Lexikon G

Gabardine: feinfädiges Kammgarngewebe mit stark hervortretender Schrägrippung (Steilköper); für Anzüge unter anderem.

Gabbro: meist mittel- bis grobkörniges basisches Tiefengestein von graugrüner, dunkelgrauer bis schwarzer Farbe; Hauptbestandteile sind basische Plagioklas, Klinopyroxen (Pyroxene), untergeordnet Hornblende; als Zierstein und Straßenbaumaterial verwendet.

Gabelbein, Furcula: die beiden mit ihren medialen Enden miteinander verwachsenen Schlüsselbeine der Vögel.

Gabelbock: 1. Jagdwesen: weidmännische Bezeichnung für einen Rehbock mit zweiendigen Gehörnstangen.

2. Zoologie: Gabelhornträger.

Gabelfrühstück: leichte Mahlzeit zwischen Frühstück und Hauptmahlzeit.

Gabelhornträger, Antilocapridae: Familie der Wiederkäuer mit nur einem Vertreter, dem rehgroßen Gabelbock (Antilocapra americana), dessen hohle, gegabelte Hörner jährlich wie das Geweih der Hirsche gewechselt werden; er lebt im Westen Nordamerikas.

Gabelle: Salzsteuer in Frankreich, die auf einem königlichen Monopol von 1341 beruhte und 1790, zurzeit der Französischen Revolution, abgeschafft wurde.

Gabelsberger, Franz Xaver, 9.2.1789-4.1.1849, ursprünglich Ministerialsekretär, Erfinder der kursiven Stenografie; war Stenograf und Leiter des Stenografenbüros bei der Ständeversammlung. Siehe auch Stenografie.

Gabés, arabisch Kabes: Stadt (Gouvernoratszentrum) in Tunesien, in einer Küstenoase am Golf von Gabés (Kleine Syrte); 45000 Einwohner; Herstellung von Olivenöl und Chemieerzeugnissen, Erdölverarbeitung, Kunsthandwerk (Teppiche, Flecht-, Schmuckwaren); Fischerei (Thunfische, Garnelen); Hochseehäfen; viele Moscheen; Seebad.

Gabin, Jean, eigentlich Alexis Moncorge, 17. 5.1904-15.11.1976, französischer Filmschauspieler; spielte vor allem Charakterrollen, unter anderem in «Die große Illusion», «Hafen im Nebel», «Die Nacht ist meine Welt», «Der Fall des Dr. Laurent», «Die Elenden», «Die großen Familien», «Wiesenstraße 10», «Flegelalter», «Der Clan der Sizilianer», «Die Katze», «Zwei scheinheilige Brüder».

Gabler, Gabelhirsch: Hirsch mit zweiendigen Geweihstangen.

Gabor, Dennis, 5.6.1900-10.2.1979, britischer Elektroingenieur und Physiker ungarischer Herkunft; Erfinder der Holographie, Gründungsmitglied des Club of Rome.

Gábor, Andor, 17.1.1884-24.1.1953, ungarischer Schriftsteller; emigrierte nach der Niederschlagung der ungarischen Räterepublik (Wien, Berlin, Paris, Moskau); war Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, redigierte in Moskau die Zeitschrift «Neue Stimme». In seiner Publizistik entlarvte Gábor das Horthy-Regime; antifaschistische Gedichte und Novellen erschienen in deutscher Auswahl 1959 und 1979.1945 nach Budapest zurückgekehrt, arbeitete Gábor als Chefredakteur der satirischen Zeitschrift «Ludas Matyi».

Gabriel, (hebräisch, «Mann Gottes») einer der 3 Erzengel.

Gabrieli: 1. Andrea, um 1510-Ende 1586, italienischer Komponist und Organist der Venezianische Schule; schrieb neben weltlicher Musik (Madrigale, Lieder) mehrchörige (von gegenüberliegenden Emporen aus musizierte) instrumentalbegleitete Kirchenmusik; verhalf über einen großen Schülerkreis den neuen Raum- und Klangvorstellungen sowie der Dur Moll-Harmonik zum Durchbruch.

2. Giovanni, 1557-12.8.1613, italienischer Komponist und Organist; Neffe und Schüler von Gabrieli 1, studierte auch bei O. di Lasso; schuf mehrchörige, ausdrucksstarke und klangprächtige Motetten, Madrigale und erstmalig Solo und Tutti gegenüberstellende Orchesterwerke («Canzoni e sonate», 1615); Lehrmeister vieler europäischen Komponisten, auch von H. Schütz.

Gäa, griechisch Gaia oder Ge, griechisch Göttin der «Erde», Gemahlin des Uranos, Mutter unter anderem der Titanen.

Gabun: trichterförmige Bucht des Golfs von Guinea (Atlantischen Ozean) in der Republik Gabun; 70 km lang, bis 16 km breit; an ihr liegt Libreville.

Gabun, Republik Gabun: Staat in Äquatorialafrika; grenzt im Westen an den Atlantik, im Norden an Äquatorial-Guinea und Kamerun, im Osten und Süden an Kongo; verwaltungsmäßig in 9 Regionen gegliedert. Die Bevölkerung besteht aus etwa 40, zur Bantusprachfamilie gehörenden ethnischen Gruppen, deren größte Fang, Eschira und Mbete sind. Amtssprache ist Französisch. Währung ist der CFA-Franc. Hinter der sumpfigen Küstenebene erfolgt landeinwärts der Anstieg zu bergigem Hochland im Bereich der Niederguineaschwelle, das bis 1575 m ansteigt. Es herrscht ein feuchtheißes, tropisches Klima mit 2 Regenzeiten. Hauptstrom ist der Ogoou6. Etwa 70% der Oberfläche wird von tropischem Regenwald bedeckt, im Süden und Osten zum Teil Savanne. Das Land ist reich an Bodenschätzen. Gabun ist ein Agrarland. Die Wirtschaft wird weitgehend von ausländische (vor allem französische, USA-, Deutschland) Monopolen kontrolliert. Obwohl 80 % der Erwerbsfähigen in der wenig ertragreichen Landwirtschaft tätig sind, steht diese weit hinter den landeswichtigsten, relativ gut entwickelten Wirtschaftszweigen Bergbau, Erdölindustrie und Forstwirtschaft zurück. In der Industrie entwickelt sich allmählich ein staatlicher Sektor. Förderung von Erdöl (etwa 84 % der Gesamtausfuhr und 65 % der Staatseinnahmen) und Erdgas (im Küstenschelf), Manganerz (Moanda bei Libreville, eine der weltgrößten Lagerstätten; hinsichtlich der Fördermenge und des Exportes (76 km lange Seilbahn nach Mbinda in Kongo, von hier Bahnanschluss nach Pointe-Noire) an vorderster Stelle der Welt), Uranerz (Mounana bei Libreville) und Gold. Die bedeutenden Eisenerzlagerstätten im Nordosten Gabuns (Bélinga, Mékambo) werden durch den Bau der Trans-Gabun-Bahn erschlossen. Umfangreich ist der Holzeinschlag (Okoumé). Für den Export Anbau (Plantagen) von Kakao und Kaffee, für den Eigenbedarf von Maniok, Yams, Taro, Bananen, Gemüse, Mais und Nutzung der Ölpalme. Die schwach entwickelte verarbeitende Industrie umfasst Betriebe der Holz-, Lebensmittel-, Textil-, Zement-, chemische Industrie und Metallverarbeitung; Erdölraffinerie in Port Gentil. Das Verkehrsnetz wird durch den Bau (seit 1974) der ersten Bahnstrecke Gabuns (Libreville-Franceville; Trans-Gabun-Bahn) leistungsfähiger. Auf den Flüssen umfangreiche Holzflößerei. Wichtigste Hochseehäfen und internationale Flughäfen in Libreville und Port Gentil. Ausfuhr von Bergbauerzeugnissen, Edelhölzern, Agrarprodukten; Einfuhr von Lebensmitteln (etwa 85 % des Landesbedarfs), Maschinen, Konsumgütern, Rohstoffen; Haupthandelspartner sind Frankreich, USA, Großbritannien, BRD unter anderem EG-Staaten. Geschichte. Im Mittelalter verdrängten Bantuvölker die Ureinwohner Gabuns, vermutlich Pygmäen. 1471 wurde die Küste Gabuns von Portugiesen erreicht. 1485 gründeten diese Niederlassungen, von denen aus sie jahrhundertelang Sklavenhandel betrieben. Seit 1839 drangen französische Kolonialeroberer ein, unterwarfen das Land in den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhundert und schlossen es 1888 der Kolonie Französisch-Kongo an. Ab 1910 war Gabun Bestandteil von Französisch-Äquatorialafrika. Die Bevölkerung lehnte sich gegen die koloniale Unterdrückung in Aufständen, die blutig niedergeschlagen wurden, auf (1917/18 die Fang und 1928/29 die Bawandji). Die nationale Befreiungsbewegung erlebte nach dem 2. Weltkrieg einen Aufschwung, politische Parteien entstanden. Proimperialistische Kräfte konnten sich, geführt von L. M’Ba, dem Vorsitzenden des demokratischen Blocks von Gabun, durchsetzen, als das Land am 17. 8.1960 die staatliche Selbständigkeit erlangte. Die Unzufriedenheit über die proimperialistische Politik des Präsidenten M’Ba führte 1964 zu einer Revolte, die von französischen Truppen niedergeschlagen wurde. Nach dem Tode M’Bas (1967) trat 0. Bongo dessen Nachfolge an; er ist seitdem Präsident des Landes und Vorsitzender der demokratischen Partei Gabuns, der einzigen politischen Organisation. Seine Innen- und Außenpolitik ist weiterhin auf Entwicklung kapitalistische Verhältnisse und enge Zusammenarbeit mit Frankreich orientiert.

Gaddi, Taddeo, gestorben 1366, italienischer Maler; vor allem in Florenz tätig; Schüler Giottos; schuf Fresken mit Darstellungen des Marienlebens in Sta. Croce in Florenz und des Abendmahls im Refektorium dieses Klosters.

Gade, Niels Wilhelm, 22.2.1817 bis 21.12.1890, dänischer Komponist; ging 1843 nach Leipzig, wurde von F. Mendelssohn Bartholdy zeitweise mit der Leitung der Gewandhauskonzerte betraut und 1847/48 dessen Nachfolger; wirkte danach wieder in Kopenhagen. Gade war einer der bedeutendsten Repräsentanten der sich entwickelnden dänischen Nationalmusik; schrieb vor allem Ballette, sinfonische Werke, Kantaten, Lieder und seinerzeit beliebte lyrische Klavierstücke.

Gaden: Gemach, Raum; auch Stockwerk, Geschoß. Der Lichtgaden ist die Fensterzone des Mittelschiffs einer Basilika, die sich über den Dächern der Seitenschiffe befindet.

Gadolin, Johan, 5.6.1760-15.8.1852, finnischer Chemiker; entdeckte 1794 die Yttererden. Nach ihm wurde das Gadolinium benannt.

Gadolinium, Symbol Gd: chemisches Element der Kernladungszahl 64; Seltenerdmetall; Atommasse 157,25; Wertigkeit +3; F 1312°C; Dichte 7,89 g/ cm1. Gadolinium ist unterhalb 17 °C ferromagnetisch; seine Verbindungen sind in der Regel farblos. Die technische Anwendung ist zurzeit noch begrenzt. Gadolinium wurde 1880 von dem schweizerischen Chemiker Jean Charles Galissard de Marignac (1817-1894) entdeckt und nach J. Gadolin benannt.

Gadsden-Vertrag: am 30.12.1853 zwischen Mexiko und den USA abgeschlossener Vertrag über die Abtretung von 118000 km2 mexikanisches Territoriums an die USA; benannt nach dem US-Gesandten und Eisenbahnspekulanten Gadsden.

Gaede, Wolfgang, 25. 5.1878-24. 6.1945, Physiker; Erfinder mehrerer Vakuumpumpen.

Gaeta: Stadt in Mittelitalien, in der Region Latium, auf einer Halbinsel am Golf von Gaeta; 23000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Nährmittelindustrie; Hafen; Badeort; früher berühmter Seehandelsplatz und Vergnügungsort des alten Roms, durch Virgil, Cicero und Plinius bekannt.

Gaffel: beweglich an Schiffsmasten oben angebrachtes, schräg nach hinten aufwärts ragendes Rundholz, an dem die Oberkante des Gaffelsegels befestigt ist, oder das eine Flaggleine trägt.

Gagelstrauch, Gagel, Myrica gale: zu den Gagelgewächsen gehörender, in feuchten Heiden und Mooren vorkommender, bis 1,50 m hoher Strauch mit unscheinbaren, vor den Blättern erscheinenden Blüten. Bevorzugt in Gebieten mit ozeanischem Klima in Europa und Nordamerika vorkommend.

Gagern, Heinrich Freiherr von, 20.8.1799 bis 22.5.1880, Staatsmann und Politiker; 1848 Präsident der Frankfurter Nationalversammlung; Führer der Erbkaiserlichen Partei, entwarf das später vom preußischer König Friedrich Wilhelm IV. abgelehnte Programm eines liberalen Bundesstaates unter preußischer Führung.

Gaidar, eigentlich Golikow, Arkadi Petrowitsch, 22.1.1904-26.10.1941 (gefallen), russisch-sowjetischer Schriftsteller, zog als 14jähriger in den Bürgerkrieg; trat seit 1925 als Erzähler hervor, der durch seine realistische Darstellung Millionen Leser, vor allem unter der Jugend, gewann, so unter anderem mit «Die Schule des Lebens» (1930, deutsch), «Tschuk und Gek» (1939, deutsch), «Timur und sein Trupp» (1940, deutsch).

Gailtaler Alpen: Gruppe der südlichen Kalkalpen, in Kärnten (Österreich), zwischen Drau und ihrem rechten Nebenfluss Gail; mit der 2 772 m hohen Sandspitze im westlichen Teil (Lienzer Dolomiten) und dem 2166 m hohen Dobratsch (mehrfach Bergstürze) im östlichen Teil; stark bewaldet; dünn besiedelt.

Gainsborough, Thomas, 14.5.1727 bis 2.8.1788, englischer Maler. Als erfolgreicher Modeporträtist der aristokratischen Gesellschaft bevorzugte er das lebensgroße Ganzfigurenbildnis, das die Modelle in vornehmer Eleganz meist vor Landschaftshintergrund wiedergibt (sogenannt Landschaftsporträts).

Gaismair, Michael, um 1490-15.4.1532 (ermordet), Führer des alpenländischen Bauernaufstandes 1525/26, zuvor bischöflicher Sekretär; war neben T. Müntzer der hervorragendste Repräsentant des entschieden revolutionären Flügels im deutschen Bauernkrieg und ein bedeutendes militärisches Talent; verfasste 1526 die Tiroler Landesordnung. Nach 1526 strebte Gaismair von seinem Exil in der Republik Venedig aus einer Koalition gegen die Habsburger an.

Gal: (nach Gal Galilei) veraltete Einheit der Schwerebeschleunigung in Geophysik und Geodäsie.

Gala: vorschriftsmäßige, der Etikette entsprechend Festkleidung; Hoftracht.

Galagos, Galagidae: afrikanische Halbaffen mit großen, häutigen, zusammenfaltbaren Ohren; Allesfresser. Der 35 cm lange Riesengalagos (Galago crassicaudatus) hat einen ebenso langen Schwanz, er lebt im offenen Waldland. Siehe auch Halbaffen.

galaktisch: zum Milchstraßensystem, der Galaxis, gehörig.

Galaktographie: röntgenographische Darstellung des Milchgangsystems der weiblichen Brust nach vorheriger Injektion von Kontrastmittel.

Galaktometer: geeichtes Gefäß zum Bestimmen der in einer bestimmten Zeit aus frisch gemolkener Milch sich abscheidenden Rahmmenge.

Galaktorrhoe: dauernde Milchabsonderung aus der weiblichen Brust unabhängig von Wochenbett und Stillperiode. Galaktorrhoe kann unter anderem bei Erkrankungen des Rückenmarks oder Hypophysenerkrankungen auftreten.

Galaktosämie, Galaktoseintoleranz - Unverträglichkeit gegenüber Galaktose (Bestandteil des Milchzuckers) infolge eines Enzymmangels (Enzymopathie). Ernährung mit Frauen- oder Kuhmilch führt zu schwerer Erkrankung mit Erbrechen, Lebervergrößerung, Gelbsucht, Hirn- und Augenschäden. Die Kinder können mit milch- und milchzuckerfreier Diät erfolgreich behandelt werden.

Galaktose: zu den Aldohexosen (Monosacharide) gehörender weißer, kristallisierter, schwach süß schmeckender Zucker der Formel C6Hi206. Galaktose kommt nur selten frei (zum Beispiel in Efeubeeren), sondern meist chemisch gebunden vor, zum Beispiel in der Laktose und im Pektin.

Galan: Liebhaber, Verehrer (einer Frau).

galant: höflich, zuvorkommend (gegen Frauen); verliebt; leichtfertig.

Galanteriewaren, Galanterien (zu «galant»): veraltete Bezeichnung für Putz-, Mode-, Schmuckwaren; mod. Zubehör.

galanter Stil: älterer Ausdruck für den betont homophonen, graziös-spieler. Musikstil in der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert, vom Hofe Ludwigs XIV. ausgehend.

Galapagosinseln, («Schildkröteninseln») Kolumbusarchipel: Inselgruppe vulkanischer Entstehung im Stillen Ozean beiderseits des Äquators, rund 900 km vor der Küste Südamerikas, zu Ekuador gehörend; 7812 km2, 2800 Einwohner; Hauptort Puerto Baquerizo; überwiegend gebirgig, bis 1432 m hoch; weitgehend endemischen Pflanzen- und Tierwelt (unter anderem Riesenschildkröten, Meerechsen); seit 1958 Nationalpark mit wissenschaftlicher Station; US-amerikanischer Militärstützpunkt.

Galatea, Galateia, Meernymphe der griechischen Sage; vom Zyklopen Polyphem geliebt, der den von ihr geliebten Acis aus Eifersucht tötete.

Galaxienhaufen, Nebelhaufen: Ansammlung einiger weniger bis einiger Tausend extragalaktische Sternsysteme, die eine Einheit bilden. Der nächste Galaxienhaufen ist der Virgo-Haufen, der sich im Sternbild Jungfrau in einer Entfernung von 20 Millionen pc von der Erde befindet

Galdr: in der nordischen Mythologie Zauber, dessen Meister Odin ist.

Galeasse: 1. Mitte des 16. Jahrhundert im Mittelmeergebiet entwickeltes Dreimastsegelschiff mit zusätzliches Riemenantrieb.

2. im 19. Jahrhundert anderthalbmastiges Segelschiff mit Gaffel- und Gaffeltoppsegel sowie überhängendem Heck oder Spiegel (Yacht-Galeasse).

Galeere: um 1000 von den italienischen Seestädten zunächst ausschließlich als Ruderkriegsschiff verwendeter Schiffstyp; seit dem 14. Jahrhundert führte die Galeere zusätzlich 1 oder 2 Masten mit Lateinsegeln und wurde so außer im Mittelmeer auch in der Ostsee und im Schwarzen Meer bis ins 18. Jahrhundert hinein eingesetzt. Die wenig seetüchtigen Schiffe wurden häufig von Sklaven, Sträflingen oder Kriegsgefangenen gerudert. Bei der Galera d la Scalotti war jeder Riemen mit mehreren Ruderern, bei der Galera d la Sencile mit einem Ruderer besetzt.

Galen, Galenus, Galenos, 129-199, griechischer Arzt aus Pergamon; bedeutendster Arzt des römischen Zeitalters. Mit ihm fand die griechische Medizin, soweit sie als eine wissenschaftliche Medizin angesehen werden kann, ihren Abschluss. Sein System zeichnet sich durch die Betonung der Notwendigkeit einer theoretischen Grundlage in der Medizin, durch die Erklärung physiologischer Vorgänge sowie durch die Verknüpfung der Medizin mit den philosophischen Anschauungen des Plato und Aristoteles aus. Seine Lehren beherrschten über ein Jahrtausend nahezu uneingeschränkt die Medizin.

Gälen: Reste der keltischen Bevölkerung in Irland, Schottland und auf der Insel. Man mit eigenen Sprachen (Irisch, Schottisch-Gälisch, Manx); siehe auch Schotten.

Galenika, galenische Mittel: Arzneizubereitungen, die in der Apotheke hergestellt werden, zum Beispiel Lösungen, Salben, Zäpfchen. benannt wurden sie nach dem griechischen Arzt Galen, der sie erstmals beschrieb.

Galenit, Bleiglanz: Mineral, Bleisulfid; Kristallsystem kubisch. Farbe bleigrau mit Metallglanz, Härte 2,5, Dichte 7,2 bis 7,6 g/cm3, würflige Spaltbarkeit; wichtigstes Bleierz (silberhaltig); Vorkommen auf hydrothermalen Gängen (Freiberg,

Galerie: 1. langgezogener, an einer Außenwand liegender fensterreicher Saal eines Schlosses für Empfänge und Festlichkeiten. Seit dem 17. Jahrhundert diente die Galerie häufig der Ausstellung des fürstlichen Kunstbesitzes, weshalb der Name auch als Bezeichnung für größere Gemäldesammlungen übernommen wurde.

2. Empore ähnlicher Einbau in einem Saal.

3. nach außen geöffneter, meist hölzerner, hochliegender Laufgang eines Baus.

4. in Rang- und Logentheatern der oberste Rang mit den billigsten Plätzen (zum Teil Stehplätze).

Galerieton: durch Nachdunkeln der Färb- und Firnisschichten entstandener bräunlicher Gesamtton alter Ölgemälde, der im 19. Jahrhundert oft absichtlich erzeugt wurde.

Galeriewald: flussbegleitender Laubwald in Steppen und Savannenzonen; zeigt Grundwasser an.

Galerkin-Verfahren, (nach einem sowjetischen Wissenschaftler): wichtige Ansatzmethode zur numerischen Behandlung von Differentialgleichungen, bei der eine Näherungslösung (als Linearkombination) aus einer Familie von Ansatzfunktionen ausgewählt wird.

Galgen: Kinetechnik vorwiegend als Mikrofonaufhängung dienendes, stabförmiges, hand- oder ferngesteuert bewegtes Gerät, das außerhalb des Bildwinkels dicht über den Szenenort gebracht wird. Der Galgen darf keine Schatten werfen.

Galicien: historisches Gebiet und Region mit innerer Autonomie im Nordwesten Spaniens, 4 Provinzen umfassend; 29434 km2, 2,8 Millionen meist galicisch sprechende Einwohner; 95 Einwohner/km2; Regionszentrum Santiago de Compostela; den Westteil des Kantabrischen Gebirges einnehmendes Bergland aus Graniten und kristallinen Gesteinen mit Hochflächen und Becken; stark gegliederte Küste (Rias); ozeanisches Klima; bewaldete Täler mit Kiefern, Eichen, Eukalyptus; Getreideanbau, Obstbau; Viehzucht; Fischfang (Sardinen) und -Verarbeitung; Kleinstbesitz (Kleinpächter) und geringe Industrialisierung begünstigen die Auswanderung; Industrie (Metallurgie, Erdölverarbeitung, Schiffbau) nur auf die Hafenstädte (La Coruña, Vigo, El Ferrol) konzentriert; Tourismus (Badestrände). ursprünglich von Keltiberern bewohnt, im 2. Jahrhundert vor Christus römisch; im 5. Jahrhundert gründeten die Sueben ein Königreich, das 582 von den Westgoten zerstört wurde. Nach der Eingliederung in das Königreich León (914), später Kastilien (1230), bewahrte sich Galicien zahlreiche lokale Sonderrechte. 1980 erhielt Galicien nach einer Volksabstimmung die Autonomie.

Galilei, Galileo, 15.2.1564-8.1.1642, italienischer Naturforscher, wirkte in Pisa, Padua und Florenz; Bahnbrecher der naturwissenschaftliche Arbeitsweise (Begründung der induktiven Methode, besonders des Experiments). Galilei entdeckte 1583 das Gesetz für die Schwingungsdauer des Pendels, er entwickelte 1586 eine hydrostatische Waage, wies 1609 experimentell das Fallgesetz nach und begründete damit die Dynamik. Galilei erkannte auch das Wesen des Trägheitsgesetzes. Ab 1609 baute er Fernrohre und machte damit eine Anzahl astronomischer Entdeckungen, zum Beispiel 3 Jupitermonde, Saturnring, Mondgebirge unter anderem, die er in «Sidereus nuncius» 1610 veröffentlichte. Als Anhänger des kopernikanischen Weltbildes («Dialogo», 1632) geriet Galilei in offenen Gegensatz zur katholischen Kirche. Bereits 1616 von der Inquisition ermahnt, wurde er 1633 zum öffentlichen und feierlicher Widerruf gezwungen. Unter Hausarrest gestellt, arbeitete er weiter; 1638 erschienen die «Discorsi», die sein physikalisches Schaffen zusammenfassen. 1637 erblindete Galilei.

Galilei-Transformation: (nach Galilei-Transformation Galilei) Koordinatentransformation, die die Gesetze der Newtonschen Mechanik in ihrer Form ungeändert lässt und Inertialsysteme wieder in solche überführt. Zu den Galilei-Transformation gehören räumliche Drehungen und Spiegelungen, sowie die speziellen Galilei-Transformation r' = r + vt, wobei r‘ beziehungsweise r die neuen beziehungsweise alten Koordinaten sind, und v die Relativgeschwindigkeit beider Bezugssysteme ist; die Zeit wird dabei nicht transformiert. Die Galilei-Transformation ist ein Spezialfall der Lorentz-Transformation, wenn u klein gegenüber der Lichtgeschwindigkeit ist.

Galimathias: sinnloses, verworrenes Geschwätz.

Galion: früher üblicher, spitz zulaufender, vielfach mit Galionsfigur verzierter Vorbau zum Stützen des Bugspriets von Segelschiffen.

Galiot: 1. im 16. Jahrhundert im Mittelmeer übliche von 16 bis 24 Ruderern vorwärtsbewegte und außerdem mit Lateinsegel ausgerüstete einmastige kleine Galeere.

2. Mitte des 19. Jahrhundert in der Nordsee eingesetzter anderthalbmastiger Küstensegler mit Gaffel- und Gaffeltoppsegeln, 3 bis 4 Vorsegeln und Spitzgatt-Heck im Unterschied zur Galeasse.

Gallait, Louis, 10.3.1810-20.11.1887, belgischer Maler und Graphiker; Mitbegründer der belgischen Historienmalerei; übte auf die deutsche Kunst, insbesondere die Düsseldorfer Malerschule, großen Einfluss aus.

Galle: 1. Botanik: Gewebewucherung an Pflanzen; hervorgerufen durch Bakterien, Parasit. Pilze oder Einstich und Eiablage von Milben oder Gallinsekten (Gallmücken, -wespen); zum Beispiel rundliche Galläpfel an Blättern der Eiche.

2. Galle (zu «gelb») Physiologie: von der Leber produzierte Flüssigkeit (etwa 11 täglich), die über den Lebergang der Gallenblase zugeführt, hier eingedickt, gespeichert und bei Bedarf durch reflektorische Kontraktionen der Gallenblase in den Zwölffingerdarm abgegeben wird. Die Gallensäuren dienen der Fettverdauung (Emulgierung), andere Gallebestandteile sind Ausscheidungsprodukte (Exkrete).

3. Galle: Veterinärmedizin: Flüssigkeitsansammlung in einem Gelenk, einem Schleimbeutel oder einer Sehnenscheide an den Gliedmaßen von Tieren ohne entzündliche Erscheinungen.

Galle: Stadt (Distriktzentrum) in Sri Lanka: 77000 Einwohner; Hafen an der Südwestküste mit Zement-, Holzindustrie; in der Nähe Graphitbergbau.

Galle, Johann Gottfried, 9.6.1812-10.7.1910, Astronom; entdeckte 1846 den Planeten Neptun.

Galle, Émile, 4.5.1846-23.9.1904, französischer Kunsthandwerker; stellte Gläser mit floralen Motiven in vielen und feinsten Farbabstufungen her (besonders in Überfangtechnik), die zu den bedeutendsten Leistungen des Jugendstils gehören und als Galle-Gläser ein Begriff sind.

Gallenblase, Vesica fellea: dünnwandiger, birnenförmiger, mit glatter Muskulatur durchsetzter Schleimhautsack an der Eingeweidefläche der Leber. In der Gallenblase wird das Sekret der Leber (Galle) gespeichert und durch Wasserentzug eingedickt; das Fassungsvermögen der Gallenblase beträgt beim Menschen etwa 50 ml.

Gallenblasenentzündung, Cholezystitis: vorwiegend durch Bakterien (zum Beispiel Bacterium coli) verursachte entzündliche Reaktion der Gallenblase; tritt besonders häufig bei Gallensteinkrankheit auf. Die akute Gallenblasenentzündung ist durch Fieber, Koliken und schweres Krankheitsgefühl gekennzeichnet. Für die chronische Gallenblasenentzündung sind Druckschmerz im rechten Oberbauch, Völlegefühl und Unverträglichkeit von Fett, Hülsenfrüchten unter anderem Nahrungsmitteln charakteristisch. Gallenblasenentzündung ist oft mit Entzündung der Gallengänge (Cholangitis) kombiniert.

Gallenfarbstoffe: farbige Di- und Tetrapyrrole, die beim Abbau von Hämoglobin aus dem Porphyrinring entstehen und für die Stuhlfärbung verantwortlich sind. An der Bildung der Gallenfarbstoffe sind Enzyme in Leber und Milz, Darmbakterien und Oxydationsprozesse durch Luftsauerstoff beteiligte Vertreter der Gallenfarbstoffe sind unter anderem Biliverdin, Bilirubin, Stercobilin und Bilifuszin.

Gallengang, Ductus choiedochus: röhrenförmige Verbindung zwischen Gallenblasengang und Zwölffingerdarm. Beim Menschen mündet er gemeinsam mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse auf einer in das Darmlumen vorspringenden Falte aus.

Gallenkolik: heftige krampfartige, an- und abschwellende Schmerzen im rechten und mittleren Oberbauch mit gürtelförmiger Ausstrahlung in den Rücken bis zum rechten Schulterblatt, begleitet von Übelkeit und Erbrechen; charakteristisch für Gallenblasenentzündung und Gallensteinkrankheit.

Gallensäuren: in der Galle vorkommende, an Taurin oder Glyzin gekoppelte Carbonsäuren der Steroide, die die Nahrungsfette im Dünndarm emulgieren, zum Beispiel Cholsäure, Desoxycholsäure, Lithocholsäure. Therapeutisch genutzt wird von den Gallensäuren nur die halbsynthetische Dehydrocholsäure als Choleretikum.

Gallensteine: in der Gallenblase oder den Gallengängen infolge Gallestauung entstandene einzelne oder zahlreiche steinähnliche Gebilde verschiedener Größe; bestehen aus Cholesterol, Bilirubin und Kalkverbindungen.

Gallensteinkrankheit, Cholelithiasis (griechisch): durch Steinbefall von Gallenblase und -gängen hervorgerufene Krankheitserscheinungen; zum Beispiel Gallenkolik, Entzündung von Gallenblase und -wegen, Gallengangverschluss mit Gelbsucht, Gallensteindarmverschluss und Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Galli-Bibiena, italienischer Architekt und Bühnenbildner: 1. Ferdinando, 18.8.1657-3.1.1743; baute das Hoftheater in Mantua und schuf zahlreiche Entwürfe für Theater- und Festdekorationen, die die hochbarocke Bühnendekoration wesentlich beeinflussten.

2. Giuseppe, 5.1.1696-1756; Sohn von Galli-Bibiena; setzte die Tradition seines Vaters an den Fürstenhöfen in Wien, Dresden, Prag erfolgreich fort.

Gallerte: infolge Gelbildung zu einer halbfesten elastischen Masse erstarrte kolloidale Flüssigkeit. Die Gelbildung wird von Gelierstoffen, wie Pektin, Agar oder Gelatine, herbeigeführt und durch Rühren oder Erhitzen wieder aufgehoben.

Gallien, lateinisch Gallia: das Land der Gallier (= Kelten), auf dessen Territorium sich zur Römerzeit mehrere römische Provinzen befanden; umfasste das heutige Frankreich, Belgien, Oberitalien und die Westschweiz.

Gallienus, Publius Licinius Egnatius, um 218-268 (ermordet), römischer Kaiser seit 260; Sohn und Mitregent (seit 253) des Valerian; musste gegen zahlreiche Usurpatoren kämpfen («30 Tyrannen»); erließ um 260 eine Heeresreform und ein Toleranzedikt für die Christen. Gallienus kämpfte erfolgreich gegen die Alemannen und Franken, während er gegen Goten und Schwarzmeervölker Niederlagen hinnehmen musste.

Gallischer Hahn, französisch Coq gaulois: Wappentier der Französischen Revolution, des Julikönigtums und der Dritten Republik.

Gallium, Symbol Ga: chemisches Element der Kernladungszahl 31; Atommasse 69,72; Wertigkeit +3, seltener +1. Gallium ist ein seltenes, silberglänzendes, luftbeständiges Metall; F 29,8 °C (schmilzt in der Hand); Dichte 5,91 g/ cm3. Es wird als Nebenprodukt bei der Verarbeitung von Mansfelder Kupferschiefer sowie von Zinkblenden und Bauxiten gewonnen. Es wird in Hochtemperaturthermometern und als Dotierungsmittel für Halbleiter verwendet. Gallium wurde 1871 von D. I. Mendelejew auf Grund einer Lücke im Periodensystem als Element vorhergesagt und 1875 von F. Lecoq de Boisbaudran entdeckt. Siehe auch Galliumverbindungen.

Galliumverbindungen: Stoffe, in denen Gallium chemisch gebunden ist. Gallium(III)-oxid und -hydroxid, Ga203 beziehungsweise Ga(OH)3, beide farblos und fest, sind amphoter. Sie bilden mit Basen Gallate, mit Säuren GaIIium(III)-salze, zum Beispiel Gallium(III)-chlorid, eine farblose, kristalline Masse, die an der Luft weiße Nebel bildet. Gallium Phosphid, GaP, -arsenid, GaAs, und -antimonid, GaSb, sind wichtige Halbleiterwerkstoffe.

Gallmilben: kleinste Gliederfüßer von nur 0,08 bis 0,3 mm Länge, ohne besondere Kreislauf-, Atem- und Ausscheidungsorgane; Körper langgestreckt und eng geringelt, nur zwei vordere Beinpaare entwickelt. Gallmilben sind vorwiegend Parasiten auf mehrjährigen Blütenpflanzen. Durch Ausscheidung von Fermenten beim Saugen bilden sich typische Gallen, in denen Gallmilben meist in großer Zahl leben. Als Pflanzenschädlinge sind sie in Europa ohne Bedeutung.

Gallmücken: artenreiche Mückenfamilie mit zarten, grau oder rot gefärbten 2 bis 5 mm langen Arten. Die Larven saugen Pflanzensäfte oder erzeugen Gallen; einzelne Arten an Nutzpflanzen schädlich.

Gallo: 1. Longo. 2. Gallo, Max, geboren 7.1.1932, französischer Historiker, Hochschullehrer; befasste sich insbesondere mit der Geschichte des Faschismus in Italien und Spanien; verfasste auch Romane mit teilweise historischer Thematik.

Gallussäure: in Galläpfeln, Eichenrinde, Tee unter anderem enthaltene Phenolkarbonsäure; 3,4,5-Trihydroxybenzoesäure. Gallussäure bildet färb- und geruchlose, heißwasserlösliche Kristalle; F 220 °C; sie kommt chemisch gebunden in Tanninen u. a. Gerbstoffen vor und wird zur Herstellung von Farbstoffen, Eisengallustinte sowie (als Wismutsalz) Wundstreupuder verwendet.

Gallwespen, Cynipidae: Familie der Legwespen, deren Larven sich in Pflanzengallen (Galle 1) oder als Schmarotzer in anderen Insekten entwickeln. Die blasigen Gallen sind besonders häufig an Eichen (Galläpfel) und Rosen (Schlafäpfel), aber auch an zahlreichen Kulturpflanzen zu finden.

Galmei: Sammelname für verschiedene Zinkkarbonate (zum Beispiel Hydrozinkit) und -Silikate (zum Beispiel Smithsonit), entstanden durch Oxydationsbildung in Zinklagerstätten; wichtiges Zinkerz; Vorkommen in Gemy Slask (Polen), Altenberg bei Aachen.

Galois, Evariste, 25.10.1811 - 30. oder 31.5.1832 (im Duell getötet), französischer Mathematiker, Begründer der gruppentheoretischen Behandlung algebraischer Gleichungen (Galoissche Theorie).

Galonieren: Technik der Pelzkonfektion zur Flächenvergrößerung, zum Erzielen mod. Effekte und zur Einsparung von Fellmaterial durch streifenförmiges Einsetzen artfremden Materials, wie Leder oder Textil, in oder zwischen die Fellflächen.

Galopp: 1. Gangart.

2. Galopp, Rutscher: älterer deutscher Volkstanz im schnellen 2/4-Takt mit rutschendem Seitwärtsgaloppieren; seit 1824 auch Gesellschaftstanz (Schnellpolka).

Galopprennen: in der Gangart Galopp ausgetragene Pferderennen «unter dem Sattel», meist auf Rundbahnen. Flachrennen (ohne Hindernisse, über 1 bis 3,2 km) werden eingeteilt in Altersgewichtsrennen (dreijährige und ältere Pferde laufen entsprechend dem Alter unter verschiedener Masse) und Ausgleichsrennen (Pferden verschiedenen Alters und Leistungsvermögens wird eine unterschiedliche Masse auferlegt, um die Siegchancen auszugleichen). Die 5 wichtigsten Altersgewichtsrennen für dreijährige Stuten und Hengste werden klassische Rennen genannt (gleichaltrige Pferde laufen unter gleicher Masse, Stuten haben Gewichtserlaubnis von 1,5 kg). Bei Hindernisrennen wird zwischen Hürdenrennen über 2,8 bis 4 km und 1,10 m hohe transportable Hürden) und Jagdrennen (Steeplechase-, über 3,6 bis 7,5 km und feste Hindernisse) unterschieden. Siehe auch Trabrennen.

Galosche: 1. Gummiüberschuh.

2. Schuhteil, der hufeisenförmig die Ferse umschließt.

Galsworthy, John, 14.8.1867 bis 31.1.1933, englischer Schriftsteller und Dramatiker; kritischer Realist; schrieb sozialkritische Dramen («Der Zigarettenkasten», 1906, deutsch; «Justiz», 1910, deutsch) und stellte in Erzählungen, Romanen und Romanzyklen den Niedergang des englischen Großbürgertums, Besitzgeist, Snobismus und Konventionalismus in präziser Analyse dar, besonders in den Zyklen «Forsyte Saga» («Der reiche Mann», 1906, deutsch; «Nachsommer», 1918, deutsch; «In Fesseln», 1920, deutsch; «Erwachen», 1920, deutsch; «Zu vermieten», 1921, deutsch) und «Moderne Komödie» («Der weiße Affe», 1924, deutsch; «Der silberne Löffel», 1926, deutsch; «Aneinander vorbei», 1927, deutsch; «Stilles Werben», 1927, deutsch; «Schwanengesang», 1928, deutsch). Mitbegründer und erster Präsident des PEN-Clubs.

Galton, Francis, 16.2.1822-17.1.1911, britischer Naturforscher und Rassentheoretiker; führte statistische Methoden in die Humangenetik ein und prägte den Begriff Eugenik.

Galtonsches Brett: (nach F. Galton) Versuchseinrichtung zur Veranschaulichung des Zentralen Grenzwertsatzes. Aus einem Trichter rollen Kugeln auf einem geneigten Brett durch eine Anordnung von Nägeln, die zufällige Einzeleffekte simuliert. Dabei fällt jede Kugel beim Auftreffen auf einen Nagel jeweils mit der Wahrscheinlichkeit V2 nach rechts oder nach links. Nach dem Durchlaufen der Nagelreihen werden die Kugeln in einer Anzahl von parallelen Fächern aufgefangen. Bei einer hinreichend großen Zahl von Kugeln hat die entstehende Häufigkeitsverteilung annähernd die Form der Gaußschen Fehlerkurve.

Galvani, Luigi, 9.9.1737-4.12.1798, italienischer Arzt und Naturforscher; studierte elektrische Erscheinungen an Froschschenkeln, interpretierte sie als «tierische Elektrizität», was von A. Volta widerlegt wurde.

galvanisches Element: (nach L. Galvani) galvanische Kette: elektrochemische Spannungsquelle, in der chemischen Energie unmittelbar in elektrische Energie umgewandelt wird. Als klassisches galvanisches Element gilt das 1835 von J. F. Daniell erfundene Daniell-Element, das aus einer Zelle mit Diaphragma besteht, in der auf einer Seite eine Kupferelektrode in Kupfersulfatlösung und auf der anderen eine Zinkelektrode in Zinksulfatlösung (ZnS04) eintaucht; beide Seiten bilden je ein Halbelement. Das Zink löst sich (Anodenvorgang), während am Kupfer aus der Lösung stammende Kupferionen zu Kupferatomen reduziert werden. Auf diese Weise fließt im Betriebszustand ein Elektronenstrom von der Anode (unedleres Metall, Minuspol) über den Verbraucher zur Kathode (edleres Metall, Pluspol), wobei die Urspannung 1,11V beträgt. Zugleich fließt innerhalb der Lösung durch das Diaphragma ein Ionenstrom. Für technische Anwendungen sind insbesondere Trockenelemente von Bedeutung, bei denen die Elektrolytlösung durch geeignete Zusätze verdickt wird (siehe auch Zink-Salmiak-Kohle-Element). Wiederaufladbare galvanische Elemente heißen Akkumulatoren. Unerwünschte galvanische Elemente sind die bei der elektrochemischen Korrosion auftretenden Lokalelemente.

Galvanismus: (nach L. Galvani) Wissensgebiet von. der Erzeugung elektrischen Stroms mit Hilfe chemischer Vorgänge; siehe auch galvanisches Element.

Galvano: (nach L. Galvani) durch galvanischen Niederschlag auf eine Matrize mit anschließendem Hintergießen mit einer Bleilegierung oder hinter füttern mit Plastik als Abformung einer Druckform gewonnene Duplikat-Buchdruck-Druckplatte für den Druck sehr hoher Auflagen. Siehe auch Albert-Fischer-Verfahren.

Galvanokaustik, elektrolytisches Ätzen: Herstellungsverfahren für Raster- (aus Kupferplatten) und Tiefdruckätzungen sowie Druckformwalzen durch anodische Auflösen von Metall ohne starke Verbreiterung der Zeichnungslinien.

galvanomagnetische Effekte: Effekte, die in einem stromdurchflossenen Leiter oder Halbleiter auftreten, der sich in einem Magnetfeld befindet; zum Beispiel Hall-Effekt und magnetische Widerstandsänderung.

Galvanometer: zur Messung sehr kleiner Gleichströme oder -Spannungen oder als Nullindikator verwendetes elektrisches Messinstrument. Der Aufbau entspricht dem Drehspulinstrument, an Stelle des Zeigers wird (meist) ein Spiegel ausgelenkt, der eine Lichtmarke auf eine Skale wirft (Spiegel- oder Lichtmarken-Galvanometer). Sonderausführungen sind das Stoß- oder ballistische Galvanometer und das Kriech-Galvanometer.

Galvanotechnik: Sammelbezeichnung für alle Verfahren zur elektrolytischen Oberflächenbehandlung von Metallen und Nichtmetallen einschließlich der erfordert. Vor-, Zwischen- und Nachbehandlung (Beizen, Spülen, Polieren und so weiter). Meist versteht man unter Galvanotechnik das elektrochemisches Erzeugen metallischen Schichten bis etwa 60 (am Dicke (beim Hartverchromen bis 500 (im). Erfolgt die Beschichtung zum Zweck des Korrosionsschutzes oder der dekorativen Wirkung, bezeichnet man das Verfahren mit dem Oberbegriff Galvanostegie. Vorwiegend werden Zink, Cadmium, Kupfer, Nickel, Chrom, Zinn, Silber, Gold und Platinmetalle abgeschieden. Die zu beschichtenden Werkstücke werden als Kathode in einen Elektrolyten (galvanisches Bad) eingebracht, aus dem bei Stromdurchgang das Beschichtungsmetall abgeschieden wird. Als Anoden dienen vorzugsweise Platten aus dem abzuscheidenden Metall. In einigen Fällen (zum Beispiel beim Verchromen) verwendet man unlösliche Anoden aus Hartblei oder platiniertem Titan; dabei muss das dem Bad entzogene Metall als entsprechend Metallverbindung zugesetzt werden. Struktur und Eigenschaften des abgeschiedenen Metallniederschlages werden durch Stromdichte, Temperatur, Badbewegung u.a. Faktoren beeinflusst. Kleinere Teile (Massenartikel) werden in drehbaren Galvanisiertrommeln oder -glocken bearbeitet. Zunehmend setzen sich vollautomatisierte Galvanisieranlagen (Galvanisier Automaten) durch, zum Teil mit elektronischer Programmsteuerung. Unter Galvanoplastik versteht man das Abformen von Gegenständen durch galvanisches Aufträgen dicker, abziehbarer Metallschichten. Von den Originalen werden Wachs-, Plast- oder Metallnegative angefertigt, die dann in g: 1. Metrologie Gramm.

Kupfer, Nickel oder einem anderen Metall abgeformt werden können; angewendet zum Beispiel bei der Herstellung von Pressformen für Schallplatten. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist das Plastikmetallisieren (Metallisieren).

Galveston: Stadt im Bundesstaat Texas (USA), am Golf von Mexiko, auf der 50 km langen Galveston-Insel; 70000 Einwohner; wichtiger Fischerei- und Handelshafen; Schiffbau, Erdölverarbeitung, Baumwoll-Pressereien, Großmühlen; Flughafen; Kurort.

Gama, Vasco da, um 1469-24.12.1524, portugiesische Seefahrer; fand 1497/98 den lang gesuchten Seeweg nach Indien (Malabarküste) und brach somit die arabische Vorherrschaft im Orienthandel; legte 1502/03 durch Überfälle auf die arabischen Flotten den Grundstein zur portugiesischen Seeherrschaft im Indischen Ozean; 1524 portugiesische Vizekönig in Indien.

Gamarra, Pierre, geboren 10.7.1919, französischer Schriftsteller; Herausgeber der Zeitschrift «Europe»; hat sich insbesondere um die Entwicklung des gesellschaftlich engagierten, zeitkritischen und historischen Romans («Die Geheimnisse von Toulouse», 1967, deutsch; unter anderem) sowie um künstlerisch anspruchsvolle Kinder- und Unterhaltungsliteratur verdient gemacht.

Gamaschen: mit seitlichem Verschluss versehene Überstrümpfe, ohne Sohle, meist mit einem Steg unter dem Fuß; aus Textilien, Leder oder Kunststoffen gefertigt.

Gambe: Kurzform für Viola da gamba (Viola).

Gambetta, Léon, 3.4.1838 bis 31.12.1882, französischer Politiker; Führer der republikanischen Opposition gegen Napoleon Hl.; organisierte 1870/71 als Innen- und Kriegsminister die Verteidigung gegen die preußischen-deutschen Truppen.

Gambia: Tieflandfluss in Westafrika; 1100km; entspringt im Fouta Djallon (Guinea), durchfließt Senegal und die Republik Gambia, mündet mit Trichtermündung in den Atlantischen Ozean; Tidenhub bis 460 km landeinwärts wirksam, daher auch auf etwa 200 km Länge für Hochseeschiffe bis 16000 BRT befahrbar.

Gambia, Republik Gambia: Staat in Westafrika, beiderseits am Unterlauf des Flusses Gambia, in Konföderation mit Senegal (Senegambia); grenzt im Westen an den Atlantik, sonst allseitig von Senegal umgeben; verwaltungsmäßig in 5 Bezirke und die Hauptstadt gegliedert. Wichtigste ethnische Gruppen sind Mandingo (50 % der Bewohner), Fulbe und Wolof. Etwa 75 % der Bevölkerung sind Analphabeten. Amtssprache ist Englisch, Währung ist Dalasi. Gambia umfasst die flache, schmale Gambiaflussniederung und Teile des 30 bis 40 m darüber ansteigenden Sandsteinplateaus; das Land erstreckt sich in 40 km Breite 475 km flussaufwärts; tropisches Klima mit Sommerregenzeit; vorherrschend Savanne, am Fluss Gambia Galeriewald. Gambia, Mitglied des Commonwealth of Nations, ist ein Schwach entwickeltes Agrarland, einseitig auf den Anbau von Erdnüssen ausgerichtet. Erdnüsse und ihre Verarbeitungsprodukte sind wertmäßig mit etwa 80 bis 90% an der Ausfuhr beteiligt. Zur Eigenversorgung Anbau von Bataten, Maniok, Hirse und Reis; an Bedeutung zunehmende Viehzucht; Küstenfischerei. Die Industrie ist kaum entwickelt, sie umfasst nur kleine Betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und von Fisch. Das Verkehrsnetz ist noch schwach ausgebaut (keine Eisenbahn); Hauptbedeutung hat die Schifffahrt auf dem Fluss Gambia; Überseehafen Banjul; internationaler Flughafen Yundum bei Banjul; Ausfuhr von Erdnüssen, ferner Viehzuchtprodukten und Fisch; Einfuhr von Versorgungsgütern (besonders Textilien), Maschinen, Einrichtungen, Nahrungsmitteln; Haupthandelspartner sind die EG-Länder (besonders Großbritannien und Frankreich) und China. Im 13./14. Jahrhundert stand Gambia unter dem Einfluss des Malireiches, 1455 wurde es von portugiesischen Seefahrern erreicht, anfänglich portugiesische Kolonialisierung, ab Ende des 16. Jahrhundert unter englischen Einfluss, jedoch erst 1843 britische Kronkolonie. Nach dem 2. Weltkrieg entstand auch in Gambia eine organisierte nationale Befreiungsbewegung. Zu den bedeutendsten politischen Organisationen entwickelten sich der 1945 gegründet Muslimkongress und die 1959 geschaffene Fortschrittliche Volkspartei, die 1960 die Wahlen gewann. Am 18.2.1965 erreichte Gambia die staatliche Selbständigkeit als Dominion innerhalb des Commonwealth of Nations und wurde am 24.4.1970 in eine Republik umgewandelt; Präsident wurde D. K. Jawara. Eine schwere innenpolitische Krise konnte Juli/August 1981 nur durch den Einsatz senegalesische Truppen überwunden werden. Am 1.2.1982 wurde zwischen Senegal und Gambia die Konföderation Senegambia gebildet. Die Vereinbarungen legen fest, dass bei Beibehaltung der staatlichen Souveränität im Rahmen der Konföderation eine Wirtschafts- und Währungsunion gebildet, die Integration der Streit- und Sicherheitskräfte und die Innen- und Außenpolitik beider Staaten koordiniert wird. Präsident der Konföderation ist der Präsident Senegals, Vizepräsident der Präsident Gambias.

Gambierinseln: verwaltungsmäßig zu den Tuamotu Inseln (Französisch-Polynesien) gehörende Inselgruppe (etwa 10 Inseln und Atolle) im Stillen Ozean; 36 km2, 515 Einwohner; Hauptinsel Mangareva (bis 401 m hoch) mit Hauptort Rikitea-, weitgehend Grasland, an der Küste Kokosnuss- und Kaffeeplantagen; Perlenfischerei. Die Atolle Fangataufa und Mururoa im Bereich der Gambierinseln werden als französische Kernwaffenversuchsgelände missbraucht.

Gambit: Schach Eröffnungsmethode mit Opfer zwecks schneller Spielentwicklung.

Gambrinus, sagenhafter flandrischer König, angeblichen Erfinder des Bieres.

Gamburzew, Grigori Alexandrowitsch, 23.3.1903-28.6.1955, sowjetischer Geophysiker; förderte die Entwicklung der seismischen Erkundungsmethoden (besonders Auswertung gebrochener Schallwellen) für die Erforschung der Tiefenstruktur der Erdkruste.

Gamelan: orchestrales Ensemble auf Java und Bali, meist in dienender Funktion bei Kult, Schauspiel und Tanz; besteht vor allem aus Gongs unter anderem Metallophonen, ferner aus Xylophonen, Trommeln und einzelnen Blas- und Streichinstrumenten. In der Gamelanmusik werden überlieferte Weisen gemäß der Eigenart der Instrumente improvisatorisch ausgeführt.

Gameten, Geschlechtszellen, Keimzellen: der Fortpflanzung dienende Zellen mit physiologischen und meist auch morphologischen Geschlechtsunterschieden. Bei den meisten Vielzellern werden die Gameten in besonderen Geschlechtsorganen (Antheridien, Archegonien, Gonaden) gebildet.

Gametogonie, Gametogamie (beide griechisch): geschlechtliche Fortpflanzung durch Gameten.

Gametophyt: bei Pflanzen mit Generationswechsel die sich geschlechtlich vermehrende, Gameten erzeugende Generation.

Gammaastronomie, y-Astronomie: Teilgebiet der Astronomie, das die aus dem Weltall kommenden Gammastrahlen untersucht. Die Messungen erfolgen von hochfliegenden Ballons, Satelliten und Raumsonden aus. Neben der Sonne hat man weitere mehr oder weniger eng begrenzte Gammaquellen, noch ungedeutete Gammastrahlungsblitze und ein schwaches Leuchten der Milchstraße in diesem Wellenlängenbereich entdeckt. Die stärkste Gammaquelle ist ein Pulsar.

Gammaenzephalographie: nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren zur Lokalisation und Artbestimmung von Geschwülsten.

Gammaeule, Autographa gamma: Eulenfalter mit silberweißem Gammazeichen; ein Wanderfalter, Erdraupe jahrweise an Klee, Kohl unter anderem Nutzpflanzen schädlich.

Gammakamera: nuklearmedizinisches Untersuchungsgerät zur raschen bildmäßigen Aufzeichnung der Verteilung gammastrahlender und Positronen aussendender Nuklide. Die Gammakamera gestattet die Erfassung struktureller und funktioneller Kriterien.

Gammakaskade: im Anschluss an eine Kernreaktion erfolgende energetische Abregung eines Atomkerns. Es wird dabei eine Serie von zeitlich aufeinander folgenden Gammaquanten emittiert.

Gamma Fog: Sonde der geophysikalischen Bohrlochmessung zum Bestimmen der natürlichen Gammastrahlung der durchteuften Gesteinsschichten.

Gamma-Plazentographie, Plazentographie: nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren zur Lagebestimmung der Plazenta (Nachgeburt); weitgehend durch Ultraschalldiagnostik verdrängt.

Gammaspektrometrie: Geophysik Teilgebiet der Radiometrie zur Aufnahme und Untersuchung des Energiespektrums der natürlicher Gammastrahlung von radioaktiven Materialien. Mit der Gammaspektrometrie werden in der Geophysik Gesteine und Erze auf ihren Radium-, Thorium- und Kaliumgehalt für die geologische Forschung und Lagerstättenerkundung geprüft.

Gammastrahlen, y-Strahlen: von Atomkernen bei Quantenübergängen zwischen 2 Energieniveaus des Kerns oder bei Elementarteilchenprozessen emittierte, hochenergetische elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen. Wegen der kurzen Wellenlänge X tritt der Wellen zugunsten des Teilchencharakters zurück, so dass man bei Gammastrahlen mit festem X meist von Gammaquanten spricht. Sie werden ausgesandt von bestimmten Radionukliden und bei Kernreaktionen, wenn ein End-Kern im angeregten Zustand entsteht. Das Energiespektrum der Gammastrahlen beim radioaktiven Zerfall ist diskret. Bei Wechselwirkung der Gammastrahlen mit Materie werden Elektronen ausgelöst (Fotoeffekt) oder Elektronenpaare gebildet (Paarbildung). Bei sehr hohen Energien können Kernreaktionen ausgelöst werden, besonders solche, bei denen ein Proton oder Neutron den Kern verlässt (Kernfotoeffekt). Gammastrahlen durchdringen je nach ihrer Energie Metallplatten und Beton. Sie haben unter anderem Bedeutung für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung (Gamma Defektoskopie) und für die Nuklearmedizinischen Gammastrahlen schädigen im Organismus vor allem rasch wachsende Zellen. Erkrankungen der blutbildenden Organe und der Keimdrüsen stehen deshalb bei der Gammastrahlenbehandlung im Vordergrund.

Gamont, Gametozyt: besonders differenzierte Zelle bei Einzellern, die durch Vielfachteilung Gameten bildet.

Gamsachurdia, Konstantine, 15.5.1891 bis 17.7.1975, georgisch-sowjetischer Schriftsteller; seine Erzählungen und Romane reichen thematisch vom Mittelalter bis in die Gegenwart («Das Lächeln des Dionysos», 1925; «Die Entführung des Mondes», 1935/36; «Die Blüte der Weinrebe», 1956; Tetralogie «Dawit der Erbauen), 1946/62; «Die rechte Hand des großen Meisters», 1939, deutsch).

Gamsbart: Rückenhaar vom Winterfell des Gemsbockes.

Gan, Gan Jiang: größter Fluss und wichtige Nord-Süd-Wasserstraßenverbindung der Provinz Jiangxi (China); 758 km; entspringt mit den zwei Quellflüssen Gong-Shui und Zhangs-Hui im Grenzgebirge zur Provinz Guangdong und mündet in den Poyang-See; am Oberlauf Wasserkraftwerk Shangyu (60 MW); bis Ganzhou schiffbar.

Ganda, Baganda: Bantuvolk im Süden Ugandas, Bevölkerung des ehemaligen Reiches Buganda; 3,3 Millionen; Bodenbauer, nur zum Teil Großviehzüchter. Die Sprache der Ganda, das Luganda, ist eine bedeutende Verkehrssprache in Uganda.

Gander: Stadt in Kanada, im Osten der Insel Neufundland, nahe dem Gander See; 7700 Einwohner; internationaler Flughafen für Transatlantikverkehr.

Gandhara Kunst: eine dem Inhalt nach buddhistischer Kunst, die nach einer Landschaft im Nordwesten Pakistans und dem angrenzenden Afghanistan benannt ist und ihre Blütezeit unter den Kuschanas im 1. bis 3. Jahrhundert hatte. In der Gandhara Kunst hat sich unter Hinzufügung iranische und Zentralasiatische Formelemente indischer mit hellenistische und provinzialrömische Kunst verbunden. Erhalten haben sich Reste von Stupas und Klosteranlagen sowie eine große Anzahl von Bildwerken aus bemaltem Schiefer oder Stuck. Die Gandhara Kunst war an der Entstehung des Buddha Bildes entscheidend beteiligt.

Gandhi: 1. Indira Priyadarshini Gandhi, 19.11.1917 bis 31.10.1984 (ermordet), indische Politikerin; Tochter von J. Nehru; Studium an den Universitäten Shantiniketan und Oxford; nahm seit früher Jugend aktiv an der Nationalbewegung teil und spielte eine führende Rolle in der Sozialarbeit und in der Studentenbewegung. Seit 1938 Mitglied der Kongresspartei; von der britischen Kolonialmacht mehrmals inhaftiert; 1959/61 Präsident der Kongresspartei, 1964/66 Minister für Information und Rundfunk, 1966/77 und erneut seit 1980 Ministerpräsident Indiens, Anfang 1978 Gründerin und seitdem Vorsitzende der Kongresspartei (I). Gandhi hat große Verdienste an Indiens führender Stellung innerhalb der Bewegung der Nichtpaktgebundenheit.

2. Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma («große Seele»), 2.10.1869-30.1.1948, indischer Politiker, Rechtsanwalt; Führer der Nationalbewegung seit 1920. Gandhi ging nach einem Jurastudium in Großbritannien 1893 nach Südafrika und wurde zum Führer der dort lebenden Inder, die um ihre Rechte als Bürger des britischen Commonwealth kämpften; 1914 Rückkehr nach Indien. Er erstrebte die staatliche Selbständigkeit Indiens mit ausschließlich friedlichen Mitteln und organisierte den gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialmacht (Satyagraha). Sein persönliches Beispiel und seine Fähigkeit, die Massen in den politischen Kampf einzubeziehen, sicherten ihm große Autorität und eine einflussreiche Rolle in der Nationalbewegung. Als führender Ideologe knüpfte Gandhi an im Volk verbreitete religiös-philosophische Vorstellungen an, die die Hegemonie der Bourgeoisie in der Nationalbewegung nicht in Frage stellten. Er lehnte den wissenschaftlichen Sozialismus, insbesondere die Lehre vom Klassenkampf, ab und vertrat in seinen sozialpolitischen Anschauungen einen utopischen, kleinbürgerlichen bäuerlichen Sozialismus (Ablehnung der industriellen Großproduktion, Idealisierung der Dorfgemeinde). Beim Versuch, die 1947 ausgebrochenen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen beizulegen, wurde er von einem fanatischen Anhänger einer reaktionären Hindu-Organisation ermordet.

3. Rajiv Gandhi, geboren 20.8.1944, indischer Politiker, Sohn von Gandhi 1; Studien in Indien und Großbritannien; seit Juni 1981 Mitglied der Kongresspartei (Abkürzung INK) und Parlamentsabgeordneter; Februar 1983 Berufung zu einem der Generalsekretäre des Allindischen Kongresskomitees des INK. Nach der Ermordung seiner Mutter wurde Gandhi Ministerpräsident. Im November 1984 Wahl zum Vorsitzenden des INK; im Dezember 1984 nach dessen Wahlsieg wurde er erneut zum Ministerpräsidenten gewählt.

Ganerben: (althochdeutsch, «Miterben») im mittelalterlichen Recht mehrere Verwandte, die ein Gesamtrecht (Miterbe) an der Erbschaft hatten und diese ungeteilt nutzten, ohne einen persönlichen Anteil beanspruchen zu können. besonders häufig waren Ganerben als Besitzer einer Burg.

Ganesha, (Sanskrit, «Herr der Scharen» (der dem Schiwa dienenden Geister)) Ganapati (Sanskrit): im Hinduismus elefantenköpfiger Gott der Wahrheit, des Schreibens, Beseitiger der Hindernisse; ursprünglich von vorarischen Bauern, heute fast in jedem indischen Dorf in primitiven Steinidolen verehrt.

Gang: 1. mit Gestein oder Mineralen ausgefüllte Spalte der Erdrinde.

2. Übersetzungsstufe der Zahnräder im Wechsel- (Schalt-) Getriebe eines Kfz.

3. eine Reihe längsverlaufender Stahlplatten des Schiffskörpers.

4. Gang: Arbeitsgruppe in Seehäfen zum Be- beziehungsweise Entladen eines Schiffsladeraumes.

5. a) der Bewegungsablauf zwischen Uhrwerk, Hemmung und Schwingsystem zur fortlaufenden Zeitangabe;

b) der Unterschied zwischen dem täglichen Zeitmessergebnis einer Prüfuhr und dem Zeitnormal;

c) veraltet für Hemmung beziehungsweise auch für Zeitteiler.

6. Gang: Verbrecherbande.

Gangart: 1. Hüttentechnik: Sammelbezeichnung für nichtmetallische, sogenannt «taube» (deshalb auch als Nichterze bezeichnete) Begleitminerale der Erze, die bei der Aufbereitung von den Erzen getrennt und entsprechend Verwendungszwecken zugeführt werden.

2. Tierhaltung: durch unterschiede Fußfolge und Geschwindigkeit gekennzeichnete Fortbewegungsart des Pferdes. Bei der langsamsten Gangart, dem Schritt, werden im Abstand von einem halben Schritt ein Hinterbein und das andersseitige Vorderbein bewegt. Als Pass gilt das gleichzeitige Heben der Füße einer Seite. Der Trab ist eine laufende Gangart, bei der der Hinterfuß und der andersseitige Vorderfuß gleichzeitig aufgesetzt werden. Bei der schnellsten Gangart, dem Galopp, wird mit einem Hinterbein angetreten, dann folgen zusammen das andere Hinterbein und das Vorderbein der Gegenseite und zuletzt das andere Vorderbein; in derselben Reihenfolge wird wieder aufgesetzt.

Ganges, Ganga: Hauptstrom und wichtigste Binnenwasserstraße Vorderindiens; 2700 km, Einzugsgebiet 1,06 Millionen km2; entspringt mit den Quellflüssen Bhagirathi und Alaknanda an den Südhängen des westlichen Himalaja, durchbricht bei Hardwar die Siwalikketten, durchfließt dann das Gangestiefland, teilt sich etwa 480 km oberhalb der Mündung in zahlreiche Arme auf, der Hauptstrom jedoch vereinigt sich bei Goalundo mit dem Jamuna-Lauf des Brahmaputra und mündet in einem Ästuar des über 80000 km2 großen Ganges-Brahmaputra-Deltas in den Golf von Bengalen; Nebenflüsse rechts Yamuna, links Gogra, Gandak, Kosi; 1900 km schiffbar, an den Nebenflüssen zahlreiche hydrotechnische Anlagen, Farakka-Staudamm zur Sicherung der Wasserführung des Bhagirathi-Hugli; von den Hindu als heilig verehrt.

Ganggrab: aus dem Dolmen entwickelte Form des Großsteingrabes in Nord- und Westeuropa und im nördlichen Mitteleuropa; besteht aus einer ebenerdigen, aus Steinblöcken errichteten Grabkammer von rechteckigem bis ovalem Grundriss mit überdecktem Zugang.

gängig: Bergbau Eigenschaft anstehender Kohle oder Erze, sich, durch Gebirgsdruck aufgelockert, verhältnismäßig leicht gewinnen zu lassen.

Gangliom, Ganglioneurom: gutartige Geschwulst aus Ganglienzellen mit Nervenfasern im Bereich des Gehirns und des Sympathikus.

Ganglion: 1. Anatomie: Anhäufung von Nervenzellen.

2. Ganglion, Überbein: Medizin Ausstülpung von Kapsel- oder Sehnengleitgewebe, die sich mit gallertartigem Inhalt auffüllt.

Gangreserve: Energievorrat zum weiteren Antrieb des Uhrwerks nach Beendigung des normalen Energieflusses; so hat zum Beispiel eine Automatikuhr nach dem Abnehmen vom Handgelenk und Rotorstillstand etwa 24 h Gangreserve durch die automatisch gespannte Zugfeder.

Gangsystem: brutales System der Ausbeutung von Landarbeitern, besonders in der britischen Landwirtschaft in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert; sogenannt Gangmasters warben Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts an und ließen diese Gangs unter ihrem Kommando zu niedrigen Löhnen und unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen auf den Gutshöfen arbeiten.

Gangtok: Hauptstadt des Unionsstaates Sikkim (Indien), im Himalaja; 37000 Einwohner; Handelsort an der Kreuzung zahlreicher Saumpfade; Autostraße nach Tibet.

Gans, Eduard, 22.3.1797-5.5.1839, Rechtsphilosoph; Schüler W. F. Hegels; führender Vertreter der philosophischen und Gegner der historischen Rechtsschule; wirkte für die Entwicklung des bürgerlichen Rechts in Deutschland; Mitbegründer der vergleichenden Rechtswissenschaft. K. Marx hörte bei ihm Vorlesungen.

Gänseblümchen, Maßlieb, Maßliebchen, Bellis perennis: fast ganzjährig blühender niedriger Korbblütler mit weißen bis rötlichen Zungenblüten und grundständiger Blattrosette; viele Gartenzierformen (Tausendschönchen).

Gänsedistel, Sonchus: Gattung der Korbblütler mit dornig gezähnten weichen Blättern und gelben Zungenblüten; mehrere Arten sind verbreitete Ackerunkräuter, besonders in Hackkulturen und Gärten.

Gänsefußgewächse, Chenopodiaceae: Familie weltweit verbreiteter Pflanzen mit unscheinbaren, meist grünliche in Knäueln stehenden Blüten, salz- und stickstoffliebend; hierzu unter anderem Queller, Rübe (Runkel-, Zucker-, Rote Rübe), Spinat, Mangold, Gänsefuß und Melde.

Gansu, Kansu: Provinz im Nordwesten Chinas, am oberen Huang He; 366500 km2, 20 Millionen Einwohner, davon über 1 Millionen Tibeter, Hui, Mongolen; 55 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Lanzhou. Etwa 1000 m hohes Lößplateau im Osten, im Norden und Westen Steppe und Wüste; trockenkaltes Kontinentalklima. Gansu ist reich an Bodenschätzen, wie Erdöl (Yumen), Kohle (Aganzhen), Eisenerz; wichtigste Wirtschaftszweige sind Erdölverarbeitung (Lanzhou), Metallurgie, Maschinenbau, chemische und Textilindustrie; Zentrum der Atomforschung und -industrie, Raketenversuchsgelände Shuangchengzi. In der Landwirtschaft Anbau von Weizen, Hirse und Baumwolle. Gansu wird durch die Long-hai-Bahn, Xinjiang-Bahn und die Linien Lanzhou-Baotou und Lanzhou-Qinghai verkehrsmäßig erschlossen, berühmt ist die alte Seidenstraße durch Gansu.

Ganymed, Ganymedes, schöner Knabe (trojanischer Königssohn) der griechischen Sage; von Zeus in Adlergestalt in den Olymp entführt, wo er Zeus Geliebter und Mundschenk der Götter wurde.

Ganz, Bruno, geboren 1941, schweizerischer Schauspieler, entwickelte sich seit 1961 in der BRD und in Westberlin vor allem in Zusammenarbeit mit dem Regisseur P. Stein; spielte Hauptrollen unter anderem in Goethes «Torquato Tasso» (in Bremen), Ibsens «Peer Gynt», Kleists «Prinz von Homburg», Gorkis «Sommergäste» (in der Schaubühne Westberlin); seit 1967 Filmdarsteller («Messer im Kopf»), auch im französischen und italienischen Film.

ganze Funktion: Funktion einer oder mehrerer komplexer Variabler, die für alle endlichen Werte regulär (Funktionentheorie) ist. Sie lässt sich durch eine überall konvergente Potenzreihe darstellen. Sind darin nur endlich viele Koeffizienten von Null verschieden, so liegt eine rationale ganze Funktion vor, andernfalls eine transzendente ganze Funktion, zum Beispiel sind ez, sin z, cos z transzendente ganze Funktion.

Ganzkörperbestrahlung: Einwirken von ionisierender Strahlung auf den Gesamtorganismus, zum Beispiel durch Höhenstrahlung und natürlicher Radioaktivität sowie bei nuklearer Havarie, im Unterschied zur Teilkörperbestrahlung bei Röntgenuntersuchungen oder Strahlenbehandlung.

Ganzsache: Philatelistische Bezeichnung für Postkarten, Briefumschläge, Streifbänder und so weiter mit eingedrucktem Wertstempel.

Ganz-Seitenübertragung, Faksimileübertragung: Verfahren zur Übertragung von Zeitungs-Umbruchabzügen an räumlich entfernte Empfangsstationen. Die Abzüge werden mit Licht abgetastet, die reflektierten Strahlen in elektrische Impulse umgewandelt, über Fernmeldeleitungen oder drahtlos weitergeleitet, in Lichtimpulse umgesetzt, die lichtempfindlichen Materialien belichten.

Ganzton: das aus 2 Halbtonstufen bestehende Intervall der großen Sekunde.

Ganztonleiter-Tonleiter, ganzzahlige Optimierung diskrete Optimierung. Gao: Stadt (Regionszentrum) im Nordosten Malis, am Niger; 30000 Einwohner; Handelszentrum; Flusshafen; Straßenknoten; bei Ganztonleiter-Tonleiter internationaler Flughafen.

Gaoxiong: Stadt im Südwesten der Insel Taiwan (China); 1,2 Millionen Einwohner; größte Zementfabrik Taiwans, Großwerft mit Bau von Großtankern, Ölraffinerie, Aluminiumverhüttung, Maschinenbau, Zuckerverarbeitung; wichtigster Hafen im Süden Taiwans, durch Eisenbahn mit Taibei verbunden.

Garage: abgeschlossener Unterstellraum für Kfz vorrangig zum Schutz gegen Witterungseinflüsse.

Garaguly, Carl von, geboren 28.12.1900, schwedischer Dirigent und Violinist ungarischer Herkunft; wirkte als Chefdirigent in Schweden, Norwegen und Dänemark; war als Gastdirigent international erfolgreich.

Garai, Gábor, geboren 27.1.1929, ungarischer Lyriker und Übersetzer, 1976/81 Generalsekretär des ungarischen Schriftstellerverbandes; Repräsentant der Dichtergeneration, die nach der Konterrevolution in Ungarn (1956) mit sozialistischen Engagement auftrat. Humanismus und Intellektualismus charakterisieren seine Lyrik, die mit hohem Anspruch an die Form geschrieben ist (dt. Auswahl «Sommers Ende», 1983).

Garamond, Garamont, Claude, 1480-November 1561, französischer Stempelschneider und Schriftgießer, schnitt griechische Schrifttypen und vorzügliche Antiquaschriften.

Garantie: 1. allgemeines Recht Gewähr, Bürgschaft, Sicherheit, Haftungsübernahme (zum Beispiel für die Funktionsfähigkeit, Qualität).

2. Völkerrecht: die von einem oder mehreren Staaten vertraglich übernommene Verpflichtung, den völkerrechtlichen Status, die territoriale Integrität oder die politische Unabhängigkeit anderer Staaten oder die Erfüllung von Verträgen zu sichern.

3. Wirtschaftsrecht: gesetzlich bestimmte Zusicherung des Leistenden, dass der Leistungsgegenstand bei sachgemäßem Gebrauch und dementsprechend Einwirkungen im Garantiezeitraum die Gebrauchsfähigkeit behält, die den staatlichen Gütevorschriften, der Qualitätsabrede und dem vertraglich vorausgesetzten Gebrauch entspricht Treten im gesetzlichen oder durch Zusatzgarantie verlängerten Garantiezeitraum Mängel auf, kann der Auftraggeber Nachbesserung, Ersatzleistung oder Minderung des Preises fordern, ausnahmsweise auch Rücktritt erklären. Vertragsstrafe und Ersatz eines weitergehenden Schadens kann verlangt werden, wenn ein erheblicher Mangel im gesetzlichen Garantiezeitraum festgestellt wurde. Ein normaler Verschleiß begründet keine Ansprüche aus der Garantie. In internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist zwischen Garantie und Gewährleistung zu unterscheiden, wobei auch die Erfüllung von Zahlungspflichten unter anderem Pflichten garantiert werden kann.

4. Zivilrecht: Verpflichtung des Verkäufers sowie des Herstellers oder des Dienstleistungsbetriebes, für die Qualität der Ware oder der sonstigen Leistung einzustehen. Sie erstreckt sich auf die Einhaltung der Güte-, Sicherheits- und Schutzvorschriften und auf die zugesicherte und für den Verwendungszweck erfordert. Gebrauchsfähigkeit während der Garantiezeit. Die regelmäßig zu gewährende Garantie kann grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, ausgenommen wegen Mängeln bei gebrauchten Waren. Bei Qualitätsmängeln entstehen Garantieansprüche auf Nachbesserung, Ersatzleistung, Preisminderung, Preisrückzahlung und so weiter (früher Gewährleistung). Neben der gesetzlichen Garantie und über ihren Zeitraum hinaus kann durch den Hersteller Zusatzgarantie gewährt werden.

Garantol: (Kunstwort) Eierkonservierungsmittel für den Haushalt; besteht aus Kalziumhydroxid und geringen Mengen an Eisen-, Aluminium- und Magnesiumsalzen.

Garbe: zusammengebundene Halme oder Stengel von geernteten Feldfrüchten (Getreide, Ölfrüchte u. ä.). Die Garbe werden zum Nachtrocknen oder -reifen aufrecht aneinandergestellt und heißen dann Hocke oder Puppe.

Garbo, eigentlich Gustafsson, Greta, geboren 18.9.1905, schwedische Filmschauspielerin; seit 1925 in den USA, wo sie meist den Typ der rätselhaften, unnahbaren Frau verkörperte; spielte unter anderem in «Gösta Berling», «Königin Christine», «Anna Karenina», «Die Kameliendame», «Mata Hari», «Die Frau mit den zwei Gesichtern».

García Lorca, Federico, 5.6.1898 bis 19.8.1936 (von Faschisten ermordet), spanischer Lyriker und Dramatiker; einer der bedeutendsten Vertreter der modernen spanischen Literatur; befasste sich mit der Volksdichtung Spaniens und verband sie mit der modernen Lyrik («Zigeunerromanzen», 1928, deutsch). Mit der Leitung des Studententheaters in Madrid erhielt García Lorca durch die Spanische Republik die Möglichkeit, die Bühnenarbeit als einen Beitrag zur Erziehung und Volksbildung zu nutzen. Hier ließ García Lorca auch seine Stücke aufführen, die das spanische Theater erneuerten, sich durch enge Verbundenheit mit den Traditionen des spanischen Volkes, waches Bewusstsein für die politische Auseinandersetzungen der Gegenwart und gesellschaftliche Determiniertheit individueller Konflikte auszeichnen («Die Bluthochzeit», 1933, deutsch; «Bernarda Albas Haus», 1936, deutsch).

García Márquez, Gabriel, geboren 6.3.1928, kolumbianischer Romancier, kritisiert aus der Sicht kleinbürgerliche Kräfte die durch die Herrschaft einer alle fortschrittlichen Regungen missbrauchenden oder erstickenden Oligarchie gekennzeichneten Verhältnisse seines Landes («Kein Brief für den Oberst», 1961; «Das Begräbnis der alten Dame», 1962; beide deutsch). In «Hundert Jahre Einsamkeit» (1967, deutsch) gibt er bei stilistisch gekonnter Einbeziehung von Mythos und Legende eine zur Geschichtsmetaphysik tendierende Synthese der kolumbianischen Geschichte und gestaltet in «Der Herbst des Patriarchen» (1975, deutsch) das Problem der Diktatur in Südamerika.

Garcilaso de la Vega, 1503-14.10.1536, spanischer Lyriker; seine Lyrik wirkte durch die Einführung italienischer Formen und künstlerischer Vollendung bahnbrechend für die spanische Literatur.

Gard: Fluss im Süden Frankreichs; 132 km; aus den Cevennen, mündet oberhalb von Tarascón in die Rhône; stellenweise schluchtenartiges Tal; bei Remoulins von dem römischen Aquädukt Pont du Gard (273 m lang, 49 m hoch) gekreuzt.

Gardenie, Gardenia: Gattung der Rötegewächse aus den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas und Asiens. Die aus China stammende Gardenia jasminoides hat tellerförmige, weiße, sehr wohlriechende Blüten. benannt nach dem US-amerikanischen Botaniker Alexander Garden (1730-1791).

Garderobier, Garderobiere (beide französisch germanisch): für die Bühnengarderobe verantwortliche Mitarbeiter(in) am Theater.

Gardine: durchsichtiger Fenstervorhang(stoff) aus leichtem Gewebe in Dreher-, Scheindreher- oder Leinwandbindung, Gewirke von Kettenwirk-, Häkelgalon- oder Raschelmaschinen, von Bobinet- oder Nähwirkmaschinen; meist aus Chemieseiden.

Gárdonyi, Geza, 3.8.1863-30.10.1922, ungarischer Schriftsteller, ursprünglich Lehrer und Journalist; wurde berühmt durch seine Geschichten aus der ungarischen Provinz; sein Hauptwerk ist der historischen Roman «Sterne von Eger» (1901, deutsch).

Gare: 1. aufgelockerter Zustand eines Stoffes oder Stoffgemisches, zum Beispiel von Lebensmitteln durch Triebmittel beziehungsweise Hitze (Kartoffeln, Gemüse, Obst), aber auch von Erde (Bodengare).

2. Glaceleder.

Gargantua: Titelfigur des Romans Gargantua und Pantagruel von F. Rabelais.

Gargi, Balwant Singh, geboren 4.12.1916, indischer Dramatiker und Schriftsteller; schreibt realistische Dramen («Kesro», 1952) und Erzählungen in Punjabi; Wegbereiter des fortschrittlichen Theaters in Indien; verfasste unter anderem die Abhandlung «Theater und Tanz in Indien» (1960, deutsch).

Garibaldi, Giuseppe, 4.7.1807-2.6.1882, italienischer Nationalheld; populärster Führer des revolutionär-demokratischen Flügels im Risorgimento, begabter Feldherr, Teilnahme an mazzinistischen Verschwörungen 1833/34; kämpfte in Südamerika 1835/48 für die Unabhängigkeit der Republiken Rio Grande (Brasilien) und Uruguay; 1849 Organisator und Verteidiger der römischen Republik; 1860 beschleunigte er an der Spitze freiwilliger Alpenjäger («Zug der Tausend») die Revolution auf Sizilien und in Unteritalien; kämpfte 1870/71 auf der Seite der französischen Republik.

Garm: in der nordischen Mythologie eine Art Höllenhund; Garm und Tyr (Ziu) töten einander beim Ragnarök.

Garn: aus Fasern bestehender, nicht verzugsfähiger Faden.

Garnelen, Natantia: Unterordnung der Zehnfußkrebse mit langen Fühlern und seitlich zusammengedrücktem Körper. Etwa 2000 vorwiegend im Meer lebende Arten; von wirtschaftlicher Bedeutung zum Beispiel die Nordseegarnelen (Granat oder Porre, Crangon crangon) und die Ostseegarnelen (Palaemon squilla).

Garnette: (Kunstwort, zu «Garn») Vorbereitungsmaschine in der Streichgarnspinnerei; Krempel zum Auflösen von Fadenresten beziehungsweise -abfällen.

Garnier, Charles, 6.11.1825-3.8.1898, französischer Architekt und Kunstschriftsteller, Hauptvertreter des französischen Neubarocks. Mit dem Entwurf für die Pariser Grand Opéra schuf Garnier ein richtungweisendes Beispiel für die europäischen Theaterarchitektur der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert.

garnieren: 1. allgemein verzieren; schmücken.

2. Silikattechnik: einen keramischen Gegenstand zusammensetzen, der in einzelnen Teilen hergestellt wurde. Die Ansatzstellen werden aufgekratzt, mit Gießmasse befeuchtet und die Teile durch Andrücken vereinigt.

Garnitur: Satz zusammengehöriger Gegenstände, zum Beispiel Wäsche; siehe auch Set.

Garonne: Fluss im Südwesten Frankreichs; 650 km, davon 460 km schiffbar; Einzugsgebiet 56000 km2; entspringt in den Pyrenäen, mündet als Gironde mit einem 75 km langen und bis 10 km breiten Trichter in den Atlantik; starke, im Oberlauf jedoch sehr unregelmäßige Wasserführung; über den Canal du Midi Verbindung zum Mittelmeer, ab Toulouse vom Garonne-Seitenkanal begleitet.

Garoua, Garua: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Kameruns, am oberen Benue; 70000 Einwohner; Baumwollverarbeitung; Flusshafen, internationaler Flughafen.

Garrett: 1. Garrett, Joäo Baptista da Silva Leitäo de Almeida, 4.2.1799-9.12.1854, portugiesischer Schriftsteller, lernte als Parteigänger der bürgerlichen portugiesischen Revolution in der Emigration die romantische Literatur kennen und führte sie 1825 mit dem Poem «Camöes» (dt.) in Portugal ein. Seine Hauptleistung ist der Versuch, unter Rückgriff auf mittelalterliche Stoffe ein portugiesisches Nationaltheater zu schaffen, zum Beispiel «Der Schwertfeger von Santarem» (1842), «Frei Luis de Sousa» (1843, deutsch). Mit «Wanderungen in meinem Vaterland» (1843, deutsch) begründete er die moderne literarische Prosa in Portugal.

2. Garrett, Thomas, 21.8.1789-25.1.1871, US-amerikanischer Abolitionist; Leiter der «Underground Railroad», der Organisation zur Flucht von Sklaven aus dem Süden; «unser Moses» genannt.

Garrick, David, 19.2.1717-20.1.1779, englischer Schauspieler, Theaterleiter und Dramatiker; brachte durch seine realistische Schauspielkunst und wirkungsvolle Inszenierungen (am Drury Lane Theater in London) die Werke Shakespeares, teils im Zeitgeschmack bearbeitet (Adaptationen von «Romeo und Julia», 1748; «Der Sturm», 1756; «Hamlet», 1772), zu neuem Ansehen und beeinflusste die deutsche Bühne.

Garschaumgraphit: bei hochkohlenstoffhaltigen Roheisen- oder Gusseisenmarken sich bei der Erstarrung ausscheidender (Primär-) Graphit, der aufgrund seiner geringeren Dichte aus der Schmelze aufsteigt und sich an der Oberfläche schaumartig abscheidet.

Garschin, Wsewolod Michailowitsch, 14.2.1855 bis 5.4.1888 (Selbsttötung), russischer Schriftsteller, prangerte in realistischen Erzählungen über den Russischen Türkischen Krieg von 1877/78 das inhumane Wesen des Krieges an («Vier Tage», 1877, deutsch); stellte mit starker Symbolkraft die Tragik des Individuums in der Klassengesellschaft dar («Die rote Blume», 1883, deutsch).

Garten: ursprünglich fest eingezäuntes Gelände für den Anbau von Pflanzen; im weiteren Sinne räumlich begrenzte, mit unterschiedlichen Gewächsen besetzte Vegetationsfläche für individuelle (Hausgarten, Kleingarten), gemeinschaftlicher (Schulgarten, Stadtgarten) oder wissenschaftliche (Zuchtgarten, botanischer Garten) Nutzung.

Gartenarchitektur: Gestaltung kleinerer oder größerer Flächen und Bezirke der freien Natur zur Schaffung zweckdienlicher Räume und ästhetische Wirkungen unter vorwiegender Verwendung von Pflanzen.

Gartenbank: Pferdesport Springprüfungshindernis, dessen Rückenlehne aus abwerfbaren Stangen besteht; erfordert einen Hochweitsprung des Pferdes.

Gartenbau: Sammelbegriff für die intensivste Form der speziellen Pflanzenproduktion (Obst-, Gemüse-, Zierpflanzenproduktion), die als Teil der Land- und Forstwirtschaft zur Urproduktion gehört. Der Gartenbau ist durch hohen Aufwand für stationäre Einrichtungen (Gewächshäuser, Beregnungsanlagen, Lager und Aufbereitungsstationen) gekennzeichnet und liefert seine Produkte vornehmlich im frischen Zustand an die Verbraucher.

Gartengrasmücke, Sylvia borin: heimischer Singvogel in Laubwäldern; Zugvogel, der erst Anfang Mai bei uns eintrifft und nicht sehr hoch in Büschen brütet.

Gartenkunst: künstlerische Gestaltung kleinerer oder größerer Bezirke der freien Natur nach zweckdienlichen und ästhetischen Gesichtspunkten. Ihre Mittel sind in- und ausländische Pflanzen, Wasser, Wege, Steine, Plastik und Baulichkeiten. Die Geschichte der Gartenkunst kennt 2 vielfältig variierte Grundformen, die regelmäßige Anlage (Ägypten, Griechenland, Rom, Babylon, Persien, islamischen Kunst) und die unregelmäßige Anlage (China, Japan). Nach sehr bescheidenen Anlagen im Mittelalter übernahm die Renaissance in Schloss- und Patriziergärten mit Springbrunnen, Statuen, geometrisch abgezirkelten Beeten Anregungen des römischen Vorbilds. Im Barock- und Rokokopark erreichte das architektonische Prinzip der Gartenkunst einen Höhepunkt; das Achsensystem der Schlossgebäude gliedert den Garten wie Architektur, und die Innenräume suchen die Verwischung der Raumgrenzen nach dem Garten hin (vorbildlich für Europa ist der Park von Versailles; weitere erhaltene Anlagen sind Schleißheim, Nymphenburg, Sanssouci). Die folgerichtige Umkehrung der Bestrebungen ging Anfang des 18. Jahrhundert als Strömung der Romantik von England aus. Der Landschaftsgarten (Engl. Garten) suchte den Anschein freier Natur zu erwecken, in idealer Verbindung von Seen, Bergen, weiten Wiesen, Baumgruppen, durchsetzt mit Denkmälern, Ruinen u.ä. (Wörlitz, Weimar, München, Bad Moskau). Seit Mitte des 19. Jahrhundert entstanden in wachsendem Maße Grünanlagen als sozialhygienisch bedeutsame Faktoren im Stadtgebiet, wobei jedoch meist stilistische Unklarheit herrschte. Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich als Synthese zwischen regelmäßiger und unregelmäßiger Anlage die noch heute gültige Form mit architektonischer Raumauffassung. In neuerer Zeit sind in den sozialistischen Ländern die Volksparks bedeutende Anlagen, die durch Einbeziehung zum Beispiel von Liegewiesen, Sportanlagen, Freibädern und Kinderspielplätzen, durch kulturelle Einrichtungen (Freilichtbühnen, Tanzflächen, Parkbüchereien und so weiter) und durch Eingliederung von Großgaststätten zu Stätten der Erholung und Kultur (Kulturpark) werden. In diesen Anlagen sind die Elemente der regelmäßigen Gartenkunst die ordnenden Teile, während die nach dem unregelmäßigen Gestaltungsprinzip angelegten Teile der Auflockerung dienen.

Gartenzaun: Pferdesport gartenzaunähnliches Springprüfungshindernis; erfordert einen Steilsprung des Pferdes.

Gärtner: 1. Eduard Gärtner, 2.6.1801-22.2.1877, Architektur- und Landschaftsmaler; 1826/27 Aufenthalt in Paris, 1837/39 in Petersburg und Moskau tätig. Gärtner schuf eng an die Wirklichkeit gebundene Stadtansichten des vormärzlichen und biedermeierlichen Berlin in feiner malerischen Behandlung des Atmosphärischen.

2. Friedrich von Gärtner, 10.12.1792-21.4.1847, Architekt; seit 1820 im Münchener Kunstleben führend. In seinen dortigen klassizistischen Bauten (Ludwigskirche 1829/40, Feldherrnhalle 1840/45 unter anderem) bevorzugte Gärtner Formen der italienischen Frührenaissance sowie der römischen Antike.

3. Hannelore Gärtner, geboren 21.11.1929, Kunsthistorikerin; seit 1969 Professor an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; Forschungen und Veröffentlichungen über die deutsche Romantik (unter anderem P. O. Runge, C. D. Friedrich, Gärtner Kersting und M. von Schwind) sowie die Kunst des 20. Jahrhundert.

Gärtnerei: Betrieb zur Produktion von anspruchsvolleren Pflanzen, besonders Gemüse- und Zierpflanzen; siehe auch Gartenbau.

gärtnerische Erden: organische Düngestoffe, die anstelle von Boden zur Anzucht und Produktion von Nutz- und Zierpflanzen dienen und aus überwiegend organische Ausgangsmaterial durch biotechnische Umwandlung als Ergebnis von gelenkten Rotteprozessen entstanden sind. Sie sind durch einen hohen Humusgehalt und gute Strukturverhältnisse (Luft- und Wasserkapazität) charakterisiert.

gärtnerische Produktionsgenossenschaft, Abkürzung GPG freiwilliger Zusammenschluss werktätiger Gärtner sowie von Gartenbau- und Landarbeitern zur genossenschaftlichen Produktion und zur Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse, Obst und Zierpflanzen. Durch die Entwicklung einer genossenschaftlichen Großproduktion mit zunehmender Spezialisierung wächst die Effektivität der eingesetzten Grundfonds (Gewächshäuser, Bewässerungsanlagen, Maschinen- und Gerätesysteme), verbessern sich Arbeitsproduktivität und Arbeitsbedingungen. Grundlage der genossenschaftlichen Arbeit sind Statut und Betriebsordnung der GPG.

Gärung: biochemischer Vorgang, bei dem die Energie aus Kohlenhydraten enzymatisch freigesetzt wird. Gärung vollzieht sich häufig anaerob, zum Teil ist Sauerstoffzufuhr jedoch nötig. Bei der alkoholischen Gärung wird Zucker zu Alkohol und Kohlendioxid abgebaut; Alkohol kann durch Essigsäurebakterien mit Hilfe von Sauerstoff in Essigsäure umgesetzt werden (Essigsäuregärung). Das Sauerwerden der Milch beruht auf der Milchsäuregärung, die auch für die Herstellung von Käse, Gärungsgemüse und Konservierung von Grünfutter Wirtschaftliche Bedeutung hat. Siehe auch Glykolyse.

Gärungsgemüse: durch Milchsäuregärung haltbar gemachtes Gemüse (zum Beispiel Sauerkraut).

Gärungsindustrie: Industriezweig, der Gärungsprodukte, wie alkoholische Getränke, Hefe, Essigsäure u. ä., herstellt.

Gärungsprodukte: industriell gewonnene Endprodukte des anaeroben mikrobiellen Energiestoffwechsels, zum Beispiel Äthanol, Glyzerin, Milchsäure, Azeton und Butanol.

Garvey, Marcus, 1887-10.6.1940, US-amerikanischer kleinbürgerlicher Farbigen Führer; Mitbegründer der Vereinigung zur Verbesserung der Lage der Farbigen (1914), die für die Rückführung der Afroamerikaner nach Afrika agitierte; erhielt trotz offiziell finanzierter Demagogie keine Massenbasis und wurde 1925 nach Jamaika deportiert.

Gary: Stadt im Bundesstaat Indiana (USA), am Südufer des Michigansees nahe Chicago; 150000 Einwohner (davon über 50% Afroamerikaner); Zentrum der Eisenmetallurgie; Kokereien, Textil-, Zementindustrie.

Gary, Romain, 8.5.1914-2.12.1980 (Selbsttötung), französischer Schriftsteller; Verfasser von Romanen, die eine individuelle Protesthaltung gegenüber antisemitische Erscheinungen in der bürgerlichen Gesellschaft ausdrücken, zum Beispiel «Die Wurzeln des Himmels» (1956, deutsch). Um seine inzwischen zur Markenware gewordene Schreibweise zu erneuern, verfasste Gary seit 1974 unter dem Pseudonym des jungen Emile Ajar (geboren 1941) noch vier Romane und errang mit «Du hast das Leben noch vor Dir» (1975, deutsch) einen weiteren Welterfolg.

Gas: Stoff, dessen Moleküle frei beweglich sind und vorwiegend durch Zusammenstöße in Wechselwirkung treten. Die Stöße auf die Gefäßwand äußern sich als Gasdruck. Beim idealen Gas denkt man sich die Moleküle punktförmig und nimmt an, dass, außer beim Stoß, zwischen ihnen keine Kräfte wirken. Reale Gase bestehen aus Molekülen mit endlichen Volumen, zwischen denen Van-der-Waals-Kräfte wirken (siehe auch zwischenmolekulare Kräfte). Alle in der Natur vorkommenden Gas sind reale Gas Sie gehorchen einer empirischen Zustandsgleichung. Gas, die sich bei Zimmertemperatur nicht durch Druckerhöhung verflüssigen lassen, weil ihre kritische Temperatur tiefer liegt, nennt man permanente Gas (zum Beispiel Sauerstoff, Helium), sie verhalten sich wie ideale Gase. Siehe auch Gasgesetze, Aggregatzustand.

Gasaufzehrung: allmähliches Verschwinden des Füllgases bei Gasentladungen, wird durch Sorption verursacht und in Ionen- und Getterpumpen zur Hochvakuumerzeugung genutzt. Siehe auch Vakuumpumpe.

Gasausbruch: gebirgsschlagartiges Auswerfen von Gesteinen und Gasen und ihr Eindringen in die Grubenbaue; im Bergbau auf Steinkohle Methan und Kohlendioxid, auf Kupferschiefer Stickstoff, auf Kalisalz Kohlendioxid und Methan. Dabei bilden sich Ausbruchskanäle; große Gesteinsmengen werden in den Grubenraum geschleudert. Gasausbruch gefährdet daher das Leben der Bergleute und kann Schaden in der Grube anrichten. Zur Vermeidung unkontrollierbarer Ausbrüche zündet man die Sprengladungen von über Tage aus, wenn alle Bergleute ausgefahren sind.

Gasbehälter: Apparat zur Speicherung von technischen Gasen, zum Beispiel Stadtgas. Der Glockengasbehälter (fälschlich Gasometer genannt) besteht aus einer teleskopartigen, in Wasser tauchenden Behälterglocke («nasser Gasbehälter»), während der Scheibengasbehälter mit einer dicht schließenden, bewegliche Scheibe versehen ist («Trockengasbehälter»). Neben diesen Niederdruckgasbehälter gibt es auch Hochdruckgasbehälter in Kugel- oder Kesselform.

Gasbranderreger: anaerobe, in Erde und Darm vorkommende Sporenbildner. Die von Gasbranderreger gebildeten hochwirksamen Toxine sind Ursache des tödlich verlaufenden Gasbrands.

Gasbrenner: mit Stadt-, Erd- oder anderem Brenngas betriebenes Laborgerät mit regulierbarer Luftzufuhr zum Erhitzen von Stoffen und Reaktionsgemischen. Mit dem von R. Bunsen 1855 entwickelten Bunsenbrenner sowie dem ähnlich wirkenden Teclubrenner wird mit wenig Luft eine mäßig heiße Flamme mit gelb leuchtender, flackernder Spitze, bei stärkerer Luftzufuhr eine rauschende, nicht leuchtende, bis zu 1200 °C heiße Flamme mit blauem Innenkegel erzeugt. Zur Bearbeitung von Glas und Quarz werden mit Druckluft betriebene Gebläsebrenner eingesetzt, mit denen mehr als 2000°C Flammentemperatur erreicht werden.

Gascogne: Landschaft und historisches Gebiet im Südwesten Frankreichs, im Südteil des Garonne Beckens, vor den West- und Zentralpyrenäen; hügelig; Aluminiumindustrie; Landwirtschaft; Korkeichen; an der Küste Fischerei.

Gasdynamik: Lehre von der strömenden Bewegung kompressibler (zusammendrückbarer) Stoffe, besonders Gase. Gegenstand der Gasdynamik sind Strömungen hoher Geschwindigkeit und beziehungsweise oder bei großen Druck- und Dichteunterschieden, so dass neben aerodynamische auch thermodynamische Gesetze für die theoretische Beschreibung herangezogen werden müssen. Anwendungsgebiete sind Vorgänge in Turbinen, Raketen- und Strahltriebwerken, Strömungen um Flugzeuge, Raketen, Propeller, Geschosse u.a. Experimentelle Untersuchungen erfolgen in Windkanälen oder durch Abwurf von Versuchskörpern aus großen Höhen. Siehe auch Überschallgeschwindigkeit.

Gasentartung: Abweichung des Verhaltens eines Gases von den bei normalen Temperaturen gültigen Gesetzen, wenn sich dem absoluten Nullpunkt nähert. Die mittlere kinetische Energie ist dann nicht mehr proportional, und die spezifische Wärmekapazität geht gegen Null. Das Elektronengas ist schon bei normalen Temperaturen entartet.

Gasentladung: Fluss - elektrische Ströme durch Gase und Dämpfe, aus denen dabei ein Plasma entsteht. Ladungsträger sind Ionen und Elektronen. Die Stromzuführung erfolgt gewöhnlich über Elektroden (siehe auch Zündung). Die verschiedenen Formen der Gasentladung unterscheiden sich durch die Eigenschaften ihrer Plasmen und die Prozesse an den Elektroden; die wichtigsten Arten sind Bogenentladung und Glimmentladung, ferner sind Dunkelentladung, Funkenentladung, Pinch-Entladung (Pinch) und Koronaentladung zu nennen. Gasentladung ohne Elektroden sind die Hochfrequenzentladung und der Laserfunken. Eine Gasentladung ist unselbständig, wenn sie nur bei Freisetzung zusätzlicher Elektronen brennt, zum Beispiel durch Glühen oder Bestrahlung der Kathode. Das von Gasentladung emittierte Licht zeigt ein Linien- und Bandenspektrum von Atomen beziehungsweise Molekülen, entsprechend einer für jedes Gas charakteristische Leuchtfarbe; bei hoher Plasmadichte entsteht ein kontinuierliches Spektrum. Technische Bedeutung haben Gasentladung unter anderem als Lichtquellen, Anzeigeröhren, beim Elektroschweißen und -schneiden, als Schaltlichtbögen und in Lichtbogenöfen, für Plasmachemie, magnetohydrodynamische Generatoren und bei der Kernfusion.

Gasentladungsröhre: gasgefüllte Röhre, bei der die Eigenschaften einer Gasentladung ausgenutzt werden. Gasentladungsröhre mit geheizter Kathode (Glühkathoden-Gasentladungsröhre) finden Anwendung als Gleichrichterröhre, Thyratron und Rauschdiode, Gasentladungsröhre mit ungeheizter Kathode (Kaltkathoden-Gasentladungsröhre) dagegen als Stabilisator-, Relais-, Zähl- und Ziffernanzeigeröhre. Gasentladungsröhren werden zunehmend durch Halbleiter- und optoelektronische Bauelemente abgelöst.

Gasfilter: auswechselbare Filtereinsätze zum Schutz vor verschiedenen Gasen und Dämpfen in Atemschutzgeräten.

Gasflasche: druckfester, transportabler Stahlbehälter für verdichtete oder verflüssigte Gase, zum Teil mit kennzeichnendem Farbanstrich (Sauerstoff blau, Wasserstoff rot, Stickstoff grün, Äthin gelb). Gasflasche für brennbares Gas (Wasserstoff, Propan unter anderem) haben Linksgewinde oder Spezialanschluss (Äthin), für nicht brennbares Gas (Pressluft) Rechtsgewinde. Gasflasche dürfen nicht gestürzt, gestoßen oder höherer Temperatur ausgesetzt werden.

Gasgenerator, Generator: technische Anlage zum Vergasen fester Brennstoffe (Steinkohle, Braunkohle, Koks), in der durch Einleiten von Luft oder Sauerstoff, eventuell im Gemisch oder im Wechsel mit Wasserdampf, eine Umsetzung des Brennstoffes hauptsächlich zu Generator- oder Wassergas erfolgt; siehe auch Winkler-Generator.

Gasgesetze: Beziehungen zwischen den Zustandsgrößen Druck p, Volumen V und Temperatur T eines idealen Gases. Boyle-Mariottesches Gesetz: Bei konstantem T ist das Produkt pV konstant, oder P\V\ = Piv2, wenn das Gas isotherm vom Zustand 1 in den Zustand 2 übergeht. Gay-Lussacsche Gesetze:

a) Bei konstantem p ist die relative Volumenzunahme der Temperaturerhöhung proportional, wobei V0 das anfängliche Volumen bei 0 °C und V, das Volumen nach der Erwärmung auf die Celsius-Temperatur bedeuten. Der Raumausdehnungskoeffizient y = (1/273,15) K"1 ist für alle idealen Gase gleich,

b) Bei konstantem V ist die relative Druckzunahme eines Gases der Temperaturerhöhung proportional; (pt p0)/p0 = yt mit p0 als Druck bei 0 °C und p, als Druck bei der Temperatur t. y heißt hier Spannungskoeffizient und ist genauso groß wie der Ausdehnungskoeffizient. Alle 2 Gesetze sind Spezialfälle des Boyle-Gay-Lussacschen Gesetzes pV/(1 + yt) = const., das durch Einfuhren der absoluten Temperatur T in die Zustandsgleichung idealer Gase übergeht.

Gaskappe: Ansammlung von Erdgas über einer Erdöllagerstätte.

Gaskell, Elizabeth Cleghorn, 29. 9.1810-12.11.1865, englische Schriftstellerin; verfasste mit «Mary Barton» (1848, deutsch) einen der ersten englischen Industriearbeiterromane als sozialen Problemroman, trat mit «Ruth» (1853, deutsch) für die moralische Emanzipation der Frau ein.

Gaskonstante, universelle Gaskonstante, allgemeine Gaskonstante: Konstante R in der Zustandsgleichung des idealen Gases; R = 8,3144 J/(mol-K).

Gaslaser: ein Laser, dessen aktives Medium ein geeignetes Gas ist, dessen Atomen oder Molekülen durch Stoßanregung in einer kontinuierlichen Gasentladung innerhalb eines Glasrohres Energie zugeführt wird.

Gasmesser, Gaszähler: Gerät zum Messen und selbsttätigen Aufzeichnen einer durchströmenden Gasmenge (Gasverbrauch) in Litern oder Kubikmetern; früher Gasuhr genannt. Beim Nassgas-Messer wird durch den Gasdruck eine zur Hälfte im Wasser liegende Trommel gedreht; beim Trockengas-Messer werden abwechselnd Messkammern (Lederbälge) gefüllt und entleert. Der Münz-Gasmesser gibt nach Geldeinwurf eine festgelegte Gasmenge frei.

Gasmotor, Gasmaschine: Verbrennungsmotor, der mit gasförmigen Brennstoffen betrieben wird; ursprünglich (1860) von J. J. E. Lenoir erfunden und durch N. A Otto mit Anwendung des Viertaktverfahrens weiterentwickelt, wurde er zur Urform des heutigen Verbrennungsmotors. In der 2.Hälfte des 19. Jahrhundert war der Gasmotor die wichtigste Kraftmaschine des Kleingewerbes.

Gasnebel, Emissionsnebel: Ansammlung unter Paul Gauguin: Zwei Frauen von Tahiti, 1892 stellarer Materie, in der das Gas durch einen oder mehrere benachbarte heiße Sterne ionisiert und zum Leuchten angeregt wird, zum Beispiel der Orionnebel.

Gasödem, Gasbrand: durch Gasbrandbazillen hervorgerufene lebensgefährliche Infektion von Wunden mit massiver Gewebezerstörung; typische Kennzeichen sind bläulich-gelbe Verfärbung und Gasbildung im stark schmerzhaften Wundbereich (Gasphlegmone), plötzliche Kreislaufschwäche ohne Fieber.

Gasödem Erkrankung: durch Bakterien verursachte Wundinfektion bei Klauentieren und Pferden. Es treten knisternde, teigige Ödeme und schwere Allgemeinstörungen auf; oft im Gefolge von Verletzungen bei der Geburt zu beobachten. Eine Behandlung ist aussichtslos.

Gasöl: zwischen 200 und 360 °C unter Atmosphärendruck siedende Erdölfraktion. Gasöl wird als Dieselkraftstoffkomponente (direkt oder nach Raffination), als leichtes Heizöl sowie als petrolchemischer Rohstoff eingesetzt. Gasöl diente früher zur Erzeugung von Brenngas (Ölgas).

Gaspulverinjektion: metallurgische Verfahren zum Einblasen pulverförmiger Stoffe (Kalk, Kohlenstaub, Magnesium unter anderem) in flüssigen Stahl oder flüssiges Gusseisen mittels Injektionslanze.

Gasraumheizer: gasgefeuerter Einzelofen mit Wärmeregler, verbreitet ist der Aussenwandofen mitverschweißtem, gegen den Wohnraum gasdichtem Verbrennungsraum und Wärmeüberträger sowie unmittelbarem Abzug durch die Außenwand ins Freie.

Gasse: Rugby die von den je 8 Stürmern beider Mannschaften rechtwinklig zur Auslinie formierte Aufstellung bei einem Einwurf.

Gassendi, Pierre, 22.1.1592-24.10.1655, französischer Philosoph und Naturwissenschaftler; verband, die von ihm neu begründete Atomistik Epikurs mit materialistisch-sensualistischen Gedanken, wodurch er zum Wegbereiter des mechanischen Materialismus wurde. Gegenüber der Religion war er zu Konzessionen genötigt; war Verfechter der absoluten Monarchie.

Gasspeicherung: Maßnahmen zum Ausgleich der zeitlichen Unterschiede zwischen Gaserzeugung und -verbrauch sowie zur Deckung des Spitzenbedarfs und zur Bereitstellung einer Reserve für Störungsfälle. Zur Gasspeicherung dienen unter anderem Gasbehälter, in gewissem Umfang Rohrnetze und neuerdings auch unterirdischer natürlicher Speicher.

Gasspürgerät: einfach zu bedienendes Gerät zur groben qualitativen und quantitativen Analyse eines gas- oder dampfförmigen Stoffes in der Luft. Allg. verwendet man dazu, besonders für arbeitshygienische Messungen, Prüfröhrchen. Im Bergbau setzt man ortsfeste (Ultrarotabsorptionsschreiber) oder tragbare Geräte (Interferometer) ein.

Gast: (PI. Gasten) eine bestimmte Funktion im Schiffsbetrieb ausübendes Besatzungsmitglied, zum Beispiel Bootsgast, Rudergast, Signalgast.

Gastechnik: Teilgebiet der Technik, das die Probleme der Gaserzeugung, -aufbereitung, -speicherung, -messung, -Verteilung und -Verwendung behandelt; außerdem gehören hierzu Entwurf, Bau und Betrieb der dafür notwendigen verfahrenstechnischen Anlagen. Die Gastechnik befasst sich ausschließlich mit den Brenngasen, wie Erdgas, Entgasungs- und Vergasungsgase, sowie deren Mischungen.

Gastein: Hochtal in den Hohen Tauern im Bundesland Salzburg (Österreich), ein von der Gasteiner Ache über mehrere Wasserfälle durchflossenes, rechtes Nebental der Salzach;, von der Tauernbahn benutzt, am Eingang des Tales Tunnel mit übereinander liegenden Fahrbahnen; dicht besiedelt; bedeutendes Fremdenverkehrsgebiet mit den Kurorten Bad Hofgastein und Badgastein.

Gasthörer: an einzelnen Lehrveranstaltungen Teilnahmeberechtigter, der nicht der Universität oder Hochschule angehört.

gastral: den Magen betreffend, zum Magen gehörig.

Gastralgie: Magenschmerz.

Gastrektomie: operatives Entfernen des Magens zur radikalen Beseitigung von Krebsgeschwülsten.

gastrisch: mit dem Magen zusammenhängend.

Gastroduodenitis: Entzündung der Schleimhaut von Magen- und Zwölffingerdarm.

Gastroenterologie: Lehre von den Funktionen und Erkrankungen der Verdauungsorgane; im engeren Sinne Spezialdisziplin der Inneren Medizin mit engen Beziehungen zu anderen Fachgebieten, zum Beispiel Chirurgie, Radiologie, Endoskopie, Pathologie einschließlich Zytologie und Histologie sowie Nuklearmedizin.

Gastroenterostomie: operativ geschaffene Verbindung zwischen Magen und Dünndarm zum Umgehen von tumorösen oder entzündliche Engen des Magenausgangs.

gastrogen: vom Magen ausgehend.

Gastronomie: ursprünglich Kochkunst, heute im weiteren Sinne Bezeichnung für das Gaststättenwesen.

Gastrulation: frühembryonaler Entwicklungsvorgang bei Tieren, der von der einschichtigen I Blastula durch Einstülpung (Invagination), Umwachsung (Epibolie), Zelleinwanderung (Immigration) oder Abspaltung (Delamination) zur zweischichtigen, aus Ekto- und Entoderm bestehenden Gastrula (Becherkeim) führt.

Gasturbine: Wärmekraftmaschine, die die kinetische und thermische Energie heißer Gase zur Leistung mechanischer Arbeit ausnutzt. Das Arbeitsgas wird durch Verbrennung von Kraftstoff in der durch einen Verdichter vorverdichteten Luft in der Brennkammer erzeugt. Das Wirkprinzip gleicht dem einer Dampfturbine; Anwendung in Kraftwerken, Fahrzeug- und Flugzeugantrieben.

Gasverflüssigung: Verfahren der Tieftemperaturtechnik zum Überführen von Gasen in den flüssigen Aggregatzustand unter Ausnutzung thermodynamischen Gesetze. Beim Linde-Verfahren wird komprimierte Luft über ein Drosselventil entspannt und verflüssigt sich dabei teilweise, der Rest wird im Gegenstrom zur Vorkühlung der komprimierten Luft benutzt (siehe auch Joule-Thomson-Effekt). Die flüssige Luft hat bei Normaldruck eine Temperatur von -193 °C; sie ist Ausgangsprodukt für die Luftzerlegung in Sauerstoff und Stickstoff. Andere tiefsiedende Gase lassen sich ähnlich verflüssigen; beim Helium (Siedepunkt -269 °C) benutzt man zur Verflüssigung das Kapiza-Verfahren, das auf der adiabatischen Expansion von vorgekühltem komprimiertem Gas beruht.

Gasversorgung: physikalische, chemische, brennstofftechnische Vorgänge technologische, ökonomische, gebiets- und stadtplanerische Maßnahmen im Zusammenhang mit der Gaserzeugung, -Speicherung, -Fortleitung, -Verteilung und dem -Verbrauch durch Industrie und Haushalt.

Gaswaage, Dasymeter: Gerät zur Bestimmung der Dichte von Gasen, bei dem der Auftrieb eines Glasballons in dem zu untersuchenden Gas gemessen wird.

Gateshead: Stadt im Nordosten Englands (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft Tyne and Wear, am Tyne; 81000 Einwohner; Steinkohlenbergbau; Schiff-, Lokomotiv- und Maschinenbau, Textilindustrie; Hafen mit Docks für große Schiffe; Maschinenbaufachschule; Kunstgalerie.

Gathas: altiranische Hymnen im Awesta; gehen wahrscheinlich auf Zarathustra zurück.

Gatt: 1. Abflussöffnung im Schanzkleid oder in der Bordwand von Schiffen (Speigatt).

2. kleiner Schiffsraum zur Aufbewahrung für Laternen (Hellgatt), Trossen (Kabelgatt) unter anderem.

3. Bezeichnung für das Heck von Booten (Rundgatt, Plattgatt).

Gatter: 1. Pferdesport: in Springprüfungen zaunartiges Hindernisteil aus Latten, Stangen oder Brettern, das zwischen 2 Sprungständern aufgehängt wird.

2. Rechentechnik: Logikelement mit 2 oder mehr Eingängen; oft für Logikelement schlechthin gebraucht.

Gattersägemaschine: Werkzeugmaschine zum Trennen von Sägeblöcken zu Schnittholz (unter anderem Bretter, Kanthölzer) durch vertikale oder horizontale, parallele Längsschnitte.

Gatti, Armand, geboren 26.1.1924, französischer Dramatiker, mit seinen Stücken seit den 60er Jahren einer der bedeutendsten Vertreter des progressiven politischen Theaters in Frankreich («V wie Vietnam», 1967, deutsch).

Gattung: 1. Gattung, Genus: systematische Kategorie von Arten mit gemeinsamen Merkmalen im Pflanzen- und Tierreich (zum Beispiel Gattung Ahorn mit den Arten Berg-, Spitz- und Feldahorn).

2. literarische Gattungen.

Gattungskreuzung: Kreuzung von Individuen, die einer verschiedenen Gattung angehören. Die Kreuzungsprodukte bezeichnet man als Gattungsbastarde.

Gattungsschuld: vertragt. Leistungspflicht, bei der nicht eine im Voraus individuell bestimmte Sache, sondern eine nach Gattungsmerkmalen bestimmte Ware zu liefern ist.

Gatunsee: Stausee am Rio Chagres, wichtiges Teilstück des Panamakanals; 423 km2, 26 m über dem Meeresspiegel; dreistufige Doppelschleusenanlage bei Gatun; auf der im Gatunsee liegenden Insel Barro Colorado biologischen Forschungsstation.

Gauchersche Krankheit: Lipidspeicherkrankheit, bei der Kerasin in Milz, Leber und Knochenmark abgelagert wird. Die Gauchersche Krankheit führt zu erheblicher Vergrößerung der Milz und der Leber, benannt nach dem französischen Arzt Philippe Charles Gaucher (1854 bis 1918).

Gaucho: berittener Vieh Hirt der Pampas in Argentinien und Uruguay, meist Mestize.

Gaudi, Antonio, 25.6.1852-10.6.1926, spanischer Architekt; markantester Vertreter des Jugendstils. Kennzeichnend für seine Bauten sind die reiche Verwendung von starkfarbigen Keramiken, Mosaiken, Glasdekorationen und Malerei sowie die Behandlung des Baukörpers als Plastik (unregelmäßige Grundrisse, skulpturale Modellierung der Fassaden und Räume); Palais und Park Güell, Casa Milâ, Casa Batllô, Kirche Sagrada Familia (sämtlich in Barcelona).

Gaudig, Hugo, 5.12.1860-2. 8.1923, Reformpädagoge; vertrat eine den Interessen des Imperialismus dienende Persönlichkeitspädagogik (Verwischung von Klassengegensätzen durch nationalisé «Einheitsbewusstsein»).

Gaudium: Freude, Spaß, Ausgelassenheit.

Gaufré: Gewebe mit blasenartiger Oberflächenmusterung, die durch Pressen mit beheizten Metallwalzen entsteht.

gaufrieren: 1. Papierherstellung: Papier, Karton oder Pappe mittels Gaufrier- (Präge-) Kalanders mit einem Muster (Narbung) versehen.

2. Textilveredlung: Muster mittels Walzen in textile Flächengebilde prägen.

Gauguin, Paul, 7.6.1848-8.5.1903, französischer Maler, Graphiker und Bildhauer; bildete sich seit 1872 autodidaktisch als Maler; Mitbegründer der Künstlerkolonie von Pont-Aven. Aus Protest gegen die spätbürgerliche Gesellschaft und auf der Suche nach dem Ursprünglichen in Leben und Kunst ließ er sich zunächst vorübergehend, seit 1895 für immer, auf den Inseln der Südsee nieder. Mit seinem kraftvollen, flächengebundenen, formvereinfachenden, dekorativen Stil (Synthetismus) wirkte er beispielgebend auf die Fauves und die Entwicklung des deutschen Expressionismus.

Gauhati: Stadt im Unionsstaat Assam (Indien); 250000 Einwohner; Textilindustrie, Erdölraffinerie, Düngemittelwerk; Erdölpipeline von Digboi nach Barauni (Bihar), Produktenleitung nach Siliguri; Flusshafen, Flughafen; Universität.

Gaukler: zusammenfassende Bezeichnung für die als Vorläufer der Artisten geltenden umherziehenden Taschenspieler, Bärenführer, Sänger, Seiltänzer und so weiter.

Gauklerblume, Mimulus: vornehmlich aus Amerika stammende Gattung der Rachenblütler mit 1 bis 4 cm langen, gelben, in Form und Zeichnung variablen Blüten. Die Gelbe Gauklerblume (M. guttatus) wächst an Bachläufen und Gräben.

Gaul, August, 22.10.1869-18.10.1921, Bildhauer, gehört zu den namhaftesten Tierplastikern des 20. Jahrhundert; seine Arbeiten beeindrucken durch ihre Geschlossenheit und ausgewogene innere Spannung. Eine fast vollständige Sammlung seines Werkes befindet sich im Museum der bildenden Künste Leipzig.

Gaulle, Charles André Joseph Marie de, 22.11.1890-9.11.1970, französischer General und Politiker; hatte nach der Besetzung Frankreichs durch faschistische deutsche Truppen entscheidenden Anteil an der Bildung der bürgerlichen Widerstandsbewegung (Vorsitz in der Londoner Exilregierung); 1944/46 Präsident und Ministerpräsident der Provisorischen Regierung. Nach dem Putsch reaktionärer Militärs und Kolonialisten 1958 in Algier errichtete Gaulle eine Präsidialdiktatur, die die bürgerlich-demokratische Grundrechte abbaute und zur Stärkung der Exekutive zu Lasten der Legislative führte. Als Staatspräsident (seit 1959) betrieb er in wichtigen Fragen eine realistische, von den USA zum Teil unabhängige Außenpolitik (Verurteilung der US-Aggression in Vietnam und der Politik Israels gegenüber den arabischen Staaten, Ausweitung allseitiger Beziehungen zur UdSSR, Austritt aus der Militärorganisation der NATO). Gaulle trat nach der Niederlage in einem Referendum 1969 zurück.

