgebiet des Rio Grande del Norte, an der Grenze zu den USA; 190000 Einwohner; Baumwoll-, Leder-, Holzverarbeitung; Hafen; Fremdenverkehr (Brücke nach Brownsville (USA)).

Matanzas: 1. Provinz im Norden von Kuba; 11675 km2, 560000 Einwohner; 48 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Matanzas 2; wichtiges Agrargebiet, besonders Anbau von Zuckerrohr (zahlreiche Raffinerien), daneben von Henequén, Reis, Tabak, Kaffee, Mais; bedeutende Rinderzucht. An der Nordküste See- und Hafenwirtschaft (M. 2, Cárdenas), Hauptindustriestandort Matanzas 2; Touristikzentren Varadero, Ciénaga de Zapata.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Matanzas 1, an der Floridastraße; 420000 Einwohner; Wirtschaftszentrum; Düngemittel-, Leder-, Gummi-, Baustoff-, Holz-, Tabak-, Zucker- und Baumwollindustrie, außerdem Petrolchemie; wichtiger Ausfuhrhafen, Fischereihafen; Museen, Theater, Polytechnikum.

Mataram: Feudalreich auf Jawa, gegründet Ende des 16. Jahrhundert; Blütezeit unter Agung; trotz heftigen Widerstands von den Niederländern schrittweise unterjocht, 1755 in die Fürstentümer Yogyakarta und Surakarta aufgeteilt.

Mataré, Ewald, 25.2.1887-29.3.1965, Bildhauer, Graphiker und Kunsthandwerker; Mitglied der oppositionellen Künstlergruppe «Das junge Rheinland», 1932/33 und nach 1945 Professor an der Düsseldorfer Akademie. Mataré schuf stark stilisierte Holz- und Bronzeplastiken (besonders Tiere, aber auch Akte und Bildnisse); in seiner Graphik dominiert der Farbholzschnitt.

Match: Wettkampf, -spiel, im Schach Wettkampf über mehrere Partien.

Matchball: in Rückschlagspielen Aufschlag beziehungsweise Ballwechsel, der den Wettkampf zugunsten der führenden Partei entscheiden (aber vom Gegner auch abgewehrt werden) kann. Analog kann der Satzball den Satz entscheiden.

Mate: koffeinhaltiges Getränk aus getrockneten Blättern einer immergrünen südamerikanischen Stechpalmenart, der Matepflanze.

Mater: (lateinisch, «Mutter») die aus mehreren Papierlagen, Spezialpappe oder Plast bestehende Tafel, in die Schriftsatz oder Druckplatten eingeprägt werden. Von der so entstandenen Matrize werden Abgüsse oder Abprägungen hergestellt. Siehe auch Galvano, Stereotypie 2.

Material: 1. allgemein Roh-, Werk-, Baustoff; Zutaten; (schriftliche) Unterlagen; Beweismittel.

2. Wirtschaft: Arbeitsgegenstände, die als Produkte vorangegangener Produktionsstufen selbst bereits Produkt menschlicher Arbeit sind; weiterverarbeitete Rohstoffe.

Materialausnutzung: prozentuales Verhältnis zwischen Masse, Fläche oder Rauminhalt eines fertigen Teils und dem entsprechenden Materialeinsatz. Eine hohe Materialausnutzung wird erreicht durch geeignete Konstruktion, materialsparende Technologien, technisch begründete Materialverbrauchsnormen und durch Senkung der Produktionsverluste.

Materialausnutzungs-Norm: technisch und ökonomisch begründete Kennziffer, die die Mindestmenge der Ausbeute (Ausbeutenorm) beziehungsweise der Ausnutzung eines Rohstoffes (Mindestnorm) angibt.

Materialeinsatz: technisch und ökonomisch begründeter Einsatz von Arbeitsgegenständen für die Herstellung eines Produktes oder für die Durchführung einer Leistung.

Materialintensität: Verhältnis des Verbrauchs an Grund- und Hilfsmaterial sowie fremden produktiven Leistungen zu einer adäquaten Bezugsgröße (Bestandteil der Fondsintensität). Im Rahmen volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen bilden das volkswirtschaftliche Gesamtprodukt und das Nationaleinkommen die Bezugsbasis für die Ermittlung der Materialintensität. Auf betriebliche Ebene werden die Waren- beziehungsweise Bruttoproduktion oder auch die Eigenleistungen als Bezugsbasen angewandt. Die Verringerung der Materialintensität gewährleistet im Zusammenwirken mit anderen Intensivierungsfaktoren, dass eine hohe Effektivität der Volkswirtschaftlichen Produktion und ihre bedarfsgerechte Strukturierung erreicht werden kann.

Materialismus: philosophisch-weltanschauliche Grundrichtung, die davon ausgeht, dass die Materie gegenüber dem Bewusstsein (Denken, Geist, Idee) das Primäre, Grundlegende, Bestimmende ist und damit die Grundfrage der Philosophie im Gegensatz zum Idealismus materialistisch beantwortet. Der Materialismus ist so alt wie die Philosophie selbst. Im Gegensatz zum religiös-mythologischen, idealistischen Denken, das die Welt auf das Wirken übernatürlicher Kräfte zurückzuführen versucht, entstand der Materialismus in dem Bemühen, die Welt, alle Erscheinungen, Zusammenhänge und Prozesse auf natürliche Weise, aus natürlichen Ursachen zu erklären; er war daher von Anfang an eng mit der Wissenschaft verbunden. Die Geschichte der Philosophie zeigt, dass der Materialismus im Prinzip geistiger Ausdruck der Bestrebungen progressiver Klassen, Schichten und Bewegungen ist. Im Kampf mit dem Idealismus und in enger Wechselwirkung mit dem einzelwissenschaftlichem Erkenntnisfortschritt durchlief der Materialismus eine Reihe Entwicklungsstufen. Erste materialistische Anschauungen entwickelten sich lange vor Christus in Indien und China. In systematischer Form entstand die materialistische Philosophie im antiken Griechenland (6. Jahrhundert vor Christus). Thaies, Anaximander, Heraklit, Empedokles unter anderem versuchten, die Gesamtheit der Erscheinungen auf einen Urstoff, eine allem zugrunde liegende Urmaterie zurückzuführen und damit die Welt aus sich selbst zu erklären. Der antike Materialismus fand seinen Höhepunkt in der Atomistik Demokrits, nach der die gesamte Welt aus letzten, unteilbaren Bausteinen, Atomen, bestehe. Obwohl im geistigen Leben des Mittelalters Religion und Theologie vorherrschten, gingen die Ideen des Materialismus nicht unter. insbesondere anknüpfend an Fragestellungen des Aristoteles, zum Beispiel nach dem Verhältnis von Materie und Form sowie zwischen Allgemeinbegriffen und existierenden Einzeldingen, wurde materialistisches Denken weiterentwickelt und begann in Gestalt des Nominalismus (Universalienstreit) sowie des Pantheismus die Theologie zu zersetzen. Eine neue Blütezeit des Materialismus setzte mit der Herausbildung der kapitalistischen Gesellschaftsformation ein; der Materialismus wurde geistiger Ausdruck der Ziele der aufstrebenden Bourgeoisie im Kampf gegen den Feudalismus. In der Auseinandersetzung mit dem scholastischen Denken des Mittelalters erhob der englischen Materialismus (F. Bacon, T. Hobbes, J. Locke) Erfahrung, Beobachtung und Experiment zu den wichtigsten Mitteln der Naturerkenntnis. Darauf aufbauend, entwickelten die französischen Materialisten (J. 0. de La Mettrie, P. T. d’Holbach, C. A. Helvetius, D. Diderot) den Materialismus zu einer umfassenden philosophischen, insbesondere an der klassischen Mechanik orientierten Weltanschauung, nach der die Welt ein Gesamtsystem materieller, sich in Raum und Zeit nach den Gesetzen der Mechanik bewegender Körper ist (mechanischer Materialismus). Der vormarxistische Materialismus erreichte seine höchste Entwicklungsstufe in der Philosophie L. Feuerbachs und den Anschauungen der russischen revolutionären Demokraten (W. G. Belinski, A. I. Herzen, N. G. Tschernyschewski unter anderem). L. Feuerbach erweiterte und vertiefte das naturwissenschaftliche und erkenntnistheoretischen Fundament des Materialismus, überwand jedoch nicht dessen entscheidende Schwächen: seinen unhistorischen Charakter, seinen Mechanizismus und sein Unvermögen, die materialistische Grundanschauung auf die Erklärung der menschlichen Gesellschaft anzuwenden. Der Vulgärmaterialismus, auch physiologische Materialismus genannt, der Naturwissenschaftler beziehungsweise Mediziner K Vogt, J. Moleschott und L. Büchner verflachte die Ideen der französischen Materialisten und L. Feuerbachs und lehnte die Dialektik und revolutionäre Umwälzungen ab. Da der bürgerlichen Materialismus unfähig war, die praktische menschliche Tätigkeit materialistisch zu erklären und die Rolle der gesellschaftlichen Praxis zu begreifen, blieb er beschaulich-kontemplativ und erwies sich als ungeeignet, Anleitung zur praktischen Veränderung der Welt zu sein. Die russischen revolutionären Demokraten überwanden diese Schwächen teilweise, indem sie den Materialismus mit dem revolutionären Kampf verbanden und mit der Dialektik zu vereinigen suchten. Es gelang ihnen jedoch nicht, den entscheidenden Schritt zum materialistischen Verständnis der Gesellschaft zu vollziehen. Das erfolgte durch K. Marx, F. Engels und W. I. Lenin mit der Ausarbeitung des dialektischen und historischen Materialismus. Auf der Grundlage der Vereinigung von Materialismus und Dialektik und der Ausdehnung der Prinzipien des Materialismus auf die Gesellschaft beantworten sie die Grundfrage der Philosophie erstmalig in der Geschichte des philosophischen Denkens allseitig und konsequent materialistisch. Entscheidend dafür war das dialektische-materialistische Begreifen der gesellschaftlichen Praxis, insbesondere der Rolle der Arbeit bei der Entstehung und Entwicklung des Bewusstseins wie auch der materiellen gesellschaftlicher Verhältnisse, die die Basis der geschichtlichen Entwicklung bilden. Als dialektischen und historischen Materialismus wurde der Materialismus wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Parteien, Instrument der wissenschaftlichen Erkenntnis und revolutionär-praktischen Veränderung der Welt.

Materialkonstante, Stoffkonstante: für einen Stoff charakteristischer Wert einer bestimmten physikalischen Größe, der unabhängig ist vom angewandten Messverfahren, zum Beispiel Dichte, Brechzahl, Viskosität.

Materialkostenintensität: als Bestandteil der Fondsintensität der Anteil der Materialkosten an den Selbstkosten eines Erzeugnisses beziehungsweise einer Gruppe von Erzeugnissen. Im Interesse der Sicherung eines maximalen Zuwachses an Nationaleinkommen ist die Materialkostenintensität unter anderem durch zweckmäßige Konstruktion, Ausnutzung von Substitutionsmöglichkeiten, Anwendung materialsparender Verfahren und Technologien, planmäßige Standardisierung und Normung ständig zu verringern.

Materialökonomie: Gesamtheit der Maßnahmen zur planmäßigen Erschließung der mit dem Einsatz und der Verwendung des Materials sowie seiner Reproduktion verbundenen Effekte, die zur Senkung der Materialintensität, bei gleichzeitiger Verbesserung der Gebrauchswerte, führen und zur materiell-technischen Sicherung der Kontinuität und Stabilität des Reproduktionsprozesses beitragen. Die Materialökonomie zählt zu den Hauptfaktoren der umfassenden Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion.

Materialschlacht: im 1. Weltkrieg entstandene Bezeichnung für die großen, durch Masseneinsatz von Artillerie und Kriegsmaterial geprägten Angriffsoperationen zum Durchbruch der gegnerischen Stellungsfront. Die Materialschlacht führte zur gegenseitigen Erschöpfung und zu hohen Verlusten (zum Beispiel Sommeschlacht 1916).

Materialwirtschaft: Gesamtheit der Produktionsmittelbeziehungen, die sich aus dem Fluss der Produktionsmittel von den Ausgangsrohstoffen bis zu den volkswirtschaftlichen Finalprodukten innerhalb und zwischen den Bereichen, Zweigen und Gebieten der Volkswirtschaft ergeben. Die Grundfunktion der Materialwirtschaft besteht in der Sicherung einer planmäßigen, das heißt termin-, sortiments-, mengen- und qualitätsgerechten, rationellen Versorgung der Konsumenten in den produzierenden und nichtproduzierenden Bereichen der Volkswirtschaft mit Produktionsmitteln und der Durchsetzung einer hohen Materialökonomie.

Materie: die außerhalb und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existierende und von diesem abbildbare objektive Realität. Der Materiebegriff des dialektischen und historischen Materialismus widerspiegelt die Gesamtheit der außerhalb und unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existierenden Objekte, ihrer Eigenschaften und Beziehungen einschließlich der materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse also nicht allein Stoffliches. Bewegung ist die Daseinsweise, das inhärente Attribut der Materie; Raum und Zeit sind ihre grundlegenden Existenzformen. Die Materie ist unerschaffbar und unzerstörbar. Es gibt keine Materie «als solche», sie existiert nur in der Mannigfaltigkeit ihrer unendlich vielen qualitativ verschiedenen Existenz- und Entwicklungsformen; insofern bildet sie eine Einheit von Absolutem und Relativem, Endlichem und Unendlichem. In der Grundfrage der Philosophie wird die Materie dem menschlichen Bewusstsein, das seinem Wesen nach ideelle Widerspiegelung der Materie ist, gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung darf nicht verabsolutiert werden, denn das Bewusstsein ist Entwicklungsprodukt der Materie, Eigenschaft einer in bestimmter Weise organisierten Materieform (materielle Einheit der Welt).

materiell: (französisch) 1. geld- und sachwertbezogen; wirtschaftlich; auf wirtschaftliche Vorteil bedacht.

2. außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein existierend und durch dieses erkennbar (Materie).

materielle Einheit der Welt: Kurzformel für die Erkenntnis des dialektischen und historischen Materialismus, dass die Einheit der Welt in ihrer Materialität besteht, das heißt, dass alles Existierende Entwicklungsform oder -produkt der Materie ist. Diese Erkenntnis stützt sich auf eine Vielzahl von Ergebnissen der Natur- und Gesellschaftswissenschaften und der Philosophie selbst. Die marxistisch-leninistische Philosophie ist konsequenter materialistischer Monismus, da sie auch das ideelle menschliche Bewusstsein als (qualitativ besonderes) Entwicklungsprodukt der in Gestalt des menschlichen Zentralnervensystems hoch organisierten Materie erklärt und erstmalig in der Geschichte der Philosophie die politische, rechtlichen und anderen ideologischen Verhältnisse, Institutionen und Bewusstseinsformen aus den ihnen zugrunde liegenden materiellen gesellschaftlichen Verhältnissen begreift.

materielle Interessiertheit: Prinzip des sozialistischen Wirtschaftens, das sich aus den sozialistischen Produktionsverhältnissen ergibt; beruht auf dem materiellen Interesse der Gesellschaft und ihrer Mitglieder, die ständig wachsenden individuellen und gesellschaftliche Bedürfnisse rationell und immer besser zu befriedigen. Die materielle Interessiertheit ist eng mit dem Leistungsprinzip verknüpft. In den Kombinaten und Betrieben wird die materielle Interessiertheit durch die wirtschaftliche Rechnungsführung verwirklicht. Die Durchsetzung der persönlichen materiellen Interessiertheit erfolgt in der Hauptsache über Lohn, Arbeitseinheit und Prämie. Die materielle Interessiertheit muss eng mit den moralisch-ideellen Faktoren der Stimulierung verbunden werden. Ihre Einheit ist Voraussetzung dafür, bei allen Werktätigen die sozialistische Einstellung zur Arbeit zu vertiefen sowie das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft weiter auszuprägen.

materielle Verantwortlichkeit: materielles, meist finanzielles einstehen müssen einer (natürlichen oder juristischen) Person für einen Schaden, der einem anderen durch Nichterfüllung oder nicht gehörige Erfüllung eines Vertrages oder durch Verletzung von anderen Rechtspflichten entstanden ist; wird vor allem in Arbeits-, Wirtschafts- und Zivilrechtsverhältnissen wirksam. Im Arbeitsrechtsverhältnis wird die materielle Verantwortlichkeit des Werktätigen geltend gemacht, wenn er durch eine Arbeitspflichtverletzung dem Betrieb schuldhaft eine Minderung des ihm anvertrauten sozialistischen Eigentums verursacht hat, Kausalität zwischen Pflichtverletzung und Schaden besteht und die Anwendung der materiellen Verantwortlichkeit wegen der Gesamtheit der Umstände erforderlich ist. Bei fahrlässiger Schädigung des sozialistischen Eigentums ist die materielle Verantwortlichkeit beschränkt.

materiell-technische Basis der Gesellschaft: strukturierte Gesamtheit der durch menschliche Arbeit geschaffenen materiell-gegenständliche Existenz- und Entwicklungsbedingungen der Gesellschaft sowie die nutzbaren natürlichen Ressourcen. Zu ihr gehören die gegenständlichen Elemente der Produktivkräfte (das heißt die Arbeitsmittel und -gegenstände, die Technologie, gegenständliche Bedingungen der Arbeitsteilung, Organisation und Struktur der Produktion) und die materiell-technischen Grundlagen der nichtproduzierenden Bereiche. Den Kern der materiell-technischen Basis bildet die materiell-technische Basis der Produktion, das heißt die materiell-gegenständlichen Elemente der Produktivkräfte. Niveau und Entwicklungstempo der gesellschaftlichen Arbeitsproduktivität und damit die entscheidenden materiellen Bedingungen der gesellschaftlichen Entwicklung überhaupt werden von der Entwicklung der materiell-technischen Grundlagen der produzierenden Bereiche bestimmt. Obwohl die nichtproduzierenden Bereiche keine vergegenständlichten Gebrauchswerte hervorbringen, gehören die materiell-technischen Grundlagen dieser Bereiche ebenfalls zur materiell-technischen Basis der Gesellschaft. In dieser Sphäre erfolgen Bildung und Qualifikation, die Gesunderhaltung des Menschen, Dienstleistungen sowie die Schaffung und Reproduktion des geistigen Reichtums. Die Entwicklung der materiell-technischen Basis der Gesellschaft ist ein unaufhörlicher Prozess, dessen Verlauf vom Ziel der Produktion und den Triebkräften abhängt, die den spezifischen Produktionsverhältnissen entspringen. Die umfassende Anwendung der Mikroelektronik, Robotertechnik, hochproduktiver Verfahren zur besseren stoffwirtschaftlichen Nutzung von Erdöl, Erdgas und Braunkohle sowie die Einführung energiesparender Verfahren sind Hauptentwicklungsrichtungen der materiell-technischen Basis im Sozialismus.

Materiewelle, De-Broglie-Welle: nach der Quantenmechanik allen (homogenen) Strömen von Teilchen der Geschwindigkeit v und der Masse m zugeordnete Welle der De-Broglie-Wellenlänge X = h/(mv)\ h Planck-Konstante. Durch Materiewelle werden Beugung und Interferenz von Teilchenstrahlen, insbesondere Elektronen- und Neutronenbeugung an Materie, zum Beispiel Kristallen erklärt, sie sind die Grundlage zum Beispiel für Elektronenoptik und -mikroskopie. Für Elektronen, die durch eine elektrische Potentialdifferenz von zum Beispiel 106 V beschleunigt wurden, ergibt sich X = 0,001 nm (für Licht zum Vergleich ~ 500 nm), woraus das hohe Auflösungsvermögen von Elektronenmikroskopen folgt. Materiewelle waren von L. V. de Broglie vor Aufstellung der Quantenmechanik auf Grund des Dualismus postuliert worden.

Matewosjan, Hrant, geboren 3.3.1935, armenischer-sowjetischer Schriftsteller; gestaltet in seinen dem armenischen Dorf verpflichteten Erzählungen mit herbem Humor in lapidarer Konkretheit und psychologisch vertieft die dialektische Beziehung zwischen traditionellen und neuen sozialistischen Lebensvorstellungen («Wir und unsere Berge», 1962, und «Die Lastpferde», 1967, beide zusammen deutsch unter dem Titel «Das Schelmenstück der Hammeldiebe»; «Die Büffelkuh», 1969, deutsch; «Glut», 1970/71, deutsch; «Die Mutter fährt den Sohn verheiraten», 1971, deutsch).

Mathematik: Wissenschaft, die die Untersuchung bestimmter quantitativer und qualitativer Aspekte der Wirklichkeit sowie das abstrakte Studium bestimmter in Natur und Gesellschaft gegebener Strukturen zum Gegenstand hat und auf die Nutzung der hierbei gewonnenen Erkenntnisse gerichtet ist. Für die meisten anderen Wissenschaften und in weiten Bereichen der materiellen Produktion ist die Anwendung mathematischer Ergebnisse heute unerlässlich. insbesondere steht die Entwicklung der Mathematik in enger Wechselwirkung mit der von Naturwissenschaften und Technik; aber auch Medizin, Ökonomie und vor allem die Computerentwicklung bereichern gegenwärtig in starkem Maße die zu bearbeitenden mathematischen Probleme. Die Mathematik ist gekennzeichnet durch eine hohe Präzision ihres Begriff Systems, Strenge ihrer Beweismethoden und einen stark deduktiven Charakter ihrer Darlegung. entsprechend der Vielfalt ihrer Anwendungsgebiete gliedert sich die Mathematik in eine große Anzahl von Spezialdisziplinen, die jedoch in vielfachem Zusammenhang stehen und sich in mannigfacher Weise befruchten. Wichtige Teilgebiete der Mathematik sind unter anderem Analysis (Differential- und Integralrechnung, Funktionentheorie, Differential- und Integralgleichungen, Funktionalanalysis), Algebra (Auflösung algebraischer Gleichungen, algebraische Strukturtheorie), Arithmetik (Zahlentheorie), Geometrie (analytischer und synthetischer Geometrie, Differentialgeometrie, Topologie, nichteuklidische Geometrie, darstellende Geometrie), Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik, diskrete Mathematik (Kombinatorik, Graphen-, Berechnungstheorie), numerische Mathematik Fragestellungen methodische und philosophische Natur führten zur innermathematischen Behandlung von Grundlagenfragen, die heute unter der Bezeichnung Metamathematik zusammengefasst werden und Gebiete wie mathematische Logik, Mengenlehre, Modelltheorie unter anderem umfassen. Geschichtliches. Bereits in der Urgesellschaft bildeten sich erste mathematische Kenntnisse aus (Ornamente, Zählen, Kalender). Früheste schriftliche Zeugnisse der Mathematik sind aus Mesopotamien (3. Jahrtausend vor Christus) und Ägypten (18. Jahrhundert vor Christus) bekannt. Sie enthalten arithmetische und geometrische Berechnungen in konkreter Form. In der griechisch-hellenistischen Antike bildete die Mathematik deduktive Beweisverfahren (indirekter Beweis) auf der Basis einer Axiomatik heraus. Weitere Spitzenleistungen waren die Systematisierung der Geometrie, die Anfänge infinitesimaler Betrachtungen und die Kegelschnittlehre. Fortgesetzt wurde die antike Tradition durch islamische Mathematiker, die sich besonders um die Entwicklung der Algebra, Arithmetik und der Trigonometrie verdient machten. Eine weitgehend unabhängige Entwicklung nahm die Mathematik in China (ab 2. Jahrtausend vor Christus) und in Mittel- und Südamerika. Die indische Mathematik profitierte in ihrer Entwicklung sowohl von chinesischen als auch griechischen und islamischen Einflüssen. Auf der Basis antiker und islamischer Ergebnisse einschließlich der in ihnen aufgenommenen chinesischen und indischen Resultate entstand in Europa ab 12. Jahrhundert eine eigenständige Mathematik Große Ergebnisse der europäischen Mathematik waren ab 17. Jahrhundert die disziplinäre Heraus- und Weiterbildung der Infinitesimalrechnung, der analytischen Geometrie und der mathematischen Logik, im 19./20. Jahrhundert der neueren Zahlentheorie, der verschiedensten Geometrien (zum Beispiel nichteuklidisch), der Topologie, der Mengenlehre und der modernen Algebra sowie im 20. Jahrhundert der Funktionalanalysis. Seit Ende des 19. Jahrhundert leisten auch außereuropäische Mathematiker wieder einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Mathematik

mathematische Erwartung, Erwartungswert, Mittelwert: Kennziffer (Zeichen EX oder ß) einer Zufallsgröße X, die ein gewisses Zentrum der Wahrscheinlichkeitsverteilung dieser Zufallsgröße charakterisiert. Deutet man die Wahrscheinlichkeitsverteilung als Verteilung von Massen auf der reellen Achse (mit der Gesamtmasse gleich eins), so ist EX gerade der Schwerpunkt dieses Systems.

mathematische Geräte: technische Geräte zur Realisierung mathematischer Operationen. Aus den eingegebenen Daten erzeugen sie die Ergebnisse als Zahlen, in geometrischer Form, als elektrische Spannungen, Drücke oder andere physikalische Größen. Universelle mathematische Geräte sind heute die elektronischen Rechenautomaten. Es gibt jedoch auch viele Spezialrechner zur Ausführung spezieller Operationen, wie Integration, Differentiation, Koordinatentransformation, harmonische Analyse oder statistische Verfahren. Hierher gehören auch Übertragungsglieder der Automatisierungstechnik, die einen mathematischen Operator realisieren. Komplizierte Operationen lassen sich durch mathematische Geräte ausführen, die durch Schaltungen solcher Glieder gebildet werden; siehe auch Prozessrechner.

mathematische Linguistik: Gesamtheit der Forschungen in der Sprachwissenschaft, die mathematischen Methoden (Mengenlehre, Automatentheorie, Wahrscheinlichkeitsrechnung unter anderem) verwenden.

mathematische Optimierung, Optimierung: wichtigstes Teilgebiet und Arbeitsmittel der Operationsforschung; sie berechnet das bestmögliche Ergebnis (Optimum) eines Prozesses oder Problems unter begrenzten Realisierungsmöglichkeiten. Je nach Problem ist dabei unter Optimum entweder das Minimum oder das Maximum zu verstehen. Das mathematische Modell der mathematischen Optimierung besteht im Allgemeinen aus einer Zielfunktion Z, deren Extremwert unter Berücksichtigung von Nebenbedingungen (Restriktionen), zum Beispiel in Form eines Ungleichungssystems, zu bestimmen ist. Die Nebenbedingungen begrenzen den zulässigen Bereich der Variablen. Die mathematische Optimierung wird unter anderem zur Produktionsplanoptimierung, zur Lösung von Mischungs-, Zuschnitt-, Transport- und Zuteilungsproblemen angewandt. Wichtigster und praktisch bedeutsamster Teil der mathematischen Optimierung ist die Linearoptimierung. Anwendungsbereite Lösungsverfahren existieren außerdem für die diskrete Optimierung, das Rundfahrtproblem sowie die parametrische, hyperbolische und quadratische Optimierung. Größere Schwierigkeiten, besonders bei der numerischen Lösung, bereiten zurzeit noch die nichtlineare Optimierung, die dynamische Optimierung sowie die stochastische Optimierung. Siehe auch Optimierungsmodell.

mathematische Papiere: geometrischer Raster zur vereinfachten Darstellung (Kurven werden Geraden) mathematische Abhängigkeiten, zum Beispiel) Funktionspapier, Fluchtlinientafel (Nomographie), Netztafel.

Mathematische Schule: Gruppenbezeichnung für Grenznutzentheoretiker, die für ihre vorwiegend subjektiv-idealistischen ökonomischen Lehren mathematischer Formulierungen und Methoden verwendeten. Die Mathematische Schule umfasst die Lausanner Schule (Hauptvertreter L. Walras, V. Pareto) und die anglo-amerikanische Richtung der Grenznutzentheorie.

mathematische Statistik: Teilgebiet der Mathematik, dessen Aufgabe es ist, auf der Grundlage einer Stichprobe, deren Elemente unter Wahrung des Zufalls aus einer Grundgesamtheit gezogen wurden, Aussagen über die Grundgesamtheit zu machen. Ist zum Beispiel das interessierende Merkmal ein bestimmtes Abmaß an einem Erzeugnis, so bilden die Abmaße von allen unter gleichen Bedingungen herstellbaren Erzeugniseinheiten die Grundgesamtheit und die Messwerte dieses Abmaßes von den einer Qualitätskontrolle unterzogenen Erzeugniseinheiten eine Stichprobe. Wichtige Gebiete der mathematischen Statistik sind die Schätz- und die Testtheorie. In der Schätztheorie werden Methoden zur Schätzung von Charakteristiken (zum Beispiel mathematische Erwartung, Varianz) einer Grundgesamtheit entwickelt. Gegenstand der Testtheorie ist die Herleitung von Methoden zur Prüfung von Hypothesen über Charakteristiken einer Grundgesamtheit.

mathematische Tafeln: Sammelbegriff für Wertetafeln viel benutzter Funktionen (Zahlentafeln) und mathematischer Formelsammlungen (zum Beispiel Integraltafeln).

mathematische Zeichen: Standardsymbole zur Bezeichnung mathematischer Objekte, Beziehungen zwischen ihnen oder Operationen mit ihnen.

Mathesis universalis: (griechisch + lateinisch, «Universallehre») auf G. W. Leibniz zurückgehender Gedanke von der universellen Anwendbarkeit mathematisch formalisierter Schlussweisen.

Mathiez, Albert, 10.1.1874-26.2.1932, französischer linksbürgerlicher Historiker; in seinen Arbeiten (Hauptwerk «Die Französische Revolution», 3 Bände, 1922/27) würdigte er den von der reaktionären Geschichtsschreibung verleumdeten Robespierre.

Mathilde, Fürstinnen: 1. Mathilde, gestorben 14.3.968, zweite Frau (seit 909) Heinrichs I., Mutter Ottos I.

2. Mathilde, Mathilde von Tuszien, 1046-24.7.1115, Markgräfin von Tuszien (Toskana); unterstützte die Päpste im Kampf gegen die deutschen Kaiser im Investiturstreit. Die von ihr dem Papst übereigneten Mathildischen Güter waren bis 1213 Streitobjekt zwischen Päpsten und Kaisern.

Matinee: (französisch) Frühvorstellung; künstlerische Veranstaltung am Vormittag.

Matisse, Henri, 31.12.1869-3.11.1954, französischer Maler, Graphiker und Plastiker; Mitbegründer und Hauptvertreter des Fauvismus; schuf einen dekorativen Flächenstil mit reinen, leuchtenden, meist dunkel konturierten Farbflächen, die kontrastreich und harmonisch die Kompositionen bestimmen. Thematisch dominieren Stillleben, Interieurs, Bildnisse sowie rhythmisch bewegte figürliche Darstellungen.

Matkowsky Adalbert, 6.12.1858-16.3.1909, Schauspieler in Dresden, Hamburg und Berlin; einer der bedeutenden Helden- und Charakterdarsteller seiner Zeit (Tell, Wallenstein, Macbeth, Othello, Coriolan, Götz von Berlichingen), dessen Wirkung vor allem von der leidenschaftlichen Darstellung elementarer Gefühle ausging.

Mato Grosso: Region im Südwesten Brasiliens; umfasst die Bundesstaaten Mato Grosso (881000 km2, 1,1 Millionen Einwohner) mit der Hauptstadt Cuiabá und Süd-Mato-Grosso (351000 km2, 1,4 Millionen Einwohner) mit der Hauptstadt Campo Grande. Im zentralen Teil des Brasilianischen Berglandes geht das Regenwaldgebiet des Amazonas nach Süden in Savannen (Campos) über. Im Südwesten liegt das versumpfte, regenwaldbestandene, oft überschwemmte Paraguaytal. Vor allem Landwirtschaft (besonders in Stadtnahe), extensive Viehzucht; Anbau von Reis, Bananen, Zuckerrohr, Bohnen, Mais unter anderem, Gewinnung von Mate (Teeart), verschiedenen Arzneipflanzen, Naturkautschuk, Quebracho. In den Städten Nahrungsmittel-, Zement-, Leder-, chemische und Pharmazeut. Industrie; bei Corumbá, an der Grenze zu Bolivien, Eisen- und Manganerzabbau.

Matra: Stadt im Osten von Oman, bei Maskat; 40000 Einwohner; traditionelles Handwerk; der Stadt vorgelagert ist der Hochseehafen Mina Kabus.

Mátra: vulkanischer Gebirgsstock im Nordungarischen Mittelgebirge, zwischen Cserhát und Bükk, im Süden geht die Mátra mit ihren Ausläufern (Matraalja) in das Alföld über; Kekes, die höchste Erhebung Ungarns, ist 1015 m hoch; weitgehend von Laubwald bedeckt; Höhenkurorte; Wintersportgebiet; Kupfer-, Blei- und Zinkerzabbau.

Matratze: Sprungfederrahmen mit aufrecht stehenden (Kastenmatratze) oder waagerecht gespannten (Stahldrahtmatratze) Stahlfedern; rechteckige Polster mit Rosshaar-, Seegras-, Schaumgummi- oder Schaumstofffüllung beziehungsweise aus Schaumgummi oder -stoff als Auflage (Auflagematratze).

Matrikel: amtliche Verzeichnis, besonders der Studierenden an Universitäten, Hoch- und Fachschulen; im Fernstudium auch Bezeichnung für einen Studienjahrgang.

Matrix: (lateinisch; Matrizen) Mathematik System (a,t) beziehungsweise Ila,tll von m n Größen a,k, die in m (waagerechten) Zeilen und n (senkrechten) Spalten angeordnet sind; von dem Doppelindex der Größen alk gibt i die Zeile und k die Spalte an, in der diese Größe steht. Die Größen (Elemente der Matrix) können Zahlen oder andere mathematische Objekte sein. Die Elemente, für die i = k gilt, bilden die Hauptdiagonale der Matrix Die Matrix dient zum verkürzten Darstellen linearer Beziehungen, durch die m Größen y, von n Größen xk abhängen; zum Beispiel in der Technik oder Ökonomie. Zur Durchführung der notwendigen Berechnungen dient die Matrizenrechnung, die zum Beispiel Summe und Produkt zweier Matrizen definiert.

Matrixspeicher: Speicher für binärkodierte Informationen, im Allgemeinen bestehend aus Ferritkernen, die matrixförmig in den Kreuzungsstellen von Zeilen- und Spaltenleitungen angeordnet sind. Ferritkern-Matrixspeicher (Kernspeicher) wurden als Hauptspeicher in Rechenautomaten benutzt; sie wurden inzwischen weitestgehend durch leistungsfähigere Speichermedien, wie Halbleiterspeicher, ersetzt.

Matrize: 1. Fertigungstechnik: (meist Unterteil von Umform- und Schneidwerkzeugen, in den das Werkstück hineingedrückt wird und dadurch seine äußere Kontur erhält. Das dazugehörige Gegenstück wird Patrize genannt; besser ist die genauere Bezeichnung, wie Fließpress- oder Prägestempel, Lochdorn.

2. Polygraphie: a) in der Schriftgießerei die durch Prägen, Bohren oder galvanisch gewonnene Metallform für den Guss der Drucktypen;

b) der in Setzmaschinen verwendete, aus Messing bestehende Körper, in dem ein Schriftzeichen eingraviert oder das Negativ für den Fotosatz eingesetzt ist;

c) in der Galvanoplastik die durch Prägen in Plast, Wachs oder Weichblei gewonnene Abformung einer Hochdruckform, auf der sich im galvanischen Bad der Kupfer- oder Nickelniederschlag bildet;

d) in der Stereotypie die durch Einprägen in eine Mater gewonnene Abformung einer Hochdruckform für die Druckform Vervielfältigung;

e) in der Buchbinderei das Ausgangsstück, von der die Patrize für das Prägen abgeformt wird.

Matsumoto, Seicho, geboren 21.12.1909, japanischer Schriftsteller; Mitbegründer des neuen, auch literarisch bedeutsamen gesellschaftskritischen japanischen Kriminalromans («Punkt und Linien», 1957, deutsch).

Matsuo Basho, eigentlich Munefusa Matsuo, 1644-12.10.1694, japanischer Dichter; führte mit seinen Naturbeobachtungen und Eindrücke schlicht und prägnant wiedergebenden Gedichten das Haiku zur ersten Blüte.

Matsuyama: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Ehime, im Nordwesten der Insel Shikoku; 400000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Petrolchemie, chemische, Textil- und Papierindustrie, Landmaschinenbau; Fähr- und Handelshafen, Flughafen.

Matswa, André, 1889-12.1.1942 (ermordet), Vorkämpfer der Befreiungsbewegung der Völker Kongos; nach zweimaliger Verurteilung wegen seiner antikolonialen Haltung und seinem Gefängnistod wurde er zum Märtyrer und Heiligen einer nationalkirchlichen, passiven Widerstandsbewegung.

Matt, Schachmatt: Schach Ende der Partie; der König kann sich einem Schachgebot nicht mehr entziehen.

Matte: 1. Matte: Judo Kampfrichterkommando: um die Kampfhandlungen zeitweilig zu unterbrechen.

2. Matte (zu «mähen») - Pflanzengeographie: mit Kräutern durchsetzte Grasflur der Gebirge oberhalb der Baumgrenze mit kurzer Vegetationsperiode.

3. Matte (lateinisch) - Textiltechnik: Fußbodenbelag; geflochtener oder gewebter Vorleger.

Matteotti, Giacomo, 22.5.1885-10.6.1924, italienischer antifaschistischer Sozialdemokratischer Politiker; entlarvte am 30.5.1924 im Parlament den terroristischen Wahlbetrug der Faschisten; seine von B. Mussolini veranlasste Ermordung löste die Matteotti-Krise (1924/25) des Regimes aus.

Matterhorn, Mont Cervin (französisch): markanter Gneis Gipfel in den Walliser Alpen südwestlich von Zermatt, an der schweizerisch-italienischen Grenze; 4478 m; gilt als schönster Berg der Alpen. 1865 durch den Engländer E. Whymper (1840-1911) erstmalig erstiegen. Seilbahn zum Kleinen Matterhorn (bis zur Höhe von 3820 m, höchste Seilbahn Europas).

Mattglasur: Glasur mit beabsichtigter matter Oberfläche, die durch Entglasung entsteht.

Matthes: Roland, geboren 17.11.1950, Olympiasieger im Sportschwimmen 1968 und 1972 (jeweils über 100 m und 200 m Rücken), olympische Silbermedaillen 1968 und 1972 (in der 4 x 100-m-Lagenstaffel) sowie olympische Bronzemedaillen in der 4 x 100-m-Freistilstaffel 1972 und über 100 m Rücken 1976. Weltmeister über 100 m Rücken 1973 und 1975 beziehungsweise über 200 m Rücken 1973, mehrmaliger Europameister im Rückenschwimmen und in der Lagenstaffel; verbesserte mehrfach Weltrekorde.

Mattheson, Johann, 28.9.1681-17.4.1764, Musikschriftsteller, Sänger, Dirigent, Komponist; einer der wichtigsten Musiktheoretiker der deutschen Aufklärung, dessen Schriften («Der vollkommene Capellmeister», 1739; «Grundlage einer Ehrenpforte», 1740; unter anderem) zu den unentbehrlichen Quellen musikhistorische Forschung gehören.

Mattheuer-Neustädt, Ursula, geboren 10.7.1926, Graphikerin; 1948/52 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, lebt freischaffend in Leipzig; gestaltet in zeichnerisch prägnanter Form Landschafts- und Alltagsmotive sowie sinnbildlich gefasste Epoche Themen, schuf zahlreiche Illustrationen zur Weltliteratur.

Matthies, Hansjürgen, geboren 6.3.1925, Pharmakologe; Professor an der Medizin. Akademie Magdeburg und Direktor des Instituts für Neurobiologie und Hirnforschung der AdW; forschte über die biologischen Grundlagen der Gedächtnisbildung und ihre pharmakologischen Beeinflussung.

Matthus, Siegfried, geboren 13.4.1934, Komponist; Professor einer Meisterklasse an der AdK; schrieb Werke verschiedenster Gattungen und ist sowohl mit Instrumentalwerken (unter anderem Konzerte für Violine, Klavier, Violoncello, Flöte, Orchesterkonzert «Responso», 1977) als auch Vokalwerken (Opern «Der letzte Schuss», 1967; «Comet», 1985; «Judith», 1985; Oratorium «Laudate pacem», 1976; Orchesterlieder «Holofernes»-Porträt, 1982, unter anderem) erfolgreich.

Matthys, Jan, gestorben 4.4.1534, revolutionärer Täuferführer, Bäcker, wirkte zunächst in den Niederlanden, kam im Februar 1534 nach Münster, war hier «Prophet» der Täufer; fiel im Kampf gegen die Belagerer der Täufer Kommune.

Mattieren: Vermindern des Oberflächenglanzes eines Gegenstandes oder einer Fläche durch mechanischen oder chemischen Oberflächenbehandeln beziehungsweise Aufträgen einer nichtglänzenden Schicht (zum Beispiel von Pigmenten).

Mattscheibe: (zu «Mattieren») aufgeraute Glas- oder Plastikscheibe zur diffusen Streuung des Lichtes. Mattscheiben dienen der Vergrößerung der numerischen Apertur, zur Zerstörung der Kohärenz und zum Bildauffang.

Matur, Matura: veraltete, in Österreich und der Schweiz übliche Bezeichnung für Abitur.

Maturin: Hauptstadt des Bundesstaates Monagas, im Osten Venezuelas, in den Llanos; 170000 Einwohner; schnell wachsendes Zentrum des ostvenezolanischen Erdölgebietes; internationaler Flughafen.

Matusche, Alfred, 8.10.1909-31.7.1973, Schriftsteller, gestaltete in Stücken («Nacktes Gras», 1958; «Das Lied meines Weges», 1969), Fernsehspielen («Der Regenwettermann», 1968) und Hörspielen insbesondere die innere Wandlung von Menschen, die durch Faschismus und Krieg unmittelbar betroffen wurden; ferner Hörspiel «Van Gogh» (1973).

Mauer:

1. Balltechnik: Baukörper aus Natur- oder Kunststeinen, dessen untere Begrenzung Sohle und obere Begrenzung Krone genannt wird. Nach dem Baustoff unterscheidet man die Naturstein-, die Ziegelmauer, und die Mischmauer, die als Natursteinmauer mit Ziegeln hintermauert oder mit Beton hinterfüllt wird; nach Lage und Zweck die Grundmauer (überträgt die Bauwerkslasten auf den Baugrund), Keller-, Sockel-, Geschoßmauer die Stützmauer (dient der Sicherung von Böschungen), die Winkelstützmauer, die, im Unterschied zur Gewichtsstützmauer, auch Zugspannungen aufnehmen kann, die Brandmauer, die zwischen aneinanderstoßenden Bauwerken als öffnungslose Mauer aus feuerbeständigem Material errichtet wird; nach der Ausführung die Trockenmauer, Hohlmauer und Blendmauer.

2. Pferdesport: Springprüfungshindernis aus übereinandergeschichteten Holzkästen, die wie eine Steinmauer bemalt sind. Die Mauer erfordert einen Steilsprung des Pferdes.

Mauereidechsen, Podarcis: Gattung der Halsbandeidechsen, überwiegend Bewohner trockener, oft felsiger Biotope im Mittelmeerraum. Im Nordwesten, bis zur französischen Atlantikküste, kommt die etwa 15 cm lange, überwiegend braune Gewöhnt. Mauereidechsen (Podarcis muralis) vor; grünrückig ist die Taurische Mauereidechsen (Podarcis taurica) der Balkanländer und die Ruineneidechse (Podarcis sicula) der nördlichen Mittelmeerküste.

Mauerfraß: Zerstörung an Ziegelwänden durch eingedrungene Feuchtigkeit, meist infolge Ausblühens von Salzen oder Frostverwitterung. Siehe auch Mauersalpeter.

Mauerfuchs, Pararge megaera: brauner Augenfalter mit unregelmäßigen Flecken; meist an warmen, trockenen Hängen; Raupe an verschiedenen Gräsern.

Mauerlatte: auf einer Mauer liegendes Kantholz, das die Auflast der Holzbalken einer aufliegenden Decke verteilt.

Mauerläufer, Tichodroma muraria: bis 16 cm langer und 20 g schwerer Singvogel der Hochgebirge Eurasiens, der geschickt an Felsen klettert und sich von Insekten ernährt.

mauern: (hebräisch mora, «Furcht») umgangssprachlich trotz guter Karten allzu zurückhaltend reizen (zum Beispiel beim Skat).

Mauerpfeffer, Sedum: zu den Dickblattgewächsen gehörende, niedrige, gelbblühende Arten der Fetthenne an trockenen Standorten, zum Beispiel Scharfer Mauerpfeffer (S. acre).

Mauerraute, Asplenium ruta-muraria: heimische zierliche, an Mauern und auf Felsen vorkommender Farn mit doppeltgefiederten Blättern; kalkliebend.

Mauersalpeter: grauweißer Salzbelag aus Nitraten an Bauwerken; kann Mauerfraß bewirken; fälschlich auch für das Ausblühen anderer Salzarten.

Mauersberger: 1. Erhard Mauersberger, 29.12.1903-11.12.1982, Chordirigent; Bruder von Mauersberger 3; wirkte 1930/61 als Thüringische Landeskirchen-Musikdirektor und Leiter des Bach-Chores in Eisenach; war 1961/72 Thomaskantor in Leipzig.

2. Heinrich Mauersberger, 11.2.1909-16.2.1982, Textilingenieur, Erfinder der Nähwirktechnologien Malimo, Maliwatt, Malipol und» der entsprechenden Nähwirkmaschinen.

3. Rudolf Mauersberger, 29.1.1889-22.2.1971, Chordirigent und Komponist; Bruder von Mauersberger 1; war 1930/71 Kreuzkantor in Dresden und entwickelte den Kreuzchor zu einem weltberühmten Knabenchor. Als Komponist schrieb Mauersberger fast ausnahmslos für seinen Chor.

Mauersegler, Apus apus: schwalbenähnlicher graubrauner Zugvogel mit langen, sichelförmigen Flügeln und Gabelschwanz; überwintert in Afrika; nistet in Gebäuden; 2 Eier werden 20 Tage lang bebrütet.

Mauer-Unterkiefer: Unterkiefer eines Homo erectus, der 1907 bei Mauer, südöstlich von Heidelberg, gefunden wurde und etwa 500000 Jahre alt ist.

Mauerverband: Art des Zusammenfügens der Steine im Mauerwerk zur sicheren Übertragung der Druckkräfte. Zweckverbände sind der Läuferverband für Mauern mit der Dicke eines halben Steines, in dem die Steine (Läufer) mit den Längsseiten parallel zur Mauerflucht verlegt werden, der Binderverband für Mauern mit der Dicke eines Steines, in dem die Steine (Binder, Strecker) senkrecht zur Mauerflucht liegen, der Blockverband, bei dem Läufer und Binderschichten regelmäßig wechseln, der Kreuzverband mit wechselnden Läufer- und Binderschichten, bei dem die Läuferschichten jeweils um einen halben Stein versetzt sind. Zierverbände werden nach dem Rhythmus der Stoßfugen in gotischen, französischen, holländischen und märkischen Zierverband unterschieden.

Mauerwerk: Gefüge von künstlichen und natürlichen Steinen als Bestandteil von Bauwerken, mit Mörtelfügen oder mit Fugen ohne Mörtel (Trockenmauerwerk).

Mauerziegel: in Standards festgelegte Bezeichnung für gebrannte Voll- und Lochziegel mit Druckfestigkeiten bis 25 N/mm2.

Maugham, William Somerset, 25.1.1874-16.12.1965, englischer Romancier und Dramatiker; behandelte nach sozialkritischen Themen in seinen vorwiegend der gehobenen Unterhaltungsliteratur zugehörenden, publikumswirksamen Werken individuelle Probleme, Liebe und Ehe in oberen Gesellschaftskreisen, oft vor überseeischem Hintergrund, so in «Der Menschen Hörigkeit» (1915, deutsch), «Silbermond und Kupfermünze» (1919, deutsch), «Der bunte Schleier» (1925, deutsch), «Julia, du bist zauberhaft» (1937, deutsch). Im Spätwerk tritt ein metaphysischer Zug hervor («Auf Messers Schneide», 1944, deutsch; «Catilina», 1948, deutsch). Gesammelte Erzählungen erschienen in «Menschen der Südsee» (1921, deutsch), «Weltbürger» (1936, deutsch), «Schein und Wirklichkeit» (1947, deutsch), in Deutsch Auswahl «Regen» (1977), «Die Dschungelresidenz» (1979); ferner Essays in «Ansichten» (1958).

Mauke: Hauterkrankung des Pferdes im unteren Bereich der Gliedmaßen. Aus einem anfänglichen Ekzem entwickelt sich, durch mangelhafte Pflege begünstigt, eine blumenkohlartige Wucherung mit Absonderung übelriechender Flüssigkeit (Warzenmauke). Bei Infektion mit Nekrose Bazillen entsteht die Brandmauke.

Mauken: Einlagen aufbereiteter keramischer Massen in feuchtwarmen (etwa 20 °C) Mauk- oder Massekellern zur Erhöhung der Bildsamkeit.

Maulbeerbaum, Morus: Gattung der Maulbeergewächse (milchsaftführende, meist tropische Gehölze) mit grobgezähnten, oft dreilappigen Blättern und Nussfrüchten, die zu Scheinbeeren vereinigt sind. Der Weiße Maulbeerbaum (Morus alba) aus Ostasien ist Futterpflanze für die Seidenraupen, der Schwarze Maulbeerbaum (Morus nigra) eine Obstpflanze wärmerer Gebiete. Beide Arten auch als Zierpflanzen in Mitteleuropa.

Maulbertsch, Maulpertsch, Franz Anton, 1724 (getauft 7.6.)-8.8.1796, österreichischer Maler; bedeutendster Freskomaler des Spätbarocks in Österreich, Mähren und Ungarn; schuf koloristisch reiche Deckengemälde sowie Altarbilder mit dramatisch bewegten biblische Szenen.

Maulbronn: Stadt in Baden-Württemberg. Das ehemalige Zisterzienserkloster Maulbronn (gegründet 1138) ist das besterhaltene mittelalterliche deutsche Kloster, heute evangelisch-theologisches Seminar, Paradies (Vorhalle, 1210/15), Herrenrefektorium (1220/26) und Kreuzgangflügel gehören zu den schönsten Bauten am Übergang von Romanik zu Gotik.

Maulbrüter: Sammelbezeichnung für Fische, die ihre Eier im Maul (Kehlsack) erbrüten; meist brütet das Weibchen, seltener das Männchen, gelegentlich lösen sich beide sogar ab; häufig werden auch die Jungfische noch im Maul aufgenommen, wohin sie bei Gefahr auch flüchten; das Maulbrüten ist besonders in der Familie der Buntbarsche verbreitet; viele beliebte Aquarienfische.

Maulesel: Kreuzung zwischen Pferdehengst und Eselstute.

Maulgrind: durch ein Virus hervorgerufene Erkrankung der Haut bei Schaf und Ziege. Sie ist durch engen Kontakt auf den Menschen übertragbar. Der Begriff Maulgrind wird auch verwendet für die durch einen Pilz entstehende Hautkrankheit (Trichophytie) bei Jungrindern, die ebenfalls auf den Menschen übertragbar ist.

Maultier: Kreuzung zwischen Eselhengst und Pferdestute.

Maultrommel: Zupfidiophon; ist aus Bambus oder Palmholz in Asien und Ozeanien bekannt; in Europa altes Landsknechts- und Volksmusikinstrument aus Metall. Der Metallrahmen der Maultrommel wird vom Spieler an die Zähne gedrückt; die Mundhöhle dient als obertonverstärkender Resonator für die mit dem Finger gezupfte Stahlzunge.

Maulseuche und Klauenseuche, Abkürzung MKS, Aphthen-Seuche: sehr ansteckende Virusinfektion der Paarhufer. Erreger ist das MKS-Virus. Am Maul, auf der Zunge, im Klauenspalt und an den Euterzitzen bilden sich charakteristische Blasen (Aphthen) und Geschwüre. Die MKS ist eine wirtschaftlich bedeutsame Tierseuche. Sie ist meldepflichtig, ihre Bekämpfung ist gesetzlich geregelt. Zur Prophylaxe werden bei Rindern jährlich Schutzimpfungen durchgeführt.

Maulwürfe, (althochdeutsch, «Erdwerfer») Talpidae: unterirdisch lebende Insektenfresser mit zu Grabschaufeln umgebildeten Vordergliedmaßen. Der in Europa vorkommende europäischen Maulwürfe (Talpa europaea) hält keinen Winterschlaf, frisst Regenwürmer und Bodeninsekten; im Mai werden meist 4 bis 5 Junge geboren; die nach 3 Wochen die Augen öffnen; sein Fell ist wertvoll. Das Fell des Russischen Desmán (Desmana moschata) ist als «Silberbisam» sehr begehrt.

Maulwurfsgrille, Gryllotalpa gryllotalpa: bis 4 cm lange, plumpe Grille mit schaufelförmig verbreiterten Vorderbeinen; lebt in selbst gegrabenen Erdgängen und ernährt sich von Wurzeln und Insektenlarven. Siehe auch Grillen.

Maupassant, Guy de, 5.8.1850-6.7.1893, französischer Schriftsteller; bekannt vor allem als meisterhafter Novellist (etwa 300 Titel). Seine bekanntesten Novellensammlungen sind «Das Haus Tellier» (1881, deutsch), «Der Horla» (1887, deutsch). Unter seinen gesellschaftliche Probleme aufgreifenden Romanen (unter anderem «Ein Leben», 1883; «Mont-Oriol», 1887; beide deutsch) ragt durch bemerkenswerte soziale Konkretheit und literarisch-psychologischen Tiefenschärfe «Bel ami» (1885, deutsch) hervor.

Mauren: (nach der römischen Bezeichnung für Berbervölker in Nordwestafrika) im engeren Sinne die muslimische arabische-berber. Mischbevölkerung des Kalifats von Córdoba und seiner Nachfolgestaaten in Spanien, besonders Granada; später erfolgte die unterschiedslose Anwendung dieser Bezeichnung auf alle Muslime, besonders Nordafrikas (im deutschen Sprachgebrauch als «Mohren» für die Vertreter der negriden Bevölkerung Afrikas). Siehe auch Moriscos.

Maurer: Eduard, 3.11.1886-21.2.1969, Metallurge; Hochschullehrer in Freiberg und Berlin, nach 1949 Direktor des Eisenforschungsinstituts Hennigsdorf; erarbeitete Wärmebehandlungsmethoden zur praktischen Verwendung der rostfreien Stähle (1912); Schöpfer des Gusseisendiagramms (1924).

Maureske, Moreske: eine aus hellenistischer Pflanzenornamentik in der islamischen Kunst entwickelte rein flächenhafte Ornamentform aus stilisierten Ranken, Blüten und Blättern.

Mauretanien, Islamische Republik Mauretanien: Staat im Nordwesten Afrikas; grenzt im Nordosten an Algerien, im Osten an Mali, im Süden an Mali und Senegal, im Westen an den Atlantik und im Nordwesten an das Gebiet Westsahara; verwaltungsmäßig in 12 Regionen und einen Hauptstadtdistrikt gegliedert. Von der Bevölkerung Sind 75 % Nachkommen von Arabern und Berbern, 25% sind Schwarzafrikaner (Pular, Soninke, Wolof). Amtssprachen sind Arabisch und Französisch. Währung ist Ouguiya. Natur. Mauretanien umfasst den größten Teil der von Geröll und Sanddünen bedeckten westlichen Sahara (Oasen) mit weiten Ebenen, die von einzelnen Inselbergen und wüstenhaften Bergländern (Adrar des Iforas, 853 m) mit Steilabfallen überragt werden. Es herrscht überwiegend trockenes tropisches Passatklima. Von Süden nach Norden wandelt sich die Pflanzenwelt von Feucht- (im äußersten S) über Dombuschsavanne (Sahel) zur schütteren Wüstenvegetation. Etwa 75% des Gesamtterritoriums sind Sand- und Steinwüsten. Einziger Dauerfluss ist im Südwesten an der senegalesischen Grenze der wasserreiche Senegal. Mauretanien ist reich an Bodenschätzen (Eisen, Kupfer, Phosphate, Wolfram, Chrom, Nickel, Schwefel, Salz). Wirtschaft Infolge langer französischer Kolonialherrschaft ist Mauretanien ein noch schwach entwickeltes Agrarland mit bedeutendem Bergbau. Etwa 90 % der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Mehrere Dürrekatastrophen in den 70er und 80er Jahren führten zu schweren wirtschaftlichen Schäden, die längerfristig die ökonomische Entwicklung des Landes belasten. Hauptwirtschaftszweig ist der exportorientierte Bergbau (starke Abhängigkeit von schwankenden Weltmarktpreisen bewirkt starke Krisenanfälligkeit). Trotz teilweiser Verstaatlichung multinationaler Bergbaugesellschaften und Schaffung gemischter Gesellschaften (70% des Kapitals beim mauretanischen Staat) ist der Einfluss ausländischer Monopole (Frankreich und andere EWG-Staaten, USA) groß. Abbau von Eisenerz und Steinsalz. Wichtigster Zweig der Landwirtschaft ist die Wanderviehzucht im N. Bewässerungsfeldbau mit Getreide- und Erdnussanbau wird in der Senegalniederung betrieben; in den Oasen Dattelpalmkulturen. Große Bedeutung haben die Binnen- und Hochseefischerei. Eine Verarbeitungsindustrie ist erst in Anfängen vorhanden und umfasst vorrangig Betriebe der Fleisch- und Fischverarbeitung; es existieren überwiegend kleine Handwerksbetriebe. Das bisher ungenügend entwickelte Verkehrsnetz wurde durch den Bau der Straße An-Nima-Nouakchott (1158 km) verbessert. Einzige Bahnlinie ist eine Erzbahn (650 km) von Zouérate bei F’Dérick nach Nouadhibou. Vor Nouakchott wichtigster Seehafen; bedeutendster Flusshafen ist Kaédi am Senegal; internationale Flughäfen in Nouakchott und Nouadhibou. Ausfuhr von Eisenerz (über 90% des Exportwertes) und Fischkonserven, Einfuhr von Lebensmitteln, Industrieeinrichtungen, Kraftstoffen und industriellen Konsumgütern; Haupthandelspartner sind Frankreich und die USA. -Geschichte. Die auf dem Gebiet des heutigen Mauretanien lebenden Stämme (Berber im N, Schwarzafrikaner im S) unterstanden vom 7. bis 15. Jahrhundert den im Maghreb herrschenden Dynastien (Omaijaden, Almoraviden, Almohaden, Mariniden); wurden im 11. Jahrhundert islamisiert. Im 15. Jahrhundert wurden die Berber von den jemenitischen Beni Hassan unterworfen und zum Teil arabisiert. Religiöses, zeitweilig auch weltlicher Oberhaupt war der marokkanische Sultan. Ende des 19. Jahrhundert begann die koloniale Eroberung des Landes durch Frankreich. 1903 wurde Mauretanien Protektorat, 1920 Kolonie (als Teil «Französisch-Westafrikas»), Die 1958 gebildete autonome Islam. Republik Mauretanien erlangte am 28.11.1960 die staatliche Selbständigkeit. Unter Staatspräsident Mauretanien Ould Daddah (seit 1961) erzielte Mauretanien gewisse Fortschritte in seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung und nationalen Integration. Ende 1975 okkupierte Mauretanien den südlichen Teil der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara. Der Krieg gegen die Befreiungsorganisation Front POLISARIO führte das Land in eine tiefe ökonomische und politische Krise. Am 10.7.1978 wurde Ould Daddah durch einen «Militärausschuss für nationale Erneuerung» gestürzt, den im April 1979 ein «Militärkomitee für nationale Rettung» ablöste. Seit Juni 1979 stand Oberst K. Ould Haidalla an seiner Spitze. Das Regime anerkannte im August 1979 das Recht des Volkes von Westsahara auf Selbstbestimmung und zog seine Truppen zurück. Mauretanien betreibt eine Politik der Nichtpaktgebundenheit und tritt gegen Rassismus, Kolonialismus und Neokolonialismus auf. Am 12.12.1984 wurde Präsident Ould Haidalla durch das umgebildete «Militärkomitee für nationale Rettung» unter Oberst Mauretanien Ould Sidi Ahmed Taya gestürzt.

Mauriac, François, 11.10.1885-1.9.1970, französischer Schriftsteller, behandelte in seinen im bürgerlichen oder provinziellen Milieu spielenden Romanen («Natterngezücht», 1932, deutsch; «Die Wege des Meeres», 1939, deutsch) moralische und soziale Probleme im Sinn einer katholischen Heilsverkündung.

Maurienne: Landschaft in den französischen Westalpen, im tief eingeschnittenen bewaldeten Tal des Are; wichtigster Ort Samt-Jean-de-Maurienne; Weiden und Hochweiden mit Almwirtschaft; Anbau von Weizen, Tabak, Wein, Obst, Kartoffeln; Elektrochemie und -metallurgie.

maurische Kunst: islamische Kunst Spaniens und der Nordwestküste Afrikas (Maghreb), im engeren Sinne Bezeichnung für die Kunst, die nach der spanisch-omaijadischen Stilepoche (8./12. Jahrhundert) unter mauretanischer Herrschaft (Almoraviden 1061/1147, Almohaden 1147/1269) mit Schwerpunkt in Marokko (Marrakech, Rabat) einsetzte. Die Endstufe spanischer-islamischer Kultur repräsentieren die Bauten der Nasriden (1230/1492) in Granada (Alhambra) und Nachwirkungen im Mudéjarstil durch islamische Künstler unter christlichen Auftraggebern (Toledo, Córdoba, Sevilla). Charakteristisch sind reiche Wanddekorationen mit Stuck und Fliesen (Arabesken, Schriftborten), Stalaktitwerk, Hufeisen- und Spitzbögen, im Kunsthandwerk Lüsterfayencen, Seidenbrokate, Teppiche, Waffen (sogenannt Boabdil Schwerter).

Mauritius: Philatelistische Bezeichnung für die ersten Briefmarken der Insel Mauritius von 1847 zu 1 Penny (rote Mauritius) und zu 2 Pence (blaue Mauritius). Die nur noch wenigen erhaltenen Exemplare zählen zu den Philatelistischen Raritäten ersten Ranges.

Mauritius: Staat (parlamentarische Monarchie) auf der zur Inselgruppe der Maskarenen gehörenden Insel Mauritius (1865 km2), östlich von Madagaskar, sowie auf der Nebeninsel Rodrigues (104 km2), den Agalega-Inseln (71 km2) und 22 weiteren kleineren Inseln (Nebeninseln bis 930 km von der Hauptinsel entfernt) im westlichen Indischen Ozean. Die Rückgabe der zu Mauritius gehörenden, jedoch noch vor der Unabhängigkeit Mauritius von Großbritannien herausgelösten britischen Kolonie Tschagos-Inseln mit Diego Garcia (an die USA verpachtet) wird von Großbritannien verweigert. Mauritius ist verwaltungsmäßig in 9 Distrikte gegliedert. Von der Bevölkerung sind 66% indischer Herkunft, 28% Kreolen, 3% Chinesen und 2% Europäer. Amtssprache ist Englisch. Währung ist die Mauritius-Rupie. Die zum Teil von Korallenriffen umsäumte, bis 826 m hohe Insel Mauritius und ihre Nebeninseln sitzen einer untermeerische Schwelle auf und sind vulkanischen Ursprungs. Es herrscht ein tropisches, niederschlagsreiches Seeklima im Bereich des Südostpassats mit häufig verheerenden Wirbelstürmen. Die ursprüngliche Waldvegetation wurde weitgehend in Kulturland verwandelt. Mauritius ist ein einseitig auf die Zuckerproduktion ausgerichtetes Agrarland; Zuckerrohr nimmt nahezu 90% der Anbaufläche ein. Zucker und Nebenerzeugnisse (Melasse, Rum) sind mit 70 bis 95% an den Exporteinnahmen beteiligt. Außerdem werden Tee und Tabak für den Export angebaut. Einheimische Unternehmen verarbeiten im Wesentlichen nur landwirtschaftliche Rohstoffe (Zuckerrohr, Tabak, Tee). Durch das Auslandskapital kontrollierte Betriebe, besonders der Textilindustrie und Elektronik, realisieren etwa ein Drittel der Exporte. Der Tourismus ist ein bedeutender devisenbringender Wirtschaftszweig. Wichtigster Seehafen ist Port Louis, internationaler Flughafen Plaisance im Südosten der Insel Mauritius Eingeführt werden Nahrungsmittel, Maschinen, Geräte und Kraftstoffe; Haupthandelspartner ist Großbritannien. Bereits im Mittelalter war Mauritius arabischen und malaiischen Kaufleuten und Seefahrern bekannt. 1715/1810 in französischen Besitz, seit 1810 britische Kolonie. Die nach 1945 unter Führung der Labour Party (Abkürzung LP) stehende nationale Befreiungsbewegung erzwang am 12.3.1968 die staatliche Selbständigkeit. Ministerpräsident wurde S. Ramgoolam, Führer der LP, die ab 1976 mit der rechten Sozialdemokratischen Partei Mauritius (Abkürzung PMSD) koalierte. 1982 Wahlsieg der Linkskoalition zwischen kämpferischer Bewegung von Mauritius (Abkürzung MMM) und sozialistischen Partei; Ministerpräsident wurde A. Jugnauth (MMM), der 1983 die sozialistische kämpferische Bewegung (Abkürzung MSM) von der MMM abspaltete und seither in Koalition mit der LP und PMSD regiert.

Maurois, André, eigentlich Emile Herzog, 26.7.1885-9.10.1967, französischer Schriftsteller, schrieb zunächst Ehe- und Familienromane; Begründer der modernen Romanbiographie (über G. N. G. Byron, B. Disraeli, V. Hugo, H. de Balzac unter anderem).

Mäuse, Muridae: artenreichste (etwa 370 Arten), fruchtbarste und anpassungsfähigste Säugetierfamilie mit weltweiter Verbreitung; meist langschwänzige, kurzhaarige, 6 bis 50 cm große Nagetiere. Echte Mäuse (Murinae) sind Ratten und Mäuse (unter 15 cm Kopf-Rumpf-Länge); Vorrats- und Feldschädlinge (Hausmaus, Feldmaus), Krankheitsüberträger (Ratten). In Wäldern, auf Wiesen unter anderem die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) und die Waldmaus (Apodemus sylvaticus), dringen im Winter auch in Häuser ein.

Mäusebussard, Buteo buteo: bis 1,20 m spannender Greifvögel mit langsamem, oft kreisendem Flug; fängt Mäuse; das Gelege besteht aus 2 bis 4 gefleckten Eiern; horstet vorwiegend auf Bäumen in Europa bis Ostasien. Siehe auch Bussarde.

Mauser: Erneuerung des Gefieders bei Vögeln. Die Mauser erfolgt jährlich je nach Vogelart ein- bis dreimal in regelmäßigem Zyklus, häufig im Anschluss an die Brutzeit. Ausfall und Nachwachsen der Flugfedern erfolgen im Allgemeinen gestaffelt, so dass das Flugvermögen bei den meisten Arten erhalten bleibt.

Mausohr, Myotis myotis: zu den Glattnasen gehörende Fledermaus mit breiten, innen quergefalteten Ohren. Die Spannweite beträgt 35 bis 40 cm bei 8 cm Kopf-Rumpf-Länge und etwa 30 g Gewicht; unter anderem in Mitteleuropa verbreitet.

Mausoleum: Grabmal, das im 4. Jahrhundert vor Christus für König Mausolos von Karien (377/53 vor Christus) in Halikamassos errichtet wurde. Der Skulpturenschmuck (britisches Museum, London) des Mausoleums, das die Antike zu den Sieben Weltwundern zählte, stammt von den Bildhauern Bryaxis, Skopas, Timotheos und Leochares. Heute ist Mausoleum allgemein die Bezeichnung für monumentale Grabbauten (zum Beispiel Lenin-Mausoleum in Moskau).

Mauthausen: Gemeinde in Oberösterreich, an der Donau, südöstlich von Linz; 4500 Einwohner; Granitbrüche; Renaissanceschloss Pragstein (15. Jahrhundert; Museum). Im faschistischen KZ Mauthausen wurden 1938/45 über 122000 Menschen ermordet. Am 5. 5.1945 erfolgte durch einen Aufstand der Häftlinge die Befreiung des Lagers. Gedenkstätte,

Mawali: Bezeichnung für nichtarabische Muslime unter der Umayyaden Herrschaft (661/750), die sich einem arabischen Stamm als Klienten anschließen mussten.

Maxentius, Marcus Aurelius Valerius Maxentius Augustus, um 280-28.10.312, römischer Kaiser seit 28.10. 306 (von den Prätorianern in Rom ausgerufen); wurde 312 von Konstantin I. an der Mulvischen Brücke in Rom besiegt und ertrank im Tiber.

Maxim, Sir Hiram Stevens, 5.2.1840-24.11.1916, britischer Ingenieur US-amerikanischer Herkunft; konstruierte unter anderem 1883/84 das erste brauchbare Maschinengewehr.

maximal: (lateinisch) größte, höchstmögliche Maximaldosis, Abkürzung MD: nach Erfahrungen für jede Applikationsart festgelegte höchstzulässige Menge eines Arzneimittels (Einzel(Abkürzung EMD) beziehungsweise Tagesmaximal (Abkürzung TMD)), deren Einhaltung der Apotheker auf dem Rezept kontrollieren muss.

Maximalsten: Zentristische Strömung in der Italienischen sozialistischen Partei (seit Juli 1919), hatte bestimmenden Einfluss in der Partei bis zu ihrer Auflösung (Januar 1926). Die Bezeichnung «M.» geht auf ihren verbalen Extremismus im Gegensatz zur opportunistischen Praxis zurück.

Maximalkraft: der zeitbezogene größte Wert einer Kraftwirkung beziehungsweise die konditionelle Fähigkeit, größtmögliche Kräfte zu entwickeln oder Massen zu bewegen.

Maximaphilie, Maximum Philatelie, Analogophilie (griechisch): Sammeln von Postkarten, bei denen die Abbildung, die auf der Bildseite befindliche Briefmarke oder der Poststempel gleiches Bild zeigen oder sonst zueinander in Beziehung stehen (sogenannt Maximumkarten).

Maxime: Ethik oberster (bestimmender) moralischer Grundsatz eines Menschen oder Weltanschauungssystems; siehe auch Moralprinzip.

Maximianus, Marcus Aurelius Valerius Maximianus Augustus, um 240-310 (Selbsttötung), römischer Kaiser 286/305 und 307/10, Illyrier; kämpfte gegen die Bagauden in Gallien; erstrebte 308 die Herrschaft in Gallien; 310 durch Konstantin I. besiegt.

Maximilian, Fürsten. Deutsche Könige und römische Kaiser: 1. Maximilian I., 22.3.1459-12.1.1519, König seit 1486, Kaiser seit 1508; begründete die Großmachtstellung des Hauses Habsburg; war in zahlreiche europäischen Kriege verwickelt und deshalb an das Bankhaus Fugger hoch verschuldet. Die in seiner Regierungszeit unternommenen Reichsreformversuche (1495) hatten nur geringen Erfolg, erfolgreicher waren seine Zentralisationsbestrebungen in den habsburgischen Erblanden. Kulturell wirkte Maximilian anregend, besonders durch die Unterstützung der Humanisten und Sammlung mittelalterlichen Heldendichtungen im Ambraser Heldenbuch. Er war Auftraggeber wichtiger Kunstwerke. Für die Randzeichnungen seines Gebetbuches, die Gestaltung seines Grabmals in Innsbruck und für Holzschnittfolgen gewann er bedeutende Künstler seiner Zeit.

2. Maximilian II., 31.7.1527-12.10.1576, König seit 1562, Kaiser seit 1564; versuchte vergeblich, eine den Augsburger Religionsfrieden wahrende Politik des Ausgleichs zwischen den Konfessionen zu betreiben.

Österreich Mexiko: 3.6.1832-19.6.1867, Erzherzog von Österreich; während der von Napoleon HI. inszenierten Mexikanischen Expedition zum Kaiser von Mexiko ernannt (1864); nach Abzug der französischen Interventen erschossen (Gemälde von E. Manet).

Maximinus, Gaius Iulius Verus Maximinus Thrax (der Thraker), 172-10.5.238 (erschlagen), römischer Kaiser seit 235; führte erfolgreiche Kämpfe gegen Germanen, Sarmaten und Daker.

Maximum: 1. allgemein größter Wert, Höchstmaß.

2. Mathematik: Extremwert, halbgeordnete Menge.

Maximum-Likelihood-Methode: (englisch likelihood, «Wahrscheinlichkeit») mathematische Statistik, Verfahren zur Ermittlung von Punktschätzungen unbekannter Parameter der Wahrscheinlichkeitsverteilung von Zufallsgrößen; steht in engem Zusammenhang mit der auf C. F. Gauß zurückgehenden Methode der kleinsten Quadrate.

Max von Baden, 10.7.1867-6.11.1929, Prinz, Politiker, versuchte nach seiner Berufung zum Reichskanzler im Oktober 1918 mit Hilfe rechter Sozialdemokraten und durch parlamentarische Reformen die Monarchie zu retten; übergab sein Amt am 9.11.1918 an F. Ebert

Maxwell, James Clerk, 13.6.1831-5.11.1879, britischer Physiker; Professor in Aberdeen, London und Cambridge; begründete im Anschluss an Maxwell Faraday ab 1855 durch seine Arbeiten zur Elektrodynamik (Maxwellsche Gleichungen) die Feldtheorie und legte mit seinen Arbeiten zur kinetischen Gastheorie (ab 1860) die Grundlagen der statistischen Physik. Maxwell lieferte Beiträge zur Dreifarbentheorie des Sehens und vertrat die Atomtheorie der Materie.

Maxwell-Brücke: (nach J. C. Maxwell) eine Brückenschaltung zur Messung von Induktivitäten und (meist auch) ihrer Verlustwinkel.

Maxwellsche Geschwindigkeitsverteilung: von J. C. Maxwell 1860 mittels der kinetischen Theorie gefundene Gesetzmäßigkeit, nach der sich im Gleichgewicht die Moleküle eines Gases bei einer bestimmten Temperatur auf die möglichen Geschwindigkeiten verteilen. Nach Maxwell gilt für die Anzahl dn = F(v)dv der Moleküle je Volumeneinheit, deren Geschwindigkeiten im Intervall zwischen v und v + dv liegen, m dv = 4nn v2 exp (-fg) dv (n Anzahl der Moleküle je Volumeneinheit, m Masse eines Moleküls, k Boltzmann-Konstante, absolute Temperatur).

Maxwellsche Gleichungen: 4 von J. C. Maxwell aufgestellte partielle Differentialgleichungen, aus denen sich alle makroskopischen Erscheinungen der Elektrodynamik und Optik herleiten lassen. Sie lauten in differentieller Form: 1) rot E =,) rot H = +, 3) div D = p, 31 dt4) div B = 0 (E elektrische Feldstärke, B magnetische Flussdichte, Zeitkoordinate, H magnetische Feldstärke, Stromdichte, D elektrische Flussdichte, p Raumladungsdichte). Sie lassen sich mittels des Gaußschen Integralsatzes beziehungsweise des Stokesschen Satzes aus entsprechenden Gleichungen in Integralform herleiten.

Ihr physikalischer Inhalt ist folgender:

1) Jedes zeitlich verändert. Magnetfeld ist von geschlossenen elektrischen Feldlinien umgeben (Faradaysches Induktionsgesetz-, siehe auch Induktion.

2.) Jeder elektrische Strom (Leitungs- und Verschiebungsstrom) ist von geschlossenen magnetischen Feldlinien umgeben; für Leitungsströme ist dies das Durchflutungsgesetz.

3) Von positiven elektrischen Ladungen gehen elektrische Feldlinien aus, die an negativen Ladungen enden, das heißt die elektrischen Ladungen sind die Quellen beziehungsweise Senken des elektrischen Feldes, genauer des D-Feldes.

4) Die Feldlinien der magnetischen Flussdichte sind stets in sich geschlossen, das heißt es gibt keine isolierten Magnetpole, das B-Feld ist quellenfrei. Diese 4 Grundgleichungen werden durch 3 sogenannte Materialgleichungen ergänzt, in denen die elektrische Leitfähigkeit, die Dielektrizitätskonstante und die Permeabilität auftreten. Die Maxwellsche Gleichungen wurden 1886 durch den experimentellen Nachweis der elektromagnetischen Wellen durch H. Hertz bestätigt.

May: 1. Ferdinand May, 16.1.1896-18.11.1977, Schriftsteller, Vater von May 2.; schrieb spannende historische und Abenteuerromane («Haie im Pazifik», 1978).

2. Karl May, 25.2.1842-30.3.1912, Schriftsteller; schrieb zunächst Erzählungen aus dem Volksleben des Erzgebirges sowie soziale Kolportageromane. Außerordentlich hohe Auflagen erreichten seine Abenteuerromane («Der Schatz im Silbersee», 1890; «Winnetou», 4 Bände, 1893/1903), die durch äußerliche Spannungseffekte und Schwarzweißzeichnung geprägt sind. Im Spätwerk («Und Friede auf Erden», 1904) bemühte sich May (mit zunehmend antiimperialistische und pazifistische Tendenz) um anspruchsvollere Gestaltung.

Maya: 1. Maya (Sanskrit, «Zauber»): Philosophie im Vedanta der illusionäre, nur scheinbar reale Charakter der Welt; verhüllt den wahren Charakter von Brahman und beruht auf «Nichtwissen», das durch religiöses «Wissen» (Glauben) aufzuheben ist, um zur Erlösung zu gelangen.

2. Maya: Völkerkunde: a) indianische Völkergruppe der Maya-Quiché-Sprachfamilie (2,2 Millionen) in Südostmexiko, Guatemala und Belize;

b) im engeren Sinne ein zu a) gehörendes Volk auf Yucatán (725000) mit einstmals hochentwickelter Kultur. In der älteren, sogenannt klassischen Zeit (4./9. Jahrhundert) lagen die Zentren (Copán, Bonampak, Tikal, Uaxactún, Palenque und andere Stadtstaaten) in Südyucatán und Nordguatemala, wurden dann aber aufgegeben. Nach einer toltekischen Übergangsperiode Herausbildung neuer Kultur- und politischen Zentren in Nord- und Mittel-Yucatán (neuere, sogenannt nachklassischer Zeit, 11./16. Jahrhundert); Götterkult in reichverzierten Tempeln, hohe mathematische und astronomische Kenntnisse, Hieroglyphen; entwickelter Maisanbau; im 2. Viertel des 16. Jahrhundert von spanischen Konquistadoren erobert; nach dem Untergang der Priesterherrscher (politische Zentralgewalt und Vermittler des Wissens) verfiel auch die eigenständige Kultur der Maya; heute sind die Maya vorwiegend Bodenbauer (Mais). Die Kunst der Maya hatte ihre Blütezeit um 300/900, vor allem in den Waldgebieten in Südostmexiko, Nordguatemala und Belize, in nachklassischer Zeit hauptsächlich in Yucatán, dort auch Einflüsse der Tolteken (Chichén Itzá). Verbreitungsgebiet in 3 Provinzen. Hochentwickelte Architektur, besonders in den Kultzentren Tikal, Copán, Palenque und Piedras Negras; Terrassen- und Stufenpyramiden (älteste in Uaxactún), Tempel mit falschem Gewölbe, Tempel und Paläste mit Ziergiebeln und reicher Architekturplastik (geometrische Ornamente, Maskenfriese, Federschlangen), zum Teil auch realistische Fresken (Bonampak), Befestigungsanlagen (Uxmal). Zahlreiche Steinstelen mit Reliefs (Hieroglyphen, Götter- und Priesterdarstellungen) sind für die Plastik typisch. Hochentwickelte polychrome Keramik mit figürlichen und szenischen Darstellungen, Kleinplastiken; Malereien in den Mayahandschriften.

Mayagüez: Stadt in Puerto Rico, an der Nordküste; 96000 Einwohner; Leicht-, Baustoffindustrie, Kernreaktor; Freihafen; Fremdenverkehrszentrum; wissenschaftliche Institute.

Mayapán: Maya-Ruinenstadt und kriegerischer Stadtstaat im nördlichen Yucatán; Blütezeit etwa 1200/1450; Kultzentrum mit 20 Pyramidentempeln und Stadt mit ausgedehnten, vom Kultzentrum getrennten Wohnanlagen zeigt starke soziale Differenzierung; Bauwerke aus rohem Mauerwerk; in der Spätzeit kultureller Verfall.

Mayaschrift: Bilderschrift der Priestergelehrten der Maya, auf Steinstelen eingemeißelt oder in Bilderhandschriften (erhaltene Mayahandschriften in Dresden, Madrid und Paris); enthält Kalenderdaten, astronomische Berechnungen, wahrscheinlich auch Kultvorschriften. Die Mayaschrift ist noch nicht vollständig entziffert.

Maybach, Wilhelm, 9.2.1846-29.12.1929, Ingenieur, entwarf 1901 den ersten «Mercedes»-Kraftwagen und konstruierte wichtige Kraftwagenteile.

Mayer, Julius Robert, 25.11.1814-20.3.1878, Mediziner und Physiker, wirkte als Arzt in Heilbronn (1840/41 als Schiffsarzt nach Jawa); 1842 (vor J. P. Joule) gab er das mechanische Wärmeäquivalent an. Schon 1841 vermutete er die Erhaltung der Energie, 1845 (vor H. Helmholtz) formulierte er den Energieerhaltungssatz.

Mayonnaise: (nach der Stadt Mahón auf Menorca) gewürzte, steife Tunke aus Eigelb und Speiseöl, mit Salz und Essig. Energiearme Mayonnaise enthält weniger Fett und Ei, dafür andere Verbindungen mit emulgierender und dickender Wirkung auf Polysaccharid-Basis.

Mayotte: von Korallen umsäumte Vulkaninsel der Komoren, in der Straße von Mozambique (Indischer Ozean), von Frankreich widerrechtlich kolonial verwaltet; 374 km2, 50000 Einwohner; Verwaltungszentrum Dzaoudzi\ bis 660 m hohes fruchtbares Bergland; Vanille und Parfümpflanzen.

Mayröcker, Friederike, geboren 20.12.1924, österreichische Lyrikerin; verfasste Gedichte und kleine Prosa, zum Beispiel «Larifari. Ein konfuses Buch» (1956); Sammelband «Tod durch Musen» (1966).

Mazarin, Jules, 14.7.1602-9.3.1661, französischer Politiker italienischer Abstammung; Leitender Minister während der Minderjährigkeit Ludwigs XTV.; setzte die Politik Richelieus zur Festigung des Absolutismus fort und machte Frankreich zur führenden Macht auf dem europäischen Kontinent (Westfälischer Friede, 1648; Pyrenäenfriede, 1659).

Mazar-i-Sharif: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Afghanistans; 100000 Einwohner; Düngemittelfabrik, Asphaltbetonwerk, Textilfabrik, Karakul-Zucht, Wärmekraftwerk (48 MW); Flughafen, Erdölleitung; Technikum.

Mazatlan: Stadt im Bundesstaat Sinaloa (Mexiko), am Stillen Ozean; 160000 Einwohner; Zuckerrohrverarbeitung, Leicht- und Lebensmittelindustrie; Fischereizentrum (besonders Krabben- und Muschelfang); wichtiger Seehafen, bedeutendes Fremdenverkehrszentrum.

Mazdaismus: die Lehre Zarathustras (Zoroastrismus).

Mazdakismus: im 6. Jahrhundert in Iran entstandene, nach ihrem Organisator Mazdak benannte Sozialrevolutionäre Bewegung mit gnostisch-manichäischen Zügen.

Mäzen: (nach G. C. Maecenas) Kunstfreund, Förderer der Künste; Gönner.

Mazeration:

1. Biologie: Zerstörung von Gewebe durch enzymatische Prozesse oder nach Einwirken bestimmter Chemikalien; zum Beispiel Entfernen aller Weichteile mit Hilfe von Kalilauge zur Herstellung eines Knochenpräparates.

2. Chemie: Methode zur Extraktion von Stoffen aus Festprodukten (zum Beispiel Drogen) durch mehrmaliges Übergießen mit kalten Lösungsmitteln (zum Beispiel Wasser, Äthanol). Als Mazeration wird auch die (heute nur noch wenig angewandte) Extraktion von Blüten mit heißen fetten Ölen oder Fetten bezeichnet; aus den Öl- beziehungsweise Fettauszügen gewinnt man durch Extraktion mit Äthanol die Blütenöle.

Mazowsze: historisches Gebiet in Polen, im mittleren Wisla-Gebiet. Anfang des 10. Jahrhundert zu Polen, seit 1138 selbständiges Herzogtum (Masowien); 1283/1526 Herrschaft des Deutschen Ritterordens, danach zu Polen; 1795 (3. Teilung Polens) von Preußen einverleibt, kam es 1807 zum Großherzogtum Warschau und 1815 zum Königreich Polen; seit 1918 wieder polnisch.

Mazuranic, Ivan, 18.8.1814-4.8.1890, kroatischer Dichter; sein volkstümliches Versepos «Der Tod des Smail-Aga Cengi6» (1846, deutsch) aus dem montenegrinischen Freiheitskampf ist das bedeutendste Werk der kroatischen Romantik; schrieb auch Lyrik.

Mazurka, Mazur: figurenreicher, aus Mazowsze stammender polnischer Nationaltanz mit Werbecharakter im 3/4-Takt und Betonung besonders des 2. Viertels.

Mazzini, Giuseppe, 22.6.1805-10.3.1872, italienischer Revolutionär, Führer und Ideologe des revolutionären kleinbürgerlich-demokratischen Flügels im Risorgimento; 1831 Begründer des Geheimbundes «Junges Italien» (Ziele: Einheit, Unabhängigkeit, Republik). 1849 stand er an der Spitze des Triumvirats der römischen Republik; gründete in den 60er Jahren Arbeitervereinigungen auf sozial rückständigen Positionen (Klassenzusammenarbeit); Gegner der Pariser Kommune (1871).

Mbandaka: Stadt (Regionszentrum) im Nordwesten von Zaire, am Zaire, nahe der Mündung des Ruki; früher Coquilhatville; 150000 Einwohner; Gerberei; Handelszentrum; Hafen, internationaler Flughafen; Museum.

Mbeya: Stadt (Regionszentrum) im Südwesten von Tansania, nordwestlich vom Malawisee, 1750 m über dem Meeresspiegel; 80000 Einwohner; bei Mbeya Industriegebiet mit Eisen- und Stahlerzeugung, Textilkombinat und Zementindustrie; Straßenknoten, Flughafen.

Mbini: Festlandteil von Äquatorial-Guinea und Provinz, zwischen Kamerun und Gabun; früher Rio Muni mit kleinen küstennahen Inseln 26017 km2, 280000 Einwohner; 11 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Bata\ Hochland (bis 1525 m) unter tropischem Klima, von Regenwald bedeckt; Kaffee-Anbau, Ölpalmennutzung, Edelholzgewinnung.

Mbuji-Mayi: Stadt (Regionszentrum) im südlichen Zentralteil Zaires; früher Bakwanga; 385000 Einwohner; Diamantengewinnung, -aufbereitung und -handel; Flughafen.

McCarran-Gesetz: (nach einem US-amerikanischen Senator) antidemokratisches Gesetz der USA vom 23.9.1950, ergänzt 1954; dient zur Unterdrückung der KP und anderer Organisationen; Einzelklauseln wurden 1964/65 als verfassungswidrig aufgehoben.

McCarthyismus: faschistoide innenpolitische Strömung in den USA nach dem 2. Weltkrieg, benannt nach Senator J. R McCarthy (1909-1957); entfaltete sich parallel zum kalten Krieg und erreichte ihren Höhepunkt 1952/54, institutionell im Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Betätigung verkörpert; war gegen alle demokratischen und folkloristischen Regungen, vor allem gegen Arbeiterbewegung und KP gerichtet.

McCullers, Carson Smith, 19.2.1917-29.9.1967, US-amerikanische Schriftstellerin; stellte in einfühlsamen Romanen und Erzählungen die seelische Einsamkeit und Gefährdung vor allem junger Menschen dar («Das Herz ist ein einsamer Jagen), 1940, deutsch; «Frankie», 1946, deutsch; «Uhr ohne Zeiger», 1961, deutsch).

McKay: 1. Claude McKay, 15.9.1890-22.5.1948, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb Lieder und Gedichte gegen den Rassenhass in den USA («Wenn wir denn sterben müssen», 1919, deutsch), Kurzgeschichten und den Roman «Rückkehr nach Harlem» (1927) über die Heimkehr eines afroamerikanischen Soldaten aus Frankreich.

2. Donald McKay, 4.9.1810-20.9.1880, US-amerikanischer Schiffbaumeister; erbaute auf seiner 1845 gegründeten Werft in East Boston die berühmtesten Klipper in den Jahren 1850/70, unter anderem «Flying Cloud» (1851), «Great Republic» (1853).

McKinley, William, 29.1.1843-14.9.1901 (ermordet), US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei); Präsident 1897/1901; unter ihm entfaltete sich mit der Entfesselung des Spanisch-Nordamerikanischen Krieges, der Annexion von Hawaii und der Philippinen, mit der Hay Doktrin unter anderem die imperialistische Außenpolitik der USA

McLennan, Gordon, geboren 12.5.1924, britischer Arbeiterführer; seit 1957 Mitglied des Exekutivkomitees und des Politische Komitees der KP Großbritanniens, 1966/75 Organisations-, seit 1975 Generalsekretär der Partei.

Means, Russell, geboren 1930, US-amerikanischer Indianerführer, Oglala-Sioux; führte mit dem Chippewa-Indianer D. Banks 1973 die Protestaktion von Wounded Knee; Mitglied der Nationalleitung der Amerikanischen Indian. Bewegung, Vertreter beim Internationalen Indian. Vertragsrat.

Meatusstenose: (lateinisch + griechisch) Verengung des äußeren Harnröhrenausführungsganges (Meatus urethrae); ursächlich kommen Entzündungen und angeborene Missbildungen in Betracht.

Mechanik: (griechisch, «Maschinenkunst») physikalische Theorie von der Bewegung der Körper unter dem Einfluss von Kräften, unabhängig von deren spezieller Natur; dabei werden in der Kinematik nur die möglichen Bewegungsformen (Bahnkurven) der Körper untersucht, in der Dynamik auch die bewegenden Kräfte, in der Statik das Zusammenwirken der Kräfte im Fall des Gleichgewichts. Die Hydromechanik untersucht in der Hydrostatik ruhende, in der Hydrodynamik strömende Flüssigkeiten; entsprechend unterscheidet man in der Mechanik der Gase Aerostatik und l“ Aerodynamik. Die klassische oder Newtonsche Mechanik fußt auf den Newtonschen Axiomen; sie gilt nur für Geschwindigkeiten, die klein gegen die Lichtgeschwindigkeit sind, und wenn die auftretenden Wirkungen groß gegen das Plancksche Wirkungsquantum sind. Die klassische Mechanik wird für beliebige Geschwindigkeiten (bis zur Lichtgeschwindigkeit) erweitert durch die relativistische Mechanik (siehe auch Relativitätstheorie) und für kleine Wirkungen durch die Quantenmechanik. Siehe auch Prinzipien der Mechanik.

Mechanisator: Agro- oder Zootechniker in der sozialistischen Landwirtschaft mit speziellen Kenntnissen und Fertigkeiten zur Berufsausübung in der Pflanzen- beziehungsweise Tierproduktion.

mechanische Musikinstrumente, mechanische Musikwerke: Spielwerke, die es ermöglichen, dass Musikstücke mit Hilfe mechanischer Mittel konserviert und beliebig oft abgespielt werden können. Im Gegensatz zur Schallplatte oder zum Tonband erklingt die Musik direkt und nicht indirekt mittels Lautsprecher. Der Antrieb erfolgt durch Gewichte, Kurbel oder Uhrwerk. Durch eine Stiftwalze können die Glocken der Carillons angeschlagen, die Zähne von Metallkämmen für Spieldosen und harfenartige Saiteninstrumente angerissen oder die Ventile zu den Pfeifen von Drehorgeln geöffnet werden. 1738 konstruierte J. Vaucanson ein automatisches Flötenwerk mit Spiralwalze. Nun konnten längere Musikstücke gespielt werden, und es entstanden Originalkompositionen bedeutender Musiker (C. P. E. Bach, J. Haydn, W. A. Mozart, L. van Beethoven) für mechanische Musikinstrumente Anfang des 19. Jahrhundert trat J. N. Mälzel mit seinen Musikmaschinen in Erscheinung (siehe auch Orchestrion). Anfang des 20. Jahrhundert entstanden die Metallscheibe mit eingestanzten Löchern und der gelochte Papierstreifen für Musikaufnahmen von Klavier, Harmonium und Orgel. Bedeutende Markennamen (unter anderem Mignon, Pianola, Phonola) und berühmte Interpreten der Aufnahmen (unter anderem M. Reger, C. Debussy, G. Mahler) brachten technische und künstlerische Erfolge.

mechanisches Vervielfältigungsrecht: die Befugnis, ein urheberrechtlich geschütztes Werk durch ein mechanisches Verfahren zu vervielfältigen und zu vertreiben. Das mechanische Vervielfältigungsrecht an Musikwerken wird von der AWA wahrgenommen.

mechanische Vliesbildung: Verfahren zur Herstellung eines Vlieses hauptsächlich mit den üblichen Spinnereivorbereitungsmaschinen zur Bildung des Flors.

Mechanisierung: Ersatz manueller Tätigkeit durch Maschinen und Geräte zur Steigerung der Arbeitsproduktivität und Erleichterung körperlich schwerer oder monotoner Arbeit. Man unterscheidet Kleinmechanisierung (zum Beispiel elektrische Küchenmaschine), Teilmechanisierung (Einsatz nichtselbsttätiger Maschinen, zum Beispiel Hebezeuge), Vollmechanisierung (Durchführung der Produktion einzelner Fertigungsabschnitte ausschließlich mit Maschinen, Geräten und so weiter) und Komplexmechanisierung (Vollmechanisierung ganzer Fertigungsprozesse beziehungsweise Betriebe), wobei eine exakte Abgrenzung zwischen diesen Stufen nicht möglich ist. In jedem Fall jedoch ist die menschliche Arbeitskraft zur Steuerung und Überwachung der Produktion erforderlich. Das quantitative Verhältnis zwischen mechanisierter und manueller Arbeit ist der Mechanisierungsgrad.

Mechanismus: Gruppe von Maschinenteilen, die in einer kinematischen Kette miteinander so gekoppelt sind, dass die Bewegung eines Gliedes zwangläufig auf die anderen Teile übertragen wird, wobei ein Glied feststeht.

Mechanochemie: Teilgebiet der physikalischen Chemie, das die chemischen Veränderungen untersucht, die bei der Übertragung mechanischer Energie durch Schlag, Reibung, Ultraschall unter anderem auf stoffliche Systeme aller Aggregatzustände erfolgen. Mechanische Einwirkung auf Festkörper kann in mikroskopischen Bereichen zu starker Energiekonzentration führen, wodurch unter anderem eine Aufspaltung kovalenter Bindungen unter Radikalbildung, eine Störung der Kristallstruktur oder auch die kurzdauernde Ausbildung eines Plasmas mit erheblicher Erhöhung der chemischen Reaktionsfähigkeit (ehem. Aktivierung) ausgelöst werden kann. Zum Bereich der Mechanochemie gehören zum Beispiel der Abbau von Makromolekülen durch Scherkräfte oder Ultraschall und die Aktivierung von Zement durch kurzzeitige Intensiv-Mahlung, die zu einer beträchtlichen Verkürzung der Abbindezeit führt. Siehe auch Tribochemie.

Mechelen: Stadt im mittleren Belgien, in der Provinz Antwerpen, an der Dyle; 77000 Einwohner; Stahl-, Transformatoren- und Containerbau; Textil- (Wolle, Leinen), Möbel- und chemischen Industrie; Eisenbahnwerkstätten und Automontagewerk; Gemüsemarkt. Mittelalterliches Stadtbild mit gotischer Kathedrale St-Rombaut (mit Rubensgemälden) unter anderem Kirchen, Tuchhalle (14. Jahrhundert), Grote Burg (13./16. Jahrhundert), Giebelhäuser (16./18. Jahrhundert).

Mechthild von Magdeburg, um 1210-um 1280, Dichterin; ihre mystischen Visionen («Offenbarungen», seit 1250, Prosa, zum Teil freie Rhythmen) enthalten offene Kritik an den Missständen im Klerus. Heinrich von Nördlingen übertrug die «Offenbarungen» 1345 als «Fließendes Licht der Gottheit» in alemannisch gefärbtes Hochdeutsch (einzige erhaltene deutsch-sprachige Fassung).

Mecklenburg: historisches Gebiet in der DDR, etwa die Fläche der heutigen Bezirke Rostock, Schwerin, Neubrandenburg umfassend. Das während der Völkerwanderung von slawischen Stämmen besiedelte Gebiet wurde in der zweiten Etappe der feudalen Ostexpansion endgültig vom deutschen Feudaladel erobert. Den Eroberern folgten bäuerliche Siedler, die das Land der ausgerotteten oder verdrängten slawische Bauern übernahmen. 1549 wurde die Reformation eingeführt. Nach wechselnder Herrschaft verschiedener Linien der Abodritenfürsten entstanden 1621 durch Teilung des Landes die Herzogtümer Schwerin und Mecklenburg (seit 1701 Mecklenburg-Strelitz). Im 16. /17. Jahrhundert bildete sich die zweite Leibeigenschaft heraus. Der Landgrundgesetzliche Erbvergleich von 1755 festigte die Herrschaft des Adels über die Bauern und schuf die Voraussetzungen für die reaktionäre Misswirtschaft der mecklenburgischen Adligen. Im Ergebnis des Wiener Kongresses 1814/15 erhielten beide Häuser den Titel Großherzog. Die in der Revolution 1848/49 erkämpfte Verfassungsreform wurde 1850 aufgehoben. 1867 traten beide Großherzogtümer dem Norddeutschen Bund und 1868 dem Deutschen Zollverein bei. 1918/33 waren beide Teile Mecklenburgs Freistaaten, 1934 wurden sie zum Land Mecklenburg vereinigt, der Anschluss Pommerns und der Insel Rügen erfolgte 1945. Die demokratische Bodenreform 1945 leitete die wirkliche Bauernbefreiung ein, die später mit der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft in der DDR vollendet wurde. Das Land Mecklenburg wurde 1952 in Bezirke gegliedert.

Mecklenburgische Seenplatte: seenreiches Hügelland eiszeitliche Entstehung auf dem Nördlichen Landrücken zwischen Güstrow und Eberswalde-Finow; bis 179 m (Helpter Berge); agrarisch und forstlich genutzt; etwa 800 Seen, deren größte Müritz, Schweriner, Plauer, Kummerower, Kölpin-, Krakower und Malchiner See sind; Erholungsgebiete; Fischerei.

