Lexikon N

Nabis: (hebräisch, «Propheten», «Erleuchtete») unter dem Einfluss von P. Cézanne und P. Gauguin 1888/89 in Paris gegründete Künstlergemeinschaft, zu der P. Sérusier, M. Denis, P. Bonnard, H. G. Ibels, E. Vuillard unter anderem gehörten. Ihre ästhetischen Reformbemühungen richteten sich vor allem gegen den Neoimpressionismus. Das Naturvorbild vereinfachten sie mit sanft geschwungenen Linien zu sehr dekorativ wirkenden Formen in zarter Farbigkeit, damit in die Richtung des Art Nouveau einmündend. Ihre Erneuerungsbestrebungen waren einem religiös geprägten Neuromantizismus verpflichtet.

Nabis, gestorben 192 vor Christus (ermordet), Tyrann von Sparta 207/192 vor Christus; stärkte den spartanischen Staat mit Hilfe sozialer Reformen (Entmachtung der Oligarchie, Landverteilung an arme Spartiaten und Heloten, die als Bürger Aufnahme in das Heer fanden); eroberte Argos.

Nabla-Operator: in der Vektoranalysis verwendeter Operator, Zeichen V, mit dessen Hilfe die Differentialoperatoren Gradient, Divergenz und Rotation dargestellt werden können.

Nablus, Nabulus: Stadt (Distriktzentrum) im sogenannt Westjordangebiet; früher Sichern; 70000 Einwohner; regionales Handelszentrum; Tabak- und Olivenverarbeitung, Seifenherstellung. Seit 1967 widerrechtlich von Israel okkupiert.

Nabopolassar, chaldäischer König von Babylon (625/604 vor Christus); zunächst assyrischer Feldherr, trat er nach dem Tod Assurbanipals (626 vor Christus) zu den Babyloniern über und ließ sich zum König von Babylon proklamieren; im Bunde mit Medien vernichtete er 612 vor Christus Ninive und das Assyrische Reich. Nabopolassar begründete das Neubabylonische (Chaldäische) Reich.

Nabu, (babylonisch, «Sprecher») Nebo (hebräisch), babylonisch-assyrischer Gott der Schreibkunst und der Weisheit; Bewahrer der himmlischen Schicksalstafeln, galt als Sohn des Marduk.

Nabulsi, Sulaiman, 1908-14.10.1976, jordanischer bürgerlicher Politiker; leitete als Ministerpräsident (1956/57) antiimperialistische Maßnahmen ein.

Nacala: Stadt im Norden von Mozambique, am Indischen Ozean; 15000 Einwohner; Zementwerk, Kaschunuss Verarbeitung; Hochseehafen (modernster ostafrikanischer Containerumschlagplatz).

Nacharbeit: zusätzliche Arbeit zur Beseitigung oder Verringerung von Qualitätsmängeln an einem nicht den Vorschriften entsprechenden Produkt. Nacharbeit wird vom Verursacher der Nacharbeit selbst, gegebenenfalls ohne Entlohnung, oder von besonderen Arbeitskräften verrichtet.

Nachauftragnehmer, Abkürzung NAN: Betrieb, der von einem Hauptauftragnehmer oder Generalauftragnehmer mit der Erbringung von Teilleistungen für ein Investitionsvorhaben beauftragt wird.

Nachbar, Herbert, 12.2.1930-26.5.1980, Schriftsteller; gestaltete Menschen und Landschaft der Küste in wirklichkeitsverbundenen Romanen («Der Mond hat einen Hof», 1967; «Die Hochzeit von Länneken», 1960; «Haus unterm Regen», 1965; «Ein dunkler Stern», 1974) und Erzählungen («Oben fährt der große Wagen», 1963; «Der Weg nach Samoa», 1976); schrieb auch Parabeln.

Nachbarrecht: herkömmliche Bezeichnung für die Rechtsvorschriften, die die Rechte und Pflichten zwischen Nutzern oder Eigentümern benachbarter Grundstücke regeln.

Nachbau: der Anbau einer Hauptfrucht nach einer anderen; siehe auch Saatgut.

Nachbild: optische Erscheinung infolge nachfügender Erregung der Netzhautsinneszellen. Werden die Lider zum Beispiel nach Belichtung der Netzhautmitte durch eine helle Figur geschlossen, so wird die Figur noch eine kurze Zeit wahrgenommen (positives Nachbild), werden die Lider wieder geöffnet, so nimmt man auf einem gering beleuchteten Schirm die Figur dunkler wahr (negatives Nachbild). Das Nachbild ist Folge herabgesetzter Lichtempfindlichkeit der gereizten Netzhautzone.

Nachen: vor allem dichterische Bezeichnung eines kleinen Ruderbootes für wenige Personen, besonders zum Übersetzen auf Flüssen.

Nachfolgekandidaten: Kandidaten für die Volksvertretungen, die bei der Wahl die erforderliche Stimmenmehrheit, jedoch noch kein Abgeordnetenmandat erhalten haben, da mehr Kandidaten zur Wahl gestellt werden, als Sitze zu besetzen sind. Die Nachfolgekandidaten werden in die Tätigkeit der Volksvertretungen einbezogen und haben bis auf einige Ausnahmen gleiche Rechte und Pflichten wie Abgeordnete. Beim Ausscheiden eines Abgeordneten während der Wahlperiode rückt auf Beschluss der Volksvertretung ein Nachfolgekandidaten als Abgeordneter nach.

nachformen, kopieren: Werkstücke spanend bearbeiten, indem das Werkzeug durch Abtasten einer Schablone zweidimensional, eines Modells oder Musterwerkstücks (Prototyp) auch dreidimensional so gesteuert wird, dass es eine den Umrisslinien des Musters gleiche oder maßstäbliche Form am Werkstück erzeugt, zum Beispiel beim Nachformdrehen, -fräsen, -hobeln und -schleifen. Die Nachformeinrichtung an den Werkzeugmaschinen muss somit einen Zwanglauf zwischen Taster und Werkzeug garantieren, dabei wird fast ausschließlich die indirekte Steuerung bevorzugt (zum Beispiel hydraulisch).

Nachfrucht: jede Fruchtart, die auf einem Ackerschlag nach Räumung einer Fruchtart (Vorfrucht) angebaut wird; der Ertrag der Nachfrucht ist weitgehend von der Vorfrucht abhängig.

Nachgebühr: vom Empfänger einer Postsendung zu erhebender Zusatzbetrag wegen fehlender oder unzureichender Freimachung durch den Absender. Die Nachgebühr beträgt das Eineinhalbfache der fehlenden Gebühr. Zahlt der Empfänger die Nachgebühr nicht, gilt die Annahme der Sendung als verweigert.

Nachgeburtsverhaltung: Veterinärmedizin Verzögerung oder Ausbleiben des spontanen Abgangs der Eihäute im Anschluss an die Geburt. Die Nachgeburtsverhaltung tritt am häufigsten beim Rind auf. Ursachen sind ungenügende Kontraktionsfähigkeit der Gebärmutter, Störungen im Lockerungsmechanismus durch eingedrungene Erreger oder mechanische Ursachen.

Nachhaltigkeit: Grundprinzip der planmäßigen Forstwirtschaft zwecks gegenwärtiger und für eine lange Zukunft höchstmögliche Holzbedarfsdeckung sowie zugleich vielfältigster Aufgabenerfüllung des Waldes für die Landeskultur.

Nachhandlähmung: Lähmungserscheinungen an den Hintergliedmaßen von Tieren. Beim Hund ist sie im wesentlichen Symptom nach einer Staupe. Die Nachhandlähmung kann sich allmählich oder plötzlich entwickeln, sie ist erblich bedingt oder entsteht durch mechanische Schädigung größerer Nervenstämme im Rückenmark.

Nachladung: Zuführung vorverdichteter Ladung (Druckluft, Gas-Luft-Gemisch, Gas) bei Verbrennungsmotoren, insbesondere bei Flugtriebwerken zum Ausgleich des mit zunehmender Flughöhe abfallenden Luftdrucks.

Nachlass: das von einem Verstorbenen (Erblasser) hinterlassene und mit dem Tode (Erbfall) den Erben zufallende Eigentum; umfasst auch die Nachlassverbindlichkeiten. Das Staatliche Notariat hat die Pflicht, erforderlichenfalls den Nachlass zu sichern, die Erben zu ermitteln und die Rechte der Nachlassgläubiger zu wahren. Es kann die Aufstellung eines Nachlass Verzeichnisses verlangen, Nachlass Verwaltung anordnen und die Aufteilung des Nachlass zwischen Miterben vermitteln, notfalls auch über die Teilung entscheiden.

Nachlassgläubiger: derjenige, dessen Forderung aus einem Nachlass als Nachlassverbindlichkeit zu begleichen ist; siehe auch Nachlassverbindlichkeiten.

Nachlassverbindlichkeiten: Verbindlichkeiten, die die Erben in bestimmter Rangfolge zu begleichen haben, soweit der Nachlass reicht. Hierzu gehören die Bestattungskosten, Kosten des Nachlassverfahrens, Verbindlichkeiten des Erblassers einschließlich der Aufwendungen für die Betreuung des Erblassers, Ausgleichsansprüche des Ehegatten und Pflichtteilsansprüche, Vermächtnisse und Auflagen. Der Erbe haftet ohne Beschränkung auf den Nachlass, wenn er die Pflicht zur Errichtung eines ordnungsgemäßen Nachlassverzeichnisses schuldhaft verletzt hat. Miterben sind als Gesamtschuldner zur Erfüllung gemeinsamer Nachlassverbindlichkeiten verpflichtet.

Nachlassverwaltung: vom Staatlichen Notariat angeordnete vorübergehende Verwaltung des Nachlasses durch einen Nachlassverwalter an Stelle des oder der Erben; bezweckt die Sicherung berechtigter Interessen des Staates, der Nachlassgläubiger sowie der Erben. Während der Nachlassverwaltung können gegen den Nachlass gerichtete Ansprüche nur gegenüber dem Nachlassverwalter geltend gemacht werden.

Nachlassverzeichnis: vollständige Aufstellung des bei Eintritt des Erbfalls vorhandenen Nachlasses, seines Wertes sowie der Nachlassverbindlichkeiten und der Gläubiger. Das Staatliche Notariat kann selbst das Nachlassverzeichnis erstellen, aber auch Erben sowie Besitzer von Erbschaftsgegenständen dazu verpflichten. Die Verletzung der Pflicht zur Übergabe eines richtigen und vollständigen Nachlassverzeichnisses kann zur Erweiterung der Haftung der Erben führen.

Nachleistung: vom Herstellerbetrieb nach Verkauf der Erzeugnisse zu erbringende unentgeltliche Leistung zur Wiederherstellung zugesicherter Gebrauchseigenschaften (vor allem bei Garantieansprüchen des Käufers).

Nachnahme: Einziehung eines Geldbetrages als Zusatzleistung der Deutschen Post für bestimmte Brief- und Kleingutsendungen. Nachnahme Sendungen werden nur unter gleichzeitiger Einziehung des vom Absender vorgeschriebenen Geldbetrages ausgehändigt.

Nachniere: in der Stammes wie in der Keimesentwicklung von Kriechtieren, Vögeln und Säugetieren zeitlich auf die Vorniere und Urniere folgendes Ausscheidungsorgan; beim Menschen bildet sich aus der Nachniere die bleibende Niere.

Nachnutzung: entgeltliche Nutzung bereits in der Produktion angewandter wissenschaftlich-technischer Ergebnisse. Betriebe beziehungsweise wissenschaftliche Einrichtungen übergeben an interessierte Partner zur vollständigen oder teilweisen Nutzung entsprechende wissenschaftlich-technische oder technisch-ökonomische Unterlagen über Ergebnisse der naturwissenschaftlich-technischen Forschung und Entwicklung durch Wirtschaftspatent geschützte Erfindungen, Neuerervorschläge unter anderem zum Zweck der Erhöhung der Ausbreitungsgeschwindigkeit des wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Die Nachnutzung erfolgt auf der Grundlage von Wirtschaftsverträgen.

Nachprüfungsverfahren: Verfahren zur Überprüfung und Änderung von Schiedssprüchen und Beschlüssen des Staatlichen Vertragsgerichts, die den im sozialistischen Recht enthaltenen Grundsätzen der Wirtschaftspolitik widersprechen.

Nachricht: 1. allgemein Information, die zwischen Menschen ausgetauscht wird.

2. Journalistik: Information allein durch Anführung von Tatsachen; der politisch-ideologische Standpunkt kommt in Auswahl, Platzierung, Wortwahl unter anderem zum Ausdruck.

Nachrichtenagentur, Nachrichtenbüro, Presseagentur, Telegrafenagentur: in der Regel kommerzielle Institution zur Beschaffung von Nachrichten durch eigene Korrespondenten beziehungsweise Übernahme aus anderen Quellen (Massenmedien, Informationsdiensten) und deren Weitergabe an Redaktionen von Massenmedien oder spezieller Publikationsorgane.

Nachrichtensatellit, Kommunikationssatellit, Relaissatellit: unbemannter künstlicher Erdsatellit, der der Übermittlung von Telefon-, Telegrafie-, Bildfunk- und Fernsehverbindungen über trans- und interkontinentale Entfernungen dient. Nachrichtensatellit für Funkverbindungen zwischen fest installierten Erdfunkstellen werden auch Fernmeldesatelliten genannt. Heute meist Stationär Satellit (zum Beispiel Ekran, Gorizont, Intelsat, Meteosat), seltener Satellit mit stark elliptischen Umlaufbahn (Molnija). Siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Nachrichtensport: Sammelbezeichnung für die in der GST betriebenen Wehrsportarten Funk-, Fernschreib-, Funkpeilmehrkampf und Amateurfunk.

Nachrichtentechnik: Teilgebiet der Informationstechnik, das die Verfahren und Einrichtungen zur Aufnahme, Zwischenspeicherung und Aus- beziehungsweise Wiedergabe sowie zur Vermittlung und Übertragung von Nachrichten (Sprache, Text, Musik, Bilder) umfasst. Zur Nachrichtentechnik gehören die Draht-Nachrichtentechnik oder Fernmeldetechnik, die Funk-Nachrichtentechnik oder drahtlose Nachrichtentechnik und mit zunehmender Bedeutung die Licht-Nachrichtentechnik mit Lichtleitern als Übertragungsmedien, also Telefonie, Telegrafie, Fernschreiben, Rundfunk, Bildfunk, Fernsehen, Ton- und Bildspeicherung sowie die modernen Verfahren der Textübertragung mit Wiedergabe mittels Fernsehempfänger.

Nachrichtentruppen: Spezialtruppen aller Teilstreitkräfte, die durch den Aufbau und die Aufrechterhaltung standhafter Funk-, Richtfunk-, Draht-, Kurier- und Signalverbindungen die schnelle und gedeckte Übermittlung von militärischen Informationen zu gewährleisten und damit die ununterbrochene Führung der Truppen und Stäbe sicherzustellen haben.

Nachrichten verkehr: Post- und Fernmeldeverkehr zur Erfüllung der Nachrichten Verkehrsbedürfnisse der Gesellschaft. Neben dem Nachrichten Verkehr innerhalb eines Staates bestehen Nachrichtenverkehrsbeziehungen zu anderen Ländern (internationaler Nachrichten verkehr).

Nachsatz: Nebensatz, der nach dem Hauptsatz steht, zum Beispiel Wir freuen uns, «dass ihr kommt».

Nachschneiden:

1. Fertigungstechnik: Genau schneiden.

2. Polygraphie: manuelle Korrektur von Fehlern an Buchdruckplatten und Tiefdruckformzylindern mittels Stichels, Polierstahls und anderer Werkzeuge, wobei beschädigte Buchstaben, Linien, falsche Rasterpunkte oder (bei Tiefdruckformen) Rasternäpfchen verändert werden.

Nachspritzen: unerwünschtes, nach Beendigung des Einspritzvorganges bei Dieselmotoren durch Schwingungserscheinungen hervorgerufenes Einspritzen einer meist geringen Menge von Kraftstoff mit damit verbundener Störung des Verbrennungsablaufes.

Nachstar: Membranbildung in der Pupillarebene des Auges durch Linsenreste nach unvollständiger Linsenentfernung. Zurückgelassene Linsenzellen quellen. Die Sehschärfe nimmt infolge sinkender Lichtdurchlässigkeit ab.

Nachsynchronisieren, Synchronisieren: das Anfertigen einer Tonaufzeichnung zu einem bereits vorliegenden Bild-Film; dabei müssen die Schallereignisse mit der Filmhandlung zeitlich übereinstimmen. Das Nachsynchronisieren erfolgt, um akustisch einwandfreie Tonaufnahmen zu erhalten beziehungsweise um fremdsprachige Filme in die Landessprache umzusetzen.

Nacht: Zeit zwischen Sonnenuntergang und -aufgang; dauert für Orte am Äquator mit geringen Abweichungen immer und für alle Orte auf der Erde zur Tagundnachtgleiche 12 Stunden. Sie wird nach den Polen zu jeweils im Sommerhalbjahr kürzer, im Winterhalbjahr länger. Siehe auch Polarnacht.

Nachtaffe, Aotes trivirgatus: einziger nachtaktiver Affe mit großen Augen, langem, dicht behaartem Schwanz, braunem, dichtwolligem Fell; bewohnt tropische Wälder vom nördlichen Südamerika bis zum südlichen Mittelamerika.

Nachtangst, Pavor nocturnus: nächtliches Aufschrecken bei Nervosität auf der Grundlage realer oder neurotischer Ängste.

Nachtarbeit: Arbeit während der 3. Schicht am Tag (Nachtschicht) beziehungsweise in der Zeit von 22 bis 6 Uhr. Nachtarbeit ist für Jugendliche unter 18 Jahren (bereits ab 18 Uhr), Schwangere und stillende Mütter verboten; für Lehrlinge ist sie beschränkt zulässig, soweit es die Ausbildung erfordert. Frauen, in deren Haushalt Kinder im Vorschulalter leben, Altersrentner, Rehabilitanden unter anderem können Nachtarbeit ablehnen. Siehe auch Nachtzuschlag.

Nachtblindheit, Hemeralopie: vermindertes Sehvermögen in der Dämmerung und in der Nacht; kann bei Vitamin-A-Mangel auftreten und beruht auf Störungen im System der Dämmerungsrezeptoren (Stäbchen) der Netzhaut.

Nachtbogen: der unter dem Horizont liegende Teil des Kreises, den ein Gestirn im Verlauf seiner täglichen scheinbaren Bewegung beschreibt; der Teil über dem Horizont heißt Tagbogen.

Nacht des 4. August, Nacht der Entsagung: Bezeichnung für die Nachtsitzung der französischen Nationalversammlung vom 4.8.1789; angesichts in ganz Frankreich stattfindender Bauernerhebungen stimmte die großbürgerlich-adlige Mehrheit unter anderem der Abschaffung der an die Person gebundenen Feudallasten zu. Die Beschlüsse des 4.8. stellten die Bauern nicht zufrieden; das Ziel ihrer Urheber, die Revolution auf dem Lande zu «beenden», scheiterte.

Nachtfalter: abends und nachts fliegende Schmetterlinge; alle Arten ohne Fühlerkeulen, keine systematische Gruppe.

Nachthimmelslicht: immer vorhandene schwache Helligkeit des nächtlichen Himmels, hervorgerufen durch das Licht der Sterne, Ausläufer des Zodiakallichts und das Eigenleuchten der Erdatmosphäre.

Nachtigall, (althochdeutsch, «Nachtsängerin») Luscinia megarhynchos: Singvogel unterholzreicher Wälder und Parks Mittel- und Südeuropas; in das am Boden stehende, mit altem Laub ausgelegte Nest werden 5 Eier abgelegt; Zugvogel, der in Afrika überwintert.

Nachtkerzengewächse, Onagraceae: meist krautige Pflanzen mit auffällig verlängerter Blütenkronröhre. Hierzu gehören die aus Nordamerika stammende Nachtkerze (Oenothera) mit großen gelben Blüten, die sich abends öffnen, wie auch Weidenröschen (Epilobium), Fuchsie (Fuchsia) unter anderem

Nachtpfauenaugen, Saturnia: Gattung der Augenspinner mit großen Flecken auf den Flügeln. Das Große Nachtpfauenaugen (Saturnia pyri) ist mit 12 cm Spannweite der größte europäischen Falter.

Nachtrag: Grammatik, Stilistik nachträgliche Ergänzung eines syntaktisch abgeschlossenen Satzes; zum Beispiel Ich wollte ihn sehen, «sofort».

Nachtschattengewächse, Solanaceae: meist krautige, alkaloidreiche Pflanzen mit verwachsener Blütenkrone und Kapsel- oder Beerenfrüchten; viele Nahrungs-, Gewürz-, Genuss-, Arznei-, Gift- und Zierpflanzen; zum Beispiel Kartoffel, Tomate, Paprika, Tabak, Bilsenkraut, Tollkirsche, Schwarzer Nachtschatten, Petunie.

Nachtschwalben, Caprimulgidae: weltweit verbreitete Familie vorwiegend nachtaktiver Vögel, die im Fluge Insekten fangen. Lichte Wälder und Ödland Europas, Westasiens und Nordafrikas bewohnt der 27 cm lange Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), der 2 Eier im Bodennest bebrütet; Zugvogel.