Gaumen, Palatum: Mundhöhlendach; besteht aus vorderem hartem Gaumen (knöcherne Grundlage) und hinterem weichem Gaumen (muskulös-bindegewebige Grundlage; Gaumensegel) mit dem Zäpfchen.

Gaumenbein, Palatinum: Schädelknochen; bildet den hinteren Abschnitt des knöchernen Gaumens und teilweise die seitliche Wand der Nasenhöhle.

Gaumenmandelhyperplasie: reaktive harmlose Vergrößerung der Gaumenmandel, bedingt durch Vermehrung der spezifischen Zellen in der Mandel. Im Unterschied zur Gaumenmandelhyperplasie sind bei der Gaumenmandelhypertrophie die spezifischen Zellen selbst krankhaft vergrößert.

Gaumensegellähmung: Funktionsstörung der Gaumensegelmuskulatur durch Schädigung der entsprechend Nerven (zum Beispiel bei Diphtherie). Der Schluckakt ist gestört. Es gelangt Nahrung in die Nase, weil das Gaumensegel den Nasenrachen nicht mehr abschließt.

Gaube, Gaupe: Dachaufbau mit senkrecht stehendem Fenster und eigenem kleinem Sattel-, Schlepp- oder Walmdach. Fledermausgauben haben ein flach geschwungenes Dach.

Gaur, Dschungelrind, Bos gaurus: mächtigstes Wildrind, dunkelbraun bis schwarz mit wulstigem Stirnkamm sowie im männlichen Geschlecht mit großer Wamme und Rückenkamm; lebt in Indien und Südostasien; Haustierform ist der kleinere Gayal (Bos gaurus frontalis).

Gaurdak: städtliche Siedlung im Gebiet Tschardshou, Chemiekombinat auf der Basis naher Vorkommen von Kali-, Kochsalz und Schwefel.

Gauß, (nach C. F. Gauß) Zeichen G, Gs: veraltete Maßeinheit der magnetischen Induktion (Flussdichte) im CGS-System (Maßsystem).

Gauß, Carl Friedrich, 30.4.1777-23.2.1855, Mathematiker, Astronom und Physiker; wirkte in Göttingen. Gauß wurde oft als «Princeps mathematicorum» (Fürst der Mathematiker) bezeichnet; er forderte alle von ihm bearbeiteten Gebiete durch tiefgründige Untersuchungen maßgeblich. 1796 entdeckte er die Konstruierbarkeit des regelmäßigen 17ecks nur mit Zirkel und Lineal und verallgemeinerte das Resultat. Er bewies den Fundamentalsatz der Algebra (1799), begründete die moderne Zahlentheorie («Disquisitiones arithmeticae», 1801) und die Theorie der elliptischen Funktionen (1800). Er gab grundsätzliche Beiträge zur nichteuklidische Geometrie (ab 1792), zur Geodäsie und zur Differentialgeometrie (1827), zur Potentialtheorie (1839) und zur Himmelsmechanik (1809). Mit Gauß begann die Analysis, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, ihre Grundlagen zu sichern (1812). Mit dem Physiker W. Weber untersuchte Gauß den Erdmagnetismus, stellte ein Maßsystem auf und konstruierte 1833 den elektromagnetischen Telegrafen.

Gauß-Krüger-Projektion: für topographische Karten verwendeter querachsiger Zylinderentwurf. Um größere Verzerrungen zu vermeiden, benutzt man nur schmale, 3 oder 6 Längenkreise umfassende Streifen des Zylindermantels beiderseits des Berührungsmeridians. Nullpunkt des einzelnen Systems ist der Schnittpunkt des Mittelmeridians mit dem Äquator. Benannt nach dem Mathematiker C. F. Gauß und dem Geodäten L. Krüger.

Gaußsche Abbildung: (nach C. F. Gauß) optische Abbildung durch zentrierte optische Systeme mit achsennahe verlaufenden Lichtstrahlen geringer Neigung (Paraxialstrahlen). Die Gaußsche Abbildung wird durch die Kardinalelemente festgelegt. Bei Gaußschen Abbildungen werden die Punkte der Objektebene punktförmig und geometrische Figuren ähnlich in der sogenannt Gänschen Bildebene abgebildet zwischen Objektweite (Ding-, Gegenstandsweite) a und a' gilt die Abbildungs- oder Linsengleichung, wenn Objekt- und bildseitige Brennweite gleich groß sind (siehe auch Newtonsche Abbildungsgleichung). Das Vorzeichen dieser Strecken ist vom optischen System ausgehend in Lichtrichtung positiv. Für unendlich große Objektweite entsteht das Bild in der Brennebene, die den Brennpunkt enthält und wie Objekt- und Bildebene senkrecht zur optischen Achse steht. Das Bild heißt reell, wenn sich die Strahlen in ihm schneiden, hingegen virtuell, wenn sich die Strahlenverlängerungen in ihm schneiden. Ein reelles Bild kann auf einem Schirm aufgefangen werden, ein virtuelles nicht. Die Gaußsche Abbildung stellt eine Näherung dar, die praktisch nicht streng realisierbar ist.

Gaußsches Eliminationsverfahren: (nach C. F. Gauß) ein Verfahren zur Lösung linearer Gleichungssysteme (A eine Matrix, b und x Vektoren). Dabei wird in endlich vielen Schritten durch Zeilenvertauschung, Multiplikation einer Zeile mit einer Zahl und Addition zweier Zeilen ein äquivalentes Gleichungssystem Dx = b' gebildet mit einer oberen Dreiecksmatrix D (unter der Hauptdiagonale von D stehen nur Nullen). Die Lösung dieses Systems lässt sich von «unten» her leicht rekursiv berechnen und stimmt mit der des Ausgangssystems überein.

Gaußsches Fehlerverteilungsgesetz: eine von C. F. Gauß 1794 aufgestellte Hypothese hinsichtlich der Verteilung des zufälligen Fehlers X, der bei physikalischen Messungen auftritt. Danach ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass X einen Wert im Intervall annimmt, wobei Ax klein ist; tr2 = VarX, die f Varianz von X, ist ein Maß für die Streuung der Messung; je genauer eine Messung ist, desto kleiner ist die Varianz. Nach Gauß heißt a der mittlere Fehler einer Messung. Zur Begründung der genannt Hypothese dient der Zentrale Grenzwertsatz der Wahrscheinlichkeitsrechnung, da der zufällige Fehler X aus der Überlagerung einer Vielzahl zufälliger Einzeleffekte resultiert, die im Allgemeinen unabhängig voneinander sind.

Gauß-Seidel-Methode: (nach C. F. Gauß und einem anderen Mathematiker) einfaches Iterationsverfahren zur Lösung linearer Gleichungssysteme; auch als Iteration in Einzelschritten bekannt.

Gauß-Verteilung: (nach C. F. Gauß) Verteilung einer stetigen Zufallsgröße X. Diese wird charakterisiert durch die Verteilungsfunktion mit der Gaußschen Dichtefunktion die graphisch die Gaußsche Fehlerkurve (meist fur fi = 0 angegeben) darstellt. Als Parameter treten die I mathematische Erwartung EX = ß und die 1 Varianz Var X = a2 auf. Aus dem Zentralen Grenzwertsatz resultiert ihre besondere Bedeutung und ihr häufiger Einsatz bei der Anwendung statistischer Methoden. Sie wird deshalb auch als Normalverteilung bezeichnet.

Gautier, Théophile, 30.8.1811 bis 23.10.1872, französischer Schriftsteller; Hauptvertreter der Parnassiens; war mit seiner Sammlung «Emaillen und Kameen» (1852, deutsch) unter anderem maßgeblich an der Herausbildung des l’art pour l’art-Prinzips beteiligt.

Gautschen: 1. Papierherstellung: Zusammendrücken der noch feuchten (plastischen) Papierbahn in der Papiermaschine mittels Gautschpresse zwecks Entwässerung beziehungsweise Vereinigung mehrerer Bahnen zu Karton.

2. Polygraphie: alter Zunftbrauch der Setzer, Buchdrucker und Stereotypeure; nach Abschluss der Berufsausbildung wird der junge Facharbeiter in ein wassergefülltes Becken o. ä. gesetzt und somit «zünftig».

Gavarni, Paul, eigentlich Hippolyte Guillaume Sulpice Chevalier, 13.1.1804-24.11.1866, französischer Graphiker; 1837/47 Mitarbeiter für «Le Charivari» und «Le Figaro», wo er sich in zahlreichen Lithographien als genauer Beobachter des Pariser Bürgertums ausweist. Neben H. Daumier und Gavarni Doré gehört Gavarni zu den Hauptmeistern der französischen Illustrationskunst des 19. Jahrhundert.

Gaviale, Gavialidae: südasiatische Familie der Krokodile mit extrem langer und schmaler Schnauze; rezent nur noch der seltene, bis 7 m lange Gangesgaviale (Gavialis gangeticus), der sich überwiegend von Fischen ernährt

Gävle: Stadt im mittleren Schweden, Verwaltungszentrum der Provinz Gävleborg, am Bottnischen Meerbusen; 87000 Einwohner; Holz-, Textil-, Porzellan-, metallverarbeitende, chemische, Lebensmittelindustrie, Schiffbau; Hafen; pädagogische Hochschule; Museen.

Gavotte: (oder -vot; Französisch) 1. höflicher Tanz in mäßig schnellem /- beziehungsweise %-Takt im 17. und 18. Jahrhundert; eng verwandt mit dem Branle; beliebter Tanz in Ballett und Oper des 17. Jahrhundert.

2. häufig Satz der Suite.

Gawan, Gemein, in der keltischen Artussage Neffe des Königs Artus, Ritter an dessen «Tafelrunde»; Gestalt in W. von Eschenbachs «Parzival».

Gawlik, Roland, geboren 15.9.1944, Tänzer; wirkt seit 1960 an der Staatsoper Dresden, seit 1967 an der Oper Berlin (Meistertänzer) und seit 1980 an der Deutschen Staatsoper Berlin; tanzt Hauptrollen in vielen klassischen und neuen Balletten.

Gay: 1. Gay, John, 30.6.1685-4.12.1732, englischer Dichter und Dramatiker; parodierte in der satirischen «Bettleroper» (1728, deutsch; Musik von J. C. Pepusch; Vorlage für Brechts «Dreigroschenoper») in volkstümlichen Songs die heroische Oper, geißelte die Korruption in den oberen und niederen Schichten der Gesellschaft und trat für die Armen ein; setzte die Thematik in der musikalische Satire «Polly» (1729) fort.

2. Gay, Ge, Nikolai Nikolajewitsch, 27.2.1831-13.6.1894, russisch Miller; Mitbegründer der Peredwischniki; brachte in traditionellen akademischen Sujets fortschrittliche Ideen seiner Zeit zum Ausdruck («Heiliges Abendmahl», 1863) und interpretierte biblische Themen im Geiste L. Tolstois («Was ist die Wahrheit», 1890); schuf auch Porträts (A. Herzen, L. Tolstoi unter anderem).

Gaze: schleierartiges Gewebe aus feinen Garnen in Dreher-, Scheindreher- oder Leinwandbindung. Müllergaze ist ein feines Siebgewebe aus Metallfäden oder Polyamid-Seide.

Gazellen, Antilopinae: Unterfamilie der Rinder mit schlankem, zierlichen Körper und einem zum Teil leierförmigen Gehörn. Gazellen sind Pflanzenfresser, leben paarweise oder in kleinen Trupps in Steppen und Wüsten Afrikas und Asiens, zum Beispiel die ostafrikanische Grant-Gazellen (Gazella granti).

Gazette: früher übliche Bezeichnung für Zeitung oder Zeitschrift; heute häufig abwertend gebraucht.

Gaziantep: Stadt (Provinzzentrum) im Süden der Türkei, im Vorland des südöstlichen Taurus; früher Aintab; 370000 Einwohner; Textil-, Leder-, Genussmittelindustrie; Flughafen; Handelszentrum.

Gdansk: 1. Wojewodschaft im Norden Polens, an der Bucht von Gdansk, westlich der Wisla; 7 394 km2, 1,32 Millionen Einwohner; 179 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Gdansk 2. umfasst das waldreiche Seengebiet der östlichen Pojezierze Pomorskie; Ausgleichsküste mit ausgedehnten Sandstränden (Wanderdünen) und Strandseen; im Osten Wisla-Niederung. Industrie-Agrar-Gebiet; Schiff- (G. 2, Gdynia), Maschinenbau, elektrotechnische, Holz-, Lebensmittelindustrie; am Jezioro Zamowiecki (Zamowiec-See) Kernkraftwerk (1760 MW). In der Wisla-Niederung Getreide-, Zuckerrüben-, Kartoffelanbau; Viehzucht; Fischfang; Hochseewirtschaft (G. 2, Gdynia); Erholungsgebiet mit bekannten Seebädern (besonders Sopot) und Ferienorten im Seengebiet.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Gdansk 1, im Wisla-Delta, an der Motlawa, Teil des Ballungsraumes Gdansk Gdynia-Sopot; 460000 Einwohner; Wirtschafts-, Kultur-, Wissenschafts- und Touristenzentrum; polnisches Schiffbauzentrum (besonders Leninwerft); elektrotechnische, chemische, Holz-, Textil-, Lebensmittelindustrie; größter polnischer Hochseehafen; Erdölraffinerie mit 11km langen Rohöl- und Produktenleitungen zu den Piers des neuen Nordhafens (1970/74 gebaut); Flughafen; Universität, Hochschulen; Theater, Philharmonie, Museen (darunter Meeresmuseum), Zoo; Strandbäder. Kunsthistorisch bedeutende Altstadt (nach Zerstörungen 1945 vorbildlich restauriert), gotische Marienkirche (14./15. Jahrhundert), Rathaus (1378/1556), Artushof (zwischen 1350 und 1617); zahlreiche Bürgerhäuser, Speicher; Zisterzienserkirche Oliwa (1224/1350); nach 1945 zahlreiche Neubauten. Im 10. Jahrhundert Wehrburg pommerscher Fürsten mit Handwerkerund Kaufmannssiedlung; um 1235 Stadtrecht; 1308/1466 vom Deutschen Ritterorden beherrscht, seit 1361 Hansestadt; im 16./17. Jahrhundert eine der größten Hafen- und Handelsstädte Europas; seit der 2.Teilung Polens (1793) zu Preußen (Danzig); 1919 «Freie Stadt Danzig» (Protektorat des Völkerbundes). Am 1. 9.1939 wurde die Stadt durch das faschistische Deutschland annektiert, 1944 weitgehend zerstört; seit 1945 wieder zu Polen.

Gdynia: Stadt in Polen (Wojewodschaft Gdansk), an der Bucht von Gdansk, Teil des Ballungsraumes Gdansk-Gdynia-Sopot; 235000 Einwohner; Zentrum des Schiffbaus; elektronische Lebensmittelindustrie (besonders Fischverarbeitung); Hochsee- und Fischereihafen; Schifffahrtshochschule; Theater; Meeresaquarium, Museen.

Ge, Ges, Sehe: indianische Sprach- und Völkerfamilie im Bergland von Brasilien; nur noch 50000 (zahlreiche Stämme bereits ausgestorben); Sammler und Jäger ohne Kenntnis von Keramik, Weberei und des Bootes; betreiben seit dem 19. Jahrhundert teilweise extensiven Bodenbau. Bei der Erschließung des Inneren Brasiliens auch gegenwärtig oft grausam verfolgt und dezimiert.

Geantiklinale: in langen Zeiträumen aufsteigende, die Geosynklinalen säumende oder gliedernde Zone der Erdkruste. Die Gesteine der Geantiklinale liefern infolge Abtragung das Sedimentmaterial für die Geosynklinale.

Gebärmutter, Uterus: muskulöses, in die Scheide mündendes Hohlorgan der Frau und der weiblichen Säugetiere, in dem sich die Entwicklung des Keimlings vollzieht.

Gebärmutterknickung, Retroflexio uteri: Abknickung zwischen Gebärmutterkörper und -hals mit Verlagerung des Gebärmutterkörpers nach hinten; kann in sehr seltenen Fällen zu Unterleibsbeschwerden, auch zu Sterilität führen.

Gebärmuttersenkung: Senkung der Gebärmutter bis in den Scheideneingang durch Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur und des Halteapparates der Gebärmutter; kann unter anderem zu Kreuzschmerzen und Blasenbeschwerden führen.

Gebärmuttervorfall, Prolapsus uteri: starke Gebärmuttersenkung mit teilweiser oder ganzer Verlagerung der Gebärmutter vor den Scheideneingang.

Gebärparese, Gebärlähmung: Festliegen bei Muttertieren am Ende der Trächtigkeit oder nach der Geburt. Als Ursache ist eine Störung des Kalzium-Phosphor-Magnesium-Stoffwechsels anzusehen. Die Gebärparese kommt am häufigsten beim Rind, seltener bei Schwein und Schaf vor.

Gebende: (mittelhochdeutsch, zu «binden») Kopftracht der Frau im 13. Jahrhundert, bestehend aus einer Kinn und Wangen umschließenden leinenen Binde unter flacher runder Mütze oder Stirnreif.

Tachomaschine: elektrischer Kleinstgenerator (Tachometergenerator), dessen Spannung proportional zur Drehzahl ist und der in der Automatisierungstechnik zur Drehzahlmessung verwendet wird; Ausführung als Gleichstrom-, Wechselstrom- und Mittelfrequenz-Tachomaschine.

Gebet: (zu «bitten») in vielen Religionen übliche Form, um mit Gott «in Beziehung» zu treten, zum Beispiel Bitt- und Dankgebete, schweigende Versenkung mit stark mystischen Zügen.

Gebetsmühle: von tibetischen Buddhisten (Lamaisten) benutztes Gefäß, das auf Papier geschriebene Gebete und Sprüche enthält. Sein Drehen gilt für ebenso wirksam wie das Sprechen der Gebete.

Gebietsplanung, Regionalplanung: Bestandteil der Territorialplanung; umfasst die Planung der Produktions-, Bevölkerungs-, Infra-, Ressourcen- und Siedlungsstruktur innerhalb der Bezirke, Kreise, Städte und Gemeinden durch die örtlichen Organe der Staatsmacht.

Gebilde, technisches Gebilde. Gebinde: Bautechnik

a) in vertikaler Ebene liegendes Sparrenpaar, Anfallsgebilde ist das letzte Gebilde am Anfallspunkt eines Walmdaches;

b) beim Schieferdach die waagerechte oder im Winkel ansteigende Dachschieferreihe.

Gebirge: Gebiet der Erdoberfläche, das über seine Umgebung durch endogene Vorgänge herausgehoben wurde und durch exogene Vorgänge reliefiert wird. Nach dem Höhenunterschied werden Mittelgebirge (zum Beispiel Erzgebirge, Thüringer Wald) und Hochgebirge (zum Beispiel Alpen, Kaukasus) unterschieden. Der Grenzwert liegt bei 800 bis 1000 m relativer Höhe. Eine markante morphographische Unterscheidung besteht darin, dass dem nur mäßig relative Höhen erreichenden Mittelgebirge meist übersteile schroffe Formen, die für Hochgebirge typisch sind, fehlen. Nach der vorherrschenden Großformung gliedert man in Kettengebirge, die aus mehreren Gebirgszügen bestehen; Kammgebirge, aus einer Erhebung bestehend; Plateau-Gebirge in denen große Hochflächen vorherrschen. Nach der tektonischen Entwicklung gliedert man in Faltengebirge, deren Sedimente in einer Geosynklinale gefaltet wurden, bevor der Gebirgskörper emporstieg; Bruchfaltengebirge, deren gefaltete Gesteine mit Brüchen durchsetzt sind, die unabhängig von der früher entstandenen Faltungsrichtung verlaufen; Scholien- oder Horstgebirge, die von steilen Bruchlinien begrenzt werden und die nach mehr oder weniger starker Abtragung sowohl Rumpfgebirge als auch Schichttafelgebirge sein können, je nachdem, ob sie aus kristallinen Gesteinen oder Schichtgesteinen bestehen, und vulkanisches Gebirge, die um mehrere Eruptionsstellen entstanden und im Wesentlichen aus vulkanischen Material aufgebaut sind.

Gebirgsbahn: Eisenbahn mit Strecken starker Neigungen. Zur Überwindung der Höhenunterschiede ist oft eine künstliche Verlängerung der Trasse erforderlich. Die Gebirgsbahn erschließt oder durchquert ein Gebirge und hat im Allgemeinen Reibungsbetrieb mit schweren Lokomotiven, ausnahmsweise auch gemischten Reibungs- und Zahnradbetrieb.

Gebirgsdruck: Bergbau Druckerscheinungen, die im nicht angegriffenen Gebirge dadurch entstehen, dass infolge der Herstellung von Grubenbauen das Gleichgewicht im Gebirgskörper gestört wird. Firstendruck bewirkt das Absinken oder Hereinbrechen des Hangenden, Stoßdruck verursacht das Hereinbrechen der Stöße, und Sohlendruck ruft das Quellen der Sohle hervor. Unter Umständen kommt es auch zu Gebirgsschlägen. Der Abbau wird durch Gebirgsdruck erschwert oder erleichtert.

Gebirgsdurchlässigkeit: Wasserdurchlässigkeit der Festgesteine in Poren und Trennfugen (Spalten, Schichtfugen, Störungen); speziell für Trennfugen auch als Trennfugendurchlässigkeit bezeichnet.

Gebirgsmechanik, Felsmechanik: Teilgebiet der Geomechanik, das alle durch menschliche Tätigkeiten verursachten Störungen des ursprünglichen Gleichgewichts des Gebirges behandelt. Die Gebirgsmechanik ist in ihrer praktischen Aufgabenstellung hauptsächlich auf den Bergbau ausgerichtet. Sie deckt Gesetzmäßigkeiten auf, die es ermöglichen, das Gebirge so zu beherrschen, dass Unfälle und Katastrophen durch Steinfall, Brüche und Gebirgsschläge ausgeschlossen, andererseits mögliche Brüche planmäßig herbeigeführt werden, aber jede ungewollte Zerstörung des Gebirges vermieden wird.

Gebirgsschlag: Bergbau mit heftigen Erschütterungen verbundene schlagartige Auslösung aufgespeicherter Spannungen im Gestein, wobei Grubenbaue beschädigt oder völlig zerstört werden können.

Gebiss: Gesamtheit der Zähne des Ober- und Unterkiefers. Beim Zusammenbiss (Okklusion) übergreifen im Normalfall die Zähne des Oberkiefers (oberer Zahnbogen) die Zähne des Unterkiefers (unterer Zahnbogen). Das Gebiss des erwachsenen Menschen (permanentes Gebiss, Dauergebiss) hat 32 Zähne (Dentes permanentes), das Gebiss des Kindes (Milchgebiss) nur 20 (Dentes decidui). Das ursprüngliche Gebiss der Säugetiere hatte 44 Zähne; Spezialisierungen führten zur Reduktion von Zähnen (Gebissformel) und auch zum Auftreten von Zahnlücken (Diastema). Eine mehrmalige Erneuerung des Gebiss (Fische, Amphibien, Reptilien) wird als Polyphyodontie, der einmalige Zahnwechsel beim Menschen als Diphyodontie bezeichnet. Er erfolgt etwa zwischen dem 6. und 13. Lebensjahr und beginnt mit dem 1. Mahlzahn; Schneidezähne, Backenzähne und die übrigen Mahlzähne schließen sich an, wobei die Zähne des Unterkiefers meist zuerst ersetzt werden. Gebiss mit verschiedenen Zahntypen (alle Säugetiere) sind heterodont, wenig spezialisierte Gebiss der Wirbeltiere weisen nur einen Zahntyp (zum Beispiel Kegelzähne der Krokodile) auf, sie sind homodont.

Gebissformel, Zahnformel: Darstellungsweise der Anordnung und Zahl der verschiedenen Zähne. Der erwachsene Mensch hat in jeder Hälfte der Zahnreihen des Ober- und Unterkiefers (Dauergebiss) 1 Schneidezähne (Incisivi), 1 Eckzahn (Caninus, C), 2 Backenzähne (Prämolaren, P) und 3 Mahlzähne (Molaren, M).

Beim Milchgebiss werden zur Abkürzung kleine Buchstaben verwendet. An der Stelle der Backenzähne befinden sich 2 Milchmolaren, die Mahlzähne fehlen.

Milchgebiss des Menschen 20 Zähne.

Gebissschema, Zahnschema: Darstellen des Zahnbestandes eines Gebisses durch Einordnen von Zähnen in ein Zahnkreuz, bei dem durch den senkrechten Schenkel (der Mittellinie entsprechend) rechte und linke Kieferseite und durch die durchgehende waagerechte Linie Ober- und Unterkiefer voneinander getrennt werden. In jedem Quadranten werden dann von der Mittellinie ausgehend die bleibenden Zähne mit 1 bis 8 und die Milchzähne mit I bis V angegeben. Das Schema ist, auf den Untersucher.

Gebläse: 1. Landwirtschaft: Strömungsarbeitsmaschine zum Transport von Schütt- oder Halmgut im Luftstrom (Fördergebläse), zur Kalt- oder Warmluftförderung in Belüftungsanlagen (Belüftungsgebläse), zur Trocknung, Kühlung und Klimatisierung, zum Reinigen und Sortieren von Körnerfrüchten sowie zur pneumatischen Verteilung von Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

2. Maschinenbau: stationäre oder ortsbewegliche Arbeitsmaschine zum Verdichten von Gasen mit einem Druckverhältnis bis 3.

gebräch: (zu «brechen») Bergbau von Rissen und Klüften durchzogen und daher im Gefüge locker; gebräches Gestein erleichtert zwar die Gewinnung, erfordert aber festeren Grubenausbau.

Gebräch: (zu «brechen») vom Schwarzwild durchwühlter Boden.

Gebrauchseigenschaft: kennzeichnendes Merkmal des Gebrauchswertes. Erst durch die Gebrauchseigenschaft erhält der Gebrauchswert die Fähigkeit, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Die Summe der Gebrauchseigenschaft (zum Beispiel Zweckbestimmung, technische Niveau, Leistungsvermögen, Zuverlässigkeit, Pflege-, Wartungs- und Reparaturbedürftigkeit, Energieverbrauch, Formgestaltung) bildet die Erzeugnis- oder Gebrauchswertqualität.

Gebrauchsgraphik: angewandte, einem direkten Gebrauchszweck dienende Graphik. Wichtigste Gebiete der Gebrauchsgraphik sind Werbegraphik (Anzeigen, Plakate, Prospekte, Verpackung, Signets, Briefköpfe; in wachsendem Maße auch Entwurf und Gestaltung von Leuchtreklamen, Ausstellungen und Messen), Sichtagitation (politische Plakate, Transparente, Embleme und so weiter), Buchgraphik (Gesamtgestaltung eines Buches: Einband, Schutzumschlag, Buchschmuck und -illustration, Typographie), amtliche Graphik (Banknoten, Postwertzeichen unter anderem) und Gelegenheitsgraphik (Glückwunschkarten, Exlibris unter anderem). Die künstlerische Gestaltung der stets Auftrag gebundenen Gebrauchsgraphik unterliegt ihrem Zweck gemäß bestimmten Eigengesetzen vor allem muss sie einprägsam, massenwirksam und schlagkräftig sein.

Gebrauchshund: abgerichteter Hund mit abgeschlossener Gebrauchsprüfung, der für die jagdliche Praxis einsetzbar ist.

Gebrauchswert: Nützlichkeit eines Dinges; Summe der Eigenschaften von Natur- oder Arbeitsprodukten, die sie für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse geeignet machen. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums einer jeden Gesellschaft; in der Warenproduktion ist der Gebrauchswert der Ware zugleich stofflicher Träger des Wertes. Der Gebrauchswert des Geldes besteht darin, allgemein Äquivalent zu sein. Der Gebrauchswert der Arbeitskraft (im Kapitalismus zur Ware geworden) besteht für den Kapitalisten in ihrer Eigenschaft, Quelle von Mehrwert zu sein.

Gebrauchswert-Kosten-Analyse: komplexe Methode zur Ermittlung von Möglichkeiten, Kosten von Erzeugnissen und Leistungen bei gleichbleibendem oder steigendem Gebrauchswert zu senken. Die Gebrauchswert-Kosten-Analyse durchdringt den gesamten Produktionsprozess; sie sucht nach neuen Lösungen, die Gebrauchseigenschaften, Technologien, Produktionsvorbereitung und den Werkstoffeinsatz zu verbessern sowie den Aufwand an lebendiger und vergegenständlichter Arbeit zu minimieren. Die Gebrauchswert-Kosten-Analyse erfordert die sozialistische Gemeinschaftsarbeit sowie die kameradschaftliche Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern.

Gebrauchszucht: Art der Tierzucht, bei der die Vermehrung nur zur Ergänzung des eigenen Zuchtbestandes und nicht zum Verkauf von Zuchttieren betrieben wird.

Gebrech: (zu «brechen») Rüssel des Schwarzwildes.

Gebühren: Abgaben, die als spezielle Entgelte für die Inanspruchnahme bestimmter staatlicher Einrichtungen oder Leistungen erhoben werden. Hauptformen sind die Benutzungsgebühren (zum Beispiel Schifffahrts- und Wasserstraßenabgaben für das Befahren von Binnenwasserstraßen, Autobahnbenutzungsgebühren) und die Verwaltungsgebühren für Verwaltungshandlungen staatlicher Organe, die auf Veranlassung und in Angelegenheit der Beteiligten von staatlichen Organen ausgeführt werden (zum Beispiel Beglaubigung von Abschriften aus dem Geburtenbuch, Erteilung einer Fahrerlaubnis).

Gebührenwert, Streitwert: Wert des Streitgegenstandes im Zivilprozess, dessen Höhe für die Berechnung der Gerichts- und Anwaltskosten maßgebend ist Beim Streit um Geldforderungen oder geldwerte Güter entspricht der Gebührenwert deren Wert; in allen anderen Fällen wird er vom Gericht nach gesetzt Regeln festgelegt. Im Ehescheidungsverfahren bestimmt er sich zum Beispiel nach dem vierfachen monatlichen Bruttoeinkommen beider Ehegatten.

gebundenes System: Prinzip der Grundrissgestaltung romanischer Kirchen mit. dem Vierungsquadrat (ausgeschiedene Vierung) als Maßeinheit. Diesem wurden im Osten das Chorquadrat, im Norden und Süden die Querhausquadrate und im Westen die quadratische Mittelschiffsjoche angefügt; einem Mittelschiffsjoch entsprachen je 2 Seitenschiffsjoche. Das gebundene System ist auch im Aufriss als Maß für die Höhen der Kämpfer, Arkaden und Schiffe nachweisbar.

Geburt, Entbindung, Partus: natürlicher Vorgang des Ausstoßens der Leibesfrucht aus dem Mutterleib nach Abschluss der fetalen Entwicklung. Die normale Geburt wird unterteilt in Eröffnungsperiode: Zeit vom Einsetzen der Wehen bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermundes (spätestens dann Blasensprung); die durchschnittliche Zeitdauer bei Erstgebärenden beträgt 9 bis 15 Stunden, bei Mehrgebärenden 6 bis 9 Stunden; Austreibungsperiode: beginnt mit dem Einsetzen der Presswehen und endet mit der Geburt des Kindes; Zeitdauer bei Erstgebärenden 1 bis 2 Stunden, bei Mehrgebärenden / bis 1 Stunde und weniger, in dieser Periode wird die Gebärmuttertätigkeit durch Mitpressen der Frau (Presswehen) unterstützt; die Dauer der beiden Geburtsperioden ist abhängig von der Kraft der Wehen, der Dehnbarkeit der mütterlichen Weichteile sowie der Nachgeburtsperiode. Größe und Lage des Kindes; umfasst die Zeit von der Geburt des Kindes bis zum Ausstößen der Nachgeburt (Plazenta) durch die Nachgeburtswehen und dauert im Durchschnitt 10 bis 20 Minuten. Zivilrechtlich beginnt mit der Trennung des Kindes vom Mutterleib (Abtrennung der Nabelschnur) die Rechtsfähigkeit des Menschen, das heißt seine Fähigkeit, Träger von Rechten und Pflichten zu sein.

Geburtenrate: statistische Kennziffer für die Zahl der Geborenen auf je 1000 Einwohner und Jahr.

Geburtsgeschwulst: Flüssigkeitsansammlung in Haut und Gewebe des kindlichen Teils, der bei der Geburt vorangeht; bei Kopflage über dem Schädel (Kopfgeschwulst), bei Steißlage über dem Gesäß. Die Geburtsgeschwulst bildet sich ohne Behandlung zurück.

Geburtshelferkröte, Alytes obstetricans: heimischer Froschlurch; das Männchen schlingt sich die Laichschnüre um die Hinterbeine und sucht erst vor dem Schlüpfen der Larven das Wasser auf. Siehe auch Lurche.

Geburtshilfe, Obstetrik: alle Hilfsmaßnahmen des Arztes und der Hebamme während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Die Geburtshilfe hat sich in neuerer Zeit immer mehr zur Geburtsmedizin entwickelt, die die normalen Funktionsabläufe gleichermaßen überwacht. Die Geburtshilfe wurde früher vorwiegend im Hause geleistet. In der DDR konzentriert sie sich fast ausschließlich auf Kliniken und Entbindungsheime. Mit Hilfe der modernen Medizintechnik ist eine den unterschiedlichsten Erfordernissen angemessene Intensivüberwachung zu jedem Zeitpunkt von Schwangerschaft und Geburt möglich, die ein Höchstmaß an Sicherheit für Mutter und Kind gewährleistet. Bei Tieren ergeben sich bei 3 bis 5 % der Geburten Komplikationen. Die tierärztliche Geburtshilfe umfasst die Belehrung über den physiologischen Geburtsablauf und Hilfeleistung bei gestörten Geburten.

Geburtstag: Jahrestag der Geburt; im Altertum als Ahnengedenken oder Festtag des persönlichen Schutzgottes gefeiert, im Frühchristentum und Mittelalter als heidnisch abgelehnt, erst unter Einfluss der Humanisten wieder als Brauch in Protestant. Gebieten verbreitet; seit dem 17. Jahrhundert in bürgerlichen Kreisen gefeiert; die Feier des Namenstages in katholischen Gebieten geht auf die Gegenreformation zurück.

Geburtstermin: errechnetes Ende der Schwangerschaft; zur Bestimmung des Geburtstermin rechnet man vom l. Tag der letzten Regel 3 Kalendermonate zurück und zählt ein Jahr plus 7 Tage hinzu (Naegelesche Regel, benannt nach dem Gynäkologen Franz Karl Naegele, 1778-1851). Inzwischen erfolgen Berechnungen des Geburtstermins auch durch Ultraschalluntersuchungen.

Geburtsverletzungen: alle Verletzungen von Mutter und Kind, die während der Geburt entstehen können. Mütterliche Verletzungen sind zum Beispiel Einrisse des Muttermundes, Dammrisse, Klitoris Verletzungen oder Einrisse der Schamlippen. Alle Geburtsverletzungen können mit starken Blutungen verbunden sein und müssen chirurgisch versorgt werden.

Geburtszange, Forceps: zangenähnliches Instrument zum Herausziehen des Kindes aus den mütterlichen Geburtswegen bei erschwerter Geburt; wird am vorangehenden kindlichen Teil, meist dem Kopf, angelegt.

Geckos, Haftzeher, Gekkonidae: etwa 700 Arten umfassende, meist nachtaktive, stimmbegabte Echsenfamilie der Tropen und Subtropen mit in der Regel verwachsenen, durchsichtigen Augenlidern. Viele Geckos besitzen an den Zehenunterseiten Haftlamellen, die zahlreiche, winzige Häkchen tragen und es den Geckos ermöglichen, an senkrechten glatten Flächen Halt zu finden. Mehr als 15 cm lang ist der braungraue Mauergeckos (Tarentola mauritanica) aus dem Mittelmeerraum; hierzu auch Tokee und Taggeckos.

Gedächtnis: Fähigkeit des Gehirns, die über die Sinnesorgane vermittelten Umweltereignisse auswählend kurz- oder langfristig zu speichern (Kurzzeit-, Langzeitgedächtnis) und nach Bedarf abzurufen. Fördernde Faktoren für die Gedächtnis- (Engramm-) Bildung sind die Wiederholung gleicher oder ähnlicher Umweltereignisse oder Reizsituationen, ein bestimmter Grad an Wachheit und Aufmerksamkeit, Motivation oder Gefühlsfärbung (Emotionalität) einer Situation. Beim Kurzzeitgedächtnis können die Veränderungen im Gehirn vorübergehender Natur sein. Sie beruhen auf Bahnung der Nervenzell-Verschaltungen (Synapse). Dem Langzeitgedächtnis liegen biochemische Veränderungen an Nervenzellen zugrunde, bei denen die Synthese bestimmter Eiweißkörper, vermittelt durch Desoxyribonukleinsäure, eine wichtige Rolle spielt.

Gedächtnisschwäche: Störung der Erinnerungs- beziehungsweise Merkfähigkeit; ausgeprägt bei manchen Schwachsinnformen, Hirnschwund im Alter unter anderem Organ. Hirnerkrankungen.

gedackt: winddicht abgedeckt; Bezeichnung für die am oberen Ende geschlossenen Labialpfeifen der Orgel, deren Tonhöhe dadurch um eine Oktave tiefer wird, als die einer offenen Pfeife von gleicher Länge. Mit gedackten Pfeifen kann man Platz und Material sparen, doch klingt der Ton hohl und nicht ganz rein.

Gedankenstrich, Zeichen Schreibzeichen, das die Pause vor einem Wechsel der Situation, eine Einschaltung oder eine Auslassung bezeichnet.

Gedicht: Grundbegriff für literarische Werke, die eine metrisch gebundene (den freien Rhythmus inbegriffen) Versstruktur aufweisen; vornehmlich werden darunter lyrische Dichtungen (Lyrik) verstanden, aber auch Werke der dramatischen und epische Gattung, wenn ihre Sprache durchgängig metrische Regelung folgt (zum Beispiel nannte Goethe das «Faust»-Drama ein «dramatisches Gedicht»).

gediegen: (zu «gedeihen») bergmännisch rein (als Element) vorkommend, zum Beispiel Gold, Silber oder Platin.

Gedimin, um 1275-1341, Großfürst von Litauen seit 1316; eroberte belorussische und ukrainische Gebiete; schloss 1325 ein Bündnis mit Polen gegen den Deutschen Ritterorden; begründete die Großmachtstellung Litauens in Osteuropa.

Gedinge: (zu «dingen») Akkordsystem vor allem im Bergbau (meist als Gruppenakkord).

Gedränge: Rugby - nach einem Vorwurf von den je 8 Stürmern beider Mannschaften gebildete enge Gegenüberstellung in jeweils 3 Reihen in gebückter Haltung mit gegenseitigem Umfassen zum Drängen. Der in das Gedränge eingeworfene Ball soll mit den Füßen nach hinten heraus getakelt werden, um ihn für die eigene Mannschaft in Besitz zu nehmen,

gedruckte Schaltung: nach weitgehend automatisiertem Verfahren hergestellte elektronische Schaltung. Die Kupferschicht der isolierenden Leiterplatte wird bis auf die zur Verbindung der elektrischen Bauelemente benötigten Leiterbahnen weggeätzt, danach werden Bauelemente und gegebenenfalls integrierte Schaltkreise aufgesteckt und deren Drahtanschlüsse mit den Leiterbahnen mittels Tauchlötung verbunden.

Gedser, Gjedser: Fährhafen auf der dänischen Insel Falster, 1200 Einwohner; Fährverbindung nach Warnemünde und Travemünde.

Geduldsspiele: anregende, aber nicht anstrengende verschiedenartige Unterhaltungsspiele für eine Person, besonders geeignet für Leichtkranke und Genesende (zum Beispiel Patiencen, Ham-Ham, Schach- und Go-Aufgaben).

Geelong: Stadt in Victoria (Australien), an der Bucht Port Philip Bay (Bass-Straße), westlich von Melbourne; mit Vororten 145000 Einwohner; Erdölverarbeitung, chemische, Zement-, Textilindustrie, Kfz- und Maschinenbau; Hochseehafen. Östlich von Geelong Aluminiumwerk.

Gefahr: Zivilrecht Möglichkeit des Eintritts eines Schadens, für den kein Beteiligter aus Verschulden verantwortlich ist. Die Nachteile zufälliger Verschlechterung oder zufälligen Untergangs einer Sache treffen den Beteiligten, der die Gefahr trägt. Dies ist in der Regel der Eigentümer, soweit nichts anderes bestimmt ist. Für besondere Gefahrenquellen (zum Beispiel Kraftfahrzeuge) besteht eine erweiterte Verantwortlichkeit. Siehe auch Gefahrübergang.

Gefährdungsdelikt: strafrechtswidrige Handlung, bei der eine Gefährdung strafrechtlich geschützter Objekte herbeigeführt wird, zum Beispiel Gefährdung der Brandsicherheit, Verursachung einer Katastrophengefahr u.a. Straftaten gegen die allgemeine Sicherheit.

Gefährdungsgruppen: System zur Kennzeichnung der gesundheitsgefährdenden Wirkung von Lösungsmitteln. Es wird eingeteilt in Gefährdungsgruppen I (sehr gesundheitsschädigend, zum Beispiel Benzol, Methanol), Gefährdungsgruppen II (mittelmäßig gesundheitsschädigend, zum Beispiel Toluol, Xylol) und Gefährdungsgruppen III (wenig oder nicht gesundheitsschädigend).

Gefahrensymbole: international verbindlich festgelegte Warnzeichen zur Kennzeichnung gefährlicher Stoffe.

Gefahrübergang: Übergang der Verpflichtung vom leistenden Vertragspartner auf den anderen, die Nachteile einer zufälligen Verschlechterung oder eines zufälligen Unterganges des Leistungsgegenstandes zu tragen. Verursacht einer der Partner die Verschlechterung beziehungsweise den Untergang, liegt kein Zufall vor. Der Gefahrübergang wird meist durch die Entgegennahme des Leistungsgegenstandes, durch dessen Versendung ab Leistungsort oder durch Verzug mit der Abnahme bewirkt. Siehe auch Gefahr.

Gefälle: Höhenunterschied zweier Punkte bezogen auf ihren horizontalen Abstand; Neigung von Flächen, Eisenbahnstrecken, Kanalisationen unter anderem gegen die Horizontale in der Längs-, gegebenenfalls auch in der Querrichtung; meist in % angegeben. Bei Wasserkraftwerken ist das Gefälle der Höhenunterschied der Wasserspiegel; als Rohgefälle bezeichnet man den Unterschied zwischen Ober- und Unterwasser, bei Nutzgefälle wird der Rohrleitungsverlust abgezogen.

Gefällespeicher: Wärmespeicher zum Ausgleich von unterschiedlicher Dampferzeugung und -verbrauch. Bei geringem Verbrauch wird Dampf in einen teilweise mit Wasser gefüllten Behälter geblasen, wodurch Druck und Temperatur ansteigen. Bei Entnahme verdampft ein Teil des Wassers.

Gefälligkeitsstempel: für philatelistische Zwecke auf gültigen Postwertzeichen angebrachter Poststempel.

Gefängnis: 1. Einrichtung zur Unterbringung von Strafgefangenen.

2. Bezeichnung für eine Form der Freiheitsstrafe. Im bürgerlichen deutschen Strafrecht war Gefängnis die gegenüber dem Zuchthaus leichtere Form der Freiheitsstrafe.

Gefäßchirurgie: Spezialfach der Chirurgie, das sich mit der operativen Behandlung von Gefäßerkrankungen befasst.

Gefäße: bei Mensch und Tier röhrenförmige Leitbahnen (Lymphgefäße, Blutgefäße) für Flüssigkeiten; bei Pflanzen Leitgewebe.

gefäßerweiternde Mittel: Arzneimittel, die zur Erweiterung der Gefäße führen, und dadurch die Durchblutung bestimmter Körperteile verbessern.

Gefäßnaht: operative Technik, die den Verschluss größerer Gefäßverletzungen, das Vereinigen von Gefäßen miteinander oder von Gefäßen mit Prothesen ermöglicht.

Gefäßpflanzen: zusammenfassende Bezeichnung für Farn- und Samenpflanzen, die im Unterschied zu Moosen und Lagerpflanzen echte Gefäße (Leitgewebe) für den Stofftransport haben. Siehe auch Sprosspflanzen.

Gefäßprothese: künstliches Gefäß aus gewebtem oder gestricktem Kunststoff, mit dem längere Gefäßverschlüsse umgangen oder operativ entstandene Gefäßdefekte ersetzt werden können.

gefäßverengende Mittel: Arzneimittel, die die Gefäße verengen, dadurch den Blutdruck steigern und Sickerblutungen zeitweilig stillen können; zum Beispiel Noradrenalin.

Gefecht: Kampfhandlungen von Truppen bis zur Stärke von Verbänden; Kampfhandlungen größeren Ausmaßes werden Operation genannt Nach der vorherrschenden Kampfart wird zwischen Angriffs-, Verteidigungs- und Begegnungsgefecht unterschieden. Neben Gefecht zu Lande gibt es Luft- und Seegefecht Moderne Gefecht werden unter anderem durch enges Zusammenwirken von Truppen mehrerer Teilstreitkräfte, Waffengattungen, Spezialtruppen und Dienste gekennzeichnet.

Gefechtsausbildung: Befähigung der Angehörigen, Truppen und Stäbe von Streitkräften für den bewaffneten Kampf. Zur Gefechtsausbildung gehören insbesondere die politische Schulung der Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere, der Unterricht in militärischen und militärtechnischen Fächern, entsprechend Übungen (Exerzieren) sowie die psychische Vorbereitung auf Anforderungen des Gefechts.

Gefechtsbereitschaft: a) Fähigkeit von Streitkräften für Kampfhandlungen; setzt einen bestimmten personellen und materiellen Auffüllungsstand der Truppen und Stäbe, deren Ausrüstung mit technischen Kampfmitteln sowie Kenntnisse und Fertigkeiten der Armeeangehörigen in der Kriegskunst voraus. Im modernen Krieg wird die Gefechtsbereitschaft maßgeblich von der politisch-moralischen und psychischen Standhaftigkeit der Armeeangehörigen bestimmt (Gefechtsausbildung),

b) Grad der Vorbereitung von Truppen und Stäben zur Aufnahme von Kampfhandlungen. Für die einzelnen Stufen der Gefechtsbereitschaft werden Normen festgelegt.

Gefechtsfahrzeug: bewaffnetes, meist vollständig oder teilweise gepanzertes Ketten- oder Räderfahrzeug für den bewaffneten Kampf, die Lösung von Sicherstellungsaufgaben im Gefecht beziehungsweise für die Truppenführung.

Gefechtskopf: Raketenteil mit Ladung (Kern- oder herkömmliche Ladung, chemische Kampfstoffe, biologische Kampfmittel) sowie Zünd- und Sicherungseinrichtungen.

Gefechtsordnung: gestaffelte Verteilung von Truppenteilen und Einheiten der Streitkräfte in einem bestimmten Gelände, Luftraum oder Seegebiet nach den Erfordernissen von Kampfhandlungen.

gefeit: (feinen, «nach Feen Art bezaubern») sicher, geschützt, unverletzlich.

Geflecht: Textiltechnik textiles Flächengebilde aus 2 Gruppen sich diagonal kreuzender Fäden. Unterschieden werden flaches Geflecht (Litze), rundes Geflecht (Kordel), durchbrochenes Geflecht (Spitze) und abgepasstes Geflecht (Gimpe).

Geflügel: Sammelbezeichnung für alle Haustiere aus der Klasse der Vögel, wie Haushuhn, -ente, -gans, -pute, Perlhuhn und Haustaube; ihre volkswirtschaftliche Bedeutung liegt in der Produktion von Eiern, Fleisch und Federn. Die ersten Geflügelzuchtvereine sind Mitte des vorigen Jahrhunderts gegründet worden. Man unterscheidet Geflügelwirtschafts- und Geflügelsport- beziehungsweise Liebhaberrassen sowie Ziergeflügel Zu den Wirtschaftsrassen, die sich entweder durch besonders hohe Lege- oder Mastleistung bei guter Futterausnutzung, vor allem unter den Bedingungen der Großhaltung, auszeichnen, gehören Weiße Leghorn, White Rock, Weiße Cornish. Bei Sportrassen stehen, mit Ausnahme der Sporttauben, vor allem äußere Merkmale im Vordergrund des Interesses (Holländer Weißhauben, Paduaner). Allerdings wird auch in zunehmendem Maße der Verbesserung der Leistungsfähigkeit Beachtung geschenkt. Von einer Vielzahl von Hühnerrassen wurden Zwergformen herausgezüchtet.

Geflügelcholera: durch Bakterien (Pasteurellen) hervorgerufene infektiöse Erkrankung der Hühner und des Wassergeflügels jeden Alters. Die Geflügelcholera führt meist schnell zum Tod; in chronischen Fällen treten Abmagerung und Entzündung der Kehllappen auf. Die Bekämpfung erfolgt durch hygienische Maßnahmen und durch Impfung. Die Geflügelcholera ist meldepflichtig.

Geflügelhaltung: Produktionszweig eines landwirtschaftlichen Betriebes oder selbständiger Spezialbetrieb (Zucht-, Vermehrungs-, Produktionsbetrieb für Eier und Fleisch). Die Ansprüche der einzelnen Geflügelarten an Futter und Unterbringung sind verschieden. Während früher die Auslaufhaltung vorherrschte, setzt sich nunmehr die Intensivhaltung durch, da sie erhebliche Vorteile bezüglich Arbeitsproduktivität, Flächenausnutzung und Kontinuität der Eier- und Fleischproduktion bietet. Bei Batteriehaltung (Käfighaltung) sind die Tiere meist gruppenweise in Drahtkäfigen untergebracht, die in Reihen nebeneinander, aber auch mehretagig angeordnet sein können. Es werden Futter und Trinkwasser automatisch zugeführt, durch besondere Fördergeräte die Eier abgesammelt und der Kot entfernt. Die Leistungen des Geflügels liegen im Allgemeinen bei Intensivhaltung höher als bei Auslaufhaltung. Entscheidend für den Erfolg sind Tiermaterial, Fütterung und Stallverhältnisse.

Geflügellähme, Mareksche Krankheit: (nach einem ungarischen Tierarzt) virusbedingte Krankheit der Hühnervögel, besonders der Jungtiere. Die Infektion erfolgt durch erregerhaltigen Staub. Symptome der Erkrankung sind anfangs Lahmheit, später Bewegungsunfähigkeit, Pupillenveränderungen unter anderem; häufig tödl. Ausgang.

Geflügelpest, Newcastle-Disease: nach Newcastle-upon-Tyne; Englisch disease, «Krankheit»): virusbedingte Erkrankung der Puten und Hühner; Symptome sind Atembeschwerden und Lähmungserscheinungen. Die Geflügelpest ist meldepflichtig.

Geflügelpocken, Geflügeldiphtherie, Geflügel-Diphtheroid, Vogelpocken: hochkontagiöse Viruserkrankung bei Hühnervögeln, Tauben, Puten und auch bei Wachteln. Es werden 5 Virustypen unterschieden. Die Geflügelpocken sind durch Pustel- und Krustenbildung auf Haut und Schleimhaut gekennzeichnet. Die Bekämpfung ist durch Impfmaßnahmen möglich.

Gefrierätzverfahren: biologische Technik Methode der Bearbeitung lebenden oder lebensfrischen Untersuchungsgutes durch rasches Einfrieren, Schneiden beziehungsweise Spalten mit Hilfe eines Spezialmikrotoms (im Vakuum). Durch anschließende Platin-Kohle-Bedampfung wird ein naturgetreuer Abdruck hergestellt. Eine Untersuchung mit dem Elektronenmikroskop liefert ein Gefrierabdruckbild.

Gefrierkonservierung: Haltbarmachung von Lebensmitteln (zum Beispiel Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch) und Speisen durch Gefrieren, besonders Tiefgefrieren (-15 bis -40 °C). Schnelles Gefrieren fördert die Bildung kleiner gegenüber großen Eiskristallen, wodurch Zellschädigung und Zellsaft-Entmischungen im Gut gering gehalten werden. Gefrierkonserven sind bei ununterbrochener Gefrierkette (Produktion Verbrauch) lange haltbar, aber nach dem An- oder Auftauen möglichst sofort zu verbrauchen beziehungsweise weiterzuverarbeiten, da sonst infolge enzymatische Vorgänge sehr schnell Nähr- und Genusswertverlust sowie Verderb Eintreten können.

Gefriersalz: Salz, das den Gefrierpunkt von Wasser, dem es zugesetzt wurde, herabsetzt; durch Natriumchlorid (Kochsalz) zum Beispiel kann der Gefrierpunkt bis unter -20 °C erniedrigt werden. Anwendung als Gefrierschutzmittel und als Tausalz zum Schmelzen von Eis.

Gefrierschnitt: mikroskopischer Gewebeschnitt, der mit Hilfe eines Gefriermikrotoms oder eines Kryostaten von in Wasser oder Gelatine eingebettetem und durch Kälteeinwirkung eingefrorenem Gewebe hergestellt wird. Gefrierschnitte dienen hauptsächlich der schnellen Untersuchung von Geweben (zum Beispiel bei Operationen).

Gefrierschutzmittel: besonders als Wasserzusatz gebräuchliche Stoff, der eine Gefrierpunktserniedrigung hervorruft; Anwendung unter anderem im Kreislauf von Warmwasserzentralheizungen oder in luftgekühlten Kühlwasserkreisläufen, zum Beispiel Kraftwagenkühlem. Gefrierschutzmittel sind unter anderem Glysantin, Glyzerin, Glykol.

Gefriertrawler-Seiner, Abkürzung GTS: Fischereifahrzeugtyp für den küstennahen Einsatz zum Fangen, Verarbeiten und Tiefgefrieren von Fisch. Durch bordeigene Umschlageinrichtungen für die Übergabe und Übernahme von Vorräten auf hoher See ist ihr Einsatz sowohl autonom als auch im Flottenverband möglich.

Gefriertrocknung, Sublimationstrocknung, Lyophilisation: Trocknungsverfahren für wärmeempfindliche Stoffe durch Sublimation (Übergang von der festen in die Gasphase) des Wassers aus dem gefrorenen Gut unter Vakuum. Die Gefriertrocknung ist ein sehr schonendes, die ursprünglich Guteigenschaften erhaltendes Verfahren, das sich für empfindliche Lebensmittel (zum Beispiel Kaffee-Extraktpulver, Aromakonzentrate, feines Gemüse) und besonders auch für Blut, Seren sowie histochemische Untersuchungen hervorragend eignet.

Gefrierverfahren: im Tief- und Bergbau angewandtes Verfahren zur Abdichtung wasserführender Schichten. In Bohrrohre (Abstand bis 1,5 m) wird Kältelauge (Kalziumchlorid Lösung) bis zu -50 °C gepumpt. Durch Vereisung des Grundwassers entsteht eine geschlossene Frostwand, in deren Schutz das Lockergestein ausgehoben werden kann. Siehe auch Abteufen.

Gefüge: 1. Geologie: Art der Lagebeziehungen geologischer Körper zueinander. Man unterscheidet skalare (zum Beispiel Korngröße) und vektorielle Gefügeeigenschaften (Lage von Mineralen oder Gesteinen im Raum).

2. Metallographie: der für jeden metallischen Werkstoff spezifischer kristalline Aufbau, der über seine Eigenschaften entscheidet. Der Gefügeaufbau kann durch Schleifen, Polieren und Ätzen mikroskopisch sichtbar gemacht werden.

3. Petrographie: Größe, Form und Anordnung der ein Gestein aufbauenden Minerale. Größe, Gestalt, Kristallinität und Verknüpfung der Mineralkörner mit anderen Körnern wird als Struktur, die räumliche Anordnung und die Raumerfüllung der Minerale in einem Gestein als Textur bezeichnet. Die Abgrenzung beider Begriffe ist meist undeutlich, deshalb ist es besser, nur von Gefüge zu sprechen.

Gefühlsverkehrung, Parathymie: Diskrepanz zwischen Denkinhalt und Gefühlsreaktion, zum Beispiel wird auf ein freudiges Ereignis mit Trauer reagiert. Es tritt also statt einer normalen Gefühlsreaktion die entgegengesetzte ein, besonders bei Schizophrenie.

Gegenbaur, Carl, 21.8.1826-14.6.1903, Anatom; bedeutender Forscher in der vergleichenden Anatomie der Wirbeltiere im Sinne der Evolutionstheorie; besonders Vergleiche der Gliedmaßen und des Kopfskeletts; Begründer des «Morphologischen Jahrbuches» (1875).

Gegen-EMK, Kurzwort für gegenelektromotorische Kraft: in den Wicklungen von Elektromotoren und -geräten induzierte Spannung, die der angelegten Spannung entgegenwirkt.

Gegenklage, Widerklage: die im Zivilprozess vom Verklagten im Laufe des Verfahrens auf Grund eigener Ansprüche gegen den Kläger erhobene Klage; das Gericht kann anordnen, ob die Verfahren zur Verhandlung und Entscheidung verbunden werden.

Gegenlichtblende, Sonnenblende: Fotografie auf dem vorderen Objektivring der Kamera befestigter schwarzer Tubus, um störenden seitlichen Lichteinfall abzuschirmen und somit Schleier oder Lichtreflexe auf dem Foto zu vermeiden.

Gegenmasse: Masse (meist Gusseisen oder Schwerspat Blöcke), die zum Ausgleich einseitiger Belastungen dient, zum Beispiel bei Baggern und Kranen mit Ausleger zur Gewährleistung der Standsicherheit, bei Aufzügen zur Verringerung der Hubarbeit.

Gegenreformation: Gesamtheit der vor allem durch innerkirchlichen Reformen mit politischen und militärischen Mitteln 1555 bis 1648 durchgeführten Aktionen des Katholizismus, die durch die Reformation geschaffenen Verhältnisse in Mitteleuropa rückgängig zu machen; führende Kraft waren die Jesuiten. Theologisch-konfessionell wichtigstes Dokument der Gegenreformation sind die Beschlüsse des 1 Tridentiner Konzils. Die Gegenreformation hemmte den Fortschritt, konnte die Reformation aber nicht aufheben.

Gegenschultertechnik: Skisport Technik zur Richtungsänderung bei der Abfahrt; durch Verwindung des Körpers erfolgt eine gegenläufige Bewegung des Oberkörpers zur Drehrichtung der Beine und Skier.

gegenseitige Hilfe: unentgeltliche Tätigkeit eines Bürgers für einen anderen mit oder ohne Auftrag sowie unentgeltliche Gebrauchsüberlassung (Leihe). Wer gegenseitige Hilfe leistet, hat bei Pflichtverletzungen nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit einzustehen.

Gegenstand: Objekt, auf das die materielle oder Erkenntnistätigkeit des Subjekts gerichtet ist; das, was dem Subjekt «entgegensteht»; im engeren Sinne Synonym für Sache, Ding, Objekt, gegenstandslose Kunst abstrakte Kunst.

Gegenstrahlung der Atmosphäre: langwellige Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung), die von absorbierenden atmosphärischen Gasen (Wasserdampf, Kohlendioxid, Sauerstoff) zur Erde zurückgestrahlt wird. Die Gegenstrahlung der Atmosphäre wird bei Vorhandensein einer Wolkendecke oder Dunstschicht verstärkt und verhindert nachts eine zu starke Abkühlung (Glashaus Wirkung).

Gegenstromprinzip: verfahrenstechnische Methode, eine Stoff- oder Wärmeübertragung zwischen 2 Phasen dadurch möglichst vollständig zu erreichen, dass diese einander entgegenströmen. Im Unterschied zum Gegenstromprinzip durchlaufen beim Gleichstromprinzip beide Phasen die Apparatur in gleicher Richtung; hierbei bleibt die Wechselwirkung unvollständig.

Gegentaktschaltung: elektronische Verstärkerschaltung aus 2 gleichen Verstärkern, deren Steuereingängen 2 gegenphasige Wechselspannungen des gleichen Signals zugeführt werden und deren Ausgangsspannungen sich addieren; dadurch verdoppelt sich die Ausgangsleistung gegenüber dem Einzelverstärker. Weitere Vorteile der Gegentaktschaltung sind hoher Wirkungsgrad beziehungsweise geringe nichtlineare Verzerrungen. Anwendung in Sender- und Empfängerendstufen.

Gegen wert mittel: nach dem 2. Weltkrieg Instrument des I European Recovery Programm der USA in Westeuropa. Es handelte sich um Geldbeträge in inländischer Währung, die für in Dollar berechnete Einfuhren auf Sonderkonten eingezahlt wurden, im Einfuhrland verblieben und hier angelegt wurden. Sie dienten in der BRD unter anderem Ländern zur Restaurierung.

Gegenzeichnung, Kontrasignatur: gemeinsame Unterzeichnung von Rechtsakten durch mehrere Staatsorgane, zum Beispiel die Gegenzeichnung von Rechtsakten des Staatspräsidenten durch den Ministerpräsidenten oder zuständigen Minister.

Gehalt: 1. Gehalt: allgemein Anteil an wertgebenden Bestandteilen, zum Beispiel Kaloriengehalt, Goldgehalt, Ideengehalt.

2. Gehalt: Arbeitsrecht: Monatslohn der Angestellten; wird für die verschiedenen Gehaltsgruppen (unabhängig von der Anzahl der Arbeitstage im Monat) entweder in festen Beträgen oder Von- bis- Spannen oder als Grundbetrag mit festen Steigerungssätzen in den Tarifregelungen festgelegt.

Gehängeförderer: Sammelbezeichnung für Stetigförderer, die Stückgüter auf Gehängen fördern. Die Gehänge selbst sind an einem umlaufenden Zugmittel (Ketten oder Seil) befestigt. Beim Kreisförderer werden vom Zugmittel in oder auf Führungsbahnen Laufwerke bewegt, an denen Gehänge (Schaukeln, Haken, Greifer unter anderem) zur Aufnahme und zum Tragen der Fördergüter befestigt sind. Die Führungsbahnen sind an Decken, Wänden beziehungsweise Stützen in beliebiger räumlicher Linienführung aufgehängt Umlaufförderer werden für waagerechte, senkrechte und beliebig geneigte Förderung von Stückgütern verwendet zwischen 2 endlos parallel umlaufenden Ketten sind Lastträger zur Aufnahme des Fördergutes befestigt, die durch Führung in einer pendelfreien und stets parallelen Lage gehalten werden. Beim Schaukelförderer sind die Lastgehänge seitlich an einer Kette oder zwischen 2 Ketten pendelnd befestigt. Dadurch wird bei beliebig mögliche Führung der Zugorgane in vertikaler Ebene ständig die horizontale Lage des Fördergutes gewährleistet,

gehechtet: Wasserspringen Körperhaltung während der Flugphase, bei der der Körper in der Hüfte abgeknickt und die Beine gestreckt sind.

Geheimbund: Völkerkunde Vereinigung von Männern (seltener Frauen), meist überlokal; von großer Bedeutung im gesellschaftlichen und religiösen Leben bei vielen Völkern in der Auflösungsperiode der Urgesellschaft (zum Beispiel Westafrika, Melanesien); beim öffentlichen Auftreten spielen Rangabzeichen und Masken eine große Rolle.

Geheime Geschichte der Mongolen: bedeutendstes Werk der altmongolischen Literatur, entstanden in der 1. Hälfte des 13. Jahrhundert; enthält historisch wertvolle Aufzeichnungen über das Entstehen des mongolischen Staates unter Dschingis-Chan.

Geheimnis: Tatsachen, Gegenstände und Dokumente, die nur bestimmten Personen bekannt sein dürfen und über die diese Schweigepflicht obliegt (Staatsgeheimnis, Dienstgeheimnis, Wirtschaftsgeheimnis, Postgeheimnis und Fernmeldegeheimnis, Berufsgeheimnis).

Geheimnisschutz: Komplex staatliche unter anderem gesellschaftliche Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, für die sozialistische Gesellschaft wichtige, nicht offenkundige Dokumente, Gegenstände und Informationen bei Vorliegen eines besonderen gesellschaftlichen Interesses geheim zu halten, das heißt nur dem jeweils vorgesehenen, eindeutig bestimmten und kontrollierbaren Personenkreis zugänglich zu machen. Nach ihrer Bedeutung werden 2 Arten von Geheimnissen unterschieden, Staatsgeheimnisse (als die bedeutendsten) und Dienstgeheimnisse.

Geheimnisverrat: Verletzung einer ausdrücklich auferlegten Geheimhaltungs- beziehungsweise Schweigepflicht durch Offenbarung geheim zu haltender Tatsachen, Dokumente oder Gegenstände beziehungsweise deren Erschleichung durch unlautere Methoden; strafbar.

Geheimtinte: Schreibflüssigkeit, deren Schriftzüge durch Behandeln mit Chemikalien, durch Erhitzen (Flamme, Bügeleisen) oder Ultraviolettbestrahlung dauernd oder vorübergehend sichtbar gemacht werden können. Schriftzüge mit verdünnter Kobalt(II)-chloridlösung werden zum Beispiel beim Erwärmen blau und verschwinden beim Abkühlen wieder. Schriftzüge mit Salizylsäure färben sich beim Betupfen mit Eisen(III)-chloridlösung bleibend violett. Schriftzüge mit Milch werden über einer Flamme bleibend braun.

Gehen: leichtathletische Disziplin; Geschwindigkeitswettbewerbe international über 20 und 50 km. Grundregel ist ständige Bodenberührung; das nach vom schwingende Bein setzt mit der Ferse zuerst auf und ist im Kniegelenk gestreckt, erst danach darf das hintere Bein vom Boden gelöst werden. Olymp, (seit 1908), Weltmeisterschafts- (seit 1976) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1934).

Gehirn, Encephalon, Cerebrum: in 5 Abschnitte gegliederter, innerhalb der Schädelhöhle liegender Teil des Zentralnervensystems: Groß- oder Endhirn (Telencephalon), Zwischenhirn (Diencephalon), Mittelhirn (Mesencephalon), Hinterhirn (Metencephalon) und Nachhirn (Myelencephalon, verlängertes Mark, Medulla oblongata). Im Inneren befinden sich miteinander in Verbindung stehende Hohlräume (Hirnventrikel), die mit Cerebrospinalflüssigkeit gefüllt sind. Das Gehirn erfährt beim Menschen die höchste funktionelle Ausbildung, das Gewicht beträgt etwa 1300 bis 1500 g.

Gehirnblase: erweiterter vorderer Abschnitt des Neuralrohres; bei Wirbeltieren und beim Menschen gehen aus 2 Gehirnblasen die Abschnitte des Gehirns hervor.

Gehirnerschütterung, Commotio cerebri: durch Gewalteinwirkung verursachte akute, funktionelle, reversible Schädigung des Gehirns mit vorübergehenden Funktionsstörungen (Benommenheit oder Bewusstlosigkeit, Erbrechen, Erinnerungslücke, Schwindel), aber ohne nachweisbare Gewebeveränderungen.

Gehirnerweichung, Enzephalomalazie: Untergang und Verflüssigung von Hirnsubstanz infolge aufgehobener Blutzufuhr oder Entzündung.

Gehirnhäute, Meningen: aus Bindegewebe aufgebaute Hüllen des Gehirns beziehungsweise Rückenmarks (Rückenmarkhäute). Die innere Haut (Pia mater) liegt dem Gehirn und Rückenmark direkt auf, sie enthält Blutgefäße; es folgt die Spinnwebenhaut (Arachnoidea), beide werden auch als weiche Hirnhaut (Leptomeninx) zusammengefasst. Außen schließt sich die harte Hirnhaut (Dura mater, Pachymeninx) an, in welche die Hirnblutleiter eingebaut sind.

Gehirnhautentzündung, Meningitis, Genickstarre: Entzündung der Hirn- und Rückenmarkhäute durch Infektion mit Meningokokken, Tuberkelbakterien oder anderen Erregern. Symptome der Gehirnhautentzündung sind Kopfschmerzen, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Fieber, Bewusstseinstrübung und entzündlicher Liquorbefund.

Gehirnnerven, Kopfnerven-, die 12 vom Gehirn paarig ausgehenden peripheren Nerven im Kopf-Hals-Bereich; die Bezeichnung erfolgt mit römischen Ziffern. I. Nervus olfactorius (Riechnerv), II. N. opticus (Sehnerv), III. N. oculomotorius (Nerv für mehrere äußere Augenmuskeln), IV. N. trochlearis (Nerv für einen äußeren Augenmuskel), V. N. trigeminus (Drillingsnerv), VI. N. abducens (Nerv für einen äußeren Augenmuskel), VII. N. facialis (Gesichtsnerv), VHI. N. statoacusticus (Hör- und Gleichgewichtsnerv), EX. N. glossopharyngeus (Zungen-Schlund Nerv), X. N. vagus (Eingeweidenerv), XI. N. accessorius (Nerv zum Kopfwender- und Kappenmuskel), XII. N. hypoglossus (Zungenmuskelnerv). Der I. und II. Gehirnnerven sind keine echten Gehirnnerven, sondern Gehirnteile.

Gehirnraum: Innenraum des Schädels (Schädelkapazität); hat im Laufe der Entwicklung der Menschheit bis auf durchschnittlich 1500 cm3 zugenommen. Der Gehirnraum des Schimpansen und Australopithecus umfasst 500 bis 700 cm3, des Homo erectus 780 bis 1200 cm3, des Neandertalers über 1050 cm3 (individuell bis 1720 cm3).

Gehirnschädel, Neurocranium: Teil des Schädels, der das Gehirn umgibt Gehirnschlag Schlaganfall.

Gehlberg: Gemeinde im Kreis und Bezirk Suhl, im zentralen Thüringer Wald; 920 Einwohner; Glasindustrie; Erholungsort (580 bis 760 m über dem Meeresspiegel), Wintersportplatz.

gehockt: Wasserspringen Körperhaltung während der Flugphase, bei der der Körper gekrümmt ist und die geschlossenen Knie an die Brust gezogen sind.

Gehölz: Forstwirtschaft aus Bäumen und Sträuchern in Gruppen oder Reihen auftretende kleinflächige Vegetationsform in der offenen Landschaft.

Gehölze: Zierpflanzenbau ausdauernde, verholzende, laubabwerfende (sommergrüne) oder immergrüne Pflanzen.

Gehör: Hörvermögen des menschlichen Gehörorgans, das heißt Fähigkeit der Aufnahme und Verarbeitung von Schallwellen in einem bestimmten Frequenzbereich. Siehe auch Gehörsinn, Ohr.

Gehöre: Ohren vom Raubwild.

Gehörgang: a) älterer Gehörgang (Meatus acusticus externus): von der Kopfoberfläche (Ohrmuschel) zum Trommelfell führender Kanal;

b) innerer Gehörgang (Meatus acusticus internus): zwischen Innenohr und Schädelhöhle verlaufender Kanal.

Gehörknöchelchen: beim Menschen 3 kleine (Hammer, Amboss, Steigbügel) im Mittelohrraum zu einer Kette verbundene Knochen; sie leiten die Schallwellen vom Trommelfell zum Innenohr.

Gehörlosigkeit: angeborene oder erworbene doppelseitige Taubheit, die eine spontane Sprachentwicklung verhindert. Frühzeitiges Erkennen einer Gehörlosigkeit ist notwendig, um optimale Rehabilitationsmaßnahmen (Sonderschulwesen) einzuleiten.

Gehörn, Hörner: Stirnwaffe einiger Säugetiere, die als feste Hornbildung auf 2 Knochenzapfen des Stirnbeins aufsitzt.

Gehörsinn: Vermögen zur Wahrnehmung von Schallreizen beziehungsweise Gesamtheit aller anatomischen Strukturen und physiologische Prozesse, auf denen es beruht. Schallwellen werden über das äußere und Mittelohr (Luftleitung) beziehungsweise über Schwingungen der Schädelknochen (Knochenleitung, besonders hohe Frequenzen) zum Innenohr (Schnecke) transportiert, wo die Schwingungen auf der das Corti’sche Organ tragenden Basilarmembran eine Wanderwelle auslösen. Diese erreicht in Abhängigkeit von der Schallfrequenz (Tonhöhe) in bestimmter Entfernung von der Schneckenbasis ein Amplitudenmaximum, wobei die Haarzellen (Rezeptoren) erregt werden (Einortstheorie). Diese Reizverteilung (Frequenzdispersion) ermöglicht eine Tonhöhenunterscheidung, deren volle Leistungsfähigkeit durch weitere Mechanismen der zentralen Informationsverarbeitung erreicht wird. Mit zunehmender Lautstärke nimmt die Erregung der Haarzellen zu, und in den nachgeschalteten afferenten Hörnervenfasern steigt die Impulsdichte. Über die Hörbahn wird so die Information über Tonhöhen und Lautstärken räumlich und zeitlich kodiert dem Gehirn übermittelt, wo die Analyse der komplexen Muster zur Verarbeitung und Wahrnehmung einschließlich der Bewertung der Schallereignisse und dem Sprachverständnis führt. Das menschliche Gehör kann Schallfrequenzen von 20 bis 20000 Hz aufnehmen. Im Sprachbereich ist die Unterschiedsempfindlichkeit am größten (bis etwa 0.3%). Die niedrigste Schwelle liegt bei etwa 2000 Hz (10“sN/m2). Die Schwingungsamplitude im Innenohr ist bei normalem Hören außerordentlich klein und wird auf Werte unter 0,1 nm geschätzt. Hohe Schalldruckpegel fuhren zu meist bleibender Haarzellschädigung (Lärmschäden).

Gehrlade: U-förmiges Hilfswerkzeug zur Führung der Säge beim Herstellen der Gehrung.

Gehrock: dunkler, meist schwarzer, knielanger Männerüberrock, zweireihig und mit vom übereinander gehenden Schößen; war Ende des 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhundert neben dem Frack der Alltagsrock, wurde dann mehr zum festlichen und offiziellen Anzug; heute kaum noch getragen.

Gehrung: spitzwinklige Eckverbindung zweier Rahmenteile, deren Verbindungsfläche in der Winkelhalbierenden, dem Gehrungswinkel, liegt.

Geib, August, 10.8.1842-1.8.1879, Dichter; Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei («Eisenacher»); zur literarischen Unterstützung ihres Kampfes schrieb er zahlreiche balladeske und liedhafte Gedichte (gesammelt 1864 und 1876), in denen er unter anderem die Pariser Kommune besingt.

Geibel, Emanuel, 17.10.1815-6.4.1884, Dichter; schrieb neben einigen Liedern volkstümlichen Charakters vor allem klassizistische-epigonale Lyrik («Gedichte», 1840) sowie besonders um 1870/71 Zeitgedichte nationalistische Tendenz; bedeutsam als Übersetzer antiker und romanischer Lyrik (unter anderem «Klassisches Liederbuch», 1875).

Geier, Altweitgeier, Aegyptiae: vorwiegend aasfressende Greifvögel Amerikas, warmer Zonen Europas, Afrikas und Asiens; ausgezeichnete Segelflieger. Geier legen 1 bis 2 Eier, brüten 45 bis 55 Tage, die Jungen bleiben bis zu 3 Monaten im Nest. Im Gebirge lebt der Bartgeier (Gypaetus barbatus) mit 2,60 m Flügelspannweite, er ernährt sich überwiegend von Knochen; einen langen, nur flaumig befiederten Hals hat der Gänsegeier (Gyps fulvus); siehe auch Neuweitgeier.

Geierschildkröte, Macroclemys temminckii: bis 75 cm lange und 100 kg schwere, wasserbewohnende Schildkröte im Mississippi-Gebiet (USA), die Fischen auflauert und sie durch Bewegungen der wurmförmigen Zunge anlockt.

Geige: volkstümliche Bezeichnung für Violine;

1. weiteren Sinne allgemeine Bezeichnung für alle, auch urgeschichtliche, mittelalterliche und außereuropäische Streichinstrumente.

Geiger, Willi, 17.8.1878-1.2.1971, Maler und Graphiker; auf Spanienreisen vom Werk F. de Goyas und El Grecos beeinflusst. Geiger wurde durch den 1. Weltkrieg zu einer gesellschaftskritischen, antimilitaristischen künstlerischen Haltung bewegt, die sich in zahlreichen graphischen Zyklen und Illustrationen sowie Bildnissen äußerte («Stierkampf», «Spanischer Arbeiterführer», Bildnis H. Manns). 1933 von Faschisten aus Leipziger Lehramt entlassen; gegen Ende des Krieges antifaschistischer und antimilitaristischer Zyklus von Zeichnungen («12 Jahre»); die darin ausgedrückten Positionen bewahrte er auch in seinem späteren Schaffen («Der Generalstab», «Einst wird kommen der Tag»).

Geijer, Erik Gustaf, 12.1.1783-23.4.1847, schwedischer Dichter und Historiker; bestimmte mit Gedichten («Der Odelsbauer», 1811) und theoretischen Schriften die Entwicklung der schwedischen Romantik; verfasste eine «Geschichte des schwedischen Volkes» (3 Bände, 1832/36, deutsch).

Geiler von Kaysersberg, Johann, 16.3.1445 bis 10.3.1510, Prediger am Straßburger Münster, volkstümlicher Sittenlehrer, geißelte die Verderbnis der Kirche und die Unterdrückung der Armen.

Geilstelle: durch Überdüngung stellenweise besonders üppiger (geiler) Pflanzenwuchs.

Geisel: durch eine gegnerische kriegführende Partei oder durch Erpresser beziehungsweise Terroristen ihrer Freiheit beraubte Person, deren Tötung oder weitere Festhaltung bei Nichterfüllung bestimmter ultimativer Forderungen angedroht wird. Geiselnahme und Geiseltötung im Kriege stellen nach dem Völkerrecht ein Kriegsverbrechen dar. Sie ist auch nach dem StGB der DDR unter schwere Strafe gestellt. Darüber hinaus gibt es spezielle völkerrechtliche Regelungen, zum Beispiel hinsichtlich der Geiselnahme in Luftfahrzeugen.

Geiseltal: von der Geisel (linker Nebenfluss der Saale) durchflossenes, 12 km langes Tal zwischen Mücheln und Merseburg; Braunkohlenrevier im Bezirk Halle, fast ausgekohlt; stark industrialisiert (Chemie, Metallverarbeitung) und großräumige Gestaltung (60 km2) einer Bergbaufolgelandschaft (land- und wasserwirtschaftliche Nutzung; Erholungsgebiet). Weltbekannt ist das Geiseltal durch die in der alttertiären Braunkohle vorhandenen Fossilien, die Fauna (zum Beispiel Urpferdchen) und Flora vor 50 Millionen Jahren gut dokumentieren.

Geiserich, Genserich, um 390-477, König der Wandalen seit 428; gründete 429 das Wandalenreich in Nordafrika mit der Hauptstadt Karthago, eroberte später Korsika und Sardinien, beherrschte nach Vernichtung der gegen ihn entsandten römische Flotten (461 und 468) zeitweise das westliche Mittelmeer und konnte 455 Rom plündern.

Geisha, Geischa: in Japan berufsmäßig ausgebildete Gesellschafterin, Sängerin und Tänzerin zur Unterhaltung und Bedienung bei Festlichkeiten und in Teehäusern. Nach 1945 verlor das Geisha-Wesen an Bedeutung.

Geison: Kranzleiste als Hauptbestandteil des Gebälks des griechischen Tempels, die als Kranzgesims hervorragt. Die Unterseite des Geison ist mit sogenannten Dielenköpfen (Platten mit tropfenförmigen Ausbildungen) besetzt.

Geißbart, Aruncus sylvestris: ausdauerndes, bis 1,50 m hohes Rosengewächs mit fiederteiligen Blättern und großen weißen eingeschlechtigen Blütenrispen; in Schluchtwäldern und Hochstaudenfluren der Gebirge vorkommend; Zierpflanze.

Geißblattgewächse, Caprifoliaceae: Familie von Sträuchern und holzigen Lianen, seltener von kleinen Bäumen und Stauden, mit kreuzgegenständigen Blättern; zum Beispiel Geißblatt (Heckenkirsche, Lonicera) mit weißen, rosa oder gelben Blüten und roten oder schwarzen Beeren; windend zum Beispiel Echtes Geißblatt (Jelängerjelieber, L. caprifolium) mit stark duftenden Blüten; hierzu Holunder, Moosglöckchen, Schneeblatt, Schneebeere unter anderem.

Geißeltierchen, Zoomastigophora: Urtiere mit einer oder mehreren Geißeln, die der Fortbewegung und dem Herbeistrudeln von tierischer Nahrung dienen. Geißeltierchen leben in Süß- und Meereswasser oder auch als Parasiten. Siehe auch Flagellaten, Urtiere.

Geißler: 1. Christian Benjamin Geißler, 1743-nach 1808, Seiler; verfasste unter dem Eindruck der Franzos. Revolution antifeudal-revolutionäre Flugschriften, die zum Programm des Sächsischen Bauernaufstandes wurden; 1790/1805 in Haft.

2. Erhard Geißler, geboren 17.12.1930, Genetiker; beschäftigt sich mit Virologie und Genetik am Zentralinstitut für Molekularbiologie der AdW in Berlin-Buch.

Geißler-Röhre: (nach einem Glasbläser) eine Glimmentladungsröhre, Vorläufer der Leuchtröhren.

Geist: 1. Verstand, Scharfsinn, Sinn, Gehalt.

2. Kategorie der idealistischen Philosophie für das (als primär aufgefasste) Immaterielle.

3. Obstgeist.

Geisterbild: Fernsehen Wiederholung desselben Bildsignals (in größerem Abstand) auf dem Leuchtschirm der Bildröhre im Fernsehempfänger als Folge von Reflexionen der elektromagnetischen Wellen an Hindernissen in der Umgebung der Empfangsantenne.

Geistesgeschichte: idealistische Richtung der bürgerlichen Geschichtsbetrachtung, nach der die Entwicklung von Kunst, Wissenschaft, Philosophie und so weiter autonomen Gesetzen des Geistes folgt und eine Abhängigkeit der ideellen Tätigkeit des Menschen von zugrunde liegenden materiellen Bedingungen nicht anerkannt wird. Siehe auch Basis und Überbau.

Geisteskrankheit: schwere Form der krankhaften Störung der Geistestätigkeit. Siehe auch Psychose.

Geisteswissenschaften: Begriff der spätbürgerlichen Ideologie für jene Wissenschaften, die, im herausgestellten Unterschied zu den Naturwissenschaften, die «geschichtliche-gesellschaftliche Wirklichkeit» (Dilthey) zu verstehen suchen, indem sie unter Verzicht auf Gesetzesaussagen das Einmalige, Individuelle erörtern und die Abhängigkeit gesellschaftlicher Erscheinungen von den sozialökonomischen Verhältnissen, insbesondere von der materiellen Produktion, leugnen.

geistliches Drama: Bezeichnung für alle aus christlicher Weltanschauung und Religionsausübung hervorgegangenen Spielvorlagen in Europa; stoffliche thematische Grundlage sind die Bibel, die Apokryphen und Heiligenlegenden. ursprünglich seit dem 10. Jahrhundert wurden Elemente der Liturgie (noch in Latein) zur anschaulichen Religionsvermittlung von Geistlichen in der Kirche dargestellt, später von Laien (in der Landessprache) in der städtlichen oder dörflichen Öffentlichkeit (auf Straßen und Plätzen). Älteste geistliche Drama sind Auferstehungs- oder Osterspiele (mit der neutestamentarische Geschichte von Jesus Auferstehung im Zentrum); später entstanden analog Weihnachts- (Krippen-, Hirten-, Dreikönigs-) und Himmelfahrtsspiele. Aus den Prozessionen entwickelten sich (besonders im süddeutschen Raum) Fronleichnamsspiele. Andere frühe Formen des geistlichen Dramas sind Mirakel- und Legendenspiele, die Wundertaten von Heiligen, besonders der Jungfrau Maria, darstellen, und Antichristspiele, die die Vorstellungen vom Weitende und vom Sieg Gottes über den Antichrist zeigen. Entwickeltste Formen des geistlichen Dramas sind die die Jesuslegende nachgestaltenden Mysterienspiele, die besonders im 14. und 15. Jahrhundert von den Gilden und Zünften in oft mehrtägigen Zyklen (besonders zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten) unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung mit oft großem äußerem Aufwand aufgeführt wurden; dabei integrierten sich zunehmend weltliche Ereignisse und Gestalten, meist volkstümlich-komischen Charakters. Im späten Mittelalter gewannen Passionsspiele mit der Leidensgeschichte Christi im Zentrum Popularität; die Passionsspiele in Oberammergau sind seit 1634 bis heute, gegenwärtig vorwiegend als touristisches Ereignis, lebendig geblieben. Mit der Entwicklung der nationalen Theaterkulturen in der Renaissance setzte der Verfall des geistlichen Dramas im 16. und 17. Jahrhundert ein. Lediglich in katholischen Ländern entwickelten sich alte Formen, wie die Autos sacramentales in Spanien, weiter, oder es entstanden neue, wie das Jesuitendrama.

Geiztriebe, Geize: Nebentriebe der Sommersprosse von Reben, die aus Blattachselknospen hervorgehen; i. w. S. auch Seitentriebe anderer Pflanzen, zum Beispiel Stabtomate, Tabak.

Gekriech: Geomorphologie langsame Gleitbewegung von feinerdereichem Schutt an Hängen; siehe auch Bodenfließen.

Gekröse, (zu «kraus») Mesenterium: zwischen Bauchwand und Organen beziehungsweise zwischen Organen der Bauchhöhle ausgebildete Bauchfellfalten (Doppelblätter), die der Heranführung von Blut- und Lymphgefäßen sowie Nerven dienen.

Gel: (Kurzwort für Gelatine) halbfeste, gallertartige Masse, die sich bei der Koagulation insbesondere lyophiler Kolloide (zum Beispiel Kieselsäuregel) oder durch Aufquellung makromolekularer Substanzen (Gelatine, Pektin, Stärke) in Wasser oder anderen Quellmitteln bildet. Ein Gel ist ein kolloides Stoffsystem, in dem die dispersen Teilchen durch physikalische oder chemische Wechselwirkungen zu einer Netz- oder Wabenstruktur verbunden sind, die das Quellmittel einschließt.

Gela: Stadt an der Südküste der italienischen Insel Sizilien; 75000 Einwohner; petrolchemische Industrie, Kunststoffherstellung; Kraftwerk; Hafen; Seebad; Museum; antike Stadtmauer, Befestigungsanlagen und Bäder; archäologische Funde.

Geländereduktion: Messwertkorrektur bei Verfahren der Geophysik, insbesondere der Gravimetrie und Magnetik. Dabei werden die Einflüsse der Unebenheiten des Geländes um den Messpunkt herum rechnerisch erfasst und die Messergebnisse auf eine horizontale Ebene bezogen.

Gelatine: aus Knochen und Bindegewebe als Teilabbauprodukt des Kollagens extrahierbares Eiweiß mit hohem Gehalt an den Aminosäuren Prolin, Hydroxyprolin und Glyzin, geringem biologischen Wert, aber ausgezeichnetem Gelbildungsvermögen. Pharmazeutisch wird Gelatine zur Herstellung von Gelatinekapseln verwendet. In Form eines Gelatineschwammes (Gelaspon) dient sie zur örtlichen Blutstillung und Tamponade.

Gelbe Kopftücher: daoistischer Geheimbund unterdrückter Bauern in China im 2. Jahrhundert; ein Aufstand der Gelben Kopftücher 184 in Nordchina gegen Feudalstaat und Großgrundbesitz wurde zwar niedergeschlagen, leitete jedoch den Sturz der Han-Dynastie ein.

Gelbe Presse, Yellow Press: besonders in den USA gebräuchliche Bezeichnung für Skandal- und Sensationsblätter.

gelber Fleck, Macula lutea: Bezirk der Netzhaut, in dem nur Zapfenzellen liegen und der die Stelle des schärfsten Sehens (Fovea centralis) enthält; durch gelbe Pigmentierung ausgezeichnet.

gelber Galt: durch Bakterien (Streptococcus agalactiae) hervorgerufene akut bis chronisch verlaufende Entzündung des Milchgangsystems und des Euterparenchyms des Rindes. Wesentliches Merkmal des gelben Galts ist neben der verminderten Milchleistung die verringerte Milchqualität; wirtschaftlich bedeutsamste Eutererkrankung des Rindes; weltweit verbreitet. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

Gelbes Meer, chinesisch Huang Hai: sehr stark durch Buchten gegliedertes Randmeer des Stillen Ozeans, zwischen der Nordostküste Chinas und der Westküste der Halbinsel Korea, geht nach Süden in das Ostchinesische Meer über; 417000 km2; durchschnittlich 40, maximal 106 m tief; Salzgehalt an den Flussmündungen 26 %, im Südosten 34 %«; die nördlichen Buchten frieren im Winter stellenweise zu; sehr fischreich. Der Name ist abgeleitet von den riesigen schluff reichen Sinkstoffmengen, die der Huang He in das Gelbe Meer transportiert. Wichtige Häfen sind Lüda und Qingdao.

Gelbfieber, Dschungelfieber: durch Gelbfieberviren hervorgerufene und durch Mücken übertragene tropische Infektionskrankheit; Vorbeugung durch Schutzimpfung.

Gelbkörper, Corpus luteum: nach dem Follikelsprung aus dem Rest des Graafschen Follikels entstehender Zellkomplex; Bildungsort der für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wichtigen Gelbkörperhormone (Östrogene und Progesteron), die eine Gelbfärbung bedingen.

Gelbkreuz: im 1. Weltkrieg übliche Bezeichnung für hautschädigende chemische Kampfstoffe, zum Beispiel Yperit.

Gelbrandkäfer, Dytiscus: Gattung der Schwimmkäfer mit bis 4 cm langen Arten; Flügeldecken gelb gerändert; Käfer und Larve leben räuberisch im Wasser. Siehe auch Käfer.

Gelbspötter, Gartenspötter, Hippolais icterina: heimischer 14 cm langer und 15 g schwerer Singvogel lichter Wälder und Parkanlagen, der erst im Mai eintrifft; in den lauten Gesang werden die Laute anderer Vogelarten eingebaut.

Gelbsucht, Ikterus: Gelbfärbung der Haut durch Ablagerung von vermehrt im Blut anfallenden Gallenfarbstoffen; vieldeutiges Krankheitszeichen, zum Beispiel bei erheblich gesteigertem Zerfall roter Blutzellen (Hämolyse), bei Lebererkrankungen (Hepatitis) und bei Abflussbehinderungen in den Gallenwegen durch Steine oder Tumor (Verschlussikterus). Gelbsucht der Neugeborenen. Nach der Geburt kann das Neugeborene die durch den Blutabbau entstehenden Gallenfarbstoffe (Bilirubin) nicht mehr über die Plazenta an die Mutter abgeben. In der Leber wird Bilirubin an Glucuronsäure gekoppelt und dadurch ausscheidungsfähig. Diese Fähigkeit reift erst nach wenigen Tagen aus. Deshalb tritt etwa am 3.Lebenstag ein Bilirubinanstieg mit Gelbfärbung der Haut auf. Die schwere Gelbsucht des Neugeborenen (Icterus gravis) ist Folge einer Blutgruppenunverträglichkeit. Angeborene Leberentzündung und Verschluss der Gallengänge können weitere seltenere Ursachen sein. Bei Tieren führt Gelbsucht zur Gelbfärbung der Schleimhäute, bei hochgradiger Gelbsucht auch des Fleisches. Ursachen sind überstürzter Abbau von Blutfarbstoff bei Anämie, Giftresorption bei Verdauungsstörungen, mechanische Behinderung des Galleabflusses durch Darm- und Leberentzündung.

Gelbwurz, Gelbwurzel, Kurkuma, Curcuma domestica: südasiatische Ingwergewächs mit verzweigtem und verdicktem Wurzelstock; Gewürzpflanze, enthält gelben Farbstoff, ätherisches Öl und Harz; Hauptanteil im Curry.

Geld: («Vergeltung», «Zahlung») die mit der Entwicklung der Warenproduktion und des Warenaustausches sich herausbildende Geldware, deren Funktion darin besteht, die Rolle des allgemeinen Äquivalents zu spielen, das heißt den Wert aller übrigen Waren auszudrücken und den gegenseitigen Austausch der Waren zu vermitteln. Als Geldware dienten verschiedenartige Waren, zum Beispiel Vieh, Salz, Muscheln. Auf Grund ihrer natürlichen Eigenschaften (hoher Wert bei kleinstem Volumen, gute Aufbewahrungsmöglichkeit, beliebige Teilbarkeit unter anderem) setzten sich schließlich die Edelmetalle (besonders Gold) als Geldware durch ökonomische Funktionen des Geldes:

a) Maß der Werte, das heißt alle Waren drücken ihren Wert in Geld aus. Aus dieser Funktion ergibt sich die Rolle als Maßstab der Preise, wobei ein Quantum des Währungsmetalls, das als Währungseinheit fungiert, zum Messen aller Warenpreise dient,

b) Zirkulationsmittel, das heißt Geld ist allgemeiner Vermittler beim Warenaustausch. Es dient beim Kauf und Verkauf einer Ware. Geld in dieser Funktion kann sich vertreten lassen durch bloße Wertzeichen, Geldzeichen, Geldsurrogate; an Stelle der Geldware (Gold) umlaufende Geldersatzmittel (zum Beispiel Scheidemünzen oder Papiergeld).

c) Akkumulationsmittel (Schatzgeld), Geld, das der Reservebildung dient,

d) Zahlungsmittel, das heißt Geld dient der Organisierung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und der Kreditausreichung, wenn Verkauf und Bezahlung auseinanderfallen; aus dieser Funktion entwickeln sich das Kreditgeld (Schuldpapiere, zum Beispiel Wechsel, wenn diese zur Begleichung einer Verbindlichkeit verwendet werden, also Geldfunktionen ausüben) sowie das Giralgeld (Buchgeld), das als Bankguthaben für den bargeldlosen Zahlungsverkehr auftritt.

e) Weltgeld, Geld das in Form des Goldes (Barrengold) als allgemeines Zahlungsmittel (Kaufmittel und Reservefonds) zum Ausgleich der Zahlungsbilanzen im internationalen Wirtschaftsleben fungiert. Das Geld erreicht im Kapitalismus seine höchste Entwicklungsform als Geldkapital. In dieser Form ist es Instrument der Ausbeutung der Werktätigen. Im Sozialismus, wo die Kapitalform des Geldes beseitigt ist, ist es infolge der Existenz der sozialistischen Warenproduktion objektiv notwendig und entfaltet seine Funktionen entsprechend den objektiven ökonomischen Gesetzen der sozialistischen Produktionsweise im Rahmen der Planwirtschaft. Es ist bei der Bildung, Verteilung und Verwendung des gesellschaftlichen Gesamtprodukts und des Nationaleinkommens wirksam, vermittelt die Zirkulation der Waren, dient der Berechnung des gesellschaftlich notwendigen Aufwands sowie der Durchsetzung der wirtschaftlichen Rechnungsführung, der gesellschaftlichen Kontrolle über die Sicherung des volkswirtschaftlichen Leistungsanstiegs; es spielt eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der materiellen Interessiertheit der Werktätigen und ihrer Kollektive zur Senkung der Kosten, zur Steigerung der Arbeitsproduktivität, Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und der Erhöhung der Qualität der Erzeugnisse.

Geldbuße: Erziehungsmaßnahme gesellschaftlicher Gerichte für Verfehlungen und Ordnungswidrigkeiten (10 M bis höchstens 500 M für Vergehen) oder der Volkspolizei für Verfehlungen (bis 300 M).

Gelderland: Provinz in den Niederlanden, zwischen IJsselmeer und Maas; 5010 km2,1,67 Millionen Einwohner; 333 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Arnhem-, Geesthügel (Viehzucht, Fleisch- und Lederindustrie); Flussmarschen (Gemüse- und Obstanbau); Steinsalzbergbau; chemische, Elektro- und Textilindustrie; Erholungsgebiet Veluwe. Gelderland kam 1061 an die Grafen von Nassau und wurde 1339 Herzogtum. 1472 gehörte es zu Burgund, 1543 wurde es den spanischen Niederlanden einverleibt. 1579 schloss sich der Norden der Utrechter Union an, der Süden wurde 1713 beziehungsweise 1815 zwischen Preußen und den Niederlanden geteilt.

Geldkarte: scheckähnlich gestaltetes, nummerngesichertes Bedienungsinstrument für mikroelektronisch gesteuerte Geldautomaten zur Abhebung von Bargeld durch Inhaber und Verfügungsberechtigte von Spargirokonten bei den Zweigstellen der Sparkasse; in der DDR zunächst in Berlin und den Bezirksstädten eingeführt. Geldkarten dienen der Rationalisierung und der Entlastung des Schalterverkehrs.

Geldleistungen: Zahlungen zur Befriedigung von Ansprüchen in Geld im Unterschied zu Sachleistungen. Geldleistungen erhält der Werktätige vom Betrieb als Arbeitslohn (Lohn, Prämie, Ausgleichszahlungen unter anderem), Schadenersatz, Neuerervergütung und so weiter und von der Sozialversicherung als kurz- oder langfristige Barleistungen.

Geldmarkt: kapitalistischer Markt für kurzfristige Kredite; auch Geldverkehr der Banken untereinander.

Geldrente: entwickelte Form der feudalen Grundrente, die der abhängige Bauer an den Feudalherrn zahlen musste. Sie löste die Arbeits- beziehungsweise Produktenrente ab. Im Kapitalismus verwandelt sich die Geldrente in die kapitalistische Grundrente, die der kapitalistische Pächter an den Grundeigentümer abführen muss.

Geldsortiermaschine: Maschine zur Echtheitsprüfung, Sortierung und Zählung von Münzen nach Form, Größe, Schwerpunktlage, Masse und Randprägung. Sortimentsfremde Münzen werden ausgesondert. Der Einsatz von Geldsortiermaschine für Banknoten ist wegen Erkennungsschwierigkeiten kaum möglich.

Geldstrafe: gerichtliche Haupt- oder Zusatzstrafe, deren Höhe 50 M bis 100000 M, bei Straftaten mit erheblicher Gewinnsucht bis 500000 M betragen kann.

Geldumlauf, Geldzirkulation-, die dem Geld durch die Erfordernisse der Warenzirkulation und des Zahlungsverkehrs erteilte Form der Bewegung; unterliegt dem von K. Marx formulierten Gesetz der Geldzirkulation (Geldumlaufgesetz), nach dem die für die Warenzirkulation notwendige Geldmenge gleich sein muss der Preissumme sämtlicher Waren, geteilt durch die durchschnittliche Umlaufanzahl gleichnamiger Geldstücke. Dabei ist von der Preissumme der Waren die Preissumme der auf Kredit gekauften Waren sowie die Summe der sich ausgleichenden Zahlungen abzuziehen und die Summe der fälligen Zahlungen hinzuzuzählen. Im Sozialismus wird das Gesetz der Geldzirkulation durch den Staat der planmäßigen proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft untergeordnet. Der Geldumlauf wird im Sozialismus entsprechend der exakten Trennung zwischen Bargeld und Buch-Geldumlauf durch die Finanzbilanz des Staates, die Kreditbilanz und den Bargeldumsatzplan in Verbindung mit der Bilanz der Geldeinnahmen und -ausgaben der Bevölkerung gesteuert. Dabei wird die Einheit des Geldumlaufs in seinen beiden Sphären gesichert.

Geldzählmaschine: Maschine zum Zählen von unsortierten Münzen und vorsortierten Banknoten.

Gelee: durch Gelierstoffe gallertartig verfestigte («gelierte»), transparente Zubereitung, meist auf der Basis von eingedicktem Fruchtsaft oder Fleischsud.

Gelege: 1. Biologie: Gesamtheit der Eier eines Nestes, zum Beispiel bei Vögeln und Schnecken.

2. Fischereiwesen: der einen See umgebende Gürtel aus Überwasserpflanzen (zum Beispiel Rohr, Schilf, Binsen).

Gelegenheitsdichtung: Literatur, die zu einzelnen bevorstehenden aktuellen Ereignissen geschaffen wird. In früheren Literaturepochen stark verbreitet (zum Beispiel als Geburtstags-, Hochzeits-, Fest- oder Abschiedsgedichte). Trug meist konventionellen Charakter. Gelegenheitsdichtung wurde ebenso von Laien wie von berühmten Dichtern gepflegt (J. W. Goethe, F. Schiller, W. Majakowski). Die Gelegenheitsdichtung sank im 19. Jahrhundert meist zu trivialer Gebrauchsliteratur ab.

Gelenk: 1. Gelenk, Junctura synovialis, Articulatio, Diarthrosis: Anatomie - bewegliche Verbindung zweier oder mehrerer Knochen, deren Enden von Gelenkknorpel überzogen sind und durch Gelenkkapsel und Gelenkbänder zusammengehalten werden; Gelenkschmiere vermindert die Reibung, Gelenkscheiben dienen der besseren Anpassung der entsprechend Knochenenden.

2. Maschinenbau: bewegliche Verbindung zweier Teile mit unterschiedlichem Freiheitsgrad. Einfache Gelenk (Schwenkbewegung um eine Achse) sind das Achsen- und Gabelgelenk, das Kugelgelenk (Auslenkung in mehreren Richtungen, jedoch mit eingeschränktem Winkelbereich) besteht aus Kugel und Pfanne. Das Kreuzgelenk (Kardangelenk, Schwenkbewegungen um 2 Achsen mit meist großem Schwenkwinkel) besteht aus 2 Gabeln und einem Achsenkreuz. Beim Kugel-Kreuzgelenk, mit gleichen Freiheitsgraden wie beim Kreuzgelenk, sind die Gabeln teilbar ausgeführt und tragen Bolzen, die in die Bohrungen der Kugel eingreifen. Das Kreuzgelenk kann auch zur Drehmomentübertragung von einer Welle zu einer unter einem Beugungswinkel geneigten Welle eingesetzt werden, wobei sich die Drehachsen schneiden müssen und sich eine Ungleichförmigkeit der Drehbewegung beim Abtrieb ergibt; Kompensation erfolgt durch ein zweites Kreuzgelenk bei gleicher Gabelstellung im Verbindungsglied. Bei kleiner Auslenkung (Beugungswinkel) setzt man auch Gummischeibengelenk ein, bei denen jedes Wellenende eine Scheibe mit 3 gleichmäßig auf dem Umfang verteilten achsparallelen Zapfen besitzt, die in eine mit 6 Bohrungen versehene Gummizwischenscheibe greifen.

Gelenkentzündung, Arthritis: akuter oder chronischen Reizzustand eines oder mehrerer Gelenke (Polyarthritis), mit Gelenkerguss verbunden und häufig über Kapselschrumpfung und Knorpelschwund zu Funktionseinschränkungen führend.

Gelenkerguss: Flüssigkeitsansammlung in einem Gelenk. Der Gelenkerguss kann blutig, serös, fibrinös oder eitrig sein und nach Unfall, Gelenkentzündung oder bei degenerativen Gelenkleiden auftreten.

Gelenkleiden, Arthropathie, Arthrose: Abnutzungsschaden eines Gelenkes durch Alterung oder vorzeitig durch Gelenkfehlbildung, Stoffwechselstörungen, chronischen Überlastung (Übergewicht, Beruf, Sport), auch nach ungünstig verheilten Knochenbrüchen unter anderem. Das Gelenkleiden verursacht Schmerzen, Reibegeräusche, Schwellung und führt zu Bewegungseinschränkung.

Gelenkmaus: freier Körper in einem Gelenk, entsteht durch Abstoßung eines Knorpelknochenstückes der Gelenkflächen auf Grund traumatischer Ursachen oder angeborener Entwicklungsstörungen.

Gelenkmechanismus: in mechanischen mathematischen Geräten verwendeter, durch gelenkig verbundene Stangen gebildeter Mechanismus. Mittels Antriebs in Bewegung gesetzt, beschreiben gewisse Punkte im Getriebe ganz bestimmte, gewünschte Bahnen.

Gelenkverbinder: Verbindung der Fachwerkstäbe weitgespannter Holzbinder, deren Stäbe zur Vermeidung von Nebenspannungen gelenkig angeschlossen sind.

Gelenkwagen, Gelenkwagenzug: lange, zusammengesetzte Fahrzeuge mit Drehgestellen und mit gelenkartiger Verbindung der einzelnen Wagenkästen, im städtlichen Nahverkehr (Straßenbahn, Autobus, O-bus) wegen des großen Fassungsvermögens vorteilhaft.

Geleucht: unter Tage verwendete Leuchte. Das übliche tragbare Geleucht ist die elektrische Grubenlampe, die an der Hand oder an der Kopfbedeckung getragen wird. Für besondere Arbeiten werden tragbare Starklichtleuchten verwendet, die eine größere Leistung, aber auch eine größere Masse haben. Elektr. Geleucht muss in Gruben, die durch brennbare Gase gefährdet sind, schlagwettergeschützt ausgeführt sein. In Gruben, die nicht durch brennbare Gase oder Kohlendioxid gefährdet sind, werden noch Ethinlampen als offenes Geleucht verwendet. Nicht als Geleucht zugelassen ist dagegen die Benzinwetterlampe, die früher zum Ableuchten diente und durch eine sich bildende Aureole auf Vorhandensein und Intensität schlagender Wetter schließen üeß. Ferner gibt es tragbares Geleucht mit radioaktiven Lichtquellen. In Gruben mit Druckluftnetzen findet man vereinzelt die Druckluftleuchte vor. Außerdem gibt es das ortsbewegliche und ortsfeste netzgespeiste Geleucht

Gelibolu, Gallipoli: Halbinsel im europäischen Teil der Türkei, zwischen den Dardanellen und dem Golf von Saros im Ägäischen Meer; 900 km2, 90 km lang, bis 19 km breit; flachwelliges, bis 300 m ansteigendes Hügelland mit stark zerschluchteten Rändern; vorherrschend Steppe; auf der Dardanellenseite die Hafenstadt Gelibolu Im 1. Weltkrieg als Schlüsselstellung zu den Dardanellen 1915/16 erbittert umkämpft.

Gelleri, Andor Endre, 30.3.1907 bis 5.5.1945, ungarischer Schriftsteller; schuf in seinen Romanen («Großwäscherei », 1931, deutsch) und Novellen (dt. Auswahl «Zauberer, hilf!», 1979) eine Märchenwelt, in der sich reale menschliche Tragödien abspielen und Phantasie und Wirklichkeit sich miteinander verflechten.

Geliert: 1. Christian Fürchtegott, 4.7.1715 bis 13.12.1769, Schriftsteller; trug als erster wirklich volkstümlicher bürgerlicher deutscher Dichter mit «Fabeln und Erzählungen» (1746/48) und «Geistlichen Liedern und Oden» (1757) zur Entwicklung bürgerlichen Denkens bei. Im ersten deutschen moralischen Familien-, roman (in Briefen) «Das Leben der schwedischen Gräfin von Geliert» (1747/48) und in seinen Lustspielen verherrlicht Geliert bürgerliche Tugend.

2. Johannes F. (Fürchtegott), geboren 4.10.1904, Geograph; 1951/70 Professor an der Pädagogische Hochschule «Karl Liebknecht», Potsdam; arbeitete insbesondere auf dem Gebiet der physischen und regionalen Geographie (zahlreiche Werke) und erwarb sich große Verdienste bei der Heran- und Weiterbildung von Geographielehrern.

Gellius, Aulus, um 130 nach Christus, römischer Schriftsteller; sein Sammelwerk «Noctes Atticae» (Attische Nächte) vereint Wissensstoff aus vielen Bereichen zur Unterhaltung und Belehrung in loser Reihung und angenehmer Form.

Gell-Mann, Murray, geboren 15.9.1929; US-amerikanischer Physiker; arbeitete über Physik der Elementarteilchen, insbesondere deren Symmetrieeigenschaften und schlug 1964 die Einführung der hypothetischen 1 Quarks vor.

Gelon, um 540-478 vor Christus, Tyrann von Gela (Sizilien) 491/485 und seit 485 von Syrakus. Nach seinem Sieg über die karthagische Armee bei Himera (480) wurde er zum König ausgerufen.

Gel-Permeation: Verfahren zur Trennung hochmolekularer Stoffe verschiedener Molekülgröße. Die Gel-Permeation beruht auf der unterschiedlichen Wanderungsgeschwindigkeit der Bestandteile durch eine in einem senkrechten Rohr befindliche Schüttung von Gelkörnern mit Poren von einheitlichem Durchmesser. Kleinere Moleküle wandern infolge ihres Eindringens in die Poren langsamer durch die Säule als größere, so dass sich damit zum Beispiel Polymeren Kombinationen, Enzyme, Hormone und Vitaminkomplexe analysieren, anreichern oder trennen lassen.

Gemeineigentum: 1. kollektives Eigentum einer zu einem Gemeinwesen zusammengeschlossenen Gruppe von Menschen, zum Beispiel der Gentil-Gemeinschaft, Dorfgemeinschaft oder Markgenossenschaft.

2. in kapitalistischen Staaten häufig verwendete Bezeichnung für das nach kapitalistischen Grundsätzen verwaltete Eigentum des Staates, der Städte und Gemeinden oder das Eigentum gesellschaftlicher Organisationen der Arbeiterklasse.

Gemeiner Pfennig: Reichssteuer im Heiligen römischen Reich Deutscher Nation (besonders im 15. Jahrhundert) zur Finanzierung eines Reichsheeres. Seine Erhebung (zuletzt 1495) scheiterte meist am Widerstand der zahlungsunwilligen Reichsstände.

Gemeines Recht: das in Deutschland seit Ende des Mittelalters vor allem auf dem Corpus iuris civilis beruhende allgemeines Reichsrecht; galt in Deutschland subsidiär (hilfsweise) bis 1900, soweit nicht (wie zum Beispiel in Gebieten des Preußischen Allgemeinen Landrechts) partikuläres Landesrecht galt.

Gemeingläubiger: Bezeichnung des Gläubigers im Konkurs des Schuldners.

Gemeinjahr: Jahr mit normaler Anzahl der Tage oder Monate; siehe auch Kalender 2.

Gemeinkosten: Sammelbegriff für alle Kosten, die im Betrieb für die Beschaffung des Materials, den Absatz der Fertigerzeugnisse und Leistungen sowie für die Leitung, Verwaltung und Betreuung entstehen sowie alle nichtplanbaren Kostenarten. Gemeinkosten entstehen außerhalb des technologischen Prozesses (nichttechnologische Kosten).

gemeinsamer Markt: in verschiedenen Formen (Freihandelszonen, Zollunion und so weiter) angestrebter Zusammenschluss mehrerer nationaler Märkte zu einem Markt mit binnenmarktähnlichen Verhältnissen durch die Herstellung weitgehender Freizügigkeit der Waren-, Kapital- und Arbeitskräftebewegungen auf der Basis zwischenstaatlicher Verträge.

Gemeinschaft: 1. Gemeinschaft, Organismengemeinschaft, Zönose (griechisch) Biologie: Kollektiv von Tier- und Pflanzenarten, das ein Zonotop besiedelt; in der Synökologie verwendeter allgemeiner Begriff ohne genauere Bezeichnung der Zönose.

2. Zivilrecht: vertraglicher Zusammenschluss von Bürgern, um zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen durch Arbeitsleistungen und materielle Mittel Einrichtungen und Anlagen für kollektive oder individuelle Nutzung (zum Beispiel Garagen) zu schaffen und zu unterhalten. Der Vertrag bedarf der Schriftform und ist dem zuständigen staatlichen Organ zur Registrierung vorzulegen. Die Partner haften für Verpflichtungen Dritten gegenüber als Gesamtschuldner.

gemeinschaftliches Eigentum: Eigentum an Grundstücken, Gebäuden oder anderen Sachen, das mehreren Eigentümern zu bestimmten rechnerischen Anteilen (Quoten) als Miteigentum oder nur in ihrer Gesamtheit als Gesamteigentum zusteht,

gemeinschaftliches Testament: von Ehegatten gemeinsam errichtetes Testament, in dem sich die Ehegatten gegenseitig als Erben einsetzen, Nachkommen oder andere als Erben des zuletzt verstorbenen Ehegatten bestimmen können und so weiter; der überlebende Ehegatte kann über den Nachlass frei verfügen (früher auch als «Berliner Testament» bezeichnet). Der einseitige Widerruf bedarf zu Lebzeiten beider Ehegatten der notariellen Beurkundung, der Widerruf des überlebenden Ehegatten der gleichzeitigen Ausschlagung der Erbschaft. Das gemeinschaftliche Testament wird durch Scheidung der Ehe unwirksam.

Gemeinschaftsanschluss: Fernsprechteilnehmeranschluss, der mit anderen Rufnummernanschlüssen (zum Beispiel im gleichen Gebäude) eine gemeinsame Anschlussleitung zum Amt aufweist. Der Gemeinschaftsanschluss wird als Zweier- oder Zehneranschluss hergestellt und ermöglicht eine bessere Ausnutzung der Anschlussleitung. Teilnehmer des Gemeinschaftsanschluss können nicht gleichzeitig und nicht miteinander fernsprechen. Gemeinschaftsarbeit,

gemeinwirtschaftliche Unternehmen: bürgerliche Bezeichnung für Betriebe oder Unternehmen, die Eigentum des Staates, der Städte und Gemeinden, aber auch der Gewerkschaften, Genossenschaften oder Kirchen sind. Das staatliche kapitalistische Eigentum in der Industrie, im Verkehrswesen und im Versorgungsbereich hat im Imperialismus die Funktion, günstigste Verwertungsbedingungen für die großen Monopole zu sichern. Das geschieht unter anderem durch die Übernahme solcher Betriebe in staatlicher Regie, die zwar vom Standpunkt des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses notwendig, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht unmittelbar oder nur beschränkt profitabel sind.

Gemenge, Gemengesaat: im Unterschied zur Reinsaat der gleichzeitige Anbau zweier oder mehrerer Fruchtarten zur Körner- oder Grünfuttergewinnung auf demselben Schlag. Gemenge sind meist ertragssicherer als Reinsaat.

Geminata: Doppelkonsonant, der als 2 Konsonanten artikuliert wird, zum Beispiel italienisch anno (gesprochen anno; «Jahr»), Den Vorgang zur Bildung von Geminata bezeichnet man als Gemination,

Gemini: 1. Astronomie: Zwillinge.

2. Gemini: Raumfahrt - Bezeichnung für zweisitzige Raumfahrzeuge der USA; 1965/66 insges. 10 bemannte Flüge (G. 3 bis Gemini 12). Dabei erfolgten Ausstiegs- und Rendezvousmanöver. Das Gemini-Programm diente auch der Vorbereitung der Flüge von Apollo-Raumfahrzeugen im Rahmen des Mondlandeprogramms der USA.

Geminiden: Meteorstrom aus der Richtung des Sternbildes Zwillinge.

Gemischbildung: Bildung des Kraftstoff-Luft-Gemisches in Verbrennungskraftmaschinen beziehungsweise des Brennstoff-Oxydator-Gemisches in Flüssigkeitsraketen. Man unterscheidet äußere Gemischbildung durch Vergaser beim Ottomotor und innere Gemischbildung durch Einspritzen des Kraftstoffes mittels Einspritzdüse in den Brennraum des Zylinders beim Dieselmotor.

gemischtwirtschaftliche Unternehmen: bürgerliche Bezeichnung für Unternehmen, in denen staatliches und privates Kapital gemeinsam angelegt ist. Im staatsmonopolistischen Kapitalismus sind gemischtwirtschaftliche Unternehmen eine Form der Verschmelzung von Staat und Monopolen sowie der beschleunigten Konzentration und Zentralisation des Kapitals.

Gemme: Edel- oder Halbedelstein mit geschnittener bildlicher Darstellung; Erzeugnis der Steinschneidekunst (Glyptik). Als Intaglio (versenktes Bild) zum Abdrücken in Wachs oder Ton bestimmt (häufig in Siegelringen), als Kamee (erhabenes Bild) selbständiges oder kunsthandwerklich verarbeitetes Schmuckstück. Die frühesten Gemme sind mesopotamische Siegelzylinderische Höhepunkte der Steinschneidekunst: antikes Griechenland, römische Kunst der Kaiserzeit, Renaissance und Klassizismus.

Gemsen, (Rupicapra rupicapra): zur Unterfamilie der Böcke gehörende Gebirgstiere, die in Rudeln leben; vorzügliche Felskletterer; ernähren sich von Gräsern, Flechten und Moos. Im westlichen Nordamerika die Schnee-Gemsen oder Schneeziege (Oreamnos americanus) mit langhaarigem, schneeweißem Fell; in Eurasien die Gemse (Rupicapra rupicapra) mit hakig nach hinten gebogenem Gehörn in beiden Geschlechtern.

Gemswurz, Doronicum: Gattung der Korbblütler mit gelben Blüten, in alpinen Hochstaudenfluren und Gerollen vorkommend. Doronicum orientale ist ein beliebter Frühjahrsblüher des Gartens.

Gemüse: Sammelbegriff für frische krautige Pflanzen, beziehungsweise Teile von ihnen, die als Nahrungs- und Würzmittel zur Ergänzung der energieliefernden Nahrung dienen. Auf der Erde werden etwa 1200 Pflanzenarten als Gemüse genutzt, bei uns sind etwa 50 Arten gebräuchlich. Der Wert des Gemüses besteht vorwiegend im Gehalt an Vitaminen (besonders Vitamin C und Provitamin A), Mineral-, Geschmacksstoffen und Rohfaser sowie dem geringen Energiegehalt. Für eine hochwertige Ernährung ist ein Gemüseverbrauch von 90 bis 100 kg pro Person im Jahr erforderlich, besonders wertvoll ist der Rohverzehr. Es werden unterschieden Kohlgemüse (Blumenkohl, Kopfkohl, Rosenkohl unter anderem), Wurzelgemüse (Möhre, Sellerie, Radies unter anderem), Zwiebelgemüse (Zwiebel, Porree), Blattgemüse (Kopfsalat, Spinat unter anderem), Stielgemüse (Spargel, Rhabarber), Fruchtgemüse (Erbse, Bohne, Gurke, Tomate unter anderem). Gemüse wird im Freiland produziert (Freilandgemüse) oder in Gewächshäusern u. a. zur Pflanzenproduktion geeigneten Räumen (G. unter Glas und Plasten).

Gemüsejungpflanzenanzucht: bei einigen Gemüsearten erster Abschnitt des Anbauverfahrens bis zur Pflanzung. Gemüsejungpflanzenanzucht ermöglicht effektivere Nutzung der Anbauflächen, Verfrühung der Ernte, Anbau frostempfindlicher Arten im Freiland. Gemüsejungpflanzenanzucht ist mit oder ohne Ballen möglich. Siehe auch Ballenpflanze.

Gemütskrankheiten, Affektpsychosen: psychische Krankheiten, die vorwiegend die Stimmung und das Gemüt betreffen. Bei Depressionen und Manien treten Verstimmungen periodisch wiederkehrend auf.

Gen: funktionelle Einheit der Vererbung (Erbanlage); DNS-Abschnitt von spezifischer Länge und mit spezifischer Basensequenz, der die Information für ein Polypeptid oder eine RNS enthält Gen können sich identisch reproduzieren (Replikation) und verändern (Mutation). Die meisten Gen sind in den Chromosomen lokalisiert.

genant: peinlich, unangenehm.