Mecsek: inselartiges, von Südwesten nach Nordosten streichendes Bruchfaltengebirge im Süden Ungarns; höchste Erhebung Zengö mit 682 m; stark bewaldet; Steinkohlenabbau (vor allem bei Komlo), am Südwestrand Uranerzbergbau.

Medaille: (französisch - italienisch, «Metallmünze»)

1. Schau- oder Gedenkmünze; nicht für den Geldumlauf bestimmt, sondern zum Gedenken einer Persönlichkeit oder eines Ereignisses herausgegeben; rund oder oval (in eckiger Form Plakette), mit flachen Reliefdarstellungen auf einer oder beiden Seiten; seit der Antike künstlerisch gestaltet.

2. staatliche oder gesellschaftliche Auszeichnung für besondere Leistungen oder Verdienste oder auch für hervorragende Qualität von Produkten.

Medaillon: Anhänger, meist an einer Halskette getragen, der auch geöffnet werden kann und dann ein Miniaturbildnis o. ä. enthält. Medaillon heißt auch ein rundes oder ovales Bild oder Relief, meist zu dekorativen Zwecken oder für Bildnisse (Bildnis-Medaillon) verwendet.

Medan: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, im Norden der Insel Sumatera; 640000 Einwohner; Wirtschaftseinheit mit dem Übersee- und Erdölexporthafen Belawan, chemische Industrie; Endpunkt einer Erdölleitung von den Rantzau-Feldern nördlich von Medan, Flughafen; Universität.

Medea, in der griechischen Sage die zauberkundige Tochter des Königs von Kolchis; half Iason bei der Gewinnung des Goldenen Vlieses, floh mit ihm und wurde seine Frau; von ihm verlassen, tötete sie die Nebenbuhlerin Kreusa und ihre eigenen Kinder und entfloh auf einem Drachenwagen.

Medellin: Stadt (Departements Zentrum) im Nordwesten Kolumbiens, in einem Hochbecken der Zentralkordillere, 1480m überm Meer; zweitgrößte Stadt Kolumbiens mit 1,5 Millionen Einwohner; Maschinenbau, Lebensmittel-, Textil-, metallverarbeitende, chemische, Pharmazeut. Industrie; Verkehrsknoten, Flughafen; 2 Universitäten, Bergbauhochschule, mehrere Akademien, Museen, Bibliotheken.

Medgidia: Stadt in Rumänien, in der Süddobrudscha (Bezirk Constanta), am Donau-Schwarzmeer-Kanal; 45000 Einwohner; Zementfabrik, Ziegeleien, Maschinenbau; Eisenbahnknoten, Hafen im Bau, Straßenbrücke (689 m); Moschee; bei Medgidia Kalksteinbrüche.

medial: nach der Mitte zu, in der Mitte liegend.

median: (lateinisch) in der Mittellinie liegend.

Medianebene: Anatomie in der Körpermitte liegende Sagittalebene; zerlegt den Körper in 2 gleichgroße Teile und dient der Orientierung.

Mediante: Musik a) die Terz als die Mitte zwischen Grundton und Quinte;

b) Dreiklang, dessen Grundton im Terzabstand zum Grundton eines Hauptdreiklanges steht, zum Beispiel e-Moll- oder E-Dur-Dreiklang in der C-Dur-Tonart.

Medianuslähmung: (zu «median») isolierte Lähmung eines Unterarmnervs (Nervus medianus), zum Beispiel nach der Verletzung an Ober- oder Unterarm auftretend.

Medianwert, Zentralwert: mathematische Statistik bei einer ungeraden beziehungsweise geraden Anzahl von Messergebnissen der mittlere Wert beziehungsweise das arithmetische Mittel der beiden in der Mitte liegenden, nach der Größe geordneten Messergebnisse; kann besonders bei einer kleinen Zahl von Messergebnissen als Schätzwert für die mathematische Erwartung EX einer gegebenen Zufallsgröße X dienen.

Media: Stadt in Rumänien (Bezirk Sibiu), in Transilvania, an der Timava Mare; 69000 Einwohner; metallurgische, Leicht-, Baustoffindustrie, Maschinenbau; Forschungsinstitut für Erdgas; Wehrkirche (Basilika, 15./16. Jahrhundert); bei Media Erdgasförderung.

Mediastinum, Mittelfellraum: zwischen den Brustfellhöhlen, dem Brustbein, der Brustwirbelsäule und dem Zwerchfell liegender Teil der Brusthöhle; enthält Herzbeutel mit Herz, Thymus, obere Hohlvene, Luft- und Speiseröhre, Brustaorta, Milchbrustgang, Blut- und Lymphgefäße sowie Nerven.

Mediatisierung: die Unterstellung eines bisher reichsunmittelbaren Standes unter die Landeshoheit eines Reichsstandes. Die Mediatisierung von 1803 (Reichsdeputationshauptschluss) beseitigte fast alle geistlichen Fürstentümer.

Mediävistik: (lateinisch) Wissenschaft von der Geschichte des Mittelalters.

Medici: italienisches geadeltes Kaufmannsgeschlecht, beherrschte Florenz 1434/1737 (mit Unterbrechungen); eines der mächtigsten Bankhäuser des 15. Jahrhundert. Die Päpste Leo X. (Giovanni Medici), Clemens VII. (Giulio Medici) und Leo XI. (Alessandro Medici) entstammten dem Hause Medici 1. Cosimo, «der Alte», 27.9.1389-1.8.1464, begründete die Herrschaft der Medici in Florenz; forderte die Künstler Brunelleschi, Ghiberti und Donatello; gründete 1444 die Bibliothek «Laurenziana». 2. Katharina, 13.4.1519-5.1.1589, als Frau Heinrichs II. seit 1533 Königin von Frankreich; versuchte als Regentin (1560/63), dann als Beraterin ihres unfähigen Sohnes Karl IX. die Macht der Krone angesichts zunehmender Auseinandersetzungen zwischen Hugenotten und Katholiken zu festigen; um einen Teil ihrer politischen Gegner zu vernichten, veranlasste sie die Bartholomäusnacht. 3. Lorenzo, «der Prächtige» (so genannt wegen seiner Kunstfreudigkeit), 1.1.1449-8.4.1492, Enkel von Cosimo dem Alten; unter ihm faktische Beseitigung der republikanischen Verfassung; Behauptung der Stellung von Florenz als Zentrum der italienischen Renaissance.

Medien: historische Landschaft im Westen des Hochlandes von Iran; die indoeuropäischen Meder wanderten hier am Ende des 2. Jahrtausend vor Christus ein und begründeten im Kampf mit den Assyrern einen militärischen-demokratischen Stammesverband. Die Hauptstadt wurde Ekbatana. Im Bündnis mit Babylon zerschlugen die Meder das Assyrische Reich (614/605 vor Christus) und errichteten infolge der Eroberung von Persien, Kappadokien und Armenien das Med. Reich, das um 550 vor Christus durch Kyros II. besiegt wurde.

Medikation: Arzneimittelverordnung, -verschreibung, -anwendung.

Medina: (arabisch, «Stadt») Bezeichnung für die mit einer Mauer umgebene Altstadt in arabischen Städten. Siehe auch Kasbah.

Medina, Al-Madina: Stadt im Westen Saudi-Arabiens, in der Provinz Hedschas; 290000 Einwohner; nach Mekka die zweite heilige Stadt und wichtigster Wallfahrtsort des Islam; starker Pilger- und Touristenverkehr; Straßenknoten, internationaler Flughafen; Islam. Universität. Medina, das ehemalige Yatrib, wurde seit dem 4. Jahrhundert von arabischen Stämmen beherrscht; wichtiger Karawanenhandelsplatz an der «Weihrauchstraße», 622 Einzug (Hedschra) der muslimischen Gemeinde unter Muhammad und Umbenennung; Medina wurde neben Mekka zum bedeutendsten islamischen Wallfahrtsort (Grabstätte Muhammads und der beiden ersten Kalifen).

Medinawurm, (nach der Stadt) Guineawurm (nach dem Golf von Guinea), Dracunculus medinensis: bis 1,2 m langer tropischer Fadenwurm; schmarotzt bei Menschen und Haustieren im Unterhautzellgewebe, verursacht schmerzhafte Geschwüre; Überträger sind mit dem Trinkwasser aufgenommene Ruderfußkrebse.

Medinet Habu: altägyptische Ruinenstätte, in Oberägypten, am Westufer des Nils, gegenüber Luksor gelegen; erhalten sind Reste des großen Tempels Ramses HI. und des Amun-Tempels der Hatschepsut. Die Tempelwanddarstellungen verdeutlichen vor allem die Kämpfe Ramses III. gegen die Libyer und Seevölker.

medische Kunst: Kunst des Reiches Medien (7. Jahrhundert vor Christus bis Mitte 6. Jahrhundert vor Christus; im Nordwesten Irans beheimatet; Hauptstadt Ekbatana; Fundorte Nusch-i Dschan, Godin Tepe). Mit den wertvollen Metallarbeiten (elamische Kunst, Luristan) und der Verwendung repräsentativer quadratischer Säulenhallen (persische Kunst) reiht sich die medische Kunst in den großen Kunstkreis der westiranischen Kulturen der 1. Hälfte des 1. Jahrtausend vor Christus ein.

Meditation: Nachdenken; Sich vertiefen in Gedanken; geistige, religiöse Versenkung,

Medium: («Mitte») 1. allgemein Mittel, Mittelglied; vermittelndes Element.

2. Parapsychologie: unkritische, leitbare Mittelsperson bei okkultistischen, insbesondere spiritistischen Sitzungen, die eine scheinbare Verbindung mit «Übernatürlichem» herstellt.

3. Physik: Stoff, in dem sich ein physikalischer Vorgang abspielt, zum Beispiel Flüssigkeit, Dickstoff.

Medizin, Heilkunde: Wissenschaft vom gesunden und kranken Funktionszustand des menschlichen Organismus sowie von den Ursachen, Erscheinungsformen, der Vorbeugung und Heilung von Krankheiten. Die Gesamtheit der wissenschaftlichen Forschungen und Tätigkeiten ist darauf gerichtet, die Gesundheit des Menschen zu fördern, also Krankheiten vorzubeugen, sie zu heilen, zu lindem, Rückfälle zu verhindern und die Folgen von Dauerschäden sowie Leistungsminderungen auf das geringste Maß herabzusetzen. Die Medizin stützt sich auf die. Erkenntnisse der Natur- und Gesellschaftswissenschaften sowie der Technik. Mit ihren naturwissenschaftliche Bestandteilen ist sie in die Biowissenschaften einbezogen. Als Humanwissenschaft (Wissenschaft vom Menschen) ist sie mit Anthropologie und Psychologie eng verbunden. Grundpfeiler der Medizin sind Prophylaxe, Diagnostik und Therapie, Metaphylaxe und Rehabilitation. Die Vielfältigkeit der Krankheitserscheinungen und ihrer Behandlung sowie rasche Fortschritte der Medizin erfordern ihre Aufgliederung in eine immer größere Anzahl von Fachgebieten. Die wichtigsten sind: Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Anatomie, Arbeitshygiene, Augenheilkunde, Blut- und Transfusionswesen, Chirurgie, gerichtliche Medizin, Geschichte der Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Humangenetik, Hygiene, innere Medizin, Kinderheilkunde, klinische Pharmakologie, medizinische Biochemie, medizinische Immunologie, medizinische Mikrobiologie, Militärmedizin, Neurochirurgie, Neurologie und Psychiatrie, Notfallmedizin, Orthopädie, Pathologie, Pharmakologie und Toxikologie, Physiologie, Physiotherapie, Psychotherapie, Radiologie, Sozialhygiene, Sportmedizin, Stomatologie und Urologie. Jedes dieser Gebiete ist in Teilgebiete weiter untergliedert. Die Geschichte der Medizin hat die Aufgabe, die Entwicklung der medizinischen Tätigkeit und des medizinischen Wissens in organischen Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Wechsel der sozialökonomischen Formationen sowie mit der allgemeinen Geschichte und Kulturgeschichte der Völker zu untersuchen. Auch die Geschichte der Pharmazie und der Stomatologie werden in die Medizingeschichte einbezogen. Aus der Paläopathologie (Lehre von den frühgeschichtlichen Krankheiten) ist bekannt, dass schon der Mensch der Urzeit an Knochenkrankheiten verschiedener Art litt. Skelettfunde beweisen, dass er Brüche schienen und Schädeloperationen (Trepanationen) durchzufuhren verstand. Der erste Durchbruch zu einer Medizin als Wissenschaft gelang den Griechen unter Hippokrates (460-377). Die hippokratische Medizin war insbesondere eine Naturheilkunde, die auf genauer Beobachtung des Kranken beruhte. Über Alexandria verlagerte sich die griechische Medizin mit der beginnenden Weltherrschaft der Römer nach Rom. Hier fasste Galen (129-200) das gesamte medizinische Wissen seiner Zeit in einer bis in die Neuzeit für unfehlbar gehaltenen Weise zusammen. Auf dem Weg über Byzanz erfuhr die Medizin in der arabischen Medizin (etwa 900-1150) einen neuen Höhepunkt. Wie alle Wissenschaften wurde die mittelalterliche Medizin rein scholastisch, nur nach den Büchern der «Autoritäten» betrieben. Der erste, der leidenschaftlich die Autoritäten zu stürzen und eine auf Beobachtung und Experiment gegründete Medizin aufzubauen versuchte, war Paracelsus (1493-1541). Der Begründer der modernen Anatomie war A. Vesal (1514-1564). Die für die moderne Medizin wichtigste Entdeckung, die des Blutkreislaufs, gelang W. Harvey (1578-1657). Medizin. Zentren waren bis weit ins 17. Jahrhundert Padua und Leiden, Ende des 18. Jahrhundert Wien und im 19. Jahrhundert Paris, Wien und Berlin. Die Spezialisierung der Medizin in viele Fachgebiete erfolgte im 19. Jahrhundert auf Grund konsequenter Anwendung naturwissenschaftlicher Denkweisen und Methoden.

Medizinalfuttermittel: rezeptpflichtiges Futtermittel, das neben Arzneimitteln auch Futtermittelkomponenten enthält und nur nach gesetzlichen Vorschriften in der Tierfütterung eingesetzt werden darf.

Medizinalstatistik: medizinische Statistik (Morbiditäts-, Mortalitäts-, Geburtenstatistik) als Grundlage für staatliche Entscheidungen.

medizinische Bäder, Heilbäder, alle Formen von Wasser- und Dampfbehandlung. Man unterscheidet Voll- und Teilbäder, die je nach dem Behandlungsziel angewendet werden. Die Wassertemperatur beträgt bei ausgesprochen kalten Bädern unter 20 bis 22 °C, bei kalten Bädern unter 34 °C, bei indifferenten Bädern 34 bis 35,9°C, bei warmen Bädern 36 bis 39°C und bei heißen Bädern 40°C und darüber. Große Bedeutung haben die Überwärmungsbäder mit Endtemperaturen von 38,5 bis 42 °C gewonnen.

- Neben reinen Wasserbädern (zum Beispiel Überwärmungsbad, Wechselbad) werden Heißluft- und Dampfbäder (zum Beispiel Sauna), Bäder mit mechanischer Behandlung (zum Beispiel Bürstenbad, Dampfstrahldusche, Kohlensäurebad, Unterwassermassage) und hydroelektrische Bäder (zum Beispiel Stangerbad, Vierzellenbad) angewendet. Durch bestimmte Badezusätze (zum Beispiel Schwefel, Kamillen-, Fichtennadelextrakt, Salz) kann die Heilwirkung verstärkt werden.

medizinische Physik: Teilgebiet der angewandten Physik, das physikalische Erkenntnisse, Gesetze, Methoden und Verfahren zur Lösung theoretischer und praktischer Probleme der Medizin anwendet, einschließlich mathematischer Hilfsmittel.

medizinischer Dienst: Bezeichnung für die Institutionen, die in ihrer Gesamtheit die Organisation des Gesundheitswesens in gesellschaftlichen und staatlichen Bereichen repräsentieren, zum Beispiel Verkehrs-, Sportmedizin. D., medizinischer Dienst der NVA.

Medizintechnik: Spezialgebiet der Technik, das auf Grund naturwissenschaftlicher und ingenieurwissenschaftlicher, insbesondere physikalische Erkenntnisse, Geräte und Methoden für die medizinische Diagnostik und Therapie entwickelt. Teilgebiete sind zum Beispiel die radiologische Technik, die medizinische Elektronik, die Medizinmechanik, die Labortechnik und die Ultraschalltechnik.

Medrese, Madrasa (arabisch, «Schule»): islamische Rechts- und Traditionsschule, entwickelt seit dem 11. Jahrhundert (Iran, Türkei) einen beispielgebenden sakralen Bautyp: Arkadenhof mit mächtigem Iwan in der Mitte jeder Seite, der von Wohnzellen in zwei Geschossen flankiert wird (Beispiele in Isfahan, Samarkand), oft mit vorgelagertem Torbau. In der Türkei werden Medrese mit dem Grab des Stifters kombiniert, auch als Kuppelsaal mit Wasserbecken statt eines Hofes gestaltet (zum Beispiel Konya); berühmte Medrese in der Vergangenheit waren Bagdad, Córdoba, Toledo, Syrakus, Damaskus; die heute angesehenste ist die Azhar-Universität in Kairo.

Medulla: Anatomie Mark; zum Beispiel Medulla spinalis (Rückenmark), Medulla ossium (Knochenmark).

Medusa, in der griechischen Sage die sterbliche der 3 Gorgonen; Perseus schlug ihr das Haupt ab, aus dem Rumpf sprang Pegasus. Das Haupt der Medusa trug Athene auf ihrem Brustpanzer (Gorgoneion).

Medusenhaupt: (nach der Sagengestalt Medusa) sichtbare Venenerweiterung im Nabelbereich infolge Pfortaderstauung.

Meer, Weltmeer, größte zusammenhängende Wassermasse der Erde, enthält mit 1350 Millionen km3 99,8% des gesamten auf der Erde vorhandenen flüssigen Oberflächenwassers und bedeckt 361 Millionen km oder 70,8% der Erdoberfläche. Die mittlere Tiefe des Meer beträgt 3795 m, die größte Tiefe 11516 m. Durch Landmassen wird das Meer in 4 Ozeane untergliedert: Stiller Ozean (Pazifik), Atlantischen Ozean (Atlantik), Indischen Ozean (Indik) und Arktische Ozean (Arktik). Das Meer greift in die angrenzenden Landmassen mit Nebenmeeren ein. Nach der Tiefe unterscheidet man die Flachsee (Schelf) bis etwa 200 m Tiefe (rund 7,6% der Gesamtfläche des Meers), den Kontinentalabhang bis rund 3000 m (15,3%), die Tiefseetafel bis 6000 m (75,9%) und die Tiefseegräben über 6000 m (etwa 1,2%). Die Mitteltemperatur des Meer beträgt unter Einbeziehung der tieferen Schichten 3,8 °C, die mittlere Oberflächentemperatur 17,4°C (tropische Meere 26°C, Polarmeere bis -1,5°C). Der Salzgehalt des Meerwassers beträgt durchschnittlich 35 %o, im offenen Ozean liegen die regionalen Unterschiede zwischen 32 und 37 %o, in Nebenmeer treten größere Salzgehaltsunterschiede auf. Mit etwa 250000 Arten lebt im Meer rund ein Achtel der bekannten Tier- und Pflanzenarten. Im Meer unterscheidet man folgende Lebensräume: Küstenzone (Litoral), Lebensraum des Freiwassers (Pelagial), Tiefseebereich (Abyssal) und Bodenzone (Benthal). Die ökonomische Bedeutung des Meers als Verkehrsträger, Nahrungs- und Rohstoffquelle hat stark zugenommen. Völkerrecht. Hinsichtlich seines Rechtsstatus wird grundsätzlich unterschieden zwischen dem offenen Meer und dem geschlossenen Meer Das offene Meer unterliegt keiner staatlichen Souveränität, sondern dem Grundsatz der Freiheit der Meere und steht auf der Grundlage des Völkerrechts allen Staaten offen (alle Teile der Weltmeer mit Ausnahme der der staatlichen Souveränität unterliegenden Territorialgewässer und inneren Seegewässer). Gewisse Beschränkungen ergeben sich aus den Küstenstaaten in den Anschlusszonen und der ökonomischen Zone zustehenden Rechten. Das geschlossene Meer ist entweder vom Gebiet mehrerer Staaten umschlossen und ohne Zugang zum offenen Meer, oder es steht durch eine Meerenge mit dem offenen Meer in Verbindung (zum Beispiel Ostsee). Die Nutzung des geschlossenen Meers wird durch die Anliegerstaaten unter Beachtung allgemeiner völkerrechtlicher Grundsätze auf vertraglicher Grundlage geregelt. Siehe auch Seerechtskonvention.

Meer, Simon van der, geboren 24.11.1925, niederländischer Ingenieur; wesentlich beteiligt am Nachweis der intermediären Bosonen.

Meeralpen, Seealpen, französisch Alpes-Maritimes: Südteil der Westalpen, an der französischen-italienischen Grenze; Kalkketten mit Kernen aus kristallinen Gesteinen; im Punta Argentera (auf italienischen Gebiet) 3297 m; starke sommerliche Trockenheit; aufgelockerte natürliche Vegetation; Schafweiden; wirtschaftlich unterentwickelt; Nationalpark.

Meerampfer, Blutroter Seeampfer, Delesseria sanguinea: in der Ost- und Nordsee sowie im Atlantik verbreitete Rotalge, aus deren Extrakt antibiotische sowie die Blutgerinnung verhindernde Stoffe gewonnen werden.

Meerane: Stadt im Kreis Glauchau, Bezirk Karl-Marx-Stadt; 22000 Einwohner; Webereien, Bekleidungs-, Schuhindustrie, Dampfkessel-, Karosseriebau; Heimatmuseum.

Meeräschen, Mugilidae: Familie barschartiger Fische mit langgestrecktem, fast drehrundem Körper; überwiegend in wärmeren und gemäßigten Meeren, wenige im Süßwasser; bis 80 cm lang und 12 kg schwer der Großkopf (Mugil cephalus).

Meerbarben, Mullidae: zu den Barschartigen gehörende, bis 45 cm lange Grundfische tropischer und subtropischer Meere; teils Speisefische.

Meerbrassen, Sparidae: artenreiche Familie barschartiger, hochrückiger Fische mit kräftigem Gebiss, einer durchgehenden Rückenflosse und einer gegabelten Schwanzflosse, die vorwiegend die Küstenzonen tropische und subtropische Meere bewohnen.

Meerechse, Amblyrhynchus cristatus: bis 175 cm langer Leguan der Galapagosinseln; dunkelgefärbt, Paarungskleid mit roten Flecken; einzige Echse, die sich tauchend von Meerestangen ernährt.

Meereis: salzhaltiges Eis aus gefrorenem Meerwasser.

Meerenge: schmale Meeresverbindung zwischen verschiedenen Meeresteilen, die durch das Festland oder Inseln voneinander getrennt sind. Für Meerengen des offenen Meeres, die für die internationale Schifffahrt benutzt werden, gilt der völkerrechtliche Grundsatz des ungehinderten Transits für alle Schiffe und Flugzeuge.

Meeresangeln: überwiegend vom Boot aus auf freier See ausgeführter Fischfang; international Wettkampf in den Disziplinen Grund-, Spinn- und Schleppangeln mit der Angelart entsprechend Geräten. Jeder gefangene, den Mindestmaßen entsprechend Fisch sowie jedes Gramm Fischmasse ergeben 1 Punkt. Weltmeisterschaften.

Meeresbiologie: Lehre vom Leben und den Lebensbedingungen im Meer, Teilgebiet der Hydrobiologie.

Meeresboden, Tiefseeboden: im engeren Sinne der Meeresgrund und -untergrund, der sich außerhalb des Gebietes befindet, in dem souveräne Rechte von Anliegerstaaten geltend gemacht werden können (Festlandsockel, Wirtschaftszone). Der Meeresboden (und seine Ressourcen) wird völkerrechtlich als gemeinsames Erbe der Menschheit betrachtet, das ausschließlich für friedliche Zwecke zu nutzen ist. Es ist vorgesehen, eine internationale Meeresbodenbehörde zu schaffen, die den Meeresbergbau auf dem Meeresboden betreibt und koordiniert.

Meeresbodenvertrag, Vertrag über das Verbot der Stationierung von Kernwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Boden der Meere und Ozeane und in deren Untergrund, am 11.2.1971 in Moskau, Washington und London zur Unterzeichnung ausgelegter, am 18.5.1972 in Kraft getretener multilateraler völkerrechtliche Vertrag, der allen Staaten zum Beitritt offensteht. Durch die Bestimmungen des Meeresbodenvertrags erhalten Meeresgrund, Ozeanboden und deren Untergrund faktisch den Charakter einer kernwaffenfreien Zone.

Meeresfischerei: Hochsee- und Küstenfischerei sowie als besonderer Betriebszweig Walfang. Im Hinblick auf die Fangmengen sind die wichtigsten Fische die Heringsartigen (Clupeidae) und Schellfischartigen (Gadidae). Die Meeresfischerei wird immer mehr von großen Schiffen (Fang- und Verarbeitungsschiffe) ausgeübt.

Meeresgeodäsie: Teilgebiet der Geodäsie zur Bestimmung der Erdfigur im Küsten- und Meeresbereich, des Meeresniveaus, der Topographie des Meeresgrundes, der Schwerewerte und Positionskoordinaten auf See mit geodätischen und Satellitenverfahren.

Meeresleuchten: nächtliche Leuchterscheinung der Oberfläche besonders tropische Meere, bedingt durch die Biolumineszenz von Ein- beziehungsweise Mehrzellern mit symbiontischen Leuchtbakterien.

Meeresströmungen: horizontale Wasserversetzungen im Meer. Ursachen für Meeresströmungen sind die an der Meeresoberfläche wirkende Schubkraft des Windes und innere Druckkräfte, die durch unterschiede Dichte des Meerwassers und durch die Neigung des Meeresspiegels entstehen. Dabei bleibt der vom Wind erzeugte Triftstrom auf oberflächennahe Schichten beschränkt, der durch innere Druckkräfte erzeugte Gradient Strom erfasst auch tiefere Wasserschichten.

Meerestechnik: Sammelbegriff für die technischen Mittel zur Erforschung und Nutzung des Meeres und seiner Vorräte, einschließlich der Bodenschätze.

Meeresverschmutzung: Verunreinigung der Meere, verursacht durch unkontrolliert ausfließendes Erdöl bei Havarien von Tankschiffen und Bohrinseln, Einträgen von Schadstoffen aus Flüssen und aus der Atmosphäre sowie Verkippen industrieller Abprodukte von Schiffen. Die Meeresverschmutzung kann zum Beispiel eine Eutrophierung von Meeresteilen, die Verminderung des Fischertrages bewirken und Badestrände im benutzbar werden lassen.

Meerkatzen, Cercopithecinae: schlanke, langschwänzige afrikanische Affen mit Backentaschen und Gesäßschwielen; gesellig lebend, gewandte Baumkletterer, Pflanzenfresser; die Blaumaul-Meerkatzen (Cercopithecus cephus) mit blauer Oberlippe und gelbem Backenbart und die Grüne Meerkatzen (Cercopithecinae aethiops) mit dunklem Gesicht und hellem Backenbart sind Waldbewohner; der Husarenaffe (Erythrocebus patas) lebt in Steppengebieten.

Meerkohl, Crambe maritima: ausdauernder, weiß blühender Kreuzblütler mit kahlen, fleischigen blaugrünen Blättern; hauptsächlich an der atlantischen Küste; an der Ostseeküste selten.

Meerohren, Seeohren, Haliotidae: Meeresschnecken mit flachgewundenen ohrförmigen Schalen, die bis 20 cm lang werden können. Meerohren saugen sich in den Brandungszonen an Felsen fest.

Meerpfau, Thalassoma pavo: bis 20 cm langer Lippfisch des östlichen Atlantiks und Mittelmeeres; bronzegrün mit hellen Querbinden und blauen Kopfstreifen; in Meerwasseraquarien gehalten.

Meerpinsel, Fächerwurm, Sabella pavonina: bis 40 cm langer, röhrenbewohnender Vielborster mit etwa 100 langen, gefiederten Fang- und Kiemenfäden am Vorderende, die pinselartig aus der Röhre hervorragen; lebt an Meeresküsten, kommt in der Nordsee häufig vor.

Meerrettich, Armoracia rusticana: Kreuzblütler mit großen grundständigen Blättern und bis 1 m hohem Blütenstand; die Wurzeln werden als Gewürz verwendet. Meerrettich wird in manchen Gebieten auch als Kren bezeichnet.

Meersalat, Ulva lactuca: in Meeren verbreitete, essbare Grünalge mit blattartigem Thallus.

Meersau, Scorpaena scrofa: zu den Drachenköpfen gehörender bunter Grundfisch von plumper Gestalt, mit großem Kopf und stachligen, zum Teil giftigen Flossen; lebt im Mittelmeer und östlicher Atlantik.

Meerschweinchen, Cavia aperea: südamerikanisches Nagetier, das gesellig in Grassteppen lebt; Schlaf- und Ruheplätze in Erdbauten oder anderen Verstecken; Stammform des Hausmeerschweinchen (C. a. f. porcellus), das als Haus- und Laboratorium Stier in zahlreichen Farbschlägen und Haartrachten gezüchtet wird.

Meerssen, Mersen: Stadt in den Niederlanden, nordöstlich von Maastricht. In der karolingischen Pfalz zu Meerssen schlossen am 8./9.8.870 der ostfränkische König Ludwig II und der westfränkische König Karl II. den Vertrag von Meerssen über die Aufteilung des Reiches von Lothar II.

Meerträubel, Ephedra: artenreiche Gattung der Meerträubel Gewächse (Ephedraceae), Nacktsamer; in warm temperierten Gebieten Asiens, des Mittelmeerraumes, Mittel- und Südamerikas vorkommend; an trockene Standorte angepasste Rutensträucher mit grünen Zweigen und kleinen schuppenförmigen Blättern, schachtelhalmähnlich; Blüten in zäpfchenartigen Blütenständen. Einige Arten enthalten das Alkaloid Ephedrin.

Meerwasser: gelöste Salze (hauptsächlich Kochsalz), Gase, organische Verbindungen und suspendierte Teilchen enthaltendes Wasser der Ozeane und Nebenmeere. Vermutlich sind alle natürlich vorkommenden chemischen Elemente im Meerwasser vorhanden, teilweise aber in sehr geringen Mengen. Die Verteilung der im Meerwasser vorhandenen Stoffe bestimmt maßgeblich die Lebensvorgänge im Meer und seine Fruchtbarkeit.

Meerzwiebel, Urginea maritima: weiß blühendes Liliengewächs des Mittelmeergebietes; die fast kindskopfgroße Zwiebel enthält herzwirksame Glykoside (Arzneipflanze). Auch Giftköder zur Rattenbekämpfung.

Meeting: Zusammenkunft; politische Massenkundgebung mit mehreren Rednern; Sporttreffen mit mehreren Veranstaltungen oder zeitlich dicht aufeinander folgenden Wettkämpfen.

Megalopolis: Großstadtregion; im engeren Sinne der etwa 1000 km lange, nicht durchgehend bebaute, stark verstädterte Siedlungsstreifen im Nordosten der USA längs der Küste des Atlantischen Ozeans zwischen Boston und Baltimore, wo 20% der US-amerikanischen Bevölkerung auf 3% der Fläche des Landes leben; östliches Gebiet des Manufacturing Belt.

Meganeura: libellenartiges Insekt des Oberkarbons, mit einer Flügelspannweite von 75 cm; größtes Insekt aller Zeiten.

Megaphon: (griechisch) Schalltrichter, aus dem die Schallwellen parallel austreten; dient als Sprachrohr, bis 1000 m Hörweite.

Megara: im antiken Griechenland bedeutendes mittelgriechisches Handelszentrum; Mutterstadt zahlreicher Kolonien; unter anderem Byzanz.

Megäre: (nach Megaira) bösartige Frau.

Megariker: Anhänger der von Euklid aus Megara (um 450-um 380 vor Christus) gegründeten griechischen Philosophenschule, die Gedanken der Eleaten, des Sokrates und der Sophisten verarbeitete. Die Megariker, auch Eristiker genannt, weil sie die Kunst des Meinungsstreites, die Eristik, entwickelten, untersuchten Probleme der Logik (Fangschlüsse) und der Dialektik (Einheit-Vielheit, Qualitätsumschlag durch quantitative Veränderung).

Megatherium, Riesenfaultier, vom Jungtertiär bis Pleistozän in Amerika lebendes, bis 4 m langes und 2 m hohes Faultier mit kräftigem Stützschwanz.

Megavoltbestrahlung, Hochvoltbestrahlung, Supervoltbestrahlung: Radiologie Strahlenbehandlung mit Quantenenergien ab 1 MeV; am häufigsten wird die Gammastrahlung des Kobalt 60 benutzt.

Mehl: Sammelbegriff für pulverfein vermahlene, zumeist pflanzliche Lebensmittel, wie Getreide (unter anderem Weizen, Roggen), Leguminosen (zum Beispiel Erbsen, Bohnen, Soja), Kartoffeln. Unter Mehl wird im engeren Sinne Weizenmehl oder Roggenmehl verstanden. Die Herstellung von Mehl besteht im Allgemeinen aus dem Reinigen des Getreides von Begleitstoffen, dem Konditionieren, der Entfernung von Fruchtwand und Haarschopf (Weißreinigung), dem Mahlen zwischen Walzen bei unterschiedlicher Walzenstellung (Flach-, Hochmüllerei) und dem Sichten. Roggenmehl und Weizenmehl unterscheidet man entsprechend dem Ausmahlungsgrad, der sich in der Mehlfarbe äußert (helle oder dunkle Mehl) und sich aus dem Verhältnis Mehlausbeute zu abgetrennter Kleie (Schalen-, Aleuronschicht- und Keimanteile) in Prozent errechnet.

Mehlbeere, Sorbus: Gattung der Rosengewächse; die Echte Mehlbeere (Sorbus aria) ist ein weiß blühendes trugdoldiges Gehölz mit unterseits weißfilzigen Blättern und roten, mehligen, nach Frost essbaren Früchten; wärmeliebend, auf Kalkböden, auch Zierbaum.

Mehlfruchtarten: Körnergewächse aus den Familien der Gräser (zum Beispiel Getreide) und Knöterichgewächse (zum Beispiel Buchweizen).

Mehlkäfer, Tenebrio molitor: 15 mm lange, schwarzbraune Art der Schwarzkäfer; Vollkerfe und Larven (Mehlwürmer) schädigen an lagerndem Getreide, Mehl und Mehlprodukten. Mehlwürmer werden als Futtertiere für Ziervögel und Terrarientiere gezüchtet.

Mehlmotte, Ephestia kuehniella: grauer, 20 mm spannender Zünsler, die rötliche Raupe lebt an Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, verschiedenen Sämereien unter anderem; Versuchstier im Pflanzenschutz.

Mehlnährschaden: durch Eiweißmangel und Kohlenhydratüberernährung bedingte Ernährungsstörung besonders der Säuglinge. Der Mehlnährschaden kommt in den Hungergebieten der Welt häufig vor.

Mehlzünsler, Pyralis farinalis: gelbgrau und braun gezeichneter Zünsler mit etwa 30 mm Spannweite; Raupe an Mehlprodukten, Getreide und Stroh.

Mehmed II., genannt der Eroberer, um 1430-3.5.1481, türkischer Sultan seit 1451; eroberte 1453 Konstantinopel, besetzte in der Folgezeit Griechenland, Serbien, Bosnien, unterwarf die Walachei und die Krimtataren, nahm 1480 Otranto in Italien. Mehmed II baute das Timar-System durch Konfiskation von Mulk- und Waqf-Ländereien aus und gab 1476 das erste osmanische Gesetzbuch heraus.

Mehrdruckturbine: aus verschiedenen Netzen mit verschiedenen Dampfdrücken gespeiste Dampf- (meist Abdampf-) Turbine.

Mehrfachstart: Verfahren, bei dem mehrere Raumflugkörper gleichzeitig von einer Trägerrakete auf ähnliche oder unterschiedliche Umlaufbahnen befördert werden.

Mehrfachtarifzähler: ein durch Schaltuhr oder Fernsteuerung umschaltbarer Elektrizitätszähler (meist Doppeltarifzähler mit 2 Zählwerken), der die Anwendung verschiedener Tarife für die in Spitzen- und Schwachlastzeiten aufgenommene Energie erlaubt.

Mehrfeldrahmen: Tragkonstruktion, bei der ein Träger über mehrere Stützenfelder durchläuft (Mehrfeldträger) und mit den Stützen des darunter- oder denen des darüber liegenden Geschosses biegesteif verbunden ist.

Mehrheit, Majorität: Staatsrecht Mehrzahl bei Wahl oder Abstimmung; absolute Mehrheit: mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen (auch einfache Mehrheit genannt); relative Mehrheit: mehr Stimmen als jede Person beziehungsweise jede einzelne Gruppe für sich allein; qualifizierte Mehrheit: mehr als zwei Drittel oder, seltener, drei Viertel der abgegebenen Stimmen.

Mehring: 1. Franz Mehring, 27.2.1846-29.1.1919, bedeutender marxistischer Historiker, Literaturwissenschaftler und Publizist; nach dem Studium der Philologie wirkte er als Journalist an demokratischen Presseorganen. Ende der 70er Jahre zeitweise auf antisozialistischen Positionen, fand Mehring unter dem Sozialistengesetz zu seinen demokratischen Positionen zurück; seit 1883/84 Mitarbeiter der «Demokratischen Blättere, seit 1884 Mitarbeiter und Leitartikler und schließlich seit 1889 Chefredakteur der Berliner «Volkszeitung». Seit Ende der 80er Jahre befasste sich Mehring mit dem Marxismus. 1891 wurde er Mitglied der Sozialdemokratie; 1892/1913 war er ständiger Mitarbeiter der «Neuen Zeit» und 1902/07 Chefredakteur der «Leipziger Volkszeitung»; er lehrte 1906/11 an der Parteischule der Sozialdemokratie; veröffentlichte die «Lessing-Legende» (1892), die «Geschichte der deutschen Sozialdemokratie» (1898) und «Karl Marx. Geschichte seines Lebens» (1918). Mit seinen literaturhistorischen und historischen Arbeiten erschloss Mehring der Arbeiterklasse die Schätze der Weltkultur und trug wesentlich zur Entwicklung eines marxistischen Bildes von der deutschen Geschichte bei. Er gehörte zu den deutschen Linken, bekämpfte den Revisionismus und war Mitbegründer der Gruppe «Internationale» (1916), begrüßte die Große sozialistische Oktoberrevolution und die Politik der Bolschewiki und war an der Vorbereitung zur Gründung der KPD beteiligt.

Walter Mehring, 29.4.1896-3.10.1981, Schriftsteller, ab 1933 in Frankreich, Österreich und den USA im Exil; gründete 1920 das linksbürgerliches «Politisches Cabaret»; griff Reaktion und Faschismus mit desillusionierender «Gebrauchslyrik» an («Die Gedichte, Lieder und Chansons des Walter Mehring», 1929); schrieb ferner «Die verlorene Bibliothek. Autobiographie einer Kultur» (1952).

mehrjährig, ausdauernd, perennierend: sind Pflanzen mit mehrjähriger Lebensdauer (Stauden und Holzgewächse); siehe auch einjährig, zweijährig.

Mehrkampf, Kombination: Sport mehrere nacheinander durchgeführte, als Ganzes gewertete Übungen (Punktwertung) einer Sportart (reiner Mehrkampf) oder mehrerer Sportarten (gemischter Mehrkampf).

Mehrlinge: gleichzeitig geborene Geschwister; die Entwicklung mehrerer Keimlinge ist bei vielen Tieren die Regel, beim Menschen eine Ausnahme. Auf etwa 80 Geburten kommt beim Menschen durchschnittlich eine Zwillingsgeburt; Drillinge, Vierlinge (bis Neunlinge) sind wesentlich seltener. Man unterscheidet eineiige und mehreiige Mehrlinge; bei eineiigen (monozygotische) Mehrlinge geht die Entwicklung von einer einzigen befruchteten Eizelle aus, die sich im Verlauf der Frühentwicklung des Keimlings in 2 oder mehr Keimanlagen spaltet, aus denen sich jeweils ein Individuum entwickelt. Bei mehreiigen (polyzygotische) Mehrlinge kommen mehrere Eizellen zur Befruchtung.

Mehrmaschinenbedienung, Mehrarbeitsstellenbedienung: Form der Organisation der Produktion, in der technologisch und arbeitsorganisatorisch Bedienung, Kontrolle und Überwachung mehrerer Maschinen (Arbeitsstellen) gleicher oder unterschiedlicher Art bei gleichzeitiger Bearbeitung gleicher oder unterschiedlicher Arbeitsgegenstände durch einen Arbeiter oder ein Kollektiv rationell durchgeführt werden. Mehrmaschinenbedienung hat weitestgehend automatisch ablaufende Teilprozesse (automatische Maschinenlaufzeiten) zur Voraussetzung.

Mehrmetallplatte: Offsetdruckplatte, bei der man das unterschiedliche Verhalten von Metallen gegenüber Fettfarbe und Wasser ausnutzt. Die Bimetall Plane besteht aus 2 Metallen (zum Beispiel Kupfer oder Messing zur Farbführung; zum Beispiel Chrom oder Nickel zur Wasserführung). Bei der Trimetall-Platte dient eine dritte Metallschicht (Schwarzblech unter anderem) als Trägerplatte; siehe auch Ballard-Verfahren.

Mehrnormenempfänger: Fernsehempfänger zur Wiedergabe von Fernsehprogrammen, die nach verschiedenen Fernsehnormen ausgestrahlt werden.

Mehrprodukt: Teil des von den produktiv Tätigen geschaffenen Gesamtprodukts, der die notwendige individuelle Konsumtion der produktiv Tätigen und den Ersatzbedarf verbrauchter Produktionsmittel übersteigt. Historisch entstand das Mehrprodukt, als die Produktivkraft der Arbeit so weit gestiegen war, dass der Mensch mehr Arbeit leisten und mehr Produkte herstellen konnte, als zu seiner eigenen Reproduktion unbedingt notwendig waren. Das Mehrprodukt bildete nach F. Engels «die Grundlage aller gesellschaftlichen, politischen und intellektuellen Fortentwicklungen». Die Herstellung eines Mehrprodukts wurde zugleich die ökonomische Grundlage für die Herausbildung des Privateigentums, die Ausbeutung von Menschen sowie die Entstehung antagonistischer Klassen. In den Ausbeutergesellschaften wird das Mehrprodukt zum Beispiel in Form der Feudalrente oder des Mehrwerts von den Eigentümern an Produktionsmitteln unentgeltlich angeeignet. Mit dem sozialistischen Eigentum an Produktionsmitteln wird der antagonistische Gegensatz zwischen Mehrprodukt und notwendigem Produkt aufgehoben. Die sozialistische Gesellschaft verwendet das Mehrprodukt für die Entlohnung der nicht produktiv Tätigen, für Zwecke der gesellschaftlichen Konsumtion und insbesondere für die Akkumulation.

Mehrschichtarbeit: betriebt. Arbeitszeitregelung bei Einhaltung der gesetzlich festgelegten Arbeitszeit der Werktätigen nach bestimmten zeitlichen Merkmalen und Zeitabschnitten (Schichten). Bei Mehrschichtarbeit sind die Arbeitsplätze mehrfach besetzt, so dass dem Schichtplan entsprechend die Produktion ununterbrochen über 16 Stunden (Zweischichtsystem) oder über 24 Stunden (Dreischichtsystem) an den Arbeitstagen beziehungsweise an allen Kalendertagen (Vierbrigade-System) fortgesetzt wird. Ihre Notwendigkeit resultiert aus den Erfordernissen

a) hoher Grundfondsökonomie,

b) den technologisch bedingten Produktionsprozessen (Metallurgie, chemische Industrie, Energieerzeugung),

c) der volkswirtschaftlichen Bedarfsdeckung (zum Beispiel extraktive Industrie),

d) der Betreuung und Versorgung der Bevölkerung (operative Dienste, wie Feuerwehren, Gesundheitswesen, Verkehrsbetriebe). Die Mehrschichtarbeit gewinnt für die umfassende Intensivierung der Produktion zunehmend an Bedeutung.

Mehrschichtenglas: Sicherheitsglas, das aus 2 (oder mehreren) durch eine Plastfolie verbundenen Scheiben besteht; bei Bruch hält die Folie die Splitter fest.

Mehrschrittverfahren: Mathematik Näherungsverfahren, bei denen der jeweils neueste Wert aus einer festen Anzahl vorher gegebener oder schon berechneter Werte ermittelt wird. Mehrschrittverfahren werden besonders bei Iterationsmethoden und bei der Lösung gewöhnt. Differentialgleichungen angewendet.

Mehrstufenrakete, Stufenrakete-. Rakete mit 2 bis 5 Antriebsstufen, die nacheinander (gegebenenfalls auch mehrere gleichzeitig) gezündet und nach Brennschluss abgetrennt und abgeworfen werden. Die letzte Stufe trägt die Nutzmasse (Raumflugkörper, wissenschaftliche Geräte, Kampfladung) und gelangt bei Raumflugkörperstarts in die Flugbahn. Siehe auch Stufenprinzip.

mehrstufige Maschine: Kraft- oder Arbeitsmaschine, in der der Arbeitsprozess in mehreren Stufen durchgeführt wird, zum Beispiel Dampfturbine mit Hochdruck-, Mitteldruck- und Niederdruckstufe.

Mehrsubstratenzyme: Enzyme, die 2 oder mehr Substrat- und Koenzym-Moleküle zur Katalyse benötigen. Die meisten Enzyme sind Mehrsubstratenzyme

Mehrwegeverpackung: Verpackungsmittel, die mehrmals für den ursprünglichen oder ähnlichen Verwendungszweck eingesetzt werden können, wie Flaschen, Gläser, Schachteln.

Mehrwert: durch Ausbeutung von Lohnarbeitern entstehende Form des Mehrprodukts im Kapitalismus. Die Quelle des Mehrwerts besteht darin, dass die zur Ware gewordene Arbeitskraft des Lohnarbeiters einen größeren Wert schafft, als sie selbst besitzt. Während der Arbeiter den Wert seiner Arbeitskraft als Lohn erhält, eignet sich der Kapitalist die Wertdifferenz zwischen notwendiger und Mehrarbeit, die für den Lohnarbeiter unbezahlte Arbeit ist, als Mehrwert an. Die ständige Produktion des Mehrwerts ist das treibende Motiv und «der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion, das absolute Gesetz dieser Produktionsweise» (Marx). Absoluter Mehrwert ist Mehrwert, der durch Verlängerung des Arbeitstages über die notwendige Arbeitszeit hinaus oder durch Steigerung der Arbeitsintensität erzielt wird. Relativer Mehrwert ist Mehrwert, der durch Verringerung der notwendigen Arbeitszeit (vor allem durch Steigerung der Arbeitsproduktivität) und entsprechend Erhöhung der Mehrarbeitszeit bei unveränderter Länge des Arbeitstages geschaffen wird. Der Kampf der Arbeiterklasse um die Verkürzung der Arbeitszeit zwang die Kapitalisten, verstärkt Methoden der Produktion relativen Mehrwerts anzuwenden bei gleichzeitiger Erhöhung der Arbeitsintensität. Der von den Kapitalisten angeeignete Mehrwert wird teilweise als Revenue, besonders aber für die Akkumulation verwendet. Der Mehrwert ist die Quelle der Einkommen der verschiedenen Gruppen der Bourgeoisie. Er erscheint in der kapitalistischen Praxis in verwandelten Formen als Profit, Zins und Unternehmergewinn, Grundrente u. ä. Das von K. Marx entdeckte Mehrwertgesetz («Produktion von Mehrwert oder Plusmacherei ist das absolute Gesetz dieser Produktionsweise») ist das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus, es bestimmt Wesen und Ziel der kapitalistischen Produktion; gesellschaftlicher Prozesse sind im Kapitalismus dem Mehrwertgesetz untergeordnet. Die Mehrwertrate (nt) ist das in Prozenten ausgedrückte Verhältnis des M (m) zum variablen Kapital (v), das den Ausbeutungsgrad des Lohnarbeiters durch das Kapital ausdrückt: rri = m/v. Mit der Entwicklung des Kapitalismus steigt die Mehrwertrate und somit die Ausbeutung des Proletariats durch die Bourgeoisie. Der Mechanismus der Produktion von Mehrwert und die sich hinter dem Kauf der Arbeitskraft durch die Kapitalisten verbergende Ausbeutung der Lohnarbeiter wurde von K. Marx in seiner Mehrwerttheorie aufgedeckt. Sie ist der Grundpfeiler der marxistischen politischen Ökonomie des Kapitalismus. Sie weist den Grundwiderspruch des Kapitalismus, die Unversöhnlichkeit des Klassengegensatzes zwischen Bourgeoisie und Proletariat und damit die Unhaltbarkeit aller Thesen über eine Harmonie der Interessen von Arbeiterklasse und Bourgeoisie sowie die Notwendigkeit der proletarischen Revolution nach. Siehe auch Extramehrwert.

Mehrwertmasse: absoluter Umfang des produzierten und von den Kapitalisten unentgeltlich angeeigneten Mehrwertes; hängt ab von der Zahl der ausgebeuteten Lohnarbeiter und dem Grad ihrer Ausbeutung, ausgedrückt in der Mehrwertrate, die von der Länge des Arbeitstages und dem Wert der Arbeitskraft bei gegebener Arbeitsproduktivität und -intensität bestimmt wird.

Mehta, Zubin, geboren 29.4.1936, indischer Dirigent; studierte unter anderem in Wien und Italien; wirkte seit 1961 in Los Angeles, Montreal und London; seit 1978 Chefdirigent der New Yorker Philharmonie; Gastdirigent zahlreicher bedeutender Orchester und Opernhäuser in Europa und Übersee.

Mehul, Etienne Nicolas, 22.6.1763 bis 18.10.1817, französischer Komponist; wurde mit Hymnen und Opern («Joseph in Ägypten», 1807) zu einem Hauptmeister der französischen Revolutionsmusik; komponierte auch Sinfonien, Klaviersonaten, Kantaten.

Meibomsche Drüsen: in der Faserplatte der Augenlider liegende, an der hinteren Lidkante ausmündende Talgdrüsen; sie fetten den Lidrand ein und verhindern das Überfließen der Tränenflüssigkeit. benannt nach dem Mediziner Heinrich Meibom (1638-1700).

Meidner, Ludwig, 18.4.1884-14.5.1966, Maler, Graphiker und Schriftsteller; gestaltete mit den Stilmitteln des Expressionismus sozialkritische und revolutionäre Szenen (Gemälde «Revolution», 1913) sowie eindrucksvolle Bildnisse (M.-H. Neiße, 1913; J. R. Becher, 1915); 1939/53 Emigration in Großbritannien.

Meier: im Mittelalter Gutsvogt; ein vom feudalen Grundherrn eingesetzter Verwalter (Hausmeier); im kapitalistischen landwirtschaftlichen Großbetrieb eingesetzter, die Aufsicht führender Vorarbeiter.

Meier, Otto, 3.1.1889-10.4.1962, Politiker, Angestellter, Redakteur; wurde 1911 Mitglied der Sozialdemokratie, 1917 der USPD. 1933/45 Teilnahme am antifaschistischen Widerstandskampf, mehrmals inhaftiert. Nach 1945 erwarb er sich große Verdienste um die Einheit der Arbeiterbewegung. Meier wurde 1945 Mitglied des Zentralausschusses der SPD; 1946/50 war er Mitglied des Parteivorstandes der SED und seines Zentralsekretariats beziehungsweise Politbüros.

Meiji-Revolution, Meiji-Restauration: unvollendete bürgerliche Revolution in Japan 1867/68, benannt nach der Regierungsperiode Meiji («erleuchtete Regierung») des Kaisers Mutsuhito (1868/1912). Die Meiji-Revolution schuf Machtverhältnisse, die die Entwicklung des Kapitalismus in Japan begünstigten.

Mei Lanfang, 23.10.1894-8.8.1961, chinesischer Schauspieler, einer der berühmtesten Darsteller weiblicher Rollen in der traditionellen Pekingoper, dessen Kunst sich durch vollkommene Harmonie von Gesang, Tanz und Akrobatik auszeichnete.

Meile: (lateinisch, eigentlich «tausend (Schritte)») alte Längeneinheit (Wegemaß), altrömisch 5000 Fuß = 1479 m, später in Europa zwischen 1,5 und 11 km; die Länge der geographischen Meile (Vls Grad auf dem Äquator) betrug 7421,6 m. Die internationale Seemeile (Abkürzung sm; 1 sm = 1852 m) ist in der Seefahrt noch befristet gültig (Termin wird nach Vorliegen internationaler Beschlüsse festgelegt). In Großbritannien und den USA gilt außerdem noch die Landmeile (Statute mile) = 1609,3 m.

Meinardus, Wilhelm, 14.7.1867-28.8.1952, Meteorologe und Klimatologe; 1906/35 Professor der Geographie in Münster und Göttingen; erforschte Klima und allgemeine Zirkulation der Meere (Golfstrom) und der Atmosphäre, verfasste Klimakunden der Antarktis und der Erde.

Meinck, Willi, geboren 1.4.1914, Schriftsteller; verfasste insbesondere Kinder- und Jugendbücher: «Kuddel und Fietje» (1954) erzählt vom Hamburger Aufstand 1923, «Das verborgene Licht» (1959) ist dem Widerstandskampf gegen den Faschismus gewidmet; in die sozialistische Gegenwart führt «Salvi Fünf oder Der zerrissene Faden» (1966); historische Romane sind «Die seltsamen Abenteuer des Marco Polo» (1955) und «Untergang der Jaguarkrieger» (1964). Nach Studienreisen durch Indien erschienen der Roman «Tödliche Stille» (1974) sowie «Das Ramayana» (1977), erste deutsche Prosafassung des indischen Epos.

Meinecke, Friedrich, 30.10.1862-6.2.1954, Historiker, zahlreiche Schriften zur preußischen-deutschen Geschichte der Neuzeit und zur Geschichtstheorie (einer der Hauptvertreter des idealistischen Historismus); gehörte zum liberalen Flügel der imperialistischen Geschichtstheoretiker.

Meineid: (althochdeutsch mein, «falsch») Beschwören einer insbesondere vor Gericht abgegebenen vorsätzlich falschen Aussage. Siehe auch Eid, falsche Aussage. Meiningen: Kreisstadt im Bezirk Suhl, an der Werra, zwischen Thüringer Wald und Rhön; 26000 Einwohner; Betriebe der Rechenelektronik und Feinmechanik, Metallwaren-, Möbel- und andere Leichtindustrie, Raw; pädagogisches Institut; Staatsarchiv, Theater (Meininger), Museen; Töpfermarktfest, Parkfestspiele, Max Reger-Musiktage; Goethepark (englischer Garten); Barockschloss Elisabethenburg (1682), reizvolle Altstadt mit Stadtkirche (19. Jahrhundert) und Fachwerkhäusern (16./18. Jahrhundert). 982 urkundlich erwähnt, im 12. Jahrhundert Entwicklung zur Stadt; 1680/1918 Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meineid.

Meininger: Schauspielensemble des Hoftheaters von Sachsen-Meiningen; seit 1866 geleitet vom «Theaterherzog» Georg II. Die Meininger versuchten (von Bühnenbild und Kostüm ausgehend) durch Detailgenauigkeit, Ensemblespiel und lebendige Massenregie besonders bei der Inszenierung klassischer Werke die Theaterkunst zu reformieren; durch Gastspielreisen (1874/90) beispielgebend.

Meinrad, Josef, geboren 21.4.1913, österreichischer Schauspieler, seit 1947 am Burgtheater Wien sowie bei Film und Rundfunk tätig; steht in der Tradition der großen Wiener Volksschauspieler.

Meinungsforschung, Umfrageforschung, Demoskopie (griechisch): soziologische Forschungsmethode zur Ermittlung von Meinungen und Kenntnissen bestimmter Personengruppen beziehungsweise der gesamten Bevölkerung. Die Daten werden in repräsentativen Stichproben durch mündliche beziehungsweise schriftliche Befragung ermittelt. In der kapitalistischen Gesellschaft dient die Meinungsforschung der Gewinnung von «Herrschaftswissen» und der Manipulierung der öffentlichen Meinung. Im Sozialismus wird die Meinungsforschung für die Planung und die Leitung sozialer Prozesse in wichtigen Bereichen der Gesellschaft genutzt.

Meinungsfreiheit, Recht auf freie Meinungsäußerung, Redefreiheit das jedem Bürger verfassungsmäßig gewährleistete Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Die Meinungsfreiheit wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt, und niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht. Die Meinungsfreiheit steht in engem Zusammenhang mit dem Recht auf umfassende Mitgestaltung des politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens. Sie dient der Herausarbeitung der gemeinsamen Auffassungen und Aufgaben und ihrer effektivsten Lösung. Frei von Ausbeutung, Unterdrückung und wirtschaftliche Abhängigkeit, können sich in der sozialistischen Gesellschaft der DDR die Bürger ihre Meinungen und Urteile frei bilden. Die sozialistische Demokratie eröffnet den Werktätigen alle Möglichkeiten, die sozialistische Wirklichkeit ihren in Wahrnehmung der Meinungsfreiheit und weiterer Grundrechte gewonnenen Erkenntnissen und Einsichten gemäß zu gestalten. Keine Meinungsfreiheit gibt es im Sozialismus für Kriegs-, Rassen- und Völkerhetze, für militaristische und revanchistische Propaganda. Diese Handlungen sind Straftatbestände.

Meiose: Kern- und Zellteilungsprozess, der zur Halbierung des normalerweise diploiden Chromosomensatzes auf einen haploiden führt; erfolgt bei höheren Pflanzen und Tieren bei der Reifung von Samen- und Eizellen. Die Meiose verhindert, dass bei der Verschmelzung der Geschlechtszellen eine Verdopplung des Chromosomensatzes eintritt.

- Der Verlauf der Meiose: Im Zellkern der (noch diploiden) Oozyten beziehungsweise Spermatozyten (I. Ordnung, Meiose I) bilden sich aus dem Chromatin gestreckte Chromosomen heraus. Gleichgestaltete, homologe Chromosomen väterlicher- und mütterlicherseits lagern sich zu Paar Lingen zusammen (Chromosomenpaarung); in der Folge deutet sich in jedem Chromosom eine Aufspaltung in 2 Chromatiden an (Vierlingsgebilde). Bei gegenseitiger Umwindung der gepaarten Chromosomen können an Überkreuzungsstellen (Chiasmata) Chromatiden Segmente zwischen den homologen Partnern ausgetauscht werden (Crossing-over). In der folgenden 1. Reifeteilung werden die homologen Chromosomen voneinander getrennt und auf 2 Tochterzellen (II. Ordnung, Meiose II; nunmehr mit halbem Chromosomensatz) verteilt (Reduktionsteilung). Aus jeder dieser Zellen gehen in der 2. Reifeteilung 2 weitere hervor, wobei lediglich eine Verteilung der Chromatiden jedes Chromosoms erfolgt. Im Ergebnis entstehen jeweils 4 haploide Zellen: 4 gleichgroße Spermatiden, die zu Spermien heranreifen, beziehungsweise 1 reife Eizelle und 3 wesentlich kleinere Polzellen oder Richtungskörper (meist funktionslos).

Meisen, (althochdeutsch) Paridae: überwiegend von Insekten lebende Singvögel Europas, Asiens, Afrikas und Nordamerikas. Bis 11,5 cm lang und 12 g schwer die Blaumeisen (Parus caeruleus), ein Höhlenbrüter, der 9 bis 13 Eier legt; vorwiegend im Nadelwald lebt die Haubenmeisen (P. cristatus); siehe auch Kohlmeise, Tannenmeise.

Meisenbach, Georg, 27.5.1841-25.9.1912, Ingenieur, Graphiker; erfand 1881 die Zerlegung von Halbtonbildern mittels Linienraster in Druckelemente.

Meißel: gehärtetes Stahlwerkzeug unterschied! Querschnittsform zum Bearbeiten fester Werkstoffe, besonders Metalle. Als Handwerkszeug bestehen Meißel aus Schneide, Keil, Schaft und Kopf; als Maschinenwerkzeug (Drehmeißel, Hobelmeißel, Bohrmeißel) besitzen sie Schneiden mit definierten Winkeln und werden mittels Meißelhaltern in die Maschine eingespannt. Moderne Maschinenmeißel sind Hochleistungswerkzeuge und besitzen spezielle aufgelötete oder -geklemmte Schneidplatten aus Hartmetall oder Keramik.

Meißeln: spannendes Fertigungsverfahren mit einem einschneidigen, im unterbrochenen Schnitt arbeitenden Werkzeug (Meißel), wobei die Zerspankraft durch Schläge auf den Meißel aufgebracht wird.

Meissner, Janusz, 21.1.1901-28.2.1978, polnischer Schriftsteller; schrieb Flieger-, See-, Jagd- und Reiseromane («Die sechs von der Pomorze», 1950, deutsch; «Himmelswege», 1954, deutsch; «Die schwarze Flagge», 1957, deutsch; «Die roten Kreuze», 1958, deutsch; «Das grüne Tor», 1960, deutsch), Erzählungen und Memoiren.

Meißner: 1. Alexander, 14.9.1883-4.1.1958, österreichischer Physiker; seit 1907 in Berlin tätig; war maßgeblich an der Entwicklung des Rundfunks beteiligt; verwendete die nach ihm benannte Rückkopplungsschaltung zur elektrischen Schwingungserzeugung mittels Elektronenröhren.

2. Alfred, 15.10.1822-29.5.1885 (Selbsttötung), österreichisch-böhmischer Schriftsteller; verfasste den epischen Romanzenzyklus «Zizka» (1846) über die Hussitenbewegung sowie Dramen und Romane mit Tendenzen des «wahren Sozialismus»; sein Werk «Heinrich Heine. Erinnerungen von A.M.» (1856) enthält Quellenmaterial über Heines letzte Lebensjahre.

3. Renate Stecher.

Meißner-Ochsenfeld-Effekt: (nach 2 Physikern) Verdrängung eines Magnetfeldes aus einer Substanz beim Übergang vom normalin den supraleitenden Zustand; tritt in Supraleitern 1. Art allgemein und in Supraleitern 2. Art unterhalb einer sogenannt kritischen Feldstärke auf; 1933 entdeckt.

Meissnersche Tastkörperchen: unter der Oberhaut, besonders der Hand, liegende elliptische Nervenendkörperchen. Sie bestehen aus keilförmig zur Mittelachse angeordneten und von Nervenfasern umsponnenen Tastzellen; Meissnersche Tastkörperchen sind Tast- und Druckrezeptoren; benannt nach dem Anatomen und Physiologen Georg Meissner (1829-1905).

Meistbegünstigung: vertragliche Verpflichtung in internationalen Verträgen (zum Beispiel Handels- und Schifffahrtsverträgen), wonach den Staatsangehörigen und Waren des Partnerstaates die gleichen vorteilhaften Bedingungen einzuräumen sind, wie sie irgendeinem dritten Staat (absolute oder unbeschränkte Meistbegünstigung) oder bestimmten Staaten (relative oder beschränkte Meistbegünstigung) zugebilligt werden.

Meister: 1. nach erfolgreich absolvierter Meisterausbildung zuerkannte Qualifikations- und Funktionsbezeichnung. Der Meister der volkseigenen Wirtschaft und der Meister der sozialistischen Landwirtschaft ist der Leiter und Erzieher seines Arbeitskollektivs und unmittelbarer Organisator der Produktion im Meisterbereich. Der Meister eines Handwerks (Handwerksmeister) ist berechtigt, einen Handwerksbetrieb zu führen, Lehrlinge auszubilden oder eine Meisterfunktion in einer Handwerkergenossenschaft zu übernehmen.

Meisterbereich: Abschnitt einer Produktionsabteilung in Industriebetrieben, der von einem Meister nach dem Prinzip der Einzelleitung und persönliche Verantwortung geleitet wird, auch als Produktionsabschnitt bezeichnet. Der Meisterbereich ist nach dem Erzeugnisprinzip oder nach dem Werkstattprinzip organisiert.

Meister Bertram, um 1340-um 1415, bedeutender norddeutscher Maler, seit 1367 in Hamburg tätig. Schwere, bildfüllende Gestalten, naturnahe Vergegenwärtigung der Vorgänge, Anfänge plastischer Modellierung mit Licht und Schatten kennzeichnen sein Werk, das Kenntnis der böhmischen Kunst verrät; Hauptwerke: Grabower Altar (1379, Hamburg), Johannis- oder Passionsaltar (um 1394, Hannöver).

Meister der Krumlover Madonna, anonymer böhmischer Bildhauer vom Ende des 14. Jahrhundert, benannt nach seinem Hauptwerk, der Madonna aus Cesky Krumlov (heute Wien, Kunsthistorisches Museum), einer der schönsten der in Prag entstandenen sogenannt «Schönen Madonnen».

Meister der Spielkarten, Spielkartenmeister, frühester deutscher Kupferstecher; Mitte des 15. Jahrhundert in Südwestdeutschland tätig, genannt nach einigen in Kupfer gestochenen Spielkarten, nach deren Stil ihm weitere Kupferstiche von bereits beachtlichen Reife zugeschrieben werden können.

Meister E. S., etwa 1440/67 am Oberrhein tätiger Kupferstecher, entwickelte die technischen Möglichkeiten des Kupferstichs weiter, befähigte diesen zu erhöhtem Ausdruck und bereitete so das Werk Meister E Schongauers vor. Er nahm ältere Bildwerke zum Vorbild und gab mit seinen Bildideen der deutschen Kunst, auch der Plastik, wichtige Anregungen.

Meister Francke, geboren um 1380, bedeutender norddeutscher Maler; beeinflusst von der französischen Buchmalerei; Vertreter des Weichen Stils; Hauptwerke: Barbaraaltar (um 1410, Helsinki), Schmerzensmann (um 1420, Leipzig), Thomas- oder Englandfahreraltar (1424, Hamburg).

Meistergesang, Meistersang: in den Zünften der deutschen Städte hauptsächlich des 14./16. Jahrhundert handwerksmäßig gelehrte und geübte Liedkunst. Von fahrenden Sängern (ursprünglich «Meisten» genannt) übernahmen die Handwerkersänger und -dichter mit weltlichen Stoffen komplizierte Strophenformen und Melodien. Die meisten Dichtungen des Meistergesang sind geprägt durch eine ausgesprochen lehrhafte Tendenz, vor allem durch die schulmäßige Pedanterie des Kunstbetriebs in den Singschulen und die Betonung der rein handwerklich verstandenen Formkunst («Merker» überwachen die Einhaltung der in der «Tabulatur» zusammengefassten Regeln) sowie durch einen eintönigen, sich kaum modifizierenden Stil (Bildhaftigkeit, Streben nach konkretem Exempel, Allegorie, konkrete Ausdrucksweise bis zum derben Ausdruck). Eine Blütezeit erlebte der Meistergesang um 1500 in Süddeutschland. In Nürnberg wirkten etwa 250 «Meister», unter anderem H. Sachs, H. Folz, H. Rosenplüt. Der Meistergesang ist Ausdruck des erstarkenden bürgerl. Selbstbewusstseins am Ausgang des Mittelalters; er stellt die erste rein bürgerliche (von Adel und Geistlichkeit unabhängige) Kunstübung dar; letzte Meistersinger Schulen sind noch im 19. Jahrhundert nachweisbar. Musikdrama «Die Meistersinger von Nürnberg» von R. Wagner.

Meister H. L., gestorben 1533, oberrheinischer Bildschnitzer und Kupferstecher; Meister des 1526 vollendeten Breisacher Hochaltars, der bewegte Formen der spätesten Gotik zeigt, ferner des Niederrotweiler Altars. Vermutlich identisch mit dem Kupferstecher H. L., von dem 24 Stiche und 6 Holzschnitte erhalten sind.

Meisterschaft: (regelmäßige) territorial festgelegte Bestenermittlung in einer Sportart beziehungsweise in einer oder mehreren Disziplinen.

Meisterwalze, Fahrschalter, Meisterschalter: ein Kommandoschalter mit festem Schaltprogramm für elektrische Relais- und Schützenschaltungen in Kranen, Winden und Elektrofahrzeugen.

Meit, Conrad, um 1480-1550/51, Bildhauer; ein Hauptmeister der deutschen Renaissanceplastik; tätig in Worms und am Hofe Kurfürst Friedrichs des Weisen in Wittenberg, seit 1512 im Dienst der niederländischen Statthalterin in Mechelen, seit 1534 in Antwerpen; schuf 3 monumentale Grabmäler in Brou (Burgund) sowie bedeutende Kleinplastik aus Marmor, Buchsbaum und Alabaster.

Meitner, Lise, 7.11.1878-27.10.1968, österreichischer Physikerin (1949 auch schwedische Staatsbürgerin); 1926/33 Professor in Berlin, emigrierte 1938. Sie war langjährige Mitarbeiterin von O. Hahn; gemeinsam mit ihm entdeckte sie 1918 das Protaktinium. Mit O. R. Frisch deutete sie 1939 die von Hahn und F. Straßmann entdeckte Uranspaltung richtig.

Mekka, Makka: Stadt im Westen Saudi-Arabiens, Verwaltungszentrum der Provinz Hedschas, am Südrand des Hedschasgebirges; 550000 Einwohner; Wallfahrtsort des Islam (Geburtsstadt Muhammads, Kaaba), jährlich mehr als 1 Millionen Pilger; Kunsthandwerk; internationaler Flughafen; Bibliotheken.

Meknes, Miknas: Stadt (Provinzzentrum) in Marokko, zeitweise Königsresidenz; 490000 Einwohner; Metall-, Textil-, Lebensmittel-, Zementindustrie; mauerumwehrte Altstadt mit Moscheen, Medrese (14. Jahrhundert) und Palast (19. Jahrhundert; Kunstgewerbemuseum), im Süden Königsstadt mit Königspalast (18. Jahrhundert) und Mausoleum (17./18. Jahrhundert); Flughafen.

Mekong: größter Strom Hinterindiens, drittgrößter Asiens; 4500 km, davon 1612 km in China; entspringt als Gerji He im Tanggula Shan (China) in etwa 5000 m über dem Meeresspiegel, durchfließt in meist tiefen Schluchten die Hochländer von Tibet und Yunnan (als Lancan Jiang), danach Grenzfluss zwischen Laos und Burma sowie größtenteils zwischen Laos und Thailand, strömt durch Kampuchea und mündet in Nambo mit einem über 70000 km! großen Delta (wichtigstes Landwirtschaftsgebiet Kampucheas und des Süden von Vietnam), das jährlich etwa 75 m ins Meer hinauswächst, in 3 großen Hauptarmen in das Südchinesische Meer, hohe Sinkstoffführung. Bei Normalwasser von der Mündung bis Kratie (Kampuchea) 550 km, bei Hochwasser mit Unterbrechung durch Stromschnellen oberhalb von Kratie (besonders bei Khone) bis Vientiane (Laos) 1600 km schiffbar, von Dezember bis Mai Niedrigwasser. Die riesigen Wasserkraftreserven werden erst zu einem äußerst geringen Teil in kleinen Anlagen genutzt.

Mekong-Bergland: Gebirgslandschaft in Hinterindien, zwischen Shan Hochland im Norden, Salween im Westen, Mekong im Osten und Menam-Tiefebene im Süden; bis 2595 m. Im Westen vorwiegend aus Kalksteinen, im Süden aus roten Sandsteinen aufgebaut. Tropisches Monsunklima; von edelholzreichen Monsunwäldern bedeckt; noch weitverbreiteter Brandrodungsfeldbau.

Mekong Ebene; Schwemmlandebene in Hinterindien, am Unterlauf des Mekong, südlich des Korat Plateaus; politisch zu Kampuchea und Vietnam gehörend; etwa 150000 km2; aus den holozänen Lockersedimenten ragende Granitinselberge; tropisches Klima; intensive agrarische Nutzung (besonders im Deltagebiet des Mekong ausgedehnter Reisanbau).

Mela, Pomponius, römischer Schriftsteller und Geograph; verfasste vor 50 nach Christus eine (die älteste erhaltene) geographische Beschreibung der antiken Welt in 3 Büchern («De chorographia»),

Melaena: Entleerung von schwarzrotem Blutstuhl bei Neugeborenen. Die Melaena beruht auf einer Blutung in den kindlichen Magen-Darm-Kanal (Melaena vera) oder ist auf verschlucktes Blut aus den Geburtswegen (Melaena falsa) zurückzuführen, Vitamin K und Bluttransfusionen sind zum Teil erforderlich.

Melamin: eine farblose, kristallisierte, wasserlösliche, stickstoffheterozyklische Substanz. Melamin wird durch Erhitzen von Harnstoff gewonnen und zur Herstellung von Melaminharzen verwendet.

Melaminharze, Zeichen MF: aus Melamin und Formaldehyd durch Polykondensation hergestellte Duroplaste. Melaminharze dienen zur Herstellung lichtechter, wärme-, Chemikalien- und kratzfester Oberflächenschichten dekorativer Schichtpreßstoffe (Sprelacart). Mit Füllstoffen versehene Melaminharze ergeben Pressmassen (Meladur) für geruch- und geschmackfreie, licht-, lösungsmittel- und wärmebeständige Artikel der Elektrotechnik und des täglichen Bedarfs, zum Beispiel Eß- und Trinkgeschirr.

Melaminharzlacke: hochwertige, sehr lichtechte Anstrichstoffe. Melaminharzlacke sind meist ofentrocknend, können jedoch auch lufttrocknend hergestellt werden; ergeben sehr harte Anstriche mit gutem Verlauf.

Melampus, in der griechischen Sage berühmter Seher, Heil- und Sühnepriester, der die Sprache der Tiere verstand.

Melancholiker: nach Hippokrates Temperamentstyp mit tiefer emotionaler Ansprechbarkeit und langsamen Reaktionen, schwermütig, oft verzagt.

Melanchthon: (griechische Form für «Schwarzerd») eigentlich Schwarzerd, Philipp, 16.2.1497-19.4.1560, Humanist und Reformator, Mitstreiter Melanchthon Luthers. Als frühbürgerlicher Humanist kämpfte Melanchthon gegen die Scholastik und festigte die neue Kirche dogmatisch-theologisch. Er schuf die ersten Bekenntnisschriften des Luthertums und verteidigte in den Jahren 1530/35 das Luthertum gegen die alte Kirche. Melanchthons größte pädagogische Leistung besteht in seiner humanistischen Reform der Universitäten und Gymnasien, in der wissenschaftlichen und organisatorischen Neugestaltung des Lehrbetriebes, der Lehrpläne und -bücher; wurde als «Praeceptor Germaniae» (Lehrmeister Deutschlands) bezeichnet.

Melanesien: (griechisch, «Schwarzinselland») Inselgruppen im westlichen Stillen Ozean; 960000 km2 Landfläche, etwa 5 Millionen Einwohner (meist Melanesier); umfasst Neuguinea mit vorgelagerten Inseln des Bismarckarchipels und der Salomonen, Santa-Cruz-, Chesterfield-, Loyauté-, Fidschiinseln (kleiner Teil zu Polynesien), Inseln Vanuatus, Neukaledonien sowie die Norfolkinsel; politisch die selbständigen Staaten Papua-Neuguinea, Vanuatu, Fidschi, Salomonen, Teile zu Indonesien beziehungsweise französische Kolonie. Inseln aus paläozoischen und vulkanischen Gesteinen aufgebaut (zum Teil Faltengebirge), zum Teil mit tätigen Vulkanen; zahlreiche Atolle; maritimes tropisches Klima; Regenwald, Busch- und Grassavannen, an den Küsten Mangroven; Nutzung der Kokos- und Sagopalme, Anbau von Bananen und Kakao (Export) sowie von Mais, Yams, Bataten; Sandelholzgewinnung, Fischerei und Bergbau (unter anderem Nickel und Chrom auf Neukaledonien, Gold und Kupfer auf Neuguinea, den Salomonen und Fidschiinseln); wachsender Tourismus.

Melanesier: dunkelhäutige, kraushaarige Bevölkerung Melanesiens; 1,3 Millionen; ihre kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung zu Beginn des 20. Jahrhundert entsprach weitgehend der späten Periode der Urgesellschaft (neolithische Kultur); Bodenbauer (Knollenfrüchte), zum Teil Fischer und Jäger; Ahnenkult, Männergeheimbünde und Maskenwesen (siehe auch Duk-duk) bestimmten bis in die Kolonialzeit (mancherorts bis in die Gegenwart) das religiöse und gesellschaftliche Leben.

Melange: (französisch) 1. allgemein Gemisch, Mischung, Gemengsel.

2. Textiltechnik: Mischung von in der Flocke verschieden gefärbten Fasern beziehungsweise Zusammenstellung von Faserstoffen, die beim Färben die Farbe ungleichmäßig annehmen.

Melanine: braune bis schwarze Pigmente, die bei Mensch und Tier die Färbung der Haut und anderer Organe bestimmen. Melanine sind als Lichtschutzsubstanz (UV-Strahlung) von Bedeutung. Siehe auch Melanismus.

Melanismus, Melanose: Dunkelfärbung der Haut oder Schleimhaut durch vermehrte Ablagerung von Melanin oder ihm ähnlichen Farbstoffen. Ursache des Melanismus können unter anderem vermehrte Sonneneinstrahlung, industrielle Verschmutzung (zum Beispiel Dunkelfärbung der Schuppen bei Schmetterlingen), aber auch Giftstoffe, zum Beispiel Arsen, oder krankhafte Störungen sein.

Melanom: meist melaninhaltige schiefergrau bis schwarz gefärbte, äußerst bösartige, schnell auf dem Lymph- oder Blutweg metastasierende Geschwulst der Haut, Schleimhaut oder des Auges. Das im frühen Lebensalter auftretende juvenile Melanom (hautfarben bis graubraun) ist gutartig.

Melanophoren: Melanin enthaltende Zellen in der Haut von Kaltblütern; dienen der Hautfärbung, zum Beispiel der Anpassung an die Umwelt.

Melanozyten: Melanin enthaltende Zellen in der Haut von Warmblütern und des Menschen; dienen der Pigmentierung der Haut und der Haare.

Melanterit, Eisenvitriol: Mineral, wasserhaltiges Eisensulfat; Kristallsystem monoklin, Härte 2, Dichte 1,8 bis 1,9 g/cm3, hellgrün, glasglänzend; Verwitterungsprodukt unter Reduktionsbedingungen, vor allem von Eisensulfiden in Pyrit Lagerstätten.

Melas, Spyros, 13.1.1882-2.4.1966, griechischer Schriftsteller; sein Werk weist stark realistische Züge auf, auch sozialkritische Tendenzen; wirksam in mehreren Genres, waren besonders seine Dramen erfolgreich (Komödien «Papa wird erzogen», 1935, deutsch; «Der König und der Hund», 1953, deutsch).

Melasse: schwarzbrauner, etwa 50% Zucker enthaltender Sirup, der den letzten, nicht mehr kristallisierenden Ablauf der Zuckerfabrikation bildet. Melasse wird verfuttert, zu Zitronensäure, Butanol unter anderem vergoren oder als Nährsubstrat für Hefe verwendet.

Melbourne: Hauptstadt von Victoria und zweitgrößte Stadt Australiens, an der Südostküste, an der Mündung des Yarra in die Port-Phillip-Bay (Bass-Straße); mit Vororten 2,8 Millionen Einwohner; Maschinen- und Fahrzeugbau, Metall-, chemische, Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Erdölraffinerie im nahen Vorort Altona; Handels-, Finanz- und Verkehrszentrum; Hochseehafen, internationaler Flughafen; 3 Universitäten; Theater, Nationalgalerie, Museen; Zoo, Olympiastadion (1956 XVI. Olymp. Spiele). 1835 gegründet; seit 1851 Hauptstadt von Victoria, 1901/27 auch des Australischen Bundes.

Melde, Atriplex: Gattung der Gänsefußgewächse mit unscheinbaren, grünlichen, eingeschlechtigen Blüten, meist einjährige Kräuter; häufig auf Schutt, zum Teil salzliebend. Die Gartenmelde (Atriplex hortensis) kann wie Spinat verwendet werden.

Meleagros, Meleager, in der griechischen Sage Held bei der Kalydon. Jagd; schenkte das Fell des erlegten Kalydon. Ebers der von ihm geliebten Atalante.

Melendez Valdes, Juan, 11.3.1754-24.5.1817, spanischer Lyriker; wurde unter dem Einfluss der Aufklärung zu einem Erneuerer der nationalen Dichtung (Oden, Eklogen unter anderem).

Melgarejo, Mariano, 1818-1871, bolivianischer General und Politiker; gegen seine grausame Diktatur (seit 1864) richteten sich große Indianeraufstände; trat an Chile (1866) und Brasilien (1867) bolivianisches Territorium ab; 1871 von Militärs gestürzt.

meliert: (französisch) gemischt; gesprenkelt, Mischfarben.

Melies, Georges, 8.12.1861-22.1.1938, französischer Pionier des Films, ursprünglich Zauberkünstler, baute 1897 in Montreuil das erste Filmatelier der Welt, erfand die ersten Filmtricks; er schuf phantastische Filme («Die Reise zum Mond», «20000 Meilen unter dem Meer») und rekonstruierte aktuelle Ereignisse («Aktualitäten»),

Melioration, Bodenverbesserung: technische, chemische, wasserwirtschaftliche und agronomische Maßnahmen zur Verbesserung leistungsschwacher oder unproduktiver Böden. Zur Melioration gehört das Urbarmachen von Ödland (Rodung, Steppenkultivierung, Rekultivierung von Kippen), die Moor- und Heidekultur sowie insbesondere eine tiefgreifende Verbesserung der Kulturboden. Hier bedeutet Melioration vorrangig Be- und Entwässerung, Grundwasserregulierung, Tiefenbearbeitung und Düngung. Weitere Maßnahmen sind Eindeichung von Überschwemmungsgebieten, Einebnen, Terrassieren, Schutzmaßnahmen gegen Wasser- und Winderosion, Einsatz von Bodenverbesserungsmitteln, Entsteinung und landwirtschaftliche Wegebau. Die Melioration ist neben der Chemisierung, Pflanzenzüchtung und Mechanisierung eine der wichtigsten Intensivierungsmaßnahmen in der Pflanzenproduktion.

Meliorationsgenossenschaft: kooperative Einrichtung sozialistischer Betriebe der Land- und Forstwirtschaft sowie des Gartenbaus zur gemeinsamen Planung und Durchführung von Meliorationsmaßnahmen; verfügt über entsprechende Spezialtechnik. Ihr obliegt zugleich die Instandhaltung und Instandsetzung bestehender Meliorationsanlagen. Die Vorhaben der Meliorationsgenossenschaft werden durch Anteile der Mitglieder, Kredite und staatlicher Zuschüsse finanziert.

Meliorationsverband: freiwilliger kooperativer Zusammenschluss juristisch selbständig bleibender Betriebe und Einrichtungen, die auf dem Gebiet der Melioration tätig sind, mit dem Ziel einer effektiven und komplexen Planung, Leitung und Organisation des Meliorationswesens eines Territoriums. Höchstes Organ ist die Bevollmächtigten Versammlung. Sie wählt den Rat des Meliorationsverbands.

Melisma: Auszierung eines Tons oder einer Folge von Tönen durch Aufteilung der Notenwerte in mehrere kleinere, die auf eine Textsilbe gesungen werden. Siehe auch Koloratur, Vokalise.

Melismatik: (griechisch) melodische Verzierungskunst.

Melisse, (griechisch, «Bienenkraut») Zitronenmelisse, Melissa officinalis: ausdauernder, weiß blühender Lippenblütler mit stark nach Zitrone duftenden Blättern. Die aus dem Orient stammende Pflanze wird als Gewürz- und Heilpflanze angebaut.

Melk: Stadt in Niederösterreich, an der Donau; 5000 Einwohner; Benediktinerkloster, auf hohem, zur Donau steil abfallendem Felsen gelegen (gegründet 2. Hälfte 13. Jahrhundert). Ab 1702 Neubau durch J. Prandtauer zu einer der größten barocken Klosteranlagen mit treffliche Verbindung von Architektur und Landschaft.

Melkanlagen: maschinelle wie auch bau- und maschinentechnische Anlagen zur Milchgewinnung, deren Art und Bauform besonders durch Herdengröße und Haltungsart der Milchkühe bestimmt werden. Stall-Melkanlagen in Anbindeställen oder ortsveränderlichen Weide-Melkanlagen werden für kleinere Herden als Kannen-Melkanlagen, für größere als Rohr-Melkanlagen ausgeführt. Eine Besonderheit der mechanisierten und teilautomatisierten Milchgewinnung in Großviehanlagen sind die Stand-Melkanlagen, die meist in einem gesonderten Melkhaus eingerichtet werden. Es sind Gruppen-Melkanlagen in Form des Fischgrätenmelkstandes oder des Melkkarussells. Hauptteile der Melkanlagen sind Melkmaschine, Vakuumerzeuger, Rohr- und Schlauchleitungen, die durch bauliche Einrichtungen und Maschinen zur Milchbehandlung und -lagerung ergänzt werden.

Melkart, (phönikisch, «König der Stadt») Hauptgott von Tyros und Karthago.

Melken: Entziehen von Milch aus dem Euter mit der Hand oder mittels Melkmaschine. Dem eigentlichen Melken gehen Reinigen des Euters, Eutermassage und Vormelken voraus; die dabei entzogene Milch darf wegen Schmutz- und Bakteriengehalt nicht verwendet werden. Beim Handmelken ist die Methode des Faustens am gebräuchlichsten. Die Melkmaschine dient der arbeitstechnisch vorteilhaften und hygienisch einwandfreien Milchgewinnung in größeren Betrieben; siehe auch Melkanlagen.

Mell, Max, 10.11.1882-13.12.1971, österreichischer Schriftsteller; geprägt durch christliche Tradition und altösterreichische Kultur; Lyrik, Prosa (Novelle «Barbara Naderers Viehstand», 1914; Erzählungen «Das Donauweibchen», 1937); bedeutsam als Dramatiker (modernes christlich-legendäres Spiel).

Mella McParland, Julio Antonio, 25.3.1903-10.1.1929 (ermordet), kubanischer Arbeiter- und Studentenführer; 1923 an der Spitze der Universitätsreformbewegung; 1925 Mitbegründer der KP Kubas; seit 1926 im Exil in Mexiko, aktiv für die Organisierung der Arbeiter- und Bauernbewegung und die Propagierung des Marxismus-Leninismus tätig.

Melnik: Stadt Bulgariens, im Bezirk Blagoewgrad, am Südwestfuß des Pirin; 530 Einwohner; Museumsstadt; Touristenzentrum; bei Melnik Sandsteinpyramiden (bis 100 m hoch) und Roshen-Kloster, in der Umgebung Weinbau.

Melnik: Kreisstadt in der CSSR (Mittelbildnerische Bezirk), am Zusammenfluss von Elbe und Vltava; 18800 Einwohner; Energiekomplex (3 Wärmekraftwerke), Maschinenbau, Nahrungs- und Genussmittelindustrie; Flusshafen; Renaissanceschloss mit Gemäldegalerie, St.-Peter- und-Paul-Kathedrale; in der Umgebung Gemüse-, Obst- und Weinbau.

Melodie: ausdrucksstarke, intonatorisch sinnvolle, im engeren Sinne sangbare, in sich geschlossene musikalisch-klanglich geformte Folge von Tönen unterschiedlicher Höhe für vokale oder instrumentale Wiedergabe.

Melodrama, Melodram: a) Kunstgattung, in der das gesprochene Wort und (oder) die Handlung zur Vertiefung des Ausdrucks von Musik begleitet beziehungsweise unterbrochen werden;

b) oft gleichbedeutend mit Oper;

c) Kompositionsweise, die Sprache und Musik eng verbindet.

Melone: 1. Melone (französisch deutsch griechisch): Botanik Kürbisgewächs trockenwarmer Gebiete mit saftigen, wohlschmeckenden Früchten; aus Vorder- und Mittelasien stammt die Zuckermelone (Cucumis melo), in Mitteleuropa bekannter sind die dunkelgrünen, kugeligen, rotfleischigen Früchte der mittelafrikanischen Wassermelone (Citrullus lanatus).

2. Melone: Mode: Bowler.

Melonenbaum, Carica papaya: milchsaftführende, 4 bis 6 m hohe, immergrüne Staude aus Mittelamerika; wegen der melonenartigen, saftigen, bis 15 kg schweren Beerenfrüchte in den Tropen kultiviert.

Melos: Melodie als «reine», lineare Tonfolge, ohne festen Rhythmus und Harmonie.

Melos, Milos: Insel der griechischen Kykladen im Ägäischen Meer; 151km2, 4600 Einwohner; Schwefel-, Barytbergbau; Thermalquellen; Obsidian Export. Im Zuge der sogenannten dorischen Wanderung wurde Melos zunächst von Sparta eingenommen; später kam es unter die Herrschaft von Athen. Der bedeutendste archäologische Fund von Melos ist die Aphrodite von Melos (Venus von Milo) aus dem 2. Jahrhundert vor Christus (heute Louvre, Paris).

Melozzo da Forli, eigentlich Melozzo degli Ambrogi, 8.6.1438-8.11.1494, italienischer Maler der Frührenaissance; beeinflusst von P. della Francesca. Mit seinem durch perspektiv. Können, Monumentalität in Bildaufbau und Darstellung der Figuren sowie kräftige Lichtführung gekennzeichnetes Werk gehört Melozzo da Forli zu den Wegbereitem der italienischen Hochrenaissance.

Melpomene, (griechisch «die Singende») Muse der Tragödie.

Melusine: in der französischen Sage Meemixe (halb Frau, halb Fisch); erste künstlerische Gestaltung 1387 in einem französischen Prosaroman. Die Bearbeitung durch Thüring von Ringoltingen 1456 wurde eines der beliebtesten deutschen Volksbücher.

Melville, Herman, 1.8.1819-28.9.1891, US-amerikanischer Schriftsteller; schilderte in Reisebeschreibungen und Abenteuerbüchern («Taipi», 1846, deutsch; «Omu», 1847, deutsch) das Leben auf den Südseeinseln und wandte sich gegen die Folgen der christlichen Missionstätigkeit. In dem kritisch-realistischen Roman «Weißjacke oder Die Welt auf einem amerikanischen Kriegsschiff» (1850, deutsch) greift er auf eigene Erfahrungen als Matrose zurück. Sein bedeutendstes Werk ist der große allegorische Walfangroman «Moby Dick» (1851, deutsch), der in komplexer und verdichteter Form den Kampf des Menschen mit den Kräften der Natur schildert.

Melville Insel: buchtenreiche Insel im westlichen Teil des kanadisch-arktischen Archipels, zu Kanada gehörend; 41800 km2; unbewohnt; überwiegend flachwelliges Hügel- und Bergland, im Norden bis 1067 m, teilweise vergletschert; Tundra und vegetationsarme Frostschuttflächen; große Herden Moschusochsen; 1970 Erdgaslagerstätte erbohrt.

Membran: (lateinisch, «Haut») 1. Biologie vorwiegend aus Lipiden und Proteinen bestehendes flächiges Bau- und Funktionselement tierischer und pflanzlichen Zellen mit selektiver Permeabilität; schließt als Zellmembran den lebenden Zellkörper nach außen ab.

2. Elektroakustik: a) gespannte Folie oder dünne elastische Platte aus Metall oder Plast, die im Mikrophon, Kopfhörer oder in der Hörkapsel von Fernsprechapparaten zur Aufnahme beziehungsweise Abstrahlung von Schall dient;

b) steifer Kegelmantel oder Nawi-Membran mit nicht abwickelbarer Fläche aus dünnem Pappguss zur Schallabstrahlung in elektrodynamischen Lautsprechern.

Membranenzyme: in der Zelle nicht freie, sondern an biologischen Membranen (zum Beispiel Zell-, Kern-, Mitochondrienmembran) gebundene Enzyme.

Membranruhepotential, Ruhemembranpotential: elektrische Spannung von etwa 50 bis 100 mV zwischen der Innen- und Außenseite der nicht erregten Zellmembran. Dabei ist das Zellinnere negativ, die Außenseite der Membran positiv geladen. Das Membranruhepotential beruht auf der Ungleichverteilung von Ionen. Auf dem Membranruhepotential beruht die Erregbarkeit der Nerven- und Muskelzellen.

Membrantransport: Durchtritt von Substanzen durch Biomembranen, dem verschiedene Mechanismen zugrunde liegen können, zum Beispiel einfache oder erleichterte Diffusion und aktiver Transport.

Membranverdichter: Verdichter, bei dem die Förderung des gasförmigen Arbeitsstoffes durch eine hin- und herschwingende Membran erfolgt. Die Wirkungsweise gleicht im Prinzip der eines Hubkolbenverdichters. Der Vorteil gegenüber diesem besteht im Wegfall der Lässigkeitsverluste. Bei Druckverhältnissen unter 3 spricht man auch vom Membrangebläse.

Memento: (lateinisch, «gedenke!») Mahnruf, Erinnerung.

Memling, Hans, um 1433-11.8.1494, Maler; tätig seit 1466 in Brügge; beeinflusst von R. van der Weyden und D. Bouts; schuf vorwiegend großformatige Altar- und Andachtsbilder sowie Porträts; Hauptwerke: (Jüngstes Gericht» (um 1472, Gdansk); Johannesaltar (1479) und Ursulaschrein (1489), Nieuwenhove-Diptychon (1487; alle Brügge).

Memmi, Lippo (Filippo), 1317-1347 nachweisbar, italienischer Maler; tätig in Siena; Schwager und Mitarbeiter von S. Martini; Memmi schuf kleine, zarte Madonnenbilder in byzantinischer Manier (Maniera greca).

Memnon, in der griechischen Sage Sohn der Eos und des Tithonos, König von Äthiopien; fiel während des Trojanischen Krieges im Kampf gegen Achill.

Memnonskolosses, Memnonsäulen: 2 heute 19,5 m (ursprünglich etwa 21m) hohe Kolossalstatuen, Reste vom Totentempel Amenophis HI. in West-Theben (heute Oberägypten), die in hellenistischer Zeit als Bilder des Memnon gedeutet wurden.

Memoiren: 1. allgemein Denkwürdigkeiten, Erinnerungen.

2. Literatur: autobiographisch angelegte Darstellung von Lebenserinnerungen, bezogen auf politische, kulturelle und wissenschaftliche Ereignisse, Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten unter anderem

Memorabilien: Denkwürdigkeiten.

Memorandum: Form des diplomatischen Schriftwechsels, enthält ausführliche Darlegungen von Fakten, Beweisführungen und Argumente zu bestimmten politischen Fragen; ist in unpersönliche Form abgefasst, wird häufig mit einer diplomatischen Note übersandt kann aber auch ein selbständiges Dokument darstellen.

Memorial: 1. (Geschäfts-)Tagebuch; Erinnerungs-, Vormerkbuch.

2. Memorial: Gedenksportveranstaltung.

Memorialbau: Gedenk- und Erinnerungsbau an bestimmte historische Ereignisse oder an bedeutende Persönlichkeiten unter anderem in Form eines Grabmals, Mausoleums, Denkmals, Siegesmonumentes oder einer Mahn- und Gedenkstätte.

memorieren: sich etwas durch (lautes) Wiederholen fest einprägen, auswendig lernen.

Memphis: 1. altägyptische Ruinenstätte, am unteren Nil, etwa 25 km südlich von Kairo gelegen; der Überlieferung nach soll Memphis durch den ersten ägyptischen König, Menes, um 3000 vor Christus als Grenzfestung errichtet worden sein; war zeitweilig ägyptische Hauptstadt und Hauptkultort des Gottes Ptah; mit Ptah-Tempel des Neuen Reiches, Balsamierungsstätte der Apis Stiere (22. Dynastie), Palast des Apries (26. Dynastie) und Wüstenmetropole von Sakkara.

2. Stadt im Bundesstaat Tennessee (USA), am Mississippi; 650000 Einwohner; Möbel-, Papier-, Elektro-, chemische Industrie, Maschinenbau; Handelszentrum für Baumwolle und Hartholz; Flusshafen; Handels- und Industriemesse; Universität, Planetarium, Kunstgalerie.

Mena, Pedro de, 1628 (20.8. getauft)-13.10.1688, spanischer Bildhauer; seit 1652 Gehilfe A. Canos, als dessen bedeutendster Schüler er gilt; 1658 Übersiedlung nach Málaga, 1662/63 Reise nach Toledo und Madrid. Seine Heiligenstatuen und Reliefs zeigen den in der spanischen Barockplastik allgemeinen Hang zu Ekstase und Naturalismus.

Menage: Speisenträger beziehungsweise Gewürzständer.

Menagerie: (französisch) Schaustellung von Tieren, im weiteren Sinne Wanderzirkus; historische Entwicklungsform der zoologische Gärten.

Menam, Chao Phraya: größter und wichtigster Strom Thailands; etwa 1500 km; entspringt im gebirgigen Norden des Landes und mündet mit über 20000 km2 großem Delta in den Golf von Thailand; von August bis November Hochwasserführung; bis Bangkok für Hochseeschiffe befahrbar.

Menam-Becken: fruchtbare Beckenlandschaft in Hinterindien, am Mittel- und Unterlauf des Menam; etwa 20000 km2; holozäne Lockersedimente mit Kalkinselbergen; wichtigste thailändische Reisanbauregion.

Menander, um 342-um 293/90 vor Christus, griechischer Komödiendichter; gestaltete in seinen Charakterkomödien vorwiegend Alltagsprobleme; vollständig erhalten ist nur «Das Raubein» (316 vor Christus, Papyrusfund, Erstausgabe 1959), andere in Bearbeitungen von Plautus und Terenz.

Menarche: Zeitpunkt der ersten Menstruation. Sie ist unter anderem vom Klima, von der Ernährung und vom allgemeinen Lebensstandard abhängig (siehe auch Akzeleration). Liegt die Menarche durchschnittlich bei 12,5 Jahren.

Mencken, Henry Louis, 12.9.1880-29.1.1956, US-amerikanischer Publizist Kritiker und Schriftsteller; kritisierte ironisch die spießige Engstirnigkeit des kulturellen Lebens in den USA. Die Abhandlung «Das Englisch der Vereinigten Staaten» (1918) gilt als Standardwerk.

Mendana de Neyra, Alvaro, 1541-18.10.1595, spanischer Seefahrer, überquerte 1567 von Peru aus den Stillen Ozean, entdeckte dabei die Salomonen; 1595 fand er die Marquesas-Inseln und Santa Cruz.

Mende, Georg, 6.9.1910-2.5.1983, Philosoph; Professor in Halle und Jena; beschäftigte sich besonders mit der Geschichte der Philosophie und der Kritik der spätbürgerlichen Philosophie, insbesondere der Existenzphilosophie.

