Lexikon U

Ubangi, Oubangui: rechter Nebenfluss des Zaire, in Zentralafrika, auf der Grenze Zaire/Kongo und Zaire/Zentralafrikanischen Republik; ohne Quellflüsse etwa 1000 km; entsteht aus den Quellflüssen Uele (1200 km) und Bomu; im Mittellauf Stromschnellen und Wasserfälle; ab Bangui auf 650 km schiffbar; Fischfang.

Üben: eine Hauptmethode zur Aneignung von Wissen und zur Ausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten; vollzieht sich vor allem als zweckgerichtetes Wiederholen von Gedächtnisvorgängen, Bewegungsabläufen oder Verhaltensweisen entsprechend logische und pädagogische Gesetzmäßigkeiten.

Überbau:

1. Philosophie: Basis und Überbau.

2. Recht: Errichtung eines Gebäudes über die Grundstücksgrenze hinaus. Der Nachbar kann, wenn ohne sein Einverständnis gebaut wurde, Beseitigung verlangen. Widerspricht dies gesellschaftliche Interesse, hat er Anspruch auf Entschädigung.

Überblasen: bei Blasinstrumenten das Hervorbringen der über dem Grundton liegenden Obertonreihe (Naturtöne) durch kräftigeres Anblasen und erhöhte Lippenspannung. Flöte, Oboe, Saxophon und Horn überblasen in den 2. Naturton (die Oktave), Klarinette und Fagott dagegen in den 3. (die Duodezime). Die Überblastöne klingen schärfer und heller als die Grundtöne.

Überblattung, Überplattung: Verbinden von Hölzern, die in gleicher Ebene liegen; einfachste Rahmenverbindung durch gerades Blatt (auf der Breite bis zur halben Dicke entgegengesetzt ausgeschnitten), auch schwalbenschwanzförmiges Blatt, schräges oder hakenförmiges Eck- beziehungsweise Hakenblatt.

Überblenden: stetiger Übergang von einer Szene zur anderen bei der Fernsehbildübertragung beziehungsweise von einem Schallereignis zum anderen beim Hörrundfunk; dabei werden die Bildsignale zweier Fernsehkameras beziehungsweise die Schallsignale zweier Schallquellen wechselweise abgeschwächt beziehungsweise verstärkt. In der Fernsehtechnik ist außerdem das Ü. durch eine über den Bildschirm wandernde Trennlinie oder durch Einblenden von geometrischen Figuren üblich.

Überdruck: Differenz zwischen Absolutdruck und einem Bezugsdruck; Unterdrück wird durch negative Werte gekennzeichnet.

Überdruckturbine: Bauart der Dampfturbine.

Übereignung: Übertragung des Eigentumsrechts an einer Sache an den Erwerber in Erfüllung eines auf Ü. gerichteten Vertrages (zum Beispiel Kaufvertrag); erfordert bei beweglichen Sachen grundsätzlich die Übergabe, bei Grundstücken die Eintragung ins Grundbuch. Der Erwerb des Eigentums setzt voraus, dass der Veräußerer Eigentümer oder zur Veräußerung berechtigt ist.

Überfischung: übermäßiger Fang von Fischen und anderen Wassertieren, der zur Verminderung und eventuell zur Vernichtung der Bestände führt.

Überfremdung: beherrschender Einfluss ausländischer Monopole auf kapitalistische Unternehmen, Industriezweige und zum Teil die gesamte Volkswirtschaft eines Landes; ein Ergebnis des Kapitalexports. Mit der Internationalisierung des Monopolkapitals hat die Mehrzahl der großen Konzerne den Ausbeutungsprozess auf eine Vielzahl von Staaten ausgedehnt. besonders in den Entwicklungsländern ist damit eine wirtschaftliche und politische Unterjochung verbunden.

Übergangsbahn, Transferbahn: Bahn, auf der ein Raumflugkörper von einer Umlaufbahn in eine andere gebracht wird (zum Beispiel von elliptischer in kreisähnlicher, von niedriger in höhere).

Übergangsfell: nicht ausgereiftes Fell zwischen Sommer- und Winterhaarkleid; als Zwiewuchs wird das nachwachsende Haarkleid bezeichnet. Übergangsfrequenz: Frequenz v einer elektromagnetischen Welle, die einen strahlenden Übergang zwischen den Energieniveaus Ex und £2 eines atomaren oder nuklearen Systems verursacht oder durch ihn entsteht; (h Planck-Konstante). Übergangsfunktion: Antwortfunktion (zeitlicher Verlauf des Ausgangssignals) eines Übertragungsgliedes, auf das ein Eingangssignal in Form der Sprungfunktion gegeben wird.

Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus: historische Etappe der revolutionären Umgestaltung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft; beginnt mit der Errichtung der Herrschaft der Arbeiterklasse (beziehungsweise wird mit grundlegenden antiimperialistische Umgestaltungen unter Führung der Arbeiterklasse eingeleitet) und ist mit der Schaffung der Grundlagen des Sozialismus, mit der Entscheidung der Frage «Wer wen?» zugunsten der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten beendet. Die durch scharfe Klassenauseinandersetzungen gekennzeichnete Ü. ist in allen Ländern notwendig, um die Voraussetzungen für die Entwicklung des Sozialismus auf eigenen Grundlagen zu schaffen. In ihrem Verlauf werden die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt, sozialistische Produktionsverhältnisse hergestellt und grundlegende Umgestaltungen auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens durchgeführt. Übergangswahrscheinlichkeit: Quantentheorie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein physikalisches System von einem (stationären) Zustand in einen anderen möglichen (stationären) Zustand übergeht, wobei sich im Allgemeinen die Energie durch Emission oder Absorption von Feldquanten ändert.

Übergewicht: im Boxen, Gewichtheben, Judo, Ringen und Sambo das Nichteinhalten des für die jeweilige Gewichtsklasse festgelegten (Höchst-) Limits; führt (ebenso wie das seltenere Untergewicht) zum Verlust des Startrechts in der entsprechenden Gewichtsklasse.

Überhitzer: Heizfläche in. Dampferzeugern zum Erhitzen des gesättigten oder nassen Wasserdampfs über die Sättigungstemperatur hinaus (auf 600 °C und mehr).

Überhöhung: Niveauunterschied der äußeren gegenüber der inneren Schiene beziehungsweise des äußeren Straßenrandes gegenüber dem inneren Straßenrand in der Kurve, um bei deren Durchfahren die Fliehkraft des Fahrzeuges in der Neigung abzufangen.

Überholen: Starke Rollbewegung des Schiffs im Seegang; siehe auch Krängen.

Überholen: Vorgang im Straßenverkehr, bei dem ein Fahrzeug ein in gleicher Richtung auf derselben Fahrbahn langsamer fahrendes Fahrzeug (gewöhnlich linksseitig) passiert. Das Ü. ist mittels Fahrtrichtungsanzeiger rechtzeitig anzuzeigen.

Überkippung: Geologie Aufrichtung von Schichten über 90°, wodurch eine inverse Lagerung entsteht, das heißt ältere Schichten kommen über jüngere zu liegen. Erkennbar sind Ü. an der Umkehrung der Zonenfolgen der Fossilien oder an der Ausbildung der Schichtflächen.

Über Kunst und Altertum: literarische-künstlerische und kunsttheoretische Zeitschrift der deutschen Klassik, 1816/32 von J. W. Goethe und J. H. Meyer in Weimar herausgegeben.

Überlagerung, Mischung: Informationstechnik Verfahren zur Frequenzumsetzung, bei dem die Zeitverläufe zweier Wechselspannungen miteinander multipliziert werden. Anwendung der Ü. erfolgt unter anderem im Rundfunkempfänger, wobei das modulierte hochfrequente Empfangssignal mit einem Überlagerungssignal gemischt wird; das entstehende Differenzfrequenzsignal wird durch Filter ausgesiebt und als Zwischenfrequenzsignal weiterverarbeitet.

Überlastungsschaden: vom Organismus nicht ausgleichbare Gewebeveränderung (Knochen, Knorpel, Muskel, Sehne, Kapsel, Bänder) bei zeitlich begrenzter oder dauernder Überbeanspruchung des Bewegungsapparates; kann bei normal entwickelten Strukturen, jedoch wesentlich häufiger bei angeborener oder erworbener Minderung der Belastbarkeit des Skelettsystems auftreten.

Überläufer: Jagdwesen Wildschwein im 2. Lebensjahr.

Überleitungsprozess: Gesamtprozess der Umsetzung von wissenschaftlich-technischen Erkenntnissen in fertigungsreife Lösungen für neue und weiterentwickelte Erzeugnisse und Verfahren sowie ihre Einführung in die Produktion. Der Ü. bei der Anwendung von Schlüsseltechnologien hat großen Einfluss darauf, in welchem Tempo das wissenschaftlich-technische Niveau der Produktion, die Arbeitsproduktivität und die Effektivität des gesamten Reproduktionsprozesses erhöht sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen verbessert werden können. Der Ü. umfasst die Ausarbeitung fertigungsgerechter technologischen und organisatorischen Unterlagen, den Bau und die Erprobung des Fertigungsmusters sowie der Nullserie, die Bestätigung der Standards und Normative und die Sicherung des Produktionsanlaufs. Er ist beendet, wenn die in der Aufgabenstellung (Pflichtenheft) festgelegten technisch-ökonomischen Kennziffern in stabiler Produktion erreicht wurden.

Überleitungsvertrag: Arbeitsrecht - schriftliche Vereinbarung zwischen einem Werktätigen, seinem bisherigen Betrieb und einem anderen Betrieb zum planmäßigen Überwechseln des Werktätigen in den anderen Betrieb. Im Ü. sind mindestens der Tag der Auflösung des bisherigen Arbeitsvertrages, Beginn der neuen Tätigkeit, Arbeitsaufgaben und Arbeitsort im neuen Betrieb zu vereinbaren. Ein Ü. über eine zumutbare Tätigkeit ist vom Betrieb stets anzubieten, wenn er die Auflösung eines Arbeitsrechtsverhältnisses für erforderlich hält und der Abschluss eines Änderungsvertrages nicht möglich ist

Überlingen: Stadt in Baden-Württemberg, am Überlinger See (nordwestliche Ausläufer des Bodensees); 18000 Einwohner; Werkzeug- und Maschinenbau, Zulieferindustrie für Luft- und Raumfahrt, Möbelherstellung; Kur- und Kneippbad; gut erhaltene Stadtbefestigung aus dem 15. Jahrhundert, gotischen Münster (14./16. Jahrhundert), spätgotischen Rathaus (Ende 15. Jahrhundert).

Überplanbestände: Umlaufmittelbestände, die über die geplante Höhe hinausgehen. Ü. sind eine Abweichung von optimalen Produktions- und Zirkulationsbedingungen; sie sind auszuweisen und befristet abzubauen.

Überraschung: Militärwesen Prinzip des bewaffneten Kampfes, das darauf abzielt, durch unerwartete Kampfhandlungen (Überfall), Anwendung vorher Geheim gehaltener, neuartiger Kampfmittel und -methoden zeitweilige Überlegenheit über den Gegner zu erlangen und ihn am organisierten Widerstand zu hindern.

Überschallgeschwindigkeit: Geschwindigkeit v eines Körpers in einem Medium, die größer als die Schallgeschwindigkeit c in diesem Medium ist, oft angegeben als Mach-Zahl, Zeichen Ma oder M, Ma = v/c; zum Beispiel ist bei einer Geschwindigkeit von rund 2400 km/h in Luft Ma = 2. Bewegt sich ein Körper, zum Beispiel ein Flugzeug, mit Überraschung, so schleppt er eine kegelmantelförmige Verdichtungszone der Luft hinter sich her (Mach-Kegel oder Kopfwelle). Überstreicht der Mach-Kegel einen Beobachter, so. nimmt dieser den kurzzeitigen Druckunterschied als Knall wahr.

Überschlag:

1. Gerätturnen: Drehung um die Körperbreitenachse vorwärts beziehungsweise rückwärts mit beziehungsweise ohne Stütz der Hände.

2. Hochspannungstechnik: unerwünschte elektrische Entladung (Funken oder Lichtbogen) zwischen 2 Elektroden (spannungführenden Teilen) längs der Oberfläche einer Isolierung, zum Beispiel längs einer Isolator Oberfläche in Luft. Der Überschlag kann durch Kriechströme in Schmutzablagerungen vorbereitet werden.

Übersetztechnik: technische Ausrüstung der Pioniertruppen (unter anderem Brückenlegegeräte, Motorfähren), mit deren Hilfe Einheiten mit ihrer Kampftechnik Wasserhindernisse überwinden können.

Übersetzung: 1. Sprachwissenschaft Sprachübersetzung.

2. Technik Verhältnis der Eingangsgröße (Ursache) zur Ausgangsgröße (Wirkung) bei Veränderung einer Kraft, eines Drehmoments, Weges oder einer Drehzahl; zum Beispiel bei einem Getriebe das Verhältnis der Antriebs zur Abtriebs Winkelgeschwindigkeit.

Überspannung:

1. Elektrochemie: elektrische Spannung, die bei der elektrolytischen Entladung vieler Ionen, abhängig von der Art des Elektrodenmaterials, zusätzlich zu der mit Hilfe der Nernstschen Gleichung berechenbaren Zersetzungsspannung erforderlich ist. Eine besonders hohe Überspannung zeigt Wasserstoff beim Abscheiden an Blei oder Quecksilber. Beim Bleiakkumulator bewirkt die Überspannung, dass sich während des Ladevorgangs zunächst nicht Wasserstoff, sondern (in Abweichung von der elektrochemische Spannungsreihe) Blei an der Anode bildet.

2. Elektrotechnik: die elektrische Spannung in elektrotechnischen Geräten und Anlagen, die höher als die Nennspannung ist; eine Abweichung bis 10% ist zulässig, noch höhere Überspannungen gefährdet die Geräte und Anlagen.

Überspannungsableiter, Ableiter. Einrichtung zum Schutz der Isolierung elektrischer Anlagen, Maschinen und Geräte vor unzulässiger Beanspruchung durch Überspannungen. Ü. Sind im einfachsten Fall Schutzfunkenstrecken (Spitzenfunkenstrecken, Hörnerableiter). Weitere Ü., wie Löschrohr-, Ventil-, Kathodenfallableiter, haben zusätzlich zur Funkenstrecke Einrichtungen zum schnellen und sicheren Löschen des entstehenden Lichtbogens.

Übersteuern: Überschreiten der Grenzen des zulässigen Aussteuerungsbereiches elektronischer oder elektroakustischen Baugruppen und Geräte (Verstärker, Mikrophon unter anderem); führt zu nichtlinearen Verzerrungen des Ausgangssignals. Siehe auch Aussteuern.

Überstrom: die elektrische Stromstärke in elektrotechnischen Geräten und Anlagen, die größer als der Nermstrom ist und abhängig von Höhe und Einwirkungsdauer eine unzulässig hohe Erwärmung hervorruft.

Übertrager: in der Fernmelde- und Hochfrequenztechnik Bezeichnung für Transformator.

Übertragung: Fortbestand einer Schwangerschaft über den errechneten Geburtstermin hinaus; häufig ist eine medikamentöse Geburtseinleitung oder eine operative Beendigung der Schwangerschaft erforderlich.

Übertragungsglied: funktionell betrachtet Element eines Wirkungsweges von Steuerungen, dessen Ausgangssignal nicht auf das Eingangssignal zurückwirkt und durch die Ankopplung des nachfolgenden Gliedes nicht verändert wird. Nach den Formen der Eingangs- und Ausgangssignale teilt man die Übertragungsglieder in diskrete, analoge oder digitale Übertragungsglieder ein, nach ihrem statischen und dynamischen Verhalten zum Beispiel in lineare, nichtlineare, Verzögerungs- und Integrierglieder. Siehe auch mathematische Geräte.

Übertraining, Fehltraining-. Sport falsch gestaltetes Training beziehungsweise herabgesetzte Belastungsverträglichkeit, zum Beispiel durch Erkrankungen und psychischen Belastungen.

Übertreten, Leichtathletik

a) im Drei- und Weitsprung das Berühren des Bodens jenseits der Absprunglinie;

b) bei Stößen und Würfen das Berühren der Oberkante der Stoß- beziehungsweise Wurfringeinfassung beziehungsweise des Abwurfbogens oder des Bodens außerhalb der Einfassung. Übertreten macht den Versuch ungültig.

Ubichinon: auch als Koenzym Q bezeichnetes, in der Natur weitverbreitetes Benzochinon, das zusammen mit Dihydro- u. ein Redoxpaar der Atmungskette bildet.

Ubico Castaneda, Jorge, 10.11.1878—14.6.1946, guatemaltekischer Politiker, General; lieferte als Diktator (1931/44) das Land völlig den USA-Monopolen aus, schloss ein antikommunistisches Bündnis mit Honduras und El Salvador.

Ubiquisten: Organismen ohne besondere Bindung an Standort oder Lebensraum; sie kommen daher in den verschiedensten Pflanzen- beziehungsweise Tiergesellschaften vor.

U-Boot-Abwehrkräfte: Teil der Flottenkräfte, der mit U-Boot-Abwehrbewaffnung ausgerüstet ist und dessen Hauptaufgabe in der Suche, Verfolgung und Vernichtung gegnerischer U-Boote besteht. Die U-Boot-Abwehrkräfte werden auch zur Sicherung von Geleiten eingesetzt. Zu ihnen können U-Boot-Abwehr-U-Boote, U-Boot Abwehrschiffe und -boote sowie U-Boot-Abwehrflugzeuge und -hubschrauber gehören. U-Boot-Abwehrschiffe und -boote zeichnen sich durch hohe Geschwindigkeit und gute Manövrierfähigkeit aus. Sie können mehrere aufeinanderfolgende Angriffe durchführen und Waffen und Mittel aus unterschiedlichen Entfernungen einsetzen.

U-Boot-Krieg: im 1. Weltkrieg völkerrechtswidrige Methode der deutschen Kriegführung, bei der gegnerische und neutrale Handels- und Passagierschiffe in zu Sperrgebieten erklärten Gewässern ohne Warnung versenkt wurden; eröffnet am 1.2.1917, um Großbritannien durch die Versenkung seines Schiffsraumes rasch niederzuwerfen. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg veranlasste die USA zum Kriegseintritt gegen Deutschland, welches den uneingeschränkten U-Boot-Krieg trotz Anfangserfolgen Ende Oktober 1918 einstellen musste.

Ubuntu: Stadt im Nordosten von Zaire, am Lualaba (Zaire); etwa 10000 Einwohner; Umschlagplatz am durch die Boyomafälle bedingten Endpunkt der Schifffahrt auf die Umgehungseisenbahnlinie bis Kisangani.

Ucayali: rechter Quellfluss des Amazonas, in Peru; 1900 km; entsteht aus dem Zusammenfluss von Tambo (Apurimac), der in der Westkordillere, und Urubamba, der in der Ostkordillere entspringt; entwässert das Kordilleren Hochland Perus, 1400 km schiffbar (ab Pucallpa).

Uccello, Paolo, um 1397-10.12.1475, italienischer Maler der Frührenaissance; befasste sich experimentierfreudig mit Naturstudien und Perspektive. Raum- und Figurenverkürzung in seinen Freskenzyklen; Hauptwerke sind Schlachtenbilder für den Palazzo Medici in Florenz (1456/60), Fresken in S. Maria Novella in Florenz (1447).

Üchtland: Voralpenlandschaft im Westen der Schweiz, zwischen Saane und Aare; wichtigster Ort Freiburg im Üchtland.

Uchtomski, Dmitri Wassiljewitsch, 1719 bis 15.10.1774, russischer Architekt und Pädagoge; begründete die erste russische Ausbildungsstätte für Architekten in Moskau. Seine Entwürfe und Bauzeichnungen bestimmten die Moskauer Architektur der Mitte des 18. Jahrhundert.

Uckermark: glazial geformtes, welliges, seenreiches Gebiet zwischen Havel und unterer Oder, beiderseits der Ücker (auch Uecker, 94 km), in den Bezirken Neubrandenburg und Frankfurt; im Norden vorwiegend Ackerbau, der Südteil ist stärker bewaldet (Schorfheide); Hauptort ist Prenzlau, Hauptindustriezentrum Schwedt.

Uddalaka Aruni, um 600 vor Christus, indischer Philosoph; Begründer des indischen Materialismus; lehrte eine naiv dialektische hylozoistische Naturphilosophie: das lebende Seiende (Urmaterie) gebiert aus sich die Welt, den Menschen und das menschliche Denken.

Udine: Stadt in Oberitalien, in der Region Friaul Julisch Venetien, Verwaltungszentrum der Provinz Udine; 100000 Einwohner; Maschinenbau, Textil- (Seide), Zementindustrie; Universität; Museen; Sitz des Internationalen Zentrums der mechanischen Wissenschaften; historische Altstadt mit Kastell; schwere Erdbebenzerstörungen 1976.

Udwal, Sononym, geboren 23.2.1921, mongolische Schriftstellerin; verfasst Prosa (Erzählungen «Odgerel», 1956; «Die ersten Dreizehn», 1967; Kurzgeschichten; Roman «Ein großes Schicksal», 1973) und Lyrik («Worte eines Gefährten», 1981); Vorsitzende des mongolischen Schriftstellerverbandes (bis 1979), des mongolischen Frauenkomitees, Mitglied des Präsidiums des Großen Volkschurals.

Ueberweg, Friedrich, 22.1.1826-9.6.1871, Philosoph; Vertreter der bürgerlichen Philosophiegeschichtsschreibung in Deutschland; verfasste das Standardwerk «Grundriss der Geschichte der Philosophie» (3 Bände, 1862/66).

Uebi Scebeli: Fluss in Ostafrika; entspringt im Äthiopischen Hochland (Äthiopien), fließt nach Südosten, dann in Somalia 300 km parallel zur Küste des Indischen Ozeans und versiegt dort im Sumpfgebiet nordöstlich von Kismayu; erreicht nur bei starkem Hochwasser nach 2000 km den Juba; im Unterlauf Bewässerungsanlagen.

Ueckermünde: Kreisstadt im Bezirk Neubrandenburg, in der Ueckermünder Heide, an der Ücker, nahe ihrer Mündung ins Oderhaff; 13000 Einwohner; Eisengießerei, Gerätebau, Ziegelherstellung, Fischerei und Fischverarbeitung; Hafen; Fachschule für Landwirtschaft; Heimatmuseum, Tierpark; Haff-bad; Schloss (16. Jahrhundert), Marienkirche (18. Jahrhundert).

Ufer: seitliche, von den Wasserspiegelschwankungen des jeweiligen Gewässers geformte Begrenzung eines Gewässerbettes, bei fließenden Gewässern auch Fluss- u., bei stehenden Gewässern See- u. genannt. Fluss- u. werden in Fließrichtung gesehen, als linkes und rechtes Ufer bezeichnet; See- u. mit Angabe der Himmelsrichtung versehen (Nord-, Ost- u. und so weiter).

Uferaas, Polymitarcis virgo: Eintagsfliege; schwärmt an Sommerabenden in riesigen Mengen in Wassernähe, stirbt nach kurzer Zeit am Ufer, tote Tiere sind als sogenannter Weißwurm zu Futterzwecken für Aquarienfische unter anderem im Handel.

Uferbefestigung: Baumaßnahme zur Flussregulierung, zum Beispiel Pflasterungen, Steinschüttungen; auch Faschinen, Sinkstücke, Längswerke.

Uferfiltrat: durch das Gewässerbett aus einem See oder Wasserlauf austretendes Wasser.

Uferschnepfe, Limosa limosa: 47 cm langer hochbeiniger und langschnäbliger Schnepfenvogel mit schwarzem, basal weißem Schwanz und im Flug sichtbarer breiter weißer Flügelbinde; lebt in Eurasien.

Uferschutz: Befestigung von Gewässerufern gegen Wellenschlag, Auskolkung und Unterspülung; neben technische (Betonbau) auch als ingenieurbiologische Bauweisen ausgeführt.

Uffizien: (italienisch, «Ämter») 1560/74 von G. Vasari erbauter Regierungspalast in Florenz; beherbergt heute eine der berühmtesten Kunstsammlungen Italiens; neben Kunstschätzen der Medici umfasst sie antike Bildwerke, Handzeichnungen, Graphik und vor allem eine Gemäldegalerie mit Meisterwerken der florentinischen Malerei sowie der oberitalienischen, deutschen und niederländischen Kunst.

Uganda, Republik Uganda: Binnenstaat im Inneren Ostafrikas. Grenzt im Norden an Sudan, im Osten an Kenia, im Süden an Tansania und Rwanda und im Westen an Zaire. Verwaltungsmäßig in 4 Regionen mit 33 Distrikten gegliedert. Die Bevölkerung besteht aus 40 ethnischen Gruppen, die zu 61% zu den Bantus und 36% zu den Niloten gehören. Amtssprachen sind Englisch und Swahili. Währung ist Uganda-Schilling.

Natur: Uganda umfasst ein durchschnittlich 1200 bis 1400m überm Meer gelegenes Hochland zwischen dem Nordwestufer des Victoriasees, dem Zentralafrikanischen Graben mit Albert- und Edwardsee (Ostteile zu Uganda) und dem Becken des Weißen Nils, das von Inselbergen und Vulkanen (im Westen Ruwenzori (5109 m)) überragt und vom Albert- und Victorianil durchflossen wird. Tropische, durch Höhenlage gemildertes Klima. Es überwiegt Gras- und Strauchsavanne, in den höheren Lagen treten Berg- und Nebelwald auf. Die ehemals reiche Großtierwelt wird in mehreren Nationalparks vor dem Aussterben bewahrt.

Ugarit: altkanaanäischer Stadtstaat des 2. Jahrtausend vor Christus; heute die syrische Stadt Ras Schamra.

ugaritische Literatur: literarisches Erbe aus Archiven von Ugarit (15./13. Jahrhundert vor Christus). Die in ugaritische Sprache verfassten Texte sind in einer eigenen keilschriftlichen Alphabet-Schrift auf Tontafeln geschrieben. Neben Rechts- und Wirtschaftsdokumenten fanden sich mythisch-epische Texte (Baal-Zyklus), Hymnen, Klagelieder und Gebete. Die ugaritische Literatur vermittelt ein anschauliches Bild von der kanaanäischen Kultur zur Zeit der Einwanderung der Israeliten in Palästina und weist enge Beziehungen zu Teilen des Alten Testaments auf.

Ugarov, Boris Sergejewitsch, geboren 6.2.1922, sowjetischer Maler und Kunstwissenschaftler, Professor und Rektor am Repin-Institut Leningrad; gestaltet Themen aus Geschichte und Gegenwart seines Volkes, malt Landschaften und Porträts; seit 1983 Präsident der Akademie der Künste der UdSSR;

Uglegorsk: 1. Stadt im Gebiet Donezk (Ukraine), im Donezbecken; 13000 Einwohner; Steinkohlenforderung; Wärmegroßkraftwerk (2400 MW); Eisenbahnknoten.

2. Stadt auf der Insel Sachalin, am Tatarensund; 18000 Einwohner; Hochseehafen; Forstwirtschaft, Zellulose-Papier-Kombinat; in der Nähe Steinkohlenforderung.

Uglitsch: Stadt im Gebiet Jaroslawl, nördlich von Moskau, an der Wolga; 35000 Einwohner; Zentrum der Uhrenindustrie und Käseproduktion; Maschinenbau, Holzverarbeitung; bei Uglitsch Wasserkraftwerk (110 MW) am Uglitsch Stausee (249 km2, Stauraum 1,2 Md. m5); Hafen; Museum; Baudenkmäler aus dem 15. bis 17. Jahrhundert (Kreml, Kathedrale, Klöster).

Ugrjumow, Grigori Iwanowitsch, 11.5.1765 bis 28.3.1823, russischer Maler und Zeichner; bedeutender Pädagoge, seit 1820 Rektor der Petersburger Akademie der Künste; einer der Hauptvertreter der russischen klassizistischen Historienmalerei; schuf von patriotischen Geist erfüllte Werke zu Sujets aus der russischen Geschichte.

Uhde, Fritz von, 72.5.1848-25.2.1911, Maler; gelangte unter dem Einfluss M. Liebermanns zur Freilichtmalerei; widmete sich neben der Darstellung von Landschaften, Bildnissen und Interieurs besonders der Gestaltung religiöser Themen von monumental-allegorischen Charakter. Obwohl Uhde die biblische Szenen in das Milieu zeitgenössischer Kleinbauern und Landarbeiter verlagerte, zeigt sein Werk kaum Ansätze zu einer progressiven sozialkritischen Kunst («Heilige Nacht», 1888/89); gehörte in München zu den Begründern der Sezession.

Uherske Hradiste: Kreisstadt in der ÖSSR (Südmährischer Bezirk), südwestlich von Gottwaldov, an der Morava; 36000 Einwohner; Flugzeug- (LET-Werke), Maschinenbau; spätgotisches Rathaus (16. Jahrhundert).

Uhland, Ludwig, 26.4.1787-13.11.1862, Dichter und Literarhistoriker, 1848 Vertreter der liberalen Linken in der Frankfurter Paulskirche; schrieb als Spätromantiker volksliedhafte (von J. Brahms, F. Liszt, F. Mendelssohn Bartholdy, F. Schubert, R. Schumann vertonte) Liebes- und Naturgedichte, Balladen («Des Sängers Fluch») sowie patriotische Lyrik der Befreiungskriege («An das Vaterland»); gab 1844/45 Volkslieder heraus und gehört mit Abhandlungen über das deutsche Volkslied, die Geschichte der Dichtung unter anderem zu den Begründern der germanistischen Literaturwissenschaft.

Uhlendahl, Heinrich, 4.3.1886-28.12.1954, Bibliothekar; 1924/54 Generaldirektor der Deutschen Bücherei in Leipzig, deren Funktion er erweiterte und festigte und die er zur Zentrale der deutschen Bibliographie entwickelte; publizierte auf dem Gebiet der Bibliothekswissenschaft.

Uhlenhuth, Paul, 7.1.1870-13.12.1957, Hygieniker und Bakteriologe; Professor in Strasbourg, Marburg und Freiburg im Breisgau; gab ein biologisches Verfahren zur Unterscheidung menschlichen und tierischen Eiweißes an, war einer der Gründer der Chemotherapie und schuf mit seiner Antiformin Methode ein Mittel zur Frühdiagnose der Tuberkulose.

Uhr: (lateinisch hora, «Jahreszeit», «Stunde») 1. jede Vorrichtung beziehungsweise jedes Gerät zur Darstellung des Zeitablaufs. Die fortlaufende analoge oder digitale Angabe der Zeit erfolgt durch die «normale Uhr», in der mittels definierter Schwingbewegungen des Schwingsystems der Anschluss an die Zeit (Weltzeit) hergestellt wird, die sich durch Frequenzen atomarer Übergänge des Zäsium133-Atoms herleitet. Nach Art der Zeitmessung unterscheidet man zum Beispiel Sonnen-, Sand-, Wasser- und Licht- u. sowie Uhr mit mechanischen Schwingsystemen. Als mechanische Uhr werden Uhr mit Zugfeder oder Gewichtsstück bezeichnet. Allgemeiner Aufbau: Antrieb, Aufzugsvorrichtung, Räderwerk, Hemmung und I Schwingsystem sowie optische Zeitanzeige. Nach Verwendungszweck unterscheidet man Groß- u. und zum Tragen am Körper bestimmte KIein- u. Zusatzwerke steuern die akustische Zeitanzeige (Schlagwerk- und Wecker- u.). Der Ablauf und die Zeitdauer von einzelnen Ereignissen wird durch die Kurzzeitmessgeräte erkennbar. Bei elektrischen Uhren wird der Aufzug oder der Schwinger mittels mechanischer Kontaktelemente elektrisch in Bewegung gesetzt; bei elektronischer Uhr wird das Schwingsystem direkt mittels Halbleiterbauelementen elektronisch gesteuert; siehe auch Quarzuhr.

