Lexikon A

Aakjaer, Jeppe, 10.9.1866 - 22.4.1930, dänischer Lyriker und Prosaist; gehörte zu den ersten dänischer Schriftstellern, die das Leben des Landproletariats künstlerisch gestalteten; mit dem Roman «Kinder des Zorns» (1904, deutsch) Vorläufer der sozialistischen dänischen Literatur.

Aale, Anguillidae: Familie der Fische; Gestalt schlangenförmig, ohne Bauchflossen; Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen durchgehenden Saum. Nutzfisch ist der bis 1 m lange europäischen Flussaale (Anguilla anguilla), der 9 bis 12 Jahre im Süßwasser lebt und sich nach Eintritt der Geschlechtsreife vom sogenannt Gelbaale in den Blankaale verwandelt, der ohne Nahrungsaufnahme zum Laichen zur Sargassosee schwimmt (bis 8000 km in einem Jahr), wo er nach dem Ablaichen stirbt. Die weidenblattförmigen Larven wandern mit dem Golfstrom zu den europäischen Küsten und verwandeln sich im 4. Jahr in die etwa 7 cm langen Glasaale, die später als Steigaale in den Flüssen aufwärts wandern. Beim Gelbaale unterscheidet man je nach Ernährung Breitkopf- und Spitzkopfaale. Aale werden vor allem mit Reusen und Aalkörben gefangen. Aalblut enthält ein Nervengift, das durch Kochen oder Räuchern zerstört wird.

Aalmolch, Amphiuma means: aalförmiger Schwanzlurch von etwa 1 m Länge mit winzigen Gliedmaßen, der sich von kleinen Wassertieren ernährt; vermag empfindlich zu beißen; bewohnt Flüsse im Süden Nordamerikas.

Aalmutter, Zoarces viviparus: zur Familie Gebärfische gehörender, bis 45 cm langer, lebendgebärender, räuberischer Grundfisch von langgestreckter Gestalt; im östlichen Atlantik und auch in der westlichen Ostsee verbreitet.

Aas: Körper eines verendeten Tieres, dessen organische Bestandteile in Zersetzung begriffen sind; siehe auch Verwesung.

Aasblumen: Pflanzen, deren nach Aas riechende Blüten beziehungsweise Blütenstände Insekten, besonders Fliegen, zum Besuch und zur Bestäubung anlocken (zum Beispiel Aronstab, Osterluzei, Stapelia Arten).

Aasfliegen, Calliphoridae: Familie der Fliegen; oft metallisch blau oder grün, zum Beispiel Goldfliege (Lucilia caesar); entwickeln sich in eiweißhaltigen Haushaltsabfällen, Aas, auch in eiternden Wunden. Siehe auch Fleischfliegen, Schmeißfliegen.

Aasfliegenpilze: Pilze, deren Duftstoffe (Amine) aasliebende Fliegen anlocken, die dabei die Pilzsporen verbreiten (zum Beispiel Stinkmorchel).

Aasfresser, Nekrophagen: Tiere (zum Beispiel Totengräber, Geier, Hyäne), die sich von toten tierischen Organismen ernähren. Aasfresser sind eine wichtige Komponente im Ökosystem, da sie als Saprophagen totes organisches Material aufnehmen und in den Stoffkreislauf zurückführen.

Aaskäfer, Silphidae: Käferfamilie, deren Larven und Käfer vorwiegend von Aas (Totengräber), seltener an Pflanzen (Rübenaaskäfer) oder räuberisch leben.

Abadan: Stadt im Südwesten Irans, am Schatt al-Arab; 310000 Einwohner; Standort einer der größten Erdölraffinerien der Welt; bedeutender Hafen (Ausfuhr von Erdölprodukten), Ausgangs- beziehungsweise Endpunkt vieler Pipelines, internationaler Flughafen; technisches Erdölinstitut. Schwere Zerstörungen von Industrie- und Hafenanlagen sowie Wohngebieten im Verlauf der irakischen-iranischen militärischen Auseinandersetzungen seit 1980.

Abelard, Peter, latinisiert Petrus Abaelardus, Pierre Abelard, 1079 - 21.4.1142, französischer Philosoph; Repräsentant antifeudaler Stadtkultur; vertrat nominalist materialistische Auffassungen und bekämpfte den idealistischen Begriffsrealismus wie den extremen Nominalismus (Universalienstreit); Bahnbrecher des Aristotelismus und Begründer der scholastische Methode sowie einer rationalistische Theologie; berühmter Briefwechsel mit seiner Geliebten, Heloise.

Abänderungsklage: Klage im Zivilprozess, mit der die Änderung einer rechtskräftigen Entscheidung, einer gerichtlichen Einigung oder vollstreckbaren Urkunde über wiederkehrende Leistungen, besonders Unterhaltszahlungen, begehrt wird, wenn sich die hierfür zugrunde gelegten Verhältnisse wesentlich geändert haben.

Abandon: 1. Boxen: Aufgabe des Kampfes durch den Boxer oder Sekundanten.

2. Recht: Herausgabe von Sachen oder Aufgabe von Rechten zur Befreiung von einer Schuld oder Erlangung eines Ersatzanspruches.

Abarbeit: in antagonistischen Klassengesellschaften Form der Abgeltung bäuerlicher Verpflichtungen durch Arbeit. Die Abarbeit kann mit Schuldknechtschaft verbunden sein, aus der Einführung der Arbeitsrente entstehen oder zur Abgeltung der Pacht dienen. Sie ist eine Form stärkster Ausbeutung armer Bauern.

Abbado, Claudio, geboren 26.6.1933, italienischer Dirigent und Pianist; interpretiert als Pianist vor allem zeitgenössische Musik. Als Dirigent ist Abbado international überaus erfolgreich.

Abbalgen: Abziehen der Haut bei Niederwild und Vögeln.

Abbas: 1. Ferhat, geboren 24.10.1899, algerischer Politiker; gründete im März 1946 die Demokrat Union des algerischen Manifestes; 1958/61 Ministerpräsident der algerischen provisorischen Regierung; nach Erringung der Unabhängigkeit 1962/63 Präsident der Nationalversammlung Algeriens.

2. Khwaja Ahmad, geboren 7.6.1914, indischer Schriftsteller, Journalist, Drehbuchautor und Filmregisseur; schreibt in Urdu und Englisch besonders über den Freiheitskampf Indiens; sein bekanntester Roman ist «Seit vielen tausend Nächten brennt die Lampe» (1943, deutsch); Autor der Drehbücher zu den Filmen «Der Vagabund», «Der Prinz von Piplin agar» unter anderem Abbas I., Abbas der Große, 1557-1629, Schah von Persien seit 1588; unter ihm Festigung der persischen Zentralgewalt und erfolgreiche Expansionspolitik; Blütezeit des Safawidenreiches; Ausbau der Hauptstadt Isfahan.

Abbasiden: arabisch-islamische Kalifendynastie (750/1258); Ökonomischen und politischen Zentren ihres Reiches waren Persien und Mesopotamien mit der Hauptstadt Bagdad. Unter den Abbasiden begann die Entfaltung der «klassischen» islamischen Feudalkultur (Harun ar-Raschid). Der persische Adel übernahm die führenden Positionen und drängte die bei den Omaijaden (661/750) bestimmende arabische Stammesaristokratie zurück. Die Reichsverwaltung übernahmen Großwesire, die der Provinzen Statthalter (Emire).

Abbau: 1. Bergbau: planmäßige Ausbeutung von Lagerstätten und die diesem Zweck dienenden bergmännischen Arbeiten. Beim Abbau im Tiefbau unterscheidet man die zahlreichen Abbauverfahren nach Abbauform, Abbauweise und nach Art der Behandlung des Daches. Die Abbauform gibt Auskunft über die Gestalt und die planmäßige Anlage der Abbauräume. Die Behandlung des Daches bleibt dabei unberücksichtigt. Man unterscheidet Block-, Kammer-, Pfeiler-, Streb-, Teilsohlen-, Quer- und Weitungsbau. Nach der Abbauweise (Art und Richtung des Auffahrens der Abbau) untergliedert man Stoß-, Firsten-, Strossen-, Schräg-, Scheiben- und Querbau. Nach Art der Behandlung des Daches unterscheidet man

a) Abbau mit offenem Abbauraum, die Abbau bleiben während der Auffahrung offen, das heißt ohne Versatz und ohne planmäßigen Ausbau, wobei zur Sicherung des Daches Bergfesten mit genügender Tragfähigkeit stehengelassen werden;

b) Magazinbau, durch teilweise Magazinierung des Haufwerkes während der Gewinnung im Abbau wird für die Arbeiten eine Standfläche geschaffen und die Absenkung des Hangenden eingeschränkt;

c) Versatzbau, durch planmäßiges, der Gewinnung folgendes Einbringen von Versatz in den abgebauten Abbauraum wird das Absenken des Hangenden eingeschränkt;

d) Abbau mit bleibendem Ausbau, durch Einbringen eines bleibenden Grubenausbaues in den Abbauraum wird dessen Sicherung erreicht;

e) Bruchbau - Beim Abbau im Tagebau unterscheidet man Parallel- und Schwenkabbau.

2. Biologie: Zerlegung höhermolekularer Organ. Stoffe in niedere, zum Beispiel Veratmung von Zucker zu Kohlendioxid und Wasser unter Energiegewinn; siehe auch Abwasserbehandlungsanlage.

3. Landwirtschaft: von Jahr zu Jahr zunehmender Ertragsrückgang bei Kulturpflanzen, insbesondere der Kartoffel, der durch Viruskrankheiten hervorgerufen wird, aber auch genetisch bedingt sein kann. Vorbeugemaßnahmen sind regelmäßiger Pflanzgutwechsel und Bekämpfung der virusübertragenden Insekten (Vektoren).

4. Wirtschaft: im Kapitalismus im Interesse steigender Profite betriebene Herabsetzung der Löhne und Gehälter, der Anzahl der Beschäftigten, Einschränkung der Produktion.

Abbaufront: Bergbau sich über eine große Länge erstreckende Gewinnungsstelle, zum Beispiel beim Strebbau, die mit fortschreitendem Abbau annähernd quer zu ihrer Längserstreckung. Nach Möglichkeit werden Gewinnungs- und Fördermittel unmittelbar am Abbaustoß entlanggeführt.

Abbauhammer: Druckluftgerät, bei dem ein Schlagkolben auf ein Meißelartiges Spitzeisen aus hochlegiertem Stahl schlägt, dessen Keilwirkung zum Lösen von Kohle, Erz unter anderem aus dem Gesteinsverband sowie zum Zerkleinern großer Stücke ausgenutzt wird.

Abbauverlust: Bergbau Gesamtheit aller Lagerstättenteile, die bei Anwendung eines bestimmten Abbauverfahrens aus technischen, ökonomischen oder sicherheitstechnischen Gründen beim Abbau stehenbleiben müssen und für die Gewinnung verloren gehen. Man unterscheidet neben planmäßigem Abbauverlust und effektivem Abbauverlust das Grubenausbringen (Verhältnis des aus der Grube geforderten Lagerstätteninhaltes zum ursprünglich vorhandenen abbauwürdigen Lagerstättenvorrat).

abbauwürdig, bauwürdig nennt man im Bergbau eine Lagerstätte, wenn Menge und Qualität des Rohstoffs nach Volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten den Abbau lohnen.

Abbeizmittel: pastenförmige bis flüssige Zubereitungen zum Entfernen alter Anstrichfilme. Abbeizmittel bestehen aus organischen Lösungsmitteln (Ester, Ketone, Benzin unter anderem) mit Verdickungsmitteln (Wachse unter anderem). Auch Ätzalkalien werden als Abbeizmittel verwendet («Ablaugen»).

Abberufung: Beendigung einer durch Wahl oder Berufung übertragenen Funktion in Staat oder Wirtschaft. Die Abberufung beendet gleichzeitig ein hierdurch begründetes Arbeitsrechtsverhältnis (Beendigung durch Aufhebungsvertrag oder Kündigung ist unzulässig). Die Abberufung erfolgt durch das Organ, welches die Wahl oder Berufung vorgenommen hat. In sozialistischen Staaten sind auch Abgeordnete, die ihren gegenüber den Wählern übernommenen Verpflichtungen nicht nachkommen, abberufbar.

Abberufungsschreiben: diplomatisches Schriftstück, in dem einem Staat offiziell mitgeteilt wird, dass ein auf seinem Territorium tätiger diplomatischer Vertreter seine Mission einstellt. Das Abberufungsschreiben ist im Allgemeinen ein persönliches Schreiben von Staatsoberhaupt zu Staatsoberhaupt.

Abbesche Theorie: von E. Abbe in ihren Grundzügen entwickelte Beugungstheorie der mikroskopischen Abbildung. Das am Objekt gebeugte Licht wird in der bildseitigen Brennebene des Objektivs zum primären Bild vereinigt Dieses enthält alle optischen Eigenschaften des Objektes in verschlüsselter Form. Eingriffe in das primäre Bild verändern das in der Zwischen Bildebene entstehende sekundäre Bild.

Abbiegespur: parallel zu den durchgehenden Hauptfahrspuren eines Straßenknotenpunktes angeordnete und durch Pfeilzeichen gekennzeichnete Zusatzspur für den die Hauptfahrtrichtung verlassenden Anteil des Verkehrsstromes, unterschieden in Rechts- und Linksabbiegespur.

Abbild: ideelles Resultat der Widerspiegelung, durch die sich die Menschen auf der Grundlage der gesellschaftlichen Praxis die Wirklichkeit in verschiedenen Formen (Wissenschaft, Ideologie, Moral, Kunst, Religion) geistig aneignen. Jedes Abbild entsteht im Prozess der Übersetzung und Umsetzung von Materiellem in Ideelles; es ist eine Einheit von Objektivem und Subjektivem, da es objektive Gegenstände, Eigenschaften, Beziehungen durch die Tätigkeit des Subjekts vermittelt und die Beschaffenheit seines Erkenntnisapparates widerspiegelt. Als kognitive, der wissenschaftlichen Erkenntnis dienende Abbilder bezeichnet man Empfindung, Wahrnehmung und Vorstellung (sinnliche Abbilder) sowie Begriff, Aussage und Theorie (rationale Abbilder). Der Grad der Übereinstimmung der Abbilder mit dem Abgebildeten ist durch den Entwicklungsstand der gesellschaftlichen Praxis, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die jeweiligen Klasseninteressen bedingt. Siehe auch Abbildtheorie, Erkenntnistheorie.

Abbildtheorie, Widerspiegelungstheorie: materialistische erkenntnistheoretische Lehre, nach der alle Erkenntnis eine ideelle Abbildung, Widerspiegelung der objektiven Wirklichkeit im menschlichen Bewusstsein ist. Philosophiegeschichtlich reicht die Abbildtheorie bis zu Leukipp und Demokrit zurück. Die marxistische Abbildtheorie weist nach, dass Erkenntnis geistige Aneignung und Reproduktion der Wirklichkeit vermittels des Bewusstseins ist; sie ist ein gesellschaftlicher Prozess, der sich historisch auf der Grundlage der Praxis des Menschen entwickelt. Abbildung ist nicht passive Aufnahme, von Umweltreizen durch die Sinnesorgane, sondern eine aktive Tätigkeit, in der das Subjekt, von praktischen und theoretischen Interessen geleitet, vermittels der Sinne und des Denkens eine zielstrebige und auswählende Aneignung und Reproduktion bestimmter Objekte vornimmt; dabei wird Materielles in Ideelles umgesetzt und übersetzt. Die daraus hervorgehenden Abbilder (insbesondere Begriffe, Aussagen, Theorien) widerspiegeln die Eigenschaften und Strukturen der Objekte annähernd getreu; sie sind die theoretische Grundlage der praktischen Umgestaltung der naturgegebenen und gesellschaftlichen Wirklichkeit.

optische Abbildung: die Erzeugung eines Bildes von einem Objekt mit Hilfe der vom Objekt ausgehenden Lichtstrahlen. Die optische Abbildung wird durch optische Systeme vermittelt Diese bewirken durch Brechung, Reflexion oder Beugung des Lichtes, dass eine räumlich begrenzte Struktur aus Objektpunkten in eine Bildstruktur aus Zerstreuungsfiguren transformiert wird, aus der in Verbindung mit einem Empfänger auf wesentliche Objekteigenschaften zurückgeschlossen werden kann. Siehe auch Gaußsche Abbildung, Abbildungsfehler.

Abbildungsfehler: jede Abweichung von der idealen geometrischen -optischen Abbildung, also von der punktförmigen und ähnlichen Abbildung. Abbildungsfehler, die bei monochromatischen Beleuchtung auftreten, heißen geometrischen Fehler (siehe auch Astigmatismus, Bildfeldwölbung, Koma, Öffnungsfehler, Verzeichnung). Durch die Dispersion des Lichtes in optischen Werkstoffen entstehen Farbfehler (chromatische Aberration).

Abbinden: Bautechnik: a) Verfestigung von Bindemitteln, Klebstoffen, Kitten unter anderem durch kolloid chemische Reaktion und Kristallisationsvorgänge oder Verdunsten des überschüssigen Wassers beziehungsweise Lösungsmittels beim Übergang vom flüssig Pasten artigen Zustand in den elastischen bis spröden Werkstoff; Zusatzmittel und Temperaturänderungen beschleunigen oder verzögern diese Vorgänge. Bei anorganischen Bindemitteln wird Abbinden in Erstarren und Erhärten unterteilt,

b) Zuschneiden, Anpassen und Markieren der Hölzer eines Abbundes, der ohne Nacharbeit montiert werden soll.

Abblocken: Elektrotechnik/Elektronik - Erden eines Punktes einer elektrischen Schaltung über einen «Block»-Kondensator, um eine an diesem Punkt auftretende unerwünschte Wechselspannung kurzzuschließen.

Abbreviatur: (lateinisch) Abkürzung in Handschriften und Drucken; in der Notenschrift Abkürzung für notengetreue Wiederholung von Tönen, klangliche Figuren und Takten oder Abschnitten; für Vortragsbezeichnungen (Wort-Abbreviatur, zum Beispiel f= forte); für Verzierungen unter anderem

Abbruch: durch endogene oder exogene geologische Vorgänge bedingte Störung von Schichtverbänden.

Abbuchungsauftrag: Auftrag eines Kontoinhabers an ein Geldinstitut, künftig, bis auf Widerruf, bestimmte Verbindlichkeiten, die zu feststehenden Terminen fällig werden, deren Höhe jedoch nicht von vornherein bekannt ist, zu Lasten seines Kontos zu begleichen. Siehe auch Dauerauftrag.

ABC-Geräte: Tauchsport die Grundgeräte Flossen (Gummiblatt, das wie ein Schuh über den Fuß gestreift oder mit einem Fersenband befestigt ist), Schnorchel (Atemrohr beim Schwimmen unmittelbar unter der Wasseroberfläche) und Tauchermaske (einfenstrige Gummimaske mit splitterfreiem Glas).

Abdachung: 1. Architektur: die sattel- oder pultdachartige Abdeckung gotischer Strebepfeiler.

2. Bautechnik: das Verhältnis der Höhe zur Breite einer Böschung; ergibt sich aus dem Böschungswinkel.

Abd al-Kadir, 1808 - 26.5.1883, Führer des antikolonialen Kampfes des algerischen Volkes (1832/47); von den westalgerischen Stämmen 1832 zum Emir proklamiert, organisierte Abd al-Kadir den Widerstand gegen die französische koloniale Eroberung und schuf in West- und Mittelalgerien einen zentralisierten Staat Seine Streitkräfte unterlagen 1847 der überlegenen französische Armee. Nach seiner Gefangenschaft lebte Abd al-Kadir von 1855 bis zu seinem Tode in Damaskus.

Abd al-Krim, 1882 - 6.2.1963, Führer des antikolonialen Widerstandskampfes der Kabylenstämme des marokkanischen Rifgebirges; 1921 von den Stämmen zum Emir proklamiert, gründete die Rif-Republik, organisierte den Widerstand gegen die spanische sowie (ab 1925) die französische Kolonialarmee und leitete fortschrittliche Reformen ein. Nach der Niederlage seiner Streitkräfte (Mai 1926) auf die Insel Réunion verbannt; 1947 aus französischer Gefangenschaft geflohen; lebte danach bis zu seinem Tode in Kairo.

Abdampf: bei einem technologischen Prozess frei werdender oder aus einer Kraftmaschine austretender Dampf, der unmittelbar in die freie Atmosphäre abgeführt oder zu verschiedenen technischen Zwecken genutzt wird zum Beispiel zur Speisewasservorwärmung für Dampferzeuger, zum Heizen und Kochen, zum Antrieb von Abdampfturbinen.

Abd ar-Rahman, Name mehrerer Omaijadenherrscher in Spanien: 1. Abd ar-Rahman um 731-788; gründete 756 das unabhängige Emirat von Córdoba, kämpfte 778 gegen ein Heer Karls des Großen bei Zaragoza.

2. Abd ar-Rahman II., 792-852, Emir seit 822; unter seiner Regierung Aufstand der christlichen Mozaraber und die Plünderung Sevillas durch die Normannen (844).

3. Abd ar-Rahman, 891-961, Emir seit 912; unter ihm höchste Blüte des omaijadische Kalifats in Spanien.

Abderhalden, Emil, 9.3.1877-5.8.1950, schweizerischer Biochemiker, Professor in Berlin, Halle (1911/45) und Zürich. Abderhalden gilt unter anderem als Begründer der modernen Ernährungslehre; er beschäftigte sich insbesondere mit Fragen des Eiweiß- und Aminosäure Stoffwechsels und arbeitete über der biologischen Wirkung von Enzymen, Hormonen und Vitaminen; entwickelte eine Methode zur Frühdiagnose der Schwangerschaft (Abderhalden-Reaktion). 1930 gelang ihm die Norvalinsynthese.

Abderiten: Einwohner der an der thrakischen Küste der Ägäis gelegenen griechische Stadt Abdera (um 650 vor Christus als Kolonie des ionischen Klazomenai gegründet), die in der Antike als typisch einfältige Kleinstädter, als «Schildbürger», galten.

Abdichtung: Sperre an Fugen und Schlitzen in Bauwerken gegen das Eindringen von Feuchtigkeit, Wind, Staub und Lärm. Die Abdichtung von Bauwerken gegen Erdfeuchte und Druckwasser erfolgt mittels Folien, Bitumenhahnen oder Dichtungsanstrichen beziehungsweise wasserdichten Sperrbetons. Fenster und Türen werden durch Einkleben elastischer Streifen (Gummi, Filz) in die Anschlagflächen, undichte Stellen in Rohrleitungen gegen ausströmendes Gas oder Wasser mit Blei, Werg oder Kitt abgedichtet. Die Abdichtung um Baugruben wird durch Schlitz- oder Spundwände beziehungsweise durch das Gefrierverfahren erreicht. Siehe auch Sperrung.

Abdilatif, Abdalla, geboren 1946, kenianischer Schriftsteller und Philologe; 1972/80 Mitarbeiter der Universität Daressalam; bedeutender zeitgenössischer ostafrikanischer Dichter, schreibt in Swahili, verfasst zeitbewusste und fortschrittliche Lyrik von großer sprachlicher Schönheit, zum Beispiel «Stimme der Trauer» (1973).

abdingbar, dispositiv: (lateinisch) von einer Vorschrift abweichende Vereinbarungen zulassend.

Abdomen: (lateinisch) Bauch, Unterleib, Hinterleib: auf den Brustraum folgender, durch das Zwerchfell getrennter Körperabschnitt, der nicht von Skeletteilen umschlossen wird.

Abdrift: auch Abtrift, Strecke, um die ein Wasser oder Luftfahrzeug von seinem gesteuerten Kurs durch Wasser- oder Windströmung abgetrieben wird.

Abdruck: 1. Geologie: Fossilisation.

2. Abdruck, Abformung: Stomatologie - Behandlungsmaßnahme zur Herstellung von Arbeitsmodellen, die Zähne und Kieferabschnitte sowie umgebende Weichteile in Ruhelage (anatomischer Abdruck) oder unter funktioneller Beanspruchung (Funktionsabdruck) mit einem vom Verwendungszweck abhängigen Grad an Genauigkeit wiedergeben. Dabei wird ein Abdruckmaterial mit einem Abformbehelf (zumeist Abdrucklöffel) in plastischer Form in den Mund eingebracht, nach Aushärtung als Negativform der Mundsituation (fest oder elastisch) entfernt und später mit einem Modellwerkstoff ausgegossen.

Abdrucksvertrag: Urheberrecht Vereinbarung über die Veröffentlichung von Wortbeiträgen oder Fotografien in der Presse oder in Büchern und dort vor allem in Sammelwerken; berechtigt nur zur einmaligen Verwendung.

Abdul-Hamid II, 21.9.1842 - 10.2.1918, türkischer Sultan 1876/1909; grausamer Despot und eifriger Verfechter einer reaktionären panislamischen Politik; hob 1878 die Verfassung von 1876 auf und begünstigte die Anlehnung des Osmanischen Reiches an den deutschen Imperialismus; 1908 durch die Jungtürken weitgehend entmachtet und 1909 abgesetzt.

Abdul-Medschid, 23.4.1823 - 25.6.1861, türkischer Sultan seit 1839; reformierte 1839 das Rechtswesen und verkündete 1856 die Gleichstellung der Völker und Religionen; musste 1858 den Staatsbankrott erklären.

Abe, Kobo, geboren 7.3.1924, japanischer Romancier und Dramatiker; sein Hauptthema ist die bis zum Identitätsverlust führende Entfremdung des bürgerlichen Individuums, wobei eine versinnbildlichte Darstellung oft mit einem Hang zum Erotischen vorherrscht, wie in den Romanen «Die Frau in den Dünen» (1962, deutsch), «Der verbrannte Stadtplan» (1967), «Der Kistenmann» (1973) und «Heimliche Begegnung» (1978).

Abeche: Stadt (Präfekturzentrum) im Südosten von Tschad, im zentralen Sudan; 25000 Einwohner; Handelszentrum am Kreuzungspunkt transkontinentaler Handelsstraßen; Flughafen; Kunsthandwerk; Fleischverarbeitung.

Abel, Niels Henrik, 5. 8.1802-6.4.1829, norwegischer Mathematiker, wirkte bahnbrechend durch seine Untersuchungen über elliptische und algebraische Funktionen; er zeigte 1824, dass die algebraischen Gleichungen von höherem als dem 4. Grad nicht durch Radikale auflösbar sind.

Abendland, Okzident (lateinisch): ursprünglich geographische Bezeichnung der westlich von Rom gelegenen Länder im Gegensatz zum Morgenland, dem Orient. In der christlichen Geschichtsauffassung ging die römische Weltherrschaft nach der Teilung des römischen Reiches (395) zunächst auf das sogenannt abendländischen Kaisertum Karls des Großen über, danach auf das Heilige römische Reich Deutscher Nation, besonders während der Zeit der Kreuzzüge war das Abendland im Wesentlichen identisch mit Europa. In der imperialistischen Ideologie Bezeichnung für das Verbreitungsgebiet der christlichen Religion und der durch den Kapitalismus geschaffenen Wissenschaft, Technik und Kunst in Europa. Die Krise des Kapitalismus und seine Ablösung durch den Sozialismus wird als «Untergang des A» (O. Spengler) reflektiert, dessen «Rettung» einer Herrenrasse (Faschismus) oder nach dem 2. Weltkrieg («Rettung des christlichen Abendland ») einem imperialistischen-antisozialistischen Bündnis obliege.

Abendmahl: christliches Sakrament, von dessen Einführung durch Jesus das Neue Testament berichtet; Brot und Wein (Leib und Blut Christi) werden als Elemente der Asfeier in den Konfessionen unterschiedlich aufgefasst.

Abendroth, Hermann, 19.1.1883 - 29.5.1956, Dirigent; war unter anderem 1934/45 Gewandhauskapellmeister, seit 1949 beziehungsweise 1953 Chefdirigent der Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig und Berlin.

Abendsegler, Nyctalus noctula: schmalflügelige, eurasische und nordwestafrikanische Fledermaus; vorwiegend Baumbewohner; fliegt schon vor Sonnenuntergang; hält Winterschlaf; unter Naturschutz; siehe auch Flattertiere, Fledermäuse.

Abendstern: der Planet Venus, wenn er, östlich von der Sonne stehend, am Abendhimmel zu sehen ist. Wenn er, westlich von der Sonne stehend, vor Sonnenaufgang sichtbar ist, wird er Morgenstern genannt.

Aberdeen: Stadt im Nordosten Schottlands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Region Grampian, an der Nordsee; 180000 Einwohner; vielseitige Industrie, besonders Schiff- und Maschinenbau, Montage von Erdölfördereinrichtungen, chemische Industrie, Fisch- und Holzverarbeitung; Fischerei- und Handelshafen; internationaler Flughafen; Universität.

Aberglaube: («Gegen-, Missglaube») unwissenschaftlichen, phantastische Erklärung von unerkannten oder unverstandenen Erscheinungen aus Natur und Gesellschaft; Formen des Glaubens, die von offiziellen kirchliche Nonnen abweichen; Glaube an übernatürliche Kräfte und daran, diese beeinflussen zu können, zum Beispiel mit Bräuchen wie Bleigießen, Horoskop stellen, Kartenlegen unter anderem. Die Ursache liegt in der Unfähigkeit, natürliche und gesellschaftliche Zusammenhänge wissenschaftlich zu erfassen; tritt besonders in den Phasen des Niedergangs von Gesellschaftsformationen auf.

Aberration: (lateinisch) 1. allgemein Abirrung, Abweichung.

2. Astronomie: scheinbare Ortsveränderung der Gestirne infolge der Erdbewegung und der endlichen Lichtgeschwindigkeit. Ein Fernrohr muss daher um den Aberrationswinkel in Richtung der Erdbewegung geneigt werden. Bei der täglichen Aberration ist die Erdrotation entscheidend, bei der jährlichen Aberration die Bewegung der Erde um die Sonne, bei der säkularen Aberration die Bewegung des Sonnensystems relativ zu den umgebenden Sternen.

Aberrationszeit: Zeit, die das Licht benötigt, um von einem Planeten zur Erde zu gelangen. Die Aberrationszeit muss bei der genauen Bahnbestimmung berücksichtigt werden.

Abert, Hermann, 25.3.1871 - 13.8.1927, Musikwissenschaftler, arbeitete besonders auf dem Gebiet der antiken und mittelalterliche Musik sowie der Oper, verfasste eine bedeutsame Mozart-Biographie (1919/21) unter anderem.

Abessinierbrunnen, Rammbrunnen: Brunnen zur Gewinnung von Grundwasser aus oberflächennahen, locker gelagerten, wasserführenden Schichten, bei dem das mit Gewebefilter, Schlammstützen und Rammspitze versehene Saugrohr in die wasserführende Schicht gerammt wird; erste Breitenanwendung in Abessinien.

Abfahrtslauf: Skisport alpine Disziplin; Streckenlänge etwa 3 km, Höhenunterschied für Männer 800 bis 1000 m, für Frauen 400 bis 700 m; oft Kontrolltore an Gefahrenstellen zwecks Geschwindigkeitsminderung.

Abfall: Teile von Produktions- und Konsumtionsmitteln, die im Prozess der produktiven, individuellen und gesellschaftlichen Konsumtion ihren ursprünglich Gebrauchswert verloren haben und daher aus dem Konsumtionsprozess ausgeschieden werden, ohne ihn, im Unterschied zu den Altstoffen, vollständig durchlaufen zu haben. Nach Erfassung und Aufbereitung (Regeneration) tritt der Abfall wieder als Arbeitsgegenstand (Sekundärrohstoff) in die Produktion ein.

Abfangen: 1. Bautechnik: Sichern von Bauteilen, Derricks und so weiter durch Streben, Spreizen, Spannseile unter anderem gegen Einsturz oder Kippen bei Montage-, Umbau- und Abbrucharbeiten.

2. Jagdwesen: Töten von Schalenwild durch Stich hinter das Blatt oder ins Genick.

3. Luftfahrt: Zurückbringen eines Flugzeugs in die normale Fluglage aus einem Sturzflug oder einer anormalen Lage beziehungsweise das Beenden des Sinkfluges eines Flugzeugs bei der Landung durch Vergrößern des Anstellwinkels und Vorbereiten des Aufsetzens.

Abfedern: Töten von Vögeln durch Einstoßen einer Schwungfeder durch das Hinterhauptsloch ins Gehirn.

Abfertigung: Verkehrswesen Gesamtheit aller Vorgänge, die mit dem Abschluss und der Erfüllung des Beförderungsvertrages im Personen-, Gepäck-, Expressgut-, Güterverkehr und Tiertransport Zusammenhängen. Im Luftverkehr werden Abfertigung der Fluggäste, des Gepäcks, der Luftfracht- und Luftpostsendungen (kommerzielle Abfertigung), der Flugzeuge und Besatzungen unterschieden. Der Begriff Abfertigung wird auch für Abfertigungsgebäude und entsprechende Struktureinheiten benutzt.

Abfindung: Befriedigung eines (meist auf unbestimmte Dauer laufenden) Anspruchs durch einmalige Zahlung einer Geldsumme; bedarf grundsätzlich der Vereinbarung.

Abfluss: Teil des Wasserkreislaufs, durch den das als Niederschlag aus der Atmosphäre ausgeschiedene und zur festen Erdoberfläche gelangte Wasser sich unter dem Einfluss der Schwere ober- und unterirdisch fortbewegt und schließlich wieder ins Meer gelangt

Abflussgebiete: Gebiete mit Entwässerung zum Meer, durch Wasserscheiden voneinander getrennt Unter Einschluss der abflusslosen Gebiete bilden sie in ihrer Gesamtheit die Landoberfläche.

Abflussregime: typische jahreszeitliche Schwankung der Wasserführung fließender Gewässer, abhängig von den Geofaktoren des Einzugsgebietes, insbesondere vom Klima.

Abführmittel, Laxantia, Purgantia: Arzneimittel zur Beschleunigung der Darmentleerung. Nach Einnahme salinischer Abführmittel, zum Beispiel Natriumsulfat (Glaubersalz) oder Magnesiumsulfat (Bittersalz), sowie pflanzliche Öle (Rizinusöl) kommt es nach etwa 1 bis 4 Stunden zum Stuhlgang. Späterer Wirkungseintritt erfolgt bei pflanzlichen Drogen (Anthrachinone), synthetische Abführmittel (Pyrilax, Certolax), Quell- (Regulin) und Gleitmitteln.

Abgabepreis: allgemeine Bezeichnung für den Preis, zu dem die Produktions-, Dienstleistungs- und Handelsbetriebe ihre Erzeugnisse und Leistungen an ihre Abnehmer verkaufen. Zu den Abgabepreis gehören insbesondere Industrieabgabepreis, Erzeugerpreis, Importabgabepreis, Großhandelsabgabepreis, Einzelhandelsverkaufspreis.

Abgase: bei einem technologischen Prozess entstehendes Gasgemisch (Kohlenoxid, Kohlendioxid, Stickstoff, Wasserstoff unter anderem) verschiedener chemischer Zusammensetzung. Aus metallurgischen Öfen austretende Abgase werden bei hohem Wärmeinhalt oder ausreichendem Gehalt an brennbaren Komponenten zum Aufheizen von Regenerativ- und Rekuperativsystemen, zur Heizung von Abhitzekesseln oder in Großgasmaschinen verwendet. Enthalten die Abgase wertvolle metallhaltige Bestandteile (Flugstaub), werden diese aus den Abgasen entfernt und weiterverarbeitet. Abgase industrieller Feuerungsanlagen müssen mittels technischer Anlagen möglichst vermieden werden (Luftreinhaltung).

Abgasturbolader: Aufladeeinrichtung an Verbrennungsmotoren mit Nutzung der im Abgas vorhandenen Wärmeenergie in einer Abgasturbine in Verbindung mit einem Aufladeverdichter zur Vorverdichtung der Ladeluft; Anwendung bisher vorzugsweise bei Dieselmotoren.

abgeschlossene Menge: Punktmenge eines metrischen oder topologischen Raumes, die jeden ihrer Häufungspunkte als Element enthält.

Abholzigkeit: Durchmesserabnahme eines Baumstammes oder Stammabschnittes vom dickeren zum dünneren Ende hin, ausgedrückt in mm je lfm.

Abgleichelement: Elektrotechnik/Elektronik - Bauelement oder Vorrichtung zum genauen Einstellen eines geforderten Parameters; zum Beispiel einstellbarer Vor- oder Nebenwiderstand, einstellbare Kapazität oder Induktivität zum Abgleichen elektrischer Schwingkreise.

Abgleichen: Elektrotechnik/Elektronik - Einstellen von Kenngrößen elektrischer Schaltungen (zum Beispiel Resonanzfrequenz, Filterkurve, Sollspannung) auf ihren Sollwert durch Variation von Bauelementgrößen (Kapazität, Induktivität, Widerstand).

Abgottschlange, Königsboa, Boa constrictor: lebendgebärende, bis 4,5 m lange Riesenschlange Mittel- und Südamerikas; frisst Ratten, Mäuse unter anderem; beliebtes Terrarientier.

Abgraten: Entfernen des bei spannender Fertigung, beim Schneiden, Gießen oder Gesenkschmieden beziehungsweise Pressen von Kunststoffen entstehenden Grates; erfolgt beim Gesenkschmieden mit speziellem Abgratwerkzeug.

Abguss: Nachbildung von Kunst- und Naturgegenständen in einer weichen bis flüssigen, später erhärtenden Masse, meist Gips. Eine Negativform (Matrize) wird mit dieser Masse ausgegossen. Der Abguss gleicht in den Abmessungen völlig dem Original. Abguss wird auch die durch Guss Verfahren entstandene Plastik genannt.

Abhänger: Konstruktionsteil aus Metall, zum Beispiel Rundstahl von 5 bis 8 mm Durchmesser zum Aufhängen von Unterdecken an Decken oder anderen Tragkonstruktionen.

Abhängigkeitsgrammatik: syntaktische Methode, begründet von L. Tesnière. Die der Abhängigkeitsgrammatik zugrunde liegende Beziehung ist die Relation zwischen regierendem und regiertem Element; absolut regierendes Element ist die finite Verbform (zum Beispiel sind «Menschen» und «Katzen» abhängig von «lieben» in «Menschen lieben Katzen»), Weiterentwickelt und formalisiert wurde die Abhängigkeitsgrammatik von den Theoretikern der automatischen Sprachverarbeitung.

Abhitzekessel: einfacher Dampferzeuger zum Ausnutzen der Wärmeenergie von anderweitig nicht mehr verwendbaren heißen Abgasen.

Abidjan: Hauptstadt der Republik Elfenbeinküste, an einer durch Seekanal für Seeschiffe zugängliche Lagune am Golf von Guinea; mit Vororten 1,4 Millionen Einwohner; größtes Industriezentrum (Nahrungsmittel-, Leicht-, Metall-, Zementindustrie, Werft; bei Abidjan in Vridi Erdölraffinerie) und wichtigster Landeshafen; internationaler Flughafen; Universität; Theater, Museum. Bei Abidjan an der Lagune Touristenzentrum.

abiotisch: (griechisch) nichtlebend, nicht lebende Materie betreffend.

Abkanten: Biegen von Blech um gerade Kanten zur Erzielung bestimmter Profile mit Abkantmaschine oder -presse.

Abklatschung: Behandlungsform der Wasserheilkunde (Hydrotherapie); durch kräftige, rasch wiederholte Schläge auf die Haut mit Hilfe eines feuchtkalten Tuches werden intensiv anregende Hautreize erzeugt Anwendung erfolgt zum Beispiel bei entzündlichen Erkrankungen der Atemwege.

Abklingen: zeitliche Abnahme der Quantität einer physikalischen Größe, zum Beispiel der Amplitude einer Schwingung oder der Strahlung einer radioaktiven Substanz; siehe auch Dämpfung 2.

Abklingquote: Maß für den Wirk(stoff)verlust im Organismus innerhalb von 24 Stunden.

Abklingzeit: Zeitspanne, innerhalb derer der Wert einer physikalische Größe (zum Beispiel der Lumineszenzintensität nach beendeter Anregung) auf einen bestimmten Bruchteil (meist 1/e) des Anfangswertes abgesunken ist.

Abkochung, Decoctum, Dekokt (lateinisch): durch Kochen hergestellter wässriger Auszug aus Pflanzenteilen; ist nur wenige Tage haltbar.

Abkommen: Recht Übereinkommen zweier oder mehrerer Partner als spezielle Form des Vertrages, das mündlich, schriftlich oder durch konkludentes Handeln begründet werden kann. Für einen völkerrechtlichen Vertrag wird häufig die Bezeichnung Abkommen gewählt.

Abkühlen: Absenken der Behandlungstemperatur als Teil des Temperatur-Zeit-Regimes von Prozessen der Wärmebehandlung. Beschleunigtes Abkühlen bezeichnet man auch als Abschrecken. In Abhängigkeit vom verwendeten Abkühl- (Abschreck-) Mittel (zum Beispiel Ofenatmosphäre, ruhende Luft, Salz- und Metallschmelzen, Öl, Plastlösung, Wasser, strömende Gase, wie Argon, Stickstoff, Wasserstoff) und den damit realisierbaren Abkühlgeschwindigkeiten ist eine gezielte Eigenschaftsbeeinflussung, insbesondere metallische Werkstücke, möglich. Siehe auch Glühen, Härten.

Abkürzungssprache: durch Häufung von Abkürzungen und Kurzwörtern charakterisierte Sprachverwendung; in Fachtexten unvermeidlich, sonst besser zu umgehen, da erschwerte Verständigung unausbleiblich.

Ablagerung, Akkumulation, Sedimentation: Absetzen von lockerem Gesteinsmaterial sowie von Material abgestorbener Organismen, von chemischen Ausfällungen (zum Beispiel Salzen) und von vulkanischen Auswurfmassen an der Oberfläche des Festlandes und auf dem Boden der Ozeane und Meere. Die Ablagerung wird nach dem Transportmittel, dem Ablagerungsgebiet und nach ihrer materialmäßigen Zusammensetzung in festländische und marine Ablagerung eingeteilt. Zu den festländische oder terrestrische Ablagerung zählen Hangschutt: durch Abspülung, Rutschung und Bodenfließen umgelagertes Verwitterungsmaterial an Hängen, unsortiert; fluviale oder fluviatile Ablagerung: durch fließende Gewässer abgelagerte Gerölle, Sande und Tone, gut geschichtet (Sandbänke, Schotterterrassen); glaziale Ablagerung: vom Gletscher abgelagertes mehr oder weniger kantengerundetes Material (Geschiebe), unsortiert und ungeschichtet (Grund-, Seiten-, Endmoränen); Ablagerung: durch die Schmelzwässer der Gletscher entstanden; geschichtete und sortierte Ablagerungen (Sander); äolische Ablagerung: durch den Wind transportierter und abgelagerter Flugsand (Sandfelder und Dünen) und Flug Staub (Löß- und Sandlößdecken), stets gut nach Korngrößen sortiert; vulkanische Ablagerung: Aschen, Bomben und Laven; limnische Ablagerung: durch Uferabbruchsmaterial und aus dem von fließenden Gewässern transportierten Material sowie von abgestorbener organischer Substanz gebildet Zu den marinen (Meeres-) Ablagerung, die sich nach der Entfernung von der Küste und in Abhängigkeit von Tiefe, Meeresströmung, physikalischen, chemischen und biologischen Verhältnissen des Meeres unterscheiden, zählen Flachsee-Ar.

a) in Küstennähe (litoral) vor allem Sande, wenig Geröll (je nach Beschaffenheit des anstehenden Materials sehr unterschiedlich),

b) im anschließenden Schelfbereich bis etwa 200 m Tiefe (neritisch) in kühlen Meeren überwiegend Sand, Schlick und Mudd, in wärmeren Meeren Sedimente mit höherem Kalkgehalt (Kalkschlick, Riffkalk),

c) im Übergangssaum zur Tiefsee bis etwa 800 m Tiefe (bathyal) nur noch Schlick und Feinsande (glaukonitischer Sand) und Tiefsee- oder pelagische Ablagerung: vorwiegend Reste von Plankton Organismen, Tone und Schlick, gegliedert in Blauschlick, Globigerinen-, Radiolarien-, Diatomeenschlamm und Tiefseebeton.

Ablaktieren: (lateinisch) n Veredlungsart bei Pflanzen. An der Unterlage und am Edelreis, das noch nicht von der Mutterpflanze getrennt ist, wird ein flacher Rindenstreifen abgelöst; beide Schnittflächen werden aufeinandergepasst und miteinander verbunden. Nach der Verwachsung wird das Edelreis unter, die Unterlage dicht über der Veredlungsstelle abgeschnitten.

Ablängen: Schneiden oder Sägen von Werkstücken auf die geforderte Länge, zum Teil mit Übermaß.

Ablass: nach katholische Lehre der Erlass zeitlicher Sündenstrafen nach dem Tode (im Fegefeuer), nicht Sündenvergebung überhaupt. Er ist an die Erfüllung eines Ablasswerkes gebunden. Ablass gegen Geldzahlung brachte der Kurie seit dem 14. Jahrhundert materielle Bereicherung und stärkte ihren politideologischen Einfluss, er war Anlass für Luthers reformatorischen Protest (gegen Ablassprediger Tetzel).

Ablation: (lateinisch) 1. Geomorphologie - das Abschmelzen und Verdunsten von Eis und Schnee, besonders bei Gletschern, durch Sonneneinstrahlung, Regen und warme Luftmassen.

2. Ablation, Ablatio (lateinisch): Medizin - Abtragung, das heißt Abtrennung eines Körperteils, zum Beispiel der erkrankten Brustdrüse (Ablatio mammae); siehe auch Amputation.

3. Deflation.

Ablativ: (lateinisch) Kasus der indoeuropäischen Sprachen zur Bezeichnung der Richtung (von ... weg), kann aber auch lokale, temporale und instrumentale Bedeutung tragen; der Ablativ ist zum Beispiel im Lateinischen erhalten.

Ablaufberg, Rangierberg: erhöhte Rangiergleise, von denen die Wagen infolge der Schwerkraft ablaufen. Meist drückt eine Lokomotive den zu zerlegenden Zug bis zum Entkuppeln der Wagen.

Ablaufsteuerung: Programmsteuerung (zum Beispiel Aufzugsteuerung), bei der die gesteuerte Größe (Bewegung des Fahrkorbs) nur von den Zuständen (Abläufen) bestimmter Größen der Steuerung selbst und von einem Programm (Halt, Fahrt und so weiter) abhängt.

Ablaugung: Geologie von oben nach unten fortschreitender Lösung von Salzen durch Grund- und Oberflächenwasser.

Ablaut: nach J. Grimm Bezeichnung des Vokalwechsels innerhalb eines Wortstammes oder Wortteiles, zum Beispiel «sprechen, sprich, sprach, gesprochen, Spruch».

Ablegen: vegetative Vermehrungsart für Beerenobst, Weinreben und Ziersträucher, einjährige Triebe werden in flache Bodenrillen niedergelegt, die entstehenden Triebe mit Boden bedeckt und im Herbst abgetrennt.

ableitbar: Logik - Eigenschaft eines Ausdrucks, aus einer Menge von Prämissen oder Axiomen mittels einer Ableitung gewonnen werden zu können.

Ableitung: 1. Grammatik: Derivation.

2. Logik: Folge von Ausdrücken, deren jedes Glied entweder ein Element einer vorgegebenen Menge X von Prämissen oder Axiomen ist oder sich aus in der Folge vorangehenden Gliedern durch Anwendung einer zugelassenen Schluss Regel erhalten lässt Diese Folge heißt dann genauer eine Ableitung ihres letzten Ausdrucks aus der gegebenen Menge X mittels der zugelassenen Schluss Regeln. Siehe auch Schließen, logisches.

3. Mathematik: Differentialrechnung.

Ablenkmagnet: Vorrichtung zur magnetischen Ablenkung von Strahlen geladener Teilchen (zum Beispiel Protonen). Ablenkmagnet an Beschleunigern führen die Teilchen zum Versuchsaufbau.

Abluft: die aus einem Raum, Behälter oder Aggregat durch Lüftung, Absaugen oder Überdruck abgeführte verbrauchte Luft. Die Abluft ist häufig Ursache von Verunreinigungen der Atmosphäre.

Abmaß: Differenz zwischen einem Grenzmaß, einem Ist Maß (Ist-Abmaß) oder einem Paarungsmaß und seinem Nennmaß. Bei Grenzmaßen heißt die Differenz zwischen Größtmaß und Nennmaß oberes Abmaß, die zwischen Kleinstmaß und Nennmaß unteres Abmaß.

Abmeierung: die Vertreibung eines feudalabhängigen Bauern von seinem Grundbesitz.

Abnabeln: Abbinden oder Abklemmen der Nabelschnur des Neugeborenen in Nabelnähe und Durchtrennen der Nabelschnur zwischen den Abbindungen nach der Geburt des Kindes.

Abnahme: 1. Materialprüfung: Bestätigung des positiven Ergebnisses einer Prüfung von Werkstoffen, Bauteilen, Maschinen, Fahrzeugen, Anlagen unter anderem hinsichtlich der Güte- beziehungsweise Bauvorschriften durch Abnahmeorganisationen.

2. Recht: nach Entgegennahme einer geschuldeten Leistung abgegebene Erklärung ihrer Anerkennung als vertragsgerecht.

Abodriten, Obodriten: slawischer Stammesverband (Abodriten (im eigentlichen Sinn), Polaben, Wagrier, Wamower unter anderem), der seit der 2. Hälfte des 6. Jahrhundert östlich der unteren Elbe und in Mecklenburg ansässig war. Die Abodriten lebten in der militärischen Demokratie; seit dem 9./10. Jahrhundert Herausbildung früher klassengesellschaftliche Verhältnisse. Von Heinrich I. und Otto I. zum Teil unterworfen, befreiten sie sich im Aufstand 983. Heinrich der Löwe unterwarf die Abodriten unter Niklot und Pribislaw endgültig (1178). Ihre Fürsten wurden Feudalherren unter deutscher Oberhoheit (Herzöge von Mecklenburg). Reste der Abodriten wurden durch die Ostkolonisation verdrängt beziehungsweise assimiliert.

Abolition: (lateinisch) Abschaffung, Aufhebung (besonders von Gesetzen); Begnadigung; Niederschlagung der Untersuchung einer Straftat im Einzelfall.

Abonnement: meist mit Vorauszahlung verbundene, in der Regel periodischer Inanspruchnahme bestimmter Leistungen, wie Zustellung von Zeitungen, Zeitschriften, Bereitstellung von Kino- und Theaterkarten unter anderem

Abplattung: Abweichung von der Kugelform bei Himmelskörpern infolge ihrer Rotation.

Abprodukte: Produktions- und Konsumtionsmittel beziehungsweise Teile von ihnen, die während oder am Ende des Konsumtionsprozesses als Rückstände in fester, flüssiger, schlammiger, staub- oder gasförmiger Form anfallen, gegenwärtig noch nicht genügend wieder genutzt werden können und schadlos beseitigt werden müssen. Siehe auch Abfall.

Abraham, in der Bibel Stammvater der Israeliten und Ismaeliten (Araber).

Abraham, Paul, 2.11.1892-6.5.1960, ungarischer Operetten-, Revue- und Filmkomponist; war unter anderem mit «Die Blume von Hawaii» (1931) in seiner Zeit sehr erfolgreich.

Abrahams, Peter Henry, geboren 18.3.1919, südafrikanischer Schriftsteller, lebt im Exil (Jamaika); prangert in dem Roman «Reiter der Nacht» (1948, deutsch) die Rassendiskriminierung an und schildert in seinem weiteren Schaffen den Kampf der antiimperialistischen demokratischen Kräfte in Südafrika.

Abramzewo: Dorf zwischen Moskau und Sagorsk, wo sich im letzten Drittel des 19. Jahrhundert auf dem Landsitz des Industriellen und Mäzens S. Mamontow eine Künstlerkolonie bildete (I. J. Repin, M. Wrubel, V. M. Wasnezow unter anderem), in der neben den zeitgenössischer Tendenzen der Wandererbewegung, des Impressionismus und des Symbolismus auch altrussische Kunstformen und volkstümlichen Techniken (Keramik) gepflegt wurden.

Abranken: Abschneiden oder Entfernen von Ranken an Pflanzen; fälschlich auch zur Entfernung der Ausläufer bei Erdbeeren gebraucht.

Abrasion, (lateinisch) Brandungserosion, marwe Erosion: abtragende Tätigkeit der Brandung an der Küste, die im Kliffbereich Brandungshohlkehlen schafft und das herabstürzende Material abtransportiert Durch die Zurückverlegung der Küste entsteht eine schwach gegen das Meer hin geneigte Abrasionsplatte (Strandplatte, Schone), die bei Landhebung zur Abrasionsterrasse (Strandterrasse) wird.

Abrasionsgebiss: abgekautes Gebiss infolge Abriebs von Zahnhartsubstanzen unterschiedlicher Intensität verstärkt durch besondere Beanspruchung (bei Naturvölkern, zum Beispiel Eskimos), falsche Zahnstellung, ungünstige Lückenverteilung und unphysiologische Belastung (Pressen, Knirschen).

Abraum: 1. Bergbau: wertlose feste oder lockere Erd- und Gesteinsmassen, die eine in geringer Teufe liegende abbauwürdige Lagerstätte nutzbaren Minerals überdecken (Ober-Abraum) oder zwischen Flözen auftreten (Mittel-Abraum) und vor Gewinnung des Minerals abgeräumt werden müssen.

2. Forstwirtschaft: minderwertiges Holz, das nach Aufarbeitung von Bäumen am Hiebsort liegen bleibt (Äste, Kronenteile und durch Fäule zersetzte Holzstücke). Abraum ist eine Holzreserve, die durch die Aufarbeitung zu Hackschnitzeln zum Teil genutzt wird.

Abraxas, Abrasax: magisches Zauberwort, auch göttlicher Geheimname umstrittener Herkunft; in der Gnosis kosmologisches Wesen (Symbol des Ganzen und Ewigen).

Abraxas Gemme: spätantike Gemme mit Inschrift und Darstellung der gnostische Gottheit Abraxas in Gestalt eines halbmenschlichen Fabelwesens mit Hahnenkopf und Schlangenfüßen.

Abreaktion: plötzliche Entladung gestauter psychischer Spannungen durch motorische Handlungen, Weinen unter anderem im Gegensatz zur bewussten psychischen Verarbeitung und dem allmähliches Abklingen von Spannungen und Affekten.

Abrechnung: zahlenmäßige Widerspiegelung des Reproduktionsprozesses und der dabei erzielten Ergebnisse in Betrieben und in der Volkswirtschaft als Kontroll- und Analyserechnung für die Werktätigen und Leitungen der Betriebe sowie die übergeordneten wirtschaftsleitenden und Staatsorgane.

Abreibung: Einhüllen des Körpers beziehungsweise einzelner Körperteile in feuchtkalte, heiße oder wechselwarme Tücher, auf denen mit der flachen Hand kräftig gerieben wird. Die Abreibung bewirkt eine bessere Hautdurchblutung. Anwendung erfolgt zum Beispiel bei kreislaufgeschwächten bettlägerigen Kranken.

Abreißzündung: elektrische Zündung von Vergasermotoren durch den elektrischen Lichtbogen. Die Abreißzündung arbeitet mit geringer Spannung und relativ hoher Stromstärke. Sie wird im Vergleich zur Kerzenzündung nur noch selten verwendet.

Abrikossow, Alexej Iwanowitsch, 18.4.1875 bis 9.4.1955, Sowjet Pathologe; Professor und Leiter des Lehrstuhls für pathologische Anatomie am I. Moskauer Medizinisches Institut. Das von ihm beschriebene Myoblastenmyom (Muskelgeschwulst) ist als Abrikossoff-Geschwulst international bekannt.

Abriss: einjähriger Trieb von Gehölzen, der sich aus einer unmittelbar über dem Erdboden abgeschnittenen Mutterpflanze gebildet und durch Anhäufeln bewurzelt hat; siehe auch Unterlage.

Abrogans: (lateinisch) deutsche Bearbeitung eines spätlateinischen Synonymwörterbuchs (nach 750 entstanden); erste schriftliche Überlieferung in deutscher Sprache; benannt nach dem ersten lateinischen Wort.

abrupt: (lateinisch) abgerissen, jäh abgebrochen, zusammenhanglos; unversehens, plötzlich.

Abruzzen: 1. schroffes Kalkgebirge in Mittelitalien mit den alpinen Gebirgsstöcken des Gran Sasso d’italia (Corno Grande 2914 m) und der La Maiella (2795 m), höchster Teil des Apennins; verkarstetes Hochland mit Poljen und Karstseen; durch sommerliche Überweidung (Schaf- und Ziegenzucht) verkahlt; Wasserkraftwerke; Nationalpark (300 km2) am Oberlauf des Sangro.

2. Abruzzen, italienisch Abruzzi: Region in Mittelitalien, vom Apennin bis zur Küste des Adriatischen Meeres; 10794 km2, 1,2 Millionen Einwohner, 111 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum L'Aquila, umfasst 4 Provinzen; ökonomisch zurückgeblieben; im Gebirge Viehzucht (Schafe), in den Tälern Weinbau, in den Hügelzonen Olivenanbau, in den Ebenen Ackerbau (Weizen); Industrie (besonders chemische, keramische, Glas- und Nahrungsmittelindustrie) in Pescara, L’Aquila, Chieti und Teramo.

Absanden: Oberflächenzerstörung an Mörteln, Betonen und Sedimentgesteinen, wobei die Festigkeit des Bindemittels bis in geringe Tiefe vermindert ist, zum Beispiel durch Frost, austrocknen oder auslaugen.

Absatz: 1. Wirtschaft: Vertrieb, Verkauf.

2. politische Ökonomie: Realisierung des Wertes der erzeugten Produkte eines Betriebes oder Kombinates durch Verkauf auf dem Markt. Geldausdruck des Absatzes eines bestimmten Zeitraumes ist der Umsatz, zum Beispiel Jahresumsatz. Der Absatz erfolgt im Kapitalismus im schärfsten Konkurrenzkampf um die Realisierung des vorgeschossenen Kapitals und des Höchstprofites; im Kapitalismus werden vielfältige staatliche Regulierungsmaßnahmen zur Stimulierung des Absatzes der Monopole angewendet. Im Sozialismus erfolgt der Absatz auf der Grundlage der staatlichen und betrieblichen Pläne. Er ist Teil der wirtschaftlichen, mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung verbundenen Tätigkeit, die darauf gerichtet ist, die produzierten Waren an die Verbraucher heranzuführen und damit die Verbindung zwischen Produktion und Bedarf herzustellen. Zur Absatztätigkeit gehören unter anderem Bedarfs- und Marktforschung, Vertragsabschluss, Vorrats- und Lagerwirtschaft, Verpackung, Versand, Werbung, Kundendienst.

Absatzergebnis: Differenz zwischen Erlösen und Kosten für die abgesetzten Erzeugnisse beziehungsweise Leistungen in der Ergebnisrechnung sozialistische Betriebe.

Absatzkrise: äußere Erscheinungsform der zyklischen Überproduktionskrisen im Kapitalismus, gekennzeichnet durch massenhafte Unverkäuflichkeit von Waren infolge relativer Überproduktion bei zu geringer zahlungsfähiger Nachfrage und Planlosigkeit im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft. Die Absatzkrise ist vielfach verbunden mit der zielgerichteten Vernichtung überschüssiger Produkte, um Preise und Profite hochzuhalten.

Absäuern: Reinigen von Mauerwerk mit verdünnter Salzsäure zum Entfernen überschüssigen Mörtels auf der Sichtfläche.

Abscheider: 1. Abwasserwirtschaft: Vorrichtung zum Entfernen von Feststoffteilchen (zum Beispiel Sand), Schmierstoffen (Fette, Öle), Benzin (Benzinabscheider) aus Abwasser sowie von Stäuben und Nebeln aus Gasen durch Ausnutzung von Schwer-, Zentrifugal- oder anderen Kräften.

2. Textiltechnik: Kondenser.

Abscheren: 1. Bautechnik: Zerstören von Konstruktionsteilen durch Scherkräfte.

2. Fertigungstechnik: Trennen eines Werkstoffes oder -stückes (zum Beispiel mit Schnittwerkzeug) durch Schub- oder Scherkräfte, die in Richtung seines Querschnitts wirken und größer als die Scherfestigkeit des Werkstoffs sind. In manchen, zum Beispiel genieteten, Bauteilen wirken Scherkräfte, die bei Überbeanspruchung zum unbeabsichtigten Abscheren führen.

3. Geologie: tektonisch bedingtes Trennen von Gesteinen aus ihrem Verband durch Schubkräfte.

Abschirmung: 1. Atomphysik: a) Abschirmung der Kernladung: die Erscheinung, dass die Wirkung der Kernladung auf ein äußeres Elektron der Atomhülle abgeschwächt wird; in der Theorie dadurch berücksichtigt, dass man die Kernladungszahl Z durch die kleinere Größe Z-<7 ersetzt, wobei der Wert der Abschirmungskonstante a davon abhängt, welches Hüllenelektron betrachtet wird.

b) magnetische Abschirmung: Überlagerung eines äußeren Magnetfeldes H0 mit dem in einem Molekül durch H0 induzierten Gegenfeld, so dass an einem Kernort nur ein Feld cH0 wirksam wird, a heißt magnetische Abschirmungskonstante (im Allgemeinen ein Tensor).

2. Elektrotechnik/Elektronik: Verringerung der Einflüsse elektrischer oder magnetischer Störfelder auf elektronische Einrichtungen (zum Beispiel Baugruppen, Geräte, Anlagen), Kabel oder Leitungen beziehungsweise Verminderung der Abstrahlung elektromagnetischer HF-Schwingungen mittels metallische Drahtgeflechte, Hüllen unter anderem.

3. Strahlenschutz: Schwächung der Fluenz oder Dosis ionisierender Strahlung durch Streuung und Absorption der Strahlung in Stoffen oder Stoffschichtungen zum Schutz von Lebewesen, Messapparaturen unter anderem. Für Röntgen- und Gammastrahlung werden Beton und Blei, für Neutronen Paraffin und Beton zur Abschirmung verwendet.

Abschlag: 1. Geschichte die in der Steinzeit bei der Bearbeitung von Feuersteinen unter anderem Gesteinen abgeschlagenen Stücke, die zum Teil zu Werkzeugen weiterverarbeitet wurden.

2. Abschlag, Bully (englisch) n, im Rollhockey Anschlag. Eishockey, Hockey, Rollhockey Spielhandlung als Spieleröffnung oder nach -Unterbrechung. Der Ball (die Scheibe) liegt zwischen 2 gegnerischen Spielern oder wird zwischen sie geworfen (Eishockey: Bezeichnung Einwurf).

Abschlagen: 1. Jagdwesen a) Abwehren des Hundes durch Schwarzwild;

b) Vertreiben der Jungtiere vom Mutterwild während der Brunft;

c) Töten von Hase oder Kaninchen durch Schlag hinter die Löffel.

Abschlussgewebe: äußere und innere Begrenzungsschichten der Pflanzenteile. Wichtigstes primäres Abschlussgewebe ist die Epidermis. Sekundäre Abschlussgewebe werden vom Korkkambium gebildet.

Abschlussprüfung: am Ende der Schulzeit oder des Studiums in einem Unterrichtsfach beziehungsweise einer Lehrdisziplin geforderter Nachweis erworbenen Wissens und Könnens.

Abschmelzleistung: diejenige Schweißgutmenge eines Schweißverfahrens, die beim ununterbrochenen Schweißen in einer Zeiteinheit erreicht wird. Sie wird zur Kapazitätsermittlung bei Planungsaufgaben benötigt.

Abschnittsbevollmächtigter: Angehöriger der Volkspolizei, der in enger Verbindung mit der Bevölkerung und den örtlichen Staatsorganen für die öffentliche Ordnung und Sicherheit in einem bestimmten Abschnitt von Städten und Gemeinden verantwortlich ist.

Abschnüren: Markieren einer Linie mittels einer gefärbten Schnur, insbesondere die Konstruktionslänge nebeneinander liegender Balken oder Bretter; siehe auch Schnürboden.

Abschreibung: Kostenart zur wertmäßigen Widerspiegelung des Verschleißes der Grundmittel in einem Abrechnungszeitraum. Die Abschreibung dient der sukzessiven Wertübertragung der Grundmittel auf die mit ihrer Hilfe hergestellten Erzeugnisse beziehungsweise erbrachten Leistungen und der finanziellen Sicherung der einfachen Reproduktion der Grundmittel; ihre Höhe wird anhand planmäßig festgesetzter Absätze (Abschreibungsnormen) berechnet Abschreibungssatz: Prozentsatz des jährlich vom Bruttowert (Anschaffungspreis) eines Grundmittels abzuschreibenden kostenwirksamen Betrages entsprechend der gesetzlich festgelegten technisch-ökonomisch begründeten normativen Nutzungsdauer des Grundmittels.

Abschrot, Schrotmeißel: in einen Amboss eingelassener, scharfkantiger Meißel zum Abschroten, wobei der Werkstoff auf den Abschrot gelegt und durch Schläge mit dem Handhammer getrennt wird.

Abschwächer: chemische Lösung zur Dichteverringerung fotografischer Silberbilder. Abschwächer haben unterschiedliche Wirkungsweisen. Am bekanntesten ist der Farmersche Abschwächer.

Abschwarten: Abziehen der Haut (Schwarte) bei Schwarzwild und Dachs; beim übrigen Schalenwild «aus der Decke schlagen».

Abscisinsäure, Abscisin (lateinisch): ein in den Samen vieler Angiospermen (Bedecktsamer) und Gymnospermen (Nacktsamer) vorkommendes Phytohormon; wirkt wachstumshemmend und bewirkt die Keimnähe.

Abscission: (lateinisch) Abwerfen von Blättern, Blüten und Früchten. Die Pflanze kann damit einmal überflüssige oder nicht mehr funktionsfähige Organe beseitigen und zum anderen reife Früchte der Verbreitung zuführen. Die Abscission gehört zur normalen Entwicklung ausdauernder Pflanzen.

Abseite: Textiltechnik linke, der Schauseite (rechte Seite) eines Gewebes abgewandte Seite (Rückseite), die anders als die Schauseite gestaltet sein kann.

Abseits: in einigen Sportspielen regelwidrige Position eines Angriffsspielers, der sich unberechtigt vor dem ballführenden Mitspieler (zwischen Ball und gegnerischem Tor) befindet, ohne dass mindestens 2 Gegner ihrer Torlinie näher sind als er; im Rugby jeder Spieler, der vor dem Ball ist. Strafe: Freistoß beziehungsweise im Rugby Straftritt oder Gedränge. Im Eishockey 2 Abseitsformen:

a) Eindringen eines Spielers vor der Scheibe in die Angriffszone;

b) Pass der Scheibe aus der Verteidigungszone über die Mittellinie (A über 2 Linien); Strafe: Einwurf (Abschlag).

Absenken: vegetative Vermehrungsart für Beerensträucher, Rebe und Haselnuss; vorjährige Triebe einer Mutterpflanze werden bogenförmig in den Boden gesenkt, festgeklammert und nach der Bewurzelung abgeschnitten.

Absenkungskurve: die bei Wasserentnahme aus Bodenschichten trichterförmig zum Entnahmebrunnen abfallende Grundwasseroberfläche. Die Form der Absenkungskurve ist von der entnommenen Wassermenge, vom Brunnendurchmesser und von der Wasserdurchlässigkeit der Bodenschichten abhängig.

Absentismus: (lateinisch) Form der Landwirtschaft, bei der die Gutsbesitzer (Absenters) meist von ihren Gütern abwesend sind, ihr Land von Verwaltern bewirtschaften lassen und den Profit parasitär verbrauchen.

Absetzbarkeit: Möglichkeit der Amtsenthebung bei Nichteignung für die Funktion oder das Amt, Pflichtverletzungen beziehungsweise Straftaten. Im sozialistischen Staat ist Absetzbarkeit eine Folge der Verantwortlichkeit der Staats- und Wirtschaftsfunktionäre gegenüber den Werktätigen; Beamte bürgerlicher Staaten sind im Allgemeinen nicht absetzbar.

Absetzbecken: Becken zum Abscheiden von ungelösten Sink- und Schwimmstoffen aus dem Abwasser durch Sedimentation; Teil einer Abwasserbehandlungsanlage.

Absetzen: Anbringen von ein- oder mehrseitigen Abstufungen an Schmiedestücken mit dem Schmiede- oder Setzhammer. Bei beiderseitigem Absetzen wird das Werkstück auf einen Setzstock gelegt.

Absetzer: Gerät zum mechanisierten Aufschütten beziehungsweise Verkippen von Schüttgut; im Tagebau vor allem zum Transport des Abraumes in Braunkohlen-, Erztagebauen und ähnliche. Der zugeführte Abraum wird aus einem Kippgraben vom Absetzer mit einer Eimerkette (Eimerkettenabsetzer) oder mit einem Schaufelrad (Schaufelradabsetzer) aufgenommen und fällt dann auf einen in einem schwenkbaren Ausleger umlaufenden Gurtbandförderer. In Tagebauen mit Bandförderung wird der Abraum von einem Aufnahmeband direkt auf den Absetzer gebracht (Bandabsetzer). Absetzer haben ein Raupen- beziehungsweise Schienenfahrwerk oder ein Schreitwerk zur Fortbewegung. In der Bauindustrie dient der Absetzer zum Aufschütten von Dämmen, zum Beispiel für Eisenbahngleise, Wasserstraßen. Auf Schüttgutlagerplätzen wird der Absetzer zum Aufhalden von Schüttgut verwendet siehe auch Haldenschüttgerät.

Abshagen, Robert, 12.1.1911-10.7.1944 (ermordet), antifaschistische Widerstandskämpfer; 1931 Mitglied der KPD; Funktionär der Bästlein-Jacob-Abshagen-Organisation in Hamburg, Kiel, Bremen und Rostock.

absolut: (lateinisch, «losgelöst») unbedingt, unabhängig, unumschränkt; vollkommen; keiner weiteren Bestimmung bedürftig; siehe auch relativ.

Absolute: (lateinisch) das Unbedingte, Uneingeschränkte. Bei vielen idealistischen Philosophen das Wesen aller Dinge, meist identifiziert mit Gott.

absolute Musik: ungenaue Bezeichnung in der spätbürgerlichen Musikästhetik für

a) Instrumentalmusik im Gegensatz zur textgebundenen Musik;

b) für textfreie Musik, die (etwa im Gegensatz zur Programmmusik).

absolute Rechte: subjektive Rechte, die jedermann gegenüber wirken (zum Beispiel Namensrecht, Eigentumsrecht); demgegenüber bestehen relative Rechte (zum Beispiel Forderungen) nur gegenüber bestimmten Personen aus einem konkreten Rechtsverhältnis (zum Beispiel Vertrag).

Absolutes und Relatives: gegensätzliche Bestimmungen aller Objekte der materiellen Welt und ihrer Erkenntnis. Absolutes und Relatives bilden eine dialektische Einheit; Absolutes existiert nur durch das Relative, Relatives enthält stets Absolutes. Die Materie existiert absolut, durch nichts anderes bedingt, aber nur in der Mannigfaltigkeit ihrer Bewegungsformen und so weiter, die relativ, durch andere bedingt, von anderen abhängig sind. Im Erkenntnisprozess treten Absolutes und Relatives unter anderem als absolute und relative Wahrheit auf. Überbetonung des Absoluten führt zum Dogmatismus, Überbetonung des Relativen zum Relativismus.

Absolutismus, absolute Monarchie: unumschränkte Alleinherrschaft; Monarchie, in der der Herrscher die gesamte Staatsgewalt besitzt, ohne an verfassungsmäßige Schranken gebunden zu sein. Staatsform in der letzten Phase des Feudalismus, Produkt verschärften Klassenkampfes zwischen verfallendem Feudalismus und frühbürgerlich-kapitalistischen Kräften. Der Absolutismus stützt sich wesentlich auf eine zentrale staatliche Bürokratie, ein zentrales Finanzwesen und ein stehendes Heer.

Absonderung: 1. Geologie: durch Kontraktion, Austrocknung, tektonische Beanspruchung oder Verwitterung entstandenes Großgefüge einer Gesteinsmasse, zum Beispiel Schichtung, Bankung, Klüftung (Säulen-, Kugel-, Kraterbildung).

2. Medizin: spezielle Maßnahme des Infektions- und Seuchenschutzes. Die Absonderung kann in Tätigkeits-, Ausbildungs- und Verkehrsbeschränkungen bestehen, deren Ausmaß nach der Erkrankung und der epidemiologischen Situation festgelegt wird. Der Absonderung unterliegen Kontaktpersonen, bei denen mit Infektionskrankheiten gerechnet werden muss.

3. Physiologie: Sekretion.

Absorber: (englisch) technische Anlage zur Trennung von Gasgemischen durch Absorption von Bestandteilen in Flüssigkeiten. In der Regel strömt das Gas von unten nach oben, während die Flüssigkeit, zum Teil über Glockenböden oder Füllkörper, nach unten fließt.

absorbieren: einsaugen, aufsaugen; völlig in Anspruch nehmen.

Absorption: 1. Chemie: Aufnahme von Gasen durch Flüssigkeiten oder Feststoffe (Absorbenzien; Sing. Absorbens), wobei sich der Vorgang (Absorbieren) im Gegensatz zur Adsorption nicht auf die Oberfläche beschränkt, sondern auf das gesamte Volumen des Absorbens erstreckt. Die Absorption kann auf physikalische Lösung oder chemische Reaktion beruhen; im letzteren Fall kann sie von starker Wärmeentwicklung begleitet sein.

2. Meteorologie: die Umwandlung von Strahlungsenergie in Wärme in der Atmosphäre und an der Erd- beziehungsweise Meeresoberfläche.

3. Physik: Schwächung der Intensität einer Strahlung beim Durchgang durch Materie infolge Energieabgabe an diese (Umwandlung in andere Energieformen, zum Beispiel Wärmeenergie, oder Übertragung auf Elektronen, zum Beispiel Anregung oder Herausschlagen, unter anderem Prozesse). Die Intensität wird auch geschwächt durch Streuung. Im Allgemeinen nimmt die einfallende Intensität /0 nach Durchlaufen der Schichtdicke d auf / = /0 exp (-ad) ab. Der Absorptionskoeffizient a setzt sich additiv aus dem eigentlich Absorptionskoeffizienten und dem durch Streuung bedingten Anteil zusammen. Er ist stark abhängig von der Art der Strahlung (Schall, elektromagnetischer Strahlung, Teilchen) und eventuell von ihrer Wellenlänge X. Sprunghafte Änderungen des Absorptionskoeffizienten im Bild der Kurve, die a in Abhängigkeit von X darstellt, heißen Absorptionskanten. Als Absorptionsvermögen (Absorptionsgrad) bezeichnet man das Verhältnis aus absorbierter und einfallender Intensität.

Absorptionsgrad, spektraler: charakteristische Größe a(X, T) eines Stoffes; das Verhältnis aus dem von einem Körper absorbierten und dem auf den Körper auftreffenden Strahlungsfluss der Wellenlänge X bei der Temperatur T siehe auch Strahlungsgesetze, Strahlung.

Absorptionshaare: Anhangsgebilde der Epidermis zur Aufnahme von Wasser und gelösten Stoffen zum Beispiel auf der Blattoberfläche von Ananasgewächsen; auch Wurzelhaare.

Abspannen: Sichern hoher Maste, Krane, Gerüste, Blechschornsteine unter anderem durch Stahlseile gegen Verschieben, Knicken und Umstürzen.

Absperren: Bekleben einer Holzfläche senkrecht zur Faserrichtung mit Furnier bei rechtwinkliger Anordnung der Faserrichtung der Flächen; Schwinden und Quellen in Plattenebene werden vermindert (gesperrt).

Absperrorgan: Vorrichtung in Leitungen oder an Behältern, die Strömung des Mediums (Flüssigkeit, Gas, Dickstoff) zu regulieren; Betätigung erfolgt von Hand, elektrisch, hydraulisch beziehungsweise pneumatisch. Absperrorgan sind Ventile, Schieber, Hähne, Klappen.

ABS-Polymere: aus Acrylnitril, Butadien und Styrol durch Misch-, zum Teil auch Pfropfpolymerisation hergestellte Thermoplaste. Gegenüber Polystyrol werden wesentlich verbesserte mechanische Eigenschaften, wie höhere Kerbschlag- und Schlagzähigkeit, Härte und Biegefestigkeit, erreicht ABS-Polymere sind besonders geeignet für großflächige Formteile, wie Gehäuse, Kühlschrankeinsätze, Boote, Radkappen und ähnliches. Durch Galvanisieren können Metallschichten fest verankert werden.

Abspülung: die Abschwemmung von feinem Lockermaterial an Hängen durch abfließendes Niederschlags- und Schmelzwasser. Die Intensität der Abspülung ist stark wechselnd und wird außer von der Menge des abfließenden Wassers wesentlich von der Hangneigung, der Hangform und -länge, der Bodenart und der Art der Vegetationsdecke beeinflusst. Infolge der lückenhaften bis teilweise fehlenden Vegetationsdecke ist die Abspülung besonders in den semiariden und subpolaren Gebieten der Erde sehr beachtlich.

Abstammung: Bestimmung der Vorfahren eines Tieres mittels Ahnentafeln, aber auch Ergründung der Entwicklung von Linien, Rassen und Arten vom Haustier bis zu den Wildformen.

Abstammungslehre, Deszendenzlehre: Wissenschaft. Theorie, die nachweist, dass die etwa 2 Millionen Arten von Lebewesen das Ergebnis der Phylogenese sind; siehe auch Darwinismus.

Abstand, Distanz (lateinisch), Entfernung: für 2 Punkte P, Q die Länge der Strecke PQ der Abstand eines Punktes P von einer Geraden g beziehungsweise Ebene E ist der Abstand von P und dem Fußpunkt des Lotes von P auf g beziehungsweise E.

Abstechen: Trennen rotationssymmetrische Teile, meist nach ihrer Bearbeitung (letzte Arbeitsstufe), vom stangenformigen Rohmaterial mit einem radial bewegten Drehmeißel geringer Breite (Abstechmeißel) auf Drehmaschinen oder -automaten. Absteckung: Übertragung eines Entwurfes (zum Beispiel für ein Gebäude oder eine Straße) in die Örtlichkeit als Bauanleitung.

Abstich: Ablassen geschmolzener Stoffe, zum Beispiel flüssiger Metalle und Schlacken, aus metallurgischen Öfen.

Abstiegsbahn: Teil der Flugbahn eines Raumflugkörpers oder einer Rakete(nstufe), der aus einem Bremsmanöver oder einer aerodynamische Abbremsung resultiert.

Abstillen: Absetzen oder Entwöhnen des Kindes von der Mutterbrust, Übergang von der Brustnahrung (Muttermilch) zur künstlichen Ernährung.

Abstimmanzeige: optische Hilfsmittel zum Abstimmen von Rundfunkempfängern; besteht entweder aus einer speziellen Elektronenstrahlröhre mit Leuchtschirm (Form: magische Auge, magische Fächer, magische Waage, magische Strich) oder einem Indikator.

Abstimmung: 1. Funktechnik: Einstellung der Schwingkreise eines Funkempfängers auf die Frequenz des zu empfangenden Senders.

2. Recht: Feststellung der Meinung von Personengruppen zu einem Gesetzentwurf, Vorschlag, Antrag und so weiter als offene Abstimmung durch Erheben der Hand, Aufstehen, Gruppierung, Zuruf und so weiter beziehungsweise als geheime Abstimmung durch Stimmzettel, farbige Kugeln, Computer und so weiter.

Abstinenzsymptom: krankhafte Erscheinung, die nach plötzlichem Entzug von Psychopharmaka, Schlaf-, Suchtmitteln, Alkohol oder Nikotin unter anderem auftreten kann.

Abstinenz: (lateinisch) Enthaltsamkeit; im engeren Sinne die dauernde Enthaltung von Alkohol und Rauschmitteln beziehungsweise sexueller Aktivität.

Abstinenztheorie: bürgerliche vulgärökonomische Lehre, nach der der kapitalistische Profit angeblich der sogenannt Enthaltsamkeit der Kapitalisten entspringt, das heißt eine Art Vergütung (Entbehrungslohn) dafür ist, dass der Kapitalist sein Kapital nicht sofort konsumtiv verbraucht, sondern für den Produktionsprozess zur Verfügung stellt; ein Versuch, die Aneignung von Profit durch die Kapitalisten und damit die kapitalistische Ausbeutung theoretisch zu rechtfertigen. Typ. Vertreter der Abstinenztheorie war der englischen bürgerlicher Ökonom William Nassau Senior (1790-1864).

Abstocken: Polygraphie Korrigieren eines Farbauszugs mittels Maske; ein Überfluss an Teilfarbe in bestimmten Farbwerten (bezogen auf die Vorlage) wird entfernt, die Dichte des Farbauszugsnegativs an den entsprechend Stellen erhöht. Wird ein Mangel an bestimmten Farbwerten aufgefüllt, die Dichte des Farbauszugnegativs an den entsprechend Stellen verringert, heißt das Aufstocken. Siehe auch Farbauszug, Maskenverfahren.

Rejektion: (lateinisch) Zerstörung verpflanzten Gewebes durch Immunabwehrreaktionen; siehe auch Transplantation.

abstrahieren: (lateinisch) abziehen, von etwas absehen. Geistige Tätigkeit, bei der von bestimmten Eigenschaften und Beziehungen des Erkenntnisobjektes abgesehen wird und andere herausgehoben werden mit dem Ziel, abstrakte Begriffe zu bilden, die sich auf ganze Klassen von Objekten (Gegenstände, Eigenschaften) beziehen. Siehe auch Abstraktion.

abstrakt: (dat., «abgezogen») abgesondert, aus dem Zusammenhang herausgelöst, für sich allein betrachtet; sinnlich nicht wahrnehmbar, unanschaulich, begrifflich, allgemein; lebensfremd.

abstrakte Kunst, absolute Kunst, gegenstandslose Kunst, nonfigurathe Kunst, (irreführend) konkrete Kunst: Richtung der Malerei und Plastik in der spätbürgerlichen Kunst, die auf die Wiedergabe einer gegenstandsbezogenen Realität völlig verzichtet. Sie ist der Versuch, eine Welt reiner Formen aufzubauen, wobei sie jegliche gesellschaftliche Funktion der Kunst negiert. 1910 schuf W. Kandinsky das erste abstrakte Aquarell. Danach verbreitete sich die abstrakte Kunst zuerst in Russland (seit 1913), später in den Niederlanden (Bewegung um P. Mondrian), Deutschland, Frankreich und den USA. Nach 1945 erfuhr sie in den kapitalistischen Staaten einen erneuten Aufschwung, wodurch dort die Entfaltung einer realistischen, sozialkritischen, volksverbundenen Kunst behindert wurde. Stiltendenzen abstrakte Kunst wurden auch von Künstlern sozialistische Länder, zum Teil in Fortführung eigener nationaler Traditionen, aufgenommen.

Abstraktes und Konkretes: gegensätzliche Seiten des Erkenntnisprozesses und seiner Resultate. Ausgangspunkt der Erkenntnis ist das Konkrete in Gestalt sinnlich wahrnehmbarer Objekte. Es wird analysiert, einzelne seiner Eigenschaften und Beziehungen werden in abstrakten Begriffen herausgehoben und fixiert mit dem Ziel, das Wesen zu erfassen. Vom Abstrakten schreitet das Erkennen fort zu einer höheren Form des Konkreten, das die Abstrakta bewahrt, zugleich aber deren Isoliertheit überwindet und das Erkenntnisobjekt als Ganzes in seinen gesetzmäßigen Zusammenhängen und Beziehungen gedanklich reproduziert.

Abstraktion: wesentliche Stufe des Erkenntnisprozesses beim Übergang vom Sinnlichen zum Rationalen und Resultat dieses Prozesses. Der Abstraktionsprozess besteht darin, dass durch analytische Denkakte von bestimmten Merkmalen, Eigenschaften, Beziehungen des betreffenden Objekts abgesehen wird, andere als wesentlich herausgehoben und festgehalten werden. Resultat des mit Verallgemeinerung verbundenen Prozesses sind Begriffe, die das Wesen des Objekts tiefer widerspiegeln als die sinnlich-konkrete Anschauung. Siehe auch Abstraktes und Konkretes.

Abstraktum: (lateinisch) Substantiv, das nur gedanklich zu erfassende Erscheinungen bezeichnet, zum Beispiel Liebe, Tod.

Abstrecken: Umformverfahren zur Verringerung der Wanddicke meist rotationssymmetrischer Hohlkörper aus Blech mittels Abstreckwerkzeugs. Ein Stempel setzt auf den Werkstückboden auf und zieht das Werkstück durch einen Ring, dessen Innendurchmesser kleiner als der Außendurchmesser des Werkstückes ist

Abstreifen: zwangweißes selbsttätiges Entfernen eines Werkstückes oder Abfalls mit speziellen Werkzeugelementen von einem Stempel nach einem Umform- oder Zerteilvorgang, zum Beispiel nach dem Abstrecken, Ausschneiden, Rückwärtsfließpressen, Lochen.

Abstrich: 1. Hüttenwesen: Bezeichnung für die bei der trockenen Raffination des Bleis entstehenden Verbindungen, die sich von der Badoberfläche leicht entfernen («abstreichen») lassen.

2. Medizin: Entnahme von Absonderungen eines krankhaft veränderten oder auch unauffällig erscheinenden Haut- oder Schleimhautbezirkes zur Untersuchung auf Krankheitserreger oder Tumorzellen.

Abszess-Eiterbeule: Eiteransammlung im Gewebe in nicht vorgebildeten Raum; meist durch Bakterien hervorgerufen und Ausdruck einer akuten Entzündung mit Austritt von Leukozyten aus der Blutbahn. Durch Spaltung (Inzision) oder Punktion des Abszess wird dem Eiter eine Abfluss Möglichkeit verschafft. Geschieht das nicht, kann sich die Infektion ausbreiten, und es besteht die Gefahr einer Blutvergiftung.

Abtast Oszilloskop: spezielles Elektronenstrahl-Oszilloskop zur Darstellung sehr schnell veränderliche periodische Spannungen. Mittels Zeitdehnung wird das sehr hochfrequente Eingangssignal in einen niedrigeren Frequenzbereich transformiert und dadurch die schwierige direkte Verstärkung umgangen.

Abtastregelung: automatische Regelung mit periodisch unterbrochenem Signalfluss im Gegensatz zur kontinuierlichen Regelung. Die Abtastregelung ist vor allem im Zusammenhang mit der Prozessrechentechnik von Bedeutung. Siehe auch direkte digitale Regelung.

Abtastsystem: System der Informationsübertragung oder Steuerung, in dem kontinuierliche Signale (zum Beispiel Sprachsignale oder Ausgangsgrößen eines Prozesses) nur zu diskreten Zeitpunkten abgetastet und als diskontinuierliche Signale (Folge von Messwerten) übertragen beziehungsweise verarbeitet werden. Das ist erforderlich bei zeitgestaffelter Übertragung mehrerer Signale über einen Übertragungskanal und bei der Analog-Digital-Wandlung sowie bei diskontinuierlich arbeitenden (Analysen-) Messgeräten.

Abtasttheorem, Kotelnikowsches Theorem, Shannonsches Theorem: ein von W.A Kotelnikov und C. E. Shannon in die Informationstechnik eingeführtes fundamentales Gesetz. Danach kann zum Beispiel ein analoges, kontinuierliche Signal, dessen Frequenzanteile sich bis zu einer höchsten Frequenz / erstrecken, durch eine periodische Folge von impulsförmigen Abtastwerten (Abtastproben) im zeitlichem Abstand g — ersetzt werden, ohne dass ein Informationsverlust eintritt. Das Abtasttheorem stellt die theoretische Grundlage der Informationsgewinnung, -Übertragung, -Speicherung und -Verarbeitung mittels impulsförmiger Abbildsignale in der Nachrichten-, Rechen-, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik dar. Siehe auch Modulation, Multiplextechnik.

Abtausch: Schach das Schlagen einer gegnerischen Figur bei anschließendem Verlust einer eigenen.

Abteilikör: Kräuterlikör nach altem Klosterrezept; insbesondere mit bitteren und aromatischen Drogenauszügen.

Abtei: selbständiges Kloster der Mönchsorden.

Abteilung: 1. Division: Biologie systematische Kategorie des Pflanzen- und Tierreiches, die in einzelne Stämme zerfällt.

2. Forstwirtschaft: Waldeinteilung.

3. Geologie: Teil eines geologischen Systems; umfasst die in einer Epoche gebildeten Schichtenfolgen; zum Beispiel ist der Keuper die obere Abteilung der Trias. Jede Abteilung besteht aus mehreren Stufen; Grenzen der Abteilung werden heute ausschließlich durch Veränderungen von Fauna und beziehungsweise oder Flora charakterisiert. Siehe auch geologische Systeme.

Abteilungsgewerkschaftsleitung, Abkürzung AGL: gewählte Leitung einer Gewerkschaftsorganisation in einer Betriebsabteilung. AGL werden in Großbetrieben mit mehr als 500 Gewerkschaftsmitgliedern gebildet. Sie organisieren die gewerkschaftliche Arbeit im Bereich und sichern die Verwirklichung der Beschlüsse der BGL.

Abteufen, Teufen: Niederbringen, das heißt Anlegen oder Vertiefen eines Schachtes. In standfestem oder wenig wasserführendem Gebirge geschieht dies durch Bohr- und Sprengarbeit sowie durch Verladen des gewonnenen Gutes von Hand beziehungsweise mit Druckluft- oder Seilgreifern in Kübel. In wenig standfestem, stark wasserführendem Gebirge werden Sonderabteufverfahren angewendet. Beim Gefrierverfahren wird in den um den vorgesehenen Schacht angeordneten Bohrlöchern ein Kälteträger in Umlauf gebracht und so ein Gefrierkörper geschaffen, der das Abteufen wie in standfestem Gebirge ermöglicht. Beim Zementier- oder Versteinerungsverfahren wird durch Bohrlöcher Zementmilch oder eine chemische Lösung in das Gebirge gedrückt und dieses verfestigt, so dass es durchteuft werden kann. Sind nur geringe Teufen lockerer, wasserführende Schichten zu durchdringen, um auf festes Gebirge zu kommen, wendet man das Senkschachtverfahren an. Dazu baut man auf einem an seiner Unterseite spitz zulaufenden Stahlring (Senkschuh) einen Senkkörper aus Beton oder Tübbinge auf, der durch seine Masse in das Gebirge einsinkt, wenn dieses innerhalb der Schachtröhre laufend entfernt wird. Im Schachtbohrverfahren wird die Schachtröhre in lockerem oder festem Gestein durch elektrisch angetriebene Drehbohrer verschiedener Durchmesser stufenweise hergestellt.

Abtönpasten: zur Farbänderung (Abtönen) von Anstrichstoffen dienende konzentrierte Pigmentsuspensionen.

Abtragen: Verfahren der Metallbearbeitung aus der Hauptgruppe Trennen, bei dem das Abtrennen von Stoßteilchen auf nichtmechanischen Wege erfolgt. Es umfasst elektrochemisches Abtragen, chemisches Abtragen, thermisches Abtragen und Abtragen durch Kombination mehrerer Wirkungen auf die Metallabtragsrate. Das Abtragen gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil es den Forderungen der Materialökonomie und den Automatisierungsbestrebungen entgegenkommt.

abtragende Frucht: landwirtschaftliche Kulturpflanze, die nach einer mit Stalldung gedüngten Fruchtart angebaut wird und die verbleibende Organ. Masse optimal ausnutzt.

Abtragung, Landabtragung: Abflachung und Erniedrigung der durch die Kräfte der Epirogênese und Orogenese emporgehobenen Krustenteile der Erdoberfläche durch Massenverlagerungen, wirkt auf eine Einebnung der Oberflächenformen hin. Die Abtragung des durch die Verwitterung aufbereiteten Gesteinsmaterials erfolgt durch fließendes Wasser (Erosion 1, Abspülung), Wind (Deflation 1), Meeresbrandung (Abrasion), Gletscher (Exaration) sowie Firn und Schnee (Nivation). Die Intensität ist vor allem vom Klima, vom Gestein, von der Verwitterungsintensität, der Hangneigung und der Boden Bedeckung abhängig.

Abtrainieren: a) Spezialtraining, um die Anpassungen des Hochleistungstrainings zu reduzieren und einem Entlastungssyndrom vorzubeugen;

b) Maßnahmen, um die Körpermaße zu verringern (besonders bei Gewichtsklassensportarten).

Abtrieb: 1. Forstwirtschaft: flächenweises Abholzen eines meist erntereifen Baumbestandes.

2. Technik: a) von einem technischen Mittel (zum Beispiel Motor, Turbine) abgegebene mechanische Energie, die eventuell im Getriebe umgeformt und im Endglied (Abtriebsglied) wirksam wird;

b) Getriebeausgang mit konstanter oder veränderlicher Geschwindigkeit bei entsprechendem Drehmoment.

Abtriebsalter: von den einzelnen Baumarten, dem Standort und dem künftigen Verwendungszweck abhängiges Alter eines Bestandes, bei dem die Hiebsreife erreicht ist und der Abtrieb erfolgt. Es liegt für unsere Wirtschaftsbaumarten im Wesentlichen zwischen 80 und 150 Jahren.

Abu: höchster Berg des Aravalligebirges im Nordwesten Indiens; 1722 m; Granitmassiv; lichter subtropischer Laubwald; buddhistische (jainistische) Wallfahrtsort mit prächtigen Tempelbauten aus weißem Marmor (11. bis 13. Jahrhundert).

Abu-Bakar, eigentlich Abakarov, Ahmed Khan, geboren 12.12.1931, darginisch-dagestanischer sowjetischer Schriftsteller; schildert die Lebensweise seines in den Bergen Dagestans lebenden Volkes in farbigen Erzählungen («Darginische Mädchen», 1958, deutsch; «Das Türkisarmband», 1965, deutsch; «Sonne im Adlernest», 1975, deutsch).

Abu Bakr, um 573—634, Schwiegervater und erster Nachfolger Muhammads als Kalif (632/34); er einigte die Stämme auf der arabischen Halbinsel endgültig und unternahm von Medina aus Kriegszüge nach Palästina und Mesopotamien.

Abulie: (griechisch) Willenlosigkeit; krankhafte Unfähigkeit, Entschlüsse zu fassen und zu handeln, zum Beispiel bei Depression oder als Folgezustand von Enzephalitis und Stirnhirnverletzungen.

Abu Muslim, gestorben 755, persischer Feldherr und Statthalter in Chorassan; bereitete als Führer einer Volksbewegung im Auftrag der Abbasiden den Sturz der Omaijaden vor.

Abundanz, (lateinisch, «Überfluss») Individuendichte, Bevölkerungsdichte, Populationsdichte: Anzahl von Individuen einer Art für eine Flächen- oder Raumeinheit, zum Beispiel findet man 8 Puppen des Kiefernspanners auf je 1 m2 Bodenfläche (absolute Individuen Abundanz). Siehe auch Dominanz.

Abu Nuwas, um 757/58-um 815, arabischer Dichter persischer Herkunft; von seiner am Hof des Kalifen Harun ar-Raschid in Bagdad entstandenen erotisch-hedonistischen Poesie erreichten die in brillantem Stil geschriebenen Weinlieder bleibenden literarischen Ruhm.

ab urbe condita, (lateinisch, «seit Gründung der Stadt (Rom)») Abkürzung a. u. c.: Beginn der altrömischen Zeitrechnung, die mit dem legendären Gründungsjahr Roms (nach Varro 753 vor Christus) einsetzte.

Abu Simbel: Felsmassiv im ägyptischen Nubien (heute im Nasser-Stausee) mit 2 Felsentempeln aus der Zeit Ramses’ II. (mit Kolossalfiguren); beide Tempel wurden 1963/68 mit Hilfe der UNESCO abgebaut und auf einen etwa 60 m höheren flutsicheren Platz verlegt.

Abusus: (lateinisch) Missbrauch; medizinisch nicht indizierter Gebrauch von Arzneimitteln, Alkohol oder Nikotin, der zu gesundheitlichen Schäden führen kann.

Abu Tammam, 804 (oder 806)-845 (oder 846), arabischer Dichter; am bekanntesten wurde sein Diwan «al-Hamasa» (dt. von F. Rückert, 1846), eine Sammlung von Heldengesängen, die ihn als Kenner der vor- und frühislamischen arabischen Poesie ausweist.

Abwärme, Abhitze: bei Wärmeprozessen der chemischen, keramischen sowie metallurgischen Industrie, bei Wärmekraftmaschinen, in Abgasen (Abgasverwertung), Abdämpfen und Kühlwasser abgehende Restwärme, die für verschiedene technische Zwecke ausgenutzt werden kann (Abwärmeverwertung).

Abwasser: durch häusliche, gewerbliche oder industrielle Nutzung nachteilig durch Fremdstoffe verändertes Wasser und abfließendes Niederschlagswasser. Man unterscheidet Schmutz-, Regen-, Mischwasser, nach der Herkunft auch häusliches Abwasser, gewerbliches Abwasser, kommunales Abwasser, industrielles Abwasser, Abwasser aus der industrialisierten Landwirtschaft unter anderem Vorwiegend anorganisch verunreinigtes Abwasser fällt zum Beispiel in der Kaliindustrie, beim Erzbergbau, in Beizereien, galvanotechnischen Betrieben, bei der Produktion von Mineraldünger und in der chemischen Industrie an. Vorwiegend organisch verunreinigtes Abwasser entsteht unter anderem bei der Herstellung von Zellstoff, Papier, Textilien, in der Nahrungs- und Genussmittel Industrie sowie in der industriemäßigen Tierproduktion. Der Verschmutzungsgrad eines Abwassers wird durch physikalische, chemische oder biologische Abwasseranalysen bestimmt. Der Gewässerschutz schließt das unmittelbare Einleiten von Abwasser in die Gewässer aus.

Abwasserbehandlungsanlage: der Reinigung von Abwässern dienende technische Einrichtung. Zum Zurückhalten der groben und absetzbaren Inhaltsstoffe dienen mechanische Abwasserbehandlungsanlage, die aus Rechenanlage, Rechengutzerkleinerer, Sandfang, Venturikanal, Absetzbecken und Schlammbehandlungsanlage bestehen. Biologische Abwasserbehandlungsanlage bestehen (nach vorgeschalteter mechanischer Abwasserbehandlungsanlage) aus einer Tropfkörper- oder überwiegend einer Belebungsanlage, in denen Mikroorganismen Inhaltsstoffe des Abwassers mit Hilfe von Sauerstoff umwandeln, abbauen beziehungsweise mineralisieren. Hierzu zählen auch die Kleinbelebungsanlagen mit Schlammstabilisierung, Oxydationsgräben, Kompaktanlagen sowie hochbelastbare Abwasserbehandlungsanlage, die besonders zur Behandlung stark organisch verunreinigter Industrie- und Landwirtschaftsabwässer geeignet sind. Zur Fällung, Flockung, Neutralisierung, Chlorung, Kalkung unter anderem dienen chemische Abwasserbehandlungsanlage. Als natürliche Abwasserbehandlungsanlage gelten Abwasserteiche, Bodenfilter (Abwasserfiltration) und weiträumige Landbewässerung.

Abwasserbiologie: Lehre von den im Abwasser lebenden Organismen und ihren Lebensvorgängen, Teilgebiet der Hydrobiologie; untersucht natürliche Gewässer auf ihren Verunreinigungsgrad (Saprobien) und sucht Möglichkeiten, die stoffwechselphysiologische Leistungen der Organismen zur biologischen Abwasserreinigung zu nutzen.

Abwasserfischteiche: ablassbare Gewässer, die sowohl der Abwasserreinigung als auch der Karpfenhaltung dienen.

Abwasserschlamm: bei der mechanischen beziehungsweise biologische Abwasserbehandlung anfallender beziehungsweise entstehender Schlamm; wird in der Regel in geschlossenen Behältern ausgefault, abschließend getrocknet und als Dünger verwertet.

Abwehr: Landwirtschaft durch die Kulturpflanze selbst bewirkte Verhinderung ihres Befalls durch Schaderreger.

Abwehrreaktion: Physiologie gezielte Maßnahme, die ein Parasit im Wirt provoziert. Sie beruht vorwiegend auf Stoffwechseländerungen, die den Parasiten schwächen oder abtöten und seine Stoffwechselprodukte unschädlich machen.

Abwertung, Devalvation: (französisch) Herabsetzung des offiziellen Wertverhältnisses einer Währungseinheit zum Gold (Goldparität); typische Erscheinung in der allgemeinen Krise des Kapitalismus, die vor allem durch die Inflation und den mit den Widersprüchen im internationalen Handel und Kapitalverkehr verbundenen Zahlungsbilanzdefiziten hervorgerufen wird. Die Methode der Abwertung wird auch gezielt zur Exporterlösverbesserung (sogenannt Valutadumping) im Zusammenhang mit der staatsmonopolistischen Außenhandelsregulierung und Zahlungsbilanzpolitik genutzt.

abwickelbare Fläche: Fläche, die sich ohne Verzerrung und nur durch Verbiegung in eine Ebene hineinlegen lässt, zum Beispiel eine Zylinder- oder eine Kegelfläche. Das Bild heißt Abwicklung.

Abwicklung: 1. Geometrie: abwickelbare Fläche. 2. Recht Regelung noch bestehender Forderungen und Verbindlichkeiten bei Beendigung der Tätigkeit von sozialistischen Betrieben und sonstigen Wirtschaftseinrichtungen, die ohne Rechtsnachfolge erfolgt. Die Abwicklung führt «in Abwicklungsbevollmächtigter durch, den das übergeordnete Organ des Betriebes und so weiter einsetzt. Im bürgerlichen Recht wird die Auflösung von kapitalistischen Gesellschaften und so weiter als Liquidation bezeichnet.

Abydos: 1. Abydos, altägyptischer Abodu: ägyptische Stadt, nordwestlich von Theben; war das Regierungszentrum der 1. und 2. Dynastie (3000 bis 2778 vor Christus) sowie Kultort des Osiris; erhalten sind Ruinen, besonders aus der Zeit Sethos I. (1300/1291 vor Christus) und Ramses’ H. (1290/1224 vor Christus).

2. um 700 vor Christus von Milet aus gegründet griechische Stadt am asiatischen Ufer des Hellespont. Bei Abydos überschritten 480 vor Christus die Perser unter Xerxes, 334 vor Christus die Truppen Alexanders des Großen und 1353 die Türken die Meerenge.

abzählbare Menge: Menge, die der Menge der natürlichen Zahlen gleichmächtig ist, das heißt, deren Elemente mit Hilfe der natürlichen Zahlen durchnummeriert werden können; zum Beispiel die Mengen der Primzahlen, der ganzen Zahlen, der rationalen Zahlen.

Abzeichen: 1. Heraldik: Merkmal, Unterscheidungszeichen, Kennzeichen, das die Zugehörigkeit des Trägers zu einer Gemeinschaft zeigt. Als politisches Abzeichen dienten in der Antike unter anderem Form und Farbe der Kleidung. So entwickelte sich zum Beispiel aus Hutschleifen die Kokarde. Heute tragen Angehörige von Parteien und Organisationen politisches Abzeichen als Anstecknadeln. Militär. Abzeichen dienen der Unterscheidung von Dienstgrad, Waffengattung und Spezialausbildung.

2. Tierzucht: meist weißer (nicht pigmentierter) Fleck an Körperteilen von Haustieren, besonders bei Pferden; nach Lage, Form und Ausdehnung am Kopf zum Beispiel als Flocke, Blume, Stern, Blesse oder Laterne, an den Beinen als gekrönt, gefesselt oder gestiefelt bezeichnet.

Abziehbild: spiegelbildlich auf ein mit leicht wasserlösliche Klebstoffschicht versehenes Papier gedrucktes Bild, das nach Anfeuchten mit der Bildseite auf das zu bebildernde Material auf gequetscht und durch Abziehen des Trägerpapiers übertragen wird.

Abziehen: 1. Holztechnik: Glätten der Holzfläche durch hobelartigen Vorgang mittels Ziehklinge.

2. Kinotechnik: Filmschnitt.

Abzieher, Abduktoren (lateinisch; Sing. Abduktor): Muskeln zum Wegführen der Gliedmaßen vom Körper oder zum Spreizen der Finger und Zehen; Gegenbewegung erfolgt durch Anzieher.

Abziehlack: von glattem Untergrund folienartig abziehbarer Lack zum vorübergehenden Korrosionsschutz.

Abzug:

1. Abzug, Korrekturabzug: Polygraphie - ein von einer Druckform für Korrekturzwecke hergestellter Abdruck.

2. Schießsport: Einrichtung an Handfeuerwaffen, deren Betätigung («Drücken») den Schuss auslöst. Unterschieden werden Abzug mit beziehungsweise ohne Druckpunkt sowie Abzug mit Stecher.

3. Textiltechnik: Gesamtheit voller Spulen einer Spinnereimaschine nach Abschluss eines Arbeitsganges.

Abzweigdose: nur mit Werkzeug (zum Beispiel Schraubendreher) zu öffnende runde, viereckige oder u-förmige Dose aus Isolierstoff mit verdeckten Schraubklemmen zum Verbinden elektrischer Leitungen; wird bei zahlreichen Klemmstellen und höheren Strömen als Abzweigkasten bezeichnet.

Académie française: (französisch) 1635 von Richelieu gegründet staatliche Institution zur Pflege der französischen Sprache; seit 1795 Teil des Institut de France. Die Académie française zählt 40 auf Lebenszeit gewählte Mitglieder und vertritt eine konservative Kulturpolitik.

Académie Goncourt: auf Grund des Testaments von E. de Goncourt 1896 gegründet und 1902 offiziell konstituierte Körperschaft, der 10 Schriftsteller angehören. Der von ihnen seit 1903 jährlich vergebene Prix Goncourt gilt als bedeutendster Literaturpreis Frankreichs.

Acajutla: Stadt in El Salvador, am Stillen Ozean; 5000 Einwohner; Industriestandort mit Erdölraffinerie, Zement-, chemische und Metallindustrie; Verkehrsknoten mit zweitwichtigstem Hafen des Landes; Seebad.

a cappella: (italienisch) in mehrstimmiger Gesangs Besetzung ohne Instrumentalbegleitung.

Acapulco: Stadt im Süden Mexikos, am Stillen Ozean; 460000 Einwohner; bedeutendes Seebad mit regem Fremdenverkehr; Seehafen, Yachthafen für Sportfischerei, internationaler Flughafen; Austernfischerei.

Accra: Hauptstadt und wichtigster Industriestandort von Ghana, am Golf von Guinea; mit Vororten 900000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Leicht-, Metallindustrie; Kunsthandwerk; Handelszentrum (internationale Messe); Verkehrsknoten, in Kotoka bei Accra internationaler Flughafen; Akademie der Wissenschaften, Universität (in Achimota bei Accra), Nationalbibliothek, -museum.

Acevedo, Isidoro, 2.1. 1867-9.11. 1952, spanischer Schriftsteller, einer der Begründer der KP Spaniens, Teilnehmer am Spanischen Freiheitskampf. Sein dokumentarischer Bergarbeiterroman «Die Maulwürfe» (1930) ist der erste revolutionäre Roman über Leben und Kampf der spanischen Arbeiterklasse.

Achäer, Achmer: griechischer Stamm, der seit etwa 1900 vor Christus große Teile Griechenlands von Norden her besiedelte; von Doriern im 12. Jahrhundert vor Christus unterworfen.

Achaia: Landschaft im Süden Griechenlands, im Nordwesten des Peloponnes; als Distrikt 3209 km2, 240000 Einwohner, 75 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Patrai; im Innern Gebirge mit dem 2224 m hohen Erymanthos, Wald oder Weideflächen (Schafe, Ziegen); im Küstentiefland Anbau von Wein und Zitrusfrüchten. Nach der dorischen Wanderung Hauptsiedlungsgebiet der Achäer. Die hier gelegenen Poleis gründeten Ende des 8. Jahrhundert vor Christus eine Reihe von Kolonien in Süditalien. Seit 146 vor Christus war Abwicklung die Bezeichnung der Römer für ganz Griechenland.

Achäischer Bund: von 4 Städten Achaias 280 vor Christus gegründet Bund, dem sich später weitere Poleis anschlossen. Der Achäischer Bund verfügte über gemeinsame politische Organe (Bundesversammlung und -rat) und ein gemeinsames Bürgerrecht. Die Leitung des Bundes lag in den Händen von gewählten Strategen, alle Mitglieder waren gleichberechtigt. 222 vor Christus besiegten bei Sellasia der Achäischer Bund und das mit ihm verbündete Makedonien Sparta. Rom unterwarf 146 v. Chr. den Achäischer Bund und löste ihn auf.

Achalasie, Kardiospasmus (lateinisch griechisch): Muskelkrampf im Bereich des Mageneingangs (Übergang von der Speiseröhre zum Magen) mit Rückstau der Nahrung. Medikamentöse oder Dehnungsbehandlung, eventuell operative Maßnahmen sind erforderlich.

Achämeniden: (nach dem Stammvater Achaimedes) erste persische Dynastie (um 700/330 vor Christus); seit 559 vor Christus (Kyros H.) entstammten ihr die Könige des persischen Weltreiches. Bedeutende Achämeniden waren Dareios I. (521/485), Xerxes I. (485/465) und Artaxerxes III. (358/338). Mit der Tötung Dareios Kodomannos im Juli 330 vor Christus durch den baktrischen Satrapen Bessos erlosch die Dynastie.

Achäne: (griechisch) trockene, einsamige Schließfrucht der Korbblütler, bei der Fruchtwand und Samenschale verwachsen sind; aus unterständigem Fruchtknoten entstanden.

Achebe, Chinua, geboren 15.11. 1930, nigerianischer Romancier, veranschaulicht unter anderem in «Der Pfeil Gottes» (1964, deutsch), «Ein Mann des Volkes» (1966) und «Okonkwo oder das Alte stürzt» (1958, deutsch) gesellschaftliche Veränderungen seines Landes in Auseinandersetzung mit Tradition, Kolonialismus und Kapitalismus.

Acheloos, (nach dem gleichnamigen Flussgott) Aspropotamos (griechisch, «weißer Fluss»): Fluss in Griechenland; 220 km; entspringt im Pindos, durchfließt die Agrinionsenke, mündet mit Delta in den Golf von Patrai; nördlich von Agrinion Stausee; Kraftwerke.

Achenbach, Andreas, 29.9. 1815-1.4. 1910, Landschaftsmaler, beeinflusste mit seiner Kunst (besonders Motive von Rhein, Nordsee und Norwegen) die Herausbildung einer realistischen Richtung der Düsseldorfer Schule; schuf als Teilnehmer der Revolution von 1848/49 auch politische Karikaturen.

Achensee: See in Tirol (Österreich), nordöstlich von Innsbruck; 929 m über dem Meeresspiegel, 7 km2, 9 km lang, bis 134 m tief; aufgestaut (Kraftwerk), mit künstlichen Abfluss zum Inntal.

Acheron: in der griechischen Sage Fluss der Unterwelt, den die Toten im Nachen des Fährmanns Charon überqueren mussten, um in das Totenreich zu gelangen.

Acheson, Dean, 11.4.1893-12.10.1971, US-amerikanischer Politiker, einer der Hauptvertreter der «Politik der Stärke» des US-Imperialismus gegen das sozialistischen Weltsystem. Als Außenminister 1949/53 Befürworter der Atomdiplomatie.

Abbevillien, benannt nach Saint-Acheul bei Amiens (Frankreich). Das Abbevillien war verbreitet vom Kaukasus bis nach Spanien, in Nordafrika und Vorderasien.

Achilles, griechisch Achilleus, Held der griechischen Sage, Sohn des Peleus (daher Pelide genannt) und der Nereide Thetis, der tapferste Grieche im Kampf um Troja. Seine Mutter machte ihn bis auf die Ferse unverwundbar (daher Achillesferse-, empfindliche Stelle, wunder Punkt). Von Agamemnon seiner Lieblingssklavin Briseis beraubt, zog sich Achilles voll Zorn vom Kampf tun Troja zurück; griff aber wieder ein, um den Tod seines Freunds Patroklos zu rächen und fiel, nachdem ihn Paris mit einem Pfeil an der Ferse verwundet hatte. Der Zorn des Achilles ist das Leitmotiv der Ilias.

Achillessehne: (nach Achill) starke Sehne, mit der die Wadenmuskeln am hinteren Teil des Fersenbeines ansetzen.

Achmadulina, Bella (eigentlich Isabella Achatowna), geboren 10.4.1937, russisch-sowjetische Lyrikerin; ihre Gedichte (Sammelbände «Die Saite», 1962; «Musikstunden», 1969, deutsch) zeichnen sich durch eine scharfe Beobachtungsgabe aus; übersetzte georgische Lyrik ins Russische.

Achmatowa, Anna, eigentlich Anna Andrejewna Gorenko, 23.6.1889-5.3.1966, russisch-sowjetische Lyrikerin; war in ihrem Frühschaffen dem Akmeismus (einer Gegenströmung des Symbolismus) verbunden, schuf an der russischen Klassik geschulte Gedichte (dt. Auswahl «Ein niedagewesener Herbst», 1967) und Poeme («Poem ohne Held», 1940/62, deutsch), Nachdichtungen, Puschkin-Studien und Erinnerungen (A Modigliani, Achmatowa Block).

Achoije: mangelhafte Bildung oder Absonderung von Galle, Unterbrechung des Galleflusses; bei Leber- und Gallenwegerkrankungen.

Achromat: optisches System, bei dem der zur chromatischen Aberration gehörende Farblängsfehler für 2 Farben sowie der Öffnungsfehler und die Koma korrigiert sind. Achromate werden vor allem als Fernrohr- und Mikroobjektive sowie als Geräteoptiken eingesetzt.

Achse: 1. Geometrie: ausgezeichnete Gerade; die Drehachse zum Beispiel bleibt bei einer Drehung des Raumes punktweise fest, ebenso eine Spiegelungsachse bei Spiegelung an dieser. Siehe auch Ellipse, Hyperbel, Koordinatensystem, Symmetrie.

2. Achse, kristallographische Achse: Kristallographie in einem Kristall durch Ecken, Kanten- oder Flächenmitten verlaufende Geraden, die das kristallographische Achsenkreuz oder Achsensystem bilden. Hat eine Achse eine bevorzugte Richtung im Kristall, um deren Drehung bei entsprechendem Drehwinkel mit der Ausgangsstellung Deckung erzielt wird, nennt man sie Dreh-, Symmetrie-, Deckbewegungsachse oder Gyre. Bei der Inversionsdrehachse oder Gyroide sind Drehung und Inversion gekoppelt.

3. Technik: Vorrichtung zum Aufhängen oder Tragen pendelnder oder umlaufender Körper (Rad, Rolle); überträgt zum Beispiel von Rädern radial oder axial wirkende Belastungskräfte auf die Lager. Im Kfz Bau unterscheidet man Starrachse (Vorderachse bei LKW und KOM, Hinterachse bei PKW) und Pendelachse (fälschlich auch Schwingachse genannt) in verschiedenen Ausführungen. Die Vorderachse moderner PKW wird ausschließlich als Einzelradaufhängung gebaut; die Einzelräder werden von Achsschenkeln getragen. Achse Berlin-Rom: 1936 geschlossenes politisches und militärisches Bündnis zwischen den faschistischen Staaten Deutschland und Italien zur Erlangung der Vorherrschaft in Europa; 1943 durch die Kapitulation Italiens zusammengebrochen.

Achsel, (zu «Achse»), Axilla (lateinisch): die Gegend der Schulter, anatomisch gebräuchlich Achselgrube (an der Körperoberfläche sichtbare Einsenkung zwischen Oberarm und seitlicher Brustwand) und Achselhöhle (in der Tiefe zwischen Schulterblatt, Oberarmknochen und Brustkorb liegender Spaltraum).

Achselknospen: Knospenanlagen von Seitensprossen in der Achsel eines Blattes. Bei Decksamern trägt in der Regel jedes Laubblatt eine Achselknospe, die aber nicht immer auszutreiben braucht.

Achsenkreuz, Achsensystem: Kristallographie Koordinatensystem mit 3 oder 4 Achsen, die sich unter bestimmten, von der Kristallsymmetrie abhängigen Winkeln schneiden.

Achskilometer: Maß für die Betriebsarbeit von Eisenbahn und Kraftverkehr (Produkt aus Zahl der beförderten Fahrzeugachsen und der zurückgelegten Strecke), bezogen auf eine Zeiteinheit (zum Beispiel 1 Jahr) ergibt sich die Betriebsleistung.

Achskraft, Achslast: auf die Achse eines Fahrzeuges wirkende statische Kraft. Sie setzt sich zusammen aus Eigenmasse des Fahrzeuges sowie Masse der Ladung, dividiert durch die Achs zahl. Die Rad kraft beziehungsweise -last ist die halbe Achskraft.

Achslager: Teil zur Übertragung der Achskraft auf den Achsschenkel, als Gleit- oder Wälzlager ausgeführt.

Achsmaß: Bezeichnung für den Achsabstand von Bauteilen, zum Beispiel Bindern, Balken, Stützen und von Wandöffnungen, zum Beispiel Türen, Fenstern.

Achsstand, Radstand: Abstand der Achsen bei Schienenfahrzeugen. Bei normalspurigen Eisenbahnfahrzeugen ohne Drehgestelle muss der feste Achsstand mindestens 2 500 mm betragen, bei Wagendrehgestellen darf er nicht größer als 4500 mm sein.

Ächtung: Acht:(«Verfolgung») im Mittelalter Strafmaßnahme gegen Aufständische und bei schweren Verbrechen. Beschuldigte, die mit der Ächtung belegt wurden, waren vogelfrei.

Achtanow, Tachawi, geboren 25.10.1923, kasachisch-sowjetischer Schriftsteller; wurde vor allem durch den Roman «Beichte der Steppe» (1963, deutsch) bekannt, der vom schweren Los eines kasachischen Hirten erzählt; verfasste außer weiteren Romanen Schauspiele und literaturkritische Arbeiten.

Achte Marscharmee: Teil der chinesischen Roten Armee; wurde 1937 im Rahmen der antijapanischen Einheitsfront der nationalrevolutionären Armee angegliedert; stand unter dem Oberbefehl von Zhu De, bildete den Kern der späteren Volksbefreiungsarmee.

Achtfüßer, Octopoda, Octobrachia: Ordnung der Kopffüßer mit 8 Kopfarmen um die Mundöffnung, die durch Häute verbunden sind, und einem meist sackförmigen Körper. Es gibt etwa 200 Arten zwischen 1 cm und 6 m Länge (mit Armen). Achtfüßer sind vorwiegend Bodenbewohner in flacheren Meeresteilen.

Achundow, Mirza Fath Ali, 12.7.1812-10.3.1878, aserbaidschanischer Schriftsteller und Dramatiker, Begründer der neuen, realistischen aserbaidschanischen Literatur, materialistischer Denker, Aufklärer, bekämpfte in seinen sozialkritischen Komödien und Erzählungen orientalischer Rückständigkeit, Unfreiheit und Despotismus.

Acidum: lateinischer Name für «Säure», hauptsächlich in chemischen und Pharmazeut. Bezeichnungen; Acidum aceticum = Essigsäure, Acidum hydrochloricum = Salzsäure, Acidum nitricum = Salpetersäure, Acidum sulfuricum = Schwefelsäure.

Ackerbau: System von Maßnahmen (Bodenbearbeitung, Fruchtfolgegestaltung unter anderem), das durch zweckmäßige Bodennutzung die ständige Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit und Ertragssteigerung zum Ziel hat. Hohe Qualität des Ackerbau ist in Verbindung mit den Intensivierungsfaktoren Düngung, Melioration und Mechanisierung Grundlage für die maximale Erzeugung pflanzliche Nahrungs- und Futtermittel beziehungsweise Industrierohstoffe.

Acker: alte deutsche Flächeneinheit (Feldmaß) unterschiedlicher Größe zwischen etwa 1900 und 6500 m2.

Ackerbohne, Saubohne, Pferdebohne, Puffbohne, Vicia faba: weißblühende Wickenart mit bräunliche Samen. Sie findet vor allem zur Fütterung und Gründüngung Verwendung.

Ackerbürste: bürstenähnliche, mit dünnen federnden Stahlzinken ausgerüstetes Traktor-Anbaugerät zur Saatbettbereitung und Pflanzenpflege.

Ackerdienste: Fron- oder Hofdienste der Bauern im Feudalismus, die für den Grundherrn zu leisten waren; machten unter den Bedingungen der Gutswirtschaft meist den größten Teil der Feudalrente aus.

Ackergauchheil, Anagallis arvensis: einjähriges Primelgewächs mit meist niederliegendem Stengel und roten, seltener blauen, fleisch- oder lilafarbenen Blüten. Ackerunkraut des Flach- und Hügellandes in Halm- und Hackfrüchten.

Ackergesetz, französisch Loi agraire: Bezeichnung für eine Forderung zur Zeit der Französischen Revolution. Die Befürworter des Ackergesetz, Vertreter der äußersten Linken (unter anderem L’Ange, Momoro), verlangten die Aufteilung des Großgrundbesitzes und des in Nationalgüter umgewandelten ehemaligen Kirchenlandes in gleich große Teile zugunsten der Dorfarmut. Ein Gesetz vom 18. 3. 1793 sah für die Propagierung des Ackergesetzes die Todesstrafe vor.

Ackerhahnenfuß, Ranunculus arvensis: gelbblühendes Hahnenfußgewächs mit dreiteiligen Blättern; Unkraut auf lehmigtonigen Äckern.

Ackerhellerkraut, Thlaspi arvense: Kreuzblütler mit kleinen weißen Blüten und charakteristischen heller förmigen (fast kreisrunden) Früchten; häufiges Unkraut lehmiger Äcker und entsprechend Ruderalstandorte.

Ackerhundskamille, Anthemis arvensis: Korbblütler mit weißen Zungen- und gelben Röhrenblüten sowie doppelt gefiederten Blättern; Korbboden im Gegensatz zur Echten Kamille markig. Unkraut sandiger und lehmiger Äcker beziehungsweise entsprechend Ruderalstandorte.

Ackerkohl, Conringia orientalis: Kreuzblütler mit weißen Blüten und kahlen, bereiften Blättern; Unkraut lehmig-toniger, extensiv genutzter Kalkäcker.

Ackerkratzdistel, Ackerdistel, Cirsium arvense: bis 1,20 m hoher, ausdauernder Korbblütler mit violett-rosa Röhrenblüten und kraus gelappten, dornig gezähnten Blättern; als Ackerunkraut auf allen Standorten in Halm- und Hackfrüchten verbreitet; Vermehrung ungeschlechtlich durch Wurzelausläufer und geschlechtlich durch Früchte (Achänen).

Ackerkrume, Mutterboden, Ap-Horizont: durch langjährige Bearbeitung und Düngung homogenisierte, mit Humus angereicherte oberster Teile des Bodens; vom Unterboden meist durch seine dunklere Farbe unterschieden.

Ackermann aus Böhmen: erste bedeutende Prosadichtung in deutscher Sprache; verfasst 1400/01 von Johann(es) von Saaz (um 1350-1414 oder 1415); Streitgespräch zwischen einem verwitweten Ackermann und dem Tod über den Sinn des menschlichen Lebens; Vorläufer der späteren deutschen humanistischen Literatur.

Ackernahrung: Größe einer Bauernwirtschaft, die einer Familie die volle Existenz (ohne Zwang zu einem Nebenerwerb) sichert; historischer Begriff, der mit den Stein-Hardenbergschen Reformen (1816) aufkam.

Ackerröte, Sherardia arvensis: Rötegewächs (Rubiaceae) mit kleinen trichterförmigen, lila-roten Blüten und quirlig stehenden Blättern; Unkraut lehmig-toniger Kalkäcker.

Ackerschleppe, Ackerschleife, Ackerschlichte: Gerät zum Einebnen der Furchenkämme des gepflügten Ackers, das aus starr verbundenen oder lose verketteten Balken, Stahlreifen oder -schienen besteht.

Ackerschnecken: zu den Egelschnecken gehörende 5 bis 6 cm lange Nacktschnecken der Gattung Deroceras, die durch Pflanzenfraß Schäden in Gärten und Treibhäusern anrichten.

Ackersenf, Sinapis arvensis: Kreuzblütler mit gelben Blüten und ungleich grob gezähnten, leierförmig gelappten Blättern; Früchte (Schoten) bis 4 cm lang; häufiges Unkraut basischer, nährstoffreicher Äcker und entsprechend Ruderalstandorte. Siehe auch Ackerunkräuter.

Acker Sinau, Aphanes arvensis: unscheinbares, etwa 10 cm hohes Rosengewächs mit kleinen gelbliche Blüten und 3- bis 5 spaltigen Blättern; Unkraut auf sandig-lehmigen Äckern.

Ackerspark, Spergula arvensis: weißblühendes Nelkengewächs mit lineal-pfriemlichen Blättern, die in Scheinquirlen stehen; Unkraut sandiger Äcker und entsprechend Ruderalstandorte.

Ackersteinsame, Lithospermum arvense: Borretschgewächs mit kleinen zumeist weißen Blüten, braunen runzeligen Teilfrüchten und weißen harten Samen, die an Steine erinnern; Blätter rau behaart; Unkraut lehmig-toniger Äcker.

Ackerunkräuter: in Kulturpflanzenbeständen vorkommende Wildpflanzen, die bei stärkerem Auftreten als Konkurrenten der Kulturpflanzen zu betrachten sind und deshalb mechanisch (Egge unter anderem) oder chemisch (Herbizide) bekämpft werden. Viele Ackerunkräuter sind standortspezifisch; auf dem Acker vorkommende Wildgräser werden als Ungräser bezeichnet.

Ackerwinde, Convolvulus arvensis: ausdauerndes Windengewächs mit weiß bis rosa gefärbten, trichterförmigen Blüten und pfeilförmigen Blättern; Vermehrung durch unterirdische Ausläufer und Samen; häufiges Unkraut auf nährstoffreicheren Äckern, in Gärten und auf entsprechend Ruderalstandorten.

Acker Ziest, Stachys arvensis: Lippenblütler mit blassrosafarbenen Blüten und herzeiförmigen, stumpf gekerbten Blättern; Unkraut lehmiger Äcker und Gärten.

Aconcagua: höchster Berg Amerikas, in den argentinischen Kordilleren, nahe der Grenze zu Chile; 6959 m; auf mesozoischem Sockel aufsitzendes Massiv aus Andesiten und Tuffen; 5 Hanggletscher; Schneegrenze im Norden bei 6000 m, im Süden bei 4600 m.

Acre: Bundesstaat im Westen Brasiliens, an der Grenze zu Peru und Bolivien; 152589 km2, 303000 Einwohner; 2 Einwohner/km2; Hauptstadt Rio Branco. Tropisches Urwaldgebiet im Südwesten des Amazonasbeckens; Gewinnung von Kautschuk, Paranüssen, Pflanzenfasern (Sisal, Jute), tropischen Hölzern; zum Teil beginnende landwirtschaftliche Erschließung durch Anbau von Zuckerrohr, Tomaten und Reis.

Action Française: (französisch) Chauvinist Organisation französische Royalisten, benannt nach der 1898 gegründet Zeitschrift, die 1908/44 als Tageszeitung erschien. Sie vertrat bis zur Errichtung des Vichy-Regimes die Forderung nach Wiedereinführung der Monarchie. 1936 von der Volksfrontregierung verboten, unterstützten Teile ihrer Anhänger die Zusammenarbeit mit den faschistischen deutschen Okkupanten (1940/45).

Action Group: 1951 in Nigeria von Obafemi Awolowo gegründet Partei; entstand in der damaligen nigerianischen Westregion; strebte als Interessenvertreterin wohlhabender sozialer Gruppen aus traditioneller Aristokratie und Bourgeoisie die Unabhängigkeit Nigerias an; 1960/62 politideologische Neuorientierung, Ausscheiden kompradorische Elemente; bildete 1964 zusammen mit anderen Parteien das Große Bündnis des Geeinten Fortschritts; nach Militärputsch 1966 verboten.

Action print: indirektes Tiefdruckverfahren; die Druckfarbe wird vom Druckform Zylinder über einen Gummizylinder auf den Bedruckstoff übertragen.

Action simultanée, Tempo comune (italienisch): Fechten Doppeltreffer bei Florett und Säbel, bei dem beide Fechter entsprechend den Konventionen Recht oder Unrecht haben. Die Treffer werden annulliert.

Actors Studio: Institut für Schauspieler. Aus- und Weiterbildung in New York, 1947 von ehemaligen Mitgliedern des Group Theatre (L. Strasberg unter anderem) gegründet. Ausgehend von K. S. Stanislawski, entwickelte das Actors Studio eine Methode Schauspieler. Handelns, die in ihrer einseitigen Betonung des Psychologischen umstritten ist.

Adalbert von Magdeburg, gestorben 20.6.981, erster Erzbischof von Magdeburg (seit 968), Geschichtsschreiber. Die von Adalbert verfasste Fortsetzung der Chronik des Regino von Prüm (Continuatio Reginonis) ist eine der bedeutendsten erzählenden Geschichtsquellen des 10. Jahrhundert.

Adam: 1. Adolphe Adam, 24.7.1803-3.5.1856, französischer Komponist; Meister der Opéra comique; besonders erfolgreich «Der Postillon von Lonjumeau» (1836) und «Wenn ich König wär» (1852); Ballett «Giselle» (1841).

2. Theo Adam, geboren 1.8.1926, Sänger (Bassbariton); war Mitglied des Dresdner Kreuzchores, studierte und debütierte (1949) in Dresden; seit 1953 Mitglied der Berliner Staatsoper (Kammersänger). Adam ist seit den 50er Jahren ständiger Gast in vielen internationalen Musikzentren und wird als Opern-, Lied- und Oratoriensänger geschätzt; wirkt auch als Regisseur.

Adamantinom: (griechisch) epitheliale Geschwulst im Kieferknochen, von spezifische Geweben der Zahn Anlage ausgehend mit infiltrierendem, zum Wiederkehren neigendem Wachstum. Eine radikalchirurgische Behandlung ist erforderlich.

Adamaoua, Adamaua: 1. Hochland in Westafrika, im Grenzgebiet Kamerun/Nigeria; bis 2740 m; kristalline, von Basaltdecken überzogene Rumpffläche, von Inselbergen überragt und vom Benue und seinen Nebenflüssen entwässert; Trockensavanne; Bauxitbergbau.

2. afrikanischer Staat des 19. Jahrhundert, der von den Fulbe im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Nigeria und Kamerun gegründet wurde und am Ende des 19. Jahrhundert der britischen und deutschen Kolonialeroberung zum Opfer fiel.

Adama van Scheltema, Carel Steven, 26.2.1877-6.5.1924, niederländischer Schriftsteller; schrieb sozialistische Kampflieder und volkstümliche Naturgedichte («Aus Stille und Streit», 1907), auch Dramatik («Maientraum», 1912).

Adam de la Halle, genannt le Bossu («der Bucklige»), um 1240-zwischen 1285/88, französischer Dichter und Dramatiker, gilt als Begründer des frühbürgerlich-weltlichen Theaters in Frankreich, verfasste «Das Laubenspiel» (1262) unter anderem.

Adamov, Arthur, 23.8.1908-15.3.1970, französischer Dramatiker armenischer Herkunft; gehörte zu den Mitbegründern des sogenannt Theater des Absurden; «Invasion» (1950, deutsch) unter anderem. Er brach jedoch mit dieser Richtung und schrieb an S. O’Casey und B. Brecht orientierte gesellschaftskritische und historische Lehrstücke («Paolo-Paoli», 1957, deutsch; «Frühling 71», 1960, deutsch; unter anderem).

Adamowitsch, Ales (Alexander), geboren 3.9.1927, belorussisch-sowjetischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, seine Romane «Krieg unter den Dächern» (1960), «Stätten des Schweigens» (1972, deutsch) und «Henkersknechte» (1980, deutsch) schildern die Leiden des belorussischen Volkes im Krieg und den Partisanenkampf mit dokumentarischer Wahrhaftigkeit und großer psychologischer Eindringlichkeit.

Adams: 1. John Adams, 19.10.1735-4.7.1826, US-amerikanischer Politiker, Präsident 1797/1801; einet der Führer der nordamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung 1775/83.

2. John Quincy Adams, 11.7.1767-23.2.1848, US-amerikanischer Politiker, Sohn von Adams 1; führender Abolitionist, Präsident 1825/29.

3. Samuel Adams, 27.9.1722-2.10.1803, US-amerikanischer Politiker; radikaler Führer der nordamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung 1775/83.

Adamsbrücke: Kette von 7 Koralleninseln und flachen, zeitweise überfluteten Sandbänken zwischen Südindien und Ceylon; 29 km lang; trennt die seichte Palkstraße im Norden vom Golf von Mannar im S. Über die Adamsbrücke führt eine Eisenbahnlinie, die Indien mit Sri Lanka verbindet (zwischen den Inseln Rameswaram und Mannar als Eisenbahnfähre); intensiv betriebene Perlenfischerei.

Adams- Stokes-Anfall: kurzfristige Bewusstlosigkeit mit hochgradig verlangsamtem Puls oder Herzkammerflimmern infolge Störung (Entzündung, Arteriosklerose) im Erregungsleitungssystem des Herzens, dadurch mangelnde Durchblutung des Gehirns; benannt nach den irischen Ärzten Robert Adams (1791-1875) und William Stokes (1804-1878).

Adam von Bremen, gestorben nach 1081, Geschichtsschreiber; seit 1066/67 im Domkapitel des Erzbischofs Adalbert von Bremen, seit 1069 Aufseher der Domschule (magister scholarum). Adam von Bremen war Verfasser einer Hamburger Kirchengeschichte, deren 3. Buch unter anderem zeitgenössische Reichsgeschichte bietet und die im 4. Buch die früheste Geschichte und Geographie Nordeuropas vermittelt.

Adana: Stadt (Provinzzentrum) im Süden der Türkei, am Unterlauf des Seyhan; 560000 Einwohner; wirtschaftliche Zentrum des Südens der Türkei; Baumwollverarbeitung, daneben Tabak-, Zement- und Metallwaren Produktion; Verkehrsknoten mit internationalem Flughafen und Anschluss an die Bagdadbahn.

Adaptation, Adaption: 1. Biologie: die in Struktur und Funktion der Lebewesen hervortretende Angeglichenheit an ihre Umwelt und der dazu führende Evolutionsprozess (Selektion), zum Beispiel Anpassung von Lachs und Aal an Salz- und Süßwasser oder von Insektenlarven an stark strömendes Wasser durch Abplattung ihres Körpers.

2. Kybernetik: die selbsttätige Anpassung eines Systems an sich ändernde Umweltbedingungen, zum Beispiel die Fahrweise eines Autofahrers an die Straßenverhältnisse oder eines Flugreglers (Autopilot) an aerodynamische Eigenschaften eines Flugzeuges, die sich mit der Höhe ändern.

3. Musik: Umgestaltung beziehungsweise Anpassung eines Musikstückes an veränderte Klangvorstellungen oder zum Zwecke seiner Verwendung in einer anderen Musikgattung.

4. Physiologie: die Fähigkeit der funktionellen und strukturellen Anpassung von Zellen, Geweben und Organen an veränderte Umgebungsbedingungen; zum Beispiel die Hell- und Dunkeladaptation des Auges gegenüber unterschiedlicher Helligkeit der Umgebung und damit Beleuchtungsstärke der Netzhaut (Empfindlichkeitsabnahme beim Übergang von dunkel zu hell, Empfindlichkeitszunahme in der Dämmerung).

5. Psychologie: Anpassung psychischer Prozesse an die jeweilige Situation beziehungsweise Umwelt.

adaptive Enzyme, induzierbare Enzyme: Enzyme, die nicht ständig in der Zelle vorhanden sind. Ihre Synthese wird durch eine Veränderung der äußeren Bedingungen (Nährstoffangebot, Hormone) ausgelöst (Enzyminduktion).

Adapter: 1. Elektrotechnik: Hilfsvorrichtung zum Verbinden elektrischer Teile oder Geräte mit unterschiedlichen Anschlüssen (Adaptersteckverbinder) oder zur Durchführung von Messungen (Messadapter).

2. Adapter, Werkzeugspanner. Fertigungstechnik: Anpassglied zur Kopplung verschiedener Werkzeugschäfte und -aufnahmen an Werkzeugmaschinen.

3. Fototechnik: Anpassungsstück für Wechselobjektive unter anderem Einrichtungen, die eigentlich für andere Kameratypen vorgesehen sind.

4. Raketentechnik: Bauteil zur Verbindung zweier Raketenstufen (Stufenadapter) oder der Nutzlast mit der letzten Stufe der Trägerrakete (Nutzlastadapter).

adaptive Regelung: Regelung, die sich meist nicht vorhersagbaren Änderungen von Parametern des Objekts der Regelung (Regelstrecke) durch Änderung von Parametern des Reglers automatisch so anpasst, dass daraus ein gewünschter optimaler Zustand der Regelung resultiert.

Adaptor-Hypothese: (lateinisch + griechisch) inzwischen bestätigte Hypothese über die Verbindung zwischen Nukleinsäuren als Träger der genetischen Information und den Eiweißen durch ein Adaptormolekül. Als Adaptor (Pass Stück) konnte die für eine bestimmte Aminosäure spezifische Transfer-RNS identifiziert werden, die durch ein Anticodon die korrespondierenden Basen auf der Messenger-RNS «erkennt»

Adda: linker Nebenfluss des Po in Oberitalien; 313 km; entspringt in der Ortlergruppe, durchfließt Valtellina und Corner See, durchbricht die Moränen in einem Canon und mündet westlich von Cremona; Wasserkraftwerke.

Adder, (englisch - lateinisch), Addiator (dat.) Addierwerk. Grundelement des Rechenwerkes (Zentraleinheit) von EDVA zum Addieren zweier Zahlen. Dual-Adder verarbeiten Dualzahlen. Halbadder verknüpfen je eine Stelle beider Summanden, Volladder zusätzlich einen Übertrag. Parallel- und Serienadder unterscheiden sich nach der Verarbeitungsart. Höhere Rechenarten werden meist auf die Addition zurückgeführt und demzufolge auch mit Adder realisiert.

Addis Abeba, Addis Ababa (amharisch, «neue Blume»): Hauptstadt von Äthiopien, auf dem Äthiopischen Hochland, 2260 bis 2600 m über dem Meeresspiegel; 1,27 Millionen Einwohner; größtes äthiopisches Industriezentrum: Lebensmittel-, Holz-, Textil-, Leder-, Metall-, Zementindustrie; Straßenknoten, internationaler Flughafen, Eisenbahnlinie nach Djibouti; Universität, Akademie; Theater, Museum; Nationalbibliothek; Palast Meneliks H., Nationalpalast, Afrikahalle (Sitz der Organisation der afrikanischen Einheit) gegründet 1886/87 von Menelik II., seitdem Hauptstadt Äthiopiens. Addis Abeba ist Gründungsort (1963) und Sitz der Organisation der afrikanischen Einheit (OAU) sowie einiger UN-Gremien, unter anderem der Wirtschaftskommission für Afrika.

Joseph Addison, 1.5.1672-17.6.1719, englischer Journalist, Dramatiker und Dichter; veröffentlichte (zusammen mit R. Steele) in moralischen Wochenschriften, wie zum Beispiel «The Spectator» («Der Zuschauer», 1711/12, 1714; deutsch), kritisch-belehrende, meinungs- und Bewusstseins bildende Essays über das bürgerlichen Leben in der Epoche der Aufklärung; schrieb die klassizistische Tragödie «Cato» (1713, deutsch).

Addisonsche Krankheit: Erkrankung der Nebennieren. Sie beruht auf einer ungenügenden Hormonbildung und ist mit Abmagerung, Kraftlosigkeit und verstärkter Hautpigmentierung verbunden. Eine Behandlung mit den fehlenden Hormonen ist möglich (Substitutionstherapie) benannt nach dem britischen Arzt Sir Thomas Addison (1793-1860).

Addition: 1. Additionsreaktion: Chemie - Anlagerung eines Moleküls an eine Mehrfachbindung, besonders an die C=C-, C=C- und C=0-Bindung eines anderen Moleküls. Die Addition verläuft im Gegensatz zur Substitution ohne Abspaltung eines weiteren Stoffes. Aus 2 Ausgangsstoffen entsteht 1 Endprodukt. Bei der Addition bleibt die a-Bindung erhalten, während die n-Bindung aufgespalten wird; siehe auch homöopolare Bindung. Die wichtigsten Reagenzien bei der Addition sind Wasserstoff (Hydrierung), Chlor, Halogenwasserstoffe und Zyanwasserstoff. Der rückläufige Prozess heißt Eliminierung. Ständig fortgesetzte Addition führt durch Polymerisation und Polyaddition zu Makromolekülen. Mathematik Bilden der Summe a + b aus zwei Größen a und b, den Summanden; eine Grundrechenart.

2. Polygraphie: Verfahren zur fotografischen Herstellung von Sammelnegativen oder -positiven; mehrere fotografische Aufnahmen werden mittels Zusatzgerätes zur Reproduktionskamera oder mittels Kopiermaschine nacheinander in gleichem Abstand aneinandergereiht.

Additives: wertverbessernde Zusätze für Kraft- und Schmierstoffe. Additives für Kraftstoffe sind Tetraäthylblei zur Erhöhung der Klopffestigkeit von Vergaserkraftstoffen oder spezielle Polyester zur Verbesserung der Kältebeständigkeit von Dieselkraftstoffen.

Adel: während der Epoche der Feudalgesellschaft herrschende Klasse; Eigentümer des größten Teils von Grund und Boden als des wichtigsten Produktionsmittels, das gegen Fronleistungen und andere Feudalabgaben an Bauern weiterverliehen wurde; genoss zahlreiche Privilegien (zum Beispiel Steuerfreiheit); übte hohe und niedere Gerichtsbarkeit aus. Als Hochadel und mittlerer Adel besaß er in Deutschland staatliche Hoheitsrechte und seit dem späten Mittelalter die Reichsstandschaft (Sitz und Stimme im Reichstag). Der Geburts- (Ur-) Adel umfasste alle vor 1350 als adlig nachweisbaren Geschlechter, daneben gab es seit der fränkische Zeit einen Dienstadel, der Kriegsdienst leistete und mit Lehen ausgestattet war; der Klein- oder niedere Adel setzte sich aus Ministerialen und freien Rittern zusammen.

Adelaide: Hauptstadt Südaustraliens, am Sankt-Vincent-Golf (Große Australische Bucht); mit Vororten 955000 Einwohner; Wirtschafts-, Kultur- und Wissenschaftszentrum; Hauptindustriezweige sind Maschinenbau, Kfz-, Textilindustrie; Meerwasserentsalzungsanlage; nördlich von Adelaide Erdölraffinerie; Vorhafen Port Adelaide; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; 2 Universitäten, Museen, Bibliothek.

Adelung, Johann Christoph, 8.8. 1732-10.9. 1806, Sprachforscher, schuf den «Versuch eines vollständigen grammatisch kritischen Wörterbuchs der hochdeutschen Mundart» (5 Bände, 1774/86), die als Lehrbuch weitverbreitete «Deutsche Sprachlehre» (1781) und «Umständliches Lehrgebäude der deutschen Sprache» (1782) sowie die erste theoretisch begründete deutsche Stilistik (1785).

Aden: Hauptstadt der VDR Jemen, auf einer Halbinsel am Golf von Aden im Südwesten des Landes, teilweise in einem alten Vulkankrater erbaut; 270000 Einwohner; Verwaltungs- und Kulturzentrum der VDRJ, einziger Industriestandort des Landes mit Erdölraffinerie, Textil-, Zementfabrik, kleineren Betrieben der Nahrungs- und Genussmittelherstellung (Speiseöl, Fischwaren, Zigaretten), Metallwarenproduktion, Meersalzgewinnung; bedeutender, schon im Altertum bekannter Transithafen in Verbindung mit Suezkanalpassage, internationaler Flughafen; Universität. Im Altertum und Mittelalter war Aden eine blühende Handelsstadt; im 16. Jahrhundert durch die Angriffe der Portugiesen und Türken fast völlig zerstört. 1839 wurde Aden britisches Protektorat, 1937 britische Kronkolonie. Unter dem Druck des nationalen Befreiungskampfes im Südjemen mussten am 30.11. 1967 die letzten britischen Truppen aus Aden abziehen. Seitdem ist Aden Hauptstadt der heutigen VDR Jemen.

adenoide Vegetationen: Wucherungen des lymphatischen Gewebes im Nasenrachenraum bei Kindern. Folgen sind behinderte Nasenatmung (deshalb Atmen mit offenem Mund), Schnarchen, schlechter Schlaf, geringer Appetit, allgemeiner Entwicklungsrückstand, Entzündungen des Mittelohres und der oberen und unteren Luftwege. Die Behandlung erfolgt durch operative Entfernung der vergrößerten Rachenmandel (Adenotomie beziehungsweise Adenektomie).

Adenom: von Drüsengeweben ausgehende gutartige Geschwulst.

Adenopathien: Viruserkrankungen mit vorwiegendem Lymphknotenbefall, zum Beispiel Pfeiffersches Drüsenfieber.

Adeps: Pharmazie Fett, Schmalz, Talg. Adeps Lanae ist das Wollfett der Schafe, das unter anderem für Salben verwendet wird.

Adept: Eingeweihter; erfahrener Alchimist, Goldmacher.

Adergeflecht, Plexus choroideus: innerhalb der Gehirnventrikel liegendes Geflecht von Blutgefäßen, das Cerebrospinalflüssigkeit absondert.

Aderlass: Methode zum Entzug größerer Mengen venösen Blutes, zum Beispiel bei Hufrehe; inzwischen als therapeutische Methode nur wenig gebräuchlich, mehr zum Zweck der Serumgewinnung für die Arzneimittel- und Impfstoffproduktion.

Adhäsion: 1. Medizin: flächenhafte oder strangförmige narbige Verwachsung zwischen Organen in Körperhöhlen oder zwischen verschiedenen Geweben.

2. Physik: Aneinanderhaften der Oberflächenschichten zweier verschiedenartiger Stoffe durch zwischenmolekulare Kräfte. Adhäsion spielt zum Beispiel eine Rolle bei der Benetzung fester Körper durch Flüssigkeiten, beim Kleben und Schreiben. Adhäsionsbahn Reibungsbahn.

Adhäsivprozess: strangförmige oder flächenhafte Verwachsung im Mittelohrraum unter Einbeziehung des Trommelfells und der Gehörknöchelchenkette, vorwiegend bei tubenbedingten Mittelohrentzündungen. Folge des Adhäsivprozess ist Schwerhörigkeit; hörverbessernde Operationen sind möglich.