Nachtsichtgerät, Infrarotsichtgerät: mit einem Strahlungswandler und -Verstärker (elektronenoptische Bildwandler, Festkörperverstärker oder Infrarotstrahler) ausgestattetes Gerät zum Beobachten des Gefechtsfeldes, zur gezielten Feuerführung und für das Führen von Fahrzeugen bei Dunkelheit. Aktive Nachtsichtgeräte machen die Objekte durch Beleuchten mit einem Infrarotstrahler (Infrarotlaser oder Scheinwerfer mit Vorgesetzten Filtern) sichtbar, während passive Nachtsichtgerät die Infraroteigenstrahlung der Objekte so verstärken, dass sie auf dem Bildschirm sichtbar werden.

Nachtspeicherofen: Speicherofen zur elektrischen Raumheizung (Speicherheizung). Der Nachtspeicherofen nimmt elektrische Energie in Zeiten geringer Netzbelastung (nachts) auf, speichert die entstehende Wärme in keramischem Material und gibt sie nach Öffnen von Luftklappen tagsüber durch Konvektion ab.

Nachtstrom: elektrischer Strom, der dem Energieversorgungsnetz in den Nachtstunden, einer Zeit geringer Netzbelastung, entnommen wird und für den verbilligte Nachtstromtarife gelten können.

Nachtviole, Hesperis: Gattung vorwiegend im Mittelmeerraum heimische Kreuzblütengewächse. Die Gemeine Nachtviole (Hesperis matronalis) ist eine zweijährige Zierpflanze mit violetten, wohlriechenden Blüten in lockeren Trauben; auch weiß blühende und gefüllte Formen.

Nachtzuschlag: Lohnzuschlag bei Nachtarbeit. Bei Nachtarbeit von mindestens 6 Stunden je Schicht wird in der Regel Nachtzuschlag in Form einer Schichtprämie von 7 M gezahlt; bei Nachtarbeit von weniger als 6 Stunden beträgt der Nachtzuschlag 10 % beziehungsweise bei nicht rechtzeitiger Ankündigung (mindestens 48 Stunden vorher) 50% des Tariflohnes.

Nachwuchsleistungssport: Bereich des Leistungssports; wissenschaftlich fundierter Maßnahmenkomplex, durch den die Erfassung, Sichtung, Auswahl und Vorbereitung des sportlichen Nachwuchses in Trainingsstützpunkten und -Zentren und seine kontinuierliche Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung gesichert wird.

Nachzeitigkeit: relatives Zeitverhältnis, bei dem die Handlung des Nebensatzes nach der des Hauptsatzes liegt.

Nacken, Genick, hinterer beziehungsweise oberer Halsabschnitt des Menschen und der Wirbeltiere.

Nackenband: elastisches Band zwischen Hinterkopf und Halswirbelsäule; dient der Entlastung der Nackenmuskulatur und ist besonders stark bei Rindern, Pferden und Elefanten ausgebildet.

Nacktkiemer, Nudibranchiata: Ordnung der Meeresschnecken von nacktschneckenartigem Habitus ohne Schalen; echte Kiemen fehlen, auf dem Rücken sind unbedeckte sekundäre Kiemenanhänge vorhanden.

Nacktpelz: gebräuchliche Bezeichnung für ungefärbte Pelzkleidung, vorzugsweise aus Schaffellen, die mit der Lederseite nach außen getragen wird.

Nacktsamer, Gymnospermen: Samenpflanzen, deren Samen im Unterschied zu denen der Decksamer nicht von einem Fruchtknoten umschlossen sind. Es sind Holzgewächse mit sehr einfachem, meist nur Tracheiden besitzendem Holzkörper, meist immergrünen, derben, oft nadel- oder schuppenförmigen, selten gefiederten Blättern. Die Blüten sind eingeschlechtig (ein- oder zweihäusig), die männlichen stets, die weiblichen meist zapfenförmig angeordnet; die Blütenhülle fehlt oder besteht aus Schuppenblättern. Der durch Wind übertragene Blütenstaub gelangt direkt auf die nackten Samenanlagen; Narben fehlen. Bei Palmfarnen und Ginkgo erfolgt die Befruchtung wie bei niederen Pflanzengruppen durch Spermatozoiden, die aus kurzen Pollenschläuchen schlüpfen und schwimmend zur Eizelle Vordringen. Bei den übrigen Nacktsamer ist wie bei den Decksamern der Pollenschlauch ein Übertragungsorgan, das bis zur Eizelle vordringt und erst dort die Geschlechtszellen entlässt. Die Nacktsamer stehen entwicklungsgeschichtlich zwischen Farnpflanzen und Decksamern; sie sind eine erdgeschichtlich sehr alte Pflanzengruppe, zum Teil schon im Unterkarbon auftretend, ehemals reich entwickelt, heute nur noch etwa 700 Arten umfassend, aber wie zum Beispiel die Nadelhölzer auf der Nordhälfte der Erde vegetationsbestimmend.

Nacktschnecken: Landlungenschnecken mit stark reduzierter oder fehlender Schale; leben meist an feuchten Orten und sind vielfach bedeutende Landwirtschafts- und Vorratsschädlinge. Siehe auch Egelschnecken.

Nadar, Felix Tournachon, 20.4.1820-20.3.1910, französischer Fotograf, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller; erschloss mit Kunst- und Blitzlichtaufnahmen sowie Aufnahmen aus dem Freiballon der Fotografie neue Anwendungsbereiche; Aufnahmen in den Katakomben und der Kanalisation von Paris (1863/65), schuf die vermutlich erste Fotoreportage (1886). Durch seine psychologisch genau beobachteten Porträts setzte er in der Menschendarstellung künstlerische Maßstäbe.

Nadel: spitzes Werkzeug zum Verbinden von Textilien, Leder u. ä. beziehungsweise zur Maschenbildung; Stecknadel mit angestauchtem oder Glaskopf zum Feststecken unterschiedlicher, textiler o. ä. Arbeitsstücke, Nähnadel mit Öhr für Maschinen- und Handarbeit sowie Stopfnadel, Durchzugnadel, Rundnadel, Filetnadel unter anderem, ferner Häkel-, Stricknadel, Schiebernadel zur Maschenbildung beim Nähwirken.

Nadelabweichung: Winkel in einem Punkt der Erdoberfläche zwischen der magnetischen Nordrichtung und den nach Gitternord weisenden parallelen Linien des Gitternetzes eines Koordinatensystems.

Nadelhölzer, Koniferen, Coniferae, Pinidae: etwa 400 Arten umfassende Unterklasse der Nacktsamer mit nadel- oder schuppenförmigen, meist immergrünen Blättern; sommergrün sind Lärche, Sumpfzypresse und Metasequoia. Die Nadelhölzer sind meist regelmäßig verzweigt, in Lang- und Kurztriebe gegliedert. Das Holz enthält nur Tracheiden, meist sind in allen Organen Harzgänge häufig. Die Blüten sind ein- oder zweihäusig (Wacholder) verteilt und in meist typischen zapfenartigen Blütenständen angeordnet; die weiblichen bestehen aus Komplexen von vielen Deck- und Samenschuppen. Die Samenschuppe trägt auf ihrer Oberseite 2 nackte Samenanlagen; an der von ihnen abgeschiedenen Flüssigkeit haftet der Pollen. Nach der Befruchtung entwickelt sich während der Samenbildung ein holziger Zapfen. Die Nadelhölzer sind seit dem Oberkarbon bekannt. Zu ihnen gehören unter anderem Araukarien-, Kiefern-, Sumpfzypressen- und Zypressengewächse; siehe auch Laubhöker.

Nadelkap, Kap Agulhas: Vorgebirge in der Republik Südafrika, südöstlich von Kapstadt, 139 m hoch; südlichster Punkt Afrikas auf 34° 51' südliche Breite und 20° östlicher Länge.

Nadelmaschine: Maschine zur Herstellung von Nadel-Vliesstoffen; besteht aus den Hauptarbeitselementen Nadelbrett mit eingesetzten Nadeln, Gegenhalter und Abstreifer.

Nadelpoltextilien, Tufting: textile Flächengebilde für Fußbodenbeläge, Möbelbezugsstoffe u. ä.; bestehen aus einer Grundbahn (Gewebe o. ä.), in die zu Polnoppen geformte Polfäden eingestochen und auf der Grundbahnrückseite mit dieser verklebt werden.

Nadelstabstrecke: Maschine zum Verziehen von Hechelflachs- (Flachsspinnerei) und Kammzügen (Kammgarnspinnerei). Siehe auch Spinnerei 2.

Nadelstreifen: feine, helle, in kleinen Abständen angeordnete Effektstreifen in Kammgarn- und Streichgarngeweben zur Musterung.

Nadelteilung: bei maschenbildenden Arbeitswerkzeugen der Abstand zweier benachbarter Nadeln von Nadelmitte zu Nadelmitte (in mm); zur Feinheitsbestimmung von Strick-, Wirk- und Nähwirkmaschinen.

Nadel-Vliesstoff: Faserverbundstoff, vollständig oder zum Teil aus Fasern, die in Vliesform mittels durchstechender, mit Widerhaken oder anderen Profilen versehener Nadeln miteinander verschlungen und somit mechanisch verfestigt wurden.

Nadelwalzenstrecke: Maschine zum Verziehen von Kammzugbändern, wobei zwischen den beiden Streckwerkwalzenpaaren zur Faserführung eine Nadelwalze angeordnet ist.

Na-Dene-Sprachen: nordamerikanisch-indianische Sprachfamilie mit den 4 Untergruppen Haida (kanadisch-arktisches Archipel), Tlingit, Eyak (in Alaska) und Athapaskisch; zum Letztgenannten zählen zahlreiche nord-athapaskische Idiome in Alaska und Britisch Kolumbien, die Pazifik- oder Zentralgruppe (mit dem fast ausgestorbenen Coquille und Hupa) und die Süd- oder Apache-Gruppe mit dem Navaho.

Nadschd: (arabisch, «Hochland») Provinz im zentralen Teil Saudi-Arabiens; 1,1 Millionen km2, 4 Millionen Einwohner; 4 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Ar-Riyad zerschnittene, wüstenhafte Hochebene mit großen Oasen; Haupterwerbszweig ist die nomadisierende Viehhaltung (Schafe, Ziegen, Kamele), daneben Ackerbau; einziger Industriestandort ist Ar-Riyad.

Naevius: Gnaeus, um 270 um 201 vor Christus, römischer Dichter; gestaltete erstmalig neben mythische auch nationalrömische Stoffe (Drama «Fabula praetexta», Epos «Bellum Punicum» (Punischer Krieg)); verwendete in Tragödien und Komödien erstmalig die Methode der Kontamination.

Naevus, Nävus, Mal, Muttermal: weitgefasster Begriff für örtlich begrenzte, meist nicht erbliche, auf Grund embryonaler Entwicklungsstörungen entstehende Fehlbildungen der Haut, die mitunter erst im Laufe des Lebens sichtbar werden. Sie können fleck-, knoten- oder streifenförmig angelegt sein. Die Ursache ist ein falsches Mischungsverhältnis normaler Gewebebestandteile, zum Beispiel Naevus flammeus (Gefäß-Naevus), Naevus sebaceus (Talgdrüsen-Naevus), Tierfell-Naevus (behaarter und pigmentierter Naevus).

Naga: Gruppe von Stämmen der tibetischen-burmanischen Sprachgruppe in Indien (Nagaland) und angrenzenden Gebieten Burmas; 900000; Trockenreisanbau; Sozialordnung und Religion (Animismus, Ahnenkult) zeigten in der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert noch urgesellschaftliche Züge.

Nagaika: mit eingeflochtenen Kugeln beschwerte Lederpeitsche der Kosaken und Tataren.

Nagaland: Unionsstaat im Nordosten Indiens, an der Grenze zu Burma; 16527 km2, 780000 Einwohner; 47 Einwohner/km2; Hauptstadt Kohima Bergland bis 3 826 m über dem Meeresspiegel; bewohnt von den Bergstämmen der Naga; weitverbreiteter Wanderfeldbau (Anbau von Reis, Gemüse, Baumwolle, Zuckerrohr, Kartoffeln, Hirse); Waldwirtschaft; Heimgewerbe.

Nagano: 1. Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu; 13 585 km2, 2,1 Millionen Einwohner; 155 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Nagano 2; Hochgebirge mit einzelnen Becken; elektrotechnische, feinmechanischer-optischer, Textilindustrie, Maschinenbau; Seidenraupenzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Nagano 1; 320000 Einwohner; Zentrum der japanischen Seidenraupenzucht und Rohseidenindustrie; Tempelstadt.

Nagasaki: 1. Präfektur in Japan, im Westen der Insel Kyushu; 4106 km2, 1,6 Millionen Einwohner; 390 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Nagasaki 2; wirtschaftlich hochentwickelt; Maschinen-, Schiffbau, elektrotechnische und Textilindustrie; Anbau von Reis, Getreide, Obstbau; Fischfang, Austern-, Perlmuschelzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Nagasaki 1, am Ostchinesischen Meer, 450000 Einwohner; Maschinen-, Schiffbau, elektrotechnische, Textilindustrie; Seehafen und Hochseefischereihafen; Hochschulen, Universität; Gedenkpark mit Mahnmal für die Atombombenopfer; auf Halbinseln Kohleförderung aus untermeerischen Flözen. Im 2. Weltkrieg durch den militärisch sinnlosen wie Verbrecher. Abwurf der zweiten US-amerikanischen Atombombe am 9.8.1945 zum größten Teil zerstört; mehr als 75000 Todesopfer, Zehntausende verstarben an den Folgen.

Nagel: 1. Nagel, Unguis: Anatomie flache Hornplatte auf Finger- und Zehenendgliedern des Menschen und der Affen; ruht auf dem Nagelbett von dem hinteren Abschnitt, der Nagel Wurzel, geht das Wachstum aus; die Ränder des Nagel stecken im Nagelfalz (seitlich) beziehungsweise der Nageltasche (hinten). 2. Technik Befestigungs- beziehungsweise Verbindungselement aus hartgezogenem Stahl-, Messing- oder Kupferdraht mit angestauchtem Kopf, aus Vierkantstahl geschmiedet, aus Vierkantkupfer gepresst oder aus Blech ausgeschnitten; mit Pyramiden- oder kegelförmiger Spitze und kegelstumpfförmigem, flachem oder halbkugelförmigem Kopf.

Nagelfluh: derbes Konglomerat der nordalpinen Molasse tertiären Alters, dessen Gerolle wie Nagelköpfe aus der Felswand, der «Fluh», hervortreten; als Kalk-Nagelfluh und bunte Nagelfluh

Nagelrochen, Raja clavata: bis 1 m langer, oberseits mit zahlreichen Domen besetzter, bodenbewohnender Rochen europäischen Meere; frisst Bodenfische, Mollusken und Krebse.

Nagelverbindung: im Ingenieurholzbau Verbindung der Knotenpunkte eines Brettbinders durch verzinkte Nägel von dreifacher Brettdicke. Die Zahl der Nägel an einem Knotenpunkt wird nach der Druckfestigkeit des Holzes berechnet.

Nagetiere, Rodentia: Säugetierordnung mit unterschiedlich großen Arten (Zwergmaus bis 8 g schwer, Wasserschwein bis 50 kg); Pflanzen- oder Allesfresser mit Nagetiergebiss (im Ober- und Unterkiefer je 1 Paar wurzellose, ständig nachwachsende Schneide- beziehungsweise Nagezähne); weltweit verbreitet, oft mit hoher Vermehrungsrate.

Nagezähne: dauernd nachwachsende Schneidezähne der Nagetiere, deren Schneideflächen infolge unterschiedlicher Härte des Materials und durch unterschiedlicher Abnutzung immer scharf gehalten werden.

Nag Hammadi: Stadt in Oberägypten, am Nil; 15000 Einwohner; Zucker-, Baumwollfabrik; Nilbrücke (Eisenbahn; 400 m). Unterhalb von Nag Hammadi Staudamm, in der Nähe Aluminiumhütte, mit sowjetischen Hilfe entstanden.

Nagibin, Juri Markowitsch, geboren3.4.1920, russisch-sowjetischer Schriftsteller; trat zunächst mit Kriegserzählungen hervor; zumeist komplizierte ethische Fragen aufwerfend, zeichnen sie sich wie seine späteren Erzählungen durch ihre psychologische Gestaltung aus («Das Forsthaus», 1968, deutsch; «Irgendwo am Konservatorium», 1973, deutsch). Nagibin schrieb auch grotesk-phantastische Erzählungen («Das fremde Herz», 1968, deutsch; «Auf dem Gipfel des Ruhms», 1975, deutsch) und gestaltete Episoden aus dem Leben historischer Persönlichkeiten, zum Beispiel des Protopopen Awwakum, P. Tschaikowskis, S. Rachmaninows, F. Tjutschews und J. W. Goethes.

Naglfar: (altnordisch) in der nordischen Mythologie aus den Nägeln Verstorbener verfertigtes Totenschiff, auf dem die Riesen beim Weltuntergangskampf heranziehen.

Nagorny Karabach, Autonomes Gebiet, Autonomes Gebiet Bergkarabach: autonomes Gebiet im Südwesten der Aserbaidschanischen SSR, im Kleinen Kaukasus; 4388 km2, 165000 Einwohner (80% Armenier, 18% Aserbaidschaner); 38 Einwohner/km2; Verwaltungs- und Industriezentrum Stepanakert; Buntmetallerz-, Graphit-, Marmor-, Asbestvorkommen; Mineralquellen; Lebensmittel-, Leichtindustrie (unter anderem Seidenkombinat, Teppichweberei); Wein-, Obstbau, Baumwoll-, Getreideanbau; Vieh-, Seidenraupenzucht.

Nagoya: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Aichi, im mittleren Teil der Insel Honshu, an der Ise-Bucht; 2,1 Millionen Einwohner; Eisen- und Stahlindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, elektrotechnische, chemische, keramische, Textil- und Bekleidungsindustrie, Druckereien; bedeutender Hafen (Atsuta), U-Bahn; Universität.

Nagpur: Stadt im Osten des Unionsstaates Maharashtra (Indien), im nördlichen Dekan; 1,3 Millionen Einwohner; Textil-, Papier-, chemische Industrie und Maschinenbau; Eisenbahnknoten, Flughafen; Universität.

Nagy: 1. Lajos, 5.2.1883-28.10.1954, ungarischer Schriftsteller und Satiriker; legte insbesondere in seiner kurzen Prosa (dt. Auswahlbände «Der ägyptische Schreiber», 1969; «Wenn man Geld hat», 1977) das Wesen des Faschismus und die psychische Deformation des Individuums in der kapitalistischen Gesellschaft bloß; schrieb ferner das «Kellertagebuch» (1945, deutsch) und die Soziographie «Kiskunhalom» (1934).

2. Läszlö, 17.7.1925-30.1.1978, ungarischer Dichter, setzte sich in seiner von emotioneller Intensität geprägten Poesie, die auf Traditionen der Volksdichtung fußt, mit zeitgenössischen Problemen auseinander (dt. Auswahl «Gedichte», 1971).,

Nagykanizsa: Stadt im Südwesten Ungarns, im Bezirk Zala; 49000 Einwohner; Maschinenbau, Glas-, Möbelindustrie, Spirituosenherstellung; Verkehrsknoten; westlich von Nagykanizsa Erdöl- und Erdgasforderung.

Nagykunsag: Landschaft in Ungarn, zwischen Theiß und Körös, im Nordosten des Alföld; etwa 90 bis 95 m über dem Meeresspiegel; vorwiegend aus Flussablagerungen und Löß bestehend; trocken und extrem waldarm; im Nordosten Hortobägy als Rest der Puszta erhalten; Wirtschaftsbasis ist die Landwirtschaft (zum Teil durch Bewässerung) mit bedeutendem Getreideanbau; im Osten Erdgasforderung.

Naha: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Okinawa (Riukiu-Inseln), im Südwesten der Insel Okinawa; 300000 Einwohner; Textil- und Lebensmittelindustrie; Hafen, internationale Flughafen; Universität.

Nahaufnahme: fotografische Aufnahme aus einer Entfernung, die kürzer ist als die am Objektiv einstellbare; wird durch Brennweiteverkürzung (mittels Vorsatzlinsen) oder Auszugsverlängerung (mittels Zwischenringen, Balgennaheinstellgerät) realisiert.

Nähautomat: Spezialnähmaschine, die selbständig Stichgruppen ausführt, zum Beispiel Wäscheknopfloch-Nähautomat, Augenknopfloch-Nähautomat, Kurznaht-Nähautomat, Knopfannäh-, Knopfstiel-Umwickelautomat, Fadenheftmaschine.

Nahe: linker Nebenfluss des Rheins; 116 km; entspringt im südlichen Hunsrück, mündet bei Bingen; bedeutender Weinbau im Nahetal.

Naherholungsgebiet: vorrangig zur kurzfristigen Erholung gestalteter Bereich von örtlicher Bedeutung, wie begrünte Freiflächen, Stadtparks und Wälder in der Nähe von Wohn- und Arbeitsstätten, der schnell erreichbar ist und den Bewohnern von Stadt- oder Industriegebieten Ruhe und Entspannung bietet.