Mendel, Johann Gregor, 22.7.1822-6.1.1884, Abt des Augustinerklosters von Brünn (Brno); beschäftigte sich seit 1856 mit Kreuzungsversuchen an Erbsen, Bohnen unter anderem Aus dem zahlenmäßigen Auftreten bestimmter Merkmale (Form und Farbe der Samen, Blütenfarbe) bei den Bastardnachkommen leitete Mendel die nach ihm benannte Vererbungslehre ab, die er in seiner klassischen Arbeit «Versuche über Pflanzenhybriden» (1865/66) veröffentlichte und die ab 1900 die Vererbungsforschung (Genetik) bestimmte; siehe auch Mendel-Gesetze.

Mendelejew, Dmitri Iwanowitsch, 8.2.1834 bis 2.2.1907, russischer Chemiker; 1865/90 Professor in Petersburg. Mendelejew stellte 1869 etwa gleichzeitig mit J. L. Meyer das Periodensystem der Elemente auf und sagte auf Grund bestehender Lücken im System mit erstaunlicher Genauigkeit Existenz und Eigenschaften damals noch unbekannter Elemente (darunter Germanium und Gallium) voraus. Mendelejew beschäftigte sich auch mit der Entstehung und Verwertung des Erdöls und mit der Untertagevergasung der Steinkohle. Er war Mitbegründer der Russischen Chemischen Gesellschaft (1868). Da er liberale Ansichten vertrat und eine Petition von Studenten unterstützte, musste er 1890 seine Professur aufgeben und wurde Kustos des Hauptamtes für Maß und Gewicht.

Mendelevium, (nach D. I. Mendelejew) Symbol Md: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 101; längste Halbwertszeit 55 Tage (Md 258); Wertigkeiten +3, +2. Als Md 256 wurde Mendelevium erstmals 1955 von A. Ghiorso unter anderem in den USA hergestellt.

Mendel-Gesetze: Gesetzmäßigkeiten der Verteilung von Merkmalsanlagen nach Kreuzung diploider Organismen und der daraus resultierenden Geno- und Phänotypen in den Nachfolgegenerationen und deren Häufigkeit (Uniformitätsgesetz, Spaltungsgesetz, Gesetz der unabhängigen Kombination); von J. G. Mendel 1865 erstmalig formuliert und 1900 unabhängig voneinander von C. Correns, H. de Vries und E. von Tschennak wiederentdeckt.

Mendelsohn, Erich, 21.3.1887-15.9.1953, Architekt und Architekturtheoretiker; leistete mit seinen sachlich und klar gegliederten Kaufhaus- und Industriebauten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Architektur des 20. Jahrhundert Zu seinen Hauptwerken zählt der Einsteinturm (Observatorium) in Potsdam (1919/21). Mendelsohn emigrierte 1933 über Palästina und Großbritannien in die USA. Er schrieb «Amerika, Bilderbuch eines Architekten» (1926); «Russland, Europa, Amerika ein architektonischer Querschnitt» (1928).

Mendelssohn, Moses, 6.9.1729-4.1.1786, Philosoph und Schriftsteller; besonders von J. Locke, G. W. Leibniz und G. E. Lessing beeinflusster Vertreter der sogenannt Popularphilosophie der Aufklärung; wandte sich gegen die materialistischen und atheistischen Konsequenzen des Spinozismus und vertrat die Vereinbarkeit von Philosophie und Vernunftreligion; forderte die Emanzipation der Juden.

Mendelssohn Bartholdy, Felix, 3.2.1809-4.11.1847, Komponist und Dirigent; eine der führenden Musikerpersönlichkeiten des Vormärz; Enkel von Mendelssohn Bartholdy Mendelssohn. In einer widerspruchsvollen Zeit vermochte Mendelssohn Bartholdy, dem Goethe Kreis eng verbunden, in seinem reichen Schaffen an J. S. Bach und G. F. Händel und die Wiener Klassik auf individuelle Weise anknüpfend, die klassisch-humanistische Traditionen zu bewahren. Er schuf poesievolle Sinfonien, Instrumentalkonzerte, programmatische Ouvertüren, Kammer- und Klaviermusik («Lieder ohne Worte»), Oratorien («Paulus», «Elias»), Musik zu Shakespeares «Ein Sommernachtstraum» (besonders bekannt Ouvertüre und Hochzeitsmarsch) unter anderem. Als Leiter des Gewandhausorchesters (seit 1835), Gründer des Leipziger Konservatoriums (1843) und durch die Wiedererweckung der großen Chorwerke Bachs und Händels erwarb er sich große Verdienste um das deutsche Musikleben.

Menderes, Adnan, 1899-17.9.1961 (hingerichtet), türkischer Politiker; 1945 Mitbegründer der demokratischen Partei; 1950/60 Ministerpräsident; ging starke Bindungen zu den USA ein (Beitritt der Türkei zur NATO und zum Bagdad Pakt); durch eine Offiziersjunta am 27.5.1960 gestürzt und zum Tode verurteilt.

Mendès-France, Pierre, 11.1.1907-18.10.1982, französischer Politiker; 1940/44 Teilnehmer der Résistance; seit 1944 wiederholt Minister, als Ministerpräsident (1954/55) musste er das Genfer Abkommen (21.7.1954) über die Beendigung des schmutzigen Krieges in Indochina unterzeichnen; Gegner der Diktatur C. de Gaulles.

Méndez, Leopoldo, 30.6.1902-8.2.1969, mexikanischer Graphiker und Wandmaler. Seit 1926 widmete sich Méndez der Graphik und wandte sich der politischen Tätigkeit zu, war Mitbegründer der wichtigsten Künstlervereinigungen; seit 1932 Leiter der Kunstabteilung im Bildungsministerium, 1933 Mitbegründer der «Liga der revolutionären Schriftsteller und Künstler», 1937 unter den Initiatoren der «Werkstatt für volkstümliche Graphik» (spanisch Abkürzung TGP), deren Vorsitzender er viele Jahre war; 1936 erste Versuche als Wandmaler. Stellte in volkstümlich-realistischen Holz- und Linolschnitten Alltagsprobleme des mexikanischen Volkes dar und unterstützte die Arbeiterbewegung und den Friedenskampf. Als Holz- und Linolschneider sowie als Lithograph übte Méndez auf die realistische Graphik in Mexiko großen Einfluss aus.

Mendoza: Stadt (Provinzzentrum) in Argentinien, im Vorland der Anden; 600000 Einwohner; Erdölraffinerie, Konserven-, Textil-, Zementindustrie; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; 2 Universitäten; Theater, Museen.

Menelaos, in der griechischen Sage König von Sparta; Sohn des Königs Atreus, Bruder des Agamemnon, mit I Helena vermählt; nach dem Sieg über die Trojaner kehrte er mit Helena nach Sparta zurück.

Menelik, 18.4.1844-22.12.1913, Kaiser von Äthiopien seit 1889; vollendete die von seinen Vorgängern begonnene Zentralisierung des Staates und unterdrückte den feudalen Separatismus; schloss 1889 mit Italien den Vertrag von Wetschale (italienisch Ucciale), aus dem Italien vertragswidrig die Gründung der Kolonie Eritrea (1890) ableitete; siegte 1896 bei Adua über Italien; gründete 1886/87 die Hauptstadt Addis Abeba.

Menes, Men, ältester historischer König Ägyptens; errichtete um 3000 vor Christus durch die Vereinigung Unter- und Oberägyptens den ersten zentralisierten ägyptischen Staat (Thinitenzeit). Menes soll Memphis begründet haben.

Menetekel: (aramäisch) nach dem Alten Testament ein den babylonischen König Belsazar vor dem Untergang seines Reiches (539 vor Christus) warnendes Zeichen in geheimnisvoller Schrift; vollständig: Menetekel upharsin («gezählt, gewogen und geteilt»); im weiteren Sinne Warnungszeichen.

Menge: Zusammenfassung verschiedener Dinge zu einem neuen Ganzen; Grundbegriff der Mathematik, der im Allgemeinen nicht mittels einfacherer Begriffe mathematisch definiert wird, sondern dessen Grundeigenschaften axiomatisch beschrieben werden. Wichtige Operationen mit Menge sind die Bildung der Differenzmenge, der Durchschnittsmenge, des Komplements, der Potenzmenge, der 1 Produktmenge und der Vereinigungsmenge. Eine wichtige Relation zwischen Menge ist die Inklusion.

Mengeiberg, Willem, 28.3.1871-22.3.1951, niederländischer Dirigent; war 1895/1945 Dirigent des Concertgebouw Orchesters in Amsterdam, wirkte außerdem in Frankfurt am Main, London, New York und als Gastdirigent.

Mengenlehre: mathematische Theorie des Mengenbegriffs; ab 1872 durch Arbeiten G. Cantors begründet. Die Mengenlehre untersucht unter anderem das Rechnen mit Mengen nach bestimmten Mengenoperationen; in fast allen Gebieten der Mathematik angewendet.

Mengensystem: Menge, deren Elemente selbst Mengen sind, zum Beispiel die Potenzmenge einer Menge.

Mengistu Haile Mariam, geboren 19.5.1941, äthiopisches Militär und Staatsmann; beteiligte sich aktiv an der illegalen antimonarchistische Offiziersbewegung und an der antifeudalen Umwälzung 1974; 1974/77 Erster Stellvertretender Vorsitzender; seit 3.2.1977 Vorsitzender des Provisorischen Militär. Verwaltungsrates, des Ministerrates sowie Oberkommandierender der revolutionären Streitkräfte. 1979/84 Vorsitzender der Kommission zur Organisierung der Partei der Werktätigen Äthiopiens, seit September 1984 Generalsekretär des ZK der Arbeiterpartei Äthiopiens.

Mengs, Anton Raphael, 22.3.1728-29.6.1779, Maler; vorwiegend in Rom ansässig, aber auch in Dresden und Madrid tätig. Unter Einwirkung der antiken Kunst und der Theorien seines Freundes J. J. Winckelmann wurde Mengs zum Wegbereiter des Klassizismus in der Malerei (Deckengemälde «Der Parnaß», Rom, Villa Albani, 1761).

Menhaden, Brevoortia tyrannus: bis 40 cm langer, heringsartiger Schwarmfisch des Pazifiks; wird zu Fischmehl verarbeitet.

Menhir: aufrechtstehender, meist unbehauener Steinblock, oft 4 bis 5 m, auch mehr als 20 m hoch, vorwiegend aus der späten Jungstein- und frühen Bronzezeit; Hauptverbreitungsgebiet war Westeuropa, zum Beispiel Camac (Bretagne).

Menieresche Krankheit: eigenständige Erkrankung am peripheren Gleichgewichts- und Hörorgan mit anfallsweise auftretenden Schwindelzuständen, Schwerhörigkeit unterschiedlichen Ausmaßes und Ohrgeräuschen; hervorgerufen durch spontane Überproduktion der Labyrinth Flüssigkeit, deren Ursache nicht bekannt ist. benannt nach dem französischen Arzt Prosper Moniere (1799-1862).

Menippos, lebte in der 2. Hälfte des 3: Jahrhundert vor Christus, kynischer Philosoph; verfasste 13 Bücher Satiren, aus Poesie und Prosa gemischt; sie wurden Vorbild für Varro, Petronius, Seneca und besonders Lukian.

Meniskus:

1. Anatomie: halbmondförmige Faserknorpel im Kniegelenk; dienen der Anpassung der Gelenkflächen und als Puffer. Bei Unfällen kann es zum Meniskusriß kommen.

2. Optik: konkavkonvexe Linse. Der Hoeghsche Meniskus ist eine Linse mit 2 gleichen Krümmungsradien.

3. Physik: gekrümmte Flüssigkeitsoberfläche in Röhren.

Meniuc, Gheorghe, geboren 20.5.1918, moldauisch-sowjetische Schriftsteller; gestaltet als Lyriker und Erzähler, häufig in traditionellen Formen (Sonett, Ballade), Themen des Dorflebens («Frühlingslied», 1948). Er schrieb Essays zu ästhetischen Fragen und übertrug unter anderem A. S. Puschkin, J. Lermontow und F. Dostojewski ins Moldauische.

Menkenke: (zu «mengen») (unangenehmes) Durcheinander; Umstände (machen).

Mennige, Bleimennige: rotes, giftiges, aus Tribleitetroxid, Pb304, bestehendes Pigment für Rostschutzgrundierungen.

Mennoniten: nach dem niederländischen Priester Menno Simons (um 1492-um 1559) benannte Gruppe der «Taufgesinnten»; lehnen (wie auch die Baptisten) die Kindertaufe ab, ebenso Eid und Waffendienst; Anhänger besonders in den Niederlanden, Kanada und den USA.

meno mosso: (italienisch) Musik weniger bewegt, ruhiger.

Menon, Krishna, 3.5.1897-6.10.1974, indischer bürgerlicher Politiker; 1947/52 Hoher Kommissar in London, 1952 Vertreter bei den UN, 1957/62 Verteidigungsminister, Ehrenpräsident des Weltfriedensrates.

Menopause: Zeitpunkt der letzten Menstruation, Aufhören der Regelblutung der Frau in den Wechseljahren. Die Menopause tritt durchschnittlich mit 49,3 Jahren ein.

Menorca, italienisch Minorca: Insel der spanischen Balearen, im Mittelmeer; 668 km2, 50000 Einwohner; wichtigster Ort Mahon; trockenes, einförmiges Tafelland, bis 358 m hoch; Anbau von Getreide, Kartoffeln, Melonen; Schaf- und Ziegenhaltung; Fisch- und Hummerfang; Seebäder; Fremdenverkehr.

Menorrhagie: verlängerte und verstärkte Regelblutung. Ursachen sind Erkrankungen der Eierstöcke oder der Gebärmutter und hormonale Störungen. Siehe auch Myom.

Menotti: 1. Ciro Menotti, 22.1.1798-26.5.1831 (hingerichtet), italienischer bürgerlicher Revolutionär; organisierte 1831 eine Erhebung der Carbonari in Mittelitalien, die mit österreichischen Hilfe niedergeschlagen wurde.

2. Gian Carlo Menotti, geboren 7.7.1911, italienischer Komponist; lebt seit 1928 in den USA; schrieb fast ausschließlich Bühnenwerke nach eigenen Libretti («Amelia geht zum Ball», 1937; «Das Telefon», 1946; «Die Heilige von der Bleeker Street», 1954; «Hilfe! Die Globolinks!», 1968), die in den USA Serienaufführungen erlebten und zum Teil auch in Europa Erfolg hatten.

Mensch, Anthropos (griechisch): das höchstentwickelte Lebewesen, das als biologische Art Homo sapiens zu den Säugetieren gehört. Der Mensch hat mit den heutigen Menschenaffen gemeinsame Vorfahren und unterscheidet sich von diesen biologisch gesehen vor allem durch das stark entwickelte Großhirn, den aufrechten Gang und den bewussten Gebrauch der Hände. Damit sind die ihn vor allen anderen Lebewesen auszeichnenden und für sein gesellschaftliches Dasein grundlegenden Fähigkeiten zu arbeiten, zu sprechen und zu denken verbunden. Diese Fähigkeiten sind wesentliche Voraussetzungen für die gesellschaftliche Produktionstätigkeit. Durch sie verändert der Mensch bewusst zur Befriedigung seiner gesellschaftlich-historisch gewordenen Bedürfnisse innerhalb bestimmter Produktionsverhältnisse die Natur und gestaltet sein Dasein. Siehe auch Homo, Menschwerdung.

Menschenaffen, Pongidae: schwanzlose, meist baumbewohnende Affen, die in halbaufrechter Haltung auf dem Boden gehen; vorwiegend Pflanzenfresser. Menschenaffen haben einen großen Hirnschädel und leistungsfähige Sinnesorgane; sie haben den gleichen stammesgeschichtlichen Ursprung wie der Mensch; hierzu Orang-Utan, Schimpanse, Bonobo, Gorilla.

Menschenfloh, Pulex irritans: dunkelbrauner, bis 4 mm langer, blutsaugender Außenparasit des Menschen (auch zeitweilig auf Katze und Hund); Lebensdauer bis 4 Monate. Die Larven leben bis zur vollkommenen Verwandlung in Dielenritzen und Teppichen, sie sind nicht parasitär.

Menschenhandel: Straftat, durch die ein Mensch rechtswidrig zum Aufenthalt in einem bestimmten Gebiet gezwungen beziehungsweise ins Ausland verbracht wird.

Menschenlaus, Pediculus humanus: bis 3 mm lange Tierlaus mit 2 Lebensformen. Die Kopflaus lebt an Kopfhaaren, die Kleiderlaus in der Kleidung; Larven und Vollinsekten suchen die Hautoberfläche nur zum Blutsaugen auf. Die Weibchen kitten ihre Eier (Nissen) einzeln an Haare oder Textilfasern. Siehe auch Läuse.

Menschenrechte: Bezeichnung für Grundrechte, auch für die in völkerrechtlichen Dokumenten enthaltenen Rechte und Freiheiten.

Menschewiki: (russisch «Minderheit») opportunistische Richtung in der SDAPR seit dem H. Parteitag (1903); als Gegner der Bolschewiki traten sie gegen die Bildung einer Partei neuen Typs auf, lehnten in der Revolution 1905/07 die Hegemonie des Proletariats sowie das Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft ab und sahen in der liberalen Bourgeoisie den Hegemon der Revolution. Hauptvertreter waren P. B. Axelrod, F. I. Dan, L. Martow, G. W. Plechanow; die Menschewiki wurden 1912 aus der SDAPR ausgeschlossen, blieben jedoch als selbständige politische Gruppierung bestehen. Nach der Februarrevolution 1917 gingen sie endgültig auf die Seite der Bourgeoisie über und wurden nach der Oktoberrevolution offen konterrevolutionär.

Menschheit: die Gesamtheit der Menschen als Gattung in ihrer qualitativen Eigenart und in ihrer sich historisch entwickelnden Einheit. Die Vorstellung von einer einheitlichen Menschheit entstand bereits in der Antike, insbesondere in der griechischen Stoa, und ist seither ein wesentliches Element des Humanismus. In der Geschichte des philosophischen, religiösen und sozialtheoretischen Denkens hat sie verschiedene Ausprägungen und Begründungen erhalten (zum Beispiel gemeinsamer Ursprung der Menschheit, Gleichheit aller Menschen vor Gott). Ihre höchste Entwicklungsstufe erlangt die Auffassung von der Einheit der Menschheit im sozialistischen Humanismus. Diese gründet sich auf den modernen wissenschaftlichen Erkenntnisstand über die Entstehung des Menschen und der Gesellschaft, über die biologische Gleichwertigkeit aller Menschenrassen, über die Einheit der gesellschaftlichen Entwicklung der Menschheit in ihrer objektiven Gesetzmäßigkeit, die trotz aller Mannigfaltigkeit des Geschichtsprozesses allmählich zur Herausbildung gemeinsamer, miteinander verflochtener Existenz- und Entwicklungsbedingungen der Menschheit und gemeinsamer Interessen fuhrt und in der ferneren Perspektive auch den Weg zu einer Verschmelzung der Rassen, Völker und Nationen ebnen wird. Dementsprechend geht der sozialistische Humanismus von der prinzipiellen Gleichberechtigung und Achtung aller Menschenrassen, Völker und Nationen aus. Er sieht in den schöpferischen Kulturleistungen aller Völker eine Verkörperung der Wesenskräfte der Menschengattung und begründet eine Politik des gleichberechtigten Austauschs und der wechselseitigen Bereicherung der Kulturen aller Völker. Während die Menschheit in den vorkapitalistischen Gesellschaftsformationen sich weitgehend in relativ isolierten Regionen der Erde entwickelte, führten die Herausbildung des Kapitalismus, die Entstehung des Weltmarktes und die zunehmende Internationalisierung der Produktivkräfte, der Wirtschaft, der Wissenschaft und Technik dazu, dass ein immer dichter werdendes Netz ökonomischer, politischer, kultureller, wissenschaftlich-technischer und kommunikativer Beziehungen und Abhängigkeiten eine wachsende reale gesellschaftliche Einheit der Menschheit schafft. Diese Einheit ist allerdings durch antagonistische Widersprüche charakterisiert. Auf der Grundlage der sozialistischen Gesellschaft und vor allem im Rahmen des sozialistischen Weltsystems setzt sich diese Tendenz verstärkt und in neuer Qualität fort, denn hier verliert sie den antagonistischen Charakter. In der Gegenwart existiert die Menschheit vor allem in den beiden entgegengesetzten Gesellschaftsordnungen des Sozialismus und des Kapitalismus. Darüber hinaus befindet sich ein großer Teil der Menschheit in den Entwicklungsländern in einem Prozess rascher gesellschaftlicher Veränderungen, die überwiegend eine kapitalistische, teils eine sozialistische Orientierung besitzen. Die reale gesellschaftliche Einheit der Menschheit wird gegenwärtig vor allem durch das Geflecht wechselseitiger Beziehungen und Abhängigkeiten dieser Weltsysteme bestimmt. Die gemeinsamen Existenz- und Entwicklungsbedingungen der heutigen Menschheit sind geprägt durch die globalen Probleme, in erster Linie die vom Imperialismus ausgehende Gefahr der Vernichtung der Menschheit in einem thermonuklearen Krieg, die Gefährdung der natürlichen Umwelt, die tiefe Kluft zwischen entwickelten und unterentwickelten Ländern, die Armut und der Hunger eines großen Teils der Menschheit Der Sozialismus nimmt durch seine konstruktive Friedenspolitik und durch sein Beispiel bei der Lösung solcher sozialen Probleme wie Überwindung der Rückständigkeit, der Armut und des Hungers, Beseitigung des Analphabetentums und kultureller Rückständigkeit seine Verantwortung gegenüber der Menschheit immer stärker wahr. Gemeinsam mit allen friedliebenden Kräften der Menschheit mobilisiert er das Weltgewissen gegen die menschheitsbedrohende imperialistischen Rüstungs- und Kriegspolitik, wirkt auf die Schaffung einer die ganze Menschheit umspannenden Koalition der Vernunft hin, um der Menschheit die Fortexistenz und eine friedliche Zukunft zu sichern.

Menschikow, Alexander Danilowitsch, Fürst, 16.11.1673-23.11.1729, russischer Staatsmann und Feldherr; seit 1699 einflussreichster Vertrauter Peters I., 1703 Gouverneur von Petersburg, 1709 entscheidend am russischen Sieg in der Schlacht bei Poltawa beteiligt; übte als Vertrauter Katharinas I. seit 1725 praktisch die Macht aus. 1727 durch eine Adelsverschwörung gestürzt, enteignet und nach Westsibirien verbannt.

Menschwerdung, Anthropogenese, Anthropogenie (beide griechisch), Hominisation: qualitativer Umschlag von der biologischen zur gesellschaftlichen Bewegungsform der Materie im Verlauf der Stammesgeschichte der Tiere. Zahlreiche Fossilfunde und vergleichende Untersuchungen an heute lebenden Tieren beweisen, dass sich der Mensch aus dem Tierreich, speziell aus primitiven Affenformen der Alten Welt, entwickelt hat. Die Trennung der zum Menschen führenden Entwicklungslinie von der der Affen hat wahrscheinlich schon vor etwa 25 bis 30 Millionen Jahren stattgefunden, indem bei einem Teil der ursprünglich gemeinsamen Ausgangsgruppe durch Mutationen, Selektion und andere Evolutionsfaktoren eine zunehmende Anpassung an das Bodenleben erfolgte, wodurch die Entwicklung zum Menschen eingeleitet wurde. Relativ frühe Stadien der beiden Entwicklungsrichtungen sind einerseits durch Knochenfunde von Baumaffen und anderseits durch Fossilreste von Ramapithecinen belegt. Letztere benutzten vermutlich bereits primitive Werkzeuge. Sie sind morphologisch von den Australopithecinen kaum zu unterscheiden. Aus progressiven Formen dieser Gruppe ging der Homo erectus hervor, aus dessen frühen Vertretern entwickelte sich der Homo sapiens neanderthalensis, der später jedoch ausstarb, und der Homo sapiens sapiens. Auf der Grundlage der bei den Vorfahren des Menschen gegebenen biologischen Voraussetzungen, wie aufrechter Gang und dadurch bedingtes Freiwerden der Hände von der Fortbewegungsfunktion, verlängerte Kindheits- und Jugendentwicklung, Gehirndifferenzierung und das Zusammenleben in Gruppen, entwickelte sich die spezifisch menschliche Arbeitstätigkeit und mit ihr die Sprache und abstraktes Denkvermögen. Diese Fähigkeiten wurden zur Haupttriebkraft der weiteren Entwicklung des Menschen, dessen Beziehung zur Natur und untereinander zunehmend nicht mehr allein durch biologische, sondern auch durch gesellschaftliche Gesetze beherrscht wurde.

Menstruation, Menses, Monatsblutung, Regel: im Allgemeinen regelmäßig alle 28 Tage auftretende, im Durchschnitt 4 Tage anhaltende Blutung aus der Gebärmutter von unterschiedlicher Stärke infolge Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut bei der geschlechtsreifen Frau, wenn keine Befruchtung stattgefunden hat; äußerlich sichtbar werdende Erscheinung der zyklischen Vorgänge in Gebär und Eierstöcken. Die Menstruationsabstände haben normalerweise eine Schwankungsbreite von 25 bis 31 Tagen. Abweichungen davon erfordern ärztliche Behandlung. Siehe auch Ovarialzyklus.

Mensur:

1. Chemie: Messzylinder.

2. Fechten: Abstand der Fechter voneinander. Unterschieden werden enge, mittlere und weite Mensur

3. Musik: Maßverhältnis bei Musikinstrumenten, zum Beispiel Länge und Weite bei Orgelpfeifen und Blasinstrumenten oder Saitenlänge und -stärke sowie Schallkörpergröße bei Saiteninstrumenten.

Mensuralmusik: (lateinisch mensura, «Maß») mehrstimmige Musik vom ausgehenden 13. bis ins 17. Jahrhundert, aufgezeichnet in Mensuralnotation, die zur Lage der Töne auch deren metrischen Längenwert (Tondauer) angibt.

Mentalität: Sinnes- und Geistesart; Denk- und Anschauungsweise in Bezug auf den Lebensprozess; geistige Gesamtverfassung von einzelnen oder Gruppen.

Mentalreservation: Recht innerer Vorbehalt, das Erklärte nicht wirklich zu wollen; rechtlich ohne Wirkung.

Mentawai-Inseln: Inselgruppe im Malaiischen Archipel, vor der Südwestküste Mittelsumatras; zu Indonesien gehörend. Etwa 70 Inseln vulkanischen Ursprungs; wichtigste Inseln sind Siberut, Sipora, Pagai Utara und Pagai Selatan; mit den Batu-Inseln 7221 km2, etwa 22000 Einwohner; vorwiegend Hügelland, auf Siberut bis 406 m aufragend; bei tropischen Klima immergrüner tropischer Regenwald.

Menthan: eine farblose, brennbare Flüssigkeit von fenchelartigem Geruch; Formel C10H20; Kp 168 °C. Vom Menthan leiten sich wichtige Terpene ab, zum Beispiel Menthol, Terpineol, Karvon.

Menthol: farbloser, kristallisierter, pfefferminzartig riechender monozyklisches Terpenalkohol; F 43 °C; ruft auf Haut und Schleimhäuten Kälteempfindungen hervor. Menthol ist der Hauptbestandteil der Pfefferminzöle; es wird auch synthetisch hergestellt und in der Pharmazie sowie zur Aromatisierung von Zahnpasten, Mundwässern unter anderem verwendet.

Menton: Stadt im Südosten Frankreichs, nahe der italienischen Grenze; 25000 Einwohner; Kurort an der Cote d’Azur; malerische Altstadt; Hafen; Casino; Jean-Cocteau-Museum.

Mentor, in der griechischen Sage Freund des Odysseus und väterl. Berater von dessen Sohn Telemachos.

Mentor (nach der Sagengestalt): Erzieher, Ratgeber, Betreuer; insbesondere erfahrener Lehrer für die schulpraktische Ausbildung von Lehrerstudenten.

Mentor Methode: eine von I. W. Mitschurin für die Obstzüchtung entwickelte Pfropfmethode, bei der durch den wechselseitigen Einfluss von Unterlage und Pfropfreis eine Sortenverbesserung angestrebt wird.

Mentuhotep: Name mehrerer altägyptischer Könige der 11., thebanische Dynastie. Der bedeutendste ist Nebhepetre, regierte 2060/2010 vor Christus; zunächst König von Oberägypten (Hauptstadt Theben), siegte über die Dynastie von Herakleopolis und begründete das Mittlere Reich (um 2040/um 1730 vor Christus). Mentuhotep führte Kriege gegen Nubien, Libyen und Palästina und sorgte für den Ausbau des Straßennetzes zwischen Nil und Rotem Meer. Unter ihm verbreitete sich der Kult des Amun. Sein Felsgrab befindet sich im Tal von Dar al-Bahari.

Menuett: 1. französische Volksreigen in mäßigem 3/4-Takt, genannt nach den zierlichen Schrittfolgen («menus»); seit dem 17. Jahrhundert hochstilisierter kunstvoller höflicher Tanz, der Eingang in Ballett und Oper fand; war bis 1800 einer der wichtigsten Balltänze für Adel und Bourgeoisie.

2. Bestandteil der Suite, des Divertimentos, der Serenade und seit etwa 1750 der Sonatenform (meist als 3. Satz zwischen langsamem Satz und Finale); wurde hier seit etwa 1800 fast vollständig durch das Scherzo verdrängt.

Menuhin, Yehudi, geboren 22.4.1916, US-amerikanischer Violinist, lebt in Großbritannien; trat mit 8 Jahren als «Wunderkind» auf; seit 1937 durch Konzertreisen weltberühmt; war 1968/77 Präsident des Internationalen Musikrates.

Menzel, Adolph von, 8.12.1815-9.2.1905, Maler und Graphiker. Nach einer Ausbildung als Lithograph und einem kurzen Besuch der Berliner Akademie autodidaktische Weiterbildung in Malerei und Graphik. Mannigfaltige Beobachtungen des Alltags, aber auch historisch genaue Studien widerspiegeln sich in seinen zahlreichen, mit Akribie ausgeführten Skizzen und Zeichnungen. Häufig benutzte er diese als Vorlagen für seine graphischen Arbeiten, von denen die nahezu 400 Holzschnitte zu F. Kuglers «Geschichte Friedrichs des Großen» (1842) zu einem Hauptwerk der Frühzeit wurden. Eine technische und künstlerische Meisterleistung auf dem Gebiet der Lithographie ist die Folge «Versuche auf Stein mit Pinsel und Schabeisen» (1851). Als Maler erwarb sich Menzel durch die Originalität der Sujets sowie den Realitätssinn seiner Naturstudien weitreichende Anerkennung («Balkonzimmer», 1845; «Ein Nachmittag im Tuileriengarten», 1867) und gilt als einer der Hauptvertreter des bürgerlichen Realismus im 19. Jahrhundert Breitgefächert ist die Thematik seiner Bilder, von denen die Darstellungen zur preußischen Geschichte besonders erwähnenswert sind («Aufbahrung der Märzgefallenen», 1848; «Flötenkonzert», 1852). Mit seiner herausragenden Gestaltung des «Eisenwalzwerkes» (1875) schuf er die erste bedeutende Darstellung des Industrieproletariats und wirkte damit einflussnehmend auf das realistische Schaffen vieler Künstler seiner Zeit (unter anderem Menzel Klinger, K. Kollwitz, Menzel Liebermann).

Mephistopheles, Mephisto, das Prinzip des Bösen verkörpernde Gestalt (Teufel) in Goethes «Faust»; zuerst im Volksbuch von 1587 (Faust) erwähnt. Die Etymologie ist nicht geklärt.

Meran, italienisch Merano: Stadt in Oberitalien (Trentino-Alto-Adige), in der Provinz Buzen, am Adige; 35000 Einwohner; Wasserkraftwerke; Holzverarbeitung; Obst- und Weinbau sowie -Verarbeitung; Kurort und Thermalbad; in der Umgebung zahlreiche Burgen, darunter die Burg Tirol (12. Jahrhundert).

Merapi: häufig tätiger Vulkan in Mitteljava (Indonesien), südlich von Semarang; 2911m; bildet zusammen mit dem 3145 m hohen Vulkan Merbabu einen Doppelgipfel; letzte Ausbrüche 1930, 1940, 1956 und 1967.

Merca: Stadt (Regionszentrum) in Somalia, am Indischen Ozean, südlich von Muqdisho; 65000 Einwohner; Hochseehafen; Leder-, Lebensmittelindustrie; Fischerei.

Mercalli-Skala: zwölfteilige Skala für die Stärke von Erdbeben, benannt nach dem italienischen Vulkanologen und Seismologen Giuseppe Mercalli (1850-1914), der eine brauchbare Skala mit 10 Intensitätsgraden aufgestellt hatte. Die Mercalli-Skala geht von sichtbaren und fühlbaren Wirkungen an der Erdoberfläche aus. Neben der I Richter-Skala ist eine modifizierte Mercalli-Skala heute weltweit im Gebrauch zur Schnellinformation über das Ausmaß von Erdbebenschäden.

Mercator, eigentlich Kremer, Gerhard, 5.3.1512-2.12.1594, Geograph und Kartograph; zeichnete die ersten wissenschaftlich einwandfreien Karten und Atlanten, gab 1569 eine Weltkarte mit dem von ihm erstmalig angewandten winkeltreuen Zylinderentwurf, dem Mercator-Entwurf, heraus.

Mercier, Louis-Sebastien, 6.6.1740 bis 25.4.1814, französischer Romancier, Dramatiker und Journalist; Verfasser unter anderem der Gesellschaftsutopie «Das Jahr 2440» (1770, deutsch) sowie der kulturgeschichtlichen Romanskizzen «Paris, ein Gemälde» (1781/90, deutsch).

Merck, Johann Heinrich, 11.4.1741-27.6.1791 (Selbsttötung), Kritiker und Schriftsteller; Freund J. W. Goethes, mit dem er die «Frankfurter Gelehrten Anzeigen» herausgab. Merck setzte sich mit gesellschaftskritischen Gedichten, Fabeln und Erzählungen für die bürgerliche Emanzipation ein und wandte sich gegen die soziale Unterdrückung der Bauern.

Mercouri, Melina, geboren 18.10.1925, griechische Schauspielerin; spielte während der Diktatur in Griechenland in westeuropäischen und US-amerikanischen Filmen («Der Mann, der sterben muss», «Sonntags nie», «Die Versuchung heißt Jenny»); errang auch als Chansonsängerin internationale Erfolge; nach dem Sturz der reaktionären Regierung Mitglied des griechischen Kabinetts und (1981) Minister für Kultur.

Mercury: (englisch, «Merkur») Bezeichnung für einsitzige bemannte Raumfahrzeuge der USA; 1961/63 insgesamt 2 Flüge auf ballistische Bahn sowie 4 in Erdumlaufbahnen, darunter erster Raumflug eines US-Amerikaners (J. Glenn, 20.2.1962); siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Meredith, George, 12.2.1828-18.5.1909, englischer Schriftsteller und Dichter; verfasste die kritisch-realistische Bildungs- und Erziehungsromane «Richard Fevereis Prüfung» (1859, deutsch) und «Der Egoist» (1879, deutsch) sowie Natur- und Liebeslyrik («Verse und lyrische Gedichte über die Freude der Erde» (1883). Sympathien mit dem russischen Volk zur Zeit der russischen bürgerlich-demokratischer Revolution bekundet sein Gedicht «Die Krise» (1905).

Mergel: Sediment; Gemenge aus Tonmineralen und Carbonaten. Aus eiszeitlichen Gesteinsschutt entstandener, mit Geschieben durchsetzter Mergel bildet den Geschiebemergel.

Mergenthaler, Ottmar, 11.5.1854-28.10.1899, Uhrmacher; erfand 1884 die Zeilengusssetzmaschine «Linotype».

Meri, Veijo, geboren 31.12.1928, finnischer Schriftsteller; Hauptanliegen seiner grotesk-komischen Romane ist die Auseinandersetzung mit dem Krieg, zum Beispiel in «Das Manilaseil» (1957, deutsch), «Der Wortbruch» (1961, deutsch) und «Das Gamisonsstädtchen» (1971, deutsch). Meri schrieb auch Erzählungen (dt. Sammlung «Zweimal fünfzehn Kilometer», 1985), Gedichte, Stücke und Essays.

Merian: 1. Maria Sibylla Merian, 2.4.1647-13.1.1717, Malerin, Kupferstecherin und Naturforscherin; Tochter von Merian 2; ihre wissenschaftlich exakten und künstlerisch bedeutenden Arbeiten zur heim, und tropische Insekten- und Pflanzenkunde wurden für naturwissenschaftlichen Publikationen des 18. Jahrhundert vorbildlich.

2. Matthäus der Ältere, 22.9.1593-19.6.1650, schweizerischer Kupferstecher; gab im eigenen Verlag in Frankfurt am Main eine Topographie Europas und das «Theatrum Europaeum», eine illustrierte zeitgeschichtliche Dokumentation, heraus.

Merida: 1. Stadt im Südwesten Spaniens, in fruchtbarer Ebene, am Guadiana; 40000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Kork- und Baumwollindustrie; Marktort; Museum; Alcázar (maurische Festung, 9. Jahrhundert), mittelalterliche Stadtmauer, zahlreiche guterhaltene römische Baudenkmäler (Brücke, 785 m lang; Theater, Amphitheater, Thermen, Aquädukt, Zirkus).

2. Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán (Mexiko), im Norden der Halbinsel Yucatán; 350000 Einwohner; Mittelpunkt des mexikanischen Sisalanbaugebietes (Henequén), des Sisalhandels und der -Verarbeitung; Zucker-, Textil- und Seifenindustrie; internationaler Flughafen; Universität; Maya-Museum.

3. Hauptstadt des Bundesstaates Merida (Venezuela), am Nordfuß der Kordillere von Merida, 1620m überm Meer; 74000 Einwohner; Lebensmittel-, Leichtindustrie; Universität; durch Simon-Bolivar-Hochstraße mit Caracas und Kolumbien verbunden.

Meridian: 1. Meridian, Mittagskreis: Astronomie Großkreis am Himmel, der durch Zenit und Nadir eines Beobachtungsortes sowie durch die beiden Himmelspole geht. Auf ihm erreichen die Gestirne ihre größte Höhe über dem Horizont.

2. Geometrie: Drehfläche.

3. Kartographie: Halbkreis im Gradnetz der Erde, der die geographischen Pole miteinander verbindet und mit dem gegenüberliegenden Halbkreis einen Längenkreis bildet. Meridiane konvergieren nach den Polen. Ihr Abstand nimmt von etwa 111 km am Äquator auf 0 km an den Polen ab.

méridional: bei einem zentrierten optischen System in der Ebene liegend, die einen außeraxialen Objektpunkt und die optische Achse enthält (Meridionalebene). Meridional Strahlen bleiben bei beliebig vielen brechenden und reflektierenden Flächen des zentrierten optischen Systems in einer Ebene.

Mérimée, Prosper, 28.9.1803-23.9.1870, französischer Schriftsteller, Verfasser romantisch beeinflusster historische Dramen («Die Jacquerie», 1828, deutsch) und stark psychologisch motivierter Novellen, die ungebrochene Leidenschaftlichkeit verherrlichen und sein Aufbegehren gegen die Verflachung bürgerlichen Lebens zum Ausdruck bringen («Mateo Falcone», 1820; «Colomba», 1840; «Carmen», 1845; alle deutsch).

Meristemkultur: Anzucht von Pflanzen aus meristematischen (teilungsfähigen) Gewebestücken der Spitzenknospen oder von blattachselständigen Knospen mit je nach Pflanzenart unterschiedlicher Längen von 0, 1 bis 0,5 mm und einem ähnlichen Durchmesser. Sie dient der Virusfreimachung infizierter Pflanzen, da die Spitzenmeristeme noch nicht mit Gefäßen versorgt und daher in der Regel auch noch nicht virusverseucht sind.

Meriten: (dat.; Sing. Meritum) Verdienste.

merkantil: (französisch - deutsch) kaufmännisch, auf den Handel bezogen.

Merkantilismus, Merkantilsystem: System der vorklassischen bürgerlichen politischen Ökonomie in der Periode der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals und der Entstehung der bürgerlichen Nationen; Blütezeit 17. Jahrhundert und 1. Hälfte des 18. Jahrhundert, besonders in England. Ziel der ökonomischen Tätigkeit ist nach dem Merkantilismus der Mehrwert in Gestalt von Handelsprofit; ideologischer Ausdruck der Zersetzung der feudalen und der Entstehung der kapitalistischen Produktionsweise bei dominierender Rolle des Handelskapitals.

Merkaptane, Mercaptane, Thioalkohole, Thiole: organische Verbindungen mit der Sulfhydrylgruppe -SH, sofern diese nicht an ein aromatisches System gebunden ist. Die einfachsten Merkaptane, zum Beispiel Äthylmerkaptan (Ethanthiol), C2H5SH, sind äußerst übelriechende, giftige Flüssigkeiten.

Merkfähigkeit: Fähigkeit, neue Eindrücke aufzunehmen und dem Gedächtnisbesitz hinzuzufügen; intakte Merkfähigkeit bestimmt maßgeblich die psychisch-intellektuellen Leistungen.

Merkmal: Erkenntnistheorie, Logik Bestandteil eines Begriffes, der eine Eigenschaft der unter diesen Begriff fallenden Objekte widerspiegelt.

Merkur, Mercurius, römischer Gott des Handels (griechisch Hermes).

Merkur (nach dem Gott): sonnennächster Planet. Die Oberfläche des Atmosphäre losen Merkurs ist mit Kratern übersät und ähnelt sehr dem Mond. Die Temperatur schwankt zwischen +440 und -200°C. Unter den erdartigen Planeten besitzt Merkur den relativ größten Eisenkern. Auf ihn geht das verhältnismäßig starke Magnetfeld des Merkurs zurück. An der stark exzentrischen Bahn des Merkurs, die nach der des Pluto am meisten von der Kreisform abweicht, wurde erstmals die Periheldrehung (Relativitätstheorie) nachgewiesen.

Merle, Robert, geboren 29.8.1908, französischer Schriftsteller; sein Frühwerk ist von konkretem Kriegs- und Faschismuserleben geprägt («Der Tod ist mein Beruf», 1953, deutsch); ihm folgen humanistische-kritische Romane zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen, zumeist in historischer oder utopischer Verfremdung («Die Insel», 1962; «Malevil», 1972; «Die geschützten Mannen), 1974, alle deutsch).

Merleau-Ponty, Maurice Jean Jacques, 14.3.1908-3.5.1961, französischer Philosoph und Schriftsteller; einer der wichtigsten Vertreter des französischen Existentialismus; versucht eine idealistischen Vermittlung zwischen Physischem und Psychischem.

Merlin, (englisch französisch germanisch) Falco columbarius: bis 33 cm langer Falke nördlicher Gebiete; im offenen Gelände lebender Vogeljäger; meist Bodenbrüter, in Mitteleuropa nur als Wintergast in Feldgebieten.

Merluschki: Lammfelle einer Kreuzung von Fettsteißschafen mit bodenständigen Rassen mittelasiatische Gebiete. Die Felle besitzen meist Federlocken; Farbe braun, weiß, schwarz oder gescheckt.

Merogamie: geschlechtliche Fortpflanzung besonders bei Sporentierchen; es kopulieren Gameten, die durch Teilung aus einem Gameten Bildner (Gamont) hervorgegangen sind.

meroitische Kunst: eine originale Kunst, die sich südlich von Ägypten, im nubischem Raum, ausprägte; Blütezeit etwa 750 vor Christus bis etwa 350 nach Christus.

Sie war weitgehend identisch mit der Kunst des Reiches von Kusch und ist nach dessen Hauptstadt Meroe (nördlich von Khartum) benannt. Es handelt sich bei der meroitischen Kunst um eine Synthese der altsudanesischen Kunst mit der gleichzeitigen Kunst Ägyptens und Vorderasiens, wobei starke Einflüsse aus Persien wirksam wurden. Zu den Hauptleistungen der meroitischen Kunst gehören die Königspyramiden und Tempel von Napata, Meroe, Naga und Musawwarat es-Sufra, Werke der Plastik, Reliefkunst sowie Keramik, Bronze- und Goldschmiedekunst. Neben der ägyptischen bedeutendste Kunst des alten Afrikas.

Merowinger: fränkisches Königsgeschlecht, benannt nach dem sagenhaften salischen Kleinkönig Merowech (um 450). Die Merowinger herrschten über das von ihrem bedeutendsten Vertreter Chlodwig I. (482/511) gegründete Frankenreich, bis ihre Herrschaft durch Reichsteilungen, innere Kämpfe und das Erstarken des Adels geschwächt, 751 an die Karolinger überging.

merowingische Kunst: Kunst des Merowingerreiches (6. bis Mitte 8. Jahrhundert); verschmolz römische Provinzialkunst, syrische und koptische Einflüsse mit keltisch-germanischer Traditionen; besonders ausgeprägt sind Edelschmiedearbeiten; die Buchmalerei wurde irisch-angelsächsisch beeinflusst; die Tier- und Flechtbandornamentik gehört überwiegend dem «Tierstil II» an; es entstand erste figürliche Plastik: Reiterstein von Hornhausen (um 700), Grabstein von Niederdollendorf; für Paläste und Kirchen wurde der Steinbau eingeführt (Baptisterium St.-Jean in Poitiers; 7. Jahrhundert).

Merseburg: Kreisstadt im Bezirk Halle, auf dem linken hohen Saaleufer; 49000 Einwohner; Braunkohlentagebau Merseburg-Ost, Aluminiumwalzwerk, Zellstoff- und Papierfabrik, Baustoffindustrie; TH (für Chemie), Fachschulen; Staatliche Zentralarchiv, Kreismuseum; neues Stadtzentrum und neue Wohnviertel im Süden und Westen; romanisch-spätgotische Dom und Schloss (15./17. Jahrhundert); Neumarktkirche (12. Jahrhundert). Unter Heinrich! war Merseburg Königspfalz, 968 Bistum Merseburg gegründet; bis 1245 Ort bedeutender Reichstage; kam 1815 an Preußen; 1916 Errichtung der Leuna-Werke.

Merseburger Zaubersprüche: 2 althochdeutsche, nach ihrem Fundort benannte Literaturdenkmäler, enthalten epische Einleitung und stabreimende Beschwörungsformel (Befreiung eines Gefangenen; Heilung eines Pferdes); entstanden vor 750, im 10. Jahrhundert wahrscheinlich im Kloster Fulda aufgezeichnet; einzige erhaltene deutsche Sprachdenkmäler des germanischen Götterglaubens.

Mersey: Fluss im Westen Englands (Großbritannien); 129 km einschließlich des 26 km langen und bis 3 km breiten Mündungstrichters; entspringt in den Penninen, mündet in die Ir. See; schiffbar ab Irwell-Mündung; an untertunnelter Trichtermündung bedeutende Häfen und Industrien.

Merseyside: Großstadtgrafschaft im Westen Englands (Großbritannien), beiderseits des Mündungstrichters des Mersey; 652 km2, 1,51 Millionen Einwohner; 2316 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Liverpool-, Industrieballung mit Maschinen-, Schiff- und Fahrzeugbau, chemische, elektronische und Textilindustrie; Erdölraffinerien; Häfen Liverpool, Birkenhead.

Mersin: Stadt (Provinzzentrum) im Süden der Türkei, am Mittelmeer; 220000 Einwohner; Erdölraffinerie (Pipeline aus Batman), Textilindustrie, Kraftwerk; Fischfang; Hafen; bei Mersin Ruinenstadt Pompeiopolis.

Mertschule, Giorgi, georgischer Schriftsteller des 10. Jahrhundert; Verfasser der Vita des Klostergründers Grigol Chandsteli aus Tao-Klardsheti, mit der er nicht nur das Wirken des Geistlichen gestaltete, sondern auch ein Bild der politischen und kulturellen Situation zeichnete und gegen die Ausschweifungen des Klerus polemisierte.

Meru: schwach tätiger Schichtvulkan im Norden von Tansania, westlich vom Kilimandscharo; 4567 m; in 1100 bis 3000 m über dem Meeresspiegel tropischer Regenwald, am Fuß Kaffeeanbau; mehrere Seen.

Merwede: Bezeichnung für den südlichen Hauptarm des Niederrheins (Waal) nach Aufnahme der Maas in den Niederlanden; gabelt sich bei Dordrecht in Oude und Nieuwe Maas.

Merzerisieren: (nach einem britischen Chemiker) Behandeln von Textilien aus Baumwolle mit Lösungen von Alkalien bei gleichzeitigem Strecken; zur Verbesserung des Glanzes, des Farbaufnahmevermögens und der Festigkeit.

Mesabikette, englisch Mesabi Range: Hügelkette im Norden der USA am Westende des Oberen Sees (Minnesota); 180 km lang, bis 610 m hoch; Hauptzentren Hibbing, Virginia; größte Eisenerzlagerstätte der USA mit hochwertigen Hämatit Eisenerzen (50 bis 58% Eisengehalt; durch starken Abbau der letzten Jahrzehnte bald erschöpft) und etwa 72 Md. t Takoniten (Eisenglimmerschiefer) beziehungsweise Magnetiten (30% Eisengehalt), deren Abbau verstärkt erfolgt; Eisenerzumschlag in Duluth und seit dem Takonit Abbau auch in Silver Bay.

Mesalliance: (französisch, «Missheirat») vom Adel geprägte Bezeichnung für eine ehel. Verbindung zwischen Personen wesentlich verschiedener sozialer Herkunft.

Mesangium: Bindegewebe im Nierenkörperchen; dient der Anheftung der Kapillarschlingen.

Mesa y Llompart, José, 1840-22.1.1904, spanischer Arbeiterführer, Drucker; hatte wesentlichen Anteil an der Organisation von Sektionen der I. Internationale in Spanien, 1872 war er Mitglied ihres Spanischen Föderalrates; bekämpfte den Anarchismus in der spanischen Arbeiterbewegung, übersetzte als einer der ersten Propagandisten des Marxismus in Spanien Werke von Marx und Engels ins Spanische; 1879 Mitbegründer der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei.

Mescha stein: ein etwa 1 m hoher und 60 cm breiter Basaltstein, der eine Inschrift des Königs Mescha von Moab (östlich des Toten Meeres, Mitte des 9. Jahrhundert vor Christus) enthält, bedeutendster Beleg für den moabitischen Dialekt des Kanaanäischen.

Mesenchym: embryonales Bindegewebe; lockeres Schwammwerk miteinander in Verbindung stehender Mesenchymzellen sowie nicht speziell differenzierter Interzellularsubstanz; aus dem Mesenchym gehen alle Arten des Binde- und Stützgewebes sowie Blutgefäße hervor.

Meseta: (spanisch, «Tafel») Landschaft im Innern der Pyrenäenhalbinsel, von jungen Faltengebirgen im Norden, Osten und Süden eingesäumt, im Westen sich allmählich zum Ozean abdachend; vom Kastilischen Scheidegebirge in Nord-Meseta (800 bis 1000 m) und Süd-Meseta (500 bis 800 m) geteilt; trocken, sommerheiß, winterkalt; von Duero, Tajo, Guadiana durchschnitten.

mesial: (griechisch) Stomatologie nach der Mitte des Zahnbogens gerichtet.

Mesiodens: (griechisch + lateinisch) überzähliger, meist rudimentär entwickelter und zwischen den mittleren oberen Schneidezähnen gelegener Zahn.

Agavenschnaps, Meskal: aus dem Saft von vor der Blüte stehenden Agaven, zum Beispiel Agave tequilana Weber, durch Gärung (Agavenwein, Pulque) und Destillation erhaltenes alkoholisches Getränk; in Mexiko verbreitet.

Meskalin, Mescalin: Alkaloid der mexikanischen Peyotl-Kakteen. Meskalin bildet farblose, leicht wasserlösliche Kristalle; F 35 bis 36°C. Es ist ein gefährliches Suchtgift und verursacht Sinnestäuschungen, Farbvisionen, Euphorie und Schizophrenie ähnliches Verhalten.

Meslier, Jean, 1664-1729, französischer utopischer Kommunist, Pfarrer. Sein abschriftlich verbreitetes «Testament» bekämpft Religion und idealistische Philosophie aus materialistischer und bäuerlich-plebejischer Sicht als geistige Fesseln der Tyrannei und ruft zur revolutionären Errichtung eines kommunistischen Gemeinwesens auf.

Mesmer, Franz Anton, 23.5.1734-5.3.1815, Theologe und Arzt; wirkte in Wien, Paris und Meersburg. Mesmer stellte eine unwissenschaftliche Theorie (M.ismus, Heilmagnetismus) auf von der heilenden Wirkung des tierischen Magnetismus, eines angeblich dem Menschen innewohnenden Fluidums, das durch bestimmte Maßnahmen verstärkt werden könnte.

Mesoklima, Lokalklima: Klimaerscheinungen in kleineren Naturräumen wie Talkessel, Küstenstreifen, Städte.

Mesomerie: unter Energieabgabe verlaufende Delokalisierung bestimmter Elektronen in Molekülen, so dass der sich einstellende mesomere Bindungszustand nicht mehr durch herkömmliche Strukturformeln beschrieben, sondern durch diese nur eingegrenzt werden kann. An der Mesomerie beteiligen sich n-Elektronen und einsame Elektronenpaare (bei Radikalen auch ungepaarte Einzelelektronen), sofern sie eine Einfachbindung einschließen, wie es beispielsweise bei konjugierten Doppelbindungen, ... -C=C-C = C..., der Fall ist. So befinden sich die n-Elektronen des Buta-l,3-diens, Grundstruktur CH2=CH-CH = CH2, nicht genau zwischen den doppelt gebundenen Kohlenstoffatomen, sondern sie verteilen sich unter Abgabe der Mesomerieenergie bis zu einem gewissen Grade über das gesamte (hier mit dem Molekül identische) konjugierte Bindungssystem, bis als energieärmster Zustand der Grundzustand erreicht ist. Diese Delokalisierung wird als Valenzausgleich bezeichnet. Die delokalisierten Elektronen lassen sich längs des konjugierten Bindungssystems leicht verschieben; dies geschieht zum Beispiel unter dem Einfluss polarer Teile anderer Moleküle, die mit dem betrachteten Molekül chemisch reagieren. Dabei nähern sich die Elektronen den durch herkömmliche Formeln beschreibbaren mesomeren Grenzzuständen an (mesomere Grenzstrukturen). Das Symbol zur Kennzeichnung der Mesomerie ist der Mesomeriepfeil <->, der angibt, dass der wahre Zustand des Moleküls im Grundzustand «zwischen» allen Strukturen liegt, die durch das Zeichen verknüpft werden. Besonders starke Mesomerie und damit sehr hohe Beständigkeit zeigen ringförmig geschlossene Systeme konjugierter Doppelbindungen von ebenem Bau (aromatische Bindungssysteme), wie sie zum Beispiel im Benzol vorliegen.

Mesonen: Familie instabiler Elementarteilchen, die ganzzahlige Spinquantenzahl haben und daher der Bose-Einstein-Statistik genügen; Mesonen sind die gegenüber der starken Wechselwirkung stabilen Pionen, Kaonen und das Eta-Mesonen und deren Antiteilchen, sowie die instabilen angeregten Zustände, die Mesonen Resonanzen. Die Mesonen wurden als Feldquanten der starken Wechselwirkung (Kernkraft) angesehen, heute betrachtet man sie jedoch als gebundene Zustände von 1 Quarks.

mesophil: (griechisch) mittlere Feuchtigkeitsverhältnisse bevorzugend. Siehe auch hygrophil.

Mesophyten: Pflanzen mit mittleren Ansprüchen an die Wasserversorgung, zum Beispiel die meisten Kulturpflanzen. Siehe auch Hygrophyten, Xerophyten.

Mesopotamien, Zwischenstromland: Landschaft in Vorderasien; von Euphrat und Tigris umflossenes Tiefland zwischen dem armenischen-iranischen Gebirgsland und dem syrisch-arabischen Hochland; politisch größtenteils zu Irak, im Nordwesten zu Syrien und im Norden zur Türkei gehörend; etwa 350000 km2; bildet geologisch die nördliche Fortsetzung des Persischen Golfs; der südlichen Teil wird von fruchtbaren Sinkstoffen des Euphrat und Tigris aufgebaut und wächst ständig weiter in den Persischen Golf hinaus; trocken-warmes bis -heißes subtropisches Klima; leistungsfähige Bewässerungsanlagen; intensiver Ackerbau, besonders Anbau von Weizen, Baumwolle, Hirse, Reis, Gemüse und Datteln; nomadische Viehzucht (Schafe, Kamele); zunehmend große Bedeutung haben Erdölförderung und -Verarbeitung. Im Altertum Gebiet der altorientalische Stadtstaaten der Sumerer, Akkader, Babylonier und Assyrer. Der hier bis ins Neolithikum zurückreichende hohe Stand der materiellen und geistigen Kultur war der Anlass für zahlreiche Eroberer Völker der benachbarten Hochgebirge und der Steppen des Westens, einzufallen und zeitweilig Herrschaften zu errichten (unter anderem Gutäer, Elamiter, Meder, Perser). Mesopotamien wurde 331 vor Christus durch Alexander den Großen erobert. Es geriet später unter römischen, parthischen, sassanidischen, byzantinischen und arabischen Einfluss.

Mesosaurier: bis 1 m langes, krokodilähnliches Reptil mit Reusen ähnlichen Zähnen; Seebewohner während des unteren Perms von Südafrika und -amerika (Gondwana).

Mesozoiden: Gebirgsbildungen, die im Ergebnis der mesozoischen Tektogenese entstanden sind; besonders in Ost- und Südostasien sowie im westlichen Nordamerika verbreitet.

Mesozoikum, Erdmittelalter, mittlere Systemgruppe des Phanerozoikums mit den Systemen Trias, Jura, Kreide; siehe auch geologische Systeme.

Messalina Valeria, 25-48 nach Christus, dritte Frau des römischen Kaisers Claudius I.; führte ein ausschweifendes Leben und betrieb Günstlingswirtschaft. Da sie mit ihrem Liebhaber Gaius Silius öffentlich Hochzeit gefeiert hatte, ließ Claudius I. sie hinrichten.

Messband: Längenmessgerät; Maßstab mit bandförmigem Teilungsträger aus Stahl (Stahlbandmaß) oder anderem Material mit geringem thermischem Ausdehnungskoeffizienten.

Messbereich: Bereich der Werte der Messgröße, für den die Anzeigen des Messmittels innerhalb festgelegter Fehlergrenzen liegen. Messmittel können auch mehrere Messbereiche haben.

Messbild: mit Hilfe einer Messkammer hergestellte, ausmessbare fotografische Aufnahme, die zur Herstellung topographischer Karten und Pläne und zur Darstellung nichttopographischer Objekte dient; siehe auch Fotogrammetrie.

Messdorn: zylindrisches Endmaß aus Stahl mit einem Griff; Messdorn haben einen bestimmten Nenndurchmesser und sehr fein gestufte Abmaße.

Messdüse: Verengung in Rohrleitungen zum Messen der Durchflussmenge nach der Bernoullischen Gleichung aus dem Druckunterschied vor und hinter der Messdüse Eine häufig verwendete Messdüse ist das Venturi-Rohr mit stromlinienförmiger Verengung.

Messe: 1. Messe, Missa: in der katholischen Kirche vom Priester zelebrierte gottesdienstliche Feier, auch Eucharistiefeier genannt Nach dem Grad der Feierlichkeit wird Pontifikalamt, Levitenamt, Hochamt unterschieden; gemeindeüblich ist die Bet-Sing-Messe beziehungsweise Stille Messe.

2. Messe: musikalisch-zyklische Form, in der die 5 textlich stets gleichbleibenden Sätze Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus (mit Benedictus) und Agnus Dei das Zentrum bilden; seit dem 14. Jahrhundert mehrstimmig, im 15./16. Jahrhundert in immer reicherer Polyphonie komponiert. Palestrina schuf den noch heute für die katholische Kirche beispielhaften strengen Stil der A-cappella-Messe. Dieser steht seit dem 17. Jahrhundert die Messe mit Orchester, Chor- und Solostimmen gegenüber (J. S. Bach, W. A. Mozart, L. van Beethoven, F. Schubert, A. Bruckner unter anderem). Die Messe widerspiegeln den jeweiligen Kompositionsstil sowie Säkularisierungstendenzen ihrer Zeit.

3. Messe: konzentrierte Form des Warenangebots und -Verkaufs durch Produzenten, Großhändler oder kollektive Verkaufsorganisationen an Wiederverkäufer oder Weiterverarbeiter. Messen entwickelten sich im Mittelalter aus den Jahrmärkten heraus zunächst zu Waren-Messe, die dem Verkauf der auf dem Messestand bereits vorrätigen Waren dienten. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die heutigen Muster-Messe, die einen Vertragsabschluss anhand vorgestellter Muster und eine anschließende Produktion und Auslieferung entsprechend den Käuferwünschen ermöglichen. Es gibt allgemeine Messe mit universellem Angebot, Fachmesse für spezifische Branchen (Rauchwarenmesse, Buchmesse), für Produktionsmittel (technische Messe) oder für Konsumgüter. Messen können im Schwerpunkt auf den Export (Exportmesse) oder auch auf den Binnenmarkt (Binnenmesse) ausgerichtet sein.

Messeinrichtung: Gesamtheit der Einzelmessmittel und Hilfseinrichtungen, die als funktionelle Einheit zur Lösung einer Messaufgabe eingesetzt werden; zum Beispiel Messeinrichtung zur Messung des spezifischen elektrischen Widerstandes.

Messel, Alfred, 22.7.1853-24.3.1909, Architekt; setzte der neubarocken Gründerzeitarchitektur strukturbetonte, funktionell durchdachte und ästhetisch ausgewogene Bauformen entgegen. Seine Geschäfts- und Wohnbauten galten lange Zeit als Maßstab für die Entwicklung der modernen deutschen Architektur.

Messenger-RNS, (englisch messenger, «Bote») Boten-RNS, Abkürzung mRNS oder mRNA: Ribonukleinsäure, die im Verlaufe der Transkription als Kopie eines DNS-Abschnittes gebildet wird. Sie enthält die Information zur Synthese von Polypeptidketten.

Messenien, Messenia: Landschaft im Süden Griechenlands, im Südwesten des Peloponnes; als Distrikt Messenien 2991 km2, 160000 Einwohner; 53 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Kalamata; gebirgig (unter anderem Taygetos), in den zwischengelagerten fruchtbaren Ebenen Anbau von Zitrusfrüchten, Oliven, Feigen, Wein (Korinthen) und Getreide. Messenien wurde um 740/720 vor Christus von Sparta erobert; trotz zahlreicher Aufstände erlangte es erst 371 vor Christus mit Unterstützung Thebens die staatliche Selbständigkeit; wurde 146 vor Christus römisch.

Messer: Schneidwerkzeug verschiedenster Form und Größe aus gehärtetem Stahl. Als Handwerkszeug besteht es aus einer Klinge mit angeschliffener Schneide und einer Angel zum Befestigen von Griffelementen (Heft). Als Maschinenwerkzeug mit Schnittkante zum Trennen fester Stoffe ist die Messerform dem Verwendungszweck angepasst (Leiste, Platte, Rolle, Buchse).

Messeraale, Gymnotidae: Familie bis 60 cm langer karpfenartiger Fische mit schwach elektrischen Organen und langgestrecktem Körper, die zusätzlich Luft atmen können; Raubfische in Süßgewässern Mittel- und Südamerikas.

Messerfische, Notopteridae: Süßwasserfische Afrikas und Südasiens mit langer After- und verkümmerter Rückenflosse; können mit der Schwimmblase atmosphärische Luft atmen. Der Afrikanische Messerfisch (Xenomystus nigri) wird gelegentlich in Aquarien gehalten.

Messerflug: Kunstflugfigur, bei der die Tragflächen senkrecht stehen. Den Auftrieb erhält das Flugzeug nur durch den schräggestellten Rumpf sowie Seitenflosse und -rüder als tragende Flächen und durch hohe Geschwindigkeit.

Messern: hobelähnliche Verfahren (spanloses Schneiden) zum Herstellen von Messer Furnieren (bis 5 mm dick) oder Dickten (6 bis 15 mm dick) vom (Holz-)Block; erfolgt durch horizontale oder vertikale Schnittbewegung des Messers rechtwinklig zur Faserrichtung.

Messerschmidt, Franz Xaver, 6.2.1736-19.8.1783, österreichischer Bildhauer; schuf seit 1770 rund 70 eindringlich «Charakterköpfe» als physiognomische Studien, mit denen er die breite Skala menschliche Gefühlsäußerungen zu erfassen suchte.

Messerschmitt, Willy, 26.6.1898-15.9.1978, Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer; konstruierte und baute in der 1938 gegründeten Messerschmitt-AG schnelle Motor- (besonders Jagd-) Flugzeuge und Zerstörer für die faschistische deutsche Luftwaffe. Messerschmitt betrieb erste serienmäßige Herstellung von Raketenflugzeugen (Me 163), mit denen erstmalig Geschwindigkeiten von 1000 km/h erreicht wurden, und TL Jagdflugzeugen (Me 262). Nach dem 2. Weltkrieg war er an der Rüstung in der BRD beteiligt (M.-Bölkow-Blohm GmbH).

Messflügel: Gerät mit einem leicht drehbaren Schaufelrad zum Bestimmen der Abflussmenge in Wasserläufen. Die am Zählwerk pro Zeiteinheit gemessene Drehzahl ermöglicht die Abflussmenge zu berechnen.

Messfühler, Aufnehmer, Messwertaufnehmer. Eingangsglied einer Messeinrichtung, das eine zu messende physikalischen Größe in eine andere, leichter zu messende Größe umwandelt beziehungsweise auf ihr abbildet; Abbildgrößen sind meist elektrische Spannungen oder Ströme. Siehe auch Messwandler, Sensor.

Messgerät: Messmittel, das die zu messende oder eine mit ihr gesetzmäßig verknüpfte Größe in eine Anzeige oder eine der Anzeige gleichwertige Information umwandelt, zum Beispiel Messschieber, Waage, Digitalvoltmeter, Quarzuhr mit Zeitzeichengenerator. Anzeigende Messgerät sind Messgerät, die Messwerte anzeigen, ohne sie zu registrieren, zum Beispiel Flüssigkeitsglasthermometer, Manometer. Registrierende Messgerät sind Messgeräte, bei denen die Messwerte auf Datenträgern registriert werden. Integrierende Messgerät sind Messgerät, bei denen die Eingangsgröße über eine unabhängige Veränderliche integriert wird, zum Beispiel Zähler.

Messgetriebe: zwangläufig geschlossene Kette verschiedener Bauelemente zur Umformung von Bewegungsgrößen (zum Beispiel Drehzahl, Weg) für messtechnische Zwecke.

Messgröße: die zu messende physikalische Größe (zum Beispiel Druck).

Messiaen, Olivier, geboren 10.12.1908, französischer Komponist und Organist; wirkt in Paris seit 1931 als Organist und seit 1942 als Professor am Konservatorium. Messiaens Musik entspringt einer zutiefst religiösen Grundhaltung, die, bei aller kompositorischen Experimentierfreudigkeit, seinen Werken stets eine humanistische Aussage bewahrt hat. Neben Orgel- und Klavierzyklen über christliche Stoffe stehen zahlreiche Werke, in denen Vogelstimmen verarbeitet sind (unter anderem Klavierkonzert «Oiseaux exotiques», 1954); außerdem gilt Messiaen als ein Wegbereiter der seriellen Musik (Klavieretüde «Mode de valeurs et d’intensités», 1950). Durch Beschäftigung mit exotischen Ton- und Rhythmussystemen, dem Vogelgesang, ungewöhnlicher Klangbereichen der Instrumente unter anderem erschloss Messiaen der Musik immer wieder neue Ausdrucksmöglichkeiten.

Messias, (hebräisch, «der Gesalbte») Christas (griechisch): im Alten Testament der erhoffte und erwartete Befreier des jüdischen Volkes und Bringer ewigen Friedens. Vom Christentum wurde der Titel auf Jesus übertragen und aus der nationalen Begrenzung des Judentums gelöst. Übertragen zukünftige Heils-und Erlösergestalt.

Messier, Charles, 26.6.1730-11.4.1817, französischer Astronom; arbeitete über Kometen; gab 1784 den nach ihm benannten Katalog der Nebel und Sternhaufen heraus. Darin ist zum Beispiel M 42 die Bezeichnung des Orionnebels.

Messina: Stadt an der Nordostküste der italienischen Insel Sizilien, Verwaltungszentrum der Provinz Messina, an der Meerenge zwischen Insel und Festland (Straße von Messina); 260000 Einwohner; chemische, Textil-, Fruchtkonservenindustrie, Schiffbau; Fischerei; Messe; Hafen; Universität (gegründet 1549), Meeresbiologische Station; Bauwerke aus dem 11. bis 16. Jahrhundert, unter anderem Dom aus dem 11. Jahrhundert; westlich von Messina das Chemiezentrum Mitozzo (30000 Einwohner) mit Erdölhafen und -Verarbeitung.

Messing: Kupfer-Zink-Legierung. Die Messingknetlegierungen enthalten 10 bis 40% Zink (bis 30% früher auch Tombak genannt), zum Beispiel CuZn 10 und CuZn 15 für Schmuck und elektrotechnische Bauelemente, CuZn 30 für Rohre, CuZn 37 und CuZn 40 für Warmformgebung und Strangpressen. Messinggusslegierungen enthalten 30 bis 40% Zink und werden im Sand-, Kokillen- und Druckgussverfahren verarbeitet. Sondermessing erhalten zur Verbesserung bestimmter Eigenschaften Zusätze von Mangan, Eisen, Silizium, Nickel unter anderem

Messinstrument: Elektrotechnik Gerät zur Messung von Strom, Spannung oder daraus abgeleiteter Größen; es besteht aus dem beweglichen Organ mit Zeiger, der Skale und dem Gehäuse. Das bewegliche Organ setzt die Wirkung von Strom oder Spannung in eine Winkeländerung um und bildet zusammen mit der Skale das Messwerk.

Messkammer: fotografische Kamera mit speziellen Vorrichtungen zur Aufnahme von Messbildern für die Fotogrammetrie; für Aufnahmen auf der Erde werden Fototheodoliten, für Aufnahmen vom Flugzeug oder Satelliten aus Luftbild Messkammer verwendet.

Messkolben: Laborgefäß aus Glas oder Plast zum Abmessen eines bestimmten Flüssigkeitsvolumens. Messkolben sind enghalsige Standkolben mit einer Ringmarke am Kolbenhals, bis zu welcher bei 20 °C die Flüssigkeit aufzufüllen ist.

Messkraft: vom Messsystem ausgeübte Kraft, die beim Messen auf den Prüfling wirkt. Die Messkraft verursacht Verformung des Prüflings und muss bei exakten Messungen berücksichtigt werden.

Messlupe:

1. Feingerätetechnik: Messskale mit darüber angeordneter Lupe, die gestattet, gleichzeitig Messobjekt und Skale vergrößert zu betrachten; die Messlupe dient der Verringerung der Messunsicherheit durch Ablesefehler.

2. Fototechnik: im Suchersystem einäugiger Spiegelreflexkameras eingebautes Hilfsmittel (2 Glaskeile) zur Entfernungseinstellung. Bei falsch eingestellter Entfernung erscheinen die durch die Messlupe verlaufenden Konturen gebrochen und gegeneinander versetzt. Siehe auch Messraster.

Messmaschine: Einrichtung zum Messen von Längen bis zu einigen Metern, bestehend aus Mess- (und Visier-) Gerät, Maßverkörperung und Hilfsmitteln (zum Beispiel Auflage für Messgegenstand). Man unterscheidet Strichmaß-, Schrauben-Messmaschine, Interferenzkomparatoren sowie numerisch gesteuerte Koordinaten-Messmaschine.

Messmikroskop: optisches Längenmessgerät. In der Zwischenbildebene des Messmikroskop befindet sich ein Strichkreuz oder eine Normalstrichfigur zum Vergleich mit dem vergrößert erscheinenden Messgegenstand. Durch Vergleich mit Schablonen sind auch Formprüfungen möglich.

Messmittel: alle zum Messen benutzten Messgeräte einschließlich Hilfseinrichtungen und Maßverkörperungen. Messmittel besitzen festgelegte metrologische Eigenschaften.

Messner: 1. Reinhold Messner, geboren 17.9.1944, italienischer Alpinist, Fachschriftsteller, Vertreter des extremen Bergsteigens; bezwang 1978 ohne Sauerstoffgerät den Qomolangma und ebenso im Alleingang den Nanga Parbat, 1980 den Qomolangma im Alleingang.

2. Zbigniew Messner, geboren 13.3.1929, polnischer Politiker, Mitglied des ZK der PVAP und des Politbüros des ZK seit 1981; 1983/85 stellvertretender Vorsitzender, seit 1985 Vorsitzender des Ministerrates.

Messprojektor: optisches Längenmessgerät, bei dem die Messung an einem auf Bildschirm oder Mattscheibe projizierten vergrößerten Bild des Messgegenstandes durchgeführt wird.

Messraster: im Suchersystem einäugiger Spiegelreflexkameras eingebautes Hilfsmittel (Mikroprismen) zur Entfernungseinstellung. Bei falsch eingestellter Entfernung erscheinen im Messraster die Bildteile unklar und flimmernd. Siehe auch Messlupe 2. Messschieber: Längenmessgerät, bei dem auf einem Strichmaß mit Messschnabel (Messschneide) ein Rahmen mit einem zweiten Messschnabel und Nonius geführt wird; Skalenwert meist 0,1 mm. Sonderformen sind Tiefen-, Keilnuten- und Zahndicken-Messraster.

Messschraube: Längenmessgerät, bei dem als Längennormal eine Gewindespindel verwendet wird. Die vollen Spindelumdrehungen werden an einer Längsteilung (0,5 oder 1 mm), die Bruchteile einer Spindelumdrehung an der Rundteilung der Messtrommel (Skalenwert 10 |im) angezeigt; früher Mikrometer, -schraube oder Schraublehre genannt

Messsender: Messtechnik aus elektronischen Bauelementen aufgebauter Generator kleiner Leistung zum Erzeugen von Wechselspannungs- oder Impulssignalen. Frequenz, Amplitude und Impulsparameter sind in weiten Grenzen einstell- beziehungsweise steuerbar, Modulation ist im Allgemeinen möglich; Anwendung zum Abgleich, zur Prüfung und Überwachung von Baugruppen, Geräten und Anlagen der Informationstechnik.

Messsteuerung: automatische Steuerung eines Be- oder Verarbeitungsprozesses nach den ständig ermittelten, durch die Be- oder Verarbeitung erreichten Istwerten.

Messtechnik: Bereich der Metrologie, der sich mit dem Messen (Messung) sowie dem Auswerten und Verarbeiten von Messwerten und den dazu notwendigen technischen Hilfsmitteln befasst. Der meist diskontinuierlich betriebenen Labormesstechnik, mit der vor allem die Forschung arbeitet, steht die industrielle Messtechnik gegenüber, die der Produktionskontrolle dient. Den Hauptbereichen der Produktion (Fertigungs-, Verfahrens- und Energietechnik) entsprechen die Fertigungs-, Betriebs- und Energiemesstechnik, wobei in letzteren kontinuierliche und zunehmend automatisierte Messverfahren vorherrschen. Nach der Signalform unterscheidet man unter anderem analoge und digitale Messtechnik. Die Bezeichnungen Längenmesstechnik, Druckmesstechnik, Durchflussmesstechnik und so weiter verweisen auf die jeweilige Messgröße, während mechanische, elektrische und pneumatische Messtechnik die Hilfsenergie kennzeichnen. Typisch ist gegenwärtig ein weiteres Vordringen der elektrischen und elektronischen Messtechnik, auch zum Messen nichtelektrische Größen.

Messter, Oskar, 21.11.1866-6.12.1943, Film- und Filmtechnikpionier; konstruierte 1896 einen Filmprojektor, schuf die ersten deutschen Spielfilme und die erste deutsche Wochenschau.

Messtisch: auf ein Stativ dreh-, zentrier- und horizontierbar aufsetzbare Holzplatte, die mit einem Zeichenträger versehen ist; dient als Unterlage der Kippregel bei der Tachymetrie zur Aufnahme topographischer Karten.

Messtischblatt: allgemein alle mit dem Messtisch aufgenommenen Karten; im engeren Sinne das 1870 in Preußen und Sachsen begonnene Kartenwerk im Maßstab 1:25000.

Messuhr: Längenmessgerät, bei dem der Weg eines Messbolzens über Zahnstange und -räder auf einer kreisförmigen Skale vergrößert angezeigt wird; Skalenwert 1...50 um.

Messung: experimentelle Bestimmung des Wertes einer physikalischen Größe durch einen Vergleich. Messen ist maßliches Prüfen, wobei eine messbare Eigenschaft mit einer Maßeinheit verglichen wird.

Messunsicherheit: Größe zur Kennzeichnung der bei einer Messung wirkenden zufälligen Fehler und der nichterfassten, aber abgeschätzten systematischer Fehler. Für erstere wird rechnerisch ein Vertrauensbereich ermittelt, in den die Standardabweichung (Varianz) eingeht.

Messwandler, Wandler: Gerät, Messeinrichtung oder Baugruppe, die ein Eingangssignal in ein von diesem abhängiges Ausgangssignal überträgt; in der Elektrotechnik im engeren Sinne auch spezieller Kleintransformator für Messzwecke. Innerhalb einer Messeinrichtung können mehrere Messwandler hintereinander angeordnet werden, um ein für die Weiterverarbeitung oder Anzeige günstiges Signal zu erhalten. Der erste Messwandler ist der Messfühler. Messumformer arbeiten stetig (analoge Signaldarstellung), Messumsetzer unstetig, das heißt sie geben ein quantisiertes Ausgangssignal ab (siehe auch Analog-Digital-Umsetzer). In der Elektrotechnik muss die Messgröße vom Messwandler in einem festen (Übersetzungs-) Verhältnis und ohne Phasendrehung im gesamten Messbereich übertragen, der Messkreis darf durch die Bürde nur gering belastet werden. Je nach umzuformender Messgröße werden Strom-, Spannungs- sowie Potentialwandler unterschieden. Beim Stromwandler werden hohe Stromstärken auf 5 A oder 1 A herabgesetzt und eine galvanische Trennung zwischen Hochspannungsanlage und Messkreis herbeigeführt. Bauformen sind Einleiter-Messwandler, Durchsteck-Messwandler, Zangenstromwandler, Querloch-Messwandler. Beim induktiven Spannungswandler ist als Sekundärspannung 110 (100) V festgelegt. Zur Isolierung werden Keramik oder Gießharz (Gießharzwandler) und bei höheren Spannungen Öl verwendet. Ab 220 kV werden aus kapazitivem Spannungsteiler und induktivem Spannungswandler kapazitive Spannungswandler zusammengesetzt oder mehrere Messwandler hintereinandergeschaltet (Kaskadenwandler). Für Höchstspannungen ist vorgesehen, elektronische Schaltungen mit berührungsloser, meist optische Übertragung anzuwenden. Bei Gleichstromwandlern werden als Messprinzipien drehbare Spulen, Permeabilitätsänderungen im Magnetkreis, Hall-Sonden unter anderem angewendet.

Messwarte: Raum, in dem die zur Führung eines Produktionsprozesses notwendigen Mess- und Überwachungseinrichtungen untergebracht sind und von dem aus Steuerbefehle erteilt werden.

Messwertgeber: Gerät zur Umwandlung einer veränderlichen physikalischen Größe (Länge, Winkel, Druck, Temperatur unter anderem) in ein der Größe entsprechend elektrisches, pneumatisches, mechanisches oder sonstiges Signal zwecks Anzeige oder zur Prozesssteuerung.

Messwiderstand: kalibrierter ohmscher Widerstand mit bekanntem oder sehr geringem Temperaturkoeffizienten für Messzwecke, zum Beispiel für genaue Strom-, Temperaturmessung.

Messzylinder, Mensur: zylinderförmiges Gefäß aus Glas, Plast oder keramisches Material mit Ausguss und Milliliter Einteilung zum groben Abmessen von Flüssigkeiten.

Mesta: Fluss auf der Balkanhalbinsel; 273 km, davon 126 km in Bulgarien; entspringt im Rila, mündet in Griechenland als Nestos in die Ägäis; Hauptnebenfluss Dospat; in den West-Rhodopen Dospat-Watscha-Kaskade mit 7 Kraftwerkstufen (Abfluss zur Mariza).

Mesta, Honrado Consejo de la Mesta de Pastores: Vereinigung vorwiegend Schafzucht treibender, exportorientierter Großgrundbesitzer Kastiliens (1273/1836). Privilegierung und Monopolstellung der Mesta behinderten die Entwicklung des spanischen Ackerbaus und bildeten eine der Ursachen für den Verfall der spanischen Wirtschaft seit dem 16. Jahrhundert.

Mesterhäzi, Lajos, 3.3.1916-4.4.1979, ungarischer Schriftsteller; gestaltete in Romanen wie «Der vierbeinige Hund» (1961, deutsch), «Das Alter der Unschuld» (1963, deutsch) und Dramen wie «Menschen von Budapest» (1958, deutsch) und «Das elfte Gebot» (1960, deutsch) moralische Probleme in der Zeit des Übergangs zum Sozialismus.

Mestize: (spanisch, «Mischling») Nachkomme aus der Verbindung von Indianern und Europäern.

Mestnitschestwo: (russisch, «Rangordnung») in Russland ständisch-feudale Ämterverteilung nach Geburtsvorrang; im 15. Jahrhundert unter Großfürst Iwan III. eingeführt, blieb bis zum 17. Jahrhundert in Kraft, 1682 aufgehoben.

Met: 1. Met, Honigwein: durch Hefegärung aus Honig, Wasser und Gewürzen erzeugtes weinähnliches Getränk.

2. Methionin.

3. Metropolitan: Opera.

Metabolit: meist niedrigmolekulares Zwischenprodukt des Zellstoffwechsels, das durch enzymkatalysierte Reaktionen gebildet und verbraucht wird.

Metachromasie: Änderung des Absorptionsspektrums von Farbstoffen (zum Beispiel Toluidinblau, Thionin) bei deren Bindung an bestimmte (chromotrope) Gewebebestandteile (zum Beispiel Knorpelgrundsubstanz).

Metagalaxis: Gesamtheit der Galaxien (Sternsysteme) des überschaubaren Weltalls; häufig auch Bezeichnung für das gesamte Weltall.

Metaldehyd: tetramerer Azetaldehyd mit zyklischer Struktur; Formel (-CH(CH3)-0-)4. Metaldehyd bildet weiße, prismatische, wasserunlösliche Kristalle und wird als Trockenspiritus «Meta» verwendet.

Metalimnion: mittlere Wasserschicht (Temperatursprungschicht) im thermisch geschichteten See; siehe auch Epilimnion.

Metallbearbeitungsfluids: wässrige, meist 1- bis 5%ige Lösungen anorganische oder organische Substanzen, die bei der spanenden Metallbearbeitung angewendet werden, um Reibung und Verschleiß an der Werkzeugschneide zu reduzieren, die Aufbauschneidenbildung zu verhindern, die Benetzung zu verbessern, die Schaumbildung zu verringern und einen temporären Korrosionsschutz zu bewirken.

Metalle: chemische Elemente und im weiteren Sinne auch deren Gemische (Legierungen), die sich physikalisch durch starke Lichtreflexion (Glanz) und gute bis sehr gute Leitfähigkeiten für Elektrizität und Wärme auszeichnen, was darauf beruht, dass in den Metalle ein Teil der Elektronen frei beweglich ist (siehe auch metallische Bindung). Aus chemischer Sicht sind die Metalle elektropositive Elemente, das heißt sie gehen unter Elektronenabgabe leicht in positive Ionen über. Dies erfolgt bei der Reaktion mit Nichtmetallen, welche die Elektronen unter Bildung negativer Ionen aufnehmen (siehe auch heteropolare Bindung), oder auch bei elektrochemischen anodischen Vorgängen. Von den natürlichen chemischen Elementen gehören 67 zu den Metallen, ferner alle bekannten Transurane. Die elementaren Metalle sehen mit Ausnahme von Kupfer, Gold und Zäsium grau bis silberweiß aus. Außer Quecksilber (-39°C) sind alle Metalle bei Zimmertemperatur fest; ihre Schmelzpunkte liegen zwischen 29,8°C (Gallium) und 3400°C (Wolfram), ihre Dichten zwischen 0,534 g/cm3 (Lithium) und 22,65 g/cm3 (Iridium). Leichtmetalle haben eine geringere, Schwermetalle eine größere Dichte als 4,5 g/cm3. Letztere werden in Schwarzmetalle (Eisen und seine Legierungen) und Buntmetalle (zum Beispiel Kupfer und Blei, benannt nach ihren farbigen Erzen) unterteilt. Nichteisenmetalle (NE-Metalle) sind alle Metalle außer Eisen und seinen Legierungen. Edelmetalle sind wegen ihres positiven Standardpotentials sehr beständig; siehe auch elektrochemische Spannungsreihen. Technisch erzeugt werden die Schwermetalle vorwiegend durch thermische Reduktion (häufig mit Kohlenstoff als Reduktionsmittel) aus den Oxiden, die Leichtmetalle durch kathodische Reduktion bei der Schmelzflusselektrolyse. Technisch verwendet werden vor allem Metalle, die gegenüber Sauerstoff und Wasser relativ beständig sind, was zum Teil auf Bildung widerstandsfähiger Oxidschichten beruht, zum Beispiel bei Zink, Chrom, Aluminium; andere Metalle, vor allem Eisen und seine Legierungen, müssen durch Anstriche beziehungsweise Überzüge geschützt werden. Durch Legierungszusätze können Härte, Verformbarkeit, Korrosions- und Verschleißfestigkeit der Metalle stark beeinflusst werden. Die Verarbeitung von Metalle erfolgt durch Gießen, spannendes und spanloses Formen (Walzen, Schmieden, Pressen, Ziehen, Tiefziehen) sowie durch Sintern von Metallpulver.

Metalleffektlacke: wärmehärtende, jedoch auch lufttrocknend herstellbare, im Spritzverfahren zu verarbeitende Anstrichstoffe, zum Beispiel auf Basis Akryl- oder Aminoharz mit Metallpigmenten. Metalleffektlacke bilden Anstriche mit metallisch-opaleszierendem Aussehen.

Metallleichtbau: Stahlbau mit dünnwandigen Profilen und Rohren, zum Beispiel Raumtragwerke und Fassaden.

Metallfärben: chemisches, seltener elektrochemisches Behandeln von Metalloberflächen zum Erzeugen dekorativer farbiger oder schwarzer Oberflächenschichten. Wichtigstes Verfahren ist das Brünieren (Schwärzen), bei dem durch Tauchen in eine heiße, alkalische, oxydierende Lösung die Oberfläche von Eisen- oder Stahlteilen in eine Schutzschicht aus schwarzem Eisenoxid umgewandelt wird. Einen Altsilbereffekt erzeugt man durch Graufarben von Silber mittels einer verdünnten Lösung von Eisen(III)-chlorid und Natriumsulfid.

Metallfaserstoffe, Zeichen MT: aus Metall (zum Beispiel Edelstahl, Kupferlegierungen) bestehende oder durch Umwinden beziehungsweise Aufdampfen metallisierte Fasern und Seiden. Metallfaserstoffe werden für Tressen, Schnüre, Effektfäden und technischen Textilien (Filter) eingesetzt; in Mischung mit anderen Faserstoffen vermeiden sie deren elektrostatische Wirkung.

Metallholz: durch Tränken zerstreut poriger Hölzer mit Metallen niedrigen Schmelzpunktes (zum Beispiel Blei, Wismut, Zinn) oder deren Legierungen vergütetes Vollholz; verwendet unter anderem als Werkstoff für Lagerschalen.

Metallhütte: Betrieb für die Gewinnung von Nichteisenmetallen aus Erzen, Konzentraten und Sekundärrohstoffen. Metallhütten werden nach dem jeweiligen Hauptprodukt benannt (zum Beispiel Kupferhütte). Die Gewinnung der Metalle ist je nach Ausgangsrohstoff und Energieträger sehr unterschiedlich. Man unterscheidet bei den Gewinnungsverfahren Pyrometallurgie und Hydrometallurgie.

Metallindikator: in der Komplexometrie verwendeter organischer Farbstoff, der mit Metallionen unter Farbänderung Chelatkomplexe bildet. So nimmt der blaue Metallindikator Eriochromschwarz durch die Metallbindung eine weinrote Farbe an, während die Farbe des Metallindikator Murexid von Purpurrot nach Gelb umschlägt.

metallische Bindung: Art der chemischen Bindung zwischen Metallatomen, bei der die Valenzelektronen über den gesamten vom Gitter der positiv geladenen Metallionen («Atomrümpfe») eingenommenen Raum verteilt sind. Diese Elektronen können keinem bestimmten Atom zugeordnet werden; sie bilden ein sogenannt «Elektronengas», welches die Metallionen umgibt (Metallgitter). Letztere beanspruchen nur einen geringen Teil des Gesamtvolumens (beim Magnesium zum Beispiel etwa 14%). Die hohe Beweglichkeit der Elektronen im sogenannten Leitungsband ist die Ursache für die gute Elektro- und Wärmeleitfähigkeit, den Glanz sowie die leichte Verformbarkeit reiner Metalle. Siehe auch Bändermodell.

metallische Gläser, glasig erstarrte Metalle, amorphe Legierungen (amorphe Stoffe), deren gegenwärtig wichtigste Vertreter (stoffmengenanteilig) aus etwa 80% Übergangsmetallen, wie Eisen, Kobalt, Nickel, und 20% Nichtmetallen, wie Bor, Kohlenstoff, Silizium, Phosphor, bestehen. Metallische Gläser sind Ferromagnetika. Sie besitzen ungewöhnliche Eigenschaftskombinationen und weisen bei großer Festigkeit sehr gute weichmagnetische Eigenschaften auf. Chromhaltige Systeme haben einen hohen Korrosionswiderstand.

Metallisieren: Aufbringen einer Metallschicht auf ein anderes Metall oder Nichtmetall (meist Plast, dann Plast-Metallisieren genannt) zur Erhöhung der Korrosions- und Verschleißfestigkeit, zur Erzielung elektrischer Leitfähigkeit oder dekorativer Effekte. Man unterscheidet Schmelztauchverfahren (Feuer-Metallisieren), bei denen der Werkstoff in ein schmelzflüssiges Bad des Beschichtungsmetalls getaucht wird, wobei meist noch Legierungszwischenschichten entstehen; Metallspritzverfahren (Metallspritzen); Diffusionsverfahren (Verchromen, Verzinken); Aufdampfverfahren l Aufdampfen) und Reduktionsverfahren, bei denen das Metallisieren durch Reduktion von Metallionen in der Gasphase oder aus Elektrolyten auf elektrochemischen Wege an einer Kathode (Galvanotechnik) oder chemisch durch ein Reduktionsmittel (stromloses oder chemisches Metallisieren) erfolgt.

Metallkleben: modernes wirtschaftliches Fertigungsverfahren, Metallteile miteinander oder mit Teilen aus Nichtmetallen durch hochmolekulare synthetische Stoffe (Epoxid-, Phenol-, Polyesterharze, Akrylsäure Derivate oder Polyurethane) fest zu verbinden. Je nach Art des Klebstoffs geschieht dessen Verfestigung und damit das Herstellen der Verbindung bei Raum- oder erhöhter Temperatur. Die Festigkeit einer Metallklebverbindung wird im Wesentlichen von der Haftung des Klebstoffs am Metall (Adhäsion) und seiner Eigenfestigkeit (Kohäsion) bestimmt. Dazu ist eine Vorbereitung der Klebflächen (trocken, rost- und staubfrei) erforderlich. Bei neueren Entwicklungen erfolgt diese Vorbehandlung durch den Klebstoff selbst. Anwendungsgebiete sind unter anderem das Verbinden von Rohren, Feinblechen (zum Beispiel im Flugzeugbau) und Metall-Plast-Kombinationen (zum Beispiel im Fahrzeugbau).

Metallklemmschienen-Bindeverfahren: Buchbinderei maschinelles Bindeverfahren, bei dem Bogen oder Blätter einschließlich Deckel am Rücken durch zangenartiges Zusammenpressen einer Metallschiene verbunden werden.

Metallogenie, Minerogenie: Wissenschaft von den Entstehungsursachen und -bedingungen der Lagerstätten natürlicher mineralischer Rohstoffe sowie von den Gesetzmäßigkeiten ihrer räumlichen Verbreitung und des zeitlichen Ablaufs ihrer Bildung. Aus den Ergebnissen metallogenetische Untersuchungen werden metallogenetische Karten unterschiedliche Maßstäbe entwickelt. Metallogenetische Erkenntnisse sind Grundlage für eine wissenschaftlich begründete Prognose, Suche und Erkundung von Lagerstätten. Die Metallogenie fußt auf Ergebnissen vieler geowissenschaftlichen Disziplinen und wendet diese gezielt zur Feststellung der Gesetzmäßigkeiten der Bildung von Lagerstätten an.

Metallogie: Wissenschaft vom Aufbau und den Eigenschaften der Metalle und Legierungen, insbesondere in Bezug auf die Kristallisationserscheinungen bei der Erstarrung, die Umwandlungs- und Ausscheidungsvorgänge bei der Wärmebehandlung, das Verhalten bei Verformungen und die Prüfung der Eigenschaften. Siehe auch Metallographie.

Metallographie: Teilgebiet der Metallogie, bei dem an Hand polierter und geätzter Schliffe mit dem Licht- oder Elektronenmikroskop das Gefüge metallischer Werkstoffe untersucht wird.

Metallometrie: Arbeitsgebiet der geochemischen Prospektion, das sich mit dem Aufsuchen von Lagerstätten mit Hilfe der Analyse bestimmter chemischer Elemente (zum Beispiel Kupfer, Zinn, Quecksilber), vor allem in Böden, befasst.

Metalloproteine: Eiweiße, die in ihrer natürlichen Form Metallionen gebunden enthalten.

Metalloptik: Teilgebiet der Optik, das sich mit den optischen Eigenschaften der Metalle beschäftigt. Die Erscheinungen der Metalloptik beruhen auf dem Mitschwingen freier Elektronen im Feld der Lichtwelle. Metalle zeigen starke Absorption, so dass nur sehr dünne Schichten transparent sind. Reflexion und Transmission sind wellenlängenabhängig und führen im Allgemeinen zu elliptisch polarisiertem Licht.

Metallorganische Verbindungen, Organometallverbindungen: organische Verbindungen mit (mindestens) einer Metall-Kohlenstoff-Bindung, zum Beispiel magnesium-, blei-, quecksilberorganische Verbindungen. Die metallorganischen Verbindungen bilden zusammen mit entsprechenden Bor- und Siliziumverbindungen die elementorganische Verbindungen. Die meisten niedermolekularen metallorganischen Verbindungen sind sehr giftige, flüchtige, zum Teil wasserempfindliche oder selbstentzündliche, zum Teil aber auch (wie Tetraäthylblei) beständige Substanzen.

Metallothermie: metallurgisches Reduktionsverfahren zur Metallgewinnung, das bei hohen Temperaturen abläuft. Die Metallothermie beruht auf der unterschiedlichen Sauerstoffaffinität der Metalle, die pulver- oder grießförmig als Reduktionsmittel den zu reduzierenden Metalloxiden beigemischt werden. Nach der Art des Reduktionsmittels unterscheidet man Aluminothermie und Silikothermie (Verwendung von Aluminium oder Silizium).

Metallphysik: Teilgebiet der Kristallphysik, das die Struktur und physikalische Eigenschaften der Metalle und Legierungen untersucht, um den Zusammenhang zwischen Struktur und Eigenschaften aufzuklären. Wichtig sind Untersuchung der Elektronenstruktur der Metalle und Legierungen unter verschiedenen Bedingungen (hohe Drücke, tiefe Temperaturen), Aufklärung des Zusammenhangs zwischen makroskopischen Eigenschaften (Plastizität, Bruch, Verfestigung) und der mikroskopischen Struktur, um neue Verfahren zur Herstellung von Metallen und Legierungen mit gewünschten Eigenschaften entwickeln zu können.

Metallpigmente: als Farbkörper verwendete Metallpulver, zum Beispiel Aluminium-, Silber-, Goldbronze. Die einzelnen Körnchen haben Schuppenform, damit der Untergrund gut abgedeckt wird. Man verwendet die Metallpigmente für Metalleffektlacke und temperaturbeständige Anstrichstoffe.

Metallseifen: Salze der höheren Fett-, Naphthen- und Harzsäuren mit allen Metallen außer Natrium und Kalium; letztere bilden die Seifen. Reine Metallseifen sind kristallin; die technischen Produkte haben oft salbenartige Konsistenz. Die meisten Metallseifen sind in Wasser schwer, in organischen Lösungsmitteln, auch Fetten und Ölen, leicht löslich. Blei-, Kobalt- und Manganseifen dienen als Sikkative für Firnis; Kalzium- und Magnesiumseifen sind Gleitmittel für Plaste, Lithiumseifen sind in Schmiermitteln enthalten, Aluminiumseife dient zum Wasserdichtmachen von Geweben.

Metallspritzen: Verfahren zur Herstellung von Metallschichten, wobei mit einer Spritzpistole zum Teil bereits anoxidierte Metalltröpfchen auf die vorher aufgeraute Werkstückoberfläche geschleudert werden. Das Beschichtungsmetall (insbesondere Zink, Aluminium) wird der Pistole als Draht, seltener als Pulver mechanisch zugeführt und nachgeschoben, in einer Brenngas-Sauerstoff-Flamme, im elektrischen Licht- oder Plasmabogen geschmolzen und die Schmelze durch erzwungene Gasströmungen auf das Werkstück gespritzt. Metallspritzen wird überwiegend zur Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit oder Verschleißfestigkeit beziehungsweise zur Regenerierung von Bauteilen angewendet.

Metallurgie: 1. Industriebereich, unterteilt in die Industriezweige Eisenmetallurgie (Schwarzmetallurgie) und Nichteisenmetallurgie.

2. Wissenschaft von der Technik und Technologie der Gewinnung, Verarbeitung und Veredelung von Metallen und Metalllegierungen.

Metallzement: dem Eisenkitt ähnliche Mischung aus leicht schmelzenden Metallverbindungen, Schwefel und Graphit, zum Eingießen von Stahlankern, -schrauben unter anderem; ersetzt Blei.

Metamagnetismus: Erscheinung, dass bei manchen Stoffen je nach Stärke eines äußeren Magnetfeldes verschiedene magnetisch geordnete Strukturen auftreten; zum Beispiel ist Eisenbromid unterhalb der Temperatur in schwachen Magnetfeldern antiferromagnetisch, oberhalb einer kritischen magnetischen Feldstärke ferromagnetisch.

Metamorphose: 1. allgemein Verwandlung, Veränderung der Gestalt, des Zustandes.