Adiabate Poissonsches Gesetz, adiabatisch: ohne Zufuhr oder Abgabe von Wärmeenergie vor sich gehend. Eine adiabatische Zustandsänderung wird durch Wärmeisolierung des Systems oder durch hinreichend hohe Prozessgeschwindigkeit (zum Beispiel bei der Schallausbreitung in Gasen) erreicht.

Entmagnetisierung: Methode zur Annäherung an den absoluten Nullpunkt der Temperatur. Durch ein äußeres Magnetfeld ausgerichtete Elementarmagnete einer vorgekühlten und wärmeisolierten paramagnetischer Substanz nehmen nach Abschalten des Magnetfeldes wieder die ungeordnete Verteilung an; die Energie wird der Wärmebewegung entzogen, wodurch die Temperatur absinkt.

adiabatische Verdichtung: Verdichtung von Gasen ohne Wärmeaustausch mit der Umgebung.

Adige, deutsch Etsch: Fluss in Oberitalien; 410 km; entspringt am Reschenscheideck, durchfließt das Val Venosta (Obst- und Weinbau), nimmt den Isarco (Eisack) auf und tritt südlich von Salomo in die Poebene ein, um in einem gemeinsamen Delta mit dem Po in die Adria zu münden; typisch alpines Abflussregime, im Unterlauf Dammfluss. Das Adigetal ist der wichtigste Verkehrsweg zum Brenner, starke Ausnutzung der Wasserkraft förderte die Entwicklung der Industrie in Verona, Trento, Bozen und Rovigo.

Adi Granth: («Urbuch») das heilige Buch der Sikhs, 1604 von ihrem 5. Guru (Meister) Aijun (1581-1606) zusammengestellt; enthält religiöse Gedichte der Gurus und anderer indischer Dichter, darunter von Kabir und Nanak.

Ädikula: bei den Römern kleine Kapelle in einem Tempel; Gehäuse für eine Statue; Tür- oder Fensterumrahmung in Form eines Gehäuses mit Säulchen, Gebälk und Giebel; in der christliche Kunst auch kleine Kapelle oder Kirche.

Ädilen: altrömische, ordentliche Beamte, die die Aufsicht über Straßen, Tempel, Gebäude, den Marktverkehr und die Lebensmittelversorgung führten, sie konnten Strafen und Geldbußen erteilen und zeichneten auch für die Ausrichtung der öffentlichen Spiele verantwortlich,

Addinol: dichtes metamorphes Gestein, das im unmittelbaren Kontaktbereich von Diabasen durch Mineralneubildung aus Tongesteinen entstanden ist. Hierzu gehören der bandartig gemusterte Desmosit und der fleckige Spilosit.

Adipinsäure: färb- und geruchlose, kristalline, wasserlösliche Dicarbonsäure; Säuerungsmittel für Kosmetika und Milch (zum Beispiel für die Kälberaufzucht); chemisches Zwischenprodukt für Lackharze, Chemiefaserstoffe und Plaste. Die Salze und Ester heißen Adipinate.

Adjektiv, Eigenschaftswort: Wortart, steht als Attribut zum Substantiv (das «neue» Buch) oder als Prädikativum (das Buch ist «neu»).

Adjunktion: das Hinzufügen eines Elementes oder einer beliebigen Menge zu einer gewissen algebraischen Struktur, insbesondere zu einem Ring oder zu einem Körper, so dass wieder eine gleichartige Struktur entsteht, die sowohl das adjungierte (hinzugefügte) Element beziehungsweise die Menge als auch die ursprüngliche Struktur letztere bis auf einen Isomorphismus (Homomorphismus) enthält.

Adjuvans: (lateinisch; PL Adjuvantia) zusätzliches Wirkstoff in einer Arznei, der die therapeutische Wirkung des Hauptmittels (Remedium cardinale) verstärkt (zum Beispiel Koffeinzusatz zu einem schmerzlindernden Mittel) beziehungsweise dessen Nebenwirkungen vermindert.

Adler: 1. Astronomie: Sternbild.

2. Heraldik: Symbol, dessen Bedeutung sich aus den Eigenschaften des Tieres herleitet. Als Sinnbild der Götter (bereits im alten Griechenland und römische Reich) wurde er Symbol der Unsterblichkeit und der menschlichen Seele sowie der irdischen Macht; neben dem Löwen das verbreiteste Wappentier.

3. Adler: Zoologie: Greifvögel verschiedener Gattungen mit kräftigem Schnabel und im Flug brettartig gestreckten Flügeln. Adler schlagen lebende Beute, ernähren sich gelegentlich auch von Aas; in der DDR unter Naturschutz Echte Adler (Aquila) haben kräftige, befiederte Fänge, legen 2 Eier, ziehen jedoch meist nur 1 Jungvogel groß. Hierzu gehört der Schreiadler und der über 2 m spannende Steinadler (Aquila chrysaetos), der in Süd- und Nordeuropa, den Hochgebirgen Asiens und Nordamerikas lebt.

Adler: 1. Friedrich Adler, 9.7.1879-2.1.1960, einer der revisionistische Führer der österreichischen Sozialdemokraten; Sohn von Adler 5; verübte 1916 als Kriegsgegner ein Attentat auf den österreichischen Ministerpräsidenten Stürgkh; 1923/40 Sekretär der II. Internationale.

2. H. (Hans) G. (Günther) Adler, geboren 2.7.1910, deutschsprachiger Schriftsteller aus Prag; verfasste neben Analysen der faschistischen Massenvernichtungspolitik («Theresienstadt 1941-45», 1955) Erzählungen und Romane (unter anderem «Panorama», 1968).

3. Max Adler, 15.1.1873-28.6.1937, österreichischer Philosoph und Soziologe; Vertreter des Austromarxismus; suchte Marxismus und Neukantianismus zu vereinen. Sein Revisionismus ist partiell gegen die klassische Form des Revisionismus (E. j1 Bernstein) gerichtet.

4. Paul Adler, 4.4.1878-8.6.1946, deutschsprachiger Schriftsteller aus Prag; Verfasser symbolischer expressionistischer Prosadichtungen («Elohim», 1914; «Nämlich», 1915; «Die Zauberflöte», 1916).

5. Viktor Adler, 24.6.1852—ll.11.1918, Begründer und Führer der österreichischen Sozialdemokratischen Partei, von Beruf Arzt; Austromarxist, seit 1881 in der Arbeiterbewegung, Herausgeber der «Gleichheit» (1886) und der «Arbeiterzeitung» (1889), Hauptverfasser des Hainfelder Programms, seit 1905 Abgeordneter im Reichsrat, 1918 Außenminister.

Adlerfarn, Pteridium aquilinum: weltweit verbreiteter, bis 2 m hoher Farn mit oberirdisch verzweigter Sprossachse, dessen Gefäßbündel auf schräg geführten Querschnitten durch die Sprossachse oder den Blattstiel etwa die Gestalt eines Doppeladlers zeigen; wächst auf sandigen, kalkarmen Böden.

administrativ: verwaltungsmäßig, im Verwaltungsverfahren; oft abwertend soviel wie bürokratisch angeordnet oder ausgeführt.

Administration: Verwaltung, Verwaltungsbehörde, besonders die Staatsverwaltung; Verwaltungstätigkeit; Verwaltungsanweisung,

Administrator: Verwalter in der feudalen und kapitalistischen Landwirtschaft, der gegen Entgelt oder Beteiligung am erzielten Gewinn einen landwirtschaftlichen Großbetrieb für Rechnung des Eigentümers bewirtschaftet.

administrieren: mittels Anweisungen verwalten; bürokratisch, unter Missachtung der demokratischen Mitwirkung der Werktätigen leiten.

Admiralitätsinseln: zu Papua-Neuguinea gehörende, überwiegend vulkanische Inselgruppe des Bismarckarchipels, im Stillen Ozean (Melanesien); 1983 km2, 37000 Einwohner; Verwaltungszentrum Lorengau (auf der 1640 km2 großen, bewaldeten Hauptinsel Manus); Kopra Gewinnung, Perlenfischerei.

Admission: Geochemie Ersatz eines häufigen Elementes in einem Mineral durch ein 1 Spurenelement mit gleicher Raumbeanspruchung, aber geringerer Wertigkeit, zum Beispiel Lithium in Magnesiumsilikaten. Admission ist eine Art der Diadochie.

Admittanz, komplexer Leitwert, Leitwertoperator. Quotient aus der (komplexen) Stromstärke und der (komplexen) Spannung U. Zeichen Y, SI Einheit Siemens (S). Die Admittanz ist der Kehrwert des komplexen Widerstands. Siehe auch Wechselstrom.

Adnektomie: ein- oder beidseitige Entfernung der Gebärmutteranhänge (Adnexe), das heißt der Eileiter und Eierstöcke.

Adnexitis: ein- oder beidseitige Entzündung der Gebärmutteranhänge (Adnexe), das heißt der Eileiter (Eileiterentzündung) und der Eierstöcke (Eierstockentzündung).

Adnextumor: Schwellung im Bereich der Eileiter, der Eierstöcke oder beider gemeinsam; entsteht durch Entzündung oder echte Geschwulstbildung.

Adoben: an der Luft getrocknete Lehmziegel, oft mit gehäckseltem Stroh vermischt; seit vorkolonialer Zeit in Mexiko und seinen nördlich angrenzenden Gebieten, an der peruanischen Küste, in Nordafrika und Vorderasien verwendet.

Adoleszenz: Jünglingsalter, Lebensabschnitt des Menschen zwischen vollendeter Geschlechtsreife und Erwachsenenalter (etwa vom 16. bis 19. Lebensjahr).

Adolfsson, Gunnar, geboren 21.8.1906, schwedischer Schriftsteller, gestaltet in Novellen und Romanen Leben und Kampf der Arbeiterklasse (Roman «Wartendes Land», 1949, deutsch) sowie historische Themen (Romane «Land der Holzschuhe», 1964; «Zimmermann von fünf Städten», 1972).

Adolf von Nassau, um 1255 - 2.7.1298, deutscher König seit 1292; gewann 1294/95 Thüringen und die Mark Meißen als Hausmacht; von den Kurfürsten abgesetzt und im Kampf gegen Herzog Albrecht von Österreich, der ihm als Albrecht I. auf den Thron folgte, gefallen.

Adonias Filho, geboren 27.11.1915, brasilianischer Romancier, gestaltet hauptsächlich das Leben im brasilianischen Hinterland als von Unwissenheit und Gewalttätigkeit geprägte und dadurch in ihr Gegenteil verkehrte Suche nach einem unerfüllten Leben («Die Knechte des Todes», 1946; «Lázaros Erinnerungen», 1952; «Corpo vivo», 1963, deutsch).

Adonis, in der griechischen Sage schöner Jüngling, von Aphrodite geliebt; wurde auf einer Jagd von einem Eber getötet. Aphrodite ließ aus seinem Blut eine Blume aufsprießen und erwirkte, dass Adonis für einen Teil des Jahres auf die Oberwelt zurückkehren durfte.

Adonisröschen, Adonis: Gattung der Hahnenfußgewächse. Das gelb blühende Frühlings- Adonisröschen (Adonis vernalis, unter Naturschutz) wächst an sonnigen, trockenen Stellen und enthält herzwirksame Glykoside. Auf Kalkäckern gedeiht das Sommer-Adonisröschen (Adonisröschen aestivalis).

Adoptivkaiser: durch Adoption und nicht auf Grund der Erbfolge zwischen 98 bis 161 nach Christus auf den Thron gelangte römischer Kaiser, zum Beispiel Trajan, Antoninus Pius, Mark Aurel.

Adorant, Orant: in kultischer Kunst Darstellung eines die Gottheit oder Heilige anbetenden Menschen.

Adour: Fluss im Südwesten Frankreichs; 335 km, auf 132 km schiffbar, aus den Pyrenäen, mündet 5 km westlich von Bayonne in den Golf von Biskaya; unregelmäßige Wasserführung; an der Mündung und am Oberlauf Industriestandorte.

Adrenalin, Epinephrin (griechisch): Hormon des Nebennierenmarkes; steigert Grundumsatz und Wärmeproduktion des Organismus, stimuliert Fett- und Glykogenabbau und erhöht den Blutzucker (Insulinantagonist), adrenerge Synapse.

Adrenergika: Stoffe, die durch direkten Angriff an den a- und beziehungsweise oder ß-Rezeptoren wirksam sind. Adrenergika sind zum Beispiel Adrenalin, Noradrenalin und Isoprenalin.

Adrenocorticotropin, adrenokortikotropes Hormon n, Abkürzung ACTH: Hormon des Hypophysenvorderlappens, das die Hormonbildung und -Sekretion in der Nebennierenrinde stimuliert. Die Abgabe von Adrenocorticotropin aus der Hypophyse wird durch die Cortisolkonzentration im Blut und über den Hypothalamus kontrolliert.

Adrenolytika: Stoffe, die die Wirkung der Adrenergika durch Blockade der a- beziehungsweise ß-Rezeptoren verhindern. Adrenolytika sind zum Beispiel Mutterkornalkaloide und Propranolol.

Adressiermaschine, Kurzwort Adrema, Anschriftenmaschine: Maschine zum Abdruck häufig wiederkehrender Anschriften oder Informationen auf Briefumschläge, -köpfe, Kontokarten unter anderem. Die Texte werden in Spiegelschrift auf verfahrensbedingte Druckvorlagen aufgebracht und nach verschiedenen Verfahren vervielfältigt (Hektographie-, Schablonendruck-, Prägedruckverfahren).

Adresssystem: Anordnung und Bedeutung der Adressen, die in einem Befehl eines Rechenautomaten enthalten sein können. Gegenwärtig werden meist Einadresssystem verwendet, bei denen der erste Operand einem Register entnommen und die Adresse des zweiten Operanden im Befehl angegeben wird.

Adriapakt: am 27.1.1924 zwischen Italien und Jugoslawien geschlossener Vertrag über die gegenseitigen Beziehungen; leitete die verstärkte italienische Balkanpolitik ein und sicherte Italien durch den Zusatzvertrag über Fiume (Rijeka) die Herrschaft über diesen Hafen.

Adriatisches Meer, Adria (lateinisch): nördliches Nebenmeer des Mittelmeeres zwischen Apennin- und Balkanhalbinsel; 132000 km2; 800 km lang, 76 bis 220 km breit, bis 1260 m tief; Wassertemperatur zwischen + 9°C (Winter) und + 25°C (Sommer), Salzgehalt 30 bis 38 %; im Norden flache Haffküste, in die der Po sein Delta immer weiter vorschiebt, wenig gegliederte West-, stark gegliederte Ostküste mit zahlreichen Inseln; Fischerei: Thunfische, Sardellen, Korallen, Schwämme, Krebse, Austern; im Nordwesten Erdgasforderung; wichtigste Häfen Bari, Ravenna, Venedig, Triest; Pula, Rijeka, Split, Dubrovnik, Vlora; Tourismus.

Adsorbatimpfstoff: ein an Aluminiumhydroxid absorbierter Impfstoff (zum Beispiel Diphtherie-Pertussis Tetanus-Adsorbatimpfstoff); bewirkt eine verzögerte Impfstoffabgabe.

Adsorption: Anlagerung eines gasförmigen, flüssigen oder gelösten Stoffes an die Oberfläche eines festen Stoffes (Adsorbens). Das System aus Adsorbens und angelagertem Stoff heißt Adsorbat. Der Vorgang der Adsorption (Adsorbieren) ist meist mit Wärmeentwicklung verbunden. Wirksame Adsorbenzien sind Stoffe mit großer innerer Oberfläche, wie Aktivkohle, Silicagel und Molekularsiebe.

Adsorptionsisotherme: Kurve, die die adsorbierte Gasmenge als Funktion des Druckes bei konstanter Temperatur angibt.

Adstrat: Einfluss der Sprache oder Kultur einer Bevölkerungsgruppe auf eine andere durch lange währende Nachbarschaft, zum Beispiel Einfluss des Albanischen auf die romanischen Sprachen des Balkangebietes.

Adstringens: (lateinisch; PI. -gentia oder -genzien) zusammenziehendes (Arznei-) Mittel, wirkt durch Eiweißkoagulation entzündungshemmend und lokal blutstillend.

Adventitia: (lateinisch) äußere Bindegewebeschicht von Hohlorganen (Blutgefäße, Darmrohr, Harnleiter unter anderem).

Adventivbildungen: (zu lateinisch adventiv, «hinzukommend») Organe, die an älteren Pflanzenteilen aus wieder teilungsfähig gewordenem Dauergewebe entstehen; häufig nach teilweisem Verlust von Pflanzenorganen; zum Beispiel der Stockausschlag an Baumstümpfen.

Adventivembryonie: bei Pflanzen seltener Fall der Bildung von Embryonen auch ohne Befruchtung aus Zellen der Samenanlage, zum Beispiel bei den Zitrusarten und Orchideen.

Adventivpflanzen: aus fremden Floren durch direkte oder indirekte Einwirkung des Menschen eingebürgerte Pflanzen (zum Beispiel Kanadische Wasserpest).

Adverb: Umstandswort-. Wortart, die ein Verb, Adjektiv oder anderes Adverb genauer bezeichnet (zum Beispiel er kommt «oft», «recht» oft).

Adverbialbestimmung, Umstandsbestimmung: Satzglied, das ein Verb näher bestimmt. Man unterscheidet zum Beispiel Lokal-, Temporal-, Modal-, Kausalbestimmungen. Adverbialbestimmung kann ein Adverb, Substantiv mit Präposition, ein Nebensatz oder anderes sein.

adversativ: entgegenstellend, gegensätzlich; adversative Konjunktionen verbinden einander gegenübergestellte Satzteile oder Sätze, zum Beispiel aber.

Ady, Endre, 22.11.1877-27.1.1919, ungarischer Lyriker, studierte Jura, wurde dann Journalist. Für sein späteres Wirken waren die russische Revolution 1905/07 und seine Reisen nach Paris von großer Bedeutung. Ab 1908 stand er im Mittelpunkt des Dichterkreises der Zeitschrift «Nyugat». Inhalt und Ausdrucksform seiner Gedichte (Auswahlen deutsch 1965, 1977) wirkten revolutionierend auf die ungarische Dichtung. Ady war Gegner des Krieges und Wegbereiter der Revolution von 1919 in Ungarn.

Adynamie: Kraftlosigkeit, allgemeine Körperschwäche, zum Beispiel bei zehrenden Krankheiten, Kleinhirnerkrankungen; siehe auch

Aerarium: römische Staatskasse. Sie befand sich unterhalb des Kapitols im Saturntempel Roms, wurde von 2 Quästoren geleitet und vom Senat kontrolliert. In der Kaiserzeit ging die Bedeutung des Aerarium zurück, zuletzt nur noch Stadtkasse.

aerobe Energiegewinnung: Fähigkeit der meisten Lebewesen, die Nährstoffe mit Hilfe des Luftsauerstoffs zu oxydieren (Bildung von Kohlendioxid und Wasser) und einen großen Teil der dabei freiwerdenden Energie zur Synthese energiereicher Verbindungen (ATP) zu benutzen.

Aerobier, Aerobionten: in Gegenwart von Sauerstoff lebende Mikroorganismen. Sie gewinnen die zum Leben notwendige Energie durch Oxydation organischer Verbindungen (Oxybiose). Siehe auch Anaerobier.

Aerodynamik: Lehre von der Bewegung der Luft beziehungsweise anderer Gase, Teilgebiet der Strömungslehre; steht in engem Zusammenhang mit der Flugmechanik, der Lehre von der Bewegung von Flugkörpern. Bei geringen Strömungsgeschwindigkeiten können Gase als inkompressibel betrachtet werden, es gelten dann die Beziehungen der Hydrodynamik. Dagegen muss bei Überschallgeschwindigkeiten die Kompressibilität berücksichtigt werden (siehe auch Gasdynamik). Die Supra-Aerodynamik untersucht das Verhalten von Gasen, wenn die mittlere freie Weglänge der Moleküle größer als die Abmessung der Flugkörper wird, was an der Grenze der Atmosphäre auftritt.

aerodynamische Erwärmung: Temperaturerhöhung der Oberfläche von Flugkörpern durch Stau und Reibung der Luft, hängt von der Geschwindigkeit und der Höhe des Flugkörpers ab.

aerodynamische Vliesbildung: Verfahren zur Herstellung eines Vlieses mit Auflösen der Faserflocken und Formieren der Fasern in weitestgehender Wirr Lage mittels bewegter Luft zum Vlies.

aerodynamische Waage: Gerät zum Messen der Widerstandskraft und des dynamischen Auftriebs von Flugzeugmodellen und Tragflügelprofilen. Das Modell wird dazu in einen Windkanal gebracht, die Kraftkomponenten (bis zu 6) werden über Hebelsysteme außerhalb des Windkanals angezeigt.

Aerogeophysik: Teildisziplin der angewandten Geophysik. Mit Messfühlern in Schleppkörpern die durch Flugzeuge oder Hubschrauber in konstanter Höhe geführt werden, registriert man das erdmagnetische Feld sowie die elektrische Leitfähigkeit und die Gammastrahlung der obersten Erdkruste. Ein Vorteil der Aerogeophysik liegt in der rationellen Gewinnung von Informationen über geologische Körper und Lagerstätten mineralische Rohstoffe in unerforschten Gebieten.

Aeronomie: Wissenschaft von der Entstehung, dem Aufbau und den Eigenschaften ionisierter Schichten der Hochatmosphäre, insbesondere in Höhen über 60 km. Siehe auch Meteorologie.

Aero Otitis media, Barotrauma: bakterielle Mittelohrentzündung», die durch luftdruckbedingte Funktionsstörungen der Ohrtrompete bei atmosphärischer Über- oder Unterdrück erzeugt wird.

Aerophagie: Luftschlucken; Symptom bei organischen Magenkrankheiten, aber auch bei vegetativer und psychischer Labilität beziehungsweise Organneurosen.

Aerosol: feinste, zum Teil kolloidale Verteilung flüssiger oder fester Schwebstoff Teilchen in einem Gas, zum Beispiel Luft. Aerosol sind zum Beispiel Nebel und Rauch in der Atmosphäre; künstlich können Aerosol zum Beispiel durch Ultraschall oder Zerstäubung (auch Zentrifugalzerstäubung) erzeugt werden. Beim Spray entsteht ein Aerosol (zum Beispiel von Parfümen, Insektiziden, Lackfarben) im Zerstäuber der Sprühflasche mit Hilfe eines druckverflüssigten Treibgases (meist Difluordichlormethan, CF2CI2).

Aerosolgerät: Gerät, das flüssige Arzneimittel vernebelt, die dann zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken eingeatmet werden. Angewendet werden Düsenaerosolgerät (einschließlich Sprühdosen) und Aerosolgerät, bei denen ein Ultraschallschwinger die Tröpfchen (Durchmesser einige im) erzeugt.

Aerosprühmittel: mit dem Flugzeug ausgebrachte, hochkonzentrierte Pflanzenschutzmittel.

Aerostatik: Lehre von den Eigenschaften ruhender Gase; bildet mit der Aerodynamik zusammen die Aeromechanik.

Aertsen, Pieter, 1508/09-3.6.1575 (begraben), holländischer Maler; tätig in Antwerpen und Amsterdam; schuf Bauernszenen und Küchenbilder mit heroisierten Volkstypen; Händlerinnen und Köchinnen sind in repräsentativen Bildnissen herausgestellt

Aetius, Flavius, um 390-21.9.454 (ermordet), weströmischer Feldherr, bestimmte seit 434 die weströmische Politik, besiegte 451 auf den Katalaunischen Feldern die Hunnen unter Attila. Kaiser Valentinianus III. entzog ihm das Vertrauen und ließ ihn beseitigen.

Affekt: kurzdauernde, sehr heftige Gefühlsreaktion, die meist mit verringerter geistiger Steuerung (Affekthandlung) einhergeht und bis zum Verlust der Kontrolle über das Verhalten gehen kann (Affektverbrechen).

Affektenlehre: (lateinisch affectus, «Stimmung, Leidenschaft») Systematisierung musikalisches Ausdrucksmittel mit rationalistischen-aufklärerischen Ziel vor allem im 17./18. Jahrhundert Grundlage ist die mechanische-materialistische Auffassung, dass bestimmten musikalischen Ausdrucksmitteln (Motiven, Rhythmen, Tonarten) bestimmte Seelenregungen entsprächen. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert wich diese noch etwas starre Haltung einer freieren, den individuellen Gefühlen und Gedanken breiteren Raum gebenden Einstellung.

Affektkrämpfe: während der Trotzphase im Kleinkindalter auftretende, mit Wegbleiben verbundene «Wutkrämpfe» als Ausdruck zorniger Erregung. Vermeiden der Affektkrämpfe ist durch erzieherische Maßnahmen möglich; sie haben nichts mit Epilepsie zu tun.

Affektstörungen: Veränderung der normalen Gefühlsansprechbarkeit. Affektstörungen treten unter anderem auf bei organischen Hirnschädigungen (zum Beispiel bei Hirnentzündungen, Folgezuständen nach Schädel-Hirn-Verletzungen) sowie bei neurotischer oder psychopathischer Übererregbarkeit.

Affen, Simiae: Unterordnung der Herrentiere mit gut entwickelter Greifhand, stark ausgebildetem Gehirn und Allesfressergebiss, ernähren sich aber vorwiegend von Pflanzenkost. Affen leben gesellig in Horden, Haremsverbänden, Eltern- oder Mutterfamilien unter Einhaltung einer meist strengen Rangordnung. Sie sind vorwiegend Baumbewohner, deren Weibchen meist ein, selten 2 Junge gebären. Die in Süd- bis Mittelamerika lebenden Familien der Krallenäffchen, Springtamarins und Kapuzinerartigen werden wegen ihrer Heimat und ihrer breiten Nasenscheidewand auch unter dem Sammelbegriff Breitnasen- oder Neuweltaffen zusammengefasst. Die übrigen, in Afrika, Süd-, Südost- und Ostasien beheimateten Familien der Meerkatzenartigen (Makaken, Mangaben, Meerkatzen, Paviane, Schlankaffen, Gibbons und Menschenaffen) besitzen eine schmale Nasenscheidewand und werden deshalb zusammenfassend auch als Schmalnasen- oder Altweltaffen bezeichnet.

Affenbrotbaum, Baobab, Adansonia digitata: Savannenbaum im tropischen Afrika mit auffallend dickem, wasserspeicherndem, flaschenförmigem Stamm, dessen Blüten von Fledermäusen bestäubt werden.

afferent: herantragend; in Physiologie und Anatomie wird die Erregungsleitung zum Zentralnervensystem hin beziehungsweise die entsprechend Nervenbahnen so bezeichnet.

affine Abbildung: Abbildung, die Geraden in Geraden überführt und das Teilverhältnis ungeändert lässt.

Affinieren: Trennen, Scheiden von Edelmetallen, zum Beispiel mittels Säuren.

Affinität: Textilveredlung bei Faserstoffen das Aufnahmevermögen von Farbstoffen oder Textilhilfsmitteln.

affirmativ: bejahend; in der traditionellen Logik heißt eine Aussage von einfacher Subjekt-Prädikat-Struktur (ein Urteil) affirmativ, falls ihr Prädikat allen beziehungsweise einigen Subjekten zugesprochen wird; zum Beispiel «Alle Menschen sind sterblich», «Einige Berge sind höher als 1000 m».

affizieren: (dat., «hinzutun») einwirken, erregen, reizen; (krankhaft) verändern.

Afghani, Dschamal ad-Din al-, 1838-1897, afghanischer Korangelehrter und polit-agitatorischer Schriftsteller, Begründer der islamischen Reformbewegung und des Panislamismus, der auf eine enge politische, ökonomische und kulturelle Zusammenarbeit aller islamischen Staaten orientierte und sich gegen die Nahostpolitik der europäischen Großmächte richtete.

Afghanischer Windhund: aus Afghanistan stammende, 1880 nach England importierte Hunderasse mit guter Rennleistung; Rüden mindestens 68 cm hoch; trägt langes seidiges Haar in den Farben Weiß, Rotgrau, Braun, Rotbraun, Schwarz, Grau und Kombinationen davon.

afrikaanse Literatur: Im letzten Viertel des 19. Jahrhundert unter dem Einfluss einer Sprachbewegung zur Loslösung des Afrikaans vom Niederländischen entstandene Literatur. Die bedeutendsten Vertreter der afrikaanse Literatur sind E. N. Marais (Novellen), J. van Brüggen (Romantrilogie «Ampie», 1924, 1928, 1942), D. F. Malherbe (Lyrik und biblisch-historische Romane; Roman «Der Müller», 1926) und C. H. Kühn (Pseudonym Mikro; Romantrilogie über das Leben der südafrikanischen Farbigen). Nach dem 2. Weltkrieg differenzierte sich die afrikaanse Literatur zunehmend; neben reaktionären und rassistischen Strömungen traten, vorwiegend im Exil, kritischen gegen die Apartheid gerichtete Autoren hervor (B. Breytenbach, U. Krige, A. Brink).

Afrikaner: Menschen verschiedener Rassen, Sprachen und Kulturen, die den afrikanischen Kontinent bewohnen oder diesen als ihr Ursprungsgebiet betrachten; siehe auch Afroamerikaner.

afrikanische Kunst: Die Bevölkerung Afrikas hat im Laufe der geschichtlichen Entwicklung entsprechend den jeweiligen Sozialökonomischen Verhältnissen vielfältige Kunstäußerungen hervorgebracht. Frühe Zivilisationen bildeten sich in Nord- und Nordostafrika heraus und erreichten zunächst höhere Entwicklungsgrade als die Vielzahl der Stammeskulturen im übrigen Afrika. Die Entwicklung der Produktivkräfte in Gebieten des Sudans, West-, Zentral- und Teilen Ostafrikas erreichte im 1. Jahrtausend nach Christus einen sozialen Differenzierungsgrad, der zur Bildung früher Klassenstaaten führte. Die Wirtschaftsformen der afrikanischen Völker stehen in engem Zusammenhang mit ihrer Kunst. Jäger- und Sammlerkulturen sind vor allem durch Malereien (Felszeichnungen, -ritzungen) einer ehemals weite Gebiete besiedelnden Steppenjägerkultur charakterisiert. In der Felsbilderkunst Nordafrikas wurden von ihnen etwa ab 12./10. Jahrhundert vor Christus Wildtiere dargestellt Bevölkerungsgruppen, die als Vorfahren der rezenten Buschmänner die selbst bis in das 19. Jahrhundert Zeichnungen anbrachten angesehen werden können, waren Schöpfer von Felsbildern im Süden, Südosten und Osten Afrikas. Viehzüchtervölker, besonders im Nordosten und Osten Afrikas, schufen ab 4000 vor Christus Darstellungen aus ihrem Wirtschaftsleben. Daneben tritt die künstlerische Äußerung in Gestaltung und Verzierung des Gerätes auf, plastische Formen sind sehr selten. Bei Bodenbauervölkern hat sich die Plastik zur Hauptäußerung ihres vielgestaltigen Kunstsinnes hervorgebildet. Sie erreicht eine hohe Blüte und besitzt ihr Hauptverbreitungsgebiet von Westafrika bis Angola und Zentral afrika mit einem Ausläufer bis an die ostafrikanische Küste. Neben freier Plastik und Masken treten plastische Bildnerei in gebundener Form bei Architektur und am Gerät auf. Die Plastik ist meist aus einem Stück mit dem Dechsel (Querbeil) gearbeitet und in ihren Proportionen der Bestimmung untergeordnet beziehungsweise auf eine Betonung des Wesentlichen gerichtet. Dargestellt werden zumeist Ahnen- und Zauberfiguren. Götterdarstellungen und Darstellungen historische Persönlichkeiten sind auf einige altafrikanische Reiche beschränkt (Yoruba, Benin, Bakuba). Die Masken spielen vor allem im Totenkult und im Bundwesen eine große Rolle. Neben den vorherrschend für Schnitzerei und Bildnerei verwendeten Materialien Holz, Elfenbein, Ton und Stein gelangen Metalle (Zinn, Kupfer, Silber, Gold, Bronze beziehungsweise Gelbmetalllegierungen) zur Verarbeitung. Bekannte Metallverarbeitungstechniken waren das Schmieden des Eisens, der Guss von Zinn und Gelbmetallen, das Treiben sowie Punzen und Ziselieren. Der größte Teil der Bronzekunstwerke (Plastiken, Platten, Schmuck) ist im Wachsausschmelzverfahren gefertigt (Benin), wobei alle gestalterische Ausarbeitung am Modell für die Gussform erfolgt und das gewonnene Original nur gereinigt zu werden braucht.

Die afrikanische Architektur im subsaharischen Raum ist wegen der vorwiegenden Verwendung organischen Baumaterialien beziehungsweise Lehm nicht über sehr große Zeiträume erforscht. Steinbauten sind bekannt aus dem Gebiet des Monomotapa-Reiches (Simbabwe) und dem alten Staat Ghana (Kumbi Saleh). In der Sudan. Lehmarchitektur zeigt sich seit dem Mittelalter islamischer Einfluss. Wenige Bauwerke (Moschee von Djenne) sind erhalten oder durch Ausgrabungen rekonstruiert (für Mali die ehemalige Residenz Niani). Hervorragende Holzarchitekturen unter Einbeziehung plastischer Bauteile sind aus Südnigeria und dem Kameruner Grasland bekannt. Nigeria, unter anderem mit der eisenzeitliche Nok-Kultur (500 vor Christus/200 nach Christus) mit den ältesten subsaharischen Plastiken (Terrakotten), der sehr gut erforschten Beninkunst (12. Jahrhundert nach Christus/1897) und dem noch älteren Zentrum der Yoruba-Kunst in Ife, kann auf eine 2000jährige Kunstgeschichte verweisen, ähnlich gut dokumentiert sind Gebiete Zentralafrikas. Während bei Bodenbauern ohne Klassenbildung der Künstler ((nebenberuflich», meist auf Bestellung, arbeitete, entstand in einigen Reichen mit ausgeprägter Klassenstruktur eine Gruppe von Berufskünstlern, die in der höflichen Kunst organisiert waren. Die Zuordnung anonymer Werke zu bestimmten Künstlern oder ihren Werkstätten wird heute für West- und Zentralafrika möglich. In der modernen afrikanische Kunst, die nach Erringung der Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten wesentlichen Auftrieb erhielt, zeigen sich Tendenzen, die traditionellen Werte zu erhalten, weiterzuentwickeln und das Kunstgewerbe zu fördern. Einflüsse während der Kolonialzeit aus Mission und seitens europäischer Kunstrichtungen treten immer mehr zurück. Neue Techniken werden sehr experimentierfreudig und engagiert erprobt.

afrikanische Literaturen: In der vorkolonialen Zeit waren mündlich überlieferte Märchen, Mythen, Lieder, Preisgesänge und Heldenepen die Hauptformen des literarischen Schaffens der Völker südlich der Sahara. Wesensmerkmale der für die Herausbildung von Nationalliteraturen bedeutsamen volksliterarischen Traditionen sind wirklichkeitsnahe Darstellung des Menschen in seinem oft mythologisch gesehenen Verhältnis zur Natur und zur Stammesgesellschaft, naiv-humanistischer Ideengehalt und ästhetische Vielfalt. In einigen Gebieten Afrikas, zum Beispiel in mittelalterlichen Reichen Westafrikas, hatte sich unter den Bedingungen frühfeudaler Klassenverhältnisse eine Kaste berufsmäßiger beziehungsweise von aristokratischen Familien in Dienst genommener Sänger und Spielleute (Griots) herausgebildet, deren Dichtkunst, unter anderem das von D. T. Niane (geboren 1932) nacherzählte Mandingo Epos «Soundiata» (1960, deutsch), kulturgeschichtlich und literarisch besonders wertvoll ist. Im alten Äthiopien entwickelte sich frühzeitig in Geez, später in Amharisch eine mittelalterlicher christlich-religiöse Literatur. Bereits vor der Aufzeichnung afrikanischer Volksdichtung seit dem 19. Jahrhundert existierten in arabischer Schrift literarische Zeugnisse, zum Beispiel die von islamischen Gelehrten verfasste religiöse Dichtung der Hausa sowie Chroniken über die Feldzüge Othman dan Fodios, der im 19. Jahrhundert große Gebiete der Hausa unter islamischen Fulbe Herrschaft brachte. Auch die Swahili-Literatur Ostafrikas basierte vorübergehend auf dem arabischen Alphabet. Die frühen Epen und auch die Lyrik stehen im Zeichen des Islam, zum Beispiel «Lied von Tambuka» (aufgezeichnet 1728), «Heraklios-Lied», das die Historie von den kriegerischen Auseinandersetzungen der Anhänger Muhammads mit den von Heraklios I. geführten Byzantinern wiedergibt. Hingegen dominieren im «Lied von Liongo» unabhängig von islamischen Einflüssen originäre ostafrikanische Kulturtraditionen. Muyaka bin Haji al-Ghassani schuf im 19. Jahrhundert einen neuen Typ weltlicher Lyrik. Mit der Verbindung traditioneller Gestaltungsmethoden mit zeitgenössischen Inhalten und durch die Verwendung einer modernen Sprache hatte R. Shaaban an der Entwicklung des Swahili zur nationalen Literatursprache Tansanias hervorragenden Anteil. Der in Südafrika im Zusammenhang mit missionarische Aktivitäten relativ früh einsetzende Alphabetisierungsprozess begünstigte im 1. Drittel des 20. Jahrhundert die Herausbildung von Bantuliteraturen (Sotho, Xhosa, Zulu), deren Autoren sich zunächst aus christlich-humanistische Sicht gegen die Rassendiskriminierung auflehnten, den Verlust eigener kultureller Werte beklagten und nicht ohne moralistische Tendenzen die kolonial ausgeplünderten Bantuvölker zur nationalen Einheit aufriefen. T. Mofolo und E. L. Segoete haben mit Romanen und Erzählungen den Grundstein für eine Sotho Literatur gelegt. Der in Xhosa schreibende S. E. K. Mqhayi wandte sich mit satirischer Lyrik und historisierender Prosa gegen die britische Okkupation. Die Zulu-Schriftsteller H. I. E. Dhlomo, R. R. Dhlomo und B. Vilakazi tendieren in historischen biographischen Romanen zu einer sozialen Motivierung des antikolonialen Protestes. Hauptvertreter der englischsprachigen Literatur Südafrikas waren zunächst liberal gestimmte Autoren europäischen Herkunft, unter anderem O. Schreiner, W. Plomer, A. Paton und H. Bloom. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die progressive südafrikanische Literatur zur Waffe im Kampf gegen das Apartheidsystem. Diskriminierte farbige Schriftsteller, wie P. H. Abrahams, J. Matthews, E. T. Mphahlele, D. Brutus, A La Guma und R. Rive, aber auch weiße Autoren, wie der Dramatiker A. Fugard, die Erzähler N. Gordimer und J. Cope, schaffen Werke, die sich mit der Apartheid kritisch auseinandersetzen und eine demokratische Perspektive der südafrikanischen Gesellschaft anstreben.

Neben dieser zum Teil liberalen, vorwiegend aber progressiven humanistischen und revolutionär-demokratischen Literatur entstand in Südafrika eine elitäre reaktionäre Literatur in Englisch und Afrikaans, deren Vertreter unter anderem E. F. S. Cloete und R. Campbell sind, die die annexionistische Ideologie burischer und britischer Siedler konservieren. In den 30er Jahren widerspiegelt die Literatur Westafrikas die Auseinandersetzung junger Intellektueller mit dem Kolonialismus, unter anderem die Romane «Karim» (1935) und «Täuschungen von Paris» (1937). Die in der sprachlich schönen Lyrik L. S. Senghors reflektierte Négritude erstarrte nach dem 2. Weltkrieg zur reaktionären Doktrin. Die Lyrik des Senegalesen D. Diop und die aus der Folklore schöpfenden antikolonialen Gedichte von A. R. Bolamba (Zaïre), J. Rabemananjara (Madagaskar) und G. F. Tchicaya U Tam’si (VR Kongo) stellen eigenständige literarischen Leistungen dar. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Kamerun ein Zentrum französischsprachiger kritisch-realistischer Prosa. Die Romanciers M. Beti und L. F. Oyono setzten sich am Vorabend der Unabhängigkeit mit dem Kolonialismus wie auch mit fortschrittshemmender Stammesideologie auseinander. A Sadji (Senegal) entlarvt in dem Roman «Nini, Mulattin aus Senegal» (1954) die von der «assimilierten» senegalesischen Bourgeoisie vertretene doppelbödige Moral. Hingegen beschränkt sich C. Laye (Guinea) in seinen Romanen auf die idealisierte Darstellung afrikanischer Tradition und wird von revolutionär-demokratischen Autoren, wie O. Sembène, kritisiert. A. Loba, neben B. B. Dadié einer der bekanntesten Autoren der Elfenbeinküste, weist in dem Roman «Kocoumbo, der schwarze Student in Paris» (1960, deutsch) die junge afrikanische Intelligenz auf ihre Aufgaben bei der Herausbildung der Nation hin. Anfang der 50er Jahre entwickelte sich Nigeria zum Zentrum der englischsprachigen Literatur. War «Der Palmweintrinker» (1952, deutsch) von A Tutoula ein phantastisch-grotesker Märchenzyklus, so widerspiegeln Autoren, wie C. Ekwensi, C. Achebe, N. Nwankwo, G. Okara, W. Soyinka und T. M. Aluko die sozialen Auswirkungen der ökonomischen Ausplünderung afrikanischer Völker durch die Kolonialmächte und schildern die Auseinandersetzung progressiver Helden mit den von Neokolonialismus gestützten reaktionären Kräften in den politisch unabhängig gewordenen Ländern. J. P. Clark, G. Okara und W. Soyinka schufen eine intellektuell anspruchsvolle, an das mythologische Erbe anknüpfende und sozial aussagekräftige Lyrik. Dichter aus Ghana, unter anderem R. E. G. Armattoe, M. F. Dei-Anang und J. Okai, sowie die Erzähler S. A Konadu aus Ghana, W. Conton und A. Nicol aus Sierra Leone setzen der kolonialistisch-kapitalistische Überfremdung die Werte eigener Kulturtradition entgegen. Die englischsprachigen Dichter Kenias, unter anderem Ngugi wa Thiong’o, M. Mwangi, sowie O. p’Bitek aus Uganda und A. Kachingwe aus Malawi verbinden die kritisch-differenzierte Haltung gegenüber traditionellem Brauchtum mit antikolonialer Aussage, die bei Ngugi wa Thiong’o revolutionär-demokratische und sozialistische Züge annimmt, zum Beispiel in «Land der flammenden Blüten» (1976, deutsch). In den vom portugiesischen Kolonialismus befreiten Ländern Angola und Mozambique hat die an die volksliterarischen Traditionen anknüpfende Literatur, U. afrikanische Literaturen von A. Neto und M. dos Santos, zum Sieg der Volksmassen beigetragen. Seit der Erlangung der Unabhängigkeit erlebt die Literatur in Angola und Mozambique einen starken Aufschwung. Die weitere Entfaltung afrikanischer Nationalliteraturen steht in engem Zusammenhang mit der progressiven gesellschaftlichen Entwicklung, die das Analphabetentum überwinden wird und den afrikanischen Sprachen zu größerer Geltung verhilft. Zugleich erschließen sich die afrikanische Literaturen neue themat und gestalterische Möglichkeiten, die in kritisch-realistischen und sozialistischen Tendenzen in allen Genres immer deutlicher hervortreten. Das Theater, dessen Anfänge unter anderem in Senegal und Nigeria in die 30er beziehungsweise 40er Jahre zurückreichen, basiert auf fotklor. Traditionen und hat seit den 60er Jahren insbesondere gesellschaftskritischen Funktionen übernommen. besonders in den nichtkapitalistisch orientierten Ländern entwickelt sich eine agitatorisch-propagandistische Schauspielkunst mit revolutionär-demokratischen Inhalt. Zugleich entfaltet sich ein volkstümliches, oft auf mündliches Schaffen beruhendes Laientheater. Besondere Bedeutung hat das progressive Theater in Südafrika.

afrikanische Musik: heute allgemeine Bezeichnung für die Musikkulturen Afrikas südlich der Sahara; deckt sich nicht mit dem geographischen Raum, sondern schließt die arabische Musik Nordafrikas, die Importe der euro-amerikanischen Kunst- und Unterhaltungsmusik in den großen städtlichen Zentren, die alte ägyptische Musik unter anderem aus. Die ältesten Quellen zur Musikgeschichte Afrikas (Felszeichnungen) stammen aus dem Neolithikum und zeigen ein Musikleben mit kultisch-magischen, von Gesang, Händeklatschen und Fußstampfen begleiteten Tänzen, wie sie ähnlich noch heute Vorkommen. Die afrikanische Musik bildet keine in sich geschlossene Musikkultur, sondern besteht aus einer Vielzahl lokaler und regionaler Musikkulturen, die je nach räumlicher Nachbarschaft und ökonomischen, sozialen und kulturellen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart mehr oder weniger eng miteinander verbunden sind. So fügen sich die sozial stärker differenzierten Musikkulturen der Völker des Sudan zu einer musikalischen Großlandschaft. Vom Gebiet des Zaire bis weit über den Sambesi erstreckt sich die Zone der Musikkulturen der Bantuvölker, die besonders vielfältige Formen der Mehrstimmigkeit ausgebildet haben. Ferner gibt es kleinere Verbreitungsgebiete, etwa von Völkerschaften in Rückzugsgebieten, wie der Buschmänner und Hottentotten in Südwestafrika und der Pygmäen in den Urwäldern Zentralafrikas, die zum Teil sehr urtümliche Musizierformen bewahrt haben. In den Berührungs- und Immigrationszonen, insbesondere im Sudan, im Hochland von Äthiopien und in Ostafrika, haben sich durch Einflüsse der arabischen, christlichen und indisch-indonesischen Kulturen Varianten, Mischformen und Metamorphosen der ursprünglichen Musikkulturen ergeben. entsprechend dem jeweiligen sozialökonomischen Entwicklungsstand der Stämme und Völkerschaften sind die lokalen beziehungsweise regionalen Musikkulturen in sich mehr oder weniger reich gegliedert. Bei manchen treten archaische Züge in sozialer Funktion und Musizierstil stark hervor. Höfliche Musik und Berufsmusikertum haben sich besonders im Sudan entwickelt. Wichtige allgemeine Züge der afrikanischen Musik sind die enge Bindung an Kult, Brauchtum und Tanz, weitgehende Kollektivität des Musizierens, Vorliebe für perkussive Tonerzeugung und Stirnmaskierung, hochentwickelte Rhythmik; verbreitet sind vokale und instrumentale Mehrstimmigkeit in vielfältigen Formen; der Gruppengesang kennt sowohl das responsorische wie das antiphonische Prinzip; neben kleinräumigen Melodien sind pentatonisch und heptatonisch am meisten verbreitet. Mit der nationalen Befreiung haben die afrikanischen Völker auch die Erforschung, Bewahrung und Entwicklung ihrer musikalischen Traditionen begonnen (Einrichtung nationaler Bildungs- und Forschungszentren, Gründung staatlichen Gesangs und Tanzensembles, zum Beispiel in Mali, Guinea, Senegal, Mozambique unter anderem Ländern).

afrikanische Sprachen: Sprachen, die auf dem afrikanischen Kontinent von der autochthonen Bevölkerung gesprochen werden. Semitisch- hamitische Sprachen (vor allem nördlich der Sahara): semitischen Sprachen (zum Beispiel Arabisch, Amharisch, Tigrinja), Berbersprachen, Altägyptisch, kuschitische Sprachen (zum Beispiel Oromo, Somali), tschador-hamitische Sprachen (zum Beispiel Hausa). Sprachen des subsaharischen Raumes: Kwa-Sprachen (zum Beispiel Yoniba, Twi, Ewe, Igbo), Mande-Sprachen (zum Beispiel Bambara, Malinke), Sonrai, Saharasprachen (zum Beispiel Kanuri), nilotische Sprachen (zum Beispiel Luo, Masai), zentralsudanische Sprachen, (zum Beispiel Sango), Kordofansprachen, bantoide Sprachen (zum Beispiel Ful, Wolof, Efik, Tiv), Bantusprachen (zum Beispiel Swahili, Lingala, Ganda, Kongo, Nyanja, Rwanda, Rundi, Zulu, Xhosa, Shona). Khoisansprachen: Sprachen der Buschmänner und Hottentotten im Südwesten Afrikas. Auf Madagaskar wird Malagasy gesprochen; daneben sind in Afrika Sprachen indoeuropäischer Herkunft verbreitet worden, die jedoch eine schwache soziale Basis haben. Die meisten Staaten des subsaharischen Afrika sind sprachlich sehr heterogen. Die Verständigung zwischen verschiedensprachigen Bevölkerungsteilen erfolgt vor allem mittels solcher afrikanische Sprachen S., die sich über einen längeren Zeitraum hinweg auf Grund des sozialökonomischen Entwicklungsstandes ihrer Träger, der sprachnormierenden Tätigkeit unter anderem gegenüber anderen durchgesetzt haben (zum Beispiel Swahili, Hausa, Amharisch, Lingala unter anderem). Unter der Kolonialherrschaft wurden von der Administration indoeuropäischen Sprachen bevorzugt verwendet, während sich die Verbreitung und Entwicklung der meisten afrikanischen Sprachen weitgehend spontan vollzog. Nach Erringung der staatlichen Selbständigkeit wuchs die Rolle afrikanischer Sprachen als Verständigungsmittel in der offiziellen Sphäre. Sprachen wie zum Beispiel Swahili, Somali, Malagasy, Nyanja, Yoruba, Hausa unter anderem werden in zunehmendem Maße anstelle von indoeuropäischen Sprachen verwendet. Die Position dieser und anderer afrikanische Sprachen als Literatursprachen konnte gefestigt werden. Die meisten afrikanischen Sprachen werden mit lateinischer Schrift geschrieben.

Afrikanistik: ursprünglich im Sinne von Afrikawissenschaften verwendet; heute wird darunter vor allem die Erforschung und linguistische Beschreibung der Sprachen des subsaharischen Afrika verstanden.

Afrikawissenschaften: Gesamtheit aller gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen, die zum Gegenstand Probleme Afrikas südlich der Sahara haben. Die marxistisch-leninistische Afrikawissenschaften beschäftigen sich unter anderem mit der Geschichte der vorkolonialen Periode und der nationalen Befreiungsbewegung, der sozialen und ökonomische Entwicklung, dem Prozess der Formierung von Nationen, der Rolle von Parteien und der Staatsmacht sowie ideologischen, kulturellen und spracht. Problemen dieses Raumes.

Afroamerikaner: Bevölkerungsgruppe negrider Herkunft in Amerika; Nachkommen aus Afrika verschleppt als Sklaven; etwa 40 Millionen.

afro-portugiesische Kunst: von W. P. Fagg geprägter Begriff für Schnitzereien aus Elfenbein (Salzfässer, Löffel, Pfefferbüchsen, Hörner), die im 16./17. Jahrhundert von Europäern westafrikanischen Künstlern in Auftrag gegeben wurden.

After, Anus: Ausmündung des Darmrohres oder der Kloake. Beim Menschen durch 2 Ringmuskeln verschlossen. Bei Erkrankungen des Dick- oder Mastdarmes kann vorübergehend oder dauernd ein künstlicher After (Anus praeternaturalis) an der Bauchdecke angelegt werden.

Afterdrüsen, Analdrüsen: bei Insekten und Wirbeltieren im Afterbereich mündende Drüsen, deren meist stark riechendes Sekret der Erkennung des Geschlechtspartners, der Markierung der Reviergrenzen sowie der Abwehr von Feinden dient

After-Loading-Technik, Nachladetechnik: strahlenschutzgünstige Technik der Strahlentherapie; dabei werden eingekapselte radioaktive Strahler über Kanülen oder Schläuche direkt in den zu bestrahlenden Gewebebereich oder eine Körperhöhle eingebracht, nachdem zuvor die Einbringung der Kanüle oder des Schlauches erfolgte.

Afterskorpione, Pseudoscorpiones: Ordnung der Spinnentiere mit über 1000 skorpionähnliche Arten von 0,8 bis 7 mm Länge und bräunliche oder rötlich-brauner Färbung; der Bücherskorpion (Chelifer cancroides) lebt in Rindenspalten, Vogelnestern, aber auch in alten Schriften, Herbarien und Bienenkästen.

Aga, Bufo marinus: Riesenkröte mit mehr als 20 cm Länge und variabler, jedoch vorwiegend grauer Färbung; bewohnte ursprünglich Süd- und Mittelamerika, ist aber durch den Menschen auch in anderen Erdteilen angesiedelt worden; wird mit Erfolg zur Schädlingsbekämpfung in Zuckerrohrplantagen eingesetzt.

Agadir: Stadt (Provinzzentrum) in Marokko, am Atlantik; 88000 Einwohner, Fischverarbeitung, Zementwerk; Seebad; Hafen, internationaler Flughafen; 1960 durch Erdbeben stark zerstört. Panthersprung nach Agadir ist Schlagwort für die Entsendung des deutschen Kanonenbootes «Panther» am 1.7. 1911 nach Agadir, die provokatorische Antwort der deutschen Regierung auf die Besetzung der marokkanischen Stadt durch Frankreich. Die deutsche Aktion verschärfte die 2. Marokkokrise und die Kriegsgefahr.

Ägäische Inseln: größtenteils zu Griechenland gehörige Inseln im Ägäischen Meer (nur Imroz adasi und Bozcaada sind türkisch); als griechischer Landesteil 9113 km2, 420000 Einwohner, 46 Einwohner/km2; gegliedert in 5 Distrikte (Verwaltungszentren in Klammem): Chios (Chios), Dodekanisos (Rodos), Kykladen (Hermoupolis), Lesvos (Mytilene), Samos (Samos). Abbau von Eisen-, Mangan- und Bleierz, Schwefel, Bimsstein, Antimon, Marmor, Asbest und Schwerspat. In den Gebirgen Schafzucht, in den Ebenen und an den Hängen Anbau von Wein, Getreide, Oliven, Obst, Südfrüchten; Küstenfischerei (unter anderem Schwämme); starker Fremdenverkehr; aktiver Vulkanismus auf Thera und Nisyros. Die Inseln im Nordosten von Euböa werden als Nördliche Sporaden (77 Inseln mit Skyros), die im Südosten von Euböa als Kykladen (etwa 200 Inseln mit Naxos, Andros, Paros, Tenos und Melos), die der anatolische Küste im Südwesten vorgelagerten als südliche Sporaden (50 Inseln mit Rodos, Samos, Chios und Patmos) bezeichnet. Der südöstliche Teil der südlichen Sporaden wird auch Dodekanisos (Dodekanes) genannt.

Ägäisches Meer, Ägäis: Teil des Mittelmeeres zwischen Griechenland und der Türkei, mit dem Schwarzen Meer durch die Dardanellen verbunden; 179000 km2, im Nordosten von Kreta bis 2530 m tief; Wassertemperatur zwischen 11°C (Winter) und 25 °C (Sommer), Salzgehalt 37 bis 39 %o; stark gegliederte Küsten, zahlreiche Inseln (Ägäische Inseln); erst in geologisch junger Zeit durch Brüche und Einstürze entstanden; die einstige Landverbindung zwischen Balkanhalbinsel und Anatolien ist heute eine untermeerische Schwelle; vulkanische Tätigkeit äußert sich noch jetzt in heftigen Erdbeben, heißen Quellen und vulkanische Neubildungen (Thera). Erdölsuchbohrungen wurden besonders im nördlichen Teil des Ä M. fündig. Die Ausbeutungsrechte sind jedoch zwischen Griechenland und der Türkei umstritten, da beide Staaten bezüglich der Abgrenzung ihrer Hoheitsgewässer unterschiedlicher Standpunkte einnehmen.

Aga Khan: Titel des Oberhaupts (Imam) eines Zweiges der Ismailiten, besonders in Südasien und Ostafrika.

Aga Khan Sultan Muhammad Schah, 2.11.1877-11.7.1957, indischer Politiker; konservativ, pro-britisch orientiert; 1906 Mitbegründer der Allindische Moslemliga, 1937 Präsident des Völkerbundes.

Agamemnon, sagenhafter König von Mykene, Sohn des Atreus (daher Atride genannt), Bruder des Menelaos, Anführer der Griechen im Trojanischen Krieg; opferte vor der Ausfahrt der Flotte seine Tochter Iphigenie. Nach seiner Rückkehr wurde Agamemnon von seiner Frau Klytaimestra und ihrem Liebhaber Ägisth (Aigisthos) erschlagen.

Agamen, Agamidae: über 300 Arten umfassende Echsenfamilie tropischer und subtropischer Gebiete (außer Amerika) mit gut entwickelten Gliedmaßen, langen Schwänzen, häufig mit Körperanhängen (Hömer u. ä.) und physiologischer Farbwechsel. Hierzu gehören unter anderem Flugdrachen, Domschwänze und viele australische Arten, wie die Bartagamen (Amphibolurus barbatus) mit spreizbarer stachliger Kehlhaut oder die bis 1 m lange Kragenechse (Chlamydosaurus kingii) mit breiter Halskrause.

Agamogonie: ungeschlechtliche Fortpflanzung; Vermehrung ohne Gameten, häufig bei Flagellaten.

Agana: Stadt, Verwaltungszentrum der US-Kolonie Guam; 3 ISO Einwohner; Lebensmittel-, chemische Industrie; Hafen, internationaler Flughafen.

Agar: aus Rotalgen des Indischen, Atlantischen und Stillen Ozeans hergestellte farblose Droge, die sich in kochendem Wasser auflöst und beim Erkalten zu einer steifen Gallerte erstarrt; wird zur Herstellung fester Nährböden für Mikroorganismen, zur Appretur feiner Gewebe und als Haushaltgelatine verwendet.

Agarbiceanu, Ion, 12. 9. 1882 bis 28. 5. 1963, rumänischer Schriftsteller; setzt sich in seinen Novellen («Vom Lande», 1906; «Der Pope Man», 1920) und Romanen («Die Erzengel», 1914) von einem kleinbürgerlich-humanistischen Standpunkt aus mit der gutsherrlich-bürgerlichen rumänischen Gesellschaft auseinander.

Agarizin: Gift des weißen Lärchenschwamms (Agaricus albus), hemmt unter anderem die Schweißsekretion.

Agassiz, Louis, 28.5.1807-14.12.1873, schweizerischer Naturforscher; verfasste wichtige Arbeiten über ausgestorbene und lebende Fische, Weichtiere, Stachelhäuter; Pionier der Gletscherforschung; Antidarwinist.

Agathokles, Agathokles von Syrakus, um 361-289 vor Christus, Söldnerführer, unterstützt von Volk und Söldnern, wurde Agathokles 316 Tyrann und 304 König von Syrakus. besonders erfolgreiche Kriege führte er gegen Karthago.

Agathon, um 447-nach 405 vor Christus, griechischer Tragiker, Vertreter der modernen antiken Tragödie; beeinflusste die weitere Entwicklung der Tragödie hinsichtlich der Stoffwahl, der Chorlieder und der Sprache.

Agave: etwa 300 Arten umfassende Gattung der Agavengewächse der subtropischen und tropischen Trockengebiete Amerikas; sukkulente Rosettenpflanzen, Blütenschaft 6 bis 8 m hoch, Blätter bis 3 m lang; nach einmaligem Blühen nach etwa 25 Jahren absterbend; zum Teil wertvolle Faserpflanzen (Sisalhanf); auch Zierpflanze.

Agenda: Schreibtafel, Merkbuch; auch Terminkalender.

Agende: Gottesdienstordnung, kirchliches Handbuch, das die Gottesdienstordnung enthält.

Agens: Agenzien, 1. Philosophie das Wirkende; treibende Kraft, wirkende Ursache.

2. Sprachlehre: Träger des Geschehens im Satz. Im Deutschen steht das Agens im aktiv. Satz im Nominativ, zum Beispiel der Mensch arbeitet. Siehe auch Patiens.

Agent: 1. ein im Auftrag eines anderen Handelnder; siehe auch Handelsvertreter 1.

2. Person, die für eine fremde Macht, deren Einrichtungen oder Vertreter oder einen Geheimdienst oder für ausländische Organisationen sowie deren Helfer „Nachrichten oder Gegenstände, die geheim zu halten sind, verrät oder ausliefert, sich von diesen anwerben lässt, sich zur Mitarbeit anbietet oder diese in sonstiger Weise unterstützt.

Ager publicus: (lateinisch, «Gemeindeland») in den ältesten Zeiten Roms das gemeinschaftlich genutzte Weideland; später das in den eroberten Gebieten zugunsten des römischen Staates beschlagnahmte Land, das zur Ansiedlung römischer Bürger und zur Verpachtung an die römische Großgrundbesitzer verwendet wurde; seit dem 5. Jahrhundert vor Christus wurden heftige Kämpfe zwischen Patriziern und Plebejern um den Anteil am Ager publicus geführt.

Agesilaos II, 444-um 360 vor Christus, König von Sparta seit 399; führte 396/394 erfolgreiche Kriege gegen Persien in Kleinasien; erkaufte die Sicherung der Hegemonie Spartas über Griechenland mit der Preisgabe der kleinasiatischen Griechen an Persien (386). Nach 371 lag die Verteidigung Spartas gegen Epaminondas von Theben in den Händen A’ H.

Aggiornamento, italienisch: Anpassung der katholischen Kirche in Bezug auf Lehre, Liturgie, Organisation und Beziehungen zu den anderen Kirchen und zur gegenwärtigen Welt.

Agglomerat: 1. Hüttenwesen: aus feinkörnigem Erz durch oberflächliches Zusammenfritten beziehungsweise Schmelzen (Sintern oder Agglomerieren) hergestelltes hüttenmännisches Vorprodukt, das alle Schmelzzuschläge enthält. Wichtig sind Porosität und Grobstückigkeit, die die Verhüttung (Reduktion) im Schachtofen (zum Beispiel Hochofen) erleichtern.

2. Petrographie: unverfestigte Ablagerung von Gesteinsbruchstücken, im engeren Sinne eine Anhäufung von verfestigten vulkanischen Auswurfprodukten (Agglomerat-Tuff).

Agglomeration: 1. allgemein Anhäufung, Zusammenballung.

2. Chemie: Vereinigung oder Zusammenballung von Feststoffteilchen oder feinsten Tröpfchen zu größeren Verbänden (Agglomeraten); zum Beispiel die Ausfällung von Stoffen aus Emulsionen, Suspensionen oder Aerosolen, auch das Sintern von feinkörnigem Erz.

3. Geographie: städtliche Siedlungsform, die durch das räumliche Zusammenwachsen von Siedlungen gekennzeichnet ist, zum Beispiel einer Großstadt mit ihren Randgemeinden.

4. Agglomeration, Konglomeration: Medizin - Zusammenballung von Blutzellen oder Bakterien.

Agglutination: Verklebung, Zusammenballung, zum Beispiel von roten Blutzellen einer fremden Blutgruppe (Agglutinogene) durch spezifische Abwehrstoffe des Organismus (Antikörper, Agglutinine) mit dem Resultat einer Ausfällung des Reaktionsproduktes.

agglutinierende Sprachen: Sprachen, in denen für jede grammatische Bedeutung ein eindeutiges sprachliches Element steht; mehrere können aneinandergereiht werden. Zu den agglutinierenden Sprachen gehören die finnougrischen Sprachen, zum Beispiel ungarisch könyv (Buch), könyv-ek (Bücher), könyv-nek (dem Buch), könyv-eknek (den Büchern).

Aggravation: absichtliche Übertreibung der körperlichen und psychischen Beschwerden.

Aggregat: Maschinenbau aus mehreren Maschinen, Apparaten oder Geräten bestehende Baueinheit, die eine komplexe Funktion zu erfüllen hat, zum Beispiel Dampfturbinen-, Elektro-, Pumpenaggregat.

Aggregation: Vereinigung oder Zusammenballung verschiedener oder gleicher Teilchen (Atome, Ionen, Moleküle, Kolloidteilchen) zu einem größeren Verband (Aggregat) durch physikalische Kräfte.

Aggregatzustand: von Druck und Temperatur abhängige Zustandsform eines Stoffes. Im gasmässigen Aggregatzustand bewegen sich die Moleküle beziehungsweise Atome vollkommen ungeordnet, die Abstände zwischen ihnen sind relativ groß und die Wechselwirkungskräfte der Moleküle daher relativ klein. Gase beziehungsweise Dämpfe besitzen kein festes Volumen und keine feste Gestalt. Im festen Aggregatzustand schwingen die Moleküle um ihre Gleichgewichtslagen. Man unterscheidet zwischen kristallinen Festkörpern (Kristall) mit regelmäßiger periodischer Anordnung der Gleichgewichtslagen (Fernordnung) und amorphen Stoffen mit statistischer Verteilung der Gleichgewichtslagen. Festkörper besitzen ein festes Volumen und eine feste Gestalt. Im flüssigen Aggregatzustand besteht die Bewegung der Moleküle aus kleinen Schwingungen um die Gleichgewichtslagen und einer Verschiebung der Gleichgewichtslagen. Eine Ordnung wie in Kristallen ist nur in kleinen Bereichen ausgebildet (Nahordnung). Bezüglich Ordnungszustand und Wechselwirkung der Moleküle stehen die Flüssigkeiten zwischen Gasen und Festkörpern. Sie besitzen ein relativ festes Volumen, aber keine feste Gestalt. Als 4. Aggregatzustand bezeichnet man das I Plasma.

Aggressine: von Parasiten gebildete Angriffsstoffe (zum Beispiel Enzyme), die das Abwehrvermögen des Wirtes schwächen und das Eindringen erleichtern.

Aggression: 1. Psychologie: Angriffsverhalten mit dem Ziel, die eigene Potenz zu erhöhen und die des Angegriffenen zu verringern; Reaktion auf eine wirkliche oder scheinbare Bedrohung, auf eine Frustration oder Ausdruck einer Selbstwertstörung.

2. Völkerrecht: verbotene und als internationales Verbrechen zu ahndende Anwendung von bewaffneter Gewalt durch einen Staat, die gegen die Souveränität, territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines anderen Staates gerichtet ist oder in irgendeiner anderen Weise im Widerspruch zur UN-Charta steht. Siehe auch Gewaltverbot.

aggressiv: angriffslustig; herausfordernd; widerrechtlich angreifend, aggressive Wässer: Wasser, die infolge ihres Gehalts an schädlichen Stoffen auf Gesteine, Bau-, Werkstoffe und Rohrleitungen zerstörend einwirken.

Ägide: (griechisch, nach der Ägis) Schild, Schutz; Obhut, Leitung.

Agigea: Kurort an der Schwarzmeerküste Rumäniens, südlich von Constanta; Hafenanlage Constanta-Sud-Agigea für Donau-Schwarzmeer-Kanal im Bau; in der Nähe Sanddünen und Agigeasee (botanische und ornithologische Schutzgebiet).

äginetische Kunst: griechische Kunstschule auf Aigina (Agina) im 5. Jahrhundert vor Christus, die damals vor allem durch Erzgießerei berühmt war. Erhaltenes Hauptwerk in Marmor sind die sogenannten Ägineten (München, Glyptothek), ursprünglich die Giebelskulpturen des dorischen Aphaia-Tempels von Aigina aus der Übergangsstufe vom spätarchaischen zum klassischen Stil.

Agiotage: spekulative Ausnützung von Kursschwankungen an der Börse.

Aegis: in der griechischen Sage Schild des Zeus oder lederner Brustpanzer der Athene mit dem Haupt der Medusa in der Mitte.

Agitation und Propaganda: politisch-ideologisches Einwirken auf Bewusstsein und Stimmung der Volksmassen, Verbreitung und Erläuterung von politischen Ideen, Lehren und Grundsätzen einer Weltanschauung. Agitation und Propaganda sind wichtige Instrumente des Klassenkampfes. Die politische Agitation und Propaganda der marxistisch-leninistische Parteien dient der Entwicklung des revolutionären Bewusstseins und der politischen Aktivität der Volksmassen sowie der Herausbildung einer wissenschaftlichen Weltanschauung. Sie zeichnet sich aus durch Ideengehalt, Wissenschaftlichkeit, offene Parteilichkeit, Volksverbundenheit und Lebensnahe, differenziertes Vorgehen, Vielfalt der Mittel und polemischer Geist. Sie unterscheidet sich in Inhalt, Zielen, Formen und Methoden grundsätzlich von der imperialistischen Meinungsmanipulation, die der Verschleierung der wirklichen Verhältnisse dient.

agitato: Musik erregt, stark bewegt.

Agitprop: (Kurzwort) Agitation und Propaganda mit künstlerischen Mitteln (kleine dramatische Formen, Rezitationen, Songs, Massenlieder, Sprechchöre, Pantomime, Tanz unter anderem). Erste Agitpropgruppen entstanden nach der Oktoberrevolution in der UdSSR; waren in den 20er und 30er Jahren massenwirksam in Deutschland (zum Beispiel «Truppe 31») unter anderem imperialistische Ländern.

Aglykon: (griechisch) der Nichtzuckeranteil der Glykoside.

Agnaten: (lateinisch) männliche Verwandte, die von einem gemeinsamen Stammvater abstammen; siehe auch Kognaten.

Agnatha: älteste Wirbeltiere mit zum Teil stark gepanzerten Formen, vom Ordovizium bis Devon, zum Teil auch als Ostracodermen bezeichnet. Cyclostomata sind aus dem Carbon bekannt. Siehe auch Kieferlose.

Agnon, Samuel Josef, 17.7.1888-17.2.1970, hebräischer Schriftsteller; verfasste Romane («Gestern, vorgestern», 1969, deutsch) und Erzählungen.

Agnosie: 1. Medizin: Störung der komplexen Sinneswahrnehmung bei intakten Sinnesorganen; beruht auf Funktionsstörungen des Großhirns.

2. Philosophie: Unwissen, Nichtwissen.

Agnostizismus: (dat. griechisch, zu «Agnosie») philosophische Richtung, die die Fähigkeit des Menschen zur Erkenntnis der Wirklichkeit bezweifelt, einschränkt oder völlig leugnet und die Wirklichkeit für nur teilweise oder prinzipiell nicht erkennbar hält. Die wichtigsten Formen des Agnostizismus wurden von D. Hume und I. Kant (Ding an sich) begründet und meist vulgarisierend, von T. H. Huxley, S. Mill, H. Spencer unter anderem weitergeführt. Der spätbürgerliche Agnostizismus leugnet insbesondere die Existenz oder Erkennbarkeit gesellschaftliche Entwicklungsgesetze.

agnoszieren: als richtig anerkennen; die Identität feststellen.

Agnus Dei: (lateinisch, «Lamm Gottes») Symbol für das Sühneopfer Christi, auch Anrufung Christi während des Opfermahles in der katholischen Messe beziehungsweise in der evangelischen Abendmahlsliturgie. In der Messe als musikalisch-zyklische Form der letzte der 5 vertonten Ordinariumssätze mit dem Dona nobis pacem («Gib uns Frieden») am Schluss.

Agogik: Lehre vom lebendig-variablen, nicht metronomisch starren musikalischen Vortrag. In dieser Bedeutung wurde der Begriff Agogik 1884 von H. Riemann eingeführt.

Agolli, Dritero, geboren 13.10.1931, albanischer Schriftsteller, sein Hauptwerk, der Roman «Kommissar Memo» (1970) schildert den Partisanenkampf im 2. Weltkrieg; verfasste auch Erzählungen, Poeme und Gedichte («Bergpfade und Bürgersteige», 1965).

Agon: im antiken Griechenland Bezeichnung für jeden Kampf, besonders aber für Wettkampf; hierbei Unterscheidung in gymnische Agon (Lauf, Ringen, Speerwurf unter anderem), hipp. Agon (Pferde-, Wagenrennen) und musische Agon (Musik, Poesie, Tanz).

Agonie: Vorstadium des Todes, meist nicht bewusst erlebt.

Agonisten: Arzneimittel oder andere chemische Substanzen, die durch ihre Reaktion am Rezeptor gleiche Wirkungsqualitäten entfalten.

Agonistiker: (griechisch, «Kämpfer») Anhänger einer nordafrikanischen sozialen Bewegung im 4. und zu Anfang des 5. Jahrhundert nach Christus; bekämpften den wachsenden kirchlichen Grundbesitz und bildeten den radikalen Flügel der afrikanischen Sonderkirche der Donatisten. Die Agonistiker entstammten meist den unteren Volksschichten und den Sklaven. Die herrschende Klasse bezeichnete sie verächtlich als Circumcellionen (Umherziehende).

Agora: in den meisten altgriechische Stadtstaaten Bezeichnung für Volksversammlung, später auch für Versammlungs- und Marktplatz sowie für den Marktverkehr.

Agra: Stadt im Unionsstaat Uttar Pradesh (Indien); 750000 Einwohner; Textil-, Lederindustrie, Kunsthandwerk; Handelszentrum; Fremdenverkehr, Universität; Taj Mahal (17. Jahrhundert) unter anderem Prunkbauten aus der Zeit der Großmoguln; in der Nähe die alte Mogulresidenz Fatehpur Sikri.

Agrammatismus: Unfähigkeit, grammatisch richtig zu sprechen; Wörter und Satzteile werden ungeordnet, oft ohne verbindende Deklination aneinandergereiht; tritt bei Aphasie und hochgradigem Schwachsinn (Idiotie) auf.

Agranulozytose: extreme Verminderung der gekörnten weißen Blutzellen (Granulozyten), zum Beispiel durch Arzneimittelüberempfindlichkeit; gekennzeichnet durch hohes Fieber und Mundschleimhautgeschwüre.

Agraphie: Verlust des Schreibvermögens bei erhaltener Intelligenz und Gebrauchsfähigkeit der Hand auf Grund lokaler Schädigung des Gehirns.

Agraraktiengesellschaft: in der Landwirtschaft besondere juristische Form des Zusammenschlusses von agrarkapitalistischen und zum Teil auch bäuerlichen Betrieben zu landwirtschaftlichen Großbetrieben, wobei die Landwirte das lebende Inventar und die anstehende Ernte im Gründungsjahr als Anteil einbringen, dort Beschäftigung finden und für den Boden eine Pachtzahlung erhalten.

Agrarflug: 1. Einsatz von Luftfahrzeugen in der Land- und Forstwirtschaft; siehe auch aviochemischer Flugdienst.

Agrargeographie, Landwirtschaftsgeographie: Teildisziplin der ökonomischen Geographie, die die landwirtschaftliche Produktionsstruktur, deren regionale Differenzierung und Wechselbeziehungen in einem Wirtschaftsgebiet erforscht. Da die Landwirtschaft als wichtigster Flächennutzer der Volkswirtschaft den Boden als Produktionsstandort und Hauptproduktionsmittel benutzt, ist für die Agrargeographie die Untersuchung der natürlichen Standortverhältnisse besonders wichtig. Die Agrargeographie steht in enger Verbindung zu den Agrarwissenschaften (vor allem zur Agrarökonomie) und zu naturwissenschaftlichen Disziplinen (zum Beispiel Bodenkunde). Bei gering entwickelter landwirtschaftlicher Produktionstechnik beziehungsweise in Trocken-, Höhen- und Kältegrenznähe wird die Agrarproduktion durch die Naturverhältnisse stärker beeinflusst.

Agrargesetz: soviel wie Ackergesetz. Agrar-Industrie-Kombinat: hauptsächlich in der UdSSR verbreitete Vereinigung mehrerer staatliche-sozialistische Landwirtschaftsbetriebe mit einem Verarbeitungsbetrieb zu einem Kombinat, wobei bestimmte Entscheidungsbereiche (Investitionen) zentralisiert werden. Solche Kombinate bilden sich zwischen Zuckerrübenbaubetrieben und Zuckerfabriken oder in der Rindermast zwischen Jungtierlieferbetrieben und einem Mast sowie zum Teil Schlachtbetrieb heraus.

Agrar-Industrie-Komplex, Abkürzung AIK: Gesamtheit der ökonomisch, technologisch und gegebenenfalls auch organisatorisch miteinander verbundenen Volkswirtschaftsbereiche zur Erzeugung von Produktionsmitteln für die Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, landwirtschaftlichen Rohstoffen und deren Ver- oder Bearbeitung zu Nahrungsmitteln, Konsumgütern oder Produktionsmitteln sowie zu deren Lagerung, Transport und Absatz. Der Volkswirtschaft. AIK erstrebt ein den wachsenden Bedürfnissen entsprechend steigendes Aufkommen an Nahrungsgütern und landwirtschaftlichen Rohstoffen bei verbesserter Effektivität der Produktion und erhöhter Arbeitsproduktivität, die weitere Sozialist Intensivierung der Landwirtschaft und Überwindung der wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land. Er bietet günstige Möglichkeiten für die Vertiefung der internationalen sozialistischen ökonomischen Integration. Agrar-Industrie-Staat Industrie-Agrar-Staat.

Agrar-Industrie-Vereinigung Pflanzenproduktion, Abkürzung AIV: Form der vertieften Kooperation zwischen Einheiten der Pflanzenproduktion, Dienstleistungseinrichtungen für die Landwirtschaft und gegebenenfalls Lagerungs-, Verarbeitungs- und Handelsbetrieben für Agrarprodukte zur effektiveren Gestaltung des Produktionsprozesses in der Pflanzenproduktion durch koordiniertes Zusammenarbeiten. Mitgliedsbetriebe sind in der Regel LPG und VEG Pflanzenproduktion, ACZ, Meliorationsbetriebe und Trockenwerke; die Kreisbetriebe für Landtechnik arbeiten in den ATV mit. entsprechend den örtlichen Bedingungen kann die Zusammenarbeit auch auf Betriebe ausgedehnt werden, die pflanzlichen Erzeugnisse lagern, be- und verarbeiten beziehungsweise absetzen. Die ATV ist rechtsfähig und arbeitet nach den Prinzipien der wirtschaftlichen Rechnungsführung. Agrar-Industrie-Zusammenschlüsse: Organisationsformen in sozialistischen Ländern, in denen sich staatliche und genossenschaftliche Landwirtschaftsbetriebe mit solchen anderer Zweige der Volkswirtschaft (Verarbeitungsbetriebe, Einrichtungen für Reparaturen, Transport, Lagerung und des Großhandels) in einem bestimmten Territorium auf kooperativer Grundlage zusammenschließen. Die Agrar-Industrie-Vereinigung Pflanzenproduktion weisen in den einzelnen Ländern unterschiedlicher organisatorischer und juristischer Formen und Bezeichnungen (Agrar-Industrie-Kombinate, Agrar-Industrie-Vereinigungen unter anderem) auf.

Agrarkrise: Überproduktionskrise in der kapitalistischen Landwirtschaft; wird häufig als Folge der zurückgehenden Kaufkraft während einer industriellen Überproduktionskrise ausgelöst. Die Agrarkrise dauert gewöhnlich länger als die industrielle Krise, da die Zahlung der kapitalistischen Grundrente die allseitige Anwendung des technischen Fortschritts als Grundlage eines neuen wirtschaftlichen Aufschwungs erschwert und die werktätigen Bauern bei schlechter Absatzlage versuchen, durch besonders starke Erweiterung ihrer Marktproduktion den notwendigen Mindesterlös zu erhalten. Die Agrarkrise, die in der allgemeinen Krise des Kapitalismus chronischen Charakter annimmt, verstärkt den sozialen Differenzierungsprozess in der Landwirtschaft, fördert die Entwicklung kapitalistische und monopolistische Agrarunternehmen und führt zur massenhaften Ruinierung werktätiger Bauern.

Agrarmarkt: Sphäre der Kauf- und Verkaufshandlungen bei landwirtschaftlichen Produkten. Auf dem Agrarmarkt treffen das landwirtschaftliche Warenangebot und die mit Kaufkraft versehene Nachfrage zusammen. Zu unterscheiden sind der innere Agrarmarkt (Sphäre der landwirtschaftlichen Warenzirkulation innerhalb der Landesgrenzen) und der äußere Agrarmarkt (Bereich der landwirtschaftlichen Warenzirkulation zwischen den nationalen Absatzmärkten). Siehe auch gemeinsamer Agrarmarkt.

Agrarökologie: Teilgebiet der Ökologie, das sich mit der Erforschung ökologischer Zusammenhänge in der landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft beschäftigt.

Agrarökonomie: wirtschaftswissenschaftliche Disziplin, die die Wirkung, Erscheinungsformen und Ausnutzung der objektiven ökonomischen Gesetze unter Beachtung der natürlichen Besonderheiten der landwirtschaftlichen Produktion im Rahmen der jeweiligen Produktionsweise analysiert. Die sozialistischen Agrarökonomie geht von den Erkenntnissen der marxistisch-leninistischen politischen Ökonomie aus und untersucht die Wirkungsweise der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten im einheitlichen sozialistischen Reproduktionsprozess, um diesen im Volkswirtschaftsbereich Landwirtschaft immer wirksamer gestalten zu können und wissenschaftlich begründete Unterlagen für eine effektive Nahrungsgüterproduktion bereitzustellen. Die Agrarökonomie stützt sich auf die beiden wissenschaftlichen Disziplinen Ökonomie der sozialistischen Landwirtschaft und sozialistische Betriebswirtschaft.

Agrarökonomik: Gesamtheit der Produktionsverhältnisse im Volkswirtschaftsbereich Landwirtschaft.

Agrarpolitik: System politische, wirtschaftliche und juristische Maßnahmen zur Einflussnahme auf die Landwirtschaft im Interesse der jeweils herrschenden Klasse. Die Agrarpolitik widerspiegelt die jeweilige klassenmäßige und ökonomische Entwicklung der Landwirtschaft. Als Teil der Wirtschaftspolitik wirkt sie auch auf die Gestaltung der Wechselbeziehungen zu anderen Bereichen der Volkswirtschaft ein. Im Sozialismus beruht die Agrarpolitik auf dem Bündnis zwischen der Arbeiterklasse und der Klasse der Genossenschaftsbauern. Ihr Ziel ist die Vervollkommnung der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der Landwirtschaft, die effektive Gestaltung des sozialistischen Produktions- und Reproduktionsprozesses und die Entwicklung sozialistische Arbeits- und Lebensbedingungen für die Werktätigen in der Landwirtschaft.

Agrarreform: Gesamtheit der ökonomischen, sozialen und politischen Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Anpassung der Produktionsverhältnisse an den Entwicklungsstand der Produktivkräfte beziehungsweise zu ihrer beschleunigten Entwicklung. Den Kern von Agrarreformen bilden Maßnahmen zur Veränderung der bestehenden Eigentums- und Besitzverhältnisse an Grund und Boden, ohne deren Wesen zu verändern. Charakter, Wesen, Inhalt und Formen der Agrarreform werden von den jeweils herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen geprägt. Siehe auch Bodenreform.

Agrarrevolution: revolutionäre Überwindung der alten, überlebten Sozialökonomische und politische Ordnung in der Landwirtschaft und ihre Ablösung durch eine neue, fortschrittlichere Ordnung, die den herangereiften Produktivkräften entspricht. Die bürgerliche Agrarrevolution ersetzt die feudalen Ausbeutungsverhältnisse durch kapitalistische, führt aber vielfach nicht zur konsequenten Vernichtung der feudalen Verhältnisse. Ergebnis ist die Verquickung kapitalistischer und feudaler Ausbeutungsformen in der Landwirtschaft. Erst die sozialistische Agrarrevolution, die untrennbarer Bestandteil des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaftsordnung ist, führt zur Befreiung der werktätigen Bauern und schafft die Voraussetzung für eine neue Stufe der Vergesellschaftung der landwirtschaftlichen Produktion auf der Grundlage des sozialistischen Eigentums an den Produktionsmitteln, das jede Ausbeutung ausschließt, die Planung der Produktion möglich und notwendig macht und der Entwicklung moderner landwirtschaftlicher Produktivkräfte breiten Raum gibt. Siehe auch Bodenreform.

Agrarstaat: ökonomische Charakteristik für einen Staat, dessen Wirtschaftsstruktur von der landwirtschaftlichen Produktion bestimmt wird, in dem die Landwirtschaft den Hauptteil des Nationaleinkommens liefert und dessen Bevölkerung im Allgemeinen vorwiegend in der Landwirtschaft beschäftigt ist. Agrarstaaten sind in der Regel wirtschaftlich rückständige Länder (häufig mit starkem Einfluss ausländischen Kapitals), die auf den Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und den Import von industriellen Fertigwaren ausgerichtet sind.

Agrarstruktur: Gesamtheit der ökonomischen und politischen Verhältnisse auf dem Lande in einer bestimmten historischen Epoche. Die Agrarstruktur wird durch das jeweilige Gesellschaftssystem bestimmt, durch den Entwicklungsstand der Produktivkräfte und ihre Übereinstimmung oder auch Widersprüche zu den Produktionsverhältnissen, durch die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, die Klassenverhältnisse, die gesellschaftliche Stellung der unmittelbaren Produzenten in der Landwirtschaft und deren Arbeits- und Lebensbedingungen, die Rechtsverhältnisse, die Betriebsgrößenstruktur, die Flurordnung und das Siedlungswesen, die natürlichen Bedingungen der Agrarproduktion, die Art der Bodennutzung sowie den Stand und die Anwendung von Wissenschaft und Technik.

Agreement: (englisch, «Übereinkunft») Vereinbarung, Verabredung; zivilrechtlicher Vergleich beziehungsweise Vertrag; siehe auch Gentlemen’s Agreement.

Agrément: Zustimmung eines Staates für einen vom Entsendestaat vorgesehenen Chef einer diplomatischen Mission; wird in der Regel mündlich erteilt.

Agricola: 1. Georgius, eigentlich Georg Bauer, 24.3.1494 21.11.1555, Arzt und Montanwissenschaftler, lebte und wirkte ab 1531 in Chemnitz; gab eine erste wissenschaftliche Beschreibung der Bergbau und Hüttenproduktion (Lagerstättengeologie, Erzsuche, Bergbau, Aufbereitung, Probierkunst, Metallurgie) in seinem Hauptwerk «De re metallica, libri XII» (1556, 12 Bücher vom Berg- und Hüttenwesen); entwickelte die von Ibn Sina aufgestellte Mineralklassifikation weiter und gab zahlreiche Beschreibungen geologischer Phänomene auf der Grundlage von Naturbeobachtungen und antiker Quellen.

2. Gnaeus Iulius, 40-93 nach Christus, römischer Feldherr; 77/84 Statthalter in der römischen Provinz Britannia. Tacitus, As Schwiegersohn, verfasste seine Biographie, die eine wichtige Geschichtsquelle darstellt.

3. Agricola, eigentlich Schnitter, Johannes, 24.4.1494 22.9.1566, Protestant. Theologe; verfasste unter anderem die «Tragedia Johannis Hus» (1537) und sammelte Sprichwörter.

4. Mikael, um 1510-9.4.1557, finnischer Reformator; Begründer der finnische Schriftsprache und Literatur. Als erstes finnisch-sprachiges Werk erschien sein ABC-Buch (um 1543). As bedeutendste Leistung ist die Übersetzung des Neuen Testaments ins Finnische (1548).

Agrigento: Stadt im Südwesten der italienischen Insel Sizilien; Verwaltungszentrum der Provinz A; 51000 Einwohner; Kali- und Leichtindustrie, Sardinenfischerei; archäologisches Museum, Bibliothek; Dom; griechische Altertümer (Concordia-, Heraklestempel).

Agrikultur: Bezeichnung für die gesamte Landwirtschaft, besonders für den eigentlich Acker- und Pflanzenbau.

Agrikulturchemie: Zweig der angewandten Chemie, der sich besonders mit Pflanzen- und Tierernährung, Düngerlehre und Bodenkunde sowie mit Pflanzenschutzmitteln befasst.

Agrippa, Marcus Vipsanius, um 62-12 vor Christus, römischer Feldherr und Staatsmann; Schwiegersohn des Augustus; errang 31 vor Christus in der Schlacht bei Actium einen Sieg über Antonius. Agrippa ließ bekannte Bauten in Rom (unter anderem das Pantheon, Wasserleitungen und Thermen) und in den Provinzen errichten und eine Weltkarte anfertigen.

Agrippa von Nettesheim, Heinrich Cornelius, 14.9.1486-18.2.1535, Arzt, Alchimist und Philosoph; bekämpfte den Hexenglauben, verfasste eine (entschiede gesellschaftskritische) Satire gegen die scholastische Wissenschaft.

Agrippina: 1. Agrippina der Ältere, Agrippina Vipsania, um 14 vor Christus-33 nach Christus (Selbsttötung), 2. Tochter des Agrippa, Frau des Germanicus, Mutter des Caligula; seit 30 (nach dem geheimnisvollen Tod ihres Mannes) Verbannung auf der Insel Pandateria (bei Neapel).

2. Agrippina Iulia, 15-59 nach Christus (ermordet), Tochter von Germanicus und Al, herrschsüchtige Frau des römischen Kaisers Claudius; vergiftete 54 ihren Mann, um ihren Sohn Nero auf den Thron zu bringen. Unter dessen Regierung verlor sie ihren politischen Einfluss. Nero ließ sie aus Argwohn umbringen. 50 n. Chr. erhielt ihr Geburtsort, das heutige Köln, nach ihr den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensis.

Agrobiologie, Agrarbiologie: Wissenschaft von den biologischen Gesetzmäßigkeiten in der Landwirtschaft; erforscht zum Beispiel Anatomie, Physiologie, Lebensbedingungen, Entwicklung, Umweltbeziehungen und Vererbung der für die Landwirtschaft wichtigen Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, jeweils Teilgebiet der Botanik, Zoologie, Genetik, Bodenbiologie, Physiologie, Ökologie.

Agronom: ausgebildete Fachkraft auf dem Gebiet der Pflanzenproduktion mit leitender oder beratender Tätigkeit.

Agronomie: allgemeine Bezeichnung für die Lehre vom Acker- und Pflanzenbau.

Agro Pontino: Gebiet der früher malariaverseuchten Pontinische Sümpfe in Mittelitalien, südöstlich von Rom; etwa 800 km2; durch Entwässerungsanlagen (Bonifica Pontina) kultiviert; Zentrum Latina; der Ackerbau um Sabaudia, Pontinia, Aprilia und Pomezia dient der Versorgung Roms.

Agrotechniker: landwirtschaftlicher Facharbeiter mit der Spezialisierung auf die Pflanzenproduktion.

agrotechnische Termine: standörtlich bedingte, aus langjährigen Erfahrungen und wissenschaftlichen Untersuchungen hervorgegangene, günstige Zeitspannen für die Durchführung acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen.

Agt, Andries van, geboren 2.1.1931, niederländischer Politiker (christlich-demokratische Partei); Ministerpräsident 1977/82.

Aguascalientes: (spanisch, «heiße Wässer») Hauptstadt des Bundesstaates Aguascalientes (Mexiko), inmitten des Hochlandes; 250000 Einwohner; Eisenbahnwerkstätten, Hüttenwerke, Textilindustrie; bedeutender Verkehrsknoten.

Aguinaldo, Emilio, 22. 3. 1869-6.2.1964, Führer des gemäßigt-liberalen Flügels der philippinische Unabhängigkeitsbewegung; Teilnehmer anderen nationalen antispanischen Unabhängigkeitsrevolution 1896/98 unter Bonifacio, stand ab 1897 an der Spitze der revolutionären Regierung, seit 1899 als Präsident; kämpfte gegen die US-Intervention, betrieb nach seiner Gefangennahme 1901 einen Kompromiss mit den USA.

Aguirre, Ignacio, geboren 23.12.1900, mexikanischer Graphiker, Maler und Wandmaler; Mitglied verschiedener revolutionärer Künstlervereinigungen (Liga der revolutionären Schriftsteller und Künstler, Werkstatt für Volksgraphik, Nationale Front der Bildenden Künstler); gestaltete vorwiegend Themen aus der revolutionären Bewegung und dem Volksleben.

Aguirre Cerda, Pedro, 23.11.1879-25.11.1941, chilenischer Politiker, Rechtsanwalt; Vertreter der progressiven Schichten des Bürgertums; seit 1915 Abgeordneter der Radikalen Partei; als Präsident (1938) einer Volksfrontregierung, die von Radikalen, Sozialisten und Kommunisten unterstützt wurde, leitete er ein umfassendes Reformprogramm ein, unter anderem staatliche Versicherung, moderne Volksbildung und Schaffung eines staatlichen Sektors der Wirtschaft.

Agung, indonesischer Sultan, 1613/45 Herrscher von Mataram. Unter seiner Regierung wurde das Reich zur führenden Macht auf Jawa. Agung war ein erbitterter Gegner des niederländischen Kolonialismus und unternahm 1628/29 zweimal erfolglos die Belagerung Batavias.

Aguti, (spanisch - indianisch) Goldhase, Dasyprocta aguti: hochbeiniges, hasengroßes Nagetier südamerikanischen Wälder und Savannen. Agutis leben gesellig und ernähren sich vorwiegend von Kräutern, Schösslingen, Wurzeln und Früchten.

Agyeya, eigentlich Sachchidanand Hiranand Vatsyayan, geboren 7.3.1911, indischer Lyriker, Schriftsteller und Essayist; Begründer des Experimentalismus in der Hindi-Literatur; beschreibt die menschliche Psyche in ihrer Auseinandersetzung mit der Umwelt. Neben seinem bekanntesten Roman «Shekhar ein Lebensbild» (2 Bände, 1941/44) erschienen Gedichte in «Nur einen Augenblick auf grünem Gras» (1948), Erzählungen in «Jaydob» (1951) unter anderem

Ahaggar, Hoggar, wüstenhaftes Gebirgsmassiv in Algerien, in der zentralen Sahara; bis 2918 m; zahlreiche Oasen; Buntmetallerz-, Eisenerz-, Erdgaslager, Diamanten; südwestlich Ausläufer Adrar des Iforas. Hauptwohngebiet der Tuareg.

Ahidjo, Ahmadou, geboren 10.5.1924, kamerunischer Politiker, gründete 1957 die Kamerun. Union; 1960/82 Staatspräsident; verfolgte kapitalistisch orientierten Kurs eines «geplanten Liberalismus».

Ahlbeck, Ostseebad: Gemeinde im Kreis Wolgast, Bezirk Rostock, im Ostteil der Insel Usedom; 5300 Einwohner; Erholungs-, Kurheime, Heilbad, Klubhaus, Pionierlager; Fischerei.

Ahle: spitzes, nadelähnlich, mit Griff oder Haltevorrichtung versehenes Werkzeug zum Einstechen von Löchern in feste Werkstoffe.

Ahlgrimm, Isolde, geboren 31.7.1914, österreichische Cembalistin; international geschätzte Interpretin alter Klaviermusik, insbesondere der Werke J. S. Bachs.

Ahmadabad, Ahmedabad: Stadt im Unionsstaat Gujarat (Indien); 2,6 Millionen Einwohner; Textil- (Baumwolle, Seide, Chemiefaser), chemische und keramische Industrie, Maschinenbau, Kunsthandwerk; Universität; Flughafen.

Ahmadi, AI-: Stadt in Kuwait, 20 km südlich von Al-Kuwait; 190000 Einwohner; Zentrum des Erdölfördergebietes; Petrolchemie, Erdölleitung (mit natürlichem Gefälle) zum Ölhafen Mina al-Ahmadi (einem der größten der Welt), hier chemische Industrie, Zementfabrik, Meerwasserentsalzung.

Ahmed, Fakhruddin Ali, 13.5.1905 bis 11.2.1977, indischer bürgerlicher Politiker, seit 1931 Mitglied des Indischen Nationalkongresses, Juni 1970 Landwirtschaftsminister der Zentralregierung, seit 1974 Staatspräsident Ahmedabad Ahmadabad.

Ahmed, fax-, eigentlich Tacettin Ibrahim, 1334-1413, türkischer Dichter, schrieb einen Diwan lyrische Gedichte, die zum Teil an Omar Chajjams lebensbejahende Dichtung erinnern, ein «Alexanderbuch» (1390), die märchenartige Dichtung «Cemsid und Hursid» und «Aufheiterung der Seelen», ein medizinisches Buch in Versen.

Ahmings, Ahminge: Marken an Bug und Heck von Schiffen (bei großen Schiffen auch mittschiffs) zum Ablesen des Tiefgangs und Bestimmen des Trimms.

Ahmose, 2 ägyptische Könige: 1. Ahmose herrschte 1562/1537 vor Christus; er ist Begründer der 18. Dynastie; befreite Ägypten von der Hyksos-Herrschaft; führte erfolgreiche Kriege gegen Nubien und Phönikien.

2. Ahmose II., Amasis, herrschte 568/526 vor Christus; als Feldherr des Apries besiegte er dessen Heer und usurpierte die ägyptische Königsgewalt; unterwarf Zypern. Unter seiner Regierung erlebte Ägypten einen Aufschwung.

Ahnen: alle Vorfahren männlichen und weiblichen Geschlechts eines Menschen.

Ahnenfigur: in der urgesellschaftliche europäische, afrikanische, australische und altamerikanische Kunst der Darstellung und Verehrung der Vorfahren dienende Kultplastik.

Ahnenkult: Verehrung der Vorfahren, verbunden mit Opfern, Gebeten und der Darstellung der Ahnen (Ahnenbilder) oder Masken (Maskentänze). Ahnentafel: Tierzucht nach Generationen geordnete Übersicht über die Vorfahren eines Zuchttieres, wobei jede Generation eine Ahnenreihe bildet; allgemein werden Angaben über Geburts- und Abgangsdatum sowie Leistungen der aufgeführten Tiere vorgenommen.

ähnlich: bezüglich zweier Figuren die Eigenschaft, durch gestaltgleiche Vergrößerung der einen eine zur anderen kongruente (deckungsgleiche) Figur erhalten zu können; 2 Dreiecke sind zum Beispiel ä., wenn zu 2 Innenwinkeln des einen Dreiecks 2 zu ihnen kongruente des anderen existieren.

Ähnlichkeit, biologische: Gleichartigkeit biologischer Systeme (zum Beispiel Individuen verschiedener Arten oder unterschiedlichen Alters), die bei Verschiedenheit der Masse (zum Beispiel Maus Elefant) und anderer charakteristischer Größen (zum Beispiel Pulsfrequenz) in der Übereinstimmung bestimmter aus diesen Größen gebildeter dimensionsloser Potenzprodukte zum Ausdruck kommt (zum Beispiel hydrodynamische Ähnlichkeit, Reynoldssche Zahl, Allometrie).

Aho, eigentlich Brofeldt, Juhani, 11. 9.1861-8. 8.1921, finnischer Schriftsteller; seine Erzählung «Die Eisenbahn» (1884, deutsch) und der Roman «Schweres Blut» (1911, deutsch) ragen durch treffende Gesellschaftskritik hervor. Um 1900 wurde er zum führenden Vertreter der finnischen Literatur.

A-Horizont: humose, dunkelgraue Mineralbodenlage an der Oberfläche des Bodens mit bis zu 30% organischer Substanz. Man unterscheidet die Subhorizonte Ap (Ackerkrume), Ah (Humushorizont) und Aw (Wurzelfilzhorizont). Der A-Horizont ist ein Oberbodenhorizont (Bodenhorizont).

Ahorn, Acer: Laubbaum der nördlichen Erdhalbkugel mit meist gelappten, oft platanenähnlichen Blättern und geflügelten 2teiligen Spaltfrüchten; hochwertiges Holz. Heimatliche Arten sind Spitzahorn (Acer platanoides), Bergahorn (Ahorn pseudoplatanus), Feldahorn (Ahorn campestre); siehe auch Laubhölzer.

Ähre: Blütenstand mit unverzweigter Hauptachse und daran ansitzenden ungestielten Blüten.

Ährenfische, Atherinidae: Fischfamilie mit etwa 160 meist kleinen Arten; Bewohner der Küstenzonen tropischer und subtropischer Meere, einige im Süßwasser, zum Teil Aquarienfische.

Ahriman: (persisch) Personifikation des Bösen im Zoroastrismus; siehe auch Ohrmazd.

Ahu: in Polynesien aus Steinen auf Kultplätzen errichtete Plattform («Altar»), zum Teil mit Götter- und Ahnenplastiken.

Ahvaz: Stadt (Provinzzentrum) im Südwesten Irans, am Karun; 330000 Einwohner; Petrolchemie, Düngemittelproduktion, Walzwerk, Wärmekraftwerk (1260 MW; im Bau); internationaler Flughafen; Universität; im Osten von Ahvaz bedeutende Erdölfelder. Größere Zerstörungen im Verlauf der irakischen iranischen militärischen Auseinandersetzungen seit 1980.

Aiakos, lateinisch Aeacus, in der griechischen Sage Sohn des Zeus und der Ägina; wegen seiner Gerechtigkeitsliebe nach seinem Tode mit Minos und Rhadamanthys Richter in der Unterwelt.

Aichi: Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, an der Ise-Bucht (Stiller Ozean); 5124 km2, 6,1 Mill. Einwohner, 1190 Einwohner/km; Teil des Industriegebietes von Chukyo mit Nagoya als Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum; breit gefächerte Industriestruktur, besonders Fahrzeugbau, Metallurgie, Textil- und Bekleidungsindustrie, Chemie sowie Nahrungs- und Genussmittelindustrie; in der Landwirtschaft Anbau von Reis und Gemüse; Geflügelzucht; im Küstensaum Aquakulturen.

Aichinger, Ilse, geboren 1.11.1921, österreichische Schriftstellerin; mit ihrem Mann Günter Eich (1907-1972) Mitglied der «Gruppe 47»; gestaltete in dem Roman «Die größere Hoffnung» (1948) Schicksale von Opfern faschistischer Verfolgung.

Aida-Trompete: Metallblasinstrument; Trompetenvariante in schlanker, gerader Form und mit kegelförmigem, kurzem Schallstück von 20 cm Durchmesser; zylindrischer Rohrverlauf (bis 1,55 m lang); eng mensuriert; mit ein bis 3 Périnetventilen; von G. Verdi für die Musik zu «Aida» vorgeschrieben.

Aids: (Abkürzung für Acquired Immune Deficiency Syndrome, englisch „erworbenes Immundefekt-Syndrom“): durch Körpersekrete, Intimkontakte, Blut und Blutprodukte (Transfusionen) übertragbare gefährliche Infektionskrankheit mit Zerstörung des zellulären Immunsystems (T-Zell-System). Erreger ist wahrscheinlich das Humane T-Zell-Lymphom-Virus (HTLV). Aids tritt bevorzugt bei Homosexuellen und Drogensüchtigen auf. Kennzeichen sind anfangs anhaltendes hohes Fieber, Schweißausbrüche, Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellungen; später schwerste Infektionen des abwehrlosen Organismus durch „Opportunistische“ (primär harmlose) Erreger, insbesondere atypische Lungenentzündungen und beziehungsweise oder bösartige Hauttumoren (Kaposi-Sarkome) mit Organabsiedlungen. Aids wurde erstmals 1979 in New York beobachtet.

Aigina, Ägina: griechische Insel im Golf von Aigina zwischen Attika und Peloponnes; bis 532 m hoch, 83 km2, 9000 Einwohner, wichtigster Ort Aigina (5000 Einwohner; Reste eines Tempels der Göttin Aphaia). Im Altertum bedeutender Handelsplatz; in der Mitte des 7. Jahrhundert vor Christus wurden hier die ersten Silbermünzen Griechenlands geprägt. 456 vor Christus musste Aigina dem 1. Att. Seebund beitreten.

Aigle: Stadt im Südwesten der Schweiz (Kanton Waadt), im Rhonetal; 6500 Einwohner; Erdölraffinerie; Erdölleitung von Genua über Aigle nach Ingolstadt; Weinbau.

Aigner, Chrystian Piotr, vor 30.6.1756-8.2.1841, polnischer Architekt des Klassizismus; baute seit 1788 in Warschau und Pulawy Paläste (ehem. Radziwill palais; Warschau) und Kirchen mit schweren Fassadenformen.

Aigospotamoi: in der griechischen Antike Stadt und Fluss auf dem thrakischen Chersones (Halbinsel Gelibolu). Hier unterlag Athens Flotte den Spartanern unter Lysander am Ende des Peloponnes. Krieges (405 vor Christus).

Aigrette: Kopfschmuck aus einem Gesteck aus Federn, die in einem Edelmetallring zusammengefasst werden, besonders zur Zeit des Empire getragen.

Ayyubiden: islamische Dynastie (1174 bis Mitte des 13. Jahrhundert) in Ägypten, Syrien, Palästina, Nordmesopotamien und Jemen; begründet durch Salah ad-Din, den Saladin der mittelalterlichen Chroniken. Die Ayyubiden erlangten Bedeutung durch ihren Kampf gegen die Kreuzfahrer und wegen ihrer umsichtigen Wirtschaftspolitik, besonders auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

Aimara, Aymara: indianisches Volk im peruanisch-bolivianischen Grenzgebiet der Anden; Träger der vorinkaischen Kultur von Tiahuanaco; im 15. Jahrhundert von den Inkas unterworfen, um 1540 unter spanischer Herrschaft; heute 2 Millionen; Bodenbauer und Viehzüchter, Bergleute.

Aimaräsprachen: südamerikanische Sprachfamilie in Peru und Bolivien. Das Aimara ist neben Ketschua eine der Sprachen südamerikanischen Hochkulturen und wird von letzterem stark verdrängt.

Aimore: im 19. Jahrhundert nahezu ausgerottete Gruppe von sprachlichen isolierten Indianerstämmen in den Urwäldern des brasilianischen Küstengebirges (nur noch etwa 100 Personen); bis Anfang 19. Jahrhundert nomadisierende Sammler und Jäger, zum Teil Fischer. Wegen ihrer großen Unterlippen- und Ohrpflöcke früher abschätzig als Botokuden (von portugiesisch botoque, «Faßspund») bezeichnet.

Aini, Sadriddin, 27.4.1878-15.7.1954, Begründer der tadshikisch-sowjetische Prosa; schuf die Grundlage der modernen tadschikischen Schriftsprache, schrieb Erzählungen («Der Tod des Wucherers», 1939 und 1953, deutsch), Romane («Sklaven», 1934), autobiographische «Erinnerungen» (1949/54; 1. Band deutsch «Buchara») und zahlreiche Arbeiten über Sprache und Literatur der Tadschiken; erster Präsident der tadschikischen Akademie der Wissenschaften (1951).

Ain Salah, Ain Salih: Hauptort der Tidikelt-Oasen, im mittleren Teil Algeriens, in der Sahara; etwa 5000 Einwohner; Straßenknoten an der Transsaharastraße; in der Umgebung Erdöl- und Erdgasgewinnung.

Ainu: (Selbstbezeichnung, «Menschen») sprachlich und anthropologisch isoliertes Volk auf Hokkaido (mit nur geringen mongoliden, teilweise europiden Merkmalen, zum Beispiel starker Bartwuchs); 15000; früher halbnomadischer Fischer und Jäger, wurden sie seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert sprachlich und kulturell nahezu vollständig japanisiert.

Ai Qing, eigentlich Jiang Hai Cheng, geboren 1910, chinesischer Dichter; 1957 als «Rechtselement» verfeint und erst nach dem Tode von Mao Zedong rehabilitiert. Seine Gedichte zeichnen sich durch schlichte Ausdrucksweise, Zuneigung zu den arbeitenden Menschen sowie gesellschaftlichen Engagement aus («Mitteilung vom Tagesanbruch», «Der Sonne zugewandt», «Ovation»).

Air: 1. allgemein Aussehen, Haltung.

2. Musik: Lied, Melodie; auch Sammelbegriff für unterschiedliche Musikformen lied- und tanzartigen Charakters im 16./18. Jahrhundert (zum Beispiel in der Suite).

Air, Azbine: stark zertaltes, vorwiegend kristallines Bergland in Niger, in der südlichen Sahara; bis 2310 m; zahlreiche ehemalige Vulkane; Grasweiden, lichte Gehölze von Gummiakazien; von viehzüchtenden Tuareg bewohnt; Zinn-, Uranerzabbau.

Airborne-Geräte: (zu «airbone» (englisch, «durch die Luft getragen»)) in der Aerogeophysik eingesetzte Instrumente zum Messen geophysikalischer Felder und Strahlungen. Die Messfühler befinden sich gewöhnlich im Schlepp eines Flugzeugs.

Air Mail: Luftpost, Luftpostsendung.

Aischa, um 614-678, Lieblingsfrau Muhammads, Tochter Abu Bakrs; führte zusammen mit dem alten Prophetengefährten Talha und Zubair die mekkanischer Gegner Ali ibn Abi Talibs an.

Aisne: Fluss im Norden Frankreichs; 280 km; Quelle in den Argonnen, mündet oberhalb von Compidgne in die Oise; von der Mündung bis zum Canal des Ardennes schiffbar; Kanäle zu Oise, Marne und Maas. Im 1. Weltkrieg fanden an der Aisne 1914 und 1917/18 schwere Kämpfe statt.

Aitmatow, Tschingis, geboren 12.12.1928, kirgisisch-sowjetischer Schriftsteller; errang mit seinen Erzählungen und Romanen, in denen er mit großem psychologischen Einfühlungsvermögen und gedankliche Tiefe Menschen seiner kirgis. Heimat darstellt, weltliterarische Bedeutung («Djamila», 1958, deutsch; «Der erste Lehrer», 1962, deutsch; «Goldspur der Garben», 1963, deutsch; «Abschied von Gülsary», 1966, deutsch; «Der weiße Dampfen), 1970, deutsch; «Frühe Kraniche», 1975, deutsch; «Schekkiger Hund, der am Meer entlangläuft», 1977, deutsch). Als Dramatiker debütierte Aitmatow mit «Der Aufstieg auf den Fudschijama» (1973, zusammen mit K. Muhamedshanow; Deutsch). Der Roman «Der Tag zieht den Jahrhundertweg» (1980, deutsch) erzählt, unter Verarbeitung alter Legenden und Mythen, vom Schicksal eines Eisenbahnarbeiters in der kasachischen Steppe; verbunden mit einer phantastischen Handlungslinie, die Menschen unserer Erde mit einer fremden Zivilisation in Beziehung bringt, wird das Werk zum künstlerisch-philosophischen Roman über das Schicksal der Menschheit.

Aiun, AI-, Al-Ujun: Stadt im Gebiet Westsahara, nahe der Atlantikküste, im Gebietsteil Saguia al-Hamra; 30000 Einwohner; Phosphathafen, Flughafen. Bei Aiun Phosphatabbau.

Aiwasowski, Gaiwasowski, Iwan Konstantinowitsch, 29. 7. 1817-2. 5. 1900, russischer Marinemaler; schuf virtuos gemalte, farblich oft effektvolle Darstellungen besonders des Schwarzen Meeres in romantische, später realistische Auffassung; malte auch Seeschlachten.

Ai Wu, geboren 1904, chinesischer Schriftsteller; beschreibt in seinen Werken realistisch das Leben der unteren Volksschichten Südchinas und Burmas, den Kampf gegen die japanischen Aggressoren, zum Beispiel im Roman «Bergwüdnis» (1948), und den Aufbau einer sozialistischen Industrie im Roman «Stahl» (1957) unter anderem.

Aix-en-Provence: Stadt im Süden Frankreichs, nördlich von Marseille; 110000 Einwohner; Herstellung von Weinbaugeräten und Transistoren; Mittelpunkt eines Anbaugebietes für Wein, Oliven und Mandeln; Universitätsfakultäten; Museen, Musikfestival; Thermalbad, Spielkasino; Wirkungsstätte P. Cézannes; Kathedrale (11. bis 17. Jahrhundert).

Aiz, Arbeiter-Illustrierte-Zeitung: 1925/33 größte proletarische Illustrierte (rund 500000 Exemplare Auflage), hohe politische Wirksamkeit und hohes literarisches Niveau; ehemals «Sowjetrussland im Bild» (1921/22) und «Sichel und Hammer» (1922/25); erschien 1933/38 in Prag, ab 1937 unter dem Titel «Volksillustrierte».

Ajaccio: Stadt auf der französischen Insel Korsika, Verwaltungszentrum des Departements Corse-du-Sud, in einer fruchtbaren Ebene am Golf von Ajaccio; 51000 Einwohner; Fischerei; Hafen; Napoleonmuseum; Seebad, Sommer- und Winterkurort; Zitadelle; Geburtsort Napoleons I.

Ajanta, Adschanta: Dorf nordöstlich von Bombay mit zahlreichen in den Fels getriebenen buddhistischen Klosteranlagen und Tempelhallen (2. Jahrhundert vor Christus bis 7. Jahrhundert nach Christus) mit bedeutenden buddhistischen Wandgemälden und Skulpturen, die das höfliche Leben der Gupta-Zeit widerspiegeln.

Ajatollah, Ayatollah: Titel hoher geistlicher Würdenträger der Schiiten.

Ajax, griechisch Aias, in der griechischen Sage Held vor Troja, barg die Leiche des Achill, unterlag im Streit um dessen Waffen gegen Odysseus, geriet darüber in Wahnsinn und tötete sich.

Ajka: Stadt in Ungarn, inmitten des Bezirkes Veszprem, im Bakony; 30000 Einwohner; wichtiger Standort der Aluminiumindustrie (Tonerde Herstellung, Aluminiummetallurgie), Wärmekraftwerk, Glasindustrie; in der Nähe Bauxit- und Braunkohlenabbau.

Ajmalin, Neo-Aajmalin, Rauwolfin (lateinisch): Hauptalkaloid der Wurzeln von Rauwolfia serpentina; kommt auch in anderen Rauwolfia-Arten vor; C2oH2602N2; bildet farb- und geruchlose Kristalle; F etwa 206 °C. Ajmalin vermindert die Herzfrequenz, wirkt schwach blutdrucksenkend.

Ajman: kleinstes Scheichtum innerhalb der VAE; 250 km2, 36000 Einwohner, 144 Einwohner/km2; Hauptstadt Ajman mit 3700 Einwohner; Haupteinnahme durch Briefmarkenemission und -verkauf.

Ajmer, Adschmir: Stadt im Unionsstaat Rajasthan (Indien); 380000 Einwohner; Textil-, Lebensmittelindustrie, Werkzeugmaschinenbau, Kunsthandwerk; historischer Akbarpalast, islamischer Wallfahrtsort.

ä jour: (französisch) bis auf den heutigen Tag, auf dem laufenden.

Ajourfassung: leichte Edelsteinfassung, die ein starkes Spiel des Lichts im Stein zulässt, weil dessen Rückseite unbedeckt bleibt.

Aiuusch: 1857-1939, Führer der mongolischen Araten im Gebiet um Chowd in ihrem antikolonialen und sozialen Befreiungskampf (1903/11); beteiligte sich an der Volksrevolution 1921 und am demokratischen Aufbau der Mongolei.

Akaba, AI-: Stadt im Süden Jordaniens, am Roten Meer (Golf von Akaba); 12000 Einwohner; Seehafen (einziger Zugang des Landes zum Weltmeer), 80% des Außenhandels (besonders Phosphate), Anschluss an Hedschasbahn, internationaler Flughafen; in der Nähe Phosphatförderung.

Akaba, Golf von: Nordostteil des Roten Meeres zwischen der Arabischen und der Sinaihalbinsel; 170 km lang, bis 29 km breit und 1828 m tief; Teilstück eines geologischen Grabenbruches mit submariner Schwelle am Eingang zum Roten Meer.

Akademie: 1. im athenischer Hain des Heroen Akademos 387 vor Christus von Platon gestiftete Vereinigung, in der philosophische Probleme diskutiert und für mathematische und astronomische, aber auch gesellschaftswissenschaftliche Forschung fruchtbar gemacht wurden. Die später vom Skeptizismus und Neuplatonismus beherrschte Akademie wurde 529 von Justinian geschlossen.

2. seit der Renaissance Bezeichnung für wissenschaftliche Gesellschaften und Vereinigungen; heute zentrale Forschungs- und Bildungseinrichtung (zum Beispiel Akademie der Wissenschaften der DDR) oder Hochschule (zum Beispiel Bergakademie Freiberg, Medizin. Akademie Dresden); im weiteren Sinne auch Weiterbildungsinstitution (zum Beispiel Betriebsakademie).

Akademiemaler: im alten China Mitglieder der Kaiserliche Malakademie (gegründet Ende 10. Jahrhundert). Ihr an strenge Richtlinien gebundenes Schaffen zeichnet sich durch Naturstudium und Detailtreue aus. Die Akademiemaler erreichten um 1200 mit den Künstlern Ma Yuan und Xia Gui ihren Höhepunkt.

akademischer Grad: von Universitäten, Hochschulen unter anderem wissenschaftliche Institutionen für besondere wissenschaftliche Leistungen verliehener Titel. In der DDR werden seit der Verordnung über die akademischen Grade vom 6.11.1968 folgende akademische Grade verliehen: Diplom eines Wissenschaftszweiges (Dipl.-..., zum Beispiel Dipl.-Ing., Dipl.-Agr.), Doktor eines Wissenschaftszweiges (Dr...., zum Beispiel Dr. Ing., Dr. med.), Doktor der Wissenschaften (Dr. sc. = doctor scientiae, dafür früher auch Dr. habil., zum Beispiel Dr. sc. technisch, Dr. sc. phil.). Die Verleihung eines Doktorgrades setzt den Besitz des jeweils vorangehenden akademischen Grad voraus. An hervorragende Persönlichkeiten mit besonderen Verdiensten um die Entwicklung der Wissenschaft kann der Doktortitel auch ohne spezielle Dissertation ehrenhalber (Dr. h. c. = doctor honoris causa, zum Beispiel Dr. rer. nat. h. c.) verliehen werden.

Akahata: (japanisch, «Das rote Banner») Tages- und Wochenzeitung der KP Japans; erscheint seit 1945 in Tokio; als «Sekki» seit 1928 illegal herausgegeben.

Akaki: Stadt in der Provinz Shewa (Äthiopien), Industrievorort von Addis Abeba; 31000 Einwohner; Textilkombinat, in der Nähe Stahlwerk, Staudamm und Kraftwerk.

Akanthus: wärmeliebende Gattung aus der Familie der Akanthusgewächse; meist dornige Steppen- und Wüstenpflanzen; eine im Mittelmeergebiet verbreitete Art dient als Zierpflanze. Als stilisierte Schmuckform erschien der Akanthus auf griechischen Grabreliefs des 5. Jahrhundert vor Christus; seine distelartigen Blätter wurden zum Hauptmerkmal des korinthischen Kapitells und des römischen Kompositkapitells. Auch in der nachantiken Kunst wurde das Akanthusomament häufig verwendet.

Akarinose, Milbenseuche, Milbenkrankheit: durch eine Milbenart (Acarapis woodi) verursachte Krankheit der erwachsenen Bienen; Sitz des Erregers hauptsächlich in den Atmungsorganen (Tracheen). Symptome der Akarinose sind starker Totenfall im Winter, Unruhe, Auftreten flugunfähiger Bienen. Bekämpfung erfolgt durch Verbesserung der Umweltbedingungen und Anwendung von Räuchermitteln.

Akarizide: Milben tötende Schädlingsbekämpfungsmittel; sie wirken als Kontakt-, Fraß- oder Atemgift.

Akaryobionten, Prokaryota: primitive, einzellige Organismen, mehrzellige Kolonien oder fadenförmige Zellverbände (Bakterien und Blaualgen); ihre Zellen haben weder echte Zellkerne, durch Hüllen abgeschlossene Chromatophoren oder andere Organellen (Karyobionten); ihre Funktionen sind an einfachere, offene Strukturen («Äquivalente») gebunden.

Akazie, Acacia: artenreiche Gattung der Mimosengewächse in tropischen und subtropischen Gebieten, mit meist gelben, köpfchen- oder ährenförmigen Blütenständen; oft als Zierpflanzen, besonders im Mittelmeergebiet, angepflanzt. Falsche Akazie Robinie.

Akbar, (arabisch, «der Große») eigentlich Abulfath Jalal ad Din, 14.10.1542-15.10.1605, indischer Großmogul seit 1556; dehnte sein Reich über ganz Nordindien mit Kashmir und dem östlichen Afghanistan, im Süden bis Orissa und an die Narbada aus; schuf eine starke, auf eine beamtete Aristokratie gestützte Zentralgewalt; erließ 1573 ein Edikt über religiöse Toleranz. Unter Akbar entfalteten sich Kunst und Wissenschaft zu hoher Blüte; sein Grabmal befindet sich in Sikandra bei Agra.

Akelei, Aquilegia: Hahnenfußgewächs der nördlichen gemäßigten Zone, mit meist blauen, spornigen Blüten; heimische Art unter Naturschutz; verschiedenfarbige Gartenformen.

Aken: Stadt im Kreis Köthen, Bezirk Halle, an der mittleren Elbe; 11000 Einwohner; vielseitige Industrie (unter anderem Magnesit-, Flachglas-, Einspritzgerätewerk, Reparaturwerft); Elbumschlaghafen; Heimatmuseum; Nikolaikirche (um 1200), Marienkirche (15. Jahrhundert), Rathaus (17. Jahrhundert), Reste der Stadtbefestigung.

Aken, Piet van, geboren 15.2.1920, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; schrieb sozialkritische Erzählungen («Klinker», 1954) und Romane («Das Begehren», 1952, deutsch; «Die Nigger», 1959, deutsch); mit Kriegs- und Nachkriegserfahrungen von Widerstandskämpfern beschäftigen sich die Romane «Nur die Toten entkommen» (1947), «Die Verräter» (1962) unter anderem.

Akerblom-Stuhl: (nach einem schwedischen Arzt) Stuhl- oder Sesselform, die durch wirbelsäulengerechte Lehnengestaltung und niedrige Sitzfläche körpergerechtes Sitzen ermöglicht.

Akiba ben Joseph, um 50-137 nach Christus, jüdischer Gesetzeslehrer, schuf die erste umfassende Mischnasammlung (Teil des Talmuds); nach dem Bar-Kochba-Aufstand hingerichtet.

Akinese: Bewegungsarmut, Bewegungslosigkeit des Körpers bei Erkrankungen des Mittelhirns, Stammhirns sowie bei Psychosen.

Akita: 1. Präfektur in Japan, im Norden der Insel Honshu; 11611 km2,1,2 Millionen Einwohner (Bevölkerungsabwanderung), 103 Einwohner/km2; Verwaltungs- und Industriezentrum Akita 2. Überwiegend gebirgig und waldbedeckt, in den Ebenen Landwirtschaft mit Reisanbau; geringe Erdölförderung und -Verarbeitung.

2. Stadt in Akita 1, am Japanische Meer; 260000 Einwohner; Bahnknoten.

Akkad: alte semitische Stadt am mittleren Euphrat; war von etwa 2350 (unter der Herrschaft Sargons) bis 2235 vor Christus der mächtigste Staat Mesopotamiens. Die Vereinigung großer Teile des Zweistromlandes ermöglichte eine Erweiterung und Verbesserung des Fluss- und Bewässerungssystems.

Akkadisch: semitische Sprachen, akkadische Kunst: die Kunst des mesopotamischen Reiches Akkad (2. Hälfte 3. Jahrtausend vor Christus); siehe auch altvorderasiatische Kunst.

Akklamation: 1. (mündliche) Zustimmung; Beifall, Zuruf.

2. Treffen einer Entscheidung durch Zuruf oder einmütigen Beifall (bei bestimmten Wahlgängen, Abstimmungen).

Akklimatisation: Gewöhnung an ein fremdes Klima, die sich in Tagen bis Monaten vollzieht; zum Beispiel Fähigkeit zur geregelten Schweißabgabe zwecks Verdunstungskühlung bei Aufenthalt in den Tropen.

Akko: Stadt im Norden Israels, an der Mittelmeerküste; 37000 Einwohner; bedeutendes Eisen- und Stahlwerk, keramische und chemische Werke; Fischereihafen.

Akkommodation: Anpassung. Beim Auge besteht die Akkommodation in einer Zunahme oder Abnahme des Krümmungsgrades der Linsenvorderfläche, wobei sich die Brechkraft des Auges insgesamt erhöht oder vermindert. Im ersteren Fall wird auf Gegenstände scharf eingestellt, die sich in der Nähe befinden, im anderen Fall wird auf sich mehr als etwa 4 m vor dem Auge befindende Objekte scharf eingestellt. Bei der Nahakkommodation werden durch Zusammenziehung eines ringförmigen, mit dem Linsenrand verbundenen Muskels die Aufhängefasern der Linse zugentlastet. Auf Grund ihrer Kugelelastizität nimmt sie die erforderliche stärkere Krümmung an. Bei Nerven ist die Akkommodation eine Verminderung der Ansprechbarkeit gegenüber Reizungen, wenn deren Stärke, von Osten an beginnend, sehr langsam zunimmt Auch bei hohen Reizstärken wird dann die Erregungsschwelle nicht überschritten.

Akkompagnement: Instrumentalbegleitung einer Gesangs- oder Instrumentalpartie auf der Grundlage eines bezifferten Basses (Generalbass).

Akkord: Musik - sinnvoller Zusammenklang von mehr als 2 verschieden hohen, nicht oktawerwandten Tönen; wird nach historisch wandelbaren Regeln gebildet.

Akkordeon: Handharmonika, meist als Pianoakkordeon, auch Schifferklavier genannt, mit 22 bis 41 Klaviertasten für die Melodie und 8 bis 120 Bassknöpfen, die Begleitakkorde formen. Das Akkordeon wurde 1829 von C. Demian in Wien erfunden und seitdem vielfach weiterentwickelt.

Akkordlohn: eine der Grundformen des Arbeitslohnes im Kapitalismus, die die Höhe des Lohnes der Arbeiter von der in einer bestimmten Zeiteinheit von ihnen herzustellenden Menge von Produkten beziehungsweise Einzelteilen (Stück, Meter, Tonnen und so weiter) abhängig macht und zur Steigerung der Ausbeutung führt.

Akkreditierung: 1. Prozess der Ernennung des Chefs einer diplomatischen Vertretung.

2. staatlicher Zustimmung, dass Ausländer (zum Beispiel Journalisten) in einem Staat bestimmte Tätigkeiten aufnehmen dürfen.

Akkreditiv: 1. Akkreditiv, letter of credit (englisch, «Kreditbrief»): Bankwesen Anweisung einer Bank, an einen Dritten für ihren Auftraggeber unter genau vorgeschriebenen Bedingungen eine Zahlung bis zur Höhe eines bestimmten Betrages zu leisten; auch als Bankakkreditiv bezeichnet. Das Akkreditiv tritt international als Barakkreditiv im Reiseverkehr und als Dokumentenakkreditiv im Warenhandel auf, wobei die Zahlung nur gegen Vorlage der vom Käufer als Akkreditivsteller vorgeschriebenen Dokumente erfolgt. Das Dokumentenakkreditiv wird vor allem im Außenhandel angewendet und stellt ein Instrument zur Sicherung vor dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Importeurs dar, da dieser den Rechnungsbetrag bei Abteilung und vor Warenlieferung bei einer Bank deponieren muss. Der Einhaltung der vertraglichen Vereinbarungen durch den Exporteur dienen Akkreditivbedingungen in den Akkreditivdokumenten, von deren Erfüllung die Auszahlung des Akkreditivbetrages abhängig gemacht wird.

2. Akkreditiv, Kreditiv: Völkerrecht Beglaubigungsschreiben beziehungsweise Vollmacht für den Chef einer diplomatischen Mission. Mit der Entgegennahme des Akkreditiv durch das Staatsoberhaupt des Empfängerstaates ist die betreffende Person akkreditiert. Siehe auch Akkreditierung.

Akkretion: Einfall von Materie auf einen Himmelskörper (Planet, Stern unter anderem) aus seiner Umgebung.

Akkulturation, Akkulturierung: Anpassung und versuchte Angleichung an eine als überlegen angesehene Kultur.

Akkumulation: 1. allgemeine Anhäufung.

2. Geomorphologie: j1 Ablagerung.

3. politische Ökonomie: Prozess der Bildung und Verwendung eines Teils des gesellschaftlichen Mehrprodukts für die Erweiterung der Produktion, die Ausdehnung der materiellen Grundlagen des nichtproduktiven Bereiches der Gesellschaft und die Erweiterung der notwendigen Reserven für die Sicherung der Kontinuität von Produktion und Konsumtion.

- Kapitalistische Akkumulation ist Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital; Grundlage der Produktion von Mehrwert auf erweiterter Stufenleiter; Prozess der Klassenpolarisierung, der schließlich die notwendige Ablösung des Kapitalismus herbeiführt. Sozialist Akkumulation ist die Rückverwandlung eines Teils des Mehrprodukts in zusätzliche produktive Fonds, Grundlage der sozialistischen erweiterten, gegenwärtig vor allem der intensiv erweiterten Reproduktion. im weiteren Sinne ist Akkumulation auch die Verwendung eines Teils des Reineinkommens der Gesellschaft zur Erweiterung der Fonds für Zirkulation und gesellschaftliche Konsumtion (Kultur, Sport, Bildung, Gesundheitswesen und so weiter). sozialistische Akkumulation ist der Prozess der ständigen Verbesserung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus der Werktätigen und der Schaffung der Bedingungen der Entfaltung ihrer Persönlichkeit sowie der Gewährleistung der Verteidigungsbereitschaft der sozialistischen Gesellschaft. Siehe auch Gesetz der sozialistischen Akkumulation, ursprüngliche Akkumulation des Kapitals.

Akkumulationsfonds: Teil des volkswirtschaftlich verfügbaren Nationaleinkommens, der für die Erweiterung und Vervollkommnung der Produktion im Inland, für Investitionsbeteiligung in anderen sozialistischen Ländern, für die Entwicklung der Fondsbestände im nichtproduzierenden Bereich sowie für die Erhöhung der Reserven verwendet wird. Höhe und stoffliche Zusammensetzung des Akkumulationsfonds bestimmen maßgeblich die weitere Vervollkommnung der materiell-technischen Basis des Sozialismus als entscheidende Voraussetzung für kontinuierliches Wirtschaftswachstum und ständige Verbesserung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes. Akkumulationsquellen: Teile des Mehrproduktes, die zur Erweiterung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses verwendet werden. Im Kapitalismus ist der aus der Ausbeutung der Lohnarbeiter durch die Kapitalisten erzielte Mehrwert die Hauptakkumulationsfonds im Sozialismus sind es die Gewinne der sozialistischen Betriebe.

Akkumulationsrate: prozentualer Anteil des akkumulierten Teiles des Nationaleinkommens am gesamten Nationaleinkommen. Die Höhe der Akkumulationsrate und die rationelle Verwendung der Akkumulationsmittel bestimmen maßgeblich Wachstum und Effektivität der Volkswirtschaft. Im Sozialismus wird die Höhe der Akkumulationsrate vom Staat entsprechend den gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen und den realen Möglichkeiten der Volkswirtschaft planmäßig festgelegt.

Akkumulator: 1. Akkumulator, Kurzwort Akku: Elektrochemie - wiederaufladbare elektrochemische Spannungsquelle. Mehrere Akkumulatorzellen bilden eine Akkumulatorenbatterie mit entsprechend vervielfachter Spannung. Beim Laden des Akkumulators wird elektrische Energie in chemische umgewandelt; beim Entladen kehrt sich der Prozess um. Die wichtigsten Akkumulatoren sind der Bleiakkumulator und der Nickel-Cadmium-Akkumulator.

2. Maschinenbau: Druckflüssigkeitsspeicher.

3. Rechentechnik: Zentraleinheit.

Akkusativ: 4. Fall der Deklination; kennzeichnet in einer Hauptfunktion das direkte Objekt des Satzes, zum Beispiel er isst «einen Apfel».

Akne, Finnenausschlag: Entzündung der Talgdrüsen bei Seborrhoe; meist in der Pubertät beginnend mit Mitessern, Zysten, Pusteln, Knötchen und Abszessen, vorwiegend im Gesicht und am Rücken. Akne kann auch durch Arzneimittel (unter anderem Nebennierenrindenhormone, Vitamin B12, Isoniazid), Chemikalien (Halogene, besonders Chlor, Brom und Jod) sowie durch technische Öle und Fette (Vaseline, Paraffine) hervorgerufen werden.

Aconitase: Enzym des Zitronensäurezyklus, das Zitronensäure über cis-Aconitsäure zu Isocitronensäure umwandelt.

Akonitin: sehr giftiges Alkaloid der Blätter und Wurzeln des Blauen Eisenhuts (Aconitum napellus); C31H470nN; bildet färb- und geruchlose Kristalle; F197 bis 198 °C. Akonitin ist eines der stärksten Pflanzengifte. Bereits 2 bis 5 mg können für den Menschen tödlich sein. Wirkt schmerzlindernd und findet deshalb Anwendung bei neuralgische, rheumatische u. ä. Beschwerden.

Akontozahlung: Abschlagszahlung, mit der eine Verbindlichkeit ratenweise beglichen wird.

Akosombo: Ort im Südosten Ghanas, am Volta; 15000 Einwohner; Voltastaudamm (Kraftwerk 512 MW; 40% der erzeugten Elektroenergie für Aluminiumhütte in Tema, zum Teil auch Export nach Togo und Benin) und -stausee (etwa 8500 km2; Stauraum 148 Md. m3). Unterhalb von Akosombo Kpong-Staudamm (Kraftwerk 160 MW) im Bau.

Akribie: peinliche Genauigkeit; Gründlichkeit.

Acridin: eine tri- und stickstoffheterozyklische Base der Formel C6H4(=CH-)(-N=)C6H4. Acridin bildet farblose, wasserunlösliche Kristallnadeln von typischem Geruch; F 110°C, Kp 346°C; es kommt im Steinkohlenteer vor und dient zur Herstellung von Pharmaka.

Acridinfarbstoffe: als Desinfektionsmittel verwendete Farbstoffe, wie Trypaflavin.

Akriten: (griechisch, «äußerstes Ende») Grenzsoldaten des Byzantinischen Reiches, angesiedelt in Kleinasien, meist Angehörige benachbarter Völkerschaften. Diese Form des Grenzschutzes wurde seit dem 7. Jahrhundert angewandt, besonders im 9. /10. Jahrhundert gegen die Araber und im Kaiserreich von Nikäa (1204/61) gegen die Türken. Als die Akriten ihre Steuerfreiheit verloren, erhoben sie sich 1262 im Bund mit den Bauern, wurden jedoch geschlagen. Das erleichterte das weitere Vordringen der Türken.

Akrobat: Artist, dessen hochspezialisierte Kunstfertigkeit in Körperübungen sich durch besondere Schwierigkeit, Einmaligkeit und Gefährlichkeit auszeichnet. Er gestaltet dabei eine in sich geschlossene Darbietung oder arbeitet in ihr mit.

Akrobatik, Sportakrobatik: Kraft und Geschicklichkeit erfordernde Sportart mit tumerischen und gymnastischen Elementen. Disziplinen sind akrobatische Sprungreihe (Aneinanderreihen von Sprungelementen) Paarübungen (männliche, weibliche und gemischte Paare; Verbindung von Elementen und gymnastischen Komplexen zu einer ästhetisch gestalteten Übung), Gruppenübungen (Dreier(weiblich) und Vierergruppen (männlich), Aufbau von statischen Pyramiden und Ausführungen von Wurfübungen) sowie Rhönradsport mit einem Rhönrad (l,5-2,2m x 0, 4 --0,6 m) aus 2 durch Querstreben verbundenen und mit Fußrasten und Griffen versehenen Rohrreifen, in dem der Sportler steht (Übungsgruppen Rollen und Spiralen). Es werden Pflicht- und (vorher einzureichende) Kürübungen ausgetragen. Punktwertung analog dem Gerätturnen; Weltmeisterschaften seit 1974.

akrodendrisch: Baumkronen bewohnend; akrodendrisch sind Pflanzen (zum Beispiel Mistel) und Tiere (zum Beispiel Laubheuschrecke, Vögel).

Akrodynie: toxisch-allergische Reaktion, vor allem auf Quecksilber, im Mittelhirn. Sie beginnt im Kleinkindesalter und ist unter anderem durch Hautveränderungen an Händen und Füßen, erhöhten Blutdruck und Wesensveränderung gekennzeichnet.

Akrolein: unerträglich scharf riechende, giftige Flüssigkeit der Formel CH2=CH-CHO; Propenal Kp 52,5 °C. Akrolein entsteht bei der Hitzezersetzung von Fetten und wird auch durch Wasserabspaltung aus Glyzerol gewonnen; Verwendung für organisch-chemische Synthesen.

Akromegalie: krankhafte unmäßige Vergrößerung von Händen, Füßen, Ohren, Nase, Kinn, Lippen und Zunge durch gesteigerte Produktion von Wachstumshormon infolge eines Adenoms der Hirnanhangdrüse.

Akromion, Schulterhöhe: höchster Punkt der Schulter, hervorgerufen durch das äußere verdickte Ende der Querleiste (Schultergräte) des menschlichen Schulterblattes.

Akron: Stadt im Nordosten des Bundesstaates Ohio (USA), südlich des Eriesees; 250000 Einwohner (davon 18% Afroamerikaner); größtes Verarbeitungszentrum für natürlichen und synthetischen Kautschuk der USA Maschinenbau, Kfz-Herstellung, chemische Industrie; Universität.

Akropachie: eine hauptsächlich bei Hund und Pferd auftretende Systemerkrankung des Skeletts mit chronischen Anschwellungen an den Gliedmaßenenden; meist im Anschluss an Tuberkulose oder chronischen Eiterungsprozesse.

Akropolis: (griechisch, «Oberstadt») erhöht gelegene Befestigung altgriechische Städte; am bedeutendsten die Akropolis von Athen, die seit mykenischen Zeit besiedelt war und die Staatsheiligtümer der Athener barg.

Akrostichon: ein Name, Wort oder Satz, gebildet aus den aneinandergereihten Anfangsbuchstaben oder -Wörtern der Verszeilen eines Gedichtes.

Akroterion: Giebelzierat an Ecken und First des antiken Tempels oder diesem nachgestalteten Bauwerken und Denkmälern, zum Beispiel Grabstelen.

Akrozyanose: blaurote Verfärbung der Gliedmaßenenden, Ohren, Nase und Lippen meist infolge funktioneller Gefäßstörungen mit verlangsamtem Blutumlauf.

Acrylnitril: farblose, unangenehm riechende, giftige, sehr reaktionsfähige und leicht polymerisierende. Flüssigkeit; CH2=CH-CN; Kp 77,6 °C. Acrylnitril wird durch katalytische Umsetzung von Propen mit Ammoniak und Luft (Ammoxydation) gewonnen und zur Herstellung von Polyakrylnitrilfaserstoffen, ölfestem Synthesekautschuk und ABS-Polymeren verwendet.

Acrylsäure: ungesättigte Carbonsäure der Formel CH2=CH—COOH; systematische Bezeichnung Propensäure. Acrylsäure ist eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit; F 12,3°C, Kp 142°C. Sie ist sehr reaktionsfähig und polymerisiert leicht zu Polyacrylsäure. Die Salze und Ester heißen Acrylate.

Aksu, (turksprachen, «klares Wasser») chinesisch Akesuhe: 1. linker Quellfluss des Tarim im Nordwesten Chinas; etwa 350 km; entspringt im Tienschan; maximale Wasserführung im Sommer während der Gletscherschmelze; am Mittel- und Unterlauf Bewässerungsfeldbau, besonders für Baumwolle.

2. Stadt im Nordwesten Chinas, im Westen des Autonomen Gebietes Xinjiang Uygur, Oase am Nordrand des Tarimbeckens; über 40000 Einwohner; Baumwollverarbeitung, Zement- und chemische Industrie, Kunstgewerbe; Flugplatz.

Aksum: Stadt im Norden Äthiopiens, in der Provinz Tigre, 2000m überm Meer; 19000 Einwohner; ehemals äthiopische Hauptstadt; religiöses Zentrum (zahlreiche Kirchen und Klöster), Sitz des koptischen Metropoliten; Flughafen. Aksumitisches Reich: älteste Staatengründung im Nordosten des heutigen Äthiopien. Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus einwandernde südarabische Siedler legten mit einer hoch entwickelten technischen und geistigen Kultur die Grundlage für die im 1. Jahrhundert nach Christus einsetzende Staatenbildung. Das Merkmale der Sklavenhaltergesellschaft aufweisende Reich erlebte unter König Ezana im 4. Jahrhundert seine höchste Machtentfaltung. In dieser Zeit verbreitete sich von Ägypten her das koptische Christentum, das zur offiziellen Religion wurde. Wichtigste Städte waren die Hauptstadt Aksum und die Hafenstadt Adulis (heute Zula). Seit dem 7. Jahrhundert führten arabische Eroberungen und innere Wirren zum Zerfall des Aksum Reichs.

Akt: 1. bildende Kunst: ursprünglich der nackte menschliche Körper eines Studienmodells, heute jede künstlerische Darstellung des nackten Menschen (auch in der Fotografie).

2. Akt, Aufzug. Literatur in sich geschlossener Hauptteil eines Dramas, der sich in Szenen, Bilder, Auftritte unterteilt. Zum festen Formprinzip wurde die Akteinteilung in der klassischen französischen und deutschen Dramatik sowie der ihr folgenden Tradition des sogenannt geschlossenen Dramas.

Aktäon, griechisch Aktaion, berühmter Jäger der griechischen Sage; überraschte Artemis und ihre Nymphen beim Bad und wurde deshalb in einen Hirsch verwandelt. Seine Hunde zerrissen ihn, da sie ihn nicht erkannten.

Akte: Urkunde, Schriftstück; geordnete Zusammenfassung der schriftlichen Unterlagen (Akten) über einen (meist amtlicher) Vorgang.

Akteneinsicht; Recht des Verteidigers, des gesellschaftlichen Verteidigers oder des gesellschaftlichen Anklägers auf Einsichtnahme in die Gerichtsakten zwecks Vorbereitung auf die Hauptverhandlung, im Allgemeinen nach Abschluss der Ermittlungen.

Aktenkunde: historische Hilfswissenschaft, die die methodischen Grundlagen zur Auswertung von Akten für die Geschichtsforschung (Bestimmung der Entstehungszusammenhänge und der Art des einzelnen Schriftstücks) bietet.

Aktenvernichter, Aktenwolf: Büromaschine zum Vernichten überflüssig gewordener Akten, Zeichnungen unter anderem, die mittels eines Zerfaserers oder einer Schneidvorrichtung in Papierwolle oder einen Brei für die Wiederverarbeitung in der Papierindustrie verwandelt werden.

Akteur: Handelnder, zum Beispiel in einer politischen Aktion; Schauspieler.

Aktie: Wertpapier über einen Anteil eines Gesellschafters einer Aktiengesellschaft (Aktionär) an dieser.

Aktiengesellschaft, Abkürzung AG: rechtsfähiges Unternehmen mit Aktionären als Gesellschaftern, die im Verhältnis ihrer Aktien stimmberechtigt, am Grundkapital und durch Dividende am Gewinn beteiligt sind, ohne für die Verbindlichkeiten der AG zu haften. Die Mitgliedschaft wird durch Aktienkauf erworben. Die Hauptversammlung der Aktionäre wählt den Aufsichtsrat und dieser den Vorstand, der die Geschäfte führt und die AG vertritt. Die AG wurde im Kapitalismus als eine typische Form der Zentralisation des Kapitals entwickelt.

Aktienkapital: das handelsrechtlich eingetragene Kapital (Grundkapital) einer Aktiengesellschaft; die Hauptform des fiktiven Kapitals und eine Form des Gesellschaftskapitals (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Unterschied zum Privatkapital. Aktienkontrollpaket: Anzahl von stimmberechtigten Aktien, die (in einer Hand vereinigt) in der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft zur Entscheidung über die Grundlinien der Profitstrategie ausreichen. Je breiter die Aktienstreuung, desto kleiner kann das Aktienkapital sein (meist unter 50%, häufig unter 20%).

Aktin: ein Muskelprotein, das gemeinsam mit Myosin das Aktomyosin bildet.

Aktinität: chemische Wirksamkeit des Lichtes (besonders der blauen und violetten Strahlungsanteile) auf eine lichtempfindliche fotografische Schicht.

Aktinium, Symbol Ac: radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 89; Wertigkeit + 3; F1050 °C, Dichte 10,1 g/cm3. Das beständigste Isotop Ac 227 (Halbwertszeit 21,8 Jahre) ist ein Glied der Actinium-Zerfallsreihe. Aktinium ist ein unedles, dem Lanthan ähnelndes Metall. Aktinium wurde um 1900 von André Debieme (1874-1949) in der Pechblende entdeckt und nach der Strahlung des Elements (aktinöeis = strahlend) benannt.

Actinoide, Aktiniden: die auf das Aktinium folgenden 14 radioaktiven chemischen Elemente Thorium bis Lawrencium (Kernladungszahlen 90 bis 103). Actinoide sind Homologe der Lanthanoide; siehe auch Periodensystem der Elemente.

Aktinometer: Gerät zur Messung der Strahlung von Gestirnen, insbesondere der Sonne.

Aktion: 1. allgemein Handlung; Verfahren; Vorgehen; (politische) Maßnahme.

2. Pferdesport: Bewegungsqualität des Pferdes im Schritt, Trab und Galopp. Unterschieden werden raumgreifende, kurze, hohe und flache Aktion.

Aktion, Die: aus dem Expressionismus hervorgegangene antiimperialistische «Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst» (1911/32), herausgegeben von F. Pfempfert; verstand sich als «Asyl für internationale Literatur und Kunst». Mitarbeiter waren unter anderem J. R. Becher, G. Benn, Y. Goll, R. Schickele, G. Heym, H. Mann sowie bildende Künstler (unter anderem G. Grosz). Die Aktion veröffentlichte auch Artikel von K Liebknecht, R Luxemburg, W. I. Lenin, F. Mehring.

Aktionsart: Grammatik Handlungsart; meist lexikalisch verstandene Kategorie des Verbs, durch die ausgedrückt wird, wie eine Handlung vor sich geht. Die Aktionsart kann unter anderem Einzelphasen der Handlung kennzeichnen oder ihre genauere Spezifizierung vornehmen (Diminutiv).

Aktionseinheit: gemeinsames Handeln unterschiedlicher gesellschaftlicher Organisationen, Parteien, Schichten oder Klassen zur Erreichung bestimmter, den Interessen der Werktätigen dienender Ziele unter Beibehaltung ideologischer und organisatorischer Selbständigkeit der Beteiligten. Wichtigste Grundlage für die Aktionseinheit aller demokratischen Kräfte ist die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, deren Kern das Zusammenwirken von Kommunisten und Sozialdemokraten ist. Die Gemeinsamkeit der Interessen bildet die objektive Grundlage der Aktionseinheit, deren Grundprinzipien von Marx und Engels entwickelt wurden. Der Inhalt der Aktionseinheit wird durch die objektiven Erfordernisse des Klassenkampfes bestimmt und ist seinem Charakter nach antiimperialistisch. Obwohl infolge der Verschärfung der allgemeinen Krise des Kapitalismus und 4er positiven Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses sich die Bedingungen für die Herstellung der Aktionseinheit günstiger gestalten, wird diese durch die antikommunistische Haltung opportunistischer Führer der Sozialdemokratie erheblich erschwert. Die Aktionseinheit ist eine Grundvoraussetzung für die Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung.