2. ungenaue Bezeichnung für Messgeräte mit zifferblattähnlicher Skale, zum Beispiel Gasuhr.

Uhrenanlage, Zentraluhrenanlage: Einrichtung zur Versorgung großer öffentlicher Bereiche mit genauer Zeitanzeige über viele, einheitlich die gleiche Zeit anzeigende Nebenuhren (vorwiegend zeitanzeigende Vorrichtungen ohne eigenes Schwingsystem), die von einer Hauptuhr (Zentraluhr) gesteuert werden, die über ein Kontaktsystem jede Minute, halbe Minute oder jede Sekunde einen Stromimpuls in das Leitungsnetz der Uhrenanlage abgibt. Die Hauptuhr ist entweder eine mechanische, präzise Sekundenpendeluhr mit elektrischem Aufzug oder eine Quarzuhr.

Uhrenparadoxon, Zwillingsparadoxon-, ein auf der Zeitdilatation bewegter Uhren begründeter Effekt der Relativitätstheorie, wonach eine Uhr B, die sich mit nahezu Lichtgeschwindigkeit von einer ruhenden Uhr A fort- und danach wieder zurückbewegt, nach ihrer Rückkehr gegenüber A nachgeht, ein Mensch also nach der Rückkehr von einem Raumflug jünger ist als sein auf der Erde verbliebener Zwillingsbruder. Im Ruhsystem von B ist aber gerade das Gegenteil zu erwarten, da sich A relativ zu diesem bewegt. Das Uhrenparadoxon löst sich auf, wenn man beachtet, dass das Ruhsystem von B wegen der notwendigen Geschwindigkeitsänderungen kein Inertialsystem ist.

Uhrig, Robert, 8.3.1903-21.8.1944 (ermordet), Funktionär der KPD; seit 1920 Mitglied der KPD; 1934/36 inhaftiert, seit 1936 einer der führenden Organisatoren des illegalen antifaschistischen Kampfes, seit 1938 Leiter einer Widerstandsorganisation in Berlin, 1940/42 Leiter der Bezirksorganisation Berlin der KPD, 1941/42 Mitglied der illegalen Landesleitung der KPD; 1942 erneut verhaftet.

Uhrig-Organisation: antifaschistische Widerstandsorganisation, deren Kern Mitglieder der Bezirksorganisation Berlin der KPD bildeten; formierte sich 1938 unter Leitung von R. Uhrig und wurde seit 1940 von diesem, J. Römer und W. Budeus gemeinsam geleitet. Sie koordinierte ihre Tätigkeit mit anderen Widerstandsorganisationen. Im Frühjahr 1942 mehr als 200 Verhaftungen; die Faschisten fällten unter anderem 46 Todesurteile, 32 Mitglieder der Uhrig-Organisation wurden im KZ ermordet.

Uhrpendel, veraltet Perpendikel: lotrecht um einen Punkt schwingendes Pendel (Schwingsystem), das für eine vorauszubestimmende Schwingdauer eine berechenbare Länge haben muss. Die mathematische Länge des Sekundenpendels beträgt zum Beispiel für die geographische Breite von Berlin 994,23 mm.

Uhrstein: Bauelement der Uhr aus synthetischem Korund (Rubin) für Radlager, Hebelstein an der Unruh oder als Ankerhebestein.

Uhu, Bubo bubo: 70 cm lange Eulenart mit aufrichtbaren Federohren; brütet am Boden an Felsen oder in abgelegenen Wäldern in 35 Tagen 2 bis 4 Eier aus; in Eurasien und Nordafrika verbreitet.

UIC: (Abkürzung für Union internationale des chemins de fer, französisch) internationaler Verband der normalspurigen europäischen Eisenbahnen; gegründet 1922; Sitz Paris. Siehe auch Eisenbahnverband.

Uitenhage: Stadt in der Kapprovinz (Republik Südafrika), nordwestlich von Port Elizabeth; 80000 Einwohner; Textilindustrie, Autoreifenherstellung, Kfz-Montage; Handelszentrum.

Uitoto: sprachlich isolierte Gruppe von Indianerstämmen im Grenzgebiet Kolumbiens (etwa 20000) und Perus (10000).

Lutz, Bfela, 8.3.1887-26.1.1972, ungarischer Maler und Graphiker; verarbeitete besonders Anregungen des Expressionismus, Konstruktivismus sowie der abstrakten Kunst; 1919/48 in der Emigration in Paris (Pseudonym B. Martell) und in der UdSSR als bedeutender Vertreter einer proletarisch-revolutionären Kunst tätig (Graphikserie «General Ludd»),

Ujung Pandang: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, an der Südwestküste der Insel Sulawesi; früher Makassar, 710000 Einwohner; Leicht- und Lebensmittelindustrie; drittgrößter Hafen des Landes, Flughafen; Universität.

Ukas: Verordnung, Erlass der Regierung im zaristischen Russland; in der UdSSR Verordnung des Präsidiums des Obersten Sowjets.

Uke: Judoka, mit oder an dem der Tori die technisch-taktische Handlung erfolgreich ausführt.

Ukelei: bis 15 cm langer, gesellig lebender Karpfenfisch europäischen Binnengewässer. Die Schuppen dienen zur Herstellung künstlicher Perlen (Perlenessenz).

Ukiyo-e: (japanisch, «Bilder der fließenden, vergängliche Welt») Bezeichnung für eine seit Ende des 16. Jahrhundert in Japan mit zunehmendem Einfluss des Städtebürgertums entstandene neue, populäre Kunst- und Kulturströmung, eine bürgerliche Genrekunst, die Motive aus dem Alltagsleben und den aufblühenden Vergnügungsvierteln bevorzugte. Ihr Ausdrucksmittel war außer der Malerei besonders der Vielfarbenholzschnitt.

Ukrainer: ostslawisches Volk, Hauptbevölkerung in der Ukraine (etwa 38 Millionen; in der UdSSR insgesamt etwa 45 Millionen); früher in Russland auch Kleinrussen, in Österreich-Ungarn Ruthenen genannt; eine besondere Gruppe stellen die in den Karpaten lebenden Huzulen dar (Waldwirtschaft, Viehzucht als Almwirtschaft).

Ukrainisch, früher auch Kleinrussisch. eine ostslawische Sprache mit dem Zentrum Kiew, deren Verbreitungsgebiet ungefähr mit dem Gebiet der Ukraine übereinstimmt. Das Ukrainisch wird mit kyrillischen Schriftzeichen geschrieben. Im Wortschatz hat es zahlreiche Gemeinsamkeiten mit den westslawischen Sprachen.

Ukraine: 603700 km2, 50,8 Millionen Einwohner; 84 Einwohner/km; Hauptstadt Kiew. Grenzt im Westen an Polen und im Südwesten an Ungarn und Rumänien, im Süden Küste des Asowschen und Schwarzen Meeres.

Bevölkerung: 74% Ukrainer, 21% Russen und 5% Angehörige anderer Nationalitäten. Von den Bewohnern leben 65 % in Städten. Am dichtesten sind die Industriegebiete (besonders Donezbecken), am schwächsten die Polessje besiedelt. Unter der Sowjetmacht bedeutende soziale Errungenschaften; so stieg zum Beispiel die Zahl der Ärzte und Krankenhausbetten, auf 10000 Einwohner berechnet, im Vergleich zu 1940 um das 4,7- beziehungsweise 3,4-fache. Seit den 30er Jahren besteht in der Ukraine SSR eine allgemeine Grundschulpflicht, 1959/62 wurde die acht- und 1971/75 die zehnjährige Schulpflicht durchgesetzt. Von 1000 in der Volkswirtschaft Beschäftigten haben 887 eine abgeschlossene Hoch- beziehungsweise Mittelschulbildung. Natur. Oberfläche. Die Ukraine SSR liegt überwiegend im südöstlichen Teil der Osteuropäischen Ebene. Charakteristisch sind bis 471 m hohe Höhenzüge, deren Osthänge steil zu den Flussniederungen abfallen und besonders am Dnepr zerschnitten sind, und ausgedehnte Niederungen (im Norden Polessje, im Zentrum Dnepr-, im Süden Schwarzmeertiefland). Im Westen erheben sich die Waldkarpaten (Gowerla, 2061m), im Süden, auf der Krim, das bis 1545 m hohe Krimgebirge. Klima. Es ist gemäßigt kontinental mit zunehmender Kontinentalität von Nordwesten nach Südosten; der Süden der ukrainischen Steppenzone ist dürregefährdet. Die Südküste der Krim gehört zur feuchten subtropischen Klimazone. Gewässer. Nahezu das gesamte Flussnetz gehört zum Einzugsbereich von Schwarzem und Asowschem Meer. Hauptströme sind der Dnepr mit den Hauptnebenflüssen Pripjat, Desna und Sula, der Nördliche Donez, südliche Bug, Dnestr, Oberlauf der Theiß und im äußersten Südwesten ein Teil der Donaumündung. Durch den Bau von Wasserkraftwerken entstanden mehrere Stauseen, besonders am Dnepr. Der Wasserversorgung von Industrie, Bevölkerung und Landwirtschaft dienen zahlreiche Kanäle (Dnepr), besonders der Nordkrimkanal. Vegetation. Der nördliche Teil der Ukraine SSR liegt in der Mischwald-, der mittlere und südliche in der Waldsteppen- und Steppenzone, wo fruchtbare Schwarzerdeböden, die über die Hälfte des Territoriums der Ukraine SSR einnehmen, vorherrschen. Etwa 14% der Gesamtfläche sind bewaldet. Bodenschätze. Reiche Vorkommen an Steinkohle (hauptsächlich Donezbecken), Erdgas (Westukraine), Erdöl, Eisen- und Manganerze, Bauxit, Nichteisenmetalle, Stein-, Kalisalze, Kaolin, Baustoffe unter anderem

Geschichte: Ende des 8. Jahrhundert und Anfang des 9. Jahrhundert entstand auf dem Gebiet der heutigen Ukraine SSR der mächtige Feudalstaat Kiewer Rus; nach dem Zerfall der Rus, Ende des 12. Jahrhundert, bildeten sich mehrere Fürstentümer heraus; 1237/40 Zerstörung der wichtigsten Städte (Kiew, Tschernigow unter anderem) durch Mongolen; Ende des 13. und im 14. Jahrhundert unterlagen die Fürstentümer den Litauern, Polen und Ungarn; Angliederung der Ukraine an Litauen und Polen. Im 14./15. Jahrhundert begann die Herausbildung des ukrainischen Volkes; durch die Lubliner Union 1569 kam der größte Teil der Ukraine zu Polen; gegen feudale, nationale und religiöse Unterdrückung richteten sich heftige Kämpfe, vor allem der Kosaken, doch erst die Erhebung unter B. Chmelnizki 1648/54 befreite die Ukraine vom polnischen Joch. 1654 Vereinigung der Ukraine mit Russland; danach bedeutende Entwicklung der Produktivkräfte, aber auch volle Herausbildung der Leibeigenschaft. Die anfangs vom Zarismus gewährte Autonomie der Ukraine wurde schrittweise abgebaut. Durch die Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhundert wurden alle ukrainischen Gebiete bis auf Galizien, die Bukowina und Transkarpatien mit Russland vereinigt. Die Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 beschleunigte die Entwicklung kapitalistischer Produktionsverhältnisse (Durchsetzung des Kapitalismus Mitte des 19. Jahrhundert); Entstehung einer revolutionär-demokratische Bewegung unter T. Schewtschenko. In den 80er Jahren des 19. Jahrhundert Bildung der ersten marxistischen Arbeiterzirkel; aktive Teilnahme des ukrainischen Proletariats an der Revolution 1905/07; im Februar 1917 Errichtung der Doppelherrschaft, im März 1917 Machtergreifung durch die bürgerlich-nationalistische ukrainische Rada; nach dem Sieg der Oktoberrevolution wurde am 24./25.12. 1917 die Ukrainische Sowjetrepublik ausgerufen. 1918 Okkupation der Ukraine durch deutsch-österreichische Truppen, 1919 folgte die Intervention der Entente, mit deren Unterstützung die Petljura Regierung gebildet wurde. Nach der polnischen Intervention 1920 kamen 1921 im Frieden von Riga die westukrainischen Gebiete an Polen. Am 30.12.1922 gehörte die Sowjetukraine zu den Gründungsrepubliken der UdSSR. Unter der Sowjetmacht gewaltiger Aufschwung auf allen Gebieten. 1939 wurden die Westukraine, 1940 die von Ukrainern bewohnten Gebiete Bessarabiens und die nördliche Bukowina, 1945 Transkarpatien mit der Ukraine SSR wiedervereinigt Während des 2. Weltkrieges wurde die Ukraine SSR 1941/42 durch faschistische deutsche Truppen besetzt; 1944 vollständig durch die Rote Armee befreit. 1954 wurde die Krim Bestandteil der Ukraine SSR. Kunst. Die Zeugnisse der Kultur gehen bis ins Paläolithikum zurück; vom 7. bis 4. Jahrhundert vor Christus entstand im Schwarzmeerraum eine lokale Variante der antiken Kultur. Seit dem 10. Jahrhundert verbreitete sich im Gebiet der Kiewer Rus der Steinbau unter dem Einfluss der byzantinischen Kunst (Sakral- und Profanbauten in Kiew, Tschernigow), verbunden mit Mosaiken und Freskomalerei. Eine hohe Blüte erreichten auch Buch- und Ikonenmalerei sowie die angewandte Kunst. In der Periode der feudalen Zersplitterung (2. Hälfte 12./Mitte 15. Jahrhundert) bildeten sich selbständige unabhängige Kunstschulen zum Beispiel in Kiew, Tschernigow, Wolynien, Galizien heraus, die zu unmittelbaren Vorgängern der ukrainischen Kunst wurden (Bauten mit Festungscharakter: Burgen, befestigte Städte, Wehrkirchen, aber auch Profanbauten: Rathäuser, Handelsbanken; Entwicklung der volkstümliche Holzbaukunst). Allmählich drangen profane Elemente in die Wandmalerei ein, ebenso machte sich bei den Ikonen ein Abgehen von der kanonisierten Darstellung bemerkbar (16./17. Jahrhundert). Seit dem 17. Jahrhundert verbreiteten sich Holzplastik und -Schnitzerei; in der Ikonenmalerei entstanden die sogenannte Parsunen als Vorgänger der Porträtmalerei. Im 17. Jahrhundert entwickelten sich Historien-, Schlachten- und Porträtmalerei, später auch die Landschaftsmalerei. Der Buchdruck gewann große Bedeutung (I. Fjodorow), Holz- und Kupferstich wurden gepflegt (Meister Hja). Nach 1654 verstärkten sich die Beziehungen zur russischen Kunst. Im 18. Jahrhundert dominierte ein durch besonderen Reichtum des Bauschmucks gekennzeichneter Barock (B. F. Rastrelli). Bedeutende Vertreter der ukrainischen Kunst wurden in Petersburg ausgebildet (A. Lossenko, D. Lewizki, W. Borowikowski, I. Martos, W. A. Tropinin). In der 2. Hälfte 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 19. Jahrhundert entstanden, häufig unter Beteiligung russischer Architekten, bedeutende klassizistische Bauten. Es entwickelten sich besonders Genre- und Landschaftsmalerei (Tropinin). T. Schewtschenko begründete eine revolutionär-demokratische Kunst, die vornehmlich durch die mit den russischen Peredwischniki der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert verbundenen Künstler fortgesetzt wurde (N. Pimonenko, K. Kostandi, P. Nilus). In der Epoche des Kapitalismus begann in den Städten eine eklektizistische Bautätigkeit aber auch klassizistische Traditionen und solche der Volksbaukunst wurden weitergeführt. Nach dem Sieg der Oktoberrevolution verstärkte sich in allen Bereichen mit dem Bau neuer Städte und Industriekomplexe die Bautätigkeit. In Malerei, Plastik und Graphik dominierten schon in den 20er Jahren realistische Richtungen; besondere Bedeutung erlangten Agitationsgraphik, Plakat und Karikatur. 1922 wurde die Staatliche Kunsthochschule in Kiew gegründet. 1938 entstand der Verband Bildender Künstler der Ukraine SSR. Nach dem Großen Vaterländischen Krieg verlagerte sich der Schwerpunkt der künstlerischen Propaganda auf die Widerspiegelung des Lebens in Russland. Neben Malerei, Graphik und Plastik haben sich besonders angewandte Kunst und Volkskunst entfaltet.

Literatur: Die ukrainische Literatur ist in ihren Anfängen eng mit der altrussischen Literatur der Kiewer Rus verbunden. Mit der Herauskristallisierung des Ukrainischen aus dem Ostslawischen beginnt im 14./15. Jahrhundert die eigenständige Entwicklung der ukrainischen Literatur, in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert unterbrochen durch die Unterdrückungspolitik der polnischer Feudalherren. Die Literaturentwicklung im 16./17. Jahrhundert stand im Zeichen des Kampfes um soziale und nationale Befreiung. Höhepunkt der Literatur zur Zeit des Feudalismus war das satirische Schaffen von I. Wyschenski. Innerhalb der Barockdichtung des 17. Jahrhundert erfreuten sich die sogenannte Wirschi über religiöse, moralisch-didaktische und historische Themen besonderer Pflege. An der allmählichen Verweltlichung der Literatur im 18. Jahrhundert hatten Wanderprediger einen großen Anteil, darunter insbesondere R Skoworoda, der bedeutendste Vertreter der ukrainischen Aufklärung. Die Entwicklung der ukrainischen Literatur im 19. Jahrhundert stand im Zeichen des aufstrebenden Kapitalismus, der Krise des Feudalismus und der Herausbildung der ukrainischen bürgerlichen Nation. Ihre bedeutendsten Vertreter zu Beginn des 19. Jahrhundert waren I. Kotliarevski und G. Kwitka-Osnowjanenko. In den 30er Jahren bildete sich die ukrainische Romantik heraus, die sich insbes. auch um die Sammlung der Volksdichtung, vor allem der sogenannt Dumy (epische Heldenlieder der Kosaken) verdient machte. Die entscheidende Rolle bei der Konstituierung der neuen ukrainischen Literatur spielte T. Schewtschenko. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert war der kritische Realismus die dominierende literarische Strömung; M. Wowtschok, P. Mimy, I. Karpenko-Kary schilderten den Zerfall des Feudalsystems, die Entwicklung des Kapitalismus und die allmählich heranreifende Revolution. Die bedeutendsten Schriftsteller revolutionär-demokratischer Richtung waren I. Franko, M. Kozjubinski, L. Ukrainka.

- Die Oktoberrevolution schuf grundlegend neue Bedingungen für die ukrainische Literatur. Zu den Begründern der ukrainischen Sowjetliteratur, in der sich in den 30er Jahren der sozialistischen Realismus festigte, gehören P. Tytschina, M. Rylski, W. Sosjura, O. Wyschnja, I. Kulik, A. Golowko, M. Bashan. Die künstlerische Gestaltung der neuen sozialistischen Charakterzüge des sowjetischen Menschen war das Anliegen von A. Komijtschuk, I. Kotscherga, I. Mikitenko, M. Kulisch, I. Le, J. Janowski, A. Malyschko, O. Dowshenko unter anderem Nach dem 2. Weltkrieg brachte die Zeit des friedlichen Wiederaufbaus ein weiteres Aufblühen der ukrainischen Sowjetliteratur, zu der eine neue Generation von Schriftstellern stieß, so u. ä. O. Hontschar, M. Stelmach, W. Kosatschenko, A. Lewada, H. Tjutjunnyk, W. Sobko, N. Rybak. Zu den neuen talentierten Schriftstellern der letzten Jahre zählen I. Dratsch, I. Drosd, A. Huzalo, L. Kostenko, B. Olijnik, P. Skunz, I. Schtscherbak.

Musik: Zu den ältesten ukrainischen Volksliedern zählen Weihnachts-, Frühlings-, Wiegen- und Hochzeitslieder. In den historischen Gesängen und Heldenliedern kommt der Kampf des ukrainischen Volkes für seine nationale Unabhängigkeit zum Ausdruck. Seit dem späten 17. Jahrhundert blühte der mehrstimmige Chorgesang auf. Charakteristische Volksmusikinstrumente der Ukrainer sind Bandura (auch Kobsa genannt), Lyra, Zimbel und Geige. Träger der Volksmusikkultur war jahrhundertelang der Kobsar (wandernder Volkssänger). Bekannte ukrainische Volkstänze sind Hopak und Kasatschok. Die Quellen der ukrainischen Kunstmusik gehen auf die Musik der Kiewer Rus zurück. Im 17. Jahrhundert fand der mehrstimmige Gesang nach westeuropäischem Vorbild Verbreitung. Um die Mitte des 19. Jahrhundert kam es zur Herausbildung einer nationalen ukrainischen Komponistenschule. Zum Begründer der ukrainischen Musikklassik wurde um 1900 N. Lyssenko. Auf dem Gebiet der Volksmusikforschung erwarb sich F. M. Kolessa internationalen Ruf. Nach der Oktoberrevolution wurde die Entwicklung der ukrainischen sozialistischen Musikkultur durch namhafte russische Musiker, darunter R. M. Glier, unterstützt. B. Ljatoschinski begründete die ukrainische Sinfonik. L. Rewuzki und A. Schtogarenko schufen Oratorien und Kantaten. Die Eröffnung des ersten ukrainischen Operntheaters in Charkow (1925) bildete den Ausgangspunkt für das Entstehen neuer ukrainischer Opern, wobei sich besonders J. S. Mejtus verdient machte. Zu den namhaften ukrainischen Komponisten der Gegenwart zählen G. Maiboroda, W. Kireiko, A. Grabowski, V. Silwestrow und M. Skorik. In der Ukraine SSR gibt es gegenwärtig 5 Opernhäuser, 25 Philharmonien und 4 Konservatorien. Daneben bestehen zahlreiche Musikschulen, Musikfachschulen und andere musikalische Einrichtungen.

Ukrainka, Lesja, eigentlich Larissa Kossatsch-Kwitka, 25.2.1871 — 1.8.1913, ukrainische Lyrikerin und Dramatikerin. Höhepunkt ihrer sozialen Lyrik ist der Zyklus «Sklavenlieder» in dem Band «Gedanken und Träume» (1899). In historischen-philosophischen Dramen («Die Babylonische Gefangenschaft», 1908; «Kassandra», 1908) rief sie zur sozialen und nationalen Befreiung auf. Ihr bedeutendstes Werk ist das Märchendrama «Das Waldlied» (1912, deutsch).

Ukulele: Plektron gespielte Kleingitarre mit den 4 Stahlsaiten a, d1, fis1, hl; wird auf Hawaii und seit etwa 1920 in der amerikanischen und europäischen Tanzmusik verwendet. Die Verkürzung der Saiten erfolgt mit einer Metallplatte.

Ulan-Bator, mongolisch Ulaanbaatar, auch Ulan-Bator-Choto («Stadt des Roten Helden»): Hauptstadt der MVR und zentralverwalteter Bezirk (Aimak), an der Tuul, am Südrand des Chentij-Gebirges; bis 1924 Urga\ 470000 Einwohner; politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes mit einer vielseitigen Leicht-, Baustoff- sowie Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Fleischverarbeitung unter anderem), Auto- und Eisenbahnreparaturwerkstätten, Erdölraffinerie; Anschluss an die Transmongolische Eisenbahn, südwestlich internationaler Flughafen; Akademie der Wissenschaften, Tschoibalsan-Universität (gegründet 1942); Nationaltheater, -museum, zahlreiche andere Museen (ehemaliger Palast der Bogdo-Gegen), Lama Kloster Gandan.

Ulanen: mit Lanzen bewaffnete Reiterei, ursprünglich in Polen, später in allen europäischen Armeen bis zum 1. Weltkrieg.

Ulanowa, Galina Sergejewna, geboren 8.1.1910, sowjetische Primaballerina; wirkte 1928/44 in Leningrad, 1944/60 am Bolschoi-Theater, wo sie noch als Ballettpädagogin tätig ist; errang durch hervorragende Gestaltungskraft höchste internationale Anerkennung.

Ulcus, Ulkus, Geschwür (zu «schwären»): örtlicher Substanzdefekt der Haut oder Schleimhaut mit schlechter Heilungstendenz, zum Beispiel am Unterschenkel - Unterschenkelgeschwür), am Magen - Magengeschwür) oder Zwölffingerdarm ff Zwölffingerdarmgeschwür); bei längerem Bestehen Gefahr einer krebsigen Entartung.

Uledow, Alexander Konstantinowitsch, geboren 8.8.1920, sowjetischer Philosoph; Leiter des Lehrstuhls für Sozialpsychologie und Pädagogik an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU; arbeitet auf dem Gebiet des historischen Materialismus, schrieb «Die Struktur des gesellschaftlichen Bewusstseins» (1973, deutsch), «Sozialpsychologie und Ideologie» (1985).

Uliastal: Bezirksstadt im Westen der MVR, im Westen des Changai-Gebirges; 16000 Einwohner; Leder- und Wollverarbeitung; Flughafen.

Uli-Figur: anthropomorphe, bemalte Holzplastik mit scheinbar bisexuellen Geschlechtsmerkmalen (Phallus und stark entwickelte Brüste), die Zeichen der Wohlgenährtheit und damit des Wohlstandes der Häuptlinge sind; hauptsächlich in Neuirland (Papua-Neuguinea). Sie werden ähnlich den Malangganen für Ahnenfeierlichkeiten verstorbener Häuptlinge angefertigt.

Uljanow: Michail Alexandrowitsch, geboren 20.11.1927, sowjetischer Schauspieler bei Bühne und Film; spielte Charakterrollen in den Filmen «Schlacht unterwegs», «Man wird nicht als Soldat geboren», «Die Brüder Karamasow» (Mitregie), «Privatleben»; gastierte auch bei der DEFA («Unterwegs zu Lenin»).

Ullikummi-Epos: Erzählung hurritischen Ursprungs (2. Jahrtausend vor Christus), zugehörig zu dem im hethitischen Schrifttum überlieferten Zyklus um Kumarbi; berichtet vom Versuch des vom Wettergott entthronten Göttervaters Kumarbi, die Herrschaft mit Hilfe seines im Meer zu einem Steinriesen herangewachsenen Sohnes Ullikummi zurückzugewinnen.

Ullmann: 1. Ernst Ullmann, geboren 19.12.1928, Kunst- und Architekturhistoriker; seit 1971 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig, Veröffentlichungen zu Mittelalter und Renaissance («Gotik», 1969; «Leonardo da Vinci», 1980; «Raffael», 1983); Herausgeber von «Geschichte der deutschen Kunst 1350-1470» (1981), «Geschichte der deutschen Kunst 1470-1550» (2 Bände, 1984/85), «Von der Macht der Bilder) (1984).

2. Ullmann, Liv, geboren 16.12.1938, norwegische Schauspielerin; wurde durch die Filme I. Bergmans international bekannt («Die Auswanderer», «Das neue Land», «Szenen einer Ehe», «Von Angesicht zu Angesicht», «Das Schlangenei», «Herbstsonate»), wirkte auch in Filmen in den USA und Westeuropa mit; veröffentlichte Erinnerungen («Wandlungen», 1977, deutsch; «Gezeiten», 1985, deutsch).

3. Regina, 14.12.1884—6.1.1961, schweizerische Schriftstellerin deutscher Sprache; schrieb neben von R. M. Rilke beeinflusster Lyrik vor allem heimatverbundene Erzählungen («Vom Brot der Stillen», 1932).

Ullrich, Wolfgang, 20.6.1923-26.10.1973, Zoologe; Direktor des Zoologischen Gartens Dresden, veröffentlichte zahlreiche fach- und populärwissenschaftliche Arbeiten, besonders über Menschenaffen.

Ulm: Kreisstadt in Baden-Württemberg, Verwaltungssitz des Regionalverbandes Donau-Iller, an der Donau; 99000 Einwohner; Fahrzeug- (Magirus-Deutz) und Maschinenbau, Textil- und Elektroindustrie; Verkehrsknoten; Universität, Fachhochschulen; Theater; Deutsches Brotmuseum. Die Stadt wird überragt vom 161 m hohen Westturm des gotischen Münsters (1377 von H. und M. Parier als Hallenkirche begonnen, seit 1392 von Ulm Ensinger zur Basilika verändert, Weiterbau unter M. Böblinger 1474/94 und im 16. Jahrhundert, vollendet im 19. Jahrhundert; reiche Bauplastik und Innenausstattung, wie Schmerzensmann von H. Multscher, Chorgestühl von J. Syrlin der Ältere, Sakramentshaus); Rathaus (1420; mit Skulpturen von Multscher, astronomische Uhr, 1520), Marktbrunnen («Fischkasten», 1482 von Syrlin). Seit dem 9. Jahrhundert königliche Pfalz; im 12. Jahrhundert Stadtrecht; als Freie Reichsstadt führend im Schwab. Bund.

Ulmanis, Karlis, 4.9.1877-1942, lettische bürgerlich-nationalistische Politiker; war nach 1918 mehrmals Ministerpräsident und Außenminister, 1934 durch faschistischen Staatsstreich Diktator Lettlands; 1940 durch die Errichtung der Sowjetmacht gestürzt.

Ulme, Rüster, Ulmus: zu den Ulmengewächsen gehörende Gattung von Bäumen, deren Blütenbüschel früher als die Blätter erscheinen; die Früchte sind geflügelt und einsamig. Wertvolles Nutzholz liefern die heim. Bergulme (Ulmus glabra) und die Feldulme (Ulmus minor), deren Bestände durch eine Pilzkrankheit stark zurückgegangen sind.

Ulnarislähmung: Lähmung des Ellennervs (Nervus ulnaris) nach Verletzungen besonders am Ellenbogen. Charakteristisch ist die «Krallenstellung» der Finger.

Uloshenije: Mitte des 17. Jahrhundert aus alten Gesetzessammlungen zusammengestelltes russisches Gesetzbuch, das bis zur 1. Hälfte des 19. Jahrhundert gültig war; mit ihm wurde die Leibeigenschaft im zaristischen Russland juristisch fixiert.

Ulpian, Domitius Ulpianus, gestorben 228 nach Christus (ermordet), römischer Jurist aus Tyros; Verfasser zahlreicher literarischer-juristischer Werke, unter anderem 81 Bücher zum prätorischen Edikt. Viele Teile seiner Schriften sind in den Digesten überliefert.

Ulrich, 8.2.1487-6.11.1550, Herzog von Württemberg; schlug 1514 den Aufstand des Armen Konrad nieder, 1519 vom Schwäbischen Bund wegen maßlosen Machtanspruchs vertrieben; versuchte vergeblich, den Bauernkrieg für die Rückgewinnung seines Herzogtums auszunutzen; 1534 vom Schmalkaldischen Bund mit Waffengewalt wieder eingesetzt.

