Lexikon J

Jabiru, Jabiru mycteria: 1,20 m langer Storchenvogel Süd- und Mittelamerikas mit kräftigem leicht aufwärts gebogenem Schnabel und schwarzem nacktem Hals.

Jabot: (französisch) Spitzen- oder Batist Krause am vorderen Verschluss von Kleidungsstücken.

Yacht: 1. in den internationalen Wettsegelbestimmungen Bezeichnung für jedes Sportsegelboot (Segelboot), im Allgemeinen Sprachgebrauch für großes, gedecktes Segelboot mit Flossenkiel (Kielyacht) für Freizeitsport und Regatten (Rennyacht), insbesondere auf See (Hochseeyacht); häufig mit Hilfsmotor.

2. großes Motorboot mit Kajüte (Motoryacht).

3. ursprünglich einmastiger Küstenhandelssegler im Gebiet der Nord- und Ostsee.

Jacinto, Antonio, geboren 1932, angolanische Lyriker; 1948 zusammen mit A. Neto unter anderem Begründer der progressiven literarischen Bewegung «Vamos Descobrir Angola» (Lasst uns Angola entdecken), einer Vorläuferin der MPLA (Angola), deren Mitstreiter er seit Gründung war; nach dem Exil seit der Befreiung Angolas führend kulturpolitisch tätig. Mit seinen kraftvoll-kämpferischen, zugleich volkstümlichen Versen über Erniedrigung und Aufbegehren der Afrikaner eröffnete er der afrikanischen Lyrik neue Wege.

Jackson: Hauptstadt des Bundesstaates Mississippi (USA), am Pearl; 200000 Einwohner (47% Afroamerikaner); Holz-, Bekleidungs-, Baumwoll- und Erdölindustrie; in der Nähe Erdgasfelder.

Jackson: 1. Andrew Jackson, 15.3.1767-8.6. 1845, US-amerikanischer Politiker; Präsident der USA (1829/37), ein Vertreter liberaler Pflanzer; fand als Feind der Industrialisierung die Unterstützung der Volksmassen gegen Industrielle und Großspekulanten, zugleich war er aber Indianerfeind.

2. Charles Thomas Jackson, 21. 6. 1805-28. 8. 1880, US-amerikanischer Arzt, Geologe und Chemiker; entdeckte 1841/42 im Selbstversuch die narkotische Wirkung des Äthers; regte 1846 den Zahnarzt William Thomas Morton (1819-1868) zur ersten praktischen Verwendung des Äthers bei einer Zahnoperation an.

3. Mahalia Jackson, 26.10.1911-27.1.1972, US-amerikanische Sängerin; bedeutendste Vertreterin des Gospel Songs.

Jacksonville: Stadt an der Ostküste des Bundesstaates Florida (USA), am St. John’s River, 540000 Einwohner (25 % Afroamerikaner), als Metropolitan Area 740000 Einwohner; Lebensmittel-, Papier-, polygraphische Industrie, Tabakverarbeitung, Schiffbau; Tiefwasserhafen; 2 Universitäten; Marine-, Luftwaffenbasis.

Jacobi: 1. Carl Gustav Jakob, 10. 12. 1804 bis 18.2.1851, Mathematiker; lieferte grundlegende Arbeiten über elliptische Funktionen, Differentialgleichungen, zur analytischen Mechanik und über Determinanten.

2. Fritz Jacobi, gestorben 13.12.1862, Revolutionär; Mitglied des Bundes der Kommunisten, emigrierte nach 1848/49 in die USA, war 1858 Sekretär des Communist Club in New York; fiel als Offizier der US-Armee im Sezessionskrieg.

Jacobsen, Jens Peter, 7.4.1847-30.4.1885, dänischer Schriftsteller; bekannte sich durch den Einfluss C. Darwins mit der Novelle «Mogens» (1872, deutsch) zur Anerkennung des Menschen als Teil der Natur. Ein Schwanken zwischen Christentum und Atheismus und der Widerspruch von humanistischen Ideal und bürgerlichen Wirklichkeit prägen den Roman «Niels Lyhne» (1880, deutsch) und den historischen Roman «Frau Marie Grubbe» (1876, deutsch).

Jacobsohn, Siegfried, 28.1.1881-3.12.1926, Literatur- und Theaterkritiker; Begründer und Herausgeber der Zeitschrift «Die Schaubühne» (später «Die Weltbühne»); war ein konsequenter Förderer neuer Dramatik und Theaterkunst und ein bedeutender stilistischer «Das Jahr der Bühne» (1912/21) ist eine zehnbändige Sammlung seiner Kritiken; schrieb ferner «Max Reinhardt» (1910) unter anderem

Jacoby: 1. Johann Jacoby, 1.5.1805-6.3.1877, bürgerlich-demokratischer Politiker und Publizist, Arzt; war ein führender Vertreter der demokratischen Bewegung im Vormärz; wurde 1848 Mitglied der preußischen konstituierenden Versammlung und der Frankfurter Nationalversammlung, war in den 60er Jahren Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses; 1872 schloss er sich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an. Jacoby war ein unversöhnlicher Gegner des preußischen-deutschen Staates und der Politik Bismarcks.

2. Leopold Jacoby, 29.4.1840-20.12.1895, Schriftsteller; entwickelte sich unter dem Einfluss der Pariser Kommune vom Liberalen zum revolutionären Sozialdemokraten; seine Gedichte («Es werde Licht!», 1871) sind die bedeutsamsten Zeugnisse der zeitgenössischen sozialistischen Weltanschauungslyrik.

Jacopone da Todi, 1236-25. 12. 1306, italienischer Dichter; nach dem Tode seiner Frau Franziskanermönch; seine Dichtungen, Satiren gegen die Missstände der Kirche, geistliche Lobgesänge, Streitgespräche und die «Marienklage», gehören zu den bedeutendsten Schöpfungen religiöser Lyrik.

Jacquardmaschine: (nach M. Jacquard) Vorrichtung an Webmaschinen zur Fachbildung für die Herstellung großflächiger Muster, bei der jeder Kettfaden einzeln gehoben oder gesenkt werden kann. Nach Art der Fachbildung unterscheidet man Hochfach-, Tieffach-, Schrägfach-Jacquardmaschine, nach der Zahl der Hebung der Kettfäden (Hübe) Einhub- und Doppelhub-Jacquardmaschine. Die Doppelhub-Jacquardmaschine ist eine Spezial-Jacquardmaschine zur rationellen Herstellung von Samt, (Möbel-)Plüsch und Teppichen in beliebiger Musterung.

Jade: Handelsbezeichnung für Jadeit (Pyroxene), aber auch für andere, in Farbe und Struktur ähnliche Minerale; zum Beispiel Nephrit (Amphibole).

Jaeckel, Willy, 10.2.1888-30.1.1944, Maler und Graphiker; schuf zuerst Monumentalgemälde von zum Teil pathetische Expressivität («Kampf», 1912; «Sturmangriff», 1914). Nach dem 1. Weltkrieg, den er als schicksalhaft gegeben hinnahm, wandte er sich der Gestaltung religiöser Themen zu. Gegen Ende der 20er Jahre fand er zu einer wirklichkeitsbezogenen Kunst.

Jagd: Erbeuten von Wild auf weidmännischer Art, das heißt nach den Regeln des Jagdrechtes und des jagdlichen Brauchtums; der unweidmännisch Handelnde wird als Aasjäger bezeichnet. Die gebräuchlichsten Jagdarten sind Pirsch, Ansitz, Treibjagd, Hüttenjagd, Beizjagd (Falknerei) und Fang mit Fallen und Netzen (Raubwild, Kanin). Die jagdbaren Tiere sind im Jagdgesetz und den zugehörigen Durchführungsbestimmungen aufgeführt; für die meisten sind Schonzeiten festgesetzt, in denen die Tiere nicht gejagt werden dürfen.

Jagdfliegerkräfte: Waffengattung der Luftstreitkräfte und der Truppen der Luftverteidigung, die gegnerischen Flugkörper an den Zugängen der zu deckenden Räume und Objekte zu bekämpfen hat, aber auch gegen Erd- und Seeziele oder zur Luftaufklärung eingesetzt werden kann.

Jagdhorn: Blasinstrument, im 17./19. Jahrhundert mit weitgewundener, heute mit enggewundener konisch auslaufender Messingröhre; gehört wie das Hifthorn und Posthorn zu den Signalhörnern (besonders bei der Jagd). Bekanntestes Jagdhorn ist das Pless-Horn (gen. nach Herzog Heinrich XI. von Pless).

Jagdhunde: 1. Sternbild.

2. Hunderassen mit besonders entwickeltem Jagdinstinkt. Nach Jagdgebrauchseignung werden Vorstehhunde (Deutsch-Kurzhaar, Deutsch-Langhaar, Deutsch-Drahthaar, Pudelpointer), Laufhunde (Deutsche Bracke, Beagle), Stöberhunde (Cockerspaniel, Deutscher Wachtelhund), Schweißhunde (Hannoverscher Schweißhund) und Erdhunde (Teckel, Deutscher Jagdterrier, Foxterrier) unterschieden. Jagdrecht: Gesamtheit der Rechtsvorschriften zur Regelung des Jagdwesens, die die Ausübung der Jagd in Jagdgesellschaften im Interesse der Gesellschaft sichern. Das Jagdhunde regelt die Rechte und Pflichten der Jäger bei der Jagdausübung, die Jagd- und Schonzeiten für die einzelnen Wildarten, die Bildung und Bewirtschaftung der Jagdgebiete, den Schutz vor und den Ausgleich von Wildschäden, die Jagdwaffenverwendung und die Tätigkeit der Jagdgesellschaften.

Jaguar, Panthera onca: Leopard ähnliche klettergewandte Großkatze Amerikas; besonders in feuchten Wäldern von Arizona (USA) bis Patagonien verbreitet; gelegentlich treten Schwärzlinge auf.

Jaguarundi, Wieselkatze, Herpailurus yagouaroundi: Kleinkatze von marderähnlicher Gestalt mit kurzen Beinen, kurzem, glatt anliegendem Fell; schwarze, braune und graue Tiere werden als Jaguarundi, fuchsrote als Eyra bezeichnet; Waldbewohner; verbreitet von den südlichen USA bis Nordargentinien.

Jahn: Friedrich Ludwig, 11.8.1778 bis 15.10.1852, Begründer der bürgerlichen Turnbewegung in Deutschland («Turnvater Jahn»); schuf 1811 den ersten öffentlichen Turnplatz auf der Berliner Hasenheide, erstrebte mit dem Turnunterricht die Erziehung zum Patriotismus, kämpfte um nationale Einheit, später stark deutschtümelnde Züge in seinen politisches Ansichten; Hauptwerke: «Deutsches Volkstum» (1810), «Die deutsche Turnkunst» (gemeinsam mit E. Eiselen, 1816).

Jahnn, Hans Henny, 17.12.1894-29.11.1959, Schriftsteller und Orgelbauer; emigrierte 1933 nach Dänemark, lebte nach 1945 in der BRD. Jahnn verfasste von spätbürgerlichen Literaturströmungen beeinflusste individualistisch-humanistische Dramen, Romane und Erzählungen; ferner Essays unter anderem Zu seinen gesellschaftskritisch akzentuierten Werken gehören die gegen Rassenhass gerichtete Szenenfolge «Straßenecke» (1931), das gegen die Gefahr eines Atomkrieges gerichtete Drama «Der staubige Regenbogen» (1961) sowie die Trilogie über die Isolierung des Künstlers in der bürgerlichen Gesellschaft «Fluss ohne Ufer» (1949/61).

Jahr, Zeichen a (lateinisch annus): die Dauer eines Umlaufs der Erde um die Sonne. Seine Länge hängt davon ab, zwischen welchen Bahnpunkten die Zeitdauer gemessen wird. Nach Ablauf eines siderischen Jahr (365 d 6 h 9 min 9 s) nimmt die Sonne wieder die gleiche Stellung unter den Sternen ein. Das tropische Jahr (365 d 5 h 48 min 46 s = 365,242 2 d) ist die Zeitdauer zwischen 2 Durchgängen der Sonne durch den Frühlingspunkt. Die Zeitdauer zwischen 2 aufeinander folgenden Durchgängen der Erde durch das Perihel oder Aphel bezeichnet man als anomalistisches Jahr (365 d 6 h 13 min 53 s). In der Kalenderrechnung gilt der Zeitabschnitt als Jahr, der nach den jeweils gültigen Regeln dem tropischen Jahr am besten entspricht. Das Julianische Jahr galt bis 1582 und dauerte 365,25 Tage. Seitdem gilt das Gregorianische Jahr mit einer Länge von 365,2425 Tagen. Da es länger ist als 365 Tage, muss nach feststehenden Regeln in manchen Jahren ein Schalttag eingefügt werden; siehe auch Kalender.

Jahresabschluss, Abschluss: jährliche Endabrechnung der wirtschaftlichen Tätigkeit in Betrieben, Kombinaten und wirtschaftsleitenden Organen. Zu den Abschlussdokumenten gehören die buchhalterische Bilanz, die Ergebnisrechnung und der Jahresgeschäftsbericht. Bilanz und Ergebnisrechnung sind zugleich Bestandteile des Jahresfinanzkontrollberichts, der in der Industrie das wichtigste Abschlussdokument in der zentralisierten staatlichen Berichterstattung bildet. entsprechend den Erfordernissen können weitere Abschlussdokumente in den Jahresabschluss einbezogen werden. Der Jahresabschluss wird durch die Staatliche Finanzrevision in Jahresabschlussprüfungen einer Revision unterzogen. Er liegt den Rechenschaftslegungen der Leiter vor den Werktätigen und übergeordneten Organen sowie der Abrechnung des Volkswirtschaftsplanes zugrunde.

Jahresendprämie: jährlich einmalig in Abhängigkeit von der Höhe der erwirtschafteten Mittel an alle Belegschaftsmitglieder unter Berücksichtigung ihrer individuellen Leistungen aus dem Prämienfonds zu zahlende Prämie; ergänzt als Hauptform der Prämiierung die anderen Formen der persönlichen materiellen Interessiertheit. Mit der Jahresendprämie, die direkt verbunden ist mit den wichtigsten staatlichen Plankennziffern (industrielle Warenproduktion, Arbeitsproduktivität) und mit der wirtschaftlichen Rechnungsführung (Gewinn), werden die Betriebskollektive an der Erfüllung der Planaufgaben und an einer hohen Effektivität ihrer kollektiven Arbeit interessiert.

Jahresfeuer: an bestimmte Tage des Jahres gebundene Bräuche, die mit dem Entzünden eines Feuers verbunden sind. Die regional unterschiede Termine gehen zum Teil auf alte Jahresanfänge (1.März, 1. Mai) oder auf den kirchlichen Festkalender (Fasten-, Oster-, Johannis-, Martinsfeuer unter anderem) zurück.

Jahresuhr: mechanische Uhr, meist mit Torsionspendel (Drehpendel), die nach dem Aufziehen länger als 12 Monate in Gang bleibt. Das Zeitmessergebnis ist unter anderem wegen des Einflusses unterschiede Lufttemperatur unregelmäßig.

Jahreszeit: Zeitabschnitt eines Jahres zwischen einer Tagundnachtgleiche (Äquinoktium) und einer Sonnenwende (Solstitium) und umgekehrt. Die Jahreszeiten sind eine Folge der Neigung der Erdbahnebene beziehungsweise der scheinbaren Sonnenbahn (Ekliptik) gegen den Himmelsäquator. Frühling beziehungsweise Herbst beginnen im Frühlings- beziehungsweise Herbstäquinoktium, wenn der Sonnenmittelpunkt den Äquator von Süden nach Norden beziehungsweise von Norden nach Süden überschreitet. Sommer beziehungsweise Winter beginnen im Sommer- beziehungsweise Wintersolstitium, wenn die Sonne den größten nördlichen beziehungsweise südlicher Abstand vom Äquator hat. Da die Erde der Sonne im Winter am nächsten und ihre Bahngeschwindigkeit dann am größten ist, ist der Winter etwa 4,6 Tage kürzer als der Sommer; zur Zeit des Wintersolstitiums (-Sonnenwende) ist der Nordpol der Erde am weitesten von der Sonne abgewendet; die nördliche Halbkugel wird von den Sonnenstrahlen nur schräg getroffen und hat deshalb im Winter eine niedrigere Temperatur als im Sommer. Im Kalender beginnt der Frühling am 21. oder 20. März, der Sommer am 21. oder 22. Juni, der Herbst am 23. oder 22. September und der Winter am 22. oder 21. Dezember. Die meteorologischen Jahreszeiten sind nach Witterungsablauf gegliedert. Auf der Nordhalbkugel der Erde dauert der Winter von Dezember bis Februar, der Frühling von März bis Mai, der Sommer von Juni bis August und der Herbst von September bis November

Jahrhundert: Zeitraum von 100 Jahren. Da unsere Zeitrechnung das Jahr «Null» nicht kennt, begann das erste Jahrhundert am 1.1.1, das 20. Jahrhundert demnach am 1.1.1901 und endet am 31.12.2000.

Jährling: Tier nach Beendigung des ersten Lebensjahres; vor allem in der Pferde- und Schafzucht gebräuchlich.

Jahrring: am Querschnitt von Holzgewächsen der gemäßigten Klimazonen als Ringe sichtbare jährliche Zuwachsmenge; besteht aus Früh- und Spätholzzellen (Holz).

Jahr und Tag: im mittelalterlichen Recht übliche Frist von 1 Jahr, 6 Wochen und 3 Tagen; Wochen und Tage wurden auch als Sachsenfrist bezeichnet; angewandt zum Beispiel bei der Acht.

Jahwe, (hebräisch) fälschlich Jehova, Bezeichnung für den israelitisch-jüdischer Gott, dessen Name von den gläubigen Juden nicht ausgesprochen werden darf.

Jak: 1. (Kurzwort) Typenbezeichnung für Flugzeuge des Konstrukteurs A. S. Jakowlew.

Jakac, Bozidar, geboren 16. 7.1899, jugoslawischer (slowenischer) Maler und Graphiker; 1945/49 Rektor der Kunstakademie in Ljubljana; vertritt einen sozial und politisch engagierten expressiven Realismus.

Jakarta, Djakarta: Hauptstadt von Indonesien, in West-Java; 6,5 Millionen Einwohner; chemische, Leicht- und Lebensmittelindustrie, Metallverarbeitung, Kernreaktor; Zentrum einer relativ industrialisierten Zone; größte Universität des Landes, Planetarium; Flughafen, größter Hochseehafen des Landes in Tanjung-Priok, einem Vorort Jakartas. Jakarta wurde 1619 von den Niederländern erobert und als Batavia zum Zentrum des niederländischen Kolonialreiches (1811/16 von Briten, 1942/45 von Japan besetzt); 1945/46 und seit 1949 Hauptstadt.

Jakob, Karl Heinz, geboren 15. 8. 1929, Maler und Graphiker; 1950/55 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden; seine Porträts, Arbeitsmotive (besonders Bergarbeiter), Akte und Alltagsdarstellungen sind wirklichkeitsnah und malerisch feinfühlig gestaltet.

Jakob, Könige. England und Schottland (James):

1. Jakob I., 19.6.1566-27.3.1625, als Jakob VI. seit 1567 König von Schottland, seit 1603 zugleich von England, dort erster Herrscher der Dynastie Stuart; Sohn von Maria Stuart; gegen ihn richtete sich 1605 die Pulververschwörung. Sein starres Festhalten an absolutistische Regierungsform verschärfte den Gegensatz zwischen Krone und Bourgeoisie.

2. Jakob II., 14.10.1633-6.9.1701, König (in Schottland als Jakob VII.) 1685/88; Enkel von Jakob 1; wegen Unterstützung der feudalen Reaktion im Innern und Abhängigkeit von Frankreich 1688 durch Staatsstreich (Glorreiche Revolution) abgesetzt.

Jakobiner, Klub der Verfassungsfreunde: der bedeutendste politische Klub der Französischen Revolution mit mehreren hundert Tochterklubs und ihm angeschlossenen beziehungsweise von ihm kontrollierten Volksgesellschaften in ganz Frankreich, benannt nach seiner Tagungsstätte (Dominikanerkloster St. Jakob in Paris). Der Klub entstand 1789 aus dem Club Breton und vereinigte zunächst führende Abgeordnete des Dritten Standes. Mit Fortgang und Radikalisierung der Revolution spalteten sich die Jakobiner, nachdem sich bereits 1790 konservative Kräfte um Sieyès in der Gesellschaft von 1789 eine neue Plattform geschaffen hatten. Im Juli 1791 kam es zur ersten Spaltung, als Vertreter des liberalen Adels und der Großbourgeoisie den Klub der Feuillants gründeten mit dem Ziel, die Revolution auf dem erreichten Stand abzuschließen. Auseinandersetzungen zwischen Girondisten (J. P. Brissot) und Montagnarden (M. de Robespierre) führten im Herbst 1792 mit dem Ausschluss der Girondisten aus dem Klub zur zweiten Spaltung. Während der im Oktober 1793 errichteten revolutionär-demokratischen Jakobinerdiktatur wurden die Jakobiner, die die revolutionären Teile des Mittel- und Kleinbürgertums vertraten, treibende Kraft und Stütze der Revolutionsregierung. Nach dem 9.Thermidor (27. 7.) 1794 wurde der Klub durch Dekret des Thermidor Konvents am 12.11.1794 aufgelöst. Hervorragende Führer waren M. Collot d’Herbois, G. Couthon, G. Danton, P. Marat, M. de Robespierre, L. A. de Saint-Just.

Jakobinermütze: rote Wollmütze mit hängendem Zipfel; die Jakobiner trugen sie, mit blau-weiß-roter Kokarde versehen, als Freiheitssymbol während der Französischen Revolution.

Jakobslilie, Sprekelia formosissima: Zwiebelpflanze aus Mittelamerika; Amaryllisgewächs; der bis 30 cm hohe Blütenschaft trägt eine scharlachrote Blüte; Zimmerpflanze.

Jakobson: 1. August, 2.9.1904-23.5.1963, estnisch-sowjetischer Schriftsteller; trat vor dem 2. Weltkrieg mit gesellschaftskritischen Prosawerken hervor, danach schuf er, bahnbrechend für die estnische Literatur, sozialistische realistische Dramen («Leben in der Zitadelle», 1946; «Die Brüder Kondor», 1947, deutsch).

2. Jakobson (englisch), Roman, 23.10.1896 bis 18. 7. 1982, US-amerikanischer Sprachwissenschaftler russischer Herkunft; seit 1949 Professor an der Harvard-Universität in Cambridge; einer der führenden Linguisten im internationalen Maßstab; veröffentlichte Arbeiten über nahezu alle Aspekte der Sprache, im Besonderen der russischen Sprache, und auch der linguistischen Poetik. Jakobson war Mitglied des Moskauer und des Prager Linguistenkreises.

Jakobsstab, Kreuzstab, Gradstock: vom 16. bis zum 18. Jahrhundert Hauptinstrument der Seefahrer zum Winkelmessen. Der Jakobsstab diente zum Bestimmen von Gestirnhöhen und Winkeln zwischen Sternen und dadurch der geographischen Breite; wurde durch den Sextanten abgelöst.

Jakowlew, Alexander Sergejewitsch, geboren 19.3.1906, sowjetischer Flugzeugkonstrukteur; entwickelte neben Schul- und Sportflugzeugen Verkehrs-, Jagd- und Bombenflugzeuge sowie Hubschrauber. Die Strahljagdflugzeuge Jak 17 und Jak 23 stammen ebenso von ihm wie Überschalljagdflugzeuge (zum Beispiel Jak 28) oder der Tandemhubschrauber Jak 24 («fliegender Waggon») sowie die Strahlverkehrsflugzeuge Jak 40 und Jak 42.

Jakuten: turksprachiges Volk in Sibirien; 350000; traditionelle Wirtschaftszweige sind Ren- und Pferdezucht, Pelztierjagd, Fischfang; heute auch Eisen- und Stahlverarbeitung.

Jalalabad: Stadt (Provinzzentrum) in Afghanistan, im Becken des Kabul; 50000 Einwohner; Erdgasgewinnungs- und Erdgasverarbeitungskomplex, Zuckerfabrik; Flughafen; Universität

Jalapa, («Sandiger Fluss») Jalapa Enriquez: Hauptstadt des Bundesstaates Veracruz (Mexiko), am Südosthang des zentralen mexikanischen Hochlandes; 200000 Einwohner; besonders Zucker-, baumwollverarbeitende, Tabakindustrie, Kaffeeaufbereitungsanlagen; Universität; Theater, Museum; Höhenkurort (bis 1420 m über dem Meeresspiegel).

Jalousie: (griechisch, «Eifersucht») Sonnen- und Sichtschutz aus verstellbaren, nach oben zusammenziehbaren Holz-, Metall- oder Plastikstäben, zum Beispiel vor Fenstern.