Aktionspotential: bioelektrisches Potential an der erregungsleitenden (konduktilen) Membran von Nerven- und Muskelzellen beziehungsweise -fasern, das auftritt, wenn ein Membranabschnitt erregt ist; wegen seines in der Regel steilen Anstiegs und Abfalls auch Spitzenpotential genannt. Es beruht auf einem plötzlichen Anstieg der Natriumpermeabilität, mit der ein starker Ioneneinstrom in die Zelle verbunden ist.

Aktium, griechisch Aktion: Kap im Nordwesten Griechenlands; bekannt durch den Seesieg Agrippas vom 2. 9. 31 vor Christus über die Flotte Antonius und Kleopatras VII.

Aktiv: 1. Aktiv: allgemein Gruppe von Werktätigen, die durch freiwillige und zielbewusste. Zusammenarbeit höhere Ergebnisse bei der Erfüllung gesellschaftlicher, staatlicher, wirtschaftlicher oder kultureller Aufgaben anstreben (zum Beispiel Parteiaktiv, Gewerkschaftsaktiv, Neuereraktiv, Verkehrssicherheitsaktiv). Einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Aufgaben der örtlichen Volksvertretungen leisten die Aktive der ständigen Kommissionen, sie sind eine Form der sozialistischen Demokratie, der Mitarbeit der Bevölkerung an der Leitung des sozialistischen Staates.

2. Aktiv: Grammatik - vom Subjekt auf das Verb weisende Handlungsrichtung des Verbs, zum Beispiel er liest.

Aktivator: 1. Aktivator, Promotor: Chemie - Stoff, der bereits in geringen Mengen die Wirkung eines Katalysators verstärkt, ohne selbst katalytisch wirksam zu sein. Viele technische Katalysatoren enthalten neben Trägersubstanzen Aktivatoren; bei der Ammoniaksynthese bildet zum Beispiel Kaliumoxid, K20, den Aktivator.

2. Stomatologie: Gerät zur funktionskieferorthopädische Behandlung falscher Bisslagen, zum Beispiel bei zurückliegendem Unterkiefer, aktive Erholung, Ausgleichsgymnastik, Ausgleichssport: Beseitigung von körperlicher Ermüdung und nervliche Abgespanntheit durch gezielte körperliche Belastung und spielerisch-sportliche Betätigung. Im Sport als Kompensationstraining, im Arbeitsprozess als Pausensport organisiert.

aktiver Transport: unter Verbrauch von Stoffwechselenergie sich vollziehende Verlagerung von Teilchen (Molekülen, Ionen), entgegen einem Konzentrations- oder Ladungsgefälle durch Zellmembranen, zum Teil mit Hilfe von Trägersubstanzen.

Aktivierung: 1. Kernphysik: Erzeugung künstlicher Radionuklide durch Beschuss stabiler Atomkerne mit Neutronen, Protonen, Deuteronen oder anderen Kernen oder durch Bestrahlung mit Gammaquanten.

2. Militärwesen: Auftreten von Gamma-, Beta- und Alphastrahlung, die bei der Detonation von Kernwaffen sowohl in radioaktiven Detonationsprodukten (Restkernstrahlung) ihren Ursprung haben als auch durch die Neutronenbestrahlung des Geländes im Detonationszentrum (Teil der Sofortkernstrahlung) verursacht werden. Die Gesamtheit der Auswirkungen des aktivierten Geländes (einschließlich der Luft und des Wassers) auf die Handlungen der Truppen wird als Kernstrahlungslage bezeichnet. Aktivierung kann auch bei Reaktorunfällen auftreten. Siehe auch Entaktivierung.

3. Wirtschaft: erstmalige Übernahme (Ausweis) von Beständen an materiellen und finanziellen Mitteln eines Betriebes in die Finanzrechnung und Bilanz.

Aktivierungsanalyse: sehr genaue qualitative und quantitative Analysenmethode. Die nachzuweisenden Bestandteile der Probe werden durch Aktivierung radioaktiv gemacht. Aus der Intensität ihres Zerfalls wird ihre Menge bestimmt. Die Aktivierungsanalyse gestattet in günstigsten Fällen den Nachweis von Beimischungen bis zu 10%.

Aktivierungsenergie: kleinste aufzuwendende Energiemenge zur Aktivierung (Einleitung) eines physikalischen oder chemischen Vorgangs. In der Chemie versteht man unter Aktivierungsenergie den Mehrbetrag an Energie, der über den (temperaturabhängigen) durchschnittlicher Energiegehalt der Atome und Moleküle hinaus aufgewendet werden muss, um eine chemische Reaktion auszulösen. Die Aktivierungsenergie kann zum Beispiel in Form von Wärme (Anzünden eines Brennstoffs), Reibung (Zündholzkopf), Schlag (Explosivstoff) oder Strahlung (Chlorknallgas) zugeführt werden. Ihr Betrag kann unter anderem aus der Temperaturabhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit errechnet werden.

Aktivismus: philosophische Lehre, die den Sinn des Lebens ausschließlich im Handeln und Wirken des Menschen sieht. Im spätbürgerlichen Aktivismus wird die menschliche Tätigkeit von den historischen Bedingungen und Zielsetzungen getrennt und damit ihr wesentlicher geschichtsbildender Inhalt geleugnet.

Aktivist: Werktätiger, der hervorragenden Leistungen im sozialistischen Wettbewerb zur allseitigen Erfüllung beziehungsweise zur zielgerichteten Übererfüllung des Planes vollbringt; siehe auch Aktivist der sozialistischen Arbeit.

Aktivist der sozialistischen Arbeit: staatliche Auszeichnung (Ehrentitel), die für hervorragende Arbeitsleistungen in allen Bereichen der Volkswirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens sowie für aktive gesellschaftliche Tätigkeit verliehen wird; 1949 gestiftet.

Aktivistenbewegung: schöpferische Massenbewegung für hohe Arbeitsproduktivität Senkung der Selbstkosten und Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse in Einheit mit der ständigen Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen im Sozialismus. Die beispielgebende Arbeitsleistung von Aktivistenbewegung Hennecke (1948), nach dem Vorbild des sowjetischen Aktivisten Stachanow vollbracht, löste die Aktivistenbewegung in der DDR aus. Sie entwickelte sich unter Führung der Partei der Arbeiterklasse mit aktiver Unterstützung der Gewerkschaften und der FDJ zu einer wichtigen Kraft für die Gestaltung sozialistischer Produktionsverhältnisse in der DDR; siehe auch Wettbewerb, sozialistischer.

Aktivistenschule: bewährte Form der konkreten Übermittlung neuer, fortgeschrittener Arbeits- und Neuerermethoden durch Vorführen am Arbeitsplatz und praktische Unterweisung anderer Werktätiger, entstanden nach dem Vorbild der Stachanowschulen.

Aktivität: 1. allgemein tatkräftiges Verhalten; Unternehmungsgeist; wirksame Tätigkeit.

2. Chemie: die wirksame Konzentration eines gelösten Stoffes. Die Aktivität ist wegen der Wechselwirkungen zwischen den gelösten Teilchen, insbesondere Ionen, stets kleiner als die wahre Konzentration.

3. Physik: Quotient aus der Zahl der spontanen Kernumwandlungen in einer Quelle radioaktiver Strahlung und zugehöriger Zeit; Zeichen A, SI-Einheit Becquerel (Bq).

Aktivkohle: äußerst porenreiche Kohle aus Knochen, Holz, Blut, Erdnussschalen unter anderem mit sehr starker Adsorptionswirkung; angewandt als grobkörnige Adsorptionskohle (A-Kohle) zum Beispiel zur Wiedergewinnung von Lösungsmitteldämpfen oder als feinpulvrige Entfärbungskohle (E-Kohle) zum Beispiel zur Entfärbung der braunen Rohzuckerlösung. Als medizinische Kohle (Carbo medicinalis) dient Aktivkohle als Adsorptionsmittel zum Beispiel bei Vergiftungen oder Durchfall.

Aktomyosin: Komplex aus Aktin und Myosin, dessen Bildung und Zerfall für die Muskelkontraktion bedeutsam ist.

Aktualgenese: aktuelle Entwicklung eines psychischen Prozesses, zum Beispiel Wahrnehmung oder Denken.

Aktualismus: geologische Forschungsmethodik, die die Vorgänge der Erdgeschichte mit den heute ablaufenden Prozessen und den sich daraus ergebenden Erscheinungen (zum Beispiel Gesteine) zu klären sucht Begründer des Aktualismus sind Charles Lyell (1797-1875) und Adolf von Hoff (1771-1837).

Aktualität: Bedeutsamkeit für die Gegenwart; Wirklichkeits-, Zeitnähe.

Akupunktur: Methode der chinesischen Medizin, Anwendungsversuche auch in Europa. Zeitlich festgelegtes Einstechen feiner legierter Metallnadeln in spezielle Punkte auf der Haut die auf besonderen, unsichtbaren Leitlinien («Meridianen») liegen und mit Organen zeitweise in Verbindung stehen sollen. Die Akupunktur wird eingesetzt zur Schmerzbekämpfung beziehungsweise Ausschaltung der Schmerzempfindung (Analgesie) und zur Beeinflussung zahlreicher Funktionsstörungen und organischer Erkrankungen. Die verschiedenen Akupunkturlehren entbehren der wissenschaftlichen Grundlage. Die beobachteten Akupunkturwirkungen sind denen anderer suggestiver Verfahren vergleichbar.

Akustik: Lehre vom Schall; Teilgebiet der Schwingungs- und Wellenlehre innerhalb der Kontinuumsmechanik; auch durch Widerhall beeinflusste Klangübermittlung in Räumen (Raumakustik). Für die Musik hat die Akustik als Lehre ihres Grundmaterials Bedeutung. Man unterscheidet den Ton als reine harmonische (Sinus-) Schwingung vom Klang als Zusammensetzung von Obertönen (musikalischer Ton) oder Klang aus mehreren Tönen. Diese Schwingungen haben periodisch wiederkehrende Form im Gegensatz zu den Geräuschen, die durch unperiodischen Schwingungen entstehen. Die Klänge haben Klang-farben; bei Verzerrung entstehen Kombinationstöne. Die Akustik gibt auch Hinweise zur Aufstellung der Musikinstrumente in der Aufführung und kann dem Instrumentenbau dienen. Siehe auch Elektroakustik.

Akustiklog: Registrierung der Geschwindigkeit und Amplitude von Schallwellen in den von einem Bohrloch durchteuften Gesteinsschichten. Die Messeinrichtung besteht aus Bohrlochsonde (mit Ultraschallimpulsgeber, Empfänger und Signalverstärker), Kabel und Übertagemess- und Registriergerät. Akustiklog ermöglicht den Nachweis erdöl- und erdgasführender Schichten und die technische Kontrolle der Bohrung. Siehe auch Bohrlochmessung.

Akustikusneurinom, Akustikustumor: Nervengeschwulst im Verlauf des Hör- und Gleichgewichtsnerven (VIII. Hirnnerv). Symptome sind unter anderem einseitige, langsam fortschreitende Schwerhörigkeit und Gesichtsnervenlähmung, akustische Kulisse Geräuschkulisse, akustische paramagnetische Resonanz: Resonanzabsorption von Ultraschall; tritt auf, wenn man unter den Bedingungen eines Experiments zur paramagnetischen Elektronenresonanz statt des veränderlichen Magnetfeldes Schall derselben Frequenz auf die Substanz einwirken lässt.

akustische Rückkopplung: in elektroakustischen Schallverstärkungsanlagen entstehender Pfeifton, der dann auftritt, wenn Mikrophon und Lautsprecher zu dicht beieinander stehen und der vom Lautsprecher erzeugte Schalldruck am Mikrophon eine bestimmte Größe überschreitet.

akustoelektrischer Effekt: Verstärkung beziehungsweise Erzeugung von Ultraschallwellen in Halbleitern unter dem Einfluss elektrischer Felder, die zu einer Überschallgeschwindigkeit der Ladungsträger führen; physikalische Grundlage der Akustoelektronik.

Akustoelektronik: Teilgebiet der Elektronik, das Anregung, Ausbreitung und Wandlung akustischer Oberflächenwellen (Rayleigh-Wellen) besonders an piezoelektrischem Material nutzt.

akut: plötzlich auftretend; rasch und heftig verlaufend.

Akut, Zeichen: phonetisches Zeichen mit unterschiedlichen Funktionen in einzelnen Sprachen. Der Akut ist unter anderem Zeichen für Vokallänge (tschechisch «schreiben»), Betonung (spanisch Málaga) und Vokalfärbung (accent aigu, französisch passé, «vergangen», mit geschlossenem e).

Akutagawa, Ryunosuke, 1.3.1892-24.7.1927 (Selbsttötung), japanischer Novellist; sein Werk ist von großer thematische Vielfalt, enthält nicht selten Tendenzen zur Dämonie und zum Psychologismus; viele seiner rund 150 meisterhaften Erzählungen und Novellen wurden Bestandteil der Weltliteratur.

Akyn: Volkssänger, Erzähler, Stegreifdichter der Kasachen, Kirgisen unter anderem mittelasiatische Völker, bei denen sich die mündlich überlieferten Lieder, Legenden, Heldensagen und Märchen bis zur Herausbildung einer schriftlichen Literatur nach der sozialistischen Revolution erhalten haben.

Akzeleration: 1. allgemeine Beschleunigung.

2. Genetik: Entwicklungsbeschleunigung; der durchschnittlich schnellere Ablauf der körperlichen und psychischen Entwicklung des Menschen während der Kindheit und Jugend im Vergleich zu den vorangegangenen Generationen (säkulare Akzeleration) oder die Entwicklungsbeschleunigung eines Individuums gegenüber Gleichaltrigen (individuelle Akzeleration). Die säkulare Akzeleration hat Ende des 19. Jahrhundert in vielen Ländern eingesetzt und hat durchschnittlich zu einer Vorverlegung der Geschlechtsreife um etwa 3 Jahre und zu einer Zunahme der Körpergröße um 7 bis 8 cm geführt. Die Akzeleration hat offenbar komplexe Ursachen, wobei eine eiweißreiche. Ernährung eine wesentliche Rolle spielt.

3. Uhrentechnik: zunehmende, eist nach Monaten abklingende, meist durch das Stahlgefüge der Wendelfeder hervorgerufene Gangbeschleunigung neuer Chronometer.

Akzent: 1. allgemein Betonung, Hervorhebung, Nachdruck.

2. Musik: die den musikalischen Ablauf gliedernde Betonung

a) der Taktzeit (zum Beispiel im Walzertakt auf dem Viertel);

b) eines bestimmten Tones oder Akkords (zum Beispiel mit der Vortragsbezeichnung);

c) veraltete Bezeichnung für Vorschlag (Verzierungen).

3. Sprachwissenschaft: a) Hervorhebung einer Silbe oder eines Wortes durch Tonhöhe oder Tonstärke, oft mit Intonation verbunden;

b) schriftliches Zeichen für Akzent. Siehe auch diakritisches Zeichen.

akzentuierendes Versprinzip, wägendes Versprinzip: Regel, nach der die vom Metrum für den Vers geforderte Verteilung von betonten und unbetonten Silben nicht grundlegend gegen die normale (Prosa-) Betonung verstoßen soll, damit keine Tonbeugungen entstehen; gilt besonders für die germanischen Sprachen mit ihrer festen Wort- und Satzbetonung.

Akzept: 1. schriftliche, zur Zahlung verpflichtende Annahme einer Zahlungsanweisung im Wechselrecht, Bankwesen und Zahlungsverkehr.

2. zwischen Außenhandelsbetrieben von Mitgliedsländern des RGW vom Auftraggeber mit Ablauf der Einspruchsfrist stillschweigend erteiltes Einverständnis, dass der Rechnungsbetrag von seinem Konto für den Auftragnehmer abgebucht wurde (Sofortinkasso mit Nachakzept).

akzeptabel: (französisch) annehmbar (zum Beispiel ein Angebot).

akzessorisch: hinzutretend; zusätzlich, nebengeordnet, minder wichtig; im Recht von einer Hauptsache abhängig.

akzessorische Minerale: Über-, Nebengemengteile in einem Gestein mit oft weniger als 1 % Anteil, gelegentlich aber auch mit der Bedeutung eines Hauptgemengteiles.

akzessorische Rechte: Nebenrechte; Rechte, die von anderen Rechten abhängen.

Akzidens: (lateinisch; PI. -denzien) Hinzukommendes; Zufälliges; unwesentliche Eigenschaft.

Akzidenz: (lateinisch; PI. -denzen) Druckprodukt kleineren Umfangs (Prospekte, Briefblätter, Geschäftsdrucksachen unter anderem).

Akzidenzschriften: alle Satzschriften, die nicht für den Textsatz in Werken, Zeitschriften und Zeitungen verwendet werden, im engeren Sinne Auszeichnungs-, Zier- und Kartenschriften.

Alabama: 1. Alabama: Fluss im Bundesstaat Alabama (USA); 1400 km; entspringt im südlichen Teil der Appalachen, im Oberlauf als Coosa bezeichnet, mündet bei Mobile in den Golf von Mexiko; Hauptnebenflüsse sind von rechts Tombigbee, von links Tallapoosa; bis Montgomery schiffbar; 6 größere Talsperren von wasser- und energiewirtschaftlicher Bedeutung.

2. Alabama, Abkürzung Ala.: Bundesstaat im Süden der USA, zwischen mittlerem Tennessee und dem Golf von Mexiko; 133915 km2, 3,9Mill. Einwohner (davon etwa 27% Afroamerikaner), 29 Einwohner/km2; Hauptstadt Montgomery. Die Oberfläche Alabamas wird im Norden von den südlichen Ausläufern der Appalachen (bis 630 m), im Zentrum von einem 80 bis 100 m hohen Hügelland und im Süden von der sumpfigen Golfniederung gebildet. Das Klima ist im Süden subtropisch, sonst gemäßigt. Alabama stützt sich als einziger US-Staat in seiner Industrie sowohl auf die Nutzung seiner eigenen beträchtlichen Kohle- (Förderung 20 Millionen t pro Jahr) als auch Eisenerzlager sowie auf bedeutende Wärme- und Wasserkraftwerke am Tennessee und Alabama und auf Rohstoffe aus der Landwirtschaft (Baumwolle). Wichtigste Industriezweige sind die Eisenmetallurgie in Birmingham und Gadsden, die Baumwollverarbeitung in Montgomery, Birmingham und Gadsden, ferner der Maschinenbau, die chemische, Holz-, Papier- und Zelluloseindustrie. In der Landwirtschaft ist ein Rückgang der Farmen bei gleichzeitigem Rückgang der Pachtwirtschaften zu verzeichnen. Wichtigste Produkte sind Fleischrinder, Broiler, Sojabohnen, Eier unter anderem.

Alabama verfügt über ein gut entwickeltes Straßennetz, Wasserstraßenverbindung zum Golf von Mexiko und zum Mississippi. 1539 entdeckt; seit 1819 22. Bundesstaat der USA.

Alabastron: kleines, enghalsiges, oben flach abschließendes Salbgefäß, das ursprünglich aus Alabaster, in der klassischen Antike auch aus Ton oder Metall gefertigt wurde.

Aladag: Gebirge in der Türkei, bildet die nordöstliche Fortsetzung des Taurus; früher Antitaurus-, höchste Erhebung Ulukisla mit 3734 m; im südlichen und mittleren Teil Hochgebirge mit Verkarstungen und örtlich Vergletscherungen; im nördlichen Teil meist Mittelgebirge; Laub- und Mischwald.

Alagoas: Bundesstaat im Nordosten Brasiliens; 27 731 km2, 2 Millionen Einwohner, 72 Einwohner/km2; Hauptstadt Maceio. Tropische Küstentiefland am Unterlauf des Sao Francisco mit ausgedehntem Zuckerrohranbau, weiter westlich Hochland mit Baumwollanbau und Viehzucht. Auf der Grundlage der Baumwolle hat sich eine verarbeitende Industrie entwickelt. Bedeutendster Ausfuhrhafen ist Maceio; an den Paulo-Afonso-Wasserfällen Wasserkraftwerk (960 MW).

Alai: vergletschertes, 400 km langes Hochgebirge in der Kirgisischen, zum Teil tadschikischen SSR; bis 5539 m hoch (Pik Piramidalny). Das 130 km lange, 8 bis 25 km breite und 2240 bis 3540 m über dem Meeresspiegel gelegene waldlose Alaital (Hochgebirgsweide) trennt den Alai vom parallel verlaufenden Transalai und wird vom Kysylsu durchflossen.

Alain-Fournier, eigentlich Henri-Alban Fournier, 3.10.1886-22.9.1914, französischer Schriftsteller; bekannt durch den psychologischen Roman «Der große Kamerad» (1913, deutsch), in dem Kindheitserlebnisse und träume zu einem mysteriös verklärten Weltbild zwischen Realität und Irrealität verschmelzen.

Alajuela: Stadt (Provinzzentrum) im Norden von Kostarika, südlich der Zentralkordillere, an der Carretera Interamericana; 39000 Einwohner; Industrie- und Handelszentrum (Zucker-, Textil-, Kaffee-, Pharmazeutische und kosmetische Industrie, Tabakverarbeitung); berühmte Blumenzucht; internationaler Flughafen El Coco; Touristenzentrum (Vulkane Poäs mit 2705 m und Barba 2906 m), Quellen, Bäder.

Alameln, Ort in Ägypten, westlich von Alexandria, nahe der Mittelmeerküste; in der Nähe Erdölförderung. Im 2. Weltkrieg vernichtende Niederlage der deutsch-italienische durch britische Truppen (23.10./4.11. 1942), leitete den Vormarsch der Alliierten in Nordafrika ein.

Alanate: (Kunstwort) komplexe Hydride des Aluminiums mit der allgemeinen Formel Me(AlH4), zum Beispiel Lithiumalanat (Lithiumaluminiumhydrid), eine ätherlösliche, feste, weiße, stark reduzierend wirkende Substanz, die sich mit Wasser unter Wasserstoffentwicklung zersetzt.

Aland, Idus idus: bis 70 cm langer Karpfenfisch in Flüssen und Seen Eurasiens, der sich von Insekten, Krebsen u.ä. ernährt; Fleisch grätenreich; ohne wirtschaftliche Bedeutung.

Aland-Inseln, finnisch Ahvenanmaa: finnische Inselgruppe in der Ostsee am Eingang des Bottnischen Meerbusens; als autonome Provinz 1552 km2, 23000 fast nur schwedisch sprechende Einwohner (Schwedisch ist Amtssprache); 15 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Mariehamn (finnisch Maarianhamina; 9600 Einwohner) auf der Hauptinsel Aland (640 km2). Insgesamt etwa 6 500 Inseln und Schären aus Granit (Rapakivi) und Gneis, glazial überformt; gute Böden; gemäßigt kontinentales Klima, stark bewaldet (Nadelholz); Fischerei; Anbau von Getreide, Gemüse und Obst; Viehzucht (Rinder); Werft; vorgeschichtliche Besiedlung, Segelschiffmuseum. Im Mittelalter schwedisch, 1809/1917 russisch; 1921 wurden die strategisch wichtigen Aland-Inseln vom Völkerbund Finnland zugesprochen und zur entmilitarisierten Zone erklärt (1947 im Friedensvertrag mit Finnland bestätigt).

Alanen: skythisch-sarmatisches Nomadenvolk. Die Alanen spielten im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus eine bedeutende Rolle in Innerasien, gründeten im 2. Jahrhundert nach Christus ein großes Reich zwischen Donau und Kaukasus und wurden um 350 von den Hunnen unterworfen. Ein Teil der Alanen schloss sich den Wandalen an, einige Gruppen erhielten Lusitanien (Portugal) zur Ansiedlung, andere wandelten mit nach Nordafrika, während die im Kaukasus verbliebenen Volksteile in anderen Völkern aufgingen.

Alanin, (Kunstwort) Symbol Ala: Aminosäure; 2-Aminopropansäure. Alanin bildet färb- und geruchlose, wasserlösliche Kristalle und kommt in den meisten Eiweißen vor. Alanin nimmt im Intermediärstoffwechsel eine Zentralstellung ein; es wird enzymatisch in Brenztraubensäure oder Milchsäure umgewandelt.

Alant, Inula: Gattung gelb blühender Korbblütler, enthält das Kohlenhydrat Inulin.

Alarcon, Pedro Antonio de, 10.3.1833—10.7.1891, spanischer Schriftsteller, Journalist und Staatsmann; seine literarische Bedeutung beruht vor allem auf seinen Novellen, zum Beispiel «Der Dreispitz» (1874, deutsch), und Erzählungen. Mit seinen Thesenromanen griff er in die politische und kulturellen Auseinandersetzungen seiner Zeit ein.

Alarich I., um 370-410, König der Westgoten seit 395; führte die Westgoten von Thrakien über Illyrien nach Italien und eroberte am 24. 8. 410 Rom. Alarich I starb auf dem weiteren Eroberungszug in Unteritalien und wurde im Fluss Busento bei Cosenza begraben.

Alaska: Halbinsel im Nordwesten Nordamerikas und Bundesstaat (Abkürzung Alas.) der USA, einschließlich der der Küste vorgelagerten Inseln (Aleuten, Alexanderarchipel); durch die 88 km breite Beringstraße von Asien getrennt; 1530700 km2, 400000 Einwohner (davon 18% Indianer, Eskimos und Aleuten), 0,3 Einwohner/km2; Hauptstadt Juneau. Alaska umfasst im Norden die arktische Küstenebene, das Brooks-Gebirge, im Zentrum das Yukon-Plateau und im Süden das Alaskagebirge, das sich in der eigentlich Halbinsel Alaska und in den Aleuten fortsetzt, mit dem höchsten Berg Nordamerikas, dem Mount McKinley (6193 m), sowie die Sankt Elias-Kette; starke Vergletscherung. Das Klima ist im Küstengebiet des Südens ozeanisch, nebelreich, nasskalt; im zentralen Alaska herrscht kontinentales Klima mit kaltem, langem Winter und kurzem, warmem Sommer, im Norden arktische Klima. Trotz des Reichtums an Bodenschätzen relativ schwache wirtschaftliche Entwicklung. Hauptzweige der Wirtschaft sind die Forst- (Holz, Papiermasse, Pelztierzucht) und Fischwirtschaft (Lachs, Hering, Dorsch). Steigenden Anteil an der wertmäßigen Produktion Alaskas hat der Bergbau auf Erdöl und -gas am Swanson, Cook Inlet und an der Prudhoe Bay (1200 km lange Alaska-Pipeline) sowie auf Kupfer-, Platin-, Beryllium-, Uranerz, Gold und Steinkohle. Die Landwirtschaft ist unbedeutend. Über die Alaska-Fahrstraße Verbindung über kanadisches Gebiet mit den USA, Hauptverkehr über See- und Luftverbindungen. 1741 von Bering und Tschirikow entdeckt; 1867 von Russland an die USA verkauft. Seit 1959 49. Bundesstaat der USA.

Alaska-Fahrstraße, Alaska Highway: strategische Autostraße der USA zum größeren Teil auf kanadischen Gebiet, zwischen Dawson Creek am oberen Peace (Provinz Britisch-Kolumbien) und Whitehorse (Yukon-Territorium) sowie Fairbanks (Bundesstaat Alaska); 2445 km; 1942 von der Armee der USA erbaut.

Alaskagebirge: Hochgebirge im Süden Alaskas (USA); über 1000 km lang; höchste Erhebung ist der Mount McKinley (6193 m); vorwiegend stark gefaltete altkristalline Gesteine, im westlichen Teil auch Eruptivgesteine; durch Querfurchen in einzelne, vielfach vergletscherte Gebirgsmassive gegliedert; in den unteren Lagen (bis etwa 750 m) teilweise dichte Birken-Fichten-Wälder; kaum besiedelt. Alaska Highway Alaska-Fahrstraße.

Alatau: (kirgisische, «bunte Berge») Name vieler Gebirgszüge in Mittelasien (Dsungarischer Alatau, Kungej Alatau, Kusnezker Alatau, Terski Alatau, Transili Alatau).

Alaune: kristallwasserhaltige, gut kristallisierende Doppelsalze der Schwefelsäure mit 1- und 3wertigen Metallen, als Minerale durch Oxydation aus Sulfiden hervorgegangen. Der farblose Kali Alaune, Kaliumaluminiumsulfat, KA1(S04)2-12H20, findet zur lokalen Blutstillung Verwendung; Chrom-Alaune ist Kaliumchromsulfat, KCr(S04)212H20 (Chromverbindungen). Als Ausblühungen kommen Alaune in pyrithaltigen Gesteinen und Vulkanen als Natron-Alaune, NaAl(S04)2, vor, auf brennenden Kohlenhalden und in Vulkanen bildet sich Ammoniak-Alaune (Tschermigit), NH4A1(S04)2-12H20. Alle Alaune sind wasserlöslich.

Alaungpaya, 1714-1760, burmesischer Fürst; schuf 1752/60 mit britischer Unterstützung ein Großreich in Burma und begründete die bis 1885 herrschende Konbaung-Dynastie.

Alba: («weiß») weißes hemdartiges Gewand des Geistlichen.

Alba, Fernando Alvarez de Toledo Pimentei, 29.10.1507-11.12.1582, spanischer Feldherr; 1567/73 Statthalter der spanischen Niederlande; konnte trotz Terrors und militärische Anfangserfolge die Unabhängigkeitsrevolution der Niederländer nicht unterdrücken; leitete 1580 die Eroberung Portugals.

Albacete: Stadt im Südosten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Albacete, am Ostrand der Mancha; 100000 Einwohner; Messerschmieden (Dolche); Weinbau; Agrarmarkt; Museum.

Alba lulla: Bezirksstadt in Rumänien (Bezirk Alba), in Transsilvanien, an der Mure; 53000 Einwohner; Metallverarbeitung, Leder-, Schuh-, Lebensmittel-, Baustoffindustrie; historisches Museum; romanischer Dom, Festung.

Alba Longa: frühgeschichtliche Hauptstadt des Latinischen Bundes, nahe dem heutigen Albano; religiöser Mittelpunkt der Latiner; soll der Sage nach von den Römern zerstört worden sein.

Albaner, Skipetaren (albanisch), Arnaulen (türkisch): Volk in Albanien und angrenzenden Gebieten Jugoslawiens und Griechenlands; 3,7 Millionen; 2 Gruppen (die teilweise muslimischen Gegen im Norden und die Tosken im Süden).

Albaner System: Wasserfahrsport Abgrenzung der Bahnen für die einzelnen Boote durch Markierungszeichen (Bojen) bei Kanurennsport- und Ruderwettkämpfen. Erstmals auf dem Lago di Albano bei Rom 1960 angewendet.

Albanisch: selbständige indoeuropäische Sprache, deren Herkunft (wohl das Illyrische, eventuell auch das Thrakische beziehungsweise Dakische) noch nicht eindeutig geklärt ist; Lehnwörter besonders aus dem Lateinischen, Italienischen, den südslawischen Sprachen, dem Türkischen, Griechischen; eng mit den anderen Balkansprachen verbunden; etwa 5 Millionen Sprecher in Albanien, Jugoslawien, Griechenland, Italien unter anderem Ländern. Seit 1908 wird allgemeine das lateinische Alphabet verwendet. Nach 1944 wurde auf der Basis des Toskischen (südliche Mundarten) unter Berücksichtigung des Gegischen (nördliche Mundarten) eine einheitlichen Literatursprache (Orthographiekongress 1972) geschaffen.

Albanische Liga, Liga von Prizren: erste nationale albanische Befreiungsorganisation; entstand 1878, als auf Beschluss des Berliner Kongresses albanische Gebiete abgetrennt werden sollten. Die Liga löste sich dank der Aktivität nationalbewusster Kräfte des albanischen Bürgertums von ihrer anfänglich protürkischen Orientierung. Die von ihr eingesetzte provisorische Regierung forderte entgegen den Erwartungen der türkischen Regierung die Gewährung der Autonomie. 1881 wurde sie vom türkischen Sultan gewaltsam aufgelöst.

Albanologie: Wissenschaft von der albanischen Sprache, Literatur und Ethnographie; Begründer waren F. Bopp und G. von Hahn. Vor 1944 wurde die Albanologie vorwiegend in den deutschsprachigen Ländern (G. Meyer, «Etymologisches Wörterbuch»; N. Jokl) und Italien betrieben, seit 1944 sind Zentren der Albanologie in Albanien und Jugoslawien (Pristina). Bedeutendster Albanologe nach 1945 war E. Cabej (1908-1980).

Albany: Hauptstadt des Bundesstaates New York (USA), am Hudson; 100000 Einwohner, mit den Vorstädten und der Zwillingsstadt Troy 790000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Maschinenbau, Textil- und chemische Industrie; Hafen für Seeschiffe erreichbar, durch den New York State Barge Canal mit den Großen Seen verbunden; Verkehrsknoten, Flughafen; Universität, Observatorium, Staatsbibliothek.

Albany-Kongress: Konferenz der Vertreter von 7 britischen nordamerikanischen Kolonien 1754 in Albany (USA); lehnte den von B. Franklin eingebrachten Plan des Zusammenschlusses der 13 Kolonien ab.

Albarello, (italienisch) Apothekerkrug, zylindrisches Fayencegefäß; seit dem 16. Jahrhundert wichtiges Apothekengefäß.

Albatrosse, Diomedeidae: bis 3,5 m spannende Vögel südlicher Meere und des nördlichen Stillen Ozeans mit langen, schmalen Flügeln; Schiffe begleitende Hochseevögel; brüten in Kolonien, legen nur 1 Ei, Brutdauer 65 bis 80 Tage.

Albedo: Maß für das Reflexionsvermögen von zerstreut reflektierenden Oberflächen, insbesondere bei Planeten und Monden. Die Albedo ermöglicht grobe Aussagen über die stoffliche Beschaffenheit der Oberflächen beziehungsweise Wolkendecken von Himmelskörpern. Die Werte für die Albedo betragen zum Beispiel 6% bei Merkur, 39% bei der Erde und 7% beim Mond.

Albee, Edward, geboren 12. 3. 1928, US-amerikanischer Dramatiker; gestaltet, beeinflusst von Psychoanalyse und Existentialphilosophie, in zum Teil dem Theater des Absurden zuzurechnenden Dramen Gefühle der Sinnlosigkeit des Lebens und der Entfremdung («Die Zoogeschichte», 1959, deutsch). «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» (1962, deutsch) behandelt den tiefgreifenden Desillusionierungsprozess.

Albert: 1. Alexandre Albert, 27.4.1815 bis 28.5.1895, Vertreter der französischen Arbeiterbewegung; leitete bewaffnete Aktionen der Pariser Arbeiter während der Februarrevolution von 1848, wurde nach dem Sieg der Revolution in die Provisorische Regierung berufen.

2. Albert, Eugen d’, 10.4.1864-3.3.1932, Pianist (Liszt-Schüler; bedeutender Beethoven- und Brahms-Interpret) und Komponist; schuf Instrumentalmusik und 20 Opern, von denen besonders «Tiefland» (1903), ein wirkungsvolles Beispiel der deutschen veristischen Oper, erfolgreich blieb.

3. Joseph Albert, 5.3.1825-5.5.1886, Fotograf; einer der Erfinder des Lichtdrucks (1868).

4. Wilhelm August Julius Albert, 24.1.1787-4.7.1846, Bergbeamter und Techniker; seit 1836 Leiter des Harzer Bergbaus; erfand 1834 das Stahldrahtseil, das sich als Förderseil rasch im Bergbau durchsetzte.

Alberta: (englisch) Provinz im Westen des mittleren Teiles von Kanada; 661185 km2, 2,3 Millionen Einwohner (2% Indianer), 3 Einwohner/km; Hauptstadt Edmonton. Im Südwesten Felsengebirge (Mt. Columbia mit 3 747 m), im Norden Hügelland mit Nadelwald, im Süden die fruchtbare Prärie; kontinentales Klima, im Norden subpolar, im Süden gemäßigt. Alberta ist die wichtigste Bergbauprovinz Kanadas. Vom Produktionswert der Provinz Alberta entfällt etwa die Hälfte auf den Bergbau (Förderung von Erdgas, Erdöl, Kohle (1. Platz in Kanada), aber auch Gewinnung von Erdölsanden und Schwefel), je etwa ein Fünftel auf die Bauwirtschaft (2. Stelle in der Provinz) und auf die verarbeitende Industrie. Der Anteil der Elektrizitätswirtschaft (vor allem auf der Basis von Kohle und Erdgas) ist gering. Die Landwirtschaft hat einen Anteil von etwa einem Zehntel am Produktionswert. Im Landesmaßstab nimmt Alberta beim Anbau von Hafer (etwa ein Drittel), Gerste (beinahe die Hälfte) und Zuckerrüben den 1., bei Weizen den 2. Platz ein; Fleischviehzucht (Rinder, Schweine). Der Süden und das Zentrum der Provinz sind verkehrsmäßig gut erschlossen, der Norden nur schwach. Es besteht ein umfangreiches Pipelinenetz zum Transport von Erdöl und -gas.

Albert-Fischer-Verfahren: (nach den beiden Erfindern) Teildruck-Prägeverfahren in der Galvanoplastik; zur Herstellung eines Galvanos wird eine Original-Hochdruckplatte in mehreren aneinander liegenden Streifen in eine als Mater dienende Weichbleifolie eingeprägt.

Alberti-Bässe: schematisch und gleichförmig begleitende Akkordbrechungen in der linken Hand; von dem italienischen Komponisten D. Alberti in der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert in Klavierwerke eingeführt.

Albertina: eine der bedeutendsten graphischen Sammlungen der Welt, in Wien; umfasst etwa 26000 Handzeichnungen und 600000 graphische Blätter; besteht seit 1769. Ihren Namen erhielt sie nach dem Begründer Herzog Albert von Sachsen-Teschen (1738-1822).

Albert-Kanal: Großschifffahrtsweg in Belgien, die «belgische Mündung der Maas», verbindet Lüttich direkt mit dem Seehafen Antwerpen; 129,6 km, 1934/38 erbaut, 7 Schleusen; erschließt Nord Belgien; seit 1961 mit Julianakanal (Niederlande) verbunden.

Albertsee, Mobutu-Sese-Seko-See: See im Zentralafrikanischen Graben, zu Uganda und Zaire, 619 m über dem Meeresspiegel; 5 600 km2,150 km lang, 40 km breit, bis 48 m tief; Zuflüsse sind Semliki vom Edwardsee und Victorianil vom Victoriasee (kurz vor der Mündung die bis 35 m hohen Murchison-Fälle), Abfluss Albert- oder Weißer Nil; Fischerei; Schiffsverkehr.

Albertus Magnus, (lateinisch, «Albert der Große») Albert Graf von Bollstädt, um 1200-15.11.1280, Gelehrter; Vertreter der Scholastik; versuchte die sich entwickelnde und von ihm erfolgreich betriebene biologische Naturbeobachtung mit der kirchlichen Lehre zu vereinen; bekämpfte den Materialismus und begründete unter Benutzung der arabischen Kommentatoren den kirchlichen-orthodoxen Aristotelismus.

Albiker, Karl, 16.9.1878-26.2.1961, Bildhauer; schuf neben schlichten Bildnissen vor allem weibliche Akte mit schlanken, rhythmisch bewegten Körperformen, die mit ihrem humanistischen Gehalt die realistische Tradition der deutschen Plastik im 20. Jahrhundert bewahren.

Albinismus: Physiologie genetisch vorbestimmtes Fehlen von Pigmenten in bestimmten Körperzellen (Haut) und Anhangs Gebilden (Haare). So besitzt unter anderem die Albino-Ratte kein Pigment in Haarkleid und Regenbogenhaut. Albinismus kommt auch beim Menschen vor.

Albulapass: Pass im schweizerischen Kanton Graubünden, zwischen dem Oberengadin und dem Tal der Albula; 2312 m; Albulabahn von Thusis nach Sankt Moritz mit 5884 m langem Albulatunnel, Albulawasserkraftwerk.

Albumine: (lateinisch) Gruppe der globulären Proteine, die gut wasserlöslich und kristallisierbar sind. Wichtige Vertreter sind das Serumalbumine, das Bedeutung für Transportprozesse und die Erhaltung des kolloidosmotischen Druckes im Blut besitzt, das Ovalbumine im Hühnerei und das Lactalbumine in der Milch sowie die zum Teil giftigen Albumine aus Pflanzensamen (Rizin, Leukosin).

Albus, (lateinisch, «weiß») Weißpfennig: rheinisch-westdeutsche Silbermünze seit Mitte des 14. Jahrhundert; bis 1834 Rechnungsmünze.

Alcázar: («die Burg») Name für Festungs- beziehungsweise Palastanlagen maurischen Ursprungs in Spanien, zum Beispiel in Sevilla, Córdoba, Segovia, Toledo.

Älchen, Aaltiere: wenige Millimeter lange Fadenwürmer mit vielfältiger Lebens- und Ernährungsweise, darunter wichtige Kulturpflanzenschädlinge. Wurzelälchen schmarotzen an Pflanzenwurzeln (Rübenälchen, Kartoffelälchen), Blattälchen im Inneren von Blättern und Blüten (Weizenälchen). Freilebende Älchen saugen Mikroorganismen auf (Essigälchen).

Alchimie, Alchemie (beide französisch arabisch griechisch): vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert Bezeichnung für die gesamte chemischen Tätigkeit und Lehre; seit dem 18. Jahrhundert eingeengt auf die seit etwa der Zeitenwende betriebenen Versuche, auf chemischen Wege unedle Stoffe in edle zu verwandeln. Absicht der Alchemisten war es, die «unvollkommenen» Stoffe der Natur zu läutern und dabei ein Allheilmittel, eine Unsterblichkeitsdroge (China) oder den «Stein der Weisen» (Magisterium, Elixier) herzustellen, der unedle Metalle in Gold und Silber verwandelte. Voraussetzung für diese «Transmutation» war die Rückverwandlung des Ausgangsmaterials in die angeblich allen Stoffen zugrunde liegende Urmaterie (materia prima). Bekannte Alchimisten des 3. und 4. Jahrhundert waren Pseudo Demokrit und Zosimos von Panopolis. Während die Werke von al-Razi (9./10. Jahrhundert), Geber (13. Jahrhundert) oder auch Libavius (16. Jahrhundert) chemische Lehrbücher der damaligen Zeit darstellen, entartete die Alchimie besonders im 16. und 17. Jahrhundert zu einer Geheimlehre, die zunehmend mystische Züge annahm und betrügerischen Zwecken diente. Einer der letzten Alchimisten war J. F. Böttger.

Aldabra-Inseln: 4 Korallenatolle im Indischen Ozean, nördlich von Madagaskar, zu den Seychellen; 143 km2; unbewohnt; dicht bewaldet; verwilderte Ziegen, Riesenschildkröten, flugunfähige Vögel; Naturschutzgebiet.

Aldegrever, Heinrich, 1502 nach 1555, Kupferstecher und Maler, Vertreter der sogenannt Kleinmeister; schuf graphische Zyklen und Ornamentstiche.

Aldehyde: (Kurzwort) organische Verbindungen mit der Aldehydgruppe -CHO im Molekül. Die Herstellung erfolgt zum Beispiel durch dehydrierende Oxydation primärer Alkohole. Die Aldehyde sind sehr reaktionsfähig; sie werden zum Beispiel leicht zu Carbonsäuren oxydiert. Wichtige Aldehyde sind Form-, Azet- und Benzaldehyd.

Alderman: in England seit angelsächsischer Zeit Repräsentant («Ältester») von Selbstverwaltungskörperschaften; heute (auch in den USA) Ehrentitel für ausgewählte Kommunalbeamte (Ratsherren, Friedensrichter).

Alderney: nördlichste der britischen Kanalinseln, verwaltungsmäßig zu Guernsey gehörig, nordwestlich der nordfranzösische Halbinsel Cotentin; 8 km2, 1700 Einwohner; wichtigster Ort St. Anne's; im Süden und Westen Kliffküste; starke Gezeiten; mildes Klima; Rinderzucht, Frühkartoffelanbau; Fremdenverkehr, internationaler Flughafen.

Aldington, Richard, 8.7.1892-27.7.1962, englischer Schriftsteller und Lyriker; stand als Dichter den Modemisten (Imagisten) nahe; verfasste dann bei Bevorzugung des Kriegs- und Nachkriegsthemas kritisch-realistische Romane («Heldentod», 1929, deutsch; «Alle Menschen sind Feinde», 1933, deutsch) und schrieb die Biographie «Der Fall T. E. Lawrence» (1955, deutsch).

Aldobrandinische Hochzeit: römische Wandgemälde vom Ende des 1. Jahrhundert vor Christus, das 1604/05 auf dem Esquilin in Rom gefunden wurde und über die Sammlung des Kardinals Aldobrandini 1818 in die Vatikanischen Museen gelangte. Das Gemälde zeigt kultische Vorbereitungen zu einer Hochzeit.

Aldolase: (Kurzwort) Enzym der Glykolyse, das Fruktose-1,6-diphosphat zu Dihydroxyacetonphosphat und Glyzerolaldehyd-3-phosphat aufspaltet.

Aldosen: (Kurzwort) Monosacharide, deren Kettenstruktur eine Aldehydgruppe enthält. Sie werden unterteilt in Aldopentosen mit 5 Sauerstoffatomen, zum Beispiel Ribose und Arabinose, und Aldohexosen mit 6 Sauerstoffatomen, zum Beispiel Glukose, Galaktose und Mannose.

Aldrovandi, Ulisse, 11.8.1522-1.4.1604, italienischer Naturforscher; gründete 1568 den botanischer Garten von Bologna, veröffentlichte ein Werk über Bäume; ein enzyklopädisches Werk über Tiere erschien größtenteils postum.

Ale: (englisch) helles, obergäriges englisches Starkbier mit hohem Alkohol- und Extrakt Gehalt. Gingerale enthält Ingwerextrakt.

Alea, (lateinisch, «Der Würfel ist gefallen»): überlieferter, sprichwörtlich gewordener Ausspruch Cäsars beim Überschreiten des Rubikon (49 vor Christus); damit begann der Bürgerkrieg der spätrömischen Republik.

Aleatorik, lateinisch aleatorische Musik-, in der spätbürgerlichen Musik entwickelte musikalische Gestaltungsmöglichkeit, die dem Zufall, der improvisatorischen Freiheit und dem spontanen Einfall während der Interpretation mehr oder weniger breiten Raum lässt. In extremer Aleatorik waltet ausschließlich der Zufall, sind die oft nur graphisch angedeuteten beziehungsweise durch verbale Anweisungen vorbereiteten musikalischen Konstellationen unvorhersehbar, ist die Wiederholbarkeit mit stets anderen Resultaten verbunden. Zumeist wird die Aleatorik begrenzt eingesetzt, das heißt als Episode in auskomponierten Werken beziehungsweise mit exakter Festlegung der wesentliche musikalischer Parameter; hier ist der begrenzte Zufall Bestandteil bewusster Gestaltung. Aleatorische Gestaltungsmöglichkeiten und ihre Notierung sind überaus vielfältig.

Alemannen, Alamannen: germanischer Stammesverband, dessen Kern wahrscheinlich Senonen unter anderem suebische Stammesgruppen bildeten; erstmalig zu Beginn des 3. Jahrhundert im Maingebiet erwähnt. Mitte des 3. Jahrhundert zerstörten die Alemannen im Kampf gegen die Römer Teile des obergermanischen-rät. Limes und siedelten sich im Gebiet zwischen Rhein und Donau an. Im 5. Jahrhundert gelang ihnen auch die Landnahme im Elsass, der Nordschweiz und dem westlichen Rätien. Noch vor 500 gerieten die Alemannen unter frank. Herrschaft. Sie bildeten die ethnische Grundlage des im 10. Jahrhundert entstehenden Herzogtums Schwaben.

Alembert, Jean Baptiste Le Rond d’, 16.11.1717-29.10.1783, französischer Naturwissenschaftler und Philosoph. Als Mathematiker lieferte Alembert bedeutende Beiträge zur Infinitesimalrechnung, unter anderem zum Grenzwertbegriff und zur Lösung der Differentialgleichung der schwingenden Saite; in der Dynamik stellte er das nach ihm benannt Prinzip auf. Als Philosoph vertrat er konsequent sensualistische, weitgehend materialistische Positionen. Zum gemäßigten Flügel der französischen Aufklärung gehörend, stand er Voltaire nahe. Alembert war Mitherausgeber der großen französischen «Encyclopédie».

Alentejo: Landschaft in Portugal, südlich des Tejo, die beiden ehemaligen Provinzen Alto Alentejo (wichtigster Ort Évora) und Baixo Alentejo (wichtigster Ort Beja) umfassend; 26500 km3, 500000 Einwohner; Fortsetzung der spanischen Meseta (bis 1025 m); Sommer dürre Heiden; bedeutende Korkeichenbestände; Anbau von Getreide, Oliven und Wein. Bis zur Revolution von 1974 Latifundien mit extensivem Getreideanbau vorherrschend, schon vor der Agrarreform von 1975 Inbesitznahme des vernachlässigten Bodens durch Landarbeiter und Bildung von Genossenschaften; seit 1976 im Zuge der Restauration gewaltsame Rückgabe größerer Flächen an Großgrundbesitzer.

Aleppobeule, Biskrabeule, Delhi Beule, Orientbeule: durch Leishmanien (Geißeltierchen) hervorgerufene und durch wildlebende Nagetiere übertragene, gutartige Infektionskrankheit der warmen Länder mit Hautgeschwüren.

Alessandria: Stadt in Oberitalien (Piemont), Verwaltungszentrum der Provinz Alessandria am Tanaro; 100000 Einwohner; vielseitige Industrie (Herstellung von Maschinen, Rundfunkgeräten, Farben, Möbeln, Schuhen unter anderem); Handelszentrum (Messen); Verkehrsknoten für Eisen- und Autobahn; mächtige Zitadelle (12. Jahrhundert).

Alesund: Stadt an der Westküste Norwegens, am Eingang zum Storfjord; 41000 Einwohner; Fischerei Zentrum mit Verarbeitung; metallverarbeitende Industrie, Werft.

Aletschgletscher: größter Alpengletscher, in den Berner Alpen (Schweiz); 87 km2, 25 km lang; überragt vom Aletschhorn (4182 m), zur Rhône entwässernd; Forschungsstation Jungfrau joch und Observatorium.

Aleuron: (griechisch) in trockenen Samen und Früchten in Gestalt rundlicher Körner gespeichertes Eiweiß, zum Beispiel unter der Schale der Getreide Früchte (Kleberschicht).

Alëuten: den Eskimo sprachlich verwandtes Fischervolk auf den Alëuten (USA, 500) und Kommandeurinseln.

Alëuten: Inselkette im nördlichen Stillen Ozean, zwischen den Halbinseln Alaska und Kamtschatka, zum Bundesstaat Alaska (USA) gehörend; 1740 km lang, 37840 km2, über 6000 Einwohner; Hauptort Dutch Harbor auf Unalaska. Die Alëuten bestehen aus etwa 110 größeren und vielen kleinen Inseln, die vorwiegend aus Vulkangesteinen aufgebaut sind (noch 25 tätige Vulkane, unter anderem der 2861m hohe Shishaldin auf Unimak). Bei subpolarem Klima mit sturmreichen, nasskalten Wintern Tundra, örtlich Zwergwald aus Weiden- und Erlenbüschen. Lachsfang und Pelzrobbenjagd. Im Süden Alëutengraben (bis 7 822 m tief). In frühgeschichtlicher Zeit waren die Alëuten Hauptweg der Besiedlung Amerikas; 1741 von Bering und Tschirikow entdeckt und später durch Pelztierjagd Und Pelzhandel erschlossen. 1867 als Teil Alaskas an die USA verkauft.

Alexanderarchipel: Inselgruppe vor der Nordwest Küste Nordamerikas, zum Bundesstaat Alaska (USA) gehörend; 36780 km2; Hauptort Sitka auf Baranof; über 1100 Inseln, deren größte Prince of Wales, Baranof und Chichagof sind; bildet die Fortsetzung des Südbogens des Alaska-Gebirges, ist bis 1382 m hoch und meist dicht bewaldet; Goldlagerstätten; bestimmende Wirtschaftszweige sind Forst- und Fischereiwirtschaft.

Alexandermosaik: Mosaik aus dem sogenannten Haus des Faun in Pompeji, jetzt im Nationalmuseum Neapel. Das Alexandermosaik stellt die Schlacht Alexanders des Großen gegen Dareios von Persien bei Issos (333 vor Christus) dar und geht auf ein Gemälde des Philoxenos von Eretria aus dem 4. Jahrhundert vor Christus zurück.

Alexandersage: phantastisch ausgeschmückter Sagenstoff um Alexander den Großen; zahlreiche literarische Bearbeitungen im Mittelalter, unter anderem durch den Pfaffen Lamprecht, Rudolf von Ems, Ulrich von Eschenbach.

Alexandersarkophag: Sarkophag aus der Nekropole von Sidon (Saida), heute in Istanbul, Osmanisches Museum; attisches Werk des 4. Jahrhundert vor Christus, dessen Seiten Reliefs mit Darstellungen einer Schlacht Alexanders des Großen und einer Jagd tragen.

Alexander von Aphrodjslas, um 200, griechischer Philosoph; Kommentator des Aristoteles, dessen Lehre er zum Teil im materialistischen nominalistischen Sinne weiterentwickelte.

Alexandria: 1. Alexandria, arabisch Al-Iskandariya: Stadt (Gouvernoratszentrum) in Ägypten, westlich vom Nildelta, am Mittelmeer, 2,42 Millionen Einwohner; wichtiges ägyptisches Industrie- (Baumwollverarbeitung, Erdölraffinerie, chemische, Zementindustrie, Maschinenbau, Werft, Kernkraftwerk) und Handelszentrum (Baumwolle) und bedeutendster Hochseehafen des Landes; internationaler Flughafen; Universität; Theater, Museen. Von Alexander dem Großen 332/331 vor Christus gegründet; Residenz der Ptolemäer (305/30 vor Christus); wurde 30 vor Christus römisch, 642 arabisch, 1517 türkisch, danach verfiel Alexandria Ende des 19. Jahrhundert wirtschaftlichen Aufschwung, vor allem durch den Bau des Suezkanals. Die Beschießung Alexandrias durch die britische Flotte leitete 1882 die Okkupation Ägyptens ein. In den 20er Jahren und besonders nach dem 2. Weltkrieg ein Zentrum der revolutionären Kämpfe des ägyptischen Proletariats. Neben Kairo politischer und kultureller Mittelpunkt Ägyptens.

1. Bezirksstadt in Rumänien (Bezirk Teleorman), südwestlich von Bukarest, an der Vedea; 40000 Einwohner; Maschinenbau, elektrotechnische, Lebensmittelindustrie, Hanfverarbeitung.

Alexandriner: (nach dem Alexanderroman) Reimvers, besteht in alternierendem Versmaß mit Auftakt und immer 6 verwirklichten Hebungen. Nach der 3. Hebung liegt eine feste Zäsur, die in der Regel als pausierter Takt erscheint, so dass die Verszeile aus 2x3 Hebungen beziehungsweise aus 2x4 Takten besteht: Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein jünger Wein; Je mehr sie alt und klär, je stiller wird sie sein (Angelus Silesius). Der Alexandriner war in Deutschland im 17. Jahrhundert und bis zur Mitte des 18. Jahrhundert besonders beliebt, wurde danach vom Sturm und Drang abgelehnt.

alexandrinische Kunst: Zweig der hellenistischen Kunst, der sich unter der Ptolemäer Dynastie in Alexandria entwickelte und im weiteren Sinne die griechische Umformung ägyptischer Kulturgutes vornahm. Der eigene Stil der alexandrinischen Kunst ist vor allem in der Kleinkunst, besonders an charakteristischer Terrakottaplastik aus dem Fajum, zu erfassen, wo bei weicher Modellierung naturalistische Züge vorherrschen.

Alexandru, Ioan (eigentlich Ion), geboren 1.1.1942 (nach eigener Änderung 25.12. 1941), rumänischer Dichter; in seiner Lyrik («Das Leben bisher», 1965; «Die umstrittene Hölle», 1966; «Hymnen der Freude», 1973) finden Erinnerungen an die siebenbürgische Heimat und das Bemühen um die Bewältigung gegenwärtiger Probleme unverwechselbaren Ausdruck.

Alexei Michailowitsch, 19.3.1629-8.2.1676, russischer Zar seit 1645; unter ihm begann sich Russland zur absoluten Monarchie zu entwickeln; er rang Polen die östliche Ukraine ab, erlangte jedoch keinen Zugang zur Ostsee.

Alexie: (griechisch) Unfähigkeit, Buchstaben beziehungsweise Worte zu lesen («Wortblindheit») bei intaktem Sehorgan; bedingt durch lokalisierte Gehirnerkrankungen.

Alexis: 1., Jacques Stephan Alexis, 22.4.1922-1965 (ermordet), Romancier; gestaltete unter Rückgriff auf folkloristischen Überlieferungen die Geschichte Haitis («General Sonne», 1955, deutsch) sowie das Leben der halt. Bauern («Die singenden Bäume», 1957, deutsch).

2. Willibald Alexis, eigentlich Wilhelm Heinrich Häring, 29.6.1798 bis 16.12.1871, Schriftsteller, begründete den deutschen realistischen historischen Roman, ahmte anfangs W. Scott nach; griff kritisch auf Stoffe aus der brandenburgischen-preußischen Geschichte zurück («Cabanis», 1832; «Der Roland von Berlin», 1840; «Die Hosen des Herrn von Bredow», 1846; «Ruhe ist die erste Bürgerpflicht», 1852).

Alfaric, Prosper, 21.5.1876-28.3.1955, französischer Theologe und Religionshistoriker; fand als katholischer Priester den Weg «vom Glauben zur Vernunft», trat 1910 aus der katholischen Kirche aus und wurde nachträglich exkommuniziert (1933); verfasste «Die sozialen Ursprünge des Christentums» (1959, deutsch).

Alfieri, Vittorio, Graf, 16.1.1749-8.10.1803, italienischer Dramatiker und Lyriker, Begründer der italienischen, klassizistischen Tragödie nach antikem und französischen Vorbild; trat in seinen Dramen «Saul», «Orestes», «Merope» (1787/89) für die nationale Befreiung Italiens ein; weltliterarische Geltung erlangte seine Autobiographie «Mein Leben» (1804, deutsch).

Alföld, Niederungarische Tiefebene: schwach wellige Ebene etwa in der Mitte des Pannonischen Beckens, größtenteils östlich der Donau; von der Theiß und ihren Nebenflüssen durchzogen; gehört zu Ungarn (etwa 47000 km2), zur ÖSSR, zu Rumänien und Jugoslawien; etwa 100000 km2; wichtiges Landwirtschaftsgebiet mit künstlicher Bewässerung (besonders Weizen-, Maisanbau, Obstbau); Erdöl- und Erdgasförderung; Thermalquellen.

Alfons, Alfonso, Fürsten: 1. Alfons der Weise, 23.11.1221 - 4.4.1284, König von Kastilien seit 1252; bewarb sich 1257 um die deutsche Königskrone; seinen Misserfolgen in der Innen- und Außenpolitik stand eine Blüte von Literatur und Wissenschaft (Recht, Geschichte, Astronomie) gegenüber. 2. Alfons XIII., 17. 5. 1886-28.2. 1941, König von Spanien 1886/1931 (bis 1902 unter der Regentschaft Maria Cristinas); begünstigte 1923 die profaschistischen Diktatur Primo de Riveras; wurde durch die bürgerlich-demokratische Revolution gestürzt und emigrierte in das faschistische Italien.

Alfonsin, Raul Ricardo, geboren 13.3.1927, argentinischer Politiker; Jurist; seit 1982 Vorsitzender der Radikalen Bürgerunion, seit 1983 Staatspräsident.

Alfred der Große, um 849-26.10.901 (oder 900), König von Wessex seit 871, später de facto oberster König aller Angelsachsen; reorganisierte in wechselhaften Kämpfen gegen die dänischen Normannen Heer und Verteidigungswesen, eroberte 886 London zurück; förderte die nationale Einheit durch Entwicklung der Wirtschaft sowie Pflege von Bildung, Rechtswesen und Kultur.

Alfven, Hannes Olof Gösta, geboren 30.5.1908, schwedischer Physiker und Astrophysiker; entwickelte die kosmische Elektrodynamik, die Theorie hydromagnetische Plasmawellen (Alfven-Wellen), neue kosmogonische Theorien unter anderem.

Algebra: (lateinisch arabisch) Gebiet der Mathematik; Lehre von den Lösungsmethoden algebraischer Gleichungen (klassisch Algebra); siehe auch Fundamentalsatz der Algebra. Die moderne Algebra untersucht auch beliebige Mengen, in denen Rechenoperationen erklärt sind. Man spricht in diesem Fall von einer algebraischen Struktur, wie Körper, Ring, Gruppe.

algebraisch abgeschlossen: Eigenschaft eines Körpers K, dass jedes Polynom mit Koeffizienten in K eine Nullstelle in K hat, zum Beispiel ist der Körper der komplexen Zahlen algebraisch abgeschlossen; siehe auch Fundamentalsatz der Algebra.

algebraische Geometrie: Teilgebiet der Mathematik; Lehre von den algebraischen Mannigfaltigkeiten; sie benutzt neben algebraischen auch Methoden der Analysis und hat sich aus der Theorie der algebraischen Kurven und Flächen entwickelt. In der klassischen algebraischen Geometrie wurden insbesondere die algebraischen Kurven und Flächen eines projektiven Raumes mit komplexen Koordinaten untersucht.

algebraische Kurve: in der Ebene eine Kurve, die in einem kartesischen x, -Koordinatensystem durch eine algebraische Gleichung F(x, y) = 0 beschreibbar ist; im Raum eine Kurve, die in einem kartesischen x, y, z-Koordinatensystem durch 2 algebraische Gleichungen F,(x, y, z) = 0, F2(x, y, z) = 0 beschreibbar ist, also Schnittkurve zweier algebraischer Flächen ist.

algebraische Linguistik: Teilbereich der mathematischen Linguistik; benutzt algebraische Theorien zur Konstruktion von Modellen für Sprachstrukturen.

algebraische Zahl: eine Zahl a, die Lösung einer algebraischen Gleichung x"+a1x"'1 + ... + a„ = 0 ist, deren Koeffizienten au ... a„ rationale Zahlen sind; a heißt ganze algebraische Zahl, wenn die Koeffizienten ganze rationale Zahlen sind. Genügt dagegen eine Zahl keiner solchen Gleichung, so nennt man sie transzendent. Zum Beispiel ist ß eine ganze algebraische Zahl, da sie der Gleichung x3 2 = 0 genügt. Dagegen sind n und e transzendente Zahlen.

Algeciras: Stadt im Süden Spaniens, an der Bucht von Algeciras, westlich von Gibraltar; 80000 Einwohner; Erdöl-, Schwefel- und Korkverarbeitung; Hafen; Ausfuhr von Kork; Winterkurort, Badestrand. Die Konferenz von Algeciras vom 16.1. bis 7. 4. 1906, an der 11 europäischen Staaten, die USA und Marokko beteiligt waren, beendete die 1. Marokkokrise, die durch die Rivalität der französischen und deutschen Imperialisten um die Vorherrschaft in Marokko entstanden war. Mit der Algeciras-Akte wurde formell die Unabhängigkeit Marokkos deklariert, Frankreich behielt aber entscheidenden Einfluss auf das Land. Für den deutschen Imperialismus bedeutete die Konferenz eine Niederlage.

Algen-Phycophyta: sich autotrophisch (ohne Zufuhr organischer Substanz) ernährende, ein- bis mehrzellige Lagerpflanzen von unterschiedlicher Farbe, Größe und Gestalt, meist im Wasser lebend; hierzu Gold-, Kiesel-, Grün-, Joch-, Armleuchter-, Braun- und Rotalgen, Kiesel- und Kalkflagellaten, Panzer- und Schönaugengeißler.

Algenpilze, Phycomycetes: Gruppe niederer Pilze; neuerdings wird diese Pilzgruppe in mehrere Klassen aufgeteilt (Flagellatenpilze, Eipilze, Jochpilze).

Algerien, Demokratische Volksrepublik Algerien: Staat in Nordafrika; grenzt im Norden ans Mittelmeer, im Osten an Tunesien und Libyen, im Südosten an Niger, im Südwesten an Mali, Mauretanien und Westsahara und im Nordwesten an Marokko; verwaltungsmäßig in 48 Wilayate (Bezirke) gegliedert; Währung ist der Algerische Dinar.

Bevölkerung: Sie besteht zu über 90% aus Arabern und Berbern. Amtssprache ist Arabisch, daneben Französisch als Handelssprache. Die größte Bevölkerungsdichte hat das Küsten- (bis 500 Einwohner/km2), die geringste das Saharagebiet (2 Einwohner/km2). Nördlich des Saharaatlas leben 40 Einwohner/km2. Etwa 50% der Bewohner gehören zur Stadtbevölkerung.

Natur: Oberfläche. Algerien erstreckt sich von der Mittelmeerküste südwärts über die Ketten des 2308 m hohen Küsten- (Teil-) und Saharaatlas mit dem dazwischen gelagerten, durchschnittlich 1000 bis 1100m überm Meer gelegenen Hochland der Schotts bis in die zentrale Sahara mit den Dünengebieten des westlichen Großen und östlichen Großen Erg, dem steinigen Tademait-Plateau (835 m) und im äußersten Süden mit dem Gebirgsmassiv Ahaggar (2918 m). Klima. Nordalgerien gehört zum Mittelmeerklima mit Hauptregenfall im Winter und ausgesprochener Sommerdürre. Nach Süden nehmen die Niederschlagsmengen bis zur extremen Trockenheit in der Sahara ab; Frost und Schneefall treten in Nordalgerien regelmäßig, in den nördlichen Saharaoasen gelegentlich auf. Vegetation. Am verbreitetsten ist im Norden Buschland (Macchie), zwischen den Atlasketten im Hochland der Schotts Grasland (Haifagrassteppe), im Gebirge noch vereinzelt Wald (Kiefern, Zedern, Korkeichen), in der weithin vegetationslosen Sahara Oasen mit Dattelpalmen. Bodenschätze. Neben umfangreichen Erdöl- und Erdgaslagern kommen auch Eisen-, Buntmetallerze, Platin, Diamanten, Uran, Phosphate und Kohle vor. Wirtschaft Algerien ist ein Agrarland mit einer sich rasch entwickelnden verarbeitenden Industrie, das einen antiimperialistischen, progressiven Entwicklungsweg beschreitet. 50% der Beschäftigten sind in der Landwirtschaft, 32% im Handel, Transport- und Dienstleistungsbereich und 18% in Industrie und Bauwesen beschäftigt. In Algerien wurden die Bodenschätze, große Teile des Bergbaus, die Grundstoffindustrie und der Außenhandel sowie das Finanz- und Teile des Transportwesens verstaatlicht. Industrie. Ihr Anteil an der Bruttoproduktion stieg von (1967) 26% auf gegenwärtig etwa 45 % an. Im staatlichen Sektor, der 70% aller Produktionskapazitäten umfasst, werden 90% der Industrieproduktion erzeugt. Unter Mithilfe der sozialistischen Staaten (besonders UdSSR) und in Zusammenarbeit mit westeuropäische und japanische Gesellschaften werden volkswirtschaftlich bedeutende Industrieobjekte errichtet. Besondere Bedeutung kommt dem Bergbau zu. Algerien ist ein wichtiger Produzent von Erdöl, bei Erdgas nimmt es einen führenden Platz in der Welt ein. Die staatliche Gesellschaft SONATRACH kontrolliert durch eigene Betriebe beziehungsweise gemischte Gesellschaften die gesamte Erdöl- und Erdgasgewinnung, den Erdöl- und Erdgastransport (Erdölleitungen Hassi Messaoud Bejaia, Hassi Messaoud-Arzew, Mesdar-Skikda, Edjeleh-La Skhirra (Tunesien); Erdgasleitungen von Hassi R’mel nach Arzew, Oran, Skikda und nach Italien) und den gesamten Erdöl- und Erdgas Vertrieb. Außerdem werden Eisenerze in Nordalgerien (Dschebel Ouenza unter anderem), Phosphate in Dschebel Onk und Dschebel Kouif und ferner Blei-, Zink-, Antimon-, Quecksilbererz und Salz abgebaut. Die zum Teil beachtlichen Vorkommen an Kohle, Kupfer-, Uran-, Wolframerz unter anderem werden bisher kaum genutzt. Die hohen Einnahmen aus dem Erdöl- und Erdgassektor führten zu einer stürm. Entwicklung der verarbeitenden Industrie. Sie umfasst Lebensmittel- (etwa 50% der verarbeitenden Industrie), Textilindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, chemische (unter anderem Plast Verarbeitung; Phosphatwerk in Algier), Zement-, Holz- und Lederindustrie sowie Schwerindustrielle Zweige; Hauptzentren sind Algier, Oran, Constantine und Annaba; Erdölraffinerien befinden sich in Hassi Messaoud, Al-Harrach, Skikda und Arzew, Eisenhüttenwerke in Oran und Al-Hadjar bei Annaba. Mit der Steigerung der Elektroenergieerzeugung (zu einem Zehntel aus Wasserkraft) einhergehend erhöht sich der Elektrifizierungsgrad des Landes (z. Z. 60%, in Nordalgerien über 90%). Landwirtschaft. Ihr Anteil am Bruttosozialprodukt sank wegen der forcierten Industrialisierung von (1973) 17% auf gegenwärtig etwa 7%. Nur 4% der Landesfläche sind für den Anbau geeignet. Seit 1971 wird eine Agrarreform durchgeführt, deren Ziel die völlige Liquidierung des feudalen und großbourgeoisen Grundbesitzes, die Boden Verteilung an landlose und -arme Bauern, die Modernisierung der landwirtschaftlichen Produktion, die Begrenzung der Viehkopfzahl im privaten Besitz, Anhebung des Lebensniveaus der ländlichen Bevölkerung, Beseitigung der Ausbeutung fremder Arbeitskräfte und die Bildung landwirtschaftlicher Genossenschaften ist. Eine bedeutende Rolle spielen die modern ausgestatteten «sozialistischen Dörfer» für landlose oder, -arme Bauern beziehungsweise für Landarbeiter, die hier nach fortschrittlichen Agrarmethoden produzieren. Dennoch nimmt der private Sektor noch einen breiten Raum ein. Ziel der landwirtschaftlichen Produktion ist die Selbstversorgung des Landes mit Lebensmitteln (z. Z. nur zu 40% gewährleistet) und agrar. Rohstoffen und die schrittweise Beseitigung der Abhängigkeit vom Ausland bei der Versorgung mit diesen Erzeugnissen. Durch den Ausbau des Bewässerungssystems konnte in jüngster Zeit partiell eine beträchtliche Produktionssteigerung erreicht werden. Für den Eigenverbrauch und die Ausfuhr werden, in Küstennähe auch im Regenfeldbau, im Innern nur mit Bewässerung (Stauwerke im Atlas), vor allem Weizen, Gerste, Frühgemüse, -kartoffeln, Zitrusfrüchte, Tabak, Wein und Oliven kultiviert. Die Viehwirtschaft (Rinder, Schafe, Maultiere, Pferde), außerhalb des Küstenstreifens vertreten, wird noch größtenteils nomadisch betrieben. Wirtschaftliche Bedeutung haben auch die Kork- und Halfagrasgewinnung. Durch die beschleunigte Wiederaufforstung (in der Kolonialzeit fast zwei Drittel der algerischen Wälder vernichtet) Eindämmung von Erosionsschäden und Verhinderung des weiteren Vordringens der Wüste (grüner Schutzwall). Verkehr. Ein dichtes Eisenbahn- und Straßennetz entwickelte sich im Küsten Gebiet, die übrigen Landesteile sind sonst verkehrsmäßig wenig erschlossen. Große Bedeutung für die Erschließung Süd-As und die Verbindung zu den südlichen Nachbarn Mali und Niger hat die neue Transsaharastraße. Der wichtigste internationale Flughafen liegt bei Algier. Die bedeutendsten Hochseehäfen sind Algier, Annaba, Oran, Bejala, Skikda und Arzew. Handel. Erdöl und -gas sowie deren Produkte sind mit über 90% an der Ausfuhr beteiligt; daneben haben Agrarprodukte größere Exportbedeutung; Einfuhr vor allem von Ausrüstungen und Maschinen sowie Konsumgütern. Haupthandelspartner sind Frankreich, USA BRD, Italien, Japan, UdSSR und Großbritannien. Der Verfassung Algeriens von 1976 liegt die im gleichen Jahr in einem Referendum angenommene Nationalcharta zugrunde. Die Verfassung erklärt dieses politisch-ideologischen Grundsatzdokument zur Hauptquelle der Politik der Nation und der Gesetze sowie zur Quelle der Verfassungsinterpretation. Die Führungsrolle der FLN-Partei drückt sich unter anderem darin aus, dass der Generalsekretär der FLN-Partei laut Parteistatut Kandidat für das Amt des Präsidenten der Volksrepublik ist. Er wird in allgemeiner, direkter und geheimer Wahl gewählt und hat umfangreiche Befugnisse auf legislativem, exekutivem und judikativem Gebiet. Premierminister und Regierung werden von ihm ernannt. Das nach gleichen Wahl Prinzipien gewählte Parlament ist die Nationale Volksversammlung.

Geschichte: Im Altertum von numidischen Stämmen bewohnt; vom 12. Jahrhundert vor Christus an gründeten die Phöniker an der Küste Handelsniederlassungen. 46 vor Christus beziehungsweise 42 nach Christus wurde Algerien römische Provinz; 430 errichteten die Wandalen, 534 die Byzantiner über Algerien ihre Herrschaft. Ende des 7./Anfang des 8. Jahrhundert von den Arabern erobert und danach islamisiert; 8./15. Jahrhundert von berberischer und arabischer Dynastien beherrscht; seit 1519 unter türkischer Oberhoheit. 1830 begann Frankreich mit der kolonialen Eroberung Algeriens, dessen Bevölkerung unter Emir Abd al-Kadir 1832/47 hartnäckigen bewaffneten Widerstand leistete und sich auch später wiederholt gegen den ungeheuren Landraub, gegen Unterdrückung und Ausplünderung erhob (Aufstand der Kabylen Stämme 1871 unter al-Moqrani). Unter dem Einfluss der Großen sozialistischen Oktoberrevolution entstanden in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhundert Organisationen des antikolonialen Kampfes und der Arbeiterbewegung (1920 Bildung der algerische Sektion der KP Frankreichs, 1936 Gründung der Algerischen KP). Im November 1942 besetzten angloamerikanischen Truppen Algerien. Im Mai 1945 kam es zu einer spontanen Volkserhebung, die von der Kolonialmacht brutal niedergeschlagen wurde. Die nationale Befreiungsbewegung formierte sich 1946 von neuem und gewann in den 50er Jahren an Organisiertheit und Einfluss. Nationaldemokratische Kräfte vereinigten sich 1954 zur Nationalen Befreiungsfront (französisch Abkürzung FLN) und begannen am 1.11. 1954 den bewaffneten Aufstand. Unter Führung der FLN und der von ihr geschaffenen Nationalen Befreiungsarmee (französisch Abkürzung ALN) kämpfte das algerische Volk heroisch und unter großen Opfern gegen die von den NATO-Partnern unterstützte französische Kolonial Armee. Am 19. 9. 1958 konstituierte sich in Kairo die Provisorische Regierung der Algerischen Republik (französisch Abkürzung GPRA). Ultrakolonialist, französische Kräfte widersetzten sich den Bestrebungen zur politischen Lösung der Algerienfrage und unternahmen 1958, 1960 und 1961 in Algerien gegen die Regierung de Gaulle gerichtete Meutereien. Die beträchtliche militärische Schlagkraft der ALN und die großen politischen Massendemonstrationen der algerischen Werktätigen (1960/61) zwangen die französische Regierung, nachdem sie schon 1959 das Recht des algerischen Volkes auf Selbstbestimmung anerkennen musste, zu Verhandlungen mit der GPRA In den Abkommen von Evian les-Bains (18. 3. 1962) erkannte Frankreich die Unabhängigkeit Algeriens an. Am 19. 3. 1962 wurden die Kampfhandlungen eingestellt. Die faschistische OAS versuchte vergeblich, durch Terrorakte die Verwirklichung der Abkommen zu hintertreiben. Am 3. 7. 1962 erlangte Algerien die staatliche Selbständigkeit, am 25. 9. 1962 wurde die demokratische Volksrepublik Algerien proklamiert. Erster Ministerpräsident des unabhängigen Algerien war Ahmed Ben Bella. Am 19. 6. 1965 übernahm ein von Houari Boumedienne gefühlter Revolutionsrat die Macht. Er setzte den seit 1962/63 eingeleiteten nationaldemokratischen Entwicklungsprozess fort. Die Regierung As liquidierte die französischen Militärstützpunkte, nationalisierte allmählich die sich in ausländischem Besitz befindenden Betriebe (von entscheidender Bedeutung war die Nationalisierung der französischen Erdöl Monopole im Februar 1971), stellte den Außenhandel und die Banken unter Staatskontrolle, schuf dadurch einen starken staatlichen Wirtschaftssektor und entwickelte planmäßig die Industrialisierung des Landes. Aufbauend auf den in den 60er Jahren eingeleiteten Schritten zur Festigung der Souveränität und zur Erringung der ökonomischen Unabhängigkeit, nahm die Regierung in den 70er Jahren in verstärktem Maße tiefgreifende sozialökonomische, politische und kulturelle Umgestaltungen in Angriff (Verabschiedung weitreichender Volkswirtschaftspläne, Teilnahme der Arbeiter an der Leitung der Staatsbetriebe, Beginn der Verwirklichung des «Gesetzes über die Agrarrevolution» November 1971, das auf die Liquidierung der feudalen und großbourgeoisen Ausbeutungsverhältnisse auf dem Lande abzielt, Reform des Bildungs- und Ausbau des Gesundheitswesens). Der auf Fortsetzung und Vertiefung der sozialistisch orientierten Umgestaltungen gerichtete Kurs stieß auf den wachsenden Widerstand der inneren und äußeren Reaktion, wodurch es zu einer Verschärfung der Klassenauseinandersetzung und zunehmenden Polarisierung der Klassenkräfte kam. Die revolutionär-demokratischen Führungskräfte erteilten den Befürwortern eines Liberalisierungskurses eine entschiedene Abfuhr. Die algerische Nationalcharta, die am 27. 6. 1976 durch ein Referendum bestätigt wurde, erklärte die Errichtung einer Sozialist Ordnung zum Ziel der gesellschaftlichen Entwicklung und legte programmatisch die Aufgaben fest, die zur Schaffung ihrer Voraussetzungen notwendig sind. Diese Orientierung wurde in der neuen Landesverfassung vom 19.11. 1976 verankert. Houari Boumedienne, der am 10.12. 1976 zum Staatspräsidenten gewählt worden war, verstarb am 27.12. 1978. Der IV. Kongress der FLN-Partei (27./31.1. 1979) bestätigte den Kurs der sozialistischen Orientierung. Bendjedid Chadli, vom Parteikongress zum Generalsekretär der Partei berufen, wurde am 7.2.1979 zum Staatspräsidenten gewählt. Der Außerordentliche Parteitag der FLN Partei (15./19.6. 1980) beschloss einen Plan zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Algeriens in den 80er Jahren sowie Maßnahmen zur weiteren Umgestaltung der FLN-Partei in eine Avantgardepartei. Algerien betreibt eine antiimperialistische Außenpolitik, nimmt eine führende Rolle in der Bewegung der Nichtpaktgebundenheit ein und unterstützt aktiv den Kampf gegen Kolonialismus, Neokolonialismus, Rassismus und Zionismus. Es unterhält enge Beziehungen zu den sozialistischen Staaten.

Algesie, Algie (griechisch): Schmerz, Schmerzempfindung; Störungen der Algesie können Anzeichen neurologischer beziehungsweise neurotisch psychogener Erkrankungen sein; siehe auch Neuralgie.

Algier, französisch Alger, arabisch AI-Djazair: Hauptstadt Algeriens, an einer steilen und weiten Bucht des Mittelmeeres: als Großalgier. 1,7 Millionen Einwohner; wichtigstes algerisches Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum; Maschinenbau, Nahrungsmittel-, chemische (unter anderem Phosphatwerk), Erdölverarbeitungs-, Zement-, vielseitige Konsumgüterindustrie; Wärmekraftwerk; Handels- (internationale Messe), Verkehrszentrum; wichtigster algerischer Hochseehafen, internationaler Flughafen südöstlich von Algier in Ad-Dar al-Beida; Universität, Hochschulen, Theater, Museen. Im Westen der Stadt Villenviertel und Badestrände, auf steilem Hang die Kasbah; Große Moschee (11. Jahrhundert).

Alginatfaserstoffe, (lateinisch) Zeichen AL: aus Alginsäure hergestellte Chemiefaserstoffe, meist Seiden. Ihre Haupteigenschaft ist die Löslichkeit in schwach alkalischen Lösungen (zum Beispiel Seifenlösung) bei Raumtemperatur, weshalb sie zum Beispiel für textile Ätzspitzen, Bindekordeln sowie für Wundverbände verwendet werden.

Alginsäure: (lateinisch) aus Algen und Tang gewonnene weiße, pulverförmige Substanz mit polysaccharid ähnliche Struktur. Alginsäure und ihre Alkali sowie Kalzium Salze (Alginate) bilden mit Wasser hochviskose Lösungen oder gallertartige Massen und finden Anwendung als Verdickungsmittel für Lebensmittel (zum Beispiel Reduktionskost) und Kosmetika sowie zur Herstellung von Alginatfaserstoffen.

Algogene, (griechisch) Schmerzstoffe: natürliche oder synthetische Substanzen, die bei Haut- oder Schleimhautkontakt sowie bei Einbringen in den Organismus starke, bis zur Unerträglichkeit gehende Schmerzempfindungen erzeugen. Synthetische Algogene, zum Beispiel Pelargonsäurevanillylamid, gelten als potentielle chemische Kampfstoffe.

Algol: (arabisch) verändert. Stern im Sternbild Perseus, dessen Helligkeit zwischen 2”2 und 35 schwankt. Algol ist ein Bedeckungsveränderlicher (Periode 2,87 d).

Algonkin: 1. Indianerstamm südlich des Ottawa River (5000).

1. nach Algonkin 1 benannt Gruppe indianischer Sprachen.

2. Völkergruppe zwischen Rocky Mountains und Neufundland; in den USA 140000 (zum Teil in Reservationen), in Kanada 130000. Die Algonkin haben eine unterschiedliche Kultur und traditionelle Wirtschaft, Bodenbauer (Mais) an der Ostküste und im Ohiogebiet (Delawaren, Mohikaner, Fox, Sauk, Shawnee unter anderem); subarktische Jäger und Fischer im Hudsonbaigebiet (Cree) und auf Labrador (Naskapi); Wasserreisernte in Minnesota (Ojibwa); früher zum Teil Prärieindianer (Blackfeet, Cheyenne, Arapaho).

Algorithmentheorie: Teilgebiet der Mathematik, in dem Algorithmen theoretisch untersucht werden. Die Algorithmentheorie studiert unterschiedliche Präzisierungen des Algorithmen Begriffs und unter anderem deren Beziehungen zueinander, Fragen der Existenz, Bewertung (Güte, Effizienz), Synthese von Algorithmen und deren Anwendung auf Kalküle und Rechenverfahren. Die Algorithmentheorie ist wichtig zum Beispiel für die Computerwissenschaft und die numerische Mathematik sowie bei der mathematischen Beschreibung und Steuerung technische, organische unter andere Prozesse.

Algorithmus: Mathematik und Kybernetik Verfahren, das in endlich vielen eindeutig festgelegten Rechenschritten zur Lösung einer bestimmten Aufgabe führt. Jeder Algorithmus lässt sich durch Rechenautomaten realisieren. Beispiel: Gaußscher Algorithmus zur Lösung linearer Gleichungssysteme.

Alhambra: (arabisch, «die Rote») maurische Palastanlage in Granada (erbaut 1213/14. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert restauriert); eines der Hauptwerke islamische Baukunst in Spanien, mit reichem Stuck- und Fayencedekor, Stalaktitgewölben, Innenhöfen und Wasserspielen. Der Alhambra-Stil beeinflusste die Architektur Nordafrikas.

Alia, Ramiz, geboren 18. 10. 1925, albanischer Politiker; 1943 Mitglied der KP, die 1948 in Partei der Arbeit Albaniens (Abkürzung PAA) umbenannt wurde; seit 1948 Mitglied ihres ZK 1956/61 Kandidat, seit 1961 Mitglied des Politbüros der PAA; seit 1982 Vorsitzender des Präsidiums der Volksversammlung und seit 1985 Erster Sekretär des ZK der PAA.

Aliakmon, Haliakmön: längster Fluss Griechenlands; 300 km; entspringt im nördlichen Pindos, durchbricht die Ausläufer des Olymp, durchfließt Makedonien, mündet in den Golf von Saloniki; Wasserkraftwerke.

Alibi: (lateinisch, «anderswo») Nachweis, dass eine der Begehung einer Straftat verdächtige Person sich zur Tatzeit nicht am Tatort aufgehalten hat.

Alicante: Stadt im Südosten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Alicante, an der Bucht von Alicante (Mittelmeer); 250000 Einwohner; vielseitige Industrie, besonders Maschinenbau, Tabakwarenindustrie, Schwefel Verarbeitung; Erdölraffinerie; Ausfuhr von Alicante-Wein; Handels- und Fischereihafen, internationaler Flughafen; Fremdenverkehr; Universität, Keramikmuseum; Burgberg mit Castillo de Santa Barbara.

Aliden: Nachkommen des Ali ibn Abi Talib; gehören wie Muhammad zu den Haschemiten; ihr erfolgloser Anspruch auf das Kalifat führte zur Spaltung des Islams; siehe auch Schia.

Aligarh: Stadt im Unionsstaat Uttar Pradesh (Indien); 330000 Einwohner; Textil-, Glas-, Metallwarenindustrie; Universität; Hauptzentrum des Islams in Indien.

alimentär: mit der Ernährung zusammenhängend.

Alimente: («Nahrungsmittel») regelmäßig wiederkehrende Leistungen zur Bestreitung des Lebensunterhaltes; besonders gebräuchlich als Unterhaltszahlungen für ein Kind, dessen Eltern nicht oder nicht mehr miteinander verheiratet sind,

a limine: (lateinisch) von vornherein, kurzerhand, ohne weiteres.

aliphatische Verbindungen, azyklische Verbindungen: organische Verbindungen, deren Moleküle keine ringförmig angeordneten Atome, sondern nur offene Atomketten enthalten. Zu den aliphatischen Verbindungen gehören zum Beispiel Alkane, Alkene, Alkine, Alkanole, Alkanale, Alkanone, Alkansäuren und auch die Fette. Siehe auch heteroaliphatische Verbindungen.

Alizarin: roter Beizenfarbstoff, früher aus der Krappwurzel, seit 1871 aus dem Anthrazen des Steinkohlenteers synthetisch gewonnen; wird heute wenig verwendet.

Alkalichloridelektrolyse, Chloralkalielektrolyse: technisches Verfahren zur Herstellung von Chlor, Alkalilaugen und Wasserstoff durch Elektrolyse von Alkalichloridlösungen. Natriumchlorid ergibt Natron-, Kaliumchlorid Kalilauge. Beim Diaphragma Verfahren (mit einem Diaphragma zwischen Anoden- und Kathoden Raum) entsteht preiswerte, jedoch Chloridhaltige Lauge. Beim Quecksilberverfahren fließt kathodisch geschaltetes Quecksilber über den geneigten Boden der Elektrolysezelle, während von oben Kohle- oder spezielle Metallanoden in die (zirkulierende) Salzsole tauchen. Das entstehende Alkaliamalgam reagiert in einem Zersetzer mit Wasser zu Chlorid freier Alkalilauge, Wasserstoff und Quecksilber, welches ständig in die Elektrolysezelle zurück gepumpt wird.

Alkalien: (Alkali oder Alkali) die wasserlöslichen und stark basisch («alkalisch») reagierenden Hydroxide (kaustische Alkalien) und Carbonate (milde Alkalien) der Alkalimetalle, insbesondere des Natriums und Kaliums.

Alkaligesteine, Alkalikalkgesteine: von Harry Rosenbusch (1836-1914) vorgeschlagene petrochemische Einteilung der magmatischen Gesteine nach ihrem Gehalt an Alkalien (Kalium oder Natrium) und Kalzium.

Alkalimetalle: die einwertigen Leichtmetalle Lithium, Natrium, Kalium, Rubidium, Zäsium und Franzium (I. Hauptgruppe des Periodensystems); sie sind sehr weich und außerordentlich reaktionsfähig. Da sie sich sehr leicht oxydieren lassen, wirken sie als starke Reduktionsmittel; so reduzieren sie Wasser (zum Teil explosionsartig heftig) zu Wasserstoff, wobei sie in ihre Hydroxide übergehen. Die Alkalimetalle treten in der Natur nur chemisch gebunden auf und werden zum Beispiel durch Schmelzflusselektrolyse ihrer Chloride oder Hydroxide gewonnen.

Alkalizellulose: weiße, flockige Masse, die durch Umsetzung von Zellstoff mit Alkalilauge entsteht und zu Viskosefaserstoffen und Zelluloseäthern (Methyl-, Carboxymethylcellulose unter anderem) verarbeitet wird. Technisch wichtig ist nahezu ausschließlich die mit Natronlauge entstehende Natronzellulose.

Alkaloide: alkalische, meist stickstoffheterozyklische Natur-, insbesondere Pflanzenstoffe, die wahrscheinlich Endprodukte des Eiweißstoffwechsels darstellen. Sie sind von meist komplizierter chemischer Struktur, bilden mit Säuren wasserlösliche, gut kristallisierende Salze und kommen in dieser Form, an Oxal-, Wein-, Essig- unter anderem Säuren gebunden, vor. Alkaloide werden wegen ihrer verschiedenartigen Wirkungen auf den Organismus zum Teil medizinisch genutzt, sind aber auch starke Gifte. Am häufigsten werden von den etwa 2000 bekannten Alkaloide die der Tollkirsche (Atropin und Hyoszyamin), des Schlafmohns (.Morphin, Kodein, Papaverin), des Fieberrindenbaumes (Chinin), des Jaborandi-Baumes (Pilokarpin), der Kalabarbohne (Physostigmin) und die Kurarine der Strychnos-Gewächse medizinisch verwendet.

Alkalose: Mangel an Kohlensäure im Blut bei verstärkter Abgabe von Kohlendioxid über die Atmung. Daneben kann der Mangel an nicht flüchtigen Säuren oder ein Überschuss an basischen Substanzen aus dem Stoffwechsel, zum Beispiel Kaliumhydrogenkarbonat, eine Alkalose mit oder allein bedingen.

Alkamenes, griechischer Bildhauer der 2. Hälfte des 5. Jahrhundert vor Christus, Schüler und Konkurrent des Phidias; Schöpfer zahlreicher Kultbilder in Attika. Die Marmorgruppe der Prokne, die über die Ermordung des Itys nachsinnt (Athen, Akropolis-Museum), gilt als Original des Alkamenes.

Alkane, Paraffine (lateinisch): die gesättigten aliphatischen Kohlenwasserstoffe der Formel C„H2„+2. Die Alkane sind farblos, wasserunlöslich, leichter als Wasser und reaktionsträge, jedoch ausnahmslos brennbar; sie gehen im Wesentlichen Substitutionsreaktionen ein. Die ersten 4 Alkane sind gasförmig, die folgenden 11 flüssig, die weiteren wachsartig fest. Einfache Alkane sind Methan, CH»; Äthan, CiH6; Propan, C3H8; Butan, C,H10; Pentan, CsH12; Hexan, C6H14; Heptan, C,H1; Oktan, C8HI8; Nonan, C9H20; Dekan, C10H22; Undekan, CnH24; Dodekan, Cl2H26, und so weiter, ferner Eikosan, C20H42; Triacontan, C30H62 und zum Beispiel auch Hektan, C100H,m. Alkane kommen im Erdgas, Erdöl und Erdwachs vor, sie finden sich auch in Teeren, insbesondere im Braunkohlenschwelteer. Man verwendet sie meist als Kraftstoffe, Schmier- und Lösungsmittel sowie für chemische Synthesen.

Alkansäuren: die gesättigten aliphatischen Monokarbonsäuren; allgemeine Formel C„H2„+1COOH. Die ersten 9 Alkansäuren sind bei gewöhnlicher Temperatur flüssig, die weiteren wachsartig fest. Die ersten 4 Alkansäuren sind mit Wasser beliebig, die nächsten 5 begrenzt mischbar, die übrigen wasserunlöslich, löslich dagegen in vielen organischen Lösungsmitteln.

Alkaptonurie: angeborene Stoffwechselstörung, bei der durch das Fehlen eines Enzyms die Aminosäure Tyrosin nicht vollständig abgebaut wird. Durch Suchtests ist eine Früherkennung möglich. Lässt man den Harn einige Stunden stehen, tritt eine schwarzbraune Verfärbung auf.

Alken, Alcidae: tauchgewandte, fischfressende Vögel nördlicher Meere mit meist schwarzweißem Gefieder, Koloniebrüter auf Felsinseln («Vogelbergen»). Der 40 cm lange Tordalk (Alca torda) unter anderem auch auf Helgoland; 76 cm lang der um 1840 ausgerottete, flugunfähige Riesenalk (Pinguinus impennis). Zu den Alken gehörten auch die Trottellumme (Lummen) und der Papagei Taucher.

Alkene, Olefine (französisch - griechisch): aliphatische Kohlenwasserstoffe mit einer Doppelbindung im Molekül; allgemeine Formel C„H2„, zum Beispiel Athen (Äthylen), und Propen (Propylen), C3H6. Von den höheren Alkenen existieren je nach Lage der Doppelbindung Isomere, zum Beispiel Butlen, Formel CH3-CH2-CH=CH2, und But-2-en, Formel CH3-CH=CH-CH3. Die Alkene ähneln physikalisch den Alkanen, sind jedoch wesentlich reaktionsfähiger und gehen leicht Additions- und Polymerisationsreaktionen ein.

Alkestis, in der griechischen Sage Frau des Königs Admetos; ging für diesen, als er sterben sollte, in den Tod. Wegen ihrer Treue wurde sie von Herakles dem Thanatos (Tod) im Kampf entrissen und ihrer Familie zurückgegeben.

Alkibiades, um 450-404 vor Christus, athenischer Politiker und Feldherr; Neffe des Perikles; organisierte 415 die athenische kriegerische Expedition gegen Syrakus; flüchtete nach Sparta, da man ihn des Religionsfrevels bezichtigte; kehrte 411 nach Athen zurück und befehligte 410/407 die athenische Flotte. Nach seiner erneuten Flucht aus Athen wurde er im persischen Exil ermordet.

Alkine-Azetylen-Kohlenwasserstoffe: aliphatische Kohlenwasserstoffe mit einer Dreifachbindung im Molekül. Das wichtigste Alkine ist Athin, C2H2; es folgen Propin, C3H; Butin, C4H6, und so weiter. Die Alkine ähneln physikalisch den Alkanen, sind jedoch reaktionsfähiger.

Alkinoos, mythischer König der Phäaken auf der Insel Scheria; Vater der Nausikaa; nahm den schiffbrüchigen Odysseus gastfreundlich auf und ließ ihn in seine Heimat bringen.

Alkiphron, lebte im 2. Jahrhundert nach Christus, griechischer Schriftsteller; verfasste Fischer-, Bauern-, Parasiten- (ungeladene Gäste) und Hetären Briefe.

Alkmaar: Stadt im Nordwesten der Niederlande, in der Provinz Nordholland, am Noordhollands Kanaal; 78000 Einwohner; Schokoladen- und Bekleidungsindustrie, Möbel- und Orgelbau; Agrarmarkt (Käse, Butter); Fremdenverkehr, Museum; zahlreiche Grachten, Stadtwaage (16. Jahrhundert), Große Kirche (15./16. Jahrhundert).

Alkoholblutprobe: zur Bestimmung der Blutalkoholkonzentration entnommene Blutprobe; siehe auch Äthanol Nachweis.

Alkoholdehydrogenase, Abkürzung ADH: in Hefen, Pflanzen und Leber gefundenes, zinkhaltiges Enzym, das primäre oder sekundäre Alkohole reversibel zu Aldehyden beziehungsweise Ketonen oxydiert.

Alkohole: organische Verbindungen mit der Hydroxylgruppe -OH im Molekül, sofern diese nicht unmittelbar an ein aromatisches Ringsystem gebunden (Phenole) oder Bestandteil anderer funktioneller Gruppen ist Je nach Anzahl der OH Gruppen unterscheidet man ein- und mehrwertige Alkoholdehydrogenase, zum Beispiel ist Äthanol, CHsOH, einwertig, Glyzerol, C3H5(OH)3, dreiwertig. Bei den einwertigen Alkoholdehydrogenase unterscheidet man je nach der Stellung der OH Gruppe im Molekül primäre, sekundäre und tertiäre Alkoholdehydrogenase Primäre Alkoholdehydrogenase, R—CH2OH, lassen sich zu Aldehyden, sekundäre Alkoholdehydrogenase, R-CH(OH)-R', zu Ketonen, tertiäre Alkoholdehydrogenase, (R)(R')(R")C-OH, nur unter Aufspaltung des Moleküls oxydieren. Aromatische Alkoholdehydrogenase enthält die OH-Gruppe in der Seitenkette.

Alkoholismus, chronische Trunksucht: gewohnheitsmäßiger, jahrelanger Alkoholgenuss, der zu körperlichen, psychischen und sozialen Schäden führt. Neben krankhaften Veränderungen an Herz, Leber, Magen, Nieren und Nervensystem kommt es psychisch zu allmählichen Abbau der Persönlichkeit, Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit sowie Stimmungsschwankungen. Durch eine systematische, meist stationäre Psychotherapie und Einstellung auf Arzneimittel, die eine Unverträglichkeit gegenüber Alkohol bewirken, kann Heilung erzielt werden.

Alkoholkriminalität: unter Alkoholeinfluss verübte Straftaten; es besteht strafrechtliche Verantwortlichkeit (auch bei schuldhaft verursachter Zurechnungsunfähigkeit).

Alkor, Reiterlein: schwacher Stern im Sternbild Großer Bär; Helligkeit 4; steht sehr dicht bei dem Stern Mizar und kann mit bloßem Auge gerade noch gesehen werden; wird daher oft Augenprüfer genannt.

Alkoven: fensterloser Nebenraum, meist als Bettnische verwendet.

Alkuin, Albinus, Alchvine, Ealhwine, um 732-19. 5. 804, angelsächsischer Gelehrter, 782/96 Lehrer und Berater am Hofe Karls des Großen, ab 796 Abt und Leiter der Klosterschule in Tours; Begründer des Schulwesens im Frankenreich.

Alkutablech: (Kunstwort) 0,2 bis 0,5 mm dicke Aluminiumfolie als Dacheindeckung und Sperre bei Grundwasserabdichtungen; wird mit Spezialbitumenmasse geklebt und eingebettet.

Alkydharze: (Kunstwort) Lackharze, die durch Veresterung eines mehrwertigen Alkohols (zum Beispiel Glykol) mit einer Dicarbonsäure (zum Beispiel Phthalsäure) unter gleichzeitiger Reaktion mit Leinöl oder einem natürlichem Harz hergestellt werden.

Alkydharzlacke: Anstrichstoffe, die als Film Bildner ölmodifizierte Alkydharze und meist auch Melamin- oder Harnstoffharze enthalten. Alkydharzlacke werden für die verschiedensten Innen- und Außen Anstriche, zum Beispiel als Autolacke, verwendet.

Alkylantien: Verbindungen, die durch Eingriff in den Zellzyklus das Wachstum einer Zelle verhindern. Alkylantien werden zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.

Alkylarylsulfonate: Tenside der allgemeinen Formel R-Ar-S020Me (R = Alkyl, Ar = Aryl, Me = einwertiges Metall, besonders Natrium oder Kalium). Durch Einführung von Phenyl- und Naphthylgruppen wird im Vergleich zu den Alkylsulfonaten die hydrophobe Wirkung erhöht. Wichtige Alkylarylsulfonate sind zum Beispiel n-Dodecylbenzolsulfonat, C12H25 C6H4 S020Na, und Diisopropyl Naphthalinsulfonat, mit der chemischen Formel ((CH3)2CH-)2C10Hs-SO2ONa. Alkylarylsulfonate werden als waschaktive Substanzen, Netzmittel, Emulgatoren und Textilhilfsmittel verwendet.

Alkylgruppe: Atomgruppe der Formel -C„H2„+1. meist durch das Symbol R gekennzeichnet; zum Beispiel Methyl, -CH3.

Alkylieren: a) Einfuhren einer Alkylgruppe in eine chemische Verbindung; Alkylierungsmittel sind Halogenalkane und Dialkylsulfate;

b) die Reaktion zwischen verzweigten aliphatischen Kohlenwasserstoffen und Alkenen zur Herstellung von Alkylatbenzinen, zum Beispiel Isooktanische Alkylphosphate Phosphorsäureester.

Alkylsulfate: 1. Ester von Alkanolen mit Schwefelsäure (Dialkylsulfate), zum Beispiel Dimethylsulfat (Schwefelsäureester).

2. Salze saurer Schwefelsäureester der Formel R0-S02-0Me (Me = Metall), auch Monoalkylsulfate genannt. Derartige Alkylsulfate mit langkettigen Alkoholen, wie zum Beispiel Natriumdodecylsulfat, CuH2S-0-S020Na, sind Tenside und werden unter dem Namen Fettalkoholsulfate als schmutzlösende Komponente in vielen Waschmitteln sowie als Netzmittel, Emulgatoren und Textilhilfsmittel verwendet. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie neutral reagieren und mit hartem Wasser keine unlöslichen Kalksalze bilden. Man gewinnt die Alkylsulfate durch Veresterung von Fettalkoholen mit Schwefel- oder Chlorschwefelsäure und anschließende Neutralisation.

alla breve: Musik Taktmaß, bei dem die halbe (ursprünglich «Brevis») statt der Viertelnote zur Zählzeit wird (Taktzeichen

Allantoin, Ureido-hydantoin beide (griechisch): bei vielen Organismen Endprodukt des Purinabbaues. Allantoin entsteht nach Ringspaltung aus Harnsäure.

Allantois: embryonaler Harn Sack höherer Wirbeltiere. Neben der ursprünglich exkretorischen Funktion dient sie bei Reptilien und Vögeln als embryonales Atmungsorgan; bei Säugetieren ist sie mit der Plazenta verbunden und steht im Dienste der Ernährung.

alla prima: eine Art zu malen, bei der die Farbtöne auf der Palette gemischt und ohne Untermalung nebeneinander (nicht lasierend übereinander) auf den Malgrund gesetzt werden,

allargando: (italienisch) Musik langsamer werdend, meist mit zunehmender Tonstärke.

Allegorie: (griechisch allegorein, «anders ausdrücken») Form der künstlerischen Verallgemeinerung, gleichnishafte, sinnbildliche Darstellung abstrakter Begriffe, Vorstellungen und gedankliche Zusammenhänge. Die Allegorie wird häufig als Personifikation gebraucht (zum Beispiel in der bildenden Kunst Fortuna, Justitia, Hoffnung). Im Gegensatz zum Symbol «bedeutet» die Allegorie nicht das Gemeinte, sondern «ist» es selbst.

allegretto: (italienisch) Musik leicht bewegt, beschwingt.

allegro: (italienisch) Musik als Tempobezeichnung lebhaft, schnell; als Vortragsbezeichnung heiter, fröhlich.

Alleineigentum: Familienrecht die jedem Ehegatten allein gehörenden Sachen und Vermögensrechte, besonders das vor der Ehe erworbene oder während der Ehe als Geschenk oder durch Erbschaft zugefallene persönliche Vermögen, im Gegensatz zum gemeinschaftlichen Eigentum der Ehegatten.

Allel: Zustandsform eines Gens. Ein Gen kann in Form von 2 oder mehr Allelen auftreten; molekular unterscheiden sich diese voneinander durch geringfügige Veränderungen in der genspezifischen Basen Sequenz der DNS, die durch Mutationen entstehen. Die differierende Basensequenz führt zu unterschiedlicher Ausprägung des von dem betreffenden Gen determinierten Merkmals. Siehe auch Genwirkung.

Allelopathie: gegenseitige Beeinflussung verschiedener Pflanzenarten durch Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, die meist hemmend, teils aber auch fordernd auf die Entwicklung benachbarter Pflanzen wirken.

Allemande: (französisch, «Deutschen» (Tanz)) 1. ursprünglich geradtaktiger Schreittanz; im 16. Jahrhundert Gesellschaftstanz mit gesprungenem Nach Tanz im Dreiertakt (besonders Courante); im 18. Jahrhundert dem Ländler ähnlich Tanz im V4-Takt. 2. seit etwa 1600 meist 1. Satz der Suite im Takt.

Alleppey: Stadt im Unionsstaat Kerala (Indien); 190000 Einwohner; Gummi-, Zement Industrie, Kokosverarbeitung; Hafen (Export von Holz, Gewürzen, Kaffee, Tee von den Pflanzungen der Nilgiri-Berge).

Allergen: (griechisch) Überempfindlichkeitsreaktionen auslösender Stoff, zum Beispiel Arzneimittel, Fremd Eiweiß; siehe auch Allergie.

Allergie: (griechisch) individuelle, erblich prädisponierte Überempfindlichkeit des Organismus gegen eine als körperfremd empfundene Substanz (Allergen) infolge veränderter Reaktionslage nach Antigen-Antikörper-Reaktion (Immunreaktion, Sensibilisierung). Wiederholter Allergenkontakt fuhrt zur allergischen Reaktion und allergische Krankheit (Allergose), zum Beispiel Nesselsucht, Heuschnupfen und Bronchialasthma.

Allerheiligen: in der katholischen Kirche am 1. November die Gedächtnisfeier für alle Verstorbenen, die bereits zur «Anschauung Gottes» gelangt sind.

Allerseelen: in der katholischen Kirche Gedächtnistag am 2. November für die noch im Fegefeuer weilenden «Armen Seelen».

Allesfresser, Omnivoren: Tiere, die sich sowohl von lebenden als auch toten pflanzliche und tierische Substanzen ernähren können, zum Beispiel Schwein, Ratte. Siehe auch Fleischfresser, Pflanzenfresser.

Alles-oder-Nichts-Gesetz: Regel für die Antwortbereitschaft von erregbaren Zellen bei Vorhandensein von Reizen mit einer Mindeststärke. Sobald diese erreicht ist, kommt es zu einer Erregung, die in ihrer Intensität nicht abgestuft, sondern sofort maximal ist.

Allgäu: Landschaft in Bayern, zwischen Lech und Bodensee; umfasst Allgäuer Alpen (bis 2657 m) und Alpenvorland; feuchtkühles Klima; zwei Drittel der Fläche Grünland (Wiesen, Weiden, Almen); bedeutende Rinderzucht und Milchwirtschaft (Käse Erzeugung); Textil-, Holzindustrie; Fremdenverkehr; Hauptorte Kempten, Oberstdorf, Sonthofen.

Allgäuer Alpen: Teil der Nördlichen Kalkalpen zwischen Bodensee und oberem Lech, in Bayern, im Süden nach Österreich hineinragend; langgestreckte Bergketten mit steil aufragenden Gipfeln (Großer Krottenkopf 2657 m, Mädelegabel 2649 m, Nebelhorn 2224 m), verkarstete Hochflächen; kühlfeuchtes Klima, 2000 bis 3000 mm jährlicher Niederschlag; vorwiegend Grünland (Rinderzucht); Hauptort Oberstdorf.

Allgemeinbegriff: Logik Begriff, unter den eine ganze Klasse von Dingen fällt, die alle mit demselben Wort benannt werden können; zum Beispiel Mensch, Auto, Edelgas, sozialistischer Staat. Dagegen sind Individual Begriffe und Eigennamen keine Allgemeinbegriff.

Allgemeinbildung: Gesamtheit des grundlegenden Wissens und Könnens sowie grundlegender Bewusstseins- und Verhaltenseigenschaften, die von allen Mitgliedern der Gesellschaft gleichermaßen erworben werden und allgemeine Voraussetzungen für das Leben, besonders die Arbeit, sowie für weiterführende spezielle Bildung schaffen. Ziel, Inhalt und Strukturbetreffenden Betriebe und Einrichtungen in geeigneter Form bekanntzugeben.

Allgemeines-Besonderes-Einzelnes: Charakteristika der Objekte der materiellen Welt und ihrer Erkenntnis. Das Allgemeine sind Merkmale, die mehreren individuellen Objekten zukommen. Das Einzelne ist das ein bestimmtes Individuum Charakterisierende; es enthält Aspekte, die nur diesem und solche, die mehreren Individuen zukommen; das heißt das Allgemeine existiert in den verschiedenen Einzelnen. Das Besondere besitzt gegenüber einem bestimmten Allgemeinen einen geringeren Allgemeinheitsgrad. Die Erkenntnis führt vom Einzelnen zum Allgemeinen, vom unmittelbaren Erlebnis der Wirklichkeit zur gedanklichen Verarbeitung. In einem komplizierten Erkenntnisprozess wird das Allgemeine aus dem Einzelnen gewonnen und in Begriffen und Gesetzen erfasst. Diese sind, indem sie der Erklärung des Einzelnen dienen, theoretische Voraussetzung für seine Beherrschung in der praktischen Tätigkeit des Menschen. Die Vorstellung von einer selbständigen Existenz des Allgemeinen ist charakteristisch für die Philosophie Platons, Hegels unter anderem Vertreter des objektiven Idealismus; Empirismus, Positivismus unter anderem Richtungen des subjektiven Idealismus verabsolutieren dagegen das Einzelne. Die richtige Einschätzung des Verhältnisses von Allgemeinem und Einzelnem ist von großer Bedeutung für die Leitung gesellschaftlicher Prozesse im Sozialismus. Überschätzung des Allgemeinen führt zum Dogmatismus, Überbetonung des Einzelnen zu Revisionismus und Opportunismus.

allgemeine Verhaltenspflichten: zivilrechtliche Verpflichtung aller Bürger und Betriebe, sich im allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenleben so zu verhalten, dass das Leben, die Gesundheit und die Persönlichkeitsrechte der Bürger nicht verletzt werden und dem sozialistischen wie dem persönlichen Eigentum kein Schaden entsteht. Hierzu gehören neben den Pflichten zur Vermeidung von Schäden und Gefahren auch Pflichten zum aktiven Handeln bei der Verhütung von Schäden und der Abwehr von Gefahren. Dies bedeutet konkret auch die Verpflichtung für Bürger und Betriebe bei der Begründung und Ausübung aller Rechte, die bestehenden rechtlichen Bestimmungen und die abgeschlossenen Verträge ebenso wie die gesellschaftlichen Erfordernisse zu berücksichtigen, die Regeln des sozialistischen Zusammenlebens einzuhalten und auf berechtigte Interessen anderer Bürger und Betriebe Rücksicht zu nehmen. Diese Verpflichtung beginnt bereits bei der Vorbereitung von Verträgen und soll allgemein zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit fuhren, die von den Grundsätzen der sozialistischen Moral ausgeht und von der Notwendigkeit der Übereinstimmung der individuellen und kollektiven Interessen mit den gesellschaftlichen Erfordernissen bestimmt wird. Dementsprechend sind Rechte immer nur entsprechend ihrem gesellschaftlichen Inhalt und ihrer Zweckbestimmung auszuüben, so dass ihre Ausübung keine den Rechtsvorschriften oder den Grundsätzen der sozialistischen Moral widersprechenden Ziele verfolgen darf. Erhöhte Sorgfaltspflichten gelten für Verkehrsteilnehmer, weitergehende Pflichten zur Vorsorge für Verantwortliche von Gefahrenquellen. Verletzungen der allgemeinen Verhaltenspflichten können neben anderen Sanktionen Wiedergutmachungspflichten begründen, wenn dadurch Schäden verursacht wurden.

Alligation: Metallurgie Mischung, Legierung, Beimengung, Zusatz.

Alligatoren, Alligatoridae: Familie der Krokodile mit 7 Arten, zu der auch die Kaimane gehören; der 4. Unterkieferzahn ist im Gegensatz zu den Echten Krokodilen bei geschlossener Schnauze nicht sichtbar. Alligatoren leben mit Ausnahme des vom Aussterben bedrohten, etwa 2 m langen Chinaalligatoren nur in Amerika; der nordamerikanische Hecht- oder Mississippi-Alligatoren (Alligator mississippiensis) wird bis 6 m lang.

Allmende: im Mittelalter Gemeindeflur (gewöhnlich Weide, Wald, Gewässer, Heide und Moor), die nicht an einzelne Bauern aufgeteilt war, sondern der Gemeinde zur gemeinschaftlichen Nutzung gehörte.

allochromatische Minerale: fremdfarbige oder gefärbte Minerale, deren Farbe durch die Anwesenheit fremder Elemente oder Minerale bedingt ist. Siehe auch dilute Färbung, idiochromatische Minerale.

allochthon: Geologie bodenfremd; allochthon ist jedes Gestein, das vom Bildungsort entfernt lagert.

Allod: das in der Übergangsphase von der Urgesellschaft zum Feudalismus entstandene, zunächst vererbbare, dann frei veräußert. Privateigentum an Grund und Boden (Freigut), im Gegensatz sowohl zum Lehen als auch zur Allmende.

Allometrie: regelhafte Proportionsverschiebung, bedingt durch unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeiten von Organen oder Körperteilen im Verhältnis zur Körpergröße oder zu anderen Organen. Unterschiede in einzelnen Wachstumsraten werden als allometrisches Wachstum bezeichnet.

Allonge: aus Stahlblech gefertigtes, zylindrisches Kondensationsgefäß für Metall-, insbesondere Zink- und Cadmiumdämpfe; angewandt bei der thermischen Zinkgewinnung in der liegenden Muffel.

Allongeperücke: Herrenperücke aus schulterlangen, zu Locken gedrehten Haaren, am Hof Ludwigs XIV. aufgekommen; später als Zeichen der Würde und Repräsentation getragen.

Allopathie: Bezeichnung für die der Homöopathie entgegengesetzte Behandlungsmethode, eingeführt von S. Hahnemann. Aus der Allopathie entwickelte sich die wissenschaftliche Arzneimitteltherapie.

Allophon: Phonem Variante, konkreter Laut im Gegensatz zur abstrakten Einheit, dem Phonem. Das Allophon kann durch die lautliche Umgebung bedingt sein, zum Beispiel ich ach.

Allotment: (englisch, «Zuteilung») kleines Landstück, das kapitalistischen Gutsbetriebe Großbritanniens besonders im 19. Jahrhundert zur Einschränkung der Landflucht an Gutsarbeiter gaben (Allotment system); heute meist Parzelle aus öffentlichen Besitz in der Nähe der Städte (Allotment-Garten), dem Schrebergarten vergleichbar.

allotriomorphe Minerale-xenomorphe Minerale: (beide griechisch) "Minerale, die sich beim Kristallwachstum in der Endphase der Erstarrung gegenseitig behindern und ihre Eigengestalt nicht ausbilden können. Siehe auch idiomorphe Minerale.

Allotropie: Eigenschaft einiger Elemente (zum Beispiel Schwefel, Phosphor, Kohlenstoff, Zinn), in Abhängigkeit von Temperatur und Druck in verschiedenen festen Zustandsformen (allotropen Modifikationen,) aufzutreten beziehungsweise in verschiedenen Kristallgittern zu kristallisieren. So tritt Schwefel bei Raumtemperatur als rhombischer a-Schwefel, oberhalb 95,6°C als monokliner ß-Schwefel auf; Zinn bildet 3 feste Modifikationen.

Ailoxan: (Kunstwort) eine stickstoffheterozyklische Verbindung der Formel NH-(CO)3-NH-CO. Ailoxan ist eine gelbe, kristallisierte Substanz, die mit Wasser farbloses Ailoxanhydrat bildet. Ailoxan färbt die Haut purpurrot und wird für hautentwickelnde Lippenstifte verwendet. Im Organismus entsteht Ailoxan als Oxydationsprodukt der Harnsäure; schädigt die ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse spezifisch, dient im Tierexperiment zur Auslösung eines Diabetes mellitus.

Allroundsportler: vielseitiger Sportler mit guten Leistungen in mehreren Sportarten beziehungsweise -disziplinen.

Allstromgerät: elektrisches Gerät (zum Beispiel Rundfunkempfänger, Kleinmotor) für wahlweisen Betrieb mit Gleich- oder Wechselstrom.

Allwellenempfänger: Funkempfänger für die Frequenzbereiche des Rundfunks und des kommerziellen Funkverkehrs.

Almadén: («Bergwerk») Stadt im mittleren Spanien, am Nordfuß der Sierra Morena; 15000 Einwohner; Mittelpunkt des Quecksilberbergbaus (hoher Quecksilbergehalt der Erze, bis 300 m tiefe Tagebaue, Abbau schon seit der Antike), außerdem Vorkommen von Blei- und Schwefelerzen.

Almagest: (arabisch Kitab al-madschisti, «das größte Werk», griechisch) verstümmelter Titel der arabischen Übersetzung des Lehrbuches der Astronomie von C. Ptolemäus, war bis N. Kopernikus die Grundlage der Astronomie.

Almagro, spanischer Eroberer: 1. Diego de Almagro, um 1472-8.7.1538, eroberte mit F. Pizarro das Inka Reich (1532/33), zog 1535/37 durch das Hochland von Bolivien bis Mittelchile, wurde im Kampf um die Herrschaft auf Befehl Pizarros erdrosselt.

2. Diego de Almagro, um 1520-16.9.1542, Sohn von Almagro 1 und einer Indianerin, ließ 1541 Pizarro ermorden, ernannte sich zum Gouverneur von Peru, wurde aber vom königlichen Statthalter besiegt und hingerichtet.

Alma Mater: (lateinisch, «nährende Mutter») symbolische Bezeichnung für Universität oder Hochschule.

Almanach: (lateinisch - griechisch - ägyptisch) ursprünglich Kalender mit astronomischen Tafeln; seit dem 16. Jahrhundert Jahrbuch für Stände und Berufsgruppen, seit dem 18. Jahrhundert durch literarische Beiträge erweitert; im 20. Jahrhundert Werbemittel der Verlage.

Almeria: Stadt im Süden Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Almería, am Golf von Almería, 120000 Einwohner; Fischkonservenindustrie, Schwefelverarbeitung; 2 Solarkraftwerke; Fischerei- (Sardinen) und Ausfuhrhafen (Trauben, Zitrusfrüchte, Espartogras, Eisenerz); Fremdenverkehrszentrum der Costa del Sol; 2 maurische Burgen (La Alcazaba, Castillo de San Cristóbal), Renaissancekathedrale (16. Jahrhundert). Am 31. 5. 1937 wurde Almería von deutschen Kriegsschiffen beschossen, wobei zahlreiche Einwohner getötet und große Zerstörungen angerichtet wurden. Dieser Überfall war ein Beispiel für die Unterstützung F. Francos durch das faschistische Deutschland während des Freiheitskampfes des spanischen Volkes 1936/39.

Almoraviden: berberisch-islamische Sekte und Dynastie (1061/1147) in Nordafrika und Spanien; eroberten von ihrer Hauptstadt Marrakech aus den Maghreb und mit Ausnahme Toledos das muslimische Spanien; 1147 von den Almohaden gestürzt.

Almukantarat, Azimutal Kreis, Höhenkreis: jeder Kreis an der Himmelskugel parallel zum Horizont. Siehe auch Koordinatensystem.

Almwirtschaft, Alpwirtschaft, Sennerei: Form der Produktion mit Rindern unter den Bedingungen der Weidewirtschaft des Hochgebirges im Sommer und der Winter Fütterung im Tal; überwiegend Butter- und Käseproduktion, neuerdings auch Frischmilchtransport durch Pipelines in das Tal.

Aloe, (griechisch) Aloe: artenreiche Gattung der Liliengewächse afrikanischer Trockengebiete, in den Tropen weltweit verwildert; sukkulente Rosettenpflanze mit bedornten, fleischigen Blättern und meist rötlichen Blüten; Zimmerpflanze.

Alonso, Alicia, geboren 21.12.1921, kubanische Ballerina, Choreographin und Pädagogin; gründete 1948 in Havanna eine Ballettgruppe und -schule; seit 1954 Leiterin des kubanischen Balletts, seit 1959 des kubanischen Nationalballetts.

Alopezie: (griechisch) Haarausfall bei Erkrankung der Kopfhaut, der herdförmig oder diffus sein kann. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt.

Alp-Alb: nächtlicher Schadendämon (Druckgeist); niederdeutsch Mahr, oberdeutsch Drud genannt.

al pari: (italienisch) Kurswert gleich Nennwert (bei Münzen, Effekten); Devisenkurs gleich Währungsparität oder Leitkurs.

Alpatow, Michail Wladimirowitsch, geboren 10.12. 1902, Sowjet Kunsthistoriker, Veröffentlichungen zur byzantinischen, russischen und westeuropäischen Kunst; Hauptwerk «Allgemeine Geschichte der Künste» (1948/55, deutsch).

Alpdrücken, Alptraum: Angst- oder Beklemmungsgefühl im Schlaf oder Halbschlaf; meist auf Grund neurotischer Ängste oder körperlichen Ursachen, zum Beispiel durch vollen Magen oder Luftmangel, hervorgerufen.

Alpen: Europas größtes, höchstes und formenreichstes Gebirge, Kernstück des im Tertiär entstandenen europäischen Faltengebirgssystems (alpidische Gebirgsbildung), vom Ligurischen Meer bis zum Pannonischen Becken reichend, an dem Österreich, die Schweiz, Frankreich, Italien, Jugoslawien, die BRD, Liechtenstein und Monaco Anteil haben. Die Alpen sind am Außen Rand 1200 km, am Innenrand 750 km lang und 150 bis 250 km breit. Sie bedecken etwa 220000 km2. Die höchsten Erhebungen sind Mont Blanc (4810 m), Monte Rosa (4633 m) und Matterhorn (4478 m). Die Linie Bodensee-Rheintal-Splügen-Comer See teilt die Alpen in die nach Aufbau und Gestalt verschiedenen West- und Ostalpen Neben der Querteilung ist die Längsteilung in Zonen geologische Entstehung möglich. Man unterscheidet die aus kristallinen Schiefern, Graniten und Gneisen aufgebauten Zentralalpen und die ihnen im Norden und Süden vorgelagerten niedrigeren nördlichen und südlichen Kalkalpen, die aus Schichtgesteinen (vorwiegend Kalken) bestehen. Während die Alpen nach Süden gegen die Poebene scharf abgegrenzt sind, ist ihnen im Norden eine breite Übergangszone, das Alpenvorland, vorgelagert. Die Alpen sind Klima- und Wetterscheide zwischen Mittel- und Südeuropa. Sie entwässern zu den Flüssen Rhône, Rhein, Donau (Inn, Sava, Drau), Po und zum Adriatischen Meer (Adige). Am nördlichen und südlichen Alpenrand ließen die eiszeitlicher Gletscher Bergseen zurück (Genfer, Boden-, Gardasee, Lago Maggiore, Corner, Vierwaldstätter, Zürichsee unter anderem). Die heutigen Gletscher (größter der Aletschgletscher) mit einer Fläche von 3 500 km2 wirken maßgebend auf die Wasserführung der Flüsse ein. Die Schneegrenze liegt auf der Nordseite bei 2400 m, auf der Südseite bei 2700 m, im Monte-Rosa-Massiv jedoch über 3200 m; die Baumgrenze im Norden bei 1600, im Süden bei 2200 m Höhe. Die Vegetationszonen werden in den unteren Lagen aus Laub- und Mischwald, in den mittleren Lagen aus Nadelwald und darüber aus Knieholz und Matten (Alpenrosen, Enzian) gebildet. Von dort ab dehnt sich die Region kahler Felsen und ewigen Schnees aus. Die Tierwelt der höheren Lagen ist durch Gemse, Steinbock und Murmeltier gekennzeichnet. Wirtschaft. In der Landwirtschaft herrschen in den breiten Innentälern Getreide- und Futteranbau, in klimatisch begünstigten Tallagen Wein- und Obstbau vor. Milchwirtschaft wird auf Almen bis zu 2400 m Höhe betrieben. Die Wälder liefern wertvolles Nutzholz. Größere Vorkommen von Bodenschätzen gibt es nur in der Steiermark (Eisenerz) und um Salzburg (Steinsalz). Braunkohle, Blei- und Zinkerz, Bauxit, Graphit, Asbest und Magnesit bilden nur kleine Lagerstätten. Gesteine werden zur Baustoffgewinnung gebrochen. Die starke Ausnutzung der Hydroenergie im gesamten Alpenraum trug zur Bildung von Industriestandorten bei. Schwerpunkte sind unter anderem Grenoble, Bern, Zürich, Como, Bozen, Innsbruck, Salzburg, Villach, Maribor. Verkehr. Für den Straßen- und Eisenbahnverkehr sind die Alpen gut erschlossen, da Quer- und Längstäler sowie relativ niedrige Pässe den Bau von Verkehrswegen begünstigen. Wichtigste Pässe sind Großer Sankt Bernhard, Simplon, Sankt Gotthard, Splügen, Stilfser Joch, Furka, San Bernardino, Brenner, Semmering, Felber Tauern, Katschberg. Während fast alle bedeutenden Tunnelbauten für die Eisenbahn schon im letzten Drittel des 19. Jahrhundert errichtet wurden, setzte der Bau der großen Straßentunnel erst in der Mitte des 20. Jahrhundert ein. Wichtigste Tunnel sind für Eisenbahn Simplon 1 und 2, Sankt Gotthard, Lötschberg, Mont Cenis, Arlberg; für Straße Sankt Gotthard, Arlberg, Mont Blanc, Fréjus, Seelisberg, San Bernardino, Großer Sankt Bernhard, Felber Tauern, Katschberg. Die Bevölkerung spricht überwiegend Deutsch, im Westen Französisch, im Süden Italienisch, im Süden der Schweiz Rätoromanisch. Die Siedlungen reichen bei verhältnismäßig geringer Bevölkerungsdichte bis zu 1500 m, in Ausnahmefällen bis zu 2100 m Höhe. In den Alpen herrscht im Sommer wie im Winter starker Fremdenverkehr, auf den sich zahlreiche Alpenorte spezialisiert haben.

Alpenrose, Rhododendron: artenreiche Gattung der Heidekrautgewächse; meist immergrüne Sträucher der höheren Gebirge mit oft ledrigen Blättern und großen trichterförmigen, meist roten oder violett purpurnen Blüten. Viele Arten sind dekorative Parksträucher und Ziergehölze des Gartens (Rhododendron im engeren Sinne); eine Topfpflanze ist die Azalee.

Alpensalamander, Salamandra atra: bis 16 cm langer, schwarzer Salamander; bringt 2 vollentwickelte Junge zur Welt; lebt in mittel- und südosteuropäischen Hochgebirgen.

Alpenveilchen-Cyclamen: giftiges Primelgewächs mit scheibenförmiger Spross Knolle und nickenden Blüten; in Gebirgswäldern das europäischen Alpenveilchen (C. purpurascens, unter Naturschutz), als Topfpflanze beliebt das aus dem Orient stammende persischen Alpenveilchen (C. persicum).

Alpenvorland: im Norden den Alpen vorgelagertes, nach Norden abfallendes Hochland, an dem die Schweiz, die BRD und Österreich Anteil haben; im Westen bis zum Genfer See, im Osten bis zum Wienerwald, im Norden bis zum Schweizer Jura und zur Donau reichend; 800 km lang, im Westen als Schweizer Mittelland (500 bis 900 m), im Mittelteil als Schwäbisch-Bayer. Hochfläche (350 bis 700 m), im Osten als österreichische Alpenvorland (250 bis 800 m) bezeichnet; eiszeitlich geprägt mit vielgestaltigen Endmoränenkränzen und weitflächig aufgestauten Seen am Alpenrand (Boden-, Chiem-, Starnberger-, Ammersee unter anderem), durchflossen von Iller, Lech, Isar, Inn und Salzach; niederschlagsreiches, in Gebirgsnähe von Föhnwinden beeinflusstes Klima; hohe und feuchte Teile des Alpenvorland, besonders die Schwäbisch-Bayerische Hochfläche, stark Vieh wirtschaftlich, sonst ackerbaulich genutzt; Holzwirtschaft; Armut an Bodenschätzen (Erdgas); unter Nutzung der Wasserläufe und durch gute Verkehrslage des Alpenvorland begünstigt in einigen bedeutenden Standorten Industrie Entwicklung, besonders in München; Wasserkraftwerke; Fremdenverkehr.

Alphabet: (lateinisch griechisch) 1. aus den ersten beiden griechisch Buchstaben (Alpha, Beta) gebildete Bezeichnung für die geordnete Buchstabenfolge der Lautzeichen einer Sprache.

2. Kybernetik: eine endliche Liste von Zeichen (Symbolen). Beispiele sind das lateinische Alphabet und die Dezimalziffern. Diese Zeichen werden allgemeine Buchstaben genannt.

alphanumerisch: Abkürzung für sowohl alphabetisch als auch numerisch; EDVA arbeiten gegenwärtig vorherrschend alphanumerisch, das heißt sie verarbeiten sowohl Buchstaben als auch Ziffern.

Alphastrahlen, a-Strahlen: eine der Strahlungsarten von Radionukliden, besteht aus Alphateilchen. Alphateilchen, a-Teilchen Kern des Heliumatoms, besteht aus 2 Protonen und 2 Neutronen und trägt 2 positive Elementarladungen. Alphastrahlen werden von bestimmten Radionukliden oder als Produkt von Kernreaktionen ausgesandt. Die Masse der Alphastrahlen beträgt 6,644 • 10-27 kg. Das Energiespektrum der Alphastrahlen beim radioaktiven Zerfall ist diskret. Die Reichweite von Alphastrahlen mit einer Energie von 5,305 MeV (Po 210) beträgt zum Beispiel in Aluminium 21 |im und in Luft 3,84 cm. Ihre Bindungsenergie ist sehr hoch (28,3 MeV), deshalb sind sie sehr stabil gegen Teilchen Zerfall.

Alpiden: (zu «Alpen») die geologisch jungen Faltengebirge, zum Beispiel Alpen, Karpaten, Kaukasus, Anden. Ihre Bildung verlief vom Jura bis zum Pleistozän regional unterschiedlich, alpidische Gebirgsbildung: Krustenbewegung der alpidische Ära, reicht etwa vom Jura bis zum Pleistozän; schuf die meisten heutigen Hochgebirge (Alpiden); siehe auch geologische Systeme

alpin: die Alpen betreffend; im Allgemeinen dem Hochgebirge zugehörig.

Alpinade: sportlich organisiertes Alpinisten treffen zwecks gemeinsamer bergsteigerisches Unternehmen und eventuell kultureller und beziehungsweise oder fachlich-methodische Veranstaltungen.

alpine Disziplinen: Skisport Sammelbegriff für die Geschwindigkeitswettbewerbe Abfahrtslauf, Slalom, Riesenslalom und Superriesenslalom; außer Parallelslalom im Einzelstart absolviert.

alpine Trias: vorwiegend marine, an mächtigen Carbonat Gesteinen reiche Ausbildung der Trias im Bereich der alpidische Gebirge mit den Stufen Skyth, Anis, Ladin, Kam, Nor, Rät im Gegensatz zur 1 germanischen Trias; an nutzbaren Gesteinen vorwiegend Kalke für Bauzwecke, Sandsteine sowie Steinsalz.

Alpinistik, Hochgebirgsbergsteigen: Technik und Taktik der sportlichen Betätigung im Hochgebirge (Gebirgswandern, Fels- und Eisklettern, hochalpiner Skilauf unter anderem). Siehe auch Hochtouristik.

alpinotyp: ein von H. Stille eingeführter Begriff der Orogenese, der die sedimentäre, magmatische und tektonische Gesamtentwicklung eines Krustenbereiches umfasst.

Alpinum: botanische Anlage zur Schaustellung und Pflege von Hochgebirgspflanzen; Stätte der wissenschaftlichen Erforschung der Ökologie alpiner Pflanzen (Alpenkunde).

Alquizar: Stadt in Kuba, in der Provinz La Habana; 10000 Einwohner; von der DDR errichtetes Textilkombinat.

Alraun, (gotisch runa, «Geheimnis») Alraune, Mandragora officinarum: zu den Nachtschattengewächsen gehörende, im Mittelmeergebiet beheimatete Pflanze, deren auffallend verzweigte Speicher Wurzel (Alraunwurzel) früher als menschliche Gestalt gedeutet wurde, woraus sich die magische Bedeutung als Fruchtbarkeitssymbol und Glücksbringer ergab. Die Alraunwurzel enthält nur geringe Mengen an Tropanalkaloiden und ist deshalb in der Medizin bedeutungslos.

Als, Alsen: dänische Insel am Südausgang des Kleinen Belt; 312 km2; 53000 Einwohner; wichtigster Ort Senderburg (28500 Einwohner); fruchtbare Moränenlandschaft, gemäßigtes Klima; intensive Landwirtschaft, Gartenbau; Industrie (Elektronik, Maschinenbau); Fähre nach Fünen.

AI: a) in der frühen europäischen Mehrstimmigkeit die höhere, von Männern gesungene Gegenstimme zum Tenor;

b) heute tiefste Frauen- oder Knabenstimme;

c) im Chor die entsprechend Stimmgruppe.

Altaier: Gruppe turksprachiger Völker im al-taischen-sajanischen Raum Sibiriens, bei denen sich kulturelle Einflüsse der Mongolen (Nomadenviehzucht) sowie der Keten und Nenzen (Jagdwirtschaft und Rentierhaltung im N) mischen; erst unter der Sowjet Macht formierten sich aus zahlreichen Stämmen 4 größere Völker (Tuwiner (139000), Altaier im eigentlichen Sinn (56000), Chakassen (67000) und Schoren (16000)).

altaische Sprachen: Sprachfamilie, die die Turksprachen, die mongolische Sprachen und die mandschu-tungusischen Sprachen umfasst

Altan-Chan, 1507-1582, mongolischer Fürst; Enkel Dajan-Chans; führte Feldzüge gegen China bis zum Friedensvertrag 1571, betrieb danach Politik friedlicher Handelsbeziehungen; ließ die Hauptstadt Chöchchot erbauen. Altan-Chan erklärte als erster mongolischer Fürst den Lamaismus zur Staatsreligion.

Altar: 1. Sternbild.

2. kultischer Mittelpunkt für religiöse Riten, eigentlich der Gottheit geweihte Opferstätte. Die Möglichkeiten der Gestaltung des Altar reichen von einfachen Opfer steinen der Germanen und Kelten bis zur monumentalen Form des reliefverzierten, 9 m hohen griechischen Pergamonaltar. Der Christliche Altar hatte ursprünglich die Form eines Tisches (Mensa) mit einer Verkleidung (Antependium) aus Stoff, Holz oder Metall. Seit dem 11. Jahrhundert erhebt sich über der Mensa der Altaraufsatz (Retabel) mit bildlicher Darstellung. Daraus entstand in der Gotik der bemalte oder geschnitzte Flügelaltar mit dem Altarschrein zwischen meistens drehbaren Flügeln über einem Untersatz (Predella). Der Altar mit mehreren Flügelpaaren heißt Wandelaltar. Der spätgotische Altar hat meist geschnitzte, turmartige Aufbauten (Gesprenge). Neben dem Haupt- oder Hochaltar einer Kirche kann es noch Nebenaltäre geben. Im Mittelalter gab es den transportablen Trag- und Reisealtar Altarm: durch natürliche Einwirkung oder künstliche Eingriffe abgeschnittene Strecke eines oberirdische Gewässers.

Altbrief: Philatelistische Bezeichnung für eine postalisch beförderte Briefsendung aus der Zeit vor der Einführung der Briefmarke (1840).

altdeutscher Reimvers: 4hebiger Vers, durch Endreim mit dem folgenden Vers zur Langzeile verbunden. Da bei männlicher oder klingender Kadenz nur die Zahl der Hebungen, nicht aber die der Senkungssilben festgelegt ist, eröffnet der altdeutsche Reimvers für die rhythmische Ausformung einen breiten Spielraum. Hebungen können direkt zusammenstoßen, können aber auch durch ein- oder mehrsilbige Senkungen unterbrochen werden. Der altdeutsche Reimvers fand in dem «Evangelienbuch» des Otfried von Weißenburg (um 865) seine erste gültige Ausprägung. Seine Füllungsfreiheiten bewahrten die mittelhochdeutschen Reimpaare und den Knittelvers.

Altdorf: Hauptstadt des Kantons Uri, in der mittleren Schweiz, südöstlich vom Vierwaldstätter See; 8500 Einwohner; Draht-, Kabel-, Gummiwerke; Kapuzinerkloster (16. Jahrhundert); Teilfestspiele, -denkmal (der Sage nach Stätte des Apfelschusses Teils).

Altdorfer, Albrecht, um 1480-12.2.1538, Maler und Graphiker, seit 1526 Stadtbaumeister und Ratsherr in Regensburg. Der Hauptmeister der Donauschule schuf in seinem Bemühen um Darstellung der Atmosphäre das erste reine Landschaftsgemälde der europäischen Kunst und zahlreiche Zeichnungen mit realistischer Naturwiedergabe. Seine meist kleinformatigen Gemälde haben trotz Detailtreue oft märchenhaften Charakter. As Werke sind geprägt vom reichen Stimmungsgehalt und der romantisch empfundenen Verschmelzung von Mensch und Natur.

Altenberg: Stadt im Kreis Dippoldiswalde, Bezirk Dresden, im Osterzgebirge, am Fuße des Geising (824 m); 2670 Einwohner; Zinnerzbergbau; über 100 m tiefe Pinge von 1620, technisches Museum; Wintersport Platz (Riesengrundschanze) und Sommerfrische (754 m über dem Meeresspiegel); Sanatorium «Raupennest», Kinder- und Jugendsportschule.

Altenberg, Peter, eigentlich Richard Engländer, 9.3.1859-8.1.1919, österreichischer Schriftsteller, Meister aphoristisch gedrängter, kulturkritisch pointierter Kurzprosa, «Wie ich es sehe» (1896), unter anderem Altenbrak: Gemeinde im Kreis Wernigerode, Bezirk Magdeburg, im bewaldeten Unterharz, im Engtal der Bode, unterhalb der Talsperre Wendefurth; 960 Einwohner; Erholungs- und Luftkurort; Erholungsheime, Waldbühne (1200 Sitzplätze; alljährlich Jodler Wettstreit), Waldbad.

Altenburg: Kreisstadt im Bezirk Leipzig, im fruchtbaren Lößhügelland westlich der Pleiße; 55000 Einwohner; Industrie- und Kulturzentrum; vielseitige metallverarbeitende Industrie, Herstellung von Spielkarten, Konfektion, polygraphischen Erzeugnissen; Ingenieurschulen, Fachschule, Lehrerbildungsinstitut; Landestheater, Konzerthalle (Schlosskirche); Archive, Lindenau-, Schloss Museum, botanischer Garten, Volkspark. Nördlichen. Von Altenburg Pleiße Staubecken Windischleuba (Stauraum 3,25 Millionen m3). Die Stadt mit alten Bauwerken (Renaissancerathaus, romanische Türme der Kirche des Augustiner-Chorherrenstifts «Rote Spitzen», Stadtkirche, Bürgerhäuser) wird vom Schloss (11./19. Jahrhundert; Schlosskirche, 15. Jahrhundert) überragt. 976 kaiserliche Burg; im 11./12. Jahrhundert Kaiserpfalz; 1256 Stadtrecht, 1603/72 und 1826/1918 Residenz des Fürsten- beziehungsweise Herzogtums Sachsenaltenburg. Die Altenburger Spielkartenindustrie (seit 1832) gewann Weltruf.

Alteration: 1. allgemein Abänderung; Gemütsbewegung, Aufregung; Verwirrung; Ärger.

2. Musik: im musikalischen Ablauf Veränderung eines oder mehrerer Töne eines Akkords um einen Halbton.

Alter ego: (lateinisch) das andere, zweite Ich; treuer Freund.

Alter Mann: Bergbau a) versetzte (wieder aufgefüllte), verbrochene (zusammengestürzte) oder offenstehende alte Grubenbaue beziehungsweise die Versatzberge darin;

b) ehemaliger Bergbau.

Altern: 1. Metallurgie: allmählich, bei Raumtemperatur vor sich gehende Eigenschaftsänderung eines Werkstoffes. Bei hoher Temperatur (Schmelzen) aufgenommene Stoffe scheiden langsam als chemische Verbindung aus. Die Ausscheidungen sind meist hart und spröde und beeinflussen die mechanischen Eigenschaften, zum Beispiel Sprödbruch bei Stahl durch Eisennitride, aber auch erwünschte Verfestigung von Duralumin (Kaltaushärtung).

2. Physiologie: Vorgang des Altwerdens bis zum Eintritt des physiologischen (natürlichen) Todes. Der Alternsprozess beginnt schon mit der Entstehung des Lebewesens; er wird jedoch von den Entwicklungsprozessen zunächst weit überflügelt, so dass im jüngeren Erwachsenenalter ein Leistungsgipfel, trotz zunehmender Alternsvorgänge in verschiedenen Geweben und Organen, resultiert. In den höheren Lebensjahren nehmen die «Fehler» bei der Synthese von Eiweißen, die Verarmung der Zellen an Wasser stärker zu, wodurch ein Leistungsabfall auftritt.

thermisches Altern: Verfahren der Wärmebehandlung (Auslagern bei 20 bis 250°C) zur Vorwegnahme von Eigenschaftsänderungen, die sich bei Raum- oder Gebrauchstemperatur nach längerer Zeit einstellen würden; bei unlegierten, niedrig gekohlten und nichtgehärteten (Bau-) Stählen wird durch Kohlenstoff- und Stickstoffausscheidungen Herbeiführung zeitliche Eigenschaftskonstanz erzielt, bei gehärteten (Werkzeug-) Stählen durch Martensitanlassen (Anlassen) zeitliche Maß- und Form Stabilität.

alternans: (lateinisch) Medizin regelmäßig wechselnd, zum Beispiel Pulsfüllung (Pulsus alternans).

Alternanz: (lateinisch) Obstbau in 2- oder 3jährigem Rhythmus eintretender Wechsel von Ertrags- und Ausfalljahren (besonders Apfel und Birne).

Alternat: diplomatischer Brauch, wonach als Ausdruck der souveränen Gleichheit der Staaten jede Vertragspartei ihre Unterschrift auf ihrem Exemplar des Vertrages an erste Stelle setzen darf.

Alternative: 1. allgemein WaW, Entscheidung zwischen mehreren Möglichkeiten; das Entweder- oder, zweite Möglichkeit; Gegenvorschlag.

3. Logik: 2stellige extensionale Aussagenverbindung, die nur als falsch gilt, wenn beide verknüpften Aussagen falsch sind; umgangssprachlich durch «...oder...» auszudrücken, wobei «oder» im nichtausschließenden Sinne (also nicht «entweder...oder») gebraucht wird. Mitunter, insbesondere in der Rechentechnik, als Disjunktion bezeichnet.

alternieren: 1. allgemein abwechseln; sich wechselseitig in einer Tätigkeit, einem Amt ablösen. 2. Metrik Hebungen und Senkungen (betonte und unbetonte Silben) wechseln regelmäßig im Vers, so dass ein jambische (xi = unbetont betont) oder trochäischer (xx = betont unbetont) Versgang entsteht.

Alter Orient, Bezeichnung für den Gebiets Komplex der ältesten Reiche Vorder-, Süd- und Ostasiens, deren Geschichte vom Zerfall der Urgesellschaft über die Entstehung der ersten Staaten mit der altorientalischen Produktionsweise (Dominieren der freien Dorfgemeinde; keine volle Entfaltung des Sklaverei Verhältnisses) bis zur Herausbildung der ersten Feudalstaaten (Sassanidenstaat) reicht.

Altersbestimmung, 1. Anthropologie: beim lebenden Menschen, aber auch bei Leichen und Skelett Resten der Feststellung des erreichten biologischen Alters, das heißt des Entwicklungsstadiums, das für eine bestimmte chronologische Altersgruppe charakteristisch ist, dienende Methode. Hierfür werden die Anlage von Knochenkernen, die Verknöcherung von Knorpel Fugen und Schädelnähten (Skelettalter), der Durchbruch und die Abkauung der Zähne (Zahnalter), die Proportionsveränderungen der Körper Abschnitte (morphologische Alter), funktionelle Veränderungen (physiolog, Alter), die stoffliche Zusammensetzung des Körpers (biochemisches Alter) sowie Verhaltens- und Intelligenzmerkmale (psychischen Alter) herangezogen. In der Tierzucht erfolgt die Altersbestimmung bei Pferd, Rind, Schwein und Hund im Allgemeinen an den Zähnen. Durchbruch der Milchschneidezähne, Zahnwechsel und Zahnabnutzung können als zuverlässige Merkmale der Altersschätzung betrachtet werden. Beim Geflügel erfolgt die Altersbestimmung nach der Ausbildung des Sporns, der Biegsamkeit von Schnabel und Brustbein Spitze, bei Fischen nach Zuwachsringen der Schuppen oder den Gehörsteinen. Die Altersbestimmung ist unter anderem von Bedeutung in der tierärztlichen Fleischhygiene.

2. Astronomie: Abschätzung des Alters von Himmelskörpern oder Teilen des Weltalls. Untersuchungen des radioaktiven Zerfalls in Gesteinen der Erde, des Mondes und von Meteoriten ergaben Alter seit ihrem Erkalten zwischen 1 und 4,6 Md. Jahren für die Mitglieder des Planetensystems. Aus der Theorie der Sternentwicklung weiß man, dass die ältesten Sterne mehr als doppelt so alt wie die Erde sind, während viele heiße Sterne erst vor wenigen Millionen Jahren entstanden. Die Expansion des Weltalls (Hubble-Effekt) hat vor etwa 15 Md. Jahren begonnen.

3. Geologie: Feststellung oder Abschätzung des Alters. Die geologische Altersbestimmung erlaubt die Bestimmung eines relativen Alters entsprechend den Lagerungsverhältnissen, dem Gesteins- und Fossilinhalt sowie eines absoluten Alters. Das absolute Alter von Gesteinen kann zum Beispiel mit geochronologische Methoden, wie Bänderton-, Dendrochronologie, Fluortest unter anderem sowie physikalisch mittels der Magnetostratigraphie und nach den Gesetzen des Zerfalls im Gestein enthaltener radioaktiver Substanzen bestimmt werden. Siehe auch Geochronologie, Radioaktivität.

Altershaut: Atrophie der Haut mit Verlust der Elastizität, außerdem Pigmentierungen, Depigmentierungen, Hyperkeratosen und Blutgefäß Erweiterungen.