Ulrich von Eschenbach, Ulrich von Etzenbach, Ende 13. Jahrhundert, Dichter; schuf nach lateinsprachiger französischer Vorlage einen gelehrten mittelhochdeutschen Alexanderroman in Versen.

Ulsan: Stadt im Südosten Südkoreas; 420000 Einwohner; Metallurgie, Werft, chemische, Leichtindustrie, Erdölraffinerien; Hochsee- und Fischereihafen.

Ulster: 1. grobfädiges, schweres Gewebe hauptsächlich in Köperbindung; für Wintermäntel unter anderem

2. schwerer, sportlicher Wintermantel aus grobem Wollstoff, meist zweireihig geknöpft, mit Rückengürtel; gehört zu den klassischen Mantelformen der Damen- und Herrenmode.

Ultima ratio: letztes, äußerstes Mittel; letzte Hoffnung.

Ultimatum: diplomatische Note, in der verlangt wird, bestimmten Forderungen unter Androhung von Sanktionen (zum Beispiel Abbruch der diplomatischen Beziehungen, Boykott, Blockade, militärische Maßnahmen) innerhalb einer gesetzten Frist nachzukommen. Ein Ultimatum mit Androhung von Maßnahmen, die eine Gewaltanwendung einschließen, ist völkerrechtswidrig.

ultimo, Abkürzung ult.: am Letzten (des Monats).

ultrafeine Faserstoffe: Chemiefasern oder Elementarfäden mit einer Feinheit unter 0,01 tex für Spezialpapier, feine Garne, Filter, Syntheseleder und andere Zwecke.

Ultrafiltration: Methode zum Trennen kolloidal gelöster Stoffe unterschiedlicher Teilchengröße oder zum Abtrennen von Kolloidteilchen aus echten Lösungen. Als Ultrafilter dienen äußerst feinporige Membranen, zum Beispiel aus Kollodium.

Ultrakurzzeiteffekt: Fototechnik scheinbar geringere Empfindlichkeit und Verflachung der Gradation der Fotomaterialien bei Aufnahmen mit kürzeren Belichtungszeiten als etwa 1/1000 s.

Ultramarin: in den Farben Blau, Violett, Rot und Grün herstellbares, ungiftiges, licht- und luftechtes, vorwiegend aus Natriumaluminat-Silikat-Sulfid bestehendes Pigment; Ultramarinblau kommt in der Natur als Lasurit vor. Ultramarin findet unter anderem für Anstrichstoffe, Malfarben, Buntpapier- und Tapetendruck Anwendung.

Ultramaringelb, gelbes Ultramarin: aus Erdalkalichromaten, vorwiegend Bariumchromat bestehendes, wenig deckendes Pigment, zum Beispiel für Rostschutzanstriche.

Ultramikrotom: Präzisionsinstrument zum Zerlegen speziell eingebetteter biologischer Objekte mit Hilfe eines Glasmessers in sehr dünne (weniger als 50 nm) Schnitte für die Betrachtung im Elektronenmikroskop; siehe auch Mikrotom.

Ultramontanismus: Bezeichnung für den politischen Katholizismus, besonders im 19. Jahrhundert, der von «jenseits der Berge» (das heißt Alpen) durch den Vatikan gelenkt wurde.

Ultrarotspektroskopie, Infrarotspektroskopie, Kurzwort IR-Spektroskopie: spektralanalytische Methode, der die Erfassung von Absorptionsspektren im Ultrarotbereich zugrunde liegt. Die absorbierte Strahlung regt Molekülteile zu Rotationen und Schwingungen an, so dass durch die Ultrarotspektroskopie vorzugsweise organisch-chemische Atomgruppen identifiziert werden.

Ultraschall: mechanische Schwingungen und Wellen in elastischen Stoffen mit Frequenzen von mehr als 20 kHz, oberhalb von 1 GHz auch als Hyperschall bezeichnet. Zur Erzeugung dienen piezoelektrische und magnetostriktive Schallgeber, als Empfänger piezoelektrische Kristalle. Ultraschallwellen werden zum Beispiel als Echolot, zur Ultraschallprüfung, zur Reinigung und Bearbeitung von Werkstücken und in der Akustoelektronik angewandt, ferner lassen sich mittels Ultraschall nichtmischbare Flüssigkeiten emulgieren, Aerosole koagulieren unter anderem

Ultraschalldiagnostik, Sonographie (lateinisch + griechisch, zu «sonor»): Nutzung der teilweisen Reflexion von Ultraschallwellen an Grenzflächen unterschiedlicher Gewebestrukturen im Körper zur Beurteilung zahlreicher Organe (Bauchorgane, Herz, Blutgefäße, Schilddrüse, Augen, Gehirn) und des Feten, einschließlich krankhafter Veränderungen (Tumor, Zyste, Abszess, Stein, Blutungsherd unter anderem). Ein Schallkopf sendet kurze Schallimpulse in den Körper, empfängt die reflektierten Echoimpulse und leitet sie zu einer Bildröhre weiter. Beim A-Bild-Verfahren werden die Echoamplituden als «Zacken» angezeigt; geeignet zur Erkennung von Hirntumoren und -blutungen sowie Augenfremdkörpern. Beim B-Bildverfahren (Ultraschall-Tomographie) tasten gerichtete Schallbündel Organe und Weichteilformationen im Körper entlang einer Schnittebene ab und zeichnen ein helligkeitsmoduliertes, zweidimensionales, anschaulicheres «Schnittbild» auf; besonders geeignet zur Oberbauchdiagnostik und in der Geburtshilfe. Mit dem Weg-Zeit-Verfahren (modifizierte A-Bild-Methode) lassen sich Bewegungsvorgänge, insbesondere das pulsierende Herz, funktionsgerecht darstellen. Das Ultraschall-Doppler-Verfahren benutzt getrennte Sende- und Empfangswandler und beruht auf der Frequenzänderung von Schall-wellen an bewegten Strukturen (Dopplereffekt); es dient vor allem der quantitativen Durchblutungsmessung.

Ultraschallfernbedienung: Einrichtung zur drahtlosen Fernbedienung von Fernsehempfängern, bei der die Stellsignale für Kanal, Kontrast, Farbkontrast, Helligkeit und Lautstärke im Bedienteil der Ultraschallfernbedienung einer Ultraschallwelle aufmoduliert werden.

Ultraschallinterferometer: Gerät zur Messung der Wellenlänge beziehungsweise der Schallgeschwindigkeit in Flüssigkeiten und Gasen, beruht auf der Interferenz der von einem Ultraschallgeber ausgestrahlten mit der an einer festen Wand reflektierten Welle.

Ultraschallmikroskop: Gerät, bei dem Ultraschallwellen auf das Untersuchungsobjekt fokussiert, dort reflektiert und anschließend elektronisch umgesetzt werden. Damit kann man undurchsichtige Strukturen sichtbar machen.

Ultraschallprüfung: Verfahren der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung, das die in Festkörpern durch Werkstofftrennung gestörte Ausbreitung von Ultraschallwellen zum Nachweis von Fehlerstellen benutzt, wobei die gute Bündelungsmöglichkeit des Ultraschalls eine Ortung zulässt Beim Echo-Impuls- (oder Impuls-Echo-) Verfahren werden kurzzeitige Ultraschallimpulse in das Material geschickt und von inneren Fehlerstellen oder der Rückwand reflektiert. Auf einem Oszillographen Schirm erscheinen diese Reflexionen in Form eines Reflektogramms, aus dem man auf Lage und Größe der Fehler schließen kann.

Ultraschallresonanzabsorption: soviel wie akustische paramagnetische Resonanz.

Ultraschalltherapie: Verfahren der Physiotherapie mit Anwendung hochfrequenten (175 bis 800 kHz), als «Mikromassage» wirkenden Ultraschalls, insbesondere zur Behandlung chronischen Gelenkerkrankungen (Arthrosen) und Nervenreizungen.

Ultraschallverstärkung: soviel wie akusto-elektrischen Effekt.

Ultraviolett, Abkürzung UV: elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen zwischen 100 und 380 nm. Ultraviolett hat eine starke biologische Wirkung; so entsteht die Bräunung der Haut vorwiegend durch die ultravioletten Anteile in der Sonnenstrahlung.

Ultraviolettfotografie, Kurzwort UV-Fotografie: Fotografie ausschließlich mit Strahlen aus dem ultravioletten Strahlungsbereich bei Verwendung eines Ultraviolettfilters, das den sichtbaren Längenwellenbereich des Spektrums absorbiert. Hauptanwendungsgebiete sind wissenschaftliche Untersuchungen, Materialprüfung, Kriminalistik.

Ultraviolettspektroskopie, Kurzwort UV-Spektroskopie: spektralanalytisches Verfahren, das auf der Erfassung von Absorptionsspektren im Ultraviolettbereich beruht. Die absorbierte Strahlung bewirkt den Übergang locker gebundener Elektronen (zum Beispiel n-Elektronen) auf höhere Energieniveaus und dient vorzugsweise zur Identifizierung chemischer Bindungen (-N=N-, —C=C— unter anderem) in organisch-chemischen Molekülen. Die Ultraviolettspektroskopie erfordert die Verwendung von Vakuumgeräten mit Feldspat- oder Quarzoptik.

Ultraviolettstrahler, Kurzwort UV-Strahler, Quarzlampe: Strahler mit hoher Strahlungsleistung im Ultraviolettbereich, das heißt unterhalb der kurzwelligen Grenze des sichtbaren Lichts. Die gebräuchlichsten Ultraviolettstrahler beruhen auf der Strahlungserzeugung der Quecksilberhochdruck- und der Quecksilberniederdruckentladung. Anwendung unter anderem für Heilbehandlung («Höhensonne»), Entkeimung, Kosmetik, industrielle Prozesse.

Ulysses: verfälschte oder anglisierte Form von Ulixes, dem lateinischen Namen für Odysseus.

Ulzeration: Geschwürbildung; Substanzverlust der Haut oder Schleimhaut bis in die Lederhaut; verursacht durch Infektionen oder Durchblutungsstörungen.

Umberfische, Sciaenidae: Barschartige, von denen die meisten charakteristischen Laute erzeugen können. Im Mittelmeer und Atlantischen Ozean lebt der 60 cm lange Umberfisch (Sciaena cirrhosa); die Korallengebiete Westindiens bewohnt der Nacht aktive Ritterfisch (Equetus lanceolatus).

Umberto, Humbert, italienische Könige:

1. Umberto 14.3.1844-29.7.1900 (ermordet), König seit 1878; unter ihm Anschluss Italiens an den Dreibund und Verschärfung der innenpolitischen Reaktion. -

2. Umberto II., 15.9.1904-18.3.1983, Sohn von Viktor Emanuel lll.; übernahm im Mai 1946 widerrechtlich die Krone («Maikönig»), verlor sie nach dem Referendum im Juni 1946 und ging ins Exil.

Umbewertung: Neufestsetzung der Brutto- und Nettowerte der aktivierten Grundmittel (Grundmittel- u.), um eine einheitliche Bewertung funktions- und leistungsmäßig gleicher Grundmittel sowie eine richtige wertmäßige Widerspiegelung ihrer Gebrauchsfähigkeit zu erreichen. Bei Umbewertung der Umlaufmittel (Umlaufmittel- u.) geht es um erfordert. Veränderungen des wertmäßigen Ausdrucks ihrer Bestände infolge gesetzlicher Preis- und Lohnveränderungen sowie neuer Materialverrechnungspreise.

Umbra:

1. Astronomie: Sonne.

2. Chemie: in der Regel braunes, aus Tonerde, Eisen- und Manganoxidhydrat bestehendes Erdpigment; für Anstrichstoffe und Malfarben.

Umbrien, italienisch Umbria: Region in Mittelitalien, um den mittleren Tiber; 8456 km2, 815000 Einwohner; 96 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Perugia; umfasst 2 Provinzen; kahle Berglandschaft (Umbrischen Apennin bis 2 478 m) mit im Allgemeinen wenig ertragreichen Böden; in der ökonomischen Entwicklung zurückgeblieben; Braunkohlenbergbau; Metall-, Textil-, chemische, keramische Industrie; kleinere Wasserkraftwerke; extensive Viehzucht (Rinder, Schweine, Schafe); Ackerbau (Weizen, Mais, Kartoffeln), Spezialkulturen (Tabak, Wein, Oliven); Fremdenverkehr zu den an historischen Bauwerken und Sammlungen reichen Städten Perugia, Spoleto, Orvieto.

Umbruch:

1. Landwirtschaft: Wenden der Bodenkrume durch Pflügen; im eigentlichen Sinn Umwandlung von Grünlandflächen mit geringen Erträgen in Ackerland durch Umpflügen der Grasnarbe.

2. Polygraphie: Zusammenstellen des in Fahnen vorliegenden Satzes einschließlich Bilder, Tabellen, gegebenenfalls Kolumnentitel, Bogensignaturen, Fußnoten zu Buch-, Broschüren-, Zeitschriften- und Zeitungsseiten genau gleicher Größe mit Kolumnen gleicher Länge. Neuerdings zunehmend auch Zusammenstellung und Gestaltung von Seiten am Bildschirm mit Text und beziehungsweise oder Bildern, die in digitaler Form im Computerspeicher vorliegen und nach Bedarf abgerufen und positioniert werden. Umdruckverfahren Hektographie Verfahren. Urne Erdsatellit, künstlicher.

Umea: Stadt im Norden Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz Västerbotten, an der Umeälven; 84000 Einwohner; Holzindustrie, Maschinenbau; Hafen, internationaler Flughafen; Bildungszentrum (Universität, Hoch-, Fachschulen).

Umeälven: Fluss im Norden Schwedens; 460 km lang; entspringt im Skandinavischen Gebirge, durchfließt im Mittellauf den See Storuman und mündet in den Bottnischen Meerbusen.

Umesterung: chemische Reaktion, bei der sich ein Ester mit einem Alkohol unter Bildung eines anderen Esters und Freisetzung des ursprünglich gebundenen Alkohols umsetzt.

Umfallkrankheiten: Sammelbegriff für Pflanzenkrankheiten, die sich auf den Wurzelhals- und Stengel Grundbereich erstrecken, diesen zerstören, so dass die befallenen Pflanzen umknicken. Umfang: Logik soviel wie Extension.

Umformen: Fertigen durch bildsames (plastisches) Formändern eines festen Körpers unter Beibehaltung seiner Masse und seines Zusammenhaltes. Nach der Art der Umformkräfte unterscheidet man zum Beispiel Druckumformen, Zug- u., Biegeumformen, Schubumformen und nach der Umformtemperatur Kaltumformen und Warmumformen Umformverfahren dienen auch zum Fügen. Siehe auch Fertigungsverfahren.

Umformer: rotierende elektrische Maschine oder Maschinensatz zum Umformen elektrischer Energie einer Stromart in eine andere, wobei Spannung, Strom, Frequenz und Phasenzahl geändert werden kann. Umformer werden immer mehr durch Stromrichtergeräte, sogenannt Umrichter, abgelöst.

Umgangsbefugnis: Befugnis des nichterziehungsberechtigten geschiedenen Elternteils zum persönlichen Umgang mit seinem Kind.

Umgangssprache: sprachliches Ausgleichsprodukt zwischen Hochsprache und Mundart; bestimmt durch die jeweilige Mundart und den Bildungsstand der Sprecher; besonders im Sprachgebrauch des Alltags verwendet.

Umgebindehaus: traditionelle Form des Hausbaus (besonders in der Oberlausitz und in Nordböhmen), bei dem ein Balkengefüge als tragendes Gerüst einem Teil der Erdgeschoßwände wie eine Blendarkade vorgelegt wird; siehe auch Bauernhaus.

Umgebung: Geometrie in Räumen mit einem Abstandsbegriff d zu einem gegebenen Punkt P eine Punktmenge dieses Raumes, die für ein geeignetes e > 0 alle Punkte S mit d(P, S) < e enthält Umgebungsbelastung: Strahlenbelastung der Bevölkerung durch innere und äußere Bestrahlung infolge der genehmigten Aktivitätsableitungen mit Fortluft und Abwasser aus Kernanlagen. Umgehungskreislauf Kollateralkreislauf.

Umiak: (eskimoisch) offenes Fellboot der Eskimo («Frauenboot») für Reise- und Transportzwecke; siehe auch Kajak.

Umkehrfunktion, inverse Funktion: Funktion x = g(y), die durch Auflösung nach x der durch die Funktion y=f(x) gegebenen Zuordnung entsteht. Die Umkehrfunktion existiert, falls y=f(x) eine eineindeutige Abbildung der x-Werte auf die y-Werte ist. Von y = e zum Beispiel ist x = lny die Umkehrfunktion Bezeichnet man in der Umkehrfunktion die unabhängige Veränderliche wieder mit x und die abhängige Veränderliche mit y, so liegen die graphischen Bilder der Funktion und ihrer Umkehrfunktion in einem Koordinatensystem spiegelbildlich zu der Geraden mit der Gleichung y = x.

Umkehrung: Musik a) bei Intervallen die Versetzung des unteren Tones in die höhere oder des oberen in die untere Oktave;

b) bei Akkorden Austausch des Basstones durch einen anderen Ton des Akkordes;

c) bei Motiven, Themen, Melodien, Tonleitern, -reihen, Sätzen die spiegelbildlich entgegengesetzte Fortführung der Bewegungsrichtung (Inversion).

Umkreis: Kreis, der durch jeden Eckpunkt eines Polygons hindurchgeht. Jedes Dreieck hat einen Umkreis, dessen Mittelpunkt M Schnittpunkt der Mittelsenkrechten der Dreieckseiten ist.

Umkristallisieren: Verfahren zur Reinigung von Substanzen durch mehrfach wiederholtes Lösen und Kristallisieren, das auf unterschiedliche Löslichkeit von Substanz und Verunreinigung beruht.

Umlaufbahn, Orbit: Flugbahn eines Raumflugkörpers um die Erde oder andere Himmelskörper. Bei künstlichen (Erd-) Satelliten werden im Allgemeinen folgende Werte angegeben: Bahnneigungswinkel (Winkel zwischen der Bahnebene der Umlaufbahn und der Äquatorebene der Erde beziehungsweise eines anderen Himmelskörpers); Umlaufzeit (für einen vollständigen Umlauf um die Erde beziehungsweise um einen anderen Himmelskörper); Perigäums Höhe (erdnächster) und Apogäums Höhe (erdfernster Punkt der Ui, gemessen von der Erdoberfläche aus). Bei Umlaufbahn um die Sonne lauten die entsprechenden Begriffe Perihel und Aphel.

Umlaufberg: isolierter Berg innerhalb einer eingesenkten Flussschlinge.

Umlaufen: Skisport Langlauftechnik zur großräumigen Richtungsänderung, wobei der Ski mit geringer Winkeländerung in die neue Richtung gesetzt wird.

Umlaufkolbenverdichter: Fördereinrichtung für Gase mit umlaufendem Kolben, der in der Regel den Arbeitsraum auf der Saugseite stetig vergrößert und im Bereich der Druckseite stetig verkleinert. Das Gas wird dadurch angesaugt und in die Druckleitung verdrängt. Die wichtigsten Bauarten sind Zellenverdichter, Wasserringverdichter, Schraubenverdichter und Kreiskolbengebläse.

Umlaufmittel: Gesamtheit der in den Betrieben und Kombinaten zur Sicherung der Kontinuität des Reproduktionsprozesses objektiv notwendigen Produktionsumlauffonds und Zirkulationsfonds. Die Umlaufmittel setzen sich unter anderem aus den Vorräten an Material, aus unfertigen und fertigen Erzeugnissen sowie den in Verrechnung befindliche und den flüssigen Mitteln zusammen.

Umlaufmittelfonds: Position der Passivseite der Bilanz, die die eigenen Mittel zur finanziellen Deckung eines Teils der Umlaufmittelbestände der Betriebe und Kombinate ausweist. Er ergibt sich aus der Erstausstattung (vom Staatshaushalt zur Verfügung gestellt) und aus der planmäßigen Verwendung des Nettogewinns.

Umlaufmittelplan: Bestandteil des Betriebsplanes der sozialistischen Betriebe und Kombinate, der den Finanzbedarf zur Deckung der materiellen Bestände sowie die Finanzierungsquellen und die Umschlagsgeschwindigkeit der Umlaufmittel nachweist.

Umlaufzeit:

1. Astronomie: die Zeit, die ein Himmelskörper braucht, um einen zweiten in geschlossener Bahn zu umlaufen. Bei Planeten unterscheidet man unter anderem die auf die gleiche Stellung zu den Fixsternen bezogene siderische Umlaufzeit und die auf die gleiche Stellung zur Sonne bezogene synodische Umlaufzeit

2. Raumfahrt: Umlaufbahn.

3. Umlaufzeit, Zirkulationsperiode, Zirkulationszeit: Wirtschaft - Teil der Umschlagszeit, während der sich die Fonds (beziehungsweise das Kapital) als Ware oder Geld in der Zirkulationssphäre befinden; umfasst Einkaufs- und Verkaufszeit.

Umlaut: Vokalwechsel von a, o, u, au zu ä, ö, ü, äu bei Flexion und Wortbildung im Deutschen, zum Beispiel Mann Männer männlich.

Umluft: Teil der Abluft, die bei Lüftungs- und Klimaanlagen aus dem Raum abgeführt und nach Reinigung, Trocknung beziehungsweise Befeuchtung mit frischer Außenluft wieder zugeführt wird.

Umma: im 3. Jahrtausend vor Christus zwischen Euphrat und Tigris gelegener Stadtstaat in Südsumer; heute Dschochar (Irak); um 2450 vor Christus durch König Eannatum von Lagasch erobert, der seinen Sieg auf einem Denkstein, der sogenannt Geierstele (Bruchstücke heute im Louvre), darstellen ließ. Um 2360/2350 vor Christus herrschte in Umma Lugalzagesi, der vorübergehend ganz Sumer unterwarf.

Ummagnetisierungsverluste, früher auch Eisenverluste: vom magnetischen Wechselfeld in Eisenteilen verursachte Energieverluste, die sich aus Hysterese- und Wirbelstromverlusten zusammensetzen und zur Erwärmung sowie zur Herabsetzung des Wirkungsgrades fuhren.

Umm al-Qaiwain: Emirat innerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate, am persischen Golf; 750 km2, 14000 Einwohner; 19 Einwohner/km2; Oasenwirtschaft, Fischerei; Handelszentrum; Hafen und Werft.

Umm Qasr: Hafenort im Süden Iraks, in einer Bucht am persischen Golf, südlich von Al-Basra; Industriekomplex (Eisenmetallurgie); Eisenbahnanschluss, wichtiger Tiefwasserhafen (Erdölexport); seit 1967 als Vorhafen für Al-Basra erbaut. Größere Zerstörungen im Verlauf der militärischen Auseinandersetzung zwischen Irak und Iran seit 1980.

Umm Said: Stadt in Katar, an der Ostküste der Halbinsel, südlich von Doha; etwa 3000 Einwohner; Industriekomplex mit Erdölraffinerie, Düngemittelfabrik, Erdgasverflüssigungsanlage; Erdölhafen (durch Pipelines mit dem Erdölfeld von Dukhan verbunden; Außenreede Beladung); Flughafen.

Umpfropfen, Umveredlung: obstbauliche Maßnahme, bei der Teile oder die gesamte Krone eines Baumes entfernt und auf die Aststümpfe Reiser einer anderen Edelsorte gesetzt werden. Siehe auch Veredlung 1.

Umsatz: Geldausdruck der vom Produktions- oder Handelsbetrieb in einem bestimmten Zeitraum abgesetzten Erzeugnisse.

Umsatzsteuer: in Form einer Verkehrssteuer gekleidete Verbrauchssteuer, die an den Umsatz anknüpft; im Unterschied zur Form der Steuer wird bei der Mehrwertsteuer nur jeweils der auf einer Umsatzstufe geschaffene beziehungsweise realisierte Neuwert besteuert; wirkt preiserhöhend.

Umschlag der Fonds: Kreislauf der Fonds als periodischer, sich ständig wiederholender Vorgang; er umfasst den Zeitraum von der Bereitstellung des Fondsvorschusses für den Reproduktionsprozess in Geldform bis zum Rückfluss der vorgeschossenen Mittel als Teil der Erlöse aus dem Absatz der hergestellten Erzeugnisse. Beim Umschlag der Fonds ist zu unterscheiden zwischen dem Umschlag der Umlaufmittel und dem der Grundmittel. Während Umlaufmittel sich in jedem Zyklus vollständig Umschlägen und demzufolge mengen- und wertmäßig ständig ersetzt werden müssen, nehmen die Grundmittel an vielen Produktionszyklen teil bis zu ihrem wertmäßigen und stofflicher Ersatz.

Umschlagsgeschwindigkeit: Tempo des Umschlages der im Reproduktionsprozess vorgeschossenen Fonds an Grund- und Umlaufmitteln und ihrer Bewegung durch die verschiedenen Stadien des Kreislaufes bis zur Rückkehr in ihre ursprüngliche Form. Die Umschlagsgeschwindigkeit wird mittels der Umschlagszahl als Ausdruck der Häufigkeit des Umschlags je Zeiteinheit und der Umschlagszeit (Umschlagsperiode) gemessen. Letztere gibt die Tage für einen einmaligen Umschlag der Fonds an.

Umschwung: Gerätturnen schwungvoll ausgeführte Drehung des Körpers von 360° um die Breitenachse. Verbunden mit Kipp-, Felg- oder Stemmbewegungen ergeben sich Kipp-, Felg- beziehungsweise Stemmumschwung.

Umsetzen: Gewichtheben Ausgangsstellung für das Ausstößen von der Brust beim Stoßen. Die Scheibenhantel wird in einem Zug vom Boden bis oberhalb des Brustbeins gebracht und so gehalten, dass sich die Arme unter der Hantel und die Ellbogen vor der Hantelstange befinden.

Umspannwerk: Anlage im elektrischen Energieversorgungsnetz zur Veränderung von Übertragungsspannungen mittels Transformatoren; bei hoher Leistung Hauptumspannwerk, bei niedriger Leistung in Verbrauchernähe Ortsumspannstation genannt.

Umspielung: Kinetechnik Vorgang, bei dem eine Tonaufzeichnung synchron auf einen oder mehrere gleichartige Tonträger übertragen wird, zum Beispiel von Magnetband auf Magnetband.

Umtata: Stadt im Nordosten der Kapprovinz (Republik Südafrika), Verwaltungszentrum von Transkei; 33000 Einwohner; Lebensmittelindustrie; Flughafen.

Umtreten: Skisport - Langlauftechnik zur Richtungsänderung, wobei der bogeninnere Ski seitwärts in die neue Richtung gebracht und der äußere nach Abdruck nachgesetzt wird; führt bei Schrittfolgen zur Beschleunigung des Laufes.

Umtrieb:

1. Tierzucht: durchschnittliche Nutzungsdauer der Tiere einer Herde; sie richtet sich nach dem Prozentsatz der jährlich ausfallenden Tiere.

2. Waldbau: geplantes durchschnittliches Erntealter der in einer Betriebsklasse zusammengefassten Bestockungen. Er wird durch Holzart, Produktionsziel und Standort bestimmt.

Umwandlungsverfahren, Übertragungsverfahren, Konversionsverfahren: Sammelbegriff für Verfahren zur Anfertigung von Kopiervorlagen für Offset- und Tiefdruck nach bereits vorhandenen Hochdruckformen, Schriftsatz, Ätzungen, Stereo und Galvanos

a) durch Abdruck einer Hochdruckform auf einen Bedruckstoff und anschließende Nachbehandlung,

b) auf fotografischen oder mechanischen Wege oder durch Wärmestrahlung.

Umwelt: Gesamtheit der natürlichen (Biosphäre) und anthropogen beeinflussten Bedingungen (Umgebung) von Lebewesen, Gebäuden und Anlagen, die in ständiger Wechselbeziehung stehen mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Lebewesen, den Zustand der Gebäude und Anlagen. Das Ziel der Umweltgestaltung im Sozialismus ist, die Umweltbedingungen so zu gestalten, dass Übereinstimmung zwischen Arbeit und Natur, Ökonomie und Ökologie besteht und bei steigender Produktion den kommenden Generationen bessere Natur- und Umweltbedingungen überlassen werden.

Umweltinspektion, staatliche: Organ des Ministeriums für Umweltschutz und Wasserwirtschaft und bei den Räten der Bezirke für die staatliche Kontrolle der Einhaltung der Rechtsvorschriften und Normative zur Minderung der Emission von Luftschadstoffen und zur schadlosen Beseitigung nicht nutzbarer Abprodukte; ihre Arbeit dient als Grundlage der Planung entsprechender Maßnahmen des Umweltschutzes.

Umweltkarten: zusammenfassende Bezeichnung für eine Gruppe von Karten, die der Umweltkontrolle, dem Umweltschutz und der Umweltgestaltung dienen. Besondere Bedeutung haben Karten zur Erfassung von Umweltschäden (zum Beispiel Lärmkarten).

Umweltkonvention: Konvention über das Verbot militärischer oder sonstiger feindseliger Anwendung von Mitteln zur Einwirkung auf die Umwelt.

Umweltschutz: Gesamtheit von Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Umwelt und des Menschen vor negativen Folgen der wirtschaftlichen und wissenschaftlich-technische Entwicklung. Umfang und Möglichkeiten des Umweltschutz werden vom Charakter und Stand der Produktivkräfte sowie durch die herrschenden Produktionsverhältnisse bestimmt. Die Maßnahmen des Umweltschutz und der Umweltgestaltung sind in der DDR auf die Erhöhung der Effektivität der Volkswirtschaft durch rationelle Nutzung und Wiederverwendung von Abprodukten, Einführung abproduktarmer Technologien, geschlossener Stoffkreisläufe und höherer Verfügbarkeit besonders der regenerierbaren Naturressourcen Luft, Wasser, Boden sowie auf die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bürger gerichtet. Grundlage sind der wissenschaftlich-technische Fortschritt und die Planung; die zentrale Leitung, Planung und Kontrolle obliegt dem Ministerium für Umweltschutz und Wasserwirtschaft.

Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Abkürzung USPD: im April 1917 von Sozialdemokratischen Zentristen gegründete Partei; vereinigte vor allem ehemalige Mitglieder der SPD, die mit der proimperialistischen Politik der rechten SPD-Führung unzufrieden waren. Während die revolutionären Kräfte in der USPD zu antiimperialistischen und antimilitaristische Aktionen drängten, versuchten die Zentrist. Führer (W. Dittmann, H. Hasse, R. Hilferding, K. Kautsky unter anderem) mit der Gründung, den Übergang der Massen auf die Positionen der Linken abzufangen. Der Gegensatz zwischen der revolutionären Mehrheit und der Zentrist. Führung prägte die USPD von Anfang an. Bei Wahrung ihrer politischen und ideologischen Selbständigkeit gehörte die Spartakusgruppe bis zur Gründung der KPD der USPD an. Im Dezember 1920 vereinigte sich die Mehrheit der Mitglieder (etwa 20000.0) mit der KPD, der rechte Flügel schloss sich 1922 wieder der SPD an.

Unabhängigkeitserklärung, Declaration of Independence: Gründungsdokument der Vereinigten Staaten von Amerika vom 4.7.1776, entworfen von T. Jefferson, angenommen vom 2. Kontinentalkongress.