Naherholungszentrum: verkehrsgünstig zu den Wohngebieten gelegenes (bewaldetes) Gelände, möglichst mit Bade- und Wasserfahrsportmöglichkeit, das überwiegend der Tages- und Wochenenderholung dient. Naherholungszentrum sind mit Sport- und Spielplätzen, Geräteausleihstationen, Sanitäranlagen und gastronomische Einrichtungen ausgestattet.

Naher Osten: die um das östliche Mittelmeer gelegenen Staaten Ägypten, Israel, Jordanien, Libanon, Syrien, Türkei und Zypern.

Näherungsverfahren: numerische Methoden, mit deren Hilfe Lösungen mathematischer Probleme in endlich vielen Schritten mit angebbarer Genauigkeit angenähert werden. Die Differenz zwischen dem exakten Wert einer Größe und dem Ergebnis eines zugehörigen Näherungsverfahrens bezeichnet man als Verfahrens-, Abbruch- oder Diskretisierungsfehler (siehe auch Fehler 1). Er hängt im Allgemeinen von der Schrittzahl n ab. Wird er mit wachsendem n beliebig klein, dann ist das Näherungsverfahren konvergent. Viele Näherungsverfahren sind so beschaffen, dass eine Folge von Näherungen xk mittels eines Operators aus einem Startwert x° der Reihe nach berechnet wird (siehe auch Iterationsmethode). Meist stehen zur Lösung eines Problems mehrere Näherungsverfahren zur Auswahl, die nach Kriterien wie Konvergenz, -geschwindigkeit, Stabilität, Rechenaufwand je Schritt, Steuerbarkeit, Speicherbedarf, Anwendbarkeit vorhandener Programme oder auch Güte der Fehlerabschätzungen erfolgen muss.

Nahfeld: elektromagnetisches Feld in einem Gebiet, dessen Abstand von der Sendeantenne klein gegenüber den Antennenabmessungen ist.

Nähgewirke: textiles Flächengebilde aus Fäden und beziehungsweise oder Fadenlagen und beziehungsweise oder Vliesen und beziehungsweise oder anderen Flächengebilden, die querreihig durchstochen und durch Maschen aus Fäden, Fasern oder Elementarfäden verbunden, verfestigt oder an der Oberfläche verändert sind.

Nähmaschine: Apparat, der in Textilien, Leder o. ä. Stoffe mittels Stichen Fäden einzieht, um zusammengehörige Teile zu verbinden oder bestimmte Nahtbilder hervorzubringen. Wichtigste Teile der Nähmaschine sind Näh- (Nähmaschinen-)Nadel und Schlingenfänger. Man unterscheidet der Bauform nach Flachbettnähmaschine mit flacher Grundplatte zum Auflegen des Nähgutes, zum Beispiel Haushaltnähmaschine, Säulennähmaschine zum Auflegen formgebundener, meist schlauchförmiger Arbeitsstücke, zum Beispiel Schuhnähmaschine, Freiarmnähmaschine mit freitragendem Arm, zum Beispiel für Ärmel u. ä., Armabwärtsnähmaschine, vorwiegend für geschlossene Arbeitsstücke; der Bauart nach die Haushaltnähmaschine, die auch Knöpfe annäht, Knopflöcher herstellt, Stopf-, Flick- und Ausbesserungsarbeiten sowie Ziernähte ausführt, die Gewerbenähmaschine mit mittelhohen Stichzahlen, darunter auch Schuh- und Sattlernähmaschine für Handwerksbetriebe, und Industrienähmaschine in leichter, mittlerer und schwerer Ausführung mit hoher Stichzahl. Spezialnähmaschine, wie Kettel-, Pikier-, Pelznähmaschine unter anderem, werden meist in Sonderbauformen hergestellt.

Nahpunkt: dem Auge nächster Punkt, der noch scharf gesehen werden kann. Die Lage des Nahpunktes hängt von der Fähigkeit der Linse ab, ihre Brechkraft zu steigern; beim Kind beträgt die Nahpunktentfernung 6 bis 7 cm, beim 60jährigen meist mehr als 50 cm.

Nahr: Fluss in Libanon, Syrien und der Türkei; 571 km; entspringt bei Balabak (Libanon), durchfließt den Syrisch-Jordanischen Graben und mündet südwestlich von Antakya (Türkei) in das Mittelmeer; bei Horns am Oberlauf und Antakya am Unterlauf zur Bewässerung und Elektroenergiegewinnung aufgestaut.

Nährböden: Nährstoffgemische zur Bakterien- und Pilzzüchtung, aus denen die Mikroorganismen die zur Vermehrung benötigten organischen und anorganischen Bausteine entnehmen. Meist wird ein durch Zusatz von Agar verfestigter Nährboden verwendet, der im warmen, noch flüssigen Zustand zum Beispiel in Petrischalen gegossen wird.

Nährlösung: wässrige Mineralsalzlösung, die alle für das Pflanzenwachstum notwendigen Nährstoffe enthält; zum Anbau von Pflanzen in Hydroponik, mit besonderen Zusätzen versehen auch zur Kultur von Mikroorganismen.

Nährmittel: Sammelbezeichnung für koch-, tisch- oder verzehrfertige Trockenerzeugnisse mit hohem Energiewert aus Getreide (Graupen, Grieß, Haferflocken, Teigwaren), Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Linsen) und Stärke (Süßspeisen-, Soßen-, Puddingpulver). Zu den Nährmittelen gehören auch extrudierte Erzeugnisse (zum Beispiel Puffreis, Flips, Chips).

Nährstoffauswaschung: Austrag von Pflanzennährstoffen aus dem Boden durch Niederschläge, Überschwemmungen oder Bewässerung; führt zur Nährstoffverarmung des Bodens und Nährstoffanreicherung im Unterboden oder Grundwasser.

Nährstoffe: alle Lebensmittelbestandteile, die für Erhaltung, Wachstum, Fortpflanzung und Funktionsfähigkeit des Organismus von Bedeutung sind. Hauptnährstoffe sind die Gruppen der Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße, wobei letztere besonders dem Baustoffwechsel für Wachstum, Zellersatz, Erb- und Gedächtnisinformation dienen. Weitere Nährstoffe sind Salze, besonders Natriumchlorid, Vitamine und Spurenelemente, zum Beispiel Kupfer, Silizium, Mangan, in kleinsten Mengen. Siehe auch Stoffwechsel.

Nahrungsmittel: alle aus dem Tier- und Pflanzenreich stammenden Stoffe und Stoffgemische, die dem Wachstum sowie der Erhaltung und Funktion des gesunden menschlichen Organismus dienen. Sie sind Träger unter anderem von Hauptnähr- (Eiweiß, Kohlenhydrat, Fett) und Mineralstoffen, Vitaminen und der Ballaststoffe. Nahrungsmittel und Genussmittel bilden den Sammelbegriff Lebensmittel.

Naht: (zu «nähen»)

1. Naht, Sutura; Anatomie: bindegewebige Verbindung benachbarter Schädelknochen.

2. Textiltechnik linienförmige Verbindung, Schnittkantenverfestigung und beziehungsweise oder Verzierung von textilen Flächengebilden mittels Nähens, Schweißens oder Klebens. Beim Nähen unterscheidet man Doppelsteppstich- und Kettenstichnaht. Die von allen Haushaltnähmaschinen erzeugte Doppelsteppstichnaht ist eine feste, nicht dehnbare, zweifädige Naht, bei der die Verbindungsstelle des Oberfadens mit dem Unterfaden meist in der Mitte des Nähgutes liegt. Von Kettenstichnähten, die industriell verwendet werden, gibt es verschiedene Arten. Die Überwendlichnaht ist eine das Nähgut umschlingende Kettenstichnaht.

Nahua: große indianische Sprach- und Völkergruppe der uto-aztekische Sprachfamilie, besonders in Mexiko; über 1,3 Millionen; zu den Nahua zählen auch Tolteken und Azteken.

Nahuel-Huapi-See: weitverzweigter glazialer Rinnensee im Süden Argentiniens, inmitten der waldreichen Patagonischen Kordillere; 746 m über dem Meeresspiegel, 535 km2, bis 438 m tief; vom Limay entwässert; Fischerei auf Lachs und Forelle; seit 1922 Zentrum eines 7 850 km2 großen Nationalparks; Fremdenverkehr.

Nahverkehrsmittel: Sammelbezeichnung für in der Regel öffentliche Verkehrsmittel, die im innerstädtischen und Vorortverkehr innerhalb der Ballungsgebiete den Personen-, insbesondere Berufsverkehr, durchfuhren. Der Einsatz hängt vom Verkehrsaufkommen ab. Wichtigste Nahverkehrsmittel sind Straßenbahnen, Kraftomnibusse, Oberleitungsbusse und Stadtbahnen. Die Nahverkehrsmittel müssen durch zweckmäßige Netzgestaltung und günstige Haltestellenabstände eine gute Flächenerschließung garantieren. Sie verkehren in der Regel nach starren Fahrplänen. Zu. den Nahverkehrsmittel zählen auch Taxis und Flussschiffe (Fähren) sowie Bergbahnen.

Nähwirken: Herstellung textiler Flächengebilde durch Nähen (Verbinden von Schichten) und Wirken (Maschenbildung) mit stets gleichen Nähwirkwerkzeugen und gleichem Arbeitsspiel. Technologische Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich durch Einsatz unterschiedlicher, textiler Elemente. Nähwirkverfahren sind in der DDR Malimo, in der CSSR ARACHNE und in der UdSSR ATschW; sie unterscheiden sich in der Anzahl der Modifikationen, der Arbeitsvorrichtung, der Art der Nähwirkwerkzeuge und deren Anordnung.

Nähzwirn: mehrfacher Zwirn, geglättet, reißfest; fälschlich oft Nähgarn genannt.

Naidu, Sarojini, genannt die «indische Nachtigall», 13.2.1879-2.3.1949, indische Dichterin, schrieb in Englisch; war maßgeblich im Indischen Nationalkongress tätig (1925 dessen Präsidentin). Sie schrieb vor allem Liebeslyrik, so in «Die goldene Schwelle» (1905), «Der Vogel der Zeit» (1912), «Die gebrochene Schwinge» (1917).

Nairobi; Hauptstadt von Kenia, im Süden, 1660 m über dem Meeresspiegel; mit Vororten 840000 Einwohner; vielseitige Leicht-, außerdem Lebensmittel-, chemische, Zementindustrie, Metallverarbeitung; Allafrikanische Handelsmesse, Verkehrszentrum; südöstlich von Nairobi internationaler Flughafen (Embakasi) Universität, Hochschulen; Theater, Nationalmuseum.

naiv: natürlich, ursprünglich, unbefangen; arglos; abwertend (zu) kindlich.

naive Malerei, naive Kunst: Sammelbezeichnung für künstlerisches Laienschaffen von Autodidakten auf dem Gebiet der Malerei; bildete sich Anfang des 18. Jahrhundert heraus; kennzeichnend sind naive, unbekümmerte Wahl der Bildthemen und naturalistisch wirkende Formensprache, ohne auf genaue Perspektive und anatomische Richtigkeit der Figuren abzuzielen, fröhliche Buntheit der Farben, erzählfreudige Wiedergabe von Details sowie Einbeziehung poetischer, märchenhafter und phantastischer Motive. Die einfachen, von der sinnlich-anschaulichen Vorstellung der Gegenstände ausgehenden Kompositionen sind oft aus dem Blickwinkel des Idylls gesehene Wunschbilder von Natur und Gesellschaft. Vor allem in Westeuropa wurde die naive Malerei, die hier einen Ersatz für die von der spätbürgerlichen Gesellschaft zerstörte Einheit von künstlerischem Ideal und gesellschaftliche Wirklichkeit darstellt, zu einer Kunstgattung von großer Popularität. In der sozialistischen Gesellschaft besteht einerseits die Tendenz, die naive Malerei in das Schaffen innerhalb der Laienzirkel einzubeziehen, andererseits existiert sie als selbständige Kunstgattung weiter und erfährt neuen Zustrom. Vertreter; H. Rousseau,

Nakae, eigentlich Chomin Tokusuke, 1847-13.12.1901, japanischer Philosoph; studierte 1871/74 in Frankreich und wandte sich unter dem Einfluss der französischen Philosophie dem Materialismus zu; kritisierte in revolutionär-demokratische Haltung die Ausbeuterordnung. Hauptwerke: «Eineinhalb Jahre», «Rousseaus Theorie vom Gesellschaftsvertrag».

Nakano, Shigeharu, 25.1.1902-23.8.1979, Japanische Erzähler und Lyriker; hatte mit seiner teilweise von H. Heine beeinflussten Lyrik großen Anteil an der Hebung des künstlerischen Niveaus der proletarischen Dichtung; sein erzählerisches Werk trägt stark autobiographischen Charakter.

Nakasone, Yasuhiro, geboren 27.5.1918, japanischer Politiker, seit 1982 Vorsitzender der liberal-demokratische Partei und Ministerpräsident.

Nakhon Ratchasima: Stadt (Provinzzentrum) im Südosten von Thailand, auf dem Khorat Plateau; 87000 Einwohner; Textil-, Holz- und Baustoffindustrie; Eisenbahnknoten; in der Umgebung Anbau von Zuckerrohr.

Nalaich: Bergarbeitersiedlung in der MVR, südöstlich von Ulan-Bator, 15000 Einwohner; Abbau hochwertiger Braunkohle im Tiefbau unter Dauerfrostboden; Glasindustrie, Stichbahn zur Transmongolisch Eisenbahn.

Nalbandyan, Mikael, 14.11.1829-12.4.1866, armenischer Schriftsteller; vertrat als Kampfgefährte G. Tschemyschewskis, A. I. Herzens, P. Ogarjows und M. A. Bakunins in streitbarer Publizistik, patriotische Lyrik und in direkter revolutionärer Tätigkeit als erster armenischer Schriftsteller revolutionär-demokratischen Positionen und legte unter anderem mit seiner sozialen Satire «Tagebuch» (1858/60) und literaturkritischen Arbeiten die Grundlagen des kritischen Realismus und einer materialistischen Ästhetik in der armenischen Literatur.

Nalkowska, Zofia, 10.11.1884 bis 17.12.1954, polnische Schriftstellerin; wandte sich nach dem 1. Weltkrieg sozialen und philosophischen Gegenwartsproblemen zu, wurde zu einer bedeutenden Vertreterin der realistisch-psychologischen Prosa, unter anderem mit den Romanen «Die Liebesgeschichte der Teresa Hennert» (1923), «Ungute Liebe» (1928, deutsch), «Die Schranke» (1935, deutsch); schrieb ferner die erschütternden Anklagen faschistischer Verbrechen «Medaillons» (1946, deutsch) und das häufig gespielte Drama «Haus der Frauen» (1930).

Naltschik: Hauptstadt der ASSR der Kabardiner und Balkaren, in den nördlichen Vorbergen des Kaukasus; 220000 Einwohner; Werkzeugmaschinen-, Gerätebau, Buntmetallurgie, chemische, Leichtindustrie; Flughafen; Universität (1957 gegründet); Theater, Philharmonie, Heimatmuseum; Kurort (Mineralquellen); Touristen-, Alpinisten Zentrum.

Nambo: Landschaft im Süden Vietnams; umfasst das sumpfreiche, aber sehr fruchtbare Mekong Delta im Süden und niedriges Hügelland im NO; 69000 km2; bei tropischen Monsunklima Anbau von Reis, Zuckerrohr, Erdnüssen, Sojabohnen, Maniok, Kokospalmen, Kaffee, Pfeffer, Tabak, Baumwolle und Kautschuk; Rinder-, Büffel- und Schweinehaltung; wirtschaftliches, kulturelles und politisches Zentrum ist Ho-Chi-Minh Stadt. Nambo gehörte im Feudalismus zunächst zu Kampuchea, im 17./18. Jahrhundert zu Vietnam, ab 1858 als Cochinchina innerhalb der Indochinesischen Union französische Kolonie mit Sonderstatus, 1954/75 zusammen mit dem Süden von Trung Bo Gebiet eines proimperialistisches südvietnamesisches Separatstaates.

Namdag, Donrowyn, 1911 März 1984, mongolischer Schriftsteller und Dramatiker; in seinen Werken überwiegen historische Themen (Drama «Die drei Scharaigol-Khane »; Roman «Unruhige Zeiten», 1960).

Nam Dinh: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Vietnams, südöstlich von Hanoi, im Delta des Roten Flusses; 90000 Einwohner; Wärmekraftwerk, Zinnverhüttung, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten.

Namenspapier, Rektapapier: Wertpapier, das einen namentlich Benannten als berechtigt bezeichnet, das im Namenspapier enthaltene Recht zu erheben. Siehe auch Inhaberpapier.

Namenstag: in der katholischen und orthodoxen Kirche das Fest des im Heiligenkalender verankerten Namenspatrons, auf dessen Namen jemand getauft ist (Vornamen); in katholischen Gebieten oft statt des Geburtstages gefeiert.

Namib: Küstenwüste im Südwesten Afrikas, überwiegend in Namibia; etwa 1300 km lang und bis 150 km breit; vielfältige Oberflächenformen (Deflationswannen, Dünenmeere, Plateaus, Inselberge); Küstennebel; sporadische Vegetation; zum Teil Karakulschaf Zucht; im Süden Diamantengewinnung.

Namibe: Stadt (Distriktzentrum) im Süden Angolas, am Atlantischen Ozean; 15000 Einwohner; Fisch-, Tabakverarbeitung; Eisenerz-, Fischereihafen; Flughafen; Fischereimuseum.

Namibia: Territorium im Südwesten Afrikas unter direkter Verantwortung der UN, zur Zeit von der Republik Südafrika (RSA) widerrechtlich okkupiert; früher Südwestafrika; 824292 km2, 1,25 Millionen Einwohner; 1,5 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Windhoek. Grenzt im Norden an Angola und Sambia, im Nordosten an Simbabwe, im Osten an Botswana, im Südosten und Süden an die RSA und im Westen an den Atlantischen Ozean. Verwaltungsmäßig in 22 Distrikte gegliedert. Von der Bevölkerung sind 86% Afrikaner (davon 51% Ovambo, 10% Kavango, 9% Dama, 8% Herero, 5% Nama), die wie die Mischbevölkerung (4 %) von einer weißen Minderheit (8%) nach den Apartheidgesetzen der RSA unterdrückt und brutal ausgebeutet werden. Natur. Östlich der Namib Anstieg über die Große Randstufe (in Namibia bis etwa 2 600 m) zum inneren Hochland (Hauptsiedlungsgebiet), das sich nach Osten allmählich zum Kalaharibecken absenkt. Trockenes tropisches Hochlandklima. Einzige Dauerflüsse sind die Grenzströme Kunene (im N) und Oranje (im S). Wüstenhafte Vegetation; in begünstigten niederschlagsreicheren Höhenlagen Grasfluren mit Dornbüschen, im Nordosten Trockenwald, im nördlichen, weit nach Osten reichenden Caprivi Streifen üppiger tropischer Regenwald. Großer Reichtum an Bodenschätzen. Wirtschaft. Namibia ist ein von der RSA kolonial ausgebeutetes Agrarland mit bedeutendem, von ausländischen Monopolen (besonders USA, Großbritannien, BRD, RSA) beherrschtem Bergbau. Größte Bedeutung haben die Gewinnung von Diamanten (weltgrößte Lagerstätten), Uran (größte Vorkommen Afrikas), Kupfer-, Blei- (größter afrikanischer Produzent), Silber-, Zinn-, Zinkerz und Vanadium, außerdem Manganerz, Germanium, Platin, Cadmium, Beryll, Lithium, Wolframerz, Gold unter anderem Daneben sind die Karakulschaf Zucht sowie die Küsten- und Hochseefischerei wichtige Wirtschaftszweige. Knapp 90% der landwirtschaftlichen Nutzfläche gehören Farmern europäischen Abstammung, der Rest wird von der afrikanischen Bevölkerung in Naturalwirtschaft bewirtschaftet. Die verarbeitende Industrie ist wenig entwickelt, sie stützt sich auf Fischfang und landwirtschaftliche Rohstoffe. Das Eisenbahnnetz (2400 km) verbindet die Bergbaugebiete mit den Hochseehäfen Namibias (besonders Walvis Bay und Lüderitz) und der RSA. Ausbau des Straßennetzes (40000 km, davon 10% asphaltiert), besonders auch aus machtpolitischen Gründen der RSA. Internationaler Flughafen bei Windhoek. Ausfuhr von Bergbauprodukten, Karakulfellen (Persianer; weltgrößter Exporteur), Fischwaren und Lebendvieh. Geschichte. Ursprüngliche Bewohner waren Buschmänner und Dama, die im 17. Jahrhundert von Nama-Stämmen in die Wüste verdrängt wurden. Anfang des 18. Jahrhundert wanderten aus Innerafrika die Herero ein. Gegen die deutsche Kolonialherrschaft (seit 1884) entfaltete sich schon bald der bewaffnete Widerstand der Herero und Nama (1904/07), der blutig unterdrückt wurde. 1915 wurde das damalige Südwestafrika von der Südafrikanischen Union besetzt (1920 vom Völkerbund als Mandatsgebiet übernommen). 1946 übertrugen die UN der RSA die Treuhandschaft über Namibia Im Ergebnis des Aufschwungs des nationalen Befreiungskampfes entstand 1958 die Volksorganisation von Ovamboland, aus der 1960 die Volksorganisation von Südwestafrika (englisch Abkürzung SWAPO) hervorging, die einzig rechtmäßige Vertreterin des Volkes von Namibia 1966 entzog die UN-Vollversammlung der RSA das Mandat über Namibia Seitdem führt die SWAPO gegen die fortdauernde illegale Okkupation Namibias den bewaffneten Kampf. Vom Territorium Namibias aus verüben seit 1975 die südafrikanischen Rassisten zahlreiche Überfälle auf das benachbarte Angola. Bisherige Bemühungen der UN, unter Einbeziehung der SWAPO die Unabhängigkeit Namibias zu erreichen, scheiterten. Nachdem Ende der 70er Jahre der Versuch, ein Marionettenregime der RSA in Namibia zu etablieren, gescheitert war, setzte 1985 die RSA eine «provisorische Regierung» (unter Ausschluss der SWAPO) ein, die von den UN nicht anerkannt wurde.