Altersklasse: 1. Forstwirtschaft: 20 Jahre umfassender Abschnitt der Altersübersicht über ein bestimmtes Waldgebiet. Dabei werden der Altersklasse I alle ein- bis 19jährigen, der Altersklasse II alle 20- bis 39jährigen und so weiter einzelnen Baumbestände zugeordnet.

2. Sport: in den verschiedenen Sportarten unterschiedlicher Einteilungsstufe der Sportler nach dem Alter; keine Leistungsklasse.

3. Völkerkunde: Gruppierung der Menschen (besonders der Männer) nach Altersstufen innerhalb eines Stammes, eines Dorfes oder anderer Gemeinschaften.

Altersnorm: Gesamtheit der Forderungen und Erwartungen, die die Gesellschaft an die Menschen verschiedener Altersgruppen (zum Beispiel Vorschulkind, Schulkind, Jugendlicher, Erwachsener, Greis) stellt.

Alterspräsident: ehrenvolle Bezeichnung für den nach Lebensjahren ältesten Abgeordneten eines Parlaments (beziehungsweise eines Vertretungsorgans), der den Vorsitz führt, bis der Präsident der betreffenden Vertretung gewählt ist.

Altersschwachsinn, senile Demenz (lateinisch), Dementia senilis (lateinisch): fortschreitender Intelligenz- und Persönlichkeitsabbau infolge krankhaften Schwunds der Gehirnnervenzellen.

Altersschwerhörigkeit, Presbyakusis (griechisch): zunehmende altersbedingte Schwerhörigkeit infolge physiologischen Alterns des peripheren und zentralen Hörorgans. Die Altersschwerhörigkeit wird im Allgemeinen erst nach dem 60. Lebensjahr auffällig, da sie sich im Hochtonbereich entwickelt.

Alterssichtigkeit, Presbyopie (griechisch): altersbedingte Erschwerung des Nahsehens durch Nachlassen der Akkommodationsfähigkeit des Auges.

Altersversorgung: Gewährleistung der sozialen Sicherheit der Werktätigen in der sozialistischen Gesellschaft bei Erreichen des Rentenalters. Die Altersversorgung ist wichtiger Bestandteil der Sozialpolitik des sozialistischen Staates. Hauptform der Altersversorgung ist die Zahlung von Altersrenten aus der Sozialversicherung und von Zusatz Altersrenten aus der freiwilligen Zusatzrentenversicherung. Bestimmte Berufs- beziehungsweise Personen Gruppen (zum Beispiel Mitarbeiter der Staatsorgane, der Deutschen Post und der Deutschen Reichsbahn) erhalten an Stelle der oder zusätzlich zur Altersrente eine besondere oder zusätzliche Altersversorgung.

Altertum: Frühgeschichte eines Volkes, zumeist die Geschichte der Sklavenhaltergesellschaft; klassisches Altertum war früher die Bezeichnung für die Geschichte der Griechen und Römer vom 5. Jahrhundert vor Christus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches (476 nach Christus).

Altertümer: Überreste der Kultur aus Altertum und Mittelalter (unter anderem Werkzeuge und andere Gerätschaften, Bau- und Kunstwerke, Sprache, Literatur); wichtige Quellen zur Erforschung vorkapitalistischen Gesellschaftsformationen.

Altertumswissenschaft: ursprünglich die wissenschaftlich-kritische, auf das klassische Altertum beschränkte Erforschung von Geschichte und Kultur der Griechen und Römer, kam in der Zeit der Renaissance auf und war zunächst insbesondere auf die Altphilologie ausgerichtet. Die bürgerliche deutsche Altertumswissenschaft entstand im Klassizismus auf der Grundlage der idealistischen Philosophie des 18. Jahrhundert, spezialisierte sich später auf die Altphilologie, Archäologie, antike Geschichte sowie die historischen Hilfswissenschaften Numismatik, Epigraphik, Papyrologie. Die marxistische Altertumswissenschaft bewertet das Altertum einschließlich der Länder des Alten Orients als Epoche der antiken Sklaverei Gesellschaft beziehungsweise der ersten Klassengesellschaft und erforscht besonders deren historische Entwicklungsgesetze auf der Basis des Studiums der sozialökonomischen und politisch-ideologischen Bestrebungen der einzelnen Klassen und Schichten der verschiedenen Völker.

Alterung: Veränderung von physikalischen Eigenschaften, zum Beispiel des Gefüges von Legierungen oder des magnetischen Zustandes von ferromagnetischen Werkstoffen, unter inneren Umwandlungen in Richtung auf einen stabilen Endzustand. Die Alterung beruht auf Änderungen des Ordnungszustands im Kristallgitter. Da sich die natürliche Alterung vieler Stoffe bei ihrer technischen Verwendung äußerst störend bemerkbar macht, unterwirft man sie vorher einer künstlichen Alterung.

Ältestenrat, Altenratische Institution bei vielen Völkern und Stämmen zur Regelung des gesellschaftlichen Lebens; setzt sich aus den Ältesten (Erfahrensten) des jeweiligen Gemeinwesens zusammen.

Alte Welt: die bereits im klassischen Altertum bekannten Teile von Europa, Asien und Afrika, im Unterschied zu Amerika, der erst später entdeckten Neuen Welt.

Altfinnen: 1889 aus den Fennomanen entstandene finnische Partei, Vertreterin der Großbourgeoisie und der kapitalistischen Großgrundbesitzer; gingen 1918 in der Nationalen Sammlungspartei auf.

Althegelianer, Rechtshegelianer. Schüler und Anhänger G. F. W. Hegels, die nach Spaltung der Hegelschen Schule bei Vernachlässigung der revolutionären dialektischen Methode besonders das auf metaphysische Geschlossenheit orientierende System des objektiven Idealismus Hegels betonten. Ihre politische Position war reaktionär oder konservativ. Einige haben Verdienste bei der Herausgabe der Hegelschen Schriften. Vertreter waren unter anderem Georg Andreas Gabler (1786-1853), Heinrich Gustav Hotho (1802-1873), Eduard Gans (1798-1839), Karl Friedrich Göschel (1781-1861), Karl Friedrich Rosenkranz (1805-1879).

Altholz: zur Wuchsklasse Baumholz gehörende Waldbestände, die das letzte Drittel ihres Abtriebsalters erreicht haben.

Althusius, Johannes, 1557-12.8.1638, Rechtsgelehrter, Vertreter der Volkssouveränität im Sinn des Mittelalters, insbesondere der Bindung des Fürsten an Verträge mit den Ständen.

Althusser, Louis, geboren 16.10.1918, französischer Philosoph; Vertreter des Strukturalismus; gibt eine strukturorientierte, die historische Komponente vernachlässigende Interpretation des Marxismus.

Altiplano: Hochbecken zwischen der peruanischen und bolivianischen West- und Ostkordillere, erstreckt sich vom Becken des Titicacasees (3 816 m über dem Meeresspiegel) im Norden über den Poopo-See (3694m über dem Meeresspiegel) bis zum Salar von Uyuni (3660 m über dem Meeresspiegel) im Süden; vorwiegend Entwässerungsgebiet; im Norden semiarides Klima mit Steppenvegetation, nach Süden zu in arides Klima mit Halbwüsten und Wüsten (Sukkulenten) übergehend; örtlich Bewässerungsfeldbau, besonders südlich des Titicacasees; extensive Weidewirtschaft.

Altkatholiken: christliche Religionsgemeinschaft, die sich nach dem Konzil 1870 von der römisch-katholischen Kirche löste, bestreitet Unfehlbarkeit des Papstes,

altkimmerische Gebirgsbildung: (nach den Kimmeriern) mesozoische Krustenbewegung an der Wende Trias/Jura, in Mitteleuropa zumeist als Bruchfaltengebirge (saxonische Gebirgsbildung).

Altman, Nathan Issajewitsch, 22.12.1889-12.12.1970, sowjetischer Maler, Graphiker, Bühnenbildner und Bildhauer, schuf Entwürfe für die künstlerischen Gestaltung Petrograds zum Jahrestag der Oktoberrevolution (1918) sowie 1920 die erste Porträtplastik W. I. Lenins und eine Folge von 8 Leninzeichnungen; später besonders als Bühnenbildner tätig («Othello» unter anderem).

Altmann, Eva, geboren 17.12.1903, Wirtschaftswissenschaftlerin; erwarb sich große Verdienste beim Aufbau der Hochschule für Ökonomie «Bruno Leuschner», deren erster Rektor sie war (1950/56), und durch eine Reihe wichtiger Publikationen auf dem Gebiet der politischen Ökonomie des Kapitalismus und des Sozialismus.

Altmark: im nördlichen Teil ebenes, im Süden hügeliges Gebiet im Norden des Bezirkes Magdeburg mit Wische, Drömling und Letzlinger Heide; bis 160 m (Hellberge); Hauptort ist Stendal; Ackerbau, Viehzucht; Erdgasgewinnung bei Salzwedel. Die Altmark war westelbisches Stammland der Mark Brandenburg; ursprünglich als Nordmark (bis zum 14. Jahrhundert) Markgrafschaft zum Schutze des Herzogtums Sachsen (hervorgegangen aus der Teilung der Markgrafschaft Geros nach dessen Tode 965); 1134 an Albrecht den Bären.

Altmetall, Schrott: metallisches Sekundärrohstoff; Erzeugnisse und Abfälle jedes Verarbeitungszustandes von metallischen Werkstoffen, die im Rahmen der Metallgewinnung wieder aufbereitet werden. Das Altmetall ist eine wichtige Rohstoffbasis.

altnordische Literatur: die mittelalterlicher Literatur Norwegens, Islands, Dänemarks und Schwedens. Seit dem 3. Jahrhundert sind Runeninschriften überliefert. Vom 9. Jahrhundert an entstanden in Norwegen und Island die Lieder der Edda (zunächst mündlich überliefert) und die Skaldendichtung, seit dem 12. Jahrhundert Prosatexte in lateinischer Schrift. Älteste Prosaliteratur sind Rechtsüberlieferungen, geistliche Texte (oft Übersetzungen) sowie isländische und norwegische Geschichtswerke. Im 12./14. Jahrhundert entstanden auf Island die Sagas, wie Edda und Skaldendichtung bis zum 14. Jahrhundert gepflegt, später nur noch überliefert. Die ärmere schwedische und dänische mittelalterliche Literatur besteht aus Rechtstexten, geistliche Schriften, Epen, Nachdichtungen, Chroniken und den spät mittelalterliche Folkeviser. Die eddische Poesie bediente sich des Stabreims (Alliteration), die skaldische des Stab-, Binnen- und zum Teil Endreims. Die altnordische Metrik war in der Skaldendichtung oft streng geregelt, sonst freier und zeigte mehrere Strophenarten (mit Variationen).

Alto Adige, deutsch Südtirol: der bis 1919 österreichischer Teil Tirols südlich des Brenners; heute als Provinz Bozen der oberitalienische Region Trentino Alto Adige 7400 km2 mit 430000 großenteils deutschsprachigen Einwohner, 58 Einwohner/km2; Sonderstatus; Verwaltungszentrum Bozen Hochgebirgsland (Dolomiten, Ortlesgruppe) mit den klimabegünstigten Tälern von Adige und Isarco; Wein- und Obstbau (Äpfel). Wasserkraftwerke; starker Fremdenverkehr, Wintersportzentrum, Kurorte Bozen, Meran.

Altranstädt: Gemeinde westlich von Markranstädt, Bezirk Leipzig. Im Frieden zu Altranstädt zwischen Sachsen-Polen und Schweden vom 24.9.1706 zwang Schweden während des Nordischen Krieges den sächsischen Kurfürsten und polnischer König August II. zur Aufgabe der Königswürde (bis 1709).

Altruismus: (lateinisch alter, «der andere») moralisch-soziale Einstellung, in der Selbstlosigkeit, auch Aufopferung für andere Menschen und für die Menschheit zum Grundsatz erhoben ist; entstand wie der Egoismus als Ausdruck der Widersprüche antagonistischer Klassengesellschaften.

Altslawisch: in der 2. Hälfte des 9. Jahrhundert entstandene älteste Schriftsprache der Slawen auf altbulgarische sprachliche Grundlage, daher auch Altbulgarisch genannt; steht dem Urslawischen sehr nahe und ist deshalb eine wichtige Quelle der slawischen Sprachgeschichte und der Indoeuropäistik. Die Denkmäler des Altslawisch, seit dem 10. Jahrhundert als Teil einer viel umfassenderen Literatur überliefert, sind fast ausschließliche Übersetzungen kirchlicher Schriften aus dem Griechischen; die frühesten aus der 2. Hälfte des 9. Jahrhundert stammen von den Slawenaposteln Kyrillischen und Methodischen wegen ihrer liturgischen Verwendung im griechisch-orthodoxen Bereich wird Altslawisch auch Altkirchenslawisch genannt.

Altstoffe, Altmaterial: Gegenstände, die nach Abschluss ihres Konsumtionsprozesses ihren ursprünglich Gebrauchswert verloren haben und zusammen mit dem Abfall die sekundäre Rohstoffbasis der Volkswirtschaft bilden.

Alttextilien: in der Textilindustrie als Sekundär Rohstoff wiederverwendbare, nicht mehr gebrauchsfähige oder moralisch verschlissene Textilien. Alttier: weibliches Rot-, Dam- oder Elchwild nach der Geburt des 1. Kalbes.

altvorderasiatische Kunst: Kunst des alten Vorderen Orients, die wie die altägyptische, altindische und altchinesische zur Kunst des Alten Orients gehört. Im vorderasiatischen Raum vollzog sich erstmalig der Übergang von der Urgesellschaft zur Klassengesellschaft. Die Kunst der frühesten Epochen dieses Raumes ist erst in den letzten Jahrzehnten, besonders in den 60er Jahren, durch Ausgrabungen bekannt geworden. Diese bewiesen auch, dass den orientalischen Stromtalkulturen des 4. Jahrtausend vor Christus bäuerlichen Berglandkulturen einer vor- und frühkeramische, neolithische beziehungsweise chalkolitische Epoche (9./4. Jahrtausend vor Christus) in Palästina, Kleinasien, Nordirak und Iran vorausgegangen sind (zum Teil größere und mitunter stark befestigte Siedlungen, zum Beispiel Jericho; Tempelbauten mit plastischen Kultbildern und Wandmalereien, zum Beispiel Catal Hüyük, die Vorstellungen einer Jäger- und frühbäuerlichen Kultur widerspiegeln). Seit dem 6. Jahrtausend bestanden die Kulturen der Buntkeramik. Im Laufe dieser Periode begann in Südmesopotamien die Formierung der Stromtalkultur von Sumer. Dort setzte gegen Ende der Uruk-Zeit (um 3000 vor Christus) unter Hervortreten neuer künstlerischen Erscheinungsformen ein Aufblühen der frühstädtlichen Kultur ein (Erfindung der Schrift, des Roll- beziehungsweise Zylindersiegels; Reliefs, Stelen, reliefierte Gefäße, Steinstatuetten, Großplastik; Monumental Architektur, Herausbildung der Zikkurat). Den Mittelpunkt des altsumerischen Stadtstaates bildete der Tempel unter Leitung eines Priesterfürsten. Die Kunst trat erstmals in den Dienst der herrschenden Klasse und spiegelt in naiver Frische deren ungestümen Aufstieg wider. Schöpferisch in der Prägung heraldische Motive (antithetisch gestaltete Gruppen mit Tieren, Tierbezwinger und -ernährer), stellte sie erstmals den Menschen in den Mittelpunkt der Darstellung. Die altsumerischen Stadtstaaten (1. Hälfte 3. Jahrtausend) brachten bedeutsame Bildhauerschulen hervor. Die akkadische Reichskunst (2. Hälfte 3. Jahrhundert) ist bisher nur unzureichend ausgegraben und hauptsächlich durch Funde in den eroberten Provinzen belegt (Stelen, Plastik, besonders Rollsiegel). Im 2. Jahrtausend folgte einer Periode der sumerischen Renaissance (Gudeazeit; Zikkurat von Ur) die altbabylonische Kunst (Hammurapi-Stele; Rollsiegel, Wandmalereien; volkstümliche Terrakottareliefs). In der Architektur setzte sich der sogenannte Hofhaustypus durch, ein nach außen abgeschlossenes, durch einen oder mehrere Innenhöfe gekennzeichnetes Haus, das auch auf die Palast Architektur übertragen wurde. Nach Südmesopotamien brachten die aus Iran einwandernden Kassiten dann zahlreich künstlerischer Motive iranisch-elamischer Herkunft (elamische Kunst) und gaben der dortigen Kultur ein neues Gepräge. Um die Mitte des 2. Jahrtausend entwickelten sich die hethitische Kunst und die mitannische Kunst (Churri). Als selbständiges Kunstgebiet trat in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausend auch Assur auf, das schon im 3. Jahrtausend eine eigene Bildhauer Schule besessen hatte (reliefierte Altäre und Obelisken, Siegel, Wandmalerei; Lamassu). Die Kunstentwicklung an der Mittelmeerküste war bis zum Seevölkersturm stark durch ägyptische und hethitische, später mehr durch assyrische Einflüsse bestimmt. Im 1. Jahrtausend vor Christus entfaltete sich neben der nordsyrischen späthethitischen Kunst (monumentale Steinfiguren; reliefgeschmückte Paläste) und der phrygischen Kunst die phönikische Kunst, die eine Vermittlerrolle zwischen griechischen und orientalischen Kulturgut ausübte. Im Vorland des Kaukasus schuf die urartäische Kunst hervorragende Metallarbeiten (gelieferte Schilde, Helme unter anderem). Daneben steht die vorzügliche Metallkunst von Luristan. Die letzte eigentlich mesopotamische Kunstblüte erlebte der Vordere Orient in neubabylonischer Zeit (babylonische Kunst). Mit der persischen Epoche traten neue Völker an die Spitze der vorderasiatischen politischen und kulturellen Entwicklung (persische Kunst).

altvorderasiatische Musik: Musik der patriarchalischen Sklavenhalterstaaten der Antike in Vorderasien (Sumer, Babylon, Assyrien unter anderem). Sie war gleich der alten ägyptischen Musik, wie archäologische, ikonographische und literarische Quellen zu entnehmen ist, hochentwickelt. Auf Grund der Arbeitsteilung und Spaltung der Gesellschaft entstanden verschiedene Bereiche und Funktionen der Musik. Neben dem Musizieren des Volkes erklang Musik im Dienste der Herrscher und Tempel. Berufsmusikertum und Musik Organisation bildeten sich heraus, die Musik wurde kanonisiert, systematisierte und analytische Betrachtung unterworfen. Aufnahme und Austausch von Musiziergut und Instrumenten standen in engem Zusammenhang mit der bewegten Geschichte des Alten Orients. Siehe auch jüdische Musik.

Altweibersommer: 1. ziemlich regelmäßig eintretende Schönwetterperiode Ende September bis Anfang Oktober in Mitteleuropa (Singularität); verursacht durch Zufuhr warmer, trockener Festlandsluft im Einflussbereich eines Hochdruckgebietes; in Nordamerika Indianersommer.

2. volkstümliche Bezeichnung für die langen weißen Spinnfäden verschiedener Jungspinnen (zum Beispiel Radnetz- und Strecker spinnen) beziehungsweise geschlechtsreifer Männchen, die durch dieses Fadenfloß weit verbreitet werden. Man traf fliegende Spinnen in 4000 m Höhe und auf dem Meer 100 km vom Festland entfernt an.

Aluminieren: Aufbringen von Aluminiumschichten auf andere Metalle, vorwiegend Eisenmetalle, als Oberflächenschutz. Die Aluminiumschichten werden durch Tauchen in geschmolzenes Aluminium, Metallspritzen, Aufdampfen im Vakuum, Aufsintem oder (seltener) durch elektrolytische Abscheidung hergestellt. Aluminierte Teile vereinigen die Beständigkeit des Aluminiums gegen Umwelteinflüsse mit den mechanischen Eigenschaften des Grundwerkstoffes.

Aluminium, Symbol Al: chemisches Element der Kernladungszahl 13; Atommasse 26,98154; Wertigkeit +3; F 660°C; Kp 2467°C; Leichtmetall (Dichte 2,70 g/cm3). Aluminium tritt in der Natur nur chemisch gebunden auf, insbesondere in gesteinsbildenden Silikaten (Feldspat, Glimmer) und deren Verwitterungsprodukten (Kaolin, Ton, Lehm). Für die technische Herstellung wichtig ist Bauxit, hauptsächlich A1(0H)5. Aluminium ist das häufigste Metall und zugleich das dritthäufigste Element der Erdrinde. Aluminium ist silberweiß; es steht in der Leitfähigkeit für Elektrizität (63%) und Wärme (59%) dem Kupfer verhältnismäßig nahe. Da es weich und sehr dehnbar ist, kann es durch Walzen zu Aluminiumfolien (bis 0,004 mm dünn) verarbeitet werden. Aluminium reagiert leicht mit Säuren zu Aluminiumsalzen, mit Laugen zu Aluminaten. Die langzeitige Einatmung von staubförmigem Aluminium, Aluminiumoxid oder Aluminiumphosphat kann zur Fibröse der Lungen fuhren. Da Aluminium sich an der Luft mit einer dichten Oxidschicht überzieht, die durch anodische Oxydation (Aloxydieren, Eloxieren) verstärkt werden kann, wird es rein und legiert vielfältig als Werkstoff (besonders in Elektrotechnik und Flugzeugbau) eingesetzt. Gewinnung. Die heutige Gewinnung geht meist vom Bauxit aus, der gebrochen, gemahlen und getrocknet wird. Mit Natronlauge unter hohem Druck (Bayerverfahren) beziehungsweise mit Soda im Drehrohrofen (Loewig-Verfahren) gewinnt man aus ihm Natriumaluminat. Aus der Aluminat Lösung wird Aluminiumhydroxid ausgefällt. Dieses wird im Drehrohrofen bei hohen Temperaturen in Aluminiumoxid umgewandelt, dass in geschmolzenem Kryolith aufgelöst und der Schmelzflusselektrolyse zugeführt wird. Dabei fällt Hüttenaluminium an, aus dem durch Umschmelzen Reinaluminium hergestellt wird. Durch ein spezielles Elektrolyseverfahren (Dreischichtenelektrolyse) kann Reinstaluminium gewonnen werden. Legierungen. Aluminiumlegierungen enthalten meist mehr als 90% Aluminium. Wichtigste Knet Legierungen sind die aushärtbaren Legierungen von AlCuMg (zum Beispiel Duralumin), die korrosionsbeständigen von AlMg (zum Beispiel Hydronalium) und die warm festen von AlCuNi. Wichtigste Guss Legierungen sind von AlSi (zum Beispiel Silimin), eventuell mit Zusätzen von Kupfer und beziehungsweise oder Magnesium, sowie von AlMg (zum Beispiel Guss-Hydronalium). Für spezielle Legierungen werden auch Zusätze von Zink, Kobalt, Eisen, Titan, Chrom, Blei unter anderem verwendet. Geschichte. Aluminium wurde 1824 von H. Orsted entdeckt und 1827 von F. Wöhler rein dargestellt; die erste technische Produktion erfolgte 1854 durch H. E. Sainte-Claire Deville.

Aluminiumbronze: Kupfer-Aluminium-Legierung, die sehr widerstandsfähig gegen Chemikalien ist und als Münzmetall verwendet wird; auch Aluminium Pulver für Anstriche wird als Aluminiumbronze bezeichnet. Siehe auch Metallpigmente.

aluminiumorganische Verbindungen: organische chemische Verbindungen mit einer Aluminium-Kohlenstoff-Bindung, zum Beispiel Triethylaluminium (Aluminiumtriethyl), A1(C2H5)3, eine selbstentzündliche, mit Wasser explosionsartig reagierende Flüssigkeit. Einige aluminiumorganische Verbindungen werden als Katalysatoren bei der stereospezifischen Polymerisation verwendet.

Aluminiumverbindungen: Stoffe, die Aluminium chemisch gebunden enthalten, zum Beispiel in den Aluminiumsalzen als Kation, in den Aluminaten als komplexe Anionen. Aluminium Chlorid, A1C13, ist eine farblose, hygroskopische Substanz, die an feuchter Luft Nebel bildet und bei 183 °C sublimiert. Aluminiumhydroxid, Al(OH)3, in der Technik auch als Tonerde Hydrat bezeichnet, ein weißes, wasserunlösliches Pulver, ist (neben Aluminiumoxidhydroxid, AIO(OH)) Hauptbestandteil des Bauxits. Aluminiumhydroxid ist amphoter; es bildet mit Säuren Aluminiumsalze (zum Beispiel Aluminiumnitrat, mit Basen (zum Beispiel Natriumhydroxid) Aluminate (zum Beispiel Natriumaluminat, Na(Al(OH)a)) und geht beim Glühen in das Oxid über. Aluminiumoxid (Tonerde), kommt als Korund (mit Beimengungen als Rubin, Saphir und Schmirgel) in der Natur vor und wird seiner Härte wegen (Härtegrad 9 nach Mohs) als Schleifmittel (Korund, Schmirgel) und Lager- und Schmuckstein (Rubin, Saphir) verwendet. Aluminium Oxid wird technisch aus Bauxit gewonnen, ist Zwischenprodukt bei der Aluminiumerzeugung und Bestandteil wichtiger technischer Katalysatoren. Aluminiumsulfat, A12(SO4)3-18HjO, ist farblos, leicht wasserlöslich und wird zur Trinkwasseraufbereitung sowie in der Färberei, Gerberei und Papier Herstellung verwendet. Aluminiumsulfid, A12S3, entsteht beim Zünden eines Gemischs von Aluminium und Schwefel unter starker Lichtentwicklung; es reagiert mit Wasser heftig unter Bildung von Schwefelwasserstoff. Siehe auch Azetate.

Alumnat: historische Bezeichnung für das einer Schule angegliederte Schülerheim.

Alvarado Monzón, Bernardo, 1925-1972, guatemaltekischer Arbeiterführer; seit 1949 Sekretär des ZK und Mitglied der Politische Kommission des ZK der Partei der Arbeit Guatemalas, seit 1954 Generalsekretär der Partei; von der Polizei ermordet.

Alvarez: 1. Alvarez, Luis Walter, geboren 13. 6. 1911, US-amerikanischer Physiker, arbeitete über Kern- und Elementarteilchenphysik und entwickelte die Blasenkammer zum Großgerät.

2. Alvarez, Santiago, geboren 8.3.1919, kubanischer Dokumentarfilmregisseur; schuf Filme über die kubanische Revolution, den Krieg in Vietnam und die Befreiungsbewegung in Afrika («Tod dem Eindringling», «Now», «Hanoi, Dienstag der 13.», «79 Lenze», «... und der Himmel wurde im Sturm erobert», «Die Nacht gebar den Regenbogen», «Der große Sprung ins Leere» unter anderem).

Alvaro, Corrado, 15.4.1895-11.6.1956, italienischer Schriftsteller. An G. Verga anknüpfend schildert Alvaro in dem Novellenband «Die Hirten vom Aspromonte» (1930, deutsch) die Ausbeutung der Landbevölkerung in seiner Heimat Kalabrien, in der Romantrilogie «Erinnerungen an eine versunkene Welt« (1970/71, deutsch) setzt er sich mit dem Faschismus und dem moralischen Verfall der Gesellschaft auseinander. Alvaro verfasste auch Gedichte, Reiseberichte, Tagebücher.

Alveole: a) bläschenförmiges Endstück von Drüsen;

b) Endsäckchen des Bronchialbaumes (Lungenalveole), dient dem Gasaustausch;

c) Höhlung im Kiefer zur Aufnahme der Zahnwurzel (Zahnalveole).

Alveolitis: (griechisch) Entzündung des Zahnfaches nach Extraktion eines Zahnes.

Alveolotomie: (griechisch) Chirurgisches Abtragen von Teilen des knöchernen Zahnfaches (Alveole) und des Zahnfortsatzes.

Alwegbahn: elektrisch betriebene Einschienenbahn, 1952 erstmals erprobt; benannt nach dem Schweden Axel Lenard Wenner-Gren. Die Stahlbetonfahrbahn liegt einige Meter über der Erdoberfläche, die Räder sind gummibereift. Bisher wurden etwa 20 Alwegbahnen gebaut, wobei die seit 1964 in Tokio bestehende besonders bekannt ist.

Alzette: Fluss im Süden Luxemburgs; 65 km; entspringt in Frankreich, mündet in die Sauer (Nebenfluss der Mosel); das Tal ist eine wichtige Verkehrsader, an Hängen Eisenerzförderung; metallurgische Industrie.

Amadis de Gaula: spanischer Ritterroman, der Urtext entstand im 14. Jahrhundert, 1508 von G. Rodriguez de Montalvo neu bearbeitet; der Roman war in ganz Europa bekannt, wurde oft erweitert und wirkte auf viele Romanautoren bis ins 18. Jahrhundert.

Amado, Jorge, geboren 10.8.1912, brasilianische Romancier; gestaltet von einer volksverbundenen Position aus vorwiegend das Leben der afrobrasilianischen Bevölkerung («Leute aus Bahia», 1933; «Tote See», 1936; «Herren des Strandes», 1937; «Gabriela», 1958; «Werkstatt der Wunder», 1969, alle deutsch). In «Kakao» (1942, deutsch), «Das Land der goldenen Früchte» (1944, deutsch) und «Katakomben der Freiheit» (1954, deutsch) stellt er wichtige sozialökonomische und politische Vorgänge der modernen brasilianischen Geschichte dar.

Amadora: Stadt im Südwesten Portugals, Wohnvorort westlich von Lissabon; 70000 Einwohner; Waggonbau.

Amagasaki: Stadt in Japan, im Süden der Insel Honshu, zwischen Kobe und Osaka, in der Präfektur Hyogo; 550000 Einwohner; Stahlindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, chemische Industrie, ferner Glas-, Keramik- und Baumwollindustrie; Seehafen.

Amalekiter: Nomadenvolk, lebte im Norden der Halbinsel Sinai; befanden sich mit den Israeliten in stetem Krieg, wurden unter den Königen David und Saul ausgerottet.

Amalfi: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien, am Golf von Salerno; 7000 Einwohner; Leichtindustrie; Hafen; Seebad; Kathedrale (11. Jahrhundert). Um 1000 nahm Amalfi den ersten Platz im Orienthandel ein.

Amalgame: Quecksilberlegierungen. Bei niedrigem Quecksilbergehalt sind die Amalgame fest, bei höherem teigartig weich oder flüssig. Sie liegen zum Teil als chemische Verbindungen, zum Teil als Gemische vor. Während beispielsweise Natrium sehr heftig unter Feuererscheinung amalgamiert wird und auch Zinn, Zink und Blei leicht Amalgame bilden, legieren sich zum Beispiel Eisen, Kobalt, Mangan und Wolfram nicht mit Quecksilber. In der Stomatologie werden Silber- und seltener Kupferamalgame als Füllungsmaterialien verwendet. Kupferamalgame (35% Kupfer, 65% Quecksilber) dienten zur Herstellung von Füllungen im Milchgebiss und wurden auf Grund schlechter Material Eigenschaften durch die Silberamalgame ersetzt.

Amalgamieren: Beschichten von Metallen mit Quecksilber unter Amalgambildung («Verquicken») zur Verbesserung der elektro-chemischen Eigenschaften der Metalloberfläche (zum Beispiel Zinkelektroden für galvanischen Elemente) oder zur besseren Haftfestigkeit nachfolgender elektrolytisch abgeschiedener Schichten.

Amalgammetallurgie: metallurgischen Verfahren zum Anreichern von Metall, besonders Gold und Silber, in feingemahlenem Erz oder goldführendem Sand mittels Quecksilbers. Die Metalle werden durch Abdampfen des Quecksilbers in pulvriger Form gewonnen.

Amalrich von Bena, französisch Amaury de Bene, gestorben nach 1206, französischer Philosoph; materialistisch orientierter Pantheist, Gegner der katholischer Hierarchie; Lehrer an der Universität von Paris und Erzieher des französischen Thronfolgers; ideologischen Repräsentant der plebejischen städtlichen Schichten. Seine Lehre wurde verdammt und seine Anhänger, die Amalrikaner, blutig verfolgt.

Amalthea, griechisch Amaltheia, in der griechischen Sage Nymphe, die auf der Insel Kreta das Zeus Kind mit der Milch einer Ziege nährte, oder diese Ziege selbst. Das abgebrochene Horn der Ziege wurde zum segenspendenden Füllhorn.

Aman, Theodor, 20.3.1831-19.8.1891, rumänischen Maler; gründete 1864 die erste rumänischen Kunstakademie und nahm mit seinen Bildnissen und Historienbildern Einfluss auf die Herausbildung der neuzeitlichen rumänischen Kunst.

Amangeldy Imanow, 1873-18.5.1919 (ermordet), kasachische Revolutionär und Volksheld; einer der Führer des großen Aufstandes der Kasachen 1916; stand nach dessen Niederlage an der Spitze revolutionärer Partisanenabteilungen; 1918 Mitglied der KP, Kriegskommissar im Turgaler Kreis.

Amanitine: hochgiftige Polypeptide, die zusammen mit dem Polypeptid Phalloidin die Giftwirkung des Knollenblätterpilzes hervorrufen.

Aman Ullah, 1.6.1892-25.4.1960, König von Afghanistan 1919/29; führte liberale Reformen durch, die die Entwicklung kapitalistische Verhältnisse begünstigten; stellte freundschaftliche Beziehungen zu Sowjetrussland her, von der feudalen Reaktion zum Rücktritt und zum Verlassen des Landes gezwungen.

Amapä: Territorium im Nordwesten Brasiliens, nördlich der Amazonasmündung; 140276 km2, 170000 Einwohner, 1 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Macapa. Von den Ausläufern des Berglandes von Guayana im Nordwesten zum Amazonastiefland im Süden übergehend; zahlreiche Bodenschätze, Manganerzabbau; in den tropischen Urwäldern Gewinnung von Edelhölzern, Arzneipflanzen, Kautschuk, Paranüssen; extensive Viehzucht.

Amara, AI-, Kut al-Amara: Stadt (Provinzzentrum) im Südosten Iraks, am Unterlauf des Tigris in einem fruchtbaren Bewässerungsgebiet; 65000 Einwohner; Agrarzentrum (Reisanbau); Basar.

Amaravati: Fundort buddhistischer Kunst in Südindien; vom ehemaligen Stupa (l./3. Jahrhundert) befinden sich jetzt zahlreiche Reliefs der Marmorverkleidung und des steinernen Zauns im britischen Museum und im Museum von Madras; die Figuren zeichnen sich durch Längung, Beweglichkeit und Anmut aus.

Amarillo: Stadt im Nordwesten des Bundesstaates Texas (USA); 140000 Einwohner; Mittelpunkt eines Erdgas- und Erdölforderungsgebietes; Erdöl- und chemische Industrie, Holzgewinnung, Zinkhütte; Verkehrsknoten, Flughafen.

Amarna, AI-, Teil al-Amama: Ruinenstätte in Oberägypten, Residenz des Pharaos Amenophis IV. Echnaton (14. Jahrhundert vor Christus), Fundort der Amarnakunst (ägyptische Kunst).

Amarsanaa, Amursana, 1722-1757, westmongolischer Fürst; Führer des antimandschurischen Befreiungskampfes der Mongolen (1755/58), der nach anfänglichen Erfolgen grausam niedergeschlagen wurde. Amarsanaa floh 1757 nach Russland.

Amaryllisgewächse, (griechisch), Amaryllidaceae: Familie einkeimblättriger Stauden vorwiegend in trockenen Gebieten der Tropen und Subtropen, vor allem in Südafrika und Vorderasien verbreitet. Ausdauernde Kräuter mit meist schmalen Blättern und Zwiebeln oder Knollen als Speicherorgane; Blüten oft mit Nebenkrone. Von den Liliengewächsen durch den unterständigen Fruchtknoten zu unterscheiden. Manche Arten enthalten Alkaloide. Zu den Amaryllisgewächsen gehören Clivia, Märzbecher, Narzisse, Ritterstern, Schneeglöckchen unter anderem

Amaterasu, (japanisch, «die am Himmel Leuchtende») japanische Sonnengöttin, Ahnfrau des Kaiserhauses.

Amateur: Nichtfachmann; jemand, der Kunst unter anderem nicht berufsmäßig, sondern als Liebhaber ausübt. Einem Amateursportler sind in der Regel bezahlte Trainertätigkeit in der betriebenen Sportart, Forderung und Annahme überhöhter Spesen, Wettkampfteilnahme gegen Bezahlung untersagt.

Amateurfunk: sportlich betriebener Funkverkehr (Telegrafie, Funkfernschreiben oder Telefonie) in speziellen Frequenzbereichen. Die Regeln für die Abwicklung des Amateurfunks sind international festgelegt.

Amateurfunksatellit: meist kleiner Erdsatellit, dessen Funksignale von Funkamateuren empfangen werden können und über den sie in der Lage sind, mit anderen Funkamateuren in Verbindung zu treten.

Amateurtheater, Laientheater: umfassende Bezeichnung für Theateraufführungen durch nichtberufsmäßige Darsteller. In den Anfängen der alten Theaterkulturen, auch in den geistlichen Spielen des Mittelalters ging die Darstellung aus der Gemeinschaft hervor, deren Lebenshaltung im theatralischen Spiel Ausdruck fand. Nach Verbreitung des Berufstheaters in Europa seit der Renaissance verlor das Amateurtheater an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert wurde es vorwiegend zum kleinbürgerlichen Vereinstheater, das mit meist unzulänglichen Mitteln professionelles Theater nachahmte. Alternativ dazu entwickelte sich seit Anfang des 20. Jahrhundert das Amateurtheater entweder als Laienspiel (das primär auf Gemeinschaftsbildung unter den Darstellenden orientierte) oder als experimentelles Theater (besonders in den slawischen und englischsprachigen Ländern), von dem häufig Impulse für das Berufs Theater ausgingen. Innerhalb der revolutionären Arbeiterbewegung erreichte das Amateurtheater eine historisch neue Qualität; in unmittelbarer Teilnahme am Klassenkampf entwickelten sich Arbeitertheater zu wesentlichen Elementen einer sozialistischen Kultur. In den sozialistischen Ländern erfährt das Amateurtheater als Form künstlerisch-schöpfer. Tätigkeit der Werktätigen umfassende Förderung. In der DDR drückt sich diese Entwicklung in der Herausbildung leistungsfähiger Arbeiter-, Dorf-, Soldaten-, Pionier- und Studententheater (die eng mit Berufskünstlern Zusammenarbeiten) deutlich aus. Das «Zentrum Amateurtheater der DDR» gehört seit 1977 der Internationalen Assoziation für Amateurtheater (AITA) an.

Amati: italienischen Geigenbauerfamilie, wirkte im 16./17. Jahrhundert in Cremona; der bedeutendste Meister war Nicola (1596-1684).

Amazonas: 1. Amazonas: längster Strom Südamerikas (Peru, Brasilien) und wasserreichster der Erde; 6280 km, Einzugsgebiet 7,18 Millionen km2, mittlerer jährliche Abfluss 110000 mVs. Entspringt mit den Quellflüssen Maraftön und Ucayali in den peruanischen Kordilleren, fließt im Oberlauf in einem tiefen, teilweise Schlucht artig ausgebildeten Engtal mit zahlreichen Stromschnellen, im Mittellauf als Solimöes in einem ständig breiter werdenden Tal (bei Iquitos 1,8 km, bei Manaus 5 Km; ab Iquitos nur noch 0,03 m/km Gefälle) durch das mit immergrünem tropischen Regenwald bedeckte Amazonasbecken. Im Unterlauf erfolgt eine Verbreiterung bis auf 80 km (Porto de Moz). Hier wird der Amazonas von zahlreichen Uferseen begleitet. Er mündet mit mehreren Armen und einem über 250 km breiten inselreichen Mündungstrichter in den Atlantischen Ozean. Die bedeutendsten von den über 500 Nebenflüssen sind rechts Xingu, Tapajos, Madeira, Purtis, Jurua, links Rio Negro, Japuri, Putumayo, Napo. Die Gezeitenwirkungen sind bis 800 km landeinwärts spürbar und können Flutwellen bis zu 10 m Mächtigkeit erzeugen; jährliche Überschwemmungen der niedrigen Uferbereiche. 4300 km schiffbar, bis Manaus auch für kleine Hochseeschiffe. Der seewärtige Verkehr verläuft vorwiegend über den Tajipuri-Kanal zur Mündung des Pari.

2. Bundesstaat im Nordwesten Brasiliens; 1564445km2, 1,4 Millionen Einwohner, 0,9 Einwohner/km2; Hauptstadt Manaus. Im Nordosten Ausläufer des Berglandes von Guayana (Pico de la Neblina 3100 m); der Hauptteil wird vom ebenen Amazonasbecken mit immergrünem tropischen Regenwald eingenommen, das vom Amazonas und seinen Nebenflüssen durchflossen, zeitweise ein riesiges Sumpfgebiet bildet. In Amazonas leben die Reste der indianischen Urbevölkerung, teilweise noch als Jäger und Sammler. Die Landwirtschaft und die Industrie sind auf wenige Siedlungskerne beschränkt, die fast nur auf dem Wasserwege erreicht werden können. Ausfuhr von Edelhölzern, Arzneipflanzen, Kautschuk; bis 1900 große Bedeutung als Lieferant des Wildkautschuks (Hevea brasiliensis).

Amazonaspakt: Vertrag über Zusammenarbeit im Amazonasgebiet; am 3. 7. 1978 unterzeichnet von Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ekuador, Guyana, Peru, Suriname und Venezuela. Der Amazonaspakt hat das Ziel, die Wasserressourcen des Gebietes rationeller zu nutzen, die Bewegungsfreiheit der Handelsschifffahrt auf den Amazonasnebenflüssen zu erweitern, die wissenschaftliche, technische und verkehrstechnische Zusammenarbeit zu entwickeln. Der Vertrag enthält Festlegungen über die Schaffung eines Rates für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Amazonastiefland: größtes Tieflandbecken Südamerikas, das im Norden vom Bergland von Guayana, im Süden vom Brasilien. Bergland und im Westen vom Kordilleren Vorland begrenzt wird und an dem hauptsächlich die Staaten Brasilien, Peru und Kolumbien Anteil haben. Mit 3,6 Millionen km2 nimmt das Amazonastiefland ein Fünftel der Gesamtfläche Südamerikas ein, meist unter 200 m über dem Meeresspiegel Tertiäre Schichten sind mit rezenten Sedimenten der Weißwasserflüsse (sinkstoffreiche (Lehm, Schluff) Nebenflüsse aus dem Andengebiet) und Klarwasserflüsse (Sand, Kies) des Amazonasstromsystems bedeckt, die Schwarzwasserflüsse (gelöste Humusstoffe) aus dem Brasilianischen Bergland führen wenige Sedimente. Infolge des geringen Gefälles sind zahlreiche Nebenflüsse periodisch oder auch ständig miteinander verbunden, so dass Bifurkationserscheinungen auftreten. Die bekannteste ist die des Casiquiare. Bei Äquatorialklima gedeiht im nichtüberschwemmten Gebiet dichter, artenreicher, immergrüner tropischer Regenwald (Hyläa) auf überwiegend nährstoffarmen Böden. Er wird im Bereich der Schwarzwasserflüsse vielfach durch Sumpfwald (Igap6) abgelöst. Der am Amazonas deutlich ausgebildete Überschwemmungsbereich wird durch natürlichen Uferdämme in einzelne Höhenstufen gegliedert: in den bereits bei mittlerem Wasserstand versumpften Igapo, in die nur während der Regenzeit überflutete Vanea und die höher liegende, ständig trockene, dichtbewaldete Tierra firma. Im Amazonastiefland befindet sich das größte zusammenhängende tropischen Regenwaldgebiet der Erde, das in den letzten Jahren durch Raubbau (Bau der Transamazonica und Erschließung neuer Lagerstätten) stark gemindert (etwa 10% der Fläche) wurde.

Amazonen-Amazona: meist grün gefärbte kurzschwänzige Papageien Süd- und Mittelamerikas. Oft in zoologischen Gärten gehalten. Hierzu gehört die 32 cm lange Blaustimamazonen (Amazona aestiva) aus Brasilien. Eine weiße Stim hat die Kubaamazonen (Amazona leucocephala).

Amazonen: in der griechischen Sage ein kriegerisches Frauenvolk in Kleinasien; sie halfen unter ihrer Königin Penthesilea den Trojanern im Troja Krieg.

Ambarzumjan, Wiktor Amasaspowitsch, geboren 5. 9. 1908, sowjetischer Astronom; entdeckte die Sternassoziationen, arbeitet über Entstehung von Sternen und Sternsystemen.

Ambato: Stadt (Provinzzentrum) in Ekuador, am Fuße des Chimborazo in einem fruchtbaren Hoch Becken, 2600m überm Meer; 77000 Einwohner; Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Handels- und Verkehrsmittel punkt; 1949 Erdbebenzerstörungen.

Ambe: (lateinisch) Ambo (deutsch): Doppeltreffer im Lottospiel.

Ambidextrie: gleiche Geschicklichkeit mit beiden Händen.

Ambiophonie, Ambiophonie (beide dat. + griechisch): elektroakustisches Verfahren zur wirklichkeitsgetreuen Übertragung des räumlichen Schallfeldes aus einem Aufnahmeraum (zum Beispiel Konzertsaal) in einen Wiedergabe Raum (zum Beispiel /immer). Zusätzlich zu den Hauptmikrophonen wird im Saal noch ein Mikrophon angebracht, das vorzugsweise den Raumschall aufnimmt. Für die Ambiophonie werden mindestens 2 getrennte Übertragungskanäle benötigt.

Ambiorix, Fürst der Eburonen (zwischen Maas und Rhein siedelnder Stamm der Beiger); versuchte 54/51 vor Christus vergeblich, die Freiheit seines Volkes gegen die römischen Legionen unter Cäsar zu verteidigen.

Ambivalenz: psychischer, oft konflikthafter Zustand, in dem gleichzeitig entgegengesetzte Gefühle und Handlungsansätze in Bezug auf dasselbe Objekt bestehen, zum Beispiel Zuwendung-Abwendung, Liebe-Hass.

Amblyopie: funktionelle Schwachsichtigkeit eines Auges ohne erkennbares Organ. Ursache. Amblyopie ist in früher Kindheit durch Behandlung besserungsfähig oder sogar vermeidbar (Amblyopieprophylaxe).

Amboise: Stadt in Frankreich an der Loire (östlich von Tours); das königlichen Schloss wurde 1490/1515 auf mittelalterlichen Grundlage in französischen Renaissancestil unter Mitwirkung italienischen Künstler errichtet.

Ambon: 1. Insel der südlichen Maluku-Inseln, vor der Südwestküste von Seram, zu Indonesien gehörend; 761 km2, etwa 90000 Einwohner; Hauptort Ambon 2; gebirgig, mit schmalen Küstenebenen, bis 1004 m über dem Meeresspiegel; Anbau von Gewürznelken, Muskatnüssen, Kaffee, Kakao, Sagopalmen.

2. Stadt in Indonesien, auf Ambon 1, Verwaltungszentrum des Gebietes Maluku; 80000 Einwohner; Werft, Fakultät für Schiffbau und Ozeanographie; Hafen, Flugplatz.

Amboss: 1. Stahlblock mit gehärteter ebener Oberfläche als Unterlage beim handwerklichen Schmieden, ausgeführt mit je einem kegel- und Pyramidenstumpf förmigen Horn für Biegearbeiten an seinen Enden.

2. Amboss, Incus (lateinisch): Anatomie der mittlere der 3 Gehörknöchelchen des Menschen und der Säugetiere.

Ambra, Amber, Ambergris, Ambra ambrosiaca, Graue Ambra, Ambre gris: Ausscheidungsprodukt aus dem Darm des Pottwals, das auf dem Meer (besonders im Indischen Ozean) treibend gefunden wird; fettig wachsartige Masse, enthält Ambrain und Ambrein. Wegen ihres starken, lang anhaltenden Duftes häufig als Grundstoff in der Parfümindustrie verwendet.

Ambras: Schloss bei Innsbruck (Burg des 11. Jahrhundert, umgebaut zum Renaissanceschloss; mit schönen Innenräumen). Bedeutend sind die Ambraser Sammlungen, die ehemalige Kunst- und Wunderkammer des Erzherzogs Ferdinand II. von Österreich (Waffen, Rüstungen und so weiter) sowie das Ambraser Heldenbuch.

Ambraser Heldenbuch: 1504/16 von Hans Ried zusammengestellte Sammlung von 25 mittelhochdeutschen Heldenepen; enthält unter anderem «Nibelungen Not und Klage», Hartmann von Aues «Erec» und «Iwein», Wolfram von Eschenbachs «Titurel», Wemhers des Gartenaere «Meier Helmbrecht», Ulrich von Lichtensteins «Frauenbuch». Das Ambraser Heldenbuch, bis 1806 auf Schloss Ambras, befindet sich heute in der österreichischen Nationalbibliothek, Wien.

ambulante Behandlung: Behandlung von Patienten ohne Krankenhausaufnahme, im Unterschied zur stationären Behandlung. ambulanter Handel: Handel, bei dem Waren mittels Verkaufsständen, Kiosken, sogenannt Bauchläden oder von Spezialfahrzeugen aus verkauft werden.

Ambulanz: nichtselbständige ambulante Einrichtung, in der regelmäßig Arztsprechstunden stattfinden.

Ambulatorium: mit hauptberuflich tätigen Fachärzten beziehungsweise Fachzahnärzten (zum Beispiel Allgemeinmedizin, Pädiatrie, Gynäkologie/Geburtshilfe, allgemeine Stomatologie) besetzte ambulante Einrichtung, die über labor- und röntgendiagnostischen Möglichkeiten, physiotherapeutischen Kapazitäten sowie über Dispensairebetreuung des Mutter-, Kinder- und Jugend Gesundheitsschutzes verfügt. Je nach Standort unterscheidet man Stadt-, Land- oder Betriebsambulatorium.

Amedeo der Große, 4.9.1249-16.10.1323, Herzog von Aosta seit 1282, Graf von Savoyen seit 1285; unterstützte den Italienzug (1310/12) Heinrichs VII.

Ameisen, Formicidae: Familie staatenbildender Stechwespen. Vollkerfe mit geknieten Fühlern und einer Schuppe oder 1 bis 2 Knoten am Hinterleibsstiel. Ein Volk besteht aus mehreren (mindestens 3) Kastenmit Arbeitsteilung; geflügelte Geschlechtstiere (Männchen und Weibchen, sogenannt «Königin»), flügellose «Arbeiterinnen» (Nahrungsbeschaffung, Brutpflege, Nestbau) und «Soldaten» mit wehrhaften Giftdrüsen. Die Ameisen leben unter anderem von Pflanzensubstanz, Honigtau und Insekten. Ihre Nester befinden sich in oder über der Erde, in lebenden Stämmen, morschen Stubben, Höhlungen, unter Steinen unter anderem; besonders auffällig sind die Haufennester der Waldameisen (Formica). Ihre Puppenkokons sind als Vogel- und Fischfutter unter der falschen Bezeichnung «Ameiseneier» im Handel; ihre Entnahme unterliegt gesetzliche Bestimmungen.

Ameisenbären, Myrmecophagidae: auf Mittel- und Südamerika beschränkte Zahnarme mit schmalen, langgestrecktem Schädel und weit vorstreckbarer klebriger Zunge; Vorderbeine mit kräftigen Grabkrallen zum Öffnen von Termitenbauen; Termiten Fresser.

Ameisengäste: Gliederfüßer, die zeitweilig oder dauernd in Nestern von Ameisen leben und deren Brut (zum Beispiel Larven der Kurzflügler) oder Vorräte fressen beziehungsweise die von ihren Wirten gepflegt werden, weil sie ihnen als Drüsenabsonderungen begehrte, meist süße Stoffe liefern (zum Beispiel Büschelkäfer).

Ameisenigel, Schnabeligel, Tachyglossidae: Familie der Kloakentiere mit röhrenartiger Schnauze und langer klebriger Zunge, mit der Ameisen, Termiten unter anderem Insekten erbeutet werden; das Haarkleid der Körperoberseite ist mit Stacheln durchsetzt; leben in Australien, Tasmanien und Neuguinea.

Ameisenjungfern, Myrmeleonidae: Familie der Netzflügler; Vollkerfe ähneln Libellen, die Larven einiger Arten (Ameisenlöwen) bauen Fangtrichter in den Sand und lauem am Grunde auf abrutschende Insekten (besonders Ameisen).

Ameisenpflanzen: Pflanzen, die in Hohlräumen Ameisen beherbergen, zum Beispiel Akazienarten oder die Gattung Myrmecodia der Labkrautgewächse.

Ameisensäure, Methansäure: farblose, brennbare, stechend riechende, hautreizende Flüssigkeit; die Salze und Ester heißen Formiate. Ameisensäure wirkt als Reduktionsmittel. Sie kommt in Ameisen und Brennesseln vor und wird in Form ihrer Salze durch Druck Einwirkung von Kohlenmonoxid auf Alkalien (Natrium-, Kalziumhydroxid unter anderem) gewonnen; Verwendung als Färberei- und Gerbereihilfsmittel.

Ameisenvögel, Formicariidae: in Bodennähe lebende Insektenfresser Süd- und Mittelamerikas. Das Gefieder ist meist schwärzlich (Männchen) oder rotbraun (Weibchen); viele Arten bauen Napfnester.

Ameland: niederländische westfriesische Insel, vor der Küste der niederländischen Provinz Friesland; 57 km2, 3000 Einwohner; wichtigster Ort Nes; Fischerei, Seebäder.

Amelungen: Geschlecht der Ostgoten, nach dem mythischen Stammvater Amalaben.; in der Dichtung des Mittelalters auch Bezeichnung für den Kreis von Recken um den Amelung Dietrich von Bem.

Amendement: Änderungs- und Zusatzantrag zu einem Gesetz oder Gesetzesvorschlag; Zusatz zu völkerrechtlichen Verträgen; auch die dem Antrag stattgebende Entschließung.

Amendola, Giovanni, 15.4.1882-7.4.1926 (an den Folgen eines faschistischen Attentats); italienischer linksliberaler Politiker; 1924/25 einer der Führer des antifaschistischen Aventinblocks.

Amenemhet, Name mehrerer ägyptischer Könige der 12. und 13. Dynastie: Amenemhet, herrschte 1991/1962 vor Christus, er festigte den Staat und entmachtete die Gaufürsten (Nomarchen); unternahm Kriegszüge nach Nubien und Syrien und verlegte die Hauptstadt von Theben nach Lischt. Amenemhet II., herrschte 1929/1895 vor Christus; er erweiterte die Handelsbeziehungen zu Vorderasien und zur Ägäis. Amenemhet III, herrschte 1842/1797 vor Christus; während seiner Regierung erlebte Ägypten einen bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Er ließ den Totentempel («Labyrinth») bei Hawara errichten. Unter ihm wurde die Urbarmachung des Faiumbeckens beendet.

Amenophis, Amenhotep, Name mehrerer ägyptischer Könige der 18. Dynastie: Amenophis II., herrschte 1435/1410 vor Christus, er unterdrückte Aufstände in Vorderasien und ließ 10000 Syrier als Sklaven nach Ägypten verschleppen. Amenophis III., herrschte 1400/1362 vor Christus, er führte die Kriegspolitik seiner Vorgänger nicht weiter; förderte den Handel besonders mit Babylon und Kreta und ließ in Theben großartige Bauten errichten. Er warf einen Aufstand in Nubien nieder. Amenophis IV. Echnaton, herrschte 1361/um 1347 vor Christus, Sohn von Amenophis HL, er war mit Nofretete vermählt; er beabsichtigte die Macht der Amun-Priester von Theben durch die Einführung eines monotheistischen Sonnenkultes (Aton-Kult) zu brechen. Er verlegte seine Hauptstadt in das neugegründet Achet-Aton (Teil al-Amama).

Amenorrhoe: Fehlen oder Ausbleiben der Menstruation bei der Frau, physiologisch vor und nach der Geschlechtsreife sowie während der Schwangerschaft; pathologisch durch Unterfunktion des Hypophysen-Zwischenhirn-Systems, der Eierstöcke und beziehungsweise oder der Gebärmutterschleimhaut.

American Football, Football: rugbyähnliches, überhartes Mannschaftsspiel zweier Mannschaften von je 11 Spielern und bis zu 34 Auswechselspielern. Das Spielfeld ist 109,75 m x 48,80 m groß, die Tore 5,50 m breit, die Torlatte 3,05 m, die Torstangen 6,10 m hoch. Der eiförmige Ball soll in den gegnerischen Torraum getragen oder über die Torlatte getreten werden. Die Spielzeit beträgt 4x15 min; Punktwertung.

Amerika, (nach dem italienischer Seefahrer Amerigo Vespucci): Landmasse zwischen dem Atlant, und dem Stillen Ozean; 42,1 Millionen km2, 599,7 Millionen Einwohner; gliedert sich in die 2 Erdteile Nordamerika und Südamerika, die durch die Land- und Inselbrücke Mittelamerika miteinander verbunden sind; aufgeteilt in 35 selbständige Staaten sowie 15 kleinere Kolonialgebiete kapitalistischer Staaten Europas und der USA.

amerikanisches Englisch: auf dem Englischen Großbritanniens basierende Sprache, deren heutige Struktur, Lautgestaltung und Bedeutung Ergebnis der Entwicklung ist, die die Sprachgewohnheiten des 17. Jahrhundert unter den Bedingungen der amerikanische Umwelt erfuhren. Die Unterschiede gegenüber dem britischen Englisch sind vor allem in der gesprochenen Sprache in Aussprache und Wortschatz und zum Teil auch in der Rechtschreibung deutlich. Die Besonderheiten des amerikanisches Englisch ergeben aber keine neue amerikanische Sprache. Innerhalb des amerikanisches Englisch führten unterschiedlicher Entwicklungen zu 3 Aussprachevarianten: östliches beziehungsweise nordöstliches amerikanisches Englisch, südliches amerikanisches Englisch und mittelatlantische beziehungsweise mittelwestliches amerikanisches Englisch.

Amerikanisches Mittelmeer: Nebenmeer des Atlantischen Ozeans zwischen Nord- und Südamerika, im Osten durch die Halbinsel Florida und die Antillen, im Westen durch das mittelamerikanisches Festland begrenzt; 4,3 Millionen km2. Besteht aus dem bis zu 4376 m tiefen Golf von Mexiko im Norden und dem im Caymangraben bis zu 7680 m tiefen Karibischen Meer im Süden, die durch die Straße von Yucatán miteinander verbunden sind. Im tropischen Bereich beträgt die Oberflächentemperatur 27 °C mit Jahresschwankungen um 3°C, im nördlichen Golf von Mexiko bis zu 15 °C. Der Salzgehalt des Oberflächenwassers schwankt zwischen 35,5 bis 36 %. Der atlantische Äquatorialstrom tritt von Osten her in das Karibische Meer ein und verlässt als warmer Golfstrom durch die Straße von Florida den Golf von Mexiko; oft von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. Große Verkehrsbedeutung durch Panamakanal (Verbindung zum Stillen Ozean); Erdölgewinnung im Schelfgebiet.

Amerikanisch-Samoa, Ostsamoa: US-Kolonie auf den östlichen Samoainseln, im Stillen Ozean (Polynesien); 197 km2, 32000 Einwohner; 162 Einwohner/km2; Gouverneurssitz Fagatogo, Hauptort und -hafen Pago Pago; das aus den Hauptinseln Tutuila (135 km2, 25000 Einwohner) und den Manuainseln (52 km2) mit der Hauptinsel Tau (39 km2, 1300 Einwohner) sowie zahlreichen kleineren Inseln bestehende Kolonialgebiet ist zu 70% bewaldet, 30% werden landwirtschaftlich genutzt (Kokospalmen, Brotfruchtbäume, Bananen, Kakao, Kaffee, Zuckerrohr, Yams, Taro; Viehhaltung); Fischfang und -Verarbeitung; Uhren Herstellung; Tourismus; US-Militärstützpunkte.

Amerikanistik: Erforschung und Lehre der nordamerikanischen Literatur und Kultur, der englischen Sprache in den USA der Geschichte und landeskundliche Gegenwartsprobleme der Vereinigten Staaten; nach dem 2. Weltkrieg aus der Anglistik als selbständige Wissenschaftsdisziplin mit unterschiedlichem Inhalt entwickelt.

Amerinds: (englisch Kurzform für American Indians, «amerikanischer Indianer») Sammelbezeichnung für alle Ureinwohner Amerikas (einschließlich Eskimos).

Amersfoort: Stadt in den mittleren Niederlanden, in der Provinz Utrecht, an der Eem; 87000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Elektro- und Textilindustrie, Maschinenbau; Museum; mittelalterlichem Stadtzentrum mit 2 Umwallungen, St.-Georgs-Kirche.

Amesha Spenta: im Zoroastrismus die um Ahura Mazda (Ohrmazd) gescharten 6 beziehungsweise 7 göttliche Wesen (Erzengel), die bestimmten Bereichen der Welt (Erde, Wasser unter anderem) zugeordnet sind.

Amfortas, Anfortas, Gralskönig der keltischen Sage; zentrale Gestalt in allen Parzival-Darstellungen, unter anderem bei Wolfram von Eschenbach und R. Wagner.

Amharen: semitisches Volk im Hochland von Äthiopien; 13 Millionen; überwiegend Ackerbauern und Viehzüchter; Nachkommen südarabischer Einwanderer (Mitte 1. Jahrtausend vor Christus) und einer äthiopischen Urbevölkerung; seit dem 4. Jahrhundert koptische Christen und vor 1974 alleiniges Staatsvolk Äthiopiens; seit 1974/75 führende Rolle bei der revolutionären Umgestaltung. Siehe auch Äthiopien (Geschichte).

Amharisch: Sprache der semitisch-hamit. Sprachen Afrikas; nationale Verkehrssprache Äthiopiens.

Amidasen: (griechisch) Enzyme, die hydrolytisch Carbonsäureamide zersetzen, zum Beispiel Urease und Arginase.

Amiel, Henri Frédéric, 27.9.1821-11.5.1881, schweizerischer Essayist und Lyriker französischer Sprache; literarhistorisch bedeutsam durch sein «Persönliches Tagebuch», das der bürgerliche Tagebuchliteratur häufig als Vorbild diente.

Amimie: Verlust der mimischen Ausdrucksfähigkeit bei intakter Muskulatur, bedingt durch organische Hirnkrankheiten beziehungsweise Psychosen.

Amin, Idi, geboren 1924, ugandischer Militär und Politiker; 1967 Armeeoberbefehlshaber; übernahm am 25.1.1971 nach dem Sturz der Regierung M. Obote die Macht; ernannte sich am 20.2.1971 zum Staatspräsidenten Ugandas; im April 1979 von der Nationalen Befreiungsfront von Uganda zusammen mit tansanischen Truppen entmachtet; lebt seitdem im Exil.

Amine: organische Verbindungen, die sich vom Ammoniak, NH3, durch teilweisen oder vollständigen Ersatz der Wasserstoffatome durch Alkyl- (aliphatische Amine) oder Aiylgnippen (aromatische Amine) ableiten. Primäre Amine (Aminoverbindungen), R-NH2, enthalten eine, sekundäre Amine, R-NH-R, zwei, tertiäre Amine, N(R)(R0(R"), drei derartige Gruppen. Die Amine haben basischen Charakter. Von den Amine leiten sich die quartären Ammonium Basen, zum Beispiel (siehe auch biogene Amine.

Aminoacyl-tRNS-Synthetasen: Gruppe von Enzymen, die spezifisch im Verlaufe der Proteinsynthese Aminosäuren unter ATP-Spaltung zu Aminoacyl-tRNS aktivieren.

Aminoglykoside: Breitspektrumantibiotika, die chemisch zur Gruppe der basischen Oligosaccharide gehören. Die bekanntesten Aminoglykoside sind Streptomyzin, Gentamicin, Kanamycin.

Aminogruppe: die für die Aminoverbindungen typische Atomgruppe -NH2. Die Aminogruppe hat basischen Charakter.

Aminophenole: Substanzen mit Amino- und Hydroxylgruppen am aromatischen Ringsystem. Aminophenole haben, besonders in alkalischer Lösung, reduzierende Wirkung und werden daher, wie zum Beispiel para-Aminophenole (Rodinal), 1,4-HO-C6H4-NH2, und para-Methyl-Aminophenole (Metoi), 1,4 HO C6H4NH(CH3) als fotografischer Entwickler verwendet; andere Aminophenole sind Farbstoff Zwischenprodukte.

Aminoplaste: durch Polykondensation spezieller Aminoverbindungen mit Formaldehyd hergestellte Kunstharze und Plaste. Je nach dem Ausgangsstoff unterscheidet man Melamin-, Dicyandiamid- und Harnstoffharze.

Aminosäuren, Aminocarbonsäuren: organische Verbindungen mit Amino- (NH2-) und Karboxylgruppen (-COOH) im Molekül. Bei den a-Aminosäuren (2-Aminosäuren), R-CH(NH2)-COOH, befinden sich die beiden Gruppen am gleichen Kohlenstoffatom, bei ß-Aminosäuren (3-Aminosäuren) und so weiter ist die Aminogruppe jeweils um 1 C Atom weiter entfernt;

Aminotransferasen, Transaminasen: Gruppe von Enzymen, die die Übertragung von Aminogruppen zwischen Amino- und Ketosäuren katalysieren. Die Bestimmung von aus Geweben in die Blutbahn abgegebenen Aminotransferasen besitzt Bedeutung in der Diagnostik von Leber- und Herzerkrankungen.

Aminozucker: Substanzen, die sich von Monosachariden dadurch ableiten, dass eine Hydroxylgruppe (-OH) durch eine Aminogruppe (-NH2) ersetzt ist. Ein Derivat der Glukose ist zum Beispiel Glucosamin (Chitosamin), das als Baugruppe in Chitin, Heparin, Schleimstoffen, Blutgruppensubstanzen unter anderem vorkommt.

Amis, Kingsley, geboren 16.4.1922, englischer Schriftsteller, Dichter und Kritiker; gehörte mit den kritisch-realistischen Romanen «Glück für Jim» (1954, deutsch) und «Jenes ungewisse Gefühl» (1955) zur Gruppe der «Zornigen jungen Männer»; verfasste danach eine Reihe zumeist trivialer Unterhaltungsromane («Mir gefällt es hier», 1958; «Zum Grünen Mann», 1968, deutsch; «Das Ende», 1974).

Amitose: Durchschnürung des Zellkerns in 2 Hälften ohne Ausbildung eines Spindelapparates und Sichtbarwerden von Chromosomen (direkte Kernteilung).

Amman: Hauptstadt Jordaniens, im Norden des Landes am Ostrand des Ajlun-Gebirges zum Ostjordan. Tiefland; 650000 Einwohner; administratives, Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes; vorherrschend Zweige der Leichtindustrie (Textilien), Nahrungsmittel-, Tabakwarenherstellung, daneben Zement Produktion; wichtiger Verkehrsknoten (Anschluss an Hedschasbahn, internationaler Flughafen); Universität; Touristenzentrum; römische Ruinen (3./6. Jahrhundert); Geschäftszentrum in tief eingeschnittenem Tal, Wohn- und Verwaltungsviertel auf den umgrenzenden Höhen.

Amman, Jost, 1539-17.3.1591, Maler und Graphiker; tätig in Nürnberg. Seine zahlreichen Holzschnittillustrationen vermitteln ein umfassendes kulturgeschichtlichen Bild seiner Zeit; unter anderem «Turnierbuch» (1566), «Ständebuch» (1568) mit Handwerkerdarstellungen, «Frauentrachtenbuch» (1586), Kartenspielbuch (1588).

Ammer: linker Nebenfluss der Isar; 175 km; entspringt im Agebirge, durchfließt den Ammergau, entwässert das Weilheimer Moos, mündet in den Ammersee, verlässt ihn als Amper.

Ammern, Emberiza: dickschnäblige, sperlingsgroße Finkenvögel Eurasiens und Nordafrikas; überwiegend Körnerfresser; die Männchen mit meist auffälliger Kopfzeichnung. Heimisch die an Waldrändern lebende Goldammern (E. citrinella), die meist am Boden brütet und 3 bis 5 Eier legt; an Straßenrändern in Feldgebieten die Grauammern (E. calandra); im Schilf an Gewässern die schwarzköpfige Rohrammern (E. schoeniculus).

Ammianus Marcellinus, um 330-um 400, spätrömischer, nichtchristlicher Geschichtsschreiber; stand Kaiser Julian nahe und nahm unter ihm an den Feldzügen gegen die Alemannen und Perser teil. Sein Werk «Res Gestae» (Bücher der Taten, deutsch) beschreibt die Zeit von 96 bis 378 nach Christus Von den 31 Büchern sind nur die Bände 14 bis 31 (behandeln die Zeit 353/78) erhalten.

Ammon, ursprünglich phönikischer Gott (Baal Hammon = «Herr der Räucheraltäre»), von den Griechen später mit dem ägyptischen Gott Amun gleichgesetzt. Berühmt war im Altertum das Orakel des Ammon in der Oase Siwa.

Ammoniten, Ammonshörner (beide nach Ammon): marine Kopffüßer mit gekammerter, meist spiraler Schale, durch die ein Hautschlauch (Sipho) verlief; wichtige Leitfossilien vom Devon bis zur Okerkreide.

Ammoniter: im Altertum semitisches Bauernvolk im Ostjordanland, das mit den benachbarten Israeliten in ständiger Fehde lebte. Hauptort Rabbat-Ammon (heute Amman).

Ammonium: (nach Ammon) die Atomgruppe NHv, nur in Form von Ammoniumverbindungen oder als Amalgam beständig. Ammoniumamalgam ist weich, silberglänzend und zerfällt oberhalb -80°C allmählich in Quecksilber, Ammoniak und Wasserstoff.

Ammoniumsalze: Salze mit dem Ammoniumion, NH. Die Ammoniumsalze ähneln den Kaliumsalzen, zerfallen jedoch (meist unter Abspaltung von Ammoniak) beim Erhitzen. Die den Ammoniumsalze zugrunde liegende Base, Ammoniumhydroxid, NH4OH, ist nur in dissoziierter Form (Ammoniakwasser) bekannt Ammoniumchlorid (Salmiak) , farb- und geruchlos, von bittersalzigem Geschmack, leicht wasserlöslich, sublimiert unter Zersetzung bei 335°C; Anwendung in galvanischen Elementen, als Lötsalz sowie medizinisch als schleimlösendes Mittel. Ammoniumhydrogenkarbonat, ist neben Ammoniumcarbaminat, im Hirschhornsalz enthalten, einem früher aus Hirschgeweih gewonnenen weißen, sich unter Ammoniakabspaltung allmählich verflüchtigenden Pulver; Anwendung als Backtriebmittel. Ammoniumnitrat (Ammonsalpeter), ist sehr leicht löslich und spaltet beim Erhitzen Lachgas ab; Anwendung in Mischdüngern und als Bestandteil von Sprengstoffen. Ammoniumsulfat, leicht wasserlöslich, wird in großem Maßstab durch Umsetzung zwischen Gips, Kohlendioxid und Ammoniak hergestellt; wichtiges Stickstoffdüngesalz. Ammoniumsulfid, und Ammoniumhydrogensulfid, sind nur in wässriger Lösung («Schwefelammonium») beständig; «gelbes Schwefelammonium» enthält Polysulfide; Anwendung in der chemischen Analytik.

Ammoxydation: (Kurzwort) katalytische Umsetzung mit Ammoniak und Sauerstoff (beziehungsweise Luft), zum Beispiel zur technischen Herstellung von Acrylnitril aus Propen und von Blausäure aus Methan.

Amnesie: (griechisch) zeitlich begrenzter Gedächtnisausfall infolge Bewusstseinsstörung, zum Beispiel bei Gehirnerschütterung.

Amnestie: (griechisch) gesetzlicher Erlass von gerichtlich ausgesprochenen strafrechtlichen Maßnahmen für einen größeren, nicht namentlich benannt Personenkreis.

Amnion, Schafhaut, Fruchtwassersack: dem Embryo nächstgelegener Teil der Fruchthülle der höheren Wirbeltiere (Amnioten); umschließt die mit dem Fruchtwasser gefüllte Amnionhöhle.

Amnioskopie: Fruchtwasserbetrachtung durch die Eihäute mit Hilfe eines durch den Gebärmutterhalskanal an die Fruchtblase herangeführten Tubus mit Kaltlichtquelle.

Amniotomie-Blasensprengung: (griechisch) instrumentelle Sprengung der Fruchtblase zur Geburtseinleitung oder -beschleunigung.

Amniozentese-Fruchtwasserpunktion: Punktion der Fruchtblase zur Gewinnung von Fruchtwasser und kindlichen Zellen; dient mit Hilfe von biochemischen beziehungsweise Chromosomenuntersuchungen dem Nachweis von Krankheiten und der Geschlechtsbestimmung beim noch ungeborenen Kind.

Amöben, Wechseltierchen, Amoebina: bis 2 nun (meist jedoch unter 0,2 mm) große Wurzelfüßer mit lappenförmigen oder dünnen zugespitzten Scheinfüßchen. Amöben besitzen keine Stützelemente und verändern durch Plasmaströmungen und Bildung der Scheinfüßchen ständig ihre Gestalt Amöben ernähren sich von Bakterien, Algen unter anderem; sie leben vorwiegend im Schlamm von Gewässern, zwischen Wasserpflanzen sowie im Erdboden und kommen auch als Parasiten und Krankheitserreger vor, zum Beispiel verursacht Entamoeba histolytica die Amöbenruhr, Babesia bigemina das Texasfieber der Rinder, Theileria parva das afrikanische Küstenfieber der Rinder.

Amöbenruhr-Amöbiasis, Amöbendysenterie, Tropenruhr, durch Schmierinfektion, Fliegen und infizierte Lebensmittel übertragene, ruhrartige, in warmen Ländern weit verbreitete Infektionskrankheit. Erreger sind Ruhramöben (Entamoeba histolytica). Typisch sind himbeergeleeartige Durchfälle ohne Fieber und Neigung zu chronischen Verlauf mit Darm- und Leberabszessen,

Amoklaufen: (amok, «Wut») plötzliche Geistesstörung, wobei der von ihr Befallene in Raserei gerät und ihm begegnende Menschen anfallt oder zu töten versucht; meist bei Haschischsüchtigen, aber auch bei Psychosen und epileptische Dämmerzuständen auftretend.

amoralisch: (griechisch + lateinisch) unsittlich, moralische Grundsätze verletzend; oft gegenseitiger Vorwurf von Vertretern unterschiedliche Moralauffassungen.

Amoralismus, (griechisch + lateinisch) Immoralismus (lateinisch): Geringschätzung beziehungsweise Verachtung moralischer Grundsätze und Verhaltensmaßstäbe; siehe auch amoralisch.

Amoretten, (französisch, zu Amor), Eroten (griechisch, zu Eros): Liebesgötter in Gestalt geflügelter Kinder, Dekorationsmotiv besonders der hellenistischen und römischen Kunst sowie des Rokokos.

amorphe Sprachen: formenlose Sprachen, Wurzelsprachen; Sprachen ohne grammatische Formenbildung, die nur über lexikalische Morpheme verfügen. Annähernd amorph ist das Chinesische. Siehe auch Sprachtypologie.

amorphe Stoffe: Festkörper mit fehlender Gitterstruktur, bei denen die Bausteine (Atome, Moleküle) aber eine Nahordnung zwischen nächsten und teilweise übernächsten Nachbarn aufweisen. Amorphe Stoffe sind zum Beispiel anorganische oxidische Gläser (Si02), organische Polymergläser (Methacrylate), metallische Gläser, Opal und allotrope Modifikationen (Allotropie) mancher Elemente. Amorphe Stoffe sind metastabil, sie neigen dazu, in den thermodynamisch stabilen kristallinen Zustand überzugehen.

Amortisation: 1. allgemein Rückfluss (Wiedererwirtschaftung) von Aufwendungen, auch planmäßige (ratenweise) Tilgung von Schulden.

2. Wirtschaft: über den Erlös für die abgesetzten Erzeugnisse und Leistungen in den Betrieb zurückgeflossene Summe der Abschreibungen, die angesammelt und zur Finanzierung von Investitionen verwendet werden.

Amortisationsrate: Verhältnis zwischen der Summe der jährliche Abschreibungen und der Summe der Brutto Werte der Grundmittel.

Ampel: (lateinisch griechisch) 1. meist schalenförmige Leuchte.

2. umgangssprachliche Bezeichnung für Lichtsignaleinrichtung zur Verkehrsregelung (Verkehrs-A).

Ampelpflanzen: für die Pflege in hängenden Topfträgern (Ampeln) geeignete Zierpflanzenarten unterschiedlicher botanischer Zugehörigkeit, die sich durch einen meist überhängenden Wuchs auszeichnen; überwiegend als Zimmerpflanzen kultiviert.

Ampere, (nach M. Ampère) Zeichen A: Einheit der elektrischen Stromstärke; SI-Basiseinheit; Stärke des zeitlich unverändert, elektrisches Stromes durch 2 geradlinige, parallele, unendlich lange Leiter von vernachlässigbarem Querschnitt, die den Abstand 1 m haben und zwischen denen die durch den Strom elektrodynamisch hervorgerufene Kraft im leeren Raum je 1 m Länge der Doppelleitung 2 • 10“7 N beträgt.

Amper Esches Gesetz: Gesetz, das die Kraft zwischen 2 Strom durchflossenen Leitern angibt. Infolge der Magnetfelder, die von den Strömen erzeugt werden, ziehen sich parallele Drähte bei gleichsinniger Stromrichtung an und stoßen sich bei gegensinniger Stromrichtung ab. Das Amper Esches Gesetz dient zur Definition der Maßeinheit Ampere.

Amperometrie, (französisch + griechisch) amperometrische Titration: Verfahren der Maßanalyse, bei dem durch Messung des Diffusionsstromes an speziellen Elektroden, zum Beispiel der Quecksilbertropfelektrode, der Titrationsendpunkt ermittelt wird.

Ampfer, (althochdeutsch, «sauer») Rumex: Gattung der Knöterichgewächse mit meist unscheinbaren Blüten; Unkräuter, zum Teil als Wildgemüse verwendet, zum Beispiel der Sauerampfer (R. acetosa). Der Gartenampfer (R. patientia) wird als Blattgemüse («Ewiger Spinat») angebaut.

Amphibienfahrzeug: schwimmfähiges Räder- oder Ketten- (Land-) Fahrzeug, das sich auf dem Wasser mittels Schaufelketten, Schiffsschrauben oder auch Wasserstrahlantriebs fortbewegt (zum Beispiel Schwimmwagen, selbstfahrende Fähre, schwimmfähige Schützenpanzerwagen und Schützenpanzer, Schwimmpanzer).

Amphibole: (griechisch) Gruppe gesteinsbildender Minerale, im weiteren Sinne Hornblenden-, Kalzium-Natrium-Magnesium-Silikate mit Eisen und Aluminium, von den Pyroxenen unterschieden durch Wasser- und Fluorgehalt sowie den 124 “-Winkel der Hauptspaltrichtung; monoklin, zum Teil rhombisch kristallisiert. Die Amphibole sind weltweit verbreitet in magmatischen, regional- und kontaktmetamorphen Gesteinen und auch in Tuffen. Die wichtigsten Vertreter sind gemeine Hornblende (Farbe dunkelgrün, grünschwarz, Härte 5 bis 6, Dichte 3,0 bis 3,47 g/cm3), basaltische Hornblende (titanhaltig, Farbe schwarzbraun, Härte 5 bis 6, Dichte 2,9 bis 3,4 g/cm3, Aktinolith oder Strahlstein (farblos bis grün, faserig, Härte 5,5 bis 6, Dichte 2,9 bis 3,1 g/cm3); ihm ähnlich ist der grauweiße Tremolit. Langfasrig filzig sind der Amianth, der Hornblendeasbest und der Byssolith. Der grün farbige, splittrige Nephrit ist die kryptokristalline Varietät des Aktinoliths und wurde in prähistorischer Zeit für Waffen und Schmuck verwendet. Techn. Verwendung finden alle asbestartigen Varietäten. Siehe auch Asbest.

Amphibolit, Amphibolfels, Homblendefels: vorwiegend aus Amphibol (Hornblende) und Plagioklas bestehendes metamorphes Gestein von dunkel- bis schwarzgrüner Farbe. Bei ausgeprägter Schieferung spricht man von Amphibol- (Hornblende-) Schiefer. Amphibolit tritt in Linsen und Lagen in anderen metamorphen Gesteinen auf.

Amphigonie: zweigeschlechtliche Fortpflanzung; die Entwicklung eines neuen Organismus wird durch Verschmelzung von 2 physiologisch und meist auch morphologisch geschlechtlich differenzierten Zellen (Gameten) eingeleitet. Siehe auch Befruchtung, Gameten.

Amphiktyonie: zum Schutz eines kultischen Zentrums im alten Griechenland eingerichteter politreligiöser Bund von Stämmen und Poleis. Die Amphiktyonie beging gemeinsame Feste und verfügte bei Streitigkeiten über ein Bundesschiedsgericht. Die bekanntesten An waren die um das Apollon-Heiligtum in Delphi und das Demeter-Heiligtum bei den Thermopylen.

Amphimixis: (griechisch) Verschmelzung von Plasma und Kernen der Gameten bei der geschlechtlichen Fortpflanzung; siehe auch Befruchtung.

Amphion und Zethos, in der griechischen Sage Zwillingsbrüder, Söhne des Zeus und der Antiope. Unter der Zauberwirkung der von Amphion gespielten Leier fügten sich die Mauern der Stadt Theben von selbst zusammen.

Amphipolis: griechische Stadt in Thrakien, nahe der Mündung des Strymon (Struma) in die Ägäis; seit 437 vor Christus Kolonie Athens; wirtschaftlich bedeutsam durch Edelmetall- und Bauholzexport; heute Amphipolis.

Amphitheater: altrömischer Theaterbau ohne Überdachung, mit elliptischem oder rundem Grundriss, auch für Kampfspiele (Tierhetzen, Gladiatorenkämpfe, Seeschlachten); der Schauplatz (Arena) ist von stufenweise ansteigenden Sitzreihen umgeben (zum Beispiel das Kolosseum in Rom); heute Bezeichnung für jedes Theater, das eine in zumindest angedeuteter Halbkreisform ansteigende Sitzordnung im Zuschauerraum hat.

Amphitryon, lateinisch Amphitruo, sagenhafter König von Theben; Gatte der Alkmene. Vor Amphitryons Rückkehr aus einem Feldzug zeugte Zeus in der Gestalt des Amphitryon mit Alkmene den Herakles.

Ampholyt: Substanz, die sich gegenüber Säuren als Base und gegenüber Basen als Säure verhält. Zu den Ampholyt gehören zum Beispiel die Aminosäuren und manche Metallhydroxide.

Amphora: (Amphoren) altgriechisches bauchiges Gefäß mit 2 senkrecht stehenden Henkeln; meist aus Ton; zur Aufbewahrung und zum Transport von Wein und Öl.

Amphoterie: Eigenschaft einer chemischen Verbindung, je nach Reaktionspartner und -bedingungen in beiden Richtungen einer Reaktionsgleichung (als Donator oder Akzeptor des gleichen Teilchens) zu reagieren. Bezogen auf Säure-Base-Gleichgewichte zeigt ein Stoff (zum Beispiel ein Hydroxid oder eine Aminosäure) Amphoterie, wenn er gegenüber stärkeren Säuren als Base, gegenüber stärkeren Basen als Säure reagiert. Amphoterie bei Redox-Gleichgewichten bedeutet, dass der gleiche Stoff je nach dem Reaktionspartner als Oxydations- oder Reduktionsmittel wirkt.

Ampulle, Ampulla: 1. Anatomie: bauchig erweiterter Abschnitt röhrenförmiger Hohlorgane, zum Beispiel am Eileiter.

2. Pharmazie: Einschmelzgläschen, meist mit engem Hals, zum Aufbewahren genau dosierter, steriler flüssiger oder pulverförmiger Arzneimittel zur Injektion; wird mit einer Ampullenfeile geöffnet.

Amputation: 1. Chirurgie: kunstgerechte Abtrennung eines endständigen Körperteils; die Stelle der Amputation ist durch Ausdehnung der Verletzung oder Erkrankung bestimmt.

2. Stomatologie: konservierende Behandlung eines Zahnes durch Abtrennen des Zahnmarkes im Kronen Teil; früher meist nach vorheriger medikamentöser Abtötung des gesamten Zahnmarkes (Mortalamputation), inzwischen öfter unter Anästhesie als Vitalamputation, um das Gewebe des Zahnmarkes im Wurzelteil am Leben zu erhalten.

Amudarja: wasserreichster Fluss in Mittelasien; 1415 km; entsteht aus Zusammenfluss von Pjandsch und Wachsch, bildet zum Teil die Grenze UdSSR-Afghanistan, mündet mit 9000 km2 großem Delta in den Aralsee; Wasserführung durch starke Verdunstung bei Durchqueren der Karakum und Kysylkum und durch Bewässerung (Staustufen) stark vermindert; im Unterlauf fischreich; ab Tschardshou schiffbar. Vom Amudarja zweigen Karakumkanal und Amu-Buchara-Kanal (233 km; zum Serafschan) ab. Am Unterlauf alte Oasenkulturen (Chiwa, Urgentsch, Nukus).

Amulett: meist am Hals getragener Anhänger; im alten Ägypten als Käfer (Skarabäus) gestaltet, von dem man magische Schutz- und Segens Wirkungen erhoffte.

Amulius, in der römischen Sage König von Alba Longa, beraubte seinen Bruder Numitor der Herrschaft, ermordete dessen Sohn und machte dessen Tochter Rhea Silvia zur Vestalin.

Amun, (ägyptisch, «der Verborgene») ägyptischer Gott, von den Griechen Ammon oder Amon genannt; ursprünglich Lokal Gott von Theben, seit der 18. Dynastie als Sonnengott (A.-Re) und «König der Götter» verehrt; menschengestaltig oder als Widder beziehungsweise Mensch mit Widderkopf dargestellt.

Amurru: (babylonisch, «Westland») Gebiet der westsemitischen Amurriter westlich des mittleren Euphrat bis zum Libanon reichend. Die Amurriter begründeten um 2000 vor Christus in Akkad den altbabylonischen Staat. Amurru zählte nach 1200 vor Christus zu den hethitischen Nachfolge Staaten in Syrien, wurde von Aramäern besiedelt und in das Assyrische, später in das Neubabylonische Reich eingegliedert, ging schließlich in Syrien auf.

Amygdalin: in bitteren Mandeln und Obstkernen vorkommendes Glykosid, das durch verdünnte Säuren oder das Enzym Emulsin in Glukose, Benzaldehyd und die giftige Blausäure gespalten wird.

Amylalkohol: Gemisch isomerer Alkohole der Formel C5HnOH, das den Hauptbestandteil des Fuselöls bildet. Amylalkohol, eine giftige, hustenreizende Flüssigkeit, entsteht bei der alkoholischen Gärung durch Abbau der Aminosäuren Leucin und Isoleucin. Amylalkohol wird zum Beispiel als Flotationshilfsmittel verwendet.

Amylasen, Diastasen beide (griechisch): Gruppe weit verbreiteter Hydrolasen; a-Amylase ist ein vorwiegend in Pankreassekret und Speichel vorkommendes Verdauungsenzym, das Stärke hydrolytisch zu Maltose abbaut.

Amyloidose: krankhafte, vererbte oder im Verlauf chronischen Entzündungen erworbene Ablagerung einer abartigen Eiweißsubstanz in zahlreichen Organen (Nieren, Milz, Leber, Herzmuskel, Darm, Nerven); kann unter anderem Nierenfunktionsstörung, Herzmuskelschwäche, Durchfälle, Missempfindungen in den Gliedmaßen und Lähmungen bewirken.

Anabasin: ein Tabakalkaloid, das auch in dem asiatischen Gänsefußgewächs Anabasis aphylla vorkommt. Anabasin ist ein farbloses Öl von nikotinähnliche Wirkung; das Sulfat wird als Insektizid verwendet.

Anabasis: (griechisch, «Aufstieg», «Marsch in das Binnenland») Titel altgriechische Geschichtswerke; die bekannteste Anabasis war Xenophons «Anabasis des Kyros» über den Feldzug des persischen Prinzen Kyros der Jüngere (401 vor Christus) und den Rückmarsch seiner 10000 griechischen Söldner.

Anablose: (griechisch) Zustand eines Lebewesens, in dem es keine Lebensäußerungen aufweist, anscheinend tot ist. Der Zustand ist umkehrbar. Während der Anablose sind die Stoffwechsel Prozesse auf ein Minimum eingeschränkt,

Anabolika, anabole Steroide: natürliche Androgene und synthetische Steroide, die eine Zunahme der Muskelmasse und des Körpergewichts durch Steigerung der Protein Synthese bewirken.

Anabolismus: Gesamtheit der aufbauenden Reaktionen im Organismus; dazu gehört die Synthese von Proteinen, Nukleinsäuren, Lipiden, Glykogen, Steroiden u. ä., aber auch der Aufbau von Strukturen, wie Muskulatur, Knochen, Zähne und so weiter; siehe auch Katabolismus.

Anachronismus: Zeitwidrigkeit; der Zeitentwicklung nicht Entsprechendes; das Auftreten zeitgebundener Erscheinungen in einer späteren oder früheren Zeit.

Anaerobier, Anaerobionten: bei Abwesenheit von Sauerstoff lebende Mikroorganismen. Anaerobier(Anaerobionten) kommen vor allem unter den Bakterien vor. Man unterscheidet obligate Anaerobier(Anaerobionten), die sich nur in Abwesenheit von Sauerstoff entwickeln, und fakultative Anaerobier(Anaerobionten), die sich auch in Gegenwart von Sauerstoff vermehren können. Die Anaerobier(Anaerobionten) gewinnen Energie aus anoxydativen (von Sauerstoff unabhängigen) Prozessen (Gärung, Stickstoffumsetzung unter anderem). Zu den anaeroben Bakterien gehören zum Beispiel Gasbrand- und Tetanuserreger. Siehe auch Aerobier.

Anaerobiose: «Leben ohne Sauerstoff», verbreitet bei Mikroorganismen; Energie Gewinnung (ATP-Synthese) erfolgt durch anaerobe Glykolyse (Gärung) oder Fäulnis.

Anagenese: Höherentwicklung in der Phylogenese (Stammesgeschichte) einer Organismen Gruppe. Die Anagenese kommt in der Optimierung des Bauplanes eines Lebewesens zum Ausdruck, sie ist außerdem gekennzeichnet durch Zunahme der Informationsaufnahme und -Verarbeitung. Die Bezeichnung Anagenese wird zunehmend durch den Terminus «progressive Evolution» ersetzt, unter anderem wegen der Schwierigkeit, allgemeingültige Kriterien für den Begriff «höher» zu finden.

Anaglyphen: in Komplementärfarben, zum Beispiel Grün und Rot, übereinander gedruckte Perspektive Bilder ein und desselben räumlichen Gegenstandes, deren Projektionszentren um den Augenabstand des Menschen auseinander liegen; mit einer (in diesem Falle) Rot-Grün-Brille betrachtet, ergibt sich eine räumliche Vorstellung des abgebildeten Gegenstandes.

Anagramm: Bildung eines Wortes oder Satzes durch Vertauschen der Buchstaben oder Silben eines anderen; als Wortspiel, Rätsel und Pseudonym verwendet.

Anakoluth: Satzbruch, grammatisch folgewidrige Satzkonstruktion (Strittmatter: «Wenn es so weiter taut ... am Ende kann man bald auf die Hafersaat los»); vorwiegend in mündlicher Alltagsrede.

Anakonda, Eunectes murinus: mit über 9 m Länge zu den größten Riesenschlangen gehörende Boa Schlange aus dem tropischen Amerika, die sich meist am oder im Wasser aufhält.

Anakreon, 2. Hälfte des 6. Jahrhundert vor Christus, griechischer Lyriker; besang in formschönen Versen anmutig Lebensgenuss, Liebe und Wein, hochbetagt dichtete er noch voll Lebenslust.

Anakreontik: (nach Anakreon) lyrische Strömung in der europäischen Aufklärung des 18. Jahrhundert. An die Anakreonteen (Carmina Anacreontea) aus der römischen Kaiserzeit, flache Nachbildungen der Lieder des Anakreon, knüpften die Anakreontiker an, die in heiter-graziösen Versen mit leichten Rhythmen eine idealisierte Natur, Lebensgenuss, Liebe und Wein besangen. Vertreter der Anakreontik in der deutschen Literatur sind J. W. L. Gleim, F. von Hagedorn, der junge Lessing unter anderem

Analogdarstellung: Darstellung physikalischer, chemischer, ökonomischer und biologischer Größen durch analoge physikalische Größen (zum Beispiel elektrische Spannung) zum Zweck der rechentechnischen Behandlung. Siehe auch Digitaldarstellung.

Analog-Digital-Umsetzer, A-D-Umsetzer, A-D-Wandler, englischer analogue-to-digital-converter, Abkürzung ade: elektronische Schaltung zur Umsetzung einer analog, das heißt stetig veränderbaren Eingangsgröße (elektrisch: Spannung, Strom; geometrisch: Weg oder Winkel) in eine kodierte Ausgangsgröße; heute als integrierte Schaltung ausgeführt. Wichtige Einrichtung der digitalen Messtechnik. Siehe auch Digitalvoltmeter, Quantisierung.

Analogie: 1. allgemein Entsprechung; Ähnlichkeit; Gleichartigkeit.

2. Biologie: Funktionsgleichheit oder -ähnlichkeit morphologischen Strukturen von Lebewesen stammesgeschichtlich unterschiedliche Entstehung, aber auch im Verhalten und im Bereich molekularer Vorgänge. Analoge Organe sind zum Beispiel Kiemen der Fische und der Muscheln, analoges Verhalten sind zum Beispiel Lauf Bewegungen von Säugetieren und Käfern, analog ist die Bindung von Sauerstoff an Hämoglobin- und an Hämocyanin-Moleküle.

3. Logik: Beziehung zwischen Objekten, Prozessen oder Erscheinungen der Wirklichkeit, hinsichtlich bestimmter Merkmale oder funktioneller beziehungsweise struktureller Eigenschaften übereinzustimmen, sich in einer bestimmten Weise ähnlich zu sein oder ähnlich zu verhalten.

4. Recht: sinngemäße, entsprechend Anwendung von Rechtsnormen (Gesetzesanalogie) oder von allgemeinen Rechtsgrundsätzen (Rechtsanalogie) auf einen vom Gesetz nicht geregelten Tatbestand. Analogie ist nicht in allen Rechtszweigen möglich, im Strafrecht der DDR verboten.

5. Sprachwissenschaft: Veränderung sprachlicher Formen durch den Einfluss anderer ähnliche oder häufig verwendeter Formen, zum Beispiel sangen analog zu sang (statt dem den Regeln entsprechenden «sungen»),

6. Technik: Verknüpfungsmodell für die Zuordnung von mechanischen, akustischen und elektrischen Schwingungsvorgängen, die mit den gleichen mathematischen Gesetzen beschrieben werden.

Analogieschluss: Logik nicht immer zutreffender Schluss von gewisser Übereinstimmung verschiedener Objekte oder Erscheinungen auf deren weitergehende Übereinstimmung. Der Analogieschluss hat für heuristische Betrachtungen und für die gesamte Wissenschaft wesentlicher Erkenntniswert; Schlussfolgerungen auf Grund von Analogieschlüssen bedürfen aber weiterer Überprüfung.

Analogrechner: Rechenautomat, der stetig veränderliche Funktionen verarbeitet, die durch messbare physikalische Größen dargestellt werden; zum Beispiel bei dem vorwiegend realisierten elektronischen Analogrechner durch elektrische Spannungen und die Zeit. Bekannt sind auch Versuche mit pneumatische und hydraulische Analogien. Angewendet werden Analogrechner hauptsächlich zur Lösung von Differentialgleichungen, als Modellregelkreise und als Simulatoren. Die Rechengenauigkeit ist bei Analogrechner gegenüber Digitalrechnern eingeschränkt, die Rechengeschwindigkeit für einige Aufgabenklassen höher. Siehe auch digitaler Differentialanalysator.

Analoguhr: Uhr, bei der die Darstellung der Zeitangaben durch sich stetig verändernde Zeigerstellungen über dem Zifferblatt erfolgt. Analoguhren bilden den realen Vorgang der kontinuierliche Erdumdrehung durch einen analogen Ablauf nach, wobei sich der Stundenzeiger im Allgemeinen bei einer Erdumdrehung 2mal um das Zifferblatt dreht. Jede mechanisch oder elektrisch gesteuerte Uhr mit Zeigerwerk ist eine Analoguhr Siehe auch Digitaluhr.

Analogwerterfassung: Prozessmesstechnik Erfassung analoger Messgrößen unter Betriebs Bedingungen und ihre Aufbereitung, so dass sie in einem Prozess- oder Kleinrechner (digital) verarbeitet werden können; notwendig ist hierzu ihre Analog-Digital Umsetzung und die Eliminierung unerwünschter und unkontrollierbarer Einflüsse.

Analphabetentum: durch soziale, oft koloniale Unterdrückung bedingte Unkenntnis im Lesen und Schreiben; besonders in vom armen Ländern verbreitet, aber auch in den hochindustrialisierten Staaten. Heute leben auf der Erde noch über 800 Millionen Analphabeten.

Analysator: (lateinisch - griechisch) 1. Optik Polarisation.

2. Physiologie: von I. P. Pawlow eingeführter Begriff, der den gesamten (afferenten) Sinneskanal vom Sinnesorgan über die Leitungsbahnen bis zu den informationsverarbeitenden Strukturen der Hirnrinde umfasst. Der Begriff berücksichtigt analytische und synthetische Prozesse der Informationsverarbeitung.

Analysenwaage: hochempfindlich, in einem verglasten Gehäuse aufgestellte Balkenwaage. Waagebalken und Waagschalenaufhängung lagern auf Schneiden aus Achat, Saphir oder Stahl, die sich bei Nichtbenutzung oder Wägegut-Aufgabe von ihren Lagern abheben und festhalten (arretieren) lassen. Das Auflegen der Wägestücke erfolgt meist mechanisch, die Ablesung des Wägeresultates über Ziffernanzeige.

Analysis: auf L. Euler zurückgehende zusammenfassende Bezeichnung für die Teilgebiete der Mathematik, die auf den Grundbegriffen Zahl, Funktion und Grenzwert aufbauen. Zu den klassischen Gebieten der Analysis gehören die Differential- und Integralrechnung, die Theorie der Differential- und Integralgleichungen, die Variationsrechnung sowie die Funktionentheorie. Die numerische Analysis beschäftigt sich mit der zahlenmäßigen Berechnung von Lösungen und der Entwicklung von Näherungsmethoden. Neue Teilgebiete der Mathematik, wie die Funktionalanalysis oder Topologie, haben sich wesentlich aus den klassischen Gebieten der Analysis heraus entwickelt, wobei es aber zu einer Verschmelzung mit anderen Zweigen der Mathematik, zum Beispiel der Geometrie, kam.

analytisch: (griechisch) 1. allgemein zerlegend, auflösend; auf einem zergliedernden Verfahren beruhend.

2. Mathematik: Funktionentheorie.

analytische Chemie: Wissensgebiet von der Ermittlung der Art und Menge (qualitative beziehungsweise quantitative analytische Chemie) der in einem Stoff oder einem Stoff Gemisch enthaltenen Bestandteile, analytische Geometrie: Teilgebiet der Mathematik; Behandlung geometrischer Probleme durch Rechnen mit reellen Zahlen. Hilfsmittel sind Koordinatensysteme. Punkte werden durch ihre Koordinaten charakterisiert, Figuren durch Gleichungen oder Ungleichungen für die Koordinaten ihrer Punkte. Da geometrische Eigenschaften unabhängig vom speziellen Koordinatensystem sind, ist vielfach die Benutzung der Vektorrechnung und anderer Hilfsmittel der linearen Algebra von Vorteil, analytische Sprachen: Sprachen, in denen die grammatische Beziehungen nicht durch Endungen, sondern durch Hilfselemente, wie Präpositionen, ausgedrückt werden; stark analytische Züge trägt das Französische. Siehe auch Sprachtypologie.

Anämie: (griechisch) Blutarmut durch Verminderung der roten Blutzellen und beziehungsweise oder des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Kennzeichen der Anämie sind unter anderem Schwäche, Konzentrationsverlust, Kopfdruck, Belastungsluftnot, Ohnmachtsneigung und Blässe. Ursachen sind

a) gestörte Blutbildung infolge Eisenmangels (häufigste Anämieform) vor allem durch Eisen Verluste bei chronischen Blutungen (zum Beispiel verlängerte und verstärkte Menstruation); infolge Mangels an Vitamin B12 (perniziöse Anämie), Folsäure unter anderem; infolge Schwunds des blutbildenden Knochenmarks (aplastische Anämie), zum Beispiel durch ionisierende Strahlen, Chemikalien, Arzneimittel;

b) gesteigerter Zerfall der roten Blutzellen (hämolytische Anämie) durch angeborenen Strukturdefekt der Blutzellen, durch Antikörper (Immunreaktion, Allergie) oder durch Gifte, zum Beispiel Bakterientoxine, Chemikalien;

c) akute Blutverluste.

Bei Haustieren unterscheidet man zwischen nicht infektiöser und infektiöser Anämie Die nichtinfektiöse Anämie tritt durch Einwirken von Giftstoffen (zum Beispiel hämolytische Anämie der Milchkuh), durch verminderte Neubildung (zum Beispiel Saugferkelanämie) und Parasitenbefall auf. Die infektiöse Anämie ist durch Viren oder Bakterien bedingt (Virusanämie der Einhufer).

Anamnese: Krankheitsvorgeschichte des Patienten, auch Vorgeschichte seiner wesentlichen Tätigkeiten (Berufsanamnese) und seiner Familie (Familienanamnese); sie nimmt im Wesentlichen, zum Beispiel in der Exploration, die Erinnerungen des Patienten zu Hilfe; ermittelt bei psychischer Erkrankungen besonders psychophysische Entwicklungsdaten.

anamorphotische Verfahren: Verfahren zum Erzielen eines Breitwandbildes. Das Projektionsbild soll gegenüber dem klassischen Filmverfahren ein größeres Breiten-Höhen-Verhältnis aufweisen, um dem Zuschauer einen Anwesenheitseffekt zu vermitteln. Bei der Aufnahme wird ein großer Horizontal Winkel erfasst, indem die Abbildung auf dem Film durch eine anamorphotische Optik horizontal in einem Verhältnis 1,5:1 bis 2:1 zusammengepresst wird, um mehr Bildeinzelheiten auf ein vorgegebenes Filmformat aufzeichnen zu können. Bei der Projektion wird das Bild wieder im gleichen Verhältnis entzerrt. Anamorphotische Verfahren werden zurzeit aus vorwiegend wirtschaftliche und optische Erwägungen international selten und in der DDR nicht mehr angewendet.

anamorphotische Abbildung: nichtzentrierte optische Abbildung, bei der in 2 senkrecht aufeinander stehenden Ebenen ein unterschiedlicher Abbildungsmaßstab vorliegt. Die anamorphotische Abbildung wird mit Systemen aus Zylinderlinsen oder Prismen realisiert.

Ananasgewächse, Bromelien Gewächse, (nach einem Botaniker) Bromeliaceae: sehr artenreiche Familie einkeimblättriger Pflanzen des tropischen und subtropischen Amerika, meist epiphytische Rosettenpflanzen des tropischen Regenwaldes oder als Fels- oder Bodenpflanzen in trockeneren Gebieten; Blätter mit speziellen Einrichtungen (Blatt-Trichter) zur Wassersammlung (Zisternenpflanzen); Wurzeln oft völlig fehlend oder nur Haftorgane; Blätter oft schmal, starr, dornig gesägt; Blüten meist in endständiger Blütenrispe und häufig von bunten Hochblättern umgeben. Eine tropische Obstpflanze ist die Ananas. Zimmerpflanzen sind unter anderem Aechmea, Billbergia, Vriesea.

Anapher, Anaphora: Wortwiederholung am Anfang (bei der Epiphora am Ende) aufeinanderfolgender, parallel gebauter Sätze oder Wortgruppen (Becher: «Wir wollen lernen! Wir wollen begreifen ...»).

Anarchie: (griechisch) Fehlen der Staatsgewalt; Herrschaftslosigkeit, Gesetzlosigkeit; Planlosigkeit, Unordnung, Chaos.

Anarchie der Produktion: Planlosigkeit der kapitalistischen Wirtschaft im gesamtgesellschaftlichen Maßstab; gesetzmäßig bedingt durch die Existenz des kapitalistischen Privateigentums an den Produktionsmitteln. Die Anarchie der Produktion drückt sich im Konkurrenzkampf der Kapitalisten aus, der aus dem Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung entspringt. Durch staatsmonopolistische Wirtschaftsregulierung im Interesse der Monopole kann die Anarchie der Produktion in Teilbereichen eingeschränkt werden, verstärkt sich aber im gesamtgesellschaftlichen Rahmen. Währungs-, Struktur- und zyklischen Wirtschaftskrisen, Inflation unter anderem sind unvermeidliche Erscheinungen der Anarchie der Produktion des monopolistischen Privateigentums heute. Die im internationalen Maßstab operierenden Monopole vertiefen die Anarchie der Produktion im Rahmen der einzelnen kapitalistischen Ländern und der gesamten kapitalistischen Weltwirtschaft.

Anarchismus: kleinbürgerlicher pseudo revolutionäre politische und ideologische Strömung, die besonders in zugespitzten Klassenkampfsituationen auftritt. Der Anarchismus lehnt grundsätzlich jegliche staatliche Organisation und Gewalt ab; er negiert auch die Organisation des proletarischen Klassenkampfes durch eine revolutionäre Partei, die sozialistische Staatsmacht und die zentrale Leitung der Produktion. Er steht auf antikommunistischen Positionen und begünstigt die reaktionären Kräfte. Hauptvertreter waren M. Stimer, P. J. Proudhon, M. A. Bakunin, P. A. Kropotkin.

Anarchosyndikalismus: kleinbürgerliche, anarchistische Strömung in der Arbeiterbewegung besonders Ende des 19. Jahrhundert; erfasste hauptsächlich die romanischen Länder und Südamerika. Der Anarchosyndikalismus vertrat die durch die Praxis widerlegte Auffassung, dass die Gewerkschaften ohne Revolution, durch einen Generalstreik, den Kapitalismus beseitigen und die Produktionsmittel, die Leitung der Produktion und die Verwaltung in ihre Hände nehmen können.

Anarthrie: (griechisch) Unvermögen, verständlich zu sprechen, als Folge frühkindlicher Hirnschädigung oder anderer Erkrankungen des Zentralnervensystems.

Anasarka: (griechisch) krankhaft gesteigerte ausgedehnte Flüssigkeitsansammlung in der Haut und im Unterhautbindegewebe.

anastatischer Druck: Polygraphie - veraltetes Flachdruckverfahren zum Nachdruck von Werken ohne Neusatz durch Übertragung alter Drucke (nach chemischer Vorbehandlung) auf Stein oder Metallplatten.

Anästhesie: Empfindungslosigkeit gegenüber einwirkenden Reizen insbesondere von Schmerzen; künstlich erzeugt durch verschiedene Formen der Narkose, um schmerzloses Operieren zu ermöglichen. Die Schmerzausschaltung kann durch eine Allgemeinnarkose oder durch örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) erreicht werden.

Anästhetika: Mittel zur reversiblen Ausschaltung von Schmerzempfindungen; dazu gehören Allgemeinanästhetika (so viel wie Narkotika) und Lokalanästhetika.

Anastigmat: optisches System, bei dem die Bildfeldwölbung und der Astigmatismus korrigiert sind. Anastigmat sind im Allgemeinen zusätzlich Achromate. Die heutigen Fotoobjektive stellen durchweg Anastigmat dar.

Anastomose: (griechisch) natürliche oder künstlich angelegte Verbindung zwischen Nerven, Blutgefäßen, Lymphgefäßen oder anderen Hohlorganen.

Anat, phönikisch-kanaanäische Liebesgöttin mit kriegerischer Charakter; Schwester und Frau Baals.

Anatexis: (griechisch) das teilweise Aufschmelzen von Gesteinsmaterial in tieferen Erdkrustenbereichen.

Anatolische Bahn: Eisenbahnlinie in der Türkei; Streckenlänge 749 km; führt von Haidar-Pascha am Bosporus durch Anatolien nach Konya; ihre Fortsetzung findet sie in der Bagdadbahn.

anatolische Sprachen, kleinasiatische Sprachen: ausgestorbene indoeuropäische Sprachen Kleinasiens; Hethitisch (Keilschrifthethitisch), Lydisch, Karisch; luwisch-lykische: Luwisch (Keilschriftluwisch), Bildluwisch, Lykisch, Sidetisch, Pisidisch; Palaisch.

Anatomie: Zergliederungskunst; Lehre von Form und Bau der Organismen und ihrer Teile. Die systematische oder deskriptive Anatomie untersucht und beschreibt den Körper nach Organsystemen (passives und aktives Bewegungs-, Gefäß-, Verdauungs-, Atmungs-, Harn-, Genital-, Inkretsystem, Haut- und Sinnesorgane, Nervensystem). Die topographische Anatomie behandelt Lageverhältnisse der Körperteile und Organe in den verschiedenen Körperregionen zueinander. Die vergleichende Anatomie untersucht einander entsprechend Systeme oder Organe der Tiergruppen und des Menschen. Die funktionelle Anatomie behandelt die gesetzmäßigen Wechselwirkungen zwischen Struktur und Funktion des Organismus und seiner Teile. Entspricht den verwendeten technischen Hilfsmitteln unterscheidet man makroskopische Anatomie (ohne optische Hilfsmittel erfassbare Anatomie) und mikroskopische Anatomie (mit dem Mikroskop erfassbarer Fein Bau der Gewebe und Organe). Die Künstleranatomie beschäftigt sich mit der Oberfläche des Körpers, der Körperhaltung in Ruhe und Bewegung sowie den Körperproportionen. Als Begründer der modernen Anatomie gilt : A. Vesal (1514-1564). Neben der Anthropotomie (Anatomie des Menschen) werden die Zootomie (Anatomie der Tiere) und die Phytotomie (Anatomie der Pflanzen) unterschieden.

Anatto: gelbroter Pflanzenfarbstoff des südamerikanischen Anattobaumes. Der zu Paste verarbeitete Samenmantel der Früchte dient als Lebensmittel Farbstoff.

Anaxagoras: 1. um 500-428 vor Christus, griechischer Philosoph; materialistischer Aufklärer, der als Grundstoffe der Wirklichkeit qualitativ und quantitativ unendlich viele Teilchen annahm, die von einem stofflichen Geist anfänglich bewegt und geordnet wurden; begriff Erscheinung als erscheinendes Wesen und erkannte die Bedeutung des Tätig Seins für das Denken.

2. Chaumette.

Anaximander, um 610-546 vor Christus, griechischer Philosoph; reduzierte naiv-materialistisch die Erscheinungsvielfalt auf das Apeiron, den unbestimmten und unbegrenzten Grundstoff, aus dem alles nach sozial interpretierter Bewegungsgesetzmäßigkeit entsteht (Schuld) und vergeht (Sühne); bildete den Begriff des nach mathematischen Proportionen geordneten Kosmos (Ordnung) und schuf die erste Erdkarte.

Anaximenes, um 585-um 525 vor Christus, griechischer Philosoph; interpretierte die Wirklichkeitsqualitäten naiv-materialistisch als Verdichtungen beziehungsweise Verdünnungen (das heißt als verschiedene Aggregatzustände) des Grundstoffes Luft.

Anazidität: (griechisch + lateinisch) Säurelosigkeit des Magensaftes, Fehlen der freien Salzsäure.

Anbaubreite, ökologische Streubreite. Anbaufläche; flächenmäßiger Umfang des Anbaues einer Kulturart eines Betriebes beziehungsweise einer Betriebs Einheit, auch eines größeren Gebietes.

Anbaugerät: 1. Anbaugerät, Anbaumaschine: Landtechnik - starr oder gelenkig am Traktor angebautes und von diesem getragenes landwirtschaftliches Arbeitsmittel, zum Beispiel Anbaupflug, -Düngerstreuer, -Vielfachgerät. Es ist zu unterscheiden zwischen Front-, Zwischenachs- und Heckanbaugerät. Ein besonders zum Tragen von Anbaugerät entwickelter Traktor ist der Geräteträger. Siehe auch Anhängegerät, Aufsattelgerät.

2. Maschinenbau: Stapler.

Anbaumaschine, Anbaugerät, 1. Anbaumethoden: veraltete Bezeichnung für die Verfahren der Pflanzenproduktion (Produktionsverfahren). Sie sind querschnittsorientiert. Bei der Bodenbearbeitung werden zum Beispiel die Anbaumaschine(Anbaugerät) in Damm- und Beet Kultur unterschieden. Hinsichtlich der Anzahl der auf einem Schlag angebauten Pflanzenarten wird unterschieden zwischen dem Anbau nur einer (Reinkultur, Monokultur) und mehrerer (Mischkultur, zum Beispiel Gemenge) Pflanzenarten. Die Anbaumaschine(Anbaugerät) sind weiterhin abhängig von der Wachstumszeit und Stellung der jeweiligen Pflanze innerhalb der Fruchtfolge (Haupt- oder Zwischenfruchtanbau). Anbaustufe Saatgut.

Anbinde Haltung: Aufstallungsform für Haustiere, bei der diese im Gegensatz zur Laufboxenhaltung meist mit Ketten festgebunden sind; wird vorwiegend bei Pferden, Rindern, Sauen und Ziegen angewandt Dadurch ist mechanisierte Entmistung und Einzelfütterung möglich. Rangordnungskämpfe und damit verbundene Verletzungen entfallen.

Anbohrgarnitur: Gerät zur Herstellung eines Anschlusses an unter Druck stehende Wasser- oder Gasversorgungsleitungen. Der geöffnete Anbohrschieber oder -hahn wird mittels Anbohrschelle auf dem Rohr befestigt, in welches die Öffnung gebohrt und mit dem Schieber oder Hahn abgesperrt wird.

Anbrachen: Herausnehmen fehlerhafter Stellen aus dem Haarkleid oder der Lederseite von Pelz Fellen; erfolgt mit spezieller Schnittführung; mit der Pelznähmaschine wird der Schnitt wieder geschlossen.

Anbruch: Holz, dessen Festigkeit, Härte oder Brennwert durch die Wirkung holzzersetzender Pilze oder anderer Einflüsse beeinträchtigt ist.

Ancile: in der römischen Sage Schild, der während der Herrschaft von König Numa vom Himmel gefallen sein soll; galt als Unterpfand der römischen Herrschaft.

Ancona: Stadt in Mittelitalien, Verwaltungszentrum der Region Marken und der Provinz A, an der Adria; 110000 Einwohner; Schiffbau, chemische und Lebensmittelindustrie; wichtigster Hafen an der Ostküste Italiens; Autofähre nach Jugoslawien; Messen; Triumphbogen Trajans, Dom, Kirche San Francesco (15. Jahrhundert).

Andachtsbild: mittelalterlicher Bildwerk christlichen Inhalts, das der individuellen Andacht und Versenkung in die Leiden Christi und Marias dient. Meist wird eine biblische Szene ikonographisch neu geprägt und verselbständigt (Vesperbild, Schmerzensmann, Christus-Johannes-Gruppe, Heiliges Grab unter anderem). Charakteristisch ist die ausdrucksstarke Betonung physischer und psychischer Schmerzen. Das Andachtsbild tauchte im frühen 14. Jahrhundert auf und hat enge Bezüge zur deutschen Mystik. Es ist ein Ausdruck der mit dem aufstrebenden Bürgertum einsetzenden Individualisierung der christlichen Kunst.

Andalusien: historisches Gebiet im Süden Spaniens, als Region mit innerer Autonomie 8 Provinzen umfassend; 87268 km2, 6,4 Millionen Einwohner mit maurischen Einschlag, 73 Einwohner/km2; Regionszentrum Sevilla; im Norden Steilabfall der Sierra Morena (bis 1323 m); in Niederandalusien (vom Guadalquivir durchflossen) flachlagernde tertiäre und quartäre Sedimente, Küste mit Dünen, unterhalb Sevillas das Marschen- und Sumpfgebiet Las Marismas; in Hochandalusien als beherrschendes Gebirge die Cordillera Penibetica (höchster Teil die Sierra Nevada mit dem 3 481 m hohen Mulhacen), im Kern kristalline Gesteine, in den Randzonen mesozoische und tertiäre Sedimente, schmaler Küstenstreifen (Costa del Sol); Sommer trockenes Klima; Steppen, Macchie; Korkeichen, Edelkastanien. Über die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche befindet sich in der Hand von Latifundisten, die den Boden durch Pächter und Saisonarbeiter bearbeiten lassen. In der dichtbesiedelten Guadalquivir-Ebene Getreide-, Reis-, Baumwoll- und Olivenanbau; bei zum Teil künstlicher Bewässerung Anbau von Wein, Tabak, Zuckerrüben, Agrumen; Zucht von Schafen, Ziegen, Kampfstieren, Rindern; Förderung von Kupfer-, Zink-, Blei-, Eisen- und Silbererzen; Industrie nur in den Großstädten; Häfen Cádiz, Málaga, Almería; Tourismus, Seebäder. In Andalusien existierten bedeutende frühgeschichtlichen Kulturen; es bestanden phönikische, griechische, karthagische und seit 206 vor Christus römische Handelskolonien; 410 nach Christus Einfall der Wandalen, 429 Eroberung durch die Westgoten, 711 begann die Herrschaft der Mauren; 1212/1492 schrittweise Rückeroberung durch Kastilien. Andalusien erhielt 1981 die Autonomie, 1982 erfolgte die Wahl eines Parlaments.

Andamanen und Nikobaren: Unionsterritorium von Indien, im Südosten des Bengalischen Meeres; 8293 km2, 190000 Einwohner, 23 Einwohner/km2; Hauptstadt und Haupthafen Port Blair (50000 Einwohner). Es umfasst die das Arakan-Gebirge (Burma) als submarine Erhebungen bis Sumatera fortsetzenden, von Korallenriffen umgebenen und zu etwa 80% bewaldeten Inselketten der Andamanen und Nikobaren neben einigen unbewohnten kleinen Inseln. Feuchtheißes, tropisches Monsunklima. Etwa 33% des Waldes werden forstwirtschaftlich genutzt. 40% der Bevölkerung betreiben Landwirtschaft, wobei 10% des Territoriums ackerbaulich genutzt und davon etwa zu 75% mit Reis und Hirse bebaut werden. Ausfuhr: Harthölzer, Kautschuk, Kaffee, Kokosprodukte und Fisch.

Andamanisches Meer: Nebenmeer des Indischen Ozeans, früher Golf von Pegu; zwischen den Inselgruppen der Andamanen und Nikobaren sowie Nordwestsumatera einerseits und der Halbinsel Malakka andererseits, mit dem Golf von Martaban im Norden; etwa 798000 km2, östlich der Nikobaren bis 4177 m tief; die Wassertemperatur schwankt zwischen 26 und 29 °C, der mittlere Salzgehalt zwischen 32 und 33 %o; entlang des asiatischen Festlandes breiter Schelfgürtel mit zahlreichen Inseln.

andante: (italienisch) Musik ruhig «gehend»; mittleres Tempo, das etwa der durchschnittliche menschliche Puls Geschwindigkeit entspricht.

Andenbahnen, Transandinische Bahnen: in Ost-West-Richtung verlaufende Eisenbahnlinien im südlichen Südamerika mit Durchquerung der Anden Ketten; die zuerst erbaute Linie verbindet Buenos Aires in Argentinien über den Tunnel am Cumbre-Pass in 3 200 m Höhe mit Valparaiso in Chile. Weitere Linien verlaufen von Salta (Argentinien) über den Socompa-Pass (4475 m über dem Meeresspiegel) beziehungsweise von Uyuni (Brasilien) nach Antofagasta (Chile), von La Paz (Bolivien) nach Arica (Chile), von Puno (Peru) nach Moliendo.

Andenpakt: regionaler Zusammenschluss innerhalb der Lateinamerikanischen Freihandelsassoziation. Mitglieder sind Bolivien, Ekuador, Kolumbien, Peru, Venezuela (seit 1973), Chile (bis 1976); gegründet 1969 mit dem Vertrag von Cartagena; Sitz Lima. Ziele des Andenpakt sind unter anderem die Industrialisierung der Andenregion sowie die schrittweise Errichtung eines gemeinsamen Marktes. Von der größeren LAFTA unterschied sich der Andenpakt zunächst vor allem durch seine antiimperialistischen Vereinbarungen gegenüber dem ausländischen Monopolkapital (Kapitalstatut von 1971). In den letzten Jahren sind die Mitgliedsstaaten jedoch zunehmend von dieser progressiven Orientierung abgerückt, wodurch sich die inneren Widersprüche im Andenpakt verschärften.

Andermatt: Höhenkurort in der mittleren Schweiz (Kanton Uri), im Urserental der oberen Reuß; 1444 m über dem Meeresspiegel; 1200 Einwohner; Ausgang der Furka-, Gotthard- und Oberalpstraße.

Andersen, Hans Christian, 2.4.1805-4.8.1875, dänischer Schriftsteller; unternahm viele Auslandsreisen, die ihm Stoff für sein vielseitiges Schaffen gaben; versuchte sich in mehreren literarischen Gattungen, schrieb Reisebücher («Eines Dichters Basar», 1842, deutsch), Romane («O. T.», 1836, deutsch; «Nur ein Spielmann», 1837, deutsch), Dramen und Gedichte. Weltruhm erlangte Andersen durch seine ab 1835 erschienenen 156 Märchen, in denen sich in romantischem Gewände humanistische und sozialkritische Züge finden. Charakteristisch für ihn ist seine Begeisterung für technische Entdeckungen. Er entwickelte einen der mündlichen Ausdrucksweise angepassten Erzählstil.

Anderthalbdecker: Flugzeug mit 2 übereinander angeordneten Tragflächen, von denen zumeist die obere die größere Spannweite hat; Sonderform des Doppeldeckers.

Änderungsvertrag: Vereinbarung zwischen dem Werktätigen und dem Betrieb zur Änderung der im Arbeitsvertrag getroffenen notwendigen und ergänzenden Abreden, vor allem der Arbeitsaufgabe oder des Arbeitsortes.

Andischan-Aufstand: feudal-nationalistische Erhebung der Usbeken und Kirgisen (2000 Personen) 1898 in Mittelasien unter Muhammad Ali (Madali) gegen die Unterdrückung durch den Zarismus und für die Bildung eines muslimischen Staates; die Erhebung wurde vom russischen Zarismus niedergeschlagen.

Andros: 1. Insel der griechischen Kykladen im Ägäischen Meer; 380 km2; 10000 Einwohner; Anbau von Wein, Zitrusfrüchten und Oliven; Abbau von Manganerz, Eisenerz und Marmor.

2. Andros: größte Insel der Bahamas, Hauptinsel der Androsgruppe, im westlichen Atlantik; 2524 km2; Hauptort Andros-Town an der Ostküste; Touristenzentrum, Sportfischerei.

Andruck: Polygraphie Probedruck zur Beurteilung der Bildwirkung einer Reproduktion nach Beendigung der Druckformenherstellung; siehe auch Fortdruck.

Aneignung: Eigentumserwerb an beweglichen herrenlosen Sachen durch Inbesitznahme. An bestimmten Sachen ist Aneignung ausschließlich dem Staat oder bestimmten Berechtigten Vorbehalten (zum Beispiel Jagd, Fischerei).

Äneis: römischer Nationalepos, Hauptwerk Vergils, schildert die Irrfahrten des Äneas nach seiner Flucht aus dem brennenden Troja analog zu den Irrfahrten des Odysseus in Homers «Odyssee» und in Anlehnung an Homers «Ilias» den Kampf des Äneas nach der Landung in Italien.

Anekdote: knappe pointierte Erzählung eines charakterisierenden Vorfalls aus dem Leben einer bekannten, meist historische Persönlichkeit. In der deutschen Literatur erste Blüte im 16./17. Jahrhundert (J. Wickram, H. J. C. Grimmelshausen), besonders im 18. Jahrhundert hervortretend im Sinne der didaktischen Literatur. Spätere meisterhafte Anekdoten von H. von Kleist, J. P. Hebel; in der sozialistischen Literatur von B. Brecht, F. C. Weiskopf.

Anemometer-Windmesser, Gerät zum Messen der Windgeschwindigkeit; gebräuchliche Gerätearten sind Flügelrad-, Schalenkreuz-, Staurohr-, Hitzdrahtanemometer.

Anemone-Windröschen, Anemone: Gattung der Hahnenfußgewächse; heimisch zum Beispiel das weißblühende Buschwindröschen (A. nemorosa) und das Große Windröschen (A. sylvestris, unter Naturschutz), auf Alpenmatten das Berghähnlein (A. narcissiflora, unter Naturschutz); Frühjahrsblüher; viele Gartenarten.

Anemonenfische: oft farbenprächtige und kontrastreich gefärbte Fische der Korallenriffe (Gattungen Amphiprion, Premnas unter anderem) mit enger Bindung an Riesenseeanemonen, zwischen deren Tentakelkronen sie bei Gefahr flüchten und wo sie auch laichen ohne, im Gegensatz zu fast allen anderen Fischen, genesselt zu werden.

Anemostat: Gerät zur Raumbelüftung. Die zuströmende Frischluft wird durch trichterförmige Leitbleche und enge Austrittsöffnungen bei geringer Luftgeschwindigkeit ohne Zugluft Erscheinung verteilt.

Anerbenrecht: im Recht bestehendes Erbfolgerecht, nach dem eine bäuerliche Wirtschaft ungeteilt auf einen einzigen Erben (Anerben) übergeht. Eine besonders berüchtigte Form des Anerbenrechts war die faschistische Erbhofgesetzgebung.

Anerkenntnis: Recht Bestätigung einer Verpflichtung durch den Verpflichteten. Schriftl. Anerkenntnis hat Einfluss auf Länge und Ablauf der Verjährung.

Anerkennung: Recht als Völkerrechtliche Anerkennung die Willenserklärung eines Staates gegenüber einem später entstandenen Staat, normale Beziehungen auf der Grundlage des Völkerrechts zu diesem herstellen zu wollen. Die Anerkennung eines Staates begründet nicht dessen Völkerrechtssubjektivität, sondern setzt diese voraus. Man bezeichnet als De-facto-Anerkennung eine vorläufige, begrenzte Anerkennung (ohne Austausch diplomatischer Vertreter), als De-jure-Anerkennung eine umfassende, endgültige Anerkennung, führt zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Anethol: Phenoläther, Anethol bildet farblose, süß schmeckende Blättchen von typischem Anisgeruch; F21,5°C. Anethol ist Hauptbestandteil des Anisöls und wird als Aromastoff verwendet.

Aneurysma: (griechisch) umschriebene Erweiterung einer Arterie durch Schädigung der Gefäßwand.

Anfahrbeschleunigung: Maß (m/s2) für die Zunahme der Geschwindigkeit (m/s) bezogen auf die Zeitspanne (s) beim Anfahrvorgang von Fahrzeugen; überwiegend abhängig von Masse und Motorleistung des Fahrzeugs.

Anfahrwirbel: Wirbel, der sich an der Hinter Kante eines Körpers, zum Beispiel einer Tragfläche, zu Beginn der Bewegung durch ein Medium bildet, löst sich nach kurzer Zeit von dem Körper ab. Der Anfahrwirbel stellt die Kompensation des tragenden Wirbels (Auftrieb) dar.

Anfall: plötzlich auftretende Zustandsänderung im körperlichen oder geistigen Bereich, vor allem bei Epilepsie, aber auch bei synkopalen oder Kollaps zuständen mit Bewusstseins Verlust. Von Anfall spricht man auch bei rasch auftretenden, auffälligen, psychischen Störungen, unter anderem bei Schizophrenie und Hysterie.

Anfallspunkt: Knotenpunkt beim Walmdach, in dem 2 Grat- oder Kehlsparren am Anfallsgebinde (Gebinde) gegeneinanderstoßen.

Anfangswertaufgabe, Anfangswertproblem: Bestimmung einer Funktion, die Lösung einer gewöhnlichen beziehungsweise partiellen Differentialgleichung ist und für die in einem Punkt beziehungsweise in den Punkten einer Kurve oder Fläche bestimmte Werte, die anfangs Bedingungen, vorgeschrieben sind.

Anfechtung: Einlegung eines Rechtsbehelfs, das heißt prozessualen Mittels gegen eine staatliche, besonders gerichtliche Entscheidung durch Beschwerde, Berufung o. ä. Im Zivilrecht Erklärung oder Klage, um die Wirksamkeit von Verträgen, sonstigen Rechtsgeschäften oder testamentarische Verfügungen wegen bestimmter Mängel bei ihrem Zustandekommen zu beseitigen. Die Anfechtung von Verträgen ist möglich wegen Irrtums über den Inhalt der abgegebenen Erklärung oder wegen deren fehlerhafter Übermittlung, ferner wegen arglistiger Täuschung oder rechtswidriger Drohung. Die Anfechtung hat innerhalb gesetzlich festgelegter Fristen zu erfolgen. Anfechtung der Vaterschaft.

Anfechtungsklage: zivilprozessuale Gestaltungsklage, mit der geltend gemacht wird, dass ein während der Ehe geborenes Kind nicht vom Ehemann der Mutter abstammt.

Anflug: 1. Botanik: Naturverjüngung leichtsamiger Baumarten, zum Beispiel Pappel, Birke.

2. Mineralogie: Mineralbildung auf sehr dünnen Klüften in Form feiner Häutchen, Lamellen oder Membranen, zum Beispiel Gold, Silber oder Proustit.

3. Verkehrstechnik: Flugphase vor dem Erreichen eines bestimmten Zieles, zum Beispiel eines Funkfeuers (Funknavigation) beziehungsweise vor der Landung.

Anfragerecht: Recht jedes Abgeordneten, während der Tagungen der Volksvertretung an den Rat und jedes seiner Mitglieder, an die Leiter der Fach Organe und auf der Tagung anwesende Leiter der Betriebe, Einrichtungen und an die Vorsitzenden der Genossenschaften beziehungsweise im Falle der Volkskammer an den Ministerrat und jedes seiner Mitglieder Fragen zu richten, die von diesen unmittelbar oder in einer bestimmten Frist zu beantworten sind.

Angebinde: Geschenk, besonders zu Geburts- und Namenstag; ursprünglich wohl nur das Gebinde, mit dem man im 17./18. Jahrhundert die zu Ehrenden «anband» und zu Gegengaben nötigte.

Angebot, Antrag, Offerte (französisch): Aufforderung an einen in Aussicht genommenen Vertragspartner, einen hinreichend bestimmten vorgeschlagenen Vertrag anzunehmen. An ein schriftliches Angebot ist der Anbietende 2 Wochen gebunden, ein mündliches Angebot kann dagegen nur sofort angenommen werden. Der Anbietende kann beim Angebot eine andere Frist zur Annahme festlegen; eine solche kann sich auch aus den Umständen oder speziellen Rechtsnormen ergeben. Siehe auch Annahme.

Angebotspreis: vom Verkäufer dem Käufer vorgeschlagener Preis, der noch nicht staatlich bestätigt ist. Er basiert auf der Kalkulation entsprechend den staatlichen Richtlinien und kann ein vorläufiger oder verbindlicher Preis sein. Auch der vorläufige Angebotspreis darf nicht überschritten werden.

Angebot und Nachfrage: Erscheinungsform des Verhältnisses zwischen produziertem Produkt und produziertem Bedürfnis auf dem Markt; objektive Kategorien des Reproduktionsprozesses, die das Verhältnis zwischen der zahlungsfähigen Nachfrage und dem Warenangebot zum Ausdruck bringen. Im Kapitalismus regeln sich die Beziehungen zwischen Angebot und Nachfrage infolge der Anarchie der Produktion durch die zyklischen Wirtschaftskrisen, die Vernichtung von Waren, die Brachlegung von Kapital und Entlassung von Arbeitskräften. Im Sozialismus werden Angebot und Nachfrage mit Hilfe der Volkswirtschaftspläne reguliert und entwickelt. Die sozialistische Betriebe tragen für die Bereitstellung von Waren in entsprechend Menge, Qualität und richtigem Sortiment eine hohe Verantwortung.

Angeklagter: der Begehung einer Straftat Beschuldigter, gegen den die Eröffnung des gerichtlichen Hauptverfahrens beschlossen wurde; siehe auch Beschuldigter.

Angelfälle: höchster Wasserfall der Erde, im Bergland von Guayana, im Südosten Venezuelas; fällt von einer 2400 m hohen Sandsteintafel 807 m, sodann noch weitere 172 m in die Tiefe, so dass sich eine Gesamtfallhöhe von 979 m ergibt. 1934 von dem US-amerikanischer Flieger J. Angel aus der Luft entdeckt.

Angelika, Echte Engelwurz, Angelica archangelica: bis 2 m hohes Doldengewächs mit grünlich-weißen Blüten; ätherische Öle und Bitterstoffe enthaltende Wurzeldroge. In nährstoffreichen Röhrichten an Flussufern und Gräben vorkommend.

Angeln: germanischer Stamm, in Südostschleswig ansässig, von Tacitus 98 nach Christus erstmals erwähnt. Ein Teil der Angeln war an der Bildung des Stammesverbandes der Thüringer beteiligt, ein anderer eroberte im 2. Jahrhundert zusammen mit Sachsen und Jüten Britannia (Angelsachsen), betrieb dort vorwiegend bäuerliche Landnahme und errichtete politisch selbständige Herrschaftsgebiete. Reste der Angeln verblieben in der Heimat.

Angelsachsen: zusammenfassende Bezeichnung für die im 5. Jahrhundert in Britannia eingefallenen germanischen Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten, die die keltische Bevölkerung unterdrückten beziehungsweise verdrängten. Im Feudalisierungsprozess entstanden 7 Königreiche (Kent, Essex, Wessex, Sussex, East Anglia, Mercia, Northumbria). Sie wurden im Kampf gegen die dänischen Normannen seit dem 9. Jahrhundert unter der Vorherrschaft von Wessex vereinigt und 1066 durch die Invasion normannischer Ritter unter Wilhelm I. (Wilhelm dem Eroberer) unterworfen. Die Angelsachsen bildeten den Kern bei der Ethnogenese des englischen Volkes.

Angelus Silesius, eigentlich Johannes Scheffler, Dezember 1624-9. 7. 1677, Dichter; beeinflusst von D. von Czepko, J. Tauler, J. Böhme und Thomas von Kempen; schrieb Kirchenlieder und Epigramme (Sammlung «Geistreiche Sinn- und Schluss reime», 1657; seit der zweiten, vermehrten Auflage 1674: «Cherubinischer Wandersmann»),

Angers: Stadt im Westen Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Maine-et-Loire, an der Maine; 140000 Einwohner; Metall-, Textil-, elektronische und elektrotechnische Industrie (Rundfunk- und Fernsehgeräte); katholische Universität, staatliche Fakultäten, Museen. Schloss mit 17 wuchtigen Rundtürmen (13. Jahrhundert; Museum mit berühmter Teppich Sammlung), frühgotische Kathedrale St-Maurice, Ste-Trinité, St-Martin, St-Serge.

Angestellter: Werktätiger, der überwiegend geistige Tätigkeit verrichtet (Büroarbeit, Leitungstätigkeit) und Lohn in Form des Monatsgehalts erhält.

angewandte Geologie: wissenschaftliche Disziplin der Geologie, die Erkenntnisse wissenschaftlicher geologischer Arbeiten zur Lösung wirtschaftlich-technischer Probleme anwendet (zum Beispiel Erkundung mineralische Rohstoffe und von Wasser in Industrie, Bau- und Verkehrswesen); siehe auch Hydrogeologie, Ingenieurgeologie, ökonomische Geologie.

angewandte Geophysik: Disziplin der Geophysik, die Form, Eigenschaft und Tiefenlage geologischer Körper untersucht. Ihre Verfahren (Seismik, Gravimetrie, Magnetik, Radiometrie, Geoelektrik unter anderem) werden vorrangig bei Lagerstättenerkundung, aber auch für regionale und ingenieurgeologischer Aufgaben eingesetzt. Je nach Messniveau unterscheidet man Aero-, Oberflächen-, Untertage- und Bohrloch Geophysik.

angewandte Psychologie: Bezeichnung für die Disziplinen der Psychologie, die sich mit der Überführung psychologischer Erkenntnisse in die gesellschaftliche Praxis (Industrie, Gesundheitswesen, Volksbildung unter anderem) befassen.

Angina: Krankheitserscheinung, die mit Beengung verbunden ist, zum Beispiel Angina pectoris («Brustenge»; Stenokardie); im engeren Sinne akute infektiöse Entzündung der Gaumen- und Rachenmandeln (Mandelentzündung), insbesondere durch Streptokokken Bakterien (A. lacunaris) und bei Agranulozytose, Diphtherie, Pfeiffersches Drüsenfieber unter anderem.

Angiographie, (griechisch) Vaso Graphie (dat. + griechisch): Röntgenuntersuchung von Blutgefäßen nach Injektion eines Kontrastmittels (meist über Katheter) in die Gefäßbahn; zum Beispiel Aortographie (A. der Aorta und von ihr abzweigender Arterien); Artériographie (A arterieller Gefäße); Phlebographie, Venographie (A. der Venen); Lymphangiographie (Darstellung der Lymphgefäße).

Angiokardiographie: (griechisch) Röntgenuntersuchung von Herzhöhlen und herznahen Blutgefäßen nach Injektion eines Kontrastmittels in die Blutbahn.

Angiom: (griechisch) Blutschwamm, Geschwulst des Gefäßgewebes.

Angiotensine, Hypertensine beide (griechisch): im Organismus vorkommende Peptide mit blutdrucksteigernder Wirkung. Angiotensine II wird therapeutisch bei Schock und Kollaps angewendet; als Angiotensin im Handel.

Angkor: Ruinenstätte in Kampuchea. Angkor war im 12./15. Jahrhundert Hauptstadt des gleichnamigen Khmer-Staates, der sich durch eine hohe ökonomische (Bewässerungsanlagen) und kulturelle (Baukunst, Plastik) Entwicklung auszeichnete. Angkor verfiel seit 1431 nach der Eroberung durch Siam. Die Regierung fasste 1980 einen Beschluss zum Schutz und zur Rekonstruktion der Tempelstätte. Die Architektur der Palast- und Tempelstadt der Khmer-Könige wirkte stilbildend. Der größte und bedeutendste Tempel ist Angkor Vat (11./12. Jahrhundert), südlich davon liegt die Königsstadt Angkor Thom mit zentralem buddhistischen Heiligtum Bayon (Pyramidentempel, 12./13. Jahrhundert).

Anglaise: ursprünglich englischer Kettentanz der Bauern; im frühen 18. Jahrhundert wurden auch Country-Dance-Formen (Hopsanglaise) für mehrere Paare in der Reihe als Anglaise bezeichnet; um 1800 mit der Ecossaise identisch; alle diese Tänze im schnellen 2/2- oder 4/4-Takt.

Anglerfische, Antennariidae: Familie der Seeteufel artigen; plumpe, oft bizarr gestaltete, marine Boden Bewohner, deren erster Rückenflossenstrahl weit nach vom verlagert und oft wurmartig verlängert ist; diese Angeln dient dem Anlocken von Beute. Siehe auch Sargassofisch.

Anglesey: britische Insel in der Irischen See, vor der Nordwestküste von Wales (Großbritannien), in der Grafschaft Gwynedd; 715 km2, 60000 Einwohner, 84 Einwohner/km2; wichtigster Ort Llangefni; eben, bis 220 m hoch; ozeanisches Klima; Viehzucht, Steinbrüche; Häfen Holyhead, Amhvch (Erdöl); Kernkraft- und Aluminiumwerk.

Anglesit: (nach Anglesey) Mineral der Oxydationszone von Bleierzlagerstätten, Bleisulfat; Kristall System rhombisch; farblos, getrübt, Härte 3, Dichte 6,3 g/cm3.

anglikanische Kirchen: autonom gewordene National- beziehungsweise Provinzialkirchen in England, unter anderem auch in den USA und in Südafrika. Die anglikanischen Kirchen sind, historisch von der Kirche von England herkommend, mit der englische Staatskirche zum Kirchenbund Anglican Communion vereinigt.

Anglistik: Wissenschaft von der englischen Sprache, Literatur und Kultur sowie vom Gesellschaftsaufbau Großbritanniens in Geschichte und Gegenwart; begann als philologische Disziplin um 1800 in England (J. Bosworth, danach W. Skeat, H. Sweet, E. Chambers unter anderem).

Angloamerika: die englischsprachigen Gebiete Nordamerikas (USA, Kanada).

Angloamerikaner: Bewohner der USA besonders die englischer Herkunft; im weiteren Sinne alle Nichtfarbigen in den USA.

Anglokanadier: die Englisch sprechenden Bewohner Kanadas im Gegensatz zu Frankokanadiern; etwa 10 Millionen.

Angola, Volksrepublik Angola: Staat an der Südwestküste Afrikas, in Äquatorial- und Süd Zentralafrika; grenzt im Norden an die VR Kongo, im Norden und Nordosten an Zaire, im Südosten an Sambia, im Süden an Namibia und im Westen mit 1650 km langer Küste an den Atlantischen Ozean; verwaltungsmäßig in 18 Provinzen gegliedert. Währung ist der Kwanza.

Bevölkerung: Sie umfasst etwa 120 ethnisch-linguistische Gruppen, die überwiegend zu den Bantuvölkern gehören. Amtssprache ist Portugiesisch. Etwa 85% der Bewohner leben auf dem Land. Die Analphabetenrate konnte 1976/82 von 90% auf 60% gesenkt werden.

Natur: Oberfläche: Angola ist ein mehr als 1000 m hohes, bis 2610m aufragendes, stark gegliedertes, im Bereich der Lundaschwelle gelegenes Hochland, das steil abgestuft zu einem 20 bis 200 km breiten Küstenstreifen am Atlantik im Westen und allmählich zum Zairebecken im Osten abfällt. Das tropische Klima ist in Kabinda und im Grenzraum zu Zaire feuchtheiß, im Innern durch die Höhenlage gemäßigt (gelegentlich Nachtfröste), im Süden wüstenhaft. An der Küste und zum Teil im Binnenhochland macht sich der Einfluss des kalten Benguela Stroms bemerkbar (feuchtkalter Hochnebel «Cacimbo»). Gewässer. Von den der Hochfläche entspringenden, gefällereichen Flüssen haben Kwanza und Kunene (zum Atlantik), Sambesi (Oberlauf) mit Zufluss Kubango und Kassai (zum Zaire) größte Bedeutung. Pflanzenwelt: Sie wandelt sich entsprechend den klimatischen Bedingungen vom tropischen Regenwald in Kabinda und Nordwest-Angola über Feucht- und Trockensavanne bis zur Halb- und Vollwüste im Süden und Südosten. Tierwelt: Angola verfügt noch über einen beachtlichen Wildbestand, der in etwa 13 Nationalparks und Wald Reservaten geschützt wird. Das Land ist reich an Bodenschätzen (Erdöl, Eisenerz, Diamanten, Bunt-, Edelmetalle, Phosphate).

Angora, (nach der Stadt Angora (Ankara)) Angoratyp - Haartyp, insbesondere bei Haustieren, der durch Verlängerung der Unterwolle gegenüber dem Deckhaar gekennzeichnet ist. Angorakatzen werden in der Rassekatzenzucht als Perserkatzen bezeichnet Siehe auch Angorawolle.

Angorakaninchen: auf Wolleistung gezüchtete, ursprünglich aus den Schwarzmeergebieten stammende Kaninchenrasse im Angora Typ, mittelgroß, Normalgewicht 3,5 kg, weiß, typische Büschelbildung an Ohren und Kopf sowie Fußbehang.

Angorawolle, Mohair, Mohär: besonderer Haar Typ (Angora) einiger Tierarten, die deshalb mit dem Zusatz «Angora», zum Beispiel Angoraziege (liefert Angorawolle im engeren Sinne), Angorakaninchen (liefert Angorakanin Wolle), bezeichnet werden. Angorawolle zeichnet sich bei geringer Dichte durch hohes Wärmehaltungsvermögen aus.

Angostura, (nach der Stadt Angostura (Ciudad Bolívar)): bitterer, rotbrauner Trinkbranntwein, erzeugt mit Extrakten aus Angosturarinde, rotem Sandelholz, Chinarinde unter anderem; dient als Zusatz für Cocktails.

Angouleme: Stadt im Südwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Charente, an der Charente; 47000 Einwohner; Unterstadt mit vielseitiger Industrie (Kupfergießerei, Elektromotoren- und Fahrradbau, Papierindustrie); Ober- (Alt) Stadt mit mittelalterlichen Befestigungsanlagen und romanische Kathedrale (12. Jahrhundert).

Angriff: Hauptkampfart von Streitkräften, bei der diese überwiegend offensiv handeln, um den Gegner zu vernichten oder gefangen zu nehmen und von ihm besetztes Territorium einzunehmen; setzt L allgemeine überlegene Kräfte und Mittel in der Haupt Richtung sowie überraschendes Handeln voraus. Ein Angriff großen Ausmaßes wird als Offensive bezeichnet.

Angst: gefühlsmäßige, bis zum Affekt reichende Reaktion des Organismus auf vermeintlich oder wirklich unklare oder bedrohliche Situationen, mit oft heftigen Veränderungen in Herzschlag, Atmung und Hormonspiegel verbunden.

Anguilla: mit Großbritannien sogenannt assoziierter Staat auf der Insel Anguilla (Kleine Antillen) in der Karibik; 91 km2, 6500 Einwohner, 71 Einwohner/ km2; Hauptort und Verwaltungszentrum Valley. Anguilla ist eine flache, von einem Riff umgebene, aus Kalkstein aufgebaute Insel mit nur geringer eigener Industrie. Anbau von Zuckerrohr, Zitrusfrüchten, Baumwolle, Sisal; Viehzucht und Fischfang, Salzgewinnung; Fremdenverkehr.

Anhalten: Verringern der Geschwindigkeit von Fahrzeugen bis zum Stillstand. Die StVO unterscheidet betriebs- und verkehrsbedingtes Anhalten; sie regelt das Verhalten beim Anhalten sowie die Pflicht zum Anhalten unter bestimmten Bedingungen. Siehe auch Halten.

Anhängefahrzeug, Anhänger, Beiwagen-, ein- oder mehrachsiges motorloses Fahrzeug, das von einem Kfz oder Straßenbahntriebwagen gezogen wird. Höchstens 2 Anhängefahrzeuge dürfen mit einem Motorfahrzeug zu einem Zug verbunden werden.

Anhängegerät, Anhängemaschine: an den Traktor angehängtes, gezogenes landwirtschaftliches Arbeitsmittel; siehe auch Anbaugerät 1, Aufsattelgerät.