Genauigkeit: Eigenschaften eines Messmittels, die seine Eignung zur Anzeige einer Messgröße in Übereinstimmung mit ihrem wahren Wert charakterisieren. Quantitativ beschreibt man die Genauigkeit zum Beispiel durch die Fehlergrenzen oder die Messunsicherheit.

Genau-Schneiden: Schneidverfahren zum Erzielen sehr sauberer, glatter, zur Oberfläche senkrechter Schnittflächen an Blechteilen, insbesondere solchen für die Feinwerktechnik. Man unterscheidet mit unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten Nachschneiden mit mindestens 2 und Feinschneiden mit nur einem Arbeitsgang.

Genbank: Einrichtung, die der Sammlung, Erhaltung und Nutzung sowie dem Saatgut- und Pollenaustausch, also dem Austausch von Genmaterial, von bestimmten, züchterisch wichtigen Pflanzenarten dient.

Gendarm: («bewaffnete Leute») veraltend für Polizist, Landjäger.

Genealogie: Wissenschaft von den auf Abstammung beruhenden Zusammenhängen zwischen Menschen; dient der Geschichtswissenschaft, der Soziologie, Statistik unter anderem als historische Hilfswissenschaft. Sie gliedert sich in theoretischer Genealogie (Erforschung von Gesetzmäßigkeiten) und darstellende Genealogie (Untersuchung einer Person, einer Familie, eines Geschlechts).

Genehmigung: Zivilrecht nachträgliche Zustimmung eines Dritten oder staatliche Zustimmung zu einem Vertrag oder sonstigen Rechtsgeschäften, die zu deren Wirksamkeit erforderlich ist. Siehe auch Einwilligung 2.

geneigte Ebene, schiefe Ebene: einfache Vorrichtung zum Heben von Lasten. Um die Last um die Höhe h zu heben, ist eine ihrer Gewichtskraft gleiche Kraft G nötig; hingegen reicht auf der geneigten Ebene bei Vernachlässigung der Reibung die Kraft F = G sin a aus. Die Arbeit ist jedoch in beiden Fällen gleich Gft, da im zweiten Fall der längere Weg A/sin a zurückgelegt werden muss.

Genelli, Bonaventura, 28.9.1798 bis 13.11.1868, klassizistischer Maler und Zeichner italienischer Herkunft. In der Nachfolge von A. J. Carstens und durch die antike Kunst inspiriert, schuf Genelli mythologische Gemälde und entwickelte in Umrisszeichnungen, unter anderem zu Werken von Homer und Dante Alighieri, eine ausgewogene Linienkunst.

Generalauftragnehmer, Abkürzung GAN: Betrieb oder Projektierungseinrichtung, dem beziehungsweise der auf vertragliche Basis vom Investitionsauftraggeber die Durchführung (evtl. auch Teile der Vorbereitung) eines kompletten Investitionsvorhabens verantwortlich übertragen wird.

Generalbass, Basso continuo, Abkürzung B. c.: instrumentale Grundstimme, die das harmonische Geschehen das ganze Stück hindurch bestimmt; war im 17./18. Jahrhundert (Generalbass Zeitalter) die herrschende Notierungs- und Aufführungspraxis, bei der außer der Melodiestimme nur die Bassstimme in Noten aufgezeichnet wurde, während die Mittelstimmen durch den Spieler akkordisch ergänzt wurden. Zur Anleitung der mehr oder weniger freien (improvisatorischer) Ausführung wurde die Bassstimme mit Ziffern (bezifferter Bass) notiert. Als Generalbassinstrumente dienten Cembalo, Orgel, Laute, Violoncello unter anderem.

Generalbebauungsplan: für eine größere administrative Einheit (zum Beispiel Bezirk) perspektivisch festgelegter umfassender Bebauungsplan; koordiniert die geplanten Baumaßnahmen mit der Entwicklung der Standortverteilung der Produktivkräfte. Siehe auch Flächennutzungsplan, Generalverkehrsplan.

Generalgouvernement: Bezeichnung für den östlichen Teil des vom faschistischen Deutschland 1939 rechtswidrig okkupierten Polens, Hauptstadt Krakau (Krakow). Das Generalgouvernement hatte vor allem Arbeitskräfte für die faschistische Kriegswirtschaft zu liefern und war Schauplatz brutalster Unterdrückungs- und Ausrottungsmethoden des deutschen Faschismus gegen das polnische Volk.

Generalisierung: 1. Erkenntnistheorie: Verallgemeinerung.

2. Kartographie: Methode zur Vereinfachung der Wiedergabe der geographischen Wirklichkeit auf einer Karte und zur Entwicklung einer kleinmaßstäbigen Karte aus einer großmaßstäbigen Generalisierung erfolgt durch charakterisierende Verallgemeinerung. Sie schließt Vereinfachung und Auswahl der darzustellenden Inhaltselemente ein und steht in engem Zusammenhang mit der Zweckbestimmung beziehungsweise dem Nutzerkreis der jeweiligen Karte.

3. Logik: Übergang von einer Aussageform H(x) zu «für alle x: H(x)».

4. Generalisierung, Generalisation: Medizin - Ausbreitung einer zunächst örtlich begrenzten Erkrankung auf den ganzen Organismus oder auf ein Organsystem, zum Beispiel generalisierter Lymphknotenbefall.

Generalität: 1. Allgemeinheit.

2. Gesamtheit der Generale.

Generalklausel: Rechtsnorm mit unbestimmten, der nachträglichen Auslegung vorbehaltenen Verhaltensanforderungen; ermöglicht variierende, sich wechselnden Anwendungsbedingungen anpassende Auslegung, jedoch unter Umständen auf Kosten der Rechtssicherheit.

Generalpause: die in einer Komposition für alle Stimmen gleichzeitig geltende Pause; durch Fermate oder die Abkürzung (G. P.) bezeichnet.

Generalprojektant: Projektierungseinrichtung, die vom Investitionsauftraggeber vertraglich mit der Erarbeitung der Vorbereitungs- und Ausführungsunterlagen für ein Investitionsvorhaben einschließlich der Koordinierung der Teilprojekte und anderer erarbeiteter Projektteile beauftragt wird, sofern kein Generalauftragnehmer eingesetzt wurde.

Generalreparaturen: Großreparaturen beziehungsweise Hauptinstandsetzungsmaßnahmen an Grundmitteln (Anlagen), die in Verbindung mit der komplexen Wiederherstellung ihrer technischen Nutzungsfähigkeit auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit durch Modernisierung (zum Beispiel von Bauteilen, Aggregaten, Baugruppen) beziehungsweise auf die Verlängerung der Einsatzfähigkeit gegenüber der normativen Nutzungsdauer gerichtet sind.

Generalstaaten: 1. im 15. Jahrhundert/1579 die vom burgundischen Herzog, später vom spanischen Statthalter einberufene Versammlung der Vertreter der Stände aller niederländischen Provinzen.

2. 1579/1787 oberstes Organ und 1581/1795 auch Bezeichnung der Utrechter Union beziehungsweise der Republik der Vereinigten Niederlande.

3. seit 1815 Bezeichnung für das niederländische Parlament.

Generalsuperintendent: führender Geistlicher der Berlin-Brandenburgischen Kirche.

Generalverkehrsplan: wichtiger Bestandteil der langfristigen Gebietsplanung zur Gestaltung der komplexen Entwicklung der Verkehrsstruktur, der Verkehrsträger und Verkehrsanlagen. Der Generalverkehrsplan muss in den Städten mit dem Generalbebauungsplan abgestimmt werden.

Generalversammlung, Hauptversammlung: Gesellschafterversammlung, Mitgliederversammlung der AG, GmbH und einiger Genossenschaften. Die Generalversammlung beschließt insbesondere über die Geschäftspolitik, wobei sich regelmäßig die Interessen des Großkapitals durchsetzen.

Generalvollmacht: umfassende Vollmacht, mit der die Befugnis zur Vertretung beim Abschluss grundsätzlich aller Arten von Verträgen und sonstigen Rechtsgeschäften begründet wird.

Generation: 1. Gesamtheit der zur selben Zeit lebenden Menschen.

1. Gemeinschaft der ungefähr Gleichaltrigen mit gleichen geschichtlichen Erfahrungen und Traditionen.

2. Zeitabschnitt von etwa 30 Jahren.

3. in der Geschlechterfolge rück- oder vorwärts jedes einzelne Glied (Großeltern, Eltern; Kinder, Enkel).

Generationsintervall: Tierzucht Intervall zwischen 2 aufeinander folgenden Generationen; gerechnet am mittleren Alter der Mütter und Väter bei der Geburt der für die Weiterzucht verwendeten Nachkommen.

Generationswechsel: häufig mit äußerem Gestaltwandel und Kernphasenwechsel verbundener Wechsel zwischen unterschiedlichen Fortpflanzungstypen. Primärer Generationswechsel ist regelmäßiger Wechsel zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Generation (Moose, Farne), sekundärer Generationswechsel Wechsel zwischen einer sich geschlechtlich fortpflanzenden Generation und einer oder mehreren sich ungeschlechtlich vermehrenden Generationen (Metagenese zum Beispiel Wechsel zwischen Meduse und Polyp). Als Heterogonie wird der Wechsel zwischen sich eingeschlechtlich (parthenogenetisch) und zweigeschlechtlich fortpflanzenden Generationen bezeichnet (zum Beispiel Wasserflöhe, Blattläuse).

Generation von 1898: Gruppe spanischer Intellektueller und Schriftsteller, die nach der Niederlage Spaniens im Krieg gegen die USA 1898 und in einer allgemeinen Krise zu einer Sichtung und Neubewertung der spanischen Geschichte und ihrer Folgen strebte. Auf Grund der vorherrschenden Resignation verurteilte sich diese Bewegung faktisch zu politischen Ohnmacht, entwickelte jedoch neue kritische und theoretische Haltungen des Autors gegenüber der Literatur. Hauptvertreter der Generation von 1898 waren M. de Unamuno, P. Baroja y Nessi, Azorin, A. Machado y Ruiz, R. Maeztu y Whitney, J. Benavente, R. M. del Valle-Inclän unter anderem.

generativ: geschlechtlich, keimbildend; die Zeugung betreffend; siehe auch Fortpflanzung.

generative Grammatik: Grammatiktheorie, die Sätze nach festen Regeln als Ketten erzeugt (mit oder ohne Strukturbeschreibung). Generative Grammatik sind unter anderem die Phrasenstrukturgrammatik und die Transformationsgrammatik. Die generative Grammatik wurde entwickelt, um die Fähigkeit der Sprachbenutzer zu modellieren, mit endliche Mitteln eine unendliche Menge von Sätzen zu bilden und zu verstehen.

Generator: 1. Elektronik: Gerät zur Erzeugung elektrischer Wechselspannungen oder -ströme mittels elektronischer Oszillatorschaltung. Ein Generator für Mess-, Prüf- und Kontrollzwecke erlaubt im Allgemeinen die Einstellung beziehungsweise Steuerung seiner Signalparameter (zum Beispiel Frequenz, Pulsfrequenz, Amplitude, Impulsdauer) sowie die Modulation des erzeugten Generatorsignals.

2. Elektrotechnik: a) rotierende elektrische Maschine zum Umformen mechanischer in elektrische Energie, veraltet auch Dynamo genannt;

b) in der Hochspannungstechnik: Maschine oder Anlage zum Erzeugen hoher Spannungen (Hochspannungsgenerator), zum Beispiel Bandgenerator (Van-de Graaf-Generator), Stoßgenerator (Stoßanlage).

3. Verfahrenstechnik: Gasgenerator.

Generatorgas: giftiges, durch Vergasen fester Brennstoffe mit Luft oder Luft-Wasserdampf im Generator bei 1000 bis 1500 °C gebildetes Heiz- (dann auch Luftgas genannt) und Synthesegas. Es besteht aus Stickstoff (bis 60 %) und Kohlenmonoxid (bis 30 %) sowie Wasserstoff, Kohlendioxid und geringen Mengen Kohlenwasserstoffen.

Generatorpotential, Rezeptorpotential: die als Reizantwort messbare, lokale, graduell depolarisierende Membranpotentialänderung primärsensorische Sinneszellen (Rezeptoren), die eine Folge fortgeleiteter Aktionspotentiale verursacht. Das Generatorpotential spiegelt die Intensität (Amplitude), Anstiegssteilheit und Dauer des Reizes wider, die an der afferenten Nervenfaser in Impulsdichten umcodiert werden.

generös: großmütig; freigebig.

Genese: Entstehung, Entwicklung, zum Beispiel einer Krankheit.

Genesis: (griechisch, «Entstehung») 1. das 1. Buch Mose im Alten Testament, benannt nach den beiden Schöpfungsberichten, mit denen es beginnt.

2. poetische Bearbeitung der Genesis 1;

a) altsächsisches Genesis (um 830), in stabreimenden Langzeilen, bruchstückhaft überliefert;

b) Wiener Genesis (um 1070), Epos in Reimpaaren, lehrhafter Stil;

c) Millstätter Genesis (um 1120/30), Neubearbeitung der Wiener Genesis.

Genesung, Rekonvaleszenz: Erholungsphase nach Abklingen der erkennbaren Krankheitserscheinungen bis zur völligen Gesundung.

Genet, Jean, geboren 19.12.1910, französischer Schriftsteller; verarbeitete Erfahrungen seiner stark asozialen Lebensgeschichte zu unkritischen, aber von hoher Sprachkultur getragener Verherrlichung des Amoralismus, zum Beispiel «Tagebuch eines Diebes» (1949, deutsch); im Spätwerk deuten sich Wandlungen an.

Genetik, Vererbungslehre: Teilgebiet der Biologie; befasst sich mit Vererbung und Variabilität. Die Genetik untersucht Phänologie und Physiologie dieser Erscheinung (Klass. Genetik) und deren molekulare Grundlagen, wie Natur des genetischen Materials, dessen Replikation und die Realisierung der genetischen Information sowie die Prozesse, die zu Rekombination und Mutation führen (Molekulargenetik). Die Populationsgenetik beschreibt mit mathematischer Terminologie die genetischen Zusammensetzung einer Population und deren Evolution als Konsequenz von Vererbung und verändernden Faktoren (insbesondere Mutation und Selektion). Eine Unterteilung ist auch auf Grund des Untersuchungsobjekts möglich (zum Beispiel Human-, Mikrobengenetik).

genetische Drift: Zufallsfaktor in der Zusammensetzung der genetischen Information in kleinen Populationen, oft maßgeblicher Faktor der Evolution; siehe auch Zufall.

genetische Information, Erbinformation: die als Basensequenz der DNS (bei einigen Viren RNS) vorliegende materielle Grundlage für die (in Wechselwirkung mit äußeren Faktoren) Ausprägung des Phänotyps eines Organismus,

genetische Manipulation: gezielte Veränderung der Erbinformation. Bei Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren Weg zur Erzielung angestrebter Eigenschaften. Beim Menschen ist eine genetische Manipulation gegenwärtig noch nicht möglich, aber als Gen-Therapie bei bestimmten Erbkrankheiten in Zukunft denkbar, wobei in jedem Einzelfall menschenfeindliche Zielstellungen ausgeschlossen sein müssen. Beim Menschen wird die humangenetische Beratung (humangenetische Beratungsstellen) auf lange Sicht die effektivste Möglichkeit der Verhinderung von Erbkrankheiten in der Folgegeneration sein.

genetischer Kode: bei allen Organismen verwendeter Schlüssel zur Übersetzung der genetischen Information in die Aminosäuresequenz der Proteine. Jeweils 3 aufeinanderfolgende Nukleotide bilden ein Kodon (Nukleotid-Triplett) und enthalten die Information für eine Aminosäure. Siehe auch Genwirkung.

Genette, Ginsterkatze, Genetta genetta: in Nordafrika und Südwesteuropa verbreitete, bis 50 cm lange Schleichkatze mit fast körperlangem Schwanz; jagt nachts Kleintiere.

Genever: besonders in den Niederlanden übliche Getreidebranntwein, der durch gemeinsame Destillation von Wacholderbeeren und stark aromatischen Kornbrand hergestellt wird, und bei dem gegenüber Gin oder Steinhäger ein stärkerer Malzgeschmack hervortritt.

Genezareth, See von, See von Tiberias, arabisch Bahr at-Tabarije: Süßwassersee im Syrisch-Jordan. Graben, an der israelisch-syrischen Grenze, vom Jordan durchflossen; 212m u. M., 200 km2, bis 48 m tief; sehr fischreich; Ausgangspunkt für die Jordan-Negev-Wasserleitung; von neun umliegenden Städten des Altertums nur noch Tiberias am Westufer erhalten.

Genf, französisch Genève: 1. Kanton im äußersten Südwesten der Schweiz, am Genfer See; 282 km2, 350000 überwiegend französisch sprechende Einwohner; 1241 Einwohner/km2; Hauptstadt Genf 2; größtenteils von französischem Gebiet umgebenes Hügelland mit sehr mildem Klima (Lorbeerbäume; Obst-, Gemüse-, Weinbau); Flusskraftwerke.

2. Hauptstadt von Genf 1, am Ausfluss der Rhône aus dem Genfer See; 160000 Einwohner, darunter zahlreiche Ausländer, Mittelpunkt der französischen Schweiz, Handels- und Finanzzentrum, Agglomerationskern mit vielseitiger Industrie, besonders am rechten Rhoneufer konzentriert (Industriegebiet St. Gervais); Maschinenbau, Metallwaren-, feinmechanische, elektronische, Uhren-, Schmuck-, Zigaretten- und Schokoladenindustrie; im Nordwesten internationaler Flughafen Cointrin; Universität (seit 1559), kernphysikalisches Institut in Meyrin bei Genf; Museen, Theater, Reformationsdenkmal, Kathedrale St. Pierre (ab 12. Jahrhundert); Fremdenverkehr. Am linken Ufer der Arve industriereicher Vorort Carouge. In urgeschichtlicher Zeit Pfahlbauten; später römische Civitas; im Mittelalter bedeutende Handelsstadt des Herzogtums Savoyen (Messen); seit 1526 Schutzbündnis mit der Eidgenossenschaft, aber erst 1815 Kanton. Durch die Tätigkeit Calvins im 16. Jahrhundert Zentrum der Reformation.

Genfer Konventionen: Kurzbezeichnung für 4 multilaterale völkerrechtliche Abkommen, die am 12.8.1949 in Genf unterzeichnet wurden. Sie beinhalten die Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde und zur See (auch Schiffbrüchige), die Behandlung der Kriegsgefangenen, den Schutz von Zivilpersonen im Kriege unter anderem bewaffneten Konflikten.

Genfer See, französisch Lac Léman: von der Rhône durchflossener Alpensee im Südwesten der Schweiz, im Süden zu Frankreich gehörend (etwa 40 %); 372 m über dem Meeresspiegel (die Spiegelhöhe kann bei Genf durch Schleusen geregelt werden); 581km2, 72 km lang, bis 14 km breit, bis 310 m tief; durch Abwässer verunreinigt; mildes Klima; am Nordufer Weinbau (La Côte, Lavaux) und Kurorte (Lausanne, Vevey, Montreux).

Genfrequenz: der proportionale Anteil eines Allels an der Gesamtheit der Allele eines bestimmten Genortes in einer Population.

Gengenbach, Pamphilus, um 1480-1524/25, schweizerischer Dichter der Reformationsbewegung; führte mit seinen Werken die Satiren S. Brants, das Fastnachtsspiel und das humanistische Schuldrama mit antipäpstlicher Tendenz weiter, zum Beispiel «Klag über die Totenfresser» (1521), «Der Bundschuh» (1514).

Genie: außergewöhnlich begabter, schöpfet. Mensch, der bahnbrechende Leistungen vollbringt.

genieren: in Verlegenheit bringen; sich genieren: sich Zwang antun; befangen sein.

Geniezeit: soviel wie Sturm und Drang; siehe auch deutsche Literatur (1685-1789).

Genitalreflex: durch Berührung der Geschlechtsorgane oder sogenannt erogener Zonen (geschlechtliche Gefühle beziehungsweise Empfindungen auslösende Hautpartien) hervorgerufener Reflex; siehe auch Erektion.

Genitiv, Genetiv: Grammatik 2. Fall der Deklination.

Genitivus partitivus: Genitiv zum Ausdruck eines Teilverhältnisses in den slawischen Sprachen und im Französischen; im Neuhochdeutschen durch Umschreibungen ersetzt, zum Beispiel gib mir «von dem» Brot.

Genius: bei den Römern Begleiter und Schutzgeist des Mannes, später auch Schutzgeist menschlicher Gemeinschaften und des Staates; auch Örtlichkeiten hatten ihren Genius (G. loci).

Genk: Stadt im Nordosten Belgiens, in der Provinz Limburg, auf der 100 m hohen sandigen Genker Platte; 61000 Einwohner; Steinkohlenbergbau; Bau von Bergwerksausrüstungen, Automontage; Ausflugszentrum, Freilichtmuseum «Bokrijk».

Genkopplung: die vorzugsweise gemeinsame Weitergabe von Allelen solcher Gene, die auf dem gleichen Chromosom liegen. Der Grad der Kopplung wird als Maß für den Abstand der Gene voneinander genutzt.

Genmutation: Mutationsform, bei der die spezifische Basensequenz eines Gens verändert ist. Resultat sind die verschiedenen Allele eines Gens.

Genom: Gesamtheit der Gene eines Chromosomensatzes.

Genopathien: erblich bedingte Missbildungen, im Unterschied zu den umweltbedingten Phänopathien. Genopathien können durch krankmachende Gene, genbedingte Unverträglichkeitsreaktionen und durch strukturelle oder zahlenmäßige Veränderungen der Chromosomen verursacht werden.

Genrebild, Sittenbild: Gattung der Malerei und Graphik, teilweise auch des Reliefs und der Kleinplastik, die Szenen aus dem alltäglichen Leben schildert. Die traditionelle Klassifizierung in höflichen, bäuerlichen, proletarischen und sozialistischen Genre erfasst nur bedingt die Vielfalt dieser motivreichsten, unkonventionellsten und volkstümlichsten Spielart der bildenden Kunst, die eng mit der Geschichte des Realismus verknüpft ist.

Genro: «Rat der Staatsältesten» in Japan; bestand 1889/1940 im Widerspruch zur Verfassung als Beratungsorgan des Kaisers mit Gewohnheitsrecht zum Vorschlag des neuen Ministerpräsidenten; nahm direkten Einfluss auf Innen- und Außenpolitik.

Gens: (lateinisch, «Geschlechtsverband»; PI. Gentes) eine Menschengruppe, die ihre Abstammung von einem angenommenen gemeinsamen Vorfahren herleitet, deren Mitglieder in einem geschlossenen Wohngebiet leben und nicht untereinander heiraten (Exogamie). In ähnlichem Sinne wird der Begriff Clan gebraucht.

Gent: Stadt im Nordwesten Belgiens, Verwaltungszentrum der Provinz Oost-Vlaanderen, an der Mündung der Leie in die Schelde, 240000 Einwohner; Handels-, Finanz- und flämisches Kulturzentrum; vielseitige Industrie (Metallurgie, Maschinenbau, Textil-, Zellstoff-, Elektro- und chemische Industrie; Erdölraffinerie); Gartenbau; bedeutender Seehafen, Seekanal zur Westerschelde; internationale Messe, Börse, Blumenausstellung (aller 5 Jahre); flämische Universität (1816) und Akademie; Museen, Theater, botanischer Garten; Wasserburg’s-Gravensteen (12. Jahrhundert); gotische Kathedrale (13./16. Jahrhundert) mit Flügelaltar der Brüder van Eyck; Rathaus (16. Jahrhundert). Seit dem 12. Jahrhundert Hauptstadt von Flandern, im 13. und 14. Jahrhundert Blütezeit als Tuchstadt auf der Basis von Manufaktur und Verlag. Die 1576 in Gent von niederländischen Provinzen abgeschlossene Vereinbarung (Genter Pazifikation) sah den gemeinsamen Kampf gegen die spanische Fremdherrschaft vor. Gent wurde 1714 österreichisch, 1794 französisch, 1814 niederländisch und ist seit 1830 belgisch.

Gentechnik, Gentechnologie: Übertragung von Genen bekannter Eigenschaften in Empfängerzellen, denen der Experimentator diese Eigenschaft entweder aus wissenschaftlichen Züchter, oder therapeutisches Interesse verleihen möchte (Stamm- und Produktverbesserung, Herstellung von Hormonen, Interferon, Antikörpern, Antigenen und so weiter in Bakterien, Übertragung der Gene für die Stickstoff-Fixierung auf Pflanzen, Heilung von Erbkrankheiten bei Haustieren und beim Menschen und so weiter). Möglichkeiten und Grenzen dieser Technik sind bisher noch nicht überschaubar.

Gentex, Kurzwort für General telegraphy exchange (englisch): Bezeichnung des nationalen und internationalen automatischen Telegrammdienstes; wird auch als Gentex Dienst (Abkürzung GX-Dienst) bezeichnet; in ihm werden die Telegramme unmittelbar von der sendenden an die empfangende Telegrafenstelle geleitet.

Gentilgesellschaft, Gentilorganisation: die auf der Grundlage der Gens bestehende gesellschaftliche Organisation in der Urgesellschaft.

Gentilhomme: Edelmann; Mann von guter Lebensart.

Gentilname: im alten Rom der den Namen des Geschlechtes bezeichnende Bestandteil des Namens. Die Römer hatten in der Regel einen Vornamen (Praenomen), einen Gentilnamen (Nomen gentile) und seit etwa 300 vor Christus einen erblichen Beinamen (Cognomen), zum Beispiel Gaius Sempronius Gracchus.

Gentleman: Ehrenmann im Sinne des englischen Bürgertums.

Gentlemen's Agreement: Vereinbarung, Verabredung, völkerrechtliche Übereinkunft, meist mündlich zwischen bevollmächtigten Vertretern von Staaten getroffen. Die aus einem Gentlemen's Agreement A entstandenen Verpflichtungen werden im Allgemeinen wie solche aus völkerrechtlich verbindliche Vereinbarungen eingehalten, obwohl es über seinen Rechtscharakter verschiedene Meinungen gibt.

Gentry: seit dem 15./16. Jahrhundert die aus kapitalistisch wirtschaftenden Adligen, Großpächtern und Angehörigen der Handelsbourgeoisie hervorgegangene herrschende Klasse Englands; seit dem 18. Jahrhundert allgemeine Bezeichnung für den britischen Niederadel mit den Ständen Knight (weiblich Dame) und Baronet.

Gentz, Heinrich, 5.2.1766-3.10.1811, Architekt; vertrat eine strenge Richtung des Klassizismus. Seine Hauptwerke, die Münze in Berlin (1798/1800, 1886 abgebrochen) sowie der in engem Zusammenwirken mit Goethe erfolgte Ausbau des Weimarer Schlosses (1802/04), zeigen den Einfluss der griechischen Antike.

Genua, italienisch Genova: Stadt in Oberitalien, Verwaltungszentrum der Region Ligurien und der Provinz Genua, am Golf von Ligurien; erstreckt sich auf mehr als 30 km Länge; 760000 Einwohner; bedeutendster Hafen Italiens (50 Millionen Güterumschlag jährlich; Erdöleinfuhr); Zentrum der Schwerindustrie (Eisen- und Nichteisenmetallurgie, Sitz des staatlichen Konzerns IRI) sowie der Erdölverarbeitung und Petrolchemie mit Erdölleitungen über die Alpen nach Mitteleuropa; umfangreicher Fahrzeugbau, ferner feinmechanische, Textil- und Papierindustrie; Kunsthandwerk; Großkraftwerk; wichtiger Handelsplatz (Messen); Fremdenverkehr; Universität, Kunst-, Handelshochschule; mehrere Theater und Museen; Konzentration der Industrie in den Vorstädten Sampierdarena und Cornigliano Ligure (Schwerindustrie), Sestri Ponente (Werften) und Pegli (Erdölhafen). Romanisch-gotische Kathedrale S. Lorenzo (mit charakteristischer schwarz-weißer Marmorinkrustation), zahlreiche Paläste, besonders des 16. Jahrhundert Ligurische Siedlung, im 3. Jahrhundert vor Christus römisch, im 13./14. Jahrhundert führende Handelsmacht im Mittelmeer; fiel 1805 an Frankreich, 1815 an das Königreich Sardinien-Piemont. Im Risorgimento war Genua Mittelpunkt der kleinbürgerlich-demokratische Richtung (Geburts- und Wirkungsort von Genua Mazzini); seit dem Ende des 19. Jahrhundert ein Zentrum der italienischen Arbeiterbewegung; 1945 durch Volksaufstand vom Faschismus befreit.

Genus: Grammatik Geschlecht der Substantive.

Genuss: mit der Befriedigung materieller oder ideeller Bedürfnisse verbundenes positives Erleben, zum Beispiel kulinarischer, sexueller, Kunstgenuss; unterschiedliches Genussempfinden ist unmittelbar von der Gesamtheit der persönlichen (biologischen und sozialen) Bedürfnisse abhängig.

Genussmittel: Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, deren Genuss anregende Wirkung auf das menschliche Nervensystem ausübt sowie ein angenehmes Empfinden hervorruft. Genussmittel sind Kaffee, Kakao, Kola, Tee, Betel, alkoholische Getränke, Tabak unter anderem; Genussmittel haben im Allgemeinen geringen Energiewert (außer zum Beispiel Kakaoerzeugnisse, Alkoholika) und wirken in Überdosen als Genussgifte oder Rauschmittel.

Genussmittelpflanzen: Pflanzen, deren Blätter, Blüten, Früchte, Stengel oder Wurzeln beziehungsweise Extrakte davon als Genussmittel genutzt werden.

Genussreife: Zustand der Frucht, sobald sie weich und genießbar geworden ist und Farbe, Duft, Aroma und Geschmack sortentypisch ausgeprägt sind.

Genus verbi, Handlungsform-, grammatische Kategorie des Verbs (Angabe über das Verhältnis des verbalen Geschehens zum Subjekt und Objekt); im Deutschen Aktiv und Passiv.

Genwirkung: Ausbildung eines Merkmals nach der als Basensequenz der DNS vorliegenden genetischen Information. Im Prozess der Proteinbiosynthese wird nach der Basensequenz eines Gens ein Polypeptid mit entsprechend Aminosäuresequenz gebildet (Transkription, Translation). Auf Grund seiner Aminosäuresequenz faltet sich das Polypeptid zu der für seine Wirkung ausschlaggebenden räumlicher Struktur und kann so zum Beispiel als Enzym einen Stoffwechselschritt katalysieren oder als Strukturprotein am Aufbau des Organismus beteiligt sein und damit zur Ausbildung eines Merkmals beitragen.

Genzentren, Mannigfaltigkeitszentren: geographische Gebiete, in denen eine Kulturpflanzenart oder ihre Wildform in der größten Formenfülle vertreten und eine Anhäufung von Genen vor sich gegangen ist.

Geochemie: Wissenschaft von den chemischen Bestandteilen der Erde und von den Gesetzen der Verbreitung (Häufigkeit), Verteilung und Wanderung (Migration)der chemischen Elemente (Atome, Isotope) in und auf der Erde. Die Geochemie wird in die Litho- (einschließlich der Petrochemie), Hydro-, Bio- und Atmo-Geochemie unterteilt. Sie ist ein Teil der Kosmochemie. Verarmung oder Anreicherung einzelner Elemente in verschiedenen geologischen Formationen oder Strukturen ermöglicht die Konstruktion geochemischen Karten und gibt Hinweise auf die Existenz von Lagerstätten. Je nach seinem Charakter hat jedes chemischen Element unterschiedlicher Verhaltenstendenzen (atmophile, biophile, chalkophile, lithophile, oxyphile, siderophile Elemente). Die Kenntnis geochemischer Gesetzmäßigkeiten bezüglich der Verteilung der Elemente erlaubt häufig den Schluss auf eine Lagerstättenbildung an bestimmten Stellen der Erdkruste. Die Arbeitsrichtung, welche die Veränderung der Migrations- und Konzentrationsbedingungen im Verlauf der Erdentwicklung untersucht, wird historisch Geochemie genannt. Die Geochemie konnte sich als Geschichte der Elemente unserer Erde erst nach der endgültigen Klärung der Begriffe Atom und chemisches Element entwickeln. F. W. Clarke stellte 1906 das geochemische Wissen der damaligen Zeit zusammen. Durch die sowjetische geochemische Schule (W. I. Wemadski, A. E. Fersman) wurde die Geochemie in den Jahren 1920/40 zur selbständigen Wissenschaft ausgebaut. V. M. Goldschmidt legte 1923/37 die Gründe dar, die zur Verteilung der Elemente in der Erde führten. In den letzten Jahren wurden insbesondere die Kenntnisse zur Isotopen-Geochemie und Kosmochemie erweitert. Bei den geologischen Diensten verschiedener Länder bestehen geochemische Abteilungen. Geochemische Daten finden zunehmend auch in nichtgeologischen Disziplinen, wie Medizin, Land- und Forstwirtschaft sowie Umweltschutz, Anwendung.

geochemischer Zyklus, Kreislauf der Elemente: Begriff für die Gesamtheit aller in und auf der Erde zyklisch ablaufenden geochemische Prozesse. Man gliedert den geochemischen Zyklus in einen endogenen (an die Erdkruste gebundenen) und in einen exogenen (an die Erdoberfläche gebundenen) Teil.

Geochronologie: Teilgebiet der Geologie, das sich mit der Bestimmung des relativen und des absoluten Alters von Gesteinen befasst. Die Methoden zur Bestimmung des absoluten Alters (Angabe in Jahren) sind in ihrer Anwendungsbreite begrenzt, das heißt nur für Bildungen bestimmter erdgeschichtlicher Epochen beziehungsweise bestimmter geochemischer Zusammensetzung anwendbar. Für das Quartär eignen sich Bändertonchronologie, Dendrochronologie, Pollenanalyse unter anderem sowie verschiedene physikalischen Bestimmungsmethoden, wie Radiokohlenstoff- und Tritiummethode. Für ältere Zeiten der Erdgeschichte eignen sich nur solche physikalischen Methoden wie Datierungen nach der Uran-, Blei-, Thorium-, Samarium/Neodym-, Helium-, Rubidium-Strontium- und Kalium-Argon-Methode sowie nach der Fission-track-Methode und nach der Magnetostratigraphie. Die Bänderton- (auch Warnen-) Chronologie beruht auf der Auszählung von Jahresschichten, der Warven, in Tonen. Die Pollenanalyse ermöglicht die Bestimmung des relativen Alters von Gesteinsschichten mit Hilfe verschiedener Blütenstaubtypen. Sie gestattet Datierungen von Sedimenten der nacheiszeitlichen Waldgeschichte etwa im Zeitraum von 12000 Jahren. Die Radiokohlenstoffmethode (C14-Methode) benutzt den durch Neutronen der Höhenstrahlung aus dem Stickstoff der Atmosphäre gebildeten radioaktiven Kohlenstoff C14. Er wird durch Assimilation in lebende Gewebe eingebaut, bleibt auch nach deren Absterben im Holz, in Knochen u. a. kohlenstoffhaltigen Resten und zerfällt mit einer Halbwertszeit von rund 5 500 Jahren. Unter der Voraussetzung, dass die Intensität der Neutronen in der Höhenstrahlung ungeändert blieb, die ursprünglich Konzentration des C14 also aus heutigen Werten gefunden werden kann, lässt sich aus dem jetzigen Verhältnis des aktiven Kohlenstoffs das Alter fester kohlenstoffhaltiger Substanzen bestimmen. Die obere Grenze der so messbaren Zeiten liegt bei 50000 Jahren. Die im Laufe der Zeit erfolgte Verschiebung des Konzentrationsverhältnisses von Uran beziehungsweise Thorium zu Blei wird bei der Bleimethode benutzt. Für uran- oder thoriumhaltige Gesteine benutzt man bei geringen Konzentrationen die Heliummethode, bei der der Gehalt des bei a-Zerfall gebildeten Heliums im Verhältnis zu den Ausgangsnukliden ausgewertet wird. Mit der Kalium-Argon-Methode bestimmt man das Alter von Gesteinen nach dem Mengenverhältnis des radioaktiven K-Isotops K40 und seines Zerfallsproduktes Ar 40. Die Rubidium-Strontium-Methode beruht auf der Bestimmung des Gehaltes an Strontium 87, das durch /9-Zerfall aus Rubidium 87 entstanden ist. Mit dieser Methode sind Datierungen bis zu 4,5 Md. Jahren möglich. Das Alter der Erde beträgt nach Ergebnissen der Geochronologie 4,47 bis 4,57 Md. Jahre.

Geodäsie: die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche. Ihre naturwissenschaftliche Aufgabe ist die Untersuchung von Größe und Figur, Schwerefeld und Rotationsverhalten der Erde (planetare Geodäsie). Diesbezügliche theoretische Disziplinen sind die mathematische und physikalische Geodäsie. Die Theorien und Verfahren der kosmischen Geodäsie (dazu gehören Satellitengeodäsie und geodätische Astronomie) sind wichtige Grundlagen zur Lösung der naturwissenschaftlichen Aufgabe; siehe auch Meeresgeodäsie. Zu den ingenieurwissenschaftlichen Aufgaben (Ingenieurgeodäsie) zählen messtechnische Aufnahme und Darstellung von Teilen der Erdoberfläche und hierauf befindliche Objekte, besonders für Projektierung, Bau und Überwachung von Anlagen des Bauwesens und der Industrie. Zur höheren Geodäsie gehören alle Mess- und Berechnungsverfahren sowie Abbildungen, welche die tatsächliche Krümmung der Erdoberfläche (Rotationsellipsoid, Kugel) berücksichtigen; sie wird bei Erdmessungen und Landesaufnahme angewendet. Bei Aufgaben der Vermessungskunde (veraltet niedere Geodäsie) genügt hingegen die Horizontalebene als Bezugsfläche. Die Geodäsie hat, wie die Geometrie, ihren historischen Ursprung in den Feldmessungen der asiatischen Hochkulturen. In der Antike wurde sie zum Beispiel durch Arbeiten Eratosthenes von Kyrene (Beginn der Erdmessung) und Herons von Alexandria weiterentwickelt. 1617 führte W. Snellius die Triangulation ein. Anfang des 19. Jahrhundert wurde die Geodäsie durch Arbeiten von C. F. Gauß, F. W. Bessel unter anderem wissenschaftlich durchdrungen. Die moderne Geodäsie begründete F. R. Helmert.

geodätische Linie: Kurve auf einer gegebenen. Fläche, die kürzeste Verbindung zwischen je 2 ihrer nahe beieinander liegendem Punkte ist; zum Beispiel ein Großkreis(stück) auf einer Kugel.

geodätischer Satellit: mit optischen oder funktechnischen Mitteln zur genauesten Bahnbestimmung ausgerüsteter künstlicher Erdsatellit, der unter anderem der präzisen Vermessung geodätische Punkte auf der Erdoberfläche dient.

Geodimeter, Geodolit: Gerät für Entfernungsmessungen auf der Erdoberfläche mittels Laserstrahlen; unter Geländebedingungen beträgt die Messgenauigkeit etwa 2 bis 3 cm bei maximal 30 km Abstand.

Geodynamik: wissenschaftliche Disziplin von den Bewegungen der Erde und ihrer Teile unter dem Einfluss erdinnerer und erdäußerer Kräfte. Wichtige Forschungsgebiete, die den gesamten Erdkörper betreffen, sind zum Beispiel Verhalten der Erdrotation, Ausmaß der Erdgezeiten, Frequenzspektrum freier Schwingungen und Ausbreitung von Erdbebenwellen. Von besonderem Interesse sind Vorgänge, die mit der stofflichen und strukturellen Veränderung der Erdkruste in Verbindung stehen, zum Beispiel Fließbewegung im Erdmantel, Kontinentalverschiebung, Bildung von Ozeanen und Gebirgen, rezente Erdkrustenbewegung, Vulkanismus, Erdbeben.

Geodynamikprojekt: international koordinierter Arbeitsplan zur Erforschung des Aufbaus der Erde von der Oberfläche bis zum Kern und der im Erdinnere ablaufenden Prozesse. An der Hauptetappe 1971/79 waren 46 Nationalkomitees beteiligt.

Geoelektrik: Verfahren der angewandten Geophysik zur Untersuchung der elektrischen Eigenschaften des geologischen Untergrunds. Genutzt werden entweder die natürliche im Boden auftretenden Erdströme und Eigenpotentiale (siehe auch Erdelektrizität) oder künstlich erzeugte Ströme und elektromagnetische Felder. Die Kopplung an den Erdboden erfolgt über Elektroden oder induktiv mittels Spulen oder Schleifen. Die Geoelektrik als Prospektionsmethode dient in erster Linie dazu, Erz-, Wasser- und Baustoffvorkommen zu erkunden.

Geoelement: Arten mit gleicher oder ähnliche geographische Hauptverbreitung; zum Beispiel zentraleuropäische Geoelement der europäischen Laubwaldzone mit den Arten Rotbuche, Traubeneiche, Nachtigall.

Geoffrey of Monmouth, um 1100-1154, englischer Geistlicher, schrieb (in Lateinisch) um 1137 die «Historia Regum Britanniae» (Geschichte der Britenkönige), eine phantasievoll ausgeschmückte Chronik der Briten vom sagenhaften Reichsgründer Brutus, Enkel des Äneas, bis zum letzten König Cadwallader im 7. Jahrhundert, mit einer ersten umfassenden Darstellung des Artus-Stoffes.

Geographie: («Erdbeschreibung») Erdkunde: komplexe Wissenschaft (auch System der geographischen Wissenschaften), die unter natur- und gesellschaftswissenschaftlicher Aspekt die Erscheinungen an der Erdoberfläche (Erde, Geosphäre) hinsichtlich Lage, Struktur, Wechselbeziehungen, Entwicklung unter anderem untersucht. Sie wird in die beiden Hauptbereiche physischer und ökonomischer Geographie eingeteilt, zwischen denen enge Beziehungen bestehen. Diese Hauptbereiche sind wiederum in Teilgebiete gegliedert, von denen sich einige zu selbständigen Wissenschaften entwickelt haben. Die Zusammenführung der Erkenntnisse von physischer und ökonomischer Geographie ermöglicht die regionale Geographie, oft als Länderkunde bezeichnet. Die physische Geographie als Naturwissenschaft erforscht die Gesamtheit der Gegebenheiten der Erdhülle in ihren verschiedenen Sphären (Lithosphäre, Atmosphäre, Hydrosphäre, Biosphäre), die für die menschliche Gesellschaft das geographische Milieu darstellen. Zur allgemeinen physischen Geographie zählen die mathematische Geographie, die sich mit der Gestalt der Erde, der Erdmessung und der Orientierung auf der Erdoberfläche (geographische Ortsbestimmung) sowie mit den Gesetzmäßigkeiten der Erde als Himmelskörper befasst, die Geomorphologie (Lehre von der Entstehung und Umbildung der Formen der Erdoberfläche), die Klimatologie (Lehre vom Klima unter besonders Berücksichtigung der klimabildenden Prozesse), die Hydrographie (Gewässerkunde, befasst sich mit bestimmten Eigenschaften der Gewässer des Festlandes), die Ozeanologie (Meereskunde, befasst sich mit bestimmten Eigenschaften der Meere), die Bodengeographie (untersucht die Verbreitung der verschiedenen Bodenarten und -typen) und die Biogeographie (Pflanzengeographie und Tiergeographie, ermittelt die Gesetzmäßigkeit der Verbreitung von Pflanzen und Tieren auf der Erdoberfläche). Mit komplexen Einheiten auf der Erdoberfläche befasst sich die Landschaftskunde. Die regionale physische Geographie beschäftigt sich mit physisch-geographischen Problemen in den jeweiligen Ländern beziehungsweise Räumen. Die ökonomische Geographie (in der DDR auch als politische und ökonomische Geographie bezeichnet) untersucht als Gesellschaftswissenschaft die Wirtschafts- und Lebensgebiete der Menschen, besonders das Standortgefüge der Produktion sowie die Bedingungen und Besonderheiten seiner Entwicklung in den verschiedenen Ländern und Gebieten (Wirtschaftsterritorien, -gebiete). Sie geht davon aus, dass der jeweiligen Produktionsweise die entscheidende Bedeutung zukommt, während das geographische Milieu sich dabei nur fördernd oder hemmend auswirkt. Die ökonomische Geographie wird in die allgemeine ökonomische Geographie mit den Teilgebieten Industrie-, Agrar-, Verkehrs-, Handels-, Bevölkerungs-, Siedlungs-, Fremdenverkehrs-, politische Geographie unter anderem und in die regionale ökonomische Geographie gegliedert. Erstere untersucht die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Komponenten des ökonomisch-geographischen Komplexes auf der ganzen Erde, letztere befasst sich mit diesen Problemen innerhalb begrenzter Wirtschaftsterritorien unter besonderer Berücksichtigung von Struktur und Entwicklung dieser Gebiete. Die historische Geographie erforscht den Werdegang des gegenwärtigen Erscheinungsbildes des geographischen Komplexes, wobei sie sowohl bestimmte Entwicklungslinien in den betreffenden Räumen bis in die Gegenwart verfolgt als auch Entwicklungsstadien zu bestimmten früheren Zeiten in den untersuchten Territorien zu rekonstruieren versucht. Neben der traditionellen Aufgabe der Geographie, Erscheinungen und Sachverhalte auf der Erdoberfläche zu erkennen und als Bildungsinhalt für den allgemeinen Informationsbedarf zu vermitteln (Schulgeographie), wächst ihre Bedeutung als Produktivkraft bei der Schaffung von Voraussetzungen, räumliche Entwicklungen prognostisch einzuschätzen und Prozesse durch planer. Eingriffe (Territorialplanung) zielgerichtet zu beeinflussen (angewandte Geographie).

Geschichtliches: Die Geographie zählt zu den ältesten Wissenschaften. Im Zuge ihrer Vervollkommnung haben sich im Laufe der Zeit aus ihr mehrere eigene Wissenschaften entwickelt. Bereits im Altertum wurde Geographie betrieben (Herodot, Ptolemäus, Strabo, Eratosthenes von Kyrene), wobei Messung und Dax-Stellung der Erde (Kartographie, Astronomie) sowie Reisebeschreibungen im Vordergrund standen. Im Mittelalter führte die kirchlich-dogmatische Orientierung in Europa zu einem Stillstand, während die Araber mit bedeutenden Geographen und Forschungsreisenden (Ibn Battuta) führend wurden. Durch sie kam das antike Erbe nach Europa. Hier nahm die Geographie im Zeitalter der großen geographischen Entdeckungen starken Aufschwung, besonders die Kartographie. Im 17. Jahrhundert begründete P. Clüver die historische Geographie, B. Varenius die allgemeine Geographie. Darauf folgte eine Zeit trockener, vorwiegend statistische Länderbeschreibungen (A. F. Büsching). Erst Anfang des 19. Jahrhundert begann mit A. von Humboldt und C. Ritter die eigentlich wissenschaftlich Geographie, als über Beschreibungen hinaus Zusammenhänge untersucht wurden. In Deutschland förderten diese Entwicklung vor allem F. von Richthofen, A. Penck und A. Rühl. Die bürgerliche Geographie brachte auch pseudowissenschaftliche Theorien hervor, die der Rechtfertigung imperialistischer Politik dienten (zum Beispiel die vom geographischen Determinismus abgeleitete Geopolitik). In der DDR knüpft die Geographie an die fortschrittliche bürgerliche deutsche Geographie an. Sie arbeitet mit den Nachbarwissenschaften zusammen, übt engen Kontakt zu den wissenschaftlichen Einrichtungen anderer RGW-Staaten, pflegt weltweite Verbindungen und leistet einen wichtigen Beitrag zum sozialistischen Aufbau.

geographische Breite: Abstand eines Ortes der Erdoberfläche vom Äquator, in Grad auf dem Bogenstück des Ortsmeridians oder als Winkel zwischen Ortsmeridian und Äquatorebene gemessen.

geographische Länge: Abstand eines Ortes der Erdoberfläche vom Nullmeridian (Greenwich), gemessen in östlicher oder westlicher Richtung in Winkelgrade auf dem jeweiligen Breitenkreis. Der Längenunterschied von 1° entspricht einer Differenz der wahren Ortszeit von 4 Minuten.

geographische Ortsbestimmung: Lagebestimmung eines Punktes auf der Erdoberfläche nach geographischer Länge und Breite sowie Höhe über dem Meeresspiegel.

geographischer Determinismus: bürgerliche soziologische Lehre, die dem geographischen Milieu beziehungsweise Einzelfaktoren (unter anderem Klima, Boden, Lage) den bestimmenden Einfluss auf Zustand und Entwicklung der Gesellschaft eines Territoriums zuschreibt; bildete wichtige Grundlage der Geopolitik. Im Zeitalter der geographischen Entdeckungen entstanden, war der geographische Determinismus im Frühkapitalismus zunächst ein progressiver Versuch, das Verhältnis zwischen Natur und Gesellschaft zu deuten. Im Kapitalismus als Mittel zur Rechtfertigung der Ausbeutung der Völker herangezogen, wurde der geographische Determinismus zu einer reaktionären Theorie. Er sollte die durch den wissenschaftlichen Sozialismus aufgedeckten Grundwidersprüche des Kapitalismus als «naturgegeben» verschleiern.

geographisches Milieu: Gesamtheit der die menschliche Gesellschaft umgebenden Naturbedingungen, wie Relief, Klima, Gewässer, Böden, Bodenschätze, Flora, Fauna in ihren kausalen Zusammenhängen und in ihrer wechselseitigen Bedingtheit. Das geographische Milieu unterliegt in seiner Existenz und Entwicklung objektiv wirkenden Naturgesetzen, wird aber auch durch die menschliche Gesellschaft beeinflusst. Mit dem geographischen Milieu muss sich der Mensch ständig auseinandersetzen. Ihm entnimmt er die materielle Substanz zur Herstellung aller materiellen Güter der Gesellschaft; somit ist es eine der ständigen und notwendigen Bedingungen für das Leben der Gesellschaft. Das geographische Milieu übt auf die Entwicklung der Gesellschaft nicht den entscheidenden Einfluss aus, fördert oder hemmt diese aber. Dieser Einfluss verändert sich historisch in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse, die wiederum den Grad der Erforschung und der gesellschaftlichen Beeinflussung des geographischen Milieus bestimmen. Die allseitige rationelle Nutzung sowie der Schutz des geographischen Milieus sind heute eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft (sozialistische Landeskultur).

Geohydrochemie: die Lehre von den chemischen Eigenschaften des (Grund-) Wassers und dessen Veränderungen durch Entnahme oder andere Einflüsse, zum Beispiel Eindringen mineralisierter Wässer aus der Tiefe oder verunreinigten Wassers von der Erdoberfläche aus.

Geohydrologie: Wissenschaft vom Grundwasser, die sich mit dem geologischen Auftreten, der Wasseraufnahme- und -abgabefähigkeit der Gesteine sowie der Wasserbeschaffenheit als Grundlage für die Erschließung und Gewinnung von unterirdischen Wässern befasst.

Geoid: Bezeichnung für die physikalisch definierte Erdfigur. Das Geoid verläuft in allen Punkten seiner Fläche genau senkrecht zur Lotrichtung und entspricht auf den Ozeanen der ungestörten Wasseroberfläche.

Geokosmogonie: Wissenschaft von der Entstehung der Erde.

Geologenhammer: unterschiedlich geformter Hammer aus Hartstahl mit hölzernem Stiel oder aus Ganzstahl zum Anschlägen von festen Gesteinen oder zum Schürfen in Lockergestein bei geologischen Feldarbeiten.

Geologenkompass: Kompass mit Anlegekante, Gradeinteilung und Neigungsmesser (Klinometer) in einem Metallgehäuse zum Messen der Lage, Richtung und Neigung von Schichten, Klüften, Strömungen unter anderem bei der geologischen Feldarbeit.

Geologie: (griechisch, «Erdlehre») Wissenschaft von der stofflichen Zusammensetzung, dem Bau und der Entwicklung der Erde, besonders der Erdkruste. Die allgemeine (dynamische) Geologie behandelt die stoffliche Zusammensetzung, den Bau sowie die in und auf der Erdkruste wirkenden Vorgänge und deren Gesetzmäßigkeiten. Die historische Geologie (früher Erdgeschichte genannt) sucht die Vorgänge der geologischen Vergangenheit mit Hilfe der Gesteine, ihrer Lagerung und ihrer Fossilien chronologisch zu ordnen (Stratigraphie) und an Hand der sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen die Verteilung von Land und Meer während vergangener Erdperioden (Paläogeographie), die klimatischen Veränderungen (Paläoklimatologie), den Ablauf der Krustenbewegungen (Geotektonik) abzuleiten und Gesetze der Erdentwicklung zu erkennen. Die regionale Geologie behandelt die geologischen Verhältnisse einzelner Länder oder Erdteile. Die angewandte Geologie befasst sich mit der Hauptaufgabe der Geologie, der Erkundung nutzbarer Bodenschätze, wie Grundwasser (Hydrogeologie), Erdöl und Erdgas, Erze, Baustoffe, sowie mit Baugrundfragen (Ingenieurgeologie). - bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert blieben wesentliche Erkenntnisse Einzelleistungen, die nicht generell anerkannt wurden (Leonardo da Vinci erkennt die organische Natur der Fossilien, 1500; N. Steno formuliert das Stratigraphischen Grundgesetz, 1669). Als Begründer einer wissenschaftlichen Geologie gilt A. Werner (Einführung des Zeit- und Strukturbegriffs «Lagerung», 1780). W. Smith weist um 1830 die Horizontbeständigkeit mancher Fossilien nach, wodurch die zeitliche Gliederung der Gesteinsfolgen (zum Beispiel Perioden, Epochen) möglich wird. Besondere Bedeutung gewinnt das Aktualitätsprinzip (C. Lyell, 1833), auf dem unter anderem der Nachweis kontinentaler Vereisungen der Erde durch O. M. Torell (um 1870) beruht. Im 19. und 20. Jahrhundert folgen jeder neuen Methode und Erkenntnis systematische Erkundungsarbeiten. Sie münden in allgemeinen Theorien und Hypothesen, zum Beispiel in der Geotektonik (A-Wegener, H. Stille), in neuester Zeit in der Globaltektonik.

geologische Karte: Messtischblatt oder topographische Übersichtskarte verschiedener Maßstäbe, auf denen Gesteinsarten, deren Lagerungsverhältnisse und Altersstellung, tektonische Strukturen unter anderem geologische Befunde durch Farben, Signaturen und Symbole eingetragen sind.

geologische Kartierung: planmäßige Aufnahme geologischer Karten durch Untersuchungen im Gelände und Bearbeitung gesammelten Gesteins- und Fossilmaterials einschließlich Archivunterlagen. Lockergesteine werden bis 2 m Tiefe besonders im Flachland mit der Peilstange untersucht. Fehlende Aufschlüsse werden durch Bohrungen und Schürfe ergänzt.

geologischer Körper: durch natürliche oder technogene Prozesse entstandenes körperliches Objekt, dessen Eigenschaften eine erdgeschichtliche Aussage ermöglichen und das zum Beispiel als Mineral, Fossil, Gestein, technische Produkt überliefert werden kann. Der größte geologische Körper ist die Lithosphäre der Erde.

geologische Systeme: stratigraphische Einheiten, in denen die in Abteilungen und Stufen gegliederten Gesteinsfolgen einer geologischen Periode auf Grund ihres Fossilinhaltes zusammengefasst werden; früher meist als Formationen bezeichnet.

geologische Thermometer, fossile Thermometer: alle temperaturabhängigen Gleichgewichtsverteilungen bestimmter Elemente, Kristallstrukturen und Isotopenverhältnisse, aus denen auf die Bildungstemperatur der betreffenden Körper geschlossen werden kann. Dies gilt zum Beispiel für den trigonalen Quarz, der unterhalb 573 °C aus dem hexagonalen Quarz hervorgeht, und für das Sauerstoff-Isotopenverhältnis in Kalkschalen fossiler Meerestiere.

Geomagnetik, geomagnetische Messung: Verfahren der angewandten Geophysik zur Untersuchung magnetischer Störfelder (Anomalien), die von magnetisch stärker wirkenden Erzen oder Gesteinen im Untergrund verursacht werden. Außer zur Klärung des geologischen Aufbaus der Erdkruste wird die Geomagnetik besonders zur Erkundung von Eisenerzlagerstätten herangezogen.

Geomechanik: Wissenschaft vom physikalisch-mechanischen Verhalten eines Gesteinsverbandes gegenüber tektonischen Prozessen und technischen Eingriffen; untergliedert in Baugrundmechanik und Gebirgsmechanik.

Geometrie: Teilgebiet der Mathematik, das die Eigenschaften und Formen des Raumes (im engeren Sinne des Anschauungsraumes, im weiteren Sinne auch allgemeinerer mathematisch definierter Räume) sowie spezielle Arten von Figuren in solchen Räumen untersucht. Die Geometrie entstand im Altertum, zum Beispiel aus Problemen der Feldvermessung, der Astrologie und des Bauwesens, und wurde, ausgehend von Axiomen, von Euklid unter anderem griechischen Mathematikern systematisch aufgebaut. Die Problematik des Parallelenaxioms beziehungsweise Fragen der Flächentheorie führten im 19. Jahrhundert zu allgemeineren Raumvorstellungen, die geometrische Einkleidung von Problemen der Analysis im 20. Jahrhundert schließlich zu abstrakten Räumen. Ein Ordnungsprinzip für viele Teile der Geometrie gibt das Erlanger Programm; nicht unter dessen Klassifizierung fallen zum Beispiel die Differentialgeometrie und die darstellende Geometrie; siehe auch Grundlagen der Geometrie.

Geometrie der Schneide, Schneidengeometrie: Bezeichnung für die Beziehungen zwischen den Flächen der Schneiden an spanenden Werkzeugen und zwischen Werkstück und Werkzeug, die in Abhängigkeit von Fertigungsverfahren, Werkstück, Maschine und so weiter optimal gestaltet werden. Der Teil des Werkzeuges, an dem durch die Relativbewegung zwischen Werkzeug und Werkstück der Span entsteht, wird Schneidkeil genannt. Die Schnittlinien der den Keil begrenzenden Flächen sind die Schneiden, die gerade, geknickt oder gekrümmt sein können.

geometrische Methode: ältere Bezeichnung für die axiomatische Methode (axiomatische Theorie) in der (euklidischen) Geometrie. Sie hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens und fand in der Geschichte der Philosophie besondere Beachtung, zum Beispiel bei -B. Spinoza.

geometrischer Ort: Menge aller Punkte einer Ebene oder eines Raumes, die einer gegebenen Bedingung genügen; zum Beispiel Mittellot, Kreis, Kegelschnitte, Kugel.

Geomorphologie, Morphologie: Teilgebiet der physischen Geographie, das die Entstehung und Umwandlung des Reliefs der Erdoberfläche untersucht. Beschreibung und quantitative Erfassung der Oberflächenformen sind Aufgabe der Morphographie (Orographie) und Morphometrie (Orometrie). Die analytische Geomorphologie untersucht die geomorphologisch wirksamen Prozesse der Verwitterung, Umlagerung und Akkumulation einschließlich der dabei entstehenden Formen (Morphogenese), die synthetische Geomorphologie. Entstehung und Entwicklung landschaftsprägender Reliefgemeinschaften beziehungsweise -typen als Ergebnis des Zusammenwirkens der unterschiedlichsten formenbildenden Kräfte, zum Beispiel Schichtstufen-, Inselberg-, Glaziallandschaften. Die geomorphologische Analyse versucht, aus dem rezenten Relief auf geologischen Alter und Besonderheiten der gestaltenden Prozesse und auf die Landschafts- und besonders die Klimaverhältnisse zu schließen. Spezialgebiete sind zum Beispiel Karst-, Glazial oder Quartär- und Klimamorphologie.

Geonomie: Lehre von den komplexen tiefengeologischen Vorgängen in der Erdkruste und im oberen Erdmantel. Die Forschung bedient sich Methoden der Geologie, Geophysik, Petrophysik, Geochemie und Mineralogie.

Geophon: in der Seismik verwendeter, meist elektrodynamische Schwingungsempfänger zur Aufnahme der durch Sprengung oder mechanische Anregung erzeugten Schallwellen. Die Bodenschwingungen werden im Geophon in elektrische Spannungsschwankungen umgewandelt und in einer Messstation als Seismogramm registriert. Siehe auch Hydrophon.

Geophysik: Wissenschaft von den physikalischen Erscheinungen, die im Bereich der Erde beobachtet werden. Die Geophysik umfasst Physik der Ionosphäre, der Lufthülle (Meteorologie), der Wasserhülle (Ozeanologie und Hydrologie) und der festen Erde (G. im engeren Sinn). Die Erforschung der Magnetosphäre erfolgt gemeinsam mit der solarterrestrischen Physik. Im Grenzbereich zur Astronomie und Astrophysik befasst sich die planetare Geophysik mit Wechselbeziehungen zwischen Erde und Himmelskörpern. Teilgebiet der Physik der festen Erde ist die angewandte Geophysik. Frühe Ansätze zur Geophysik finden sich in Aristoteles «Meteorologica». Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Geophysik vor allem aus der Erdkunde. Besondere Probleme waren die Bestimmung der Erdgestalt und der Erdmagnetismus im Zusammenwirken mit Geodäsie und Astronomie. Im 19. Jahrhundert, in dem der Begriff Geophysik geprägt wurde, entstanden eigene geophysikalische Forschungsgebiete. Im 20. Jahrhundert nahm die Geophysik mit neuen Methoden (zum Beispiel Radioaktivität) einen starken Aufschwung. Wesentliche Erkenntnisse (zum Beispiel Entdeckung des Strahlungsgürtels, 1958) brachten Beobachtungsmethoden mit Raketen und Satelliten.

geophysikalische Anomalie: örtliche Abweichung im engeren Sinne. Die Erforschung der Magnetosphäre erfolgt geophysikalische Messwerte von einem theoretischen Bezugsfeld. Lage, Form und Größe einer Anomalie geben Hinweise auf Lagerungsbedingungen oder Bodenschätze im Untergrund beziehungsweise erlauben (oft im Zusammenhang mit weiteren Informationen) Rückschlüsse auf Inhomogenitäten des Erdkörpers (zum Beispiel Kursker Magnetanomalie).

Geopolitik: vom geographischen Determinismus abgeleitete pseudowissenschaftlicher imperialistischer Lehre, die zu Ausgang des 19. Jahrhundert von F. Ratzel, J. R. Kjellen und K. Haushofer entwickelt wurde. Die Geopolitik behauptet, die Politik der Staaten werde durch deren geographischen Bedingungen bestimmt. Sie wird zur Rechtfertigung imperialistischer Aggressionen und Annexionen herangezogen und negiert die gesellschaftlichen Widersprüche innerhalb der Staaten. Im faschistischen Deutschland wurde die Geopolitik, die sich in Verbindung mit Rassismus und Chauvinismus besonders in der «Lebensraumtheorie» ausdrückte, zur ideologischen Vorbereitung des 2. Weltkrieges benutzt. Heute dient die Geopolitik den imperialistischen Staaten zur Propagierung des Neokolonialismus und zur «Rechtfertigung» aggressiver Handlungen.

geordnetes Paar: Zusammenfassung zweier Elemente a, b zu einem neuen Objekt (a, b), bei der es auf die Reihenfolge der Elemente ankommt und wobei dann a als erste und b als zweite Komponente bezeichnet wird. Eine entsprechend Zusammenfassung (öi, ..., a„) von n Elementen heißt n-Tupel, für n = 3 beziehungsweise 4 auch Tripel beziehungsweise Quadrupel.

Georg, Fürsten. Großbritannien: 1. Georg III., 4.6.1738-29.1.1820, König seit 1760, zugleich Kurfürst (seit 1814 König) von Hannover, seit 1811 unter Regentschaft; sein Versuch der Wiederaufrichtung eines persönlichen Regimes scheiterte und vertiefte die Krise in den ökonomischen Beziehungen zu den britischen Kolonien in Nordamerika. Sachsen: 2. Georg der Bärtige, 27.8.1471 bis 17.4.1539, seit 1500 Herzog von Sachsen, Albertiner; wurde nach der Leipziger Disputation (1519 zwischen J. Eck, Karlstadt und M. Luther) zum scharfen Gegner der Reformation; 1525 an der Vernichtung der aufständischen Thüringer Bauern beteiligt.

Georgetown: Hauptstadt von Guyana, an der Mündung des Demerara in den Atlantik; 200000 Einwohner; wichtigstes Industriezentrum des Landes mit verschiedenen Industriebetrieben der Nahrungsmittel-, Konsumgüterproduktion; Verkehrsknoten, See- und Flusshafen, internationaler Flughafen; Universität, Theater, Museen, anglikanische Kathedrale.

Georgia, Abkürzung Ga.: Bundesstaat im Südosten der USA, an der Atlantikküste; 152 576 km2, 5,4 Millionen Einwohner; 35 Einwohner/km2; Hauptstadt Atlanta. An der Küste zum Teil versumpftes, im Inneren fruchtbares Tief- und Hügelland, im Nordwesten von bewaldeten Ausläufern der Appalachen durchzogen. Subtropische, im Westen kontinental. im Osten maritim beeinflusstes Klima. Hauptflüsse sind Chattahoochee, Altamaha und Savannah. Im Vergleich zu anderen US-Staaten ist Georgia ein wirtschaftlich rückständiges Gebiet. In der Industrie ist die Leichtindustrie (Baumwoll- und Holzverarbeitung, Produktion von Zellulose) führend, der Maschinen- und Bergbau unbedeutend. Die Landwirtschaft wird vorwiegend von Plantagenbesitzern beherrscht, wobei die früher große Zahl von Pächtern, die in der Mehrzahl Nachkommen ehemaliger Sklaven sind, ständig zurückgeht. Anstelle der Baumwolle, der ehemals wichtigsten Anbaukultur, stehen heute die Vieh- und Geflügelzucht sowie der Tabak- und Erdnussanbau nach ihrem Produktionswert an der Spitze. Seehafen ist Savannah. Um 1540 von H. de Soto erforscht, seit 1732 als letzte der 13 Kolonien in Nordamerika von Großbritannien besiedelt und nach Georg II. benannt; gehörte 1861/70 zu den Sezessionsstaaten. Georgia ist eines der Zentren des Ku-Klux-Klans, der 1915 in Atlanta neugegründet wurde.

Geosphäre-geographische Hülle: der dreidimensionale Bereich der Erdoberfläche, in dem Erscheinungen der Lithosphäre, Atmosphäre und Hydrosphäre Zusammentreffen, vielseitig aufeinander einwirken und auf, unter sowie über der Erdoberfläche mannigfaltige komplizierte geographische Einheiten (Geosysteme) hervorbringen. Ihr Zusammenwirken ermöglicht die Entfaltung organischen Lebens (Biosphäre), das seinerseits einschließlich der Tätigkeit des Menschen als gesellschaftliches Wesen auf die unbelebte Materie zurückwirkt.

Geosynklinale: langgestreckter Senkungstrog innerhalb der Erdkruste, in dem mächtige Sedimentpakete und Vulkanite gebildet werden. Die Geosynklinale werden heute als die Subduktionszonen der früheren Erdgeschichte angesehen. Durch Einengungstektonik oder Kollision von kontinentalen Platten (Tektogenese) entsteht ein Faltengebirge.

Geotechnik: die praktische Anwendung der Ingenieurgeologie bei bautechnischen Arbeiten, besonders beim Erd-, Wasser- und Felsbau.

Geotektonik: Zweig der Geowissenschaften, der die Entwicklung der strukturellen Elemente der Erde und ihre Ursachen zu erfassen und zu deuten versucht.

geotektonischer Zyklus: von H. Stille im fixistischen Sinne festgelegte Entwicklung, die von der Geosynklinale über die Tektogenese, Hebung und Abtragung zur Einebnung führt; bisheriges deterministisches Grundschema der Gebirgsbildung.

Geotextilien: flächen- oder linienförmige technische Textilerzeugnisse für den Einsatz im Erd- und Wasserbau.

Geothermie, Geothermik: geophysikalische Methode, die sich mit Entstehung und Transport der Erdwärme sowie mit der Messung (zumeist in Bohrungen) befasst. Die Geothermie als Teilgebiet der angewandten Geophysik erkundet Wärmequellen in der Erdkruste für die Nutzung von Erdwärme und Anomalien des Wärmestroms zum Nachweis von geologischen Lagerungsstörungen und Grundwasserbewegungen.

geothermische Tiefenstufe: Tiefenspanne, im Durchschnitt 30 bis 35 m, innerhalb der in der Erdkruste eine Temperaturzunahme um 1 °C erfolgt.

Geotropismus: durch die Schwerkraft der Erde gerichtetes Pflanzenwachstum, bei dem die Wurzel in Richtung des Erdmittelpunktes und der Spross in entgegengesetzte Richtung zeigen.

geozentrisch: auf die Erde allgemeine oder den Erdmittelpunkt speziell bezogen. Nach dem geozentrischen Weltbild von C. Ptolemäus waren die Planeten, zu denen auch Sonne und Mond gerechnet wurden, auf konzentrischen Kristallkugeln (Sphären) um die Erde als Mittelpunkt der Welt angeordnet.

Geozoo: zoologischer Garten, dessen Tiere nach ihrem geographischen Vorkommen geordnet zur Schau gestellt werden.

Gepard, Acinonyx jubatus: hochbeinige Katze der Steppen Afrikas und Vorderasiens; erreicht beim Beutefang bis zu 100 km/h; leicht zähmbar, deshalb von alters her zur Jagd abgerichtet («Jagdleopard»).

Gepiden: Stammesname derjenigen Goten, die nach Abwanderung des größten Teils nach Südrussland bis Mitte des 3. Jahrhundert im Weichseldelta verblieben. Unter Zurückdrängung der Westgoten siedelten sich die Gepiden im Norden Dakiens an. Später nahmen sie an den Raubzügen der Hunnen in Europa teil. Nach Attilas Tod (453) nahmen sie das Land zwischen Theiß, Donau und Karpaten in Besitz und wurden Arianer. 567 wurden sie von Langobarden und Awaren vernichtet.

Gerade: geometrischer Grundbegriff; durch 2 verschiedene Punkte ist genau eine Gerade durch diese Punkte festgelegt. Die kürzeste Verbindung zweier Punkte A, B liegt auf der Geraden durch A und A. 2 Gerade einer euklidische Ebene schneiden sich entweder in genau einem Punkt, fallen zusammen oder sind parallel. Nicht in einer Ebene liegende Gerade heißen windschief. In einem geeigneten kartesischen x, y Koordinatensystem wird eine Gerade zum Beispiel durch eine Geradengleichung der Form y = mx + n beschrieben, wobei m der Tangens des Anstiegswinkels p ist; siehe auch Hessesche Normalform.

gerade Funktion: Funktion einer reellen oder komplexen Veränderlichen, deren Definitionsbereich mit z auch -z enthält und für die/(-z) = /(z) gilt, zum Beispiel /(z) = cos z. Für eine ungerade Funktion gilt /(-z) = -/(z), zum Beispiel /(z) = sin z.

Geradenbündel: Menge aller Geraden in einer Ebene, die einen gegebenen Punkt enthalten.

Geradenbüschel: Menge aller Geraden des Raumes, die einen gegebenen Punkt enthalten.

gerader Stoß: Boxen Grundschlagart; die Faust wird auf kürzestem Wege ins Ziel gestoßen, beim Auftreffen soll der Arm gestreckt sein.

Geradflügler, Orthopteroidea: Überordnung der Insekten; hierzu gehören die schaben artigen (Fangschrecken, Ohrwürmer, Schaben, Termiten) und die heuschreckenartigen Ordnungen (Gespenstheuschrecken, Springschrecken).

Geraniol: ein azyklischer Terpenalkohol der Formel C10H17OH. Geraniol ist eine farblose, intensiv rosenartig riechende Flüssigkeit; Kp 229,7 “C. Es kommt unter anderem im Geranium-, Rosen-, Palmarosa- und Zitronenöl vor, wird auch synthetisch gewonnen und als Riechstoff verwendet.

Geraniumöl: rosenartig riechendes, aus den Blättern von Pelargonien-Arten durch Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Öl; enthält reichlich Geraniol und wird in der Parfümerie verwendet.

Gérard, François, Baron, 4.5.1770 bis 11.1.1837, französischer Maler im Dienste Napoleons I.; gefeierter klassizistischer Porträtist und Historienmaler der Restaurationszeit.

Geräteglas: Spezialglas zur Herstellung von Laborgeräten, Elektronenröhren, Thermometern unter anderem; Gerätegläser sind zum Beispiel Rasotherm-Glas, Supremax.

Gerätekopplung: lose Verbindung gleichartiger oder im Arbeitsgang einander zugeordneter Feldarbeitsmaschinen und Geräte zwecks Vergrößerung der Arbeitsbreite des Aggregats oder Zusammenfassung von Arbeitsgängen, um höhere Arbeitsproduktivität und Kosteneinsparung zu erzielen. Die Gerätekopplung erfolgt mittels einfacher Kopplungsbalken oder in gelenkten, die Arbeitsmittel tragenden Kopplungswagen.

Geräteträger: spezielle Bauform des Radtraktors, gekennzeichnet durch den freien Raum zwischen Hinterachsantrieb-Block und der über Tragholm mit ihm verbundenen Vorderachse zum Anbau von Arbeitsmaschinen und Geräten.

Gerätturnen: Sammelbezeichnung für sportliche Übungen an Turngeräten. Hauptübungsarten sind Spiel-, Hindernis-, formgebundenes und Leistungsgerätturnen (G. im eigentlichen Sinn; Kunstturnen). Wettkampfmäßig wird das Gerätturnen (jeweils mit Pflicht und Kür) von Männern an Barren, Boden, Reck, Ringen, Pauschenpferd und als Pferdsprung (über das langgestellte Pferd), von Frauen an Boden, Schwebebalken, Stufenbarren und als Pferdsprung (über das seitgestellte Pferd) in Form eines Mehrkampfes mit Ermittlung von Einzelgerätsiegern (durch Turnen einer weiteren Kür) betrieben. Im Mannschaftswettkampf werden an jedem Gerät die 5 besten von 6 Turnern gewertet. Alle Übungen werden von 4 Kampfrichtern mit 0 bis 10 Punkten mit Zehntelpunktunterteilung bewertet (Punktabzüge für Fehler sind klassifiziert), die höchste und die niedrigste Wertung werden gestrichen, die beiden verbleibenden addiert und durch 2 dividiert. Beim Pferdsprung haben Frauen 2 Sprünge auszuführen, der bessere wird gewertet. Olymp. Sportart seit 1896, Weltmeisterschaften seit 1903, Europameisterschaften seit 1955.

Geräusch: 1. Akustik: Schallereignis, dem unpatristischen Schwingungen zugrunde liegen; zum Beispiel rufen plötzliche starke Druckänderungen einen Knall hervor. Siehe auch Klang 1.

2. Jagdwesen: Leber, Lunge, Herz und Nieren des erlegten Schalenwildes; gehört dem Erleger («kleines Jägerrecht»),

Geräuscharchiv: Filmtechnik Sammlung von Magnetfilmen und Magnetbändern mit Schallaufzeichnungen aller Art (Windgeräusche, Regen, Straßenlärm, Tierlaute unter anderem), die am Mischpult mit den Sprach- und Musikaufzeichnungen auf dem «gemischten Magnetfilm» vereinigt werden können.

Geräuschkulisse, akustische Kulisse: Gesamtheit der Geräusche, die zur auditiven Unterstützung des Handlungsablaufs in Theater, Film, Rundfunk, Fernsehen und so weiter notwendig sind; ursprünglich mit mechanischen Geräten wie Donner- und Windmaschinen erzeugt, heute meist durch elektroakustische Geräte.

Geräuschlaute: Sammelbezeichnung für Explosivlaute und Frikativlaute. Siehe auch Laut, Sonore.

Gerbera: (nach einem Arzt) Korbblütler mit gelben, rosa- beziehungsweise lachsfarbenen oder roten Blüten aus Südafrika und Asien; beliebte Zierpflanze (Schnittblume).

Gerberei: Betrieb beziehungsweise Betriebsteil, in dem Häute und Felle mittels Gerbstoffen in Leder umgewandelt werden; im weiteren Sinne Sammelbegriff für physikalisch-chemische Vorgänge bei der Lederherstellung.

Gerbereimaschinen: alle bei der Lederherstellung benötigten maschinellen Einrichtungen, dazu gehören unter anderem Spalt-, Falz-, Schleif-, Bügel- und Spritzmaschinen. Die Gerbereimaschinen müssen die naturbedingten Dicken-, Struktur- und Flächenunterschiede der Haut berücksichtigen.

Gerbmaschine: nach dem Prinzip der Trommelwaschmaschine arbeitendes Gefäß zum Gerben von tierischen Häuten und Fellen.

Gerbmischer: nach dem Prinzip des Transportbetonmischers arbeitendes Gefäß zum Gerben von tierischen Häuten und Fellen.

Gerbmittel: Material, das Gerbstoff in verwertbaren Mengen enthält; dient zum Gerben bei der Lederherstellung. Man unterscheidet organische (pflanzliche, vegetable), anorganische (mineralische), synthetische und sonstige Gerbmittel (zum Beispiel Tran für die Sämischgerbung).

Gerbstoff: wasserlösliche, gerbend wirkender, eiweißfällender Anteil eines Gerbmittels. Bei Gerbstoff aus Pflanzenteilen bilden phenolische Körper die Grundsubstanz. ln anorganischen Gerbmitteln, zum Beispiel Chrom(III)-salz, bilden vorwiegend assoziierte Hydroxokomplexe als basische Salze den Gerbstoffanteil. Auch bestimmte Aldehyde, zum Beispiel Formaldehyd, wirken gerbend. Gerbstoff werden in der Medizin als Adstringenzien äußerlich angewendet; zum Beispiel Arnika- oder Myrrhentinktur bei Entzündungen des Zahnfleisches.

Gerbung: 1. Gesamtheit der sich bei der Lederherstellung vollziehenden physikalisch-chemische Vorgänge. Die Gerbung wandelt die Haut, die im unbehandelten Zustand unter anderem leicht in Fäulnis übergeht oder hornartig auftrocknet, in Leder, das diese nachteiligen Veränderungen nicht mehr aufweist. Nach verwendeten Gerbmitteln unterscheidet man:

a) pflanzlich-synthetische Gerbung, die früher ausschließlich mit pflanzlichen Gerbmitteln durchgeführt wurde (früher vegetabile, Loh- oder Rotgerbung), während heute eine Reihe synthetischer Gerbmittel (Syntane) einen Teil der pflanzlichen Gerbmittel ersetzt;

b) mineralische Gerbung, wobei die gerbende Wirkung basischer Chrom(III)-salze (Chromgerbung), zum Teil auch der Aluminiumsalze (Alaun- oder Weißgerbung) genutzt wird. Etwa 80 % aller Leder werden heute durch Chromgerbung hergestellt, darunter alle Schuhoberleder;

c) Sämisch-, Tran- oder Fettgerbung, die sich der oxydierenden Wirkung ungesättigter, meist tierische Fettstoffe (Trane) bedient. Bei der Neusämisch-Gerbung wird der Behandlung der Hautblößen mit Fettstoffen eine Gerbung vorausgeschickt;

d) Kombinationsgerbung, die sich der unterschiede Wirkung verschiedener Gerbmittel bedient, die gleichzeitig oder nacheinander auf das Gerbgut einwirken und eine weitreichende Variation der Ledereigenschaften ermöglichen. Die Gerbung ist mit Gerbstoffen geringer Adstringenz (Neigung der Gerbstoffe, sich mit Hautsubstanz zu Leder zu verbinden) zu beginnen, da nur dann die Gewähr besteht, dass der gesamte Feinbau des Fasergeflechts der Haut von gerbenden Stoffen durchdrungen wird. Die gegerbte Haut muss noch gefettet, gefärbt und zugerichtet werden. Die Gerbung erfolgt heute meist in rotierenden Gerbgefäßen, wie Gerbfässern, Gerbmischern und Gerbmaschinen.

2. Fototechnik: durch bestimmte Zusätze (zum Beispiel Formaldehyd) beziehungsweise Belichtung entsprechend sensibilisierter Gelatine hervorgerufener chemischer Vorgang, um die Quellfähigkeit der Gelatineschicht herabzusetzen; wird unter anderem beim Lichtdruck ausgenutzt.

Gerechtigkeit: moralisches und rechtliches Prinzip (Ideal), das in seinem konkreten Inhalt die historisch-gesellschaftlich bedingten Interessen und Forderungen bestimmter Klassenkräfte zum Ausdruck bringt; auch Eigenschaft von entsprechendem kollektivem (institutionellem) oder individuellem Denken, Empfinden und Verhalten sowie von sozialen Verhältnissen. Jeder soziale Typ eines Gerechtigkeitsprinzips weist den Mitgliedern einer bestimmten sozialhistorischen Gesellschaft (oder Gemeinschaft) Pflichten und Rechte zu, wie sie dem Wesen dieser Gesellschaft beziehungsweise den Interessen der herrschenden Klasse entsprechen.

Gerechtigkeiten: im Nutzungsrechte an fremden Grundstücken (zum Beispiel Wegerechte) oder mit einem Grundstück verbundene Berechtigungen (zum Beispiel Brau-, Schankgerechtigkeiten).

Gerhaert, Niclaus, Gerhaert von Leyden (niederländisch), 1420/30-1473, Bildhauer; Bahnbrecher realistischer, charakterisierender Menschendarstellung, leitete mit seiner expressiven, raumgreifenden Gestaltungsweise die letzte Phase deutscher spätgotischer Plastik ein. Grabmal des Erzbischofs von Sierck (1462, Trier), Christus am Kreuz (1467, Baden-Baden).

Gerhard, Hubert, 1540/50-1620, niederländischer Bildhauer; wirkte ab 1581 vorwiegend in Augsburg und München; ist ein Hauptvertreter der süddeutschen Bronzeplastik um 1600. Sein Werk, das italienische und nordische Formelemente in sich vereint, kennzeichnet den Stilwandel vom Manierismus zum Frühbarock.

Gerhardt: 1. Gerhardt, Charles Gerhardt, 21.8.1816 bis 19.8.1856, französischer Chemiker; war wesentlich an der Entwicklung der Strukturvorstellungen der Organ. Verbindungen beteiligt.

2. Paul Gerhardt, 12.3.1607-27.5.1676, Dichter; schrieb Kirchenlieder, in denen Religiosität und Daseinsfreude die Resignation überwinden; Höhepunkt der geistlichen protestantischen Lyrik des 17. Jahrhundert

Geriatrie: Lehre von den Krankheiten im Alter, ihrer optimalen Behandlung und den Maßnahmen zu ihrer Vorbeugung. Siehe auch Gerohygiene, Gerontologie.

Geriatrika: Mittel zur Prophylaxe und Behandlung von Alters- und vorzeitigen Abnutzungserscheinungen, zum Beispiel Vitamine, Hormone (Anabolika), Spurenelemente, gefäßaktive Stoffe.

Géricault, Théodore, 26.9.1791 bis 26.1.1824, französischer Maler und Graphiker; gelangte zu einer dramatischen-romantischen Kunst, mit der er den Klassizismus überwand. Sein Hauptwerk, «Das Floß der Medusa» (1818/19), erregte wegen des aktuellen zeitgeschichtlichen Bezuges großes Aufsehen. Géricaults Pferdebilder, voll leidenschaftlicher Realistik, weisen ihn als einen Meister dieses Genres aus. Géricault schuf zwischen 1820 und 1822 zahlreiche Lithographien sozialen Inhalts.

gerichtliche Einigung: im Zivilprozess gütliche Beilegung des Rechtsstreits; das Gericht hat diese Möglichkeit zu prüfen und die Prozessparteien beim Abschluss einer Einigung zu unterstützen. Entspricht die Einigung dem geltenden Recht und genehmigen die Prozessparteien ihren Wortlaut, wird sie durch Protokollierung (in Ehesachen durch Urteil) bestätigt. Die gerichtliche Einigung kann binnen 2 Wochen widerrufen werden; geschieht das, wird das Verfahren fortgesetzt; sonst wird sie verbindlich und ist Vollstreckungstitel. Mit gleicher Wirkung kann eine Einigung auch außerhalb eines Verfahrens zu richterliche Protokoll erklärt werden.

gerichtliche Medizin, Gerichtsmedizin, forensische Medizin, Rechtsmedizin: Spezialfach der medizinischen Wissenschaft, das alle medizinischen Fragen und Probleme, die für die Rechtspflege von Bedeutung sind, unter Anwendung moderner naturwissenschaftlicher Methoden zu klären hat. Hauptaufgabengebiete sind Untersuchung und Beurteilung des nichtnatürlichen Todes (Unfall, Selbsttötung, Tod durch andere Personen), Feststellung von Todesart, Todesursache und -zeit, Identifizierung unbekannter Leichen, Rekonstruktion von Tat- beziehungsweise Unfallhergängen auch anhand der Verletzungen lebender Personen, Begutachtung akuter Alkoholbeeinflussungen unter anderem Besondere Untersuchungsverfahren sind zum Beispiel erforderlich bei Vergiftungen (toxikologische Chemie) und bei Spurenuntersuchungen (Blut-, Sperma- und Speichelspuren, Haare unter anderem biologisches Material, Unterscheidung von Spuren menschlicher und tierischer Herkunft). Im Zivilverfahren steht die Klärung strittiger Vaterschaft (blutgruppenserologisches Gutachten, Tragzeit- und Zeugungsfähigkeitsgutachten) im Vordergrund,

gerichtliche Psychiatrie, forensische Psychiatrie: Zweig der gerichtlichen Medizin; dient unter anderem im Auftrag der Justiz dem Feststellen von Zurechnungsfähigkeit bei Straftaten und der Geschäftsfähigkeit beziehungsweise Mündigkeit.

gerichtliche Psychologie, forensische Psychologie: Zweig der Psychologie für die Belange der Rechtspflege; erforscht die Glaubwürdigkeit von Zeugen, die Schuldfähigkeit von (jugendlichen) Rechtsverletzern, ermittelt psychische Tatbestände, legt Resozialisierungsmaßnahmen für Strafgefangene fest unter anderem

gerichtlicher Verkauf: die im Vollstreckungsverfahren vom Gericht vorgenommene Veräußerung von gepfändeten Sachen, Grundstücken, Gebäuden, Schiffen und Schiffsbauwerken. Der Verkaufserlös wird zur Deckung der Vollstreckungskosten und zur Befriedigung der Forderungen der Gläubiger verwendet. Siehe auch Vollstreckung,

gerichtliche Zahlungsaufforderung: im Zivilprozess beschleunigtes Verfahren zur Durchsetzung unstreitiger Ansprüche auf fällige Geldzahlungen. Der Gläubiger muss Grund und Höhe des Anspruchs bezeichnen und glaubhaft machen, dass der zur Zahlung aufgeforderte Schuldner keine Einwendungen erhoben hat. Die gerichtliche Zahlungsaufforderung wird vom Sekretär erlassen; legt der Schuldner binnen 2 Wochen Einspruch ein, entscheidet die Zivilkammer des Kreisgerichts; sonst wird die gerichtliche Zahlungsaufforderung rechtskräftig und ist Vollstreckungstitel.

Gerichtsherrschaft: Form feudaler Herrschaft über die ländliche Bevölkerung durch die Hoch- beziehungsweise Blutgerichtsbarkeit der Feudalherren.

Gerichtsweg: das gerichtlichen Verfahren zur Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten (früher Rechtsweg genannt). Die Zulässigkeit des Gerichtswegs muss von Amts wegen geprüft werden. Im bürgerlichen Recht diente der Begriff im Sinne der Gewaltenteilungsvorstellungen dazu, die (scheinbar unabhängige) Rechtsprechung der Gerichte prinzipiell von der rechtsverwirklichenden Tätigkeit anderer Staats- und Verwaltungsorgane abzugrenzen.

Gerlach: 1. Erich Gerlach, geboren 9.4.1909, Maler und Zeichner; 1927/29 Studium an der Kunstgewerbeakademie Dresden, danach freischaffend in Dresden tätig; begann unter dem Einfluss von O. Dix, sachlich-zeitkritischen Themen wechseln mit farb-freudig formklaren Darstellungen von Mensch und Landschaft.

2. Ernst Ludwig von Gerlach.

3. Hellmut von Gerlach, 2.2.1866-1.8.1935, Politiker und Publizist; entwickelte sich vom Konservativen zu einem Demokraten und Antifaschisten; war ein führender Vertreter des bürgerlichen Pazifismus (1913/31 Herausgeber der Pazifistischen Wochenschrift «Welt am Montag»); 1933 emigrierte er nach Frankreich.

4. Jens Gerlach, geboren 30.1.1926, Lyriker; schrieb Liebesgedichte («Das Licht und die Finsternis», 1963), Songs, Chansons, Kunst- und Massenlieder, lyrische Porträts von Jazzmusikern («Jazz», 1966) und historische Persönlichkeiten («Dorotheenstädtische Monologe», 1972), den Gedichtband «Der See» (1974), den Chor Text «Jüdische Chronik» (1961); ferner Filmszenarien, Fernsehspiele unter anderem.

5. Leopold von Gerlach, 17.9.1790—10.1.1861, preußischer General, und sein Bruder Ernst Ludwig von, 7.3.1795-18.2.1877, Jurist, waren prominente konservative Politiker, die großen Einfluss auf den preußischen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. ausübten. Sie waren 1848 Mitbegründer konservativer Vereine und der «Neuen Preußischen Zeitung» (Kreuzzeitung) und gehörten zu den führenden Vertretern der preußischen Reaktion (Kamarilla), die maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der Konterrevolution beteiligt waren.

Gerlospaß: Alpenpass in Österreich; 1507 m; verbindet das Gerlostal (östlicher Seitenarm des Zillertals in Tirol) mit dem Pinzgau (Salzburg); über ihn führt seit 1962 die neue Gerlosstraße; Skigebiet auf der Gerlosplatte (1695 m); Gerlos-Wasserkraftwerk (Speicherwerk).

Germanen: der indoeuropäischen Sprachgemeinschaft angehörende große Stammes- und Sprachgruppe, die sich zu Beginn der Eisenzeit aus den bronzezeitlichen Stämmen unterschiedlicher ethnischer Herkunft in den südlichen Gebieten Skandinaviens sowie südwestlich und westlich der Ostsee herausbildete. Überlieferungen antiker Autoren und archäologische Denkmäler zu Beginn unserer Zeit verdeutlichen 3 Gruppierungen, die Nordgermanen (skandinavische Stämme, aus denen später Dänen, Schweden, Norweger, Isländer hervorgingen), die Ostgermanen (Goten, Wandalen, Burgunden, Rugier, Gepiden unter anderem) und die Westgermanen (elbgermanische Stämme: Sueben, Markomannen, Quaden, Hermunduren, Semnonen und Langobarden; nordseegermanische Stämme: Chauken, Angeln, Warnen, Friesen und Sachsen; rheinwesergermanische Stämme: Bataver, Brukterer, Chamaven, Chattuarier, Chatten, Ubier, Tenkterer sowie zeitweilig Cherusker und Angrivarier). Bei Ausdehnung ihres Siedlungsgebietes verdrängten die Germanen die Kelten nach Süden und Westen, gegen Ende des 2. Jahrhundert vor Christus stießen sie mit dem römischen Sklavenhalterstaat zusammen (Kimbern und Teutonen). Nach dem Vordringen der Römer bis zur Elbe wurden diese 9 nach Christus im Teutoburger Wald geschlagen (Arminius) und an Rhein und Donau zurückgedrängt (Anlage des römischen Limes). In der Frühzeit waren die Germanen in Gentes organisiert, trieben Viehzucht und Ackerbau. Den urgesellschaftlichen Verhältnissen entsprach die Religion, ein patriarchalisches Polytheismus (Naturkräfte, Jahreszeiten, gesellschaftliche Einrichtungen des Stammes und der Sippe wurden personifiziert und symbolisiert); bald entstand eine umfangreiche Mythologie. Durch Fortschritte in der Landwirtschaft und der Eisenmetallurgie bildete sich bis zum 1. Jahrhundert vor Christus bei den Germanen auf der Grundlage der fortschreitenden sozialen Differenzierung die Gesellschaftsverfassung der militärischen Demokratie heraus; eine Aristokratie entstand, die sich mit Gefolgschaften umgab. Die Sippengemeinschaften begannen sich in patriarchalischen Hausgenossenschaften (Großfamilien) aufzulösen, die Einzelfamilien wurden selbständiger. Aus den mächtigsten Sippen entwickelten sich die Königsgeschlechter der einzelnen Stämme, in den ersten Jahrhunderten nach Christus setzten im Osten größere germanische Wanderungen ein (Wandalen, Goten, später Burgunden). Im 3. und 4. Jahrhundert erfolgte im Westen die Integration zahlreicher Einzelstämme zu großen Stammesverbänden (Alemannen, Franken, Sachsen unter anderem). Mit dem Einbruch der Hunnen in Europa (375) wurde die Völkerwanderung und damit ein verstärkter Ansturm der germanischen Stämme auf das römische Imperium ausgelöst. Es entstanden verschiedene germanische Staaten auf römischen Boden; siehe auch Völkerwanderung.

Germanenrechte, germanische Volksrechte, Leges Barbarorum: die im 5./9. Jahrhundert aufgezeichneten ältesten Gewohnheitsrechte der germanischen Stämme. Die Germanenrechte wurden zum größten Teil in lateinischer Sprache aufgezeichnet und enthalten Strafbestimmungen über alle Rechtsverletzungen.

germanische Dichtung: Die germanische Dichtung ist großenteils nur mittelbar überliefert durch römische Autoren (Cäsar, Tacitus), spätlateinischer Geschichtsschreiber und volkskundliche Zeugnisse. In der ursprünglichen Form teilweise erhalten ist das Hildebrandslied (als einziges germanisches Heldenlied); weitere umgeformte germanische Lieder und Sprüche finden sich in der Edda. Außer Heldenliedern umfasste die germanische Dichtung mythologische Kultdichtungen, Toten-, Kampf- und Preisgesänge, Opfer- und Zaubersprüche (Merseburger Zaubersprüche) sowie Rätsel; charakteristisch für ihre Form sind stabreimende Langverse mit 2 Halbzeilen.

germanische Kunst: In den ersten Jahrhunderten nach Christus formte sich bei den Germanen ein eigener Zierstil aus, der zunächst besonders die Kleinkunst des Goldschmiedehandwerks prägte, vor allem Filigran, Granulation, Ziselierung. Seit dem 4. Jahrhundert wurde von den Goten am Schwarzen Meer unter anderem das Zellenwerk mit farbigen Steineinlagen übernommen. Typisch für den germanischen Schmuck der Völkerwanderungszeit waren Kerbschnitt-Technik und der «farbige Stil». Seit dem 6. Jahrhundert treten stilisierte Tierornamentik und Flechtbandmuster auf. Erste bildliche Darstellungen in der Kleinkunst (Reiterscheiben, Bildsteine) kommen vor. Um 800 ging die germanische Kunst in Mitteleuropa in die karolingischen Kunst über, doch der Tierstil lebte in Skandinavien noch lange in der Wikingerkunst fort (Bildsteine, Holzschnitzereien).

germanische Religion und Mythologie: Zentrum der Religion war der Kult, das heißt die von einer Gemeinschaft getragene Verehrung göttlicher Wesen, während die (oft dichterisch geprägten) Vorstellungen von Göttern und mythische Wesen (Riesen, Zwergen unter anderem) sowie deren Schicksal ins Gebiet der Mythologie gehören. Die Grenzen zwischen Religion und Mythologie lassen sich nicht immer scharf ziehen (Existenz von Kultmythen). Nur wenige Götter waren gemeingermanisch, zum Beispiel Wodan/Odin, Donar/Thor, Freia/Frigg, über die Religion und Mythologie der Westgermanen ist wenig bekannt; in Nordeuropa sind Hauptquellen die Skaldendichtung und die Edda. Der Isländer Snorri Sturluson (13. Jahrhundert) hat 200 Jahre nach Einführung des Christentums ein ganzes System der nordgermanischen Mythologie aufgestellt, das von der Entstehung der Welt bis zu ihrem Untergang und ihrer Erneuerung reicht.

Germanisches Nationalmuseum: 1852 in Nürnberg gegründet Museum mit bedeutenden Sammlungen zur deutschen Kunst und Kultur von der Frühzeit bis zur Mitte des 19. Jahrhundert. Es enthält Gemälde, Plastik, Graphik, Kunstgewerbe, Volkskunst und Volkskunde, eine Bibliothek und ein Archiv.

germanische Sprachen: zu den indoeuropäischen Sprachen zählende Sprachfamilie, entstanden bis um 500 vor Christus durch die erste (oder germanische) Lautverschiebung und Festlegung des Akzents auf die erste Silbe. Die germanischen Sprachen gliedern sich in Ostgermanisch (Gotisch, Wandalisch, Burgundisch (ausgestorbene Sprachen)), Nordgermanisch oder Skandinavisch (Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Isländisch, Faröisch) und Westgermanisch (Deutsch, Englisch, Friesisch, Niederländisch), das wiederum in Nordsee- (Ingwäonisch), Rhein-Weser- (Istwäonisch) und Elbgermanisch (Erminonisch) untergliedert wird.

germanische Trias: kontinentale Ausbildung der Trias in Mittel- und Westeuropa, mit den Abteilungen Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper; vorwiegend sandige Schichtfolgen, unterbrochen durch karbonatische Ablagerungen im Muschelkalk. Nutzbare Gesteine sind Sandstein, Kalk und Steinsalz.

Germanistik: Wissenschaft von der deutschen Sprache und den deutschsprachigen Literaturen, ursprünglich Altertums- und Rechtskunde der germanischen Völker. Ihre Entstehung im 19. Jahrhundert ist eng verbunden mit dem bürgerlich-progressiven Streben nach einem einheitlichen deutschen Nationalstaat. Sprachwissenschaftlicher Vorarbeiten leisteten unter anderem J. Schottel (Grammatik), M. Kramer und J. L. Frisch (Wörterbücher). J. Herder orientierte auf die funktionalstilistische Vielfalt und die «Kultur der Sprache». Die Grundlage der deutschen Sprachwissenschaft schufen die Brüder Grimm, vor allem mit dem «Deutschen Wörterbuch» und J. Grimms «Deutscher Grammatik» (1819/37), mit der die historische wissenschaftliche Sprachbeschreibung begründet wurde. K Lachmann erhob mit der Übernahme der textkritischen Methode die deutsche Philologie zur selbständigen Wissenschaft. J. A. Schmeller begründete die historische Mundartforschung, die von Germanistik Wenker unter anderem zur Sprachgeographie weiterentwickelt wurde. T. Frings verband Sprachgeographie und Sprachgeschichte. Grundlagen der deutschen Literaturwissenschaft schufen die Romantiker (besonders die Brüder Schlegel); die gesellschaftsgeschichtlich orientierte germanistische Literaturwissenschaft beginnt mit Gervinus, T. W. Danzel und H. Hettner.

Germanium, Symbol Ge: chemisches Element der Kernladungszahl 32; Atommasse 72,59; Wertigkeit +4, seltener +2; F 958,5 °C; Kp 2700°C; Dichte 5,35 g/cm3. Germanium ist ein sehr seltenes, silberglänzendes Halbmetall. Es wird als wertvolles Nebenprodukt aus Zinkblende und Mansfelder Kupferschiefer gewonnen. Reinstgermanium (99,9999999% Germanium) wird in der Halbleitertechnik eingesetzt Siehe auch Germaniumverbindungen. Germanium wurde 1871 von D. I. Mendelejew auf Grund einer Lücke im Periodensystem als Element vorhergesagt und 1886 von B. Winkler entdeckt.

Germaniumverbindungen: Stoffe mit chemisch gebundenem Germanium. Germanium(IV)-oxid, Ge02, ein weiches Pulver, setzt sich mit Basen zu Gemanaten um, die den Silikaten analog sind. Germanium(IV)-chlorid, ist eine farblose Flüssigkeit. Von den (zum Teil selbstentzündlich) Germaniumwasserstoffen ist das Monogerman, GeH4, gasförmig, das Digerman, GeÄ, flüssig; sie sind den Kohlenwasserstoffen analog.

germanotyp: von dem Geologen H. Stille eingeführte Bezeichnung für eine durch Bruchbildung gekennzeichnete tektonische Beanspruchung über konsolidiertem Untergrund. Siehe auch Bruchfaltung, alpinotyp.

Germantown: heute Stadtteil im Nordwesten von Philadelphia (USA). 1683 von deutschen Mennoniten aus Krefeld gegründet; von hier aus erfolgte 1688 der erste offene Protest gegen die Sklaverei. Während des Unabhängigkeitskrieges siegten 1777 bei Germantown britische über amerikanische Truppen unter Germantown Washington.

Germer, Veratrum: Liliengewächs mit breiten Blättern und großer Blütenrispe; Hochgebirgspflanze; der Wurzelstock enthält Alkaloide.

Gernrode: Stadt im Kreis Quedlinburg, Bezirk Halle, am Ostrand des Harzes; 4500 Einwohner; Kur- und Erholungsort (226 m über dem Meeresspiegel); Ferienheim «Fritz Heckert» unter anderem, Sporthalle; Polster-, Schmuck-, Holzwarenindustrie. Die Stiftskirche St. Cyriacus (begonnen um 960, Westchor 12. Jahrhundert, flachgedeckte Emporenbasilika) ist der älteste erhaltene ottonischen Kirchenbau; das in der Datierung umstrittene «Heilige Grab» (Anfang 11. oder Anfang 12. Jahrhundert) gehört mit seinen Stuckreliefs zu den Meisterwerken romanischer Plastik.

Gero, gestorben 20.5.965, seit 937 Markgraf an Mittelelbe und Saale; ging grausam gegen die Elbslawen vor, die sich zwischen 939 und 961 mehrmals gegen die feudale deutsche Unterdrückungspolitik erhoben.

Gerohygiene: Lehre von den Zusammenhängen zwischen Alter und Gesundheit. Die Gerohygiene beschäftigt sich mit den Umweltbeziehungen der Lebensalter, insbesondere beim Menschen in der Rückbildungsphase und im hohen Alter. Empfehlungen für die Lebensführung (richtige Ernährung, Einteilung des Tagesablaufes, körperliche Aktivität, Kleidung) sollen zu hoher Lebensqualität bis in das Greisenalter beitragen.

Geröll: durch Wasser gerolltes, unterschiedlich gerundetes Gesteinsmaterial, das sedimentiert Schotter bildet. Man unterscheidet fluviale Geröll (Flussgeröll) und marine Geröll (Brandungsgeröll).

Gerontokratie, Altenherrschaft: Völkerkunde die Leitung des Gemeinschaftslebens eines Dorfes, Stammes und so weiter durch alte, erfahrene Männer einer Lokalgruppe; siehe auch Ältestenrat.

Gerontologie, Alternsforschung: Lehre vom Altem im weitesten Sinne. Die Gerontologie untersucht die strukturellen und funktionellen, die physische und psychische Alternswandlungen des Organismus (Biomorphose) vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Tod. Die klinische Gerontologie beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Alternswandlungen auf Krankheitsabläufe; Gegenstand der sozialen Gerontologie sind die Zusammenhänge mit den Umweltbedingungen; die experimentelle Gerontologie erforscht die Ursachen des Alterns.

Gerson, Wojciech, 1.7.1831-25.2.1901, polnischer Maler und Illustrator, seit 1872 Lehrer an der Kunstschule in Warschau; schuf feinempfundene Landschaften, patriotische und sozialkritische Historien- und Alltagsbilder im Sinne des Naturalismus («Obdachlos», 1859).

Gerstäcker, Friedrich, 10.5.1816-31.5.1872, Schriftsteller; begründete (neben C. Sealsfield) die moderne deutschsprachige Reise- und Abenteuerliteratur («Die Regulatoren in Arkansas», 1845; «Die Flusspiraten des Mississippi», 1848).

Gerste, Hordeum: Gattung einjähriger oder einjährig überwinternder Gräser, als Kulturpflanzen werden die Zweizeilige Gerste mit 2 Kornreihen (meist Sommergerste) vorwiegend als Braugerste (Malz) und die Mehrzeilige Gerste (meist Wintergerste) als Futter verwendet (siehe auch Getreide). Die Mäusegerste ist ein weit verbreitetes Unkraut.

Gerstenberg, Heinrich Wilhelm von, 3.1.1737 bis 11.1823, Schriftsteller; verwies auf W. Shakespeare und die Volkspoesie und regte mit dem «Gedicht eines Skalden» (1766) die patriotische Bardendichtung (besonders F. Klopstocks) und mit der Tragödie «Ugolino» (1768) die Dramatik des Sturm und Drang an.

Gerstenkorn, Hordeolum: akute eitrige Entzündung der Talg- oder Schweißdrüsen des Augenlides.

Geruchsorgan: Sinnesorgan zur Wahrnehmung und Unterscheidung von Riechstoffen; bei luftatmenden Wirbeltieren und beim Menschen als Riechschleimhaut im oberen Teil der Nasenhöhle (Riechfeld, Regio olfactoria) ausgebildet.

Geruchssinn: Vermögen zur Wahrnehmung von organischen, gasförmig vorliegenden Molekülen beziehungsweise Gesamtheit von anatomischen Strukturen und physiologischen Prozessen, die diesem Vermögen zugrunde liegen. Der Geruchssinn ist ein chemischer Sinn, da die im oberen Nasengang liegenden Geruchsrezeptoren mit Erregung antworten, wenn sie mit diesen Molekülen in Berührung kommen. Es entstehen Generatorpotentiale und von diesen ausgelöste Aktionspotentiale, die die Geruchssinns Information zum Gehirn übertragen.

Geruchsverschluss, Traps, Siphon: U- oder S-förmig gekrümmtes oder mit Tauchwand versehenes und mit Wasser gefülltes Rohrstück an Abortbecken, Waschbecken unter anderem, dass das Ausströmen von Kanalgasen verhindert.

Gerundium: von einem Verb abgeleitetes Substantiv, zum Beispiel im Lateinischen ars «scribendi» (die Kunst des Schreibens).

Gerundivum: von einem Verb abgeleitetes Adjektiv, zum Beispiel im Lateinischen «laudandus» (einer, der gelobt werden muss).

Gerusia: Rat der Alten in einigen altgriechisch Poleis, besonders in Sparta. In Sparta gehörten der Gerusia neben den 2 Königen 28 von der Apella (Volksversammlung) gewählte Geronten (über 60 Jahre alte Spartiaten) an. Die Gerusia hatte richterliche Befugnisse, bereitete die Beschlüsse der Apella vor und war beratendes Organ der Könige.

Gerüst: Hilfskonstruktion aus Holz, Stahl unter anderem für Maurer-, Stuck-, Schalungsarbeiten und so weiter. Man unterscheidet das abgebundene Gerüst zum Einrüsten hoher Bauwerke und zur Aufnahme hoher Lasten; das Bockgerüst aus Stahl- oder Holzschragen und Bohlen für Rüstungen im Gebäude; für Reparaturen das Auslegergerüst, aus dem Bauwerk auskragend als Schutz- und Arbeitsrüstung sowie das Hängegerüst, an der Gebäudefront mit Haken und Hängeeisen befestigt; das Lehrgerüst, ein ingenieurmäßig berechnetes und abgebundenes Gerüst zur Unterstützung und Formgebung von Gewölben, zum Beispiel im Brückenbau.

Gerüstast: Ast der Obstbaumkrone, der über mehrere Jahre bis zur vollen Nutzung des Standraumes herausgebildet wird und während der gesamten Standzeit bestehen bleibt. Siehe auch Fruchtast.

Gervais: (nach dem Begründer der französischen Herstellerfirma) Doppelrahmfrischkäse (60% Fett in der Trockenmasse) von mildem, pikantem Geschmack.

Gervinus, Georg Gottfried, 20.5.1805-18.3.1871, Literaturhistoriker; 1836 Professor in Göttingen (Göttinger Sieben); seine «Geschichte der poetischen Nationalliteratur der Deutschen» (5 Bände, 1834/42) stellte als erste die deutsche Literatur im Zusammenhang mit der politischen Geschichte dar.

Gesamtarbeit: Aufwand an lebendiger und vergegenständlichter Arbeit, der zur Herstellung einer bestimmten Warenmenge erforderlich ist. Handelt es sich um den gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwand, der unter gegebenen gesellschaftlichen durchschnittlichen Produktionsbedingungen zur Deckung eines bestimmten gesellschaftlichen Bedarfs erforderlich ist, dann bestimmt die Menge der Gesamtarbeit den Wert der produzierten Waren.

Gesamteigentum: gemeinschaftlicher Eigentum an einem Grundstück, Gebäude oder einer anderen Sache, das mehreren Eigentümern gemeinsam zusteht (früher Eigentum zur gesamten Hand, Gesamthandsgemeinschaft genannt). Es bestehen keine Anteilsrechte, über die selbständig verfügt werden kann. Gesamteigentum sind die gemeinschaftlichen Sachen der Gemeinschaft von Bürgern, der Mietergemeinschaft, der Erbengemeinschaft und der Ehegatten. In allen anderen Fällen der Eigentümermehrheit besteht Miteigentum. Für das Gesamteigentum der Ehegatten gelten die besonderen Bestimmungen des Familienrechts. Die Auflösung des Gesamteigentums erfordert im Allgemeinen Auflösung des zwischen den Eigentümern bestehenden Verhältnisses, aus dem sich auch Auseinandersetzungsansprüche ableiten. Lediglich bei der Mietergemeinschaft entfallen Auseinandersetzungsansprüche.

Gesamtgläubiger: mehrere Gläubiger, die zur Forderung einer Leistung in der Weise berechtigt sind, dass jeder vom Schuldner die ganze Leistung für sich fordern kann, der Schuldner aber nur einmal zu leisten hat. Die Gesamtgläubiger sind untereinander ausgleichspflichtig.

Gesamtnährstoff: in der Schweine- und Geflügelfütterung früher benutzte Futtereinheit, die sich aus der Summe der verdaulichen Nährstoffe bei Berücksichtigung des höheren Energiegehalts des Fettes ergibt.

Gesamtrechnung: Sachgebiet der Rechnungsführung und Statistik des Betriebes, mit dem auf der Grundlage ausgewählter Kennziffern, ihrer Systematisierung, Kombination und Analyse ein umfassender Überblick über den Reproduktionsprozess eines Betriebes oder Kombinates in seiner Komplexität, wesentliche Ursache-Wirkung-Zusammenhänge und Entwicklungstendenzen zu geben ist. Zur Gesamtrechnung gehören Gesamtübersichten und -analysen. Siehe auch volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

Gesamtschuldner: mehrere Schuldner einer Leistung, die der Gläubiger zwar nur einmal, aber wahlweise von jedem Schuldner in voller Höhe verlangen kann. Der in Anspruch genommene Gesamtschuldner kann von dem übrigen Gesamtschuldner grundsätzlich anteiligen Ausgleich verlangen.

Gesamtvollstreckung: zivilprozessuales Vollstreckungsverfahren zugunsten aller Gläubiger eines überschuldeten oder zahlungsunfähigen Schuldners. Die Gesamtvollstreckung erfasst das gesamte pfändbare Vermögen des Schuldners, das von einem gerichtlich bestellten Verwalter in Besitz genommen, verwertet und nach gesetzlicher Rangfolge verteilt wird. Siehe auch Konkurs.

Gesang: Musikausübung mit der menschlichen Stimme. In der Regel sind im Gesang Wortsprache und Musik miteinander verbunden (siehe auch Prosodie). Sprachfreie Gesangsarten spielen in Europa, im Unterschied zu einigen außereuropäischen Kulturen, eine untergeordnete Rolle. Man unterscheidet beim Gesang verschiedene «Register»:

a) das tiefe (die volltönende Bruststimme);

b) das hohe (die schlankere Kopfstimme);

c) das mittlere (die ausgleichende Mittelstimme aus Anteilen des tiefen und hohen Registers). Siehe auch Atemtechnik, Stimmbildung. Die Geschichte des Gesangs reicht in die Urzeit der Menschheit zurück und ist oft durch weltanschauliche Bindungen beeinflusst. Als methodisch gepflegte Kunst ist Gesang bereits in der Antike nachweisbar. In der Neuzeit zeugen musikalische Gattungen wie Oper, Oratorium, Solokantate und begleitetes Sololied vom hohen, historisch gewordenen Entwicklungsstand der Gesangskunst.

Gesar: Titelheld einer in vielen Varianten teils in Versen, teils in Prosa überlieferten Sage mit demokratischen und antireligiösen Zügen, die sich von Tibet aus über Innerasien verbreitete. Die meisten Niederschriften sind in tibetischer, mongolischer und türkischer Sprache abgefasst (ältester Druck in mongolischer Sprache, Peking 1716); bis ins 20. Jahrhundert in der mündlichen Überlieferung lebendig.

Gesäßmuskeln: 3 unterschiedlich große Muskeln zwischen Becken und Oberschenkelbein mit Funktionen auf das Hüftgelenk.

gesättigte Verbindungen: organische Verbindungen, in denen die Kohlenstoffatome ausschließlich durch Einfachbindungen miteinander verknüpft sind. Gesättigte aliphatische Kohlenwasserstoffe heißen Alkane, gesättigte monozyklische Kohlenwasserstoffe Zykloalkane.

Geschädigter: der durch eine Straftat in physischer, psychischer oder materieller Hinsicht Betroffene; bestimmte Delikte werden nur auf Antrag des Geschädigter verfolgt, zum Beispiel fahrlässige Körperverletzung, unbefugte Benutzung von Kraftfahrzeugen.

Geschäftsordnung: Richtlinie für den Arbeitsablauf in Volksvertretungen, Ausschüssen, auf Tagungen und so weiter.

Geschäftsträger: Diplomat, der den Chef der Mission in dessen Abwesenheit vertritt oder zwischenzeitlich für ihn amtiert (G. ad interim); seltener auch ständiger Chef einer diplomatischen Mission.

Gescheide: Eingeweide des Wildes; der Magen wird als «großes Gescheide», die Därme als «kleines Gescheide» bezeichnet.

Geschichte: (zu «geschehen») Entwicklungsprozess in Natur und Gesellschaft; im engeren Sinne objektiver, in seiner Mannigfaltigkeit einheitlicher und gesetzmäßiger Entwicklungsprozess der menschlichen Gesellschaft in ihrer Gesamtheit und in ihren Teilen, dessen widerspruchsvolles Fortschreiten vom Niederen zum Höheren von der Entstehung, Entwicklung und Ablösung ökonomischer Gesellschaftsformationen von der Urgesellschaft bis zum Sozialismus/Kommunismus gekennzeichnet ist.

Geschichtsklitterung: sinnentstellende, unwissenschaftliche Geschichtsschreibung.

Geschichtsphilosophie: zusammenfassende Bezeichnung für philosophische Theorien über die Geschichte der menschlichen Gesellschaft, ihre Triebkräfte und Gesetzmäßigkeiten sowie über die Möglichkeiten und Aufgaben der Geschichtswissenschaft. Erste Auffassungen entstanden mit der Entwicklung der Philosophie in der Antike. Einen Höhepunkt erreichte sie in der klassischen bürgerlichen Geschichtsphilosophie, die im Kampf gegen den Feudalismus und dessen theologische Geschichtsphilosophie den Versuch einer rationalen, diesseitigen Erklärung geschichtlicher Zusammenhänge unternahm. Ihre größte Errungenschaft ist die Idee des geschichtlichen Fortschritts. Der Hauptmangel aller vormarxistischen Geschichtsphilosophie war, dass sie entsprechend ihrem idealistischen Ausgangspunkt «im besten Falle nur die ideellen Motive des geschichtlichen Handelns der Menschen zum Gegenstand der Betrachtung gemacht» und dass sie «die Handlungen der Massen der Bevölkerung außer Acht gelassen» hat (Lenin). Mit der Ausarbeitung der materialistischen Geschichtsauffassung hoben Marx und Engels die Geschichtsphilosophie im bisherigen Sinne auf. Sie vollzogen eine Revolution im geschichtstheoretischen Denken, indem sie dieses als Wissenschaft von den allgemeinen Entwicklungsgesetzen der menschlichen Gesellschaft begründeten (dialektischer und historischer Materialismus).

Geschlechtsdiagnose: Feststellung des Geschlechts. Die genetische Geschlechtsdiagnose erfolgt bei gestörter Geschlechtsentwicklung des Menschen oder in der Kriminalistik durch den Nachweis der Geschlechtschromosomen (XX-Chromosomen bei der Frau und XY-Chromosomen beim Mann) in Geweberesten. Unterschiede im Körperbau und geschlechtsspezifischen morphologische Merkmale, insbesondere am Schädel und Becken, erlauben auch eine Geschlechtsdiagnose an Skelettresten.

Geschlechtserkennung: Feststellung des Geschlechts, zum Beispiel bei Küken des Wirtschaftsgeflügels, da eine nach Geschlechtern getrennte Aufzucht vor allem der Hühner Vorteile bringt. Häufig wird die Japanische Methode angewandt, bei der die Kloake der Tiere ausgestülpt und je nach Ausbildung des Geschlechtshöckers eine Sortierung vorgenommen wird. Bei bestimmten Rassen und Kreuzungstieren ist eine Differenzierung nach Dunenfärbung oder Befiederungs-Geschwindigkeit möglich.

Geschlechtskrankheiten, venerische Krankheiten (nach der Göttin Venus): zusammenfassende Bezeichnung für meldepflichtige Infektionskrankheiten, die fast stets durch Geschlechtsverkehr übertragen werden und deren erste Krankheitszeichen meist an den Geschlechtsteilen (siehe auch extragenital) auftreten (Gonorrhoe, Syphilis); selten sind weicher Schanker und Lymphopathia venerea. Granuloma venereum tritt nur in den Tropen auf. Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten und deren Behandlung dürfen nur Fach-

Geschlechtsmerkmale, Geschlechtscharaktere: Merkmale, durch die sich Individuen verschiedenen Geschlechts einer Art unterscheiden. Primäre Geschlechtsmerkmale sind die Gesamtheit der Geschlechtsorgane; sekundäre Geschlechtsmerkmale können an allen Körperteilen auftreten (beim Mann Bart, Körperbehaarung, Adamsapfel, bei der Frau Brüste, breiteres Becken, höhere Stimme); tertiäre Geschlechtsmerkmale betreffen den gesamten Körperbau sowie funktionelle und psychische Unterschiede. Die volle Herausbildung der sekundären und tertiären Geschlechtsmerkmale erfolgt in der Reifephase (Pubertät) unter hormonellem Einfluss.

Geschlechtsreife: Stadium der Entwicklung des Organismus, das durch Funktionstüchtigkeit der Geschlechtsdrüsen gekennzeichnet ist. Obgleich durch die Produktion geringer Mengen von Geschlechtshormonen schon im kindlichen Organismus der männliche (durch Testosteron aus den Hoden) beziehungsweise weibliche Typ (durch Östradiol aus den Eierstöcken) kenntlich ist, führt erst die Bereitstellung größerer Hormonmengen unter dem Einfluss der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) zur Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale und dem Einsetzen des Geschlechtstriebes.