Jamaika: Staat (parlamentarische Monarchie) auf der 240 km langen und bis zu 80 km breiten Insel Jamaika, der drittgrößten Insel der Großen Antillen, und den Felsinseln Morant Cays und Pedro Cays im Karibischen Meer; administrativ in 3 Bezirke (Counties) unterteilt. 77% der Bevölkerung sind Afroamerikaner, 16% Mulatten, etwa 4% asiatischer Herkunft (Inder, Chinesen). Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Jamaika-Dollar. Natur. Im zentralen Teil wird Jamaika von Faltengebirgsketten, die Teil des sich untermeerisch fortsetzenden Kordilleren Systems sind, durchzogen. Die größten Erhebungen liegen im Osten der Insel im Gebirgsstock der Blue Mountains (2256 m). Nach Norden schließt sich eine verkarstete Kalktafel, die etwa zwei Drittel der Inselfäche einnimmt und bis zu 500 m hoch ist, an. Sie weist im Nordwesten die für die Tropen typische Kegel- und Turmkarstformen auf. Den Südrand nehmen Schwemmlandebenen ein. Auf Jamaika herrscht tropisches, jedoch durch den Nordostpassat beeinflusstes Seeklima mit 2 Regenzeiten im Jahr; häufig auftretende Wirbelstürme (Hurrikane). Die Hauptniederschläge fallen im Norden (tropischer Regenwald), im trockneren Süden und in den Längstälern treten Savannen mit Akazien und Kakteen auf. Wirtschaft. Jamaika ist ein Agrar-Industrie-Staat mit sich entwickelndem Bergbau. Seit Beginn der Bauxitforderung in den 50er Jahren hat sich Jamaika zu einem der führenden Produzenten dieses Rohstoffs in der Welt entwickelt. Die bisher erkundeten Vorräte werden auf über 1 Md. t geschätzt. Die Bauxitforderung und Verarbeitung zu Tonerde erfolgt durch mehrere ausländische Monopole (4 US-amerikanische und eine kanadischen Gesellschaft mit jamaikanischer Mehrheitsbeteiligung (seit 1976/77)). Außerdem werden Marmor, Alabaster, Gips, Salz und Kalkstein abgebaut. In der Landwirtschaft, die etwa 50% der Landesfläche nutzt, werden auf 35% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Plantagenbau unter modernen Betriebsbedingungen (unter anderem Bewässerung) die Exportkulturen Zuckerrohr, Bananen, Kaffee, Kakao, Tabak, Gewürze durch britische und US-amerikanische Agrargesellschaften angebaut. Bäuerliche Kleinbetriebe unter 2 ha bewirtschaften etwa 40% der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Für den Eigenverbrauch werden Bataten, Maniok, Mais, Reis und Gemüse produziert. Auf den Kalkplateaus im Norden wird vorwiegend Viehzucht betrieben. In den letzten Jahren entwickelte sich der internationale Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Neben der Verarbeitung agrarische Produkte (Tabak, Zucker, Rum unter anderem) existiert eine vielseitige Industrie für den einheimischen Markt (Baumaterialien-, chemische, elektrotechnische Textilindustrie); Erdölraffinerien. Haupthäfen sind Kingston und Montego Bay, internationale Flughäfen Norman Manley Airport und Donald Sangster Airport. Ausgeführt werden Bauxit und Tonerde (70%), Zucker, Bananen, Rum, Früchte, Gewürze; eingeführt werden Roh- und Brennstoffe, Maschinen, Konsumgüter und Lebensmittel. Haupthandelspartner sind die USA, Venezuela, Kanada, Großbritannien sowie Trinidad und Tobago. Geschichte. 1494 von C. Kolumbus entdeckt; die spanische Kolonisation führte zur Ausrottung der Indianer. 1655 englisch Eroberung und Zentrum des karibischen Sklavenhandels; nach Farbigen Aufstand von 1831 erfolgte Aufhebung der Sklaverei (1833/38), seit 1845 Einfuhr indischer und chinesischer Kontraktarbeiter. Ein Aufstand 1865 unter der Führung von G. W. Gordon und P. Bogle zwang Großbritannien zu Teilreformen; begrenztes Wahlrecht seit 1884. Nach dem Aufschwung der demokratischen Bewegung in den 20er und 30er Jahren wurden Parteien und Gewerkschaften zugelassen (1933) und das allgemeine Wahlrecht gewährt (1943). Zum ökonomischen Eindringen der USA kam im 2. Weltkrieg die Überlassung von Militärstützpunkten (1940). Die Erlangung der staatlichen Selbständigkeit Jamaikas (6.8.1962) leitete den Zerfall der Westindischen Föderation ein. Die 1972/80 unter M Manley regierende Nationale Volkspartei versuchte, ein umfassendes Programm sozialökonomischer Umgestaltungen und eine antiimperialistische Außenpolitik zu verwirklichen. Ökonomischer und politischer Druck der USA sowie soziale Demagogie führten bei Parlamentswahlen 1980 zum Wahlsieg der proimperialistische großbürgerliche Labour Party unter E. Seaga. Die von den USA, die Jamaika zu ihrer Bastion in der Karibik auszubauen suchen, unterstützte Regierung Seaga vermag nicht, die Probleme des Landes zu lösen. Die 1978 gegründet Arbeiterpartei Jamaikas, die Partei der Kommunisten, ringt um den Zusammenschluss aller antiimperialistische und demokratische Kräfte.

jambische Verse: ursprünglich aus Jamben (Versfuß) bestehende Verse, dann auch alternierende Verse (alternieren), die immer mit einem Auftakt, das heißt mit einer unbetonten Silbe, beginnen, zum Beispiel Alexandriner oder Blankverse.

Jambol: Bezirksstadt im Südosten Bulgariens, an der Tundsha; 86000 Einwohner; Chemiefaser-, Baumwollkombinat, Maschinenbau, Lebensmittel-, Textil-, Möbelindustrie; Mittelpunkt intensiver Landwirtschaft; Museum, Theater.

Jambuse, Rosenapfelbaum, Syzygium jambos: in Südasien beheimatetes, immergrünes Myrtengewächs mit weißlichen, gelben oder roten nach Aprikose schmeckenden Beeren; in Indien und Ostafrika häufig als Kulturpflanze genutzt.

James: 1. Henry James, 15.4.1843-28.2.1916, US-amerikanischer Schriftsteller; seit 1915 britischer Staatsbürger; gilt mit sprachlich und erzähltechnisch ausgefeilten Romanen («Bildnis einer Dame», 1881, deutsch) als einer der Begründer des modernen psychologischen Romans.

2. William James, 11.1.1842-26.8.1910, US-amerikanischer Philosoph und Psychologe; nach C. Peirce wichtigster Vertreter des proimperialistischen Pragmatismus und eines antimaterialistischen «radikalen Empirismus». Denken und Handeln seien ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit zu betrachten; ein Satz sei dann wahr, wenn seine möglichen Folgen nützlich sind.

Jamestown: 1. historische Stätte in Virginia (USA), 1607 als erste ständige englische Siedlung in Amerika auf einer Halbinsel bei der Mündung des James River in die Chesapeake Bay gegründet; bis 1699 Hauptort der Kolonie Virginia.

2. Stadt, Verwaltungszentrum und einziger Hafen der britischen Kolonie Sankt Helena, am Südatlantik; 1500 Einwohner; Kunsthandwerk.

Jamnitzer, Familie von Goldschmieden in Nürnberg; ihr bedeutendster Vertreter ist Wenzel Jamnitzer (1508-19. 12. 1585), der neben Ornamentstichen Prunkgefäße von höchster Vollkommenheit schuf, die zu den besten Arbeiten des deutschen Renaissancekunsthandwerks gehören.

Janbu al-Bahr, Janbo: Stadt im Westen Saudi-Arabiens, am Roten Meer; 20000 Einwohner; Industriezentrum mit Erdölverarbeitungskomplex und Erdölhafen (1200 km lange Pipeline aus Abqaiq am Persischen Golf); Meerwasserentsalzungsanlage; wichtiger Hafen für den Pilgerverkehr nach Medina.

Jandl, Ernst, geboren 1.8.1925, österreichischer Lyriker; stellte sich in seiner Sprach- und Gesellschaftskonventionen verfremdenden Lyrik den Fragen der Zeit.

Janequin, Jannequin, Clément, um 1485-1558, französischer Komponist; Meister der weltlichen polyphonen Chanson mit realistisch-programmatischen Zügen; schrieb ferner Messen, Motetten, Psalmen.

Janevski, Slavko, geboren 11.1.1920, jugoslawischer (makedonischer) Schriftsteller; einer der Klassiker der modernen makedonischen Literatur durch seine Poesie («Brot und Steine», 1957; «Kainavelija», 1968) und Prosa («Clowns und Menschen», 1956; «Und Schmerz und Zorn», 1964; «Die Starrköpfigen», 1969) über den antifaschistischen Widerstandskampf und die Geschichte und Gegenwart seines Volkes.

Jangel, Michail Kusmitsch, 25.10.1911-25.10.1971, sowjetischer Techniker; Konstrukteur für Luft- und Raumfahrttechnik; war als Leiter eines Konstruktionsbüros maßgeblich an der Entwicklung sowjetischer Trägerraketen beteiligt.

Janitscharen: (türkisch «neue Truppe») 1329 vom türkischen Sultan Orhan aus christlichen Gefangenen zwangsweise gebildete kasernierte Infanterie der osmanischen Armee; 1360 von Murad I. privilegiert; seit dem 17. Jahrhundert aufsässige «Prätorianergarde», die mehrere Sultane absetzte; 1826 von Mahmud II. gewaltsam aufgelöst. Janitscharenmusik: Musik der türkischen Janitscharenkapelle (54 Interpreten, % auf Rhythmusinstrumenten: Triangel, Becken, Schellenbaum, Doppelpauke, Trommel); wurde von europäischen Komponisten (zum Beispiel W. A. Mozart) nachgeahmt. entsprechend Kapellen gab es seit dem 18. Jahrhundert auch an nichttürkischen Höfen.

Jan Mayen: Vulkaninsel im europäischen Nordmeer, zwischen Island und Svalbard, zu Norwegen gehörig; 373 km2, 30 Einwohner (Norweger, die sich befristet aufhalten); aus Lava und Tuffen aufgebaut, mit aktivem Vulkan Beerenberg (2 277 m), vergletschert; häufig Erdbeben, subarktisch-ozeanische Klima (Jahresmittel -0,5 °C), vegetationsarm; Wetterstation; Flugplatz.

Jannings, Emil, 23.7.1884-2.1.1950, Schauspieler; Charakter- und Heldendarsteller an Berliner Bühnen (bei M. Reinhardt) sowie in Stumm-, später in Tonfilmen («Der letzte Mann», «Der blaue Engel», «Der zerbrochene Krug»); 1926/29 in Hollywood.

Janowski, Juri, 27.8.1902-25.2.1954, ukrainisch-sowjetischer Schriftsteller. Sein bedeutendstes Werk, der Bürgerkriegsroman «Die Reiter» (1935), übte großen Einfluss auf die Entwicklung der ukrainischen Prosa aus. Zahlreiche Dramen Janowskis sind dem Kampf der Bolschewiki in der Ukraine gewidmet («Nachdenken über eine Engländerin», 1938).

Jansenismus: von dem niederländischen Bischof Cornelis Jansen (1585-1638) gegründet reformkatholische Bewegung in Frankreich im 17./18. Jahrhundert; wesentlich von Augustinus beeinflusst. Hauptvertreter waren unter anderem A. Arnauld und B. Pascal, Gegner vor allem die Jesuiten. Nach Ausweisung aus Frankreich (1713) gingen viele Jansenisten nach Holland.

Jan Sobieski, Johann III. Sobieski, 17. 8.1629 bis 17.6.1696, König von Polen seit 1674; war seit 1668 Kronfeldherman (Oberbefehlshaber der Armee); besiegte die Türken 1673 bei Chocim und 1683 bei Wien; förderte Kunst und Wissenschaft. Jansons, Arvids, 24.10.1914-November 1984, lettisch-sowjetischer Dirigent; Professor am Leningrader Konservatorium; war seit 1952 ständiger Dirigent des Sinfonieorchesters der Leningrader Philharmonie und als Gastdirigent auch international erfolgreich. Janssen, Horst, geboren 14.11.1929, Graphiker in der BRD. Durch seine satirischen, aggressiven Porträts, die mit Ironie, Skurrilität und Bitterkeit bürgerlicher Borniertheit anprangern, und vor allem durch seine Selbstbildnisse, die die Befindlichkeit des Individuums und die Suche nach Menschlichkeit thematisieren, schafft Jan III auf der Grundlage einer virtuosen und gleichzeitig sensiblen Zeichenkunst ein treffendes und entlarvendes Bild des gegenwärtigen bürgerlichen Lebens.

Januar, Jänner, Hartung (althochdeutsch): erster Monat des Jahres; er hat 31 Tage und ist nach dem römischen Gott Janus benannt.

Januarstreik 1918: nach einem Streikaufruf der Spartakusgruppe von den revolutionären Obleuten organisierter politischer Massenstreik (28. 1./4. 2. 1918) für die Beendigung des 1. Weltkrieges; mit über 1 Millionen Teilnehmern war der Januarstreik 1918 die größte Friedensaktion der deutschen Arbeiter im Krieg; er wurde mit Hilfe in die Streikleitung gelangter rechter SPD-Führer (F. Ebert unter anderem) abgewürgt.

Janus, römischer Gott der Tür, des Ein- und Ausgangs und des Beginns; nach ihm ist der Januar benannt. Janus wurde mit vor- und rückwärtsblickendem Kopf dargestellt (Januskopf).

Janz, Karin, verheiratete Büttner, geboren 17.2.1952, zweifache Olympiasiegerin im Gerätturnen (Pferdsprung und Stufenbarren) 1972, olympische Silbermedaillen am Stufenbarren 1968, im Achtkampf und in der Mannschaftswertung 1972 sowie olympische Bronzemedaillen in der Mannschaftswertung 1968 und am Schwebebalken 1972, Weltmeisterin am Stufenbarren 1970 sowie vierfache Europameisterin an verschiedenen Geräten beziehungsweise im Mehrkampf 1969.

Japan (chinesisch, «Land des Sonnenaufgangs»), japanisch Nippon: Staat in Ostasien, auf dem zwischen Stillem Ozean und Japanische Meer gelegenen, etwa 3000 km langen, von Nordosten nach Südwesten verlaufenden Inselbogen, der aus den 4 Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu und 3 922 kleineren Inseln (darunter die Riukiu-Inseln mit Okinawa) besteht. Administrativ gliedert sich Japan (chinesisch in die Großpräfekturen Hokkaido und Okinawa, die Hauptstadtpräfektur Tokio, die beiden Großstadtpräfekturen Kyoto und Osaka sowie weitere 42 Präfekturen (Ken). Währung ist der Yen.

Bevölkerung: 99% der Einwohner sind Japaner, daneben gibt es etwa 20000 Ainu (Urbewohner Japan (chinesischs) sowie Koreaner und Chinesen. Amtssprache ist Japanisch. Japan (chinesisch weist eine sehr hohe Bevölkerungsdichte auf, wobei die Küstenzonen im Süden von Honshu außerordentlich stark besiedelt sind. Zu verzeichnen sind zunehmende Urbanisierung (76% der Einwohner leben in Städten, davon die Hälfte in Großstädten, darunter 10 mit mehr als 1 Millionen Einwohner) und stetiges natürliches Bevölkerungswachstum (etwa 1 Millionen/Jahr). Etwa 24% der Einwohner sind bis 14 Jahre alt, 64% 15 bis 59 Jahre alt und 13% 60 Jahre und älter.

Natur - Oberfläche: Die japanische Inseln sind sehr stark gegliedert und weisen besonders im Süden und Südwesten der Hauptinseln sowie an der seichten Japanischer Inlandsee buchtenreiche Küsten auf. Etwa 85% der Landesfläche werden von Hoch- und Mittelgebirgen sowie Bergländern eingenommen. Das größte Gebirge Japan (chinesischs sind die vorwiegend aus Granit bestehenden Japanischen Alpen auf Honshu (bis 3 192 m). Unter den zahlreichen Vulkanen, die tektonischen Bruchzonen aufsitzen, sind heute noch etwa 50 aktiv; häufig Erdbeben. Der höchste Gipfel Japan (chinesischs ist der Vulkankegel des Fuji mit 3 776 m. Ausgedehnte Tiefländer treten nur im Bereich der Küste auf, das größte ist die Kanto-Ebene bei Tokio; zwischen den Gebirgszügen liegen zahlreiche kleinere Becken.

Klima: Japan (chinesisch erstreckt sich von der kühlgemäßigten Klimazone im Norden über die warmgemäßigte bis zur subtropischen Zone im Süden und wird zum Teil vom außertropischen Monsun beeinflusst. Die Längserstreckung des Inselbogens bedingt ein merkliches Temperaturgefälle von Süden nach Norden. Der von Süden kommende warme Kuroshio-Strom mildert, ähnlich dem Golfstrom in Europa, die Winterkälte. Von Norden kommend, beeinflusst der kalte Oyashio-Strom die Temperatur. Die Hauptniederschlagszeiten liegen in den Monaten Juni/Juli und September/Oktober (schwere Taifune), die ergiebigsten Niederschläge fallen in den oberen Gebirgslagen. Gewässer. In Japan (chinesisch besteht ein dichtes Netz von meist kurzen, wasser- und gefällereichen Flüssen; zu den längsten zählen der Shinano (369 km) auf Honshu und der Ishikari (365 km) auf Hokkaido. Sie werden für die Energiegewinnung und für die Bewässerung der Reisfelder genutzt. Der größte der zahlreichen Seen ist der Biwasee (675 km2) im mittleren Teil von Honshu; zu den nachvulkanischen Erscheinungen in Japan (chinesisch gehören über 10000 Thermalquellen. Vegetation. Etwa zwei Drittel der Landesfläche sind mit Wald bedeckt. Auf Hokkaido und im Norden von Honshu gedeihen sommergrüne Laub- und Nadelwälder, im Süden von Honshu, auf Shikoku und Kyushu immergrüne subtropische Wälder. Die großen und kleinen Ebenen werden fast ausnahmslos von intensiv bewirtschaftetem Kulturland eingenommen. Es gibt zahlreiche Nationalparks und Naturschutzgebiete.

Bodenschätze: Japan (chinesisch ist arm an Bodenschätzen; lediglich Steinkohle und steinkohlenähnliche Braunkohle stehen in größeren Mengen zur Verfügung (bedeutendere Lager im Nordwesten von Kyushu und auf Hokkaido). Beachtliche Kupfer- und Schwefelkiesvorkommen, ferner unbedeutendere Vorkommen an Erdöl, Eisen-, Mangan-, Blei-, Zink-, Zinn-, Uran-, Gold- und Silbererz, Kalkstein.

Geschichte: Die erste Besiedlung Japan (chinesischs erfolgte im Paläolithikum. Zur Herkunft der Ureinwohner gibt es verschiedene Theorien. Durch Funde von Keramiken, Werkzeugen und Humanfossilien relativ gut belegt ist die neolithische Jomon-Kultur (etwa 7500/300 vor Christus). Seit dem 3. Jahrhundert vor Christus wurden die Ureinwohner verdrängt durch Festlandsstämme mit höherer materieller Kultur, insbesondere Kenntnis von Nassfeldbau und Metallbearbeitung (Yayoi-Kultur bis etwa 3. Jahrhundert nach Christus). In den ersten Jahrhunderten nach Christus setzte der Zerfall der urgesellschaftlichen Verhältnisse ein. Es entstanden Keimzellen von Staaten auf der Grundlage von Stammesbünden. Der Stammesverband von Yamato vereinte bis Mitte des 4. Jahrhundert die wesentlichen Gebiete Japan (chinesischs unter seiner Führung, was zur Schaffung des ersten japanischen Staates, des sogenannt Yamato Staates, führte.

Mit der Taika-Reform (645/702), einer Reihe an der chinesischen Tang-Dynastie orientierter Reformen, wurde ein System der anteilmäßigen Bodennutzung (alleiniger Eigentümer war der Kaiser) eingeführt, wobei sich der Staat zum Typ der orientalische Despotie entwickelte. Es entstand ein zentralisierter Beamtenstaat, der dem Kaiserhaus zunächst die alleinige Macht sicherte. Die höfliche Kultur erlebte in der Nara- (710/84) und Heian-Zeit (794/1185) eine Blüte. Machtkämpfe der besonders privilegierten Adelshäuser (Fujiwara) und buddhistischer Klöster führten in den zentralen Provinzen zur Entstehung von neuem privatem Großgrundbesitz (Shoen). Im 10. Jahrhundert verfügten so die Fujiwara sowohl über die wirtschaftliche als auch über die politische Staatsgewalt. Im 11. Jahrhundert begann dann auch besonders im kolonialisierten Nordosten des Landes, begünstigt durch massenhafte Bauernflucht aus den Stammprovinzen und Bildung neuer großer Shoen, die Herausbildung und der Aufstieg des Kriegeradels (Bushi), der Kaiserhaus und Hofadel verdrängte. Mit der militärischen Übernahme der Macht 1192 durch das mächtigste Kriegeradelsgeschlecht (Minamoto) setzte sich der Feudalismus in Gestalt des Bakufu durch.

Die herrschenden Bushi-Geschlechter differenzierten sich entsprechend ihrer ökonomischen Macht immer stärker, was im 14. Jahrhundert zu einer Periode feudaler Zersplitterung führte. Ständige Feudalfehden im 14./16. Jahrhundert erreichten mit der Zeit des hundertjährigen Bürgerkrieges 1467/1568 ihren Höhepunkt. Dadurch wuchs die Not der Bauern, und von der 1. Hälfte des 15. Jahrhundert bis Mitte des 16. Jahrhundert nahmen bäuerliche Kampfaktionen zu; herausragende Bedeutung besaß die Bauernrepublik von Yamashiro 1485/93. Trotz der Feudalfehden nahmen die Produktivkräfte bis zum 16. Jahrhundert einen beachtlichen Aufschwung (Entwicklung der Ware-Geld-Beziehungen, der Handwerkerzünfte und Kaufmannsgilden, des Nah- und Fernhandels). 1543 landeten erstmalig Europäer (Portugiesen) in Japan (chinesisch Die ökonomische Entwicklung erforderte die Schaffung einer starken Zentralgewalt und die Abwendung der drohenden Kolonialisierung Japan (chinesisch Ieyasu Tokugawa begründete die Herrschaft des Tokugawa-Geschlechts (1603/1867), die den Spätfeudalismus in Japan (chinesisch markiert. Alle politischen und ökonomischen Maßnahmen dieser Epoche (völlige Abschließung vom Ausland 1639 bis 1853/54, Rückkehr zur Naturalwirtschaft, strenge Reglementierung der Arbeit und des Lebens aller Klassen und Schichten) sollten dazu beitragen, die seit dem 16. Jahrhundert auftretenden Zerfallserscheinungen des feudalistischen Systems einzudämmen.

Die Entwicklung der Geldwirtschaft und zunehmende gesellschaftliche Differenzierung in Stadt und Land konnten jedoch nicht aufgehalten werden. Die Herausbildung kapitalistischer Produktionsverhältnisse, die von zunehmenden Unruhen der Bauern und der Stadtarmut sowie der Zuspitzung von Auseinandersetzungen zwischen Zentralgewalt und Daimyo begleitet war, untergrub den Feudalstaat. Dahingehend wirkte auch der äußere Druck expansiver kapitalistischer Staaten, mit denen Japan (chinesisch nach seiner gewaltsamen Öffnung durch den amerikanischen Marineoffizier M. G. Perry 1853/54 ungleiche Verträge schloss. Mit dem Sturz des letzten Tokugawa-Shoguns 1867 und der formalen Übergabe der Zentralgewalt an den Kaiser 1868 durch Angehörige des Feudaladels, die zum Teil mit bürgerlichen Kräften zusammenarbeiteten, setzten die Prozesse der Meiji Revolution ein. Reformen, die eine kapitalistische Entwicklung einleiteten, wurden ermöglicht, doch blieben in starkem Maße feudale Relikte erhalten. So entstand auf der Grundlage der ersten Verfassung von 1889 ein zentralisierter Staatsapparat mit dem Kaiser an der Spitze. Die sich seit Ende des 19. Jahrhundert organisierende Arbeiterbewegung war stärkster Verfolgung ausgesetzt. Die 1901 gegründet Sozialdemokratische Partei wurde sofort, die sozialistische Partei von 1906 nach einem Jahr verboten. Der japanische Kapitalismus trat von Anfang an nach außen aggressiv auf, provozierte unter anderem den Chinesisch-Japanischen Krieg (1894/95).

Kunst: Erste Zeugnisse japanischer Kunst sind reichverzierte Schnurkeramiken und primitive, vermutlich Fruchtbarkeitssymbole darstellende Tonfiguren aus dem 5./4.Jahrt. vor Christus (zuzurechnen der neolithischen Jomon-Kultur; 7500/300). Um 200 vor Christus entstanden neben einem neuen, sehr schlichten Keramiktyp auch die ersten Metallarbeiten mit geometrischem und bildlichem Dekor, der Rückschlüsse auf die Lebensweise jener Zeit zulässt. Mit der Periode der Hügelgräber (3./6. Jahrhundert) begann nach einer Unterbrechung von fast einem Jahrtausend wieder ein plastisches Schaffen in Gestalt der Haniwa, stilisierter tönerner Hohlfiguren, die als Grabschmuck dienten. In dieser Zeit setzte sich die Pfahlbauweise durch und mit ihr eine Architektur, die für den japanischen Schrein- und zum Teil auch Wohnbau bis in die Gegenwart bestimmend blieb. Unter dem Einfluss des seit etwa 538 nach Japan (chinesisch vordringenden Buddhismus vollzog sich in enger Anlehnung an koreanischer und chinesischer Vorbilder die Herausbildung einer buddhistischen Kunst. Mit der aufblühenden buddhistischen Tempelarchitektur, deren älteste erhaltene Zeugnisse die Anlagen des Horyu-ji sind, entwickelte sich auch eine buddhistische Kultplastik auf hohem künstlerischem Niveau. Die 1972 in einem Grabmal aus dem 6. Jahrhundert in der Präfektur Nara entdeckten Wandgemälde sowie die 1949 bei einem Brand zerstörten Wandmalereien in der Goldenen Halle des Horyu-ji aus dem Ende des 7. Jahrhundert folgen in ihrer Komposition, Darstellungsweise und Farbgebung koreanische beziehungsweise chinesischen Vorbildern. Mit dem Aufkommen des esoterischen Buddhismus, der bildlichen Darstellungen in das Ritual mit einbezog, verlagerte sich das Schwergewicht vom plastische auf das malerische Schaffen. Im 10./12. Jahrhundert vollzog sich unter der Herrschaft der höflichen Aristokratie eine verstärkte Assimilierung der in der Zeit zuvor übernommenen festländischen Kunststile. Das Strenge und Dynamische in allen Kunstgattungen wurde durch Eleganz und Anmut abgelöst. Das Streben nach Verfeinerung sowie ein Hang zum Sentimentalen führten in der Tempelarchitektur und in der Kultplastik zum Verfall. Hingegen erlebten Malerei und Kunsthandwerk, besonders die Lackkunst und Lackmalerei, eine hohe Blüte. Zunehmender Beliebtheit erfreute sich die Querrollenmalerei (Emakimono), die ihre Themen vornehmlich aus der schöngeistigen Literatur bezog und einen immer stärkeren weltlichen Charakter annahm. In dieser Zeit begann sich auch die japanische Gartenkunst, in der die Erhaltung des Natürlichen oberstes Prinzip ist, zu entwickeln. Die Entmachtung der höflichen Aristokratie durch den militärischen Feudaladel (1192) blieb in der Kunst längere Zeit ohne Auswirkungen.

Erst erneuter chinesischer Einfluss und das Vordringen des Zen-Buddhismus leiteten im 14./15. Jahrhundert eine neue Epoche des japanischen Kunstschaffens ein. In der Architektur bildeten sich die unmittelbaren Vorstufen des heutigen japanischen Wohnhausstils heraus. Die Plastik erlebte eine Renaissance, die wertvolle Kult-, aber auch die ersten weltlichen Porträtplastiken hervorbrachte. Mit der Übernahme der chinesischen Tuschmalerei gegen Mitte des 14. Jahrhundert bildete sich neben der religiösen eine weltliche Landschaftsmalerei heraus, die ihren bedeutendsten Vertreter in Sesshu fand. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich eine vornehmlich von der Kano-Schule gepflegte dekorative Malerei, die Pflanzen- und Vogelmotive bevorzugte und besonders der Ausschmückung der in der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert mit dem Unabhängigkeitsstreben einzelner Feudalfürsten zahlreich errichteten burgähnliche Schlösser diente. In direktem Zusammenhang mit dem Aufstieg des Städtebürgertums im 17. Jahrhundert blühte als Kultur- und Kunstströmung das Ukiyo-e auf und fand weiteste Verbreitung durch den zunächst kolorierten und seit dem 18. Jahrhundert zum Mehrfarbendruck entwickelten Holzschnitt. Zu den bedeutendsten Malern, die Vorlagen für den Holzschnitt lieferten, gehören Moronobu, S. Harunobu, Kitagawa Utamaro (1753-1806) sowie Hokusai und Hiroshige, wobei besonders letztere auf die europäischen Malerei des ausgehenden 19. Jahrhundert einen nachhaltigen Einfluss ausübten.