Anhänger: 1. Schmuckstück, das an Halskette, Armband oder Gürtel getragen werden kann; hergestellt aus Edelmetallen und Schmucksteinen, Perlen, Email, Elfenbein und so weiter; auch als Modeschmuck.

2. Anhängefahrzeug.

Anhängigkeit: Rechtslage, die sich mit der Einreichung einer Klage bei Gericht oder eines Antrages bei einem gesellschaftlichen Gericht ergibt; insbesondere dürfen die Beteiligten über denselben Anspruch keinen weiteren Rechtsstreit führen, und die Verjährung des geltend gemachten Anspruchs wird gehemmt; früher Rechtshängigkeit genannt.

anhemitonisch: Musik - halbtonlos Anhui: Provinz im Osten Chinas; 139900 km3, 49,7 Millionen Einwohner, 355 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Hefei. Im Bereich des Huai He und des Chang Jiang Ebenen, die zu den waldreichen Gebirgen des Dabie Shan im Westen (1751 m) und des Huang Shan im Süden (1841 m) ansteigen. Reiche Vorkommen an Kohle (Huainan und Huaibei), Eisenerz (Maanshan) und Kupfer (Tongling). Seit 1949 schnelle Industrialisierung mit Zentren der Schwarzmetallurgie in Hefei und Maanshan sowie des Maschinenbaus in Bengbu, Wuhu und Hefei. Energiegewinnung durch Wasserkraftwerke (Foziling, Meishan). Bedeutende Landwirtschaft mit Weizen-, Reis-, Bataten- und berühmtem Teeanbau. A. wird durch die Eisenbahnlinie Peking Shanghai und den Chang Jiang verkehrsmäßig erschlossen (Flusshäfen in Anqing, Wuhu und Yuxikou); Flughafen in Hefei.

Anhydrid: chemische Verbindung, die durch Abspaltung von Wasser aus einer Saueistoffsäure (Säureanhydrid) oder einer Base (Basenanhydrid) entsteht und reversibel mit Wasser wieder zu den Ausgangs Produkten reagiert. Zum Beispiel stellt Schwefel Trioxid, S03, das Anhydrid der Schwefelsäure, H2S04, dar, das Basen-A Kalziumoxid, bildet mit Wasser die Base Kalzium Hydroxid.

Anhydrit: Mineral, Kalziumsulfat; Kristall System rhombisch; farblos bis blaugrau, Härte 3 bis 4, Dichte 2,9 bis 3,0 g/cm3. Anhydrit ist Gesteins bildend im Zechstein und weltweit verbreitet. Durch Wasseraufnahme wird er in Gips umgewandelt. Verwendung unter anderem zur Schwefelsäure- und Bindemittel Herstellung.

Anhydritbinder: nicht hydraulische Bindemittel, das fabrikmäßig durch gemeinsames Vermahlen beziehungsweise Vermischen von Anhydrit und Anregern hergestellt.

Aniene, Teverone: linker Nebenfluss des Tiber in Mittelitalien; 110 km; entspringt in den Monti Sabini, tritt bei Tivoli (Wasserfälle) in die Campagna und mündet nördlich von Rom, das vom Aniene über 3 Aquädukte Wasser erhält.

animalisch: für das Tierreich zutreffend; animalisch sind Vorgänge im Organismus, die im Nervensystem, den Sinnesorganen und der Skelett Muskulatur ablaufen; siehe auch vegetativ.

Animationsfilm, Trickfilm: Sammelbegriff für Zeichen-, Silhouetten-, Flachfiguren- und Puppenfilme, bei denen Bewegungsphasen durch Einzelbildschaltung der Bildaufnahmekamera aufgezeichnet werden. Der scheinbare Bewegungsablauf kommt durch Kineprojektion mit normaler Bildfrequenz zustande. Die Besonderheit besteht in der «Belebung» (Animation) «toter» Dinge. Nicht zu den Animationsfilm im eigentlich Sinne gehören Handpuppen Filme und Spielfilmtricks. Mit Animationsfilm soll eine besondere Art wissenschaftlich-didaktischen oder künstlerischen dramaturgischen Gestaltung verwirklicht werden,

Animismus: (lateinisch «Seele») Glaube an die Beseeltheit verschiedener unbelebter Nuturobjekte; vielfältige Erscheinungsformen; animistische Vorstellungen finden sich als Quelle oder Element in fast allen Weltreligionen. Anfänge des Animismus (Vorform auch als Dynamismus bezeichnet) entstanden in der Urgesellschaft; er entwickelt sich in der Klassengesellschaft als Ausdruck der Machtlosigkeit der Menschen in der Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Animosität: (lateinisch) Gereiztheit; Heftigkeit; Erbitterung; feindliche Gesinnung.

Anis: 1. Anis, Bibernelle, Pimpinella anisum: Botanik - orientalisches Doldengewächs; Gewürz-, Arzneipflanze.

2. Anis (nach dem Volksstamm der Aniser) Geologie: Stufe der alpinen Trias, vorwiegend aus Kalken und Dolomiten bestehend; entspricht etwa dem unteren bis mittleren Muschelkalk der germanischen Trias.

Anisogamie: Art der Befruchtung, bei der ungleich große Geschlechtszellen (männlich differenzierte Mikro- und weiblich differenzierte Makro Gameten) verschmelzen; siehe auch Gameten.

Anisotropie: Abhängigkeit physikalischer Größen beziehungsweise Eigenschaften (zum Beispiel Elastizität, elektrische Leitfähigkeit, Brechzahl) von der Richtung. Sie ist die Folge eines vorhandenen oder durch äußere oder innere Felder erzeugten räumlichen Ordnungszustandes der Bausteine des Körpers. Siehe auch Doppelbrechung, Kerr-Effekt, Cotton-Mouton-Effekt.

Ankerrückwirkung: die Einflussnahme des vom stromdurchflossenen Anker erregten Magnetfeldes auf das Erregerfeld bei Gleichstrom- und Synchronmaschinen. Die Ankerrückwirkung beeinflusst bei Gleichstrommaschinen Spannung beziehungsweise Drehzahl und bei Synchronmaschinen Spannung beziehungsweise Blindleistung.

Anklage: begründeter, grundsätzlich schriftlicher Antrag des Staatsanwalts an das Gericht, das Hauptverfahren zu eröffnen und die Hauptverhandlung anzuberaumen.

Ankörnen: Markieren von Riss Linien oder Bohrlochmittelpunkten durch Einschlagen kegelförmiger Vertiefungen mit dem Körner (gehärteter Stahl Stift).

Ankreis: beim Dreieck ein Kreis, der eine Seite in einem inneren Punkt und die anderen beiden Seiten in äußeren Punkten berührt. Die Mittelpunkte der Ankreis sind die Schnittpunkte der Winkelhalbierenden der Außenwinkel des Dreiecks.

Ankylose: knöcherne Gelenkversteifung. Die Ankylose entwickelt sich unter anderem nach entzündlichen Gelenk Veränderungen oder anderen Gelenkzerstörungen. Sie kann therapeutisch bei funktionsunfähigen Gelenken durch Operation herbeigeführt werden (Arthrodese).

Anlagen: angeborene anatomische und physiologische Merkmale eines Organismus, die in der vorgeburtlichen Entwicklung aus der Erbausstattung entstanden sind und die weitere Entwicklung mitbestimmen. Da sie relativ plastisch sind, bedürfen sie zu ihrer Ausformung der natürlichen und sozialen Umweltreize des betr. Organismus. Auf den Menschen bezogen sind für ihre Ausformung die gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen und die durch sie bestimmte Bildung und Erziehung entscheidend.

Anlagenexport: Lieferung und Errichtung von kompletten Anlagen, Teilanlagen beziehungsweise Produktionslinien im Ausland; meist in Form schlüsselfertiger Anlagen. Der Anlagenexport umfasst alle für diese Produktion erfordert. Einzelmaschinen, Ausrüstungen und Anlagen, aber auch viele Leistungen, zum Beispiel Baustellenerschließung, Bauausführung, einführende Leitung, Ausbildung von Facharbeitern. Der Anlagenexport wird meist durch spezialisierte Außenhandelsbetriebe in Zusammenarbeit mit Generallieferanten, Haupt Auftragnehmern und Auftragnehmern, gegebenenfalls auch mit ausländischen Kooperationspartnern organisiert.

Anlagenpapier: festverzinsliche Wertpapier, das der Anlage von Geld durch längerfristige Überlassung gegen Zinszahlung dient.

Anlassen: 1. Fertigungstechnik: Verfahren der Wärmebehandlung; gekennzeichnet durch Erwärmen von Werkstücken aus Stahl nach vorangegangenem martensitische Härten und Halten auf einer dem Verwendungszweck angepassten Temperatur zwischen etwa 100 und 670°C sowie nachfolgendes, meist langsames Abkühlen zur Erzielung eines Gleichgewichts näheren Zustandes durch Abbau innerer Spannungen, zur Verminderung der Härte, Zähigkeitsverbesserang und Maßstabilisierung als Folge struktureller Änderungen. Der Zusammenhang zwischen mechanischen Kenngrößen (zum Beispiel Zugfestigkeit, Bruch Dehnung) und Anlasstemperatur wird in sogenannt Anlass- beziehungsweise Vergütungsschaubildern dargestellt. Der Zähigkeitsabfall bei chrom-, mangan- und chrom-nickellegierten (Vergütungs-) Stählen unter bestimmten Bedingungen des Anlassens wird als Anlasssprödigkeit (300-°C- beziehungsweise 500-°C-Versprödung) bezeichnet. Die Eigenschaft martensitisch gehärteter Stähle, das Erwärmen auf Temperaturen zwischen 150 und 550°C ohne merklichen Härteverlust zu überstehen, nennt man Anlass Beständigkeit, von Bedeutung zum Beispiel bei Werkzeugen aus Warm- und Schnellarbeitsstählen, bei denen die Härtesteigerung durch Anlassen auf 450 bis 600 °C auch als Sekundärhärtung bezeichnet wird.

2. Anlassen, Anwerfen n, Starten: Inbetriebsetzen von Verbrennungskraftmaschinen, Verbrennungsmotoren oder Gasturbinen mittels Elektromotors (Anlasser) oder Druckluft, auch durch Fußhebel (Kickstarter) über ein Getriebe bei kleinen Maschinen.

Anlasser: 1. Elektrotechnik Widerstandsgerät zur Begrenzung des Einschaltstroms von Elektromotoren, dessen Widerstände beim Anlauf von Hand oder selbsttätig verringert werden.

2. Anlasser, Starter: Kraftfahrzeugtechnik Vorrichtung zum Ingangsetzen des Kfz-Verbrennungsmotors, zumeist ausgeführt als elektrische, Batterie gespeister Durchdreh-Anlasser.

Anlass Steuerung: Schaltung zum Ingangsetzen (Anlassen) von Elektromotoren. Die Art der Anlass Steuerung richtet sich nach Motorausführung, Netzverhältnissen und Arbeitsvorgang. Die notwendigen Elemente (Schalter, Widerstände unter anderem) sind im Anlass Steller vereinigt.

Anlass Transformator: dem Ständer von Drehstrom Motoren großer Leistung vorgeschalteter (Spar-) Transformator, der die Spannung und damit den Strom beim Anlauf herabsetzt, um thermische Überlastung durch hohe Anlaufströme zu vermeiden. Angewendet wird der Anlass Transformator nur bei ungünstigen Netzverhältnissen, da gleichzeitig das Anlaufmoment sinkt.

Anlass Verdichter: Spezialverdichter, meist Kolbenverdichter, zum Erzeugen von Druckluft zur Inbetriebnahme von Verbrennungskraftmaschinen, zum Beispiel bei Schiffshauptantriebsmaschinen, bei denen wegen der Größe der Maschine ein Anlassen mit Elektromotor (Anlasser) nicht möglich ist.

Anlauf kosten: Differenz zwischen den überhöhten geplanten Selbstkosten während der Anlaufzeit neuer Erzeugnisse beziehungsweise der Einführung neuer Technologien und den errechneten Selbstkosten unter normalen Produktionsbedingungen. Die Anlaufkosten werden aus dem Fonds Wissenschaft und Technik finanziert.

Anlaufstrom: schwacher Elektronenstrom in einer Elektronenröhre, der bei kleiner negativer Anodenspannung von der Kathode zur Anode fließt. Ursache dafür ist die thermische Energie eines Teils der aus der Glühkathode austretenden Elektronen. Der Anlaufstrom nimmt mit steigender (negativer) Anodenspannung exponentiell ab. Der Sperrstrom in einer Halbleiterdiode zeigt bis zum Durchbruch analoges Verhalten.

Anlaut: erster Laut eines Wortes, Morphems oder einer Silbe, zum Beispiel «h» in hoch, «r» in Unrecht.

Anlegeapparat-Bogenanleger: Vorrichtung an Druck- und Papierverarbeitungsmaschinen zur mechanischen Einführung der einzelnen Planobogen in die Maschine. Mittels Saug- und Blasluft wird der oberste Bogen eines Bedruckstoffstapels abgehoben und mit Sauger- oder Greifer System und durch Band Führung mit Rollenunterstützung beziehungsweise mittels schnelllaufender Walzen weitergeführt. Die rotierend arbeitenden Abwälzanleger werden ausschließlich bei Buchbindereimaschinen eingesetzt.

Anleihe: Form und Methode langfristiger Kredit Aufnahme seitens des Staates (Staatsanleihe) und staatliche Organe gegen Ausgabe von Schuldverschreibungen, von Betrieben in der Form von Obligationen. Anleihe sind festverzinsliche Wertpapiere (auch Rentenwerte genannt); sie haben im Allgemeinen eine Laufzeit von über 10 Jahren. Getilgt werden sie entweder global am Ende der Laufzeit oder in zeitlichen Abständen entsprechend der Laufzeit der einzelnen Anleiheserien (meist durch Auslosung). Im staatsmonopolistischen Kapitalismus sind Anleihen eine weitverbreitete Methode, um zeitweilig freies Geldkapital, besonders Spareinlagen, für die Finanzierung des Defizits des Staatshaushalts, von Investitionen der Monopole, aber auch des Zahlungsbilanz Ausgleichs (Valuta-Anleihe) zu mobilisieren.

Anlieferung: Lieferung von gekauften Möbeln unter anderen sperrigen oder schwerlastigen Konsumgütern in die Wohnung des Käufers. Die Kosten der Anlieferung innerhalb des Versorgungsbereichs der Verkaufs Einrichtung sind im Kaufpreis inbegriffen.

Anlieger: Rechtsträger, Eigentümer oder sonstige Nutzer von Grundstücken, die an öffentlichen Straßen oder Wasserläufe angrenzen.

Anliegerbeiträge: Beiträge der Anlieger zu gesellschaftlichen Aufwendungen für die Anlage beziehungsweise Unterhaltung öffentliche Wege oder Wasserläufe.

Anludern: Anlocken von Raub-, auch Schwarzwild sowie Raubzeug durch Auslegen eines Kadavers (Luder).

Anmaßung staatlicher Befugnisse: Beeinträchtigung der ordnungsgemäßen Tätigkeit staatlicher Organe oder der Rechte der Bürger durch unbefugtes Ausüben staatlicher Befugnisse oder unbefugtes Tragen staatlicher Uniformen; strafbar.

Anmustern: Einträgen der Personalien und der Dienststellung in die Musterrolle des Schiffes sowie in das Seefahrtsbuch bei Aufnahme der Beschäftigung an Bord eines Seeschiffes. Das entsprechend Streichen der genannten Eintragungen beim Wechseln des Schiffes oder Ausscheiden aus dem Borddienst bezeichnet man als Abmustern, wodurch das Arbeitsrechtsverhältnis zur Reederei jedoch nicht verändert wird.

Annahme: Erklärung, mit einem Angebot einverstanden zu sein. Mit der rechtzeitigen Annahme kommt ein rechtswirksamer Vertrag zustande. Eine verspätete Annahme oder eine Annahme unter Erweiterungen, Einschränkungen oder sonstigen Änderungen gilt als Gegenangebot.

Annahmeförderer, insbesondere für Ernte Gut vorgesehene Fördereinrichtung, die in einem Vorratsbehälter ganze Fahrzeugladungen aufnehmen kann und das Gut kontinuierlich dosiert zur Aufbereitung beziehungsweise Verarbeitung weiterleitet.

Annalen: 1. Jahrbücher; Aufzeichnungen historischer Ereignisse, nach Jahren geordnet.

2. älteste literarische Form der römischen Geschichtsschreibung (Annalistik).

Annexion: rechtswidrige, in der Regel gewaltsame Angliederung fremden Staatsgebietes; ein Verstoß gegen das Recht der Völker auf Selbstbestimmung und gegen das Gewaltverbot; charakteristisch für die Außenpolitik von Ausbeuterstaaten. Im Leninschen «Dekret über den Frieden» vom 8.11. 1917 wurden Annexion als Verbrechen an der Menschheit verurteilt. Heute betreiben die Imperialistischen Staaten ihre Annexionspolitik meist in verschleierter Form (zum Beispiel Missbrauch der Treuhänderschaft, sogenannt Pacht fremden Territoriums zur Einrichtung von Militärbasen, Einsetzung von Marionettenregierungen).

Annihilation: gemeinsame Umwandlung eines Teilchens und seines Antiteilchens in andere Elementarteilchen, zum Beispiel eines Elektron-Positron-Paares in 2 Photonen; siehe auch Paarerzeugung,

anno, Abkürzung -a., Anno, Abkürzung -A.: im Jahre. Anno II. von Köln, um 1010-4.12. 1075, Erzbischof von Köln seit 1056; 1062/63 Reichsregent für den unmündigen König Heinrich IV. A. baute den territorialen Besitz des Erzstifts aus; er wurde 1074 von den Bürgern Kölns zeitweilig aus der Stadt vertrieben. 1183 wurde er heiliggesprochen. Anno ist der Held des Annolieds.

anno Domini, Abkürzung (a. D.), Anno Domini, Abkürzung (A. D.): im Jahre des Herrn (nach christlicher Zeitrechnung: seit Christi Geburt).

Annolied: 1105 entstandenes erstes zeitgeschichtliches Werk in deutscher Sprache; stellt einen, wahrscheinlich von einem niederrheinischen Geistlichen stammenden Abriss der Menschheitsgeschichte in Versen dar, endet mit dem als Ideal eines Geistlichen und Fürsten geschilderten Erzbischof Anno II. von Köln.

Annona: im antiken Rom

a) Jahresertrag an Getreide, der Marktpreis für Getreide;

b) die Naturallieferungen (besonders Getreide) der Provinzen für die Bevölkerung Roms und die Bedürfnisse der römischen Legionen und Beamten.

Annonce, Anzeige: für einen Kreis von Interessenten bestimmte Bekanntmachung über Ereignisse, Angebote in besonderen Anzeigeteilen von Zeitungen, Zeitschriften.

Annotation: kurze, meist wertende Charakteristik einer Veröffentlichung.

Annuität: jährlich in gleicher Höhe zur Schuldentilgung und Verzinsung zu zahlender Betrag, der im Unterschied zu einer jährlichen Rate Tilgung einen steigenden Tilgungsanteil und einen sinkenden Zinsanteil enthält (Annuitätentilgung).

annullieren: für nichtig oder ungültig erklären; widerrufen, rückgängig machen; außer Kraft setzen.

Anodenfall: Potentialanstieg von einigen Volt bis einigen 10 V vor der Anode von Gasentladungen; wird durch eine negative Raumladungsschicht verursacht.

Anodenschlamm: bei der elektrolytischen Raffination (Elektrolyse) unreiner Metalle zurückbleibender Schlamm.

Anodenstrahlen: Ströme positiver Ionen, die von heißen Anoden in Gasentladungsröhren ausgehen, wenn die Anode mit leicht verdampfendem Material, zum Beispiel Alkali- oder Erdalkalisalzen beziehungsweise -oxiden, bedeckt ist (Kunsman-Ionenquellen).

Anodisieren: anodische Behandlung eines Metalls in einem Elektrolyten zur Herstellung einer (beziehungsweise Verstärkung bereits vorhandener) Oxid Schicht, um es korrosions- und verschleiß beständiger zu machen; vorwiegend bei Aluminium angewandt (Aloxydieren, Eloxieren). In verdünnter Schwefelsäure entstehen als Elektrolyt färbbare Schichten bis zu 80 /im Dicke. Neuere Verfahren zum Anodisieren sind Hartanodisieren (harte Oxidschichten), Farbanodisieren (farbige Schichten im Einstufenprozess) unter anderem. Die anodische Oxydation erfolgt hierbei unter Funkenentladung in wässrigen Elektrolytlösungen. Diese Verfahren können mit Gleich-, Impuls- und beziehungsweise oder Wechselstrom durchgeführt werden.

Anodontie: (griechisch) völlige Zahnlosigkeit durch Nichtanlage der Zahnkeime infolge einer embryonalen Entwicklungsstörung.

Anolis: Gattung der Leguane mit über 200 Arten zwischen knapp 10 und 50 cm Länge; häufig grün, mit ausgeprägtem Farbwechselvermögen, Männchen mit großem, spreizbarem Kehllappen. Anolis sind in den Tropen und Subtropen Amerikas verbreitet; beliebte Terrarien Tiere.

Anomalie: 1. allgemeine Abweichung vom Normalen.

2. Astronomie: wichtige Winkelgröße für die Berechnung der Bewegung eines Himmelskörpers tun einen anderen, zum Beispiel eines Planeten um die Sonne. Der Scheitel der wahren Anomalie liegt in der Sonne, der der mittleren und exzentrischen Anomalie im Mittelpunkt der Bahn.

3. Stomatologie: Kieferanomalie.

Anomalie des Wassers, Eigenschaft des Wassers, sich im Unterschied zu fast allen anderen Stoffen oberhalb des Schmelzpunktes (von 0°C bis 4°C) beim Erwärmen zusammen zuziehen. Oberhalb von 4°C verhält es sich normal, das heißt es dehnt sich beim Erwärmen aus. Die Dichte des Wassers durchläuft also bei 4°C ein Maximum.

Anomie: positivistischer Begriff der bürgerlichen Soziologie zur Beschreibung konflikthafter Zustände der Gesellschaft (Anomie Theorien). Anomie drückt sich im interpersonalen Bereich in Normunsicherheiten (abweichendes Verhalten) und Desintegration (Integration 1) aus.

Anonychie: Fehlen der Nägel an Zehen und Fingern; selten angeboren, meist durch Verletzungen oder Hautkrankheiten erworben.

Anonymus: Ungenannter.

2. inoffizielle Bezeichnung für verschiedene Typen militärische künstliche Erdsatelliten der USA (meist Aufklärungs- beziehungsweise Spionage sowie Wetter-, Nachrichten-, Frühwarn-, technologische unter anderem Satelliten), deren Namen, Aufgaben und Ausrüstung geheimgehalten werden.

anonym: ohne Namensnennung.

Anorak: ursprünglich Überjacke in der Eskimo Kleidung; in der neuzeitlichen sportlichen Kleidung Windjacke, meist mit Kapuze.

Anordnung, Abkürzung AO rechtliche Regelung eines Mitgliedes des Ministerrates oder anderer ermächtigter Leiter zentraler staatlicher Organe; umgangssprachlich auch verbindlicher staatlicher Entscheidung.

Anorexie: (griechisch) Appetitlosigkeit, vieldeutiges Krankheitssymptom.

anorganische Chemie, anorganische Faserstoffe: Gruppe der Chemiefaserstoffe, welche die mineral. Naturfaser Asbest (Kurzzeichen As) und die Chemiefaserstoffe aus Glas (GL), Metall (MT), Kohlenstoff (KO) und Keramik (als Faser und Seide) sowie Gestein (ST), Quarz und Schlacke (SL) (als Faser) umfasst. Die anorganische Faserstoffe sind unbrennbar, hitzebeständig und haben eine geringe Dehnung und Feuchteaufnahme; Anwendung vor allem in technischen Einsatzgebieten. Siehe auch Glasfaserstoffe.

Anorthosit: vorwiegend aus kalziumreichen Plagioklasen bestehendes Gestein der Terrae des Mondes. Vereinzelt auch auf der Erde angetroffene Anorthosite werden als Reste der frühen Erstarrungskruste der Erde angesehen.

Anosmie: (griechisch) Verlust des Riechvermögens, vorübergehend (Schnupfen) oder bleibend (durch Schädelverletzung, auch Grippe).

Anpassung: 1. Biologie: Adaptation.

2. Nachrichtentechnik: charakteristischer Betriebszustand, bei dem eine Spannungsquelle (Generator, Antenne) an einen Verbraucher (Lautsprecher, Empfänger) die größtmögliche (Wirk-)Leistung abgibt.

3. Sport: im Ergebnis systematisch ansteigender Trainings- und Wettkampfbelastung erfolgende organische und psychische Veränderungen (zum Beispiel Sportherz); führen zu höherer Leistungsfähigkeit des Sportlers.

Anrecht: Theater- oder Konzertabonnement; Vertragsverhältnis zwischen Theater oder Konzertagentur und einzelnen Besuchern oder Kollektiven, bei dem sich der Anrechtsinhaber zu regelmäßigem Besuch verpflichtet und turnusgemäß preisermäßigte Eintrittskarten erhalten.

Anreger: Stoff, der katalytisch das Abbinden von Baustoffen bewirkt, die sonst nur sehr langsam oder gar nicht erhärten, zum Beispiel Kalk mit Hochofenschlacke als latent hydraulische Bindemittel.

Anregung: Physik - Übergang eines physikalischen Systems in einen höherenergetischen (angeregten) Zustand infolge Energiezufuhr. Bei Quantensystemen (Kerne, Atome, Moleküle, Festkörper) erfordert die Anregung eine Mindestenergie. Anregung kann zum Beispiel durch Stoß von Teilchen hoher thermischer Energie (Temperaturanregung), Teilchenbeschuss oder elektromagnetische Strahlung erfolgen. Zum Beispiel heißt Anregung eines Atoms, dass ein Elektron auf eine höhere Bahn gehoben wird. Übergänge aus angeregten Zuständen in solche niederer Energie sind im Allgemeinen mit einer Energieabstrahlung (zum Beispiel Licht, Röntgenstrahlung), bei Kernen eventuell mit einer Nukleonen Emission verbunden. Siehe auch Emission 2.

Anregungsmittel, Stimulans (lateinisch; Stimulantia): Arznei- oder Genussmittel, das vor allem das Gehirn erregt, zum Beispiel Koffein.

Anreicherungshorizont, Illuvialhorizont (lateinisch + griechisch): Bodenhorizont, in dem sich aus oberen Horizonten, sogenannt Verarmungshorizonten, eingewanderte kolloidale Substanzen abgelagert haben. Bei Tonanreicherung spricht man von Ton Mutchen- (Bt-), bei Eisen- und Humusanreicherungen von Ort-CBs-, Bh-) Horizonten.

Anreißen: 1. Anreißen, Anzeichnen: Fertigungstechnik - Übertragen der in einer technischen Zeichnung (Werkstattzeichnung) oder Skizze durch Maße festgelegten Konturen auf ein Werkstück, zum Beispiel mittels Reißnadel oder Spitzzirkels.

2. Forstwirtschaft: Auszeichnen.

Anrüsten: Massage der Milchdrüse; Arbeitsgang zwischen Säubern des Euters und Melken; dient der schnelleren Milchabgabe.

Anschaffungspreis: Preis für den Erwerb von Grundmitteln. Er setzt sich aus dem rechtlich zulässigen Kaufpreis und allen notwendigen Kosten, die für die Inbetriebnahme der Grundmittel bei Sicherung aller projektierten Leistungen und Bedingungen notwendig sind, zusammen (zum Beispiel Projektierungs-, Transport-, Montagekosten).

Anschaulichkeit: didaktisches Prinzip, das vom Lehrenden die Berücksichtigung der Gesetzmäßigkeiten des Erkenntnisprozesses fordert, indem den Lernenden die sinnliche Wahrnehmung der Unterrichtsgegenstände durch Vorführen des Naturobjekts oder durch bildliche Darstellungen, Modelle, Filme, Tonband Aufzeichnungen unter anderem ermöglicht wird. Die sinnliche Wahrnehmung des Konkreten ist mit der logisch-theoretischen Erkenntnis des Abstrakten zu verknüpfen (Einheit des Konkreten und Abstrakten).

Anschauung: Prozess und Resultat der Sinnes Erkenntnis. Der Erkenntnisprozess beginnt mit der lebendigen Anschauung und steigt zum abstrakten Denken auf. Formen der Anschauung sind Empfindung, f Wahrnehmung, Í Vorstellung. In ihnen sind Notwendiges und Zufälliges, Wesentliches und Unwesentliches, Allgemeines und Einzelnes des Erkenntnisobjektes noch nicht unterschieden.

Anschlag: 1. Bautechnik: Vorsprung an Wandöffnungen zum Ansetzen und Befestigen von Tür oder Fensterrahmen.

2. Fertigungstechnik: Maschinenelement zur Begrenzung einer Bewegung oder zur Lagebestimmung von Werkstücken.

3. Musik: durch Fingerbewegung und Spieltechnik bewirkte Art der Tonerzeugung bei Tasteninstrumenten. Techn. Verbesserungen im Instrumentenbau und zunehmendes Streben nach individuellem Ausdruck seit dem 18. Jahrhundert führten zu differenzierten Formen des Anschlag.

4. Recht: a) Unternehmen, das auf die Tötung von Menschen oder Vernichtung von Sachen und Einrichtungen gerichtet ist, zum Beispiel Mordanschlag Sprengstoffanschlag;

b) Bekanntmachung einer Entscheidung oder Mitteilung unter anderem durch öffentlichen Aushängen.

5. Schießsport: Art des Haltens einer Handfeuerwaffe beim Zielen und Schießen; Sammelbezeichnung für verschiedene Stellungen des Schützen (liegend, stehend, kniend).

6. Sportschwimmen: das Berühren der Beckenwand bei der Wende und am Ziel.

7. Sportspiele: Abschlag.

Anschlägen: 1. Fördertechnik: Befestigung umzuschlagenden Stückgutes am Lasthaken eines Krans, Ladebaums oder ähnlichem mit Hilfe eines Lastaufnahmemittels. Das Lösen des Stückgutes vom Lastaufnahmemittel bezeichnet man als Abschlagen.

2. Anschlägen, Anreihen, Anmarlen, Beschlagen Schifffahrt: Befestigen der Segel an Rundhölzern.

Anschläger: Bergmann, der die für die Schacht Förderung notwendigen Signale gibt.

Anschlagmittel: spezielle Lastaufnahmemittel, wie Anschlagseile, -ketten, -bänder und Gehänge aus diesen Elementen, zum Anschlägen von Lasten am Lasthaken.

Anschluss Armatur: Verbindungselement zur meist lösbaren stromführenden Verbindung von Kabeln und Leitungen mit Geräteklemmen. Unterschieden werden unter anderem Kabelschuh, Löt- oder Leitungsöse, Kabelstift, Flachsteckhülse und Flachsteckstift. Zu dem Anschluss Armatur gehören im weiteren Sinne auch Kupplung und Stecker.

Anschlussbahn, Gleisanschluss: Eisenbahnanlage von Anschließend zum Beispiel Betriebe u. ä., die direkt an das öffentliche Eisenbahnnetz angeschlossen ist; dient meist dem Güterverkehr und wird von der staatlichen Bahnaufsicht kontrolliert.

Anschlusspfändung: Pfändung eines bereits gepfändeten Gegenstandes für weitere Gläubiger, der Verwertungserlös wird nach gesetzlich bestimmter Rangfolge verteilt.

Anschluss Zone, anschließende Zone, Ergänzungszone den Territorialgewässern eines Küstenstaates vorgelagerter Meeresstreifen. Die Gesamtbreite von Territorialgewässern und Anschluss Zone darf 24 sm nicht überschreiten. In der Anschluss Zone hat der Küstenstaat Kontrollrechte, um Verstöße gegen seine Zoll-, Finanz-, Gesundheits- und Einwanderungsvorschriften und so weiter zu verhindern beziehungsweise zu ahnden. Neuerdings wird eine ökonomische Anschluss Zone bis zu 200 sm anerkannt, in der der Küsten Staat ausschließlich Rechte der wissenschaftlichen Forschung und ökonomischen Nutzung hat.

Anschnitt System, Speisesystem: Anordnung von Kanälen unter anderem Hohlräumen (Speiser) in der Gießform (neben dem Hohlraum für das oder die Gussstücke) zur Formfüllung und fehlerfreien Erstarrung des Gussstückes. Elemente des Anschnitt Systems sind Eingusstümpel, Einlauf, Querlauf, der oder die Zuläufe und die Speiser. Nicht alle Elemente sind für jede Form erforderlich. Je nach der Stelle der Anordnung des Auslaufes in den Hohlraum für das Gussstück unterscheidet man zwischen Kopf- oder fallendem Guss, Seiten- und Boden- oder steigendem Guss.

Anschovis, Anchovis: mit Gewürzlake zubereitete Sprotte, Sardelle oder ähnliches; eine streichfähige Zubereitung ist die Anchovispaste.

Ansetzbinder: schnellbindender Gipsmörtel, wird im Montagebau verwendet.

Ansitz, Anstand: Erwarten des Wildes, zum Beispiel in einer Deckung (Schirm) oder auf einem Hochsitz (Hochstand, Jagdkanzel).

Ansitzdrückjagd: bei der die Jäger während der ganzen Jagd ansitzen und das Wild in seinen Einständen beunruhigt wird.

Anspannungszeit: zeitliche Phase des Herzschlages, die die Systole der Herzkammern einleitet; Dauer etwa 0,05 Sekunden. Dabei sind alle Herzklappen geschlossen, so dass sich der für die Ausstoßung des Blutes aus den Kammern erforderlichen Druck entwickelt.

Anspruch: das Recht, von einem anderen eine Leistung oder ein sonstiges Verhalten zu verlangen. Abgesehen von wenigen Ausnahmen unterliegen Ansprüche der Verjährung, das heißt sie können nur innerhalb bestimmter Fristen auf gerichtlichen Weg durchgesetzt werden.

Anspruchshäufung: a) Geltendmachung mehrerer Ansprüche in einer Klage (objektive Anspruchshäufung);

b) Erhebung der Klage durch mehrere Kläger oder gegen mehrere Verklagte (subjektive Anspruchshäufungen).

Anspruchsniveau: Gesamtheit der Erwartungen einer Person an die Güte der selbst zu erbringenden Leistung; ist nach Leistungsgebieten verschieden und kein konstanter Wert, da es sich mit der erbrachten Leistung verändert und von Erfolg beziehungsweise Misserfolg abhängt.

Anstellwinkel: Aerodynamik Winkel zwischen Anströmrichtung und Profilsehne einer Bezugslinie des Tragflächenprofils; von seiner Größe hängen wesentlich Auftrieb und Widerstand der Tragfläche ab.

Anstieg: Maßzahl für die Abweichung der Richtung einer betrachteten ebenen Kurve in einem gegebenen Punkt von einer ausgezeichneten Richtung, in kartesischen Koordinatensystemen im Allgemeinen von der Richtung der Abszissenachse.

Anstrichstoffe: meist flüssige, zum Korrosionsschutz oder zur Verschönerung dienende farbige oder farblose Zubereitungen, die nach dem Aufträgen und Trocknen einen festen Film, den Anstrich, ergeben. Die Anstrichstoffe bestehen vorwiegend aus Bindemittel (natürliche oder künstliche Harze, trocknende Öle, Zellulose Nitrat unter anderem), Pigment und Lösungsmittel. Man unterscheidet Einstoff- und Mehrkomponenten-Anstrichstoffe; bei letzteren sind vor der Anwendung mehrere (meist) Anteile zu vermischen. Der Auftrag erfolgt durch Streichen, Spritzen, Tauchen unter anderem. Das Trocknen geschieht physikalisch, chemisch oder auch kombiniert. Bei der physikalischen Trocknung verdunstet das Lösungsmittel. Die chemische Trocknung erfolgt durch Polymerisation (meist unter gleichzeitiger Oxydation) oder (zum Beispiel bei PUR-Farben) Polyaddition; sie kann oft durch Zugabe von Sikkativen beschleunigt werden.

Anstrichsystem: Gesamtheit mehrerer übereinander aufgetragener Anstriche, zum Beispiel Grundierung, Vor- und Deckanstrich. Die Grundierung bewirkt eine gute Haftfestigkeit und eventuell aktiven Rostschutz auf dem Anstrichträger. Der Voranstrich legt den jeweiligen Farbton fest. Der Deckanstrich stellt die gewünschte Oberflächenbeschaffenheit (zum Beispiel Glanz, Hammerschlageffekt und so weiter) her und schützt gegen mechanische, chemische und witterungsbedingte Einflüsse.

Antagonismus: 1. allgemein Widerstreit, Gegnerschaft; unversöhnlich Widerspruch.

2. Pharmakologie: eine Form des Arzneimittelkoergismus (Koergismus); wird die Wirkung eines Arzneimittels durch ein anderes abgeschwächt oder aufgehoben, so handelt es sich um eine antagonistische Wirkung.

3. Antagonismus, antagonistischer Widerspruch: Philosophie dialektischer Widerspruch zwischen sozialen Klassen und Gruppen, deren grundlegende Interessen unversöhnlich sind; beherrscht die Ausbeutergesellschaft und das Verhältnis zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Siehe auch Widerspruch.

4. Physiologie: entgegengesetzte Wirkung zweier Komponenten (Antagonisten), zum Beispiel Nerven- (Sympathikus und Parasympathikus) und Hormonwirkungen (Insulin und Adrenalin).

Antagonist: Arzneimittel oder ähnliche chemische Substanz, die die Wirkung des Agonisten vermindert; siehe auch Antagonismus.

Antagonisten: Schema der antagonistischen Muskelgruppen für die Gehbewegung Ann-Beuger in Ruhestellung und kontrahiert.

Antagonisten: (lateinisch - griechisch)

1. Anatomie: einander entgegengesetzt wirkende Muskeln oder Muskel Gruppen, zum Beispiel Beuger und Strecker.

2. Stomatologie: Gegenzähne, das heißt Zähne, die beim Schluss Biss aufeinandertreffen.

Antananarivo: Hauptstadt von Madagaskar und Verwaltungszentrum der Provinz Antananarivo, im inneren Hochland, 1445 m über dem Meeresspiegel; früher Tananarive; 400000 Einwohner; Lebensmittel-, Leichtindustrie; internationaler Flughafen; Akademie der Wissenschaften, Universität, Observatorium; Theater, Museen.

Antares: (griechisch, «Gegenmars») hellster Stern im Sternbild Skorpion, von rötlicher Farbe; Helligkeit.

Antarktika-Südpolarkontinent: Erdteil um den Südpol; 12,5 Millionen km2, davon etwa 8 Millionen km2 mit Felsuntergrund über dem Meeresspiegel, einschließlich der Schelfeise 14 Millionen km2; abgesehen von den seit 1957/58 zeitweilig oder dauernd besetzten wissenschaftlichen Stationen der UdSSR, DDR, USA Großbritanniens, Frankreichs und mehrerer anderer Staaten völlig unbewohnt. Durch tiefe Buchten gegenüberliegender Meere (Weddell-, Ross-See) wird Antarktika-Südpolarkontinent in die kleinere, von Kettengebirgen durchzogene Westantarktika und die größere, hochlandartige Ostantarktika gegliedert. Antarktika-Südpolarkontinent wird zu etwa 96% von einem stellenweise über 4500 m, durchschnittlich 2000 m mächtigen Eisschild bedeckt, der etwa 90% des gesamten Festlandeises der Erde speichert Eisabfluss vom Inland zur Küste; dort stoßen Ausfluss Gletscher und als Fortsetzung der Anden (Antarktanden) angesehen werden. Längster Gebirgszug ist das Transantarktische Gebirge mit etwa 3500 km Länge. Am Kontinent Rand Vulkanismus (bedeutendster Vulkan Mount Erebus, 3 795 m). Die durchschnittliche Höhenlage As beträgt 2000 m (Südpol 2804 m). Der Magnetpol der Südhalbkugel liegt zurzeit bei 65° 10' südliche Breite und 138°40' östliche Länge, der Pol der relativen Unzugänglichkeit in 3719 m über dem Meeresspiegel bei 82°06' südliche Breite und 54°58' östliche Länge und der geomagnetische Pol bei 84° südliche Breite und 124° östliche Länge. Das Klima der Antarktika-Südpolarkontinent ist wegen Schneebedeckung (Ausstrahlung), Pol- und Höhenlage ungemein kalt und stürmisch. Jahresmitteltemperatur und -Niederschlag nehmen von der Küste (-12 bis -10°C; 200 bis 1000 mm) zum Inneren (-30 bis -60°C; 50 bis 100 mm) ab. Auf Antarktika-Südpolarkontinent liegt der Kältepol der Erde (Station Wostock; bis -89,2 °C). An eisfreien Stellen kommen Moose und Flechten vor, in Küstennahe leben unter anderem Robben und Pinguine. An Bodenschätzen wurden neben 50 nutzbaren Mineralen Kohle, Brennschiefer, Kupfer-, Zinn-, Nickel-, Kobalt-, Chrom-, Eisen-, Manganerze, Molybdän und Gold nachgewiesen. Uranerze, Erdöl und -gas werden vermutet. Die Vorkommen können in wirtschaftlich lohnender Weise gegenwärtig noch nicht abgebaut werden. Seit 1981 regelmäßige Flugverbindungen mit Leningrad.

Antarktis-Südpolargebiet: die Land- und Meeresgebiete um den Südpol, die den Erdteil Antarktika und die ihn umgebenden Inseln (unter anderem Kerguelen, Südshetlandinseln, Süd-Orkney-Inseln, Südgeorgien, Charcot-Insel) umfassen. Die Polamatur des Antarktis-Südpolargebiets ist durch strenge Stürme reiches Klima mit kurzen kalten Südsommern gekennzeichnet. Mögliche nördliche Begrenzungen der Antarktis-Südpolargebiet sind zum Beispiel die 10-°C-Isotherme des wärmsten Monats (danach Gesamtfläche 67,8 Millionen km2), die ozeanische Polarfront (51,9 Millionen km2), die Nordgrenze der Eisbergdriften (76,4 Millionen km2) und die mittlere Treibeisgrenze (36,7 Millionen km2).

Antarktische Halbinsel: am weitesten nach Norden reichender Ausläufer Antarktikas; bis 1964 Grahamland; 1500 km langer, bis 4191 m hoher Gebirgszug (Antarktanden), nahezu vollständig vergletschert; Bodenschätze; vielfältige Lebewelt (Brutvögel, Meeres Säuger); zahlreiche wissenschaftliche Stationen.

Antäus, griechisch Animos, in der griechischen Sage libyscher Riese; gewann durch die Berührung mit seiner Mutter, der Erde, immer wieder neue Kraft; von Herakles emporgehoben und erwürgt.

Antazida: Mittel zur Beseitigung von Säureüberschuss im Magensaft, zum Beispiel Aluminiumhydroxid und Natriumhydrogenkarbonat.

Anteillohn: Form des Naturallohnes in der kapitalistischen Landwirtschaft, wobei ein Teil der erzeugten Produkte in natura als Lohn gezahlt wird, zum Beispiel Druschanteil.

Anteilwirtschaft: halbfeudale Form der Ausbeutung werktätiger Bauern in einigen entwickelten kapitalistischen Ländern und Entwicklungsländern. Hierbei wird den Bauern (häufig als Teilpächter bezeichnet) die Ackernutzung vom Bodeneigentümer überlassen gegen Abgabe eines meist hohen Prozentsatzes der Ernte oder gegen die Verpflichtung, seine Arbeitskraft überwiegend dem Bodeneigentümer ohne weiteres Entgelt zur Verfügung zu stellen.

Antenne: Funktechnik Vorrichtung zum Senden oder Empfangen elektromagnetische Wellen; die Aufgabe der Antenne besteht in der Umwandlung der leitungsgeführten Energie des Senders in Strahlungsenergie (Sendeantenne) beziehungsweise der Strahlungsenergie in leitungsgeführte Energie für den Empfänger (Empfangsantenne). Der konstruktive Aufbau hängt vom Anwendungsfall und Frequenzbereich ab. In der Hochfrequenztechnik wird die Linearantenne, die man als offenen elektrischen Schwingkreis betrachten kann, in zahlreichen Bauformen eingesetzt. Grundelement der Linearantenne ist ein elektrischer Dipol, der als Einzeldraht (Halbdipol), Metallstabpaar, Falt-, Schleifen - oder Schlitzdipol realisiert wird. Zum Senden von Lang- und Mittelwellen benutzt man vertikale Dipole (Stabantenne, Mastantenne), für Kurzwellen, UKW und Fernsehen meist horizontale Dipolgruppen. Jeder Dipol hat eine Richtwirkung, die durch Gruppenbildung verstärkt werden kann (Richtantenne). Bei der Rahmenantenne (mehrere in gleicher Ebene liegende Drahtwindungen; drehbar) und der Ferritantenne (Spule auf drehbarem Ferritstab) wird die Richtwirkung für Peilzwecke ausgenutzt. Zum Empfang von Lang-, Mittel- und Kurzwellen dienen Hochantenne (ausgespannter Draht), Stabantenne (Fahrzeugantenne), Ferritantenne oder Behelfsantenne (Zimmerantenne), für UKW- und Fernsehempfang meist die Yagiantenne, bei der die Richtwirkung durch elektrisch isolierte Stäbe (Reflektoren hinter und Direktoren vor dem Dipol, bezogen auf die Empfangsrichtung) parallel zum Dipol vergrößert wird. In der Höchstfrequenztechnik (Radar, Radioteleskop, Richtfunkverbindung) wird die Flächenstrahler-Antenne in verschiedenen Bauformen eingesetzt. Üblich ist die Kombination von Primär Strahler und Sekundärreflektor. Als Primärstrahler dient ein Dipol oder ein trichterförmig erweiterter offener Hohlleiter (Hornstrahler) im Brennpunkt eines metallischen Parabolspiegels (Parabolantenne) oder eines Paraboloid Ausschnittes (Hornparabolantenne, Muschelantenne unter anderem), wobei die parabolische Fläche als Sekundärreflektor wirkt; damit wird eine erhebliche Richtwirkung erzielt. Eine wichtige Kenngröße für eine Richtantenne ist der Antennengewinn, der bei der Sendeantenne definiert ist als Verhältnis der Leistungen, die man einer Bezugsantenne (Kugelstrahler oder Elementardipol) und der betrachteten Antenne Zufuhren muss, damit der Empfänger in Haupt Strahlrichtung die gleiche Empfangsleistung aufnimmt und bei der Empfangsantenne die Steigerung der Empfangsleistung gegenüber einer Bezugsantenne am gleichen Ort angibt.

Antennendolch: Eisendolch mit antennenartigem Knauf in Fürstengräbern der Hallstattzeit.

Antennenverstärker: elektronischer Verstärker für die Frequenzbereiche des Rundfunks und Fernsehens, der in unmittelbarer Nähe der Empfangsantenne montiert wird; im Allgemeinen ist er Bestandteil einer Gemeinschaftsverstärkeranlage in Wohnhäusern, an die eine Vielzahl von Empfängern angeschlossen ist.

Antenor, griechischer Bildhauer und Erzgießer der spätarchaischen Zeit, tätig in Athen letztes Viertel 3. Jahrhundert/Anfang 5. Jahrhundert vor Christus; besonders berühmt durch die alte Tyrannenmördergruppe; erhalten ist eine signierte Kore (Athen, Akropolis Museum); zugeschrieben werden ihm die Giebelskulpturen des Apollon Tempels in Delphi.

antezedentes Tal: (lateinisch) Durchbruchstal, das ein Fluss in einer sich hebenden Scholle angelegt hat (zum Beispiel Rheintal im Schiefergebirge).

Antheridium: ein- oder mehrzelliges, männliches Geschlechtsorgan der Lager-, Moos- und Farnpflanzen, in dem die Spermatozoiden entstehen.

Anthesterien: (griechisch) ein in der Antike, besonders in Athen, im Frühling gefeiertes «Blütenfest», das dem Weingott Dionysos und den Toten galt.

Antihidrotika, Anthihidrotika: Stoffe, die die Schweißdrüsentätigkeit hemmen.

Anthologie: Sammlung meist kleinerer, nach einheitlichen ideologisch-ästhetischen Gesichtspunkten ausgewählter literarischer Werke (besonders Gedichte, Kurzgeschichten, Novellen, Anekdoten und Reiseberichte, auch Teilabdrucke von Dramen und Romanen).

Anthozyane: blaue, rote und violette glykosidischer Farbstoffe im Zellsaft vieler Pflanzen, vor allem in Blüten (zum Beispiel das Cyanidin der Kornblume) und Früchten; bei pH-Änderungen verändert sich ihre Farbe, so ist Cyanidin in alkalischen Milieu blau, in saurem rot.

Anthrachinon Farbstoffe: (Kurzwort aus Anthrazen und Chinon) Farbstoffe mit hervorragenden Echtheitseigenschaften, die eine oder mehrere Anthrachinon Gruppen im Molekül enthalten. Zu den Anthrachinon Farbstoffe gehören vor allem viele Küpen-, Dispersions- und Säurefarbstoffe sowie auch der Beizen Farbstoff Alizarin. Siehe auch Indanthrenfarbstoffe.

Anthrazen: ein trizyklische Aren der Formel C14HI0. Anthrazen bildet farblose, violett fluoreszierende Kristallblättchen; F 216,6°C. Es wird aus dem Anthracenöl des Steinkohlenteeres gewonnen und hauptsächlich zu Anthrachinon, oxydiert. Dies bildet blass gelbe Kristallnadeln (286°C) und wird hauptsächlich zu Anthrachinon Farbstoffen verarbeitet. Der häufige Kontakt mit Anthrazen kann zu Hautkrebs führen (anerkannte Berufskrankheit).

Anthracenöl: oberhalb 270°C siedender Anteil des Steinkohlenteers. Anthracenöl enthält Anthrazen, Karbazol, Phenanthren unter anderen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die Ausgangsstoffe zur Herstellung insbesondere von Farbstoffen sind. Anthracenöl dient zur Herstellung von Holzschutzmitteln (Karbolineum) und zur Gewinnung von Ruß.

Anthrazit: durch hohen Inkohlungsgrad ausgezeichnete, sehr harte und glänzende Steinkohle mit etwa 95% Kohlenstoff. Anthrazit enthält wenig flüchtige Bestandteile (unter 5%) und hat hohen Heizwert.

Anthropogeographie: Geographie des Menschen; bürgerliche Lehre, die nach den 1882/91 erfolgten Veröffentlichungen ihres Begründers, F. Ratzel, die Abhängigkeit des Menschen vom geogr. Milieu deutlich überbewertet und dagegen den bestimmenden Einfluss der Produktionsweise auf die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft nicht erkennt beziehungsweise diesen negiert. Die Anthropogeographie verschleiert die Widersprüche in der räumlichen Verteilung der Produktion im Kapitalismus.

Anthropogeologie: Wissenszweig, im Grenzgebiet geologischer, geophysikalischer, technisch-ingenieurmäßiger und ökonomischer Wissenschaften entstanden; erforscht die Wechselbeziehungen zwischen Erdkruste und technischer Tätigkeit des Menschen; siehe auch Territorial Geologie.

Anthropologie: 1. Anthropologie, Anthropobiologie (griechisch): die Wissenschaft vom Menschen; als Lehrfach im engeren Sinne die vergleichende Biologie des Menschen; sie hat die Aufgabe, die gruppenspezifische biologische Variabilität aller ausgestorbenen und gegenwärtigen Formen des Menschen zu untersuchen, die entwicklungsgeschichtlichen Beziehungen des Menschen zu nahestehenden Tierformen zu klären und den Prozess der Menschwerdung zu rekonstruieren sowie die Erbstruktur und den Einfluss der verschiedenen natürliche und gesellschaftliche Umweltfaktoren zu erforschen, um einen Einblick in die Ursachen zu gewinnen, die zu den verschiedenen Ausprägungsformen des Menschen geführt haben. Die Anthropologie hat praktische Bedeutung vor allem für die Medizin, Psychologie, Pädagogik, Rechtswissenschaft, den Sport und die Industrie. Wenn auch die Wurzeln der Anthropologie bis in das Altertum zurückreichen, so zwangen erst die großen Entdeckungsreisen, die außerordentliche Formenvielfalt des Menschen wissenschaftlich zur Kenntnis zu nehmen. Wesentliche Impulse erfuhr die Anthropologie durch die Einordnung des Menschen in die Klasse der Säugetiere (C. von Linné). Als Begründer der modernen Anthropologie gilt J. F. Blumenbach, der insbesondere die Schädelkunde und die Rassenmorphologie ausbaute. Die Fundierung der Abstammungslehre durch C. Darwin (1859) und der Humangenetik durch F. Galton führte zu einer raschen Entwicklung der A, die durch den Missbrauch ihrer Erkenntnisse während des Faschismus einen erhebt. Rückschlag erlitten hat, in der Gegenwart aber zunehmend an Bedeutung gewinnt.

2. Anthropologie, philosophische Anthropologie, eine Richtung der bürgerlichen Philosophie, fasst das Wesen des Menschen als unveränderlich und unhistorisch auf und versteht diesen nicht als gesellschaftliches Wesen; aus ihrer subjektiv-idealistischen Haltung folgt ihr agnostizistischer Charakter. L. Feuerbachs humanistisch ausgerichtete philosophische Anthropologie ging von einem natürlichem Wesen des Menschen aus, blieb aber abstrakt. Die in der bürgerlichen Philosophie nach Feuerbach entstandenen Auffassungen vom Menschen wurden zunehmend in die imperialistische antikommunistische Ideologie einbezogen. Hauptvertreter sind S. Kierkegaard, F. W. Nietzsche, M. Scheler, 0. F. Bollnow, E. Rothacker, M. Heidegger unter anderem.

Anthropométrie: Körpermessung; mit Hilfe der Anthropométrie werden von genau festgelegten Messpunkten aus die Maße und Maßverhältnisse des menschlichen Körpers und Skeletts ermittelt.

Anthropomorphismus: (lateinisch griechisch, «Vermenschlichung») unwissenschaftliche Übertragung menschlicher Eigenschaften auf Naturerscheinungen, Personifizierung von Naturerscheinungen und Göttern. Anthropomorphismus findet sich auch im modernen religiösen Denken (zum Beispiel Christentum).

Anthropomorphologie: (griechisch) beschreibende Erfassung von Formenmerkmalen des menschlichen Körpers.

Antiallergika: Arzneimittel, die bei allergischen Erkrankungen angewendet werden, vor allem Glukokortikoide, Antihistaminika und Kalziumpräparate.

Antialternative: Logik 2stellige extensionale Aussagenverbindung, die nur dann als wahr gilt, wenn beide verknüpften Aussagen falsch sind; umgangssprachlich durch «weder...noch...» auszudrücken. In der Rechentechnik wird die Antialternative durch ein NOR-Glied realisiert.

Antianämika: Arzneimittel zur Beeinflussung einer Anämie, am häufigsten der Eisenmangel- oder Folsäuremangel Anämie.

Anti-Apartheid-Ausschuss: am 6.11.1962 von der UN-Vollversammlung geschaffener Ausschuss zur Förderung und Koordinierung kollektiver internationaler Aktionen gegen die rassistische Apartheid-Politik der Republik Südafrika. Dem Anti-Apartheid-Ausschuss gehören Vertreter von 18 UN-Mitgliedsstaaten an; die DDR ist seit März 1975 Mitglied des Anti-Apartheid-Ausschuss.

Antiatlas: 350 km langer Gebirgszug mit Mittelgebirgscharakter in Marokko, südlich des Hohen Atlas; bis 2531 m; dem präkambr. Sockel und nicht dem tertiären Faltengürtel angehörend; Eisenholzbaumbestände.

Anti-Baby-Pille: Trivialbezeichnung für synthetisch hergestellte Hormonpräparate in Drageeform zur Familienplanung beziehungsweise Schwangerschaftsverhütung, besser Wunschkind-Pille-, siehe auch Ovulationshemmer.

Antibiose: hemmende oder schädigende Wirkung der Stoffwechselprodukte verschiedener Mikroorganismen, wie Bakterien, Pilze, Flechten, auf andere Mikroorganismen. Siehe auch Antibiotika.

Antibiotika: Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen (Bakterien, Pilze unter anderem), die das Wachstum anderer Mikroorganismen hemmen (bakteriostatisch) oder diese abtöten (bakterizid). Antibiotika wirken schon in niedrigen Konzentrationen; sie werden erfolgreich gegen bakterielle Infektionserkrankungen eingesetzt. Häufige Verwendung eines Antibiotikums kann zur Unempfindlichkeit (Resistenz) bestimmter Bakterien gegenüber diesem Stoff führen. 1928 beobachtete Antibiotika Fleming, dass in der Umgebung von Schimmelpilzen bestimmte Bakterienkulturen geschädigt werden; es dauerte aber noch Jahre, bis durch H. Florey (1940) und seine Mitarbeiter das Penizillin als erstes Antibiotika isoliert werden konnte. Seitdem wurde eine Vielzahl antibiotische Stoffe, insbesondere solche mit breitem Wirkungsspektrum, bekannt (Chloramphenicol, Tetrazykline, Erythromycine, Aminoglykoside, Lincomycine unter anderem), von denen die meisten halb synthetisch oder synthetisch hergestellt werden können.

Antidiabetika: Mittel gegen Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Es gibt 2 Hauptgruppen: Insuline und orale Antidiabetika Insuline werden aus der Bauchspeicheldrüse von Schlachttieren gewonnen und zum Teil durch Zusätze in ihrer Wirkungsdauer verlängert (Depot-Insuline). Orale Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe, Biguanide) sind synthetische Verbindungen, die durch den Mund zugeführt werden.

Antidiurese: verminderte Harn Ausscheidung bei Verminderung der Wasserzufuhr. Es wird mehr Wasser von der Niere zurückgehalten. Dabei steigt die Konzentration der im Harn gelösten Teilchen an.

Antidot, Antidotum, (griechisch): Gegengabe, Gegenmittel, besonders bei Vergiftungen.

Antiemetika, Antemetika: Mittel gegen Erbrechen und Übelkeit; zum Beispiel Cerucal, Marophen.

Antifaschismus: gegen den Faschismus gerichtete breite antiimperialistische kämpferische Volksbewegung und Ideologie für Frieden, Demokratie, nationale Freiheit und Unabhängigkeit unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei. Großen Aufschwung nahm die antifaschistische Bewegung seit dem faschistischen Überfall auf die Sowjetunion im 2. Weltkrieg und besonders nach dem Sieg über die faschistischen Aggressoren. In der Gegenwart ist der Antifaschismus Teil des internationalen Kampfes für Frieden und Demokratie; gestützt auf die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder ist er zu einer weltweiten Bewegung geworden.

Antiferromagnetismus: Erscheinung in bestimmten Festkörpern, bei der sich die Elementarmagnete benachbarter Gitterbausteine unterhalb der sogenannten Neel-Temperatur antiparallel zueinander einstellen, so dass sich die Magnetisierungen der dadurch entstehenden Unter Gitter nach außen kompensieren und die Substanzen diamagnetisch erscheinen. Oberhalb der N6el-Temperatur verhalten sie sich paramagnetisch. Antiferromagnetismus ist erkennbar an Anomalien physikalischer Eigenschaften (Suszeptibilität, Leitfähigkeit, Wärmekapazität) in der Umgebung der Neel-Temperatur.

Antifibrinolytika: Arzneimittel die eine gesteigerte Auflösung des Fibrins (Fibrinolyse) verhindern. Antifibrinolytika werden bei schwerer und langdauernder Blutung, wie sie manchmal bei bestimmten Erkrankungen oder Operationen auftreten kann, angewendet.

Antigen-Antikörper-Reaktion: Vereinigung von Antigen und spezifischer Antikörper, das heißt einer Substanz, die von dem Antigen zu einem früheren Zeitpunkt hervorgerufen wurde. Die im Organismus ablaufenden Antigen-Antikörper-Reaktion führen zu spezifischer Immunität gegenüber bestimmten Antigenen, zum Beispiel Bakteriengiften. Das wird bei der Schutzimpfung genutzt. Bei zu hoher Konzentration eines Antigens, insbesondere wenn es erstmalig mit dem Organismus in Berührung kommt, entstehen akute Unverträglichkeitsreaktionen oder akute Infektionskrankheiten.

Antigene: potentiell schädigende Stoffe, deren Eindringen in den Organismus die Bildung spezifischer Antikörper auslöst (Antigen-Antikörper-Reaktion).

Antigone, in der griechischen Sage Tochter des Königs Ödipus und der Iokaste, begleitete ihren blinden Vater in die Verbannung; später begrub sie trotz Verbots des Königs Kreon von Theben den gefallenen Bruder Polyneikes und wurde deshalb lebendig eingemauert und erhängte sich. Tragödie von Sophokles.

Antigonos: 1. Antigonos I. Monophthalmos («der Einäugige»), um 382-301 vor Christus (gefallen), makedonischer Heerführer; Oberbefehlshaber der griechischen Truppen Alexanders des Großen; vermochte nicht, die von ihm erstrebte Einheit des Alexanderreiches zu erhalten.

2. Antigonos II. Gonatas, tun 319-239 vor Christus, seit 276 König von Makedonien, Sohn des Demetrios Poliorketes; nach Siegen über die Griechen 265/264 und die Flotte Ägyptens 256 richtete er in Griechenland zahlreiche Militärstützpunkte ein, die aber zum Teil bald an den Achäischen Bund verlorengingen.

3. Antigonos III. Doson, um 263/62-221 vor Christus, seit 227 König von Makedonien; Enkel des Demetrios Poliorketes; schloss 224 mit dem Achäischen Bund ein Bündnis gegen Kleomenes von Sparta und stellte die Hegemonie Makedoniens über Griechenland wieder her.

Antigua, Antigua und Barbuda: Staat in der Karibik, bestehend aus den Antilleninseln Antigua (mit 280 km2 größte der Leeward-Inseln), Barbuda (160,5 km2) und Redonda (1,5 km2). Den Hauptanteil der Bevölkerung bilden zu etwa 95 % Afroamerikaner und Mulatten, der Rest sind Weiße. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Ostkaribischen Dollar. Überwiegend bergige (höchste Erhebung Boggy Peak mit 403 m), aus Sediment- und Vulkangesteinen bestehende Inseln mit flachem Küstensaum; tropisches Seeklima. Antigua ist ein ökonomisch schwach entwickeltes kapitalistisches Agrarland, das für den Export Zuckerrohr, Baumwolle, Agrumen, für den Eigenbedarf Mais, Bataten und Yamswurzeln anbaut. Eine Verbesserung der Viehzucht und des Fischfangs wird angestrebt. In den letzten Jahren entwickelte sich der Fremdenverkehr zum dominierenden Wirtschaftszweig. Die Industrie beschränkt sich auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte (Konservenindustrie, Rum Produktion), auf die Herstellung von Baumaterialien und Textilien sowie auf eine Erdölraffinerie.

Antihistaminika: Stoffe, die die Wirkung des Gewebehormons Histamin abschwächen oder aufheben. Antihistaminika sind spezifische Histamin Antagonisten.

Antihitlerkoalition: Zusammenschluss aller am Kampf gegen das faschistische Deutschland, seine Verbündeten und Satelliten beteiligten Staaten und Völker während des 2. Weltkrieges. Die Antihitlerkoalition entstand 1941 nach dem Kriegseintritt der UdSSR, deren konsequenter Politik es gelang, sie zu einem wichtigen Instrument des Antifaschist Befreiungskrieges zu entwickeln. Siehe auch Weltkrieg, zweiter.

Antihypertonika: Arzneimittel zur Herabsetzung des erhöhten Blutdrucks.

antik: altertümlich, der Antike zugehörig; im Kunsthandel, besonders bei Möbeln, aus vergangenen Stilepochen stammend.

Antike: (französisch) das Altertum Griechenlands und Roms sowie seine Kultur; auch Kunstwerk der Antike.

Antikensammlung: Sammlung antiker Kunstwerke. Das Sammeln antiker Kunstwerke begann bereits in griechisch-hellenistischer Zeit und wurde besonders in der römischen Kaiserzeit betrieben, die Sammlungen wurden häufig durch Kunstraub zusammengebracht. In der Neuzeit wird seit der Renaissance planmäßig gesammelt. Die bedeutendsten Antikensammlungen befinden sich in Rom, Neapel, Florenz, London, Paris, Leningrad, New York, Berlin, München und Athen.

Antikglas: Nachahmung des alten grünen, schlierigen und blasigen Waldglases. Beim Hohlglas wird vor allem die Farbe nachgeahmt (Schoppen Römer) beziehungsweise die Blasigkeit (Beleuchtungsglas); antikes Tafelglas wird verschiedenfarbig, aber mit schlierig gestreifter Oberfläche gefertigt.

Antiklinorium: Geologie großer, gehobener Faltenkomplex mit mehreren Sätteln und Mulden (zum Beispiel im Rhein. Schiefergebirge). Synklinorium ist ein muldenförmiger Falten Komplex mit mehreren Sätteln und Mulden.

Antithrombotika: die Blutgerinnung hemmende Substanzen; sie werden vorbeugend und zur Behandlung von Thrombosen und Embolien verwendet, zum Beispiel Heparin, Kumarin und Indandion-Derivate.

Anticodon: (Kunstwort) Sequenz (Reihe) aus 2 Basen in der tRNS, die über die Ausbildung von Wasserstoffbrücken mit den Basen eines Codons auf der mRNS den korrekten Einbau einer Aminosäure in die Peptidkette bei der Proteinsynthese festlegt.

Antikoinzidenz-Abschirmung: Methode zur Unterdrückung der Untergrundstrahlung bei Messungen mit Strahlungsdetektoren. Durch eine Antikoinzidenz-Schaltung wird die Untergrundstrahlung von der Registrierung ausgeschlossen, wenn sie sowohl den Messdetektor als auch die umgebenden (Abschirm-) Detektoren durchdringt.

Antikonjunktion: Logik 2stellige extensionale Aussagenverbindung, die nur dann als falsch gilt, wenn beide verknüpften Aussagen wahr sind; umgangssprachlich durch «nicht sowohl ... als auch ...» auszudrücken. In der Rechentechnik wird die Antikonjunktion durch ein NAND-Glied realisiert.

Antikonzeptionsmittel, Kontrazeptiva: Mittel zur Verhütung einer Schwangerschaft. Neben mechanisch (Kondom, Pessar unter anderem) und chemisch wirkenden Antikonzeptionsmittel sind vor allem synthetisch hergestellte Abkömmlinge der weiblichen Keimdrüsenhormone, die den Follikelsprung verhindern, sogenannt hormonale Antikonzeptionsmittel, im Gebrauch.

Antikörper: spezifische Reaktionsprodukte des Organismus, die gegen Antigene gebildet werden oder im immunisierten Organismus schon vorhanden sind.

Antillen: Inselbogen von 3300 km Länge im westlichen Atlantischen Ozean, von der Halbinsel Yucatan bis zum Golf von Maracaibo. Die Antillen gliedern sich in die Großen Antillen (Kuba, Jamaika, Haiti, Puerto Rico) und die Kleinen Antillen, auch Karibische Inseln genannt (Inseln unter dem Wind, Inseln über dem Wind); 222000 km2, 28,5 Millionen Einwohner Politisch gegliedert in Kuba, Haiti, Dominikanische Republik, Jamaika, Saint Christopher und Nevis, Antigua, Dominica, Saint Lucia, Saint Vincent, Grenada, Barbados sowie noch britische, französische, niederländische und US-amerikanische Kolonialbesitzungen. Die indianische Urbevölkerung (Aruaken und Kariben) wurde schon in spanischer Kolonialzeit ausgerottet. Seitdem überwiegend Mischbevölkerung aus Afroamerikanern, ost- und südostasiatischer sowie europäischer Herkunft. Als Fortsetzung der mittelamerikanischen Kordilleren und der venezolanischen Gebirge erheben sich die Antillen bis auf 3175 m Höhe (in der Cordillera Central auf Haiti). Sie sind von jungen, tätigen Vulkanen durchsetzt. Das Äquatorialklima hat in Abhängigkeit von der Lage der einzelnen Inseln zur Entwicklung von immergrünem tropischem Regenwald, Feucht- und Trockensavanne geführt. Stark gefährdet sind die Inseln durch tropische Wirbelstürme (Hurrikane). Wichtige Anbauprodukte der tropischen Landwirtschaft sind Zuckerrohr, Bananen, Baumwolle, Tabak, Kakao, Gewürze und Ananas. Von den Bodenschätzen sind besonders Nickelerze und Bauxit von großer Bedeutung.

Antilopen: volkstümliche, zoologisch-systematisch aber unrichtige Sammelbezeichnung für verschiedene, horntragende Wiederkäuer Gruppen Afrikas und Asiens aus der Familie der Rinderartigen (Bovidae), die sich von den Rindern (Bovinae) durch einen meist leichteren, grazileren Körperbau, große Verschiedenheit der Hornformen und oftmals lebhafte Fellzeichnung und -färbung unterscheiden. Hierzu gehören unter anderem Ducker, Kuhantilopen, Pferdeböcke und Gazellen; siehe auch Buntbock, Elenantilope, Nilgau.

Antimetabolit: einem Metaboliten meist strukturähnliche Substanz, die jedoch die Stoffwechsel Leistung und damit das Wachstum und die Vermehrung der Zelle hemmt. Antimetabolit werden zur Behandlung bösartiger Erkrankungen eingesetzt. Gegenwärtig werden Verbindungen aus verschiedenen chemischen Stoffklassen genutzt, zum Beispiel Antivitamine.

Antimilitarismus: Kampf der revolutionären Arbeiterbewegung wie auch anderer antiimperialiste Kräfte und der internationalen Friedensbewegung gegen Militarismus und Imperialistischen Krieg als Erscheinungsformen des Imperialismus; Bestandteil des Kampfes der revolutionären Arbeiterbewegung für Frieden, Demokratie und Sozialismus. Wichtigste Grundlage des Antimilitarismus, der in der internationalen Arbeiterbewegung eine lange Tradition besitzt, ist der untrennbare Zusammenhang des Kampfes der Arbeiterbewegung um den Frieden mit ihrem Kampf für den Sozialismus. Der Antimilitarismus wendet sich gegen die militaristische und chauvinistische Verhetzung der Völker und gegen aggressive Militärbündnisse; er tritt für Entspannung, Abrüstung sowie für die Verhinderung oder schnellstmögliche Beendigung Imperialistische Kriege ein.

Antimon: chemisches Element der Kernladungszahl 51; Atommasse 121,75; Wertigkeiten +3, +5, -3; tritt in der Natur vor allem als Antimonit, Sb2S3, aber auch gediegen auf. Die bei normaler Temperatur beständige metallische Modifikation glänzt silberweiß und ist spröde; 630,5 °C, Kp 1380°C; Dichte 6, 68 g/cm3. Gegenüber verdünnten Säuren ist Antimon beständig, konzentrierte Salpeter- und Schwefelsäure oxydieren es. In Legierungen (Hartblei, Schrift- und Lagermetallen) verleiht Antimon weichen Metallen (Blei, Zinn) Härte; für die elektronische Industrie ist es als Dotierungsmittel für Halbleiter (zum Beispiel Germanium) unentbehrlich. Antimon wurde seit dem Altertum in Form von Antimonit als Augenschminke verwendet und auch bereits elementar hergestellt. Siehe auch Antimonverbindungen.

Antimonerze: Erze, aus denen durch Verhüttung Antimon gewonnen werden kann; wichtigstes Antinionmineral ist der Antimonit.

Antimonit, Antimonglanz: Mineral, Antimonsulfid; rhombisches Kristallsystem, nadelige Kristalle, Farbe Grau und metallisch, Härte 2, Dichte 4,6 bis 4,7 g/cm3. Historischer Fundort ist Oberböhmsdorf bei Schleiz, riesige Kristalle wurden auf Shikoku (Japan) gefunden.

Antimonverbindungen: Stoffe, die Antimon chemisch gebunden enthalten, wobei es teils als schwach basen-, teils als schwach säurebildender Bestandteil auftritt. Alle löslichen Antimonverbindungen sind giftig. Antimonate leiten sich von Antimonsäuren ab, wobei nach der Wertigkeit zwischen Antimonaten(III) (früher Antimoniten) und Antimonaten(V) unterschieden wird, aber auch Unterschiede im Wassergehalt bestehen; Beispiele sind Natriumantimonat(III), NaSb02, Bleiantimonat(V) (Neapelgelb), Pb(Sb03)2, und Kaliumantimonat(V), K(Sb(OH)6).

- Antimon(III)-chlorid (Antimontrichlorid), SbCl3, ist eine farblose, weiche, an der Luft rauchende Masse; F 73,4°C. Antimon(III)-oxid (Antimontrioxid), Sb203, ein weißes Pulver, setzt sich mit konzentrierten Säuren zu Antimonsalzen, zum Beispiel Antimon(HI)-sulfat, Sb2(S04)3, mit Basen zu Antimonaten(III) um. Antimon(V)-oxid (Antimonpentoxid), Sb205, ein gelbes Pulver, geht beim Erhitzen unter Sauerstoffabgabe in Antimon(III)-antimonat(V), über. Antimonoxidchlorid (früher Antimonchlorid), entsteht als weißer Niederschlag beim Verdünnen von Antimonchloridlösung.

- Antimonwasserstoff (Antimonhydrid, Stibin), SbH3, ist ein farbloses, übelriechendes, sehr giftiges, brennbares Gas; als seine Salze kann man die Antimonide auffassen, in denen das Antimon -3wertig ist, zum Beispiel Magnesiumantimonid, Mg3Sb2.

Antimonweiß: aus Antimon(III)-oxid, Sb203, bestehendes, chemisch widerstandsfähiges Weißpigment mit gutem Deckvermögen für temperaturbeanspruchbare Anstriche.

Antimykotika: Arzneimittel, die die Vermehrung oder das Wachstum pathogener Pilze hemmen (Fungistatika) beziehungsweise pilzabtötend wirksam sind (Fungizide); Einsatz bei Pilzerkrankungen.

Antinazistische Deutsche Volksfront, Abkürzung ADV: antifaschistische Widerstandsorganisation in Süddeutschland und Österreich mit Zentrum in München, bestand seit 1943; enges Zusammenwirken mit der von sowjetischen Offizieren geführten Organisation Brüderliche Zusammenarbeit der Kriegsgefangenen; Bildung eines gemeinsamen Zentrums zur Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes; 1944 von der Gestapo zerschlagen.

Antinomie: formale Logik streng nach den Regeln der Logik hergeleiteter Widerspruch, etwa in Form einer Aussage und ihrer Negation. Antinomien waren bereits in der antiken griechischen Philosophie bekannt, hier häufig als Aporie bezeichnet. Die Entdeckung von Antinomie in der Mengenlehre G. Cantors, in G. Freges Begründungsversuch der Mathematik und in der reinen Logik führte zur intensiven Erforschung der Antinomie und zur Entwicklung von Methoden zu ihrer Ausschaltung.

Antiochos: 1. Name syrischer Könige aus der Dynastie der Seleukiden; am bekanntesten war Antiochos III. (der Große), um 242-187 vor Christus (erschlagen), seit 223 König; ihm gelang bis 198 die Wiederherstellung des Seleukidenreiches durch Zurückeroberung Kleinasiens und Mediens; er wurde an den Thermopylen 191- und bei Magnesia 190 durch Rom besiegt und verlor 188 im Frieden von Apameia Kleinasien westlich des Tauros.

Antiparasitika: Mittel zur Vernichtung von Parasiten, zum Beispiel Läuse, Flöhe, Milben, häufig werden organische Phosphorsäureester (Delicia-Delitex-Präparate) benutzt sowie elementarer Schwefel in Form von Salben und Pasten.

Antipassat: Luftströmung oberhalb des Passats, die früher als beständige Gegenströmung der Passate angenommen wurde, jedoch nicht in dieser Form existiert.

Antipathie: gefühlsmäßige Abneigung und Ablehnung von Personen, Dingen, Zuständen unter anderem

Antiphlogistika, entzündungshemmende Mittel: Arzneimittel zur lokalen beziehungsweise allgemeine Behandlung von Entzündungen, zum Beispiel Salizylsäure-, Pyrazolidin-Derivate und Kamille.

Antiphon: Wechselgesang zwischen Solisten oder Teilchören und dem Gesamtchor, ursprünglich im Orient, im 4. Jahrhundert von Bischof Ambrosius in den westeuropäischen Kirchengesang eingeführt.

Antiplasmin: Hemmstoff des eiweißauflösenden Enzyms Plasmin, das Fibrinolyse bewirkt, zum Beispiel Contrykal.

Antipode: (griechisch, «Gegenfüßler») auf dem entgegengesetzten Punkt der Erde lebender Mensch; übertragen auf entgegengesetztem Standpunkt Stehender, Widersacher.

Antipoden Inseln: unbewohnte, zu Neuseeland gehörende Inselgruppe im Stillen Ozean, etwa 1000 km südöstlich von Neuseeland; 62 km2; bis 402 m hoch; Moose, Gras-, Strauchvegetation; nahezu als Antipoden zu Greenwich (Großbritannien) gelegen.

Antipoden Spieler: Jongleur, der mit dem Rücken auf einem speziell zugearbeiteten Kissen liegt und mit den Füßen verschiedenartige Gegenstände balanciert oder jongliert.

Antiprotozoika: Arzneimittel zur Behandlung von Protozoen Erkrankungen, zum Beispiel Trichomoniasis, Amöbenruhr, Malaria, Schlafkrankheit; häufig verwendet werden Metronidazol und Chinolinabkömmlinge.

Antipyretika, Antifebrüia (griechisch + lateinisch; Sing. -kum) n PL, fiebersenkende Mittel: Arzneimittel zum Herabsetzen erhöhter Körpertemperatur, die meisten Antipyretika besitzen gleichzeitig schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung.

Antiqua: Sammelbegriff für alle zu den runden Schriften (ausgenommen Schreibschriften) zählenden Schriftgattungen (Renaissance-Antiqua, Barock-Antiqua, klassizistische Antiqua, Linear-Antiqua). Die Großbuchstaben gehen auf die römische Kapitalschrift, die Kleinbuchstaben auf die karoling. Minuskel zurück.

Antiquar: (lateinisch) a) Händler mit gebrauchten Büchern, alten Handschriften unter anderem;

b) Antiquitätenhändler.

Antiquariat: Einrichtung, die ausschließlich mit antiquarischer, das heißt gebrauchter Literatur handelt. Der Antiquariatsbuchhandel ist ein Zweig des Buchhandels, der sich mit An- und Verkauf gebrauchter Literatur (einschließlich Zeitschriften, Handschriften, Autographen und Graphik) aller Epochen beschäftigt, soweit sie ihren wissenschaftlichen und künstlerischen Wert nicht verloren hat. Die Antiquariatsbuchhandlungen sind weitgehend spezialisiert, zum Beispiel wissenschaftliches Antiquariat, bibliophiles Antiquariat (Erstausgaben, alte und moderne Graphik und so weiter). Als Modernes Antiquariat wird der Handel mit Wert geminderter beziehungsweise beschädigter Literatur (vorwiegend aus den letzten 20 Jahren) bezeichnet.

antiquarisch: alt; gebraucht; im Altverkauf.

Antiquiert bedeutet veraltet.

Antiquitäten Altertümer, alte Kunst- und Gebrauchsgegenstände, Möbel und so weiter.

Antirheumatika: Arzneimittel gegen Rheumatismus; wirken auch schmerzlindernd und entzündungshemmend, zum Beispiel Salizylsäure-, Pyrazolidinderivate und Indomethacin.

Anti-Rh-Serum, Anti-D-Serum: Antikörper gegen das den Rh-Faktor der roten Blutzellen (Anti-D-Antikörper) enthaltende Serum, gewonnen von Personen nach Rh-unverträgliche Schwangerschaften und Transfusionen. Anti-Rh-Serum dient als Testserum zur Bestimmung des Rh-Faktors der roten Blutzellen und als Ausgangsstoff für die Herstellung des Anti-D-Immunglobulins. Siehe auch Immunprophylaxe.

Antischlupfeinrichtung: hydraulische Steuereinrichtung für den Kraftheber am Traktor zur Minderung des Schlupfes der Triebräder bei der Arbeit mit Anbaugeräten. Die Antischlupfeinrichtung wird von Hand eingestellt und bewirkt eine ständige Hubkraft, wodurch mit einem Teil der Anbaugerätelast die Abstützkraft der getriebenen Traktorhinterachse und mittelbar das Zugvermögen des Traktors erhöht wird.

Antisemitismus: (griechisch + hebräisch) feindliche Einstellung und Hetze gegen Juden; Form des Rassismus; dient der Ablenkung der Volksmassen von den Missständen der Ausbeuterordnung. Seit Ende des 19. Jahrhundert bediente sich die Reaktion in Deutschland, Österreich, Russland, Frankreich unter anderem Ländern verstärkt des Antisemitismus zur Spaltung und Irreführung der Volksmassen, um sie von ihrem wirklichen Feind, dem Monopolkapital, abzulenken. In der Zeit der faschistischen Diktatur in Deutschland (1933/45) erreichte der Antisemitismus seine barbarischste Form. Im faschistischen Deutschland und den von ihm besetzten Gebieten wurden von 8,3 Millionen Juden rund 6 Millionen systematische ermordet. In Deutschland wird der Antisemitismus von bestimmten Kräften wieder propagiert und praktiziert. In der DDR wurden durch die Verwirklichung der Bestimmungen des Potsdamer Abkommens und die Politik der Humanität und Völkerfreundschaft der Regierung alle Grundlagen für Antisemitismus beseitigt Bekundungen von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass gelten nach Artikel 6 der Verfassung der DDR als Verbrechen.

Antisepsis, Antiseptik: Abtöten von Krankheitserregern in Wunden, an den Händen des bei Operationen eingesetzten Teams, in Verbandstoffen und Geräten durch chemische Mittel.

Antiseptika: bakteriostatisch wirkende Mittel, die bei bakteriellen Infektionen der Haut und Schleimhäute (Nasen-Rachen-Raum, Blase) verwendet werden. Antiseptika nehmen eine Mittelstellung zwischen Chemotherapeutika und Desinfektionsmitteln ein.

Antistatikmittel: Substanzgemische, die durch Ausbildung einer schwach elektrizitätsleitenden Schicht die elektrostatische Aufladung und damit die Staubanziehung durch Plast- (zum Beispiel bei Schallplatten) unter anderem Oberflächen verhindern. Bei Chemiefaserstofftextilien wirken sie elektrostatische Abstoßungseffekten und lästiger Funkenbildung entgegen. Antistatikmittel enthalten schwach hygroskopische Substanzen (Glykole unter anderem) und werden zum Beispiel als Spray angewandt.

Antistreptolysin-Reaktion, Abkürzung ASR: Antigen-Antikörper-Reaktion zum Nachweis von Antikörpern gegen das von Streptokokken bestimmter serologischen Gruppen gebildete Streptolysin 0. Erhöhte Antistreptolysin-Titer (Abkürzung AST) treten nach unbehandelten Infektionen mit diesen Keimen auf. Auch bei Gesunden ist ein bestimmter AST nachweisbar (altersabhängig zwischen 75 und 250 Antistreptolysin-Einheiten). Die ASR wird fälschlich auch als «Rheumareaktion» bezeichnet, ist jedoch lediglich als Zeichen einer vorangegangenen Infektion mit Streptokokken zu werten, antisymmetrisch Relation, binäre.

Antiteilchen: Elementarteilchen, das sich vom zugehörigen Teilchen nur durch das Vorzeichen der Ladungen, und bei Fermionen der Parität, unterscheidet; für Teilchen und Antiteilchen sind daher zum Beispiel Masse, Spin, Isospin und Lebensdauer gleich. Da Antiteilchen derselben starken und elektromagnetische Wechselwirkung unterliegen wie Teilchen, ist eine Antiwelt aus Antimaterie, das heißt Antiprotonen, -neutronen und -elektronen (Positronen), die sich zu Antiatomen und -molekülen mit den gleichen Spektren wie die «normalen» Atome zusammenfügen, denkbar, so wurden zum Beispiel 1970 in Serpuchow Anti-Helium-3-Kerne erzeugt.

Antithese: 1. allgemein Gegensatz; der der These entgegengesetzte (widersprechende) Satz.

2. Stilistik: Gegenüberstellung von Bezeichnungen für Gegensätze mit gemeinsamem (meist ungenanntem) Oberbegriff, zum Beispiel Bourgeois Proletarier.

Antithrombin: natürliche, auch nach Autoaggressionskrankheiten auftretender Hemmstoff des Gerinnungsenzyms Thrombin, zum Beispiel Heparin.

Antitumor-Proteine: mitosehemmende Proteinantibiotika (zellteilungshemmende Eiweißantibiotika), die das Wachstum von Tumoren hemmen.

Antivalenz: Logik 2stellige extensionale Aussagenverbindung, die genau dann als wahr gilt, wenn eine der verknüpften Aussagen Au A2 wahr und die andere falsch ist; die Antivalenz ist umgangssprachlich etwa durch «entweder A1 oder A2» auszudrücken. Die Antivalenz wird auch als Disjunktion oder ausschließende Alternative bezeichnet.

Antivarikosa: Arzneimittel, die bei Krampfaderleiden angewendet werden, zum Beispiel Rosskastanien Präparate zur symptomatischen Therapie sowie Venenverödungsmittel.

Antivitamine, Vitaminantagonisten-, in ihrer chemischen Struktur einem Vitamin ähnliche natürliche oder synthetische Stoffe ohne Vitaminfunktion, die die Wirkung der Vitamine aufheben. Ihre Gabe führt zum Erscheinungsbild des Vitaminmangels. Antivitamine sind zum Beispiel Dikumarole.

Antizipation: (lateinisch, «Vorwegnahme») vorgreifende Annahme, Vorhersage auf Grund erkannter Gesetzmäßigkeiten. Die Antizipation beruht auf den durch die gesellschaftliche Praxis erworbenen und theoretisch verallgemeinerten Erfahrungen; sie charakterisiert das bewusste, planmäßige Handeln. Ihre Verabsolutierung führt zum Idealismus.

Antwerpen: (antverpa, «an der Werft») 1. Provinz im Norden Belgiens, östlich der unteren Schelde; 2867 km2, 1,58 Millionen Einwohner, 551 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Antwerpen 2 im Westteil fruchtbares Polderland, sonst überwiegend Sandgebiete mit Weide (Milch- und Mastviehhaltung) und Wald; in der Umgebung der Stadt Antwerpen intensiver Gartenbau.

2. Stadt im Norden Belgiens, 88 km vom Meer (Kanal), an der hier 450 m breiten Schelde; Verwaltungszentrum von Antwerpen 1; 190000 Einwohner, als Groß-Antwerpen 630000 Einwohner; vielseitige Industrie, besonders Schiffbau, chemische (Düngemittel, Schwefel, Fotochemie), Kfz- (Automontage), Textil-, Papier, Holz-, Nahrungs- und Genussmittel Industrie (Zucker, Tabak, Bier, Branntwein); Diamantenschleiferei; Erdölraffinerien; im Vorort Hoboken Kupferraffinerie; international bedeutender Überseehafen (Einfuhr von Rohstoffen, Stückgut- und Containerverkehr, Transit von und nach Nordwesteuropa, Kanalverbindungen); U-Bahn, Untertunnelung der Schelde, internationaler Flughafen Deume Börse; Universitätsabteilungen, Seefahrtsschule, Kunstakademie; Oper, Königliches Museum der schönen Künste, Schifffahrts-, Freilicht- unter anderem Museen; botanischer und zoologischer Garten; Austragungsort der Olymp. Spiele 1920; Zentrum flämischer Kultur; gotische Kathedrale (14./16. Jahrhundert), Rathaus (16. Jahrhundert), Gildenhäuser, Rubenshaus. Antwerpen wurde im 7. Jahrhundert gegründet, erhielt 1291 Stadtrecht, ab 1315 war es Mitglied der Hanse. Es entwickelte sich zum Zentrum des Welthandels (16. Jahrhundert) und war im 16. und 17. Jahrhundert bedeutende Kunststadt. Nach der Rückeroberung durch Spanien (1585) und die Sperrung der Schelde durch die Niederländer verlor es seine Weltgeltung. Antwerpen wurde 1794 französisch, 1815 niederländisch, seit 1830 ist es belgisch.

Anubis, ägyptischer Totengott; mit Hunde- beziehungsweise Schakal Kopf dargestellt.

Anunna: sumerische Sammelbezeichnung für die Götter des Himmels und der Erde oder eines bestimmten lokalen Götterkreises.

Anuradhapura: Stadt (Distriktzentrum) im Nordwesten von Sri Lanka; 36000 Einwohner; Wallfahrtsort der Buddhisten; einst Hauptstadt des singhalesisches Königreichs (5. Jahrhundert vor Christus bis 8. Jahrhundert nach Christus). Bedeutende Reste buddhistischer Architektur und Plastik; die aus Ziegeln errichteten Dagobas entsprechen dem indischen Stupa, wandeln aber dessen Form ab; am ältesten ist das Thuparama-Dagoba (3. Jahrhundert vor Christus).

Antoine, André, 31.1.1858-19.10.1943, französischer Schauspieler und Theaterleiter; gründete 1887 mit Laien das Théâtre libre (Freie Bühne) in Paris, in dem neue Dramatik durchgesetzt und ein naturalisé Darstellungsstil entwickelt wurde.

Antonello da Messina, um 1430-Februar 1479, italienischer Maler der Frührenaissance; beeinflusst von spanischer, französischer, vor allem aber altniederländischer Malerei, deren Raumauffassung, Detailfreudigkeit und fein empfundenes Kolorit in vielen seiner Werke sichtbar werden.

Antonescu, Ion, 14.6.1882-1.6.1946 (hingerichtet), rumänischer Politiker und General; errichtete im September 1940 mit Hilfe Deutschlands eine faschistische Militärdiktatur und stürzte Rumänien in den Krieg gegen die Sowjetunion. Er wurde durch den antifaschistischen Volksaufstand vom 23. 8. 1944 gestürzt.

Antoninus Pius, (lateinisch, «der Fromme») 19.9.86-7.3.161, römischer Kaiser seit 10.7.138; wurde von Kaiser Hadrian als Nachfolger adoptiert. Antoninus Pius sicherte in einigen Grenzprovinzen mit der Niederwerfung von Aufständen die römische Sklavenhaltergesellschaft, dennoch gilt seine Regierungszeit als die friedlichste der römischen Kaiserzeit.

Antragsdelikte: gesetzlich bestimmte, weniger gesellschaftswidrige Straftaten, die nur (sofern kein öffentliches Interesse besteht) auf Antrag des Geschädigten strafrechtlich verfolgt werden, zum Beispiel fahrlässige Körperverletzung.

Antreibersysteme: Systeme von Maßnahmen und Methoden zur Verschärfung der Ausbeutung der Werktätigen in der antagonistischen Klassengesellschaft. Die Kapitalisten entwickelten immer mehr Methoden der «wissenschaftliche Schweißauspressung» (Lenin), zum Beispiel Lohnformen, wie Akkordlohn, sogenannt Gewinnbeteiligungssysteme unter anderem, psychologische Einwirkungen, durch die die Arbeitshetze gesteigert wird auf Kosten der Gesundheit und Sicherheit des Werktätigen. Antreibersysteme lassen Frühinvalidität und Berufskrankheiten zunehmen.

Antrieb: 1. auf eine Maschine wirkendes Drehmoment, das in deren Anfangsglied wirksam wird. Nach der Kraftquelle unterscheidet man Hand-, Fuß-, elektrischer, Motorantrieb. Beim Gruppenantrieb, im Gegensatz zum Einzelantrieb, werden mehrere Arbeitsmaschinen gleichzeitig von einem Motor durch ein Verteiler Getriebe angetrieben.

2. im Kraftfahrzeugbau die Übertragung des Motordrehmomentes vom Wechselgetriebe zu der angetriebenen Achse. Unterschieden werden: Hinterradantrieb (Standardbauweise), Vorderrad- (Front-) Antrieb (beide bei vorn liegendem Motor); Hinterrad- (Heck-) Antrieb (bei hinten liegendem Motor) und Mehrachs- (Allachs-) Antrieb.

3. psychophysiologische Grundfunktion, in der alle inneren und äußeren Anregungen für die Aufnahme einer Tätigkeit zusammengefasst werden; im engeren Sinne der neurophysiologische Mechanismus, durch den die für die Tätigkeit notwendige biologische Energie bereitgestellt wird. Antrieb, elektrischer; Antrieb, elektromotorischer elektrischer Antrieb.

Antriebsbahn: Teil(e) der Aufstiegsbahn einer Rakete(nstufe) oder eines mit Zusatztriebwerk ausgerüsteten Raumflugkörpers, in dem (im Unterschied zur Freiflugbahn) das Triebwerk in Tätigkeit ist.

Antriebsregulation: Psychologie Prozess, in dem ein Antrieb zur Wirkung kommt; ist der Ausführungsregulation vorgeordnet und bezieht die Wahrnehmung der Situation, des eigenen Zustandes, das Handlungsziel und dessen biologische oder soziale Bedeutung für den Handelnden in sich ein.

Antrotomie: operative Eröffnung des Zell Systems im Warzenfortsatz bis zum Mittelohrraum bei Knocheneiterung (Mastoiditis), tritt vorwiegend als Komplikation der akuten Mittelohrentzündung auf.

Antubam, Kofi, 14.4.1922-7.4.1964, ghanaischer Bildhauer, Maler, Graphiker und Ethnograph; erforschte die nationale Kultur Ghanas und versuchte, deren Werte in seinen Werken mit zeitgenössisch Inhalt zu verbinden. Antubam schuf Staatssymbole des unabhängigen Ghana, gestaltete UN-Gebäude und schilderte in seinem bildnerischen Werk episodenhaft die ghanaische Geschichte; zahlreiche Ausstellungen in Europa.

Anurie: lebensbedrohlicher Zustand, bei dem von den Nieren kein Harn produziert wird; kann bei Nierenentzündung oder Vergiftung auftreten, ferner nach hochakuter Minderdurchblutung der Nieren (Schock, Kollaps, Nierenembolie).

Anwachsung: zwischen gemeinschaftlichen Eigentümern (zum Beispiel Erbengemeinschaft) bei Ausscheiden oder Ausfall eines Mitberechtigten kraft Gesetzes eintretende entsprechend Vergrößerung der Anteile der übrigen Berechtigten.

Anwendernutzen: Nutzeffekt, der beim Anwender durch Einsatz beziehungsweise Gebrauch einer Erfindung oder eines Erzeugnisses entsteht. Der Anwendernutzen steht mit dem Herstellungsaufwand des betreffenden Erzeugnisses in engem Zusammenhang. Er kann in direkter Form, zum Beispiel in der Steigerung der Arbeitsproduktivität, der Senkung der Kosten, und in indirekter Form, zum Beispiel in verbesserten Arbeitsbedingungen, ästhetische Formgestaltung, in Erscheinung treten.

Anwesenheitseffekt: durch Darbietung eines besonders großen Projektionsbildes beim Zuschauer ausgelöste Wirkung, sich direkt in die Filmhandlung einbezogen zu fühlen.

Anwohnerschutz: Teil des Umweltschutzes; Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Bevölkerung in der Umgebung von industriellen Anlagen, der Erhaltung der Tier- und Pflanzenwelt sowie von kulturellen und materiellen Werten. Spezielle Maßnahmen des Anwohnerschutz sind unter anderem Begrenzung der Emissionen von schädlichen Gasen, Dämpfen und Stäuben, Reinhaltung von Luft und Wasser, Abfall Beseitigung, Lärmbekämpfung. Siehe auch Umweltschutz.

Anzählen: Boxen Zählen des Ringrichters in Sekundenabständen, wenn ein Boxer nicht weiterkämpfen kann. Ist er bei 8 wieder kampffähig, wird der Kampf fortgesetzt, andernfalls wird ausgezählt (9, 10, aus).

Anzeigemarke: Teil der Anzeigeeinrichtung eines Messmittels, dessen Stellung zu den Teilungsmarken der Skale das Messergebnis bestimmt. Die Anzeigemarke kann zum Beispiel eine bestimmte Stelle eines körperlichen oder eines Lichtzeigers, der Meniskus einer Flüssigkeitssäule oder die bezeichnete Stelle eines Schaulochs sein.

Anzeigepflicht: gesetzliche Pflicht, bei Kenntnis vom Vorhaben, der Vorbereitung oder Ausführung bestimmter Straftaten unverzüglich Anzeige zu erstatten; Unterlassung der Anzeige ist strafbar. Siehe auch Anzeige 2.

Anzeigevorrichtung: technische Einrichtung in Sport-Stätten zur Übermittlung von Wettkampfdaten und -ergebnissen an die Zuschauer in Form von mechanischen oder elektronischen Einrichtungen in Leuchtkammer- (Leuchtkassetten) beziehungsweise Matrixtechnik (jedes Zeichen hat einen festen Platz beziehungsweise ist variabel).

Anzieher-Adduktoren, (lateinisch): Muskeln zum Heranfuhren der Gliedmaßen an den Körper oder der Finger beziehungsweise Zehen an den Mittelfinger beziehungsweise die Mittelzehe; Gegenbewegung erfolgt durch Abzieher.

Anziehungskraft: Kraft; die zwischen 2 Teilchen oder Körpern wirkt und deren gegenseitigen Abstand zu verringern sucht, zum Beispiel Kernkraft, Gravitationskraft.

Anzio: Seebad in Italien, südlich von Rom. Im 2. Weltkrieg Landung US-amerikanische Truppen am 22. 1. 1944 bei Anzio und Nettuno im Rücken der deutschen Front.

Äolipile: von Vitruv in seinem Werk «De architectura» (Von der Architektur) als Aeolipila (Windkugel) beschriebenes Dampfgebläse in Form einer Kugel, die durch den Rückstoß des unter Druck stehenden ausströmenden Dampfes in Drehung versetzt wird.

äolisch: (nach Äolus) vom Wind geschaffen; ä. nennt man die vom Wind verursachten Abtragungs- und Aufschüttungsformen (Deflationswannen, Dünen) sowie die Sedimente des Windtransportes (Treibsand, Löß). Weiterung aus der linken-Herzkammer und gliedert sich anschließend in aufsteigende A., Aortenbogen und absteigende A. Aus der A. entspringen weitere Schlagadern.

Aortenklappen: 3 taschenförmige Falten am Beginn der Aorta. Durch besondere Konstruktion und Anordnung gestalten sie einerseits den Austritt des Blutes aus dem Herzen, verhindern aber andererseits dessen Rückstrom durch Verschluss der Aortenklappen nach jedem Herzschlag.

Aortenstenose: a) angeborene Verengung der Körperschlagader (Aortenisthmusstenose); sie führt zu einer verminderten Durchblutung der unteren Körperhälfte. Eine operative Behandlung ist bereits im Säuglingsalter möglich,

b) Verengung des Ansatz Ringes der Aortenklappen oder Verwachsung der Aortenklappen Ränder als Folge einer Entzündung oder angeboren.

Aosta: Stadt in Oberitalien, Verwaltungszentrum der Region Aostatal an der Dora Baltea; 39000 Einwohner; Metallurgie (Eisen, Aluminium); Fremdenverkehr; römischer Triumphbogen, Amphitheater, mittelalterlicher Dom und Kreuzgang; Anfahrt zum Sankt-Bernhard- und zum Mont-Blanc-Tunnel.

Aostatal, italienisch Valle d’Aosta: Region mit innerer Autonomie in Oberitalien, in den Westalpen; 3262 km2, 115000 meist französisch sprechende Einwohner, 35 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Aosta; umfasst das Tal der Dora Baltea und Nebentäler, hat Anteil an den höchsten Alpengipfeln (Mont Blanc an der französischen und Monte Rosa an der schweizerischen Grenze), im Gebiet des Gran Paradiso (4061 m) der bedeutendste Naturpark Italiens (600 km2); Elektrometallurgie; Wasserkraftwerke; Almwirtschaft; Weinbau; Fremdenverkehr, Wintersportzentrum.

Apachen, Apatschen: Gruppe athapaskische Indianerstämme im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko, die dem Vordringen der Amerikaner in den letzten 3 Jahrzehnten des 19. Jahrhundert erbitterten Widerstand leisteten; früher Jäger, Sammler und Bodenbauer, heute überwiegend Schafzüchter; 23000 (z.T. in Reservationen).

Apanage: (französisch) Jahr Geld, Abfindung an die nichtregierenden Mitglieder fürstlicher Häuser in Form einer Rente oder von Grundbesitz.

Apanage Bauern: in Russland feudalabhängige Bauern, die dem Zaren und seiner Familie direkt untertan waren; wurden 1858/59 persönlich frei.

apart: (französisch, «abgesondert») eigenartig, ungewöhnlich; fein, geschmackvoll, reizvoll.

Apartheid:(-heid; afrikaans, französisch, «Absonderung», «getrennte Existenz») Bezeichnung der reaktionären Doktrin der Rassentrennung in der Republik Südafrika. Die Apartheid soll die Rassendiskriminierung, die ökonomische Ausbeutung und politische Unterdrückung der nichtweißen Bevölkerung rechtfertigen. Zur Durchsetzung der Apartheid verabschiedete das südafrikanischen Parlament zahlreiche Rassengesetze. Die Apartheid übt einen allgemeinen hemmenden Einfluss auf die Entwicklung der Produktivkräfte aus; sie ist weltweit als menschenfeindlich geächtet und stößt in der Republik Südafrika auf wachsenden Widerstand.

Apathie: (griechisch) Unempfindlichkeit, Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit am äußeren Geschehen und am eigenen Schicksal.

Apatit: Mineral, Kalziumphosphat; Kristall System hexagonal, Farbe blau, grün beziehungsweise farblos, Härte 5, Dichte 3,16 bis 3,22 g/cm3. Apatit ist wichtigstes Phosphaterz; die dichte erdige und meist schwarze Varietät ist der Phosphorit. Vorkommen in Nordschweden, Kola, Nordafrika, Kanada; von mineralogischen Interesse ist das Vorkommen von Ehrenfriedersdorf.

Apeldoorn: Stadt in den mittleren Niederlanden, in der Provinz Gelderland; 140000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Papier-, Textil-, metallverarbeitende und elektronischen Industrie; Markt Zentrum; Villen- und Gartenstadt; theologische Hochschule; 2 km nordöstlich die königliche Sommerresidenz Het Loo (1685/92), heute zum Teil Museum, im Park die Burg Oude Loo.

Apelles, griechischer Maler des 4. Jahrhundert v. nach Christus aus Kolophon, Hofmaler Alexanders des Großen; sein Werk, von dem nichts erhalten blieb, reichte thematisch von Götterdarstellungen bis zum Selbstbildnis; galt als größter Maler der Antike.

Apennin, Apenninen: junges tertiäres Faltengebirge, das die Apenninhalbinsel (Italien) von den Meeralpen bis nach Nordsizilien durchzieht; 1200 km lang, bis zu 150 km breit; nach Osten und Südosten allmählich abgedacht, nach Westen im offenen Bogen zum tyrrhenischen Senkungsfeld steil abfallend; mit tätigem Vulkanismus (Vesuv), häufigen Erdbeben und Thermalquellen. Der nördlichen Apennin (Ligurische und Toskanische Apennin) ist ein bis zu 2165 m hohes Kettengebirge, der mittlere (Hoch-) Apennin, zu dem Gran Sasso d’Italia (2914 m) und La Maiella (2795 m) in den Abruzzen gehören, ist in einzelne schroffe Kalkstöcke aufgelöst, der südlichen Apennin ist ein von einzelnen Gipfeln überragtes Bergland. Nördlicher und mittlerer Apennin weisen vielfältige Bodenschätze in zumeist kleinen Lagerstätten auf (Eisen-, Kupfer-, Zinnerz, Quecksilber, Marmor, Borax). Nach starker Entwaldung verkarstete der Apennin; auf den Hochflächen nur noch Macchie, an den Hängen Anbau von Oliven, Agrumen, Wein und Obst; Bevölkerungsabwanderung (Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzflächen), doch zunehmender Fremdenverkehr.

Apennin Halbinsel, Apenninenhalbinsel: mittlere der 3 Halbinseln Südeuropas, zwischen dem Adriatischen Meer im Osten, dem Ion. Meer im Süden und dem Tyrrhenischen Meer im Westen; nach dem Apennin, ihrem Gebirgsrückgrat benannt; 149000 km2, 800 km lang, bis 200 km breit; der südliche Teil (Mezzogiorno) ist gegenüber dem nördlichen Teil in der ökonomischen und sozialen Entwicklung stark zurückgeblieben.

Aperçu: (französisch) geistreicher Einfall; geistreiche Bemerkung; kurzer Überblick.

Aperitif: (französisch) mit verschiedenen Drogen (außer Wermutkraut) aromatisierter Wein unter Zusatz von Primasprit und Zucker; besitzt Dessertwein Charakter; ist appetitanregend.

Apfel, Malus: aus Vorderasien stammendes Kernobst aus der Familie der Rosengewächse mit rundlichen fleischigen Früchten. Eine heimische Wildart ist der Wild- oder Holzapfel (M. sylvestris). Er hat im Gegensatz zu dem in vielen Sorten angebauten Kulturapfel (M. domestica) meist dornige Zweige.

Apfelblütenstecher, Anthonomus pomorum: 3,5 bis 4,5 mm langer Rüsselkäfer, legt seine Eier in Blütenknospen, die von den Larven (Kai Wurm) ausgefressen werden; die Knospen fallen nicht ab.

Apfelbrand: aus vergorener Apfelmaische hergestellter Edelbrand ohne Zusatz von zuckerhaltigen Stoffen.

Apfelkorn: aus gespritetem Apfelsaftkonzentrat hergestellte schwachsüße branntweinähnliche Spirituose; Alkoholvolumenanteil 24%.

Apfelsäure: eine farb- und geruchlose, kristallisierte, wasserlösliche Substanz von rein saurem Geschmack; systematischer Name Monohydroxybutandisäure; F 100°C; die Salze und Ester heißen Apfelsäure ist optisch aktiv; die linksdrehende L-Form ist neben Zitronensäure die im Obst, besonders Steinobst, am häufigsten vorkommende Fruchtsäure.

Apfelschorf: durch den Schlauchpilz Venturia inaequalis hervorgerufene Krankheit des Apfelbaumes. Die Bekämpfung erfolgt durch Fungizid Behandlung.

Citrus sinensis, Apfelsine, Orange,: immergrünes südostasiatische Rautengewächs mit glänzenden Blättern, weißen oder rötlichen Blüten und großen vitaminreichen Beerenfrüchten; siehe auch Zitrusfrüchte.

Apfelwickler, Laspeyresia pomonella: 16 mm spannender Wickler mit grau gezeichneten Vorderflügeln; legt die Eier an junge Äpfel; die Raupe (Obstmade) bohrt sich in junge Früchte ein; der Fraß Gang ist mit Kot angefüllt.

Aphakie: (griechisch) Linsenlosigkeit des Auges.

Aphasie: (griechisch) Unfähigkeit des Sprechens oder des Verstehens der Sprache bei Unversehrtheit von Sprechorganen und Gehör, auf Grund lokaler zerebraler Schädigung.

Aphonie: (griechisch) vorübergehende oder dauernde Stimmlosigkeit, funktionell oder organisch bedingt.

Aphorismus: (lateinisch griechisch) kurzgefasste Aussage, die schlagkräftig und prägnant einen bestimmten Gedanken erhellt und originelle Ideen und Urteile thesenhaft in einem Satz oder in nur wenigen Sätzen vermittelt. Erste Blüte in der französischen Aufklärung des 17./18. Jahrhundert (F. La Rochefoucauld, B. Pascal, M. Montaigne unter anderem). Meister des aufklärerischen Aphorismus in Deutschland war G. C. Lichtenberg. Goethe, F. Schlegel, H. Heine haben das Genre bereichert. In der sozialistischen Literatur hat sich vor allem J. R. Becher um die Entwicklung des Aphorismus verdient gemacht.

aphotisch: (griechisch) lichtlos; besonders für die größeren Tiefen der Gewässer und Meere gebraucht, die vom Sonnenlicht nicht mehr erreicht werden.

Aphrodisiaka: Mittel, die den Geschlechtstrieb anregen sollen. Aphrodite, griechische Göttin der Liebe und Schönheit (römisch Venus), Tochter des Zeus und der Dione, Gemahlin des lahmen Gottes Hephästus. Ihr Sohn von Ares war der Liebesgott Eros. Sie liebte Adonis und Anchises, dem sie Äneas gebar. Beim Streit der Göttinnen um den Preis der Schönheit (Eris) erhielt sie von Paris den Preis zuerkannt.

Aphthen: äußerst schmerzhafte, grauweiße, von einem roten Rand umgebene Bläschen oder Flecke, die auf der Mundschleimhaut vereinzelt oder gehäuft erscheinen; bevorzugt schubweise im Zusammenhang mit Verdauungsstörungen, Pubertät und Menstruation.

Apogamie: Spezialform der Apomixis. Aus einer Nicht-Keimzelle des Gametophyten wird ein Sporophyt (bei Famen) beziehungsweise Embryo (bei höheren Pflanzen) gebildet.

Apogäumstriebwerk: Raketentriebwerk (meist Feststofftriebwerk) zur Veränderung der elliptischen Aufstiegsbahn (Übergangsbahn) bestimmter künstlicher Erdsatelliten (vornehmlich Nachrichten- und Wettersatelliten) in eine kreisähnliche geostationäre Bahn mittels eines Antriebsimpulses im Apogäum.

Apokalypse, Apokatyptik beide (griechisch): jüdische und christliche Schriften, die, sich auf göttliche Erleuchtung berufend, das Geschehen der erwarteten Weitendzeit enthüllen wollen. zwischen den auf Geschichtsereignisse bezogenen Prophezeiungen im Alten Testament und der späteren Apokalypse (Verwendung von Visionen, Allegorien und Zahlenspekulationen) bestehen fließende Übergänge.

Apokryphen: 1. die nicht im hebräischen Kanon des Alten Testaments, sondern nur in der griechischen Übersetzung (Septuaginta.) enthaltenen Schriften, zum Beispiel Judith, Tobias, Weisheit Salomos.

2. Schriften aus frühchristlicher Zeit, die nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen wurden, unter anderem Evangelien, Briefe, Apokalypsen und Apostelerzählungen.

apolitisch: gleichgültig in Bezug auf das gesellschaftliche und politische Leben. Eine apolitische Haltung ist kleinbürgerlich-individualistisch, sie dient dem Klassengegner und wird in den Ausbeuter Ordnungen von den Herrschenden bewusst gefördert.

Apoll, griechisch Apollon, lateinisch Apollo, griechischer Gott, Sohn des Zeus und der Leto, Zwillingsbruder der Artemis; als Gott des Lichtes (Beiname Phöbus, griechisch Phoibos, lateinisch Phoebus) wurde er später mit dem Sonnengott Helios identifiziert. Als Gott der Weissagung gab Apoll durch Pythia in Delphi Orakel. Als Gott der Künste war er Führer der Musen (Musaget); er wehrte Übel ab, schützte Ackerbau und Viehzucht und war auch Gott der Heilkunst und strafender Bogenschütze.

Apologeten: 1. christlicher Schriftsteller des 2. Jahrhundert, die das Christentum gegen heidnische Kritiker verteidigten.

2. Verteidiger umstrittener, meist reaktionärer Lehren und Institutionen (zum Beispiel Apologeten des Imperialismus).

Apologetik: theoretische Rechtfertigung und Verteidigung historisch überlebter Anschauungen, Interessen und Zustände; besonders auch historisch überlebter Produktionsweisen (politökonomische Apologetik).

Apomixis: (griechisch) Bildung von Embryonen ohne Befruchtung. Formen der Apomixis sind Apogamie, Parthenogenese.

Apomorphin: (lateinisch griechisch) halbsynthetisch aus Morphin gewonnenes starkes Brechmittel; wird bei verschiedenen Vergiftungen verwendet.

Aponeurose: (griechisch) flächenhafte Sehne; dient Muskeln als Ursprung oder Ansatz.

Apophyse: (griechisch)

1. Anatomie: durch besonderen Knochenkern entstandener Knochenfortsatz, zum Beispiel Domfortsatz am Wirbel.

2. Geologie: seitliche Abzweigung eines Ganges in das Nebengestein.

Apophysenlösung: Ablösen von Knochenfortsätzen vor Schluss der Apophysenfugen bei Jugendlichen infolge von Knochenerkrankungen oder Unfallereignissen.

Aporie: (griechisch) Denkschwierigkeit; sich scheinbar jedem Lösungsversuch entziehendes Problem. Siehe auch Antinomie.

Aposiopese: (griechisch) unvermittelter Abbruch des Satzes infolge Unterbrechung des Gedankenganges oder als bewusst eingesetztes Stilmittel («Hol dich...»; «Er schrie und...»).

Apostasie: (griechisch) Lossagung von der christlichen Kirche; übertragen Abfall von einer Gemeinschaft, einem Grundsatz.

Apostelgeschichte: neutestamentliche Schrift, wahrscheinlich von Lukas verfasst; schildert die Entwicklung der Jerusalemer Urgemeinde und die Missionstätigkeit des Paulus bis zu seiner Gefangenschaft in Rom.

Apostel: Gesandter, Sendbote, Verkünder einer Lehre; die 12 Jünger Jesu. Auch Paulus nannte sich nach seiner Bekehrung Apostelgeschichte.

a posteriori: (lateinisch, «vom Späteren her») bei I. Kant nach der, durch die Erfahrung; aus der Erfahrung stammend; jede Erkenntnis, die nur aus der Sinneserfahrung stammt und deshalb nicht allgemeingültig sei. Siehe auch a priori.

Apotheke: (griechisch, «Lager») Betrieb für die Versorgung der Bevölkerung und der medizinischen Einrichtungen mit Arzneimitteln. Es gibt öffentliche und nichtöffentliche (zum Beispiel Krankenhaus-) Apotheke Der Apothekenleiter muss approbierter Apotheker sein. Eine Apotheke verfügt im Allgemeinen über einen Raum für Verkauf und Rezeptur (Offizin), Laboratorien zur Untersuchung und Herstellung von Arzneimitteln und über Lagerräume. Die Entstehung der Apotheke im heutigen Sinne geht auf das Edikt von Salerno (1240) Friedrichs n. zurück.

Apothekergewichte, Medizinalgewichte: alte Masseeinheiten, örtlich verschieden. Das Pfund hatte Werte zwischen 350 und 420 g. In Preußen war (1816/68) 1 Pfund = 350,783 g = 12 Unzen zu 29,232 g = 24 Lot zu 14,616 g = 96 Drachmen zu 3,653 g = 288 Skrupel zu 1,218 g = 576 Oboli zu 0,609 g = 5760 Gran zu 0,061 g.

Apotheose: 1. Vergöttlichung eines Menschen, besonders von Herrschern des Altertums und des Feudalabsolutismus, und deren Darstellungen in der bildenden Kunst.

2. künstlerisch überhöhter Schlussteil einer Theater-, Revue- oder Show-Aufführung.

Apotropaion: Gegenstand zur vermeintliche Abwehr von Dämonen, Krankheit und so weiter. Der Glaube an die Macht des Apotropaion als Abwehrzauber beruht auf abergläubische Vorstellungen insbesondere religiösen Charakters in frühen gesellschaftlichen Verhältnissen (Aberglaube).

Appalachen: ausgedehntes Mittelgebirgssystem im Osten Nordamerikas, von Neufundland bis in die Südstaaten der USA; 2600 km lang, bis 300 km breit. Höchste Erhebung ist der Mount Mitchell mit 2037 m in den Blue Ridge. Im Wesentlichen aus Sedimentiten, in Teilen der Blue Ridge und im Piedmont Plateau aus kristallinen Gesteinen bestehend. Die Talfurche des Mohawk und Hudson trennt die Appalachen in die glazial überformten nördlichen Appalachen mit Rumpfflächencharakter und in die südlichen A, die eine deutliche Ost-West-Gliederung aufweisen, die durch tektonischer Struktur und Gesteinsunterschiede bedingt ist. Das im Osten an der Fallinie (Fall Line) unter das Schwemmland der Küste abfallende Piedmont Plateau grenzt im Westen an die steil aufsteigenden Blue Ridge, den aufgeschobenen Ostrand der Appalachen Nach einem Steilabfall nach Westen schließt das Große Appalachental (Great Appalachian Valley) an, das im Nordwesten in das weite, flachwellige Appalachen Plateau (im Norden Alleghenygebirge, im Süden Cumberland-Plateau) übergeht. Diese Valley- und Ridge-Province weist mit ihren parallel verlaufenden Tälern und Schichtkämmen das für die Appalachen typische Relief auf. Infolge der großen Nord-Süd-Erstreckung treten beträchtliche Klimaunterschiede auf. Die Jahresniederschläge reichen bis zu 2000 mm. Dichtes Gewässernetz mit bedeutendem Wasserkraftpotential (unter anderem Kraftwerkskaskade am Tennessee). Die Eichenwälder im Westen gehen nach Osten hin in Mischwald (Kastanie, Eiche, Linde) und schließlich in Buchen-Ahom-Wälder über. Die Appalachen sind reich an Bodenschätzen, besonders an Steinkohle, Eisenerz, Erdöl, Erdgas; ferner an Bunt- und Edelmetallen.

Apparat: 1. Anatomie: Begriff für funktionell zusammengehörige Organe, zum Beispiel Bewegungsapparat (Knochen, Bänder, Gelenke, Muskulatur).

2. Technik: Arbeitsmittel zur Be- und Verarbeitung von gasförmigen, flüssigen oder festen Stoffen (zum Beispiel Verdampfer, Trockner, Sieb) oder zur Übertragung von Energie (zum Beispiel Wärme Überträger) beziehungsweise zu anderen Zwecken verwendet. Der Apparat besteht im Allgemeinen aus mehreren Bauelementen und hat meist keinen mechanischen Antrieb.

Appendizitis: Entzündung des Wurmfortsatzes am Blinddarm (sprachüblich als Blinddarmentzündung bezeichnet); Symptome der Appendizitis sind unter anderem Bauchschmerz, Erbrechen oder Brechreiz. Die Behandlung besteht in unverzügliche operativer Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie).

Appenzeller Alpen: schweizerische Alpenkette zwischen Boden- und Walensee, aufgebaut aus Kreidekalkgestein und nördlich vorgelagerten tertiären Molasse- und Flyschbergen; Churfirsten (bis 2306 m), Säntis (2502 m).

Appenzeller Krieg: Auseinandersetzung der Bauern von Appenzell und der Bürger der kleinen Städte südlich des Bodensees mit einer Fürstengruppe unter dem Abt von Sankt Gallen 1401/08 gegen dessen Versuch, seine Landesherrschaft auszubauen und die Bauern in die Leibeigenschaft herabzudrücken. Trotz einer militärischen Niederlage 1408 bei Bregenz und der Auflösung ihres Bundes durch König Ruprecht behaupteten die

2. gibt es entsprechend Arzneiformen. Man unterscheidet zwischen enteralem Appenzeller Krieg (über den Magen-Darm-Trakt), parenteraler Appenzeller Krieg (durch Injektion) und lokaler Appenzeller Krieg (auf Haut und Schleimhäute). Von der enteralen Appenzeller Krieg wird am häufigsten die orale Appenzeller Krieg (durch den Mund), zum Beispiel Tabletten und Lösungen, und die rektale Appenzeller Krieg (durch den Enddarm), zum Beispiel Zäpfchen, genutzt. Die wichtigsten Injektionsarten sind intrakutan (in die Haut), subkutan (unter die Haut), intramuskulär (in den Muskel), intravenös (in die Vene), intralumbal (in den Lumbalraum) und intraperitoneal (in die Bauchhöhle).

3. Wirtschaft: Information über zu erwartende oder erzielte Forschungs- und Entwicklungsergebnisse, besonders über neue Erzeugnisse und Verfahren, die vom Hersteller gegenüber möglichen Anwendern erfolgt; dient der schnelleren Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts.

Apposition, Beifügung, Beisatz: Satzglied, das als substantivisches Attribut vor- oder nachgestellt ein anderes Substantiv oder Pronomen näher bezeichnet; steht im gleichen Kasus wie das Beziehungswort, zum Beispiel Nathan «der Weise».

Appositionswachstum, Juxtaposition, Anlagerungswachstum: Mineralogie Wachstum eines Kristalls durch parallelschichtigen Stoffansatz von außen her im Gegensatz zum Intussuszeptionswachstum der Organismen.

Appretur, Ausrüstung: chemische und mechanische Verfahren, Textilien mittels Textilhilfsmitteln und Maschinen eine ihrem Zweck entsprechend Eigenschaft, Beschaffenheit und ein gewünschtes Aussehen zu geben.

Approbation: 1. Bestätigung; Genehmigung, Bewilligung; Billigung.

2. staatliche Genehmigung für Ärzte, Zahnärzte und Apotheker zur eigenverantwortlichen Ausübung ihres Berufes.

3. in der katholischen Kirche die Genehmigung zum Druck einer religiösen Schrift.

Approximation: näherungsweise Darstellung mathematischer Objekte durch einfacher zu behandelnde (Zahlen, Funktionen, Operatoren und so weiter); bei Funktionen die Bestimmung eines Elementes g(x) aus einer Funktionenklasse G, das von der zu approximierenden Funktion f(x) in einem gewissen Sinne möglichst wenig abweicht und mitunter Proximum genannt wird. Abweichungsmaß ist bei der Tschebyschow-Approximation die Maximalabweichung T(g, f) : = max If(x) g(x)l in einem Intervall. Die Methode der kleinsten Quadrate und die Interpolation sind weitere spezielle Approximationsmethoden mit anderen Abweichungsmaßen. Als Funktionenklasse G wird oft die Menge der gewöhnlichen oder trigonometrischen Polynome eines bestimmten Grades verwendet.

Appu-Erzählung: in hethitische Sprache überliefertes «Märchen» vom reichen Appu, dessen Bitte um Nachkommen vom Sonnengott erhört wird. Ihm werden 2 Söhne geboren, «Gut» und «Böse»; letzterer versucht, seinen Bruder nach dem Tode des Vaters zu übervorteilen. Der Schluss der Appu-Erzählung ist verloren.

Apraxie: (griechisch) die Unfähigkeit, gezielte Bewegungen auszuführen; verursacht durch lokale Hirnschädigung.

Après-Ski-Kleidung: (französisch après, «nach») sportliche Winterbekleidung, die nicht zur aktiven Ausübung des Wintersports, sondern vor- oder nachher im Hause oder auch im Freien getragen wird; durch die Mode sehr vielfältig beeinflusst.

Applaus: Beifall bei künstlerischen oder anderen Veranstaltungen durch Klatschen, Rufen oder andere Formen der Zustimmung und Begeisterung; seit dem 17. Jahrhundert im europäischen Theater allgemein üblich. Apple Erdsatellit, künstlicher.

Apperzeption: aktives erkennendes Verhalten; willentliche Erfassung und gedanklichen Eingliederung desjenigen Teils der menschlichen Wahrnehmungen, der die Bewusstseinsschwelle überschreitet und damit bewusst wird. Es werden stets ungleich mehr Umweltreize perzipiert (in der Form von Wahrnehmungen aufgenommen) als apperzipiert (über die Bewusstseinsschwelle gehoben).

Appetitzügler, Anorexika: Arzneimittel mit appetitvermindernder Wirkung, die bei Übergewichtigkeit eingenommen werden können. Ständiger, unkontrollierter Gebrauch führt zu gesundheitlichen Schäden.

Aprikose: («frühreif»), Prunus armeniaca: aus Mittelasien stammendes Steinobstgewächs mit eiförmigen orangefarbenen Steinfrüchten. Die Hauptanbaugebiete liegen in warmgemäßigten Gebieten Europas, Ostasiens sowie Nord- und Südamerikas.

Aprilscherz: «jemanden in den April schicken», das heißt jemanden am 1. April durch scherzhaft falsche und womöglich zu im Ergebnis erheiternden Handlungen verleiten. Ursprung des seit dem 17. Jahrhundert bekannten, auch bei anderen Völkern üblichen Brauches ist ungeklärt.

April (dat., «der Öffnende»), Ostermond: 4. Monat des Jahres, mit 30 Tagen.

a priori: (lateinisch, «vom Früheren her») in der Philosophie I. Kants für «unabhängig von der Erfahrung, vor der Erfahrung»; a p. ist nach ihm Erkenntnis, die aus den Formen der reinen Anschauung CT Raum und Zeit) und des Verstandes (Kategorien) gewonnen wird, aller Erfahrungserkenntnis vorausgeht, diese erst ermöglicht und ihr Notwendigkeit und Allgemeingültigkeit verleiht. Siehe auch a posteriori.

Apriorismus: idealistische erkenntnistheoretische Richtung, die annimmt, es seien vor jeder Erfahrung gegebene und von ihr unabhängige Erkenntnisse möglich.

Apsiden: die 2 Punkte der elliptischen Bahn eines Himmelskörpers, die vom Mittelpunkt des Körpers, den er umläuft, den größten und den kleinsten Abstand haben. Für Körper im Erdumlauf, zum Beispiel Mond und künstliche Satelliten, heißen sie Apogäum (Erdferne) beziehungsweise Perigäum (Erdnähe), für Satelliten, die den Mond umlaufen, Aposelen (Mondferne) beziehungsweise Periselen (Mondnähe), für Planeten Aphel (Sonnenferne) beziehungsweise Perihel (Sonnennähe), bei Doppelsternen in Bezug auf den Hauptstern Apastron (Sternferne) beziehungsweise Periastron (Sternnähe), bei der Sternbewegung um das Milchstraßenzentrum Apo- beziehungsweise Perigalaktikum (größter beziehungsweise kleinster Abstand vom Milchstraßenzentrum). Die Apsidenlinie ist die gerade Verbindung der Apsiden

Aqua: lateinisch Name für Wasser, zum Beispiel Aqua destillata (destilliertes Wasser), Aqua bidestillata (doppelt destilliertes Wasser), Aqua deionisata (entsalztes («ionenfreies») Wasser). Pharmazeutisch und medizinisch verwendet werden zum Beispiel Aqua ad injectionem (destilliertes und sterilisiertes Wasser zur Injektion und für Augentropfen), Aqua aromaticae (aromatisches Wässer, zur Geschmacksverbesserung bestimmter Arzneien).

Aquädukt: römische Wasserleitung, die auf steinernen, oft mehrstöckigen Bogenkonstruktionen über Land geführt wird. Die Aquädukte gehören zu den größten Leistungen der römischen Ingenieur- und Baukunst.

Aquakultur: intensive Aufzucht von nutzbaren Wasserorganismen der Meere und Binnengewässer (vornehmlich Fische, Krebse, Muscheln, Algen).

Aquaplaning: (dat. + englisch, «Wassergleiten») Aufschwimmen der auf nasser Fahrbahn mit hoher Geschwindigkeit rollenden Fahrzeugreifen auf einen Wasserkeil, wodurch der Kraftschluss mit der Fahrbahn nahezu verlorengeht.

Aquarellfarben: wasserlösliche Lasurfarben, die, im Gegensatz zur Deckfarbe, den hellen Malgrund (meist Papier) durchscheinen lassen oder als Lichter aussparen.

Aquarienfische: überwiegend Kleine Fische, die auf Grund ihrer Form, Färbung beziehungsweise besonderen Verhaltens in Zimmeraquarien gepflegt oder gezüchtet werden. Dabei spielen Süßwasserfische, zum Beispiel Barben, Buntbarsche, Labyrinthfische, Salmler, Zahnkarpfen, eine weitaus größere Rolle als Meeresfische, deren Haltung großen technischen Aufwand erfordert.

Aquarienkunde: als Liebhaberei entstandene Lehre von der Haltung und Pflege wasserlebender Organismen in Aquarien.

Aquaristik: Beobachtung, Pflege und Zucht von Wassertieren (Fische, Insekten) und -pflanzen in Aquarien.

Aquarium: Behälter zur Pflege und Zucht von wasserlebenden Tieren, besonders Fischen; auch entsprechend Gebäude zur Schaustellung.

aquatisch: Geologie in den Gewässern des Festlandes entstanden; zum Beispiel aquat Sedimente.

Äquator: (lateinisch, «Gleicher») größter, von beiden Polen gleich weit entfernter Kreis auf der Oberfläche eines Himmelskörpers oder am Himmelsgewölbe. Der Erdäquator teilt die Erde in eine Nord- und eine Südhalbkugel, seine Ebene steht senkrecht auf der Rotationsachse der Erde, und sein Umfang beträgt 40076,59 km. Der thermische oder meteorologische Ä. verbindet die Werte mit der höchsten Jahresmitteltemperatur, ist im Mittel um 0,5 °C wärmer als der geographische Ä. und liegt bei etwa 8° bis 10° n. Br.

Aquavit: (lateinisch) Trinkbranntwein dänischer Herkunft mit Kümmelgeschmack, aus Primasprit beziehungsweise Korndestillat (Edel-Aquavit).

Äquidensitogramm: Aufzeichnung der Äquidensiten einer fotografischen Aufnahme, um spezielle Informationen zu erhalten. Eine Äquidensite ist in einem Negativ die Kurve gleicher Schwärzung. Sie wird gewonnen, indem das Negativ zum Beispiel auf fototechnischen Film kopiert, der Film entwickelt, diffus belichtet und nochmals entwickelt wird. im Allgemeinen enthält ein Ä mehrere Äquidensiten, die auch in verschiedenen Farben hergestellt werden können (Farbäquidensitogramm).

Äquilibrist: Artist, dessen künstlerische Arbeit auf Gleichgewichtsleistungen, das heißt Balancen auf Leitern, Rädern, auf dem Seil, mit Perche oder mit Partnern unter anderem aufgebaut ist.

Aquincum: Hauptstadt der römischen Provinz Ostpannonien, im heutigen nördliches Stadtgebiet von Budapest gelegen. Ausgrabungen seit 1854 (Mauer, Amphitheater, Thermen, Kultstätten, Marktplätze unter anderem).

Äquinoktialstunde: Teil des vollen Tages, der in 24 gleich lange Zeitabschnitte unterteilt wird. Die Ä. wurde im 14. Jahrhundert mit der Entwicklung der Räderuhr eingeführt und wird von mechanischen, elektrischen und elektronischen Uhren angezeigt. Siehe auch Temporalstunde.

Äquinoktium: (lateinisch aequus, «gleich», und nox, «Nacht»;) Zeit der Tag- und Nachtgleiche. Die Sonne steht zur Zeit des Ä auf ihrer scheinbaren Bahn in einem der Schnittpunkte der Ekliptik mit dem Himmelsäquator (Äquinoktialpunkte)). Der Schnittpunkt, in dem die Sonne vom Süd zum Nordhimmel überwechselt, heißt Frühlings- oder Widderpunkt (siehe auch astronomische Zeichen), der Gegenpunkt Herbst- oder Waagepunkt. Das Frühlingsäquinoktium fällt meist auf den 21. März, das Herbstäquinoktium auf den 23. September. An diesen Tagen sind für alle Orte der Erde Tag und Nacht gleich lang. Der Frühlingspunkt ist der Nullpunkt für eine Koordinate im Rektaszensionssystem (Koordinatensystem 1).

Aquitanien: historisches Gebiet im Südwesten Frankreichs, beiderseits der unteren Garonne, an der Küste des Golfes von Biskaya zwischen Garonne und den westlichen Pyrenäen; als Wirtschaftsregion 41408 km2, 2,5 Millionen Einwohner, 60 Einwohner/km2; wichtigster Ort Bordeaux; waldreich; Erdgas-, Erdölförderung, Elektrochemie und -metallurgie, Flugzeug- und Lebensmittelindustrie; Wasserkraftwerke; Weinbau. Seit Ende des 9. Jahrhundert selbständiges Herzogtum im französischen Königreich, fiel 1152 an die Grafen von Anjou, die seit 1154 gleichzeitig die Könige von England stellten. Seit 1453 unterstand Aquitanien wieder vollständig der Herrschaft der französischen Könige.

äquivalent: 1. allgemein gleichwertig, entsprechend.

2. Logik: Bezeichnung für verschiedene Beziehungen zwischen je 2 Aussagen, und zwar

a) dass deren Äquivalenz wahr ist,

b) dass jede aus der als Prämisse genommenen anderen ableitbar ist,

c) dass jede der beiden Aussagen eine logische Folgerung der anderen ist.

3. Mathematik: Äquivalenzrelation.

Äquivalent: 1. allgemein Gegenwert, Wertgleiches.

2. politische Ökonomie: Ware, die beim Austausch als Wertausdruck einer, mehrerer oder aller Waren dient. Im Verlaufe der Entwicklung der Warenproduktion übernahm das Gold die Funktion des allgemeine Ä.; siehe auch Geld.

Äquivalentdosis: Produkt H=DQ aus Energiedosis D und einem Qualitätsfaktor Q; SI-Einheit Sievert (Sv). Mit der Ä. kann man verschiedene Arten ionisierender Strahlung bezüglich ihrer (zum Beispiel biologischen) Wirkung einheitlich beurteilen.

Äquivalentenaustausch: Austausch der Waren zu gleichen Werten, das heißt gleichen Mengen der in den Waren verkörperten gesellschaftlich notwendigen Arbeit (Wertgesetz). Unter den Bedingungen privater Warenproduktion und freier Konkurrenz schwanken die Warenpreise nach Angebot und Nachfrage um den Wert, die Waren verkaufen sich im Durchschnitt zu ihren Werten. Die Summe der Preise aller Waren entspricht der Summe aller Werte. Im Sozialismus erfolgt der Ä mittels der planmäßigen Preisbildung, auf der Grundlage einer gesetzmäßigen Wertmodifikation. Abweichungen der Preise vom Wert werden planmäßig getroffen, zum Beispiel um ökonomische Anreize zu schaffen und die sozialpolitischen Maßnahmen zu realisieren.

Äquivalenz: Logik 2stellige extensionale Aussagenverbindung, die genau dann als wahr gilt, wenn die verknüpften Aussagen Alt A2 gleichen Wahrheitswert haben; die Ä. wird umgangssprachlich durch «Ai genau dann, wenn A2» ausgedrückt.

Äquivalenzprinzip: 1. Physik: Folgerung aus der universell gültigen Gleichheit von Träger und schwerer Masse, wonach ein beschleunigt bewegtes Bezugssystem einer Schwerebeschleunigung physikalisch äquivalent ist; zum Beispiel kann ein Beobachter in einem geschlossenen Kasten prinzipiell nicht entscheiden, das Fallen eines Körpers im Kasten durch Schwerebeschleunigung, das heißt Gravitation, oder durch Beschleunigung des Kastens bewirkt wird. Das Äquivalenzprinzip gilt wegen der räumlichen und zeitlichen Änderung des Gravitationsfeldes nur in kosmisch kleinen Raum-Zeit-Bereichen. Siehe auch Relativitätstheorie.

2. Wirtschaft: Wertgesetz.

Äquivalenzreiation: Mathematik binäre Relation R in einer Menge M, die reflexiv, symmetrisch und transitiv ist. Stehen Elemente x, y von M zueinander in der Äquivalenzreiation R, so heißen x, y r äquivalent (kurz: äquivalent). Die Menge aller zu x aus M Ä-äquivalenten y aus M heißt Restklasse (Äquivalenzklasse) von x nach R. Die Menge M/R aller Restklassen von Elementen aus M nach R heißt die Faktormenge (der Quotient) von M nach R. Die Faktormenge M/R ist eine Zerlegung der Menge M in paarweise elementfremde nichtleere Teilmengen. Eine Äquivalenzreiation ist zum Beispiel die Relation R in der Menge der ganzen Zahlen, die genau dann zwischen ganzen Zahlen m, n besteht, wenn m und n bei Division durch 7 denselben Rest lassen; es gilt zum Beispiel 2-9 (R) und 12-8 (R).

Äquivalenzziffer, Entsprechungszahl: Umrechnungszahl, mit der unterschiedliche Merkmalsgrößen durch eine einheitliche Basisgröße ausgedrückt oder unterschiedliche Maßeinheiten in eine gemeinsame Maßeinheit überführt werden. Zur Berechnung wird von einer bestimmten Merkmalsgröße ausgegangen (zum Beispiel Getreideeinheit als dt GE); alle anderen Größen (zum Beispiel die übrigen Fruchtarten entsprechend ihrer ernährungswirtschaftliche Bedeutung im Vergleich zu den Getreidearten) werden darauf umgerechnet. Als Äquivalenzziffer ergibt sich zum Beispiel für 10 dt Kartoffeln 10 • 0,25 dt GE = 2,5 dt GE. Äquivalenzziffern dienen der Addierbarkeit von Gebrauchsgegenständen mit unterschiedlichen Merkmalsgrößen.

Äquivalenzziffernrechnung: Form der Divisionskalkulation, bei der die produzierten Mengen unterschiedlicher Erzeugnisse mit Hilfe von Äquivalenzziffern kostenmäßig vergleichbar gemacht und in gleichartige Verrechnungseinheiten umgerechnet werden. Ä. wird angewandt, wenn unterschiedliche Erzeugnisse aus gleichem Material in annähernd gleichen Fertigungsprozessen hergestellt werden.

Aquokomplexe: (lateinisch aqua, «Wasser») Moleküle oder Ionen mit komplex gebundenem Wasser, zum Beispiel das im Kupfervitriol enthaltene Ion (Cu(OH2)4)2+, das die blaue Farbe der Verbindung hervorruft. Die Wassermoleküle der Aquokomplexe werden beim Erhitzen ausgetrieben.

Ära: 1. Chronologie: Zeitabschnitt, der nach einem als einschneidend empfundenen Ereignis benannt wird und dessen Jahre von diesem aus fortlaufend gezählt werden (Zeitrechnung). Unsere Zeitrechnung (Abkürzung nach Christus) entspricht der Christlichen Ä. und zählt die Jahre nach der von der christlichen Tradition angenommenen Geburt Jesu Christi (nach Christi, Abkürzung nach Christus).

2. Geologie: a) Bildungszeit einer Gruppe geologischer Systeme (Systemgruppe); siehe auch geologische Systeme;

b) Entwicklungsabschnitt der Erdgeschichte.

Araber: semitische Völker in Vorderasien und Nordafrika; etwa 130 Millionen Durch beginnende Industrialisierung Herausbildung einer Arbeiterklasse, sonst überwiegend bäuerliche Bevölkerung (Fellachen), daneben auch noch kleinere Gruppen von Hirtennomaden (Beduinen), in den Städten Kaufleute, Handwerker und Verwaltungsangestellte. Siehe auch Arabische Einheit.

Arabersprung: Gerätturnen - Überschlagbewegung im Bodenturnen; Konventionalausdruck für einen Salto seitwärts mit gegrätschten Beinen aus dem Absprung von einem Bein.

Arabeske: 1. Rankenornament, in der Spätantike und von der Renaissance bis zum Klassizismus verwendet.

2. Musikstück mit reich verzierter Melodik.

3. tänzerische Pose im klassischen Ballett: bei in der Regel gestrecktem Standbein wird das Spielbein um etwa 45 bis 135° nach rückwärts erhoben.

Arabinose: ein zu den Aldopentosen gehörender Zucker, C5H10O5. Arabinose bildet farblose, süß schmeckende, wasserlösliche, durch Hefe nicht vergärbare Kristalle; F 159°C. Sie findet sich frei und als Polysacharid-Baugruppe in Pflanzengummiarten, Hemicellulosen, Pektinen unter anderem.

Arabisch: zu den semitisch-hamit. Sprachen Afrikas gehörende Sprache, in zahlreiche Dialekte gegliedert, einheitlicher Schrift; fand durch den Islam weite Verbreitung.

Arabische Einheit: Bewegung, die das jahrhundertealte Streben der arabischen Völker und Staaten nach engem politischen, ökonomischen, militärischen sowie kulturellem Zusammenschluss verkörpert und auf der Basis objektiver Gemeinsamkeiten in Geschichte, Territorium, Sprache und Religion beruht. Die konkreten Ziele, Formen und Methoden sind geprägt durch die unterschiedlichen klassenmäßigen Positionen, von denen aus sie in den verschiedenen historischen Entwicklungsetappen angestrebt wurden. Seit Mitte des 19. Jahrhundert entwickelte sich vor allem in den ostarabischen Ländern eine gegen die türkische Fremdherrschaft gerichtete Bewegung für die Arabische Einheit und die Schaffung eines einheitlichen arabischen Staates. Doch die nach dem 1. Weltkrieg erfolgte willkürliche Aufteilung des ehemaligen Osmanisches Reiches und die zionistische Bewegung in Palästina führten zur Herausbildung relativ selbständiger nationaler Bewegungen, die durch den gemeinsamen antikolonialen Kampf verbunden waren. Die Kolonialmächte versuchten, der Bewegung für die Arabische Einheit den revolutionären Inhalt zu nehmen und sie für eigene aggressive Zwecke auszunutzen: insbesondere der britische Imperialismus unternahm bereits seit dem 1. Weltkrieg erhebliche Anstrengungen, um den Willen der arabischen Völker zur Einheit eigenen machtpolitischen Interessen unterzuordnen. Im März 1945 ergriff Großbritannien die Initiative zur Bildung der Arabischen Liga, um ein Instrument zur Festigung der reaktionären probritischen arabischen Regimes zu schaffen. Nach 1945, insbesondere nach der Herausbildung unabhängiger Nationalstaaten, begannen sich in der Frage der Arabischen Einheit 2 Grundtendenzen abzuzeichnen:

a) eine bürgerlich-nationalistische Tendenz, die von der proimperialistischen arabischen Bourgeoisie unter anderem reaktionären nationalistischen Gruppen vertreten wird und deren Bestreben es ist, unter der Losung der Einheit ihre Kontrolle über die Märkte der ökonomisch weniger entwickelten arabische Länder zu errichten und ein Komplott mit dem Imperialismus einzugehen;

b) die revolutionär-demokratischen Tendenz, in der sich die Haltung des Proletariats, der Bauernschaft, der progressiven Kräfte der kleinbürgerliche Zwischenschichten und des mit dem Imperialismus nicht verbündeten Teils der nationalen Bourgeoisie widerspiegelt, die für die volle Befreiung von allen Formen der imperialistischen Abhängigkeit, die Beseitigung der feudalen und halbfeudalen Verhältnisse; die Stärkung der Arabischen Liga, den sozialen Fortschritt in der arabischen Welt und für die Zusammenarbeit der arabischen Länder auf nationaldemokratischer und auf freiwilliger Grundlage eintreten.

Arabische Halbinsel, Arabien: Halbinsel in Vorderasien, zwischen Rotem Meer, Arabisches Meer und persischen Golf, im Norden keine eindeutige Abgrenzung. Etwa 3,35 Millionen km2, etwa 19 Millionen Einwohner (überwiegend Araber). Politisch aufgeteilt in Saudi-Arabien, Jemenitische Arabische Republik, VDR Jemen, Kuweit, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Katar und im Norden auch größere Teile zu Jordanien und Irak; auf einer vorgelagerten Inselgruppe Bahrein. Zum persischen Golf und Arabischen Meer sich abdachendes, rund 1000 m hohes, vorwiegend aus Kalk- und Sandsteinen aufgebautes, von einzelnen Bergketten durchsetztes Tafelhochland. Im Westen und Süden Randgebirge, die in der Jemenitischen Arabischen Republik bis 3760 m (AI-Bani Schueib) aufragen und zu den schmalen, dem Roten Meer und dem Golf von Aden vorgelagerten Küstenebenen steil abfallen. Größtenteils trockenes Passatklima mit hohen Mitteltemperaturen bei geringer Jahresschwankung, entlang der Küsten feucht- bis schwülheiß. Überwiegend Halbwüsten sowie Sand-, Kies- und Felswüsten (etwa 30% der Fläche); die Rub al-Khali ist mit über 700000 km2 die größte zusammenhängende Sandwüste der Erde. Nur in den mit Niederschlag besser versorgten Randgebirgen Hartlaubvegetation mit Laubbäumen. Die zahlreichen Wadis sind nur episodisch wasserführend. Vorwiegend nomadisierende Viehwirtschaft (Schafe, Ziegen, Dromedare, Esel, Pferde); die wichtigste Kulturpflanze ist die Dattelpalme; an geeigneten Standorten Bewässerungsfeldbau; Anbau von Weizen, Gerste, Hirse, Mais, Melonen, Südfrüchten, Tabak und Baumwolle, im Bergland von Jemen Kaffee. Die reichen Erdölvorkommen am Persischen Golf werden von Gesellschaften ausgebeutet, in denen die staatliche Anteile der Förderländer überwiegen; der Anteil der internationalen Monopole wurde stark verringert; Förderzentren liegen in Kuweit, bei AzZahian in Saudi-Arabien und auf Bahrein; Erdöltransport erfolgt über die Transarabische Pipeline.

Arabische Musik, die Musik des arabischen-islamischen Kulturbereiches, die von der Musik der Stämme der Arabischen Halbinsel ausging, gelangte durch Auswertung und Integration der Musik eroberter Länder zu einer hohen Entwicklung. Infolge der unterschiedlicher Geschichte und Traditionen der einzelnen Regionen des riesigen Kalifenreiches zerfiel die Arabische Musik in zahlreiche Dialekte, die wiederum in sich nach sozialer und funktionaler Zuordnung mannigfaltig gegliedert waren. Neben der Volksmusik und der Musik der Beduinen bildeten sich eine der Religionsausübung dienende Musik, höfliche Zeremonial- und Militärmusik sowie eine zunächst dem Hof verbundene klassisch-artifizielle Musiktradition heraus, von der in jüngster Zeit die neue, vor allem von den Massenkommunikationsmitteln getragene volkstümliche Musik ausging. Seit dem ausgehenden Mittelalter spielten die neue persischen und die türkische Musik in der Entwicklung der Arabischen Musik eine große Rolle. Die rein melodisch orientierte Arabische Musik wird bis heute im Wesentlichen gedächtnismäßig weitergegeben. Ihre Struktur beruht auf melodisch bestimmten Tongruppen geringen Umfangs (Terz bis Quinte) und ihrer Reihung, die auch für Anlage und Verständnis des Tonsystems wichtig sind. In der Arabischen Musik spielen das Prinzip des Maqam und rhythmische Perioden eine große Rolle; sie hat zahlreiche Formen (Baschraf, Daur, Muwaschschah, Nauba, Taqsim) entwickelt. Der Höhepunkt der klassischen arabischen Musik fällt in die Frühzeit der Abbasiden-Herrschaft (seit 750); als bedeutendste Musiker traten Ibrahim al-Mausili, sein Sohn Ishaq und sein Schwager Mansur Zalzal hervor. Die berühmtesten Theoretiker und Chronisten der Abbasidenzeit mit zum Teil großem Einfluss auf Europa sind al-Kindi, al-Farabi, al-Isfahani, Ibn Sina und Safi ad-Din. Ihre Schriften zeugen von der Bedeutung der alten persischen Musik für die Praxis und von den griechischen Einflüssen auf die Ausbildung des Tonsystems. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Ägypten im Zuge seines nationalen Aufstiegs Zentrum der Arabischen Musik.