Unabhängigkeitskrieg, nordamerikanische Unabhängigkeitsrevolution: Kampf der 13 britischen Kolonien in Nordamerika gegen die britische Regierung; begann mit dem Gefecht von Lexington am 19.4.1775 und trat nach der Schlacht von Monmouth am 28.6.1778 in die Entscheidungsphase, in der Frankreich die Kolonien aktiv unterstützte. Im Frieden von Paris (3.9.1783) erkannte Großbritannien die Unabhängigkeit der USA mit Westgrenze am Mississippi (außer Florida) an. Diese antikoloniale bürgerliche Revolution blieb unvollendet, da Sklaverei und Großgrundbesitz nicht beseitigt wurden.

unabwendbares Ereignis, Vis major, höhere Gewalt: Recht - außergewöhnliches Ereignis, das nicht vorauszusehen war und nicht verhindert werden konnte; befreit zumeist von der Haftung für Schäden. Besonderheiten gelten bei erweiterter Verantwortlichkeit.

Unamuno y Jugo, Miguel de, 28.9.1864-31.12.1936, spanischer Schriftsteller und Philosoph; eine der führenden Persönlichkeiten der «Generation von 98»; bevorzugte in seinen Romanen und Dramen die Gestaltung großer Leidenschaften, die das «trag. Leben» seiner Figuren prägen; sein philosophisches Hauptwerk («Das tragische Lebensgefühl», 1912, deutsch) zeigt Grundpositionen seines personalistischen Weltbildes.

Unanimismus: (lateinisch una anima, «eine Seele») von J. Romains mit dem Gedichtband «Das unanimistische Leben» (1908) begründete literarische Richtung, die den bürgerlichen Individualismus mit Hilfe eines ethisch aufgefassten Kollektivbegriffs zu überwinden suchte.

Unbewusstes: psychische Erscheinungen, die nicht sprachlich benannt werden können, weil sie automatisiert, vergessen oder verdrängt worden sind. Unbewusstes ist (in Einheit mit dem Bewussten) verhaltenswirksam.

unbezahlte Freistellung: Freistellung des Werktätigen von der Arbeit ohne Ausgleichszahlung; wird in gesetzlich geregelten Fällen gewährt, bedarf ansonsten einer Vereinbarung zwischen dem Werktätigen und dem Betrieb.

Uncia: (lateinisch, «Unze», «Zoll»)

a) altrömische Masseeinheit, 1 Uncia = 1/12 Libra = 27,29 g;

b) altrömische Längeneinheit, 1 Uncia = 2,46 cm.

UNCTAD, Abkürzung für UN-Conference on Trade and Development, Konferenz der Vereinten Nationen ßr Handel und Entwicklung, Welthandelskonferenz: Organ der UN-Vollversammlung; gegründet 1964; Sitz Genf. Die UNCTAD dient der Förderung des internationalen Handels, führt regelmäßig Generalversammlungen durch und beschäftigt sich vor allem mit den Problemen der demokratischen Umgestaltung der Weltwirtschaftsbeziehungen, besonders gegen neokolonialistischen Praktiken der transnationalen Konzerne und imperialistischen Hauptländer. Der UNCTAD gehören über 120 Staaten an; die DDR ist seit 1973 Mitglied.

Undation: weitgespannte, epirogenetische Aufwölbung der Erdkruste. Die Undationstheorie nimmt als Ursache aktive Konvektionsströme im Erdmantel an.

Understatement: Untertreibung; nüchterne, zurückhaltende Ausdrucksform.

Undset, Sigrid, 20.5.1882-10.6.1949, norwegische Schriftstellerin; wandte sich besonders während ihres Exils 1940/45 in den USA gegen den Faschismus; schrieb zunächst realistische Romane und Erzählungen über Frauenschicksale («Ein Fremder», 1908, deutsch; «Jenny», 1911, deutsch)¡ später auf Grund umfassender kulturhistorischer Studien Romanserien über das Mittelalter, unter anderem «Kristin Lavranstochter» (1920/22, deutsch). Nach ihrem Übertritt zum Katholizismus 1925 zeigten sich zunehmend religiöse Tendenzen auch in ihren Gegenwartsromanen («Der brennende Busch», 1930, deutsch).

Unen: (mongolisch, «Wahrheit») Zentralorgan der Mongolischen Revolutionären Volkspartei; Tageszeitung; gegründet 1920; erscheint in Ulan-Bator.

unendlich, Zeichen größer als jede beliebige endliche Zahl. Eine Zahlenfolge divergiert gegen + °°, falls alle Zahlen der Folge größer als eine beliebige Zahl K sind bis auf eine von K abhängige endliche Anzahl.

unendliche Menge: Menge, deren Elemente Anzahl größer ist als jede natürliche Zahl. Eine Menge M ist genau dann eine unter dem Meeresspiegel, wenn es eine von M verschiedene Teilmenge von M gibt, die mit M gleichmächtig ist; eine unter dem Meeresspiegel ist zum Beispiel die Menge aller reellen Zahlen.

unerlaubte Entfernung: Fernbleiben oder Verlassen der Truppe, Dienststelle beziehungsweise eines durch Befehl festgelegten anderen Aufenthaltsortes durch einen Angehörigen der NVA oder der Grenztruppen der DDR ohne Genehmigung länger als 24 h; Militärstraftat.

unerlaubte Handlung: nach früherem Recht eine schuldhafte zivilrechtliche Pflichtverletzung.

unerlaubter Weitschuss, Icing: Eishockey Scheibe, die aus der eigenen Spielfeldhälfte über die gegnerische Torlinie geschlagen und von der eigenen Mannschaft nicht erlaufen werden kann; ist für eine zahlenmäßig schwächere Mannschaft (während einer Zeitherausstellung) erlaubt.

UNESCO, Abkürzung für United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur: Spezialorganisation der UN; gegründet 1946; Sitz Paris. Ihr Ziel besteht darin, durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern auf den Gebieten der Erziehung, Wissenschaft und Kultur zur Erhaltung des Friedens und der Sicherheit beizutragen, um die Achtung vor Gerechtigkeit und Recht, vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten in der ganzen Welt für jedermann ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion zu stärken. Der UNESCO gehören über 158 Staaten an; die DDR ist seit 1972 Mitglied.

Unfairness: den Wettkampfbestimmungen nicht entsprechendes, nicht einwandfreies Verhalten, nicht regelgemäße Kampfesweise.

unfair sportlich nicht einwandfrei.

Unfall: unbeabsichtigtes, plötzliches Ereignis mit gesundheitsschädigender Wirkung für den Betroffenen. Die wichtigsten Gruppen sind Arbeits-, Verkehrs- sowie Haus- und Wegeunfälle. Siehe auch Elektrounfall.

Unfallversicherung: freiwillige oder Pflichtversicherung zum Ausgleich finanzieller Nachteile aus Unfällen, die Gesundheitsschäden, Arbeitsunfähigkeit oder Tod zur Folge haben.

Ungar, Hermann, 20.4.1893-28.10.1929, österreichischer Erzähler und Dramatiker; bekannt besonders durch psychologisch differenzierte gesellschaftskritischen Novellen («Knaben und Mörder», 1920) und Romane («Die Verstümmelten», 1923; «Die Klasse», 1927).

Ungaretti, Giuseppe, 10.2.1888-1.6.1970, italienischer Lyriker; stand unter dem Einfluss der französischen Symbolisten; mit seiner dunklen, die Wortmagie über den Inhalt stellenden Lyrik (Sammlungen «Die Fröhlichkeit», 1931; «Das verheißene Land», 1950, deutsch; «Das Merkbuch des Alten», 1960, deutsch) Begründer und Hauptvertreter des Hermetismus.

Ungarisch, Magyarisch: Sprache der ugrischen Gruppe der finnougrischen Sprachen; erstes größeres Sprachdenkmal ist eine Grabrede zu Beginn des 13. Jahrhundert; Grundlage für die Herausbildung der Schriftsprache wurde die Bibelübersetzung von G. Karolyi (1590).

Ungarische Räterepublik: am 21.3.1919 unter Führung der KP gemeinsam mit Sozialdemokraten errichtete erste Diktatur des Proletariats in Ungarn; faktisch geleitet von Bela Kun (KP); erlag im August 1919 der in- und ausländischen Konterrevolution. Siehe auch Ungarn (Geschichte).

Ungarisches Mittelgebirge: von Südwesten nach Nordosten streichender Gebirgszug in Ungarn, beiderseits der Donau; westlich der Donau Transdanubischen Mittelgebirge mit Bakony (bis 704 m), Vertes (bis 480 m), Gerecse (bis 634 m), Budaer Gebirge (bis 558 m), Pilis (bis 757 m), östlich der Donau Nordungarisches Mittelgebirge mit Börzsöny (bis 939 m), Cserhat (bis 652 m), Matra (Kikes, die höchste Erhebung Ungarns, 1015 m), Bükk (bis 959 m), Zempliner Gebirge (bis 896 m). Vorwiegend aus mesozoischem Dolomit und Kalkstein aufgebaut; weitgehend bewaldet (Eichen, Buchen) an den Südhängen Weinbau. Zahlreiche nutzbare Bodenschätze; Bauxit-, Braunkohlen-, Manganerzabbau im Transdanubischen Mittelgebirge, Braunkohlen-, Buntmetall-, Eisenerzabbau im Nordungarischen Mittelgebirge; zahlreiche Thermalquellen; Fremdenverkehr.

Ungarn, ungarische Volksrepublik, Abkürzung UVR: sozialistischer Staat im Südosten Mitteleuropas; grenzt im Norden an die CSSR, im Nordosten an die UdSSR, im Osten und Südosten an Rumänien, im Süden an Jugoslawien und im Westen an Österreich; verwaltungsmäßig in die Hauptstadt Budapest, 19 Bezirke (Megye) und 5 Städte mit Bezirksrecht gegliedert. Währung ist der Forint. Bevölkerung 96,6% der Einwohner sind Ungarn, den Rest bilden gleichberechtigte nationale Minderheiten: Deutsche (1,6%), Slowaken (1,1%), Rumänen (0,2%) und Südslawen (0,3%); der Anteil sonstiger Nationalitäten beträgt 0,2%. Amtssprache ist Ungarisch. Ungarn gehört zu den dichtest besiedelten Staaten Europas; vor allem die weitere Umgebung von Budapest ist dichtbewohnt. Eine überdurchschnittliche Bevölkerungskonzentration weisen auch die Bezirke Pest, Komarom und Borsod-Abauj-Zemplen auf. Der durchschnittliche jährliche Bevölkerungszuwachs ist gering und beträgt seit 1970 etwa 0,4%. Bei anhaltendem Urbanisierungsprozess lebt über die Hälfte der Einwohner in Städten, dabei konzentriert sich über ein Drittel der Stadtbevölkerung allein in Budapest (hier lebt beinahe ein Fünftel der Bevölkerung). Der Anteil der Werktätigen an der Gesamtbevölkerung beträgt die Hälfte, davon sind über 95 % im sozialistischen Sektor beschäftigt.

Natur - Oberfläche: Sie wird vorrangig von Flach- und Hügelland geprägt (nördlicher und zentraler Teil des Pannon. Beckens). Seiner geomorphologischen Gestaltung nach gliedert sich Ungarn in das Kisalßld (Oberungarische Tiefebene), in das ungarische Mittelgebirge mit dem Transdanubischen Mittelgebirge (westlich der Donau) und dem Nordungarischen Mittelgebirge (östlich der Donau, höchste Landeserhebung Kekes (1015 m), in das Transdanubische Hügelland zwischen Donau und Drau mit dem Mecsek im Süden, in das Alpenvorland (bis 883 m)im Westen sowie in das fast die Hälfte der Landesfläche einnehmende die Niederungarische Tiefebene im Osten und Südosten.

Klima: Gemäßigt-kontinentales Klima, das europäisch-ozeanischen und subtropischen mediterranen Klimaeinflüssen unterliegt; mittlere Jahrestemperatur etwa 9 bis 11°C; jährliche Niederschlagsmenge 500 bis 800 mm, Abnahme der Niederschlagsintensität von Westen nach O.

Gewässer: Das Flussnetz Ungarns gehört zum Einzugsgebiet der Donau, deren ungarischer Abschnitt 417 km beträgt; weitere wichtige Flüsse: Theiß (595 km ungarischer Abschnitt), Körös, Drau, Raab und Siö; der Bewässerung dienen vor allem Theiß und Körös; größte Seen: Balaton (596 km2), Stausee bei Kisköre an der Theiß, Velence See und der nur zum Teil zu Ungarn gehörende Neusiedler See (Fertö); zahlreiche Thermalquellen.

Pflanzen- und Tierwelt: Die ursprüngliche Vegetation bestand vorwiegend aus Laubwäldern und Waldsteppe; heute ist nur etwa ein Sechstel der Landesfläche bewaldet (besonders Buchen, Eichen). Das Alfold wurde größtenteils in Grassteppe (Puszta) und später überwiegend in Ackerland umgewandelt; Nationalparks mit Restgebieten der Puszta in der Hortobágy und bei Kecskemét. Die ursprüngliche Tierwelt wurde weitgehend zurückgedrängt; ein ansehnlicher Wildbestand (unter anderem Rotwild, Reh, Wildschwein) ist in den Wäldern erhalten geblieben. Wirtschaft Seit Bestehen der volksdemokratischen Ordnung erfolgte im Prozess der sozialistischen Entwicklung die Umgestaltung von einem Agrarland mit wenig Industrie zu einem entwickelten Industriestaat mit leistungsfähiger Landwirtschaft. Fast 60% des Nationaleinkommens resultieren aus der Industrie, 17% aus der Landwirtschaft. Grundlegende Voraussetzung für das Wirtschaftswachstum (das Nationaleinkommen hat sich seit 1950 beinahe verfünffacht) ist die Zusammenarbeit mit der UdSSR und den anderen RGW-Mitgliedstaaten sowie die aktive Teilnahme Ungarns an der Vertiefung der sozialistischen ökonomischen Integration. entsprechend den Richtlinien des VII. Fünfjahrplanes (1986/90) ist der Übergang zur Intensivierung der Produktion wirtschaftspolitisches Hauptziel. Industrie. Die Entwicklung der Industrie erfolgte mit Hilfe der UdSSR und anderer sozialistischen Staaten. Es entstanden neue Industriestandorte in vorher rein agrarisch genutzten Gebieten. Wichtigstes Industriezentrum ist Budapest (30% der Industrieproduktion). Bergbau. Ungarns wichtigster Bodenschatz ist Bauxit (Jahresforderung etwa 3 Millionen t), der vor allem im Bakony und zum Teil im Vértes überwiegend im Tagebau gewonnen wird. Mineral. Rohstoffe (außer Bauxit) und Energieträger müssen größtenteils importiert werden, da sie nur in begrenztem Umfang vorhanden sind: Abbau von Braunkohle bei Tatabánya, Dorog, Tokod, Ozd und im Tal der Sajó, von Lignit bei Visonta und Várpalota, von Steinkohle bei Pécs und Komló (zum Teil verkokbar). Die Erdöl- und Erdgasgewinnung verlagert ihren Schwerpunkt von Südwest- u. (Budafok, Lovászi, Gellénháza) zunehmend auf die Vorkommensgebiete des Alfold (unter anderem Algyö bei Szeged, Mezökeresztes, Szank, Hajdúszoboszló); Manganerz- (Urkut, Eplény), Uranerz- (Pécs) und Kupfererzabbau (Recsk). Die Elektroenergiegewinnung erfolgt fast ausschließlich durch Wärmekraftwerke vor allem auf Kohle- (zu 30%; unter anderem Visonta, Kazincbarcika, Oroszlány) sowie Erdöl- und Erdgasbasis (Százhalombatta, Leninváros). Der Ausnutzungsgrad der Wasserenergie (kleine Kraftwerke in Kisköre und Tiszalök) ist noch gering; im Bau sind Wasserkraftwerke an der Theiß (Csongrád) und an der Donau (Nagymaros; in Zusammenarbeit mit der CSSR); bei Paks ist ein Kernkraftwerk (1760 MW) im Bau, dessen erste Blocks bereits an das Netz angeschlossen sind. Bezug von Elektroenergie erfolgt aus der UdSSR vor allem durch die 750-kV-Leitung von Winniza (Ukraine) nach Albertirsa. Die Standorte der Aluminiumerzeugung konzentrieren sich in der Nähe der Bauxitvorkommen und der Energiezentren; Tonerde Herstellung (Mosonmagyaróvár, Ajka), Verhüttung (Várpalota. Ajka, Tatabánya), Aluminiumwalzwerk (Székesfehérvár, Budapest); einen Teil des Bauxits verarbeitet die UdSSR für Ungarn auf der Grundlage eines Regierungsabkommens. Die Basis für die Eisenmetallurgie und Stahlerzeugung (Miskolc, Ózd, Dunaùjvàros, Budapest) bildet Importeisenerz aus der UdSSR. Hauptstandorte des Maschinenbaus sind Budapest, Miskolc, Györ, Székesfehérvàr. Dynamisch entwickeln sich der Fahrzeug- (unter anderem Ikarus-Omnibusse, Lokomotiven, Waggons), Werkzeug- und Landmaschinenbau sowie die Elektrotechnik/Elektronik mit ihrer Spezialisierung auf die Mikroelektronik. Große Bedeutung erlangte auch die chemische Industrie (Zentren Szàzhalombatta, Leninvàros, Budapest, Kazincbarcika, Varpalota), deren wichtigste Zweige Erdölverarbeitung, Herstellung von Pharmazeutika, Kunststoffen und Düngemitteln sind. Erweiterung und Modernisierung erfuhren die Baustoff- und Leichtindustrie. Zentrum der Textil- und Bekleidungsindustrie ist Budapest; breitere Standortverteilung hat die Nahrungs- und Genussmittelindustrie (unter anderem Konserven-, Fleischwaren(Salami) und Tabak-Warenherstellung, Weinkeltereien).

Geschichte: Das Gebiet des heutigen Ungarn war bereits in der Stein- und Bronzezeit besiedelt, seit 10 vor Christus römische Provinz Pannonia (West- u.), im 4./5. Jahrhundert nach Christus Zentrum des Hunnenreiches, im 6./8. Jahrhundert Reich der Awaren. Um 896 erfolgte die Landnahme durch die nomadisierenden finnougrischen Magyaren (Ungarn) aus dem Gebiet zwischen Prut und Dnestr, die nach anfänglichen Streifzügen in westlichen Nachbarländern Ende des 10. Jahrhundert zu Ackerbau und Sesshaftigkeit übergingen. Die Gentilgesellschaft zerfiel, frühfeudale Produktionsverhältnisse entstanden. Istvan I. (1000/38) begründete den ungarischen Feudalstaat, führte das (römische) Christentum ein, unterwarf den heidnischen Stammesadel und ließ sich 1000 krönen. Unter der Árpáden-Dynastie (1000/1301) festigte sich die Feudalordnung, und im Zuge der feudalen Expansion wurden Siebenbürgen (Transilvania), Slawonien, Kroatien und Dalmatien angegliedert. Die im 13. Jahrhundert einsetzende feudale Zersplitterung erleichterte den Mongoleneinfall 1241. Unter B61a IV. (1235/70) erlebte Ungarn einen Wiederaufbau und wirtschaftlicher Aufschwung (Städtegründung, Bergbau, deutsche Zuwanderung). Karoly, Robert (1308/42) und Lajos I. (1342/82) aus der Dynastie der Anjou (1308/82) versuchten, die feudale Anarchie zu brechen und die Zentralgewalt zu festigen; Lajos I. führte die feudale Expansion fort und verband Ungarn 1370 in Personalunion mit Polen. J. Hunyadi (Reichsverweser 1446/52) gelang es, die von der Balkanhalbinsel vorstoßenden Türken abzuwehren. Unter seinem Sohn, König Matyas I. Corvinus (1458/90), erstarkte die Zentralgewalt, erreichte Ungarn seine größte Machtausdehnung (Eroberung von Mähren, Schlesien, der Lausitz und Besetzung Wiens) und erlebten Wirtschaft und Kultur eine Blütezeit (Renaissance). Nach Matyas brach die Zentralgewalt zusammen (Dynastie der Jagiellonen 1490/1526); die zunehmende Willkürherrschaft und Ausbeutung ließ die zum Kreuzzug gegen die Türken versammelten Bauern 1514 die Waffen gegen die eigenen Feudalherren kehren. Der von Gy. Dozsa geführte Bauernaufstand wurde blutig niedergeschlagen, die Leibeigenschaft verschärft und 1515 gesetzlich fixiert. 1526 unterlag die Adelsarmee den Türken in der Schlacht bei Mohics; Mittel- u. geriet unter türkische (1541), West- u. unter habsburgischer Herrschaft und Öst- u. (Siebenbürgen) als Fürstentum unter türkischen Oberhoheit. Von hier aus wurde der nationale Befreiungskampf Ungarns gegen beide Eroberer, gegen die katholischen Habsburger auch durch die Reformation, geführt (Aufstände unter Führung der siebenbürgischen Fürsten I. Bocskai 1604/06, G. Bethlen 1619/26 und I. Thököly 1678/82). Nach der Vertreibung der Türken 1683/87 fiel fast ganz Ungarn an Österreich (1699 Frieden von Karlowitz); die nationale und religiöse Unterdrückung (Gegenreformation) führte zu erneuten Aufständen, so zur Volkserhebung 1703/11 unter Ferenc II. Rakoczi, und forderte Wien Zugeständnisse ab; es musste Ungarn wieder Verfassung und Adelsprivilegien verbürgen. Unter dem Einfluss der Franzos. Revolution entstand eine republikanische Bewegung (Geheimbund ungarischer Jakobiner) unter der Führung von I. Martinovics, J. Hajnoczy (1750-1795) unter anderem; sie wurde 1794/95 grausam unterdrückt. Die Krise des Feudalsystems löste seit 1825 eine liberal-adlige Reformbewegung zur Einführung bürgerlich-kapitalistischer Verhältnisse aus, deren Führung 1840 L. Kossuth übernahm, der im Gegensatz zu I. Szechenyi für einen von Österreich unabhängigen ungarischen Industriekapitalismus eintrat. Durch die französische Februar- und die Wiener Märzrevolution beflügelt, brach am 15.3.1848 in Ungarn die bürgerlich-demokratische Revolution aus; sie bewirkte, dass Wien die Bildung einer ungarischen Regierung unter L. Batthyany akzeptieren musste (173. 1848) und am 11.4.1848 den vom Landtag vorgelegten Gesetzen zustimmte, die die wichtigsten Forderungen einer bürgerlich-nationalen Umgestaltung erfüllten, die Bauern- und Nationalitätenfrage jedoch ungelöst ließen. Im Herbst 1848 organisierte Habsburg den bewaffneten Überfall auf Ungarn; er wurde durch die von Kossuth geworbene Honved Armee Anfang 1849 abgewehrt. Im April 1849 erklärte Kossuth Ungarn zum unabhängigen Staat. Österreichische Truppen warfen mit Hilfe zaristischer im August 1849 die ungarische Revolution nieder. Ungarn wurde der zentralistischen österreichischen Verwaltung eingegliedert. Zunehmende innere Widersprüche (Vielvölkerstaat), außenpolitische Misserfolge und die militärische Niederlage gegen Preußen 1866 zwangen die österreichische Regierung zum Ausgleich von 1867, durch den Ungarn in Realunion mit Österreich selbständiges Königreich wurde (österreichische ungarische Monarchie). Mit der Bildung der Doppelmonarchie auf der Grundlage einer Verständigung zwischen der österreichischen Bourgeoisie und dem ungarischen Großgrundbesitz betrat Ungarn den preußischen Weg der Entwicklung des Kapitalismus. Gegen die sich verschärfende Ausbeutung und nationale Unterdrückung der Minderheiten gerichtet, nahmen seit den 80er Jahren des 19. Jahrhundert die Arbeiterbewegung und die Bauernbewegung einen Aufschwung. 1880 entstand die Allgemeine Arbeiterpartei (L. Frankel), 1890 die Sozialdemokratische Partei, die jedoch unter den Einfluss des Austromarxismus geriet.

Der 1. Weltkrieg und die Oktoberrevolution führten zum weiteren Erstarken der Arbeiter- und Bauernbewegung und beschleunigten den Zerfall des habsburgischen Vielvölkerstaates. Am 16.11.1918 wurde die bürgerliche Republik Ungarn ausgerufen und damit die 400jährige Herrschaft der Habsburger beendet. Die unter Graf M. Karolyi gebildete Koalitionsregierung der kleinbürgerliche und rechtssozialistische Mehrheit konnte die Aufgaben einer bürgerlich-demokratische Revolution nicht lösen, die Enteignung des Großgrundbesitzes ging nur schleppend voran. Im November 1918 wurde unter Führung von B. Kun die KP gegründet, die zur führenden politischen Kraft heranwuchs. Als die Karolyi-Regierung infolge der Verschärfung der politischen Krise, besonders durch die Forderung der Großmächte nach Gebietsabtretungen Ungarns, am 20.3.1919 zurücktrat, ging die Regierungsgewalt auf die Sozialdemokratischen Minister über. Die Sozialdemokratische Parteiführung beschloss die Vereinigung mit der KP, die die Errichtung der Diktatur des Proletariats forderte. Am 21.3.1919 wurde die ungarische Räterepublik ausgerufen; der aus Kommunisten und Sozialdemokraten gebildete Revolutionäre Regierende Rat leitete Maßnahmen zur Beseitigung der kapitalistischen Ordnung und zur Verteidigung Ungarns gegen die Entente Truppen ein. Die Übermacht der imperialistischen Intervention und der inneren Konterrevolution, die sich unter Führung M. Horthys in Szeged formierte, führte im August 1919 zur Niederlage der Räterepublik. Ein reaktionärer Block der Großbourgeoisie und des Großgrundbesitzes kam mit Hilfe ausländischer Imperialisten zur Macht, ging mit zügellosem weißem Terror gegen die Anhänger der Räterepublik vor und stellte die kapitalistische Ordnung wieder her. Der am 1.3.1920 als «Reichsverweser» der wiederhergestellten Monarchie zur Führung gelangte Horthy errichtete eine halbfaschistische Diktatur, gegen die die illegale KP einen heldenhaften Kampf führte. Außenpolitisch drängte Horthy auf die Revision des Friedensvertrages von Trianon von 1920 und lehnte sich daher an das faschistische Italien (Vertrag 1927) und an Deutschland an; im Februar 1939 trat Ungarn dem Antikomintern- und im November 1940 dem Dreimächtepakt bei. Mit Hilfe dieser faschistischen Mächte erlangte Ungarn die Südslowakei, die Karpato Ukraine (1. Wiener Schiedsspruch, November 1938), Nordsiebenbürgen (2. Wiener Schiedsspruch, August 1940) und die Batschka (April 1941). Die ungarische Wirtschaft wurde in den Dienst des deutschen Imperialismus gestellt. An der Seite seiner faschistischen Verbündeten griff Ungarn 1941 Jugoslawien an und nahm im Juni 1941 am Überfall auf die UdSSR teil. Im März 1944 ließ Hitler Ungarn militärisch besetzen, nachdem es versucht hatte, mit den Westmächten Separatfrieden zu schließen. Im Oktober 1944 übernahm die faschistische Partei der Pfeilkreuzler die Macht in Ungarn Die antifaschistischen Kräfte schlossen sich unter Führung der KP im Mai 1944 zur ungarischen Front zusammen. Ihr Kampf wurde von der Roten Armee unterstützt, die Ungarn von den deutschen und ungarischen Faschisten befreite (23.9.1944/4.4.1945). Noch vor der Befreiung der Hauptstadt (13.2.1945) wurde im Dezember 1944 in Debrecen die Provisorische Nationalregierung gebildet, die am 20.1.1945 das Waffenstillstandsabkommen mit der UdSSR, den USA und Großbritannien Unterzeichnete. Am

15.3.1945 erließ sie die Verordnung über die Bodenreform, die den Großgrundbesitz enteignete.

Am 1.2.1946 erfolgte die Ausrufung der Republik. Die Angriffe der Reaktion wurden vom Linken Block unter Führung der KP im März 1946 zurückgeschlagen und die Errichtung der Volksdemokratie zum Ziel gesetzt (III. Parteitag der KP, 28.9./1.10.1946). Die Berg- und Kraftwerke wurden Ende 1946, die Großbanken und die Schwerindustrie im November 1947, die kapitalistische Betriebe im März 1948 verstaatlicht.

Im Juni 1948 vereinigten sich die KP und die Sozialdemokratische Partei auf marxistisch-leninistische Grundlage zur Partei der ungarischen Werktätigen. Die am 20.8.1949 von der Landesversammlung angenommene Verfassung dokumentierte den Sieg der Volksdemokratischen Ordnung: Ungarn wurde Volksrepublik. Mit dem 1. Fünfjahrplan 1950/54 wurde das Ziel gestellt, die Grundlagen des Sozialismus aufzubauen; dabei konnte sich Ungarn auf die Hilfe der sozialistischen Staaten stützen. Im Oktober 1956 versuchten die internationale und die ungarische Reaktion, die volksdemokratische Ordnung mit Waffengewalt zu stürzen (Konterrevolution 23.10./4.11.1956). Die bewussten Kräfte der Arbeiterklasse organisierten die Partei als marxistisch-leninistischer ungarischer sozialistischer Arbeiterpartei (Abkürzung USAP) neu. Am 4.11.1956 wurde die Revolutionäre Arbeiter- und-Bauern-Regierung gebildet. Die Niederschlagung der Konterrevolution, unterstützt von sowjetischen Truppen, bewahrte Ungarn vor der Restauration des Kapitalismus. Die Volksmacht wurde gefestigt und der sozialistische Aufbau der Volkswirtschaft seitdem erfolgreich fortgesetzt. Unter Führung der USAP und fest in die sozialistische Staatengemeinschaft eingefügt (U. ist Gründungsmitglied des RGW und des Warschauer Vertrages), gestaltet das Land gegenwärtig die entwickelte sozialistische Gesellschaft. Der XIII. Parteitag der USAP 1985 beschloss, die besonders seit 1970 dynamische Entwicklung trotz verschlechterter internationaler Wirtschaftsbedingungen durch Verbesserung des Wirtschaftsmechanismus fortzusetzen. Generalsekretär der USAP ist J. Kadar, Vorsitzender des Präsidialrates K. Nemeth und Ministerpräsident K. Grosz.