Namik Kemal, 21.12.1840-2.12.1888, türkischer Dichter und Publizist; war Mitbegründer der Gesellschaft «Neue Osmanen», die von aufklärerischer Positionen aus gegen die Tyrannei des Sultans auftrat. Nach seiner Rückkehr aus dem Londoner und Pariser Exil erschien 1873 sein nationales Drama «Heimat oder Silistria» (dt.), wofür er zu mehrjähriger Festungshaft auf Zypern verurteilt wurde.

Namora, Fernando, geboren 15.4.1919, portugiesischer Romancier; einer der profiliertesten Vertreter des Neorealismus («Das Haus der Landstreicher», 1945; «Gold aus schwarzen Steinen», 1946, deutsch); verband später Gesellschaftskritik mit der psychologisch vertieften Gestaltung persönlicher Konflikte («Loas und sein Esel», 1954, deutsch; «Der Mann mit der Maske», 1957, deutsch; «Im Verborgenen», 1972, deutsch).

Namtu: Stadt im Nordosten Burmas; 25000 Einwohner; Verhüttung von Bunt- und Edelmetallen, deren Erze in der Nähe, bei Bawdwin, abgebaut werden; Edelsteingewinnung.

Namur: 1. Provinz im Südosten Belgiens; 3665 km2, 410000 Einwohner; 112 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Namur 2; Hügel- und Mittelgebirgsland, von Sambre (Unterlauf) und Maas durchflossen; Industrie um Namur 2 konzentriert; Weizen- und Flachsanbau.

2. Stadt im Südosten Belgiens, Verwaltungszentrum der Provinz Namur, an der Mündung der Sambre in die Maas; 100000 Einwohner; Stahlbau. Zement-, Glas-, Papier-, Porzellan- und chemische Industrie; Museen; Barockkirche Saint-Loup (17. Jahrhundert), Zitadelle (17. Jahrhundert).

Nanaier: Volk der mandschu-tungusische Sprachfamilie am Unterlauf des Amur, zwischen Chabarowsk und Komsomolsk; 10500; Fischer und Jäger; früher Golden genannt.

Nanak, mit Ehrentitel Guru, 15.4.1469-22.9.1539, indischer Bhakti-Dichter, Philosoph und Begründer des Sikhismus, schrieb in Punjabi. Nanak lehrte eine Synthese von Hinduismus und Islam. Seine Gedichte, Lieder und Hymnen gelten als die ältesten Werke der Punj ab Literatur und sind im «Adi Granth» enthalten.

Nanchang: Stadt im Südosten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Jiangxi, am Unterlauf des Gan Jiang; 335000 Einwohner; LKW- und Flugzeugwerke, Produktion von Dieselmotoren, Papier, Textilien, Stahl und Eisen; Eisenbahnstation, Flusshafen. Im Nanchanger Aufstand erhoben sich am l.8.1927 kommunistisch geführte Teile der Nationalrevolutionären Armee Chinas gegen die konterrevolutionäre Politik der Guomindang; dieses Datum gilt als Gründungstag der chinesischen Roten Armee beziehungsweise der späteren Volksbefreiungsarmee.

Nanchong: Stadt im Osten Chinas, im Roten Becken, am Jialing Jiang; 200000 Einwohner; Zentrum eines der ältesten chinesischen Seidenraupenzuchtgebiete; ferner Erdölförderung und -Verarbeitung, Metallurgie, Verarbeitung von Agrarprodukten; Flusshafen.

Nancy: Stadt im Osten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Meurthe-et-Moselle, an Meurthe und Rhein-Marne-Kanal; 95000 Einwohner, als Agglomeration 300000 Einwohner; polygraphische, chemische, Elektro-, Textil-, Schuh- und Glasindustrie; Herstellung von Tabakwaren und Spiegeln; Universität, Hoch- und Fachschulen, Forschungsinstitut für Radiologie; Theater, Museen; barocke Stadtanlage (Place Stanislas), Herzogspalast (16. Jahrhundert).

Nanderbarsche, Nandidae: zu den Barschartigen gehörende hochrückige Fische mit seitlich flachem Körper und stachelbewehrter Rückenflosse. Nanderbarsche sind nachtaktive Räuber in den Süßgewässern Südamerikas, Westafrikas und Südostasiens; einige Arten sind Aquarienfische, zum Beispiel der Blaubarsch. Siehe auch Blattfisch.

Nandu, Rhea americana: bis 1,70 m hoher und bis 25 kg schwerer straußenähnlicher flugunfähiger Laufvogel Südamerikas; das Männchen bebrütet die Eier mehrerer Weibchen.

Nanga: («Malerei der südlichen Schule») Bezeichnung für eine unter dem Einfluss des südchinesischen Malstils des 17. Jahrhundert stehende Richtung der japanischen Tuschmalerei, die besonders von Literaten (Literatenmaler) gepflegt wurde und im 17. /18. Jahrhundert wegen ihres unorthodoxen Ausdrucks weite Verbreitung fand.

Nanga Parbat: (Sanskrit, «Nackter Berg») höchster Berg des Kashmir-Himalaja; 8126 m; stark vergletschert; an der Südflanke 4500 m zum Rupat-Tal abstürzend; am 3.7.1953 erstmals von dem Österreicher H. Buhl bestiegen.

Nänie: (lateinisch, «Leichengesang») Trauer- und Klagelied, das im antiken Rom zum Begräbnis gesungen wurde; später durch die Laudatio funebris (Lobrede auf die Verstorbenen) ersetzt; in heutiger Bedeutung allgemein Grabgedicht. Die Nänie wurde in der klassischen deutschen Literatur wieder belebt (J. W. Goethe, F. Schiller).

Nanjing: Stadt im Osten Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Jiangsu, am unteren Chang Jiang; 1,7 Millionen Einwohner; Eisen- und Stahlproduktion, Erdölraffinerie, LKW-, Turbinenbau, chemische, optische, elektronische, Textil- und Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten, seit 1969 6,7 km lange Doppelstockbrücke über den Chang Jiang für Eisenbahn und Straße, Fluss- und Flughafen. Nanjing war wiederholt Hauptstadt des feudalen chinesischen Reiches. Der von ausländischen Mächten aufgezwungene ungleiche Vertrag von Nanjing (29.8.1842) beendete den ersten Opiumkrieg und leitete die Umwandlung Chinas in eine Halbkolonie ein. 1858 wurde Nanjing Offener Hafen, 1853/64 war es als Tianjing Hauptstadt des Taiping Staates, 1911/12 Hauptstadt und Sitz der ersten provisorischen Regierung der Republik China, 1928/37 und 1945/49 der Guomindang-Regierung sowie 1937/45 einer projapanische Marionettenregierung; 1949 durch die Volksbefreiungsarmee befreit.

Nanling: in zahlreiche kleine Gebirgszüge aufgegliedertes Mittelgebirge im Südosten Chinas; etwa 300 km lang, durchschnittlich 1000 m hoch, höchste Erhebung Shi-Kong-Ling mit 1929 m; Wasserscheide zwischen Chang Jiang im Norden und Zhu Jiang im Süden; subtropisches bis tropisches Klima, immergrüne Lorbeerwälder beziehungsweise Macchienbestände.

Nanning: Stadt in China, Verwaltungszentrum des Autonomen Gebietes Guangxi Zhuang, am Yu Jiang; 525000 Einwohner; Produktion von Walzstahl, Kleintraktoren, Bergbaumaschinen und Dieselmotoren, Papier- und Textilindustrie; Eisenbahnstation, Flughafen.

Nansen, Fridtjof, 10.10.1861-13.5.1930, norwegischer Polarforscher; überquerte 1888 als erster das grönländischen Inlandeis und unternahm 1893/96 mit der «Fram» die erste Driftfahrt im Arktischen Ozean; wirkte seit 1918 im Dienste des Internationalen Hilfswerkes des Völkerbundes.

Nanterre: Stadt im westlichen Teil der Agglomeration von Paris, Verwaltungszentrum des Departements Hauts-de-Seine; 90000 Einwohner; Gießereien; Herstellung von Kfz-Teilen, Elektrogeräten, Parfüms; Universität Paris X.

Nantes: Stadt im Westen Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Loire-Atlantique, an der Loire, 50 km vor der Mündung (noch im Bereich der Gezeiten); 240000 Einwohner, als Agglomeration 465000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Schiff- und Maschinenbau; Flugzeug-, Glas-, Elektro-, Papier- und chemische Industrie, Zuckerraffinerie; Hafen mit Vorhafen Saint-Nazaire, internationaler Flughafen; Universität, Hochschulen; Theater, Museen; Schloss; gotische Kathedrale (15./17. Jahrhundert). Mit dem Edikt von Nantes (13.4.1598) beendete Heinrich lV. die Hugenottenkriege, indem er den Hugenotten Sonderrechte zusicherte, die 1629 von Richelieu eingeschränkt, 1685 von Ludwig XIV. aufgehoben wurden.

Nantong: Stadt in China, im Osten der Provinz Jiangsu, am Mündungstrichter des Chang Jiang; 270000 Einwohner; Textilindustrie, Maschinenbau; Fischereihafen.

Napalm: sirupöses bis geleeartiges Brandmittel, bei dem durch Flammenkonzentrierung eine besonders starke Hitzeentwicklung erreicht wird, zur Füllung von Brandbomben. Napalm besteht aus einem Gel von naphthen- und palmitinsaurem Aluminium in einem Benzin-Benzol-Gemisch mit Zusätzen von Phosphor, Natrium unter anderem Napalm wurde durch die USA im 2. Weltkrieg, besonders aber während des Krieges in Korea und Vietnam eingesetzt. Die UNO strebt das völkerrechtliche Verbot an.

Napfschnecken, Patellidae: Familie der Meeres-Schnecken mit flacher, nicht gewundener Schale; leben in den Gezeitenzonen und saugen sich fest. Napfschnecken sind essbar.

Naphthalin, fachsprachlich Naphthalen: ein bizyklische Aren. Naphthalin bildet farblose, in organischen Lösungsmitteln löslicher Kristalle von intensivem Geruch, die bereits bei gewöhnlicher Temperatur allmählich verdampfen; Kp 218 °C. Hautkontakte mit Naphthalin können zu Entzündungen und Ekzemen, die Einatmung von Naphthalin zu Lungenentzündungen und Nervenstörungen führen. Naphthalin wird hauptsächlich aus Steinkohlenteer (Gehalt 5 bis 10 %) gewonnen und dient insbesondere zur Herstellung von Farbstoffen; bei der Hydrierung entstehen Tetralin und Dekalin; siehe auch Arene.

Naphthacen, Tetrazen, Tetracen: ein tetrazyklische Aren der Formel Ci8Hi2. Naphthacen bildet orangefarbene Kristallblättchen; F337 °C; Kp 440 °C. Vom Naphthacen leiten sich Tetrazyklin Antibiotika ab.

Naphthensäuren: im Erdöl enthaltene alizyklische Carbonsäuren, die sich vom Cyclopentan und -hexan ableiten. Ihre Salze (Naphthenate) werden als Sikkative verwendet.

Naphthyl Gruppe: die sich vom Naphthalin ableitende Atomgruppe -Ci0H7.

Napoleon: 1. Napoleon, ursprünglich Napoleon Bonaparte, eigentlich Buonaparte, 15.8.1769-5.5.1821, Sohn eines verarmten korsische Adligen toskanischer Abstammung, Kaiser der Franzosen 1804/15. Napoleon wurde während der Französischen Revolution 1793 General, warf im Interesse der Bourgeoisie einen royalistischen Aufstandsversuch (1795) in Paris nieder und zerschlug die österreichischen Truppen in Italien (1796/97, Friede von Campofonnio). Nach einer misslungenen Ägyptenexpedition (ly98/99) bereitete er mit dem Staatsstreich vom 18. Brumaire (9.11.) 1799 seine zunächst noch parlamentarisch verbrämte (Konsulat, Erster Konsul) Alleinherrschaft vor. Seine antidemokratische Innenpolitik galt der Festigung der wichtigsten Ergebnisse der Französischen Revolution und der Befriedigung der Interessen der Großbourgeoisie (straff zentralisierte Verwaltung, Konkordat mit dem Papst, Zivil- und Strafgesetzbuch) und förderte den Aufschwung der Wirtschaft. In seiner Außenpolitik dominierten der Gegensatz zu Großbritannien und bis zum Sieg über Preußen (1806) und dem Frieden von Tilsit mit Russland (1807), die Verteidigung des bürgerlichen Frankreichs gegen die konterrevolutionären Bestrebungen Russlands, Österreichs und Preußens. Die Friedensschlüsse von Luneville (1801) und Amiens (1802) beendeten den 2. Koalitionskrieg siegreich. Die Erfolge im 3. und 4. Koalitionskrieg (1805/07) sicherten die französische Hegemonie in West- und Mitteleuropa (Gründung des Rheinbundes 1806, Schäftung eines Systems von Satellitenstaaten, dynastische Familienpolitik). Nach dem endgültigen Scheitern einer direkten militärischen Niederwerfung des britischen Konkurrenten (u. a. verlorene Seeschlacht bei Trafalgar, 25.10.1805) verkündete Napoleon die Kontinentalsperre. Obwohl Napoleon einerseits in den von ihm beherrschten Gebieten Europas der kapitalistischen Entwicklung starke Impulse gab, organisierte er andererseits ihre intensive Ausplünderung und nationale Unterdrückung. Der daraus erwachsende Widerstand der europäischen Völker begann 1808 mit dem spanischen Volksaufstand und fand seinen Höhepunkt nach dem Überfall auf Russland (1812). Nach der Niederlage Napoleons in Russland wurden alle von Frankreich besetzten Gebiete befreit (Befreiungskrieg 1813/14). 1814 Verbannung Napoleons nach Elba, Rückkehr in den Hundert Tagen, endgültige Niederlage in der Schlacht bei Waterloo 1815 und anschließende Verbannung auf St. Helena.

2. Napoleon II., Herzog von Reichstadt, 20.3.1811-22.7.1832, Sohn von Napoleon 1; nach seiner Geburt «König von Rom», 1815 von Napoleon erfolglos zum Kaiser ausgerufen.

3. Napoleon III., ursprünglich Louis Napoleon Bonaparte, 20.4.1808-9.1.1873, Neffe von Napoleon 1; 1848 Präsident, 1851 durch Staatsstreich Diktator, 1852/70 Kaiser der Franzosen; Vertreter des Bonapartismus, seine aggressive Außenpolitik führte im Deutsch-Französischen Krieg zu seiner militärischen Niederlage und Gefangennahme bei Sedan (1.9.1870) sowie zur Beendigung des Zweiten Kaiserreiches durch Volksaufstand in Paris (4.9.1870).

Nappaleder: (nach der kalifornische Stadt Napa) chromgegerbtes, besonders weiches, gefärbtes Narbenleder für Handschuhe und Kleidung.

Nara: 1. Präfektur in Japan, auf der Insel Honshu, südöstlich von Osaka; 3 692 km2, 1,2 Millionen Einwohner; 325 Einwohner/ km!; Verwaltungszentrum Nara 2 Tiefland im Nordwesten mit intensiver Landwirtschaft (Reis, Gemüse) und Industriestädten, deren Struktur von der nahen Ballung Hanshin beeinflusst ist.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Nara 1; 300000 Einwohner; alter kultureller Mittelpunkt und erste Hauptstadt Japans (710/84); an Kunstschätzen reiche buddhistische Tempel und Museen; zahlreiche Parks; jährlich mehr als 5 Millionen Besucher.

Narayan: 1. Jaya Prakash, 11.10.1902-8.10.1979, indischer Politiker; 1934 Mitbegründer der Kongresssozialistische Partei, Teilnahme am Unabhängigkeitskampf; 1977 einer der Hauptinspiratoren der Gründung der Janata-Partei.

2. Rasipuram Krishnaswami, geboren 10.10.1906, indischer Schriftsteller, schreibt in Englisch. In seinen Romanen «Der Fremdenführer» (1958, deutsch), «Der Menschenfresser von Malgudi» (1962, deutsch) und Erzählungen (dt. Auswahl «Ein Wahrsager in Bedrängnis», 1977), Essays und Skizzen befasst er sich sozialkritisch und ironisch-satirisch mit dem südindischen Kleinbürgertum.

Narayanganj: Stadt in Bangladesh, südöstlich von Dhaka; 300000 Einwohner; wichtigstes Industriezentrum des Landes mit Jute-, Baumwoll-, Leder-, Glas-, Lebensmittelindustrie, Werft; Flusshafen im Ganges-Brahmaputra-Delta.

Narbe:

1. Botanik: vielgestaltiges, meist klebriges Empfängnisorgan der Fruchtblätter in den Blüten der Decksamer; dient der Aufnahme der vorwiegend durch Wind oder Insekten übertragenen Pollenkörner.

2. Medizin: Wundheilung.

Narben: aus dichtem, feinem Fasernetz bestehender, für jede Tierart charakteristischer oberer Abschluss der Lederhaut. Künstliche Narben nennt man die auf Kunstleder aufgeprägte Musterung.

Narbenbruch: durch gestörte Wundheilung verursachtes Auseinanderweichen der Bauchdecken im Bereich von Operationswunden zur Bruchlücke, deren Bruchsack aus Narbengewebe besteht.

Narbenleder: Leder mit natürlichem Narben.

Narde, Nardostachys: Gattung der Baldriangewächse mit wenigen Arten im Himalaja und im Südwesten Chinas. Die Echte Narde (Nardostachys jatamansi) ist eine alte asiatische Heilpflanze.

Narew: rechter Nebenfluss der Wisla; 484 km, davon 448 km in Polen; entspringt in der Belorussischen SSR, mündet in den 33 km2 großen Jezioro Zegrzynskie (Zegrze Stausee); auf 300 km schiffbar; Hauptnebenfluss Westliche Bug (von links); Kanal Zeranski (17,6 km) zur Wisla in Warschau.

Narkolepsie: anfallsweise auftretendes Einschlafen außerhalb der normalen Schlafenszeit, das sich am Tage mehrmals wiederholt; ursächlich handelt es sich meist um Zustände nach Entzündungen im Hirnstammbereich beziehungsweise um Folgeerscheinungen nach Hirnverletzungen.

Narkose: Allgemeinbetäubung durch Ausschalten höherer Gehirnfunktionen (Bewusstsein, Schmerzempfindung, reflektorische Abwehr) mit Narkotika. Nach der Tiefe unterscheidet man Dämmerschlaf, Rausch, Basis- und Vollnarkose nach dem Zufuhrweg des Narkotikums Inhalationsnarkose (Einatmen von Gasen, zum Beispiel Lachgas, oder Dämpfen, zum Beispiel Äther oder Halothan) über Narkosemaske und Narkosegerät, Injektionsnarkose (Injektion in die Vene) und Rektalnarkose (Gabe des Narkotikums als Mastdarmeinlauf). Eine Sonderform ist die Intubations- oder Endotracheal Narkose, beider nach dem Einschlafen des Kranken ein Gummirohr (Tubus) von Mund oder Nase in die Luftröhre eingeführt und durch dieses ein genau dosiertes Gemisch von Sauerstoff und Narkosegas zugeführt wird. Durch den Tubus ist das Offenhalten der Atemwege und das Absaugen von Sekret und Blut möglich. Die Luftröhre kann durch einen am Tubus befindlichen Gummiballon luftdicht abgeschlossen werden. Dann sind nach Lähmung der Muskulatur Überdruck- und künstlicher Beatmung möglich.

Narkosegerät: Gerät zur dosierten Verabreichung eines gas- oder dampfförmigen Narkosemittels bei der Inhalationsnarkose bei größeren medizinischen Eingriffen. Ein Narkosegerät besteht aus einem Gasversorgungsteil (Lachgas, Sauerstoff), einem Verdunster zur Erzeugung von Narkosemitteldämpfen (Halothan, Äther) in einstellbarer Konzentration und einem System zur Realisierung des Kreislaufs für das vom Patienten einzuatmende Gas- und Dampfgemisch einschließlich eines Beatmungsbalges und einem Absorber für das ausgeatmete Kohlendioxid.

Narkotika, Narkosemittel: das Zentralnervensystem reversibel lähmende, das Bewusstsein ausschaltende, zum Verlust der Schmerzempfindung und der Reflexe führende Arzneimittel.

Narkotin, Narcotin: Alkaloid, das das Morphin im Opium begleitet. Narkotin existiert in 2 Formen; diese bilden farb- und geruchlose, wenig wasserlösliche Kristalle. Narkotin wirkt krampflösend, schmerzlindernd und unterdrückt Hustenreiz.