2. Botanik: im Verlauf der Stammesgeschichte erfolgter Gestaltwechsel der 3 Grundorgane der Pflanze (Wurzel, Stengel, Blatt), mit Funktionswechsel verbunden, zum Beispiel Umwandlung des Laubblatts zu einem Fangorgan (Fangblatt der Kannenpflanze), Haftorgan (Ranke, Dom), Speicherorgan (Schuppenblatt der Lilienzwiebel) oder Blütenteil (zum Beispiel Staubblatt).

3. Geologie: Umwandlung eines Gesteins in ein anderes metamorphes Gestein, hervorgerufen durch Temperatur- und Druckerhöhung, im Allgemeinen in tieferen Bereichen der Erdkruste. Dabei werden Mineralbestand und Gefüge des Ausgangsgesteins mechanisch, chemisch oder mechanisch-chemisch je nach Art und Intensität der Metamorphose verändert, ohne dass sich das Gestein während der Umwandlung in überwiegend flüssigem Zustand befand. Alle im Bereich der Erdkruste vorkommenden Gesteine (Magmatite, Sedimentite oder Metamorphite) können metamorphosiert werden. Die Regional- oder Thermodynamo-Metamorphose erfasst ausgedehnte Bereiche der Erdkruste bei gebirgsbildenden Vorgängen, zum Beispiel Bildung von Phylliten, Glimmerschiefern und Gneisen. In der wenig verbreiteten regionalen Versenkungsmetamorphose erfolgen erste metamorphe Umwandlungen (etwa zwischen 300 und 400 °C) von Gesteinen in tieferen Geosynklinal-Bereichen (zum Beispiel Bildung von Glaukophanschiefer). Bei der Dislokationsmetamorphose wird das Gesteinsgefüge durch mechanisches Zerbrechen und Zermahlen der Gesteine verändert. Die sogenannt Mylonite sind auf Verwerfungs- und Überschiebungszonen begrenzt. Die Kontaktmetamorphose oder Thermometamorphose wandelt Gesteine, die im Kontaktbereich aufsteigender heißer Magmen liegen, zu den sogenannt Kontaktgesteinen um; es entstehen Hornfels, Garben-, Frucht-, Knoten- und Fleckschiefer. Pyrometamorphose heißt die Umwandlung meist sedimentärer Gesteine infolge Durchbruchs von Lava. Autometamorphose erfolgt bereits bei der Bildung in dem betreffenden Gestein selbst unter Einwirkung flüchtiger Bestandteile des erstarrenden Magmas. Als Ultrametamorphose bezeichnet man die teilweise oder völlige Aufschmelzung von Gesteinen. Siehe auch Stoßwellenmetamorphose.

4. Zoologie: durchgreifende Veränderung der äußeren Gestalt, der inneren Organe und der Lebensweise bei Tieren mit Larvenformen.

Metamorphose der Ware: Formverwandlung der Ware im Austauschprozess, ihr Wechsel aus der Warenform in die Geldform und wieder in eine andere Warenform. Die Gesamtmetamorphose Ware-Geld-Ware (W-G-W) besteht aus 2 Teilmetamorphosen:

a) W-G (Verkauf) und

b) G-W (Kauf). Die Gesamtheit der Metamorphosen aller Waren bildet die Warenzirkulation. Die Trennung von Kauf und Verkauf wird zur abstrakten Möglichkeit der Krise, in der privaten Warenproduktion.

Metamorphose Hormone: Hormone der Wirbellosen, die einen Gestaltwandel, zum Beispiel Larvenbildung, Verpuppung, auslösen und steuern.

Metapher: Stilistik bildlicher Ausdruck durch Bezeichnungsübertragung nach Ähnlichkeit, zum Beispiel goldenes Haar, Früchte des Zorns.

metaphorisch (griechisch): bildlich, im übertragenen Sinne (gebraucht); verblümt.

Metaphylaxe: Nachsorge; Betreuung, die sich inhaltlich und zeitlich an die Diagnostik und Therapie anschließt und das Ziel verfolgt, den vor der Erkrankung oder Verletzung gegebenen Gesundheitszustand möglichst vollständig wiederherzustellen.

Metaphysik: ursprünglich jene Schriften des Aristoteles über die Seins-Prinzipien, die innerhalb seiner Werke hinter denen über «Physik» angeordnet waren; später jener Teil der idealistischen Philosophie, der sich mit irrealen, jenseits der Erfahrung liegenden Fragen (Gott, Unsterblichkeit) beschäftigt. Die marxistisch-leninistische Philosophie versteht unter Metaphysik die der Dialektik entgegengesetzte Denkweise, die den dialektischen Widerspruch als Quelle der Selbstbewegung leugnet und die Entwicklungsantriebe mechanistisch nach außen verlegt, was letztlich die Annahme einer außerweltlichen Quelle bedeutet; die Metaphysik fasst die Entwicklung nur als einfachen Kreislauf oder kontinuierliche quantitative Größenveränderung des Bestehenden (Evolutionismus) auf. Die metaphysische Denkweise erfuhr ihre Ausbildung im 17./18. Jahrhundert und hatte begrenzte positive Bedeutung, als die Wissenschaften vorwiegend mit Sammlung, Sichtung und Klassifizierung ihres Materials und mit der Erforschung der Eigenschaften der zu diesem Zweck aus dem Gesamtzusammenhang isolierten Einzeldinge beschäftigt waren. Die Metaphysik dient heute, indem sie die Möglichkeit qualitativer Umgestaltungen der Gesellschaft leugnet, der Sanktionierung der kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse.

Metaplasie: (griechisch) Umwandlung einer Gewebeart in eine andere, zum Beispiel Knorpel in Knochen.

Metasequoia, Metasequoia: Gattung sommergrüner Mammutbäume, Sumpfzypressengewächse mit gegenständigen Nadeln und langgestielten Zapfen; im Tertiär auf der Nordhalbkugel weit verbreitet. Metasequoia glyptostroboides galt als ausgestorben, wurde 1941 in China wiederentdeckt. Heute als winterharter, schnellwüchsiger Parkbaum angepflanzt.

Metasomatose: jede unter Veränderung der chemischen Zusammensetzung erfolgende Umwandlung eines Gesteins, bei der die Lösung der alten Minerale und die Bildung neuer fast gleichzeitig erfolgt, so dass im Verlauf des Substitutionsprozesses das Gestein immer im festen Zustand bleibt.

Metasprache: natürliche oder künstliche Sprache, in der Aussagen über eine andere Sprache (Objektsprache) gemacht werden. Die Differenzierung zwischen Objekt- und Metasprache ist bedeutsam für das Vermeiden semantischer Antinomien.

metastabiler Zustand:

1. Atomphysik: relativ langlebiger angeregter Zustand eines Quantensystems (Kern, Atom, Molekül oder Festkörper), aus dem ein Übergang in einen energetisch tiefer liegenden Zustand durch Auswahlregeln teilweise verboten ist; zum Beispiel können optische Übergänge verboten sein, nicht aber solche infolge von Stößen. Daher hat ein metastabiler Zustand eine Lebensdauer, die um mehrere Größenordnungen über der natürlichen Lebensdauer angeregter Zustände liegt.

2. Chemie: zeitlich relativ beständiger Zustand eines Stoffes oder Stoffsystems, dessen Energieniveau über dem möglichen Energieminimum liegt. Ein metastabiler Zustand besteht zum Beispiel bei einem Sauerstoff-Wasserstoff-Gemisch (Knallgas) unter Normalbedingungen, da die Gleichgewichtseinstellung gehemmt ist. Durch Energiezufuhr (Zündung) wird die Hemmung aufgehoben und explosionsartig der Gleichgewichtszustand (fast vollständige Umsetzung zu Wasser) erreicht. Auch Katalysatoren vermögen Reaktionshemmungen zu beseitigen.

Metastase: im engeren Sinne Tochtergeschwulst infolge Verschleppung und Absiedlung (Metastasierung) von Zellen eines bösartigen Primärtumors in andere Körpergebiete, über benachbarte Gewebespalten (lokale Metastase), über Lymphbahnen in regionäre Lymphknoten (regionäre Metastase) und auf dem Lymph- oder Blutweg in andere, auch ferne Organe (Fernmetastase).

S. a. Krebs 3. im weiteren Sinne auch Verschleppung von bakterienhaltigem Material aus einem Eiterherd und Absiedlung in andere Körperregionen (metastatischer Abszess).

Metastasio, eigentlich Trapassi, Pietro Antonio, 3.1.1698-12.4.1782, italienischer Lyriker und Librettist; einer der bedeutendsten Vertreter der arkadischen Dichtung; Repräsentant des italienischen Musiktheaters; als beste Werke gelten die Melodramen «Der Tod der Dido» (1724, deutsch), «Die Sanftmut des Titus» (1734, deutsch) und «Attilio Regolo» (1750, deutsch).

Metatheorie: Gesamtheit der formallogischen Untersuchungen bezüglich einer formalisierten Theorie.

Metathese: Umstellung von Lauten und Silben, zum Beispiel des r in Brunnen und Born.

Metaxas, Ioannis, 12.4.1871-29.1.1941, griechischer General und Politiker, als Vertreter der griechischen und ausländischen Finanzoligarchie errichtete er, nach einer Übereinkunft mit dem König, am 4.8.1936 die offene faschistische Diktatur in Griechenland; ebnete den Weg für den Überfall des italienischen und deutschen Faschismus auf Griechenland.

Metazentrum: gedachter Punkt, dessen Lage für die Stabilität eines schwimmenden Körpers (Schiff) entscheidend ist; der Schnittpunkt M, den der vom Schwerpunkt Sp, der verdrängten Flüssigkeit aus nach oben gerichtete Auftrieb FA bei schräger Lage des Körpers mit dessen Mittelachse bildet; das Metazentrum muss höher als der Schwerpunkt S des Körpers liegen, sonst bringt das Kräftepaar aus Gewichtskraft F0 und Auftrieb FA den Körper zum Kentern.

Meteor: 1. Meteor - Astronomie: Meteorit.

2. Meteor - Raumfahrt: Bezeichnung für sowjetische Wettersatelliten, die die Erde auf Kreisbahnen im 600- oder 900-km-Höhenbereich umrunden. 1969/1986 wurden über 40 Satelliten der Serien Meteor 1 und Meteor 2 gestartet. Seit 1981 ist der Typ Meteor-Priroda im Einsatz, der auch der Umwelterkundung dient. Siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Meteorismus: vermehrte Gasansammlung im Darm, Darmblähung; zum Beispiel infolge vermehrten Luftschluckens (Aerophagie), gesteigerter Darmgasbildung (Gärungs- und Fäulnisprozesse), verminderter Darmgasresorption bei Darmentzündungen, Darmlähmung, Darmverschluss, Blutstauung oder verringerter Durchblutung in den Darmgefäßen.

Meteorit: fester Körper, der beim Eindringen und Durchqueren der Erdatmosphäre starke Abschmelzverluste erleidet und die als Meteor bezeichnete Leuchterscheinung hervorruft. Nach ihrer Herkunft unterscheidet man planetarischen Meteorit aus dem Planetoidengürtel und kometarischen Meteorit aus dem System der Kometen. Größere Meteorit erreichen die Erdoberfläche und erzeugen dort zum Teil große Meteoritenkrater. Der bisher größte Meteorit wurde bei Grootfontein (Namibia) gefunden und wiegt etwa 601. Von den rund 7000 bisher bekannten Meteorit wurden 5000 aus dem antarktischen Eis geborgen. Steinmeteorit bestehen überwiegend aus Silikaten; sind rundliche Körner in die Grundmasse eingebettet, spricht man von Chondriten, sonst von Achondriten. Eisenmeteorit bestehen zu 99% aus einer Eisen-Nickel Legierung. Übergangsformen sind die Stein-Eisenmeteorit.

Meteoritenkrater: im Allgemeinen kreisrunde, trichterartige oder flachere Hohlformen, hervorgerufen durch den Aufschlag von Meteoriten und kleineren Himmelskörpern, vor allem in der Frühgeschichte des Sonnensystems. Die Zahl der bekannten Meteoritenkrater der Erde, die in einigen Fällen über 50 km Durchmesser erreichen, hat sich in den letzten Jahrzehnten durch Auswertung von Luftbildern und Satellitenaufnahmen auf über 100 erhöht. Die bekanntesten Beispiele sind das Nördlinger Ries mit 25 km Durchmesser und der Arizona-Krater (USA) mit 1,3 km Durchmesser. Meteoritenkrater kommen auch auf den Oberflächen von Mond, Mars, Merkur, den Mars- und den meisten Jupiter- und Saturnmonden vor. Große Meteoritenkrater sind von gebirgsartigen Wällen umgeben und besitzen häufig Zentralberge; siehe auch Impacttheorie, Mondkrater.

Meteorologie: Wissenschaft von den physikalischen und chemischen Zuständen und Vorgängen in der Atmosphäre sowie ihren Wechselwirkungen mit dem Weltraum und der festen und flüssigen Erdoberfläche. Meteorologie ist in neuerer Zeit vor allem auf die Erforschung der Homosphäre beschränkt und zielt auf die Analyse und Prognose von Wetter und Klima ab. Die darüber liegende Heterosphäre wird durch die Physik der Hochatmosphäre oder Aeronomie untersucht. Die Meteorologie gehört zur Geophysik im weiteren Sinne und damit zu den Geowissenschaften. Hauptsächliche Teilgebiete der Meteorologie sind

a) dynamische Meteorologie (Theorie der Bewegungen in der Atmosphäre), Synoptik oder synoptische Meteorologie (Wetterkunde), in der das Wettergeschehen mit dem Ziel der Wetterprognose erforscht wird, Aerologie (Erforschung der höheren Luftschichten), Satellitenmeteorologie,

b) Klimatologie,

c) angewandte Meteorologie (zum Beispiel Bio-, Agrarmeteorologie, Hydrometeorologie, technische Meteorologie).

meteorologische Rakete: ein- oder mehrstufige Höhenrakete für meteorologische Untersuchungen der Hochatmosphäre in Höhen über 120 km.

meteorologisches Stationsnetz, meteorologisches Beobachtungsnetz: Mess- und Beobachtungsstellen, die möglichst gleichmäßig über die Erde verteilt sind und die meteorologischen Elemente zeitlich und räumlich nach einheitlichen, international vereinbarten Richtlinien erfassen. Im synoptischen Beobachtungsnetz werden die Beobachtungen (nach Weltzeit) alle 6 bis 1 Stunde(n), im klimatologischen Beobachtungsnetz gewöhnlich 07°°, 1400 und 21°°Uhr Ortszeit und im Niederschlagsmessnetz 0700 Uhr Ortszeit durchgeführt.

Meteorstrom, Sternschnuppenschwarm. eine im Allgemeinen alljährlich um die gleiche Zeit auftretende Häufung von Meteoren, die von einem Punkt an der Himmelskugel, dem Radianten, zu kommen scheinen; Meteorströme werden nach dem Sternbild benannt, in dem dieser Punkt liegt. Die Erscheinung wird von einem Schwarm meteoritischer Körper hervorgerufen, der auf einer elliptischen Bahn die Sonne umkreist und das Ergebnis der Auflösung eines Kometen ist.

Meteosat: Bezeichnung für geostationäre Wettersatelliten der ESA, die seit 1977 eingesetzt werden. Siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Meterkonvention: internationales Abkommen (1875; Paris) mit dem Ziel der allgemeinen Einführung und Vervollkommnung des metrischen Systems (später SI; Maßsystem). Der Meterkonvention waren 1980 45 Staaten angeschlossen.

Meterwellen, m-Wellen, VHF (Abkürzung für very high frequency, englisch): elektromagnetischen Wellen mit Frequenzen zwischen 30 und 300 MHz beziehungsweise Wellenlängen zwischen 10 und 1 m.

Methacrylsäure: farb-lose, leicht wasserlösliche, unangenehm riechende Substanz, ist farblos, flüssig (Kp 100°C) und dient zur Herstellung von Plasten.

Methämoglobin: Oxydationsprodukt des Hämoglobins, das als prosthetische Gruppe Hämin enthält und keinen Sauerstoff zu binden vermag.

Methamphetamin: in der Wirkung dem Koffein ähnliches Arzneimittel; gehört zur Gruppe der Weckamine. Methamphetamin verdeckt Ermüdungserscheinungen und führt zur Erschöpfung der Leistungsreserven bis zum Zusammenbruch.

Methan: das Alkan CR,. Methan ist ein farb- und geruchloses, brennbares, kaum wasserlösliche Gas; F —182,6°C; Kp -161,7°C. Es ist leichter als Luft und findet sich reichlich im Erdgas sowie im Sumpfgas, das im Bodenschlamm stehender Gewässer durch Methangärung entsteht; auch das durch Vergärung landwirtschaftlicher Abfallprodukte hergestellte Biogas besteht hauptsächlich aus Methan Als Grubengas ist es Ursache von Bergwerksexplosionen («schlagende Wetter»), Methan ist Bestandteil von Stadt- und Ferngas und dient zur Herstellung von Methylchlorid, Methylenchlorid, Chloroform, Tetrachlormethan, Blausäure, Azetylen und Synthesegas.

Methanol: der einfachste Alkohol. Methanol ist eine farblose, giftige, brennbare, unbegrenzt mit Wasser mischbare, hygroskopische Flüssigkeit von alkoholartigem Geruch und brennendem Geschmack; F -97,5°C; Kp 64,5°C. Methanol wird katalytisch aus einem Kohlenmonoxid-Wasserstoff-Synthesegas bei 6 MPa und 250 bis 300°C gewonnen. Es ist neben Athen das mengenmäßig bedeutendste Produkt der organisch-chemischen Industrie und wird als Lösungs-, Extraktions- und Frostschutz- beziehungsweise Auftaumittel verwendet; die Hauptmenge wird chemisch zu Formaldehyd, Methylaminen, Methylchlorid und verschiedenen Estern umgesetzt. Zu akuten oder chronischen Vergiftungen durch Aufnahme von Methanol über die Atem- oder Verdauungswege kann es vor allem in der chemischen Industrie bei der Herstellung von Nitrozellulose, beim Umgang mit Methanol haltigen Verdünnern und Zwischenprodukten der Plasteherstellung kommen; Schädigungen des Zentralnervensystems sowie des Sehvermögens stehen dabei im Vordergrund.

Methingruppe: (griechisch + französisch) die dreiwertige Atomgruppe =CH.

Methionin, Symbol Met: essentielle Aminosäure der Formel CH3-S-(CH2)2CH(NH2)-COOH. Methionin bildet farblose, wasserlösliche Kristallblättchen; F (Zersetzung) 281 °C. Synthetisches Methionin wird als Futterzusatz in der Geflügelaufzucht verwendet.

Methode: (lateinisch griechisch, «der Weg (zu etwas)») System von Regeln und Prinzipien, das den Weg, die Art und Weise des Vorgehens bei der praktischen Veränderung der Wirklichkeit und der Gewinnung neuer Erkenntnisse bestimmt. Methoden gründen sich auf die in Theorien widergespiegelten objektiven Gesetzmäßigkeiten und praktischen Erfahrungen. Neben den spezifischen Methoden der Einzelwissenschaften gibt es allgemeine Methode, zum Beispiel die in der marxistischen Philosophie entwickelte materialistische Dialektik.

Methode der kleinsten Quadrate: auf C. F. Gauß zurückgehende Methode, die anfangs vorwiegend in der Ausgleichsrechnung zur Auswertung von Messergebnissen angewandt wurde. Die Lösung der Grundaufgabe der Ausgleichsrechnung, (N + 1) Messwertpaare (xh yi), i = 0,1, 2, ..., N, einer Funktion y = f(x\ Yn Yi, .... y„) durch geeignete Wahl der Parameter yu ..., y„, n < N, «möglichst gut» anzupassen, führt bei der Methode der kleinsten Quadrate auf das Aufsuchen der Minima der Funktion:

In der mathematischen Statistik wird die Methode der kleinsten Quadrate besonders bei Punktschätzungen sowie in der Regressions- und Korrelationsanalyse angewandt.

Methodik: 1. Gesamtheit von Methoden, die in einer Wissenschaft angewandt werden. Die Methodik enthält in der Regel heuristische und algorithmische Elemente.

2. Disziplin der Pädagogik, Theorie von den Gesetzmäßigkeiten und der Führung des Bildungs- und Erziehungsprozesses in einem bestimmten Unterrichtsfach, zum Beispiel des Physik- oder Geschichtsunterrichts. In die Unterrichtsmethodik der sozialistischen Schule fließen Erkenntnisse der marxistisch-leninistischen Philosophie, Pädagogik und Psychologie sowie der den jeweiligen Unterrichtsfächern zugrunde liegenden Fachwissenschaften ein.

Methodisten: Protestant. Denomination, seit 1729 aus dem Wirken der Brüder John (1703-1791) und Charles Wesley (1707-1788) und George Whitefields (1714-1770) in Großbritannien entstandene Erweckungsbewegung, die Frömmigkeit «methodisch» pflegen will; methodistische Kirchen bestehen heute in allen Kontinenten (hauptsächlich Großbritannien, USA und Australien), sie sind autonom und Glieder des Methodist Weltrates.

Methodologie: wissenschaftliche Disziplin, die die weltanschaulichen und erkenntnistheoretischen Voraussetzungen, die Struktur, die Anwendungsbedingungen und die Effektivität der in den Wissenschaften verwendeten Methoden untersucht. Die Methodologie benutzt zunehmend formale Begriffe und Methoden (formale Methodologie). Sie lässt sich in die Methodologie der deduktiven und in die der nichtdeduktiven Wissenschaften einteilen.

Methuen Vertrag: englisch-portugiesische Handelsvertrag vom 27.12.1703, benannt nach dem englischen Botschafter Lord Methuen; eröffnete England eine führende Stellung auf dem portugiesischen Markt, Portugal geriet in politischer Abhängigkeit, die auch nach Aufhebung des Methuen Vertrag (1836) bestehen blieb.

Methusalem, sagenhafter biblischer Urvater; soll 969 Jahre alt geworden sein.

Methylamine: Methylderivate des Ammoniaks. Methylamine sind Methylamin, Dimethylamin, und Trimethylamin. Alle Methylamine sind farblose, brennbare, fischig-ammoniakartig riechende, wasserlösliche Gase, die als Synthesezwischenprodukte, zum Beispiel für Dimethylformamid, verwendet werden. Trimethylamin ist der Geruchsträger von Seefisch und Heringslake.

Methylchlorid, Monochlormethan: farbloses, brennbares, ätherartig riechendes, wenig wasserlösliche Gas der Formel CH3C1; Kp -24°C; dient hauptsächlich zur Herstellung von Silikonzwischen-produkten und Methylzellulose. In größeren Mengen eingeatmet, wirkt Methylchlorid giftig und verursacht Störungen des Zentralnervensystems; komprimierter Methylchlorid-Dampf führt auf der Haut oder Schleimhaut zu Erfrierungen.

Methylenblau: stickstoff- und schwefelheterozyklischer basischer Farbstoff; früher zum Färben von Seide, heute von Papier und Tinte sowie von mikroskopischen Präparaten und als Antiseptikum verwendet.

Methylenchlorid, Dichlormethan: farblose, leicht verdampfende, chloroformartig riechende, wasserunlösliche Flüssigkeit der Formel CH2C12; Kp 40,1 °C. Methylenchlorid wird als Lösungs- und Extraktionsmittel, als Bestandteil von PVC-Klebern sowie zur Herstellung von Chlorbrommethan verwendet. Methylenchlorid wirkt schleimhautreizend und narkotisch; nach Resorption größerer Mengen treten Störungen der Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenfunktion auf.

Methylorange, Helianthin: Azofarbstoff, der in der Maßanalyse als Indikator mit Farbumschlag von Rot (sauer) nach Gelb (weniger stark sauer und alkalisch) bei pH 3,1 bis 4,4 verwendet wird.

Methylrot: Azofarbstoff, der in der Maßanalyse als Indikator mit Farbumschlag von Violett-rot (sauer) nach Gelb (fast neutral und alkalisch) bei pH 4,4 bis 6,2 verwendet wird.

Methylviolett: grünschillernder basischer Triphenylmethanfarbstoff, der sich in Wasser violett löst; wird unter anderem für Tinten, Stempelfarben, Kopierstifte verwendet.

Metispersianer, Halbpersianer. Kreuzungsfell von Karakulschafen mit bodenständigen Rassen, das die charakteristische Persianerlocke zeigt, jedoch weniger straff.

Metöken: im antiken Athen seit Solon die ständig ansässigen Fremden, meist Handwerker und Händler, waren Freie, aber ohne Bürgerrecht.

Metonymie: (griechisch, «Umbenennung») Stilistik Bezeichnungsübertragung auf Grund räumlicher, zeitlicher oder ursächlicher Berührung, zum Beispiel der Saal tobt = die im Saal Versammelten toben. Siehe auch Synekdoche.

Metope: Reliefplatte von etwa quadratischer Form zwischen Architrav und Kranzgesims des dor. Tempels; die friesartig umlaufenden Metope sind durch sogenannt Triglyphen («Dreischlitze», Blöcke mit senkrechten Schlitzen und 3 Stegen) voneinander getrennt.

Metrik:

1. Literatur: ursprünglich Lehre vom «Messen» der Silbenlänge im Vers, heute allgemeine Lehre vom Vers und den Strophenstrukturen; siehe auch Verslehre.

2. Mathematik: metrischer Raum.

3. Musik: Lehre von den Tonschwerpunkten in der Musik, die Tonfolgen periodisch gliedern, einschließlich ihrer formbildenden Funktion (zum Beispiel in Takten, Taktgruppen, Perioden und so weiter).

Metritis, Myometritis: Entzündung der Muskelschicht der Gebärmutter.

Metro: (Kurzwort für Chemin de fer Métropolitain, französisch, «Großstadt. Eisenbahn») unabhängig von der Eisenbahn elektrisch betriebene Stadtschnellbahn für den Nahverkehr in Großstädten. Sie kann unterirdisch, in Höhe des Straßenniveaus oder als Hochbahn ausgeführt sein; die maximale Reisegeschwindigkeit beträgt etwa 40 km/h. Siehe auch Untergrundbahn.

Metrologie: 1. historische Hilfswissenschaft; bietet die methodischen Grundlagen zur Auswertung von Maßen und Gewichten als Quellen für die Geschichtsforschung durch Untersuchung der sich historisch wandelnden Maß- und Gewichtseinheiten und ihrer Instrumente sowie Größenverhältnisse.

2. Gesamtheit der theoretischen und methodischen Grundlagen, juristischen und normativtechnischen Regelungen, materiell-technische Mittel und organisatorische Maßnahmen zur Sicherung der Einheitlichkeit der Messungen. Die Metrologie wird als Messwesen bezeichnet, wenn organisatorische Aspekte betont werden sollen.

Metronom: mit tickendem Schlagwerk versehenes aufrechtes Pendel, dessen Ausschläge je Minute durch ein verschiebbares Gewicht regulier- und ablesbar sind; zum Beispiel Metronom. Metronom (Metronom Mälzel) 50 bedeutet 50 Taktschläge je Minute; ermöglicht, die Taktdauer und damit das Tempo eines Musikstücks genau festzulegen; wurde 1816 von J. N. Mälzel in Paris zum Patent angemeldet.

Metropole, Metropolis beide (griechisch, «Mutterstadt»): Bezeichnung für Großstadt, Hauptstadt oder besonders wichtige Stadt, im Allgemeinen mehr als 1 Millionen Einwohner zählend; früher im imperialistischen Kolonialsystem auch für das beherrschende Land («Mutterland») gebraucht.

Metropolit: in der katholischen und orthodoxen Kirche ein hoher Geistlicher, dem andere Bischöfe unterstehen; siehe auch Erzbischof.

Metropolitan Area: städtlicher Siedlungskomplex in den USA, bestehend aus einer bedeutenden Stadt oder Großstadt mit ihren Vororten und nahegelegenen größeren und kleineren Städten einschließlich deren Umland, auf welche die Kernstadt einen beherrschenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss ausübt; besitzt eigene Planungsbehörden zur Klärung infrastruktureller Probleme.

Metropolitan Opera, Abkürzung Met: die führende Opernbühne der USA, 1883 in New York eröffnet, seit 1966 in einem neuen Gebäude (3 800 Plätze) innerhalb des Lincoln Center ansässig. Die Metropolitane Opera stützt sich künstlerisch auf das europäischen Opernrepertoire und die bedeutendsten internationalen Interpreten; bietet die wesentlichsten Werke in der Originalsprache; seit den 30er Jahren werden auch amerikanische Opern gespielt und nationale Opernkräfte entwickelt.

Metropol-Theater: Berliner Operetten- und Musicalbühne, 1898 eröffnet; war bis zum 1. Weltkrieg vor allem der Ausstattungsrevue Vorbehalten, dann Aufführungsort klassischer und moderner Operetten; nach 1945 Pflegestätte bedeutender Operetten und Musicals; forderte, so unter der Intendanz von H. Pitra (1950/77), das Gegenwartsschaffen auf dem Gebiet des heiteren Musiktheaters; Intendant (seit 1981) P. Czerny.

Metrorrhagie: (griechisch) Gebärmutterblutung außerhalb der normalen Menstruation; siehe auch Menorrhagie.

Metrum: Versmaß, erfasst durch Abstraktion wesentliche Eigenschaften eines Verses, zum Beispiel Zahl und Lage der Hebungen und Senkungen, Gestaltung der Kadenz, Vorhandensein oder Fehlen des Auftaktes, Lage der Zäsuren, Bindung der Verse untereinander, unter anderem durch Reim oder Stabreim.

Metschnikow, Ilja Iljitsch, 16.5.1845-15.7.1916, russischer Zoologe und Bakteriologe; arbeitete über Anatomie und Embryologie wirbelloser Tiere; entdeckte, dass weiße Blutkörperchen Mikroben unter anderem aufnehmen («phagozytieren») und sah darin den wesentlichen Vorgang der Mikrobenabwehr («Phagozyten-Theorie»).

Metsk, Frido, Alfred Mietzschke, geboren 4.10.1916, sorbischer Schriftsteller, Historiker und Kulturgeschichtler. Seine Gedichtsammlungen wurden während der faschistischen Ausrottungspolitik illegal verbreitet. Seine umfangreiche historische Arbeit ist besonders auf die Epoche des Spätfeudalismus und das 19. Jahrhundert gerichtet, sein Beitrag zur Literaturgeschichte auf die Erforschung des niedersorbischen Anteils, die Übersetzertätigkeit auf die Adaption der litauischen und der kaschubische Dichtung.

Metsu, Gabriel, Januar 1629-1667 (24.10. begraben), holländischer Maler; 1648 Mitbegründer der Lucasgilde in Leiden; schuf ab 1657 in Amsterdam mit einer subtilen Wiedergabe des Stofflichen vorwiegend Genrebilder aus dem Leben des wohlhabenden Bürgertums.

Metternich, Klemens Wenzel Lothar Fürst von, 15.5.1773-11.6.1859, österreichischer Staatsmann; führender Vertreter der europäischen Reaktion; während des Wiener Kongresses und der folgenden Restaurationszeit geistiges Haupt der Heiligen Allianz, Feind aller freiheitlichen und nationalen Bewegungen (Ära Metternich). 1821/48 österreichischer Staatskanzler, März 1848 von der Revolution gestürzt.

Metteur: Polygraphie ein Schriftsetzer, der bei der Herstellung der Druckform den 1 Umbruch der Seiten ausführt.

Metz: Stadt im Osten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Moselle, an der Mosel; 110000 Einwohner; Maschinenbau, chemische und Lebensmittelindustrie; nördlich von Metz Eisenmetallurgie und Erdölverarbeitung; Verkehrsknoten, Hafen; Messe; Universität; römische Baudenkmäler, Reste einer alten Befestigung (Porte des Allemands); gotische Kathedrale (13./14. Jahrhundert). Im 13. Jahrhundert Freie Reichsstadt; nach dem Anschluss an Frankreich (1552) zur Festung ausgebaut.

Metzkes, Harald, geboren 23.1.1929, Maler und Graphiker; 1949/53 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 1955/58 Meisterschüler bei O. Nagel, lebt freischaffend in Berlin. Metzkes gestaltet Alltagsszenen, Landschaftsmotive und Akte unter dem Einfluss des Nachimpressionismus mit sensibler Farbkultur als vorwiegend sinnlich-emotional erlebte Realität.

Meunier, Constantin, 12.4.1831-4.4.1905, belgischer Bildhauer und Maler; beeindruckt vom Industrieproletariat im Kohlenrevier von Mons (Borinage), gestaltete er den Arbeiter zunächst in der Malerei («Das schwarze Land», 1889; «Heimkehrende Bergleute», 1905); seit 1886 wandte er sich wieder verstärkt der Plastik zu. Mit seinen kraftvollen realistischen Darstellungen von Lastträgern, Puddlern und Eisengießern hat er den Typus des heroischen, selbstbewussten Arbeiters geschaffen und damit diese Motive, entgegen der bürgerlichen Kunstauffassung seiner Zeit, als wesentliche thematische Erweiterungen in die Plastik des 20. Jahrhundert eingebracht.

Meuselwitz: Stadt im Kreis Altenburg, Bezirk Leipzig; 12000 Einwohner; Werkzeugmaschinenbau, Herstellung von Guss-, Gummi- und Tonwaren, elektrotechnische Textil- und Bekleidungsindustrie. Um Meuselwitz Braunkohlenbergbau und -chemie.

Meuterei: (französisch) aufrührerischer Zusammenschluss, insbesondere von Gefangenen oder Militärpersonen; strafbar.

Mevissen, Gustav, 20. 5.1815-13. 8.1899, preußischer Industrieller und Bankier; führender Vertreter der liberalen rheinischen Bourgeoisie und Mitbegründer der «Rheinischen Zeitung»; 1848/49 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung; 1855/60 Präsident der Handelskammer in Köln.

Mexicali: Hauptstadt des Bundesstaates Baja California Norte (Mexiko); 350000 Einwohner; Verarbeitung von Baumwolle und anderen Agrarprodukten; Zentrum des Baumwollanbaugebietes im Delta des Colorado; Handelszentrum an der Grenze zu den USA; internationaler Flughafen.

Mexikanische Expedition: militärische Intervention Frankreichs gegen Mexiko (1861/67), an der anfangs auch Großbritannien und Spanien teilnahmen; der Plan Napoleons III., ein Kaiserreich unter Erzherzog Maximilian von Österreich aufzurichten, scheiterte am Widerstand der Mexikaner unter B. Juárez und unter diplomatischen Druck der USA.

Mexiko, Vereinigte Mexikanische Staaten: Republik zwischen dem Golf von Mexiko und dem Stillen Ozean; dem physisch-geographischem Aufbau nach bis zur Landenge von Tehuantepec zu Nordamerika, politisch, wirtschaftlich und kulturell zu Lateinamerika gehörend. Im Norden grenzen die USA im Süden Guatemala und Belize an Mexiko Das Land ist in 31 Bundesstaaten und den hauptstädtlichen Bundesdistrikt gegliedert. Währung ist der Mexikanische Peso.

Bevölkerung: Ihrer Abstammung nach sind etwa 55% Mestizen, 29% Indianer, 15% Kreolen und 1% Afroamerikaner. Amtssprache ist Spanisch. Die regionale Verteilung der Bevölkerung ist ungleichmäßig. Die Trockengebiete im Norden sowie die Pazifik- und Golfregionen sind dünn besiedelt, im Hochland um die Hauptstadt dagegen leben nahezu 300 Einwohner/ km2. Der jährliche Bevölkerungszuwachs beträgt 3,3 %. Fast 67 % der Einwohner leben in Städten. Die Analphabetenrate konnte in den vergangenen Jahren von etwa 26% auf 17% gesenkt werden.

Natur: Oberfläche. Mexiko besteht überwiegend aus Hochland, das von den Kordilleren durchzogen ist, die im Osten und Westen Randgebirge bilden und zur pazifischen und atlantischen Küste häufig steil abfallen. Das aus verschiedenen Aufschüttungsebenen bestehende zentral gelegene Hochland von Mexiko wird von der östlichen Sierra Madre, der die fruchtbare Schwemmlandebene am Golf von Mexiko vorgelagert ist, sowie von der bewaldeten Westlichen Sierra Madre eingeschlossen. Den südlichen Abschluss bilden die Vulkanketten der Cordillera Neovolcánica. Im Osten erreicht das Gebirgsland mit dem Vulkan Pico de Orizaba (5700 m) seine größte Höhe. Die 210 km breite Landenge von Tehuantepec trennt die südliche Sierra Madre von den Berg- und Tafelländern der mittelamerikanischen Landbrücke, die dann in die verkarstete Kalktafel der Halbinsel Yucatán übergehen. Im nördlichen Landesteil ist der Küste des Stillen Ozeans die Halbinsel Niederkalifornien vorgelagert. Klima. Das subtropische und tropische Klima stuft sich mit zunehmender Höhe ab: Tierra caliente (bis 800 m), Tierra templada (bis 1700 m), Tierra fría (bis 4700 m); Schneegrenze über 5000 m; sommerliche Regenzeit. Im östlichen Tiefland und in den Randgebirgen von Norden nach Süden zunehmende größere Niederschlagsmengen, im Westen und in Niederkalifornien Trockenheit, die nach Nordwesten zunimmt. Gewässer. Die Flüsse sind energiereich und größtenteils nur im Unterlauf schiffbar. Die größten Seen sind der Chapalasee (1685 km2) und der Pátzcuaro-See. Vegetation. In den niederen Gebieten sind immergrüne tropische Regenwälder verbreitet, auf Yucatán erstrecken sich Savannen, in der Gebirgszone im Osten subtropische feuchte Bergwälder, im Westen Trockenwälder, im Hochland auf beregneten Flächen Misch- und Nadelwälder, in den trockneren Gebieten Steppen und Halbwüsten, an den Küsten häufig Mangrovenwälder. Bodenschätze. Mexiko verfügt über eine große Anzahl abbauwürdiger Lagerstätten; besonders wichtig sind Edel- und Buntmetalle, Erdöl, -gas, Uran, Eisenerz, Kohle, Graphit, Schwefel, Flussspat und Phosphat.

Kunst: Die mit der Unabhängigkeit 1821 aufgeworfene Frage der Entwicklung einer nationalen mexikanischen Kunst konnte erst durch die bürgerlich-demokratische Revolution 1910/17 gelöst werden. Im 19. Jahrhundert dominierte ein Neoklassizismus europäischen Prägung, der auch Themen der nationalen Geschichte behandelte. Seit Ende des 19. Jahrhundert herrschte eine impressionistisch nachempfundene Kunst vor (J. Clausell, R Guillemin, A. Ramos Martínez). Bedeutendster Vertreter einer qualitätsvollen Schule der Landschaftsmalerei war J. Velasco. Gegen Ende des Jahrhunderts degenerierte die von Europäern bestimmte akademische Kunst vollends zum pomphaften, überladenen Eklektizismus der Diaz-Diktatur. Neben der akademischen Kunst gab es eine ausdrucksstarke, politisch engagierte Graphik; größte Volkstümlichkeit und Eigenständigkeit finden sich bei J. G. Posada. Am Anfang des 20. Jahrhundert war G. Murillo (bekannter als «Dr. Atl») der entschiedenste Agitator einer nationalen Kunst, die im Werk von S. Herrán ihren ersten Ausdruck erhielt. 1921/22 leitete die entstehende Wandmalerbewegung, wobei die Traditionen der Wandmalerei zuerst von J. Cordero wieder aufgegriffen wurden, die wichtigste Phase der nationalen Kunstentwicklung ein. ursprünglich sollten die im staatlichen Auftrag entstehenden Wandbilder den Herrschaftsanspruch der kleinbürgerlich-radikalen Regierung legitimieren; die Künstler verstanden sie jedoch als revolutionäre Kunstform, mit der sie dem Volk politische Einsichten und Geschichtsbewusstsein vermitteln wollten. Hauptvertreter der Bewegung sind J. C. Orozco, D. Rivera und D. A. Siqueiros. 1922 wurde eine marxistisch orientierte Künstlergewerkschaft («Syndikat der revolutionären Wandmaler, Bildhauer und technischer Arbeiter») gegründet. F. Goitia wandte sich der Darstellung des Lebens der Indios zu; R. Montenegro, D. Guerrero, F. Leal unter anderem erneuerten den Stil der alten Monumentalmalerei. Der bedeutendste Vertreter einer mehr formalistischen Bewegung, die frei Elemente der Volkskunst und der vorspanischen Kunst verarbeitete, war R. Tamayo. Anfang der 30er Jahre entstanden bedeutende Werke der wichtigsten Wandmaler vor allem in den USA; ab 1934 findet sich ein enormer Aufschwung der revolutionären Kunst in Mexiko; zahlreiche jüngere Künstler traten hervor (unter anderem J. O’Gorman, J. Chávez Morado, A. Zalee, J. González Camarena; F. Kahlo). 1933 wurde die «Liga der revolutionären Schriftsteller und Künstler» (spanisch Abkürzung LEAR) und 1937 die «Werkstatt für volkstümliche Graphik» (spanisch Abkürzung TGP) durch L. Méndez, P. O’Higgins und L. Arenal gegründet; die TGP arbeitete eng mit den Gewerkschaften zusammen und unterstützte den revolutionären Kampf des Volkes durch massenhaft verbreitete Plakate, Flugblätter und Druckgraphiken, die in einem volkstümlicher Realismus gehalten waren. In den 40er und 50er Jahren fand eine zunehmende Differenzierung der mexikanischen Kunst statt. Durch die rege Bautätigkeit entstanden zahlreiche Wandbilder (unter anderem Universitätsstadt), die zumeist eine nationale Thematik oder Symbolik darstellten (zum Beispiel O’Gormans Mosaik an der Universitätsbibliothek). Neue Techniken (witterungsbeständige Farben, verschiedene Mosaikarten, Reliefwandbilder) und Formen mussten gefunden werden, damit sich die Monumentalkunst die Riesenwände der Gebäudeaußenseiten erobern konnte. In Umfang und Bedeutung außergewöhnliche Aufgaben widmete sich Siqueiros; er gestaltete den Saal der Revolution des Nationalmuseums für Geschichte und das «Poliforum Cultural Siqueiros» (beide Mexiko (Stadt)).

- Die Künstler der TGP schufen eine nationale Schule der Graphik, die zu den fortschrittlichsten und bemerkenswertesten in der Welt gehört. Gesellschaftliches Engagement und expressive Sprache verliehen dem Schaffen ihrer Mitglieder (L. Méndez, L. Arenal, P. O’Higgins, L. Aguirre, A. Zalee, A Beltrán) einen monumentalen Charakter und verhalfen ihm auch nach dem Krieg zu breiter Wirksamkeit (besonders Kollektivserien der TGP wie «Schwarzbuch des Naziterrors in Europa», 1943; «Estampas de la Revolución Mexicana», 1947). Die mexikanische Plastik des 20. Jahrhundert erreichte nicht dieses Niveau; ihre namhaftesten Meister, F. Zúñiga und C. Bracho, strebten danach, die Formgewalt der altmexikanischen Skulptur zu neuem Leben zu erwecken; siehe auch lateinamerikanische Kunst.

Literatur: lateinamerikanische Literaturen. Mexiko, spanisch México oder Ciudad de México: Hauptstadt des Staates Mexiko und Verwaltungszentrum des Bundesdistriktes Mexiko, im Valle de México, einem Teil des Hochlandes von Anáhuac, 2240 m über dem Meeresspiegel; 9,2 Millionen Einwohner, als Agglomeration 15 Millionen Einwohner; politische, Wirtschaft), und kulturelles Zentrum des Landes. Der Bundesdistrikt erzeugt etwa 40% der nationalen Industrieproduktion, besonders Lebensmittel-, chemische, metallurgische, Leicht-, Elektroindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau. Infolge seiner zentralen Lage ist Mexiko wichtigster Verkehrsknoten (Carretera Panamericana, internationaler Flughafen, U-Bahn). Mexiko ist Sitz der Regierung und der Bundesbehörden sowie bedeutender Verlage, Handelsgesellschaften, Banken und Versicherungen. Neben zahlreichen Wissenschaft). Akademien befinden sich hier mehrere Universitäten (darunter die 1551 gegründete Nationaluniversität UNAM), weitere Institute, Hoch-, Fachschulen, Bibliotheken, Museen, Theater sowie Zoo und botanischer Garten. Durch Absenkung des Grundwasserspiegels kam es vielfach zu oberflächlichen Einsenkungen. Zahlreiche Bauwerke aus der spanischen Kolonialzeit sowie moderne Hochhäuser bestimmen das Bild der Stadt; umfangreiche Elendsviertel am Stadtrand. 1968 Olymp. Spiele; 1985 schwere Erdbebenschäden. 1521 durch H. Cortés gegründet an Stelle der von den spanischen Eroberern zerstörten Hauptstadt Tenochtitlán des Aztekenreiches.

Golf von Mexiko: Nebenmeer des Atlantischen Ozeans, Nordteil des Amerikanischen Mittelmeeres; durch die Yucatánstraße mit dem Karibischen Meer und durch die Floridastraße mit dem Atlantischen Ozean verbunden; 1,543 Millionen km2, im Sigsbee Deep bis 4376 m tief; Temperatur des Oberflächenwassers bis 29°C, Salzgehalt bei 36 %o; Entstehungsgebiet des Golfstromes, Ausgangsgebiet der Tornados; im Schelfgebiet umfangreiche Erdölförderung.

Hochland von Mexiko: stark gegliederte Groß-landschaft im mittleren und nördliches Mexiko, zwischen der östlichen und der westlichen Sierra Madre. Nach Norden Übergang in das Hochland von Arizona, im Süden von der Cordillera Neovolcänica abgeschlossen, einer 880 km langen Vulkanzone, die im Ostteil einige der höchsten Berge Mexikos besitzt (unter anderem Popocatepetl, Ixtaccihuatl). Der teilweise von vulkanischen Decken durchsetzte zentrale Teil dacht sich von Südosten nach Nordwesten von etwa 2 500 m auf 1300 m über dem Meeresspiegel ab und ist in zahlreiche Bergländer, Plateaus und Becken, die teilweise ohne Abfluss zum Meer sind und Salzseen und -sümpfe aufweisen, gegliedert. Bei überwiegend subtropischen Trockenklima Steppen sowie kakteen- und agavenreiche Halbwüsten, vereinzelt auch Wüsten; an niederschlagsreicheren Gebirgshängen Mischwälder (besonders Eichen), in der westlichen Sierra Madre ausgedehnte Kiefernwälder. Ackerbau (Bohnen, Mais, Weizen unter anderem) bei teilweise künstliche Bewässerung; extensive Viehwirtschaft; reiche Bodenschätze, u.» bi«-!-, Kupfer-, Zinn-, Silbererz sowie Quecksilber- und Schwefelvorkommen. Die geologische Erkundung weiterer nutzbarer Minerale ist noch nicht abgeschlossen.

Meyer: 1. Conrad Ferdinand Meyer, 11.10.1825-28.11.1898, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; suchte seine humanistische Überzeugung im Sinne der idealistischen Geschichtsauffassung der Renaissance durch die Gestaltung bedeutender Einzelpersönlichkeiten vorzutragen (Verserzählung «Huttens letzte Tage», 1871; Roman «Jürg Jenatsch», 1876; Novellen «Der Heilige», 1880, «Die Versuchung des Pescara», 1887). Gegen jesuitischen Geisteszwang richtet sich die unmittelbar gesellschaftskritische Erzählung «Das Leiden eines Knaben» (1883). Auch als Lyriker ist Meyer mit kunstvoll-schlichten, formstrengen und bildreichen Gedichten («Der römische Brunnen») und Balladen («Die Füße im Feuer») von herausragender Bedeutung.

2. Eduard Meyer, 25.1.1855-31.8.1930, Historiker; schrieb unter anderem eine umfassende «Geschichte des Altertums» (5 Bände, 1884/1902); vertrat politisch die alldeutsche beziehungsweise deutschnationale Richtung; lehrte eine individualisierende und machtstaatlicher Geschichtsbetrachtung.

3. Ernst Hermann Meyer, geboren 8.12.1905, Komponist und Musikwissenschaftler. Der Arbeiterklasse eng

4. Hans Meyer, 22.3.1858-5.7.1929, Geograph und Forschungsreisender; bereiste zwischen 1886 und 1911 mehrmals Ostafrika, bestieg dabei 1889 als erster den Kilimandscharo; mitverantwortlich für den deutschen Kolonialimperialismus.

5. Helmut Meyer, 18.11.1904-23.7.1983, Schriftsteller; schrieb Kinderbücher («Franziska und der Student aus Trier», 1973) und Romane («Herz des Spartakus», 1959).

6. Joseph Meyer, 9.5.1796-27.6.1856, Verleger- und Lexikograph; gründete 1826 in Gotha das Bibliographisches Institut, gab 1840/55 «Meyers Konversations-Lexikon» (52 Bände) heraus. Meyer nahm als fortschrittlicher Demokrat an der Revolution 1848/49 in Thüringen teil.

7. Julius Lothar Meyer, 19.8.1830-11.4.1895, Chemiker; stellte um 1869 unabhängig von D. I. Mendelejew das Periodensystem der Elemente auf.

8. Victor Meyer, 8.9.1848-8.8.1897, Chemiker; arbeitete insbesondere auf dem Gebiet der organischen Chemie und entwickelte Methoden der Molekularmassebestimmung durch Ermittlung der Dampfdichte.

Meyerbeer, Giacomo, eigentlich Jakob Liebmann Meyer Beer, 5.9.1791-2.5.1864, Komponist; mit «Robert der Teufel») (1831), «Die Hugenotten» (1836), «Der Prophet» (1849), «Die Afrikanerin» (1865) unter anderem Hauptvertreter der Pariser «Großen Oper» (Grand Opéra); von großem Einfluss auf den Opernbetrieb und das -schaffen seiner Zeit.

Meyerhold, Wsewolod Emiljewitsch, 9.2.1874-2.2.1940, sowjetischer Regisseur und Theaterleiter; gehörte durch unmittelbare Mitwirkung in den revolutionären Prozessen und durch Erprobung antinaturalistische, zum Teil aus Volkstheatertraditionen übernommener Elemente der Theaterkunst zu den großen Neuerem des sozialistischen Theaters; leitete 1921/38 das nach ihm benannte Theater in Moskau.

Meyer-Scharffenberg, eigentlich Meyer, Fritz, 19.10.1912-24.12.1975, Schriftsteller; widmete sich in Reportagen und Erzählungen vor allem der mecklenburgischen Landschaft und Tradition («Der Mann auf dem Kirr», 1969; «Zwischen Meer und Bodden», 1971).

Meyrink, eigentlich Meyer, Gustav, 19.1.1868-4.12.1932, österreichischer Schriftsteller; verfasste grotesk-satirische Erzählungen gegen Spießertum und Militarismus (Sammlung «Des deutschen Spießers Wunderhorn», 1909, 1913), und den Prager Spukroman «Der Golem», (1915); in späteren Romanen zeigen sich Okkultist, und spiritistische Tendenzen.

Meysenbug, Malwida Freiin von, 28.10.1816-26.4.1903, Schriftstellerin; als Anhängerin der demokratischen Bewegung von 1848 aus Deutschland verwiesen, hielt sie in Großbritannien und Frankreich engen Kontakt zu bedeutenden Künstlern und Wissenschaftlern («Memoiren einer Idealistin», 1876).

mezza voce: Musik mit halber Stimme.

mezzoforte: (italienisch) Abkürzung mf: Musik mit mittlerer Lautstärke.

Mezzosopran: die Stimme zwischen Alt und Sopran; Umfang etwa g bis b2.

Miami: Stadt im Bundesstaat Florida (USA), an der Ostküste der Halbinsel Florida; 350000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,2 Millionen Einwohner; elektronische, chemische, Gebrauchsgüterindustrie; bedeutender Handels- und Passagierhafen, internationaler Flughafen; 2 Universitäten, Museen, Ozeanographisches Institut; in der Nähe Seebad Miami Beach (Tourismus); Marine- und Luftwaffenbasis.

Miao: stark zersplittertes mongolides Volk in Südwestchina (etwa 4 Millionen) und in angrenzenden Gebieten Vietnams (um 250000) und Laos (bei 100000); bilden mit den Yao eine eigenständige Gruppe innerhalb der sinotibetischen Sprachen; Reisbauern.

Miargyrit, Silberantimonglanz: Mineral, Silber-Antimon-Sulfid; Kristallsystem monoklin, Härte 2 bis 2,5, Dichte 5,2 g/cm3, schwarzgraue, glänzende, dicktafelige Kristalle; kommt selten auf silberführenden Lagerstätten vor.

Miasma: verseuchte Ausdünstung des Bodens, vor allem über Sumpfgebieten; historischer Begriff zur Erklärung übertragbarer, seuchenhafter Erkrankungen, der dem heutigen Wissen von Infektionsübertragungen durch Tröpfcheninfektion beziehungsweise Staubinhalation voranging.

Miass: Stadt im Gebiet Tscheljabinsk, auf der Ostabdachung des Südurals, am Fluss Miass (658 km); 155000 Einwohner; LKW-, Elektroapparatebau, Holzverarbeitung; bei Miass Gold-, Talk- und Marmorabbau und Ilmener Naturschutzgebiet.

Michael, (hebräisch, wer ist wie Gott) in der Bibel der oberste Erzengel.

Michaelis, Paul, geboren 13.12.1914, Maler und Graphiker; 1934/40 Studium an der Kunsthochschule Weimar, seit 1952 Dozent, seit 1955 Professor, 1959/64 Rektor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden; gestaltet Porträts, Landschaften, Stillleben und mehrfigurige Bilder.

Michael VIII. Paläologos, 1224-11.12.1282, byzantinischer Kaiser seit 1259 in Nikäa, nach der Rückeroberung Konstantinopels und der Zerschlagung des Lateinischen Kaiserreichs 1261 in Konstantinopel; unter Michael VIII nahm die Erblichkeit der Pronoia und damit die Macht des Feudaladels zu.

Michail Fjodorowitsch Romanow, 22.7.1596-23.7.1645, russischer Zar seit 1613; Begründer der Dynastie Romanow; wurde nach der Vertreibung der polnischen Interventen aus Moskau vom Semski Sobor zum Zaren gewählt, 1619/33 regierte der Vater Michail Fjodorowitsch Romanows, der Patriarch Philaret.

Michallow, Christo, 18.4.1893-8.2.1944 (gefallen), bulgarischer Arbeiterführer; seit 1918 Mitglied der Bulgarischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei; führend am Septemberaufstand 1923 beteiligt; 1925/37 in Haft. Michallow wurde 1937 Mitglied, 1938 Sekretär des ZK und 1939 Mitglied des Politbüros des ZK der KP; seit 1941 Leiter der Militärkommission des ZK und seit 1942 Oberkommandierender der Partisanenarmee.

Michalowski, Piotr, 2.7.1800-9.7.1855, polnischer Maler, Autodidakt; förderte, angeregt von der französischen romantischen Malerei, mit Schlachtenbildern und Darstellungen einfacher Menschen maßgeblich die polnische realistische Kunst seiner Zeit.

Michel: 1. Michel, Louise, 20.4.1830-9.1.1905, französische Revolutionärin; wegen ihrer politischen Tätigkeit im Zweiten Kaiserreich und in der Pariser Kommune 1871 verbannt; 1880 amnestiert und erneut in der Arbeiterbewegung tätig; stand auf anarchistische Positionen; hat insbesondere Erinnerungen, Artikel und Gedichte hinterlassen, zum Beispiel «Durch das Leben» (1894).

2. Michel, Paul, geboren 8.10.1918, Musikpädagoge und -Psychologe; lehrt seit 1951 an der Musikhochschule Weimar (1953 Professor); veröffentlichte neben Musikerbiographien vor allem Arbeiten zur Methodik des Musikunterrichts und zur Musikpsychologie (unter anderem «Psychologische Grundlagen der Musikerziehung», 1968).

Michelangelo, eigentlich Michelagniolo Buonarroti, 6.3.1475-18.2.1564, italienischer Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter; tätig in Florenz im Auftrag der Medici, in Rom im Dienst der Päpste. Michelangelo war in erster Linie Bildhauer. Sein Hauptanliegen in Plastik und Malerei war die kraftvolle Gestaltung gewaltiger Körper und die Wiedergabe innerer und äußerer Spannungen in den von Leidenschaft erfüllten heroischen Gestalten. Seine Frühwerke sind in ihrer ausgewogenen Form Höhepunkte der Hochrenaissance: «Pietà» (1498/1501), die im Auftrag der Republik Florenz geschaffene Kolossalfigur des «David» (1501/04). In seinen meist unvollendeten späteren Werken wurde er mit dynamischen bewegten Kompositionen wegweisend für Manierismus und Barock: Grabmal für Papst Julius n. (bis 1545) mit dem «Moses» und den gefesselten Sklaven (1513); Grabkapelle der Medici in S. Lorenzo, Florenz (1520/34). Auch in seiner Malerei dominieren heroische, plastisch empfundene Gestalten: Deckenfresko mit Propheten und Sibyllen (1508/12) und «Jüngstes Gericht» in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Als Architekt schuf er die Kuppel von St. Peter und Entwürfe für die Biblioteca Laurenziana. Die unter dem Einfluss von Dante und Petrarca stehende Lyrik Michelangelos (Sonette, Madrigale, Epigramme) zeichnet sich durch Wucht und Tiefe der Gedanken aus. Literarisch bedeutsam sind auch Michelangelos Briefe.

Michelet, Jules, 21.8.1798-9.2.1874, französischer Historiker, von Napoleon UI. wiederholt beruflich gemaßregelt; betonte aus kleinbürgerlichen Sicht die Rolle der Massen, verkannte jedoch die Bedeutung des Klassenkampfes; Hauptwerke sind «Geschichte Frankreichs» (17 Bände, 1833/67) und «Geschichte der Französischen Revolution» (7 Bände, 1847/53).

Michelozzo di Bartolommeo, 1396-1472 (7.10. begraben), italienischer Baumeister und Bildhauer der Frührenaissance; Mitarbeiter von L. Ghiberti, Donatello und L. della Robbia besonders auf dem Gebiet der Bronzeplastik. Schuf Kirchen und Paläste in Florenz, 1446/51 Dombaumeister.

Michelson, Albert Abraham, 19.12.1852-9.5.1931, US-amerikanischer Physiker deutscher Herkunft; fand in Präzisionsmessungen (M.-Versuch 1881, 1887) mit dem von ihm entwickelten Michelson-Interferometer, dass die Lichtgeschwindigkeit in Richtung des Erdumlaufs um die Sonne und senkrecht dazu gleich ist, was die damalige Hypothese von der Existenz eines Äthers erschütterte (wichtiger Ansatzpunkt für die spätere Relativitätstheorie). Mit seinem Interferometer bestimmte Michelson auch Sterndurchmesser und führte die Meterdefinition auf Lichtwellenlängen zurück.

Michigan, Abkürzung Mich.-. Bundesstaat im Norden der USA; 151586 km2, 9,3 Millionen Einwohner (11% Afroamerikaner); 61 Einwohner/km2; Hauptstadt Lansing-, besteht aus den Halbinseln Ober- und Unter-Michigan zwischen dem Oberen, Michigan- und Huronsee; teilweise bewaldetes, im ganzen seen- und Flussreiches Flach- und Hügelland, bis 580 m hoch; von den Großen Seen beeinflusstes gemäßigtes Klima. Bergbau auf Eisen- und Kupfererz, Gips, Kalk und Steinsalz; Erdöl- und Erdgasvorkommen. Bedeutende verarbeitende Industrie mit Eisen- und Buntmetallurgie, Automobil- (Ford, General Motors), Maschinen- und Haushaltgerätebau, Leicht-, Elektro- und chemische Industrie; Erdölraffinerie. In der Landwirtschaft Anbau von Weizen, Mais, Hafer, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Bohnen; Rinderhaltung; Milchwirtschaft. Wirtschaftszentrum ist Detroit; bedeutendes Touristengebiet.

Michigansee: Süßwassersee im Norden der USA; drittgrößter der 5 Großen Seen; 178 m über dem Meeresspiegel, 58100 km2, 560 km lang, bis 135 km breit, bis 281 m tief; mit dem Huronsee durch die überbrückte Straße von Mackinac und durch den Chicago-Ship-Kanal, den Illinois-Mississippi-Kanal mit dem Mississippi verbunden; wichtigste Häfen: Chicago, Indiana Harbor, Gary, Milwaukee.

Mickiewicz, Adam, 24.12.1798-26.11.1855, polnischer Dichter; begründete mit seinen Balladen und Romanzen («Dichtungen», Band 1,1822, zum Teil deutsch), der Verserzählung «Grazyna» und Teil II und IV des dramatischen Poems «Totenfeier» (1823 in Band 2 der «Dichtungen», zum Teil deutsch) die polnische Romantik. Seine Beziehungen zu den Dekabristen und A. S. Puschkin, den er in der Verbannung (1824/29) in Russland kennengelernt hatte, spiegeln sich unter anderem in seinem Poem «Konrad Wallenrod» (1828, deutsch) wider, das eine hervorragende Rolle bei der Vorbereitung des Novemberaufstandes 1830 in Warschau spielte. In der Emigration (seit 1829) entstanden seine künstlerisch reifsten Dichtungen: in Dresden der III. Teil der «Totenfeier» (1832, deutsch) und in Paris das ein ausgezeichnetes Gesellschaftsbild bietende nationale Epos «Pan Tadeusz» (1834, deutsch). Mickiewicz war 1839 Professor der antiken Literatur in Lausanne, 1840/44 Professor der slawischen Literaturen in Paris, 1849 leitete er die revolutionäre Tageszeitung «La Tribüne des Peuples» (Tribüne der Völker) in Paris. Sein Werk gilt als unübertroffener Höhepunkt künstlerischer Meisterschaft in der polnischen Literatur. Mickiewiczs gesamte Dichtung war wie sein Leben untrennbar mit dem Befreiungskampf seines Volkes verbunden.

Microfiche: Planfilm (vorzugsweise im Format A 6) mit zeilenweiser Anordnung von Mikroabbildungen. Das Microfich kann einen ohne Hilfsmittel lesbaren Titel aufweisen. Die Auswertung erfolgt mittels Lesegeräts.

Micro publishing: Herausgabe von Medien (wie Bücher, Zeitschriften, Broschüren), die Objekte Verleger. Tätigkeit sind, in Gestalt von Mikroformen beziehungsweise Mikroreproduktionen (Mikrofilm, Mikrodruck, Microfiche u. ä.), wobei entweder normalgroße Vorlagen in Mikroform reproduziert werden oder der Satz als Mikrosatz erfolgt.

Microsporidia: parasitisch, intrazellulär lebende Sporentierchen in Wenigborstern, Gliederfüßern und Fischen. Nosema bombycis verursacht die Fleckenkrankheit der Seidenraupen, Nosema apis die Bienenruhr oder Nosematose.

Midas, sagenhafter phrygischer König, dem auf seinen Wunsch alles von ihm Berührte zu Gold wurde; von Apoll mit Eselsohren (Midasohren) bestraft, weil er in einem Wettstreit gegen ihn entschieden hatte.

Middendorff, Alexander Theodor von (Alexander Fjodorowitsch), 18.8.1815-28.1.1894, russischer Zoologe und Asienforscher, bereiste 1842/45,1860 und 1869 Sibirien und erforschte unter anderem den Dauerfrostboden.

Midgard: (altnordisch) altgermanische poetisch-mythologische Bezeichnung der von Menschen bewohnten Erde; siehe auch Utgard.

Midgardschlange: Meerungeheuer der nordischen Mythologie; eine riesenhafte, die Erde (Midgard) umspannende Schlange.

Midhat Pascha, 1822-8.5.1884 (ermordet), türkischer Politiker; 1861/76 Wesir, 1872 und 1876/77 Großwesir; trat für die Errichtung einer konstitutionellen Monarchie ein und erließ am 23.12.1876 eine liberale Verfassung (1878 wieder aufgehoben); wurde 1877 von Sultan Abdul-Hamid II. entlassen und 1881 verbannt.

Midlands: die im mittleren England (Großbritannien) den Penninen westlich, südlich und östlich vorgelagerten tieferen Randlandschaften mit Steinkohlenbergbau und den Industriegebieten um Birmingham, Sheffield und Leeds; im engeren Sinne die Großstadtgrafschaft West Midlands.

Midwayinseln: Atoll mit 2 größeren Koralleninseln im Stillen Ozean (Polynesien), nordwestlich von Hawaii, seit 1867 von den USA besetzt; 5,2 km2, 2260 Einwohner; US-Militärstützpunkt. Bei den Midwayinseln fand am 3./7.6.1942 zwischen japanischen und USA-Flugzeugträgerverbänden eine der größten See-Luft-Schlachten des 2. Weltkrieges statt. Die japanische Niederlage leitete den Übergang der strategischen Initiative im Stillen Ozean in die Hände der Alliierten ein.

Mie: Präfektur in Japan, auf der Insel Honshu, an der Westseite der Ise-Bucht; 5776 km2, 1,7 Millionen Einwohner; 294 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Tsu; industriell entwickeltes Gebiet im Chukyo-Ballungsgebiet (insbesondere chemische Industrie und Fahrzeugbau).

Mieder: den Körper eng umschließendes, ärmelloses Leibchen, in der Oberkleidung besonders noch in den Frauentrachten bäuerlichen Gegenden. In der Unterkleidung werden Büstenhalter, Hüfthalter, Korseletts und so weiter als Miederwaren bezeichnet.

Mieres: Stadt im Norden Spaniens, südlich von Oviedo; 65000 Einwohner; Zentrum der asturischen Schwerindustrie; Steinkohlen-, Eisenerz- und Cinnabarit-Gruben; Eisenmetallurgie.

Mieroslawski, Ludwik, 17.1.1814 bis 22.11.1878, polnischer Freiheitskämpfer und General; beteiligte sich am Aufstand 1830/31, kämpfte 1848 in Großpolen gegen die preußischer Herrschaft; 1849 Oberbefehlshaber in Sizilien sowie in der badischen Revolutionsarmee; im französischen Exil Führer des rechten Flügels der polnischen Demokraten; versuchte vergeblich, die Führung des polnischen Aufstandes 1863/64 an sich zu reißen.

Mierzeja Helska, Halbinsel Hel: 35 km lange und 300 m bis 3 km breite Nehrung an der Ostseeküste Polens (Wojewodschaft Gdansk); an ihrem Ende Seebad Hel; Erholungsgebiet mit zahlreichen Seebädern.

Mies: (amerikanisch) Kegelsport schlechtes Wurfergebnis im Bowling, wenn ein Spieler ein Feld (10 Kegel) mit 2 Würfen nicht vollständig abräumt, so dass ihm nur die gefallenen Kegel angeschrieben werden.

Mies, Herbert, geboren 23. 2.1929, Politiker der BRD, Schriftsetzer, Diplomvolkswirt; 1945 Mitglied der KPD, 1954 Mitglied des Parteivorstandes der KPD; war mitbeteiligt an der Konstituierung der DKP, 1969/73 stellvertretender Vorsitzender, seit 1973 Vorsitzender der DKP.

Miesmuschel, (oberdeutsch Mies, «Moos», «Sumpf») Mytilus edulis: essbare Meeresmuschel europäischen Küsten mit länglich-dreieckigen, blauschwarzen, bis 10 cm langen Schalen, meist mit Byssus an der Unterlage festgeklebt. Miesmuschel stoßen zwei- bis dreimal im Jahr 5 bis 12 Millionen Eier ins freie Wasser zur Befruchtung ab. Miesmuscheln werden auch gezüchtet.

Mie-Streuung: (nach einem Physiker) Lichtstreuung an kugelförmigen Teilchen, deren Radius mit der Lichtwellenlänge vergleichbar ist. Die Mie-Streuung ist richtungsabhängig.

Mies van der Rohe, Ludwig, 27.3.1886-17.8.1969, Architekt und Architekturtheoretiker; 1930/33 Direktor des Staatlichen Bauhauses, 1938 Emigration in die USA; strebte beim Entwurf seiner Bauten nach strenger kubischer Ordnung und durchsichtiger Klarheit. Stahl und Glas sind wesentliche Elemente seiner Architektur, in der sich konstruktive, strukturelle und ästhetische Momente harmonisch miteinander verbinden.

Mieszko, polnische Fürsten: 1. Mieszko I., um 920-25.5.992, erster bekannter Fürst aus der Dynastie der Piasten; nahm 966 das Christentum an, Begründer des polnischen Staates. 2. Mieszko II. Lambert, 990-10.5.1034, König seit 1025; musste 1033 die Oberhoheit des deutschen Kaisers Konrad II. anerkennen (Frieden von Merseburg).

Miete: 1. Wohnungsmiete.

2. Miete (althochdeutsch, «Lohn»): auch gebräuchliche Bezeichnung für den Mietpreis.

3. Miete (althochdeutsch, «Lohn»): frühere Bezeichnung für Ausleihe, das heißt zeitweilige Gebrauchsüberlassung beweglicher Sachen gegen Entgelt; siehe auch Dienstleistungsvertrag.

4. Miete: ein zur Konservierung landwirtschaftliche Produkte im Freien angelegter Stapel mit unterschiedlicher Abdeckung (Stroh, Erde, Folie unter anderem). Unbedeckte Miete aus Stroh oder Heu nennt man Feime.

Mietergemeinschaft: Rechtsform des Zusammenschlusses der Mieter eines volkseigenen Hauses zur Mitwirkung bei der Pflege, Instandhaltung, Verschönerung, Modernisierung und Verwaltung des Wohnhauses. Die Mietergemeinschaft schließen mit den volkseigenen Betrieben der Gebäude- und Wohnungswirtschaft über diese Mitwirkung Verträge ab. Die Mietergemeinschaft entlastet den Vermieter jedoch nicht von seiner Verantwortung für die Erhaltung des Hauses und weiteren Vertragspflichten. Siehe auch Mietermitwirkung.

Mietermitwirkung: kollektive Mitwirkung der Bewohner volkseigener Wohnhäuser bei der Erhaltung und Verwaltung des Wohnungsfonds auf der Grundlage von zwischen den Mietergemeinschaften und den volkseigenen Betrieben der Gebäude- und Wohnungswirtschaft geschlossenen Verträgen. In der Mietermitwirkung zeigt sich die Wahrnehmung des demokratischen Rechts der Mitgestaltung der Arbeits- und Lebensbedingungen, besonders der Wohnverhältnisse, durch die Bürger. Die Mietermitwirkungsverträge beinhalten die Beteiligung der Mietergemeinschaften an der Pflege, Instandhaltung, Verwaltung und Modernisierung ihrer Wohnhäuser. Geregelt werden unter anderem die Aufstellung der Reparatur- und Instandhaltungspläne, die Höhe der den Mietern für Kleinreparaturen zur Verfügung gestellten Mittel, die pünktliche Mietzahlung, die Pflege von Grünanlagen, Hausgärten, Kinderspielplätzen und Kleinsportanlagen sowie die Reinigung der Fußwege.

Mietpreis: die in regelmäßigen Zeitabständen zu entrichtende Geldleistung des Mieters für die Gebrauchsüberlassung der Wohnung (früher auch Mietzins genannt). Falls nichts Abweichendes vereinbart wird, ist der Mietpreis jeweils zum 15. des laufenden Monats fällig. Die Höhe des Mietpreises wird innerhalb der preisrechtlichen Grenzen vertraglich vereinbart.

Mietvertrag: Vertrag zwischen Vermieter und Mieter von Wohnraum, der bei Vorliegen einer Wohnungszuweisung schriftlich abgeschlossen werden soll. Weigert sich ein Partner, den Mietvertrag abzuschließen, wird der Vertragsinhalt auf Antrag durch den Leiter des zuständigen Wohnraumlenkungsorgans verbindlich festgelegt.

Migräne: (französisch griechisch), Hemikranie (griechisch) anfallartiger, meist stundenlang anhaltender, heftiger, oft einseitiger und mit Übelkeit verbundener Kopfschmerz; ursächlich kommen eine konstitutionelle (oft auch erbliche) Bereitschaft zu Verkrampfungen der Hirngefäße, Allergien, Störungen und eine psychischen Labilität in Frage.

Migration:

1. Biologie: jahreszeitliche, aktive Wanderung von Tieren mit regelmäßiger Rückkehr in das Biotop, zum Beispiel Zugvögel und Fische.

2. Geochemie: durch physikochemische Prozesse hervorgerufene Verlagerung chemischer Elemente in der Erdkruste.

3. Geographie: Wanderungsbewegung der Bevölkerung (Zuzug und Wegzug), umfasst sowohl die Binnenwanderung innerhalb einer territorialen Bezugseinheit als auch die Wanderung über deren Grenzen (Außen- und Auswanderung).

4. Lederherstellung - Textiltechnik: Auswandern von Farbstoffen, Hilfsstoffen unter anderem aus Kunststoffen (besonders Kunstleder) oder Textilien in andere, damit in Kontakt kommende oder schneller trocknende Stoffe. Die Migration bewirkt stets eine negative Eigenschaftsänderung, zum Beispiel ungleichmäßige Färbung.

Miguel, Dom Miguel, 26.10.1802-14.11.1866, König von Portugal 1828/34; stellte durch den Staatsstreich vom 30.6.1828 die absolute Monarchie wieder her; wurde in einem Bürgerkrieg (Miguelistenkrieg) 1832/34 von den Liberalen unter seinem Bruder Pedro besiegt.

Mihai Viteazul, Michael der Tapfere, um 1557-19.8.1601, Fürst der Walachei seit 1593; eroberte 1599/1600 Transilvania und Moldova und vereinigte dadurch für kurze Zeit die rumänischen Fürstentümer, von österreichischen Offizieren ermordet.

Mihrab: Gebetsnische der islamischen Moschee zur Kennzeichnung der auf die Heilige Stadt Mekka ausgerichteten Gebetsrichtung (Qibla), Standort des Imams beim Gebet; der meist halbkreisförmige Mihrab erfahrt als der heiligste Ort der Moschee eine besondere Ausgestaltung und Verzierung; seit dem 8. Jahrhundert fester Bestandteil der islamischen Architektur.

Mijnheer: «mein Herr», niederländischer Anrede; scherzhaft für Niederländer.

Mikado: 1. Tenno.

2. Mikado: Geschicklichkeitsspiel mit langen dünnen Stäbchen.

Mikanit: zerkleinerter und mit Bindemitteln (wie Lacke, Schellack, Polyester- und Epoxidharze) verpresster Glimmer als Isolierstoff für elektrische Maschinen. Je nach Verwendungszweck werden Kommutator-Mikanit, Heiz-Mikanit, Form-Mikanit, Biege-Mikanit, Mikanit-Papier unter anderem unterschieden.

Miki, Kiyoshi, 5.1.1897-September 1945, japanischer Philosoph und Historiker, studierte in Deutschland und Frankreich; beeinflusst von G. W. F. Hegel, K. Marx und Miki Heidegger; bekannte sich als entschiedener Humanist zum Marxismus; schrieb unter anderem «Materialistische Geschichtsauffassung und Gegenwartsbewusstsein» und «Philosophie der Geschichte». Miki wurde mehrmals inhaftiert und starb im Gefängnis.

Mikkola, Marja-Leena, geboren 18.3.1939, finnische Schriftstellerin; schildert in Novellen («Frauen», 1962), Romanen («Ein Mädchen wie eine Gitarre», 1964), Reportagen («Schwere Baumwolle», 1972, deutsch) und Filmmanuskripten soziale Probleme der Frauen und Jugendlichen.

Miklucho-Maklai, Nikolai Nikolajewitsch, 17.7.1846-14.4.1888, russischer Südsee- und Südostasienforscher; erforschte zwischen 1871 und 1883 besonders die Kultur der Papua auf Neuguinea; trat leidenschaftlich für die Rechte der Naturvölker ein.

Mikolajczyk, Stanislaw, 18.7.1901 bis 13.12.1966, polnischer Politiker; 1943/44 Ministerpräsident der bürgerlichen polnische Exilregierung in London; 1945/47 Stellvertretender Ministerpräsident in der Regierung der Nationalen Einheit Polens; als Vorsitzender der reaktionären polnischen Volkspartei organisierte er diese als Opposition gegen eine volksdemokratische Ordnung. Nach einer Wahlniederlage verließ er das Land 1947.

Mikon, griechischer Maler und Bildhauer des 5. Jahrhundert vor Christus; wirkte vor allem in Athen, neben Polygnot schuf er Gemälde für das Theseion, Anakeion und die Stoa poikile (Amazonenschlacht).

Mikro: (griechisch) Vorsatz (10'6 faches) einer Maßeinheit.

Mikroabbildung, Mikrobild: nur mit (sehr stark) vergrößernden optischen Mitteln (Lesegerät) lesbare Verkleinerung von Vorlagen auf Film; siehe auch Microfiche.

mikrobielle Produktionsprozesse: Verfahren, bei denen mit Hilfe von Mikroorganismen Substanzen erzeugt oder umgesetzt oder bei denen Mikroorganismen produziert werden. Zu den mikrobiellen Produktionsprozessen gehören zum Beispiel die Produktion von Futter- und Backhefen, Aminosäuren, Impfstoffen, Antibiotika (zum Beispiel Penizillin), bakteriellen Düngemitteln, mikrobiologische Pflanzenschutzmitteln, Äthanol (einschließlich alkoholische Getränke), Joghurt, Zitronensäure, ferner die biologische Abwasserreinigung. Voraussetzungen für mikrobielle Produktionsprozesse sind ein geeigneter Stamm von Mikroorganismen, optimale Kulturbedingungen, eine Fermentationstechnologie sowie Verfahren zur Aufarbeitung der Produkte.

Mikrobiologie: Teilgebiet der Biologie, Wissenschaft von den Mikroorganismen. Die Mikrobiologie wurde im 17. Jahrhundert durch die Erfindung des Mikroskops begründet; sie bedient sich besonderer Arbeitsmethoden, wie Kultivierung auf flüssigen oder festen Nährmedien, Färbeverfahren (Gramfärbung), mikroskopische Untersuchungsmethoden unter anderem. Man unterscheidet auf Grund der verschiedenen Mikroben Gruppen die Zweige Virologie, Bakteriologie, Mykologie, Algologie, Protozoologie. Die medizinische Mikrobiologie befasst sich besonders mit Krankheitserregern bei Mensch, Tier und Pflanze. Die industrielle oder technische Mikrobiologie umfasst die Erforschung und Anwendung von Mikroorganismen in großtechnischen Verfahren. Siehe auch mikrobielle Produktionsprozesse.

mikrobizid: (griechisch + lateinisch) mikrobenabtötend; viele Chemotherapeutika und Desinfektionsmittel sind mikrobizid wirksam.

Mikrochirurgie: 1. Operationstechnik für Eingriffe an kleinen Blutgefäßen, am zentralen und peripheren Nervensystem, in der Hals-Nasen-Ohren- und der Augenheilkunde sowie in der experimentellen Chirurgie. Voraussetzungen für die Mikrochirurgie sind Operationsmikroskope, ein mikrochirurgisches Instrumentarium und ein sehr feines Nahtmaterial.

2. Mikrurgie.

Mikroelektronik: modernes Teilgebiet der Elektronik, das sich mit der Entwicklung und Herstellung außerordentlich kleiner und meist sehr komplexer elektronischer Schaltungen und Funktionseinheiten befasst. Die einzelnen Bauelemente einer Schaltung oder einer kompletten Funktionseinheit einschließlich der notwendigen Verbindungsleitungen verschmelzen zu einem untrennbar verbundenen und meist in einem einheitlichen Herstellungsprozess entstandenen Funktionsblock (integrierte Schaltung, integrierter Schaltkreis, IC (von englischen integrated circuit)). ursprünglich wurden integrierte Schaltungen mit der Forderung nach kleinsten Abmessungen für die Raumfahrt entwickelt. Wegen folgender entscheidender Vorteile gegenüber Schaltungen aus Einzelbauelementen verbreiten sie sich schnell in der gesamten Elektronik: wesentlich höhere Zuverlässigkeit infolge ausgefeilter Herstellungstechnologie und verringerter Lötstellenzahl; erhebliche Steigerung der Arbeitsproduktivität und niedriger Preis durch automatisierte Herstellung; höhere Packungsdichte (Bauelemente Dichte) von über 10 Einzelelementen in wenigen mm3. Nach der Herstellungstechnologie unterscheidet man

a) die am weitesten verbreiteten Festkörperschaltkreise (Halbleiterblocktechnik);

b) Filmschaltkreise in Dünnschichttechnik (Dünnfilmtechnik) oder Dickschichttechnik (Dickfilmtechnik);

c) Schaltkreise in Hybridtechnik als Kombination der Halbleiterblock- und Filmtechnik. Bei der Halbleiterblocktechnik werden aktive und passive Bauelemente in einem Monolith, (aus einheitlichen Material bestehenden) Silizium-Halbleiterkristall (Chip) im Wesentlichen durch unterschiedlicher Dotierung verschiedener Bereiche des Kristalls mit Fremdstoffen hergestellt (Planarprozess) und ergeben vorzugsweise aus Transistoren (Bipolar- und MOS-Schaltungen) bestehende Festkörperschaltkreise. Bei der MIS- oder MOS-Technik (von englischen metal insulator semiconductor beziehungsweise englischen metal oxide semiconductor), die sich vom MOSFET ableitet, wird neben der günstige elektrische Parameter des MOSFET eine hohe Packungsdichte und einfachere Technologie erzielt. In der CMOS-Technik (von englischen complementary metal oxide semiconductor) werden integrierte Bauelemente verwendet. Da die Entwicklungskosten sehr hoch sind, werden Standardschaltungen mit großer Anwendungsbreite produziert. Bei Filmschaltkreisen werden passive Bauelemente und Leiterzüge in Form dünner leitfähiger Filme (Schichten) auf isolierendem Trägermaterial (Substrat) aufgebracht. Nachteilig ist, dass aktive Bauelemente (zum Beispiel Transistoren) nicht im gleichen Herstellungsprozess entstehen, sondern nachträglich eingefügt werden müssen. Historisch teilt man elektronische Bauelemente und Geräte in «Generationen» ein, die sich hinsichtlich wesentlichen Eigenschaften (Wirkprinzip, Technologie unter anderem) unterscheiden: 1. Generation (etwa ab 1907): Elektronenröhre, Entwicklung der Schwachstromtechnik; 2. Generation (ab 1948): Transistor, Entwicklung der Halbleitertechnik; 3. Generation (ab 1961): integrierte Schaltungen, Entwicklung der Mikroelektronik (SSI- und MSI-Schaltkreise); 4. Generation (ab 1971): Großintegration (LSI-Schaltkreise), Mikroprozessoren; (ab 1979): Größtintegration (VLSI-Schaltkreise), Ein Chip-Mikrorechner; 5. Generation (erst nach 1990 von größerer Bedeutung): Funktionalelektronik (Molekularelektronik). Die Mikroelektronik ist ein Kernstück der wissenschaftlich-technischen Revolution. Als Schlüsseltechnologie führt sie zu einer neuen Qualität der Intensivierung der Produktion. Die Mikroelektronik ist mit allen Schwerpunkten der ökonomischen Strategie der SED verbunden und wird in der DDR-hauptsächlich eingesetzt in für die sozialistische Rationalisierung wichtigen Geräten, in der Robotertechnik und in Erzeugnissen sowohl des Produktionsmittel als auch des Konsumtionsmittelbereichs. Sie bringt neue Gebrauchseigenschaften der Produkte hervor, dient der Senkung der Fertigungs- und Entwicklungszeiten, der Reduzierung des Material- und Energiebedarfs und verbessert entscheidend das Preis-Leistungs-Verhältnis der Maschinen und Geräte.

Mikrofotografie: fotografisches Aufnahmeverfahren beziehungsweise fotografische Aufnahme eines Objektes, dessen Einzelheiten nur unter dem Mikroskop erkennbar sind, mittels (Licht- oder Elektronen-) Mikroskops und (fest) mit ihm verbundener Kamera. Siehe auch Makrofotografie.

Mikro Fraktographie: Untersuchung von Bruchflächen an Werkstücken, Bauteilen und so weiter mittels (Elektronen-) Mikroskops.

Mikroklima, Kleinklima: kleinräumige Klimaerscheinungen, insbesondere der bodennahen Luftschicht, zum Beispiel an einem Hang, in einer Pflanzenkultur.

Mikrolithe: besonders kleine, meist geometrisch geformte Feuersteingeräte; als Einsatzteile für Werkzeuge und Waffen aus Holz, Geweih oder Knochen verwendet; in der späten Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit vorkommend.

Mikrolithographie: Verfahrensgruppe zur Erzeugung von Mikrostrukturen auf Oberflächen, zum Beispiel von elektronischen Schaltungen auf Halbleiterscheiben für mikro-elektronische Bauelemente. Bei der Fotolithographie wird die Struktur durch Kontaktkopie oder Projektion von Schablonen auf Fotolack erzeugt. Der Entwicklungs- und Ätzprozess schließt sich an. Es lassen sich Strukturbreiten von etwa 1 mm erreichen. Feinere Strukturen kann man mit Elektronen- oder Röntgenstrahlbelichtung erzeugen.

Microlog: Sonde der geoelektrische Bohrlochmessung, bei der die Messelektroden sehr kleine Abstände besitzen und an die Bohrlochwand angepresst werden. Mit dem Microlog lassen sich geringmächtige Gesteinsschichten erfassen.

Mikrometer: 1. Längenmesstechnik: Messschraube.

2. Optik: a) Baugruppe zur feinfühligen Ablenkung beziehungsweise Parallelversetzung von Lichtbündeln;

b) Bauelement mit Vergleichsteilung für messtechnische Zwecke; siehe auch Okularmikrometer.

Mikronährstoffe: von den Pflanzen in geringen Mengen benötigte Nährstoffe (Spurenelemente), zum Beispiel Bor, Kupfer, Mangan, Molybdän, Zink.

Mikronesien: (griechisch, «Kleininselland») Inselgruppen im westlichen Stillen Ozean, nördlich an Melanesien anschließend; zusammen etwa 2200 Inseln mit nur 3260 km2 Inselfläche auf einer etwa 7,8 Millionen km2 großen Fläche des Stillen Ozeans; etwa 300000 Einwohner (besonders Mikronesier und Polynesier). Mikronesien umfasst die Marianeninsel Guam (USA-Kolonie), das von den USA verwaltete UN-Treuhandgebiet Pazifische Inseln mit den Marianen, Karolinen und Marshallinseln, von den USA völkerrechtswidrig und ohne weltweite politische Anerkennung in die 4 Teilgebiete Nordmarianen, Marshallinseln, Bundesstaaten von Mikronesien und Palau (Republik Palau oder Belau) gegliedert, sowie die unabhängigen Staaten Kiribati und Nauru. Die Inseln werden größtenteils durch dem Tiefseeboden aufsitzende Vulkane gebildet, um sie herum entstanden durch Korallenbauten Strand- und Wallriffe sowie Atolle; tropisches Seeklima (häufig verheerende Zyklonen); tropischer Regenwald und Savanne; Kopra Gewinnung, Anbau von Zuckerrohr und Gemüse sowie Phosphatabbau (Nauru). Zahlreiche Militärstützpunkte, besonders auf Guam, den Inseln Saipan und Tinian sowie auf den Palauinseln (Babelthuap), und Raketenversuchsgelände (Marshallinseln) der USA.

Mikronesier: Bevölkerung Mikronesiens, die den Polynesiern anthropologisch, sprachlich und kulturell nahesteht; etwa 200000; Bodenbauer, besonders aber Fischer und Seefahrer (schon vor Ankunft der Europäer Verwendung von sogenannt Stabkarten, das heißt kreuzweise befestigte Stäbe mit angebundenen Muscheln, die die Inseln darstellen).

Mikroorganismen, Mikroben: kleinste, nur mit dem Mikroskop sichtbare, vorwiegend einzellige niedrige Organismen, wie Bakterien, Pilze, niedere Algen und Protozoen. Mikroorganismen sind die Erreger von Fäulnis und Verwesung. Pathogene Mikroorganismen verursachen verschiedene Infektionskrankheiten bei Mensch, Tier und Pflanze. Manche Mikroorganismen leben in Symbiose mit höheren Pflanzen, wie die Knöllchenbakterien der Leguminosen. Wirtschaft. Bedeutung erlangen bestimmte Mikroorganismen bei der Herstellung von Backwaren (Backhefe), Milchprodukten (Milchsäurebakterien), Antibiotika und so weiter

Mikropaläontologie: Untersuchung mikroskopisch kleiner Fossilien für die Bestimmung des Alters und der Entstehung von Sedimenten; von praktischer Bedeutung für die Lagerstättenerkundung.

Mikrophon: Anordnung zum Umwandeln von Schall in elektrischen Wechselspannungen. Der auftreffende Schall erregt eine dünne Membran zu mechanischen Schwingungen, die von einem elektroakustischen Wandler in Tonfrequenzspannungen umgewandelt werden. Nach dem Wandlerprinzip unterscheidet man Kohle-, Kondensator-, elektrodynamisches, magnetisches und piezoelektrisches Mikrophon. Beim Kohlemikrophon ändern die Membranschwingungen den elektrischen Widerstand von Kohlegrieß und steuern einen hindurchfließenden Gleichstrom. Im Kondensatormikrophon bilden Membran und Gegenelektrode einen Kondensator, dessen Kapazität sich entsprechend dem auftreffenden Schalldruck ändert und bei anliegender Gleichspannung (bei Elektret-Mikrofon entfällt die äußere Gleichspannung) am Ladewiderstand eine Wechselspannung erzeugt. Im elektrodynamischer (Tauchspul-) Mikrophon bewegt die Membran eine Spule im Luftspalt eines Magneten und induziert eine elektrische Spannung. Im magnetischen Mikrophon bewirkt der Schall eine Änderung des magnetischen Leitwertes eines Dauermagnetkreises. Im piezoelektrischen Mikrophon wandelt ein piezoelektrischer Wandler (zum Beispiel aus Bariumtitanat) die Membranschwingungen in elektrische Spannungen um. Je nach Art der Richtcharakteristik unterscheidet man Kugel-, Nieren- und Achtermikrophon. Die beiden letztgenannten dienen zur Schallaufnahme aus bevorzugten Richtungen, man benutzt sie unter anderem für stereophone Schallübertragungen.

Mikroprogramm: Folge von Mikrobefehlen für elementare Operationen, zum Beispiel Verknüpfung zweier Operanden. Bei modernen Rechenautomaten wird jeder Maschinenbefehl als Folge von Mikrobefehlen ausgeführt. Das Mikroprogramm ist im ROM (Halbleiterspeicher) des Rechners gespeichert. Durch Veränderung des Mikroprogramms lässt sich eine neue Maschinensprache einführen. Das Mikroprogramm wird auch als Firmware bezeichnet.

Mikroprozessor: aus wenigen oder nur einem integrierten Schaltkreis bestehende zentrale Verarbeitungseinheit (siehe auch Zentraleinheit). Ein Mikroprozessor enthält ein Rechenwerk zur Verknüpfung von 8-Bit- oder 16-Bit-Daten und ein Steuerwerk mit gegenüber EDVA eingeschränktem Befehlssatz. Durch zusätzliche Integration von Halbleiterspeichern und einfachen Eingabe-Ausgabe-Baugruppen entsteht ein Ein-Chip-Rechner, der alle Funktionen eines elektronischen Rechenautomaten bis auf die Betriebsspannungs- und Taktversorgung in einem Schaltkreis vereinigt

Mikrorechner: Rechenautomat mit Mikroprozessor als zentrale Verarbeitungseinheit. Ein Mikrorechner besteht aus relativ wenigen Leiterkarten, die neben dem Mikroprozessor Halbleiterspeicher (PROM beziehungsweise RAM), Eingabe- und Ausgabebausteine, Taktgenerator (Zeitgeber), Steuerlogik, Busverstärker (siehe auch Bus) und Stromversorgung enthalten. Sie sind meist modular aufgebaut und dem Anwendungszweck anpassbar, zum Beispiel als Einkartenrechner für eine begrenzte, spezielle Aufgabe oder als komfortabler Kleinrechner. Mikrorechner, die speziell für die Entwicklung von Programmen aufgebaut und programmiert sind, heißen Mikrorechnerentwicklungssysteme. Die Mikrorechentechnik hat sich seit etwa 1970 auf der Basis integrierter mikroelektronischer Schaltkreise in enormem Tempo entwickelt. Mikrorechner haben einen kleinen Raumbedarf, die Herstellungskosten sind relativ gering. Dies führte einerseits zur Entwicklung von Mikrorechnerschaltkreisen für spezielle Einsatzbereiche, andererseits zum Aufbau universell einsetzbarer Mikrorechnersysteme. Die Mikrorechentechnik gehört heute zu den Schlüsseltechnologien. Ihre Anwendung bewirkt einen hohen volkswirtschaftlichen Effekt und ist Voraussetzung für den Leistungsanstieg in vielen Bereichen (zum Beispiel auch in der Robotertechnik). Ihr Einsatz reicht von der Rationalisierung der Verwaltungsarbeit (Bürocomputer) bis zur Steuerung komplizierte technische Prozesse.

Mikrorechnerregler: aus mikroelektronischen Baugruppen aufgebauter Regler, bei dem entsprechend einem vorher eingegebenen Programm aus der Regelgröße zusammen mit dem Sollwert durch digitale Verarbeitung die Stellgröße gebildet wird. Mikrorechnerregler ersetzen oft die bisher verwendeten analogen Regler.

mikroseismische Bodenunruhe: beständige, unregelmäßige, nur durch hochempfindliche Seismographen wahrnehmbare Erschütterungen des Erdbodens, hervorgerufen durch Brandung, Wind, Industrie, Verkehr unter anderem

Mikroskop:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Optik: mehrlinsiges optisches Vergrößerungsgerät für kleine Objekte; besteht aus einem Stativ, das im Allgemeinen das Beleuchtungssystem (siehe auch Köhlersche Beleuchtung), den Objekttisch, den Tubus mit dem abbildenden optischen System und die zu seiner Verstellung erforderlichen Feintriebe trägt. Das optische System besteht aus dem sammelnden Objektiv (siehe auch Achromat, Apochromat, Planachromat), das ein reelles Zwischenbild erzeugt, und dem Okular, das wie eine Lupe wirkt. Die Vergrößerung ist das Produkt aus dem Abbildungsmaßstab des Objektivs und der Vergrößerung des Okulars. Die numerische Apertur des Objektivs bestimmt die Auflösbarkeit feiner Strukturen. Die Beleuchtung transparenter Objekte kann in Durchlicht erfolgen; Oberflächen undurchsichtiger Stoffe werden in Auflicht beobachtet. Bei der Hellfeldbeleuchtung erscheinen die Objekte dunkel im hellen Feld. Bei Dunkelfeldbeleuchtung gelangt nur das am Objekt gestreute und gebeugte Licht in das Objektiv, so dass die Objekte hell im dunklen Feld erscheinen. Spezielle Mikroskop sind das Interferenzmikroskop und das Polarisationsmikroskop sowie das Mikroskop mit Objektiven für das I Phasenkontrastverfahren. Die obere Grenze für die förderliche Vergrößerung von Lichtmikroskop normaler Benutzungsart liegt bei 2000. Stärkere Vergrößerungen sind im Elektronenmikroskop (Elektronenoptik) gegeben.

Mikroskopie: Anwendung des Mikroskops und seiner Zubehörgeräte zur Erforschung des Feinbaus biologischer Objekte sowie von organischen und anorganischen Material.

mikroskopisch: mit den menschlichen Sinnen ohne technische Hilfsmittel nicht wahrnehmbar, die Mikroskopie betreffend.

Mikrosporie: ansteckende, im Kindesalter auftretende, in der Pubertät abheilende Pilzkrankheit. Die Mikrosporie tritt vorwiegend am behaarten Kopf auf mit scheibenförmigen, oberflächlich schuppenden, kaum entzündlichen Herden. Die Haare brechen oberhalb der Kopfhaut ab. Die Übertragung erfolgt vom Tier zum Menschen oder von Mensch zu Mensch.

Mikrotom: Präzisionsinstrument zur Zerlegung eingebetteter Objekte in dünne gleichstarke Schnitte; bestehend aus dem Mikrotom Körper, einem Objekt- und einem Messerteil, zur Herstellung histologischer Schnitte und lückenloser Schnittfolgen für die Anfertigung mikroskopische Präparate.

Mikrotubuli: feinste, röhrenförmige Strukturen als Bauelemente von Zentriolen, Zilien und der Spindel oder mit Stützfunktion frei im Zytoplasma liegend. Mikrotubuli können sich verkürzen; sie dienen aber auch dem intrazellulären Stofftransport.

Mikroverfilmung, Mikrofilmtechnik-, das Herstellen von Mikroabbildungen auf Film, unabhängig vom Aufnahmeverfahren und der Art der Vorlage.

Mikrovilli: feine, fingerförmige Ausstülpungen der Zelloberfläche. Sie dienen der Resorption von Wasser, anorganische Ionen und organischen Nährstoffen. Die Zone der Mikrovilli am Dünndarmepithel (etwa 200 Millionen Mikrovilli/mm2) oder am Epithel der Nierentubuli erscheint als sogenannt Stäbchen- oder Bürstensaum.

Mikrowellen: Oberbegriff für Dezi-, Zenti- und Millimeterwellen; siehe auch Höchstfrequenz.

Mikrowellenröhre: Elektronenröhre zur Verstärkung beziehungsweise Erzeugung von elektromagnetischen Schwingungen im Dezimeter-, Zentimeter- oder Millimeterwellenbereich. Ausführungsformen sind Scheibenröhre, Lauffeldröhre und Triftröhre.

Mikrozustand: statistische Physik Zustand einer Gesamtheit von Teilchen, der durch Lage und Geschwindigkeit jedes einzelnen Teilchens der Gesamtheit gekennzeichnet ist. Siehe auch Makrozustand.

Mikrurgie, Mikrochirurgie, Mikrooperation: Verfahren zur Untersuchung kleiner Objekte (zum Beispiel isolierte Zellen) unter dem Mikroskop mit Hilfe besonderer Vorrichtungen (Mikromanipulator).

Mikszath, Kalman, 16.1.1847—28.5.1910, ungarischer Schriftsteller; förderte mit seinen fabulierfreudigen, anekdotischen Romanen, die scharfe Gesellschaftskritik enthalten, die Entwicklung des Realismus in der ungarischen Prosa («Sankt Peters Regenschirm», 1895, deutsch; «Seltsame Ehe», 1900, deutsch; «Die Hochzeit des Herrn von Noszty», 1908, deutsch; «Die schwarze Stadt», 1908/10, deutsch).

Miktion: Entleerung der Harnblase durch Kontraktion der glatten Muskulatur der Blasenwand und gleichzeitiges Erschlaffen der Blasenschließmuskeln. Die Miktion wird, nach willkürlicher Einleitung, reflektorisch über das vegetative Nervensystem gesteuert.