Kunst: Urgeschichtliche Kulturen, besonders aber die Kunst der Römerzeit, sind durch reiche Funde belegt (Aquincum, P6cs). Die sich um 900 ansiedelnden Ungarn brachten ein reiches Kunsthandwerk mit. Seit Istvan I. erfolgte der Anschluss an die europäische kulturelle Entwicklung (romanische Kirchen unter anderem in Jak). Die Festigung der Zentralgewalt förderte die hochromanische (Libeny) und schließlich die frühgotische Entwicklung (Esztergom) im 12./13. Jahrhundert, die durch die Zisterzienser weiter begünstigt wurde (Belapatfalva); bedeutende Plastikfunde der Spätgotik auf der Burg von Buda. In den Städten entstanden im 14./15. Jahrhundert Hallen- und Saalkirchen. Durch enge Beziehungen zu Italien setzte unter Matyas I. Corvinus eine frühe Renaissance ein (Burgen, Paläste; Bakocz Kapelle in Esztergom; wertvolle Handschriften, sogenannt Corvinen). Mit der Türkenherrschaft hörte eine selbständige Kunstentwicklung nicht völlig auf. Im Barock zeigte sich zum Teil ein enger Anschluss an Österreich (Palast Esterhazy bei Sopron) mit lebhafter Bautätigkeit vor allem im 18. Jahrhundert. Der Maler A. Manyoki wirkte im Ausland, im Lande selbst Maler unter anderem aus Österreich. Ende des 18. Jahrhundert erfolgte der Übergang zum Klassizismus (Dom von Szombathely). Der nationale Aufschwung in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert rief auch eine beachtliche Kunstentwicklung hervor, sowohl in der Architektur (Kettenbrücke in Budapest) als auch in Malerei (K. Marko) und Plastik (I. Ferenczy). In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert wurde der Realismus stark gefördert (M. Munkacsy, L. Paal). K. Ferenczy, J. Rippl-Ronai, S. Hollosy unter anderem erstrebten eine nationale und soziale Wirkung ihrer Kunst, einige arbeiteten in Malerkolonien (Szolnok, Nagybánya). Die sogenannte Malerschule der Tiefebene (J. Koszta, J. Tomyai), die sich thematisch dem Leben der Landbevölkerung und der kargen Schönheit der Puszta zuwandte, wirkt bis in die Gegenwart. Die Architektur nahm vor allem in Budapest einen bedeutenden Aufschwung. Künstler, die sich zum Proletariat bekannten (die Maler S. Ek und G. Derkovits, Künstlergruppe «Die Acht», Künstlerkreis um die Zeitschrift «MA»), wurden nach 1919 vom Horthy Regime verfolgt. Ungarischer Künstler leisteten in den 20er/30er Jahren bedeutende Beiträge zur proletarisch-revolutionären Kunst (B. Uitz, B. Per unter anderem) wie auch zum Konstruktivismus und zum modernen Bauen (L. Moholy-Nagy, S. Bortnyik, M. Breuer, V. Vasarely unter anderem).

Nach 1945 entwickelte sich zunächst eine Vielzahl unterschiedlicher künstlerischer Strömungen. Jedoch setzte sich, vor allem durch das Schaffen der älteren Künstlergeneration, eine stilistisch weitgefächerte humanistische und sozialistische Kunst durch. Seit Ausgang der 50er Jahre ist eine große Vielfalt an künstlerischen Leistungen besonders in der Plastik und baugebundenen Kunst zu verzeichnen; das Plakat, das moderne Bauschaffen sowie Volkskunsttraditionen werden gepflegt und gefördert.

Literatur: Von der älteren ungarischen Literatur sind nur einige Sagen und Heldenlieder in späteren lateinischen Chroniken erhalten. Mit der Übernahme des Christentums (11. Jahrhundert) begann die lateinische Codex Literatur. Die ältesten Schriftdenkmäler in ungarischer Sprache sind eine Totenrede (um 1200) und eine Marienklage (um 1300). Die hussitische Volksbewegung (Anfang 15. Jahrhundert) regte Bibelübersetzungen an. Die Dichtung des ungarischen Humanismus, noch vorwiegend lateinisch, gipfelte in der Lyrik von J. Pannonius. Durch die Reformation erfolgte ein kultureller Aufschwung, begünstigt durch die Ausbreitung der Buchdruckerkunst. Neben der vollständigen Bibelübersetzung (1590) von G. Karolyi waren die humanistische Lyrik von B. Baiassi, die Prosaschriften von P. Pazmany und das Heldenepos «Zrinyade» von M. Zrinyi Höhepunkte der sich nun in ungarischer Sprache entwickelnden Literatur im 16. und 17. Jahrhundert Nach der Niederwerfung (1711) der von Ferenc II. Ràkóczi gegen die Habsburger geführten Befreiungsbewegung trat die ungarische Sprache wieder in den Hintergrund. Bedeutendster Vertreter der in Ungarn Ende des 18. Jahrhundert einsetzenden und zu einer Spracherneuerung führenden Aufklärung war G. Bessenyei. Ihm folgten die von der Jakobinerbewegung und der Franzos. Revolution beeinflussten Dichtergruppen mit F. Kazinczy, M. Fazekas, J. Karman. Der größte Dichter der ungarischen Aufklärung, M. Csokonai Vitéz, schrieb lyrische Gedichte, D. Berzsenyi Oden. J. Katona schuf 1814 mit «Bànk bàn» das ungarischen Nationaldrama, und F. Kölcsey wurde der Dichter der ungarischen Nationalhymne. Der Romantiker M. Vörösmarty verlieh den freiheitlichen Ideen klassischen Ausdruck. Vertreter des historischen Romans, der in den Vordergrund rückte, waren M. Jósika und J. Eötvös. Mit S. Petöfis volkstümliche-realistische Dichtung, die den Auftakt zur bürgerlich-demokratische Revolution 1848/49 gab, trat die ungarische Literatur in die Weltliteratur ein. Petöfis Freund war der Epiker und Balladendichter J. Arany. I. Madächs Drama «Die Tragödie des Menschen» (1861) gilt als der ungarische «Faust». Durchschlagenden Erfolg für den ungarischen Roman brachten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert die romantischen Werke M. Jókais. Kritisch in seiner Aussage war der Erzähler K. Mikszath. G. Gàrdonyi verhalf dem historischen Roman zu neuem Glanz. In den Werken von Z. Ambrus, S. Bródy, J. Heltai, Gy. Krüdy, F. Molnär hielt das städtliche Milieu Einzug in die Literatur. Geprägt von der Dichtung E. Adys und den Bestrebungen der sich um ihn und die 1908 gegründete humanistische Zeitschrift «Nyugat» (Westen) scharenden Dichter, wie M. Babits, D. Kosztolanyi, A. Teth, Gy. Juhasz, M. Füst, und Schriftstellern, wie Zs. Möricz, M. Kaffka, F. Karinthy, F. Mera, L. Nagy und J. J. Tersanszky, entstand in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert die moderne ungarische Literatur. Beeinflusst vom bürgerl. Radikalismus und sozialistischen Ideen, erhob sie die Forderung nach Unabhängigkeit und demokratischen Umgestaltung Ungarns. Nach der Niederschlagung der proletarischen Revolution 1919 mussten viele sozialistische Schriftsteller, wie B. Illes, B. Balazs, L. Barta, A. Gabor, A. Komjat, A. Hidas, S. Gergely, J. Lengyel und M. Zalka, emigrieren. Eine große Gruppe bildeten in den 30er Jahren die eine Agrardemokratie propagierenden «Volkstümler», wie L. N6meth, Gy. Illyes, P. Veres, P. Szabö, J. Darvas. Jüngere «Arbeiterschriftsteller» waren L. Benjamin, F. Kis und E. Veszi. A. Jozsef, der Dichter des Proletariats, ist der bedeutendste Vertreter der sozialistisch-realistischen ungarischen Literatur. Bedeutende antifaschistische Lyrik schrieb M. Radnoti.

Nach der Zerschlagung des Faschismus 1945 entwickelte sich in Ungarn in allen literarischen Genres ein reges Leben, an dem mit den zurückkehrenden Emigranten auch wieder die in der «inneren Emigration» lebenden, bis dahin von der Zensur verfolgten Autoren teilnahmen. Parallel zu der sich seit dem «Jahr der Wende» 1948 stärker entfaltenden sozialistischen Kulturrevolution wuchs auch die Rolle der ungarischen sozialistischen Literatur. Neben den älteren Schriftstellern meldeten sich auch jüngere mit dem Anspruch auf umfassende künstlerische Gestaltung der neuen gesellschaftlichen Realität. Nach oftmals komplizierten Auseinandersetzungen mit revisionistischen Strömungen Mitte der 50er Jahre fanden viele Schriftsteller zum sozialistischen Realismus, konnte zunehmend von einer ungarischen sozialistischen Literatur gesprochen werden, die, im Bündnis mit allen humanistischen Strömungen, bestrebt ist, Kunde zu geben von dem Bewusstseinswandel, der sich seit der 2. Hälfte der 60er Jahre mit den großen wirtschaftlichen und strukturellen Veränderungen der ungarischen Gesellschaft in den Menschen vollzieht. Namhafte Vertreter der zeitgenössischen ungarischen Literatur sind außer den bereits genannten.

Musik: Die eigentliche Volksmusik (Bauernmusik) in Ungarn wurde erst Anfang des 20. Jahrhundert von B. Bartök und Z. Kodaly als solche erkannt und erforscht. Bis dahin galten dafür die von Zigeunerkapellen gespielten, jedoch auch nicht zur typischen Volksmusik der Zigeuner zählenden Verbunkos (ursprünglich Musik zur Soldatenwerbung), die auch in Werken von F. Liszt und anderen Komponisten als «ungarische» Intonationen zu finden sind. In der echten, bäurischen ungarischen Folklore mischen sich vielfältige Kultureinflüsse; sie reichen von der Pentatonik über modale Melodik bis zu orientalischen Ornamentik. Die erste Blüte der ungarischen Musik im 19. Jahrhundert ist eng mit der Zigeunermusik verbunden. J. Bihari war Zigeuner und Primas eines eigenen Ensembles; ihm wird auch die Komposition des weltbekannten Rakoczi-Marsches zugeschrieben. Zugleich trat der ebenfalls in der Zigeunermusik begründete Csardas seinen Siegeszug an. Begründer der ungarischen Kunstmusik und Organisator des Musiklebens wurde F. Erkel; an Rang wird er übertroffen von F. Liszt, der aber überwiegend im Ausland lebte. 1853 wurde die Philharmonische Gesellschaft, 1875 die Musikakademie, 1884 das Opernhaus gegründet. Am Ende des Jahrhunderts kündeten die Geiger J. Joachim und J. Hubay in aller Welt vom Aufschwung ungarischer Musik. Die Operetten F. Lehars und I. Kalmans wurden weltbekannt. Im 20. Jahrhundert bestimmten die Komponisten B. Bartök und Z. Kodaly durch die Verbindung von Volkslied- und zeitgenössischen Elementen die weitere Musikentwicklung. Im gleichen Sinne wirkten unter anderem P. Kadosa, F. Farkas, L. Weiner, S. Szokolay, A. Bozay. Nach der Befreiung vom Faschismus hat das ungarische Musikleben eine vorher nie gekannte Blüte erlangt. Das von Kodaly entwickelte System der Musikerziehung ist international vorbildlich.

Ungava Bucht: Bucht des Atlantiks, an der Nordküste von Labrador; bis 260 km breit und 280 km lang.

ungesättigte Verbindungen: organisch-chemischen Verbindungen, deren Moleküle mindestens eine Doppel- oder Dreifachbindung zwischen Kohlenstoffatomen enthalten, zum Beispiel die Alkene und Alkine. Die ungesättigten Verbindungen entstehen unter anderem aus gesättigten Verbindungen durch Eliminierungsreaktionen. Ihr ungesättigter Charakter befähigt sie zu Additions- und Polymerisationsreaktionen, so dass sie als chemische-technische Zwischenprodukte von großer Bedeutung sind.

Ungleichflügler, Heteroptera: die Wanzen umfassende Gruppe der Schnabelkerfe mit stark differenzierten Vorder- und Hinterflügeln.

Ungleichung: ein Ausdruck für die Nichtgleichheit oder Ungleichheit zweier reeller Zahlen, Zeichen beziehungsweise < und >; zum Beispiel bestehen die Ungleichung 3 4, 3 < 4, 4 > 3. Für das Rechnen mit Ungleichung gelten unter anderem die folgenden Regeln für reelle Zahlen: Aus a < b folgt a + c < b + c für beliebiges c sowie ac < bc für c > 0 und ac > bc für c < 0. Ist a > 0, so folgt aus a < b die Ungleichung l/a > 1 Ib.

UNICEF, United Nations Children’s Fund, bis 1953 United Nations International Children's Emergency Fund, Internationaler Kinderhilfsfonds der Vereinten Nationen, (Welt-) Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen: Fonds der UN zur Gewährung von dringender Hilfe für Kinder; gegründet 1946; Sitz New York, weiterhin bestehen 9 Regionalbüros ursprünglich zur Unterstützung von Kindern, die unter den Folgen des 2. Weltkrieges schwer zu leiden hatten; später zu einem Hilfsfonds zur Unterstützung vor allem notleidender Kinder in Asien, Afrika und Lateinamerika weiterentwickelt. Die DDR erklärte 1974 ihre Bereitschaft zur Mitarbeit in der UNICEF.

UNIDO, Abkürzung für United Nations Industrial Development Organization, Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung: ursprünglich ökonomisches Organ der UN-Vollversammlung; gegründet 1966; Sitz Wien. Ziel der UNIDO ist es vor allem, die Industrialisierung der Entwicklungsländer zu fördern und zu beschleunigen und dabei besonders die nationalen und internationalen Ressourcen für diese Länder zu mobilisieren. 1985 erfolgte die Umbildung der UNIDO in eine Spezialorganisation der UN. Bisher sind 144 Staaten Mitglied der neuen UNIDO.

uniform: gleich-, einförmig; gleichmäßig.

Uniform: nach einheitlichen Richtlinien hergestellte Dienstkleidung, die die Zugehörigkeit einer Person zu bestimmten Institutionen äußerlich kennzeichnet; zum Beispiel für Eisenbahner, Polizisten, Angehörige der Streitkräfte der Zivilverteidigung.

Unikat: Urschrift; einzige Ausfertigung.

Unikum: nur einmal Vorhandenes, Seltenheit; Sonderling.

Union: 1. allgemein Zusammenschluss, Vereinigung, Verband, Verbindung, Bund.

2. Union, protestantische Union: 1608/21 Bündnis der Protestant. Reichsstände gegen die politische Offensive der Gegenreformation (Liga). Führende Kraft in der Union war die Kurpfalz. Um die Unterstützung der Union gegen die Habsburger zu erlangen, wählten die böhmischen Stände den pfälzischen Kurfürsten 1619 zum König; die Union blieb jedoch im Aufstand dieser Stände gegen die Habsburger neutral.

Union: damit beginnende Sportföderationen - Sportverband.

Unipolarmaschine, Gleichpolmaschine: eine Gleichstrommaschine mit homopolarer (einpoliger) Erregung für niedrige Spannungen und hohe Stromstärken; Anwendung für elektrochemische Anlagen, als Tachogenerator unter anderem

Uniprint-Verfahren: speziell für den Verpackungsdruck geeignetes Tiefdruckverfahren mit einer aus vulkanisiertem Gummi bestehenden Druckform.

unisono: im musikalischen Satz Stimmführung im Einklang; alle Stimmen haben den gleichen Ton, dieselbe Melodie (auch in Oktaven).

unitäre Symmetrie: innere Symmetrie der stark wechselwirkenden Elementarteilchen (Hadronen), die deren Klassifizierung und Gruppierung in Elementarteilchen Multipletts bestimmt. Die zugehörige unitäre Gruppe SU(n) (SU = Abkürzung für special unitary) wird durch die Quantenzahlen der Hadronen erzeugt; einfachste unitäre Symmetrie ist die vom Isospin I erzeugte Symmetrie der Kernkräfte (Ladungssymmetrie), durch Hinzunahme der Hyperladung y ergibt sich die Symmetrie der starken Wechselwirkung, der zufolge das Nukleon und die Hyperonen wie auch die Mesonen je eine Oktett Darstellung aufspannen; die einfachsten Darstellungen der SU(3)-Symmetrie werden jedoch von den drei J Quarks u, d und s (beziehungsweise deren Antiteilchen ü, d und s) aufgespannt, aus denen man alle anderen Darstellungen erzeugen kann (Quarkmodell der Hadronen). Die Hinzunahme weiterer, sogenannt Flavour Quantenzahlen führte zur allgemeinen SUF(n)-Symmetrie (n = 2, 3, 4, 5, ...) oder Flavour Symmetrie. Auch die Farbladungen der Quarks erzeugen eine unitäre Symmetrie die Eichgruppe der starken Wechselwirkung.

Unitarier: Protestant. Gruppen, besonders in England und den USA, die entgegen der Lehre von der Trinität die Einheit Gottes betonen und ein undogmatisch, stark ethisch orientiertes Christentum vertreten.

Unitarismus: Bestreben, innerhalb eines Staatenbundes oder Bundesstaates die Zentralgewalt (-Organe) zu stärken; Tendenz zum Einheitsstaat. Siehe auch Föderalismus.

Unität: Einheit, Einigkeit; Übereinstimmung; Einzigkeit.

United Irishmen: (englisch, «Vereinigte Iren») bürgerlich-revolutionäre Sammlungsbewegung von Katholiken und Protestanten zum Kampf gegen britischer Unterdrückung und für eine irische Republik; 1791 von T. W. Tone gegründet, Hauptkraft des Volksaufstandes von 1798.

United Kingdom: (englisch, «Vereinigtes Königreich») seit 1801 Bezeichnung für den durch den Zwangsanschluss Irlands an Großbritannien entstandenen Staat; seit 1922 amtlich United Kingdom of Great Britain and Ireland, seit 1927 United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland («Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland»).

universal, universell: (die ganze Welt) umfassend; allgemein; gesamt.

Universalien:

1. Philosophie: mittelalterliche Bezeichnung der Allgemeinbegriffe (Mensch, Natur).

2. Sprachwissenschaft: Erscheinungen und Charakteristika, die allen (beziehungsweise bei eingeschränkter Auffassung einer genau umrissenen größeren Gruppe von) natürlichen Sprachen eigen sind.

Universalienstreit: in der Scholastik die Auseinandersetzung über die philosophische, insbesondere erkenntnistheoretische Bedeutung der Allgemeinbegriffe (Universalien). Der Nominalismus sah in den Allgemeinbegriffen nur Namen (nomina) für die Dinge und schrieb ihnen eine Existenz nur in den gesprochenen Worten zu (Roscelin von Compiègne und Abälard in materialistischer Auffassung, später auf subjektividealistischer Grundlage Wilhelm von Ockham); der (Begriffs-) Realismus hielt die Allgemeinbegriffe für bereits vor den Dingen real existierende geistige Wesenheiten (realia; Einfluss von Platons Ideenlehre), die die Dinge zur Existenz bringen (Anselm von Aosta). Die meisten mittelalterlichen Philosophen vertraten einen gemäßigten Standpunkt, den Ibn Sina ausgearbeitet hatte: die Allgemeinbegriffe existieren vor und in den Dingen, werden durch die menschliche Erkenntnis aus den Dingen abstrahiert und existieren auf diese Weise auch nach den Dingen als deren sprachliche Bezeichnungen.

Universalitätsprinzip: Prinzip des Völkerrechts, demzufolge alle Staaten entsprechend dem Grundprinzip der souveränen Gleichheit der Staaten das Recht haben, gleichberechtigt an den internationalen Beziehungen, insbesondere an universellen internationalen Organisationen und an offenen multilateralen Verträgen teilnehmen zu können.

Universaltypenträger: bei Büromaschinen und Druckwerken verwendeter, unterschiedlich gestalteter Körper (zum Beispiel Zylinder, Rad, Prisma, Kette, Kugel), auf dem sämtliche für Klarschrift benötigten Typen vereinigt sind.

Universalzähler, Digitalzähler: Gerät beziehungsweise elektronische Einrichtung zur Messung von Impulszahlen und -zeiten. Hauptbestandteil ist ein elektronischer Impulszähler, der durch eine zusätzliche Steuerlogik in seiner Anwendbarkeit beachtlich erweitert werden kann (zum Beispiel Messung von Einzelimpulsen, Frequenzen, Impulsraten, Schwingungsdauer, Impulsdauer).

universelle Algebra: eine algebraische Struktur, bei der jede zugehörige n-stellige Operation vollständig, das heißt für alle n-Tupel des Trägers der universellen Algebra erklärt ist; zum Beispiel jede Gruppe, jeder Ring, jeder Verband. Auch Bezeichnung für den Teil der Algebra, in dem Eigenschaften beliebiger algebraischer Strukturen untersucht werden.

Universiade: (Kurzwort aus Universität + Olympiade) seit 1959 Bezeichnung der zentral durchgeführten Weltsportspiele der Studenten.

Universität: (dat. Universitas litterarum, «Gesamtheit der Wissenschaften») wissenschaftliche Lehr- und Forschungsstätte des höheren Bildungswesens mit umfassendem Profil, älteste Form der Hochschule; in Europa zumeist im Mittelalter entstanden (zum Beispiel Bologna 1119, Paris 1150, Oxford 1167, Prag 1348, Kraków 1364, Heidelberg 1386, Leipzig 1409). ursprünglich waren die Universitäten gegliedert in eine theologische, juristische, medizinische und Artisten- (später philosophische) Fakultät; seit dem 19. Jahrhundert bildeten sich weitere Fakultäten heraus (naturwissenschaftliche/ staatswissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche, journalistische, pädagogische Fakultät unter anderem). In den sozialistischen Ländern erfolgte die Umgestaltung der Universitäten zu praxisverbundenen Lehr- und Forschungsstätten, die allen befähigten Bürgern des Landes mit Hochschulreife zugänglich sind.

Unken, Bombina: Gattung der Scheibenzüngler mit warziger Rückenhaut, freien Fingern und durch Schwimmhäute verbundenen Zehen; die Drüsensekrete der Haut sind giftig. Unken leben vorwiegend im und am Wasser, die Rotbauchunken (Bombina bombina) in Niederungen Mittel- und Osteuropas, die Gelbbauchunken (Bombina variegata) im Hügelland und Gebirge Mittel- und Südeuropas.

Unkräuter: Pflanzenarten, die unerwünscht in Kulturpflanzenbeständen wachsen und diesen Standraum, Nährstoffe, Licht und Wasser entziehen. Zu den Unkräutern können auch Kulturpflanzen zählen. Nach der überwiegenden Fortpflanzungsweise wird zwischen Samen- u. (zum Beispiel Ackergänsedistel, Ackerhellerkraut, Klatschmohn, Ackerkratzdistel, Hederich, Ackersenf) und Wurzel- u. (zum Beispiel Quecke, Ackerwinde, Efeuehrenpreis, Schachtelhalm) unterschieden, nach ihrem hauptsächlichen Auftreten zwischen Acker- u. und Grünland- u. (zum Beispiel Herbstzeitlose).

unlauterer Wettbewerb: Verstoß gegen die guten Sitten im Wirtschaftsverkehr, das heißt in der DDR gegen die Gebote der sozialistischen Moral und Ethik. Rechtsfolgen sind Unterlassungs- und Schadenersatzansprüche; der internationale Schutz gegen unlautere Wettbewerber ist in der Pariser Verbandsübereinkunft geregelt. Siehe auch Wettbewerbsschutz.

unmagnetischer Stahl: umgangssprachliche Bezeichnung für schwachmagnetische Stahllegierungen niedriger Permeabilität; für inaktive Teile in Maschinen und Geräten zum Vermeiden hoher Wirbelstromverluste und Erwärmung.

Unmöglichkeit der Leistung: Nichterfüllbarkeit der Leistungspflicht eines Schuldners. Wenn nicht der Gläubiger die Unmöglichkeit der Leistung verursacht hat, verliert der Schuldner einen Anspruch auf Gegenleistung; falls der Schuldner für die Unmöglichkeit der Leistung verantwortlich ist, muss er den dadurch verursachten Schaden ersetzen.

unmündig: noch nicht volljährig. Siehe auch Volljährigkeit.

Unpaarhufer, Perissodactyla: im Tertiär formenreiche, jetzt artenarme Tiergruppe mit unterschiedlichen Zehenzahl; die 3. Zehe ist stets am stärksten entwickelt, die Zehen tragen Hornhufe, Schlüsselbein und Gallenblase fehlen. Hierzu gehören Pferde (Einhufer), Nashörner und Tapire.

Unpfändbarkeit, Pfändungsschutz: Ausschluss bestimmter Sachen und Rechte von der Vollstreckung. Eine Pfändung beweglicher Sachen ist unzulässig, wenn sie die Lebenshaltung des Schuldners oder seiner Familie unzumutbar beeinträchtigen oder die Berufsausübung gefährden würde. Rechte dürfen teils nicht (vor allem Persönlichkeits-, zum Beispiel Urheberrechte), teils nur in bestimmtem Umfang (zum Beispiel Arbeitseinkommen) gepfändet werden. Siehe auch Lohnpfändung.

Unruh, Drehschwinger, Federkraftpendel, als zeitbestimmendes Glied (Frequenzgeber) wirkendes, aus Unruhring und Unruhwelle bestehendes Teil des Schwingsystems in Uhren, das beim Ablauf der Uhr nie zur «Ruhe» kommt. Eine gut abgewogene Unruh befindet sich in dynamischen und statischen Gleichgewicht mit dem Schwerpunkt in der Drehachse. Die pendelnde Rechts- und Linksdrehung der angestoßenen Unruh erfolgt durch das Biegemoment der Spiralfeder.

Unruh, Fritz von, 10.5.1885-28.11.1970, Schriftsteller; entwickelte sich während des 1. Weltkrieges zum Pazifisten, trat in den 20er Jahren leidenschaftlich für Völkerverständigung ein; emigrierte 1932, kehrte 1952 in die BRD zurück, ging aber zeitweise wieder ins Ausland. Unruh begann mit Preußendramen («Offiziere», 1912); mit dem visionären Stück «Ein Geschlecht» (1917) schuf er ein Hauptwerk der expressionistischen Dramatik; ferner autobiographischer Roman «Der Sohn des Generals» (1957).

Unruhmotor: zeitbestimmendes Schwingsystem, zum Beispiel Unruh mit Spirale in elektrischen und elektronischen Uhren mit direktem Antrieb. Die Wirkung eines vom Schwinger gesteuerten elektromagnetischen Feldes wird in mechanischer Energie verwandelt.

Unschärfe: Fototechnik undeutliche Abbildung durch falsche Entfernungseinstellung, zu schnelle Objektbewegung, Bewegen der Kamera bei der Aufnahme, Einfluss der Ultraviolettstrahlen in Höhen über etwa 1500 m, beschädigtes Objektiv unter anderem

Unsöld, Albrecht, geboren 20.4.1905, Astronom; wirkte in Kiel; leistete grundlegende Beiträge über quantitative Spektralanalyse der Sterne und zur Theorie der Sternatmosphären.

unständig Beschäftigte: Werktätige in einem Arbeitsrechtsverhältnis, die nicht regelmäßig, sondern nur bei Bedarf oder nach Wunsch beschäftigt sind.

Unstrut: linker Nebenfluss der Saale; 192 km; entspringt im oberen Eichsfeld, durchfließt in breitem Tal das Thüringer Becken (Engtaldurchbruch zwischen Hainleite und Schmücke (Sachsenburger Pforte)) und mündet bei Naumburg; Weinbau am Unterlauf (Zentrum Freyburg); Rückhaltebecken bei Straußfurt (9 km2, Stauraum 19,2 Millionen m3).

Unterägypten: Bezeichnung für das Nildelta unterhalb Kairos.

Unterbau:

1. Forstwirtschaft: Anbau von Schattholzarten unter einem 30- bis 70jährigen Bestand von Lichtholzarten; er dient der Boden- und Schaftpflege, produziert zusätzlich Holz und erhöht die Ertragssicherheit.

2. Geologie: der während einer Tektogenese gefaltete, metamorphosierte und mit Magmatiten durchsetzte Untergrund, auf dem später jüngere Gesteine abgelagert werden (Deckgebirge, Oberbau).

3. Straßenbau: unterste Lage einer Straßenbefestigung, die die Kräfte aus der Fahrbahndecke aufnehmen und sie auf das Planum verteilen muss. Die Ausführung ist abhängig vom Untergrund und der Beanspruchung.

Unterbewusstsein: veraltete Bezeichnung für Unbewusstes; in der Psychologie meist mit idealistischen Positionen verbunden.

Unterboden: zwischen Oberboden und Untergrund liegender Bereich des Bodens; siehe auch B-Horizont.

Unterbrecher: Vorrichtung zum periodischen Öffnen und Schließen eines elektrischen Stromkreises und damit zum Erzeugen periodischer Stromimpulse. Unterschieden werden selbsterregte Unterbrecher (Selbst- u.), zum Beispiel Wagnerscher Hammer, Wehnelt- u., von fremderregten Unterbrecher, bei denen die Zahl der Unterbrechungen von außen angeregt wird, zum Beispiel Stimmgabel- u., Zünd- u.

Unterbrechung: Recht endgültige Beendigung des weiteren Ablaufens einer Frist durch ihren Neubeginn, zum Beispiel wenn eine Teilzahlung auf eine Geldforderung erfolgte. Siehe auch Hemmung 3.

Unterbringung in psychiatrischer Einrichtung:

1. ärztliche Maßnahme zur Unterbringung insbesondere psychisch Kranker in speziellen stationären Einrichtungen mit Einverständnis des Kranken beziehungsweise dessen gesetzlichen Vertreters, in bestimmten gesetzlich geregelten Fällen auch gegen deren Willen.

2. Maßnahme im Strafverfahren

a) wenn der Täter zur Zeit der Tat zurechnungsunfähig oder vermindert zurechnungsfähig war;

b) zur Vorbereitung eines Gutachtens über den Geisteszustand des Beschuldigten oder Angeklagten.

Unterbringungsvertrag: Vertrag über entgeltliche Unterbringung in Hotels, Pensionen oder Fremdenzimmern. Mangelhafte Unterbringung berechtigt zu Ersatz- oder Preisminderungsanspruch, unter Umständen zum Rücktritt vom Vertrag. Hotels, Erholungsheime unter anderem haften für Verlust oder Beschädigung eingebrachter Sachen, ausgenommen bei unabwendbarem Ereignis, für Geld und Wertsachen jedoch nur bis zu 1000 M, wenn diese nicht gesondert zur Aufbewahrung übergeben wurden.

Unterbühne: Raum unter dem Bühnenboden eines Theaters, der die Untermaschinerie enthält (Versenkpodien, Antriebsmechanismen, Dampfvorrichtungen für szenische Effekte unter anderem).

Unterdecke: nicht belast- und begehbare abgehängte Decke aus Drahtputz, Gipsfertigteilen unter anderem. Als Akustikdecke dient sie der Schalldämmung; bei der Lüftungsdecke dient der Raum bis zur Rohdecke als Druckkammer; die Heizungsdecke wirkt als Wärmestrahler; die Lichtdecke dient zur blendungsfreien und diffusen Beleuchtung; eine Feuerschutzdecke erhöht den Feuerwiderstand von Rohdecken.

Unterernährung: Folge einer mengenmäßig oder in ihrer Zusammensetzung unzureichenden Nährstoffaufnahme; führt bei längerer Dauer zu Abmagerung, Mangelkrankheiten und erhöhter Infektionsgefährdung.

Unterflurmotor: Verbrennungsmotor flacher Bauart mit horizontal in Reihe angeordneten Zylindern, der aus Platzersparnis, insbesondere beim Autobus, unter der Bodenplatte (Unterflur) angeordnet ist. Dadurch wird im Kfz eine optimale Raumausnutzung erreicht.

Untergang: Astronomie das Verschwinden eines Gestirns unter dem Horizont.