Mit der Öffnung Japans für den internationalen Verkehr (1853/54) und der raschen Entwicklung des Kapitalismus nach 1868 setzte die Übernahme und anfangs oft bloße Nachahmung europäischen Kunststile ein. Als Reaktion darauf entstand Ende des 19. Jahrhundert neben der Malkunst im europäischen Stil die Nihonga Malerei, eine monochrome oder farbige Tuschmalerei auf Seide oder Papier. Sie sucht die Traditionen der klassischen weltlichen und buddhistischen Malerei zu wahren, bleibt aber nicht bei einer Nachahmung stehen, sondern setzt sich produktiv mit neuen Themen und Gestaltungsmöglichkeiten auseinander. Tessai Tomioka (1837-1924), Ryushi Kawabata (1885-1966) und Yokoyama Taikan (1868-1958) zählen zu den führenden Persönlichkeiten der Nihonga-Malerei. Einer ihrer bedeutendsten Vertreter der Gegenwart ist K. Higashiyama. Die Ölmalerei im europäischen Stil, die besonders von Seiki Kuroda (1886-1924) in Japan heimisch gemacht wurde, unterlag nach dem 2. Weltkrieg stärker den Einflüssen des spätbürgerlichen Kunstbetriebes als die Nihonga Malerei. Im Kunsthandwerk setzen sich einerseits die durch das Ikebana und die Teezeremonie bestimmten Traditionen fort, während sich eine andere Richtung stark an der Volkskunst orientiert. besonders reich ist das Schaffen in der Töpferkunst. Beachtenswert sind die Leistungen in der Architektur, wo es besonders seit der Mitte der 50er Jahre immer besser gelang, auch traditionelle Elemente in die moderne Stahlbetonbauweise zu integrieren. Weite internationale Anerkennung fand neben anderen modernen japanischen Architekten besonders Kenzo Tange (geboren 1913).

Literatur: Nach der Übernahme der chinesischen Schrift (ab 4. Jahrhundert) vollzog sich zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert der Übergang von der mündlichen zur schriftlichen Dichtung. Die ältesten erhaltenen Literaturdenkmäler sind das «Kojiki» (712) und das Annalenwerk «Nihongi» (720), beide dienten der ideologischen Untermauerung des alleinigen Herrschaftsanspruches des Tenno-Hauses. Vom hohen Niveau der Poesie schon in frühester Zeit kündet das «Manyoshu» (um 764), die erste und zugleich monumentalste Lyrikanthologie der japanischen Literaturgeschichte. Höfische Epoche (9./12. Jahrhundert). Sie wird eingeleitet mit dem «Kokin Wakashu» (zwischen 905 und 922), der ersten von insgesamt 21 offiziellen Lyriksammlungen, die den Höhepunkt der höflichen Poesie in Form der Waka, 31silbiger Kurzgedichte, bildet. Mit dem Entstehen der japanischen Schrift (Hiragana) begann sich gegen Ende des 9. Jahrhundert eine eigenständige künstlerische Prosa in Form der Monogatari (Erzählungen), Nikki (Tagebücher) und Zuihitsu (Skizzen) zu entwickeln. Ihre Schöpfer waren vor allem Frauen des Hofes. Das «Makura no Soshi» (um 1000) der Sei Shonagon, mit dem das Genre der Zuihitsu eingeleitet wurde, und das «Genji Monogatari» (1002/14) der Murasaki Shikibu, mit dem die japanische erzählende Prosa ihre erste Blüte erreichte, sind Werke, die zum Teil bis heute fortwirken.

Feudalzeit (Ende 12. bis 19. Jahrhundert). Trotz der politischen Entmachtung des Hofadels 1192 behauptete sich bis zur Mitte des 14. Jahrhundert der höfliche Geschmack in der Literatur weiter, auch wenn sich zunehmend inhaltliche und stilistische Veränderungen sowie eine immer stärkere buddhistische Färbung im gesamten Literaturschaffen durchsetzten. Die politischen Wirren des 11. und 12. Jahrhundert fanden ihren literarischen Niederschlag in den Rekishi-Monogatari (Historische Erzählungen) und Gunki-Monogatari (Kriegserzählungen). Letztere wurden thematisch im 14. Jahrhundert mit den romantisch gefärbten Ritterromanen fortgesetzt. In der Poesie gelangte das in seinen Ursprüngen bis in das 8. Jahrhundert zurückreichende Retiga (Kettengedicht), das als eine Form gesellschaftlicher Unterhaltung in poetische Wechselrede geschaffen wurde, zur Blüte. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich die Dramatik zu einer eigenen Gattung, unter anderem in der Form der Yokyoku, der textliche Grundlage des No, als des Sen Vollender Zeami gilt. Mit der Herausbildung eines städtlichen Bürgertums begann sich in der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert eine an Formen reiche, nach umfassender Wirklichkeitsabbildung strebende frühbürgerlicher Literatur zu entfalten. Mit ihr entstand auch der Beruf des Schriftstellers. Der Prosaist Ihara Saikaku, der Dramatiker Chikamatsu Monzaemon sowie der Poet Matsuo Basho waren die ersten herausragenden Vertreter eines neuen, vom aufstrebenden Frühbürgertum getragenen Literaturschaffens. Die besondere sozialökonomische Entwicklung Japan (chinesischs (Abschließung des Landes und Konservierung des Feudalsystems) führten jedoch dazu, dass gegen Mitte des 18. Jahrhundert die frühbürgerliche Literatur mit dem Eindringen der Ideologie des herrschenden Feudaladels fast durchweg zu einer naiv didaktischen und moralisierenden Literatur hinabsank, während die gehobene Literatur, vornehmlich die Poesie, in Formelhaftigkeit erstarrte. Periode des Kapitalismus (ab 2. Hälfte des 19. Jahrhundert). Die sich unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen herausbildende Literatur orientierte sich vor allem an englischen, russischen und französischen Vorbildern. Eine längere Übergangsphase mündete um 1890 in die Romantik ein. Einer ihrer Hauptvertreter war Mori Ogai. Kurz nach der Jahrhundertwende wurde der Realismus zur Haupttendenz. Er erreichte seinen ersten Höhepunkt mit Tokutomi Roka, 1 Shimazaki Toson, Tayama Katai, Natsume Soseki unter anderem. Das Fortbestehen starker feudaler Überreste nach der unvollendeten Revolution von 1868, der Druck des Tenno-Absolutismus und der rasche Übergang des japanischen Kapitalismus in das Stadium des Imperialismus führten zu einem vorwiegend pessimistischen, nihilistischen Grundton im bürgerlichen realistischen Literaturschaffen und ab etwa 1910 zu einem immer stärker werdenden Rückzug des Schriftstellers in seinem Schaffen auf sich selbst und seine persönliche Lebensumstände. Die Ausweglosigkeit der bürgerlichen Literatur wurde besonders in den 20er Jahren ständig deutlicher und zeigte sich auch in der Selbsttötung der bedeutenden Schriftsteller T. Arishima und R. Akutagawa. Im Gegensatz dazu begann sich unter dem Eindruck der Großen sozialistischen Oktoberrevolution und dem Anwachsen der japanischen Arbeiterbewegung eine proletarische Literatur herauszubilden. Sie gewannen nach der Gründung der Zeitschrift «Der Sämann» (1921) rasch an Einfluss und beherrschte zeitweilig die literarische Bühne Japan (chinesischs. Die Erzähler T. Kobayashi, S. Tokunaga, die Lyriker S. Nakano und S. Tsuboi sowie die Schriftstellerin Y. Miyamoto gehören zu den herausragenden Persönlichkeiten der proletarisch-revolutionären Literatur Japan (chinesischs. Die zunehmende Faschisierung Japan (chinesischs (ab 1932) und der wachsende Terror brachten nicht nur die proletarische Literatur fast gänzlich zum Erliegen. Eine nennenswerte echte Widerstandsliteratur vermochte sich nicht zu entwickeln. 1945 bis zur Gegenwart. Der Neubeginn des Literaturschaffens nach dem 2. Weltkrieg vollzog sich anfangs in 4 Hauptrichtungen: die demokratische Literaturbewegung, in der politisch engagierte Schriftsteller (Y. Miyamoto, S. Tokunaga, S. Nakano, I. Sata) die Traditionen der proletarischen Literaturbewegung fortzusetzen suchten; die etablierte bürgerliche Literatur (N. Shiga, Japan (chinesisch Tanizaki, Y. Kawabata), die sich von den großen gesellschaftlichen Problemen der Zeit weitgehend fernhielt; die Shingesakuha (Neue Burleske Schule), deren Vertreter (S. Oda, A. Sakaguchi, O. Dazai) in eine anarchische Rebellion gegen alles Bestehende verfielen; die Sengoha (Nachkriegsschule), der zumeist aus dem Kleinbürgertum stammende Schriftsteller angehörten, die von unterschiedlichen Positionen aus nach einem neuen Verhältnis zur Wirklichkeit und deren kritischen Abbildung strebten. Die ersten Hauptvertreter waren H. Noma, R. Shiina, H. Umezaki, T. Takeda. Ihnen folgten ab 1950 Y. Hotta, K. Abe, S. Endo unter anderem Ab etwa 1955 setzte eine neue Entwicklungsphase ein, einerseits bestimmt durch das Aufblühen der Massenmedien und die zunehmende Kommerzialisierung des Literaturbetriebes, andererseits durch das Auftreten einer neuen Generation von Schriftstellern, deren Grunderlebnis nicht mehr Faschismus und Krieg war (S. Ishihara, T. Kaiko, K. T. Oe und der Kritiker Japan (chinesisch Eto). Nach 1960 vollzog sich unter dem Eindruck der Niederlage des Volkskampfes gegen den sogenannten japanisch-amerikanischen Sicherheitsvertrag eine immer stärker werdende Differenzierung. Es entstand ein reaktionärer Romantizismus (Y. Mishima), während andererseits der Versuch des Ausbruchs aus dem System zu einem häufigen Thema wurde (S. Maruya). Um 1970 debütierte mit Y. Furui, K. Ogawa, S. Goto unter anderem eine neue Generation, für die der Hang zur inneren Emigration kennzeichnend ist. Diese Tendenz, verbunden mit einem Gefühl der Leere, verstärkte sich ab 1975 mit dem Auftreten von K. Nakagami, R. Murakami unter anderem Positiv steht demgegenüber das besonders von der Gewerkschaftsbewegung getragene Bemühen, Werktätige zur literarischen Abbildung ihrer Arbeitswelt zu ermuntern.

Musik: Die altjapanische Musikkultur ist nur mühsam zu rekonstruieren (Instrumente, schamanistisch-shintoistische Kagura-Tänze). Koreanische (5./8. Jahrhundert) und chinesische (7./9. Jahrhundert) Hofmusik beeinflussten intensiv die Ausbildung der japanischen. Wie am chinesischen Hof gab es auch am japanischen in- und ausländischen Ensembles. Das kaiserliche Musikamt organisierte die höfliche Musik (Gagaku); es umfasste 702 insgesamt 398 Musiker. Seit dem 9. Jahrhundert wurde die ausländische höfliche Musik zunehmend japanisiert. Aus Fruchtbarkeitstänzen entstand seit dem 14./15. Jahrhundert das No-Theater, getragen von den Rittern, basierend auf dem Zen Buddhismus. Die No-Tradition ist bis heute ungebrochen, No kann als japanischer musikkultureller Höhepunkt angesehen werden. Das Bürgertum entwickelte im 16./17. Jahrhundert weitere Theaterformen mit Musik (Puppentheater Bunraku, Kabuki-Theater). Diese wie auch die Kammermusik (vom Shamisen, der Langhalsgitarre mit 3 Saiten, begleitete melodramatische Rezitationen; Interpretationen auf dem Koto, der 13saitigen Wölbbrettzither) waren in der Tokugawa-Zeit wesentlich. Seit Ende des 19. Jahrhundert geriet im Zusammenhang mit dem Aufgeben der Isolation und mit der imperialistischen Entwicklung besonders die bürgerliche Musik unter den Einfluss europäischen Musikkulturen. Zeitgenössische Werke zu europäischen Formen haben eine starke japanische Eigenständigkeit. Traditionelle Gattungen aristokratischer und bürgerlicher, aber auch bäuerliche Musik koexistieren dazu. Die überlieferte Musik werktätiger Schichten umfasst Lieder zur Arbeit (wie Reispflanzen, Teepflücken), Wiegen-, Kinder-, Geselligkeits-, auch Tanzlieder und magisch-kultischer Gesänge.

Japaner: 1. Japaner: Bautechnik muldenförmiger zweirädriger Karren zum Transport von Baustoffen auf Baustellen.

2. Japaner: Völkerkunde mongolides Volk auf den japanischen Inseln; etwa 120 Mill., außerhalb Japans etwa 1,5 Millionen; mit von China beeinflusster hoher Kultur; seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert, besonders aber nach dem 2. Weltkrieg, starke Beeinflussung durch europäischen und US-amerikanische Zivilisation.

Japanersprung: Gerätturnen - Konventionalausdruck für einen Sprung mit gebeugten Hüften und Drehung um die Tiefenachse in den Liegestütz beim Bodenturnen.

Japangraben: Tiefseegraben des Stillen Ozeans, östlich von Honshu; im Ramapotief 10 377 m.

Japanisch: Sprache Ostasiens, zählt zum agglutinierenden Sprachtyp. Die Herkunft des Japanischen ist umstritten. Eine Verwandtschaft mit der uralaltaischen Sprachfamilie wird angenommen. Zahlreich sind die lexikalischen Entlehnungen aus dem Chinesischen, genealogischen Beziehungen zum Chinesischen bestehen jedoch nicht. Japanisch wird von etwa 120 Millionen Menschen gesprochen, außerhalb Japans besonders in den USA (Hawaii) und in einigen Ländern Lateinamerikas (wie Brasilien, Peru).

Japanische Inlandsee: Meeresteil des Stillen Ozeans, zwischen den japanischen Inseln Honshu, Kyushu und Shikoku; 500 km lang, durchschnittlich 50 m, maximal 241 m tief; Küsten sind reich an Buchten und Halbinseln; starker Schiffsverkehr; Küsten und Inseln seit 1934 Nationalpark.

japanische Schrift: Mischung aus chinesischer Wortschriftzeichen (Kanji) und japanischen Silbenzeichen (Kana), wofür 2 aus jeweils 48 Zeichen bestehende Systeme existieren, Hiragana und Katakana. Letzteres dient heute nur noch als eine Art Hilfsschrift, besonders zur Transkription ausländischer Namen. In wissenschaftlichen Texten kommt häufig die Verwendung von Lateinbuchstaben (Romaji) hinzu. Mit Romaji wird auch die Wiedergabe des Japanischen in Lateinbuchstaben nach verschiedenen Transkriptionssystemen bezeichnet. Die Zahl der im öffentlichen Schriftverkehr zu verwendenden Kanji wurde nach einer 1946 erfolgten Beschränkung auf 1850 im Jahre 1979 wieder auf 1926 erhöht.

Japanisches Meer: Randmeer des Stillen Ozeans, zwischen dem japanischen Inselbogen und dem asiatischen Festland; im Süden durch die Koreastraße mit dem Ostchinesischen Meer, im Norden durch die La-P6rouse-Straße mit dem Ochotskischen Meer, im Osten durch die Tsugaru-Straße mit dem Stillen Ozean verbunden; 1,008 Millionen km2, mittlere Tiefe 1350 m, größte 4225 m, in der Nordost-Südwest-Erstreckung etwa 1600 km; vom Tsushima-Zweig der warmen Kuroshio-Meeresströmung durchflossen (weitgehend eisfreie japanische Küste); von Mai bis Oktober Taifun gefährdet; fischreich.

Japanologie, (chinesisch + griechisch) Japanforschung, Japankunde. Wissenschaft, die mit den Methoden der jeweiligen Einzeldisziplin die gesellschaftlichen Prozesse und Erscheinungen in Japan in ihrer Gesamtheit erforscht, wird in diesem Sinne heute häufig als Japanwissenschaft(en) bezeichnet. im engeren Sinne ist die Japanologie die Wissenschaft von der Kultur, vor allem der Sprache und Literatur Japans.

Japon: französisch, «Japan», Japanseide-, sehr leichtes (20 g/m2) Gewebe in Leinwandbindung aus japanischer Naturseide; für Kleider, Blusen, Lampenschirme.

Jarama: rechter Nebenfluss des Tajo in Neukastilien (Spanien). Während des Spanischen Freiheitskampfes vom 6. bis 27. 2.1937 Verteidigungsoperation der spanischen republikanischen Truppen.

Jargon: sondersprachlicher, bewusst nicht allgemeinverständlicher Wortschatz bestimmter Berufsschichten (zum Beispiel Setzer), sozialer Gruppen (sozialer Jargon, Argot) unter anderem innerhalb einer Nationalsprache. Siehe auch Sondersprachen.

Jarl: (altnordisch) in Skandinavien ursprünglich Titel für Kleinkönige, später Bezeichnung für Reichsverweser, Statthalter; siehe auch Earl.

Jarlyk: Urkunde, in der die Mongolenherrscher in der Zeit der feudalen Zersplitterung Russlands die russischen Fürsten bestätigten; enthielt die Verpflichtungen der russischen Bevölkerung gegenüber der Goldenen Horde.

Jaroschenko, Nikolai Alexandrowitsch, 26.12.1846-7.7.1898, russischer Maler; Mitglied der Peredwischniki und bedeutender Vertreter des kritischen Realismus in Russland. Jaroschenko zeigte in seinen Bildnissen und Genredarstellungen die Leiden des einfachen Volkes und den Kampf der russischen revolutionären Intelligenz. Sein «Heizer» (1878), ein Werk von tiefer Psychologisierung, gilt als erste Proletarierdarstellung in der russischen Kunst.

Jarostaw: Stadt in Polen (Wojewodschaft Przemysl), am San; 36000 Einwohner; Süßwaren-, Textil-, Glas-, Keramikindustrie; Kirchen und Klöster in historischer Innenstadt, besonders Orsetti-Haus (16. Jahrhundert; Museum).

Jaroslaw der Weise, um 978-1054, Großfürst von Kiew seit 1019; gewann das Halitscher Land zurück und besiegte die Petschenegen, organisierte die Kirchenverwaltung und gründete mehrere Städte (unter anderem Jaroslawl); während seiner Regierungszeit entstand der älteste Teil der Russkaja Prawda. Unter seiner Herrschaft erreichte die Kiewer Rus den Höhepunkt ihrer Macht und kulturellen Blüte.

Jasieriski, Bruno, 17.7.1901-Januar 1939, polnischer Lyriker und Romanschriftsteller, führender Vertreter des polnischen Futurismus, bekannte sich bereits in seinem Frühwerk (Poem «Lied vom Hunger», 1922) zur Revolution. Er emigrierte 1925 nach Paris (Poem «Das Lied von Jakub Szela», 1926; Roman «Ich brenne Paris nieder», 1929) und lebte seit 1929 in der Sowjetunion, wo er in russischer Sprache schrieb (Roman «Ein Mensch wechselt die Haut», 1932/33).

Jasik, Rudolf, 2.12.1919-30.7.1960, slowakischer Epiker. Die Atmosphäre im klerikal-faschistischen Staat und das Aufbegehren des Volkes gegen das herrschende Regime gestaltet Jasik in den Romanen «Die Liebenden vom St. Elisabeth-Platz» (1958, deutsch) und «Die Toten singen nicht» (Fragment 1961, deutsch); Schönheit und Elend des Landlebens führt er in seinen lyrischen Erzählungen vor.

Jasto: Stadt in Polen (Wojewodschaft Krosno), am Sanzu-Fluss Wisloka, im Krosno-Jastoer Erdölbecken; 30000 Einwohner; Erdölförderung (ältestes polnisches Fördergebiet) und -Verarbeitung; Lebensmittelindustrie.

Jasmin, Jasminum: Gattung der Ölbaumgewächse mit stark duftenden gelben oder weißen Blüten, aus denen ätherisches Öl (Jasminöl) gewonnen wird; Ziersträucher. Siehe auch Pfeifenstrauch.

Jasminöl: gelbliche bis braune, wachsartige Masse mit Jasmingeruch, die aus Jasminblüten durch Extraktion mit Petroläther oder (seltener) durch Enfleurage (Blütenpomade) gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird.

Jasmund: Halbinsel im Nordosten der Insel Rügen mit Saßnitz, durch Nehrungen mit anderen Inselteilen verbunden (durch Schaabe mit Wittow, durch Schmale Heide mit Granitz und dem Hauptteil der Insel); Großer und kleiner Jasmunder Bodden begrenzen Jasmund im Westen und Südwesten; am Ostrand buchenbewaldetes Kreideplateau (Stübnitz) mit ausgeprägter Steilküste (Stubbenkammer), im Königsstuhl 122 m hoch; höchste Erhebung der 161 m hohe Piekberg.

Jasper Park: Nationalpark in Kanada, im Westen der Provinz Alberta, im Quellgebiet des Athabaska; zahlreiche Seen und schneebedeckte Gipfel des Felsengebirges; 11000 km2.

Jaspers, Karl, 23.2.1883-26.2.1969, Philosoph und Psychiater. Jaspers, Mitbegründer des Existentialismus, geht von den Entfremdungserscheinungen in der bürgerlichen Gesellschaft aus und behauptet, dass der Mensch erst in den Grenzsituationen des Lebens (Krankheit, Leid, Tod) zum Wesen seiner Existenz findet.

Jaspis: (französisch - griechisch - semitisch) Mineral; Quarz.

Jastorf-Kultur: eisenzeitliche Kultur (6. Jahrhundert vor Christus bis zu Beginn nach Christus), verbreitet vom nördlichen Mitteleuropa und Dänemark bis zum Nordrand der Mittelgebirge; benannt nach dem Fundort Jastorf bei Uelzen. Die Träger der Jastorf-Kultur waren germanische Ackerbauern und Viehzüchter.

Jastrun, Mieczyslaw, 29.10.1903-23.2.1983, polnischer Dichter, Erzähler und Essayist; seine an symbolistischen Traditionen anknüpfende Vorkriegslyrik war Spiegelbild der Hoffnungslosigkeit der bürgerlichen Intelligenz, wurde jedoch seit der Kriegszeit lebensnah und kämpferisch («Sache des Menschen», 1946; «Poem über die polnische Sprache», 1952). Er schrieb biographische Romane (über A. Mickiewicz, Jastrun Kochanowski) und übertrug unter anderem A. S. Puschkin, G. Apollinaire, P. Éluard, R. M. Rilke, F. Hölderlin ins Polnische.

Jataka: «Geburtsgeschichten» Sammlung buddhistischer Erzählungen, Märchen und Fabeln (Jatakas) über die legendären früheren Daseinsformen Buddhas; von großer Bedeutung für die vergleichende Märchenkunde.

Jauche: flüssige Ausscheidungen von Tieren; wird als organischer Düngemittel verwendet und enthält als Nährstoffe vor allem Stickstoff und Kalium.

Jaurès, Jean, 3.9.1859-31.7.1914, französischer Politiker, Philosoph und Historiker; einer der reformistischen Führer der sozialistischen Partei und der II. Internationale; bekämpfte Antisemitismus und Militarismus, wurde am Vorabend des 1. Weltkrieges von Chauvinisten ermordet. Schrieb unter anderem eine Geschichte der Französischen Revolution für das Sammelwerk «Sozialistische Geschichte».

Jause: (slowenisch) Zwischenmahlzeit, vor allem Vesper, Nachmittagskaffee (besonders in Österreich).

Jawa, Djawa, Java: Insel im Malaiischen Archipel, kleinste der Großen Sundainseln, zu Indonesien gehörend; mit Madura 132187 km2, 91 Millionen Einwohner; 688 Einwohner/km2 (am dichtesten besiedelte Insel des Landes); Hauptstadt Jakarta. Jawa ist überwiegend gebirgig, wird zum weitaus größten Teil von jungvulkanischen Tuffen und Lavadecken überzogen und ist erdbebengefährdet. Von den 136 Vulkanen, unter denen der Semeru als höchste Erhebung bis 3 676 m aufragt, sind 28 noch tätig. Größere Ebenen treten nur im Norden auf. Es herrscht tropisches Klima. Der ursprünglich immergrüne tropische Regen- und Bergwald ist durch Brandrodung sowie eine intensiv betriebene Landwirtschaft zurückgedrängt worden und bedeckt nur noch 23 % der Inselfläche. Jawa ist das wirtschaftliche Zentrum Indonesiens mit vielseitiger Industrie, beachtlicher Bergbau und ausgebauter Infrastruktur. Die auf über 65 % der Fläche betriebene Landwirtschaft (zum Teil Bewässerungsfeldbau; ausgebaute Plantagenwirtschaft) produziert Reis, Zuckerrohr, Mais, Chinarinde, Gewürze, Kaffee, Kakao, Tee, Tabak, Kautschuk, Erdnüsse, Sojabohnen, Kokosnüsse. Von Bedeutung sind Rinderzucht und Fischfang. Jawa ist die Heimat des Pithecanthropus. Es war ein Zentrum des indischen Kultureinflusses (Reiche Srivijaya, Majapahit) und wurde danach islamisiert. Wiederholt gab es Aufstände gegen koloniale Unterdrückung (unter anderem 1825/30 unter Diponegoro).

Jawanisch: zu den malaiisch-polynesischen Sprachen gehörende stärkste Regionalsprache Indonesiens; etwa 60 Millionen Sprecher auf Mittel- und Ost-Java; Hauptmerkmal ist ein sozial differenzierter, paariger Grundwortschatz.

Jawlensky, Alexej von, 26.3.1864-15.3.1941, russischer Maler und Graphiker; lebte seit 1896 im Ausland; gründete 1924 mit W. Kandinsky, P. Klee und L. Feininger die Gruppe der «Blauen Vier». Angeregt von P. Cézanne, den Fauves, H. Matisse, aber auch der russischen Ikonenmalerei und dem Konstruktivismus, schuf er in der Zeichnung stark abstrahierte Bildnisse, deren emotionale Wirkung von den elementaren Stimmungswerten der Farbe ausgeht.

Jaworow, Pejo, 13.1.1878-29.10.1914 (Selbsttötung), bulgarischer Dichter, Dramatiker; seine formvollendete Lyrik war um 1900 vor allem sozialkritisch, später dominierten elegische, auch pessimistische Stimmungen; Mitbegründer des bulgarischen Symbolismus («Schlaflosigkeit», 1907). «Am Fuße des Witoscha» (1911, deutsch) ist ein sozialkritisch-psychologisches Drama.

Jaworzno: Stadt in Polen (Wojewodschaft Katowice); 91000 Einwohner; Kohle- und Zinkerzförderung; Großkraftwerk (1200 MW), Maschinenbau, chemische (Stickstoff), Baustoffindustrie.

Jayadeva, indischer Dichter des 12. Jahrhundert; sein «Gitagovinda» (deutsch) ist eine aus 12 Gesängen bestehende lyrische-dramatische Dichtung über die Liebe des Gottes Krishna zu dem Hirtenmädchen Radha.

Jayapura, Djajapura: Stadt in Indonesien, Verwaltungszentrum der Provinz Irian Jaya, an der Nordküste von Neuguinea; früher Kotabaru 90000 Einwohner; Hafen; Universität.