Geschlechtssystem, Genitalsystem: Gesamtheit der Geschlechtsorgane (Genitalien, Sexual-, Fortpflanzungs-, Reproduktionsorgane). Männliche Geschlechtsorgane:

a) innere (Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, akzessorische Geschlechtsdrüsen),

b) äußere (Hodensack, Penis);

weibliche Geschlechtsorgane:

a) innere (Eierstock, Eileiter, Gebärmutter, Scheide),

b) äußere (große und kleine Schamlippen, Kitzler). Das Geschlechtssystem dient der geschlechtlichen Fortpflanzung vielzelliger Tiere und des Menschen.

Geschlechtsumwandlung: unter natürlichen Bedingungen seltener Vorgang, durch den ein fortpflanzungsfähiger Organismus Aussehen und Verhalten des anderen Geschlechts annimmt (bei Zahnkarpfen und Ringelwürmern relativ häufig).

geschlossene Zucht: Zucht von Tieren einer Linie, Rasse oder Teilpopulation, bei der die Verpaarung nur untereinander stattfindet. Voraussetzung ist eine Mindestanzahl von Leistungsfamilien, um Nachteile der Inzucht zu vermeiden.

Geschmacksknospen: Rezeptoren für Geschmacksempfindungen.

Geschmacksorgan: Gesamtheit der zur Wahrnehmung und Unterscheidung gelöster Stoffe dienenden Geschmacksknospen; liegen beim Menschen und bei Landtieren im Epithel der Zunge, des Gaumens oder des Kehldeckels, selten im oberen Abschnitt der Speiseröhre.

Geschmackssinn: Fähigkeit zum Erkennen und Unterscheiden von Geschmacksstoffen (organische und anorganische Substanzen, zum Beispiel Zucker, Salze) beziehungsweise Gesamtheit aller anatomischen Strukturen und physiologische Prozesse, die dieser Fähigkeit zugrunde liegen. Der Geschmackssinn ist ein chemischer Sinn, dessen Rezeptoren auf der Zungenschleimhaut in Geschmacksknospen und -papillen angeordnet sind. Der Geschmack beruht auf den vier Grundqualitäten süß, sauer, salzig und bitter, die in charakteristischer Weise auf der Zunge verteilt sind (Zungenspitze süß; seitlich salzig und sauer; Zungengrund bitter).

Geschmeiß: Greifvögel-, Reiherkot; siehe auch Losung.

geschnittene Ware: im Unterschied zu regulärer Ware Trikotagen, Pullover u. ä., deren Einzelteile aus gestrickten oder gewirkten Stoffbahnen zu gewünschten Größen zugeschnitten und zusammengenäht werden.

Geschoss: (zu «schießen») Körper, der mit der Hand (Stein, Handgranate, Lanze), mit einer Wurf- oder Schusswaffe (Pfeil, Gewehr- und Artilleriegeschoß), durch Abwurf (Bombe) oder Starteinrichtung (Rakete) in ein Ziel befördert wird. Aus Schützenwaffen verschossene Geschosse bestehen meist aus Bleikern und Stahlmantel oder Stahlkern, innerem Blei- und äußerem Stahlmantel. Panzerbrandgeschoß rufen nach Durchschlagen leichter Panzerungen einen Brand hervor. Leuchtspurgeschosse markieren die Flugbahn. Brandgeschoß dienen zur Entzündung leicht entflammbarer Ziele.

Geschoßwerfer: rohr- oder schienenförmige, horizontal und vertikal schwenkbare Startvorrichtung (gebündelte Schienen oder dünnwandige Rohre) für den Start reaktiver Geschosse. Die auf geländegängigen Fahrzeugen oder Lafetten montierten Geschoßwerfer werden zur Bekämpfung von Flächenzielen eingesetzt und verfügen über eine hohe Feuerkraft. Verschossen werden Splitter-, Splitterspreng-, Brand- und Nebelgeschosse.

Geschütz: (zu «schießen») Feuerwaffe zum gezielten Verschießen von Granaten; Hauptteile sind das Rohr mit Verschluss und die Lafette beziehungsweise Bodenplatte. Die Geschütze werden gezogen oder sind selbstfahrend. Man unterscheidet nach Verwendungszweck und Aufbau Kanonen, Haubitzen (G. mit relativ kurzem Rohr, geringer Anfangsgeschwindigkeit und veränderliche Ladung zum Schießen von Steilfeuer bei Rohrerhöhungen bis zu 70°), Kanonenhaubitzen (G., welche die Eigenschaften von Kanonen und Haubitzen begrenzt in sich vereinigen), Panzerabwehrkanonen, rückstoßfreie Geschütz (G. mit glattem Rohr und einem nach hinten offenen, düsen förmigen Verschluss, aus dem beim Schuss ein Teil der Pulvergase austritt und dadurch die Rückstoßenergie kompensiert), Granatwerfer, Geschoßwerfer.

Geschützrichtstation: Funkmessgerät zur mittelbaren Leitung des Feuers der Flakartillerie, das unabhängig vom Wetter und von der Sicht über große Entfernungen mit hoher Genauigkeit ständig die Koordinaten (Geschwindigkeit, Entfernung, Seiten- und Höhenwinkel) eines Luftzieles und deren Veränderungen ermittelt und diese Werte an das Kommandogerät gibt.

geschützte Baumreihen: als Naturdenkmal ausgewiesene Bäume beziehungsweise Alleen, die mit hohem Alter, besonderem Wuchs, Seltenheits- oder landschaftsprägendem Wert auch landeskulturelle Leistungen verbinden.

geschützte Pflanzen: bestandsgefährdete, vom Aussterben bedrohte heim, wildwachsende Pflanzenarten, deren Erhaltung über Arten- und Biotopschutz angestrebt wird. Siehe auch Naturschutz.

geschützte Tiere: bestandsgefährdete, vom Aussterben bedrohte wildlebende Tierarten mit Ausnahme der dem Naturschutz und Jagdrecht nicht unterstellten Arten. Siehe auch Naturschutz.

Geschwindigkeit: Quotient aus zurückgelegtem Weg und zugehöriger Zeit (bei gleichförmig geradliniger Bewegung), genauer die Ableitung des Weges nach der Zeit; Zeichen v, SI-Einheit m/s. Die Geschwindigkeit ist eine vektorielle Größe und hat bei der Bewegung eines Körpers auf einer im Allgemeinen krummlinigen Bahn die Richtung der momentanen Bahntangente. Die Winkelgeschwindigkeit (Winkel-, Kreisfrequenz) bei Drehbewegungen ist der Quotient aus durchlaufenem Winkel und zugehöriger Zeit (bei gleichförmiger Rotation), genauer die Ableitung des Winkels nach der Zeit; Zeichen w, SI-Einheit rad/s beziehungsweise 1/s. Die Winkelgeschwindigkeit ist eine vektorielle Größe und hat die Richtung der momentanen Drehachse. Im Eisenbahnverkehr unterscheidet man zwischen technischen, mittlerer oder Fahrgeschwindigkeit (Quotient aus zurückgelegtem Weg und reiner Fahrzeit) und Reisegeschwindigkeit (Quotient aus zurückgelegtem Weg und Reisezeit). In der Seeschifffahrt wird die Geschwindigkeit in Knoten, in der Binnenschifffahrt in km/h angegeben.

Geschwister: (zu «Schwester») Personen, die beide Elternteile (vollbürtige Geschwister) oder einen Elternteil (halbbürtige Geschwister) gemeinsam haben. Stiefgeschwister ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die von einem Ehegatten in die Ehe mitgebrachten Kinder im Verhältnis zu den vom anderen Ehegatten in die Ehe mitgebrachten Kindern; sie haben keinen Elternteil gemeinsam und sind miteinander weder verwandt noch verschwägert.

Geschworene: (zu «schwören») Laienrichter in der bürgerlichen Strafrechtspflege. Im Geschworenengericht entscheiden die Geschworene über die Schuld- und die Berufsrichter über die Rechtsfrage (zum Beispiel in den USA).

Geschwulst, (zu «schwellen») Tumor: im weiteren Sinne Schwellung, im engeren Sinne eigengesetzliche gewebliche Neubildung mit fortschreitendem Wachstum; gutartige (benigne) Geschwülste wachsen verdrängend und bleiben auf den Ursprungsort beschränkt; bösartige (maligne) Geschwülste durchsetzen und zerstören das umgebende Gewebe und bilden Tochtergeschwülste (Metastasen).

Geselchtes: bayerische und österreichische Bezeichnung für gepökeltes und geräuchertes (Schweine-)Fleisch.

Gesellschaft, Die: «Realistische Zeitschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben», 1885/1901 von M. Conrad als Organ der Münchener Naturalisten herausgegeben; wandte sich gegen die verlogene kleinbürgerliche Literatur des kaiserlichen Deutschlands und machte den europäischen Naturalismus in Deutschland bekannt.

Gesellschaft der Jahreszeiten: französisch republikanischer Geheimbund zur Zeit des Julikönigtums. Die Gesellschaft der Jahreszeiten (Führer unter anderem A. Blanqui und A. Barbäs) hatte etwa 1200 Mitglieder, die dem Kleinbürgertum (Intelligenz) und der Arbeiterklasse entstammten. Ihr Ziel bestand im Sturz des Bürgerkönigs und in der Errichtung einer auf utopisch-kommunistischen Auffassungen beruhenden «sozialen Republik». Nach einem gescheiterten Aufstandsversuch (Mai 1839) brach die Gesellschaft der Jahreszeiten zusammen.

gesellschaftliches Bewusstsein: Gesamtheit der Anschauungen, Auffassungen und Theorien von der Gesellschaft. Sie sind jeweils Bestandteil des Überbaus. Das gesellschaftliche Bewusstsein ist vom gesellschaftlichen Sein abhängig und wird von ihm bestimmt. Es ist also nicht das summierte individuelle Bewusstsein aller Menschen, sondern, seinem Charakter nach gesellschaftlich bedingt und geformt, ein Produkt der gesamten sozialen Entwicklung, deren verschiedene historische Stufen vor allem durch die ökonomische Gesellschaftsformationen und die für diese charakteristischen Klassenverhältnisse markiert sind. Seinem Inhalt nach ist das gesellschaftliche Bewusstsein die Widerspiegelung des gesellschaftlichen Seins sowie der objektiven Welt insgesamt. Dieser reiche Inhalt existiert in Gestalt verschiedener, gegeneinander relativ abgegrenzter Bewusstseinsformen (politisches, rechtliches, philosophisches, wissenschaftliches, moralisches, ästhetisches, religiöses Bewusstsein). In der Klassengesellschaft hat das gesellschaftliche Bewusstsein Klassencharakter, wobei in jeder Epoche die Gedanken der herrschenden Klasse die herrschenden Gedanken sind. Das gesellschaftliche Bewusstsein erfüllt eine notwendige Funktion in der Existenz und Entwicklung der Gesellschaft, denn «in der Geschichte der Gesellschaft sind die Handelnden lauter mit Bewusstsein begabte, mit Überlegung oder Leidenschaft handelnde, auf bestimmte Zwecke hin arbeitende Menschen; nichts geschieht ohne bewusste Absicht, ohne gewolltes Ziel». Das gesellschaftliche Bewusstsein wird zu einer weltverändernden Kraft, wenn es eine richtige Widerspiegelung der materiellen Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten des gesellschaftlichen Lebens ist und die Massen ergreift. Das sozialistische Bewusstsein ist zunächst in der Praxis des proletarischen Klassenkampfes entstandene Widerspiegelung der materiellen Existenzbedingungen und der Klasseninteressen des Proletariats; es trägt wie jede Ideologie Klassencharakter, ist jedoch nicht illusionäres, sondern wissenschaftlichen Bewusstsein, in seiner höchsten Form marxistisch-leninistischen Bewusstheit.

gesellschaftliches Eigentum: gesellschaftliche Nutzung der Produktionsmittel und gesellschaftliche Aneignung der Resultate der Produktion; Grundform des Eigentums an Produktionsmitteln, die jede Form der Ausbeutung ausschließt. Gesellschaftliches Eigentum existierte in der Urgesellschaft, und es ist die herrschende Eigentumsform in der kommunistischen Gesellschaftsformation.

gesellschaftliches Gesamtprodukt, gesellschaftliches Bruttoprodukt: Gesamtheit der von der Gesellschaft in einem Jahr erzeugten materiellen Güter und produktiven Leistungen. Stofflich besteht das gesellschaftliche Gesamtprodukt aus Konsumtionsmitteln, Produktionsmitteln (Rohstoffen, Halbfabrikaten und fertigen Produktionsmitteln) sowie aus produktiven Leistungen. Wertmäßig setzt sich das gesellschaftliche Gesamtprodukt aus dem Ersatzfonds und dem Nationaleinkommen zusammen.

gesellschaftliches Sein: Grundbegriff des historischen Materialismus, der die Gesamtheit jener gesellschaftlichen Existenzbedingungen und -Verhältnisse abbildet, die außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein der Menschen existieren. Das gesellschaftliche Sein ist dem gesellschaftlichen Bewusstsein gegenüber primär.

gesellschaftliche Verhältnisse: Gesamtheit der wechselseitigen Beziehungen der Menschen, die sie in der Produktion ihres materiellen Lebens und darüber hinaus in allen anderen Lebensbereichen eingehen. Der Marxismus-Leninismus hat nachgewiesen, dass zwischen materiellen und ideologischen gesellschaftliche Verhältnisse zu unterscheiden ist, wobei die ideologische gesellschaftliche Verhältnisse von den materiellen abgeleitet sind, von ihnen bestimmt werden und über diesen einen Überbau bilden. Die materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse, als die Basis der Gesellschaft, sind die ökonomischen oder Produktionsverhältnisse. S. a. Basis und Überbau; Gesellschaftsformation, ökonomische.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Abkürzung GmbH: rechtsfähiges Unternehmen mit Stammkapital, Stammeinlagen und entsprechend Geschäftsanteilen der Gesellschafter, nach denen sich ihr Stimmrecht und Anspruch auf Gewinnbeteiligung richten. Die von der Gesellschaftsversammlung bestellten Geschäftsführer vertreten die GmbH. Für Verbindlichkeiten der GmbH haftet nur das Gesellschaftsvermögen.

Gesellschaftsbau: Zweig der Bauindustrie, dem die Durchführung der zentral- und örtlich geleiteten Bauvorhaben für die Bereiche Handel und Versorgung, Wissenschaft, Hoch- und Fachschulwesen, Volksbildung, Kultur, Gesundheitswesen, Sport, Justiz, Finanzen und Außenhandel sowie aller Verwaltungsbauten (sofern diese nicht Bestandteil anderer Investitionen sind) obliegt.

Gesellschaftsformation, ökonomische: grundlegende Existenz- und Entwicklungsform der Gesellschaft, die auf einer bestimmten Produktionsweise beruht und einen bestimmten Überbau von Anschauungen und Institutionen hervorbringt. Der von Marx ausgearbeitete Begriff der ö. Gesellschaftsformation bildet das Fundament der materialistischen Geschichtsauffassung, die die Geschichte als gesetzmäßigen Prozess der Entstehung, Entwicklung und Ablösung von ö. Gesellschaftsformation erklärt. Der Begriff der ö. Gesellschaftsformation ermöglicht, aus der Gesamtheit der gesellschaftlichen Verhältnisse die in letzter Instanz von der Entwicklung der 1 Produktivkräfte abhängigen Produktionsverhältnisse als die bestimmenden hervorzuheben, die Entstehung der Anschauungen und Institutionen aus ihren materiellen gesellschaftlichen Ursachen zu erklären und die Gesellschaft als einen einheitlichen «sozialen Organismus» zu erkennen, der letztlich durch die Produktionsweise geprägt ist. Er ermöglicht ferner, Länder ähnliche Entwicklungsstufe miteinander zu vergleichen, das wissenschaftliche Kriterium der Wiederholbarkeit anzuwenden und in der Durchsetzung der gesellschaftlichen Hauptentwicklungslinie die gesetzmäßige Abfolge ö. Gesellschaftsformation zu erkennen (Urgesellschaft, Sklaverei-Gesellschaft, Feudalismus, Kapitalismus, Kommunismus).

Gesellschaftsinseln, Tahiti Inseln: vulkanisch, von Korallen umsäumte Inselgruppe (etwa 15 Inseln und Atolle) im Stillen Ozean, Teil Französisch-Polynesiens; 1647kmJ, 120000 Einwohner; Verwaltungszentrum Papeete. Die Gesellschaftsinseln gliedern sich in eine Ostgruppe (Inseln über dem Wind) mit Tahiti als Hauptinsel und in eine Westgruppe (Inseln unter dem Wind); tropisches Seeklima; bewaldet; Kokospalmenpflanzungen (Kopra Gewinnung); Anbau von Vanille, Zuckerrohr, Bananen, Kaffee, Ananas; Perlenfischerei; Fischfang; Phosphatabbau; Fremdenverkehr. Seit Mitte des 1. Jahrhundert von Polynesiern besiedelt, im 17./18. Jahrhundert von europäischen Seefahrern entdeckt, benannt von J. Cook zu Ehren der Royal Society (Königliche Gesellschaft, die britische Akademie, London); 1842 französischer Protektorat, 1880 von Frankreich annektiert. Siehe auch Französisch-Polynesien, Tahiti.

Gesellschaftsordnung: das eine bestimmte ökonomische Gesellschaftsformation charakterisierende System der sozialen Beziehungen. Zum Beispiel ist die sozialistische Gesellschaftsordnung dadurch charakterisiert, dass es keine Verhältnisse der Ausbeutung und keine antagonistischen Klassen mehr gibt, sondern die sozial gleichgestellten Mitglieder befreundeter Klassen unter Führung der Arbeiterklasse in gemeinsamer Arbeit den gesellschaftlichen Reichtum erzeugen, der allen nach Maßgabe ihrer Leistung zufließt.

Gesellschaftsspiele: Spiele zur Unterhaltung im geselligen Kreise (zum Beispiel Pfänder-, Karten-, Brett- und Würfelspiele).

Gesellschaftsstück: Bezeichnung der bürgerlichen Literaturwissenschaft für (zumeist unterhaltsame) Stücke seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert, die im Milieu der wohlsituierten adligen oder bürgerlichen Gesellschaft spielen, auch Salonstücke genannt (zum Beispiel Werke von E. Scribe, O. Wilde, H. Bahr). Dagegen wird der Begriff sozialistischer Gesellschaftsstück mitunter für zeitgenössische Werke benutzt, in deren Mittelpunkt Auseinandersetzungen um bedeutende Entwicklungsprobleme der sozialistischen Gesellschaft stehen.

Gesellschaftstanz: Sammelbezeichnung für die Tänze des Adels und des Bürgertums, die von professionellen Tanzlehrern meist aus folkloristischen Formen abgeleitet und standardisiert wurden; sie dienten ausschließlich der Geselligkeit der jeweiligen herrschenden Klassen in den antagonistischen Klassengesellschaften. Im 12. Jahrhundert schuf sich der Feudaladel zur Repräsentation und Unterhaltung Tänze, die nicht mehr an Sitte und Brauch gebunden waren, um sowohl kirchliche Tanzverbote zu umgehen als auch im Tanz seine gesellschaftliche Stellung auszudrücken. Aus diesen Tänzen entwickelte sich im 15. und 16. Jahrhundert der höfliche Tanz und aus den Festlichkeiten das Ballett. Patrizier, Kaufleute, Zunftmeister ahmten die Tänze des Adels nach und passten sie ihren Bedürfnissen an. Seit den bürgerlichen Revolutionen in England und Frankreich übernahm das Bürgertum Volkstänze fast unverändert als Gesellschaftstänze. Am Ende des 19. Jahrhundert bemächtigte sich die bürgerliche Vergnügungsindustrie des Gesellschaftstanzes Schallplattenfirmen und Notenverlage boten ständig neue mod. Formen mit der entsprechend Musik an. Der traditionelle Volkstanz geriet in den hochindustrialisierten Ländern zwischen den beiden Weltkriegen fast völlig in Vergessenheit. Aus nord- und südamerikanischen Ländern wurden neue Tanzformen nach Europa importiert. Aus diesen Formen entwickelten sich nach dem 1. Weltkrieg die Turniertänze als eine künstlerisch-sportliche Form des Gesellschaftstanzes. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden zahlreiche neue, meist kurzlebige Modetänze.

Gesellschaftstheorien, bürgerliche: Gesamtheit der in Reaktion auf den historischen Materialismus (dialektischer und historischer Materialismus) entwickelten bürgerliche Auffassungen über die Gesellschaft als Ganzes. Indem die bürgerlichen Gesellschaftstheorien zwischen bürgerlicher Geschichtsphilosophie und den empirischen Sozialwissenschaften vermitteln, dienen sie einerseits der Verschleierung des Wesens gesellschaftlicher Verhältnisse, andererseits der Stimulierung von Faktenwissen für die Regulierung gesellschaftlicher Konflikte des staatsmonopolistischen Kapitalismus im Interesse der herrschenden Klasse. Wichtigste bürgerliche Gesellschaftstheorie ist die Theorie von der Industriegesellschaft.

Gesellschaftsvertrag: naturrechtlich begründete idealistische Lehre, die das gesellschaftliche Zusammenleben und die Entstehung des Staates auf eine vertragliche Übereinkunft zwischen freien, autonomen und gleichen Individuen zurückführt. Sie war in der Neuzeit ideologischer Reflex der aufkommenden kapitalistischen Warenproduktion, beherrschte, verschiedet) modifiziert, fast sämtliche bürgerliche Gesellschafts- und Staatstheorien des 17. und 18. Jahrhundert, richtete sich vor allem gegen die theozentrische Weltauffassung und suchte den Herrschaftsanspruch der Bourgeoisie zu legitimieren. Hauptvertreter waren T. Hobbes, P. Gassendi, B. Spinoza, J. Locke, H. Grotius, J. J. Rousseau, A. N. Radischtschew, T. Jefferson, T. Paine.

Gesellschaftswissenschaften: Gesamtheit der Wissenschaften von der Gesellschaft, ihrer Entwicklung, ihren einzelnen Bereichen sowie vom Menschen als gesellschaftliches Wesen (Philosophie, Geschichtswissenschaft, politische Ökonomie, Rechtswissenschaft, Kunstwissenschaften, Sprachwissenschaften unter anderem). Allgemein-theoretische, wissenschaftliche Grundlage der Gesellschaftswissenschaften ist der Marxismus-Leninismus. Nach Ansätzen in der Antike zur wissenschaftlicher Untersuchung und Beschreibung gesellschaftlicher Prozesse nahm dieser Wissensbereich seit der Renaissance einen bedeutenden Aufschwung. Die Theoretiker der Bourgeoisie sammelten in der Geschichtswissenschaft, der politischen Ökonomie und vielen anderen Wissenschaften umfangreiche und wertvolle Erkenntnisse, waren jedoch infolge ihrer sozialen Erkenntnisschranken kaum fähig, auf Gesetzerkenntnis beruhende Gesellschaftswissenschaften zu begründen. Da die Gesellschaftswissenschaften mit der Untersuchung der Produktionsverhältnisse sowie der sich auf diese gründenden politische, juristische, philosophische, künstlerische unter anderem Verhältnisse (Basis und Überbau) Klasseninteressen berühren, werden sie von der jeweils herrschenden Klasse in deren Interesse entwickelt und genutzt. Erst mit der Anwendung des dialektischen Materialismus auf die Gesellschaft wurden die Gesellschaftswissenschaften konsequent auf die Erkenntnis der Gesetzmäßigkeiten gesellschaftlicher Entwicklung orientiert. Die marxistisch-leninistische Gesellschaftswissenschaften sind eng mit dem revolutionären Klassenkampf der Arbeiterbewegung, insbesondere mit dem Aufbau des Sozialismus und Kommunismus verbunden und bilden dessen theoretische Grundlage. Im Sozialismus und Kommunismus wachsen Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften immer stärker zu einem einheitlichen System der Wissenschaften zusammen. Siehe auch Wissenschaft.

Gesenk: Werkzeug zum Gesenkschmieden meist zweiteiliger Stahlblock, der die Form des Werkstückes als Hohlform (Gravur) enthält. Das Obergesenk wird am Hammerbär beziehungsweise Pressenstößel, das Untergesenk an der Hammerschabotte beziehungsweise am Pressentisch befestigt. Mehrfachgesenk enthalten die gleiche Gravur mehrfach, Mehrstufengesenk hingegen die für mehrere aufeinander folgende Stufen.

Gesetz der großen Zahlen: allgemeiner Erfahrungssatz, nach dem sich bei einer genügend großen Anzahl von Beobachtungen die Wirkungen von zufälligen Effekten bis zu einem gewissen Grade ausgleichen. In dieser groben Fassung ist das Gesetz der großen Zahlen bereits zu einer selbstverständlichen Denkgewohnheit geworden. Bekannt ist auch, dass bei einer großen Anzahl von Würfen mit einem idealen Würfel die «Augenzahl 1» in etwa % aller Fälle auftritt. In der Wahrscheinlichkeitsrechnung beinhalten die Gesetz der großen Zahlen im wesentlichen Aussagen über das Konvergenzverhalten des arithmetischen Mittels einer Folge von Zufallsgrößen.

Gesetz der konstanten Proportionen: Naturgesetz, nach dem das Massenverhältnis, in dem 2 oder mehrere Elemente eine chemische Verbindung eingehen, stets konstant ist. Zum Beispiel reagieren Aluminium und Sauerstoff stets miteinander im Verhältnis 9:8. Das Gesetz der konstanten Proportionen wurde 1792 von J. B. Richter und 1799 von J. L. Proust entdeckt.

Gesetz der multiplen Proportionen: Naturgesetz, nach dem die Massen eines chemischen Elements, die sich mit einer (beliebig großen) Masse eines anderen Elements zu verschiedenen Verbindungen umsetzen, im Verhältnis kleiner ganzer Zahlen stehen. Zum Beispiel verhalten sich die Grammengen Sauerstoff, die sich mit der jeweils gleichen Grammenge Blei zu den verschiedenen Bleioxiden verbinden können, wie 3:4:6. Das Gesetz der multiplen Proportionen wurde 1808 von J. Dalton entdeckt.

gesetzgebende Gewalt, Legislative: 1. eine der 3 Gewalten gemäß der bürgerlichen Lehre von der Gewaltenteilung.

2. das verfassungsmäßig übertragene Recht, Gesetze zu erlassen.

gesetzlicher Vertreter: der kraft Gesetzes zur Vertretung eines noch nicht Volljährigen, Entmündigten oder einer juristischen Person Berechtigte, zum Beispiel Eltern, Vormund, Leiter eines Betriebes.

Gesetzmäßigkeit: a) objektive Allgemeinheit, Notwendigkeit und Wesentlichkeit eines Zusammenhangs;

b) Ablauf von Prozessen gemäß den ihnen innewohnenden objektiven Gesetzen; beruht auf einer Gesamtheit von Gesetzen, die im Wirken der Gesetzmäßigkeit nicht immer offen zutage treten. Siehe auch Gesetz.

Gesicht: vorderer Abschnitt des Kopfes, der vom unteren Rand des Unterkiefers bis zur Haargrenze reicht. Man unterscheidet am Gesicht eine Stirn-, Augen-, Nasen-, Mund-, Kinn- und Wangenpartie. Zur Beurteilung der Gesichtsformen in der Ansicht von vom werden in der Anthropologie 10 Umrisstypen unterschieden.

Gesichtsfeld: 1. Optik: Feldblende.

2. Physiologie: Gesamtheit aller Objekte der Umgebung, die bei ruhendem Auge wahrgenommen werden. Die Größe des Gesichtsfeldes ist von den Objektgrößen und dem Auflösungsvermögen der Netzhaut abhängig. Das Gesichtsfeld wird mit dem Perimeter geprüft, wobei Veränderungen in der Funktionstüchtigkeit der Netzhaut untersucht werden.

Gesichtsmuskeln, mimische Muskulatur: im Auge, Mund, Nase und Ohr angeordnete Muskeln, die keine Gelenke bewegen; verursachen Furchen, Falten und Grübchen und können damit psychische Vorgänge (Freude, Traurigkeit, Schreck unter anderem) ausdrücken; die Gesichtsmuskeln werden vom Gesichtsnerv (VII. Gehirnnerv) versorgt.

Gesichtssinn: Fähigkeit zur Wahrnehmung elektromagnetische Wellen zwischen 400 und 700 nm Wellenlänge und der durch sie vermittelten Abbildung der Umweltobjekte auf der Netzhaut (Sehen); Gesamtheit aller anatomischen Strukturen und physiologische Prozesse, auf denen diese Fähigkeit beruht Durch die brechenden Flächen und Medien des Auges (Hornhaut, Kammerwasser, Linse, Glaskörper) werden scharfe Abbildungen auf der Netzhaut von unterschiedlich entfernten Objekten erzeugt. Die Reizempfängerzellen (Zapfen, Stäbchen) geben ihre Erregungen zu den Sehzentren weiter.

Gesichtsurne: durch plastische Gesichtsdarstellung gekennzeichnetes, vasenartiges Grabgefäß aus der älteren Eisenzeit.

Gesims, Sims: horizontaler, oft profilierter Vorsprung, der die waagerechten Abschnitte einer Fassade durch das wechselvolle Spiel von Licht und Schatten gliedert, unterstreicht und abschließt. Fuß- oder Sockelgesims, Gurtgesims sind zwischen den einzelnen Geschossen angeordnet; das Dach-, Haupt- oder Kranzgesims schließt den Bau am Dachansatz, der Traufe, ab.

Gesinde: (althochdeutsch, «Gefolgschaft») feudalabhängige oder halbfeudale Arbeitskräfte (Knechte, Mägde, Hirten und so weiter); waren in den Wirtschaften der Feudalherren oder auch großer Bauern tätig, wohnten häufig dort und wurden beköstigt. Neben dem sich faktisch auf dem Wege der Lohnarbeit verdingenden sogenannt freien Gesinde gab es das zum Gesindezwangsdienst verpflichtete Gesinde.

Gesindezwangsdienst: Recht der Gutsherren, Kinder feudalabhängiger Untertanen zum Dienst als Gesinde in den Gutswirtschaften heranzuziehen; der Gesindezwangsdienst war Bestandteil der zweiten Leibeigenschaft.

Gesinnungsjustiz: die von reaktionären Ausbeuterregimen praktizierte menschenrechtswidrige Strafverfolgung fortschrittlicher Kräfte beziehungsweise Missliebiger wegen ihrer Weltanschauung oder sonstigen subjektiven Einstellung.

Gesira, (arabisch, «Insel») Gezira: Bewässerungsland (840000 ha) in Sudan, zwischen Blauem und Weißem Nil, südöstlich von Khartum. Vom Stausee des Sennar-Dammes am Blauen Nil gehen 2 Bewässerungskanäle (Gesira-Hauptkanal) mit vielen Abzweigungen aus (insgesamt 6800 km Kanäle); wichtigstes sudanesische Anbaugebiet für Baumwolle.

Gesner, Conrad von, 26.3.1516-13.12.1565, schweizerischer Arzt und Naturforscher; begründete mit dem Werk «Geschichte der Tiere» (1551/58) die neuere beschreibende Zoologie; trat auch als Botaniker, Fossilienforscher und Bibliograph hervor.

Gesneriengewächse, (nach C. von Gesner) Gesneriaceae: Familie tropischer und subtropischer Pflanzen mit röhrigen bis glockigen, oft farbenprächtigen Blüten. Zimmerpflanzen sind Gloxinie, Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha) mit violetten oder rosafarbenen Blüten und samtigen Blättern sowie Pflanzen der Gattung Columnea mit roten, röhrenförmigen Blüten.

Gespann: 1. Landwirtschaft: zusammengespannte Zugtiere; nach ihrer Anzahl werden zum Beispiel Zweier-, Vierergespann unterschieden.

2. Verkehrstechnik: Fahrzeugeinheit aus Kraftrad und Beiwagen.

Gespenstergeschichte: stofflich-motivisch bestimmte Erzählung (auch Roman), in der Spukgestalten und schaurige Ereignisse auf den Leser wirken; im engeren Sinne ist die Gespenstergeschichte im England des 18. Jahrhundert entwickelt worden (H. Walpoles «Schloss von Otranto», 1764). E. T. A. Hoffmann, E. A. Poe, N. W. Gogol sind bekannte Autoren von Gespenstergeschichte.

Gespenstfrösche, Heleophryne: Froschlurche mit scheibenartig verbreiterten Finger- und Zehenenden, deren Eingeweide durch die Bauchhaut sichtbar sind; sie bewohnen die Gebirgsgegenden Südafrikas.

Gespenstheuschrecken, Phasmiden: Insektenordnung mit etwa 2000 subtropische und tropische, 5 bis 35 cm langen Arten; Körper meist stabförmig (Stabheuschrecken), zum Teil auch abgeflacht mit zahlreichen Körperanhängen (zum Beispiel Wandelndes Blatt). Gespenstheuschrecken sitzen tagsüber reglos auf Pflanzen, deren Blätter sie fressen. Ihre der Umwelt angepasste Form und Färbung dient der Tarnung.

Gesperre: Jagdwesen Gesamtheit der Jungen mit den Alten beim Auer-, Birkwild und Fasan; beim Rebhuhn Volk oder Kette.

Gespinst: (zu «spinnen») alte Bezeichnung für Garn.

Gespinstblattwespen, Pamphiliidae: Familie der Pflanzenwespen, deren Larven in dichten Gespinsten leben; einige Arten sind besonders an Laub- und Nadelbäumen schädlich.

Gespinstmotten, Yponomeutidae: Schmetterlingsfamilie mit meist weißen, schwarz gepunkteten Faltern; Flügelspanne bis 20 mm; Raupen leben gesellig in Gespinsten an Laubbäumen; zum Teil an Obstbäumen schädlich.

Gestagene: weibliche Keimdrüsenhormone mit progestagener Wirksamkeit, zum Beispiel Progesteron und -derivate. Synthetische Gestagene, wie D-Norgestrel und Chlormadinon, sind Bestandteile der hormonalen Kontrazeptiva.

Gestaltpsychologie: Grundrichtung der bürgerlichen Psychologie, die in Abgrenzung von den Theoremen der Assoziationspsychologie vom Primat des Ganzheitlich-Gestalthaften im psychischen Geschehen ausgeht und sogenannt Gestaltgesetze untersucht; vertritt eine subjektiv-idealistische Grundposition in der Determiniertheit der psychischen Prozesse.

Gestaltungsklage: Klage im Zivilprozess, mit der die Aufhebung, Änderung oder Neugestaltung eines Rechtsverhältnisses durch gerichtliche Entscheidung begehrt wird, zum Beispiel Ehescheidungsklage, Anfechtungsklage, Abänderungsklage.

Gestaltungsurteil: Urteil im Zivilprozess, mit dem die Rechtsbeziehungen der Prozessparteien neu gestaltet werden, zum Beispiel Ehescheidungsurteil, Urteil zur Feststellung oder zur Anfechtung der Vaterschaft.

Gestaltwandel: zweimalige Veränderung der Körperformen beim Menschen im Verlauf seines Lebens zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr verändert sich der rundlichen Kleinkindhabitus in die schlankere Schulkind Gestalt. Auffälliger ist der während der geschlechtlichen Reifeentwicklung (Pubertät) stattfindende 2. Gestaltwandel, der zur Reife- (Maturitäts-) Form führt, in der im Wesentlichen die endgültigen Körperproportionen erreicht und die sekundären Geschlechtsmerkmale ausgebildet sind.

Geständnis: im Strafverfahren mündliche oder schriftliche Aussage eines Beschuldigten oder Angeklagten, die zur Last gelegte Straftat selbst ausgeführt oder an ihr als Anstifter, Mittäter oder durch Beihilfe teilgenommen zu haben.

Gesta Romanorum: (lateinisch, «Taten der Römer») anonym überlieferte mittellateinische Sammlung von Erzählungen, Fabeln, Legenden, Märchen und Parabeln römischen, griechischen und orientalischen Ursprungs, im 14. Jahrhundert entstanden. Siehe auch mittellateinische Literatur.

Geste: Gebärde, besonders die das Sprechen begleitende Handbewegung.

Gesteine: die Lithosphäre aufbauende, durch geologische Vorgänge gebildete Mineralaggregate und Mineralassoziationen. Die die Gesteine aufbauenden wesentlichen Gemengteile heißen Hauptgemengteile, die in geringen Mengen auftretenden Nebengemengteile und die oft weniger als 1 % betragenden Übergemengteile. Nach ihrer Entstehung unterscheidet man magmatische Gesteine, Sedimentgesteine und metamorphe Gesteine Magma. Gesteine (Magmatite, Eruptiv-, Erstamingsgesteine, Massengesteine) entstehen in Verbindung mit Schmelzflüssen (Magmen), die aus größeren Tiefen empordringen. Erstarren sie, bevor sie die Erdoberfläche erreichen, entstehen Tiefengesteine oder Plutonite (zum Beispiel Granit, Diorit, Gabbro). Erreicht der Schmelzfluss die Erdoberfläche (Lava), entstehen Extrusiv-, Erguss-, Effusivgesteine oder Vulkanite (zum Beispiel Rhyolith, Andesit, Basalt). Die als Spaltenfüllungen in der Erdkruste auftretenden Gesteine (früher Ganggesteine) werden als Übergangsmagmatite bezeichnet und mit dem entsprechend Tiefengesteinsnamen und dem Vorsatz «Mikro» versehen (zum Beispiel Mikrogabbro). Bei allen magmatischen Gesteinen scheiden sich die Minerale in einer bestimmten gesetzmäßigen Folge aus. Nach ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheidet man saure, intermediäre und basische magmatische Gesteine; saure Gesteine sind von hellerer Farbe und bestehen zu über 60 (Masse-)0/« aus Kieselsäure (Si02), die intermediären Gesteine enthalten 50 bis 60%, die basische (dunklen) Gesteine weniger als 50% Si02. Sedimentgesteine (Schicht-Absatzgesteine) entstehen durch mechanische und chemische Verwitterung von Gesteine aller Art und durch Ablagerung der Verwitterungsprodukte, es sind Trümmergesteine (klastische Gesteine), die nach dem Verfestigungsgrad in Lockergesteine (Sedimente), zum Beispiel Sand, Kies, Ton, Mergel, und verfestigte Gesteine (Sedimentite), zum Beispiel Sandstein, Grauwacke, Ton-, Mergelgestein, geschieden werden. Durch Ausfällungen aus Lösungen entstehen als chemische Sedimente die Ausfällungs- oder Eindampfungsgesteine (Kalkstein, Gips, Salze u. ä.). Unter Mitwirkung von Organismen bilden sich organogene Sedimentgesteine (Muschel- und Korallenkalksteine, Kreide und so weiter). Metamorphe Gesteine (Metamorphite) sind Gesteine, deren Mineralbestand oder Gefüge auf Umkristallisation primärer Sedimentite oder Magmatite hindeutet, wobei diese Umkristallisation bei höheren Temperaturen (allgemein über 200 °C) stattgefunden hat. Produkte regionaler Metamorphose sind Phyllit, Glimmerschiefer, Gneis, Granulit unter anderem; solche lokaler Metamorphose sind kontaktmetamorphe und -metasomatische Mineralumwandlungen in der Umgebung zum Beispiel aufsteigender Gesteinsschmelzen (Kontakthöfe um Granite mit Hornfels, Frucht- und Garbenschiefer). Am Aufbau der Gesteine sind hauptsächlich folgende Mineralarten (-gruppen) beziehungsweise Minerale beteiligt: Feldspäte (Plagioklase 35%, Kalifeldspäte 15%) 50%; Pyroxene, Amphibole, Olivin 26%; Quarz 12%; Glimmer (vorwiegend Biotit) 4%; alle übrigen Minerale 8%.

Gesteinsböden: Böden, die sich auf Verwitterungs- und Umlagerungsmaterial von Festgesteinen gebildet haben. Zu den Gesteinsböden gehören Fels-Rendzinen, Berglehm-Braunerden unter anderem.

Gesteinsbohrmaschine: Maschine zum Bohren von Spreng- und Großlöchern im Berg- und Tunnelbau sowie in Steinbrüchen u. ä.; sie werden an einer Bohr-Hilfseinrichtung oder von Hand geführt und durch Druckluft, elektrisch oder hydraulisch angetrieben, arbeiten schlagend, drehend oder drehschlagend. Siehe auch Bohren 1.

Gesteinsmagnetismus: zusammenfassende Bezeichnung der magnetischen Eigenschaften der Gesteine; Ursache ist der Gehalt an magnetisch wirksamen Mineralen, insbesondere Magnetit. Siehe auch Geomagnetik.

Gesteinsstaub Sperre: Vorrichtung, die die Ausbreitung von Explosionen im untertägigen Bergbau verhindert. Gesteinsstaub Sperre bestehen aus lose am Streckenausbau unter der Firste befestigten Brettern, auf denen nichthygroskopischer, kieselsäurearmer beziehungsweise -freier Gesteinsstaub angehäuft ist. Bei einer Explosion kippen die Bretter, der Staub fällt herunter und die Explosionsflamme erstickt. Heute verwendet man zum Teil 3 Monaten auftretende Früh-Gesteinsstaub-Sperre (zum Beispiel Hyperemesis) und ab 7. Monat nachzuweisende Spät-Gesteinsstaub Sperre (Eklampsie, Präeklampsie). Ursache der Gesteinsstaub Sperre ist eine Stoffwechselstörung infolge der Schwangerschaftsbelastung.

gestreckt: Wasserspringen Körperhaltung während der Flugphase, bei der der Körper völlig «langgemacht» ist.

Gestricke und Gewirke: durch Bilden von Maschen aus einem oder mehreren Fadensystemen erzeugte textile Flächengebilde; Gestricke und Kuliergewirke mit waagerechtem, Kettengewirke mit senkrechtem Fadenverlauf.

Gestus: (lateinisch, «Haltung», «Bewegung») gesellschaftlich relevante Grundhaltung im Schaffens- oder Aneignungsprozess eines dramatischen Werkes sowie dramaturgische und schauspielmethodische Kategorie zur Verdeutlichung von Motiven für Vorgänge, menschliche Verhaltensweisen und deren widerspruchsvolle Zusammenhänge. Der Gestus einer Aufführung kann die Haltung des Publikums zur dargestellten Geschichte prägen.

Gestüt: (zu «Stute») landwirtschaftlicher Betrieb zum Züchten von Pferden und zum Halten von Beschälern. Die Gestüte dienen heute neben der Züchtung von Vollblut- und Traberpferden vor allem der Verbesserung der Landespferdezucht, deren Aufgabe es ist, den jeweiligen wirtschaftlichen Erfordernissen angepasste Pferde zu züchten. Siehe auch Hengstdepot.

Gesualdo, Don Carlo, Fürst von Venosa, um 1560-8.9.1613, italienischer Komponist; schrieb harmonisch kühne Madrigale voll leidenschaftlicher Ausdrucks (zum Teil nach Texten von Tasso).

Gesundheit: Gleichgewicht des Organismus in den Wechselbeziehungen mit der natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt. In der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Gesundheit als Zustand völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als Freisein von Krankheiten und Gebrechen verstanden.

Gesundheitsabkommen: zwischenstaatliche Vereinbarungen für die Zusammenarbeit der Regierungen und die von ihnen beauftragten Einrichtungen auf verschiedenen, festgelegten Gebieten des Gesundheitswesens.

Gesundheitsdokument: Unterlage, die schriftlich fixierte Einzelinformationen über den Gesundheitszustand einer Person mit dem Ziel einer sicheren Beurteilung derselben sammelt. Bekannte Gesundheitsdokument sind der Ausweis für Arbeit und Sozialversicherung und der Impfausweis.

Gesundheitskontrolle: ärztlich angeordnete und gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme für Personen, die krank, krankheitsverdächtig, ansteckend oder verdächtig, angesteckt zu sein, sind (zum Beispiel körperliche Untersuchung, Entnahme von Untersuchungsmaterial).

Gesundheitspflegemittel: Stoffe oder Zubereitungen, die der Erhaltung der natürlichen Beschaffenheit und der Funktionen des Körpers dienen sollen, soweit sie nicht Arznei-, Lebens- oder Futtermittel sind.

Gesundheitspolitik: Teil der Gesamtpolitik, der auf die theoretische Durchdringung und praktische Realisierung des Gesundheitsschutzes gerichtet ist. Mit dem VIII. Parteitag der SED wurde eine qualitativ neue Etappe der Gesundheitspolitik eingeleitet, die durch eine aus der Einheit von Gesundheitspolitik und Sozialpolitik erwachsene stärkere Verflechtung von medizinischer und sozialer Betreuung der Bevölkerung durch den sozialistischen Staat gekennzeichnet ist. Für die örtl, Volksvertretungen wurden erweiterte Pflichten und Rechte festgelegt. Auf dem X. Parteitag übernahm die SED solche prinzipiellen und weitreichenden Ziele ihrer Gesundheitspolitik, wie die ständige Vervollkommnung des Gesundheitsschutzes, die Schaffung günstiger Voraussetzungen für die Nutzung der Errungenschaften der modernen Medizin sowie die Verbesserung der Qualität der medizinischen Arbeit, in ihr Parteiprogramm.

Gesundheitsschutz: aus politisch-ökonomischen, kulturell-erzieherischen, medizinischen und sozialen, durch die Wissenschaft theoretisch begründeten Maßnahmen bestehende gesamtgesellschaftliche Aufgabe in sozialistischen Ländern; dient der Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit des Menschen. Der Gesundheitsschutz umfasst die Gestaltung hygienische Arbeits- und Lebensbedingungen, die Erziehung zu gesundheitsbewusstem hygienischen Verhalten und die medizinische Betreuung (ambulant und stationär). Aufgabe der medizinischen Betreuung ist es, mit Hilfe vorbeugender, untersuchender, beratender und behandelnder Maßnahmen Krankheiten zu verhindern, frühzeitig zu erkennen und zu heilen, Leben und Gesundheit zu erhalten sowie die Eingliederung von körperlich und geistig Behinderten in das gesellschaftliche Leben zu unterstützen. Der Gesundheitsschutz ist ein verfassungsmäßig garantiertes Recht jedes Bürgers. Er ist kostenlos und wird durch das Ministerium für Gesundheitswesen einheitlich geleitet und geplant.

Gestik: Bewegungen und Haltungen des Körpers, vor allem der Arme (besonders der Hände), die Gedanken, Empfindungen und so weiter ausdrücken oder das gesprochene Wort veranschaulichend unterstreichen. Siehe auch Ausdruck 2.

Gestikulation: übertriebener Gebrauch der Gestik.

Gestöre: Holzverbände aus Baumstämmen von etwa gleicher Länge und Dicke, die zu Flößen verbunden werden.

Gestosen, früher Gestations-Toxikosen: Sammelbegriff für ursächlich durch eine Schwangerschaft (Gestation) ausgelöste oder begünstigte Erkrankungen.

Gesundheitstraining: auf die Wiederherstellung, Erhaltung oder Verbesserung der Leistungsfähigkeit beziehungsweise die Erholung ausgerichtetes spezielles Trainingsprogramm.

Gesundheitswesen: Institution für die Realisierung der medizinischen Betreuung, der Hygiene- und Arbeitshygieneinspektion, der medizinischen Forschung u. a. spezifische Aufgaben. Man unterscheidet verschiedene Bereiche, zum Beispiel ambulantes Gesundheitswesen, stationäres Gesundheitswesen, Betriebsgesundheitswesen. Die Umsetzung grundsätzliche Prinzipien des Gesundheitsschutzes erfolgt im Gesundheitswesen im Interesse des Bürgers unabhängig von den Eigentumsverhältnissen (staatliches, privates, kirchliches Eigentum) und der Ebene der Verantwortung (zentral und örtlich geleitet).

Gesundkalkung: ein- oder mehrmalige Ausbringung hoher Kalkgaben auf saure landwirtschaftliche Kulturboden zur Erreichung eines optimalen Kalkversorgungszustandes.

Getreide: (zu «tragen», eigentlich «das, was (von der Erde) getragen wird») in erster Linie zur Nutzung der Früchte (Körner) angebaute Pflanzen aus der Familie der Gräser; sie gehören zu den seit etwa 8000 Jahren angebauten ältesten Kulturpflanzen, nehmen den größten Teil der Weltackerfläche ein und bilden die Grundlage der menschlichen Ernährung. Getreide hat einen hohen Kaloriengehalt, der 50 bis 60% des täglichen Kalorienbedarfs des Menschen deckt, ein günstiges Eiweiß-Stärke-Verhältnis (1:7), enthält Mineralstoffe und Vitamine (B, E). Neben der Verwendung für die menschliche Ernährung ist Getreide auch Grundfutter für die Tierernährung sowie Rohstoff für Brauereien und Brennereien. Zum Getreide zählen Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Mais, Reis und Hirse.

Getreidelaufkäfer, Zabrus tenebrioides: 15 mm langer, schwarzer Laufkäfer; frisst nachts unreife Getreidekörner; Larve in Erdlöchern; jahrweises Massenauftreten. Siehe auch Laufkäfer.

Getreidemotte, Sitotroga cerealella: zur Familie der Getreidekörner; Larve in Erdlöchern; jahrweises Massenauftreten. Siehe auch Laufkäfer.

Getreidemotte, Sitotroga cerealella: zur Familie der Palpenmotten gehörender gelblicher Falter; etwa 17 mm Flügelspanne. Die Raupe entwickelt sich in einem Korn lagernden Getreides; Vorratsschädling.

Getriebe: 1. Technik: allgemein Maschinenelemente in einer geschlossenen Kette zur Wandlung von Drehzahlen, Bewegungsrichtungen, Drehmomenten. Nach der Art der Wandlung unterscheidet man mechanische, hydrostatische, hydrodynamische, elektrische und magnetische Getriebe; einfache mechanische Getriebe sind das Kurbelgetriebe oder der Schubkurbeltrieb (Wandlung von Dreh in Hubbewegung), Rädergetriebe (Wandlung der Drehzahl oder -richtung), Hüllgetriebe (Bewegungsübertragung zwischen Wellen mit großem Achsabstand), Kurvenscheibengetriebe (Wandlung einer Dreh in eine Schwenkbewegung) und Schraubengetriebe (Wandlung einer Dreh in eine Längsbewegung); für große Übersetzungsverhältnisse setzt man Planetengetriebe ein, die material- und platzsparend sind; hydrodynamische (Föttinger-) Getriebe bestehen aus einem Pumpen- und einem Turbinenteil.

2. Kfz-Technik: Vorrichtung zum Angleichen des Fahrverhaltens eines Kfz an die Fahrbahn- und Verkehrsverhältnisse. Kraftwagen haben Wechsel- und Differential-, Krafträder nur Wechselgetriebe. Das Wechselgetriebe (Schaltgetriebe), zumeist noch als mechanisches Stufengetriebe (Zahnradgetriebe) ausgeführt, wandelt die niedrigen Motordrehmomente mit hohen Drehzahlen in hohe Drehmomente mit niedrigen Drehzahlen während der Fahrt um. Drehzahlausgleichvorrichtungen (Synchronisierungen) erleichtern das Schalten. Stufenlose Getriebe sind meist Strömungsgetriebe (hydraulische Getriebe). Das Ausgleichgetriebe (Differentialgetriebe, Differential) mit Achsübersetzung gleicht bei Kurvenfahrt die Drehzahlen der angetriebenen Räder aus.

Getriebelehre: Lehre von den gleichförmig umlaufenden und den ungleichförmig übersetzenden Getrieben sowie den zwangläufigen, durch die Getriebe hervorgerufenen Bewegungen.

Getriebemotor: elektrische Antriebseinrichtung, bei der Elektromotor und Getriebe zu einem Block vereinigt sind.

Getter: durch Verdampfen eines Gettermetalls. Gasreste bindender metallischer Niederschlag auf der Glaskolbeninnenfläche von Elektronenröhren.

Getto, Ghetto: in der Antike freiwilliger Zusammenschluss der Juden unter eigenen Ordnungen; vom 13./18. Jahrhundert streng abgeschlossener besonderer Stadtteil für die jüdischen Einwohner. Der deutsche Faschismus richtete Getto zur grausamen Unterdrückung und Ausrottung der jüdischen Bevölkerung ein.

Getty, Jean Paul, 15.12.1892-6.6.1976, US-amerikanischer Erdölmonopolist; Alleininhaber und Präsident der Getty Oil Company mit eigener bedeutender Tankerflotte; galt als einer der reichsten Menschen der Welt.

Gettysburg: Stadt im Bundesstaat Pennsylvania (USA), südwestlich von Harrisburg. Bei Gettysburg fand vom 1. bis 3.7.1863 eine der größten Schlachten des Bürgerkrieges statt; die Konföderierten unter General Lee unterlagen. Am 19.11.1863 hielt Präsident Lincoln hier seine berühmte Gettysburg-Ansprache über den Kampf gegen die Sklaverei.

Geusen: («Bettler») von den Spaniern verwendete diffamierende Bezeichnung für die niederländischen Freiheitskämpfer gegen die spanische Gewaltherrschaft Herzog Albas. Die Waldgeusen führten seit 1567 einen Partisanenkrieg, die Wassergeusen bekämpften die Spanier von der See aus. Mit der Eroberung der Stadt Brielle durch die Wassergeusen. 1572 begann der revolutionäre Befreiungskrieg der Niederlande, der die erste erfolgreiche Entscheidungsschlacht zwischen Bourgeoisie und Adel verkörperte.

Geusenpfennig: ovale Medaille, von den Geusen als Erkennungszeichen an einer Kette um den Hals getragen.

Gevatter: (lateinisch compater, «Mitvater», zu «Vater») veraltend Taufpate eines Kindes; Familienfreund.

Gewächshaus, Glashaus, Treibhaus: begehbare Produktionsstätte, die durch künstliche Klimagestaltung der Anzucht, Produktion oder dem Treiben von Pflanzen vorwiegend außerhalb der Produktionsmöglichkeiten im Freiland dient. Die lichtdurchlässige Begrenzung des Gewächshauses erfolgt durch Glas oder Plastwerkstoff. Nach der technischen Beheizungsmöglichkeit wird zwischen nicht heizbaren (Kalthaus) und heizbaren (Warmhaus) Gewächshäusern unterschieden.

Gewächshausschrecke, Tachycines asynamorus: vermutlich von China aus eingeschleppte 3 bis 4 cm lange Springschrecke; ockerbraun mit schwarzen, unregelmäßigen Strichen, sehr langen Fühlern; Weibchen mit Legeröhre; nur aus Gewächshäusern bekannt, dort an Pflanzen oft schädlich.

Gewaff: (zu «Waffe») 1. Eckzähne des Keilers (Gewehre, Haderer).

2. Krallen der Greifvögel.

Gewalt: Einsatz von Machtmitteln zur Durchsetzung bestimmter Absichten gegenüber denen anderer. Gewalt als gesellschaftliche Erscheinung ist die Anwendung besonders staatliche Macht- und Zwangsmittel durch Klassen zur Durchsetzung ihrer Interessen gegenüber denen anderer Klassen und zur Erlangung und Sicherung ihrer ökonomischen und politischen Herrschaft. Sie ist Produkt der antagonistischen Klassengesellschaft; die Ausbeutung erfordert zu ihrem Schutz notwendig die reaktionäre Gewalt, wie die Befreiung von Ausbeutung notwendig die revolutionäre Gewalt erfordert. Die Gewalt ist damit «Geburtshelfer» jeder neuen Gesellschaftsordnung. Der imperialistische Staat als Organisationsform der Klassengewalt der monopolistischen Bourgeoisie kann nur durch den revolutionären Kampf der Werktätigen unter Führung der Arbeiterklasse beseitigt werden. Das humanistische Ideal der Arbeiterklasse, die gegen jede Verherrlichung der Gewalt auftritt, ist die Abschaffung der Klassen und damit der Gewalt Siehe auch Diktatur des Proletariats.

Gewaltenteilung: die von C. de Montesquieu zur Einschränkung feudaler Macht in seinem Werk «Der Geist der Gesetze» (1748) entwickelte Lehre von der Aufteilung der Staatsgewalt in 3 unabhängig voneinander wirkende Gewalten, die sich gegenseitig das Gleichgewicht halten und kontrollieren, die Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (Regierung und Verwaltung) und Jurisdiktion (Gerichtsbarkeit). Eine solche Gewaltenteilung hat es jedoch in der Geschichte nie real gegeben. Im bürgerlichen Staat verbirgt sich hinter der Gewaltenteilung nur die arbeitsteilige, organisatorische Aufteilung der einheitlichen Staatsgewalt der Bourgeoisie, die durch die Gewaltenteilung nicht beschränkt wird. Der Sozialist Staat kennt keine Gewaltenteilung, die Souveränität des werktätigen Volkes findet ihren Ausdruck in der Einheit der Staatsgewalt, die sich im System der Volksvertretungen verkörpert.

Gewandhaus: 1. Bezeichnung für die Tuchhalle, das Zunfthaus der Tuchmacher; architektonisch bedeutende Gewandhäuser in Braunschweig und Zwickau.

2. berühmtes Konzerthaus in Leipzig, ursprünglich identisch mit dem dortigen Gewandhaus 1; im alten Gewandhaus fanden seit 1781 die Gewandhauskonzerte statt; eigener Neubau seit 1884, zerstört am 20.2.1944 durch britische Bomben; wurde als Neues Gewandhaus auf Beschluss der Regierung der DDR neu errichtet und 1981 zum 200jährigen Jubiläum der Gewandhauskonzerte eröffnet.

Gewandtheit: allgemein komplex-koordinative Fähigkeit zur zweckentsprechend schnellen Lösung motorischer Aufgaben.

Gewann: (gewande, «Grenze», «Acker(länge)») Feldkomplex in der Dorfflur. Jeder Bauer besaß einen streifenförmigen Anteil und musste das Gewann nach gemeinsamem Plan bestellen (Flurzwang).

Gewässer: in der Natur fließendes oder stehendes Wasser, auf dem Festland einschließlich Gewässerbett beziehungsweise Grundwasserleiter.

Gewässerschutz: Gesamtheit der Maßnahmen (staatliche Gewässeraufsicht, Einrichtung und Kontrolle von Trinkwasserschutzzonen, klärtechnische Aufbereitung von Brauchwasser) gegen Störungen der Grund- und Oberflächenwässer durch Wasserschadstoffe aus Siedlungen, landwirtschaftlichen und Industriebetrieben sowie zur Sicherung natürlicher Feuchtgebiete (Biotopschutz).

Gewebe: 1. Anatomie: Verband gleichartig differenzierter Zellen einschließlich der Interzellularsubstanz mit gemeinsamen Funktionen. Danach sind Epithelgewebe, Bindegewebe oder Stützgewebe, Muskelgewebe und Nervengewebe zu unterscheiden.

2. Textiltechnik: textiles Flächengebilde aus sich rechtwinklig kreuzenden Fäden zweier Fadensysteme (Kette und Schuss).

Gewebebank: Depot für konservierte, zum Beispiel tiefgefrorene oder gefriergetrocknete Gewebe oder Organe zur Transplantation, zum Beispiel Knochen, Haut, Sehnen, Blutgefäße und Hornhaut des Auges.

Gewebekunstleder: textiles Flächengebilde, das ein- oder beidseitig mit Polymerisat, meist PVC oder PUR, beschichtet ist.

Gewebeschwund: die allmähliche Reduktion von Gewebepartien bei Pflanzen, die schließlich zu mehr oder weniger großen Löchern im geschädigten Gewebebereich führt, zum Beispiel als Folge von Stichwunden an Blättern während der Entwicklung.

Gewebetiere, Histozoa: Abteilung der Vielzeller, Tiere, deren Zellen zu echten Geweben und zumeist auch zu Organen mit speziellen Aufgaben zusammengeschlossen sind; hierzu zählen alle Tiere außer Urtiere und Schwämme.

Gewebezüchtung, Gewebekultur, Explantation (lateinisch): Weiterzüchtung von lebend aus dem Organismus entnommenem Gewebe (Explantat) in natürlichen (Blutplasma und Gewebeextrakt) oder synthetischen, meist flüssigen Nährsubstrat. Die Gewebezüchtung dient zur Aufklärung morphologischer, physiologischer, biochemischer und pharmakologischer Fragen (zum Beispiel Differenzierung und Wachstum von Zellen und Geweben, Geschwulst-, Virusforschung, Genetik, Immunologie) und zur Gewinnung biologischer Produkte (zum Beispiel Hormone, Antibiotika).

Gewebshormone: Gruppe von Hormonen, die in Geweben gebildet werden, für die die Hormonbildung nicht wie bei einer endokrinen Drüse typisch ist. Vertreter der Gewebshormone sind Histamin, Serotonin, Gastrin und die Prostaglandine.

Gewehr: langläufige Handfeuerwaffe; war zunächst Einzellader, nach Erfindung des rauchlosen Pulvers, der Entwicklung von Mantelgeschossen und Magazinen Mehrlader; seit dem 2. Weltkrieg weitgehend durch den Karabiner (G. mit kurzem Lauf) und Maschinenwaffen ersetzt. Das Gewehr wird von Hand oder automatisch durch die Energie der Pulvergase gespannt und geladen (Schnellfeuergewehr mit 35 bis 40 Schuss/min). Das Scharfschützengewehr hat einen ausgewählten Lauf und neben der Visiereinrichtung ein Zielfernrohr.

Geweih: aus 2 Stangen bestehende knöcherne Stirnwaffe der Hirscharten, mit wenigen Ausnahmen (Ren) nur beim männlichen Tier, entwickelt sich auf den Rosenstöcken (zylindrische Fortsätze des Stirnbeins) und ist nach Art, Alter und Lebensbedingungen verschieden geformt. Durch Einwirkung von Hormonen wird das Geweih jährlich abgeworfen beziehungsweise neu gebildet («aufgesetzt»); während des Wachstums ist es von Bast umgeben, der später abstirbt und abgerieben («gefegt») wird. Das Geweih des Rehbocks wird als Gehörn bezeichnet

Geweihbaum, Schusserbaum, Gymnocladus canadensis: Johannisbrotgewächs aus Nordamerika mit großen geflederten Blättern, grünlich-weißen Blütenrispen und langen Früchten (Hülsen); Zierbaum.

Geweihfarn, Platycerium: Gattung tropischer, auf Bäumen wachsender Farne mit geweihähnlichen sporangien-tragenden grünen Blättern sowie jungen grünen und alten abgestorbenen, der Humussammlung dienenden Nischenblättern.

Gewerbe: 1. allgemein berufliche Tätigkeit.

2. im Sinne der Gewerbeordnung selbständige, auf Dauer angelegte und Erzielung von Gewinn bezweckende Tätigkeit, zum Beispiel der Handwerks-, kleinen und mittleren Handels- und Dienstleistungsbetriebe, Gaststätten unter anderem. Als stehendes Gewerbe bezeichnet man Gewerbe mit fester Betriebsstätte; ambulantes Gewerbe, Wandergewerbe ist Gewerbe ohne Bindung an eine gewerbliche Niederlassung.

Gewerbefreiheit: liberalistischer Grundsatz, nach dem in Staat jeder ohne staatliche Erlaubnis unter bestimmten Voraussetzungen jedes Gewerbe und jeden Beruf ausüben darf. Die Gewerbefreiheit ist jedoch durch Konkurrenzkampf, Befähigungsnachweis, Zulassungsbestimmungen und so weiter weitgehend fiktiv.

Gewerbegenehmigung: staatliche Erlaubnis zur Ausübung eines Gewerbes, zum Beispiel als Einzelhandwerker, Einzelhändler oder Schausteller. Die Gewerbegenehmigung wird in der Regel durch den Rat des Kreises erteilt.

Gewerberolle: Register der selbständigen Gewerbetreibenden, die nicht in der Handwerkerrolle eingetragen sind; wird von der Handwerkskammer des jeweiligen Bezirks geführt.

gewerblicher Rechtsschutz: Rechtsschutz von Erfindungen, industriellen Formgestaltungen (Musterschutz) und im Handelsverkehr gebräuchliche Warenkennzeichnungen (Betriebsnamen, geographische Herkunftsangaben, Warenkennzeichen) sowie die rechtliche Sicherung lauteren Verhaltens in den Wirtschaftsbeziehungen (Wettbewerbsschutz). Der gewerbliche Rechtsschutz ist Gegenstand internationaler Konventionen, insbesondere der Pariser Verbandsübereinkunft.

Gewere: im Mittelalter Bezeichnung für unmittelbaren Besitz einer Sache.

Gewicht: (zu «wiegen») 1. einerseits Bezeichnung für Gewichtskraft, andererseits umgangssprachliche, unkorrekte Bezeichnung für die physikalische Größe Masse. Wegen dieser verschiedenen Bedeutungen sollte man den Begriff Gewicht in Wissenschaft und Technik möglichst nicht verwenden.

2. Statistik: Zahl, die die Bedeutung eines Messwertes gegenüber anderen Messwerten zum Ausdruck bringt. So hat zum Beispiel in der Ausgleichsrechnung der Mittelwert aus p Messungen das Gewicht p, demgegenüber eine Einzelmessung der gleichen Genauigkeit das Gewicht 1.

Gewichtheben: das wettkampfgerechte Reißen und Stoßen möglichst großer Massen. Wettkampfanlage ist der 4m x 4m große Heberboden, Weitkampfgerät die aus Stange und beiderseitig aufschiebbaren, unterschiedlich schweren Scheiben und Verschlüssen bestehende Scheibenhantel (Hantel). Wettkämpfe werden in Gewichtsklassen in den beiden genannt Einzeldisziplinen in der angegebenen Reihenfolge und außerdem, durch Addition der Bestleistungen jedes Wettkämpfers, als Olymp. Zweikampf ausgetragen. Die Scheibenhantel muss möglichst geradlinig und auf kürzestem Wege regelgerecht vom Boden zur Hochstrecklage (Halten über dem Kopf) gebracht werden. Jedem Wettkämpfer stehen je Disziplin 3 Versuche zu, die beste Leistung wird gewertet. Bei gleicher Leistung mehrerer Wettkämpfer entscheidet das geringere Körpergewicht über die Platzierung. Bei Rekordversuchen wird dem Wettkämpfer ein 4. Versuch gestattet, der nicht für die Zweikampfwertung gilt. Olymp. Sportart seit 1896, Weltmeisterschaften seit 1922 (inoffiziell seit 1898), Europameisterschaften seit 1921 (inoffiziell seit 1896).

Gewichtsanalyse, Gravimetrie: Methode der quantitativen chemischen Analyse, bei der die zu bestimmende Substanz in eine Verbindung exakt bekannter Zusammensetzung übergeführt wird. Aus Menge und Formel des abgetrennten und auf einer Analysenwaage ausgewogenen Reaktionsproduktes wird die Menge des zu bestimmenden Stoffes errechnet.

Gewichtserlaubnis: Pferderennsport Vergünstigung hinsichtlich der von einem Galopper zu tragenden Mindestmasse für Lehrlinge, jüngere Pferde, Stuten und Wallache unter anderem.

Gewichtsfunktion: die Antwortfunktion (das Ausgangssignal) eines linearen Übertragungsgliedes auf ein impulsförmiges Eingangssignal. Die Kenntnis der Gewichtsfunktion ermöglicht es, die Signalübertragung dieses Übertragungsgliedes für beliebige Eingangssignale zu berechnen.

Gewichtsklasse: verbindliche Klassifikation nach der Körpermasse als Voraussetzung für den sportlichen Leistungsvergleich in bestimmten Sportarten.

Gewichtskraft: Kraft, die auf einen ruhenden Körper im Schwerefeld der Erde ausgeübt wird; Produkt aus Masse und Fallbeschleunigung; Zeichen Fa oder G, SI-Einheit Newton (N). Auf einen Körper mit der Masse 1 kg wirkt auf der Erdoberfläche eine Gewichtskraft von etwa 9,81 N (= 1 kp). Wegen der Erdrotation (und der Abweichung der Erde von der Kugelform) hängt die Gewichtskraft von der geographischen Breite ab.

Gewinde: schraubenförmig erzeugte Rillen mit einem konstanten Querschnitt (Dreieck, Trapez, Sägezahn, konvexer und konkaver Halbkreis) um einen Außenzylinder (Außengewinde) beziehungsweise in einem Hohlzylinder (Innengewinde); Verwendung bei Befestigungsschrauben, zur Wandlung einer Dreh in eine Längsbewegung (Bewegungsschraube), für Einstellzwecke (Justierschraube) oder für Messzwecke (Messschraube). Hergestellt werden Gewinde durch Gewindeschneiden mit Gewindebohrer, Schneideisen, Drehmaschine oder auch Fräs- und Schleifmaschine beziehungsweise spanlos durch Gewinderollen, -walzen, -drücken, -formen. Die Unterteilung nach Gewindeart erfolgt in Spitzgewinde (metrisches Gewinde, Whitworthgewinde), insbesondere für Befestigungs- und Messschrauben, Rundgewinde, für Befestigungsschrauben bei Verschmutzungsgefahr und als Elektrogewinde, Trapezgewinde, für Bewegungsschrauben, Sägegewinde für einseitig hochbelastete Bewegungsgewinde. Weiterhin unterscheidet man nach der Anzahl der Gänge bei einer Umdrehung ein- und mehrgängige Gewinde, nach der Drehrichtung rechts- und linksgängige Gewinde, nach der Ausführung grobe, mittelgrobe, feine, dichte und feste Gewinde.

Gewindemessung: Bestimmung der für die Funktionstüchtigkeit und Austauschbarkeit von Außen- und Innengewinden wichtigen geometrischen Größen, wie Außen-, Kern- und Flankendurchmesser, Steigung und Flankenwinkel mittels Längenmessgeräten.

Gewindeschneiden: spannendes Fertigungsverfahren zur Herstellung von Innen- (Muttergewinde) oder Außengewinde (Bolzengewinde). Kleinere Innengewinde werden von Hand oder maschinell (im Allgemeinen auf der Bohrmaschine) mittels Gewindebohrers hergestellt. Dieser besitzt das Profil sowie die Steigung des entsprechend Gewindes. Er besteht aus Werkzeug- oder Schnellarbeitsstahl und ist zur Spanaufnahme und -ableitung mit Spannuten versehen. Meist wird nacheinander mit 2 Gewindebohrern (Vor- und Fertigschneider) gearbeitet. Größere Innengewinde werden durch Drehen oder Fräsen hergestellt. Kleinere Außengewinde fertigt man von Hand (kleinere Stückzahlen) mit dem Gewindeschneideisen oder der Schneidkluppe. Die Schneidkluppe enthält verstellbare und auswechselbare Schneidbacken, die dem erforderlichen Gewinde entsprechen. Sie sind mit dem Gegenprofil des Schneidbohrers identisch. Maschinell (bei größeren Stückzahlen) wird mit Gewindeschneidköpfen auf speziellen Gewindeschneidmaschinen oder auf Drehmaschinen gearbeitet. Größere Außengewinde werden durch Drehen oder Fräsen (evtl. auch durch Schleifen) hergestellt.

Gewindespindel: zylindrisches Maschinenelement mit Außengewinde; dient in Verbindung mit einer Mutter zum Wandeln einer Drehbewegung der Gewindespindel in eine Längsbewegung der Mutter.

Gewinn: im Sozialismus der Geldausdruck für jenen Teil des in der materiellen Produktion geschaffenen und durch den Verkauf der Erzeugnisse und Leistungen realisierten Mehrprodukts, den die Betriebe und Kombinate im Rahmen staatlicher Festlegungen verwenden; ist ein wesentliches Bestandteil des Nationaleinkommens. Die Erwirtschaftung von Gewinn ist dem Ziel der sozialistischen Produktion, der bestmöglichen Bedürfnisbefriedigung, untergeordnet. Der Gewinn ist jedoch eine der wichtigsten Leistungskennziffern der Betriebe und Kombinate, ein Kriterium des ökonomischen Nutzens vorgesehener beziehungsweise durchgeführter wissenschaftlich-technischer Maßnahmen sowie ein Mittel der ökonomischen Stimulierung der Tätigkeit der Kollektive. Es wird zwischen Bruttogewinn und Nettogewinn unterschieden. Der Bruttogewinn ist die Differenz zwischen Erlös und Selbstkosten. Nach Abführung der Produktionsfondsabgabe verbleibt der Nettogewinn, von dem ein Teil in planmäßiger Höhe ebenfalls an den Staat abgeführt wird (Nettogewinnabführung). Der verbleibende Nettogewinn (Restnettogewinn) wird in planmäßiger Höhe zur Bildung von Geldfonds (Prämienfonds, Leistungsfonds) beziehungsweise zur Finanzierung der erweiterten Reproduktion der materiellen Fonds, zur Tilgung von Bankkrediten und für andere gesetzlich fixierte Zwecke verwendet. Siehe auch Betriebsergebnis.

Gewinnabführung: nach gesetzlichen Bestimmungen festgelegte Entrichtung eines Teils des von den Kombinaten und Betrieben tatsächlich erwirtschafteten Gewinns (Bruttogewinns) an den Staatshaushalt. Als Gewinnbestandteile sind Produktionsfondsabgabe, Teil des Nettogewinns (Nettogewinnabführung), Gewinne, die nicht auf eigenen ökonomischen Leistungen beruhen, und Anteile des außerplanmäßig erzielten Exportergebnisses abzuführen.

Gewinnanteil: Beteiligung an einem Gewinn auf vertraglicher Grundlage; bei einigen Mitgliederorganisationen Gewinnbeteiligung, die den Mitgliedern statutenmäßig zusteht.

Gewinnbeteiligungssystem: in Betrieben zur Verschleierung der Ausbeutung angewandte Form der Verwendung von Teilen des variablen Kapitals, die von den Unternehmern zunächst einbehalten werden und dann als «Gewinnprämien» deklariert, monatlich, quartalsweise oder zum Jahresende an bestimmte Arbeitergruppen zur Auszahlung kommen. Alle Varianten des Gewinnbeteiligungssystems orientieren auf die Leistungssteigerung im Interesse höherer Profite der kapitalistischen Unternehmer, sollen die Arbeiter an den Betrieb fesseln, Sozialpartnerschaft vortäuschen und vom Klassenkampf ablenken.

Gewinnormativ: langfristige Plangröße für den zu erwirtschaftenden oder zur verwendenden Gewinn, welche die Wirtschaftseinheiten auf einen stabilen und kontinuierlichen Effektivitätszuwachs orientiert.

Gewinnrate: Verhältnis des erzielten Gewinns zur Preissumme der Warenproduktion (zu Betriebspreisen) beziehungsweise erzeugnisbezogen des Gewinns zum Betriebspreis je Erzeugniseinheit. Die Gewinnrate ist ein Gradmesser zur Beurteilung der betrieblichen Leistung.

Gewinnungsklasse, technische Bodenart: Klassifizierung des Boden- und Gesteinsmaterials nach seiner Bearbeitbarkeit im Prozess des Lösens, Füllens und Leerens von Grabegefäßen, besonders im Hinblick auf Bau- und Meliorationsvorhaben.

Gewinnverwendung: planmäßiger Einsatz des erwirtschafteten Gewinns zur Erweiterung der Produktion und zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Gewinnverwendung erfolgt entsprechend den geltenden Rechtsvorschriften. Nach der Gewinnabführung an den Staatshaushalt wird der in den Betrieben und Kombinaten verbleibende Gewinn zur Erweiterung der Produktionsfonds, zur Tilgung von Krediten, zur Bildung des Prämienfonds unter anderem verwendet.

Gewissen: emotionale wie rationale (oft unwillkürliche) moralische Selbstbewertung und -forderung. Grundlage sind gefestigte eigene moralische Überzeugungen, die einem bestimmten Typ der Klassenmoral entsprechen. Das soziale Wesen und die soziale Funktion des Gewissen sind durch den sozialen Charakter dieser als Maßstab dienenden Moralüberzeugungen bestimmt. Gewissensprozesse sind mit psychischen und physischen Erregungszuständen, moralische Befriedigung oder Schuld- und Reuegefühlen verbunden.

Gewitter: (zu «Wetter») in der Atmosphäre eine oder mehrere plötzliche luftelektrische Entladungen, die sich durch ein kurzes Aufleuchten (Blitz) und ein krachendes oder rollendes Geräusch (Donner) äußern. Gewitter entstehen bei feuchtlabiler Luftschichtung, bevorzugt an Luftmassengrenzen (Kaltfront) als Frontgewitter oder seltener durch lokale Überhitzung am Boden (im Sommer) als Wärmegewitter. In der Gewitterwolke (Cumulonimbus), meist über 10 km hoch und im oberen Teil als ambossförmige Eiswolke ausgebildet, herrscht eine starke Konvektion mit Bildung von festem Niederschlag (meist Hagel). Blitzentladungen erfolgen zwischen Wolken (Wolkenblitz) oder Wolke und Erde (Erdblitz) als Linien- oder Flächen-, seltener als Perlschnur- oder Kugelblitz. Die Druckwelle im Blitzkanal erzeugt den Donner. Feine Gewitter ohne hörbaren Donner werden als Wetterleuchten bezeichnet.

Gewohnheit: durch Gewöhnung erworbene automatisierte Handlungs- und Verhaltensform mit bedürfnisartigem Charakter. Gewohnheiten entlasten bei der Steuerung willkürlicher Handlungen das Bewusstsein, erhöhen Bedürfnis und Bereitschaft zur Ausübung bestimmter Tätigkeiten und tragen durch Vervollkommnung der Handlungsstruktur zur Erhöhung der Leistung bei.

Gewohnheitsrecht: Verhaltensregeln, die vom Staat sanktioniert werden, nachdem sie über einen langen Zeitraum ständig geübt wurden. Das Gewohnheitsrecht ist im sozialistischen Staat kein Bestandteil der Rechtsordnung.

Gewöhnung: 1. Pharmakologie: Wirkungsabnahme einer Substanz (Arzneimittel, Genussmittel) bei wiederholter Gabe der gleichen Dosis. Zur Gewöhnung kann es durch verschiedene Ursachen kommen. Man unterscheidet die akute Gewöhnung (Tachyphylaxie) von der chronischen Gewöhnung (Toleranz). Siehe auch Drogenabhängigkeit.

2. Physiologie: soviel wie Habituation.

3. Psychologie: Prozess der Ausbildung einer spezifischen automatisierten Handlungs- und Verhaltensform (Gewohnheit).

Gewölbe: 1. Gewölbe: Anatomie - Bezeichnung für bogenförmig verlaufende oder gestaltete Gebilde, zum Beispiel Fornix cerebri (im Bogen zwischen Groß- und Zwischenhirn verlaufendes Nervenfaserbündel).

2. Bautechnik: gekrümmte Raumdecke aus Steinen, Beton oder Stahlbeton, die ihre Eigen- und Nutzlast als Gewölbeschub über Widerlager auf Wände, Stützen oder Fundamente überträgt, und zwar beim geschlossenen Gewölbe auf alle Umfassungswände, beim halboffenen Gewölbe auf 2 einander gegenüberliegende Wände und beim offenen Gewölbe auf Pfeiler oder Stützen. Das Tonnengewölbe, ein halboffenes Gewölbe, ist ein liegender Teilzylinder, dessen 2 offene Seiten als Kappen und die 2 geschlossenen Seiten als Wangen bezeichnet werden. Das Klostergewölbe, ein geschlossenes Gewölbe, besteht aus 4 Wangen, das davon abgeleitete Kuppelgewölbe ist bei rechteckigem Grundriss als Hänge- oder Zwickelkuppel, bei kreisförmigem Grundriss mit halbkugelförmiger Überdeckung ausgebildet. Andere Gewölbeformen entstehen als Durchdringung mehrerer Tonnengewölbe Beim Kreuzrippengewölbe leiten die 4 Kappen den Schub nach den 4 Jochecken ab, die Grate sind als Rippen ausgebildet, im Scheitelpunkt liegt der sogenannte Schlussstein. Das Grundgewölbe ist ein auf wenig tragfähigem Baugrund aufliegendes umgekehrtes Gewölbe zur Bauwerksgründung. Schon im alten Ägypten bekannt, erfuhr die Kunst des Gewölbebaus bei den Römern eine hohe technische Entwicklung (Pantheon und Maxentiusbasilika in Rom). Die Byzantiner haben vor allem das Kuppelgewölbe weiterentwickelt (Hagia Sophia in Istanbul), das in der Renaissance und im Barock zur Grundlage des Zentralbaugedankens wurde (Peterskirche in Rom). Die Wölbung der abendländischen Basilika begann erst im 11. Jahrhundert und wurde bis zur Spätgotik technisch und künstlerisch ständig vervollkommnet. Moderne Methoden der Raumüberspannung haben das Gewölbe technisch überholt.

Gewölle: von Greifvögeln, Eulen und Krähen aus unverdaulichen Nahrungsresten (Knochen, Federn, Haare) gebildete Ballen, die ausgespien werden.

Gewürze: frische oder getrocknete Teile von Gewürzpflanzen mit spezifischen aroma- und geschmacksintensiven Inhaltsstoffen zur Verbesserung des Genusswertes von Lebensmitteln und Lebensmittelzubereitungen. Viele Gewürze fordern über eine Anregung des Appetites die Speichel- und Magensaftsekretion. Gewürze werden aus Wurzeln (Meerrettich, Liebstöckel, Petersilie, Sellerie), Wurzelstöcken (Ingwer, Kurkuma), Zwiebeln (Küchenzwiebel, Knoblauch, Porree), Rinden (Zimt), Blättern (Kerbel, Liebstöckel, Lorbeer, Petersilie, Sellerie, Rosmarin, Salbei, Pfefferminze), Kraut (Dill, Thymian, Bohnenkraut, Majoran, Dost, Estragon, Beifuß), Blüten, Blütenteilen und Knospen (Kapern, Gewürznelken, Safran, Zimtblüten), Früchten (Hopfen, Wacholderbeere, Kümmel, Anis, Fenchel, Vanille, Kardamom, Paprika, Pfeffer) und Samen (Senf, Bittermandel, Muskatnuss, Zitronat) gewonnen. Gewürze können, in größerer Menge genossen, zur Vitaminversorgung beitragen, zum Beispiel Petersilie und Paprika durch ihren Vitamin-C Gehalt. Der größte Teil der ausländischen Gewürze stammt aus tropischen und subtropischen Gebieten.

Gewürznelken: getrocknete Blütenknospen des auf Maluku heimischen Gewürznelkenbaumes (Syzygium aromaticum), der nicht zu den Nelken-, sondern zu den Myrtengewächsen gehört. Siehe auch Gewürzpflanzen.

Gewürzpflanzen: Wild- oder Kulturpflanzen, deren Inhaltsstoffe, wie ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harze unter anderem, für die Geschmacksverbesserung und Bekömmlichkeit der Speisen und Getränke verwendet werden. Gewürzpflanzen sind unter anderem Liebstöckel, Bohnenkraut, Dill, Melisse, Salbei, Koriander, Kümmel, Paprika, Thymian, Gewürznelkenbaum, Ingwer, Pfefferstrauch, Vanille und Zimtbaum.

Geyer: 1. Florian Geyer, um 1490-10.6.1525 (ermordet), fränkischer Reichsritter, 1519 noch einer der militärischen Hauptleute des von den Habsburgern und großen Fürsten beherrschten Schwab. Bundes, stellte er sich im deutschen Bauernkrieg uneigennützig auf die Seite der Aufständischen und erreichte durch seine diplomatischen Erfahrungen den Anschluss mehrerer Städte an den Aufstand. Schauspiel von Geyer Hauptmann.

2. Gerhard Geyer, geboren 8.5.1907, Bildhauer; 1930/33 Studium bei Geyer Weidanz in Halle; schuf dort nach 1945 zahlreiche Denkmäler und gestaltet Porträts in lebensnaher klassisch nachempfundener harmonischer Auffassung.

Geysir, Geiser: intermittierende, durch heißes Tiefenstandswasser gespeiste Springquelle in jungvulkanischen Gebieten (zum Beispiel Kamtschatka, Island, USA), die ihr Wasser in meist regelmäßigen Abständen springbrunnenartig ausstößt.

Geyt, Louis van, geboren 1927, belgischer Arbeiterführer; seit 1948 Mitglied der KP, 1957 wurde er Mitglied des ZK, 1960 des Politbüros; seit 1972 ist er Vorsitzender der Partei.

Gezähe: («von statten gehen») Werkzeug für die bergmännische Handarbeit, neben Schlägel und Eisen vor allem Keil-, Breithaue, Brechstange, Schaufel; im Erzbergbau auch Kratze, Trog unter anderem.

Gezeiten, Tiden: periodische Niveauschwankungen des Meeres, auch der Atmosphäre und der festen Erdkruste infolge der Anziehungskraft von Mond und Sonne und der Zentrifugalkraft aus der Drehung des Systems Erde-Mond um den gemeinsamen Schwerpunkt. Die Gezeiten des Meeres äußern sich in periodischer Wasserstandsschwankungen, die zu periodischen horizontalen Wasserverschiebungen, den Gezeitenströmen, führen. Das Steigen des Wassers heißt Flut, das Fallen Ebbe. Springtiden (besonders starke Hoch(Springflut) und Niedrigwasser) entstehen beim Zusammenwirken von Sonne und Mond, Nipptiden (schwache Hoch- und Niedrigwasser) dagegen beim Entgegenwirken beider Himmelskörper.

Gezeitenkraftwerk, Flutkraftwerk: Anlage zur Umwandlung der durch den unterschiedlichen Wasserstand bei Ebbe und Flut nutzbaren potentiellen beziehungsweise kinetische Energie des Wassers, besonders an Meeresbuchten mit großem Gezeitenunterschied.

Gezeitenuhr: Uhr für hydrologische Erkundung und Forschung, die neben der Normalzeit die für den jeweiligen Küstenstandort gültigen Zeitpunkte der Hoch- und Niedrigwasserstände anzeigt.

Gezelle, Guido Pierre, 1.5.1830-27.11.1899, belgischer Dichter niederländischer Sprache; Erneuerer der flämischen Dichtung; schrieb von tiefer Natur- und Heimatliebe erfüllte Lyrik mit religiöser Tendenz («Flämische Dichtübungen», 1858; «Im Kranz der Gezeiten», 1893, deutsch).

Ghadames, Gadames, Ghadamis: Oasenstadt und Bezirksstadt im Westen von Libyen, nahe der Grenze zu Algerien und Tunesien; 10000 Einwohner; Kunsthandwerk (Teppiche, Lederwaren); alte Befestigungsanlagen; Flughafen; Dattelpalmenkulturen.

Ghalib, Mirza Asadullah Khan, 27.12.1797 bis 15.2.1869, indischer Dichter; wirkte am Mogulhof zu Delhi, gilt als größter Poet der Urdu-Literatur; schrieb realistisch, poetisch und sprachlich vollendete Ghaselen und einige Kassiden in Urdu und Persisch über die politisch-sozialen und geistig-kulturellen Prozesse seiner Zeit. Volkstümlich geblieben bis heute seine «Urdu-Gedichtsammlung» (1841) sowie seine Briefsammlungen «Die indischen Laute» (1868) und «Das erhabene Urdu» (1869).

Ghana: chemisches Großreich mit frühklassengesellschaftlichen Verhältnissen in Westafrika, das geographisch nicht dem heutigen Ghana entsprach. Es wurde im 3. Jahrhundert nach Christus von Sarakolé-Stämmen zwischen Niger und Senegal gegründet und erreichte im 9./10. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Machtentfaltung. 1076 wurde Ghana von den Almoraviden erobert; 1087 konnte es wieder seine Selbständigkeit erringen, ohne jemals die Bedeutung vergangener Jahrhunderte zu erreichen. 1235 geriet es in die Abhängigkeit des Großreichs von Mali. In der Blütezeit des Reiches kontrollierten die Herrscher von Ghana, die wegen des Goldreichtums Kaya Maghan («König des Goldes») genannt wurden, zahlreiche tributpflichtige Gebiete durch Abgesandte und schützten durch ein Heer von 200000 Kriegern den Bestand ihres Reiches. Ghanas Hauptstadt war Kumbi-Saleh (heute in Mauretanien).

Ghana, Republik Ghana: Staat in Westafrika; grenzt im Süden an den Golf von Guinea, im Westen an Elfenbeinküste, im Nordwesten und Norden an Burkina und Osten an Togo; verwaltungsmäßig in 9 Regionen gegliedert. Währung ist der Cedi.

Bevölkerung: Sie setzt sich aus etwa 100 ethnischen Gruppen zusammen, deren wichtigste die Akan (44% der Bevölkerung; Ashanti, Fante und Brong), Mossi (16%), Ewe (13%) und Ga sind. Etwa ein Drittel der Einwohner lebt in Städten. Amtssprache ist Englisch, daneben werden etwa 70 verschiedene Stammessprachen und Dialekte gesprochen. Natur. Ghana erstreckt sich vom etwa 540 km langen Küstenstreifen am Golf von Guinea (Goldküste) im Süden über die west-östlich verlaufende Oberguineaschwelle (bis etwa 1100 m hoch) mit dem Ashanti-Hochland zum stellenweise von Schichtstufen umsäumten, weiten Becken des Voltas im Zentralteil und N. Es herrscht ein feuchtheißes tropischen Monsunklima mit abnehmenden Niederschlagsmengen von Süden (zwei Regenzeiten) nach Norden (eine Regenzeit) und bedingt durch die Hauptwindrichtungen, auch von Westen nach Osten. Hauptfluss ist der bei Akosombo aufgestaute Volta. Der im Süden und Südwesten vorhandene dichte tropische Regenwald geht landeinwärts in laubabwerfenden Wald und verschiedene Savannenarten bis zur Trockensavanne im Norden über. Es gibt reiche, zum größten Teil erkundete Bodenschätze. Wirtschaft. Ghana, Mitglied des Commonwealth of Nations, ist ein Agrarland mit einer relativ gut entwickelten Verarbeitungsindustrie. Ausländische Monopole haben innerhalb der Wirtschaft noch einen großen Einfluss. Nach dem Sturz von K. Nkrumah wurde die progressive Wirtschaftsentwicklung 1966 jäh unterbrochen. Die Machtübernahme durch den Provisorischen Nationalen Verteidigungsrat am 31.12.1981 unter J. Rawlings verhinderte den völligen wirtschaftlichen Ruin des Landes. Ausländische Kapitalanlagen werden streng kontrolliert. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, in der 60% der Erwerbstätigen beschäftigt sind. Ghana ist ein führender Kakaoproduzent der Erde; der in Monokultur angebaute Kakao ist zusammen mit Kakaoprodukten zu etwa 50% wertmäßig am Export beteiligt. Außerdem werden für die Ausfuhr Kaffee, Palmkerne, Bananen und Kolanüsse erzeugt; für die Eigenversorgung Anbau von Mais, Reis, Hirse, Erdnüssen, Yams und Kassawa; umfangreiche Holzgewinnung. Zunehmende Bedeutung für die Lebensmittelerzeugung der Bevölkerung gewinnt die Küsten- und Binnenfischerei. Innerhalb der Industrie hat der Bergbau mit der Gewinnung von Gold, Diamanten (am Birim), Manganerz (bei Tarkwa), Bauxit und Erdöl (im Küstengebiet bei Saltpond) größte Bedeutung. Die Eisen-, Zinn-, Chrom- und Wolframerze werden noch nicht genutzt. Die verarbeitende Industrie ist mit Betrieben der Nahrungsmittel- und Genussmittel-, Textil-, chemische, Holzverarbeitungs-, Metall- und Baustoffindustrie vertreten. Daneben wurden eine Aluminiumhütte in Tema auf der Basis der Elektroenergie vom Wasserkraftwerk Akosombo am Volta, ein Stahlwerk und eine Erdölraffinerie im Raum Accra Tema errichtet. Wichtigstes Industriegebiet ist Accra-Tema (50% der Industrieproduktion), gefolgt von den Industriestandorten Kumasi und Sekondi Takoradi. Das Verkehrsnetz ist besser als in den meisten anderen afrikanischen Staaten entwickelt. Auf dem Volta wird Flussschifffahrt betrieben. Überseehäfen in Tema und Sekondi-Takoradi; internationaler Flughafen Kotoka bei Accra. Der Außenhandel wird weitgehend vom Staat kontrolliert, er ist in starkem Maße vom Kakao-Weltmarktpreis abhängig; Ausfuhr von Agrargütern, Edel-, Hartholz, Diamanten, Gold, Bauxit, Aluminium; Einfuhr von Industrieeinrichtungen, Fahrzeugen, Lebensmitteln; Haupthandelspartner sind Großbritannien, USA, Niederlande. Geschichte. Das Gebiet des heutigen Ghana wurde seit 1200 von Akan-Stämmen aus dem Norden her besiedelt, wobei die Ashanti die Mehrheit stellten und ein frühfeudales Reich begründeten, das sich Anfang des 19. Jahrhundert bis an die Küste ausdehnte. 1471 erreichten die Portugiesen Ghana und gründeten mit Elmina 1482 den ersten Handelsstützpunkt. Ihnen folgten Dänen, Holländer, Schweden, Brandenburger und schließlich Franzosen und Briten. Im 19. Jahrhundert begann Großbritannien mit der Zusammenfassung der Niederlassungen zu einer Gesamtkolonie. Dabei stieß es auf den erbitterten Widerstand besonders der Ashanti. 1874 konnte die britische Kolonie Goldküste proklamiert werden. Erst 1901 gelang es, das Ashantireich zum britischen Protektorat zu machen. Seit Ende des 19. Jahrhundert entstanden die ersten antikolonialen Organisationen. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte die nationale Befreiungsbewegung einen bedeutenden Aufschwung, dem die Kolonialmacht mit Teilzugeständnissen zu begegnen suchte. 1947 trat K. Nkrumah an die Spitze des Vereinigten Konvents der Goldküste, im Juni 1949 gründete er die Volkskongress-Partei (englisch Abkürzung CPP), Nach Wahlen erhielt die Kolonie 1951 die innere Selbstverwaltung, und Nkrumah wurde erster Ministerpräsident (1952). Er führte das Land unter dem Namen Ghana am 6.3.1957 in die Unabhängigkeit; am 1.7.1960 wurde Ghana Republik. Ab 1962 wurde der Aufbau einer progressiven Gesellschaft angestrebt; 1964 wurde die CPP zur Einheitspartei erklärt. Gegen die sozialistisch orientierte Politik Nkrumahs wandten sich Kräfte der inneren und äußeren Reaktion. Am 24.2.1966 stürzte ein proimperialistischer Militärputsch die Regierung Nkrumah, und die Macht übernahm ein sogenannt Nationaler Befreiungsrat unter Generalleutnant J. Ankrah. Nach dem Sieg bei allgemeinen Wahlen bildete die Ghanaische Fortschrittspartei unter K. A. Busia im September 1969 eine Zivilregierung, die am 13.1.1972 durch den von Offizieren gebildeten Rat der Nationalen Erneuerung unter Führung von I. K. Acheampong gestürzt wurde. Nach weiteren Militärputschen übernahm am 4.6.1979 eine Militärregierung unter Leutnant J. Rawlings die politische Macht. Bei Parlamentswahlen am 18. 6.1979 erreichte die Nationale Volkspartei die Mehrheit, von ihr wurde unter H. Limann am 24.9.1979 eine Zivilregierung gebildet, die am 31.12.1981 unter dem Vorwurf des Ausbleibens von Maßnahmen gegen Misswirtschaft und Korruption gestürzt wurde. Die Regierungsgewalt übernahm ein Provisorische Nationaler Verteidigungsrat unter Vorsitz von Rawlings, der die Verfassung außer Kraft setzte, die politische Parteien verbot und die Bevölkerung zur Beteiligung an der demokratischen Umgestaltung des Landes aufrief.

Gharb, Al-Rharb: dichtbesiedelte fruchtbare Küstenebene in Marokko, am Unterlauf des Oued Sebou, dem Rif vorgelagert; vielfältiger Acker- und Obstbau; Erdöl- und Erdgasförderung (Sidi Kasem).

Ghardaia: Oasenstadt in Algerien, in der Sahara, im Wilayat Oasis, an der Transsaharastraße; 35000 Einwohner; Handelszentrum; Handwerksbetriebe (Leder-, Schmuckwaren); Flughafen. In der Nähe Erdöl- und Erdgaslager.

Gharian, Garian: Bezirksstadt im Nordwesten Libyens, über dem Nordabfall des schluchtenreichen Dschebel Nafusa; 15000 Einwohner; Mühlen, Teppichweberei; neben Höhlenwohnungen moderne Wohnbauten.

Ghasel, Gasel, Gasele (sämtliche arabisch, «Gespinst», «Liebesgedicht»): orientalische Strophen- und Gedichtform, deren Reim des 1. Verszeilenpaares jede 2. Zeile wiederholt, die übrigen bleiben reimlos; die Strophe kann bis 30 Zeilen umfassen. In der deutschen Literatur wurde die Ghasel-Dichtung des Persers Hafez (14. Jahrhundert) zum Vorbild; Nachbildungen erfolgten durch A. von Platen-Hallermünde und F. Rückert, nachdem schon F. Schlegel das Ghasel wiederentdeckt hatte.

Ghat, Gat: Hauptort einer Oasengruppe im Südwesten Libyens nahe der Grenze zu Algerien, in der Sahara; etwa 1700 Einwohner; Kunsthandel; Flughafen; Stadtmauer, altes Fort, Moschee.

Ghats: (Hindustani, «Ufertreppe») zwei Randgebirge in Indien, die das Hochland von Dekan im Westen und Osten säumen. Die über 2000 m aufragenden Westghats, im Norden vorwiegend aus basaltischen Trapp und im Süden aus Gneisen und Graniten aufgebaut, brechen steil zur schmalen Malabarküste ab und erreichen mit dem Anamudi (Gneiskuppe) 2 694 m. Die Westflanke empfängt durch den Südwestmonsun sehr hohe Niederschläge und ist dicht bewaldet. Die Westghats sind zugleich Quellgebiet großer, nach Osten entwässernder Flüsse (unter anderem Godavari, Krishna). Die Ostghats verlaufen längs der breit entwickelten Koromandelküste, sind jedoch bei geologisch ähnlichen Bau stärker aufgelöst und erreichen mit dem Devodi Munda nur 1650 m. Für sie sind feuchte und trockene Monsunwälder kennzeichnend.

Ghazni: Stadt (Provinzzentrum) im Osten Afghanistans, am Ghazni, 2220 m über dem Meeresspiegel; 45000 Einwohner; Zentrum des Karawanenhandels; Metallwaren- und Lederhandwerk; in der Umgebung Obst- und Weinbau.

Gheddawachs: blassgelbes bis braunes, von asiatischen Bienenarten erzeugtes Wachs. Gheddawachs ist fester als das Wachs europäischen Bienen und wird zur Herstellung von Kerzen, Salben und Textilausrüstungen verwendet.

Ghelderode, Michel de, eigentlich Adolphe Martens, 3.4.1898-1.4.1962, belgischer Dramatiker französische Sprache; gilt mit seinen zumeist historischen Stücken als Begründer eines flämischen Volkstheaters, zum Beispiel «Escorial» (1930, deutsch).

Gheorghiu, Valentin, geboren 21.3.1928, rumänischer Komponist und Pianist; als Solist international erfolgreich; schrieb vor allem Instrumentalmusik und Lieder.

Ghibellinen und Guelfen: Angehörige der politischen Adelsparteien in Italien vom 12. bis 15. Jahrhundert. Die Ghibellinen (Gibellinen) waren mit den Kaisern verbündet und Gegner der papstfreundlichen Guelfen (Welfen) und der Autonomiebestrebungen des Bürgertums der Oberitalienischen Städte.

Ghiberti, Lorenzo, 1378 oder 1381-1.12.1455, italienischer Bildhauer; neben Donatello der Hauptmeister der Florentiner Frührenaissanceplastik. Schuf 2 der 3 Bronzetüren für das Baptisterium in Florenz. Die zweite Tür mit Szenen aus dem Leben Jesu entstand 1403/24 in Anlehnung an die erste Tür von A. Pisano. 1425/52 fertigte Ghiberti die dritte Tür des Baptisteriums (sogenannt Paradiestür) in einem extrem malerischen Reliefstil. Auch in seinen monumentalen Bronzestatuen für Or San Michele verband er den Weichen Stil mit antiken Elementen zu harmonischen Schönheit. Schrieb in seinen «Commentarii» Betrachtungen über Kunst und Künstler seit der Antike.

Ghirlandaio, Domenico, 1449-11.1.1494, italienischer Maler der Frührenaissance; Lehrer Michelangelos in Florenz. Schuf figurenreiche Fresken, unter anderem für die Sixtinischen Kapelle im Vatikan und S. Maria Novella, Florenz, in denen das Florentiner Bürgertum seiner Zeit dargestellt ist.

Ghor: (arabisch, «Einsenkung») Mittelstück des Syrisch-Jordan. Grabens, zwischen dem See von Genezareth und dem Toten Meer; von Norden nach Süden zunehmend breiter werdend; meist von wenig fruchtbaren Salzböden bedeckt; wüstenhaftes Klima; in dem zu Israel gehörenden nördlichen Teil Bewässerungsfeldbau für subtropische Kulturen.

Ghosh, Ajoy Kumar, 20.2.1909-13.1.1962, indischer Politiker; seit seiner Jugend aktiver Teilnehmer an der antikolonialen und Arbeiterbewegung, konsequenter Internationalist; seit 1931 Mitglied und seit 1951 Generalsekretär der KP Indiens, führender Theoretiker der Partei.

G.I.: seit dem 2. Weltkrieg Bezeichnung für den US-amerikanischen Soldaten; nach der aufgestempelten Abkürzung für «Government Issue» («Regierungslieferung») auf der militar. Ausrüstung.

Giacometti, Alberto, 10.10.1901-11.1.1966, schweizerischer Bildhauer und Maler. Nach kubistischen und surrealistischen Anfängen fand er um 1945 zu den für ihn typischen überschlanken, fast körperlosen Gestalten (meist Bronze) mit flockig-rauer Oberfläche.

Giaever, Ivar, geboren 5.4.1929, US-amerikanischer Physiker norwegischer Herkunft; entdeckte 1960/61 den Tunneleffekt von thermisch angeregten supraleitenden Elektronen und bestimmte die Energielücke im Anregungsspektrum von Supraleitern.

Giant's Castle: (englisch, «Riesenburg») Berg in den Drakensbergen, auf der Grenze Lesotho/Republik Südafrika; 3 313 m; am Fuß Wildreservat (225 km2).

Gibberelline: zuerst aus Pilzen der Gattung Gibberella (Schlauchpilze) isolierte Wirkstoffe, die in kleinsten Mengen bei höheren Pflanzen das Längenwachstum fördern und bei Langtagpflanzen im Kurztag die Blütenbildung anregen.

Gibbon, Lewis Grassic, eigentlich James Leslie Mitchell, 13.2.1901-21.2.1935, schottischer Schriftsteller und Archäologe; schildert in der sozialistisch-realistischen Romantrilogie «Ein schottisches Buch» (1932/34, deutsch) volksverbunden und parteilichen Leben und Kampf schottischer Bauern und Arbeiter von 1910 bis 1933.

Gibbons, Hylobatidae: Familie schwanzloser, in Familienverbänden lebender Affen mit sehr langen Armen. Gibbons sind Baumbewohner südostasiatischer Dschungel und Bergwälder, sie hangeln und klettern ausgezeichnet. Größter Vertreter ist der bis 1 m lange Siamang (Symphalangus syndactylus) mit stimmverstärkendem Kehlsack.

Gibbs: 1. James, 23.12.1682-5.8.1754, englischer Architekt; Vertreter des Palladianischen Klassizismus. Seine Bauten (Kirchen, Universitätsgebäude, Villen und Schlösser) sind über ganz England verbreitet.

2. Josiah Willard, 11.2.1839-28.4.1903, US-amerikanischer Physiker und Mathematiker; lieferte bedeutende Beiträge zur statistischen Physik, zu den Fourier Reihen und zur Vektoranalysis.

Gibbssche Phasenregel: (nach J. W. Gibbs) für ein aus k Bestandteilen oder Komponenten bestehendes, im Gleichgewicht befindliche thermodynamisches System gültige Beziehung; p + / = fc + 2 (p Anzahl der Phasen, / Anzahl der frei wählbaren thermodynamischen Variablen (Freiheitsgrade) des Systems, zum Beispiel Druck, Temperatur, Volumen).

Gibbus: spitzwinklige Buckelbildung an der Wirbelsäule infolge Wirbelkörperstörungen. Ursachen des Gibbus sind überwiegend Entzündungen, angeborene Knochenerkrankungen, Knochenbrüche.

Gibraltar, arabisch Dschebel at-Tarik (djebel-; «Berg des Tarik»): britische Kolonie mit beschränkter Selbstverwaltung, auf einer Halbinsel an der Südspitze Spaniens, östlich der Bucht von Algeciras; von Spanien durch eine neutrale Zone getrennt, 22 km von der afrikanischen Küste entfernt; 6 km2, 30000 Einwohner; 5000 Einwohner/km2; Kalkgebirge (426 m hoch), Verbindung zum Festland durch Sandnehrung; Lebensmittelindustrie; Militär- und Handelshafen mit Freihafen, Docks, Arsenalen; Kohlen- und Ölbunkerstation; internationaler Flughafen; Luft- und Flottenstützpunkt; Fährverbindungen nach Tanger und Algeciras; Tourismus; Handelsschule, Technikum. Bei den alten Griechen eine der «Säulen des Herakles», 711 Eroberung durch den arabischen Feldherrn Tarik, 1309/33 im Besitz von Kastilien, anschließend bis 1462 wieder maurisch, 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg von England besetzt und im Frieden von Utrecht (1713) an Großbritannien abgetreten. Spanische Blockademaßnahmen (seit 1966 teilweise, 1969/82 völlige Blockade) wurden 1985 aufgehoben; 1967 entschieden sich 99,6 % der Bevölkerung für den Verbleib bei Großbritannien.

Gibsonwüste: etwa 330000 km2 große Sandwüste im Innern Westaustraliens; durchschnittlich 300 bis 500 m über dem Meeresspiegel; Spinifex- (Stachelkopfgras-) Vegetation.

Gicht: 1. Gicht (zu «gehen») Hüttenwesen - oberer Teil eines Schachtofens zur Aufnahme des Möllers. Die durch einen Gichtaufzug zur Gichtbühne (Arbeitsbühne in der Höhe der Gicht) gehobenen Beschickungsmaterialien werden von ihr aus zugegeben.

2. Gicht (althochdeutsch, «das Angezauberte»), Arthritis urica (lateinisch griechisch): Medizin - Stoffwechselerkrankung infolge verminderter Harnsäureausscheidung und gesteigerter Harnsäurebildung mit anfallartigen, sehr schmerzhaften akuten Gelenkentzündungen durch abgelagerte harnsaure Salze, zum Beispiel an Großzehe (Podagra, Zipperlein), Fingern (Chiragra), Knie (Gonagra), Sprung- und Ellenbogengelenk. Die chronische Verlaufsform führt zu Gichtknoten (Tophi) in Gelenknähe und am Ohrknorpel, zu Nierensteinen und Nierenschädigung (Gichtniere) mit fortschreitender Nierenfunktionsstörung. Man unterscheidet primäre Gicht als Folge einer vererbbaren Stoffwechselanomalie und sekundäre Gicht bei Niereninsuffizienz infolge verminderter Harnsäureausscheidung, bei Blutkrankheiten unter anderem. Unter den Haustieren kommt Gicht hauptsächlich bei Vögeln (Hühner, Truthühner, Enten, Tauben) vor, oft infolge eines Vitamin-A-Mangels.

Gide, André, 22.11.1869-19.2.1951, französischer Schriftsteller; Vertreter eines sozial indeterminierten Individualismus. Hauptthema seiner Romane «Der Immoralist» (1902, deutsch), «Die Verliese des Vatikans» (1914, deutsch), «Die Falschmünzer» (1925, deutsch) unter anderem ist die Negierung bürgerlicher Moralbegriffe zugunsten einer verabsolutierten persönlichen Freiheit.

Giebel: 1. Bautechnik - Außenwand an der Schmalseite eines Satteldaches, in seiner Grundform ein Dreieck (gedeckter Giebel), zum Beispiel Tympanon bei antiken Tempeln, oder die Dachflächen überragender Abschluss (freier Giebel), zum Beispiel bei Renaissance- und Barockbauten. Giebel sind oft reichgegliedert und geschmückt. Reine Ziergiebel über Portalen und Fenstern heißen Wimpergiebel.

2. Giebel (lateinisch griechisch), Carassius auratus gibelio: Zoologie - Karpfenfisch des gemäßigten Eurasiens; bewohnt die Uferzonen langsam fließender Gewässer.

Gieren: Schwingen eines Schiffes um die senkrechte Achse; tritt auf als Außer-Kurs-Laufen durch schräg von vom oder achtem kommende See oder Winde.

Giersch, Geißfuß, Aegopodium podagraria: häufiges, weiß blühendes Doldengewächs mit dreizähligen Blättern, in Laubwäldern, Gebüschen und an Zäunen; vegetative Vermehrung durch Ausläufer, früher Wildgemüse.

Gierymski, Aleksander, 30.1.1850 bis 8.3.1901, polnischer Maler; zusammen mit seinem Bruder Maksymilian (1846-1874) führender Vertreter des zum Teil sozialkritisch orientierten polnischen Naturalismus, näherte sich mit Bildnissen und Landschaften später dem Impressionismus.

Gießen: Füllen eines schmelzflüssigen Stoffes in eine Form, deren Hohlraum entsprechend der Gestalt des gewünschten Gussstückes in einem Formstoff nachgebildet ist und in der die Erstarrung erfolgt. Man vergießt Metalle und Nichtmetalle. Die Erzeugnisse bezeichnet man je nach dem Gusswerkstoff als Eisen-, Stahl-, Leichtmetall-, Schwermetall-, Plastikguss und so weiter. Man unterscheidet zwischen Halbzeugguss und Formguss. Zum Gießen von Plasten sind flüssige oder pastenartige, blasenfreie Lösungen oder Schmelzen erforderlich. Durch Gießen stellt man insbesondere Erzeugnisse aus gelierbaren Thermoplasten, zum Beispiel PVC-weich, sowie aus härtbarem Gießharzen, zum Beispiel Epoxid- oder Polyesterharz, her. Das in Formen aus Metall, Gips, Holz oder Plasten gegossene Material geliert beziehungsweise härtet drucklos, meist unter Erwärmung, aus elektrotechnischer Artikel, zum Beispiel Spulen, werden auch, besonders mit Epoxidharz, direkt umgossen und damit in einen Plastikblock eingebettet. Das Gießen von Plastiklösungen, zum Beispiel von Zelluloseestern, wird zur Herstellung von Filmen und Folien angewandt. Zur Herstellung von Hohlkörpern aus Thermoplasten dient das Rotationsgießen; durch Rotieren der Formen wird eine gleichmäßige Wanddicke der Erzeugnisse erreicht. Siehe auch Plaste.

Gießen: kreisfreie Stadt in Hessen an der Lahn; bildete von 1977 bis 1979 mit Wetzlar die Stadt Lahn; 76000 Einwohner; Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturzentrum von Oberhessen; Maschinenbau, Gießereien, Baustoff- und vielseitige Leichtindustrie; Justus-Liebig-Universität (gegründet 1607); Stadttheater, Universitätsbibliothek; Leibsches Haus (12. Jahrhundert), Neues Schloss (16. Jahrhundert).

Gießerei: a) Zweig der metallverarbeitenden Industrie;

b) Betrieb zur Herstellung von Teilen beliebiger Gestalt und Größe durch Vergießen schmelzflüssiger Werkstoffe in Formen (Urformvorgang).

Gießkannenschimmel, Aspergillus: dem Pinselschimmel verwandte Gattung der Schlauchpilze; Saprophyten. Siehe auch Aflatoxine.

Gießkarussell: kreisförmiges mechanisches Transportsystem für eine bestimmte Anzahl von Kokillen, die im Takt der Gießstation zugeführt, abgegossen, entleert und erneut zum Gießen gebracht werden.

Gießmasse, Gießschlicker-, wässrige Suspension einer keramischen Masse mit Soda und Wasserglas, die zur Formgebung von Gegenständen in Gipsformen eingegossen wird.

Gießvorrichtung: Gerät zur Mechanisierung beziehungsweise Automatisierung des Gießvorganges, das heißt der Formfüllung. Der Gusswerkstoff wird dosiert nach dem Inhalt der Form mittels verschiedener Methoden abgegeben. Gießvorrichtungen werden mechanisch, pneumatisch, hydraulisch oder elektromechanisch betrieben.

Gießzettel: Polygraphie Verzeichnis, nach dem in der Schriftgießerei die Stückzahlen oder Mengenanteile der verschiedenen Drucktypen an der Lieferung einer Satzschrift bestimmt werden, wobei die Häufigkeit des Vorkommens der Einzelbuchstaben in der jeweiligen Sprache berücksichtigt ist.

Giftabteilungen: System zur Kennzeichnung des Grades der gesundheitsgefährdenden Wirkung von Giften. Stoffe höchster Giftigkeit sind in der Abteilung erfasst und auf der Verpackung weiß auf schwarz mit einem Totenkopf und dem Wort «Gift» gekennzeichnet. Bei den Giften der Abteilung 2 sind die entsprechend Beschriftungen rot auf weißem Grund. Die den Giftabteilungen 1 und 2 zugeordneten Stoffe sind gegen unerlaubten Zugriff sicher zu verwahren.

Giftdrüsen: Drüsen, deren Sekret zum Betäuben oder Töten der Beute beziehungsweise zur Abwehr dient (zum Beispiel bei Schlangen und Insekten).

Gifte: (althochdeutsch, eigentlich «Gaben») alle Stoffe, die im Organismus Funktionsstörungen verursachen. Als Gifte gelten in der DDR die in einem vom Ministerium für Gesundheitswesen herausgegebenen Verzeichnis aufgeführten Naturerzeugnisse, Chemikalien und Zubereitungen. Der Umgang mit Gifte unterliegt gesetzlichen Bestimmungen (Giftgesetz). Die Abgabe von Gifte ist nur an Erwachsene gestattet und stets in ein Giftbuch einzutragen. Um die Giftigkeit zu charakterisieren, legt man die Höhe der geringsten schädlichen Dosis zugrunde. Starke Gifte sind Substanzen, die bereits in kleinsten Mengen schwerwiegende Folgen hervorrufen; bei schwachen Gifte sind wesentlich größere Mengen erforderlich. Die Giftwirkung kann innerhalb kurzer Zeit nach einmaliger Gabe (akute Toxizität) oder erst nach längerer (Wochen und Monate) Anwendung (chronische Toxizität) eintreten. Gifte können äußerlich wirken (lokale Giftwirkung) oder erst nach Aufnahme in das Blut und Gewebe (resorptive Giftwirkung). Eine weitere Einteilung der Gifte kann auch nach dem vorwiegend geschädigten Organ erfolgen, zum Beispiel gibt es Blut-, Kapillar-, Herz-, Nerven-, Nieren- und Lebergifte.

Giftgetreide: mit Zinkphosphid inkrustiertes, rot gefärbtes Getreide zur Bekämpfung von Feld- und Wühlmäusen (wird nur noch lokal angewendet), oder mit Strychnin begifteter, grün oder blau gefärbter Köderweizen zur Vernichtung von Sperlingen.

Giftnattern, Elapidae: Schlangenfamilie mit relativ kurzen, gefurchten und nicht umklappbaren Giftzähnen im Oberkiefer, deren Gift vor allem neurotoxisch und damit oft sehr schnell wirkt; auf allen Erdteilen außer Europa, besonders zahlreich in Australien; hierzu unter anderem Mambas, Kobras und Korallenschlangen.

Giftpflanzen: Pflanzen, deren Blätter, Blüten, Früchte, Stengel oder Wurzeln beziehungsweise alle Pflanzenteile Gifte enthalten (Alkaloide, Glykoside unter anderem), die beim Genuss durch den Menschen beziehungsweise bei der Verfütterung an Tiere dieselben schädigen und im ungünstigen Falle den Tod hervorrufen.

Giftpilze: Pilze, deren Genuss zu mehr oder minder starken, auch tödl., Vergiftungen führen kann; unter anderem Knollenblätterpilze, Riß-, Panther-, Fliegen-, Satanspilz, Frühjahrslorchel, Kahler Krempling. Siehe auch Vergiftungen.

Gifttiere: Tiere, die in ihrem Körper chemische Substanzen besitzen, die beim Nahrungserwerb oder zur Abwehr von Angreifern verwendet werden und auf diese toxisch wirken; zum Beispiel Nesseltiere, Skorpione, Hornissen, Spinnen, Schlangen.

Gifu: 1. Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu; 10596 km2, 1,9 Millionen Einwohner; 179 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Gifu 2; Textil-, Konfektions-, elektrotechnische Industrie, Fahrzeugbau; Landwirtschaft (Reis, Maulbeeren; Geflügelhaltung).

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Gifu 1, nördlich von Nagoya; 410000 Einwohner; Papier- und Seidenindustrie, Flugzeugbau.

Giga: Vorsatz (10faches) einer Maßeinheit.

Giganten: urzeitliche Riesen der griechischen Sage, Söhne der Gäa, unterlagen im Kampf gegen die Götter des Olymps (Gigantomachie); Darstellung auf dem Pergamonaltar (Pergamon).

gigantisch: riesenhaft, gewaltig.

Gigantopteris: (griechisch, «Riesenfarn») Kletterpflanze mit farnartigen, maschenadrigen Blättern; Leitfossil der permischen Kohlenlager Ostasiens.

Gigaswuchs: genetisch bedingter Riesenwuchs bei Pflanzen und Tieren.

Gigolo: Eintänzer, früher in Tanzlokalen als Tanzpartner angestellt; Geck, Frauenheld.

Gigue: 1. schneller, ursprünglich irischer Tanz im Takt, später Volkstanz der Schiffer; seit 1650 besonders französischer Gesellschaftstanz.

2. meist Schlusssatz der Instrumentalsuite im 17. /18. Jahrhundert.

Gijon: Stadt im Norden Spaniens, am Golf von Biscaya; 260000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Eisenmetallurgie, Textil“, Tabak-, Glas- und chemische Industrie; Erdölraffinerie; Hafen El Musel (Küstenschifffahrt und Überseetransitverkehr); Fischerei; Ingenieurschulen; Seebad.

Gila, spanisch: linker Nebenfluss des Colorado, im Südwesten der USA (Bundesstaat Arizona); 750 km; entspringt im Süden des Coloradoplateaus, durchfließt die Gilawüste und mündet bei Yuma; Staudämme für Bewässerung (unter anderem Coolidge- und Gillespie-Damm).

Gilawüste: Halbwüste im Südwesten der USA (Bundesstaat Arizona); kontinentales Klima; von den Fremdlingsflüssen Salt, Gila und Colorado durchflossen; in den Tälern Bewässerungsfeldbau (Baumwolle, Zitrusfrüchte).

Gilbert: 1. Gilbert, Jean, eigentlich Max Winterfeld, 11.2.1879-20.12.1942, Komponist; war mit «Die keusche Susanne», «Die Kinokönigin» unter anderem einer der erfolgreichsten Vertreter der Berliner Schlageroperette.

2. Gilbert, William, 24.5.1544-30.11.1603, englischer Mediziner und Physiker; Leibarzt englischer Könige; arbeitete über Magnetismus (1600) und Elektrizität; prägte den Begriff «elektrisch».