Milane: Greifvögel mit gutem Flugvermögen; überwiegend von Kleinsäugern, besonders Hamstern, ernährt sich der Rotmilane oder die Gabelweihe (Milvus milvus), der Schwarzmilane (M. migrans) wird bis 57 cm lang und hat eine Spannweite von etwa 1,40 m, er frisst auch Aas; beide sind Zugvögel.

Milben, (zu «mahlen») Acari: Ordnung der Spinnentiere mit über 10000 meist unter 2 mm großen Arten; Kopf, Brust und Hinterleib meist ungegliedert verschmolzen; leben räuberisch, von organischen Zerfallsstoffen (Hornmilben), saugen an Pflanzen (Spinnmilben) oder Tieren (Zecken), viele verursachen Pflanzengallen oder Krankheiten (Krätzmilben) bei Tieren (Räude), einige auch bei Menschen (Krätze).

Milch: (zu «melken») 1. von den Milchdrüsen der Säugetiere und des Menschen (Muttermilch) nach dem Gebären gebildete Flüssigkeit, die als Nahrung für den Säugling alle erforderlichen Nähr-, Wirk- und Mineralstoffe enthält. im engeren Sinne versteht man unter Milch Kuhmilch Rohmilch wird in der Molkerei gereinigt, von pathogenen Keimen befreit (Pasteurisieren), bis zu 0,03 % Restfettgehalt entrahmt (entrahmte Frischmilch oder Magermilch), als Trinkvollmilch auf einen bestimmten Fettgehalt eingestellt (international meist zwischen 2 und 3,5%) beziehungsweise zu verschiedensten Milchprodukten weiterverarbeitet.

2. Samenflüssigkeit (Sperma) der Fische.

Milchbrustgang, Ductus thoracicus: größtes Lymphgefäß, beginnt im Bauchraum mit der Cisterna chyli (Sammelstelle für nährstoffreiche Darmlymphe), durchzieht den Brustraum nahe der Wirbelsäule und mündet in den linken Venenwinkel (Zusammenfluss der linken Schlüsselbein- und Drosselvene).

Milchdrüsen, Mammae: Milch produzierende Hautdrüsen der Säugetiere und des Menschen; wölben bei der Frau die Haut als Brüste vor (Brustdrüsen).

Milchfisch, Chanos chanos: bis 1 m langer Bewohner der tropischen Küsten des Indischen und Stillen Ozeans, lebt sowohl im Salz als auch im Brack- und Süßwasser; Gestalt heringsähnlich, silbrig bis milchig weiß; Weibchen legt bis zu 9 Millionen Eier; in Südostasien wird der Milchfisch in Brackwasserteichanlagen gemästet.

Milchkraut, Glaux maritima: ausdauerndes Primelgewächs feuchter Salzwiesen mit rosa Blüten und dichtstehenden dicklich-lanzettlichen Blättern.

Milchleistung: Milchmenge (in kg) einer Kuh im Verlaufe eines Jahres. Dazu wird alle 21 bis 28 Tage eine Leistungsprüfung durchgeführt und dabei die Tagesmenge an Milch und der prozentuale Fettgehalt ermittelt sowie die Gesamtmilch- und Fettmenge für den betreffenden Kontrollzeitraum berechnet.

Milchling, Lactarius: Gattung der Blätterpilze; die Fruchtkörper sind von Milchröhren durchzogen, die weißen oder farbigen Milchsaft (Latex) führen. Roh mild schmeckende Arten sind essbar (Reizker); scharfe Arten, wie der Rotbraune Milchling (L. rufus), erfordern besondere Zubereitung.

Milchnährschaden: auf ausschließlicher Kuhmilchernährung ohne Kohlenhydratzusatz in Form von Zucker und Mehl zurückzuführender chronischer Gedeihstörung der Säuglinge; wird nur noch selten beobachtet. Siehe auch Mehlnährschaden.

Milchsäure: eine farblose, sehr zähflüssige, hygroskopische, sauer schmeckende und schwach säuerlich riechende Flüssigkeit von der chemischen Formel CH3-CH(OH)-COOH; die Salze und Ester heißen Laktate. Milchsäure entsteht durch Einwirkung von Milchsäurebakterien auf Kohlenhydrate, zum Beispiel beim Sauerwerden der Milch aus Laktose sowie bei der Bereitung von Sauerkraut, sauren Gurken und Silofutter; die technische Gewinnung erfolgt aus Molke, Melasse, Stärke, Sulfitablauge und anderen kohlenhydrathaltigen Substanzen. Diese sogenannt Gärungsmilchsäure lässt sich in 2 optisch aktive Antipoden aufspalten, deren eine (Fleischmilchsäure; F25 bis 26°C) im arbeitenden Muskel aus Glykogen entsteht. Milchsäure wird in der Getränkeindustrie, Pharmazie und Gerberei verwendet.

Milchsäurebakterien: grampositive, sporenlose, unbewegliche, stäbchenförmige Bakterien, die Laktose (Milchzucker) zu Milchsäure abbauen. Die Milchsäurebakterien kommen in Milch- und Pflanzenprodukten vor und leben auf Schleimhäuten. Sie haben große praktische Bedeutung in der Lebensmittelindustrie bei der Herstellung milchsaurer, vergorener Produkte (zum Beispiel Käse, Sauerkraut).

Milchschorf: kleinschuppige, gegen die Umgebung scharf abgesetzte, trockene Rötung der Wangen des Säuglings, ohne Juckreiz; wird vielfach als Vorstufe des Ekzems angesehen.

Milchstern, Omithogalum: artenreiche Gattung der Liliengewächse mit weißen Blütentrauben und Zwiebeln; zum Teil Zierpflanzen.

Milchstraßensystem, Galaxis: Sternsystem, dem die Sonne, alle mit bloßem Auge sichtbaren (etwa 6000) sowie weitere rund 100 Md. Sterne und große Mengen interstellarer Materie angehören. Das Milchstraßensystem hat die Form eines scheibenförmigen Spiralnebels von 100000 ly Durchmesser. Die Sonne befindet sich etwa 33000 ly vom Zentrum des Milchstraßensystems entfernt. Am Ort der Sonne ist die galaktische Scheibe ungefähr 3000 ly dick. Da das Sonnensystem innerhalb dieser Scheibe steht, sehen wir das Milchstraßensystem als schwach leuchtendes Band (Milchstraße) am Himmel. Das gesamte Milchstraßensystem rotiert. Die Sonne umläuft das Zentrum des Milchstraßensystems mit einer Geschwindigkeit von 250 km/s. Der Abstand zwischen 2 Sternen der galaktischen Scheibe beträgt im Mittel 4 ly. Das Milchstraßensystem besteht aus mehreren ineinander geschachtelten und einander durchdringenden Untersystemen, die Populationen von Sternen mit charakteristischen Eigenschaften enthalten. Das größte Untersystem, das gleichzeitig die ältesten Sterne enthält und die galaktische Scheibe kugelförmig umschließt, ist der galaktische Halo. Das innerste und flachste Untersystem nahe der Symmetrieebene der Scheibe, die extreme Population I, enthält die jüngsten Sterne, die sich erst vor einigen Millionen Jahren aus der gleichfalls zu dieser Population gehörenden interstellaren Materie gebildet haben.

Milchwirtschaft: Wirtschaftszweig, der die Produktion, den Transport, die Verarbeitung und den Absatz von Milch und Milchprodukten umfasst.

Milchwirtschaftsgürtel, Dairy Belt: Region in den USA, umfasst die Neuenglandstaaten sowie die Staaten um die Großen Seen; etwa 50% der Farmen sind Milchwirtschaftsbetriebe (im Osten Grünlandwirtschaft und Feldfutteranbau mit Frischmilchproduktion, im Mittelwesten Maisanbau mit Dauermilchproduktion); etwa 40% des Milchviehbestandes der USA; im Umland großer Städte (Detroit, New York, Milwaukee, Minneapolis-Saint Paul) Trinkmilchproduktion, in größerer Entfernung Erzeugung von Industriemilchprodukten; überwiegend Großbetriebe mit Stallviehhaltung und intensiver Futterproduktion.

milder Boden: Boden mit neutraler bis schwach alkalische Reaktion.

mildernde Umstände: Bezeichnung für objektive und subjektive Faktoren, die bei einem Straftäter schuld- und strafmindernd zu berücksichtigen sind.

Milet: antike Stadt der Griechen an der Südwestküste Kleinasiens. Von Ioniern kolonisiert, entwickelte sich Milet zu einer der bedeutendsten und reichsten Griechenstädte (Handel, Textilproduktion). Milet gründete selbst etwa 80 Kolonien. 494 vor Christus, während des Ion. Aufstandes, wurde Milet von den Persern zerstört und seit Mitte des 5. Jahrhundert vor Christus wieder errichtet. Deutsche Ausgrabungen (1899/1914) legten Milet größtenteils frei. Bedeutende Bauwerke, unter anderem das Markttor von Milet, sind erhalten (Staatliche Museen zu Berlin).

Milew: 1. Geo Milew, 27.1.1895 - Mai 1925 (als Antifaschist ermordet), bulgarischer Dichter und Publizist; 1918/19 in Berlin vom Expressionismus beeinflusst; schloss sich später der revolutionären Arbeiterbewegung an; gestaltete im Poem «September» (1924, deutsch) den antifaschistischen Septemberaufstand 1923.

2. Iwan Milew, 19.2.1897-25.1.1927, bulgarischer Maler und Graphiker; ging von der Stilkunst um 1900 aus, gestaltete märchenhaft-volksepische Themen, seit 1923 auch antifaschistische Gemälde und Karikaturen.

Milhaud, Darius, 4.9.1892-22.6.1974, französischer Komponist; einer der vielseitigsten und fruchtbarsten französischen Musiker des 20. Jahrhundert, dessen Musik mannigfaltige Einflüsse (bereits 1918 brasilianische Musik, später den Jazz) assimilierte. Milhaud, der zur Groupe des Six gehörte, emigrierte 1940/47 in die USA. Er schrieb Werke aller Gattungen, darunter 12 Sinfonien, mehrere Solokonzerte, zahlreiche Kammermusikwerke und Bühnenstücke. Sie sind oft äußerst knapp geformt (unter anderem sogenannt «Minuten Opern»). Seine Ballettmusik «La Création du Monde» (1923) ist eines der interessantesten und frühesten Beispiele von Jazz-Verarbeitung.

Milieu: 1. allgemein Umwelt, Umgebung; Gesamtheit der die Lebensentwicklung der Menschen beeinflussenden natürlichen, geographischen und gesellschaftlichen Verhältnisse; Wirkungskreis.

2. Geologie: Gesamtheit der Bedingungen, die zur Bildung eines geologischen Körpers führen. Siehe auch Fazies.

Milieuschaden: negativer Einfluss einer ungünstigen Umgebung auf die körperliche und psychische Entwicklung, besonders bei Kindern und Jugendlichen; die Folge kann asoziale bis kriminelle Fehlentwicklung oder Ausbildung von Neurosen sein; verursacht zum Beispiel durch falsche Erziehung.

Militär: bewaffnete Macht (das Ai.), führender Armeeangehöriger (der Ai.); Fachbezeichnung für Menschen (Militärperson), Einrichtungen (Militärakademie), Dinge (Militärflugzeug) und Theorien (Militärwissenschaft), die Bestandteil des Militärwesens sind.

Militärattache: diplomatischer Rang eines Generals oder Offiziers, der zur diplomatischen Vertretung seines Landes in einem anderen Staat gehört.

Militärbezirk: Vereinigung von Verbänden, Truppenteilen und Einheiten der Streitkräfte; militärische Ausbildungs- und andere Einrichtungen innerhalb eines festgelegten Territoriums.

Militärdiktatur: Ausübung unbeschränkter Staatsmacht durch einen Militärbefehlshaber oder eine militärische Gruppe; durch Staatsstreich oder Militärputsch begründet oder auch verfassungsmäßig für bestimmte Situationen vorgesehen (Ausnahmezustand, Staatsnotstand).

Militärdoktrin: Gesamtheit der Ansichten eines Staates oder einer Militärkoalition über Ziele, Charakter und Erfordernisse eines Krieges, in den das Land beziehungsweise das Bündnis verwickelt werden kann, sowie über die Art und Weise der Vorbereitung und Führung des Krieges. Als verbindliche Gesamtkonzeption der staatlichen Führung für die Landesverteidigung gibt die Militärdoktrin dem Aufbau der Streitkräfte und anderer Verteidigungsbereiche für eine längere Zeitspanne die Grundorientierung. Jede Militärdoktrin wird von denjenigen politischen Zielen geprägt, denen sie dient. Die Militärdoktrin eines sozialistischen Staates ist im Gegensatz zum aggressiven Wesen imperialistische Militärdoktrin ausschließlich auf die Verhinderung oder Zerschlagung imperialistischer Aggressionen gerichtet (Verteidigungscharakter sozialistischer Militärdoktrin).

Militärgeschichtswissenschaft: Teilgebiet der Geschichtswissenschaft, dem die Erforschung und Darstellung der bisherigen Entwicklung des Militärwesens obliegt. Die marxistisch-leninistische Militärgeschichtswissenschaft deckt die objektiven Gesetzmäßigkeiten dieses Prozesses auf. Zu ihr gehören die Geschichte der Militärpolitik, der Kriege und der Kriegskunst, der Streitkräfte, des militärischen Denkens, der Militärtechnik sowie die Theorie der Militärgeschichtsschreibung.

Österreichische Militärgrenze: im 16. Jahrhundert von Österreich gegen das Osmanische Reich geschaffenes Grenzgebiet mit militärischer Verwaltungsstruktur; verlief von der Adria über Kroatien und Slawonien bis zum Banat; die Bewohner leisteten gegen verminderte Abgaben und andere Privilegien Militärdienst; bestand bis Mitte des 19. Jahrhundert.

Militärische Demokratie: höchste Form der Gesellschaftsverfassung, zu der die Gentilordnung überhaupt gelangen konnte. In der Militärischen Demokratie sind Kriege als Mittel des Raubes und der Aneignung des Mehrprodukts anderer Stämme und die Organisation zum Krieg regelmäßige Funktionen des Volkslebens geworden. Gesellschaftliche Organe der Militärischen Demokratie sind Heerführer, Rat und Volksversammlung. Kennzeichnend für die Militärische Demokratie waren die Bewaffnung aller wehrfähigen Stammesangehörigen und ihre militärische Organisation im Stammesaufgebot, gleichzeitig aber auch Gefolgschaften der Heerführer. Mit der Entwicklung der Militärischen Demokratie setzte zugleich die Herausbildung der sozialökonomischen Differenzierung innerhalb der Stämme ein.

militärisch-industrieller Komplex, Militär-Industrie-Komplex: Verbindung der monopolistische Rüstungsindustrie mit den Führungsspitzen in den imperialistischen Streitkräften und dem Staatsapparat. Der militärisch-industrielle Komplex entwickelt sich besonders in den aggressivsten imperialistischen Staaten immer stärker zur entscheidenden Herrschaftsgruppe des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems. Der militärisch-industrielle Komplex ist Ausdruck und Quelle zunehmender Militarisierung der Wirtschaft und des gesamten gesellschaftlichen Lebens und verbindet die Profitinteressen des Rüstungsmonopolkapitals mit der politischen und militärischen Strategie des Imperialismus.

Militarisierung der Wirtschaft: von den aggressivsten Monopolgruppen betriebene Unterordnung der Wirtschaft und aller ökonomischen Ressourcen unter die Belange der imperialistischen Aggressionspolitik. Die Militarisierung der Wirtschaft zeigt sich vor allem in einem gigantischen Ausbau der Rüstungsindustrie auf Kosten der Produktion für den zivilen Bedarf und in ständig wachsenden Rüstungsausgaben des Staates, der Bereitstellung von hohen Anteilen des Arbeitskräfte- und Wissenschaftspotentials für den militärischen Bereich. Sie ist Ausdruck des Parasitismus und Fäulnischarakters des Imperialismus.

Militarismus: von Ausbeuterklassen errichtetes reaktionäres und aggressives Herrschaftssystem, das besonders in deren Niedergangs Stadien auf Eroberungskriege und gewaltsame Unterdrückung der Volksmassen des eigenen Landes ausgerichtet ist. Im Kapitalismus, vor allem in dessen imperialistischen Stadium, erhält der Militarismus seine volle Ausprägung. Er durchdringt das gesamte wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben der Gesellschaft und richtet es durchgängig auf militärische Gewalt aus, in der das wichtigste Mittel zur Lösung innen- und außenpolitischen Fragen im Interesse der herrschenden Klasse gesehen wird. Seinem Wesen nach ist der Militarismus zutiefst antidemokratisch und antihumanistisch; zu seinen Erscheinungsformen gehören insbesondere der Abbau der Demokratie, Chauvinismus und Kriegshetze, Aufblähung des Militärapparates, Wettrüsten, aggressive Militärbündnisse und Aggressionskrieg. Die Verschärfung der allgemeinen Krise des Kapitalismus nach dem 2. Weltkrieg führte zu einem verstärkten Militarisierungsprozess, dessen Ergebnis der militärische-industrielle Komplex in den imperialistischen Hauptländern ist. Neben diesem sind das Pentagon und die NATO die Hauptkräfte des heutigen Militarismus

Militärkoalition, Militärblock-, vertraglich geregeltes politisch-militärisches Bündnis von Staaten zur wirksameren Durchsetzung gemeinsamer außenpolitische Ziele. Von Militärkoalition imperialistischen Staaten, die aggressiven, expansionistischen Zwecken dienen, wie der Dreibund, die Entente oder die Achse Berlin-Rom, und die sich, wie der Antikominternpakt und die NATO, gegen die UdSSR, die sozialistische Staatengemeinschaft und gegen antiimperialistische Befreiungsbewegung richten, unterscheiden sich grundlegend Verteidigungsbündnisse zur Abwehr oder zur Verhinderung imperialistischer Aggressionen, so die Antihitlerkoalition und besonders der Warschauer Vertrag.

Militärmusik: Musik, die dem Gebrauch im Militärwesen, besonders der Soldat. Ausbildung dient; sie reicht von Signalen und Fanfaren der Feldmusik bis zu Musik, die aus anderen Bereichen übernommen wurde; meist gespielt von Militärkapellen (siehe auch Spielmannszug). Bei der NVA werden die Klangkörper als Musikkorps beziehungsweise Zentrales Orchester bezeichnet. Vorherrschende Gattung der Militärmusik ist seit dem 17. Jahrhundert der Marsch. Die kulturelle und nationale Bedeutung der Militärmusik kann ferner in der Verbreitung sinfonischer Blasmusik und guter Unterhaltungsmusik im öffentlichen Leben liegen. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich neben der Blasmusik auch Streichmusik in der konzertanten Musik der Militärkapellen durchgesetzt. Siehe auch Soldatenlied.

Militärperspektive: darstellende Geometrie Spezialfall der schrägen Parallelprojektion, bei der das Bild der Grundfläche des abgebildeten Körpers dem Original kongruent ist und bei der alle vertikalen Linien wieder als Vertikale in wahrer Länge abgebildet werden.

Militärpolitik: Teil der Politik einer Partei, eines Staates oder Staatenbündnisses, der die Bereitstellung der zur Erreichung politischer Ziele für nötig gehaltenen militärischen Kräfte und Mittel beinhaltet. Zur Militärpolitik gehören sowohl die Erarbeitung und Durchsetzung entsprechender Grundsätze und Richtlinien (Militärprogramm), der Erlass von Rechtsvorschriften und militärischen Bestimmungen als auch die Maßnahmen der politischen Führung zu deren Realisierung. Konzeptionelle Grundlage der Militärpolitik eines Staates oder einer Militärkoalition ist dessen Militärdoktrin. Im Gegensatz zu der auf Machterweiterung gerichteten aggressiven Militärpolitik imperialistischer Staaten ist die Militärpolitik sozialistischer Länder und des Warschauer Vertrages auf die Verteidigung des Friedens zwischen den Völkern sowie der sozialistischen Errungenschaften gegen aggressive Anschläge jegliche Art gerichtet.

Militärstützpunkt: Teil eines Landes, in dem ein Staat Hoheits- oder Nutzungsrechte ausübt, Einrichtungen für militärische Zwecke und Streitkräfte unterhält, die von dort aus operieren und versorgt werden können. Seit jeher ein Mittel imperialistischer Eroberungspolitik, dient die Errichtung von Militärstützpunkt rund um die Erde seit dem 2. Weltkrieg insbesondere den USA als Mittel des kalten Krieges und der Aggressionsvorbereitung gegen die sozialistische Staatengemeinschaft sowie zum Kampf gegen die antiimperialistische Befreiungsbewegung (Globalstrategie). Die sozialistischen Staaten treten nach dem Prinzip der gleichen Sicherheit entschieden gegen die Errichtung beziehungsweise für die Auflösung aller Militärstützpunkt auf fremden Territorien ein.

Militärtechnik: a) alle technischen Mittel zur unmittelbaren Erfüllung von Kampfaufgaben, wie Raketen, Flugzeuge, Panzer, Geschütze, Munition, Minen, Kampfschiffe und -boote, Torpedos;

b) technische Ausrüstungen zur Unterstützung der Kampfhandlungen, wie Versorgungs-, Instandsetzungs-, Pionier- und andere Technik.

Militärwesen: Gesamtheit der Streitkräfte und aller unmittelbar mit diesen zusammenhängenden gesellschaftlichen Einrichtungen, Ideen und Tätigkeiten. Als eine sozialhistorische Erscheinung ist das Militärwesen an die Existenz von Klassen und Klassenkampf gebunden. In ihm widerspiegeln sich der Entwicklungsstand der Produktivkräfte der Gesellschaft und die die jeweilige Epoche kennzeichnenden Klassenwidersprüche. Das Militärwesen jedes Staates ist den Interessen und Zielen der herrschenden Klasse untergeordnet und wird davon geprägt. Es kann demzufolge eine progressive oder eine reaktionäre Rolle spielen. Im Gegensatz zum Militärwesen imperialistischer Mächte und Militärkoalitionen, das der Konsolidierung und Erweiterung monopolkapitalistische Klassenherrschaft dient, ist das Militärwesen sozialistischer Staaten ausschließlich auf die Verteidigung des internationalen Friedens, der sozialistischen Errungenschaften, auf die Verhinderung oder Abwehr imperialistischer Aggressionen jeglicher Art orientiert. Als Revolution im Militärwesen werden die qualitativen Veränderungen, vor allem die sprunghafte Steigerung von Feuerkraft und Beweglichkeit moderner Streitkräfte sowie die grundlegende Wandlung von Methoden des bewaffneten Kampfes bezeichnet, die sich infolge der massenhaften Einführung von Raketenkernwaffen und anderer neuartiger Militärtechnik von den 60er Jahren des 20. Jahrhundert an vollzogen haben.

Militärwissenschaft: Wissenschaft vom Krieg als bewaffneter Kampf. Orientiert an der jeweiligen Staatspolitik, ausgehend vom Entwicklungsstand und den Tendenzen der Militärtechnik sowie von den in Kriegen und Übungen gesammelten Erfahrungen, erforscht die Militärwissenschaft insbesondere Probleme, die den Charakter möglicher Kriege und den Einsatz der Streitkräfte betreffen. Sie leitet Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Methoden des bewaffneten Kampfes, den Aufbau, die Ausrüstung und Ausbildung der Streitkräfte sowie anderer Organe der Landesverteidigung ab. Grundlegende Erkenntnisse der Militärwissenschaft werden bei der Erarbeitung der Militärdoktrin berücksichtigt. Zu den hauptsächlichen Disziplinen der marxistisch-leninistischen Militärwissenschaft, die sich auf die marxistisch-leninistische Lehre vom Krieg und den Streitkräften gründet, zählen die allgemeine Theorie der Militärwissenschaft, die Theorie der Kriegskunst (Strategie, operative Kunst, Taktik und Truppenführung), die Theorie des Aufbaiis der Streitkräfte, die Theorie der militärischen Ausbildung und Erziehung unter anderem. Als Grenzdisziplin der Militärwissenschaft gilt die Theorie der Zivilverteidigung. Die zunehmende Verflechtung des Militärwesens mit nahezu allen Lebensbereichen der Gesellschaft ließ vielfältige Beziehungen der Militärwissenschaft zu anderen Gesellschafts-, Natur- und technische Wissenschaften entstehen und führte in diesen zur Herausbildung besonderer Disziplinen, zum Beispiel der Militärgeschichtswissenschaft, Militärmedizin, Militärökonomie, Militärgeographie.

Military: Pferdesport schwerste Vielseitigkeitsprüfung; die olympische Military (meist über 3 Tage) besteht aus mittelschwerer Dressurprüfung (1. Tag), vierteiliger Geländeprüfung von etwa 30 km Gesamtlänge bei vorgegebener Durchschnittsgeschwindigkeit über Wege und Straßen, Jagdbahngalopp und Geländeritt mit Überwinden von (festen) Hindernissen (2. Tag) sowie Springprüfung (3. Tag). Die Bewertung erfolgt durch Addition der je Prüfung erreichten Straf- beziehungsweise Gutpunkte. Olymp, (seit 1912), Weltmeisterschafts- (seit 1966) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1953).

Miljukow, Pawel Nikolajewitsch, 27.1.1859 bis 31.3.1943, russischer Historiker und Politiker; Führer der Kadetten, März/Mai 1917 Außenminister der Provisorischen Regierung; setzte sich für Fortsetzung des imperialistischen Krieges ein und musste zurücktreten; betätigte sich in der Emigration (seit 1920) antisowjetisch, lehnte jedoch eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Faschismus ab.

Mill, John Stuart, 20.5.1806-8.5.1873, britischer Philosoph, Logiker, Psychologe und Nationalökonom; neben A. Comte bedeutendster Vertreter des Positivismus im 19. Jahrhundert; schuf eine induktive Logik, nach der alle Erfahrungstatsachen individuell sind, sowie eine Utilitaristische Ethik. Er versuchte eine Systematik der klassischen englischen Nationalökonomie; hielt die kapitalistische Ordnung für naturgegeben.

Millennium: Zeitraum von 1000 Jahren, Jahrtausend.

Miller: 1. Miller, Arthur, geboren 17.10.1915, US-amerikanischer Dramatiker; schrieb sozialkritische Dramen, wie «Alle meine Söhne» (1947, deutsch), das das Kriegsgewinnertum entlarvt, und «Der Tod des Handlungsreisenden» (1949, deutsch), das die Illusion vom amerikanischen Erfolgstraum zerstört. Sein Stück «Hexenjagd» (1953, deutsch; verfilmt nach dem Drehbuch von J. P. Sartre als «Die Hexen von Salem») attackiert mit historischen Stoff die undemokratische Verfolgung durch den McCarthyismus. 1956 verweigerte Miller vor dem Ausschuss zur Untersuchung unamerikanische Betätigung die Aussage. In «Zwischenfall in Vichy» (1964, deutsch) prangert Miller faschistische Unmenschlichkeit an; der Roman «Brennpunkt» (1945, deutsch) ist eine Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in den USA.

2. Miller, Glenn, 1.3.1904-16.12.1944 (Flugzeugabsturz), US-amerikanischer Jazzposaunist und Orchesterleiter; popularisierte mit seiner 1937 gegründeten Band die Swing-Musik; hatte besonders durch den von ihm geschaffenen Saxophonklang (Glenn-Miller-Sound) großen Erfolg; leitete seit 1941 Militärorchester.

3. Miller, Henry, 26.12.1891-7.6.1980, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb in nonkonformistischer Haltung lange verfernte, autobiographisch geprägte Romane und Erzählungen, die mit bewusst schockierender, oft grotesker und obszöner Darstellung die bürgerliche Gesellschaft attackieren («Wendekreis des Krebses», 1934, deutsch; «Sexus», 1949, deutsch; «Plexus», 1953, deutsch; «Nexus», 1960, deutsch); beeinflusste nachhaltig die Beat Generation.

4. Oskar von Miller, 7.5.1855-9.4.1934, Ingenieur; arbeitete vorwiegend auf dem Gebiet der Elektroenergieversorgung und -Übertragung; ihm gelang 1881/82 mit dem Franzosen Miller Deprez (1843-1918) die erste brauchbare elektrische Stromübertragung zwischen Miesbach und München (57 km); gründete 1903 das Deutsche Museum in München; Erbauer des Walchenseekraftwerkes.

Millerand, Étienne Alexandre, 10.2.1859-6.4.1943, französischer Politiker, trat unter Preisgabe von Prinzipien als erster sozialistischer Minister einer bürgerlichen Regierung bei (1899/1902); 1904 wurde er aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen, danach bezog er rechte Positionen (Befürworter der Intervention gegen Sowjetrussland), 1920 war er Ministerpräsident und Außenminister, 1920/24 Staatspräsident.

Millet, Jean François, 4.10.1814-20.1.1875, französischer Maler und Graphiker; stellte seit 1848 besonders ländliche Themen und Bauern dar. Meist zeigen diese Darstellungen eine klare soziale Tendenz «Ährenleserinnen», 1857; «Mann mit der Hacke», 1863), womit Millet auf spätere Künstlergenerationen einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt hat. Seinen Kompositionen ist eine gewisse Monumentalität eigen, hervorgerufen durch die Art der Figurenbildung und Farbgebung.

Milliarde: 1000 Millionen, geschrieben als 1 mit 9 Nullen oder als Zehnerpotenz 10; in Frankreich früher, in der UdSSR zum Teil jetzt noch, in den USA nur Billion genannt.

Millième: (französisch, «Tausendstel») kleinste Währungseinheit unter anderem in Ägypten; siehe auch Währung.

Millikan, Robert Andrews, 22.3.1868 bis 19.12.1953, US-amerikanischer Physiker; bestimmte 1909/13 als erster die elektrische Elementarladung aus der Fallgeschwindigkeit geladener Öltröpfchen im elektrischen Feld und 1914/16 die Planck-Konstante mittels des lichtelektrischen Effekts.

Millimeterwellen, mm-Wellen, EHF (Abkürzung für extremely high frequency, englisch): elektromagnetische Wellen mit Frequenzen zwischen 30 und 300 GHz beziehungsweise Wellenlängen zwischen 10 und 1 mm.

Million: 1000 Tausender, geschrieben als 1 mit 6 Nullen oder als Zehnerpotenz 106. Millionenfisch Guppy.

Milocorn: großkörnige Hirseart, die in den USA vorwiegend für Futterzwecke angebaut wird.

Milonga: argentinischer Volkstanz im V-Takt, ursprünglich Bezeichnung für eine auf der Gitarre improvisierte Liedbegleitung; wird neben der Habanera als Vorläufer des Tangos angesehen.

Milton, John, 9.12.1608-8.11.1674, englischer Dichter und Pamphletist; verfasste zur Zeit der englischen bürgerlichen Revolution demokratischer Kampfschriften, wie «Von der Erziehung» (1644, deutsch), «Areopagitica» (1644, deutsch; über die Freiheit der Presse), «Die Befugnisse der Könige und Obrigkeiten» (1649, deutsch), «Verteidigung des englischen Volkes» (1651). Sein bedeutendstes Werk ist das die Kämpfe der Revolution aus bürgerlich-puritanischen Sicht symbolisierende Blankversepos «Das verlorene Paradies» (1667, deutsch), das starken Einfluss auf F. G. Klopstock ausübte; in dem Epos «Das wiedergewonnene Paradies» (1671, deutsch) wird der vermenschlichte Christus zum Erlöser der Menschheit. Vom Pathos der Revolution ist auch das Drama «Simson der Kämpfen) (1671, deutsch) getragen.

Milwaukee: Stadt im Bundesstaat Wisconsin (USA), am Westufer des Michigansees; 640000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,3 Millionen Einwohner; Brauereizentrum der USA, Maschinen-, Motoren-, Fahrzeugbau, elektrotechnische, chemische, Textilindustrie; bedeutender Binnenhafen, Fähren zum Ostufer des Michigansees; 2 Universitäten, Fachschulen; Kunstgalerie.

Milz, Lien, Spien: unpaares, in den Blutkreislauf eingeschaltetes lymphatisches Organ; liegt im oberen linken Teil der Bauchhöhle zwischen Magen und Zwerchfell. Zu den Aufgaben der Milz gehören Bildung von Lymphzellen, Abbau von roten Blutzellen und Blutplättchen, Bildung von Abwehrstoffen, Auffangen von Blutverunreinigungen (zum Beispiel Bakterien, Pigmente).

Milzbrand, Anthrax (griechisch), Pustula maligna: durch Milzbrandbazillen verursachte Tierseuche, insbesondere bei Weidetieren, die durch Kontakt mit infizierten Tieren, aber auch Fellen, Häuten, Lumpen und Bürsten (Schmierinfektion), Einatmung (Tröpfcheninfektion) oder infizierte Nahrungsmittel auf den Menschen übertragbar ist und Haut (Milzbrandkarbunkel), seltener Lungen und Darm befallt. Meist tödl. Ausgang des unbehandelten inneren Milzbrands. Für Milzbrand besteht Meldepflicht.

Milzener: slawischer Stamm in der Oberlausitz, erstmals um 850 erwähnt. Die Milzener gingen später mit den Lusizern in den Sorben auf.

Mime: Darsteller im antiken Theater; Ende des Mittelalters Possenreißer; heute oft abwertende Bezeichnung für einen mit äußerlichen Effekten arbeitenden Schauspieler.

Mimese: (lateinisch griechisch, «Nachahmung») Tam- oder Verbergtracht, täuschende Ähnlichkeit von Tieren mit Dingen ihrer Umwelt. Ähnlichkeit mit Tieren wird als Zoomimese, mit Pflanzen als Phytomimese und mit unbelebten Objekten als Allomimese bezeichnet. Die Batessche Mimikry als Unterart der Mimese ist die täuschende Ähnlichkeit unbewehrter, für Feinde genießbarer Tiere in Körperform, Färbung und Verhalten mit wehrhaften oder ungenießbaren; eine Warntracht besitzende Arten sind zum Beispiel Hornissenschwärmer (Schmetterling) und Hornisse.

Mimesis: in der antiken Kunsttheorie besonders von Platon und Aristoteles gebrauchter Begriff zur Charakterisierung des künstlerischen Schaffens als «Nachahmung» der Natur, das heißt der Wirklichkeit. Mimesis bedeutet jedoch nicht naturalistisches Kopieren der Wirklichkeit, sondern bezeichnet auch das künstlerische Zur-Erscheinung-Bringen von Sachverhalten und Vorgängen, die nur als Möglichkeit ahnbar oder als Phantasiegebilde denkbar sind. Die Auseinandersetzungen um Begriff und Theorie der Mimesis haben in der Geschichte der Ästhetik eine zentrale Rolle gespielt, um sich sowohl des Abbild wie auch des schöpferische Charakters der Kunst theoretisch zu versichern.

Mimir, in der nordischen Mythologie weissagender Wassergeist, dem Odin ein Auge gegen Wissen um die Zukunft verpfändete,

Mimnermos, um 600 vor Christus, griechischer Elegiendichter; galt im Altertum als der Begründer der Liebeselegie: Themen seiner Dichtung waren die Jugend, das Glück der Liebe und die Beschwerden des Alters.

Mimos, Mimus: 1. ursprünglich Darsteller theaterähnlicher oder theatralischer Künste, der sich zu verwandeln trachtet, um Wirklichkeit im Sinne der l Mimesis wiederzugeben.

2. in der Antike Darstellung von Szenen, die typische alltägliche Ereignisse widerspiegelten und deren Gestalten mit realistische Schärfe und oft obszön agierten, teils improvisiert und in Prosa, teils in Verssprache mit eingestreuten Liedern und Tänzen. Als Begründer der literarischen Tradition des Mimos gilt Sophron von Syrakus (um 430 vor Christus).

3. allgemeine Bezeichnung für schauspielerische Vorstellungs- und Ausdruckskraft in ihrer Bewegungs- und Verwandlungsfähigkeit.

Mimosarinde: pflanzliches Gerbmittel großer Bedeutung aus der Rinde vorwiegend in Süd- und Ostafrika wachsender Akazien.

Mimose: 1. Mimosengewächse.

2. im übertragen Sinn - überempfindlicher Mensch.

Mimosengewächse, Mimosaceae: artenreiche tropische-subtropische Familie der Hülsenfruchtartigen mit doppelt gefiederten Blättern, strahligen Blüten und zahlreichen Staubblättern; hierzu unter anderem Akazie und Mimose. Die einjährige Schamhafte Sinnpflanze (Mimosa pudica) reagiert auf Berührungsreize mit außerordentlich raschen Blattbewegungen.

Min, ägyptischer Fruchtbarkeitsgott, später mit Amun und Horus gleichgesetzt.

Mina, Mina el Mozo, Francisco Javier, 17.6.1789-11.11.1817 (erschossen), spanischer General; Guerillaführer, Neffe von F. Espoz y Mina; verteidigte 1808 Zaragoza gegen die Franzosen; befehligte 1816/17 in Mexiko Partisanenabteilungen gegen die spanische Kolonialherrschaft.

Minarett: (arabisch, «Leuchtturm») schlanker, galerieumgebener Turm der Moschee, von dem der Muezzin die Gläubigen zum Gebet ruft.

Minas Gerais: Bundesstaat in Brasilien, im Osten des Brasilianischen Berglandes, gehört zur Südostregion des Landes; 587172 km2, 13,4 Millionen Einwohner; 23 Einwohner/km2; Hauptstadt Beto Horizonte. Im Osten wechselfeuchte Regenwälder und Savannen, im Westen immergrüne subtropische Wälder. Minas Gerais ist eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Gebiete Brasiliens mit bedeutendem Bergbau; Abbau von hochwertigen Eisenerzen bei Itabira, Gewinnung von Bauxit, Mangan, Niobium, Zinn, Gold, Nickel, Graphit, Quecksilber, Diamanten. Eisen- und Buntmetallurgie, Maschinenbau, Aluminium-, Metall-, Zement-, chemische Industrie, weiterhin Verarbeitung von Nahrungsmitteln, Leder und Holz. Industriestandorte: Belo Horizonte, Ouro Preto, Juiz de Fora. Die Landwirtschaft erzeugt Kaffee, Baumwolle, Reis, Mais, Bataten, Bananen, Tabak, Zuckerrohr, Tomaten; Viehzucht.

Mindanao: zweitgrößte Insel der Philippinen; 94596 km2, etwa 7,5 Millionen Einwohner; Hauptorte und -häfen Davao und Zamboanga. Die erdbebenreiche Insel besteht aus zahlreichen Gebirgsketten mit zum Teil noch tätigen Vulkanen, darunter der 2954 m hohe Apo, der höchste Berg der Philippinen. Der stark gegliederten Küste sind besonders im Osten zahlreiche Korallenriffe vorgelagert. Bei tropischen Monsunklima im Osten dichter immergrüner tropischer Regenwald, im Westen lichter Monsunwald; Anbau von Kokospalmen, Manilahanf, Kaffee, Reis, Mais, Zuckerrohr, Ananas. Der entwickelte Bergbau erzeugt Chrom-, Kupfer-, Eisen- und Golderze sowie Steinkohle.

Mindaugas, Mindowe, gestorben (ermordet) 1263, Großfürst von Litauen seit um 1240; einigte im Kampf gegen den vordringenden Deutschen Ritterorden den größten Teil Litauens zu einem frühfeudalen Staat; nahm 1251 den Katholizismus an und wurde im Namen des Papstes zum König gekrönt; siegte 1260 über das Ordensheer.

Mindelo: nach Praia zweitwichtigste Stadt von Kapverden, auf der Insel Sao Vicente; 45000 Einwohner; Hochseehafen Porto Grande (wichtigster Landeshafen (Naturhafen)); Reparaturwerft, Fischverarbeitung, Schuh-, Textilbetriebe.

Minderheit, Minorität: Minderzahl, Stimmenminderheit bei einer Abstimmung oder Wahl; Minderheitspolitik: politische Führungstätigkeit, die sich nicht auf eine Mehrheit stützt, die die Interessen der Minderheit schützt oder auch zum Nachteil der Mehrheit durchsetzt.

Minderjährigkeit: frühere Bezeichnung für die Altersstufe bis zum vollendeten 18. Lebensjahr; siehe auch Volljährigkeit.

Mindern, Abnehmen: Textiltechnik das Verringern einer Gestricke- oder Gewirke Breite; siehe auch Zunehmen.

Minderwertigkeitsgefühl: emotionale Reaktion auf vorhandene oder eingebildete psychische oder physische Mängel, die die Leistungsfähigkeit herabsetzt (durch Kompensation auch erhöhen kann).

Mindestluftbedarf: bei Verbrennungskraftmaschinen theoretisch benötigte Luftmasse zur Verbrennung von 1 kg Kraftstoff. Das sind bei flüssigen Kraftstoffen im Mittel 14,5 kg Luft. Für eine rauchfreie Verbrennung ist wegen der Unzulänglichkeiten der Kraftstoff-Luft-Mischung eine größere Luftmenge erforderlich.

Mindoro: Insel südwestlich von Luzon (Philippinen); 9735 km2, etwa 450000 Einwohner; Hauptort und -hafen Calapan; vorwiegend gebirgig, höchste Erhebung Halcon mit 2582 m; bei tropischen Klima mit hoher Taifun Gefährdung meist bewaldet, an der Küste dichte Mangrovenbestände; Anbau von Reis, Mais, Zuckerrohr und Kokospalmen; Bergbau auf Gold-, Platin- und Kupfererz.

Mine: 1. Bergbau: Bergwerk.

2. Mine - Metrologie: babylonische Masseeinheit, ursprünglich 477 g; von den Griechen übernommen, in Athen 436 g (auch Münzeinheit).

3. Mine - Militärtechnik: mit herkömmlicher beziehungsweise Kernsprengstoff oder chemischer Kampfstoff gefüllter und mit einer Zündeinrichtung versehener Metall- oder Plastikhohlkörper. Häufig werden Mine systematisch angeordnet (Minenfeld, Minensperre). Landminen werden unterteilt in Panzermine (meist mit Hohlladung), Infanteriemine (Spreng- und Splittermine), Signalmine (Leucht- und Schallmine zur Sicherung militärischer Objekte), Landesabwehrmine (zur Sicherung von Küsten und Ufern) sowie Kernmine. Sie werden von Hand oder mechanisch offen oder verdeckt verlegt (eingegraben) und mechanisch (Druck, Zug), elektrisch, chemisch, akustisch oder über Funk gezündet. Ungelenkte Minen sind nach dem Verlegen geschärft und entsichert; gelenkte Minen werden über Funk, elektrisch oder mechanisch geschärft, gesichert oder gezündet. Seemine sind am Grund verankert und schwimmen unter der Wasseroberfläche Ankertaumine), liegen auf Grund (Grundmine) oder treiben frei unter der Wasseroberfläche (Treibmine) sie enthalten eine herkömmliche Sprengladung oder Kernsprengstoff und sollen Überwasserschiffe und U-Boote vernichten. Sie werden durch Berührung, Magnetfeld, Druck oder Geräusch eines Schiffes gezündet; siehe auch Luftmine.

Minen, Hypomanien: Biologie durch Fraß von Insekten entstandene Gänge oder Hohlräume im pflanzlichen Gewebe. Je nach Form der Minen unterscheidet man zum Beispiel Gang- oder Platzminen.

Minenlegegerät: Pioniermaschine zum offenen oder verdeckten Verlegen von Panzerminen. Minenlegegerät werden meist an Schützenpanzerwagen oder LKWs angehängt, können aber auch zum offenen Verlegen in Hubschrauber eingebaut werden.

Minenräumgerät: Anbauvorrichtung für Panzer zum Beseitigen oder zum Auslösen der Detonation von Panzer- und Infanterieminen, mit der Gassen oder minenfreie Spuren in Minensperren geschaffen werden können. Minenräumgerät haben Rollensektionen (wirken durch den Druck der schweren Metallscheibenrollen) und Messersektionen (bringen die Minen an die Erdoberfläche und schieben sie rechts und links neben die Panzerspur). Die Panzerwanne ist gegen Minen mit Knickzünder durch eine beschwerte Stahltrosse geschützt. Siehe auch Ottergerät.

Minensuchgerät: Pioniergerät zum Aufsuchen von verdeckt verlegten 1 Minen. Mit dem Minensucheisen, einem spitzen Metallstab, werden die Minen «ertastet». Elektromagnetische- und Induktionsminensuchgerät zeigen Minen, sofern sie Metallteile aufweisen, durch optische oder akustische Signale an.

Minensuch- und -räumschiff: mit Minensuch- und -räumgeräten ausgerüstetes Kampfschiff zur Minenaufklärung und -Vernichtung, zum Geleiten von Schiffen und Booten durch verminte Seegebiete und Minensperren; einsetzbar auch zum Minenlegen und zum Vorpostendienst.

Mineralboden: Boden im Wesentlichen aus mineralischen Bestandteilen ohne Torf- und Muddelagen oberhalb 8 dm unter Flur.

Minerale, Mineralien: alle meist festen, im physikalischen und chemischen Sinn homogenen, fast ausschließlich anorganische Naturkörper der Erdrinde, die mit wenigen Ausnahmen in Form von Kristallen oder auch in feinst- bis grobkörnigen kristallinen Aggregaten Vorkommen, deren Stabilität von den äußeren Existenzbedingungen abhängt. Nach der chemischen Zusammensetzung unterscheidet man im Wesentlichen 8 Klassen mit Minerale der Elemente, Sulfide, Halogenide, Oxide, Carbonate, Nitrate, Borate, Sulfate, Chromate, Wolframate, Phosphate, Arsenate, Vanadate und Silikate. Zu den häufigsten gesteinsbildenden Minerale gehören Quarz, Feldspate, Glimmer, Pyroxene, Amphibole und Olivin. Minerale sind als Roh-, Bau- und Werkstoffe für die Montan-, chemische, keramische und Glasindustrie sowie für die Landwirtschaft von großer Bedeutung.

Mineralisation: restlose Zersetzung von organischen Stoffen durch Bodenorganismen in Wasser und Kohlendioxid unter Freisetzung der in ihnen enthaltenen Mineralstoffe; von der Humifizierung (Humus) abzugrenzender Vorgang.

mineralische Faserstoffe: Fasern anorganischen Ursprungs für textile Verarbeitung. Einzige anorganische Naturfaser ist die von Asbest, eine in aufbereiteter Form 20 bis höchstens 40 mm lange verspinnbare Faser mit hoher Temperaturbeständigkeit; verwendet für Schutzkleidung, Filter u. ä.

Mineralogie: Lehre von den Mineralen. Die Mineralogie mit ihren Teildisziplinen Kristallographie, Mineralphysik und -chemie sowie der speziellen, analytischen, synthetischen, genetischen und angewandten Mineralogie gehört zusammen mit der Petrographie, Lagerstättenlehre, Geochemie, Geophysik und Geologie zu den geologischen Wissenschaften.

Mineralöle: im Wesentlichen aus Kohlenwasserstoffen bestehende, wasserunlösliche, unverzeihbare Öle, die aus Erdöl, Stein- oder Braunkohle sowie Ölschiefer gewonnen werden, zum Beispiel Heizöle, Benzine, Petroleum; auch Erdöl selbst zählt zu den Mineralöle Die Mineralöle werden als Kraft-, Heiz- und Schmierstoffe sowie als chemische Rohstoffe verwendet.

Mineralparagenese, Paragenese: Mineralassoziation, die gesetzmäßig im Verlauf eines bestimmten zeitlich und räumlich begrenzten, insbesondere physikochemisch bedingten Prozesses entstanden ist. Der Mineralparagenese-Begriff kann sinngemäß auch auf Elemente und Isotope erweitert werden.

Mineralpigmente, Mineralfarben: künstlich hergestellte anorganische Pigmente für die verschiedensten Anstrichstoffe, zum Beispiel Bleiweiß, Blanc fixe, Lithopone, Mennige, Chromgelb, Chromgrün, Berliner Blau.

Mineralquelle: Quelle, deren Wasser sich durch einen definierten Gehalt an gelösten festen Stoffen (mindestens 1000 mg pro Liter Wasser) oder Gasen auszeichnet, zum Beispiel Säuerling.

Mineralstofftheorie: von J. von Liebig aufgestellte und bewiesene Auffassung, nach der (im Gegensatz zur Humustheorie) von den Pflanzen anorganische Stoffe aufgenommen und zur Neubildung organischer Substanz verwendet werden.

Mineralstoffwechsel: Aufnahme und Ausscheidung von Metallionen sowie die gegenseitige Umwandlung mineralhaltiger körpereigener Substanzen. Hauptorgane des Mineralstoffwechsels sind Dünndarm, Leber (Eisenstoffwechsel), Knochen (Kalziumstoffwechsel) und Nieren (Alkali- und Kalziumstoffwechsel). Der Mineralstoffwechsel wird durch Hormone (Parathormon, Kalzitonin, Mineralokortikoide) und Vitamine (Vitamin D) reguliert.

Mineralwasser: ungesüßtes natürliches Quell- (Mineral- und Tafelbrunnen) oder künstlich mineralisiertes Wasser mit gegenüber Trinkwasser unterschiedlicher Zusammensetzung, das einen festgelegten Mindestgehalt an festen Mineralstoffen und (oder) gelösten Gasen (zum Beispiel freies Kohlendioxid) oder eine bestimmte gesundheitliche Wirkung (Heilwasser) besitzt.

Minerva, römische Göttin der Künste und des Handwerks (griechisch Athene).

Minette: 1. sedimentäres Eisenerz, besonders in Ostfrankreich.

2. dunkles magmatisches Ganggestein, gehört zu den Lamprophyren.

Minetti: 1. Bernhard Minetti, geboren 26.1.1905, Schauspieler in der BRD und in Westberlin; berühmt insbesondere als Charakterdarsteller in klassischen und spätbürgerlichen zeitgenössischen Rollen (zum Beispiel in Stücken von S. Beckett, T. Bernhard); seit 1965 Mitglied des Schiller-Theaters in Westberlin.

2. Hans-Peter Minetti, geboren 21.4.1926, Schauspieler; Sohn von Minetti 1; wirkt seit 1952 als Darsteller an Berliner Bühnen (zum Beispiel Teilheim in W. Langhoffs Inszenierung «Minna von Barnhelm»), in Film und Fernsehen («Ernst Thälmann Sohn seiner Klasse», «Ernst Thälmann Führer seiner Klasse», «Nackt unter Wölfen», «Martin Luther»); Direktor (seit 1974), Professor (seit 1980) der Staatlichen Schauspielschule beziehungsweise (seit 1981) Rektor der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» Berlin; Mitglied des ZK der SED, Präsident (seit 1984) des Verbandes der Theaterschaffenden der DDR.

Ming-Dynastie: chinesische Dynastie 1368/1644; im Ergebnis eines großen Aufstandes gegen die Mongolen durch Zhu Yuanzhang begründet. Während der Ming-Dynastie erlebte China erneut einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung; durch den Aufstand unter Li Zicheng gestürzt.

Miniaturelektronik: Technologie zur Herstellung kleiner elektronischer Schaltungen. Historisch haben sich mehrere Miniaturisierungstechniken herausgebildet: Subminiaturtechnik (miniaturisierte Ausführung herkömmlicher Bauelemente), Mikro-composants-Technik (auf der Grundlage einkristalliner Siliziumscheiben), Modultechnik, Mikromodultechnik (Bauelemente sind auf einheitliche Keramikplättchen gestapelt und elektrisch verbunden) und Pellet-Technik (Bauelemente einheitlicher Form werden an vorgesehenen Stellen eines Substrats oder Netzwerkes kontaktiert). Die Miniaturelektronik verlor durch die Mikroelektronik stark an Bedeutung.

Miniaturlager: Gleit- oder Wälzlager, das im Feingerätebau als eines Lagerelements für wenig belastete Achsen verwendet wird. Miniaturlager sind einfach aufgebaute, häufig gerätespezifische Lager.

Miniaturmalerei: (italienisch miniatura, ursprünglich «Kunst, mit Zinnoberrot zu malen») 1. Buchmalerei.

2. Malerei auf kleinstem Format (sprachlich Anklang an lateinischer minor, «kleiner»), besonders Porträtdarstellungen von intimem Charakter (Bildnisminiaturen) auf Holz, Metall, Seide, später auf Porzellan und Elfenbein; wurde seit der Renaissance gepflegt und im 19. Jahrhundert weitgehend von der Fotografie verdrängt.

Minierer: Insektenlarven, seltener Vollkerfe, die Minen im Inneren von Pflanzengeweben anlegen.

Minigolf, Bahnengolf: vom Golf abgeleitetes Zielspiel (5 Spielarten) mit verkleinerten Bahnen und Geräten, bei dem der Vollball von 3,7...4,3 cm Durchmesser mittels Schlägern über jeweils eine der genormten und mit künstlichen Hindernissen ausgestatteten unterschiedlichen 18 Bahnen mit möglichst wenigen Schlägen in das Loch geschlagen werden muss. Die Platzierung ergibt sich aus der geringsten Gesamtzahl an Schlägen für die 18 Bahnen. Europameisterschaften seit 1959.

Minimalfläche: Fläche, die unter allen Flächen mit gleicher Randkurve den kleinsten Flächeninhalt hat. Rechnerisch werden Minimalflächen durch Variationsrechnung bestimmt, experimentell sind sie als Flüssigkeitslamelle erzeugbar, die von der Begrenzung infolge der Oberflächenspannung aufgespannt wird.

Minimax-Strategie: Spieltheorie Strategie für einen Spieler in einem Nullsummenspiel, mit der der maximale Gewinn des Gegenspielers minimiert wird. Die Minimax-Strategie ist eine risikolose Strategie, die davon ausgeht, dass der Gegenspieler den für ihn günstigsten Zug wählt. Durch die Minimax-Strategie wird somit der eigene Schaden minimiert. Wenn es in der Auszahlungsmatrix ein Element gibt, das gleichzeitig in seiner Zeile maximal und in seiner Spalte minimal ist, so ist für beide Spieler die optimale Strategie bestimmt (reine Strategie). Andernfalls ist es möglich, durch eine optimal gemischte Strategie im Mittel (über viele Spiele) höhere Gewinne zu erzielen.

Minimum: 1. allgemein das Geringste, Mindeste; Mindestmaß; kleinster Wert.

2. Mathematik: Extremwert, halbgeordnete Menge.

Minister: (französisch, eigentlich «Diener», «Gehilfe») Leiter eines Ministeriums oder bestimmter anderer zentraler staatlicher Organe. Die Gesamtheit der Minister bildet den Ministerrat (Regierung, Kabinett). In sozialistischen Staaten ist jeder Minister direkt von der Volksvertretung gewählt und ihr verantwortlich, er hat das Recht, im Rahmen seines Verantwortungsbereiches bestimmte Rechtsvorschriften zu erlassen. Minister ohne Portefeuille. Minister ohne eigenen Geschäftsbereich.

Ministerialen: ursprünglich unfreie Dienstmannen großer Feudalherren; seit dem 11. Jahrhundert rückten sie als Verwalter von Hofämtern in die unmittelbare Umgebung von König und hohem Adel auf. Die Ministerialen wurden zu einer entscheidenden Stütze des feudalen deutschen Staates und verschmolzen seit dem 12. Jahrhundert mit den freien Vasallen zur Ritterschaft.

Ministerium: zentrales Staatsorgan, an dessen Spitze ein Minister als Einzelleiter steht. Der Verantwortungsbereich, die Aufgaben, Struktur und spezifische Vollmachten eines Ministeriums ergeben sich aus dem vom Ministerrat beschlossenen Statut des jeweiligen Ministeriums, während grundsätzliche Fragen, die für alle Ministerien gelten, durch Verfassung und Gesetz geregelt sind.

Ministrant: Messdiener; Helfer des Priesters beim Zelebrieren der katholischen Messe.

Min Jiang: linker Nebenfluss des Chang Jiang in China, in der Provinz Sichuan; 793 km; entspringt im Min Shan, durchfließt den Westteil des Roten Beckens und mündet bei Yibin; am Unterlauf umfangreiche Bewässerungsanlagen; Wasserkraftwerk Zipingpu (300 MW).

Minkow, Swetoslaw, 25.2.1902-22.11.1966, bulgarischer Schriftsteller; stellte in satirischen-grotesken Erzählungen («Die Dame mit den Röntgenaugen», 1934, deutsch; «Erzählungen in der Igelhaut», 1936, unter anderem) kapitalistischen Gebrechen und Spießbürgerlichkeit bloß.

Minkowski, Hermann, 22.6.1864-12.1.1909, Mathematiker; arbeitete vorwiegend zur Zahlentheorie, schuf die «Geometrie der Zahlen» und gehört durch seine mathematische Zusammenfassung von Raum und Zeit zu einem vierdimensionalen Kontinuum (Minkowski-Raum) zu den Mitbegründern der Speziellen Relativitätstheorie.

Minne: (althochdeutsch, zu «mahnen») ursprünglich (liebendes, verehrendes) Gedenken; im 12./13. Jahrhundert idealisiert-asketischer, ritterlich-höflicher Frauendienst (hohe Af.); auch Zuneigung zu einem nichtadligen Mädchen (niedere Minne); nach Einengung der Bezeichnung auf den Sexualverkehr ab 1500 in der Literatur gemieden.

Minne (französisch min), George, 30.8.1866-20.2.1941, belgischer Bildhauer und Graphiker, ein Hauptmeister der Jugendstilplastik. Anfangs religiöse Themen gestaltend, fand er mit der Darstellung des nackten (besonders männlichen) jugendlichen Körpers sein Hauptmotiv. Überschlank und verhalten im Ausdruck, beeinflussten seine Werke nachhaltig die Plastik zu Beginn des 20. Jahrhundert.

Minneapolis: Stadt im Bundesstaat Minnesota (USA), am Mississippi; 370000 Einwohner, mit der Zwillingsstadt Saint Paul und den Vorstädten etwa 2 Millionen Einwohner; Mühlen-, Holz-, Papier-, polygraphische, Bekleidungsindustrie, Maschinenbau, elektronischer Gerätebau, Erdölraffinerie; Endpunkt der Schifffahrt auf dem Mississippi (Anthony Fälle, 15 m hoch), internationaler Flughafen; Universität, Augsburg College; Verlage; Kunstgalerie.

Minnegabe: Geschenk zwischen Liebenden in brauchmäßig bestimmter, Volkskünstlerische Gestaltung, unter anderem verzierte Arbeitsgeräte wie Flachsschwingen.

Minnesang: von Ministerialen und Rittern (vereinzelt auch von Vertretern des Hochadels) gepflegte höfliche Lyrik des 12./14. Jahrhundert. Der deutsche Minnesang wurde von den provenzalischen Troubadours angeregt und beeinflusst. entsprechend dem Ideal des ritterlichen-höflichen Frauendienstes priesen die Minnesänger die Schönheit und die Tugenden einer (meist verheirateten) Landesherrin; erdachtes Liebessehnen und -werben ist Grundmotiv der meisten Minne- und Tanzlieder der «hohen Minne» (Heinrich von Veldeke, Friedrich von Hausen, Heinrich von Morungen, Reinmar der Alte, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide). Bei Walther von der Vogelweide wird der höfisch eingeengte Minnebegriff auch auf Mädchen niederen Standes übertragen («niedere Minne»). In Reim- und Verskunst, Wortwahl und Rhythmik, vor allem aber in der Gestaltung und Vielfalt der Themen erreichte der deutsche Minnesang zwischen 1190 und 1230 einen hohen Grad künstlerische Vollendung (Blütezeit des Minnesang). Danach setzte mit der Veränderung der gesellschaftlichen Grundlagen der Verfall des allmählich epigonal erstarrten höflichen Minnesangs ein.

Minnesota, Abkürzung Minn.: Bundesstaat im Norden der USA, westlich des Oberen Sees, an der kanadischen Grenze; 218601 km2, 4,1 Millionen Einwohner; 19 Einwohner/km2; Hauptstadt Saint Paul. Eiszeitlich geprägtes flachwelliges moor- und seenreiches Hügelland, bis 680 m hoch; im Norden Nadelwälder, im Süden Prärie, gemäßigtes Kontinentalklima; Hauptströme sind der Mississippi und der Minnesota Industriestaat mit bedeutender Landwirtschaft; Eisenerzbergbau (50% der USA-Förderung), Eisenmetallurgie, Landmaschinen-, Holz-, Papier-, Zement-, chemische, Lebensmittelindustrie; Milchrind-, Fleischrind- und Schweinezucht, Milchwirtschaft; Anbau von Sojabohnen, Mais, Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln; starker Holzeinschlag, umfangreiche Wiederaufforstung; reger Fremdenverkehr.

Mino, portugiesisch Minho: Fluss im Nordwesten Spaniens; 340 km; entspringt in der Sierra de Meira, mündet bei Caminha in den Atlantik; bildet im Unterlauf zum Teil die spanisch-portugiesische Grenze; am Mittellauf Stauseen und Wasserkraftwerke.

Mino de Fiesole, um 1429-1484, italienischer Bildhauer der Frührenaissance; tätig in Rom, Neapel und Florenz; schuf zahlreiche Grabmäler, Kanzeln und Altäre sowie Bildnisbüsten.

minore: (italienisch) kleiner; mit der kleineren (= Moll-) Terz.

Minore: (italienisch) Musik a) italienische Bezeichnung für Moll;

b) Mollabschnitt in einer Dur-Komposition.

minorenn: (lateinisch) minderjährig, unmündig; siehe auch majorenn.

Minoritätsträger: Ladungsträger in einem Halbleiter, die in der Minderzahl vorhanden sind, zum Beispiel Elektronen in p-leitendem Material; die in der Überzahl vorhandenen Ladungsträger heißen Majoritätsträger, zum Beispiel Löcher im p-leitenden Material. Die Minoritätsträger können zum Beispiel durch optische Anregung oder elektrisch durch Injektion in das Gebiet des entgegengesetzten Leitungstyps gebracht werden.

Minoriten, Minderbrüder, Mindere Brüder, im weiteren Sinne alle 3 Zweige des Franziskanerordens, im engeren Sinne die Franziskaner-Konventualen.

Minos, in der griechischen Sage König von Kreta, Sohn des Zeus und der Europa; hielt den Minotauros in dem Labyrinth, das ihm Dädalus gebaut hatte; seine Tochter Ariadne floh mit Theseus; nach seinem Tode wurde Minos Richter in der Unterwelt.

Minotauros, (griechisch, «Minos-Stier»), Minotaurus: in der griechischen Sage ein Ungeheuer, aus der widernatürlichen Verbindungen Pasiphae, der Gattin des Minos, mit einem Stier hervorgegangen. Minotauros, ein Mensch mit Stierkopf, wurde von Theseus getötet. Siehe auch Ariadne.

Mintrop, Ludger, 18.7.1880-1.1.1956, Geophysiker; begründete 1919 die moderne seismische Lagerstättenforschung; entdeckte die nach ihm benannte «Mintrop Welle», eine elastische Kopfwelle an geologischen Schichtgrenzen. Mitglied der Leopoldina.

minus, Zeichen: a) Rechenzeichen für die Subtraktion;

b) Vorzeichen für negative Zahlen.

Minuskeln: Kleinbuchstaben im Unterschied zu den Majuskeln, bei Druckschriften auch Gemeine genannt. Die Minuskelschrift, die sich als kleinformatige Buchschrift mit Ober- und Unterlängen aus der Majuskelschrift im 3./4. Jahrhundert entwickelte, wurde zum Ausgangspunkt der mittelalterlichen Schriftentwicklung.

minuziös, minutiös (beide französisch): peinlich genau; jede Einzelheit berücksichtigend.

Minz, Alexander Lwowitsch, 8.1.1895-29.12.1974, sowjetischer Hochfrequenztechniker, arbeitete über Theorie der Modulation hochfrequenter Schwingungen, entwickelte neue Richtantennen und wendete die Hochfrequenztechnik in Beschleunigern für Elementarteilchen an.

Miosis: Pupillenverengung durch Licht, Medikamente, Vagusreizung oder Sympathikus Lähmung. Auch im Schlaf verengt sich die Pupille (der Vagotonus ist gesteigert).

Miotika: pupillenverengende Arzneimittel, zum Beispiel Pilokarpin, Physostigmin. Miotika werden unter anderem zur Behandlung des Glaukoms eingesetzt.

Miozän: (dat. griechisch) ältere Abteilung des Neogens, Stufe des oberen Tertiärs; siehe auch geologische Systeme.

Miquel, Johannes von, 19.2.1828-8.9.1901, Bankier und Politiker, gehörte zeitweise dem Bund der Kommunisten an, vertrat dann bürgerliche Positionen und wurde 1859 Mitbegründer des Nationalvereins und 1867 der Nationalliberalen Partei, deren Führung er angehörte; 1890/91 war Miquel preußischer Finanzminister.

Mir: (russisch, «Frieden», «Welt») 1. Mir: im zaristischen Russland Dorfgemeinschaft mit Gemeinbesitz an Grund und Boden, der periodisch zur Einzelnutzung verteilt wurde, sowie gemeinsamer Steuerhaftung. Der Mir bestand trotz der kapitalistischen Agrargesetze P. A. Stolypins (1906/10) weiter.

2. Raumfahrt auf der Basis von Salut 7 entwickelte und am 20.2.1986 gestartete sowjetische Raumstation einer neuen Generation mit Kopplungsmöglichkeit für 6 Raumflugkörper (und damit Erweiterungsmöglichkeit zum Orbitalkomplex) sowie verbesserter gerätetechnische und aufenthaltsgünstigerer Ausrüstung. Bis zu 6 Raumfahrer können ständig in der Raumstation arbeiten.

Mira: (dat., «wunderbarer Stern)») verändert. Stern im Sternbild Walfisch, ein roter Riesenstern. Seine Helligkeit schwankt zwischen 2“ und 10” mit einer Periode von etwa 330 Tagen.

Mira Bai, 1498-1547, indische Bhakti-Lyrikerin; schrieb im Hindi-Dialekt Braj Bhasha, in Rajasthani und Gujarati. Ihre vor allem dem göttlichen Helden Krishna gewidmeten Verse spiegeln die damaligen indischen Lebensverhältnisse realistisch wider und sind bis heute sehr beliebt; bedeutendstes Werk ist die Gedichtsammlung «Padavali».

Mirabeau, Honoré Gabriel Victor Riqueti, Comte de, 9.3.1749—2.4.1791, französischer Politiker; veröffentlichte vor der Französischen Revolution antifeudale Pamphlete, wurde 1789 Abgeordneter des Dritten Standes; als führender Ideologe der Großbourgeoisie und des liberalen Adels strebte er einen Klassenkompromiss mit der Monarchie an; versuchte angesichts des Drucks der Volksbewegung, die konstitutionelle Monarchie zu festigen, trat in den Dienst des Hofes und deckte dessen konterrevolutionäre Umtriebe.

Mirabelle, Prunus domestica subsp. syriaca: Pflaumensorte mit kleinen, kugeligen, gelben Früchten.

Mirabilit, Glaubersalz (nach J. R. Glauber): Mineral, wasserhaltiges Natriumsulfat; Kristallsystem monoklin, farblos, durchsichtig, Härte 1,5 bis 2, Dichte 1,5 g/cm3; Vorkommen in Sulfat reichen Salzseen und Salzlagern.

Miracidium: (lateinisch griechisch) erstes Larvenstadium der Leberegel und anderer Saugwürmer. Das mikroskopisch kleine, bewimperte Miracidium schlüpft im Wasser aus dem Ei, dringt in ein Weichtier (meist Schnecke) ein und entwickelt sich zur Sporozyste.

Miranda, Francisco de, 28.3.1750-14.7.1816, venezolanischer Revolutionär; Freimaurer, Vorkämpfer der Unabhängigkeit von spanischen Kolonialherrschaft; nahm am nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg sowie an der Französischen Revolution teil; 1810 Führer des venezolanischen Unabhängigkeitskampfes, 1811 Oberhaupt der 1. Republik, geriet 1812 in Gefangenschaft und starb in den Kasematten von Cádiz.

Mirastern: (nach dem Stern Mira) ein Typ langperiodischer Veränderlicher Mirastern sind kühle Riesensterne mit etwa 300fachem Sonnendurchmesser. Die Helligkeitsschwankungen mit Perioden von 80 bis 1000 Tagen und Amplituden von 2,5 bis 8 Größenklassen werden durch Pulsation des ganzen Sterns verursacht. Die Mirasterne sind von ausgedehnten Hüllen abströmender Materie (Sternwind) umgeben.

Mir Iskusstwa, (russisch, «Welt der Kunst») russisch: Name einer von 1899 bis 1904 in Petersburg erscheinenden Zeitschrift sowie einer Künstlergruppe, der S. P. Djagilew, A. N. Benois, L. S. Bakst, K. A. Somow unter anderem angehörten, die in einer der Art Nouveau und dem Jugendstil vergleichbaren Formensprache zum Teil retrospektiv orientierte Werke zu Themen aus dem Leben des 18. Jahrhundert schufen. Besondere Leistungen liegen neben Historienbild, Porträt und Landschaft auf dem Gebiet des Bühnenbildes und der Buchgestaltung vor.

Mirny, Panas, eigentlich Afanassi Rodtschenko, 13.5.1849-28.1.1920, ukrainischer Schriftsteller; einer der Begründer des realistischen ukrainischen Gesellschaftsromans; stellte die sozialen Gegensätze im Kapitalismus dar («Die Dime», 4 Bände, 1883/1928; «Das alte und das heutige Elend», 1897).

Miro, Joan, 20.4.1893-25.12.1983, spanischer Maler und Keramiker; Kompositionen von kräftigem Kolorit mit teils sehr lyrischen, häufig aber auch formal stark reduzierten, groß ins Bild gesetzten Zeichen. 1925 mit dem französischen Maler und Graphiker A. Masson Manifest des Surrealismus; 1937 entstanden Wanddekorationen für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung und Plakate («Helft Spanien!»); außerdem mehrere Wandgestaltungen (unter anderem im UNESCO-Gebäude in Paris und in den USA). Starkes Engagement für die Spanische Republik. 1940 Übersiedlung nach Palma de Mallorca.

MIRV: (Abkürzung für Multiple Independently Reentry Vehicle) selbständig zielsuchender Mehrfachsprengkopf. MIRV werden als Mehrfachsprengköpfe der 2. Generation bezeichnet. Siehe auch MRV, MARV.

Misanthrop: (griechisch) Menschenhasser, -feind.

Mischanlage, Betonaufbereitungsanlage, Abkürzung BAA: Gerätekomplex zur Herstellung von Mörtel und Beton mit Lager (Silo) für Bindemittel und Zuschlag- beziehungsweise Füllstoffe, automatisch gesteuerter Dosiereinrichtung und Mischer.

Mischbau: Baumethode, bei der bestimmte Teile eines Bauwerkes monolithisch und andere im Montagebau errichtet werden, zum Beispiel Lift-Stab-Methode.

Mischbinder: hydraulische Bindemittel, die durch Vermahlen ausgewählter Schlacken oder Aschen (Aschenbinder) mit Anregern (Kalk, Gips, Zementklinker) hergestellt werden. Mischbindermörtel erreichen Festigkeiten von 15 N/mm2.

Mischen: verfahrenstechnischer Grundprozess, durch den eine gleichmäßigere Verteilung aller die Mischung aufbauenden Komponenten zu einem mehr oder weniger homogenen Stoffsystem angestrebt wird. Mischprozesse dienen zur Vorbereitung des Gutes für nachfolgende Prozesse (zum Beispiel Agglomeration) beziehungsweise zur Erhöhung der Gebrauchswerteigenschaften für Absatzprodukte. Für die Mischtechnik stehen vielfältige Mischapparate, wie Freifallmischer, Zwangsmischer (Kneter) für feste Stoffe, Mischdüsen für Gase sowie Rührer und pneumatischer Mischer für Flüssigkeiten zur Verfügung.

Mischer:

1. Bautechnik: Gerät zur gleichmäßigen Verteilung verschiedener Stoffe zu Gemengen, zum Beispiel Betonmischmaschine.

2. Fernsehtechnik: Konverter.

Mischfutter: industriell aus protein- und energiereichen Konzentraten sowie Mineral- und Wirkstoffen hergestellte standardisierte Futtermischungen.

Mischholzart: Holzart, die der Hauptholzart eines Waldbestandes beigemischt ist.

Mischkristall: Kristall, der in seinem Gitter fremde Ionen oder Atome in statistischer Verteilung enthält, die chemisch nahe verwandt und deren Radien fast gleich sind. Es gibt Kristall arten mit vollständiger Mischbarkeit, zum Beispiel die Plagioklase und Olivine, und solche mit nur teilweiser Mischbarkeit, zum Beispiel Kaliumchlorid und Kaliumjodid. Bei Metalllegierungen ist die Mischkristallbildung meist nur bis zu einem bestimmten Gehalt des Fremdelementes möglich, dann kommt es zur Bildung von intermetallischen Phasen oder Eutektika.

Mischkultur: landwirtschaftlicher Anbau mehrerer Pflanzenarten zur gleichen Zeit auf derselben Fläche; siehe auch Reinkultur.

Mischlichtlampe: Lampe mit 2 verschiedenen Lichterzeugungsprinzipien in einem Kolben zur Verbesserung der Farbwiedergabeeigenschaften.

Mischpult:

1. Filmtechnik: pultartige filmtechnische Einrichtung, mit der der Tonmeister die meist zu verschiedenen Zeiten auf Magnetband beziehungsweise -film aufgezeichneten Schallereignisse (Sprache, Geräusche, Musik) auf einem Film, dem gemischten Magnetfilm, vereint. Siehe auch Magnettonfilmverfahren.

2. Rundfunk und Fernsehen: pultähnliche Anordnung im Regieraum eines Studios. Am Bildmischpult erfolgt die Auswahl des zu sendenden Bildes aus den Kontrollbildern der Kameras und Bildspeicher, am Tonmischpult die Auswahl der Tonsignale von verschiedenen Mikrophonen und Tonspeichern.

Mischsprachen: durch lange währenden Kontakt zweier ethnischer Gruppen entstandene Sprachen, in denen Wortschatz und Grammatik beider Ausgangssysteme vermischt sind; entstanden oft als Verkehrssprachen auf der Grundlage der Sprache der ehemaligen Kolonisatoren, nach der Unabhängigkeit beibehalten und gefordert (zum Beispiel Pidgin-English in Südostasien, kreolische Sprachen in Afrika und Südamerika).

Mischturm: Mischanlage zur Betonherstellung mit vertikalem Aufbau.

Mischungsproblem: Aufgabe der Linearoptimierung, aus verschiedenen Ausgangsmaterialien, die sich aus mehreren Grundbestandteilen zusammensetzen, eine vorgegebene Menge einer Mischung so zusammenzustellen, dass sie vorgegebene Eigenschaften hat und zum Beispiel die Kosten des Gemischs minimal werden; zum Beispiel bei Futtermischungen.

Mischungsregel: Kalorik Regel zum Berechnen der Temperatur t, die sich einstellt, wenn 2 Stoffe mit den Massen mh m2, den spezifischen Wärmekapazitäten C), c2 und den Temperaturen tu t2 ohne Wärmeverlust oder -zufuhr gemischt werden.

Mischungsverhältnis: Verhältnis zwischen Bindemittel und Zuschlagstoffen bei Beton und Mörtel in Masse- oder Raumteilen (Bindemittel = 1).

Miserere Pat., («Erbarme dich!»):

1. Medizin: Koterbrechen bei Darmverschluss.

2. Religion: Bezeichnung des Bußpsalms 51,3 (evangelische Zählung) des Alten Testaments nach seinem (lateinischen) Anfangswort.

Mises, Richard Edler von, 19.4.1883-14.7.1953, österreichischer Mathematiker; arbeitete über die Theorie des Fluges und versuchte, die Wahrscheinlichkeitsrechnung auf der Basis einer Häufigkeitskonzeption zu begründen; Gründer der «Zeitschrift für angewandte Mathematik und Mechanik» (1921).

Mispel, Mespilus germanica: zu den Rosengewächsen gehörender baumartiger Strauch aus Vorderasien mit großen weißen Blüten, aus denen rauschalige, braune Sammelfrüchte (Steinäpfel) hervorgehen; im Mittelalter als Obstbaum kultiviert, heute Ziergehölz.

Missbrauch: der sozialistischen Moral beziehungsweise berechtigten gesellschaftlichen Interessen zuwiderlaufende Ausübung eines Rechts.

Mission: 1. allgemein Sendung, ehrenvoller Auftrag; Bestimmung; Gesandtschaft; Gruppe von Beauftragten (einer Regierung) im Ausland.

2. Religion: Aussendung von «Boten» (Missionare; Männer und Frauen) zur Gewinnung der Nichtchristen für den christlichen Glauben.

Mississauga: Stadt in Kanada, im Südosten der Provinz Ontario, am Westufer des Ontariosees, südwestlich von Toronto; 250000 Einwohner; Flugzeug-, Maschinen-, Turbinenbau, chemische, pharmazeutische Industrie; Hafen, internationaler Flughafen von Toronto; College (Zweigstelle der Universität von Toronto).

Mississippi: 1. Mississippi: größter Strom Nordamerikas, in den USA; 3779 km, Einzugsgebiet 3,222 Millionen km2; tritt westlich vom Oberen See in nur 510 m Höhe aus dem Itascasee (Minnesota) aus, durchfließt das Zentrale Tiefland und mündet mit einem 36000 km2 großen, jährlich um etwa 200 m in das Meer hinauswachsenden Delta mit 6 zwischen 12 und 15 km langen Hauptarmen in den Golf von Mexiko; ab Cairo auf 1800 km Länge bis zur Mündung Dammuferfluss; zahlreiche Anlagen zur Flussregulierung und für den Hochwasserschutz. Nebenflüsse: links Wisconsin, Illinois, Ohio; rechts Des Moines, Missouri, Arkansas, Red River, bis Minneapolis auf einer Länge von 3130 km schiffbar; durch Kanäle mit den Großen Seen verbunden. Haupthäfen: New Orleans (für Seeschiffe erreichbar), Baton Rouge, Memphis, Saint Louis, Minneapolis-Saint Paul unter anderem

2. Mississippi, Abkürzung Miss.: Bundesstaat im Süden der USA östlich des Unterlaufes des Mississippi 1; 123515 km2, 2,5 Millionen Einwohner (37% Afroamerikaner); 20 Einwohner/km2; Hauptstadt Jackson. Größtenteils Golfküstenebene, nach Nordosten in das hügelige Vorland der Appalachen übergehend; feuchtes subtropisches Klima, zu 56% bewaldet. Die Landwirtschaft ist Hauptwirtschaftszweig, in der über 50% der Bevölkerung beschäftigt sind (Saisonarbeit, Tagelöhner, niedrige Löhne). Anbau von Baumwolle, Sojabohnen, Reis, Erdnüssen, Zuckerrohr, Futtergräsern; Fleischrind- und Geflügelzucht; Erdöl-, Erdgasforderung und -Verarbeitung, Lebensmittel-, Textil-, Holz-, Zement-, chemische, elektronische Industrie; bedeutende Küstenschifffahrt.

Misskredit: schlechter Ruf; mangelndes Vertrauen oder Ansehen.

Missouri: 1. Missouri: rechter und längster Nebenfluss des Mississippi, in den USA; 3726 km, Einzugsgebiet 1,37 Millionen km2; entspringt mit 3 Quellflüssen (Jefferson, Madison, Gallatin) im nördlichen Felsengebirge (Montana), tritt unterhalb der Great Falls mit vielen Stromschnellen aus dem Gebirge, durchfließt die Hochfläche der Prärie und mündet oberhalb von Saint Louis; Nebenflüsse: rechts Yellowstone, Platte, Kansas; links Milk, James. Bis Omaha durchgehend schiffbar; oberhalb zahlreiche Stauseen (unter anderem Oahe 1520 km2, Sakakawea 1488 km2, Fort Peck 999 km2) zur Flussregulierung, Elektroenergiegewinnung und Bewässerung.

2. Missouri, Abkürzung Mo.: Bundesstaat im Zentrum der USA, westlich des Mittellaufes des Mississippi; 180516 km2, 4,9 Millionen Einwohner (10% Afroamerikaner); 27 Einwohner/km2; Hauptstadt Jefferson City. Im Norden und Zentrum wellige Prärie, im Südwesten das bewaldete Ozark Plateau, bis 540 m hoch; gemäßigtes Kontinentalklima. Entwickelter Industrie-Agrar-Staat mit Blei-, Zink-, Eisen-, Kupfererzbergbau, Erdölförderung; Nutzung von Hydroenergie; Maschinenbau, Lebensmittel-, Elektro-, Leicht- und chemische Industrie; Hauptindustriezentren Saint Louis und Kansas City. In der Landwirtschaft Anbau von Sojabohnen, Tabak, Obst, Mais, Reis, Baumwolle; Milchrind-, Fleischrind- und Schweinezucht. Günstige natürliche Transportwege (Mississippi, Missouri); Tourismus.

Missouri Kompromiss: Gesetz der USA von 1820, das die Sklaverei in den Staaten nördlich von 36°30', Missouri ausgenommen, verbot.

Misstrauensvotum: Ausdruck der Missbilligung; in der Regel mit absoluter Mehrheit gefasster Parlamentsbeschluss, der der Regierung in ihrer Gesamtheit oder einem Regierungsmitglied das Vertrauen entzieht und deren beziehungsweise dessen Rücktritt zur Folge hat. Nach Artikel 50 der Verfassung der DDR kann die Volkskammer den Ministerrat oder eines seiner Mitglieder jederzeit abberufen. Siehe auch Vertrauensfrage.

Mistel, Viscum: Gattung immergrüner Halbschmarotzersträucher der Familie Mistelgewächse mit weißen Beeren; die Laubholz-Mistel (Viscum album) lebt nur auf Laub-, die Nadelholz-Mistel (Viscum laxum) nur auf Nadelbäumen. Die Mistel wird medizinisch genutzt.

Mister, (englisch französisch) Abkürzung Mr.: Herr; Englisch Anrede in Verbindung mit dem Familiennamen oder der Amtsbezeichnung.

Mistkäfer, Geotrupidae: Käferfamilie mit stahlblauen bis schwarzen, rundlich plumpen Arten; Vollinsekten vergraben Kot (besonders von Huftieren) in Erdgänge als Nahrung für die Larven (Brutfürsorge). Siehe auch Pillendreher, Käfer.

Mistra, Mistras: griechische Ruinenstadt nordwestlich des antiken Sparta; kunstgeschichtlich wertvoll sind Paläste und Bürgerhäuser als Zeugnisse der byzantinischen Profanarchitektur aus der Zeit 1282 bis 1460, als Mistra Sitz des byzantinischen Statthalters war.

Mistral: kalter, trockener, bisweilen stürm. Nordwind (Fallwind) im Rhonetal und in der Provence.

Mistral: 1. Frédéric Mistral, 8.9.1830-25.3.1914, französischer (provenzalischer) Dichter; Hauptvertreter der Bewegung des «Félibrige», die die Neubelebung des Provenzalischen zur Literatursprache erstrebte; verfasste folkloristische Dichtungen («Mirèio», 1859, deutsch, unter anderem) sowie ein neuprovenzalisches Wörterbuch.

2. Gabriela Mistral, 7.4.1889-10.1.1957, chilenische Lyrikerin; gestaltete in ihren von Liebe zu den einfachen Menschen und ihrer Heimat erfüllten Gedichten ein oft verzweifeltes Ringen um die Bewahrung menschlicher Integrität («Trostlosigkeit», 1922; «Verwüstung», 1938).

Misurata, Misrata: Bezirksstadt in Libyen, östlich von Tripolis, am Mittelmeer, 105000 Einwohner; aufstrebendes Industriezentrum mit Eisen- und Stahlwerk (auf Erdgasbasis); Teppichknüpferei. Bei Mistral neuer Hochseehafen Qasr Ahmed.

Miszellen, Miszellaneen (beide lateinisch): Vermischtes; kleine Aufsätze, besonders in wissenschaftlichen Zeitschriften.

Mita: ursprünglich Form der Gemeinschaftsarbeit im vorkolonialen Amerika, dann Form feudaler Zwangsarbeit der Indianer im spanischen-amerikanischen Kolonialreich; eine wesentliche Ursache für das Massensterben der Indianer, im 18. Jahrhundert formell aufgehoben.

Mitanni: altorientalischer Staat im Nordwesten Mesopotamiens, im 15. Jahrhundert vor Christus von den aus Armenien kommenden Churri gegründet; Hauptstadt Waschschukanni. Mitanni unterhielt, besonders mit Ägypten, umfangreiche Handelsbeziehungen. Es erlag im 14. Jahrhundert vor Christus den permanenten Angriffen der Hethiter und wurde schließlich ein hethitischer Vasallenstaat; später fiel Mitanni in die Hände der Assyrer.

Mitbenutzungsrecht: mit dem Nutzungsberechtigten eines Grundstücks vereinbartes Recht zur Mitbenutzung seines Grundstücks (zum Beispiel Einräumung von Wegerechten oder Überfahrtsrechten) bedarf, falls es nicht vorübergehend ausgeübt wird, eines schriftlichen Vertrages sowie der Zustimmung des Eigentümers des mitzubenutzenden Grundstücks und kann im Grundbuch eingetragen werden; unter Umständen kann die Einräumung eines Mitbenutzungsrecht verlangt werden.

Mitchel, John, 3.11.1815-20.3.1875, irischer revolutionärer Demokrat; forderte als Mitbegründer der Ir. Konföderation (1847) an der Spitze ihres linken Flügels den bewaffneten Kampf für eine unabhängige irische Republik; 1848 deportiert, nach seiner Flucht (1853) war er bis 1874 für die irische Befreiungsbewegung publizistisch in den USA tätig.

Mitchell: 1. Charlene, geboren 1930, US-amerikanische Arbeiterführerin; Mitglied der KP seit 1946, ihres Nationalkomitees seit 1957; aktive Kämpferin für Bürgerrechte der Afroamerikaner; 1968 Kandidatin der KP zur Wahl des Vizepräsidenten der USA; Exekutivsekretär des Landesverbandes gegen Rassische und Politische Unterdrückung (englisch Abkürzung NAARPR).

2. James Leslie - Gibbon.

3. Margaret, 8.11.1900-16.8.1949 (Autounfall), US-amerikanische Schriftstellerin; schildert in dem spannenden Roman «Vom Winde verweht» (1936, deutsch) die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs aus der reaktionären Sicht der herrschenden Klasse des alten sklavenbesitzenden Südens.

Miteigentum:

1. Recht: gemeinschaftlicher Eigentum an einem Grundstück, Gebäude oder einer anderen Sache, das mehreren zu bestimmten Anteilen (Bruchteilen, Quoten) zusteht und von ihnen gemeinsam verwaltet wird. Ist die Größe der Anteile nicht bestimmt, sind sie gleich. Jeder Miteigentümer kann seinen Anteil veräußern, jedoch steht den anderen bei einer Veräußerung an nicht zur Eigentumsgemeinschaft gehörende Dritte grundsätzlich ein vertraglich ausschließbares Vorkaufsrecht zu. Über die Sache insgesamt können die Miteigentümer nur gemeinsam verfügen.

2. Wirtschaft: von der Monopolbourgeoisie und ihren Ideologen verwendetes Schlagwort im Rahmen einer propagierten und zum Teil praktizierten demagogischen Politik der «Eigentumsbildung in Arbeiterhand». Die Verfechter des Miteigentums behaupten, dass durch das Miteigentum in Form von Klein- oder Volksaktie Investmentzertifikaten, Investivlohn u. ä. eine Änderung der Eigentumsverhältnisse herbeigeführt und der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit aufgehoben werden würde. In Wirklichkeit ändert das Miteigentum nichts an den kapitalistischen Eigentums- und Machtverhältnissen; es verleiht keine Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel, befreit die Lohnarbeiter nicht von dem ökonomischen Zwang, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, sich ausbeuten zu lassen und bewahrt sie auch nicht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Das Miteigentum stellt de facto die Umwandlung eines Teils des Lohnfonds in einen Akkumulationsfonds des Kapitals dar, verschleiert die Ausbeutung, erzeugt eine Kleineigentümerideologie und erschwert den Kampf der Arbeiter um die Macht, durch den allein die Eigentumsfrage im Interesse der Arbeiterklasse gelöst werden kann.

Mitesser, Komedonen: durch übermäßige Verhornung des Epithels der Haartrichter entstehende Talganhäufung in den Ausführungsgängen der Talgdrüsen. Mitesser sind als schwarze Punkte auf der Haut sichtbar und lassen sich durch Ausdrücken entfernen.

Mitführungskoeffizient: von A. J. Fresnel 1818 angegebener und von A. Fizeau 1851 experimentell bestimmter Faktor in der Formel d = c/n + Fv für die resultierende Lichtgeschwindigkeit c' in einem Medium mit der Brechzahl n, das mit der Geschwindigkeit v « c strömt (c Vakuumlichtgeschwindigkeit). Die Lichtgeschwindigkeit c/n im ruhenden Medium wird also nicht einfach zu v addiert, das heißt das Licht wird durch das strömende Medium in gewissem Sinne «mitgeführt»; F ergibt sich aus dem Additionstheorem der Geschwindigkeiten.

Mithra, altiranischer Gott der Vertragstreue und des Lichtes, verwandt mit dem altindischen Gott Mitra, der als Hüter der menschlichen und kosmische Ordnung galt. Als stiertötender Mithras römischer Sonnen- und Mysterien Gott, besonders im Heer verehrt.

Mithridates VI. Eupator, um 132 - 63 vor Christus (Selbsttötung), König von Pontos seit 111. Bei seinem Vorhaben, sein Reich in Kleinasien zu erweitern, stieß er mit römischen Interessen zusammen. Führte mit den Römern mit wechselndem Erfolg 3 Kriege (88/84, 83/81, 74/63) und wurde schließlich besiegt.

Mitidja, Mitidscha: küstennahe Ebene in Algerien, im Küstenatlas; etwa 2000 km2 ehemaliges Sumpfland, zu einem Wein-, Gemüse- und Obstbaugebiet umgewandelt.

Mitla: (mictlan, «Ort der Toten») altmexikanische Ruinenstätte im Staat Oaxaca; 12./14. Jahrhundert Zentrum zapotekischer Kultur, Grabkammern, Palast- und Tempelanlagen mit reichverzierter Wandgestaltung. S. a. Zapoteken.

Mito: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Ibaraki, im mittleren Teil der Insel Honshu, im Nordosten der Kanto-Ebene; 220000 Einwohner; Textilindustrie; Universität.

Mitochondrien, früher Chondrosomen: kugelige bis röhrenförmige Organellen im Zytoplasma tierischer und pflanzlicher Zellen. Die Wandung der Mitochondrien besteht aus 2 Membranen (Elementarmembranen), deren innere eingestülpt ist. Nach der Form der Einstülpung klassifiziert man blattartige Christae, röhrenförmige Tubuli und taschenartige Sacculi. Mitochondrien enthalten alle Enzyme, die die Zellatmung katalysieren und eine Speicherung gewonnener Energie in energiereichen Phosphaten (ATP) ermöglichen. Stoffwechselaktive Zellen besitzen besonders viele Mitochondrien

Mitose: häufigste Form der Zellvermehrung, verbunden mit dem Sichtbarwerden von Kernfäden (Chromosomen). Die Mitose beginnt, im Unterschied zur Amitose, mit einer indirekten Kernteilung (Karyokinese), meist gefolgt von einer Teilung des Zellkörpers. Kernteilungsstadien sind Prophase: aus dem Chromatin des Interphasekerns bilden sich die Chromosomen heraus. Im Zytoplasma beginnt mit der Wanderung der beiden Zentriolen zu entgegengesetzten Zellpolen die Ausbildung der Spindel. Gegen Ende dieser Phase werden der Nukleolus und die Kernmembran aufgelöst; Metaphase: Abschluss der sternförmigen Anordnung der (in je 2 Chromatiden gespaltenen) Chromosomen in der Äquatorialebene der ausgebildeten Teilungsspindel; Anaphase: die Chromatiden werden durch die an ihren Zentromeren ansetzenden Spindelfasern (Mikrotubuli) voneinander getrennt und zunehmend nach entgegengesetzten Spindelpolen bewegt. Die Gruppen von Tochterchromosomen (Chromatiden) sind genetisch völlig gleichwertig (Äquationsteilung); Telophase: beide Chromosomengruppen formieren an den Zellpolen je einen Tochterkern; die Chromosomen verschwinden als sichtbare Gebilde. Die Teilung des Zellleibes in der Telophase führt zur Abgrenzung gleichwertiger Tochterzellen. Der Telophase schließt sich ein Stadium der Teilungsruhe (Interphase) an. Im Zellkern (Arbeitskern) werden die Chromatiden (Tochterchromosomen) der vorangegangenen Mitose durch identische Reduplikation der DNS zu Chromosomen mit wiederum je 2 Chromatiden (Voraussetzung für die folgende Mitose) komplettiert.

Mitosegifte: die normale Zellteilung hemmende chemische Substanzen. Mitosegifte werden in der Pflanzenzüchtung und Medizin verwendet; zum Beispiel Colchicin Derivate zur Geschwulstbehandlung.

Mitra: 1. altorientalische Kopfbinde oder hohe Mütze als Herrschaftszeichen; später Kopfbinde der griechischen und römischen Frauen.

2. Mitra, Inful: Kopfbedeckung hoher katholische Würdenträger (Bischofsmütze).

Mitralklappe: zweizipflige Segelklappe zwischen linkem Vorhof und linker Kammer des menschlichen Herzens.

Mitre, Bartolomé, 26.6.1821 - 19.1.1906, argentinischer Politiker, General, Diplomat und Historiker; hatte entscheidenden Anteil am Sturz der Rosas Diktatur (1852) und an der Konsolidierung der nationalstaatlichen Einheit Argentiniens. Unter seiner Präsidentschaft (1862/68) wuchs der britische Einfluss.

Mitscherlich: 1. Alexander Mitscherlich, 28.5.1836 - 31.5.1918, Chemiker; entwickelte die Technik des Sulfitverfahrens zur Zellstoffherstellung und führte es in die Großproduktion ein.

2. Eilhard Alfred Mitscherlich, 29.8.1874-3.2.1956, Agrikulturchemiker; Sohn von Mitscherlich 1; arbeitete über Bodenkunde, Pflanzenphysiologie und Düngung; formulierte das Wirkungsgesetz der Wachstumsfaktoren.

Mitschurin, Iwan Wladimirowitsch, 27.10.1855-7.6.1935, russischer Pflanzenzüchter und Biologe; schuf mehr als 300 besonders frostfeste hochwertige Obstsorten unter Anwendung von ihm entwickelter Methoden (vegetative Hybridisation, Kreuzung von Sorten aus geographisch weit entfernten Gebieten); dadurch erheb! Verschiebung der Obstbaugrenze nach Norden möglich.

Mitschurinsk: Stadt im Gebiet Tambow; früher Koslow, 105000 Einwohner; Maschinenbau, Metallverarbeitung, Lebensmittel-, Leichtindustrie; Zentrales Genet. Laboratorium, Forschungsinstitut für Obstbau (Wirkungsstätte I. W. Mitschurins); 2 Hochschulen; Theater, Museen.

Mitta, Alexander Naumowitsch, geboren 28.3.1933, sowjetischer Filmregisseur; schuf unter anderem die Filme «Tanja sucht Freunde», «Leuchte, mein Stern, leuchte», «Punkt, Punkt, Komma...», «Moskau, meine Liebe», «Wie Zar Peter seinen Mohren verheiratete», «Flug durchs Feuer».

Mittag: Zeitpunkt der oberen Kulmination der Sonne (12 Uhr Ortszeit). Je nachdem, ob es sich um die wahre oder die mittlere Sonne handelt, unterscheidet man den wahren und den mittleren Mittag Er ist Anfang des astronomischen Tages bei der Zeitrechnung nach dem Julian. Datum.

Mittagsblume, Dorotheanthus: in Südafrika beheimatete Gattung krautiger, meist am Boden kriechender Pflanzen mit sukkulenten Blättern und weißen, gelblichen, rötlichen oder lilafarbenen Blüten.

Mittelböhmischer Bezirk: Verwaltungseinheit der CSSR, im Zentrum des von Elbe und Vltava durchflossenen Böhm. Beckens; ohne die selbständige Verwaltungseinheit Prag 11003 km2, 1,1 Millionen Einwohner; 100 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Prag. Überwiegend Hügelland und stärker gegliedertes Bergland; beiderseits der Elbe ausgedehntes Tiefland. Bedeutendster Industriebezirk der SSR, vor allem Maschinenbau; Industriestandorte Prag, Kladno (Steinkohlenbergbau und Hüttenindustrie), Mlada Boleslav (Fahrzeugbau), Kolin (Maschinenbau, Chemieindustrie). Bedeutende Landwirtschaft mit bevorzugtem Anbau von Zuckerrüben (besonders beiderseits der Elbeniederung), Weizen, Öl- und Futterpflanzen sowie Hopfen.

Mittelchile: Großlandschaft in Chile, etwa zwischen 31° und 37° südliche Breite; umfasst Teile der Küsten- und Hochkordillere; subtropisches Klima mit Sommertrockenheit und Winterregen; wirtschaftlich wichtigster Landesteil mit zahlreichen Industrie- und Bergbaustandorten sowie einer vielseitigen Landwirtschaft.

Mitteldarmdrüse, Hepatopancreas: Drüse am Mitteldarm wirbelloser Tiere, deren Sekret die Eigenschaften der Galle und des Bauchspeichels der Wirbeltiere besitzt.

Mitteldecker: Flugzeug, bei dem die Tragflächen in mittlerer Höhe am Rumpf befestigt sind beziehungsweise durch diesen hindurchgehen.

Mitteleuropa: uneinheitlich abgegrenzter und oft nur unter politischen Gesichtspunkten behandelter Mittelteil Europas; in geographischer Sicht ein Gebiet, das im Norden von Nord- und Ostsee, im Süden von Zentralalpen und Westkarpaten begrenzt wird und im Westen bis zum Schweizer Jura, zu den Vogesen und Ardennen, im Osten bis zum Bug und zu der Pojezierze Mazurskie reicht; vielfältig im geotektonischen Bau; klimatisch in der Übergangszone zwischen maritimem West- und kontinentalem Osteuropa, zwischen kühlgemäßigtem Nord- und mediterranem Südeuropa.

Mitteleuropäisches Tiefland: glazial geprägte Region nördlich der Mittelgebirge, erstreckt sich von der flandrische Küste im Westen bis zum Ostrand der Pojezierze Mazurskie und dem Bug im Osten; politisch zu Frankreich, Belgien, den Niederlanden, der BRD, der DDR und Polen gehörend, von Rhein, Elbe, Oder und Wisla durchflossen; gegliedert in das nordwestliche Flachland, das nordöstliche Tiefland und die Lösszone. Im nordwestlichen Flachland folgen auf die fruchtbaren See- und Flussmarschen weiter nach dem Landesinnern Moor und Geest (Altmoränen). Die Nordseeküste wurde durch Transgression geformt (Buchten, Düneninseln). Auch das Küstengebiet des nordöstlichen Tieflandes wurde durch Transgression gestaltet (Förden, Bodden). Nach Süden schließt sich die Grund- und Endmoränenlandschaft des seenreichen Baltischen (Nördlicher) Landrückens (Jungmoränen) an, gefolgt von der Zone der Urstromtäler und Grundmoränenplatten und dem aus Endmoränen (Altmoränen) aufgebauten südlichen Landrücken. Dem Mittelgebirgsrand vorgelagert ist die landwirtschaftlich intensiv genutzte Lösszone (Bördenzone). Tieflandsbuchten (Niederrheinische, Westfälische, Halle-Leipziger-Tieflandsbucht) greifen ins Mittelgebirge ein. Reiche Bodenschätze (Stein- und Braunkohle, Salze) und gute Verkehrsbedingungen begünstigten in diesen Gebieten die Entstehung von Industrie- und Siedlungszentren (Ruhrgebiet, Halle-Leipziger-Industriegebiet, GOP unter anderem).