Arabisches Meer: nordwestlicher Teil des indischen Ozeans zwischen Vorderindien und der arabischen Halbinsel, mit den Golfen von Oman und Aden. 3,683 Millionen km2, im südlichen Teil im Arabischen Becken bis 5 875 m tief. Die Wassertemperaturen liegen ganzjährig über 25 °C, der Salzgehalt schwankt, zwischen 36,0 und 36,5 %o. Längs der vorderindischen Küste breit ausgebildeter Schelfgürtel, nur in Küstennähe Inseln. Das Arabische Meer wird von stark befahrenen Schifffahrtsrouten gequert (durch den Golf von Aden zum europäischen Mittelmeer, durch den Golf von Oman zu den Erdölhäfen am Persischen Golf).

Arabische Wüste: Fels- und Gebirgswüste in Ägypten, zwischen Nil und Rotem Meer; bildet den Ostrand der Sahara und ist ein zerschnittenes Tafelland aus kristallinem Gestein (etwa 500 m über dem Meeresspiegel), das im Osten bis 2187 m ansteigt und steil zum Roten Meer abfällt; Erdöl-, Eisenerz-, Phosphorit-Bergbau; wenige Oasen.

arabische Ziffern: die Ziffern 1, 2, 3, ..., 9 und 0, die auf altindische Zahlzeichen zurückgehen und im 9. Jahrhundert durch die Araber dem Abendland vermittelt wurden. In der heutigen arabischen Schriftsprache werden anders aussehende Zeichen für diese Ziffern benutzt.

Arabistik: Wissenschaft von Sprache und Literatur der arabisch sprechenden Völker in Geschichte und Gegenwart.

Arachnoidea-Spinnwebenhaut: mittlere Hirn- und Rückenmarkhaut; zarte, blutgefäßlose, bindegewebige Membran.

Arago, Dominique François Jean, 26.2.1786 bis 2.10.1853, französischer Physiker und Astronom; lieferte Arbeiten über Refraktion, Polarisation und damit zusammenhängend, über die Wellentheorie des Lichts sowie zur Elektrodynamik und zum Elektromagnetismus (seit 1820). 1848 Minister der provisorische Regierung.

Aragon, Louis, 3.10.1897-24.12.1982, französischer Romancier, Lyriker und Publizist; marxistische Kulturpolitiker, langjähriger Herausgeber der Zeitschrift «Les Lettres françaises»; Hauptvertreter des sozialistischen Realismus in Frankreich, Romanzyklen «Die wirkliche Welt» (1933/45, deutsch) und «Die Kommunisten» (1949/51, deutsch). Gleichhohen Rang hat insbesondere seine Resistance-Lyrik, zum Beispiel «Die französische Diana» (1944). Das Spätwerk, unter anderem «Die Karwoche» (1958, deutsch), «Spiegelbilder» (1965, deutsch) und «Theater/Roman» (1974, deutsch) ist durch eine zunehmende Verselbständigung romantheoretische Experimente gekennzeichnet und nimmt zum Teil Elemente aus dem Surrealistischen Frühschaffen wieder auf.

Aragonien: historisches Gebiet im Nordosten Spaniens, als Region 3 Provinzen umfassend; 47669 km2, 1,2 Millionen Einwohner, 25 Einwohner/km2; wichtigster Ort Zaragoza. Aragonien hat Anteil am Südabhang der Zentralpyrenäen, am Südteil der Cordillera Ibérica und am Ebrobecken; Ebrobecken in Regenschattenlage, zum Teil sehr trocken; unfruchtbare Böden; Haifagrassteppe, magere Schafweiden; landwirtschaftliche Nutzung entscheidend von künstlicher Bewässerung abhängig, Stauseen an den Pyrenäenflüssen, große Bewässerungskanäle; Anbau von Reis, Tabak, Alfalfa, Bohnen, Zwiebeln, Tomaten, Zuckerrüben; auf unbewässertem Land Weizen, Gerste, Oliven; Großgrundbesitz; Industrie besonders in Zaragoza und Sabaflaniga. Um 200 vor Christus wurde Aragonien von den Römern unterworfen, seit 415 war es westgotisch, 713 maurisch, im Kampf gegen die Mauren entstand die (fränkische) Grafschaft, 1035 das Königreich Aragonien; unter Alfons I. (1104/34) Eroberung Zaragozas (1118, seitdem Hauptstadt); 1137 Vereinigung mit Katalonien; durch die Heirat Ferdinands von Aragonien mit Isabella von Kastilien erfolgte 1479 die dynastische Verbindung mit Kastilien und somit der entscheidende Schrift zur staatlichen Einigung Spaniens. Aragonien erhielt 1978 die Autonomie.

Aragonit: (nach Aragonien) Mineral, Kalzium-karbonat; rhombische Kristallsystem, Farbe weiß, gelb bis braun, Härte 3,5 bis 4, Dichte 2,95 g/cm3. Aragonit bildet strahlige oder nadelige Aggregate, pseudohexagonale Drillinge; Vorkommen auf Erzgängen, in Blasenräumen von Basalten und Absätzen von Mineralquellen, unter anderem der lagenartige gestreifte Sprudelstein (zum Beispiel von Karlovy Vary) oder der kugelige Erbsenstein.

Araguaia: größter linker Nebenfluss des Tocantins in Brasilien, im Brasilianischen Bergland; 2600 km; entspringt im Hochland von Mato Grosso, im Unterlauf bedeutende Stromschnellen.

Arakan-Gebirge: aus kristallinen Gesteinen, Sandstein und Kreide aufgebautes Westküste Burmas, südliche Fortsetzung des Chin-Gebirges; etwa 400 km lang, im Mittel 2000 m hoch, Mount Victoria mit 3053 m. Bei tropischem Monsunklima immergrüne tropische Regenwälder und immergrüner tropischer Bergwald im Westen, trockene Monsunwälder im Osten.

Aralle, Fatsie (japanisch), Fatsia japonica: Efeugewächs aus Japan mit großen, handförmig gelappten Blättern; in Mitteleuropa häufig als Zimmerpflanze kultiviert.

Aramäer: Sammelname westsemitischer Stämme gemeinsamer Sprache; sie drangen in der 2. Hälfte des 2. Jahrtausend vor Christus vom Innern der Arabischen Halbinsel her in das Territorium des Fruchtbaren Halbmondes ein und bildeten seit 1000 vor Christus mehrere Staaten in Mesopotamien, Babylonien (Chaldäer) und in Nord- und Mittelsyrien; 732 vor Christus (Fall von Damaskus) erlagen sie den Assyrern.

Aramäisch: eine dem Nordwestsemitischen zuzurechnende Sprache des vorderorientalischen Altertums, die über Jahrhunderte hinweg bestand, zeitweilig eine weite Verbreitung fand, zum Beispiel Amtssprache des Perserreiches (Reichsaramäisch), und von der es bis heute noch Restdialekte gibt. Aramäisch ist dem Hebräischen verwandt.

Aräometer, Senkspindel: Gerät zur Dichtebestimmung von Flüssigkeiten nach dem Archimed. Prinzip; besteht aus einer am Fuße beschwerten Glasspindel, die in die Flüssigkeit einsinkt. Die Sinktiefe ist ein Maß für die epische Dichte. Siehe auch Auftrieb.

Ara Pacis Augustae, («Augusteischer Friedensaltar»): im Jahre 9 vor Christus auf dem Marsfeld in Rom der römischen Friedensgöttin errichteter monumentaler Altar Bau, der, nachdem Rom schon den größten Teil des Mittelmeerraumes erobert hatte, demagogisch den Friedenswillen demonstrieren sollte. Die Ara Pacis Augustae, zu der Stufen emporführen, wird von Mauern umschlossen, die mit Rankenwerk, mythologischer Szenen und einem Opfer Zug in Reliefarbeit geschmückt sind. Seit 1938 unter Verwendung originaler Teile wiederhergestellt.

Aratos von Sikyon, 271-213 vor Christus, griechischer Politiker; war 245/226 und 224/213 Stratege des Achäischen Bundes; ihm gelang es, den makedonischen Einfluss in Griechenland vorübergehend einzuschränken.

Araucaner: indianisches Volk mit ehemals weit verbreiteter Sprachfamilie (Araucansprachen) im südlichen Mittelchile und angrenzenden Gebieten Argentiniens, das nach dem volkreichsten Stamm auch Mapuche genannt wird; 400000. ursprünglich Jäger und Fischer, übernahmen sie von den Inka Bodenbau, Lamazucht, Töpferei, Weberei und Silberbearbeitung; nach Übernahme des Pferdes von spanischen Kolonisten (16. Jahrhundert) wurden sie ein Reitervolk mit straffer politischer Organisation; ein Teil der Stämme besiedelte die Pampas. Ihr jahrhundertelanger Freiheitskampf endete 1882/83 mit der Unterwerfung durch Chile.

Araukarie, (nach den Araukanern) Araucaria: Gattung der Araukariengewächse; bis 70 m hohe, immergrüne Nadelbäume der südlichen Erdhalbkugel. Die Norfolk-Tanne (Araucaria excelsa), am Mittelmeer vielfach als Parkbaum gepflanzt, wird auch als Topfpflanze kultiviert (daher auch als Schmuck- oder Zimmertanne bezeichnet).

Arbeit: 1. Physik: in der Mechanik das Produkt W= (cosa) s aus der Komponente F cos a der an einem Körper angreifenden Kraft Fund dem Weg s, den der Körper unter dem Einfluss der Kraft zurücklegt; dabei schließen F und s den Winkel a ein. Steht die Kraft senkrecht zum Weg, wird keine Arbeit verrichtet Ändert sich die Kraft längs des Weges, so gilt W= J F(s) cos a(s) ds. SI-Einheit der Arbeit ist das Joule (J). Die an einem Körper verrichtete Arbeit ist im Allgemeinen vom Wege abhängig; hat das Kraftfeld ein I Potential, so ist die Arbeit wegunabhängig und gleich der Differenz der Potentiale im Anfangs- und Endpunkt des Weges (Zu- beziehungsweise Abnahme der potentiellen Energie, Speicherung der verrichteten Arbeit). Wird zum Beispiel im Schwerefeld der Erde ein Körper um die Strecke h gehoben, so verrichtet die dazu nötige, der Gewichtskraft G betragsmäßig gleiche Kraft die Hubarbeit W= Gh, die als potentielle Energie gespeichert und beim Fall zum Beispiel in kinetischer Energie verwandelt wird. Bei Beschleunigung einer Masse m von der Geschwindigkeit v, auf v2 wird die Beschleunigungsarbeit verrichtet, sie ist dem Zuwachs an kinetischer Energie gleich. Elektrische Arbeit von Gleichströmen ist das Produkt aus Spannung U, Stromstärke I und Dauer t des Vorgangs: W= Ult. In der Wärmelehre ist die Volumenarbeit bei der Ausdehnung eines Gases unter dem Druck p von K, auf V2 gegeben.

2. politische Ökonomie: Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, zweckbestimmte und bewusste Tätigkeit des Menschen zur Herstellung von Gebrauchswerten. Die Arbeit hat den Menschen in gewisser Hinsicht selbst geschaffen; sie ist Grundlage der Entstehung und unerlässliche Existenz- und Entwicklungsbedingung der menschlichen Gesellschaft. Im Prozess der Arbeit gehen die Menschen bestimmte Verhältnisse und Beziehungen ein, Produktionsverhältnisse, die den gesellschaftlichen Charakter der Arbeit prägen. Die Arbeit im Kapitalismus ist Lohnarbeit; der Arbeiter besitzt keine Produktionsmittel und muss seine Arbeitskraft als Ware an den Besitzer der Produktionsmittel, den Kapitalisten, verkaufen, unter seinem Kommando arbeiten, und er wird von ihm ausgebeutet. Die Arbeit im Sozialismus erhält durch das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln einen völlig neuen Charakter. Sie ist frei von Ausbeutung, unmittelbar gesellschaftlich planmäßig organisierte Arbeit Das ist die objektive Basis für eine neue Einstellung zur Arbeit, die sich in der freien, bewussten Disziplin der Werktätigen (Arbeitsdisziplin), in einer neuen, sozialistische Arbeitsmoral äußert. Immer stärker entwickeln sich im Arbeitsprozess Beziehungen der kameradschaftlichen Hilfe und Zusammenarbeit. Es entfalten sich der sozialistischen Wettbewerb, die Bewegung der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit mit der Bildung von Kollektiven der sozialistischen Arbeit und der sozialistischen Arbeitsgemeinschaften. Die kapitalistische Trennung von körperlicher und geistiger Arbeit wird allmählich aufgehoben. Die Arbeit erhält immer stärker schöpferischer Charakter (Rationalisatoren-, Erfinder-, Neuerer Bewegung). Produktive Arbeit ist Arbeit die auf die Herstellung eines Gebrauchswertes gerichtet ist, unabhängig davon, ob sie in Form von physischer oder geistiger Arbeit verausgabt wird. Unproduktive Arbeit ist Arbeit die sich weder direkt noch indirekt in einem materiellen Produkt vergegenständlicht, aber gesellschaftlich notwendig und nützlich ist. Im Prozess der Wertbildung ist zu unterscheiden: einfache Arbeit, die keine spezielle Ausbildung voraussetzt, und komplizierte Arbeit, eine spezielle Ausbildung erfordernde Arbeit; sie zählt als multiplizierte oder potenzierte einfache Arbeit und schafft in der gleichen Zeit ihrer Verausgabung ein höheres Wertprodukt als einfache Arbeit. Unter den Bedingungen der Warenproduktion trägt die Arbeit einen Doppelcharakter (Doppelcharakter der Arbeit), das heißt, sie ist zugleich konkrete und abstrakte Arbeit Konkrete Arbeit ist qualitativ unterschiedlich, auf die Schaffung von Gebrauchswerten gerichtete Arbeit Abstrakte Arbeit ist menschliche Tätigkeit unabhängig von der konkreten Form ihrer Verausgabung, sofern sie als Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit anerkannt wird; sie bildet die Wertsubstanz und in ihrer Menge die Wertgröße. Gebunden an die Warenproduktion ist sie wie diese eine historische, vergängliche Kategorie. In der auf Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhenden Waren Produktion bringt dieser Doppelcharakter der Arbeit zugleich den Widerspruch zwischen der privaten Arbeit und der gesellschaftlichen Arbeit der Warenproduzenten zum Ausdruck, der darin besteht, dass die Arbeit der Warenproduzenten im Gegensatz zu ihrem gesellschaftlichen Charakter in Form von Privatarbeit verausgabt wird. Infolge der Isoliertheit der Warenproduzenten bleibt ihnen verborgen, inwieweit ihre Arbeit innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Arbeitsteilung zugleich Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit, gesellschaftlichen Arbeit, ist. Das erweist sich erst im Austauschprozess, auf dem Markt, wo die privaten Produzenten in Beziehung zueinander treten und ihre privat verausgabte Arbeit im Austausch gegen andere Waren nachträglich gesellschaftliche Anerkennung finden muss. Der Doppelcharakter der Arbeit ist der Springpunkt zum Verständnis der marxistischen politischen Ökonomie des Kapitalismus; weil er den Ausgangspunkt zur wissenschaftlichen Erklärung der Entstehung des Mehrwerts und für die Ausbeutung der Lohnarbeiter im Kapitalismus bildet. Im Sozialismus bringt der Doppelcharakter der Arbeit keinen antagonistischen Widerspruch zum Ausdruck, weil hier der Antagonismus zwischen privater und gesellschaftlicher Arbeit verschwunden ist und die Arbeit unmittelbar gesellschaftlich geleistet wird. Widersprüche können jedoch entstehen, wenn die in einzelnen sozialistischen Betrieben geleistete Arbeit und die dadurch erzeugten Produkte nicht den gesellschaftlichen Erfordernissen (zum Beispiel in Qualität und Sortiment) entsprechen. Notwendige Arbeit ist Arbeit, die notwendig ist, um das Äquivalent für die Reproduktion der Arbeitskraft zu produzieren. Mehrarbeit ist Arbeit, die über die notwendige Arbeit hinaus geleistet wird und das Mehrprodukt schafft; im Kapitalismus ist die Mehrarbeit der Lohnarbeiter Quelle des Mehrwertes, den sich der Kapitalist unentgeltlich aneignet; im Sozialismus ist die Mehrarbeit die Quelle des gesellschaftlichen Reineinkommens, Grundbedingung der erweiterten Reproduktion. Vergegenständlichte Arbeit ist die in den bei der Produktion verwendeten Arbeitsgegenständen und Arbeitsmitteln bereits enthaltene, bei deren Erzeugung aufgewendete Arbeit, die im Arbeitsprozess (durch die konkrete Arbeit) auf das neue Produkt übertragen wird. Lebendige Arbeit ist die vom Arbeiter im Prozess der Arbeit verausgabte Arbeit, die dem hergestellten Produkt neu zugesetzt wird; schafft den Neuwert. Gesellschaftlich notwendige Arbeit ist die Menge Arbeit (gemessen in Zeit), die bei durchschnittliche gesellschaftliche Produktionsbedingungen (technische Niveau, Geschicklichkeit, Arbeitsintensität) zur Herstellung einer Ware erforderlich ist; die verausgabte Menge bestimmt die Wertgröße. Siehe auch Arbeit für die Gesellschaft, Arbeit für sich, sozialistische Gemeinschaftsarbeit.

Arbeiterkommunismus: theoretische und politische Bewegung des Frühproletariats nach der Julirevolution 1830. Theoretisch verknüpft der Arbeiterkommunismus auf noch utopischer Weise die Kampferfahrungen der werktätigen Massen gegen die Bourgeoisie unter den Auswirkungen der industriellen Revolution mit babouvistischer Überlieferung und Einsichten der utopischen Sozialisten und Kommunisten zu einem militanten (L. Arbeiterkommunismus Blanqui, T. Dezamy, W. Weitling, J. O’Brien unter anderem) oder auf Gewalt verzichtenden (E. Cabet unter anderem) kommunistisches Programm. Praktisch begann der Arbeiterkommunismus das Frühproletariat ideologisch und organisatorisch zur selbständigen Kraft zu formieren.

Arbeiter- und-Bauern-Macht: von Lenin geprägte Bezeichnung für den Staat der Diktatur des Proletariats. Die Arbeiter- und-Bauern-Macht ist die Staatsmacht, die unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei die Interessen der Werktätigen in Stadt und Land vertritt und verwirklicht und den Aufbau des Sozialismus und Kommunismus zum Ziele hatte.

Arbeiterversorgung: spezielle Form der Versorgung der Werktätigen in Betrieben und Einrichtungen, auf Baustellen, aber auch in den Wohngebieten mit Konsumgütern und Dienstleistungen. Besondere Bedeutung hat bei der Arbeiterversorgung die betriebliche Gemeinschaftsverpflegung einschließlich Zwischenverpflegung und die Betreuung der Schichtarbeiter. Die Arbeiterversorgung ist Bestandteil guter Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen.

Arbeiterweihe: feierliche Aufnahme der jungen Fach-arbeiter in die Reihen der Arbeiterklasse; erfolgt nach Abschluss der Berufsausbildung und wird durch den Betrieb festlich gestaltet.

Arbeitnehmer: im Kapitalismus entstellende Bezeichnung für den ausgebeuteten Arbeiter und Angestellten.

Arbeitsablauf: Aufeinanderfolge zusammenhängender Arbeitsgänge oder Arbeitsverrichtungen im Rahmen des Betriebes oder der Abteilung (Durchlauf eines Erzeugnisses), im Rahmen eines technologischen Prozesses (zum Beispiel Bearbeitung einer Welle), im Rahmen der unmittelbaren Tätigkeit des Werktätigen. Die optimale Lösung von Arbeitsaufgaben erfordert gute technologische und organisatorische Vorbereitung der Arbeitsabläufe.

Arbeitsablaufstudie: spezielles Verfahren des Arbeitsstudiums zur Untersuchung und Gestaltung des zeitlichen, und räumlichen Arbeitsablaufes. Gegenstand von Arbeitsablaufstudien können sein: Zweckmäßigkeit der Arbeitsteilung, Folge von Bearbeitungs-, Transport-, Kontroll- und Lagervorgängen, Arbeitsplätze, Arbeitsverrichtungen und so weiter.

Arbeitsanforderungen: Anforderungen der Arbeit an das Arbeitsvermögen des Werktätigen (Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Verantwortung, Beanspruchung).

Arbeitsanweisung: schriftliche oder mündlichen Übergabe des Arbeitsauftrages an den Werktätigen durch den Leiter.

Arbeitsaufgabe: Teil der betrieblichen Gesamtarbeit, der dem Werktätigen zur Ausführung übertragen und mit ihm arbeitsvertraglich vereinbart ist. Inhalt und Umfang der Arbeitsaufgabe sind vom Grad der Arbeitsteilung, dem Fertigungsverfahren, dem Niveau der Technik, von der Organisation unter anderem abhängig.

Arbeitsauftrag: im weiteren Sinne Übertragung einer konkreten Arbeitsaufgabe; im engeren Sinne verbindliche, schriftliche Festlegung und Terminisierung der Arbeitsaufgabe durch die Abteilung Fertigungstechnologie, operative Produktionsplanung, Betriebsorganisation oder durch andere Bereiche. Form und Inhalt des Arbeitsauftrags beeinflussen wesentlich die Arbeitsausführung.

Arbeitsaufwand je Erzeugnis Einheit: Quantum an vergegenständlichter und lebendiger Arbeit bei der Herstellung einer Erzeugniseinheit. Wichtigste Quelle zur Senkung des Arbeitsaufwands je Erzeugnis Einheit ist die Steigerung der Arbeitsproduktivität.

Arbeitsausfall: Ausfall von Arbeitszeit des Werktätigen aus nicht in seiner Person liegenden Gründen. Bei Arbeitsausfall kann dem Werktätigen in bestimmten Fällen andere Arbeit übertragen werden, in anderen Fällen ist die Zeit bei Zumutbarkeit nachzuarbeiten. Ist das nicht möglich, erhält der Werktätige eine Ausgleichszahlung in Höhe des Durchschnittslohnes.

Arbeitsbedingungen: Bedingungen, unter denen der Werktätige im Betrieb zu arbeiten hat (Produktions-, Lohnbedingungen, Arbeitszeitregime, Urlaubsgestaltung, Gesundheits- und Arbeitsschutz, Kultur am Arbeitsplatz unter anderem). Siehe auch Arbeits- und Lebensbedingungen.

Arbeitsbefreiung: Entbindung des Werktätigen von der Pflicht zur Arbeitsleistung bei ärztlich bescheinigter Arbeitsunfähigkeit. Während der Arbeitsbefreiung erhält der Werktätige Krankengeld von der Sozialversicherung.

Arbeitsbereitschaft, Bereitschaftsdienst, Dienstbereitschaft: zeitlich begrenztes Bereithalten des Werktätigen zur Arbeit im Betrieb oder außerhalb des Betriebes über die normale Arbeitszeit hinaus zur Versorgung und Betreuung der Bevölkerung, zur Sicherung des ungestörten Produktionsablaufs und zur Einleitung von Maßnahmen bei unvorhersehbaren Ereignissen. Planmäßige Arbeitsbereitschaft ist im Arbeitszeitplan zu vereinbaren; die Anordnung von überplanmäßiger Arbeitsbereitschaft bedarf der Zustimmung der zuständigen betrieblichen Gewerkschaftsleitung. Die Arbeitsbereitschaft ist zu vergüten, geleistete Arbeit während der Arbeitsbereitschaft gilt als Überstundenarbeit.

Arbeitsbewusstsein, sozialistisches: Gesamtheit der Ansichten und Einstellungen der Werktätigen zur Arbeit, die sich aus den sozialistischen Produktionsverhältnissen sowie im Ergebnis der Anwendung des sozialistischen Leistungsprinzips und der Bildung und Erziehung ergeben. Das s. A, ist ein Wesenszug des sozialistischen Bewusstseins. Es findet in Arbeitsdisziplin und -moral sowie im praktischen Handeln zur Stärkung der sozialistischen Gesellschaft seinen Ausdruck.

Arbeitsbühne: Montage-, Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten dienende, feste oder bewegliche Einrichtung mit Arbeitskorb (-wanne) oder Geländer geschützter Plattform für Personen und Arbeitsmittel.

Arbeitscharakteristik: Beschreibung oder Festlegung der wesentlichen technischen, technologischen und organisatorischen Bedingungen, die das optimale Arbeitsverfahren kennzeichnen; tragender Bestandteil der technisch begründeten Arbeitsnorm.

Arbeitsdiagramm: graphische Darstellung eines physikalischen Vorganges mit Kraft und Weg beziehungsweise Druck und Volumen (bei thermodynamischen Vorgängen) als Koordinaten.

Arbeitsdisziplin: Einordnung der Teilnehmer des gesellschaftlich organisierten Arbeitsprozesses unter dessen objektive Erfordernisse; Grundlage jeder Form der Organisation der gesellschaftlichen Arbeit. Im Feudalismus war die Arbeitsdisziplin die «Disziplin des Stockes» (Lenin), das heißt der physische Zwang; im Kapitalismus die «Disziplin des Hungers» (Lenin), das heißt die Disziplinierung durch Drohung mit materieller Benachteiligung und Arbeitslosigkeit. Die sozialistische Arbeitsdisziplin ist dagegen die bewusste und freiwillige Einordnung der Werktätigen in das Arbeitskollektiv und in den gesellschaftlichen Arbeitsprozess, dessen Ergebnisse ihnen selbst zugutekommen. Die Erziehung zur sozialistischen Arbeitsdisziplin erfolgt in erster Linie durch politisch-ideologischer Überzeugungsarbeit sowie materiellen und moralischen Anreiz.

Arbeitseignung: Kennzeichnung eines optimalen Verhältnisses von Arbeitsanforderungen und subjektiven Leistungsvoraussetzungen bei Beachtung der Ausführungsbedingungen einer Arbeitstätigkeit und der personalen Charakteristika eines Menschen (insbesondere Lebensalter, Qualifikation, Leistungsmotivation, Belastbarkeit). Insofern ist die Arbeitseignung nicht etwas von vornherein Feststehendes, sondern eine dynamische Kategorie, die als Voraussetzung für die Arbeitsbewährung eingeschätzt beziehungsweise diagnostiziert werden muss (Tauglichkeitsbestimmung, Eignungsdiagnostik).

Arbeitseinheit, Abkürzung AE: Maß für den Anteil der Leistung jedes LPG-Mitgliedes (nach Quantität und Qualität) an der Erzeugung des genossenschaftlichen Gesamtprodukts und Maßstab der Verteilung der Einkünfte nach der Arbeitsleistung.

Arbeitseinkommen: Einkommen der Werktätigen aus eigener Arbeit; setzt sich aus dem Bruttolohn unter anderem Beträgen zusammen, die mit der Arbeitsleistung unmittelbar oder mittelbar Zusammenhängen, aber nicht aus dem Lohnfonds, sondern aus anderen betrieblichen oder außerbetrieblichen Mitteln finanziert werden (zum Beispiel Prämien aus dem Prämienfonds).

Arbeitserfahrungen: in der Praxis erworbene beziehungsweise weiterentwickelte und im Arbeitsprozess anwendungsbereite Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Werktätigen.

Arbeitserschwernis: auf den Werktätigen im Arbeitsprozess ein wirkende Belastungen, die über dem gesellschaftlichen Durchschnitt liegen. Arbeitserschwernisse sind im Interesse einer weiteren Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Werktätigen durch technischen, technologische und arbeitsgestalterische Maßnahmen zu reduzieren und nach Möglichkeit zu beseitigen.

Arbeitserziehung: wesentlicher Bestandteil der kommunistischen Erziehung, gerichtet auf die Erziehung zur Liebe zur Arbeit, zur Achtung jeder Arbeit und der arbeitenden Menschen. Durch Vermittlung eines fundierten Wissens und Könnens sowie Formung einer bewussten Einstellung zur Arbeit ist vor allem die heranwachsende Generation für die körperliche und geistige Arbeit in allen Bereichen der entwickelten sozialistischen Gesellschaft zu befähigen. Eines der Hauptprinzipien der sozialistischen Arbeitserziehung ist die Verbindung von Unterricht und produktiver Arbeit.

Arbeitsflugzeug: ein- oder mehrmotoriges Flugzeug, das für Dienstleistungen in der Volkswirtschaft bestimmt ist. Je nach Aufgabe werden Starrflügler oder Rotorflugzeuge (zum Beispiel Hubschrauber) eingesetzt, die entsprechend konstruiert oder ausgerüstet sind.

Arbeitsgang: selbständiger Teil des technologischen Prozesses, der aus allen technologisch unmittelbar aufeinander folgenden Arbeiten besteht, die an ein und demselben Arbeitsgegenstand an einem Arbeitsplatz ausgeführt werden.

Arbeitsgegenstände: Naturstoffe, Rohstoffe und Halbfertigerzeugnisse, auf die der Mensch im Arbeitsprozess mit dem Ziel einwirkt, neue Gebrauchswerte zu schaffen. Mit dem wissenschaftlichen technischen Fortschritt wächst der Anteil völlig neuartiger Arbeitsgegenstände (zum Beispiel Plaste, Chemiefasern). Sparsamste Verwendung aller Arten von Arbeitsgegenständen und ihre höchstmögliche Veredelung ist im Sozialismus wichtigstes Erfordernis der Materialökonomie.

Arbeitsgestaltung: Entwicklung und praktische Durchsetzung solcher Grundsätze, Richtwerte und Gestaltungslösungen für Arbeitsbedingungen, -inhalte und -abläufe in allen Ebenen und Bereichen des betrieblichen beziehungsweise volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses, die einem rationellen Einsatz der Arbeitskraft im Arbeitsprozess und der Persönlichkeitsentwicklung förderlich sind. Die Arbeitsgestaltung ist ein Teilgebiet der WAO. Aufgaben der Arbeitsgestaltung sind vor allem Gestaltung von Arbeitsaufgaben, Arbeitstätigkeiten, Arbeitsmethoden, Arbeitsmitteln, Arbeitsplätzen, Umweltfaktoren, Arbeitsfolgen.

Arbeitsgifte: Substanzen der Arbeitsumwelt, die durch ihre chemischen oder physikalischen Eigenschaften nach Eindringen in den menschlichen Organismus eine Schädigung bewirken (zum Beispiel Blei, Quecksilber, Asbest Staub, Kohlenmonoxid und Benzol). Siehe auch Arbeitstoxikologie.

Arbeitshygiene: Teildisziplin der Arbeitsmedizin, die sich mit der Analyse, Bewertung und Gestaltung der Umweltfaktoren am Arbeitsplatz beschäftigt.

Arbeitshyperthermie: der von der Schwere körperliche Arbeit abhängige Anstieg der Körperinnentemperatur. Bei einer Umgebungstemperatur von 5 bis 26 °C erfolgt der Anstieg (bis auf etwa 39 °C) unabhängig vom Klima.

Arbeitsintensität: Ausmaß der Verausgabung von menschlicher Arbeit im Arbeitsprozess in einer bestimmten Zeiteinheit; kennzeichnet das durchschnittliche Maß physische und psychische Arbeitsbeanspruchung der Werktätigen. Die Arbeitsintensität ist nicht direkt messbar. Ihre Veränderung äußert sich in der Veränderung des Produktionsergebnisses, soweit dieses nicht durch Veränderung der Produktionstechnik, der Arbeitsorganisation und Qualifikation der Arbeitskraft bedingt ist. Überhöhte Arbeitsintensität wie sie im Kapitalismus weit verbreitet ist, gefährdet die Reproduktion der Arbeitskraft auch bei steigender Entlohnung. Im Sozialismus wird über einen rationellen Arbeitseinsatz eine optimale Arbeitsintensität angestrebt, die eine erweiterte Reproduktion des Arbeitsvermögens der Werktätigen gewährleistet.

Arbeitsklassifizierung: Bestimmung und Einteilung der Arbeit nach den Anforderungen der Arbeitsaufgabe an das Arbeitsvermögen im Rahmen und als Bestandteil der WAO. Gestützt auf Anforderungsstudien, ermittelt die Arbeitsklassifizierung die aus der Arbeit resultierenden Anforderungen an die Qualifikation und Verantwortung, die körperlichen und geistige Beanspruchung und ordnet hiernach die Arbeiten im Rahmen einer optimalen Zahl von Qualifikationsgruppen der zutreffenden Lohn- beziehungsweise Gehaltsgruppe (nach den Qualifikationsanforderungen) und der jeweiligen Beanspruchungsgruppe (für erhöhte beziehungsweise zusätzliche Beanspruchungen) zu. Die Arbeitsklassifizierung zieht Schlussfolgerungen für die Gestaltung der Arbeitsaufgaben, für Arbeitserleichterungen, trifft normative Festlegungen für die optimale Anforderungsstruktur (Anforderungsnormung) und fördert die Planung der Arbeit.

Arbeitskraft: Gesamtheit der körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Menschen, die zur Produktion und Reproduktion eingesetzt werden können. Im Kapitalismus wird die Arbeitskraft des Lohnarbeiters zur Ware und besitzt Doppelcharakter, Wert und Gebrauchswert. Ihr Wert wird bestimmt durch den Wert der Existenzmittel, die zur Erhaltung und Ausbildung des Lohnarbeiters und seiner Familie notwendig sind, und durch ein historisch-moralisches Element (historischer Entwicklungsstand der Produktivkräfte, geographische Bedingungen, Organisiertheit und Kampfkraft der Arbeiterklasse). Der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft für den Kapitalisten ist ihre Eigenschaft, Quelle von Wert und Mehrwert zu sein. Mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel im Sozialismus ändert sich grundlegend der Charakter der Arbeitskraft. Die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln wird aufgehoben, und die Arbeitskraft hört auf, eine Ware zu sein. Der Mensch mit seiner Arbeitskraft entwickelt sich immer mehr zu einer allseitig gebildeten Persönlichkeit und wird zunehmend zum wirklichen Beherrscher der Natur und des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses.

Arbeitskräftebesatz: in den Pflanzenproduktionsbetrieben der sozialistischen Landwirtschaft übliche Angabe der einsatzfähigen, auf 100 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bezogenen Arbeitskräfte, berechnet nach Vollbeschäftigteneinheiten. Arbeitskräftebilanz: zusammenfassende Gegen-überstellung der vorhandenen und benötigten Arbeitskräfte sowie der Quellen zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs.

Arbeitskräfteeinsparung: relative und absolute Reduzierung der Arbeitskräftezahl gegenüber einem vorangegangenen Zeitraum. Umfang und Tempo der Arbeitskräfteeinsparung werden bestimmt durch die mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt mögliche und notwendige Reduzierung des Arbeitsaufwandes, Einsparung von Arbeitszeit durch umfassende komplexe Rationalisierung, zweckmäßigste Strukturierung des gesamten Arbeitsvermögens und höchste Effektivität in allen Bereichen der Volkswirtschaft sowie durch die rationelle Nutzung des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens. Arbeitskräfteeinsparung ist mit Arbeitszeit- und Arbeitsplatzeinsparung direkt verbunden, jedoch nicht identisch. Wesentlich ist der wirkungsvolle Wiedereinsatz eingesparter Arbeitskraft in anderen Betrieben und Bereichen zum Zwecke höherer Produktionsleistungen.

Arbeitskräfteplan: Bezeichnung für Planteile, die sich mit der Arbeitskräfteentwicklung befassen, Kernstück der Planung der Arbeit und Bestandteil der Planteile Planung der Arbeitsproduktivität, des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens und des Arbeitseinkommens im Fünfjahrplan sowie des Planteiles «Arbeitsproduktivität und Arbeitskräfte» in der Jahresplanung der volkseigenen Kombinate und Betriebe der DDR. Der Arbeitskräfteplan ist die Grundlage zur Ermittlung des Arbeitskräftebedarfs für die geplante Produktion, des Arbeitskräfteaufkommens und zur Deckung des Bedarfs; er dient der bedarfsgerechten Ausbildung und Qualifizierung der Werktätigen und dem rationellen Einsatz der Arbeitskräfte.

Arbeitskräfterechnung: Sachgebiet der Rechnungsführung und Statistik des Betriebes zur Erfassung, Aufbereitung und Analyse der Arbeitskräfte nach Anzahl, Struktur und Veränderungen, der Arbeitszeit und ihrer Ausnutzung, der Leistungskennziffern und ihrer Erfüllung sowie der Arbeitslöhne.

Arbeitsleistung: individuelle oder kollektive Verausgabung von Arbeitskraft zur Herstellung (Erzeugung, Förderung) von Gütern und zur Verrichtung von Diensten in einer bestimmten Zeiteinheit. Arbeitslohn Lohn.

Arbeitslosigkeit-Erwerbslosigkeit: gesetzmäßige Erscheinung im Kapitalismus, die sich darin äußert, dass ein Teil des Proletariats keine Möglichkeit des Verkaufs seiner Arbeitskraft findet. Die Arbeitslosigkeit ist die wichtigste Erscheinung der relativen Übervölkerung, ein Ergebnis der kapitalist Akkumulation. Die rasch wachsende organische Zusammensetzung des Kapitals führt im Verhältnis zur Kapitalakkumulation dazu, dass auf dem Markt das Angebot an Arbeitskräften schneller zunimmt als die durchschnittliche Nachfrage danach. Der Umfang der Arbeitslosigkeit schwankt dabei im Verlaufe des Krisenzyklus; er ist während der Krise und Depression am größten und während des Aufschwungs am geringsten. Die Arbeitslosigkeit verstärkt die Existenzunsicherheit und verschlechtert die Lebenslage und Kampfbedingungen der Arbeiterklasse (Abbau der Löhne und Sozialleistungen, Erhöhung der Arbeitsintensität, Schaffung von Existenzangst unter anderem). Der Monopolkapitalismus brachte die chronische Massenarbeitslosigkeit hervor. Der Imperialismus verstärkt gegenwärtig die Arbeitslosigkeit durch die kapitalistische Verwertung der Ergebnisse der wissenschaftlich-technischen Revolution. Von ihr werden zunehmend alle sozialen Gruppen, Schichten und Abteilungen der Arbeiterklasse betroffen, am meisten jedoch un- oder wenig qualifizierte, jugendliche, weibliche und ausländische Arbeitskräfte. Die chronische Massenarbeitslosigkeit ist Ausdruck der historischen Überlebtheit des Kapitalismus. Arbeitsmarkt, Arbeitskräftemarkt-, bürgerliche Bezeichnung für den Markt, auf dem Arbeitskraft gekauft und verkauft wird; durch die Verwandlung der Arbeitskraft in eine Ware entstandene spezifischer Markt im Kapitalismus, auf dem sich Kapitalist und Lohnarbeiter als Käufer und Verkäufer der Arbeitskraft gegenübertreten. Im staatsmonopolistischen Kapitalismus versucht der Staat den Arbeitslosigkeit im Interesse des Monopolkapitals mit außerökonomischen Zwang (im Faschismus) oder mit ökonomischen Mitteln (staatlichen Arbeitslosigkeit- und Beschäftigungspolitik) zu regulieren.

Arbeitsmaschine: jede Maschine, zu deren Antrieb Energie benötigt wird, zum Beispiel Pumpe, Verdichter, Werkzeugmaschine; im Gegensatz zur Kraftmaschine, mit der Energie erzeugt wird.

Arbeitsmedizin: übergeordnete Bezeichnung für alle arbeitswissenschaftlich orientierten medizinischen Disziplinen, wie Arbeitshygiene, Arbeitsphysiologie, Arbeitspsychologie, Arbeits- oder Industrietoxikologie sowie Klinik und Pathologie im Zusammenhang mit dem Arbeitsprozess. Die Arbeitsmedizin trägt durch hygienisch, physiologisch, psychologisch und technisch optimale sichere Gestaltung der Arbeitsbedingungen nicht nur zur Vermeidung arbeitsbedingter Gesundheitsschäden, zum Beispiel Berufskrankheiten, bei, sondern auch zur Förderung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens der Werktätigen.

Arbeitsmethode: empirisch oder systematisch entstandene, praktisch angewendete Art und Weise der Ausführung einer Arbeit des Werktätigen. Merkmale sind Arbeitsablauf, Art und Reihenfolge der Bewegungen, Grifftechnik, Werkzeuganordnung u. ä. Die Arbeitsmethode ist abhängig von Qualifikation, Arbeitsaufgabe, -inhalt, -Organisation und -bedingungen.

Arbeitsmittel: Ding oder Komplex von Dingen, womit der Mensch auf den Arbeitsgegenstand einwirkt. Zu unterscheiden sind mechanische Arbeitsmittel (Maschinen, Werkzeuge), allgemeine Arbeitsmittel (Boden, Gebäude, Straßen, Kanäle), das Gefäßsystem der Produktion (Behälter, Waggons, Installationen) und Hilfsstoffe (Energie, Schmieröl u. ä.). Die Herstellung und Anwendung von Arbeitsmitteln kennzeichnen den Arbeitsprozess des Menschen. «Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die ökonomischen Epochen» (Marx).

Arbeitsmoral: Gesamtheit moralischer Forderungen, Haltungen, Verhaltensweisen und so weiter, in denen das Interesse einer Klasse an einer bestimmten Einstellung gegenüber dem Arbeitsprozess, seinen Grundlagen, Bedingungen und Resultaten zum Ausdruck kommt. sozialistische Arbeitsmoral entspricht den Erfordernissen der ersten Stufe der kommunistischen Gesellschaftsformation. Sie entwickelt sich auf der Grundlage der sozialistischen Produktionsverhältnisse und im Ergebnis der ideologisch-erzieherischen Tätigkeit der marxistisch-leninistischen Partei und des sozialistischen Staates sowie der bewussten und verantwortliche Teilnahme der Werktätigen an der Planung und Leitung der Produktion sozialistischer Arbeitsmoral verlangt vor allem, dass in der Arbeit «jeder nach seinen Fähigkeiten» zur Verwirklichung der gesellschaftlichen Ziele (Planaufgaben) beiträgt, wobei eine der Leistung entsprechende Entlohnung zu gewähren beziehungsweise zu fordern ist. Sie realisiert sich heute im Ringen um hohe Qualität und Effektivität sowie im Ringen um die dafür bestmögliche Voraussetzungen. Dazu gehört die Sorge um das sozialistische Eigentum, fachliche Qualifizierung, Verantwortungsbewusstsein, hohe Arbeitsdisziplin, sozialistische Kollektivität, auch die Entwicklung moderner Technologie, die Ausnutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts unter anderem kommunistische Arbeitsmoral, deren Elemente sich bereits im reifen Sozialismus bilden, kann sich erst in der zweiten, höheren Stufe der kommunistischen Gesellschaftsformation durchsetzen, deren wesentlich höhere gesellschaftliche Produktivität ein neues Verteilungsprinzip ermöglicht. Siehe auch Sozialismus, Kommunismus.

Arbeitsnorm: Kennzahl der Arbeitsleistung, Maß der Arbeit. Bestandteile der Arbeitsnorm sind die Arbeitscharakteristik und die Normzeit beziehungsweise Stückzahl (Zeitnorm/Stücknorm). Die Arbeitsnorm kann als Einzel- oder Komplexnorm (nach dem Inhalt des Arbeitsauftrages) oder als individuelle beziehungsweise Gruppennorm festgelegt werden. Arbeitsnormen sind Elemente der Planung und Organisation der Arbeit, fordern die Durchsetzung des Leistungsprinzips und die Steigerung der Arbeitsproduktivität. Siehe auch technisch begründete Arbeitsnorm.

Arbeitsnormung: Aufgabenbereich, Instrumentarium im Rahmen der WAO; im engeren Sinne Gesamtheit der in Gemeinschaftsarbeit und in Verbindung mit Arbeitsstudium und Arbeitsgestaltung durchzuführenden Maßnahmen zum Ermitteln, Durchsetzen, Kontrollieren und Überarbeiten von Arbeitsnormen unter anderem Kennzahlen der Arbeitsleistung als Maß der Arbeit. Grundsätze:

a) Die Ausarbeitung von Arbeitsnormen erfordert die aktive Mitarbeit der Werktätigen,

b) Die Einführung neuer Technik und Technologie erfordert die Anwendung neuer Normen.

c) Arbeitsnormen unter anderem Kennzahlen der Arbeitsleistung sind naturwissenschaftlich-technisch und ökonomisch zu begründen,

d) Arbeitsnormen unter anderem Kennzahlen der Arbeitsleistung müssen erfüllbar sein.

Methoden: a) summarische Methoden (Schätzung, Gewinnung von Erfahrungswerten und so weiter), die zu vorläufigen Arbeitsnormen, und

b) analytische Methoden, die zu technisch begründeten Arbeitsnormen fuhren.

Arbeitsökonomie: spezielle wirtschaftswissenschaftliche Disziplin zur Erforschung der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und der Reproduktion des Arbeitsvermögens; Teil der marxistisch-leninistischen Wirtschaftswissenschaft sowie ein wichtiges Arbeitsgebiet in der Praxis in allen materiellen und nichtmateriellen Bereichen und staatliche Organen.

Arbeitsordnung: normativ betriebliche Regelung der allgemeinen Pflichten und Rechte der Werktätigen in Bezug auf ihr Verhalten bei der Arbeit und Anwesenheit im Betrieb. Sie dient entsprechend den konkreten betrieblichen Bedingungen zur Gewährleistung hoher Effektivität und Qualität der Arbeit, von Ordnung, Disziplin und Sicherheit, zur Festigung der sozialistischen Arbeitsmoral und zur Entwicklung sozialistischer Kollektivbeziehungen. Die Arbeitsordnung ist unter Einbeziehung der Werktätigen auszuarbeiten und vom Betriebsleiter nach Zustimmung der BGL in Kraft zu setzen.

Arbeitsort: territorialer Bereich, in welchem der Werktätige seine Arbeitsaufgabe zu erfüllen hat; ist als notwendige Abrede im Arbeits- beziehungsweise Überleitungsvertrag zu vereinbaren. Bei mehreren Betriebsstätten (Teil-, Zweigbetriebe, Verkaufsstellen unter anderem) soll als Arbeitsort grundsätzlich eine derselben vereinbart werden.

Arbeitspapiere: Dokumente, die der Werktätige im Zusammenhang mit dem Arbeitsrechtsverhältnis benötigt. Der Werktätige hat die Arbeitspapiere, insbesondere den I Ausweis für Arbeit und Sozialversicherung oder das Seefahrtsbuch bei Begründung und Beendigung eines Arbeitsrechtsverhältnisses und auf Verlangen im Betrieb vorzulegen.

Arbeitspause: der Erholung dienende Unterbrechung der Arbeit des Werktätigen. Mindestforderungen an Umfang und Lage der Arbeitspause sind im Arbeitsgesetzbuch geregelt. Der Erholungswert der Arbeitspause kann bei Beachtung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse hinsichtlich ihrer Lage, ihres Umfangs, ihrer Häufigkeit und ihres Inhalts positiv beeinflusst werden.

Arbeitsperiode: Gesamtheit der zusammenhängenden Arbeitszeit (Arbeitstage oder -stunden), in der Arbeitsgegenstände bis zur Fertigstellung des Produkts direkt der Einwirkung durch die Arbeit ausgesetzt sind. Die Verkürzung der Arbeitsperiode ist ein wichtiges Mittel der Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion und der Steigerung der Arbeitsproduktivität.

Arbeitspflichten: Pflichten des Werktätigen innerhalb des Arbeitsrechtsverhältnisses; ergeben sich aus Rechtsvorschriften, normativen betrieblichen Regelungen (Arbeitsordnung), arbeitsrechtlichen Verträgen und Weisungen der Vorgesetzten.

Arbeitsphysiologie: Teildisziplin der Arbeitsmedizin, die sich mit der Analyse und Beanspruchung des menschlichen Organismus durch die Arbeit sowie dem Ermitteln physiologischer Funktionsgrößen unter Belastung befasst.

Arbeitsplatz: der im Rahmen eines Arbeitsprozesses bestimmbare und meist räumlich abgrenzbare, zweckmäßig eingerichtete Vollzugsbereich für die Tätigkeit der Werktätigen in Verbindung mit Arbeitsmitteln und Arbeitsgegenständen. Die rationelle Gestaltung der Arbeitsplätze ist eine Aufgabe der WAO.

Arbeitsplatzanalyse: Form der Arbeitsanalyse zum detaillierten Studium der Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz.

Arbeitsplatzkonzentration: Menge der gesundheitsschädliche Stoffe in der Luft des Arbeitsraumes; bei Gasen und Dämpfen angegeben in mg/l oder cm3/m3, bei Stäuben in mg/m3 oder Teilchenzahl/ cm3. Maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert, Mac-Wert; von englisch Maximum allowable concentration) oder Grenzkonzentration ist die Menge schädlicher Bestandteile in der Luft, die bei täglicher 8,45 stündiger Arbeitszeit im Verlauf eines Lebens in der Regel noch keine Gesundheitsschäden zur Folge hat. Unterschieden werden MAKD, der Mittelwert der Arbeitsplatzkonzentration während einer Arbeitsschicht, und MAKk für kurzfristig auftretende Konzentrationen von maximal 30 Minuten je Arbeitsschicht.

Arbeitsplatzversorgung: zweckentsprechend und termingerechte Bereitstellung von Arbeitsmitteln (Werkzeuge, Messmittel), Arbeitsgegenständen (Werkstücke, Hilfsmaterial) und Arbeitsunterlagen (Zeichnungen, Vorgaben, Arbeitsnormen). Die Organisation der Arbeitsplatzversorgung ist unter anderem abhängig von Fertigungsart, Produktionsorganisation, Ablagefläche am Arbeitsplatz, Art des Erzeugnisses. Zu unterscheiden sind Hol- und Bringsysteme, kontinuierliche und periodische Arbeitsplatzversorgung.

Arbeitsproduktivität: Wirkungsgrad, Nutzeffekt der auf die Erzeugung von materiellen Gütern und Leistungen gerichteten konkreten gesellschaftlichen Arbeit; Verhältnis der produzierten Menge an Gebrauchswerten zur aufgewandten gesellschaftlichen Arbeit. Die Arbeitsproduktivität wird vor allem bestimmt«... durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologische Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsmittel und durch Naturverhältnisse» (Marx). Die Steigerung der Arbeitsproduktivität ist folglich durch die Entwicklung der Schöpferkraft des Menschen, materiell-technische (Produktivkräfte) und Sozialökonomischen Faktoren (Produktionsverhältnisse) bedingt. Einsparung an lebendiger und vergegenständlichter Arbeit je Erzeugniseinheit bedeutet Steigerung der Arbeitsproduktivität, wobei der Anteil der vergegenständlichten Arbeit an der aufgewendeten Gesamtarbeit relativ zunimmt. Mit steigender Arbeitsproduktivität werden also mehr Gebrauchswerte mit dem gleichen Arbeitsaufwand oder dieselbe Menge Gebrauchswerte mit geringerem Arbeitsaufwand produziert. Deshalb sinken bei steigender Arbeitsproduktivität der Wert gleicher Waren und damit die Selbstkosten; bei gleichbleibenden Preisen erhöhen sich der Gewinn der Betriebe und der Zuwachs an Nationaleinkommen als wichtige Bedingung für die Erhöhung der gesellschaftlichen Akkumulation und Konsumtion. Jede neue Gesellschaftsordnung muss ihre Überlegenheit gegenüber der alten Ordnung letztendlich durch eine höhere Arbeitsproduktivität beweisen. Deshalb ist die Arbeitsproduktivität auch «... das Ausschlaggebende für den Sieg der neuen Gesellschaftsordnung» (Lenin). Die Steigerung der Arbeitsproduktivität ist ein objektiver, sich gesetzmäßig vollziehender Prozess. In den antagonistischen Gesellschaftsformationen trägt er den Charakter einer Tendenz. Im Kapitalismus erfolgt die Steigerung der Arbeitsproduktivität ausschließlich im Interesse der Kapitalisten, das heißt zur Erhöhung der Profitmasse auf Kosten der Werktätigen. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität in den kapitalistischen Betrieben und Unternehmen ist von einer Vergeudung an Arbeit im gesellschaftlichen Maßstab begleitet, die, durch die Anarchie der kapitalistischen Produktion und ihre Widersprüche bedingt, in chronischen Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, chronischen Nichtauslastung der Produktionskapazitäten unter anderem zum Ausdruck kommt und die Steigerung der gesellschaftlichen Arbeitsproduktivität im Kapitalismus einschränkt. Im Sozialismus wirkt das Gesetz der stetigen Steigerung der Arbeitsproduktivität, da die sozialistischen Produktionsverhältnisse die schöpferische Aktivität der Werktätigen ermöglichen und bedingen. Hier ist die stetige Steigerung der Arbeitsproduktivität entscheidende Voraussetzung für den Leistungsanstieg der Volkswirtschaft, die ständige Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes sowie für die Festigung der politischen Macht des sozialistischen Staates. Der Kern der Steigerung der Arbeitsproduktivität besteht darin, je Einheit an Arbeits-, Material- und Finanzaufwand eine wesentliche Vergrößerung des Produktionsvolumens und des Nationaleinkommens zu erzielen. Wichtige Faktoren für das Wachstum der Arbeitsproduktivität im Sozialismus sind Beschleunigung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und breite Nutzung seiner Ergebnisse in allen Bereichen der Volkswirtschaft, rationelle Organisation der gesellschaftlichen Produktion und Arbeit (Konzentration, Spezialisierung und Kooperation), internationale Arbeitsteilung, besonders in Form der sozialistischen ökonomischen Integration, Entfaltung des sozialistischen Wettbewerbs, der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit und Erhöhung der Qualifikation der Werktätigen. Bei der Steigerung der Arbeitsproduktivität geht es nicht nur um die Verringerung unmittelbar lebendiger Arbeit (Einsparung von Arbeitszeit beziehungsweise deren volle Ausnutzung), sondern auch um die Einsparung vergegenständlichter Arbeit, das heißt um die Senkung des Aufwandes an Material, Energie und Brennstoffen je Erzeugniseinheit, um die höhere Auslastung der vorhandenen Maschinen und Anlagen. Ein wichtiger Faktor zur Steigerung der Arbeitsproduktivität ist die schnelle Überführung wissenschaftlich-technischer Spitzenleistungen in die Produktion sowie die planmäßige Fertigstellung von Investitionsvorhaben und deren termingerechte Inbetriebnahme. Unter den gegenwärtigen Bedingungen der umfassenden Intensivierung der Produktion wird das Wachstum der Arbeitsproduktivität von der Beherrschung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und von der organischen Vereinigung der wissenschaftlich-technischer Revolution mit den Vorzügen des Sozialismus sowie vom Tempo der Verwirklichung der sozialistischen ökonomischen Integration bestimmt, deren Bedeutung für die ständige Steigerung der Arbeitsproduktivität im Anwachsen begriffen ist. Maßgeblichen Einfluss auf die Arbeitsproduktivität haben die planmäßige proportionale Entwicklung der Volkswirtschaft und die Konzentration der materiellen und finanziellen Mittel auf die für die Zukunft entscheidenden Bereiche der Volkswirtschaft. Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität wird in den sozialistischen Ländern durch die Ausnutzung der ökonomischen Gesetze des Sozialismus, durch die Vervollkommnung der Methoden der Leitung, Planung und ökonomische Stimulierung gefördert. In der Planung und Statistik der DDR versteht man unter Arbeitsproduktivität den Nutzeffekt der lebendigen Arbeit in einem gegebenen Zeitraum. Das Niveau der Arbeitsproduktivität wird dabei als Quotient aus der hergestellten Erzeugnismenge und des dafür erfordert. Aufwandes an lebendiger Arbeit in einem gegebenen Zeitraum ermittelt, dargestellt in Arbeitseinheiten (zum Beispiel Tage oder Stunden) oder in der Zahl der Arbeitskräfte (Personen- oder Vollbeschäftigteneinheiten).

Arbeitsprozess: die materiell-technische Seite des Produktionsprozesses, die Tätigkeit des Menschen zur Erzeugung von Gebrauchswerten. Die Bestandteile des Arbeitsprozess sind die Arbeit des Menschen, die Arbeitsgegenstände und die Arbeitsmittel. Der Charakter des Arbeitsprozess wird durch die jeweilige Form des Eigentums an den Produktionsmitteln bestimmt. So ist der Arbeitsprozess im Kapitalismus ein Ausbeutungsprozess, im Sozialismus hingegen Prozess der Beherrschung und Umwandlung der Natur durch den Menschen zum Zwecke der Sicherung eines hohen Volkswohlstandes.

Arbeitspsychologie, Arbeits- und Ingenieurpsychologie: Disziplin der Psychologie, die sich dem dialektischen Verhältnis von Mensch und Arbeit zuwendet Ihr Gegenstand ist die psychische Regulation der Arbeitstätigkeit im Zusammenhang mit entsprechend äußeren und inneren Bedingungen sowie Auswirkungen. Problembereiche sind insbesondere die psychologische Charakteristik von Arbeitsaufgaben und -anforderungen, die psychologische Arbeitsgestaltung, die Bestimmung psychischer Beanspruchung und die Erhöhung der psychischen Leistungsvoraussetzungen, zum Beispiel durch Training. Siehe auch Ingenieurpsychologie.

Arbeitspunkt: definierter Punkt auf der Kennlinie einer elektronischen Schaltung, der den Betriebszustand festlegt und um den die Aussteuerung erfolgt. Der Arbeitspunkt wird durch Festwerte aller Kenngrößen des Kennlinienfeldes und gegebenenfalls durch spezielle Schaltungsmaßnahmen fixiert beziehungsweise stabilisiert.

Arbeitsrechtsverhältnis: Gesamtheit der Rechte und Pflichten des Werktätigen und des Betriebes im Zusammenhang mit der Arbeit des Werktätigen im Betrieb. Ein Arbeitsrechtsverhältnis kommt durch einen Arbeitsvertrag oder Überleitungsvertrag und bei Funktionen mit besonders hoher Verantwortung durch Berufung oder Wahl zustande. Der Inhalt eines Arbeitsrechtsverhältnis ergibt sich aus den Rechtsvorschriften, insbesondere dem Arbeitsgesetzbuch, sowie aus normativen Betriebsregelungen, Vereinbarungen zwischen Werktätigen und Betrieb, Festlegungen bei der Berufung oder Wahl, Weisungen der Vorgesetzten und Verfügungen des Betriebsleiters.

Arbeitsrente: einfachste Form der feudalen Grundrente, bei der die Arbeit des Produzenten für sich von der Zwangsarbeit für den Grundeigentümer räumlich und zeitlich getrennt erscheint. Der leibeigene oder hörige Bauer ist verpflichtet, einen Teil der Woche mit seinen Arbeitsmitteln auf dem Gute des Grundeigentümers zwangsweise und unentgeltlich zu arbeiten (fronen, Fronarbeit leisten).

Arbeitsrhythmus: planmäßig, entsprechend den wissenschaftlich-technologischen Bedingungen in weitgehend gleichmäßige Takte gegliederter Arbeitsablauf eines einzelnen oder eines Kollektivs von Werktätigen bei ständiger Wiederholung gleicher oder ähnliche Arbeitsverrichtungen in gleichen Abständen; ist durch fließende, auf den Ablauf des technologischen Prozesses abgestimmte Bewegungen gekennzeichnet. Der Arbeitsrhythmus ist zum Teil mit Leerbewegungen verbunden, die lediglich seiner Erhaltung dienen.

Arbeitsschule: Strömung der Reformpädagogik zu Beginn des 20. Jahrhundert; betonte die Selbsttätigkeit der Kinder mit dem Ziel, geschickte und ergebene Lohnarbeiter zu erziehen; gegen die Interessen der Arbeiterklasse gerichtet.

Arbeitsschutzanordnung, Abkürzung ASAO: gesetzliche Bestimmung, die für den Gesundheits- und Arbeitsschutz und teilweise den Brandschutz Anforderungen an die Gestaltung und Anwendung von Arbeitsmitteln, -verfahren und -statten enthält. An die Stelle der ASAO treten zunehmend staatliche Standards des Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutzes. Der Betriebsleiter hat die ASAO sowie die staatlichen Standards durch Arbeitsschutzinstruktionen zu konkretisieren beziehungsweise zu ergänzen.

Arbeitsschutzbelehrung: Unterweisung der Werktätigen durch den Betriebsleiter oder zuständigen leitenden Mitarbeiter über die Rechtsvorschriften, betriebliche Festlegungen und Maßnahmen sowie das geforderte Verhalten auf dem Gebiet des Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutzes. Arbeitsschutzbelehrung sind in regelmäßigen Abständen, bei Arbeitsaufnahme und Veränderungen der Arbeitsbedingungen sowie bei besonderen Vorkommnissen durchzuführen.

Arbeitsschutzkontrollbuch: in den Betrieben von leitenden Mitarbeitern, die der Betriebsleiter bestimmt, zu führendes Nachweisbuch, in dem insbesondere Arbeitsunfälle, arbeitsbedingte Erkrankungen, Havarien, Schulungen und Belehrungen, Kontrollergebnisse, Mängel im Gesundheits-, Arbeits- und Brandschutz und die Maßnahmen zu deren Beseitigung einzutragen sind.

Arbeitsschutzmittel: zusammen mit der Arbeitsschutzkleidung Körperschutzmittel, die dem Werktätigen entsprechend den Rechtsvorschriften zum Schutz seiner Gesundheit und Arbeitskraft vom Betrieb kostenlos zur Verfügung zu stellen und nach bestimmter Zeit oder bei Unbrauchbarkeit zu erneuern sind.

Arbeitsschutzobmann: gewählter Funktionär einer Gewerkschaftsgruppe, der in deren Wirkungsbereich die gesellschaftliche Kontrolle des Gesundheits- und Arbeitsschutzes durchführt und die anderen gewerkschaftlichen Aufgaben im Gesundheits- und Arbeitsschutz wahrnimmt.

Arbeitssicherheit: Zustand im Arbeitsprozess, der durch technisch-organisatorische Maßnahmen, durch optimale Gestaltung der Arbeitsbedingungen, besonders auch die strenge Beachtung arbeitshygienische Normen sowie durch das arbeitsschutzgerechte Verhalten des Werktätigen selbst eine sichere Arbeitsausführung gewährleistet und den Arbeitenden vor gesundheitlicher Schädigungen bewahrt.

Arbeitsspiel: intermittierende Vorgänge im Verbrennungsmotor vom Beginn des Ladens eines Zylinders bis zum Ende des Ausschiebens der Verbrennungsgase und dem wiederholten Laden des Zylinders.

Arbeitsstreitigkeiten: Streitfälle zwischen Betrieb und Werktätigem über das Bestehen eines Arbeitsrechtsverhältnisses sowie über Rechte und Pflichten aus einem solchen. Die Arbeitsstreitigkeiten ergeben sich vor allem aus Verletzungen der sozialistischen Gesetzlichkeit, Unzulänglichkeiten vertraglicher Regelungen und mangelnder Gesetzeskenntnis. Organe zur Entscheidung von Arbeitsstreitigkeiten sind in der DDR in erster Linie die Konfliktkommissionen, ferner die Kammern für Arbeitsrecht der Kreisgerichte, Senate für Arbeitsrecht der Bezirksgerichte und des Obersten Gerichts. Die früher vorhandenen selbständigen Arbeitsgerichte wurden 1963 in die Kreis- und Bezirksgerichte eingegliedert.

Arbeitsstudium: Untersuchung beziehungsweise Analyse von Arbeitsprozessen mit Hilfe spezifischer Methoden und Verfahren in allen Bereichen der Volkswirtschaft entsprechend konkreten Aufgaben im Rahmen beziehungsweise als Instrumentarium der WAO. Das Arbeitsstudium dient der Schaffung sozialistischer Arbeitsbedingungen, der ständigen Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Entwicklung sozialistischer Persönlichkeiten; es richtet sich auf die Organisation und den Verlauf der Arbeitsprozesse, die Auswahl und Anordnung der Arbeitsmittel am Arbeitsplatz, die Arbeitsteilung und Kooperation, die physiologisch und psychologisch zweckmäßige Pausengestaltung und so weiter. Ziel der Untersuchung sind höchste Wirksamkeit der lebendigen Arbeit und Optimierung ihres Zusammenwirkens mit den anderen Elementen des Arbeitsprozesses einschließlich der Umweltfaktoren bei der Arbeit (Lärm, Klima, Licht, Farbe, Luftverunreinigungen und so weiter).

Arbeitstag: 1. die gesetzlich festgelegte Stundenzahl für die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit eines Arbeiters oder Angestellten; in der DDR nicht mehr gebräuchlich durch Festlegung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit.

2. jeder Kalendertag, an dem der Werktätige im Rahmen des Arbeitsrechtsverhältnisses nach den Festlegungen im Arbeitszeitplan zu arbeiten verpflichtet ist. Seit Einführung der durchgängigen Fünftagearbeitswoche sind in der Regel Montag bis Freitag Arbeitstage; Sonnabende, Sonn- und Feiertage können als Arbeitstage festgelegt werden, wenn es der ununterbrochene Produktionsablauf unter anderem erfordern; der Werktätige erhält dann andere freie Tage in der Woche.

Arbeitstagaufnahme: Form der Arbeitszeitermittlung im Arbeitsstudium, die sich über den gesamten Arbeitstag beziehungsweise eine Schicht erstreckt und alle in dieser Zeit auftretenden Ereignisse lückenlos in chronologischer Reihenfolge ihres Auftretens erfasst und den einzelnen Arten der Arbeitszeitgliederung zuordnet. Die Arbeitstagaufnahme dient der Aufdeckung von Verlustzeiten, der Arbeitsgestaltung und der Arbeitsnormung.

Arbeitsteilung: Prozess der Trennung und Verselbständigung verschiedener Tätigkeiten und Produktionsprozesse in Abhängigkeit von den gesellschaftlichen Verhältnissen; Form der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und Ausdruck ihrer Vergesellschaftung. Während die Arbeitsteilung im Allgemeinen Arbeitsteilung zwischen den Wirtschaftszweigen, zum Beispiel Industrie, Landwirtschaft, Verkehrswesen, Handel ist, ist Arbeitsteilung im besonderen Arbeitsteilung innerhalb der Wirtschaftszweige, zum Beispiel Bergbau, Metallurgie, Maschinenbau und so weiter innerhalb der Industrie. Als Arbeitsteilung im einzelnen wird innerbetriebliche Arbeitsteilung bezeichnet, gekennzeichnet durch Spezialisierung nach Abteilungen, Produktionsinstrumenten, Arbeitsverrichtungen sowie Kooperation zwischen Abteilungen und Teilarbeitern. Die ursprüngliche, einfachste Form der Arbeitsteilung war die natürliche Arbeitsteilung, die Teilung nach Geschlecht und Alter, die sich bereits in der Urgesellschaft herausbildete. Historisch bedeutsame Arbeitsteilungen waren die erste große gesellschaftliche Arbeitsteilung, Herausbildung von Hirtenstämmen und Ackerbauern, zwischen ihnen entwickelte sich der Austausch, eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung des Privateigentums und der Klassengesellschaft. Die zweite große gesellschaftliche Arbeitsteilung, die Herauslösung des Handwerks aus der Landwirtschaft, legte den Grund für die Trennung von Dorf und Stadt, forderte die Entwicklung der Warenproduktion. Die dritte große gesellschaftliche Arbeitsteilung hatte die Absonderung des Handels von der Produktion zum Inhalt. Die Arbeitsteilung tritt nicht nur als nationale Arbeitsteilung (innerhalb der Staatsgrenzen), sondern auch als internationale Arbeitsteilung (zwischen den Staaten) auf; es entsteht die Tendenz zur wirtschaftlichen Annäherung der Völker. Im Kapitalismus ist die internationale Arbeitsteilung jedoch mit der Unterdrückung und Ausbeutung ökonomisch schwächerer Staaten, mit der neokolonialen Versklavung vieler Völker verbunden. Demgegenüber hat die sozialistische internationale Arbeitsteilung völkerverbindenden Charakter und führt allmählich zur sozialistischen ökonomischen Integration. Alle Formen der Arbeitsteilung erhöhen die gesellschaftliche Arbeitsproduktivität; somit spiegelt der Grad der Arbeitsteilung in der Gesellschaft den Entwicklungsstand der Produktivkräfte wider.

Arbeitstherapie: unter fachgemäßer Anleitung vielgestaltig sich vollziehende sinnvolle Beschäftigung Körpergeschädigter, Nerven- und Geisteskranker zum Zweck der Wiederherstellung körperliche Funktionen und der Wiedereingliederung psychisch Kranker in die Gesellschaft. Siehe auch Rehabilitation.

Arbeitstoxikologie: Teildisziplin der Arbeitsmedizin, die sich mit der Einwirkung chemischer Substanzen auf die Gesundheit der Werktätigen beschäftigt (Industrietoxikologie unter anderem). Die Arbeitstoxikologie bedient sich tierexperimentell-toxikologische und chemisch-toxikologische Arbeitsmethoden zur Ausarbeitung und Festlegung von MAK-Werten (Arbeitsplatzkonzentration) für toxische, karzinogene und zunehmend auch mutagene und teratogene Substanzen. Arbeits- und Ingenieurpsychologie Arbeitspsychologie.

Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen: Gesamtheit der unmittelbaren materiellen und sozialen Bedingungen und Verhältnisse, unter denen die Menschen arbeiten und leben. Niveau, Entwicklungsrichtung und -tempo der Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen werden entscheidend durch die herrschenden Produktionsverhältnisse, den Entwicklungsstand der Produktivkräfte sowie durch die Wirkung der Gesamtheit der politischen, sozialpolitischen, ökonomischen, rechtlichen, kulturellen, gesundheitlichen und sozialen Maßnahmen eines Staates bestimmt. Im Sozialismus sind die Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen direkt von den sozialistischen Produktionsverhältnissen, dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der Wirtschafts- und Sozialpolitik des Staates abhängig. Das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln und die konkrete Machtausübung der Arbeiterklasse im Bündnis mit allen anderen Werktätigen sichern das gleiche Recht aller Mitglieder der Gesellschaft auf Arbeit, ihre Gleichberechtigung (unabhängig von Rasse, Geschlecht und Alter) bei der Mitgestaltung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, den gleichen Anspruch aller Bürger auf Bildung, Entlohnung nach der Arbeitsleistung und medizinische Betreuung. In der Gewährleistung dieser sozialen Grundrechte besteht ein großer Vorzug des Sozialismus gegenüber der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Die ständige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen ergibt sich aus dem Wirken der ökonomischen Gesetze des Sozialismus, besonders des ökonomischen Grundgesetzes als Bewegungsgesetz der sozialistischen Produktionsweise. Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen sind entscheidende Faktoren zur Erschließung sozialer Triebkräfte und für die Persönlichkeitsentwicklung. Die systematische Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen erfolgt vor allem durch die Ausprägung sozialistischer Beziehungen zwischen den Menschen, die Gestaltung produktivitäts-, persönlichkeitsfordernder und umweltfreundliche Arbeitsbedingungen, die Entfaltung des geistig-kulturellen Lebens, die Verbesserung der Wohnverhältnisse, den Ausbau der gesundheitlichen Betreuung der Bevölkerung, die Entwicklung von Körperkultur und Sport sowie des Erholungswesens, kontinuierliche, stabile und sortimentsgerechte Versorgung mit Konsumgütern und Dienstleistungen. In der DDR ist die planmäßige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Lebensbedingungen erklärtes Ziel der Wirtschafts- und Sozialpolitik der SED.

Arbeitsunfähigkeit: ärztlich bescheinigtes Unvermögen des Werktätigen zur Arbeitsleistung auf Grund von Krankheit, Arbeitsunfall, Berufskrankheit oder Quarantäne. Bei Arbeitsunfähigkeit erhält der Werktätige Leistungen der Sozialversicherung, vor allem Krankengeld.

Arbeitsunfall: Verletzung des Werktätigen im Zusammenhang mit dem Arbeitsprozess durch ein plötzlich, von außen einwirkendes Ereignis. Als Arbeitsunfall gilt auch ein Unfall auf einem mit der Tätigkeit im Betrieb zusammenhängenden Weg zur und von der Arbeitsstelle, wobei Abweichungen, die sich aus dringenden Erfordernissen des täglichen Lebens ergeben, einbezogen sind. Dem Arbeitsunfall sind bestimmte, in Rechtsvorschriften ausdrücklich aufgeführte Unfälle bei organisierter gesellschaftlicher, kultureller oder sportlicher Tätigkeit gleichgestellt, Der Arbeitsunfall muss von der BGL als solcher anerkannt werden. Bei einem Arbeitsunfall hat der Betrieb den Werktätigen beziehungsweise seine Hinterbliebenen besonders zu unterstützen; sie erhalten besondere Leistungen der Sozialversicherung und haben (außer bei Wege- und gleichgestellten Unfällen) Anspruch auf Schadenersatz gegen den Betrieb.

Arbeitsunterweisung: a) mündliche Erläuterung zu schriftlichen Unterlagen zwecks Erfüllung eines Arbeitsauftrages;

b) durch den verantwortlichen Leiter (zum Beispiel Meister) mündlich (selten schriftlich) durchzuführende Anleitung neu eingestellter Arbeiter zur ordnungsgemäßen Erledigung der übertragenen Arbeitsaufgabe beziehungsweise Anleitung der Arbeiter im Verantwortungsbereich der zuständigen Leiter, wenn ihnen neue Arbeitsaufgaben übertragen werden (Einführung neuer Verfahren, Anlagen und so weiter).

Arbeitsverfahren: Charakterisierung der Prozessstufen in der Wirkungsweise einer Maschine, zum Beispiel Viertakt- oder Zweitaktverfahren bei Verbrennungsmotoren.

Arbeitsvermögen: Ausdruck der physischen und psychischen Fähigkeiten des Menschen, nützl. Tätigkeit verrichten zu können (Marx). Arbeitsvermögen ist Voraussetzung für die Arbeit und Arbeit die Funktion des A, in Bewegung gesetzte Arbeitskraft. Es wird unterschieden in

a) individuelles Arbeitsvermögen, an die Persönlichkeit des einzelnen gebundene Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten;

b) betriebliches Arbeitsvermögen im Sinne des betrieblichen Gesamtarbeiters, quantitativ bestimmbar durch die Zahl der Arbeitskräfte (in Vollbeschäftigteneinheiten), den Arbeitszeitfonds, die zahlenmäßige Besetzung der Arbeitsplätze, Lohngruppen, Beschäftigtengruppen und so weiter und qualitativ durch die Berufsgruppen, Qualifikationsgruppen und -stufen, die Kompliziertheitsgrade der Arbeit, die qualitativen Strukturen und so weiter;

c) gesellschaftliches Arbeitsvermögen als Gesamtheit der Arbeitsfähigkeiten aller arbeitsfähigen Mitglieder der Gesellschaft. Ferner ist zu unterscheiden zwischen potentiellem, vorhandenem Arbeitsvermögen und aktiv genutztem, eingesetztem Arbeitsvermögen Die rationelle Nutzung des Arbeitsvermögen ist angewandte Ökonomie der Zeit.

Arbeitsvertrag: Vereinbarung zwischen einem Werktätigen und einem Betrieb zur Begründung eines Arbeitsrechtsverhältnisses. Inhalt des Arbeitsvertrag sind die Abreden über die Arbeitsaufgabe, den Arbeitsort und den Tag der Arbeitsaufnahme (notwendiger Vertragsinhalt) sowie weitere Abreden, die im Rahmen der Rechtsvorschriften und normativen Betriebsregelungen zulässig sind (ergänzender Vertragsinhalt). Der Arbeitsvertrag kommt durch übereinstimmende Willenserklärungen des Werktätigen und des Betriebes mindestens über den notwendigen und wenn weitere Abreden getroffen werden sollen, auch über diese zustande; die zuständige betriebliche Gewerkschaftsleitung ist vom beabsichtigten Abschluss eines Arbeitsvertrag zu benachrichtigen. Der Betrieb hat den Arbeitsvertrag schriftlich auszufertigen und dem Werktätigen ein Exemplar auszuhändigen; in das Schriftstück sind die Vereinbarungen der Vertragspartner und mindestens die für den Werktätigen zutreffende Lohn- beziehungsweise Gehaltsgruppe und die Dauer des Erholungsurlaubs aufzunehmen. Der Arbeitsvertrag ist grundsätzlich für unbestimmte Zeit abzuschließen; ein befristeter Arbeitsvertrag ist zulässig mit Aushilfskräften und für die Zeit von höchstens 6 Monaten zur Deckung eines vorübergehenden zusätzlichen Arbeitskräftebedarfs (zum Beispiel Saisonarbeiten). Mit Abschluss des Arbeitsvertrag werden die vereinbarten und die normativ festgelegten Rechte und Pflichten verbindlich.

Arbeitsvorgang: zweckgerichtete menschliche Tätigkeit oder automatische Verrichtung, die im Fertigungsprozess unter definierten Bedingungen und in definiertem Umfang ausgeführt wird; nach TGL Sammelbezeichnung für Fertigungsprozessstufe, Arbeitsgang, Arbeitsstufe, Griff und Bewegung.

Arbeitswerttheorie: ökonomische Theorie, nach der der Wert der Waren durch die in ihnen enthaltene allgemeine menschliche Arbeit als Teil der gesellschaftlichen Arbeit (abstrakte Arbeit) gebildet wird. Wichtige Elemente der Arbeitswerttheorie wurden von der klassischen bürgerlichen politischen Ökonomie entwickelt, aber erst mit der Entdeckung des Doppelcharakters der warenproduzierenden Arbeit durch Marx wurde die Arbeitswerttheorie von ihren Widersprüchen und Fehlern befreit. Die Arbeitswerttheorie ist die Grundlage der wissenschaftlichen politischen Ökonomie und speziell der Mehrwerttheorie.

Arbeitswissenschaften, sozialistische: nach den Grundregeln der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit kooperierende wissenschaftliche Disziplinen, die vom Standpunkt ihres Gegenstandes beziehungsweise ihres Wissenschaftsgebietes die Arbeit der Werktätigen, die Voraussetzungen, Bedingungen, Erfordernisse und Wirkungen der rationellen Nutzung des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens, den Prozess der erweiterten Reproduktion der Arbeitskraft einschließlich der Aufgaben zur allseitigen Persönlichkeitsentwicklung erforschen, verallgemeinern, ihre Gesetzmäßigkeiten aufdecken, Grundsätze, Regeln und Normative für die praktische Organisation der gesellschaftlichen Arbeit im Sozialismus entwickeln. Zu den Disziplinen der sozialistischen Arbeitswissenschaften gehören unter anderem Arbeitsökonomie, -Soziologie, -recht, -schütz, -Physiologie, -psychologie, Berufspädagogik.

Arbeitszeit: a) die gesetzlich festgelegte tägliche, wöchentliche oder monatliche durchschnittliche Zeitdauer nach Stunden der normalen und zugleich Höchstarbeitszeit des Werktätigen in einem Arbeitsrechtsverhältnis; in der DDR als wöchentliche Arbeitszeit geregelt. Gegenwärtig gilt die 40-Stunden-Woche für Werktätige, die im 3- oder durchgehenden Schichtsystem arbeiten, für vollbeschäftigte Mütter mit 2 Kindern bis zu 16 Jahren oder mit einem schwerstgeschädigten oder blinden Kind ab Vollendung des 3. Lebensjahres. Für Werktätige, die im 2-Schicht-System arbeiten, und für Jugendliche, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, beträgt die Arbeitszeit 42 Stunden und für alle anderen Werktätigen 43 i/A Stunden. Eine generell differenziert verkürzte Arbeitszeit gilt für Werktätige, die besonders schwere oder gesundheitsgefährdende Arbeit ausführen,

b) die im Arbeits-, Änderungs- oder Überleitungsvertrag vereinbarte Teilarbeit, vor allem für Alters- oder Invalidenrentner und für Frauen, die auf Grund besonderer familiärer Verpflichtungen vorübergehend nicht voll arbeiten können,

c) die tatsächliche Dauer der Arbeitszeit je Arbeitstag, die im Arbeitszeitplan für den Werktätigen festgelegt wird. Sie soll möglichst ein Fünfte: der wöchentliche Arbeitszeit betragen, kann jedoch davon abweichen, wenn es die Erfüllung der Aufgaben des Betriebes erfordert.

Arbeitszeitausnutzung: Verhältnis der im Arbeitsprozess von den Werktätigen aufgewandten tatsächlich geleisteten Arbeitszeit zur nominellen Arbeitszeit beziehungsweise zum Arbeitszeitfonds. Die Differenz zwischen beiden Größen charakterisiert den Umfang der Arbeitszeitausfalls. Maximale Arbeitszeitausnutzung ist ein Erfordernis des Gesetzes der Ökonomie der Zeit sowie der rationellen Organisation der Produktion und gilt für alle Bereiche der Volkswirtschaft.

Arbeitszeitfonds: die für die Erfüllung de Planaufgaben zur Verfügung stehende Arbeitszeit. Der Arbeitszeitfonds wird berechnet, indem von der Kalenderarbeitszeit die geplanten Arbeitsausfallzeiten (Erholungsurlaub, Feiertage, Krankheit, Freistellungen unter anderem) abgesetzt werden. Die Differenz kennzeichne den geplanten Arbeitszeitfonds, die tatsächlich zu leistende Arbeitszeit insgesamt beziehungsweise je Beschäftigtengruppe oder je Berufstätiger. Der Arbeitszeitfonds der Betriebe ist Ausgangspunkt für die Planung der Arbeitskräfte.

Arbeitszeitplan: rechtlich-verbindliche betriebliche Festlegung der Dauer, des Beginns und Endes der tägliche Arbeitszeit und der Arbeitspausen sowie von Arbeitsbereitschaft für die Werktätigen. Der Arbeitszeitplan ist zwischen Betriebsleiter und zuständiger betrieblicher Gewerkschaftsleitung zu vereinbaren und den Werktätigen mindestens 1 Woche vor Inkrafttreten bekanntzugeben. Das gilt auch für jede Änderung des Arbeitszeitplan Besondere Formen sind der Dienstplan (zum Beispiel in Verkehrs betrieben) und der Schichtplan.

Arbeitszeitregime: durch gesellschaftliche ökonomische und technologische Erfordernisse bedingt Form des regelmäßigen zeitlichen Einsatzes der Arbeitskräfte. Das Arbeitszeitregime umfasst die Besetzungszeit der Arbeitsplätze und die Arten des Wechsels zwischen Arbeitszeiten und arbeitsfreien Zeiten für einen längeren Zeitraum (Ein- und Mehrschichtsysteme, Schicht folge, gleitende Arbeitswoche bei ständig zu besetzenden Arbeitsplätzen, Arbeit nach Dienstplänen. Das Arbeitszeitregime ist eine wichtige Grundlage für die maxi male Nutzung des Arbeitszeitfonds und die Sicherung der Kontinuität der Produktion.

Arbeitszwang, Zwangsarbeit: durch den Staat macht den Ausbeutergesellschaften ausgeübter oder legitimierter Zwang, eine bestimmte Arbeit im Interesse der herrschenden Klasse zu leisten. Der Arbeitszwang spielte insbesondere in vorkapitalistischen Produktionsweisen eine große Rolle, ist aber auch im Kapitalismus anzutreffen (besonders im Faschismus und unter kolonialen Verhältnissen).

Arbeitszylinder: Motortyp der Hydraulik und Pneumatik, der durch die Wirkung eines ihm zugeführten Druckmittels eine geradlinige Abtriebsbewegung begrenzter Hublänge und eine Kraft erzeugt. Bauarten sind Tauchkolben- und Scheibenkolbenarbeitszylinder.

Arcadia: 1690 in Rom gegründet italienische Literaturakademie; bekämpfte die manierierte Poesie des 17. Jahrhundert und propagierte die einfache, naturverbundene Schäferdichtung nach antikem Vorbild (Theokrit, Vergil).

archaisch: altertümlich; Bezeichnung für eine Frühstufe der Kunstentwicklung, besonders der griechischen Kunst. Stilmerkmale archaischer Kunst sind Knappheit und Geschlossenheit der wenig differenzierten Form; Feierlichkeit und Ernst des Ausdrucks, das Überwiegen des Typischen gegenüber dem Individuellen. Die Nachahmung archaischer Formen wird archaistisch oder archaisierend genannt

Archanthropinen: ausgestorbene Menschengruppe, die vor allem durch die Pithekanthropusfunde von Jawa bekannt geworden ist.

Archäocyathiden: meist Riffe bildende Meerestiere des Kambriums mit kegelförmigem, doppelwandigem, perforiertem, bis 10 cm hohem Kalkskelett.

Archäogeophysik: Wissenschaftszweig, der sich mit Suche und Nachweis verdeckter ur- und frühgeschichtlicher Bodendenkmäler (Wehranlagen, Herdstellen, Brunnen und dergleichen) mit den Methoden der angewandten Geophysik befasst.

Archäologie: Zweig der Altertumswissenschaft, der das Altertum, insbesondere auf der Grundlage von Denkmälern der materiellen Kultur und der bildenden Kunst, erforscht. Es wird unterschieden in Ur- und Frühgeschichte oder Prähistorie (Urgesellschaft, einschließlich Übergänge zur Klassengesellschaft), orientalische Archäologie (umfasst Ägypten, Vorderasien, Indien, China), klassische Archäologie (vorgriechische, griechisch-römische Antike) und christliche Archäologie (Kunst und Kultur des christlichen Altertums und Bodenfunde des Mittelalters).

Archegonium: meist flaschenförmiges weibliches Geschlechtsorgan der Moose und Farnpflanzen, das bei Moosen auf der Moospflanze, bei Farnpflanzen auf dem Vorkeim entsteht und nur eine Eizelle enthält; bei Nacktsamern noch in reduzierter Form vorhanden.

Archer, Frederick Scott, 1813-1857, britischer Erfinder; führte in die Fotografie 1851 das nasse Kollodiumverfahren ein. Die fotografische Schicht bestand aus in Kollodium eingebettetem Silberjodid; sie wurde unmittelbar vor der Aufnahme auf die Glasplatte gegossen und feucht verarbeitet.

Archetyp, Archetypus: aus einer Vielzahl von Handschriftenvarianten eines Quellentextes erschlossene, dem Original möglichst nahekommende Textfassung.

Archilochos, um 650 vor Christus, griechischer Lyriker; brandmarkte witzig und erbittert menschliche Schwächen seiner Zeitgenossen, kritisierte die überholten Ehrbegriffe der Aristokratie, erhob den Jambus (Versfuß) zur Kunstform.

Archimedes, um 287-212 vor Christus, einer der bedeutendsten Gelehrten der Antike; wirkte in Alexandria und vorwiegend in Syrakus; erreichte eine Verbindung von Wissenschaft und Ingenieurkunst. Archimedes bestimmte mit großer Genauigkeit Kreisumfang und -inhalt, fand exakte Methoden zur Berechnung von Flächen- und Rauminhalten und formulierte die Gesetze des hydrostatischen Auftriebs und des Hebels. Er konstruierte die archimedische Schraube (eine Förderschnecke) sowie technische Kampfmittel zur Verteidigung von Syrakus gegen die Römer. Bei der Eroberung der Stadt kam Archimedes ums Leben.

Baukunst: Begriff, der wesentlich mit dem Verhältnis des Menschen zu seiner gegenständlichen, von ihm geschaffenen Umwelt verbunden ist und auf Grund der klassenbedingten Veränderungen dieses Verhältnisses in der Geschichte in seiner Bedeutung sehr schwankt. Er zielt sowohl auf die Tätigkeit, die sich mit der Gestaltung der räumlichen Umwelt befasst, als auch auf deren Ergebnis. Unter Baukunst wird vor allem die künstlerisch wirksame Form der gebauten räumlichen Umwelt des Menschen verstanden. Sie dient der Gestaltung und Entwicklung der verschiedenen Formen menschlicher Lebenstätigkeit (Arbeiten, Wohnen, Sicherholen, Politik, Kultur und so weiter). In der Geschichte entwickelte sich die Baukunst insbesondere bei den hervorgehobenen Bauwerken der herrschenden Klassen, zum Beispiel religiösen Kult- und Versammlungsbauten, wie Tempel, Dome, Kirchen, Klöster, Grabstätten (Sakralbaukunst), Wohn- und Herrschaftsbauten, wie Burgen, Paläste, Schlösser, und öffentliche Bauten, wie Rathäuser, Museen, Bibliotheken und so weiter (Profanbaukunst). Der grundlegende Klassenantagonismus widerspiegelt sich in der Baukunstgeschichte im scharfen Gegensatz von wenigen bevorzugten Kunstbauten der herrschenden Klassen und der Vielzahl der dem Volk vorbehaltenen Bauwerke, die nur geringe oder keinerlei künstlerische Gestaltung erfuhren. Das Künstlerische wird hier zu einem Moment der Formierung der räumlichen Umwelt insgesamt, wobei sich die künstlerische Gestaltung nicht nur auf Einzelbauwerke konzentriert, sondern vor allem umfassende Städtebauliche Ensembles zum komplexen Gegenstand hat. Wohnungsbau und Gesellschaftsbau stellen 2 wesentliche, sich dialektisch ergänzende Komponenten der Baukunst der Gesellschaft dar. Als produktionsmäßige Grundlage dient daher auch das industrielle Bauen.

Architekturfotografie: Genre der Fotografie, in dem Bauwerke, Bauensembles und Baudetails Bildgegenstände sind. Unter dokumentarischen Aspekten wird die Architekturfotografie vielfältig von der Projektierung bis zur Restaurierung eingesetzt. Unter künstlerischen Aspekten wird dem Betrachter durch Anschaulichkeit und Detailschärfe der Wert architektonischer Leistungen bewusstgemacht.

Architrav: der unmittelbar auf den Säulen ruhende, waagerechte Querbalken des antiken Tempels.

Archiv: a) Einrichtung zur Erfassung, Aufbewahrung, Aufbereitung und Auswertung von Archivgut;

b) Bestand an Archivgut einer Institution, gesellschaftliche Organisation oder Person.

Archivgut, Archivdokumente: das aus der Tätigkeit von Institutionen, Organisationen oder bedeutenden Persönlichkeiten hervorgegangene Schriftgut (Registraturgut), das wegen seines gesellschaftlichen Wertes und als Quelle historischer Erkenntnis dauernd aufzubewahren ist.

Archivolte: Baukunst das verzierte Band an der Stirnseite eines Bogens; im romanischen und gotischen Gewändeportal oft mit Figuren besetzt.

Areafunktionen: (lateinisch area, «Fläche») die Umkehrfunktionen der Hyperbelfunktionen. Areasinus (arsinh x) ist die Umkehrfunktion von sinh x, Areakosinus (arcosh x) die von cosh x\ Areatangens (artanh x) die von tanh x, Areakotangens (arcoth x) die von coth x. Die Areafunktionen lassen sich auch durch den natürlichen Logarithmus ausdrücken. In der Integralrechnung treten die Areafunktionen bei der Integration von Wurzelausdrücken auf.

Areal: 1. allgemein Fläche, Flächeninhalt, -raum.

2. Biologie: den Umweltansprüchen gemäßes Siedlungsgebiet der Organismen, in dem die Fortpflanzung erfolgt.

Arecolin: (Kunstwort - lateinisch) Hauptalkaloid der Betelnuss; führt zu Darmmuskelkontraktionen und verstärkter Speichelsekretion (Betelkauer). In der Tierheilkunde wird Arecolin als Wurmmittel verwendet.

Arene, (Kunstwort griechisch) aromatische Kohlenwasserstoffe: Kohlenwasserstoffe mit dem Bindungssystem des Benzols. Das einfachste Arene ist Benzol; von ihm leiten sich als monozyklische Arene zum Beispiel Toluol, die Xylole, Styrol, Kumol und Zymol ab. Bizyklisch ist Naphthalin, trizyklisch sind Anthrazen und Phenanthren, pentazyklisch ist zum Beispiel Benzpyren, heptazyklisch Koronen. Gemäß moderner fachsprachlicher Nomenklatur erhalten die Namen aller Arene die Endungen, wie Benzen, Toluen, Xylen, Styren und so weiter. Die Arene lassen sich nitrieren, sulfonieren, chlorieren und sind wichtige Zwischenprodukte der chemischen Industrie. Ursprünglich ausschließlich aus Steinkohlenteer gewonnen, wird insbesondere die monozyklische Arene jetzt auch durch Reformieren von Erdölbenzinen hergestellt.

Arequipa: Stadt (Departements-Zentrum) im Süden von Peru, 2329m überm Meer; 300000 Einwohner; Bergbau- und Agrarzentrum (Bewässerungsfeldbau); bedeutende wollverarbeitende Industrie und Wollhandel; 2 Universitäten; an der Carretera Panamericana; in der Nähe bedeutende Förderung von Eisen, Edel- und Buntmetallen.

Argentinien, (spanisch, «Silberland») Republik Argentinien: Staat im Süden von Südamerika, zwischen den Kordilleren im Westen und dem Atlantischen Ozean im Osten; grenzt im Westen an Chile, im Norden an Bolivien, im Nordosten an Paraguay, Brasilien und Uruguay. Administrativ gliedert sich Argentinien in 22 Provinzen, das Territorium Feuerland und den Bundesdistrikt Buenos Aires. Argentinien erhebt Anspruch auf die Falklandinseln/Malwinen und die ihnen verwaltungsmäßig unterstehenden Inselgruppen Südgeorgien und Südsandwichinseln als sogenannte Dependenzen. Währung ist der Argentinische Peso. Bevölkerung. 95% der Einwohner sind europäischen Abstammung, vor allem Nachkommen spanischer und italienischer Einwanderer. In abgelegenen Gebieten leben etwa 20000 bis 30000 Indianer; etwa 600000 Mestizen. Mehr als 80% der Einwohner leben in Städten, davon etwa 10 Millionen Einwohner allein im Raum Groß-Buenos Aires. Die höchste Bevölkerungsdichte weisen die Provinzen Buenos Aires, Santa Fé, Córdoba und der Bundesdistrikt auf. Amtssprache ist Spanisch.

Natur: Oberfläche. Mit einer maximalen Länge von etwa 3700 km und einer Breite von 1600 km ist Argentinien das zweitgrößte Land Lateinamerikas. Im Westen, an der Grenze zu Chile, bilden die Teile der Hauptkette der Kordilleren eine natürliche Begrenzung. Ihre höchsten Erhebungen sind der Aconcagua (6959 m) und der Ojos del Salado (6880 m). Der Hauptkette vorgelagert ist die breite Zone der Vorkordilleren. Im Nordwesten hat Argentinien Anteil am wüstenhaften Hochland der Atacama, dem sich nach Osten die Gebirgszüge der Pampinen Sierren anschließen. Den östlichen Nordteil des Landes nimmt das Tiefland des südlichen Gran Chaco ein. Die weiten Ebenen der Pampas, die sich fast über ein Viertel des Territoriums erstrecken, gehen nach Süden in das Tafelland Ostpatagoniens über. Den Abschluss bildet Feuerland als Ausläufer der Südkordillere. Klima: Argentinien hat Anteil an mehreren Klimazonen, von der sommerheißen subtropischen im Norden und Nordosten bis zur kühlgemäßigten Zone im S. Die Durchschnittstemperaturen liegen jeweils höher als in den vergleichbaren Zonen Europas. Gewässer. Die Mündung des Paraná bildet mit der des Uruguay den bis zu 200 km breiten Mündungstrichter des Río de la Plata. In den Kordilleren befinden sich Gletscherseen, deren wichtigste der Lago Buenos Aires (2100 km2), der Lago Argentino (1300 km2) und der Lago Viedma (1100 km2) sind. Pflanzenwelt. Sie ändert sich dem Klima entsprechend vom Trockenwald des Gran Chaco im Norden bis zu den Steppengebieten der Pampas und Patagoniens.

Arginase: (lateinisch) in der Leber vorkommendes Enzym, das im Harnstoffzyklus aus Arginin Harnstoff freisetzt.

Arginin, Symbol Arg: stark basische Aminosäure der chemischen Formel H2N-C(=NH)-NH(CH2)5-CH(NH2)-COOH; 2-Amino-5-guanidylpentansäure. Arginin ist farblos, kristallisiert, leicht wasserlöslich und optisch aktiv; die L-Form kommt in der Natur sowohl frei (in vielen Pflanzen) als auch als Baugruppe vieler Eiweiße vor.

arglistige Täuschung: Vorspiegelung falscher oder Verschweigen wirklicher Umstände, um einen anderen zu benachteiligen. Der so Getäuschte kann darauf beruhende Erklärungen anfechten (siehe auch Anfechtung) und dadurch erlittene Schäden ersetzt verlangen.

Argonauten: (griechisch, «Argoschiffer») in der griechischen Sage 50 Helden, die unter Iasons Führung auf dem sprechenden Schiff Argo nach Kolchis an der Ostküste des Schwarzen Meeres fuhren und mit Medeas Hilfe das Goldene Vlies nach Griechenland brachten.

Argonnen: plateauartiger Höhenzug im Norden Frankreichs, am Nordostrand des Pariser Beckens, zwischen Aisne und Marne; bis 375 m hoch; schluchtenreich, unwegsam; große dichte Laubwälder; Weiden, Milchwirtschaft, Schweinehaltung; dünn besiedelt. Die Argonnen wurden zu Beginn des 1. Weltkrieges von deutschen Truppen überschritten, 1914/18 waren sie Schauplatz erbitterter Stellungskämpfe.

Argos: Hauptstadt des griechischen Distrikts Argolis im nordöstlichen Peloponnes; war seit dem 8. Jahrhundert vor Christus ein bekanntes Handels- und Handwerkszentrum. Ende des 6. Jahrhundert vor Christus gab es in Argos Sklavenunruhen; 229 vor Christus wurde Argos Mitglied des Achäischen Bundes und 146 vor Christus römisch. Im Norden der Ebene von Argos befinden sich die Ruinen einer Burganlage aus dem 2. Jahrhundert vor Christus mit dem berühmten Löwentor von Mykene.

Argot: ursprünglich Gaunersprache; heute Gesamtheit spezieller sprachlicher Elemente, die von Angehörigen bestimmter Berufs- und anderer Gruppen (zum Beispiel Schüler) im Verkehr untereinander verwendet wird. Siehe auch Jargon.

Arguedas: 1. Alcides, 15. 7. 1879-6. 5. 1946, bolivianischer Schriftsteller; gestaltet in dem Roman «Die bronzene Rasse» (1919) die spontane Erhebung indianischer Bauern gegen ihre Unterdrücker.

2. José Maria, 18.1. 1911-28. 11. 1969 (Selbsttötung), peruanischer Romancier; gestaltete sowohl die Traditionen und den Kampf der indianischen Bauern («Fiesta des Blutes», 1941, deutsch; «Alle Arten Blut», 1964) als auch die Erinnerungen seiner Jugend («Die tiefen Flüsse», 1959, deutsch).

Argument: 1. allgemein Beweis, Beweisgrund, Beweismittel.

2. Mathematik: ein Element des Definitionsbereichs einer Funktion.

Argumentum e contrario: Umkehrschluss; ein Mittel der logischen Auslegung von Rechtsnormen, Willenserklärungen und Verträgen. Knüpft zum Beispiel das Gesetz an bestimmte Tatbestände bestimmte Rechtsfolgen, dann gelten entgegengesetzte Folgen für nicht vom Tatbestand erfasste Fälle.

Argusfische, Scatophagidae: hochrückige, stark seitlich abgeflachte Barschfische der Küstenzonen des Indischen und Stillen Ozeans; Jungfische meist im Brackwasser; der bis 40 cm lange Gestreifte Argusfische (Scatophagus tetracanthus) lebt an der Ostküste Afrikas; der nur 30 cm lange Gefleckte Argusfische (S. argus) wird in Aquarien gehalten.

Ariadne, in der griechischen Sage Tochter des kretischer Königs Minos und der Pasiphae; half Theseus durch ein Garnknäuel (daher Ariadnefaden: Leitfaden, Hilfsmittel für schwierige Aufgaben) aus dem Labyrinth; verließ mit Theseus Kreta, wurde von ihm auf Naxos verlassen und später mit Dionysos vermählt. Ariane: Bezeichnung für eine im Auftrag der ESA von mehreren westeuropäischen Staaten seit 1973 entwickelte, 1979 erstmals bei einem Teststart eingesetzte Trägerrakete für Raumflugkörper.

Arianespace: westeuropäische Konsortium von Finnen der Luftfahrt-, Raumfahrt- und Elektronikindustrie sowie Großbanken zu Produktion, Finanzierung, Marketing und Start der Raumfahrtträgerrakete Ariane; erste derartige Organisation; 1980 gegründet; Sitz Évry bei Paris.

Arianismus: Lehre des Presbyters Arius (um 280-336), nach der Christus nicht gottgleich und ewig, sondern erstes und höchstes Geschöpf Gottes sei; auf dem Konzil von Nicäa (325) als Irrlehre verworfen. German. Stämme waren zum Teil bis ins 6. Jahrhundert Arianer.

Arica: nördlichste Stadt Chiles, am Stillen Ozean; 120Ö00 Einwohner; Automontage, elektronische/elektrotechnische, Textil-, Fischverarbeitungsindustrie; Freihafen (Erz-, Erdölausfuhr) und Eisenbahnverbindungen für Peru und Bolivien; Erdölleitungen von Bolivien; Seebad.

arides Klima, Trockenklima, Wüstenklima: Klima, bei dem die mögliche jährliche Verdunstung größer als die Summe der jährliche Niederschläge ist; vollarides Klima: ganzjährige Trockenheit bei < 100 mm Jahresniederschlag (Wüste, Wüstensteppe); semiarides Klima: vorherrschende Trockenheit, monatsweise übersteigt der Niederschlag die Verdunstung (Steppe, Sukkulenten-Wald).

Arie: kunstvolles, mehrteilig gegliedertes Sologesangsstück mit Instrumentalbegleitung in Oper, Oratorium, Passion, Kantate und Konzert; siehe auch Da-capo-Arie.

Arier: (Sanskrit, «Herren») Völker, die Ende des 2. Jahrtausend vor Christus in Nordwestindien einfielen und als Vorfahren der heutigen Indoarier angesehen werden. Der für eine Einteilung der Menschheit nach Rassen oder Völkern wissenschaftlich nicht haltbare Begriff Arier wurde von den Hitlerfaschisten für ihre unmenschliche Rassentheorie missbraucht.

Ariki: (polynesisch, «Häuptling») ehrende Bezeichnung für steinerne Monumentalplastiken der Osterinsel.

Arishima, Takeo, 4.3.1878-9.6.1923 (Selbsttötung), japanischer Erzähler; unterstützte trotz adliger Herkunft die sozialistische Bewegung. Zu seinen Hauptwerken zählen der Roman «Eine Frau» (1911/19) und die Erzählung «Ein Nachkomme Kains» (1918, deutsch).

Arismendi, Rodney, geboren 21.3.1913, uruguayischer Arbeiterführer; Jurist; 1931 Mitglied der KP, 1944 ihres Nationalkomitees; seit 1946 Abgeordneter, 1951/55 Sekretär des ZK, seit 1955 Erster Sekretär des ZK der KP; 1973/74 in Illegalität und faschistischer Haft, danach bis 1984 im Exil. Arismendi ist einer der führenden Theoretiker des Marxismus-Leninismus in Lateinamerika.

Aristagoras, Aristagoras von Milet, gestorben 496 vor Christus, Tyrann von Milet; Führer im Ion. Aufstand, nach dessen Niederlage er nach Thrakien flüchtete und dort bei Kampfhandlungen gegen die Edimer fiel.

Aristarch: 1. Aristarch, Aristarchos von Samos, um 320 um 250 vor Christus, griechischer Astronom; versuchte als erster, die Entfernungen zur Sonne und zum Mond aus geometrischen Überlegungen abzuleiten; lehrte das heliozentrische Weltbild, jedoch auf rein spekulativer Grundlage.

2. Aristarch, Aristarchos von Samothrake, um 217-144 vor Christus, Philologe, Prinzenerzieher und Leiter der Bibliothek in Alexandria; gab die Werke klassischer Autoren heraus und erklärte sie, vervollkommnete Textkritik und Grammatik.

Aristeas, 7. Jahrhundert vor Christus, sagenumwobener griechischer Schriftsteller; schrieb ein Epos über die Arimaspen, ein mythologisches Volk von Einäugigen im Norden.

Aristides: 1. um 540-um 467 vor Christus, athenischer Politiker und Feldherr; Sohn des Lysimachos; Gegner der Demokratie; organisierte den 1. Att. Seebund; kämpfte unter anderem 490 bei Marathon und 479 bei Platää.

2. Aelius, lebte im 2. Jahrhundert nach Christus, griechischer Wanderredner aus Mysien; seine 55 erhaltenen Reden sind kulturgeschichtlich wertvoll.

Aristokratie: (lateinisch griechisch) Besitz- oder Geburtsadel, der sich mit dem Zerfall der Urgesellschaft herausbildete. In der Sklavenhaltergesellschaft bestand die Aristokratie aus den reichsten Familien, die eine große Anzahl Sklaven und ausgedehnte Ländereien besaßen. Im Feudalismus war es der Adel als herrschende Klasse, besonders seine politisch führende Schicht, die hohe Reichsämter bekleidete. Die durch die bürgerlichen Revolutionen entmachtete Aristokratie passte sich den kapitalistischen Produktionsverhältnissen an, ging mit der Finanz- und Industriebourgeoisie ein reaktionäres Bündnis ein und übte höchste Staatsfunktionen im Imperialismus aus. Siehe auch Ade!

Aristomkos, gestorben 130 vor Christus, Führer des Sklavenaufstandes im Königreich Pergamon (Kleinasien) 133/130 vor Christus Seine Anhänger, meist Sklaven und Freigelassene, nannten sich Heliopoliten (Bürger des Sonnenstaates). 131 schlug Aristonikos ein römisches Heer unter Crassus vernichtend, wurde danach aber besiegt, gefangengenommen, nach Rom deportiert und ermordet.

Aristophanes, um 445-nach 388 vor Christus, griechischer Komödiendichter; von seinen 40 Komödien sind 11 vollständig erhalten. Aristophanes machte die Komödie zum politischen Kampfmittel, griff in soziale, pädagogische, literarische Auseinandersetzungen ein, warb mitten im Peloponnes. Krieg für den Frieden («Die Achamer», 425; «Der Frieden», 421; «Lysistrate», 411), erörterte Frauenfragen («Lysistrate»; «Die Weibervolksversammlung», 392), griff Sophistik und Rhetorik an («Die Wolken», 423), erörterte Wert und Nutzen der Dichtung («Die Frösche», 405) und die Verteilung des Reichtums («Plutos»).

Aristoteles, 384-322 vor Christus, griechischer Philosoph; einer der bedeutendsten Denker der Antike; stammte aus einer Arztfamilie; lernte, lehrte und forschte 20 Jahre in der Platon. Akademie; gründete 335 vor Christus eine Studienanstalt (Peripatetiker). Aristoteles hat fast alle Gebiete der Natur und Gesellschaft behandelt und die erste, zum Teil noch heute aktuelle Wissenschaftsterminologie geschaffen. Die Vielfalt der Wissenschaften begründete er mit der Vielfalt der «Gattungen des Seins», die hierarchisch geordnet die organische-funktionelle Einheit der Welt bilden. Das «Sein als solches» ist nach Aristoteles («Metaphysik») von 4 Prinzipien bestimmt: durch den passiven Stoff, die aktive, den Stoff strukturierende und dem allgemeinen Wesen einer Dingklasse entsprechend Form und die dieser meist inhärenten Prinzipien von Zweck und Ursache. Damit erklärte Aristoteles das Werden des Seins als Verwirklichung (Aktualisierung) der im Stoff potentiell existierenden Form. Die perfekte Aktualisierung der Form nannte er Enlelechie. Diese entwickelt zum Beispiel bei den biologischen Organismen in der Ontogenese das der Art gemäße Wesen, in der Arbeit des Künstlers die der Möglichkeit nach im Erz vorhandener Statue. Die Form ist die in die Dinge selbst verlegte Idee Platons, dessen Idealismus er ebenso überwinden will wie den mechanischen Materialismus Demokrits. Mit der Integration der Formen in die Gegenstände galt die Wahrnehmung wieder als Grundlage einer zum Teil materialistische Erkenntnistheorie, die in der Abbildung der allgemeinen Formen und Zusammenhänge das Ziel begrifflich-wissenschaftlichen Denkens sah und Wahrheit als Übereinstimmung der Aussage mit ihrem objektiven Sachverhalt verstand. Aristoteles versuchte eine auf Axiom-Beweis-Struktur gegründete Theorie und Klassifikation der Wissenschaft und schuf im Rahmen der Logik als Erkenntnisinstrument eine Theorie des Syllogismus sowie der Induktion und Deduktion («Organon»). In seinem Werk «Politik» fasst Aristoteles den Menschen als gesellschaftliches Wesen (zoon politikon); die Sklaverei rechtfertigt er jedoch als naturgegeben. In seiner realistisch orientierten «Poetik» gab Aristoteles auch eine kunsttheoretische Analyse des Dramas. Seine Lehre vom göttlichen Weltbeweger und der unsterblichen Seele bedingt Widersprüche in seiner Philosophie. Aristoteles hat im Mittelalter eine außerordentlich große Rolle gespielt; seine Wirkung dauert bis heute an.

Aristotelisches Theater: Theater- und Dramenschaffen, das entsprechend den Lehren des Aristoteles («Poetik») von determinierenden Schicksalsvorstellungen ausgeht und durch Einfühlung und emotionale Erschütterung läuternde Wirkungen (Katharsis) beim Publikum auslösen will. Der Begriff aristotelisches Theater wurde von B. Brecht in Abgrenzung zum epischen Theater geprägt. Aristotelisches Theater in diesem Sinne sind wesentliche Bereiche der europäischen Theater- und Dramengeschichte von der Antike bis zur Gegenwart; ihm ordnen sich bestimmte dramaturgische Konzeptionen (die «geschlossene» Form) und Schauspielmethoden zu.

Aristotelismus: die Philosophie des Aristoteles, ihre Weiterentwicklungen und ihr Fortwirken bis ins 19. Jahrhundert (Peripatetiker, Alexander von Aphrodisias, Averroismus, Scholastik, Albertus Magnus, Thomas von Aquino, Neuthomismus).

Aristoxenos, um 354-300 vor Christus, griechischer Philosoph und Musiktheoretiker; Schüler des Aristoteles; entwickelte ein auf Empirie beruhendes System der Akustik und Rhythmik; seine Philosophie lehnt sich an pythagoreische Lehren an.

Arithmetik: Teilgebiet der Mathematik, das die verschiedenen Zahlenarten und ihre Rechengesetze behandelt. Die niedere Arithmetik umfasst die 4 Grundrechenarten und die Potenzrechnung mit ihren Umkehrungen, dem Wurzelziehen und dem Logarithmieren. Zur höheren Arithmetik gehören die Theorie der unendlichen Folgen und Reihen, die Kombinatorik und die Zahlentheorie. Die Arithmetik überschneidet sich teilweise mit der Algebra und der Analysis.

Arithmetisierung, Gödelisierung, Gödel-Kodierung (nach K. Gödel): effektiv berechenbare Kodierung der Ausdrücke einer formalen Sprache durch natürliche Zahlen und hierdurch ermöglichte Beschreibung wichtiger Beziehungen zwischen solchen Ausdrücken durch arithmetische Funktionen und Relationen.

Arizona, Abkürzung Ariz. Bundesstaat im Südwesten der USA; 295260 km2, 2,35 Millionen Einwohner (20% Mexikaner, 6% Indianer, 2,6% Afroamerikaner), 8 Einwohner/km2; Hauptstadt Phoenix. Die Oberfläche As wird im Norden vom Colorado-Plateau, einem 1500 bis 3000 m hohen, von tiefen Canons durchschnittenen Tafelland, im Zentrum von zahlreichen Gebirgsketten (bis 3000 m) und im Südwesten von der ebenen Gilawüste eingenommen. Bei extrem trockenem Klima sind nur die Gebirgsketten waldbestanden, sonst überwiegend Strauchsteppe. Besondere Bedeutung hat der Colorado für die Elektrizitätserzeugung. In der Wirtschaft sind der und die auf künstliche Bewässerung beruhende Landwirtschaft führend. Förderung von Kupfer-, Zink-, Molybdän-, Blei-, Gold-, Silbererz sowie Kohle und Asbest. In der Landwirtschaft ging die Zahl der Farmen von (1940) 18500 auf (1979) 6000 zurück. Hier ist vor allem der Baumwollanbau bedeutend, der mit die höchsten Durchschnittserträge innerhalb der USA bringt. Weiterhin bedeutend ist der Anbau von Zitrusfrüchten. Arizona verfügt über ein ausgebautes Straßennetz, das Eisenbahnnetz ist weniger dicht.

Arkaden: Bogenreihe auf Pfeilern oder Säulen, auch ein von Bogenstellungen begrenzter Gang (Bogen- oder Laubengang). Blendarkaden sind einer Wandfläche zur dekorativen Gliederung flach aufgesetzt.

Arkadien, griechisch Arkadia: Landschaft im Süden Griechenlands, auf dem Peloponnes, als Distrikt 4419 km2, 110000 Einwohner, 25 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Tripolis; von Kalkbergen (bis 2376 m) eingerahmt; durchflossen vom Alpheios und Nebenflüssen; Karsterscheinungen (Katavothren); in den fruchtbaren Becken Ackerbau, in höheren Lagen Weinbau und Weidewirtschaft (Schafe, Ziegen); Vorkommen an Braunkohle und Marmor. In der Antike Name einer von Achäern bewohnten bergigen Landschaft im mittleren Peloponnes. Epaminondas begründete 371 vor Christus in Arkadien einen Städtebund und die Hauptstadt Megalopolis; «paradiesisches» Hirtenland der arkadischen Dichtung.

Arkadische Dichtung, (nach Arkadien) bukolische Dichtung (griechisch, «Rinderhirt»): Idyll, illusionäre Schäfer- und Hirtendichtung; Anfänge in der Antike und im Mittelalter (Theokrit, Vergil, Sannazaro); in der deutschen Literatur des 17. Jahrhundert stark verbreitet; letzter Höhepunkt in der Anakreontik.

Arkansas: 1. Arkansas: rechter Nebenfluss des Mississippi (USA); 2333 km; entspringt in der Sawatchkette des Felsengebirges (Colorado) und mündet südlich von Helena; stark schwankende Wasserführung, Niedrigwasser von September bis Dezember; Hauptnebenflüsse sind Canadian und Cimarron; zahlreiche große Stauseen als Grundlage für umfangreichen Bewässerungsfeldbau.

2. Arkansas, Abkürzung Ark.: Bundesstaat im Süden der USA; 137754 km2, 2,2 Millionen Einwohner (17% Afroamerikaner), 16 Einwohner/km2; Hauptstadt Little Rock. Die Oberfläche wird im Nordwesten vom Ozark-Plateau, im Westen von den Ouachita-Bergen (bis 835 m) und im übrigen Gebiet von der Mississippi-Niederung und der zu ihr abdachenden Prärietafel bestimmt. Das Klima ist heiß und feucht, ein Drittel des Landes ist bewaldet. In der Wirtschaft haben die verarbeitende Industrie und der Bergbau lokale Bedeutung und werden von der landwirtschaftlichen Produktion übertroffen. Diese liegt wertmäßig an 14. Stelle der USA. Die Zahl der Farmen (1930: 242000, 1979: 58000) und Pachtwirtschaften ist stark rückläufig. Die früher wichtigste Anbaukultur Baumwolle (A. gehört zum Baumwollgürtel) wird zurzeit vom Sojabohnen- und Reisanbau sowie der Broileraufzucht und der Fleischrindzucht übertroffen. Für Arkansas (25. Stelle im Bergbau der USA) sind Erdöl- und Erdgasforderung sowie der Abbau von Bauxit nennenswert. Der Bundesstaat verfügt über 95% der Bauxitvorräte und -förderung der USA; die Verarbeitung erfolgt in den Tonerdewerken in Hurricane Creek und den Aluminiumhütten in Arkadelphia und Jones Mill; des weiteren Erdölverarbeitung, Lebensmittel-, chemische und holzverarbeitende Industrie. Arkansas besitzt ein ausgebautes Eisenbahn- und Straßennetz. Als Teil des historischen Louisiana war Arkansas 1682/1762 und 1800/03 französisch, 1762/1800 spanisch; 1803 kam es mit Louisiana an die USA und ist seit 1836 25. Bundesstaat der USA.

Arkebuse: ursprünglich Armbrust; im 14./16. Jahrhundert Handfeuerwaffe mit Luntenschloss, die wegen ihrer großen Masse auf einer Hakenstange ruhte (Hakenbüchse).

Arktis, Nordpolargebiet: die um den Nordpol der Erde gelegenen Land- und Meeresräume, mathematisch durch den nördlichen Polarkreis, biogeographisch durch die 12°C-Juli-Isotherme (etwa die nördliche Waldgrenze) begrenzt. Gesamtfläche etwa 25 Millionen km2, davon 10 Millionen km2 Festland. Die Arktis umfasst den Arktischer Ozean (Nordpolarmeer) einschließlich Teile des Atlant, und Stillen Ozeans sowie Inseln und Küstenräume Europas, Nordasiens und Nordamerikas, woran die Staaten Island, Norwegen, UdSSR, USA (Alaska), Kanada und Dänemark (Grönland) Anteil haben. Die Randgebiete der Arktis bewohnen Eskimos, Lappen, Nenzen, Jakuten, Tschuktschen unter anderem Völker, insgesamt aber nur wenige hunderttausend Menschen. Die Kernräume, die arktischen Inlandeisdecken, weisen kaum Leben auf. In den Randsäumen (Subarktis) taut der Dauerfrostboden im Sommer oberflächlich auf und trägt die geschlossene Vegetationsdecke der Tundra. Die Oberflächenformen werden durch die heutige und die pleistozäne Vergletscherung bestimmt (U-Täler, Rundhöcker, Oser, Felsschuttwüsten, Sanddünen). Das Klima kennzeichnen lange, sehr kalte, stürm. Winter (Polarnacht; mittlere Januartemperatur bis -40°C) und kurze, kühle, vielfach nebelreiche Sommer (Mitternachtssonne). Polarnacht beziehungsweise -tag nehmen gegen den Pol hin bis zur Dauer von jeweils einem halben Jahr zu. Eine gewisse Erwärmung ist allgemein in unserem Jahrhundert zu verzeichnen. Wichtigste Vertreter der Tierwelt sind Robben, Wale, Eisbären, Ren- und Pelztiere. Die subarktisches Gebiete weisen reiche Bodenschätze auf, besonders im sowjetischen Anteil und in Alaska: Erdöl, -gas, Steinkohle, Kupfer-, Nickelerz, Apatit, Nephelin. Neben Bergbau und Erdölförderung sind Ren-, Schaf- und Pelztierzucht sowie Pelztierjagd und Fischfang von Bedeutung. Die wirtschaftliche Erschließung nimmt in der UdSSR immer größeren Umfang an. In den letzten Jahrzehnten erlangte die Arktis durch den Einsatz von Eisbrechern für den Schiffsverkehr (Nördlicher Seeweg), im internationalen Flugverkehr zwischen Europa und Nordamerika beziehungsweise Japan sowie für die Wettervorhersage (unter anderem auf dem Packeis treibende Driftstationen) verstärkt Bedeutung.

Arktischer Ozean, Arktik (griechisch) Arktisches Mittelmeer, Nordpolarmeer, Nördliches Eismeer, Nördliches Polarmeer, kleinster der 4 Ozeane der Erde (früher als Nebenmeer des Atlantischen Ozeans angesehen), zwischen den Nordküsten von Europa, Asien und Nordamerika; durch das europäischen Nordmeer mit dem Atlantischen Ozean, durch die nur 92 km breite Beringstraße mit dem Stillen Ozean verbunden; 12,26 Millionen km2, bis 5449 m tief; die Wassertemperatur an der Oberfläche beträgt -1,6°C bis -1,9°C (Eisbildung erfolgt bei 3,5% Salzgehalt erst bei -1,91°C), und der Salzgehalt schwankt zwischen 29,5 und 32,5 %o. Ganzjährig zu etwa zwei Drittel von 3 bis 4 m dickem Eis bedeckt. In großen Teilen treten infolge Deformation des Eises beim Driften Packeisbildungen von 20 bis 25 m Höhe auf. Das Eis treibt von Osten nach Westen und zieht mit den grönländischen Eisbergen in den offenen Atlantischen Ozean. Der Arktische Ozean wird in 2 große Becken, das Arktische Becken mit der Kara-, Laptew-, Ostsibirische See, Tschuktschen- und Beaufortsee, den Nordwestpassagen und der Baffin-Bucht sowie in das Nordeuropäische Becken mit europäischen Nordmeer, Barentssee und Weißem Meer unterteilt. An der Grenze des Arktischen Ozeans zum Atlantischen Ozean befinden sich ergiebige Fischfanggebiete, so bei Neufundland, Südwestgrönland, Island und in der Barentssee. Hauptschifffahrtsweg in den Sommermonaten ist der Nördliche Seeweg. Erforschung vor allem durch sowjetische Driftstationen und Auswertung von Satellitenfotos.

arktotertiäre Flora: Vegetation laubabwerfender Gehölze, an der Wende Kreide/Tertiär im arktischen Gebiet vorhanden; breitete sich im Tertiär über die gesamte Nordhalbkugel aus.

Arles: Stadt im Süden Frankreichs, am Beginn des Rhönedeltas, 50000 Einwohner; Papier- und chemischen Industrie; Werft; Rhönehafen mit Kanal zum Mittelmeer; Museen; provenzalisches Festival; reich an römischen Baudenkmälern (unter anderem Amphitheater, Reste einer Gräberstraße); Kathedrale (12. Jahrhundert). Keltische Gründung (Arelas), die um 120 vor Christus römisch wurde; 880 Hauptstadt des Königreiches Arelat beziehungsweise Burgunds; 1481 fiel Arles an Frankreich.

Arm: a) obere oder vordere Gliedmaße des Menschen und der Affen; besteht aus Oberarm, Unterarm und Hand. Entspricht bei anderen Wirbeltieren dem Vorderbein beziehungsweise Flügel;

b) bei manchen Wirbellosen Organ zum Festhalten von Beute oder zum Anheften an Gegenstände (Fangarm, Tentakel).

Armada: die «unbesiegbare» Flotte (130 Schiffe mit etwa 30000 Mann), die Philipp II. von Spanien 1588 zur Unterwerfung Englands aussandte. Von der englischen Flotte geschlagen und durch Stürme zerstreut, kehrte sie nach Verlust von 63 Schiffen zurück; damit setzte der Niedergang der spanischen Seegeltung ein.

Armagnac: dem Kognak ebenbürtiger, edler französischer Weinbrand mit weichem, ein wenig seifigem, fruchtigem Aroma.

Armagnacs: eine der beiden großen französischen Feudalparteien, die sich 1404/35, zur Zeit des Hundertjährigen Krieges, blutige Auseinandersetzungen lieferten. Die Armagnacs, benannt nach ihrem Führer, dem Grafen von Armagnac, kämpften auf Seiten des französischen Königs gegen die Engländer. Nach den Armagnacs benannt französische Söldnerscharen setzten nach 1435 den Krieg fort. Sie verwüsteten das Elsass, wurden jedoch 1445 von elsässischen Bauern vertrieben und zerstreut.

Armah, Ayi Kwei, geboren 1939, ghanaischer Romancier; gestaltet ironisch aus vorwiegend

Armalcolit: (nach N. Armalcolit Armstrong, E. E. Aldrin und M. Collins) opakes, unter reduzierenden Bedingungen gebildetes Mineral aus Basalten vom Mare Tranquillitatis des Mondes.

Armaturen: im Maschinen- und Rohrleitungsbau Bezeichnung der Regel-, Steuer-, Mess- und Absperrorgane für Medien (Flüssigkeiten, Gase, Dickstoffe) aller Art, zum Beispiel Durchflussregler, Schaltorgane, Thermometer, Manometer, Absperrschieber. Anzeigende und registrierende Armaturen sind meist in der Armaturentafel, beim Kraftfahrzeug im Armaturenbrett angeordnet. Armaturen der elektrischen Installation sind Wand- oder Deckenleuchten.

Armawir: Stadt in der Region Krasnodar, am Kuban; 165000 Einwohner; Maschinenbau, Lebensmittel-, Leichtindustrie; Bahnknoten; pädagogische Hochschule; Theater.

Armbrust: (lateinisch + griechisch) aus dem Bogen entstandene, im Altertum und im Mittelalter (besonders 12./16. Jahrhundert) verbreitete Bolzen- oder Kugelschusswaffe.

Armco-Eisen: technisch reines Eisen (99,9%) mit geringer Rostanfälligkeit; wird als Weicheisen für elektrische Instrumente verwendet; von der American Rolling Millionen Company entwickelt.

Armee: a) reguläre Streitkräfte eines Staates oder Teile von ihnen, in manchen Ländern nur Landstreitkräfte;

b) operativer Verband der Land- und Luftstreitkräfte, zum Teil auch der Luftverteidigungskräfte sozialistischer Staaten, der aus mehreren Verbänden, selbständigen Truppenteilen und Einheiten verschiedener Waffengattungen, Spezialtruppen und Dienste besteht. Nach Zusammensetzung und Funktion unterscheidet man allgemeine Armee, Panzer-, Stoß-, Luftarmee unter anderem Mehrere Armee bilden eine Front.

Armenien, Hochland von: Hochland in Vorderasien, zwischen dem Schwarzen Meer und dem Hochland von Iran; etwa 400000 km2, durchschnittlich 1400 bis 2000m überm Meer; höchste Erhebung Ararat mit 5137 m; politisch unter die Türkei, Iran und die UdSSR aufgeteilt. Im Norden und Nordosten gegen das Tiefland am Schwarzen Meer sowie der Flüsse Rioni und Kura steil abfallendes, durch Plateaus und weiträumige, teilweise abflusslose Becken gegliedertes Hochland mit darüber aufragenden, von erloschenen Vulkanen durchsetzten Hochgebirgsketten. In den Becken sind zum Teil große Seen eingebettet (Van-See, Urumiyeh-See, Sewan-See). Armenien ist ein erdbebenreiches Hochland, das ein kontinentales Trockenklima der kühlgemäßigten Zone mit sehr kalten Wintern und heißen Sommern aufweist. Es ist Quellgebiet von Kura, Aras, Euphrat und Tigris. Meist Gebirgssteppen, die niederschlagsreicheren Randgebirge sind teilweise mit Laubmischwäldern (Eiche, Buche, Esche) bedeckt. Auf dem Hochland Viehzucht (besonders Schafe und Ziegen); in den Tälern weitverbreiteter Bewässerungsfeldbau (Weizen, Gerste, Mais, Zuckerrüben, Tabak, Baumwolle), Wein- und Obstbau, Öl- und Maulbeerbäume; Seidenraupenzucht; an Bodenschätzen sind vor allem Blei-, Kupfer-, Zink-, Molybdän- und Silbererze vorhanden.

Armenier, Selbstbezeichnung Haykh: zur indoeuropäischer Sprachfamilie gehörendes altes Kulturvolk und Hauptbevölkerung der Armen. SSR; 5,9 Millionen (davon 4,15 Millionen in der UdSSR); seit Verfolgung und teilweiser Ausrottung durch nationalistische Türken (1895/96 und 1915/16) Massenflucht aus Türkisch-Armenien nach anderen Ländern Vorderasiens, Frankreich und den USA (700000); seit 1946 Rückkehr zahlreicher Armenier in die UdSSR.

Armenisch: indoeuropäische Sprache, die in der Armen. SSR (2,7 Millionen), in der Türkei, in Syrien, in Libanon und Griechenland (zusammen 1,5 Millionen) gesprochen wird. Man unterscheidet Altarmenisch oder Grabar (5./11. Jahrhundert), Mittelarmenisch (11./17. Jahrhundert) und Neuarmenisch (seit 17. Jahrhundert).

armenische Schrift: um 400 nach Christus von Mesrop Maschtots in Anlehnung an das griechische Alphabet geschaffene Schrift, die, dem armenischen Lautsystem angepasst, noch heute geschrieben wird. Die armenische Schrift hat 38 Buchstaben.

Armer Konrad: Bezeichnung für eine Erhebung von Bauern und Bürgern in Württemberg gegen die zunehmende feudale Ausbeutung auf Grund der Misswirtschaft Herzog Ulrichs; begann im Mai 1514 im Remstal, wurde bis Anfang August 1514 niedergeschlagen; neben den Bundschuhverschwörungen einer der Vorläufer des deutschen Bauernkrieges. Schauspiel von F. Wolf.

Armfüßer, Brachiopoden (lateinisch + griechisch), Brachiopoda: Klasse der Kranzfühler; bis 8 cm lange, mittels Stiel festsitzende, von muschelartigen Schalen eingeschlossene Meerestiere; 2 bewimperte Mundarme dienen der Atmung und Ernährung. Fossil seit dem Kambrium bekannt und wichtige Leitfossilien im Paläozoikum; gesteinsbildend zum Beispiel in der Trias.

Arminius, 16 vor Christus-21 nach Christus (ermordet), Fürst der Cherusker. Arminius, bis 7 nach Christus Führer germanischer Truppen in römischen Diensten, stellte sich danach an die Spitze der germanischen Befreiungsbewegung gegen die Römer, vernichtete 9 nach Christus in der Schlacht im Teutoburger Wald 3 römischen Legionen (etwa 20000 Mann) unter Varus und zwang 14/16 den römischen Feldherrn Germanicus zum Rückzug, womit die Romanisierung der rechtsrheinische Gebiete verhindert wurde.

Armleuchteralgen, Charophyceae: hochentwickelte Gruppe grüner Algen, deren Thallus stengelartig und in Abschnitte gegliedert ist, mit quirlförmig angeordneten Kurztrieben; bilden bis 50 cm hohe «Wiesen» am Grunde von stehenden oder langsam fließenden Süß- und Brackgewässern; Thallus oft mit Kalk inkrustiert; teilweise als Düngemittel verwendet; ungeschlechtliche Vermehrung durch ein- bis mehrzellige, farblose, kugelige Knöllchen; geschlechtliche Vermehrung durch Eier und Spermatozoide. Siehe auch Algen.

Armmolche, Sirenidae: Familie der Schwanzlurche von aalähnliche Gestalt mit äußeren Kiemenbüscheln, winzigen Vorder- und fehlenden Hinterbeinen; fressen kleine Wassertiere und Algen; bewohnen flache Flüsse im Südosten der USA.

Armstrong: 1. Louis Armstrong, genannt Satchmo, 4.7.1900-6.7.1971, US-amerikanischer Jazztrompeter, -sänger und -komponist; Leiter verschiedener stilprägender Bands, populärster Vertreter des Old-Time-Jazz.

2. Neil Alden Armstrong, geboren 5.8.1930, US-amerikanischer Astronaut; betrat am 21.7.1969 als erster Mensch den Mond;

Armvorfall: Geburtskomplikation bei gesprungener Fruchtblase; dabei Hervortreten des kindlichen Armes als erstem Körperteil während der Geburt; häufig bei Querlage des Kindes.

Arnaud, Georges, eigentlich Henri Girard, geboren 16.7.1917, französischer Schriftsteller; seine Romane und Novellen sind abenteuerliche Geschichten, deren Helden oft Außenseiter der Gesellschaft sind, zum Beispiel «Lohn der Angst» (1950, deutsch); verfasste später vor allem Kriminalromane.

Arndt: 1. Ernst Moritz, 26.12.1769-29.1.1860, Schriftsteller und Publizist. Arndt der ein bürgerlich-antifeudales deutsches Nationalbewusstsein forderte, kritisierte scharf die feudalen Verhältnisse in Deutschland («Geist der Zeit», 1806/18), forderte die Aufhebung der Leibeigenschaft und stritt mit volkstümliche Liedern («Der Gott, der Eisen wachsen ließ») und sprachgewaltigen Streitschriften, ohne dabei frei von nationalistischen Tendenzen zu sein, für die deutsche Einheit und gegen die napoleonischen Unterdrückung. 1848/49 war Arndt Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung.

Arnedo Alvarez, Gerónimo, 14.10.1897-12.6.1980, argentinischer Arbeiterführer; Organisator von Arbeiterkämpfen in den 20er Jahren und gegen die Diktatur des Generals J. F. Uriburu (1930/32); 1933 wurde er Mitglied des ZK der KP, seit 1938 war er deren Generalsekretär.

Amica: Gattung gelbblühender Korbblütler. Auf Bergwiesen wächst meist der Bergwohlverleih (Arnica montana; unter Naturschutz). Pharmazeut. Bedeutung haben die Blüten und die Wurzel der Amica Tinctura Arnicae enthält unter anderem Amicin und Gerbstoffe und wirkt entzündungshemmend.

Arnim: 1. Achim von Arnim, 26.1.1781-21.1.1831, Schriftsteller und Physiker (Arbeiten über Elektrizität); neben C. Brentano wichtigster Vertreter der Heidelberger Romantik; zusammen gaben sie die Volksliedersammlung «Des Knaben Wunderhorn» (1806/08) heraus. In Romanen und Novellen idealisierte Arnim des Mittelalters.

2. Bettina Arnim (eigentlich Elisabeth) von, 4.4.1785-20.1.1859, Schriftstellerin; Frau von Arnim 1, Schwester von C. Brentano. Sie bekannte mutig ihre freiheitliche sozialpolitische Ansichten zur Verbesserung der Volksbildung und zur Emanzipation der Frau («Dies Buch gehört dem König», 1843; «Armenbuch», 1844, Erstdruck 1962); verfasste 1848 eine Flugschrift gegen die Unterdrückung Polens; Verehrung Goethes bezeugt «Goethes Briefwechsel mit einem Kinde» (1835).

3. Harry Graf von Arnim, 3.10.1824-19.5.1881, preußischer Diplomat; seit 1862 Gesandter in Lissabon, seit 1864 in München und Rom; 1872/74 deutscher Botschafter in Frankreich. Meinungsunterschiede mit Bismarck über die Haltung zur Republik in Frankreich führten zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Bismarck Arnim gerichtlich verfolgen ließ, so dass Arnim emigrierte.

Arno: Fluss in Mittelitalien; 241 km; entspringt dem etruskischen Apennin, durchfließt die fruchtbaren Becken der Toskana, mündet in der Nähe von Pisa in das Ligurische Meer; von Florenz ab schiffbar, häufige Überschwemmungen (schwere Zerstörungen in Florenz 1966).

Arnold: 1. Gottfried Arnold, 5.9.1666-30.5.1714, Protestant. Theologe und Schriftsteller; bedeutendster Vertreter des deutschen radikalen Pietismus. In seiner «Unparteiischen Kirchen- und Ketzerhistorie» (3 Bände, 1699/1715) klagt er die Kirche aller Zeiten an.

2. Irmgard Arnold, geboren 17.10.1919, Sängerin (Sopran); seit 1950 Mitglied der Oper Berlin, wo sie besonders unter W. Felsenstein überaus erfolgreich wirkte; auch als Eisler-Interpretin hervorgetreten.

Arnulf von Bayern, gestorben 14.7.937, Herzog seit 907; schlug 909 und 913 die Ungarn; Gegenkönig zu Heinrich I.; blieb auch nach Verzicht auf die ihm 919 von den Bayern und einem Teil der Franken übertragene Königswürde (921) relativ selbständig.

Arnulf von Kärnten, um 850-8.12.899, König des ostfränkischen Reiches seit 887, Kaiser seit 896; besiegte 891 die Normannen bei Löwen (Leuven).

Aroma: Gesamtheit flüchtiger Verbindungen, die Lebensmitteln, Arzneimitteln oder kosmetischen Erzeugnissen ihren bestimmten, oft charakteristischen Geruch verleihen. Das Aroma ist meist komplex, die Zahl der Komponenten übersteigt allgemein 100; ihre Menge im Produkt ist außerordentlich niedrig.

Aromaten: in der Technik übliche Bezeichnung für aromatische Verbindungen, vorzugsweise Kohlenwasserstoffe.

Aromatika: wohlriechende, ätherische Öle enthaltende Arzneien, die vor allem geschmacksverbessernd wirken sollen.

Aromatique: bitterer Trink-branntwein, mit Nelken, Zimt, Enzianwurzel tu a. aromatisiert; Thüringer Spezialität.

aromatische Verbindungen: organische Verbindungen mit Systemen ringförmig konjugierter Doppelbindungen, deren Mesomerie eine besondere Stabilität bewirkt. Die einfachste aromatische Verbindung ist Benzol (Benzen) mit einem besonderen Bindungszustand bezüglich der 6 -Elektronen. Der ungesättigte Charakter ist bei aromatischen Verbindungen sehr schwach ausgeprägt, so dass Substitutionsreaktionen leichter als Additionsreaktionen verlaufen.

Aromunen, Makedorumänen, Zinzaren: in den Bergen Makedoniens, Albaniens und Nordgriechenlands verstreut lebendes Volk mit einem alten rumänischen Dialekt; 200000; vorwiegend Hirten, aber auch Kaufleute und Handwerker in den Städten.

Aronschaltung, (nach einem Physiker) Zweiwattmeterschaltung: eine Messschaltung aus 2 Messwerken für die elektrische Leistung beziehungsweise Energie bei Drehstromsystemen ohne Nullleiter. Der zweite Pol des Spannungspfades der Messwerke wird an den Leiter angeschlossen, in dem keine Stromspule liegt.

Aronstabgewächse, Araceae: Familie der Einkeimblättrigen, meist in den Tropen und Subtropen verbreitete Stauden oder Schlingpflanzen mit vielen unscheinbaren kleinen Blüten an dickem Kolben, umhüllt von einem oft farbigen Hochblatt; Blätter netznervig, sehr vielgestaltig. Heimisch der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum), eine Pflanze nährstoffreicher Laubwälder, mit pfeilförmigen Blättern, hellgrüner Blütenscheide und rotbraunem Blütenkolben, sowie die Sumpfpflanze Calla. Zierpflanzen sind Monstera, Philodendron; als Schnittblumen werden zum Beispiel Zimmercalla (Zantedeschia) und Flamingoblume gezogen.

Arosa: Höhenkurort im Osten der Schweiz (Kanton Graubünden); 1740 bis 1890m überm Meer; 4200 Einwohner; Wintersportplatz; südwestlich von Arosa das Aroser Rothorn (2980 m).

Arousal: Weckreaktion; im Tierexperiment hervorgerufen durch elektrische Reizung von Gebieten des Mittelhirns; ihre Funktion besteht u, a. in einer Aktivierung der Großhirnrinde. Die Arousal führt zu einer charakteristischen Veränderung des Elektroenzephalogramms und wird ebenso durch Sinnesreize ausgelöst. Sie erhöht die Leistungsfähigkeit der Informationsverarbeitung graduell bis zu einem Optimum und führt zugleich zu einer allgemeinen Aktivierung des Organismus.

Arpad, ungarischer Stammesfürst (890/907); führte 896 die Ungarn in ihre heutige Heimat («Landnahme»); zerschlug 906/07 das Großmährische Reich und begründete die Dynastie der Arpaden.

Arpaden: ungarisches Herrscherhaus, Dynastie des Fürsten Arpad; erster König der A. war Istvän I. (1000/38); 1301 starben sie in männlicher Linie aus.

Arrak, Reisbranntwein: aus verzuckerter Reismaische (speziell Ketonreis) und zuckerhaltigen Substanzen (Zuckerrohrmelasse, Traubensaft, Datteln unter anderem) durch Gärung und Rektifikation hergestellter Edelbrand.

Arrangement: 1. allgemein (geschmackvolle) Gestaltung, Anordnung; Übereinkunft.

2. Musik: a) Einrichtung eines Musikstückes für eine vom Original abweichende instrumentale oder vokale Besetzung (zum Beispiel Klavierauszug einer Opernpartitur); Bearbeitung;

b) in Jazz und Tanzmusik instrumentaler und harmonischer Aufbau eines Titels; arbeitsteilig spezialisierte schöpferische Tätigkeit des Arrangeurs.

3. Theater: optisch sinnfällige Zuordnung handelnder Personen auf der Bühne. In der dynamischen Veränderung des Arrangements realisiert sich die theatralische Handlung. B. Brecht prägte den Begriff «Erzählendes Arrangement».

arrangieren: gestalten, anordnen; einrichten; sich arrangieren (mit jemandem ein Übereinkommen treffen).

Arrest: Sicherungs- und Strafmaßnahme. Im Strafprozess Arrestbefehl über Vermögenswerte zur Sicherung der Verwirklichung von Geldstrafen und so weiter; im Zivilprozess ehemalige Rechtsform zur Sicherung künftiger Vollstreckung, ersetzt durch einstweilige Anordnung. In Militärstrafsachen Strafe mit Freiheitsentzug (Strafarrest) bis zu 6 Monaten; im Strafvollzug schwerste Disziplinarmaßnahme.

Arrestbefehl: Maßnahme des Staatsanwalts oder des Gerichts zur Pfändung des Vermögens des Beschuldigten oder Angeklagten, um die Verwirklichung einer Geldstrafe, die Bestreitung der Auslagen des Verfahrens oder die Durchsetzung eines Schadenersatzanspruches zu sichern.

Arretierung: Vorrichtung zum Festlegen des beweglichen Teils eines Messgeräts, um es gegen Erschütterungen beim Transport und so weiter zu sichern; zum Beispiel Arretierung einer Waage durch Abheben der Schneiden, Arretierung eines Galvanometers durch Anheben und Festklemmen der Drehspule.

Arrhenius, Svante, 19.2.1859 bis 2.10.1927, schwedischer Physikochemiker; untersuchte vor allem die Leitfähigkeit der Elektrolyte und stellte die Theorie der elektrolytischen Dissoziation auf.

Arrhythmie: Unregelmäßigkeit der Herzschlagfolge; vorkommend als atembedingte Arrhythmie (ohne Krankheitswert), bei vegetativen Regulationsstörungen und organische Herzerkrankungen.

Arrian, griechisch Arrianos, um 95-nach 175 nach Christus, griechischer Historiker, Schüler Epiktets; war römischer Offizier und Statthalter; er schrieb unter anderem die «Anabasis Alexanders» (über den Perserfeldzug Alexanders des Großen).

Arrosion: Schädigung (Annagen, Anfressen) von Geweben, insbesondere der Gefäßwände, durch Entzündungen, Geschwülste, Geschwüre und Aneurysmen mit der Gefahr von Arrosionsblutungen.

Arsakiden: parthische Herrschergeschlecht, von Arsakes I. (König 247/228 vor Christus) begründet. Unter Arsakes begann die Lösung Parthiens von der seleukidischen Fremdherrschaft. Die Arsakiden errichteten die parthische Großmacht, die später, geschwächt durch jahrhundertelange Auseinandersetzungen mit Rom, durch Kämpfe mit den Nachbarn im Norden und Osten infolge Thronstreitigkeiten, 227 nach Christus Ardashir I. unterlag.

Ars antiqua: (lateinisch, «alte Kunst(lehre)») die an die Anfänge der Mensuralnotation gebundene mehrstimmige Musik um 1230 bis 1320 in Frankreich sowie ihre Theorie; um 1320 erstmals benutzter Begriff zur Unterscheidung von der sich entwickelnden Ars nova. Eine ihrer Hauptformen ist die Motette.

Arsenal, Zeughaus: festes Lager (mit Werkstätten) für Waffen und Kriegsmaterial.

Arsenerze: Erze, aus denen durch Verhüttung Arsen gewonnen werden kann. Die wichtigsten Arsenminerale sind Arsenopyrit (bis 46% Arsen) und Löllingit (bis 72% Arsen).

Arsenopyrit, Arsenkies: Mineral, Eisenarsensulfid; gelblichweiße, metallisch glänzende rhombische Kristalle mit der Härte 5,5 bis 6 und Dichte 5,9 bis 6,2 g/cm3; lokal goldhaltig. Arsenopyrit ist weltweit verbreitet auf Erzgängen und -lagern. Die weltgrößte Arsenopyrit Lagerstätte liegt bei Boliden (Schweden).

Arsenpräparate: Arzneimittel, die seltener anorganische, wie Arsen(III)-oxid, häufiger organische Arsenverbindungen enthalten. Ihre chemotherapeutische Wirkung erstreckt sich vorwiegend auf Spirochäten- und Protozoen-Krankheiten von Mensch und Tier (Syphilis, Rekurrensfieber, Frambösie, Schlafkrankheit, Amöbenruhr).

Arsenverbindungen: Stoffe, die Arsen chemisch gebunden enthalten, wobei es teils als säure-, teils (schwächer ausgeprägt) als basenbildender Bestandteil auftritt. Arsenate sind Salze von Arsensäuren. Arsenate(III) (auch Arsenite genannt) leiten sich von der Arsen(III)-säure, HjAsOj (auch arsenige Säure genannt), ab, zum Beispiel Kupferarsenit(III), Cu3(As03)j, ein Schädlingsbekämpfungsmittel des Weinbaus. Arsenate(V) sind Salze der Arsen(V)-säure (auch kurz Arsensäure genannt), zum Beispiel Kalziumarsenat(V), Ca3(As04)2) das gleichfalls der Schädlingsbekämpfung dient. Arsenide sind Verbindungen des Arsens mit Metallen, zum Beispiel Natriumarsenit; sie entwickeln zum Teil mit Säuren Arsenwasserstoff und können als dessen Salze aufgefasst werden. Galliumarsenid, ist ein wichtiger Halbleiterwerkstoff. Arsen, ist eine sehr giftige, farblose, ölige, an der Luft rauchende Flüssigkeit. Arsen(III)-oxid, Arsentrioxid, Arsenik, As203 (genauer As406), ist ein farbloser, glasartiger oder pulverförmiger, sehr giftiger Stoff, der zur Entfärbung von Glasschmelzen, zur Rattenbekämpfung und Fellkonservierung dient, Arsen(V)-oxid, As205, ist eine farblose, hygroskopische Substanz. Beide Oxide sind Anhydride der entsprechend Arsensäuren. Arsensulfide werden als gelbe und rote Farbpigmente verwendet, zum Beispiel Arsen(III)sulfid (Auripigment, Rauschgelb und Tetraarsentetrasulfid (Realgar, Rauschrot, Rubinschwefel), As4S4. Arsenwasserstoff (Arsenhydrid, Arsin), AsH3, ist ein sehr giftiges, knoblauchartig riechendes, farbloses, brennbares Gas, das beim Einwirken von Säuren auf Arsenide oder arsenhaltige Metalle entsteht. Alle löslichen Arsenverbindungen sind Kapillar- und Stoffwechselgifte. Bei akuten Vergiftungen treten schwere Durchfälle mit Kreislaufkollaps, Krämpfen, Lähmungen und Verwirrtheitszuständen sowie Tod durch Atemstillstand auf. Chron. Vergiftungen können zu Haut- und Organkrebs führen (anerkannte Berufskrankheit).

Arsinoe, Name mehrerer Frauen aus dem Geschlecht der Ptolemäer; am bekanntesten ist Arsinoe II., 316-270 vor Christus, die Tochter Ptolemaios’ I., Frau des Diadochen Lysimachos von Thrakien, heiratete jedoch nach dessen Tod (281) ihren Bruder Ptolemaios n. Philadelphos (277). In Äthiopien, auf Zypern und in Ägypten wurden mehrere Städte nach Arsinoe benannt.