Gilbertinseln: Inselgruppe (16 Inseln) in Mikronesien, über ein Seegebiet von mehr als 2,5 Millionen km2 verstreut; zu Kiribati gehörig; 259 km2, 50000 Einwohner; größtenteils aus Korallenstöcken bestehend, die sich nur wenig über den Meeresspiegel erheben und daher wenig bebaubaren Boden besitzen; überwiegend von Kokos- und Schraubenpalmen bestanden; Fischfang.

Gilbreth, Frank Bunker, 7.7.1868 bis 14.6.1924, US-amerikanischer Wissenschaftler; entwickelte unter anderem die fotografische Bewegungsstudie. Sein Bestreben, kraft- und zeitraubende Bewegungen zu verringern, wurde in den Dienst verstärkter kapitalistischer Ausbeutung der Arbeiter gestellt.

Gilde: («Opfer(mahl)») im Mittelalter Vereinigung von Handwerkern (Zunft), Kaufleuten (Hanse), Bauern (Schutzgilde) oder religiös Gleichgesinnten (Bruderschaft) zur gegenseitigen Hilfe und Wahrung gemeinsamer Interessen.

Gilgamesch-Epos: babylonisches Epos, das Schicksale und Taten des Helden Gilgamesch, eines sagenumwobenen Königs von Uruk, beschreibt, und in dessen Mittelpunkt die Themen Freundschaft und Suche nach Unsterblichkeit stehen; auf der Grundlage mehrerer selbständiger teils heroischer, teils mythische sumerische Gilgamesch-Erzählungen von einem unbekannten babylonischen Dichter in altbabylonischer Zeit (um 1800 vor Christus) geschaffen. Die jüngste, um 1200 vor Christus entstandene, überarbeitete und erweiterte (unter anderem um den Sintflutbericht) sogenannt ninivitische Fassung ist am besten überliefert. Das Gilgamesch-Epos war weit über die Grenzen Mesopotamiens verbreitet.

Gilly: 1. David, 7.1.1748-5.5.1808, Baumeister; war zunächst Landbaumeister und Baudirektor in Pommern; ab 1788 in Berlin, 1793 Mitbegründer einer Bauschule, der Vorläufern der späteren Bauakademie, zu deren Mitbegründern er 1798 gehörte; zeichnete sich besonders im Landhausbau aus (Schloss und Dorf Paretz 1787/1800).

2. Friedrich, 16.2.1772-3.8.1800, Baumeister; Sohn von Gilly; zählt zu den Hauptmeistern klassizistischen Baukunst in Deutschland. Die meisten seiner Bauten, die sich aus einfachsten stereometrischen Grundformen zusammensetzen, sind nur im Entwurf erhalten, so der Plan für ein Nationaldenkmal für Friedrich II. und zu einem Berliner Schauspielhaus (1800).

Gilm zu Rosenegg, Hermann von, 1.11.1812 bis 31.5.1864, österreichischer Lyriker; verfasste «Gedichte» (1864/65), auch sentimentale Natur- und Liebespoesie sowie scharf antiklerikale Zeitgedichte («Jesuitenlieder»).

Gimond, Marcel, 27.4.1894-Oktober 1961, französischer Bildhauer; schuf neben weiblichen Aktdarstellungen insbesondere Porträtbüsten von klassischen Strenge, mit denen er an die Tradition der realistischen französischen Plastik anknüpfte.

Gimpel: (mittelhochdeutsch gumpen, «hüpfen») 1. Gimpel, Pyrrhula pyrrhula: eurasischer, nadelwaldbewohnender Finkenvogel mit dickem Schnabel; unterseits das Männchen rot, das Weibchen grau, oberseits schwarz, Bürzel weiß («Dompfaff»); gern gehaltener Käfigvogel.

2. einfältiger Mensch.

Gin: Wacholderbeer-Destillat enthaltender Getreidebranntwein, ähnlich dem Genever oder Steinhäger; besonders für Bargetränke, zum Beispiel Gin-Fizz. Der Volumenanteil an Alkohol beträgt 40 %, der von Dry Gin 45 %.

Ginastera, Alberto, 11.4.1916-25.6.1983, argentinischer Komponist; kam, aufbauend auf der argentinischen und indianischen Folklore, zu einem persönlichen Stil in der Choreographischen Legende «Panambi» (1937) und der «Sinfonia portugais» (1942); schuf ferner Konzertwerke, Kammermusik unter anderem; war in Buenos Aires in führenden Lehrämtern tätig.

Gingivektomie: Chirurg. Behandlung bestimmter Formen von Zahnbettentzündungen durch Abtragen des Zahnfleischrandes bis zum Grund der Zahnfleischtasche.

Ginkgo, (japanisch, «Silberaprikose») Ginkgo biloba: bis 30 m hoher, zweihäusiger, laubabwerfender Nacktsamer aus Ostasien, mit fächerförmigen Blättern und gelben, essbaren Samen; in Europa als Parkbaum.

Ginkgogewächse, Ginkgophyta: fossil seit dem Rotliegenden bekannte Klasse der Nacktsamer, deren Hauptentfaltung vom Jura bis zur unteren Kreide war, zum Beispiel Ginkgo.

Ginnungagap: (altnordisch, «gewaltige Kluft») in der nordischen Mythologie gähnende Leere, Felsschlucht, in der aus dem Eischaos der Urriese entsteht.

Ginsberg, Allen, geboren 3.6.1926, US-amerikanischer Dichter; wendet sich in sprachlich eigenwilligen, dem Vorbild W. Whitmans verpflichteten, rhapsodischen und ekstatischen Gedichten gegen Korruption, Sterilität und Unmenschlichkeit seiner Gesellschaft, vertritt aber eine anarchistisch-individualistische und mystizistische Weitsicht («Das Geheul», 1956, deutsch; «Der Untergang Amerikas», 1972, deutsch); gilt als bedeutendster Dichter der Beat Generation.

Ginseng, Panex ginseng: ostasiatisches Efeugewächs mit saponinhaltiger, fleischiger Wurzel. Die Wurzeln der in China, Korea, Nordamerika, der UdSSR und in anderen Ländern kultivierten Pflanze gelten als besonders heilkräftig.

Ginster, Genista: Gattung der Schmetterlingsblütler, mit gelben Blüten und rutenförmigen Zweigen; Sträucher und Halbsträucher meist trockener Standorte, zum Beispiel Färberginster (Genista tinctoria); siehe auch Besenginster.

Ginzburg, Natalia, geboren 14.7.1916, italienische Schriftstellerin; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil. Ginzburg veröffentlichte den ersten erfolgreichen Erzählungsband «Die Straße, die in die Stadt führt» (1942) in der Verbannung. Der Roman «All unsere Gestern» (1952, deutsch) ist die Geschichte einer Familie von der Vorkriegszeit bis zur deutschen Besetzung; ihr Hauptwerk, das Erinnerungsbuch «Mein Familien-Lexikon» (1963, deutsch), gibt eine Schilderung des Widerstandskampfes italienischer Intellektueller.

giocoso: Musik fröhlich, übermütig.

Jowhar, Giohar, Gioher: Stadt (Regionszentrum) im Süden Somalias, am Webi Scebeli; 20000 Einwohner; Zuckerraffinerie, Baumwollaufbereitung, Ölpressen, Seifenherstellung; Handelszentrum.

Giolitti, Giovanni, 27.10.1842-17.7.1928, italienischer Politiker; 1892/93, 1903/14 (mit Unterbrechungen) und 1920/21 Ministerpräsident; in der Auseinandersetzung mit der aufstrebenden Arbeiterbewegung versuchte er, die Massenbasis des liberalen Staates durch Reformen zu erweitern («Transformismus»).

Giono, Jean, 30.3.1895-9.10.1970, französischer Schriftsteller; Verfasser regionalistischer Dorfromane mit teilweise zivilisations- und fortschrittsfeindliche Tendenz, zum Beispiel «Der Hügel» (1928, deutsch).

Giorgione, eigentlich Giorgio da Castelfranco, um 1478-1510, italienischer Maler; neben Tizian Hauptmeister der Hochrenaissance in Venedig; entwickelte das typische venezianischer Kolorit von leuchtender, warmer Farbigkeit; war bahnbrechend in der Aufnahme neuer profaner Themen («Schlummernde Venus», «Das Gewitter», «Drei Philosophen», «Konzert im Freien»),

Giotto, eigentlich Giotto di Bondone, um 1266-8.1.1337, bedeutendster italienischer Maler und Baumeister seiner Zeit; seit 1334 Leiter der Florentiner Dombauhütte; überwand unter Einfluss der französischen Skulptur die byzantinische Manier und bereitete mit wirklichkeitsnahen, ausdrucksstarken, plastisch gerundeten Figuren die Renaissance und das autonome Bild vor; Fresken der Franziskuslegende in S. Francesco in Assisi (1300/05), in der Arenakapelle in Padua (1305/06) und in der Peruzzi- und Bardi-Kapelle in Sta. Croce in Florenz (nach 1333).

Giovanni da Bologna, 1529-13.8.1608, italienischer Bildhauer niederländischer Herkunft; schuf als Hofkünstler des Großherzogs von Florenz stark bewegte Figurengruppen sowie zahlreiche Kleinbronzen zu antiken Themen, die, vielfach kopiert, den manieristischen Formenreichtum verbreiteten.

Gips: Mineral, wasserhaltiges Kalziumsulfat; Kristallsystem monoklin, Aussehen wasserhell durchsichtig, durch Beimengungen grau oder rötlich, Härte 1,5 bis 2, Dichte 2,3 bis 2,4 g/cm3. Varietäten sind Alabaster (reiner, weißer, feinkörniger Gips, Verwendung in Plastik und Kunsthandwerk von der Antike bis zur Renaissance), Marienglas (G. mit ausgezeichneter tafeliger Spaltbarkeit) und Fasergips (parallelfaserige Struktur (Selenit); lagenförmig in Karbonatgesteinen). Gips bildet sich in mächtigen Schichten chemisch-sedimentär in abgeschlossenen Meeresbecken, besonders im Zechstein und in der Trias, sekundär durch Wasseraufnahme des Anhydrits und konkretionär durch Sulfat Verwitterung in Tonen. Vorkommen weltweit, in der DDR zum Beispiel im Südharz und Thüringer Wald. Entwässerter Gips wird Gipsbinder genannt und als Bindemittel genutzt, er wird dafür fein gemahlen, in Kochern oder Drehrohröfen je nach Verwendungszweck auf unterschiedlichen Temperaturen erhitzt, um das Kristallwasser zum Teil oder völlig auszutreiben. Ab 1300°C wird Schwefeldioxid abgespalten, und es entsteht kalkhaltiger Baugips. Schnell erstarrender Gipsbinder verfestigt sich in 2 bis 15 min, Putzgips in 8 bis 30 min und Estrichgips in 24 bis 32 h, wobei Druckfestigkeiten zwischen 2 und 25 MPa erreicht werden können. Modifizierte Gips enthalten Zusatzmittel, wie Leim, Stärke unter anderem Hochgebrannte Gips reagieren nicht mit Wasser (totgebrannte Gips) oder binden unter Zusatz von Alaun (Alaungips) in 5 bis 90 min zu sehr hartem Mörtel (fälschlich Marmorzement genannt) ab.

Gipsplatten: gipsgebundene Bauplatten für Trennwände und Unterdecken (Akustikdecken mit Hohlräumen). Man unterscheidet Vollplatten mit Füllstoffen aus Schlacke oder Sand, Gipsdielen (Leichtbauplatten mit Rohdichte 600 kg/m3) mit eingelegten Faserstoffen, Holzwolle unter anderem, Porengipsplatten (dreischichtig), deren innere Schicht durch die aus Aluminiumpulver mit Kalk entstehenden Gase luftdämmend wirkt, Gipskartonplatten (Gipsverbundplatten), deren innere Schicht aus saugfähigem Karton besteht.

Gipsschwefelsäureverfahren: technisches Verfahren zur Herstellung von Schwefeldioxid beziehungsweise Schwefelsäure durch Erhitzen von Gips (oder Anhydrit) mit Ton, Sand und Koks in Drehrohröfen auf etwa 1400°C; als Nebenprodukt entsteht hochwertiger Zement.

Gipsverband: Verband aus Mullbinden, in die Gipspulver (gebranntes Kalziumsulfat) eingestreut ist. Nach Zugeben von Wasser lässt sich der Gipsverband kurzzeitig modellieren, dann verfestigt er sich; dient zum Ruhigstellen von Gliedmaßen besonders bei Knochenbrüchen.

Giraffen, Giraffidae: Familie wiederkäuender Paarhufer mit dem Okapi und der Giraffen (Giraffa camelopardalis), die bis 6 m Scheitelhöhe erreicht; ihr überlanger Hals hat wie beim Menschen nur 7, jedoch stark verlängerte Wirbel. Giraffen leben in afrikanischen Steppen und ernähren sich von Laub und Zweigen.

Giraffengazelle, Gerenuk, Litocranius walleri: im Buschgelände Ostafrikas in kleinen Trupps lebende hochläufige und langhalsige Gazelle; Laubfresser.

Giralgeld, Buchgeld: auf den Konten der Geld- und Kreditinstitute befindliche Guthaben, die dem bargeldlosen Zahlungsverkehr dienen. In der Regel durch Kreditgewährung entstanden, dient das Giralgeld selbst wieder als Kreditquelle.

Girardi Alexander, 5.12.1850-20.4.1918, österreichischer Volksschauspieler von großer Schlichtheit und tiefem Humor, besonders im Wiener Volksstück und in der klassischen Wiener Operette.

Girardot, Annie, geboren 25.10.1931, französische Schauspielerin; bewies große Vielseitigkeit in Filmen wie «Rocco und seine Brüder», «Die Novizinnen», «Aus Liebe sterben», «Das späte Mädchen», «Kein Rauch ohne Feuer», «Es regnet über Santiago», «Jedem seine Hölle», «Ein verrücktes Huhn».

Giraud, Henri, 18.1.1879-11.3.1949, französischer General; geriet während des 2. Weltkrieges 1940 in faschistischen deutsche Kriegsgefangenschaft (Königstein), aus der er 1942 floh; er ging nach Algier, wo er von den USA als Oberkommissar eingesetzt wurde. 1943 war er (zusammen mit de Gaulle) Co-Präsident des Komitees der Nationalen Befreiung, setzte sich aber immer mehr in Widerspruch zum Programm der Widerstandsbewegung; 1944/48 Vizepräsident des Obersten Kriegsrates.

Girlande: Gewinde von natürlichen oder künstlichen Blättern, Blumen oder Früchten, auch Dekorations-Gehänge aus gefaltetem Papier; ursprünglich in der griechischen-römischen Antike beliebtes Ornament.

Girlitz, Serinus serinus: 12 cm langer, gelblicher Finkenvogel; lebt in Gärten, Parkanlagen unter anderem in Europa, Nordafrika und Kleinasien; ernährt sich vorwiegend von Samen.

Girl Tanz: im 19. Jahrhundert von Nordamerika und England ausgehender Tanzstil im Unterhaltungsgewerbe, der sich durch Drill, Rhythmik, Synchronität und eine spezifische Choreografie auszeichnet, die die Uniformierung und Exaktheit der meist einfachen Bewegungen hervorhebt.

Giro: («Kreis») im Geldwesen so viel wie Übertragung, Überweisung; im bargeldlosen Zahlungsverkehr die Umbuchung von Geldbeträgen von Bankkonto zu Bankkonto; im Wechselrecht das Indossament.

Girondisten: nach dem Departement Gironde, politische Gruppierung während der Französischen Revolution. Die Girondisten, nach ihrem bekanntesten Politiker Brissot auch Brissotisten genannt, waren gemäßigte Republikaner und vertraten in der Gesetzgebenden Nationalversammlung sowie im Konvent vor allem Interessen der Handels- und Manufakturbourgeoisie sowie der Intelligenz und der Beamten. Sie regierten nach dem Sturm auf die Tuilerien (10.8.1792), verteidigten die Revolution nicht wirkungsvoll gegen innere und äußere Feinde, wurden aus dem Jakobinerklub ausgeschlossen und durch den Volksaufstand vom 31.5. bis 2.6.1793 gestürzt.

Gironella, José Maria, geboren 31.12.1917, spanischer Schriftsteller; seine Werke berühren trotz des Bemühens um historische Authentizität nur gesellschaftliche Oberflächenerscheinungen; in der Romantrilogie «Die Zypressen glauben an Gott» (1953, deutsch) versuchte er, am Schicksal einer Familie die Entwicklung Spaniens von 1931 bis in die Nachkriegszeit zu gestalten.

Gitarre: Zupfinstrument arabischer spanischer Herkunft; heute mit 6 Saiten (E, A d, g, h, e1) über einem achtförmigen Schallkörper, flacher Decke (Fichte), schwach gewölbtem Boden (meist Ahorn), hohen Zargen, offenem Schalloch (früher mit Rosette verziert), breitem Griffbrett mit bis zu 20 Bünden und einer Schraubmechanik (früher Wirbel). Ihr Entwicklungsweg ist nicht eindeutig; wahrscheinlich im 13. Jahrhundert Zusammenführung zweier Hauptlinien, Laute und Fiedel; kam durch die Mauren nach Spanien und ist seit dem Mittelalter besonders in Süd- und Westeuropa heimisch. Die Gitarre wurde in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhundert zum Hausmusikinstrument, zu Beginn des 20. Jahrhundert durch die Jugendbewegung auch zum Volksmusikinstrument und im Jazz zum Solo- und Begleitinstrument. Seit etwa 1940 gibt es in Unterhaltungsmusik und Jazz und seit etwa 1960 besonders in der Beat-, Rock- und Popmusik die elektrisch verstärkte Gitarre (Elektrogitarre; mit Tonabnehmer, Verstärker und Lautsprecher), die mit Plektron gespielt wird. Die Gitarre ist in wahllosen Varianten vertreten. Siehe auch Ukulele, Arpeggione, Hawaiigitarre.

Gitter: 1. Elektronik: Elektronenröhre.

2. Gitter, Kristallgitter - Kristallographie: gitterartige, im Allgemeinen dreidimensional periodische Anordnung von Ionen, Atomen oder Molekülen im Kristall. Die Raumgitternatur wurde erstmals von L. A. Seeber (1793-1855) erkannt. Gitter unterscheiden sich in ihrer Symmetrie, durch ihre Bausteine und die zwischen ihnen herrschenden Bindungskräfte. Nach der gegenseitigen Zuordnung der Bausteine gibt es zum Beispiel Raumgitter mit räumlicher, koordinativer Vernetzung, Netzgitter oder Schichtgitter mit bevorzugter Vernetzung in parallelen Ebenen, Kettengitter (lineare Gitter) mit eindimensionaler Koordination oder Inselgitter mit selbständigen Baugruppen. Nach der Art der Bausteine gibt es zum Beispiel Ionengitter (Ionenkristalle), Atomgitter (homöopolare Bindung), Metallgitter (metallische Bindung) und Molekülgitter (Molekülkristalle).

Gitterfasern, Retikulinfasern: netzartig verbundene Fasern des retikulären Bindegewebes.

Gitterfehler: Störungen der periodischen räumlichen Anordnung der Gitterbausteine eines Kristalls. Man unterscheidet Kristallbaufehler (Fehler im geometrischen Bau des Gitters), Elektronenstrukturfehler (freie Elektronen, Löcher, Exzitonen, Polaronen) und Gitterschwingungen (Phononen). Kristallbaufehler sind Leerstellen (nicht besetzte Gitterplätze), 2wischengitteratome (Atome zwischen regulären Gitterplätzen), Fremdatome (Atome eines anderen chemischen Elements), Versetzungen (Gleiten), Korngrenzen, Stapelfehler (Fehler in der Stapelfolge der Netzebenen), Phasengrenzen und Ausscheidungen. Gitterfehler können beim Wachsen des Kristalls und durch äußere Einwirkungen (Verformung, Bestrahlung, Abschrecken) entstehen. Viele physikalische Eigenschaften der Festkörper werden weitgehend von der Art, der Anzahl und der Wechselwirkung der Gitterfehler bestimmt.

Gittermast: Hochspannungs- oder Fernleitungsmast aus gitterartig miteinander vernieteten oder verschweißten Profilstählen; bietet dem Wind geringen Widerstand.

Gitternetz: in topographischen Karten eingezeichnetes rechtwinkliges Koordinatennetz der Gauß-Krüger-Projektion; in thematischen Karten flächendeckendes geometrisches Netz unterschiedlicher Form und Größe für die Darstellung thematischer Informationen.

Gitterschwingung: kleine Schwingung, die die Bausteine eines kristallinen Körpers um ihre Gleichgewichtslagen ausführen, deren Amplitude mit der Temperatur wächst und die das optische Verhalten im langwelligen Ultrarot, die elektrische Leitfähigkeit sowie die thermischen Eigenschaften des Kristalls bestimmt. Bei optischer Gitterschwingung schwingen in Ionengittern die entgegengesetzt geladenen Ionen gegenphasig, bei akustischer Gitterschwingung gleichphasig. Die Quantenmechanik ordnet den Gitterschwingung Teilchencharakter zu, die zugeordneten Quasiteilchen heißen Phononen oder Schallquanten.

Gitterspektrum: von einem Beugungsgitter erzeugtes Spektrum; wird als Normalspektrum bezeichnet, weil bei ihm im Gegensatz zum Prismenspektrum langwelliges Licht stärker abgelenkt wird als kurzwelliges.

Giurgiu: Stadt im Süden Rumäniens (Bezirk Giurgiu), an der Donau; 57000 Einwohner; Werft, Schwermaschinenbau (Kombinat Russe-Giurgiu (Gemeinschaftsobjekt mit Bulgarien)), Nahrungsmittel-, chemische, Baustoffindustrie; Hafen; Donaubrücke (seit 1954) nach Russe.

Giustizia e Libertà, «Gerechtigkeit und Freiheit»): Italien, antifaschistische Bewegung, 1928 in Frankreich aus bürgerlichen und kleinbürgerlichen Emigranten entstanden; führte bewaffneten Kampf gegen den Faschismus in Spanien (1936/38) und Italien (1943/45).

Gizenga, Antoine, geboren 1925, kongolesischer Politiker; war 1959 Mitbegründer und Präsident der afrikanischen Solidaritätspartei; 1960/62 stellvertretender Ministerpräsident von Kongo-Kinshasa; versuchte nach Ermordung von P. Lumumba von Stanleyville (Kisangani) aus, in dessen Sinne weiterzuwirken; 1960/64 mehrmals verhaftet; seit 1966 in Europa im Exil.

Glace: glänzendes Seidengewebe für Westenfutter.

Glacéleder: zartnarbiges, mineralgegerbtes, weiches, dehnbares, ausschließlich auf der Narbenseite gefärbtes Handschuhleder aus Zickel- oder Lammfellen; ursprünglich mit einer Mischung aus Alaun, Eigelb und Mehl (Gare) gegerbt.

Glacis: vor Festungen flach ins Vorfeld auslaufende Erdböschung, die Angreifern keinen toten Winkel bietet, in dem sie dem Abwehrfeuer entzogen sind.

Gladiatoren: (lateinisch, «Schwertkämpfer») im alten Rom Kämpfer (Sklaven, berufsmäßige Gladiatoren, verurteilte Verbrecher), die, in besonderen Gladiatorenschulen ausgebildet, in der Arena mit Schwertern unter anderem Waffen paarweise, in Gruppen oder in Massen gegeneinander, in der Regel bis zur Tötung des Gegners, oder gegen wilde Tiere antraten. Gladiatoren spielten in den spätrepublikanischen Sklavenaufständen (zum Beispiel Spartakusaufstand) eine Rolle.

Gladiole: (lateinisch, «Schwertchen») Siegwurz, Gladiolus: Gattung der Schwertliliengewächse; heimische Arten (selten) auf Moorwiesen. Die großblütigen, vielfarbigen Gartenformen entstanden durch Kreuzungen südafrikanischer Arten.

Gladkow, Fjodor Wassiljewitsch, 21.6.1883 bis 20.12.1958, russisch-sowjetischer Schriftsteller, gestaltete in dem Roman «Zement» (1925, deutsch) den Kampf revolutionärer Arbeiter um den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft und die Entfaltung der Persönlichkeit; der Roman war in der deutschen Arbeiterklasse sehr populär. In einem autobiographischen Romanzyklus (1949/54, l. Teil deutsch «Der Schnee schmilzt») schildert Gladkow in epischer Breite das Leben des russischen Volkes zu Beginn des Jahrhunderts.

Gladstone: Stadt in Queensland (Australien), an der Ostküste, 25000 Einwohner; Tonerde Werk (Bauxit aus Weipa/Queensland); Chemieindustrie; Hochseehafen. Nördlich von Gladstone umfangreiche Ölschiefervorkommen.

Gladstone, William Ewart, 29.12.1809 bis 19.5.1898, britischer Politiker; 1868/74, 1880/85, 1886 und 1892/94 Premierminister; förderte als Führer der Liberalen die Kolonialexpansion und suchte durch politische Reformen die Arbeiterbewegung und die irische Nationalbewegung zu beschwichtigen.

Glagit: (Kunstwort) Verbundwerkstoff aus Glas und Gips, insbesondere für dünne Verkleidungsplatten.

glagolitische Schrift, Glagoliza (altslawisch glagol, «Wort», «Rede») älteste slawische Schrift; das ältere der beiden Alphabete (siehe auch kyrillische Schrift), in denen die altslawischen Schriftdenkmäler geschrieben sind. Die glagolitische Schrift wurde um 863 von Kyrill in Anlehnung an Prinzipien des griechischen Minuskelalphabets sowie des hebräischen und syrischen Alphabets geschaffen, stellt jedoch insgesamt ein homogenes, eigenständiges slawisches Schriftsystem dar; sie wurde bis ins 12. Jahrhundert in Bulgarien und im Gebiet des heutigen Jugoslawiens benutzt.

Glakresit: (Kunstwort) Faserbaustoff aus Glasfaservlies, mit braunem Kresolharz getränkt und eventuell mit Gipszusatz.

Glamour: (englisch, «Blendwerk», «Zauber») bezaubernde Schönheit; betörende Aufmachung mit kosmetischen Mitteln unter anderem.

Glanz: Mineralogie durch reflektiertes Licht hervorgerufenes glänzendes Aussehen von Mineralen, abhängig von der Oberflächenbeschaffenheit, Lichtbrechung, Absorption und inneren Reflexion. Unterschieden werden Metallglanz, Seidenglanz, Perlmutterglanz, Glasglanz und Fettglanz.

Glanze, Kiese, Blenden, Fahle: alte bergmännische Sachbezeichnung für sulfidische Minerale nach ihrem Aussehen; namensbildend bei zahlreichen Erzen.

Glanzkäfer, Nitidulidae: Käferfamilie mit sehr kleinen, glänzenden Arten; fressen meist Blütenblätter und Pollen, zum Teil auch unter Rinden lebend. Siehe auch Rapsglanzkäfer.

Glanzstreifen, Kittlinien, Disci intercalares: bereits lichtmikroskopisch sichtbare Streifen der Herzmuskulatur; sie stellen die Grenzen der netzartig verbundenen Herzmuskelzellen dar.

Glanzvögel, Galbulidae: meist grün glänzende Specht Verwandte Vögel Süd- und Mittelamerikas. Das aus 3 bis 4 Eiern bestehende Gelege wird in Niströhren ausgebrütet, die in Erdwänden gegraben wurden; sie ernähren sich von fliegenden Insekten, vorwiegend Schmetterlinge; hierzu der 21,5 cm lange Grünjakamar (Galbula galbula).

Glarner Alpen: Gruppe der Zentralalpen im Osten der Schweiz, zwischen Reuß, Rhein und Walensee; überwiegend aus Kalkgestein aufgebaut; mit dem 3614 m hohen Tödi und der 2 914 m hohen Berggruppe des Glämisch (beide vergletschert).

Glarus: 1. Kanton im Osten der Schweiz, im westlichen Teil der Glarner Alpen und im Flussgebiet der Linth; 684 km2, 37000 Einwohner; 54 Einwohner/km2; Hauptstadt F. 2; industriereichster Alpenkanton der Schweiz mit Baumwoll-, Teppich-, Metallwarenindustrie, Maschinen- und Gerätebau; Wasserkraftwerke; Almwirtschaft; Fremdenverkehr.

2. Hauptstadt von Glarus 1, an der Linth; 6000 Einwohner; Möbelindustrie; Landesbibliothek, Museum; schachbrettartige Straßenanordnung.

Glas: (ursprünglich «Bernstein») harter, spröder Werkstoff, der amorph aus seiner Schmelze erstarrt. Glas hat keinen bestimmten Schmelzpunkt, sondern erweicht beim Erhitzen ab Eintritt in den Transformationsbereich (bei den meisten technischen Glassorten bei 500 bis 600 °C) und geht allmählich über einen zähflüssigen in den flüssigen Zustand über. Die meisten handelsüblichen Glassorten enthalten zahlreiche Komponenten, unter denen Siliziumdioxid, Si02, der Hauptbestandteil ist. Nach der Netzwerkhypothese von Zachariasen bildet Glas ein unregelmäßiges Netzwerk von Baueinheiten netzbildender Oxide, in deren Lücken sich beim technischen Glas Netzwerkwandler (Alkalien, Erdalkalien) befinden. Nach der Kristallit-Hypothese besteht Glas im Wesentlichen aus einer Aggregation hochdisperser Kristallite. Neuere Anschauungen lassen weitgehende Modifizierungen und Annäherungen beider Systeme auf der Basis mehr oder weniger ausgeprägter Entmischungen erkennen. Glas zeichnet sich durch seine Härte (Mohssche Härteskala 5 bis 7), Durchsichtigkeit, Korrosionsbeständigkeit, hohe Druckfestigkeit (600 bis 1200MPa), geringe Wärmeleitfähigkeit und Temperaturbeständigkeit bis 500 °C aus. Glas ist nicht brennend, wasser- und säureunlöslich. Die geringe Zugfestigkeit (-30 bis 80MPa) sowie die Sprödigkeit sind Ursache dafür, dass Glas leicht zerbrechlich ist. Glasrohstoffe sind Quarzsand (Siliziumdioxid), Soda oder Pottasche (für Alkalioxide), Kalk, Baryt oder Dolomit (für Erdalkalioxide), Mennige (für Bleioxid), Borsäure oder Borax (für Boroxid), Feldspat (für Tonerde und Alkalien) unter anderem; Rohstoffe für Trübglas sind außerdem Flussspat und Kryolith, für Farbglas Metalle und Schwermetalloxide oder Metallsulfide.

Glas: Herstellung; a Pressen, b Blasen, c Ziehen. Die feinkörnigen Rohstoffe werden nach Masseverhältnissen abgewogen, gemischt und als Gemenge in die (mit Gas, Öl oder elektrisch beheizten) Glasschmelzöfen eingelegt. Das Gemenge schmilzt bei etwa 1400 °C und bildet eine blasenreiche, inhomogene Masse, die geläutert (Läutern) werden muss. Die Läuterungstemperatur beträgt in der Regel bis 1500, bei Spezialgläsern bis 1650 °C. Nach Abstehen des Glases auf tiefere Arbeitstemperaturen wird es von Hand oder maschinell durch Blasen, Pressen, Ziehen, Walzen oder Gießen verarbeitet. Durch Blasen, zum Teil auch durch Pressen, werden Hohlglas und farbiges Tafelglas gefertigt; Ziehen wendet man bei der Herstellung von Glasröhren und Glasstäben sowie bei der maschinellen Produktion von Flachglas (Fourcault-Verfahren) an. Walzen von Glas in der Glaswalzmaschine führt zu dickem Flachglas (Walzglas). Gießen von optischem Glas erfolgt vorwiegend zu großen Platten, die nach dem Kühlen aufgeteilt werden. Die Hauptmenge des Glases wird halb- oder vollautomatisch verarbeitet; dazu dienen Glasblas-, Glaswalz-, Glasziehmaschinen und Pressen. Fast alle Glassorten müssen nach der Formung langsam abgekühlt werden, wozu besondere Kühlöfen nötig sind. Häufig werden Gläser durch Schliff-, Gravur-, Malerei-, Ätz- oder Strahldekore veredelt. Bei der technischen Weiterverarbeitung werden vom Glasbläser aus Glasröhren chemische und physikalische Apparaturen (zum Beispiel Kühlfer) gefertigt. Flachglas ist die Sammelbezeichnung für scheibenförmiges Glas (Tafelglas, Walzglas, Gussglas). Optischer Glas ist Glas von höchster Reinheit und verschiedener Zusammensetzung und wird verwendet für Fotogeräte, Brillen, Ferngläser, Lupen, Mikroskope, astronomische Geräte unter anderem Kronglas ist Glas mit relativ geringem Brechungsindex und kleiner Dispersion. Flintglas hat durch den Zusatz von Bleioxid hohe Lichtbrechung und große Dispersion. Durch Linsenkombinationen aus beiden Glasarten entstehen achromatische Systeme. Wasserglas ist ein durch Zusammenschmelzen von Sand mit Soda, Sulfat oder Kaliumkarbonat hergestelltes Produkt; es wird als Eierkonservierungsmittel, Binde- und Imprägnierungsmaterial verwendet. Für die künstlerische Verarbeitung ist Glas unter anderem wegen seiner fast unbegrenzten Formbarkeit ein beliebtes Material. Verschiedene Verzierungsmethoden beziehungsweise Produkte sind Laminieren (farbige Behandlung durch Mischen verschiedenfarbiger Glasmassen), Millefiori- oder Mosaikglas (verschiedenfarbige Glasstäbchen werden so zusammengeschmolzen, dass ihr Querschnitt ein Muster ergibt; einzelne Scheiben davon werden in farbloses Glas eingeschmolzen), Fadenglas (kreuzen sich die spiraligen Fäden, entsteht Netzglas), Überfangglas (farbloses Glas wird mit einer dünnen Schicht Farbglas überzogen), Emailglas (besondere Technik der Verarbeitung von Email) und Gold- oder Zwischengoldglas (das mit einer Blattgoldauflage versehene Glas wird mit einer dünnen Schicht farblosen Glases überschmolzen). Eine weitere Verzierungsmöglichkeit ist die mechanische Bearbeitung durch Schleifen (hauptsächlich für Ornamente) und Schneiden (seit dem 17. Jahrhundert), Reißen (mit dem Diamanten), Stippen oder Punktieren (Einhämmern der Zeichnung mit Stahlnadel oder Diamanten) und Ätzen (seit dem 17. Jahrhundert).

Glasbarsche, Centropomidae: Fischfamilie, deren größte Vertreter entfernt an Echte Barsche erinnern und Nutzfische sind, wie der bis 1,40 m lange Snook (Centropomus undecimalis) aus den Meeren um Mittel- und Südamerika; die durchscheinenden kleinen Arten, zum Beispiel aus der Gattung Chanda, sind beliebte Aquarienfische.

Glasbausteine, Glasprismen: als Voll- oder Hohlkörper im Guss- oder Pressverfahren hergestellte, lichtdurchlässige Bauelemente zur Schließung von Lichtöffnungen in Wänden oder für Oberlichter in Massivdecken.

Glasblasmaschine: halb- oder vollautomatisch arbeitende Glasverarbeitungsmaschine zur Herstellung von Hohlglaskörpern. Der in die Vorform angesaugte oder eingetropfte Glasposten wird durch Blasen oder Pressen vorgeformt und dann in der Fertigform mit Druckluft ausgeblasen.

Glaselektrode: Indikatorelektrode zur Messung von pH-Werten. Die Glaselektrode besteht aus einer sehr dünnwandigen, mit einer Lösung bekannten pH-Wertes gefüllten Hohlkugel aus Spezialglas, die in die zu messende Lösung eintaucht. In Quellschichten an den Glasoberflächen bilden sich pH-abhängige Potentiale aus, die über 2 Ableitelektroden gemessen werden können.

Glasen: früher übliches Anschlägen der Schiffsglocke, um halbe und volle Stunden während einer Wache (8 Glas = 4 Stunden) anzuzeigen. Die Bezeichnung geht auf die ursprünglich die halben Stunden anzeigende gläserne Sanduhr zurück.

Glasenapp, Helmuth von, 8. 9.1891-25.6.1963, Indologe; 1928/45 Professor in Königsberg (Kaliningrad) und Tübingen (seit 1946); arbeitete insbesondere über indische Religionsgeschichte («Der Hinduismus», 1922; «Der Jainismus», 1925; «Die Religionen Indiens», 1943).

Glaser: 1. Donald Arthur Glaser, geboren 21.9.1926, US-amerikanischer Physiker; erfand 1952 die Blasenkammer.

2. Frank Glaser, geboren 5.2.1924, Maler und Graphiker; 1947/52 Studium bei A. Mohr und H. Strempel in Berlin; seit 1969 Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Glaser strebt neben Darstellungen der Natur in Porträts und gesellschaftlich bedeutenden Zeitthemen eine wesenserhellende Deutung an.

Glasfaserstoffe: faser- und fadenförmige Glaserzeugnisse. Glasfasern sind Fadengebilde begrenzter Länge und haben einen Durchmesser zwischen 3 und 30 fim. Glasseiden sind endlose Glas- (Spinn-)Fäden, die meist aus 100 bis 200 Einzel- (Elementar-)Fasern bestehen; diese werden nach dem Düsenziehverfahren hergestellt. Rovings bestehen aus 60 Spinnfäden zu je 200 Elementarfäden. Glasfaservlies besteht aus Glasfaserwirrlagen, die mit einem organischen Bindemittel verklebt werden. Glaslaminate sind Glasfaserschichtstoffe, die als Glasfasermatten oder -gewebe mit Kunststoffen zu festen Bauteilen verbunden werden. Glaswatte (-wolle) ist ein aus Kurzfasern bestehendes Glasfasergewirr. Glasfaserstoffe finden in der Industrie in verschiedenen Verarbeitungsformen als Wärme- und Schalldämmmaterial, (Elektro-) Isolier- und Filtermaterial Verwendung. Textil verwendbare Glasfaserstoffe sind untrennbar und chemikalienbeständig; sie werden zu Dekorationsstoffen, Arbeitsschutzbekleidung unter anderem verarbeitet.

glasfaserverstärkte Plaste: durch Kombination von Gießharzen (ungesättigte Polyester- oder Epoxidharze) mit Glasfasern (Stränge, Matten, Vliese, Gewebe) hergestellte Werkstoffe mit sehr guten mechanischen Eigenschaften. Die Harze härten bei geringem Druck oder drucklos bei mäßiger Wärme oder auch kalt ohne Abspaltung von Nebenprodukten aus. Die wichtigsten Verfahren sind Kontaktverfahren (manuelle Durchtränkung und Verdichtung von Glasfasermatten) für großflächige Formteile; Faser-Harz-Spritzen (geschnittene Glasfasern und Harz werden unter gleichzeitiger Vermischung im Luftstrom auf eine Form gespritzt) für Bootskörper, Karosserieteile, Auskleidungen und Isolierschichten; Formpressen auf Niederdruckpressen (mit vorimprägnierten Mattenzuschnitten) zum Beispiel für Schutzhelme; Wickelverfahren (mit Harz getränkte Glasfaserstränge werden lagenweise auf einen rotierenden Kern gewickelt) für Rohre und Behälter. Glasfaserverstärkung wird auch zunehmend für Thermoplaste angewandt.

Glasflügler, Sesien, Aegeriidae: Schmetterlingsfamilie, deren Falter mit ihren schmalen, zum Teil glasklaren Flügeln und dem rot oder gelb gebänderten Leib an Wespen erinnern; die Raupen leben im Stamm von Holzgewächsen.

Glasfrösche, Centrolenidae: Familie der Froschlurche mit durchsichtiger Bauchhaut, deren Vertreter Laubfröschen ähneln; sie sind Baumbewohner und legen ihre Eier in Blättern ab; leben in Mittel- und Südamerika.

Glasgow: Stadt im Westen Schottlands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Region Strathclyde, in der mittelschottischen Senke, am Clyde; 760000 Einwohner; Mittelpunkt der Agglomeration Clydeside (1,5 Millionen Einwohner), Wirtschaftszentrum Schottlands; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Maschinen- und Fahrzeugbau, Eisenmetallurgie, ferner Papier-, Glas-, elektrotechnische, elektronische, chemische, Textil-, Teppich-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Tabak, Whisky); Verlage; bedeutender Hafen, internationaler Flughafen; 2 Universitäten, Musikschule; Museen, Kunstgalerie, Oper, zoologischer und botanischer Garten, großes Fußballstadion; gotische Kathedrale (12. Jahrhundert); in der Nähe Steinkohlenbergbau. Glasgow war im 5./6. Jahrhundert iroschottische Missionszentrum, im Mittelalter Burg und Markt, erhielt 1450 das königliche Stadtprivileg und wurde 1491 Erzbistum; seit dem 19. Jahrhundert Zentrum der schottischen Arbeiterbewegung.

Glasgow, Ellen Anderson, 22.4.1874 bis 20.11.1945, US-amerikanische Schriftstellerin; beschrieb realistisch vor dem Hintergrund sozialer Entwicklung das Leben der Menschen Virginias («So ist das Leben», 1948, deutsch).

Glasharmonika: Ende 18.Anfang 19. Jahrhundert beliebtes Hausmusikinstrument, auch von reisenden Virtuosen gespielt. Abgestimmte Glasschalen auf einer sich drehenden Achse werden mit angefeuchteten Fingern berührt und dadurch zum Klingen gebracht. Die Glasharmonika wurde auf Grund älterer Glasglockenspiele 1762 von B. Franklin in London entwickelt.

Glashow, Sheldon Lee, geboren 5.12.1932, US-amerikanischer Physiker; arbeitete ebenso wie A. Salam und S. Weinberg an einer einheitlichen Beschreibung der schwachen und elektromagnetische Wechselwirkung.

Glashütte: Betrieb zur Herstellung und Verarbeitung von Glas; umfasst im engeren Sinne die Schmelze und Ausarbeitung des Glases, im weiteren Sinne werden aber auch die Veredlungsabteilungen dazu gerechnet.

Glasieren: (zu «Glas») Aufbringen des Glasurschlickers oder -pulvers auf keramischen Gegenständen.

Glaskeramik: mikrokristalliner Werkstoff, der durch gesteuerte Kristallisation aus bestimmten Gläsern erzeugt wird. Die Herstellung erfolgt durch Schmelzen eines vorwiegend aus Silizium-, Aluminium-, Magnesium-, Lithium- und Titanoxid bestehenden Gemenges. Die Schmelze wird nach der Glastechnologie geformt und erstarrt glasig; die anschließende Temperaturbehandlung bei etwa 800 °C, dann bei etwa 1100 °C, ergibt das kristalline Endprodukt, das sehr fest, oxydations- und temperaturwechselbeständig, elektrisch isolierend, je nach Zusammensetzung maschinell bearbeitbar, abrieb- und korrosionsfest ist. Glaskeramik wird für Kochgeschirr, Raketenspitzen, Astrospiegel, Verschleißteile, Außenwandverkleidungen, Isolatoren unter anderem verwendet. Die Entwicklung der Technologie und der Einsatzgebiete steht noch am Anfang. Handelsbezeichnungen der Erzeugnisse der Glaskeramik sind unter anderem Vitrokeramik, Sitall und Pyroceram (USA).

Glasknochenkrankheit, Osteogenesis imperfecta: angeborene Knochenbrüchigkeit infolge atypischer Entwicklung der Knochenstrukturen mit Neigung zu Brüchen bei Bagatellverletzungen.

Glaskopf: (nach dem alten Bergmannsausdruck «Glatzkopf») historische bergmännische Bezeichnung für mehrere Erzminerale mit kugelschaliger, glänzender Oberfläche, zum Beispiel Hämatit, Limonit, Psilomelan.

Glasmacher: Facharbeiter in einer Glashütte, der nach alter Arbeitsweise aus dem geschmolzenen Glas mit der Glasmacherpfeife durch Blasen oder Pressen während der Abkühlung einen Gegenstand formt.

Glasmalerei: Herstellung farbiger ornamentaler und gegenständlicher Glasbilder durch kombinierte Anwendung verschiedener Techniken. ursprünglich wurden verschieden gefärbte Glasstücke mosaikartig zusammengesetzt und mittels Bleiruten verbunden (musiv. Glasmalerei). Binnenzeichnung wurde erreicht durch Aufschmelzen von Schwarzlot, aus dem sich weitere Zeichnung herauskratzen ließ. Später wurden die Glasstücke farbig überzogen (Überfangglas). Die Entdeckung neuer, aufschmelzbarer Farben ermöglichte allmählich feinere Schattierungen, so dass die Glastafel ähnlich wie die Holztafel bemalt werden konnte («Kabinettscheiben» aus einem Stück). Früheste farbige Fenster sind aus dem 4. Jahrhundert bezeugt; Blütezeiten sind das 12./16. Jahrhundert in Frankreich und Deutschland; neu belebt in der Gegenwart bei der Ausgestaltung repräsentativer gesellschaftlicher Bauten.

Glasmehl: feingemahlenes Glas zur Herstellung von Glas- und Reibpapier für Zündstäbe.

Glass, Harry, geboren 11.10.1930, gewann 1956 im Spezialsprunglauf die erste olympische Medaille (Bronzemedaille) für die DDR.

Glassand: sehr eisenarmer, feinkörniger reiner Quarzsand für die Glasindustrie; bei Kristallglas unter 0,001 % Eisenoxidgehalt.

Glaßbrenner, Adolf, 27.3.1810-25.9.1876, Schriftsteller und Journalist; wurde durch liebevoll-humoristischen Gestaltung Berliner Volkstypen (zum Beispiel Eckensteher Nante) zum Vater des Berliner Witzes («Berlin, wie es ist und trinkt», 1832/50; «Buntes Berlin», 1837/41); schrieb den satirischen «Neuen Reineke Fuchs» (1846).

Glasschmelzwanne: Industrieofen zum Schmelzen von Glas; auf der einen Seite werden die Rohstoffe eingelegt, an das andere geschmolzene Glas entnommen. Die Beheizung erfolgt mit Gas oder Öl, jetzt vor allem elektrisch; die Schmelztemperatur liegt bei 1400 bis 1650 °C. Gas und Luft werden durch ein heißes Gitterwerk von Schamottesteinen auf etwa 1000 °C vorgewärmt.

Glasschneider: Gerät zum Ritzen oder Schneiden von Glas (zum Beispiel Diamantsplitter, gehärtete Stahlrädchen).

Glasschweißen: Verschmelzen von Gläsern oder Glas mit anderen Werkstoffen mittels Gasflamme oder elektrische Erwärmungsverfahren; hat an Bedeutung bei der Montage von Rohrleitungen gewonnen. Glasschweißen kann von Hand oder automatisiert vorgenommen werden.

Glasstahlbeton: Tragwerk (Glassteindecke) aus Stahlbetonrippen und Glasprismen.

Glastränen: verspannte Glastropfen, die bei Störung des Spannungszustandes (Abbrechen der Spitzen) detonierend zerspringen.

Glasunow, Alexander Konstantinowitsch, 10.8.1865-21.3.1936, russischer Komponist und Dirigent; seit 1899 Professor (1902/28 Direktor) am Petersburger (Leningrader) Konservatorium; seine 9 Sinfonien, sinfonische Dichtungen, das Violinkonzert, Ballette, Kammermusik und Lieder fanden weltweite Resonanz.

Glasur: (zu «Glas») 1. dünne, glasige Schicht auf keramischen Erzeugnissen; verleiht Glanz, verhindert Eindringen von Schmutz und Flüssigkeiten in poröse Scherben, schützt Unterglasurfarben und erhöht zum Teil die mechanische Festigkeit. Die Glasur enthält Sand, Tonerde und Flussmittel (Kalium-, Natrium-, Kalzium-, Magnesium- unter anderem Oxide), wobei sich die spezielle Zusammensetzung nach der Temperaturausdehnung des Scherbens richtet. Glasuren werden durch Feinmahlen der Rohstoffe hergestellt und in der Regel als wässrige Glasursuspensionen auf den zu glasierenden Gegenstand aufgetragen. Rohglasur enthalten natürliche wasserunlösliche Rohstoffe, die erst im Glasurbrand zu einer glasigen Masse schmelzen. Fritte Glasur bestehen vorwiegend aus bereits vorgeschmolzenen Fritten; sie werden auch als Schmelzglasur bezeichnet. Glasurspannungen entstehen infolge unterschiede Wärmedehnung zwischen keramischen Scherben und Glasur beim Abkühlen glasierter Keramikerzeugnisse, wobei geringe Druckverspannung der Glasur erwünscht ist, weil dadurch Festigkeitssteigerungen möglich sind. Zugspannungen führen dagegen zu Glasurrissen.

2. flüssig aufgebrachter, erhärtender Überzug aus Zuckerguss, Hartfett o. ä. auf Süß- und Backwaren.

Glaszement: nichthydraulische Bindemittel zum Verkitten der Stöße von Glasscheiben.

Glattbrand: Erhitzen geformter keramische Gegenstände in einem Brennofen bei hoher Temperatur. Dabei schmilzt die Glasur, und die Masse verfestigt sich zu einem sogenannt Scherben aus Kristallen, die miteinander verfilzt oder durch Glas verkittet sind.

Glatthafer, Arrhenatherum: Gattung mehrjähriger Gräser mit lockerer Rispe; wichtiges Futtergras auf frischen Mähwiesen ist der Hohe Glatthafer (Arrhenatherum elatius).

Glattnasen, Vespertilionidae: Fledermäuse ohne Nasenaufsätze, aber mit Deckeln an den Ohren; Insektenfresser, die fast alle Lebensräume von den Tropen bis in die gemäßigten Zonen bewohnen. Siehe auch Abendsegler, Mausohr.

Glattnatter, Schlingnatter, Haselnatter, Coronella austriaca: bis 75 cm lange, ungiftige Natter Mittel- und Südeuropas; braun mit dunklerer Zeichnung; wird oft mit der Kreuzotter verwechselt, Unterscheidungsmerkmale sind große Kopfschilder und die runde Pupille.

Glattstrich: mit der Glättkelle hergestellte, verdichtete und fast porenfreie obere dünne Abschlussschicht eines Estrichs.

Glattwale, Balaenidae: Familie der Bartenwale mit glatter, ungefurchter Kehle; hierzu gehört unter anderem der Grönlandwal.

Glaube: Bewusstseinshaltung, die (im Unterschied zum Wissen) mehr oder weniger berechtigtes Vertrauen, Erwarten oder Vermuten ausdrückt. Der religiöse Glaube ist subjektiv-illusionäres unbedingtes Fürwahrhalten religiöser Lehren. Der konkrete Inhalt differiert nach Religion, Konfession und historische Entwicklungsphase. Christi Glaube verlangt die Zustimmung zu einer in der Bibel enthaltenen, durch Gott offenbarten Wahrheit und den Nachvollzug der durch Jesus Christus verkündeten Liebe zu Gott und den Menschen; er soll das Verhalten des Christen in der Gesellschaft motivieren. Glaube ist grundsätzlich unbeweisbar und lässt Phantasie und interessenbedingter Interpretation weiten Raum. Die Versuche mancher Theologen, Wissenschaft und Glauben in Übereinstimmung zu bringen, erwiesen sich zwangsläufig als verfehlt.

Glauber, Johann Rudolf, 1604-10. 3.1670, Chemiker; setzte als einer der ersten chemischen Kenntnisse statt zur Goldmacherei für gewerbliche Zwecke ein und errichtete eine der ersten Manufakturen zur Herstellung chemischer Produkte, darunter auch Glaubersalz (Natriumsulfat).

Glaubhaftmachung: der Nachweis eines hohen Wahrscheinlichkeitsgrades behaupteter Tatsachen. Im gerichtlichen Verfahren ist die Glaubhaftmachung ausschließlich als Grundlage vorläufiger Entscheidungen und nur in gesetzlich bestimmten Fällen zulässig; im Zivilprozess zum Beispiel bei der Prüfung der Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung.

Gläubiger: Partner eines Vertrages oder sonstigen Rechtsverhältnisses, der vom anderen (Schuldner) eine bestimmte Leistung fordern kann.

Gläubigerverzug: Behinderung der termingerechten Leistung des Schuldners durch den Gläubiger, indem er die ordnungsgemäß angebotene Leistung nicht abnimmt (Annahmeverzug) oder eine andere gebotene Mitwirkungshandlung unterlässt. Der Gläubigerverzug hat Aufwendungs- und Schadenersatz, Risikoentlastung des Schuldners, bei Wirtschaftsverträgen auch Vertragsstrafe zur Folge. Die Leistungspflicht des Schuldners bleibt grundsätzlich bestehen.

Glaubwürdigkeit: Wahrhaftigkeit eines Menschen, der zufolge seinen Angaben und Aussagen volles Vertrauen entgegengebracht werden kann; setzt neben Wahrheitsliebe normale Sinnesfunktion und genaue Kenntnis eines Sachverhalts voraus. Eine glaubwürdige Aussage muss frei sein von Irrtum und Lüge.

Glauchau: Kreisstadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Erzgebirgsbecken, an der Zwickauer Mulde; 30000 Einwohner; vielseitige Textilindustrie, Maschinenbau, Metall-, Lebensmittelindustrie; Eisenbahnknoten; Ingenieur-, Musikschule; Doppelschloss (15./16. Jahrhundert; Museum), barocke Georgkirche (Silbermannorgel, Flügelaltar).

Glaukom, Grüner Star: häufige Augenkrankheit, bei der eine Drucksteigerung im Auge zum Untergang des Sehnervs führt. Der erhöhte Augendruck kann durch eine Abflussbehinderung oder eine vermehrte Produktion des Kammerwassers zustande kommen. Die Erkrankung führt zur Gesichtsfeldzerstörung und Erblindung, wenn nicht durch Früherkennung und Behandlung eine rechtzeitige Augendrucksenkung erfolgt. Die Behandlung ist auf die Prophylaxe der Gesichtsfeldzerstörung gerichtet, da die Glaukom Erblindung nicht reversibel ist. Das akute Glaukom ist mit heftigen Schmerzen verbunden und muss als Notfall behandelt werden. Das chronische Glaukom verursacht nur geringe Beschwerden, ist aber gerade deshalb gefährlich und bereitet diagnostische Probleme.

Glaukonit: (griechisch glaukos, bläulich) Mineral, Silikat mit komplizierter chemischer Zusammensetzung; Kristallsystem monoklinische Farbe blaugrün, Härte 2 bis 3, Dichte 2,2 bis 2,8 g/cm3; meist in winzigen Körnchen in lockeren Sedimenten.

glazial: eiszeitlich; während einer Kaltzeit entstanden. Siehe auch glazigen, glaziär.

Glazialerosion: abschleifende (Detersión), herausbrechende und splitternde (Detraktion) Abtragung des Gesteinsuntergrundes durch Gletschereis unter Mitwirkung der im Eis eingeschlossenen Gesteine sowie das Aufpflügen und Wegschieben von Lockermaterial im Bereich der Gletscherstirn (Exaration).

glaziale Serie: Bezeichnung für Formenschatz und Sedimente, die unter beziehungsweise vor dem Gletscher entstehen und bei dessen Abschmelzen hinterlassen werden. An eine kuppige oder flachwellige, oft seenreiche (besonders Zungenbecken- und Rinnenseen) Grundmoränenlandschaft schließen sich am Gletscherrand gebildete Endmoränen an, die in ein glazifluviales Ablagerungsfeld aus Schottern oder Sanden (Sander) übergehen. Es folgen die breiten Talfurchen der Schmelzwasserströme, die Urstromtäler (zum Beispiel im Tiefland Mitteleuropas). Im Bereich der Vorlandvergletscherung von Hochgebirgen umfasst der Fonnenschatz Zungenbecken, Endmoräne, Schotterfeld (zum Beispiel Alpenrandgebiet).

glaziär: im Bereich des Gletschers oder des Inlandeises entstanden. Die außerhalb des Gletschers entstandenen Bildungen werden periglaziär genannt. Siehe auch glazial.

glazifluvial, fluvioglazial: durch Gletscherschmelzwässer außerhalb des Eises gebildet.

glazigen: vom Gletscher oder vom Inlandeis geschaffen.

Glaziologie, Gletscherkunde: Teilgebiet der Geologie, befasst sich mit den Erscheinungsformen und der Entstehung der Gletscher; untersucht besonders Gefüge, Bewegungsvorgänge und Eishaushalt rezenter Gletscher sowie deren reliefgestaltende Wirkungen durch Glazialerosion und glazigene Ablagerung. Die Glaziologie liefert wichtige Unterlagen für die Abwehr von Gletscherkatastrophen und für die wirtschaftliche Nutzung des Gletscherschmelzwassers.

Glebka, Petro, 6.7.1905-18.12.1969, belorussisch-sowjetischer Schriftsteller und Wissenschaftler, begann seine literarische Tätigkeit 1925 mit Gedichten und Poemen über die revolutionäre Umgestaltung des Landes; schrieb während des Großen Vaterland. Krieges bewegende Gedichte und Balladen.

Gleditschie: (nach einem Botaniker) Gleditsia triacanthos: zu den Johannisbrotgewächsen gehörender, aus Nordamerika stammender zweihäusiger Zierbaum mit kräftigen Domen und langen flachen, lederartigen Früchten (Hülsen).

Gleichbeine, Sesambeine: kleine Knochen in Sehnen oder Bändern, die vorwiegend an Händen und Füßen Vorkommen; das größte Gleichbein ist die Kniescheibe.

Gleichbeinlahmheit: Sammelbegriff für die Symptome bei einer Reihe von primär degenerativen, chronisch verlaufenden Prozessen an den am Fesselgelenk gelegenen Gleichbeinen, den zugehörigen Bändern und der tiefen Beugesehne mit ihrer Sehnenscheide beim Pferd.

Gleichberechtigung: in sozialistischen Staaten verfassungsmäßig garantierter Grundsatz, dass jeder Bürger, unabhängig von seiner Nationalität oder Rasse, seinem weltanschaulichen oder religiösen Bekenntnis, seiner sozialen Herkunft und Stellung gleiche Rechte und Pflichten hat. Der Grundsatz der Gleichberechtigung gilt ebenso für Mann und Frau, die die gleiche Rechtsstellung in allen Gebieten des gesellschaftlichen, staatlichen und persönlichen Lebens haben, was in der DDR in den Artikeln 20, 21, 24 und 38 der Verfassung und in vielen grundsätzlichen Gesetzeswerken (Familiengesetzbuch, Arbeitsgesetzbuch unter anderem) und Einzelregelungen verankert ist und in der gesellschaftlichen Praxis verwirklicht wird. Die Gleichberechtigung setzt die Befreiung aller Menschen von Ausbeutung und Unterdrückung voraus und erfordert die Gewährleistung der gesellschaftlichen, insbesondere sozialökonomische Bedingungen, die allen Menschen die Möglichkeit geben, ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zu entfalten und aktiv am gesellschaftlichen Reproduktionsprozess und am politischen Leben teilzunehmen. Demzufolge kann die Gleichberechtigung nur in sozialistischen Staaten in vollem Umfange verwirklicht werden.

Gleichdruckmaschine: Dampfturbine, bei der im Schaufelkanal des Laufrades keine Expansion des Arbeitsgases stattfindet. Charakteristisches Merkmal ist gleicher Druck am Ein- und Austritt des Schaufelkanals. Siehe auch Überdruckturbine.

Gleichdruckspeicher: Speicher für Heißwasser in Dampfkraftanlagen. Bei geringer Leistungsabgabe der Turbine wird der Speicher mit Heißwasser aus dem Dampferzeuger aufgefüllt, bei Anstieg der Leistungsabgabe wird an ihn Heißwasser abgegeben und dadurch die Anforderung an die Feuerungsleistung herabgesetzt.

Gleichflügler, Pflanzensauger, Homoptera: Insektenordnung mit unvollkommener Verwandlung; Vollkerfe mit stechend-saugenden Mundwerkzeugen und 4 häutigen Flügeln. Die über 30000 Arten werden in Zikaden und Pflanzenläuse (Blattflöhe, Blattläuse, Mottenläuse und Schildläuse) eingeteilt.

Gleichgewicht: Zustand eines Körpers oder physikalisches Systems, in dem keine äußerlich erkennbaren Vorgänge ablaufen. Gleichgewicht im eigentlichen Sinn oder statischen Gleichgewicht besteht dann, wenn die Resultierende aller am System angreifenden Kräfte und die aller Momente gleich Null ist. Bei einem mechanischen System ist die Art des Gleichgewicht durch die reale Arbeit A charakterisiert, die zu verrichten ist, um das System aus der Gleichgewichtslage zu entfernen; je nachdem, ob A > 0, A = 0 beziehungsweise A < 0, spricht man von stabilem, indifferentem beziehungsweise labilem Gleichgewicht im weiteren Sinne spricht man von dynamischen Gleichgewicht, wenn sich 2 entgegengesetzt verlaufende Prozesse in ihrer Wirkung aufheben (siehe auch thermodynamisches Gleichgewicht), dann besteht ein stationärer Zustand. Das statistische Gleichgewicht von Radionukliden, die sich ineinander umwandeln, heißt radioaktives Gleichgewicht, es liegt bei allen Gliedern von natürlichen radioaktiven Zerfallsreihen vor.

Gleichgewichtsorgan, statisches Organ, Vestibularapparat: Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Linearbeschleunigungen und Drehbewegungen; dient der Erfassung von Lage und Stellung des Körpers im Raum. Das Gleichgewichtsorgan der Wirbeltiere und des Menschen befindet sich im Labyrinth, die Sinneszellen liegen in den Sinnesfeldern des Utriculus, des Sacculus und der 3 Bogengänge.

Gleichgewichtsprüfung: fachärztliche Untersuchung zur Überprüfung des Körpergleichgewichts und zur Erkennung von Krankheiten, die mit Schwindel, Haltungs- und Bewegungsstörungen verbunden sind. Für die Diagnostik sind unwillkürliche ruck förmige Augenbewegungen (Spontan-Nystagmus) wichtig.

Gleichgewichtssinn: auf die Anziehungskraft der Erde unter anderem, vorübergehend wirkende Linear- oder Verschiebungs- (Translations-) Beschleunigungen (schnell anfahrendes Auto, Riesenrad) reagierender Sinn. Die Rezeptoren liegen, in Flächen angeordnet, in Aussackungen des häutigen Labyrinths innerhalb des Felsenbeins der Schädelbasis. Weiterhin gibt es pinselartig angeordnete Zellen in den Bogengängen des Labyrinths. Sie sprechen auf Dreh- (Winkel-) Beschleunigungen an (zum Beispiel Drehstuhltest). Der Gleichgewichtssinn ist für die aufrechte Körperstellung wichtig.

Gleichgewichtszustand: Kybernetik Zustand eines dynamischen Systems, in dem dessen freie Bewegung zur Ruhe kommen kann. Das ist im Allgemeinen wenigstens ein Punkt im Zustandsraum. Der Gleichgewichtszustand kann stabil oder auch instabil sein (siehe auch Stabilität).

Gleichheit, Die: erste große sozialistische Frauenzeitschrift; erschien 1891/1923 in Stuttgart; 1892/1917 unter Leitung C. Zetkins führendes Organ der nationalen und internationalen Frauenbewegung.

Soziale Gleichheit: gleiche Bedingungen und Möglichkeiten für die freie Entwicklung der Fähigkeiten und die Befriedigung der Bedürfnisse der Mitglieder der Gesellschaft. Die Forderung nach sozialer Gleichheit war stets historisch und klassenmäßig bedingt und gehört zu den progressiven Traditionen der Menschheitsgeschichte. ursprünglich war Gleichheit eine Forderung der jungen Bourgeoisie zur Überwindung der feudalen Privilegien, die die Entwicklung des Kapitalismus hemmten. Privateigentum, Klassenspaltung und Ausbeutung ließen die Gleichheit auch im Kapitalismus formale Deklaration bleiben. Der Marxismus-Leninismus entwickelte eine Wissenschaft.

Gleichheitskommunismus: Theorie und Bewegung vor- und frühproletarische Schichten der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert (Babouvismus, Arbeiterkommunismus), die ihrer Forderung nach kommunistische Umwälzung der Eigentums- und Verteilungsverhältnisse aus dem naturrechtlich begründeten Gleichheitspostulat der bürgerlichen Revolution ableiteten.

Gleichlaufschaltung: Schaltung zum Erreichen eines Gleichlaufs oder fester Drehzahlverhältnisse mechanisch nicht gekuppelter elektrischer Maschinen mit Hilfe von Regeleinrichtungen oder in Form einer elektrischen Welle, bei der die Schleifringläufer der Drehstrom-Antriebsmotoren zusammengeschaltet sind.

Gleichmacherei: kleinbürgerliche Doktrin von der Verteilung der Arbeitsprodukte im Sozialismus durch Nivellierung des Arbeitseinkommens und der individuellen Konsumtion. Ursprung der Gleichmacherei sind Vorstellungen des utopischen Sozialismus. Gleichmacherei ist mit dem sozialistischen Prinzip der Verteilung nach der Arbeitsleistung unvereinbar.

gleichmächtig: Relation zwischen Mengen M, N, die genau dann besteht, wenn es eine eineindeutige Abbildung mit M als Definitions- und N als Wertebereich gibt; diese Relation ist die Grundlage für den Begriff Kardinalzahl.

Gleichnis: erweiterter Vergleich, vorwiegend mit belehrender Tendenz. Siehe auch Fabel 2, Parabel 1.

Gleichrichter: elektrisches Gerät oder (G.-)Schaltung zum Umformen von Wechsel- oder Drehstrom in Gleichstrom, im engeren Sinne das Gleichrichterventil (Ventil), das den Strom praktisch nur in einer Richtung hindurchlässt. Unterschieden weiden

a) elektrolytischer Gleichrichter;

b) Halbleiter-Gleichrichter (Trocken-Gleichrichter, Sperrschicht-Gleichrichter) mit Selen- oder Kupfer(I)-oxid-Platten einschließlich der heute besonders wichtigen Germanium- beziehungsweise Siliziumdiode sowie dem steuerbaren Silizium-Gleichrichter (Thyristor);

c) Glühkathoden-Gleichrichter (Hochvakuum-Gleichrichter) für hohe Spannungen;

d) Gasentladungsgleichrichter wie Quecksilberdampf-Gleichrichter, Ignitron;

e) Kontakt-Gleichrichter (mechanischer Gleichrichter), zum Beispiel Nadel-Gleichrichter;

f) Maschinenumformer aus Drehstrommotor und Gleichstromgenerator (Leonardsätze).

Gleichrichterröhre: Elektronenröhre (Diode) zum Gleichrichten von Wechselspannungen oder -strömen in elektrischen Geräten und Anlagen. In der Leistungselektronik bezeichnet man Hochspannungsgleichrichterröhre als Ventilröhre oder Glühventil; zur Gleichrichtung hoher Ströme verwendet man Quecksilberdampf-Gleichrichterröhre. Die Gleichrichterröhre wird abgelöst durch die Halbleiterdiode und den Thyristor.

Gleichrichterschaltung: elektrische Schaltung mit (Gleichrichter-) Dioden, Transformatoren und Glättungselementen (Kondensatoren, Drosseln) zur Umformung von Dreh- oder Wechselstrom in Gleichstrom. Siehe auch Gleichrichter.

Gleichrichtung: Uniformen von Wechsel- oder Drehstrom in Gleichstrom beziehungsweise Rückgewinnung (Demodulation) einer Signalspannung (Amplitudenmodulation) aus einer modulierten Hochfrequenzspannung.

Gleichspannungssteller, Pulssteller: ein leistungselektronisches Gerät, das verlustarm die stetige Stellung einer Gleichspannung bei vorgegebener konstanter Gleichspannungsquelle durch periodisch wiederkehrende Zu- und Abschaltung ermöglicht; Anwendung in Elektrofahrzeugen, Bahnen und Stellantrieben.

Gleichstrom: elektrischer Strom gleichbleibender Richtung (im Gegensatz zum Wechselstrom) und im engeren Sinne zeitlich konstanter Stromstärke, der unmittelbar in galvanischen Elementen oder Akkumulatoren gewonnen wird. Von Gleichstromgeneratoren gelieferter oder häufiger durch Umformung (Gleichrichtung) aus Wechselstrom gewonnener Gleichstrom schwankt periodisch und kann als Summe aus «reinem» Gleichstrom und Wechselströmen verschiedener Frequenz aufgefasst und als Wellenstrom, Mischstrom oder pulsierender Gleichstrom bezeichnet werden. Gleichstromgeräte haben Plus- (rot) und Minus-Pol (blau). Gleichstrom wird zum Laden von Akkumulatoren, für Elektrolyse, in der Galvanotechnik und wegen leichter Drehzahlsteuerung von Gleichstrommotoren bei Elektrofahrzeugen (Straßenbahn, S-, U-Bahn, O-Bus), Walzwerk-, Förder- und Werkzeugmaschinen-Antrieben und bei der Hochspannungsgleichstromübertragung angewendet.

Gleichstrommaschine: elektrische Maschine für Gleichstrom, die je nach Energierichtung als Gleichstrommotor oder -generator arbeitet. Charakteristisch ist die Stromzuführung beziehungsweise -aufnahme am Läufer (Anker) mit Bürsten auf einen Kommutator. Nach Schaltung der Erreger zur Ankerwicklung unterscheidet man Gleichstrom-Nebenschlussmaschine (Parallelschaltung) und Gleichstrom-Reihenschlussmaschine, auch -Hauptschlussmaschine (Reihenschaltung). Die Gleichstrom-Verbundmaschine (Doppelschluss- oder Compoundmaschine) hat eine Reihen- und eine Nebenschluss-Erregerwicklung. Die Nebenschluss- und die Verbundmaschine ändern ihre Drehzahl mit steigender Belastung nur gering, die Reihenschlussmaschine dagegen sehr stark. Gleichstrommotoren sind leicht drehzahlsteuerbar, deshalb vielfältige Anwendung bei Werkzeug- und Fördermaschinen, Walzwerken, Elektrofahrzeugen unter anderem

Gleichung: Mathematik eine mathematische Zeichenreihe, in der das Zeichen = (gleich) auftritt, dessen Bedeutung in der jeweiligen Theorie festgelegt wird. Meist sind die Gleichung durch Terme gegeben, in denen auch eine oder mehrere Variable auftreten können. In einer identischen Gleichung oder Identität ist die Gleichheit zweier Terme für jede Belegung der Variablen in den Termen mit Zahlen eines Bereiches erfüllt. Sie dienen zur allgemeingültigen Formulierung von Rechengesetzen; zum Beispiel a + b = b + a oder (a + b) = a1 + 2ab + b für beliebige Zahlen a und b. Eine Bestimmungsgleichung ist nur für bestimmte Werte der in den Termen auftretenden Unbestimmten (Unbekannten, Variablen) erfüllt; die Gleichung 3x + 2 = 11 zum Beispiel nur für den Wert x = 3. Die Zahlenwerte, die die Gleichung erfüllen, wenn sie für die Unbekannten eingesetzt werden, nennt man die Lösungen oder Wurzeln der Gleichung Eine algebraische Gleichung entsteht durch Nullsetzen eines Polynoms, dessen Grad auch der Grad der Gleichung ist. Gleichung 1. Grades heißen auch linear, Gleichung 2. Grades quadratisch, Gleichung 3. Grades kubisch. Für algebraische Gleichung gilt der Fundamentalsatz der Algebra. Für quadratische Gleichung der Form x2 + px + q = 0 lautet die Auflösungsformel des gibt es allgemeine Auflösungsformeln, für Gleichung höheren Grades dagegen nicht. Eine transzendente Gleichung enthält transzendente Funktionen. Dazu gehören unter anderem die Exponentialgleichung, in denen die Unbekannten als Exponenten auftreten, zum Beispiel 3 4 = 0, die logarithmische Gleichung, die die Logarithmen der Unbekannten enthalten, zum Beispiel 3log + 5 = 0, und die goniometrische Gleichung, in denen die Unbekannten als Argumente der Winkelfunktionen Vorkommen, zum Beispiel xsinx-l = 0. Die transzendenten Gleichungen werden im Allgemeinen durch graphische oder numerische Näherungsmethoden gelöst. In Funktionalgleichungen sind die Unbekannten selbst Funktionen. Gleichung sind ein unentbehrliches Hilfsmittel für Berechnungen in Physik und Technik.

Gleichverteilungssatz, Äquipartitionstheorem: Aussage der statistischen Physik, wonach in einem idealen Gas im thermodynamischen Gleichgewicht jeder Freiheitsgrad eines jeden Moleküls den gleichen Beitrag feT/2 zur Energie E des Gases liefert (Temperatur, k Boltzmann-Konstante), so dass E =flcT/2 gilt (Zahl aller Freiheitsgrade des Gases). Der Gleichverteilungssatz kann in abgewandelter Form auch auf ideale Festkörper (Kristalle) angewendet werden. Er gilt nicht bei tiefen Temperaturen.

Gleichzeitigkeit: 1. Grammatik: Zeitverhältnis, bei dem die Handlung des Nebensatzes und die des Hauptsatzes gleichzeitig ablaufen.

1. Physik: Relativität der Gleichzeitigkeit.

Gleichzeitigkeitsfaktor: das Verhältnis der mittleren Leistungsaufnahme zur Gesamtleistung (Anschlussleistung) einer Verbrauchergruppe von Elektroenergie. Der Gleichzeitigkeitsfaktor dient zur Bemessung der Leitungen und der Schaltgeräte und ist am niedrigsten bei Garten- oder Garagenanlagen, höher bei Wohngebieten und liegt bei Beleuchtungsanlagen für Industriebetriebe bei 1.

Gleis: aus Schwellen, Kleineisen (Unterlegplatten, Schrauben, Muttern und so weiter) und Schienen bestehende Fahrbahn für Schienenfahrzeuge, Teil des Eisenbahnoberbaues. Das Gleis muss die senkrecht wirkenden statischen Kräfte der Fahrzeuge, die zusätzliche dynamische Wirkungen der bewegten Lasten und die waagerecht wirkenden Führungskräfte aufnehmen. Gleis werden heute meist endlos verschweißt verlegt.

Gleisbaumaschine: Maschine zur Mechanisierung der Gleisbauarbeiten. Großmaschinen haben Eigenfahrantrieb und können im Allgemeinen bei Streckenfahrt fahrdienstlich als Zug behandelt werden. Kleinmaschinen werden zum Beispiel bei Annäherung eines Zuges manuell aus dem Gleis ausgesetzt.

Gleisbereich: dem Schienenverkehr dienender Straßenbereich, der von dem neben den äußeren Schienen verlaufenden Sicherheitsstreifen begrenzt ist.

Gleisbremse: Bremse in Rangiergleisen zur Geschwindigkeitsverringerung der vom Ablaufberg abrollenden Wagen, wodurch deren Abstand und Laufweite beeinflusst werden kann; als Balken- oder Hemmschuh-Gleisbremse gebaut.

Gleisjoch: Gleis von der Länge einer Schiene. Beim Gleisrückbau wird das Gleis in Gleisjoch zertrennt, auf Eisenbahnfahrzeuge verladen und zum Demontageplatz gefahren. Das neue Gleisjoch wird auf Montageplätzen aus Schwellen, Kleineisen und Schienen montiert, mit Eisenbahnfahrzeugen zur Einbaustelle gefahren und dort verlegt. Vorzugslängen des Gleisjoch sind 12,5, 15 und 25 m.

Gleisjochverlegekran: schienengebundener Vorbaukran zum Aufnehmen und Verlegen von Gleisjochen. In einem horizontalen Ausleger sind meist 2 Laufkatzen mit Kranhaken, an die das Gleisjoch angehängt wird. Der Gleisjochverlegekran benutzt als Fahrbahn die von ihm verlegten Gleisjoche.

Gleisrückmaschine: gleisfahrbare Maschine, mit der in Tagebauen die Gleise für die Tagebaugroßgeräte und den Zugbetrieb je nach Fortschritt des Abbaues seitlich bis 100 cm gerückt werden. Bei der Bracken-Gleisrückmaschine ist zwischen den 2 Drehgestellen ein Rollentisch angeordnet, während die Ausleger-Gleisrückmaschine an einem Ausleger am Maschinenende einen Rollenkopf trägt. Es gibt auch Kombinationen von beiden.

Gleitbau: monolithische Stahlbetonbauweise, besonders für den Bau gleichzeitiger, turmartiger Gebäude (Silos, Schornsteine unter anderem) geeignet. Die Gleitschalung (etwa 1,20 m hoch) wird nach dem Einbringen der Stahlbewehrung mit Hilfe einer mechanischen oder hydraulischen Hubvorrichtung kontinuierlich bei gleichzeitigem Einbringen des Pumpbetons hochgeführt.

Gleiten: 1. seitliche Verschiebung von Bauwerken; tritt ein, wenn die auf das Bauwerk einwirkenden waagerechten Kräfte größer werden als die Summe der Kräfte aus Sohlreibung beziehungsweise Schubfestigkeit der Erdstoffschichten unter der Bauwerkssohle sowie aus dem Erdwiderstand vor den Grundmauern des Bauwerkes.

2. bei plastischer Verformung von Kristallen erfolgende Verschiebung von Kristallbereichen gegeneinander längs kristallographisch ausgezeichneter Richtungen (Gleitrichtungen) und Ebenen (Gleitebenen), wobei die Kristallstruktur erhalten bleibt. Die Spuren der Gleitebenen auf der Kristalloberfläche heißen Gleitlinien. Sie sind im Elektronenmikroskop als parallele Streifen beobachtbar. Die sich bei der Ausbreitung des Gleiten ausbildende Begrenzung zwischen abgeglittenem und noch nicht abgeglittenem Bereich in der Gleitebene heißt Versetzung. Beim Gleiten wandern die Versetzungen durch den Kristall.

3. unerwünschte Fortbewegung eines Fahrzeugs bei stillstehenden (blockierten) Rädern; besonders bei Glatteis.

gleitende Arbeitswoche: Arbeitszeitregelung mit ununterbrochener Besetzung der Arbeitsplätze auch an Wochenenden und Feiertagen. Die gleitende Arbeitswoche ist bei technologisch durchgängigen Produktionsprozessen, zum Beispiel in Betrieben der Wirtschaftszweige Energie, Bergbau, Metallurgie, Transport- und Nachrichtenwesen, aber auch in nichtmateriellen Bereichen, zum Beispiel im Gesundheitswesen, notwendig.

Gleitfertiger: fahrbares Maschinenaggregat zur Herstellung von strangförmigen Betonfertigteilen oder Beton- beziehungsweise Bitumenstraßendecken. Der Frischmörtel wird durch den Gleitfertiger auf die Fertigungsbahn gleichmäßig aufgebracht, abgezogen und mit Rüttelbohlen verdichtet. Die Fertigteile werden aus dem Betonstrang maschinell herausgesägt.

Gleitflug: antriebsloser Flug eines Fluggerätes, das schwerer als Luft ist. Der Auftrieb wird durch Anströmung der Tragfläche erzeugt. Beim Gleitflug wird die erfordert, kinetische Energie aus der potentiellen gewonnen. Der Gleitflug ist demnach immer mit Sinken verbunden. Das Verhältnis von Sink zu Horizontalgeschwindigkeit oder von Höhenverlust zu Wegstrecke beziehungsweise von Widerstand zu Auftrieb heißt Gleitzahl, sie ist gleich dem Tangens des Gleitwinkels.

Gleitführung: Stützelement für hin- und hergehende Maschinenteile, dessen Gleitfläche zum Beispiel aus Lagermetall besteht; die Schmierung erfolgt meist mit Öl, deshalb sind Schmiernuten und Schmierstoffzuführungen erforderlich.

Gleithang: flachgeböschter Hang im konvexen Innenbogen einer Fluss- beziehungsweise Talkrümmung; der Fluss lagert am flachen Hang Sedimente ab. Siehe auch Prallhang.

Gleitlager: Bautechnik beweglicher Auflager zur Ausschaltung zusätzlichen Spannungen (Längenänderungen bei Temperaturschwankungen) bei Balkenbrücken oder Bindern beziehungsweise Rohrleitungen. Gleitlager bestehen aus Gusseisen oder Stahlblechen, die auf Stahlschienen und Graphitstaub gleiten.

Gleitmittel: Pharmazie den Kot geschmeidiger machende Abführmittel (zum Beispiel Paraffinöl).

Gleitreibung: Maschinenbau Reibungsart, bei der ein Gleiten als Relativbewegung zwischen sich berührenden Stoffbereichen vorliegt.

Gleitschleifen: spannendes Fertigungsverfahren der Feinbearbeitung, bei dem die Oberfläche des Werkstücks durch Gleit- und beziehungsweise oder Rollreibung (eventuell auch Stoßreibung) zwischen den Werkstückoberflächen untereinander und einem Schleif- oder Poliermittel sowie einer Flüssigkeit (meist wässrige Chemikalienlösung) bearbeitet wird. Man unterscheidet Rotationsgleitschleifen in der Trommel (gefüllt mit Werkstücken, Schleifmittel und Flüssigkeit), die in Rotation versetzt wird, und Vibrationsgleitschleifen in einem freischwingend aufgehängten Trog, der durch äußere Krafteinwirkung mit seinem Füllgut (wie oben) in Schwingungen versetzt wird. Das Verfahren dient zum Reinigen, Entrosten, Entgraten, Feinschleifen und Polieren meist von metallischen Werkstücken.

Gien Check: feinfädiges Kammgarngewebe in Köperbindung mit großflächiger Karomusterung; für Anzüge und Mäntel verwendet.

Gien More: Längstal, das den Norden Schottlands von Südwesten nach Nordosten durchquert, durch geologische Störungslinie vorgezeichnet, 90 km; zum großen Teil von langen, schmalen Tal Seen (unter anderem Loch Ness) eingenommen; einbezogen in den jetzt veralteten Kaledonischen Kanal (künstlicher Teil 35 km).

Glenn, John Herschel, geboren 18.7.1921, US-amerikanischer Astronaut; führte als erster Amerikaner einen Raumflug aus (20.2.1962 mit Mercury-Atlas 6 «Friendship», 4 h 55 min).

Gletscher: unter dem Einfluss der Schwerkraft und Schubkräften aus dem Nährgebiet langsam gleitender Eisstrom. Durch den wiederholten Wechsel von Anschmelzen und Wiedergefrieren wird oberhalb der Schneegrenze der Schnee zu Firn umgewandelt. Weiträumige flache Becken im Nährgebiet des Gletschers werden als Firnfelder bezeichnet. Unter zunehmendem Druck der übereinander lagernden Firnschichten entwickelt sich allmählich körniges Gletschereis, das in den unteren Teilen des Gletschers plastisch wird und das Fließen ermöglicht. Die Fließgeschwindigkeiten bewegen sich zwischen einigen Zentimetern und mehr als 20 m pro Tag. Durch Zugspannungen verschiedener Art entstehen im Gletschereis Risse, Klüfte oder Querspalten (Gletscherspalten). Bei starkem Gefälle löst sich der Gletscher in Blöcke auf (Gletscherbruch), an Stufen reißt er stückweise ab (Gletschersturz) und gefriert unterhalb der Stufe wieder zusammen. Im Zehrgebiet unterhalb der Schneegrenze taut der Gletscher ab. Das sich in subglazialen Gerinnen unter dem Gletscher sammelnde Schmelzwasser tritt an der Stirnseite der Gletscherzunge in einem oder mehreren Gletscherbächen durch Gletschertore aus. Man unterscheidet als Gletschertypen Deckgletscher und Gebirgsgletscher. Deckgletscher werden eingeteilt in Inlandeis (bedeckt große Festlandsgebiete und große Inseln zum Beispiel Antarktika, Grönland) und Plateaugletscher (bedecken reliefarme Hochflächen, von denen einzelne Eiszungen unterschiedlicher Länge abströmen.) Zu den Gebirgsgletscher gehören Talgletscher (Eisstrom in den Tälern), Vorlandgletscher (flächenhafte Ausbreitung großer Talgletscher im Gebirgsvorland) und Hang- (Hänge-) und Kargletscher als Kleinformen des Gletschers. Die Gletscher haben große Bedeutung für den Gesamtwasserhaushalt der Erde und bei benachbarter Lage zu Trockengebieten für die Wasserversorgung, insbesondere für den Bewässerungsfeldbau (zum Beispiel in den mittelasiatischen Sowjetrepubliken).

Gletscherbrand: im Hochgebirge auftretende Entzündung der Haut und Augenbindehäute infolge Einwirkung starker direkter sowie durch Schnee und Eis reflektierter Sonnenstrahlung. Siehe auch Sonnenbrand.

Gletschermilch: durch hohen Schwebstoffanteil getrübtes Schmelzwasser des Gletschers.

Gletscherschliffe, Gletscherschrammen: kerbenartige Schleifspuren auf felsigem Untergrund, entstanden durch schürfende Wirkung der am Boden des Gletschers bewegten Geschiebe. Freiliegende Gletscherschliffe geben Hinweise auf die Bewegungsrichtung ehemaliger Gletscher.

Gletschertopf: schachtartige Hohlform in festem Gestein am Grunde von Gletscherspalten; durch strudelndes Schmelzwasser mit darin rotierenden Steinen entstanden.

Gley, Grundwasserboden: Bodentyp, der durch Grundwasser geprägt ist (siehe auch Staugley). Charakteristisch für Gley sind die Gley-Horizonte. Gley kommen vorwiegend in Niederungen und Tälern vor. Wichtigste meliorative Maßnahme ist die Grundwasserregulierung. Wenn die Hydromorphie-Merkmale erst unterhalb 4 dm unter Flur beginnen, spricht man von Halbgley, wenn sie bis an die Oberfläche des Bodens reichen, von Vollgley. Zu den Gley im weiteren Sinne gehören auch die Anmoorgleye und Moorböden (Moor).

Gley-Horizont, Kurzwort G-Horizont: durch Grundwasser geprägter Bodenhorizont. Im Einzelnen unterscheidet man die Subhorizonte Go (Rostabsatz-) und Gr (Reduktionshorizont). Gley-Horizont werden durch das Symbol G gekennzeichnet.

Gliederbandförderer: Stetigförderer für Stück- oder Schüttgut, mit dem horizontal und beziehungsweise oder geneigt (steigend oder fallend) gefördert wird. Eine doppelsträngige Kette als Zugmittel, die über 2 Kettenradpaare geführt ist, wird durch einen Elektromotor über ein Untersetzungsgetriebe in Umlauf versetzt. Das Tragorgan ist auf die Kette aufgesetzt und fest mit dieser verbunden. Die Kette trägt in den Gelenkpunkten Stützrollen, die auf Schienen laufen.

Gliederfüßer, Arthropoda: mit mehr als 1 Millionen Arten der artenreichste Tierstamm, über 750000 Arten sind davon Insekten. Die Körperdecke besteht aus Chitin (zum Teil durch Kalkeinlagerung verstärkt) und wird durch periodische Häutungen erneuert. Die Segmente des Rumpfes und der gegliederten Beine sind durch dünne Gelenkhäute beweglich verbunden. Das Blut zirkuliert in Gefäßen und in der Leibeshöhle (offenes Gefäßsystem). Wasserlebende Gliederfüßer atmen meist durch Kiemen, landlebende durch ein System verzweigter Luftröhren (Tracheen der Insekten) oder durch lungenartige Bildungen (bei Spinnen). Zu den Gliederfüßer gehören 8 Klassen mit rezenten Vertretern (Merostomata (Schwertschwänze), Spinnentiere, Asselspinnen, Krebse, Hundert-; Tausend-, Wenig- und Zwergfüßer).

Gliederkaktus, Zygocactus truncatus: epiphytischer Strauch Brasiliens mit breitgliedrigen, überhängenden Gabelsprossen und karminroten Blüten; als Topfpflanze kultiviert, blüht im Winter («Weihnachtskaktus»).

Gliedermaßstab: einfaches Längenmessgerät; zusammenklappbarer Strichmaßstab aus Holz, Metall oder Kunststoff mit einer Teilung von 1 mm und Messbereichen von 1 bis 2 m Länge; oft fälschlich noch als Zollstock bezeichnet.

Gliederpuppe, Gliedermann, Manichino (italienisch - französisch): menschliche Figur bis zur Lebensgröße, meist aus Holz, mit bewegliche Gliedmaßen, so dass sie in verschiedene Stellungen und Haltungen gebracht werden kann. Die Gliederpuppe diente seit dem 15. Jahrhundert Malern und Bildhauern zu Maß- und Proportionsstudien, später für Bewegungs- und Drapierungsstudien.

Gliedertiere, Articúlala: Stammgruppe wirbelloser Tiere mit in Segmente gegliedertem Körper und ursprünglich segmentaler Anordnung der inneren Organe, die bei höherentwickelten Gliedertiere aber undeutlich wird; seit dem Kambrium bekannt; umfassen Bärtierchen, Gliederfüßer, Ringelwürmer unter anderem.

Gliedmaßen, Extremitäten: gegliederte und unterschiedlich bewegliche Teile des menschlichen und tierischen Körpers mit verschiedenen Funktionen; beim Menschen werden obere Gliedmaßen (Arme) und untere Gliedmaßen (Beine) unterschieden.

Glimmentladung: stromschwache Gasentladung mit relativ hohem Kathodenfall (normal 70 bis 500 V, anomal bis mehr als 10 kV); die Elektroden bleiben kalt. Das Plasma der Glimmentladung gliedert sich in mehrere Schichten. Glimmentladungen werden als Anzeigeröhren, in Glimmlampen, -Startern und -Stabilisatoren, in Zählrohren unter anderem verwendet.

Glimmer: Gruppe wichtiger gesteinsbildender Minerale, wasserhaltige Kalium-Aluminium-Silikate, zum Teil mit Eisen, Magnesium, Fluor oder Lithium; Kristallsystem monoklin, Härte 2,5 bis 4 (richtungsabhängig); vollkommene tafelige Spaltbarkeit. Die wichtigsten Vertreter sind Muskovit (Kaliglimmer), farblos, gelblich, glänzend, Dichte 2,78 bis 2,88 g/cm3; Biotit (Magnesia-Eisenglimmer), dunkelbraun bis schwarz, Dichte 2,8 bis 3,2 g/cm3, magnesiumreicher, eisenarmer Biotit ist Phlogopit; Lepidolith und Zinnwaldit, lithiumhaltig, silbergrau, Dichte 2,8 und 3,2 g/cm3, pegmatitisch-pneumatolytische Bildungen kommen zum Beispiel im Erzgebirge (Zinnwald) und England (Cornwall) vor. Muskovit und Biotit sind weltweit verbreitet als wesentlicher oder akzessorischer Bestandteil der Magmatite, Metamorphite und Sedimentite. Technisch nutzbar sind nur pegmatitisches Vorkommen des Biotits (zum Beispiel Ural (UdSSR), Skandinavien, Ostafrika) und Muskovits (zum Beispiel Tamil Nadu und Westbengalen (Indien), Carolina (Maryland, USA), Brasilien, Kanada, Norwegen) sowie Lepidolith und Zinnwaldit. besonders Muskovit und Phlogopit werden für feuerfeste Fenster an Öfen, für Schutzbrillen, in der Elektroindustrie als Isolationsmaterial, als Bestandteil rostschützender Deckanstriche unter anderem verwendet.

Glimmerschiefer: metamorphes Gestein mit flächenhaftem Parallelgefüge. Aus pelitischem (tonigem) Sedimentmaterial hervorgegangen, besteht Glimmerschiefer vorwiegend aus grobschuppigem Glimmer und Quarz. Glimmerschiefer wird oft nach dem vorherrschenden Glimmermineral (zum Beispiel Biotit- oder Muskovit Schiefer) oder auch nach einem charakteristischen Nebengemengteil (Granat Glimmerschiefer, Staurolith-Glimmerschiefer u. ä.) benannt; es ist ein typisches Gestern der Mesozone.

Glimmlampe: Entladungslampe, bei der das Licht direkt oder indirekt (durch Fluoreszenz) aus der Strahlung des negativen Glimmlichts stammt; für Anzeigezwecke verwendet.

Glinka, Michail Iwanowitsch, 1.6.1804 bis 15.2.1857, russischer Komponist; Schöpfer der russischen nationalen Kunstmusik aus dem Geist des russischen Volksliedes; schuf Opern («Iwan Sussanin», 1836; «Ruslan und Ljudmila», 1842), Orchesterwerke, Kammer-, Chor- und Klaviermusik sowie Lieder. Seine Opern und Orchesterwerke haben die russische Musik des 19. Jahrhundert stark beeinflusst.

Gliom: Geschwulst aus Neuroglia (bindegewebige Stützsubstanz des Zentralnervensystems); kommt im Gehirn, Rückenmark und Auge vor.

glissando: Musik von einem Ton zum anderen «gleitend».

Glissonschlinge: (nach einem englischen Anatomen) Gerät zur Streckbehandlung der Wirbelsäule, insbesondere bei degenerativen Halswirbelsäulenleiden.

Glittertind: Berg im norwegischen Hochlandmassiv Jotunheimen, Höhe des festen Gesteins 2451m (mit Fimdecke 2472 m, damit höchster Berg Norwegens); aus Gabbro, Gletscher an den Hängen.

Gliwice: Stadt in Polen (Wojewodschaft Katowice); 205000 Einwohner; Industriezentrum im GOP mit Steinkohlenbergbau, Eisenhütten, chemischer, metallverarbeitender unter anderem Industrie; Hafen am Kanal Gliwicki (Kohlenkanal) zur Oder (41 km); technische Hochschule; Theater, Museum; Chopinpark. Von deutschen Faschisten fingierter, angeblich polnischer Überfall auf den Sender der Stadt am 31.8.1939 diente als propagandistischer Vorwand für den Beginn der Aggression gegen Polen.

Globalstrahlung: Summe der direkten Sonnen- und der diffusen Himmelsstrahlung, die auf eine horizontale Fläche pro Zeiteinheit auftrifft. Sie ist eine wichtige Größe im Strahlungshaushalt der Erde.

Globaltektonik: Lehre vom Bau und von den Bewegungsvorgängen der Lithosphäre, wobei Kontinente, Ozeane und das Welt-Riftsystem (erdumspannendes System der meist untermeerischen Gebirgsrücken) Teile eines dynamischen Gesamtsystems sind. Auf dem nach dem 2. Weltkrieg im Bereich der Ozeane erkundeten umfangreichen Datenmaterial geophysikalische, geologische, geochemische und geomorphologischer Art fußt die Neue Globaltektonik, die die Theorie der Ozeanbodenweitung, der Plattentektonik sowie der Kontinentaldrifttheorie und der Unterströmungstheorie umfasst. Die Neue Globaltektonik geht vom Massezuwachs des Ozeanbodens in den ozeanischen Schwellen und seinem Schwund in den Subduktionszonen aus. Durch ozeanische Schwellen, Subduktionszonen und Transformstörungen wird die Erdkruste unabhängig von der Kontinent/Ozeanbegrenzung in Platten gegliedert. Siehe auch Plattentektonik.

Globe Theatre: Theater in London (Shakespearebühne), 1599 erbaut und 1644 in der bürgerlichen Revolution abgerissen. Im Globe Theatre, das vermutlich mehr als 2000 Zuschauer fasste, wurden durch die Truppe des Lord Chamberlain (der Shakespeare angehörte) die meisten Stücke W. Shakespeares uraufgeführt.

Globetrotter: Weltenbummler, Weltreisender.

Globoid-Kolbenpumpe: Verdrängerpumpe in Sonderbauart. Die zu fördernde Flüssigkeit tritt seitlich in eine Schnecke ein und wird in Achsrichtung gefördert. Ein in die Schnecke eingreifendes Schneckenrad ist seitlich im Gehäuse abgedichtet, wodurch die Förderung entsprechend der Umdrehung des Schneckenrades entsteht. Die Globoid-Kolbenpumpe wird insbesondere zur Förderung zäher Flüssigkeiten eingesetzt.

Globule: Astronomie sehr kleine, meist rundliche Dunkelwolke.

Globuline: Proteine, die im Gegensatz zum Albumin nicht in reinem Wasser, sondern nur in verdünnten Neutralsalzlösungen löslich sind. Globuline machen im Blutserum etwa 40 % des gesamten Proteins aus.

Globus: verkleinertes, maßstäbliches, kugelförmiges Abbild der Erde beziehungsweise eines anderen Himmelskörpers (zum Beispiel Mond), das Flächen, Winkel und Strecken im wahren Verhältnis ohne Verzerrungen wiedergibt. Doppelthemen-Globus bilden zumeist eine Kombination von politischen Globus und physischen Globus, Reliefglobus stellen stark überhöht plastische Oberflächenformen dar und Himmelsglobus zeigen den von der Erde sichtbaren Teil des Kosmos. Neuerdings werden auch Globus mit thematischen Inhalt (zum Beispiel Klima) hergestellt. Die Globusmaßstäbe liegen zumeist zwischen 1:20000000 und 1:40000000. Der erste Erdglobus wurde 1492 von M. Behaim in Nürnberg geschaffen.

Glocke: 1. Damenhut mit runder Kopfform und weich schwingendem Rand.

2. Klangkörper aus Metall (Bronze, Gussstahl) oder aus keramischen Material (Ton, Porzellan); hängt entweder unbeweglich und wird von innen oder außen angeschlagen oder schwingt im Glockenstuhl, wobei der Klöppel an die innere Glockenwand schlägt. Die Glocke war schon im 1 Jahrhundert vor Christus in Ostasien bekannt und ist in Europa seit dem 6. Jahrhundert nachweisbar. Im Orchester wird der Glockenklang durch Anschlägen von Stahlrohren, -Stäben oder -platten erzeugt.

Glockenblume, Campanula: artenreiche Pflanzengattung der Glockenblumengewächse mit blauen oder violetten Glocken- oder Trichterblüten; Gartenformen, auch weiß- oder rosablühend.

Glockenbodenreaktor: technischer Apparat zur kontinuierlichen Durchführung chemischer Reaktionen zwischen einem Gas und einer Flüssigkeit. Ein senkrecht stehender Zylinder ist in horizontale Böden unterteilt; jeder Boden enthält eine oder mehrere halsartig nach oben gezogene Aussparungen, über die je eine mit einem Zackenkranz versehene Tauchglocke gestülpt ist. Die Flüssigkeit durchläuft den Glockenbodenreaktor von Boden zu Boden nach unten; das Gas strömt entgegengesetzt durch die Glocken und durchwallt die Flüssigkeit auf jedem Boden.

Glockenheide, Moosheide, Erica tetralix: Heidekrautgewächs mit graugrünen, steifhaarig gewimperten, nadeligen Blättern und glockenförmigen rosa Blüten; kommt auf Mooren und feuchten Heideböden im ozeanischen Klimabereich Europas vor; viele Zierpflanzen; auch mit weißen Blüten.

Glockenspiel: 1. Glockenspiel, Carillon: abgestimmte unbewegliche Glocken in Türmen, die durch Klaviatur oder mittels Stiftwalze mit Hämmern angeschlagen werden, so dass sich Musikstücke ergeben.

2. Glockenspiel, Klangplattenglockenspiel: abgestimmte, meist stählerne Platten, die mit Hämmerchen direkt oder durch Klaviatur angeschlagen werden; seit Ende des 18. Jahrhundert im Orchester verwendet.

Glockentierchen, Vorticella: glockenförmige Wimpertierchen, die mit Hilfe eines kontraktilen Stieles festsitzen; Vorticella convallaria tritt häufig in verschmutztem Wasser auf. Siehe auch Urtiere.

Glocknergruppe: Berggruppe in den Hohen Tauern (Österreich) mit dem 3 797 m hohen Großglockner (höchster Gipfel Österreichs); aus Grünstein, Gneis und Chloritschiefer aufgebaut; etwa 40 Gletscher, darunter die Pastene (mit 24 km2 größter Ostalpengletscher).

Gloger, Gotthold, geboren 17.6.1924, Schriftsteller und Maler; schrieb historische Romane («Philomela Kleespieß trug die Fahne», 1953; «Der Soldat und sein Lieutenant», 1955) und Jugendbücher («Der Mann mit dem Goldhelm», 1972).

Glombitza, Günter, 27.5.1938-29.5.1984, Maler und Graphiker; 1961/66 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig; gestaltete Porträts, Jugendmotive und Stillleben, zum Teil sinnbildlich vertieft, in zeichnerisch prägnanter Darstellungsweise.

Glomerulosklerose: nichtentzündliche Nierenerkrankung durch keulenförmige und diffuse Ablagerungen hyaliner Substanzen in und zwischen den Kapillaren der Nierenkörperchen mit sekundärer Verfaserung, Verhärtung und Funktionsstörung; kommt besonders bei Diabetes mellitus vor. Kennzeichen der Glomerulosklerose sind Bluthochdruck, Ödeme, eiweißhaltiger Harn und Augenhintergrundveränderungen.

Glomerulus, Glomerulum: Anatomie knäuelförmiges Gebilde; siehe auch Niere.

Glomma, norwegisch Gläma: Fluss im Südosten Norwegens; 598 km; entspringt im Skandinavischen Gebirge bei Roros, mündet ins Skagerrak; Wasserfälle (Sarpsfoss 20 m), Flößerei, Kraftwerke.

Gloria: (lateinisch, «Ruhm», «Ehre») Lobgesang der Engel in der Nacht der Geburt Christi (Heilige Nacht); in der christlichen Liturgie bekannt als Gloria in excelsis Deo («Ehre sei Gott in der Höhe»). In der Messe als musikalisch-zyklische Form der 2. der 5 vertonten Ordinariumssätze.

Glorie: Glanz, Ruhm, Herrlichkeit; Heiligenschein.

glorifizieren: verherrlichen.

Glorioso-Inseln: Gruppe von Koralleninseln im Indischen Ozean, nordwestlich von Madagaskar, französische Kolonie; wenig besiedelt; Erzeugung von Kokosnüssen und Mais.

Glorreiche Revolution: irreführende Bezeichnung der bürgerlichen Historiographie für die 1688/89 erfolgte Vertreibung des englischen Königs Jakob II. und die Errichtung einer bürgerliche parlamentarische Monarchie; tatsächlich keine Revolution, sondern ein Staatsstreich; er «brachte ... die grundherrlichen und kapitalistischen Plusmacher zur Herrschaft».

Glossar: Sammlung von Wörtern oder Textstellen (siehe auch Glosse); Wörterverzeichnis, Wörterbuch.

Glosse: 1. Journalistik: knappe polemisch-satirisch übertreibende Erläuterung aktueller gesellschaftlicher Vorgänge und Erscheinungen.

2. Recht: texterläuternde Randbemerkung der danach benannten Glossatoren zum Corpus iuris civilis.

3. Sprachwissenschaft: Erläuterung von schwerübersetzbaren Textstellen am Rand, hinter dem Wort oder zwischen den Zeilen.

Glossematik: um 1935 entstandene dänische Richtung (Hauptvertreter L. Hjelmslev) innerhalb der strukturellen Linguistik; Versuch, eine Sprachtheorie mit Hilfe mathematisch-logischer Methoden aufzubauen.

glossieren: etwas mit spöttischen Bemerkungen begleiten; schwierigen Text durch Randbemerkungen erläutern; etwas in einer Glosse abhandeln.

Glossopteris: (griechisch, «Zungenfarn») Sammelname für lange zungenartige Blätter von Samenpflanzen im Permokarbon und in der Permotrias der Südkontinente.

Glottochronologie: Teilbereich der historischen Lexikologie, strebt Angaben über die Zeitspanne der Auseinanderentwicklung von Sprachen an, verwendet vorwiegend statistische Methoden.

Gloucester: Stadt im Südwesten Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Gloucestershire, am Severn; 92000 Einwohner; Landmaschinen- und Instrumentenbau; Verarbeitung von synthetischen Fasern; Flusshafen; Musikfestival; Kathedrale (11. Jahrhundert).

Gloxinie: (nach einem elsässischer Arzt) Sinningia speciosa: brasilianisches Gesneriengewächs mit knolligem Wurzelstock, flaumhaarigen Blättern und großen, samtigen Glockenblüten; Topfpflanze.

Gluck, Christoph Willibald Ritter von, 2.7.1714 bis 15.11.1787, Komponist; nach Lehrjahren in Italien (seit 1736), wo er auch zahlreiche italienische Opern komponierte, und langem Wanderleben (1745/46 Begegnung mit F. Händel in London) seit 1752 in Wien sesshaft. Dort entstanden weitere Opere serie sowie Opéras comiques (unter anderem «Der bekehrte Trunkenbold», «Der betrogene Kadi»). In Zusammenarbeit mit dem Dichter R. da Calzabigi schrieb er dann, in bewusster Abkehr von seiner früheren Opernproduktion, 3 italienische Reformopern («Orpheus und Eurydike», 1762; «Alceste», 1767; «Paris und Helena», 1770); in den 1770er Jahren (G. hielt sich damals viel in Paris auf) folgten 3 französischen Reformopern («Iphigenie in Aulis», 1774; «Armide», 1777; «Iphigenie auf Tauris», 1779). Mit diesen 6 Werken trat Gluck für die Gestaltung echter menschlichen Leidenschaften, für Einfachheit, Wahrheit und Natürlichkeit im Sinne der Aufklärung ein. Sie sind Ausdruck eines vorrevolutionären, bereits klassischen Humanitätsideals. Gluck hat damit stark auf die weitere Entwicklung der italienischen und französischen Oper (bis hin zu H. Berlioz) gewirkt; seine Ideen zur Opernästhetik klingen noch bei R. Wagner und R Strauss nach.

Glück: 1. allgemein zufälliger günstiger Umstand; Befriedigt sein durch erfüllte Wünsche.

2. Ethik: als persönliche Befriedigung erlebte Realisierung sinnerfüllten Lebens, sozialer Verantwortung; verlangt das Erfassen der Möglichkeiten sinnerfüllter Entwicklung und Bewährung, entsprechende Entscheidungen und erfolgreiches Überwinden von Schwierigkeiten; ist abhängig von der Gestaltung persönlicher Lebensziele auch bei veränderten gesellschaftlichen und individuellen Bedingungen. Klassen- und Werteantagonismen bedingen wesentlich antagonistische Typen des Glücks (Glück des imperialistischen Bourgeois, des klassenbewussten Werktätigen). Weltanschaulich-moralische Grundpositionen können persönliches Glück in Übereinstimmung mit den eigenen sozialen Grundinteressen begünstigen oder hemmen. Siehe auch Eudämonismus, Sinn des menschlichen Lebens.

Glucke: 1. brütende beziehungsweise Küken führende Henne oder Pute.

2. künstliche Wärmequelle mit Kohle-, Warmwasser- oder elektrische Heizung zur Kükenaufzucht (Schirm-, Kastenglucke, Infrarotstrahler).

Glucken, Lasiocampidae: Schmetterlingsfamilie; die dickleibigen Falter halten ihre Flügel in Ruhe wie eine

Glucke: meist Nachtflieger; Raupen wollig behaart. Die Raupen des Eichenspinners (Lasiocampa quercus) leben an Eichen unter anderem Laubbäumen, die der Kupferglucke (Gastropacha quercifolia) auf Schlehen und Obstbäumen.

Glücksspiele: Spiele mit Würfeln, Karten, Kugeln, das Zahlenlotto unter anderem, deren Ausgang im Wesentlichen vom Zufall abhängt. Die Theorie der Glücksspiele beschäftigt sich mit Dauerspielen, das heißt mit beliebig fortsetzbaren Folgen einzelner Partien. Sie berechnet zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Spieler von n Partien m £ n gewinnt, oder die für seinen «Ruin». Es hat sich gezeigt, dass man bei festem Spieleinsatz die Gewinnchancen durch kein Verfahren beeinflussen kann.

glühelektrischer Effekt, Glühemission, Richardson-Effekt (nach O. W. Richardson), Edison-Effekt (nach T. A. Edison): Austritt von Elektronen aus der Oberfläche von glühenden Metallen oder Halbleitern (Glühkathoden). Die Temperatur, bei der ausreichend viele Elektronen genug Energie besitzen, um die Austrittsarbeit zu verrichten, beträgt bei Wolframkathoden etwa 2 500 K, bei Oxidkathoden (Überzug aus Oxiden von Erdalkalimetallen) etwa 1000 K. Der glühelektrische Effekt wird bei den Kathoden von Elektronenröhren und bei Elektronenstrahlerzeugern angewandt; der Sättigungsstrom, der der Glühkathode entnommen werden kann, hängt nach der Richardson-Gleichung von der absoluten Temperatur ab.

Glühen: Sammelbegriff für thermische Verfahren der Wärmebehandlung von insbesondere metallischen Werkstücken, gekennzeichnet durch Erwärmen auf bestimmte (Glüh-)Temperatur, Halten auf dieser Temperatur und in der Regel langsames Abkühlen; dient zur Verminderung von Spannungen (Spannungsarmglühen), zur Erzielung gleichmäßigerer Gefügeausbildungen und zum Einstellen bestimmter mechanischer Eigenschaften (zum Beispiel Diffusions-, Normal Glühen), zur Verbesserung der Spanbarkeit und beziehungsweise oder Kaltumformbarkeit (zum Beispiel Weich-, Grobkorn-, Rekristallisationsglühen). Beim Lösungsglühen, einem Teilprozess des Aushärtens, wird im Gegensatz zu den vorher genannten Verfahren beschleunigt abgekühlt, um Ausscheidungen während der Abkühlphase zu unterdrücken. Zur Vermeidung von Verzunderung oder Abkohlung des Glühgutes ist das Glühen in entsprechend Atmosphäre durchzuführen (Vakuumglühen, Schutzgasglühen, Blankglühen).

Glühfaden: Leuchtdraht der Glühlampe, der durch Joulesche Wärme zum Glühen gebracht wird; heute ausschließlich ein durch Ziehen mit Hartmetallen und Diamanten hergestellter Wolframdraht, der als Einfach- oder Doppelwendel in die Glühlampe eingebaut wird.

Glühkerze: elektrisch beheizter Wendeldraht zum Vorwärmen des Verbrennungsraumes beim Anlassen eines Dieselmotors.

Glühkopfmotor: Zweitaktdieselmotor, bei dem die Initialzündung durch Aufspritzen des Kraftstoffes auf eine heiße Stelle des Brennraumes (Glühkopf) erfolgt. Zur Inbetriebnahme ist ein Anheizen des Glühkopfes von außen notwendig.

Glühlampe: elektrische Lichtquelle; besteht aus einem evakuierten oder mit indifferentem Gas (Stickstoff, Argon) gefüllten Glaskolben, der den Glühfaden vor Oxydation schützt. Unterschieden werden normalen Beleuchtungszwecken dienende Allgebrauchslampen und vielfältige Spezialglühlampe. Allgebrauchslampen werden in verschiedene Hauptreihen eingeordnet; die Hauptreihe >100 V Nennspannung umfasst Glühlampe mit 110, 127, 225, 235 und 240 V mit einer Nennleistungsaufnahme von 25 bis 1000W; sie sind vorzugsweise für den Einsatz in Haushalten bestimmt.

Glühwein: alkoholisches Heißgetränk aus Rotwein, Zucker, Zitrone, Gewürzen. Bei Kardinal wird Orangebitter an Stelle von Zitronen verwendet, bei Seehund Weißwein statt Rotwein.

Glukagon, Glucagon: Peptidhormon der Bauchspeicheldrüse, führt zur Fettsäurefreisetzung aus dem Fettgewebe und zur Erhöhung des Blutzuckerspiegels (Insulinantagonist) durch Steigerung von Glykogenabbau und Glukoneogenese in der Leber.

Glukoneogenese, Gluconeogenese: nur in Leber und Nieren mögliche Neubildung von Glukose aus Nichtkohlenhydraten (Alanin, Glutaminsäure) zur Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels bei Glukosemangel durch Hunger oder körperlicher Arbeit.

Glukose-Glucose: ein weißer kristallisierter, geruchloser, sehr leicht wasserlösliche Zucker der Formel C6H1206; F 146 °C. Aus wässriger Lösung kristallisiert das Monohydrat; F 118 bis 120 °C. Oberhalb 200 °C tritt unter Braunfärbung Zersetzung ein. Glukose-Glucose ist eine optisch aktive Aldohexose (Monosacharide); ihre rechtsdrehende D-Form (Dextrose, Traubenzucker) ist der in der Natur am meisten verbreitete Zucker. Sie bildet sich in grünen Pflanzen aus Kohlendioxid, Wasser und Sonnenenergie (Assimilation 4), kommt frei zum Beispiel in vielen Früchten und im Honig, chemisch gebunden in Stärke, Zellulose, Rüben-, Milch-, Malz- unter anderem Zuckern sowie in vielen Glykosiden vor. Durch Hefeenzyme wird sie zu Kohlendioxid und Äthanol vergoren. Im menschlichen und tierischen Organismus werden die mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate bei der Verdauung zu Glukose-Glucose abgebaut, in Form des Blutzuckers transportiert und entweder zur Energiegewinnung abgebaut oder als Reservekohlenhydrat Glykogen gespeichert. Technisch gewinnt man Glukose-Glucose aus Stärke; sie dient als Süß- (etwa halb so süß wie Rohr- beziehungsweise Rübenzucker) und Kräftigungsmittel sowie zur Herstellung von Sorbit und Vitamin C.

Glukosurie: Ausscheidung von Traubenzucker (Glukose) im Harn; zum Beispiel bei Diabetes mellitus, bei starker körperlicher Belastung und bei Gehirnerkrankungen.

Glutamin, Symbol Glu-NH: Aminosäure - Glutamin bildet farb- und geruchlose, nadelförmige, wenig wasserlösliche Kristalle; F 185 °C. Glutamin ist das Monoamid der Glutaminsäure, Symbol Glu. Diese bildet farb- und geruchlose, nadelförmige, wasserlösliche Kristalle, die sich bei 225 °C zersetzen. Glutamin und Glutaminsäure kommen als Baugruppen in fast allen Proteinen, insbesondere Getreideproteinen, vor. Die Salze der Glutaminsäure heißen Glutamate, zum Beispiel Natriumglutamat, das als fleischbrühartig schmeckendes und andere Aromen vorteilhaft abrundendes Würzmittel verwendet wird.

Glutarsäure: eine farb- und geruchlose, kristalline, wasserlösliche Substanz; Pentandisäure-, F 97 bis 98 °C. Glutarsäure findet sich im Saft unreifer Zuckerrüben und im Waschwasser roher Schafwolle; sie ist technisch von geringer Bedeutung. Die Salze und Ester heißen Glutarate.

Glutathion: ein Tripeptid aus Glutaminsäure, Zystein und Glyzin, das als biologisches Redoxsystem von Bedeutung ist.

Gluteline: vor allem in Getreidekörnern vorkommende schwer lösliche Proteine mit hohem Glutamat- und Prolingehalt. Vertreter der Gluteline sind Glutenin (Weizen) und Hordenin (Gerste).

Glykogen, Glycogen: besonders in Muskulatur und Leber vorkommendes tierisches Speicherpolysacharid, das aus a-1,4- und a-l,6-glykosidisch verbundenen Glukosemolekülen aufgebaut ist. Das Leberglykogen des Menschen (bis maximal 150 g) bildet die Glukosereserve für den gesamten Organismus.

Glykogenose-Glykogenspeicherkrankheit: übermäßige Ablagerung von Glykogen in Leber und Herzmuskulatur infolge verschiedener Enzymdefekte ff Enzymopathie) des Kohlenhydratstoffwechsels. Glykogenose-Glykogenspeicherkrankheit führt zu erheblicher Vergrößerung der speichernden Organe, besonders der Leber. Eine Heilung ist nicht möglich.

Glykolsäure: eine farb- und geruchlose, nadelförmig kristallisierende, leicht wasserlösliche Substanz der Formel CH2OH-COOH; Hydroxyethansäure; F 80 °C. Glykolsäure ist im Pflanzenreich weit verbreitet; die Salze und Ester heißen Glycolate.

Glykolyse: in fast allen Lebewesen ablaufender mehrstufiger enzymatischer Abbau der Glukose zur Energiegewinnung (ATP-Synthese). Aus einem Glukosemolekül entstehen unter anaeroben Bedingungen (Gärung) 2 Moleküle Milchsäure (beim arbeitenden Muskel) oder 2 Moleküle Äthanol (bei der Hefegärung), unter aeroben Bedingungen 2 Moleküle Brenztraubensäure, die über Acetyl-Coenzym A im Zitronensäurezyklus weiter abgebaut werden.

Glykoside, Glycoside: Substanzen mit chemisch gebundenem Zucker. Glycoside enthalten Glukose, Fructoside Fruktose, Galactoside Galaktose entweder an einen Nichtzuckeranteil (Aglykon) oder an ein oder mehrere weitere Zuckermoleküle gebunden (Sacharide). Glykoside finden sich insbesondere in Pflanzen (Amygdalin, Digitalisglykoside, Saponine); auch manche Farbstoffe (Indigo), Riechstoffe (Vanillin) sowie alle Senföle kommen in der Natur als Glykoside vor. Medizin. Bedeutung haben vor allem die herzwirksamen Glykoside (Digitalisglykoside) und die abführend wirksamen Glykoside (Anthrachinone, Abführmittel).

Glyptodon: bis 2,5 m langes, den heutigen Gürteltieren ähnlich gepanzertes Säugetier, typisch für das Pleistozän von Argentinien.

Glyptothek: Sammlung von Skulpturen; zum Beispiel in München und in Kopenhagen.

Glyzerol, Glycerol, Glyzerin, Glycerin: einfachster 3wertiger Alkohol; Propan-1,2,3 triolische Glyzerol ist eine farb- und geruchlose, süß schmeckende, ölige, hygroskopische, in jedem Verhältnis mit Wasser mischbare Flüssigkeit; F (wasserfrei) 18 °C. Es findet sich, mit Fettsäuren verestert, in den natürlichen Fetten und kann daraus durch saure oder alkalische Verseifung gewonnen werden; synthetisch wird es aus Propen hergestellt. Es dient als Hautpflege-, Gefrierschutz-, Feuchthalte- und Textilhilfsmittel sowie als Zwischenprodukt zur Herstellung von Explosivstoffen (Glyceroltrinitrat) und Alkydharzen. Medizinisch wird Glyzerol meist in Form von Zäpfchen als Abführmittel verwendet. Glycerolmonoacetat ist ein Antidot bei Vergiftungen mit Fluoressigsäure.

Glyceroltrinitrat, Glyceroltrinitrat, Glycerintrinitrat, Glycerintrinitrat, fälschlich Nitroglyzerin: der Salpetersäureester des Glycerols; C3H5(0-N02)3. Glyceroltrinitrat ist ein farbloses, geruchloses, giftiges, wenig wasserlösliche Öl, das bei Schlag, Stoß, Erschütterung oder raschem Erhitzen heftig explodiert. Glyceroltrinitrat wird durch Verarbeitung zu Dynamit handhabungssicher gemacht. Eine 1%ige alkoholische Lösung wird medizinisch bei Asthma, Angina pectoris und Arterienverkalkung angewandt.

Glycid: eine farblose, sehr reaktionsfähige, wasserlösliche Flüssigkeit der Formel CH2 O CH CH2OH; Kp 162 °C unter Zersetzung. Glycid geht durch Reaktion mit Wasser in Glyzerol über.

Glycidsäure: eine farblose, wasserlöslich stechend riechende Flüssigkeit. Derivate von Glycidsäure-estern werden als erdbeerartig riechende Aromastoffe und Parfümkomponenten verwendet.