Mittelformatkamera: fotografische Kamera mit den Aufnahmeformaten größer als 24 mm x 36 mm und kleiner als 90 mm x 120 mm (Mittelformat), bei der als Aufnahmematerial vorzugsweise 6 cm breiter Rollfilm benutzt wird.

Mittelfrequenzmaschine, Mittelfrequenzgenerator. elektrische Maschine zur Erzeugung von Ein- und Mehrphasenwechselströmen mit Frequenzen von 200 bis 30000 Hz. Wechselpoltypen werden bis 3 MVA und 1000 Hz, Gleichpoltypen mit Reluktanzläufer (Lorentz-, Guy-, Interferenzmaschine) bis 1,5 MVA und 15 kHz ausgeführt. Anwendung für industrielle Antriebe bis 100000 min“1, Bordnetze in Flugzeugen, Induktionserwärmung und als Tachogenerator.

Mittelgriechenland: Landesteil Griechenlands, 7 Distrikte umfassend; einschließlich der Insel Euböa, jedoch ohne Athen 24480 km2, 1,1 Millionen Einwohner; 45 Einwohner/ km2; wichtigster Ort Lamia; vorwiegend kahles Gebirgs- und Bergland (bis 2510 m), in fruchtbaren Ebenen und Becken Anbau von Oliven, Wein, Getreide; Abbau von Buntmetallerzen, Bauxit und Marmor; Aluminiumgewinnung.

Mittelhand, Metacarpus: Abschnitt zwischen Handwurzel und Fingern; bildet beim Menschen den leicht gewölbten Handrücken und die Hohlhand (Handteller). Grundlage sind 5 kurze Röhrenknochen, die Mittelhandknochen (Ossa metacarpalia).

Mittelhirn, Mesencephalon (griechisch): zwischen Brücke und Zwischenhirn liegender Hirnabschnitt der Wirbeltiere und des Menschen. Das Mittelhirn enthält Schalt- und Koordinationszentren für die Funktion der Skelettmuskulatur durch optische, akustische und statische Erregungen sowie Steuerungszentren für den Pupillenreflex und die Augenbewegungen.

Mittelitalien: die italienische Regionen Toskana, Umbrien, Marken, Latium, Abruzzi, Molise im mittleren und nördliche Teil der Apenninhalbinsel; 73 576 km2, 12,4 Millionen Einwohner; 169 Einwohner/km2; Tiefland am Arno und Tiber, schmaler Küstensaum am Tyrrhen. Meer, sonst gebirgig (Abruzzen; im Gran Sasso d’Italia bis 2914 m); Tiefland mit entwickelter, sonst extensive Landwirtschaft, Industrie nur in Schwerpunkten (Rom, Florenz, Ancona unter anderem).

Mittelalter, Abkürzung MA.: von den Humanisten geprägter, von der bürgerlichen Geschichtsschreibung aufgenommener Begriff zur Bezeichnung der Periode zwischen Altertum und Neuzeit (476/1492); entspricht in der marxistischen Geschichtswissenschaft im Wesentlichen dem Feudalismus.

Mittellandkanal: Kanal zwischen Bergeshövede am Dortmund-Ems-Kanal (Zugang zu Nordsee und Rhein) und Magdeburg-Rothensee an der Elbe (Verbindungen über Berlin zur Oder); 323 km (DDR-Anteil 66 km); 1905/39 gebaut; für Schiffe bis zu 1000 t; 2 Schleusen, 1 Hebewerk; westlich von Wolfsburg Einmündung des Elbe-Seitenkanals, Abzweig mehrerer Stichkanäle.

Mittellangstand: Form der Anbindehaltung im Rinderstall, bei der die Tiere 2,00 bis 2,20 m Standlänge zur Verfügung haben. Wie beim Kurzstand schließt sich daran eine tieferliegende Kotplatte an. Der Mittellangstand bietet den Tieren mehr Bewegungsfreiheit als der Kurzstand und benötigt weniger Einstreu als der Langstand.

Mittellatein, eigentlich mittelalterliches Latein: die lateinische Sprache während des Mittelalters (6. Jahrhundert bis zur Renaissance). Das Mittellatein diente der gesamten abendländischen Welt als Verkehrssprache, wurde in den Klosterschulen erlernt und in allen Bereichen der Kirche, Verwaltung und Diplomatie sowie der Universitäten gesprochen. Es entwickelte durch Wortneubildung, Bedeutungswandel und syntaktische Veränderung vielfaltige, den neuen gesellschaftliche Inhalten entsprechende Formen. Mit dem Rückgriff auf die klassische Sprachform brachten die Humanisten die rund tausendjährige Sprachentwicklung des Mittellateins zum Stillstand.

mittellateinische Literatur: die über fast ganz Europa verbreitete lateinische Literatur des Mittelalters (6. Jahrhundert bis Renaissance). Das Mittellatein brachte eine sehr umfangreiche und vielfältige, mit selbständiger sprachschöpferischer Lebenskraft begabte Literatur hervor, die im Verlaufe des Mittelalters in fast ganz Europa verbreitet war. Ausgangspunkt und Vorbild war die antik-lateinische Literatur (besonders der Spätantike), deren literarisches Erbe in den traditionellen Formen weiterhin gepflegt wurde, zugleich aber neue gesellschaftlichen Inhalte (Feudalismus, Kirche) erhielt; diese riefen wiederum mannigfache literarische Neuschöpfungen hervor (Sequenz und Tropus, rhythmische Dichtung und Reim, geistliches Drama und Tierepos und so weiter). Die mittellateinische Literatur weist viele Werke von hohem literarischem Rang auf, in denen sich antike und mittelalterliche Wesenszüge zu einem neuen Ganzen verbinden. Die Geschichtsschreibung umfasste Kloster-, Bistums-, Völker-, Reichs- und Zeitgeschichte und gipfelte in der geschichtsphilosophische Weltchronik (Otto von Freising). Die Biographie führte Einhard zu frühem Höhepunkt. Anekdoten- und sagenhafte Stoffe und Sammlungen unhistorischer weltlicher Geschichten (Gesta Romanorum) wie religiöser Legenden gewannen weite Verbreitung. Die wissenschaftliche Fachliteratur trug vorwiegend enzyklopädischen Charakter. Unendlich groß ist die Fülle der exegetisch-theologische Traktate, in deren Mittelpunkt die (lateinische) Bibel (Vulgata) steht, sowie der christlichen Predigten und philosophische Schriften (Scholastik, Mystik), vielgestaltig auch die Briefliteratur. Reich ausgebildet war die mittellateinische Dichtung; Hrotsvit von Gandersheim vertrat das Drama, zu dem die mittelalterlichen Spiele eine eigenständige Parallele bildeten (Ludus de Antichristo). Neben geistlich erzählender Dichtung stand das weltliche Epos (Waltharilied) mit Tierdichtung (Ecbasis captivi, Ysengrimus) und der Versroman (Ruodlieb). Die Lyrik entfaltete sich im weltlichen wie geistlichen Gewand als Vagantendichtung (Carmina Burana) und religiöse Hymnik (Mariendichtung); Lehrgedicht, Spruch-, Scherz-, Rätselgedichte, Märchenepen und poetische Fabeln sowie vielfältige Gelegenheitsgedichte zu verschiedensten aktuellen Anlässen privater und politischer Art waren vertreten. Die mittellateinische Literatur hat mannigfaltig und nachhaltig auf die volkssprachlichen Literaturen Europas eingewirkt,

mittellateinische Philologie: Wissenschaft von der lateinischen Sprache, Literatur und Kultur des Mittelalters; um 1900 als selbständige Disziplin entstanden.

Mittelmächte: im 1. Weltkrieg Bezeichnung für das Bündnis zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn, dem sich 1914 die Türkei und 1915 Bulgarien anschloss (sogenannt Vierbund).

Mittelmeer, Mittelländisches Meer: Nebenmeer des Atlantiks zwischen Südeuropa, Nordafrika und Vorderasien; mit dem Atlantik durch die Straße von Gibraltar, mit dem Schwarzen Meer durch den Bosporus und mit dem Roten Meer durch den Suezkanal verbunden; 2,56 Millionen km2, West-Ost-Ausdehnung 4000 km, Nord-Süd-Ausdehnung 1900 km, Tiefe bis zu 5121 m (südwestlich des Peloponnes); Wassertemperaturen des eigentlich Mittelmeer im Sommer zwischen +22° und 26,5°C, im Winter zwischen +12° und 18°C; Salzgehalt bis 39%o. In den Randgebieten herrscht Mittelmeerklima. Das Mittelmeer füllt ein großes Einbruchsbecken aus, das durch die Apenninhalbinsel und deren Fortsetzung als untermeerische Schwelle mit Sizilien, Malta und Pantelleria in ein West- (Iberisches, Ligurisches, Tyrrhenisches Meer) und ein Ostbecken (Ionisch, Adriatisch, Ägäisches, Levantinische Meer) geteilt wird. Eine besonders starke Gliederung weisen die Küsten des Ägäischen und die Nordostküste des Adriatischen Meeres auf. Wichtigste Inseln und Inselgruppen sind die Balearen, Korsika, Sardinien, Sizilien, Malta, die Dalmatinischen und Ägäischen Inseln, Kreta und Zypern. Noch andauernde rege vulkanischer Tätigkeit in verschiedenen Gebieten ist Ausdruck für Krustenbewegungen in dieser Bruchzone. Die Verdunstung ist größer als der Niederschlag, der Ausgleich erfolgt durch Zustrom aus dem Atlantik. Gezeiten sind nur schwach entwickelt. Durch ständig zunehmende Verschmutzung des Mittelmeer und seiner Küsten Beeinträchtigung von Fauna und Fremdenverkehr. Fang von Thunfischen, Sardinen, Sardellen unter anderem, zurückgehende Schwammfischerei; Meersalzgewinnung; Erdölfunde im Ägäischen Meer; Konzentration des Tourismus (Spanien, Italien), zahlreiche Seebäder, reger Schiffsverkehr, auch als Durchgangsverkehr; bedeutende Häfen Marseille, Genua, Venedig unter anderem

Mittelmeerfruchtfliege, Ceratitis capitata: in südlichen Ländern verbreitete Bohrfliege; nach Mitteleuropa eingeschleppt; Larve schädigt zahlreiche Früchte, zum Beispiel Pfirsich.

Mittelmeerklima, Etesienklima, mediterranes Klima, subtropisches Winterregenklima: ein den im Mittelmeergebiet vorherrschenden Klimaverhältnissen (milde regenreiche Winter, sommerliche Trockenzeit und Dürre) entsprechendes Klima.

Mittelohr: von Schleimhaut ausgekleideter lufthaltiger Raum (Paukenhöhle) des Ohres; enthält die Gehörknöchelchen und steht durch die Eustachische Röhre mit dem Rachen in Verbindung.

Mittelohrentzündung, Otitis media: Entzündung der Schleimhaut des Mittelohrs. Die akute Mittelohrentzündung ist gekennzeichnet durch Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche und seröse, schleimige oder eitrige Absonderung (Ohrenfluss) als Folge von Entzündungen der Nase, des Rachens (tubogene Ursache) oder Infektionskrankheiten (hämatogene Ursache). Die Behandlung erfolgt mit Wärmeapplikation, Parazentese unter anderem. Bei Verschlimmerung greift die Mittelohrentzündung auf die Warzenfortsatzzellen (Mastoiditis), das Labyrinth (Labyrinthentzündung), die Gehirnhäute und benachbarten Hirnblutleiter über, oder es entsteht ein Hirnabszess.

Mittelöl: die bei der Destillation von Steinkohlen- oder Braunkohlenteer zwischen 180 und 230 °C siedende Teerölfraktion. Aus dem Mittelöl des Steinkohlenteers gewinnt man Naphthalin, Phenole und Pyridinbasen; die zurückbleibenden Neutralöle werden als Heizöl eingesetzt. Mittelöl aus Braunkohlenteer wird mit Natronlauge von Phenolen befreit; die anschließende Destillation liefert Dieselkraftstoff und Heizöl.

Mittelpunkt: Symmetriezentrum einer Figur; bei Spiegelung am Mittelpunkt wird die Figur mit sich selbst zur Deckung gebracht; zum Beispiel haben alle Strecken, Kreise, Kugeln, Ellipsen und Parallelogramme einen Mittelpunkt Siehe auch Symmetrie.

Mittelpunktswinkel, Zentriwinkel: bezüglich eines Kreises ein Winkel, dessen Scheitel der Mittelpunkt dieses Kreises ist.

Mittelrussischer Landrücken, Mittelrussische Höhen: glazial überformtes Plateau im zentralen Teil der Osteuropäischen Ebene, zwischen Dnepr im Westen und Don im Osten sowie der mittleren Oka im Norden und Donauplatte im Süden, durchschnittlich 230 bis 250 m, maximal bis 293 m hoch; im Norden Moränen, im Süden Sander; zu 70 bis 80% Ackerland.

Mittelsenkrechte, Mittellot: Gerade, die zu einer gegebenen Strecke rechtwinklig ist und durch deren Mittelpunkt verläuft. Die Mittelsenkrechten eines Dreiecks schneiden sich im Mittelpunkt des Umkreises.

Mittelstreckenlauf: leichtathletische Disziplin; Geschwindigkeitswettbewerbe über Strecken von 800 m bis 1 Meile.

Mittelwasser: arithmetisches Mittel aus den über einen bestimmten Zeitraum hinweg gemessenen Wasserständen. Siehe auch Tidewasserstand.

Mittelwertsatz der Differentialrechnung: Aussage über eine reellwertige Funktion f(x), die im abgeschlossenen Intervall stetig und im offenen Intervall differenzierbar ist. Es gibt dann mindestens eine Stelle, so dass f(b) f(a) = (b a)f'(g) gilt. Dies bedeutet, dass im Bild der Funktion die Sekante durch die Kurvenpunkte mit den Abszissen x = a und x = b parallel ist zur Tangente im Kurvenpunkt mit der Abszisse.

Mittenwald: Marktort in Bayern, in Oberbayern, an der Isar, zwischen Wetterstein- und Karwendelgebirge; 8300 Einwohner; Geigenbau; Geigenbaufachschule, -museum; Luftkurort (920 m über dem Meeresspiegel), Wintersport.

Mitternacht: Zeitpunkt der unteren Kulmination der mittleren Sonne; Anfang des Kalendertages.

Mitternachtssonne: die Erscheinung, dass die Sonne in den Polarzonen jeweils im Sommer infolge der Schiefe der Ekliptik zeitweise auch zur Mitternacht über dem Horizont steht.

Mitterrand, François, geboren 26.10.1916, französischer Politiker, Teilnehmer an der Résistance; 1947/57 wiederholt Minister; 1971/81 Erster Sekretär der sozialistischen Partei (SP), 1972 Mitinitiator des Gemeinsamen Regierungsprogramms der SP und der KP; seit 1981 Staatspräsident.

mittlere Energiedichte: Hauptparameter der Verbrennungskraftmaschine; gibt an, wie viel Energie im Hubraum, bezogen auf die Volumeneinheit, während eines Arbeitsspieles erzeugt wird.

Mittlerer Atlas: Faltengebirgszug des Atlas im mittleren Marokko; bis 3343 m; paläozoischer Sockel, von Juragestein überlagert; waldreich; Eisenerz-, Ölschiefervorkommen; Erholungs-, Wintersportgebiet.

Mittlerer Osten: Gebiet, das die Staaten der Arabischen Halbinsel sowie Irak, Iran und Afghanistan umfasst.

mittlere Sonne: eine gleichmäßig auf dem Himmelsäquator umlaufend gedachte Sonne, im Gegensatz zur wahren Sonne, die sich ungleichmäßig auf der Ekliptik bewegt (in einem Bezugssystem, in dem die Erde ruht); wichtig für die astronomische Zeitrechnung.

Mitverantwortlichkeit: dem Geschädigten vorzuwerfende Mitverursachung eines Schadens oder mangelnde Mitwirkung bei der Abwendung oder Minderung des Schadens; wenn Verschulden des Verantwortlichen (Schadenverursacher) und des Geschädigten vorliegen, als konkurrierendes oder mitwirkendes Verschulden bezeichnet. Mitverantwortlichkeit kann zur Verminderung oder zum Ausschluss von Ersatzansprüchen führen.

Mitwirkung: im Prozessrecht

a) Recht und Pflicht der Prozessparteien, zur Feststellung des Sachverhalts besonders durch vollständige und wahrheitsgemäße Erklärungen beizutragen;

b) die Befugnis der Gewerkschaften und der Beauftragten von Kollektiven, an einem Prozess teilzunehmen und unter Leitung des Gerichts die Aufklärung der Sache zu fördern oder die Wirksamkeit des Verfahrens zu erhöhen;

c) das Recht der Staatsanwaltschaft, zur Wahrung der Gesetzlichkeit an Verfahren teilzunehmen, Rechtsmittel einzulegen und in besonderen Fällen Klage zu erheben.

Mitwirkungshandlung: Handlung, die Voraussetzung der Pflichterfüllung eines anderen ist oder zur Lösung einer gemeinsamen Aufgabe beiträgt. Der Mitwirkende kann zur Mitwirkungshandlung berechtigt und zugleich verpflichtet sein.

Mixed: Sport gemischtes Doppel (1 weiblicher und 1 männlicher Teilnehmer je Partei), im Kanusport Mix.

Mixed Pickles: in Essig eingelegte, scharf gewürzte, nach verbindlicher Rahmenrezeptur zusammengestellte Mischung junger Gemüse.

mixen: mischen.

Mixolydisch: a) altgriechische Tonart (Leiter h-H, abwärts);

b) Kirchentonart (Leiter g-g1, aufwärts).

Mixteken: Indianervolk in Südmexiko, das sich bis heute viele altindianische Eigenheiten bewahrt hat; in den Provinzen Oaxaca und Guerrero; etwa 320000. Die Mixteken hatten das Erbe der toltekischen Kultur angetreten und zu einem eigenständigen Stil (sogenannt Mixteca-Puebla-Kultur) geformt, der die spätere aztekische Kultur stark beeinflusste; nach aztekischer Unterwerfung im 15. Jahrhundert wurden die Mixteken im 16./17. Jahrhundert von den Spaniern unterworfen.

Mixtur:

1. Musik a) Orgelregister; gemischte Stimme, bei der gleichzeitig zum Grundton einer Taste Obertöne desselben von anderen Orgelpfeifen erklingen (meist Oktaven und Quinten, seltener Terzen und Septimen), wodurch der Grundklang aufgehellt und verstärkt wird;

b) Setzweise in der Kompositionstechnik, die diese Intervalle mit gleicher oder ähnlicher Wirkungsabsicht parallel führt.

2. Mixtur, Mixtura Pat.: Pharmazie Mischung; flüssiges Arzneimittelgemisch.

Mixtura solvens: einzunehmende Arzneimittellösung zur Sekretverflüssigung bei Erkältungen.

Miya: (japanisch, «Palast») shintoistische Götterschrein.

Mizar: (arabisch, «Mantel») Stern im Sternbild Großer Bär; Helligkeit 2“27. Dicht neben Mizar steht I Alkor. Mizar selbst ist ein visueller Doppelstern, seine Komponenten sind jeweils spektroskopische Doppelsterne.

Mizelle: faden-, plättchen-, block- oder kugelförmige Vereinigung von Molekülen zu Teilchen von meist kolloidaler Größenordnung. Mizelle sind zum Beispiel in Lösungen grenzflächenaktiver Stoffe vorhanden; Baumwolle besteht aus fadenförmigen Zellulosemolekülen, die anteilig zu langgestreckten Mizelle zusammengelagert sind.

Mizoram: Unionsterritorium im äußersten Nordosten Indiens, in den Mizobergen; 21087 km2, 500000 Einwohner; 24 Einwohner/km2; Hauptstadt Aizawl-, vorwiegend Waldwirtschaft; die Bergstämme der Mizo betreiben geringen Ackerbau.

Mjaskowski, Nikolai Jakowlewitsch, 20.4.1881-8.8.1950, sowjetischer Komponist-, seit 1921 Professor am Moskauer Konservatorium; schuf 27 Sinfonien, Kantaten, Kammer- und Chormusik sowie Lieder, ist vor allem als Sinfoniker und Musikkritiker hervorgetreten.

Mtynkowa, Marja, Maria Möller, 1.2.1934-27.2.1971, sorbische Erzählerin, Jugendbuchautorin und Kritikerin. Den Höhepunkt ihres Schaffens bildet der Roman «Tage in der Fremde» (postum 1976) über die Auseinandersetzung eines nach Schlesien versetzten sorbische Lehrers mit dem aufkommenden Faschismus,

Mneme: Erinnerung, Gedächtnis; in der Psychologie auch Bezeichnung für die Gedächtnisfunktion.

Mnemosyne: («Erinnerung») in der griechischen Sage Titanin, Tochter des Uranos und der Gäa, gebar dem Zeus die 9 Musen.

Mnemotechnik: (griechisch, «Gedächtniskunst») Lerntechnik; Verbesserung der Gedächtnisleistung durch Merkhilfen («Eselsbrücken», Merksprüche, Rhythmen unter anderem).

Mnouchkine, Ariane, geboren 3.3.1938, französische Regisseurin; entwickelte seit 1965 das Pariser Théâtre du Soleil zu einem international erfolgreichen experimentellen Theater, das Ensemble erarbeitete eigene Stücke und stellte sie (unter Nutzung alter Volkstheaterelemente) auf neuartige Weise in Räumen einer ehemaligen Fabrik dar (Revolutionsstücke «1789» und «1793», «Das goldene Zeitalter», «Mephisto» (nach K. Mann)).

Moa: den Kiwis verwandter bis 4 m hoher, flugunfähiger Vogel mit massigen Beinen; lebte auf Neuseeland, im Mittelalter ausgerottet.

Moabiter: den Israeliten verwandtes Volk östlich vom Toten Meer in Palästina; im 13. Jahrhundert vor Christus Staatsbildung die Könige waren seit Beginn des 10. Jahrhundert vor Christus längere Zeit Vasallen Israels, Assurs, Babyloniens.

Moar: Mannschaftsführer beim Eisstockschießen.

Moarschaft: Mannschaft aus 4 Spielern beim Eisstockschießen.

Möbel: Einrichtungsgegenstände, die zum Sitzen oder Liegen sowie zum Aufbewahren oder Ablegen von Gegenständen oder als Raumteiler beziehungsweise Trennwand dienen. Sie sind meist beweglich; die Verwendung eingebauter Möbel nimmt jedoch zu. Gebräuchlichstes Material ist Holz, in der Antike und im Mittelalter auch Stein und Metall. In neuerer Zeit werden hauptsächlich furnierte Platten, Plaste und Metalle verwendet. Im Charakter der Gestaltung sind die Möbel in der Regel den Stilepochen zuzuordnen, daneben zeichnen sich auch nationale Stilrichtungen ab. Möbel sind seit Jahrtausenden in Gebrauch. Früheste erhaltene künstlerisch verarbeitete Stücke stammen aus dem alten Ägypten, spätere aus Pompeji. Während zunächst im Mittelalter der praktische Gebrauchswert wichtiger als die künstlerische Gestaltung war, trat diese im 15. Jahrhundert mehr in den Vordergrund. Im 16./17. Jahrhundert wurden Möbel schwerer und prunkvoller. Das Rokoko gestaltete die Möbel wieder zierlicher. Zugleich brachte das 18. Jahrhundert eine starke Bereicherung der Möbeltypen. Vorbildlich wurde die Möbelkunst von Paris am Hofe Ludwigs XTV. (Boulle Möbel). In der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert beeinflusste der englischen Chippendale-Stil auch Möbel des Festlands. Es folgten der Louis-Seize-Stil und das Empire als klassizistischen Richtungen der Innendekoration. In Deutschland entwickelte sich aus dem Empire in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert das Biedermeier. Die historisierenden Richtungen im 19. Jahrhundert ergriffen auch die Möbel Erst am Ende des 19. Jahrhundert bemühten sich der Jugendstil und später das Bauhaus um neue Formen und vor allem materialgerechte Verarbeitung.

Neuzeitliche Möbel sind funktionsgerecht, leicht zu bewegen und zu reinigen. An die Stelle der Garnitur Möbel treten Serienmöbel (Anbaumöbel), die je nach Wunsch und Zweck einzeln gekauft und zusammengestellt werden können.

Moberg, Vilhelm, 20.8.1898-8.8.1973, schwedischer Schriftsteller; gestaltete in Romanen Probleme der kapitalistischen Entwicklung in der schwedischen Landwirtschaft sowie das Schicksal schwedischer Auswanderer nach Amerika im 19. Jahrhundert («Fern von der Landstraße», 1929, deutsch; «Bauern ziehen übers Meer», 1949, deutsch; «Der letzte Brief nach Schweden», 1959). Mit dem Roman «Reit heut nacht!» (1941, deutsch) wandte sich Moberg in historischer Verschlüsselung gegen den deutschen Faschismus.

Mobile: graziles Gebilde aus vielgestaltigen Formen, die an dünnen Metall- oder Kunststoffstäben beziehungsweise Fäden hängend befestigt sind und durch Luftströmungen in Bewegung geraten; Vorformen im Kunstgewerbe Ostasiens.

Mobile: Stadt im Bundesstaat Alabama (USA), am Golf von Mexiko, an der Mündung des Mobile River; 200000 Einwohner (35% Afroamerikaner); Werften, Aluminiumhütte, Gießereien, Papier-, Zellstoff-, Textil-, chemische Industrie, Erdölverarbeitung, Fischfang; Erz- und Kohlehafen; Universität, Museen; Luftwaffenbasis.

Mobilgarde: reaktionäre bewaffnete Einheiten in Frankreich, die 1848 und 1870/71 zur Niederwerfung revolutionärer Bewegungen eingesetzt wurden.

Mobiliar: (lateinisch) bewegliche Habe, Hausrat; Gesamtheit der Möbel, zum Beispiel eines Haushalts.

Mobilisation: Geologie Vorgang, bei dem durch bestimmte geologische Prozesse chemischer Elemente und Verbindungen aus Gesteinen, Erzen, Mineralen freigesetzt werden und wandern (migrieren).

mobilisieren: (französisch) in Bewegung, Tätigkeit setzen, zum Handeln veranlassen.

Mobilismus: Arbeitsrichtung der Globaltektonik, die im Gegensatz zum Fixismus von der Vorstellung geleitet wird, dass Platten der Lithosphäre sich horizontal auf ihrem Untergrund voneinander weg, aufeinander zu, untereinander und aneinander vorbei bewegen können. Die Vertreter des Mobilismus werden als Mobilisiert bezeichnet.

soziale Mobilität: Soziologie Veränderung der sozialen Stellung, der Klassen- oder Schichtzugehörigkeit. Im Kapitalismus stellt sie sozialen Auf- oder Abstieg dar; im Sozialismus beruht soziale Mobilität vor allem auf Erwerb höherer Qualifikation, auf der Übernahme neuer Aufgaben. im weiteren Sinne umfasst soziale Mobilität auch territoriale (Wanderungsbewegungen) sowie beruflichen und betrieblichen (Fluktuation) Veränderungen. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt fördert die soziale Mobilität.

Mobilmachung: Umstellung eines Landes auf die Erfordernisse des Kriegs- beziehungsweise Verteidigungszustandes. Früher fast ausschließlich auf die Auffüllung der Streitkräfte auf Kriegsstärke gerichtet, erfasst heute alle Bereiche der Gesellschaft (zum Beispiel ökonomische Mobilmachung).

Möbius: August Ferdinand, 17.11.1790-26.9.1868, Mathematiker und Astronom; seit 1816 Professor in Leipzig, ab 1844 Direktor der Sternwarte; lieferte wichtige Beiträge zur analytischen Geometrie, Statik und Gruppentheorie.

Möbiussches Band: von A F. Möbius 1865 angegebene einseitige Fläche; aus einem Papierstreifen durch Zusammenkleben leicht herstellbar (siehe); beim Zerschneiden längs der Mittellinie entsteht ein geschlossenes Band, das in diesem Fall eine zweiseitige Fläche ist.

Mobutu Sese Seko, geboren 14.10.1930, zairischer Politiker und Militär, wurde 1960 Generalstabschef der Armee der demokratischen Republik Kongo; in dieser Funktion putschte er am 14.9.1960 gegen die Regierung Lumumba und übernahm für 6 Monate die Macht. Am 24.11.1965 intervenierte Mobutu Sese Seko erneut, seitdem ist er Staatspräsident der heutigen Republik Zaire.

Mochica: klassische Kultur in Flusstälern Nordperus, nach der Sprache der indianischen Küstenbevölkerung («Muchik») benannt; Blütezeit etwa 400 bis 900. Stadtähnliche Anlage im Mochetal mit 2 Pyramiden in Lehmziegelbauweise; in der Keramik Bügelhenkelgefäße mit gemalten und plastischen Szenen aus dem kultischen, politischen und familiären Bereich; Figurengefäße, Porträt-Urnen; Verarbeitung von Kupfer, Edelmetallen und der Gold-Kupfer-Legierung, Tumbaga genannt; Mochica-Kultur durch nachklassischen Chimu-Kultur abgelöst.

Mockturtlesuppe: unechte Schildkrötensuppe aus Kalbskopf mit Rotwein, Gewürzen, Ei und Mehl.

Moctezuma, Moctezuoma, Montezuma, Herrscher der Azteken: 1. Moctezuma I. Ilhuicamina, 1390-1469, regierte seit 1440.

2. Moctezuma II. Xocoyotzin, 1475-30.6.1520, trat 1502 die Nachfolge des Herrschers Ahuizotl an und vergrößerte in zahlreichen Feldzügen das Aztekenreich; geriet bei der ersten Eroberung Tenochtitláns durch H. Cortés 1519 in dessen Gefangenschaft, in weiteren Kämpfen auf ungeklärte Weise getötet.

modal: a) den griechischen Versfüßen entsprechender Rhythmustyp;

b) auf das antike Tonsystem und die daraus hervorgegangenen Kirchentonarten bezogen.

Modalität: Logik Einteilung von Urteilen und Aussagen nach dem Maße ihres Gedacht- beziehungsweise Behauptet Werdens. Man unterscheidet unter anderem folgende Arten von Modalität: alethische Modalität (charakterisiert unter anderem durch die Modaloperatoren «möglich», «notwendig»), assertorische oder faktische Modalität (charakterisiert durch «wahr» und «falsch»), epistemische Modalität (charakterisiert unter anderem durch «bewiesen», «gewusst», «geglaubt»), deontische Modalität (charakterisiert unter anderem durch «erlaubt», «verboten», «erwünscht»).

Modallogik, Modalitätenlogik: Teilgebiet der Logik, in dem Beziehungen zwischen Modalitäten untersucht werden. Die Anfänge der Modallogik finden sich bei Aristoteles; heute konzentriert sich die Modallogik vorzugsweise auf alethische Modalitäten, untersucht aber auch epistemische und deontische Modalitäten.

Modalsatz: Nebensatz, der die Art und Weise eines im Hauptsatz enthaltenen Vorgangs näher bestimmt, zum Beispiel Er begrüßte mich, «indem er mir zuwinkte».

Mode: Brauch, Sitte, Tages-, Zeitgeschmack; von gesellschaftlichen Normen geprägter Komplex zeitbegrenzter Ausdrucksformen in Kunst, Literatur, Musik, Sprache, gesellschaftliche Umgangsformen sowie Bereichen der gestalteten Umwelt; im engeren Sinne bezogen auf Bekleidung, Schuhe, Beiwerk, Kosmetik, Frisur: Die Mode ist klassengebunden; in den Vorkapitalistischen Klassengesellschaften fungierte sie vornehmlich als Mittel der sozialen Abgrenzung (Kleiderordnung). Unter den Bedingungen des Kapitalismus wurde Mode zur Ware; im Imperialismus ist sie gekennzeichnet durch dekadente Exklusivität als Ausdruck der sozialökonomischen Differenzierung sowie durch scheinbare Demokratisierung infolge eines perfekt manipulierten Massenkonsums; zugleich zeigt sich Mode als Erscheinungsform sozialen Protestes («Antimode» der Subkultur). Im Sozialismus ist die Mode immanenter Bestandteil der Kultur der sozialistischen Gesellschaft und entfaltet auf spezifischer Weise persönlichkeitsfördernde Potenzen.

Model: 1. altgriechische relative Maßeinheit zum Berechnen der Maßverhältnisse einer Säule.

2. Vorlage für Stickerei u. ä. (Modelbücher) bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich.

3. in Holz gestochene oder geschnittene Druckform für den Textilhanddruck; die für den Textilmaschinendruck verwendete Druckform wird als Reliefwalze bezeichnet.

Muster, Entwurf, Vorlage, Typ; Demonstrationsobjekt.

2. bildende Kunst: a) gegenständliches oder lebendes Studienobjekt eines Malers, Bildhauers o. ä.;

b) aus knetbarem Material (Wachs, Ton) ausgeführte Urform eines Bildwerks (Bozzetto);

c) in verkleinertem Maßstab vor- oder nachgebildetes Bauwerk.

3. Muster, Urformwerkzeug: Gießerei ein- oder mehrteiliger Körper (entsprechend der Gestalt des Gusskörpers) aus Holz, Metall, Kunststoff, Gips, Wachs unter anderem, der zur Herstellung des Hohlraumes einer Sandform für die Aufnahme des Gießgutes dient. Bei der Musterherstellung muss das Schwindmaß (Schwinden 1) berücksichtigt werden.

4. Logik: Interpretation der Grundbegriffe einer formalisierten Theorie, bei der alle Axiome dieser Theorie wahr sind.

5. Mode: bei Bekleidung vom Modegestalter entworfenes Einzelstück, Muster für die Serienfertigung.

6. Naturwissenschaften/Kybernetik: ein Objekt materieller oder ideeller Natur (Gedankenmuster), das auf Grund einer Struktur-, Funktions-, Gestalts- oder Verhaltensanalogie für ein anderes Objekt (das Original) eingesetzt und benutzt wird. Durch Mustere wird wissenschaftliche Erkenntnis erleichtert beziehungsweise überhaupt erst möglich (zum Beispiel Atommuster, Weltmuster). Stimmen 2 Objekte in wenigstens einer ihrer Eigenschaften überein, so heißt das eine bezüglich dieser Eigenschaft kybernetischer Muster des anderen. Bei Verhaltensmuster sind die Eingangs- und Ausgangssignale nach eventuell Stauchung oder Dehnung der Zeitachse den entsprechenden Größen des Originals proportional. Erklärende Muster machen das äußere Verhalten aus dem Zusammenwirken der inneren Teilprozesse (besonders bei natürlichen Systemen) und aus den Konstruktionsparametern (bei technischen Systemen) verständlich. Ziel von Vorhersagemuster ist es, den Verlauf interessierender Größen vorherzusagen. Steuerungsmuster sollen bei der Übertragung des Entwurfs einer Steuereinrichtung beziehungsweise -Strategie auf das Original zu dem beabsichtigten Verhalten führen. Siehe auch Modellbildung.

Modellausschmelzverfahren: Feingussverfahren, bei dem einmalig verwendbare, meist aus Wachs (Wachsausschmelzverfahren) hergestellte Modelle mit keramischen Formstoff umhüllt werden. Aus der gesinterten Form schmilzt das Wachs aus, und der Formhohlraum für das Gießgut entsteht. Die Formen werden danach gebrannt und heiß abgegossen. Sie bestehen aus einem Stück, so dass die Gussteile keinen Teilungsgrat besitzen und sehr maß genau sind.

Modellbau: Anfertigung materieller Modelle aus Holz, Plast u. ä. zur Funktionsüberprüfung (Funktionsmodelle), zur Ermittlung physikalischer Werte (zum Beispiel Strömungsmodelle), zu Anschauungszwecken (zum Beispiel von Industrieanlagen) und für den Unterricht.

Modellbildung: Kybernetik Ermittlung der mathematischen, strukturellen, informationellen, statischen beziehungsweise dynamischen Beziehungen zwischen den Eingangs- und Ausgangs- und eventuell den Zustandsgrößen eines Systems (statisches beziehungsweise dynamisches Modell). Während die Modellbildung die Ermittlung einer geeigneten Struktur einschließt, ermittelt die Parameter-Identifikation oder Kennwertermittlung Parameterwerte in einer gegebenen Modellstruktur. Modellbildung und Identifikation erfolgen durch mathematische Beschreibung der im System ablaufenden und verkoppelten Elementarprozesse (analytische Modellbildung) oder durch Messung der (künstlichen) Ein- und Ausgangssignale und anschließende Verarbeitung (experimentelle Modellbildung). Während die analytische Modellbildung auch die innere Struktur und damit erklärende Modelle in Form mathematischer Beziehungen zwischen den interessierenden Größen liefert, erhält man mit der experimentellen Identifikation vereinfachte Vorhersage- und Steuerungsmodelle in Form von Ein- und Ausgangsbeziehungen, wie Gewichtsfunktion, Frequenzgang oder Differential- beziehungsweise Differenzengleichung.

Modelleisenbahn, Miniaturbahn-. Nachbildung von Eisenbahnanlagen und -fahrzeugen im Maßstab 1:160 (Typenbezeichnung N), 1:120 (TT), 1:87 (HO), 1:64 (S), 1:45 (0) oder 1:32 beziehungsweise unmaßstäblich; meist mit elektrischen Antrieb.

Modellguss: Stomatologie Feingussverfahren, das es ermöglicht, diffizile Gussobjekte (zum Beispiel Zahnersatzteilstücke) in einem Stück passgenau auf einem hitzebeständigen Modell zu gießen.

Modellmethode: Methode, die zur Lösung von Aufgaben beziehungsweise zur Gewinnung von Erkenntnissen Modelle untersucht, um von diesen, die wesentlichen Eigenschaften der zu untersuchenden Objekte repräsentieren, auf diese Objekte selbst zu schließen. Die Anwendung der Modellmethode erfolgt insbesondere, wenn die unmittelbare Untersuchung erschwert oder unmöglich ist.

Modellprojektierung: Simulationsmethode zur rationellen Ermittlung der optimalen Gestaltung technischer Projekte (zum Beispiel Gebäudekomplexe) in räumlicher und Flussmäßiger Hinsicht mittels maßstabgerecht verkleinerter und vereinfachter Gegenstände (Modelle). Bei der zweidimensionalen Modellprojektierung (2-D-Modellprojektierung) werden flächige Modelle (Schablonen) aus transparentem Material, Zeichenkarton u. ä., bei der dreidimensionalen Modellprojektierung (3-D-Modellprojektierung) körperliche Modelle aus Holz, Plast und anderen Werkstoffen benutzt.

Modellstatik: Ermittlung der Beanspruchung einer Baukonstruktion an einem verkleinerten maßstäblichen Modell mit Hilfe geeigneter Messmethoden, zum Beispiel der Spannungsoptik.

Modellversuch: Nachbildung eines Strömungs- oder anderen physikalischen Vorgangs in verändertem Maßstab (physikalische Ähnlichkeit) oder durch andere physikalische Vorgänge, die den gleichen Beziehungen genügen (mathematische Ähnlichkeit). Physikalische Ähnlichkeit liegt dann vor, wenn Ähnlichkeitsgesetze gelten, das heißt, wenn gewisse Kennzahlen im Modellversuch und im Original den gleichen Wert haben. Strömungen (zum Beispiel um Schiffe oder Flugzeuge) sind ähnlich, wenn ihre Reynolds-Zahlen Re = vl/v gleich sind. Dabei bedeuten v die kinematische Viskosität des strömenden Mediums, v seine Geschwindigkeit und eine charakteristische Länge des umströmten Körpers. Modellversuche wendet man besonders im Schiff- und im Flugzeugbau an (siehe auch Wasserkanal, Windkanal). Bei mathematischer Ähnlichkeit können Modellversuche mit Analogrechnern durchgeführt werden. Siehe auch Spannungsoptik.

Modem: (Kurzwort für modulator-demodulator; englisch) elektronisches Gerät zur Datenübertragung im Fernsprechnetz, das aus sendeseitigem (Tast-) Modulator und empfangsseitigem (Tast-) Demodulator besteht.

Modena: Stadt in Oberitalien, in der Region Emilia-Romagna, Verwaltungszentrum der Provinz Modena; 180000 Einwohner; Kfz- und Lederindustrie, Maschinenbau; Universität (gegründet 1182, neu 1678); Biblioteca Estense; Dom mit Glockenturm (1224/1309, 102 m hoch), Löwenportal, Paläste (17./18. Jahrhundert). Etruskische Gründung; 183 vor Christus römische Kolonie (Mutina); im 12./13. Jahrhundert Stadtrepublik; 1288/1860 im Besitz der Este (seit 1452 Herzogtum); seit 1861 bei Italien; 1831 Ausgangspunkt einer Revolution in Mittelitalien (Carbonari). Bei Protestaktionen der Arbeiterklasse in Modena am 6.1.1950 ermordete die Polizei 6 Arbeiter.

Moderados: («Gemäßigte») rechtsliberaler Flügel in der spanischen Revolution 1820/23 (Teile der städtlichen Großbourgeoisie und des liberalen Adels); betrieb eine bürgerlich-liberale Reformpolitik; 1822 in der Regierung abgelöst durch die radikaleren Exaltados.

moderato: (italienisch) Musik mäßig bewegt.

Moderator: (lateinisch, «Lenker») 1. bei Rundfunk und Fernsehen am Mikrophon tätiger Redakteur, der die Beiträge beziehungsweise Teile einer Sendung durch ein- und überleitende, politisch und fachlich wertende Erläuterungen verbindet, Interviews führt, Nachrichten interpretiert und so weiter; besonders in Magazinsendungen.

2. Moderator, Bremssubstanz: in thermischen Kernreaktoren eingesetzter Stoff geringer Atommasse, der die schnellen Neutronen, die bei der Kernspaltung entstehen, durch elastische Stöße mit seinen Atomkernen auf niedrige Energien abbremst. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Neutronen mit den Spaltstoffkernen in Wechselwirkung treten beziehungsweise deren Spaltung auslösen. Als Moderator sind natürliches und schweres Wasser sowie Graphit geeignet.

Moderhinke: spezifische infektiöse Klauenerkrankung der Schafe und Ziegen mit Neigung zu gestörtem Allgemeinbefinden. Im Zwischenklauenspalt siedeln sich bestimmte Bakterien an, die das Klauenhorn zerstören und dadurch Lahmheit verursachen; Bekämpfung erfolgt durch Klauenpflege und hygienische Maßnahmen.

Moderlieschen, Leucaspius delineatus: bis 12 cm langer Karpfenfisch; lebt als Schwarmfisch oft massenhaft in Pflanzenreichen Gewässern Europas.

modern: (französisch) a) in der jüngsten, letzten Zeit aufgekommen;

b) der neuesten Mode, dem neuesten Geschmack entsprechend, modisch;

c) dem neuesten Stand der Entwicklung, Wissenschaft entsprechend; in die jetzige Zeit passend.

Modern Dance: amerikanische Bezeichnung für den modernen Bühnentanz (englisch Contemporary Dance)-, entspricht dem deutschen Ausdruckstanz.

Moderner Fünfkampf: gemischter Mehrkampf, bei dem die in den Disziplinen Geländeparcoursreiten, Degenfechten, Freistilschwimmen, Pistolenschießen und Geländelauf erzielten Ergebnisse in Punkte umgerechnet werden. Auf eine 1000 Punkte-Grundnorm (Reiten 1100 Punkte) für bestimmte Resultate (hier Männerwettbewerb; Reiten: fehlerfreies Durchreiten in der Sollzeit; Fechten: 70% der möglichen Siege; 300-m-Schwimmen: 3:54,0 min; Schießen: 194 von 200 mögliches Ringen; 4000-m-Lauf: 14:15,0 min) erfolgen festgelegte Punktzuschläge (außer Reiten) beziehungsweise -abzüge. Olymp. Sportart seit 1912, Weltmeisterschaften seit 1949.

Modernisierung: Maßnahme zur Veränderung und Vervollkommnung von Arbeitsmitteln, von Produktionsabschnitten, Abteilungen und Betrieben, um die Leistungsfähigkeit der in Nutzung befindliche Grundmittel zu erhöhen; dient der Verlängerung ihrer Einsatzfähigkeit gegenüber der normativen Nutzungsdauer und der Erneuerung des Grundfondsbestandes. Die Modernisierung ist eng mit den Generalreparaturen verbunden und hat Konsequenzen für die Veränderung des Netto-, gegebenenfalls auch des Bruttowertes der Grundmittel sowie für die Abschreibungssätze.

Modernisierungstheorien: bürgerliche Theorien, die in Konfrontation mit dem Marxismus-Leninismus technische, ökonomische, soziale und psychologische Faktoren gleichwertig zur Erklärung der Entwicklung angeblicher Industriegesellschaften heranziehen. Modernisierungstheorien leugnen die grundlegenden Unterschiede zwischen kapitalistischen und sozialistischen Entwicklung und verfälschen die Triebkräfte gesellschaftlichen Fortschritts.

Modernismus: (lateinisch, zu «modern») 1. Bezeichnung der marxistisch-leninistischen Ästhetik für das Streben nach neuartigen Gestaltungsmitteln um jeden Preis, für den Bruch mit künstlerischen Tradition und Erfahrung, die Fetischisierung der «modernen» Form, Komposition, des sprachlichen Ausdrucks und des Materials. Der Modernismus ist eine Seite im widersprüchlichen Prozess der Kunstentwicklung unter spätbürgerlichen Bedingungen; formale Neuerungen, teilweise als Protest gegen den Imperialismus gedacht, werden oft mit der Preisgabe des konkreten und humanistischen Inhalts erkauft. Seitens der bürgerlichen Kunsttheorie wird diese Epoche der Kunstentwicklung oft als Moderne bezeichnet.

2. lateinamerikanische Literaturen.

Modersohn, Otto, 22.2.1865-10.3.1943, Maler; 1895 Mitbegründer der Worpsweder Künstlerkolonie; schuf neben figürlichen Kompositionen besonders Moor- und Heidelandschaften von stimmungsvoll-schwermütiger Gesamtwirkung.

Modersohn-Becker, Paula, 8.2.1876-20.11.1907, Malerin und Graphikerin; Frau von 0. Modersohn. Dem Expressionismus nahestehend, bevorzugte sie die Darstellung der einfachen Menschen ihrer Worpsweder Umgebung (Frauen, Kinder, Bauern), malte aber auch poetisch-dekorative Stillleben und Landschaften in straffer, einfacher Formensprache.

Modeschmuck: origineller, meist preisgünstiger Schmuck aus natürlichen oder synthetischen Werkstoffen mit Saisoncharakter.

Modefotografie und Werbefotografie: Genre der gewerblichen Fotografie, das der massenwirksamen Dokumentation und Interpretation neuester Industrieerzeugnisse dient.

Modiano, Patrick, geboren 30.7.1945, französischer Schriftsteller, verfasste zahlreiche preisgekrönte Romane zu Themen aus der Zeit der Okkupation sowie Existenzproblemen von Menschen in kapitalistischer Umwelt («Die Gasse der dunklen Läden», 1978, deutsch; «Eine Jugend», 1981).

Modifikation:

1. Chemie: Zustandsform chemischer Elemente oder Verbindungen. Sauerstoff existiert zum Beispiel in den Modifikation 02 und 03 (Ozon), Kohlenstoff als Diamant und Graphit, Eisen(III)-oxid als a-, y- und 8-Fej03. Bei Elementen spricht man von Allotropie, bei Verbindungen von Polymorphie.

2. Genetik: durch Umwelteinflüsse hervorgerufene, nicht erbliche Veränderung des Phänotyps.

modifizieren: 1. allgemein verändern, abwandeln; näher bestimmen; auf das rechte Maß bringen.

2. Gießereitechnik: Eigenschaften von Gusswerkstoffen durch spezielle metallurgische Behandlungen verbessern; Kristallisationsverhalten, Graphitform und andere Merkmale können somit verändert werden.

Modigliani, Amedeo, 12.7.1884 bis 25.1.1920, italienischer Maler und Bildhauer; lebte seit 1906 in Paris. Gegenstand seiner künstlerischen Auseinandersetzung waren besonders Akt und Bildnis, die er, lyrisch oder melancholisch empfunden, mit leuchtenden Farben zu rhythmisch-bewegten Kompositionen steigerte.

Modul: 1. bei Zahnrädern das Verhältnis vom Teilkreisdurchmesser des Zahnrades zur Anzahl der Zähne oder (diesem Verhältnis gleichwertig) die durch die Zahl n dividierte Teilung.

2. Beschreibung von Bausteinen technischer Mittel in verschiedenen Abstraktionsstufen.

3. Baustein in Form eines Rechnerprogramms für ein Programmsystem beispielsweise der rechnergestützten Konstruktion.

4. Grundeinheit der Maßordnung im Bauwesen.

modulare Bauweise: Aufbau von vorrangig technischen Einrichtungen aus einzelnen Funktionsgruppen, die sich gegenseitig ergänzen und nicht unbedingt selbständig funktionsfähig sein müssen. Die modulare Bauweise bringt Vorteile bei der Entwicklung, Fertigung und Reparatur von Erzeugnissen.

Modulation:

1. Informationstechnik: das Aufprägen eines Signals (zum Beispiel elektrische Abbildgröße von Sprach-, Musik-, Bild-, Text-, Daten-, Messwert- oder Fernwirkinformationen) auf eine Trägerschwingung (Trägerwelle oder Trägerpuls) zur Informationsübertragung. Dabei wird die Amplitude, Frequenz, Phase oder ein Impulsparameter der Trägerschwingung durch den Zeitverlauf des aufzuprägenden Signals gesteuert (Amplituden-Modulation (AM), Pulsamplituden-Modulation (PAM), Frequenz-Modulation (FM), Pulsfrequenz-Modulation (PFM), Phasen-Modulation (PM), Pulsphasen-Modulation (PPM), Pulsdauer-Modulation (PDM), Pulskode-Modulation (PCM). Anwendung zur Abstrahlung von elektromagnetischen Wellen (Rundfunk, Fernsehen, Verkehrsfunk, Richtfunk, Flugsicherung, Radar), Mehrfachausnutzung von Kabel- und Funkverbindungen (siehe auch Multiplextechnik), Erhöhung der Störsicherheit von Übertragungssystemen (FM, PM, PCM) und Anpassung von Signalen an Einrichtungen zur Informationsverarbeitung und -Speicherung. Das im Sender aufmodulierte Signal wird im Empfänger durch ein dem Modulationsverfahren angepasstes Verfahren der Demodulation zurückgewonnen.

2. Musik: Übergang von einer Tonart in eine andere, erfolgt durch Umdeutung von Akkorden und Tönen; die Zieltonart wird durch die Kadenz als neue Grundtonart harmonisch bestätigt.

Modulator: elektronische Schaltung zur technischen Realisierung eines Modulationsverfahrens.

Modus: 1. allgemein Art und Weise.

2. Grammatik: Aussageweise des Verbs; siehe auch Indikativ, Konjunktiv, Imperativ.

3. Musik: a) im Mittelalter so viel wie Kirchentonart;

b) Ende 12. bis Mitte 13. Jahrhundert Bezeichnung für die 6 rhythmische Grundschemata:

4. traditionelle Logik: spezielle Form der gültigen Schlussfiguren der Syllogistik.

Moers: Stadt in Nordrhein-Westfalen, westlich von Duisburg; 100000 Einwohner; Textil-, metallverarbeitende, chemische, Backwarenindustrie; Theater; Museum; Wasserburg (13. Jahrhundert).

Mofette: (französisch deutsch) spätvulkanische Aushauchung von Kohlendioxid bei Temperaturen unter 100 °C (zum Beispiel in der Hundsgrotte bei Neapel). Siehe auch Fumarole, Solfatare.

Mofolo, Thomas Mokopu, 22.12.1876-8.9.1948, Schriftsteller aus Lesotho; leistete mit seinen Romanen («Chaka», 1925, deutsch) aus christlich-humanistischer Sicht einen wesentlichen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Sotho; kämpfte für ein eigenständiges Geschichtsbewusstsein der südafrikanischen Völker.

Möglichkeit und Wirklichkeit: Formen des Zusammenhangs zwischen Zuständen materieller oder ideeller Prozesse. Die objektive Möglichkeit ist die Tendenz der weiteren Veränderung und Entwicklung von Systemen. Eine Situation enthält in sich mehrere Möglichkeiten der Veränderung, von denen sich eine verwirklicht, zur Wirklichkeit wird. Formal möglich ist, was den logischen Denkgesetzen nicht widerspricht, abstrakt möglich, was zudem den objektiven Gesetzen der entsprechenden Gegenstände und so weiter nicht widerspricht, dessen konkrete Bedingungen für den Übergang in Wirklichkeit aber nicht existieren. Die reale Möglichkeit für bestimmte Zustände, Ereignisse und so weiter besteht, wenn wesentliche zu ihrer Verwirklichung notwendige Bedingungen realisiert sind; wird die Gesamtheit ihrer notwendigen Bedingungen realisiert, geht die Möglichkeit notwendig in die Wirklichkeit über. Durch sein praktisches Einwirken auf die jeweiligen Bedingungen nimmt der Mensch Einfluss darauf, welche der realen Möglichkeiten seiner Umwelt Wirklichkeit werden.

Mogul, Großmogul-. Titel der turko-mongolischen Herrscher eines indischen Großreiches (Mogulreich, 1526/1858), das sich zeitweilig über fast ganz Indien erstreckte.

Mogulstil: Bezeichnung für die höfliche Kunst, besonders die Baukunst zur Zeit der islamischen Mogulkaiser in Indien. Die Architektur wird durch klare Linienführung und ideale Proportionen charakterisiert (Taj Mahal). Für die weiträumigen Palastanlagen, Gärten, Moscheen, Grabmäler dienten roter Sandstein und weißer Marmor (später mit kostbaren Steinintarsien) als Material; den Höhepunkt bilden Bauten der 1. Hälfte des 17. Jahrhundert in Delhi, Fatehpur Sikri, Agra, Lahore. Die Mogulmalerei umfasst die von der Mitte des 16. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhundert in den kaiserlichen Werkstätten am Hof der indischen Mogulkaiser entstandenen Miniaturen. In naturalistischen Stil stellen sie denkwürdige Ereignisse, Hofszenen, Porträts, Tiere und Pflanzen dar. Eine Fülle von Einzelminiaturen wurde in Alben gesammelt (Muraqqa).

Mohäcs: Stadt im Süden Ungarns, im Bezirk Baranya, am rechten Donauufer; 21400 Einwohner; Holz-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; Flusshafen. 1526 Sieg des türkischen Sultans Suleiman über den letzten ungarischen König Lajos ü. a.; damit war für die Türkei der Weg zur Eroberung Ungarns frei; 1687 setzte der Sieg des österreichischen Heeres über Mehmed IV. bei Mohäcs der türkischen Herrschaft über Ungarn ein Ende.

Mohammedaner: Anhänger der Lehre Muhammads, des Islams; Selbstbezeichnung Muslim.

Mohaupt, Richard, 14.9.1904-3.7.1957, Komponist; emigrierte 1939 in die USA, lebte dann seit 1955 in Österreich; war insbesondere mit volkstümlichen Opern erfolgreich.

Mojave Becken, Südkalifornisches Becken: Beckenlandschaft mit Binnenentwässerung im Südwesten Kaliforniens (USA); extrem trockenheißes Klima und fast durchgehend Wüste (Mojave-Wüste); im Tal des Todes (englisch Death Valley) wird mit 86 m unter dem Meeresspiegel die tiefste Depression Amerikas erreicht; es ist zugleich auch das heißeste Gebiet des Kontinents mit Tagesmaxima der Lufttemperatur bis 56,7 °C.

Moheli, Mwali: korallenumsäumte Vulkaninsel der Komoren, in der Straße von Mozambique; 290 km2, 10300 Einwohner; 36 Einwohner/km2; Hauptort Fomboni; bis 810 m hohes, fruchtbares, waldreiches Bergland; Anbau von Vanille, Parfümpflanzen, Kakao.

Mohikaner: Anfang des 18. Jahrhundert nahezu ausgerotteter Indianerstamm der Algonkin, im 17. Jahrhundert am mittleren Hudson (New York); wurden weit über ihre eigentliche Bedeutung durch die Bücher J. F. Coopers bekannt.

Mohismus: Ideologie im alten China, von Mozi (5. Jahrhundert vor Christus) begründet; erstrebte eine Gesellschaft der allgemeinen Liebe und der Wahrung des Nutzens aller, die entsprechend den Interessen der Kleineigentümer organisiert sein sollte. Nach der Herstellung des einheitlichen Zentralstaates (3. Jahrhundert vor Christus) verlor der Mohismus seine Bedeutung.

Mohl, Hugo von, 8.4.1805-1.4.1872, Botaniker; forschte unter anderem über Zellmembranen und Zellteilung, führte den Begriff «Protoplasma» für den Zellinhalt ein.

Möhne: rechter Nebenfluss der Ruhr; 52 km; entspringt bei Brilon im Nordwesten des Sauerlandes, mündet Neheim-Hüsten; nördlich von Arnsberg der Möhnestausee (135 Millionen m3; Kraftwerksanlagen; Erholungsgebiet).

Mohngewächse, Papaveraceae: überwiegend auf der Nordhalbkugel verbreitete, meist krautige, Milchsaft führende Pflanzenfamilie, mit strahligen Blüten, oft vielen Staubblättern und hinfälligen Kelchblättern; häufig mit Alkaloiden. Zur Gattung Mohn (Papaver) mit Porenkapseln gehören der Schlafmohn (Papaveraceae somniferum), die rot blühenden Ackerunkräuter Klatschmohn (Papaveraceae rhoeas), Sandmohn (Papaveraceae argemone), Saatmohn (Papaveraceae dubium) und als Gartenpflanze der Staudenmohn (Papaveraceae orientale). Der Hornmohn (Glaucium), der mittelamerikanischen Stachelmohn (Argemone), Kappenmohn (Eschscholzia) und Schöllkraut (Chelidonium) besitzen Schotenfrüchte.

Mohnöl: aus Mohnsamen gepresstes, hellgelbes, trocknendes fettes Öl von angenehmem Geruch und Geschmack. Kaltgepresstes Mohnöl dient als Speiseöl, heißgepresstes wird für Anstrichstoffe, als Salbenbasis und als Emulgiermittel genutzt.

Moholy-Nagy, Läszlö, 20.7.1895 bis 24.11.1946, ungarischer Maler, Graphiker, Plastiker und Fotograf; emigrierte vor dem Faschismus 1920 nach Deutschland, lehrte 1923/28 am Staatlichen Bauhaus, 1935 Emigration nach Großbritannien, seit 1937 in den USA; wandte sich als vielseitig experimentierender Künstler unter dem Einfluss von K. Malewitsch und El Lissitzky dem Konstruktivismus zu, schuf Metallreliefs sowie werbewirksame Arbeiten auf dem Gebiet der Fotografie, Gebrauchsgraphik und Typografie. Bahnbrechend wirkten seine Fotomontagen sowie seine theoretischen Schriften.

Mohorovicic, Andrija, 23.1.1857-18.12.1936, kroatischer Seismologe; bestimmte 1909 erstmals aus der Aufzeichnung von Erdbebenwellen die Dicke der Erdkruste.

Mohorovicic-Diskontinuität: (nach A. Mohorovicic) Grenzfläche (eigentlich Übergangszone) in einigen 10 km Tiefe, an der sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erdbebenwellen sprunghaft um etwa 1 km/s auf 7,6 bis 8,6 km/s erhöht; Kurzform «Moho». Die Mohorovicic-Diskontinuität bildet die Grenze zwischen Erdkruste und -mantel.

Möhre, Daucus: weiß blühende Gattung zweijähriger Doldengewächse mit zwei- bis dreifach gefiederten Blättern und nestförmigen Fruchtdolden. Auf Wiesen und an Wegrändern verbreitet ist die Wilde-Möhre (Daucus carota); die aus asiatischen Wild-Möhren entstandene Kulturform mit fleischiger, rötlicher Pfahlwurzel, Mohrrübe oder Gartenmöhre (Daucus sativus), ist ein wertvolles Nahrungsmittel mit hohem Vitamingehalt (Vitamine B, C und Karotin). Kurze Sorten heißen Karotten.

Möhrenfliege, Psila rosae: sich in Möhren, Petersilie, Sellerie unter anderem entwickelnde kleine schwarze Fliegenart. Die Fraßgänge der Larve (Eisenmade) in den Wurzeln sind rostrot; gefürchteter Landwirtschaftsschädling.

Mohrsche Waage, Mohr-Westphalsche Waage (nach einem Pharmazeuten und einem Physiker): Gerät zum Bestimmen von Flüssigkeitsdichten nach dem Archimedischen Prinzip.

Mohs: 1. Carl Friedrich Christian, 29.1.1773-29.9.1839, Mineraloge; Professor an der Bergakademie Freiberg und in Wien; entwickelte 1820 die nach ihm benannte Mohssche Härteskala (Härte 1), mit deren Hilfe die relative Härte von Mineralen bestimmt werden kann.

2. Gerhard, geboren 16.3.1923, Geograph; 1969/75 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig, seit 1977 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; arbeitet besonders auf dem Gebiet der ökonomischen Geographie; 1981/85 Präsident der Geographischen Gesellschaft der DDR

Moi: (vietnamesisch, «Wilde») Sammelbezeichnung für die sprachlich unterschiedliche, kulturell wenig entwickelte Bevölkerung von Bergbauern der Annamit. Kordillere (Vietnam, Kampuchea, Laos); Trockenreisanbau auf Brandrodungsfeldern; früher etwa 1 Millionen, starke Verluste infolge der US-amerikanischen Aggression (1964/75).

Moi, Daniel Arap, geboren 1924, kenianischer Politiker; seit 1967 Vizepräsident, seit 1978 Staatspräsident sowie Präsident der afrikanischen Nationalunion von Kenia (KANU).

Moiré: (französisch englisch arabisch)

1. Fellkunde: geflammte Musterung und Zeichnung des Haarkleides durch dicht an der Haut anliegende, seidig glänzende Haarflächen, mit wechselndem Haarschlag. Moiré ist bei kurzhaarigen Fellen vorhanden beziehungsweise kann durch Tiefschur erzeugt werden.

2. Polygraphie: störendes regelmäßiges Muster in gedruckten Rasterbildern, das durch Überlagerungen mehrerer Raster bei ungünstiger Winkelung entsteht.

3. Textiltechnik: Flächengebilde (Taft, Rips) mit wellen- oder schlangenartigen Lichtreflexen.

Moiren: griechische Schicksalsgöttinnen (römisch Parzen), die den Menschen den Lebensfaden spinnen (Klotho), zuteilen (Lachesis) und abschneiden (Atropos).

Moirieren: (zu «Moiré») Textilveredlung Erzeugen eines Glanzmusters von der Art einer Holzmaserung durch Prägen mit heißen Walzen des Moirékalanders.

Moissan, Henri, 28.9.1852-20.2.1907, französischer Chemiker; stellte 1886 erstmals freies Fluor her und konstruierte einen elektrischen Ofen für Laboratorien (M.-Ofen).

Moisejenko: 1. Jewsei Jewsejewitsch, geboren 28.8.1916, sowjetischer Maler; widmet sein Schaffen besonders revolutionsgeschichtlichen Themen, die er in temperamentvoller Malweise und kraftvollen Farben aus jener seit dem Beginn der 60er Jahre für die jungen sowjetischer Künstler charakteristische neue Sicht gestaltet.

2. Pjotr Anissimowitsch, 1852-30.11.1923, russischer Revolutionär; trat 1878 dem Nordbund russischer Arbeiter bei; 1885 Mitorganisator des Morosow-Streiks, mehrmals verbannt. 1905 Mitglied der SDAPR, Bolschewik; nahm aktiv an der Revolution 1905/07, an der Oktoberrevolution und am Bürgerkrieg teil.

Moissejew, Igor Alexandrowitsch, geboren 21.1.1906, sowjetischer Tänzer und Choreograph; Gründer (1937) und Leiter des Staatlichen Volkstanzensembles der UdSSR (Moissejew-Ensemble); verfasste auch Schriften über Volkstanz.

Moissi, Alexander, 2.4.1886-23.3.1935, Schauspieler, gebürtiger Albaner; wirkte seit 1905 am Deutschen Theater, Berlin, im Ensemble Moissi Reinhardts als äußerst sensibler und faszinierender Darsteller jugendlicher Helden- und Charakterrollen.

Moivresche Formeln: (nach einem französischen Mathematiker) 2 Formeln, durch die die Winkelfunktionen sin nx und cos nx für jede natürliche Zahl n durch Polynome n-ten Grades in sin x und cosx dargestellt werden. Sie folgen aus dem Moivreschen Lehrsatz durch Trennung in Real- und Imaginärteil.

mokant: (französisch) spöttisch, spottlustig.

Mokassin: absatzloser Schuh nordamerikanischer Indianer, ursprünglich aus einem weichen Lederstück, der auf Spann und Hacke zusammengenäht, vielfach mit Stachelschweinborsten, später Perlen, verziert war; heute verschiedene, nur zum Teil nach diesem Schnitt gearbeitete Haus- und Straßenschuhe.

mokieren, sich (französisch): sich über etwas lustig machen; sich tadelnd oder spöttisch äußern.

Mokka: a) ursprünglich nach dem arabischen Verschiffungshafen benannte Kaffeesorte;

b) besonders starker Kaffeeaufguss.

Mokpo: Stadt an der Südwestküste Südkoreas; 220000 Einwohner; Nahrungsmittel- und Textilindustrie, Werft; Fischereihafen mit vorgelagerten reichen Fanggründen.

Mol, Zeichen mol: Maßeinheit der Stoffmenge (im weiteren Sinne Objektmenge), seit 1971 Basiseinheit des internationalen physikalischen Maßeinheitensystems SI: Ein Mol ist nach der 1967 von der IUPAC empfohlenen Definition die Stoffmenge, die ebenso viele «elementare Einheiten» enthält, wie Kohlenstoffatome in 12,000000 g des Nuklids Kohlenstoff 12 Vorkommen. Unter «elementaren Einheiten» sind hierbei sowohl konkrete Objekte, wie Atome, Moleküle, Ionen, Ionengruppen, Elektronen, Photonen und andere Teilchen, als auch abstrakte, wie Wertigkeiten, Formelumsätze und Elementarreaktionen, zu verstehen. Die Anzahl der in 1 mol enthaltenen Teilchen beziehungsweise sonstigen Objekte beträgt 6,022 5-1023 (Avogadrosche Zahl). Sie entspricht zum Beispiel der Grammenge eines Stoffes, deren Maßzahl gleich der relativen Molekül- beziehungsweise Atommasse ist (Molmasse, früher auch als Grammolekül, bei einatomig aufgefassten Substanzen als Grammatom bezeichnet). 1 mol Wasser enthält zum Beispiel 6.0225-1023 Wassermoleküle und hat die Masse 18,016 g. Das Volumen von 1 mol Substanz heißt Molvolumen. Siehe auch molar.

molar: auf die Stoff- beziehungsweise Objektmenge 1 mol (= 6,0225 • 1023 Teilchen beziehungsweise Objekte) bezogen. Einige physikalische Größenarten (zum Beispiel Masse, Volumen, Wärme, elektrische Leitfähigkeit, innere Energie, Enthalpie) werden auch als molare Größenarten angewandt. Die molare Masse erhält man durch Division einer gegebenen Masse durch die Anzahl Mole; sie beträgt zum Beispiel für Wasser 18,016 g/mol. Das molare Volumen ergibt sich als Quotient aus molarer Masse und Dichte in cm3/mol beziehungsweise 1/mol; für ideale Gase beträgt es (bei 0°C und 101,3 kPa) 22,415 1/ mol.

Molarität: Konzentrationsmaß, das angibt, wie viel Mole Substanz in 11 Lösung enthalten sind (Maßeinheit mol/1). Zur Kennzeichnung der Molarität dient das Zeichen M (früher -m). Um eine 0,5 M (sprich 0,5-molare) Lösung herzustellen, wiegt man die der halben molaren Masse entsprechende Grammenge des betreffenden Stoffes ab und füllt diese mit Lösungsmittel von 20 °C bis auf 11 auf.

Molasse: Ablagerung mächtiger Schuttserien in Vorsenken oder Binnenbecken eines Faltengebirges. Die mit und nach der Heraushebung eines Orogens entstehenden Sedimente bezeichnet man als Molasse Formation.

Molch: zylindrische, an seiner Mantelfläche mit Kratzer, Schaber oder Messfühler versehenes Gerät zur Reinigung (Reinigungsmolch) beziehungsweise Überwachung (Lecksuchmolch) von Rohrleitungen.

Molche: zur Familie der Salamander gehörende Schwanzlurche, die außerhalb der Paarungszeit eine verborgene terrestrische Lebensweise führen; Paarung, Eiablage und Larvenentwicklung finden meist im Wasser statt, manche Arten verbleiben auch außerhalb der Paarungszeit in Gewässern. Molche sind in Europa, Nordwestafrika, Asien und Nordamerika verbreitet.

Moldanubikum: nach den Flüssen Moldau (Vltava) und Donau (lateinisch Danubius) benannter Teil der Scheitekone des variszischen Orogens in Mitteleuropa; Kernstück ist das Böhm. Massiv; besteht aus variszisch überprägtem, präkambrisches Kristallin.

Moldavite: (Kunstwort) «Moldaugesteine»; Lokalname für eine Sondergruppe der Tektite.

Moldova, Moldau: Landschaft zwischen Ostkarpaten und Prut, in Rumänien, vom Siret durchflossen; überwiegend Hochebene, Anteil am Donautiefland; Hauptort Iasi, Erdölförderung und -Verarbeitung, chemische, Holzindustrie, Maschinenbau; Wasserkraftwerke; Weinbau; starker Fremdenverkehr (zahlreiche Klöster). Der Feudalstaat Moldova entstand zwischen 1352 und 1359 durch Zusammenschluss kleinerer Feudalstaaten im Kampf gegen die Goldene Horde; 1365 befreite er sich von der ungarischen Oberhoheit; Anschluss der Bukowina an die Moldova Seit 1456 war die Moldova dem Osmanischen Reich tributpflichtig, 1711 Beginn der Phanarioten Herrschaft; nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1806/12 kam die östliche Moldova (Bessarabien) zu Russland (Moldauische SSR). 1859 wurde das Fürstentum Moldova mit der Walachei durch Personalunion vereinigt. Siehe auch Rumänien.

Mole, Hafendamm: ins Meer hinausgebauter Stein- oder Betondamm zum Schutz von Häfen oder Einfahrten vor Sturm, Strömung und so weiter

Molekül, Molekel: durch homöopolare Bindungen zusammengehaltener Atomverband gleicher (Elementmolekül) oder verschiedenartiger (Verbindungsmolekül) Atome. Molekül sind chemisch abgesättigte, elektrisch neutrale Teilchen, deren Massen zwischen IO“24 und 10“20 g und deren Durchmesser in der Größenordnung von 10~8 cm liegen. Zum Beispiel beträgt der Durchmesser des Wassermolekül (H20), das aus 2 Wasserstoffatomen und 1 Sauerstoffatom mit einem Bindungswinkel von 104,5° besteht, im gasförmigen Aggregatzustand 2,6 • 10“8 cm. Niedermolekulare Substanzen enthalten (mit unscharfer Abgrenzung) weniger als 1000 Atome im Molekül, makromolekulare Substanzen teilweise beträchtlich mehr. Die Bindungsverhältnisse in einem Molekül können durch Strukturformeln, zum Beispiel H-O-H für ein Wassermolekül, veranschaulicht werden.

molekular: aus Molekülen bestehend; auf Moleküle beziehungsweise den Bereich ihrer Abmessungen bezogen.

Molekularbewegung: ungerichtete Wärmebewegung der Moleküle eines Stoffes gegeneinander; Ursache der Brownschen Bewegung.

Molekularbiologie: Teilgebiet der Biologie, beschäftigt sich mit den für die lebende Materie spezifischen molekularen Mechanismen. Die Molekularbiologie verdankt ihre Erkenntnisse der Synthese von Ergebnissen struktureller und biochemische Untersuchungen der Zelle und denen des biochemischen und biophysikalischen Studiums der Nukleinsäuren und Eiweiße. Ein Teil der Molekularbiologie, die Molekulargenetik, beschäftigt sich unter anderem mit dem Problem der Kodierung der Erbeigenschaften in der DNS und der Übersetzung der genetischen Information in die Struktur und die funktionellen Eigenschaften von Eiweißen und Zellen. Die Anwendung molekularbiologischer Erkenntnisse eröffnet zum Beispiel neue Perspektiven bei der Behandlung von Erbkrankheiten.

Molekulardestillation: Verfahren zur schonenden Trennung thermisch empfindlicher, hochsiedender Stoffe in Abhängigkeit von ihren Molekülmassen durch Verdampfen dünner Flüssigkeitsfilme in geringem Abstand von einer stark gekühlten Kondensationsfläche im Hochvakuum. Die Molekulardestillation ermöglicht eine Trennung von Stoffen mit gleichen Siedepunkten.

Molekularelektronik: in Entwicklung befindliche Technik der Mikroelektronik (voraussichtlich 5. Generation) mit extrem kleinen elektronischen Schaltungen. Im Gegensatz zu integrierten Schaltungen der 3. und 4. Generation sind keine Einzelbauelemente mehr lokalisierbar. Die Wirkungsweise beruht auf Effekten der Opto-, Ultraschall-, Magnet- und Quantenelektronik. Die Packungsdichte wird bis zu mehr als 105 Bauelemente/cm3 betragen.

Molekulargeschwindigkeit: die vom Energieinhalt eines Gases und damit von der Temperatur abhängige Geschwindigkeit seiner Moleküle; wurde 1920 von O. Stern an Silberatomstrahlen gemessen. Die Molekulargeschwindigkeit ist nicht für alle Moleküle einheitlich, im Gleichgewicht gilt die I Maxwellsche Geschwindigkeitsverteilung.

Molekülkristalle: kristalline Stoffe, deren Gitterpunkte von Molekülen (außer Makromolekülen) besetzt sind (Molekülgitter). im Allgemeinen werden Molekülkristalle durch Van-der-Waals-Kräfte oder Wasserstoffbrückenbindungen zusammengehalten. Substanzen, die aus Molekülkristalle bestehen, sind meist weich und elektrisch nichtleitend; ihre Schmelz- und Siede- beziehungsweise Sublimationstemperaturen liegen niedrig («flüchtige Stoffe»); die Kompressibilitäten und Ausdehnungskoeffizienten sind groß. Substanzen mit Molekülkristalle sind zum Beispiel (in festem Aggregatzustand) Wasserstoff (H2), Sauerstoff (02), Stickstoff (N2), die Halogene (F2, Cl2 und so weiter), weißer Phosphor (P4), viele Nichtmetalloxide (CO, C02 unter anderem) und die meisten organischen Verbindungen.

Molekülmasse, früher Molekulargewicht: im engeren Sinne die tatsächliche Masse eines Moleküls (absolute Molekülmasse). Diese ergibt sich als Quotient der molaren Masse und der Avogadroschen Konstanten, zum Beispiel gilt für Wasser (18,016 g/mol): (6,0225 1023/mol) = 2,991 • 10“23 g. im weiteren Sinne ist die Molekülmasse als Verhältniszahl definiert (relative Molekülmasse), welche angibt, wievielmal größer die Masse eines Moleküls ist als der 12. Teil der Masse des Nuklids Kohlenstoff 12; zum Beispiel ergibt sich für Wasser ein Wert von 18,016.

Molenbruch: temperatur- und druckunabhängiges Konzentrationsmaß, welches das Verhältnis der Menge des betrachteten Stoffes zur gesamten Menge der im vorliegenden Gemisch enthaltenen Substanzen (immer in der Maßeinheit mol) angibt. Die Summe aller Molenbrüche eines Gemisches ist folglich gleich 1. Ein Molenbruch von 0,7 besagt, dass von 100 Molekülen eines Gemisches 70 auf den betrachteten Stoff entfallen.

Moleschott, Jakob, 9.8.1822-20.5.1893, niederländischer Philosoph und Physiologe; begründete einen Vulgärmaterialismus, der den Menschen ausschließlich als biologisches Wesen betrachtet. Kraft und Stoff sind für Moleschott eine Einheit, das Denken allein ein physiologischen Prozess; vertrat einen atheistischen Monismus.

Molette: Prägewalze zur Übertragung einer Originalgravur auf einen Tiefdruckformenzylinder mittels Molettiermaschinen; Anwendung im Textil- und Briefmarkendruck.

Molière, eigentlich Jean-Baptiste Poquelin, 15.1.1622-17.2.1673, französischer Schriftsteller, Bühnenautor; begründete unter Verwendung volkstümlicher Traditionen die nationale französische Komödie und führte sie zu klassischen Ausprägung. In seinen Charakter- und Sittenstücken («Tartuffe», 1664, deutsch; «Der Menschenfeind», 1666, deutsch; «Der eingebildete Kranke», 1673, deutsch) verspottet er Abweichungen von natürlichen Verhaltensweisen und den Konventionen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Molise: Region in Mittelitalien, vom Apennin zum Küstentiefland der Adria reichend; 4438 km2, 330000 Einwohner; 74 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Campobasso; 2 Provinzen umfassend; Kalkgebirge und Flysch Hügelland; Erdbebengefährdung; in der wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeblieben; Agrargebiet mit Anbau von Weizen, Kartoffeln, Tafeltrauben und Oliven; Schafzucht; Nahrungsmittelindustrie, Messer- und Spitzenherstellung.

Molke: (zu «melken») Flüssigkeit, die bei der Dicklegung der Milch anfällt. Molke enthält Milchzucker (etwa 4,5%), sehr wenig Fett und Eiweiß (Albumin), aber Vitamine und Mineralstoffe.

Molkerei: Betrieb zur Be- und beziehungsweise oder Verarbeitung von Milch zu Erzeugnissen wie Trinkmilch, Sahne, Butter, Speisequark, Joghurt und Milchgetränke. Der Molkerei ist häufig eine Käserei angeschlossen. Große Betriebe, die nur oder bevorzugt Trinkmilch, Milchgetränke und -Dessert Erzeugnisse produzieren, bezeichnet man als Milchhof.

Moll: (lateinisch mollis, «weich») eines der beiden Tongeschlechter im diatonischen System (Diatonik) mit einem Halbtonschritt zwischen der 2. und 3. Stufe der Tonskala. Unterschiedliche Intervallschritte zwischen der 5. und 7. Tonstufe begründen die Klassifizierung in reines, harmonisches und melodisches Moll.

Moll, Joseph, 11.10.1813-29.6.1849, proletarischer Revolutionär, Uhrmacher; führendes Mitglied des Bundes der Kommunisten, wirkte während der Revolution von 1848/49 vor allem im Rheinland, war Juli/September 1848 Präsident des Kölner Arbeitervereins; fiel als Angehöriger des Freikorps Willich.

Molla, Mulla: islamischer Gelehrter, Richter und Würdenträger (bei den Sunniten) beziehungsweise Geistlicher (bei den Schiiten).

Mollanepes, Kadyrberdy Ogly, 1810-1862, turkmenischer Sänger und Lyriker; war Ackerbauer, Silberschmied und Lehrer, viele seiner Gedichte sowie sein Epos «Söchre und Tachyr» handeln von der Liebe und sind in einer an bildhaften Vergleichen und schmückenden Beiworten reichen Verssprache verfasst.

Mollendo: Stadt im Süden Perus, südwestlich von Arequipa, an der Carretera Panamericana; 20000 Einwohner; Fischerei und Fischverarbeitung; Hafen für Küstenschifffahrt, Flughafen.

Möller: aus Erzen, Konzentraten, Kalkstein und Koks bestehende Beschickung (Charge) für den Hochofen.

Möller-Barlowsche Krankheit, Barlowsche Krankheit, Säuglings-Skorbut: selten gewordene Form der Vitamin-C-Mangel-Krankheit bei Säuglingen und Kleinkindern; ist durch frische Obstsäfte und Gemüse oder Vitamin-C-Gehalt in Fertignahrungen zu verhüten; benannt nach dem Chirurgen Julius O. Möller (1819-1887) und dem britischen Kinderarzt Thomas Barlow (1845-1945).

Mollet, Guy, 31.12.1905-3.10.1975, französischer Politiker, 1946/69 Generalsekretär der sozialistischen Partei (Abkürzung SP); als Ministerpräsident (1956/57) war er verantwortlich für den Überfall Frankreichs auf Ägypten (Oktober 1956), unterstützte den Staatsstreich de Gaulles vom Mai 1958; befürwortete unter dem Druck der Mitglieder der SP gemeinsame Aktionen mit der KP.

Molluskizide: schneckenabtötende Mittel, meist chemische Verbindungen mit wasserentziehenden Eigenschaften (Kalkstickstoffe, Branntkalk) und Fraßgifte, zum Beispiel Azetaldehyd, die als Köder ausgebracht werden.

Mollwitz: soviel wie Mahijowice, polnische Gemeinde südöstlich von Wroclaw. Im 1. Schlesischen Krieg schlugen bei Mollwitz am 10.4.1741 die preußischen Truppen ein österreichisches Heer. Es war die erste Schlacht, in der die bisher entscheidende Kavallerie von Infanterieeinheiten geschlagen wurde.

Molmasse: die Masse eines Mols einer Substanz. Die Molmasse des Wassers beträgt zum Beispiel 18,016 g.

Molnija: (russisch, «Blitz») 1. Bezeichnung für eine sowjetische Trägerrakete, die 1960/61 aus der Trägerrakete Wostok entwickelt und 1961 zum Start des Nachrichtensatelliten Molnija 1 erstmals eingesetzt sowie in weiteren Modifikationen für den Start von Erdsatelliten und Raumsonden der ersten Generation verwendet wurde.

2. Bezeichnung für sowjetische Nachrichtensatelliten (Serien Molnija 1, Molnija 2, Molnija 3 mit stark exzentrische (etwa 450 ... 40000 km), Versuchstyp Molnija IS auf geostationärer Umlaufbahn), die seit 1965 zur Übertragung von Fernsehprogrammen, Ferngesprächen unter anderem über große Entfernungen in Verbindung mit 86 Bodenstationen des Orbita-Systems dienen; siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Moloch, nach der Bibel syrischer Gott, dem Kinder im Feuer geopfert wurden; wahrscheinlich handelt es sich um einen Opferterminus; übertragen Inbegriff unersättliche Forderung höchster Opfer.

Moloch, (nach dem Gott) Domteufel, Moloch horridus: 25 cm lange, wüstenbewohnende Agame Australiens; abgeflacht und sehr stark bedornt; auf Ameisen- und Termitennahrung spezialisiert.

Moltke: 1. Adam Wilhelm Graf von, 25.8.1785-15.2.1864, dänischer Politiker; Staatsminister des Märzministeriums 1848 (erste liberale Regierung Dänemarks); 1854/61 Mitglied, 1854/55 Präsident des Reichsrats.

2. Carl Graf von Moltke, 15.11.1798-12.4.1866, dänischer Politiker; als Staatsminister durch die revolutionäre Bewegung 1848 gestürzt; besonders als Minister für Schleswig (1851/54) Gegner der liberalen Bewegung.

3. Helmuth Graf von Moltke, 25.5.1848-18.6.1916, General; war 1903/06 Generalquartiermeister und seit 1906 Generalstabschef; nach der verlorenen Marneschlacht im September 1914 wurde er seines Amtes enthoben.

4. Helmuth James Graf von Moltke, 11.3.1907-23.1.1945 (ermordet), Jurist, Antifaschist; seit 1939 Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im Oberkommando der Wehrmacht; gehörte zu den führenden Persönlichkeiten des Kreisauer Kreises; 1944 verhaftet.

Molton: weiches, beidseitig gerautes flanell- bis friesartiges Gewebe in Leinwand- oder Köperbindung aus Baumwolle oder Viskosefasern; für wärmende Wäsche, Decken, Wickeltücher, Bettlaken.

Molybdän, Symbol Mo: chemisches Element der Kernladungszahl 42; Atommasse 95,94; Wertigkeit +6, seltener +2 bis +5; F2620°C; Kp 4750°C; Dichte 10,2 g/cm3. Hauptmineral ist Molybdänit (Molybdänglanz); Molybdänverbindungen sind für höhere Organismen lebensnotwendig. Molybdän ist ein silberweißes, sehr festes, gut form-, schweiß- und polierbares, luftbeständiges Metall, das sich in Salpetersäure, Königswasser und heißer Schwefelsäure löst. Man verwendet es für sehr harte Stähle, für hitzefeste Legierungen in Raum- und Luftfahrt sowie für Bauteile von Glühlampen und Elektronenröhren. Siehe auch Molybdänverbindungen. Molybdän wurde 1778 von C. W. Scheele im Molybdänit (Molybdänglanz) vermutet und auf seine Anregung hin 1781 von dem schwedischen Chemiker Peter Jacob Hjelm (1746-1813) erstmals hergestellt.

Molybdänerze: molybdänhaltige Mineralgemenge, aus denen sich ökonomisch günstig Molybdän oder Molybdänverbindungen gewinnen lassen. Molybdänerze führen hauptsächlich Molybdänit.

Molybdänit, Molybdänglanz: Mineral, Molybdänsulfid; Kristallsystem hexagonal, Härte 1 bis 1,5, Dichte 4,7 bis 5 g/cm3, tafelige sechsseitige Kristalle, bleigrau, metallisch glänzend; pneumatolytisch in sauren Eruptivgesteinen, zum Beispiel Altenberg, Zinnwald, Pechtelsgrün, Telemark (Norwegen), Climax (Colorado (USA)).

Molybdänverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist +6wertigem Molybdän.

- Das weiße, in der Hitze gelbe, kristalline Molybdän(VI)-oxid, Mo03, sublimiert bei etwa 800 °C und bildet mit Alkalien Molybdate, die sich von verschiedenen Molybdänsäuren herleiten, zum Beispiel das zum Phosphatnachweis dienende farblose, wasserlösliche Ammoniummolybdat. Molybdän(VI)-fluorid ist farblos; Kp 35 °C.

- Das graue, graphitähnliches Molybdän(lV)-sulfid, MoS2, ist ein Hochtemperaturschmiermittel.

Molybdatrot, Molybdat-Orange: aus Bleimolybdat, PbMo04, und Bleichromat, PbCr04, bestehendes rotorangefarbenes Pigment von hoher Lichtechtheit.

Mombasa: Stadt (Provinzzentrum) in Kenia, am Indischen Ozean; 390000 Einwohner; vielseitige Lebensmittel- und Leichtindustrie; bei Mombasa Erdölraffinerie sowie Stahl- und Aluminiumwalzwerk; wichtigster kenianischer Hochseehafen am Beginn der Ugandabahn; internationaler Flughafen; Ingenieurschule; historisches Museum im ehemaligen portugiesischen Fort Jesu (1593).

Moment: 1. Moment: Augenblick; Zeitpunkt.

2. Moment: ausschlaggebender Umstand; Gesichtspunkt.

3. Moment: Produkt zweier Größen, das für bestimmte Wirkungen maßgebend ist.

a) Moment einer (statistischen) Verteilung heißt diejenige Größe, die durch Multiplikation der Verteilungsfunktion p(x) einer Größe mit der Potenz von Elementen x eines Raumes bezüglich eines Elementes x0 und anschließender Integration über alle Elemente entsteht; die mehrdimensionale Erweiterung ist ein Moment n-ter Ordnung. Schwerpunkt beziehungsweise Trägheitsmoment sind Moment 1. beziehungsweise 2. Ordnung, wobei p(x) die Massendichte ist. Die gerichteten elektrischen beziehungsweise magnetischen Dipolmomente (Dipol) resultieren aus Ladungs- beziehungsweise Stromdichteverteilung.

b) Moment einer vektoriellen Größe a in einem Punkt P bezüglich eines Punktes Osten wird das Vektorprodukt r x a genannt, wobei r der Vektor OP ist; Beispiele sind Drehimpuls und Kraftmoment. Siehe auch magnetisches Moment.

Momentanwert: (lateinisch + deutsch) augenblicklicher Wert einer physikalischen Größe, insbesondere bei Schwingungen.

Momentaufnahme: fotografische Aufnahme, bei der kürzer als etwa 1/30 s belichtet wird. Siehe auch Zeitaufnahme.

Moment musical: lyrisches Charakterstück ohne bestimmte Form; meist für Klavier; bekannt die Moments musicaux von F. Schubert.

Mommsen, Theodor, 30.11.1817-1.11.1903, liberaler Althistoriker, leitete eine Reihe grundlegender Quelleneditionen, veröffentlichte bahnbrechende Arbeiten zur römischen Geschichte und zur Rechtsgeschichte, unter anderem «Römische Geschichte» (4 Bände, 1854/85).

Momoro, Antoine François, 1756-24.3.1794, französischer Revolutionär, Buchdrucker; kämpfte in der Französischen Revolution als Mitglied der Cordeliers für den Sturz der Monarchie und als Kommissar der Kommune von Paris 1792 in der Normandie und 1793 in der Vendée gegen die Konterrevolution; forderte zur Zeit der Jakobinerdiktatur die Weiterführung der Revolution zugunsten der ärmsten Teile des Volkes, näherte sich 1793/94 den Hébertisten und wurde mit ihnen guillotiniert.

Momper, Joos (Jodocus) de, 1564-5.2.1635, flämischer Maler; seit 1581 Mitglied der Lucasgilde in Antwerpen; schuf besonders phantasievolle Landschaftsbilder, die, obgleich manieristisch in der Form, jedoch immer realitätsbezogen sind.

Mon: Volk aus der Gruppe der Mon Khmer-Völker, dessen Reste am Golf von Martaban (Burma) und im westlichen Thailand siedeln; 600000.

Mön, Men: dänische Ostseeinsel südöstlich von Seeland (Amt Seeland); 218 km2, 11000 Einwohner; wichtigster Ort Stege; über Kreideuntergrund Moränenböden, an der Ostküste ein bis 128 m ansteigendes Kreidekliff; Landwirtschaft (besonders Zuckerrübenanbau); Brücke nach Seeland; Fremdenverkehr.

Monaco, Fürstentum Monaco: Staat (Stadtstaat) in Westeuropa, an der Cote d’Azur des Mittelmeeres, vom französischen Departement Alpes Maritimes umgeben; mit überwiegend französischen und italienischen Einwohnern, nur etwa 15% der Bevölkerung sind Staatsangehörige Monacos (Monegassen). Amtssprache ist Französisch. Währung ist der Französischen Franc. Monaco liegt auf einem bis 65 m hohen felsigen Vorgebirge und einem schmalen, künstlich verbreiterten Küstenstreifen. Durch die vor Nordwinden schützenden Berge sehr mildes Klima; reiche Mittelmeervegetation; botanischer Garten (besonders Sukkulenten). Zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe der feinmechanischen, chemischen, pharmazeutischen, elektrotechnischen, plastikverarbeitenden, kosmetische (Parfüm), Genussmittel-, Textil- und Bekleidungsindustrie; Zoll- und Währungsunion mit Frankreich; wegen günstiger Steuergesetzgebung Sitz ausländischer Scheinfirmen (sogenannt Briefkastenfirmen). Haupteinnahmequelle ist der Fremdenverkehr, dem das Spielkasino im Stadtteil Monte Carlo und das Seebad im Stadtteil La Condamine (mit Yacht- und Handelshafen) dienen; weitere Einnahmen durch die Herausgabe von Briefmarken. Monaco ist ein von Angehörigen der Oberschicht der kapitalistischen Welt vielbesuchter Kurort. Akademie für Tourismus; Museen (Ozeanologie, Anthropologie, Ägyptologie); Autorennen (Grand Prix von Monaco), Rallye Monte Carlo, Zirkusfestspiele; Schloss. Im 10. Jahrhundert vor Christus phönikische Siedlung, seit dem 11. Jahrhundert Streitobjekt genuesische Adelsgeschlechter, seit 1641 wiederholt unter französischer «Schutzherrschaft». Das Fürstentum Monaco ist nach der Verfassung vom 5.11.1911 konstitutionelle Monarchie; das gegenwärtige protektoratsähnlichen Verhältnis mit Frankreich, das die Unabhängigkeit und Souveränität garantiert, geht auf den Vertrag vom 17.7.1918 zurück. In Monaco gewährte Steuervergünstigungen fordern die Kapitalflucht aus Frankreich und anderen westeuropäischen Staaten.

Monade: (griechisch, «Einheit») seit der Antike philosophischer Begriff für letzte, unteilbare Einheiten (Weltbausteine). Leibniz («Monadologie», 1714) fasst sie auf als unteilbare, in sich abgeschlossene und mit Kraft begabte rein geistige Substanzen, die sich nach den Stufen ihrer Entwicklung sowie den Graden ihrer Bewusstheit unterscheiden und in ihrer Gesamtheit die Welt darstellen.

Monarch: (griechisch) Alleinherrscher auf Lebenszeit (zum Beispiel Kaiser, König oder Fürst); gekröntes Staatsoberhaupt.

Monarchie: Alleinherrschaft; Staatsform, bei der ein einzelner Monarch (Souverän, Landesherr) die Staatsgewalt innehat. In der absoluten Monarchie übt der Monarch die Staatsgewalt auf Lebenszeit mittels Beamtentums und Polizei bei völliger Rechtlosigkeit des Volkes uneingeschränkt aus. In der konstitutionellen Monarchie ist der Monarch durch eine Verfassung an die Zustimmung der Stände (mittelalterliche Ständemonarchie) oder einer parlamentarischen Vertretungskörperschaft, die sich vorwiegend aus der Bourgeoisie und dem Feudaladel zusammensetzt, gebunden. In der parlamentarischen Monarchie hat der Monarch meist repräsentative Funktionen, während die Staatsleitung in den Händen der Regierung liegt, die formell dem Parlament verantwortlich ist. Bei Erbmonarchie ist die Herrscherstellung in einer Familie nach bestimmter Thronfolgeordnung erblich; bei Wahlmonarchie wird der neue Monarch durch die Wahl seitens dazu berufener Personen (zum Beispiel Kurfürsten) oder einer Körperschaft bestimmt.

Monat: (althochdeutsch, zu «Mond») 1. Dauer eines Umlaufs des Mondes um die Erde, je nach Wahl des Bezugspunkts oder der -linie verschieden lang. Der siderische Monat (27 d 7 h 43 min 11,5 s) ist die Zeit zwischen zwei i aufeinander folgenden Durchgängen des Mondes durch den Stundenkreis eines Fixsternes, der tropische Monat (27 d 7 h 43 min 4,7 s) ist die Zeit zwischen 2 Durchgängen durch den Stundenkreis des Frühlingspunktes, der synodische Monat (29 d 12 h 44 min 2,9 s) die Zeit zwischen 2 gleichen Phasen.

2. Monat, Kalendermonat: ursprünglich der synodische Monat im Mondjahr, also der Zeitraum, in dem die Mondphasen einmal durchlaufen werden. Beim Übergang zum Lunisolar- oder zum Sonnenjahr wurde der Begriff des Monats beibehalten, aber der Zusammenhang mit dem Mondumlauf ging zum Teil verloren; siehe auch Kalender 2, Revolutionskalender.

Monatsbilder: anschauliche Darstellung der Monate durch menschliche Tätigkeiten, häufig zusammen mit Tierkreiszeichen, seit dem Mittelalter beliebt als Reliefs an gotischen Kathedralen und besonders in der Buchmalerei (Brüder von Limburg: «Das sehr reiche Stundenbuch des Herzogs von Berry», 1413/16) mit ihren Genre-, Natur- und Landschaftsdarstellungen.

Monazit: Mineral, Cerphosphat, das Beimengungen von Seltenerdmetallen und Thorium enthält; Kristallsystem monoklin, Härte 5 bis 5,5, Dichte 4,8 bis 5 g/cm3, dicktafelige, rotbraune Kristalle, derbe Massen, auch in Gerollen; Vorkommen in Pegmatiten oder auch sedimentär in Strandseifen, zum Beispiel Südindien, Brasilien.

Moncada: Kaserne in Santiago de Cuba. Der Sturm auf die Moncada am 26.7.1953 bildete den ersten Versuch der von Fidel und Raul Castro Ruz geführten revolutionären Bewegung zum Sturz der Batista Diktatur.

Mönch: 1. als Einsiedler (Eremit) oder im Kloster lebender religiöser Mann (griechisch monachos, «der einsam Lebende»; im «Alleinsein mit Gott» Absage an die Welt). Das Mönchtum als asketische Lebensform der christlichen Kirche stammt aus Ägypten (Antonius) und erlebte seine stärkste Ausprägung im Hochmittelalter (Ordenswesen); über das Christentum hinaus in allen Weltreligionen existent (vor allem Indien, Ausbreitung mit dem Buddhismus).

2. Ablassvorrichtung eines Fischteiches.

Monclova: Stadt im Bundesstaat Coahuila (Mexiko), in der östlichen Sierra Madre; 140000 Einwohner; Eisen- und Buntmetallurgie, Kokereien, Eisenbahnwerkstätten; Verkehrsknoten.

Mond, Trabant, Satellit: Himmelskörper, der einen Planeten umkreist. Unter den bisher entdeckten etwa 50 Mond gibt es solche von Planetencharakter, von denen 2 den Merkur an Größe übertreffen, aber auch kleine, unregelmäßig geformte Körper, die den Planetoiden verwandt sein dürften. Die Planeten Jupiter, Saturn und Uranus besitzen Mondsysteme, in denen sich die großen Mond wie die Planeten bei der Sonne in einer regelmäßigen Abstandsfolge anordnen. im engeren Sinne ist mit Mond der Erdmond (lateinisch Luna) gemeint, der während seines Umlaufs um die Erde verschiedene Phasen zeigt. Je nach Bezugspunkt ist die Umlaufzeit des Monds, der Monat, verschieden lang. Durch die gebundene Rotation (Resonanz 1) des Monds wendet er der Erde immer die gleiche Seite zu; siehe auch Libration. Die Temperaturen auf dem Atmosphäre losen Mond betragen am Tage + 110°C, in der Nacht -160°C. Die Mondoberfläche zeigt 2 verschiedene Krustengenerationen aus Silikatgestein: die hellen, mit Mondkratern übersäten Hochländer (siehe auch Terrae) und die dunklen, ebenen, kraterarmen Flächen (siehe auch Mare). Letztere entstanden durch Lavaüberflutung rund 1 Md. Jahre nach der Mondentstehung. 1969 erste Landung von Menschen; siehe auch Apollo, Mondboden, Mondsonde.

mondän: (französisch) im Stile der sogenannt großen Welt; übertrieben elegant.