Untergrund:

1. Bautechnik: tiefliegende Lockergesteinsschichten unter Fundamenten, die infolge der Last- und Druckverteilung durch die Bauwerksauflast noch beansprucht sind und je nach ihrem geologischen Aufbau und ihrer Beschaffenheit auf das Bauwerk zurückwirken. Die Schichten des Untergrunds sind besonders bei großem Auflasten und bei dynamischer Beanspruchung (Erschütterungen) bei der Projektierung der Gründung zu beachten.

2. Bodenkunde: Ausgangsmaterial, das nicht von der Bodenbildung erfasst wurde.

Untergrundbahn, Kurzwort U-Bahn: elektrisch betriebene Stadtbahn für den Nahverkehr in Großstädten; ausgeführt als Unterpflasterbahn (Gleisanlage bis etwa 15 m unter der Erdoberfläche, offene Bauweise, zum Beispiel Berlin) oder Tiefbahn (Gleisanlage bis etwa 50 m unter der Erdoberfläche, zum Beispiel Moskau) und streckenweise niveaugleich (zum Beispiel Budapest); maximale Reisegeschwindigkeit etwa 40 km/h. Siehe auch Metro.

Unterhaltung: kurzweilige, spannungsreiche und genussbereitende Erlebnisse durch Kunst, Journalismus, Sport, Spiel und andere Freizeittätigkeiten, die Entspannung, Lebensfreude und Geselligkeit bewirken. In Ausbeutergesellschaften, insbesondere im Kapitalismus, wird die soziale Funktion der Unterhaltung entstellt und für die Manipulierung der Massen im Dienste der herrschenden Klasse missbraucht. Die sozialistische Gesellschaft hingegen ist um die Entwicklung einer der sozialistischen Kultur und Lebensweise gemäße Unterhaltung bemüht; sie orientiert auf eine von Erkenntnis, ethischen und ästhetischen Werten getragene Unterhaltung in vielfältigen, interessanten Formen.

Unterhaltungselektronik: umgangssprachliche Bezeichnung für elektronische Geräte und Zusatzeinrichtungen zum Aufzeichnen und beziehungsweise oder zur Wiedergabe von Rundfunk- und Fernsehsendungen. Zur Unterhaltungselektronik gehören unter anderem Rundfunk-, Fernsehempfänger, Kassetten-, Videorecorder, Bildschirmspiele, Magnettongeräte, Plattenspieler, Stereoanlagen.

Unterhaltungskultur: Formen, Funktionen, sozialer Gebrauch und Entwicklungsniveau von Unterhaltung in historischen Gesellschaften, sozialen Strukturen und lokalen Gemeinschaften; umfasst neben elementaren, tradierten Formen von Geselligkeit, Spiel und Unterhaltung im Leben des Volkes spezifische Angebote unter anderem von Industrie, Handel, kulturellen Institutionen, Massenmedien, Sport. In kapitalistischen Industrieländern werden diese Funktionen von einer profitbringenden und systemstabilisierenden Kulturindustrie, Massenmedien und privat betriebenen Entertainments erfüllt. Unterhaltungskultur im Sozialismus wird bewusst und spontan entwickelt, woran unter anderem auch die Betriebe, Gemeinden und gesellschaftlichen Organisationen großen Anteil haben.

Unterhaltungskunst: kulturpolitischer Begriff für jene Formen künstlerische Produktion und Kommunikation, die direkt und unmittelbar die Unterhaltung und das Vergnügen der Rezipienten anstreben; in der DDR vorrangig in zwei Formen entwickelt:

a) als Medienunterhaltung in Fernsehen und Hörfunk;

b) als weitgefächertes Veranstaltungswesen. Unterhaltungskunst als massenwirksamste Form sozialistischer Kunst ist eine dynamische, an Breite, Vielfalt und Qualität gewinnende Entwicklungsform der künstlerischen Kultur im Sozialismus. Neben der professionellen Unterhaltungskunst gibt es einen breiten nichtprofessionellen Bereich. Zu professionellen Entwicklungsformen von Unterhaltungskunst gehören in der DDR die Artistik und die Zirkuskunst, die Chanson- und Liedermacherszene, das Kabarett, die populäre Musik, der populäre Tanz, die Wortkunst und die Zauberkunst. Unterhaltungskunst umfasst neben diesem spezifischen künstlerischen Genre auch das technisches und organisatorisches Instrumentarium ihrer Produktion und Verbreitung sowie die Formen der visuellen Darbietung. Mehr als bei anderen Künsten wirken technischen Fortschritt und internationale künstlerische Trends unmittelbar auf die nationale Unterhaltungskunst, bedürfen der kritischen Bewertung und schöpferische Adaption.

Unterhaltungsliteratur: allgemein gebräuchliche Bezeichnung für (stärker) an Unterhaltungsbedürfnissen orientierte Literatur, im Allgemeinen leicht rezipierbar und (oft) massenhaft verbreitet; ist im Gegensatz zur Trivialliteratur ausgeprägter dem Realismus verbunden und besitzt gewisse künstlerische Qualität, die sich aus spezifische Ansprüchen ergibt, die an Unterhaltungsliteratur gestellt werden; Genres und Formen sind unter anderem Abenteuer-, Kriminal-, phantastische und Tatsachenroman beziehungsweise Erzählung, Kurzgeschichte, Skizze, Bildgeschichte (Comics). Der Begriff Unterhaltungsliteratur ist in der Literaturwissenschaft umstritten.

Unterhaltungsmusik: im 19. Jahrhundert aufgekommene unscharfe Bezeichnung für Musikstücke verschiedenster Art, deren Gemeinsamkeit lediglich darin besteht, dass sie als Hintergrund für andere Tätigkeiten wie Essen, Gespräche, Hausarbeit, Geselligkeit und so weiter geeignet sind. Im 19. Jahrhundert wurden für einige dieser außermusikalische Zwecke geeignete Musikstücke geschrieben beziehungsweise vorhandene dafür bearbeitet; es entstand die Kaffeehaus- und die Salonmusik. Mit der allgemeinen Durchsetzung der Massenmedien verlor dieser Begriff seinen spezifischen Sinn, da hier faktisch jede Musik Unterhaltungsmusik sein kann.

Unterhaus: die Zweite Kammer vieler bürgerlicher Parlamente, speziell in Großbritannien das House of Commons.

Unterholz: unterständige Baum- und Strauchschicht in Hochwaldbeständen.

Unteritalien: Südteil der Apenninhalbinsel mit den Regionen Kampanien, Apulien, Basilicata, Kalabrien; 58015 km2, 12,3 Millionen Einwohner; 212 Einwohner/km2; überwiegend Berg- und Hügelland (Südliche Apennin); in der Entwicklung stark vernachlässigtes Gebiet; hauptsächlich Landwirtschaft, trotz beginnender Industrialisierung äußerst niedriges Prokopfeinkommen; starke Landflucht und Abwanderung.

Unterkonsumtion: Mangel an Nahrungsmitteln als Folge unentwickelter Produktion, von Naturkatastrophen, Kriegen, Epidemien, kolonialer Ausplünderung und ihren Nachwirkungen u. ä., der die Bevölkerung zu Hunger verdammt. Im Kapitalismus das Zurückbleiben der Konsumtion hinter den Möglichkeiten der Produktion; Ergebnis der Unterordnung der Wirtschaft unter die Verwertungsinteressen des Kapitals und der daraus resultierenden Überproduktion von Kapital.

Unterkühlung: Abkühlung einer Flüssigkeit oder Schmelze unter ihren normalen Erstarrungspunkt beziehungsweise eines Dampfes unter seinen normalen Kondensationspunkt. Die entstehenden Zustände sind labil und schlagen beim Erschüttern beziehungsweise Einbringen geeigneter Keime in den zur herrschenden Temperatur gehörenden Zustand um.

Unterlage: bei veredelten Pflanzen die Wurzel und zuweilen der Stamm.

Unterlassungsklage: Klage im Zivilprozess, die sich darauf richtet, dem Verklagten durch Urteil die Vornahme bestimmter Handlungen zu untersagen, zum Beispiel die Benutzung fremden Eigentums.

Untermalung: bei Tempera- oder Ölgemälden der erste Farbauftrag auf dem grundierten Malgrund, der entweder das ganze Bild gleichmäßig bedeckt (zur Verhinderung von Rissbildungen oder um das Bild auf eine Farbstimmung festzulegen) oder bereits malerisch gestaltend die Grundformen der Komposition angibt.

Untermietverhältnis: Vertrag über die Weitervermietung eines Teils einer Wohnung durch den Mieter (Hauptmieter) an einen Dritten (Untermieter). Es besteht mit bestimmten Ausnahmen Kündigungsschutz für den Untermieter.

Unternehmer: der Kapitaleigentum und Kapitalfunktion in sich vereinigt, das heißt, der das ihm gehörende Unternehmen selbst oder mit leitet und dadurch sowohl dessen Eigentümer als auch Leiter ist.

Unternehmerverbände: Vereinigungen von Unternehmern zur Durchsetzung ihrer Klasseninteressen; wichtige Bindeglieder zum staatlichen Machtapparat.

Unterputzinstallation: Elektroinstallation mit unter Putz in Installationsrohren verlegten Leitungen sowie Unterputzsteckdosen und -Schaltern; wegen hohen Aufwandes weitgehend durch andere Installationssysteme abgelöst.

Unterricht: organisierte gemeinsame systematische Tätigkeit von Lehrenden, die Kenntnisse und Können vermitteln, den Lern- und Erziehungsprozess lenken und durch ihr Vorbild die Herausbildung von Überzeugungen fördern, und Lernenden, die sich Wissen und Können sowie stabile Bewusstseins- und Verhaltenseigenschaften aneignen, ihr Erkenntnisvermögen entwickeln und ihre Weltanschauung ausbilden. Der erzieherische Charakter des Unterricht, der Hauptform der Bildung und Erziehung der heranwachsenden Generation, wird durch die jeweilige Gesellschaft geprägt. Der Unterricht in der sozialistischen Schule dient der kommunistischen Erziehung; er beruht auf verbindlichen wissenschaftlichen fundierten Lehrplänen und fördert die aktive, bewusste und schöpferischer Mitarbeit der Schüler.

Unterrichtshilfen: fachliche und methodische Hinweise für den Lehrer zur schöpferischen Umsetzung der verbindlichen Lehrplananforderungen.

Unterrichtsmethoden: Muster für die Unterrichtsführung durch den Lehrer; zu unterscheiden sind Unterrichtsmethoden der Darbietung durch den Lehrenden, der Erarbeitung durch die Schüler unter Anleitung des Lehrers und der Aufgabenstellung zur selbständigen Lerntätigkeit der Schüler.

Unterrichtsmittel: von Lehrern und Schülern im Unterricht zur Realisierung der Lehrplananforderungen benötigte materielle Mittel. Zu den Unterrichtsmitteln gehören allgemeine Ausstattungsgegenstände (Schulmöbel, Tafeln, Projektoren, Experimentiergeräte unter anderem) und fachspezifische Lehr- und Lernmittel (originale Gegenstände, Nachbildungen, Darstellungen in Bild, Ton, Wort, Schrift unter anderem).

Untersaat: Kulturpflanzen, zum Beispiel Rotklee, die als Zwischen- oder Nachfrucht in eine Hauptfrucht (zum Beispiel Roggen) eingesät werden.

Unterschenkelgeschwür, Ulcus cruris: Hautentzündung mit Substanzverlust im Bereich des Unterschenkels, besonders bei Krampfadern; schlechte Heilungstendenz infolge überwiegend venös bedingter Blutumlaufstörungen.

sozialer Unterschied, wesentliche, gesellschaftlich bedingte Verschiedenheit gesellschaftlicher Gruppen in historischen-konkreten Stadien der gesellschaftlichen Entwicklung zwischen Urgesellschaft und Kommunismus im eigentlichen Sinn; soziale Unterschiede der Stellung in der gesellschaftlichen Produktion, der Art und Höhe des Einkommens, des Besitzes, der Arbeits- und Lebensbedingungen äußern sich hier als soziale Gegensätze; auch die sozialen Unterschiede der Berufs-, Qualifikations- und Bildungsgruppen, zwischen Stadt und Land, Männern und Frauen sowie zwischen verschiedenen territorialen und ethnischen Gruppen haben hier einen Klasseninhalt. In der sozialistischen Gesellschaft, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen für immer beseitigt ist, sind die sozialen Unterschiede frei von Antagonismen. Sie beruhen vor allem auf dem jeweiligen Entwicklungsniveau der Produktivkräfte. Der allmähliche Abbau der sozialen Unterschiede bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, die soziale Annäherung der Klassen und Schichten ist ein historisch gesetzmäßiger, langwieriger Prozess. Er «wird mit der Vervollkommnung der sozialistischen Produktionsverhältnisse, der Höherentwicklung der Produktivkräfte in Stadt und Land, der Vervollkommnung der sozialistischen Demokratie, der Hebung des Bildungsniveaus, mit der Zunahme der geistigen Arbeit im Reproduktionsprozess und der weiteren Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen voranschreiten.» (Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands).

Unterschied zwischen geistiger und körperlicher Arbeit: unterschiedliche Verausgabung von Arbeitskraft hinsichtlich der Inanspruchnahme der geistigen beziehungsweise physischer Fähigkeiten des Menschen im Arbeitsprozess. Geistige und körperliche Arbeit sind 2 untrennbar miteinander verbundene Momente der gesellschaftlichen Arbeit, die sich im historischen Prozess der gesellschaftlichen Teilung der Arbeit verselbständigen und in antagonistischen Klassengesellschaften zu einem sozialen Gegensatz entwickeln. Die körperliche Arbeit wurde nahezu ausschließlich von den ausgebeuteten Klassen geleistet, während die geistige Arbeit das Privileg der Ausbeuterklassen und der Intelligenz wurde, die in ihrer Mehrheit den Ausbeutern diente. Der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit erreicht im Kapitalismus seinen Höhepunkt. Im Sozialismus wird dieser Gegensatz (Antagonismus) auf der Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln beseitigt. Es bleiben jedoch Unterschied zwischen geistiger und körperlicher Arbeit bestehen, die sich aus dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der Arbeitsteilung objektiv ergeben.

Unterschied zwischen Stadt und Land: die Gesamtheit der sich sozial differenzierend äußernden und auswirkenden Unterschiede zwischen Stadt und Land im Niveau der maschinellen Großproduktion, der Mechanisierung, der Ausstattung der Arbeitskräfte mit Produktionsmitteln, der Arbeitsteilung, der Organisation der Produktion, des Inhalts und Charakters der Arbeit, der Arbeitszeitgestaltung zwischen Industrie und Landwirtschaft; die sozialen Unterschiede, die in den Eigentums- und Klassenverhältnissen begründet sind und in der Sozialstruktur der Bevölkerung zwischen beiden Bereichen bestehen; die Unterschiede in den Lebensbedingungen und im Lebensniveau der Werktätigen von Stadt und Land. Der in den antagonistischen Klassengesellschaften existierende Gegensatz zwischen Stadt und Land wird mit der sozialistischen Revolution aufgehoben. Mit der Entwicklung des genossenschaftlich-sozialistischen Eigentums und der umfassenden Intensivierung werden bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft die wesentlichen Unterschiede allmählich überwunden. Zu den dauerhaften Unterschieden (Eigenheiten), die nicht Bestandteil der wesentlichen Unterschiede sind, gehören die flächenmäßige Ausdehnung der landwirtschaftlichen Produktion, ihre Saisonbedingtheit, Witterungsabhängigkeit unter anderem.

Unterschlagung: überholte Bezeichnung für Diebstahl, der durch Aneignung einer im fremden Eigentum stehenden Sache begangen wird, die sich im Besitz des Täters befindet.

Unterseebot, Kurzwort U-Boot: Über- und Unterwasserfahrzeug für militärische und Forschungszwecke. Kampfboote sind mit Raketen- und Torpedowaffen (auch Minenlegeeinrichtungen) ausgerüstet. Der Antrieb erfolgt durch Dieselmotoren oder Gasturbinen, bei Unterwasserfahrt durch Elektromotoren, die aus Akkumulatoren gespeist werden (Schnorchel). Zunehmend werden Unterseebote mit einem Kernreaktor zur Wärmeerzeugung sowie mit Dampfkessel und -turbine ausgerüstet (Kern- oder Atomunterseebot). Unterseebote tauchen durch Fluten der seitlichen Tauchtanks (um 400 m) und tauchen auf durch deren Entleerung mittels Druckluft, beides mit Unterstützung der Tiefenruder (Ruder). Kernkraftgetriebene Unterwasserschiffe verfügen über hohe Geschwindigkeit und theoretisch unbegrenzten Aktionsradius.

Unterstand: in den Erdboden eingebaute Schutzanlage mit einer Decke von 1,5 bis 3 m Stärke aus Holz, Beton, Metall und Erde, die Menschen und Kampftechnik Schutz gegen Feuermittel des Gegners bieten. Unterstand können auch aus Betonfertigteilen geschaffen und kampfstoffsicher eingerichtet werden.

Unterströmung, Konvektionsströmung: vertikal und horizontal gerichtete Strömung in den zähplastischen Magmenzonen unterhalb der Erdkruste. Unterströmung bewirken nach einer 1906 von dem österreichischen Geologen O. Ampferer entwickelten Theorie tektonischer Vorgänge in der Erdkruste.

Untertagevergasung: Energiegewinnung aus nicht abbauwürdigen Kohlenflözen. Das Vergasungsmittel wird durch ein Bohrloch eingeleitet und wirkt auf die freigelegte Kohle ein. Das entstehende Gas wird durch ein zweites Bohrloch abgesaugt.

Unterwalden: einer der 3 schweizerischer Urkantone; in der mittleren Schweiz, südlich vom Vierwaldstätter See bis zum Brünigpass; bestehend aus den Halbkantonen Obwalden (491km2, 26900 Einwohner; 55 Einwohner/km2; Hauptort Samen (7600 Einwohner)) und Nidwalden (276 km3, 29800 Einwohner; 108 Einwohner/km!; Hauptort Stans (5 600 Einwohner, Flugzeugwerke)); Kalk-, Gips, Zementgewinnung, Glashütte, Holz- und Lederindustrie; Wasserkraftwerk; Almwirtschaft, Obstbau; Fremdenverkehr.

Unterwasserbehandlung: Verfahren der Hydrotherapie mit Bewegungsübungen (Unterwassergymnastik) und Massagen mit den Händen (Unterwassermassage,) oder mit einem Wasserdruckstrahl (1 bis 3 at; Unterwasserdruckstrahlbehandlung) im warmen Vollbad. Durch die Auftriebskraft des Wassers wird die Überwindung auch erhebliche Einschränkungen der Beweglichkeit, zum Beispiel infolge Gelenkversteifung oder Muskelverspannung, erleichtert.

Unterwasserfahrzeug, Unterseefahrzeug: Schiff oder Boot, das sich unter Wasser fortbewegen kann, im Unterschied zum Beispiel zum Unterwasserlaboratorium. Die meisten bisher entwickelten Unterwasserfahrzeuge sind Tauchboote, das heißt, sie fahren nur zeitweilig unter Wasser. Hierzu gehören außer den Unterseebooten mit herkömmlichen Antrieb zahlreiche von einem Mutterschiff aus eingesetzte Unterwasserfahrzeug zur Fischereiforschung und Fischerkundung, zur ozeanographischen Forschung unter anderem; im weiteren Sinne zählen zu den Unterwasserfahrzeug auch die Tauchgeräte vom Prinzip Bathyskaph oder Bathysphäre.

Unterwasserfotografie: zu wissenschaftlichen Zwecken, aber auch von Sporttauchern als Hobby ausgeübtes Spezialgebiet der Fotografie. Es werden gewöhnlich Kameras in wasserdichten Unterwassergehäusen oder Unterwasserkameras verwendet.

Unterwasserkamera: speziell zur Unterwasserfotografie gebaute wasserdichte und druckfeste Kamera, die im Allgemeinen Verschlussauslösung, Filmtransport, Entfernungs- und Blendeneinstellung sowie den Anschluss eines Unterwasserblitzgerätes gestattet.

Unterwasserlaboratorium: metallener, druckfester, mit Atemgas versorgter und beheizter Hohlzylinder mit Schlafkabine, Aufenthalts- und Arbeitsraum, Küche, Dusche, Toilette sowie Ausstiegsschacht für eine Besatzung bis etwa 5 Mann, der auf dem Grund stehender Gewässer verankert oder aufgestellt wird. Ein Ausstiegsschacht ermöglicht Exkursionen, Experimente unter anderem

Unterwasserpumpe: Spezialpumpe mit einer direkten Kopplung von elektrischen Antriebsmotor und Kreiselpumpe in wasserdichter Blockausführung; dient zur Förderung von Wasser aus Tiefbrunnen. Die Unterwasserpumpe wird unterhalb des Wasserspiegels abgesenkt und hängt mit senkrechter Achse frei an der Saugleitung.

Unterwelt: Aufenthaltsort der Verstorbenen unter der Erde; im antiken Mythos von verschiedenen Vorstellungen geprägt, Hades (römisch Orkus) bezeichnet die Unterwelt als finsteres Reich der Toten sowie deren Beherrscher, Tartaros war der Strafort (unter anderem für Danaiden, Sisyphus, Tantalus), die elysischen Gefilde waren Ort ewiger Glückseligkeit. Siehe auch Acheron, Charon, Styx, Zerberus.

Unterwolle: dichtes und weiches Haarkleid bei Pelzfellen aus meist gewellten, feinen und seidigen Wollhaaren, wird von dem darüber hinausragenden Grannenhaar überdeckt.

Unterzug: Träger, der die Last einer Wand, Decke oder Balkenlage über einer Raumöffnung aufnimmt und über Auflager auf Stützen oder Wände überträgt.

Untreue: Strafrecht Missbrauch von gesetzlich oder vertraglich eingeräumten Befugnissen zur Wahrnehmung von Vermögensinteressen persönlichen oder privaten Eigentums, der einen Schaden des angegriffenen Eigentums und einen rechtswidrigen Vermögensvorteil für den Täter oder andere bewirkt; strafbar.

Untugend: bei Tieren auftretende Abweichung vom Normalverhalten, die zu Leistungsminderung und gesundheitlichen Schäden führen kann; zum Beispiel das Selbstaussaugen der Milch, das Koppen beziehungsweise Krippensetzen (Luftschlucken), das Leinefangen oder -weben beim Pferd sowie das Feder- und Eierfressen beim Geflügel.

Ununterscheidbarkeit: Eigenschaft von 2 oder mehr Mikroteilchen mit völlig gleichen Eigenschaften (sogenannt identische Teilchen), zum Beispiel Elektronen, in unterschiedlichen Raumpunkten prinzipiell nicht zusätzlich markierbar und damit unterscheidbar zu sein. Statistische Gesamtheiten identischer Teilchen gehorchen deshalb der Quantenstatistik.

Unverträglichkeit: im Obstbau eine bei der Veredlung zuweilen auftretende Erscheinung, dass die Veredlungspartner keine lebensfähige Gemeinschaft bilden.

unverzüglich: Recht ohne schuldhaftes beziehungsweise zu verantwortendes Zögern (handeln).

Unze: alte Masseeinheit zwischen 28 und 100 g, meist um 30 g (siehe auch Apothekergewichte). Für Edelmetalle gilt 1 Unze = 1 troy ounce = 31,103 g.

Unziale: aus der römischen Capitalis (Kapitalschrift) im 3. Jahrhundert entstandene, zu den runden Schriften gezählte Schriftgattung mit Breitfedercharakter. Im 6. Jahrhundert entstand aus der Unziale als erste Minuskelschrift die Halb- u.

Upanishaden: (Sanskrit; Sing. Upanishad) altindische religiös-philosophische Texte. Mit den ältesten Upanishaden (etwa 7. Jahrhundert vor Christus) begann in Indien philosophisches Denken (Uddalaka Aruni, Yajnavalkya).

Updike, John, geboren 18.3.1932, US-amerikanischer Schriftsteller; Hauptthema seiner zahlreichen stilistisch ausgefeilten Romane («Hasenherz», 1960; «Der Zentaur», 1963; «Bessere Verhältnisse», 1982, alle deutsch) und Erzählungen («Der weite Weg zu zweit», 1979, deutsch) ist die Suche von Angehörigen des amerikanischen Mittelstandes nach Erfolg und erfülltem Leben.

Uperisation, (dat., Kunstwort für Ultrapasteurisation) Ultrahocherhitzung: Sterilisationsverfahren für Milch, bei dem die auf 75 bis 80°C vorgewärmte Milch durch Dampfinjektion innerhalb 1 s auf 150 bis 170 °C aufgeheizt, knapp 1 s bei dieser Temperatur belassen und anschließend durch bei der Druckentspannung verdampfendes Wasser auf 80°C rückgekühlt wird. Nach weiterer Kühlung und steriler Abfüllung ist die sogenannte H-Milch, die Rohmilcheigenschaften aufweist, 6 Wochen bei 18 °C lagerfähig.

Upits, Andrejs, 4.12.1877-17.11.1970, lettisch-sowjetischer Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer; schrieb Romane, die für die Entwicklung des sozialistischen Realismus Bedeutung erlangten, so den Zyklus über die Familie Robezniek (1909/45) und. den Gesellschaftsroman «Grünes Land» (1945), ferner Dramen, Erzählungen und Essays.

Upolu: zweitgrößte der Samoainseln im Stillen Ozean (Polynesien) und eine der Hauptinseln des Staates Westsamoa; mit Nebeninseln 1118 km2, 115000 Einwohner; 103 Einwohner/km!; korallenumsäumte, zum Teil bewaldete und überwiegend gebirgige Vulkaninsel, bis 1100 m hoch (Mount Fito) Ackerbau, Viehzucht, Fischerei; Holzgewinnung. Auf Upolu liegt die Hauptstadt Westsamoas, Apia.

Uppdal, Kristofer, 19.2.1878-26.ll.1961, norwegischer Schriftsteller, Journalist und Gewerkschaftsfunktionär; verfasste das l0-bändige Romanepos «Der Tanz durchs Schattenreich» (1911/24), in dem er meisterhaft realistisch die Formierung der norwegischen Arbeiterklasse gestaltet; schrieb auch Gedichte.

Upper ten, Upper ten thousand: die oberen Zehntausend; die herrschende Oberschicht eines Landes.

Uppsala: Stadt im mittleren Schweden, Verwaltungszentrum der Provinz Uppsala, nordwestlich von Stockholm; 150000 Einwohner; polygraphische, pharmazeutische, Schuh- und Textilindustrie; Bau von Fahr- und Motorrädern; Bildungszentrum mit Universität (seit 1477), Hochschulen und Bibliotheken (Handschriften, unter anderem Codex argenteus); Dom (Anfänge 13. Jahrhundert), Schloss (16. Jahrhundert). Im frühen Mittelalter war Alt- u. eine Kultstätte des Stammes der Svear; 1164 wurde Uppsala Erzbistum für Schweden.

up to date: zeitgemäß, auf dem laufenden, auf der Höhe.

Ur: altsumerischer Stadtstaat, der bereits in der 1. Hälfte des 3. Jahrtausend vor Christus das größte Handelszentrum Südmesopotamiens darstellte; zeitweilig politisches Zentrum Sumers. Ausgrabungen 1853 (J. G. Taylor) und 1919/34 (C. L. Woolley) erbrachten Funde, die bis zur Mitte des 3. Jahrtausend vor Christus zurückreichen (frühdynastische Königsgräber).

Urabi Pascha, Ahmad, 1839-21.9.1911, ägyptischer Offizier; Sohn eines Fellachen; Führer der ersten ägyptischen nationalrevolutionären Befreiungsbewegung und der Volkserhebung 1879/82, Befehlshaber der ersten ägyptischen Nationalarmee. Nach dem Sieg der britischen Okkupationstruppen 1882 Verbannung nach Ceylon (Sri Lanka), 1904 Rückkehr nach Ägypten.

Ural: 1. Fluss, im südlichen Ural (Ural) und in der Kaspi Niederung; 2428 km; entspringt dem Uraltau, mündet unterhalb Gurjew mit 2 Armen in das Kaspische Meer; wichtigste Nebenflüsse sind Or und Ilek von links und Sakmara von rechts; ab Uralsk schiffbar; fischreich; Stauseen bei Magnitogorsk und Iriklinski (Wasserkraftwerk).

2. Gebirgssystem im Osten des europäischen Teils, das die Osteuropäische von der Westsibirischen Ebene trennt; Nord-Süd-Erstreckung etwa 2000 km, Breite bis 150 km; bis 1895 m (Narodnaja) hoch; paläozoisches Rumpfgebirge, das aus mehreren, fast méridional verlaufenden Kämmen besteht; nach Westen sanfte Abdachung, nach Osten steilerer Abfall zur Westsibirischen Ebene; längs des Ost Fußes des Gebirges verläuft die Grenze zwischen Europa und Asien. Von Norden nach Süden gliedert sich der Ural in Polaren, Subpolaren, Nördliche oder Nord-, Mittleren und südlichen oder Süd- u. (bis 1640 m (Jamantau)), der in die Mugodsharen ausläuft. Der Ural ist Quellgebiet zahlreicher Flüsse und größtenteils waldbedeckt; im Norden Tundra, im südlichen Ural sind Waldsteppe und Steppe (heute wichtiges Agrargebiet) vorherrschend; mehrere Nationalparks. Der Ural ist reich an Bodenschätzen, besonders an Eisen-, Buntmetallerzen, Edelmetallen, Bauxit, Asbest (Kijembai), Stein- und Kalisalzen, Erdöl und Erdgas (Orenburg) und Diamanten. Auf deren Grundlage und der der Elektroenergie von den Wolga- und Kama-Wasserkraftwerken und den Wärmekraftwerken von Ekibastus, der Kohle vom Karaganda- und Kusnezkbecken und der Eisenerze von Kustanai sowie des durch Fernleitungen (von Sibirien, Kasachstan und vom Wolga- u. Gebiet) zugeführten Erdöls und -gases entwickelten sich Eisen- und Buntmetallurgie (Unionszentrum), Schwermaschinenbau und chemische Industrie; Industriezentren sind Magnitogorsk, Tscheljabinsk, Nischni Tagil, Swerdlowsk, Ufa, Orenburg, Perm und Serow. Siehe auch Ural-Wirtschaftsbezirk.

uralische Sprachen: die finnougrische und die Nenzen- (samojedische) Sprachen; die gemeinsame Ursprache geht auf das Ur-Uralische zurück (etwa 4000 vor Christus).

Uralsk: Stadt (Gebietszentrum) am Fluss Ural; 190000 Einwohner; Metall- (Ersatzteile), Pelzverarbeitung, Leder- und Schuh-, Nahrungsmittelindustrie; Flughafen; 2 Hochschulen; Theater.

Ural-Wirtschaftsbezirk: ökonomisches Großrayon im Mittleren Ural und in seinem westlichen Vorland; 824000 km2, 19,79 Millionen Einwohner (73% in Städten); 24 Einwohner/km2. Unionsbedeutung haben Eisen- und Nichteisenmetallurgie, Maschinenbau (Schwer-, Energiemaschinen, Transporteinrichtungen, Landmaschinen), Erdöl- und Erdgasbergbau, chemische Industrie, Holzgewinnung sowie Getreideproduktion. Hauptindustriezentren sind Swerdlowsk, Tscheljabinsk, Perm, Nischni Tagil, Ufa, Magnitogorsk, Ustinow und Orenburg.