Jayasi, Malik Muhammad, um 1475-1542, indischer Dichter; Vertreter des Sufismus; schrieb im Hindi-Dialekt Avadhi. Sein berühmtestes Werk ist das romantische Heldenepos «Padmavati» (1540), das auf historischen Ereignissen beruht.

Jazz: an Stilen und Abarten reiche, im Wesentlichen instrumentale und improvisierte zeitgenössische Musikform. Der Jazz hat seinen Ursprung im volkstümlichen-geselligen Leben der Afroamerikaner in den Slums US-amerikanischer Großstädte; als sein erstes Zentrum gilt New Orleans, wo er um 1900 entstanden sein soll (New Orleans Jazz). Er entwickelte sich aus der Verschmelzung unterschiedlicher musikalischer Traditionen unter den sozialen Bedingungen des aufstrebenden Kapitalismus in den USA. Die wichtigsten Quellen waren die afroamerikanische Volksmusik (Blues, Spiritual, Arbeitslieder), der Ragtime, die europäisch-amerikanischen Marschmusik des 19. Jahrhundert, Elemente der europäischen und nordamerikanischen Tanzmusik des 19. Jahrhundert, amerikanische Volkslieder europäischen Ursprungs sowie Elemente der französischen und italienischen Opernmusik des 19. Jahrhundert. Der Jazz hat zahlreiche Veränderungen erfahren und eine Vielfalt verschiedener Stile hervorgebracht. Dennoch sind einige musikalische Merkmale in fast allen seinen Formen aufzufinden: die Neigung zu einem gleichbleibend regelmäßigen Metrum, wobei die Grundschläge (Beat 1) von besonderen Rhythmusinstrumenten durchgeschlagen werden; die Synkope und die Off-Beat-Phrasierung; die Verwendung von Elementen des Blues; die Neigung zur mehrstimmigen Struktur; die deutliche Trennung der Melodie- (meist Blas-) Instrumente von den Rhythmusinstrumenten; ursprünglich afrikanische Eigentümlichkeiten in der Intonation, Tongebung und -färbung sowie der Artikulation; die Vorliebe für kollektives Musizieren und improvisierendes Variieren. Die Besetzung der Bands besteht meist aus kleinen Instrumentalgruppen, erst seit den 20er Jahren gibt es größere Formationen. In der Entwicklung des Jazz lassen sich 3 wesentlichen Strömungen unterscheiden: eine volkstümliche-demokratische Strömung, die die Anfangsphase kennzeichnet; eine kommerzialisierte, die hauptsächlich seit den 20er Jahren in den kapitalistischen Ländern zu beobachten ist; eine avantgardistische, die sich nach dem 2. Weltkrieg herauszubilden begann und für die das Bemühen um das musikalische Experiment charakteristisch ist, nicht selten um den Preis zunehmender Isolation vom Publikum.

Jazzposaune: engmensurierte Tenorposaune, die in der Jazzmusik zunächst als Bassinstrument, seit dem New Orleans Jazz durch Kid Ory und Jack Teagarden aber in der neuen Tailgate-Spielweise (Korrespondenz mit Klarinette und Trompete) verwendet wird.

Jean, Raymond, geboren 21.11.1925, französischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler; setzt sich in engagierten Romanen mit aktuellen Ereignissen und Verhaltensweisen auseinander, zum Beispiel «Der dunkle Brunnen» (1976, deutsch), «Foto Erinnerung» (1980).

Jeanne d'Arc, Jungfrau von Orléans, 6.1.1412-30.5.1431, französisches Bauernmädchen aus Lothringen; Nationalheldin; stellte sich während des Hundertjährigen Krieges im Glauben an eine göttliche Berufung an die Spitze der nationalen Bewegung gegen die Frankreich drohende Unterwerfung durch England; befreite 1429 Orléans, fügte den Engländern eine Reihe von Niederlagen zu und erzwang 1429 die Krönung Karls VII. in Reims. Durch Verrat fiel sie in englischer Gewalt, wurde von einem kirchlichen französischen Gericht der Ketzerei beschuldigt und als Hexe verbrannt; 1456 rehabilitiert und 1920 von der katholischen Kirche heiliggesprochen.

Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, 21.3.1763-14. 11. 1825, Schriftsteller. Seine Werke, beeinflusst vom englischen satirischen-sentimentalen Roman sowie von der deutschen Klassik und Romantik, zeichnen sich durch kunstvoll ausschweifende Phantasie und Erzählweise aus. Jean Paul verband das klassische Humanitätsideal mit kleinbürgerlich-demokratische Haltung und gestaltete in volksverbundenen, humorvollen Werken die kleinbürgerlicher Welt und die rückständige gesellschaftliche Zustände in Deutschland. Mit seinen zum Teil skurrilen Gestalten und seiner Erzählweise beeinflusste er unter anderem G. Keller, W. Raabe und A. Stifter. Lebendig blieben vor allem die Erzählungen «Das Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wuz in Auenthal» (1793) und «Leben des Quintus Fixlein» (1796). Gesellschaftskritische Züge und republikanischen Freiheitspathos enthalten zum Beispiel die Romane «Hesperus oder 45 Hundsposttage» (1795), «Siebenkäs» (1796/97) sowie das Hauptwerk, der Bildungs- und Erziehungsroman «Titan» (1800/03). Jean Paul verfasste auch ästhetische («Vorschule der Ästhetik»), 1804), pädagogische («Levana oder Erziehlehre», 1807) und politischen Schriften («Freiheitsbüchlein», 1805; «Dämmerungen für Deutschland», 1809).

Jeans: Bezeichnung für strapazierfähige Bekleidungsteile mit Steppnähten, vielen Taschen, auch Kupfernieten, aus Baumwollköper, Kord und anderen festen Geweben. Das Wort Jeans selbst ist eine Amerikanisierung des französischen Namens «Genes» für die italienische Hafenstadt Genua, deren Matrosen in ähnlich blauen Hosen zur See fuhren. Um 1850 begann der Österreicher Levi Strauß in den USA mit der Herstellung derber, funktionstüchtiger Arbeitshosen aus Segeltuch. Später wurde das Segelleinen durch Baumwoll-Denim ersetzt und indigoblau eingefärbt. Durch variablen Materialeinsatz werden Jeansartikel in der sportliche Freizeit-, Tages- und Festbekleidung verwendet.

Jeans, Sir James Hopwood, 11.9.1877 bis 16.9.1946, britischer Mathematiker, Physiker und Astronom; leistete bedeutende Beiträge zur Dynamik der Sternsysteme, zur Theorie über den inneren Aufbau der Sterne und zur Kosmogonie.

Jebel: (englisch - arabisch) Berg, Gebirge; soviel wie Dschebel.

Jebeleanu, Eugen, geboren 24.4.1911, rumänischer Dichter; war vor dem 2. Weltkrieg als Journalist und Übersetzer tätig (S. Petöfi, A. Puschkin, R. M. Rilke); in epischer und lyrischer Poemen wandte er sich der revolutionären Vergangenheit und dem Kampf um den Frieden zu («Balcescu», 1952, deutsch; «Das Lächeln Hiroshimas», 1958, deutsch), in jüngerer Zeit überwiegend allgemein-menschlichen Problemen («Hannibal», 1972).

Jefferson, Thomas, 13.4.1743 bis 4.7.1826, US-amerikanischer Politiker; Führer und Ideologe der Unabhängigkeitsbewegung, Verfasser der Unabhängigkeitserklärung; 1785/89 Gesandter in Frankreich, 1790/93 Außenminister, 1801/09 Präsident der USA; entschiedener bürgerlicher Demokrat und führender Aufklärer.

Jefferson City: Hauptstadt des Bundesstaates Missouri (USA), am Missouri; 34000 Einwohner; regionales Handelszentrum; Eisenbahnwerke; Universität.

Jefremow: 1. Iwan Antonowitsch Jefremow, 22.4.1907 bis 5.10.1972, russisch-sowjetischer Schriftsteller. Jefremow, von Beruf ursprünglich Paläontologe, veröffentlichte in den 40er Jahren seine ersten wissenschaftlich-phantastischen Erzählungen; großen Anklang fanden seine utopischen Romane («Das Mädchen aus dem All», 1957, deutsch; «Das Herz der Schlange», 1959, deutsch).

2. Oleg Nikolajewitsch Jefremow, geboren 1.10.1927, sowjetischer Regisseur und Theaterleiter; 1957 Mitbegründer und bis 1971 künstlerischer Leiter des Moskauer Theaters «Sovremennik», seit 1971 Chefregisseur des Moskauer Künstlertheaters; führt die großen Traditionen des sowjetischen Theaters schöpferisch und erneuernd fort.

Jekaterina, Katharina, russisch Zarinnen: 1. Jefremow 15.4.1684-17.5.1727, zweite Frau Peters I., Zarin seit 1725; überließ die Regierung ihrem Günstling A. D. Menschikow und dem Obersten Geheimen Rat.

2. Jefremow II., 2. 5.1729-17.11.1796, Frau Peters, den sie 1762 stürzte; Jefremow, geborene Prinzessin Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst, gab sich anfangs als «aufgeklärte Monarchin»; sie unterdrückte den Bauernaufstand unter Pugatschow 1773/75, verschärfte die Leibeigenschaftsgesetze, beseitigte die Selbstverwaltung der Kosaken und bekämpfte nach der Französischen Revolution jede fortschrittliche Bewegung. Unter ihrer Herrschaft wurde Russland Weltmacht; Russland erwarb in dieser Zeit die Krim, die Gebiete zwischen Dnepr, Don und Dnestr sowie Belorussland und die Westukraine (Teilungen Polens). Jefremow forderte den Ausbau der Hauptstadt Petersburg und die Gründung neuer Städte (unter anderem Sewastopol, Odessa). Ihr Günstling G. A. Potjomkin erlangte großen Einfluss auf die Staatsgeschäfte.

Jelenia Göra: 1. Wojewodschaft im Südwesten Polens; 4378 km2, 495000 Einwohner; 113 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Jelenia Göra; im Süden Iser- und Riesengebirge, die nach Norden in ein Vorgebirgshügelland und die sandige Ebene Bory Dolnoslskie (Kiefernwälder) übergehen; von den linken Oderzuflüssen (z.T. Stauseen) Kaczawa, Bebr, Kwisa, Neiße unter anderem entwässert. Vorherrschend Industrie mit Braunkohlenbergbau, Elektroenergieerzeugung (Bogatynia), Elektromaschinenbau, Leicht-, chemische und Baustoffindustrie; Landwirtschaft, besonders Viehzucht; Erholungs- und Touristengebiet mit den Zentren Karpacz und Szklarska Poreba.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Jelenia Göra 1, am Böbr, in einem Gebirgskessel; 90000 Einwohner; Maschinenbau, Metallverarbeitung, Chemiefaser-, Arzneimittelproduktion, optische, Textil-, Glas-, Papierindustrie; Moor- und Schwefelthermalbad im Stadtteil Cieplice; Theater, Museum; in der Altstadt Markt (barocke Laubenhäuser), Rathaus (18. Jahrhundert) und spätgotische Kirche.

Jenner, Edward, 17.5.1749-26.1.1823, britischer Wundarzt; praktizierte in Berkeley; führte 1796 die erste Pockenschutzimpfung mit Kuhpockenlymphe erfolgreich durch.

Jens, Walter, geboren 8.3.1923, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und -kritiker; war einflussreiches Mitglied der Gruppe 47, verfasste Romane, Hör- und Fernsehspiele aus linksliberaler Position und engagierte sich wiederholt in der Friedensbewegung (Erzählung «Das Testament des Odysseus», 1957).

Jensen: 1. Erik Aalbaek Jensen, geboren 19. 8. 1923, dänischer Schriftsteller; gestaltet in breit angelegten Romanen die Situation des heutigen Menschen in der Krisenwelt des Kapitalismus. In der Trilogie «Das Perlentor» (1964, deutsch), «Konkurs» (1971, deutsch) und «Der Kreidestrich» (1976) verbinden sich Jensens antifaschistische Erfahrungen mit eindringliche Menschenschilderung.

2. Fritz Jensen, 26.12.1903-11.4.1955 (ermordet), österreichischer Schriftsteller und Arzt; seine Reportagen «China siegt» (1949) und «Erlebtes Vietnam» (1955) vermitteln wesentlichen historischen, politischen und wirtschaftlichen Einsichten.

3. Johannes Hans Daniel Jensen, 25.6.1907-11.2.1973, Physiker; wirkte in Hannover, Hamburg und Heidelberg; entwickelte zunächst unabhängig, dann zusammen mit M. Goeppert-Mayer das Schalenmodell des Atomkerns.

4. Jörgen Jensen, geboren 18.1.1920, dänischer Arbeiterführer; seit 1945 Mitglied der KP, seit 1952 des ZK und des Politbüros, seit 1977 Vorsitzender der Partei.

Jeppesen, Carl Christian, 16. 3.1858-26.1.1930, norwegischer Politiker; gehörte zu den Gründern der Norwegischen Arbeiterpartei 1887 und war 1890/92 sowie 1894/97 ihr Vorsitzender.

Jeremia, Jeremias, gestorben um 585 vor Christus, Prophet in Jerusalem (ab 627 vor Christus); wandte sich gegen die antibabylonischer Politik der judäischen Könige; Teile seiner Sprüche und Biographie sind enthalten im alttestamentlichen Buch Jeremia die ihm zugeschriebenen Klagelieder über die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar II. (Anfang des 6. Jahrhundert vor Christus) erhielten die volkstümliche Bezeichnung Jeremiade.

Jerez de la Frontera: Stadt im Süden Spaniens, nördlich von Cádiz, in einer fruchtbaren Ebene mit berühmtem Weinanbau; 180000 Einwohner; Herstellung der Weinsorte «Jerez», als Sherry (englisch) bekannt, große Weinlager (Bodegas), Weinhandel und -export (besonders nach Großbritannien); Textil- und Glasindustrie; Alcázar (11. Jahrhundert), gotische Kirche San Miguel (15. Jahrhundert).

Jericho: altkanaanäische Königsstadt am unteren Jordan (im heutigen Jordanien); soll nach dem Alten Testament von den Israeliten im Zuge der Einwanderung erobert worden sein. Durch Ausgrabungen Anfänge der Besiedlung durch Sammler, Jäger und Fischer im 8. Jahrtausend vor Christus und befestigte frühneolithischer Siedlungen des 7. Jahrtausend vor Christus, deren Bewohner Bodenbau und Viehzucht betrieben, nachgewiesen.

Jermak Timofejewitsch, gestorben (ertrunken) 15.8.1585, Kosakenataman; leitete 1581 die Eroberung Sibiriens durch Russland ein; drang von der Kama bis zum Irtysch vor und besiegte 1582 den Herrscher des Chanats Sibir, eroberte bis 1584, unterstützt von Iwan IV. Wassiljewitsch, das Gebiet bis zum Irtysch und Ob.

Jerome, Jerome Klapka, 2. 5. 1859 bis 14. 6.1927, englischer Schriftsteller und Journalist; bekannt durch humoristische Erzählungen, wie «Drei Mann in einem Boot, vom Hunde ganz zu schweigen» (1889, deutsch).

Jersey: 1. Gewirke oder Gestricke mit gewebeähnlichen Aussehen und Eigenschaften für Oberbekleidung.

2. farbiges, meist langärmliges Trikothemd als Sportkleidung bei Sportspielen.

Jersey: größte der britischen Kanalinseln, 24 km von der französischen Küste entfernt; 116 km2, 74000 Einwohner; wichtigster Ort Saint-Helier Steil- und Sandküsten; mildes, feuchtes Klima; Anbau von Frühgemüse und -kartoffeln, Obst, Blumen; Rinderzucht; internationaler Flughafen; Seebäder.

Jersey City: Stadt im Bundesstaat New Jersey (USA), am Hudson; 220000 Einwohner, als Metropolitan Area 560000 Einwohner; Teil der Agglomeration Groß-New-York; Maschinen-, Schiffbau, Papier-, metallverarbeitende, elektrotechnische, chemische und Nahrungsmittelindustrie; Anteil am Größ-New Yorker Hafen.

Jerusalem: (hebräisch, «die Heilige») Stadt (Distriktzentrum) im von Israel besetzten Gebiet Palästinas, im Bergland von Judäa; 360000 Einwohner; im Westteil (Neustadt) Textil-, pharmazeutische, polygraphische Industrie, Metallwaren- und Souvenirherstellung, im Ostteil (Altstadt) Handel und traditionelles Handwerk; Verkehrsknoten (Eisenbahn nach Tel Aviv), internationaler Flughafen; Universität, hebräische und muslimische Hochschule; Ringmauer. Jerusalem ist die heilige Stadt des Judentums (Tempel Salomos, «Klagemauer»), des Christentums (Sterbeort Jesu, Grabkirche, Ölberg) und des Islams (Himmelfahrt Muhammads, Felsendom) mit vielen religiösen Einrichtungen und starkem Pilgerverkehr. Architektonisch besonders bedeutsam ist im Heiligen Bezirk der 669 bis 691/92 errichtete Kuppelbau des «Felsendoms» und die Aqsa-Moschee, an der mit Unterbrechungen von 705 bis ins 12. Jahrhundert gebaut wurde. Vor nahezu 4000 Jahren erstmals erwähnt, um 1000 vor Christus von David zur Hauptstadt Israels erhoben; 70 nach Christus von Titus zerstört; 395 kam Jerusalem zum Byzantinischen Reich; 637 wurde es von den Arabern erobert; 1099/1187 und 1229/44 war es Hauptstadt des christlichen Königreiches Jerusalem (siehe auch Kreuzzüge); 1517 bis 1917 stand es unter osmanischen Herrschaft, danach Teil des britischen Mandatsgebietes Palästina; 1947 von den UN zum internationalen Gebiet erklärt; seit dem zwischen Israel und den Staaten der Arabischen Liga 1949 abgeschlossenen Waffenstillstand in einen arabischen und einen israelischen Teil gespalten. Die Neustadt Jerusalems wurde im Dezember 1949 Sitz des israelischen Parlaments und der Regierung und damit widerrechtlich zur Hauptstadt Israels proklamiert. Im Ergebnis der israelischen Aggression vom Juni 1967 wurde die zu Jordanien gehörende Altstadt besetzt. Im Juli 1980 erklärte das israelische Parlament ganz Jerusalem zur «ewigen und unteilbaren Hauptstadt» Israels. Der UN-Sicherheitsrat erklärte das sogenannt Jerusalemgesetz für null und nichtig.

Jesenice: Stadt in Slowenien, vor den Südhängen der Karawanken, an der oberen Sava; 17000 Einwohner; Eisenhütten-, Stahl-, Walzwerke, Maschinenbau, chemische, Holzindustrie; Eisenbahnknoten.

Jessel, Leon, 22.1.1871-4.1.1942, Komponist und Theaterkapellmeister; wirkte unter anderem in Lübeck, Bielefeld, Kiel. Von seinen 18 Operetten war das «Schwarzwaldmädel» (1917) am erfolgreichsten.

Jessenin, Sergej Alexandrowitsch, 3.10.1895 bis 27.12.1925 (Selbsttötung), russisch-sowjetischer Lyriker; veröffentlichte seit 1914 Gedichte, von denen viele sehr populär wurden; in ihnen drückte er Anschauungen des bäuerlichen Menschen über die Natur, das ländliche Leben sowie Freuden und Leiden der Liebe aus. Nach der Oktoberrevolution, die er begrüßte, rang Jessenin um ein tieferes Verständnis der neuen gesellschaftlichen Wirklichkeit, konnte jedoch seine Vorstellungen vom Weg des russischen Dorfes nicht völlig mit der revolutionären Entwicklung in Einklang bringen («Ich bin der letzte Dichter des Dorfes», 1919, deutsch; «Abgesang», 1922, deutsch). Auswahlbände «Liebstes Land, das Herz träumt leise» (1958), «Gedichte» (1965), «Oh, mein Russland» (1982).

Jessner, Leopold, 3.3.1878-30.10.1945, Regisseur und Theaterleiter; 1919/30 Intendant des Staatstheaters in Berlin; trug mit seinen Inszenierungen maßgeblich zur Durchsetzung eines expressionistischen Regiestils bei; emigrierte 1933 nach Großbritannien, später nach den USA.

Jesuiten, Gesellschaft Jesu, Societas Jesu (lateinisch), Abkürzung SJ: katholischer Orden, 1534 durch Ignatius von Loyola gegründet, 1540 von Papst Paul III. bestätigt, um als wichtige Kraft der Gegenreformation durch Erneuerung der katholischen Kirche den Feudalismus und die Macht des Papsttums zu sichern. Die Jesuiten wurden so zu einem Träger der Anpassung des Katholizismus an die Zwänge der bürgerlich-kapitalistischen Entwicklung, vor allem durch die Durchsetzung des monarchischen Prinzips mit neuer Strenge. Sie sind bis heute straff hierarchisch organisiert (Ordensgeneral an der Spitze). Zu den 3 üblichen Ordensgelübden (Armut, Keuschheit und Gehorsam) kommt die strikte Unterordnung unter die Anordnung des Papstes. Die Jesuiten wirken bis in die Gegenwart als Wissenschaftler, Publizisten, Missionare, Seelsorger, Exerzitienmeister u. ä.

Jesuitenstil: verallgemeinernde Bezeichnung für den barocken Kirchenbaustil Lateinamerikas, der vielfach von Jesuiten angeregt wurde.

Jesus, (lateinisch - griechisch - hebräisch, «Gott hilf») Jehoschua (hebräisch), Jeschua, um 4 vor Christus-um 30 nach Christus (hingerichtet), vermutlich Wanderprediger aus Nazareth (Galiläa), der in Anknüpfung an alttestamentarische Verheißungen als einer von wahrscheinlich vielen Führern messianischen Bewegungen zur Zentralgestalt des Christentums wurde, für das er als der Sohn Gottes und Erlöser (gen. Christus beziehungsweise Messias, «der Gesalbte») gilt; religiös gefärbte Zeugnisse von seinem Leben und seiner Lehre bilden den Hauptinhalt des Neuen Testaments.

Jesus, Carolina Maria de, geboren 1913, brasilianische Schriftstellerin; wurde durch den Bericht über ihr Leben in einem Armenviertel, «Tagebuch der Armut» (1959, deutsch), weltberühmt.

Jesus Sirach, Verfasser eines 51 Kapitel umfassenden alttestamentlichen apokryphen Buches, das zu Beginn des 2. Jahrhundert vor Christus entstand und altjüdische Weisheit enthält. Die Verwandtschaft mit der ägyptischen und griechischen Weisheit ist unverkennbar.

Jeté: (französisch) in der klassischen Ballett-Technik ein Sprungschritt mit dem Herauswerfen eines Beines nach vom, seit- oder rückwärts.

Jetliner, Kurzwort Jet: englische Bezeichnung für Verkehrsflugzeuge mit Turbinenluftstrahl-(TL-) Antrieb.

Jeune Belgique, La (französisch, «Das junge Belgien»): 1881 in Brüssel gegründet literarische Bewegung (unter anderem E. Verhaeren) und auch Zeitschrift, die für kulturelle Unabhängigkeit insbesondere gegenüber Frankreich eintrat.

Jeune France: (französisch, (Junges Frankreich») 1936 gegründet Gruppe französischer Komponisten (Y. Baudrier, A. Jolivet, D. Lesur, O. Messiaen), die die Musik aus religiösen (katholischen), humanistischen und nationalem Geist erneuern wollten. Andauernden Erfolg hatten mit ihren Werken jedoch nur (dies auch unabhängig von der vorübergehenden Bindung an diese Gruppe) Jolivet und besonders Messiaen.

Jevons, William Stanley, 1. 9.1835 bis 13.8.1882, britischer bürgerlicher Ökonom; einer der Begründer der Grenznutzentheorie.

Jewish Agency, (englisch, «Jüdische Vertretung») 1897 auf dem ersten zionistischen Weltkongress in Basel gegründet Organisation, die Anspruch auf die Vertretung der Juden (1er Welt erhob. 1922/48 Führungsorgan der zionistischen Bewegung in Palästina, nach der Staatsgründung Israels teilweise in die Regierung eingegliedert.

Jewtuschenko, Jewgeni Alexandrowitsch, geboren 18.7.1933, russisch-sowjetischer Schriftsteller; wurde in den 50er Jahren durch öffentliche Rezitationen seiner Gedichte in der UdSSR und im Ausland bekannt; schrieb auch Poeme («Bratsker Wasserkraftwerk», 1965; «Die Kasaner Universität», 1970; «Schnee in Tokio», 1973; «Mutter und die Neutronenbombe», 1982, deutsch), Reiseberichte, Erzählungen («Der Hühnergott», 1963, deutsch) und den Roman «Beerenreiche Gegenden» (1981, deutsch). Deutsch-russische Gedichtsammlungen sind «Mit mir ist folgendes geschehen» (1962), «Das dritte Gedächtnis» (1970) und «Bürger, wenn ihr hören könnt» (1978).

Jezioro lebsko, Lebasee: Strandsee in Polen (Wojewodschaft Slupsk), an der Ostseeküste; 71,4 km2, bis 6,3 m tief; von der teba durchflossen; bildet mit der Nehrung Mierzeja Lebska (Wanderdünen) einen Nationalpark; Erholungs- und Touristengebiet (besonders Wassersport).

Jezioro Mamry, Mamry-See: zweitgrößter inselreicher Binnensee Polens (Wojewodschaft Suwalki), im Seengebiet Pojezierze Mazurskie; einschließlich mehrerer untereinander verbundener Teilseen 105 km2, bis 44 m tief; im Norden Abfluss und einen Kanal zur Lyna, nach Süden durch mehrere Seen, Kanal Jeglinski und Pisa zum Narew; Wassersport.

Jezioro Sniardwy, Sniardwy-See: größter Binnensee Polens (Wojewodschaft Suwalki), im Seengebiet Pojezierze Mazurskie; 114 km2, bis 23 m tief; durch Pisa zum Narew entwässert und durch Kanäle mit anderen Seen in diesem Gebiet verbunden.

Jhering: 1. Herbert Jhering, 29.2.1888-14.1.1977, Literatur- und Theaterkritiker; Vorkämpfer eines realistischen, volksverbundenen Theaters; schrieb unter anderem «Berliner Dramaturgie» (1947), «Von Reinhardt bis Brecht» (3 Bände, 1958/61).

2. Jhering Ihering, Rudolf von, 22. 8. 1818 bis 17.9.1892, Rechtsgelehrter; trug in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert mit seinen rechtstheoretischen Anschauungen wesentlich zur Sicherung, Festigung und zum Ausbau der bürgerlichen Verhältnisse in Deutschland bei; Hauptwerke: «Der Geist des römischen Rechts auf den verschiedenen Stufen seiner Entwicklung» (1852/65), «Der Zweck im Recht» (1877/83).

Jiamusi: Stadt im Nordosten Chinas, im Osten der Provinz Heilongjiang, am Songhua Jiang; 250000 Einwohner; Papierkombinat, Holzverarbeitung, Landmaschinenbau; Bahnknoten und Flusshafen.