Narmada, Narbada: Fluss in Vorderindien; 1280 km; entspringt in den Maikalbergen in Zentralindien, durchfließt den Narmada Graben (Grabensenke) zwischen Vindhya- und Satpuragebirge (berühmte Marmorfelsen), mündet als Trichter in den Golf von Cambay; gilt den Hindus als heilig; 180 km schiffbar.

Narmadashankar, eigentlich Narmada Lalshankar Dave, 24.8.1833-25.2.1886, indischer Dichter und Aufklärer; Mitbegründer der modernen Gujarati-Literatur; trat für soziale und politische Reformen ein, plädierte für eine sinnvolle Synthese des ökonomischen, sozialen und kulturellen Fortschritts mit den besten Traditionen Indiens. Er schrieb patriotische Gedichte («Sieg dir, stolzes Gujarat», die Nationalhymne von Gujarat), Naturgedichte, Liebespoeme, theoretische Abhandlungen über Poesie und verfasste das erste Gujarati-Wörterbuch.

Narmer, vermutlich ältester ägyptischer König, der um 3000 vor Christus regiert haben soll. Er ist nicht aus den überlieferten Königslisten bekannt, sondern nur aus zeitgenössischen Denkmälern (zum Beispiel Schminkpalette = Narmerpalette). Narmer wird oft mit Menes gleichgesetzt, der aber wohl sein Sohn gewesen sein dürfte.

Narodnaja Wolja: (russisch, «Volkswille») revolutionäre Organisation der Narodniki, 1879 durch Spaltung der Semlja i Wolja entstanden. Ihre Mitglieder (Narodowolzen) verfolgten utopisch-sozialistische Ziele und erstrebten eine Bauernrevolution, die durch individuellen Terror gegen zaristische Politiker und Angehörige der Romanow-Dynastie vorbereitet werden sollte; nach dem erfolgreichen Attentat auf Alexander H. (1881) wurde die Unterdrückung der Organisation eingeleitet; nach 1884 Selbstauflösung. Dem Exekutivkomitee gehörten unter anderem A. I. Sheljabow, S. L. Perowskaja, W. Figner an.

Narodniki, Volkstümler, Volksfreunde: kleinbürgerlich-demokratische und revolutionäre Bewegung in Russland, in den 60er Jahren des 19. Jahrhundert entstanden, besonders von Intellektuellen und Studenten getragen. Nach einer progressiven Phase (Zirkeltätigkeit 1869/73, «Zug ins Volk» 1874/76, Organisation Semlja i Wolja 1876/79) wuchs die Bewegung über den Terrorismus der Narodnaja Wolja (1879/81) in eine liberal-reaktionäre Phase hinüber. Seit den 80er Jahren behinderten die theoretischen Auffassungen der Narodniki (unter anderem Dorfgemeinschaft als Keimzelle des Sozialismus, Bauernschaft als revolutionäre Hauptkraft) sowie eine Überbewertung der Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte die Festigung der revolutionären Arbeiterbewegung. G. W. Plechanow und besonders W. I. Lenin zerschlugen die reaktionäre Ideologie der Narodniki.

Narratio: (lateinisch, «Erzählung») in Urkunden des Mittelalters die Darlegung der Umstände, die die Ausstellung der Urkunde veranlassten.

Narten-Epos: epische Dichtung der Kaukasusvölker, besonders stark entwickelt bei den Osseten, Kabardinern und Tscherkessen, vereinzelt auch bei den Abchasiern, Balkaren und Tschetschenen. «Nart» ist der Sammelbegriff für die Helden dieser Epen, in deren Mittelpunkt die kluge Satana steht, Mutter, Ratgeberin und Weise zugleich. Die Narten-Epen gehen auf die Zeit der Gentilordnung und des Matriarchats zurück, ihr Ursprung ist noch nicht völlig geklärt.

Narthex: Vorhalle byzantinischer und östlich-orthodoxer Kirchen.

Narva, Narwa: 1. Narva: Fluss im Nordwesten der UdSSR; 77 km; Abfluss des Peipussees, mündet in den Finn. Meerbusen; bei Narva 2 Wasserkraftwerk und Stausee (191 km2); schiffbar.

2. Stadt im Nordosten der Estnische SSR, an der Narva 1; 80000 Einwohner; einer der größten Baumwollbetriebe der UdSSR (Kränholmer Manufaktur), Maschinenbau; bei Narva Baltisches (1624 MW) und Estnisches Kraftwerk (1610 MW) auf Ölschieferbasis sowie Wasserkraftwerk; historisches Museum; Burg (13./15. Jahrhundert), Stadtmauern (14. Jahrhundert), Rathaus (17. Jahrhundert). Narva wurde 1256 gegründet; 1581/1704 schwedisch, dann russisch. Im Nord. Krieg 1700/21 Niederlage Peters I. bei Narva gegen Karl XII. von Schweden (30.11.1700); im 18. Jahrhundert einer der wichtigsten Häfen Russlands an der Ostsee; 1919/40 zu Estland.

Narvik: Stadt im Norden Norwegens, am Ofotfjord; 20000 Einwohner; Holz- und metallverarbeitende Industrie; Hafen für schwedische Erzausfuhr; Endpunkt der Ofot- (Lappland-) Bahn von Kiruna (Schweden). -

Im 2. Weltkrieg von faschistischen deutschen Truppen am 9.4.1940 besetzt, am 28.5. durch die Alliierten befreit, jedoch am 8.6.1940 wieder geräumt.

Narwal, Monodon monoceros: bis 6m langer Gründelwal mit einem waagerecht stehenden Zahnpaar im Oberkiefer, dessen linker Zahn beim Männchen einen über 2 m langen, spiralförmig um die Längsachse gewundenen Stoßzahn bildet, während der rechte verkümmert ist.

Naryschkin-Barock: Bezeichnung für eine Richtung der russischen Baukunst vor allem des ausgehenden 17. Jahrhundert Anfang 18. Jahrhundert; benannt nach der Moskauer Bojaren Familie Naryschkin, Auftraggeber zahlreicher berühmter Bauten. Bei diesen treten die in der russischen Architektur der Zeit auftretende weltliche Züge (Dynamik des Bauwerkes durch Verzicht auf Geschlossenheit der Silhouette, lebendige Wechselwirkung von Bauwerk und Freiraum) besonders in den Vordergrund, ergänzt durch komplizierte Grundrisslösungen und reichen Fassadendekor. Bedeutendste Bauten sind Pokrow-Kirche in Fili bei Moskau (1693/94), Spas-Kirche in Ubory bei Moskau (1694/97, J. Buchwostow), Roschdestwo-Kirche in Gorki (1718), Glockenturm des Neujungfrauenklosters in Moskau (1690).

Narziss, schöner Jüngling der griechischen Sage; verschmähte die Liebe der Echo; deshalb bestraft, sich in sein eigenes Spiegelbild zu verlieben, bis er schließlich in eine Narzisse verwandelt wurde.

Narzisse, Narcissus: Gattung giftiger Amaryllisgewächse mit röhrig verwachsenen Blütenblättern mit 6 Zipfeln und Nebenkrone. Die duftende Weiße Narzisse (Narcissus poeticus) hat eine kurze, rot berandete, die Gelbe Narzisse (Osterglocke, Narzisse pseudonarcissus) eine lange, glockenförmige Nebenkrone; südwesteuropäische Bergwiesenpflanzen, bei uns Gartenzierpflanzen mit vielen Sorten.

Narzissmus: (nach Narziss) übersteigerte Selbstliebe und Ehrgeiz, von anderen bewundert zu werden.

Nasafi, Mir Abid Sajjida, gestorben zwischen 1707 und 1711, tadschikischer Dichter, Weber; lobte in seinen Gedichten den schlichten Handwerker und brachte die Unzufriedenheit des darbenden, arbeitenden Volkes zum Ausdruck.

Nasale: Nasenlaute; im Deutschen m, n, ng, zum Beispiel in Wange.

Nasciturus: Erbrecht Kind im Mutterleib, Embryo; der Nasciturus kann erben, wenn er zur Zeit des Erbfalles bereits gezeugt ist und nach dem Erbfall lebend geboren wird.

Nase: Geruchsorgan. Man unterscheidet die äußere Nase, die durch Knorpel und das Nasenbein (Nasale) gestützt wird, und die innere Nase diese besteht aus den Nasenhöhlen, die über die Choanen mit dem Rachenraum verbunden sind und Nebenhöhlen bilden. Ihre Oberfläche wird durch je 3 Nasenmuscheln vergrößert, deren oberste das Riechepithel trägt; die unteren dienen dem Reinigen, Anfeuchten und Vorwärmen der Luft. Nasenformen. Die einzelnen Formenelemente der menschlichen Nase sind individuell und rassenmäßig sehr verschieden ausgebildet. Nach dem Verlauf der Nasenrückenprofillinie werden in der Anthropologie unterschieden: a gerade, b konvexe, c konkave und d wellige Nasenformen. Die Nasenspitze kann e abgeplattet, abgerundet, g eckig oder h spitzrund sein. Die Nasenlöcher können i parallel zur Gesichtsebene oder mehr oder weniger k senkrecht dazu stehen.

Naseby: englische Gemeinde nördlich von Northampton. In der bürgerlichen Revolution siegte hier am 14.6.1645 das Parlamentsheer entscheidend über die Truppen Karls I.

Nasenaffe, Nasalis larvatus: Schlankaffe mit bis 10 cm langer gurkenförmiger Nase und etwa 75 cm Kopf-Rumpf-Länge; sein buntes Fell bildet an Hals und Schultern einen Kragen; Dschungelbewohner Kalimantans.

Nasenatmung: Einatmung durch die Nasenöffnungen. Durch Nasenatmung wird die Atemluft erwärmt, angefeuchtet, gereinigt und auf Geruch überprüft. Die Nasenatmung ist dadurch physiologisch günstiger als die Mundatmung.

Nasenbären, Nasua: etwa 60 cm lange, schlanke, hochbeinige Kleinbären mit schmalem, spitzschnauzigem Kopf, bräunliches Fell, weißer Gesichtszeichnung und dunkel geringeltem Schwanz; tagaktive, klettergewandte Baum- und Bodentiere Amerikas, die sich von Früchten und Kleintieren ernähren. Siehe auch Kleinbären.

Nasenbluten, Epistaxis: Blutung aus der vorderen Nasenöffnung, hervorgerufen durch geplatzte oder eingerissene kleine Arterien im Naseneingangsbereich, in dem ein auffälliges Gefäßnetz liegt. Nasenbluten kann unter anderem bei beginnenden grippalen Infekten, trockener Naseneingangsschleimhaut, Bluthochdruck, Blutgerinnungsstörungen und bei bösartigen Geschwülsten der inneren Nase auftreten.

Nasenfrosch, Rhinoderma darwinii: bis 3 cm langer Froschlurch mit rüsselartig ausgezogener Schnauze; die Männchen betreiben Brutpflege, indem sie den reifen Laich mit der Zunge in die Schallblase befördern und dort die Larven bis zur völligen Umwandlung beherbergen; bewohnt die Küstenwälder Südargentiniens und Chiles.

Nasennebenhöhlen, Nebenhöhlen: mit der Nasenhöhle verbundene Hohlräume der benachbarten Schädelknochen (pneumatisierte Knochen); Stirn-, Keilbein-, Siebbein- und Oberkieferhöhle.

Nasennebenhöhlenentzündung, Sinusitis: entzündliche Veränderung der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen; teils von der Nasenhaupthöhle übergreifend (rhinogen), teils von Nachbargebieten, zum Beispiel Zahnwurzeln, fortgeleitet. Akute und chronischen Nasennebenhöhlenentzündung werden durch Viren oder Bakterien hervorgerufen. Es kann zur Kieferhöhlen-, Stirnhöhlen-, Siebbein-, Keilbeinhöhlen sowie zur Entzündung aller Nebenhöhlen (Pansinusitis) kommen.

Nasenspiegel: unbehaarter, meist feuchter (Drüsenabsonderungen) Hautabschnitt der Säugetiernase; erstreckt sich beim Rind als Flotzmaul, beim Schwein als Rüsselscheibe auf die Oberlippe.

Nashe, Thomas, November 1567—1601, englischer Pamphletist, Dramatiker und Prosaschriftsteller; wurde berühmt durch den ersten pikaresken englischen Roman «Der glücklose Reisende oder Das Leben des Jack Wilton» (1594, deutsch). Sein satirisches Pamphlet «Die Anatomie der Absurdität» (1589) ist gegen puritanische Dummheit und Korruption gerichtet.

Nashörner, Rhinocerotidae: massige Unpaarhufer mit hornigem Nasenaufsatz und dicker, fast nackter Haut; bis 4 m lang, 2 m hoch und 3600 kg schwer; Pflanzenfresser; gebären nach 15 bis 18 Monaten Tragzeit ein Jungtier. In indischen Reservaten das einhörnige Panzernashörner (Rhinoceros unicornis); in Afrika südlich der Sahara das Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis) und das Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum) mit 2 Hörnern.

Nashornkäfer, Oryctes nasicornis: bis 4 cm langer Blatthornkäfer; Männchen mit Kopfhorn; Larve lebt in Eichenmulm, Kompost und verwittertem Sägemehl. Siehe auch Blatthornkäfer.

Nashornvögel, Bucerotidae: 35 bis 150 cm lange Rackenvögel Afrikas und Südostasiens mit meist leisten-, heim- oder hornartigen Schnabelaufsätzen; Höhlenbrüter; das Männchen mauert das brütende Weibchen ein, welches in dieser Zeit gleichzeitig mausert.

Nashville-Davidson: Hauptstadt des Bundesstaates Tennessee (USA), am Cumberland; 460000 Einwohner; Lebensmittel-, Tabak-, Leicht-, chemische, polygraphische Industrie; Verkehrsknoten; 2 Universitäten, Hochschulen; Museen, unter anderem Kunstmuseum (Nachbildung des Parthenon Tempels).

Nasmyth, James, 19.8.1808-7.5.1890, britischer Ingenieur; konstruierte 1833 ein Umkehrwalzwerk, verbesserte 1838 den Dampfhammer und baute 1843 die erste Dampframme.

Nasreddin Hoca, Hodscha Nasreddin, türkischer Eulenspiegel, der im 14. Jahrhundert in Anatolien lebte. Die Nasreddin Hoca zugeschriebenen, zuweilen verdeckt sozialkritische Anekdoten fanden weit über den türkischen Sprachraum hinaus Verbreitung. deutsch Auswahlsammlungen «Schwänke des Hodschas Nasreddin» (1962), «Wer den Duft des Essens verkauft ...» (1966).

Nassau: Hauptstadt der Bahamas, auf der Insel New Providence; 140000 Einwohner; internationales Finanzzentrum; Bootsbau, Konserven-, Zucker-, Rumindustrie; Hafen, internationaler Flughafen; Fremdenverkehrszentrum.

Nassauer: (nossen, «schenken») Schmarotzer; ein auf anderer Leute Kosten Lebender.

Nassechtheit: Widerstandsfähigkeit von Färbungen und Drucken auf Textilien gegen Einwirkung wässriger Medien.

Nasser, Gamal Abd al-, 15.1.1918—28.9.1970, ägyptischer Politiker und Offizier, Absolvent und Leiter der Militärakademie, Begründer der revolutionären Offiziersvereinigung «Freie Offiziere» (Dubbat al Ahrar), die am 23.7.1952 die Monarchie stürzte; 1954 Ministerpräsident und Vorsitzender des Revolutionsrates; verfugte 1956 die Nationalisierung der Suezkanalgesellschaft; seit 1956 Präsident Ägyptens; führte einen entschiedenen Kampf gegen Imperialismus und Kolonialismus und für sozialen Fortschritt in der arabischen Welt.

Nassfestigkeit: mechanische Festigkeit von Papier nach völliger Durchtränkung mit Wasser. Die Nassfestigkeit ist bei nicht nassfestem Papier sehr gering (=5% der Trockenfestigkeit), durch Zugabe von Kunstharzen und Leimung wird sie stark verbessert (30 bis 50 % der Trockenfestigkeit). Hohe Nassfestigkeit wird zum Beispiel bei Sack-, Landkarten-, Fotopapier gefordert.

Nass-Vliesstoff: textiles Flächengebilde, besteht ganz oder teilweise aus kurzen Chemiefasern, die in Wasser aufgeschwemmt, auf einem Sieb als Vlies abgesetzt und unter Zusatz klebender oder im Verlauf der Verarbeitung sich aus der Fasersubstanz bildender Bindemittel unter Einwirkung von Wärme und beziehungsweise oder Druck zum Flächengebilde verfestigt werden; hauptsächlich für Einwegartikel bei Hygieneerzeugnissen, Operationswäsche u. ä.

Nastie: (griechisch) Reizbewegung von Pflanzenorganen, die nicht von der Richtung des Reizes, sondern vom Bau des gereizten Organes abhängt, also nicht der Orientierung im Raume dient. Als Reize kommen in Frage: Erschütterung (Seismonastie), zum Beispiel bei der Sinnpflanze (Mimosa); Stoffe (Chemonastie), zum Beispiel bei Drüsenhaaren insektenfressender Pflanzen; Temperaturschwankungen (Thermonastie); Licht (Fotonastie), zum Beispiel Öffnen und Schließen von Blüten; Tag Nacht-Wechsel (Nyktinastie), zum Beispiel bei manchen Blättern.

natal: während der Geburt.

Natal: 1. N.: Provinz im Osten der Republik Südafrika; 86967 km2, 4,25 Millionen Einwohner; 49 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Pietermaritzburg-, umfasst die stufenförmige, bewaldete Ostabdachung der Drakensberge zum Indischen Ozean; tropisches Klima, im Inneren Savannen, an seezugewandten Hängen dichte Wälder. Bergbau (besonders Steinkohle); Verarbeitungsindustrie in und um Durban (Haupthafen) konzentriert; Eisenverhüttung in Pietermaritzburg; Ackerbau, Rinder-, Schafzucht; Forstwirtschaft; Hochseefischerei. Seit Anfang des 19. Jahrhundert Zentrum des Staates der Zulu Stämme unter Tschaka und Dingaan. 1843 von Großbritannien besetzt, seit 1856 britische Kolonie; seit 1910 Provinz.

2. Natal: Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte (Brasilien), im Nordosten, am Atlantischen Ozean; 380000 Einwohner; Textil-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie, Salzgewinnung; südwestlich von Natal wichtigster internationaler Flughafen (Parnamirim) der Region für den Transatlantikverkehr (Zwischenlandungen), Ausfuhrhafen; Universität.

Natalität: Geburtenhäufigkeit; erfasst die Zahl der Lebendgeborenen, bezogen auf die mittlere Bevölkerungszahl in einer bestimmten Zeit.

Natchez: Indianerstamm der Muskogee-Sprachgruppe, am unteren Mississippi; intensive Maiskultur, Anfänge eines Staatswesens mit hierarchisch gegliederter Gesellschaft (Oberhäuptlinge, Priester, Gemeine); 1732 von Franzosen ausgerottet.

Nation: historische Struktur- und Entwicklungsform der menschlichen Gesellschaft, die sich auf der Grundlage gemeinsamen Wirtschaftslebens, Territoriums, gemeinsamer Sprache und Kultur herausgebildet hat. Die Nation ist eine komplizierte Einheit von sozialen und ethnischen Faktoren, wobei die sozialen, durch die jeweiligen Klassenbeziehungen geprägten, bestimmend sind. Sie entstand als «unvermeidliches Produkt und eine unvermeidliche Form der bürgerlichen Epoche der gesellschaftlichen Entwicklung» (Lenin) auf der Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise (Entstehung eines inneren Marktes und gemeinsamer Sprache, Überwindung feudaler Zersplitterung, Bildung bürgerlicher Staaten). Das Zusammenwirken der zur Nation vereinten größeren Bevölkerungen mit nationalen Beziehungen förderte wesentlich die Entwicklung der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse, der Kultur, der Wissenschaft und der Technik. Die bürgerliche Nation ist durch den Antagonismus zwischen Proletariat und Bourgeoisie charakterisiert, der sich im Imperialismus außerordentlich verschärft. Die entscheidende politische Voraussetzung für die Umwandlung der Nation der kapitalistischen Gesellschaft in eine sozialistische Nation ist die proletarische Revolution und die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Die sozialistische Nation basiert auf der sozialistischen Produktionsweise, ist frei von antagonistischen Widersprüchen und wird durch freundschaftlich verbundene Klassen und Schichten charakterisiert; führende Kraft ist die Arbeiterklasse, an deren Spitze die marxistisch-leninistische Partei steht, die die Werktätigen im Geiste des Marxismus-Leninismus und des proletarischen Internationalismus erzieht. Die weitere Ausprägung des Wesens der sozialistischen Nation erfolgt im Prozess der Gestaltung und Vervollkommnung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. In der DDR entwickelt sich die sozialistische deutsche Nation Im Sozialismus vollziehen sich gesetzmäßig sowohl das Aufblühen der Nationen wie deren allmählich fortschreitende Annäherung auf der Grundlage der Internationalisierung der Wirtschaft, Politik, Ideologie und Kultur. S. a. Nationalbewusstsein, nationale Befreiungsbewegung, nationale Frage, nationale Minderheit, Nationalismus, Nationalität, Nationalliteratur, Nationalsprache, Nationaltheater.