Uran, (nach dem Uranus) fachsprachlich Uranium n, Symbol U: radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 92; Atommasse 238,03; Wertigkeiten + 6,+ 4, +3; Dichte 19,0g/ cm3; in der Natur nur chemisch gebunden; Hauptminerale Uraninit (Pechblende, Uranpecherz), U02 mit wechselnden Anteilen U03, und Camotit; Vorkommen besonders in Kanada und Zaire. Uran ist ein silberweißes, ziemlich weiches, unedles, in Säuren unter Bildung von Uran(IV)-salzen leicht lösliche Metall. Natürliches Uran ist ein Gemisch der Nuklide U 238 (99,3%; Halbwertszeit 4,5 • 10 Jahre; a-Strahler), U235 (0,7%; 7,1 • 108 Jahre; a-Strahler) und U234 (0,006%; 2,52 • 10s Jahre, a-Strahler); U 238 und U 235 sind Anfangsglieder radioaktiver Zerfallsreihen. U 235 ist ein wichtiger Kernspaltstoff. Das an sich nicht spaltbare Isotop U 238 lässt sich in Kernreaktoren vom Typ «schneller Brüter» in den Kernspaltstoff Plutonium 239 überführen. - u. wurde 1789 als Oxid von M. H. Klaproth im sächsischen Uraninit entdeckt und als Metall erstmals 1841 von dem französischen Chemiker Eugène Melchior Péligot (1811-1890) dargestellt.

Urania, (griechisch «die Himmlische») Muse der Sternkunde.

Uraninit, (nach dem Uranus) Pechblende, Uranpecherz: Mineral, Urandioxid; Kristallsystem kubisch, Härte 4 bis 6, Dichte 7,5 bis 10,8 g/cm3; pechschwarze, niedrige Massen, Entstehung pegmatitisch (Kristalle), hydrothermal, sedimentär; wichtigstes Uran- und Radiumerz; Vorkommen unter anderem im Erzgebirge, in Zaire, Südafrika, Kanada, den USA.

Uranos, (griechisch, «Himmel») Ahnherr des griechischen Göttergeschlechts, Gemahl der Gäa, Vater der Titanen; der Himmel.

Uran Uhr: populärwissenschaftlicher Ausdruck für die Altersbestimmung von Gesteinen durch die Bestimmung der Verhältniszahl von Restmenge an Uranisotopen zur Uranausgangsmenge (radioaktiver Zerfall).

Uranus: (nach Uranos) ein äußerer Planet; gehört zur Gruppe der jupiterartigen Planeten. Durch die große Neigung seiner Rotationsachse steht die Äquatorebene fast senkrecht auf der Bahnebene. Die dichte Atmosphäre des Uranus besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium sowie aus Wasserstoffverbindungen. Die Temperatur der dichten Wolkendecke liegt bei -210°C. Der Uranus wird von 151 Monden umkreist und besitzt ein System schmaler Ringe. Er wurde 1781 von F. W. Herschel entdeckt. Siehe auch Voyager.

Uranverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Uran. In wässriger Lösung sind Uran(VI)- und Uran(IV)-verbindungen beständig, erstere als Uranyl Salze mit dem Uranyl Kation; Uran(IV)-verbindungen bilden sich aus Uran und nichtoxydierenden Säuren. Uran(IV)-chlorid bildet grüne, Uran(VI)-chlorid grünschwarze Kristalle. Uran(Vl)-fluorid ist sehr hygroskopisch und sublimiert bereits bei 56,5 °C; es wird zur Trennung der Uranisotope in Diffusionsanlagen oder Gaszentrifugen verwendet. Das dunkelgrüne bis schwarze Triuranoctoxid, vereinfacht U308, bildet den Hauptbestandteil der natürlichen Pechblende. Uran(VI)-oxid, U03, ein orangefarbenes, wasserunlösliches Pulver, bildet mit Basen im Schmelzfluss Uranate, mit Säuren im Allgemeinen gelbe, grün fluoreszierende Uranyl Salze, zum Beispiel das leichtlöslichen Uranylnitrat.

Urartu: vom 9. bis 6. Jahrhundert vor Christus existierender alt-orientalische Staat im Hochland von Armenien, Hauptstadt Tuschpa. Im 8. Jahrhundert vor Christus erreichte Urartu die Höhe seiner Macht. Um 610/609 vor Christus wurde Urartu von den Medern und skythische Nomaden erobert. Urartu besaß eine fortgeschrittene Bewässerungstechnik. Bedeutende Leistungen wurden auf dem Gebiet der Festungsarchitektur erbracht (monumentale Stein-, Lehmziegel- und Felsbauten); ostanatolisch-transkaukasische und mesopotamische Bautraditionen bestanden nebeneinander. Im Kunsthandwerk hoher Stand der Metallverarbeitung; Monumentalmalerei, Reliefs.

Uraufführung: erste öffentliche Aufführung eines Bühnen-, Film- oder Musikwerkes. Siehe auch Erstaufführung, Premiere.

Uräusschlange, (lateinisch griechisch ägyptisch, «die sich Aufbäumende») Naja haje: etwa 2 m lange afrikanische Kobra; häufig von Schlangenbeschwörern verwendet; der Legende nach von Kleopatra VII. zur Selbsttötung benutzt. Ihre Nachbildung wurde vom altägyptischen König an der Stirn (anfangs als Diadem, später als Schmuck der Krone) als Symbol der Königsmacht getragen.

urban: (lateinisch, «städtisch») gebildet; fein, höflich; weltmännisch.

Urbanisierung: Prozess der Entwicklung städtliche Siedlungs- und Lebensformen, der historisch mit der kapitalistischen Industrialisierung einsetzte und an die gesellschaftliche Basis gebunden ist. Urbanisierung wird gelegentlich in zu starker Vereinfachung mit Verstädterung, das heißt mit der räumlichen Form städtlichen Wachstums gleichgesetzt und im Entwicklungsniveau am Urbanisierungsgrad (Anteil der in städtlichen Siedlungen lebenden Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung) gemessen.

Urbar: (niederdeutsch althochdeutsch, «das (durch Anbau) ertragbringend Gemachte») im Mittelalter von den Grund- beziehungsweise Landesherren angelegtes Verzeichnis über ihren Landbesitz sowie über Pflichten und Abgaben der abhängigen Bauern; wertvolle sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Quelle.

Urbarmachen: Umwandlung bisher ungenutzten Naturbodens in Iand- oder forstwirtschaftliche Nutzfläche.

Urbino: Stadt in Mittelitalien, in der Region Marken, am Osthang des Toskanischen Apennins; 16000 Einwohner; keramische Industrie (15./17. Jahrhundert berühmte Majolika Werkstätten); Universität (1564 gegründet); Palazzo Ducale 15. Jahrhundert; Geburtsort Raffaels.

Urbs: (lateinisch, «Stadt») altrömische Bezeichnung der Stadt Rom.

Urchristentum: früheste Form des Christentums, vom Wirken der Apostel bis etwa zum Jahre 150; religiöser Ausdruck für die soziale Ausweglosigkeit der rechtlos gewordenen und verarmten Schichten auf dem Höhepunkt der antiken Sklaverei Gesellschaft (vor allem in den Provinzen des römischen Reiches, besonders Judäa); die ersten christlichen Gemeinden verkündeten Brüderlichkeit und Gleichheit von Sklaven und Freien; Reichtum wurde als Hindernis für die Zugehörigkeit zu dem als unmittelbar bevorstehenden, diesseitig angenommenen und mit der Wiederkehr Jesu Christi (Parusie) verbundenen Reich Gottes (Chiliasmus) verurteilt.

Urdu: indoarische Sprache; Amtssprache Pakistans, wo es von rund 10 Millionen Menschen gesprochen wird. In Nordindien und um Hyderabad sprechen 28,6 Millionen Menschen Urdu Die moderne literarische Form des Urdu bildete sich im 19. Jahrhundert in Nordindien heraus, nachdem sie bereits im 16. Jahrhundert auf der Grundlage des in und um Delhi gesprochenen Khariboli-Dialektes, der auch die Basis des Hindi ist, in Südindien entstanden war, wo sie Rekhta («gemischte Sprache») oder Dakshini («südliche Sprache») hieß. Die gemeinsame Umgangssprache des Urdu und des Hindi wird häufig Hindustani genannt.

Urease: (griechisch) hochspezifische Hydrolase, die Harnstoff in Kohlendioxid und Ammoniak aufspaltet.

Urethane: (griechisch) Ester substituierter Karbamidsäuren; Formel R-NH-CO-O-R'; technisch wichtig sind die Polyurethane.

Urfa: Stadt (Provinzzentrum) im Südosten der Türkei; 150000 Einwohner; Tabakverarbeitung; bedeutender Handelsplatz; Flughafen; Wallfahrtsort mit Abraham Moschee. Das altorientalische Vrsehu wurde von Seleukos nach einer makedonischen Stadt Edessa genannt, seit Antiochos IV. auch Antiochia; 137/70 vor Christus Zentrum des osrhoënischen Reiches (nach der mesopotamischen Landschaft Osrhoe); 216 nach Christus römische Militärkolonie, 260 persisch, seit dem 5. Jahrhundert war es Mittelpunkt der monophysitischen Kirche; 641 arabisch, 1098/1144 war die Grafschaft Edessa einer der Kreuzfahrerstaaten. Seit 1144 unter Kontrolle der Ägypter, Mongolen, Turkmenen und Perser; seit 1637 ist Urfa türkisch.

Urformen: Fertigen eines festen Körpers aus formlosem Stoff durch Schaffen des Zusammenhaltes. Der Ausgangszustand kann gas- oder dampfförmig, flüssig, breiig, pastenförmig, körnig oder pulverig sein; zum Beispiel Gießen von Metallen, Keramik- und Plastikformmassen oder Pressen von Metallpulvern. Auch elektrolytische Ausscheidungen sowie bestimmte Fügeverfahren (Fügen) gehören zum Urformen; siehe auch Fertigungsverfahren.

urgent: dringend; a) Aufschrift auf einem Klebezettel für dringende Paketsendungen im grenzüberschreitenden Postverkehr;

b) Dienstvermerk für ein dringendes Telegramm.

Urgentsch: Verwaltungszentrum des Gebietes Choresm, im Amudarja Tal, am Schawat-Kanal; früher Nowo- u.; 115000 Einwohner; Baumwollentkernung, Speiseölherstellung, Metallverarbeitung; Flughafen; pädagogische Hochschule; Theater. Vermutlich schon vor unserer Zeitrechnung entstanden; 10./14. Jahrhundert Hauptstadt des Feudalstaates Choresm (Gurgandsch) und bedeutendes Kultur- und Wirtschaftszentrum, 1388 durch Timur zerstört; Ruinen etwa 150 km nordwestlich des heutigen Urgentsch, das seit dem 17. Jahrhundert erbaut wurde.

Urgeschichte, Vorgeschichte, Prähistorie: ältester und längster Abschnitt in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft. Die Urgeschichte begann mit der Entwicklung des Menschen aus dem Tierreich vor 2 bis 3 Millionen Jahren, aus dem Kreis der progressiven Australopithecinen über die Stufen des Archanthropus (Urmensch), Paranthropus (Altmensch) zum Neanthropus (Neu- oder Jetztmensch) bis zur Entstehung der Klassengesellschaft im 4./3. Jahrtausend vor Christus Sozialökonomisch ist sie gekennzeichnet durch das Gemeineigentum am Hauptproduktionsmittel, dem Grund und Boden, sowie durch das Organisationsprinzip der Blutsverwandtschaft. Die Urgeschichte wird in 2 große Abschnitte untergliedert. Der erste ist charakterisiert durch die Herauslösung des Menschen aus dem Tierreich, die Vervollkommnung des menschlichen Körpers, Herausbildung der menschlichen Arbeit, Entwicklung sozialer Beziehungen. Der zweite Abschnitt umfasst die entwickelte Urgesellschaft, die mit der Gentilgesellschaft gleichgesetzt werden kann. Die technischen Hilfseinteilung in Altstein-, Jungstein-, Bronze- und Eisenzeit wird jedoch aus praktischen und Traditionsgründen weiter benutzt. Altsteinzeit, Paläolithikum (600000/8000 vor Christus). In Europa setzte die Entwicklung mit dem Altpaläolithikum (600000/200000 vor Christus) ein. In der Anfangsphase gab es noch keine speziellen Werkzeugformen, erst mit dem Auftreten des Urmenschen (Homo erectus) wurden bewusst Werkzeuge bestimmter Form, zum Beispiel Faustkeile, hergestellt. Der Urmensch nutzte auch erstmalig nachweisbar das Feuer. Der Lebensunterhalt wurde durch Jagen und Sammeln bestritten. Funde des Urmenschen existieren aus Afrika, Ostasien, Europa (unter anderem Bilzingsleben). Es folgte das Mittelpaläolithikum (200000/50000 vor Christus). Seit der letzten Zwischeneiszeit entwickelte sich in Europa das Moustérien, dessen Geräteformen unter anderem Handspitzen und Schaber sind. Zur Jagd wurden hölzerne Stoßspeere mit im Feuer gehärteter Spitze benutzt. Träger des Moustérien war der Altmensch (sogenannt Neandertaler), seine soziale Organisationsform die Horde. Während des Jungpaläolithikums (50000/8000 vor Christus) kam es zur vollen Entwicklung der Gentilgesellschaft; kombinierte Werkzeuge aus Knochen, Horn, Stein, Elfenbein und Holz sowie neue Produktionsinstrumente wie die Harpune, Speerschleuder, Pfeil und Bogen wurden erfunden. Erste Anzeichen künstlerische und kultische Vorstellungen werden fassbar (Höhlenmalerei, Plastiken). Erst jetzt kann man von Urgesellschaft im eigentlichen Sinne sprechen.

Mittelsteinzeit, Mesolithikum (8000/4500 vor Christus). Während in Europa die Mittelsteinzeit mit Jagen, Sammeln und besonders Fischfang noch andauerte, vollzog sich im Vorderen Orient der Prozess der agrarischen Revolution, der Übergang zu Bodenbau und Viehzucht. Die Anfänge der agrarischen Revolution liegen im 10./9. Jahrtausend vor Christus; sie ermöglichte eine dauerhafte Seßhaftigkeit und die Existenz großer Menschengruppen auf engem Raum. So lebten in Jericho (Jordanien) im 8. Jahrtausend etwa 2000 bis 3000 und in Catal Hüyük (Türkei) im 7. Jahrtausend vor Christus etwa 10000 Menschen in einer Siedlung. Die Entwicklung der Produktivkräfte war mit der Erzeugung stabiler Überschüsse verbunden, die stärkere soziale Differenzierung und auf lange Sicht die Herausbildung von Klassen und Staaten ermöglichten.

Jungsteinzeit, Neolithikum (4500/1800 vor Christus). entsprechend der unterschiedlichen Entwicklung der Produktivkräfte ist der Beginn der Jungsteinzeit regional verschieden. Ende des 5. Jahrtausend begann die bäuerliche Wirtschaftsweise im südlichen Mitteleuropa (Bandkeramik). Um 3000 vor Christus setzte die Jungsteinzeit mit der Trichterbecherkultur auch in Nordeuropa ein. Mesolithische Restgruppen existierten weiter. Charakteristisch für die Jungsteinzeit sind sesshafte Lebensweise, Bodenbau und Viehzucht. Der Arbeitsprozess differenzierte sich weiter; neue Techniken wie Steinsägen, -bohren, -schleifen, Spinnen, Weben und Töpferei wurden angewendet. Geschlossene, teils befestigte Dorfsiedlungen und Kollektivbestattungen in Großsteingräbern deuten auf vollentwickelte Gentilordnung mit Sippe und Großfamilie hin. In der Endphase sind Klug und Wagen und die Domestikation des Pferdes nachweisbar. Grabausstattung (Totenhäuser) und reiche Beigaben, aber auch Streitäxte weisen auf beginnende soziale Differenzierung hin. Gegen Ende der Jungsteinzeit (auch Kupferzeit genannt) Auftreten neuer Kulturgruppen: Schnurkeramik (Ost-, Mittel- und Nordeuropa), Glockenbecherkultur (Südwest- und Mitteleuropa).

Bronzezeit (1800/750 vor Christus). Unter dem Einfluss des mit dem Aufkommen der Bronze im Vorderen Orient im 3. Jahrtausend sich vollziehenden Übergangs zur Klassengesellschaft bildete sich im ägäischen Raum eine städtlichen Kultur mit Elementen der Sklaverei heraus, so die minoische (kretische) Kultur auf Kreta; die helladische (kretisch-mykenischen) Kultur in Griechenland. In Mitteleuropa begann die Frühbronzezeit um 1800 vor Christus, in Nordeuropa um 1700 vor Christus (Nord. Bronzezeit). Die Mittlere Bronzezeit (1550/1250 vor Christus) wurde durch eine Unruheperiode (Hortfunde) eingeleitet. Süd- und Südosteuropa blieben in dieser Zeit im Einflussbereich der ägäisch- (kretisch-) mykenische Kultur. Die Späte Bronzezeit (1250/750 vor Christus), unter anderem Urnenfelderkultur in Mitteleuropa, Koban Kultur im Kaukasus, ist gekennzeichnet durch die allgemeine Verbreitung neuer Kulturpflanzen (Hafer), Pflugbau (hölzerner Hakenpflug) und Pferd und Wagen. Die Bronze wurde Gebrauchsmetall (Waffen, Geräte, Schmuck), Zinn und Kupfer wurden bergmännisch gewonnen. Die Spezialisierung der metallurgischen Produktion ließ Handwerk entstehen. Anfänge einfacher Warenproduktion, Tauschhandel mit Bronzegeräten, Bronzebarren, Bernstein und Edelmetallen sind nachweisbar. Befestigte Burgwälle wurden als Verteidigungsanlagen und politische und kultische Stammeszentren errichtet. Unter den Bedingungen der Erzeugung von Überschüssen an Nahrungsmitteln sowie der Metallproduktion kam es teilweise zur weiteren Zersetzung der Urgesellschaft. Eisenzeit (750 vor Christus Beginn nach Christus). In den Mittelmeerländern bildete sich die Klassengesellschaft weiter aus. Im übrigen Europa unterscheidet man einen älteren und jüngeren Abschnitt der Eisenzeit.

In der Hallstattzeit (750/450 vor Christus) kam es zur Gewinnung und Verarbeitung des Eisens, Bronze wurde noch als Schmuckmetall verwendet. Salz wurde durch Bergbau (Hallstatt) und aus Sole (Halle) gewonnen. Auf der Grundlage einer fortschreitenden Arbeitsteilung (Handwerker, Händler) kam es zum Anwachsen des Privateigentums an Produktionsmitteln und zum teilweisen Übergang zur einfachen Warenproduktion. Es bildete sich eine Gentil Aristokratie heraus, die durch befestigte Herrensitze und reich ausgestattete Fürstengräber fassbar wird. Nördlich der Alpen formierten sich ethnisch verschiedene Gruppen des Hallstattkreises, in Oberitalien die Villanova Kultur. La-Tène-Zeit (450 vor Christus/Beginn nach Christus). Während das Mittelmeergebiet von Rom beherrscht wurde, bildete sich im südlichen Mitteleuropa die La-Tène-Kultur heraus, deren Träger im westlichen Kerngebiet die Kelten waren. Kelt. Stämme drangen in Frankreich, England, Schottland, Spanien, Mittelitalien, Griechenland und Kleinasien ein und bildeten in Hinsicht auf materielle Kultur und Kunstäußerung (La Tène-Stil) ein relativ einheitliches Gebiet von der Donaumündung bis zur atlantischen Küste. Auf Grund der Weiterentwicklung der Produktivkräfte (eiserne Pflugschar, Töpferscheibe, Metall- und Glasherstellung, einfache Warenproduktion) bildete sich eine soziale Oberschicht mit Privateigentum an Grund und Boden, an Arbeitsinstrumenten und -Produkten, die zum Teil in befestigten Burgen lebte. Die handwerklich tätige Bevölkerung lebte unter anderem in Oppida (stadtartigen Siedlungen). Schrift und Münzprägung kamen auf. Einer eigenständigen Entwicklung der keltischen Stämme zur Klassengesellschaft wurde jedoch durch die Eroberungen der römischen Sklaverei Gesellschaft ein Ende bereitet (58/52 vor Christus Besetzung Galliens durch römische Truppen unter Cäsar). In der vorrömischen Eisenzeit Nordeuropas lebten noch bronzezeitlichen Traditionen fort. Im 6. Jahrhundert vor Christus kam es im Gebiet des nördlichen Mitteleuropa, Südskandinaviens und Dänemarks zur Herausbildung der Jastorfkultur, deren Träger germanische Stämme waren. Bodenbau und Viehzucht waren die Grundlage ihrer Wirtschaft. Anfänge einer sozialen Differenzierung sind später sowohl in schriftlichen Quellen (Cäsar, Tacitus) als auch unter anderem in den Bestattungsbräuchen materiell fassbar. Die Kenntnis der Eisenproduktion wurde den Germanen aus westlichen und stündlichen Gebieten vermittelt und förderte ihre Konsolidierung. Eine Expansion germanischer Stämme bis an Rhein und Donau erfolgte. Hier kamen sie ab 2./1. Jahrhundert vor Christus in ständigen Kontakt mit dem römischen Imperium. Den germanischen Stämmen, die zu dieser Zeit im Stadium der militärischen Demokratie lebten, gelang es, die Versuche der römischen Klassengesellschaft, sie zu unterjochen, zu verhindern und mit der siegreichen Schlacht im Teutoburger Wald 9 nach Christus dem militärischen Vordringen der Römer ein Ende zu setzen. Damit erhielten sich die germanischen Stämme die Möglichkeit, später unter dem Einfluss der Klassengesellschaft, aber dennoch relativ selbständig, den Übergang zu einer qualitativ neuen Sozialökonomischen Formation, dem Feudalismus, in West- und Mitteleuropa zu vollziehen.

Urgesellschaft, Urkommunismus: im Ergebnis der Anthropogenese (Menschwerdung) nach langem Entwicklungsprozess vor etwa 40000 Jahren entstandene erste ökonomische Gesellschaftsformation in der Geschichte der Menschheit. Die Urgesellschaft existierte bei allen Völkern während der Frühstufen ihrer Entwicklung (Stein-, Bronze- und Anfänge der Eisenzeit). Sie war durch das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln gekennzeichnet, das dem niedrigen Niveau der Entwicklung der Produktivkräfte und der geringfügigen gesellschaftlichen Arbeitsteilung entsprach. Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit wurden gleichmäßig verteilt. In der Urgesellschaft bildete sich zunächst eine natürliche Arbeitsteilung zwischen Mann (Jagd, Fischfang) und Frau (Bodenbebauung, Hauswirtschaft) heraus. Gegen Ende der Steinzeit vollzog sich die erste gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Viehzucht und Ackerbau. Mit der Bronzezeit begann die zweite und dritte gesellschaftliche Arbeitsteilung; es entstanden die sozialen Schichten der Handwerker und Händler. Die entwickelte Urgesellschaft, die wesentlich durch die Gens geprägt ist, wird auch als 1 Gentilgesellschaft bezeichnet. Das Erreichen einer höheren Produktivität der Arbeit und die damit verbundene Erzeugung eines Mehrprodukts, gesellschaftliche Arbeitsteilung und Produktionsaustausch führten zur Entstehung des Privateigentums an Produktionsmitteln und damit zur Zersetzung der Urgesellschaft Sie spaltete sich in antagonistischen Klassen, deren eine als Besitzer der Produktionsmittel die Besitzlosen ausbeutete und unterdrückte. Zur Sicherung der Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen entstand der Staat als politisches Machtinstrument der ökonomisch herrschenden Klasse.

urgieren: (lateinisch) drängen; nachdrücklich betreiben.

Urheber: der Schöpfer eines urheberrechtlich geschützten Werkes. Urheberschutz steht demjenigen zu, der das Werk tatsächlich geschaffen hat (geschützter Urheber). Der Urheber hat die nicht übertragbaren Rechte zum Beispiel auf Namensnennung, Erstveröffentlichung und Unverletzlichkeit des Werkes sowie die Befugnis zur Nutzung des Werkes (durch Vervielfältigung und Verbreitung, Aufführung, Verfilmung, Sendung unter anderem), die in der Regel auf Grund eines Urheberrechtlichen Vertrages gegen Zahlung einer angemessenen Vergütung durch eine kulturelle Einrichtung erfolgt.

Urheberrecht: Gesamtheit der rechtlichen Regelungen zum Schutz schöpferischer Leistungen im Bereich der Kultur. Das objektive Urheberrecht umfasst die Bestimmungen, die die Rechtsstellung der Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst sowie die Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Verwendung dieser Werke regeln. Das subjektive Urheberrecht beinhaltet als einheitliches sozialistisches Persönlichkeitsrecht einerseits die nichtvermögensrechtliche Befugnisse des Urhebers, die sein Ansehen sowie die Unverletzlichkeit seines Werkes schützen, andererseits die Nutzungsbefugnisse, die seine wirtschaftlichen Interessen schützen. Der urheberrechtliche Schutz eines Werkes endet 50 Jahre nach dem Tode des Urhebers. Siehe auch angrenzende Rechte, Leistungsschutzrecht.

Urheberrechtsschutz: Schutz des Urhebers gegen unbefugte oder missbräuchl. Verwendung seines Werkes; er kann Wiederherstellung des gesetzlichen Zustandes, insbesondere Unterbindung beziehungsweise nachträgliche Honorierung unbefugter Verwendungen sowie öffentliche Richtigstellung verlangen.

Uri: einer der 3 schweizerischer Urkantone; in der mittleren Schweiz (Urner Alpen); 1076 km2, 33600 Einwohner; 31 Einwohner/km2; Hauptort Altdorf (8200 Einwohner; Teilfestspiele); fast die Hälfte der Fläche unproduktiv, kaum Ackerland, Almwirtschaft; Wasserkraftwerke; Fremdenverkehr. - u. erhielt 1231 die Reichsunmittelbarkeit, im 16./17. Jahrhundert Zentrum der Gegenreformation, im 19. Jahrhundert Mitglied des Sonderbundes.

Uriel, (hebräisch, «Gott ist mein Licht») einer der Erzengel.

Urinsekten, Apterygota: zusammenfassende Bezeichnung für 4 primär flügellose Insektenordnungen mit sehr kleinen Arten; Vertreter ohne deutlichen Larvenstadium; siehe auch Borstenschwänze, Doppelschwänze, Springschwänze.

Urkantone: die 3 reichsunmittelbaren schweizerischen Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden (Nidwalden), die sich im Verlauf des 13. Jahrhundert gegen die Habsburger Grafen zusammenschlossen und 1291 ihr Bündnis auf dem Rütli beschworen.

Urknall, Big bang: das hypothetische Ereignis, mit dem die Entwicklung des Weltalls, wie wir es heute kennen, begann. Aus der beobachteten Expansion des Weltalls (Hubble-Effekt) sowie der Drei-Kelvin-Strahlung folgt, dass es sich in der Vergangenheit in einem Zustand sehr hoher Dichte und Temperatur befunden haben muss. Die mathematische Extrapolation bis zum Zeitpunkt Null führt auf unendlich hohe Dichte (kosmische oder kosmologische Singularität). Siehe auch Kosmologie, Weltalter.

Urkunde: (zu «erkennen») eine schriftliche oder schriftähnliche (zum Beispiel durch Bildzeichen ausgedrückte) Willenserklärung. Nach der Person des Ausstellers unterscheidet man öffentliche Urkunden und Privaturkunde. Öffentliche Urkunden werden von Behörden innerhalb ihrer Zuständigkeit in vorgeschriebener Form ausgestellt. Eine Urkunde ist echt, wenn sie von demjenigen herrührt, der dem Inhalt nach ihr Aussteller ist. Die Fälschung, Unterdrückung oder Vernichtung von Urkunde ist in bestimmten Fällen strafbar.

Urkundenlehre, Diplomatik (dat. griechisch): historische Hilfswissenschaft zur Auswertung von Urkunden als Quellen für die Geschichtsforschung.

Urkundenstellen: Dienststellen bei den Räten der Kreise zur Weiterführung der von den Standesämtern übergebenen Personenstandsbücher und zur Ausstellung von Personenstandsurkunden.

Urlaub: (zu «erlauben») gesetzlich geregelte Freistellung des Werktätigen von der Arbeit bei Weiterzahlung des Lohnes, vor allem als Erholungsurlaub, Schwangerschaftsurlaub, Wochenurlaub und Bildungsurlaub.

Urlaubsvergütung: dem Werktätigen während des Erholungsurlaubs zu gewährende Ausgleichszahlung in Höhe seines Durchschnittslohnes.

Urmundtiere, Bauchmarktiere, Protostomia: Stammreihe des Tierreichs; zweiseitig symmetrische wirbellose Tiere, bei denen der Urmund des Gastrulastadiums während der Embryonalentwicklung zur bleibenden Mundöffnung wird, während der After neu durchbricht, und deren Hauptnervenstränge bauchseits liegen. Hierzu gehören unter anderem Platt- und Fadenwürmer, Weichtiere, Gliedertiere und Kranzfühler.

Urne: Gefäß aus Ton, Stein, Glas oder Metall, ursprünglich zur Aufnahme der Grabbeigaben, mit Zunehmen der Feuerbestattung als Aschen- u. oder Gebein- u. verwendet. Urne sind seit der Jungsteinzeit bekannt, oft künstlerisch gestaltet (Haus- u., Gesichts- u.).

Urnenfelderkultur: nach der charakteristischen Brandbestattung (Verbrennung der Toten und Beisetzung in Urnen auf großen Urnenfeldern, häufig mit vielen Bei Gefäßen) benannte spätbronzezeitliche Kultur Mitteleuropas (1250/750 vor Christus). Ökonomische Basis bildeten Ackerbau und Viehzucht. Neben dörfliche Siedlungen finden sich auch Burgwallanlagen.

Urniere: funktionstüchtiges Ausscheidungsorgan bei Fischen und Lurchen; bei Kriechtieren, Vögeln und Säugetieren nur während der Embryonalentwicklung ausgebildet; wird durch die Nachniere ersetzt.

Urnierengang, Wolffscher Gang (nach einem Anatomen): Ausführungsgang der Urniere; beim Mann wird der Urnierengang zum Nebenhodengang und Samenleiter, bei der Frau bleibt nur ein Teil als Längskanal des Nebeneierstocks (Gartnersche Gänge) erhalten.

Urobilin: ein Gallenfarbstoff.

Urogenitalsystem: zusammenfassende Bezeichnung für das Harn- und Geschlechtssystem.

Urographie: Röntgenuntersuchung der Nieren, der Harnleiter und der Harnblase nach intravenöser Injektion von Kontrastmittel und dessen Ausscheidung über die Nieren (Ausscheidungs- u.) oder direkter Einbringung von Kontrastmittel über Harnleiterkatheter (retrograde Urographie beziehungsweise Pyelographie).

Urogynäkologie: (griechisch) Spezialgebiet der Frauenheilkunde, das sich mit Erkrankungen der Harnorgane im Zusammenhang mit gynäkologischer Erkrankungen und Schwangerschaften befasst.

Urologie: (griechisch) Lehre von den Erkrankungen der Harn- und männlichen Geschlechtsorgane.