Glyzin, Glycin, Glykokoll (griechisch) n, Aminoessigsäure, Symbol Gly: Aminosäure der Formel CH2(NH2)-COOH. Glyzin bildet farb- und geruchlose, süß schmeckende, leicht wasserlösliche Kristalle, die bei 232 bis 236 °C unter Zersetzung schmelzen. Glyzin ist als Baugruppe in nahezu allen Eiweißen enthalten, jedoch technisch und ernährungsphysiologisch von geringer Bedeutung. Glyzin ist einfachste Aminosäure, Ausgangssubstanz für die Biosynthese von Porphyrinen, Purinen, Kreatin und Betain.

Glycyrrhizin, Süßholzzucker: in Süßholzwurzel und Lakritze vorkommendes, als Süß- und Antihustenmittel dienendes Glykosid; bildet farblose Kristalle.

Gmelin, Leopold, 2.8.1788-13.4.1853, Chemiker; besonders bekannt durch sein «Handbuch der theoretischen Chemie» (1817/19), später «Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie», das, in Form von Ergänzungsbänden auch heute noch erscheinend, den anorganisch-chemischen Wissensstoff von 1750 bis zur Gegenwart zusammenfasst.

Gmunden: Stadt in Oberösterreich, am Traunsee; 12000 Einwohner; Baustoff-, Elektro- und Schuhindustrie; Fremdenverkehr («Tor zum Salzkammergut», Solbäder); Theater, Museum; Schloss Cumberland, Land- und Seeschloss Orth (17. Jahrhundert), Klöster.

Gneis: 1. Medizin: fettige Krustenbildung auf dem behaarten Kopf von Säuglingen durch starke Absonderung der Haut.

2. Petrographie: mittel- bis grobkörniges, auch dichtes metamorphes Gestein mit meist lagigwelligem flächenhaftem oder linearem Parallelgefüge. Gneis besteht aus Feldspat, Quarz und Glimmer (diese sind meist namengebend: Muskovit-Gneis, Biotit-Gneis), viele andere gesteinsbildende Minerale können hinzutreten (zum Beispiel Amphibol-Gneis). Ortho-Gneis ist aus Magmatiten hervorgegangen, Para-Gneis aus Sedimentiten.

Gneisenau, August Wilhelm Anton Neidhardt von, 27.10.1760-23. 8.1831, preußischer General und Militärtheoretiker. Als «Theoretiker des Volkswiderstandes» (Engels) bereitete Gneisenau mit Scharnhorst, Boyen, Stein unter anderem den nationalen Befreiungskampf gegen die französische Fremdherrschaft vor. 1813/15 war er als Generalquartiermeister Blüchers beziehungsweise Generalstabschef der Schlesischen Armee maßgeblich an der Befreiung Deutschlands beteiligt. Nach 1815 wurde Gneisenau von der feudalen Reaktion aus verantwortliche Funktionen entfernt.

Gniezno: eine der ältesten Städte Polens, in der Wojewodschaft Poznan; 62000 Einwohner; Maschinenbau, Leder-, Holz-, Lebensmittelindustrie; Eisenbahnknoten; Theater, Museum; Baudenkmäler, besonders gotische Kathedrale. Im 8. Jahrhundert entstanden, im 10. Jahrhundert erste Hauptstadt Polens; 1000 Erzbistum Gniezno gegründet; 1243 Stadtrecht. Seit der 2. Teilung Polens (1793) gehörte es zu Preußen (Gnesen), kam 1918 wieder zu Polen.

Gnitzen, Ceratopogonidae: Mückenfamilie mit sehr kleinen dunklen Arten; nur die Weibchen saugen Blut, ihr Stich ist sehr schmerzhaft; kommen häufig in feuchten Gebieten vor.

Gnom: koboldartiger Erd- oder Berggeist.

Gnome: in der altgriechischen, aber auch in der orientalischen Literatur anzutreffendes kurzes prägnantes Gedicht, meist lehrhaft auf Verbreitung moralischer Meinungen gerichtet. Gnome sind auch in der germanischen Lieder Edda vertreten.

Gnomon: Schattenmesser zur primitiven Zeitbestimmung. Der Gnomon besteht aus einem auf ebener waagerechter Fläche senkrecht aufgestellten Stab, der bei Sonnenschein durch Länge und Richtung seines Schattens den Zeitablauf erkennbar macht. Siehe auch astronomische Instrumente.

Gnomonik: Wissenschaft von der Erforschung der Sonnenuhren.

Gnosis, (griechisch, «Erkenntnis»), Gnostizismus: mystisch-religiöse Bewegung der Spätantike; lehrte auf dualistische Grundlage die Erlösung der Seele aus der finsteren irdischen Welt des Bösen und ihren Aufstieg zur lichten himmlischen Welt des Guten. Von der Gnosis waren viele Religionen durchsetzt.

gnotobiotische Tiere: mittels Schnittentbindung vor Geburtsbeginn keimfrei gewonnene Jungtiere für experimentelle Untersuchungen, speziell auf dem Gebiet der Immunologie sowie der Arzneimittelprüfung.

Gnus, Connochaetes: Gattung wiederkäuender Paarhufer, die in beiden Geschlechtern seitwärts geschwungene Hörner tragen. Gnus leben gesellig in Busch- und Grassteppen Afrikas. Das Weißschwanzgnus (Connochaetes gnou) kommt nur noch in Reservaten vor.

Go: altes japanisches Brettspiel zu zweit; auf einem Spielplan mit 19 x 19 Linien sind gegnerische Steine zu schlagen oder (wie freie Punkte) einzuschließen.

Goa, Daman und Diu: aus 3 räumlich voneinander getrennten Gebieten bestehendes Unionsterritorium von Indien, an der Westküste Vorderindiens und auf der Halbinsel Kathiawar; 3813 km2, 1,1 Millionen Einwohner (Daman: 70km2, 40000 Einwohner; Diu: 40 km2, 25000 Einwohner); 288 Einwohner/km2; Hauptstadt Panjim; in Goa über 90 % der Bevölkerung; Abbau von Mangan-, Eisenerz und Bauxit; Fisch- und Kokosverarbeitung, Reis- und Gewürzanbau; Meersalzgewinnung. Goa wurde im 14. Jahrhundert Bestandteil des Reiches von Vijayanagar, 1449 wurde es ein Teil des südindischen Sultanats der Bahmani, 1497 kam es zu Bijapur. 1510 wurde Goa von den Portugiesen unter A. d’Albuquerque erobert und zu deren Hauptniederlassung in Indien ausgebaut. Das Salazar-Regime erklärte die Kolonie 1951 zur «überseeischen Provinz» Portugals. Am 18./19.12.1961 befreiten indischen Truppen Goa; seit dem 14.2.1962 ist Goa zusammen mit den ehemaligen portugiesischen Besitzungen Daman und Diu indisches Unionsterritorium.

Gobelin: seit dem 17. Jahrhundert übliche Bezeichnung für Bildteppich; im engeren Sinne Erzeugnis der Pariser Manufaktur (ursprünglich Besitz der Familie Gobelin, seit 1662 königlich) im 17./18. Jahrhundert Charakteristisch ist für den Gobelin, dass in die Kettfäden an Stelle durchgehender Schussfaden entsprechend der Bildvorlage kurze Fadenstücke eingeflochten werden, deren Enden man auf der Rückseite verknotet.

Gobi, Hanhai («Trockenes Meer») Shamo («Sandmeer»): Hochbeckenlandschaft mit Binnenentwässerung im östlichen Zentralasien (Mongolische Volksrepublik, China); etwa 2 Millionen km2; 900 bis 1000 m über dem Meeresspiegel. Durch zahlreiche Bergrücken und Bergländer ist die Gobi in flache Einzelbecken gegliedert, in denen vielfach Salzsümpfe, örtlich auch Salzseen liegen, die von meist nur periodisch wasserführenden Flüssen gespeist werden. Es herrscht streng kontinentales Klima vor. Der größte Teil der Gobi wird von Trockensteppen und Wüstensteppen eingenommen, Kernwüsten sind vorwiegend im Süden und Westen entwickelt. Extensive Weidewirtschaft; reich an Bodenschätzen (Stein- und Braunkohle, Erdöl, Eisen- und Buntmetallerze); seit 1956 von der Transmongolischen Eisenbahn durchquert.

Gobi-Altai: Gebirgszug im Süden der Mongolische Volksrepublik, der in einzelne Gebirgsrücken und Bergmassive aufgelöst ist; über 700 km lang; Ich Bogd mit 3 857 m höchste Erhebung; vorwiegend Wüstensteppe, am Gebirgsfuß auch Wüsten; bildet die Fortsetzung des Mongolischen Altai.

Gobineau, Joseph Arthur Comte de, 14.7.1816-13.10.1882, französischer Schriftsteller, Diplomat; in seinem Werk überwiegen elitäre ästhetische und rassistische Züge (dramatische Szenenfolge «Die Renaissance», 1877, deutsch); sein eigentliches Hauptwerk «Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen» (4 Bände, 1853/55, deutsch) gilt als Vorstufe der späteren faschistischen Herrenmenschenideologie.

Gobir: historischer Staat der Hausa westlich des Tschadsees. Die größte Ausdehnung erreichte er im 13./14. Jahrhundert und den Gipfelpunkt seiner Macht Ende des 18. Jahrhundert. Er umfasste die Landschaften Tesawa, Godobawa, das heutige Sokoto, das nördliche Zamfara und einen Teil von Maradi. 1801 erhoben sich die Fulbe unter Usman dan Fodio und bildeten zusammen mit den anderen Hausastaaten ein großes islamisches Reich mit der Hauptstadt Sokoto.

Godavari: Fluss im Süden Indiens; 1448 km; entspringt an der Ostseite der Westghats, quert das Hochland von Dekan und durchbricht die Ostghats, mündet mit Delta in den Golf von Bengalen; Nebenflüsse sind links Indravali, Pranhita, Puma, rechts Manjra; Staudämme bei Rajahmundry und Polavaram; von den Hindu als heilig verehrt.

Goddard, Robert Hutchings, 5.10.1882 bis 10.8.1945, US-amerikanischer Physiker und Raketentechniker; beschäftigte sich als erster Wissenschaftler der USA seit 1912 mit Problemen der Raketentechnik. Goddard entwickelte unter anderem ein Flüssigkeits-Raketentriebwerk und startete am 16. 3.1926 die erste Flüssigkeitsrakete der Erde.

Godeffroy, Johann Cesar, 1.7.1813 bis 9.2.1885, Großkaufmann; übernahm 1830 das vom Großvater in Hamburg errichtete Handelshaus und dehnte seine Tätigkeit auf die Südsee und den Stillen Ozean aus (45 Niederlassungen). 1861 gründete Godeffroy in Hamburg ein ethnographisches Museum, dessen Bestände 1885 zum Teil an das Museum für Völkerkunde in Leipzig übergingen.

Gödel, Kurt, 28.4.1906-14.1.1978, österreichischer Mathematiker und Logiker; emigrierte 1938 in die USA; fand grundlegende Resultate zur mathematischen Logik und Mengenlehre. Der Gödelsche Vollständigkeitssatz besagt, dass die allgemeingültigen Ausdrücke der Prädikatenlogik der 1. Stufe aus einer genau angebbaren endlichen Menge von Axiomen mittels endlich vieler Schlussregeln ableitbar sind, das heißt, das prädikat-logischen Folgern adäquat formal zu erfassen ist. Der Gödelsche Unvollständigkeitssatz besagt, dass es keinen Algorithmus gibt, mit dem alle wahren Sätze einer formalisierten Theorie erzeugbar sind, wenn die Mittel dieser Theorie ausreichen, die elementare Arithmetik der natürlichen Zahlen mit Addition und Multiplikation auszudrücken; insbesondere ist die formale Widerspruchsfreiheit einer solchen Theorie nicht in der Theorie selbst beweisbar.

Godesberger Programm: Bezeichnung für das auf dem außerordentlichen Parteitag (13./15.11.1959) in Bad Godesberg angenommene und seitdem verbindliches Grundsatzprogramm der SPD; es gab traditionelle Sozialdemokratische Ziele auf und begründete die Integration der SPD in das Herrschaftssystem des staatsmonopolistischen Kapitalismus der BRD.

Godetie, (nach einem schweizerischer Botaniker) Atlasblume, Godetia: zu den Nachtkerzengewächsen gehörende Gattung einjähriger Arten aus Nordamerika mit trichterförmigen rosa, dunkelroten, orange- oder lachsfarbenen beziehungsweise weißen Blüten; viele Zierpflanzen.

Godhavn: Hafen auf der an der Westküste Grönlands gelegenen Insel Disko; 1000 Einwohner; Fischerei, Robbenjagd.

Godwin: 1. Mary, geboren Wollstonecraft, 27.4.1759-10.9.1797, englische Schriftstellerin; Frau von Godwin 2; wurde mit ihrem Buch «Verteidigung der Rechte der Frau» (1792, deutsch) zur Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Frau.

2. William, 3.3.1756-7.4.1836, englischer Schriftsteller und Philosoph; schrieb als begeisterter Anhänger der Französischen Revolution die «Untersuchung über politische Gerechtigkeit» (1793, deutsch) mit elementar materialistische sowie atheistische und anarchistische Ideen von einer idealen Gesellschaft, die sich auch in dem sozialkritischen Roman «Caleb William» (1794, deutsch) widerspiegeln.

Goebel, Heinrich, 20.4.1818 bis 16.12.1893, US-amerikanischer Uhrmacher und Optiker deutscher Herkunft; baute 1854 versuchsweise Kohlefadenglühlampen und gilt somit als einer der Erfinder der Glühlampe.

Goedeke, Karl, 15.4.1814-27.10.1887, Germanist; begründete den «Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen» (3 Bände, 1859/81), der die bisher vollständigste von der bürgerlichen Literaturwissenschaft erarbeitete Bibliographie der deutschen Literatur bis Goethes Tod bietet.

Goedicke, Alexander Fjodorowitsch, 4.3.1877 bis 9.7.1957, sowjetischer Komponist, Pianist und Konzertorganist; wirkte seit 1909 als Professor am Moskauer Konservatorium; schrieb Orchester- (3 Sinfonien), Kammermusik, Lieder, weit verbreitete leichte Klavierstücke für den Unterricht unter anderem.

Goeppert-Mayer, Maria, 28.6.1906-20.2.1972, US-amerikanische Physikerin deutscher Herkunft; entwickelte zunächst unabhängig, dann zusammen mit J. Jensen ein Schalenmodell des Atomkerns.

Goerdeler, Carl Friedrich, 31.7.1884-2.2.1945 (ermordet), Jurist; 1930/37 Oberbürgermeister von Leipzig; 1931/32 und 1933/35 Reichskommissar für Preisüberwachung; Theoretiker und Führer der reaktionären Gruppe in der Verschwörung des 20. Juli 1944.

Goes: 1. Goes, Albrecht, geboren 22.3.1908, Schriftsteller der BRD; verfasste aus christlicher,-humanistischer Verantwortung gegen Faschismus, Krieg und Antisemitismus gerichtete Erzählungen («Unruhige Nacht», 1949; «Das Brandopfer», 1954; «Löffelchen», 1965); ferner volkstümliche Lyrik und Essays zum humanistischen Erbe.

2. Goes, Hugo van der, um 1440-1482, niederländischer Maler; sein Werk umfasst vor allem große Altartafeln in Gent und Brügge, es zeigt Tendenzen der Verinnerlichung, die durch diffizile farbliche Nuancierung zum Ausdruck kommen; die Gestalten sind realistisch, die Gesichter werden psychologisch feinsinnig ausgearbeitet. Goes schuf erste lebenswahre Bauerndarstellungen. Hauptwerke sind Monforte Altar (Westberlin), Portinari-Altar (Florenz), Marientod (Brügge).

Goethe, Johann Wolfgang, 28.8.1749-22.3.1832, Dichter, kunsttheoretischer und naturwissenschaftlicher Schriftsteller; bedeutendster Repräsentant der klassischen deutschen Literatur. Goethe studierte 1765/68 in Leipzig, 1770/71 in Straßburg Jura, arbeitete anschließend als Jurist in Frankfurt am Main und Wetzlar. Nach dichterischen Anfängen im Stile der Anakreontik erkannte er unter dem Einfluss Herders die Bedeutung der Volkspoesie, Shakespeares und Homers für eine wirklichkeitsverbundene Dichtung. 1773/75 errang Goethe ersten literarischen Ruhm als Dichter des Sturm und Drang mit dem Drama «Götz von Berlichingen», dem Briefroman «Die Leiden des jungen Werthers» und Gedichten («Prometheus» unter anderem); diese Werke zeichnen sich durch gesellschaftskritische Züge aus und gestalten die freiheitliche Ideale der jungen bürgerlichen Intelligenz, zum Beispiel die freie Entfaltung einer Persönlichkeit. 1775 übersiedelte Goethe nach Weimar und übernahm im Herzogtum Staatsmann. Aufgaben. Im ersten Weimarer Jahrzehnt entstanden bedeutende Gedichte («An den Mond», «Grenzen der Menschheit», «Wanderers Nachtlied», «Erlkönig», «Ilmenau», «Das Göttliche» unter anderem). Der geringe Erfolg bei seinen Reformplänen und die spannungsreiche Liebe zu C. von Stein veranlassten Goethe zum Ausbrechen aus der ihn beengenden Welt. In Italien 1786/88 fand er zum künstlerischen Schaffen zurück; die Dramen «Iphigenie auf Tauris» und «Egmont» wurden beendet, es folgten 1789 «Torquato Tasso» und «Faust. Ein Fragment» (Vollendung «Faust I» 1806). Diese Werke markieren den Übergang Goethes zur klassischen poetologischen Konzeption, die in der Zusammenarbeit mit Schiller (1794/1805) sowie in den widerspruchsvollen Beziehungen zu Herder, Wieland, den Brüdern Schlegel und Humboldt, zu Fichte und Schelling gefestigt wurde. Vielseitiges fruchtbares literarisches Schaffen setzte ein. Im satirischen Tierepos «Reineke Fuchs» (1794) gestaltete Goethe den Niedergang der Feudalgesellschaft; 1796 vollendete er den klassischen deutschen Bildungs- und Erziehungsroman «Wilhelm Meisters Lehrjahre»; gemeinsam mit Schiller schrieb er 1796 «Xenien» gegen literarische Gegner und 1797 Balladen («Die Braut von Korinth», «Der Zauberlehrling» unter anderem); in der Idylle «Hermann und Dorothea» (1798) sind unter anderem Erfahrungen aus der Französischen Revolution verarbeitet. 1806 Heirat mit C. Vulpius. Im Roman «Die Wahlverwandtschaften» (1809) gestaltet er Probleme der bürgerlichen Ehe; 1811/33 erschien die Autobiographie «Dichtung und Wahrheit». Nach 1815 arbeitete Goethe an seinen großen Alterswerken, dem Roman «Wilhelm Meisters Wanderjahre» (1821/29), der gedanken- und gefühlstiefen Lyrik des «West-östlichen Divan» (1819), den «Maximen und Reflexionen» (1833) und an «Faust II» (1832). Goethes künstlerisches Schaffen widerspiegelt den Umbruch von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaftsordnung und vereinigt in sich die humanistischen Bestrebungen der zu seiner Zeit fortgeschrittensten Klasse. In seinen naturwissenschaftlichen Forschungen, in denen er sich der dialektischen Betrachtungsweise der Welt bediente, vermittelte Goethe auch der Wissenschaft wichtige Anregungen (Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschen 1784; «Die Metamorphose der Pflanzen», 1790; «Zur Farbenlehre», 1810; unter anderem).

Goethit, (nach J. W. Goethe) Nadeleisenerz: Mineral, Eisenoxidhydrat; Kristallsystem rhombisch, Aussehen nadelig, schwarzbraun, Härte 5 bis 5,5, Dichte 4,3 g/cm3; Verwitterungsprodukt von Eisenerzen.

Goeze, Johannes Melchior, 16.10.1717 bis 19.5.1786, Theologe; orthodoxer Gegner E. Lessings im Streit um Bibel und Offenbarung.

Göftel, Wolf, hingerichtet Juli 1525, Bergmann; war Organisator und Initiator revolutionärer Erhebungen von Bauern und Bergleuten im sächsischen böhmischen Grenzgebiet.

Gogh, Vincent van, 30.3.1853-29.7.1890, niederländischer Maler und Graphiker; bildete sich im Wesentlichen autodidaktisch; schuf anfangs Arbeiter- und Bauerndarstellungen, aber auch dunkeltonige Landschaften. Unter dem Eindruck der Kunst der Impressionisten, Pointilisten und frühen Symbolisten, die er 1886 in Paris kennenlernte, hellte sich seine Palette radikal auf. Doch erst in Arles, wohin er 1888 übersiedelte, fand er zu seinem eigentlichen Stil. Mit der lapidaren Formen- und Liniensprache sowie der leuchtenden Farbigkeit überwand er den Impressionismus und kam zu einem expressiven Realismus. Einen guten Einblick in sein Schaffen gibt der rege Briefwechsel, besonders mit seinem Bruder Theo (3 Bände, 1928).

Gogol, Nikolai Wassiljewitsch, 1.4.1809 bis 4.3.1852, russischer Schriftsteller; einer der Begründer der sogenannten Natürlichen Schule und des kritischen Realismus in der russischen Literatur; schuf Erzählungen aus dem Leben des ukrainischen Volkes («Abende auf dem Vorwerk bei Dikanka», 1831/32, deutsch; «Taras Bulba», 1835, deutsch) und dem Petersburger Milieu. In seiner satirischen Komödie «Der Revisor» (1835, deutsch) gab er das zaristische Beamtentum schonungslos dem Gelächter preis; in dem Roman «Die toten Seelen» (1842, deutsch) gestaltete er mit großer realistischer Kraft und Wahrhaftigkeit den moralischen Verfall der Gutsbesitzer im feudalen Russland. Die Erzählung «Der Mantel» (1842, deutsch) griff das auf A. S. Puschkin zurückgehende Motiv des rechtlosen kleinen Mannes auf. Als Gogol unter den Einfluss religiös-mystischer Stimmungen geriet, richtete W. G. Berlinski 1847 einen Brief an ihn, in dem er seine Bedeutung für die realistische Kunstentwicklung in Russland hervorhob und ihn zur Abkehr von dem Irrweg mahnte.

Göhren: Gemeinde im Kreis Rügen, Bezirk Rostock, im Südosten der Insel Rügen auf der Halbinsel Mönchgut; 1600 Einwohner; Ostseebad; Heimatmuseum.

Golanhöhen: stark gegliederter Höhenzug vulkanischen Ursprungs an der Südwestgrenze Syriens, vom Hermon Massiv bis nach Jordanien; etwa 1710 km2; bis 67 km lang, 30 km breit; Rinderzucht, bedeutende Kalksteinlager; Rüstungsindustrie, umfangreiche militärische Anlagen. 1967 von Israel rechtswidrig okkupiert, 1974 israelisch-syrischen Entflechtungsabkommen (Wiedergabe von 633 km2 und der zerstörten Stadt Quneitra an Syrien); 1981 Annexion durch Israel.

Gold, Aurum, Symbol Au: chemisches Element der Kernladungszahl 79; Atommasse 196,97; Wertigkeiten + 3, +1; F 1063 °C; Dichte 19,32 g/cm3; in der Natur meist gediegen als Berggold im Gestein oder als Seifengold in Flusssanden, auch in sulfidischen Erzen wie Pyrit, Kupferkies unter anderem; in den Ozeanen sind etwa 60 Millionen Gold gelöst; Gewinnung besonders in der Republik Südafrika, der UdSSR, Kanada und den USA. Gold ist gelbglänzend und so weich, dass es zu 0,1 im dünnen, grünlichen durchsichtigen Folien (Blattgold) ausgeschlagen werden kann; chemisch angegriffen wird es zum Beispiel durch Königswasser und Chlor. Man gewinnt Gold durch Auswaschen oder Flotieren goldhaltiger Sande und Gesteine; feinst verteiltes oder spurenweise vorhandenes Gold laugt man durch Cyanidlösung aus. Gold wird meist legiert verwendet, insbesondere mit Kupfer oder Silber, zum Beispiel für Schmuck, elektrische Kontakte und Zahnersatz, platinlegiert für Chemiefaserstoff-Spinndüsen. Reines Gold hat den Feingehalt 1000, entsprechend 24 Karat. Eine Goldlegierung mit dem Feingehalt 333 ist folglich achtkarätig. Siehe auch Goldverbindungen.

Ökonomische Bedeutung: Im Verlauf eines längeren Entwicklungsprozesses wurde das Gold, vor allem auf Grund seiner natürlichen Eigenschaften (leicht teilbar, relativ selten, homogen in seinen Teilen) zur allgemeinen Geldware (Geld). Unter den Bedingungen des Goldstandards wurde die Rolle des Golds als allgemeine Geldware durch Zirkulation von Goldmünzen offensichtlich. Im internationalen Zahlungsverkehr wurde jedoch das Gold sehr bald nur noch zum Ausgleich der Zahlungsbilanzsalden verwandt. Auf den Binnenmärkten zirkulierten an Stelle von Gold in immer stärkerem Maße Geldzeichen als Goldstellvertreter. Trotz Demonetisierung des Golds in der Zirkulationssphäre liegt das Gold allen Prozessen der Wertbildung und -realisierung ideell zugrunde. Die Funktion des Golds besteht in der Gegenwart darin, national unterschiede Werte, Preise, Kosten sowie Währungen über Goldgehalt und Goldparität vergleichbar zu machen. In den zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen tritt das Gold als Barrengold materiell in Erscheinung und stellt auf dem Goldmarkt einen Indikator für die Entwicklung der internationalen Liquidität, die Möglichkeiten und Grenzen des Zahlungsbilanzausgleichs und die internationale Wertentwicklung in Form des Goldpreises dar. Unter sozialistischen Bedingungen besteht die ökonomische Rolle des Golds darin, die mit dem Warencharakter des Geldes verbundenen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten objektiv zu erkennen und in der Wirtschaftspolitik auf der Grundlage der gesamtstaatlichen Planung durchzusetzen. Als Währungsreserve tritt das Gold im Handel mit nichtsozialistischen Ländern materiell in Erscheinung. Auf dem kapitalistischen Weltmarkt spiegeln die Goldumsätze und Goldpreise die ständige Verletzung der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten in der Sphäre der Ware-Geld-Beziehungen wider. Deshalb ist auch in Perioden der Zuspitzung von Krisenerscheinungen eine Remonetisierung des Golds in der internationalen Zirkulation sowie zusammen mit der Flucht in die Sachwerte eine Zunahme der Goldhortung als Risikosicherung und Spekulationsobjekt zu beobachten. Gold war schon im Altertum bekannt und wurde besonders als Schmuck verwendet. Berühmt und berüchtigt war der Goldbergbau der Ägypter, den sie durch Sklaven unter unmenschlichen Bedingungen betreiben ließen.

Gold, Michael, 12.4.1894-15.5.1967, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb den autobiographischen Roman «Juden ohne Geld» (1930, deutsch), verfasste marxistische Literaturkritik (Sammelband «Verändert die Welt!», 1936), gab progressive Zeitungen und Zeitschriften heraus und forderte das Arbeitertheater.

Gold 198: radioaktives Goldisotop mit 2,7 Tagen Halbwertszeit. Gold 198 sendet neben ß-Teilchen harte y-Quanten aus und wird häufig als Radioindikator eingesetzt.

Goldafter, Euproctis chrysorrhoea: zu den Trägspinnern gehörender weißer Schmetterling; Raupen überwintern gesellig in Nestern an Laubbäumen; verursachen an Obstbäumen oft Kahlfraß; die Brennhaare der Raupen bewirken Juckreiz.

Goldalgen, Chrysophyceae: Algenklasse der Chromophyta, meist gelbbraun bis braun gefärbte Flagellaten; kommen besonders im Süßwasser vor.

Goldbachsches Problem: die 1742 von dem Mathematiker Christian Goldbach (1690-1764) aufgestellte Vermutung: Jede gerade natürliche Zahl n > 4 ist Summe zweier Primzahlen. Jede ungerade Zahl n&7 ist Summe von drei Primzahlen. Offenbar folgt aus. Problem ist noch unbewiesen. Problem ist gelöst, wenigstens für alle genügend großen ungeraden Zahlen n.

Goldbronze: schuppiges Metallpulver, das nur in Ausnahmefallen aus Gold, in der Regel aus einer Kupfer-Zink-Legierung besteht und als Pigment für Anstrichstoffe verwendet wird.

Gold Coast: Stadt in Queensland (Australien), an der Ostküste südlich von Brisbane; 145000 Einwohner; Touristenzentrum.

Goldene Aue: breite, lößbedeckte und fruchtbare, von der Helme durchflossene Niederung zwischen Kyffhäuser und Harz; intensiver Ackerbau; Stausee.

Goldene Bulle: Reichsgesetz Karls IV. von 1356, seit 1431 benannt nach dem goldenen Siegel. Es regelte die Königswahl durch die Kurfürsten und gestand diesen den unteilbaren Besitz ihrer Territorien und wichtige ehemalige Königsrechte (die sie praktisch meist schon ausübten) zu. Die Goldene Bulle bedeutete eine Stärkung der Fürsten, da die den Kurfürsten eingeräumten Sonderrechte bald ähnliche Privilegien für andere Landesherren nach sich zogen; andererseits legte sie nach langen Auseinandersetzungen den Kreis der zur Königswahl berechtigten Fürsten fest.

Goldene Horde: von Batu gegründet tataro-mongolischer Feudalstaat in Mittelasien, Westsibirien und Osteuropa mit der Hauptstadt Sarai; seit etwa 1250 selbständig, Mitte des 14. Jahrhundert durch innere Zwistigkeiten und Befreiungskämpfe der unterjochten Völker geschwächt Nach 1380 (Sieg der russischen Truppen unter Dmitri Iwanowitsch Donskoi auf dem Kulikowo Polje über das mongolisch-tatarische Heer) setzte der Zerfall ein, nach 1480 löste sich die Goldene Horde auf.

Goldene Palme: höchster Preis der Internationalen Filmfestspiele in Cannes.

Goldene Regel der Mechanik: aus dem Energiesatz folgende Aussage, nach der durch keine Vorrichtung oder Maschine, zum Beispiel Flaschenzug, Hebel oder geneigte Ebene, beim Heben von Lasten Arbeit eingespart werden kann; stets gilt: Kraft X Kraftweg = Last x Lastweg.

Goldener Löwe: höchster Preis der Biennale in Venedig.

Goldener Orpheus: Hauptpreis, der anlässlich des Internationalen Schlagerfestivals «Goldener Orpheus» (seit 1965 jährlich in Slantschew brjag, Bulgarien) vergeben wird.

Goldener Schnitt, stetige Teilung: schon im Altertum berühmte, für die bildende Kunst bedeutsame Teilung einer Strecke AB durch einen Punkt C. Mittels Zirkels und rechtwinkligen Dreiecks ist C leicht konstruierbar.

Goldenes Horn: Seitenbucht am Westeingang des Bosporus; 7 km lang, bis zu 900 m breit, bis 42 m tief; Hafen Istanbul.

Goldenes Kalb: Götzenbild im Alten Testament; der «Tanz ums Goldene Kalb» gilt als Inbegriff der Geldgier.

Goldenes Vlies: in der griechischen Sage das Fell eines goldenen Widders, auf dem Phrixos und Helle entkommen waren. Das Fell des geopferten Tieres, in einem Hain des Ares in Kolchis aufgehängt, wurde von den Argonauten wieder nach Griechenland gebracht. Siehe auch Iason, Medea.

Goldene Taube: höchster Preis der Internationalen Leipziger Dokumentarwoche und Kurzfilmwoche für Kino und Fernsehen.

Goldene Zahl, Numerus aureus: die Nummer eines Jahres im 19-jährigen metonischer Zyklus, nach dem die Mondphasen fast genau wieder auf den gleichen Tag des Sonnenjahres fallen. Addiert man 1 zur Jahreszahl und dividiert dann durch 19, so ist der verbleibende Rest die Goldene Zahl, die für die Berechnung des Osterdatums wichtig ist.

Golderze: Erze, aus denen durch metallurgische Verfahren Gold gewonnen werden kann. Gediegenes Gold kommt vorwiegend in Seifen vor und ist mit Süber legiert. In verschiedenen Sulfiden (Pyrit, Chalkopyrit, Arsenopyrit unter anderem) kann Gold bis zu mehreren Gramm je Tonne enthalten sein.

Goldfaden, Abraham, 12.7.1840-9.1.1908, jiddischer Dramatiker; lebte seit 1883 in den USA Goldfaden gilt als der Vater des jiddischer Theaters; 1876 gründete er seine jiddischer Theatergruppe, für die er mehr als 60 Stücke in einer Mischung aus Tragödie, Lustspiel und Operette schuf («Die Zauberin», 1879; «Die beiden Kunileml», 1882).

Goldfisch: 1. Sternbild.

2. Goldfisch, Carassius auratus auratus: eine Mutante des Giebels mit goldroten Schuppen; in China seit etwa 1000 Jahren bekannt. Durch Weiterzucht und Auslese entstanden viele Farb- und Formvarianten, zum Beispiel Eierfisch, Löwenkopf, Schleierschwanz, Teleskopschleierschwanz. In Europa seit 1691 als Aquarienfisch bekannt.

Goldfröschchen, Mantella aurantiaca: 3 cm langer, orangefarbener Frosch, der unter feuchtem Laub der Regenwälder Madagaskars lebt.

Goldgrund: der goldene (meist blattgoldene) Grund mittelalterlicher Tafelbilder und Miniaturen, von dessen Fläche sich die Figuren abheben; oft mit Metallstempeln punziert. Der Goldgrund erhöht die Feierlichkeit und Kostbarkeit des Bildes und erhebt die Darstellungen symbolisch ins Überirdische. Seit der Renaissance wurde der Goldgrund immer mehr durch einen landschafts- und architekturbezogenen Hintergrund verdrängt. Er lebte nur in der an byzantinischer Tradition gebundenen Ikonenmalerei in größerem Umfange fort. Bei besonders feierliche Darstellungen wird der Goldgrund bis zur heutigen Zeit verwendet (H. Grundig, «Den Opfern des Faschismus»).

Goldhähnchen, Regulus: grünlich gefärbte Singvögel Europas, Nordamerikas, Mittel- und Ostasiens. Kleinster heimischer Vogel ist das Wintergoldhähnchen (Regulus regulus) mit 9 cm Länge und 5 g Gewicht, das im Gegensatz zum Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus) keinen weißen Überaugenstreifen hat; Nest versteckt in Zweigen der Nadelbäume, Gelege 8 bis 10 Eier.

Goldhamster, Mesocricetus auratus: aus nordsyrischen Wüstensteppen stammendes Nagetier; Tragzeit 16 Tage; Haus- und Laboratoriums-Tier; siehe auch Hamster.

Golding, William Gerald, geboren 19.9.1911, englischer Schriftsteller, geht in seinen Romanen in symbolisch-allegorischer Gestaltung metaphysischer Grundfragen der Existenz wie Überleben, Schuld, Sühne, Erlösung nach, so in «Herr der Fliegen» (1954, deutsch), «Die Erben» (1955, deutsch), «Pincher Martin» (1956, deutsch), «Oliven) (1966, deutsch), «Das Feuer der Finsternis» (1979, deutsch).

Goldkatzen, Profelis: Kleinkatzengattung mit reichlich hasengroßen, schlanken südostasiatischen und afrikanischen Vertretern, die vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv im tropischen Regenwald als Einzelgänger leben.

Goldküste: historischer Landschaftsname für die Küste Ghanas.

Goldlack, Cheiranthus cheiri: Kreuzblütler des östlichen Mittelmeergebietes mit rotbraunen bis gelben samtigen, stark duftenden Blüten; Zierpflanze mit vielen Zuchtsorten.

Goldlaufkäfer, Carabus auratus: goldgrün glänzender, bis 3 cm großer Laufkäfer, lebt räuberisch in Gärten und Feldern von Würmern, Schnecken und Insektenlarven.

Goldmakrelen, Coryphaenidae: weltweit in tropischen Meeren verbreitete Familie der Barschartigen mit nur 2 Arten; die Große Goldmakrelen (Coryphaena hippurus) wird 1,5 m lang und 30 kg schwer; wertvolle Speisefische.

Goldmark, Karl, 18.5.1830-2.1.1915, österreichischer Komponist; von seinen vielen Kompositionen hatte die Oper «Die Königin von Saba» (1875) großen, aber kurzlebigen Erfolg.

Goldmarkt: im Kapitalismus internationaler Handel mit Goldbarren und Goldmünzen, konzentriert in London, Zürich, Paris und Frankfurt am Main. Der Goldmarkt ist vielfältigen staatlichen Beschränkungen und Reglementierungen unterworfen. Er wird durch Ankauf von Währungsgold durch die Zentralbanken, Industriebedarf und Hortung für Spekulation sowie Risikoschutz bestimmt. Nach der Spaltung des Goldmarkt 1968 infolge der Dollarkrise besteht seit 1976 nur noch ein «freier» Goldmarkt mit einem marktwirtschaftlich gebildeten Goldpreis, der von 35 $/Troy Unze (über Jahrzehnte fixierter Goldpreis bis 1968) auf 500 bis 600 $ (1980) stieg. Die Spekulationen auf dem Goldmarkt drücken den inflationistisch bedingten Wertverfall der kapitalistischen Hauptwährungen, die Goldhortung der erdölproduzierenden Länder, aber auch die Versuche einer Demonetisierung des Goldes durch Verkäufe des Internationalen Währungsfonds und Operationen mit «Papiergold» (Sonderziehungsrechte) aus.

Goldregen: blühender Zweig Kanadische Goldrute und Hülse.

Goldmulle, Chrysochloridae: maulwurfsartige Insektenfresser ohne Ohrmuscheln und mit rückgebildeten, von Fell überzogenen Augen, Nasenspitze plattenartig verhornt, große Grabkralle am 4. Finger; dämmerungs- und nachtaktive Bewohner von Steppen und Wüsten Süd- und Äquatorialafrikas.

Goldoni, Carlo, 25.2.1707-6.2.1793, italienischer Dramatiker; Reformator der italienischen Bühnenkunst; wollte die erstarrte Commedia dell'arte in die literarische Sitten- und Charakterkomödie nach dem Vorbild Molares umwandeln. In seinen zahlreichen Komödien u.a. «Der Diener zweier Herren» (1748), «Das Kaffeehaus» (1750), «Mirandolina» (1753), «Krach in Chioggia» (1762, alle deutsch), schildert er realistisch das Leben des Volkes, besonders der Venezianer, verfolgt aber auch ein aufklärerisches Grundanliegen. Sein Programm ist enthalten im «Komischen Theater» (1749, deutsch) und in seinen Französisch geschriebenen «Memoiren» (1787, deutsch).

Goldpräparate: Arzneimittel, die organische kolloidale Goldverbindungen oder Goldkomplexe enthalten; verwendet zur Basistherapie der chronischen-progressiven Gelenkentzündung. Die Anwendung ist durch erhebliche Nebenwirkungen eingeschränkt. Goldpreis Goldmarkt.

Goldregen, Laburnum anagyroides: baumförmiger Schmetterlingsblütler aus Südeuropa mit dreiteiligen Blättern und goldgelben Blüten in hängenden Trauben; giftig; Ziergehölz.

Goldrute, Solidago: Korbblütlergattung mit traubigem oder rispigem Blütenstand aus kleinen gelben Blütenköpfen; darunter viele Zierpflanzen wie die Goldrute-Hybriden Federbusch, Goldfichte unter anderem.

Goldschakal, Canis aureus: hundeartiges Raubtier von hochbeiniger fuchsähnlicher Gestalt; bewohnt Offenlandschaften in Südeuropa, Nord- und Ostafrika sowie von Kleinasien bis zum nördlichen Südostasien.

Goldschmiedekunst: kunsthandwerkliche Verarbeitung von Edelmetallen durch Treiben oder Hämmern, Prägen und Pressen, selten durch Gießen. Ergänzende Schmuckmittel sind Ätzen, Gravieren, Ziselieren, auch Verzieren mit Email, Niello, Filigran und Edelsteinen. Die Goldschmiedekunst wird seit dem Altertum bis zur Gegenwart ununterbrochen betrieben.

Goldsmith, Oliver, 10.11.1730(?) bis 4.4.1774, englischer Schriftsteller, Dichter und Essayist; neben L. Sterne Vertreter des Sentimentalismus; berühmt durch den philosophischen Sittenroman «Der Landprediger von Wakefield» (1766, deutsch), durch den Goethe, Wieland und Jean Paul beeinflusst wurden; beklagte die Folgen der kapitalistischen Entwicklung in dem Gedicht «Das entvölkerte Dorf» (1770, deutsch) und schrieb die turbulente Komödie «Irrtümer einer Nacht» (1773, deutsch). Vom Aufklärungsdenken geprägt sind die philosophischen Essays «Briefe eines chinesischen Weltweisen» (1762, deutsch).

Goldstern, Gagea: Gattung im Frühling blühender kleiner Liliengewächse mit schmalen Blättern und gelben Blüten; in Laubwäldern und Gebüsch Säumen der Waldgoldstern (Gagea lutea).

Goldverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Gold. Die meisten Goldverbindungen sind komplex; Gold(III)-verbindungen sind meist beständiger als Gold(I)-verbindungen. GoId(III)-chlorid, AuCl3, entsteht bei höherer Temperatur aus den Elementen und bildet rote, nadelförmige Kristalle. Mit Salzsäure entsteht hieraus die zitronengelb kristallisierende Tetrachlorogold(III)-säure, die man auch durch Auflösen von Gold in Königswasser erhält. Das ockerfarbene Gold(III)-hydroxide, Au(OH)3, auch als Goldsäure bezeichnet, ist amphoter; die Salze mit Basen heißen Aurate, zum Beispiel Natriumlaurat.

Goldwasser: wasserklarer Gewürzlikör mit schwebenden Blattgoldflittern.

Goldwespen, Chrysididae: Familie der Stechwespen mit metallisch glänzenden Arten; ihre Larven entwickeln sich brutparasitär in den Nestern von Wespen und Bienen.

Golem: (hebräisch, «Leib», «Körper») menschliche Tonfigur; nach der jüdischen Sage vom Prager Rabbi Löw (1526-1609) zum Leben erweckt, literarisch gestaltet von Golem Meyrink.

Goleminow, Marin, geboren 28.9.1908, bulgarischer Komponist; schrieb Werke aller Gattungen, in denen er Elemente aus der Volksmusik als Grundmaterial genutzt und vielfältig verarbeitet hat. Viele Instrumentalwerke, wie die 3. Sinfonie «Für den Frieden der Welt» (1977), verfolgen programmatische Anliegen.

Golf: 1. Golf: (Meeres-)Bucht, zum Beispiel Golf von Mexiko, persischen Golf.

2. Golf (schottisch; goof, «Schlag»): zu den Ziel- und Treibspielen zählendes Vollballspiel, bei dem ein 44 g schwerer Golfball von 4,1 cm Durchmesser mittels verschiedener Schläger über einen bis zu 10 km langen, zum Teil unebenen Geländekurs von 9 oder 18 Löchern gespielt wird. Neben verschiedenen Spielarten (zum Beispiel Zweier = 2 Spieler spielen gegeneinander) gibt es verschiedene Wertungen: Loch- (es siegt, wer die meisten Löcher mit jeweils geringster Schlagzahl erreicht), Zählwett- (um die geringste Schlagzahl für alle Löcher) und Vorgabespiele. Siehe auch Minigolf.

Golfe du Lion, Löwengolf: Meerbusen an der französischen Mitteimeerküste zwischen Cap de Creus und Rhönemündungen; Flachmeer, bis etwa 200 m tief; hinter Flachküste mit Dünennehrungen langgestreckte Strandseen; nur wenige gute Häfen.

Golfrat, Golfkooperationsrat, Gulf Cooperation Council, Abkürzung GCC: gemeinsamer Rat für die Vertiefung der Zusammenarbeit und Koordinierung auf politischem, wirtschaftlichem, militärischem, kulturellem und sozialem Gebiet zwischen den 6 Golfstaaten Bahrein, Katar, Kuweit, Oman, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate; gegründet 1981; Sitz Ar-Riad.

Golfregion: Gebiet am Persischen Golf, das die an ihn angrenzenden Staaten Kuweit, Irak, Iran, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien sowie Bahrein und Katar umfasst; auf Grund der reichen Erdölvorkommen (zwei Drittel aller bisher bekannten Vorräte des nichtsozialistischen Wirtschaftsgebietes) als Rohstoff- und Energiequelle ökonomisch und politisch bedeutend; insbesondere die USA versuchen ihre Interessen durch militärische Gewaltanwendung zu wahren.

Golfstrom: starke warme Meeresströmung, die vor der Ostküste der USA bis östlich der Neufundlandbank verläuft und sich als nordostatlantische Strom (mit Abzweigungen) fortsetzt. Der Golfstrom entsteht durch Vereinigung des Florida- und Antillenstromes.

Golgatha, eigentlich Golgotha (aramäisch, «Schädel»): schädelförmiger Hügel bei Jerusalem; nach dem Neuen Testament Ort der Kreuzigung Jesu. Siehe auch Kalvarienberg.

Golgi, Camillo, 7.7.1844-21.1.1926, italienischer Arzt und Histologe; Professor in Siena und Pavia; arbeitete über den Bau des Nervensystems.

Golgi-Apparat: Zellorganell komplexer Struktur; bei Zellen mit sekretorische Funktion besonders stark ausgebildet. Man unterscheidet beim Einzelkomplex Stapel aus membranbegrenzten flachen Hohlräumen (Zisternen), kleine Bläschen (Vesikel), größere Vakuolen. Der Golgi-Apparat wird bei Pflanzenzellen auch Dictyosom genannt.

Goliath, im Alten Testament kriegerischer Held der Philister (Riese Goliath); fiel im Zweikampf mit David.

Goliathfrosch, Rana goliath: mit bis zu 40 cm Länge größter Frosch der Erde; lebt in Flüssen Westafrikas.

Goliathkäfer, Goliathus: Gattung bis 14 cm langer Blatthornkäfer der Urwälder Zentralafrikas; Larven zum Teil im Mark von Nutzpflanzen (Bananen) schädlich. Siehe auch Käfer.

Golizyn: 1. Boris Borissowitsch, 2.3.1862 bis 17.5.1916, russischer Physiker und Geophysiker; Begründer der neuzeitlichen Seismologie; entwickelte ein nach ihm benannt hochempfindliches Pendelsystem auf elektrodynamische Basis für seismische und gravimetrische Instrumente.

2. Golizyn, Galizyn, Wassili Wassiljewitsch Fürst, 1643 bis 2.5.1714, russischer Feldherr und Staatsmann; besaß als Günstling Sofia Alexejewnas großen Einfluss auf die Staatsgeschäfte; erzielte 1686 den für Russland günstigen «Ewigen Frieden» mit Polen; unternahm 1687 und 1689 erfolglose Krimfeldzüge; nach Sofia Alexejewnas Sturz 1689 wurde Golizyn von Peter I. verbannt.

Goljak: spärlich behaartes, sehr dünnes und kleines Fell tot oder zu früh geborener Fettschwanz- oder Fettsteißschaflämmer.

Goljam Perelik: höchster Berg der Rhodopen, in Bulgarien, nahe Smoljan; 2191 m; Touristen- und Erholungsgebiet.

Gollscher Strang: im Hinterstrang des Rückenmarks verlaufendes Nervenfaserbündel für die Leitung der Sensibilität; benannt nach dem schweizerischen Physiologen Friedrich Goll (1829-1903).

Goltz: 1. Christel Goltz, geboren 18.7.1912, Sängerin (Sopran); gehörte den Staatsopern Dresden, Berlin und Wien an (Kammersängerin); sie zählte zu den international erfolgreichsten Sängerinnen der 50er Jahre.

2. Colmar Freiherr von der Goltz, 12.8.1843-19.4.1916, Generalfeldmarschall, Militärschriftsteller; reorganisierte 1883/95 das türkischen Heerwesen; war 1914 Generalgouverneur von Belgien, danach befehligte er 1915/16 die l. Türkische Armee.

Goltzius, Hendrick, 1558-1.1.1617, niederländischer Kupferstecher und Maler; von seinen Zeitgenossen auch als Maler geschätzt, liegen seine eigentlichen Verdienste auf dem Gebiet des Kupferstichs, dessen Technik er mit höchster Virtuosität handhabte; wurde nach seiner Italienreise (1590/91) zum Vermittler des Formgefühls der italienischen Spätrenaissance.

Göltzsch: rechter Nebenfluss der Weißen Elster; 41 km; entspringt südlich von Falkenstein, mündet in Greiz; das tief eingeschnittene Tal wird bei Netzschkau von der Bahnlinie Leipzig-Plauen auf der vierstöckigen, 78 m hohen und 575 m langen Göltzschtalbrücke (1846/51) überquert.

Goltzsche, Dieter, geboren 28.12.1934, Graphiker und Zeichner; 1952/57 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 1958/59 Meisterschüler bei M. Schwimmer; schildert poetisch vertieftes Erleben von Umwelt und Menschen in graphisch spontaner Sensibilität.

Gombrowicz, Witold, 4.8.1904-26.7.1969, polnischer Schriftsteller und Dramatiker; wurde durch den grotesken, die bürgerliche Konvention entlarvenden Erziehungsroman «Ferdydurke» (1938, deutsch) bekannt; beeinflusste (nach 1939 in Argentinien und Westeuropa lebend) vor allem mit seinen Dramen, surrealistisch überhöhten, ironische Darstellungen überkommener Verhaltensmuster, die polnische Literatur und das polnische Theater.

Gomel: Stadt (Gebietszentrum) in der Belorussischen, am Sosh (zum Dnepr); 420000 Einwohner; Werkzeug-, Landmaschinen-, Elektroapparatebau, Düngemittel-, Nahrungsmittel-, Baustoff-, Glas- unter anderem Leichtindustrie; Eisenbahnknoten; Hafen; Universität (1969 gegründet); Theater, Philharmonie, Planetarium; Paläste und Kirche (18. Jahrhundert).

Gomes, Soeiro Pereira, 1909-7.12.1949, portugiesischer Romancier; sein Roman «Esteiros» (1941, deutsch), der das Schicksal armer Kinder in der Tejoniederung darstellt, gehört zu den bahnbrechenden Werken des Neorealismus; veröffentlichte in der Illegalität «Rote Erzählungen».

Gomez: 1. Juan Vicente, 24.7.1857 bis 18.12.1935, venezolanischer General und Politiker; stürzte 1908 den Präsidenten, regierte seitdem als Diktator; jegliche fortschrittliche Regung wurde grausam unterdrückt; durch die Förderung der Erdölkonjunktur seit 1918 wurde Venezuela völlig britischen und US-Erdölmonopolen ausgeliefert.

2. Máximo, 18.11.1836—17.6.1905, kubanischer Revolutionär und Militär dominikanische Herkunft; einer der fähigsten Führer im Zehnjährigen Krieg 1868/78 gegen die spanische Kolonialherrschaft, danach im Exil; Generalissimus im Befreiungskrieg gegen Spanien 1895/98, Repräsentant der Linken.

Gompers, Samuel, 27.1.1850 bis 13.12.1924, US-amerikanischer reformistischer Gewerkschaftsführer; Mitbegründer der American Federation of Labor (1881/86), die unter seinem Einfluss nach 1900 zur Hauptbasis des Reformismus in den USA wurde; bekämpfte die direkte politische Aktivität der Arbeiterklasse und predigte Klassenharmonie.

gonadotrope Hormone, Gonadotropine (griechisch): Proteohormone, die das Wachstum der Geschlechtsorgane und die Synthese der weiblichen und männlichen Keimdrüsenhormone beeinflussen. Bildungsorte der gonadotropen Hormone sind der Hypophysenvorderlappen und die Plazenta.

Goncourt, französischer Schriftsteller, Brüder: Edmond de, 26.5.1822 — 16.7.1896, und Jules de, 17.12.1830-20.6.1870; gelten mit ihren pathologischen analytischen Romanen im impressionistischen Stil, die aber soziale Aspekte weitgehend unberücksichtigt lassen, als Wegbereiter des Naturalismus («Germinie Lacerteux», 1864, deutsch). Siehe auch Académie Goncourt.

Gondar, Gonder: Stadt in Äthiopien, Verwaltungszentrum der Provinz Begemdir, nördlich des Tanasees, 2210m überm Meer; 80000 Einwohner; Kunsthandwerk (Leder-, Metallwaren); Handelszentrum; medizinische Hochschule; Königsschloss (Ruine), von 12toriger Mauer umgeben; Palast (17. Jahrhundert); in der Nähe Flughafen. Hauptstadt Äthiopiens und Kaiserresidenz vom Ende des 13. Jahrhundert bis 1850; wurde im 18. und 19. Jahrhundert mehrfach im Gefolge von Feudalfehden zerstört; bei Gondar schlugen im November 1941 äthiopische Truppen die letzten italienischen Okkupationsverbände.

Gondel: 1. venezianisches schmales Boot, das einseitig gerudert wird und deshalb zum Ausgleich einen unsymmetrischen Querschnitt aufweist.

2. bei Ballons der angehängte, Personen, Instrumente und Ballast aufnehmende Korb oder (bei Höhenflügen) die luftdicht abgeschlossene, kugelförmige Kabine; bei Luftschiffen der Besatzungs- und Fluggastraum.

Gondwana, Gondwanaland: riesige, seit dem Präkambrium bestehende Landmasse auf der Südhalbkugel, die Südamerika, Afrika, Arabien, Indien, Australien, Neuseeland und Antarktika umfasste; zerfiel zu Beginn des Jura als Folge der Plattentektonik in die genannten Kontinente und Gebiete.

Gong: frei aufgehängte Metallschale; ergibt, mit weichem Schlegel geschlagen, einen bestimmten Ton von hohler, glockenartiger Klangfarbe. Aus Südostasien stammend (Gamelan), wird der Gong seit Anfang des 19. Jahrhundert zunehmend auch im europäischen Orchester verwendet. Siehe auch Tamtam.

Gongorismus, (nach L. de Gongora y Argote) Culteranismo, Cultismo: Stilrichtung in der spanischen Literatur des 17. Jahrhundert Dieser Stil zeigte Häufungen von komplizierten syntaktischen Erscheinungen, Neologismen, Anspielungen auf die Mythologie der Antike und kühne rhetorische Figuren. Diese barocke, komplizierte Sprache war für ein aristokratisches gebildetes Publikum («los cultos») gedacht.

Goniatiten: paläozoische Ammoniten mit einfach gewellter Lobenlinie; wichtige Leitfossilien.

Goniometrie: Lehre von den Eigenschaften und gegenseitigen Beziehungen der Winkelfunktionen; siehe auch Trigonometrie.

Gonioskopie: Untersuchung des Augenkammerwinkels unter anderem zur Glaukomdiagnostik.

Gonochorismus: Getrenntgeschlechtlichkeit im Unterschied zu Hermaphroditismus (Zwittrigkeit).

Gonokokken: gramnegative, kaffeebohnenartig zusammenliegende Diplokokken; Erreger der Gonorrhoe; 1879 von A. Neisser entdeckt.

Gonorrhoe, Tripper: häufigste Geschlechtskrankheit, hervorgerufen durch Gonokokken. Der Erreger ist ein Schleimhautparasit, bedingt eitrige Entzündung der Harnröhre, aber auch der Augenbindehäute und der Mastdarmschleimhaut. Die Übertragung erfolgt meist durch Geschlechtsverkehr. Bereits 1 bis 3 Tage nach der Ansteckung tritt eitriger Ausfluss aus der Harnröhre auf, bei Frauen oft unbemerkt. Durch Ausdehnung der Krankheit kommt es zu Entzündung der Prostata und der Nebenhoden beim Mann, zu Entzündung der Gebärmutterschleimhaut und des Eileiters bei der Frau. Dadurch können Harnröhrenverengung und Zeugungsunfähigkeit beim Mann und Kinderlosigkeit bei der Frau (Sterilität) verursacht werden. Die Behandlung darf nur von bestimmten Fachärzten (siehe auch Geschlechtskrankheiten) durchgeführt werden.

Gonosomen: Geschlechtschromosomen; beim Menschen in den Körperzellen der Frau 2 X-Chromosomen und in denen des Mannes 1 X- und 1 Y-Chromosom; siehe auch Autosomen.

Gontard, Karl von, 13.1.1731 bis 23.9.1791, Baumeister; seine seit 1765 für Friedrich II. geschaffenen Bauten (eine Gebäudegruppe beim Neuen Palais in Potsdam, sogenannt Communs, sowie die Spittelkolonnaden und die 2 Kuppeltürme des Deutschen und Franzosischen Domes auf dem Gendarmenmarkt, heutigen Platz der Akademie in Berlin) kennzeichnen den Stilwandel von barocker Bewegtheit zum Frühklassizismus.

Gonzaga: italienisches Adelsgeschlecht, das 1328/1627 in Mantua herrschte; größte Machtentfaltung unter Guglielmo di Gonzaga (1550/87).

Gonzaga, Tomás Antônio, 11.8.1744 bis 9.4.1812, brasilianischer Lyriker; nahm an einer Verschwörung zum Kampf um die Unabhängigkeit teil; wurde durch seine arkadische Dichtung («Marilia de Dircéu», 1792) zum Wegbereiter der brasilianischen Literatur.

Goodman, Benjamin (Benny), geboren 30.5.1909, US-amerikanischer Jazzklarinettist; Leiter verschiedener Bands, Hauptvertreter des Swing; interpretierte auch das klassische Klarinettenrepertoire.

Goodwill, Finnenwert: Teil des Wertes eines Unternehmens, der durch seine Marktstellung und Gewinnchancen bestimmt wird und damit über den Wert seiner materiellen und finanziellen Mittel hinausgeht.

Gopak: lebhafter ukrainischer Volks- und Nationaltanz im 2/4-Takt mit zahlreichen akrobatischen Soloeinlagen.

Gorakhpur: Stadt im Nordosten des Unionsstaates Uttar Pradesh (Indien); 310000 Einwohner; Düngemittelwerk, Eisenbahnreparaturwerkstätten, Zentrum der Zuckerindustrie; Flughafen.

Goral, Nemorhaedus goral: wiederkäuender Paarhufer mit quergewulsteten, säbelförmig nach hinten gekrümmten Hörnern bei beiden Geschlechtern; das bräunlich graue Fell hat einen Haarkamm vom Scheitel bis zum Widerrist. Goral sind geschickt kletternde Tiere der Gebirge Kaschmirs bis Südostsibiriens.

Goralen: polnische Bergbevölkerung in den Beskiden und der Tatra; etwa 250000; vorwiegend Viehzüchter und Holzfäller; typisch sind prächtige, aus Wolle gefertigte Volkstrachten und reiche Folkloristik.

Gordianus, Name dreier römischer Kaiser: 1. Gordianus Marcus Antonius Gordianus Sempronianus, 159-238 (Selbsttötung), 238 zum Kaiser erhoben; war Interessenvertreter der nordafrikanischen Großgrundbesitzer. Gordianus erhob sich gegen Maximinus, dessen Truppen jedoch den Aufstand niederwarfen.

1. Gordianus Marcus Antonius Gordianus Sempronianus, 191-238, Sohn und Mitkaiser von Gordianus 1; fiel, als der Aufstand seines Vaters gegen Maximinus niedergeworfen wurde.

2. Gordianus III., Marcus Antonius Gordianus, 20.1.225 bis 11.2.244 (gefallen), römischer Kaiser seit Juli/August 238; Enkel von Gordianus 1 und Neffe von Gordianus 2; wurde unmittelbar nach dem Tod des Maximinus und der kurz regierenden Augusti Pubienus und Balbinus von den Prätorianern zum Kaiser ausgerufen; kämpfte erfolgreich gegen Goten und Perser. Die Bewegung der Gordiane ist Ausdruck der allgemeinen Krise des römischen Reiches im 3. Jahrhundert nach Christus.

Gordimer, Nadine, geboren 20.5.1923, südafrikanische Schriftstellerin europäischen Herkunft; sie wendet sich aus humanistischer Verantwortung heraus in Erzählungen und Romanen entschieden gegen die Apartheid. Gordimer schildert besonders die Deformation der zwischenmenschlichen Beziehungen als Folge des Rassismus (Romane «Gelegenheit für die Liebe», 1963; «Die späte bürgerliche Welt», 1965). Sie ist eine bedeutende Herausgeberin progressiver südafrikanischer Literatur.

Gordischer Knoten: kunstvoll geknüpfter Knoten, der Deichsel und Joch eines königlichen Streitwagens in Gordion, der altphrygische Hauptstadt, verband. Der Sage nach erlangte derjenige die Herrschaft über Kleinasien, der diesen Knoten zu lösen in der Lage war. 334 vor Christus durchhieb Alexander der Große ihn mit dem Schwert. Deshalb bezeichnet man eine nur mit Gewalt zu lösende Aufgabe als Gordischer Knoten K.

Gordon, Patrick, 31.3.1635-9.12.1699, russischer General und Admiral schottischer Herkunft; seit 1661 in russischen Diensten; unterstützte 1689 Peter I. militärisch gegen dessen Schwester Sofia Alexejewna; kommandierte in den 90er Jahren Heeresabteilungen in den Kriegen gegen die Türken und nahm 1698 an der Niederschlagung des Strelitzenaufstands teil.

Gorfee: senegalesische Insel im Atlantik, 5 km von Dakar entfernt, mit dem Ort Gorfee (1000 Einwohner); lkm2; Festungsanlagen; historisches und Meeresmuseum; Badestrand; Fremdenverkehr. In historischer Zeit war Gorfee Ausgangsort der Sklaventransporte nach Amerika.

Görgey, Artur, 30.1.1818-21.5.1916, ungarischer General; 1849 Oberbefehlshaber der Honved Armee, war gegen die von L. Kossuth betriebene Absetzung des Hauses Habsburg und gegen die Unabhängigkeitserklärung Ungarns, verriet mit seinem reaktionären Offizierskorps die Revolution durch die Kapitulation vor den zaristischen Truppen am 13.8.1849.

Gorgias, um 485-380 vor Christus, griechischer Philosoph und Lehrer der Rhetorik; vertrat gegen Parmenides eine nihilistische Position («Es ist nichts, und wenn doch, wäre es nicht erkennbar, und wenn doch, wäre es nicht mitteilbar»).

Gorgonen: (griechisch, «die Schrecklichen»; Sing. Gorgo) in der griechischen Sage weibliches Ungeheuer mit Schlangenhaar und versteinerndem Blick, meist 3 (Sthenno, Euryale, Medusa).

Gori: Stadt in der Georgische SSR, an der Kura; 58000 Einwohner; Baumwollkombinat; pädagogische Hochschule; Ruinen der mittelalterlichen Festung Goris-Ziche (7. Jahrhundert); Geburtsort J. W. Stalins (Museum).

Gorilla, Gorilla gorilla; die Urwälder Äquatorialafrikas bewohnender Menschenaffe; über 2 m großer und bis 350 kg schwerer Pflanzenfresser; vorwiegend Bodenbewohner.

Gorizia, Görz: Stadt in Oberitalien, in der Region Friaul-Julisches Venetien, Verwaltungszentrum der Provinz Gorizia, am Isonzo an der jugoslawischen Grenze; 43000 Einwohner; Textil-, Stahl-, chemische und Nahrungsmittelindustrie; Fremdenverkehr; Kastell, Dom (15./18. Jahrhundert), Barockbauten.

Gorodki: russisches Knüttel- beziehungsweise Wurfholzspiel; Zielwurf nach in bestimmten Figuren («Stern», «Brunnen» unter anderem) aufgebauten Holzklötzchen.

Gorongosa-Nationalpark: Wildschutzpark im mittleren Teil von Mozambique, im Bereich der Gorongosa-Berge (1864 m), nordwestlich von Beira; 3200 km2; reicher Tierbestand (Elefanten, Büffel, Zebras, Löwen, Flusspferde unter anderem).

Görres, Joseph von, 25.1.1776-29.1.1848, Publizist und Journalist; Anhänger der Franzos. Revolution und 1814/16 Herausgeber der bedeutendsten Zeitung der Befreiungskriege («Rheinischer Merkur»); trat scharf gegen die Reaktionspolitik auf und vertrat die politische Forderungen des rheinischen Bürgertums. In den 20er Jahren wandte er sich einer restaurativen katholischen Welt- und Staatsanschauung zu; war seit 1827 Professor für Geschichte in München. Görres gab 1807 die «Deutschen Volksbücher» heraus.

Gorter, Herman, 26.11.1864-15.9.1927, niederländischer Schriftsteller; gehörte zunächst zu den Tachtigers (symbolische Versdichtung «Mai», 1889, deutsch); wandte sich dann dem Marxismus zu (Versepos «Pan», 1912); schrieb marxistische literarische Studien («Die großen Dichter», 1935).

Gortschakow, Alexander Michailowitsch Fürst, 16.7.1798-11.3.1883, russischer Diplomat und Politiker; 1856/82 Außenminister; nutzte den Deutsch-Französischen Krieg, um Russland von den drückenden Bestimmungen des Pariser Friedens (1856) nach dem Krimkrieg zu befreien; vertrat eine aggressive Außenpolitik des Zarismus.

Gortyn: antike Stadt im südlichen Kreta; existierte bereits zur Zeit der minoischen Kultur; wurde erst von Achäern, später von Doriern besiedelt. 1884 entdeckte man hier eine Inschrift mit dem Recht von Gortyn, das Mitte des 5. Jahrhundert vor Christus aufgezeichnet wurde. Die Inschrift ist der größte erhalten gebliebene zusammenhängender altgriechischer Gesetzestext.

Götakanal: Schifffahrtsweg im Süden Schwedens zwischen Söderköping an der Ostsee über Vätter-, Vänersee und Göta Älv zum Kattegat bei Göteborg; kanalisierte Teile 190 km; 58 Schleusen; 1810/32 erbaut; durchgängig nur noch für touristische Zwecke genutzt.

Götaland: historischer Landesteil Schwedens, die südliche Provinzen zwischen Schonen und Väner sowie Vättersee, außerdem die Inseln Öland und Gotland umfassend; etwa 90000 km2 mit 4 Millionen Einwohner, das entspricht etwa 20 % der Fläche und 50 % der Bevölkerung Schwedens.

Göteborg: Stadt im Südwesten Schwedens, Verwaltungszentrum der Provinz Göteborg und Bohus, an der Mündung der Göta Älv ins Kattegat; 430000 Einwohner, als Agglomeration 700000 Einwohner; Schiff-, Fahrzeug- (Kfz «Volvo») und Maschinenbau (Kugellager), Textil- und Lebensmittelindustrie; Ölraffinerie; Handelszentrum; wichtigster schwedischer Import- und Exporthafen sowie bedeutender Fischereihafen; internationaler Flughafen, Fähren, größte Hängebrücke Schwedens; Universität, Hochschulen; Kunstmuseum. 1603 Stadtanlage begonnen, 1612 von dänischen Truppen zerstört, seit 1619 wiedererbaut; während der Kontinentalsperre (1808/14) war Göteborg einer der größten Umschlagplätze für britische Waren.

Goten: ostgermanischer Stamm, der im l. Jahrhundert vor Christus von Südschweden nach dem unteren Weichselgebiet auswanderte. Er besaß schon früh eine relativ starke Königsgewalt. Im 2. Jahrhundert zogen die Goten nach dem Süden, wo sie sich im Schwarzmeergebiet, am Unterlauf des Dnestr (Westgoten) und am Unterlauf des Dnepr (Ostgoten) niederließen. Im 4. Jahrhundert nahmen die Goten das Christentum in Form des Arianismus an (Missionstätigkeit des Ulfilas). Das Reich der Ostgoten (Ermanarich) erlag um 375 den Hunnen; die Westgoten, zunächst als römische Bundesgenossen auf der Balkanhalbinsel angesiedelt, zogen nach Italien und dann nach Südgallien und Spanien, wo das Westgotenreich bis 711 (Sieg der Araber) bestand. Die Ostgoten wurden nach Attilas Tod (453) wieder unabhängig und ließen sich auf der Balkanhalbinsel nieder, Theoderich führte sie nach Italien; ihr Reich wurde 552/55 durch Byzanz vernichtet.

Gotik, (nach den Goten) gotischer Stil: Stilperiode der westeuropäischen mittelalterlichen Kunst zwischen Romanik und Renaissance, seit Mitte des 12. Jahrhundert bis Anfang des 15. Jahrhundert. Der Bezeichnung liegt ein Geschichtsirrtum der italienischen Renaissance zugrunde, demzufolge die Goten als Urheber eines «barbarischen», «kunstlosen» Mittelalters galten (Vasari); um 1820 wurde Gotik Stilbegriff. Entscheidend für das Entstehen der Gotik, zunächst in Frankreich, war die Entwicklung der Produktivkräfte, die unter anderem zum Entstehen von Bürgerstädten führte. Verbesserte Technik und Arbeitsorganisation, spezialisiertes Handwerk sowie höhere Arbeitsproduktivität setzten große schöpferische Kräfte zugunsten der Kunst frei. Die neuen Inhalte wurden von Königtum, hohem Klerus und Städtebürgern bestimmt. Mit der Anerkennung des Individuums trat in der Gotik der Künstler aus der Anonymität hervor. Sonderformen der Gotik haben ihre Ursache in ökonomischen, sozialen, nationalen und geographischen Besonderheiten der Länder. Baukunst. Hauptaufgabe war der Kirchenbau, zunächst die Kathedrale, später die Pfarrkirche, die Basilika herrscht vor. Das Gebäude wurde als Einheit in Grundriss, Wandform und Wölbung aufgefasst. Die Seitenschiffe sind als Umgang mit Kapellen um den Chor geführt. In konstruktiver wie in ästhetischer Hinsicht sind Kreuzrippengewölbe und Spitzbogen entscheidend. Die Wand ist zu einem Gliederbau aus körperhaften Formen und Splitterflächen aufgelöst. Außen leiten Strebebögen und -pfeiler den Gewölbeschub ab, innen nehmen Dienste die Gewölberippen auf. Spezifische Schmuckform ist das Maßwerk. In der Spätgotik verwirklicht die Hallenkirche die volle Raumeinheit; die Wand ist in ihrer Kontinuität wieder hergestellt und bildet nur wenig gegliedert den Hintergrund für Altäre und virtuose Kleinarchitekturen. Stern- und Netzgewölbe lösen die Kreuzrippen ab und tragen mit umlaufenden Emporen zur Raumeinheit bei. Der bürgerl. Profanbau erlebte eine Blüte in Wohn-, Kommunal- und Wehrbauten. Am Ende der Gotik wandelte sich die Burg zum Schloss (Albrechtsburg in Meißen). Die Form der Arbeitsorganisation in der Gotik war die Bauhütte, sie wurde allmählich abgelöst durch die Zünfte. In Frankreich entstand mit dem Chor der Abteikirche St-Denis (1140/43) das erste gotische Bauwerk. Nach der Frühgotik (Kathedrale in Paris, seit 1165; Kathedrale in Laon, 1170/1230) wurde in der Hochgotik (Kathedralen von Chartres, 1195/1260; Reims, seit 1210; Amiens, seit 1220) klassische Reife erreicht. Extreme Möglichkeiten zeigen im Skelettbau die Ste-Chapelle in Paris (1243/48), im übertriebenen Vertikalismus die Kathedrale von Beauvais (seit 1247). In England, wo die Gotik Ende des 12. Jahrhundert eindrang, wird die Entwicklung in 3 Perioden gegliedert: Early English (1170/1270, bedeutende Werke die Kathedralen in Lincoln, Wells), Decorated Style (1270/1350, bedeutende Werke die Kathedrale von Lichfield sowie der Neu- und Ausbau der Kathedrale von Salisbury), Perpendicular Style (1350/Mitte 16. Jahrhundert, bedeutende Werke Kapelle Heinrichs VII. an Westminster Abbey in London, St. Georgs-Kapelle in Windsor Castle). Nach Italien gelangte die Gotik Anfang des 13. Jahrhundert, sie wurde hier vor allem von den Bettelorden getragen (San Francesco in Assisi), ein Hauptwerk ist der Mailänder Dom. Hier entstanden auch bedeutende Profanbauten wie die Loggia dei Lanzi, der Palazzo Vecchio in Florenz und der Dogenpalast in Venedig. In Deutschland ist das erste Bauwerk nach gotischem Plan der Magdeburger Dom (seit 1209), das bedeutendste der Hochgotik ist der Kölner Dom (seit 1248). Eine besondere Leistung sind die spätgotische Hallenkirchen (Annaberg-Buchholz, Annenkirche, 1499/1525). Große Bedeutung hatte die Gotik im hausteinarmen Nord- und Ostseegebiet (Backsteingotik). Plastik. Die Bildwerke des 13. Jahrhundert, meist Bauplastik, zeigen körperliche Volumen und Schwere, natürliche Körperbildung und ausdrucksstarke Gesichter, oft ist ein Streben nach idealer Schönheit deutlich. Um 1300 trat an die Stelle realistischer Gestaltung höflicher Konvention; Entschwerung und Entmaterialisierung (der «gotische Schwung») bestimmen die Figur, deren Körper unter dem Gewand zu verschwinden scheint. In der 2. Hälfte des 14. Jahrhundert entstanden neben naturnahen und lebenswahren Werken, etwa der Parierhütte Parier), mystisch übersteigerte Andachtsbilder. Die Bauplastik wurde abgelöst von Holzbildnerei, die sich an den Schreinaltären entfaltete, und Kleinplastik. Im «Weichen Stil» (1380/1430) kam es zu internationalem Austausch und Einheitlichkeit. Charakteristische Werke sind die «Schönen Madonnen». In Deutschland erlebte die spätgotische Plastik noch einen Höhepunkt (N. Gerhaert, M. Pacher, V. Stoß, T. Riemenschneider), ehe sie im sogenannt spätgotischer Barock (H. Backofen, M. Leinberger) ausklingt. Malerei. Die Wandmalerei lebte weiter, sie wurde besonders in Italien gepflegt, wo Giotto (1266/1337) bereits die Renaissance vorbereitete. Ein neues Gebiet der Monumentalmalerei wurde in der Glasmalerei gewonnen (Chartres, Erfurt, Halberstadt). In der Miniaturmalerei entwickelte zuerst die Pariser Schule um 1250 eine neue gotische Formensprache; reifste Werke entstanden um 1400 in Burgund (Stundenbuch des Herzogs von Berry, Turin-Mailänder Stundenbuch), sie leiteten zugleich die altniederländische Malerei ein. Die Tafelmalerei gelangte von bemalten Möbeln (Truhen, Schränke) über Altartafeln zum Staffeleibild, das sich im 15. Jahrhundert bereits gotischer Stilzwang entzieht. Die ersten graphischen Künste, Holzschnitt (um 1400) und Kupferstich (um 1430), wurden erfunden, damit konnten künstlerische Ideen schnell, billig und massenwirksam verbreitet werden.

gotische Schrift, Gittergotisch, Textura: zur Gruppe der gebrochenen Schriften gehörende Schriftgattung, deren charakteristischer Merkmal das schmale, hohe Schriftbild mit abgewinkelten Grundstrichen und dünneren Strichen zur Verbindung der Buchstaben ist.

Gotland: Felle einer schwedischen Fleischschafrasse mit grau- oder braunmeliertem Vlies; werden veredelt als Viking Lamb gehandelt.

Gotland: schwedische Ostseeinsel, 90 km vor der Küste Südostschwedens; 3001 km2, als Provinz mit umliegenden Inseln 3140 km2 mit 55000 Einwohner; Verwaltungszentrum Visby. Gotland besteht aus einer flach nach O. entfallenden silurische Kalktafel mit Steilküsten, an diesen turmartige Verwitterungsformen (Einzelfelsen, sogenannt Raukare); im Inneren fast eben, dünne Bodendecke; maritim beeinflusstes Klima; waldreich; Landwirtschaft (Zuckerrüben, Gemüse, Schafe); Zementindustrie; Fremdenverkehr. ursprünglich von Goten bewohnt, seit dem 11. Jahrhundert Schweden tributpflichtig; wurde mit seiner Hafenstadt Visby eine wichtige Handelsniederlassung der Hanse; 1361 von Dänemark erobert; zeitweilig Hauptstützpunkt der Vitalienbrüder (um 1400); seit 1408 meistens in dänischer Hand, ab 1645 schwedisch.

Gotländische Genossenschaft: nach Mitte des 12. Jahrhundert entstandene Vereinigung reisender Kaufleute niederdeutscher Städte mit dem Zentrum in Visby auf Gotland; wichtigste Keimzelle der Hanse.

Gott: zumeist als Person vorgestelltes transzendentes Wesen mit Übermenschlichen Fähigkeiten. Die historische Entwicklung verläuft von zahlreichen Göttern (Polytheismus) mit jeweils individuellen Eigenschaften zu einem einzigen, immer abstrakter gedachten Gott (Monotheismus). Christi. Theologen vermeiden heute in ihren oft komplizierten und stark differierenden Gotteslehren im Allgemeinen ein Beschreiben. Götter oder Gott sind phantasievolle, vielfach gebrochene Widerspiegelungen übermächtiger natürlicher und (geschichtlich zunehmend) bedrückender gesellschaftlichen Verhältnisse, drücken Ohnmacht und Aufbegehren von Menschen aus, verkörpern ihre Sehnsüchte und Ideale.

Gott Karel, geboren 14.7.1939, tschechischer Schlagersänger, Film- und Bühnenschauspieler, ist als Interpret melodisch-anspruchsvoller Schlager auch international erfolgreich.

Götterbaum, Ailanthus altissima: zu den Bittereschengewächsen gehörender Zierbaum aus Ostasien mit großen gefiederten Blättern und kleinen grünlichgelben, in Rispen stehenden Blüten.

Götterdämmerung: auf falscher Lesart beruhende Bezeichnung des Untergangs der Welt und der Götter in der nordischen Mythologie. Siehe auch Ragnarök.

Götterspeise: schnittfeste gallertartige Süßspeise mit Fruchtgeschmack.

Gottesanbeterin, Mantis religiosa: von Afrika bis ins südliche Mitteleuropa verbreitete Fangschrecke, die ihre Fangbeine lauernd «wie zum Gebet erhoben» trägt.

Gottesbeweise: vielfältige Konstruktionen der Theologie und Religion, die Existenz Gottes zu beweisen und den Glauben an Gott zu rechtfertigen (mit logischen Mitteln verbrämte Scheinbeweise); heute kaum noch verwendet.

Gottesfriede: im 11. Jahrhundert zuerst in Frankreich von der Kirche ausgesprochenes Verbot der Durchführung von Fehden an kirchlichen Festen beziehungsweise von Mittwochabend bis Montagfrüh. Die Bewegung für Gottesfriede stützte sich vor allem auf die Bauern und Bürger; der Gottesfriede war Vorläufer des Landfriedens.

Gotteslachs, Lampris regius: hochrückiger, farbenprächtiger Fisch der Ozeane; lebt in Tiefen von 100 bis 400 m und ernährt sich vorwiegend von Tintenfischen; er wird bis 2 m lang und über 100 kg schwer, sein Fleisch ist wohlschmeckend.

Gottesurteil: im Mittelalter auf «göttliche Fügung» gestütztes Beweismittel in Strafsachen, zum Beispiel Zweikampf, Feuerprobe.

Gottfried von Bouillon, um 1060-1100, Herzog von Niederlothringen, einer der Führer des 1. Kreuzzuges; 1099 mit dem Titel «Beschützer des Heiligen Grabes» erster Herrscher des Kreuzzugsstaates Jerusalem.

Gottfried von Straßburg, gestorben um 1215, Dichter; einer der bedeutendsten Repräsentanten der mittelhochdeutschen Literatur; wahrscheinlich bürgerlicher Herkunft; verfasste um 1210 das Minne-Epos «Tristan und Isolde» (unvollendet). Erstmalig in der deutschen Literatur wird hier die psychologisch motivierte Allgewalt der Liebe gestaltet, die sich über alle gesellschaftlichen Bindungen hinwegsetzt. Die reale individuelle Liebesbindung der Tristan-Minne steht daher auch im Gegensatz zur entsinnlichten Auffassung der Minne im höflichen Minnesang. Gottfried von Straßburg verfasste auch einige Spruchdichtungen.

Gotthelf, Jeremias, eigentlich Albert Bitzius, 4.10.1797-22.10.1854, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; verfasste aus christlich-konservativer, antikapitalistische Sicht realistische Bauernromane, zum Beispiel «Uli der Knecht» (1841), «Uli der Pächter» (1849), und Erzählungen wie «Die schwarze Spinne» (1842), «Elsi, die seltsame Magd» (1843).

Göttinger Appell: Erklärung von 18 führenden Physikern am 12.4.1957 in Göttingen gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit atomaren Waffen. Er enthielt die Verpflichtung der Unterzeichner (unter anderem M. Bom, O. Hahn, W. Heisenberg, C. F. Weizsäcker), nicht an der Herstellung, Erprobung und dem Einsatz von Atomwaffen mitzuwirken. Anlass der Erklärung war eine öffentliche Ankündigung des Bundeskanzlers K. Adenauer, in der dieser die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen forderte und die sich daraus ergebenden Gefahren bagatellisierte. A. Schweitzer solidarisierte sich mit dem Göttinger Appell. Der Göttinger Appell trug zum Entstehen der Antiatomwaffenbewegung in der BRD bei. Er wurde 1958 und 1961 erneuert.

Göttinger Hain, Göttinger Dichterbund, Hainbund: 1112/14 bestehender Kreis junger Göttinger Dichter, die F. Klopstock schwärmerisch verehrten. Sie proklamierten Tyrannenhass und die Ideale von Tugend und Freundschaft, erstrebten eine Erneuerung der deutschen Literatur im Sinne Klopstocks und die Wiederbelebung der Volkspoesie. Mitglieder waren unter anderem H. C. Boie, L. Hölty, J. M. Miller, die Brüder F. L. und C. von Stolberg und J. H. Voß; A. Bürger und M. Claudius standen dem Göttinger Hain nahe.

Göttinger Sieben: 7 Göttinger Universitätsprofessoren (F. C. Dahlmann, Gervinus, J. und W. Grimm, W. E. Albrecht, W. E. Weber, H. Ewald), die 1837 gegen die Aufhebung der liberalen hannoverschen Verfassung von 1833 protestierten und entlassen wurden. Ihr Protest löste eine Welle der Sympathie und Solidarität aus und förderte die Oppositionsbewegung im Vormärz.

göttliches Recht: in den Bundschuhverschwörungen und im deutschen Bauernkrieg verbreitete Form der Ableitung gesellschaftlicher Normen («was göttlich und gerecht ist») aus einem ursprünglich «von Gott gesetzten» Rechtszustand. Unter Berufung auf das göttliche Recht wurden sowohl die Forderungen nach Abschaffung der Leibeigenschaft und anderer drückender Lasten wie auch die nach Beseitigung jeder Obrigkeit («neben Gott») als rechtmäßig legitimiert. Die Auffassung des göttlichen Rechts lag vielen Bauernprogrammen zugrunde, konnte aber gemäßigt oder radikal interpretiert werden.

Gottsched, Johann Christoph, 2.2.1700-12.12.1766, Schriftsteller, Literaturkritiker und -theoretiker. Gottsched popularisierte die Philosophie C. Wolffs, beförderte als Aufklärer in moralischen Wochenschriften («Die vernünftigen Tadlerinnen», 1725/27; «Der Biedermann», 1727/29) die Verbreitung bürgerlicher Moralauffassungen und die Erziehung zum Gebrauch der Vernunft und arbeitete mit Hilfe von C. Neuber an der Umgestaltung des deutschen Theaters zu einer Bildungsstätte nach französischen klassischen Vorbild. Durch Normen und Regeln («Versuch einer kritischen Dichtkunst vor die Deutschen», 1730) bestimmte Gottsched die Entwicklung der deutschen Literatur zwischen 1730 und 1740; seine literaturtheoretischen Positionen erregten bei den Zeitgenossen (J. J. Bodmer und J. J. Breitinger sowie E. Lessing) Widerspruch.

Gottwaldov: Kreisstadt in der CSSR, im Osten des Südmährischen Bezirkes; 84000 Einwohner, Zentrum der tschechoslowakischen Schuhindustrie (Schuhfabrik «Svit»); ferner vielseitiger Maschinenbau (besonders für die Elektro- und Schuhindustrie); Gummi- (besonders Reifen) und Textilindustrie; Schuhmuseum.

Götz, Hermann, 7.12.1840-3.12.1876, Komponist; neben seinerzeit beliebter konzertanter und Kammermusik war seiner heiteren Oper «Der Widerspenstigen Zähmung» (1874) längerer, noch heute zuweilen erprobter Erfolg beschieden.

Götze: als Gottheit verehrtes Wesen beziehungsweise Bild, oft abwertend für den Gott Andersgläubiger gebraucht.

Goubau-Leitung: (nach einem Hochfrequenztechniker) Eindraht-Wellenleiter: Wellenleiter für elektromagnetische Wellen, der aus einem metallischen Draht mit aufgebrachter Isolierschicht besteht; Anwendung unter anderem als Antennenzuleitung im Meter- und Dezimeterwellenbereich.

Gouda: Stadt im Westen der Niederlande, in der Provinz Südholland, südwestlich von Utrecht; 59000 Einwohner; Herstellung von Steingut, Sirupwaffeln, Tonpfeifen und Käse; Käsehandel; Stadtmuseum, Pfeifenmuseum; spätgotisches Rathaus (15. Jahrhundert), Große Kirche (15. Jahrhundert, größte Kirche der Niederlande).

Gough, Diego Alvarez: Insel der Inselgruppe Tristan da Cunha im südlichen Atlantik, britische Kolonie; 93 km2, unbewohnt; vulkanische Entstehung, bis 680 m hoch; Moore, Torfflächen; Vogelkolonien; meteorologische Station.

Goujon, Jean, um 1510/14-um 1564/68, französischer Bildhauer und Architekt, Hauptmeister der französischen Renaissanceplastik; schuf unter anderem 6 Nymphen Reliefs der sogenannt Fontaine des Innocents (1547/49) und den Fassadenschmuck des Louvre (1550) in Paris.

Gounod, Charles François, 17. 6.1818 bis 18.10.1893, französischer Komponist; führender Vertreter der lyrischen französischer Oper des 19. Jahrhundert; «Faust» (1859, in Deutschland «Margarethe» genannt) hatte Welterfolg; schrieb auch Sinfonien, Kirchen- und Kammermusik unter anderem (bekannt die sentimentale «Méditation», auch «Ave Maria» genannt, zu Bachs C-Dur-Präludium).

Gout: Geschmack, Neigung.

goutieren: kosten; an etwas Gefallen finden; gutheißen.

Gouverneur: Statthalter, oberster Verwaltungsbeamter (zum Beispiel eines militärisch besetzten Gebietes), Leiter eines Gouvernements; Befehlshaber einer großen Festung; oberster Amtsträger in einem Bundesstaat (zum Beispiel in den USA).

Goya y Lucientes, Francisco José de, 30.3.1746-16.4.1828, spanischer Maler und Graphiker; seit 1776 für die Teppichmanufaktur in Madrid tätig, 1799 Hofmaler Karls IV. In seiner Malerei von D. Velázquez, B. Tiepolo und A. R. Mengs ausgehend, gelangte er um 1795 durch das Studium der älteren spanischen Meister zu einer neuen Auffassung des Realismus. Seinen Stil kennzeichnen durchdringende Naturbeobachtung und eine außerordentlich kühne Malweise. Im «Bildnis Karls IV. mit seiner Familie» (1800) wird er zum schonungslosen Kritiker der Gesellschaft; in der «Erschießung der Aufständischen» (1814) unter anderem Bildern erschließt er der Malerei neue, revolutionäre Themen. Goyas Spätstil verzichtet auf die Farbkultur des Rokoko, die Technik wird beinahe impressionistisch, ein Hang zu Depression und Phantastik überwiegt zeitweilig («Hexensabbate, um 1815); es gibt aber auch von düsterer Stimmung völlig freie Werke wie das «Milchmädchen von Bordeaux» (um 1827) und Porträts der Emigrantenfreunde. Am stärksten kamen Goyas künstlerische Eigenart und seine revolutionäre Einstellung in der Graphik zum Ausdruck; es entstanden die Radierungszyklen «Los caprichos» (veröffentlicht 1799), «Los desastres de la guerra» («Schrecknisse des Krieges», etwa 1810/20; ein Bekenntnis zum spanischen Unabhängigkeitskampf), «Tauromaquia» («Stierkampfszenen», 1814/16), «Los disparates» («Torheiten», um 1820). Als einer der ersten Künstler bediente sich Goya y Lucientes der neuen Technik der Lithographie (seit 1819).

Goyen, Jan van, 13.1.1596-27.4.1656, holländischer Maler; gehört mit den tonigen Ansichten seiner Heimat, mit denen er vorzugsweise atmosphärische Erscheinungen wiedergibt, zu den Begründern der nationalen holländischen Landschaftsmalerei.

Gozo, italienisch Gozzo: Mittelmeerinsel, zu Malta gehörig; 67 km2, 26000 Einwohner; Verwaltungszentrum Victoria-, intensiver Getreide-, Baumwoll-, Kartoffel- und Tomatenanbau; Viehzucht (Schweine, Schafe, Rinder, Ziegen); Fischerei; Spitzenklöppelei.

Gozzi, Carlo Conte, 13.12.1720—4.4.1806; italienischer Dramatiker; bekämpfte die aufklärerische Komödie C. Goldonis, versuchte eine Wiederbelebung der Commedia dell’arte durch Aufnahme von Märchenelementen. Zu den besten seiner satirischen Märchendramen gehören «Die Liebe zu den drei Orangen» (1761) und «Turandot» (1764, beide deutsch).

Gozzoli, Benozzo, 1420-4.10.1497, italienischer Maler der Frührenaissance; schuf vielfigurige Gemälde mit realistischen Details; sein Hauptwerk «Zug der Heiligen Drei Könige», das zu den Fresken der Hauskapelle der Medici gehört (1459), enthält Porträts namhafter Persönlichkeiten.

Graaf, Reinier de, 30.7.1641 bis 17.8.1673, holländischer Anatom und Naturforscher; wirkte in Paris und Delft; entdeckte 1672 den nach ihm benannt Graafschen Follikel.

Graafscher Follikel, (nach R. de Graaf) Bläschenfollikel, Tertiärfollikel: im Eierstock liegende, mit Flüssigkeit (enthält Follikelhormon) gefüllte und von einem Bindegewebe umgebene Höhle (Follikelhöhle), in der die Eizelle heranreift. Nach dem Ausstößen der befruchtungsfähigen Eizelle (Follikelsprung) wandelt sich der Graafsche Follikel zum Gelbkörper (Corpus luteum) um und bildet das Gelbkörperhormon.

Grabbe, Christian Dietrich, 11.12.1801 bis 12.9.1836, Schriftsteller; trug durch kritische Auseinandersetzung mit dem Werk Schillers und Shakespeares zur Weiterentwicklung der deutschen Dramatik bei; schrieb vorwiegend Geschichtsdramen («Napoleon oder Die hundert Tage», 1831; «Hannibal», 1835; 2 Hohenstaufen Dramen unter anderem); bühnenwirksam ist die zeit- und literaturkritische Komödie «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» (1827).

Grabenbagger: mit Raupenfahrwerk ausgerüsteter kleiner Bagger, dessen stetig arbeitendes Graborgan (Eimerkette, Kratzerkette, Schaufelrad) in den Boden abgesenkt wird und während des Fahrens einen Graben aushebt. Als Grabenfräse bezeichnet man einen Grabenbagger, bei dem als Graborgan eine rotierende Scheibe verwendet wird, die am Umfang, ähnlich einem Fräser, mit Schneidzähnen versehen ist.

Grabenbruch, Graben: Geologie ein relativ zu seiner Umgebung an Verwerfungen abgesunkenes Krustenstück; typisch für Dehnungsbereiche; zum Beispiel Oberrheintal, Elbtal-Grabenbruch, Rotes Meer.

Grabfrosch, Rana adspersa: bis 25 cm langer gedrungener Frosch mit kurzem breitem Kopf und spitz bezahntem Oberkiefer; bewohnt in Mittel und Südafrika Erdlöcher in Gewässernähe.

Grabfüßer, Kahnfüßer, Scaphopoda: schräg im Meeresgrund steckende, den Muscheln verwandte Weichtiere. Der langgestreckte Körper wird von einer röhrenförmigen Schale umgeben. Um den Mund stehen Fangfäden (Captacula), die im Boden Mikroorganismen aufspüren und zum Munde führen.

Graduale: (lateinisch, «Stufengesang») a) ursprünglich auf den Altar«stufen» ausgeführter Wechselgesang (eigentlich Responsorium graduale) mit nach Festen und Anlässen wechselnden Texten;

b) Melodiensammlung (über gradualis) von liturgischen Gesängen der römisch-katholischen Messe.

Grabmal, Grabdenkmal: die künstlerische, oft monumentale Gestaltung des Grabes oder eines Gedächtnismales über diesem (siehe auch Epitaph, Zenotaph). Es ist eng mit den herrschenden Todesvorstellungen und Bestattungssitten verknüpft und seit der Frühgeschichte eine wichtige Form gesellschaftlicher Repräsentation. Grabmal wurden schon in der Jungsteinzeit errichtet (Dolmen, Menhire), im alten Ägypten (Mastaba, Pyramide, Grabtempel), in Griechenland (reliefierte Stele, Grabgefäß, Grabtempel, Mausoleum), in Rom (reliefierte Grabsteine, Sarkophage; altchristliche Katakomben mit Wandmalerei) und im Orient, in China, Indien, in der islamischen Kunst (Grabmoschee). Im europäischen Mittelalter war die Kirche Hauptaufstellungsort des Grabmal (Grabplatten aus Stein und Metall für geistliche und weltliche Würdenträger; Tumba, Epitaph), seit dem 11. Jahrhundert mit dem Bild des Verstorbenen. In der Renaissance beginnt eine Verweltlichung des Grabmals, das seit dem Barock mehr und mehr außerhalb der Kirche (Friedhof) aufgestellt wurde. Das bürgerliche Grabmal bildete sich seit Ende des 18. Jahrhundert heraus. Zu den Hauptleistungen der sozialistischen Grabmalkunst gehören Denkmäler für revolutionäre Helden, Kriegsgefallene und bedeutende Arbeiterführer (zum Beispiel Leninmausoleum in Moskau).

Grabstock: vom zugespitzter, meist in Feuer gehärteter Stock zur Bodenbearbeitung bei Bodenbauern mit gering entwickelten Anbaumethoden; Urform des Spatens.

Grabwespen, Sphecidae: Familie der Stechwespen; die Vollkerfe graben Brutröhren in die Erde oder in morsches Holz, in die sie durch Stiche gelähmte Insekten oder Spinnen als Larvennahrung eintragen.

Gradation: 1. allgemein Einteilung nach Graden; Abstufung.

2. Biologie: durch verschiedene Faktoren verursachte und häufig in mehreren Phasen ablaufende Massenvermehrung einer Tierart, zum Beispiel des Kiefernspanners.

3. Fototechnik: Schwärzungskurve.

Grade, Hans, 17.5.1879-22.10.1946, Flugzeug- und Flugzeugmotorenkonstrukteur; Altmeister des deutschen Motorflugs; mit selbstkonstruiertem Dreidecker gelang ihm 1908 als erstem Deutschen ein Motorflug.

Grad Fahrenheit, (nach D. Fahrenheit) Zeichen °F: veraltende anglo-amerikanische Temperatureinheit.

Gradient: 1. Geophysik: Bezeichnung für die horizontale oder vertikale Änderung einer geophysikalischen Feldgröße (siehe auch Freiluftgradient). In der angewandten Geophysik sind die Gradient des Magnetfelds und der Schwere wichtig für die detaillierte Lagerstättensuche.

2. Gradient, Zeichen grad: Mathematik Vektor grad zugeordnet werden kann. Der Gradient steht senkrecht auf der Niveaufläche und weist in die Richtung des stärksten Wachstums des Skalarfeldes. Vektorfelder v, für die ein Skalarfeld 0 mit v = grad 0 existiert, heißen konservativ, 0 heißt dann Potential des Vektorfeldes.

Gradiente: Gefälle- oder Neigungslinie; im Straßenbau Linie des höhenmäßigen Verlaufs eines Verkehrsweges im Aufriss. Dort setzt sich die Gradiente aus verschieden geneigten Geraden zusammen, die in den Brechpunkten ausgerundet sind. Die Gradiente verläuft bei dachförmig ausgebildeter Fahrbahn im Firstpunkt und springt bei einer einseitig geneigten Fahrbahn nach der tiefgelegenen Kante (Gradienten Sprung).

Gradierwaage: spezielles Aräometer zur Bestimmung des Salzgehaltes einer Sole aus deren Dichte.

Gradierwerk: hohes und langes Holzgerüst mit eingeschichtetem Reisig, über das Sole herabrieselt und dabei verdunstet. Gradierwerke finden nur noch in Luftkurorten zur Behandlung erkrankter Atemwege Anwendung.

Gradura: (Kunstwort) Fußbodenbelag aus imprägnierter Wollfilzpappe mit fester Oberfläche.

Graefe, Albrecht von, 22.5.1828-20.7.1870, Ophthalmologe; Professor in Paris, Reformator der Augenheilkunde in Deutschland. Graefe hat als erster den von H. Helmholtz entwickelten Augenspiegel in die praktische Augenheilkunde eingeführt sowie zahlreiche neue diagnostische, therapeutische und operative Verfahren entwickelt.

Graetz, René, 2.8.1908-17.9.1974, Bildhauer, Graphiker, Keramiker, im wesentlichen Autodidakt; 1929/46 in Afrika, England, Frankreich und Kanada, danach freischaffend in Berlin tätig. Graetz forderte besonders durch Wandbilder und Denkmäler (Stelen in Buchenwald, Hauptgruppe in Sachsenhausen), statisch betonte Figuren und Symbol. Graphik zu zeitgenössischen Themen die frühe Profilierung der DDR-Kunst.

Graetz-Schaltung: (nach einem Physiker) eine Einphasen-Gleichrichter-Brückenschaltung mit 4 Dioden zur Gleichrichtung beider Halbwellen des Wechselstroms.

Graf, lateinisch Comes (eigentlich «Begleiten), «Gefährte»): im Frankenreich lokaler Machthaber über einen bestimmten Bezirk (Grafschaft); hatte das königliche Verfügungsrecht über Grund und Boden wahrzunehmen und musste den Heerbann aufbieten. Im 9. und 10. Jahrhundert überwachten die Graf Hof- und Heerfahrt des Adels und usurpierten das ihnen überlassene Königsgut als persönliches Erbe. Als Gebiete unmittelbarer Königsherrschaft verschwanden die Grafschaften im 11. und 12. Jahrhundert. Die im 12. Jahrhundert vom Königtum neu entwickelten Grafschaften (Landgraf, Markgraf, Pfalzgraf, Burggraf) blieben gegenüber den erstarkenden Territorien bedeutungslos.

Graf: 1. Oskar Maria, 22.7.1894-28.6.1967, Schriftsteller; nahm an der revolutionären Bewegung in München (Eisner-Gruppe) und an der Novemberrevolution teil; Dramaturg an der Münchener Arbeiterbühne; emigrierte 1933 nach Wien, 1938 nach New York (ständiger Wohnsitz); Mitbegründer des Aurora-Verlages. Graf bekannte sich 1932 mit seinem Artikel «Verbrennt mich!» zu einer antifaschistisch-kämpferischen Position. Er gestaltete gesellschaftskritisch und mit drastischen Humor vorwiegend Menschen aus dem bäuerlichen und kleinbürgerlichen Milieu seiner bayr. Heimat («Anton Sittinger», 1937; «Unruhe um einen Friedfertigen», 1945). Eigene Erlebnisse und sozialkritisch-autodidaktische Studien brachten Graf der sozialistischen Bewegung nahe, unter anderem Bekenntnisbuch «Wir sind Gefangene» (1927), «Das Leben meiner Mutter» (1947).

2. Urs, um 1485-1527/28, schweizerischer Maler und Graphiker; seine zahlreichen Zeichnungen und Holzschnitte schildern das Landsknechtsleben seiner Zeit; lediglich ein Gemälde («Krieg») blieb erhalten.

Graf, Roland, geboren 13.10.1934, Filmregisseur («Mein lieber Robinson», «Bankett für Achilles», «Die Flucht», «P. S.», «Märkische Forschungen») und Kameramann («Leben zu zweit», «Das siebente Jahr», «Dr. med. Sommer II»).

Grafenfehde: Kampf (1534/36) um die Erringung beziehungsweise Festigung wirtschaftlicher und politischer Positionen im Ostseeraum, insbesondere zwischen der Hansestadt Lübeck, Dänemark und Holland, verbunden mit Erhebungen dänischer Bürger und Bauern gegen den dänischen Feudaladel und die katholische Geistlichkeit. Auf Grund der Teilnahme der Grafen von Oldenburg und von Hoya unzutreffend als Grafenfehde bezeichnet. Für die Hanse bedeutete der Ausgang des Krieges eine weitere, nunmehr entscheidende Schwächung.

Gräfenroda: Gemeinde im Kreis Arnstadt, Bezirk Erfurt, am Nordostrand des Thüringer Waldes; 4400 Einwohner; Glas-, keramische (Ziergegenstände, Gartenfiguren), Möbelindustrie; Erholungsort (420 m über dem Meeresspiegel).

Graff, Anton, 18.11.1736-22.6.1813, schweizerischer Bildnismaler; Hofmaler in Dresden, 1789 Professor an der Kunstakademie Dresden. Graff entwickelte in seinem umfangreichen Bildnis Schaffen (mehr als 2000 Porträts) den Typus des deutschen bürgerlichen Porträts in der Betonung von Individualität und geistiger Physiognomie (C. F. Geliert, J. Herder, E. Lessing, F. Schiller, C. M. Wieland). Seine Spätwerke nehmen eine Mittlerstellung zum Realismus des 19. Jahrhundert ein.

Graffi, Arnold Martin, geboren 19.6.1910, Pathologe und Onkologe; Professor in Berlin. Graffi gelang der Nachweis der krebserregenden Kohlenwasserstoffe in der Zelle, und er begründete die zytoplasmatische Mutationstheorie der Krebsentstehung. Darüber hinaus entdeckte er eine Reihe von Viren, die bei bestimmten Tieren Krebs erregen, und übertrug die Wirkung verschiedener geschwulstauslösender Viren durch chemisch isolierte Nukleinsäuren.

Grafschaft: ursprünglich der Verwaltungsbezirk, dem ein Graf Vorstand. Heute bestehen in Großbritannien Grafschaft als kommunale Verwaltungseinheiten, die in Distrikte unterteilt sind; die am dichtesten bevölkerten werden als Stadt- beziehungsweise Großstadtgrafschaften bezeichnet.

Graham: 1. Shirley, 11.11.1907-27.3.1977, US-amerikanische Schriftstellerin; Frau von W. Du Bois; schrieb biographische Romane über bedeutende Afroamerikaner («Ihr ergebenster Diener», 1949, deutsch) und kämpfte gegen die Rassendiskriminierung.

2. Thomas, 20.12.1805-11.9.1869, schottischer Chemiker; wurde durch seine Arbeiten über Dialyse (1861) zum Begründer der Kolloidchemie.

Grahambrot: (nach einem US-amerikanischen Arzt) ein ungesäuertes Weizenvollkornbrot.

Grajische Alpen: vergletscherte Gneisgruppe der Westalpen an der französischen-italienischen Grenze, zwischen Dora Baltea und Dora Riparia mit dem 4061m hohen Gran Paradiso) italienisches Naturschutzgebiet (600 km2).

Gral: nach mittelalterlicher Sage wundertätige Schale auf Burg Montsalvatsch (Burg des Heils), die von Gralskönig und -rittern behütet wird. Die Gralssage steht im Zentrum von Wolfram von Eschenbachs Epos «Parzival» und R. Wagners Musikdramen «Parsifal» und «Lohengrin».

Gramfärbung: wichtigste diagnostische Färbung in der Bakteriologie. Das von dem dänischer Wissenschaftler H. C. J. Gram in die Bakteriologie eingeführte Färbeverfahren unterteilt die Bakterien auf Grund eines unterschiedlichen Zellwandaufbaues in grampositiv (dunkelblau), zum Beispiel Staphylokokken, Streptokokken, Sporenbildner, und gramnegativ (rot), zum Beispiel Gonokokken, Meningokokken, Salmonellen.

Grammatik: 1. Teilsystem einer Sprache, Menge von sprachlichen Elementen und Regularitäten zum Aufbau von Sätzen und Texten; umfasst traditionell Morphologie und Syntax, teilweise wird Grammatik auf Phonetik und Wortbildungslehre ausgedehnt. In der modernen Sprachwissenschaft wurden unterschiedliche Typen von Grammatik erarbeitet; siehe auch Abhängigkeitsgrammatik, funktionale Grammatik, generative Grammatik.

2. Wissenschaft, Lehre von Grammatik.

3. Lehrbuch zu Grammatik.

Grammatikalität: (lateinisch griechisch) Wohlgeformtheit gemäß den Normen einer gegebenen Sprache; ergibt eine Skala, auf der zum Beispiel die abweichenden Sätze «er lobte mir» und «Sterne erschraken so weiß» in Bezug auf Art und Grad der Abweichung unterschiedlich angeordnet werden müssen.

Grammophon: (griechisch, «Tonschreiben») mechanisches akustisches Gerät aus den Anfangsjahren der technischen Schallspeicherverfahren zum Abspielen von Schallplatten mit 78 Umdrehungen je Minute. Siehe auch Plattenspieler.

Grampians: Bergland in Schottland (Großbritannien), Teil der Highlands zwischen der Glen-More-Furche und den Lowlands; aus kristallinen Schiefern, Gneis, Granit; Ben Nevis (1343 m); niederschlagsreich; von Flüssen zertalt; zahlreiche Seen; Heiden, Moore, Wälder; Wasserkraftwerke.

Granada: 1. Stadt im Süden Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Granada, nordwestlich der Sierra Nevada, am Rande der Vega von Granada; 250000 Einwohner; Zucker-, Metall- und Textilindustrie; Fremdenverkehr; Universität (1531), Seminar; Museum; Stierkampfarena. Granada ist Nationaldenkmal; im Norden auf dem Albaicin maurischer Vorstadt. Im Osten der einzigartige, hochgelegene Palast der maurischen Herrscher (Alhambra, 13./14. Jahrhundert) mit den Generalife-Gärten, daneben der Renaissancepalast Karls V., im Westen die Kathedrale (begonnen 1523, vorwiegend im Platereskenstil; Fassade 1667), im Norden die Kartause mit der Sakristei (1727/64), einem Hauptbeispiel des Churriguerismus. Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus den Griechen bekannt, von den Mauren im 8. Jahrhundert neugegründet, 1238/1492 Hauptstadt und bedeutendstes Handels- und Kulturzentrum des letzten Maurenreiches auf der Pyrenäenhalbinsel (Emirat Granada). Mit der Eroberung Granadas 1492 durch Kastilien und Aragonien wurde die Reconquista beendet; die Vertreibung der Juden 1492 und der Moriscos 1609/14 führte zum wirtschaftlichen und kulturellen Verfall Granadas.

2. Stadt (Departements Zentrum) im Südwesten von Nikaragua, am Nicaraguasee; 56000 Einwohner; Handels-, Agrar- und Industriezentrum (Textil-, chemische Industrie).

Granatapfelbaum, Púnica granatum: vom östlichen Mittelmeergebiet bis nach Vorderindien verbreitetes Granatapfelbaumgewächs mit großen scharlachroten Blüten und essbaren Früchten (Granatäpfel); frostempfindliche Zierpflanze; eines der ältesten Kulturgehölze.

Granate: (lateinisch granum, «Korn», «Kern») Gruppe häufiger, gesteinsbildender Minerale; Silikate mit unterschiedliche chemische Zusammensetzung; Kristallsystem kubisch, Härte zwischen 6 und 8, Dichte zwischen 3,4 und 4,2 g/cm5; häufig Mischkristalle; Vorkommen weltweit in Metamorphiten, seltener auch in Magmatiten, Pegmatiten, vielfach in Sedimenten (Seifen). Die wichtigsten Vertreter sind Almandin (Eisenton-Granate), rotbraun, zum Beispiel Fort Wrangel, Alaska (USA); Andradit (Kalkeisen-Granate), grünlich-schwarz, zum Beispiel Schwarzenberg im Erzgebirge; Grossular (Kalkton-Granate), hellgrün, zum Beispiel Banat (Rumänien); Pyrop (Magnesiaton-Granate), blutrot, zum Beispiel Ceske stredohori; Spessartin (Manganton-Granate), gelbbraun, zum Beispiel Aschaffenburg und Spessart; Uwarowit (Kalkchrom-Granate), smaragdgrün, zum Beispiel Outokumpu (Finnland). Einige Granate sind geschätzte Edelsteine, der wichtigste ist der Pyrop, nach seinem Vorkommen in Südafrika auch Kaprubin genannt, sowie der durch Chrom grüne Demantoid (Varietät des Andradits) und der Almandin. Wegen der hohen Härte werden die Granate auch als Schleif- und Poliermittel («Granate Papier») verwendet.

Granate: aus einer Waffe abgefeuertes oder von Hand geworfenes Geschoß, das meist mittels einer Ladung (als Vollgeschoß ohne Ladung) im Ziel wirkt. Die Granate besteht allgemein aus Granatmantel, Führungsringen, Ladung (Sprengstoff, Stahlkern, Leuchtsatz oder Spezialladung) und Zünder, der die Ladung an einem bestimmten Punkt der Flugbahn, beim Aufschlag oder nach dem Eindringen in ein Ziel zur Wirkung bringt. Bei patronierter Munition (Granatpatrone) sind Granate und Hülse (mit Treibladung und Zündschraube) fest verbunden (für Kanonen kleinen und mittleren Kalibers mit automatischem oder halbautomatischem Verschluss und hoher Feuergeschwindigkeit). Bei getrennter Munition werden Granate und Hülse erst beim Laden zusammengefügt; die Treibladung kann entsprechend der Zielentfernung verändert werden. Nach Aufbau und Einsatzzweck unterscheidet man Brisanz-Granate (Splitter-, Spreng-, Splitterspreng-Granate), Panzergranate (Panzerspreng-, Unterkaliber-, Hohlladungsgranate), Wurfgranate (werden von Granatwerfern verschossen), Beton-, Leucht-, Brand-, Nebelgranate unter anderem; Handgranate (Splitterhandgranate und Panzerhandgranate) dienen zur Vernichtung des Gegners im Nahkampf.

Granatwerfer: sehr bewegliche Steilfeuerwaffe mit geringer Masse; mit einem Kaliber bis 120 mm Vorderlader, bei größerem Kaliber Hinterlader. Aus dem glatten Rohr werden Wurfgranaten verschossen; die Rohrerhöhung der Granatwerfer (45° bis 85°) ergibt eine steile Flugbahn und einen großen Fallwinkel der Wurfgranaten.

Gran Canaria: drittgrößte der spanischen kanarischen Inseln, zur Provinz Las Palmas gehörend; 9532 km3, 500000 Einwohner; wichtigster Ort Las Palmas; vulkanischen Ursprungs, bis 1950 m hoch, stark zertalt; mildes Klima; in den tieferen Lagen Bewässerungskulturen (Bananen, Wein, Orangen, Frühkartoffeln), in den Mittellagen Anbau von Mais und Futterpflanzen, im Bergland Schafzucht; Hochseefischerei; internationaler Flughafen; Hafen; starker Fremdenverkehr.

Gran Chaco, (spanisch + indianisch) Chaco: Großlandschaft in Südamerika, zwischen den Kordilleren im Westen und den Flüssen Paraguay und Paraná im Osten; zu Argentinien, Paraguay und Bolivien gehörend; etwa 800000 km2, 1400 km lang und 500 km breit. Die von lößartigen Sedimenten bedeckte Ebene dacht sich von 500 m im Westen auf unter 50 m im Osten ab und wird von den in den Kordilleren entspringenden Fremdlingsflüssen Bermejo, Pilcomayo und Salado gequert. Während der sommerlichen Hochwasserführung sind größere flussnahe Bereiche überschwemmt; in den Senken, die vielfach Binnenentwässerungsgebiete darstellen, breiten sich Seen und Sümpfe aus. Bei tropischen bis subtropischen Klima treten in Abhängigkeit von den Niederschlagsverhältnissen Feucht- und Trockenwälder oder Domgehölze auf, wobei letztere sich durch ausgedehnte Sukkulenten-Bestände auszeichnen; entlang der Flüsse Galeriewälder. Die Landwirtschaft produziert Mais, Weizen, Baumwolle, Zuckerrohr, Erdnüsse, Obst und Gemüse; in der Viehwirtschaft dominiert die Rinderhaltung. Bolivien und Paraguay führten 1932/35 Krieg um den nördlichen Gran Chaco (Chacokrieg). Eine wesentliche Rolle spielten britische-US-amerikanische Gegensätze in der Erdölfrage. Die mit der Friedenskonferenz von Buenos Aires 1935 angebahnte Klärung verlief zugunsten Paraguays, das (1938) zwei Drittel des umstrittenen Gebietes erhielt.

Gran-Chaco-Indianer: Indianerstämme und -gruppen verschiedener Herkunft und sprachliche Zugehörigkeit (Guaykurú, Zamuco, Mascoi, Mataco unter anderem), die nach Übernahme des Pferdes von den Spaniern im 16./17. Jahrhundert im Gran Chaco eine einheitliche Jägerkultur entwickelten; im 18./19. Jahrhundert nach erbitterten Kämpfen mit europäischen Kolonisten teilweise vertrieben, teils ausgerottet (südliche Gran-Chaco-Indianer); noch etwa 60000; heute Viehhirten und Landarbeiter.

Grandezza: (spanisch, «Größe») feierliches, etwas steifes, hoheitsvolles Benehmen,

Grand mal: («großes Übel») großer Krampfanfall bei Epilepsie.

Grand Opera, französisch, eigentlich Théâtre National de Opéra: führendes Opernhaus Frankreichs in Paris, 1875 eröffnet (Palais Garnier); hervorgegangen aus der Académie Royale de Musique, die seit 1671 an verschiedenen Spielstätten Opern aufführte und um die Mitte des 19. Jahrhundert Weltgeltung erlangte. Nach einem künstlerischen Niedergang, der 1970/71 zur vorübergehenden Schließung führte, eroberte sich die Grand Opera unter Intendant R. Liebermann (1973/80) mit Grand Opera Solti als musikalischer Leiter (1973/79) ihre führende Position zurück.

Grand Prix, Abkürzung GP: Sport großer Preis; Bezeichnung für bedeutende internationale Wettbewerbe (besonders im Motor- und Pferdesport).

Grand Prix du Disque: Preis für die künstlerisch wertvollsten Schallplatten verschiedener Sparten (zum Beispiel Sinfonien, Kammer-, Kirchenmusik, Opern, Folklore, Jazz, Sprechplatten) und Herkunftsländer; wird jährlich von der 1948 gegründet Académie Charles Cros, Paris, verliehen.

Grand-Prix-Fahrer: ein von einer internationalen Motorsport-Föderation nach Norm (zum Beispiel 2x Platz 1...6 bei Weltmeisterschaftsläufen) eingestufter Fahrer.

Grand Rapids: Stadt im Bundesstaat Michigan (USA), an den Fällen des Grand River; 580000 Einwohner; Sägemühlen, führendes Zentrum der US-amerikanischen Möbelindustrie, weiterhin Autoindustrie, Metall- und Erdölverarbeitung; Flughafen.

Grand-Tourisme, Abkürzung GT: in Mindestserie von 200 Stück innerhalb von 12 aufeinander folgenden Monaten produzierter, mit mindestens 2 Sitzen ausgestatteter Kraftwagen, an dem für die Teilnahme an Rallyes beziehungsweise Rennen bestimmte Veränderungen im Fahrwerks-, Antriebs- und Karosseriebereich erlaubt sind. Die Homologierung erfolgt als Produktionswagen der Kategorie I, Gruppe B.

Grand-Trunk-Kanal: Kanal im mittleren England (Großbritannien), zwischen dem Mersey und dem Trent, somit zwischen der Ir. See (Liverpool) und der Nordsee (Kingston-upon-Hull); 149 km lang; Kanalverbindung zur Themse.

Granit: fein- bis grobkörniges saures Tiefengestein aus Quarz, Feldspat (Orthoklas überwiegt Plagioklas) und Glimmer; Amphibole und Pyroxene können gelegentlich hinzutreten. Man unterscheidet hauptsächlich 3 Granitgruppen (Alkalifeldspat-Granit, Syeno-Granit und Monzo-Granit). Granit ist ein verbreitetes Tiefengestein und findet als Dekorations-, Omament-, Baustein, Schotter, Splitt und mitunter Feldspat Rohstoff Verwendung.

Granitisation, Granitisierung (beide italienisch): metamorpher Prozess, durch den aus tonig-sandigen Sedimenten oder Peliten infolge kaliumbetonter Alkali-Metasomatose (Metasomatose) granitoide Gesteine entstehen können.

Granitschale: die Kontinente bildende äußere Gesteinshülle der Erdkruste, die vorwiegend aus Granitoiden, Metamorphiten und Sedimenten besteht, im Bereich der Ozeane aber fehlt.

Granne: steife Borste auf dem Rücken oder an der Spitze der Deckspelzen von Gräsern; besonders lang und rau bei der Gerste.

Grannenhaar: über die wärmende Unterwolle hinausragender Teil des Haarkleides von Pelzfellen. Durch Verdickung des Grannenhaars im oberen Drittel wird dachziegelartige Abdeckung des gesamten Felles erreicht. Grannenhaar weist meist unterschiedlich gefärbte Zonen im Haar auf, die erst die charakteristische Färbung des Pelzfelles ergeben.

Granodiorit: klein- bis grobkörniges saures Tiefengestein mit den Hauptbestandteilen Feldspat (Plagioklas überwiegt Orthoklas), Quarz und Biotit, das etwas dunkler als Granit gefärbt ist; Verwendung als Werk-, Dekorationsstein, Schotter und Splitt.

Grant, Ulysses Simpson, 27.4.1822-23.7.1885, US-amerikanischer Militär und Staatsmann (Republikanische Partei); erfolgreichster Heerführer der Nordstaaten im Bürgerkrieg 1861/65; Präsident der USA 1869/77. Seine Regierungszeit war im Zeichen des Sieges der Großbourgeoisie durch skandalöse Korruption gekennzeichnet.

Granula: Zellbiologie kugelige oder eiförmige Gebilde (Körnchen) unterschiedlicher Größe.

Granulat: Zubereitung, die aus Körnern unregelmäßiger Gestalt, aber weitestgehend einheitlicher Größe besteht; in der Pharmazie Arzneiform zur oralen Einnahme.

Granulation: in der Goldschmiedekunst Verzierung einer Fläche durch aufgelötete Gold- oder Silberkörnchen.

Granulationsgewebe: junges, gefäßreiches Binde-gewebe, das Gewebedefekte (Wunden) ausfüllt, Fremdkörper und Zerfallsherde abkapselt und später zur Narbe wird.