Ars nova: (lateinisch, «neue Kunst(lehre)») die mehrstimmige Musik des 14. und beginnenden 15. Jahrhundert besonders in Frankreich mit gegenüber der Ars antiqua weiterentwickelter Mensuralnotation und differenzierterer, zunehmend individualisierterer Satztechnik; Hauptmeister P. de Vitry, G. de Machaut; siehe auch Isorhythmik, Ars subtilior.

Ars subtilior: (lateinisch, «feinere Kunst(lehre)») in der französischen mehrstimmigen Musik nach dem Tod G. de Machauts (1377) einsetzende Spätentwicklung, ausgehend von den Errungenschaften der Ars nova, mit im wesentlichen komplizierterer Notations- und Satztechnik.

Art, Spezies, Species, Abkürzung spec.: die wichtigste taxonomische Grundeinheit im System der Pflanzen und Tiere. Die Art umfasst Individuen gemeinsamer historischer Herkunft mit ähnlichen genetischen, physiologischen, verhaltensbiologischen und morphologischen Eigenschaften, die eine Fortpflanzungsgemeinschaft (Fähigkeit zur Erzeugung fortpflanzungsfähiger Nachkommen) bilden. Innerhalb einer Art können Unterart (Subspezies, subspec.) beziehungsweise Rassen auftreten, die als geographische oder ökologische Unterart besondere Merkmale aufweisen. Jede Art hat ein charakteristisches Verbreitungsgebiet. Es kann weltweit (Kosmopoliten) oder territorial sehr eng begrenzt sein (Endemiten).

Artbegriff: traditionelle Logik innerhalb eines Begriffs mit weiterem Umfang, des Gattungsbegriffs, durch Festlegung zusätzlicher Merkmale, der differentiae specificae (Artunterschiede), gebildeter Begriff geringeren Umfangs; zum Beispiel ist «Bergmann» Artbegriff bezüglich «Arbeiten) und «rote Nelke» Artbegriff bezüglich «Nelke». Ein Begriff kann in der Regel hinsichtlich geeigneter anderer Begriffe sowohl Artbegriff als auch Gattungsbegriff sein.

Artefakt: (lateinisch, «Kunsterzeugnis») 1. Geschichte ein aus Stein, Metall oder Holz hergestelltes urgeschichtliches Werkzeug.

2. Medizin: künstlich hervorgerufene krankhafte Veränderung, häufig an der Haut oder durch Verschlucken von Gegenständen, meist zum Erreichen versicherungsrechtliche oder anderer persönliche Vorteile.

Artel freier Künstler, Artel Kramskoi: russische Künstlervereinigung, entstand 1863 als Zusammenschluss einer Gruppe von Schülern der Petersburger Akademie, die diese aus Protest gegen die starren Normen der Akademiekunst verlassen hatten; wurde Vorläufer der Peredwischniki.

Artemis, griechische jungfräuliche Göttin der Jagd, Herrin der Tiere, Tochter des Zeus und der Leto, Zwillingsschwester des Apoll. Sie galt als Göttin der Keuschheit (Hippolytos), wurde auch als Vegetations- und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt und bei Entbindungen angerufen. Artemis wurde meist kurzgewandet, mit Bogen und Köcher, von Hirsch und Nymphen begleitet, dargestellt.

Artemisia: Stadt im Westen von Kuba, in der Provinz La Habana; 30000 Einwohner; Zement-, Zuckerindustrie, Tabakverarbeitung, Leichtindustrie.

Artemision: Heiligtum der Jagdgöttin Artemis, zum Beispiel am Nordkap der Insel Euböa, wo 480 vor Christus eine unentschiedene Seeschlacht zwischen Griechen und Persern stattfand.

artenecht: Bezeichnung für Saat- und Pflanzgut, aus dem beim Anbau Pflanzen mit arttypischen Eigenschaften hervorgehen.

artenrein: Bezeichnung für Saat- und Pflanzgut, das nur einen festgelegten zulässigen Anteil artfremder Samen beziehungsweise Pflanzen enthält.

Arterialisation: Versorgung des Blutes mit Sauerstoff in den Lungenkapillaren. Bei vollständiger Arterialisation ist der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) der roten Blutzellen mit Sauerstoff gesättigt; das Blut ist rein arteriell.

Arterien, (griechisch) Schlagadern, Pulsadern: das Blut vom Herzen wegführende Gefäße. Arterien sind im Unterschied zu Venen dickwandiger.

Arteriole: (lateinisch griechisch) vor dem Kapillargebiet gelegene Arterienstrecke; reguliert die den Kapillaren zuzuführende Blutmenge.

Arteriosklerose-Arterienverkalkung, Atheromatose: krankhafte Verhärtung und Verdickung der Arterienwand durch Kalk-, Eiweiß-, Lipidablagerungen und Geschwürbildung. Fördernde Faktoren sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Gicht, Übergewicht, Fettstoff Wechselstörungen, Rauchen unter anderem

Artesischer Brunnen: (nach der französischen Landschaft Artois) in gespanntes Grundwasser hinabreichender Brunnen, aus dem das Wasser von selbst mit Überdruck über Flur ausläuft, sofern das Anbohren an einer Stelle erfolgt, die tiefer als die Zuflussstelle liegt.

Arthashastra: altindischer Lehre der Politik und Verwaltung; Titel eines dem Kautilya (um 300 vor Christus) zugeschriebenen Lehrbuches der Staatskunst.

Arthrographie: Röntgenuntersuchung von Gelenken nach Injektion von Luft oder beziehungsweise und flüssigem Kontrastmittel in die Gelenkhöhle.

Arthroplastik: operative Bildung eines neuen Gelenkes bei irreparabler Gelenkzerstörung unter Verwendung körpereigener oder anderer biologische beziehungsweise nichtbiologische Materialien; siehe auch Endoprothese.

Arthus-Phänomen: örtlich ablaufende allergische Hautreaktion (innerhalb 4 bis 8 Stunden) nach Injektion eines Antigens in einen sensibilisierten Organismus; beruht auf der Bildung örtlicher Antigen-Antikörper-Komplexe (Immunkomplexreaktion) benannt nach dem schweizerischen Bakteriologen Maurice Arthus (1862-1935).

Artigas, José Gervasio, 19.6.1764-23.9.1850, Befreier Uruguays, Nationalheld; als Repräsentant des demokratischen Flügels der Unabhängigkeitsrevolution ab 1811 führend im Kampf gegen Spanien sowie 1815/20 gegen argentinische und portugiesische Ansprüche. Er unterlag 1820 bei Tacuarembó und musste ins Exil nach Paraguay gehen.

Artikel: 1. Grammatik: Geschlechtswort; im Deutschen bestimmter Artikel (der, die, das), unbestimmter Artikel (ein, eine).

2. Journalistik: Aufsatz, Abhandlung, Beitrag in Zeitungen oder Zeitschriften; journalistischen Form der Darlegung von Gedanken zu einem Thema, erläutert Zusammenhänge und Hintergründe, analysiert wichtige Ereignisse; unter anderem Leitartikel, Kommentar, propagandistische Artikel.

3. Recht: bezifferter Abschnitt eines Vertrages oder Gesetzes unter anderem Dokumente.

4. Wirtschaft: kleinste Einheit einer Warenart.

Artikulation: 1. Anatomie: Gelenkverbindung (Junctura synovialis); bewegliche Verbindung zwischen 2 oder mehreren mit Gelenkflächen aneinanderstoßenden Knochen.

2. Phonetik: Lautbildung; deutliche Aussprache; siehe auch Laut.

3. Stomatologie: Übergang von einer Okklusionsstellung (Kontaktbeziehung der Zähne des Ober- und Unterkiefers) in eine andere unter gleichzeitiger Berührung der Zahnreihen; auch als Unterkieferbewegung während der Berührung von Ober- und Unterkieferzahnreihen definiert. Artikulationsstörungen führen zur Gebisszerstörung, zu Unterkieferverlagerungen und zu Fehlbelastungen der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur.

Artikulator: Gerät zur Nachahmung natürlicher Kieferbewegungen mit Zahnmodellen; Hilfsmittel in der Zahntechnik bei der Herstellung von Zahnersatz.

Artillerie: a) Teil der Waffengattung Raketentruppen und Artillerie; existiert in Artillerieverbänden, -truppenteilen und -einheiten, die im Gefecht Feueraufgaben im Interesse anderer Waffengattungen erfüllen;

b) als Waffenart umfasst sie Kanonen, Haubitzen, Granatwerfer, rückstoßfreie Geschütze, Gefechtsfahrzeuge für Panzerabwehr-Lenkraketen und Geschoßwerfer, Fortbewegungsmittel (zum Beispiel Selbstfahrlafetten, Räder- und Kettenzugmittel), Feuerleitgeräte sowie Mittel zur Aufklärung und zur Sicherstellung des Schießens. Die Artillerie kann nach ihren spezifischen Aufgaben eingeteilt werden in Begleit-, unterstützende, Panzerjäger-, Gebirgs-, Fliegerabwehr-, Universalschiffs-, Küstenartillerie unter anderem.

Artischocke, Cynara scolymus: blau-blühender, 1 bis 2 m hoher, distelartiger Korbblütler mit faustgroßen Blütenköpfen, deren fleischige Blütenböden als Gemüse gegessen werden; wichtige Anbaugebiete in Südeuropa und im Süden der USA.

Artist: Sammelbegriff für Künstler, die im Varieti, Tanzkabarett, Zirkus u. ä. mit geschlossenen Darbietungen auftreten.

Artistik: Darbietungen in Zirkus, Variete, Kabarett mit überwiegend körperlichen oder manuellen Übungen, die zu einer künstlerischen Einheit zusammengefasst sind; gehört zur Unterhaltungskunst.

Artkreuzung: Kreuzung von Individuen, die zwei verschiedenen Arten, aber derselben Gattung angehören. Die Kreuzungsprodukte bezeichnet man als Artbastarde.

Artus, Arthur, keltischer Feldherr (um 500), der zum Mittelpunkt eines keltischen Sagenkreises und mittelalterlichen Epen in Frankreich, England und Deutschland wurde; zum Ideal eines feudalen Herrschers stilisiert. Zu seiner Tafelrunde gehören neben seiner Gemahlin Ginevra unter anderem die Ritter Erec, Iwein, Lancelot, Parzival, Tristan. Wichtigste literarische Bearbeitungen des Artusstoffes durch Chrétien de Troyes (um 1160), Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach.

Aruak, Arawaken: indianische Sprach- und Völkerfamilie Südamerikas; ehemals über 200 Stämme zwischen Antillen (dort ausgestorben) und dem Gran Chaco; heute nur noch etwa 300000; typischer Bodenbauer des tropischen Waldlandes des Amazonasbeckens, aber auch Flussfischer und Jäger; noch in der Stammesorganisation lebend; vor allem in Brasilien bei der Erschließung des Amazonasbeckens bis in die Gegenwart oft grausam verfolgt und systematisch dezimiert.

Aruba: westlichste Insel des Südteils der Niederländischen Antillen, vor der Küste Venezuelas; 193 km2, 66000 Einwohner (hauptsächlich Mestizen); Hauptort Oranjestad; überwiegend flache Insel (bis 188 m über dem Meeresspiegel) mit günstigen Naturhäfen und trockenheißem Klima; keine fließenden Gewässer; Verarbeitung von Erdöl aus Venezuela, Ausfuhr von Phosphaten; Oranjestad besitzt einen großen Freihafen.

Aruwimi: rechter Nebenfluss des Zaire, in Zaire; etwa 1300 km; entspringt mit den Quellflüssen Ituri und Nepoko westlich des Albertsees; wegen zahlreicher Stromschnellen und Wasserfälle nur auf 200 km im Unterlauf schiffbar.

Arvida: Stadt in Kanada, in der Provinz Quebec, am Oberlauf des Saguenay; 22000 Einwohner; bedeutendstes Zentrum der Aluminiumherstellung Kanadas, verarbeitet unter Nutzung der Hydroenergie des Saguenay importiertes Bauxit; chemische Industrie.

Aryabhata, geboren 476, indischer Mathematiker und Astronom; beschäftigte sich mit diophantischer Gleichungen, Näherungsberechnungen für n und stellte eine relativ genaue Sinustafel auf.

Arylgruppe: Atomgruppe, die durch Abspaltung eines Wasserstoffatoms aus einem Aren entsteht, häufig durch das Symbol Ar gekennzeichnet, zum Beispiel die Phenylgruppe, -C6H5.

Arzen: Fluss im mittleren Teil Albaniens; 90 km; aus dem Bergland östlich von Tirana, mündet nördlich von Durresi in das Adriatische Meer.

Arzew, Anju: Stadt in Algerien, östlich von Oran, am Mittelmeer; 40000 Einwohner; petrolchemischer Komplex, Erdgasverflüssigung (Erdöl- und Erdgasleitung von den algerischen Saharafeldern); Hochseehafen.

Arznei: (dat. griechisch) in der Apotheke frisch hergestelltes Arzneimittel.

Arzneiexanthem: durch Arzneimittel hervorgerufener Hautausschlag als Folge einer Überempfindlichkeit; siehe auch Allergie, Exanthem.

Arzneifertigwaren, Arzneispezialitäten: industriell hergestellte Arzneimittel, die in einer zur Abgabe an Verbraucher fertigen Abpackung in den Verkehr gebracht und in der Apotheke vorrätig gehalten werden.

Arzneifestigkeit: erworbene Widerstandsfähigkeit (Resistenz) von Krankheitserregern gegen Arzneimittel; kann bei wiederholter Behandlung mit Chemotherapeutika oder Antibiotika eintreten.

Arzneiformen: verschiedene Arten der Verarbeitung beziehungsweise Aufbereitung von Arzneistoffen. Gebräuchlich sind Tabletten (gepresste Pulver), Dragées (mit Überzügen versehene Tabletten), Pillen, Pub/er, Lösungen (zum Beispiel Injektionslösungen, meist in Ampullen oder Einstichflaschen im Handel) und Auszüge mit Wasser, Äthanol oder anderen Flüssigkeiten (zum Beispiel Tinkturen, Extrakte), Emulsionen, Salben, Pasten, Puder, Schüttelmixturen (Aufschwemmungen), Zäpfchen und Aerosole.

Arzneimittel, Medikamente (lateinisch), Pharmaka: bei Menschen und Tieren zur Erkennung, Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten innerlich oder äußerlich anzuwendende Stoffe und Zubereitungen. Es werden 2 Gruppen von Arzneimittel unterschieden: Arzneimittel, die in der Apotheke nach Verordnung des Arztes bereitet (Galenika, Arzneien), und Arzneifertigwaren, die industriell hergestellt werden. Die Arzneimittel können in verschiedener Form (Arzneiformen) und in verschiedener Art (Applikation) zugeführt werden. Viele Arzneimittel sind nur begrenzt lagerfähig, können bei unsachgemäßer und zu langer Aufbewahrung verderben und schädlicher Wirkungen hervorrufen. Jedes Arzneimittel besitzt neben den erwünschten auch in unterschiedlich starkem Maße unerwünschte Wirkungen (Nebenwirkungen). Arzneimittel sollen nur in der vom Arzt verordneten Menge und Häufigkeit und nur bei der Krankheit, für die sie bestimmt sind, verwendet werden.

Arzneimittelnebenwirkungen: unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln toxischer oder allergischer Natur. Arzneimittelnebenwirkungen können erwartet oder unerwartet auftreten. Tox. Arzneimittelnebenwirkungen kommen bei höheren Arzneimittelkonzentrationen, als sie gewöhnlich für die Behandlung notwendig sind, vor; allergische Arzneimittelnebenwirkungen sind konzentrationsunabhängig.

Arzneipflanzen, Heilpflanzen: Pflanzen, die als Ganzes beziehungsweise von denen Teile frisch oder getrocknet (Arzneidroge) in der Medizin verwendet werden. Der Bedarf wird durch Sammeln oder durch Anbau der Arzneipflanzen gedeckt. Durch Züchtung von Arzneipflanzen werden der Gehalt an Inhaltsstoffen und der Ertrag verbessert.

Arzneiträger: Bezeichnung für indifferente Füll-, Lösungs-, Verdünnungs- und Verreibungsmittel, zum Beispiel Milchzucker, Alkohol, Wasser und Salbengrundlagen, in denen die wirksamen Arzneistoffe enthalten sind.

Asahikawa: Stadt in Japan, im mittleren Teil der Insel Hokkaido; 320000 Einwohner; Landmaschinenbau, Textil- und Holzindustrie.

ASA-Leder: (ASA Abkürzung für Arbeitsschutzartikel): Leder für Arbeitsschutzartikel wie Handschuhe, Schürzen, Knieschützer.

Asant, Teufelsdreck: Gummiharz aus einigen iranischen und afghanischen Doldengewächsen der Gattung Ferula; bildet eine gelbbraune, feste, knoblauchartig riechende Masse.

Asarhaddon, gestorben 669 vor Christus, assyrischer Großkönig seit 680; während seiner Regierungszeit erreichte Assyrien seine größte Machtentfaltung; Asarhaddon eroberte 671 das von der nubische (25.) Dynastie beherrschte Ägypten. Er forderte den Wiederaufbau Babylons.

Asbest: (griechisch, «unverbrennlich») verschiedene Minerale, faserige, biegsame Silikate in metamorphen, basischen Gesteinen. Man unterscheidet Hornblendeasbest (Amianth, Byssolith) und Serpentinasbest (Chrysotil, Faserserpentin). Asbest ist säure- und feuerfest. Die langfaserigen Arten werden versponnen, die kurzfaserigen zu Feuerschutzmaterial verpresst.

Asbestbeton, Asbestzement: Gemisch aus Zement, Asbestfasern und Wasser, das unter hohem Druck zu Platten, Rohren unter anderem gepresst wird und abbindet. Asbestbetonerzeugnisse sind temperatur- und witterungsbeständig, sie zeichnen sich durch hohe Zug- und Biegefestigkeit aus. Feuerbeständiger Asbestbeton wird besonders für Rohre, Dach- und Wandplatten verwendet.

Asbestose: ebronische Lungenerkrankung mit zunehmender Bindegewebevermehrung infolge Einatmens von Asbeststaub; Berufskrankheit.

Ascanius, Iulus, in der griechisch-römisch Sage Sohn des Äneas und der Kreusa; floh mit seinem Vater aus dem brennenden Troja und gründete in Italien Alba Longa. Er galt als der sagenhafte Stammvater der Julier (Cäsar, Augustus).

Ascension: schmale vulkanische Felsinsel unter britischer Herrschaft im südlichen Atlantik, nordwestlich von Sankt Helena (von hier aus verwaltet); 88 km2, 970 Einwohner; wichtigster Ort Georgetown (Hafen); bis 859 m hoch; Gras-, Strauchvegetation; Wissenschaft). Beobachtungsstationen; US-Militäranlagen.

Asch, Scholem, 1.1.1880-10.7.1957, jiddischer Schriftsteller; lebte bis 1906 in Polen, dann in Palästina, USA England und ab 1955 in Israel. Asch beschrieb zunächst das Leben der Juden in Polen («Motke der Dieb», 1915), dann das Schicksal der Auswanderer («Chaim Lederen), 1916) und wandte sich schließlich historischen Gestalten der jüdischen Religion zu («Moses», 1951).

Asche: 1. Chemie: die bei der vollständigen Verbrennung brennbarer Stoffe zurückbleibenden anorganische Bestandteile.

2. Geologie: staubartige bis feinkörnige vulkanische Auswurfmassen aus zerspritztem Magma und zerriebenem Gesteinsmaterial, die in Vulkannähe niederfallen oder durch Winde weitergetragen werden.

Äsche, Thymallus thymallus: bis 50 cm langer, räuberisch lebender Lachsfisch klarer, schnellfließender Gewässer Nord- und Mitteleuropas («Äschenregion» flussabwärts an die «Forellenregion» anschließend); laicht im Frühjahr auf Kiesgrund; Speisefisch.

Äscher: (zu «Asche») Mischung von Blei- und Zinnoxid für die Herstellung weißgetrübter, undurchsichtiger Schmelzglasuren.

Äschern: Lederherstellung Behandlung von Häuten und Fellen mit Kalkmilch (Calciumhydroxid-Aufschlämmung) und Natriumsulfidlösung, um Fasergefüge und Verbindung von Oberhaut und Haaren zur Lederhaut zu lockern.

Aschheim-Zondeksche Reaktion: charakteristische Reifungsvorgänge an den Geschlechtsorganen infantiler Mäuse nach Injektion von Schwangerenham; nur noch selten als Schwangerschaftsnachweis genutzt, benannt nach den Berliner Gynäkologen Selmar Aschheim (1878-1965) und Bernhard Zondek (1891-1967).

Aschkenasim: Name eines Volkes im Alten Testament; die Aschkenasim drangen vermutlich vom armenischen Hochland in Vorderasien ein; später rabbinische Bezeichnung für die Deutschen, dann Name für die aus Mittel- und Osteuropa stammenden Juden, die Jiddisch sprachen.

Aschoff, Ludwig, 10.1.1866-24.6.1942, Pathologe, Professor in Marburg und Freiburg im Breisgau; lieferte gemeinsam mit dem Japaner Sunao Tawara (1873-1952) grundlegende Studien zum Erregungsleitungssystem des Herzens, beschrieb die nach ihm benannt Knötchen im Herzmuskel bei Rheumatismus; Mitbegründer der Lehre vom retikuloendothelialen System (RES).

Asebie: (griechisch, «Gottlosigkeit») bei den Griechen Bezeichnung für die Verletzung der den Göttern gegenüber zu beobachtenden Ehrfurcht.

Asen: Göttergeschlecht der germanischen Mythologie; ihr Haupt ist Wodan (Odin), ihr Wohnsitz Asgard; Untergang beim Ragnarök.

Äsen: (zu Aas = Speise) Nahrungsaufnahme bei allen Wildarten außer Raub- und Schwarzwild.

Asepsis, Aseptik: Anwendung physikalischer Mittel (Hitze, ionisierende Strahlen) und zelltoxische Gase (Ethylenoxid), um Instrumente, Operationswäsche, Operationskleidung und Verbandstoffe keimfrei zu machen.

Aserbaidschanische, Aserbaidschan: am Kaspischen Meer; 86600 km2, 6,3 Millionen Einwohner; 73 Einwohner/km2; Hauptstadt Baku; grenzt im Süden an Iran, schließt die ASSR Nachitschewan und das Autonome Gebiet Nagorny Karabach ein.

Bevölkerung: 78% sind Aserbaidschaner, 8% Russen, 8% Armenier, 6% andere Nationalitäten. Von den Bewohnern leben 54% in Städten. Unter der Sowjetmacht beträchtliche Anhebung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus. So stieg beispielsweise die Zahl der Ärzte und Krankenhausbetten pro 10000 Einwohner im Vergleich zu 1940 um das 3,2- beziehungsweise 2,5fache. 1917 waren 91% der Bevölkerung Analphabeten. 1928 Einführung der allgemeinen Grundschulpflicht, seit 1935 sieben-, 1959 acht- und 1970 zehnjährig. Gegenwärtig haben etwa 70% der Bürger eine Hoch- beziehungsweise Mittelschulbildung (1939: 11%).

Natur: Fast die Hälfte des Territoriums wird von Gebirgen eingenommen; im Nordosten Gebirgsketten des Kaukasus, im Südwesten Bergzüge und Hochländer des Kleinen Kaukasus, dazwischen Kura-Aras-Niederung, im äußersten Südosten das von subtropischen Wäldern bedeckte Talysch-Gebirge, ihm vorgelagert die agrarisch genutzte Lenkoraner Niederung. Überwiegend trockenes kontinentales, in den Ebenen trockensubtropisches, im äußersten Südosten feuchtsubtropisches Klima, mit zunehmender Höhe gemäßigt bis kalt. Außer Kura und Aras sind kurze Gebirgsflüsse mit starken Wasserstandsschwankungen (Stauanlagen für die Elektroenergiegewinnung (zum Beispiel Mingetschaur an der Kura) und Bewässerung (Werchne-Karabach-, Werchne-Schirwan-Kanal unter anderem)) vorherrschend. Die natürliche Pflanzenwelt wird durch Trockensteppen, Halbwüsten, Hochgebirgsweiden und Laubwälder (an den Gebirgshängen) charakterisiert. Dem Boden entspringen zahlreiche Mineralquellen.

Ashanti, Aschanti: negrides Volk in der Region Ashanti (Ghana); über 1 Millionen; entwickelter Bodenbau. Die Ashanti bildeten in Zentralghana ein Reich (1719) mit stark feudalen Zügen, als dessen Begründer Osei Tutu (1695-1731) gilt; ab 1824 drangen britische Kolonialeroberer trotz heftigen Widerstandes in das Land vor; 1901 wurde das Ashantireich Protektorat und der britischen Kolonie Goldküste eingegliedert.

Ashanti, Aschanti: Region in Ghana; 24390 km2, 1,8 Millionen Einwohner; Verwaltungszentrum Kumasi; 600 bis 800 m über dem Meeresspiegel gelegenes Bergland, im Norden Savanne, im waldreichen Süden Hauptgebiet des Kakaoanbaus von Ghana; Bauxitlager.

Ashby, William Ross, geboren 6. 9. 1903, britischer Neurologe; erklärte biologische und psychologische Vorgänge mit kybernetischen Methoden, baute technische Systeme (zum Beispiel Homöostat), die ihr Gleichgewicht gegenüber mehrdimensionalen Störungen aufrechterhalten können.

Ashdod: Stadt in Israel, an der Mittelmeerküste, südwestlich von Tel Aviv; 56000 Einwohner; Chemiefaserproduktion, Fahrzeugbau, Erdölraffinerie, Wärmekraftwerk; Hauptausfuhrhafen Israels; 1956 Neuanlage der Stadt.

Ashk, Upendranath, geboren 14.10. 1910, indischer Schriftsteller, Lyriker, Dramatiker, Essayist und Literaturkritiker; schrieb erst in Urdu, ab 1935 in Hindi; beschäftigt sich als kritischer Realist mit dem Leben des städtlichen Mittelstandes sowie mit Frauen- und Jugendproblemen, so in den Romanen «Warme Asche» (1952) und «Eine winzige Hängelampe» (1969), in Erzählungen («Der schwarze Hem), 1950), dem Drama «Sieg und Niederlage» (1937), in Gedichten («Die Lampe wird brennen», 1952) unter anderem.

Ashoka, Aschoka, 273-232 vor Christus, Enkel Chandragupta Mauryas, König des Reiches von Magadha in Nordindien, das er durch Eroberungen erheblich ausdehnte. Ashoka ließ Fels- und Säulenedikte anbringen, die wichtige Geschichtsquellen sind. Er förderte den Buddhismus (Hinayana) als Staatsreligion und dessen Ausbreitung über Indien, Sri Lanka (Ceylon), Burma und Tibet. Bald nach As Tod zerfiel sein Großreich.

Ashvaghosha, buddhistischer Sanskritdichter des 1. oder 2. Jahrhundert; berühmt wurde sein Epos «Buddhacharita» (dt., «Das Leben des Buddha»); seine Dramen, obwohl nur in Fragmenten erhalten, sind die ältesten Zeugnisse indischer Dramatik.

Asianismus: in der Antike eine Stilrichtung der Beredsamkeit, die in den griechischen Städten Kleinasiens entwickelt wurde und sich durch schwülstige, manierierte, auf Effekt bedachte Ausdrucksweise auszeichnete.

asiatische Produktionsweise: Produktionsweise der frühen Klassengesellschaft, die sich unter anderem im Vorderen Orient, in Indien und China direkt aus der Urgesellschaft entwickelte. Sie beruhte auf gemeinschaftlichen Besitz an Grund und Boden der relativ abgeschlossenen Dorfgemeinde und der Einheit von Agrikultur und häusliches Handwerk. Daneben waren Grund und Boden «Obereigentum» des despotischen Staates (orientalische Despotie), der die Grundrente in Form eines Tributes (Staatssteuer) erhob und die Lösung gemeinschaftliche Aufgaben wie Bewässerung und Flussregulierung ökonomisch gewährleistete.

Askanler: deutsches Fürstengeschlecht, benannt nach der Stammburg Askania bei Aschersleben; herrschte 1157/1320 in der Markgrafschaft Brandenburg, bis 1422 in Sachsen-Wittenberg, bis 1689 in Sachsen-Lauenburg und bis 1918 (seit 1806/07 als Herzoge) in Anhalt.

Askese: freiwillige rigorose Unterdrückung materieller und geistiger Bedürfnisse. Askese wurde ursprünglich vor Sportspielen, später besonders aus religiösen Gründen oder als Nachweis der Selbstbeherrschung geübt.

Askja: Vulkangebiet im Inneren Islands; bis 1448 m; aus basaltischer Lava und Tuffen, Kaldera (Einbruchskessel), letzte größere Ausbrüche 1875, 1921/24, 1961.

Asklepiades, 3. Jahrhundert vor Christus, griechischer Dichter; mit den Motiven und Bildern seiner geschliffenen Epigramme hat er stark auf die spätere Epigrammdichtung gewirkt. Nach ihm wurde der asklepiadeische Vers genannt.

Äskulap, Aesculapius (es-; lateinisch), Asklepios (griechisch), griechischer Gott der Heilkunst, Sohn des Apoll, von dem Zentauren Chiron in der Heilkunst ausgebildet. Sein Kult gehörte bis in die Spätantike zu den beliebtesten Kulten. Der von einer Schlange umwundene Äskulapstab ist Sinnbild der Heilkunde. Äskulapnatter, Elaphe longissima: bis 2 m lange, überwiegend braune, südeuropäische Natter.

Askus, (lateinisch griechisch, «Schlauch»; PI. Aszi) Ascus: spezifisches Organ der Schlauchpilze; schlauchförmiger Behälter, in dem 4 oder 8 Sporen gebildet werden. Im Askus findet auch die der Sporenbildung vorangehende Kernverschmelzung statt. Siehe auch Basidie.

Asmar, Teil: archäologischer Fundort nordöstlich von Bagdad (Irak) mit Palast- und Tempelresten des altorientalischen Stadtstaates Eschnunna sowie Statuetten des 3. und der 1. Hälfte des 2. Jahrtausend vor Christus.

Asmara, Asmera: Stadt in Äthiopien, Verwaltungszentrum der Provinz Eritrea, im äthiopischen Hochland; 2350m überm Meer; 445000 Einwohner; neben Addis Abeba wichtigstes äthiopisches Industriezentrum: Leicht-, Lebensmittelindustrie; Handels-, Verkehrszentrum; Flughafen; Universität; Museum.

Asmus, Walentin Ferdinandowitsch, 30.12.1894-4.6.1975, sowjetischer Philosoph; seit 1939 Professor an der Moskauer Universität; seit 1956 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Gorki-Institut für Weltliteratur; veröffentlichte Arbeiten zur Geschichte der Philosophie (Descartes, Spinoza, Kant), über die ästhetische Anschauungen Kants, Lessings, Schillers und Goethes sowie über formale Logik.

asoziales Verhalten: der Lebensweise krass widersprechende Verhaltensweise, die sich in Arbeitsscheu u. ä. äußert. Die Beeinträchtigung des gesellschaftlichen Zusammenlebens oder der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten sowie die Verleitung von Kindern oder Jugendlichen zu asozialen Verhalten begründet strafrechtliche Verantwortlichkeit.

Aspekt: 1. allgemein Ansicht; Gesichtspunkt, Betrachtungsweise; Blickrichtung.

2. Astronomie: Konstellation.

3. Biologie: jahreszeitliches Aussehen einer Lebensgemeinschaft, der saisongebundene Organismengruppen das Gepräge geben (zum Beispiel Frühlings-, Sommeraspekt).

4. Grammatik: Kategorie des Verbs, die die Handlung im Hinblick auf ihre in sich geschlossene Ganzheit kennzeichnet (Perfektiv, Imperfektiv).

Aspermie: (griechisch) Fehlen von Samenfäden (Spermien) in der männlichen Samenflüssigkeit.

Asphalt: natürliches oder künstliches Gemisch aus Bitumen als Bindemittel und Mineralen. Asphalt ist hart und spröde, tiefbraun bis schwarz, löslich in Benzin, Benzol, Kohlendisulfid und anderen organischen Lösungsmitteln; beim Erhitzen auf 70 bis 150 °C wird Asphalt plastisch weich bis dünnflüssig. Naturasphalt kommt mit niedrigem Mineralstoffgehalt als Asphaltit und Seeasphalt, mit hohem als Asphaltgestein, Asphaltsand, Asphaltkalk und Asphaltschiefer vor. Die Minerale des im Bauwesen eingesetzten Asphaltmastix sind Gesteinsmehl und Sand, des Gussasphalts Sand, Splitt und eventuell Asphaltmehl, und bei Stampfasphalt ist es Kalksteinmehl. Asphalt wird im Wohnungs-, Straßen- und Industriebau für Estrich und Bodenbeläge verwendet. Kaltasphalt ist eine Emulsion aus Bitumen und Wasser unter Zusatz von Emulgatoren, die beim Verarbeiten mit Splitt unter Wasserabgabe abbinden.

Asphaltbahn: Sportkegelbahn mit einem Asphalt- oder Kunststoffbelag auf der waagerechten Kugellauffläche. Siehe auch Kegelsport.

Asphaltlacke: luft- oder ofentrocknende Anstrichstoffe, die neben Asphalt meist Harze oder fette Öle enthalten; Anwendung für Rostschutzanstriche, zum Isolieren gegen Feuchtigkeit und Chemikalien, als Elektroisolierlacke und als Abdecklacke für Metallätzungen.

Asphyxie: (griechisch, «Pulslosigkeit») Aussetzen der Atmung durch Störung des Atemzentrums (im verlängerten Rückenmark lokalisiert); im weiteren Sinne alle Fälle lebensbedrohenden Atmungsausfalls bei Neugeborenen, zum Beispiel auch durch Nabelschnurumschlingung und Verlegung der Atemwege durch Schleim.

Aspik: gewürzte Gallerte aus Speisegelatine. Aspikwaren sind zubereitete Fleisch- und Fischerzeugnisse in klarem, schnittfestem Aspik (Gelatinegehalt 1 bis 3%), zum Beispiel Sülzkotelett, Hering in Aspik.

Aspirantur: an Universitäten, Hochschulen unter anderem wissenschaftliche Institutionen Form der angeleiteten Qualifizierung vorwiegend von Praxiskadern mit Hochschulabschluss für den Erwerb eines höheren akademischen Grades.

Aspirateur: (französisch) Maschine zur trockenen Vorreinigung des Getreides von Staub, Sand, Sackbändern unter anderem sowie zum Teil von Fremdsamen durch Trennung im Luftstrom und durch Sieben.

Aspiration: 1. allgemein Streben; Erwartung; Ehrgeiz.

2. Medizin: Ansaugen von Gasen, Flüssigkeiten oder Fremdkörpern in die Luftröhre, Bronchien oder Lunge während der Einatmung, besonders bei Bewusstlosen. Aspirationen flüssiger oder fester Stoffe in die Lunge kann zur Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) fuhren.

3. Phonetik: Behauchung von Explosivlauten, zum Beispiel (th), (ph), (kb).

Aspisviper, Vipera aspis: bis 70 cm lange, südwesteuropäische Otter mit schwach aufgeworfener Schnauze und dunklen Querflecken auf dem Rücken; Giftschlange.

Asriel, Andre, geboren 22.2.1922, Komponist; lehrt seit 1950 (1967 Professor) an der Musikhochschule Berlin; schrieb Massenlieder, Songs, Kantaten, Chor- («Äsop-Fabeln», 1967), Film-, Kammer- und Orchestermusiken; veröffentlichte unter anderem auch ein Buch über den «Jazz. Analysen und Aspekte» (1977).

Assagal, Assegai: kurzer Stoßspeer südafrikanischer Völker mit 2schneidiger Eisenspitze.

Assamar: Substanz der Röstbitterstoffe in Lebensmitteln, zum Beispiel im Kaffee, in der Brot- und Bratenkruste.

Assassinen, (französisch assassin, «Meuchelmörder») arabisch Haschischy'un («Haschischesser»): Mitglieder eines politisch-religiösen Geheimordens der Ismailiten, der zur Zeit der Kreuzzüge mehrere Burgen in Syrien und in Iran besaß. Kampfmittel der Assassinen war der politische Mord.

Assaut: (französisch, «Wettstreit») Fechten regelgerechtes Trainings- (Treffer-) Gefecht.

Assekuranzfonds: Reservefonds (Versicherungsfonds) zum Ausgleich auftretender Schadensereignisse in der Produktion und Zirkulation; im Kapitalismus Teil des Mehrwerts, den die Kapitalisten zurücklegen, um Störungen im Reproduktionsprozess begegnen zu können; im Sozialismus Reserven des Staates an Geld, Rohstoffen, Lebens- und Arzneimitteln und so weiter zur Beseitigung von auftretenden Störungen; Teil des Reineinkommens der sozialistischen Gesellschaft.

Assekuranz: (italienisch) veraltete Bezeichnung für Versicherung.

Asseln, Isopoda: Ordnung höherer Krebse mit über 4000 Arten; Körper mehr oder minder abgeplattet, 1 bis 270 mm lang; leben bevorzugt auf dem Lande und im Meer, weniger im Süßwasser, wie zum Beispiel die Süßwasserassel (Asellus aquaticus), auf dem Lande die Kellerassel (Porcellio scaber).

Asselspinnen, Pantopoda: Klasse der Gliederfüßer mit kleinem, stabförmigem Körper und 4 bis 6 langen Beinpaaren, auf denen sich bei den Weibchen die Geschlechtsöffnungen befinden. Die etwa 500 Arten leben ausschließlich im Meer bis zu Tiefen von 4000 m, wo sie sich von kleinen Nesseltieren (Quallen, Korallen), Moos- und Weichtieren ernähren.

Assemblée nationale constituante, «Verfassunggebende Nationalversammlung» in Frankreich 1789/91; schuf die großbürgerliche Verfassung von 1791 (unter anderem konstitutionelle Monarchie und Zensuswahlrecht).

Assen: Stadt im Nordosten der Niederlande, Verwaltungszentrum der Provinz Drenthe, im Geestgebiet, von Wald umgeben; 45000 Einwohner; metallverarbeitende, Lebensmittel- und Bekleidungs-industrie; Kanalverbindungen; Provinzialmuseum.

Asservat: Gegenstand, der für die Untersuchung einer Straftat als Beweismittel von Bedeutung sein kann oder der Einziehung unterliegt und deshalb amtlich verwahrt wird.

Assessor: (dat., «Beisitzer») in einigen bürgerlichen Staaten ein Titel für Akademiker bestimmter Studiendisziplinen (zum Beispiel Juristen, Lehrer), die das erforderliche 2. Staatsexamen (A.examen) abgelegt und eine entsprechend Laufbahn im Staatsdienst eingeschlagen haben.

Assiette: flache Schüssel, Teller oder Behälter aus Aluminiumfolie beziehungsweise Kunststoff, zum Beispiel für tischfertige Kühl- oder Gefrierkost.

Assietten-Kuchen: Kuchen, der in der als Backform verwendeten Aluminium-Assiette angeboten wird. Nach dem Backen wird die Assiette lediglich noch mit imprägnierter Pappe (zugleich Informationsträger) verschlossen.

Assignaten: während der Französischen Revolution herausgegebene Anleihescheine (ab 1790) auf die in Nationalgüter umgewandelten ehemaligen Kirchenländereien. Die Assignaten traten ab 1792 (Zwangskurs der Assignaten) als amtliches Papiergeld an die Stelle der Edelmetallwährung. Die Folgen von Revolution und Krieg, allgemeine Verteuerung und das Drucken von Assignaten über den Wert der vorhandenen Deckung führten zu ihrer schnellen Entwertung. Sie wurden 1797 aus dem Verkehr gezogen und durch den Vorläufer des Franc, die sogenannte Mandatswährung, ersetzt.

Assimilation: 1. allgemein Angleichung, Anpassung.

2. Genetik: Änderung im Genotyp bei Einwirken von Umwelteinflüssen, so dass ein durch sie hervorgerufenes Merkmal erblich wird.

3. Phonetik: Angleichung eines Lautes an den benachbarten; progressive Assimilation, zum Beispiel krumm aus mittelhochdeutsch krumb, regressive Assimilation, zum Beispiel Französisch.

4. Physiologie: die unter Energieverbrauch erfolgende Bildung körpereigener, organische Substanz aus von außen aufgenommenen, anorganisch (bei den meisten Pflanzen) oder vorwiegend organische Stoffen (unter anderem bei allen Pilzen, fast allen Bakterien, den Tieren und Menschen). Die Kohlendioxidassimilation der Pflanzen bildet die Grundlage des Lebens auf der Erde. Dabei werden aus dem Kohlendioxid der Luft und aus Wasser mittels Lichtenergie (Fotosynthese) oder chemische Energie (Chemosynthese) Kohlenhydrate (Zucker, Stärke) unter anderem organische Verbindungen gebildet.

Assiniboin: Stamm der Sioux-Sprachgruppe in Norddakota (2200) und angrenzenden Gebieten Kanadas (1060); kulturell bis Ende 18. Jahrhundert Prärieindianer.

Assisi: Stadt in Mittelitalien, in der Region Umbrien, am Westhang des Monte Subasio; 25000 Einwohner; Leichtindustrie; Kunsthandwerk (Keramik, Stickerei, Metallarbeiten); stark besuchter Wallfahrtsort. Zahlreiche mittelalterliche Kirchen und Paläste; Doppelkirche S. Francesco (1228/53; Mutterkirche des Franziskanerordens; reiche Wandmalerei in Unter- und Oberkirche), mittelalterliche Burg (Rocca) über der Stadt.

Assistent: Helfer, Mitarbeiter, besonders auf wissenschaftlichem Gebiet wissenschaftlicher Assistent an Universitäten und Hochschulen lösen unter der Leitung von Hochschullehrern Aufgaben der Forschung, der Ausbildung und Erziehung der Studenten sowie der Weiterbildung von Praxiskadern.

Aßmann, Richard, 13.4.1845-28.5.1918, Arzt und Meteorologe; entdeckte und erforschte mittels unbemannter Registrierballone die Stratosphäre, konstruierte das Aßmannsche Psychrometer, Mitbegründer der Aerologie.

Assonanz, Halbreim: gleicher oder ähnlicher Klang der Vokale betonter Silben bei unterschiedlicher, folgenden Konsonanten (Rad Tag); besonders im altdeutschen Reimvers und im älteren Volkslied.

Assoziation: 1. allgemeiner Zusammenschluss von Kräften und Mitteln zum gemeinsamen Nutzen; im engeren Sinne so viel wie Gesellschaft, Vereinigung.

2. physikalische Chemie: Zusammenlagerung von 2 oder mehreren Ionen, Atomen oder Atomgruppen beziehungsweise gleichartigen Molekülen zu großen Molekülkomplexen mit definierter (stöchiometrischer Assoziation) oder schwankender (Schwarmbildung) Zusammensetzung oder zu Kolloidteilchen, vor allem in Flüssigkeiten; Gegensatz der Dissoziation.

3. Psychologie: Verknüpfung von psychischen Inhalten (Vorstellungen), die auf zeitweiligen Verbindungen im Gehirn beruht; widerspiegelt objektiv-reale Beziehungen (räumliche, zeitliche, Ähnlichkeits-, Kontrast-, Kausal-Assoziationen).

Assoziationspsychologie: Richtung der bürgerlichen Psychologie, die die gesetzmäßige Verknüpfung psychische Inhalte zum Grundprinzip der Psychologie erklärt; war die führende Psychologie des 19. Jahrhundert Hauptvertreter waren J. F. Herbart, W. Wundt, H. Ebbinghaus.

Assoziationssystem, Assoziationsbahnen: Nervenfaserzüge, die innerhalb einer Großhirnhemisphäre einzelne Rindengebiete miteinander verbinden.

Assoziativgesetz: Eigenschaft algebraischer Operationen, die besagt, dass das Ergebnis nicht von der Reihenfolge der Verknüpfung abhängt, für die Addition zum Beispiel gilt (a+ b) + c = a + (b+ c) und für die Multiplikation (a-b)-c=a- (b-c). "

Assoziierung: Anschluss an ein Bündnis oder an andere Formen zwischenstaatlicher Zusammenarbeit. Als Assoziierung wird häufig die Teilnahme von Staaten an Organisationen bezeichnet, wenn diese Teilnahme unter besonderen Bedingungen erfolgt, die sie von einer Vollmitgliedschaft in der betreffenden Organisation unterscheidet.

Assur: alte semitische Stadt beziehungsweise Stadtfürstentum am rechten Tigrisufer im Norden Mesopotamiens; war die älteste Hauptstadt Assyriens; wurde um 1700 vor Christus von Hammurapi unterworfen, befand sich im 15. Jahrhundert unter mitannische Herrschaft; als Hauptstadt im 9. Jahrhundert von Kalach und im 8. Jahrhundert von Ninive verdrängt. Assur wurde 614 vor Christus von den Medern zerstört. Auf der Ruinenstätte Qal'at Scherqat wurden Befestigungen, Paläste, Zikkurate und Tempel aus frühgeschichtlicher bis neuassyrischer Zeit ausgegraben.

Assurbanipal, griechisch Sardanapal, assyrischer König 668/626 vor Christus; unter ihm erlebte das Neuassyrische Reich seinen letzten Höhepunkt; er verlor um 655 Ägypten und schlug 652/648 einen babylonischen Aufstand nieder. Assurbanipal eroberte Babylon und einige Städte Elams. Er legte in Ninive eine große Bibliothek an (20000 Tontafeln überliefert), die sich im britischen Museum in London befindet.

Assyrer: altorientalische subaräisch-semitische Bevölkerung Assyriens, die Viehhaltung, Acker- und Gartenbau sowie Handwerk und Handel betrieb; bewahrte nach der Zerschlagung des Neuassyrischen Reiches nur noch als Minderheit unter verschiedenster Herrschaft ihre Sprache und teilweise ihre Kultur. Nachfahren der Assyrer leben heute noch unter anderem in Irak (850000) und Russland (25000).

Assyrien: durch die Herrscher von Assur im 2. Jahrtausend vor Christus gegründetes Reich mit subaräisch-semitischer Bevölkerung; danach zeitweise von Babylonien und vom Reich der Mitanni abhängig, im 14./13. Jahrhundert vor Christus entwickelte sich Assyrien zu einer starken Militär- und Handelsmacht (mittelassyrische Periode). Die Expansionspolitik festigte die Königsmacht gegenüber den adligen Kräften. Im 12./10. Jahrhundert kam es zu einem Rückgang der politischen Macht Assyriens. Im 9. Jahrhundert (besonders unter Assurnasirpal H.) setzte der Wiederaufstieg Assyriens ein. Das entstandene Neuassyrische Reich umfasste fast den gesamten Vorderen Orient. Das durch fortschreitende soziale Differenzierung gekennzeichnete, auf Eroberung, schrankenloser Unterdrückung und Massendeportierungen beruhende Reich brach nach dem Tode Assurbanipals (626 vor Christus) unter den Schlägen der Meder und Babylonier zusammen (612 fiel Ninive: 605 wurden die assyrischen Truppen durch die Babylonier bei Karkemisch geschlagen).

Assyriologie: Wissenschaft von Sprache, Geschichte und Kultur des assyrisch-babylonischen Altertums; befasst sich besonders mit Keilschriftforschung.

assyrische Kunst: die auf südmesopotamische, nordische syrische und hethitische Traditionen aufbauende vielfältige Kunst des assyrischen Reiches, besonders in der mittel- und neuassyrischen Kunst (14./11. und 9./7. Jahrhundert vor Christus). Die Palastanlagen der Residenzstädte Ninive, Nimrud Chorsabad und Assur waren mit kolossalen Torfiguren und reichen Reliefs (Kriegs- und Jagdszenen zur Verherrlichung der Könige) geschmückt, die mit Vorliebe für das Zeichnerische Detail besonders lebendige und qualitätsvolle Tierwiedergaben zeigen. Gewanddarstellungen deuten auf eine Blüte der Textilkünstlich Hervorragend sind auch die Metallkunst (Bronzetor von Balawat), die Wandmalerei und Kleinkunst (Siegel, Elfenbeinarbeiten); siehe auch altvorderasiatische Kunst.

Astarte, westsemitische Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, des Krieges und des Abendsterns; entspricht der babylonischen Ischtar und der biblischen Aschera; später mit Aphrodite gleichgesetzt.

Astasie: (griechisch) psychogene Unfähigkeit zu stehen bei organischen Intaktheit; siehe auch Abasie.

Astat, (griechisch, «das Unbeständige») Symbol At, früher Asiatin: radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 85; F etwa 300°C, Kp etwa 370°C; das beständigste Isotop ist At210 (Halbwertszeit 8,3 Stunden). Die Erdrinde enthält etwa 30 g Astat; als schwerstes Halogen ähnelt es chemisch dem Jod. Es wurde erstmals 1940 in den USA von E. Segré und Mitarbeitern künstlich hergestellt,

astatisches Messgerät: empfindliches elektrisches Messgerät (Galvanometer, Magnetometer), bei dem durch spezielle Konstruktion der Einfluss magnetischer Störfelder ausgeschaltet ist.

Aster, (griechisch, «Stern(blume)») Aster: artenreiche, vorwiegend in Nordamerika verbreitete Gattung der Korbblütler; heimisch sind zum Beispiel die Alpenaster (Aster alpinus), Bergaster (Aster amellus) und Strandaster (Aster tripolium); viele Gartenformen.

Asthenosphäre: mehrere 100 km mächtige, viskoelastische (zähflüssige) Zone unter der etwa 100 km mächtigen Lithosphäre, auf der die relativ starren Platten der Lithosphäre großräumige horizontale Bewegungen ausführen können (Kontinentaldrift).

Ästhetik: (griechisch aisthesis, «Wahrnehmung», ursprünglich Lehre von der Erkenntnis durch sinnliche Wahrnehmung) philosophische wissenschaftliche Disziplin, die die allgemeinsten Gesetzmäßigkeiten der ästhetischen Aneignung der Wirklichkeit erforscht. Diese entfalten sich im sinnlich-wertenden, von unmittelbaren Nützlichkeitsinteressen relativ freien, universellen Verhältnis der Individuen zur sozial bedeutsamen Form von Erscheinungen und Gegenständen und bringen die dieses Verhältnis vermittelnden Werturteile und Normen (schön hässlich, erhaben niedrig, tragisch komisch) in ihren objektiven und subjektiven Aspekten hervor. Die marxistisch-leninistische Ä. verallgemeinert die Ergebnisse der mit den Kunstgattungen befassten Einzelwissenschaften und wird somit methodologisch und sozial-programmatisch wirksam. Philosophisch-ästhetische Grundfragen solcher Art sind alle das soziale Wesen der Kunst betreffenden Probleme (unter anderem ästhetische Wesen und gesellschaftliche Funktion der Kunst, Fragen der künstlerischen Methode, der künstlerischen Wahrheit, Parteilichkeit und Volksverbundenheit) sowie alle ästhetischen Beziehungen des außerkünstlerischen Bereichs der menschlichen Praxis (Formgebung, Umweltgestaltung). Geschichtliche Ästhetische Normen entstanden mit der menschlichen Produktion schlechthin; zusammen mit der Philosophie kamen Reflexionen über ästhetische Probleme auf. In der Antike waren insbesondere die Leistungen Platons und Aristoteles’ von Bedeutung; ab da finden sich praktisch in den Werken aller bedeutenden Philosophen Überlegungen zu ästhetischen Problemen, die diesen Aspekt der menschlichen Beziehungen im Sinne der jeweils vertretenen Klasse interpretierten. Neben Renaissance, Aufklärung und Klassizismus wurde vor allem die klassische deutsche Philosophie zur theoretischen Quelle der marxistisch-leninistischen Ästhetik (Kant, Schelling, Hegel). Ihre historische Leistung bestand in der idealistischen Herausarbeitung der Bedeutung menschlicher Subjektivität im Zusammenhang mit objektiven Faktoren für die Herausbildung der ästhetischen Beziehung.

ästhetisch: angenehm, schön, formvollendet. Das Ästhetische als Gegenstand der Ästhetik ist eine spezifische Form der Aneignung der Wirklichkeit. Als ä. bezeichnet man das in der Kunst und außerhalb dieser emotional-wertende Verhalten gegenüber sinnlich-konkreten Erscheinungen der Natur und Gesellschaft, in dem diese gefühlsmäßig erlebt und bewertet werden (schön, hässlich, tragisch, komisch, erhaben, niedrig und so weiter).

ästhetische Bildung und Erziehung: Bestandteil der allseitigen kommunistischen Erziehung der Kinder und Jugendlichen; gerichtet auf das Erkennen, Erleben und Verstehen des Schönen, auf das Streben, Schönes zu schaffen und zu erhalten sowie auf das Ausbilden schöpferischer Fähigkeiten und Fertigkeiten auf künstlerischen Gebiet. Die ä. B., die in besonders engem Zusammenhang mit der intellektuellen, ideologischen und moralischen Erziehung steht, wird im Unterricht der sozialistischen Schule in den Fächern Sprache und Literatur, Kunst- und Musikerziehung und darüber hinaus in allen Fächern als Prinzip verwirklicht.

Ästhetizismus: formalistische Lebens- und Kunstanschauung, die alle Lebensbereiche primär als Objekt ästhetischen Genusses betrachtet und die gesellschaftlichen Bindungen der Kunst leugnet; tritt in sozialen Niedergangsphasen auf.

Asthma: anfallsartige Atemnot durch Einengen der kleinen Bronchien (Krampf, Schwellung, zähes Sekret) bei einer erhöhten Reizbarkeit der Schleimhaut (Bronchialasthma, Asthma bronchiale), meist allergisch bedingt; durch Blutstauung in den Lungen bei Linksherzschwäche (Herzasthma Asthma cardiale).

Asthmamittel, Antiasthmatika: Stoffe, die infolge Bronchialerweiterung zur Beseitigung von Atemnot bei asthmatischen oder bronchialspastischen Beschwerden führen.

Asti: Stadt in Oberitalien, in der Region Piemont, Verwaltungszentrum der Provinz Asti; 80000 Einwohner; Landmaschinenbau; Zentrum des Weinbaugebietes Monferrato; Geburtsort des Dramatikers V. Alfieri (Nationalzentrum für Alfieristudien); mittelalterliche Kirchen, Dom (14. Jahrhundert).

Astigmatismus: 1. Medizin: Fehlsichtigkeit infolge ungleichmäßiger Hornhautkrümmung.

2. Optik: geometrische Abbildungsfehler, der bei der optischen Abbildung außerhalb der optischen Achse liegender Objektpunkte auftritt. Hauptstrahlnahe Meridional- und Sagittalstrahlen schneiden bildseitig den Hauptstrahl in verschiedenen Punkten (siehe auch meridional, sagittal). Das Bild einer zur Achse senkrechten Ebene besteht aus 2 gekrümmten Bildschalen.

Astilbe, Prachtspiere: Steinbrechgewächs aus Ostasien oder Nordamerika mit elfenbeinweißer bis roter Blütenrispe; ist als Zierpflanze der Gärten auch in-Europa häufig und gedeiht gut auf feuchtem, humusreichem Boden im Halbschatten.

Aston: 1. Aston, Francis William, 1.9.1876-20.11.1945, britischer Physiker und Chemiker; baute 1919 den ersten Massenspektrographen und wies die Existenz von Isotopen sowohl radioaktiver als auch stabiler chemischer Elemente nach.

2. Aston (V), eigentlich Meier, Louise, 26.11.1814-21.12.1871, Schriftstellerin; trat in der kleinbürgerlich-demokratische Oppositionsbewegung publizistisch sowie mit Gedichten und Romanen («Aus dem Leben einer Frau», 1847; «Lydia», 1848) vor allem für die politische Gleichberechtigung der Frau ein.

Astragalus: 1. antikes Spiel mit Knöchelchen; vermutlich Vorläufer der Würfelspiele.

2. Anatomie: Sprungbein.

3. Architektur: halbrunder, knöchel- oder perlschnurartiger Stab oder Reif, der verschiedene Bauglieder voneinander trennt, vor allem den Schaft der ionischen Säule von Kapitell und Basis.

Astralkult: (griechisch + lateinisch) Verehrung der Gestirne als Götter; in vielen Religionen verbreitet.

Astralmythologie: religiöse Mythologie, in deren Mittelpunkt Himmel und Sterne (personifiziert oder als tierische Wesen vorgestellt, als göttlich verehrt) stehen, zum Beispiel Sonnenkult der Ägypter unter anderem.

Astreinigung: das natürliche Absterben der unteren Äste eines Baumes infolge Beschattung durch die oberen Kronenteile und durch benachbarte Bäume. Die abgestorbenen Äste vermorschen durch holzzerstörende Pilze und brechen dann bei Sturm, Regen, Schnee unter anderem ab.

Astrodynamik: Gesamtheit der Mittel und Methoden für Festlegung, Kontrolle und Änderung der Bahnen von Raumflugkörpern.

Astrofotografie, Sternfotografie, Himmelsfotografie: astronomische Beobachtungsmethode, bei der das zu beobachtende Objekt auf einer Fotoplatte aufgenommen wird. Als Kamera benutzt man fotografische Refraktoren (insbesondere Astrographen), meist aber Spiegelteleskope. Wegen der langen Belichtungszeiten müssen die Kameras der täglichen Bewegung der Gestirne nachgeführt werden. Vorteile der Astrofotografie sind die mögliche Beobachtung schwacher Objekte (durch entsprechend lange Belichtungszeit) und die gleichzeitige Aufnahme sehr vieler Objekte, wobei die Aufnahme später im Labor ausgewertet wird und mit anderen der gleichen Himmelsgegend verglichen werden kann. Nachteilig ist unter anderem der nichtlineare Zusammenhang zwischen der Schwärzung der Sternbildchen und der Sternhelligkeit.

Astrofotometrie, Fotometrie der Gestirne: Messung der Helligkeit von Gestirnen. Die Helligkeiten werden in Größenklassen angegeben. Bei der Astrofotometrie vergleicht man die unbekannten Sternhelligkeiten mit bekannten Helligkeiten in einem äußerst genau vermessenen Standardsystem (Standardsterne). Nach den benutzten Strahlungsempfängern unterscheidet man die visuelle Astrofotometrie, bei der das menschliche Auge, die fotografische Astrofotometrie, bei der eine Fotoplatte, und die sehr genaue lichtelektrische Astrofotometrie, bei der eine Fotozelle als Strahlungsempfänger dient. Wird das Licht eines breiten Spektralbereiches unzerlegt benutzt, spricht man von Integralfotometrie. Um die Intensitätsverteilung im Spektrum zu bestimmen, wird das Licht in einem Spektralapparat zerlegt und die Intensität bei verschiedenen Wellenlängen gemessen (Spektralfotometrie). Weniger aufwendig als diese und auch auf schwächere Sterne anwendbar ist die Mehrfarbenfotometrie, bei der die Helligkeit in mehreren durch geeignete Filter begrenzten Spektral- oder Farbbereichen (kurz Farben genannt) gemessen wird. Verbreitet ist das UBV-System, eine Dreifarbenfotometrie, bei der die Farbbereiche im ultravioletten, blauen und gelben (visuellen) Teil des Spektrums liegen.

Astroide, Sternkurve: Kurve von der Form eines Sterns mit 4 Spitzen. Sie entsteht als Einhüllende einer Schar gleich langer Strecken, deren Endpunkte jeweils auf den beiden Achsen eines ebenen kartesischen Koordinatensystems liegen. Ist a die Länge einer solchen Strecke, so wird die Astroide durch die Gleichung dargestellt. Die Astroide ist eine spezielle Zykloide.

Astrologie, Sterndeutung: unwissenschaftliche Lehre, die aus der Stellung der Gestirne die Zukunft vorhersagt, im Altertum und Mittelalter eng mit der Astronomie verknüpft. Die Priester im alten Babylon betrieben die Omen-Astrologie, indem sie alle Vorgänge am Himmel als Vorzeichen (Omen) künftiger Ereignisse nach festen Regeln deuteten. Die Horoskop-Astrologie des Mittelalters sagte aus der Stellung von Sonne, Mond und Planeten zur Zeit der Geburt, dem Horoskop, das Schicksal eines Menschen voraus.

Astrometrie, Positionsastronomie: Zweig der Astronomie, der sich mit der Bestimmung der Örter (Positionen) der Gestirne an der Himmelskugel beschäftigt und auch die Theorie der astronomischen Instrumente, mit denen diese Örter vermessen werden, umfasst. In der Astrometrie werden die Sterne als Punkte an der Sphäre betrachtet. Astrometrische Messungen sind die Grundlage für die Bahnbestimmung, die Stellarastronomie und die astronomische Zeitbestimmung. Siehe auch astronomischer Ort.

Spationaut-Astronaut: englisch-amerikanischer, in den nichtsozialistischen Ländern gebräuchliche Bezeichnung für Raumfahrer.

Astronomie, Sternkunde, Himmelskunde: Wissenschaft von den kosmischen Erscheinungsformen der Materie. Die Astronomie untersucht die räumliche Verteilung, die Bewegungsverhältnisse, den physikalischen Zustand, die chemische Zusammensetzung und die Entwicklung der Himmelskörper und der diffusen Materie im Weltraum. Die Astronomie erforscht die Sonne und die Körper des Sonnensystems sowie die interplanetare Materie, die Sterne, Sternhaufen und die interstellare Materie, das Milchstraßensystem und. die anderen, extragalaktische Sternsysteme sowie die intergalaktische Materie und schließlich die Struktur und Entwicklung des überschaubaren Universums als Gesamtheit. Wichtigste Beobachtungsgrundlage der Astronomie ist die von den Himmelskörpern und der diffusen Materie im Weltraum emittierte elektromagnetischer Strahlung: Gamma-, Röntgen- und Ultraviolettstrahlung, sichtbares Licht, Infrarotstrahlung, Submillimeter-, Mikro- und Radiowellen. Die Astronomie gliedert sich in zahlreiche Arbeitsgebiete, die durch spezielle Forschungsmethoden, durch die Art der zu untersuchenden Himmelskörper oder den speziellen Wellenlängenbereich der untersuchten elektromagnetischen Strahlung definiert werden. Geschichtliches. Die Astronomie ist die älteste Naturwissenschaft. In enger Verknüpfung mit der Astrologie wurde sie in allen Hochkulturen, zum Beispiel bei den Babyloniern, Ägyptern, Indem, Chinesen und Mayas, intensiv betrieben. In besonderer Blüte stand die Astronomie im antiken Griechenland. Um 130 fasste C. Ptolemäus das astronomische Wissen der Antike zusammen; die nach ihm benannt geozentrische Planetentheorie diente bis ins 16. Jahrhundert zur Berechnung der Örter von Sonne, Mond und Planeten. Die heliozentrische Planetentheorie von N. Kopernikus, die Entdeckung der Gesetze der Planetenbewegung durch J. Kepler und die Einführung des Fernrohrs durch G. Galilei begründeten die Astronomie der Neuzeit. Mond- und Planetenbeobachtung, Himmelsmechanik und schließlich die Stellarastronomie entstanden im 17. und 18. Jahrhundert Durch die verstärkte Anwendung physikalischer Erkenntnisse und Methoden in der Astronomie entstand im 19. Jahrhundert die Astrophysik, die das Bild der heutigen Astronomie entscheidend prägte.

astronomische Einheit, Zeichen AE: die mittlere Entfernung der Erde von der Sonne; 1 AE = 149,6 Millionen km; Sl-fremde, in der Astronomie gültige Längeneinheit.

astronomische Gesellschaften: Vereinigungen von Fach- oder Liebhaberastronomen. Die 1863 als Vereinigung deutschsprachiger Astronomen gegründet Astronom. Gesellschaft (Abkürzung AG) dient dem Austausch wissenschaftlicher Ergebnisse auf Tagungen und der Förderung größerer Gemeinschaftsunternehmungen, die die Kräfte einer Sternwarte übersteigen. Sie umfasst heute vor allem die Astronomen der BRD und Österreichs. Ihre ursprünglichen Aufgaben sind weitgehend auf die 1919 gegründet Internationale Astronom. Union (International Astronomical Union, Abkürzung IAU) übergegangen, der Astronomen der DDR über das Nationalkomitee für Astronomie bei der AdW angehören. Die IAU veranstaltet alle 3 Jahre Generalversammlungen, daneben Regional- und kleinere Tagungen zu bestimmten wissenschaftlichen Fragen.

astronomische Instrumente: Geräte für Himmelsbeobachtungen und ihre Auswertung. Das Fernrohr als eines der wichtigsten astronomischen Instrumente ist als Linsenfernrohr (Refraktor), jetzt meist aber als Spiegelteleskop ausgebildet; es lässt sich durch geeignete Aufstellung (Montierung) auf jeden Punkt des Himmels richten und der scheinbaren Bewegung der Gestirne nachfuhren. Als Strahlungsempfänger dienen das menschliche Auge, die Fotoplatte, Fotozellen oder Bildwandler, zur genauen Helligkeitsmessung besondere Sternfotometer. Für Spektraluntersuchungen werden Spektrographen an das Fernrohr angesetzt. Besondere astronomische Instrumente sind für die Sonnenbeobachtung in Gebrauch. Die Radiostrahlung aus dem Weltall wird mit Radioteleskopen untersucht. Im ultravioletten, Röntgen- und Gammastrahlungsbereich ist die Erdatmosphäre undurchlässig; man bringt die entsprechenden astronomischen Instrumente mit Hilfe von Raketen, Erdsatelliten oder Raumsonden in die erforderliche Höhe. Genaue Sternörter werden mit speziellen astronomischen Instrumenten bestimmt. Das Passage- oder Durchgangsinstrument ist ein nur um eine waagerechte, in Ost-West-Richtung weisende Achse drehbares Fernrohr, mit dem der Zeitpunkt des Meridiandurchgangs eines Gestirns ermittelt wird. Der sonst gleichartige Meridiankreis gestattet zusätzlich, die Gestirnhöhe abzulesen. Der Vertikalkreis lässt sich auch um eine senkrechte Achse drehen. Ein vor allem für die Schifffahrt wichtiges Winkelmessinstrument ist der Sextant, bei dem die Bilder zweier Sterne (oder eines Sterns und des Horizonts) zur Deckung gebracht und der Winkel zwischen den beiden Objekten gemessen werden kann. Winkelmessinstrumente waren auch alle astronomischen Instrumente vor der Erfindung des Fernrohrs. Der Gnomon des Altertums war ein senkrechter Stab, an dessen Schatten die Sonnenbewegung verfolgt wurde. Die Armillarsphäre und das Astrolabium bestanden aus ineinander geschachtelten Kreisen, die den Hauptkreisen der Himmelskugel entsprachen. Beim Quadranten wurde das Gestirn über einen drehbaren Stab anvisiert, der den Höhenwinkel an einem festen Viertelkreis anzeigt. Sehr große Quadranten waren an Mauern, die genau in Nord-Süd-Richtung standen, befestigt (Mauerquadranten).

astronomische Jahrbücher: jährlich erscheinende Tabellenwerke, in denen die vorausberechneten Örter, die Ephemeriden, von Sonne, Mond, Planeten unter anderem Objekten des Sonnensystems, Daten von Sternbedeckungen, Sonnen- und Mondfinsternissen unter anderem astronomischen Ereignissen, Angaben über Zeitrechnung und Kalenderwesen sowie Sternörter enthalten sind.

astronomischer Ort, Sternort: die durch Koordinaten angegebene Lage eines Gestirns an der Himmelskugel, gemessen vom Beobachtungsort beziehungsweise vom Erd- oder Sonnenmittelpunkt aus; danach topozentrische beziehungsweise geo- oder heliozentrischer astronomischer Ort. Nach Berücksichtigung der Refraktion erhält man den scheinbaren Ort, der wahre Ort ist zusätzlich von der Aberration 2, der mittlere Ort von der Nutation befreit.

astronomische Uhr: Präzisionsuhr, die als Normaluhr in Sternwarten, geodätische Instituten oder Observatorien der Zeithaltung dient. Sie überbrückt die Zeitdauer zwischen 2 astronomischen Zeitbestimmungen.

Astronomische Zeichen: Zeichen, die in der Astronomie und im Kalenderwesen vom Mittelalter her noch im Gebrauch sind.

Astrophysik, kosmische Physik: großes Teilgebiet der Astronomie, das die physikalische Beschaffenheit der Gestirne erforscht.

Ästuar: durch Gezeitenströme trichterförmig erweiterte Flussmündung an Küsten mit starken Gezeiten; auch als Trichtermündung bezeichnet (zum Beispiel Elbe, Themse, Rio de la Plata).

Ästung, Aufastung: Entfernen lebender oder toter Äste (Grün- beziehungsweise Trockenästung) an Bäumen zur Erzielung hochwertigen Nutzholzes und zur Gewinnung von Schmuck- und Besenreisig.

Asturias, Miguel Angel, 19.10.1899-9.6.1974, guatemaltekischer Romancier, bemühte sich um die Erneuerung präkolonialer literarischer Traditionen der Maya-Indianer entsprechend den Bedingungen der Gegenwart (siehe auch Magischer Realismus) und stellte auf dieser Grundlage hauptsächlich das Wirken der Diktatur («Der Herr Präsident», 1946, deutsch) und den Kampf gegen den Imperialismus dar (Bananentrilogie, 1950/60, deutsch; «Weekend in Guatemala», 1956, deutsch).

Asturien: historisches Gebiet im Norden Spaniens, als Region mit innerer Autonomie die Provinz Oviedo umfassend, am Nordabhang des Kantabrischen Gebirges (bis 2648 m); 10565 km2, 1,1 Millionen Einwohner, 104 Einwohner/ km2; Regionszentrum Oviedo, mildes, immer feuchtes Klima; waldreich; Steinkohlen-, Eisenerz-, Quecksilbererz- und Zinkerzförderung; in und um Oviedo Eisenmetallurgie, chemische, keramische und elektrotechnische Industrie; auf den Höhen Bergweiden, in den fruchtbaren Tälern und in der Küstenebene Anbau von Weizen, Mais und Obst; Schweinezucht; Haupthafen Gijón; Fischerei. Unterwerfung durch die Römer 22/19 vor Christus; seit 414 Herrschaft der Westgoten, 718/910 war Asturien selbständiges Königreich und wurde nach dem Sieg von Covadonga (um 722) Ausgangspunkt der Reconquista gegen die maurische Invasion; seit 924 gehörte es zu León und wurde 1230 mit Kastilien vereinigt. In den 70er Jahren des 19. Jahrhundert entwickelte sich Asturien zu einem Zentrum der Industrie und der Arbeiterbewegung. Im Oktober 1934 Bergarbeiteraufstand (Aufbau einer «Roten Garde»), 1936/37 heroischer Kampf gegen die Francofaschisten und die deutsch-italienischer Intervention; danach war Asturien ein Zentrum antifaschistischen Massenaktionen gegen die Franco-Diktatur, Bergarbeiterstreiks 1963 und in den folgenden Jahren, zum Beispiel 1975/76.

Asuncion: Hauptstadt von Paraguay, am Ostufer des Paraguay gegenüber der Einmündung des Pilcomayo; 480000 Einwohner (15% der Bevölkerung des Landes); Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum von Paraguay mit Erdölraffinerien, Textil-, Tabak-, chemische Industrie; infolge der günstigen Lage Verkehrsknoten mit Flusshafen und internationalem Flughafen; 2 Universitäten, Museen, botanischer und zoologischer Garten.

Asyl: ursprünglich die heilige Stätte, die dem Menschen Schutz vor weltlicher Gewalt (religiöses Asyl, kirchliches Asyl) gewährte; danach allgemeine Freistätte, Zufluchtsort (zum Beispiel für politisch Verfolgte); auch Obdachlosenheim.

Asymmetrie: Ungleichmäßigkeit; Mangel an Ebenmaß, Missverhältnis, asymmetrisch Relation, binäre, asymmetrisches Kohlenstoffatom: Kohlenstoffatom, das mit 4 verschiedenen Atomen beziehungsweise Atomgruppen verbunden ist. Da das Kohlenstoffatom den Mittelpunkt eines regulären Tetraeders einnimmt, nach dessen Ecken seine 4 Valenzen gerichtet sind, ergeben sich bei Verbindungen der allgemeinen Formel C(W)(X)(Y)(Z) Spiegelbild! Formen, die sich weder durch Verschiebung noch durch Drehung zur Deckung bringen lassen. Das Vorhandensein eines asymmetrischen Kohlenstoffatoms hat optische Isomerie und damit optische Aktivität zur Folge.

Asynchronmaschine: als Motor oder (selten) Generator eingesetzte elektrische Maschine. Das im Ständer erregte Drehfeld induziert in der Läuferwicklung eine Spannung, die in der kurzgeschlossenen Wicklung des Kurzschluss-, Käfig-, Stromverdrängungs-, Doppelkäfig- oder Schleifringläufers einen Strom antreibt, der mit dem Drehfeld zusammen das Drehmoment bildet. Mit steigender Belastung fällt die Drehzahl des Läufers gegenüber dem Drehfeld leicht ab (Schlupf), die Asynchronmaschine läuft asynchron; bei Überschreiten eines Maximalmoments (Kippmoment) «kippt» der Motor ab und bleibt stehen. Wegen einfachen Aufbaus und hoher Betriebssicherheit ist der (Drehstrom-) Asynchronmotor (Induktionsmotor)I der in der Industrie am häufigsten eingesetzte Elektromotor. Weitere Bauarten sind unter anderem Drehstrom-Stromwendermaschine, Einphaseninduktions-, Spaltpolmotor.

Asyndeton: Aneinanderreihung gleichgeordneter Wörter, Wortgruppen oder Sätze ohne Konjunktion (Schiller: «Alles rennet, rettet, flüchtet»); siehe auch Polysyndeton.

Atacama: 1. Wüsten- und Halbwüstenregion von über 1000 km Länge an der Westküste Südamerikas. Der kleinere, nördlicher Teil gehört zu Peru, der größere, südliche, zu Chile, wobei der chilenische Anteil von der peruanischen Grenze bis etwa 28° südliche Breite zu der als Großer Norden bezeichneten chilenischen Großregion gehört. Die Atacama steigt von der Küste des Stillen Ozeans nach Osten bis zum 3000 bis 3500 m hoch gelegenen Gebirgsfuß der Hauptkordillere stufenförmig an; die zwischengelagerten mit Schutt angefüllten Längs- und Querbecken enthalten teilweise reiche Kupfer- und Salpeterlagerstätten. Der einzige, die Atacama durchfließende Dauerfluss ist der rund 440 km lange Rio Loa, der nördlich von Antofagasta in den Stillen Ozean mündet. Alle anderen Flüsse versickern im Schutt dieser Küstenwüste oder münden in Salzseen oder -sümpfen. Extrem arides Klima; im nördlichen Teil nahezu Regenlosigkeit, im südlichen episodisch auftretende Regenfälle. Die Gebiete in den unteren Lagen sind nahezu vegetationslos, während in 800 bis 1000 m Höhe infolge des hier von Mai bis Oktober auftretenden Ganianebels, der durch das kalte Auftriebswasser des an der Küste vorbeiziehenden Humboldtstromes entsteht, Zwergsträucher und Sukkulenten auftreten.

2. Atacama, Puna de Atacama: Hochland in 2000 bis 4000 m Höhe im westlichen Südamerika, zwischen den Kordilleren-Zügen; gehört zu Chile, Argentinien und Bolivien. Eine langgestreckte, zum Teil in Becken mit Binnenentwässerung gegliederte, niederschlagsarme Wüsten- und Halbwüstenlandschaft; charakteristisch sind zahlreiche Salzseen und große Areale einnehmende Salzkrustenebenen, die sogenannte Salare (zum Beispiel Salar de Atacama, Salar Pedemales, Salar Maricunga), die Steinsalz-, Natron- und Borax-Lagerstätten enthalten. Ergiebige Vorkommen von Kupfererzen; ferner Lagerstätten von Zinn-, Blei- und Silbererz.

Atacamagraben: Tiefseegraben des Stillen Ozeans vor der Westküste Chiles, bis 8066 m tief. zwischen der Sohle des Atacamagraben und dem 6 723 m hohen Vulkangipfel Llullaillaco in den Anden wird mit 14789 m der größte Höhenunterschied der Erdoberfläche auf kürzester Entfernung (rund 300 km) erreicht.

Atahualpa, um 1502-29. 8.1533, letzter Herrscher des Inkareiches seit 1531; Halbbruder des von ihm besiegten rechtmäßigen Thronerben Huascar. Atahualpa wurde in Cajamarca von den spanischen Eroberern unter F. Pizarro gefangengesetzt und nach Erpressung hohen Lösegeldes erdrosselt.

Atakora-Gebirge: Höhenzug im Nordwesten von Benin, nördliche Fortsetzung des Togogebirges; bis 640 m hoch; aus Quarziten aufgebaut; regenreich; stark zerschluchtet.

ataktisch: unregelmäßig, unkoordiniert (Muskelbewegungen betreffend); siehe auch Ataxie.

Atalante, in der griechischen Sage berühmte Jägerin, besiegte alle Freier im Wettlauf und tötete sie. Hippomenes gewann Atalante, da er beim Lauf drei goldene Äpfel fallen ließ, Atalante sich danach bückte und unterlag.

Ataman: gewählter, seit dem 18. Jahrhundert von der russischen Regierung ernannter Führer einer Kosakenabteilung; bei den Don-, Ural- und Terekkosaken oberster Befehlshaber, auch Führer von Bauernaufständen nannten sich Ataman Im Bürgerkrieg 1918/20 wurde der Titel Ataman von Anführern Weißgardistischer Banden missbraucht. Siehe auch Hetman.

Ataraxie: Gleichmut, Unerschütterlichkeit der Seele gegenüber äußeren Missständen und inneren Affekten; von den hellenistischen Philosophenschulen Epikurs, der Stoa und des Skeptizismus als höchstes Lebensgut geschätzt.

Atargatis, (griechisch aramäisch) westsemitische Fruchtbarkeitsgöttin und Herrin der Tiere, zum Teil als Fisch dargestellt.

Atavismus: soviel wie Rückschlag; Wiederauftreten stammesgeschichtliche Merkmale bei heute lebenden Arten (zum Beispiel fellähnliche Behaarung und Stummelschwanz beim Menschen).

Ataxie: Störung bei der Ausführung gezielter Bewegungen durch mangelnde Koordination der nervlichen Steuerung verschiedener Muskelgruppen; bedingt durch Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks.

Atelier: 1. Werkstatt, besonders Künstlerwerkstatt.

2. Zweckbau für Filmaufnahmen und Fernsehaufzeichnungen (Filmatelier) oder Fotoaufnahmen (Fotoatelier) mit allen notwendigen technischen Einrichtungen. Sonderatelier in der Filmtechnik sind Trickatelier für Puppen- und Zeichentrick, Rückprojektion unter anderem; Musikatelier für meist bildsynchrone Musikaufnahmen bereits geschnittener Filme; Mischatelier zum handlungssynchronen «Mischen» der aufgezeichneten Schallereignisse (Sprache, Musik, Geräusche); Checkatelier zur Erarbeitung eines lippensynchronen Textes für einen fremdsprachigen Film.

Atemfrequenz: Anzahl der Atemzüge je Minute; bei körperlicher Ruhe 10 bis 16, wobei entsprechend je Atemzug 0,8 bis 0,5 1 Luft befördert wird. Bei schwerer Arbeit erfolgt ein Anstieg bis auf 30 mit einem Atemzugvolumen bis zu 31.

Atemgifte: Sammelbezeichnung für Gifte, die bevorzugt über die Atemwege aufgenommen werden. Einige Atemgifte, zum Beispiel die Reizgase Chlorgas, nitrose Gase, Phosgen, schädigen das Lungengewebe des Menschen unter anderem Lebewesen oder das Trachealsystem der Insekten. Andere Atemgifte wirken erst nach Aufnahme in das Blut und stören verschiedene Stoffwechselvorgänge, zum Beispiel Blausäure, y-Hexachlorzyklohexan, Phosphorsäureester.

Atemgrenzwert: Maximum an willkürlich ein- und ausgeatmetem Luftvolumen je Minute bei optimaler Abstimmung von Atemtiefe und -frequenz.

Atemgymnastik: gymnastisches Programm zur willkürlichen Lenkung der Atmung mit dem Ziel, eine fehlerhafte Atemtechnik zu korrigieren, Brust-, Bauch- und Flankenatmung gleichmäßig einzubeziehen und damit die Atemfunktion zu verbessern. Dadurch werden Gasaustausch, Kreislauffunktion und Darmtätigkeit gefördert. Anwendung erfolgt zum Beispiel bei chronischen Bronchitis und Bronchialasthma. Atemmechanik: die biomechanischen Vorgänge bei Ein- und Ausatmung. Die Erweiterung des Brustkorbes führt zu einer Verminderung des Druckes in den Lungenbläschen, die den Lufteinstrom durch die Atemwege nach sich zieht; bei Ausatmung entgegengesetzt.

Atemminutenvolumen: das in 1 Minute geatmete Luftvolumen; Produkt aus Atemfrequenz und Atemzugvolumen. Bei körperlicher Ruhe beträgt es etwa 8 Liter.

Atemmuskeln: für Atembewegungen (Ein- und Ausatmung) verantwortliche Muskeln (Zwischenrippenmuskeln, Bauchmuskeln, Zwerchfell).

Atemnotsyndrom, Membransyndrom: vorwiegend bei Frühgeborenen auftretende schwere Atemstörungen, die auf Unreife der Lunge beruhen und zu Sauerstoffmangel führen. Eine Behandlung mit Überdruckatmung ist möglich.

a tempo: (italienisch) Musik wieder im ursprünglich vorgeschriebenen Zeitmaß.

Atemschutzgeräte: Geräte, die vor Inhalation von Luftschadstoffen schützen und deshalb im Grubenrettungswesen, bei der Feuerwehr, beim Umgang mit Chemikalien und Farben, im Militärwesen und in der Zivilverteidigung, ferner beim Sandstrahlen und bei der Schädlingsbekämpfung angewendet werden. Die Atemschutzgeräte werden entsprechend ihrer Einsatzmöglichkeit, Funktion und Wirkungsweise in 2 Gruppen eingeteilt, in Atemschutzgeräte, die abhängig von der Umgebungsluft, und Atemschutzgeräte, die unabhängig von der Umgebungsluft wirken. Zur 1. Gruppe gehören die Filtergeräte und zur 2. Gruppe Schlauch-, Behälter- und Regenerationsgeräte.

Atemtechnik: bewusstes Verfahren, um die für Sprache, Gesang und Instrumentenspiel zweckmäßigste Atmung zu bewirken; für den künstlerischen Gesang notwendiger Zweig der Ausbildung, der die Methodik der Atemführung (Ökonomie, Atemstütze des Tones unter anderem) und des Einsatzes der Atemtypen (zum Beispiel kombinierte Zwerchfell-Flanken-Atmung) betrifft...

Atemtyp: Art der Erweiterung des Brustkorbvolumens bei der Einatmung. Beim abdominalen Atemtyp wird der Bauch vorgewölbt, da das Zwerchfell durch seine Kontraktion bei gleichzeitiger Erschlaffung der Bauchmuskeln nach unten steigt. Beim kostalen oder thorakalen Atemtyp erfolgt die Erweiterung vorwiegend durch die Zwischenrippenmuskeln; häufig beim weiblichen Geschlecht.

Atemwurzeln: senkrecht in die Luft wachsende oder knieförmige Wurzeln, besonders bei Mangrovepflanzen; sie versorgen das im Schlick verankerte Wurzelsystem mit Atemluft.

Atemzentrum: an der Regulation der Atembewegung beteiligte Hirngebiete, besonders im verlängerten Mark und im Brückenhirn. Das A, besteht aus mehreren Unterzentren, die bevorzugt die Ein- oder die Ausatmung steuern. Direkte Reize für das Atemzentrum sind vermehrter Kohlendioxidgehalt des Blutes und afferente Nervenimpulse aus dem Brustraum.

Atget, Eugène, 1857-1927, französischer Fotograf; Dokumentarist von Paris. Seine realistischen Bilder, die systematisch die alten, vom Untergang bedrohten Stadtteile in Paris festhielten, fanden erst nach 1929 gesellschaftliches Interesse; seit etwa Mitte der 60er Jahre gilt Atget als Wegbereiter der sozialdokumentarische Fotografie.

Athabasca: Fluss in Kanada, in der Provinz Alberta; 1231 km; entspringt im Felsengebirge und mündet in den Athabascasee; rechte Nebenflüsse Pembina und Clearwater; ober- und unterhalb des 140 km langen Stromschnellenabschnittes Grand Rapids schiffbar.

Ethacridinlactat: (Kunstwort) gelber Acridinfarbstoff, unter dem Namen Rivanol bekannt geworden; wird als Desinfektionsmittel bei Wundinfektionen und zur Haut- und Schleimhautdesinfektion verwendet.

Äthan, fachsprachlich Ethan: Alkan der Formel CjH6. Ä. ist ein farb- und geruchloses, brennbares, wasserunlösliches Gas; Kp -88,6°C. Es kommt im Erdöl und im Erdgas vor und wird hauptsächlich auf Äthen und Äthylchlorid verarbeitet.

Äthanol, Äthylalkohol (beide griechisch + arabisch), fachsprachlich Ethanol: Alkanol der Formel C2H5OH, gewöhnlich Alkohol genannt. Äthanol ist eine farblose, in jedem Verhältnis mit Wasser mischbare, brennbare Flüssigkeit von typischen Geruch, brennendem Geschmack und narkotisierender Wirkung; F -114,5°C, Kp 78,3°C, Dichte 0,789 g/ml. Äthanol wird entweder synthetisch aus Äthen oder mikrobiologisch durch alkoholische Gärung aus Zucker, Melasse, Sulfitablauge oder stärkehaltigem Material (Kartoffeln, Getreide) hergestellt. In den Brennereien werden zum Beispiel Kartoffeln mit Heißdampf behandelt und anschließend bei 55 °C mit keimender Gerste (Grünmalz) versetzt (Maischen), wodurch die Kartoffelstärke enzymatisch in Maltose umgewandelt wird. Durch Brennereihefe erfolgt Spaltung zu Glukose und Vergärung zu Äthanol und Kohlendioxid. Das Rohäthanol wird abdestilliert, durch Feindestillation von Fuselölen befreit und (mit zunehmendem Reinheitsgrad) zu Sekundasprit, Primasprit und extrafeinfiltriertem Sprit verarbeitet. Äthanol ist der wirksame Bestandteil der Spirituosen und wird auch als Lösungsmittel und chemisches Zwischenprodukt (zum Beispiel für Ester) verwendet. In neuerer Zeit gewinnt die Verwendung von Äthanol als Motorentreibstoff zunehmende Bedeutung. In der Pharmazie wird Äthanol vor allem als Lösungsmittel für äußerlich und innerlich anzuwendende Arzneimittel benötigt.

Äthanolnachweis: besonders in der gerichtlichen Medizin angewendete Methode zur Bestimmung des Äthanolgehalts meist in Alkoholblutproben zum Rückschluss auf das Ausmaß einer alkoholischen Beeinflussung bei Verkehrsdelikten unter anderem. Die jodometrisch, enzymatisch oder gaschromatographisch bestimmte Blutalkoholkonzentration wird in mg Äthanol je g Blut (Promille) angegeben. Für den Äthanolnachweis bei Ermittlungs- und Strafverfahren sind 2 unabhängige Nachweisverfahren anzuwenden. Der Äthanolgehalt in der Atemluft wird durch Verfärbung einer Reaktionsschicht in Glasröhrchen (sogenannt Blasröhrchen) sichtbar oder mit komplizierteren Apparaturen nachgewiesen.

Athapasken, Selbstbezeichnung Dene («Menschen») oder Tine: weitverbreitete indianische Völkergruppe der Na-Dene-Sprachfamilie in Nordamerika; 430000. Die Stämme der nördlichen Gruppe (151000 in Alaska und Nordwestkanada) sind subarktische Jäger und Fischer, die der südlichen Gruppe (Navaho und Apachen in den USA) heute Schafzüchter und Bodenbauer in Reservationen.

Atheismus: (lateinisch griechisch atheos, «ohne Gott») bewusste und wissenschaftlich begründete Ablehnung des Glaubens an einen Gott oder mehrere Götter, an ein göttliches Prinzip, an jegliche übernatürliche Kräfte und Wesen beziehungsweise an eine übernatürliche und jenseitige Welt. Atheismus ist daher mit allen Formen des religiösen Glaubens unvereinbar. Der Begriff wurde im Ablauf der Geschichte in Abhängigkeit von dem jeweils von der herrschenden Religion Geglaubten, den gesellschaftlichen Strukturen und der Wissenschaftsentwicklung unterschiedlich verwandt. In den Klassenkämpfen war er zumeist Ausdruck der Ideologie progressiver Kräfte; unter anderem kritisierte er die offizielle Religion generell (zum Beispiel griechische Materialisten), bestritt einzelne Dogmen (zum Beispiel G. Galilei), stellte die Vernunft über die Religion (zum Beispiel Aufklärung) oder entwickelte deistische und pantheistische Systeme (zum Beispiel Spinoza). Zu den Höhepunkten des vormarxistischen Atheismus zählen die ionischen Naturphilosophen, die griechischen Materialisten Demokrit und Epikur, der Römer Lucretius Carus; die französischen Materialisten des 18. Jahrhundert (J. de La Mettrie, P. H. Holbach, D. Diderot, C.A Helvetius, R. Robinet); im 19. Jahrhundert D. F. Strauß, L. Feuerbach; der naturwissenschaftlicher Atheismus von C. Vogt, L. Büchner und besonders E. Haeckel sowie die russischen revolutionären Demokraten A I. Herzen, W. G. Belinski und N. G. Tschernyschewski. Die Grenzen des bürgerlichen Atheismus des 18. und 19. Jahrhundert resultierten vor allem aus unzulängliche Einsicht in die historische Gesetzmäßigkeiten; er lehrte, dass durch Vernunft und Wissenschaft die Religion überwunden und bereits damit die Gesellschaft revolutioniert werden könne. Erst Marx und Engels begründeten den konsequenten dialektischen und historischen Materialismus und hoben damit auch den Atheismus auf eine neue Stufe (wissenschaftlich begründete Ablehnung des Glaubens an Gott oder Götter, an übernatürliche Kräfte und eine jenseitige Welt. Im Unterschied zur Religion erklärt er alle Erscheinungen in Natur und Gesellschaft aus objektiven, erkennbaren Gesetzmäßigkeiten, auch die Religion selbst). Der durch Lenin weiterentwickelte marxistische Atheismus ist keine gesonderte Weltanschauung, sondern Wesenszug aller 2 Bestandteile des Marxismus und wird stets durch weitere Ergebnisse der Wissenschaften bereichert. Er beweist, dass die Arbeiterklasse im Kampf gegen den Kapitalismus, für den Aufbau des Sozialismus und Kommunismus und damit der Basis für die freie Entfaltung aller Menschen eine konsequent wissenschaftliche, von religiöser Befangenheit freie Weltanschauung braucht Athen (nach Athene).

Athenai: Hauptstadt Griechenlands, auf der Halbinsel Attika, 5 km vom Golf von Aigina; 870000 Einwohner; als Groß Athenai mit Vororten und Hafen Piräus 428 Ion2, 3 Millionen Einwohner; Kultur-, Wirtschafts- und Handelszentrum; größter Industriestandort Griechenlands, besonders Metallerzeugung und -Verarbeitung, Textil-, chemische, Papier-, Leder- und Nahrungsmittelindustrie; Erdölraffinerie Aspropyrgos; Häfen Eleusis (Erdöleinfuhr) und Piräus (Werften, US-Stützpunkt); internationaler Flughafen Ellinikon-, starker Fremdenverkehr; Akademie, Universität, technische Hochschule; Theater, Bibliotheken, Nationalmuseum. Austragungsort der 1. Olymp. Spiele der Neuzeit (1896). An die vernachlässigte Altstadt schließt sich die regelmäßig gebaute Neustadt mit Regierungs- und Verwaltungsgebäuden an, im Nordosten moderne Wohngebiete, im Süden an der Küste Badeorte (Phaleron, Kalamaki, Ellinikon). Den Mittelpunkt der Stadt bildete die auf einem Kreidefelsen gelegene Akropolis, in mykenischer Zeit bereits als Burg und Kultstätte besiedelt; vom 6. Jahrhundert vor Christus an kultischen Zentrum Attikas; 480 durch Perser zerstört, danach unter Perikies im 5. Jahrhundert durch den Architekten Iktinos und den Bildhauer Phidias großartig neu gestaltet (Parthenon, Propyläen, Erechtheion mit Korenhalle, Niketempel); bedeutende Reste erhalten. Athenai und die Halbinsel Attika waren seit mykenischer Zeit von Ioniern besiedelt. Das Königtum wurde im 7. Jahrhundert vor Christus abgeschafft, mittels der Aufzeichnung des Gewohnheitsrechtes durch Drakon (um 624) das Privateigentum sanktioniert. Die Reformen des Solon (594) hoben unter anderem die Schuldknechtschaft auf, ohne die sozialen Widersprüche zu beseitigen, die 560 zur Tyrannis des Peisistratos führten. Unter ihm und Kleisthenes (Einführung der demokratischen Verfassung von 508) wurde die Adelsherrschaft beseitigt, Athenai nahm wirtschaftlich und kulturell eine rasche Entwicklung. In den Perserkriegen hatte Athenai wesentlichen Anteil am Sieg der Griechen, wurde jedoch 480/479 zerstört, 478/477 schuf Athenai den 1. Attischen Seebund. In Athenai entwickelte sich die Sklavenhalterdemokratie, die unter Perikies (443/429) einen Höhepunkt erreichte. Im Peloponnesischen Krieg (431/404) endete Athenais führende Stellung in Griechenland; seit 338 von Makedonien abhängig, gehörte es seit 27 vor Christus zur römischen Provinz Achaia. Im Byzantinischen Reich unbedeutend, ab 857 nach Christus Erzbistum und ab 1205 Sitz burgundischer beziehungsweise katalonischer Herzöge; seit 1834 im Ergebnis der griechischen Unabhängigkeitsrevolution Hauptstadt Griechenlands. 1941/44 von den deutschen Faschisten besetzt; 1944 eines der Widerstandszentren von Bevölkerung und Griechische Volksbefreiungsarmee gegen einheimische Reaktion und britische militärische Intervention.

Athen, Äthylen, fachsprachlich Ethen beziehungsweise Ethylen. Athen(Äthylen) ist ein farbloses, brennbares, wenig wasserlösliches Gas von schwach süßlichem Geruch; Kp —102,4°C. Es brennt mit rußender, leuchtender Flamme, bildet mit Luft explosible Gemische und geht leicht Additionsreaktionen ein; eingeatmet wirkt es narkotisch. Es ist das wichtigste petrolchemische Primärprodukt; Folgeprodukte sind zum Beispiel Polyäthylen, Äthylbenzol, Äthylenoxid, Äthylchlorid, Äthanol und 1,2-Dichloräthan. Athen wird hauptsächlich durch Spalten (Kracken) von Erdölbenzinen unter anderem -destillaten gewonnen und lässt sich auch durch Dehydrierung von Äthan oder durch Hydrierung von Äthin herstellen.

Athene, griechische jungfräuliche Göttin, Beiname Parthenos («Jungfrau»); Tochter des Zeus, entsprang gerüstet dessen Haupt, Schutzherrin Athens in Krieg und Frieden, Göttin der Kunstfertigkeit und Weisheit (römisch Minerva); Eule, Schlange und Ölbaum waren ihr heilig; sie wurde meist mit Helm, Speer und Schild dargestellt, ihr Tempel in Athen ist der Parthenon.

Äther: (griechisch, «(Himmels-) Luft») 1. Äther, fachsprachlich Ether: Chemie organische Verbindungen, in denen Alkyl- oder Arylgruppen durch ein Sauerstoffatom miteinander verbunden sind. Der wichtigste Äther ist Diäthyläther.

2. Äther, Lichtäther, Weltäther: Physik hypothetisch, alles durchdringendes, hochelastisches Medium, das nach den mechanizistischen Vorstellungen des 19. Jahrhundert Träger der Lichtwellen sein sollte. Danach müsste in einem relativ zu diesem Äther bewegten Bezugssystem eine unterschiedliche Ausbreitung des Lichts in verschiedenen Richtungen des Raumes nachweisbar sein, was unter anderem durch den Versuch von Michelson widerlegt wurde.

ätherische Öle: Pflanzenöle, die meist einen typischen Geruch aufweisen und durch Wasserdampfdestillation aus verschiedenen Pflanzen oder Pflanzenteilen sowie Balsamen (zum Beispiel Terpentin) und auch durch Auspressen der Schale von Zitrusfrüchten oder durch Enfleurage (Blütenpomade) gewonnen werden. Einige ätherische Öle entstehen erst beim Wässern der Pflanzenteile durch fermentative Spaltung von Glykosiden. Zu den ätherischen Ölen zählt man im weiteren Sinne häufig auch die sogenannte absoluten Blütenöle (Essences absolutes), die durch Extraktion der schwerer löslichen konkreten Öle (Konkrets; Essences concrètes) mit Äthanol erhalten werden. Letztere gewinnt man durch Extraktion von Blüten mit flüchtigen Lösungsmitteln (Petroläther, Benzol, Butan u. ä.) oder mit heißem Fett (Mazeration). Viele ätherische Öle verändern sich bei längerem Stehen, zum Teil unter Verharzung. Die ätherischen Öle sind meist sehr unterschiedlich zusammengesetzte Gemische aliphatische, alizyklische und aromatische Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Ester, Aldehyde, Ketone unter anderem, seltener auch Schwefel- und stickstoffhaltiger organischen Verbindungen; sehr häufig vertreten sind die Terpene. Die ätherischen Öle werden als Stoffwechselschlacken angesehen, die sekundäre Aufgaben (zum Beispiel Insektenanlockung erfüllen. Alle duftenden Pflanzen enthalten ätherischen Öle; von diesen werden etwa 150 (zum Beispiel Terpentin-, Zitronell-, Lemongras-, Lavendel-, Rosenöl) verwendet (nur wenige in größerer Menge), vor allem in der Parfümerie, Riech- und Geschmackstoffindustrie, Pharmazie sowie als Lösungsmittel.

ätherisch (griechisch): ätherartig, flüchtig; hauchzart, duftig; vergeistigt.

Äthin, Azetylen (dat. + griechisch), fachsprachlich Ethin: das Alkin C2H2. Äthin ist ein farbloses, wenig wasserlösliches Gas von schwachem, angenehmem Geruch. Es brennt mit sehr heißer, heller, stark rußender Flamme und bildet mit Luft explosible Gemische. Die Äthin-Gasflaschen (gelb gekennzeichnet) enthalten, von Kieselgur aufgesaugt, bei etwa 1,5 MPa (15 at) eine Lösung von Ä. in Azeton; höhere Drücke können zur Explosion führen. In hohen Dosen wirkt Ä. narkotisch. Ä. wurde früher ausschließlich aus Kalziumkarbid und Wasser hergestellt; heute gewinnt man es auch durch thermische Spaltung von Methan im elektrischen Lichtbogen. Es ist Ausgangsstoff der Acetylenchemie; weiterhin verwendet man es als Brenngas zum Schweißen und Schneiden von Metallen.

Äthiopien, (griechisch, «Südland») Staat im Nordosten Afrikas; grenzt im Nordosten an das Rote Meer, im Osten an Djibouti, im Osten und Südosten an Somalia, im Süden an Kenia und im Westen an Sudan; verwaltungsmäßig in 14 Provinzen gegliedert.

Bevölkerung: Sie gehört zur semitisch-hamit. Gruppe und umfasst über 100 Nationalitäten und ethnischen Gruppen, deren wichtigste Amharen und Galla (je 30%), Tigray (5%) und Somali sind. Amtssprachen sind Amharisch und Englisch. Am dichtesten sind die Ackerbauhochländer der Woina Dega besiedelt, wo sich auch die meisten städtlichen Zentren befinden. 12% der Bewohner leben in Städten. Die Analphabetenrate konnte von 93% (1974) auf gegenwärtig 37% gesenkt werden.

Natur: Oberfläche - Äthiopien besteht aus dem 2000 bis 3000m überm Meer gelegenen Äthiopischen Hochland (früher Abessinisches Hochland), das aus kristallinem Gestein aufgebaut ist, welches von mächtigen Basalt- und jüngeren Lavadecken überlagert wird, und im Ras Dashan bis 4620 m ansteigt. Es erhebt sich festungsartig aus dem südöstlich davor gelegenen Vorland der Somalischolle, dem Danakilland am Roten Meer im Nordosten und dem niedriggelegenen Flachland des Nils (Ostsudan) im W. Grabenartige Einbrüche, darunter der Äthiopischen Graben (früher Abessinischer Graben) als Teil des Ostafrikanischen Grabensystems, und tiefeingeschnittene Flusstäler gliedern das zentrale Hochland in isolierte und schwer zugängliche Hochländer. Das Klima ist tropisch und wird durch den Monsun beeinflusst. Es ist im Tiefland (Küste des Roten Meeres) heiß und trocken, wird jedoch mit steigender Meereshöhe kühler und feuchter, wobei sich markante typische Höhenstufen ausbilden konnten (bis etwa 1500 m heiße Kolla, darüber bis 2400 m gemäßigte Woina Dega, bis 3 900 m kühle Dega, oberhalb davon die Fels- und Eiswüste der Tschoke). Im Bereich der Woina Dega (Hauptanbaugebiet) sind im Norden eine, im Süden zwei Regenzeiten ausgebildet. Gewässer. Dem Äthiopischen Hochland entströmen zahlreiche Flüsse, deren wichtigste Sobat, Blauer Nil (Abay) und Atbara sind. Sie sind energiereich und haben für die Bewässerung große Bedeutung. Dagegen enden die nach Süden und Osten abkommenden Gewässer mit Ausnahme des Juba und Uebi Scebeli in abflusslosen Seen des Äthiopischen Grabens oder in den Trockensavannen des Vorlandes; zahlreiche Seen (größter Tanasee) in den grabenartigen Einbrüchen. Pflanzenwelt. Den klimatischen Höhenstufen entsprechen die Vegetationszonen: trockenes Tiefland mit dürftiger Dombuschsavanne, am Sokkel des Gebirges (Kolla) mit Savanne, in den Tälern mit Regenwald, in der Woina Dega Feuchtsavanne, weithin in Kulturland umgewandelt, in der Dega Grassavanne mit einzelnen Baumgruppen (Hauptweidegebiet), darüber vegetationslose Tschoke. Insgesamt nur 4% der Oberfläche bewaldet. Tierwelt. Ein noch relativ reicher Bestand wildlebender Großtiere (Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Löwen, Leoparden, Zebras, Hyänen, Krokodile unter anderem) ist in den westlichen und südlichen Tiefländern und Danakilland anzutreffen. Bodenschätze. Ihre geologische Erkundung ist noch nicht abgeschlossen. Bisher wurden Eisen-, Kupfererz, Gold, Platin, Mangan, Braunkohle, Schwefel und Salz entdeckt.

Äthiopisch: südsemitische Sprache, die von semitischen Stämmen gesprochen wurde, die aus Südarabien kommend in der Antike in Äthiopien eingewandert waren; Umgangssprache bis ins 11. Jahrhundert.

Athletik: ursprünglich Lehre von den Kraftübungen, der Wettkampfkunst; jetzt als Leicht- und Schwerathletik Sammelbezeichnung für spezielle Arten der Körperübungen.

Athlet: (griechisch) trainierter Sportler, Wettkämpfer; Kraftmensch.

Äthoxose: (Kunstwort) Zellulosederivat; wasserlösliche Binde- und Verdickungsmittel, verwendet unter anderem in der Textilindustrie und Keramik.

Äthylchlorid, Monochloräthan: ein farbloses, brennbares, süßlich riechendes, narkotisch wirkendes Gas, Kp 12,3 °C. Es entsteht (neben anderen Produkten) bei der Chlorierung von Äthan oder rein durch katalytische Addition von Chlorwasserstoff an Äthen. Man verwendet Äthylchlorid bei chemischen Synthesen zur Einführung von Äthylgruppen, zur Herstellung von Tetraäthylblei und in flüssigem Zustand wegen der starken Abkühlung beim Verdampfen zum «Vereisen» bei Chirurg. Eingriffen.

Athyreose: angeborenes Fehlen der Schilddrüse. Die Athyreose führt infolge Mangels an Schilddrüsenhormon zu schweren Entwicklungsstörungen, erfasst vor allem das Gehirn. Die Behandlung erfolgt durch ständige Hormongaben.

Atlantikwall: im 2. Weltkrieg von den deutschen Faschisten in den Niederlanden, in Belgien und Nordfrankreich angelegte Küstenbefestigungen gegen eine britische-US-amerikanische Landung. Der Atlantikwall wurde von den westalliierten Truppen am 6. 6.1944 in der Normandie bei der Eröffnung der zweiten Front im ersten Ansturm durchbrochen.

Atlantis: sagenhaftes Inselreich im Atlantischen Ozean, das nach Platon etwa 9000 Jahre vor seiner Zeit untergegangen sein soll; geowissenschaftlich nicht nachgewiesen. Atlantis diente als Urbild zahlreicher Staats- und Gesellschaftsutopien.

Atlantischer Ozean, Atlantik: zweitgrößtes und verkehrsreichstes Weltmeer, zwischen Europa, Afrika und Amerika; 71,85 Millionen km2, mit Nebenmeeren 94,31 Millionen km2; größte Erstreckung in Nord-Süd-Richtung bis etwa 21300 km, die größte Ost-West-Ausdehnung 13500 km; mittlere Tiefe 3576 m, im Puerto-Rico-Graben bis 9219m tief. Die höchsten Wassertemperaturen liegen zwischen dem Golf von Mexiko und dem Golf von Guinea bei 26 bis 28 °C, sie nehmen nach den Polargebieten hin bis auf unter -1°C ab (die Eisbildung erfolgt bei 3,5% Salzgehalt erst bei 1,91°C). Der Salzgehalt des Oberflächenwassers schwankt zwischen 32%» (Polargebiete) und 37 %o (verdunstungsintensivere Gebiete der Wendekreise). Vereisung der in der polaren und zum Teil in der gemäßigten Klimazone liegenden polnahen Meeresteile; Eisbergdrift bis 35° nördliche Breite beziehungsweise 26,5° südliche Breite. Nebenmeere des Atlantischen Ozeans sind das Amerikanische Mittelmeer, das Europäische Mittelmeer, die Hudsonbai und die Ostsee, Randmeere die Nordsee, der St.-Lorenz-Golf und die Irische See. Die bedeutendsten Inseln sind Grönland, Baffinland, Neufundland, Island, britische Inseln, Große und Kleine Antillen. Die ozeanischen Inseln sind meist vulkanischen Ursprungs. Durch den in 2000 bis 3000 m unter dem Meeresspiegel sich von Norden nach Süden etwa parallel der Küste von Irland bis Kapstadt hinziehenden mittelatlantische Rücken wird der Atlantische Ozean in zwei langgestreckte, durch zahlreiche Becken (Nordamerikanische Becken, Brasilianisches Becken, Argentinisches Becken unter anderem im Westen; Kapverdische Becken, Angolabecken unter anderem im O) aufgegliederte Großmulden geteilt. Durch die vulkanische Tätigkeit dieses ozeanischen Rückens wird laufend ozeanische Kruste neu geschaffen, die zur weiteren Gliederung des ozeanischen Raumes beiträgt. Die Meeresströmungen an der Oberfläche des Atlantischen Ozeans sind entsprechend den Windsystemen in 2 großen Kreisläufen, dem Nord- und Südäquatorialstrom, beiderseits des Äquators entwickelt. Abflüsse des Nordäquatorialstromes sind im Nordatlantik der Golfstrom und der Labradorstrom; im Südatlantik sind Teilströme des Südäquatorialstromes der Brasil-, Benguela- und Agulhasstrom. Bedeutende Erdöl- und -gasförderung im Golf von Mexiko und in der Nordsee.

Atman: (Sanskrit, «Atem», «Seele»)im indischen religiösen und philosophischen Denken seit den Upanishaden Bezeichnung für das «Selbst» des Menschen, eine Art ewiger, individueller Seele, die mit 1 Brahman, dem letztlich einzig realen geistigen Wesen der Welt, gleichgesetzt wird.

atmophile Elemente: Elemente, die bevorzugt in der Lufthülle der Erde auftreten, zum Beispiel Wasserstoff (im Wasserdampf), Stickstoff, Sauerstoff und die Edelgase.

Atmosphäre: die im Schwerefeld der Erde festgehaltene Lufthülle, etwa 1000 bis 3000 km mächtig, die aus einem Gemisch von Gasen besteht. Mittlere Zusammensetzung in Bodennähe (in Vol.-%): 78,08 Stickstoff, 20,95 Sauerstoff, weniger als 1 Edelgase (Argon, Neon, Krypton, Xenon), etwa 0,03 Kohlendioxid, Wasserdampf in stark wechselndem Anteil, zwischen 0 und 4, außerdem variable Mengen Staub, Meeressalz und Spurenstoffe einschließlich Abgasen. Bis etwa 90 km Höhe ändert Sich die Stoffzusammensetzung außer den Anteilen von Wasserdampf und Sauerstoff nicht (Homosphäre), darüber verändert sie sich mit zunehmender Höhe (Heterosphäre). Die Luftdichte nimmt mit der Höhe ab; im Meeresniveau beträgt sie 1,293 10‘3 g/cm3, in 5 km Höhe nur noch 0,736 10“3 g/cm3. In den unteren 20 km der Atmosphäre sind 90% ihrer Gesamtmasse enthalten. Die Normalatmosphäre (Standardatmosphäre) ist mit einem Luftdruck von 1013,25 hPa und einer Temperatur von 15°C an der Erdoberfläche definiert, wobei die Temperaturabnahme mit der Höhe 0,65 °C/ 100 m (bis in etwa 10 km Höhe) beträgt. Durch teil-weise Absorption der Sonnenstrahlung und der Wärmeabstrahlung der Erdoberfläche (Glashauseffekt), durch Energieaustausch mit der Erdoberfläche und durch Energie- und Wasserdampftransport mit der atmosphärischen Zirkulation ist die Atmosphäre Medium des Wetters und wesentliche Klimabildner. Vertikale Gliederung.

a) nach der thermischen Struktur, unterste Schicht ist die Troposphäre, in der die Wettervorgänge ablaufen; sie untergliedert sich in die Grundschicht (Peplosphäre), in der sich der Energie- und Stoffaustausch mit der Erdoberfläche vollzieht, die Bodenreibung wirksam wird und die Hauptdunstmasse enthalten ist, und die «freie» Troposphäre, in der die Temperatur mit der Höhe abnimmt. Die obere Grenze der Troposphäre wird als Tropopause bezeichnet und liegt (breiten- und wetterlagenabhängig) zwischen 9 und 18 km Höhe mit Temperaturen zwischen -50°C und -80°C. Die anschließende Stratosphäre erstreckt sich bis etwa 50 km Höhe und enthält wegen ihres geringen Wasserdampfgehaltes keine Wolken (außer Perlmutterwolken). Die Temperaturen oberhalb der Tropopause bleiben zunächst mit zunehmender Höhe wenig verändert und nehmen dann in der oberen Stratosphäre bis 10°C zu infolge der Absorption der solaren UV-Strahlung durch das hier angereicherte Ozon. Über der Stratosphäre liegt die Mesosphäre (obere Durchmischungsschicht), innerhalb derer die Temperatur mit zunehmender Höhe wieder abnimmt. Die Obergrenze (Mesopause) liegt mit etwa 80°C bei 85 km Höhe. Die folgende Thermosphäre reicht bis etwa 450 km und geht unter Temperaturanstieg durch Sonnenstrahlungsabsorption bestimmter Wellenlängen dann in die Exosphäre (Dissipationssphäre) über, die die Stoffaustauschzone mit dem interplanetaren Raum darstellt.

b) nach dem Ionisationsgrad, in die Neutrosphäre (bis etwa 65 km), die kaum ionisiert ist, und in die Ionosphäre (zwischen 65 und etwa 500 km) mit verschiedenen Maxima der Elektronen- beziehungsweise Ionendichten. Ionosphäre und Exosphäre werden auch als Hochatmosphäre bezeichnet.

atmosphärische Zirkulation: Luftströmungen der Erdatmosphäre, die infolge ungleichmäßiger Erwärmung der Erdoberfläche, dadurch bedingter großräumiger Luftdruckunterschiede und unter Einfluss der ablenkenden Kraft durch die Erdrotation entstehen. Oberhalb des Reibungseinflusses der Erdoberfläche (oberhalb etwa 1 km Höhe) stellt sich die atmosphärische Zirkulation als Gleichgewicht zwischen dem wirkenden Druckgefälle vom hohen zum tiefen Luftdruck und der ablenkenden Kraft der Erdrotation (nach rechts auf der Nord-, nach links auf der Südhalbkugel) dar. Deshalb verläuft die atmosphärische Zirkulation in Richtung der Isobaren (auf der Nordhalbkugel liegt der höhere Druck rechts von der Strömungsrichtung, auf der Südhalbkugel links), und die Windgeschwindigkeit ist proportional dem Luftdruckgefälle quer zur Strömungsrichtung. Innerhalb der unteren Atmosphäre erfährt die atmosphärische Zirkulation infolge der Reibung an der Erdoberfläche eine Ablenkung aus der isobarenparallelen Richtung mit einem kleinen Winkel vom höheren zum tieferen Druck (barisches Windgesetz). Infolge dieses Gradientwindgesetzes und der mittleren, charakteristische Luftdruckverteilung entstehen die bestimmenden Glieder der allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre: die innertropische Konvergenzzone mit vorherrschender Ostströmung, mit häufigen Starkregen und tropischen Gewittern und Bereichen der Windstillen (Kalmen) und der umlaufenden Winde (.Doldrums, Mallungen)-, zwischen diesen und den Zentren der subtropischen Hochdruckgebiete die Passatzonen, Gebiete ganzjähriger nordöstlicher beziehungsweise südöstlich Winde der atmosphärischen Grundschicht, beständigste Zirkulationsglieder der £ Z.; die subtropischen Hochdruckgürtel (Roßbreiten) in 35 bis 40° nördliche und südliche Breite, Ursprungsgebiete der Passate, infolge absteigender, dabei sich adiabatisch erwärmender und austrocknender Luft wolken- und niederschlagsarm; Westwindzone der mittleren und hohen Breiten, Zone der wandernden Tiefdruckgebiete mit stark wechselhaftem Wetter und mit Niederschlag zu allen Jahreszeiten. In der oberen Troposphäre herrscht im Zentrum der Westwindzone ein schmales Gebiet sehr hoher Windgeschwindigkeiten (Strahlstrom). Die troposphärische Zirkulation der Polargebiete wird durch eine hochreichende Zyklone bestimmt; besonders im Winter liegt über den Polareisgebieten in der unteren Troposphäre ein flaches Hochdruckgebiet mit östlicher Strömung.

Atmung, Respiration (lateinisch): Gesamtheit von Vorgängen in der Physiologie höherer Tiere und des Menschen, die dem Transport der Luft zwischen Lunge und Außenwelt, dem Übertritt von Sauerstoff aus den Lungenbläschen (Alveolen) in die Lungenkapillaren und seiner Bindung an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) des weiterströmenden Blutes dienen und die Abgabe von Kohlendioxid aus dem zur Lunge strömenden Blut gewährleisten. Das geschieht durch erzwungene Luftströmungen zur Einatmung (Inspiration) und Ausatmung (Exspiration) unter Einsatz der Atemmuskeln und durch Diffusionsvorgänge über die Membranen der Lungenbläschen und Kapillaren (sogenannt äußere Atmung). Die innert Atmung ist die Freisetzung von Energie durch Oxydation in den Zellen, wobei Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid abgegeben wird. Der Pflanze fehlen spezifische Atmungsorgane. Das Durchlüftungssystem mit den Spaltöffnungen erleichtert den Gasaustausch. Die Zellatmung stimmt mit derjenigen von Mensch und Tier im Wesentlichen überein. In der Regel wird Zucker veratmet, im Allgemeinen nur ein Drittel der am Tage durch Assimilation erzeugten Menge. Aus dem Atmungsmaterial wird unter Mitwirkung zahlreicher Enzyme über verschiedene Intermediärprodukte Wasserstoff abgespalten. Dieser wird durch die Enzyme der Atmungskette stufenweise auf den Luftsauerstoff übertragen. Die dabei frei werdende Energie wird zum größten Teil in ATP festgelegt. Der Atmungsvorgang verläuft nach folgender Bruttogleichung: C6H1206 + 602->6C02 + 6H20.

Atmungsgifte: Biochemie Substanzen, die die Atmungskette oder die Atmungskettenphosphorylierung blockieren, zum Beispiel Malonate, Rotenon, Zyanide, Kohlenmonoxid, Natriumazid und echte Entkoppler.

Atmungskette: in der Innenmembran der Mitochondrien lokalisierter, aus Redoxsystemen aufgebauter Multienzymkomplex, der die Zellatmung, das heißt die stufenweise biologische Oxydation von Wasserstoff mit Luftsauerstoff katalysiert. Die dabei frei werdende Energie dient der Atmungskettenphosphorylierung.

Atmungskettenphosphorylierung: ATP-Synthese in der Zelle mit Hilfe der in der inneren Mitochondrienmembran lokalisierten Enzyme unter Verwertung der beim Ablauf der Atmungskette frei werdenden Energie.

Ätna: größter tätiger Vulkan Europas, an der Ostküste der italienischen Insel Sizilien; 3340 m; riesiger Schichtvulkan mit einem Kegel von 40 km Durchmesser, Umfang 145 km; Hauptkrater des oft schneebedeckten Gipfels mit 500 m Durchmesser; schwerster Ausbruch verwüstete 1669 die Stadt Catania; neuere Ausbrüche (zuletzt 1983) erfolgten aus Nebenkratern und Eruptionskegeln an den Flanken; am Fuß dichtbesiedeltes Kulturland (Weizen, Zitrusfrüchte, Wein, Obst), darüber Waldgürtel (Nussbäume, Kastanien), anschließend Lava, Asche, Gestein; vulkanologisches Observatorium 2942 m; am Südhang des Ätna erstes Solar- (Sonnen-) Kraftwerk Italiens.

Ätolischer Bund: seit 367 vor Christus bezeugter Städte- und Stammesbund in Ätolien (Gebirgslandschaft in Mittelgriechenland); setzte gegenüber Makedonien seine Unabhängigkeit durch. Ein zeitweiliges Bündnis bestand seit 239 mit dem Achäischen Bund. Der Ätolische Bund wurde nach dem ätolisch-römischen Krieg L92/189) aufgelöst.

Atoll-Koralleninsel: ringförmige, aus Korallenriffen gebildete, eine Lagune (meist mit Kerninsel) umgebende Inselkette in tropischen Meeren, besonders im Pazifik. Die Atoll-Koralleninsel ragen in der Regel nur wenig Liter den Wasserspiegel auf.

Atom: kleinstes Teilchen eines chemischen Elements, das dessen chemische und physikalische Eigenschaften repräsentiert; ist nicht mit chemischen, aber mit physikalischen Methoden zerlegbar. Das lichtionisierte Atom ist elektrisch neutral. Durch Vereinigung von Atom entstehen zum Beispiel Moleküle. Die Masse eines Atom liegt zwischen 10-27 und 10-2S kg, sein Durchmesser beträgt etwa 10“10m. Atombau: Ein hat einen elektrisch positiv geladenen Kern mit etwa 10-14 m Durchmesser, der fast die gesamte Masse trägt und aus Z Protonen sowie A Z Neutronen besteht (Z Ordnungs-, A Massenzahl). Dieser Atomkern ist von der gleich stark negativ geladenen Elektronen- oder Atomhülle umgeben, die von Z Elektronen gebildet wird, die den Kern ähnlich umkreisen wie die Planeten die Sonne (Rutherfordsches Atommodell, 1911). Durch Entfernen beziehungsweise Hinzufügen eines oder mehrerer Hüllenelektronen entstehen positiv beziehungsweise negativ geladene Ionen. Nach den Vorstellungen der klassischen Physik ist das Rutherfordsche Atommodell instabil, daher wurde es 1913 von N. Bohr durch die Bohrschen Postulate ergänzt. Die Elektronen befinden sich im Potential des Atomkerns in bestimmten, durch diskrete Energieniveaus E„ gekennzeichneten stationären Zuständen. Diesen entsprechen dabei Kreise (Bohrsche Bahnen), auf denen die Elektronen mit einem Drehimpuls umlaufen, der ein ganzzahliges Vielfaches von h/(2n) ist (h Planck-Konstante). Der Übergang zwischen 2 Zuständen mit den Energien E„ > Em erfolgt nur sprunghaft (Quantensprung) unter Emission beziehungsweise Absorption eines Photons der Frequenz v = (£„ Em)/h\ n und m sind Quantenzahlen. Dieses Bohrsche Atommodell beschreibt die Spektren des Wasserstoffatom und der Ionen mit nur einem Elektron. Atom Sommerfeld erweiterte das Modell, indem er elliptischen Bahnen einführte; damit konnte man die Spektren der Alkalimetalle erklären. Der Bahnbegriff ist für das Atom strenggenommen unzulässig. Exakt wird das Atom und seine Energieniveaus beschrieben durch die Quantenmechanik unter Einschluss des Pauli Prinzips, das den Spin der Elektronen berücksichtigt. Danach ist der Bewegungszustand der Elektronen im Atom durch 4 Quantenzahlen festgelegt. Die Hauptquantenzahl n bestimmt die sogenannte Energieöder Elektronenschale, in der sich ein Elektron aufhält, und kann die Werte n = 1,2,3,... annehmen; die zugehörigen Schalen heißen K-, L-, M-, ... Schale und können maximal 2, 8, 18, ... (allgemein 2n2) Elektronen aufnehmen (Schalenmodell des Atom).

Atom, exotisches Atom. Atomantrieb Kernenergieantrieb, atomare Masseeinheit, Zeichen u: Sl-fremde, in der Atom- und Kernphysik gültige Einheit; lu = 1,66057 10"21 kg, 12. Teil der Masse eines Atoms des Nuklids 12C.

Atombatterie: Spannungsquelle aus einem Halbleitersperrschichtelement, bei dem radioaktive Strahlung als Energiequelle dient. Die Wirkungsweise ist die gleiche wie bei einem Fotoelement.

Atomistik: von Leukipp und Demokrit begründete mechanistisch-materialistische Lehre, die als Grundprinzipien das Seiende in Gestalt stofflicher, unzerteilbarer, kleinster Einheiten (Atome) und das Nichtseiende in Gestalt des leeren Raumes annimmt. Die unendliche Zahl unzerstörbarer, an Form verschiedener Atome bewirkt mit ihren Ver- und Entflechtungen das Werden und Vergehen der Dinge und Welten. Auch Denken galt als Bewegungsresultat bestimmter Atome. Die Atomistik hat in ihrer bis in die Neuzeit reichenden Geschichte (unter anderem Epikur, Lukrez, P. Gassendi, R. Descartes, G. Galilei, I. Newton) eine zumeist progressive Rolle im Kampf gegen den Idealismus gespielt.

Atommasse: relative oder absolute Masse eines Atoms; früher als Atomgewicht bezeichnet. Die relative Atommasse gibt die (durchschnittliche) Masse des Atoms eines Elements, ins Verhältnis gesetzt zur Atommasse eines Bezugsatoms, an. Als letzteres wurde im Jahr 1962 das Nuklid Kohlenstoff 12 (12C) festgelegt, dessen Atommasse definitionsgemäß gleich 12,000000 gesetzt wurde. Somit gibt die relative Atommasse eines Elements an, wievielmal größer die Masse eines Atoms ist als der 11. Teil der Masse des Nuklids 12C. Die absolute Atommasse, das heißt die tatsächliche Masse eines Atoms, erhält man, indem man die molare Masse der Atome des entsprechend Elements durch die Avogadro-Konstante 6,022 1023 mol"1 dividiert (zum Beispiel ergibt sich für das Wasserstoffatom 1,673 • 10-24 g).

Atomphysik: Physik der Atomhülle; um 1900 entstandenes Teilgebiet der Physik, das sich mit dem Bau und den physikalischen Eigenschaften der Atome, insbesondere der Elektronenhülle der Atome, befasst und auf der Quantentheorie basiert. Die Atomphysik erklärt unter anderem die diskreten Emissions- und Absorptionsfrequenzen im Linien- beziehungsweise Bandenspektrum der Atome als Folge der Existenz bestimmter, prinzipiell berechenbarer Zustände der Elektronen im elektrischen Feld des Atomkerns, denen diskrete Energieniveaus entsprechen (siehe auch Atom). In Verbindung mit dem Pauli-Prinzip gelang der Atomphysik die physikalische Begründung des Periodensystems der chemischen Elemente und die prinzipielle Erklärung der chemischen Bindung. Siehe auch Kernphysik.

Atomprozent, Abkürzung Atom-%: Konzentrationsmaß, das angibt, wie viel Atome des betreffenden Elements in 100 Atomen der Verbindung oder des Gemischs enthalten sind.

Atomstrahl, Resonanzmethode: von I. I. Rabi 1938/39 entwickelte, gegenüber dem Stern-Gerlach-Versuch verbesserte Methode zur Bestimmung magnetischer Kernmomente mittels dünner Atom- beziehungsweise Molekülstrahlen (Molekülstrahl-Resonanzmethode). Der Strahl läuft nacheinander durch ein inhomogenes (A-Magnet), ein homogenes (C-Magnet) und ein zweites inhomogenes Magnetfeld von gleicher Richtung aber entgegengesetztem Feldgradienten, das den Strahl auf den Detektor fokussiert. Im homogenen Feld fuhren die Kernmomente eine Larmor-Präzession aus, deren Frequenz v vom magnetischen Moment abhängt. Bei Überlagerung eines HF-Magnetfeldes mit gleichem v wird die Fokussierungsbedingung verletzt, und der Strahl fällt nicht mehr auf den Detektor.

Atomuhr: Zeitmessgerät höchster Ganggenauigkeit für wissenschaftliche Aufgaben und zur Zeithaltung; beruht auf der unverändert. Eigenschwingungszahl bestimmter Atome beziehungsweise Moleküle. Die Atomuhr erzeugt eine elektromagnetische Grundschwingung, deren Eigenschwingungszahl mit denen der betreffenden Atome möglichst genau übereinstimmt (Resonanzfrequenz bei größter Amplitude). Je nach Abweichung wird die elektromagnetische Grundschwingung mehr oder weniger absorbiert und infolgedessen rückwirkend ständig korrigiert. Bei der Ammoniakmoleküluhr (Etalonuhr) werden die Schwingungen des Stickstoffatoms des Ammoniakmoleküls als Zeitnormal benutzt, bei der Zesium-Atomstrahluhr (Atomichron) die des Zäsium133Atoms.

Atomvolumen: Raumbedarf eines Mols, das heißt von 6, (Avogadro-Konstante) Atomen eines Elements. Das Atomvolumen wird berechnet, indem man die Atommasse des betreffenden Elements durch seine Dichte dividiert. Die grafische Darstellung des Atomvolumens der Elemente in Abhängigkeit von deren Ordnungszahl zeigt steile Maxima für die Alkalimetalle und flache Minima für die meisten anderen Elemente.

atonal: in sich widerspruchsvolle Bezeichnung für eine Musik, die alle 12 Töne der chromatischen Tonleiter gleichberechtigt und ohne funktionelle Beziehungen auf eine Tonika verwendet. Führende Komponisten des 20. Jahrhundert bevorzugen eine erweiterte beziehungsweise freie Tonalität, die im Dienst der jeweiligen Werkidee steht. Siehe auch Zwölftontechnik, serielle Kompositionstechnik, elektronische Musik.

Atonie: Verlust der normalen Muskel- oder Gefäßwandspannung. Bei Atonie der Gebärmutter kommt es in der Nachgeburtsperiode oder im Wochenbett zur Erschlaffung oder ungenügenden Zusammenziehung der Gebärmuttermuskulatur, die mit starken Blutungen verbunden ist.

Adenosintriphosphat, ein Adenin-Nukleotid. ATP ist die wichtigste energiereiche Verbindung in der Zelle.

Atrichie, Atrichosis: völliges Fehlen der Haaranlagen von Geburt an.

Atrioventrikularknoten, Aschoff-Tawarascher Knoten (nach 2 Pathologen): in der Wand des rechten Vorhofes liegender Teil des Erregungsleitungssystems des Herzens.

Atrium: 1. a) Hauptraum, später nach oben offener Raum des altrömischen Wohnhauses;

b) von Säulen umgebener Vorhof der frühchristlichen Basilika mit einem Reinigungsbrunnen in der Mitte, auch Paradies genannt.

2. Vorhof, Vorkammer des Herzens.

Atrophie: Schwund von Organen, Geweben oder Zellen, die vorher eine normte Größe hatten. Dabei können alle Zellen kleiner werden, oder es tritt ein vollständiger Verlust von bestimmten Zellen bei erhalten bleiben anderer ein. Ursachen können Nichtgebrauch des Organs (zum Beispiel Muskeln) oder Mangelversorgung (zum Beispiel Mangeldurchblutung) sein.

Atropin: in Nachtschattengewächsen (Tollkirsche, Bilsenkraut, Stechapfel) enthaltenes, sehr giftiges Alkaloid; bildet färb- und geruchlose, optisch inaktive Kristalle der Summenformel C17H2303N; F1\6°C. Die optische-aktive L-Form heißt Hyoszyamin. Atropin findet vielfältige medizinische Verwendung, zum Beispiel zur Pupillenerweiterung, Spasmolyse und Speichelsekretionshemmung. Der Genuss von Tollkirschen führt zu lebensbedrohliche Vergiftungen.

Attaque: Fechten Angriffshandlung gegen den nichtangreifenden Gegner ohne unmittelbare Verbindung mit vorausgegangenen Angriffs- oder Verteidigungshandlungen; hat bei Säbel und Florett das Treffvorrecht.

Attestierung: Zuerkennung eines Dienstranges in einigen Wirtschaftszweigen (wie Post und Eisenbahn) auf Grund der Leistungen und der Qualifikation; gibt Anspruch auf eine bestimmte Tätigkeit und Entlohnung.

Attest: schriftliche Unterlagen (Zeugnis, Bescheinigung, ärztliches Gutachten unter anderem) zur Vorlage bei einer öffentlichen Institution.

Attika: niedrige, oft mit Inschriften oder Figuren verzierte Schmuckwand über dem Hauptgesims von Bauwerken, meist zum Verdecken des Dachs; auch an Triumphbögen und Torbauten; ursprünglich in der Antike.

Attika, Attike: Landschaft im mittleren Griechenland, als Distrikt ohne Groß-Athen 3380 km2, 260000 Einwohner, 77 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Athen; vorwiegend wasserarmes, kahles Kalkgebirge oder Bergland aus kristallinen Schiefern mit Kalkrestbergen; in den fruchtbaren Ebenen Anbau von Oliven, Wein, Getreide; im Pentelikon (Gebirge im Nordosten von Athen) Marmorbrüche; im Laurion-Gebirge im Süden Blei-, Zink-, Silbererzbergbau: im Westen Bauxitabbau. Siehe auch Athen.

Attila, aus der slowakischen Volkstracht übernommene kurze, mit querlaufender Schnüren besetzte Jacke der ungarischen Nationaltracht seit Mitte des 19. Jahrhundert auch Uniformjacke der Husaren.

Attila, (gotisch, «Väterchen») ermordet 453, Hunnenkönig seit 434 (in der deutschen Sage Etzel gen-). Attila, seit 445 Alleinherrscher eines locker gefügten Großreiches zwischen Schwarzem Meer und Rhein mit dem Zentrum Ungarn, wurde 451 beim Versuch, Gallien zu erobern, auf den Katalaunischen Feldern vom römischen Feldherrn Aetius mit Unterstützung germanischer Stämme geschlagen. Nach seinem Todt zerfiel das Reich.

Attischer Seebund, Delischer Bund: von ägäischer Seestädten unter Führung Athens 478/477 v. Chr. in den Perserkriegen nach der Vertreibung der Perser aus Griechenland auf Delos geschaffenes Bündnis, das der offensiven Weiterführung des Kriege: dienen sollte. Die Beiträge der Mitglieder (421 vor Christus mehr als 400) bildeten die Basis für die Blüte der athenische Sklavenhalterdemokratie. 454 vor Christus wurde die Bundeskasse von Delos nach Athen verlegt. Dieser 1. Attische Seebund zerfiel im Peloponnes Krieg; Auflösung 404 vor Christus. Der 2. Attische Seebund existierte 378/355 vor Christus, zu ihm gehörten nur etwa 70 Städte; war von geringerer Bedeutung.

Attitüde: 1. (ausdrucksvolle) Körperhaltung, Pose, komödiantisches Auftreten; (innere Einstellung, gefühlsbetonte Überzeugung.

2. tänzerische Pose im klassischen Ballett; bei in der Rege gestrecktem Standbein wird das um 90° nach rückwärts abgewinkelte Spielbein im Knie gebogen.

Attizismus: (dat. griechisch) in der Antike eine Stilrichtung der Beredsamkeit, die im Gegensatz zum I Asianismus die klare, schlichte Redeweise wählte und sich an den klassischen att. Rednern des 5./4. Jahrhundert vor Christus orientierte.

Attribut: 1. allgemein: Eigenschaft, (wesentlicher) Merkmal, Kennzeichen; sinnbildliche Zeichen, Beigabe.

2. bildende Kunst: ein stets wiederkehrendes gegenständliches Kennzeichen für eine bestimmte Person (besonders antike Gottheiten, Heilige), das ohne Beitext, also auch Leseunkundigen, die Identifikation der Dargestellten ermöglichte.

3. Grammatik: Beifügung; Satzteil, der meist ein Substantiv näher bestimmt, zum Beispiel «alter» Wein, «meine» Schwester, «drei» Kinder.

4. Philosophie: in der vormarxistischen Philosophie eine der Substanz notwendig zukommende Eigenschaft; in der Scholastik die Merkmale Gottes; bei R. Descartes und B. Spinoza die das Wesen der Substanz ausmachenden Eigenschaften.

Attritor: (lateinisch, «Zerreiber») Mühle zur Gewinnung von Pulvern mit Korngrößendurchmessern <0,001 mm; eine senkrechte Welle mit waagerechten Rührarmen dreht sich mit hoher Geschwindigkeit in einem zylindrischen Behälter, der mit Mahlgut, -kugeln und Wasser gefüllt ist.

Ätzen: 1. Fertigungstechnik: Verändern der Oberfläche fester Körper durch chemische oder elektrochemische -Ösen (1 Abtragen) mittels Säuren, Laugen, Salzlösungen, Dämpfen oder Elektrolyse. Ätzen von Glas erfolgt durch Flusssäure (Blank- Ätzen-Säurepolieren) oder Fluorwasserstoff (Mattätzen). Beim Tiefätzen von Metallen werden Dekors eingeritzt, um Vertiefungen herauszuarbeiten. Bei der metallographischen Analyse dient.

1. zum Sichtbarmachen des Gefügeaufbaus.

2. Polygraphie: a) das Erzeugen der druckenden Elemente an der Oberfläche metallische Druckformen durch Auflösen des Metalls an nichtdruckenden (Hochdruck) oder druckenden Stellen (Tiefdruck) mittels Flüssigkeiten, zum Beispiel Salpetersäure;

b) chemische Behandlung monometallische Offsetdruckplatten zwecks Erhöhung der Wasseraufnahmefähigkeit nichtdruckender Teile beziehungsweise teilweises Entfernen einer Metallschicht bei Mehrmetallplatten;

c) in der Reproduktionsfotografie Bezeichnung für das Abschwächen.

3. Medizin: Entfernen überschüssigen Gewebes mit einem Ätzmittel.

Ätzkalk: Trivialname für Kalziumoxid und -hydroxid; siehe auch Kalziumverbindungen.

Ätzmittel, Kaustika: Medizin Mittel mit gewebezerstörender Wirkung; gebräuchlich sind zum Beispiel Trichloressigsäure, Chromsäure oder Silbernitrat («Höllenstein»).

Ätznatron: Trivialname für Natriumhydroxid (Natriumverbindungen).

Atzung: Fütterung, besonders von jungen Tieren; auch für das Futter selbst gebraucht.

Aubergine: Eierfrucht, ei- bis gurkenförmige, etwa 1 kg schwere Frucht des in Indien heimischen Nachtschattengewächses Solanum melonga (Eierpflanze). Die Aubergine wird gekocht oder gebraten gegessen; Anbau auch in Süd- und Südosteuropa.

Aubi: («Autofahrerbier») extraktreiches, praktisch alkoholfreies Bier, bei dessen Herstellung die Würze so geführt wird, dass vorwiegend nichtvergärungsfähige Stärkeabbauprodukte entstehen, die Gärung durch Pasteurisieren verhindert und Kohlendioxid zugesetzt wird.

Auckland: größte Stadt und wichtigster Hafen Neuseelands, auf der Nordinsel, am Stillen Ozean; 145000, mit Vororten 770000 Einwohner; Metallverarbeitung, chemische, Lebensmittel-, Leichtindustrie; internationaler Flughafen; Universität, Museen; Rundfunk-, Fernsehsender.

Aucklandinseln: Gruppe von unbewohnten, zu Neuseeland gehörenden vulkanischen Inseln im Stillen Ozean, etwa 480 km südlich von Neuseeland; 606 km2; bis 600 m hoch; Buschwald, Grasvegetation.

Auden, Wystan Hugh, 21.2.1907-29.9.1972, englischer Dichter; in den 30er Jahren (in Oxford) Führer einer antifaschistischen-fortschrittlichen Dichtergruppe (Poem «Spanien», 1937, deutsch); verfasste mit C. Isherwood sozialkritische revuehafte Dramen; siedelte 1939 in die USA über; verlieh in seinem Hauptwerk, der Dichtung «Das Zeitalter der Angst» (1947, deutsch) spätbürgerliche Existenzangst treffenden Ausdruck; schrieb auch Opernlibretti und Essays.

Audiencia: ursprünglich oberste Provinzialgerichtshöfe in Spanien; im spanischen Kolonialreich das unter dem Vizekönigreich stehende Verwaltungsgebiet, das neben juristische auch legislative und administrative Vollmachten besaß; die erste Audiencia wurde 1511 in Santo Domingo gebildet. Da bei der Bildung von Audiencia territoriale, ökonomische und ethnische Gegebenheiten berücksichtigt wurden, waren sie ein Ausgangspunkt bei der Grenzziehung künftiger Republiken oder, bei Nichtbeachtung dieser Gegebenheiten, häufig Ursache zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen.

Audienz: vom Staatsoberhaupt beziehungsweise anderen hochgestellten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bewilligte Zusammenkunft; (meist feierlicher) Empfang.

Audiometer: elektroakustisches Messgerät zur Überprüfung des menschlichen Hörvermögens. Das Tonaudiometer dient zur Bestimmung der Tonhörschwelle, das Sprachaudiometer zur Messung des Sprachgehörs. Spezialmessungen zur Lokalisationsdiagnostik von krankhaften Prozessen sind möglich.

audiovisuelle Materialien: (lateinisch + französisch) durch Gehör oder beziehungsweise und Auge wahrnehmbare Hilfsmittel der Informationsspeicherung und -Vermittlung, die weder Büchern noch Zeitschriften zuzuordnen sind. Sie umfassen Schallplatten, Tonbänder und Tonbandkassetten, Diapositive, Dia-Ton-Reihen, Stehbildstreifen, Filme, Bildplatten, Videokassetten und Kunstdrucke; werden auch von Bibliotheken gesammelt, bereitgestellt und in der Regel entliehen.

audiovisuelle Unterrichtsmittel: technische Unterrichtsmittel, die den Aneignungsprozess des Schülers auf auditivem oder auf visuellem Wege beziehungsweise durch die Kombination beider unterstützen. Zu diesen modernen Lehr- und Lernmitteln zählen Diapositiv-, Film- und Schreibprojektoren, Plattenspieler, Tonbandgeräte, Fernsehgeräte, Tonfilmanlagen, Videorecorder unter anderem.

auditiv: (dat.) das Hören betreffend.

Aue, Talaue: der Teil des Talbodens, der bei Hochwasser überflutet wird; von Sinkstoffen (Auelehm) oder gröberem Material des ausufernden Flusses bedeckt; meist mit hohem Grundwasserstand.

Auenböden, Alluvialböden (lateinisch): Sammelbezeichnung für Bodentypen, die im Holozän auf angeschwemmtem Material in Fluss- und Bachtälern gebildet wurden. Auenböden sind meist geschichtet und führen im Unterboden beziehungsweise Untergrund Grundwasser.

Auenbrugger, Joseph Leopold, 19.11.1722 bis 18.5.1809, österreichischer Arzt; Primararzt am Spanischen Hospital in Wien; veröffentlichte 1761 sein bahnbrechendes Werk über die von ihm entwickelte Methode zur Erkennung krankhafter Veränderungen der Brusthöhle durch Beklopfen (Perkussion) der Brustwand.

Auenwald, Auwald: an hohen Grundwasserstand und Überschwemmungen der Flussauen angepasster, artenreicher Laubmischwald mit Stieleiche, Esche, Rüster, Hainbuche, Ahorn, Erle, Pappel, Weide und einer stark entwickelten Strauch- und Krautschicht. Charakteristisch ist, dass alle Nadelholzarten und Rotbuche fehlen.

Auerbachsprünge: (nach einem Sportlehrer) Wasserspringen Gruppe von Sprüngen, die aus dem Stand oder Anlauf nach vom (Gesicht zum Wasser), jedoch rückwärtsdrehend ausgeführt werden.

Auerhuhn, Tetrao urogallus: in Nadelwäldern Eurasiens lebendes Raufußhuhn; Hahn bis 90 cm lang und 6 kg schwer, schwarz und braun mit Metallglanz; die Henne ist kleiner und wiegt nur 3 kg; ernährt sich von Nadeln, Beeren, Knospen.

Auerochse, Ur, Bos primigenius: ausgestorbenes Wildrind; früher in fast ganz Europa, Nordafrika und Vorderasien, bis Indien verbreitet, vermutlich wiederholt in verschiedenen Gebieten domestiziert und zur Stammform der meisten Hausrinder geworden; der letzte europäischen Auerochse lebte bis 1627 in Polen. In Zoos werden heute auerochsen ähnliche Hausrinder gezeigt, die, abgesehen von geringerer Größe, infolge Rückzüchtung auerochsenartige Fellfärbung und Hornform besitzen.

Aufbaucharge: Einsatz bei der Stahlherstellung, der nach dem Niederschmelzen metallurgisch behandelt, das heißt in seiner Zusammensetzung wesentlich verändert wird. Es entsteht dabei eine bestimmte Stahlmarke.

Aufbäumen: Aufbringen von Kettfäden für das Weben, Wirken oder Nähwirken nach dem Schären auf den Kettbaum.

Aufbauten: alle gedeckten Räume eines Schiffes oberhalb des Freiborddecks, die sich nur über einen Teil der Schiffslänge erstrecken und von Bord zu Bord reichen. Deckshäuser reichen nicht über die ganze Schiffsbreite. Aufbauten dienen zur Unterbringung von Besatzung, Fahrgästen, für die Ausrüstung der Schiffsführung unter anderem. Lage und Form bestimmen auch den Schiffstyp. Ein Schiff mit Back, Brücke und Poop wird als Dreiinselschiff bezeichnet. Aufbauwettkampf: sportlicher Wettkampf zur Vorbereitung auf Wettkampfhöhepunkte sowie zur Vervollkommnung der wettkampfspezifischen Leistungsfähigkeit des Sportlers und deren Einschätzung.

Aufbereitung: ein physikalisches und physikochemisches Verfahren, bergbauliche Rohstoffe durch Aussortieren, Zerkleinern, Klassieren, Anreichern u. ä. in einen für die Verarbeitung geeigneten Zustand zu bringen. Beim zum Teil heute noch üblichen Klauben wird ein erstes grobes Aussondern tauben Gesteins von Hand, meist im Abbauort, durchgeführt. Der technische Aufbereitungsprozess beginnt im Allgemeinen mit einem Zerkleinern des Fördergutes in Brechern. Danach folgt das Klassieren nach Korngrößen oder -klassen, wozu Siebe, Roste, Rechenklassierer, Zyklone u. ä. verwendet werden. Beim Anreichern des Gutes an nutzbaren Mineralien wird noch mehr taubes Gestein abgesondert, zum Beispiel durch Herd-, Schwertrübe-, Setzarbeit, Flotation. Erze werden dabei nicht nur auf einen für den Schmelzprozess wirtschaftlichen Mindestgehalt an Metall angereichert, sondern auch von schädlichen Bestandteilen befreit. Erze verschiedener Art trennt man voneinander, indem man ihre unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften ausnutzt. Einige Gesteine, wie Uranerze und Kalisalze, werden chemisch aufbereitet. Sie werden mittels Säuren oder Laugen gelöst, anschließend werden die Wertstoffe ausgefällt. Siedesalz wird gewonnen, indem man Steinsalz zu Sole auflöst, diese in Sättigungskästen anreichert, dann reinigt, eindampft, trocknet und siebt. Man verwendet auch zerkleinertes Rohsalz ohne Aufbereitung

Aufbereitungsmaschinen: Maschinen zur Aufbereitung und Herstellung von Baustoffen aus Lockergestein, hierzu gehören Zerkleinerungs- (Brecher), Sortier-, Wasch-, Knet- und Mischmaschinen.

Aufbewahrung: Übernahme der Obhut und rechtliche Verantwortung für übergebene Sachen. Pflicht zur Aufbewahrung kann als Pflicht aus verschiedenartigen Verträgen erwachsen, aber auch Gegenstand eines besonderen Aufbewahrungsvertrages sein. Verantwortlichkeit von Hotels für eingebrachte Sachen und von Gaststätten für Garderobe kann auch ohne ausdrücklich vereinbarte Aufbewahrung eintreten.

Aufblähen, Blähsucht, Trommelsucht, Tympanie (griechisch): Erkrankung, besonders der Wiederkäuer, bei der es durch starke Gasbildung im Vormagen oder Darm zu einer Blähung kommt; tritt nach übermäßiger Fütterung von schnell gärenden Futtermitteln auf (junge Leguminosen). Bei Kaninchen ebenfalls durch ungeeignetes Futter auftretend.

Aufbrauch: Verkleinerung des gesamten (ober- und unterirdischen) Wasservorrats eines Gebietes in einer bestimmten Zeitspanne. Unter Annahme gleichmäßiger Verteilung als Wasserhöhe in mm ausgedrückt.

Aufbringung: nach dem Prisenrecht das Anhalten und Durchsuchen eines Schiffes.