Urpferdchen, Hyracotherium: fuchsgroßes Pferd des Alttertiärs (Eozäns); Vorderbeine mit 4, Hinterbeine mit 5 Zehen; unter anderem Funde in der Braunkohle des Geiseltales bei Halle.

Urproduktion: Bereiche der Volkswirtschaft zur Gewinnung von Rohstoffen und Nutzung des Bodens sowie natürlich vorkommender Fischbestände. Zur Urproduktion zählen im Allgemeinen die extraktive Industrie, die Landwirtschaft und die Fischerei.

Ursa Maior: das Sternbild Großer Bär.

Ursegmente, Somiten: beiderseits des Neuralrohres und der Chorda gelegene mesodermale Säckchen der Wirbeltierembryonen. Die Ursegmente sind die ersten Hinweise für eine Segmentierung des Wirbeltierkörpers. Jedes Ursegmente gliedert sich in ein Muskelblatt (Myotom), Hautblatt (Dermatom) und Skelettblatt (Sklerotom).

Urslawisch: ältester eigensprachlicher Zustand des Slawischen (etwa 1000 vor Christus bis spätestens 800 nach Christus), der aus dem Altslawischen, allen anderen slawischen Sprachen und mit Hilfe anderer indoeuropäischer Sprachen erschlossen wurde. Unter Gemeinslawisch versteht man den jüngeren, immer noch relativ einheitlicher Zustand des Urslawisch, als die Ausströmung der Slawen aus ihren Ursitzen erfolgte (etwa 5./8. Jahrhundert).

Ursole, Ursolfarbstoffe: in der Rauchwarenveredlung verwendete Oxydationsfarbstoffe der Gruppe Entwicklungsfarbstoffe, die bei Vorhandensein von Sauerstoff und Metallsalzen Farblack im Haar bilden.

Ursprache: ursprüngliche, durch Mutmaßungen, Analogieschlüsse und wissenschaftliche Rekonstruktion erschlossene Sprachform, die am Anfang der Entwicklung einer bestimmten Sprachfamilie steht; entsprechende Forschungsmethoden wurden insbesondere im Bereich der indoeuropäischen Sprachen entwickelt, über die reale Existenz einer indoeuropäischen Ursprache herrschen jedoch noch unterschiedliche Auffassungen.

ursprüngliche Akkumulation des Kapitals: historischer Prozess der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse durch die massenhafte gewaltsame Trennung der unmittelbaren Produzenten von ihren Produktionsmitteln (Blutgesetzgebung), räuberische Aneignung von Geldkapital und den Differenzierungsprozess zwischen den einfachen Warenproduzenten; schuf die 2 Hauptvoraussetzungen der kapitalistischen Produktionsweise:

a) eine Masse doppelt freier Lohnarbeiter,

b) einen genügend großen Kapitalreichtum, der zur Schaffung kapitalistischer Produktionsbetriebe notwendig ist.

Urstromtal: im weiteren Sinne ältestes, häufig nur in Resten erhaltenes Tal, dessen Richtung oft nicht mehr mit der des heutigen Talsystems übereinstimmt; im engeren Sinne breite und Hunderte von Kilometern lange Talungen in dem ehemals vom Inlandeis bedeckten mitteleuropäischen Tiefland. Sie wurden von den wasserreichen Schmelzwasserflüssen des Inlandeises in mehr oder weniger großer Entfernung vom Eisrand geschaffen. Die Urstromtäler nahmen in den Kaltzeiten auch die Flüsse aus den inlandeisfreien, höher liegenden Gebieten im Süden auf. Heute werden die von Südosten nach Nordwesten streichenden Urstromtäler nur noch zum Teil von größeren Flüssen durchflossen, teilweise werden sie sogar von den der heutigen Abdachung folgenden Flüssen zerschnitten (zum Beispiel Spree und Neiße). Urstromtäler sind reich an Grundwasser. Im Gebiet der DDR folgen von Süden nach Norden aufeinander das Wroclaw-Magdeburg-Bremer Urstromtal (auf dem Gebiet der DDR auch Lausitzer Urstromtal genannt), das Glogau-Baruther, das Warschau-Berliner, das Torun-Eberswalder Urstromtal und das Mecklenburger Grenztal.

Urteil:

1. Recht: Entscheidung des Gerichts über einen Zivil-, Familien- oder Arbeitsrechtsstreit auf Klage eines Beteiligten oder über eine Strafsache auf Grund der Anklage des Staatsanwalts. Das Urteil besteht aus dem Eingangsteil (Urteilskopf, Rubrum), der Entscheidung (Urteilsformel, Urteilsspruch, Urteilstenor) und den Urteilsgründen. Im Rubrum sind das erkennende Gericht und dessen Besetzung, die Verfahrensbeteiligten sowie der Tag der Verhandlung und der Urteilsverkündung bezeichnet. Der Urteilstenor enthält die eigentliche Entscheidung (zum Beispiel Verurteilung oder Freispruch des Angeklagten). In den Urteilsgründen würdigt das Gericht das Ergebnis der Sachaufklärung und leitet daraus an Hand der anzuwendenden Rechtsnormen seine Entscheidung ab. Das Urteil enthält ferner die Rechtsmittelbelehrung. Es darf nur im Rechtsmittel- oder Kassationsverfahren überprüft und abgeändert werden, ansonsten erlangt es Rechtskraft und kann im Weg der Vollstreckung durchgesetzt werden. Siehe auch Beschluss.

2. traditionelle Logik: Ausdruck, der das Zutreffen (affirmatives Urteil) oder Fehlen (negierendes Urteil) einer Eigenschaft behauptet.

Urtiere, Protozoen (griechisch; Sing. -zoon), Protozoa: meist mikroskopisch kleine Tiere vom morphologischen Wert einer Zelle; leben als Einzelzellen oder in Kolonien. Die Urtierzelle hat für bestimmte Funktionen (zum Beispiel Fortbewegung, Nahrungsaufnahme) spezielle organartige Strukturen (Organellen), zum Beispiel Geißel, Wimpern, Zellmund; Süßwasserformen haben pulsierende Vakuolen; die Nahrung wird oft in Nahrungsvakuolen verdaut. Die Vermehrung erfolgt geschlechtlich oder ungeschlechtlich durch Teilung. Urtiere leben teils frei, teils parasitisch. Hierzu gehören Geißeltierchen, Wurzelfüßer, Sporen- und Wimpertierchen.

Urtika, (lateinisch, «Brennessel») Quaddel, Nessel: umschriebene weiße oder hellrote, stecknadelkopf- bis handtellergroße, juckende Schwellung der Haut infolge raschen Austritts von Serum aus den Blutgefäßen in die Lederhaut; typische Effloreszenz der Urtikaria.

Urtikaria, Nesselsucht, Nesselfieber: aus Quaddeln bestehender, einmalig oder wiederholt auftretender juckender Ausschlag der Haut oder Schleimhaut; Ausdruck einer allergischen Reaktion; auch physikalische (Druck, Wärme, Kälte, Sonnenlicht) und chemische (Insektenstich, Brennessel) Einwirkungen können Ursache einer Urtikaria sein.

Uruguay: Fluss im Südosten Südamerikas; 1600 km; entspringt mit mehreren Quellflüssen im Süden des Brasilianischen Berglandes und vereinigt sich in breiter Trichtermündung mit dem Paraná zum Rio de la Plata; bildet im Mittellauf die Grenze zwischen Brasilien und Argentinien, im Unterlauf zwischen Uruguay und Argentinien; Wasserkraftwerk Salto Grande (6700 MW) als argentinisch-uruguayischer Gemeinschaftskomplex; 320 km schiffbar.

Uruguay, Republik Uruguay: Staat im Südosten Südamerikas zwischen Atlantik im Südosten, Rio de la Plata im Süden, dem Fluss Uruguay (Grenze zu Argentinien) im Westen und Brasilien im Norden und NW; verwaltungsmäßig in 19 Departements gegliedert. 90% der Bevölkerung sind europäischen (meist spanischen und italienischen) Abstammung, etwa 10% Mestizen und Mulatten. Amtssprache ist Spanisch. Währung der Uruguayische Neue Peso.

Natur: Flaches, welliges Hügelland mit fruchtbaren Tälern, das von den stündlichen Ausläufern des südbrasilianischen Berglandes (bis 501 m) durchzogen wird und nahezu vollständig als Grasland mit kleinen Resten von Feuchtwäldern bezeichnet werden kann; an der Atlantikküste breite Schwemmlandebene mit Lagunen und Landzungen. Keine größeren Wälder, nur 3 % der Landesfläche sind waldbedeckt. Das Klima ist gemäßigt warm und feucht mit einem Jahresmittel von 16,7 °C, aber mit erheblichen Schwankungen im Jahresverlauf (Kaltlufteinbrüche «Pamperos»); durchschnittliche Niederschlagsmenge über 1000 mm/ Jahr. Zahlreiche kleine, aber wasserreiche Flüsse, der wichtigste ist der Uruguay. Uruguay besitzt nur geringe und wenig genutzte Bodenschätze (Braunkohle, Eisenerz, Kupfer, Blei, Granit, Kalk, Erdöl).

Uruk: altsumerischer Stadtstaat im Süden Mesopotamiens; heute der Ruinenhügel Warka (Irak). Uruk entstand bereits an der Wende vom 4. zum 3. Jahrtausend vor Christus Um 3000 vor Christus älteste Hauptstadt Sumers; erlebte im 21. Jahrhundert vor Christus seine größte wirtschaftliche Blüte. Fundort von Gegenständen und Bauten aus der archaischen Uruk Periode (primitive Bilderschrift auf Tontafeln und Siegelabdrücke); Bauten späterer Zeit sind die Umammu-Zikkurat, der kassitische Tempel des Karandasch (Ziegelreliefs) sowie assyrische, babylonische und persische Anlagen.

Urukagina, Herrscher von Lagasch, regierte um 2367/2360 vor Christus. Unter ihm erlebte Lagasch eine Blütezeit. Urukagina führte Sozialreformen zugunsten der Mittelschichten durch.

Ürümqi, Urumtschi: Stadt im Nordwesten Chinas, Verwaltungszentrum des Autonomen Gebiets Xinjiang Uygur, am Nordhang des Tienschan; früher Tihua; 900000 Einwohner; Eisen- und Stahlwerk, chemische Industrie, Maschinenbau; Knotenpunkt der Xinjiang Bahn, Großflughafen, Pipeline von Karamay.

Urwald: vom Menschen nicht bewirtschafteter Wald; in den Tropen und im borealen Nadelwaldgürtel anzutreffen.

Urwald von Bialowieza, Urwald von Belowesch: größtes urwaldähnliche Gebiet Mitteleuropas, im Osten Polens ((Puszcza Bialowieska) und in der Belorussischen SSR (Beloweschskaja Puschtscha)\ 1250 km2, davon 580 km2 in Polen (Wojewodschaft Bialystok); ein Teil des Urwald von Bialowieza ist der Nationalpark von Bialowieza (50,7 km2) mit Wisent- und Wildpferdreservaten (Fremdenverkehr).

Ury, Lesser, 7.11.1861-18.10.1931, Maler und Graphiker; gehörte zu den eigenwilligsten Vertretern des Impressionismus in Berlin; bevorzugte Themen aus dem Großstadtleben und schilderte mit leuchtenden Farben und wirkungsvollen Lichteffekten seine Eindrücke in den Cafés und auf den Straßen (oft bei Nachtstimmung).

Urzeugung: Entstehung von Lebewesen aus unbelebter Materie. Spontane Urzeugung gegenwärtiger Lebewesen (Würmer aus Kot) wurde durch L. Pasteur endgültig widerlegt. Alle modernen Theorien legen die Urzeugung in eine erdgeschichtlich frühe Epoche und verneinen eine Urzeugung unter gegenwärtigen Bedingungen.

Urzidil, Johannes, 3.2.1896-2.11.1970, österreichischer Schriftsteller aus dem Prager Literaturkreis; 1939 Emigration, 1946 Staatsbürgerschaft der USA; verfasste neben seiner Autobiographie («Die verlorene Geliebte», 1956) Erzählungen («Prager Triptychon», 1960) sowie gedankenreiche Essays.

Usambara, Usambara Mountains: Gebirgsplateau im küstennahen Nordteil Tansanias; bis 2562 m; stark bewaldet und dicht besiedelt; Ackerbau (besonders Sisal, Kaffee); Fremdenverkehr.

Usance, Handelsbrauch: Verhaltensregel der Vertragspraxis, die sich in ständiger Übung in einer Gruppe von Geschäftsbeziehungen durchgesetzt hat.

Usbeken: Turkvolk in Mittelasien, Hauptbevölkerung der Usbekischen SSR (etwa 12,5 Millionen; in der UdSSR insgesamt etwa 13,5 Millionen), und im Norden Afghanistans (1,3 Millionen) sowie im Westen Chinas.

Uschakow: 1. Fjodor Fjodorowitsch, 1744 bis 14.10.1817, russischer Admiral; unter seinem Kommando errang die russische Schwarzmeerflotte im Russisch-Türkischen Krieg 1787/91 Siege, die Russlands Vorherrschaft im Schwarzmeergebiet sicherten.

2. Simon Fjodorowitsch, 1626-25.6.1686, russischer Ikonenmaler und Graphiker; seit 1664 tätig an der Moskauer Rüstkammer und Leiter ihrer Ikonenwerkstatt. Uschakow schuf Ikonen und Fresken, die den Übergang von der religiösen zur weltlichen Malerei in Russland vorbereiteten.

Uschebti: altägyptische Grabbeigaben in Form von Mumienstatuetten, die im Totenreich für den Verstorbenen Arbeit leisten sollten.

Uschinski, Konstantin Dmitrijewitsch, 2.3.1824—3.1.1871, russischer Pädagoge; Gegner der Leibeigenschaft; sah in der Anthropologie die wissenschaftliche Grundlage der Pädagogik, entwickelte eine Theorie des Elementarunterrichts und arbeitete zu didaktisch-methodischen, stofflichen und organisatorischen Problemen des Unterrichts. Uschinski ist einer der Begründer der Volksschule und der pädagogischen Wissenschaft in Russland. Hauptwerk: «Der Mensch als Objekt der Erziehung» (1867/69).

Usedom, polnisch Uzrtam: Ostseeinsel vor dem Oderhaff; 445 km2, (Bezirk Rostock), der Ostzipfel zu Polen (Wojewodschaft Szczecin); Flach-, zum Teil Steilküste (bei Koserow), im Südosten hügelig; die Boddenseite ist stark gegliedert; besonders im Süden bewaldet; Viehzucht, Fischerei; wichtigste Industriestandorte sind Swinoujscie (Polen) und Trassenheide; die Ostseeküste von Usedom ist ein wichtiges Erholungsgebiet (Seebäder Zinnowitz, Koserow, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck unter anderem). Etwa 85% der Fläche Usedoms sind Naturschutzgebiet.

Ushgorod: Stadt in der Ukraine, Verwaltungszentrum des Gebietes Transkarpatien; 105000 Einwohner; Holzverarbeitung, Elektrogerätebau, haushaltchemische, Leder-, Nahrungsmittelindustrie; Knotenpunkt mehrerer Erdgasfernleitungen («Sojus», «Brüderlichkeit», «Nordlicht», Erdgasleitung von Urengoi); Flughafen; Universität (1945 gegründet); Theater, Philharmonie, Museen; Burg (11. Jahrhundert), Kirche (18. Jahrhundert), Bischofspalast (17. Jahrhundert); Touristenzentrum. Bei Ushgorod Fernsehrelaisstation der «Intervision».

Ushuaia: Stadt in Argentinien, Verwaltungszentrum des Nationalen Territoriums Tierra del Fuego (Feuerland), am Beagle Kanal; südlichste Stadt der Erde (54°50i südliche Breite); 11000 Einwohner; Konservenfabrik; Hafen, Flugstützpunkt; Fremdenverkehr.

Usnadse, Dmitri Nikolajewitsch, 26.12.1886 bis 12.10.1950, sowjetischer Psychologe; Mitbegründer der Staatlichen Universität Tbilissi und ihrer Psychologischen Fakultät; lieferte Untersuchungen zum Problem der Einstellung und erarbeitete eine materialistische Analyse des Unbewussten.

Uspenski, Gleb Iwanowitsch, 25.10.1843—6.4.1902, russischer Schriftsteller; trat mit realistische Schilderungen aus dem Leben von Handwerkern und Kleinbürgern hervor («Der Ruin», 1869/71, deutsch); schrieb unter dem Einfluss der Ideen der Volkstümler kritischen Skizzen über die Situation auf dem Lande («Neue Zeiten, neue Sorgen», 1873/78, deutsch).

Ussanowitsch-Säure-Base-Theorie: von M. I. Ussanowitsch 1939 eingeführte Erweiterung der bisherigen Säure-Base-Definitionen. Eine Ussanowitsch-Säure ist eine Substanz, die Kationen abspalten oder Anionen (auch Elektronen als «atomkernlose Anionen») anlagern kann; eine Ussanowitsch Base verhält sich umgekehrt. Durch die Einbeziehung von Protonen als Kationen umfasst die Ussanowitsch-Säure-Base-Theorie auch die Theorie von J. N. Brönsted, durch die Einbeziehung von Elektronen auch Redoxreaktionen. Die Ussanowitsch-Säure-Base-Theorie erfasst zum Beispiel auch die Salzbildung aus Säure- und Basenanhydrid sowie die Komplexbildungsreaktionen.

Ustascha: kroatische faschistische Terrororganisation, 1929 gegründet; verantwortlich für das Attentat vom 9.10.1934 auf König Alexander und den französischen Außenminister Barthou in Marseille. Unterstützte im 2. Weltkrieg die faschistischen Okkupanten und verübte Massenmorde an der serbischen Bevölkerung. Der Chef der Ustascha, A. Pavelic, war 1941/45 Führer («Poglavnik») des faschistischen Marionettenstaates Kroatien.

Ust-Ilimsk: Stadt in Ostsibirien, im Gebiet Irkutsk, an der Angara; 95000 Einwohner; Industriezentrum im Territorialen Produktionskomplex Bratsk- u. mit Wasserkraftwerk (4320 MW) und Stausee (1873 km2, Stauraum 59,4 Md. m3) und Zellulose-Papier-Kombinat (unter Beteiligung von 6 europäischen RGW-Mitgliedsstaaten (einschließlich DDR) entstanden); Hafen.

Ustjurt Plateau, Ustjurt, Ust-Urt-Plateau: wüstenhafte Kalkplatte in der Usbekischen und der Kasachischen SSR, zwischen Kara-Bogas-Gol und Mangyschlak im Westen und Aralsee im Osten, zum Tiefland von Turan gehörend; durchschnittlich 160 bis 200 m, maximal bis 370 m hoch; erhebt sich mit markanter, 60 bis 150 m hoher Steilstufe aus seiner Umgebung; in den Senken Salzseen; Erdöl-, Erdgasvorkommen.

Ustka: Stadt in Polen (Wojewodschaft Shipsk), an der Mündung der Stupia in die Ostsee; 15000 Einwohner; Fischereiwerft; Hafen, Fischereihafen; Fischverarbeitung; Seebad; Museum.

Ustrine: Verbrennungsplatz der Toten in urgeschichtlicher und antiker Zeit auf Brandgräberfeldern, oft gepflastert.

Usurpation: widerrechtliche Inbesitznahme (Ländereien, Thron); auf Gewalt gestützter Herrschaftsanspruch.

Usus: Brauch, Herkommen; Gewohnheit; Sitte.

Utah, Abkürzung Ut.: Bundesstaat im mittleren Westen der USA; 219889 km2, 1,6 Millionen Einwohner (über 70% Mormonen); 7 Einwohner/km2; Hauptstadt Salt Lake City. Im Osten und Süden vom Colorado und seinen Nebenflüssen zerschluchtetes Tafelland mit Nationalparks (Bryce-Canyon-Nationalpark), im Westen abflusslose Hochebene mit dem Großen Salzsee und dem Utah See, im Nordosten die Wasatch- und Uintakette (Kings Peak, 4114 m) des Felsengebirges; bei aridem Kontinentalklima dürftige Salzsteppen- oder Halbwüsten-, zum Teil Wüstenvegetation, darüber Nadelwaldhöhenstufen. Hauptfluss ist der Colorado. Bedeutender Bergbau, besonders Kupfererz Förderung (Bingham-Kupfermine als größter Tagebau), daneben Erdöl-, Kohle-, Berylliumgewinnung sowie Gold-, Silber-, Blei-, Zink-, Molybdän- und Eisenerzabbau. Die unter Bodenerosion leidende Landwirtschaft produziert zum Teil bei künstlicher Bewässerung (Hauptoase Great Salt Lake Valley (Hauptsiedlungsgebiet)) Futtergräser, Gerste, Zuckerrüben; Viehhaltung als Nebenzweig. Industrielle Entwicklung auf der Basis der Verhüttung von Erzen und Veredlung von Metallen, der Verarbeitung von Landwirtschaftsprodukten und der Salzgewinnung aus dem Großen Salzsee (ehem. Industrie); Wirtschaftszentren Salt Lake City, Ogden, Provo; relativ dichtes, auf Salt Lake City ausgerichtetes Verkehrsnetz.

Utamaro, Kitagawa Utamaro, 1753 oder 1754-3.5.1806, japanischer Holzschnittzeichner und Maler; Hauptmeister des Ukiyo-e; schuf neben Tier- und Pflanzendarstellungen besonders Frauen- und Mädchenbildnisse, mit denen der japanische Farbholzschnitt seinen Höhepunkt erreichte; hervorragender Buchillustrator. Siehe auch Ukiyo-e.

Utnapischtim (akkadisch, «Ich habe mein Leben gefunden» (?)), Held der sumerisch-akkadischen Sintfluterzählung, entspricht im Wesentlichen der biblischen Gestalt Noah.

Utensilien: notwendige Geräte, Gebrauchsgegenstände; Hilfsmittel, Zubehör.

Uterina: auf die Gebärmutter einwirkende Arzneimittel, zum Beispiel Mutterkornpräparate (Ergotamin, Ergobasin).

Uteruspolyp, Zervixpolyp: gutartige Wucherung der Gebärmutter- oder Zervix- (Gebärmutterhals-) Schleimhaut; verursacht unregelmäßige Blutungen. Die Behandlung erfolgt durch operative Entfernung bei der Ausschabung.

Utgard: (altnordisch, «Außenland») in der nordischen Mythologie das außerhalb der Menschenwelt (Midgard) liegende Reich der Riesen.

Utilitarismus: Nützlichkeitsphilosophie, -ethik. Der Utilitarismus betrachtet die individuelle oder gesellschaftliche Nützlichkeit einer Handlung als Maßstab ihrer moralischen Legitimität. Der bürgerliche Utilitarismus negiert den Gegensatz zwischen antagonistischen Klassen.

Utilität: Nützlichkeit.

Uto-azteken: indianische Sprach- und Völkerfamilie, vom Großen Becken (USA) bis Panama verbreitet; über 1,4 Millionen; umfasst neben Schoschonen, Hopi, Pima unter anderem vor allem die Nahua.

Utopie: (griechisch, «Nirgendort») nach T. Mores Staatsroman «Utopia» benanntes Wunschbild; unter gegebenen Bedingungen, in der vorgesehenen Art und Weise nicht realisierbare Wunschvorstellung eines höheren Grades der Beherrschung von Natur und Gesellschaft, insbesondere Entwurf einer idealen Gesellschaft als Alternative zur bestehenden Ausbeuterordnung. In literarischer wie theoretischer Gestalt (utopisches sozialistisches oder kommunistisches Gesellschaftsideal) reflektieren soziale Utopie Weltanschauung, Sozialkritik, Zukunftserwartung und Kampfprogramm bestimmter Klassen und Schichten; sie enthalten unter phantastischer beziehungsweise illusionärer Hülle sozialhistorisch bedingte richtige Teileinsichten und haben je nach sozialpolitische Konstellation und historischer Rolle ihrer Träger eine progressive oder reaktionäre, bisweilen ambivalente Funktion.

utopischer Sozialismus und Kommunismus: vormarxistische Bestrebungen für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung; eine theoretische Quelle und ein praktischer Wegbereiter des Marxismus. Der utopische Sozialismus und Kommunismus beruft sich, dem jeweils erreichten Grad sozialtheoretischer Einsicht entsprechend, auf vermeintliche Gesetze einer allgemeinen menschlichen Natur, auf Vernunft und Gerechtigkeit. Der utopische Sozialismus erstrebte im weiteren Sinne Aufhebung der sozialen Gegensätze, im eigentlichen Sinn mehr oder minder weitreichende Reformen der Eigentums-, Produktions- und Verteilungsverhältnisse; der utopische Kommunismus forderte gesellschaftliche Eigentum, gemeinsame Arbeitsorganisation und gleiche Rechte und Pflichten für alle. Der utopische Sozialismus und Kommunismus entwickelte sich neben bürgerlichen Bestrebungen und gegen sie als ideologischen Ausdruck selbständiger Bestrebungen plebejisch-bäuerlicher und vorproletarischen Schichten (T. Müntzer, Levellers, G. Babeuf) sowie als theoretischen Ausdruck des Gegensatzes von reichen Ausbeutern und ausgebeuteten Armen zur Zeit des Frühkapitalismus und der frühbürgerlichen Revolution (T. More, T. Campanella unter anderem), des Manufaktur- und Handelskapitalismus und der Krise des Feudalabsolutismus (Moretly, G. Mably unter anderem). Er erlangte während der industriellen Revolution seine klassische Form im kritisch-utopistischen Sozialismus und Kommunismus C. H. Saint-Simons, C. Fouriers und R. Owens. Ihr Ideengut verbindet sich im Arbeiterkommunismus mit der Tradition Babeufs, zum Teil J. J. Rousseaus und M. Robespierres zur sozialpolitischen Bestrebung des Frühproletariats (L. A. Blanqui, T. Dezamy, W. Weitling, E. Cabet). In Russland wurzelt der utopische Sozialismus und Kommunismus im revolutionär-demokratischen Kampf der bäuerlichen Massen (A. I. Herzen, N. G. Tschernyschewski unter anderem).

Utraquisten, Kalixtiner: gemäßigter Flügel der Hussiten; die von Teilen des tschechischen Adels und Bürgertums sowie Magistern der Prager Universität getragene Opposition gegen Katholizismus und Vorherrschaft des deutschen Patriziates fand ihren Ausdruck in der Forderung nach dem Abendmahl in beiderlei Gestalt (sub utraque specie), bei welchem auch der Laie neben der Hostie den Kelch (lateinisch calix) mit Wein gereicht bekam.

Utrecht: 1. Provinz in den mittleren Niederlanden, südlich des Ijsselmeeres; 1332 km, 930000 Einwohner; 698 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Utrecht 2; sandige Hügel, Polderland; Gartenbau, Milchwirtschaft.

2. Stadt in den Niederlanden, Verwaltungszentrum von Utrecht 1, am Oude Rijn und Amsterdam-Rijn-Kanaal; 230000 Einwohner; Stahlwerk, Maschinen- und Waggonbau, Aluminium-, Textil-, Möbelindustrie; Gemüse-, Obst-, Viehmarkt; Messen und Kongresse; Universität (gegründet 1636), Sternwarte, Universitätsbibliothek, Reichsarchiv; Museen, Theater. Spätgotische Dom St. Martin (1254/1517), romanisch-gotische Kirchen St. Jans, St. Pieter und Buurkerk, gotische Kirchen St. Jakob und St. Katharina, Papsthaus (1517, Backstein), alte Patrizierhäuser. Der Frieden von Utrecht (11.4.1713) beendete den Spanischen Erbfolgekrieg 1701/14 (zusammen mit den Abkommen von Rastatt und Baden). Philipp V. wurde als König Spaniens anerkannt, doch mussten sich die Bourbonen verpflichten, die französische und spanische Krone nicht in einer Hand zu vereinen; spanischer Besitz in Italien und den Niederlanden fiel an Österreich; Gibraltar, Menorca sowie das Vorzugsrecht im Sklavenhandel mit Spanisch-Amerika kamen an Großbritannien.

Utrechter Union: 1579 erfolgter Zusammenschluss der 7 nördlichen Provinzen der Niederlande, die sich als Generalstaaten 1581 von Spanien und dem kompromissbereiten katholischen Süden trennten.

Utrillo, Maurice, 25.12.1883-5.11.1955, französischer Maler und Graphiker; sein Hauptthema fand er in Pariser Stadtansichten, die anfangs, beeinflusst von C. Pissarro, durch einen satten, dichten Farbauftrag gekennzeichnet sind; in einer nachfolgenden Periode überwiegen gedämpfte Weiß- und Grautöne. Er wirkte in seinem Spätwerk der formauflösenden Tendenz des Impressionismus durch ein festeres Zeichner. Gefüge und hell leuchtende Lokalfarben entgegen. Utrillo zeichnete auch Entwürfe für Bühnenbilder und Kostüme.

Utsunomiya: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Tochigi, nördlich von Tokio; 390000 Einwohner; Maschinenbau, Textilindustrie unter anderem

Uttar Pradesh: Unionsstaat im Norden von Indien; 294413 km2, 110,9 Millionen Einwohner; 377 Einwohner/km2; Hauptstadt Lucknow. Gehört größtenteils zur dichtbesiedelten und fruchtbaren Schwemmlandebene des Ganges, hat im Norden Anteil am Himalaya Vorland und im Nordwesten am Hohen Himalaja (Nanda Devi mit 7817 m). Bei Monsunklima mit ausgeprägter Trockenzeit zum größten Teil Bewässerungsfeldbau (Reis, Weizen, Hirse, Mais, Raps, Hülsenfrüchte, Baumwolle) mit Hilfe eines im Ausbau befindliche Kanalsystems; führend im indischen Zuckerrohranbau; Viehzucht. Leicht- (Textilien, Glaswaren, Keramik, Lederwaren) und Lebensmittelindustrie, Zementfabriken; Entwicklung der Schwerindustrie; Petrolchemiekomplex Mathura, Diesellokomotivbau (Varanasi), Kraftwerksausrüstungen (Hardwar); Kunsthandwerk.

Uwal: wallartiger Höhenzug mit flachen Gipfeln und flachgeneigten Hängen, durchschnittlich bis 200 m hoch.

Uws See, Uws Nuur, Ubsanor: größter abflussloser Salzwassersee der MVR, in der Uwssee-Senke im Norden des Beckens der Großen Seen; 759 m über dem Meeresspiegel, 3350 km2, 84 km lang, 79 km breit; mittlerer Salzgehalt 18,7%.

Uxmal: Ruinenstadt der Maya im nördlichen Yucatán (Mexiko); um 700 nach Christus erste Besiedlung, Palastanlagen auf künstliche Terrassen mit reichem Fassadenschmuck (Masken).

Uygur, Uiguren: Turkvolk im Autonomen Gebiet Xinjiang Uygur (China, etwa 6 Millionen) und Teilen Mittelasiens (UdSSR, etwa 0,3 Millionen); Acker- und Gartenbauern, zum Teil Viehzüchter; Muslime.

Uz, Johann Peter, 3.10.1720-12.5.1796, Dichter, gehörte zum sogenannt jüngeren Halleschen Dichterkreis; schrieb anfangs anakreontische Lyrik, später ernste Odendichtungen mit Ansätzen einer bürgerlich-selbstbewussten Haltung.