Granulit: fein- bis mittelkörniges, helles metamorphes Gestein (dickschiefrig bis massig). Hauptgemengteile sind Feldspat und Quarz, untergeordnet Orthopyroxen, Granat, Disthen und Sillimanit. Kieselsäureärmere, durch basische Plagioklase und Bestandteile (femisch) gekennzeichnete Typen werden als Pyroxen-Granulite beziehungsweise Pyriklasite von den Granuliten im engeren Sinne abgetrennt. Granulit ist ein typisches Gestein der Katazone.

Granulom: im Kieferbereich, am häufigsten an den Wurzelspitzen marktoter Zähne, sich bildendes «Abwehrgewebe» als Ausdruck einer chronischen Entzündung; im Röntgenbild oft als scharf umschriebene Aufhellung von Hirsekorn- bis Erbsengroße erkennbar.

Granulosazelltumor: hormonbildende Eierstockgeschwulst aus dem Follikelepithel.

Granvelle, spanisch Granvela, Antoine Perrenot de,20. 8.1517-21. 9.1586, spanischer Staatsmann; seit 1538 Bischof von Arras und seit 1550 Ratgeber Karls V.; als Hauptvertreter einer unnachgiebigen Politik gegen die antispanische Opposition beeinflusste er 1559/64 entscheidend die spanischen Machtinteressen (Ratgeber Margaretes von Parma in den Niederlanden); seit 1561 Kardinal, seit 1579 als Kanzler Philipps II. tätig.

Graph: geometrische Darstellung von Beziehungen zwischen Elementen einer bestimmten Menge, den Knoten, durch gerichtete beziehungsweise ungerichtete Kurvenbögen, die Kanten. Jeder Kante sind 1 Knoten zugeordnet, die sie verbindet; fallen diese zusammen, ist sie eine Schlinge. Ein Kantenzug ist eine Folge paarweise verschiedener Kanten, von denen je 2 aufeinanderfolgende einen zugeordneten Knoten gemeinsam haben; er ist geschlossen beziehungsweise ein topologischer Kreis, falls sein Anfangs- und sein Endknoten übereinstimmen. Ein Graph ist zusammenhängend, falls je 2 seiner Knoten durch einen Kantenzug verbunden werden können; er ist planar, falls er ohne Kantenüberschneidungen in der Ebene gezeichnet werden kann; er ist endlich, falls Knoten- und Kantenmenge endlich sind. Ein gerichteter Graph hat nur gerichtete Kanten, ein ungerichteter nur ungerichtete; bei einem bewerteten Graphen sind zusätzlich den Kanten Bewertungen zugeordnet. Graphen werden zum Beispiel in der Netzplantechnik angewendet.

Graphik, Grafik, graphische Künste: Sammelbegriff für die vervielfältigenden Künste sowie für bildnerische Darstellungen, die mit Zeichner. Mitteln, überwiegend auf Papier, also die Zeichnung und das Aquarell, hervorgebracht werden. Im eigentlichen Sinn der künstlerische Bilddruck (Druckgraphik), der durch Vervielfältigung eines von Künstlerhand in eine Druckplatte fixierten Bildes durch einen Druckvorgang entsteht. Jedes dabei gewonnene Blatt (Abzug) gilt als künstlerisches Original und heißt ebenfalls Graphik. Die wichtigsten graphischen Techniken sind in der Reihenfolge ihrer Erfindung Holzschnitt, Kupferstich, Radierung, Lithographie, Siebdruck. Sonderformen sind die Gebrauchsgraphik und die Fotografik.

graphische Ablaufdarstellung: Zeichnerische Darstellung eines Vorgangs, zum Beispiel eines technologischen Prozesses oder eines Algorithmus, wobei durch Sinnbilder vereinbarter Bedeutung und durch Beschriftungen die Ablaufschritte veranschaulicht werden. Arten der graphischen Ablaufdarstellung sind unter anderem Netzplan, Blockschaltbild, Flussdiagramm, Strukturdiagramm, Signalfluss-, Datenfluss- und Programmablaufplan (Abkürzung PAP). Die beiden letztgenannten graphischen Ablaufdarstellungen sind wichtige Darstellungsmittel in der Datenverarbeitung. Für sie gilt TGL 22 451. Siehe auch Programm.

graphische Darstellung: Mathematik Zeichner. Veranschaulichung, zum Beispiel eines Funktionsverlaufs. Siehe auch Diagramm.

graphische Eingabegeräte Ausgabegeräte: zu den peripheren Geräten von Rechenautomaten gehörende Gerätegruppe. Die Eingabe erfolgt unter anderem über Tasten, Lichtgriffel, Rollkugel und so weiter. Sie ist in der Regel für den Mensch-Maschine-Dialog mit einem Bildschirmgerät zur optischen Ausgabe gekoppelt. Hardkopien (englisch; Protokolle auf Papier) werden von Koordinatographen und Plottern (Zeichengeräte) angefertigt.

graphische Industrie, polygraphische Industrie, Druckindustrie, früher graphisches Gewerbe: Industriezweig zur Herstellung von Druckprodukten und deren buchbinderischen Weiterverarbeitung. Siehe auch Polygraphie.

Graphit, Grafit: hexagonale Modifikation des Kohlenstoffs; bildet grauschwarze, schwach glänzende, sehr weiche, geruchlose, bei = 3800 °C sublimierende, den elektrischen Strom leitende Kristalle. Im Graphit bilden die Atome ebene, leicht gegeneinander verschiebbare Schichten, bestehend aus 6gliedrigen Ringen; längs der Ebenen ist Graphit leicht spaltbar. Man verwendet Graphit zum Beispiel als hochtemperaturbeständiges Material, als Schmiermittel und für Schreibminen.

Graphologie: Deutung des Ausdrucksgehalts der Handschrift; zumeist auf unwissenschaftliche Voraussetzungen beruhender Versuch, aus der Handschrift eines Menschen Schlüsse auf Persönlichkeitseigenschaften (Intelligenz, Charakter und so weiter) zu ziehen; verwendbar bei Schriftidentitätsuntersuchungen in der Kriminalistik; als isoliert angewandte Methode der Persönlichkeitsdeutung ungeeignet.

Graptolithen: marine, koloniebildende Tiere des Paläozoikums mit laubsägeblattähnlichem Außenskelett; wichtige Leitfossilien für Ordovizium und Silur. Das chitinige Außenskelett ihrer Kolonien wird Rhabdosom genannt.

Grasbahnrennen: einem Sandbahnrennen gleichender, auf einer Grasbahn ausgetragener Wettbewerb.

Grasbäume: Bezeichnung für zahlreiche Arten dick- und hochstämmiger Liliengewächse (zum Beispiel die mehrere Meter hohe Xanthorrhoea arboreum) mit grasförmigen Blattschöpfen und kerzenähnliche Blütenständen; sie sind Charakterpflanzen der australischen Trockengebiete; manche Arten liefern rotes oder gelbes Harz, das zu Firnis verarbeitet wird.

Graser: (Kurzwort für gamma-ray laser, englisch) Vorrichtung, bei der das Laserprinzip zur Erzeugung intensiver Gamma-Strahlung benutzt wird.

Gräser, Süßgräser, Gramineae, Poaceae: Familie einkeimblättriger Pflanzen; etwa 8000 Arten; weltweit verbreitet und bestandsbildend in Wiesen, Steppen und Savannen. Der meist hohle Halm ist durch Knoten gegliedert, an denen ungestielte Blätter sitzen, die den Halm mit Scheiden umfassen. Die windbestäubten im Allgemeinen zwittrigen Blüten sind in Ährchen angeordnet, von trockenhäutigen Hochblättern (Spelzen) umgeben und zu Gesamtblütenständen (Ähren, Rispen, Trauben) zusammengefasst. Die Grasfrucht (Karyopse) ist stärkereich; durch Verwachsung von Samen- und Fruchtschale entstanden. Zu den Gräser gehören unsere wichtigsten Kulturpflanzen, die Getreidearten; ferner Zuckerrohr, Bambus, Knäuelgras, Weidelgras, Schwingel, Trespe, Quecke, Schilf unter anderem; siehe auch Riedgrasgewächse.

Grasfrosch, Rana temporaria: bis 10 cm langer, bräunlicher Froschlurch Eurasiens, der nur zur Paarungszeit das Wasser aufsucht.

Graskarpfen, Amurkarpfen, Ctenopharyngodon idella: bis 1 m langer und 32 kg schwerer Karpfenfisch Ostasiens, der in Europa angesiedelt wurde; zum Teil zur Wasserpflanzenbekämpfung eingesetzt; Nutzfisch.

Grasmücken: (althochdeutsch, «Grasschlüpfer») Sylvia: schlankschnäblige, insekten- und beerenfressende Singvögel; Zugvögel; heimisch unter anderem die in Wald und Parks lebende Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla), das Männchen mit schwarzer, das Weibchen mit brauner Kopfplatte («Schwarzplättchen»); im offenen Gelände die Dorngrasmücken (Sylvia communis), deren Männchen einen Singflug ausfuhrt; in Gärten die graue, 14 cm lange Zaun- oder Klappergrasmücken (Sylvia curruca). Grasmücken legen 4 bis 6 Eier und brüten versteckt in Büschen, meist zweimal im Jahr.

Grasser, Erasmus, um 1450-1518, Bildhauer und -Schnitzer; schuf unter anderem 1480 die «Moriskentänzer» für den Tanzsaal des Münchener Rathauses, die mit ihren grotesk-schraubenförmigen Bewegungen Hauptwerke der spätgotischen Plastik sind.

Grassi, Anton, 1755-31.12.1807, österreichischer Bildhauer; Schüler von F. X. Messerschmidt und seit 1784 Modellmeister der Wiener Porzellanmanufaktur; schuf vorwiegend weißes Biskuitporzellan als Ausdruck klassizistischen Formempfindens.

grassieren: um sich greifen, gehäuft auftreten (meist von Krankheiten).

Graßmann, Hermann, 15.4.1809-26.9.1877, Mathematiker, Physiker, Sprachwissenschaftler und Pädagoge; begründete die Vektoralgebra und die Mathematik n-dimensionaler Räume, lieferte Beiträge zur Algebrentheorie und betrieb Sanskritstudien.

Graszetter, Zetter: Maschine zum Auseinanderbreiten der Schwade frischgemähten Grüngutes zwecks schnellerer Trocknung; siehe auch Heuwerbungsmaschinen.

Grat: 1. allgemein (oberste scharfe) Kante.

2. Bautechnik: schräg verlaufende Schnittlinie zweier Dachflächen unter anderem.

3. Fertigungstechnik: unerwünschter Werkstoffrand, der an Guss- und Pressteilen infolge der Werkzeugteilung beziehungsweise bei spannender Fertigung durch nicht restloses Trennen eines dünnen Werkstoffteiles entsteht. Beim Gesenkschmieden sind Grat verfahrensbedingt und dienen zur Gravurausfüllung. Grat an Gesenkschmiedestücken werden durch Abgraten entfernt.

4. Geomorphologie: schmaler, felsiger Bergkamm.

Gräte: dünne, stabförmige Verknöcherung des Bindegewebes zwischen den Muskelsegmenten der Knochenfische.

Graten: Vorbereiten einer Holzverbindung, das heißt Herstellen der Gratnut und der Gratfeder (hinter fräste Feder oder Zunge; nur in Längsrichtung einschiebbar). Die in die Gratnut eingeschobene Gratfeder soll das Verziehen des Holzes verhindern.

Gratianus, Flavius, 18.4.359-25.8.383 (ermordet), römischer Kaiser seit 17.1.375; führte langwierige Abwehrkriege gegen Goten und Alemannen; erließ, unter dem Einfluss des Bischofs Ambrosius von Mailand stehend, ein Edikt gegen Häretiker.

Gratinieren: Bestreuen von Speisen mit Semmelkrume oder Käse und nachfolgendes Überbacken.

gratis und franko: unentgeltlich und portofrei.

Grätsche: Gerätturnen Beinschwungbewegung beziehungsweise Stützsprung, wobei beide Beine seitgegrätscht und gestreckt auf- beziehungsweise über ein Turngerät geschwungen werden.

Gratzik, Paul, geboren 30.11.1935, Schriftsteller; verfasst Schauspiele (unter anderem «Umwege», 1970); ferner Roman «Transportpaule» (1977).

Graubünden: Kanton im Südosten der Schweiz; 7106 km2 (größter schweizerischer Kanton), 165000 Einwohner (deutsch, rätoromanisch, italienisch sprechend); 23 Einwohner/km2; Hauptstadt Chur; umfasst das Alpenland beiderseits von Rhein und Inn (Engadin) mit zahlreichen Gebirgsgruppen; ein Drittel der Fläche ist unproduktives Land; zwei Drittel der Fläche liegen über der Dauersiedlungsgrenze (1 800 m über dem Meeresspiegel); Viehwirtschaft; geringer Getreideanbau, in günstigen Lagen Mais-, Obst-, Weinanbau; wenig Industrie (Elektrochemie und -metallurgie bei San Vittore); mehrere Wasserkraftwerke. Alpenpässe Bernina, Maloja, Albula, Splügen; Nationalpark im Unterengadin; Fremdenverkehrsorte Sankt Moritz, Schuls-Tarasp, Arosa, Davos, Pontresina unter anderem Graubünden war in urgeschichtlicher Zeit von Rätern besiedelt, dann römisch, fränkisch und unter Souveränität des Bischofs von Chur, zum deutschen Feudalstaat gehörig. Gegen die feudale Zerrissenheit Bildung von Bünden (1395 Oberer und Grauer Bund, 1436 Zehntgerichtsbund), die sich 1524 zusammenschlossen; während des Dreißigjährigen Krieges erfolgreicher Befreiungskampf unter Georg Jenatsch; seit 1497 Schutzbündnis mit der Eidgenossenschaft, aber erst 1803 15.Kanton der «Helvetische Republik». Ein Teil Graubündens, das Veltlin, kam 1797 zur Zisalpin. Republik, wurde 1814 österreichisch und 1859 italienisch.

graue Eminenz: Bezeichnung für einen Politiker, dessen der Öffentlichkeit kaum bekannter Einfluss weit über seine tatsächliche Kompetenzen hinausgeht; zum ersten Mal als Beiname für den Berater Richelieus, den Kapuziner.

graue Substanz, Substantia grisea: Teile des Gehirns und Rückenmarks, die vorwiegend Nervenzellen enthalten. Im Rückenmark innen liegend (außen weiße Substanz), im Gehirn an der Oberfläche als Hirnrinde beziehungsweise im Inneren als Kerngebiet (Nucleus) bezeichnet.

Graumulle, Cryptomys: unterirdisch lebende Nagetiere der südostafrikanischen Küstenregion.

Graun, Musiker am Hofe Friedrichs II. von Preußen, Brüder: 1. Carl Heinrich, 7.5.1701-8.8.1759, Komponist; Gründer (1742) und Leiter der Berliner Oper (Unter den Linden); schrieb Opern im italienischen Stil, die seinerzeit sehr beliebte Passionskantate «Der Tod Jesu» (1755) und Kammermusik.

2. Johann Gottlieb, 1699-27.10.1771, Violinist und Komponist; schrieb vor allem Violinkonzerte sowie Orchester- und Kammermusik im «galanten» Stil der Zeit.

Graupapagei, Jako, Psittacus erithacus: grauer, rotschwänziger, sprachbegabter Papagei der Wälder Westafrikas; etwa 35 cm groß; häufig als Käfigvogel gehalten, wird bis 50 Jahre alt.

Graupeln: fester Niederschlag von 2 bis 5 mm Durchmesser, der aus weißen undurchsichtigen Eiskörnchen (Reifgraupeln) oder Schneekügelchen mit Eisüberzug (Frostgraupeln) besteht.

Graupen: rundgeschliffene, zum Teil zerkleinerte Getreidekörner, besonders von Gerste.

Graupner, Johann Christoph, 13.1.1683 bis 10.5.1760, Komponist; war seit 1709 Hofkapellmeister in Darmstadt; schrieb unter anderem je etwa 100 Sinfonien und Suiten sowie über 1400 Kantaten, die seinerzeit sehr geschätzt wurden.

Grauschimmel, Botrytis cinerea: vorwiegend beschädigte Pflanzen befallender Schlauchpilz mit bäumchenartig verzweigten Sporenträgern; besonders an Erdbeeren; auf Weinbeeren auch Edelfäule genannt.

Grauwacke: bergmännisch für dunkelgraues, sandsteinartiges (psammitisch), reichlich Gesteinsbruchstücke führendes Sedimentgestein des Paläozoikums; in Flyschserien auftretend und besonders im Harz und in Thüringen weit verbreitet; Verwendung für Schotter und Splitt.

Grauwal, Eschrichtius gibbosus: bis 15 m langer Bartenwal mit kleinem Kopf und nur etwa 160 Barten, die nur 45 cm lang, aber sehr dick sind. Der Grauwal ernährt sich von frei schwimmenden Krebsen und lebt im nördlichen Stillen Ozean.

grave: Musik a) schwer, ernst;

b) sehr langsames Zeitmaß.

Gravelotte: Gemeinde in Frankreich, westlich von Metz. Am 18. 8.1870 fand bei Gravelotte und Saint-Privat-la-Montagne die größte Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges statt; sie führte zur Einschließung der französischen Armee in der Festung Metz.

Graves, Ranke-Graves, Robert, geboren 26.7.1895, englischer Schriftsteller und Dichter. In seinen frühen Gedichten spiegelt sich das Kriegserlebnis realistisch wider, später überwiegen metaphysische Themen. Bekannt wurde er durch das autobiographische Antikriegsbuch »Strich drunten) (1929, deutsch) und zahlreiche historische Romane («Ich, Claudius, Kaiser und Gott», 1934, deutsch; «Nausikaa und ihre Freier», 1955, deutsch).

Gravettien: jüngere altsteinzeitliche Kultur Europas, deren Träger Ren, Mammut, Pferde unter anderem Tiere jagten; benannt nach dem Fundort La Gravette bei Bayac, Departement Dordogne (Frankreich).

Gravieren: 1. Fertigungstechnik: manuelles Abtasten eines Modells, einer Schablone oder einer Zeichnung auf einer Gravierfräsmaschine mit einem Stift und Übertragen dieser Bewegung über ein Gelenkparallelogramm auf einen rotierenden Fräser, der die abgetastete Form aus dem Werkstoff herausarbeitet. zwischen Modell und Werkstück kann ein Maßstab eingestellt werden.

2. Kunst: Eingraben oder -ritzen von Zeichnungen, Ornamenten oder Schrift in Stein, Knochen, Elfenbein und Metall.

Gravimeter, Schweremesser: Instrument der Geophysik und Geodäsie zur Bestimmung der Schwerebeschleunigung. Die gebräuchlichsten Gravimeter für Relativmessungen arbeiten nach der statischen Methode (Metallfeder-, Gasfeder- oder Quarz Gravimeter). Dabei wird eine mit der Feder verbundene kleine Masse je nach Größe der Schwerebeschleunigung verschieden stark ausgelenkt. Die Genauigkeit moderner Gravimeter liegt in der Größenordnung. Siehe auch Gravimetrie.

Gravimetrie: 1. Chemie Gewichtsanalyse.

2. Gravimetrie, Schweremessung: Geophysik Untersuchung des Schwerefeldes der Erde. Zu den Aufgaben der Gravimetrie gehört die Bestimmung der Erdfigur (Geoid) und ihrer zeitlichen Änderungen (Erdgezeiten). Die angewandte Geophysik wendet die Gravimetrie durch Gravimeter, Pendel unter anderem bei der Erkundung von Lagerstätten an, weil die unterschiedliche Massenverteilung im Untergrund die Schwerebeschleunigung an der Erdoberfläche messbar beeinflusst.

Gravis, Accent grave, Zeichen: phonetische Zeichen mit unterschiedlichen Funktionen in den Einzelsprachen; der Gravis kennzeichnet unter anderem den fallenden Ton einer Silbe (italienisch più «mehr») und Vokalfärbung (französisch mère «Mutter», mit offenem e).

Gravitation: Massenanziehung, allgemeine Eigenschaft der Masse; wird durch ein Kraftfeld, das Gravitationsfeld, vermittelt, das von jeder Masse erzeugt wird. Nach dem Newtonschen Gravitationsgesetz ziehen sich 2 Massenpunkte mit den Massen m und M mit einer Kraft vom Betrag F = ymM/r2 an, wobei r ihr gegenseitiger Abstand und y die Newtortsche Gravitationskonstante ist (physikalische Konstanten). Dieses Gesetz gilt auch für ausgedehnte Körper mit kugelsymmetrischer Massenverteilung; r ist dann der Abstand der Massenmittelpunkte, und F weist in Richtung von deren Verbindungslinie. Die Gravitationsenergie, das heißt die potentielle Energie von m im Gravitationsfeld vom M, beträgt W = m/Mr. Die Erdanziehung ist eine spezielle Form der Gravitation, die Anziehung von Massen durch die Erdmasse; die Gravitationsbeschleunigung beträgt a = F/m = yM/r (M Erdmasse, r Abstand des Körpers vom Erdmittelpunkt), sie ist der Hauptbestandteil der Fallbeschleunigung. Die Gravitation ist Ursache zum Beispiel für die Planetenbewegung sowie für Ebbe und Flut. Auf Grund der Gleichheit von schwerer und träger Masse konnte A. Einstein in der Allg. Relativitätstheorie den Zusammenhang von Gravitation und Raum-Zeit-Geometrie herstellen. Das Newtonsche Gravitationsgesetz ergibt sich aus den Einstein’schen Feldgleichungen im Grenzfall schwacher Gravitationsfelder und im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit kleiner Geschwindigkeiten. Die Gravitation ist die schwächste aller bekannten elementaren Wechselwirkungen der Materie.

Gravitationskollaps: Zusammensturz eines Sterns, dessen thermonukleare Energiequellen erschöpft sind, infolge der eigenen Gravitation. Bei nicht zu großen Massen kann der Gravitationskollaps durch den Druck der komprimierten Materie aufgehalten werden, und es entsteht ein 1 weißer Zwerg oder ein Neutronenstern; im anderen Fall entsteht ein schwarzes Loch.

Gravitationswellen: nach der Allg. Relativitätstheorie Änderungen des Gravitationsfeldes, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten und Energie transportieren; konnten experimentell noch nicht nachgewiesen werden.

gravitätisch: würdevoll, gemessen; betont feierlich, daher leicht komisch wirkend.

Gravur: 1. Fertigungstechnik Gesenk.

2. Polygraphie a) durch Gravieren einer Metallplatte oder Plastfolie entstandene Hochdruckplatte;

b) zum Prägen, Pressen und Bedrucken von Buchdecken verwendete gravierte Metallplatte (meist Messing).

Gray: nach dem britischen Physiker L. H. Gray) n, Zeichen Gy: SI-Einheit der Energiedosis ionisierender Strahlung; 1 Gy = 1 J/kg.

Gray: 1. John, 1799-26.4.1883, britischer kleinbürgerlicher Sozialist; folgerte aus der Arbeitswerttheorie das Recht des Arbeiters auf den vollen Arbeitsertrag, was er später durch ein auf eigene Arbeit gegründetes Kleineigentum und ein Arbeitsgeld als Tauschmittel sichern wollte.

2. Stephen, 1666 oder 1667-26.2.1736, britischer Physiker; entdeckte die Elektrizitätsleitung und die Influenz, unterschied elektrischer Leiter von Nichtleitern.

Graz: Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark (Österreich), an der Mur, im fruchtbaren Becken des Grazer Feldes; 240000 Einwohner; industrielles Zentrum mit Maschinen- und Fahrzeugbau, Eisengießerei, Textil-, Lebensmittel- und vielseitiger Leichtindustrie (Glas-, Papier-, Zellulose-, Holz-, Farben-, graphische und Lederindustrie); Industrieviertel im Norden (Andritz) und Süden; Industriemesse; internationaler Flughafen; Universität, technische Hochschule, Musik-, Handelshochschule; Theater, Landesmuseum, Schlossmuseum Eggenberg; Dom (15. Jahrhundert), Uhrturm (16. Jahrhundert), zahlreiche Barockbauten, darunter Zeughaus und Mausoleum Ferdinands H. Im frühen Mittelalter slawische Burgsiedlung (Gradec); 1281 Stadtrecht, im Mittelalter Bairisch-Grätz genannt (Schreibung Grätz blieb bis ins 19. Jahrhundert); 1586 Gründung der Universität durch Jesuiten.

Great Falls: Stadt im Bundesstaat Montana (USA), 20 km vom Fall des Missouri entfernt; 60000 Einwohner; Kupfer- und Zinkverhüttung, Getreidemühlen; Flughafen.

Greco, El (spanisch, «der Grieche»), eigentlich Domenikos Theotokopoulos, 1541-7.4.1614, spanischer Maler griechischer Herkunft; seit 1565 in Venedig Schüler Tizians und vermutlich J. Bassanos; lebte ab 1577 in Toledo. Greco verband Anregungen der venezianischen und der byzantinischen Malerei zu einem eigenen Stil, der alle Merkmale des Manierismus enthält, als dessen Hauptvertreter er gilt (langgestreckte Figuren, teils fahle, gebrochene, teils grell leuchtende Farben in ungewöhnlichen Zusammenstellungen, religiöse Idealisierung der Gestalten und ekstatische Bewegtheit der gesamten Bildinszenierung). Der Manierismus gewann bei Greco eine solche persönliche Ausdeutung, dass sein Werk ohne eigentliche Nachfolge blieb, obwohl er in Toledo mehrere Schüler hatte. Hauptwerk «Das Begräbnis des Grafen Orgaz» (1586; Toledo, Santo Tomé). Greco war nachweislich auch als Architekt und Bildhauer tätig.

Greeley, Horace, 3.2.1811-29.11.1872, US-amerikanischer Journalist und Politiker, seit 1841 Herausgeber der «New York Tribüne», an der 1851/62 K. Marx und F. Engels mitarbeiteten; einflussreicher Förderer der Heimstättenbewegung.

Green: 1. George, 14.7.1793-31.3.1841, britischer Mathematiker und Physiker; begründete neben C. F. Gauß die Potentialtheorie und die mathematische Elektrizitätslehre.

2. Paul Eliot, geboren 17.3.1894, US-amerikanischer Dramatiker, stellt in seinen sozialkritischen, oft im Dialekt der Afroamerikaner der Südstaaten verfassten Dramen das Leben und Leiden dieser Menschen dar; «Eingeborener Sohn» (1941) ist die Dramatisierung von R. Wrights Roman «Sohn dieses Landes».

Greenhorn: Neuling, unerfahrener junger Mensch; ursprünglich eben (in die USA) Eingewanderter.

Greenville: Bezirksstadt im Südosten Liberias, an der Mündung des Sinoe in den Atlantik; 10500 Einwohner; Hochseehafen, Flughafen.

Greenwich: Stadtteil von London, südlich der Themse; 210000 Einwohner; Fahrzeugbau, metallverarbeitende, Werkzeug- und Farbenindustrie; Marinecollege; Marine- und Astronomiemuseum. Alte Sternwarte (heute technisch-wissenschaftliches Institut), die bis 1948 für die Berechnung des Nullmeridians maßgeblich war; seitdem hat diese Funktion die Sternwarte von Herstmonceux nördlich von Eastbourne (East Sussex) übernommen.

Gregarinen, Gregarinida: Ordnung der Sporentierchen; Darm- und Leibeshöhlenparasiten wirbelloser Tiere von flacher wurmförmiger Gestalt.

Gregg-Syndrom, Rötelnembryopathie: Missbildungskombination (Herzfehler, Mikrozephalie, Innenohrschwerhörigkeit, Linsentrübung). Ursache ist eine Rötelninfektion, die während der ersten 3 Schwangerschaftsmonate von der Mutter auf das Kind übertragen wird; benannt nach dem australischen Augenarzt Norman Gregg (1892-1966).

Gregor, Gregorius, Päpste: 1. Gregor 1., Gregor der Große, um 540-1.3.604, Papst seit 590; gewann Britannien für die römische Kirche, reformierte die Liturgie und den Messgesang (Gregorianischer Gesang).

2. Gregor VII., um 1020-25.5.1085, Papst seit 1073; erster Vertreter des universalen päpstlichen Weltherrschaftsanspruchs, Gegner Kaiser Heinrichs IV. im Investiturstreit.

3. Gregor XIII., 7.1.1502-10.4.1585, Papst seit 1572; forderte die Gegenreformation und die Durchführung der Beschlüsse des Tridentinums, unterstützte besonders die Jesuiten und das katholische Universitätswesen; führte den Gregorianischen Kalender ein (1582).

Gregorianischer Gesang: Papst Gregor I. zugeschriebene Sammlung und Neuordnung einstimmiger lateinischer Kirchengesänge der Liturgie der römischen Kirche. Seine liturgische Anordnung der Texte wurde verbindlich. Der Gregorianische Gesang weist, seiner Andachtsfunktion entsprechend, keine rhythmische Akzente und melodische Sprünge auf und war unter anderem gegen die heidnische Volksmusik gerichtet.

Gregor von Tours, um 540-594, seit 573 Bischof von Tours; Angehöriger des galloromanischen Senatorenadels, fränkischer Geschichtsschreiber; schrieb «Zehn Bücher fränkische Geschichte», Hauptquelle für die fränkische Geschichte des 6. Jahrhundert.

Gregory, Lady Isabella Augusta, 5.3.1852 bis 22. 5.1932, irische Dramatikerin; führende Vertreterin der Ir. Renaissance; mit W. B. Yeats Gründerin des irischen Nationaltheaters; verschmolz in ihren Komödien realistische, metaphysische und patriotische Elemente («Nun steigt für uns der Mond», 1907, deutsch; «Das Armenhaus», 1908, deutsch).

Greif: Fabeltier orientalischen Ursprungs mit Löwenleib, Krallenfüßen, Flügeln, Raubvogelschnabel; Symbol göttlicher Macht; auch Wappentier.

Greifen: Bewegungsstörung des Pferdes, vorwiegend im Trab, bei der der Hinterhuf die gleichseitige Vordergliedmaße berührt und verletzen kann.

Greifer: 1. Fördertechnik: Lastaufnahmemittel an Baggern und Kranen mit meist 2 durch Seilzug und Stangen elektromotorisch oder -hydraulisch (Motorgreifer) gegeneinander bewegliche Schalen zum Verladen von Schüttgütern (Kohle, Sand, Getreide u. ä.) sowie zum Ausheben von Gräben, Gruben und für andere leichte Baggerarbeiten.

2. Polygraphie: Vorrichtungen an Bogendruckmaschinen, die die zu bedruckenden Bogen festhalten und in die beim Druckvorgang erforderliche Lage führen. Greifer sind nach Papierformat unter anderem verstellbar.

3. Textiltechnik: Schlingenfänger.

Greiferschützen Webmaschine: Webautomat (Webmaschine), bei dem der Schussfaden mittels eines Greiferschützens von ortsfesten Spulen abgezogen und in das Webfach eingetragen wird.

Greiferwebautomat: Webautomat (Webmaschine), bei dem der Schussfaden mittels Stab- oder Bandgreifers von ortsfesten Spulen abgezogen und in das Webfach eingetragen wird.

Greifvögel, Falconiformes: Ordnung weltweit verbreiteter Vögel mit starken Fängen und scharfen Krallen, kurzem kräftigem Hakenschnabel und gutem Flugvermögen; ernähren sich fast ausschließlich animalisch («Raubvögel»); hierzu gehören Adler, Bussarde, Falken, Geier, Habichte Milane, Neuweitgeier, Weihen.

Greisen: bergmännisch Quarz-Glimmer-Gestein in Kassiterit Lagerstätten des Erzgebirges; metasomatisch veränderte saure Magmatite und Metamorphite, die neben lithiumhaltigem Glimmer Topas, Fluorit und Turmalin führen. Greisen sind wichtigste Trägergesteine der metasomatische Zirm-, Wolfram- und Molybdänvererzung.

Gremium: Körperschaft, Gemeinschaft; Kollegium, Ausschuss.

Grenada: Staat (parlamentarische Monarchie) auf der Insel Grenada und den südlichen Grenadinen (Kleine Antillen) im Karibischen Meer. Die Bevölkerung besteht zu 74% aus Afroamerikanern, 20% Mulatten, 5% Indem und 1% Weißen. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Ostkaribische Dollar. Die zu den südlichsten Windward-Inseln zählende, stark bewaldete Inselgruppe ist vulkanischen Ursprungs und überwiegend gebirgig (Mount Catherine 838 m). Grenada ist ein wirtschaftlich sehr schwach entwickeltes Agrarland, das vorwiegend für den Export Muskatnüsse (ein Drittel der Weltproduktion), Zuckerrohr, Kakao, Zitrusfrüchte, Kokospalmen und Bananen anbaut, für den Eigenbedarf werden Gemüse und Kartoffeln produziert. Die noch geringe Industrie ist auf die Verarbeitung der Landwirtschaftsprodukte orientiert. Zunehmend wird der Tourismus als Hauptquelle der Deviseneinnahmen ausgebaut. Gut entwickeltes Straßennetz, Seehäfen sind Saint George’s und Greenville, Flughafen Pearl’s Airport, internationaler Flughafen Point Salines. 1498 von Kolumbus entdeckt, 1627 englisch, ab 1650 französischer Kolonisation, 1762 von Großbritannien erobert und 1783 endgültig annektiert; 1837 Aufhebung der Sklaverei. 1958/62 gehörte Grenada der Westindischen Föderation an; ab 1967 mit Großbritannien assoziierter Staat unter Ministerpräsident E. Gairy, der 1974 die staatliche Selbständigkeit ausrief. Das reaktionäre Regime wurde am 13.3.1979 unter Führung der 1973 gegründet Neuen JEWEL-Bewegung gestürzt, deren Vorsitzender, M. Bishop, seit 1973 Ministerpräsident war und ein umfassendes Programm fortschrittlicher Umgestaltungen und einen antiimperialistischen außenpolitischen Kurs in Angriff nahm. Nach Bishops Ermordung bei innerpolitischen Auseinandersetzungen(1983) besetzten die USA zusammen mit reaktionären karibischen Staaten völkerrechtswidrig und mit militärischer Gewalt Grenada und etablierten ein proimperialistisches Regime.

Grenadier: 1. ursprüngliche Handgranatenwerfer bei den Fußtruppen,

2. im 2. Weltkrieg Infanterist der faschistischen deutschen Wehrmacht.

3. in der Bundeswehr der BRD Angehöriger der Kampftruppen der Landstreitkräfte (Panzergrenadier).

Grenadierfische, Macrouridae: bis 1m lange Grundfische mit plumpem Kopf und langem, zugespitztem Schwanz, die in 100 bis 5000 m Tiefe leben und überwiegend Krebstiere fressen; einige Arten sind Speisefische.

Grenoble: Stadt im Südosten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Isère; in der Dauphiné, an der Mündung des Drac in die Isère; 165000 Einwohner, als Agglomeration 390000 Einwohner; Zentrum der Elektrometallurgie und elektronische Industrie; Viskoseverarbeitung, Ausrüstungen für Wasserkraftwerke; internationaler Flughafen; Universität (gegründet 1339), Kernforschungszentrum; Stendhal Museum; Kathedrale (13. Jahrhundert); Olymp. Winterspiele 1968.

Grenze: im Völkerrechtlichen Sinne als Staatsgrenze die Abgrenzung des Territoriums eines Staates von dem Territorium benachbarter Staaten und von der hohen See. Das Völkerrecht verbietet jede Art der Grenzverletzung. Die Grenze werden im Allgemeinen durch Vertrag zwischen den beteiligten Staaten festgelegt. Im Interesse des Schutzes ihrer Grenze legen die Staaten durch innerstaatliche Gesetzgebung für ihre Grenze und das Grenzgebiet das erfordert. Grenzregime fest.

Grenzflächenenergie: aufzuwendende Energie, um Moleküle aus dem Inneren in die Grenzfläche zwischen 2 Stoffen oder Phasen zu bringen.

Grenzflächenspannung: an der Grenzfläche zweier Phasen auftretende Spannung, die die Grenzfläche zu verkleinern sucht; SI-Einheit N/m. Die Grenzflächenspannung der Flüssigkeiten gegen eine gasförmige Phase heißt Oberflächenspannung.

Grenzflächenwellen: mechanische oder elektromagnetische Wellen, die sich längs der Grenzfläche zweier unterschiedlicher Stoffe ausbreiten; bei der Grenze zu Luft (beziehungsweise Vakuum) spricht man von Oberflächenwellen (insbesondere von Rayleigh-Wellen auf elastischen Festkörpern). Zum Beispiel breiten sich Erdbebenwellen und genügend langwellige Rundfunkwellen zum Teil als Oberflächenwellen längs der Erdoberfläche aus.

Grenzfrequenz: Elektrotechnik obere und beziehungsweise oder untere Frequenz, bei der die Übertragungsgröße auf einen bestimmten Grenzwert, zum Beispiel 1 fachen Wert, im Durchlassbereich abgesunken ist. In elektrischen Übertragungssystemen eignen sich gewisse Frequenzbereiche zur dämpfungsarmen Übertragung elektrischer Energie (Durchlassbereiche), während andere sperren (Spenbereiche). zwischen beiden liegt ein Übergangsbereich, der bei Filtern in Abhängigkeit von der Frequenz möglichst klein gehalten wird (steiler Dämpfungsanstieg). In diesem Gebiet liegt die Grenzfrequenz Die Darstellung der Ausgangsspannung bei konstanter Eingangsspannung eines elektrischen Übertragungssystems als Funktion der Frequenz wird als Frequenzgang bezeichnet. Die Grenzfrequenz ist eine wichtige Kenngröße für das Übertragungsverhalten elektrischer Schaltungen (Vierpole, Filter, Verstärker), Geräte oder Einrichtungen. Der Begriff Grenzfrequenz ist auch bei anderen physikalischen Erscheinungen (anders definiert) eingebürgert.

Grenzgebiet: staatsrechtlich festgelegter Geländestreifen längs der Staatsgrenze, in dem besondere Rechtsvorschriften für das Betreten und den Aufenthalt gelten. Siehe auch Grenzregime.

Grenzkonflikt: lokale bewaffnete Auseinandersetzung zwischen benachbarten Staaten, in der eine oder beide Seiten versuchen, ungeregelte territoriale oder andere Streitfragen gewaltsam zu entscheiden. Die Entfesselung eines Grenzkonflikts ist ein aggressiver Akt im Sinne des Völkerrechts, das die Beilegung zwischen staatlichen Streitigkeiten ausschließlich durch Verhandlung und Vermittlung empfiehlt.

Grenzmaße: 2 angegebene Maße (Größtmaß und Kleinstmaß), zwischen denen Paarungs- und Istmaß liegen müssen.

Grenznutzenschule: Richtung der vulgären bürgerl. politischen Ökonomie; entstand zu Beginn der 70er Jahre des 19. Jahrhundert; beruht auf der subjektiven Wertlehre, wonach der Wert einer Ware durch ihre Seltenheit und die subjektive Schätzung ihres Nutzens durch den Konsumenten bestimmt sei. Die Grenznutzenschule ist ein apologetische Versuch, den revolutionären Konsequenzen der marxistischen Arbeitswerttheorie auszuweichen und die kapitalistische Ausbeutung zu leugnen.

Grenzprovokation: organisierte Verletzung der Staatsgrenze beziehungsweise des für das Grenzgebiet festgelegten Grenzregimes durch bewaffnete Organe oder Bürger eines anderen Staates in feindseliger Absicht. Direkt oder indirekt durch den Staat veranlasst, von dessen Territorium aus sie verübt wird, und unmittelbar gegen die Souveränität und territoriale Integrität des betroffenen Staates gerichtet, ist die Grenzprovokation ein aggressiver Akt im Sinne des Völkerrechts. Dies unterscheidet sie von anderen Grenzverletzungen. Siehe auch Grenzkonflikt.

Grenzregime: alle Rechtsvorschriften und Maßnahmen, die dem Schutz der Staatsgrenze dienen und die Ordnung im Grenzgebiet regeln. Der Inhalt des Grenzregimes richtet sich nach dem Charakter der Beziehungen zwischen den benachbarten Staaten.

Grenzschicht: dünne Schicht eines strömenden Mediums geringer Viskosität (Gas oder Flüssigkeit), die an der Oberfläche umströmter Körper durch Adhäsion und Reibung entsteht, zum Beispiel von Luft an einer Flugzeugoberfläche. Innerhalb der Grenzschicht erhöht sich die Geschwindigkeit des Mediums von v = 0 am Körper bis auf die Geschwindigkeit der unbeeinflussten Strömung. Außerhalb der Grenzschicht kann die Strömung als reibungsfrei angesehen werden. Die Strömung in der Grenzschicht ist meist über eine gewisse Strecke laminar (geschichtet), danach turbulent (verwirbelt). Um ein Abreißen der Strömung zu vermeiden, kann man die Grenzschicht durch Absaugen der energiearmen Grenzschicht oder durch Energiezufuhr, zum Beispiel durch Ausblasen verdichteter Luft, beeinflussen.

Grenzsicherung: System von politisch-administrativen, polizeilichen und militärischen Maßnahmen, die die Unverletzlichkeit der Staatsgrenze zu gewährleisten haben. Zur Grenzsicherung gehören die Bewachung der Staatsgrenze, der Bau und die Unterhaltung von Sperren und Alarmanlagen, die Vereitelung oder Bereinigung von Grenzverletzungen.

Grenzstrom, Sättigungsstrom: die bei einer Elektrolyse maximal erreichbare Stromstärke. Der Grenzstrom stellt sich dann ein, wenn alle an die Elektrode gelangenden Ionen sofort entladen werden. Da der Grenzstrom konzentrationsabhängig ist, ermöglicht seine Messung die Bestimmung von Ionenkonzentrationen (Polarographie).

Grenztemperatur: höchstzulässige Temperatur von Teilen einer Einrichtung oder eines Gerätes. Häufig wird bei festgelegter Kühlmitteltemperatur auch die Grenzübertemperatur (früher Grenzerwärmung) angegeben, die bei Isolierstoffen der Wärmebeständigkeitsklasse zugeordnet ist.

Grenzwellenlänge: Übertragungskenngröße für elektromagnetische Wellenleiter (zum Beispiel Hohlleiter), die von den Querschnittsabmessungen und vom Wellentyp bestimmt wird; die Wellen sind nur dann ausbreitungsfähig, wenn ihre Wellenlänge kleiner als die Grenzwellenlänge ist.

Grenzwissenschaften: Wissenschaften, deren Gegenstände an den Übergängen zwischen einzelnen Bewegungsformen der Materie angesiedelt sind (Biophysik, physikalische Chemie und so weiter) und in deren Bereichen häufig folgenreiche Entdeckungen gemacht werden.

Grenzzyklus: Kybernetik eine in sich geschlossene Trajektorie im Zustandsraum. Der Grenzzyklus beschreibt eine (im Allgemeinen nicht sinusförmige) Schwingung der freien Bewegung, die sich selbst aufrechterhält, wenn der Grenzzyklus stabil ist.

Gresham, Sir Thomas, um 1519 bis 21.11.1579, englischer bürgerlicher Ökonom und Finanzpolitiker; wurde vor allem durch das Greshamsche Gesetz bekannt, welches besagt, dass minderwertiges Geld (zum Beispiel untergewichtige Münzen) das hochwertige Geld (zum Beispiel vollgewichtige Münzen) aus der Zirkulation verdrängt; eine der ersten entdeckten objektiven ökonomischen Gesetzmäßigkeiten.

Greßmann, Uwe, 1.5.1933-30.10.1969, Lyriker; schrieb Gedichte, die den sozialistischen Alltag auf originelle Weise mit Phantastischem vereinen («Der Vogel Frühling», 1966; «Das Sonnenauto», 1972); ferner Nachdichtungen.

Gretna Green: Dorf im Südwesten Schottlands (Großbritannien), nahe der Grenze zu England, in der Grafschaft Dumfries and Galloway; 5 500 Einwohner; bis 1856 hatte der Hufschmied des Dorfes als Friedensrichter das Recht, auf Wunsch zukünftiger Ehepartner sofort rechtsgültige Trauungen zu vollziehen.

Grey: 1. Charles, Earl of Grey, 13.3.1764 bis 15.7.1845, britischer Politiker, seit 1806 Führer der Whigs; setzte als Premierminister (1830/34) 1832 die erste große Parlamentsreform im Interesse der Industriebourgeoisie durch.

2. Edward, Viscount Grey of Fallodon, 25.4.1862 bis 7.9.1933, britischer liberaler Politiker; baute als Außenminister (1905/16) das imperialistischen Bündnissystem Großbritanniens (Entente) aus, suchte aber 1912 auch noch ein Übereinkommen mit dem imperialistischen Deutschland (siehe auch Haldane).

Greyhound, Englischer Windhund: auf nordafrikanische Vorfahren zurückgehende, sehr schnelle, kurzhaarige Windhundrasse; Rüden 67,5 cm hoch, gelb, blau und andersfarbig, auch gestromt.

Grid System: Atelierbeleuchtungssystem, bei dem ein gitterförmiges, begehbares Zwischendeck als zweite Arbeitsebene von der Atelierdecke abgehängt ist, um die Beleuchtungseinrichtung zu tragen.

Grieben, Griffen: zerkleinerte Bindegewebestückchen, die beim Ausschmelzen von Schlachtfetten Zurückbleiben.

Griechisch: Glied der indoeuropäischen Sprachen; wurde von den im Laufe des 2. Jahrtausend vor Christus in mehreren Schüben aus dem Norden nach Griechenland einwandernden Stämmen mitgebracht und verdrängte die dort gesprochene Sprache der vorgriechischen Bevölkerung. Von den Dialekten des Griechischen hatten eine ausgebildete Schriftsprache mit überlieferter Literatur das Attische, Ionische, Dorische und Äolische. Auf der Grundlage des Attischen entstand im 4. Jahrhundert vor Christus eine «Gemeinsprache», die Koine, welche zur Kultur- und Verkehrssprache des Hellenismus im gesamten östlichen Mittelmeerraum und in Vorderasien wurde und Grundlage der sich zum Mittelgriechischen (11. Jahrhundert) und zum Neugriechischen (16. Jahrhundert) weiterentwickelnden Sprache war. Das Neugriechische ist gekennzeichnet durch das Nebeneinander von Dimotiki («Volkssprache») und Katharewusa («Reinsprache»).

griechische Schrift: etwa im 11. Jahrhundert vor Christus aus der phönikische Schrift entstandene Schrift, die durch Verwendung von Vokalzeichen eine höhere Entwicklungsstufe der Lautschrift erreichte; in früherer Zeit linksläufig, später furchenwendig, dann rechtsläufig geschrieben. Von den ursprünglich 3 Regionalschriften wurde 403 vor Christus das ionisches Alphabet in Athen für verbindlich erklärt und damit zur gesamtgriechischer Schrift. Aus der griechischen Schrift entwickelten sich in Ägypten die koptische Schrift, in Italien die lateinische Schrift, im byzantinisch-slawischen Bereich die glagolitische und die kyrillische.

griechisches Feuer: stark zündendes, zäh haftendes und schwer löschbares Brandgemisch aus Salpeter, Schwefel, gebranntem Kalk, Erdöl und Harzen, das seit dem 7. Jahrhundert von den Byzantinern mit Erfolg, besonders im Seekrieg gegen die Araber, angewandt wurde.

Grieg: 1. Edvard, 15.6.1843-4.9.1907, norwegischer Komponist; schrieb, auf der skandinavischen Folklore aufbauend, zahlreiche lyrische Lieder und Klavierstücke, Bühnenmusik zu Ibsens «Peer Gynt» (1876), Klavierkonzert a-Moll (1868), Kammermusik (Violinsonaten, Streichquartett), Tänze unter anderem mit unverkennbarer Eigenart. Grieg war von bedeutendem Einfluss auf C. Sinding, J. Sibelius, auch auf C. Debussy und M. Ravel, und verschaffte der norwegischen Musik internationale Geltung.

2. Nordahl, 1.11.1902-2.12.1943, norwegischer Lyriker, Dramatiker und Erzähler; aktiver Kämpfer gegen den Faschismus. Grieg schuf, inspiriert von der sowjetischen Filmkunst, die ersten norwegischen sozialistisch-realistischen Dramen («Unsere Ehre und unsere Macht», 1935, deutsch; «Aber morgen», 1936, deutsch; «Die Niederlage», 1937, deutsch). Vom Leben der Seeleute erzählt der Roman «Und das Schiff geht weiter» (1924, deutsch); der Epochenroman «Jung muss die Welt noch sein» (1938) schildert aus kommunistischer Sicht Europa vor dem 2. Weltkrieg. Griegs politisches und künstlerisches Vermächtnis ist das Poem «Die menschliche Natur» (1942); schrieb ferner Gedichte, Reportagen, Essays.

Griesinger, Wilhelm, 29.7.1817-26.10.1868, Psychiater, Neuropathologe und Internist; Professor in Tübingen, Kiel, Kairo, Zürich und Berlin; vertrat eine naturwissenschaftlich-empirische Richtung, die viele materialistische Bestandteile und dialektische Züge enthielt; gilt als Vorläufer der materialistischen Reflextheorie und Begründer der modernen Psychiatrie in Deutschland.

Grieß: (mittelhochdeutsch, «Sandkorn», «Kies») körniges Getreidemahlprodukt; feiner als Schrot, gröber als Dunst.

Griff: durch den Tastsinn erhaltener individueller Eindruck der Dicke, Weichheit, Steifheit, Oberflächenbeschaffenheit von Textilien, Leder und Kunstleder, wenn man diese in der Hand leicht bewegt.

Griffappretur: Behandlung von Textilien mit füllenden, weichmachenden, glättenden oder beziehungsweise und versteifenden Hilfsmitteln zum Erzielen eines bestimmten Griffs.

Griffbrett: bei Saiteninstrumenten das zwischen Hals und Saiten angebrachte (meist schwarze) Brett, auf das die Griffinger der linken Hand aufgesetzt werden; bei Zupfinstrumenten und Violen durch Bünde unterteilt.

Griffelschiefer: Tonschiefer, der beim Spalten und bei Verwitterung griffelförmig zerfällt; namengebend als Leithorizont des Oberen Ordoviziums, besonders im Thüringer Schiefergebirge.

Griffith, Arthur, 31. 3.1872-12.8.1922, irischer Politiker und Publizist; 1905 Mitbegründer des Sinn Fein, 1919 Mitglied des provisorischen irischen Parlaments; schloss 1921 den Dominionvertrag mit Großbritannien und wurde als Präsident des Dáil Éireann de facto Regierungschef.

Grignard-Reaktion: (nach einem französischen Chemiker) Synthese organischer Substanzen mittels magnesiumorganische Verbindungen. Aliphatische und aromatische Halogenkohlenwasserstoffe bilden in ätherische Lösung mit Magnesium Alkyl- beziehungsweise Aryl-Magnesiumhalogenide. Die erhaltenen Grignard-Reagenzien reagieren mit Aldehyden, Ketonen unter anderem Carbonylverbindungen; dabei entstehen Additionsverbindungen, die durch Wasser zum Beispiel unter Bildung von primären, sekundären und tertiären Alkoholen, Aldehyden und Ketonen zerlegt werden.

Grijal: Fluss in Mittelamerika; 600 km; entspringt mit mehreren Quellflüssen in den Kordilleren in Guatemala, fließt im Oberlauf als Rio Grande de Chiapa nach Nordwesten (südöstliches Mexiko), im Mittellauf als Rio Mezcalapa und mündet in den Golf von Mexiko; stark schwankende Wasserführung, im Unterlauf schiffbar; Staudämme für Bewässerung und Elektroenergiegewinnung (Netzahualcóyotl mit 300 km2, 8,3 Md. m3; Agostura mit 9,2 Md. m3; Chicoasén mit 1,68 Md. m3).

Grill: mit Gas, Holzkohle, Infrarotstrahlen oder elektrisch beheizter Bratrost mit Tropfpfanne zur fettarmen Zubereitung von Fleisch, Fisch unter anderem.

Grillen, Grylloidea: Überfamilie der Springschrecken; etwa 1200 Arten, davon 8 heimisch; zirpen durch Aneinanderreiben der Vorderflügel; siehe auch Feldgrille, Heimchen, Maulwurfsgrille.

Grillparzer, Franz, 15.1.1791-21.1.1872, österreichischer Dramatiker. In Grillparzers klassisches Versdramen sind deutsche Kulturtraditionen mit dem Erbe des Wiener Volkstheaters und der spanischen Dramatik (vor allem L. F. de Vega Carpio) verschmolzen. Hauptkonfliktstoff seiner Bühnenwerke sind unlösbare Entscheidungssituationen zwischen gesellschafts-historisch bedingtem Handeln müssen und sittlich motiviertem nicht handeln können. Neben seinen dramatischen Hauptwerken «Die Ahnfrau» (1817), «Sappho» (1818), «Das goldene Vlies» (Trilogie, 1821), «König Ottokars Glück und Ende» (1825), «Ein treuer Diener seines Herrn» (1828), «Des Meeres und der Liebe Wellen» (1831), «Der Traum ein Leben» (1834), «Wehe dem, der lügt!» (1838), «Libussa», «Ein Bruderzwist in Habsburg», «Die Jüdin von Toledo» (alle postum 1872) und der Meistererzählung «Der arme Spielmann» (1848) hinterließ Grillparzer eine reiche satirische Epigrammatik, psychologisch und zeitgeschichtlich aufschlussreiche Tagebücher und autobiographische Schriften.

Grillroom: Gaststätten- oder Hotelraum, in dem Grillgerichte zubereitet und serviert werden; oft auch allgemeine Bezeichnung für Frühstücksraum.

Grimm: 1. Friedrich Melchior Baron von Grimm, 26.12.1723-19.12.1807; Diplomat und Literaturkritiker; schloss sich in Paris den Enzyklopädisten an und verbreitete deren Ideen in der von ihm 1753 begründeten «Literarischen Korrespondenz».

1. Hans Grimm, 22.3.1875 7.9.1959, Schriftsteller; trug mit dem Roman «Volk ohne Raum» (1926) unter anderem Chauvinist.

2. Jacob Grimm, 4.1.1785 20.9.1863, Sprachwissenschaftler, Jurist; Bruder von Grimm 5; begründete mit ihm die Germanistik, leitete die Erforschung deutscher Sagen und Märchen («Kinder- und Hausmärchen», 3 Bände, 1812/22; «Deutsche Sagen», 2 Bände, 1816/18) und alter deutscher Rechtsdenkmäler («Deutsche Rechtsaltertümer», 1828; «Weistümer», 1840ff.) ein. Grimm verfasste unter anderem «Deutsche Grammatik» (4 Teile, 1819/37), «Geschichte der deutschen Sprache» (1848) und begann mit Grimm 5 das «Deutsche Wörterbuch». Gehörte mit seinem Bruder zu den Göttinger Sieben.

3. Robert Grimm, 16.4.1881 - 8.3.1956, schweizerischer Politiker; Sozialdemokrat; trat auf den Konferenzen von Zimmerwald (1915) und Kienthal (1916) als Zentrist auf; half 1917 Lenin bei der Rückkehr nach Russland. 1946 Präsident des Nationalrates; verfasste eine «Geschichte der Schweiz in ihren Klassenkämpfen» (1920).

4. Wilhelm Grimm, 24.2.1786 -16.12.1859, Sprach- und Literaturwissenschaftler; Bruder von Grimm 3; mit ihm begründete er die Germanistik und leitete die Erforschung deutscher Sagen und Märchen und altdeutscher Dichtung ein («Die deutsche Heldensage», 1829, «Zur Geschichte des Reims», 1852). Grimm regte auch die Runenforschung an («Über deutsche Runen», 1821). Grimm bearbeitete für das «Deutsche Wörterbuch» den Buchstaben D.

Grimma: Kreisstadt im Bezirk Leipzig, im Tal der Mulde; 18000 Einwohner; Chemieanlagen-, Elektroschaltgerätebau, Papier-, Textil-, Leder-, Mühlen-, Baustoffindustrie; Heimatmuseum; Renaissance- (unter anderem Rathaus von 1538/85) und Barockhäuser, Frauenkirche (13./15. Jahrhundert), ehemaliges Schloss (1200); in den Ortsteilen Hohnstädt Göschenhaus mit Seume Gedenkstätte und Nimbschen Klosterruine; neue Wohngebiete.

Grimmdarm, Colon: längster Abschnitt des Dickdarms; besteht aus aufsteigendem, querverlaufendem, absteigendem und S-förmigem Teil.

Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von, um 1622-17. 8.1676, Schriftsteller; bedeutendster deutscher Erzähler des 17. Jahrhundert unter dem Einfluss der satirischen Erbauungsliteratur, des spanischen Schelmenromans und volkstümliche wissenschaftliche Literatur gestaltete er in seinem mit autobiographischen Zügen ausgestatteten, in den unteren Volksschichten angesiedelten Entwicklungsroman «Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch» (1669) sowie weiteren «Simplizianischen Schriften» (zum Beispiel «Der seltsame Springinsfeld», 1670) bekenntnishaft, mit bis dahin nicht erreichtem Realismus ein gesellschaftskritisches Bild der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In (pseudonym veröffentlichten) Geschichtsromanen und politische Schriften vertrat er die Überzeugung, dass ein durch menschlicher Vernunft zu schaffender konfessioneller Frieden Voraussetzung nationaler Erneuerung ist.

Grimsby: Stadt im Osten Englands (Großbritannien), am Humber, 92000 Einwohner; Düngemittel-, Papier- und Konservenindustrie; bedeutender Fischereihafen mit großen Docks; Badeort; in der Nähe umfangreiche Erdölverarbeitung und chemische Industrie (Immingham, Killingholme).

Grimsel: schweizerischer Alpenpass am Nordostrand der Berner Alpen; 2165 m; zwischen Haslital (Tal der oberen Aare, Kanton Bern) und Rhonetal (Kanton Wallis); Hospiz; unterhalb des Passes Grimselstausee mit Pumpspeicherwerk; Naturschutzgebiet Grimsel-Reservat.

Grind: 1. Jagdwesen das Haupt bei allen Hirscharten und beim Gamswild.

Grindelwald: Gemeinde in der mittleren Schweiz (Kanton Bern), in den östlichen Berner Alpen, zu Füßen des Wetterhorns (3703 m); 3600 Einwohner; Erholungs- und Wintersportort, Bergsteigerstandquartier (1050 m über dem Meeresspiegel); Zahnradbahn nach dem Jungfraujoch (3454 m), Pfingsteggbahn zum Unteren und Oberen Grindelwaldgletscher.

Grindwale, Pilotwale, Globicephala: bis 8,50 m lange Vertreter der Delphine mit stumpfer Schnauze und kugelförmig vorgewölbter «Stirn»; ernähren sich vorwiegend von Kopffüßern und bewohnen warme und gemäßigte Meere.

Gringo: abschätziger Name für einen Nichtromanen (besonders für Angelsachsen) im spanischen Süd- und Mittelamerika.

Grippe, Influenza, Virusgrippe: akute Infektionskrankheit des Menschen, die epidemisch und von Zeit zu Zeit sogar als Pandemie auftritt. Hervorgerufen durch Influenzaviren, wird sie vor allem durch Tröpfcheninfektion verbreitet; Eintrittspforten sind die Schleimhäute der oberen Luftwege. Plötzlicher Beginn mit erheblichen Krankheitsgefühl, Frösteln, hohem Fieber, Gliederschmerzen, Heiserkeit und trockenem, schmerzhaftem Husten. Häufige Komplikationen sind bakterielle Lungenentzündung, Herz- und Kreislaufversagen und Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Schutzimpfung ist möglich. Die hochinfektiöse Asiatische Grippe verursachte 1957 eine Pandemie, die in China begann und sich über Asien nach Amerika und Europa ausbreitete. Charakteristische Krankheitszeichen sind Kopfschmerzen, Kehlkopf- und Luftröhrenentzündung; eventuell bedrohliche Kreislaufschwäche; Lungenentzündung, Gehirnhaut- und Gehirnentzündung.

Gripsholm: schwedisches Schloss in Mariefred am Südufer des Mälarsees, westlich von Stockholm; seit 1537 für König Gustav I. Vasa an Stelle einer alten Wasserburg erbaut, im 17./18. Jahrhundert erweitert; heute Museum (mit staatlicher Porträtgalerie); auf dem Friedhof in Mariefred befindet sich das Grab K. Tucholskys.

Gris, Juan, eigentlich José Victoriano González, 23.3.1887-11.5.1927, spanischer Maler, Illustrator, Plastiker und Bühnenbildner; seit 1906 in Paris zum Kreis um P. Picasso gehörend, zählt zu den Begründern des sogenannt synthetischen Kubismus. Er schuf vor allem Stillleben und figürlichen Darstellungen.

Grisaille: monochrome Malerei, die nur Grautöne verwendet und oft zur illusionistischen Nachahmung von Plastik verwendet wurde.

Griseldis, Heldin eines deutschen Volksbuchs, Sinnbild weiblicher Treue (nach einer Novelle Boccaccios); Bearbeitung des Stoffes unter anderem durch Griseldis Hauptmann.

Griserde: (französisch gris, «grau») Bodentyp ohne Grundwasser- und Staunässemerkmale mit Tonverlagerung, humusgrauen Partien im E-Horizont und schwärzlichen, humusreicheren Tonhäutchen im Bt-Horizont (B-Horizont).

Grit: grober Sand; wird dem Geflügelfutter beigemischt, um die mechanische Zerkleinerung des Futters im Muskelmagen zu fördern.

Grits: grober Maisgrieß; Zwischenprodukt bei der Herstellung bestimmter Maisnährmittel (zum Beispiel Maisflocken).

Grobfutter: Sammelbezeichnung für Grünfutter, Silagen, Trockengrün- und Raufutter; wegen seiner physikalischen Struktur wichtiger Bestandteil der Futterrationen für Wiederkäuer.

grobianische Dichtung: Dichtungsart des 15./16. Jahrhundert, die, anknüpfend an die höfliche Anstandslehren des Mittelalters und die bürgerliche «Tischzuchten» des 15. Jahrhundert, unflätiges Verhalten in der Form von satirischen verkehrten Anstandsregeln anprangert (unter anderem S. Brant, H. Sachs, J. Eischart); benannt nach der lateinischen Dichtung «Grobianus» (1549) von F. Dedekind.

Grobkeramik: keramische Erzeugnisse, bei denen im Scherben unterschiedlicher Bestandteile mit bloßem Auge erkennbar sind. Hierzu gehören zum Beispiel Ziegeleierzeugnisse und feuerfeste Materialien.

Groener, Wilhelm, 22.11.1867-3.5.1939, General und Politiker; wurde 1918 (als Nachfolger E. Ludendorffs) Erster Generalquartiermeister; war maßgeblich an der Niederschlagung der Novemberrevolution (in enger Verbindung mit F. Ebert) und am Aufbau der Reichswehr beteiligt; 1920/23 Verkehrs-, 1928/32 Reichswehr- und 1931/32 zugleich Innenminister; wirkte mit am Abbau der parlamentarischen Demokratie.

Grog: alkoholisches Heißgetränk, das aus Rum (oder Arrak, Weinbrand), Zucker und Wasser bereitet wird. Bei Toddy kommt eine Zitronenscheibe hinzu.

Gromaire, Marcel, 24.7.1892-11.4.1971, französischer Maler, Graphiker und Illustrator. Gromaires Kompositionen haben eine strenge, auf Plastizität zielende Formensprache, die die Entwürdigung des Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft verdeutlicht.

Groningen: 1. Provinz im Norden der Niederlande; 2337 km2, 560000 Einwohner; 240 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Groningen 2; im Norden Marschen, im Südwesten und Südosten sandig; Erdgasforderung; im Norden vielseitige Industrie; ertragreicher Ackerbau. 2. Stadt im Nordosten der Niederlande, Verwaltungszentrum von Groningen 1; 170000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie, besonders Nahrungs- und Genussmittel-, Möbel- und Bekleidungsindustrie; Fahrradbau; Landwirtschaftsmarkt für Obst und Getreide; Kanalknoten, Hafen, durch Emskanal von See her erreichbar; Universität, Universitätsbibliothek; gotische Martinikirche (15. Jahrhundert, 95 m hoher Turm). Im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt. 1579 schloss sich Groningen der Utrechter Union an.

Grönland: größte Insel der Arktis und der Erde, wird geographisch zu Nordamerika gerechnet, politisch zu Dänemark (mit innerer Autonomie) gehörend; reicht von 59°50' nördliche Breite (Kap Farvel) bis 83°37' nördliche Breite (Kap Morris Jesup); 2650 km lang, bis 1000 km breit; 2175 600 km2, davon etwa 341700 km2 eisfrei, 52000 Einwohner; 0,02 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum ist Nuuk. Den Hauptteil der Bevölkerung bilden Grönländer, daneben einige hundert Eskimo und etwa 8 500 Dänen. Hauptsiedlungsgebiet ist die Westküste, wo in 117 kleinen Ortschaften 91 % der Gesamtbevölkerung leben. Grönland ist ein leicht gewelltes Hochland, das an den Küsten durch zahlreiche Fjorde, Buchten und Meeresstraßen gegliedert ist. Das bis 3000 m mächtige Inlandeis bewegt sich an den Küsten zum Meer und lässt oft Eisberge von mehreren Kilometern Länge entstehen. Den Hochlandsrand umsäumen bis über 3500 m hohe (Gunnbjorn im Osten, 3 700 m) Gebirge. Es herrscht polares und subpolares Klima, an der Westküste durch den Golfstrom gemildert. Die Küstenstreifen, an der Westküste bis 150 km breit, und alle vorgelagerten Inseln sind eisfrei und haben Tundra Vegetation. Grönland verfügt über reiche Eisen-, Chrom-, Nickel-, Molybdän-, Uran- und Thorium vorkommen; im Schelfgebiet Erdöl. Wirtschaftliche Bedeutung haben bei Ivigtut der Kryolith-, bei Mesters Vig der Bleierzabbau und der von den Eskimo betriebene Fisch- und Robbenfang sowie die Pelztierjagd. Im äußersten Südwesten Schafzucht. Seit 1940 unterhalten Streitkräfte der USA hier mehrere Luft- und Flottenstützpunkte; die US-amerikanische Militärbasis Thule wird von einem Kernreaktor mit Energie versorgt. Grönland wurde im 10. Jahrhundert entdeckt und von Island aus besiedelt (983 Erik der Rote); seit 1261 unterstand es Norwegen und kam über die Kalmarer Union 1397 an Dänemark. Seit dem 14. Jahrhundert Aussterben der Siedlungen; im 18. Jahrhundert erfolgte von Dänemark aus mit der Missionierung eine Neubesiedlung, die handelspolitischen Interessen diente. Die Besetzung Ost-Grönlands durch Norwegen 1931/32 führte zur Auseinandersetzung mit Dänemark, die 1933 der Ständige Internationale Gerichtshof zu dessen Gunsten entschied. 1953 wurde Grönland Landesteil Dänemarks mit eigenem Minister (1960). Am 1.5.1979 wurde nach Volksabstimmung die Selbstverwaltung eingeführt. Die Wahlen zum ersten gesetzgebenden Parlament (April 1979) ergaben eine Mehrheit der für nationale Selbstbestimmung und gegen den Verbleib in der EWG eintretenden Siumut-Partei, die die Regierung bildet (seit 1984 in Koalition mit der Partei Inuit Ataqatigiit).

Grönländer: auf Grönland ansässige eskimoisch-dänischer Mischbevölkerung, die die Eskimosprache bewahrt hat; über 42000; im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhundert Aufgabe der traditionellen Eskimokultur.

Grönlandwal, Balaena mysticetus: bis 18 m langer Glattwal arktischer Meere mit im Oberkiefer beiderseits mehr als 300 Barten, die bis 4 m lang werden. Durch Schutzmaßnahmen nehmen die noch geringen Bestände wieder zu.

Grootfontein: Stadt (Distriktzentrum) im Norden Namibias, 1460m überm Meer; etwa 4000 Einwohner; Mittelpunkt eines Agrargebietes; Flughafen; im Umland Buntmetallerz- und Vanadium Bergbau.

Gropius, Walter, 18.5.1883-5.7.1969, Architekt, Kunsthandwerker und Fachschriftsteller; Schüler von P. Behrens; gründete 1919 das Staatliche Bauhaus, das er bis 1928 leitete. 1934 Emigration nach Großbritannien; 1937/52 Professor an der Harvard-Universität in Cambridge (Mass., USA). Gropius gehört zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhundert Unter Einbeziehung neuer industrieller Technologien schuf er zweckmäßige, materialgerechte und ästhetisch wirkungsvolle Wohn- und Industriebauten sowie Gestaltungsentwürfe für industrielle Massenprodukte.

Groppe: bis 15 cm langer, heimischer Grundfisch von keulenförmiger Gestalt und mit großen, verbreiterten Brustflossen; kleinere Fließgewässer bewohnender Kleintierjäger.

Gros: alte Zähleinheit; 1 Gros = 12 Dutzend = 144 Stück.

Groschen: 1. chemische Silbermünze, in Deutschland seit dem 14. Jahrhundert, galt 12 Pfennig oder, seit Mitte 16. Jahrhundert, für Taler, im 19. Jahrhundert («Neugroschen») 10 Pfennig.

2. seit 1923 kleine Währungseinheit in Österreich.

3. umgangssprachlich Zehnpfennigstück.

Groshundert: alte Zähleinheit; 1 Groshundert = 120 Stück.

Großblockbau: Montagebauweise, vorwiegend für den fünfgeschossigen Wohnungsbau. Die Blöcke (bis zu einer Masse von 800 kg) werden aus Schwer- oder Leichtbeton in Standbatterien oder im Strangverfahren (Gleitfertiger) hergestellt und auf der Baustelle montiert.

Großdeutsche: in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 geprägte Bezeichnung für die Abgeordneten, die im Gegensatz zu den Kleindeutschen die Einigung Deutschlands unter Einschluss Österreichs herbeiführen wollten.

Große Armee, Grande Armée: Heer Napoleons I., das aus Franzosen und Angehörigen aller unterworfenen Staaten Europas bestand. Große Armee bezeichnet die Truppen, die zur Invasion gegen Großbritannien aufgestellt wurden und 1806/07 in Preußen kämpften sowie das Heer, das 1812 in Russland einfiel und auf dem Rückzug von Moskau über die Beresina (1812) fast völlig aufgerieben wurde.

Große Australische Bucht: weitgespannte flache Meeresbucht des Indischen Ozeans an der Südküste Australiens, meist mit Steilküste, vor allem an der Küste der Nullarbor-Ebene; sehr brandungsreich; keine Naturhäfen.

Große Chinesische Mauer, Chinesische Mauer, Große Mauer, alte Verteidigungsanlage in Nordchina, errichtet Ende des 3. Jahrhundert vor Christus unter Ausnutzung bereits bestehender Anlagen; ihre heutige Gestalt erhielt sie in der Zeit der Ming-Dynastie; durchschnittliche Abmessungen sind 6,60 m Höhe, 6,50 m untere, 5,50 m ober Breite, geschätzte Länge 5000 km.

Große Ebenen, Great Plains: Landschaft zwischen dem Felsengebirge und dem Zentralen Tiefland in Nordamerika; bis 700 km breit; steigt von Osten nach Westen bis auf 1800 m über dem Meeresspiegel an. Flach eingemuldete Kreideschichten werden von tertiären Sanden überlagert. Der kanadische Teil ist meist mit Wald bedeckt, der niederschlagsarmere US-amerikanische wird vorwiegend von Prärie eingenommen, die im Osten meist ackerbaulich, im Westen weidewirtschaftlich (Rinderzucht) genutzt wird. Infolge falscher Bewirtschaftungsmethoden sind in weiten Teilen der Große Ebenen Erosionsschäden großen Ausmaßes aufgetreten; sehr reiche Erdöl- und Erdgaslagerstätten.

Größengleichung: Gleichung, in der die Formelzeichen physikalische Größen bedeuten. Die Größengleichung ist unabhängig von der Wahl der Einheiten, in denen die Größen ausgedrückt werden können; zum Beispiel ist W= m v2/2 die Größengleichung für die kinetische Energie W eines Körpers der Masse m und der Geschwindigkeit t).

Großenhain: Kreisstadt im Bezirk Dresden, an der Röder; 19000 Einwohner; Maschinenbau, Gesenkschmiede, elektrotechnische, Textil- und Bekleidungs-, Papierindustrie; Verkehrsknoten; Karl-Preusker-Bibliothek (seit 1828; älteste deutsche Volksbücherei); Museum; Institut für Lehrerbildung; barocke Stadtkirche, Bürgerhäuser(18. Jahrhundert),Pulverturm.(15. Jahrhundert).

Größenordnung: Bereich, in dem der Zahlenwert einer physikalischen Größe liegt; wird gewöhnlich in Zehnerpotenzen angegeben; zum Beispiel liegt der Durchmesser eines Atoms in der Größenordnung von 10-8, wenn er in cm gemessen wird.

Große Randstufe: Randschwelle des südafrikanischen Hochlandes zum Indik und Atlantik, die in Form einer weitgespannten Rumpftreppe südlich des Limpopos im weiten Bogen die Republik Südafrika, Swasiland und Namibia durchzieht und bis zum Hochland von Angola reicht; höchster Teil sind die Drakensberge.

Großer Bärensee: buchten- und inselreicher Süßwassersee im Nordwesten Kanadas (Mackenzie-Distrikt); 119m überm Meer, 31080km2, bis 137m tief; nur 4 Monate eisfrei; entwässert über den Großen Bärenfluss in den Mackenzie (beide schiffbar); durch Flüsse und Seen mit dem Großen Sklavensee verbunden.

Großer Beerberg, Beerberg: höchster Berg (Porphyr) des Thüringer Waldes in der Nähe des Rennsteiges, östlich von Zella-Mehlis; 982 m.

große Rechte: Urheberrecht Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte an abendfüllenden dramatischen und musikdramatischen Werken; die Abgrenzung zu den von der AWA wahrgenommenen Rechten an nichtdramatischen Werken der Musik (kleine Rechte) ist besonders bei der teilweisen Verwendung von Werken genau zu prüfen.

Großer Inselsberg, Inselsberg: Porphyr-Berg im Nordwestteil des Thüringer Waldes; 916 m; Sendeanlagen; Wintersport.

Großer Kanal, chinesisch Da Yunhe: bedeutende Binnenwasserstraße im Osten Chinas, zwischen Peking im Norden und Hangzhou im Süden; früher Kaiserkanal; verbindet die Flusssysteme des Hai He, Huang He, Huai He, Chang Jiang und Qiantang Jiang; 1782 km lang; Baubeginn Anfang des 7. Jahrhundert, Ende des 13. Jahrhundert fertiggestellt; seit 1958 umfangreiche Arbeiten zur Vertiefung und Verbreiterung des Großen Kanals, der jetzt von 3000-BRT-Schiffen befahren werden kann. Der Kanal diente im alten China besonders dem Reistransport vom Süden nach dem Norden.

Großer Müggelsee, Müggelsee: See in waldreicher Lage im Südosten Berlins, von der Spree durchflossen; 7,4 km2, bis 8 m tief; nahe dem Südufer Müggelberge (115 m) mit Müggelturm; Berliner Naherholungsgebiet.

Großer Salzsee: abflussloser Salzwassersee im Westen der USA, am Fuße des Wasatch-Gebirges im Bundesstaat Utah; 1280 m überm Meer, schwankende Flächenausdehnung zwischen 3900 und 5200 km2, durchschnittlich 4 m, maximal 15 m tief; Salzgehalt 26,7 %; Zuflüsse vom Wasatch-Gebirges (Bear, Ogden, Weber, Jordan); seit 1904 von 20,4 km langem Eisenbahndamm durchquert; Salzgewinnung; nahe dem Ostufer die Großstadt Salt Lake City.

Großer Sklavensee: Süßwassersee im Norden Kanadas (Mackenzie-Distrikt); 156 m über dem Meeresspiegel, 28 570 km2, 480 km lang, 110 km breit, bis 614 m tief; Zufluss durch Slave, Abfluss durch Mackenzie; Teil des Mackenzie-Flusssystems; beachtliche Fischereiwirtschaft; am Südufer Blei- und Zinkerzbergbau.

Großer Süden: südlichste Großregion Chiles; beginnt südlich der Insel Chiloe und umfasst Teile der Kordillere sowie von Ostpatagonien und Feuerland; größtenteils stark zerklüftete Gebirge, davon annähernd 19000 km2 stark vergletschert; bei ozeanischem, kühlgemäßigtem Klima im Nordwesten Zypressen und Hartlaubvegetation, im Südwesten und Süden ausgedehnte Buchenwälder, im Osten größtenteils Gras- und Strauchsteppe; Hauptwirtschaftszweig ist die Schafzucht, ferner Holzwirtschaft, Erdöl- und Erdgasförderung.

Große Sandwüste: heißester und vegetationsärmster Teil Australiens, im Norden von Westaustralien; etwa 500000 km2; durchschnittlich 400 bis 500 m hoch; häufig bis zu 6 Monaten Temperaturen über 38 °C; Sanddünen, Salzseen.

Großes Barriereriff: größtes lebendes Korallenriff der Erde, 16 bis 240 km vor der Nordostküste Australiens; über 2000 km lang, 300, bis 2000 m breit; etwa 600 Eilande; Schifffahrtshindernis mit 10 Durchlässen für die Schifffahrt und vielen Kanälen zu den lagunenartigen Küstengewässern; Tourismus. Beginnende Zerstörung durch zunehmende Meeresverschmutzung.

Großes Becken: Hochplateau im Westen der USA (Nevada); im Norden vom Columbia Plateau, im Osten vom Wasatch-Gebirge, im Süden vom Coloradoplateau und im Westen von der Sierra Nevada begrenzt; 546000 km2; durchschnittlich 1300 bis 1600m überm Meer Aus weitgespannten schutterfullten Ebenen und flachen Becken ragen zahlreiche in meridionaler Richtung streichende, tief zertalte Bergketten (bis 3 982 m) auf. Infolge allseitiger Abgeschlossenheit von ozeanischen Einflüssen durch hohe Gebirgszüge herrscht durchgehend arides Klima mit großen Temperaturschwankungen und geringem Niederschlag. Überwiegend Binnenentwässerungsgebiet; die aus den Gebirgen kommenden Flüsse münden in Salzsümpfen oder -seen, deren bedeutendster der Große Salzsee ist. Vorherrschend ist Halbstrauchsteppe, die von unterschiedlich großen Halbwüstenarealen durchsetzt ist; geringer Baumwuchs nur an den Gebirgshängen über 2400 m Höhe (Ponderosa-Kiefer und baumförmige Wacholderarten). Bewässerungsfeldbau entlang der Fußhügelzone des Wasatch-Gebirges und in den Tälern der Flüsse; extensive Viehwirtschaft; Bergbau auf Kupfer- und Edelmetallerze.

Große Seen: 5 große, untereinander verbundene Süßwasserseen in Nordamerika; der Michigansee gehört zu den USA, durch die anderen 4 Seen verläuft die Grenze zu Kanada; Gesamtfläche 245400 km2; Eisbedeckung im Nordwesten bis 145 Tage, im Südosten bis 100 Tage. Der Sankt-Lorenz-Seeweg (insges. 3 770 km) führt von Duluth durch die Große Seen unter Berücksichtigung der Kanäle von Sault Ste. Marie (zwischen Oberem und Huronsee), des St. Clair River, des St.-Clair-Sees und Detroit River (zwischen Huron- und Eriesee) und des Wellandkanals (Umgehungskanal der Niagarafälle) bis zum Ausfluss des Sankt-Lorenz-Stromes aus dem Ontariosee über den 293 km langen kanalisierten Teil dieses Stromes bis zum Atlantischen Ozean. Ferner bestehen Kanal Verbindungen zum Hudson, Mississippi und Ohio.

Große Victoriawüste: Sandwüste nördlich der Nullarbor-Ebene im Innern Australiens, 150 bis 300 m über dem Meeresspiegel; etwa 300000 km2; im Norden Dünen, im Süden Salzseen; Spinifex-Vegetation; Raketenversuchsgelände.

Großfamilie: Völkerkunde Familienverband unter mehr oder weniger autoritärer Leitung eines im Allgemeinen männlichen Oberhauptes, umfasst mehrere Generationen, die eine Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaft bilden; die patriarchalische Großfamilie stellt die typische Wirtschaftseinheit bei Hirtennomaden dar.

Großflügler, Schlammfliegen, Megaloptera: Ordnung der Netzflügler mit rund 100 Arten von 1 bis 13 cm Länge, bei einer Flügelspanne bis 20 cm; heimisch sind 2 Arten der Familie Wasserflorfliegen (Sialidae); Larven leben räuberisch im Wasser. Siehe auch Netzflügler.

Großformatkamera: vorzugsweise im Atelier benutzte Kamera mit Negativformaten von 9 cm x 12 cm und größer. Objektiv und Rückteil sind durch einen Balgen verbunden und meist allseitig schwenk- und verstellbar, um zum Beispiel bei der Aufnahme die Schärfentiefe zu vergrößern.

Großforschung: Forschung zum Zwecke der Realisierung von Projekten, die in materiell-technischer, finanzieller und personeller Hinsicht äußerst aufwendig sind und in der Regel interdisziplinäre Arbeitsweise und eine hierarchisch straff gegliederte Leitungs- und Organisationsstruktur erfordern.

Großfürst: ursprünglich in Russland und Litauen der Oberherrscher; in Russland seit 1521 nur noch Titel der Moskauer Herrscher, seit 1886 Titel der Brüder, Söhne und Enkel des Zaren.

Großfußhühner, Megapodiidae: australisch-indonesischen Hühnervögel von 25 bis 65 cm Länge und mit meist braunschwarzem Gefieder, kräftigen Beinen, kurzen Flügeln und langem Schwanz. Faulende Pflanzenteile werden zu großen Laubhaufen von 3 bis 5 m Durchmesser zusammengescharrt, in denen die 6 bis 13 Eier in 45 bis 100 cm Tiefe durch Gärungswärme ausgebrütet werden oder auch durch die Wärme vulkanische Quellen beziehungsweise der Sonne. Im tropischen Regenwald Nordostaustraliens lebt das Talegalla-Huhn (Alectura lathami).

Großglockner: höchster Berg Österreichs, in der Glocknergruppe der Hohen Tauern; 3 797 m; doppelgipflig, aus Chloritschiefer bestehend, an der Nordflanke die Pasterze, der größte Ostalpengletscher; an der Südseite Naturschutzgebiete. Die Großglockner Hochalpenstraße (156 km; höchster Punkt 2505 m) führt von Bruck (Salzachtal) durch das Fuschertal nach Heiligenblut (Mölltal) mit Abzweig zur Edelweißspitze (2577 m) und zur Franz-Josephs-Höhe (2369 m, Großglocknersicht); meist nur von Juni bis Oktober benutzbar.

Großgörschen: Gemeinde östlich von Weißenfels. Am 2. 5. 1813 besiegte Napoleon I. in der Schlacht bei Großgörschen die russisch-preußischen Truppen.

Großhandel: Verkauf von Waren zum Weiterverkauf beziehungsweise zur Weiterverarbeitung.

Großhandelsabgabepreis, Abkürzung GAP: aus Industrieabgabepreis und Großhandelsspanne zusammengesetzter Preis, zu dem der Einzelhandel und andere gewerbliche Abnehmer die Erzeugnisse vom Großhandel beziehen. In anderen sozialistischen Ländern wird der Industrieabgabepreis als Großhandelsabgabepreis bezeichnet.

Großhandelsgesellschaft, Abkürzung GHG: nach Warenhauptgruppen spezialisierter sozialistischer Großhandelsbetrieb zur Belieferung des Einzelhandels mit Konsumgütern. GHG sind hervorgegangen (1960) aus dem organisatorischen Zusammenschluss der volkseigenen Großhandelskontore mit dem konsumgenossenschaftlichen Großhandel.

Großherzog: Landesfürst; Adelstitel zwischen Herzog und König.

Großhirn: größter Abschnitt des Gehirns, der beim Menschen die höchste Ausbildung erreicht hat und den anderen Teilen übergeordnet ist. Das Großhirn besteht aus rechter und linker Hälfte (Hemisphäre), die durch den Balken verbunden sind. Die Großhirnrinde (Cortex cerebri) liegt an der Oberfläche, lässt Furchen (Sulci) und Windungen (Gyri) erkennen und enthält in mehreren Schichten angeordnete Nervenzellen (graue Substanz). An jeder Großhirnhemisphäre sind ein Stirn-, ein Scheitel-, ein Schläfen- und ein Hinterhauptlappen zu unterscheiden. Unter der Großhirnrinde liegen, von weißer Substanz umgeben, zu Kerngebieten vereinigte Nervenzellen (Basalganglien). Die Hauptfunktionen des Großhirns sind.

Großkaliberpistole: Schießsport Faustfeuerwaffe mit Kaliber 7,62 ... 9,65mm, bis zu 1,4kg Masse, s 153 mm Lauflänge und 13,33 N Abzugswiderstand. Geschossen werden 60 Schuss (30 + 30): 30 Schuss Genauigkeit auf Zehnerringscheiben und 30 Schuss Schnellfeuer auf Silhouetten Scheiben, Entfernung 25 m.

Großkopfschildkröte, Platysternon megacephalum: kühle, steinige Bergbäche Südostasiens bewohnende Schildkröte mit bis 20 cm langem Panzer und auffällig großem Kopf; frisst Wasserschnecken.

Großkreis: Kreis auf einer Kugel, der beim Schnitt mit einer Ebene durch den Kugelmittelpunkt entsteht; sein Radius ist zugleich Kugelradius. Ein Großkreis ist geodätische Linie auf der Kugel und hat unter allen Kreisen auf der Kugel größtmöglichen Radius und Umfang.

Großkreuz: höchste Klasse der meisten Orden, in der Regel an einem breiten, über die Schulter hängenden Band (Großkordon) getragen. Bei einigen Orden mit Erhebung in den erblichen Adel oder in eine höhere Adelsstufe verbunden.

Großmährisches Reich: ältester westslawischer Staat mit dem Kern in Mähren und stadtähnliche Burgsiedlungen als Zentren. Er entstand im Übergang zum Feudalismus Anfang des 9. Jahrhundert, umfasste den größten Teil der westslawischen Stämme und zerbrach 906 unter dem Ansturm der Ungarn. Während der Herrschaft des Fürsten Rastis Jav (846/70) scheiterte der Versuch, mit Hilfe der byzantinischen Missionare Kyrill und Method in Anlehnung an die byzantinische Kirche eine eigene, vom Frankenreich (Bayern) unabhängige Kirchenorganisation aufzubauen.

Großohren, Langohren, Plecotus: Fledermausgattung der Glattnasen mit sehr großen Ohren, die während des Tag- und Winterschlafes unter die Flügel gelegt werden. Die in Europa und Nordamerika lebenden Großohren überwintern ab Oktober in Felshöhlen.

Großrussisch: Bezeichnung für die russische Sprache, die vor allem zur historischen Unterscheidung von der ukrainischen (kleinrussischen) und der belorussischen (weißrussischen) Sprache dient.

Großsteingrab, Megalithgrab: Grabbauten für Kollektivbestattungen aus unbehauenen beziehungsweise grob zugerichteten Steinblöcken (Megalithen), die seit der Jungsteinzeit in verschiedenen Zeitperioden bekannt sind. ursprünglich mit Erdhügel bedeckt, entwickelten sich aus einfachen (Dolmen) größere und komplizierte Formen (Ganggräber, galerie couverts unter anderem).

größter gemeinsamer Teiler, Abkürzung (größter gemeinsamer Teiler): die größte Zahl, die Teiler von jeder der gegebenen Zahlen ist; von 8 und 12 zum Beispiel sind 1, 2 und 4 gemeinsame Teiler, 4 ist der größte.

Großuhr: jede Uhr, deren Werk unabhängig von ihrer äußeren Ausführung mehr als 12 mm dick ist, wobei die Werkdicke über Werkplatten und -brücken gemessen wird. Die Großuhr ist im Allgemeinen nicht zum Tragen am Körper bestimmt. Siehe auch Kleinuhr.

Großvatertanz: alter beliebter Familientanz als Schlusstanz bei Hochzeiten; ursprünglich Kettentanz, im 19. Jahrhundert aber auch eine Tanzfolge aus verschiedenen Volkstänzen.

Großvieh: größere Nutztiere, wie Pferde, Rinder, Schweine und Schafe, im Unterschied zum Kleinvieh.

Großvieheinheit, Abkürzung GVE: Vergleichszahl, die 500 kg Großvieh entspricht; mit ihrer Hilfe lässt sich für Berechnungen und Betriebsanalysen der Viehbesatz landwirtschaftliche Betriebe in vergleichbaren Zahlen ausdrücken. Für Tiere verschiedener Arten und Altersklassen werden dabei Durchschnittsmaßen zugrunde gelegt.

Großwesir: ehemaliger Titel des obersten, nur dem Herrscher unterstellten Beamten muslimischer Staaten; bis 1922 Titel des türkischen Ministerpräsidenten.

Großwetterlage: großräumige Luftdruckverteilung, die charakteristischen Merkmale der herrschenden atmosphärischen Zirkulation und der mit ihr zusammenhängenden Witterung widerspiegelt.

Großtausend: alte Zähleinheit; IG. = 1200 Stück.

Grosz, George, 26. 7.1893-6. 7.1959, Graphiker, Maler und Bühnenbildner; Studium in Dresden und Berlin; Mitbegründer der Roten Gruppe. 1932/59 wirkte Grosz als Hochschullehrer in New York. Als «entartet» verfeint, wurde er 1938 ausgebürgert; 1959 ging er in die BRD. Grosz bildete einen sehr persönlichen Zeichenstil von linienbetonter, harter Strichführung aus. Mit ätzender Schärfe und Treffsicherheit enthüllte er die sozialen Missstände seiner Zeit, geißelte Spießertum, Bourgeoisie und Militarismus. Mit der Übersiedlung in die USA erfolgte ein Wandel zu besinnlichen, lyrischen Tönen. Es entstanden besonders Naturdarstellungen und Stillleben.

Grotefend, Georg Friedrich, 9.6.1775-15.12.1853, Philologe; entzifferte als erster 1802 die Keilschrift, ausgehend von der Buchstabenschrift der altpersischen Königsinschriften in Persepolis.

grotesk: seltsam; verzerrt, übertrieben. Das Groteske bezeichnet Besonderheiten der künstlerischen Form und Wirkung, wie karikaturistische Verzerrung, bitterkomische und derbe Gestaltung, satirische oder phantastische Überspitzung und Verkehrung; widerspiegelt gesellschaftliche Widersprüche, die als unlösbar oder noch nicht lösbar erscheinen, findet Niederschlag unter anderem in der literarischen Form der Groteske.

Groteske: 1. Rankenornament mit eingeflochtenen stilisierten Menschen- und Tierfiguren, Trophäen u. ä.; aus der Spätantike von der Renaissance übernommen.

2. künstlerische, meist literarische Form der derbkomischen, drastischen Darstellung, die mit bewusst karikierender Verzerrung oder satirische Übersteigerung vorzugsweise das Paradoxe, Dämonische und Groteske herausarbeitet. Sie kann zum Mittel der Gesellschaftskritik werden. Meister der Groteske in der Literatur waren E. T. A. Hoffmann, F. Kafka, C. Morgenstern, J. Ringelnatz; E. A. Poe, M. Twain, N. Gogol, M. Bulgakow; in der bildenden Kunst waren es F. Goya, H. Daumier, Groteske Grosz, H. Grundig.

Groteskschrift: veraltende Bezeichnung für eine Schriftgattung, die im 19. Jahrhundert in England in Anlehnung an die ältesten Steininschriften zunächst für Auszeichnungszwecke entwickelt wurde; gibt nur das Skelett der Buchstaben in gleichmäßiger Strichführung wieder (Blockschrift). Im 20. Jahrhundert starke Wiederbelebung als elementare Druckschrift. Siehe auch Linearantiqua.

Groth, Klaus, 24.4.1819-1.6.1899, Schriftsteller; neben F. Reuter und J. Brinckmann Begründer der niederdeutschen Dialektdichtung; schrieb ausdrucksstarke und stimmungsvolle Lyrik («Quickborn», 1852/71) und Erzählungen; schuf mit dem Germanisten K. Müllenhoff die Grundlage für eine Orthographie des Niederdeutschen.

Grotius, Hugo, eigentlich Huigh de Groot, 10.4.1583-28.8.1645, niederländischer Jurist und Staatsmann; einer der Begründer der Naturrechtslehre und der bürgerlichen Staatslehre. Grotius legte den Grund für das bürgerliche Völkerrecht und stellte den Grundsatz von der Freiheit der Meere auf.

Grotjahn, Alfred 25.11.1869-4.9.1931, Arzt, Sozialhygieniker und Gesundheitspolitiker; wirkte als praktischer Arzt, später als Professor in Berlin. Grotjahn umriss und systematisierte erstmalig unter den Bedingungen der sich zuspitzenden Klassengegensätze in der kapitalistischen Gesellschaft die sozialwissenschaftliche Aspekte von Gesundheit und Krankheit; Begründer der Sozialhygiene als eigenständige Disziplin.

Grotowski, Jerzy, geboren 11.8.1933, polnischer Regisseur, Theaterleiter und -theoretiker; entwickelte in seiner 1959 in Opole gegründet «Theaterwerkstatt» (1965/84 in Wroclaw) Formen des körperlichen Ausdruck und Ritualisierung betonenden Theaterspiels in der Nachfolge A. Artauds unter anderem weiter; durch Gastspiele seines Ensembles und internationale Lehrkurse auch im Ausland bekannt.

Grottenolm, Proteus anguinus: rötlichweißer, bis 30 cm langer Schwanzlurch der Höhlengewässer dalmatinischer Karstgebirge. Die Augen sind rückgebildet, äußere Kiemen zeitlebens vorhanden; frisst Kleinkrebse und Würmer.

Grottger, Artur, 11.11.1837-13.12.1867, polnischer Maler; studierte in Lwow, Krakow und Wien; schuf vor allem großformatige Zeichner. Zyklen, die eine spätromantische Heroisierung des Aufstandes von 1863 sind.

Grotzen: Rückenlinie von Pelzfellen, meist durch dunklere Färbung und längeres Haar gekennzeichnet.

Grotzieren: Arbeitsgang der Rauchwarenveredlung zur Betonung des natürlichen Grotzens oder zum künstlichen Aufbringen von Farbgrotzen auf Pelzfelle und Pelzhalbfabrikate.

Group Theatre: progressives US-amerikanischen Theaterensemble in New York, 1931/41 unter Leitung von H. Clurman, L. Strasberg unter anderem tätig. Das Group Theatre hat besondere Verdienste um Erprobung und Verbreitung der Methode K. S. Stanislawskis und die Förderung zeitgenössischer Dramatik (C. Odets, I. Shaw unter anderem).

Grove Vallejo, Marmaduke, 6. 7.1879 bis 15.5.1954, chilenischer Militär und Politiker; 1932 Führer eines spontanen revolutionären Aufstandes, 1933 Mitbegründer der sozialistischen Partei, in der er die kleinbürgerlich-radikale Fraktion vertrat; gründete 1943 die Authentischen sozialistischen Partei und trennte sich damit von der Arbeiterbewegung.

Groza, Petra, 7.12.1884-7.1.1958, rumänischer Politiker, gründete 1933 die antifaschistische Bauernorganisation «Pflügerfront» (1953 Selbstauflösung), trat 1943 der Patriot. Antihitlerfront bei. 1943/44 eingekerkert, kämpfte er nach der Befreiung an der Seite der KP um revolutionäre Veränderungen. Groza war 1945/52 Vorsitzender des Ministerrates und seitdem Vorsitzender des Präsidiums der Großen Nationalversammlung.

Grabber, (englisch to grub «graben») Kultivator: Bodenbearbeitungsgerät zur Lockerung, Krümelung, Durchmischung und Durchlüftung des Bodens. Die am Rahmen des Gerätes befestigten hakenartigen, keilförmigen Werkzeuge (Grubberzinken) in starrer, halbstarrer oder federnder Ausführung tragen an den Spitzen auswechselbare meißel- oder gänsefußartige Grubberschare.

Grube-Deister, Elsa, geboren 11.1.1926, Schauspielerin; seit 1953 am Berliner Ensemble, seit 1960 am Deutschen Theater (unter anderem Titelrolle in «Die schöne Helena» von Offenbach/Hacks, Juno in «Juno und der Pfau» von O’Casey, Marthe Rull in «Der zerbrochene Krug» von Kleist), auch bei Film und Fernsehen («Jeder stirbt für sich allein»).

Grübelsucht: der abnorme, willentlich nicht unterdrückbare Zwang, über bestimmte Fragen und Probleme andauernd nachdenken zu müssen, besonders bei Zwangsneurosen und endogenen Depressionen.

Grubenausbau: Bezeichnung für alle Einrichtungen, die in Grubenbaue oder das umgebende Gestein eingebracht werden, um die Grubenbaue offenzuhalten, sie gegen die Auswirkungen des Gebirgsdrucks und gegen Eindringen von Wasser zu sichern sowie Steinfall zu verhindern. Die Art des Grubenausbaus hängt ab von Art, Form, Größe, Aufgabe und beabsichtigter Standdauer des auszubauenden Raumes und seiner Lage im Grubengebäude, von der Beanspruchung durch Gebirgsdruck, der Standfestigkeit des Gebirges und von der Möglichkeit, den Grubenausbau einzubringen. Grubenausbau ist besonders in mehr oder weniger lockerem oder rolligem Gestein nötig. In standfestem Gebirge sind nur Maßnahmen zum Schutz gegen Steinfall erforderlich. Oft sichert man die Grubenbaue und die Bergleute behelfsmäßig durch einen vorläufigen Grubenausbau, ehe man später den endgültigen Stein bringt. Strecken sichert man vor allem durch offenen Grubenausbau, das heißt nur an der Firste und an den Stößen, seltener auch an der Sohle. Schächte erhalten geschlossenen Grubenausbau Als Ausbaumaterial verwendet man Holz, Stahl, Leichtmetall, Mauerwerk, Beton, auch Kombinationen dieser Ausbaustoffe. Holzausbau überwiegt in Grubenbauen mit kurzer Standdauer und starker Senkung, Stahlausbau in Grubenbauen mit langer Lebensdauer bei gleichmäßigem Gebirgsdruck. In Schächten mit stark wasserführendem Gebirge ist Grubenausbau mit Tübbings nötig. Für große Grubenbaue mit langer Standdauer wählt man Grubenausbau in Mauerwerk oder Beton. Wichtige Ausbauelemente für Abbauräume und -strecken sind einfacher Stempel, Türstock und Verzug. Für länger offenzuhaltende Strecken wählt man den formveränderungsfähigen (nachgiebigen) Stahl- oder Gelenkbogen-Grubenausbau. Heute verwendet man im Strebbau auf Steinkohle oder Kupferschiefer zum Teil den hydraulischen Grubenausbau, das heißt den Grubenausbau der Strebe mit hydraulischen Einzelstempeln oder auch mit Ausbaugespannen (Systeme hydraulischer Einzelstempel), die einen gegebenenfalls ferngesteuerten Grubenausbau bei gleichzeitiger mechanischen Gewinnung und Förderung (den mannlosen Streb) ermöglichen.

Grubenbau: jeder vom Bergmann unter Tage im anstehenden Gebirge geschaffene oder im Versatz ausgesparte Hohlraum.

Grubenbewetterung, Bewetterung, Wetterführung-. Maßnahmen und Einrichtungen, die der Versorgung der Bergleute mit frischen Wettern und der Ableitung beziehungsweise Verdünnung verbrauchter Wetter dienen. Früher kannte man im Bergbau nur eine natürliche Grubenbewetterung, die auf der Kaminwirkung miteinander verbundener Tagesausgänge beruhte. Heute nutzt man die natürliche Grubenbewetterung aus, verwendet zusätzlich zur ausreichenden Belüftung der Grubenbaue Lüfter (Ventilatoren). Deshalb steht am Kopf des Wetterschachtes ein Hauptgrubenlüfter lind saugt verbrauchte Wetter aus der Grube, so dass durch den Hauptförderschacht frische Wetter nachströmen können. Unter Tage aufgestellte Zusatzlüfter unterstützen diese Wirkung und verteilen die Wetter im Grubengebäude. Blindorte (Sackstrecken) erhalten eine Sonderbewetterung mittels Lutten und darin eingebauten Luttenlüftern. Abgelegenen Teilen des Grabengebäudes können die Wetter durch Wetterbohrlöcher zugeführt werden. Von 2 auf gleichem Horizont sich kreuzenden Wetterströmen wird der eine über, der andere unter einer Schwebe geführt. Wettertüren aus Holz oder Stahl, die vom Wetterzug stets zugedrückt werden, sperren den Wettern den Durchzug, ermöglichen aber Fahrung und Förderung. Das gleiche gilt für Wetterschleusen aus mehreren Türen. Durch Wetterdämme (Holz, Mauerung, Beton) werden abgeworfene Baue abgeriegelt, um Wetterverluste zu vermeiden. Die Aufsicht über die Grubenbewetterung in der Grube führt der Wetteringenieur oder -Steiger.

Grubenbrand: Schwelen oder Brennen von Grubenholz, Gummigurtförderband, untertägigen Grubenräumen (Werkstätten, Hochspannungsstationen), Kohle oder sulfidschwefel- und kohlenstoffhaltigem Gestein in Grubenbauen. Hauptursachen der Grabenbrände sind Selbstentzündung des Gesteins, schadhafte elektrische Leitungen, Reibungswärme in Maschinen, Kohlenstaub- oder Schlagwetterexplosionen, leichtfertiger Umgang mit offenem Feuer. Man unterscheidet offene (von Flammenerscheinungen begleitet) und verdeckte Brände, zum Beispiel Flözbrände, bei denen Lagerstättenteile schwelen oder glimmen. Eine besondere Gefahr bildet bei einem Grubenbrand das Auftreten von Brandgasen, besonders von Kohlenmonoxid. Bei offenen Bränden bekämpft man den Brandherd direkt mit Wasser, Feuerlöschgeräten, Schaum oder durch Ersticken mit Gesteinsstaub. Bei verdeckten Bränden hilft meist nur das Abdämmen, das heißt das Absperren des Grubenbaues, in dem das Feuer herrscht, durch einen Branddamm. Vorbeugende Brandbekämpfung erfolgt durch geeignete Abbauverfahren und Zerstäuben feuerhemmender Mittel an feuerbedrohten Stellen.

Grubenfeld: zu einem Bergwerk gehörender Teil einer Lagerstätte; wird in Baufelder unterteilt.

Grubengebäude: Gesamtheit der zu einem Bergwerk gehörenden untertägigen Grubenbaue.

Grubenkrankheit, Hakenwurmkrankheit, Ankylostomiasis: Wurmkrankheit der Bergleute und Tunnelarbeiter mit weiter Verbreitung in den Subtropen und Tropen; Kennzeichen der Erkrankung sind Magen-Darm-Beschwerden, Anämie unter anderem.

Grubenottern, Crotalidae: Schlangenfamilie mit durchbohrten, umlegbaren Giftzähnen und einem paarigen, grubenförmigen Wärmesinnesorgan zwischen Augen und Nasenöffnung; Gift meist hämolytisch, oft aber auch mit starker neurotoxische Komponente; Hauptverbreitung in Südostasien und Amerika. Größte Art ist der bis 3,75 m lange Buschmeister (Lachesis mutus) Mittel- und Südamerikas; siehe auch Halysschlange, Klapperschlangen.

Grubenriss: graphische lagerichtige Darstellung eines Bergwerks. Der Grubenriss wird vom Markscheider geführt und enthält die Situation über Tage sowie die Grubenbaue unter Tage zusammen mit für die Planung, Projektierung und den Betrieb wichtigen Informationen. Wegen der Einteilung der Grabe in mehrere Sohlen verschiedener Tiefenlage und wegen der unterschiedlichen Neigung der Lagestätte können die Grubenverhältnisse nur in der Vielzahl verschiedener Risse dargestellt werden. Raumbilder geben anschauliche Gesamtdarstellungen; Entfernungen und Flächengrößen können aber nur aus Projektionen auf ausgewählte Ebenen entnommen werden. Diese Ebene liegt beim Seigerriss senkrecht, beim Grundriss horizontal, beim Flachriss geneigt mit dem durchschnittlichen Fallen der Lagerstätte. Im Abbaugrundriss werden bei wenig geneigten Lagerstätten alle Grubenbaue, auch verschiedener Sohlen, gemeinsam auf einer horizontalen Projektionsebene dargestellt, besonders wenn mehrere Lagerstättenteile übereinander liegen. Im Wetterriss werden alle Grubenbaue und die darin angeordneten Einrichtungen zur Wetterführung meist isometrisch dargestellt. Der Grubenriss ist Bestandteil des bergmännischen Risswerks.

Grummet, Grumt: alle dem ersten Grünlandschnitt folgenden Schnitte zur Heunutzung; siehe auch Grünland.

Grün: 1. Gartenbau: Sammelbezeichnung für Flächen, die mit Pflanzen gestaltet sind und der Erholung und Entspannung dienen sowie weitere funktionelle Bedeutung für Wohngebiete und Verkehrseinrichtungen (Grünstreifen) haben.

2. Kartenspiele: Pik.

Grün: 1. Anastasius, eigentlich Anton Alexander Graf von Auersperg, 11.4.1806-12.9.1876, österreichischer Dichter; wurde mit der Gedichtsammlung «Spaziergänge eines Wiener Poeten» (1831) über Österreich hinaus zum Initiator der gegen das Mettemichregime gerichteten oppositionellen politischen Vormärzlyrik.

2. Max von der, geboren 25.5.1926, Schriftsteller; ehemaliger Bergmann und Gründungsmitglied der Gruppe 61; schreibt kritisch-realistische Romane («Irrlicht und Feuer», 1963; «Zwei Briefe an Pospischiel»), 1968; «Stellenweise Glatteis», 1973; «Flächenbrand», 1979) und Erzählungen («Fahrtunterbrechung», 1965) über Ausbeutung, Entfremdung und aktuelle Probleme.

Grünalgen, Chlorophyta, Chlorophyceae: kernhaltige, meist grüne, stärkebildende, vielgestaltige Algen mit Plastiden, verbreitet in Salz-, Brack- und besonders in Süßwasser, auch auf dem Lande und als Symbionten in Flechten und niederen Tieren.

Grünanlagenbau: Baumaßnahmen zur Gestaltung von Grünanlagen. Dabei werden tote Werkstoffe (bauliche Elemente, wie Wege, Treppen, Mauern, und Ausstattungsgegenstände, wie Bänke und Spielgeräte) gemeinsam mit lebendem Pflanzenmaterial (Rasen, Blumen- und Gehölzflächen, Bäume) verwendet.

Grundablass: Stollen- oder Rohrdurchführung mit Grobrechen und Abschlussvorrichtung bei Sperrdämmen oder Talsperren zur Beckenentleerung, für die Revision des tiefsten Talsperren Fußes, für Schlammabfuhr und Ablass bei Gefahr.

Grundanstrichstoff: luft- oder ofentrocknender Anstrichstoff, der als erste Schicht eines Anstrichsystems unmittelbar auf das Grundmaterial aufgetragen wird (Grundierung). Der Grundanstrichstoff dient der Haftvermittlung und (auf Metallen) dem aktiven Korrosionsschutz; bei einem aus 2 Komponenten bestehenden Anstrichsystem ist er stark pigmentiert, um die Farbe des Grundmaterials abzudecken.

Grundbau: Teilgebiet der Bautechnik und -Wissenschaft; befasst sich mit dem Baugrund, der Theorie, Konstruktion und Ausführung der Gründungen unter anderem Grundbauwerke.

Grundbesitz: im rechtlichen Sinne die tatsächliche Verfügungsgewalt über den Grund und Boden, über ein Grundstück, einschließlich der mit Ihm fest verbundenen Gegenstände. Siehe auch Grundeigentum.

Grundbruch: Bruch des Baugrundes infolge statischer Auflast und zu geringer Scherfestigkeit des Lockergesteines. Grundbruch bewirkt Senkung, Schiefstellung oder waagerechte Verschiebung der Fundamente und Aufwölbung des unbelasteten Geländes. Der hydraulische Grundbruch bei Grund- oder Wasserbauwerken tritt plötzlich bei Erreichen der kritischen Druckhöhe ein; der Erosionsgrundbruch nach längerer Ausspülung. Grundbruchsicherheit kann durch größere Gründungsbreite und -tiefe oder Baugrundverbesserung erreicht werden.

Grundbuch: beim Rat des Bezirkes, Bereich Liegenschaftsdienst, geführtes Register, in das Grundstücke und sie betreffende Rechtsverhältnisse (Eigentumsrecht, Hypotheken unter anderem) eingetragen werden. Die Eintragung ist im Allgemeinen zur Begründung und zur Übertragung der Rechte an Grundstücken und Gebäuden erforderlich.

Grunddienstbarkeit: bürgerliche Recht Belastung eines Grundstückes zugunsten des Eigentümers eines anderen Grundstückes mit einer Dienstbarkeit.

Grunddüngung: im Unterschied zur Kopfdüngung (Düngung auf Pflanzenbestände) vor der Bestellung durchgeführte Düngung (überwiegend mit Phosphor- und Kalidünger). Siehe auch Düngung.

Grundeigentum: von der jeweiligen Produktionsweise abhängige Form des Eigentums natürlicher oder juristischer Personen beziehungsweise Gruppen an Grund und Boden. In der Urgesellschaft war das Grundeigentum im Stadium der Gentilordnung Gruppeneigentum. In der Sklaverei Gesellschaft lag das private Grundeigentum überwiegend in den Händen der Sklavenhalter. Im Feudalismus war im europäischen Raum das Grundeigentum der Feudalherren und der Kirche Grundlage ihrer Macht und der gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse. Im Kapitalismus ist das Grundeigentum überwiegend Privateigentum von natürlichen und juristischen Personen. Landarme Bauern, die genötigt sind, Boden zu pachten, werden von den Grundeigentümern durch Aneignung der Grundrente (in Form der Pachtzahlung) ausgebeutet. Die zunehmende Trennung von Grundeigentum und Besitz macht das Grundeigentum zu einem Instrument der parasitären Ausplünderung. Durch die proletarische Revolution erfolgt die Aufhebung des großen Grundeigentums, der Übergang des Grundeigentums in die Hände der werktätigen Bauern oder des sozialistischen Staates. Das ermöglicht eine schnelle Entwicklung der Produktivkräfte in der Landwirtschaft, die Beseitigung der Ausbeutung und die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern und Landarbeiter.

Grundeln, Gobiidae: walzenförmige Grundfische, deren Brustflossen zu einem Saugnapf verwachsen sind; an europäischen Küsten die bis 15 cm lange Schwarzgrundeln (Gobius niger).

Gründelwale, Monodontidae: Familie der Zahnwale ohne Rückenflosse, mit breiter abgestützter Schnauze und wenigen Zähnen. Gründelwale ernähren sich von Fischen, Krebsen und Weichtieren; leben gesellig in arktischen Meeren. Etwa 4 m lang ist der Beluga oder Weißwal (Delphinapterus leucas). Siehe auch Narwal.

Gründergewinn: Differenz zwischen dem (höheren) Kurswert der bei Gründung einer Aktiengesellschaft ausgegebenen Aktien und dem tatsächlich im Unternehmen angelegten Kapital. Der Gründergewinn fällt den Gründern der AG, meist einem Bankenkonsortium, zu. Der Gründergewinn ist ein wichtiger Teil des Bankprofits und beschleunigt den Konzentrationsprozess im Bankwesen.

Gründerjahre: Zeit der Hochkonjunktur in Deutschland 1871/73, in der sich die Wirtschaft sprunghaft entwickelte. Die nationalstaatliche Einigung und die 5 Md. Goldfrancs französischer Kriegskontributionen begünstigten die Konjunktur. Wirtschaftliche Disproportionen sowie wilde Spekulationsgeschäfte und Unternehmensgründungen kennzeichneten die Gründerjahre 1873 brach eine Weltwirtschaftskrise aus, die in Deutschland ab 1874 voll wirksam wurde und als sogenannt Gründerkrach bezeichnet wurde, da zahlreiche, vor allem auch neu gegründet Unternehmen zusammenbrachen.

Grunderwerbssteuer, Besitz Veränderungssteuer: Steuer auf Eigentumswechsel bei Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten.

Grundfläche: ausgezeichnete ebene Begrenzungsfläche eines Körpers; zum Beispiel von Kegel, Prisma, Zylinder.

Grundfonds: Gesamtheit der dem Betrieb, Bereich und so weiter zugewiesenen Grundmittel.

Grundfondsökonomie: Gesamtheit aller Maßnahmen zum ökonomisch wirksamen Einsatz und zur optimalen Ausnutzung der vorhandenen technischen Anlagen, Maschinen und Gebäude. Die Grundfondsökonomie ist ein entscheidender Faktor der Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion. Ausdruck für die Grundfondsökonomie ist das schnellere Wachstum der Produktion gegenüber den Grundfonds.

Grundfrage der Philosophie: Frage nach dem Verhältnis von Materie und Bewusstsein, von deren Beantwortung die prinzipielle Einordnung jeder Philosophie in materialistische oder idealistische Richtungen abhängt. Der Materialismus geht vom Primat der Materie aus und weist das Bewusstsein als etwas Abgeleitetes nach, während der Idealismus umgekehrt vom Primat des Ideellen (menschliches Bewusstsein, außerweltlicher Geist, Gott und so weiter) ausgeht. Alle philosophischen Schulen, Strömungen und Fragestellungen enthalten implizit oder explizit eine Antwort auf die Grundfrage der Philosophie Ein wesentlicher Aspekt der Grundfrage der Philosophie ist die Frage nach der Erkennbarkeit der Welt.

Grundfutter, Hauptfutter: der meist aus Grobfutter bestehende Hauptanteil einer Futterration.

Grundgebirge: Geologie vielfach durch jüngere Schichten (Deckgebirge) verhüllte, granitisierte und metamorphe Gesteinskomplexe der Orogene. Das Grundgebirge ist in den alten Schilden, zum Beispiel Baltisches und Kanadisches Schild, heute an vielen Stellen freigelegt. Das Deckgebirge lagert ungleichförmig oder diskordant auf dem Grundgebirge.

Gründgens, Gustaf, 22.12.1899-7.10.1963, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter; entwickelte sich in Hamburg und Berlin zu einem bedeutenden Charakterdarsteller, leitete 1934/45 das Preußische Staatstheater Berlin, 1947/55 das Düsseldorfer Schauspielhaus und 1955/63 das Schauspielhaus Hamburg; wirkte auch in Filmen als Darsteller und Regisseur.

Grundherrschaft: feudale Produktions- und Herrschaftsform, in der der Grundherr (Feudalherr) als Eigentümer von Grund und Boden schütz-, häufig auch leibes- und gerichtsherrliche Rechte über die zur Grundherrschaft gehörenden Bauern besaß. Für die Klasse der Feudalherren (König, Adel, Kirche) war die Grundherrschaft die ökonomische Basis ihrer Macht. Siehe auch Fronhofverband.

Grundierung: Anstrichsystem.

2. Malgrund für ein Gemälde, bestehend aus Gips oder Kreide mit Leim; auf die Holztafel oder die Leinwand aufgetragen, verhindert die Grundierung das Aufsaugen des Farbbindemittels durch den Bildträger und erhöht die Leuchtkraft der Farben.

Grundkonstruktion: Geometrie Konstruktion, die leicht ausführbar und oft Bestandteil umfangreicherer Konstruktionen ist; zum Beispiel das Ziehen einer Parallelen zu einer Geraden durch einen Punkt, das Fällen eines Lotes, das Anträgen und Halbieren von Strecken und Winkeln. Auswahl und Ausführung der Grundkonstruktion hängen von den zugelassenen Konstruktionsmitteln ab, zum Beispiel Zirkel und Lineal.

Grundkörper, Stützkörper: Fuß (Vorfuß) einer Ufersicherung beim Flussbau. Der Grundkörper liegt ständig unter Wasser und leitet die Lasten vom Ufer in die Sohle über. Siehe auch Uferbefestigungsbau.

Grundlagen der Geometrie: Teilgebiet der Geometrie, das den streng logischen Aufbau geometrischer Theorien aus Axiomensystemen behandelt und durch die Betrachtung von Teilsystemen die Tragweite einzelner Axiome erhellt; sein systematischen Aufbau begann im 19. Jahrhundert nach der Entdeckung nichteuklidische Geometrien.

Grundlagenforschung: wissenschaftliche Arbeit, die der Gewinnung und Prüfung neuer, grundlegender Erkenntnisse über gesetzmäßige Zusammenhänge in Natur und Gesellschaft dient, deren Ergebnisse wesentlich den wissenschaftlichen Vorlauf bestimmen, über verschiedene Stufen angewandter Forschung wirksam werden und eine der Grundlagen für langfristige Entscheidungen in Wissenschaft, Volkswirtschaft und Technik sind.

Grundlagenkarte: großmaßstäbige, durch Aufnahme im Gelände entstandene topographische Karte eines Landes, die als Grundlage für alle anderen Karten dient.

Grundlastkraftwerk: Kraftwerk hoher Leistung im Dauerbetrieb, das mit hohem Wirkungsgrad den Grundbedarf an Elektroenergie deckt, während Spitzenkraftwerke die Belastungsspitzen übernehmen.

Gründling, Gobio gobio: bis 20 cm langer, schlanker heimischer Karpfenfisch mit unterständigem Maul und 2 Barteln; gesellig lebender Grundfisch, auch im Brackwasser.

Grundlinie: ausgezeichnete gerade Begrenzungslinie einer ebenen Figur; zum Beispiel bei Dreieck, Parallelogramm, Trapez.

Grundmasse: Geologie makroskopisch einheitlich erscheinender, aus kleinen Kristallen aufgebauter Anteil eines Gesteins. In der Grundmasse sind gröbere Kristalle eingelagert oder durch sie verkittet.

Grundmaterial: Material, das stofflich und wertmäßig in das herzustellende Produkt eingeht, zum Beispiel Wolle für die Garnherstellung.

Grundmittel, Anlagemittel: Arbeitsmittel, die länger als ein Jahr genutzt werden und einen Bruttowert ab 1000 M haben. Sie nehmen an mehreren Produktionsperioden teil, und ihr Bruttowert geht sukzessiv, entsprechend dem Verschleiß, in die Herstellungskosten der Produkte beziehungsweise Leistungen ein.

Grundmittelfonds, Anlagefonds: finanzielle Deckungsquelle für die Summe der Netto- beziehungsweise Zeitwerte der eigenen Grundmittel, zum Beispiel eines Betriebes. Veränderungen des Grundmittelfonds werden durch Abschreibungen von den Bruttowerten der Grundmittel, durch Grundmittelabgänge (Aussonderung, Verkauf, Schadensfall) oder durch Zugänge (Investitionen, Umsetzungen) hervorgerufen.

Grundmittelrechnung: Sachgebiet der Rechnungsführung und Statistik des Betriebes zur Erfassung, Aufbereitung und Analyse der Bestände an Grundmitteln und ihrer Veränderungen im Mengen- und Wertausdruck, des Einsatzes und der Ausnutzung der Grundmittel, der Abschreibungen und des Verschleißes sowie der Kosten für Reparaturen.

Gründonnerstag: Tag vor Karfreitag; kirchlicher Erinnerungstag an die Einsetzung des Abendmahls.