Nationalatlas: repräsentativer, thematisch komplexer Atlas, der den Stand der gegenwärtigen Kenntnisse über einen Staat in physisch-geographischer und ökonomisch-geographischer Hinsicht dokumentiert; enthält Karten zu den Themengruppen Natur, Bevölkerung, Wirtschaft, Kultur und Bildung sowie administrative Struktur.

Nationalbewusstsein: im weltanschaulichen, politischen, moralischen und ästhetischen gesellschaftlichen Bewusstsein sich widerspiegelnde Auffassungen einer bestimmten Klasse über Entwicklung und Aufgabe der betreffenden Nation. Ein entwickeltes Nationalbewusstsein entstand erst mit der Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft und der kapitalistischen Nation. Im Nationalbewusstsein einer Klasse äußert sich deren Verbundenheit mit der Nation und den nationalen Errungenschaften. Das zunächst progressive bürgerliche Nationalbewusstsein wandelte sich mit der Entwicklung der Bourgeoisie zu einer reaktionären Klasse zum Nationalismus. Die historische Aufgabe der Arbeiterklasse, die Führung der Nation zu übernehmen, ist Grundlage des proletarischen Nationalbewusstsein, das an die progressiven Züge des bürgerlichen Nationalbewusstsein anknüpft, entschieden jeden Nationalismus bekämpft und sich nach dem Sieg der sozialistischen Revolution zum sozialistischen Nationalbewusstsein entwickelt, das eine untrennbare Einheit mit dem Sozialist Internationalismus bildet.

nationale Befreiungsbewegung: Gesamtheit der antiimperialistischen-demokratischen wie antifeudalen Bewegungen und Revolutionen für nationale Unabhängigkeit und sozialen Fortschritt kolonial unterdrückter und abhängiger sowie der national befreiten Völker und Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Die nationale Befreiungsbewegung ist einer der Hauptströme des revolutionären Weltprozesses; ihr Aufschwung führte zum Zerfall des imperialistischen Kolonialsystems; ihre historische Aufgabe besteht in der konsequenten nationalen Befreiung von der politischen und ökonomischen Herrschaft des Imperialismus und der Schaffung von Bedingungen für die soziale Befreiung und Entwicklung der werktätigen Klassen und Schichten. Nach Erreichung der politischen Unabhängigkeit der Länder vertieft sich die innere soziale Differenzierung, es entfaltet sich der Kampf iim den weiteren Entwicklungsweg. Siehe auch sozialistische Orientierung.

Nationaleinkommen: Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts, der nach Ersatz der im Produktionsprozess verbrauchten Produktionsmittel vom Gesamtprodukt verbleibt. Das Nationaleinkommen verkörpert die Summe des innerhalb eines gegebenen Zeitraums (in der Regel pro Jahr) in der materiellen Produktion durch die gesellschaftliche produktive Arbeit neugeschaffenen Wertes. Stofflich setzt es sich aus Produktionsmitteln und Konsumgütern zusammen. Das Nationaleinkommen ist eine zentrale Kategorie der sozialistischen Wirtschaft. Von seinem Umfang und seiner stofflichen Struktur sind sowohl das Tempo der erweiterten Reproduktion als auch die weitere Verbesserung des Lebensniveaus der Bevölkerung abhängig. Das Nationaleinkommen ist in den Akkumulations- und Konsumtionsfonds aufgeteilt. In der DDR werden etwa 80 % des Nationaleinkommen für die individuelle und gesellschaftliche Konsumtion verwendet. Das produzierte Nationaleinkommen ist die Differenz zwischen dem gesellschaftlichen Gesamtprodukt und dem Produktionsverbrauch. Das im Inland verwendete Nationaleinkommen (real verfügbares Nationaleinkommen) weicht vom produzierten Nationaleinkommen um den Saldo der Außenwirtschaftstätigkeit (Exportüberschüsse, Kreditaufnahmen unter anderem) ab. In der Wirtschaftspolitik der sozialistischen Staaten geht es bei der Lösung der Hauptaufgabe darum, auf lange Sicht einen stabilen und hohen Zuwachs an produziertem Nationaleinkommen und an im Inland real verfügbarem und bedarfsgerecht strukturiertem Nationaleinkommen zu erzielen.

Nationale Mahnstätten und Gedenkstätten: Erinnerungsstätten auf dem Gebiet der DDR in den ehemaligen KZ des deutschen Faschismus Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen zur Mahnung und zur Bewahrung der Traditionen und Erfahrungen des antifaschistischen Widerstandskampfes.

nationale Minderheit: in einem Staat vorhandene zahlenmäßig schwächere Nationalität, für die der betreffende Staat die Gleichberechtigung mit der zahlenmäßig stärkeren Nationalität zu sichern hat. Während in den sozialistischen Staaten die Rechte der nationalen Minderheiten umfassend garantiert sind, sind sie in kapitalistischen Staaten häufig Mittel beziehungsweise Objekt verstärkter Ausbeutung, des Revanchismus oder des Rassenhasses.

nationaler Wert: Wertgröße, die durch die innerhalb eines Landes zur Herstellung einer Ware erfordert. gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt ist.

Nationalgarde: während der Französischen Revolution nach territorialen Prinzipien geschaffene, zunächst großbürgerliche Bürgerwehr, 1792 als Volksmiliz neu organisiert. Die Nationalgarde trat 1830/48 als Organ des Bürgertums erneut hervor; zur Zeit der Pariser Kommune bestand seit 1871 eine revolutionäre Nationalgarde

Nationalhymne, Staatshymne-, (strophisches) Lied von hoher politischer Symbolkraft, das bei feierlichen innen- und außenpolitischen Anlässen gespielt oder gemeinsam gesungen wird. Die meisten Nationalhymnen entstanden in den Kämpfen um nationale Unabhängigkeit im 19. Jahrhundert, zum Teil unmittelbar in revolutionären Situationen (Frankreich, USA), in den sozialistischen Ländern zumeist aus den Kampftraditionen der revolutionären Arbeiterklasse.

Nationalisierung, Verstaatlichung, entschädigungslose oder gegen Entgelt erfolgende Überführung von Produktionsmitteln (Grand und Boden, Betriebe und so weiter) aus privatem oder kollektivem kapitalistischen Eigentum in das Eigentum des Staates. Der Charakter der Nationalisierung hängt ab von den jeweils herrschenden Produktionsverhältnissen. Die kapitalistische Nationalisierung erfolgt meist gegen hohe finanzielle Abfindung. Beweggründe können sein: ungenügende ökonomische Rentabilität, militärisch-strategischer oder politischer Erwägungen, Kampferfolge der antimonopolistischen Kräfte u. ä. Sie ändert lediglich die Form des kapitalistischen Eigentums, berührt damit weder das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung noch den Charakter der Gesellschaftsordnung. In national befreiten Ländern ist die Nationalisierung von Unternehmen ausländischer Monopole von großer Bedeutung für die Erringung ihrer ökonomischen Unabhängigkeit. Sie kann eine wichtige Voraussetzung sein für das Einschlagen des Weges der sozialistischen Orientierung. Die sozialistische Nationalisierung ist die revolutionäre Beseitigung des Produktionsmitteleigentums der gestürzten Ausbeuterklassen. Sie schafft die ökonomische Grundlage der Diktatur des Proletariats und für den Beginn des Wirkens der ökonomischen Gesetze des Sozialismus.

Nationalismus: Überbewertung und Idealisierung des Nationalen zum Zwecke der Verschleierung von Klassengegensätzen; charakteristisch für bürgerliche Politik und Ideologie. Der Nationalismus stellt die nationale Einheit als höchste Form sozialer Einheit dar und behauptet die Unabhängigkeit nationaler Beziehungen von Klassenverhältnissen. Er dient in den entwickelten kapitalistischen Ländern der Unterordnung der Werktätigen unter die Klasseninteressen der Monopolbourgeoisie und der Rechtfertigung der Unterdrückung fremder Völker. In Abhängigkeit von den unmittelbaren politischen Zielen der Bourgeoisie tritt der Nationalismus in Form des Chauvinismus, nationalen Nihilismus und Kosmopolitismus auf. Die imperialistische Bourgeoisie nutzt den Nationalismus, um die Einheit der Hauptkräfte des revolutionären Weltprozesses zu untergraben und konterrevolutionäre Kräfte zu fördern. Vom Nationalismus zu unterscheiden ist das progressive Nationalbewusstsein in den national befreiten sowie noch unterdrückten Ländern, das demokratischen Inhalt besitzt und den Zusammenschluss der Völker gegen den Imperialismus fördert.

Nationalkonvent, Rheinisch-Deutscher: gesetzgebende Versammlung in den von französischen Revolutionstruppen besetzten linksrheinischen Gebieten. Auf Betreiben der Mainzer Klubisten am 24.2.1793 gewählt, tagte der Rheinische Nationalkonvent vom 17. bis 31.3.1793; Präsident war A. J. Hofmann. Am 18.3. rief der Rheinische Nationalkonvent die Mainzer Republik aus und verkündete ihren Anschluss an das revolutionäre Frankreich.

Nationalliberale Partei: Partei der deutschen Großbourgeoisie, gegründet 1867; bis 1879 wichtigste parlamentarische Stütze Bismarcks, forderte die antinationale imperialistische Politik Wilhelms II.; zerfiel 1918.

Nationalliteratur: die künstlerische Literatur einer Nation, die in einer bestimmten historischen Etappe dem gesellschaftlichen Fortschritt dient, demnach Klassencharakter besitzt und schon durch das Medium der Sprache national-kulturelle Besonderheiten repräsentiert. Die deutsche bürgerliche Nationalliteratur entstand im Kampf der heranwachsenden bürgerlichen Kräfte gegen den Feudalismus und dessen Schriftsteller und im Ringen um die Herausbildung der bürgerlichen Nation. Ihr Höhepunkt war die deutsche Klassik. G. E. Lessing, F. G. Klopstock, J. G. Herder, J. W. Goethe, F. Schiller, später H. Heine wurden Nationalautoren, die für eine internationalistisch und humanistisch orientierte Nationalliteratur eintraten. Nach 1848 verfiel die bürgerliche Nationalliteratur, obgleich einzelne bürgerliche Schriftsteller Hervorragendes geschaffen haben und Humanismus und Realismus verteidigten. Unter Führung der revolutionären Arbeiterbewegung, besonders nach der Schaffung der KPD (proletarisch-revolutionäre Literatur) und vor allem im Exil 1933/45, entstanden im Bündnis mit allen humanistischen Kräften Grundlagen einer sozialistischen deutschen Nationalliteratur, aus denen die sozialistische Nationalliteratur der DDR erwuchs. Deren Geschichte ist geprägt von der Widerspiegelung der Beziehungen von Individuum und Gesellschaft beim Aufbau des Sozialismus. In diesem Sinn wurde der sozialistischen Realismus zur wichtigsten künstlerischen Methode der Autoren, die bestrebt waren, das Spezifische im Werden einer sozialistischen deutschen Nation zu erfassen und hierbei das reiche Erbe der deutschen Literatur weiterzuentwickeln. Einbezogen in die sozialistische Nationalliteratur ist auch die sorbische Literatur der DDR. Die sozialistische Nationalliteratur der DDR ist Bestandteil der sozialistischen Weltliteratur, besonders durch ihren antifaschistischen und antiimperialistischen Gehalt sowie durch die Widerspiegelung spezifischer Probleme im Fortschreiten der sozialistischen Gesellschaft.

Nationalmannschaft: von einem nationalen Sportverband ausgewählte Gruppe von Spitzensportlern, die in internationalen Wettkämpfen startet.

Nationalpark, Naturpark, weiträumiger Landschaftsteil, wegen seiner Naturschönheit von nationaler Bedeutung oder als Reservat unter Schutz stehend, in begrenztem Umfang als Erholungsgebiet genutzt.

Nationalrat der Résistance, Conseil National de la Résistance, Abkürzung CNR: 1943 gegründetes zentrales Leitungsorgan aller französischen Widerstandsbewegungen gegen die faschistische deutsche Okkupation.

Nationalreichtum, gesellschaftlicher Reichtum: Gesamtheit der materiellen und geistigen Produktivkräfte und der Ergebnisse der materiellen und geistigen Produktion, über die eine Gesellschaft zu einem gegebenen Zeitpunkt verfügt. Zum materiellen Nationalreichtum gehören alle durch die menschliche Arbeit geschaffenen materiellen Güter (zum Beispiel die Produktionsfonds, die materiellen Fonds der geistigen Produktion, aber auch die sich in Besitz und Nutzung der Werktätigen befindlichen längerlebigen Konsumgüter) sowie alle erschlossenen und erschließbaren natürlichen Ressourcen. Der geistige Nationalreichtum umfasst die Gesamtsumme des Wissens und Könnens der Gesellschaft sowie ihre geistig-kulturellen, künstlerische und politische ideologische Werke, Ansichten und Fähigkeiten. Im Sozialismus ist der Nationalreichtum Eigentum der gesamten Bevölkerung. Er wird durch die Resultate der materiellen und geistigen Produktion ständig vermehrt.

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Abkürzung NSDAP: 1919 als Deutsche Arbeiterpartei in München gegründete faschistische Partei, 1920 umbenannt. Die NSDAP vertrat mit ihrem Mitte der 20er Jahre durch A. Hitlers Buch «Mein Kampf» präzisierten Programm die antinationalen Klasseninteressen der reaktionärsten und aggressivsten Teile des Finanzkapitals, betrieb eine hemmungslose nationale und soziale Demagogie, antikommunistische und rassistische Pogrom- und Kriegshetze sowie Terror; Parteiführer war seit 1921 A. Hitler. Als eine zunächst bedeutungslose nationalistische Organisation erlangte die NSDAP vor allem in der Weltwirtschaftskrise Masseneinfluss und diente den reaktionärsten Kräften der Industrie, des Großgrundbesitzes und des Militärs im Kampf gegen die Arbeiterklasse und zur Beseitigung der Weimarer Republik. Sie wurde nach der Errichtung der faschistischen Diktatur (30.1.1933) alleinige Staatspartei. Der Parteiapparat verband sich im Zuge der Kriegsvorbereitungen mit dem Machtapparat des Staates und der Monopole zu einem totalitären Herrschaftsinstrument des staatsmonopolistischen Kapitalismus; während des 2. Weltkrieges übernahm die NSDAP zunehmend Aufgaben des Staatsapparates. Nach 1945 wurde die NSDAP als Verbrecher. Organisation vom Alliierten Kontrollrat verboten; 1959 wurde das Verbot in der BRD aufgehoben.

Nationalsport, in Sportspielen Nationalspiel: ausschließlich von einzelnen oder wenigen Nationen betriebene Sportarten. Bekannteste Nationalsportarten sind unter anderem Baseball, American Football und Kricket. International weniger bekannt sind zum Beispiel Bandy (UdSSR, Skandinavien), Boccia (Italien, Schweiz).

Nationalsprache: historisch gewachsenes Kommunikationsmittel einer Nation; umfasst Hochsprache, Umgangssprache und Dialekte der betreffenden Sprachgemeinschaft; im engeren Sinne nur die Hochsprache.

Nationalstenographie: Stenografie System, das 1898 auf Grund eines von den Brüdern A. und F. von I Kunowski verfassten Entwurfs zur Einigung der Vertreter der deutschen vokalschreibenden Stenografie Systeme geschaffen wurde.

Nationaltheater: 1. kulturpolitischer Kampfbegriff des aufstrebenden Bürgertums, der die Theaterkunst als Waffe in der Auseinandersetzung mit nationaler Zersplitterung auffasst.

2. Bühne mit Vorbildcharakter im Sinne von Nationaltheater 1, deren gesellschaftliche Partner und Träger national progressive Kräfte sind. Im deutschsprachigen Raum trugen (seit 1767) mehrere Bühnen diesen Titel (Hamburg, Wiener Burgtheater, Mannheim, Weimar), ohne ihm voll gerecht werden zu können. Obwohl einzelne Bühnen die Bezeichnung Nationaltheater beibehielten, ist in den sozialistischen Staaten die Modellfunktion eines Nationaltheaters aufgehoben in dem Bestreben aller Bühnen, sich zu sozialistischen Volkstheatern mit besonderer Verantwortung für die nationale Theaterkunst zu entwickeln.

Natoire, Charles Joseph, 3.3.1700 bis 29.8.1777, französischer Maler; seit 1734 Mitglied der Académie Royale in Paris, seit 1751 Direktor der Académie de France in Rom. Natoire gehört zu den führenden Dekorateuren des französischen Rokokos. Er schuf Wand- und Deckenmalereien mythologischer und historischer Thematik sowie Entwürfe für Tapisserien. Hauptwerk: Ausmalung des «Salon oval» im Hôtel de Soubise, Paris.

Natorp, Paul, 24.1.1854-17.8.1924, Philosoph; einer der Hauptvertreter der Marburger Schule des Neukantianismus.

Natrium, Symbol Na: chemisches Element der Kernladungszahl 11; Alkalimetall: Atommasse 22,98977; Wertigkeit +1; F 97,8 °C, Kp 883 °C; Dichte 0,97 g/cm3. In der Natur kommt Natrium nur chemisch gebunden vor, vor allem im Halit (Steinsalz), und im Albit (Natronfeldspat), NaAlSi308. Natrium ist ein wachsweiches, silberglänzendes, sehr reaktionsfähiges Leichtmetall, das sich an der Luft sofort mit einer weißen Oxid- und Carbonatschicht überzieht. Mit Wasser setzt es sich heftig zu Natronlauge um, wobei Explosionsgefahr besteht, da sich der dabei entstehende Wasserstoff entzünden kann. Natrium wirkt stark ätzend auf Haut und besonders die Augen. Es wird technisch durch Schmelzflusselektrolyse von Natriumchlorid gewonnen und dient als Reduktionsmittel, Trockenmittel, Legierungszusatz, Wärmeüberträger in Kernreaktoren sowie zur Erzeugung von Natriumamid, Natriumzyanid und Tetraäthylblei. Metallisches Natrium wurde erstmals 1807 von H. Davy durch Schmelzflusselektrolyse dargestellt

Natriumdampf-Hochdrucklampe: Lampe auf der Basis der Hochdruckentladungslampe; die Lichterzeugung beruht auf einer Natriumdampfentladung bei einem Druck von 1,6 • 104 Pa. Die Entladung findet in einem Entladungsgefäß aus polykristallinem Aluminiumoxid (A1203) statt, das Entladungsgefäß ist resistent gegenüber Natrium und hat im Betriebszustand eine Lichtdurchlässigkeit von >90%. Die Natriumdampf-Hochdrucklampe ist eine energetisch sehr günstige Lampe.

Natriumdampf-Niederdrucklampe: Lampe auf der Basis der Niederdruckentladungslampe; die Lichterzeugung erfolgt durch eine Natriumdampfentladung bei einem Druck von 0,4 Pa. Die Natriumdampf-Niederdrucklampe ist die Lampe mit der höchsten Lichtausbeute und nahezu monochromatische Strahlung im gelben Spektralbereich.

Natriumpumpe: Physiologie durch Energiebereitstellung aus dem Stoffwechsel der Zelle ermöglichter aktiver Transport von Natriumionen aus dem Inneren der Zelle durch deren Membran nach außen. Die Natriumpumpe ist für die Aufrechterhaltung der Ungleichverteilung der Ionen an der Zellmembran unentbehrlich. Die stärkste Ausbildung hat die Natriumpumpe am Epithel der Nierentubuli zur Natriumrückresorption aus dem Primärharn (Ultrafiltrat des Plasmas).