Jiang Jieshi, Tschiang Kai-Schek, 31.10.1887-5. 4.1975, chinesischer Politiker (Guomindang); verriet 1927 die nationaldemokratische Revolution, indem er die Einheitsfront mit der KP brach, und leitete blutige Repressalien gegen die Kommunisten ein; damit wurde die Guomindang ein Instrument der Konterrevolution und der Diktatur der Kompradorenbourgeoisie (1927/49). 1949 floh er mit Resten der Guomindang-Armee vor den Truppen der Chinesischen Volksbefreiungsarmee nach Taiwan. 

Jiangsu, Kiangsu: Provinz im Osten von China, am Gelben Meer, 102 200 km2, 60,5 Millionen Einwohner; 592 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Nanjing. Von Huang He, Huai He und Chang Jiang gebildete Anschwemmebene mit Seen und Kanälen; subtropisches Monsunklima mit hohen Sommerniederschlägen. Rohstoffarmes Gebiet (nur im Norden Gewinnung von Seesalz, Phosphor, Kohle und Kaolin); Chemieindustrie, Maschinenbau (Turbinen, Traktoren und Kraftwagen), entwickelte Textilindustrie (Seidenstickereien, Brokatherstellung), Zement- und Papierproduktion; Anbau von Reis (2 Ernten jährlich), Weizen, Baumwolle und Raps; Seidenraupenzucht am Tai Hu; Long-Hai-Bahn im Norden und die Linie Peking-Shanghai im Süden, ausgeprägte Flussschifffahrt.

Jiangxi, Kiangsi: Provinz im Südosten Chinas; 164800 km2, 33,2 Millionen Einwohner; 201 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Nanchang. Im Norden Ebenen des Gan Jiang und des Poyang Hu, sonst bis 1500 m hohes Bergland; subtropisches Klima. Reiche Bodenschätze, wie Steinkohle, Kaolin, Wolfram, Molybdän, Wismut, Eisenerz; erst seit 1949 beginnende Industrialisierung mit Nichteisen- und Eisenmetallurgie, Kraftfahrzeug- und Traktorenbau, Papier- und Textilindustrie; weltberühmte Porzellanproduktion; Anbau von Reis, Ramie, Baumwolle, Ölsaaten, Tee, Südfrüchten, Zuckerrohr; Holzgewinnung in den Bergwäldern; Eisenbahn nur im Norden, Flussschifffahrt.

Jiaozhou, Kiautschou: ehemaliges deutsches Pachtgebiet in China, umfasste die Jiaozhou Bucht und Qingdao; Stützpunkt des deutschen Imperialismus im Fernen Osten. 1898 gewaltsam von Deutschland auf 99 Jahre gepachtet, 1914 an Japan, seit 1922 wieder zu China gehörig.

Jiaozhou Bucht: Bucht des Gelben Meeres an der Südküste der chinesischen Halbinsel Shandong; etwa 25 km lang, bis 20 m tief; an der Einfahrt liegt der bedeutsame, im Winter eisfreie Überseehafen Qingdao.

Jiaozuo: Stadt im Osten Chinas, im Norden der Provinz Henan, am Taihang Shan; 200000 Einwohner; Steinkohlenförderung, Metallurgie, chemische Industrie; seit 1970 Ausgangspunkt der 753 km langen Bahnlinie nach Zhicheng am Chang Jiang.

Jiddisch: aus dem mittelhochdeutschen Dialekt, der im Mittelalter von den in Oberdeutschland ansässigen Juden bis zu deren Vertreibung nach Polen (14./15. Jahrhundert) gesprochen wurde, entwickelte Sprache, die wesentliche hebräische und slawische Elemente enthält und in jüngerer Zeit insbesondere vom Englischen beeinflusst worden ist.

jiddische Literatur: Die jiddische Literatur entstand im 13. Jahrhundert in Deutschland, ihre Träger waren vor allem wandernde Volkssänger mit Liedern über das Leben in den Gemeinden und religiöse Motive. Im 15. Jahrhundert erschienen das Schmuel-Buch mit Poemen und im 16. Jahrhundert erste Romanversuche im Bove-Buch. Im 17. /18. Jahrhundert entwickelte sich in Polen eine religiös-didaktischen Literatur mit Legenden und Erzählungen. Unter dem Einfluss der Aufklärung stand das Schaffen von I. Aksenfeld und S. Etinger in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert. Der Durchbruch zur neuen jiddischen Literatur blieb den Klassikern Vorbehalten (Mendele Moicher Sforim, der als ihr Begründer gilt, Scholem Alejchem und I. L. Perez). A. Goldfaden gilt mit seinen zahlreichen Dramen als Vater des jiddischen Theaters. Die Traditionen der Klassiker wurden von Scholem Asch, Itzik Manger und schließlich auch I. B. Singer weitergeführt. Nach der Oktoberrevolution entstand die sowjetisch-jiddischen Literatur, deren Anfänge D. Bergelson, P. Märkisch, D. Hofschtein und M. Kulbak legten und die bis heute eine beachtliche Rolle in der multinationalen Sowjetliteratur spielt. Nach der barbarischen Ausrottungspolitik des deutschen Faschismus befinden sich die Zentren der jiddischen Literatur heute in Rumänien, den USA und Argentinien sowie in Kanada, Frankreich und Israel.

jiddisches Theater: volkstümliches Theater der osteuropäischen Juden, entstanden aus der Tradition fahrender Sänger. Im 19. und 20. Jahrhundert bildeten sich in vielen osteuropäischen Zentren und in den USA jiddisches Theater; am bekanntesten ist das jiddische Theater in Warschau, das seit den 20er Jahren und nach der Zerschlagung des Faschismus von der berühmten Schauspielerin Ida Kaminska geleitet wurde. Im jiddischen Theater wird jiddisch, das heißt in der jüdischen Volkssprache gesprochen (im Unterschied zum zionistischen, israelisches Staatstheater Habimah, das in hebräischer Sprache spielt).

Jilemnicky, Peter, 18.3.1901-19.5. 1949, slowakischer Schriftsteller; Mitbegründer des sozialistischen Realismus in der slowakischen Literatur. Die Reportagen «Zwei Jahre im Lande der Sowjets» (1929) und der Novellenzyklus «Der Kompass in uns» (1937, deutsch) konfrontieren den Sozialismus mit dem rückständigen slowakischen Dorf. Jilemnickys Romane «Brachland» (1932, deutsch) und «Ein Stück Zucker» (1934, deutsch) veranschaulichen die Klassenkämpfe und «Der Wind dreht sich» (1947, deutsch) die antifaschistische Erhebung des slowakischen Volkes.

Jilin, Kirin: 1. Provinz im Nordosten Chinas; 187000 km2, 22,6 Millionen Einwohner (15 % Koreaner unter anderem); 121 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Changchun. Der Nordwesten gehört zur Nordostchinesischen Ebene, der Südosten zum bewaldeten Bergland von Changbai Shan (bis 2744 m); gemäßigtes Kontinentalklima mit mittleren Niederschlägen. Schnelle industrielle Entwicklung auf der Grundlage des Steinkohle-, Ölschiefer-, Eisenerz-, Kupferabbaus. Maschinenbau (unter anderem Automobilwerk Changchun) und chemische Industrie am stärksten entwickelt, ferner Papierindustrie; Anbau von Reis, Mais, Kaoliang (Sorghum-Hirseart), Sojabohnen; Jagd- und Waldwirtschaft (Ginsengwurzeln, Zobel- und Damhirschzucht); dichtes Bahnnetz, sonst Straßenverkehr und Schifffahrt auf dem Songhua Jiang.

2. Stadt im Nordosten Chinas, in Jilin 1, am Songhua Jiang; 650000 Einwohner; chemische Industrie (Kombinat mit Dünger-, Farbstoff-, Karbidwerk), Maschinenbau, Holz-, Zucker- und Papierverarbeitung; Verkehrsknoten.

Jilong: Stadt im Norden der Insel Taiwan (China), Vorhafen von Taibei; 300000 Einwohner; bedeutendster See- und Fischereihafen der Insel; Werften, chemische Industrie, Fischverarbeitung, Kohleforderung; Bahnlinie nach Taibei.

Jim-Crow-System: (amerikanisch-englisch, «Jakob Krähe») Bezeichnung für das System der ökonomischen, sozialen und politischen Diskriminierung der Afroamerikaner in den USA; benannt nach einer Gestalt aus einem Singspiel von 1828.

Jiménez, Juan Ramón, 24.12.1881 bis 29.5.1958, spanischer Dichter; mit seinem Konzept einer «reinen Dichtung» (poesía pura) wurde er Vertreter des spanischen «modernismo» und auch Vorbild für eine ganze Dichtergeneration, die den gesellschaftlichen Widersprüchen der Zeit mit der Verteidigung einer humanistischen Dichtung zu begegnen sucht. Sein bedeutendstes Prosawerk ist die Erzählung «Platero und ich» (1917, deutsch).

Jimsar, Bogdo Ola: (mongolisch-tibetische, «Götterberg») vergletschertes Bergmassiv im östlichen Tienschan, zwischen der Turfan Senke im Süden und der Dsungarei im Norden; 300 km lang, bis 5 445 m hoch.

Jinan, Tsinan: Stadt in China, Verwaltungszentrum der Provinz Shandong, am Xiaoqing He in der Nähe des unteren Huang He; 800000 Einwohner; Fahrzeug- (LKW, Loks) und Werkzeugmaschinenbau, Leichtindustrie, Metallurgie; Verkehrsknoten.

Jingdezhen: Stadt in China, im Nordosten der Provinz Jiangxi; 270000 Einwohner; berühmte traditionelle Porzellanindustrie, ferner Elektroenergieerzeugung, Maschinenbau, Chemieindustrie; Kaolinabbau.

Jinja: Stadt (Provinzzentrum) in Uganda, am Abfluss des Victoria Nils aus dem Victoriasee; 55000 Einwohner; Kupferhütte, Stahlwerk, Textil-, Papier-, Lebensmittelindustrie; Hafen, Eisenbahnfähre nach Mwanza (Tansania), Verkehrsknoten, bei Jinja Flughafen.

Jinmen, früher Quemoy: Inselgruppe vor der Südostküste Chinas, an der Einfahrt zum Überseehafen Xiamen in der Provinz Fujian; größte Insel 150 km2, etwa 50000 Einwohner Seit 1949 von Truppen der Guomindang Clique, die den Hafen Xiamen blockieren, besetzt.

Jinnah, Muhammad Ali, genannt Quaid-i-Azam («großer Führen)), 25.12.1876 - 11.9.1948, indischer und pakistanische Politiker, Rechtsanwalt; 1920/48 Präsident der Moslemliga; entschiedenster Verfechter der «Zweinationentheorie», der zufolge Inder hinduistischen und islamischen Glaubens 2 Nationen verkörpern; 1947/48 erster Generalgouverneur Pakistans.

Jin Ping Mei, Kin Ping Meh: chinesischer gesellschaftskritischer Sittenroman des 17. Jahrhundert, vermittelt ein wirklichkeitsnahes Bild vom sozialen Leben und den Ausschweifungen herrschender Schichten in der Ming-Dynastie. 

Jinrikisha, Jinrikscha, Rikscha: zweirädriges, von einem Mann gezogenes Personentransportmittel in Ost- und Südostasien.

Jinzhou: Stadt im Nordosten Chinas, im Westen der Provinz Liaoning; 350000 Einwohner; wichtiges Industrie- und Verkehrszentrum mit Erdölverarbeitung, Produktion von Bergbaumaschinen, chemische Ausrüstungen, Traktoren, Quarzglas, elektronische Röhren; ferner Textil- und Papierindustrie.

Jiranek, Jaroslav, geboren 21.8.1922, tschechischer Musikwissenschaftler; seit 1962 Professor am Institut für Musikwissenschaft der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften; leitet international stark beachtete Forschungen zur Musiksemiotik.

Jirasek, Alois, 23.8.1851-12.3.1930, tschechischer Schriftsteller; schildert in historischen Romanen die Hussitenzeit («Wider alle Welt», 1893, deutsch), den Volkswiderstand gegen nationale Unterdrückung («Die Hundsköpfe», 1886, deutsch) und die tschechische Wiedergeburt («F. L. Väk», 1890/1907, deutsch als Fernsehserie). Für die Jugend erzählte Jirasek «Böhmens alte Sagen» (1894, deutsch).

Jiu: linker Nebenfluss der Donau in Rumänien; 331 km; entspringt den Südkarpaten, durchfließt das Kohlenbecken von Petro-Jani, durchbricht das Gebirge in einem 33 km langen Durchbruchstal und durchquert Oltenia.

Jiu-Jitsu: ursprünglich chinesische, später in Japan weiterentwickelte Art waffenloser Selbstverteidigung bei Anwendung gefährliche Schläge, Würfe unter anderem. In der Feudalzeit war Jiu-Jitsu ein Privileg der Samurai. Spätere Versuche, Jiu-Jitsu einen sportlichen Charakter zu geben, blieben erfolglos. Jiu-Jitsu wurde vom Judo verdrängt.

Jiuquan: Stadt in China, im Westen des Gansu-Korridors in der Provinz Gansu, am Lin Shui; 340000 Einwohner; Bergbau- und Agrarzentrum dieses Gebiets; Bahnknoten.

Jivaro: indianische Stämme in der Montana von Ekuador und Peru; 40000 bis 50000; Bodenbauer, Fischer und Jäger. Siehe auch Tsantsa.

Jixi: Stadt im Nordosten Chinas, im Osten der Provinz Heilongjiang, am Muling He; 260000 Einwohner; Steinkohleabbaugebiet mit sich entwickelnder Industrie (Maschinenbau, Baustoff-, holzverarbeitende, Nahrungsmittelindustrie); Bahnknoten.

Joachim, Joseph, 28.6.1831-15.8.1907, Violinist und Komponist; seit 1868 Direktor der Berliner Musikhochschule. R. Schumann, Joachim Brahms, M. Bruch und A. Dvorak widmeten ihm Violinkonzerte.

Joachimsthaler: seit 1519/20 in St. Joachimsthal (Jachymov) geprägte Münze (Guldengroschen) aus dort gewonnenem Silber; die Verkürzung des Namens Joachimsthaler wurde seit etwa 1525 namengebend für den Taler.

Joachim von Floris, Gioacchino da Fiore, um 1133-20.3.1202, italienischer Theologe, Zisterzienserabt; lehrte, dass den sklavischen und patriarchalischen Epochen der Unterdrückung ein Zeitalter des Geistes folgt. Seine von der Kirche verworfenen pantheistischen und chiliastisch-utopischen Ideen beeinflussten antifeudale bäuerlich-plebejische Massenbewegungen vom 13. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert.

Joao Pessoa: Hauptstadt des Bundesstaates Paraiba (Brasilien), am Paraiba; 330000 Einwohner; Buntmetallverhüttung, Zement-, Zigarren-, Textil-, Lederindustrie; Ausfuhrhafen Cabedelo 17 km entfernt, Flughafen; Universität.

Job-Sharing: aus den USA stammende neue Form der Teilzeitbeschäftigung, wobei 2 oder mehrere Werktätige sich einen Arbeitsplatz und den anfallenden Lohn teilen und gemeinsam Verantwortung für die ganztägige Besetzung des Arbeitsplatzes und für die zu erbringende Leistung tragen. Das Job-Sharing ist ein weiteres Mittel zur Verschleierung der hohen Arbeitslosigkeit und dient als Instrument der Profitsteigerung.

Job: 1. allgemein profitbringende Einkommensquelle; Verdienstmöglichkeit; Arbeitsstelle.

2. Datenverarbeitung: Jobverarbeitung.

Jobverarbeitung: Ausführung abgegrenzter und voneinander unabhängiger Arbeitsaufträge (Jobs) durch eine EDVA. Bei Jobverarbeitung findet überwiegend die Stapelverarbeitung Anwendung. Die Steuerung der Behandlung der einzelnen Jobs erfolgt durch spezielle Komponenten des Betriebssystems.

Joch: 1. Joch, Travée: Baukunst, die von 4 Stützen begrenzte beziehungsweise durch Gurtbögen ausgeschiedene Gewölbeeinheit einer gewölbten Decke; auch der gesamte von einem Gewölbefeld überspannte Raumteil; die rhythmische Travée ist ein durch Pfeiler und Säule rhythmisch gegliederter Raumabschnitt.

2. Elektrotechnik: magnetischer Kreis.

3. Geographie: Pass.

4. Landwirtschaft: Geschirr.

5. Metrologie: Flächeneinheit.

Jochalgen: grüne, meist Süßwasser bewohnende Algen mit charakteristischen geschlechtlichen Vermehrung (Konjugation); es gibt die Zieralgen mit zweiteiliger Zellwand und oft mit tiefen Zelleinschnitten, ferner fädige Arten, zum Beispiel die Schraubenalge mit schraubigen, wandständigen Plastiden.

Jochbein, Wangenbein, Zygomaticum (lateinisch griechisch), Jugale: etwa viereckiger Schädelknochen, bildet den oberen Abschluss der Wangenregion des Gesichtes.

Jochblattgewächse, Zygophyllaceae: meist Sträucher und Halbsträucher mit vorwiegend subtropischen Verbreitung; vielfach Charakterpflanzen der Wüsten und Salzsteppen. Die Blütenknospen von Zygophyllum fabago werden anstelle von Kapern verwendet. Der Guajakbaum liefert das Guajak- oder Pockholz.

Jochpilze, Zygomycetes: Klasse der Pilze mit schlauchförmigen, vielkernigen Hyphen ohne Querwände, Zellwand aus Chitin; Vermehrung durch unbegeißelte Sporen; raschwüchsige Schimmelpilze (Köpfchenschimmel) sind zum Teil Krankheitserreger des Menschen.

Jochum, Eugen, geboren 1.11.1902, Dirigent; wirkte unter anderem in Berlin, Hamburg und München; seit 1961 Leiter des Concertgebouw-Orchesters in Amsterdam; erfolgreicher Gastdirigent.

Jochumsson, Matthias, 11.11.1835-18.11.1920, isländischer Lyriker und Dramatiker; verfasste romantische Dramen nach Volkssagen («Die Geächteten», 1864) und aus der isländischen Geschichte («Jón Arason», 1900); übersetzte unter anderem Shakespeare; schrieb religiöse und patriotische Gedichte (Nationalhymne).

Jod: (griechisch ioeides, «veilchenfarbig») fachsprachlich Iod n, Symbol I, früher J: chemisches Element der Kernladungszahl 53; Halogen; Atommasse 126,904 5; Wertigkeiten: -1, +7, seltener +5, +3, +1; F 113,5 °C; Kp 184,5 °C; Dichte 4,94 g/cm3; kommt in der Natur sehr selten vor, angereichert zum Beispiel im Chilesalpeter (als Natriumjodat) sowie in Algen und Tangen. Für den Menschen sind kleine Mengen Jodverbindungen lebensnotwendig; Mangel bewirkt Schilddrüsenstörungen. Freies Jod (I2) bildet dunkelgraue, schwach glänzende, allmählich verdampfende Kristalle, die beim Erwärmen unter Bildung intensiv violetten, stechend riechenden Joddampfes sublimieren. Es löst sich leicht in Äthanol (Jodtinktur) und dient hauptsächlich zur Herstellung von Arznei- und Desinfektionsmitteln sowie zur Füllung von Halogenlampen. Jod wurde 1811 von dem Pariser Salpetersieder Bernard Courtois (1777-1838) in der Mutterlauge von Tangasche entdeckt.

Jod 131: radioaktives Jodisotop mit 8,3 Tagen Halbwertszeit. Neben Betateilchen sendet Jod 131 Gammaquanten aus. Es wird unter anderem zur Diagnose von Schilddrüsen-, Leber- und Lungenerkrankungen eingesetzt.

Jodbenzol, fachsprachlich Jodbenzen: eine farblose, sich allmählich bräunende, kaum wasserlösliche Flüssigkeit von typischem Geruch; Formel C6H5I; Kp 188,5 °C. Jodbenzol ist Zwischenprodukt bei organischen chemischen Synthesen; zum Beispiel verwendet zur Herstellung von Röntgenkontrastmitteln.

Jodelle, Etienne, 1532—Juli 1573, französischer Dramatiker; Mitglied der Pléiade; seine Tragödie «Die gefangene Kleopatra» (1552) ist das erste nach antiken Regeln aufgebaute Stück der Renaissance.

Jodeln: (lautmalend: «jo» rufen) Singen auf Lautsilben mit ständigem Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme; in Europa besonders in den Alpen, aber auch in anderen Gebirgsregionen der Welt verbreitet, ferner bei den afrikanischen Pygmäen, Buschmännern unter anderem

Jodhpur, Dschodpur: Stadt im Unionsstaat Rajasthan (Indien); 490000 Einwohner; Textil-, Leder-, chemische Industrie, Kunsthandwerk (Elfenbein-, Lack-, Glasarbeiten); in der Nähe Tempelruinen.

Jodide: chemische Verbindungen zwischen Jod und einem weiteren Element. Die Metalljodide, wie zum Beispiel Natrium- und Kaliumjodide (Nal beziehungsweise KI), sind die Salze des Jodwasserstoffs; sie sind kristallisiert und meist wasserlöslich; schwer löslich sind zum Beispiel das gelbe Silberjodide und das rote Quecksilber(II)-Jodide. Die Nichtmetalljodide sind leicht verdampfende Flüssigkeiten oder Feststoffe.

Jodoform, Triiodmethan: eine gelbe, kristallisierte, wasserunlösliche Substanz von süßlichem Geruch; Formel CHI3; F 119 °C; wirkt desinfizierend.

Jodoxide: chemische Verbindungen zwischen Jod und Sauerstoff. Diiodpentoxid (Jodpentoxid, I2Os), das Anhydrid der Jodsäure, bildet farblose, hygroskopische Kristalle und vermag Kohlenmonoxid zu Kohlendioxid zu oxydieren; Anwendung in Kohlenmonoxid-Prüfröhrchen (zum Beispiel für Stadtgas). Dijodtetroxid, ist ein gelber, körniger Feststoff.

Jodsauerstoffsäuren: sauerstoffhaltige Säuren des Jods; Perjodsäure, H5I06 (Salze: Periodate) Jodsäure, HI03 (Salze: Jodate), hypoiodige Säure, HIO (Salze: Hypoiodite). Die Salze der Jodsauerstoffsäuren, zum Beispiel das dem Chilesalpeter beigemengte Natriumjodat, NaI03, spalten beim Erhitzen Sauerstoff ab.

Jodwasserstoff: ein farbloses, stechend riechendes, unter Bildung von Jod leicht oxidierbares Gas; Formel HI; Kp -35,4°C; bildet an feuchter Luft weiße Nebel und löst sich leicht in Wasser zu Jodwasserstoffsäure (Salze: Jodide).

Joenpelto, Eeva, geboren 17.6.1921, finnische Schriftstellerin; aus ihrem umfangreichen Schaffen ragt die Tetralogie «Es zieht durch alle Türen» (1974/80) hervor, in der sie gesellschaftlich relevante Probleme der 20er und 30er Jahre in Finnland darstellt.

Joensuu: Stadt im Osten Finnlands, Verwaltungszentrum der Provinz Pohjois-Karjalan (Nordkarelien), am Pielisjoki; 45000 Einwohner; Holz- und Lebensmittelindustrie, Dienstleistungszentrum; Universität; Theater, Museum.

Joghurt: Sauermilcherzeugnis, das aus Milch unter Zusatz bestimmter Milchsäurebakterien hergestellt wird. Im Gegensatz zu Kefir enthält Joghurt keinen Alkohol.

Johannes, (griechisch - hebräisch, «Gott ist gnädig») legendäre Gestalten des Neuen Testaments: 1. Johannes, Johannes der Täufer, von Herodes dem Großen 28 vor Christus hingerichtet, Bußprediger und Vorläufer Jesu.

2. Johannes, Johannes der Evangelist, vermutlich Verfasser des Johannesevangeliums und der Johannesbriefe, aber nicht der «Offenbarung des Johannes» (Apokalypse).

Johannes, Päpste: 1. Johannes XXII., um 1249-4.12.1334, Papst seit 1316; residierte als Franzose in Avignon, bekämpfte den deutschen König Ludwig IV.; führte ein strenges Besteuerungssystem des Klerus ein und verwarf das Armutsideal der Franziskaner beziehungsweise seine urchristliche Begründung.

2. Johannes XXIII., 25.11.1881-3.6.1963, Papst seit 1958; bekannte sich zur Wahrung des Friedens (Enzyklika «Pacem in terris» (Friede auf Erden)), empfahl Zusammenarbeit von Christen und Atheisten bei der Durchsetzung fortschrittlicher sozialer Maßnahmen sowie Mitarbeit der Katholiken auch im sozialistischen Staat. Innerkirchlich förderte er den ökumenische Gedanken, gilt als Initiator des Vatikanischen Konzils.

Johannesburg: Stadt in der Republik Südafrika, im Bergbaugebiet des Witwatersrandes (Transvaal), 1753 m überm Meer; 1,5 Millionen Einwohner; größter Industriestandort Afrikas mit Gold- und Uranerzbergbau und vielseitiger Leicht- und Schwerindustrie; Diamantenschleifereien; Handels- (Messe) und Finanzzentrum; Verkehrsknoten, 2 internationale Flughäfen; Universität, Observatorien; Theater, Museen, Planetarium, Zoo. Am Stadtrand Gettos (Soweto; Alexandra unter anderem) der unterdrückten nichtweißen Bevölkerung (Apartheid).

Johannes Scotus Eriugena, um 810-um 877, irischer Gelehrter, wirkte in Frankreich. Seine auf griechischen, römischen, byzantinischen, neuplatonischen, patristischen, insbesondere Augustinische Quellen beruhende Philosophie, ein Versuch, den Neuplatonismus mit dem Christentum zu verbinden, hat das gesamte mittelalterliche Denken beeinflusst; sie enthält materialistische Ansätze, betont den freien Willen und wurde von der katholischen Kirche mehrmals verurteilt. Von größerem Einfluss war seine hierarchische Stufenlehre, die das Episkopalsystem sakralisierte.

Johannes von Damaskus, um 670 vor 753, byzantinischer Kirchenlehrer und -Schriftsteller; mit seinem Hauptwerk «Quelle der Erkenntnis» (deutsch) fand die dogmatische Entwicklung der östlich-orthodoxen Kirchen ihren Abschluss.

Johannes von Jandun, um 1286-1328, Philosoph; herausragender Vertreter des Averroismus; befasste sich mit Ontologie, der Struktur des Weltalls, mit Psychologie, Erkenntnistheorie und Politik (Ablehnung der Demokratie und Befürwortung der Monarchie französische Musters). Seine Physik beeinflusste N. Kopernikus.

Johannisbeere, Ribes: Gattung der Stachelbeergewächse mit gelappten Blättern, goldgelben, roten oder grünlichen Blüten und roten, gelben oder schwarzen Beeren; darunter Kultur- und Zierpflanzen.

Johannisbrotbaum, Ceratonia spqua: zu den Johannisbrotgewächsen gehörender immergrüner Baum des Mittelmeergebietes, mit gefiederten Blättern und roten Blüten; die zuckerhaltigen Hülsenfrüchte («Johannisbrot») sind als Tierfutter von Bedeutung.

Johannisechse, Ablepharus kitaibelii: bis 12 cm langer, schlanker, braunglänzender Skink mit 4 unterentwickelten Gliedmaßen, eierlegend; lebt in Südosteuropa und Vorderasien.