Mondbein: ein Handwurzelknochen.

Mondblindheit, periodische Augenentzündung: Entzündung der mittleren Augenhaut bei Pferden, die häufig wiederkehrt. Es ist eine Reaktion des Organismus auf das Vorhandensein bestimmter Stoffwechselprodukte. Die Mondblindheit verläuft mit anfallsweisen starken Schmerzen und kann zur Erblindung führen.

Mondboden: aus blasenführenden vulkanischen Gesteinsbruchstücken, Brekzien, feinkörnigem Lockermaterial und Staub bestehende, wenige Dezimeter mächtige Schuttdecke auf dem Erdmond. Zum Lockermaterial gehören auch Glas- und Eisen-Nickel-Kügelchen. Der Mondboden ist durch Zertrümmerung der Mondgesteine infolge von Meteoriten- und Mikrometeoritenaufschlägen, durch Insolationszerfall, Materialauswurf durch Aufschläge und Vulkanausbrüche entstanden. Der Gehalt an Edelgasen im Mondboden ist extrem hoch.

Mondfinsternis: Verfinsterung des Vollmondes bei seinem Durchgang durch den Erdschatten. Da die Mondbahn gegen die Ekliptik geneigt ist, treten Mondfinsternis nur ein, wenn der Mond nahe der Ekliptik steht. Man unterscheidet totale und partielle Mondfinsternis, je nachdem, ob der Mond ganz oder teilweise vom Kernschatten der Erde getroffen wird.

Mondfisch, Klumpfisch, Mola mola: zu den Kugelfischartigen gehörender, bis 3 m langer Bewohner wärmerer und gemäßigter Meere; seitlich abgeflacht, Schwanzflosse zum Flossensaum am breiten Hinterende reduziert; Maul sehr klein, Zähne wie zu einem Schnabel verwachsen; lässt sich auf der Seite liegend treiben; frisst kleine Fische und Kopffüßer.

Mondkrater: Krater unterschiedlicher Größe und Entstehung auf dem Mond. Mondkrater mit napfförmiger Innengestalt werden allgemein als Meteoritenkrater angesehen. Mondkrater mit terrassenförmigen Abbrüchen des Kraterrandes, ebenem Boden und Zentralberg sind wenigstens in der Spätphase ihrer Entstehung vulkanischer Herkunft.

Mondrian, Piet, 7.3.1872-1.2.1944, niederländischer Maler; Mitbegründer der Künstlergruppe De Stijl; gelangte über den Kubismus zur abstrakten Malerei. Sich rechtwinklig schneidende Geraden begrenzen in seinen Kompositionen Farbflächen in rhythmischer Abfolge.

Mondsatellit: Raumflugkörper, der den Mond auf einer geschlossenen Umlaufbahn umrundet. Erster Mondsatellit war Luna 10 (UdSSR, 1966).

Mondscheinsonate: romantisierende Bezeichnung für die Klaviersonate op. 27 Nr. 2 in cis-Moll von L. van Beethoven; stammt wohl von dem Musikkritiker L. Relistab.

Mondsonde: unbemannter Raumflugkörper, der Messgeräte und beziehungsweise oder Beobachtungsapparaturen in die Nähe oder auf die Oberfläche des Mondes bringt und Messergebnisse beziehungsweise Aufnahmen auf dem Funkweg zur Erde übermittelt oder Bodenproben mittels Rückkehrteils zur Erde befördert. Die erste Mondsonde war die sowjetische Mondsonde Luna 1. Siehe auch Luna, Lunar Orbiter, Pioneer, Ranger, Sond, Surveyor.

Monet, Claude, 14.11.1840-6.12.1926, französischer Maler. Die Erkenntnisse der Freilichtmaler von Barbizon mit dem Realismus von G. Courbet verbindend, gelangte Monet um 1866 zusammen mit A. Renoir zu einer neuen malerischen Auffassung, dem Impressionismus, dessen Hauptvertreter er wurde. Seine Werke faszinieren durch die Darstellung feinster atmosphärischer Stimmungen bei unterschiedlichen Tages- beziehungsweise Jahreszeiten («Impression Sonnenaufgang», 1872). Im Spätwerk tritt die Wiedergabe des Gegenständlichen zugunsten einer vollkommenen Erfassung der farblichen Erscheinung zurück, womit Monet die Grenzen Impressionist Gestaltungsweise erreichte.

Monetarsystem, Monetarismus: 1. erstes System der bürgerlichen politischen Ökonomie in der Periode des Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus, in der die feudale Naturalwirtschaft durch die bürgerliche Geldwirtschaft verdrängt wurde. Das Monetarsystem forderte, Geld in Form von Edelmetallen anzusammeln, und betrachtet den Außenhandel nur als Mittel der Schatzbildung. Aus dem Monetarsystem entwickelte sich der Merkantilismus.

2. eine in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhundert als Reaktion auf das wirtschaftspolitische Versagen des Neokeynesianismus entstandene und maßgeblich von Monetarsystem Friedman in den USA begründete Variante der neoliberalen beziehungsweise neoklassischer Richtung der bürgerlichen politischen Ökonomie; gab sich auf Grund ihrer vorrangigen Orientierung auf die staatliche Geldmengenregulierung den Namen Monetarismus. Während das Monetarsystem eine progressive Rolle bei der Vorbereitung der kapitalistischen Produktionsweise spielte, ist das gegenwärtige Monetarsystem (Neomonetarismus) ein extrem reaktionärer ideologischer Ausdruck der jetzigen Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus.

Monferrato: Hügelland in Oberitalien, südöstlich von Turin um die Stadt Asti; bekanntes Agrar- und Weinbaugebiet; Schaumweinherstellung.

Monge, Gaspard, 10.5.1746-28.7.1818, französischer Mathematiker; begründete die neuere darstellende Geometrie und erfand das Grundriss-Aufriss-Verfahren; synthetisierte 1783 Wasser aus Sauerstoff und Wasserstoff.

Mongolei: historische Landschaftsbezeichnung für ein Gebiet im östlichen Zentralasien; im engeren Sinne das heutige Territorium der Mongolischen Volksrepublik (früher auch als äußere Mongolei bezeichnet); im weiteren Sinne dazugehörend die Innere Mongolei (China) mit den Autonomen Gebieten Innere Mongolei und Ningxia Hui, Teilen der Dsungarei und der Provinzen Qinghai und Gansu.

Mongolen: («die Tapferen») im weiteren Sinne die zur mongolischen Sprachgruppe zählenden Völker Innerasiens (M. im engeren Sinne, Burjaten, Dachuren, Mongolen); etwa 4 Millionen; traditionelle Wirtschaftsform ist der Hirtennomadismus; im engeren Sinne Ost- oder Chalcha-Mongolen (Bevölkerung der MVR mit 1,45 Millionen und des Autonomen Gebietes Innere Mongolei in China mit 2,2 Millionen) und West-Mongolen (Oiraten, Kalmyken).

Mongolenfalte, Nasenlidfalte, Epikanthus: weit herabfallende Deckfalte des Augenoberlides, die den eigentlichen Lidrand und teilweise die Wimpern verdecken kann; verschmilzt am inneren Augenwinkel in einem sichelförmigen Bogen mit der Nasenhaut; kommt vor allem bei den mongoliden Rassen vor, ist aber nicht auf diese beschränkt.

Mongolenfleck, Steißfleck, Sakralfleck: blaugraue Verfärbung der Haut über der Steißgegend, die bei Neugeborenen deutlich ausgeprägt ist, später aber verblasst. Der Mongolenfleck hat keine pathologische Bedeutung und kommt bei den Angehörigen mongolider Rassen häufig, sonst selten vor.

Mongolischer Altei, Ektag-Altai: Hochgebirge in Zentralasien, das aus einem System von Nordwesten nach Südosten streichenden Gebirgsketten besteht; politisch zur MVR und China gehörend; 900 km lang, bis 200 km breit; höchste Erhebung Munkchairchan mit 4374 m; aus paläozoischen Gesteinen und Graniten aufgebaut; im Kammbereich alpine Matten, an der Südwestflanke Gebirgswald-, im Osten Gebirgssteppen, die nach Südosten teilweise in Wüstensteppen übergehen; Weidewirtschaft.

Mongolisches Becken: vorwiegend von Gebirgen umrahmtes Hochlandbecken im Nordosten Zentralasiens, zwischen dem Großen Chingan im Osten und dem Mongolischen Altai und den östlichen Ausläufern des Tienschan im Westen; etwa 2,7 Millionen km2,1000 m über dem Meeresspiegel; überwiegend Binnenentwässerungsgebiet; extrem kontinentales Klima; im Norden und Osten vorwiegend Gebirgs- und Gebirgswaldsteppen, nach Süden und Südwesten zu (Gobi) in Wüstensteppen und Wüsten übergehend.

mongolische Schrift: Buchstabenschrift der Mongolen, die von oben nach unten geschrieben wird; wurde 1941 in der MVR durch das kyrillische Alphabet ersetzt; nur in der Inneren Mongolei noch erhalten.

mongolische Sprachen: zu den altaischen Sprachen zählende Sprachfamilie; dazu gehören das eigentliche Mongolisch (Amtssprache in der MVR), Burjatisch, Oiratisch (Kalmykisch unter anderem), Dagurisch, Mongolisch und Mogol-Sprachen. Entwicklungsgeschichtlich unterscheidet man Altmongolisch, dem auch der sogenannte Schriftmongolisch weitgehend entspricht, Mittelmongolisch und Neumongolisch. Der Wortschatz der mongolischen Sprachen enthält viele Entlehnungen aus dem Chinesischen, Tibetischen und Russischen.

Mongolistik: Wissenschaft, die die Sprache, Kultur und Literatur sowie die Geschichte der Mongolen erforscht; sie entstand in den 30er Jahren des 19. Jahrhundert in Russland.

Moniereisen: veraltete Bezeichnung für Bewehrungsstahl in Stahlbeton; benannt nach dem Erfinder; dem französischen Gärtner Joseph Monier (1823-1906).

monieren: mahnen, rügen, beanstanden.

Moniliakrankheit: (lateinisch monile, «Halsband»), Polsterschimmel: durch die Pilze Monilinia fructigena an Kernobst und Moniliakrankheit laxa an Steinobst verursachte, erhebt. Schäden anrichtende Obstkrankheit, die als Blütenfäule, als Frucht- oder Moniliafäule unter Bildung von kreisförmigen, grauweißen Schimmelpolstern und als Spitzendürre auftritt. Die Bekämpfung erfolgt durch Entfernen der Fruchtmumien und durch Zurückschneiden der kranken Triebe.

Monino, José, Graf von Floridablanca, 21.10.1728-30.12.1808, spanischer Politiker, Vertreter des aufgeklärten Absolutismus; förderte als Erster Minister (1777/92) Industrie und Landwirtschaft, beschränkte die Macht der Kirche; nach der Französischen Revolution Gegner des bürgerlichen Fortschritts.

Monismus: eigentlich «Einheitslehre»; philosophische Auffassung, die die Welt im Unterschied zum Dualismus und Pluralismus einheitlich und aus einem einzigen Prinzip erklärt. Der Monismus kann je nach der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie materialistisch oder idealistisch sein. Die konsequenteste Form des materialistischen Monismus ist die marxistisch-leninistische Philosophie, weil sie die Welt im Einklang mit den Resultaten der Wissenschaft aus sich selbst und in ihrer objektiven dialektischen Widersprüchlichkeit als Einheit von Mannigfaltigem erklärt.

Monitor: Fernsehkontrollempfänger für Regie- und Reportage Zwecke.

Moniuszko, Stanislaw, 5.5.1819-4.6.1872, polnischer Komponist; wirkte seit 1858 in Warschau als Opernkapellmeister und Professor am Konservatorium; gilt nach F. Chopin als Hauptvertreter der polnische Nationalmusik des 19. Jahrhundert Mit «Halka», «Das Gespensterschloss» unter anderem schuf Moniuszko Meisterwerke der polnischen Nationaloper, in denen Traditionen der europäischen Kunstmusik und der polnischen Folklore eine Synthese finden. Er schrieb ferner Kammer-, Klavier- und Kirchenmusik sowie über 300 Lieder, die auch einen wesentlichen Bestandteil seines Werkes bilden.

Monochord: einsaitiges musiktheoretisches Demonstrationsmittel und Musikinstrument der Antike und des Mittelalters mit rechteckigem Resonanzkasten, verschiebbarem Steg und Intervallmarkierungen zur Demonstration von musikalischen Tonverhältnissen; Vorläufer von Clavichord und Trumscheit; siehe auch pythagoreische Monochord Lehre.

monochromatisch: einfarbig. Monochromatisches Licht enthält nur eine Wellenlänge X. Es ist der theoretische Grenzfall des quasimonochromatischen Lichtes für AA—» 0.

Monochromator: optisches Gerät zur Erzeugung quasimonochromatisches Lichtes. Der Monochromator besteht aus beleuchtetem Spalt, Kollimator, einem dispergierenden Bauelement (im Allgemeinen Prisma oder Beugungsgitter), Objektiv und Austrittsspalt. Anstelle des dispergierenden Bauelements können auch Interferenzfilter verwendet werden.

Monod, Martine, 3.12.1921-22.10.1985, französische Schriftstellerin; Literatur- und Medienkritikerin unter anderem an der Zeitschrift «Lettres Françaises»; bekannt insbesondere durch den aus der Friedensbewegung der 50er Jahre hervorgegangenen Roman «Die Wolke» (1954, deutsch) und den Roman «Normandie-Njemen» (I960, deutsch).

Monodiät: eine meist nur aus einer Hauptkomponente bestehende, für den industriemäßigen Einsatz geeignete Futterration (zum Beispiel ganzjährige Silagefütterung an Rinder).

Monodie: a) einstimmiger unbegleiteter Gesang in der Antike und im Mittelalter;

b) generalbassbegleiteter Sologesang mit beherrschender melodischer Oberstimme, seit dem 17. Jahrhundert besonders in Oper, Oratorium und Kantate üblich.

Monodrama: Drama mit nur einer handelnden Gestalt; besonders im 18. Jahrhundert populär, später unter anderem im Expressionismus, aber auch in der sozialistischen Dramatik (P. Hacks) und im Hörspiel (G. Rücker).

monofil: (griechisch + lateinisch) einfädig; aus einem einzigen Elementarfaden bestehend.

Monogamie, Einehe: Ehe zwischen einem Mann und einer Frau; siehe auch Polygamie. Bei Tieren dauernde Verpaarung eines Männchens mit nur einem Weibchen.

Monogastride: Tiere mit einhöhligem Magen (im Unterschied zu den Wiederkäuern); Sammelbegriff für Schweine und Geflügel.

Monogenie, Monomerie, monofaktorieller Erbgang: Abhängigkeit eines Merkmals von einem einzigen Genpaar. Siehe auch Polygenie.

Monogermsaatgut: durch mechanische Zerkleinerung oder Züchtung gewonnenes Saatgut der Betarüben. Die Vorteile liegen in der Verringerung des Pflegeaufwandes, da die Rüben nicht wie beim normalen (Polygerm-) Saatgut in Büscheln, sondern als Einzelpflanzen aufgehen.

Monogonie: ungeschlechtliche Fortpflanzung; das Lebewesen geht nicht aus einer Eizelle hervor, sondern entsteht bei Einzellern durch einfache oder multiple Teilung, bei Mehrzellern durch Knospen (Süßwasserpolyp) oder Brutknospen (Gemmulae der Schwämme, Statoblasten der Moostierchen), die sich vom Muttertier ablösen. Siehe auch Schizogonie.

Monogramm: mehrere zu einer Einheit verschlungene Buchstaben, die den Namen (zum Teil mit Titel) einer Person ausdrücken; besonders im Mittelalter auf Urkunden anstelle der Unterschrift sowie auf Handwerks- und auch Kunsterzeugnissen angewendet.

Monogrammisten: zusammenfassende Bezeichnung für Kupferstecher und Holzschneider, besonders der Spätgotik und Renaissance, von denen das Künstlermonogramm bekannt ist, die jedoch namentlich und biographisch nicht erfassbar sind (zum Beispiel Meister E. S.).

Monographie: in sich abgeschlossene wissenschaftliche Darstellung eines einzelnen Problems, literarischen Werkes oder einer Persönlichkeit.

Monograptus: Graptolith, dessen gerade oder spiralige Äste nur einseitig mit Tieren besetzt waren; wichtigstes Leitfossil des Silurs.

Monokel, Einglas: Brillenglas, das vor ein Auge geklemmt wird.

monokristallin: ist ein kristallines Haufwerk, dessen Kristalle beziehungsweise Kristallite nur einer Kristallart angehören.

Monokultur: über längere Zeit hinweg fortgesetzter Anbau einer Kulturpflanze auf derselben Fläche (pflanzenbauliche Monokultur) oder deren ausschließlicher Anbau in einem Betrieb (betriebswirtschaftliche Monokultur). Die erstere Form der Monokultur birgt unter anderem das Risiko starken Schädlingsbefalls, der Bodenmüdigkeit und in deren Ergebnis des Ertragsrückgangs. In der modernen Landwirtschaft wird die Monokultur im Feldbau daher nur in Ausnahmefällen bei selbstverträglichen Nutzpflanzen (Mais), im Obstbau dagegen recht häufig angewandt. Die betriebswirtschaftliche Monokultur war vor allem eine Folge der Kolonialherrschaft und überwiegend auf den Anbau von Marktfrüchten (Kaffee, Tee, Bananen) orientiert. Sie ist volkswirtschaftlich wegen der daraus resultierenden übermäßigen Marktabhängigkeit der betreffenden Länder (besonders von monopolistischen Aufkäufern und Produzenten) sehr nachteilig und behindert die nationale Entwicklung.

Monolith: aus einem einzigen Steinblock gefertigtes Kunstwerk monumentalen Ausmaßes.

monolithisch: aus einem Stein bestehend. Als Monolith Bau bezeichnet man ein nicht montiertes, zusammenhängend hergestelltes Bauwerk zum Beispiel aus Ziegeln oder Beton.

Monolog: (griechisch, «Selbstgespräch») literarisches-theatralisches Gestaltungsmittel, das der Selbsterforschung und der Aufdeckung bestimmter Handlungsmotive einzelner Gestalten dient (besonders in der klassischen Dramatik). Siehe auch innerer Monolog.

monomer: in (kleinen) Einzelmolekülen vorliegend, die durch Polyreaktion in makromolekulare (polymere) Substanzen umgewandelt werden können.

Monomotapa: afrikanisches Reich mit Ansätzen einer Feudalentwicklung im Gebiet des heutigen Mozambique und von Simbabwe. Auf dem Höhepunkt der Macht im 14./15. Jahrhundert hatte Monomotapa weitreichende Handelsverbindungen zu Ländern hergestellt; im 17. Jahrhundert von den Rozwi zerstört.

Monophthong: (griechisch) einfacher Selbstlaut, im Deutschen a, e, i, o, u.

Monophylie: in der Phylogenese Abstammung bestimmter Arten von einer gemeinsamen Vorfahren Art; zum Beispiel lassen sich alle Vogelarten von einer Urform ableiten.

Monophysiten: (griechisch «eine Natur») Anhänger der auf dem Konzil zu Chalcedon (451) verurteilten Lehre, nach der Christus nur göttlicher Natur (und nicht auch menschliche) sei. Siehe auch koptische Kirche.

Monoplacophora, Napfschaler, Tryblidiida: erst seit 1957 als rezent bekannte Weichtiere mit napfartiger, rundlicher Schale, die das ganze Tier überdeckt Bisher etwa 15 Arten der Gattung Neopilina aus der Tiefsee bekannt. Monoplacophora gehören zu den bedeutendsten Funden der speziellen Zoologie der letzten Jahrzehnte. Die nur wenige Zentimeter großen Monoplacophora bilden eine eigene Weichtierklasse, die fossil bekannten Arten rechnete man vorher zu den Schnecken.

Monoplegie: Lähmung eines einzelnen Gliedes oder Gliedabschnittes; zum Beispiel bei Hirnschädigung.

Monopol: 1. allgemein ausschließliches Recht, Alleinrecht, Alleinbeherrschung.

2. politische Ökonomie: kapitalistisches Produktionsverhältnis (Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnis) und Form des Kapitals im Imperialismus, die auf der Grundlage eines hohen Konzentrations- und Zentralisationsgrades der Produktion und des Kapitals die freie Konkurrenz ausschaltet und dadurch der Finanzoligarchie eine ökonomische und politische Machtposition mit dem Ziel sichert, möglichst hohe Monopolprofite zu erlangen; es ist die kapitalistische Form der Vergesellschaftung, «die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise» (Marx), ökonomisches Hauptmerkmal des Imperialismus, sein ökonomisches Wesen. Das Monopol entsteht im Ergebnis des Wirkens des ökonomischen Grundgesetzes des Kapitalismus. Zu seinen Grundeigenschaften gehören die Anwendung von Gewalt und Aggressivität. Hauptformen des Monopols sind Kartell, Syndikat, Konzern, Trust. In der Gegenwart gewinnen internationale Monopole (transnationale beziehungsweise multinationale Konzerne, vielfach als Multis bezeichnet) in Ökonomie und Politik immer mehr an Bedeutung. Mitte der 80er Jahre beherrschten sie bereits nahezu 40% der Industrieproduktion und mehr als 45 % des technologischen Potentials der kapitalistischen Wirtschaft. In den Entwicklungsländern sind, sie Träger eines raffinierten Systems der neokolonialistischen Ausbeutung. Ihr gewaltiges ökonomisches Potential verstärkt den Drang jener aggressivsten Teile des Monopolkapitals, die im militärischen-industriellen Komplex tonangebend sind, nach politischer Reaktion, Gewaltanwendung, Intervention, Anzettelung von Verschwörungen und drängt die Menschheit an den Rand eines atomaren Infernos. Sie erlangen aus der Anwendung moderner wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse für die imperialistische Rüstung riesige Monopolprofite. Transnationale Monopol (Konzerne) sind hinsichtlich ihres Kapitals und der Kontrolle darüber national, erstrecken sich jedoch mit ihren Betrieben über mehrere Staaten, während bei multinationalen Monopolen (Konzerne) sich das Aktienkapital international zusammensetzt. Seit den 70er Jahren wurde die Kontrolle der Tätigkeit internationaler Monopole zu einem eigenständigen Problem der Auseinandersetzung im Rahmen der UNO.

Monopolbanken: im Imperialismus durch den Konzentrations- und Zentralisationsprozess des Bankkapitals entstandene Bankmonopole, die über große Teile des disponiblen Geldkapitals der Unternehmen verfügen, durch Kontoführung und Kreditgewährung die gesamte Wirtschaft des Landes kontrollieren, durch kapitalmäßige und personelle Verflechtung, unter anderem auch durch die Ausübung des Depotstimmrechtes (Bankenstimmrecht), mit den Industriemonopolen zum Finanzkapital verschmolzen und damit ein wesentlicher Bestandteil des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems sind. Die Macht der Monopolbanken gründet sich auf die Existenz von Universalbanken, um die sich unter ihrem Einfluss stehende und in ihrer Abhängigkeit befindliche Spezialbanken gruppieren. Die Monopolbanken sind international durch Auslandsbanken und über Entwicklungsbanken miteinander verflochten und fungieren, mit den multinationalen Konzernen eng verbunden, als Träger des internationalen Finanzkapitals.

Monopolbourgeoisie: Teil der Bourgeoisie, der sich auf der Grundlage der Konzentration der Produktion und des Kapitals und der Entstehung von Monopolen beim Hinüberwachsen des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den Imperialismus herausbildet. Die Monopolbourgeoisie, zu der die Finanzoligarchie, die Monopol- und Großkapitalisten sowie die Manager im Herrschaftsapparat der Finanzoligarchie gehören, ist eine zahlenmäßig kleine, jedoch ökonomisch und politisch herrschende Schicht mit reaktionärem und aggressivem Charakter.

monopolistischer Kapitalismus: durch die Herrschaft der Monopole in Wirtschaft und Gesellschaft gekennzeichnetes Entwicklungsstadium des Kapitalismus. Siehe auch Imperialismus.

Monopolpreis: Preis der monopolistisch erzeugten und beziehungsweise oder umgesetzten Waren, der in der Regel ihren Produktionspreis übersteigt. Der Monopolpreis kann sich bei großer Festigkeit des Monopols sogar entgegengesetzt zum Wert der Waren entwickeln, der infolge steigender Arbeitsproduktivität eine sinkende Tendenz hat. Der Monopolpreis ist die Hauptursache der chronischen Inflation im staatsmonopolistischen Kapitalismus.

Monopolrente: eine Form der kapitalistischen Grundrente; zusätzliches Einkommen, das in der Landwirtschaft oder extraktiven Industrie entsteht, wenn der Preis einer unter besonders günstigen Bedingungen erzeugten Ware infolge einer gewissen Monopolstellung über ihren Wert steigt, zum Beispiel bei Ländereien, auf denen seltene landwirtschaftliche Kulturen wachsen oder bei Grundstücken, die besonders seltene Mineralien bergen. Die Differenz zwischen dem Monopolpreis und dem Warenwert nimmt die Form der Monopolrente an und wird vom Grundeigentümer angeeignet.

Monosaccharide: Kohlenhydrate (meist Zucker), die nicht aus einfacheren Kohlenhydraten zusammengesetzt sind. Die Monosaccharide sind mehrwertige Alkohole mit einer Aldehyd- (Aldosen) oder Ketogruppe (Ketosen) im Molekül; zum Teil liegen durch innermolekularen Ringschluss Halbacetale vor. Hexosen enthalten 6, Pentosen 5 Sauerstoffatome; in der Natur seltener sind Tetrosen mit 4, Heptosen mit 7 Sauerstoffatomen unter anderem. Man unterscheidet somit Aldohexosen (zum Beispiel Glukose, Galaktose, Mannose) und Ketohexosen (zum Beispiel Fruktose, Sorbose), Aldopentosen (zum Beispiel Arabinose, Xylose) und so weiter. Nahezu alle Monosaccharide sind optisch aktiv und existieren somit in einer D- und einer L-Form. Die Monosaccharide sind färb- und geruchlos, leicht wasser- und schwer alkohollöslich; sie schmecken süß, seltener bitter. Sie lassen sich Verethern und Verestern; durch Reduktion entstehen Zuckeralkohole, durch Oxydation unter anderem Zuckersäuren.

Monoschicht: einlagige Adsorptionsschicht auf einer Festkörperoberfläche.

Monosomie: Form der Aneuploidie, bei der in einer diploiden Zelle ein Chromosom nicht als Chromosomenpaar, sondern nur in der Einzahl vorhanden ist.

Monosyndeton: Grammatik durch eine Konjunktion verbundene Wort- oder Satzreihe. Siehe auch Polysyndeton.

Monotheismus: Glaube an einen einzigen Gott unter ausdrücklicher Ablehnung anderer Götter; s. a. Polytheismus.

Monotypie: graphische Drucktechnik, bei der meist nur ein Abzug erfolgt; ermöglicht lockere und feine Farb- und Materialwirkungen; seit dem 17. Jahrhundert bekannt, im 19./20. Jahrhundert weit verbreitet.

Monözie: Gemischtgeschlechtlichkeit; bei Tieren Vereinigung männlicher und weiblicher Individuen auf einem Tierstock (zum Beispiel Staatsquallen); bei Pflanzen Einhäusigkeit (siehe auch einhäusig).

monozyklisch, monocyclisch: im Molekül eine einzige ringgeschlossene Atomkette enthaltend.

Monroe, Marylin, eigentlich Norma Jean Baker, 1.7.1926-4.8.1962 (Selbsttötung), US-amerikanische Filmschauspielerin; wurde in den 50er Jahren zum Sex-Idol gemanagt. Hiergegen ankämpfend, besuchte sie das New Yorker Actors Studio und begründete eine eigene Produktion. Ihre Leistung als Schauspielerin wurde in den USA erst nach ihrem Tode erkannt («Das verflixte 7. Jahr», «Bus Stop», «Manche mögen’s heiß», «Nicht gesellschaftsfähig»).

Monroedoktrin: politischer Grundsatz der USA vom 2.12.1823, benannt nach Präsident James Monroe (1758-1831); wies die Einmischung europäischen Mächte in Amerika zurück, diente den USA zur ideologischen Rechtfertigung ihres Vorherrschaftsstrebens, heute des Neokolonialismus in Lateinamerika.

Monrovia: Hauptstadt Liberias, am Atlantischen Ozean; 310000 Einwohner; Textil-, Möbel-, Nahrungsmittel-, Metall-, chemische, Zementindustrie; bei Monrovia, in Paynesville, Erdölraffinerie; wichtigster liberianischer Hochsee-, internationaler Flughafen (50 km von Monrovia bei Robertsfield); Universität; Nationalmuseum.

Mons: Stadt im Süden Belgiens, Verwaltungszentrum der Provinz Hennegau; Mittelpunkt des Industrie- und ehemaligen Bergbaugebietes Borinage; 94000 Einwohner; Waggonbau, Textil-, Papier-, Tabak-, Schuh- und pharmazeutische Industrie; Bergakademie, Konservatorium, Fachschulen; Museen, Theater, gotisches Rathaus (15. Jahrhundert), spätgotische Waltrudiskirche (15./17. Jahrhundert).

Monsieur: (französisch, «mein Herr») französische Anrede; ursprünglich Titel des ältesten Bruders des Königs und Anrede für die Adligen.

Monstera: Fensterblatt, Monstera: großblättriges kletterndes Aronstabgewächs des tropischen Amerikas; dekorative pflegeleichte Zimmerpflanze mit durchlöcherten oder fiederig eingeschnittenen Blättern.

Monstranz: Schaugefäß für die geweihte Hostie in der katholischen Kirche; oft kunstvoll gearbeitet und aus Gold und Edelsteinen hergestellt.

monströs: ungeheuerlich; unförmig, missgebildet.

Monsun: Luftströmung in der atmosphärischen Zirkulation mit halbjährlichen Richtungswechseln der Winde und entsprechenden Witterungseigenschaften. Ein besonders ausgeprägtes Beispiel ist der indische Monsun mit jahresperiodischen Wechsel zwischen trockener Nordostströmung (Wintermonsun) und regenreichen Südwestwinden (Sommermonsun, Mai bis September).

Montafon: österreichisches Alpental in Vorarlberg, von der oberen 111 durchflossen, 40 km lang; wichtigster Ort Schruns (3300 Einwohner); Viehzucht (M.er Rinderrasse, Schafe); im unteren Teil Acker- und Obstbau; Wasserkraftwerke (Illwerke); Fremdenverkehr.

Montage: 1. allgemein a) Zusammenbau von Maschinen, Apparaten und Geräten im Herstellerbetrieb;

b) Aufstellung von Anlagen, Bauwerken, Maschinen am Ort der Verwendung.

2. Kinetechnik: Filmschnitt.

3. Polygraphie: a) Zusammenstellen von Kopiervorlagen zu einer standgerechten Kopierform für die Tief-, Offset- und Lichtdruckformenherstellung (siehe auch Tableau) oder für den Buchdruck mit Ganzformplatten;

b) in der Buchdruckformenherstellung das Befestigen der Druckplatten auf einer Holz- oder Bleiunterlage (Bleifuß);

c) Ergebnis der Montagearbeit.

Montagearbeiter: Werktätige im Arbeitsrechtsverhältnis, deren Arbeitsaufgabe die Ausführung von Montagearbeiten an Arbeitsorten außerhalb des Betriebes im In- oder Ausland ist. Montagearbeiter bekommen bei Arbeit im Inland Entschädigungszahlungen (Auslösung u. ä.); für Auslandsmontagen gelten besondere Rechte und Pflichten.

Montagebau: industrielle Baumethode, bei der vorgefertigte Bauelemente und Raumzellen auf der Baustelle mit Hilfe von Kranen nach Montageablaufplänen montiert und durch Mörtel oder Schweißen miteinander verbunden werden. Siehe auch Großblockbau, Plattenbau.

Montagespiel, Einbauspiel: Luftraum zwischen den Bauelementen für den unbehinderten Montagebau, sogenannt Passtoleranz. Siehe auch Passungstechnik.

Montagne Pelée, Mont Pelée (beide Französisch, «kahler Berg»): tätiger Vulkan auf der Insel Martinique (Kleine Antillen); 1463 m; bei dem letzten großen Ausbruch 1902 wurde der damalige Hauptort der Insel, Saint-Pierre, völlig zerstört (über 26000 Tote).

Montaigne, Michel de, 28.2.1533-13.9.1592, französischer Philosoph, Schriftsteller, Jurist und Politiker; Wegbereiter der Aufklärung. Montaigne entwickelte einen fortschrittlichen, gegen die Scholastik gerichteten und von der Antike beeinflussten Skeptizismus, dem die Überzeugung von der Erkennbarkeit der Natur und die Aufforderung, ihren Weisungen zu folgen, zugrunde liegt. Er bekämpfte Hexenprozesse und trat für Toleranz und Befreiung der Persönlichkeit von feudalen und religiösen Fesseln ein. Montaigne begründete den Essay («Essays», 1572/88, deutsch).

Montaldo, Giuliano, geboren 22.2.1930, italienischer Filmregisseur; begann als Bühnenschauspieler; schuf seit 1960 gesellschaftskritische und politische Filme wie «Der Rücksichtslose», «Gott mit uns», «Sacco und Vanzetti», «Agnes geht in den Tod», «Das Spielzeug».

Montale, Eugenio, 12.10.1896-12.9.1981, italienischer Lyriker; Hauptvertreter der italienischen Lyrik der Moderne und des Hermetismus; seine Dichtung spiegelt trotz poetischer Verschlüsselung die harte Auseinandersetzung des Künstlers mit der bürgerlichen Gesellschaft wider («Tintenfischknochen», 1925; «Die Gelegenheiten», 1939; «Der Sturmwind und andere Gedichte», 1956).

Montana, Abkürzung Mont.: Bundesstaat im Nordwesten der USA, an der kanadischen Grenze; 380848 km2, 790000 Einwohner (4% Indianer); 2 Einwohner/km2; Hauptstadt Helena. Im Osten Prärieplateau, von bewaldeten Flusstälern durchschnitten, im Westen Felsengebirge (bis 3 901 m hoch); gemäßigtes Kontinentalklima; Hauptflüsse sind Missouri und Yellowstone. Hauptwirtschaftszweige sind der Bergbau (Kupfer-, Blei-, Zink-, Gold-, Silbererz, Mangan, Kohle, Erdöl und -gas), die Nichteisenmetallurgie, die Land- (Getreideanbau; Rinder-, Schaf- und Schweinehaltung) und Forstwirtschaft; Gewinnung von Hydroenergie; Luftwaffen- und Raketenbasen; Glacier National Park; Tourismus.

Montaña: Ostabfall und Vorland der südamerikanischen Kordilleren in Peru; bis 1200 m über dem Meeresspiegel mit dichtem immergrünem tropischen Regen-, darüber (bis 2100 m über dem Meeresspiegel) mit Bergwald bedeckt, der gebirgswärts in Nebelwald übergeht; ergiebige Erdöllagerstätten, die auch zunehmend erschlossen werden.

Montand, Yves, eigentlich Ivo Lni, geboren 13.10.1921, französischer Schauspieler und Chansonnier Italienischer Herkunft; machte sich zuerst als Chansonnier einen Namen und entwickelte sich im Film, oft in Arbeiterrollen, zu einem vielseitigen Charakterdarsteller («Lohn der Angst», «Die Hexen von Salem», «Der Krieg ist vorbei», «Die schönen Wilden».

Montangeologie: Zweig der angewandten Geologie, der die Gesetzmäßigkeiten der Anreicherung mineralischer Rohstoffe und ihre Lagerungsverhältnisse zum Zwecke der wirtschaftlichen Gewinnung (besonders durch Bergbau) und Nutzung erforscht.

Montanindustrie: die Unternehmen des Bergbaus und des Hüttenwesens sowie (im weiteren Sinne) die auf dem Bergbau aufbauende weiterverarbeitende Industrie (Kohle-, Eisen-, Stahlindustrie); Teil der Grundstoffindustrie.

Montanisten: asketisch-christliche Bewegung gegen die Verweltlichung der Kirche, die die nahe Wiederkunft Christi lehrte; benannt nach dem Phrygier Montanus (um 150).

Montansäure: eine farblose, wachsartige, wasserunlöslicher Substanz der Formel Cj, H55COOH, deren Ester den Hauptbestandteil des Montanwachses bilden.

Montanunion, Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Abkürzung EGKS: staatsmonopolistischer Zusammenschluss der Stahl- und Kohleproduzenten Frankreichs, der BRD, Italiens und der Benelux Staaten mit einer Gültigkeitsdauer von 50 Jahren. Der Vertrag zur Gründung einer Montanunion wurde von dem ehemaligen französischen Außenminister R. Schuman (Schuman-Plan) angeregt, am 18.4.1951 unterzeichnet und trat am 25.7.1952 in Kraft. Ziel der Montanunion ist vor allem die Rationalisierung und Modernisierung der Produktion im Interesse der großen Monopole. Sie dient als eine ökonomische Basis der NATO in Europa. 1965 beschlossen die Teilnehmerländer die Vereinigung der Hohen Behörde (supranationales Organ der Montanunion), der Exekutivorgane der EWG und der EURATOM. Siehe auch Europäische Gemeinschaften.

Montanwachs: bituminöse Masse, die aus getrockneter Braunkohle durch Extraktion mit Lösungsmitteln (zum Beispiel einem Benzol-Äthanol-Gemisch) gewonnen wird und hauptsächlich aus höheren Estern der Montansäure besteht. Das braunschwarze Rohmontanwachs enthält noch Harze und Asphalt. Durch Destillation oder Raffination gelangt man zu einem hellen, relativ harten und gut polierbaren Produkt. Montanwachs findet Anwendung zur Herstellung von Schuhkrem, Bohnerwachs, konsistenten Fetten und Isoliermitteln.

Mont Blanc: höchster Gipfel der Alpen und Europas, im Osten Frankreichs, in den Westalpen, im französisch-italienisch-schweizerischen Grenzgebiet; 4810 m; in einer Berggruppe aus kristallinen Schiefern mit Granitkern; stark vergletschert, Hauptgletscher ist der 7 km lange Mer de Glace-, Erstbesteigung 1786; Zahnrad- und Drahtseilbahnen, unter anderem die etwa 15 km lange Seilbahn zur Bergstation Aiguille du Midi (3790m); 11,6 km langer Straßentunnel durch das Mont Blanc-Massiv zwischen Frankreich und Italien; Observatorium; starker Fremdenverkehr (Chamonix-Mont-Blanc, Courmayeur).

Montbretie, (nach einem französischen Orientreisenden) Crocosmia: schwertlilienartige Gartenzierpflanze aus Südafrika mit trichterförmigen orangeroten Blüten.

Monte-Carlo-Methode: (nach dem Stadtteil Monacos) numerisches Verfahren, das sich für die Lösung deterministische Probleme des Zufalls bedient,. indem nach einem Programm ein (pseudo-) zufälliger Prozess erzeugt wird, der das Problem simuliert. Näherungslösungen ergeben sich als statistische Schätzungen nach vielen Versuchen. Monte-Carlo-Methoden konvergieren im Allgemeinen langsam, aber mit großer numerischer Stabilität. Die Monte-Carlo-Methode hat besondere Bedeutung für die Lösung komplizierter partieller Differentialgleichungen, aber auch für Optimierung und optimale Steuerung. Wegen der großen Anzahl notwendiger Rechenschritte ist die Monte-Carlo-Methode nur mit leistungsstärkeren Rechenautomaten effektiv.

Montecristo: italienische Insel im Tyrrhen. Meer, südlich von Elba; 10 km2; Granitfelsen (bis 645 m hoch); unbewohntes Naturreservat; bekannt durch A Dumas Roman «Der Graf von Monte Christo».

Montego Bay: Stadt an der Nordküste von Jamaika; 50000 Einwohner; Werftindustrie, Fischfang; Touristenzentrum (Badeort); internationaler Flughafen.

Montenegriner: serbokroatisch sprechende Bevölkerung in Jugoslawien, besonders in Montenegro; etwa 580000; meist serbischer, zum Teil auch albanische Herkunft.

Montería: Stadt (Departements Zentrum) im Norden Kolumbiens; 170000 Einwohner; Zentrum eines bedeutenden Viehzuchtgebietes; Nahrungsmittelindustrie; Forschungsinstitut für Rinderzucht.

Monte Rosa: Gebirgsstock aus Gneis und Granit in den Walliser Alpen, an der schweizerisch-italienischen Grenze; nach Osten steil abstürzend, mit der 4634 m hohen Dufourspitze an der Nordwestabdachung mehrere Gletscher (unter anderem Gornergletscher).

Monterrey: Hauptstadt des Bundesstaates Nuevo León; im Nordosten Mexikos; 1,1 Millionen Einwohner, als Agglomeration 2,5 Millionen Einwohner; Eisen- und Stahlwerke (etwa drei Viertel der mexikanischen Gesamtproduktion), Bleischmelzen, Glas-, Textil-, chemische, Tabak-, Papier- und Lebensmittelindustrie; Flughafen; 2 Universitäten, technologisches Institut.

Montesa, Orden von: spanischer Ritterorden (benannt nach der Stadt Montesa); entstand zu Beginn des 14. Jahrhundert als Nachfolger des 1308 aufgelösten Templerordens, 1317 von Papst Johannes XXII. anerkannt; der Besitz des Ordens Wurde 1587 von der spanischen Krone säkularisiert.

Monte Sciliar, Sehlem: steiler Bergstock in den italienischen Dolomiten, nordöstlich von Bozen; bis 2564 m.

Montesquieu, Charles Louis de Secondat, Baron de, 18.1.1689-10.2.1755, französischer Staatstheoretiker und Geschichtsphilosoph; Vertreter der Aufklärung. Montesquieu, Ideologe der liberalen Großbourgeoisie, vertrat die Gewaltenteilung und die konstitutionelle Monarchie. Die Verschiedenheit der Regierungsformen führte er auf unterschiedlicher geographische und soziale Verhältnisse zurück; Hauptvertreter des sogenannten geographischen Determinismus. Hauptwerk: «Vom Geist der Gesetze» (1748, deutsch).

Montessori, Maria, 31.8.1870-6.5.1952, italienische Pädagogin; entwickelte ein System der allgemeinen Erziehung (Montessori Methode), in dem kindlichen Selbsttätigkeit und Selbsterziehung die unmittelbare Führung durch den Erzieher weitgehend ersetzen sollten.

Monteverdi, Claudio, 1567 (15.5. getauft) bis 29.11.1643, italienischer Komponist; wirkte seit 1613 als 1. Kapellmeister am Markusdom in Venedig. Monteverdi gilt als erster Meister der frühen europäischen Oper («L’Orfeo», «Die Krönung der Poppea» unter anderem) und führte in Madrigale, Messen und Motetten den generalbassbegleiteten Sologesang ein. Berühmt ist das «Lamento d’Arianna» (Klage der Ariadne) aus der sonst verlorengegangenen Oper «L’Arianna» (1608), das er auch als fünfstimmiges Madrigal bearbeitete. Monteverdi, mit Gesualdo da Venosa und L. Marenzio auch ein Hauptmeister des Madrigals, leitete mit seinen Spätwerken die Venezianische Schule ein.

Montevideo: Hauptstadt von Uruguay, am Nordufer des Río de la Plata; 1,3 Millionen Einwohner (über 40% der Landesbevölkerung); wichtigstes Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum des Landes; Lebensmittel-, Leicht-, Metall-, Erdöl- und chemische Industrie; bedeutendster Hafen Uruguays, internationaler Flughafen; Akademie, 2 Universitäten, Nationalbibliothek, Planetarium, Theater, Seebad. 1726 gegründet; 1807 durch britische Truppen besetzt; Hauptstadt seit 1828;1843/51 von Buenos Aires aus belagert.

Montfort, Simon de, Earl of Leicester, um 1208-4.8.1265 (gefallen), englischer Feudalherr; 1258 Mitinitiator, ab 1263 Führer der Ständeopposition gegen Heinrich III., der die Magna Charta Libertatum abzuschütteln suchte; 1264 nach Gefangennahme des Königs Protektor Englands, berief 1265 die erste Ständeversammlung mit Vertretern des Ritteradels und der Städte ein, auf die er sich besonders zu stützen suchte; durch Verrat der Barone 1265 besiegt.

Montgolfier, französischer Erfinder, Brüder: Jacques Étienne, 7.1.1745-2.8.1799, und Joseph Michel, 26.8.1740-26.6.1810; entwickelten den Heißluftballon (Montgolfière); erster Ballonaufstieg am 5.6.1783, dann Flug mit Tieren und am 21.11.1783 erster freier Flug mit Menschen (Pilatre de Rozier und Marquis d’Arlandes). In jüngster Zeit hat das Heißluftballonfahren wieder an Popularität gewonnen (Welt- und Europameisterschaften seit 1973). Ein Montgolfier-Diplom wird jährlich von der FAI (Internationale Organisation für Luftfahrt und Flugwesen) an erfolgreiche und verdienstvolle Ballonfahrer verliehen.

Montgomery: Hauptstadt des Bundesstaates Alabama (USA), am Alabama River, 180000 Einwohner; Verarbeitung landwirtschaftliche Rohstoffe, Düngemittel-, Möbelindustrie; Verkehrsknoten.

Montgomery, Bernard Law, Viscount Montgomery of el Alamein, 17.11.1887-24.3.1976, britischer Feldmarschall; im 2. Weltkrieg Oberbefehlshaber von Armeen und Armeegruppen; 1948/51 Oberbefehlshaber der Streitkräfte der sogenannt Westeuropäischen Union; 1951/57 Erster Stellvertreter des Oberbefehlshabers der NATO-Streitkräfte.

Month, ägyptischer Kriegsgott, ursprünglich in Theben beheimatet, mit Falkenkopf und Sonnenscheibe dargestellt, später mit Amun gleichgesetzt.

Montherlant, Henry de, 21.4.1896 bis 21.9.1972 (Selbsttötung), französischer Schriftsteller; verherrlichte in seinem Frühwerk Kriege und Gewalt, wandte sich später sozialpsychologischen Themen zu («Die Junggesellen», 1934, deutsch; «Die jungen Mädchen», 1935, deutsch).

Montierung: die Aufstellung eines astronomischen Fernrohrs. Bei der überwiegend benutzten parallaktische oder äquatorialen Montierung ist eine Drehachse (die Stundenachse) parallel zur Himmelsachse ausgerichtet, damit das Fernrohr zum Ausgleich der täglichen Bewegung der Gestirne nur um eine Achse gedreht zu werden braucht. Die zweite, dazu senkrechte Achse heißt Deklinationsachse. In Sonderfällen (zum Beispiel bei Radioteleskopen) benutzt man die altazimutale oder horizontale Montierung, bei der eine Drehachse zum Zenit weist und die andere in der Horizontebene liegt.

Montmorillonit: nach dem französischen Fundort Montmorillon: Mineral, Magnesium-Aluminium-Eisen-Silikat-Hydrat; Kristallsystem monoklin, sehr weich, quellbar, Dichte 1,9 bis 2,3 g/cm3; weiße, graue oder rosa Schüppchen mit guter Spaltbarkeit; weltweit verbreitet als Verwitterungsprodukt.

Montparnasse: Stadtteil im Süden von Paris; früher Künstler- und Vergnügungsviertel; moderne Hochhäuser, auf dem Friedhof von Montparnasse das Grab von G. de Maupassant.

Montpellier: Stadt im Süden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Hérault, im Languedoc; 190000 Einwohner; Herstellung von Metallmöbeln, elektrotechnischen und elektronischen Geräten; Weinhandel; Universität (gegründet 1289); Institut für Weinbau; Museum Fabre (Gemäldegalerie); gotische Kathedrale (14. Jahrhundert).

Montreal, französisch: größte Stadt Kanadas, in der Provinz Quebec, auf einer Insel im Sankt-Lorenz-Strom, in den hier der Ottawa mündet; 980000 Einwohner (zumeist französischsprachig), als Metropolitan Area 2,8 Millionen Einwohner; größtes Verkehrs-, Handels-, Finanz- und Wirtschaftszentrum Kanadas mit vielseitiger verarbeitender Industrie (Elektromaschinen-, Flugzeug-, Schiffbau, Erdölverarbeitung (Pipeline von Portland, USA; Erdgasleitung aus Alberta), Leicht-, Lebensmittelindustrie); Überseehafen (4 Monate vereist), Überseeflughafen Mirabel, Kontinentalflughafen Dorval, U-Bahn; 4 Universitäten; Bibliotheken, Museen, Kunstgalerie, Theater, Konservatorium, Planetarium; modernes unterirdisches Einkaufs-, Geschäfts- und Vergnügungsviertel; Weltausstellung 1967; Olymp. Sommerspiele 1976; im Stadtzentrum der Mount Royal (234 m).

Montreux: Stadt im Südwesten der Schweiz (Kanton Waadt), am Nordostufer des Genfer Sees; 20000 Einwohner; Schokoladen-, Uhrenindustrie, Goldschmiedewaren; mildes Klima; Weinbau; Mineralquellen; Filmfestspiele.

Mont-Saint-Michel: Gemeinde im Norden Frankreichs, am Kanal, auf kleiner Felseninsel in der Bucht von Mont-Saint-Michel; 140 Einwohner; starke Gezeitenunterschiede; durch Damm mit dem Festland verbunden; Museum. Mont-Saint-Michel wird überragt von der ehemaligen Benediktinerabtei, einem mittelalterlichen Kloster- und Festungsbau (Abteikirche, 1058/84, eines der ersten Werke der normannischen Bauschule).

Montsalvatsch: in der Artussage Berg mit der Gralsburg; der Name wird gedeutet als altfranzösisch Mons salvaiges («wilder Berg») oder lateinisch Mons salvationis («Berg des Heils»),

Montserrat: 1. Montserrat (spanisch, «gesägter Berg»): Bergstock im Katalonischen Küstengebirge, 60 km nordwestlich von Barcelona (Spanien); stark verwittert, bis 1224 m; in 721 m Höhe berühmte Benediktinerabtei (seit 880); Wallfahrtsstätte; Klosterkirche (16. Jahrhundert).

2. Montserrat: britische Kolonie in der Karibik, auf der Insel Montserrat, der südlichsten der Leeward-Inseln (Kleine Antillen); 98 km2, 12000 Einwohner; 122 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Plymouth. Über 90% der Bevölkerung sind Afroamerikaner. Gebirgige Insel (bis 912 m) vulkanischen Ursprungs. Nur ein Viertel des Territoriums wird landwirtschaftlich genutzt; Hauptanbauprodukte sind Baumwolle, Zitrusfrüchte, tropische Früchte und Gemüse; Viehzucht; Fischerei. Von besonderer Bedeutung für die Wirtschaft ist der zunehmende internationale Tourismus. Haupthafen Plymouth, Flughafen Blackbume Airfield an der Ostküste.

Monumentale Propaganda, Leninscher Plan der monumentalen Propaganda. Errichtung von Denkmälern und Gedenktafeln für bedeutende Revolutionäre, Wissenschaftler und Künstler in den ersten Jahren nach der Oktoberrevolution, die auf ein von W. I. Lenin angeregtes Dekret des Rates der Volkskommissare zurückging.

Monumentalkunst: Richtung der bildenden Kunst und Architektur, die durch monumentale, inhaltlich bedeutsame Werke, die einen besonderen historischen und feierlichen Anspruch manifestieren, gekennzeichnet ist. Sie wird stark von den jeweils herrschenden sozialen, politischen und ästhetischen Idealen der Gesellschaft geprägt. Die Monumentalkunst verleiht wichtigen Gebäuden, Straßen, Plätzen oder anderen gesellschaftlichen Erlebnisbereichen ein akzentuiertes repräsentatives Aussehen. Sie entstand im Ergebnis der ersten sozialen und geistigen Differenzierung in der Urgesellschaft, wobei sie von Anfang an religiös und kultisch gebunden war; am Übergang zur Klassengesellschaft auf den Herrscherkult bezogen. Im Mittelalter weitgehend identisch mit monumentaler Kunst am Bauwerk (Plastik, Mosaik, Wand- und Glasmalerei), wurden in der Antike und wieder seit der Renaissance auch selbständige Denkmäler geschaffen. In der sozialistischen Kunst, besonders bei der Gestaltung neuer Stadtzentren, erlangt die Monumentalkunst in ihren vielfältigsten Erscheinungsformen eine ständig wachsende Bedeutung (Maix-Engels-Monument, Ernst-Thälmann-Denkmal; beide in Berlin).

Monumentum Ancyranum: 1555 im Roma Tempel von Ancyra (Ankara) aufgefundener Tatenbericht des römischen Kaisers Augustus, dessen Urfassung auf Marmortafeln vor seinem Mausoleum auf dem Marsfeld in Rom aufgestellt war.

Monza: Stadt in Oberitalien (Lombardei), nördlich von Mailand; 120000 Einwohner; Metallurgie, Maschinenbau, Elektro- und Textilindustrie; Dom (14. Jahrhundert); Autorennstrecke (5,75 km lang).

Moor, Luch, Fehn: sumpfiger Naturraum mit charakteristischer Vegetation, deren unvollständig zersetzte Reste (Torf) mehr als 30% des Substrates bilden und eine Schicht von wenigstens 2 dm oberhalb 8 dm unter Flur einnehmen müssen. Nach Melioration oder Torfstich vielfach wertvolles Kulturland. Geogene Moor (Niedermoor beziehungsweise Ried) entstehen bei Verlandung von Gewässern unter meist nährstoffreichen Bedingungen bei Bewuchs besonders mit Seggen, Schilf und Erlen; nach Kultivierung gutes Grünland, seltener auch Ackerland. Ombrogene Moor (Regenmoor beziehungsweise Hochmoor) entstehen in niederschlagsreichen Gebieten auf undurchlässigen, meist nährstoffarmen mineralischen Schichten; Vegetation gekennzeichnet durch anspruchslose Pflanzen, besonders Torfmoose, Wollgräser, Kiefern und Zwergsträucher. Landwirtschaftlich nur selten zu nutzen. Übergangsbildungen sind Übergangs- oder Zwischenmoor Wichtige Bodentypen auf Niedermoor sind Ried, Fen und Mulm.

Moorbad: Anwendung einer wässrigen Mooraufschwemmung, die neben Torf auch Minerale, zum Beispiel Eisen, Schwefel, enthält, zu Bädern und Packungen, insbesondere bei chronischen entzündlichen und rheumatischen Erkrankungen.

Moore: 1. George Augustus Moore, 24.2.1852-21.1.1933, irischer Schriftsteller und Kunstkritiker; schrieb unter dem Einfluss E. Zolas naturalistische Romane, wie «Ein moderner Liebhaber» (1883), «Eines Komödianten Weib» (1885), «Ein Drama in Musselin» (1886), «Esther Waters» (1894, deutsch), sowie Essays («Die Literatur und die irische Sprache», 1901). zwischen 1899 und 1911 schloss sich Moore der bürgerlichen nationalen Kulturbewegung der «Ir. Renaissance» an.

2. Henry Moore, geboren 30.7.1898, englischer Bildhauer und Zeichner. Seine figürliche Plastik lebt von blockhaften Volumengegensätzen und dem Zusammenwirken von Masse und Hohlraum. Die Einbeziehung der Landschaft ist ihm bei seinen großkomponierten Gestaltungen besonders wichtig. Moore ist einer der bedeutendsten Bildhauer Großbritanniens, der die Entwicklung der Plastik des 20. Jahrhundert entscheidend beeinflusst hat.

3. Sir Thomas More.

4. Thomas Moore, 28.5.1779-25.2.1852, irischer Dichter; schrieb die romantischen volksverbundenen patriotischen «Irischen Melodien» (1808/34, deutsch) und die orientalische Verserzählung «Lalla Rukh, die mongolische Prinzessin» (1817, deutsch); war mit G. Byron befreundet.

Moorfrosch, Rana arvalis: bis 7 cm langer, bräunlicher Froschlurch mit spitzer Schnauze und großem Fersenhöcker; Männchen während der Paarungszeit hellblau; bewohnt sumpfige Wiesen und Moore Eurasiens.

Moorfunde: aus Mooren stammende ur- und frühgeschichtliche Funde, zum Beispiel Keramiken, Textilien, Waffen, Schmuck, Produktionsinstrumente, aber auch Tiere und Menschen; die organischen Substanzen sind durch die konservierende Wirkung des Moores sehr gut erhalten.

Mooring: Verankerung eines Schiffes mit Hilfe beider Buganker; im weiteren Sinne so viel wie Festmachen.

Moorsprengung: Verfahren zur Verbesserung des Baugrundes im Straßen- und Grundbau bei moorigem Untergrund. Es wird ein Damm aus Sand und Kies aufgeschüttet, der infolge der nach den Seiten wirkenden Moorsprengung in den entstehenden Hohlraum absinkt und das Moor verdrängt.

Moose, Bryophyta: etwa 25000 Arten umfassende Abteilung grüner Pflanzen, die bereits im Carbon auftraten; meist von geringer Höhe, einige Arten bis zu 40 cm hoch, ohne oder mit primitivem Leitgewebe und mit wurzelähnlichen Rhizoiden; vorwiegend Landpflanzen. Charakteristisch ist der Wechsel zwischen einer Stämmchen und Blätter besitzenden beziehungsweise gelappt oder bandförmig gestalteten Generation (Gametophyten, auf ihm entwickeln sich männliche Antheridien und weiblicher Archegonien) und einer aus der befruchteten Eizelle hervorgehenden Generation, den meist gestielten, blattlosen Sporenkapseln (Sporophyten), aus deren gekeimten Sporen erst der Vorkeim (Protonema) und danach wieder Gametophyten (die eigentlichen Moospflanzen) hervorgehen. Bei Moose werden 2 Klassen unterschieden: Lebermoose (Hepaticae) von lappenförmig flacher, unregelmäßiger Gestalt oder mit 2 bis 3 Reihen blattähnliche Lappen ohne Mittelrippe und Laubmoose (Musci), in Stamm und Blätter (mit Mittelrippe) gegliedert.

Moosfarn, Selaginella: Gattung meist tropische Farnpflanzen von moosähnliches Aussehen; einige Arten in den europäischen Hochgebirgen; zu den Bärlappen gehörig. Siehe auch Bärlapp.

Moosglöckchen, Linnaea borealis: zu den Geißblattgewächsen gehörender, nordisch-alpiner Halbstrauch mit langgestielten, nickenden, glockigen weißen Blüten; Charakterart des nördlichen Nadelwaldgürtels.

Moostierchen, Bryozoa, Ectoprocta: Klasse der Kranzfühler; sehr kleine festsitzende Meeres- und Süßwassertiere, die moosähnliche Kolonien bilden; ausgestorbene Formen vielfach gesteinsbildend.

Mopr: «Zeitschrift für Kampf und Arbeit der Internationalen Roten Hilfe», erschien 1926/32 in Berlin. Der Name Mopr ist die Abkürzung des russischen Namens der «Internationalen Organisation zur Unterstützung von Kämpfern der Revolution» (bestand 1922/47).

Mops: bis 35 cm hohe, kurzhaarige stämmige Haushunderasse mit großem, rundem Kopf, vielen Runzeln auf der Stirn, kurzen Ohren (sogenannt Knopf- oder Rosenohren) und kurzem, viereckigem Fang.

Mora, Constancia de la, 1906-1950, spanische Schriftstellerin; verfasste den fortschrittlichen autobiographischen Roman «Doppelter Glanz» (1939, deutsch) nach dem Erlebnis des Spanischen Freiheitskampfes 1936/39 und der Niederschlagung der Spanischen Republik.

Mora, Ferenc, 17.7.1879-8.2.1934, ungarischer Schriftsteller; war ein Meister der kleinen Form, dessen Werke sich durch tiefgründigen Humor und gründliche Kenntnis des Volkes auszeichnen; schrieb außer Skizzen, Erzählungen und Märchen den Antikriegsroman «Das Lied von den Weizenfeldern» (1927, deutsch), den historischen Roman «Der goldene Sarg» (1932, deutsch) sowie Jugendbücher.

Moral: (lateinisch mores, «Sitten», «Gewohnheiten») Bereich des Bewusstseins, des Verhaltens und der Beziehungen der Menschen, der wesentlich durch den Gegensatz der ethischen Grundbegriffe Gut und Böse bestimmt ist. Soziale Typen von Moralvorstellungen (zum Beispiel Sklavenhalter-Moral, Moral der Arbeiterklasse) bringen zum Ausdruck, welches Verhalten den historischen Interessen dieser oder jener sozialen Gruppe (besonders Klasse) ent- oder widerspricht. Moral. Verhaltensideale und Wertvorstellungen (Moralprinzipien und -normen, Auffassungen von moralischer Verantwortung, Pflicht, Ehre, Schuld unter anderem) dienen stets der geistig-praktischen Eingliederung der Menschen in eine bestimmte soziale Einheit beziehungsweise ihrer Unterordnung unter deren Interessen. Moralsysteme enthalten sowohl an mehrere historischen Gesellschaftsformationen oder Klassen wie auch an einzelne Entwicklungsabschnitte von Gesellschaftsformationen oder Klassen gebundene Elemente. Besonderheiten ergeben sich aus (oft überlieferten) ökonomischen, politischen und geistig kulturellen Unterschieden. Inhaltliche Veränderungen sind vor allem abhängig von (national wie international) bedeutsamen Veränderungen der objektiven Lage und der Interessen der Klassen (zum Beispiel durch soziale Revolutionen, die internationale Systemauseinandersetzung, wissenschaftlich-technische und ökonomische Umwälzungen). Letztlich determinieren die grundlegenden ökonomischen Verhältnisse die sozialen Grundinteressen und damit die Moral Allgemeinere Interessen und ihnen entsprechende moralische Forderungen sind typspezifisch ein- beziehungsweise untergeordnet bedingen jedoch Momente der Kontinuität und des Zusammenwirkens. So ist die Erhaltung des Friedens in der Gegenwart Forderung verschiedener Moraltypen. Die Entwicklung der Moral verläuft in dialektisch widersprüchlichen Prozessen, in denen die jeweils tragenden sozialen Kräfte Änderungen der objektiven Klasseninteressen reflektieren und unter anderem als (neue) moralische Ansprüche geltend machen. Dieser gesellschaftliche Suchprozess schließt individuelle und kollektive Erfahrungen, Literatur, verschiedene Wissenschaften, Entwicklungen in Berufen, in der Familie unter anderem ein; er verläuft sowohl spontan als auch bewusst. Die Herausbildung eines Moraltyps ist nie identisch mit seiner Herrschaft in der jeweiligen Klasse oder gar Gesellschaft. Das Verhältnis der Individuen zu der objektiv ihre sozialen Grundinteressen ausdrückenden Moral hängt wesentlich von ihren weltanschaulich-politischen Grundpositionen ab. Die Moralentwicklung der Individuen vollzieht sich innerhalb ihrer gesamten weltanschaulichen und Persönlichkeitsentwicklung (eingeschlossen Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten, Willensqualitäten). Moralvorstellungen des einzelnen werden (stets gemeinsam mit juristischen, politischen, ökonomischen und anderen gesellschaftlichen Regulativen sowie biologische Komponenten) als subjekteigene geistige Orientierungs-, Trieb-, Kontroll- und Sanktionskräfte (Gewissen) im Entscheiden und Handeln wirksam. Die bürgerliche Moral kann sowohl auf humanistischen Engagement wie auf kapitalistischen Privateigentum, Ausbeutung und Krieg orientieren. Das führt besonders in der allgemeinen Krise des Kapitalismus zu Moralzerfall. Die bürgerlich-demokratische, humanistische Moral widerspricht wesentlich der Moral militaristisch-faschistoider Kräfte. Die Arbeiterklasse bildet eine historisch neue Moral heraus. Im Sozialismus reflektiert sie in dieser ihre Stellung als gesellschaftlicher Eigentümer, Produzent und machtausübende Klasse. Das persönliche Erfahren der grundlegenden Übereinstimmung der Interessen aller Werktätigen sowie sozialistische weltanschauliche Bildung und Erziehung sind wesentliche Voraussetzungen für die Reproduktion und Verbreitung sozialistische Moral. Die Wissenschaft von der Moral ist die Ethik.

Morales, Luis de, um 1510-9.5.1586, spanischer Maler; schuf ausschließlich Werke mit religiöser Thematik; der mystische, melancholische Zug seiner Gestalten wird durch die kühle, manieristische Farbskala unterstrichen. Trotz portugiesische, flämische und italienische Einflüsse ist Morales einer von den Malern, die die Spezifik der spanischen Malerei am typischsten widerspiegeln. moralische Bildung und Erziehung, sittliche Bildung und Erziehung: zentraler Bestandteil des Prozesses sozialistischer Persönlichkeitsentwicklung; gerichtet auf die Aneignung grundlegender moralischer Normen der Arbeiterklasse und auf die Ausbildung sozialistischer Einstellungen und Haltungen zum Staat, zur Arbeiterklasse und ihrer Partei, zur Arbeit und zum Lernen, zur Achtung anderer Menschen, zum Schutz des Lebens und des Friedens wie zum Hass seiner Feinde sowie zur Verteidigung der sozialistischen Errungenschaften.

moralische Wochenschriften: Journale nach englischen Vorbild, in denen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert breite Leserkreise in aufklärerischen Sinne gebildet und unterhalten wurden.

Moralisieren: ungerechtfertigtes, überzogenes, mit der Wirklichkeit nicht zu vereinbarendes moralisches Fordern und Werten.

Moralismus: abwertende Bezeichnung für das Geltend machen angeblich übergeschichtliche Moral (-normen); auch übertriebene Erwartung von der Wirkung der Moral.

Moralist: Sittenlehrer, Moralphilosoph; Künstler, Philosoph, Lehrer und so weiter, der sich für eine bestimmte Moral besonders einsetzt; Moralisten im engeren Sinne sind die Vertreter der französischen (J. de La Bruyère, F. de La Rochefoucauld, S. Chamfort) und der englischen (S. Butler, F. Hutcheson, A Shaftesbury) Aufklärung; im abwertenden Sinne Moralprediger.

Moralität:

1. Dramatik: spätmittelalterliche volkstümlich-didaktische Form des Schauspiels, deren Figuren zumeist allegorische Verkörperungen von Tugenden und Lastern sind; im 14./15. Jahrhundert weitgehend in religiösen Moralvorstellungen befangen, verweltlichte die Moralität im 16. Jahrhundert unter dem Einfluss des Humanismus (zum Beispiel die englischen Moralität «Everyman»; in der Bearbeitung von H. von Hofmannsthal als «Jedermann» bekannt).

2. Philosophie: Eigenschaft von Überlegungen, Gefühlen, Verhaltensweisen, bestimmten Moralprinzipien und -normen mehr oder weniger zu entsprechen.

Moralprinzip: allgemeinste, oberste Norm einer Moral, an der untergeordnete Normen, konkretisierende Forderungen und Wertungen orientiert werden; Maxime sozialistischen Moralprinzip orientieren auf persönlichen Einsatz für die historische Mission der Arbeiterklasse und den gesamtgesellschaftlichen Fortschritt, auf den sozialistischen Humanismus.

Moräne: Schuttmaterial, das ein Gletscher transportiert (Wandermoräne), ablagert (Stapelmoräne) oder aufstaucht (Stauchmoräne) und das je nach der Lage zum Gletscher in Grundmoräne, Randmoräne oder Seitenmoräne, Obermoräne, Mittelmoräne und Stirnmoräne oder Endmoräne gegliedert wird. Vorstoßmoränen wurden beim Gletschervorstoß, Rückzugsmoräne bei einem Halt während des Gletscherrückzugs aufgeschüttet. Die im Gebiet der ehemaligen Inlandvereisung auftretenden Stapelmoränen sind Grund- oder Endmoränen. Grundmoränen werden aus dem an der Gletschersohle aufgenommenen und mitgeführten Schutt gebildet. Sie weisen unsortiertes Material, das heißt große, durch den Transport gerundete Blöcke (Findlinge) und Steine sowie lehmiges Feinmaterial (Geschiebelehm) auf. Endmoränen entstehen an der Gletscherstirn. Sie sind mächtiger, ihr Material ist blockreich, häufig kiesig und sandig. In Abhängigkeit vom Alter der Moränenablagerungen und der damit verbundenen Beschaffenheit der ursprünglichen Oberflächenformen trennt man in Altmoräne und Jungmoräne.

Morast: aufgeweichter Boden; Schlamm; Sumpfland.

Moratorium: 1. Vereinbarung, einen gegebenen Zustand (zum Beispiel den Stand bestimmter beiderseitiger Rüstungsbereiche) zeitweilig unverändert zu lassen.

2. allgemeiner Zahlungsaufschub, im Unterschied zur Stundung einer einzelnen Verpflichtung; im privaten Geschäftsverkehr vom Schuldner bei Zahlungsschwierigkeiten mit den Gläubigem vereinbart, aus besonderem Anlass (zum Beispiel Krieg) vom Staat durch Gesetz generell festgelegt.

Moravia, eigentlich Pincherle, Alberto, geboren 28.11.1907, italienischer Schriftsteller, gestaltet in psychologisch vertieften Romanen («Die Gleichgültigen», 1929; «Gefährliches Spiel», 1935; beide deutsch) Desillusionierung und Scheinmoral der bourgeoisen Gesellschaft. In dem Roman «Die Römerin» (1947, deutsch) zeigt er am Schicksal einer Prostituierten den Verlust aller Werte in bürgerlicher Scheinwelt, in «Cesira» (1957, deutsch) schildert er die Erlebnisse einer Frau aus dem Volk und ihrer Tochter während der faschistischen Okkupation. Trotz scharfer Kritik reduziert er den Verfall der Bourgeoisie oft auf psychisch-individuelle Faktoren, so in den Romanen «Die Verachtung» (1954, deutsch) und «Inzest» (1965, deutsch). Mit warmer Sympathie berichtet er vom Alltag einfacher Menschen («Römische Erzählungen», 1954, deutsch; «Neue römische Erzählungen», 1959, deutsch). Zu Moravias neueren Erzählungssammlungen gehört «Ein anderes Leben» (1973, deutsch Auswahl). Moravia verfasste auch Reisebücher und Dramen. 1959/62 Präsident des internationalen PEN-Clubs.

morbid: krankhaft; morsch, mürbe.

Morbidität: Begriff für die Zustände und den Prozess des Erkrankens und Krankseins. Der zahlenmäßige Ausdruck dafür sind die Morbiditätsziffern. So kann eine allgemeine Morbiditätsziffer die Gesamtzahl der in einem festgelegten Zeitraum (in der Regel 1 Jahr) registrierten Krankheitsfälle oder kranken Personen, bezogen zum Beispiel auf 1000 oder 10000 der mittleren Bevölkerung, aus der sie hervorgegangen sind, angeben.

Morbitzer, Egon, geboren 6.2.1927, Violinist; seit 1951 Erster Konzertmeister der Berliner Staatskapelle; ist als Solist und Primarius des Streichquartetts der Deutschen Staatsoper auch im Ausland erfolgreich.

Morbus: Krankheit.

Moreno, Mariano, 23.9.1778-4.5.1811, argentinischer Politiker und Revolutionär; Führer des revolutionär-demokratischen Flügels der Unabhängigkeitsbewegung, nach Ausbruch der Mairevolution 1810 Sekretär der ersten Regierungsjunta; gab 1810 die erste spanische Ausgabe von J. J. Rousseaus «Gesellschaftsvertrag» in Lateinamerika heraus.

Mores: Sitten, Anstand, Lebensart. jemanden Mores lehren: jemanden zurechtweisen, Anstand beibringen.

Moresca, Moriskentanz: Männertanz des ausgehenden Mittelalters und der Renaissance, meist im schnellen 3/2-Takt, rhythmisch akzentuiert; im 15./16. Jahrhundert über ganz Europa verbreitet, aber national abgewandelt; in Deutschland Grotesktanz von Männern um eine Frau.

Morgagni, Giovanni Battista, 25.2.1682-6.12.1771, italienischer Anatom; begründete durch sein 1761 erschienenes Werk über den Sitz und die Ursachen der Krankheiten die pathologische Anatomie.

Morgan: 1. Charles Langbridge Morgan, 22.1.1894-6.2.1958, englischer Schriftsteller und Dramatiker; verbindet in seinen Romanen tiefgründige psychologische Analyse mit metaphysisch-philosophierender Weitsicht («Das Bildnis», 1929; «Der Quell», 1932; «Die Flamme», 1936; «Morgenbrise», 1951; «Herausforderung an Venus», 1957; alle deutsch); schrieb auch Essays («Von der Freiheit des Geistes», 1951, deutsch). 1953/56 Präsident des Internationalen PEN-Clubs.

2. John Pierpont Morgan, 17.4.1837-31.3.1913, US-amerikanischer Finanzkapitalist; Gründer des New-Yorker Bankhauses J. P. Morgan, das durch die Fusionierung von Monopolunternehmen (unter anderem General Electric Co., United States Steel Corp., International Mercantile Marine Co.) sowie den Bau von Eisenbahnlinien zu einem der einflussreichsten finanzkapitalistische Machtzentren der USA wurde.

3. John Pierpont jun. Morgan, 7.9.1867-13.3.1943, Finanzkapitalist und Politiker der USA; Sohn von Morgan 2; erzielte während des 1. Weltkrieges Riesenprofite als Hauptgeldgeber der Entente und Generalagent für die britische Regierungseinkäufe in den USA. In den 20er Jahren förderte er durch Kredite die deutsche Rüstungsindustrie (Dawes-Anleihe). Unter seiner Leitung wurde der Name Morgan Synonym für die ökonomisch und politisch einflussreichste finanzkapitalistische Gruppierung der USA, an deren Spitze heute John Pierpont Morgan (geboren 1.6.1918, Enkel von Morgan) steht.

4. Lewis Henry Morgan, 21.11.1818-17.12.1881, US-amerikanischer Völkerkundler und Soziologe; führte den Gedanken der Evolution in die völkerkundlich-kulturgeschichtliche Forschung ein; grundlegende Forschungen über die «Urgesellschaft».

5. Thomas Hunt Morgan, 25.9.1866-4.12.1945, US-amerikanischer Entwicklungsphysiologe und Genetiker, durch Vererbungsstudien an der Taufliege entwickelte er unter anderem die Theorie von der Lokalisierung der Gene (Erbanlagen) in den Chromosomen, eine höhere Form der Chromosomentheorie («höherer Mendelismus»).

morganatische Ehe: (lateinisch althochdeutsch morgan, «Morgen(gabe)») im Feudalrecht (Reste bis 1918) Ehe eines Angehörigen des Hochadels mit einer nicht ebenbürtigen Frau, die keinen Anteil am Hausvermögen, sondern nur eine «Morgengabe» erhielt.

Morgarten: Berghang am Ägerisee, im Gebiet der schweizerischen Kantone Schwyz und Zug. Bei Morgarten siegten 1315 die 3 Waldstätten über ein habsburgisches Ritterheer und sicherten sich damit ihre Unabhängigkeit. Erster bedeutender militärischer Erfolg eines Bauernheeres über Ritter. Die Schweizer verwendeten als neue Waffe die Hellebarde.

Morgen:

1. Astronomie: Zeit des Sonnenaufgangs; auch die Himmelsgegend, in der die Sonne aufgeht, daher Morgenland.

2. Metrologie: Flächeneinheit.

Morgenstern:

1. Astronomie: Abendstern.

2. Militärwesen: mittelalterliche Stangenwaffe, die in einer mit Eisenstacheln besetzten Keule endet.

Morgenstern, Christian, 6.5.1871-31.3.1914, Schriftsteller; in seinem Schaffen verbinden sich kultur- und sozialkritische Elemente mit resignativ-irrationalen Tendenzen, bekannt sind seine groteskkomischen Gedichte («Galgenlieder», 1905; «Palmström», 1910; «Palma Kunkel», 1916).

Morgenthau-Plan: Memorandum des Finanzministers der USA, Henry Morgenthau jr. (1891-1967), von 1944 über die Kriegsziele der USA gegenüber dem faschistischen Deutschland; sah die Bestrafung aller Deutschen, die Vernichtung der deutschen Industrie, die Verkleinerung des Landes und seine Umwandlung in einen Agrarstaat, die Internationalisierung des Ruhrgebiets, des Rheinlandes und weiterer Gebiete vor; scheiterte am Widerstand der UdSSR.

Morgenweite: Winkel am Horizont zwischen dem Ost- und dem Aufgangspunkt eines Gestirns. Siehe auch Abendweite.

Morgner, Irmtraud, geboren 22.8.1933, Schriftstellerin; gestaltet in Romanen und Erzählungen Menschen im sozialistischen Alltag («Hochzeit in Konstantinopel», 1968; «Die wundersamen Reisen Gustavs des Weltfahrers», 1972); widmet sich besonders Problemen der Frau («Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz, nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura», 1974; «Amanda. Ein Hexenroman», 1983).

Möricz, Zsigmond, 2.7.1879-4.9.1942, ungarischer Schriftsteller; beschrieb als bedeutendster ungarischer kritischer Realist das Leben der Bauern und des Mittelstandes und entdeckte besonders in seinen Novellen (dt. Auswahlbände «Sieben Kreuzer», 1967; «Die Engel von Kiserdö», 1971; «Himmelsvogel», 1979) das großstädtliche Proletariat. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen «Mischi und das Kollegium» (1921, deutsch), «Siebenbürgen-Trilogie» (1922/35, deutsch), «Herrengelage» (1928, deutsch), «Verwandte» (1932, deutsch), «Der glückliche Mensch» (1935, deutsch).

Mörike, Eduard, 8.9.1804-4.6.1875, Dichter; lehnte sich in Form und humanistischen Gehalt an das antike, klassische und romantische Kunstschaffen an und erstrebte in seiner Lyrik in Abkehr von der äußeren Welt ein harmonisches Welt- und Menschenbild. Er schrieb empfindungsreiche, bildhafte, volkstümliche schlichte (oft vertonte) Liebes- und Naturgedichte (zum Beispiel «Um Mitternacht», «Das verlassene Mägdlein», «Er ist’s»), Balladen und Idyllen, den Roman «Maler Nolten» (1832), «Mozart auf der Reise nach Prag» (1855, eine der besten deutschen Künstlergeschichten), Erzählungen, Märchen unter anderem

Morioka: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Iwate, im Norden der Insel Honshu; 230000 Einwohner; Nahrungsmittel- und Textilindustrie; Verkehrsknoten; Universität.

Morion: Mineral; Quarz.

Moriscos, Morisken: Mauren, die nach Abschluss der Reconquista 1492 in Spanien verblieben; waren nach gewaltsamer Christianisierung meist weiterhin heimlich Muslime und somit grausamer Verfolgung durch die Inquisition ausgesetzt. Die zahlenmäßig und wirtschaftlich bedeutende Bevölkerungsgruppe wurde 1609/10 aus Spanien vertrieben.

Moritat: («Mordtat») Lied über einen Kriminalfall oder eine Schauergeschichte, von einem Bänkelsänger in rhythmisch stereotyper, monoton leiernder Melodiebewegung als Sprechgesang vorgetragen (Bänkelsang).

Moritz, Karl Philipp, 15.9.1756-26.6.1793, Schriftsteller, plebejisch-demokratischer Vertreter des Sturm und Drang; gestaltete in dem gesellschaftskritischen, auch kulturhistorisch wertvollen Roman «Anton Reiser» (1785/90) den eigenen schweren Lebensweg. Mit kunst- und literaturkritischen Arbeiten hatte er Anteil an der Herausbildung der klassischen deutschen Ästhetik («Über die bildende Nachahmung des Schönen», 1788).

Moritz von Oranien, Prinz, Graf von Nassau, 14.11.1567-23.4.1625, niederländischer Feldherr und Politiker; seit 1584 Statthalter der Niederlande, seit 1590 Oberbefehlshaber aller Provinzen; der bedeutendste Militärtheoretiker der Zeit und militärischer Führer im Kampf der Niederlande gegen die spanische Fremdherrschaft.

Moritz von Sachsen, 21.3.1521-11.7.1553, Herzog seit 1541, Kurfürst seit 1547; zielstrebiger und erfolgreicher Territorialfürst; gehörte dem Protestant. Lager an, stellte sich aber im Schmalkaldischen Krieg auf die Seite des Kaisers, um seinem ernestinischen Vetter die sächsische Kurwürde zu entreißen; wechselte dann die Partei erneut, stellte sich 1552 an die Spitze eines Fürstenbundes gegen Karl V. und bahnte damit dem Augsburger Religionsfrieden den Weg.

Moroni: Hauptstadt der Komoren, auf der Insel Grande Comore; 30000 Einwohner; Handelszentrum; wichtigster komorischer Hochseehafen und internationaler Flughafen; Freitagsmoschee.

Moronobu, auch Hishikawa Moronobu, 1618 um 1694, japanischer Maler und Holzschnittzeichner des Ukiyo-e; nutzte als erster die Technik des Druckes mit Holzplatten und gilt somit als Begründer der im 18. Jahrhundert aufblühenden Kunst des japanischen Holzschnittes als eigenständiges Genre; nach ihm ist die sogenannte Hishikawa-Schule benannt.

Moros: Sammelbezeichnung für die muslimische Bevölkerung auf den südlichen Philippinen und Sulu-Inseln; früher gefürchtete Piraten.

Morosow-Streik: erster organisierter Massenstreik (etwa 8000 Arbeiter) in Russland, 1885 in der Textilfabrik Morosow in Orechowo-Sujewo bei Moskau; wurde vom Militär brutal niedergeschlagen, erzwang aber von der Regierung Zugeständnisse in der Fabrikgesetzgebung gegen schlimmste Auswüchse der Unternehmerwillkür; einer der Führer des Streiks war P. A. Moissejenko.

Morphaktine, Morphactine: Gruppe hochwirksamer synthetische Wachstumsregulatoren der Pflanzen.

Morphem: (griechisch) Grammatik kleinste bedeutungstragende Einheit, besteht aus Phonemen.

Morpheus: (griechisch) griechischer Gott des Traumes, Sohn des Schlafgottes Hypnos.

Morphin, früher Morphium beide (nach Morpheus): Hauptalkaloid des Opiums (10 bis 20% Morphin); ein pentazyklisches, tertiäres Amin der Formel C17H190jN. Morphin ist färb- und geruchlos, kristallin, von bitterem Geschmack, in Wasser schwer, in Äthanol leicht löslich; es schmilzt unter Zersetzung bei 254 °C und bildet mit Säuren Salze; durch Methylierung geht es in Kodein, durch Acetylierung in Heroin über. Morphin ist ein stark wirkendes Schmerzlinderungsmittel, das der internationalen Opiumgesetzgebung und der Suchtmittelverordnung unterliegt, da es als Rauschgift missbraucht werden kann. Die Morphinsucht (Morphinismus) beruht auf der Euphorisierung und wird durch die Abstinenzphänomene besonders zwingend.

Morphogenese:

1. Biologie: Entwicklung der äußeren Körperform (Morphe); Teilgebiet der Organogenese.

2. Geomorphologie.

Morphokinese: Strukturwandel von Organen zur Anpassung an wechselnde Bedingungen des inneren und äußeren Milieus.

Morphologie:

1. Biologie: Lehre von Form und Struktur tierischer und pflanzlicher Organe beziehungsweise Organismen. Neben beschreibender und vergleichender Morphologie kommt der funktionellen Morphologie eine wichtige Bedeutung zu, da sie Wechselwirkungen zwischen Struktur und Funktion als untrennbare Einheit aufzeigt.

2. Grammatik: Formenlehre und Wortbildungslehre mit Hilfe von Affixen.

3. Kristallographie: Formenlehre.

4. Geomorphologie.

Morphotropie: Änderung des Gittertyps von Kristallen durch Substitution von Bauteilen, die einen anderen Raumbedarf oder andere Polarisationseigenschaften und damit andere Gitterbindungskräfte besitzen. Siehe auch Isotypie, Isomorphie, Polymorphie.

Morris: William, 24.3.1834-3.10.1896, englischer Kunsthandwerker, Buchkünstler, Schriftsteller und Führer der englischen Sozialistenbewegung. Morris erneuerte das Kunstgewerbe zunächst im Sinne mittelalterlicher Handwerkertums als Reaktion auf den durch die industrielle Massenproduktion eingetretenen Qualitätsabfall. Er gründete eigene Werkstätten, in denen die Herstellung von Teppichen, Möbeln, Fliesen, Glasmalereien u. ä. sowie die komplette Einrichtung von Wohnungen erfolgte. Bald erkannte er, dass in diesen Prozess die Maschine einbezogen werden muss und eröffnete 1890 die Druckerei Kelmscott Press, für die er Typen und Buchschmuck selbst entwarf und damit zu einem der großen Anreger für die moderne Buchkunst wurde. Er schrieb das romantische Poem «Das irdische Paradies» (1868/70), das der Pariser Kommune gewidmete Poem «Die Pilger der Hoffnung» (1885), revolutionäre «Gesänge für Sozialisten» (1884/86), die Erzählung über den englischen Bauernaufstand von 1381 «John Ball oder Der Aufstand der Bauern von Kent» (1888, deutsch) sowie den utopisch-sozialistischen Roman «Kunde von Nirgendwo» (1891, deutsch).

Morse, Samuel Finley Breese, 27.4.1791-2.4.1872, US-amerikanischer Maler und Erfinder; erfand 1837 den nach ihm benannten Morseapparat und gab das Morsealphabet an.

Morseapparat, (nach S. F. B. Morse) Schreibtelegraf: elektromechanisches Gerät zur Übermittlung von Morsezeichen. Beim Morseapparat werden mittels Tastenbetätigung Morsezeichen als Stromimpulse über eine Leitung gesendet und im Empfänger durch einen Elektromagneten mit Schreibstift auf einem abrollenden Papierstreifen sichtbar gemacht. Bei drahtloser Übertragung erfolgt die Wiedergabe der Zeichen im Empfänger durch Kopfhörer.

Mörser:

1. Chemie: dickwandiges, schalen- oder kegelstumpf-förmiges Stahl-, Bronze- oder Porzellangefäß, in dem mit einem Stößel (Pistill, Mörserkeule) hartes, körniges Material zerstoßen und zerrieben wird. Weniger harte Substanzen lassen sich auch in den flacheren Reibschalen aus Achat oder Porzellan pulverisieren.

2. Militärtechnik: großkalibriges, schwer bewegliche Steilfeuergeschütz mit kurzem gezogenem Rohr zur Bekämpfung von Zielen hinter und in Deckungen; verlor im 2. Weltkrieg seine Bedeutung.

Morsezeichen: (nach S. F. B. Morse) für den internationalen Telegrafieverkehr festgelegtes Kodesystem (Morsealphabet) aus kurzen (Punkte) und langen (Striche) Impulsen.

Mortalität, Sterblichkeit: Maßgröße der Todesfälle in einem gegebenen Territorium innerhalb eines festgelegten Zeitraumes (Zahl der Gestorbenen bezogen auf 1000 Einwohner der mittleren Bevölkerung im Jahr, auch Mortalitätsziffer genannt), für spezielle Zwecke nach Alter, Geschlecht, Todesursachen oder nach ausgewählten Personengruppen ermittelt. Zusammen mit der Fruchtbarkeit bestimmt die Sterblichkeit die natürliche Bevölkerungszunahme und die demographische Struktur einer Bevölkerung.

Mörtel: Gemenge aus Bindemittel, Zuschlagstoffen und meist Wasser, das beim Erhärten Bauelemente (Ziegel unter anderem) verbindet (Mauermörtel) oder gegen äußere Einflüsse schützt (Putzmörtel). Luftmörtel (Kalk, Sand, Wasser) erhärten nur an der Luft; Wasser- oder hydraulischer Mörtel (zum Beispiel Zement, Sand, Wasser) auch unter Wasser; Zuschlagstoffe über 8 mm Korngröße ergeben Grobmörtel (Beton); Sperrmörtel lassen keine Feuchtigkeit durch.

Morton, Arthur Leslie, geboren 4.7.1903, britischer Historiker, seit 1929 Mitglied der KP; seine «Volksgeschichte Englands» (1938, deutsch) ist der erste britische Versuch einer marxistischen Darstellung der Geschichte Großbritanniens; verfasste weitere Arbeiten, insbesondere zur Geschichte der britischen Arbeiterbewegung.

Morula, Maulbeerkeim: durch totale Furchung aus dem befruchteten Ei entstandener Zellverband; Vorstufe der Blastula.

Morula Tiere, Mesozoa: artenarmer Stamm winziger, meist wurmförmiger, parasitisch in Kopffüßern, Würmern oder Schlangensternen lebender wirbelloser Tiere; bestehen aus einem äußeren bewimperten Zellschlauch, der eine oder mehrere Fortpflanzungszellen umschließt; haben einen komplizierten Entwicklungsgang.

Mosaik, musivische Arbeit: Flächendekoration aus aneinandergesetzten, verschiedenfarbigen Stein- oder Glasstückchen an Wänden, Decken (Gewölben) und Fußböden. Die Mosaiksteinchen werden in eine auf das Mauerwerk aufgetragene weiche Kitt- oder Mörtelschicht hineingedrückt. Blütezeiten der Mosaikkunst sind in der hellenistische und römische Kunst, in der frühchristlich-byzantinischen Kunst (Ravenna, Konstantinopel) und in der islamischen Kunst. In der Gegenwart gewinnt das Mosaik wieder größere Bedeutung besonders für die dekorative Gestaltung öffentlicher Gebäude, wobei vor allem die mexikanische Kunst interessante Leistungen hervorbringt.

Mosaikplatte: dichtgesinterte, scharfkantige, säurefeste Steinzeugplatte mit mehrfarbiger Musterung, die vorwiegend für Fußböden und Wände verwendet wird.

Mosbrugger, Moosbrugger, Caspar Andreas, 22.7.1656-26.8.1723, schweizerischer Architekt; einer der führenden Vertreter der Vorarlberger Bauschule; schuf bedeutende Kirchen- und Klosterbauten des Hochbarocks mit komplizierter Raumkomposition. Hauptwerk: Kloster und Kirche der Benediktinerabtei Einsiedeln (1704/23).

Mosch, Wolfgang, geboren 10.5.1928, Elektrotechniker; seit 1968 Professor an der TU Dresden; Fachgebiete Hochspannungs- und Isoliertechnik.

Moschee: Versammlungshaus der muslimischen Gläubigen; ursprünglich Hofmoschee mit überdachtem Stützentrakt und davorliegendem Hof mit Brunnen zur rituellen Waschung. Der Mihrab (Gebetsnische) an der Stirnwand zeigt die Gebetsrichtung (Kibla) nach Mekka an. Ausstattung: Minbar (Treppenkanzel), Rahle (Koranständer, Faltpult), Kursi (Schrankkasten für den Koran), Leuchter, Ampeln, Matten, Teppiche. Es gibt keine Kultgegenstände; die Dekoration besteht aus Ornament und Schrift. Die Freitags-M, ist die Hauptmoschee eines Ortes, in der das Freitagsgebet und die offizielle Freitagspredigt (Khutba) gehalten werden.

Moscherosch, Johann Michael, 5.3.1601-4.4.1669, Schriftsteller; verurteilt in der phantastischen Prosasatire «Wunderbare und wahrhaftige Gesichte Philanders von Sittewald» (1640) Krieg, Roheit des Adels und Pedanterie der Gelehrten und übt harte Kritik an den gesamten deutschen Kulturzuständen.

Moschusbock, Aromia moschata: bis 35 mm großer, metallisch-grüner Bockkäfer mit moschusartigem Geruch; Larve im lebenden Holz von Weiden.

Moschusdrüse: in einem Beutel auf der Bauchseite zwischen Nabel und Geschlechtsorganen männliche Moschustiere befindliche Hautdrüse, deren stark riechendes Sekret (Moschus) in der Parfümindustrie verwendet wird.

Moschusente, Türkenente, Cairina moschata: im tropischen Amerika wildlebende braunschwarze, grün und violett glänzende plumpe Ente mit nackten Warzen am Kopf. Die Haustierform (auch Warzenente genannt) zeichnet sich vor allem durch einen hohen Fleischanteil aus. In der DDR wird sie unter dem Namen Cairina in Großbetrieben gezüchtet.

Moschuskraut, Bisamkraut, Adoxa moschatellina: einzige Art der Familie Moschuskrautgewächse; Staude in Laubwäldern mit dreiteiligen Blättern und grünliche Blütenköpfchen mit eigentümlichem, moschusartigem Geruch.

Moschusochse, Ovibos moschatus: etwa 1,20 m hoher, rinderähnliche Wiederkäuer mit dunkelbraunem, dichtem, zottigem Haarkleid und kurzem, buschigem Schwanz; sondert während der Brunstzeit ein moschusähnliches Sekret ab; lebt gesellig in der arktischen Tundra Nordamerikas und Grönlands.

Moschustier, Moschus moschiferus: knapp rehgroßer, kurzschwänziger, geweihloser Hirsch mit hauerartigen oberen Eckzähnen; bewohnt vorwiegend Nadelwälder in Gebirgen von Kaschmir bis Nordsibirien; siehe auch Moschusdrüse.

Mosel: linker Nebenfluss des Rheins, als Moselle aus den Südvogesen (Frankreich); 545 km, davon BRD-Anteil 242 km; durchfließt Lothringer Stufenland, in der BRD in gewundenem Tal das Rhein. Schiefergebirge zwischen Eifel und Hunsrück (Weinbau), mündet bei Koblenz; wichtigster Nebenfluss ist die Saar (von rechts); Kanalisierung Koblenz-Nancy; Industriekonzentration an der mittleren Mosel (Eisenerzabbau, Eisen- und Stahlindustrie).

Moseleysches Gesetz: (nach einem britischen Physiker) Gesetz für die Frequenz v der charakteristischen Röntgenstrahlung eines Elementes in Abhängigkeit von dessen Ordnungszahl Z; Vv = a (Z b), wobei a und b experimentell zu bestimmende Konstanten sind. Durch das 1913 entdeckte Moseleysche Gesetz wurde die Identität von Ordnungs- und Kernladungszahl erkannt.

Moser: 1. Hans Moser, eigentlich Jean Juliet, 6.8.1880-19.6.1964, österreichischer Schauspieler; kam über Wanderbühnen nach Wien, spielte auch am Burgtheater; verkörperte in vielen Filmen kauzige Wiener Originale («Burgtheater», «Die Fledermaus», «Das Ekel», «Schrammeln», «Der Herr Kanzleirat», «Der verkaufte Großvater»).

2. Johann Jacob Moser, 18.1.1701-30.9.1785, Staatsrechtslehrer; Vorkämpfer gegen feudalen Despotismus, Hauptwerk: «Teutsches Staatsrecht» (53 Bände, 1737/54).

3. Lukas Moser, schwäbischer Maler des 15. Jahrhundert Sein einziges bekanntes, inschriftlich bezeichnetes Werk, der Magdalenenaltar (1431) zu Tiefenbronn bei Pforzheim, ist durch die lebendige Vergegenwärtigung des Geschehens, die naturnahe Schilderung der Landschaft und des Raumes, seine Erzählfreude und genau gesehene Details bedeutend für die Entwicklung der deutschen realistischen Malerei im 15. Jahrhundert.

Möser, Justus, 14.12.1720-8.1.1794, Schriftsteller und Historiker; seine Darstellungen politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verhältnisse der deutschen Frühzeit (zum Beispiel «Osnabrückische Geschichte», 1768/80) beeinflussten die Stürmer und Dränger.

Moses, Anführer einer semitischen Gruppe, die er von Fronarbeitsdiensten in Unterägypten zur Zeit Ramses II. befreite und nach langer Wüstenwanderung bis nach Mittelpalästina («gelobtes Land») geführt haben soll; die alttestamentliche Überlieferung sieht in ihm den Stifter der israelitischen jüdischen («mosaischen») Religion und Gesetzgeber Israels.

Moses: (nach der biblischen Gestalt) Spitzname für Schiffsjunge, Matrosenlehrling.

Moses Maimonides, Mose benannt Maimon, 30.3.1135-13.12.1204, jüdischer Philosoph, Arzt und Theologe; Systematiker des Talmud; suchte zwischen jüdischen Glauben und Aristotelismus zu vermitteln; sein philosophischer Hauptwerk «Führer der Unschlüssigen» (1551, deutsch) hatte beträchtlichen Einfluss auf die europäischen Scholastik. Er empfahl das Studium des Ibn Ruschd und kritisierte wie dieser die Astronomie des Ptolemäus aus naturphilosophischen Gründen. Die Ewigkeit der Welt wie auch eine Weltschöpfung hielt er für unbewiesen. Seine Lehre galt der jüdischen und islamischen Orthodoxie als atheistisch.

Mösien, Moesia: römische Provinz an der unteren Donau, nach den thrakischen Mysern (Mösern) benannt; wurde 29 vor Christus von den Römern unterworfen und unter Kaiser Domitian (86 nach Christus) in eine westliche (Moesia superior (Ober-Mösien)) und eine östliche (Moesia inferior (Unter-Mösien)) Provinz geteilt; ab 395 kam Mösien unter byzantinischer Herrschaft; im 6./7. Jahrhundert von Slawen besetzt.

Moskitos: Stechmücken tropischer und subtropischer Gebiete; übertragen unter anderem Malaria.

Moskwa: 1. Moskwa: linker Nebenfluss der Oka, im Zentrum des europäischen Teils Russlands; 473 km; entspringt den Moskauer Höhen, durchfließt Moskau (ab hier schiffbar) und mündet nahe Kolomna; durch den Moskaukanal mit der Wolga verbunden; Staubecken.

2. Moskau.

Moskitoküste, Moskitoküste-, breiter sandreicher Schwemmlandstreifen an der Ostküste Mittelamerikas, vorwiegend zu Nikaragua, im Norden zu Honduras gehörend; von den zahlreichen, die mittelamerikanische Kordillere entwässernden Flüssen aufgebaut; setzt sich als Schelfgebiet in der an Korallenriffen reichen Moskito-Bank im Karibischen Meer fort.

- Seit dem 16. Jahrhundert spanisch, aber nicht kolonisiert; 17./19. Jahrhundert wiederholt britisch besetzt, im 19. Jahrhundert zwischen den USA und Großbritannien als Ausgangspunkt eines interozeanischen Kanals umstritten; auf Druck der USA 1860 Bildung des autonomen «Königreichs Moskito», das 1894 Nikaragua angeschlossen wurde. Wiederholte Konflikte mit Honduras um den Norden der Moskitoküste entschied 1960 der Internationale Gerichtshof zugunsten von Honduras.

Mossadegh, Muhammad, 1881-5.3.1967, iranischer Politiker, Interessenvertreter der nationalen Bourgeoisie; protestierte 1925 als einziger Abgeordneter gegen den Staatsstreich Reza Chans; gründete 1949 die bürgerlich-demokratische Nationale Front; 1951/53 (mit Unterbrechungen) Ministerpräsident, veranlasste Verstaatlichung der Erdölindustrie; 1953 von proimperialistischen Kräften gestürzt.