Grundpflichten: in der Verfassung geregelte Pflichten der Bürger, die in untrennbarer Einheit mit den Grundrechten die prinzipielle Rechtsstellung der Bürger in Gesellschaft und Staat widerspiegeln (zum Beispiel Grundpflichten zum Schutz des Friedens, Grundpflichten zu gesellschaftlich nützliche Tätigkeit, Grundpflichten zum Schulbesuch und zur Berufsausbildung). Die Erfüllung unerlässliche Grundpflichten durch alle Bürger ist notwendig, wenn die Grundrechte jedes Bürgers, seine und die gesellschaftliche Entwicklung gesichert sein sollen.

Grundprozesse: die bei einem chemisch-technischen Verfahren unter Stoffwandlung ablaufenden Stufen, zum Beispiel Hydrierung, Nitrierung, Sulfonierung, Oxydation.

Grundrechenarten: die 4 Rechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division.

Grundriss: 1. Bautechnik: maßstabgerechte Zeichnung eines waagerechten Schnittes durch ein Bauwerk mit Maß- und Materialangaben sowie Raumbezeichnungen unter anderem.

2. Bergbau: Grundriss.

3. darstellende Geometrie: Bild einer räumlichen Figur bei senkrechter Parallelprojektion auf eine Ebene, auf der die Figur stehend gedacht wird. Siehe auch Projektion.

Grundsatzverfahren: Wirtschaftsrecht Schiedsverfahren vor dem Staatlichen Vertragsgericht über einen zwischenbetrieblichen Streit von wirtschaftspolitischer Bedeutung, dessen Entscheidung für die Optimierung künftiger Wirtschaftsbeziehungen auszuwerten ist.

Grundsee: kurze, steile, überbrechende Welle, in der die Bewegung bis zum Meeresgrund reicht. Sie entsteht, wenn eine aus tieferem Wasser kommende Welle auf flachere Stellen (zum Beispiel Untiefen) aufläuft.

Grundsportarten: zusammenfassende Bezeichnung für einige der verbreitetsten und in der körperlichen Grundausbildung angewendeten Sportarten (Gymnastik, Gerätturnen, Leichtathletik, Schwimmen, Sportspiele, Wintersport unter anderem).

Grundsteuer: vom Eigentümer, Nutznießer oder Erbbauberechtigten eines Grundstücks erhobene, nach Hundertsätzen des Einheitswertes bemessene Objektsteuer.

Grundstoffe: Arbeitsgegenstände, die für die jeweilige Produktion materieller Güter von entscheidender Bedeutung sind; zum Beispiel Holz bei der Möbelherstellung.

Grundstoffindustrie: Industriezweige, deren Erzeugnisse Ausgangsmaterial für die weiterverarbeitende Industrie bilden; zum Beispiel Bergbau, Metallurgie, Energiewirtschaft, chemische, Baumaterialienindustrie.

Grundstück: vermessene und abgegrenzte Bodenfläche, für die im Grundbuch ein Grundbuchblatt angelegt ist und die damit selbständiger Gegenstand des Grundeigentums und sonstiger Rechte ist.

Grundstücksentwässerung: Sammelbegriff für alle wasserabführenden Rohrleitungen eines Grundstücks. Zur Grundstücksentwässerung gehören die Dachentwässerung, die Schmutzwasserleitung im Gebäude, Hofentwässerung mit Gully, Abscheider und die Grundleitung bis zum Anschluss an den Kontrollschacht oder die Kanalisation.

Grundstücksverkauf: auf die Übertragung des Eigentums an einem Grundstück gegen Entgelt gerichtetes Rechtsgeschäft, das ohne Bedingungen und unbefristet abzuschließen ist. Der Kaufvertrag bedarf der Beurkundung und der staatlichen Genehmigung. Der Eigentumsübergang erfolgt mit der Eintragung im Grundbuch. Zur Sicherung der genossenschaftlichen Bodennutzung ist der Grundstücksverkauf durch Genossenschaftsbauern beziehungsweise deren Erben nur an den Staat, die LPG oder deren Mitglieder, die wenig oder kein Land besitzen, möglich.

Grundton: 1. Akustik: Klang.

2. Musik: a) Ausgangston einer Tonleiter;

b) harmoniebestimmender (tiefster) Ton im Terzenaufbau eines Akkordes.

Grundumsatz: Energieumsatz des Organismus morgens unter Ruhebedingungen (das heißt im Liegen bei körperlicher und geistiger Ruhe), im nüchternen Zustand (ohne Nahrungsaufnahme) und bei Indifferenztemperatur (Temperatur, die geringste Energie zur Thermoregulation erfordert). Der Grundumsatz wird gemessen in kJ/24 h. Er beträgt beim Erwachsenen, abhängig von Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht, um 7000 kJ/24 h. Die Bestimmung des Grundumsatzes erfolgt mit der indirekten Kalorimetrie durch Messung des Sauerstoffverbrauchs und Berechnung mit Hilfe des respiratorischen Quotienten. Abweichungen von Grundumsatznormwerten können ein Hinweis auf eine Erkrankung, zum Beispiel Basedowsche Krankheit, sein.

Gründung: Maßnahme zur Gewährleistung der Standsicherheit eines Bauwerkes sowie zur Überführung der Gebäudelasten in den Baugrund. Die Gründung ist abhängig von der Tragfähigkeit, dem Verformungsverhalten, dem Grundwasserstand des Baugrundes sowie von der Konstruktion und der Last des Bauwerkes. Flachgründung werden als offene Gründung in trockenen oder trockengelegten (Grundwasserabsenkung) Baugruben als Fundament, Fundamentplatte oder als Trägerrost in frostsicherer Tiefe ausgeführt. Tiefgründung werden vorgenommen, wenn tragfähiger Baugrund erst in großer Tiefe vorhanden ist oder unterirdischer Bauraum genutzt werden soll; im Einzelnen gehören dazu Pfeiler-, Brunnen-, Schlitzwand- und Pfahlgründung, letztere wird aus Rammpfählen (Stahlbeton, Spannbeton, Stahl) oder aus Bohrpfählen (Ortbetonpfähle) hergestellt. Eine Sonderform ist die Druckluftgründung (Caisson).

Gründüngung: Einarbeiten grüner Pflanzen in den Boden.

Grundurteil: gerichtliche Vorabentscheidung über den Grund eines nach Grund und Betrag streitigen Anspruchs, besonders bei Schadenersatzforderungen. Im Zivilprozess ist das Grundurteil ein Zwischenurteil; das Nach- oder Betragsverfahren über die Höhe des Anspruchs schließt mit einem Endurteil. Erfolgt im Strafprozess Verurteilung zum Schadenersatz dem Grunde nach, schließt sich ein Zivilverfahren über die Höhe an.

Grundverfahren: die ohne Stoffwandlung verlaufenden (physikalischen) Prozesse der chemischen Verfahrenstechnik, zum Beispiel Stoffforderung, Stoffformung, Stoffvereinigung, Stofftrennung und Energieaustausch.

Grundverhältnis: Beurteilungsgröße für die Leistungsfähigkeit von Raketen; Quotient aus Startmasse und beförderter Nutzmasse. Angestrebt wird ein möglichst niedriges Grundverhältnis, Durchschnittswerte leistungsfähiger Trägerraketen für Raumflugkörper liegen bei 30 bis 20. Siehe auch Massenverhältnis.

Grundwasser: Wasser, das die Hohlräume der Erdrinde zusammenhängend ausfüllt und nur der Schwere und dem hydrostatischen Druck unterliegt; macht mengenmäßig den größten Teil des unterirdischen Wasservorkommens aus. Wasser, das seit seiner Ansammlung im Sedimentgestein früherer erdgeschichtlicher Perioden bisher nicht in den Kreislauf des Grundwassers einbezogen wurde, wird als fossiles Wasser bezeichnet. Neben ungespanntem Grundwasser (oben nicht von einer undurchlässigen Schicht begrenzt) steht gespanntes Grundwasser (Druckwasser), das aus einem artesischen Brunnen ausläuft; siehe auch Bodenwasser.

Grundwasserabsenkung: Verfahren zur Trockenlegung von Baugruben oder Tagebauen. Je nach Absenkungstiefe und Wasserdurchlässigkeit des Bodens erfolgt die Grundwasserabsenkung durch offene Wasserhaltung (freier Zulauf des Wassers zum Pumpensumpf) oder geschlossene Wasserhaltung (Absenkung des Grundwassers durch Brunnen). Die geschlossene Wasserhaltung erfolgt durch Flach- oder Tiefbrunnen mit Saug- oder Unterwassermotorpumpen.

Grundwasserleiter: Gesteinskörper, der in Poren und Klüften Grundwasser enthält und geeignet ist, es weiterzuleiten; oftmals, durch schwer- oder undurchlässige Schichten voneinander getrennt, in Form von Grundwasserstockwerken vorkommend.

Grundwasserneubildung: die natürlichen Zugänge an Wasser zum Grundwasser aus dem Versickerungsanteil der Niederschläge, ausgedrückt als Wasserhöhe oder als Wassermenge für ein bestimmtes unterirdisches Einzugsgebiet.

Grundwassertiere: an das Leben im lichtlosen Sandlückensystem angepasste, schlanke Kleintiere (Krebstiere, Würmer unter anderem), die oft pigmentlos, daher weißlich, und blind sind.

Grundwiderspruch des Kapitalismus: Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Aneignung ihrer Ergebnisse. Der Grundwiderspruch des Kapitalismus ist die entscheidende Quelle aller Widersprüche und Krisen im Kapitalismus. Er ist Ausdruck der Unterordnung der Arbeit der Gesellschaft unter die Verwertungsinteressen des Kapitals. Die Existenz und das Wirken des Grundwiderspruchs des Kapitalismus ist Ausgangspunkt tiefer, unüberbrückbarer Interessenkonflikte zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Der Grundwiderspruch des Kapitalismus kann nur überwunden werden, wenn das kapitalistische Eigentumsverhältnis und die Ausbeutung durch die Schaffung gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln beseitigt wird.

Grundzustand: Zustand niedrigster Energie von Quantensystemen, wie Atomkernen, Atomen, Molekülen, Festkörpern; umfasst bei Mehrteilchensystemen die Besetzung mehrerer Energieniveaus. Der Grundzustand ist zeitlich stabil.

Grüne Kader: Bezeichnung für die in Österreich Ungarn unter dem Einfluss der russischen Februar- und der Oktoberrevolution 1917 spontan entstandenen bewaffneten Verbände südslawische Revolutionäre und in die Wälder geflohener Bauern; kämpften gegen das österreichisch-ungarische Militär und die Feudallasten der Bauern, für die nationale Freiheit der Südslawen. Sie scheiterten am Fehlen einer marxistisch-leninistischen Führung.

Grünerde: aus Kalzium-Magnesium-Eisen(II)-Silikaten bestehendes, sehr lichtechtes, natürliches Erdpigment für Leim- und Kalkfarben.

Grüne Revolution: bürgerliche Bezeichnung für eine seit Mitte der 60er Jahre durch imperialistische Kreise initiierte Agrarpolitik in Entwicklungsländern. Vordergründig soll mittels agrotechnischer Maßnahmen und speziellem Saatgut die Stagnation der Landwirtschaft im Rahmen einer kapitalistischen Entwicklung überwunden werden. Langfristig zielt die Grüne Revolution auf die Sicherung des Systems der ökonomischen Herrschaft der imperialistischen Länder über die Entwicklungsländer. Zugleich soll tiefgreifenden sozialökonomischen Umgestaltungen vorgebeugt werden. Da die Durchführung der Grüne Revolution erhebliche finanzielle Mittel erfordert, profitieren infolge ihrer ökonomischen Stärke vor allem Agrarkapitalisten und Großgrundbesitzer. Dadurch verschärfen sich die ökonomischen Widersprüche und der soziale Differenzierungsprozess im Dorf.

Grünewald, Matthias, eigentlich Mathis Neithardt oder Nithart, um 1460 oder 1480-31.8.1528, Maler, neben A. Dürer einer der wichtigsten Künstler der Zeit der frühbürgerlichen Revolution. Grünewald war tätig in Aschaffenburg, ab etwa 1508 Hofmaler der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz; wegen Beteiligung am Bauernkrieg und Sympathisierens mit der Reformation verlor er 1525/26 seine Stellung als Hofmaler und seinen Besitz, flüchtete ins lutherische Frankfurt und ging 1527 als städtliche «Wasserkunstmacher» nach Halle. Seine ausdrucksstarken, von großer Leidenschaft geprägten Werke spiegeln die sozialen Spannungen seiner Zeit wider. Leuchtende Farbigkeit, starke Hell-Dunkel-Kontraste und atmosphärische Stimmung geben seinen Bildern mystisch-symbolische Bedeutung. Sein Hauptwerk ist der Isenheimer Altar (1512/16; Colmar, Unterlindenmuseum). Auch die erhaltenen Handzeichnungen und Studien zu den Gemälden sind von hoher künstlerischer Qualität.

Grüne Welle: abgestimmte Lichtsignalsteuerung aller Verkehrsknoten eines durchgehenden Straßenzuges mit zusätzliche Anzeige einer einzuhaltenden Fahrgeschwindigkeit, um an den folgenden Knotenpunkten das Signal «Grün» anzutreffen.

Grünfutter: alle oberirdische Teile (Stengel, Blätter, Blüten) grüner Pflanzen, die in frischem Zustand gewonnen und verfüttert werden. Grünfutter bildet die Grundlage der Sommerfütterung.

Grünkohl, Brassica oleracea var, sabellica: frostharter, anspruchsloser Kreuzblütler; Gemüsepflanze.

Grünkreuz: im 1. Weltkrieg übliche Bezeichnung für lungenschädigende chemische Kampfstoffe, zum Beispiel Phosgen.

Grünland: Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, der mit Grünlandpflanzen, die in ihrer Gesamtheit die Grasnarbe bilden, bewachsen ist und als Wiese oder Weide genutzt wird. im weiteren Sinne zählen noch zum Grünland Hutung, Streuwiesen (zur Gewinnung von Einstreu) und Feldfutterbau. Nach der Nutzungsart werden unterschieden Wechselgrünland (Wechsel zwischen Acker- und Grünlandnutzung) und Dauergrünland (Wiese oder Weide). Nach der Anzahl der in einer Vegetationsperiode mögliche Schnitte ist eine Wiese ein-, zwei- oder mehrschürig.

Grünlandunkräuter: Pflanzen auf Dauergrünlandflächen, die den Wert des Grünlandes vermindern. Man unterscheidet harmlose Grünlandunkräuter, die in Konkurrenz zu den wertvollen Futterpflanzen stehen (Bärenklau, Wiesenkerbel, Pastinak), schädlicher Grünlandunkräuter, die zur Qualitätsminderung der Grünlanderträge führen (Wolliges Honiggras, Rohrschwingel, Brennessel, Seggen, Binsen, Ginster, Moose), gefährlicher Grünlandunkräuter (Sumpfschachtelhalm) und giftige Grünlandunkräuter (Herbstzeitlose).

Grünlandwirtschaft: 1. Nutzung von Grünland, die auch Organisation und Produktionsverfahren umfasst, zum Beispiel Weide.

2. Bodennutzungsart, die entsprechend den natürlichen und ökonomischen Produktionsbedingungen den Boden ausschließlich oder hauptsächlich als Grünland nutzt; siehe auch landwirtschaftliche Betriebssysteme.

Grünling: 1. Lehmziegel Formung; wird vor dem Brennen künstlich oder an der Luft getrocknet.

2. Grünling, Echter Ritterling, Tricholoma equestre: Blätterpilz mit olivgrünem Hut und Stiel, Blätter schwefelgelb; Massenpilz sandiger Kiefernwälder, essbar.

Grünpflanzen, Blattpflanzen: Topfpflanzen, die wegen ihrer zierenden, gelegentlich auch bunten Belaubung und ihres dekorativen Habitus als Zimmerpflanzen gehalten werden; zum Beispiel Philodendron-Arten, Topffarne und Blattbegonien.

Grünschenkel, Tringa nebularia: hochbeiniger, langschnäbliger, bis 30,5 cm langer Wasserläufer; Brutvogel Nordeuropas und -asiens; das Gelege besteht aus 4 Eiern, die Brutzeit beträgt 25 Tage.

Grünstein: veraltete Sammelbezeichnung für besonders durch Chlorit Neubildung «vergrünte» basische Gesteine (typisch für Diabase u. ä.).

Grünverbau: Befestigungsmaßnahme zur Verhütung von Ab- und Ausspülungen von Geländeflächen und Böschungen mittels Bepflanzung (Buschwerk, Rasen).

Grunzerfische, Pomadasyidae: Familie der Barschartigen, die durch Aneinanderreiben der Schlundzähne grunzende Laute erzeugen; leben in allen wärmeren Meeren; zahlreiche Nutzfische. Siehe auch Schweinsfisch.

Gruppe:

1. Geologie: Gesamtheit der Ablagerungen, die im Verlaufe einer Ära, zum Beispiel Paläozoikum, Mesozoikum und Känozoikum, gebildet wurden; besteht aus mehreren Systemen.

2. Mathematik: zentraler Begriff der modernen Algebra und der gesamten Mathematik. Eine Menge G von verschiedenen Elementen a, b, c, ... bildet eine Gruppe, wenn die 4 Gruppenaxiome erfüllt sind.

3. Militärwesen: Einheit.

4. Motorsport: Einteilung von Wettbewerbsfahrzeugen, die einer Kategorie angehören, zum Beispiel werden Motorräder der Kategorie I unter anderem eingeteilt in die Gruppe A 1 Solomotorräder, A 3 Mopeds, B 3 Dreiradfahrzeuge. Innerhalb einer Gruppe gibt es verschiedene Klassen (Klasse 5).

soziale Gruppe: durch gemeinsame gesellschaftliche Merkmale verbundene Individuen. Große soziale Gruppen sind Klassen, Nationen und gesellschaftliche Organisationen; statistische soziale Gruppe werden in soziologischer Erhebungen (zum Beispiel nach demographischen Merkmalen) gebildet. Im eigentlichen Sinn sind soziale Gruppen kleine Einheiten, deren Mitglieder durch unmittelbaren persönlichen Kontakt, gemeinsame Aufgaben, Ziele und Verhaltensregeln (Werte, Normen) verbunden sind, funktionsteilig kooperieren und aufeinander einwirken. Die soziale Integration befähigt den einzelnen zur Leistungssteigerung im Dienst der soziale Gruppe. Die soziale Gruppe besitzt deshalb Leistungsvorteile gegenüber der mechanischen Summierung einzelner. Eine soziale Gruppe mit sozialistischen Zielen und Merkmalen wird als Kollektiv bezeichnet. Die marxistisch-leninistischen Soziologie untersucht besonders die Vermittlungsfunktion der sozialen Gruppe zwischen Gesellschaft und Individuum. Gruppen im Kampf gegen imperialistische Ausbeutung und für gleichberechtigte internationale Wirtschaftsbeziehungen.

Gruppenbearbeitung, Mitrofanow-Methode: spezielle Form der industriellen Teilefertigung; ihr Wesen besteht darin, dass einander konstruktiv oder technologisch ähnliche Werkstücke gruppenweise bearbeitet werden. Dadurch werden der Seriencharakter der Produktion erhöht, die Typung technologische Prozesse gefördert und bedeutende Rationalisierungseffekte erzielt. Die Gruppenbearbeitung wurde Anfang der 60er Jahre von dem sowjetischen Ingenieur S. P. Mitrofanow entwickelt.

Gruppengymnastik: synchron von mehreren Teilnehmerinnen ausgeführte Übungen (mit oder ohne Handgerät).

Gruppennorm: inneres Orientierungs- und Bewertungsmuster für die Leistung und das Verhalten von Gruppenmitgliedern Gruppennormen wirken entscheidungserleichternd, ermöglichen und fordern die Zusammenarbeit.

Gruppenpflanzen, Balkonpflanzen: meist einjährig kultivierte Zierpflanzen, überwiegend mit dekorativen Blüten beziehungsweise Blütenständen, die ihre volle dekorative Wirkung häufig erst zu Gruppen zusammengepflanzt erreichen und in Freiräumen, insbesondere auf intensiv gepflegten Beeten und Balkons, verwendet werden. Für unterschiedliche Bedingungen stehen gesonderte Sortimente zur Verfügung, zum Beispiel für vollsonnige Lagen Pelargonien, Petunien; für halbsonnige Standorte Knollenbegonien, Fuchsien.

Gruppensprung: Fallschirmsport von mehreren (im Allgemeinen 4, 6, 8 oder 10) Springern gemeinsam absolvierter Wettkampf in verschiedenen Disziplinen,

a) Gruppenhöhensprung (entspricht Einzelhöhensprung);

b) Gruppenzielsprung (entspricht Einzelzielsprung);

c) Formationssprung (Relativsprung): Absprunghöhe 2000 bis 4500 m, verzögerte Fallschirmöffnung, exakte Bildung unterschiedlicher Formationen («Bilder») im freien Fall in kürzestmöglicher Zeit.

Gruppenstart: Startart, bei der einige, aber nicht alle Teilnehmer zusammen den Wettkampf aufnehmen; die Gruppen werden nacheinander gestartet.

Gruppentheater: Formen theatralischen Spiels besonders in imperialistischen Ländern und national befreiten Staaten, die sich in Funktionsverständnis und Wirkungsweise bewusst vom etablierten bürgerlichen Theater abgrenzen; häufig auch als alternatives Theater bezeichnet. Gruppentheater entwickelten sich meist in engem Zusammenhang mit oppositionellen politischen Aktionen (zum Beispiel Antikriegs- und Bürgerrechtsbewegungen), oft auch politische Organisationen, aber auch als Ausdruck ästhetischen Trends (die zum Teil dekadente Züge tragen). Gruppentheater betonen Formen kollektiver Arbeits- (häufig auch Lebens-) Weise und lehnen autoritäre Leitungsstrukturen ab, verzichten häufig auf literarischen Vorlagen und entwickeln Spieltexte im theatralischen Arbeitsprozess, und sie suchen meist alternative theatralische Kommunikationsweisen, die die konventionelle Trennung von Spielenden und Zuschauenden überwinden. Anfänge des Gruppentheater finden sich besonders im proletarischen Berufs- und Amateurtheater der 20er und 30er Jahre (zum Beispiel E. Piscator, Gruppentheater von Wangenheim). Große Verbreitung fand die Gruppentheaterarbeit seit den 60er Jahren besonders in den USA (J. Beck, E. Stuart), in Frankreich (A. Mnouchkine), Italien (D. Fo) unter anderem westeuropäischen und skandinavischen sowie in national befreiten Staaten.

Gruppentherapie, Gruppenpsychotherapie: Behandlung in Gruppen (zum Beispiel Gespräche, autogenes Training, Gymnastik unter anderem); spezifische Methode der Psychotherapie. Im Gruppengespräch gewinnen die Patienten Einsicht in die Entstehungsweise und Struktur ihrer psychischen Störungen und haben Gelegenheit, positive Verhaltensweisen zu erlernen und zu üben.

Gruppentransfer: enzymatische Übertragung von Molekülen von einem Spendermolekül auf ein Empfängermolekül, zum Beispiel Transphosphorylierung, Transmethylierung.

Gruppenwerkzeug: Einheitswerkzeug mit hohem Standardisierungsgrad und minimaler Werkstückgebundenheit zum Umformen (Biegen), spanlosen Trennen (Schneiden, Lochen) oder spanenden Bearbeiten (Bohren, Senken, Reiben) einer Gruppe einander ähnliche Werkstücke.

Grus: 1. Grus (lateinisch): Astronomie: das Sternbild Kranich.

2. Grus: (zu «Grieß») Bodenkunde: kantige Bruchstücke von verwitterndem Gestein, die größer als 1 mm im Durchmesser sind.

Grütze: (zu «Grieß») geschälte, grob geschrotete Körner von Gerste, Hafer oder Buchweizen; verwendet besonders für Suppen.

Grützner, Eduard von, 26.5.1846-3.4.1925, Maler; in seiner Zeit erfolgreicher Genremaler in München, der fast ausschließlich Trink- und Klosterszenen im Geschmack des spießigen Bürgertums der Gründerzeit schuf.

Gryphius, eigentlich Greif, Andreas, 2.10.1616 bis 15.7.1664, Dichter, seine Lyrik und Dramatik widerspiegeln eindrucksvoll Fühlen und Denken bürgerlicher Menschen des 17. Jahrhundert, so die «Sonette» (1637) und «Sonn- und Feiertagssonette» (1639) Friedenssehnsucht und Bewusstsein von der Mühsal und Vergeblichkeit irdischen Strebens, die Tragödien «Leo Armenius oder Fürstenmord» (1650) und «Großmütiger Rechtsgelehrter oder Sterbender Aemilius Paulus Papinianus» (1659) den Konflikt zwischen Recht und Macht. Sein Lustspiel «Absurda Comica oder Herr Peter Squentz» (1657) ist eine komödiantische Verspottung des zeitgenössischen Handwerkertheaters, «Horribilicribrifax» (1663) eine Satire auf Sprachverderbnis und Sittenroheit, «Die geliebte Dornrose» (1661) ein bäuerlichen Scherzspiel in niederschlesische Mundart. In «Cardenio und Celinde oder Unglücklich Verliebte» (um 1657) stellte Gryphius (vor E. Lessing) bürgerlicher Menschen in einem Trauerspiel dar.

Guadalajara: 1. Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco (Mexiko); 1,9 Millionen Einwohner, als Agglomeration 2,5 Millionen Einwohner; bedeutendes Industrie- und Handelszentrum mit Textil-, Schuh-, Nahrungsmittel-, Keramik- und Glasindustrie; Eisenbahnknoten, internationaler Flughafen; 2 Universitäten.

2. Stadt im mittleren Spanien, Verwaltungszentrum der Provinz Guadalajara, nordöstlich von Madrid; 47000 Einwohner; Baustoffindustrie. Im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 bereiteten die Internationalen Brigaden und republikanischen Truppen bei Guadalajara im März 1937 den faschistischen italienisch-spanischen Einheiten eine schwere Niederlage, wodurch die Lage des belagerten Madrids zeitweilig stabilisiert werden konnte.

Guadalcanal: größte Insel des Staates Salomonen, im Stillen Ozean (Melanesien); 6470 km2, 50000 Einwohner; Hauptort Honiara-, bis 2440 m hoch; von dichtem Regenwald bedeckt; Kopra Gewinnung, Ananas-, Bananen-, Kakao-, Reisanbau; Holzwirtschaft. Im 2. Weltkrieg war die Insel von August 1942 bis Februar 1943 heftig umkämpft, wobei es zu mehreren verlustreichen Seeschlachten zwischen US-amerikanischen und japanischen Streitkräften kam.

Guadalquivir: Fluss im Süden Spaniens, 657 km; aus der Sierra de Cazorla (Andalusien), durchfließt das Andalusische Tiefland (dort zur Bewässerung genutzt), bildet zwischen Mündung und Sevilla das Marschen- und Sumpfland Las Marismas (Wasservögel und Stierherden), mündet in den Golf von Cádiz; Stauseen und Wasserkraftwerke.

Guadeloupe: französisches Überseedepartement im Karibischen Meer, umfasst die Hauptinseln Basse-Terre und Grande-Terre, die Inseln Marie Galante (140 km2), St. Barthélémy (25 km2), St. Martin (59 km2), Îles des Saintes (19 km2) und Désirade (27 km2) sowie weitere kleinere Inseln der Kleinen Antillen; 1779 km2, 330000 Einwohner; 185 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Basse-Terre. Die Bevölkerung besteht im Wesentlichen aus Afroamerikanern (etwa 27 %) und Mulatten (65 %), der Rest sind Kreolen. Guadeloupe ist ein rückständiges Agrarland, dessen Wirtschaftssystem in bedeutendem Maße von französischen Monopolen abhängig ist, und das eine hohe Arbeitslosenquote aufweist. Haupterwerbszweig ist die Landwirtschaft, wo vorwiegend in Monokultur (Plantagenwirtschaft) der Anbau der Exportprodukte Zuckerrohr, Bananen, Ananas, Vanille, Kaffee, Kakao erfolgt; Viehzucht und Fischfang. Die verarbeitende Industrie beschränkt sich auf die Verwertung einheimischer Agrarprodukte und die Rumdestillation. Konsumgüter und Nahrungsmittel müssen vorwiegend eingeführt werden. Wichtigster See- und internationaler Flughafen Pointe-à-Pitre. Das ursprünglich von Kariben bewohnte Guadeloupe wurde 1493 von Kolumbus entdeckt; ab 1635 französische Kolonisation; wiederholte britische Annexionsversuche scheiterten, besonders 1794 dank dem Einsatz der durch die Französische Revolution zeitweilig befreiten Sklaven unter Victor Hugues. Aufhebung der Sklaverei 1848. Guadeloupe erhielt 1946 den Status eines Überseedepartements Frankreichs. Die 1944 gegründet KP (bis 1958 Sektion der Französischen KP, danach selbständig) kämpft um Autonomie als eine Etappe auf dem Wege zur Unabhängigkeit.

Guadiana: Fluss im Süden Spaniens und Portugals; 834 km, im Unterlauf auf 90 km schiffbar, aus der Mancha, durchfließt die Meseta Neukastiliens und die Vega del Guadiana, mündet in den Golf von Cádiz; jahreszeitlich bedingte schwankende Wasserführung; für künstliche Bewässerung genutzt, mehrfach aufgestaut, Wasserkraftwerke; bildet zweimal die spanisch-portugiesische Grenze.

Guajakbaum, Guajacum: Gattung der Jochblattgewächse mit lederartigen, gefiederten Blättern und blauen oder roten Blüten. Das Guajak- oder Pockholz ist schwer, fest und dauerhaft. Guajakharz findet in der Heilkunde Verwendung. Guajacum sanctum auf den Bahamas liefert ein harzarmes Holz.

Guajakol: (Kurzwort für Guajak + Alkohol) Guajacol: der Monomethyläther des Brenzkatechins. Guajakol bildet farblose, schwer wasserlösliche Kristalle; F 28 °C; Kp 205 °C. Es kommt im Buchenholzteer vor und wurde zuerst aus Guajakholz gewonnen. Synthetische Guajakol dient unter anderem zur Herstellung von Vanillin. Pharmazeutisch wird Guajakol wegen seiner leicht desinfizierenden und sputum verflüssigenden Wirkung als Zusatz zu Hustenmitteln verwendet.

Guam: größte und südlichste Insel der Marianen im Stillen Ozean (Mikronesien); US-Kolonie; 543 km2, 105000 Einwohner; 193 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Agana; von Korallen umgebene bewaldete Vulkaninsel (bis 407 m hoch) unter tropischen Klima; wichtigster pazifische Luftwaffen- und Kriegsflottenstützpunkt der USA (über ein Drittel der Fläche Militärgebiet), die Mehrzahl der Bevölkerung ist im militärischen Bereich tätig; Erzeugung von Wassermelonen, Obst, Gemüse, Südfrüchten; Erdölraffinerie, Lebensmittel-, Textilindustrie, Uhrenfertigung; Fremdenverkehr. 1521 von Magalhaes entdeckt, bis 1898 spanisch seitdem Besitzung der USA 1941/44 von Japan besetzt; seit 1950 besitzt es von den USA manipulierte innere Selbstverwaltung, seit 1975 ist es «assoziiertes Mitglied der USA».

Guam Doktrin: von US-Präsident R Nixon 1969 auf Guam verkündete Doktrin, wonach im Kampf gegen den Fortschritt in Indochina Asiaten gegen Asiaten eingesetzt werden sollen; ihre Bedeutung ging über Asien hinaus. Die Guam Doktrin sollte eine «Rationalisierung» der US-Außenpolitik bewirken und die Konzentration auf Schwerpunkte ermöglichen.

Guanajuato: Hauptstadt des Bundesstaates Guanajuato (Mexiko), im Hochland von Mexiko, 2045m überm Meer; 45000 Einwohner; Zentrum des Silber- und Buntmetallbergbaus; Töpferei; Fremdenverkehrszentrum; Universität; historisches Stadtzentrum.

Guanako, Lama guanicoe: höckerloses Kamel mit weichem, wolligem rötlichgelbem bis braunrotem Fell, das unterseits leicht aufgehellt ist. Das Guanako lebt in Steppen und Halbwüsten Südamerikas bis in 4000 m Höhe und ist die Stammform vom Lama und Alpaka.

Guanchen, Guantschen: Urbevölkerung der kanarischen Inseln mit neolithischer Kultur, um 1550 gingen die Guanchen, deren Herkunft umstritten ist, in der spanischen Kolonialbevölkerung auf.

Guangdong, Kwangtung: Provinz im Süden Chinas, am Südchinesischen Meer; einschließlich der Insel Hainan 231400 km2, 59,3 Millionen Einwohner; 256 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Guangzhou, bewaldetes Berg- und Hügelland mit eingesenktem Tal des Zhu Jiang, nur rund 20 % der Fläche nutz- und bewohnbar (700 bis 1000 Einwohner/km2); subtropisches, auf Hainan tropisches Monsunklima mit hohen Niederschlägen; reiche Vorkommen an Eisen-, Mangan-, Wolfram-, Antimonerz, Ölschiefer, Salz; vorwiegend Nahrungsmittelindustrie und Zuckerrohrverarbeitung, des weiteren Metallurgie, Maschinenbau, Papier- und chemische Industrie, besonders in der Umgebung von Guangzhou und Zhanjiang; Wirtschaftssondergebiete Shenzhen (an der Grenze zu Hongkong) sowie Shantou für Auslandsinvestitionen; in der Landwirtschaft besonders Anbau von Reis und Südfrüchten; verkehrsmäßig erschlossen durch Eisenbahnlinie nach Wuhan; Küstenschifffahrt und Flusstransport.

Guangxi Zhuang, Autonomes Gebiet, Kwangsi der Dschwang: autonomes Gebiet im Süden Chinas; 220400 km2, 36,4 Millionen Einwohner, davon etwa 33 % Zhuang, Miao und Yao; 165 Einwohner/km2; Verwaltungssitz Nanning. Verkarstetes Bergland zwischen 500 und 1000 m überm Meer mit Beckenlandschaften, dessen Hauptflüsse zum Zhu Jiang entwässern; tropisches Monsunklima. Reiche Vorkommen an Zinn-, Mangan-, Wolfram-, Antimon-, Blei- und Zinkerz. Produktion von Stahl und Eisen, Maschinenbau, Buntmetallurgie, Lebensmittel-, Konserven- und Textilindustrie. In der Landwirtschaft Anbau von Reis mit 2 bis 3 Ernten sowie von Mais, Weizen, Bataten, Tabak und Südfrüchten, neuerdings auch von Kaffee, Kautschuk und Pfeffer. Eisenbahnlinien nach Hunan und Guizhou, Fluss- und Seeschifffahrt nach Guangdong, Flughafen in Nanning, Seehafen ist Beihai.

Guangzhou, Kanton: Stadt im Süden Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Guangdong, im Nordteil des Zhu-Jiang-Deltas; 5 Millionen Einwohner; Zuckerraffinerien, Druckereien, Papier-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie, starke Entwicklung der Metallurgie; Produktion von Zement, Maschinen-, Schiffbau; Kunsthandwerk; Seehafen Huangpu (Whampoa) für 10000-BRT-Schiffe, Eisenbahnlinie nach Peking, internationaler Flughafen; Universität. Bedeutender Handelsplatz im Mittelalter, musste im Ergebnis des 1. Opiumkriegs 1842 für ausländischen Handel geöffnet werden; wichtiger Stützpunkt der imperialistische Mächte in Südchina bis 1949, Zentrum der bürgerlich-demokratischen und später der Arbeiterbewegung; 1938/45 von Japan okkupiert, am 14.10.1949 von der Herrschaft der Guomindang befreit.

Guan Hanqing, frühester bekannter chinesischer Dramatiker (13. Jahrhundert), verfasste 63 Stücke, die sich durch eine breite soziale Thematik, lebendige Volksgestalten, straffe Komposition und Verwendung der Volkssprache auszeichnen. Er wendet sich gegen die politischen und sozialen Missstände, zum Beispiel in seiner Tragödie «Die unrechtmäßige Verurteilung der Dou E» gegen das korrupte Rechtssystem und die rechtlose Stellung der Frau in der Yuan-Zeit (1271/1368).

Guanin: eine in Nukleinsäuren gebundene stickstoffheterozyklische Base; 2-Amino-6-hydroxy-purin; Formel CjH3N4(NH2)(OH). Guanin wurde 1845 im peruanischen Guano entdeckt; in Haut und Schuppen von Fischen ruft es schillernden Glanz hervor.

Guano: aus Exkrementen, Kadavern und Federn besonders von Guanovögeln bestehende phosphor- und stickstoffreiche Ablagerungen, die, mechanisch aufbereitet, als Düngemittel verwendet werden.

Guanophoren, Leukophoren: Zellen in der Haut niederer Wirbeltiere; enthalten farblose Kristalle (zum Beispiel Guanin), die durch Lichtreflexion Farbeffekte erzeugen.

Guanovögel: in riesigen Kolonien (bis über 1 Millionen Vögel umfassend) brütende Seevögel (Ruderfüßer), deren Exkremente als Guano abgebaut werden. Wichtigster Guanovögel ist der Guanokormoran (Phalacrocorax bougainvillii), der auf den Inseln vor der Küste Chiles und Perus! brütet und sich von Sardinen ernährt. 10 bis 20 Millionen Guano Kormorane liefern jährlich etwa 3000001 Guano. Auch der Guanotölpel (Sula variegata) ist wesentlich an der Guano Produktion beteiligt.

Guanting: Staudamm am Yongding He in China, in der Provinz Hebei; 200 m lang, 45 m hoch; Fassungsvermögen des Stausees 2,27 Md. m3, Fläche 220 km2; dient der Elektroenergiegewinnung (30 MW), Flussregulierung und Bewässerung von 26000 ha Ackerland.

Guapore: rechter Nebenfluss des Mamori, zum größten Teil Grenzfluss zwischen Brasilien und Bolivien; 1716 km; entspringt im Westen des Brasilianischen Berglandes (Mato Grosso) und durchfließt den Ostteil des Beni-Tieflandes; 1100 km schiffbar.

Guaracha: spanisch-kubanischer Volkstanz im Takt, dessen Tempo sich bis zum Schluss ständig steigert; im 19. Jahrhundert auch stilisierter Bühnentanz.

Guarani: Währungseinheit in Paraguay; siehe auch Währung.

Guarani: 1. Guarani: indianische Stämme der südamerikanischen Tupi-Guarani-Sprachfamilie; noch etwa 10000.

2. Guarani: Mischlingsbevölkerung Paraguays und Nordostargentiniens, Nachkommen von spanischen Kolonisten und Guarani 1; 2,6 Millionen.

3. Guarani: Sprache der Guarani, neben Spanisch Verkehrssprache in Paraguay.

Guardi, Francesco, 3.10.1712-1.1.1793, italienischer Maler; gab in malerisch erlesenen Veduten, Phantasielandschaften und Figurenbildern das Erscheinungsbild wie das Alltags- und Festleben seiner Vaterstadt Venedig wieder.

Guarini: 1. Giovanni Battista, 10.12.1537 bis 7.10.1612, italienischer Dichter; beeinflusste mit seinem eleganten, Tassos (Aminta» nachahmenden Hirtendrama «Der treue Hirt» (1590, deutsch) maßgeblich die europäischen Schäferdichtung.

2. Guarino, 17.1.1624-6.3.1683, italienischer Architekt; Hauptmeister des oberitalienischen Spätbarocks; wirkte seit 1668 in Turin (Cappella del Santissimo, 1668; San Lorenzo, seit 1668; Palazzo Carignano, 1680).

Guaschmalerei, Gouache: Malerei mit deckenden Wasserfarben. Die mit harzigem Bindemittel und Weiß versetzte Farbe wird nach dem Trocknen spröde und hellt auf.

Guatemala, Republik Guatemala: Staat in Mittelamerika zwischen Stillem Ozean und Golf von Honduras; grenzt im Westen und Norden an Mexiko, im Nordosten an Belize, im Osten an Honduras und im Südosten an El Salvador; administrativ in 22 Departements gegliedert. Bevölkerung. Sie besteht zu etwa 55 % aus Indianern (Mayastämme), zu mehr als 40 % aus Mestizen und zu 3 % aus Kreolen. Staatssprache ist Spanisch. Währung ist der Quetzal. Natur. Im Norden Tiefland; im Süden, entlang der pazifischen Küste, Fortsetzung der Sierra Madre, die sich in 2 das seismisch aktive zentrale Hochland Guatemalas (Tajumulco, 4220 m) umrahmende Gebirgszüge teilt. Auf der Hälfte der Fläche Regenwälder der Halbinsel Yucatán und Laubwälder der feuchtheißen Küstenebenen des Nordens; tropisches Klima durch Höhenlage abgewandelt. Das kühlere Kordilleren Hochland ist Hauptsiedlungs- und -agrargebiet. Wirtschaft. Guatemala ist ein ökonomisch schwach entwickelter Agrar-Industrie-Staat, in dem neben den dominierende kapitalistische teilweise noch halbfeudale Produktionsverhältnisse fortbestehen. Die Wirtschaft wird fast völlig vom US-amerikanischen Kapital beherrscht. Die Landwirtschaft erbringt mit dem Anbau der Exportkulturen Kaffee, Bananen, Baumwolle und Zuckerrohr 70 % des Exporterlöses. Guatemala ist einer der wichtigsten Produzenten von Chicle (zur Kaugummiherstellung) und ätherischen Ölen. Edelhölzer, wie Mahagoni und Zeder, werden ebenfalls exportiert. Für den Eigenbedarf Anbau von Mais, Reis, Weizen und Bohnen. Trotz reicher Bodenschätze wenig entwickelter Bergbau (Förderung von Blei-, Zink-, Nickelerz und Erdöl); Nahrungs- und Genussmittel-, Textil- und Tabakindustrie. Bedeutende Häfen sind Livingston, Puerto Barrios, San José, Champerico, Ocós; internationaler Flughafen La Aurora. Geschichte. Vom 4: bis 10. Jahrhundert war Guatemala Kern des Mayareiches, danach Siedlungsgebiet der Quiché-Indianer, die sich der spanischen Eroberung unter P. de Alvarado (1523/24) heftig widersetzten. Die Zwangschristianisierung führte zur Zerstörung der indianischen Kultur. Unter spanischer Kolonialherrschaft war Guatemala Zentrum des Generalkapitanats Guatemala; 1821 wurde es unabhängig und gehörte 1823/39 zu den Vereinigten Provinzen Zentralamerikas. Unter der klerikal-konservativen Diktatur R. Carreras (1844/48 und 1851/65) errang Guatemala die Vormacht in Zentralamerika. Der liberale Präsident J. R. Barrios (1873/85) drängte den Einfluss der katholischen Kirche zurück, scheiterte aber ebenso wie seine Nachfolger an dem Versuch, eine zentralamerikanischer Föderation unter der Hegemonie Guatemalas herzustellen. Unter der Diktatur von M. Estrada Cabrera (1898/1920) wuchs die Abhängigkeit vom US-Imperialismus (bes. Einfluss der United Fruit Company). Nach dem 1. Weltkrieg erreichte die revolutionäre Bewegung mit Streiks und Bauernerhebungen 1921/24 ihren Höhepunkt. Gegen das erneute Anschwellen der Volksbewegung errichtete die Reaktion mit Hilfe der USA die Diktatur des Generals J. Ubico Castañeda (1931/44), der die Opposition grausam verfolgte und Guatemala uneingeschränkt den USA auslieferte. Sein Sturz leitete die bürgerlich-demokratische Revolution (1944/54) ein. In ihrer 1.Etappe wurden unter Präsident J. J. Arfevalo Bermejo (1945/51) bürgerlicher Reformen und eine neue Verfassung verabschiedet. 1949 erfolgte die Gründung der KP (seit 1952 Guatemala Partei der Arbeit). Kernstück der 2. Etappe antiimperialistischen, antioligarchischen Charakters war die von Präsident J. Arbenz Guzman 1952 verkündete Agrarreform, die 100000 Bauernfamilien enteignetes Land von Latifundisten und Monopolen gab. Die USA inszenierten 1954 eine Intervention zum Sturz der Regierung. Die proimperialistische Diktatur (1954/57) verfolgte alle demokratischen Kräfte, beseitigte die Ergebnisse der Revolution und lieferte das Land erneut den USA aus. Guatemala wurde militärischer Stützpunkt gegen das revolutionäre Kuba. Nach der formellen Beendigung der Militärdiktatur (1966) übte die Oligarchie weiter die Macht aus und setzte die «Wahl» reaktionärer Generale und Präsidenten durch. Im Ergebnis von Militärputschen kam 1982 General E. Rios Montt, 1983 General O. H. Mejia Victores an die Macht. Gegen den wachsenden rechtsextremistischen Terror (1970/80 mehr als 60000 Opfer) erhöhte die revolutionäre Partisanenbewegung ihre Aktivitäten. Bisheriger Höhepunkt der Einheitsbestrebungen der revolutionär demokratischen Kräfte war im Januar/Februar 1982 die Gründung des Guatemaltekischen Komitees der Patriot. Einheit (spanisch Abkürzung CGUP) als politische und der Guatemaltekischen Nationalen Revolutionären Einheit (spanisch Abkürzung URNG) als militärisches Bündnis.

Guatemala, Ciudad de Guatemala: Hauptstadt von Guatemala, in einem breiten Tal des zentralen Hochlandes, 1493 m überm Meer; 1,4 Millionen Einwohner; wichtigstes Wirtschafts- und Verkehrszentrum des Landes; Zentrum des Kaffeehandels, Nahrungsmittel-, Tabak-, Textil-, Baustoffindustrie; Universität; internationaler Flughafen.

Guayana, Bergland von: Großlandschaft im Norden Südamerikas, zwischen Orinoco- und Amazonastiefland; gehört politisch zu Guyana, Französisch-Guayana, Suriname, Venezuela und Brasilien; etwa 1,2 Millionen km2, bis 3100 m über dem Meeresspiegel Infolge Hebung in Schollen zerbrochenes Massiv der Brasilianischen Masse mit im Süden darüber liegenden Sandstein- und Quarzit Schichten, so dass hier von Tafelbergen durchsetzte Hochflächen und Plateaus mit Stellabfällen (Schichtstufen) bis zu 1000 m Höhe charakteristisch sind. Die granitischen Intrusivgesteine bilden vielfach Inselberge. Steiler Abfall nach Süden und Südwesten, nach Norden zu folgt Hügelland, das in die bis zu 100 km breite, zum Teil versumpfte Küstenebene am Atlantischen Ozean übergeht. Die Flüsse sind reich an zum Teil sehr hohen Wasserfällen (zum Beispiel Angelfälle, Kaieteur-Fall) und Stromschnellen, so dass sie nur in den Unterlaufen schiffbar sind. Typisch sind flache Wasserscheiden, zum Teil mit Bifurkationen. Bei tropischen Klima im Süden vorwiegend immergrüner tropischer Regenwald, an den Flussmündungen am Atlantischen Ozean Mangrovenbestände, nach Norden zu Feucht- und Trockensavanne, besonders im Lee von Gebirgsketten. Von weltwirtschaftlicher Bedeutung sind die reichen Bauxitvorkommen; weitere wichtige Bodenschätze sind Eisenerz, Phosphat, Gold, Diamanten. In den Wäldern werden unter anderem Edelhölzer, Kautschuk und Chicle (Rohstoff zur Kaugummiproduktion) gewonnen; in den Savannen wird Viehzucht betrieben.

Guayaquil: größte Stadt (Provinzzentrum) Ekuadors, im Südwesten des Landes, am Stillen Ozean; 1,2 Millionen Einwohner; Industriezentrum mit mehr als einem Drittel der Industrieproduktion des Landes (Textil-, Leder-, Holz-, Papier-, chemische, Lebensmittelindustrie); bedeutender Hafen, internationaler Flughafen; 2 Universitäten.

Guckkasten: Kasten mit einer darin aufgebauten Szenerie, die durch eine Vergrößerungslinse zu betrachten ist. Im 18./19. Jahrhundert waren solche Apparate Jahrmarktsattraktionen.

Gudbrandsdalen: Tal im Süden Norwegens; 200 km lang; vom Lägen durchflossen; Landwirtschaft; Fremdenverkehr; alte Bauernkultur.

Gudea, Herrscher (Patesi) des altsumerischen Stadtstaates Lagasch in Südmesopotamien; regierte um 2050/um 2000 vor Christus Mit Hilfe hoher Tributzahlungen vermied Gudea eine Invasion der Gutäer (altorientalisches Bergvolk) er entwickelte eine große Bautätigkeit und förderte den Fernhandel. Überliefert sind Bildnisstatuen mit Berichten über seine Herrschaftszeit, unter anderem Weihinschriften.

Guderian, Heinz, 17.6.1888-15.5.1954, Generaloberst; gehörte zu den Schöpfern der faschistischen deutschen Panzerwaffe; von Juli 1944 bis März 1945 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes des Heeres beauftragt.

Gudmundsson, Kristmann, geboren 23.10.1901, isländischer Schriftsteller; schrieb (meist in Norwegisch) psychologisierende Liebesromane und historische Romane, die zum Teil auch in Deutsch Übersetzungen vorliegen, sowie seine mehrbändige Autobiographie.

Guenther, Johannes von, 26. 5.1886-28.5.1973, Übersetzer und Schriftsteller, lebte in der BRD; schuf Übertragungen russischer Literatur ins Deutsche (Puschkin, Gogol, Lermontow, Leskow, Turgenjew, L. N. Tolstoi, Blok, Majakowski, A. N. Ostrowski), ferner Nachdichtungen älterer Werke («Don Gil von den grünen Hosen», 1918, nach Tirso de Molina; «Der Kreidekreis», 1942, nach dem Chinesischen); schrieb Gedichte und Romane («Rasputin», 1939).

Guerezas: Bezeichnung für einige Schlankaffen der Gattung Colobus mit langhaarigem, oft schwarzweiß gezeichnetem Fell; Urwaldbewohner Zentralafrikas.

Guericke, Otto, 30.11.1602-21.5.1686, Physiker; Mitbegründer der modernen experimentellen Naturwissenschaft, 1626 Ratsherr, 1646/78 einer der 4 Bürgermeister von Magdeburg; Guericke erkannte die Stofflichkeit der Luft, stellte berühmte Untersuchungen über das Vakuum an (siehe auch Magdeburger Halbkugeln), erfand um 1650 die Kolbenluftpumpe, Elektrisiermaschinen und das Barometer.

Guerilla, Guerrilla (beide spanisch, «kleiner Krieg», germanisch werra, «Streit»): Kampf kleiner, beweglicher Abteilungen im feindlichen Hinterland; der Begriff Guerilla kam im spanischen Unabhängigkeitskrieg 1808/14 gegen Napoleon I. auf.

Guernsey: zweitgrößte und westlichste der britischen Kanalinseln; als Insel 63 km2, 51000 Einwohner; als Verwaltungseinheit mit Alderney unter anderem 78 km2, 54000 Einwohner; 692 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Saint Peter Port; zum Teil Steilküste; mildes Seeklima; intensiver Gemüsebau und Weidewirtschaft; Milchverarbeitung; Export von Agrarerzeugnissen, besonders von Tomaten und Blumen; internationaler Flughafen; Fremdenverkehr.

Guernseylilie, Nenne siamensis: Amaryllisgewächs aus Südafrika; Zwiebelpflanze, deren riemenförmige Blätter zugleich mit dem Blütenschaft erscheinen; Blüten in reich blutiger Dolde; die roten Blütenblätter sind sichelförmig gebogen; im Herbst blühende Topfpflanze, die auf der Insel Guernsey im Freien kultiviert wird.

Guerra Junqueiro, Abilio Manuel de, 17.9.1850—7.7.1923, portugiesischer Lyriker, kritisierte vom Standpunkt einer fortschrittlichen Agrarbourgeoisie aus den Verfall feudaler Verhältnisse und hält scharfe Abrechnung mit der portugiesischen Geschichte («Das Greisenalter des Ewigen Vaters», 1885; «Das Ende des Vaterlandes», 1890). Er sympathisierte mit den Armen («Die Armen», 1892) und verherrlichte voller Pathos Arbeit und Fortschritt als bürgerlich-republikanische Ideale («Gebet an das Brot», 1902; «Gebet an das Licht», 1903).

Guerrero, Xavier, geboren 3.12.1898, mexikanischer Maler und Graphiker; Autodidakt, hervorgegangen aus einer Familie volkstümlicher Maler; Mitbegründer der mexikanischen Wandmalerbewegung, Gründungsmitglied mehrerer bedeutender nationaler Künstlervereinigungen. Neben zahlreichen Wandgemälden mit nationaler Thematik schuf er auch hervorragende Staffeleibilder.

Guesde, Jules (eigentlich Mathieu Basile), 11.11.1845-28.7.1922, französischer Arbeiterführer; Teilnehmer an der Pariser Kommune; gründete 1880 mit P. Lafargue die auf marxistische Positionen stehende sozialistische Arbeiterpartei. Guesde bezog seit dem 1. Weltkrieg revisionistische Positionen und war ein Gegner Sowjetrusslands.

Guevara, Antonio de, um 1480 - 3.4.1545, spanischer Schriftsteller, Politiker und Kleriker; ihm wird Einfluss auf die Herrschaftsideen Karls V. durch «Das goldene Buch des Marc Aurel» (1529) zugesprochen; verfasste auch die Schriften «Die Fürstenuhr» (1529) und «Verachtung des Hofes» (1539).

Guevara Serna, Ernesto, genannt Che Guevara, 14.6.1928-8.10.1967, kubanischer Revolutionär argentinischer Herkunft; Kampfgefährte von F. Castro Ruz, Comandante der Rebellenarmee 1957/59, 1959/61 Präsident der kubanischen Nationalbank, 1961/65 Industrieminister. Guevara Serna kämpfte seit 1965 außerhalb Kubas (Afrika, Bolivien) gegen imperialistische Ausbeutung und Unterdrückung; geriet als Guerillaführer in Bolivien verwundet in Gefangenschaft und wurde ermordet.

Guido von Arezzo, um 992-wahrscheinlich 17.5.1050, Musiktheoretiker; gilt als Erfinder einer Vorform unseres Systems der Notenlinien; verwendete Tonsilben zur leichteren Erlernung unbekannter Gesänge, eine Methode, die sich bis heute in ihrem Grundzug erhalten hat.

Guignol: (französisch, «Kasperle») Hauptfigur des 1795 von L. Mourguet nach italienischen Vorbild in Lyon eingerichteten Handpuppentheaters. Guignol wurde später Synonym für das volkstümliche französische Puppentheater überhaupt.

Guilbert, Yvette, 20.1.1867-3.2.1944, französische Diseuse und Schauspielerin; war mit modernen und alten französischen Volksliedern seit 1892 der Star der großen Pariser Varietés.

Guildhall: im mittelalterlichen England Versammlungshaus einer Kaufmannsgilde. Da diese vielfach die Stadtgeschäfte leitete, wurde Guildhall die Bezeichnung für viele Rathäuser in England, besonders für das von London.

Guilin, Kweilin: Stadt im Süden Chinas, im Nordosten des Autonomen Gebietes Guangxi Zhuang, am Li Jiang; 180000 Einwohner; Eisen- und Stahlwerk, Maschinenbau, Zement-, chemische und Glasindustrie; berühmt wegen seiner bizarren Karstlandschaft (Ausbau zum Touristenzentrum); Bahnverbindung nach Hunan, Flugverbindung nach Guangzhou.

Guillén, Nicolás, geboren 10.7.1902, kubanischer Lyriker und Journalist; verbindet meisterhaft Traditionen der afrokubanischen Volksdichtung (Poesia Negra) mit sozialer Kritik und revolutionärer Aussage («Lieder für Soldaten und Songs für Touristen», 1937; «Elegien», 1958) und leistete dadurch einen bedeutenden Beitrag zur sozialistischen Literatur in Lateinamerika.

Guilloche: maschinell oder fotomechanisch hergestelltes verschlungenes Muster, vor allem für den Wertpapierdruck zur Verhinderung von Fälschungen.

Guillotine: Mechanismus zum Vollzug der Todesstrafe durch Enthaupten mittels Fallbeils; eingeführt während der Französischen Revolution, benannt nach dem französischen Arzt Joseph-Ignace Guillotin (1738-1814).

Guimarães: Stadt im Nordwesten Portugals; 25000 Einwohner; Zentrum der Baumwollindustrie, Herstellung von Stickereien; archäologisches Museum; Burg (10. Jahrhundert), gotische Palast der Herzöge von Braganza (15. Jahrhundert).

Guimarães Rosa, João, 27.6.1908-19.11.1967, brasilianischer Schriftsteller; setzte sich in «Corps de Ballet» (1956, deutsch) und vor allem « Grande Sertão: Veredas » (1956, deutsch) von einem bürgerlich-humanistischen Standpunkt aus mit den ideellen Triebkräften des Handelns der Menschen unter den rückständigen, von physischer Gewalt beherrschten Verhältnissen des Landesinnern auseinander.

Guinea: Hauptgoldmünze zu 21 Shilling in Großbritannien 1663/1816, benannt nach dem Herkunftsland des verprägten Goldes; jetzt Rechnungseinheit.

Guinea: historische Bezeichnung für die afrikanischen Küstengebiete am Atlantischen Ozean von etwa 14° nördlich bis 16° südliche Breite; umfasst Oberguinea von Dakar bis zum innersten Winkel des Golfes von Guinea, von hier bis zum Fluss Kunene Niederguinea.

Guinea, Republik Guinea: Staat in Westafrika; grenzt im Westen an den Atlantik, im Nordwesten an Guinea- bissau, im Norden an Senegal, im Nordosten an Mali, im Südosten an Elfenbeinküste und im Süden an Liberia und Siena Leone; verwaltungsmäßig in 8 Provinzen mit 35 Präfekturen gegliedert. Währung ist Syli. Bevölkerung. Sie setzt sich aus etwa 20 Völkern und ethnischen Gruppen zusammen, deren bedeutendste Fulbe, Mandingo, Susu, Kissi und Guerze sind. Etwa 20% der Bewohner leben in Städten. Amtssprache ist Französisch. Natur. Das Land erstreckt sich von der Küste mit einem Schwemmlandküstenstreifen (Nieder- oder Küstenguinea) weit nach Osten und Südosten auf die Oberguineaschwelle (Mittelguinea, Oberguinea) mit ihren Berg- (Fouta Djallon, bis 1538 m; Nimbaberge, bis 1852 m) und Tafelländern. Tropisches Klima, an der Küste schwülwarm (neunmonatige Regenzeit), ins Landesinnere trockener werdend (neunmonatige Trockenzeit in Oberguinea). Guinea ist das wasserreichste Gebiet Westafrikas. Dem Fouta Djallon entspringen zahlreiche Flüsse.

Gambia, Senegal und Niger. Tropischer Regenwald im Küstenbereich und im Süden an der Grenze zu Liberia (Waldgambia), im Hochland Baum-, Gras- und Trockensavanne. Gambia ist reich an Bodenschätzen (Bauxit-, Eisenerz, Diamanten, Bunt- und Edelmetallerze (besonders Gold), Uran, Graphit, Kalkstein). Wirtschaft. Gambia ist ein Agrarland, das bis zur Erringung der Unabhängigkeit zu den rückständigsten Staaten Westafrikas gehörte. Seitdem wurden alle Anstrengungen unternommen, die durch lange Kolonialherrschaft verursachte Rückständigkeit des Landes zu überwinden. Dabei konnten bereits beachtliche Erfolge erzielt werden. Ausländische Unternehmen, Banken und Versicherungen wurden zum großen Teil verstaatlicht, viele Industriebetriebe errichtet und Maßnahmen zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion eingeleitet. Daneben existiert ein privater Sektor, besonders in der Landwirtschaft, im Transportwesen und Handwerk. Die Landwirtschaft ist Hauptzweig der Volkswirtschaft. In ihr sind 80% der Beschäftigten tätig. Im Vordergrund steht die Umgestaltung der noch vorherrschenden Subsistenzwirtschaft. An die Stelle des wenig ertragreichen Familienbetriebes treten zunehmend Genossenschaften und Staatsgüter. Letztere sowie ausländischen (besonders französischen) Plantagen produzieren für den Export Ananas, Bananen, Kaffee und Palmkerne; für den eigenen Bedarf werden Maniok, Bataten, Reis, Mais, Hirse, Taro, Erdnüsse und Ingwer angebaut. Die Viehhaltung wird extensiv betrieben. Industrie. Nach Erreichen der Unabhängigkeit entwickelte sich hier ein starker staatlicher Sektor. Viele Betriebe wurden mit Hilfe der sozialistischen Staaten (besonders UdSSR) errichtet. Größte Bedeutung hat der Bergbau. An Stelle der ehemals unumschränkt herrschenden ausländische sind staatliche Unternehmen (bei der Diamantengewinnung) oder ausländische Betriebe mit starker guineische Gewinnbeteiligung (beim Bauxit- und Eisenerzbergbau) beziehungsweise gemischte Unternehmen getreten. Vorrangig ist der Bauxitabbau (eines der führenden Länder der Welt) mit den Hauptstandorten Fria (Tonerde-Raffinerie), Boké und Kindia. Im Küstenschelf werden Erdölvorkommen vermutet. Der Abbau von Eisenerzen auf der Halbinsel Kaloun und in den Nimbabergen erfolgt mit Beteiligung nigerianische, japanische unter anderem Unternehmen. Die Goldgewinnung wird durch staatliche Unternehmen betrieben. Neben dem Bergbau haben die Textil-, Holz- und Baustoffindustrie größte Bedeutung. Verkehr. Durch den Neubau von Eisenbahnstrecken von den Bauxiterz-Fördergebieten zur Küste mit Hilfe der UdSSR wurde das unterentwickelte Verkehrsnetz (verstaatlicht) besser den ökonomischen Erfordernissen angepasst. Internationaler Flughafen und wichtigster Seehafen in Conakry; Bauxitausfuhr über den Hafen zum Handel. Der Außenhandel steht unter Staatskontrolle; Ausfuhr von Bauxit (etwa 90 % des Ausfuhrwertes), Agrarerzeugnissen; Einfuhr von Industrieeinrichtungen, Erdöl, Baustoffen, Lebensmitteln, Textilien; Haupthandelspartner sind Frankreich, Spanien, Deutschland, USA, sozialistischer Staaten.

Geschichte: Archäologische Funde bezeugen Besiedlung seit urgeschichtlicher Zeit. Im Mittelalter gehörte das nördliche Gambia zum Einzugsgebiet der sudanesischen Großreiche. Seit dem 16. Jahrhundert wurde Gambia Opfer des transatlantischen Sklavenhandels. 1725 gründeten die Fulbe unter Karamako Alfa im Fouta Djallon einen theokratischen Staat. 1838/42 setzten sich die französischen Kolonisatoren an der Küste fest und begannen, ins Landesinnere vorzudringen. Dabei stießen sie insbesondere auf den Widerstand der Malinke unter Führung von Samory Touré (1830-1900), der seit 1870 mehrere Gebiete im Nordosten Gambias zu einem mächtigen Staat zusammengefasst hatte. Erst nach seiner Gefangennahme 1898 konnte das Gebiet endgültig kolonial unterworfen werden. 1904 wurde Gambia Französisch Westafrika angeschlossen. Erhebungen seiner Völker (1902/04 die Konyagi, 1906/11 die Fulbe, 1911 die Wali) wurden blutig niedergeschlagen. Nach dem 2. Weltkrieg kam es erneut zu einem Aufschwung der nationalen Befreiungsbewegung, deren führende Organisation seit den 50er Jahren die im Mai 1947 gegründet demokratische Partei Gambias (französisch Abkürzung PDG) war. Sie bildete 1957 die Territorialregierung und entmachtete im gleichen Jahr die von der Kolonialverwaltung protegierten Häuptlinge. Unter Führung der PIG stimmte die Bevölkerung von Gambia im Referendum vom 28.9.1958 für die Unabhängigkeit, die Gambia darauf am 2.10.1958 erreichte. Staatspräsident und Ministerpräsident der Republik Gambia wurde A. Sékou Touré. Unter seiner Führung verfolgte Gambia eine antiimperialistische, auf die Überwindung der kolonialen Rückständigkeit und Abhängigkeit und die Durchsetzung des sozialen Fortschritts gerichtete Politik. Dabei arbeitete Gambia mit sozialistischen Staaten zusammen. Imperialistischer Druck, der von ökonomischer Erpressung bis zu einer im November 1970 erfolgreich abgewehrten offenen militärischen Intervention reichte, und der Widerstand verschiedener Kräfte der inneren Reaktion komplizierten die gesellschaftliche Entwicklung-Gambias erheblich. Nach dem Tode von A. Sékou Touré übernahm im April 1984 ein Militärkomitee der Nationalen Erneuerung Gambias (französisch Abkürzung CMRN) unter Oberst Lansana Conté die Macht, verbot die PDG und die Massenorganisationen.

Guinea-bissau, Republik Guinea- bissau: Staat in Westafrika; grenzt im Westen an den Atlantik, im Norden an Senegal und im Osten und Süden an Guinea; verwaltungsmäßig in 8 Regionen gegliedert. Bevölkerung. Sie setzt sich aus über 20 Stämmen und ethnischen Gruppen zusammen, die zu den Bantusprachen gehören (Balante, Fulbe, Mandjako, Malinka, Pepel unter anderem). Noch etwa 60% Analphabeten (1973: 97%). Amtssprache ist Portugiesisch. Währung ist der Guinea-Peso. Natur. Guinea-bissau reicht von der sumpfigen Küste am Atlantischen Ozean mit etwa 60 vorgelagerten Inseln (Bijagos-Archipel) bis zur Oberguineaschwelle mit welligem Hügelland und den Vorbergen des Fouta Djallon. Es herrscht ein gleichmäßig warmes, regenreiches tropisches Klima. Etwa ein Drittel der Landesfläche wird vom tropischen Regenwald bedeckt, im Landesinnern Savanne. Die Bodenschätze (Bauxit, Erdöl, Phosphate) sind noch kaum erforscht. Wirtschaft Guinea-bissau ist ein rückständiges Agrarland, das einen progressiven, antiimperialistischen Entwicklungsweg beschreitet. Das Land unternimmt alle Anstrengungen, die durch lange portugiesische Kolonialherrschaft hervorgerufene Rückständigkeit zu beseitigen, wobei es von den sozialistischen Staaten unterstützt wird. Im Vordergrund steht dabei die Entwicklung der gegenwärtig noch einseitig auf den Erdnussanbau ausgerichteten Landwirtschaft (Überwindung der Monokultur, Ausbau des Bewässerungswesens, Neulandgewinnung), des wichtigsten Wirtschaftszweiges Guinea-bissaus, in dem 90 % der Erwerbstätigen beschäftigt sind, und der durch vorherrschende Subsistenzwirtschaft gekennzeichnet ist. Der Boden wurde nationalisiert. Neben Erdnüssen Anbau von Reis, ferner Bohnen, Ölpalmen, Mais, Maniok, Bataten, Kokospalmen und Kaschunüssen; im Aufbau befindliche Küstenfischerei und Edelholzgewinnung. Die Industrie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung, sie umfasst kleinere Betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftliche Rohstoffe und Holz; in Brá bei Bissau Plastikverarbeitungsfabrik. Bedeutung gewinnt der Bauxit- und Phosphatbergbau. Verkehrsmäßig ist Guinea-bissau noch wenig erschlossen; Hochseehafen und internationaler Flughafen Bissau. Ausfuhr von Erd- (60 % des Gesamtwertes), Kokosnüssen, Palmöl, Holz, Fischen; Einfuhr von Lebensmitteln, Industrieeinrichtungen, Brennstoffen, industriellen Konsumgütern; Haupthandelspartner sind Portugal, Spanien, Großbritannien, Japanische Parteien und Massenorganisationen. Die 1956 gegründet Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea- bissau und den Kapverden (portugiesisch Abkürzung PA1GQ entwickelte sich zu einer Volkspartei im Kampf um nationale Unabhängigkeit und sozialen Fortschritt. Auf dem I. Außerordentlicher Parteikongress (November 1981) wurde unter anderem beschlossen, den historischen Gründungsnamen beizubehalten, auch nachdem auf den Kapverden die Afrikanische Unabhängigkeitspartei der Kapverden im Januar 1981 proklamiert worden war. Im September 1974 wurde die Jugendorganisation Afrikanische Jugend Amilcar Cabral (portugiesisch Abkürzung JAAC) gegründet. Der Nationale Bund der Werktätigen Guinea-bissaus (portugiesisch Abkürzung UNTG), gegründet 1961, ist die einheitliche Gewerkschaftszentrale. Er gehört dem WGB und der OATUU an. Geschichte. 1434 erreichten die ersten Europäer das Gebiet, an dessen Küste wenig später Portugiesen befestigte Ansiedlungen errichteten, die zu Zentren des Sklavenhandels wurden. Der gegen Kolonialeroberung und -ausbeutung von der afrikanischen Bevölkerung geleistete Widerstand drückte sich insbesondere in den Aufständen am Ende des 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhundert aus (1890/1910, 1912/15, 1917,1925,1930,1936). Aber erst die im September 1956 gegründet Afrikanische Unabhängigkeitspartei Guineas und der Kapverden wies unter Führung Amilcar Cabrals den Weg zur nationalen Unabhängigkeit. Nach erfolglosen Bemühungen, diese friedlich zu erlangen, begann die PAIGC im August 1961 den bewaffneten Kampf und rief am 24.9.1973 in den von ihr kontrollierten Gebieten die Republik Guinea-bissau aus. Nach dem Sturz des faschistischen Regimes in Portugal erkannte die portugiesische Regierung die Republik Guinea-bissau an und räumte die noch besetzten Gebiete. Das rückständige Agrarland unternahm besondere Anstrengungen zur Entwicklung der Land- und Fischereiwirtschaft und wurde dabei von sozialistischen Staaten wirksam unterstützt. Am 14.11.1980 wurde Präsident Luis Cabral durch einen Staatsstreich gestürzt. Ein Revolutionsrat unter Führung des bisherigen Ministerpräsidenten João Bernardo Vieira übernahm alle legislativen und exekutiven Vollmachten.

Guinness, Sir Alec, geboren 2. 4.1914, englischer Schauspieler bei Bühne (seit 1936 am Old Vic) und Film; spielte unter anderem in den Filmen «Oliver Twist», «Adel verpflichtet», «Ladykillers», «Die Stunde der Komödianten», «Cromwell», «Scrooge», «Verzeihung, sind Sie der Mörder?».

Güiraldes, Ricardo, 13.2.1886-8.10.1927, argentinischer Schriftsteller; verherrlicht Leben und Sitten der Gauchos in den Pampas («Das Buch vom Gaucho Sombra», 1926, deutsch) als vorgebliche Verkörperung des argentinischen Nationalcharakters, auf den er seine Leser zu verpflichten sucht.

Guiro: Rhythmus- und Geräuschinstrument lateinamerikanischer Herkunft mit einem aus Bambusrohr oder Holz gefertigten gurkenförmigen Schallkörper, über die auf einer Seite gerillte Oberfläche wird ein Stäbchen gestrichen.

Guisan, Henri, 21.10.1874-7.1.1960, schweizerischer General; 1940/45 Oberbefehlshaber der schweizerischen Armee; Initiator des Reduit Planes zur Verteidigung des Landeskerns gegen einen drohenden faschistischen Angriff.

Guise: französisches Herzogsgeschlecht, Nebenlinie des Hauses Lothringen (1528/1675). Die Guise waren im 16. Jahrhundert Führer der katholischen Gegenbewegung gegen die Hugenotten.

Guiyang, Kwei Jang: Stadt im Südwesten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Guizhou, am Nanming He; 530000 Einwohner; Produktion von Bergbau- und Elektroausrüstungen, Werkzeugmaschinen, Gummireifen, Aluminium, Zement, Textilien, Diesel- und Dampfmaschinen; Eisenbahnknoten, Flughafen.

Guizhou, Kweitschou: Provinz im Südwesten Chinas; 174000 km2, 28,6 Millionen Einwohner, davon 25% Minderheiten (Miao, Buyi, Yi unter anderem); 164 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Guiyang. zwischen 1000 und 2000 m hohes Kalksteinplateau, das von Westen nach Osten abfällt und vom Wu Jiang entwässert wird; subtropisches Klima. Reiche Bodenschätze an Quecksilber (Tongren), Phosphor (Kaiyang), Kohle, Aluminiumerden, Blei-, Zink-, Eisen- und Antimonerz; Produktion von Stahl, Maschinen, Traktoren, Bergbauausrüstungen, Pumpen und Motoren. In der Landwirtschaft Anbau von Reis, Mais, Bataten, Raps, Tabak und Jute; in den Wäldern Tung- und Lackbäume. Seit 1949 Eisenbahnstrecken und Straßen nach allen Nachbarprovinzen.

Guizhou-Plateau: Bergland mit Plateaucharakter in China, in der Provinz Guizhou; etwa 1000 bis 2000 m über dem Meeresspiegel. Das aus Kalkstein aufgebaute Guizhou-Plateau wird von tiefen Tälern zerschnitten; zur Bekämpfung der Bodenerosion wurden große Teile aufgeforstet.

Guizot, François Pierre Guillaume, 4.10.1787-12.9.1874, französischer Politiker und Historiker, einer der Führer der liberalen Opposition gegen das Restaurationsregime Karls X.; nach der Julirevolution Exponent der Großbourgeoisie und 1830/47 wiederholt Minister, 1847 Ministerpräsident, in der Februarrevolution 1848 gestürzt. Guizhou-Plateau erkannte in bestimmtem Umfang die Rolle des Klassenkampfes in der Geschichte.

Gujarat, Gudscharat: Unionsstaat im Westen Indiens; 195984 km, 34 Millionen Einwohner; 173 Einwohner/km2; Hauptstadt Gandhinagar (62000 Einwohner). Gujarat umfasst die Halbinseln Kathiawar (Saurashtra) und Kutch sowie das zum Teil fruchtbare Tiefland nördlich des Golfes von Cambay; Monsunklima, aber Düne Gefahr; reich an Vorkommen von Erdöl, Erdgas, Kalk, Bauxit. In der Landwirtschaft und Industrie nimmt Gujarat den 3.Platz unter allen indischen Staaten ein. Hauptanbaukulturen sind Hirse, Weizen, Reis; bedeutender Anbau von technischen Kulturen. Gujarat erbringt ein Viertel des indischen Aufkommens an Baumwolle und ein Sechstel bei Erdnüssen. Textil-, Lebensmittel- und Erdölindustrie; Großkraftwerke (z.T. auf Erdgasbasis), Düngemittel- und Zementproduktion, Maschinenbau; Industriezentren Ahmadabad, Vadodara.

Gujarati: 1. Indoarier.

2. Gujarati: neuindische Sprache indoeuropäischer Herkunft, die von rund 26 Millionen Menschen, hauptsächlich im indischen Unionsstaat Gujarat, gesprochen wird.

Gulasch: geschmortes, gewürfeltes Kalb-, Rind- und beziehungsweise oder Schweinefleisch in pikanter Tunke.

Gulden, (zu «Gold») Floren, Florin (französisch):

a) ursprünglich Gold-, später auch Silbermünze und Rechnungseinheit verschiedener Größe; zum Beispiel seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert in Florenz, Genua und Venedig geprägte Goldmünze (Goldgulden); viele Nachahmungen (Dukaten);

b) sein Silberäquivalent im 16. Jahrhundert Guldengroschen, besonders in Deutschland;

c) 1667/1750 geprägter %-Taler.

Gulden, Holländischer; ehemalige Währungseinheit in den Niederlanden.

Guldinsche Regeln: (nach einem schweizerischen Mathematiker) 2 Regeln zur Berechnung der Oberfläche A und des Volumens V von Drehkörpern, bei denen die Drehachse die erzeugende Kurve C nicht zerlegt,

a) A = 2 rsl, wobei die Bogenlänge von C und s der Abstand ihres Schwerpunktes von der Drehachse ist.

b) V = 2mrA

Gülleanlage: zum Sammeln, Lagern, Aufbereiten und Ausbringen von Gülle dienende bauliche und maschinelle Einrichtung in Stallanlagen und Feldfluren; bestehend aus Sammel- und Mischgrube mit Rührwerk, Pumpstation mit Anschluss zur Beregnungsanlage oder zum Füllen von Gülletankfahrzeugen, mit Rohrleitungen und sogenannt Güllewerfern zur Verregnung.

Gülletankfahrzeug: Traktoranhänger oder LKW mit Spezialtank zur Feldausbringung der Gülle.

Gullstrand, Allvar, 5.6.1862-30.8.1930, schwedischer Ophthalmologe; Professor in Uppsala; korrigierte mit seinen Untersuchungen über die Strahlenvereinigung im astigmatische Strahlenbündel die bis dahin vorherrschende Lehre von der kollinearen Abbildung. Er erfand die Spaltlampe und das Stereoskopische Ophthalmoskop.

Gully, Straßenablauf: abgedeckter Schacht mit Schlammfang (Sinkkasten) zur Abführung des Niederschlags- und Reinigungswassers von Verkehrs- und Arbeitsflächen in die Kanalisation.

Gumma: derb-elastischer, knotiger, zu geschwüriger Zerfall neigende Geschwulst, die im 3. Stadium der Syphilis in verschiedenen Organen oder an der Haut auftreten kann. Knochen werden durch Gumma zerstört (besonders der harte Gaumen).

Gumma: Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, nordwestlich von Tokio; 6 356 km2, 1,8 Millionen Einwohner; 283 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Maebashi; besonders elektrotechnische Industrie; des weiteren Fahrzeugbau, Nahrungs- und Genussmittelindustrie; Wasserkraftwerke; Landwirtschaft (Reis, Gemüse, Maulbeeren).

Gummi: 1. Gummi: durch Vulkanisation von Kautschukmischungen hergestellter elastischer Werkstoff. Gummi ist somit ein veredelter Kautschuk. Die Kautschukmischungen bestehen aus Natur- oder Synthesekautschuk mit Füllstoffen (Kaolin, Zinkoxid, Titandioxid unter anderem), Weichmachern sowie Gummichemikalien (Vulkanisiermittel, Vulkanisationsbeschleuniger, Alterungsschutzmittel unter anderem). Hartgummi (zum Beispiel für Akkumulatoren Kästen) enthält wesentlich mehr Schwefel als Weichgummi, Schwammgummi hat große, miteinander verbundene Zellen, Zellgummi große, geschlossene Poren, Schaumgummi ist ein aus Latexmischungen durch mechanisches Schäumen und anschließende Vulkanisation hergestellter Zellgummi; besonders kleine geschlossene Poren hat Porokrepp.

2. Gummi: gelber bis brauner, klebriger, hauptsächlich aus gelösten Kohlenhydraten bestehender Saft bestimmter Pflanzen, besonders einiger Schmetterlingsblütler und Rosengewächse. Die Gummi erhärten an der Luft und bilden mit Wasser klebrige Lösungen. Wichtige Gummi sind Gummiarabikum und Tragantgummi.

Gummiarabikum: eingetrockneter Saft aus der Rinde afrikanischer Akazienarten (Gummiakazien). Gummiarabikum bildet eine gelbe bis braune, wasserlösliche, feste Masse; die Lösung eignet sich als Kleb-, Binde- und Verdickungsmittel, zum Beispiel für Aquarellfarben.

Gummibaum, Ficus elastica: kautschuklieferndes Maulbeergewächs aus Südostasien; beliebte, vegetativ durch Kopfstecklinge leicht zu vermehrende Zimmerpflanze; siehe auch Feigenbaum.

Gummifluss, Gummose: das Austreten farbloser oder rotbrauner Substanz von gummiartiger Konsistenz aus Stamm und Zweigen von Holzgewächsen, seltener aus Früchten, als Folge bakterieller oder pilzliche Erkrankungen oder nach Verletzung durch Insekten (zum Beispiel Borkenkäfer); auch durch Wasserüberschuss im Rindengewebe bedingt.

Gummigutt: grüngelbes, giftiges Gummiharz ostindischer Garcinia-Bäume; wird als tiermedizinisches Abführmittel sowie für Aquarellfarben verwendet.

Gummilager: Bautechnik horizontal verschiebbares Lager zur Flächenübertragung von vertikalen und horizontalen Kräften auf die Unterkonstruktion, bestehend aus mehreren Lagen Gummi und dazwischen einvulkanisierten 2 mm starken, gelochten Stahlblechen.

Gummilösung: kolloide Lösung von Kautschuk- beziehungsweise Gummimischungen in Benzol oder anderen organischen Lösungsmitteln; Verwendung hauptsächlich als Klebstoff zum Reparieren von Fahrzeugbereifung, zum Konfektionieren von Gummiartikeln und zum Gummieren von Geweben.

Gummischneidverfahren: Verfahren zum Ausschneiden von Blech (Aluminiumblech bis 2 mm, Stahlblech bis 1 mm Dicke), bei dem ein Stempel mit Gummipolster das Werkstück gegen die Schneidkanten einer Schnittplatte drückt.

Gummischrot: zerkleinerte Gummiabfalle, die als Trittschalldämmstoff unter Estrichen verwendet werden.

Gummiziehverfahren: Verfahren zum Tiefziehen von Hohlkörpern aus dünnem Blech, bei dem Ziehring beziehungsweise -form durch ein starr ummanteltes Gummikissen ersetzt wird. Der Ziehstempel hat die Form des herzustellenden Teiles. Er drückt während der Umformung den Blechzuschnitt soweit in das Gummikissen ein, bis er am Stempel anliegt und dessen Form angenommen hat.

Günderode, Karoline von, 11.2.1780-26.7.1806, Schriftstellerin; ihre romantischen Werke sind gekennzeichnet durch übersteigerte Empfindsamkeit, Melancholie, auch Ekstase; Freundin der Geschwister Brentano.

Gundolf, eigentlich Gundelfinger, Friedrich, 20.6.1880-12.7.1931, Literaturwissenschaftler; nahm nach dem 1. Weltkrieg durch seine geistesgeschichtlichen Deutungen großer Dichterpersönlichkeiten («Shakespeare und der deutsche Geist», 1911; «Goethe», 1916) nicht nur großen Einfluss auf die idealistischen bürgerlichen Literaturwissenschaft, sondern auch auf das Bildungsbürgertum.

Gunnarsson, Gunnar, 18.5.1889 bis 21.11.1975, isländischer Schriftsteller, schrieb viele Romane und Erzählungen (meist in Dänisch) mit konservativ-nationalist Tendenz (unter anderem das mehrbändige autobiographische Romanwerk «Die Bergkirche», 1923/28, deutsch).

Gunn-Diode: (nach einem US-amerikanischen Physiker) ein Halbleiterbauelement insbesondere zur Erzeugung von Mikrowellen, dessen Wirkungsweise auf dem Gunn-Effekt beruht und das in Oszillatoren lind Verstärkern im Mikrowellenbereich (bis 100 GHz) eingesetzt wird.

Gunn-Effekt: ein Halbleitereffekt; tritt auf, wenn zum Beispiel an n-leitendes Galliumarsenid eine hohe elektrische Gleichspannung gelegt wird; dabei können Stromschwingungen im Mikrowellenbereich entstehen (Gunn-Oszillator) oder Mikrowellen verstärkt werden, Der Gunn-Effekt beruht auf dem feldinduzierten Übergang von Elektronen aus dem absoluten Minimum des Leitungsbandes in relative Nebenminima; 1963 von dem US-amerikanischen Physiker J. B. Gunn entdeckt.

Günsel, Ajuga: Gattung der Lippenblütler mit gelb und blau blühenden Arten auf Äckern, Trockenrasen und Wiesen; Oberlippe der Blüten unscheinbar; Zierpflanzen, auch rosa und weiß blühend.

Günther, Gunter, im Nibelungenlied König von Burgund, Bruder Kriemhilds, heiratete Brunhild.

Günther: 1. Anton Günther, 5.6.1875-3.5.1937, Schriftsteller, schrieb in erzgebirgischen Mundart «Erzgebirgisches Liederbuch» (1906), «Vergaß dei Hamit net» (1912, Gedichte) unter anderem.

2. Egon Günther, geboren 30.3.1927, Filmregisseur; schuf unter anderem die Filme «Lots Weib», «Abschied», «Junge Frau von 1914», «Der Dritte», «Erziehung vor Verdun», «Lotte in Weimar», «Die Leiden des jungen Werthers».

3. Georg Günther, geboren 24.6.1907, Ophthalmologe; 1953/72 Professor an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald; arbeitete besonders auf den Gebieten der Tränenkanalplastik, der Hornhauttransplantation, der Sehschärfenbestimmung und der Schielbehandlung.

4. Ignaz Günther, 22.11.1725-28.6.1775, Bildhauer, seit 1753 in München ansässig; mit seinen meisterhaften farbig gefassten Holzskulpturen wurde Günther zu einem führenden Vertreter des süddeutschen Rokokos.

5. Johann Christian Günther, 8.4.1695-15.3.1723, Dichter; überwand mit leidenschaftlicher Erlebnisdichtung den höflichen Charakter der Literatur und repräsentiert in der deutschen Frühaufklärung das erwachende bürgerliche Selbstbewusstsein (Leonoren Lieder, aufbegehrende und elegische Gedichte, Studenten- und Trinklieder).

Guomindang, («Volkspartei») Abkürzung GMD, Kuomintang: chinesische bürgerliche Partei, 1912 von Sun Zhongshan gegründet; vertrat ein antifeudales, während der Einheitsfront mit der KP auch ein antiimperialistisches Programm; verwandelte sich nach dem Verrat Jiang Jieshis 1927 in ein Instrument der Konterrevolution. Nach dem Sturz der Herrschaft der Guomindang 1949 flohen reaktionäre Führer nach Taiwan; fortschrittliche Kräfte gründeten 1948 das Revolutionäre Komitee der Guomindang.

Guo Moruo, 16.11.1892-12.6.1978, chinesischer Lyriker, Dramatiker, Literatur- und Geschichtswissenschaftler; schuf freie, in Umgangssprache abgefasste Gedichte, die vom Widerstand gegen das alte und vom Ideal eines neuen China geprägt sind, zum Beispiel «Die Göttinnen» (1921) und eine Reihe historischer Dramen, in denen er die zeitgenössische Gesellschaft vor der Befreiung kritisiert. Seit Gründung der Volksrepublik China Inhaber hoher staatliche und gesellschaftliche Ämter.

Guppy, (nach einem britischen Naturforscher) Poecilia reticulata: lebendgebärender Zahnkarpfen aus Südamerika und von den Antillen, dort sehr zahlreich («Millionenfisch»); deutlicher Geschlechtsdimorphismus (Männchen kleiner, aber wesentlich bunter); in vielen Farben und Flossenformen gezüchteter Aquarienfisch; in der Natur nützliche Vertilger von Mückenlarven.

Gupta, Maithili Sharan, 3.8.1886-12.12.1964, indischer Lyriker und Dramatiker; wurde durch seine Patriot. Gedichte mit historischen und zeitgenössischen Themen vor allem in «Die Stimme Indiens» (1912) zum «Dichter der Nation»; verwendete als erster das Standard-Hindi (Khari Boli) in seiner Lyrik. Berühmt ist unter anderem auch sein Poem «Das Zeichen» (1932) über den göttlichen Helden Rama.

Gupta Reich: nordindische Großreich unter der Dynastie der Gupta (um 320 bis 570), gegründet von Chandragupta I. Den Gupta Königen gelang die Eroberung fast ganz Nordindiens. Während ihrer Herrschaft erreichte die altorientalische Klassengesellschaft in Indien einen Höhepunkt, das Kastensystem differenzierte sich, der Handel nach West- und Südostasien entfaltete sich, die handwerkliche Technik und die Kunst erreichten einen hohen Stand.

Guramishvili, Dawit, 1705-1.8.1792, georgischer Dichter; überwand durch Rückgriff auf die georgische Folklore und die literarische Tradition Rustawelis sowie seinen eigenen volkstümlicher Stil die Überfremdung der georgischen Literatur durch erstarrte persischer Vorbilder; fasste seine Epen und Gedichte unter dem Titel «Davitiani» zusammen.

Gurghiu Gebirge, rumänisch Muntii Gurghiului: Gebirgszug im inneren Rand der Ostkarpaten (Rumänien); höchste Erhebung Saca mit 1776 m; Waldwirtschaft.

Gurke, Cucumis sativus: aus Asien stammendes, wärmeliebendes, gelbblühendes, einhäusiges Kürbisgewächs mit großen walzenförmigen, fleischigen Früchten (Beeren); viele Hybridsorten; Freiland- und Hydrokultur, Treibhausanbau.

Gurkha: (indisch, «Rinderhirten») Sammelname für die mongoliden autochthonen Bergvölker Nepals, die indoarische Sprachen (Gurkhali oder Nepali) sprechen, auf die sich die gleichnamige Führungsschicht stützt und aus denen sich eine Elite-Söldnertruppe der anglo-indische Armee in britischen Diensten rekrutierte, zum Teil noch heute Söldnerdienste in anderen Staaten; über 8 Millionen, in Indien etwa 1,5 Millionen; Bodenbauer und Rinderhirten; zum Teil Hinduisten, zum Teil Lamaisten.

Gurlitt, Wilibald, 1.3.1889-15.12.1963, Musikwissenschaftler; arbeitete besonders über ältere Musikgeschichte bis J. S. Bach; gehörte zu den Initiatoren der Orgelbewegung und der Aufführung alter Musik auf historischen Instrumenten.

Gürsel, Cemal, 1895-14.9.1966, türkischer Staatsmann; 1958/60 Oberbefehlshaber des Heeres; am 28.5.1960 führend am Sturz der Regierung Menderes beteiligt; 1960/61 Ministerpräsident, seit 1961 Staatspräsident.

Gurt, Flansch: beim Profilstahl oder Träger der horizontale Teil, bei Fachwerkträgern der obere beziehungsweise untere durchgehende Stab. Nach Lage zur Lotrechten im Bauwerk als Ober- oder Untergurt, nach der Belastung als Druck- oder Zuggurt bezeichnet. Der Steg ist das rechtwinklig zum Gurt stehende beziehungsweise bei I-Querschnitten das verbindende Teil.

Gürtelrose, Zoster: meist streng halbseitig unter Schmerzen auftretende gruppierte Bläschen auf geröteter Haut; Geschwürbildung ist möglich. Ursache ist eine Entzündung eines Ganglions durch ein Virus, das mit dem Erreger der Windpocken (Varizellen) identisch ist. Veränderungen (Narben und unterschiedliche Pigmentierungen) bleiben zurück. Schmerzhafte Neuralgien, bisweilen noch nach Abheilung, sind möglich. Die Gürtelrose tritt vorwiegend bei älteren sowie abwehrgeschwächten Menschen auf.

Gürtelschweife, Cordylus: Gattung der Gürtelechsen (Cordylidae) aus dem südlichen Afrika mit großen, stark gekielten und besonders am Schwanz dornigen Schuppen; überwiegend braune, insektenfressende Bewohner von Trockengebieten, wie der bis 40 cm lange Riesengürtelschweife (Cordylus giganteus); beliebte Terrarientiere.

Gürteltiere, Dasypodidae: mittel- und Südamerikas grabende Zahnarme mit spitzer Schnauze und einem Panzer aus halbgürtelartig angeordneten Knochen- oder Knorpelplättchen; Allesfresser; bis 50 kg schwer das Riesengürteltiere. (Priodontes giganteus).

Gürtelwürmer, Clitellata: Klasse überwiegend im Süßwasser lebender Ringelwürmer; haben ständig oder während der Fortpflanzungszeit am Vorderkörper eine gürtelförmige Hautverdickung; hierzu gehören Egel und Wenigborster.

Gurtung: Konstruktion aus waagerecht verschraubten Stahlprofilen an Spundwänden, die deren Horizontalkraft an die Erdanker weiterleitet. Siehe auch Anker.

Guru: (Sanskrit, «ehrwürdig») verehrungswürdige Person; Lehrer, geistiger Führer gläubiger Hindus; gegenwärtig treten in der kapitalistischen Welt viele Sektengründer als Guru auf und verheißen Zuflucht vor den Problemen der kapitalistischen Realität. Siehe auch Sekte.

Gürzenich: das 1857 zum Konzertsaal umgebaute, nach einer Patrizierfamilie benannte ehemalige Fest- und Tanzhaus in Köln, in dem seitdem die Gürzenich Konzerte stattfinden.

Gusle, Gusla: einsaitiges Streichinstrument der Balkanvölker mit langem Hals ohne Griffbrett; wird von den Guslaren zur Begleitung ihrer Volksgesänge gespielt.

Gusli: russischer zitherähnlicher Volksmusikinstrument; über den flachen dreieckigen Schallkörper laufen bis zu 28 Saiten; ursprünglich Begleitinstrument russischer Balladensänger.

Gusseisen: nicht oder schlecht schmiedbare Eisen-Kohlenstoff-Legierung zur Herstellung von Formteilen durch Gießen. Gusseisen wird vorwiegend durch Umschmelzen von Roheisen und Schrott in Kupolöfen oder Elektroofen, seltener in Flamm- oder Siemens-Martin-Öfen erzeugt. Hauptbegleitelemente des Gusseisens sind Kohlenstoff (2,4 bis 4,5 %) und Silizium (0,3 bis 1,6% bei weißerstarrendem beziehungsweise 0,8 bis 3,0 % bei grauerstarrendem Gusseisen), durch die der Schmelzpunkt um 250 bis 300 K niedriger liegt als bei Stahlguss. Gusseisen ist damit leichter Schmelz- und gießbar. Beim grauerstarrenden Gusseisen (graues Bruchgefüge durch den als Graphit ausgeschiedenen Kohlenstoff) unterscheidet man Gusseisen mit Lamellengraphit (Zeichen GGL, frühere Bezeichnung Grauguss) mit einer Zugfestigkeit von 100 bis 400 MPa und einer kaum messbaren Dehnung. GGL wird trotz seiner Sprödigkeit wegen günstiger Herstellungs- und Verarbeitungstechnologien häufig verwendet. Gusseisen mit Kugelgraphit (Zeichen GGG, frühere Bezeichnung Sphäroguss) mit Zugfestigkeit von 400 bis 1000 MPa und einer Dehnung von 15 bis 2 % ist als Substitutionswerkstoff für Stahl geeignet. Die Herstellung ist aber komplizierter als die von GGL. Weißerstarrendes Gusseisen (weißes Bruchgefüge, da Kohlenstoff als Zementit, Fe3C, gebunden vorliegt) besitzt eine große Härte und wird als Hartguss für verschleißfeste Teile eingesetzt. Bei Schalenhartguss sind nur die Außenzonen weiß erstarrt; im Inneren scheidet sich infolge langsamer Abkühlung Graphit aus. Weißes Gusseisen ist auch das Ausgangsmaterial für Temperguss, bei dem sich erst bei einer Langzeitglühung bei etwa 1000°C der Kohlenstoff als Graphit in Knotenform ausscheidet (frühere Bezeichnung schwarzer Temperguss) oder in oxydierender Ofenatmosphäre herausdiffundiert, so dass ein stahlähnliches Gefüge entsteht; bei schwachwandigen Stücken vollständig (frühere Bezeichnung weißer Temperguss), bei starkwandigen nur aus der Randzone (Schwarzkernguss). Für Sonderzwecke (zum Beispiel säurefester Guss) wird Gusseisen auch legiert und hochlegiert erschmolzen (zum Beispiel bis 18 % Silizium und beziehungsweise oder bis 30 % Chrom).

Gussfüllung, Inlay: nach einem Abdruck der präparierten Zahnhöhle im zahntechnischem Labor hergestellte gegossene Zahnfüllung, meist aus einer Gold- oder Silberlegierung, die einzementiert wird.

Gusslegierungen: Werkstoffe zur Herstellung von Formstücken durch Gießen; sie sollen im geschmolzenen Zustand genügend dünnflüssig sein, beim Erstarren und Abkühlen wenig schrumpfen und nicht reißen sowie im kalten Zustand möglichst gut spanabhebend bearbeitbar sein. Wichtigste Gusslegierungen sind Gusseisen, Stahlguss, Kupferlegierungen, Aluminiumlegierungen.

güst, (niederdeutsch) gelt (mitteldeutsch): nicht trächtig (gebraucht für weibliche Haus- und Wildtiere, besonders Rind, Pferd, Reh- und Rotwild). Die Zeit von der letzten Geburt bis zur Befruchtung wird als Güst- beziehungsweise 7wischenträchtigkeitszeit bezeichnet.

Gustafsson: 1. Greta; Garbo.

2. Lars, geboren 17.5.1936, schwedischer Schriftsteller; schreibt sozialkritische Romane mit Symbol. Färbung («Wollsachen», 1973, deutsch; «Das Familientreffen», 1975, deutsch) sowie Gedichte und Essays.

Gustav, schwedische Könige: 1. Gustav I. Vasa, ursprünglich Gustav Eriksson, 12.5.1496-29.9.1560, König seit 1523; Begründer der Vasa-Dynastie; Führer im schwedischen Unabhängigkeitskampf gegen Dänemark 1521/23; führte Protestantismus (1527) und Erbkönigtum (1544) ein.

2. Gustav1I. Adolf 19.12.1594-16.11.1632, König seit 1611; unter seiner Herrschaft Aufstieg Schwedens zur europäischen Großmacht. Er unternahm Feldzüge gegen Dänemark, Russland, Polen; griff in den Dreißigjährigen Krieg ein, siegte bei Breitenfeld 1631 und Lützen 1632, wo er fiel.

3. Gustav III., 24.1.1746-29.3.1792 (ermordet), König seit 1771; unter seiner Herrschaft zeitweilige Stärkung des absoluten Königtums, Beschränkung der Adelsprivilegien.

4. Gustav VI. Adolf, 11.11.1882-15.9.1973, König seit 1950.

Güster, Blicca bjoerkna: bis 30 cm langer, hochrückiger Karpfenfisch in europäischen Seen und Flüssen; Fleisch sehr grätenreich.

Gusto: Geschmack, Neigung; Verlangen.

Gut: zu verpackendes Erzeugnis (fälschlich auch als Füllgut bezeichnet), dessen Art die Eigenschaften des einzusetzenden Verpackungsmittels bestimmt.

Güte: durch Mitgefühl, Rücksichtnahme, Nachsicht und Hilfsbereitschaft gekennzeichnete Einstellung und Verhaltensweise in persönliche Beziehungen.

Gutedel: Rebsorte; Tafel- und Keltertraube für leichte, säurearme, liebliche Weißweine, die in allen weinbautreibenden Ländern angebaut wird; in Frankreich zum Beispiel als Chasselas bezeichnet.

gute Dienste, good Offices: völkerrechtliches Verfahren, mit dessen Hilfe Drittstaaten den Prozess der friedlichen Beilegung eines internationalen Streitfalles zu fördern suchen. Das gute Dienst leistende Völkerrechtssubjekt (auch internationale Organisationen) stellt keine Partei des Streitfalles dar, sondern versucht lediglich, zwischen den Streitenden einen Kontakt herzustellen, ohne sich in die Rolle eines Vermittlers (einer Partei, die eigene Vorstellungen über die Konfliktlösung vorbringt) zu begeben.

Gütefaktor: Kenngröße für verlustbehaftete Spulen und Kondensatoren im Wechselstromkreis; Verhältnis der vom Bauelement aufgenommenen Blindleistung zur Wirkleistung (Verlustleistung) beziehungsweise der je Schwingungsperiode gespeicherten (und wieder abgegebenen) elektromagnetischen zu der im Bauelement verbrauchten Energie. Siehe auch Verlustwinkel.

Gütegrad: Maschinenbau Verhältnis der in der Maschine tatsächlich gewonnenen Leistung zur theoretisch möglichen Leistung der ideal vollkommenen Maschine. Der Gütegrad ist das Maß für die inneren Verluste der Maschine.

Gütekriterien: Kriterien für die Exaktheit und Effizienz von Methoden und Verfahren im sozialwissenschaftlicher Forschungsprozess. Zu unterscheiden sind Objektivität als Kriterium der Unabhängigkeit der Ergebnisse von subjektiven Einflüssen durch die Anwender der Verfahren; Reliabilität (Zuverlässigkeit) als Kriterium für die Erlangung immer gleicher Ergebnisse unter gleichen Bedingungen; Validität (Gültigkeit) als Kriterium dafür, dass ein Verfahren tatsächlich misst, was es zu messen vorgibt.

Gutenberg: 1. Beno, 4.6.1889-25.1.1960, US-amerikanischer Geophysiker deutscher Herkunft; seit 1930 führender Seismologe in Pasadena (USA); verfasste grundlegende Arbeiten zur Physik des Erdinnern; entdeckte die Low velocity zone. Siehe auch Plattentektonik.

2. Johann, eigentlich Johannes Gensfleisch zum Gutenberg, zwischen 1394 und 1399-3.2.1468; Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern aus Metall und des für den Guss dieser Lettern benötigten Handgießinstruments, wobei er technisch vom Goldschmiedehandwerk ausgegangen war. Aus seiner Absicht, mit den Metalllettern die Kalligraphie der Handschriften nachzuahmen, wurde praktisch ein besseres, produktiveres Herstellungsverfahren für Bücher. Zusammen mit dem Kaufmann J. Fust errichtete Gutenberg in Mainz eine Buchdruckerei; um 1455 beendete er dort den Druck einer 42zeiligen Bibel (später Gutenbergbibel genannt), die ein erster Beleg für die Kunst des Buchdrucks (Typographie) ist.

Güterabfertigung: Einrichtung zur Abfertigung von Sendungen des Güterverkehrs; führt auch bestimmte Aufgaben des Güterwagendienstes und (bei Bahnen sozialistischer Länder) der Gütertransportvorbereitung durch.

Gütergemeinschaft: im Recht durch Ehevertrag begründete Regelung der Vermögensverhältnisse, nach der in der Regel das gesamte Vermögen der Ehegatten kraft Gesetzes gemeinschaftliche Vermögen wurde.

guter Glaube, bona Jules: nicht auf grober Fahrlässigkeit beruhende Unkenntnis des Erwerbers einer Sache darüber, dass der Veräußerer weder Eigentümer noch zur Veräußerung befugt ist (gutgläubiger Erwerb).

Gütersloh, Albert Paris, eigentlich Albert Conrad Kiehtreiber, 5.2.1887-16.5.1973, österreichischer Schriftsteller und Maler; begann als Expressionist, eigentlich literarische Geltung erst nach 1945; mit dem phantastischen Realismus seines Hauptwerks «Sonne und Mond. Ein historischer Roman aus der Gegenwart» (1962) zieht er sehr subjektiv die Summe seiner Lebens- und Kunsterfahrung.

Güterstände: im früheren Recht den Ehegatten zur Auswahl gestellte Modelle zur Regelung ihrer Vermögensbeziehungen; bestanden als gesetzliche oder vertragliche Güterstände.

Gütertrennung: im Recht insbesondere als vertraglicher Güterstand ausgestaltete Trennung der Vermögensmassen von Mann und Frau (Ausgangspunkt für die geltende Regelung).

Gütesicherung, Qualitätssicherung: Gesamtheit aller naturwissenschaftlich-technische, organisatorische, ideologische, soziologische, ingenieurpsychologische und juristische Maßnahmen in allen Phasen des Reproduktionsprozesses auf betrieb und staatlicher Ebene zur Gewährleistung der volkswirtschaftlich optimalen Erzeugnisgüte. Zu den wichtigsten Mitteln und Methoden der Gütesicherung gehören Markt- und Bedarfsforschung, Weltstandsvergleiche und Trendanalysen, Güteplanung, Güteklassifizierung (Gütezeichen) und Wahlsortierung, Gebrauchswert-Kosten-Analyse, System der fehlerfreien Arbeit, Verringerung der Kosten für Ausschuss, Nacharbeit und Garantieleistungen (ANG-Kosten), Einhaltung der Standards, Anwendung mathematisch-statistischer Methoden der Produktionsüberwachung (statistische Qualitätskontrolle) und Qualitätsanalysen.

Guthrie-Test: (nach einem US-amerikanischen Mikrobiologen) mikrobiologische Test zum Nachweis der Phenylketonurie. Er beruht auf der Förderung des Wachstums des Bacillus subtilis durch das im Blut des Patienten vermehrt vorhandene Phenylalanin.

Gutschrift: Buchung eines ökonomischen Vorgangs auf der Haben- oder Kreditseite eines Kontos in der Finanzrechnung von Betrieben und Einrichtungen.

Guts Muths, Johann Christoph Friedrich, 9. 8.1759-21. 5.1839, Pädagoge und Vertreter des Philanthropismus, Wegbereiter des Turnunterrichts in Deutschland; Publikationen sind «Gymnastik für die Jugend» (1793), «Spiele zur Erholung des Körpers und des Geistes für die Jugend» (1796), «Turnbuch für die Söhne des Vaterlandes» (1817); siehe auch Guts Muths-Preis.

Gutswirtschaft: landwirtschaftlicher Großbetrieb unter zunächst feudalen, dann kapitalistischen Produktionsverhältnissen. Charakteristisch für die Gutswirtschaft war die Ausbeutung leibeigener und höriger Bauern, später von Landarbeitern. Eigentümer der zur Gutswirtschaft gehörenden Ländereien unter anderem Produktionsmittel war der Gutsherr, der in Ostelbien zugleich Träger der Patrimonialgerichtsbarkeit war und deshalb zum unumschränkten Herrn des Dorfes wurde. Die Gutswirtschaft wurde (Beginn etwa ab 1600) zur typischen Wirtschaftsform vor allem in Ostelbien und bildete die ökonomische Grundlage der politischen Macht der Gutsbesitzer.

Guttaperchabaum, Palaquium gutta: Sapotegewächs (Ebenholzartige) aus Südostasien. Aus dem Milchsaft wird Guttapercha gewonnen, ein dem Balata ähnelnder, bräunlicher Werkstoff. Guttapercha ist dem Naturkautschuk chemisch verwandt, jedoch unelastisch, bereits ab 50 °C plastisch und weniger leicht zersetzlich; Anwendung zum Beispiel zur Elektroisolierung von Unterwasserkabeln und in der Stomatologie.

Guttation: (lateinisch gutta, «Tropfen») aktive, tropfenförmige Wasserausscheidung bei unverletzten Pflanzen durch Wasserspalten an den Blatträndern (zum Beispiel bei Frauenmantel) oder -spitzen (zum Beispiel Gräsern); tritt bei wasserdampfgesättigter Luft auf, wenn die Verdunstung unmöglich ist.

Güttler, Ludwig, geboren 13.6.1943, Trompeter; wirkte nach dem Studium an der Leipziger Musikhochschule am halleschen Händel-Festspielorchester und bis 1980 an der Dresdner Philharmonie (Kammervirtuos); international erfolgreicher Solist; seit 1980 Professor an der Musikhochschule Dresden.

Guttuso, Renato, geboren 2.1.1912, italienischer Maler, Graphiker und Kunstschriftsteller; tätig in Rom. Erste künstlerische Anregungen erhielt er durch den expressiven Stil der «Schule von Rom». Mitarbeit in der antifaschistischen Künstlergruppe «Corrente». 1943/45 Teilnahme am Partisanenkampf, seit 1945 Mitglied der KP; seit 1961 Lehrtätigkeit an der Kunstakademie in Rom. Guttuso gehört zu den Hauptvertretern des sozialistischen Realismus in den westeuropäischen Ländern. Er schuf engagierte Darstellungen sozialkritischen und politischen Inhalts von hoher Aussagekraft.

Gut und Böse: Grundbegriffe zur Bezeichnung der Übereinstimmung beziehungsweise Nichtübereinstimmung menschliche Handlungen, Verhaltensweisen, Beziehungen und so weiter mit moralischen Anforderungen (Prinzipien, Normen). Die Begriffe Gut und Böse besitzen auf der Grundlage sozialhistorisch unterschiedliche (zum Teil antagonistische) Moralforderungen unterschiedlichen Inhalt. Die sozialistische Persönlichkeit kann als gut nur gelten lassen, was den Forderungen der sozialistischen Moral und über diese vermittelt den jeweiligen Erfordernissen des gesellschaftlichen Fortschritts bestmöglich entspricht, das heißt vor allem der Überwindung von Ausbeutung und Krieg sowie der Herausbildung entwickelter sozialistischer Verhältnisse und Persönlichkeiten dient.

Gutzkow, Karl, 17.3.1811-16.12.1878, Schriftsteller und Journalist; führender Vertreter des Jungen Deutschland; bekannte sich auch nach 1849 zu demokratischen Auffassungen; seine Werke («Wally, die Zweiflerin», 1835, Roman; «Uriel Acosta» 1846, Drama; «Die Ritter vom Geiste», 1850/52, Roman) sind engagierte Beiträge zur zeitgenössischen Auseinandersetzung um ideologisch-politische und soziale Veränderungen in Deutschland.

Guyana, Kooperative Republik Guyana: Staat an der Nordostküste Südamerikas; wird im Nordwesten von Venezuela, im Südwesten von Brasilien und im Osten von Suriname begrenzt. Administrativ wird Guyana in 10 Distrikte gegliedert. Bevölkerung. Sie besteht zu etwa 50 % aus Indem, zu etwa 30 % aus Afroamerikanern, zu 5 % aus Indios, der Rest sind Europäer und Mulatten. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Guyana-Dollar. Natur. Hinter der 300 km langen, aber nur 20 km breiten Küstenebene, die zum Teil vor Überschwemmungen durch Dämme gegen das Meer abgeschirmt ist, steigt das Bergland von Guayana in dicht bewaldeten Hängen bis zu den über 2000 m hohen Sandsteintafelbergen des Hochlands (Roraima, 2 810 m) an, auf denen sich Savannen- und Hochgrassteppenvegetation entwickelt hat. 85 % der Gesamtfläche sind bewaldet. Tropisches Klima begünstigt eine üppige Vegetation. Hauptfluss ist der Essequibo.

Wirtschaft: Guyana ist ein schwach entwickelter Agrar-Industrie-Staat, mit einem bedeutenden staatlichen und genossenschaftlichen Sektor, der 80 % der Wirtschaft des Landes erfasst. Mit der Verstaatlichung der Bauxitförderung (einer0 der größten Bauxitförderer der Welt) sowie der wichtigsten ausländischen Betriebe der Holz- und Zuckerindustrie erhielt Guyana die entscheidende Grundlage für die Herausbildung eines staatlichen Sektors. Der genossenschaftliche Sektor umfasst etwa 1380 Kooperativen. Im landwirtschaftlichen Bereich bauen diese vorwiegend in der fruchtbaren Küstenniederung und in den Flusstälern Zuckerrohr, Reis, Kokospalmen, Kaffee, Kakao und tropische Früchte an, so dass der Eigenbedarf an Lebensmitteln weitgehend gedeckt werden kann. Zucker und Reis erbringen etwa die Hälfte des Exporterlöses. Die Savannen werden als Weideland für die Rinderzucht genutzt; an der Küste Fischfang. Der Bergbau fördert neben Bauxit vor allem Gold und Diamanten. Industriell verarbeitet man bisher nur Bauxit (Aluminiumschmelze); außer Zuckerfabriken, Reismühlen und Sägewerken existieren Betriebe der vorwiegend dem privaten Sektor angehörenden verarbeitenden Industrie. Die Elektroenergieerzeugung ist nur gering. Das Verkehrsnetz ist wenig ausgebaut, es erfasst vorwiegend das dichter besiedelte Küstengebiet. Die übrigen Landesteile werden durch den Wasser- und Luftverkehr erschlossen. Haupthäfen der Seeschifffahrt sind Georgetown und New Amsterdam. Ausfuhr von Zucker, Reis, Aluminiumoxid, Bauxit, Diamanten, Rum, Holz. Größte Handelspartner sind die USA, Großbritannien und Kanada. Geschichte. Seit 1581 in den Teilkolonien Berbice, Essequibo, Demerara unter anderem vorwiegend von Niederländern kolonisiert; britische Besiedlung setzte erst im 18. Jahrhundert in größerem Maße ein. 1781, erneut 1796 wurden die Kolonien von Briten erobert, 1803/14 den Niederlanden abgekauft und 1831 zur Kolonie Britisch-Guayana vereinigt. Die Plantagenwirtschaft (Zuckerrohr) mit Sklaven entwickelte sich beschleunigt. 1834 wurde die Sklaverei aufgehoben; darauf folgte bis 1873 die Einfuhr indischer Kontraktarbeiter (Kulis). 1916 begann der Bauxitabbau; bereits 1926 lieferte Britisch-Guayana 17 % der Welterzeugung. Seitdem drangen US-Monopole verstärkt ein. Nach 1945 vertiefte sich die nationale Befreiungsbewegung. Im Ergebnis jahrzehntelangen Ringens setzten die demokratischen Kräfte 1953 eine Verfassung mit begrenzter Autonomie durch, auf deren Grundlage die Fortschrittliche Volkspartei (englisch Abkürzung PPP) Wahlen gewann und unter C. Jagan im April 1953 die Regierung stellte. Bereits im Oktober löste Großbritannien sie wegen ihrer progressiven Politik auf. Bei den Wahlen 1957 konnte Jagan erneut siegen, erhielt aber nur begrenzte Vollmachten. 1961 übernahm er auf der Grundlage der neu erkämpften Verfassung wiederum die Regierung, jedoch schürte Großbritannien innere Konflikte (Rassenunruhen, Inder gegen Afroamerikaner) und Streiks, um die Unabhängigkeit zu verhindern und die PPP von der Macht zu verdrängen. 1964 wurde Jagan nach willkürlicher Verfassungsänderung abgesetzt; neuer Ministerpräsident wurde L. F. S. Burnham, Leiter des 1957 entstandenen Nationalen Volkskongresses (englisch Abkürzung NPC). Am 26. 5.1966 wurde Britisch Guayana als Guyana unabhängig, seit 23. 2.1970 ist es Republik. Burnham wurde nach Inkrafttreten der neuen Verfassung 1980 Staatspräsident (seit 1985 H. D. Hoyte). Laut Verfassung strebt Guyana die Errichtung des «Kooperativen Sozialismus» an. Es unterstützt aktiv auf die Erhaltung des Friedens in der Karibik gerichtete Aktivitäten und unterhält zu den sozialistischen Ländern gute Beziehungen.

Guyot: (nach einem US-amerikanischen Geologen) submariner, vulkanisch entstandener Tafelberg, der mindestens 1 km über den Meeresboden aufragt.

Guys, Constantin, 3.12.1805 bis 13.3.1892, französischer Zeichner; zwischen 1840 und 1860 für die «Illustrated London News» tätig; seit 1860 in Paris ansässig. Guys schilderte in treffsicherer Weise die gesellschaftlichen Widersprüche im Zweiten Kaiserreich.

Gweru: Stadt (Provinzzentrum) im mittleren Teil Simbabwes, 1420 m über dem Meeresspiegel; früher Gwelo; 79000 Einwohner; Industriezentrum mit Ferrochromwerk, Asbestverarbeitung, Leder-, Textil-, Zement sowie vielseitiger Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen. Im Umland Erzbergbau.

Gyges, König von Lydien, herrschte um 685/652 vor Christus; Begründer der Mennnaden-Dynastie. Der Sage nach soll Gyges den letzten Herakliden Kandaules mit Hilfe eines unsichtbar machenden Ringes getötet haben. Gyges soll die Münzprägung eingeführt haben; er fiel 652 vor Christus im Kampf gegen die Kimmerier.

Gymnaestrada: internationale gymnastisch-turnerische Veranstaltung ohne Wettkampfcharakter mit Kongress über theoretische Probleme (gewöhnlich alle 4 Jahre).

Gymnasium: höhere bürgerliche Bildungsstätte mit den Hauptfächern Latein und Griechisch (Humanist,. Gymnasium), seit dem 20. Jahrhundert mit Neusprachen und Naturwissenschaften (Realgymnasium).

Gymnastik: früher Bezeichnung für alle Körperübungen; heute eingeschränkt auf Übungsformen ohne und mit Handgerät beziehungsweise an speziellen Großgeräten. Siehe auch Rhythmische Sportgymnastik.

Gymnastikpause: durch den Ermüdungskurvenverlauf bestimmte Arbeitsunterbrechung (etwa 10 min) zur aktiven Erholung mittels Körperübungen bei einseitigen und monotonen beziehungsweise statischen Arbeitsverrichtungen.

Gynäkologie, Frauenheilkunde: Fachgebiet der Medizin, das sich mit dem Verhüten, Erkennen und Heilen von Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane sowie der Physiologie und Pathologie der Schwangerschaft und der Geburt befasst (Gynäkologie und Geburtshilfe).

Gynäkomastie: weibliche Brustbildung bei Männern durch Zunahme des Drüsengewebes oder Fettablagerung; tritt unter anderem bei endokrinen Erkrankungen, chronischen Leberkrankheiten und nach Behandlung mit bestimmten Hormonen auf.

Györ: Stadt mit Bezirksrecht im Nordwesten Ungarns, Verwaltungszentrum des Bezirkes Sopron, an einem Seitenarm der Donau (Mosoni Duna); wichtigstes Industriezentrum Nordwestungarns; 130000 Einwohner; LKW-, Waggon-, Land- und Werkzeugmaschinenbau, Textil-, Kunstleder-, Möbel- und Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten, Hafen, neue Donaubrücke (550 m); Hochschulen, Museen, Theater.

Györ-Sopron: Bezirk im Nordwesten Ungarns, an Österreich und mit der Donau an die CSSR grenzend; 4012 km, 440000 Einwohner; 110 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Györ, erfasst einen großen Teil des Kisalfölds; Wirtschaftszentren sind Györ, Sopron und Mosonmagyaróvár; Fahrzeug- und Maschinenbau, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; Zuckerrüben-, Weizen-, Maisanbau; Rinderzucht.

Gyri: Bezeichnung für Windungen der beim Menschen und höheren Säugetieren gefalteten Großhirnoberfläche.

Gyrobus: städtisches Nahverkehrsmittel mit Gyroantrieb, bei dem ein mittels Drehstrommotors an einer Energiezapfstelle rasch auf hohe Drehzahlen gebrachtes Schwungrad während der Fahrt als Energiespeicher dient, der über eine Generator-Motor-Einheit das Fahrzeug antreibt; Energiezapfstellenabstand etwa 5 km.

gyromagnetische Effekte, kreiselmagnetische Effekte, magnetomechanische Effekte: Erscheinungen, die darauf beruhen, dass mit jedem mechanischen Drehimpuls L eines Atoms oder seiner Bausteine ein magnetischer Moment m=yL verbunden ist; das gyromagnetische Verhältnis y ist für jede Teilchenart charakteristisch. Infolge gyromagnetische Effekte E: bewirkt eine Magnetisierungsänderung einer Stoffprobe eine Änderung des Drehimpulses und umgekehrt. Siehe auch Einstein-de-Haas-Effekt, Barnett-Effekt.

Gyroskop, Foucaultsches: von L. Foucault erfundenes Gerät zum Nachweis der Erdrotation, bei der ein Kreisel durch seine Aufhängung in die Horizontalebene gezwungen wird und seine Drehachse sich langsam in Richtung des kinematischen Nordpols einstellt; Vorläufer des Kreiselkompasses.

Gyttja: grauer Schlamm nährstoffreicher, stehender Gewässer, überwiegend aus abgesunkenen Planktonorganismen entstanden.