Johanniskraut, Hartheu, Hypericum: Gattung der Hartheugewächse mit mehreren Arten, zum Beispiel Tüpfelhartheu (Hypericum perforatum), eine gelbblühende heimische Staude mit durchscheinend punktierten Blättern (Öldrüsen); auf Rainen und Ödland vorkommend.

Johanniter: (nach Johannes dem Täufer) geistlicher Ritterorden, seit 1137 nach dem Vorbild der Templer organisiert; übernahm hauptsächlich militärische Aufgaben und beherrschte später (seit 1291) Zypern, Rhodos (14. Jahrhundert) und Malta (1522/1798, daher auch Malteser genannt); verbreitete das Christentum auch durch kriegerische Auseinandersetzungen. Seit 1852 übt der Johanniterorden Krankenpflege aus (auch durch Johanniterschwestern). Das Ordenswappen ist ein spitzes weißes Kreuz in rotem Feld. Seit 1879 auch römisch-katholischen Adelsbund mit karitativer Tätigkeit.

Johann ohne Land, John Lackland, wahrscheinlich 24.12.1167-19.10.1216, englischer König seit 1199 (Dynastie Plantagenet); nach militärischen Niederlagen in Frankreich (1204/06, 1214), die zum Verlust des größten Teils seiner Erblande in Nordfrankreich führten, und der Lehnshuldigung an Papst Innozenz III. (1213) wurde er von den englischen Ständen 1215 zum Erlass der Magna Charta Libertatum gezwungen.

Johannsen, Christa, 17.11.1914-8.4.1981, Schriftstellerin; schrieb Reportagen («Menschen und Städte», 1962) und Romane («Flug nach Zypern», 1969; «Der große wunderbare Fisch», 1973) über den Aufbau des Sozialismus und die Veränderung der Menschen; ferner historische Romane («Leibniz», 1966).

John: 1. Erhard John, geboren 14.10.1919, Kulturwissenschaftler, Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig; erwarb sich vor allem auf dem Gebiet der marxistisch-leninistischen Ästhetik und Kulturtheorie sowie bei der Herausgabe und Übersetzung von Publikationen sowjetischer Ästhetiker Verdienste. Veröffentlichungen: unter anderem «Probleme der marxistisch-leninistischen Ästhetik» (Band 1 1967, Band 2 1978), «Einführung in die Ästhetik» (1964), «Kunst und sozialistische Bewusstseinsbildung» (1974), «Kultur Kunst Lebensweise» (1980).

2. Joachim John, geboren 20.1.1933, Maler und Graphiker; 1955/59 Studium der Kunsterziehung an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 1963/65 Meisterschüler von H. T. Richter; deutet poetisch-phantasievolles und graphisch-sensibeles zeitgenössisches Leben und Landschaft, illustrierte zahlreiche literarische Werke.

John-Birch-Gesellschaft: (nach einem US-amerikanischen Missionar) 1958 in den USA gegründet ultrarechte, antikommunistische und extrem rassistische Organisation; finanziert besonders von texanischen Monopolen.

John Bull: (englisch, «Hans Stier») Spottname und Karikatur des Vertreters der englischen herrschenden Klasse, abgeleitet von der Schilderung des britischen Politikers und Philosophen Saint John Bolingbroke (zeitgenössisch: Saint John Bullingbroke) in einer gegen die Whigs gerichteten Satire von John Bull Arbuthnot (1667-1735).

Johnson: 1. Johnson (junson), Eyvind, 29.7.1900-25.8. 1976, schwedischer Schriftsteller; schuf mit der autobiographischen Romanfolge «Hier hast du dein Leben» (1934/37, deutsch) ein realistisches Bild von den Lebensverhältnissen der schwedischen Arbeiterklasse zu Beginn des 19. Jahrhundert; unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges entstand die «Krilon»-Trilogie (1941/43); in historischen Romanen gestaltete er politische, soziale und psychologische Probleme mit künstlerisch überzeugendem Gegenwartsbezug («Die Heimkehr des Odysseus», 1946, deutsch; «Träume von Rosen und Feuer», 1949, deutsch; «Eine große Zeit», 1960, deutsch; «Reise ins Schweigen», 1973, deutsch).

2. Johnson, Hewlett, 25.1.1874-22.10.1966, britischer Theologe; 1931/63 anglikanische Dekan von Canterbury; trat für Freundschaft mit den von ihm oft bereisten sozialistischen Ländern sowie für die Festigung und Erhaltung des Friedens ein; seit 1950 Mitglied des Weltfriedensrates. Er schrieb unter anderem «Ein Sechstel der Erde» (1939, deutsch).

3. Johnson, Lyndon Baines, 27.8.1908-21.1. 1973, US-amerikanischer Politiker; seit 1953 Vorsitzender der demokratischen Partei; seit 1961 Vizepräsident, 1963/69 Präsident der USA; Exponent des militärischen industriellen Komplexes der USA, Hauptverantwortlicher für die Vietnamaggression.

4. Johnson, Samuel, 18.9.1709-13.12.1784, englischer Schriftsteller und Lexikograph; neben A. Pope Hauptvertreter des Klassizismus; wurde berühmt durch den orientalisch stilisierter philosophischer Lehrroman «Rasselas, Prinz von Abessinien» (1759, deutsch), das «Neue grammatisch-kritische Wörterbuch der englischen Sprache» (1755, deutsch), seine Shakespeare Ausgabe (1765) sowie seine erste Literaturgeschichte «Leben der Dichter» (1779/81).

5. Johnson, Uwe, 20.7.1934-12.3.1984, Schriftsteller der BRD; wiederholter Aufenthalt in den USA; schrieb, ohne Verständnis für den historischen Prozess der sozialistischen Umgestaltung, Romane über die gegensätzliche Entwicklung in der BRD und der DDR («Mutmaßungen über Jakob», 1959); Erfahrungen seines USA-Aufenthaltes gestaltet er in der Trilogie «Jahrestage» (1970).

Joho, Wolfgang, geboren 6.3.1908, Schriftsteller; gestaltet in Romanen und Erzählungen insbesondere die Hinwendung bürgerlicher Menschen zu sozialistischen Lebens- und Verhaltensweisen («Jeanne Peyrouton», 1949; «Der Weg aus der Einsamkeit», 1953; «Die Wendemarke», 1957; «Es gibt kein Erbarmen», 1962; «Aufstand der Träumer», 1966; «Das Klassentreffen», 1968; «Die Kastanie», 1970; «Abschied von Parier», 1972; «Der Sohn», 1974).

Johor Bahru, Johore Bharu: Hauptstadt des Gliedstaates Johore im Süden Malaysias; 140000 Einwohner; chemische, Leicht- und Lebensmittelindustrie, Werft; Verkehrsknoten mit Eisenbahn-, Straßen- und Erdölleitungsverbindungen nach Singapur und dem N.

Jöhstadt: Stadt im Kreis Annaberg, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im oberen Westerzgebirge; 1900 Einwohner; Herstellung von Feuerlöschgeräten, Pumpen, Textilien, Möbeln; Erholungsort, Wintersportplatz (686 bis 828 m über dem Meeresspiegel).

Jókai, Mór, 18. 2.1825-5.5.1904, ungarischer Schriftsteller; bedeutendster Vertreter der ungarischen romantischen Prosaliteratur; stand an der Seite S. Petöfis im ungarischen Freiheitskampf 1848/49; seine Romane «Ein ungarischer Nabob» (1853), «Zoltan Karpathy» (1854), «Die Baradlays» (1869), «Einer stach ins Wespennest» (1879), «Ein Goldmensch» (1872, alle deutsch) unter anderem behandeln historische Themen und Zeitprobleme.

Jokulator: der umherziehende Spaßmacher der Antike, bot auf den Märkten dem Volk Akrobatik, Gesänge und derbe Possen. Die Jokulatoren verbreiteten sich nach dem Zusammenbruch Roms (476) über ganz Europa; unter ihren Nachfahren bildete sich im Mittelalter der Stand der Spielleute heraus.

Jokus (lateinisch): Scherz, Spaß.

Joliot-Curie: 1. Frédéric, 19.3.1900 bis 14.8.1958, französischer Physiker; entdeckte 1934 mit seiner Frau Joliot-Curie 2 die künstliche Radioaktivität und wies nach der Entdeckung der Kernspaltung die Möglichkeit einer Kettenreaktion im Uran nach. Joliot-Curie war seit 1942 Mitglied der KP Frankreichs; er gehörte zu den namhaften Mitgliedern der französischen Widerstandsbewegung und war Präsident des Weltfriedensrates.

2. Irène, 12.9.1897-17.3.1956, französische Physikerin und Chemikerin; Tochter von M. und P. Curie; arbeitete gemeinsam mit ihrem Mann Joliot-Curie 1 auf dem Gebiet der künstlichen Radioaktivität.

Jolivet, André, 8. 5. 1905-20. 12. 1974, französischer Komponist; gehörte seit 1936 der Gruppe Jeune France an; schrieb Werke aller Gattungen bis zu reiner Gebrauchsmusik. Seine Musik ist elegant, klar und stark rhythmisch betont.

Jolle: 1. kleines, ziemlich breit gebautes Ruderbeiboot auf größeren Schiffen.

2. offenes Sportsegelboot mit Schwert. Siehe auch Segelboot.

Jomon-Kultur: (japanisch jomon, «Schnurmuster») jungsteinzeitliche Kultur in Japan, einem Frühstadium (etwa 10./9.Jahrt. vor Christus) schließt sich die eigentliche Jomon-Kultur an (etwa 7500/300 vor Christus); bekannt durch ihre verzierte Keramik.

Jonas, Franz, 4. 10. 1899-24. 4. 1974, österreichischer Sozialdemokratischer Politiker; 1951/65 Bürgermeister von Wien, 1965/74 Bundespräsident.

Jones: 1. Ernest Charles Jones, 25.1.1819 bis 25.1.1869, englischer Dichter, Schriftsteller und Politiker; einer der Führer der revolutionären Chartisten; rief in romantischen Agitationsversen («Ein Chartistenchor», 1846; «Ein Mailied», 1847; «Ein Lied für das Volk», 1848) und in dem philosophisch-allegorischen Poem «Der Aufstand von Hindustan oder Die neue Welt» (1857) die Volksmassen zum revolutionären Befreiungskampf auf. 1848 übersetzte er die «Marseillaise» ins Englische. 1852/58 gab er das Arbeiterblatt «The People’s Paper» heraus, an dem Marx und Engels gelegentlich mitarbeiteten.

2. Inigo Jones, 15.7.1573-21.6.1652, englischer Architekt; führte nach längerem Aufenthalt in Italien den Palladianischen Klassizismus in England ein, der für die englische Architektur bis nach 1800 maßgebend wurde (Hauptwerk: Königliches Schloss Whitehall, unvollendet, nur teilweise erhalten).

3. James Jones, 6.11.1921-10.5.1977, US-amerikanischer Schriftsteller; stellte in dem Bestseller «Verdammt in alle Ewigkeit» (1951, deutsch) das Leben in der US-Armee kritisch dar.

4. Le Roi Jones, geboren 7.10.1934, US-amerikanischer Schriftsteller (nennt sich seit den 60er Jahren Imamu Amiri Baraka) wurde mit Essays, Gedichten, Dramen und Romanen zum militanten Sprecher der afroamerikanischen Befreiungsbewegung und vertritt einen kulturellen schwarzen Nationalismus und Separatismus.

Jong, Adrianus Michael de, 29.3.1888 bis 19.10.1943 (von niederländischer SS ermordet), niederländischer Schriftsteller; als Hauptwerk gelten seine zum Teil autobiographische Entwicklungsromane («Meryntje Gijsens Kindheit», 4 Bände, 1925/28, deutsch); schrieb auch Kinderbücher und Reiseerzählungen.

Jongkind, Johan Barthold, 3.6.1819-9.2.1891, niederländischer Maler und Graphiker; indem er die Errungenschaften der Freilichtmalerei nutzte, wurde er besonders mit seinen Aquarellen und Zeichnungen von holländischen und französischen Küstenlandschaften zu einem Wegbereiter des Impressionismus.

Jongleur: (französisch) Artist, der Gegenstände in die Luft wirft und wieder auffängt oder sie am Körper, auf Stangen und so weiter kreisen lässt.

Jönköping: Stadt im Süden Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz Jönköping, am Südende des Vättersees; 110000 Einwohner; Mittelpunkt der schwedischen Zündhölzer-Industrie; ferner Papierindustrie und Maschinenbau; Freilichtmuseum; wirtschaftlich mit dem 6 km entfernten Husqvarna (Waffen- und Textilindustrie, Fahrrad- und Nähmaschinenbau) verzahnt; südwestlich von Jönköping das Bergbaugebiet Taberg (Titaneisenerz).

Jonon: (griechisch «Veilchen») gelbliches, in Verdünnung nach Veilchen riechendes flüssiges Gemisch der ungesättigten zyklischen Ketone a- und ß-Jonon; Formel C13H2oO. Jonon wird synthetisch hergestellt und in der Parfümerie verwendet, ß-Jonon auch zur Synthese von Vitamin A.

Jonson, Ben (Benjamin), 11.6.1572 bis 6.8.1637, englischer Dramatiker; bedeutendster Zeitgenosse Shakespeares; schrieb realistische satirische Komödien («Jedermann spielt seine Rolle», 1599; «Volpone», 1605, deutsch; «Der Alchemist», 1610, deutsch; «Der Bartholomäusmarkt», 1614, deutsch), tragisch-satirische Römerdramen («Der Sturz des Sejanus», 1603, deutsch; «Die Verschwörung des Catilina», 1611, deutsch) und etwa 30 höfliche Maskenspiele. 1616 Poeta laureatus.

Jooss, Kurt, 12.1.1901-22.6.1979, Tänzer und Choreograph (Antikriegsballett «Der grüne Tisch», 1932); 1933/47 Leiter der Ballets Jooss in Großbritannien, 1949/68 Leiter der Tanzabteilung der Folkwang Hochschule Essen.

Joppe: (italienisch - arabisch) ein- oder zweireihige, bequeme, hochgeschlossene Herrenjacke mit Steh- oder Umlegekragen; ursprünglich Trachtenjacke aus Loden.

Jordaens, Jacob, 19. 5.1593-18.10.1678, flämischer Maler; bevorzugte Genre- und Sittenbilder, die den Einfluss von P. P. Rubens in kraftvoll leuchtender Farbgebung, Unmittelbarkeit der Naturauffassung und einer Gestaltung voll ursprünglicher Sinnenfreude erkennen lassen.

Jordan: Fluss in Jordanien und Israel; 252 km; entspringt mit den 3 Quellflüssen Banias, Hasbani und Dan, die sich etwa 15 km nördlich der Hula Sümpfe vereinigen, im Antilibanon, durchfließt den See Genezareth (Wasserkraftwerk am Ausfluss), das wüstenhafte Ghor und mündet in das Tote Meer; größter linker Nebenfluss Yarmouk; Bewässerung sowie Trink- und Brauchwasserversorgung.

Jargensen, Anker, geboren 13.7.1922, dänischer Politiker; seit 1973 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Dänemarks, 1972/73 und 1975/82 Ministerpräsident.

Joruri: japanisches Puppenspiel (Bunraku). Joruri war ursprünglich die Heldin eines Volksepos («Jqruri-Monogatari»), das von einem Rezitator mit Musikbegleitung im Sprechgesang vorgetragen wurde; im 17. Jahrhundert mit dem alten Puppenspiel zum Ningyo-Joruri (= Puppen-Joruri) verschmolzen.

Jos: Hauptstadt des Bundesstaates Plateau, im zentralen Teil Nigerias, auf dem Jos-Plateau (Bauchi-Plateau 1780 m); 100000 Einwohner; Mittelpunkt eines Bergbaugebietes mit Zinnerz und Kolumbitabbau; Zinkhütte, Walzwerk; Flughafen; archäologisches Institut, Museum, botanischer Garten, Zoo.

Josef, römisch-deutscher Kaiser: 1. Josef 26.7.1678-14.4.1711, König von Ungarn seit 1687, Kaiser seit 1705; suchte den Einfluss der Habsburger im Reich zu stärken und das habsburgische Erbe zu erweitern (Spanischer Erbfolgekrieg); schlug den ungarischen Freiheitskampf (1703/11) nieder.

2. Joseph II., 13.3.1741-20.2.1790, Kaiser seit 1765, in den habsburgischen Erblanden 1765/80 Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, seit 1780 Alleinregent. Josef war ein eigenwilliger Interpret der Aufklärung und versuchte durch Reformen, die objektiv dem Bürgertum und der Bauernschaft zugutekamen, die absolutistische Monarchie des habsburgischen Vielvölkerstaates zu stärken. Sie scheiterten teilweise am Widerstand des Adels.

Josefinismus: das Reformsystem, das Josef II. (1741-1790) auf wesentlichen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens durchführte; beinhaltete unter anderem Aufhebung der Leibeigenschaft in den böhmisch-österreichischen Ländern, Verminderung der Klöster, Schulpflicht, Glaubensfreiheit, Pressefreiheit, straffe Zentralisation. In der Reaktionsperiode nach 1815 knüpften fortschrittliche Kreise Österreichs an die Gedanken des Josefinismus an.

Joseph, (lateinisch griechisch hebräisch, «Gott vermehre!») in der Bibel Sohn des Jakob und der Rahel, von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft und dort zu großem Ansehen gelangt. Der Stoff ist oft literarisch behandelt worden (unter anderem T. Mann).

Josephson, Brian David, geboren 4.1.1940, britischer Physiker; sagte 1962 nach theoretischer Betrachtung der Experimente I. Giaevers zum Tunneleffekt neue Effekte voraus, die inzwischen seinen Namen tragen.

Josephson-Effekte: von B. D. Josephson vorausgesagte und kurz darauf experimentell nachgewiesene Effekte, die auf dem Tunneln von Cooper-Paaren (BCS-Theorie) durch eine dünne Isolator Schicht zwischen 2 Supraleitern beruhen. Der Josephson-Gleichstromeffekt ermöglicht insbesondere beim Anlegen eines Magnetfeldes innerhalb der Isolator Schicht für Messtechnik und Datenspeicherung interessante Anwendungen. Als Josephson Wechselstromeffekt bezeichnet man die Ausbildung eines Wechselstromes und die Emission elektromagnetischer Strahlung beim Anlegen einer Gleichspannung an die beiden Supraleiter sowie den umgekehrten Vorgang der Ausbildung einer Spannung durch Absorption von Strahlungsquanten. Dies erlaubt eine präzise Messung des Quotienten h/e (h Planck-Konstante, e Elementarladung).

Josephus Flavius, um 38-um 100, jüdischer Geschichtsschreiber; Feldherr im Jüdischer Krieg (66/70), lebte nach der Zerstörung Jerusalems in Rom. Seine Werke sind eine wichtige Quelle für die jüdische Geschichte.

Jostedalsbreen: Gletschergebiet im Westen Norwegens, nördlich vom Sognefjord; Hochplateau mit einer mittleren Höhe von 1700 m über dem Meeresspiegel (in der Lodalskapa 2083 m); größter Festlandgletscher Nordeuropas (486 km2 Gletscherfläche, mit Nebengletschern 815 km2), etwa 100 km lang, bis zu 500 m mächtig.

Josua: (hebräisch, «Gott hilft!»), in der Bibel Nachfolger des Moses als Führer der israelit. Stämme bei der Landnahme in Kanaan (Buch Josua).

Jota: spanischer Volkstanz im Dreiertakt, walzerartig mit charakteristischen Werbetanzfiguren; die Jota aragonesa wird von 3 Personen getanzt.

Jöten: (altnordisch, «Fressen») in der nordischen Mythologie Riesen; oft Feinde der Götter und Menschen; ihr Reich heißt Jötunheim.

Jotunheimen: («Welt der Riesen») Hochfläche mit Hochgebirgscharakter im Westen Norwegens, nordöstlich des Sognefjordes; etwa 3500 km2; meist aus Gabbro, von etwa 20 Gipfeln über 2000 m überragt, darunter Galdhopiggen (2469 m) und Glittertind (2472 m); Kargletscher und -seen.

Joule, James Prescott, 24.12.1818-11.10.1889, britischer Physiker; fand 1840 die Wärmewirkung des elektrischen Stroms (Joulesches Gesetz), formulierte 1843 (nach R. Mayer) den Satz von der Erhaltung der Energie, bestimmte 1843 das mechanischen Wärmeäquivalent und entdeckte 1852 mit Lord Kelvin of Largs den Joule-Thomson-Effekt.

Joulesches Gesetz. (nach P. Joule) Gesetz, nach dem die von einem elektrischen Strom (Stromstärke I) in einem Verbraucher (Widerstand R) in der Zeit t erzeugte Wärmemenge W= PRt beträgt (Joulesche Wärme).

Joule-Thomson-Effekt: von P. Joule und W. Thomson (Lord Kelvin of Largs) gefundene Temperaturänderung, die ein reales Gas bei einer gedrosselten Entspannung erfährt (siehe auch Drosselung). Weil dabei die Enthalpie konstant bleibt, heißt der Joule-Thomson-Effekt auch isenthalpische Drosseleffekt. Meist tritt Abkühlung ein (positiver Joule-Thomson-Effekt). In bestimmten Temperatur- und Druckbereichen wird das Gas bei Drosselung erwärmt (negativer Joule-Thomson-Effekt). Die Temperatur, bei der der Joule-Thomson-Effekt sein Vorzeichen wechselt, heißt Inversionstemperatur. Siehe auch Gasverflüssigung.

Journaille: abschätzige Bezeichnung für skrupelloses Pressewesen und in ihm tätige Journalisten.

Journal: (französisch) 1. in größeren Abständen erscheinende (meist illustrierte) Zeitschrift.

2. Nachweis zur chronologischen Aufbereitung des Buchungsstoffes in der Buchführung.

Journalismus: Gesamtheit der politisch-literarischen, sprachlich-stilistischen, method., graphischen, künstlerischen und technischen Tätigkeiten und Mittel, die erforderlich sind zur Darstellung aktueller Fragen des gesellschaftlichen Lebens (insbesondere der Politik) bei Nachrichtenagenturen, in Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk, Fernsehen, Film unter anderem Instrumenten öffentlicher Meinungsbildung (zum Beispiel Flugblättern, Broschüren).

Journalist: hauptberuflich schriftstellerischer beziehungsweise redaktioneller Mitarbeiter (Redakteur) von Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtenagenturen, Rundfunk, Fernsehen und Dokumentarfilm; Tagesschriftsteller.

Journalistik: Wissenschaft von Geschichte, Theorie und Praxis der Massenmedien und des Journalismus. Die Journalistik erforscht Entwicklung, Rolle, Stellung und Einfluss von Presse, Rundfunk, Fernsehen und Nachrichtenwesen in der Gesellschaft sowie Gesetzmäßigkeiten und Methoden des Journalismus.

Jovellanos, Gaspar Melchor de, 5.1.1744-27.11.1811, spanischer Schriftsteller und Politiker; universal gebildete Persönlichkeit und profiliertester Vertreter der spanischen Aufklärung; erhielt den Beinamen «padre de la patria» (Vater des Landes); trat für tiefgreifende Reformen im Sinne des wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritts seines Landes ein. In seinem Schauspiel «Der ehrbare Missetaten» (1773, deutsch) behandelt Jovellanos die Widersprüche zwischen Gesetzgebung und Sitten.

jovial: (französisch, eigentlich «jupiterhaft») leutselig; heiterwohlwollend gesinnt, gönnerhaft.

Jovine, Francesco, 9.10.1902-30.4.1950, italienischer Erzähler; der Roman «Frau Großmutter» (1942) ist eine poetische Gestaltung aus der Zeit des Risorgimento, die Erzählung «Herrschaft in der Provinz» (1945) eine satirische Auseinandersetzung mit dem Faschismus. In dem Roman «Die Äcker des Herrn» (1950, deutsch) behandelt Jovine das Problem der Bodenreform.

Jowkow, Jordan, 21.11.1880-15.10.1937, bulgarischer Erzähler, Romancier, Dramatiker; gestaltete in meisterhaften Erzählungen das bäuerliche Leben in der Dobrudscha («Im Gasthof zu Antimowo», 1928, deutsch). Sein reifstes Werk sind die aus der Volksüberlieferung schöpfenden «Balkanlegenden» (1927, deutsch).

Joyce, James, 2.2.1882-13.1.1941, irischer Schriftsteller und Dichter; schrieb anfangs Kurzgeschichten («Dublin», 1914, deutsch) und die Selbstdarstellung «Jugendbildnis» (1916, deutsch). In «Ulysses» (1922, deutsch) ersetzte er die epische Darstellung der Wirklichkeit im Roman weitgehend durch die von Bewusstseinsvorgängen und entwickelte dazu erfordert. Techniken weiter (Bewusstseinsstromtechnik), verbunden mit naturalistischen Details, surrealistische Halluzination und komplizierter Symbolik, wobei er die traditionelle Romanform und teils auch die Sprache auflöste; «Finnegans Wache» (1939) ist kaum noch verständlich. Joyce übte nachhaltigen Einfluss auf die spätbürgerliche Literatur aus.

József, Attila, 11.4.1905-3.12.1937, ungarischer Dichter; bedeutendster Vertreter der ungarischen sozialistisch-realistischen Literatur. Seine anfangs vom Expressionismus, der ungarischen Volksdichtung und später der deutschen sozialistisch-realistischen Dichtung der Weimarer Republik beeinflusste Lyrik (deutsch Auswahl «Gedichte», 1960, 1975) bedeutete eine Wende in der Geschichte der ungarischen Literatur.

Juan Carlos I., geboren 5.1.1938, König von Spanien seit 1975; sah sich zu demokratischen Reformen veranlasst, um die politische Instabilität des Regimes zu überwinden; sein Verhalten bewirkte unter anderem die Niederschlagung des rechten Militärputsches vom 23.2.1981.

Juan de Austria, 24.2.1547-1.10.1578, spanischer Feldherr; illegitimer Sohn Karls V.; besiegte die Türken in der Seeschlacht von Lepanto 1571 und nahm Tunis; als Statthalter der spanischen Niederlande seit 1576 bekämpfte er die niederländische Revolution.

Juanes, Juan de, eigentlich Vicente Juan Masip, um 1505-21.12.1579, spanischer Maler; Schüler seines Vaters V. Masip. Unter Beteiligung seiner Werkstatt fertigte Juanes Madonnen- und Heiligenbilder in schlichter Komposition, die Einflüsse von Leonardo da Vinci und Raffael vereinen und mit der ihnen immanenten religiösen Leidenschaft typisches Beispiele der gegenreformatorischen Kunst sind. Er schuf auch bedeutende Porträts und dekorative Entwürfe für Wandfliesen in blauer Glasur.

Juan-Fernández-Inseln: zu Chile gehörende Inselgruppe vulkanische Entstehung im Stillen Ozean, 600 km westlich der mittelchilenischen Küste; 187 km2, etwa 250 Einwohner; bis 1650 m hoch; aus 3 Inseln bestehend: Marino Alejandro Selkirk, Santa Clara und Más a Tierra, letztere wurde 1966 in Robinson-Crusoe-lnsel umbenannt (auf ihr hatte 5 Jahre der englische Matrose A. Selkirk gelebt, dessen Abenteuer D. Defoe als literarisches Vorbild diente).