Natriumverbindungen: Stoffe, in denen Natrium, meist als Na+-Ion, chemisch gebunden ist. Die meisten Natriumverbindungen sind salzartig, da sie in Ionengittern kristallisieren. Fast alle Natriumverbindungen sind wasserlöslich und färben Flammen kräftig gelb. Sie sind farblos, sofern nicht das Säurerestion eine Färbung verursacht, wie zum Beispiel im gelben Natriumchromat, Na2Cr04. Natriumchlorid, Kochsalz, umgangssprachlich «Salz»; Kp 1440°C; kommt in großen Lagerstätten (zum Beispiel bei Staßfurt und Bad Salzungen) als Halit (Steinsalz) vor, ist in zahlreichen Mineralquellen, den Solquellen, enthalten und mit 2,7 % im Wasser der Weltmeere. Natriumchlorid ist Rohstoff für nahezu alle anderen Natriumverbindungen und Chlorverbindungen. Es wird bergmännisch abgebaut oder unterirdisch mit Wasser zu künstlicher Sole («Salzsole») aufgelöst. Als Speisesalz verwendet man besonders reines, gemahlenes Steinsalz, meist jedoch Siedesalz, das durch Eindampfen von gereinigter künstlicher oder natürlicher Sole gewonnen wird; es dient als Würz- und Konserviermittel. Für Mensch und Tier ist Natriumchlorid lebensnotwendig (Gehalt im Blut 0,9 %). Viehsalz ist ungereinigtes (rotes Eisen(III)-oxid enthaltendes) Steinsalz, das an Haus- und Wildtiere verfüttert und als Tausalz verwendet wird. Natriumfluorid, F 988 °C, ist giftig, wirkt fäulnishemmend und dient daher als Holzschutzmittel. Natriumhydrogenkarbonat, früher Natriumbikarbonat oder «Natron», NaHC03, entwickelt mit Säuren sowie beim Erhitzen Kohlendioxid; es wird in Feuerlöschern, Backpulvern und Waschmitteln sowie als Neutralisationsmittel für Magensäure verwendet. Natriumhydroxid, Ätznatron, ist eine feste, an feuchter Luft allmählich zerfließende Substanz (322 °C), die sich in Wasser unter Erwärmung zu Natronlauge löst und Haut sowie Schleimhäute stark ätzt. Man gewinnt es durch Eindampfen der bei der Alkalichloridelektrolyse entstehenden Natronlauge. Natriumhydroxid und Natronlauge dienen unter anderem der Herstellung von Zellstoff, Viskosefaserstoff, Waschmitteln, Farbstoffen und Tonerde (für die Aluminiumgewinnung). Natriumkarbonat, Soda bildet in wasserfreier Form (kalzinierte Soda) ein feinkristallines Pulver (850 °C), als Kristallsoda große, durchsichtige Kristalle; die wässrige Lösung reagiert alkalisch. Technisch gewonnen wird Natriumkarbonat nach dem Ammoniak-Soda-Verfahren, indem Kohlendioxid, das durch Brennen von Kalkstein gewonnen wird, in eine ammoniakhaltige Natriumchloridlösung eingeleitet und das hierbei ausfallende Natriumhydrogenkarbonat durch Erhitzen in Natriumkarbonat übergeführt wird. Das hierbei frei werdende Kohlendioxid geht in den Prozess zurück, während aus dem in der Lösung verbliebenen Ammoniumchlorid mittels Kalkmilch das Ammoniak zurückgewonnen wird. Man verwendet Natriumkarbonat in der Glas-, Textil- und Waschmittelindustrie sowie zum Enthärten von Wasser und zum Entschwefeln von Roheisen und Stahl. Natriumnitrat, Natronsalpeter ist der Hauptbestandteil des natürlichen Chilesalpeters und wird zu Düngemitteln und Explosivstoffen verarbeitet; bei 380 °C geht es unter Sauerstoffabgabe in das giftige Natriumnitrit über (Nitrite). Natriumoxid, Na20, ist ein weißes, stark ätzendes Pulver; F 920 °C; von größerer Bedeutung (Verwendung in Wasch- und Bleichmitteln) ist das beim Verbrennen von Natrium entstehende Natriumperoxid. Natriumsulfat kommt in der Natur als Glaubersalz vor, technisch gewonnen wird es als Nebenprodukt der Kalisalzverarbeitung durch Umsetzung von Natriumchlorid und Magnesiumsulfat. Es wird in der Glas-, Textil-, Zellstoff- und Waschmittelindustrie verwendet. Natriumsulfid wird technisch durch Reduktion von Natriumsulfat mit Kohlenstoff gewonnen und bei der Erzflotation sowie zur Erzeugung von Schwefelfarbstoffen eingesetzt. Natriumsulfit und Natriumdisulfit werden als Zusätze in fotografischen Fixierbädern verwendet.

Natschinski, Gerd, geboren 23.8.1928, Komponist und Dirigent; war 1952/54 Chefdirigent beim Berliner Rundfunk, 1978/81 Intendant des Berliner Metropoltheaters; seit 1977 Vizepräsident des VKM; schrieb erfolgreiche Werke für das heitere Musiktheater («Messeschlager Gisela», «Servus Peter», «Mein Freund Bunbury», «Terzett», «Casanova», «Das Dekameronical» unter anderem), zahlreiche Filmmusiken, Chansons, Kinder- und Jugendlieder, Orchester- und Tanzmusik.

Natta: 1. Alessandro, geboren 7.1.1918, italienischer Arbeiterführer; nach aktivem antifaschistischen Kampf und Deportation seit 1945 Mitglied der KP, seit 1956 Mitglied des ZK, 1962/70 und 1979/83 Mitglied des Sekretariats des ZK, seit 1962 in der Nationalen Leitung der KP; 1984 zum Generalsekretär der Partei gewählt.

2. Giulio, 26.2.1903-2.5.1979, italienischer Chemiker; Professor an der TH Mailand; entdeckte die stereospezifischen Polymerisation.

Natternkopf, Echium: ein Borretschgewächs; der Gemeine Natternkopf (E. vulgare) mit rosa, später blauen Blüten wächst an Wegrändern und auf Trockenrasen.

Nattern, (mittelhochdeutsch nater althochdeutsch, verwandt mit lateinisch natrix, «(Wasser-)Schlange») Colubridae: weltweit verbreitete, etwa 1500 Arten umfassende Schlangenfamilie, zu der auch die Trugnattern und Wassertrugnattern, nicht aber die Giftnattern gehören. Echte Nattern (Colubrinae) haben keine Giftzähne, sie sind durch große symmetrische Schilder auf dem Kopf und breite Bauchschienen gekennzeichnet; legen meist pergamentschalige Eier. Im und am Wasser leben die Wassernattern, zu denen die heim, Ringelnatter und die Würfelnatter zählen. Zu den Kletternattern mit kantigen Bauchschildern gehören neben der Äskulapnatter, die über 2 m lange südeuropäische Vierstreifennattern (Elaphe quatuorlineata) und die farbenprächtige, bis 1 m lange Leopardnattern, die ihre Beute (Nager, Echsen) wie die meisten Nattern durch Umschlingen töten. Über 2,5 m lang werden die sehr schlanken asiatischen Rattenschlangen (Ptyas) aus der Verwandtschaft der Zornnattern.

Natternzunge, Ophioglossum vulgatum: kleiner, heimischer Farn; treibt jährlich ein Blatt, das aus einem zungenförmigen, sterilen Teil und einer Sporangienähre besteht; auf feuchten Wiesen vorkommend.

Nattier, Jean Marc, genannt Nattier le jeune, 17.3.1685-7.11.1766, französischer Bildnismaler; seit 1718 Mitglied der Académie Royale in Paris; seine Porträts der offiziellen Gesellschaft kennzeichnet eine im Sinne des Rokokos gefällige Bildnisauffassung.

Natufien: mittelsteinzeitlicher Kultur in Palästina, im Karmelgebirge; entstanden an der Wende vom 9. zum 8. Jahrtausend vor Christus; die Träger des Natufien waren spezialisiert auf die Ernte von Wildgräsern (bezeugt durch Feuersteinsicheln) und die Jagd; benannt nach dem Fundort Wadi-an-Natuf.

Natur: 1. soviel wie Materie.

2. Gesamtheit aller nichtlebenden und lebenden Formen der Materie, die im Unterschied zur Gesellschaft ohne menschliche Arbeit entstanden sind und existieren. Die Gesellschaft, die sich historisch aus der Natur entwickelt hat, verfügt grundsätzlich über die Fähigkeit, die Natur zu beherrschen, indem sie deren objektive Gesetze zunehmend erkennt und ausnutzt. Da die Natur Existenzbedingung der Gesellschaft ist, muss die Gesellschaft so auf die Natur einwirken, dass die Naturkräfte und -reichtümer als natürliche Grundlage der künftigen Gesellschaftsentwicklung erhalten bleiben.

3. soviel wie Wesen, Charakter.

Naturalien: landwirtschaftliche Produkte, die Geldfunktionen im Zahlungsverkehr erfüllen, zum Beispiel Naturalvergütung, -abgabe, -Steuer.

Naturalismus: Richtung in Literatur, bildender Kunst und Musik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert, in Deutschland zwischen 1880 und 1900; bemühte sich in Opposition gegen das selbstzufriedene, von Erfolgen berauschte imperialistisches Kaiserreich und dessen offiziöse Kultur um möglichst naturgetreue Darstellung der kapitalistischen Wirklichkeit, vor allem der wachsenden Krisenerscheinungen der bürgerlichen feudalen Gesellschaft und der sozialen Probleme der Volksmassen. Sein statisch-fatalistische Milieu und Vererbung verabsolutierendes Verständnis des Menschen und der Gesellschaft verhinderte eine tiefere Analyse der registrierten Probleme, eine über die Erweckung von Verständnis und Mitleid hinausgehende Parteinahme und die Erkenntnis der geschichtlichen Rolle des Proletariats. Mit seiner Erschließung neuer Wirklichkeitsbereiche wurde der Naturalismus eine wichtige Voraussetzung für den kritischen Realismus des 20. Jahrhundert. In der Literatur ging der Naturalismus von Frankreich aus (£. Zola; Positivismus), in Deutschland waren seine Vertreter A. Holz, J. Schlaf, M. Halbe, der junge G. Hauptmann unter anderem. In der bildenden Kunst durch die Literatur beeinflusste Strömung des letzten Viertels des 19. Jahrhundert, die mit zum Teil ausgeprägten sozialkritischen Tendenzen Alltags- und Milieuschilderungen der Arbeiterklasse sachbezogen wiedergab (Straßenbilder, Marktszenen, Volksfeste, Waisen- und Altenhäuser). Viele Künstler ergriffen dabei Partei für das Proletariat, ohne die realen gesellschaftlichen Zusammenhänge zu erkennen. Hauptvertreter des Naturalismus in Deutschland waren M. Liebermann und F. von Uhde. In der Musik versteht man unter Naturalismus eine veräußerlichte Tonmalerei, die sich zum Beispiel in einigen Tondichtungen und Opern von R Strauss findet und oft zu vordergründigen Instrumentationseffekten führt; siehe auch Verismus.

Naturallohn: in Naturalien (zum Beispiel Lebensmittel, freie Wohnung) gezahlter Arbeitslohn; wird zum Teil heute noch in der kapitalistischen Landwirtschaft angewandt. Siehe auch Deputat.

Naturalpacht: vorkapitalistische Form der Pacht, bei der der Pachtzins vom Pächter nicht in Geld (Geldpacht) oder Arbeitsleistung (Arbeitspacht), sondern in Form landwirtschaftlicher Produkte (Naturalien) zu leisten ist. Eine Abart der Naturalpacht ist die Naturalwertpacht. Hierbei richtet sich die Menge der abzuliefernden Produkte nach dem Preis eines der (beziehungsweise mehrerer) Hauptprodukte der Landwirtschaft, zum Beispiel nach dem Roggen- oder Weizenpreis. Die Naturalpacht entwickelte sich aus der feudalen Naturalrente und hat sich in kapitalistischen Ländern zum Teil bis in die Gegenwart erhalten.

Naturalrente, Produktenrente: Form der Grund-rente im Feudalismus, bei der die leibeigenen oder hörigen Bauern ihre Mehrarbeit in Gestalt der verschiedensten landwirtschaftlichen, aber auch, allerdings seltener, handwerkliche Produkte an den Feudalherrn abzuliefern haben. Die Naturalrente ist meist begleitet von der Arbeits- oder Geldrente.

Naturalrestitution: Recht Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes; kann als Wiedergutmachungsleistung vereinbart werden, in der Regel ist Schadenersatz in Geld zu leisten.

Naturalsteuer: Steuer, die in Naturalien, zum Beispiel Getreide, erhoben wird; besonders im Feudalismus angewandt.

Naturaltausch: Keimform des Warentausches, bei der unterschiedlichen Waren in Naturalform ohne Vermittlung des Geldes ausgetauscht werden.

Naturalwirtschaft: in der Urgesellschaft, Sklaverei Gesellschaft und im Feudalismus vorherrschende Wirtschaftsform, bei der die Produzenten nicht in erster Linie für den Markt (Warenproduktion) produzierten, sondern unmittelbar, um ihre persönliche Bedürfnisse zu befriedigen.

Natura naturans: die schaffende, erzeugende Natur; bei Spinoza die Schöpfer, mit Gott gleichgesetzte Natur. Aus ihr geht die Natura naturata, die geschaffene Natur, die Welt der Einzeldinge hervor.

Naturdenkmal: geschütztes Naturobjekt, zum Beispiel alter Einzelbaum, Findling, Wasserfall, auch Biotop (Flächennaturdenkmal); siehe auch Naturschutz.

naturell: 1. allgemein natürlich; ungefärbt, unbearbeitet.

2. Kochkunst ohne besondere Zutaten bereitet.

Naturell: (französisch) angeborene Eigenart.

Naturfaserstoffe: Textil verarbeitbare Pflanzen-, Tier- und Mineralfaserstoffe. Pflanzenfasern werden als Einzelfasern gewonnen (Baumwolle) oder als Faserbündel (Elementarfasern) der Bastfaser bis zur Einzelfaser aufbereitet. Tierfasern gewinnt man in Faser- (Wolle, Haare) oder Elementarfadenform (Naturseide), während aus den anorganischen Faserstoffen durch geeignete Verfahren Fasern gewonnen werden.

Naturgesetze: der Natur innewohnende, objektive, allgemeine und wesentliche Zusammenhänge des Naturgeschehens; aus deren Erkenntnis lassen sich Erscheinungen infolge bestimmter Ursachen Voraussagen. Man unterscheidet allgemeine Naturgesetze, wie die Erhaltungssätze, die in der gesamten Natur gelten, und spezifischen Naturgesetze, wie die Maxwellschen Gleichungen, die sich nur auf bestimmte Bereiche der Natur beziehen. Ferner unterscheidet man zwischen dynamischen Naturgesetzen, die einzelne Systeme exakt beschreiben, und statistische Naturgesetze, die Wahrscheinlichkeitsaussagen machen, welche aus dem Verhalten einer Vielzahl von Einzelsystemen abgeleitet werden.

Naturhellkunde: Heilkunde, die auf Behandlungsmethoden mit sogenannt natürlichen Mitteln basiert, zum Beispiel Wasserkur in Verbindung mit Bewegungstherapie und sinnvoller Diät (Kneippkur) oder Kaltwasserbehandlung (Prießnitzumschlag).

Naturkautschuk: aus dem Milchsaft (Latex) verschiedener Pflanzen, insbesondere des Parakautschukbaumes, gewonnenes, hauptsächlich aus cis-1,4-Polyisopren bestehendes Produkt. Der aus der eingeschnittenen Rinde austretende Kautschuklatex wird durch Zusatz von Säuren oder durch Eintrocknen über Feuer, koaguliert, wobei die Kautschukteilchen zu einer gelbbraunen, elastische Masse zusammentreten, die zu Fellen (Crepe, Crepe-Kautschuk)

Naturlehrpfad: Wanderweg mit belehrenden Hinweisen auf bemerkenswerte Naturobjekte, natürliche Linienbreite, natürliche, natürliche Person: im früheren bürgerlichen Recht Bezeichnung des Bürgers als Rechtssubjekt im Gegensatz zur juristischen Person,

Naturphilosophie: auf unzureichenden Erkenntnissen beruhende Auffassung von den Naturzusammenhängen. Die Auffassungen der antiken ionischen Naturphilosophen waren naiv-materialistisch. Die von G. Bruno vertretene Naturphilosophie der Renaissance übte einen großen Einfluss auf B. Spinoza, G. W. Leibniz, J. W. Goethe und F. W. J. Schelling aus, dessen Naturphilosophie metaphysisch-spekulativen Charakter trägt. Mit der Entwicklung der modernen Naturwissenschaften verlor die Naturphilosophie ihre Berechtigung. Die marxistisch-leninistische Philosophie kennt keine besondere Naturphilosophie; sie vertritt im dialektischen und historischen Materialismus erstmalig eine mit der modernen Naturwissenschaft übereinstimmende, streng wissenschaftlicher Auffassung der Natur, die von der Einheit der Welt in ihrer Materialität ausgeht.

Naturrecht, Jus naturale: angebliches, unabhängig von den gesellschaftlichen Verhältnissen bestehendes, ideales, durch die Natur oder Gott dem Menschen gegebenes Recht; Grundbegriff von Morallehren, Staats- und Rechtstheorien, die ahistorisch von einer natürlichen beziehungsweise göttlicher Ordnung ausgehen. Das Naturrecht diente sowohl der Rechtfertigung bestehender Herrschaftsverhältnisse (besonders das christlichen Naturrecht des Mittelalters) als auch der Kritik und Überwindung überkommener Verhältnisse, so das bürgerliche Naturrecht des 17. und 18. Jahrhundert, das die Begründung der gesellschaftlichen und politische Rechtsnormen aus Vernunftprinzipien, unabhängig von der Theologie anstrebte (unter anderem H. Grotius, B. Spinoza, J. J. Rousseau, C. Thomasius, G. W. Leibniz, C. Wolff, die Vertreter der klassischen deutschen Philosophie).

naturrein: ohne Zusätze, die die von Natur aus gegebene Zusammensetzung von Lebensmitteln ändern würden; eine technologische Behandlung ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Naturreligion: Verehrung von Naturgegenständen und -erscheinungen als Verkörperung übernatürliche göttliche Mächte; entstand bei Völkern niedriger Entwicklungsstufe aus Abhängigkeit der Menschen von noch unerkannten Naturerscheinungen.

Naturschutz: Erhaltung und Pflege wertvoller Natur, darunter auch seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten (Arten- beziehungsweise Biotopschutz); in Form von Naturdenkmälern, einschließlich Flächen-, Feldgehölze, Hecken, Parks bis 3 ha, von Naturschutzgebieten mit komplexen Schutz- oder Spezialaufgaben (wie Wald-, Moor-, Wiesen-, Gewässer-, Tier- oder Wasservogelschutz) und Landschaftsschutzgebieten, die wissenschaftlich, landschaftsökologisch und für die Erholung bedeutsam sind. Naturschutz ist gesellschaftliches Anliegen und durch internationale Organisationen und Vereinbarungen geregelt. Unter Naturschutz gestellte Objekte und Gebiete werden durch Schilder mit der Eule ausgewiesen.

Naturschutzgebiet, Abkürzung NSG: Flächen mit Naturobjekten unter staatlichen Schutz, die sich durch bemerkenswerte, wissenschaftlich wertvolle erdgeschichtliche oder landschaftsgenetische Merkmale oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tiergemeinschaften auszeichnen. Die Naturschutzgebiet werden unterteilt in Wald-, Gewässer- und Moorschutzgebiete, botanische Schutzgebiete und solche mit vielfältiger Naturausstattung oder komplexen Charakters wie Parks, Tier- beziehungsweise Wildschutzgebiete oder -reservate.

Naturseide, Raupenfaserstoff: tierischer Faserstoff (an der Luft zu Fäden erstarrtes Drüsensekret), zum Beispiel Raupen-, Muschel-, Spinnenseide, sowie wilde Seide (Tussah-, Fagara-, Anaphe-Seide, Seide vom Eichenspinner). Naturseide weist als Kokonfaden von Insekten nach Aufbereitung mittlere Festigkeit und geringe Dehnfähigkeit auf. Einsatz für Nähfäden, Festkleidung, Dekostoffe.

Naturstein: natürliche Festgesteine zur Verwendung als Bau- und Dekorationssteine; zum Beispiel Granit, Sandstein, Marmor.

Naturstoffchemie: Teilgebiet der organischen Chemie, das enge Wechselbeziehungen zu Biochemie, Molekularbiologie und Wirkstoffforschung aufweist. Die Naturstoffchemie untersucht die in der lebenden Materie vorkommenden Substanzen im Hinblick auf chemischer Struktur, Eigenschaften und Reaktionen. Naturstoffe dienen insbesondere auch als Vorbilder (Modelle) zur Synthese ähnliche Substanzen mit vorteilhaften Gebrauchseigenschaften (Medikamente, Riech- und Farbstoffe, Gerbstoffe unter anderem).

Naturstoffe: politische Ökonomie potentielle Arbeitsgegenstände, die in der Natur vorhanden sind und in denen noch keine menschliche Arbeit vergegenständlicht ist; zum Beispiel Gewässer, Bodenschätze, Urwälder.

Naturtöne: Töne, die auf einem Blasinstrument, zum Beispiel einer Fanfare, ohne Veränderung der Schallrohrlänge nur durch die unterschiedliche Art des Anblasens erzielt werden können.

Naturverjüngung: Forstwirtschaft natürliche Bestandesbegründung; erfolgt entweder durch Stockausschlag beziehungsweise Wurzelbrut oder durch Samenabfall des mannbaren, genetisch anerkannten Altbestandes. Zur Förderung der Naturverjüngung ist der Altbestand zunächst auszulichten und in späteren Hieben allmählich zu räumen.

Naturvölker: unterschiedlich ausgelegte Bezeichnung für Völkerschaften und Stämme der Vorklassengesellschaft (um 1784 von J. G. Herder von den französischen Aufklärern übernommen und in den deutschen Sprachgebrauch eingeführt); wird von der marxistischen Ethnographie häufig durch «in der Urgesellschaft lebende Stämme und Völker» ersetzt, vielfach auch als «Völker mit wenig entwickelten Produktionsverhältnissen» umschrieben.