Aufdornen: a) Eintreiben eines gehärteten, kegligen Dornes in Bohrungen, um diese maß- und formgenau zu machen;

b) Aufweiten von Hohlkörpern durch Eintreiben eines kegligen Dornes (Kelchen), zum Beispiel in Enden von Rohren verschiedener Durchmesser;

c) Aufnehmer eines Werkstückes auf einem Drehdorn zur Bearbeitung auf einer Drehmaschine;

d) Aufweiten und zur Deckung bringen von Löchern in Bauteilen mittels Dornes, um Verbindungselemente, zum Beispiel Nieten, einführen zu können.

Aufdruckmarke: Postwertzeichen, das vor dem Verkauf mit bestimmten Angaben bedruckt wird; gewöhnlich bei besonderen gesellschaftlich bedeutsamen Anlässen.

Aufenthaltsbeschränkung: der Vorbeugung erneuter Straffälligkeit und dem Schutz der gesellschaftlichen Ordnung und Sicherheit der Bürger dienende Zusatzstrafe, mit der dem Verurteilten der Aufenthalt in bestimmten Orten oder Gebieten (in der Regel befristet) untersagt oder vorgeschrieben wird.

Aufenthaltsgenehmigung: staatliche Erlaubnis für Bürger anderer Staaten zum Aufenthalt im gastgebenden Staat. Die Aufenthaltsgenehmigung kann zeitlich oder örtlich beschränkt werden, sie kann durch das zuständige Staatsorgan versagt, entzogen oder für ungültig erklärt werden. In Rechtsvorschriften oder Völkerrecht!. Verträgen können davon abweichende Regelungen getroffen werden.

Aufenthaltstypen: von der Substratbeschaffenheit abhängige Lebensformen der Organismen, zum Beispiel Limikole (Schlammbewohner), Terrikole (Erdbewohner), Herbikole (Pflanzenbewohner) oder Lignikole (Holzbewohner).

Auferstehung Christi: einer der zentralen Glaubenssätze des Christentums, grundlegend für die Lehre von der Auferstehung der Toten; Überlieferung des Neuen Testaments.

Aufforstung: künstliche Waldbegründung auf freien Flächen; entweder auf unmittelbar vorher abgeholztem Waldboden (Wiederaufforstung oder Verjüngung) oder auf seit längerer Zeit waldfreien Böden, wie Acker, Düne, Heide beziehungsweise Kippen der Braunkohlentagebaue (Neuaufforstung).

Aufführungsrecht: Urheberrecht Befugnis zur öffentlichen Aufführung von Bühnenwerken (große Rechte) und nichtdramatischen Werken der Musik (kleine Rechte).

Aufgabenhaltung: Kriterium der Schulfähigkeit, das intellektuell durch das Verständnis für die Anforderungen einer Aufgabe und willentlich durch ein Vollendungsinteresse gekennzeichnet ist.

Aufgalopp, Aufkantern: Pferderennsport Probegalopp vor den Tribünen zum Start.

Aufgang: das Überschreiten der Horizontlinie durch ein Gestirn. Als jährlicher Aufgang bezeichnet man das Überschreiten des Horizonts durch einen Stern bei einer bestimmten Stellung der Sonne. Der heliakische Aufgang ist der erste sichtbare Aufgang des Sterns in der Morgendämmerung.

Aufgeber: Sammelbezeichnung für Einrichtungen zum Abziehen von Schüttgütern aus Bunkern oder zum gleichmäßigen Beschicken von Stetigförderern, Behältern, Fahrzeugen und ähnliches. Aufgeber sind entweder nach dem austragenden beziehungsweise aufgebenden Organ benannte Einzweckkonstruktionen (Zellenradaufgeber, Walzenaufgeber, Kettenaufgeber) oder spezielle Ausführungen bekannter Stetigförderer (Schwingaufgeber, Gurtbandaufgeber unter anderem).

Aufgebot: öffentliche gerichtliche Aufforderung zur Anmeldung von Rechten oder zur Erhebung von Ansprüchen innerhalb bestimmter Frist; die unterlassene Anmeldung führt zu Rechtsnachteilen, besonders zur Kraftloserklärung von Urkunden und dem Ausschluss von Rechten.

Aufgebotsverfahren: zivilprozessuales Beschlussverfahren zum Ausschluss von Rechten, die im öffentlichen Register (Grundbuch, Schiffsregister) eingetragen sind, oder zur Kraftloserklärung von Urkunden (Inhaberpapiere), für das der Sekretär beim Kreisgericht zuständig ist.

Aufgewicht, Pönalität (lateinisch): Pferderennsport in Altersgewichts- und Ausgleichsrennen entsprechend der Alters- beziehungsweise und der Leistungsstufe des Pferdes vom Ausgleicher auferlegte (zusätzliche) Masse, die das Pferd im Rennen zu tragen hat.

Aufglasurfarben, Schmelzfarben, Muffelfarben: durch Bemalen, Spritzen, Stempeln, Schiebebilder, Siebdruck oder Stahlstich auf glasierte Keramik aufgetragene Farben, die bei etwa 800°C eingebrannt werden.

Aufguss-Infusum: wässriger Auszug aus Pflanzenteilen; hergestellt durch Übergießen einer zerkleinerten Droge mit siedendem Wasser.

Aufgusstierchen: ursprünglich Sammelbegriff für die in faulenden Pflanzenaufgüssen lebenden Kleinstlebewesen; später nur für Wimpertierchen gebraucht.

Aufhebung: Beendigung eines Rechtsverhältnisses oder der Gültigkeit einer Rechtsnorm. Die Aufhebung eines Rechtsverhältnisses erfolgt durch Vereinbarung der Partner (Aufhebungsvertrag) oder eine gerichtliche Entscheidung, die stets zwischenzeitliche Veränderungen der für den Vertragsabschluss maßgebenden Umstände zuungunsten eines Partners voraussetzt; Besonderheiten gelten für Arbeits- und Mietverträge. Die Aufhebung von Rechtsnormen kann nur durch die hierfür zuständigen staatlichen Organe in Form einer mindestens gleichrangigen Rechtsnorm erfolgen. Siehe auch Aufhebungsvertrag.

Aufhebungsvertrag: Vereinbarung zwischen dem Werktätigen und dem Betrieb über die Beendigung des bestehenden, durch Vertrag zustande gekommenen Arbeitsrechtsverhältnisses im gegenseitigen Einvernehmen. Der Aufhebungsvertrag entspricht dem Charakter der sozialistischen Arbeitsrechtsverhältnisse am besten; für ihn gelten nicht die für Kündigungen festgelegten Gründe, Fristen, Zustimmungen, Formerfordernisse unter anderem. Der Abschluss eines Aufhebungsvertrags auf Initiative des Betriebes setzt voraus, dass dieser dem Werktätigen einen Änderungs- beziehungsweise Überleitungsvertrag über eine zumutbare andere Arbeit angeboten und der Werktätige dieses Angebot abgelehnt hat.

Aufkadung: Erhöhung der Deichkrone bei Hochwasser mit Sandsäcken, mit einfacher oder doppelter Bretterwand und Erdfüllung unter anderem.

Aufkimmung: seitlicher Anstieg (Schräge) des Schiffsbodens vom Kiel bis zur Kimm. Fischerei- und Segelschiffe haben eine starke (zum Verringern der Abdrift), große See- und Binnenschiffe oft keine Aufkimmung.

Aufklärung: 1. Militärwesen: alle Maßnahmen zur Beschaffung und Auswertung von Informationen über einen militärischen Gegner, besonders über seine Absichten, Kräfte und militärische Vorbereitungen, auch über geographische unter anderem Lagebedingungen von militärischer Wichtigkeit; Art der Sicherstellung von Kampfhandlungen. Durch imperialistische unter anderem reaktionäre Mächte betriebene, Frieden und Sicherheit der Völker gefährdende Aufklärung ist völkerrechtswidrig. Siehe auch Militärspionage.

2. ideengeschichtlich auf dem Humanismus, der Reformation und dem Rationalismus des 17. Jahrhundert beruhende, gegen den Feudalismus und seine wesentliche christliche Weltanschauung gerichtete europäischen geistige Emanzipationsbewegung des fortschrittlichen Bürgertums in der Periode der bürgerlichen Revolution im 17. und 18. Jahrhundert. Die Differenziertheit des städtlichen Bürgertums und der unterschiedliche sozialökonomische Entwicklungsgrad der europäischen Länder brachten mannigfache Formen und verschiedene Entwicklungsstufen der Aufklärung hervor. Allen gemeinsam ist ein Aufschwung des wissenschaftsorientierten und atheistischen Denkens sowie die mehr oder minder schonungslose Kritik an den herrschenden feudalen Anschauungen und Institutionen. «Religion, Naturanschauung, Gesellschaft, Staatsordnung; ...alles sollte seine Existenz vor dem Richterstuhl der Vernunft rechtfertigen oder auf die Existenz verzichten» (Engels). Die Aufklärung setzte in England ein; sie war hier stark praxisorientiert, moralphilosophisch und mit Einschränkungen, antireligiös (F. Bacon, A T. Hobbes, J. Locke, J. Toland, Aufklärung Shaftesbury, B. de Mandeville unter anderem). In Frankreich wendete sich die Aufklärung (P. Bayle, F. M. Voltaire, C. de Montesquieu, Morelly, J. J. Rousseau, J. O. de La Mettrie, J. Le R. d’Alembert, D. Diderot, C. A Helvetius, P. H. D. Holbach, J. P. Marat, A Condorcet unter anderem) am konsequentesten gegen Feudalismus und Kirche. Sie bereitete ideologisch die Französische Revolution vor und legte den Grundstein für die Herausbildung der utopisch-kommunistischen Ideen. In Deutschland trat die Aufklärung weltanschaulich und politisch vielschichtig auf (zum Beispiel Popularphilosophie, Sturm und Drang). Die Vertreter (G. W. Leibniz, C. Thomasius, C. Wolff, F. W. Stosch, E. W. Tschimhaus, J. C. Edelmann, M. Mendelssohn, J. A. Einsiedel; F. G. Klopstock, C. M. Wieland, G. E. Lessing unter anderem) kritisierten die feudalen Zustände und Ideen von teils gemäßigten, teils radikalen Positionen. In ihrer philosophischen-theoretischen Richtung mündete sie in die klassische deutsche Philosophie (I. Kant). In den Vereinigten Staaten von Amerika kämpften die Vertreter der Aufklärung zugleich für die Unabhängigkeit (B. Franklin, T. Paine, T. Jefferson). Demgegenüber erschöpfte sich die Wirkung der spanischen Aufklärung in ihrem Einfluss auf Lateinamerika. In Russland nahm die Aufklärung im 19. Jahrhundert einen entschieden revolutionär-demokratischen Charakter an (M. W. Lomonossow, A N. Radischtschew, A I. Herzen, W. G. Belinski, N. G. Tschernyschewski, N. A Dobroljubow, D. I. Pissarew). Die Aufklärung fand ihren Abschluss mit der Erringung der Vormachtstellung der Bourgeoisie und der Entfaltung des Gegensatzes zwischen ihr und dem Proletariat. Die imperialistische Bourgeoisie der Gegenwart hat die Ideale der Aufklärung verraten. Das Erbe der fortschrittlichen Traditionen der Aufklärung ist im Marxismus aufgehoben; ihre Ideale werden im Sozialismus und Kommunismus verwirklicht.

Aufklärungsflugzeug: Flugzeug mit Aufklärungsmitteln (Luftbild- und Fernsehausrüstung, Infrarot-, Funkmess- und Funkgeräte), das Informationen über den Gegner aus der Luft sammelt.

Aufklärungspflicht: 1. Medizin: Berufspflicht des Arztes, dem Patienten die Krankheit, deren Behandlung und die Heilungsaussicht zu erläutern. Der Patient soll in die Lage versetzt werden, den Heilungsprozess aktiv zu beeinflussen sowie in die vorgesehenen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen einzuwilligen (Einwilligung).

2. Recht: im Zivilprozess allgemeine Pflicht des Gerichts, den seiner Entscheidung zugrunde liegenden Sachverhalt umfassend aufzuklären, insbesondere die Prozessparteien über ihre prozessualen Befugnisse zu informieren, auf sachdienliche Antragstellung hinzuwirken und sie bei der Wahrnehmung berechtigter Interessen zu unterstützen; im Strafprozess dahingehend, die Straftat, ihre Ursachen und Bedingungen und die Persönlichkeit des Angeklagten allseitig und unvoreingenommen festzustellen.

Aufklauen: das Auflagern des verbindungsgerecht zugeschnittenen Endes einer Holzstrebe auf eine Schwelle oder eines Klauenschifters auf einen Kehlsparren.

Aufkugeln: geringfügiges Aufweiten von Bohrungen bei gleichzeitiger Verbesserung ihrer Maßgenauigkeit und Oberflächengüte, indem eine gehärtete Stahlkugel unter Zugabe eines Schmiermittels hindurchgedrückt wird.

Aufladen: Zuführen von in einem Verdichter vorverdichteter Arbeitsluft in den Zylinder einer Verbrennungskraftmaschine, um deren Leistung zu erhöhen. Bei Nutzung der im Abgas vorhandenen Wärmeenergie erfolgt die Aufladung durch den Abgasturbolader.

Auflage: 1. Gesamtzahl der in einem Herstellungsprozess gedruckten Exemplare eines Druck-erzeugnisses.

2. Recht: a) staatliche Entscheidung, die kraft einer besonderen Ermächtigung (nicht kraft des allgemeinen Weisungsrechts in Unterstellungsverhältnissen) ergeht und zu einer Maßnahme im Rahmen einer gegebenen Tätigkeit oder Beziehung verpflichtet oder die eine Genehmigung von der Durchführung der Maßnahme abhängig macht;

b) verbindliche Festlegung von Revisionsorganen, auch gesellschaftliche Organisationen;

c) testamentarische Verpflichtung des Erben oder Vermächtnisnehmers zu bestimmten Leistungen aus dem Nachlass.

Auflager: Fläche von Bauteilen, die Lasten aus aufliegenden Balken, Bindern, Platten unter anderem aufnimmt und weiterleitet; siehe auch Lager.

Auflaufkrankheiten: Pflanzenkrankheiten, bei denen der dem Samen anhaftende oder im Boden vorhandene Erreger die Keimlinge der Pflanze befällt. Die Auflaufkrankheiten treten gehäuft bei Getreide und bei Rüben auf.

Auflösung: Beendigung von Rechtsverhältnissen, insbesondere von Vertragsverhältnissen durch Erfüllung oder Erlöschen der Leistungspflichten (zum Beispiel wegen Wegfalls des Leistungszwecks), ferner durch Kündigung, Rücktritt vom Vertrag oder I Aufhebung; bei an die Person gebundenen Rechtsverhältnissen, zum Beispiel bei persönlich zu erbringenden Dienstleistungen, auch durch den Tod.

Auflösungsvermögen: 1. Fototechnik: Objektiv.

2. Optik: linearer oder Winkelabstand zweier Strukturelemente, die vom Auge oder einem optischen System getrennt werden können. Bei Vermeidung von Abbildungsfehlern begrenzt die Beugung (zum Beispiel an Linsenfassungen) das Auflösungsvermögen Objektpunkte werden als Beugungsscheibchen abgebildet. Damit sich diese Scheibchen nicht überlappen, darf der Abstand zweier noch trennbarer Objektpunkte einen gewissen Wert nicht unterschreiten. Der auflösbare Winkelabstand zweier Punkte beträgt beim Auge, beim Fernrohr ist a = 0,61 XIQ, (A Wellenlänge des Lichtes, pp Durchmesser der Eintrittspupille); beim Mikroskop beträgt die im Objekt auflösbare Strecke (A numerische Apertur des Objektivs, r0 hängt vom Objekt und der Beleuchtung ab und liegt meist zwischen 0,5 und 1). Bei Spektralgeräten gibt der Kehrwert A/AA des trennbaren relativen Wellenlängenintervalls das Auflösungsvermögen an.

3. Physiologie: Fähigkeit der Sinnesorgane beziehungsweise Analysatoren, 2 oder mehr räumlich oder zeitlich getrennte Reize entsprechend getrennt wahrnehmen zu können. Zum Beispiel bedeutet beim Sehen das Auflösungsvermögen die Sehschärfe oder die Flimmerempfindlichkeit.

Aufmerksamkeit: Wachheit und Konzentration psychischer Prozesse auf äußere Ereignisse, die von diesen selbst hervorgerufen (unwillkürliche Aufmerksamkeit) oder durch einen subjektiven Zustand (Interesse) ausgelöst wird (willkürliche Aufmerksamkeit). Zweckmäßig wird zwischen fixierender (geringer Aufmerksamkeitsumfang) und fluktuierender Aufmerksamkeit (weiter Umfang mit wechselndem Objekt) unterschieden.

Aufpunkt: Punkt im Raum, für den der Wert einer physikalischen Größe aus den Wirkungen eines Feldes bestimmt wird.

Aufputzinstallation: elektrische Installationsart mit auf dem Putz oder dem oberflächenfertigen Bauwerk liegenden Mantelleitungen oder Leitungen in, Installationsrohren sowie Aufputzschaltern, -abzweigdosen und -steckdosen. Bei der Feuchtraum-installation sind die Installationsbauteile besonders abgedichtet und die Feuchtraum- (Mantel-) Leitungen auf Schellen verlegt und gegen Feuchtigkeit sowie chemische Einflüsse unempfindlich.

Aufrahmen: Bildung einer Rahmschicht auf ruhig stehender Vollmilch; verursacht durch Emporsteigen der Fettkügelchen infolge ihrer geringeren Dichte. Beim Separieren (Separator) wird dieser Prozess erheblich beschleunigt.

Aufrechnung: Tilgung zweier fälliger Geldforderungen, die zum Beispiel 2 Bürger gegeneinander haben, in Höhe der niedrigeren Forderung durch einseitige Erklärung der Aufrechnung gegenüber dem anderen Gläubiger und Zahlung des eventuell vorhandenen Differenzbetrages. Gegen bestimmte Forderungen (z: B. Unterhaltsforderungen) ist Aufrechnung unzulässig.

Aufreißen: maßstäbliche Aufzeichnen eines technischen Objektes, zum Beispiel eines Werkstückes oder einer technischen Einzelheit.

Aufriss: darstellende Geometrie Bild einer räumlichen Figur bei senkrechter Parallelprojektion auf eine zur Grundrissebene senkrechte Ebene, die Aufrissebene. Siehe auch Projektion.

Aufrollen: Beschichten mit Anstrichstoffen mittels Rolle, einer Walze aus saugfähigem Material. Auf größeren ebenen Flächen wird die Arbeitsproduktivität des Beschichtungsvorganges gegenüber dem Streichen mit Pinsel wesentlich erhöht.

Aufruhr: Ansammlung von Personen, verbunden mit gesetzwidrigen, gewaltsamen Handlungen gegen die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung. Siehe auch Zusammenrottung.

Aufsattelgerät, Aufsattelmaschine: gelenkig mit dem Traktor verbundenes Arbeitsmittel, das auf der Geräteschiene oder Hubkupplung des Traktors abgestützt ist, jedoch auf eigener Fahrachse läuft; siehe auch Anbaugerät 1, Anhängegerät.

Aufsatteln: a) Verstärken von Konstruktionshölzern durch Bretter, Bohlen oder Kanthölzer;

b) Aufsetzen der Trittstufen auf die stufenförmig ausgeschnittene Treppenwange.

Aufschlag: 1. Forstwirtschaft: Naturverjüngung schwersamiger Baumarten, zum Beispiel Eiche, Buche.

2. Aufschlag, Service: Sport: Spieleröffnung im Federball, Tennis und Tischtennis durch Schlagen des Balles über das Netz. Siehe auch Aufgabe.

Aufschleppe: 1. meist im Heck von Fischereifahrzeugen, wie Walfang-, Fabrikmutterschiffe und Hecktrawler, angeordnete schräge Bahn, die vom Wasserspiegel bis auf das freie Deck reicht und zum Hochziehen (Aufschleppen) des Fanges (Wale beziehungsweise Netz) dient.

Aufschließen: 1. Chemie: Überführen schwerlösliche Stoffe in wasser-, säure- oder laugenlösliche Verbindungen durch Schmelzen mit Aufschlussmitteln wie Kaliumhydrogensulfat oder einem Gemisch aus Natrium- und Kaliumkarbonat.

2. Lebensmitteltechnik: Vorbehandeln von Lebensmitteln zur Verbesserung sensorische Eigenschaften und der Verdaulichkeit, zum Beispiel durch Dämpfen.

Aufschluss: 1. Bergbau: a) Herstellen aller Grubenbaue, die der geologischen Erkundung und Abbau dienen, wie Schürfschächte, Untersuchungsstrecken, Bohrungen; Freilegen einer Lagerstätte für den Tagebau durch Abräumen des Deckgebirges;

b)jede Fundstelle einer Lagerstätte.

2. Geologie: Örtlichkeit, an der das Locker- oder Festgestein des Untergrundes an die Erdoberfläche tritt. Siehe auch Anstehendes.

Aufschwung: 1. Gerätturnen: schwungvoll ausgeführter Positionswechsel des Körpers aus dem Hang beziehungsweise Stand in den Stütz beziehungsweise Handstand mit Drehung um die Breitenachse. Die Endlage des Körpers ist höher als die Ausgangsstellung.

2. politische Ökonomie: Krisenzyklus.

Aufsetzer: in Fußball und Handball ein beim Torschuss beziehungsweise -wurf kurz vor der Torlinie aufspringender Ball, dessen Flugrichtung und -geschwindigkeit verändert und dadurch schwer berechenbar sein kann.

Aufsichtspflicht: die Verpflichtung bestimmter Personen, zum Beispiel der Eltern, Erzieher, Ausbilder, zur Beaufsichtigung der ihnen anvertrauten Personen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Die Verletzung der Aufsichtspflicht kann strafrechtlich verfolgt werden und Ersatzpflicht für Schäden begründen, die vom zu Beaufsichtigenden verursacht werden. Siehe auch elterliche Erziehung.

Aufsichtsrat: oberstes Kontrollorgan Gesellschaften und Genossenschaften für die Kontrolle ihrer Geschäftsführung. Die Mitgliedschaft von Personen in mehreren Aufsichtsräten dient der Unternehmensverflechtung.

Aufstellung: 1. bei Beginn oder Wiederbeginn eines Sportspieles vorgeschriebene oder taktisch begründete Verteilung der Spieler auf dem Spielfeld. 2. Aufstellung, Mannschaftsaufstellung-, die personelle Besetzung einer Mannschaft.

Aufstiegsbahn: Flugbahn einer Rakete bis zum Erreichen ihrer Gipfelhöhe beziehungsweise der Umlaufbahn. Je nach Stufenzahl und Flugprogramm besteht die Aufstiegsbahn aus mehreren Abschnitten, die sich aus Antriebsbahnen und gegebenenfalls einer oder mehreren dazwischenliegenden Freiflugbahnen zusammensetzen können.

Aufstoßen-Singultus: das durch Öffnen des Mageneingangs, Erschlaffen der Speiseröhre und gleichzeitiges ruckartiges Zusammenziehen des Zwerchfells zustande kommende Herausbefördern von überschüssiger Luft beziehungsweise flüssigem Mageninhalt.

Auftakt: 1. Metrik: der aus einer oder mehreren Silben bestehende unbetonte Teil eines Versanfanges als Eingangssenkung vor der 1. Hebung eines Verses. Jambisches Versmaß fordert den Auftakt, trochäisches verbietet ihn. Im altdeutschen Reimvers und im Knittelvers besteht Auftaktfreiheit.

2. Musik: a) unbetonter, leichter Beginn eines Motivs, einer Periode, eines Satzes und so weiter, bestehend aus einem Ton oder einer Tongruppe; steht meist vor dem Taktstrich. Der durch den Auftakt unvollständige 1. Takt wird in der Regel durch den um den Wert des Auftakts gekürzten Schlusstakt zu einem Volltakt ergänzt;

b) beim Dirigieren der Taktschlag vor dem Einsatz.

auftragsgebundene Prämie: spezifische Form der Erfüllungsprämie zur Stimulierung und materiellen Anerkennung hoher wissenschaftlich-technischer Leistungen der Werktätigen in produktionsvorbereitenden Bereichen, insbesondere in Forschung und Entwicklung.

Auftragsvertrag: urheberrechtlicher Vertrag über die Schaffung eines Werkes der Literatur, Wissenschaft oder Kunst für einen staatlichen oder gesellschaftlichen Auftraggeber.

Auftrieb: eine der Gewichtskraft entgegenwirkende Kraft. Der statische Auftrieb eines Körpers, der in eine Flüssigkeit eintaucht oder von einem Gas umgeben ist, ist gleich der Gewichtskraft der verdrängten Flüssigkeits- beziehungsweise Gasmenge (Archimedisches Prinzip). Der dynamische Auftrieb entsteht bei der Umströmung geeignet geformter Körperprofile, zum Beispiel am Tragflügel eines Flugzeugs, infolge der Ausbildung eines tragenden Wirbels. Dieser führt zu hoher Strömungsgeschwindigkeit an der Profiloberseite und geringer an der Unterseite, was entsprechend der bernoullischen Gleichung Unterdrück (Sog) an der Oberseite und Überdruck an der Unterseite entspricht. Der dynamische Auftrieb wirkt senkrecht zur Strömungsrichtung und ergibt zusammen mit der in Strömungsrichtung wirkenden Widerstandskraft eine resultierende Kraft, die die Gesamtheit aller Druck- und Sogkräfte darstellt.

Auftriebswasser: besonders an Westküsten der Kontinente in Passatgebieten aus tieferen Schichten aufsteigende kalte, meist nährstoffreiche Wassermassen, die die Voraussetzungen für den Plankton- und Fischreichtum dieser Gebiete bilden.

Auftritt: 1. Teilabschnitt des Aktes im Drama; siehe auch Szene.

2. Betreten der Bühne, des Podiums u. ä. durch den Künstler.

Aufwachsverfahren: Verfahren zur Gewinnung reinster Metalle durch eine chemische Transportreaktion. Beispielsweise wird das zu reinigende Metall (Titan, Zirkonium, Hafnium, Niobium, Tantal, Chrom unter anderem) in einem evakuierten Gefäß durch Erhitzen mit Jod in dampfförmiges Jodid übergeführt, das durch Diffusion an einen elektrisch beheizten Glühdraht gelangt, wo es sich unter Abscheidung des Reinstmetalls zersetzt. Das hierbei frei werdende Jod reagiert wieder mit dem zu reinigenden Metall und so weiter.

Aufwalken, Millen (englisch): Beseitigung von Pressfalten bei pflanzlich-synthetisch gegerbtem Leder oder mechanisches Weichmachen von Leder durch Walken im Fass.

Aufwand: Einsatz von materiellen und finanziellen Mitteln sowie von lebendiger Arbeit im Reproduktionsprozess. Einmaliger Aufwand nennt man die vorgeschossenen, im Reproduktionsprozess fungierenden materiellen Fonds (Grund- und Umlaufmittel). Laufender Aufwand ist der Verbrauch an lebendiger und vergegenständlichter Arbeit im Reproduktionsprozess innerhalb eines Zeitraums.

Aufwand, gebietswirtschaftlicher: Reproduktionsaufwand der Infrastruktur eines Wirtschaftsgebietes beziehungsweise der durch einen Betrieb oder ein Investitionsvorhaben in der Infrastruktur des entsprechend Gebietes verursachten Aufwands. Letzterer entsteht besonders für die Standorterschließung (Erschließungsaufwand), für die Freisetzung und Gewinnung von Arbeitskräften im Gebiet (Freisetzungsaufwand) und für die Ansiedlung von Arbeitskräften aus anderen Gebieten (Ansiedlungsaufwand).

Aufwandsentschädigung: im Allgemeinen steuerfreie Geldsumme zur Deckung der sich aus bestimmten Funktionen und zusätzlichen Aufgaben ergebenden Mehraufwendungen.

Aufwandsnorm: Norm für den planmäßigen Aufwand an lebendiger beziehungsweise vergegenständlichter Arbeit je Mengeneinheit eines Erzeugnisses oder je Leistungseinheit bei Gewährleistung einer durch den Verwendungszweck bestimmten Beschaffenheit unter fortschrittlichen technischen, technologischen und organisatorischen Bedingungen. Aufwandsnorm werden nach wissenschaftlichen Grundsätzen und mit wissenschaftliche Methoden in sozialistischen Gemeinschaftsarbeit planmäßig erarbeitet und angewendet. Aufwandsnorm sind zum Beispiel technisch begründete Arbeitsnormen, technisch und ökonomisch begründete Materialverbrauchsnormen, technisch und ökonomisch begründete Verschleißnormen.

Aufwendungen: freiwillig zugunsten eines anderen übernommene materielle Nachteile; auch Bezeichnung für Kosten, die bei der Erfüllung von Verträgen oder bei deren Vorbereitung sowie bei der Geltendmachung von Ansprüchen (zum Beispiel Garantieansprüchen) entstehen. Aufwendungen sind unter bestimmten Voraussetzungen vom Verursacher zu erstatten. Im Arbeitsrecht erfolgt eine Erstattung von Aufwendungen in Form von Geldzahlungen des Betriebes an den Werktätigen für Leistungen, die dieser aus seinem persönlichen Eigentum im Zusammenhang mit der Arbeit für den Betrieb erbracht hat. Im Familienrecht sind Aufwendungen für die Familie Geld-, Sach- und Arbeitsleistungen zur Befriedigung der Bedürfnisse der Familie, zu denen nach dem Familiengesetzbuch der DDR die Ehegatten und Kinder (auch im Haushalt lebende volljährige) entsprechend ihren Kräften, ihrem Einkommen und sonstigen Mitteln verpflichtet sind.

Aufwendungsersatz: Kostenerstattung, die der Berechtigte statt Schadenersatz unter besonderen Voraussetzungen fordern kann. So ist in bestimmten Fällen nur zum Aufwendungsersatz verpflichtet, wer die Kosten beziehungsweise ihre Zweckverfehlung verursacht hat, in dessen Verantwortungsbereich die Ursachen liegen oder in dessen Interesse die Kosten aufgewendet wurden. Dem Aufwendungsersatz unterliegen nur notwendige (keine überhöhten) Kosten.

Aufwertung, Revalvation (lateinisch): 1. Erhöhung der Goldparität einer Währungseinheit; konjunkturpolitische Maßnahme kapitalistischer Länder, um den inflationistischen Auswirkungen der Gold- und Devisenüberschüsse auf die Inlandspreise entgegenzuwirken; auch Heraufsetzung der Währungsparität (Kursverbesserung).

2. nach Geldentwertungen nachträglich vorgenommene Heraufsetzung des (Nominal-) Wertes einer mit inflationistischen Geld abgedeckten Schuld (zum Beispiel Hypothek, Anleihe).

Aufwind: aufwärts gerichtete Luftbewegung, verursacht durch gegenüber der Umgebung wärmere Unterlage (thermischer Aufwind, Thermik) oder durch Hebung einer horizontalen Luftströmung durch die Geländeform (zum Beispiel Hangaufwind).

Aufzeichnungspflicht: Verpflichtung bestimmter Steuerpflichtiger, steuerrechtliche erhebliche Vorgänge im festgelegten Umfang schriftlich festzuhalten.

Aufzuchtkrankheiten: Komplex von Erkrankungen, die bei Jungtieren in der Aufzuchtphase von der Geburt bis zur Zuchtreife auftreten. Bei seuchenartigem Verlauf kann es zu hohen Erkrankungs- und Sterberaten kommen. Die häufigsten Aufzuchtkrankheiten sind Rachitis, Lungenentzündungen und Durchfälle. Die Ursachen sind hygienische Mängel in der Haltung und Fütterung sowie Infektionen der Jungtiere.

Aufzucht: Maßnahmen der Tierhaltung, -pflege und -fütterung von der Geburt eines Tieres bis zu seiner Nutzung, zum Beispiel als Zucht-, Schlacht- oder Zugtier.

Aufzug: 1. Fördertechnik: Hebezeug zum Heben und Absenken von Personen und Lasten in der Senkrechten oder auf schiefer Ebene (z, B. Schräg-A bei Hochöfen), bei der das Fördergefäß in Schienen geführt ist. Aufzüge haben fast immer Treibscheibenantrieb, das heißt, die Tragseile laufen vom Fahrkorb zur Gegenlast über eine Treibscheibe (in Keil- oder Rundrillen), wobei deren Umfangskräfte durch Reibung übertragen werden. Beim selteneren Trommelantrieb werden die Seile auf einer Trommel aufgewickelt. Der Personenaufzug (Lift) hat einen Tragfähigkeitsbereich von 250 bis 2000 kg und eine Fahrgeschwindigkeit von 0,5 bis 9 m/s. Er dient vorwiegend zur Beförderung von Personen; Lastenbeförderung ist im geringen Umfang zulässig. Der Kleinlasten- und Lastenaufzug hat einen Tragfähigkeitsbereich von 25 bis 10000 kg mit Fahrgeschwindigkeiten von 0,3 bis 4 m/s. Personenbeförderung ist (außer beim Kleinlasten-A) möglich, wenn eine Innensteuerung vorhanden ist. Lastenaufzüge haben im allgemeinen, wie Personenaufzüge, Treibscheibenantrieb. Mit hydraulischem Antrieb können Tragfähigkeiten bis 401 erreicht werden. Der meist ortsfest ausgeführte Bauaufzug mit Tragfähigkeit von 100 bis 2000 kg diente früher ausschließlich zum Transport von Baumaterial; heute muss er aufgrund der ständig wachsenden Gebäudehöhen auch für den Personentransport verwendbar sein. Kennzeichnend sind weiterhin die Straßenverfahrbarkeit und Aufstockbarkeit zur Anpassung an die wachsende Gebäudehöhe. Für extreme Förderhöhen (bis 400 m) findet der Kletteraufzug Verwendung, dessen Fahrkorb an einer fest verlegten Zahnstange auf- und ab«klettert». Der Umlaufaufzug ist ein Personenaufzug mit offenen, an 2 umlaufenden Ketten befestigten Fahrkabinen, die sich ununterbrochen in einem Schacht aufwärts und daneben in einem zweiten abwärts bewegen.

2. Gerätturnen: ausschließlich mit Kraft ohne Schwungunterstützung ausgeführte Aufwärtsbewegung des Körpers mit einer Drehung um die Breitenachse.

3. Polygraphie: aus verschiedenen Materialien (Papier, Karton, Plastfolie unter anderem) bestehende elastische Lage auf dem Drucktiegel oder -Zylinder von Druckmaschinen, die den Druckvorgang ermöglicht.

4. Theater: Akt.

Auge: 1. Anatomie: Sehorgan der Tiere und des Menschen. Der in der knöchernen Augenhöhle (Orbita) geschützt gelegene kugelige Augapfel des Menschen besteht aus 3 Schichten: äußere Augenhaut mit lichtdurchlässiger Hornhaut (Cornea) und undurchsichtiger Lederhaut (Sklera)-, mittlere Augenhaut mit Blut- und Lymphgefäße führender Aderhaut (Chorioidea) sowie Strahlenkörper (Corpus ciliare) und Regenbogenhaut (Iris), die Muskeln (Ziliarmuskel, Muskel für Erweiterung beziehungsweise Verengung der Pupille) enthalten; innere Augenhaut mit Pigmentepithel und lichtaufnehmender, die Sehzellen (Stäbchen und Zapfen) enthaltender Netzhaut (Retina). Im Augeninneren liegen die am Strahlenkörper aufgehängte Linse (Lens cristallina), der Glaskörper (Corpus vitreum) sowie die mit Kammerwasser (wasserklare Flüssigkeit) gefüllte vordere (zwischen Horn- und Regenbogenhaut) und hintere (zwischen Regenbogenhaut und Linse) Augenkammer. Die Regenbogenhaut ist verschiedenfarbig (unterschiedlicher Pigmentgehalt), sie lässt zentral das runde Sehloch (Pupille) frei und regelt durch Eng- oder Weitstellung (glatte Muskeln) den Lichteinfall. Die Formveränderung der Linse (Akkommodation) bewirkt der Ziliarmuskel. Der Ort des schärfsten Sehens (gelber Fleck) liegt in der optischen Achse auf der Netzhaut, seitlich davon der blinde Fleck, die von Sehzellen freie Durchtrittsstelle des Sehnervs (Nervus opticus). Die Bewegungen des Augapfels werden durch die in die Lederhaut einstrahlenden äußeren Augenmuskeln (quergestreifte Muskulatur) ermöglicht.

2. Bautechnik: a) Öffnung im Scheitelbereich einer Kuppel zur Belichtung des Innenraumes;

b) Treppenauge (Treppe).

3. Gartenbau: soviel wie Knospe; schlafendes Auge (Ruheknospe); Fruchtauge (Blütenknospe).

4. Maschinenbau: Ende eines meist stangenförmigen Bauteils mit in der Regel kreisförmigem durchgehendem Loch und überhöhter Umrandung zur Aufnahme eines kraftübertragenden Bolzens, einer Kette oder ähnlichem.

5. Textiltechnik: Litze.

Augenbrauenwulst, Überaugenwulst, Torus supraorbitalis: längs der oberen Ränder der Augenhöhlen quer über das Stirnbein verlaufender Knochenwulst, der bei vielen Affen, aber auch bei fossilen Menschenformen, zum Beispiel Neandertaler, vorkommt.

Augenfalter, Satyridae: Familie der Tagfalter; Falter meist braun mit weiß gekernten und hell umrandeten Augenflecken; etwas abweichend das schwarz und weiß gezeichnete Schachbrett (Agapetes galathea).

Augengneis: kristalliner Schiefer, bei dem besonders Feldspäte linsen- oder knotenförmig (porphyroblastisch) ausgebildet sind, während die Glimmer sie umfließen.

Augenheilkunde, Ophthalmologie (griechisch): durch Augenheilkunde von Graefe 1866 als selbständiges Fach eingeführtes Teilgebiet der Medizin; befasst sich mit der Physiologie und Pathologie des Auges. Hauptaufgaben der Augenheilkunde sind Verhüten von Sehstörungen durch Vorbeugen, Heilen von Sehschäden, Beheben kosmetische oder Stellungsfehler. Die Augenheilkunde stellt auch ein wichtiges Hilfsmittel zum Erkennen von Hirn- und Gefäßerkrankungen dar.

Augenlid: bei Wirbeltieren und beim Menschen meist beweglich ausgebildete Hautfalte, die das Auge vor mechanischen Einwirkungen schützt und durch den Lidschlag für eine ständige Feuchthaltung der Hornhaut durch die von der Tränendrüse produzierte Tränenflüssigkeit sorgt.

Augenpunktstadium: Stadium in der Entwicklung des Fischeies, in dem die Augen des Embryos sichtbar sind.

Augensalbe, Oculentum (lateinisch) Salbe zur Anwendung im Bindehautsack des Auges; wird mit Glasstäbchen aufgetragen.

Augenschutz: Schutz der Augen vor mechanischen Schädigungen durch Schutzbrillen mit schütterfesten Mehrschichtengläsern oder Drahtnetzen, vor Verätzung durch dicht anliegende Brillen aus säurefestem Material (Säureschutzbrillen) und vor Strahlung durch Brillen mit Schutzgläsern gegen ultraviolette oder infrarote Strahlen sowie gegen Blendung oder mit Bleigläsern gegen Gamma- und Röntgenstrahlen. Schutzschirme und -Schilde mit entsprechend Glasscheiben werden vor allem an Brenn- und Glühöfen und beim Schweißen verwendet.

Augenspiegel, Ophthalmoskop (griechisch): 1851 durch H. von Helmholtz eingeführtes Gerät zur Untersuchung des Augenhintergrundes, der Netzhaut, des Sehnervenkopfes und von Teilen der Aderhaut.

Augenspinner, Saturniidae: Schmetterlingsfamilie; in den Tropen bis 25 cm Spannweite, zum Beispiel Atlasspinner (Attacus atlas). Die Raupen stellen zur Verpuppung Seidenkokons her und werden zum Teil zur Seidengewinnung gezüchtet, zum Beispiel die des Eichenseidenspinners (Antheraea pernyi). Heim. Arten sind Nagelfleck (Aglia tau) und Kleines Nachtpfauenauge (Eudia pavonia).

Augentropfen, Oculoguttae: wässrige oder ölige Lösungen oder Suspensionen zur tropfenweisen Anwendung auf der Bindehaut.

Augentrost, Euphrasia: Gattung der Braunwurzgewächse mit kleinen 21ippigen, im Schlund gelbgefleckten, weißen Blüten. Häufig ist der auf bodensaurem Trockenrasen vorkommende Gemeine Augentrost (E. officinalis).

Augenzeuge: Person, die (besonders bei gerichtlicher Beweisaufnahme) einen Sachverhalt auf Grund persönlicher Wahrnehmung schildern kann.

Auger-Effekt: von dem französischen Physiker Pierre Auger (geboren 1899) 1926 entdeckter Elektronenübergang zwischen den inneren Schalen der Elektronenhülle eines Atoms, der nicht mit der Aussendung einer Wellenstrahlung, sondern mit der Anregung oder Emission eines oder mehrerer Elektronen verbunden ist (strahlungsloser Übergang). Auger-Effekte sind auch bei der Rekombination in Festkörpern bekannt, sie verringern den Wirkungsgrad optoelektronischer Halbleiterbauelemente.

Auger-Emission: Elektronenemission, bei der das emittierte Elektron seine Energie von der strahlungslosen Rekombination eines Elektron-Loch-Paares erhält, siehe auch Auger-Effekt.

Augias, in der griechischen Sage viehreicher König von Elis; dessen vermistete Ställe (Augiasstall) reinigte Herakles an einem Tag, indem er 2 Flüsse hindurchleitete.

Augmentation: Verlängerung a) der Notenwerte um die Hälfte ihres Wertes durch nachgestellten Punkt;

b) eines musikalischen Themas durch Verlängerung seiner Notenwerte;

c) der Notenwerte in der Mensuralnotation (Mensuralmusik) durch eine Bruchzahl hinter dem Taktzeichen oder 2 hintereinander gesetzte Taktzeichen.

Augsburger Konfession, lateinisch Confessio Augustana: von Melanchthon verfasste lutherische Bekenntnisschrift, die auf dem Reichstag zu Augsburg (1530) Kaiser Karl V. überreicht wurde; die 28 Artikel der Augsburger Konfession enthalten Kritik an kirchlichen Missbräuchen, fixieren die Glaubenslehre und betonen das Gemeinsame zwischen Protestanten und Katholiken.

Augsburger Religionsfrieden: auf dem Augsburger Reichstag am 25. 9. 1555 zwischen Ferdinand I. und den Reichsständen abgeschlossener Vertrag; gewährte den Protestant. Bekenntnissen Gleichberechtigung neben der katholischen Kirche und den Territorialherren wesentlicher Einfluss auf das religiöse Bekenntnis ihrer Untertanen. Eine Zusatzbestimmung über den Verlust ihres Amtes beim Übertritt geistliche Fürsten zum Protestantismus gab der Gegenreformation Eingriffsmöglichkeiten.

Auguren: (lateinisch; Sing. Augur) altrömischer Priester, die für die 1 Auspizien zuständig waren; sie waren gelegentlich Werkzeuge in der Hand der Politiker (daher Augurenlächeln: Lächeln der Eingeweihten).

August, Fürsten: 1. August 31.7.1526-12.2.1586, seit 1553 Kurfürst von Sachsen; Vertreter einer kameralistischen Wirtschaftspolitik. An der Spitze einer Gruppe konservativer lutherischer Fürsten lehnte er sich außenpolitisch an die Habsburger an.

2. August II., August der Starke, 12.5.1670-1.2.1733, als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen (seit 1694); erwarb 1697 durch Bestechung und Übertritt zum Katholizismus die polnische Königskrone; verlor diese zeitweilig im Nord. Krieg an Stanislaw I. (1706/09). In Sachsen scheiterte er mit seinen Bemühungen, den Absolutismus zu errichten, und in Polen, eine Erbmonarchie einzurichten. Er baute Dresden zur barocken Residenz aus.

3. August III., 17.10.1696-5.10.1763, als Friedrich August II. Kurfürst von Sachsen (seit 1733); polnischer König seit 1733; unter der von ihm geforderten Günstlingswirtschaft verfielen Sachsen und Polen.

Augusta: 1. römischer sakraler Ehrenname, den Augustus erstmalig testamentarisch seiner Gattin Livia verlieh; seit Domitian war Augusta Titel der Frau des jeweils herrschenden Kaisers.

2. Name zahlreicher römischer Kolonialstädte, oft in Verbindung mit einer näheren Bezeichnung, zum Beispiel Augusta Treverorum (Trier).

Augusta: 1. Stadt an der Ostküste der italienischen Insel Sizilien; 37000 Einwohner; Erdöleinfuhrhafen mit großer Erdölraffinerie; chemische und Zementindustrie; Wärmekraftwerk; Meersalzgewinnung.

2. Augusta (englisch): Stadt im Osten des Bundesstaates Georgia (USA), am schiffbaren Savannah; 71000 Einwohner (etwa 30% Afroamerikaner); wichtiges Zentrum der Baumwollindustrie, Baumwollölmühlen; im Südosten der Stadt Plutonium- und Tritium-Werk; Flughafen.

3. Augusta (englisch): Hauptstadt des Bundesstaates Maine (USA), am schiffbaren Kennebec, in einem Seengebiet; 22000 Einwohner; Papier-, Schuh- und Nahrungsmittelindustrie; Flughafen; Sommerfrische.

Augustinus, Aurelius, 354-430, lateinischer Kirchenlehrer; behauptete, dass der Mensch nicht aus eigenen Kräften, sondern, durch die Erbsünde verdammt, nur durch göttliche Gnade selig werden könne. Im «Gottesstaat» (413/26) deutete er Weltgeschichte als Kampf des durch die römische Kirche repräsentierten Gottesreiches mit den das Böse verkörpernden weltlichen Gewalten. Seine «Bekenntnisse» (397) sind die eiste Autobiographie von weltliterarischem Rang. Augustinus war von großem Einfluss auf das Mittelalter.

Aujeszkysche Krankheit, Pseudowut: Viruserkrankung, die bei Rind, Schaf, Ratten, Mäusen, Kaninchen und vor allen Dingen beim Schwein auftritt; benannt nach dem ungarischen Bakteriologen Aladar Aujeszky (1868-1933). Die Infektion verläuft als fieberhafte Gehirnentzündung. Erwachsene Schweine erkranken nur leicht, während bei Ferkeln eine hohe Sterblichkeitsrate beobachtet wird. Die Aujeszkysche Krankheit ist meldepflichtig.

Aul, Ail: ursprünglich Nomadisier-Gemeinschaft der Turkvölker und das von ihnen bewohnte Zeltlager; heute ländliche Siedlung in Mittel- und Zentralasien sowie im Kaukasus (besonders in Dagestan).

Aula: 1. von Wohnräumen umgebener Innenhof des altgriechischen Wohnhauses.

2. in der römischen Kaiserzeit Bezeichnung für Palast.

3. Vorhof und Mittelschiff der altchristlichen Basilika.

4. Versammlung«- und Festsaal in Schulen und Hochschulen.

Aulakogen: (griechisch aulax, «Furche») Geologie Bezeichnung für größere grabenartige Krustenbereiche mit überwiegender Senkungstendenz und starker Sedimentanhäufung.

Aulos: (griechisch; Auloi oder Aulen) altgriechisches Blasinstrument; wurde als Doppelaulos stets paarig gespielt und vielfältig verwendet.

Auma: Stadt im Kreis Zeulenroda, Bezirk Gera, auf einem Hochplateau südlich der Orlasenke; 37000 Einwohner; Herstellung von technischem Porzellan, Landmaschinen, Leuchten, Plasterzeugnissen; Rathaus (16. Jahrhundert).

Aung San, 13.2.1915-19.7.1947 (ermordet), burmesischer General und Politiker, Nationalheld; stand an der Spitze des nationalen Befreiungskampfes sowohl gegen die japanischen Invasoren als auch gegen die britische Kolonialherrschaft. Er baute 1941 die burmesische Unabhängigkeitsarmee auf und war seit 1944 Präsident der AFPFL.

Aura: 1. allgemein von einem Menschen ausgehende Wirkung.

2. Medizin: Vorbote eines epileptischen Anfalls, zum Beispiel bestimmte optische und akustische Sinneswahrnehmungen.

3. Raumfahrt: künstlicher Erdsatellit.

Aurelian, Lucius Domitius Aurelianus, 9.9.214-Herbst 275 (ermordet), seit 270 römischer Kaiser; stammte aus Illyrien; durch seine Kriege stellte Aurelian die Reichseinheit wieder her; nach erfolgreicher Abwehr der Goten und Wandalen sicherte er die Donaugrenze, er schlug bei Pavia die Alemannen und vernichtete das Palmyrenischen Reich der Zenobia. Er nannte sich «Herr und Gott»; ließ die 18,8 km lange Aurelian Mauer in Rom errichten.

Aureole: 1. allgemein ein die ganze Gestalt umfließender Lichtkranz, zum Beispiel auf Gemälden besonders bei dem auferstandenen Christus.

2. Bergbau: fahlblauer Lichtkegel, der sich um die Flamme der Wetterlampe bildet, wenn schlagende Wetter (Wetter) auftreten. Aus der Höhe der Aureole kann die Konzentration der schlagenden Wetter annähernd bestimmt werden. Siehe auch Geleucht.

3. Meteorologie: Halo, Zirkumsolarstrahlung.

4. Raumfahrt: künstlicher Erdsatellit.

Aurignacien: (Klingen-) Kultur der jüngeren Altsteinzeit, die mit örtlichen Varianten in Europa bis Sibirien und Südwestasien verbreitet war; benannt nach Funden in einer Höhle bei Aurignac (Südfrankreich).

Auriol, Vincent, 27.8.1884-1.1.1966, französischer rechtssozialistische Politiker; 1947/54 Präsident der Vierten Republik.

Aurobindo, Aurobindo Ghosh, 15.8.1872—5712.1950, indischer Philosoph; bis 1908 führender Ideologe des kleinbürgerlich-demokratischen Flügels der Befreiungsbewegung; widmete sich dann ausschließlich der Verbreitung seiner philosophischen Ansichten, die der Vedanta-Philosophie stark verhaftet sind.

Aurorafalter, Anthocharis cardamines: Tagfalter aus der Familie der Weißlinge; Weibchen ohne, Männchen mit rotem Vorderflügelfleck; fliegt im zeitigen Frühjahr.

Ausball, englisch Out (aut): Sportspiele ein die Spielfeldbegrenzung überschreitender Ball. Hat er die Seitenlinie überquert, erfolgt bei Tor-, Mal- und Korbspielen Einwurf oder Einschieben beziehungsweise -schlagen (Hockey) durch einen Spieler der Mannschaft, die den Ausball nicht verursacht hat. Überquert der Ball die Grundlinie (beziehungsweise Torlinie außerhalb des Tores), erfolgt Abstoß, Abschlag oder Abwurf, wenn der Gegner den Ball zuletzt berührte, jedoch in den meisten Spielen dieser Sportspielgruppe Eckball, wenn die eigene Mannschaft den Ausball verursacht hat. Beim Eishockey wirft in jedem Fall der Schiedsrichter ein (Abschlag). In Rückschlagspielen ergibt ein Ausball einen Punkt für den Gegner beziehungsweise Aufgabewechsel.

Ausbau: 1. Bautechnik: nach dem Rohbau erfordert. Arbeitsprozesse zur Fertigstellung eines Gebäudes, zum Beispiel Tischler-, Fußboden-, Installationsarbeiten. Beim industriellen Bauen wird ein Teil der Ausbauarbeiten in die Vorfertigung einbezogen.

2. Bergbau: Grubenausbau.

Ausbauchen: Aufweiten zylindrischer Hohlkörper aus Blech zur Herstellung von Flaschen, Vasen u. ä. durch Einpressen von Hydraulikmitteln, feinkörnigen Stoffen, elastischen Körpern, zum Beispiel Stempeln aus Gummi (Gummipreßverfahren), oder durch Anpressen mechanischer Drückrollen an die Hohlkörperinnenwand.

Ausbauten: landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude oder komplette bäuerliche Betriebsanlagen, die außerhalb der Dorflage, meist in verkehrsgünstiger Lage zu den Feldflächen des Betriebes errichtet werden.

Ausbeutergesellschaft: jede ökonomische Gesellschaftsformation, die auf der Grundlage von Privateigentum an den Produktionsmitteln in antagonistischen Klassen gespalten ist und damit auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht. Ausbeutungsverhältnisse sind immer Verhältnisse der Herrschaft einer Klasse über eine andere. Im Kapitalismus ist der doppelt (auch juristisch) freie Lohnarbeiter als Nichtbesitzer von Produktionsmitteln gezwungen, seine Arbeitskraft als Ware an den kapitalistischen Eigentümer der Produktionsmittel zu verkaufen. Die Ausbeutergesellschaft entstand, als die Entwicklung der Produktivkräfte ein Mehrprodukt ermöglichte und das urgesellschaftliche Gemeineigentum durch das Privateigentum an den hauptsächlichen Produktionsmitteln abgelöst wurde. Die Produktionsverhältnisse jeder Ausbeutergesellschaft, die bei ihrer Entstehung historisch progressiv sind, weil sie der Entwicklung der Produktivkräfte neuen Raum geben, erweisen sich früher oder später als Fessel der neuen Produktivkräfte; das findet seinen Ausdruck im erbitterten Kampf zwischen progressiven und reaktionären Klassen. Der Kapitalismus ist die historisch letzte Form der Ausbeutergesellschaft.

Ausbeutung: Aneignung fremder Arbeit durch die Eigentümer der Produktionsmittel ohne Äquivalent. Ausbeutung ist immer Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Sie ist ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Klassen, die sich in entgegengesetzter Stellung zu den Produktionsmitteln (Eigentümer, Nichteigentümer) befinden. entsprechend ihrer Stellung als Ausbeuter oder Ausgebeutete im Produktionsprozess bilden diese sozialen Gruppen die Grundklassen der jeweiligen Gesellschaftsordnung (Sklaven und Sklavenhalter in der Sklavenhaltergesellschaft, Leibeigene und Grundeigentümer im Feudalismus, Lohnarbeiter und Kapitalisten im Kapitalismus). Verwirklicht wird die Ausbeutung durch ökonomischen und außerökonomischen Zwang (durch letzteren vorwiegend in der Sklavenhaltergesellschaft und im Feudalismus). Die Geschichte der Ausbeutung kennzeichnet das Wesen der Geschichte der Klassengesellschaft. Marx deckte mit der Mehrwerttheorie das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung, die Aneignung der unbezahlten Arbeit der Lohnarbeiter durch die Kapitalisten, die Eigentümer der Produktionsmittel, auf. Durch die sozialistische Revolution und die Überführung der Produktionsmittel in gesellschaftlichem Eigentum wird die Ausbeutung für immer beseitigt.

Ausbeutungsgrad: in den auf Ausbeutung beruhenden Gesellschaftsordnungen das Verhältnis der Mehrarbeit zur notwendigen Arbeit. Bei Produktion tritt der Ausbeutungsgrad als Mehrwertrate in Erscheinung.

Ausbildungsberufe: Berufe, die (in der Regel auf der Grundlage der 10klassigen Oberschulbildung) im Lehrvertragsverhältnis erlernt werden können, das mit der Facharbeiterprüfung abschließt. In der Systematik der Ausbildungsberufe der DDR sind Ausbildungsdauer und -bedingungen und die genauen Berufsbezeichnungen festgelegt.

Ausblühen: Auskristallisieren von Carbonaten, Chloriden beziehungsweise Sulfaten des Kalziums und Magnesiums als Salznadeln, -flecken oder -krusten auf Bauwerksoberflächen durch Verdunsten eingedrungener Feuchtigkeit, häufig mit Zerstörung von Putz, Ziegel, Beton unter anderem verbunden. Siehe auch Mauersalpeter.

Ausbluten: 1. bei Mörteln und Betonen das Absondern des überschüssigen Anmachwassers vom verdichteten Zuschlagstoff und Zementleim.

2. im Tiefbau Absondern von Wasser aus angeschnittenen Sand- und Kiesschichten einer Baugrube.

Ausbreitgeschwindigkeit: Bautechnik Kennziffer für einige dynamische Eigenschaften des Baugrundes, die bei der geophysikalischen Untersuchung durch erregte sinusförmige Schwingungen mit veränderbarer Frequenz ermittelt wird.

Ausbreitmaß: auf dem Ausbreittisch ermittelter Kennwert für die Verarbeitbarkeit von Mörteln und Betonen; mit abnehmendem Wasserzementwert verringert sich das Ausbreitmaß

Ausbrenner: textiles Flächengebilde aus 2 Faserstoffarten, von denen eine Art durch chemische Behandlung, zum Beispiel Ausätzen mit Säure, entfernt wird. Dadurch entsteht eine figürliche Musterung.

Ausbuchung: Buchung zur Berichtigung des in Rechnungsführung und Statistik des Betriebes buchmäßig ausgewiesenen Bestandes an wirtschaftlichen Mitteln bei Differenzen zum tatsächlich vorhandenen Bestand.

Ausdauerfähigkeit: konditionelle Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung bei sportlicher Belastung. Man unterscheidet Kurzzeit-, Mittelzeit- und Langzeitausdauerfähigkeit.

Ausdehnung, thermische: durch Temperaturerhöhung bewirkte Längenzunahme (lineare Ausdehnung) beziehungsweise Volumenzunahme (kubische Ausdehnung) von Körpern, die auf den vermehrten Raumbedarf der bei höheren Temperaturen schneller bewegten Moleküle zurückzuführen ist. Geräte zur Messung der thermischen Ausdehnung bezeichnet man als Dilatometer.

Ausdehnungsgefäß, Expansionsgefäß: am höchsten Punkt einer Warmwasserheizungsanlage eingebauter Behälter zur Aufnahme des vergrößerten Volumens von erwärmtem Wasser. Durch ein Be- und Entlüftungsrohr besteht eine offene Verbindung mit der Atmosphäre.

Ausdruck: 1. Logik: bezüglich einer formalen oder natürlichen Sprache eine gemäß den Regeln gebildete, zulässige Zeichenreihe.

2. Psychologie: Bewegungen des menschlichen Körpers, in denen sich gefühlsmäßige Zustände abbilden. Man unterscheidet verschiedene Ausdrucksfelder, wie Gesicht (Mimik), Anne und Hände (Gestik), Körper (Pantomimik), Sprechen (Phonik). Die Ausdruckstheorie beschreibt und erklärt Systematik, Entstehung und Funktion des Ausdrucks; die Ausdrucksdiagnostik nutzt ihn zur Erfassung der Persönlichkeit.

Ausdruckstanz: Tanzrichtung, die von freier, natürlicher Körperbewegung ausgeht; entstand aus Protest gegen den in Akademien gelehrten Theatertanz mit auswärts gedrehten Beinen (en dehor), fixiertem Bewegungskodex und Spitzentanz; erhielt starke Impulse von der (Frauen-)Gymnastik (Bess Mensendieck); Methode von 6. Dalcroze, der ein neues Verhältnis von Bewegung und Musik lehrte, das zur rhythmischen Gymnastik beziehungsweise zur rhythmischen Erziehung führte. Improvisation, freie Bewegungsfindung, Gestaltung des Raumes ohne Requisiten waren erklärte Ziele. Die Bewegung stand der expressionistischen Kunstauffassung in Malerei und Musik sehr nahe. Bedeutende Vertreter waren I. Duncan, R. von Laban, M. Wigman, H. Kreutzberg, G. Palucca, J. Weidt unter anderem.

Ausdünnmaschine: Maschine, die mittels rotierender oder pendelnder Werkzeuge den Pflanzenbestand von Drillsaaten (besonders Rüben) in den Reihen verringert.

Ausfachungsmaterial: Sammelbegriff für Baustoffe und Bauelemente zur Wandausfüllung bei Fachwerk- beziehungsweise Skelettbauten; bevorzugt werden leichte Mauerziegel und Bauplatten mit guter Dämmwirkung.

Ausfahren: Verlassen des Baues (Kaninchen, Raubwild), der Sasse (Hase), des Kessels (Schwarzwild); siehe auch Aufstehen.

Ausfall: Fechten schrittähnliche, meist mit Stoß beziehungsweise Hieb verbundene Vorwärtsbewegung, die der schnellen Annäherung an den Gegner dient; ermöglicht Treffer aus mittlerer Mensur.

Ausfallrate, Fehlerrate: statistischer Mittelwert der innerhalb einer bestimmten Zeit zu erwartenden Ausfälle bei (elektronischen) Bauelementen oder Geräten. Siehe auch Zuverlässigkeit.

Ausfluss: Flüssigkeitsabsonderung aus den weiblichen Geschlechtsorganen; siehe auch Fluor genitalis.

Ausformung, Holzausformung: Zurichten gefällter Baumstämme durch Entasten, Zerschneiden, Stapeln und Vermessen zu einem in der Wirtschaft verwertbaren Produkt, wie Säge-, Furnier-, Faser oder Plattenholz.

Ausfrieren: Trennen eines homogenen Stoffgemisches in 2 Phasen durch Abkühlen unter den Erstarrungspunkt einer der Komponenten. Durch Ausfrieren werden zum Beispiel Gase getrocknet, Lösungen gereinigt oder gelöste Stoffe angereichert.

Ausführungsregulation: die der Antriebsregulation folgende Organisation derjenigen psychischen Prozesse (Wahrnehmen, Denken, Entscheiden), die das Handeln auf das Vorgesetzte Ziel hin anpassen und lenken.

Ausgabe: Gesamtheit bestimmter Druckerzeugnisse, die je nach Inhalt, äußerer Form, Erscheinungsweise, Veröffentlichungszweck o. ä. näher gekennzeichnet sind, zum Beispiel Schulausgabe, Erstausgabe, Ausgabe letzter Hand (letzte zu Lebzeiten eines Autors veröffentlichte Ausgabe), Gesamtausgabe, Taschenbuchausgabe.

Ausgangsleistung, in der Elektroakustik auch Musikleistung, Sprechleistung: elektrische Leistung, die für die Herstellung von Duplikaten und Verleihkopien. Bildausgangsleistung sind Original-Bild- oder Dup-Negative, Tonausgangsleistung, Magnetfilme oder Lichttonnegative. Siehe auch Dup-Verfahren.

Ausgangssignal, Output faut put: Kybernetik Signal am Ausgang eines Systems, welches von Eingangssignalen und beziehungsweise oder inneren Zuständen des Systems abhängt und zum Beispiel zur Steuerung genutzt werden kann.

ausgezeichnete Strahlen: paraxiale, das heißt flache und achsennahe Lichtstrahlen, deren Verlauf durch die Kardinalelemente bestimmt wird. Die ausgezeichneten Strahlen achsparalleler Strahl, Knotenpunkt- und Brennpunktstrahl eignen sich besonders gut für die Konstruktion der paraxialen Bildraumgrößen.

Ausgleich: Kompromiss zwischen den Führungsschichten Österreichs und Ungarns von 1867, durch den das zentralistisch regierte absolutistische Kaiserreich Österreich in die konstitutionelle österreichich-ungarische Doppelmonarchie (Dualismus) umgewandelt wurde. Nach der Niederlage Österreichs 1866 gegen Preußen erklärte sich der Kaiser (Franz Josef I.) mit einer gemäßigten Beschränkung seiner Herrscherrechte und der inneren Selbständigkeit Ungarns einverstanden, die ungarischen Grundbesitzer verzichteten nach dem gescheiterten Unabhängigkeitskrieg 1848/49 auf die Lostrennung von Österreich. Der Ausgleich festigte die Habsburgermonarchie, konservierte die Überreste des Feudalismus, forderte die kapitalistische Umgestaltung auf antidemokratischer Weise von oben und führte zu starken sozialen und nationalen Gegensätzen.

Ausgleichbecken: Becken in Wasserversorgungsanlagen, das dem Ausgleich unvermeidliche Schwankungen zwischen der von der Wassergewinnungsanlage bereitgestellten und der an der Verbraucherstelle entnommenen Menge dient.

Ausgleicher: Lastaufnahmemittel in Form zum Beispiel eines Seil- oder Kettengehänges, dessen Stranglängen sich so einstellen lassen, dass willkürliche Neigungen langer, großer oder sperriger Lasten beim Kranbetrieb ausgeschlossen werden.

Ausgleichsanspruch: 1. Anspruch gegen den Verantwortlichen auf angemessene Wiedergutmachung in Geld wegen Gesundheitsschäden, die das Wohlbefinden erheblich oder längere Zeit beeinträchtigen (sogenannt Schmerzensgeld); soll Ausgleich auch wegen der dadurch beschränkten Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Der Ausgleichsanspruch besteht neben sonstigen Schadenersatzansprüchen.

2. Geldanspruch eines Ehegatten, der zur Vergrößerung oder Erhaltung des Alleinvermögens des anderen Ehegatten wesentlich beigetragen hat, bei Beendigung der Ehe.

Ausgleichsküste: Küstenform, die durch Strandversetzung entstanden ist, das heißt durch den Aufbau von Nehrungen zwischen alten Strandvorsprüngen. bei gleichzeitiger Rückverlegung dieser Vorsprünge durch die Abrasion. Es wechseln Abschnitte von Flachufern mit solchen von Steilufern (zum Beispiel südliche Ostseeküste).

Ausgleichsrechnung: Methode zur Aufstellung empirischer Formeln, das heißt funktionaler Zusammenhänge zwischen einzelnen Größen aus einer großen Anzahl von Messwerten, die mit zufälligen Fehlern behaftet sind. Hauptschwierigkeit ist zunächst die Ermittlung einer hinreichend großen Klasse von Funktionen, aus der dann zum Beispiel mit der Methode der kleinsten Quadrate die spezielle Ausgleichsfunktion durch Berechnung gewisser Koeffizienten gewählt wird.

Ausgleichszahlung: Geldleistung des Betriebes an den Werktätigen im Rahmen des Arbeitsrechtsverhältnisses in solchen Fällen, in denen der Werktätige nicht arbeiten kann oder soll. Hauptanwendungsfälle sind Ausgleichszahlung bei Freistellung von der Arbeit, bei Arbeitsausfall, während des Erholungsurlaubs (Urlaubsvergütung). Die Höhe der Ausgleichszahlung ist vom Lohn des Werktätigen abhängig; grundsätzlich wird der Durchschnittslohn, in einigen Ausnahmefällen der Tariflohn gezahlt.

Ausgleichvorrichtung: in Rohrleitungen eingebaute Konstruktionselemente zur Aufnahme von temperaturbedingten Längenänderungen. Verwendet werden Muffenverbindungen, Linsenausgleicher, Rohrausgleicher als U- oder lyraförmiges Rohr (Kompensator) oder Faltenrohrstück (Ausdehnungsrohr), Metallschlauchausgleicher.

Ausgrabung: wissenschaftliche Untersuchung ur- und frühgeschichtliche Bodenaltertümer bis zum Mittelalter, bei der spezielle Grabungsmethoden Anwendung finden.

Aushängebogen: Polygraphie während des Fortdruckes entnommener und dem Auftraggeber zugestellter Bogen, der vom Fortgang und Ausfall der Druckarbeit unterrichtet.

Aushärten: Verfahren der Wärmebehandlung, setzt sich zusammen aus Lösungsglühen (Glühen), Abschrecken (Abkühlen) und Halten bei Raum- (Kaltauslagern) oder höherer Temperatur (Warmauslagern), bei dem durch Ausnutzung des temperaturabhängigen Lösungsvermögens von Mischkristallen insbesondere die mechanischen Eigenschaften verändert werden. Aushärten wird zum Beispiel bei AlCuMg- und AlMgSi-Legierungen angewandt, aber auch bei sogenannt martensitaushärtbaren Stählen.

Aushauschere, Figurenschere: mechanische Schere mit verstellbarem Kurbeltrieb, Hubzahl des Obermessers 1000 bis 1500 je min; Ober- und Untermesser sind waagerecht um 360° schwenkbar. Die Aushauschere dient zum Ausschneiden beliebig geformter ebener Zuschnitte aus Blech von 1 bis 4 mm Dicke und ermöglicht das Ausschneiden komplizierter Durchbrüche und Umrisse, zum Teil auch mit numerischer Steuerung ausgeführt. Sie ersetzt zeitraubendes Ausbohren oder Aussägen und erspart bei kleinen Stückzahlen teure Schnittwerkzeuge.

Aushilfstätigkeit: vorübergehende Tätigkeit eines Werktätigen im Betrieb im Rahmen eines Arbeitsrechtsverhältnisses an Stelle eines wegen Freistellung von der Arbeit, ruhenden Arbeitsrechtsverhältnisses o. ä. zeitweilig nicht einsetzbaren Mitarbeiters. Bei Aushilfstätigkeit kann für die erfordert. Zeit ein befristeter Arbeitsvertrag abgeschlossen werden.

Auskauf: Form des feudalen Bauernlegens, indem der Gutsherr den Bauern mit außerökonomischen Mitteln zwingt, seine Wirtschaft an den Gutsherrn zu verkaufen, oder der Gutsherr die Bauernstelle gegen eine von ihm festgelegte Entschädigung einzieht.

Auskeilen: Geologie - allmähliche Mächtigkeitsabnahme einer Gesteinsschicht (Flöz, Erzgang) bis zu ihrem völligen Verschwinden.

Auskeilung: beim Erdbau Übergang vom Auftrag (Damm) in den Abtrag (Einschnitt).

Ausklinken: 1. Abtrennen eines Werkstoffteils von einem Werkstück oder Halbzeug längs einer nicht in sich geschlossenen und nicht geradlinigen Schnittlinie mittels Schere, Schnittwerkzeugs und Presse oder durch Brennschneiden.

2. Lösen des Schleppseils beziehungsweise des Startseils vom Segelflugzeug.

Auskofferung: Schließen eines Hohlraumes; im Straßenbau mit einer Packlage; im Wasserbau die Pflasterung des Flussbettes unter Brücken gegen Unterspülung oder die Umwandung von Hohlräumen mit Faschinen.

Auskolkung: Aushöhlung von Locker oder Festgesteinen durch Wasserwirbel zum Beispiel bei Deichbrüchen, hinter Wehren und Staumauern.

Auskultation: Abhorchen des Körpers mit oder ohne Hörrohr (Stethoskop) zur Erkennung von Lungen-, Herz- und Baucherkrankungen sowie zur Beurteilung der Herztöne des ungeborenen Kindes.

Ausladung: 1. Maß, um das ein Bauglied, zum Beispiel ein Gesims, gegenüber anderen Bauteilen hervorspringt (auskragt).

2. Reichweite des Auslegers von Kranen.

Auslandsinvestitionen: Form des Kapitalexports, bei der Kapitalem Ausland profitbringend angelegt wird und in der Verfügung des Kapitalexporteurs bleibt. Auslandsinvestitionen sind möglich durch den Erwerb von Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren, durch Kapitalbeteiligung an bestehenden Betrieben und Einrichtungen oder durch Direktinvestition bei der Errichtung neuer Betriebe.

Auslandsmontage: Tätigkeit eines Werktätigen im Rahmen eines Arbeitsrechtsverhältnisses für einen Betrieb im Ausland. Bei Auslandsmontage gelten besondere Regelungen für den Arbeitslohn, den Erholungsurlaub, die Reisekosten, die Arbeitspflichten unter anderem.

Auslandsversicherung: Versicherungsform, bei der entweder der Versicherungsfall im Ausland eintritt oder die Versicherungsleistung in fremder Währung zu zahlen ist.

Auslassen: Zerschneiden einer Fellfläche in schmäle Schrägstreifen, die entsprechend der Haarlänge versetzt wieder zusammengenäht werden. Auslassen wird zur Verlängerung von Pelzfellen in der Pelzkonfektion angewendet.

Ausläufer: ober- oder unterirdisch horizontal wachsende, der vegetativen Vermehrung dienende Seitensprosse einer Pflanze mit verlängerten, dünnen Gliedern, deren Knospen sich bewurzeln und die durch Absterben der verbindenden Sprossteile zu selbständigen Pflanzen werden können; zum Beispiel bei Kriechendem Hahnenfuß und Erdbeere.

Auslaugung: Geomorphologie Lösung und Verfrachtung von leicht wasserlöslichen Sedimenten (Salze, Kalke) unter der Erdoberfläche durch Grundwasser. Da die hangenden Deckschichten über dem sich bildenden Hohlraum nachsacken können, entsteht an der Erdoberfläche eine Auslaugungssenke (zum Beispiel Goldene Aue). Auslaugungshohlräume werden bei entsprechend geologischen Bedingungen zum Teil als Erdgasspeicher genutzt. Auslaut: letzter Laut eines Wortes oder einer Silbe, zum Beispiel «t» in mit, «1» in Hilfe.

Ausleger: 1. Maschinenbau: bei fördertechnischen Maschinen (Krane, Tagebaugeräte u. ä.) an einem Ende fest oder beweglich gelagerter Träger, der durch Seile, Zahnstangen oder hydraulische Arbeitszylinder gehoben oder gesenkt werden kann.

2. Ausleger: Rudersport: Metallstreben an der Bootsbordwand, an denen die Dolle befestigt ist.

Auslegeware: nichtabgepasster, nach verschiedenen Technologien hergestellter textiler Fußbodenbelag zum vollständigen Belegen von Fußböden von Wand zu Wand entweder in Rahnen (Teppichboden)I oder mit quadratischen Platten (Teppichfliesen). Ein Auslegeteppich ist ein gewebter oder gewirkter textiler Fußbodenbelag.

Auslegung, Interpretation (lateinisch): Feststellung des Sinns (Inhalts) einer Erklärung, eines Vertrages, einer Gesetzesnorm oder anderer juristisch bedeutsamer Dokumente insbesondere bei der Rechtsanwendung. Die Auslegung darf die inhaltliche Substanz nicht abändern.

Ausleihdienst: entgeltliche Ausleihe von langlebigen Gebrauchsgütern (zum Beispiel Fahrzeuge, Campingausrüstungen) zur befristeten, vertraglich festgelegten Nutzung. Der Ausleihdienst führt zur rationelleren Nutzung bei Waren der seltenen Nachfrage und zu einer schnelleren Bedürfnisbefriedigung für den wechselnden Benutzer. Die rechtliche Regelung erfolgt im Rahmen eines Dienstleistungsvertrages.

Auslesebaum, Plusbaum: für die Nachzucht bestimmter, nach phänotypischen Merkmalen ausgewählter Baum. Es wird Wert gelegt auf gute Wuchsleistung und -form, Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten, Anpassung an bestimmte Standortverhältnisse und besondere Holzqualität.

Auslichten: Entfernen überflüssiger oder zu alter Äste an Bäumen und Sträuchern, um Belichtung und Durchlüftung zu verbessern. Siehe auch Schnitt.

Auslieferung: Recht auf der Grundlage internationaler Vereinbarungen erfolgende Übergabe von Personen aus dem Herrschaftsbereich eines Staates an einen anderen Staat zum Zwecke der Strafverfolgung oder -Vollstreckung.

Auslöser: 1. Einrichtung an elektrischen Schaltgeräten zum selbsttätigen Ausschalten. Elektromagnetische Auslöser bewirken rasche Abschaltung hoher (Kurzschluss-) Ströme, thermischer Auslöser, meist Bimetall-Mechanismen, dienen der Überstromauslösung bei Überlastung der Leitungen oder angeschlossenen Geräte.

2. Vorrichtung an der fotografischen Kamera zum Betätigen des Verschlusses.

Auslosung: Form der Tilgung von Schuldverschreibungen oder Anleihen, bei der die Reihenfolge der zu tilgenden Serien oder Einzelanleihen durch das Los ermittelt wird.

Auslösung: Geldzahlung des Betriebes an Werktätig, die außerhalb des Betriebs- und Wohnsitzes zu arbeiten haben, als Entschädigungszahlung für dadurch entstehende Mehraufwendungen; auch Auswärtszulage genannt.

Ausnahmezustand: Inkraftsetzung eines Systems staatlicher Maßnahmen zur Bekämpfung von Notständen, die durch politische oder Naturereignisse verursacht wurden (kann mit Einschränkung oder Aufhebung von Grundrechten und -freiheiten der Bürger, Ausschaltung des Parlaments u. ä. verbunden sein). Für bürgerliche Regierungen ist der Ausnahmezustand eine häufig gebrauchte «legale» Form zur Unterdrückung demokratischer Massenbewegungen.

Ausonius, Decimus Magnus, lebte um 310-395, berühmter Rhetor und Lehrer in Gallien. Seine vielfältigen Werke sind kulturgeschichtlich wertvoll. Seine «Mosella» ist eine epischen Beschreibung der Mosel.

Auspizien: («Vogelschau») im alten Rom vermeintliche Erkundung der Zukunft durch Beobachtung des Verhaltens von Vögeln unter anderem Zeichen; von den Auguren vorgenommen.

Auspressgerät: Bautechnik fahrbarer Gerätekomplex zum Einbringen von Mörtel oder Zementleim in Hohlräume; besteht aus 2 Behältern mit Rührwerken, einer Membran- beziehungsweise Kolbenpumpe oder Druckluftinjektor.

Auspuffgeräuschdämpfer-Schalldämpfer, in die Auspuffleitung (Auspuffrohr) von Kfz-Verbrennungsmotoren eingebauter zylindrischer Stahlbehälter in der 5- bis 8fachen Größe des Motorhubvolumens zur allmählichen Entspannung (Schalldämpfung) der Abgase. Auspuff: Vorrichtung an Verbrennungsmotoren, Gasturbinen und Dampfmaschinen zum Abführen der Verbrennungsgase (Auspuffgeräuschdämpfergase) beziehungsweise des Abdampfes.

Auspuffklappe: bei schweren LKW und KOM in die Auspuffanlage eingebaute und von Hand zu betätigende Vorrichtung, wodurch der Motor während des Auspuffhubes als Kompressor arbeitet und eine zusätzliche Bremswirkung erzielt.

Ausrecken: Lederherstellung das Glätten der Lederfläche, um die durch die Körperform der Tiere verursachten Wölbungen zu beseitigen.

Ausrücken: Abschalten einer getriebenen Maschine durch Betätigung einer Schaltkupplung, zum Beispiel durch Verschieben eines Zahnrades, damit es nicht mehr in das Gegenrad eingreift, oder eines Flachriemens auf eine lose umlaufende Riemenscheibe; umgekehrter Vorgang Einrücken.

Ausrundung: Straßenbau Ausgleich von Neigungswechseln bei Straßengradienten durch Kreisbögen. Man unterscheidet Buckel, Kuppen, Senken und Wannen. Maßgebend für die Radiuswahl sind fahrdynamische Forderungen sowie genügende Sichtweiten bei Kuppen.

Ausrüstung: 1. endgültige Fertigstellung von Papier beziehungsweise Karton nach dem Blattbildungsvorgang in der Papiermaschine mittels verschiedener Arbeitsgänge, je nach Art und Verwendungszweck des Papiers zum Beispiel Feuchten, Satinieren, Prägen, Pressen, Umrollen, Schneiden, Sortieren, Zählen, Verpacken.

2. Textiltechnik: Appretur.

Aussage:

1. Logik: sprachliches Gebilde, das ausdrückt, dass sich gewisse Dinge der Realität in einer bestimmten Weise verhalten; verhalten sich diese Dinge tatsächlich in dieser Weise, gilt die Aussage als wahr, andernfalls gilt sie als falsch.

2. Recht: Beweismittel in Form von Mitteilungen über rechtserhebliche Tatsachen durch Zeugen, sachverständige Zeugen, Beschuldigte, Angeklagte oder Kollektivvertreter.

Aussageform, Satzfunktion: Logik - sprachliches Gebilde, das Leerstellen enthält, die meist durch freie Variable angezeigt werden, und das dadurch zu einer Aussage wird, dass in diese Leerstellen Bezeichnungen für gewisse Objekte eingesetzt werden.

Aussagenlogik: Gebiet der Logik, in dem systematisch die Aussagenverbindungen, insbesondere deren Wahrheitswerte, untersucht werden. Die innere Struktur einfacher Aussagen, die nicht Verknüpfung anderer Aussagen sind, wird nicht betrachtet; dies ist zum Beispiel Gegenstand der Prädikatenlogik. Die Aussagenlogik benutzt eine formale Sprache mit Variablen für Aussagen, Symbolen für Aussagenverbindungen sowie Klammem (siehe auch mathematische Zeichen). Speziell interessieren in der Aussagenlogik die Tautologien; ihrer systematischen Erzeugung dienen unter anderem Aussagenkalküle, das sind schematische Verfahren zur Herstellung weiterer aus vorgegebenen Aussagenverbindungen.

Aussagenverbindung, Aussagenfunktion, Aussagenoperation: Logik Verknüpfung von Aussagen zu einer neuen Aussage oder das Ergebnis der Verknüpfung. Bei extensionalen Aussagenverbindung (zum Beispiel Antivalenz, Konjunktion, Negation) hängt der Wahrheitswert der Aussagenverbindung nur von den Wahrheitswerten der verknüpften Aussagen ab. Dies ist jedoch nicht der Fall bei intensionalen Aussagenverbindung, zum Beispiel «p, weil q» oder Aussagenverbindung, die durch Anwendung des Modaloperators «notwendig» entstehen. Denn obwohl «2 + 2 = 4» und «die Erde hat 1 Mond» wahre Aussagen sind, ist «notwendig ist 2 + 2 = 4» wahr, aber «notwendig hat die Erde 1 Mond» falsch. Siehe auch Aussagenlogik, Modallogik.

Aussagepflicht: gesetzliche Pflicht von Zeugen und sachverständigen Zeugen vor Gericht, Staatsanwalt oder einem Untersuchungsorgan, wahrheitsgemäß auszusagen, soweit kein Recht zur Verweigerung der Aussage besteht.

Aussalzen: Ausfällen gelöster Stoffe durch Zusatz von Salzen, wodurch zum Beispiel die Löslichkeit des gelösten Stoffes überschritten oder ihm das Lösungsmittel entzogen wird.

Ausschabung, Kürettage: Auskratzen der Schleimhaut aus der Gebärmutterhöhle mit Hilfe einer Kürette bei Fehlgeburt sowie bei unphysiologischen Blutungen zur Klärung der Blutungsursachen oder als Heilmaßnahme.

Ausschaltleistung: Kenngröße von Leistungsschaltern; Ausschaltleistung ist die Summe der Produkte aus Ausschaltwechselstrom und wiederkehrender Polspannung der einzelnen Schaltpole; bei Niederspannungsschaltgeräten auch als Ausschaltvermögen bezeichnet. Die Ausschaltleistung ist eine wichtige Kenngröße zur Beherrschung der Kurzschlussabschaltung im Energieversorgungsnetz.

Ausscheidungsfahren: Radsport Bahnrennen, bei dem in den Wertungsrunden jeweils der Fahrer ausscheidet, dessen hinterster Rand des Hinterrades zuletzt die Ziellinie überquert.

Ausscheidungskampf: sportlicher Wettbewerb zur Ermittlung der in den Ausschreibungen festgelegten Teilnehmerzahl; wird vor dem eigentlich Wettkampf ausgetragen.

Ausschießen: Polygraphie das Zusammenstellen der Kolumnen (Satzseiten) auf der Schließplatte für die Druckform oder die Montage nach einem Ausschießschema, um die richtige Reihenfolge der Seiten nach dem Falzen der gedruckten Bogen zu erhalten.

Ausschlag: 1. Forstwirtschaft: vegetative Vermehrung bei Laubhölzern durch Austreiben schlafender Knospen an Stöcken (Stockausschlag) und Wurzeln (Wurzelbrut).

2. Medizin: Exanthem.

Ausschlagverfahren: a) Messverfahren mit direkter Anzeige des Absolutwertes der Messgröße, zum Beispiel Spannungsmessung mittels Drehspulinstruments unter anderem;

b) Messung der Verstimmung einer Brückenschaltung aus dem abgeglichenen Zustand heraus, zum Beispiel Dehnungsmessung mittels Dehnungsmessstreifen.

Ausschließen: Polygraphie Erzielen der vorgeschriebenen Satzzeilenbreite durch Verändern der Wortzwischenräume, im Fotosatz auch durch Variieren von Buchstabenabständen und -breiten. Siehe auch Blindmaterial.

Ausschluss der Öffentlichkeit: gesetzlich begründete Maßnahme des Gerichts, für die gesamte oder einen Teil der Hauptverhandlung Zuhörer von der Teilnahme auszuschließen, insbesondere wenn bei öffentlicher Verhandlung die Sittlichkeit, die Sicherheit des Staates oder die Geheimhaltung bestimmter Tatsachen gefährdet wäre.

Ausschlussfrist, Präklusivfrist (lateinisch): durch Rechtsvorschrift, gerichtliche Anordnung oder Vertrag bestimmter Zeitraum, innerhalb dessen eine Handlung vorzunehmen ist, wenn nicht ein Rechtsverlust eintreten soll.

Ausschneiden: Heraustrennen eines Werkstückausschnittes längs einer in sich geschlossenen Linie mittels Aushauschere, Schnittwerkzeugs oder durch Brennschneiden.

Ausschreibung: 1. Sport: Bekanntgabe von Ort, Zeit, Teilnahme- und Durchführungsbedingungen für eine Sportveranstaltung.

3. Wirtschaft: die öffentliche Aufforderung zur befristeten Abgabe von Angeboten mit Kostenanschlägen, Preis- und Lieferfristen für bestimmte Leistungen oder Lieferungen, besonders bei Bauvorhaben.

Ausschuhen, Exungulation (lateinisch): Loslösen der Hornkapsel von Huf oder Klaue von der darunterliegenden Lederhaut; tritt als Folge infektiöser Erkrankungen (zum Beispiel Maul- und Klauenseuche) oder nach mechanischer Einwirkungen auf.

Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums, Committee of the Peaceful Uses of Outer Space, Abkürzung COPUOS, UN-Weltraumausschuss: internatische Organisation der UN zur Vorbereitung von entsprechend Resolutionen der UN-Vollversammlung und zum Entwerfen von Verträgen zur Verhinderung des Missbrauchs des Weltraums zu militärischen Zwecken sowie zur Zusammenarbeit der Staaten im Weltraum, Intensivierung der Kontakte zwischen den an Raumfahrtfragen interessierten UN-Mitgliedern 1959 gegründet; Sitz New York.

Ausschuss zur Untersuchung unamerikanischer Betätigung, englisch House un american Activities Committee (haus) n, Abkürzung HUAC: 1938 gegründet Spezialausschuss des Repräsentantenhauses der USA, der in der Zeit des kalten Krieges ab 1946 als ständiger Ausschuss den imperialistischen Gesinnungsterror in den USA (McCarthyismus) leitete und alle fortschrittliche Kräfte verfolgte. Nach seinem Vorbild wurden ähnlich Ausschüsse in Staatsorganen sowie wissenschaftliche und kulturellen Institutionen tätig.

Ausschütteln: Abtrennen eines Stoffes aus einer Lösung durch Schütteln mit einem zweiten Lösungsmittel, das mit dem ersten nicht mischbar ist, so dass sich 2 trennbare Schichten bilden. Eisen(III)-ionen lassen sich zum Beispiel aus salzsaurer Lösung durch Ausschütteln in Diäthyläther überfuhren (Ausäthern).

Aussee: Kurort in der Steiermark (Österreich), im Salzkammergut, an der Traun; 5200 Einwohner; Salzbergbau, Salzsudwerk; Sol- und Heilbad, Wintersportplatz.

Außenbeleuchtung: Anstrahlung und Ausleuchtung von Außenräumen, wie Flächen, Straßen, Verkehrs-, Industrie- und Sportanlagen sowie Fassaden meist mittels Hochdruckentladungslampen (Quecksilberdampf-Hochdruck-, Halogen-Metalldampf- und Natriumdampf-Hochdrucklampen).

Außenbordmotor: außen am Heck (Heckmotor) oder seitlich (Seitenbordmotor) am Bootskörper angebrachter Antriebsmotor (meist Zweitakt-Ottomotor) mit senkrecht stehender Kurbelwelle.

Außenbord-Rennboot: Motorboot mit Außenbordmotor, dessen Bootskörper und Motor keinen Konstruktionsbeschränkungen unterliegt. Es ist beliebiger Kraftstoff erlaubt. Die Gruppe Außenbord-Rennboot umfasst 10 Klassen, unter anderem OA bis 250 cm5, OB bis 350 cm3, OC bis 500 cm3 Hubvolumen. In diesen Klassen werden Welt- und Europameisterschaften ausgetragen.

Außenhandel: die Staatsgrenze überschreitende Warenzirkulation; umfasst Export und Import von Waren und Leistungen, aktive und passive Lohnveredelungen sowie Reexporte.

Außenhandelsbanken: Spezialbanken oder Bankfilialen zur Abwicklung des internationalen kommerziellen und nichtkommerziellen Zahlungs- und Verrechnungsverkehrs und zur Finanzierung von Export- und Importgeschäften. Grundlage ihrer Tätigkeit in den sozialistischen Ländern ist das staatliche Valutamonopol.

Außenhandelsmonopol, staatliches: Kategorie der sozialistischen Ökonomik, deren Wesen darin besteht, dass die Leitung, Planung und Organisation des Außenhandels das souveräne Recht des sozialistischen Staates ist. Im Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Planung der Volkswirtschaft legt der sozialistischen Staat verbindlicher Export- und Importpläne beziehungsweise -aufgaben fest und regelt, welche Organe jeweils mit der Leitung und Planung des Außenhandels sowie mit der Durchführung der Außenhandelsgeschäfte beauftragt werden. Das staatliche Außenhandelsmonopol ist in der Verfassung der DDR verankert. Es ist Bestandteil des Außenwirtschaftsmonopols, das sich auf die gesamte Außenwirtschaft und auch auf das Valutamonopol (bezieht sich auf alle Valutabeziehungen mit dem Ausland) und Außenhandelstransportmonopol (bezieht sich auf alle mit dem Außenhandel zusammenhängenden Transporte) erstreckt.

Außenhandelsrentabilität: finanzieller Ausdruck des direkten ökonomischen Nutzeffektes des Außenhandels oder auch des einzelnen Geschäftsabschlusses. Die Außenhandelsrentabilität wird ermittelt, indem der Aufwand dem Erlös gegenübergestellt wird, und zwar als Exportrentabilität beim Export (Inlandspreis plus Zirkulationskosten zum Devisenerlös) sowie als Importrentabilität beim Import (Devisenpreis plus Zirkulationskosten zum Inlandserlös). Hohe Exportrentabilität wird im Wesentlichen durch eine im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohe Arbeitsproduktivität bei der Herstellung der Exportware sowie durch die Bereitstellung qualitativ hochwertiger, dem Bedarf auf den Auslandsmärkten entsprechend Exporterzeugnisse ermöglicht.

Außenhandelsvertrag: internationaler Wirtschaftsvertrag über den Export oder Import von Waren oder Leistungen; dazu gehören insbesondere die Außenhandelslieferverträge mit Partnern in anderen sozialistischen Ländern und die Außenhandelskaufverträge mit Partnern im Wirtschaftsgebiet.

Außenhaut: äußere Beplattung der Bordwände und des Bodens von Schiffen oder Schwimmkörpern.

Außenseiter, Outsider: Wettkampfteilnehmer mit geringen Siegesaussichten.

Außenwelt: Gesamtheit der außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein in Raum und Zeit existierenden Struktur-, Bewegungs- und Entwicklungsformen der Materie im Unterschied zur psychischen Innenwelt des Menschen. Die Außenwelt wird vom Bewusstsein durch Empfindungen, Wahrnehmungen, Begriffe, Aussagen, Theorien und so weiter widergespiegelt. Sie ist sowohl Gegenstand als auch Quelle der Erkenntnis. Siehe auch Abbildtheorie.

Außenwinkel: in einem konvexen Vieleck Nebenwinkel eines Innenwinkels.

Außenwirtschaft: Gesamtheit der ökonomischen Beziehungen eines Landes mit anderen Ländern. Die Außenwirtschaftsbeziehungen erstrecken sich auf alle Sphären der Reproduktion. Die Außenwirtschaft einer Sozialist; Volkswirtschaft umfasst die Produktionszusammenarbeit (internationale Spezialisierung und Kooperation), die wissenschaftlich-technischer sowie die Investitionszusammenarbeit, den Außenhandel, die internationalen Währungs-, Finanz- und Kreditbeziehungen, den internationalen Austausch (Handel) von kommerziellen und nichtkommerziellen Dienstleistungen.

Außenwirtschaftseffektivität: Gesamtheit der nützlichen Wirkungen (Effekte) der Außenwirtschaft. Sie umfasst die ökonomische Effekte der Außenwirtschaft mit den Produktionseffekten (zum Beispiel größere Maßstäbe der Produktion infolge internationaler Spezialisierung und Kooperation der Produktion) sowie die spezifischen Austauscheffekte des Außenhandels (Außenhandelsrentabilität) einerseits und die außerökonomischen Effekte (auf politischen, strategischen, sozialen unter anderem Gebieten) außenwirtschaftliche Tätigkeit.

Aussöhnungsverhandlung: erster Verfahrensabschnitt in Ehescheidungssachen; Aussprache des Gerichts mit den Prozessparteien über den Ehekonflikt und seine Ursachen, die noch bestehenden Gemeinsamkeiten und die Auswirkungen der Scheidung auf Ehegatten und Kinder. Ziel der Aussöhnungsverhandlung ist die Aufrechterhaltung der Ehe durch Überwindung des Konflikts; scheitert die A, ist die streitige Verhandlung durchzuführen. Unter besonderen Umständen kann von der Aussöhnungsverhandlung abgesehen werden.

Aussperrung: zeitweiliger Ausschluss von Belegschaften Betriebe aus dem Betrieb unter Einbehaltung des Arbeitslohnes; eine Form des Klassenkampfes der Unternehmer gegen die Arbeiterklasse, um sie in erpresserische Weise zu zwingen, auf weiteren Kampf zum Schutz ihrer Klasseninteressen zu verzichten; wird im bürgerlichen Staat rechtlich gebilligt.

Ausstattung: Zuwendungen, die Kinder von ihren Eltern zur Erlangung einer selbständigen Lebensstellung oder anlässlich ihrer Verheiratung erhalten; in der DDR gelten keine diesbezügliche Spezialbestimmungen mehr. Siehe auch Aussteuer.

Ausstattungsgrad: Kennziffer, die die Grundmittelausstattung je Arbeitskraft (Produktionsarbeiter) im Betrieb oder Wirtschaftszweig charakterisiert; Verhältnis zwischen dem Wert der Produktionsgrundfonds und der Anzahl der Produktionsarbeiter. Der ständig steigende Ausstattungsgrad ist ein Ausdruck der wachsenden Bedeutung der Grundmittel in der wissenschaftlich-technischen Revolution.

Ausstattungsstück: Bühnenwerk, bei dessen Aufführung der dekorative Aufwand und der Aufwand an Kostümen bestimmendes (oft überbetontes) Wirkungselement ist.

Aussteifen: Sichern eines Bauwerkes oder Bauteiles durch Streben, Pfeiler, Vorlagen, Wände und so weiter gegen Verformungen, wie zum Beispiel Einsturz, Zusammendrücken, Knicken, Verschieben. Siehe auch Abspannen, Verbau.

Aussterben: Erlöschen von Arten (Tiere, Pflanzen, Mikroben) oder Artengruppen, zum Beispiel Stammesreihen infolge mangelnder Anpassung an Umweltveränderungen, diese können auch durch den Menschen verursacht sein.

Aussteuer, Mitgift (zu «geben»): die 1 Ausstattung, die früher einer Tochter bei ihrer Verheiratung zur Einrichtung des Haushalts gegeben wurde.

Aussteuern: die zeitabhängige Steuerung des Ausgangsdurch das Eingangssignal über die Aussteuerkennlinie elektronische Bauelemente, Bausteine oder Geräte (zum Beispiel Transistor, Bildröhre, Verstärker, Sender).

Aussteuerung: in kapitalistischen Ländern Wegfall von Leistungen der Sozial- oder Arbeitslosenversicherung bei Ablauf eines festgelegten Zahlungszeitraumes; bringt die Arbeiter und ihre Familien oft in soziale Notlage.

Aussteuerungsbereich: das von Aussteuerungsgrenzen bestimmte Intervall, in dem die Amplituden des Eingangssignales einer elektronischen Schaltungsanordnung liegen müssen, damit die von der Schaltung geforderten Parameter eingehalten werden (zum Beispiel Einhaltung des geforderten Klirrfaktors, lineare Beziehung zwischen Ausgangs- und Eingangssignal, Verzerrungen, Eigenerregung).

Ausstößen: Lösen der Haut geschlachteter Tiere vom Körper durch Schläge.

Ausstrich: 1. Biologie: Aufträgen von Gewebesaft, Blut unter anderem flüssigem Material auf einen Objektträger; danach Fixierung und Färbung.

2. Geologie: Schnitt eines Gesteinskörpers mit der Erdoberfläche.

Ausströmungsgeschwindigkeit: 1. Physik Geschwindigkeit, mit der eine Flüssigkeit oder ein Gas aus einem Gefäß strömt; hängt vom Druck, der auf den Stoff wirkt, und seiner Dichte ab. entsprechend verhalten sich bei gleichem Druck und gleicher Temperatur die Ausströmungsgeschwindigkeit V1, v2 zweier Gase umgekehrt wie die Wurzeln aus ihren molaren Massen Af1; Af2; v,/v2 = (Bunsensches Ausströmungsgesetz).

Ausströmgeschwindigkeit: Raketentechnik Geschwindigkeit, mit der die Teilchen des Antriebsstrahls die Schubdüse eines Rückstoßtriebwerk! verlassen. Siehe auch Raketentriebwerk.

Austauschbau: Prinzip der Konstruktion und Fertigung, wonach Bauelemente und Baugruppen so genau hergestellt werden, dass sie ohne oder mit nur geringem, definiertem Aufwand an Nacharbeit zu einem funktionstüchtigen Erzeugnis zusammengebaut (gefügt, gepaart) und erforderlichenfalls ausgetauscht werden können; ihre Herstellung ist daher zeitlich und örtlich voneinander unabhängig. Austauschbau unterstützt wesentlich die Gütesicherung und Wirtschaftlichkeit in Produktion und Konsumtion. Austauschbau wird hauptsächlich durch Standards gewährleistet.

Austauschkapazität, T-Wert: bodenkundlicher Begriff für die Menge der von den Bodenkolloiden Bodenchemie insgesamt gebundenen Kationen, gemessen in Millival (mval) je 100 g Bodenmaterial siehe auch Kationensorption.

Austauschleistung: zwischen Teilnetzen elektrische Energieverbundnetze austauschbare elektrische Leistung, die den wirtschaftlichen Verbundbetrieb bestimmt.

Austauschprozess: Bindeglied zwischen Produktion und Konsumtion. Bei der Warenproduktion vollzieh sich der Austauschprozess im Allgemeinen als Warenaustausch und er scheint in Form des Verkaufs und Kaufs. Die Gesamtheit aller Austauschprozess bildet den Markt. Unter Austauschprozess versteht man den im Prozess der Arbeitsteilung siel vollziehenden Austausch der Tätigkeiten, Erfahrungen und Gebrauchswerte.

Austauschreaktion: eine direkte Kernreaktion, bei der ein oder mehrere Nukleonen zwischen Geschoßteilchen und Targetkern ausgetauscht werden.

Austauschstoff: Werkstoff, der auf Grund seiner Eigenschaften an Stelle anderer herkömmlicher Werkstoffe verwendet werden kann und diese voll ersetzt. Ein Teil der Austauschstoff (zum Beispiel Aluminium, Glas, Plaste, Porzellan) entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der Rohstoffbasis der modernen Industrie.

Austauschtransfusion: schrittweiser Austausch des Blutes gegen Spenderblut; angewendet bei schweren Vergiftungen, Transfusionszwischenfallen und fetaler Erythroblastose. Siehe auch Bluttransfusion.

Austauschverhältnisse: als Teil der Produktionsverhältnisse die Verhältnisse, unter denen sich der Austausch von Produkten beziehungsweise Tätigkeiten der durch Arbeitsteilung getrennten (Kapitalismus) oder arbeitsteilig gemeinsam arbeitenden (Sozialismus) Produzenten vollzieht. Im Kapitalismus sind die Austauschverhältnisse durch den Ausbeutungsprozess gekennzeichnet (Austausch zwischen Kapital und Arbeit). Im Sozialismus ist die planmäßige Gestaltung der Austauschverhältnisse Grundlage für die proportionale Entwicklung aller Teile der Wirtschaft sowie für die weitgehende Übereinstimmung der gesellschaftlichen und individuellen Interessen.

Austauschwechselwirkung, Austauschkraft - quantenmechanischer Effekt, der auf der Ununterscheidbarkeit identische Teilchen, zum Beispiel Elementarteilchen gleicher Art, und auf dem ständigen Austausch ihrer Quantenzustände, zum Beispiel elektrische Ladung oder Spin, beruht. Die Austauschwechselwirkung erklärt die homöopolare chemische Bindung und ist für die Kristallbildung und den Ferromagnetismus wichtig.

Austen, Jane, 16.12.1775-18.7.1817, englische Schriftstellerin; schildert in realistischen Romanen wie «Gefühl und Verstand» (1811, deutsch), «Stolz und Vorurteil» (1813, deutsch), «Der Park von Mansfield» (1814, deutsch) und «Emma» (1816, deutsch) bei Weiterführung der Erzählweise der Aufklärung in detaillierter psychologischer Charakterzeichnung das Alltagsleben des englischen Bürgertums und des niederen Adels auf dem Lande.

Austenit: (nach einem britischen Metallurgen) y-Eisenmischkristall mit kubisch-flächenzentrierter Struktur, unmagnetisch. In Eisenlegierungen allgemein oberhalb 723°C, durch größere Zusätze (zum Beispiel Nickel) auch bei Raumtemperatur vorhanden.

Austerity: («strenge Einfachheit») Bezeichnung für die Einschränkung der Lebenshaltung der britischen Bevölkerung im 2. Weltkrieg, danach besonders angewendet auf die antisoziale Sparpolitik der Nachkriegs-Labour-Regierung Attlee und wieder aufgegriffen zur Kennzeichnung der auf Kosten der Werktätigen betriebenen Wirtschafts- und Sozialpolitik der britischen Regierungen in den 70er und 80er Jahren.

Austern, Ostreidae: Familie dickschaliger Meeresmuscheln in warmen und gemäßigten Meeren, meist auf Austernbänken vor den Küsten. Nach freibeweglicher Larvenzeit auf festem Untergrund mit der linken Schale festgeklebt. Einige Arten sind Nahrungsmittel, wie die europäischen Austern (Ostrea edulis); siehe auch Muscheln.

Austernfisch, Opsanus tau: zu den Froschfischen gehörender, bis 25 cm langer Speisefisch der nordamerikanischen Atlantikküste bis Kuba; frisst Muscheln und Krebse, lebt auch zwischen Zivilisationsmüll.

Austernfischer, Haematopus ostralegus: an Meeresküsten lebender schwarzweißer Regenpfeifervogel, etwa 43 cm lang, mit roten Beinen und langem rotem Schnabel; ernährt sich von Sandwürmern, Kleinkrebsen, Muscheln unter anderem.

Austin: Hauptstadt des Bundesstaates Texas (USA), am Colorado; 350000 Einwohner als Metropolitan Area 470000 Einwohner; Holz-, chemische, Lederindustrie, Konservenherstellung, Maschinenbau; Zentrum des Baumwoll-, Mais- und Viehhandels; 2 Universitäten.

Austragen: genaue geometrische Aufzeichnung von Bauteilen zur Ermittlung von Überschneidungen, Überlagerungen und Ausschnitten, zum Beispiel bei komplizierten Dachkonstruktionen.

Australasien: nicht eindeutig umrissene geographische Bezeichnung, bald auf den Malaiischen Archipel, Australien und Ozeanien zusammen, bald nur auf die letzten beiden, auch auf den Malaiischen Archipel allein angewandt.

Australien: (dat. terra australis, «Südland») kleinster Erdteil und zugleich Staat (parlamentarische Monarchie), auf der Südhalbkugel, im Nordwesten, Westen und Süden vom Indischen, im Norden, Osten und Südosten vom Stillen Ozean umspült; verwaltungsmäßig in Bundesstaaten und Territorien gegliedert. Unter der Verwaltung von Australien stehen einige Inseln im Stillen und Indischen Ozean, so Kokosinsel, Heard- und McDonaldinseln sowie Weihnachts-, Norfolk-, Macquarie-, Lord-Howe-Insel und die Ashmore- und Cartier-Inseln. Währung ist der Australische Dollar. Bevölkerung. Die Bewohner Australiens sind überwiegend europäische, zumeist britische Abstammung. Die Urbevölkerung ist auf Tasmanien völlig, im übrigen Australien bis auf etwa 110000 Menschen ausgerottet. Sie ist großen Diskriminierungen ausgesetzt. Amts- und Verkehrssprache ist Englisch. Größte Bevölkerungsdichte haben die küstennahen Gebiete, besonders im Osten und Südosten des Landes. Durch Geburtenüberschuss, aber auch durch Einwanderung (in den letzten Jahren rückläufig) stetiges Bevölkerungswachstum. Von den Bewohnern leben 70% in Städten mit mehr als 100000 Einwohnern, 26,2% der Bevölkerung sind bis 14 Jahre, 64,6% 15 bis 64 Jahre, 9,2% 65 Jahre alt und älter. Natur. Oberfläche. Australien ist ein ausgedehntes Tafelland. Die wenig gegliederte Küste weist nur einige größere Buchten und Halbinseln (Carpentariagolf, Kap-York-Halbinsel im Norden, Große Australische Bucht mit Spencer- und Sankt-Vincent-Golf im S) auf; einzige größere Insel ist Tasmanien. Der Nordostküste ist auf über 2000 km Länge das Große Barriereriff (Korallenriff) vorgelagert. Durch geologischen Bau und nach Oberflächengestalt gliedert sich Australien in 3 ungleiche Teile: im Osten die zur Küste steil und nach Westen allmählich abfallende ostaustralische Kordillere (in den australischen Alpen bis 2230 m), im Westen der aus präkambrischen Gesteinen bestehende, 300 bis 500 m über dem Meeresspiegel gelegene westaustralischen Schild, der etwa zwei Drittel As einnimmt und eine weite Abtragungsfläche darstellt, die von einzelnen Bergländern (MacDonnell Ranges unter anderem) überragt wird. zwischen beiden liegt eine von Sedimenten erfüllte, grundwasserreiche Tieflandzone mit großen und vielen kleinen artesisches Becken (etwa 200000 artesische Brunnen und Quellen), die für die landwirtschaftliche Nutzung des Landes von größter Bedeutung sind. Klima. Australien liegt in der tropischer, subtropischer und gemäßigten Zone und umfasst 5 Klimagebiete: im Norden heißes tropisches, im Nordosten warmgemäßigtes Monsunklima, im Osten und Südosten (Neusüdwales und Victoria) immer feuchtes, um Adelaide und an der Südwestküste wechselfeuchtes, warmgemäßigtes Klima, im Innern Australiens (über zwei Drittel des Erdteils) sommerheißes und winterkühles Trockenklima. Hier liegen unter anderem Große Sand-, Gibson- und Große Victoriawüste, mit zum Teil sehr hohen Temperaturen (Marble Bar, an bis zu 160 aufeinander folgenden Tagen Maxima über 38°C, sogenannt Hitzepol der Erde). Insgesamt haben etwa 40% Australiens einen Jahresniederschlag unter 250 mm. Gewässer. Etwa 60% des Kontinents sind abflusslos. Im Innern bildeten sich nur periodische oder episodische Flüsse, die vielfach in Salzseen oder -sümpfen enden. Auch die Gewässer im Nordteil der Westabdachung versickern im Innern, während die für die Bewässerung und Elektroenergieerzeugung bedeutsamen des Südteils sich im Murray-Darling-Stromsystem sammeln. Pflanzen- und Tierwelt. Sie ist durch zahlreiche, zum Teil nur in Australien vorkommende, entwicklungsgeschichtlich altertümliche Arten gekennzeichnet: Beutel- (besonders Känguru), Kloakentiere, Emu, Lungenfische; Eukalyptus-, Grasbaum, Kasuarine, Stachelkopfgras (Spinifex) unter anderem Durch aus Europa eingeführte Tiere (u. 3. Kaninchen) wurde das biologische Gleichgewicht gestört. Am Carpentariagolf Mangrovendickicht, in den Randgebieten im Nordosten tropische, an der Ostküste subtropischer immergrüner Regenwald, im Südosten Australiens an der Westabdachung der ostaustralischen Kordillere Eukalyptuswälder, im Bereich der Blauen Berge und auf Tasmanien feuchte Bergwälder und subalpine Vegetation, landeinwärts lichtere Wälder, Savannen, Grassteppen, an den Flüssen der südlichen Ebenen Galeriewälder, im Innern, besonders im westlichen und mittleren Teil, schwer passierbare Einöden mit Eukalyptus- und Akaziengestrüpp (Scrub), Salzbuschsteppen, stellenweise vegetationslose Fels-, Sand- und Geröllwüsten. Hinsichtlich der Bodenschätze ist Australien eines der reichsten Länder der Erde (siehe Abschnitt Bergbau).

Australische Alpen: höchster Teil der ostaustralischen (Cordillere; in den Snowy Mountains bis 2230 m Mount Kosciusko); weithin Rumpfschollengebirge des Carbon mit flachwelligen Hochflächen; im Südwinter schneebedeckt; Wintersportgebiet.

Australisches Verfolgungsrennen: Radsport Bahnrennen, bei dem eine beliebige Zahl Fahrer in Reichen Abständen auf der Bahn verteilt wird und auf ein zentrales Kommando startet. Eingeholte Fahrer scheiden aus, Sieger ist der letzte auf der Bahn verbliebene Fahrer.

Austreibungszeit: Zeit von etwa 0,2 Sekunden Dauer, in der von den Herzkammern im Anschluss m die Anspannungszeit das Blut in die Aorta beziehungsweise die Lungenarterie getrieben wird.

Austrittsarbeit: Physik beim Austritt eines Teilchens aus der Oberfläche eines Stoffes zu verrichtende Arbeit, zum Beispiel beim Verdampfen und bei der Elektronenemission. Beim glühelektrischen Effekt wird die Austrittsarbeit durch die thermische Energie der Elektronen, beim lichtelektrischen Effekt durch die Energie des absorbierten Lichtquants aufgebracht. Die Austrittsarbeit beträgt zum Beispiel für Platin 5,36 eV, für Barium 2,52 eV, für Zalium 1,94 eV und für Bariumoxid 1,1 eV.

Auswahlregel: Regel, nach der Übergänge zwischen stationären Zuständen eines Quantensystems, zum Beispiel eines Atoms, oder Prozesse zwischen Elementarteilchen ausgeschlossen sind, wenn diese zwar dem Erhaltungssatz von Energie und Impuls, nicht aber anderen Erhaltungssätzen, zum Beispiel für die Parität, den Drehimpuls und weitere Quantenzahlen, genügen.

Auswanderung: Verlassen des Heimatstaates mit dem Ziel dauernder Niederlassung im Ausland; siehe auch Exil.

Auswaschdruckplatte: eine Originaldruckplatte für Hochdruck; lichtempfindlich gemachtes Material (Plast, Gelatine) wird unter einer Kopiervorlage belichtet, wobei die Druckelemente gehärtet werden. Die unbelichteten, nicht gehärteten, nichtdruckenden Stellen werden ausgewaschen.

Auswaschungsverluste: durch im Boden abwärts gerichtete Sickerwasserbewegungen bewirkter Verlust an Nährelementen im Bereich der Hauptdurchwurzelungszone.

Auswerfer: Einrichtung an Maschinen oder Umform- beziehungsweise Urformwerkzeugen zum selbsttätigen Ausstößen des fertigen Werkstückes.

Auswintern: Einwirken von Frost und Nässe auf Ton oder Lehm zum Auswaschen schädlicher Beimengungen bei der Ziegelherstellung.

Auswinterung: Bezeichnung für Schäden an überwinternden Feldfrüchten durch Frosteinwirkung oder Ersticken und Ausfaulen (lange liegende, verharschte Schneedecke oder Schmelzwasserlachen).

Auswuchs: vorzeitiges Auskeimen der Samen (Auswuchskörner) auf dem Halm, besonders in feuchten Sommern; Lagergetreide ist sehr gefährdet.

Auswuchten: Ausgleichen von Unwuchten, die sich durch Fertigungsungenauigkeiten ergeben und durch Abweichungen des Schwerpunktes beziehungsweise der Schwerachse von der Drehachse bei umlaufenden Maschinenelementen auftreten. Die Beseitigung der Unwuchten erfolgt durch Masseentfernung (Aus- oder Abbohren) oder Anbringung von Zusatzmassen (bei Kraftfahrzeugrädern).

Auswurf, Sputum (lateinisch): abgehustete Absonderungen (schleimig, eitrig, blutig) aus Luftröhre, Bronchien und Lungen.

Auszahlungsmatrix, Gewinnmatrix-. Spieltheorie eine Matrix, deren Elemente die Auszahlungen (Gewinne) eines Spielers darstellen, die den möglichen Zügen (Handlungen) der beiden Spieler zugeordnet sind. Dabei entsprechen die Spalten den mögliche Zügen des Spielers 1, die Zeilen denen des Spielers 2.

Auszeichnen, Anreißen, Anweisen: Forstwirtschaft Bezeichnen der Stämme (zum Beispiel mit einem Reißhaken anreißen), die bei der nächsten der periodisch wiederkehrenden Maßnahmen zur Bestandspflege gefallt werden sollen.

Auszeichnungen: moralische und materielle Anerkennung beispielhafter Leistungen durch den sozialistischen Staat, die Parteien und Massenorganisationen, Betriebe, Einrichtungen, Genossenschaften und so weiter in Form von Lob, Geld- beziehungsweise Sachprämien, Eintragung in Ehrenbücher, Verleihung von Ehrentiteln, Wimpeln, Wanderfahnen, Ehrenbannern, Medaillen, Preisen, Orden und so weiter. Siehe auch staatliche Auszeichnungen.

Auszeichnungsschriften, Titelschriften-, alle halbfetten, dreiviertelfetten und fetten sowie kursiven Schriftschnitte, die vorwiegend zum Hervorheben (Auszeichnen) von Wörtern oder Zeilen innerhalb eines Textes verwendet werden.

autark: (griechisch, «unabhängig») sich selbst versorgend; in der Ökologie bezeichnet man als autark eine Lebensstätte, deren Stoffkreislauf im Wesentlichen unabhängig von Zuführungen ist.

Autarkie: Versuch eines Systems und Methoden staatlicher Wirtschaftspolitik in Klassengesellschaften (meist im Zusammenhang mit Kriegsvorbereitungen), die die Unabhängigkeit von Importen garantieren sollen. Autarkiebestrebungen hemmen den wirtschaftlichen Fortschritt, sind stets mit Preissteigerungen, verstärkter Kriegsgefahr und einer Verschlechterung der Lebenslage der Werktätigen verbunden. Die Autarkie in Form absoluter Unabhängigkeit wurde bisher nie erreicht und ist beim gegenwärtigen Stand der Internationalisierung der Produktivkräfte unmöglich.

authentifizieren: (lateinisch griechisch) die Echtheit einer Urkunde oder Unterschrift bezeugen, amtlich beglaubigen.

authentisch: (griechisch) echt, verbürgt, beglaubigt, verbindlich.

Authentizität: Echtheit beziehungsweise Originalität diplomatischer oder völkerrechtlicher bedeutsamer Dokumente; Bestätigung der Tatsache, dass sich, zum Beispiel in mehrsprachigen Fassungen solcher Dokumente, der Wille der Unterzeichner jeweils unverfälscht ausdrückt.

Autismus: Verlust des Umweltbezugs; Abkapselung besonders bei Schizophrenie oder psychopathisch-neurotischer Persönlichkeitsstruktur.

Autoaggressionskrankheit, Autoimmunopathie: Erkrankung, die durch Autoaggression, das heißt immunologische Reaktionen gegenüber körpereigenen Eiweißstoffen oder Zellantigenen, bedingt ist. Körpereigene Substanzen eines Individuums werden als «fremd» empfunden und lösen als Autoantigene die Bildung von Antikörpern gegen «sich» (Autoantikörper) und damit eine Antigen-Antikörper-Reaktion (Autoimmunreaktion) im eigenen Organismus aus. Zu den Autoaggressionskrankheiten gehören zum Beispiel manche hämolytische Anämie und Erythematodes.

Autobahn: speziell dem Kraftfahrzeugfern- und -Schnellverkehr dienende Straße, die durch ihre Anlage gebotenen Richtungsverkehr und Kreuzungsfreiheit aufweist, nur über Autobahnanschlussstellen mit dem übrigen Straßennetz verbunden und unter weitgehender Meidung geschlossener Ortslagen angelegt ist. Die Autobahn der DDR besteht aus 2 meist parallel geführten und durch Mittel- (Grün-) Streifen getrennten, 7,5 m breiten Richtungsfahrbahnen (Fahr- und Überholspur); der Regelquerschnitt beträgt S 28,50 m. Notrufsäulen des Autobahnfernsprechnetzes dienen der Hilfeanforderung bei Unfällen und Pannen. An der Autobahn liegen Parkplätze, Raststätten, Tankstellen und Rasthöfe. Anschlussstellen, -abzweigstellen und -kreuzungen sind so angelegt, dass die Verkehrsströme wenig beziehungsweise nicht behindert werden. Eine Sonderform der Autobahn ist die Stadtautobahn, die in Millionenstädten oft als Hochstraße über oder in Tieflage (Einschnitt, Tunnel) unter der bebauten Geländehöhe angelegt wird.

Autobahndreibock: gemäß StVZO mitzuführendes Warngerät, das zur Sicherung eines im Notfall auf der Autobahn (Landstraße) haltenden Kraftwagens aufzustellen ist.

Autobahngebühren, Autobahnbenutzungsgebühren: Gebühren für die Benutzung von (bestimmten) Straßen (Autobahnen) durch Einheimische oder auch Gebietsfremde (Angehörige anderer Staaten). Autobahngebühren dienen der anteiligen Erstattung der mit dem Bau beziehungsweise der Straßenunterhaltung zusammenhängenden Kosten.

Autobiographie: literarische Darstellung des eigenen Lebens, unter anderem in Memoiren, Tagebüchern, Berichten, aber auch in bewusst künstlerisch gestalteter Form, wie Goethes «Dichtung und Wahrheit»; bedeutende Autobiographie mit Ausnahmen (Dante Alighieri, B. Cellini) gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert (J. J. Rousseau, Goethe, K. P. Moritz unter anderem). Für die entstehende sozialistische Literatur wurde die Form der Autobiographie besonders wichtig. Bedeutende Persönlichkeiten bezeugten mit ihren Autobiographie die historische Mission der Arbeiterklasse (M. Andersen-Nexo, A Bebel, M. Gorki). Vor allem auch die proletarisch-revolutionären Schriftsteller haben ihre Lebenserfahrungen in Autobiographie mitgeteilt (L. Turek, H. Marchwitza, F. Selbmann, 0. Gotsche, E. Claudius unter anderem) und auch ihr Romanschaffen ist weitreichend autobiographisch bestimmt. Verfasser von Autobiographie sind auch Politiker (F. Dahlem), Wissenschaftler (J. Kuczynski) und Arzte (H. Kraatz).

Autobus, Kraftomnibus, Omnibus (französisch; «(Wagen) für alle»), Bus, Abkürzung KOM: Kraftwagen zur Beförderung von a 8 Personen. Stadtautobuse haben großes Fassungsvermögen (viele Stehplätze) und sind im Großstadtlinienverkehr zum Teil als Doppelstück- oder Gelenkautobus. ausgeführt; Reiseautobus. haben ausschließlich Sitzplätze und komfortable Ausstattung.

autochthon: einheimisch; autochthon sind in der Geologie am Bildungsort lagernde Gesteine oder Schichtverbände.

Auto-Cross: Geschwindigkeitswettbewerb auf einem 600...2000 m langen und 10... 16 m breiten Rundkurs im unbefestigten natürlichen Gelände. Zugelassen sind Wagen der Gruppen 1 bis 4, Buggies und Auto-Cross-Spezialfahrzeuge. Es werden mindestens 2 Läufe über eine Distanz von je 2 km gefahren. Die Platzierung ergibt sich aus der jeweils besten Lauffahrzeit.

Autodafé: («Akt des Glaubens») öffentliche Verkündung und Vollstreckung eines Todesurteils der Inquisition gegen «Ketzer».

Autodidakt: Lernender, der spezielle Kenntnisse vor allem im Selbstunterricht erwirbt.

Autodrom: 1. Übungsgelände für Fahrschüler.

2. in Kfz-Industrie werkseigene Versuchsstrecke.

3. ausschließlich für Rennen mit Kraftwagen gebaute, geschlossene Rundstrecke.

Autofokus: (Kurzwort, griechisch + lateinisch) automatische Entfernungseinstellung an der Kamera. Die Entfernung stellt sich auf das Motivteil ein, das sich im Sucher in einem gekennzeichneten Feld befindet.

Autogamie: soviel wie Selbstbestäubung; auch Sonderform der geschlechtlichen Fortpflanzung bei Protozoen.

autogen: 1. allgemein ursprünglich, selbsttätig.

2. Technik: die Brenngas-Sauerstoff-Flamme zum Bearbeiten, Trennen beziehungsweise Verbinden von Werkstoffen ausnutzend.

autogenes Training: «konzentrative Selbstentspannung», psychotherapeutische Übungsverfahren nach J. H. Schultz (1884-1970) zur Regulierung psychonervaler und neurovegetativer Funktionsabläufe. Die auf Autosuggestion beruhenden Entspannungsübungen dienen unter ärztlicher Anleitung unter anderem zur Behandlung von Organneurosen und durch «formelhafte Vorsatzbildung» auch zur Therapie abnormer Persönlichkeitsentwicklungen.

Autograph: vom Verfasser eigenhändig geschriebenes Schriftstück (Manuskript, Brief), auch die eigenhändig signierte maschinenschriftliche Niederschrift und handschriftliche Eintragungen oder Widmungen in Büchern.

Autographie, Autolithographie (beide griechisch): ein veraltetes Flachdruckformen-Herstellungsverfahren; eine mit Fettfarbe auf Papier ausgeführte Zeichnung wird auf Stein beziehungsweise Zink- oder Aluminiumplatte umgedruckt.

Autohistoradiographie: auf der Schwärzung von Fotoemulsionen durch die Strahlung radioaktiver Substanzen beruhendes Verfahren zur Bestimmung ihrer Verteilung in radioaktiv markierten Gewebeschnitten.

Autohof: Umschlagplatz für den Güterfernverkehr an End- oder Kreuzungsstellen von Kraftverkehrslinien.

Auto im Reisezug, Autoreisezug: Transportart der Eisenbahnen von Reisenden mit PKW über große Entfernungen. Die Reisenden fahren im Schlaf- oder Liegewagen, und ihre PKW sind auf Autotransportwagen verladen. Beide Wagengattungen fahren im gleichen Zug.

Autointoleranz: Selbstunverträglichkeit, das heißt bestimmte Pflanzenarten können nicht beliebig oft nacheinander am gleichen Ort angebaut werden, da sie sich durch Wurzelausscheidungen oder Rückstände nachteilig beeinflussen (zum Beispiel Erbse, Rotklee, Luzerne).

Autointoxikation: Selbstvergiftung des Organismus durch Produkte seines Stoffwechsels. Normalerweise werden sie von der Niere ausgeschieden oder durch die Leber abgebaut (Entgiftungsfunktion).

Autokatalyse: Beschleunigung einer chemischen Umsetzung durch die katalytische Wirkung eines Reaktionsproduktes; zum Beispiel wird die Reaktion zwischen Permanganat und Oxalsäure durch die hierbei entstehenden Mn2+-Ionen autokatalytisch beschleunigt.

Autoklav: dickwandiges, dicht verschließbares Stahlgefäß zur Durchführung chemischer Reaktionen unter hohem Druck (bis 100 MPa) und Temperaturen bis 400°C in Labor und Technik.

Autokomplex: chemische Verbindung (Neutralmolekül oder Ion) höherer Ordnung, die aus gleichen Molekülen oder Ionen unter Betätigung koordinativer Bindungen entsteht. Zum Beispiel bildet Cadmiumbromid, CdBr2> in wässriger Lösung neben normalen Cd2+- und Br-Ionen die Autokomplex Cd(CdBr4) und (CdBr)(CdBr3).

Autolithographie, Autographie, autolog (griechisch): immungenetisch identisch; körpereigen, vom gleichen Individuum stammend.

Autolyse: Selbstauflösung der Zellen de; Organismus nach Eintritt des Todes. Dabei werden bestimmte Enzyme wirksam, die sogenannte Lysine, die die Zellbestandteile unter Bildung von Gasen und niedermolekularen Stoffen auflösen.

Automat: 1. Automat, technischer Automat: im weiteren Sinne Einrichtung, Maschine oder Anlage, die selbsttätig, das heißt ohne ununterbrochenen Eingriff) des Menschen arbeitet; im engeren Sinne mechanisch, hydraulisch, pneumatisch oder elektrisch arbeitendes Gerät, in dem entsprechend dem eingebauten Programmnach dem Startbefehl bestimmte Vorgänge nacheinander ablaufen (zum Beispiel Fahrkarten-, Fertigungsode: Rechenautomat).

2. Automat, abstrakter Automat: mathematisches Modell für ein in diskreten zeitlichen Schritten, den Takten, arbeitendes System, das Informationen aufnimmt, speichert, verarbeitet und wieder an die Umwelt abgibt Alle Ein- beziehungsweise Ausgangssignale sowie Zustände (ii die die Vorgeschichte des Systems eingeht) des Automat werden zu den Mengen X, Y und Z zusammengefasst. Bei einem endlichen Automat sind diese Mengen endlich. Die Takte werden mit positiven ganzen Zahlen nummeriert.

Automatenlegierung: Legierung mit besonders günstiger Zerspanbarkeit. Durch Zusatz von etwa 2 % Blei in Aluminium- und Kupferlegierungen oder bis 0, 1% Phosphor und bis 0,3% Schwefel in Stahl brechen Späne kurz ab; außerdem besitzt Blei eine schmierende Wirkung.

Automatentheorie: mathematische Theorie digital arbeitender kybernetischer Systeme (Automat). Die Untersuchung von Automatenmodellen hinsichtlich ihrer allgemeinsten systemtheoretischen Eigenschaften und ihrer Anwendbarkeit in der Praxis ist die Hauptaufgabe der A. Anwendungen: mathematische Behandlung elektronischer Rechenanlagen, Theorie formaler Sprachen, Kodierungsprobleme der Nachrichtentechnik, Beschreibung von Lernmodellen.

Automatie: Physiologie Befähigung von Organen oder Zellen, selbständig und geregelt tätig zu sein, auch nach völliger Isolation vom Organismus, im Besondere der Sinusknoten im rechten Herzvorhof; er steuert die Herzschlagfolge (Autorhythmie). Automatikuhr: mechanisch gesteuerte Armbanduhr, bei der durch die Armbewegung des Trägers. Mittels einer pendelförmigen Schwungmasse (Roor) über ein Wechselgetriebe die Zugfeder ständig luftgezogen wird. Durch Rutschkupplung ist das überspannen ausgeschlossen. Bei ständigem Tragen teigt die Automatie vorzügliche Ganggenauigkeit, automatische Kurzunterbrechung automatische Wiedereinschaltung.

automatische Lautstärkeregelung, Abkürzung AVC (von englischen automatic volume control): elektronische Verfahren zur selbsttätigen Verstärkungsänderung in einem Verstärker oder Magnettongerät, um bei schwankender Eingangsspannung immer die gleiche mittlere Ausgangsspannung oder Aufzeichnungsamplitude auf dem Tonband zu gewährleisten.

automatische Lenkung: Einrichtung zur selbsttätigen Nachführung landwirtschaftlicher Arbeitsmaschinen an natürlichen oder künstlichen Leitlinien (zum Beispiel Furche, Pflanzenreihe, Kabel) mittels tastender Messfühler oder berührungsfrei ((foto-) elektrisch) arbeitender Messglieder, automatischer Block Blockanlage,

automatische Scharfabstimmung, Abkürzung AFC (von englischen automatic frequency control): automatische Nachstimmung der Zwischenfrequenz auf ihren Sollwert im UKW-Bereich von Rundfunkempfängern durch eine eingebaute Regelschaltung. Die automatische Scharfabstimmung erleichtert die Abstimmung des Rundfunkempfängers und verhindert Temperatur sowie spannungsabhängige Änderungen der Frequenz des Überlagerer-Oszillators und damit der Zwischenfrequenz, automatische Sprachverarbeitung Sprachverarbeitung, automatische, automatische Systeme: Elektrotechnik Gesamtheit von Automatisierungselementen einschließlich ihrer Kopplungen, die eine funktionelle Einheit bilden. Die Eignung von automatischer Scharfabstimmung wird technisch-ökonomisch und vor allem durch die Zuverlässigkeit im speziellen Anwendungsfall bestimmt.

automatische Wiedereinschaltung, Abkürzung A WE, automatische Kurzunterbrechung, Kurzschlussfortschaltung: selbsttätige Wiedereinschaltung (nach 0,2 bis 1 s) nach Kurzschluss Abschaltung im Energieversorgungsnetz. Falls ein inzwischen erloschener Lichtbogen die Störung verursachte, tritt keine merkliche Betriebsunterbrechung auf, andernfalls wird endgültig abgeschaltet.

automatisiertes System: Militärtechnik System Mensch-Maschine, bei dem Informationen auf automatisiertem Wege erfasst und verarbeitet werden. Das automatisierte System erhält durch die Fortschritte der Mikroelektronik zunehmende Bedeutung für die Automatisierung solcher Prozesse und Abläufe, die schnelle und exakte Reaktionen verlangen (Mechanisierung und Automatisierung der Truppenführung, automatisierte Führungssysteme zur Waffenleistung unter anderem). Der automatisierte Gefechtsablauf verläuft allgemein in 4 Phasen:

a) Sammeln von Informationen durch Aufklärungsmittel;

b) rechnergestützte Entscheidung über erforderliche Aktionen;

c) Waffenaktion;

d) Überwachen der Wirkung und Bewertung der Ergebnisse, Entscheidung über teilweise oder vollständige Wiederholung der Aktion.

Automatisierung: im Vergleich zur Mechanisierung höhere Stufe der Technisierung. Bei der Automatisierung werden Prozesse, bei denen es auf die selbsttätige Einhaltung bestimmter Parameter ankommt, ohne unmittelbare Mitwirkung des Menschen durchgeführt. Strukturell gehören zur Automatisierung Steuerungen und Regelungen, während bei der Kybernetik funktionell noch der Aspekt der Informationsverarbeitung hinzukommt. Die Automatisierung tritt in fast allen Industriezweigen auf, wobei die BMSR-Technik und die Rechentechnik (einschließlich Mikrorechnertechnik) eingesetzt wird. Durch die Automatisierung wird eine bessere Ausnutzung von Rohstoffen und Energie bei Steigerung der Produktqualität und der Bau hochproduktiver Anlagen ermöglicht. Der Prozess der Automatisierung unterscheidet sich im Kapitalismus wesentlich von dem im Sozialismus. In letzterem hat die Automatisierung im Rahmen des gesellschaftlichen Lebens die Aufgabe, die Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Leistungsentwicklung der Volkswirtschaft zu beschleunigen sowie durch Entlastung des Menschen von körperlich schwerer, gesundheitsschädigender oder gefährlicher sowie monotoner Tätigkeit zur ständigen Verbesserung der Lebensbedingungen aller Werktätigen beizutragen.

Autometamorphose: (griechisch, «Selbstumwandlung») Veränderung eines Gesteins bereits während seiner Bildung.

Automixis: Verschmelzung von Keimzellen gleicher Herkunft (Selbstbefruchtung:).

Automodell: vorbildgetreues und maßstabgerechtes oder vorbildähnliches oder frei konstruiertes kleines, unbemanntes Landfahrzeug (Rad- oder Kettenfahrzeug), das auch industriell oder aus vorgefertigten Teilen hergestellt sein kann. Automodell haben unterschiedliche Antriebsart oder sind Standmodelle.

Automodellsport: Wettbewerbe mit Automodellen in verschiedenen Klassen und Disziplinen mit unterschiedlichen Wettbewerbsgedanken. Die Modelle werden eingeteilt in Führungsbahnmodelle (Maßstab 1:32 oder 1:24, durch einen Leitkiel auf einer mit einer Nut versehenen Führungsbahn gesteuert), funkferngesteuerte Modelle (von einem Elektro- oder Verbrennungsmotor angetrieben und mittels Funkanlage ferngesteuert), kabelgesteuerte Modelle (Elektromotorenantrieb und mittels Kabel elektrisch gesteuert), Fesselauto-Rennmodelle (mit Verbrennungsmotor an einer Fesselleine auf einem Rundkurs gefahren) und Standmodelle (mit Bewertung der baupraktischen Ausführung).

Automutagene: beim Stoffwechsel entstandene Substanzen, die Veränderungen des genetischen Materials, und damit der Erbeigenschaften, hervorrufen können.

autonom: eigengesetzlich; aus inneren Ursachen geschehend.

Autonomie: 1. allgemein Selbstbestimmung, Selbstgesetzgebung, Selbstverwaltung.

2. bürgerlicher Recht: die formale Möglichkeit der Religionsgemeinschaften, Universitäten unter anderem Institutionen, bestimmte Angelegenheiten selbständig zu regeln.

3. Ethik: Selbstbestimmung der persönlichen moralischen Verhallens-Orientierungen durch Wahl unter den Moralsystemen verschiedener sozialer Klassen oder Anwendung persönlich akzeptierter Moralnormen auf konkrete Situationen; idealistisches Prinzip, das von einer angeblich moralische Selbstbestimmung unabhängig von gesellschaftlichen Interessen und Moralsystemen ausgeht.

4. Staatsrecht: die institutionelle Gewährleistung der selbständigen Regelung von Angelegenheiten nationaler Minderheiten.

Autopaster: automatische Papierrollen-Anklebevorrichtung an Rollen-Rotationsdruckmaschinen. Der am Rollendrehstern angeordnete, mechanisch-elektrisch oder fotoelektrisch gesteuerte Autopaster gestattet, den nach dem Verbrauch einer ablaufenden Papierrolle erforderlichen Rollenwechsel durch Ankleben einer neuen Rolle bei voller Maschinengeschwindigkeit automatisch vorzunehmen.

Autoradiographie: Verfahren zum Nachweis von Radionukliden und ihrer Verteilung auf Oberflächen oder in dünnen Schichten. Die Konzentration der Radionuklide wird durch die Schwärzung einer Fotoemulsion, die unmittelbar mit dem zu untersuchenden Objekt in Kontakt gebracht wird, gemessen (Radiogramm). In der experimentellen Medizin Methode zum Darstellen der radioaktiven Strahlung in Gewebeschnitten. Die örtlich fein verteilten Strahlungsquellen entstehen durch Einbau von dem Organismus injizierten Isotopen.

Autoregulation: Regelung von Funktionsabläufen durch eigene Kontroll- und Steuermechanismen. So wird die Durchblutung von Organen, zum Beispiel Niere und Gehirn, durch die Autoregulation auf einem konstanten Wert gehalten.

autoritär: von angemaßtem Macht-, Herrschafts- oder Überwertigkeitsanspruch ausgehend; antidemokratisch.

Autorität: Macht, Einfluss; allgemeiner anerkannter Einfluss einer Person, Gruppe oder Organisation auf bestimmten Gebieten des gesellschaftlichen Lebens. Die Autorität ist eine sich historisch wandelnde Form der Unterordnung menschlicher Handlungen unter gesellschaftlichen Normen, ein Mittel zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Disziplin.

Autorotation: a) Drehbewegung eines Flugzeugs um seine Längsachse, die, wenn sie im überzogenen Flugzustand einmal begonnen hat, sich von selbst fortsetzt, weil der Auftrieb an der steigenden Tragfläche erhöht und an der fallenden vermindert wird;

b) bei Drehflügelflugzeugen der Betriebszustand der Tragschraube, wenn sie nicht vom Triebwerk, sondern von der anströmenden Luft angetrieben wird.

Autosomen: die Chromosomen, die nicht Geschlechtschromosomen (Gonosomen) sind. Der Mensch hat zum Beispiel in seinen Körperzellen 44 Autosomen und 2 Geschlechtschromosomen. Autostimulation: Selbstreizung. Methode der Gehirn- und Verhaltensphysiologie zur Beeinflussung der Erregbarkeit von Hirnzentren, die das Zuwendungs- und Suchverhalten regeln. Bei der Autosomen kann sich das Versuchstier durch Betätigung einer Taste über in das Gehirn eingeheilte Elektroden selbst reizen.

Autosuggestion: Selbstbeeinflussung mit Hilfe befehlsartiger Worte oder Vorsätze zur Regulierung körperlicher und psychischer Abläufe; siehe auch autogenes Training.

Autotoleranz: Selbstverträglichkeit, das heißt Nachbau der gleichen Fruchtart in der Fruchtfolge ist ohne Beeinträchtigung möglich.

Autotomie, Selbstverstümmelung: Fähigkeit mancher Tiere, Körperteile an zumeist vorgebildeten Bruchlinien bei Gefahr abzustoßen (zum Beispiel Schwanz bei Eidechsen).

Autotransplantation: Verpflanzen gleichartiger Gewebe oder Organteile (zum Beispiel Knochen, Haut) beim gleichen Individuum.

Autotransportwagen: offener oder geschlossener, auch doppelstöckiger Eisenbahnwagen (Doppelstockgüterwagen) zum Transport von LKWs oder PKWs. Siehe auch Auto im Reisezug, autotroph Ernährung.

Autotypie-Netzätzung, Rasterätzung: Photo-Chemigraphisch hergestellte metallische Druckplatte zur Wiedergabe eines Halbtonbildes im Buchdruck; siehe auch Chemigraphie.

Autoxidation: chemischer Vorgang, bei dem ein Stoff (meist unter gewöhnlichen Bedingungen) unmittelbar oder durch Mitwirkung eines Fremdstoffes (Autoxidator) mit molekularem Sauerstoff reagiert. Beispiele für die Autoxidation sind das Ranzig werden von Fetten, das Trocknen von Leinöl, das Rosten von Eisen und das Altem von Kautschuk.

Autunit, Kalkuranglimmer. Mineralisches wasserhaltiges Kalziumuranylphosphat; Kristallsystem tetragonal, Aussehen hellgelb bis grünlichgelb, Härte 2, Dichte 3 bis 3,2 g/cm3; benannt nach den Vorkommen bei Autun (Frankreich). Siehe auch Minerale.

Auxme: schon in geringster Menge das pflanzlichen Streckungswachstum beeinflussende Wuchsstoffe, die vorwiegend in Blättern und Sprossspitzen entstehen und von dort wurzelwärts wandern, zum Beispiel ß-Indolylessigsäure.

Ava, Frau Ava, gestorben 6. oder 7.2.1127, aus Österreich stammende erste bedeutende Dichterin deutscher Sprache; verfasste schlichte Reimverserzählungen nach Stoffen aus der christlichen Heilsgeschichte («Das Leben Jesu», «Der Antichristo, «Das Jüngste Gericht»).

Avance: Vorsprung, Vorteil, Gewinn; Geldvorschuss.

Avantgardepartei, Vorhutpartei: Partei, deren Ziele und gesamte Tätigkeit den Interessen des Volkes, dem gesellschaftlichen Fortschritt untergeordnet sind und die als revolutionäre Vorhut an der Spitze des antiimperialistischen Kampfes der Volksmassen steht. Avantgardeparteien, die sich weitgehend von den Prinzipien des Marxismus-Leninismus leiten lassen, entstehen unter den Bedingungen einer noch nicht ausgereiften Arbeiterklasse insbesondere in ehemals kolonial unterdrückten Ländern mit sozialistischer Orientierung.

Avantgardismus: (zu Avantgarde) heterogene internationale Bewegung von Intellektuellen im ersten Drittel des 20. Jahrhundert, entstanden im Zusammenhang mit dem Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus; umfasst künstlerische Strömungen wie Futurismus, Kubismus, Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus, Konstruktivismus. Als radikalisierter Ausdruck der Krise traditioneller bürgerlicher Kunst wollte der Avantgardismus Kunst und Gesellschaft radikal umgestalten und strebte eine neue Beziehung zwischen künstlerische Produktion und Konsumtion an. Er ist gekennzeichnet durch einschneidenden Bruch mit Traditionen, Revolutionierung der Kunstmittel und radikales Experimentieren. Die fieberhafte Suche nach einem Ausweg erfolgte oft anarchistisch oder erwies sich als utopisch. Neben der Integration in den kapitalistischen Kunstmarkt war der Avantgardismus auch zu einer progressiven Rolle fähig, vor allem dann, wenn politische und künstlerische Avantgarde zur Einheit gelangten, wie zum Beispiel bei W. W. Majakowski, P. Picasso, H. Eisler.

avantil: (italienisch) vorwärts! - nicht stehenbleiben!

Ave, Caesar, morituri te salutant (lateinisch, «Heil dir, Kaiser, die dem Tod Geweihten grüßen dich!»): im antiken Rom Gruß der Gladiatoren an den Kaiser beim Einzug in die Kampfarena; vom Historiker Sueton berichtet.

Aventinblock: von bürgerlichen Liberalen geführtes Bündnis italienischer Oppositionsparteien, die aus Protest gegen den faschistischen Terror (Ermordung Matteottis) das Parlament boykottierten (27.6. 1924/3.1. 1925). Bezeichnung in Anlehnung an die legendäre Protesthaltung (Auszug auf den Aventin, einen der 7 Hügel Roms) der Plebejer Roms gegen das römische Patriziat.

Aventiure: 1. Abenteuer (Zweikampf), in dem sich ritterlichen Helden mittelhochdeutscher Dichtungen bewähren müssen.

2. Bezeichnung für die Kapitel mittelhochdeutscher Epen (zum Beispiel «Nibelungenlied»).

3. Aventiure, Frau Aventiure: Allegorie in der mittelalterlichen Epik, Späherin, die dem Dichter Weltlauf und menschliche Taten kündet.

Aventuringlas: (nach der Quarzabart Aventurin) gefärbtes Glas mit glitzernden Kristallflittern; verwendet wird zum Beispiel ein Glas mit braunem Eisen-, grünem Chromoxid oder metallisches Kupfer, deren Kristalle aus dem geschmolzenen Glas beim Abkühlen ausscheiden. Die Herstellung erfordert große Erfahrung.

Averroismus: materialistische philosophische Strömung des 13./15. Jahrhundert, die einen von der Christi. Theologie und der kirchlichen Philosophie unabhängigen, auf die arabische Philosophie, insbesondere die Lehren des Ibn Ruschd (Averroes) gestützten Aristotelismus vertrat. Obwohl von der katholischen Kirche 1270 und 1277 verurteilt, war der Averroismus von bedeutendem Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung des weltlichen Denkens. Auf der Grundlage der Philosophie des Ibn Ruschd entwickelten die Averroisten die progressive Lehre von der doppelten Wahrheit.

Avianus, um 400 nach Christus, römischer Dichter äsopischer Fabeln; setzte 42 Fabeln, meist des Babrios, in lateinischen Distichen um. Die Sammlung war im Mittelalter ein häufig verwendetes Schulbuch.

Avidin: im Eiklar vorkommendes Protein, das Vitamin H (Biotin) fest zu binden vermag, dadurch dessen Resorption im Verdauungstrakt verhindert und zu Vitaminmangel führt.

Avignon: Stadt im Süden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Vaucluse, an der Rhone, 91000 Einwohner; Verarbeitungsindustrie, besonders Elektro-, Schuh-, chemische (Phosphate) und Papierindustrie; Landwirtschaftsmarkt; Museen; Theaterfestival; Brücke Saint-Benezet (1177/89), seit 1669 zerstört. Festungsartiger Papstpalast (14. Jahrhundert; mittelalterlichen Fresken), romanische Kathedrale Notre-Damedes-Doms, weitere Kirchen und Paläste des 14. /15. Jahrhundert Hier residierte 1309/77 die von Frankreich abhängige Kurie (babylonische Gefangenschaft des Papsttums). Das Konzil zu Konstanz (1414/18) beseitigte das «avignonesische Papsttum».

Avila: (avila) Stadt im mittleren Spanien, Verwaltungszentrum der Provinz A., nordwestlich von Madrid; 35000 Einwohner; Kleinlastwagenbau; mittelalterliches Stadtbild. Einst Bollwerk gegen die Mauren, bietet Avila noch heute den Anblick einer mittelalterlichen Stadt; Mauer mit 88 Türmen; Basilika S. Vicente (12./14. Jahrhundert, romanisches Figurenportal), Kathedrale S. Salvador (11./16. Jahrhundert, Altar von P. Berruguete), zahlreiche Paläste und Klöster,

aviochemischer Flugdienst: Einsatz von Agrar- beziehungsweise Landwirtschaftsflugzeugen in der Land- und Forstwirtschaft zur Düngung, Schädlingsbekämpfung und Unkrautvernichtung, aber auch zur Aussaat.

Avis: Anzeige (Ankündigung, Mitteilung) bestimmter Ereignisse im Wirtschaftsverkehr (zum Beispiel der Versandbereitschaft, des Versandes unter anderem).

Avivieren: Aufbringen von Textilhilfsmitteln auf Faserstoffe, Fäden und textile Flächengebilde zur erleichterten Weiterverarbeitung und zum Erzielen eines bestimmten Effektes, wie Griff unter anderem.

Avjeris, Markos, eigentlich Georgios Papadopulos, 18.2. 1884-8. 6.1973, griechischer Dichter und Kritiker, verfasste wissenschaftliche Arbeiten, arbeitete als Sozialhygieniker, bis ihn die Reaktion wegen seiner sozialistischen Gesinnung aus dem Staatsdienst vertrieb; schrieb Dramen und Gedichte; große Verdienste um die Herausbildung einer marxistischen Literaturkritik in Griechenland.

Avocato: birnenförmige Frucht des immergrünen Baumes Persea americana Anbau vor allem in subtropischen und tropischen Gebieten. Das Fruchtfleisch besitzt einen süßlichen, nussartigen Geschmack und ist relativ fettreich.

Avogadro-Konstante: (nach Avogadro-Konstante Avogadro) Anzahl der bei Normalbedingungen in einem Mol eines Gases enthaltenen Moleküle. Die Avogadro-Konstante wird manchmal noch als Loschmidt-Konstante bezeichnet.

Avranches: Stadt im Norden Frankreichs, am Golf von Saint-Malo. Im 2. Weltkrieg erfolgte bei Avranches am 30./31. 7.1944 der entscheidende Stoß der in der Normandie gelandeten britische-US-amerikanische Streitkräfte in die Tiefe Frankreichs.

Avunkulat: (dat. avunculus, «Oheim») bevorzugte Stellung des Mutterbruders bei Mutter rechtlich organisierten Stämmen und Völkern (zum Beispiel in Erziehungsfragen).