Mößbauer, Rudolf, geboren 31.1.1929, deutscher Physiker; untersuchte die Resonanzabsorption von Gammastrahlen und entdeckte 1957 den nach ihm benannten Effekt.

Mößbauer-Effekt: (nach R. Mößbauer) die Erscheinung, dass Gammaquanten «rückstoßfrei» emittiert werden, wenn die radioaktiven Atomkerne in einen Kristall sehr tiefer Temperatur eingebaut sind. Diese Gammaquanten besitzen eine extrem einheitliche Energie. Man kann mit dem Mößbauer-Effekt relative Energieänderungen messen. Der Mößbauer-Effekt hat große Bedeutung für Strukturuntersuchungen von Festkörpern.

Mößbauer-Uhr: (nach R. Mößbauer) Atomuhr höchster Ganggenauigkeit. Zur Stabilisierung der Steuerschwingungszahl dient nicht, wie bei anderen Atomuhren, die Resonanzfrequenz der Atomhülle, sondern die der Gammaquanten radioaktiver Atomkerne. Die Entdeckung des Mößbauer Effekts war die Voraussetzung für die Mößbauer-Uhr.

Mossi, Mosi: negrides Volk in Burkina und Nordghana; 5,5 Millionen; Anbau von Hirse; Großviehzüchter; Begründer der Mossi-Reiche.

Mossi-Reiche: historische Staaten im Gebiet zwischen Schwarzem und Weißem Volta im heutigen Burkina. Die Reiche von Wagadugu, Yatenga und Gurmantsche entstanden im 11./12. Jahrhundert, waren von frühklassengesellschaftlichem Typ mit starker Zentralgewalt und existierten bis zu ihrer kolonialen Unterwerfung am Ende des 19. Jahrhundert.

mosso: (italienisch) Musik bewegt, belebt.

Mössor: (schwedisch, «Mützen») schwedische Ständepartei, die im Interesse des niederen Adels, des Bürgertums und teilweise der wohlhabenden Bauern 1718/38 und nach 1765 die Politik maßgeblich beeinflusste; außenpolitisch besonders auf Russland orientiert; Gegner der Hattar.

Mossulbronzen: (nach der Stadt Mosul) reichverzierte Erzeugnisse islamischer Metallkunst mit hervorragender Dekoration in Gold- und Silbertauschierung (zum Beispiel Becken, Kannen, Leuchter); Blütezeit im 13. Jahrhundert.

Most: a) zur Vergärung oder zum Direktgenuss (Fruchtsaft oder Süßmost) bestimmter unvergorener Saft aus Trauben (Traubenmost) oder anderen Früchten (zum Beispiel Apfelmost);

b) noch in Gärung befindlicher Jungwein (Brausemost).

Mostar: Stadt in Jugoslawien, Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum der Herzegowina, an der Neretva; 110000 Einwohner; Aluminiumkombinat, Textil-, Tabak-, Nahrungsmittelindustrie, Elektrogerätebau; Hochschule; Theater; mittelalterliches Stadtbild. Bei Mostar Bauxitbergbau.

Mostar, Gerhart Herrmann, eigentlich Gerhart Herrmann, 8.9.1901-8.9.1973, Schriftsteller; emigrierte 1933 (unter anderem Österreich, Schweiz), lebte nach 1945 in Deutschland; wurde vor allem durch Kabarett Texte und Gerichtsreportagen bekannt.

Mosul: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Iraks, am Mittellauf des Tigris; 860000 Einwohner; wirtschaftliches Zentrum des Nordens mit Textil-, Leder-, Baustoff- und Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten; nördlich von Mosul Staudamm mit Wasserkraftwerk (1000 MW), östlich von Mosul die Ruinen von Ninive.

Motala: Stadt im Süden Schwedens, am Vättersee und Götakanal; 50000 Einwohner; Elektrotechnik und Unterhaltungselektronik, Maschinen-, Lokomotiv- und Waggonbau, Textilindustrie; Wasserkraftwerk.

Motala Ström: Ausfluss des Vättersees (Schweden) zur Ostsee; 100 km; durchfließt mehrere Seen; zahlreiche Stromschnellen durch Kraftwerke genutzt; Schiffsverkehr über Götakanal.

Motel, (Kurzwort für motorists hotel, am., «Hotel für Motorisierte») Autohotel: Übernachtungsstätte an verkehrsreichen Straßen oder am Rande von Städten; besonders eingerichtet für Reisende mit Kraftfahrzeug.

Motette: 1. polyphones, seit dem 12. Jahrhundert (Motetus) zunächst geistliche und weltliche, später vorwiegend geistliche Vokalwerk mit bestimmten textabhängigen, motivisch wechselnden Teilen, das in seiner Entwicklung einen starken Formwandel erfuhr.

2. evangelische Kirchenmusikstunde.

Motetus: im 12./13. Jahrhundert über dem Cantus beziehungsweise Tenor befindliche, neu textierte Oberstimme eines mehrstimmigen Vokalsatzes. Siehe auch Motette.

Motilität: Beweglichkeit im weitesten Sinn, das heißt willkürliche und unwillkürliche Bewegungen betreffend.

Motion: (lateinisch) körperliche Bewegung; geistige Anregung.

Motiv:

1. bildende Kunst: der Bildgegenstand (zum Beispiel Landschafts- oder Genremotiv); im engeren Sinne ein einzelnes Formelement des Kunstwerks (auch eine ornamentale Form), das sich in den Schöpfungen eines Künstlers, einer Stilperiode, in der ganzen Geschichte der Kunst immer wieder findet. Das Motiv besitzt einen bestimmten Sinn- oder Ausdrucksgehalt, der sich jedoch je nach dem Sinnzusammenhang im einzelnen Kunstwerk, nach der Individualität des Künstlers oder der Weltanschauung seiner Zeit in Aussehen und Bedeutung wandeln kann. Der Wissenschaftszweig, der die Motiv und ihre Entwicklung untersucht, ist die Motivkunde.

2. Literatur: traditionelle Situation, die (schon in der alten Volkspoesie) immer wieder unter wechselnden historisch-künstlerischen Bedingungen dichterisch gestaltet wird (zum Beispiel Verwandlungs-, Proben-, Abschieds-, Romeo- und -Julia-Motiv). Der allgemeine Sinnbildgehalt des Motiv fördert die Kontinuität seiner Verwendung und Ausprägung. In einzelnen Perioden treten bestimmte Motiv stark hervor, zum Beispiel das Motiv der Kindesmörderin im deutschen Sturm und Drang oder das Motiv der Wandlung in der DDR-Literatur der 50er und 60er Jahre.

3. Musik: kleinstes Element einer musikalischen Aussage, geprägt durch ein Intervall beziehungsweise eine Intervallfolge und beziehungsweise oder eine rhythmisch-metrische Struktur, das Motiv ist Bauelement von Thema und Melodie.

4. Psychologie: bewusster Beweggrund des Handelns, bewusst gewordener Antrieb (Bedürfnis, Einstellung).

Motivation:

1. Physiologie: durch das Zentralnervensystem kontrollierte und zum Teil durch Änderungen in der Zusammensetzung der Körperflüssigkeiten (einschließlich Hormone) erzeugte Antriebe für Verhaltensweisen, die der Erhaltung des Individuums und der Art dienen. Die Suche nach Nahrung beruht auf der Aktivierung bestimmter Hirngebiete, zum Beispiel des Hypothalamus, im Zusammenwirken mit der Großhirnrinde (höhere Nerventätigkeit). Nahrungsmotivation, Trinkmotivation, Sexualmotivation werden auch als biologische Motivation bezeichnet. Sie sind von den sozial-psychischen Motivation des Menschen zu unterscheiden. Beide Motivationsarten können einander wechselseitig beeinflussen.

2. Psychologie: Gefüge der Antriebe, Gruppe von Motiven des Handelns einer Persönlichkeit.

Motoball: von (Spezial-) Motorrädern mit bis zu 250 cm3 Hubvolumen aus betriebenes Torspiel zweier Mannschaften von je 6 Spielern und 4 Auswechselspielern. Das Spielfeld entspricht (außer Strafstoßmarke; 16 m) dem Fußballspielfeld. Der 900 bis 1000 g schwere Hohlball von 38 bis 40 cm Durchmesser ist möglichst oft in das gegnerische Tor zu stoßen. Die Spielzeit beträgt 4 x 15 min. Der Ball darf nur mit dem Fuß oder Kopf gespielt werden, die Maschinen sind ständig in Gang zu halten, die Feldspieler dürfen den Torraum nicht befahren.

Moto-Cross: Rennen mit Spezialmotorrädern (Zwei- und Dreiradfahrzeuge) in verschiedenen Klassen auf einem markierten Rundkurs von 1,5 bis 5,0 km Länge im natürlichen Gelände. Es werden jeweils 2 Läufe über eine festgelegte Zeit plus 2 Runden gefahren. Für die Platzierung je Lauf erfolgt eine Punkt- (Platzziffer-) Wertung, auf deren Grundlage der Sieger ermittelt wird; bei Punktgleichheit entscheidet die kürzere Fahrzeit. Europameisterschaften seit 1952, Weltmeisterschaften seit 1957.

Motodrom: Motorsport ausschließlich für Rennen mit Zwei- und Dreiradfahrzeugen gebaute, geschlossene Rundstrecke.

Motoneuron: motorischer Neuron; im Zentralnervensystem liegende Nervenzelle, deren Neurit Muskulatur innerviert.

Motor: (lateinisch, «Beweger») Maschine zur Wandlung chemische (Verbrennungsmotor), elektrische (Elektromotor), hydraulische (Hydraulikmotor) oder anderer Energie in mechanischen Antriebsenergie. Der Motor gehört in die Gruppe der Kraftmaschinen, mit Ausnahme des Elektromotors, der zur Gruppe der Elektromaschinen zählt.

Motorboot: Wasserfahrzeug mit Antrieb durch Verbrennungsmotor, der im (Einbaumotor) oder außerhalb des Bootskörpers (Außenbordmotor; am Heck = Heckmotor, an der Seite = Seitenbordmotor) angebracht ist. Siehe auch Außenbord-Rennboot, Inboard Rennboot.

Motorbootregatta: in fließendem oder stehendem Gewässer auf einem durch Wendebojen markierten, 1500 bis 2000 m langen, entgegen dem Uhrzeigersinn befahrenen Rundkurs in mehreren Läufen in einer Serie, Gruppe und Klasse ausgetragenes Motorbootrennen. Für die bei einem Lauf erreichte Platzierung werden Punkte vergeben. Der Gesamtsieg ergibt sich aus der höchsten Punktzahl; bei Punktgleichheit entscheidet die kürzere Gesamtfahrzeit.

Motordrehzahl: Anzahl der Umdrehungen je Zeiteinheit (meist min) der das Drehmoment übertragenden Welle bei Verbrennungsmotoren.

Motorenöl: auf der Basis eines Erdöldestillats mit geringem Anteil von Schwefel- und Sauerstoffverbindungen hergestelltes Schmieröl mit besonderen Zusätzen, zum Beispiel zur Viskositätsbeeinflussung und Oxydationsbeständigkeit, für die Schmierung von Verbrennungsmotoren. Die Motorenöleigenschaften werden gezielt den Anforderungen von Hochleistungsmotoren angepasst.

Motorflug: mit Motorflugzeugen (vorwiegend ein- oder zweisitzige Landflugzeuge mit Kolbenmotoren) ausgetragene Flugsportwettbewerbe. Wettkampfdisziplinen sind Ziellandewettbewerbe (das möglichst nahe Aufsetzen am Landekreuz), Rund- und Sternflüge (mit Navigationsaufgaben, Bewertung von Zeit, Kurs und Ziellandung) sowie Kunstflug.

Erdhobel: Erdbaumaschine mit Allradantrieb oder als Kettenfahrzeug; dient zum Einebnen leichter Erdstoffe.

Motorik: die Gesamtheit der aktiven und reaktiven Bewegungsleistungen des Menschen, die der Auseinandersetzung und Kommunikation mit der Umwelt dienen (Arbeits-, Kommunikationsmotorik). Motorik beruht auf dem Zusammenwirken von Nervensystem und Sinnesorganen (Willkürmotorik, Ausdrucksmotorik), ist altersabhängig (Jugendmotorik, Altersmotorik) und aufgabenbezogen entwicklungsfähig (Sportmotorik).

motorisch: a) bewegend, Bewegung hervorbringend;

b) durch einen Motor betrieben.

motorische Endplatte: in der Skelettmuskulatur liegendes Organ zur Übertragung der nervösen Erregung auf die Muskelfaser.

motorische Nerven: zur Muskulatur verlaufende und eine Kontraktion auslösende Nervenfasern.

motorisierte Schützentruppen, Kurzwort mot. Schützen: Waffengattung der Landstreitkräfte sozialistischer Staaten, die mit ihrer vielseitigen Bewaffnung und technische Ausrüstung über große Feuerkraft, hohe Beweglichkeit, Manövrierfähigkeit und Widerstandskraft gegenüber der Wirkung von Massenvernichtungsmitteln verfugt und Kampfaufgaben unter allen Gelände- und meteorologische Bedingungen, bei Tag und Nacht lösen kann. Auf dem Gefechtsfeld wirken motorisierte Schützentruppen meist mit anderen Waffengattungen, Spezialtruppen und Diensten zusammen, können aber auch selbständig handeln. Der hohe Technisierungsgrad, ihre Struktur und Kampfweise unterscheidet die motorisierte Schützentruppe grundlegend von der früheren Infanterie.

Motorisierungsgrad: Verhältniszahl, die den Kfz-Bestand (ohne Mofas und Mopeds) in einem bestimmten Gebiet bezogen auf dessen Einwohnerzahl angibt.

Motorradgeländesport: Sammelbezeichnung für Enduro (auch Motorradgeländesport im engeren Sinne), Moto-Cross und Trial.

Motorroller: Abart des Kraftrads mit kleineren Rädern, größerem Radstand und Verkleidung sowie Durchstiegs-Freiheit zwischen Lenksäule und Sitz. Hubvolumen des meist gebläse-gekühlten Otto- (meist Zweitakt-) Motors 125 bis 250 cm3, bei Kleinrollern bis zu 50 cm3.

Motorsäge, Motorkettensäge: tragbare, durch leichten Ottomotor mit schwimmerlosem Vergaser angetriebene Maschine zum Fällen und Zerlegen von Bäumen sowie Ablängen von Rundholz.

Motorschiff, Abkürzung MS: von einem oder mehreren Dieselmotoren angetriebenes Schiff; zurzeit sind der Tonnage nach etwa 75% der Welthandelsflotte Motorschiff.

Motorsegler: Segelflugzeug mit Hilfsmotor, der zum Start oder zum Überbrücken von Aufwindflauten dient. Motorsegler sind für Segelflugwettbewerbe zugelassen, wenn durch ein Sperrgerät nachweisbar ist, dass der Motor im Wettkampf nicht benutzt wurde.

Motorsport: Sammelbezeichnung für alle mit motorgetriebenen Land- oder Wasserfahrzeugen betriebenen Sportarten (Automobil-, Motorrad-, Motorbootsport). Zum internationalen Motorradsport gehören Straßenrennsport (Racing), Leistungsprüfungssport (Enduro), Speedway- und Eisspeedway-, Sand- und Grasbahn-, Trialsport und Motoball; zum Automobilsport Straßenrennsport (Racing), Rallye- beziehungsweise Tourenwagensport, K-Wagensport (Karting), Auto- und Rallye-Cross und Kfz-Veteranensport; zum Motorbootsport Motorbootrenn- und Offshore-Sport, im weiteren Sinne auch der Wasserskisport. Im Freizeit- und Erholungssport haben sich national weitere Sportarten, zum Beispiel der Orientierungs- und Turniersport für Motorräder und Automobile sowie der Motorrad-Rallyesport entwickelt.

Motorsportgesetze: internationale und nationale Regelwerke, auf deren Grundlage der Motorsport organisiert, durchgeführt und kontrolliert wird. Die Anwendung und Einhaltung der internationalen Gesetze ist für Wettbewerbe, die durch eine der 4 Internationalen Motorsport-Föderationen genehmigt wurden, Pflicht.

Motorwagen: mit eigener Antriebsmaschine ausgestattetes Schienenfahrzeug. Im Unterschied dazu haben Beiwagen (Anhänger) und Steuerwagen keine Antriebsmaschine, zum Beispiel bei Stadtbahnen. S. a. Triebwagen.

Mott, Sir Nevill Francis, geboren 30.9.1905, britischer Physiker; bedeutende Arbeiten zur Kern- und Festkörperphysik, besonders über die Elektronenstruktur von Halbleitern, Metallen und amorphen Festkörpern.

Motte, Diether de la, geboren 30.3.1928, Komponist und Musikwissenschaftler der BRD; lehrt seit 1962 (1964 Professor) an der Hamburger Musikhochschule, seit 1972 Vizepräsident der Freien Akademie der Künste Hamburg; schrieb Kompositionen vieler Genres; publizierte unter anderem «Musikalische Analyse» (1968), «Harmonielehre» (1976).

Motteier, Julius, 18.6.1838-29.9.1907, Funktionär der Sozialdemokratie; seit 1863 in der Arbeiterbewegung tätig, vor allem als Gewerkschaftsfunktionär; 1869 Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei; seit 1874 leitete er die Leipziger Genossenschaftsdruckerei. zur Zeit des Sozialistengesetzes war Motteier Leiter der Expedition und der Geschäftsführung des in der Schweiz, später in Großbritannien herausgegebenen Zentralorgans «Der Sozialdemokrat» und wurde als der «Rote Feldpostmeister» bekannt. Bis 1901 musste er im Exil leben, danach leitete er Verlag und Vertrieb der «Leipziger Volkszeitung».

Mottelson, Benjamin Roy, geboren 9.7.1926, dänischer Physiker US-amerikanischer Herkunft; entwickelte gemeinsam mit A. Bohr und J. Rainwater das Kollektivmodell des Atomkerns.

Motten: 1. volkstümliche Bezeichnung für die meisten nachts fliegenden Schmetterlinge.

2. Motten, Tineidae: Familie der Schmetterlinge mit einer Spannweite zwischen 5 bis 40 mm; Raupen an Pilzen, Flechten sowie trockenen pflanzlichen und tierischen Stoffen; darunter einige weltweit verbreitete Vorrats- und Materialschädlinge; siehe auch Kornmotte, Kleidermotte, Tapetenmotte.

Mottenläuse: Unterfamilie der Gleichflügler; etwa 2 mm lange, geflügelte und mit weißem Wachsstaub bedeckte Arten; die Weiße Fliege (Trialeurodes vaporariorum) unter anderem sind Pflanzenschädlinge.

Mottenschutzmittel: Substanzen zum Schutz von Wolltextilien gegen Mottenfraß. Als Mottenschutzmittel dienen zum Beispiel leicht verdampfende feste Stoffe, deren Dämpfe Mottenlarven und -eier abtöten, hierzu gehören p-Dichlorbenzol und Hexachlorethan. Auch Kontaktinsektizide werden angewandt. Wirksamer sind Mottenschutzmittel mit langanhaltender Wirkung, die wie ein Farbstoff aus wässriger Lösung aufziehen, zum Beispiel die Eulane («Eulanisieren»).

Moulin Rouge: (französisch, «Rote Mühle») Pariser Varieté, gegründet als Vergnügungslokal zur Weltausstellung 1889. Als kennzeichnende Programmdarbietung gilt bis heute der Cancan.

Mounds: (englisch, «Erdwälle») die oft symbolhaft gestalteten (Schlange, Greifvögel), mächtigen und großflächigen (bis zu 30 m hohen und 400 m langen) Erd- und Steinwerke im Osten der USA (besonders Ohiotal), die zum Teil Häuser und Tempel trugen und als Bestattungsplätze dienten; sind Bestandteil der durch Bodenbau, Töpferei und Textilarbeiten charakterisierten Kultur der Indianer (etwa 2. bis 17. Jahrhundert).

Mountbatten: seit 1917 Name des britischen Zweiges der deutschen Adelsfamilie Battenberg. Louis Francis, Earl Mountbatten of Burma, 25.6.1900-27.8.1979 (Opfer eines Attentats), britischer Militär und Politiker; 1943/46 alliierter Oberbefehlshaber in Südostasien. Mountbatten legte als letzter britischer Vizekönig in Indien 1947 den Mountbattenplan vor; 1952/54 NATO-Oberbefehlshaber im Mittelmeer, 1955/59 Stabschef der britischen Flotte, 1959/65 Chef des britischen Verteidigungsstabes.

Mountbattenplan: (nach L. F. Mountbatten) Maßnahmeplan der britischen Regierung für die Übergabe der staatlichen Macht in Indien; sah die Spaltung der Kronkolonie in Indien und Pakistan vor. Der Mountbattenplan wurde im Juni 1947 veröffentlicht und am 15.8.1947 in Kraft gesetzt.

Mount Cook: höchster Berg Neuseelands, in den Neuseeländischen Alpen, im Westen der Südinsel; 3764 m; weithin vergletschert; Wintersport.

Mount Egmont: gegenwärtig nicht tätiger Vulkan an der Westküste der Nordinsel Neuseelands; 2518 m; Fremdenverkehr; Wintersport.

Mount Elbert: höchster Berg des Felsengebirges, in Colorado (USA); 4399 m; Quellgebiet des Arkansas.

Mount Erebus, Erebus: tätiger Vulkan auf der Rossinsel am Rand der Ross-See, vor der Küste von Victorialand (Antarktika); 3794 m.

Mount Logan: höchster Berg Kanadas, zweithöchster Berg Nordamerikas, im St.-Elias Gebirge (Kordilleren); 6050 m; Hauptgipfel eines stark vergletscherten Bergmassivs; Erstbesteigung 1925 durch A. H. McCarthy und H. F. Lambert.

Mount McKinley: höchster Berg Nordamerikas, in der Alaskakette (USA), inmitten des 7760 km2 großen Mount-McKinley-Nationalparks; 6193 m; Hauptgipfel eines stark vergletscherten Bergmassivs; Erstbesteigung 1912 durch H. Stuck und H. Carstens.

Mount Mitchell: höchste Erhebung der Appalachen (USA); 2037 m; in den unteren Lagen dichter Laubmischwald, in den oberen Nadelwald.

Mount Tom Price: Berg in der Hamersley Range in Westaustralien; 1114 m; Abbau bedeutender Eisenerzvorkommen im Tagebau, Erstverarbeitung im nahen Ort Tom Price (3000 Einwohner; Erzbahn (290 km) nach Dampier).

Mount Whitney: höchster Gipfel in den USA außerhalb Alaskas, im Südteil der Sierra Nevada in Kalifornien; 4418 m, Hauptgipfel eines Bergmassivs aus kristallinem Gestein; dicht bewaldet (bis 3400 m).

Mousseron, (französisch) Küchenschwindling: kleiner, nach Knoblauch riechender Schwindling; Würzpilz.

Moussieren: (französisch) Schäumen kohlendioxidhaltiger Getränke im Glas.

Mousterien: (französisch) nicht einheitlicher Jäger- und Sammlerkultur der mittleren Altsteinzeit (120000/50000 vor Christus); war verbreitet in Europa, Westasien, Nordafrika. Träger des Mousterien war der Neandertaler; benannt nach Le Moustier im Departement Dordogne (Frankreich).

Möwen, Laridae: Familie weltweit verbreiteter, fluggewandter Wasservögel, deren Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind. Echte Möwen (Larinae) brüten meist in Kolonien; Oberseite vorwiegend weiß, grau oder schwarz gefärbt. Die taubengroße Lachmöwen (Larus ridibundus) an Binnengewässern und auf Inseln nahe der Küste; an der Ostseeküste die etwas größere Sturmmöwen (Larus canus) und die bis 65 cm lange und bis 1 kg schwere Silbermöwen (Larus argentatus); siehe auch Raubmöwen, Seeschwalben.

Mozaraber: unter maurischer Herrschaft lebende christliche Bevölkerung im mittelalterlichen Spanien und Portugal, die sprachlich und kulturell weitgehend arabisiert wurde; im 12./13. Jahrhundert wurden sie religiös verfolgt und gewaltsam islamisiert.

mozarabischer Stil: christliche Kunst in Spanien (8./11. Jahrhundert) unter starken maurischen (islamischen) Einflüssen in Bau- und Schmuckformen (zum Beispiel Hufeisenbogen) sowie in Wand- und Buchmalerei (besonders in Katalonien). Der mozarabische Stil beeinflusste die Herausbildung der südfranzösischen Romanik.

Mozart: 1. Leopold Mozart, 1719 (14.11. getauft)-28.5.1787, österreichischer Komponist deutscher Herkunft; Vater von Mozart 2; seit 1757 Hof- und Kammerkomponist und seit 1763 Vizekapellmeister am erzbischöflicher Salzburger Hofe; schuf Werke aller Gattungen, die zu ihrer Zeit sehr geschätzt waren, sowie eine vielbeachtete Violinschule (1756).

2. Wolfgang Amadeus Mozart, 27.1.1756-5.12.1791, Komponist; Sohn von Mozart 1; einer der überragenden Meister der Musikgeschichte und ein Hauptmeister der Wiener Klassik. Vom Vater gründlich ausgebildet, erregte er als Wunderkind Aufsehen und erhielt auf Reisen (insbesondere 3 Italienreisen) vielfältige Anregungen. besonders auf einer längeren, erlebnisreichen Reise nach Mannheim und Paris Ende der 70er Jahre wuchs sein künstlerisches Selbstbewusstsein, und 1781 erzwang er seine Entlassung aus dem entwürdigenden Salzburger Hofdienst; lebte seitdem als freischaffender Künstler in Wien, konnte sich aber trotz künstlerische Erfolge keine gesicherte Existenz schaffen. Mozarts Gesamtwerk umfasst alle musikalischen Gattungen der Zeit. Sein Schaffen zeichnet sich nicht nur durch Vielseitigkeit und Umfang (über 600 Werke) aus, sondern vor allem durch eine einzigartige Genialität in der Erfassung und Gestaltung der Probleme, Ideen und Gefühle der Zeit, was ihn zu einem der größten musikalischen Realisten macht, der es vermochte, zu überzeugender Humanitätsaussage zu fuhren. Mit diesen Eigenschaften ist Mozart gleich bedeutend in der Instrumentalwie in der Vokalmusik, in denen sich differenzierte Melodik mit kunstvoller Schreibweise verbindet. Sein Schaffen ist von unerhörter Weiterwirkungskraft auf das gesamte 19. Jahrhundert und auf die Komponisten unserer Zeit. Zu den absoluten Spitzenwerken ihres Genres gehören die reifen Opern, Klavierkonzerte, Sinfonien und zahlreiche Beispiele der Kammermusik. Mozart schuf 17 vollständige Opern («Idomeneo», «Die Entführung aus dem Serail», «Figaros Hochzeit», «Don Giovanni», «Cosi fan tutte», «Titus», «Die Zauberflöte»), mehr als 40 Sinfonien, Serenaden und Divertimenti, Klavier- und Violinkonzerte, reiche Kammermusik (vor allem Streichquartette und -quintette, Klaviertrios und -quartette, Klavier- und Violinsonaten, mannigfaltige Bläser-Kammermusik), Klaviersuiten, -Variationen und -fantasien, Messen, Requiem (unvollendet) und weitere Kirchenmusik, Lieder, Konzertarien, Kanons unter anderem

Mozarteum: Musikinstitut in Salzburg; 1841 gegründet; umfasst die Internationale Stiftung Mozarteum als Pflegestätte der Mozartmusik und -forschung und die Akademie für Musik und darstellende Kunst Mozarteum als Stätte der Hochschul-Berufserziehung; veranstaltet seit 1956 jährlich eine Mozart-Festwoche.

Mrozek, Slawomir, geboren 26.6.1930, polnischer Erzähler und Dramatiker, debütierte 1953 mit satirischen Erzählungen und Humoresken und entwickelte sich zu einem international bekannten Vertreter der modernen Groteske. In seinen Erzählungen («Der Elefant», 1957, deutsch) wie in seinen zum Teil bis zum Absurden überspitzenden Dramen («Die Polizei», 1958, deutsch; «Tango», 1964, deutsch; «Das Schlachthaus», 1975, deutsch) entlarvt er überholte Konventionen und kleinbürgerliche Verhaltensweisen.

Muallakat: bekannteste altarabische Gedichtsammlung; enthält je eine vollständig erhaltene Kasside der sieben berühmtesten vorislamischer arabischer Beduinendichter Imru al-Kais, Tarafa, Suhair, Labid, Ibn Kulthum, Antara und al-Harith, die ein Bild des Beduinenlebens zeichnen.

Mucchi, Gabriele, geboren 25.6.1899, italienischer Maler, Graphiker und Kunstschriftsteller; tätig in Mailand und Berlin; 1950 Mitbegründer der progressiven Künstlergruppe «Realismo», 1956/61 Professor an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, 1960/62 am Institut für Kunsterziehung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Mucchi gestaltet mit einer kraftvollen realistischen Bildsprache in eindrucksvoller Weise historischer Ereignisbilder, Szenen aus dem Alltag, Landschaften, Akte und Bildnisse («Algerische Partisanen», 1959; «Aufstand der Jugend», 1970; «Fritz Cremer», 1963).

Mucilago: Schleim; für die Arzneimittelzubereitung werden Pflanzenschleime, zum Beispiel Orchideenknollenschleim, verwendet.

Mucius, altrömisches Plebejer Geschlecht: 1. Mucius, Gaius Mucius Scaevola, ließ angeblich als Beweis römischer Tapferkeit vor, dem feindlichen Etruskerkönig Porsenna um 508 vor Christus seine rechte Hand im Feuer verkohlen. 2. Mucius, Publius Mucius Scaevola, gestorben vor 115 vor Christus, Jurist; unterstützte die Agrarreformen des Tiberius Gracchus. 3. Mucius, Quintus Mucius Scaevola, 140-82 vor Christus (ermordet), Sohn von Mucius 2; 95 Konsul; fasste das Zivilrecht (ius civile) systematisch in 18 Büchern zusammen.

Mücken, Nematocera: Unterordnung der Zweiflügler mit langen Fühlern; Larven mit chitinisierter Kopfkapsel; Verpuppung erfolgt meist frei, selten in der letzten Larvenhaut. Hierzu geboren Blutsauger (Stechmücken) und Pflanzenschädlinge (Gallmücken).

Muckrakers: (englisch, «Schmutzaufwirbler») Gruppe von liberalen Schriftstellern, die besonders von 1902 bis etwa 1917 die Korruption in Wirtschaft, Verwaltung und Politik der USA anprangerten. Zu den Muckrakers gehörten U. B. Sinclair, J. L. Steffens und der Historiker G. Myers. Die Bezeichnung stammt aus J. Bunyans Allegorie «Des Pilgers Wanderschaft» (1678, deutsch).

Mucosal disease: (englisch, «Schleimhauterkrankung») Virusinfektion, vor allem jüngerer Rinder, mit schweren Erosionen an der Schleimhaut des Verdauungsapparates. Kennzeichen sind unter anderem gesteigerter Durst, verminderte Futteraufnahme, Abmagerung und sporadische Aborte; vorbeugend werden Lebendvakzine eingesetzt.

Mud, Mudd: («Schlamm») graues bis schwarzes, an organischen Stoffen reiches, kalkarmes, feinkörniges, marines Sediment; charakteristische Ostseeablagerung.

Mudde: (englisch mud, «Schlamm») Sammelbezeichnung für Unterwasserhumusformen.

Mudejares: Muslime, die im Verlaufe der Reconquista in Spanien und Portugal unter christlicher Herrschaft kamen. Sie behielten die islamische Religion und Kultur bei, lebten aber von der christlichen Bevölkerung getrennt; im 16. Jahrhundert politischen und religiösen Verfolgungen ausgesetzt und schließlich vertrieben. Siehe auch Mudejarstil.

Mudejarstil: Bau- und Dekorationsstil der spanischen Kunst, in dem sich islamische, gotische und (später) Renaissanceformen vermischen sowie Traditionen der maurischen Kunst weiterleben. Seine Merkmale sind Stalaktitengewölbe und Hufeisenbogen sowie die Verwendung von Stuckornamentik und Majolika Fliesen; Blütezeit im 14. Jahrhundert.

Mueller, Otto, 16.10.1874-24.9.1930, Maler und Graphiker. In seinem Werk, das dem Expressionismus verpflichtet ist (1911 Beitritt zur Brücke), ist der Mensch das zentrale Motiv seiner Gestaltungen. Weibliche Akte, figürliche Szenen im Freien und Zigeunerdarstellungen erscheinen in stumpfem Kolorit mit kraftvoll empfundenem Umriss.

Muff: eine zum Einstecken der Hände geeignete Hülle in Röhren-, Umschlagkissen- oder Taschenform; aus Pelz oder weichem Stoff gefertigt.

Muffe:

1. Muffe, Kabelmuffe-, Elektrotechnik: Armatur mit Schutz gegen Feuchtigkeit und mechanische Beschädigung zum Verbinden von Kabelenden. Nach Verwendung unterscheidet man Verbindungsmuffe, Übergangsmuffe, Sperrmuffe bei Öl- oder Gaskabeln sowie Hausanschlussmuffe.

2. Maschinenbau: Element zum Verbinden von 2 Teilen (zum Beispiel Rohren) bei geringer Beanspruchung; Expansionsmuffe nehmen Längenänderungen auf.

Muffel: 1. Muffel: Bezeichnung für das Maul mancher Haustiere (zum Beispiel Schaf, Ziege) und für die Nase des Wildes (besonders Elchwild).

2. Muffelofen.

Muffelofen: in Brennkammern eingeteilter Ofen zur Wärmebehandlung von Gegenständen in feuerfesten, kastenartigen Behältern (Muffeln), die vor direkter Einwirkung der Feuergase geschützt sind.

Muffendruckrohre: Beton-, Stahl- oder Graugussrohre für Versorgungsleitungen, zum Beispiel Abwasser, Wasser, Gas.

Mufflon, Muffelwild, Ovis ammon musimon: zierliche, auf Korsika und Sardinien beheimatetes Wildschaf, das zu Beginn des 20. Jahrhundert auf dem europäischen Festland eingebürgert wurde, zum Beispiel im Harz; Widder mit großem Kreisbogengehörn.

Mufti: (arabisch, (Entscheiden)) islamischer Rechtsgelehrter, der auf Grund der kanonischen Rechtsbücher Rechtsgutachten (Fetwas) erteilt.

Mufulira: Stadt im Kupfergürtel von Sambia, auf der Lundaschwelle, 1288 m über dem Meeresspiegel, nahe der Grenze zu Zaire; 190000 Einwohner; Kupferbergbau, -raffinerie; Straßenknoten.

Mugabe, Robert Gabriel, geboren 21.2.1924, simbabwischer Politiker; gehörte 1963 zu den Mitbegründern der afrikanischen Nationalunion von Simbabwe (englisch Abkürzung ZANXJ), deren Generalsekretär er wurde. Seit 1976 ist Mugabe Präsident der ZANU (PF); wurde nach den Parlamentswahlen im Februar 1980 erster Ministerpräsident Simbabwes.

Mugodsharen: 200 km langer, aus 2 parallelen Ketten bestehender Gebirgszug kristallinen Gesteins im Westen der Kasachischen SSR, Südausläufer des Urals; bis 657 m; Steppen- und Halbwüstenvegetation; Nichteisenmetallerzbergbau (besonders Nickel, Kupfer).

Muhammad: 1. Muhammad, Mohammed, um 570-632, arabischer Religionsstifter, Begründer des Islam, Kaufmann; trat mit 40 Jahren als Prophet Allahs auf. Muhammads Angriffe auf die herrschende Religion und Sitte in Mekka trugen ihm Verfolgung der reichen Kaufmannschaft ein und führten 622 zur Flucht (Hedschra beziehungsweise Hidschra, «Übersiedlung»; Beginn der islamischen Zeitrechnung) nach Medina. Dort schuf er ein theokratisches Staatswesen und einigte fast ganz Arabien durch Vorträge und Kriegszüge für seine Lehre; 630 zog Muhammad siegreich in Mekka ein. Er distanzierte sich vom Juden- und Christentum, anerkannte aber Moses und Jesus als Vorgänger.

Muhammad Ali, 1769-2.8.1849, albanischer Offizier; 1805 Pascha (türkischer Statthalter), 1841 Khedive (Vizekönig) von Ägypten; schuf einen zentralisierten Staatsapparat auf feudalabsolutistische Grundlage und durch Belehnung seiner Günstlinge eine neue, volksfremde Feudalklasse; unter seiner Herrschaft erlebte Ägypten vorübergehend einen wirtschaftlichen Aufschwung (Anlegung neuer Bewässerungssysteme, Einführung des Baumwollanbaus, Bau erster Manufakturen). Muhammad Ali A gründete eine Fellachen Armee mit moderner Bewaffnung; zerschlug 1811 die in Ägypten herrschenden Mamluken und unterwarf bis 1822 die Wahhabiten auf der Arabischen Halbinsel und den Sudan; eroberte 1831/33 Syrien. Sein Versuch, ein vorderorientalisches Großreich zu bilden, scheiterte 1840/41 an der Intervention der europäischen Mächte.

Mühle: 1. Anlage beziehungsweise Zerkleinerungsmaschine zum Gewinnen von Stäuben und Pulvern von weichen bis harten Stoffen; Antrieb heute meist elektrisch, durch Wasser- (Turbinen) und selten durch Windkraft. In der Antike erfolgte der Antrieb zunächst durch Tier- (Eselsmühle) oder Menschenkraft, seit Beginn unserer Zeit zunehmend durch Wasser-, später auch durch Windrad. Als Mühle werden seit dem Mittelalter auch allgemeine wassergetriebene Maschinen bezeichnet, die keine Mählwerke sind und zum Teil mit Nockenwellen (Hebedaumen) arbeiten (Sägemühle, Bandmühle, Drahtziehmühle, Pochmühle, Schleifmühle, Spinnmühle, Stampfmühle, Walkmühle unter anderem). Siehe auch Prallmühle, Schneidmühle, Schwingmühle, Trommelmühle.

2. a) Brettspiel zu zweit mit je 9 Spielsteinen;

b) 3 gleichfarbige Steine auf einer geraden Reihe bei a. Kann mit demselben Zug eine Mühle geöffnet, eine andere geschlossen werden, spricht man von einer Zwick- oder Fitschelmühle.

Mühlhausen, Thomas-Müntzer-Stadt: Kreisstadt im Bezirk Erfurt, an der Unstrut; 44000 Einwohner; Textil- und Bekleidungs-, elektrotechnisch-elektronische, Metall-, Fahrzeugzubehör-, Holz-, Lederwaren-, Lebensmittelindustrie; Gartenbau; pädagogische Hochschule; Stadtzentrum mit zahlreichen historischen Bauwerken: Rathaus (Stein- und Fachwerkbau), Sankt Blasius-Kirche (13./14. Jahrhundert; Wirkungsstätte J. S. Bachs), Barfüßerklosterkirche am Kornmarkt (13./14. Jahrhundert; Gedenkstätte «Deutscher Bauernkrieg»), Marienkirche (14. Jahrhundert; Thomas-Müntzer-Gedenkstätte), Stadtbefestigungen; Fremdenverkehr. Mühlhausen wurde 775 erstmals urkundlich erwähnt; 1180/1802 Reichsstadt; seit 1418 Hansemitglied; 1523 Aufstand der bürgerlichen Opposition unter H. Pfeiffer. Im deutschen Bauernkrieg 1524/25 bedeutendes revolutionäres Zentrum und Wirkungsstätte T. Müntzers (Errichtung des Ewigen Rates, eines Stadtregiments der Bürgeropposition). Nach der Niederlage der Bauern Verlust der Reichsfreiheit bis 1548. 1802 fiel Mühlhausen an Preußen.

Mühlviertel: westlicher Teil des österreichischen Granitplateaus in Oberösterreich, zwischen Donau und Böhmerwald; 500 bis 800 m über dem Meeresspiegel; wellige Landschaft mit tiefen Tälern und kargen Böden; von der Großen und Kiemen Mühl durchflossen; Streusiedlungen; Granitbrüche; Papier- und Textilindustrie; wichtigster Ort Freistadt (5400 Einwohner).

Muhme: veraltet für Schwester des Vaters oder der Mutter; Tante; ältere Verwandte.

Muhri, Franz, geboren 21.10.1924, österreichischer Arbeiterführer; seit 1961 Mitglied des ZK der KP und des Politbüros, seit 1965 Vorsitzender der KP.

Mühsam, Erich, 6.4.1878-10. oder 11.7.1934, Schriftsteller; gelangte in Opposition gegen Reaktion und Militarismus zu kommunistischen, jedoch von anarchistischen Tendenzen beeinträchtigter Haltung; als Mitinitiator der Münchener Räterepublik 5 Jahre in Festungshaft; nach dem Reichstagsbrand verhaftet und im KZ ermordet. Mühsam schrieb seit der Jahrhundertwende leidenschaftliche wie satirische Verse für Kabaretts und zahlreiche linke Blätter (unter anderem Sammlung «Revolution. Kampf-, Marsch- und Spottlieder», 1925); ferner «Unpolitische Erinnerungen» (1927/29).

Mujibur Rahman, 17.3.1920-15.8.1975 (ermordet), Politiker Bangladeschs; 1949 Mitbegründer der Awami-Liga (Volksliga), seit 1969 deren Vorsitzender; wegen des Kampfes für Autonomie der damaligen Provinz Ostpakistan wiederholt verhaftet; 1971 Staatspräsident, seit 1972 Ministerpräsident, seit 1975 Staats- und Ministerpräsident; seit i975 Vorsitzender der Volksliga der Bauern und Arbeiter von Bangladesh.

Muka, Arnost, Ernst Mucke, 10.3.1854-10.10.1932, sorbischer Slawist; Gymnasialprofessor in Zittau, Bautzen, Chemnitz und Freiberg, Mitglied mehrerer Akademien (Petersburg, Krakow, Belgrad, Prag).

Mukalla, AI-: Stadt (Gouvernoratszentrum) im Osten der VDR Jemen, an der Küste des Golfes von Aden; 100000 Einwohner; Zentrum des Fischfangs und der -Verarbeitung, Schiffbau, Kraftwerk; Küstenstraße nach Aden, Handelshafen (im Bau); historische Bauten (Minarette, Paläste).

Mukatschewo: Stadt im Transkarpatengebiet (Ukraine); 80000 Einwohner; Knoten im Energieverbundsystem «Frieden» der RGW-Staaten; Möbelkombinat, Maschinen- und Gerätebau; Straßenknoten; Theater, Burg (14. Jahrhundert), gotische Kapelle, Kloster (14. Jahrhundert). Bei Mukatschewo Braunkohlenabbau.

Mucopolysaccharide: proteinfreier Anteil der Proteoglykane (Eiweiß-Kohlenhydrat-Verbindungen) des Bindegewebes. Vertreter der Mucopolysaccharide sind Chondroitin Sulfate, Hyaluronsäure und Keratansulfat.

Mucoproteine, Glykoproteine (griechisch): oligosaccharid-haltige Proteine an Zelloberflächen und in Schleimstoffen.

Mukoviszidose: angeborene Störung der Absonderung von Drüsensekreten der Bauchspeicheldrüse (zystische Pankreasfibrose), Darm- und Bronchialdrüsen. Das Sekret ist zäh und fehlerhaft zusammengesetzt. Chron. Bronchitis und Verdauungsstörungen sind wichtige Symptome.

Ahmad al-Mansur, 1549-1603, Sultan der Saaditen-Dynastie 1578/1603; besiegte die Portugiesen 1578 bei Al-Kasr al-Kabir; die von ihm geschaffene starke Zentralgewalt trug zum Aufschwung von Handel und Handwerk sowie zum Aufblühen von Wissenschaft und Architektur bei; 1591 eroberte Ahmad al-Mansur das Songhaireich.

Mulatte: Nachkomme aus der Verbindung von Europiden und Negriden.

Mulde: linker Nebenfluss der Elbe; 124 km; entsteht südöstlich von Grimma aus Zwickauer Mulde (128 km; aus dem Westerzgebirge; Talsperre bei Eibenstock) und Freiberger Mulde (102 km; aus dem Osterzgebirge), mündet bei Roßlau. Bei Bitterfeld wegen Erweiterung eines neuen Braunkohlentagebaus durch das Restloch Muldenstein umgeleitet.

Mulisch, Harry, geboren 29.7.1927, niederländischer Schriftsteller. Grundthema seines von Pessimismus geprägten vielseitigen Schaffens ist das Ausgeliefertsein des Menschen der imperialistischen Gesellschaft an sinnlose Gewalt und Brutalität, zum Beispiel in dem Roman über die Bombardierung Dresdens «Das steinerne Brautbett» (1959, deutsch) und der Reportage über den Eichmann-Prozess «Strafsache 40/61» (1963, deutsch).

Mull:

1. Mull - Bodenkunde: Humus.

2. Mull - Textiltechnik: leichter, offen gewebter Stoff in Leinwandbindung; für Gardinen (jetzt aus Polyesterseide), Verband- oder Windelstoffe (aus Baumwolle).

Müll: (zu «mahlen») feste Abfälle unterschiede Herkunft (Haushalt, Straßen, Gewerbe, Industrie). Müll ist ein ständig wechselndes heterogenes Material. Hausmüll, abhängig von Heizungsart, Jahreszeit, örtliche Gegebenheiten unter anderem, ist als Winter- beziehungsweise Sommermüll nach Menge und Inhalt besonders unterschiedlich. Geschäftsmüll kann großvolumige Gegenstände enthalten. Die Sammlung des Mülls erfolgt am Anfallort in Müllgefäßen (Mülltonnen, -großbehälter), die in Müllsammelfahrzeuge entleert oder als Müllcontainer abgefahren werden. In vielgeschossigen Wohnhäusern sind Müllschlucker (besondere Abwurfschächte) mit eigenem Sammelraum eingebaut. Die schadlose Müllbeseitigung kann als geordnete Deponie (Sperrung gegen Grundwasser, schichtweise Ablagerung, Verdichtung, schließlich Bepflanzung) erfolgen. «Wilde» Ablagerung (Müllkippe) ist ungesetzlich; stattdessen erfolgt Müllverbrennung (mit oder ohne Gasgewinnung) oder Müllverwertung (Kompostierung) in Mieten oder Rottezellen.

Müller: 1. Adam Müller Romantische Schule.

2. Alfred Müller, geboren 4.7.1926, Schauspieler; profilierte sich vor allem am Maxim Gorki Theater, Berlin, zu einem sehr wandlungsfähigen Charakterdarsteller («Arno, Prinz von Wolkenstein», «Das Nest des Auerhahns»); bekannt auch durch Film und Fernsehen («For eyes only», «Mohr und die Raben von London»).

3. Armin Müller, geboren 25.10.1928, Schriftsteller; verfasste Gedichte («Ich habe den Thunfisch gegessen», 1957; «Reise nach S.», 1965), Erzählungen («Der Maler und das Mädchen», 1966; «Meine verschiedenen Leben», 1978), Romane («Der Magdalenenbaum», 1981; «Der Puppenkönig und ich», 1986), Hör- und Fernsehspiele, Gegenwartsstücke («Der goldene Vogel», 1975) und schuf Illustrationen zu seinen Versen («Auf weißen Pferden», 1983).

4. Clara Müller, verheiratete Jahnke, 15.2.1861-4.11.1905, Schriftstellerin; ihre Gedichte («Mit roten Kressen», 1899; «Sturmlieder vom Meer», 1901) gestalten aus sozialer Erfahrung und in wachsender Parteinahme Themen des proletarischen Kampfes und der Frauenemanzipation.

5. Eduard Müller, 12.11.1848-9.11.1919, schweizerischer Politiker; Führer der Freisinnig-demokratischen Partei; setzte Vereinheitlichung des Zivil- und Strafrechtes durch, reorganisierte das Militärwesen; 1899, 1907 und 1913 schweizerischer Bundespräsident.

6. Friedrich Müller, genannt Maler Müller, 13.1.1749-23.4.1825, Schriftsteller und Maler; Vertreter des Sturm und Drang; schrieb volksverbundene Idyllen («Die Schafschur», 1775; «Das Nusskernen», 1776), Balladen und dramatische Versuche.

7. Georg Elias Müller, 20.7.1850-23.12.1934, Psychologe; Mitbegründer der experimentellen. Psychologie, schrieb unter anderem «Zur Grundlegung der Psychophysik» (1878).

8. Gerhard Müller, geboren 4.2.1928, Politiker, Landwirt, Lehrer, Diplomgesellschaftswissenschaftler; seit 1946 Mitglied der SED; 1980 wurde er 1. Sekretär der Bezirksleitung Erfurt, 1981 Mitglied des ZK der SED, seit 1985 ist er Kandidat des Politbüros des ZK der SED. Müller ist seit 1981 Abgeordneter der Volkskammer.

9. Gerhard Kurt Müller, geboren 1.10.1926, Maler, Graphiker und Bildhauer, 1948/52 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 1955/68 dort Lehrtätigkeit, seit 1961 als Professor; gehört zu den Erneuerern des Holzstichs, der Malerei mit politisch engagierter Thematik und seit 1973 auch der Holzskulptur. Bedeutende Werke: «Hamburger Trilogie» (1979/80), «Torso eines Überlebenden» (1981/84), «Großes Ubu-Bild» (1983/84).

10. Hans Müller, genannt Müller von Bulgenbach, hingerichtet 1525, Bauernführer, vorher Landsknecht; stammte aus Bulgenbach (südlich von Freiburg im Breisgau); war militärischer Führer der Aufständischen im Herbst 1524 in Südwestdeutschland und Führer des Schwarzwälder Aufstandes 1525; verbreitete den radikalen Artikelbrief.

11. Hans Joachim Müller, geboren 11.11.1911, Zoologe; 1965/77 Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena; arbeitet über Ökologie und umweltbezogene Probleme der Insektenentwicklung.

12. Heiner Müller, geboren 9.1.1929, Dramatiker und Regisseur; gestaltete Konflikte des sozialistischen Aufbaus («Die Korrektur», 1958; «Der Lohndrücker», 1959, beide mit seiner Frau Inge Müller; «Zement», 1973; «Traktor», 1975); bearbeitete alte Stoffe aus aktueller Sicht («Philpktet», 1965; «Macbeth», 1972).

13. Hermann Müller, 18.5.1876—20.3.1931, Sozialdemokratische Politiker, seit 1893 Mitglied der Sozialdemokratie und seit 1906 im Parteivorstand, 1919/28 einer der Vorsitzenden der Partei, deren opportunistische Politik er maßgeblich bestimmte; 1916/31 Reichstagsabgeordneter; 1928/30 Reichskanzler.

14. Inge Müller, 13.3.1925-1.6.1966, Schriftstellerin; schrieb von Kriegserlebnis und gesellschaftlichen Neubeginn geprägte Gedichte («Wenn ich schon sterben muß», 1985); ferner Hörspiele («Die Weiberbrigade», 1960) sowie Stücke mit ihrem Mann H. Müller (14).

15. Johannes Peter Müller, 14.7.1801—28.4.1858, Physiologe; Begründer der neuzeitlichen Physiologie; sein «Handbuch der Physiologie» (1834/37) leitete die Überwindung der spekulativen Naturphilosophie ein; durch seine Schüler (E. Haeckel, R. Virchow unter anderem) wurde die moderne Biologie beeinflusst.

16. Richard Müller, geboren 17.7.1903, Chemiker; gilt neben K. A. Andrianow, J. F. Heyde und E. S. Rochow (USA) als Begründer der technischen Silikonchemie. Er gründete 1932 in Radebeul bei Dresden die «Forschungsstelle Silikonchemie» (seit 1954 Institut für Silikon- und Fluorkarbonchemie) und leitete diese Institution bis 1968; 1954/72 war Müller Professor an der TU Dresden.

17. Vincenz Müller, 5.11.1894-12.5.1961, Militär und nach 1945 antifaschistischer-demokratischer Politiker; in sowjetischer Kriegsgefangenschaft Mitglied des Nationalkomitees «Freies Deutschland», nach 1945 ein führender Politiker der NDPD, unter anderem 1956/58 Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung.

18. Wilhelm Müller, genannt Griechen-Müller, 7.10.1794-30.9.1827, Dichter; seine spätromantischen Zyklen «Die schöne Müllerin» (1820) und «Die Winterreise» (1823) wurden unter anderem durch F. Schuberts Vertonung weltbekannt, einzelne Stücke gehören zum deutschen Liedschatz («Am Brunnen vor dem Tore»), Im Zyklus «Lieder der Griechen» (1821/26) besang Müller den griechischen Freiheitskampf.

Müllerei: Gesamtheit der mit der Be- und Verarbeitung von Getreide und Hülsenfrüchten in Mühlen angewendeten Prozesse. Dazu gehören Reinigen, entweder trocken mittels Aspirateurs oder nass mittels Steinauslesers, Wasch- und Trockenzentrifuge, Klassieren (oder Sortieren), Konditionieren («Netzen») des Getreides, unter anderem zur Erzielung einer Samenschale, die beim Mahlen nicht splittert, und Schälen mit der Spitz- oder Schälmaschine. Es folgt die Vermahlung in Walzenstühlen und das Sichten, zum Beispiel mit Plansichter. Mahlmüllereiprodukte sind Schrot, Grieß, Mehl, Dunst und Kleie; Schälmüllereiprodukte unter anderem Flocken, Grütze, Graupen, Weißreis, geschälte Hülsenfrüchte.

Müller-Thurgau: (nach einem schweizerischen Pflanzenphysiologen) Kreuzung der Weintraubensorten Riesling und Silvaner. Die frühreife Sorte bringt auch in klimatisch weniger günstigen Lagen mildblumige Weine mit leichter Muskatnote.

Mullit: (nach der schottischen Insel Mull) feuer- und säurefestes Aluminiumsilikat; entsteht beim Glühen von Ton oberhalb 900 °C und ist in Form feiner Nadeln im Hartporzellan und in Schamotteerzeugnissen enthalten.

Mulm: Bodentyp der Niedermoore mit einem Vererdungshorizont, der an der Oberfläche deutlich vermullt ist. Die pulverige, aus Feinaggregaten bestehende Vermullung entsteht meist durch zu starke Absenkung des Grundwassers.

Mulmbock, Ergates faber: bis 5 cm großer, rotbrauner, seltener Bockkäfer, dessen Larve den Mulm alter Kiefernstubben frisst; Entwicklungszeit etwa 5 Jahre.

Multichip-Technik: Herstellungsmethode bei der Miniaturisierung elektronische Schaltungen. Zwei oder mehr Komponenten mit separaten Substraten (Chips) werden an einem gemeinsamen Träger befestigt.

Multicolorfarben: als Bautenschutzmittel, für Fassadenanstriche sowie für dekorative Anstriche auf Holz, Hartfaserplatten unter anderem verwendbare Zweikomponenten-Anstrichstoffe, deren Bindemittel meist aus Mischpolymerisaten bestehen. Die Komponenten, Lackfarbe (undispergierte Multicolorfarben) und wässrige Stabilisatorlösung, werden vor der Verarbeitung vermischt und mit Druckluft grob dispergiert. Die Multicolorfarben werden durch pneumatische Spritzen aufgetragen und trocknen bei normaler Temperatur.

Multienzymkomplexe: geordnete Aggregate strukturell und funktionell verschiedener Enzyme, die aufeinanderfolgende Stoffwechselreaktionen katalysieren, zum Beispiel Multienzymkomplexe der Fettsäurebiosynthese.

multilateral: mehrseitig; besonders bei internationalen Abkommen, Verhandlungen unter anderem auf politisches, ökonomisches und zahlungstechnisches Gebiet zwischen mehr als 2 Ländern.

Multimomenthäufigkeitsverfahren, Abkürzung MMH: auf den Gesetzmäßigkeiten der mathematischen Statistik beruhendes Stichprobenverfahren des Arbeitsstudiums. Mit Hilfe des Multimomenthäufigkeitsverfahren kann die prozentuale Häufigkeit unregelmäßig auftretender Vorgänge mit einer statistischen Sicherheit von 95 % ermittelt werden, indem durch viele Kurzbeobachtungen das Auftreten interessierender Ereignisse (zum Beispiel bei einer Verkäuferin die direkte Kundenbedienung, das Holen der Ware, das Kassieren und so weiter) festgestellt, ihre prozentualen Anteile (relative Häufigkeiten) ermittelt werden. Das Multimomenthäufigkeitsverfahren ist vielseitig anwendbar.

multinational: aus vielen Nationen bestehend; viele Staaten betreffend.

Multipara, Pluripara: Mehr- oder Vielgebärende; Frau, die bereits mehrmals geboren hat, speziell mehr als 5 Kinder.

multiple Sklerose, Polysklerose, Abkürzung (M. S.): Prozess im Rückenmark und Gehirn, bei dem scharf abgegrenzte Entzündungsherde (mit Zerfall der Markscheiden) entstehen. Die Ursache ist ungeklärt. Zu den häufigsten Symptomen zählen reversible Lähmungserscheinungen an den Gliedmaßen, Gefühlsstörungen (vor allem Taubheitsgefühl) sowie Zittererscheinungen bei beabsichtigten Bewegungen und Sehstörungen.

multipel (lateinisch): vielfältig, vielfach.

Multiplextechnik: Verfahren und Einrichtungen zur Vielfachausnutzung von Kabel- oder Funkstrecken durch Frequenz- (Frequenz-Multiplextechnik) oder zeitgestaffelte (Zeit-Multiplextechnik) Telefonie-, Telegrafie-, Rundfunkton-, Daten- beziehungsweise Fernwirkkanäle. Im Fernmeldewesen wird die Frequenz-Multiplextechnik oder Trägerfrequenztechnik (TF-Technik) unter anderem zur Mehrfachtelegrafie (Trägerfrequenztelegrafie) und Mehrfachtelefonie (Trägerfrequenztelefonie) verwendet. Die Frequenzstaffelung wird erreicht, indem je 1 Wechselstromträger mit den einzelnen Signalverläufen amplitudenmoduliert wird (siehe auch Modulation 1). Realisierte TF-Systeme übertragen gleichzeitig zwischen 12 und 10800 Telefoniekanäle auf einer Leitung beziehungsweise 24 Telegrafie Kanale je Fernsprechkanal. Die Zeit-Multiplextechnik benutzt weitgehend die Pulskodemodulation (PCM-Technik) zum Aufbau zeitgestaffelter Kanalbündel. Hierbei werden den einzelnen Signalverläufen Abtastproben (siehe auch Abtasttheorem) entnommen, zeitlich verschachtelt und binär kodiert. Die Systemhierarchie sieht zwischen 30 und 15 360 Telefoniekanäle vor, die auf einer Verbindung übertragen werden können. Die Anwendung der Multiplextechnik erfolgt aus kosten- und materialökonomischen Gründen auf Kabel-, Lichtleiterkabel- und Richtfunkverbindungen.

Multiplikation: Vervielfachen, eine Grund-rechenart; der Multiplikator gibt an, das wievielfache des Multiplikanden zu bilden ist; beide heißen auch Faktoren, das Ergebnis Produkt.

Multipol: Anordnung aus mehreren Paaren gleich großer elektrischer Ladungen entgegengesetzten Vorzeichens beziehungsweise aus mehreren gleich großen magnetischen Dipolen zum Beispiel besitzt ein Quadrupol 4, ein Oktupol 8 Ladungen. Ebenso wie Dipole charakterisiert man Multipol durch ein Multipolmoment, das sich aus Größe und Abstand der elektrischen Ladungen beziehungsweise der magnetischen Dipole ergibt.

Multipotenz: Vielvermögen; Besonderheit der Anlagen des Menschen, die ihn befähigt, sich bei zunehmend verarmter Instinktausstattung durch eigene schöpferische Tätigkeit auf der Grundlage von Bildung und Erziehung vielfältig entwickeln zu können.

Multiprozessor: System mehrerer eigenständiger Rechenautomaten (meist Mikrorechner), die gleichzeitig oder nacheinander ein gemeinsames Problem bearbeiten, wobei jedem Rechner spezielle Aufgaben zukommen.

Multispektralfotografie: fotografisches Verfahren vorzugsweise zur Fernerkundung der Erde. Von Flugzeugen oder Raumflugkörpern erfolgen mit einer Multispektralkamera gleichzeitig Aufnahmen in mehreren schmalen Kanälen des sichtbaren und infraroten Spektralbereichs auf Schwarzweißfilme. Von diesen wird in einem Multispektralprojektor ein farbiges Bild (additive Farbsynthese) erzeugt und visuell (oder auch elektronisch-digital) ausgewertet.

Multituberculata: ausgestorbener Seitenzweig der Säugetiere mit vielhöckerigen Backenzähnen und nagetierartigen Schneidezähnen; lebten vom Jura bis zum Eozän.

Multivibrator, Kippschaltung: elektronische Kippschaltung zur Erzeugung periodische Impulsfolgen; man unterscheidet bistabile (Flipflop), monostabile (Univibrator, Monoflop) und astabile Multivibrator; Anwendung zum Beispiel in Taktimpulsgeneratoren.

Multscher, Hans, um 1400-1467, Bildhauer und Maler; tätig seit 1427 in Ulm; er verarbeitete burgundisch-niederländische Einflüsse; sein Stil wandelte sich von einem derben Realismus (Schmerzensmann am Westportal des Ulmer Münsters) zu ideal-schönen, schlanken Formen im Spätwerk (Schnitzfiguren des Sterzinger Altars, 1457/58); die gemalten Tafeln des Wurzacher Altars (1437, Berlin (West)) sind von drastischen Realismus, Plastizität des Figürlichen und ein wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschen Malerei.

multum, non multa: «viel, nicht vielerlei», das heißt auf das Wichtige, Wertvolle, nicht auf die Menge des Gebotenen kommt es an. Zitat aus Plinius der Jüngere («Briefe»).

Mumie: durch Einbalsamierung (seltener Austrocknung) geschützter Leichnam; üblich im alten Ägypten und im präkolumbischen Amerika nach entsprechenden Jenseitsvorstellungen, dass die Seele so lange lebe, wie der Körper erhalten bleibe.

Mumienbildnisse: ägyptische Bildnisse des 1. bis 4. Jahrhundert, die den Mumienhüllen am Kopfende eingefügt wurden. Die Wachstemperatechnik der Mumienbildnisse ist ihrem Ursprung nach griechisch, der Realismus in den Porträts ist spezifisch römisch, die sakrale Auffassung wurzelt im altägyptischen Totenkult und steht im Zusammenhang mit dem Osiriskult. Die auf Holz oder Leinwand in Enkaustik oder Tempera ausgeführten Porträts zeigen den Toten in einem Idealalter und wurden meist zu Lebzeiten angefertigt. Neben handwerklichen Stücken gibt es Mumienbildnisse von hohem künstlerischem Rang. Bedeutendster Fundort war die Oase Fayum. Die etwa 750 bekannten Mumienbildnisse sind über viele Museen verstreut (Berlin, Kairo, London, New York, Paris, Moskau).

Mumifikation: 1. Sonderform der Verwesung.

2. Absterben von Körpergeweben mit anschließender Eintrocknung (trockener Brand), meist verursacht durch Gefäßverschluss.

Mumps, Ziegenpeter, Parotitis epidemica: vorwiegend im Klein- und Schulkindalter auftretende Virusinfektion der Speicheldrüsen, vorzugsweise der Ohrspeicheldrüsen; gekennzeichnet durch leichte Temperaturerhöhung, druckempfindliche Schwellung vor und hinter dem Ohr mit Kaubeschwerden; gelegentlich mit gutartig verlaufender Gehirnhautentzündung verbunden.

Mun, Thomas, um 1571 um 1641, englischer bürgerlicher Ökonom und Großkaufmann; einer der Hauptvertreter des Merkantilismus in England, Direktor der englischen Ostindienkompanie.

Munch, Edvard, 12.12.1863-23.1.1944, norwegischer Maler und Graphiker; seit 1889 mehrfach Aufenthalte in Frankreich, Deutschland, Dänemark und Italien. Nach naturalistischen Anfängen entwickelte sich sein Stil in der Auseinandersetzung mit Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil, dessen Einfluss in seinem Werk durch die Verwendung der Linie als bestimmendem Bildelement besonders deutlich wird. Munch hat entscheidend die Entwicklung des Expressionismus vorbereitet. In seinem umfangreichen malerischen und graphischen Werk gestaltete er die Schattenseiten des Lebens (Not, Einsamkeit, Krankheit, Tod), schuf eindrucksvolle Darstellungen zum Thema Liebe und gelangte in seinem Spätwerk zu einer lebensbejahenden Auffassung.

Münch, Armin, geboren 1.5.1930, Graphiker und Zeichner; 1950/55 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 1958/60 Meisterschüler bei H. T. Richter, seit 1976 Professor an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Münch sucht den Charakteristischen zeitgenössischen Menschen, Arbeitsprozesse und Landschaften mit dynamischer und zugleich feinfühliger Ausdruckskraft zu erfassen. Er wandte sich mit zahlreichen Arbeiten gegen Krieg (Vietnam-Zyklus, Atombomben-Zyklus).

Müncheberg: Stadt im Kreis Strausberg, Bezirk Frankfurt, östlich von Berlin; 5 200 Einwohner; Agrarzentrum; Forschungszentrum der AdL; alte Stadtmauer mit Tortürmen.

Münchener Abkommen: zwischen den Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien am 29.9.1938 in München geschlossener Vertrag; ermächtigte das faschistische Deutschland zur Annexion tschechoslowakisches Gebiete (1./10.10.1938). Im Zuge ihrer «Befriedungspolitik» verrieten die Westmächte die Tschechoslowakei, um die faschistische Aggression gegen die Sowjetunion zu lenken. Die UdSSR stand zu ihren Bündnisverpflichtungen und mobilisierte Teile ihrer Armee, doch die tschechoslowakische Regierung lehnte sowjetische Hilfe ab. Das Münchener Abkommen war völkerrechtswidrig und ebnete dem faschistischen Deutschland den Weg zum 2. Weltkrieg.

Münchener Dichterkreis: lockere, durch den bayerischen König Maximilian II. geförderte Dichtervereinigung in der 2.Hälfte des 19. Jahrhundert (unter anderem E.Geibel, P. Heyse, F. Bodenstedt); vertrat bei konservativer Haltung epigonal-klassizistischen Dichtkunst; verdient um Übersetzungen aus romanischen und orientalischen Literaturen.

Münchener Räterepublik, Bayerische Räterepublik: Herrschaft der Arbeiter- und Soldatenräte in München vom 13.4. bis 3.5.1919, nachdem ein Militärputsch, der eine von USPD und Anarchisten am 7. 4. gebildete Schein-Räterepublik niederwerfen sollte, unter Führung der Kommunisten zerschlagen worden war; an der Spitze des Vollzugsrates aus KPD- und USPD-Vertretern stand der Kommunist E. Levinte. In München und einigen anderen bayerischen Städten wurde eine Rote Armee gebildet, die bürgerliche Presse verboten und das Bankwesen nationalisiert; Betriebsräte übernahmen die Kontrolle der Produktion. Nach mehrtägigen erbitterten Kämpfen wurde die Münchener Räterepublik von konterrevolutionären Truppen aus allen Teilen Deutschlands niedergeschlagen. Mit ihr endete die Novemberrevolution. Dem blutigen Terror der Reaktion fielen Hunderte von Revolutionären zum Opfer.

Münchhausen, Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von, 11.5.1720-22.2.1797, Anekdotenerzähler; sprichwörtliche Aufschneider, «Lügenbaron». Seine 1786 in englischer Sprache veröffentlichten unglaubliche Kriegs-, Jagd- und Reiseabenteuer (Münchhausiaden) wurden in der erweiterten Übersetzung G. A. Bürgers ein deutsches Volksbuch.

Munda, Kolorier: im weiteren Sinne dunkelhäutige Völkergruppe im zentralen und nordöstlichen Vorderindien (Santal, Munda im engeren Sinne, Ho, Kurku); 8 Millionen; Bergbauern, zum Teil Sammler und Jäger; nur teilweise hinduisiert, gehören die Munda zu den am wenigsten entwickelten Völkern Indiens (Reste der Stammesorganisation).

Mundart, seltener Idiom (griechisch): natürlich gewachsenes, vorwiegend mündlich gebrauchtes relativ einheitliches Sprachsystem einer meist geographisch gebundenen Sprachgemeinschaft. Mundarten bilden die Grundschicht der sich aus ihnen entwickelnden Nationalsprache. Mehrere Ortsmundart ergeben einen Dialekt (zum Beispiel obersächsisches Dialekt mit Leipziger, Dresdner Mundart).

Mundartwörterbuch, Idiotikon (griechisch): Wörterbuch, das den Wortschatz einer Mundart beziehungsweise eines Dialekts mit seinen Besonderheiten erfasst.

Munda Sprachen, kolarische Sprachen: zur austroasiatischen Sprachfamilie rechnende Sprachen, die zu den ältesten Sprachen Indiens gehören. Munda Sprachen sprechen 6,5 Millionen Menschen in Gebieten der indischen Unionsstaaten Bihar, Orissa, Madhya Pradesh und Westbengalen.

Mundatmung: unphysiologische Atmung bei behinderter Nasenatmung; besonders häufig bei kleineren Kindern mit vergrößerter Rachenmandel vorkommend.

Mundbodenphlegmone: meist vom Zahnsystem ausgehende und durch Streptokokken hervorgerufene, nicht abgegrenzte Entzündung des Mundbodens; gekennzeichnet durch hohes Fieber, massive Schluckbeschwerden und schlechtes Allgemeinbefinden. Neben medikamentöser Behandlung ist ein Chirurg. Eingriff erforderlich.

Munddusche: Hilfsmittel zur Verbesserung der individuellen Mundhygiene. Bei manchen Gerätetypen sind medikamentöse Zusätze möglich, mit denen Zahnbetterkrankungen beeinflusst werden können.

Mundeis: für den menschlichen Genuss aus Trinkwasser hergestellte Eiswürfel, zum Beispiel für Erfrischungs- und Bargetränke.

Mündel, (althochdeutsch munt, «Schutz»): unter Vormundschaft beziehungsweise Pflegschaft stehende Person. S. a. Entmündigung.

Mündelsicherheit: nach früherem Recht dem Vormund vorgeschriebene Art, Geld und Wertpapiere eines Mündels anzulegen.

Mundflora: Besiedlung der Mundhöhle mit Mikroorganismen, zum Beispiel Bakterien (vorwiegend Kokken und Stäbchen), Pilze und Viren. Die Stoffwechselprodukte der normalen Mundflora stehen der Ansiedlung pathogener Keime entgegen. Bei krankhaften Veränderungen ergeben sich qualitativ und quantitativ Abweichungen gegenüber normaler Mundflora Mikroorganismen im Zahnbelag sind an der Entstehung von Karies und Zahnbetterkrankungen beteiligt.

Mundgliedmaßen, Mundwerkzeuge: der Nahrungsaufnahme dienende Fortsätze des Kopfes der Gliederfüßer.

Mundharmonika: Blasinstrument aus Holz oder Kunststoff mit durchschlagenden Messingzungen, die in nebeneinanderliegenden Kanzellen (Luftkammern) durch Atemluft in beiden Richtungen (Blasen und Ziehen) zum Schwingen gebracht werden; um 1800 in Wien erfunden. Es gibt unter anderem diatonische und chromatische Mundharmonika, Bass- und Akkordbegleitinstrumente.

Mundhöhle: vorderster Abschnitt des Verdauungskanals; er wird beim Menschen und den Säugetieren vom von den Lippen, unten vom Mundhöhlenboden und der Zunge, oben vom harten Gaumen, oben hinten vom weichen Gaumen und seitlich von den Wangen begrenzt

Mundkeil, Maulgatter: Instrument zum zwangsweisen Öffnen und Offenhalten des Maules bei Tieren.

Mundloch: Tagesöffnung eines Stöllns an einem Talhang.

Mundorgel: Blasinstrument aus Bambus- oder Holzpfeifen verschiedener Länge mit durchschlagenden Zungen aus Metall, einer Windkammer (ursprünglich aus Kürbisschale) und herausragendem Mundstück. Die Mundorgel war in China als Sheng schon im 6. Jahrhundert bekannt, kam im 9. Jahrhundert nach Japan und ist noch heute als volkstümliches Instrument in Gebrauch.

Mundschenk: eines der 4 Erzämter, dessen Inhaber für die Getränke verantwortlich war.

Mundspeicheldrüsen: in die Mundhöhle mündende Drüsen; dazu gehören Ohrspeichel-, Unterkiefer-, Unterzungen-, Lippen-, Wangen-, Gaumen- und Zungendrüsen. Ihre Sekrete (Speichel) sind unterschiedlich zusammengesetzt und dienen der Vorverdauung (Kohlenhydrate) sowie der Erhöhung der Gleitfähigkeit der Nahrung beim Schluckakt.

Mundsperrer: Gerät zum Öffnen und Offenhalten des Mundes (zum Beispiel bei Operation innerhalb der Mundhöhle, Narkose, Kieferklemme).

Mundstock, Karl, geboren 26.3.1915, Schriftsteller; gestaltet in Erzählungen Kriegserlebnisse und antifaschistischen Widerstandskampf («Bis zum letzten Mann», 1956; «Der Tod an der Grenze», 1975); ferner Gegenwartsromane («Helle Nächte», 1952), Erinnerungen («Meine tausend Jahre Jugend», 1981; «Zeit der Zauberin», 1985), Kinderbücher («Ali und die Bande vom Lauseplatz», 1958; «Gespenster-Edes Tod und Auferstehung», 1963) sowie Lyrik («Frech und frei», 1970).

Mundtrockenheit, Xerostomie (griechisch): Trockenheit der Mundhöhle infolge Herabsetzung oder Versiegens der Speichelsekretion. Mundtrockenheit kann auch Symptom innerer Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes) oder medikamentös bedingt sein (zum Beispiel nach Atropingaben).

Mündungsbremse: Vorrichtung an der Geschützrohrmündung zum Abbremsen des Rohrrücklaufes beim Abschuss.

Munduruku: Indianerstamm der Tupi-Guarani-Sprachfamilie in Brasilien, zwischen dem Amazonas, Madeira und Tapajos; Bodenbauer, Jäger und Fischer, früher gefürchtete Kopfjäger; im 19. Jahrhundert durch den Gummihandel weitgehend ökonomisch abhängig geworden, stark dezimiert.

Mundvorhofplatte: Hilfsmittel zur Prophylaxe und Frühbehandlung von Zahnstellungsanomalien (siehe auch Kieferanomalien); wird bei Kleinkindern zur Beseitigung des Lutschens, des Lippenbeißens und der Mundatmung empfohlen.

Mungos, Mangusten, Herpestinae: kurzbeinige Schleichkatzen mit nicht rückziehbaren Krallen. Der bis 45 cm lange Indischen Mungos (Herpestes edwardsi) mit körperlangem Schwanz vertilgt Ratten und Giftschlangen; gegen Schlangengift ist er nicht völlig immun.

Munition: Teil der Bewaffnung, der unmittelbar zur Vernichtung des Gegners, zur Zerstörung seiner Kampftechnik und Verteidigungsanlagen sowie für spezielle Aufgaben, wie Gefechtsfeldbeleuchtung, Signalgebung, vorgesehen ist. Zur Munition zählen alle Arten von Patronen, Granaten, Gefechtsköpfen, Bomben, Minen, Leucht- und Signalmitteln, Treib- und andere Ladungen sowie Handgranaten.

Munizipium, Municipium (lateinisch, «Landstadt»): ursprünglich autonome Stadtgemeinde in Latium, seit dem 1. Jahrhundert nach Christus die ital. Landstadt und in der römischen Kaiserzeit auch die außeritalische Stadt.

Munk: 1. Munk, Andrzej, 16.10.1921-20.9.1961 (Autounfall), polnischer Filmregisseur; erschloss dem polnischer Dokumentarfilm neue Wege, schuf ab 1956 Spielfilme, für die Aktualität und Gegenwartsbezogenheit charakteristisch sind, so «Der Mann auf den Schienen», «Eroica», «Das schielende Glück», «Die Passagierin» (unvollendet).

2. Munk, Kaj, eigentlich Harald Leininger, 13.1.1898-4.1.1944 (von Faschisten ermordet), dänischer Dramatiker, Pfarrer; entwickelte sich in kompliziertem Schaffensprozess vom Sympathisanten des Faschismus zu dessen konsequentem Gegner. Aufrufe zum Widerstandskampf enthalten die «Dänischen Predigten» (3 Bände, 1941/46, teilweise deutsch «Mit dem Schwert des Wortes») und das Drama «Niels Ebbesen» (1942, deutsch).

Munkacsy, Mihäly, 20.2.1844-1.5.1900, ungarischer Maler; Hauptmeister der ungarischen realistischen Malerei des 19. Jahrhundert, tätig vor allem in Paris; schuf Landschaftsdarstellungen, Genrebilder, auch religiöse und zeitkritisch-sozial orientierte Werke.

Munster: historische Provinz im Südwesten Irlands; umfasst die Grafschaften Cläre, Cork, Kerry, Limerick, Tipperary, Waterford; 24126km2, 1 Millionen Einwohner; 41 Einwohner/km2; wichtigste Orte Cork und Limerick; Hügel- und Bergland (im Carrauntoohil 1041m); in der Mitte Tiefebene mit Wiesen und Mooren; mildes Seeklima, Windschutzhecken; Milchviehwirtschaft und Rindermast; Fischerei; Abbau von Buntmetallen; Industrie auf die Hafenstädte Cork, Limerick und Waterford konzentriert.

Münster: ursprünglich eine Klosteranlage, im weiteren Sinne Bezeichnung einer besonders süddeutschen Stifts- oder Bischofskirche, aber auch für eine Pfarrkirche mit besonderer Bedeutung.

Muntjakhirsche, Muntiacinae: bis rehgroße Hirsche, tragen im männlichen Geschlecht ein kurzes Geweih mit langem Rosenstock und hauerartige obere Eckzähne. In Südostasien lebt der nachtaktive Muntjak (Muntiacus muntjak) im dichten Dschungel.

Muntok: (nach einer indonesischen Stadt) Handelsbezeichnung für weißen Pfeffer.

Müntzer, Münzer, Thomas, um 1490-27.5.1525, Theologe; bedeutender Repräsentant des radikalen Flügels der Reformation und theoretische Führer der Aufständischen im deutschen Bauernkrieg 1524/25, ideologisch vor allem Repräsentant der plebejischen, vorproletarischen und kleinbürgerlichen Schichten. Als Lehrer (Lektor) und Prediger war er zunächst Anhänger Müntzer Luthers; er entwickelte seit 1521 in Zwickau und in Prag sowie 1523/24 in Allstedt eine selbständige reformatorische Auffassung, die auf einen zukünftigen Gesellschaftszustand ohne Klassen und ohne eine sich über das Volk erhebende Obrigkeit hinauslief. Das einfache Volk war für Müntzer die Kraft, die eine solche Umgestaltung vollziehen könne. In Allstedt und Mühlhausen schuf er Bündnisse zum Schutz der Anhänger seiner Volksreformatorischen Position. Bei einer Wanderung nach Südwestdeutschland Ende 1524 wurde er Zeuge des ausbrechenden Bauernkrieges und gab den Bauern Unterstützung bei der Formulierung ihrer Forderungen. Mit H. Pfeiffer machte er Mühlhausen zum Zentrum der Erhebung in Thüringen. Sein Plan, den Aufstand zu zentralisieren und alle weltlichen und geistlichen Obrigkeiten zu entmachten, scheiterte nach anfänglichen Erfolgen am gesellschaftlichen Kräfteverhältnis und am Reifegrad der Trägerschichten der Revolution. Mit seinen engsten Anhängern wurde Müntzer nach der Niederlage der Aufständischen bei Frankenhausen am 15. 5.1525 gefangengenommen, nach Heldrungen gebracht, gefoltert und schließlich hingerichtet.

Münz, Rudolf, geboren3.4.1931, Theaterwissenschaftler; seit 1977 Professor, erwarb sich Verdienste durch seine Forschungen zur älteren deutschen Theatergeschichte; schrieb «Das Theater» (1979).

Münze: 1. geprägtes Geldstück, meist aus Metall; Masse, Aussehen und Zusammensetzung wird vom Staat festgesetzt. Die Gesamtmasse heißt Schrot, die Masse des Edelmetalls in der Münze Korn, der Feingehalt ist das Verhältnis beider. ursprünglich entsprach der Nominalwert einer Münze ihrem Metallwert (Kurant, Kurantmünze), bei Scheidemünze ist der Metallwert geringer als der Nominalwert, Schaumünze sind Münze zur Erinnerung an Zeitereignisse, meist aus hochwertigem Metall geprägt. Münze sind seit dem 7. Jahrhundert vor Christus (zuerst in Kleinasien) in Gebrauch.

2. Münze, Münzstätte: meist staatlicher Betrieb zur Herstellung von Münze 1, Medaillen u. ä.

Münzenberg, Wilhelm, 14.8.1889-Sommer 1940, Funktionär der kommunistischen Bewegung; Mitbegründer der KJI, 1919 Mitglied der KPD, seit 1927 ihres ZK, Generalsekretär der IAH, 1933 im französischen Exil antifaschistische Arbeit, löste sich 1936/37 von der KPD und vom Marxismus-Leninismus.

Münzfuß: gesetzlich festgelegtes Verhältnis von Masse und Metallgehalt der Münzen.

Münzhoheit: ausschließliches Recht des Staates, das gesamte Münzwesen zu regeln.

Münzkunde, Numismatik: Lehre von den Münzen in ihren geschichtlichen, staatsrechtlichen, wirtschafts- und kunstgeschichtlichen Beziehungen.

Münzner, Rolf, geboren 3.1.1942, Graphiker und Zeichner; 1962/67 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, seit 1973 dort im Lehrauftrag tätig. Teilweise angeregt durch literarische Stoffe, gestaltet Münzner sinnbildhafte Zeitallegorien, Alltags- und Epoche-Themen in graphisch-subtiler Formensprache.

Münzsammlung, Münzkabinett: wissenschaftliche Sammlung von Münzen, Medaillen und Papiergeld; die bedeutendsten Münzsammlung sind die von Berlin, Leningrad, London, Paris und Wien.

Münzzeichen: auf Münzen angebrachte Zeichen (Punkte, Kreuze, Sterne unter anderem) und Buchstaben; kennzeichnen Münzmeister, Graveur, Münzstätte, Emission u. ä.

Muqarnas: ein aus vielen Nischen zusammengesetztes, oft stalaktit-artig gestaltetes Schmuckwerk, in der islamischen Baukunst weit verbreitet; leitet als Bauelement von geraden zu gewölbten Flächen über.

Muqdisho, Mogadishu, Mogadiscio: Hauptstadt von Somalia, am Indischen Ozean; 400000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Textil-, Leder-, chemische Industrie; internationale Messe; wichtigster somalischer Hochseehafen, internationaler Flughafen; Universität und islamische Hochschule; Museum.

Mur: linker Nebenfluss der Drau; 454 km; aus den Radstädter Tauern (Österreich); durchfließt die Steiermark, mündet, mit der Drau die jugoslawische Murainsel bildend, bei Legrad; bildet erst die österreichisch-jugoslawische, dann die jugoslawische ungarische Grenze; ab Graz schiffbar; Nebenfluss Mürz; Wasserkraftwerke.

Murad, türkisch Sultane: 1. Murad um 1320-15.6.1389, Sultan seit 1359; gab 1360 den Janitscharen Sonderrechte, eroberte 1361 Adrianopel, fiel 1389 in der siegreichen Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Serben. 2. Murad II., 1401-5.2.1451, Sultan seit 1421; belagerte 1422 erstmals Konstantinopel; festigte die türkische Herrschaft in Kleinasien und. auf der Balkanhalbinsel; schlug bei Varna am 10.11.1444 ein polnisches-ungarisches Kreuzzugsheer; siegte am 19.10.1448.auf dem Amselfeld über die Ungarn unter J. Hunyadi.

Muränen, Muraenidae: aalartige, nachtaktive Raubfische mit scharfen Zähnen im tiefgespaltenen Maul und meist Giftdrüsen in der Gaumenschleimhaut; bewohnen Korallenriffe und Felsenküsten aller tropischen und subtropischen Meere. Größte Art ist der Pampan (Thyrsoidea macrurus) aus dem indopazifischen Raum mit 3 m Länge; die bis 1,50 m lange Mittelmeermuränen (Muraena helena) galt im alten Rom als Delikatesse und wurde in speziellen Becken gemästet; auch heute zum Teil wichtige Speisefische, zum Beispiel in Japan.

Muraqqa: orientalisches Sammelalbum, besonders seit dem 17. Jahrhundert an den Höfen der spätislamischen Großreiche üblich (Indien, Iran, Türkei); enthält einzelne Miniaturen, Zeichnungen oder Schriftproben berühmter Kalligraphen.

Murat, Joachim, 25.3.1767-13.10.1815 (erschossen), Marschall von Frankreich; nahm 1795 an der Niederwerfung der Royalisten in Paris teil, wurde 1796 Adjutant Napoleon Bonapartes und unterstützte 1799 dessen Staatsstreich vom 18. Brumaire; 1808/15 König von Neapel.

Murcia: 1. Region im Südosten Spaniens am Mittelmeer, 11317 km2, 960000 Einwohner; 84 Einwohner/km2; wichtigster Ort Murcia 2; im Norden Bergland mit Eisen-, Blei-, Zink-, Kupfererzbergbau; in Flusstälern (Rio Segura und Nebenflüsse) und in der Küstenebene Anbau von Weizen, Mais, Zitrusfrüchten, Öl- und Maulbeerbäumen, Dattelpalmen; Erdölraffinerie (Escombreras); Buntmetallverhüttung; Fischfang. 747 erstmals erwähnt, im 11./13. Jahrhundert Zentrum des Emirats Murcia, im Zuge der Reconquista 1236/48 von Kastilien erobert; 1264/66 großer Maurenaufstand, der mit Hilfe Aragoniens unterdrückt wurde.

2. Stadt im Südosten Spaniens, wichtigster Ort von Murcia 1 und Verwaltungszentrum der Provinz Murcia, am Rio Segura; 280000 Einwohner; Textil- (Seide, Wolle, Baumwolle, Leinen), Leder-, Möbel-, chemische Industrie; Universität, Seidenforschungsinstitut; Museen, Gemäldegalerie; Stierkampfarena; gotische Kathedrale (14./16. Jahrhundert), römische Baureste.

Murdoch, Iris, geboren 15.7.1919, englische Romanschriftstellerin irischer Herkunft; wandte sich nach der kritischen Behandlung von Fragen des menschlichen Zusammenlebens in existentialistischer Haltung zunehmend psychoanalytischen und metaphysisch-spekulativen Themen zu («Unter dem Netz», 1954, deutsch; «Der schwarze Prinz», 1973, deutsch).

Murdock, William, 21.8.1754-15.11.1839, britischer Ingenieur; Mitarbeiter von J. Watt; erfand 1785 die Dampfmaschine mit schwingendem Zylinder; entwickelte 1792 die (Steinkohlen-) Gasbeleuchtung; baute um 1800 einen Dampfwagen.

Mure: (oberdeutsch, zu «mürbe») Schuttstrom im Hochgebirge (Rutschung an Steilhängen); ausgelöst durch starke Überfeuchtung fließfähigen Lockermaterials infolge von Starkregen oder Schneeschmelze.

Murein: Peptid-Polysaccharid Komplex der inneren Zellwandschicht aller Bakterien.

Mure, Maros: linker und längster Nebenfluss der Theiß; 803 km, davon 768 km in Rumänien; entspringt in den Ostkarpaten, durchfließt Transilvania, begrenzt im Unterlauf das Banat im Norden, mündet bei Szeged (Ungarn); Wasserkraftwerke am Oberlauf.

Murfatlar: Weinbauort in Rumänien, in der Dobrudscha (Bezirk Constanta), südöstlich von Medgidia; Weinverarbeitung; Forschungsstation für Garten- und Weinbau; Weinbaumuseum.

Murillo, Bartolomé Esteban, getauft 1.1.1618, gestorben 3.4.1682, spanischer Maler; angeregt von A Cano, F. de Zurbarán, von der flämischen und venezianische Malerei, schuf Murillo in den 60er/70er Jahren große Zyklen für Kirchen in Sevilla. Murillo ist der populärste spanische Barockmaler; bekannt durch Heiligen- und Madonnendarstellungen, die in zarter Schönheit und oft in ekstatischer Verklärung wiedergegeben sind, sowie realistische Bildnisse und Genreszenen.

Murmel: Fell des Murmeltieres mit kurzem und kräftigem Haar von braungrauer Oberflächenfärbung; wird für Imitationen, zum Beispiel Nerz, verwendet.

Murmeltiere, Marmota: Erdhörnchen mit kurzem, buschigem Schwanz und Grabkrallen an Fingern und Zehen; leben kolonieweise; in eurasischen Gebirgen das bis 7 kg schwere Alpenmurmeltiere (Marmota marmota).

Murnau, eigentlich Plumpe, Friedrich Wilhelm, 28.12.1869-11.3.1931, Filmregisseur, führend im deutschen Stummfilm («Nosferatu», «Der letzte Mann», «Tartüff», «Faust»); ging 1926 nach Hollywood, wo er mit R. Flaherty eine eigene Produktionsgesellschaft gründete; schuf in den USA «Sunrise», «Unser täglich Brot», «Tabu».

Murner, Thomas, 24.12.1475 vor 23.8.1537, Schriftsteller und Theologe; geißelt in den volkstümlichen Satiren «Narrenbeschwörung» und «Der Schelmen Zunft» (beide 1512) die Laster der Stände und übt Kritik am Gesellschaftssystem; Gegner Murner Luthers und der Reformation («Von dem großen Lutherischen Narren», 1522).

Murray: zweitlängster Fluss Australiens; 2674 km, Einzugsgebiet 1,1 Millionen km2; entspringt in den Australische Alpen, mündet in den Indischen Ozean; Hauptnebenflüsse sind Darling und Murrumbidgee (von rechts); Regulierung durch das Snowy-Mountains-Projekt, dadurch Bewässerung von 400000 ha und Hydroenergiegewinnung ermöglicht.

Murschili, Hethiter Könige: 1. Murschili regierte um 1550/1528 vor Christus, unterwarf um 1530 Teile Kleinasiens, Nordsyriens und Mesopotamiens. Unter seiner Regierung hatte das Chatti-Reich die Hegemonie in Vorderasien. Murschili wurde bei einer Hofverschwörung getötet. 2. Murschili II., regierte um 1345/1315 vor Christus; Sohn des Schuppiluliuma. Ihm gelang es, die hethitische Macht in Kleinasien und Nordsyrien wiederherzustellen.

Mururoa: unbewohntes Atoll der Gambierinseln im Stillen Ozean, Teil der Kolonie Französisch-Polynesien; durch Kernwaffenversuche Frankreichs (seit 1966, ab 1975 unterirdisch) bereits stark zerstört.

Mürz: linker Nebenfluss der Mur in der Steiermark (Österreich); 98 km; entspringt nordwestlich vom Semmering, mündet bei Bruck an der Mur; bildet ein dichtbesiedeltes, von der Semmeringbahn benutztes Tal mit Industrieorten (Mürzzuschlag, Krieglach, Kapfenberg).

Musaget, Musagetes: in der griechischen Sage Beiname des Apoll als «Musenführer».

Musaios, Musäus: 1. griechischer Sänger und Dichter aus der mythischen Vorzeit.

2. griechischer Epiker aus dem 5./6. Jahrhundert; verfasste das Kleinepos «Hero und Leander».

Musäus, Johann Karl August, 29.3.1735-28.10.1787, Schriftsteller; Vertreter der Aufklärung; wandte sich in zum Teil satirischen Werken gegen literarische Modeerscheinungen; seine (leicht ironisch) «Volksmärchen der Deutschen» (1782/86) sind bis heute lebendig.

Muschelbein, Turbinale: ganz oder teilweise eingerollte Knochenlamellen der Nasenhöhle der Säugetiere, die die knöcherne Grundlage der Nasenmuscheln bilden.

Muschelkalk: Geologie mittlere Abteilung der germanischen Trias; benannt nach den zahlreichen Muschelresten; siehe auch geologische Systeme.

Muschelkrebse, Ostracoda: Unterklasse der Krebse mit rund 12000 im Süß- und Salzwasser lebenden Arten von 0,5 bis 23 mm Länge; Rumpf unsegmentiert, kaum länger als der Kopf, und mit höchstens 7 Beinpaaren; Körper von 2 muschelartigen Schalen umhüllt; meist Pflanzen-, Aas- und Detritusfresser; getrenntgeschlechtlich; Schalen ausgestorbener Arten bilden zum Teil gute Leitfossilien.

Muscheln, Bivalvia, Lamellibranchiata: Klasse der Weichtiere (über 20000 Arten) mit rückgebildetem Kopf, seitlich zusammengedrücktem Körper und meist keilförmigem Fuß. Muscheln werden von 2 Schalenklappen umschlossen, die durch ein elastisches Band (Ligament) verbunden sind. Die Nahrung (Plankton, Detritus) wird aus dem Atemwasser mit den Kiemen filtriert. Muscheln sind Bodentiere, leben vorwiegend im Meer, aber auch im Süßwasser, einige Arten können kurze Strecken schwimmen, andere sind am Untergrund festgeheftet (oft mit Byssus) beziehungsweise leben auch als Parasiten, manche bohren sich in Holz oder Gestein ein.

Muschelpflaster: Paläozoologie flächenhafte Anreicherung von Muschelschalen, meist nach Größe beziehungsweise Transportierbarkeit sortiert und mit Wölbung nach oben eingebettet.

Muschfiki, Abdurrahman, 1539-1588, tadschikischer Dichter; geißelte in seinen Gedichten in einfacher Sprache die Missstände seiner Umwelt und wurde wegen seines Humors und der treffenden Satire ähnlich Nasreddin Hoca zum sprichwörtlichen Helden der mittelasiatischen Folklore.

Muschg: 1. Adolf Muschg, geboren 13.5.1934, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; setzt sich in Romanen («Im Sommer des Hasen», 1965; «Albissers Grund», 1974; «Baiyun oder die Freundschaftsgesellschaft», 1980), Erzählungen («Fremdkörper», 1968; «Entfernte Bekannte», 1976) und Dramen («Rumpelstilz», 1968) mit der Einbuße an Menschlichkeit in der bürgerlichen Gesellschaft auseinander; literaturwissenschaftlich-essayistische Monographie («Gottfried Keller», 1980).

2. Walter Muschg, 21.5.1898—6.12.1965, schweizerischer Germanist; ab 1936 Professor für deutsche Literatur in Basel; Forschungen zur deutschsprachigen Literatur der Schweiz (besonders J. Gotthelf), entdeckte und forderte H. H. Jahnn; schrieb Konzept einer «Tragischen Literaturgeschichte» (1948).

museale Sachzeugen: (zu «Museum») diejenigen gegenständlichen und schriftlichen Hinterlassenschaften der Entwicklung in Natur und Gesellschaft (letztere auch historische Quellen), die wegen ihres Wertes für die gesellschaftliche beziehungsweise individuelle Erkenntnis objektiver Prozesse von musealen Einrichtungen gesammelt, erforscht und bewahrt werden.

Museion: (griechisch, «Musentempel») den Musen geweihte Stätte. besonders berühmt war das von Ptolemaios I. Soter Anfang des 3. Jahrhundert vor Christus gegründete Museion in Alexandria, das als Forschungs- und Studienzentrum den Gelehrten (größte Bibliothek der Antike) und Dichtern beste materielle Arbeitsbedingungen bot; wurde im 3. Jahrhundert nach Christus zerstört.

Muselmanen: Volk slawischer Abstammung in Jugoslawien (besonders in Bosnien und Herzegowina; etwa 2 Millionen); die Ursprünge der Muselmanen liegen in der Annahme des Islams während der osmanischen Herrschaft; sie entwickelten sich als besondere ethnische Einheit, die ihre ausgeprägte Eigenständigkeit bewahrte und entfaltete.

Musen: griechische Schutzgottheiten der Künste und Wissenschaften: Erato (erotische Poesie), Euterpe (Flötenspiel), Kalliope (epische Dichtung), Klio (Geschichtsschreibung), Melpomene (Tragödie), Polyhymnia (Tanz, Musik), Terpsichore (Lyra, Tanz), Thaleia, lateinisch Thalia (Lustspiel), Urania (Sternkunde).

Musenalmanach: im 18./19. Jahrhundert periodisches Jahrbuch neuer ausgewählter Lyrik und Kurzprosa; herausgegeben zum Beispiel von F. Schiller, A. W. Schlegel, L. Tieck, A. von Chamisso.

Musette: 1. französischer Dudelsack des 17./18. Jahrhundert.

2. ruhiger Tanz im 6/8-, 3/4- oder 2/4-Takt mit dudelsackartiger Begleitung; auch trioartiger Zwischensatz in Gavotte und Menuett.

Musettegruppe: kleine Instrumentalgruppe für zeitgenössische Unterhaltungsmusik, in der Regel mit Klavier, Klarinette, Akkordeon und Schlagzeug.

Museum: ursprünglich Heiligtum der Musen, seit etwa 1800 Bezeichnung für eine Stätte der Sammlung, Aufbewahrung, Pflege und Erforschung von Kunstgegenständen, um sie einem größeren Kreis von Menschen zugänglich zu machen. Die Museum gingen aus den kirchlichen oder fürstlichen Schatzkammern und den Kunst- und Wunderkammern hervor; seit Mitte des 19. Jahrhundert kamen zu diesen Kunstmuseum, Kunstgewerbemuseum, kulturgeschichtliches Museum, Geschichtsmuseum, Heimatmuseum und naturwissenschaftliche Museum hinzu. Seit dem 19. Jahrhundert wurden die Museen zunehmend in Staats- oder Gemeindeverwaltung übernommen. In den sozialistischen Staaten sind die Museen Eigentum des Staates und haben bedeutende Aufgaben bei der Entwicklung des Geschichtsbewusstseins und der kulturellen Erziehung der Bevölkerung zu erfüllen. Siehe auch Freilichtmuseum, Heimatmuseum.

Musical: in den USA seit etwa 1920 entwickelte Form des heiteren Musiktheaters; verwendet Elemente aus Operette, Revue, Show, Varieté und anderen Arten populärer musikalischer-dramatischer Unterhaltung. Das Musical, das häufig bereits bewährte Bühnenstücke (zum Beispiel satirisch-persiflierend) nutzt, zielt zumeist auf Gesellschafts- und Sozialkritik. Musikalisch steht (unter Einbeziehung jeweils gerade moderner Effekte und Rhythmen der Tanz- und Popmusik) spontane Rampenwirksamkeit im Vordergrund, wobei die stilistischen Bezüge überaus weit reichen.

Music-Hall: (englisch, «Musikhalle») ursprünglich Bezeichnung für das englische Varieté; in der UdSSR für verschiedene Tournee-Estradenensembles (zum Beispiel aus Moskau, 1923, Leningrad, 1967) übernommen.

Musik: ursprünglich so viel wie Kunst der Musen (Dichtung, Gesang, Tanz, Instru