Juárez, Benito, 21.3.1806-18.7.1872, mexikanischer Politiker und Nationalheld indianischer Abstammung; Jurist; Führer der Liberalen; verwirklichte als (provisorische, später gewählter) Präsident (1858/61, seit 1861) die fortschrittliche Verfassung von 1857 (sogenannt Reformära; Trennung von Staat und Kirche); unter seiner Leitung erfolgreicher Widerstand gegen die Mexikanische Expedition Napoleons III.

Juba, Dschuba: mäanderreicher Fluss im Süden von Somalia; 880 km, mit Quellfluss Genale 1600 km; entspringt mit 3 Quellflüssen im Äthiopischen Hochland, mündet in den Indischen Ozean; im Unterlauf schiffbar; Bewässerungsanlagen.

Jubail: Stadt im Osten Saudi-Arabiens, am Persischen Golf, nordwestlich von Az-Zahran; industrielles Ballungsgebiet insbesondere zur Erdölverarbeitung (Raffinerie, Petrolchemie); Seehafen.

Jubeljahr, (hebräisch + deutsch) Jobeljahr (hebräisch jobel, «Widderhorn» (mit dem das Jubeljahr eingeblasen wurde)), Halljahr, Freijahr: im altjüdischen Festkalender aller 50 Jahre wiederkehrendes Jahr, in dem Schulden erlassen, Verpfändetes wiedererstattet und Sklaven freigegeben werden.

Jüchser, Hans, 14.7.1894-13.8.1977, Maler und Graphiker; 1923/28 Studium an der Kunstakademie Dresden, Mitglied der Asso; in den 20er Jahren zeigen sich in stark sozial engagierten Arbeiten von dunklem, kühlem Kolorit veristische Einflüsse; nach 1945 entstehen besonders Stillleben, Landschaften und Porträts in spannungsvoll-klarer Formensprache und zunächst zurückhaltendem Kolorit, das sich jedoch langsam lichtet und reicher gestaltet.

Juchtenleder: (russisch + deutsch) ursprünglich mit Weidenrinde gegerbtes und mit Birkenteeröl imprägniertes, heute pflanzlich gegerbtes, stärker gefettetes Leder für Stiefelschäfte und Arbeitsschuhe.

Juda: 1. nach der biblischen Legende Sohn des Jakob und der Lea, Stammvater eines südpalästinensischen Stammes, dessen Wohngebiete zwischen Jerusalem und Hebron gelegen haben.

2. Judäa (dat. griechisch hebräisch): nach dem Zerfall des einheitlichen Reiches der Israeliten in 2 Teilreiche (10. Jahrhundert vor Christus) führender Stamm des nach Juda 1 benannt Königreiches im Süden von Palästina. Die Eroberung durch Nebukadnezar II. 587 vor Christus bedeutete das Ende des Staates.

Judasbaum, Cercis siliquastrum: Johannisbrotgewächs des Mittelmeergebietes mit rundlichen, am Grunde herzförmigen Blättern, Hülsenfrüchten und rosaroten, büschelig angeordneten Blüten, die am Stamm austreiben (Kauliflorie) und vor den Blättern erscheinen; Parkgehölz.

Juden: (lateinisch griechisch hebräisch) zunächst Angehörige des Stammes Juda; nach der Babylon. Gefangenschaft Bezeichnung für alle Israeliten. Heute sind unter dem Begriff Juden vor allem die Angehörigen einer Religion zu verstehen, deren Entwicklung mit der Geschichte der Israeliten verknüpft ist.

Geschichte: Seit dem 14. Jahrhundert vor Christus drangen Hirtenstämme von der Arabischen Halbinsel in Palästina ein. Um 1220 vor Christus lässt sich ein Stammesverband Israel durch einen ägyptischen Siegesbericht in Palästina nachweisen; die Israeliten behaupteten sich gegen die Hethiter, Kanaaniter und Philister; um 1000 vor Christus bildete sich ein einheitliches Reich unter den Königen Saul und David mit der Hauptstadt Jerusalem heraus. Es zerfiel nach König Salomo in 2 Reiche, Israel im Norden und Juda (Judäa) im S. 722 vor Christus wurde Israel von Assyrern, 587 Juda von Babyloniern unter Nebukadnezar II. erobert, Jerusalem zerstört und die Juden in die Babylon. Gefangenschaft geführt. Das Vorhandensein einer eigenen monotheistischen Religion gab ihnen im Exil starken geistigen Zusammenhalt, führte aber in der Folge zur immer stärkeren religiösen Absonderung von den anderen Völkern. 539 vor Christus kehrte ein Teil der Juden nach Juda zurück, das Rom 70 nach Christus endgültig unterwarf, den Tempel in Jerusalem zerstörte und nach dem Aufstand unter Bar Kochba 132/35 die Juden aus Palästina vertrieb. In jüdischen Gelehrtenschulen in Palästina und Babylonien entstand der Talmud. In Spanien und Nordafrika entwickelten sich unter islamischer Herrschaft bedeutende wissenschaftlicher jüdischer Zentren. Die zunächst freiwillige Ansiedlung der Juden in geschlossenen Stadtvierteln zahlreicher europäischer Städte (Gettos) erfolgte seit dem 13. Jahrhundert zwangsweise. Für die Feudalherren besaßen die Juden Bedeutung für den Fernhandel mit dem Orient, sie benutzten die Juden für ihre Finanzmanipulationen, erklärten sie für schuldig an der feudalen Ausbeutung und organisierten, um von den eigentlichen Ursachen, den gesellschaftlichen Widersprüchen, abzulenken, religiös motivierte Judenverfolgungen: 1099/1291 Dezimierung der jüdischen Bevölkerung in Palästina durch Kreuzfahrer und Seldschuken, 1290 Vertreibung aus England, 1394 aus Frankreich; 1348/51 aus Anlass der Pest Pogrome in fast ganz Europa (starke Auswanderung aus deutschen Territorien nach Polen und Russland). Seit dem 13. Jahrhundert gab es zwangsbekehrte Juden (Maranen) in Spanien, von dort erfolgten 1492 große Vertreibungen nach Nordafrika und dem Orient. Der nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775/83) und die Französische Revolution von 1789 leiteten die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden ein, die in Europa im 19. Jahrhundert formal vollzogen war, aber nur in den bürgerlichen Klassengrenzen verwirklicht wurde. Nach Pogromen im zaristischen Russland 1880/81 und 1904 erfolgte eine starke Auswanderung nach Westeuropa und den USA. Im Verlaufe des 19. Jahrhundert hatten sich die Juden in Europa und Amerika zunehmend dem Charakter der betreffenden Nation angepasst. Ende des 19. Jahrhundert entstand die nationalistische Bewegung (Zionismus) der jüdischen Bourgeoisie. Mit dem Imperialismus verstärkte die Bourgeoisie den Antisemitismus, um von den gesellschaftlichen Widersprüchen abzulenken. Sie nutzte die religiöse Rechtfertigung durch die Kirche und bediente sich zugleich der Rassenhetze bei den Judenverfolgungen. Die internationale und deutsche revolutionäre Arbeiterbewegung spielte bei der Bekämpfung des Antisemitismus eine hervorragende Rolle. Wesentlicher Ausdruck dafür war der IV. Parteitag der Sozialdemokratie 1893, auf dem A. Bebel den Klassencharakter des Antisemitismus nachwies. In unmenschlicher Weise verfolgte der deutsche Faschismus die Juden: 15.9.1935 «Nürnberger Gesetze», 9. 11.1938 Kristallnacht, 12./13. 2. 1940 erste Massendeportation von Juden aus Stettin (Szczecin), 16.10.1940 Befehl zur Anlage des Warschauer Gettos; im April 1943 heroischer Aufstand der Gettobewohner; am 16. 5.1943 völlige Zerstörung des Wohnviertels und Ermordung von 56000 jüdischen Bewohnern. Am 31.7.1941 wurde R. Heydrich mit der Durchführung der «Endlösung der Juden frage» beauftragt. In Konzentrationslagern wurden etwa 6 Millionen jüdische Männer, Frauen und Kinder auf grauenhafte Weise ermordet. Nach dem 1. und besonders nach dem 2. Weltkrieg erfolgte eine starke Einwanderung jüdischer Bürger nach Palästina; 1948 Proklamierung des Staates Israel. Zurzeit leben von insgesamt etwa 14,26 Millionen Juden 5,78 Millionen in den USA und etwa 3,4 Millionen in Israel. Während in den sozialistischen Staaten die Grundlagen für Antisemitismus und Rassismus beseitigt wurden, blieb in den kapitalistischen Staaten die Basis für ein Aufleben des Antisemitismus erhalten.

Judenburg: Stadt in der Steiermark (Österreich), an der Mur, am Fuße der Seetaler Alpen; 11200 Einwohner; Edelstahl-, Schuh-, Kartonagenindustrie; Kirchen (12./14. Jahrhundert), Stadtturm (15. Jahrhundert), Burgruine Liechtenstein.

Judikatur: (lateinisch) Rechtsprechung; Gerichtsbrauch.

jüdische Kunst: die Kunst des Volkes von Israel sowie all jene Kunst, deren Gegenstand von jüdischen Geist angeregt und getragen, aus den Quellen jüdischer religiöser, kultureller und geschichtlicher Überlieferung heraus gestaltet und letztlich nur innerhalb dieser Überlieferung zu begreifen ist. Ursprünglich (15. bis 12. Jahrhundert vor Christus) machten sich in der Entwicklung der jüdischen Kunst Einflüsse aus Kanaan und Assyrien, später (ab 6. Jahrhundert nach Christus) persische und hellenistische Einflüsse geltend. Von der jüdischen Kunst des Altertums ist wenig bekannt. Wie weit das religiös begründete Bilderverbot aus Furcht vor Götzendienst der Entwicklung der jüdischen Kunst im Wege stand, ist schwer zu sagen. Bereits in der Antike stand der Bilderfeindlichkeit eine ausgesprochene Bilderfreundlichkeit gegenüber; zuweilen verdrängte sie jene sogar vollkommen. Frühe Zeugen jüdischer Kunst sind die Tempel Salomons und von Herodes dem Großen in Jerusalem. Die Ausgrabungen der in der Römerzeit errichteten Synagogen (zum Beispiel in Dura Europos am oberen Euphrat) forderten Mosaiken und Wandmalereien zutage, die bekannte jüdische Symbole, biblische Szenen, Stern- und Tierbilder sowie Pflanzenornamente darstellen. Nach der Vertreibung aus ihrer Urheimat durch die Römer und während des gesamten Mittelalters fanden die Juden gelegentlich in Europa zur Sesshaftigkeit zurück, erlangten aber weder rechtliche noch soziale Sicherheit, die die Voraussetzung für die Entstehung einer eigenen kontinuierlichen künstlerischen Entwicklung bildet. Später erschwerte die Nichtaufnahme in die Zünfte die Entfaltung einer künstlerischen Tradition. Die aus dem Mittelalter bekannten Synagogen wurden häufig von Nichtjuden gebaut; die in Spanien von jüdischer Baumeistern errichteten Synagogen waren besonders prachtvoll und glichen bezüglich der architektonischen Schönheit den christlichen Gotteshäusern und wurden so, auch nach der Vertreibung der Juden, sofort als Kirchen verwendet. Erst im späten Mittelalter begegnen wir in allen jüdischen Niederlassungen Kunsthandwerkern, die sich jetzt der Ausschmückung der Thoraschreine, des Zubehörs der Thorarolle, der Synagogenleuchter und anderer Kultgeräte widmeten. Etwas früher hatte sich bereits eine jüdische Schrift- und Buchkunst entwickelt, die durch die Illuminierung der hebräischen Buchstaben besonderes Gepräge erhielt. War die Thora selbst von allen Verzierungen ausgeschlossen, so boten das Gebetbuch und insbesondere die zu Passah und Purim vorgesehenen Liturgien dem Künstler reiche Anregungen, diese auszumalen. In der Auseinandersetzung vor allem mit der christlichen Kirche trat die Symbolik der Buchillustrationen oftmals an die Stelle apologetische oder polemische Traktate. Es begann auch eine eigene Miniaturmalerei. Die Einführung des Druckes ließ die jüdische Holzschnitt- und Kupferstichkunst entstehen. Anwendung fanden diese auch zur Ornamentierung der Heirats- und anderer Urkunden. Erste jüdische Meister des Buchdrucks und der Buchkunst waren im 15. Jahrhundert die vorwiegend in Oberitalien tätigen Künstler Josua Salomo Soncino und sein Neffe Gerson Moses Soncino. Ihr Drucksatz ist bei Gebetbüchern, der Bibel, dem Talmud und anderen religiösen Schriften heute noch üblich. Nichtreligiöse Bücher wurden von ihnen ebenso typographisch gestaltet. In Osteuropa begann sich die jüdische Kunst mit der im 17. Jahrhundert einsetzenden Ausmalung von Synagogen zu entwickeln. Diese Kunst der Synagogenausmalung brachten dann rückwandernde Juden nach Deutschland. Wenn sich in Osteuropa die jüdische Kunst auch erst verhältnismäßig spät entwickelte, waren es gleichwohl ostjüdische Künstler (zum Beispiel El Lissitzky, M. Chagall, A. Kaplan), die in der neueren Zeit wesentlichen Leistungen der jüdischen Kunst erbrachten. Seit der Mitte des 19. Jahrhundert begegnen wir auch in Deutschland jüdische Künstlern und Architekten, die sich der Errichtung und Ausschmückung monumentaler jüdischen Kultbauten widmeten und hierin eine spezifisch jüdische Form der Kunst entwickelten. Zu ihren bedeutendsten Vertretern zählen die Bildhauer M. Antokolski und B. Elkan, der Maler M. Oppenheim und die Architekten L. M. Poliakoff und E. Mendelsohn. Viele der während der Zeit des Faschismus aus Deutschland wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum vertriebenen Künstler gelangten in ihren Emigrationsländern zu hohen Ehren.

Jüdische Literatur: Die jüdische Literatur entstand im 12. bis 7. Jahrhundert vor Christus in Palästina, entwickelte sich nach der Babylon. Gefangenschaft weiter und endete im l. Jahrhundert nach der Unterwerfung durch Rom. Von da an schrieben jüdische Schriftsteller in verschiedenen auch nichtjüdischen Sprachen (Arabisch, Spanisch unter anderem). Heute gilt der Terminus als Oberbegriff für die von jüdischen Schriftstellern in verschiedenen Sprachen geschriebenen Werke zu jüdischen Thematik.

jüdische Musik: Nach der Bildung eines einheitlichen jüdischen Staates um 1000 vor Christus entwickelte sich eine vielfach gegliederte Musikkultur, die stark von der Ägyptens und des alten Vorderen Orients beeinflusst war. Von der streng geregelten Tempelmusik hob sich die am Königshofe gepflegte Musik und die Musik der Bauern und Handwerker ab. Im 5. Jahrhundert wurde neben dem psalmodischen Gesang der Hymnengesang in die Liturgie einbezogen. Nach der in römischer Zeit einsetzenden Massenauswanderung besonders nach Europa integrierten sich viele jüdische Musiker in die jeweilige Musikkultur. Mit den Ende des 19. Jahrhundert ersetzenden Massenrückwanderungen gelangten daher unterschiedliche Musiktraditionen nach Palästina. So ist die Musikkultur des 1948 gegründet Staates Israel sehr heterogen. Sie umspannt sowohl jahrhundertealtes Musik-Gut orientalischer Gemeinden als auch die in Europa entwickelte artifizielle Musik.

jüdische Religion: Monotheismus, der sich selbst auf die göttliche Offenbarung zurückführt, die durch Moses beim Empfang des Gesetzes auf dem Berg Sinai vermittelt worden sei, darum auch mosaische Religion genannt; lehrt die Einzigartigkeit und Ausschließlichkeit ihres Gottes Jahwe, des Schöpfers der Welt und der Menschen, der sich das israelitische jüdische Volk auserwählt hat. Das Leben des Volkes und des einzelnen wird durch Gesetze genau geregelt. Die jüdische Religion ist durch ihre Gesetze stark ethisch und sozial bestimmt. Sie war in der Antike die einzige Religion, die Gottesabbildungen verbot.

Jüdischer Krieg: der 66/70 zwischen Rom und der Bevölkerung der römischen Provinz Juda (Judäa) geführte Krieg. Die Judäer kämpften gegen die römische Steuerlast, für die Freiheit ihrer Religion und gesellschaftliche Eigenständigkeit. Während die Pharisäer aus Furcht vor der Volksbewegung mit den Römern paktierten, führte die städtliche und ländliche Bevölkerung den Kampf bis zur Zerstörung Jerusalems im September 70 durch Titus fort. Für seinen Sieg wurde Titus in Rom ein Triumphbogen erbaut.

Judith, (hebräisch, «Judäerin», «Jüdin») jüdische Heldin des alttestamentlichen apokryphen Buches Judith betörte den Jerusalem belagernden assyrischer Feldherrn Holofernes und tötete ihn; seit dem Frühmittelalter häufig gestaltetes Motiv der bildenden Kunst.

Judo, Zweikampfsportart, bei der angestrebt wird, den Gegner schwungvoll auf den Rücken zu werfen oder mit Bodengriff zu besiegen. Die Kampffläche ist 9 m x 9 m bis 10 m x 10 m groß und wird von einer Sicherheitsfläche eingerahmt. Die Judoka tragen einen weißen Kampfanzug (Judogi) und kämpfen barfuß in Alters- und Gewichtsklassen. Die effektive Kampfzeit beträgt seit 1985 für Männer 5 min, für Frauen 4 min. Der Kampf beginnt im Stand. Die Bewertung erfolgt nach Punkten. Für jede den Bestimmungen entsprechende ausgeführte Technik wird Ippon (Punkt) angesagt. Es kann auch auf Waza-ari (fast Ippon) oder Yuko (fast Waza-ari) beziehungsweise Koka (fast Yuko) entschieden werden. Sobald ein Kämpfer Ippon oder Waza ari awasete Ippon (2 Waza-ari ergeben Ippon) erzielt hat, ist der Kampf vor Ablauf der regulären Kampfzeit entschieden. Olympische Sportart seit 1964, Weltmeisterschaften seit 1956, Europameisterschaften seit 1951.

Jugendlicher: im Straf- und Arbeitsrecht Bürger von 14 bis 18 Jahren, für den besondere Regelungen zu seinem Schutz gelten. Jugendlicher unterliegen zum Beispiel einem besonderen Kündigungsschutz, die Bestimmungen über Grundurlaub, Überstundenarbeit und so weiter sind entsprechend ausgestaltet. Im Zivilrecht ist die Handlungsfähigkeit von Jugendlicher unter 18 Jahren zu ihrem Schutz vor nachteiligen rechtlichen Verpflichtungen und Verfügungen beschränkt. Sie können Verträge, die nicht lediglich der Befriedigung täglicher Lebensbedürfnisse dienen, nur mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters abschließen. Mit Vollendung des 16. Lebensjahres können Jugendlicher Verträge selbständig abschließen, wenn die Zahlungsverpflichtungen aus eigenen Mitteln erfüllt werden.

Jugendschutz: staatliche Maßnahmen zum Schutz der Jugend in der DDR vor schädlichen Einflüssen auf ihre politisch-moralische, geistige und physische Entwicklung. Diese Schutzmaßnahmen sind insbesondere im Jugendgesetz und in der Verordnung zum Schutze der Jugend geregelt. Zum Jugendschutz gehören vor allem das Verbot der Herstellung und des Vertriebes von Schund- und Schmutzerzeugnissen, das Alkoholverbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, die Aufenthaltsbeschränkung für Jugendliche in öffentlichen Vergnügungsstätten. im weiteren Sinne gehören zum Jugendschutz auch recht! Regelungen auf dem Gebiet des Strafrechts, des Arbeitsrechts und so weiter. Verstöße gegen den Jugendschutz werden als Ordnungswidrigkeit, als Verfehlung oder als Straftat geahndet.

Jugendstil: deutsche Bezeichnung für eine Stilrichtung der europäischen Kunst zwischen 1895 und 1905 (in England Modem Style, in Frankreich Art Nouveau, in Österreich Sezessionsstil), die sich gegen den Historismus des 19. Jahrhundert wandte. Sie erhielt ihren Namen nach der seit 1896 in München erscheinenden Zeitschrift «Jugend». Der Jugendstil schuf eine neuartige Ornamentik: stark stilisierte, schwungvoll-bewegte vegetabile Formen sind flächenhaft dekorativ miteinander verbunden bei möglichst weitgehendem Verzicht auf Raumillusion und plastische Wirkung. Anregungen empfing der Jugendstil aus dem englischen Kunstgewerbe und der englischen Buchkunst sowie der japanischen und altamerikanischen Kunst. Seine reinste Ausprägung fand er im Kunstgewerbe, der Innenarchitektur, Fassadengestaltung, Gebrauchsgraphik und Mode (H. van de Velde, P. Behrens, R. Riemerschmid, B. Paul, O. Eckmann). Für die Malerei spielte er mit seiner Tendenz zur dekorativen Flächengestaltung bei besonderer Betonung der Linie als Ausdrucksträger eine wesentliche Rolle (E. Munch, F. Hodler).

Jugendtheater, Kindertheater: Berufstheater mit eigenständigem ästhetischen Programm und einem eigens für Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen entwickelten Repertoire; zuerst in der UdSSR entstanden.

Jugoslawisches Komitee: politische Organisation kroatische, serbische und slowenische bürgerliche Emigranten Österreich-Ungarns; am 30. 5. 1915 unter Vorsitz des kroatischen Politikers A. Trumbic in London gebildet; wirkte bis 1918 für die Lostrennung der südslawischen Gebiete von Österreich-Ungarn sowie ihre Vereinigung mit Serbien und Montenegro zu einem Staat.

Jugurtha, nach 160-104 vor Christus (hingerichtet), numidische König; führte 111/105 den sogenannten Jugurthin. Krieg gegen Rom, der mit seiner Niederlage gegen Marius endete. Jugurtha floh darauf zu seinem Schwiegervater Bocchus I. von Mauretanien, der ihn jedoch den Römern auslieferte.

Juiz de Fora: Stadt im Bundesstaat Minas Gerais (Brasilien); 330000 Einwohner; Zentrum der brasilianischen Wirkwarenindustrie; Universität.

Julfest: (altnordisch) aus Skandinavien entlehnte Bezeichnung für Weihnachten.

Juli, (lateinisch) Heuert (deutsch), Heumond: 7. Monat des Jahres; er hat 31 Tage und ist nach Julius Cäsar benannt.

Julia, lateinisch Iulia, Name der Frauen des römischen Patriziergeschlechts der Julier, am bekanntesten ist Julia (39 vor Christus-14 nach Christus), die Tochter des Augustus aus dessen 2.Ehe; wurde wegen ihrer Sittenlosigkeit von Augustus verbannt.

Julian, Flavius Claudius lulianus, genannt Apostata (lateinisch griechisch, «der Abtrünnige»), 331-26.6.363 (gefallen), römischer Kaiser seit 361; besiegte 357 die Franken und Alemannen bei Straßburg. Obwohl christlich erzogen, wurde er Neuplatoniker und beabsichtigte, mit Hilfe der Wiederbelebung der traditionellen antiken Kultur den Verfall des römischen Reiches aufzuhalten. Von seinen Schriften sind Reden und Briefe erhalten.

Jülich: Stadt in Nordrhein-Westfalen, nordöstlich von Aachen; 30000 Einwohner; elektrotechnische, Papier-, Zuckerindustrie; Kernkraftwerk, Kernforschungszentrum; Zitadelle und Zeughaus (16. Jahrhundert).

Julienne: (französisch) Mischung aus zerkleinertem Trockengemüse als Suppeneinlage, vor allem für Fertigsuppen.

Julier: eines der ältesten Patriziergeschlechter (Gens Mia.) Roms, dem unter anderem Cäsar und Augustus entstammten.

Julier: Alpenpass in der Schweiz (Kanton Graubünden); 2284 m; verbindet den Hinterrhein über das Hochtal Oberhalbstein mit dem Inn (Silvaplana im Oberengadin).

Julikäfer, Anomala dubia: glänzend dunkelgrüne, seltener blaue Art der Laubkäfer; im Juli an Weide, Kiefer unter anderem; fressen junge Triebe und Blüten.

Julikönigtum: Regierungsperiode in Frankreich (1830/48) unter Ludwig Philipp nach der Julirevolution; Klassenherrschaft der Finanzaristokratie im Bunde mit der korrupten Beamtenhierarchie gegen die Opposition der Industriebourgeoisie, deren Interessen trotz Förderung der Wirtschaft und der Kolonialpolitik hintangestellt wurden. Die Opposition gegen das Julikönigtum erhielt ihre Massenbasis durch die demokratische und Arbeiterbewegung (unter anderem Aufstände der Seidenweber in Lyon 1831 und 1834, Gründung der Gesellschaft der Jahreszeiten). Verschärfung der Klassengegensätze, Missernten (1845/46) und die europäischen Wirtschaftskrise (1847) führten zum Sturz des Julikönigtums.

Julirevolution: bürgerliche Revolution 1830 in Frankreich; ausgelöst durch 4 Erlasse (Juliordonnanzen-) Karls X. vom 26.7., die die Auflösung der von der liberalen Bourgeoisie beherrschten Kammer, die Beschränkung des Wahlrechts und verschärfte Repressalien gegen die fortschrittliche Presse verfügten. Im Ergebnis heftiger Straßenkämpfe vom 27.7. bis 29.7. stürzten Arbeiter, Studenten, Kleinbürger und Veteranen der napoleonischen Armee Karl X. Die Großbourgeoisie riß die Macht an sich und errichtete das Julikönigtum. International leitete die Julirevolution eine neue Etappe im Kampf um den Sieg des Kapitalismus ein (Belgien, deutsche Staaten, Großbritannien).

Julische Alpen: südöstlichste Gruppe der südlichen Kalkalpen, größtenteils jugoslawisch, der Westteil italienisch; bis 2 863 m (Triglav; höchste Erhebung Jugoslawiens); stark verkarstet; Fremdenverkehr.

Julius II., 5.12.1443-21.2.1513, Papst seit 1503, Begründer des neuzeitlichen Kirchenstaates; vertrieb die Franzosen aus Italien und berief das 5. Laterankonzil ein; Mäzen bekannter Renaissancekünstler (Michelangelo, Raffael, Bramante).

Jalandhar, Jullundur, Dschalandhar: Stadt im Unionsstaat Puryab (Indien); 410000 Einwohner; vielfältige Industrie mit vorwiegend kleinen Betrieben (Metallverarbeitung, Textilindustrie, Kunstgewerbe); Universität.

Jumper: (englisch französisch arabisch) ältere Bezeichnung für Pullover; heute über den Kopf zu ziehendes gerades Oberteil, taillen- bis schrittlang, ärmellos; kombinierbar mit Hose oder Rock.

Jung: Georg Gottlob, 2.1.1814-8.10.1886, Schriftsteller und Politiker; kleinbürgerlicher Demokrat; war der eigentliche Begründer der «Rheinischen Zeitung»; vertrieb 1844 die von A. Rüge und K. Marx in Paris herausgegebenen «Deutsch-Französischen Jahrbücher»; 1848/49 kämpfte Jung als Präsident des demokratischen Klubs in Berlin und als Abgeordneter der preußischen konstituierenden Versammlung für die Beseitigung der Junkerherrschaft und für die Errichtung eines demokratischen Staates.

Junge Garde, Die: eine der ersten sozialistischen Jugendzeitungen, 1905 unter Mitarbeit K. Liebknechts in Berlin gegründet; 1920/33 Zentralorgan des KJVD. Junge Genosse, Der: deutsche Ausgabe der internationalen «Zeitung für Arbeiterkinder», gegründet 1921, ab Oktober 1924 unter dem Namen «Jung Spartakus», März 1925 bis 1934 «Die Trommel. Zeitung der Arbeiter- und Bauernkader».

Jünger: 1. Ernst, geboren 29. 3. 1895, Schriftsteller; forderte als konservativ-elitärer und militaristische Erzähler und Essayist den deutschen Faschismus, zu dem er selbst jedoch eine aus individualistisch-ästhetischen Vorbehalten resultierende Distanz wahrte; genoss nach dem 2. Weltkrieg in der BRD offizielle Anerkennung.

2. Harri, geboren 15.1.1926, Slawist; seit 1971 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; veröffentlichte Literaturgeschichten (Herausgeber einer «Geschichte der russischen Sowjetliteratur 1917-1967», 1 Bände, 1973/75) und Monographien zur Sowjetliteratur sowie Beiträge zur Theorie und Methodologie der Literaturwissenschaft. Mitglied des Internationalen Slawistenkomitees.

Jünger Jesu: im Neuen Testament die Anhänger Jesu, zunächst die Apostel, dann auch eine größere Gruppe, die sich ihm anschloss; I. w. S. Bezeichnung für alle Anhänger der christlichen Religion.

Junges Deutschland, Jungdeutsche. Jungdeutschland: uneinheitliche Gruppe kleinbürgerlich-liberal gesinnter Schriftsteller und Publizisten (K. Gutzkow, H. Laube, T. Mundt, L. Wienbarg unter anderem), die durch die Julirevolution 1830 angeregt wurde und hauptsächlich bis 1835 (Verbot der Schriften durch den Deutschen Bundestag) wirksam war. Die nationalen, liberalen und zum Teil demokratische Bestrebungen des Junges Deutschland waren im Wesentlichen progressiv, obwohl es zunehmend kompromisslerisch und scheinradikal auftrat.

Junges Europa, Giovine Europa: Geheimbund mehrerer Organisationen kleinbürgerlich-demokratischer Revolutionäre (Junges Italien, Junges Frankreich, Junges Polen), 1834 von G. Mazzini in der Schweiz gegründet; bestand vorwiegend aus politischen Emigranten; forderte für das jeweilige Land Einheit, Unabhängigkeit, Republik; blieb von den Volksmassen isoliert und zerfiel nach Ausweisung der Mitglieder aus der Schweiz (1836); hinterließ aber in der feudalen Restaurationszeit mobilisierende Wirkung.

Jungfernbecher, Brautbecher: Sonderform des Sturzbechers, in Form einer weiblichen Gestalt mit langem Rock, die in den erhobenen Armen, beweglich eingehängt, eine kleinere Schale trägt. Beide Gefäße waren nacheinander, ohne dass ein Tropfen verschüttet wurde, zu leeren; besonders Nürnberger Goldschmiedeerzeugnis des 16./17. Jahrhundert Jungfernfische, Riffbarsche, Abudefduf: selten mehr als 10 cm lange Korallenbarsche wärmerer Meere; häufig farbenprächtige Bewohner der Korallenriffe; zum Teil beliebte Fische für Meerwasseraquarien.

Jungfernhäutchen, Hymen (griechisch): Schleimhautfalte am Scheideneingang, die beim ersten Geschlechtsverkehr einreißt.

Jungferninseln: Inselgruppe im Karibischen Meer, zwischen den Großen und Kleinen Antillen; insgesamt 497 km2; geteilt

a) in US-amerikanischer Kolonie (344 km2, 120000 Einwohner; 349 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Charlotte Amalie (16000 Einwohner)) auf den Hauptinseln St. Thomas, St.Croix und St. John sowie 50 kleineren, meist unbewohnten Inseln und

b) in britischer Kolonie (153 km2, 12000 Einwohner; 78 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Road Town (3 500 Einwohner)) auf der Insel Tortola, dazu weitere 40 Inseln. Die Bevölkerung besteht zu 90 % aus Afroamerikanern und Mulatten. Zumeist bergige, bis zu 500 m hohe Inseln, die aus Kalken und vulkanischen Gesteinen aufgebaut sind. Unter tropischen Klima mit häufigen Wirbelstürmen immergrüner tropischer Regenwald. Hauptwirtschaftszweig ist der internationale Tourismus; Zuckerrohranbau (für Rumherstellung); Erdölraffinerie, Aluminiumhütte; Fischfang.

Jungfinnen: Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhundert aus den Fennomanen hervorgegangene politisch-kulturelle Gruppierung, die sich 1894 zur Partei konstituierte. Die Jungfinnen waren Interessenvertreter der finnischsprachigen liberalen Bourgeoisie und Intelligenz, leisteten der zaristischen Unterdrückung passiven Widerstand; zerfielen als Partei Ende 1918, ihre Mehrheit schloss sich der Nationalen Fortschrittspartei an.

Jungfrau, Virgo: a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild der Äquatorzone, in dem sich gegenwärtig der Herbstpunkt befindet; der hellste Stern ist Spika;

b) 6. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

Jungfrau: vergletscherter Gipfel der Berner Alpen in der Schweiz; 4158 m; elektrische Zahnradbahn von Grindelwald über die Kleine Scheidegg (2061 m) bis zur höchsten Bahnstation Europas Jungfraujoch (3 454 m); Hochalpine Forschungsstation.

Junggrammatiker: Gruppe von Sprachwissenschaftlern des 19. Jahrhundert, von A. Leskien, K. Brugmann, H. Paul unter anderem in Leipzig begründet. Die Junggrammatiker vertraten eine positivistische Sprachwissenschaft; als Ergebnis exakter Sammlungen des Wortguts indoeuropäischen Sprachen und historisch vergleichender Arbeiten über diese legten sie. Gesamtdarstellungen des Lautwandels und der Morphologie vieler Einzelsprachen vor, die vor allem die europäischen Sprachwissenschaft nachhaltig beeinflussten.

Junghegelianer, Linkshegelianer: Schüler und Anhänger G. W. F. Hegels, die als ideologischen Vertreter der radikalen liberalen Bourgeoisie in der Periode der Vorbereitung der bürgerlichen Revolution in Deutschland aus Hegels Philosophie antifeudale, zum Teil atheistische und revolutionär-demokratische Folgerungen zogen. Sie gingen von der philosophischen zur politischen Kritik an den deutschen Zuständen, besonders zur Religionskritik über. An die Hegelsche Dialektik anzuknüpfen, gelang nur einzelnen. Die von D. F. Strauss eingeleitete Bewegung, der unter anderem B. und E. Bauer, A. Koppen, E. Gans, M. Stirner, M. Heß und A. Rüge angehörten, löste sich mit der Zuspitzung der Klassengegensätze vor der Revolution von 1848/49 auf und führte unter anderem zu subjektiv-idealistischen (B. Bauer), anarchistische (Stirner) und materialistische (L. Feuerbach) Folgerungen. Feuerbach verwarf schließlich Hegels System gänzlich, verstand es aber nicht, dessen Dialektik auszuwerten. Erst Marx und Engels, die zeitweise den Junghegelianer nahestanden, unterzogen in der Zeit ihres Übergangs zum wissenschaftlichen Kommunismus die Positionen der Junghegelianer einer grundsätzlichen Kritik («Die Heilige Familie», 1844; «Die deutsche Ideologie», 1846). Siehe auch Althegelianer.

jungkimmerische Gebirgsbildung: (nach den Kimmeriern) Sammelbegriff für mesozoische Krustenbewegungen an der Wende Jura/Kreide, die in Mitteleuropa meist germanotypen Charakter besitzt.

Jüngstes Gericht: nach christlicher Lehre ein das Weltgeschehen abschließendes göttliches Gericht über alle Menschen mit Christus als Richter, der sie nach ihren Taten mit dem Himmel belohnt oder mit der Hölle bestraft. Figurenreiches und monumentales Thema der bildenden Kunst, das seit dem 4. Jahrhundert zunächst allegorisch-symbolisch und im 11. Jahrhundert erstmals monumental dargestellt wurde. Das Thema findet seine Krönung in Michelangelos Fresko (Sixtinische Kapelle, 1534/41).

Jung-Stilling, eigentlich Stilling, Johann Heinrich, 12.9.1740-2.4.1817, Schriftsteller und Arzt; gehörte in Straßburg zum Kreis der Stürmer und Dränger um G. Herder und W. Goethe; wurde berühmt durch seine «Lebensgeschichte» (1777/1817).

Jungtschechen: bürgerliche tschechische Partei, die 1874 aus einer oppositionellen Strömung der Alttschechen entstand; forderte die Föderalisierung der Habsburgermonarchie und bürgerlich-demokratische Freiheiten. Bis zur Jahrhundertwende Hauptpartei der Bourgeoisie, wurde sie danach eine Partei des Finanz- und Monopolkapitals. Anfang 1918 verschmolz sie mit anderen Gruppierungen zur Nationaldemokratischen Partei.

Jungtürken: europäischen Bezeichnung für die Mitglieder der 1889 gegründet türk, illegalen Partei «Einheit und Fortschritt»; bestand als politische Bewegung schon seit etwa 1870, stützte sich besonders auf Offiziere, Intellektuelle und Beamte, setzte sich für die konstitutionelle Monarchie und bürgerlichen Reformen ein und vertrat damit die Interessen der türkischen Bourgeoisie. Die Jungtürken erzwangen 1908 (Jungtürkische Revolution, ausgelöst am 24.7.1908 durch den Aufstand der Garnison in Resna) eine Verfassung und stürzten 1909 nach Niederschlagung einer Verschwörung der Reaktion Sultan Abd ul-Hamid ü. a., behielten aber die Monarchie bei. Verkündung der Unteilbarkeit des Reiches und der Befreiung von ausländischer Abhängigkeit. Im Juli 1912 wurden die Jungtürken durch die Kompradoren Partei «Freiheit und Einheit» gestürzt, gelangten aber im Januar 1913 wieder an die Macht. Ihr Parteiführer Enver Pascha schloss 1914 als Kriegsminister den türkisch-deutschen Bündnisvertrag ab. Innenminister Talaat Bey war Hauptverantwortlicher für die Armenier Massaker. Aus dem linken Flügel der Jungtürken gingen die Kemalisten (Anhänger Atatürks) hervor.

Jungwein: noch hefetrüber junger Wein; nach der Hauptgärung beim 1. Abstich gewonnen.

Jungwuchspflege: Forstwirtschaft alle Pflegemaßnahmen von der gesicherten Kultur (etwa 5 Jahre) bis zu der Entwicklungsstufe, in der verwertbares Holz anfällt (Höhe 7 m); zum Beispiel Beseitigung minderwertiger Bestockungsglieder und unerwünschter Vorwüchse, Pflegeschnitt an wertvollen Baumarten.

Junikäfer, Amphimallon solstitialis: einfarbig brauner, maikäferähnlicher Blatthornkäfer; schwärmt an Juniabenden über Wiesen und Brachen, besonders häufig in Stadtgebieten.

Junioren: in einigen Sportarten meist zwischen Jugend- und Seniorenklasse festgelegte Alters-, eventuell auch Leistungsklasse.

Junischlacht: Aufstand der Pariser Arbeiter 23./26. 6. 1848 zur Verteidigung der sozialen und demokratischen Ergebnisse der Februarrevolution. Seine blutige Niederwerfung durch General L. E. Cavaignac schwächte im europäischen Maßstab die revolutionären Kräfte und begünstigte die allgemeine Gegenoffensive der Konterrevolution.

Junius-Broschüre: die 1915 von R Luxemburg in der Haft in Berlin geschriebene, 1916 unter dem Pseudonym «Junius» in Zürich erschienene und in Deutschland illegal verbreitete Schrift «Die Krise der Sozialdemokratie»; in ihr wurden Ursachen und Wesen des 1. Weltkrieges analysiert und die sozialchauvinistische These vom Verteidigungskrieg widerlegt.

Junker: (mittelhochdeutsch, «Jungherr») Angehöriger des ostelbischen Landadels, der im 19. Jahrhundert bei Bestehen feudaler Überreste zu kapitalistischen Produktionsmethoden überging.

Junker, Heinrich Franz Josef, 26.3.1889-3.4.1970, Sprachwissenschaftler, Iranist, Koreanist; verfasste bedeutende Arbeiten zur mittelpersischen Sprache und Literatur, erforschte den sognannten Dialekt Yaghnobi.

Junkers, Hugo, 3. 2.1859-3. 2.1935, Flugmotoren-, Flugzeugkonstrukteur und Industrieller, konstruierte 1915 das erste Ganzmetallflugzeug J 1 und 1919 das erste Ganzmetallverkehrsflugzeug F13, 1932 das damals verbreitetste Verkehrsflugzeug Ju 52. Die 1936 gegründet Junkers Flugzeug- und Motorenwerke bauten insbesondere Kriegsflugzeuge für die faschistische Luftwaffe. Junkers baute den ersten Windkanal.

Junktim: (dat., «vereint», «verbunden») Staatsrecht Koppelung mehrerer (parlamentarischer) Anträge, Vorlagen, Vereinbarungen und so weiter mit der Bedingung, dass nur alle gemeinsam angenommen oder abgelehnt werden können.

Juno: (nach der Göttin)

1. Astronomie: Planetoid.

2. Raumfahrt: Bezeichnung für eine Serie US-amerikanischer Raketen (2 Versionen: Juno 1 (auch Jupiter C), Juno2); Juno 1 wurde 1954/58 als militärische Kurzstreckenrakete, Juno2 1956/58 als Interkontinentalrakete entwickelt, beide wurden als Trägerraketen für Erdsatelliten, Juno 2 auch für die Mondsonde Pioneer 4 eingesetzt.

Juno, oberste römische Göttin (griechisch Hera), Gemahlin des Jupiters; als Göttin der Frauen war Juno Beschützerin der Ehe; mit Jupiter und Minerva auf dem Kapitol in Rom verehrt.

Junta: (spanisch, «Versammlung») in Spanien, Portugal und Lateinamerika Komitees, Regierungsausschüsse mit zeitlich begrenzter örtlicher oder zentraler Vollzugsgewalt; im 19. und 20. Jahrhundert meist nach Militäraufständen und in Revolutionen gebildet.

Juon, Konstantin Fjodorowitsch, 24.10.1875 bis 11.4.1958, russisch-sowjetischer Maler und Bühnenbildner. In seinen frühen Landschaftsbildern dominiert die Darstellung altrussischer Städte und ihrer Architektur, oft verbunden mit Volksszenen. Die Ereignisse der Oktoberrevolution versuchte Juon anfangs in symbolhaften Werken wie «Der neue Planet» (1921) noch als unbekannte Naturgewalt zu erfassen, gelangte jedoch später, auch in zahlreichen Bühnenausstattungen, zu einer realistischen, lebensnahen Auffassung.

Jupiter: (nach dem Gott) ein äußerer Planet des Sonnensystems, dabei größter und massereichster Planet, der wegen seiner schnellen Rotation merklich abgeplattet ist. In der Jupiteratmosphäre gibt es starke West-Ost-Strömungen, die das streifige Aussehen seiner undurchsichtigen Wolkendecke bedingen, zahlreiche Wirbel (der größte ist der Große Rote Fleck mit der Größe der Erdoberfläche) und viele andere dynamische Effekte. Mittlere Temperatur und Druck betragen an der Wolkenobergrenze etwa -150°C beziehungsweise 100 kPa. Die tieferen Schichten sind zunehmend heißer und dichter, eine scharfe Grenze zwischen gasförmigem und flüssigem Zustand gibt es nicht. Jupiter besteht größtenteils aus. flüssigem Wasserstoff, der ab etwa 20000 km Tiefe metallische Eigenschaften annimmt. Konvektionsströmungen in dieser metallische Phase verursachen das starke Magnetfeld des Planeten. Jupiter strahlt mehr Energie ab als er von der Sonne erhält. Er besitzt einen 6000 km breiten Ring und ein System von Monden.

Jupiter, alter ital. Gott, oberste Gottheit der Römer (griechisch Zeus)\ Hauptgott im römischen Staatskult (Optimus Maximus: « Jupiter der Beste und Größte»), Gemahl Junos, Beherrscher des Himmels, schickte Regen, Donner, Blitz; mit Juno und Minerva bildete er die kapitolinische Trias (die drei bedeutendsten Götter auf dem Kapitol). In späteren Zeiten wurde Jupiter mit vielen anderen Göttern identifiziert.

Jura: 1. Jura (keltisch «Wald») Geologie: System des Mesozoikums, durch Ammoniten in Lias (Schwarzer oder Unterer Jura), Dogger (Brauner oder Mittlerer Jura) und Malm (Weißer oder Oberer Jura) gegliedert; Auftreten der ersten Vögel und Schmetterlinge, Blütezeit der Saurier; an der Wende Jura/Kreide Beginn der jungkimmerischen Bewegungen, Klima allgemein warm, beginnende Öffnung des gegenwärtigen Nordatlantiks.

Jura: 1. Jura (keltisch «Wald») aus Schichten der Juraformation, zumeist Kalkgesteinen, aufgebautes Mittelgebirge im mittleren Europa, zieht sich in weitem Bogen vom Genfer See bis zum Main (bei Lichtenfels); 800 km lang; bildet als Falten-, auch Ketten- oder Tafeljura den Französischen Jura (Cret de la Neige, 1723 m) und Schweizer Jura, als Plattenjura in der BRD die Schwäbische und Fränkische Alb; Weide-, Waldwirtschaft, vielfältige Industrie (besonders Uhrenherstellung im Schweizer Jura).

2. Kanton im Nordwesten der Schweiz, an der französischen Grenze; 838 km2, 65000 Einwohner (zu 80% französisch sprechend); 78 Einwohner/km2; Hauptort Delimont, umfasst den Schweizer Jura (Mont Raimeux, 1302 m), durchflossen von Doubs und Birs; wichtigster Industriezweig Uhrenindustrie, außerdem Maschinen- und Fahrzeugbau, Tabakverarbeitung; auf Viehzucht orientierte Landwirtschaft. Nach einer Volksabstimmung seit 1979 23. Kanton der Schweiz, aus 2 Distrikten des Kantons Bern gebildet. Von 1815 an war dieser Rest des Fürstbistums Basel zunächst Teil des Protestant, deutschsprachigen Kantons Bern, dagegen wachsender Widerstand der (katholischen) jurassische Bevölkerung.

Jürgens, Udo, eigentlich Udo Jürgen Bockeimann, geboren 30.9.1934, österreichischer Schlagersänger und -komponist; wurde mit chansonhaften Schlagern, die er in der Regel vom Klavier aus vorträgt, außerordentlich populär.

Jurisdiktion: (lateinisch) Rechtsprechung, Gerichtsbarkeit, gerichtliche Zuständigkeit.

Jurisprudenz: (lateinisch) Rechtswissenschaft, Rechtskunde.

Jurist: (dat.) Rechtskundiger, Absolvent einer rechtswissenschaftlichen Ausbildungsstätte; Sammelbegriff für Rechtswissenschaftler, Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt, Notar, Justitiar unter anderem

Juristisch: (lateinisch) rechtlich, rechtswissenschaftlich; auf das Recht bezüglich, von ihm bestimmt Juristische Person: Betrieb (registrierte Einheit der volkseigenen Wirtschaft), Genossenschaft, staatliches Organ, staatliche Einrichtung, gesellschaftliche oder sonstige Organisation, Institution oder Vereinigung, die vom Staat als selbständiges Rechtssubjekt anerkannt und damit rechtsfähig ist. Juristische Personen treten im Rechtsverkehr im eigenen Namen auf, sind für Pflichtverletzungen ihrer Mitarbeiter anderen gegenüber verantwortlich und haften selbst für ihre Verbindlichkeiten mit dem ihnen zustehenden Vermögen, das vom Vermögen des übergeordneten Organs beziehungsweise ihrer Mitglieder getrennt ist. Juristische Personen handeln durch ihre in Rechtsvorschriften oder Statuten bestimmten Vertreter oder durch Bevollmächtigte.

Jurte: rundes, mit Filzdecken bedecktes Kuppeldachzelt der mongolischen und turksprachigen Hirtennomaden Ost- und Mittelasiens; als Gerüst dient ein scherengatterartiges Gestell.

Jury: (meist französisch, englisch, französisch)

1. Recht: a) aus Sachverständigen bestehendes Zulassungs- oder Preisgericht;

b) in Staaten mit Schwurgerichten Bezeichnung für die Geschworenen.

2. Sport: a) Turnierleitung, Schiedsgericht, zum Beispiel im Fechten;

b) von den Internationalen Föderationen benannt Gremium für technische Fragen bei den Olymp. Spielen.

Jus: 1. Jus (lateinisch; PI. Jura): Recht, Rechtswissenschaft.

2. Jus (französisch, «Saft», «Brühe»): beim Braten austretender Fleischsaft ohne Fett, der beim Erkalten gallertartig erstarrt.

Jussieu, Antoine Laurent de, 12.4.1748 bis 17.9.1836, französischer Botaniker, entwarf zusammen mit seinem Onkel Bernard de Jussieu ein natürliches Pflanzensystem.

Just, justament: veraltet soeben, gerade; genau, eben.

Justl: 1. Carl, 2.8.1832-9.12.1912, Kunsthistoriker; Vertreter einer biographischen Kunstgeschichtsschreibung; Werke zu Winckelmann, Velazquez, Michelangelo.

2. Ludwig, 14.3.1876-19.10.1957, Kunsthistoriker; 1946/57 Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin; Veröffentlichungen zur Kunst der Renaissance und zur deutschen Kunstentwicklung des 19. Jahrhundert.

Justiereinrichtung: Gerät, Baugruppe oder Funktionselement zur Feineinstellung von Messgeräten. Man unterscheidet mechanische und elektrische sowie auf weiteren physikalischen Wirkprinzipien beruhende Justiereinrichtung

Justieren: 1. Metrologie Fehler und andere metrologische Eigenschaften eines Messmittels auf Werte bringen, die den technischen Forderungen entsprechen; zum Beispiel einen Widerstand durch Änderung der Drahtlänge j.

2. Polygraphie: a) im Buchdruck die Druckstöcke auf Schrifthöhe bringen;

b) beim Umbruch allen Kolumnen die gleiche Länge geben.

Justinian I., 482-565, oströmischer Kaiser seit 527; erstrebte die Wiederherstellung des römischen Reiches (Eroberung des Wandalenreiches in Afrika 533/34, des Ostgotenreiches in Italien 535/55). Er entfaltete eine rege Bautätigkeit, ließ das römische Recht aufzeichnen und teilweise neufassen (Corpus iuris civilis). Justinians Restaurationswerk hatte jedoch keinen Bestand.

Justitia, (dat.) römische Göttin der Gerechtigkeit; übertragen Gerechtigkeit, Gerichtsbarkeit.

Justitiar: (lateinisch) für die rechtliche Arbeit in einem Betrieb oder staatlichen Organ tätiger Jurist.

Justiz: (dat.) die Rechtspflege, insbesondere die Rechtsprechung, die durch die staatlichen Gerichte und andere Organe ausgeübt wird.

Justizirrtum: Fehlentscheidung der Gerichte auf Grund falscher Zeugenaussagen, falscher Beweiswürdigung oder falscher Rechtsanwendung.

Justizmord: Vollstreckung der Todesstrafe an einem unschuldig Verurteilten; auch Bezeichnung für krasses, durch die bürgerliche Klassenjustiz gefälltes Fehlurteil.

Justizorgane: für die Rechtspflege zuständige staatlichen Organe, besonders die Gerichte und die Staatsanwaltschaft, aber auch das Ministerium der Justiz und die Staatlichen Notariate.

Justo, Juan Bautista, 28.6.1865-8.1.1928, argentinischer Politiker, Mitbegründer der sozialistischen Partei (1896) und deren Vorsitzender; verbreitete zunächst den Marxismus (1898 Herausgabe des 1. Bandes des «Kapital» von K. Marx in Spanisch), war später führender Reformist.

Jute: (englisch Hindustani) Naturfaser (Stengelfaser) aus dem Bast der bis 3 m hohen, einjährigen Jutepflanze (Corchorus capsularis und C. olitorius) mit hohem Feuchteaufnahmevermögen; für Sackstoffe, Bodenbelag Grundgewebe unter anderem

Jüterbog: Kreisstadt im Bezirk Potsdam, im Niederen Fläming, an der Nuthe; 13000 Einwohner; Kulturwaren-, Möbel-, Papier-, Konservenindustrie; Gewächshäuser, Eisenbahnknoten; Heimatmuseum; spätgotische Backsteinbauten: Rathaus (14./16. Jahrhundert), Nikolai- (15. Jahrhundert), Liebfrauenkirche (12. Jahrhundert), Reste der Stadtbefestigung.

Jutland, dänisch Jylland: dänische Halbinsel zwischen Nord- und Ostsee (Kattegat), mit anliegenden Inseln 29 766 km, 2,3 Millionen Einwohner; 7 Ämter umfassend, wichtigste Orte Arhus und Alborg; im Osten hügeliges, fruchtbares und relativ dicht besiedeltes Moränenland (bis 173 m über dem Meeresspiegel), westlich davon sandige Geest (z.T. Heide), im Südwesten Marschland; im Osten Fördenküste, im Westen hafenarme Dünenküste; Seeklima; Vorkommen an Kreidekalk und etwas Erdgas. In den Küstenstädten Schiff- und Maschinenbau, Baustoff- und chemische Industrie, Fischerei, im Hinterland Textil- und Lebensmittelindustrie sowie entwickelte Landwirtschaft (Ackerbau, Futterkulturen, Vieh- und Milchwirtschaft); Transitverkehr nach Skandinavien.

Juvarra, Juvara, Filippo, 27.3.1676-31.1.1736, italienischer Architekt; sein Schaffen, das weitstrahlende Ausdruckskraft hatte, vereinigt die Formensprache des römischen Spätbarocks mit französischen-klassizistischen Tendenzen.

Juvenal, Decimus Iunius Iuvenalis, um 60-nach 127, römischer Satirendichter; prangerte in seinen 16 Satiren schonungslos die Laster der verdorbenen, meist stadtrömischen oberen Gesellschaftsschichten an.

juveniles Wasser: aus dem Erdinneren kommendes, unmittelbar dem Magma entstammendes Wasser, das erstmals dem Wasserkreislauf zugeführt wird.

Juvenilhormone: Insektenhormone, die die Häutung der Tiere steuern. Der Einsatz synthetischer Juvenilhormone eröffnet neue Möglichkeiten der Insektenbekämpfung. Juventus, Juventas, römische Schutzgöttin der heranreifenden Jugend.