Kunst: Die Kunst der Naturvölker ist mit der materiellen Produktion sowie mit Mythologie und Religion verbunden, es bildete sich aber noch keine spezialisierte Berufsgruppe von Künstlern heraus. Die Beziehungen zu religiösen und magischen Zeremonien bestimmen den ästhetisch-stilistische Kanon. Schmuck, Bemalung des Körpers und einfache Ornamentik bei Jägern und Sammlern dürfen als frühe Kunstäußerungen gewertet werden. Spezialisierte Jäger fertigten Zeichnungen und Malereien (besonders Felszeichnungen, Zeichnungen auf Knochen, Zähnen, Fellen und Rinden), wobei im Mittelpunkt Tierdarstellungen für die Jagdmagie standen, sowie Kleinplastik. Der sich mit dem Bodenbau herausbildende Ahnenkult bewirkte in Westafrika und Ozeanien Höhepunkte der Kunst der Naturvölker durch die in Riten benötigten Plastiken, Masken unter anderem Hochentwickelte Architektur findet sich bei sesshaften Völkern mit hoher Arbeitsproduktivität unterschiedlicher Wirtschaftsformen an der Nordwestküste Amerikas, im Kameruner Grasland und in Ozeanien. Mit Erforschung der kulturellen Traditionen der national befreiten Länder findet die Kunst der Naturvölker ihren gebührenden Platz in der regionalen und universalen Kunst- und Kulturgeschichte.

Naturwissenschaften: Wissenschaften, die sich mit dem Erkennen und der systematischen Erforschung der Naturgesetze, ihren Wechselbeziehungen und der Entwicklung wissenschaftlicher Theorien über die Natur beziehungsweise deren Teilbereiche beschäftigen. Die Methoden der Naturwissenschaften sind Beobachtung und Experiment, Messung, Beschreibung und Vergleich, ferner Analyse, Synthese, Induktion, Deduktion und Abstraktion, schließlich auch Intuition.

-Prüfstein der Richtigkeit naturwissenschaftlicher Theorien ist die Praxis, die experimentelle Verifikation. Neben der Grundlagenforschung (allgemeine Erweiterung der menschlichen Erkenntnis) dienen die Naturwissenschaften praktischen Anwendungen in Technik, Landwirtschaft und Medizin, woraus sich umgekehrt neue Aufgaben für die Naturwissenschaften ergeben. Man teilt die Naturwissenschaften ein in die physikalische Wissenschaften (Physik im engeren Sinne, Chemie, physikalische Chemie, Kosmologie, Astronomie, Geologie, physische Geographie und Meteorologie) und die biologische Wissenschaften (Botanik, Zoologie, Physiologie, Genetik, Ökologie unter anderem). Neben der fortschreitenden Differenzierung der Naturwissenschaften ist eine Integration der Naturwissenschaften zu beobachten, die einerseits durch die Methoden, andererseits durch den Gegenstand der betreffenden Naturwissenschaften bedingt ist. Kennzeichnend für die modernen Naturwissenschaften ist ihre zunehmende Wechselwirkung mit der industriellen Produktion und ihre überragende Bedeutung für die wissenschaftlich-technische Revolution. Siehe auch Wissenschaft.

Naturzustand: in den Naturrechtslehren der Aufklärung (H. Grotius, T. Hobbes, J. J. Rousseau, G. B. de Mably, Morelly unter anderem) die vorstaatlichen gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen die Menschen angeblich in einem «natürlichen» Gleichheitsverhältnis zueinander standen.

Nauba: in Marokko, Algerien und Tunesien mehrteiliger vokalinstrumentaler Zyklus der klassischen Musiktradition (siehe auch Maqam).

Nauen: Kreisstadt im Bezirk Potsdam; 11700 Einwohner; landtechnischer Industrieanlagenbau, Molkerei, Zucker-, Baustoffindustrie; Agrarbetriebe; Großfunkstelle; Heimatmuseum.

Nauen, Heinrich, 1.6.1880-26.11.1941, Maler und Graphiker; 1921/36 Professor an der Düsseldorfer Akademie, einer der Hauptmeister des rheinischen Expressionismus; wandte sich neben bäuerlicher Thematik Darstellungen aus dem städtisch-bürgerlichen Leben sowie religiösen, mythologischen und allegorischen Stoffen zu; vom Hitlerfaschismus verfeint.

Nauheim, Bad: Stadt in Hessen, Heilbad am Osthang des Taunus in der Wetterau; 27000 Einwohner; eisen- und kohlendioxidhaltige Thermalsole, Natrium-Chlorid-Säuerlinge; Kuranlagen; Institute; Salzmuseum.

Naukratis: altgriechische Handelskolonie, um 610 vor Christus von Müet unter Psammetich I. im nordwestlichen Nildelta gegründet; wurde bis zum Aufstieg Alexandrias zum wichtigsten Hafen Ägyptens. Naukratis stellte ein vorptolemäisches Zentrum griechischer Kunst- und Kultureinflusses in Ägypten dar.

Naumann: 1. Carl Friedrich, 30.5.1797-26.11.1873, Mineraloge und Geologe, Professor an der Bergakademie Freiberg und später an der Universität Leipzig; gab zusammen mit B. von Cotta die erste geologische Spezialkarte von Sachsen heraus und verfasste grundlegende Lehrbücher zur Kristallographie, Mineralogie und Geologie.

2. Friedrich, 25.3.1860-24.8.1919, Politiker, evangelischer Theologe; propagierte eine auf Reformen orientierte Innenpolitik und zugleich expansionistische Ziele. Der von ihm 1896 gegründete Nationalsoziale Verein blieb erfolglos und löste sich 1903 auf. Seit 1907 war er Reichstagsabgeordneter, wurde 1919 Vorsitzender der Deutschen Demokratischen Partei.

Naumburg, Naumburg an der Saale: Kreisstadt im Bezirk Halle; 33000 Einwohner; Werkzeugmaschinenbau, Metallwaren-, Textil-, Schuh-, Holz-, chemische, Süßwarenindustrie; um Naumburg Wein-, Obst-, Gemüsebau; Institut für Obstzüchtung, Fachschulen, Heimatmuseum; alljährlich Schul- und Heimatfest («Kirschfest»). Altstadt mit spätromanisch-frühgotischer Dom (Figuren des Naumburger Meisters, um 1250), St. Wenzel, St. Moritz, Rathaus (1517), Stadtmauerreste. Unterhalb von Naumburg an der Saale Schloss Goseck (16./17. Jahrhundert) und Ruine Schönburg (12. Jahrhundert), oberhalb Bad Kösen. Um 1000 Errichtung der Burg; das Bistum Naumburg, 1028 von Zeitz verlegt, bestand bis 1564; durch die Peter-Pauls-Messen 1278/1833 hatte Naumburg große Bedeutung als Fernhandelsplatz.

Naumburger Meister: Bildhauer des 13. Jahrhundert, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Plastik; nach Lehr- und Wandeijahren in Frankreich (Reims, Amiens, Noyon, Metz) tätig in Mainz (Fragmente des Jüngsten Gerichts vom Westlettner des Domes; Bassenheimer Reiter) und Naumburg, wo er unter Mitarbeit von Werkstattmitgliedern nach 1249 den Westlettner mit Passionsreliefs und Kreuzigung sowie 12 lebensgroße Stifterfiguren im Westchor ausführte. Die Figuren, deren Gestaltung in dem Paar Ekkehard und Uta gipfelt, zeigen eine bemerkenswerte Differenzierung des Ausdrucks, plastische Körper- und Gewandbehandlung, Lebendigkeit und physiognomische Durchdringung, die von genauer Naturbeobachtung zeugen. Sie verkörpern somit eine neuartige realistische Bildnisauffassung und beeinflussten die deutsche Plastik bis ins 14. Jahrhundert.

Naumilkat, Hans, geboren 9.12.1919, Komponist und Musikerzieher; leitete 1950/74 die von ihm und seiner Frau Ilse Naumilkat (geboren 1917) gegründeten Kinderchöre des Berliner Rundfunks; ist seit 1974 Chorleiter der Pädagogischen Hochschule Erfurt (Professor). Naumilkat schrieb Kantaten und Pionier- und Jugendlieder.

Nauplius: (lateinisch griechisch, «Schiffssegler») im Plankton schwimmende ei- bis kugelförmige Larve der niederen Krebse mit 3 Paar Gliedmaßen.

Nauru, Republik Nauru: Staat in Mikronesien (Stiller Ozean) auf gleichnamiger Koralleninsel. Von der Bevölkerung sind 57% Mikronesier, 26% Polynesier, 9% Chinesen und 8% Europäer. Amtssprachen sind Englisch und Nauruisch. Währung ist der Australische Dollar. Die bis 65 m hohe und zu 80% aus Kalziumphosphat bestehende Insel mit gemäßigtem tropischem maritimem Monsunklima ist nur spärlich bewachsen. Wirtschaftsgrundlage ist nahezu ausschließlich der hochmechanisierte Phosphatabbau unter staatlicher Kontrolle. Der devisenbringende Phosphatexport besonders nach Australien, Japan, Neuseeland und Großbritannien ermöglicht Kapitalinvestitionen im Ausland sowie der Bevölkerung einen relativ hohen Lebensstandard. Eine Verarbeitungsindustrie existiert nicht. Die Landwirtschaft (nur 150 bis 300 m breiter fruchtbarer Küstenstreifen) ist kaum entwickelt (Kopra, Ananas). Zunehmende Bedeutung gewinnt der Tourismus. Außerdem Küstenfischerei und Handwerksbetriebe (Teppiche, Kanus); 20 km lange Ringstraße um die Insel; Hochseehafen und internationaler Flughafen (Air Nauru, größte nationale Fluggesellschaft im Südpazifik). Eingeführt werden alle lebensnotwendigen Konsumgüter einschließlich Lebensmittel und Trinkwasser. 1798 entdeckt, 1888 von Deutschland, von Australien 1914 annektiert und seit 1920 als Mandatsgebiet des Völkerbundes beziehungsweise UN-Treuhandgebiet verwaltet, 1942/45 von Japan besetzt. Nauru wurde am 31.1.1968 staatlich selbständig.

Nausea: (lat griechisch) Übelkeit, Brechreiz.

Nausikaa, (griechisch) in der griechischen Sage Tochter des Phäakenkönigs Alkinoos; brachte den schiffbrüchigen Odysseus zu ihrem Vater.

Nautik: (lateinisch - griechisch) Schifffahrtskunde; siehe auch Navigation.

Navaho, Navajo: Indianerstamm der südlichen Athapasken im Südwesten der USA (zwischen oberem Rio Grande und mittlerem Colorado); um 130000; bis zum 17. Jahrhundert Jäger- (Reiter-) Nomaden, später Schafzüchter, heute auch Bodenbauer; leben gemeinsam mit den Hopi in Navajoland.

Navajoland: größtes Indianerreservat (Navaho und Hopi) in den USA, im Nordosten des Bundesstaates Arizona; 64700 km2; gebirgig (bis 2998 m); Bergbau auf Ölschiefer, Erdgas, Steinkohle; Kunstgewerbe (Silberwaren, Textilien); Weidewirtschaft (Schafhaltung); 80% der Erwerbsfähigen sind arbeitslos (Auswanderung, Arbeit außerhalb des Reservates); College; Tourismus.

Navarra: 1. historisches Gebiet in Spanien und Frankreich, beiderseits der Westpyrenäen; umfasst heute Navarra 2 und das französische Departement Pyrénées-Atlantiques. Im 8./9. Jahrhundert wechselvolle Kämpfe der Basken gegen Mauren und Franken, 806 von Karl dem Großen erobert; seit 905 war Navarra Königreich. Das südliche Navarra kam 1512 an Spanien, der nördliche Teil 1589 an Frankreich.

2. spanische Region (zugleich Provinz) zwischen Westpyrenäen und oberem Ebro; 10421km2, 510000 Einwohner. (im nördlichen Teil Basken); 49 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Pamplona-, im Norden Anteil an den Pyrenäen mit wasserreichen linken Nebenflüssen des Ebro (Aragón unter anderem), Bergwälder, Weiden, Forstwirtschaft, Bergbau auf Eisen- und Zinkerz; in der zentralen Senke Landwirtschaft (Weizen, Wein) und Viehzucht (Rinder, Schafe); im Süden trockenes Steppenland.

Navier-Stokes-Gleichung, nach einem französischen Ingenieur und einem britischen Mathematiker und Physiker: Bewegungsgleichung für zähe Flüssigkeiten. Dabei bedeuten v(r, t) mittlere lokale Strömungsgeschwindigkeit, e Massendichte, F äußere Kraft, p Druck, dynamische Viskosität, A Laplace-Operator. Für ideale (reibungsfreie) Flüssigkeiten, also »7 = 0, heißt die Navier-Stokes-Gleichung Eulersche Gleichung.

Navigation: Berechnung und Bestimmung von Standort und Kurs, mit dem ein Wasser-, Luft- oder Raumfahrzeug ein bestimmtes Ziel auf möglichst kurzem Weg erreicht. Der Standort wird als Schnittpunkt zweier oder mehrerer «Standlinien» gefunden, die sich aus der Beobachtung irdischer Gegenstände (Seezeichen, terrestrische Navigation), von Gestirnen (Sonne, Polarstern; astronomische Navigation) oder dem Empfang und der Auswertung der Signale dafür vorgesehener Sender (Funknavigation) ergeben. Die Trägheitsnavigation ermöglicht es, nur mit Bordgeräten (durch Messen der in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung auftretenden Beschleunigungen), ohne Sicht irdischer oder astronomischer Punkte beziehungsweise ohne Funkhilfen von Bord her Standort und Weg eines Fahrzeugs (Unterseeboot, Langstreckenflugzeug) oder Flugkörpers (Langstreckenrakete, Raumfahrzeug) zu bestimmen. Radarnavigation nennt man die Peilung oder Abstandsmessung mittels des Bordradars nach beziehungsweise von reflektierenden See- oder Küstenzielen oder nach beziehungsweise von Radaranlagen. Die Satellitennavigation, zunächst nur für Kriegsschiffe eingeführt, findet auch schon in der Handelsschifffahrt Anwendung.

Navigationsakte: Bezeichnung für englisches Schifffahrtsgesetze seit dem 14. Jahrhundert, besonders die 1651/73 erlassenen Anordnungen, die Warentransporte im englischen Kolonialreich weitgehend für englische Schiffe monopolisierten und den Handel der englischen Kolonien untereinander verboten. Die Navigationsakte schädigten die niederländische Flotte und lösten für England siegreiche Kolonialkriege aus; 1849/54 aufgehoben.

Navigationssatellit: unbemannter künstlicher Erdsatellit, der der Positionsbestimmung von Schiffen, Flugzeugen und Landfahrzeugen dient, indem er Peilsignale aussendet. Siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Navodari: Stadt und Seebad an der Schwarzmeerküste Rumäniens, nördlich von Constant; 16000 Einwohner; Superphosphat-, Schwefelsäurewerk, petrolchemisches Kombinat (im Bau), Maschinenbau; nördlich von Navodari Hafen Midia (im Bau).

Nawe, Izabella, geboren 27.5.1943, polnische Sängerin (Sopran); debütierte 1967 in Lòdi, seit 1971 Mitglied der Berliner Staatsoper; gastiert erfolgreich an den internationalen Opernzentren.

Naxos: größte Insel der griechischen Kykladen im Ägäischen Meer; 428 km2, 14200 Einwohner; wichtigster Ort Naxos im Osten Granitstock (bis 1001 m); im Westen flachwellige Ebenen mit Bewässerungskulturen (Gemüse, Tomaten, Apfelsinen, Wein, Oliven, Getreide, Obst); Schmirgelabbau und -ausfuhr.

Nazagdordsh, Daschdordshin, 17.11.1906-13.7.1937, mongolischer Dichter; Begründer der modernen realistischen mongolischen Literatur; geißelte in seinen Werken die alte feudaltheokratische Ordnung in der Mongolei; schuf 1934 das Libretto für die erste mongolische Oper «Die drei bedeutsamen Hügel».

Nazarener: (nach dem Beinamen Jesu) Vereinigung deutscher Künstler in Rom, die aus dem 1809 von F. Overbeck und F. Pforr gegründeten Lukasbund hervorging; ihr schlossen sich unter anderem P. von Cornelius, W. von Schadow und J. Schnorr von Carolsfeld an. Die Nazarener versuchten, die Erneuerung der Kunst durch Rückbesinnung auf frühitalienische und altdeutsche Vorbilder zu erreichen. Dabei richtete sich ihr Interesse auf die Wiederbelebung des Andachtsbildes sowie die Darstellung der nationalen Geschichte und Literatur in monumentalen Gestaltungen. Als Gemeinschaftsarbeit nach mittelalterlichem Muster entstanden die Hauptwerke, die Fresken der Casa Bartholdy und Casa Massimo. Um 1830 zerfiel die Gruppe auf Grund ihrer widersprüchlichen und anachronistischen Grundhaltung.

Nazareth: 1. Stadt (Distriktzentrum) im Norden Israels, südöstlich von Haifa, im Hügelland von Galiläa; 45000 Einwohner; Fahrzeugbau, Herstellung von Lederwaren, Textilien; christlicher Wallfahrtsort (Marienquelle, Verkündigungskirche).

2. Nazareth: Stadt im mittleren Teil Äthiopiens, in der Provinz Shewa, südlich von Addis Abeba; 65000 Einwohner; Traktorenmontagewerk, Pharmazeut., Papierfabrik, Gerberei.

Nazim Hikmet, Nazim Hikmet Ran, 20.1.1902—3.6.1963, türkischer Dichter; emigrierte nach revolutionärer Tätigkeit, politische Verfolgung und 13jähriger Gefängnishaft 1951 in die UdSSR; war Mitglied des Weltfriedensrates. In seinem lyrischen (von freien Rhythmen geprägten), dramatisches und publizistisches Schaffen setzte er sich konsequent für Frieden, revolutionären Fortschritt und Menschenwürde ein. In deutscher Übersetzung erschienen unter anderem Auswahlsammlungen seiner Gedichte («Türkische Telegramme», 1956; «Und im Licht mein Herz», 1971), epische Dichtungen («Bleib dran, Löwe!», 1984), das weltweit bekannte dramatische Gedicht «Legende von der Liebe» (1956) sowie ein Teil des Poems «Menschengesichter» («In jenem Jahr 1941», 1963). Nazim Hikmet war Wegbereiter einer neuen realistischen türkischen Dichtung und hatte mit seinem Gesamtschaffen großen nationalen und auch internationalen Einfluss.

Nazor, Vladimir, 30.5.1876-19.6.1949, jugoslawischer (kroatischer) Dichter; sein lebensbejahendes Lyrik- und Prosaschaffen ist von kämpferisch-revolutionärer Grundhaltung geprägt; schrieb unter anderem «Lieder einer Partisanin» (1944), «Istrische Erzählungen» (1916) und die Romane «Der Hirte Loda» (1938/39, deutsch) und «Der Kurier Loda» (1946).

Nazwa: Stadt in Oman, am Südfuss des Gebirges Dschebel al-Achdar; 25000 Einwohner; größte Stadt im Landesinneren; Silber- und Kupferhandwerk. - bis 1955 Hauptstadt des Imamats Oman.

Ndola: Stadt (Provinzzentrum) im Kupfergürtel von Sambia, 1268 m über dem Meeresspiegel; 325000 Einwohner; Kupfererzverhüttung; Maschinenbau, Zement-, chemische, Leichtindustrie, Zucker-, Erdölraffinerie (Erdölleitung von Daressalam (Tansania)); internationale Handelsmesse; internationaler Flughafen.

Neandertaler, Homo sapiens neanderthalensis: ausgestorbene Formengruppe des Menschen, die in ihrer klassischen Ausprägung vom Beginn bis zur Mitte der letzten Eiszeit in Europa gelebt hat; benannt nach dem Neandertal (Fundort, 1856) bei Düsseldorf. Siehe auch Homo, Menschwerdung.

Neapel, italienisch Napoli. Stadt in Unteritalien (Kampanien), Verwaltungszentrum der Region Kampanien und der Provinz Neapel, am Golf von Neapel und am Fuß des Vesuvs; 1,2 Millionen Einwohner; Kern eines Ballungsgebietes von 3,3 Millionen Einwohner mit hoher Arbeitslosigkeit; industrieller Schwerpunkt Unteritaliens mit Eisen- und Buntmetallverhüttung, Maschinen-, Schiff- und Fahrzeugbau, chemische, elektrotechnische/elektronische, Lebensmittel-, Textil- und anderer Industrie; daneben zurückgebliebene Manufakturbetriebe; Hafen, internationaler Flughafen; Universität (gegründet 1224), Hoch- und Fachschulen; Institute für Nautik, Vulkanologie, Meeresbiologie (Seewasseraquarium); Nationalbibliothek, Sternwarte, Theater, Museen, unter anderem Museo Nazionale (bedeutende Antikensammlung); sanierungsbedürftige Altstadt. 1980 schwere Erdbebenzerstörungen, durch die 150000 Menschen obdachlos wurden. Zahlreiche Kirchen (gotischer Dom S. Gennaro) Kastelle (Castell dell’ Ovo, begonnen 1154; Nuovo, 13./15. Jahrhundert, erweitert 18. Jahrhundert) und Paläste (Palazzo Cuomo, 15. Jahrhundert; Gravina, 16. Jahrhundert; Reale, seit 1600), frühchristliche Katakomben mit Malereien (2./7. Jahrhundert). Neapel, eine griechische Gründung (Neapolis), wurde 326 vor Christus römisch, 553 nach Christus byzantinisch, 1130 mit Sizilien zu einem normannischen Königreich vereinigt, 1194 kam Neapel an die Staufer, 1266 an Anjou; 1504/1713 unter der Herrschaft spanische Vizekönige; 1713/38 österreichisch, 1738/1805 bei den spanischen Bourbonen, 1805/15 lag es im Machtbereich Napoleons I.; 1815 Restauration der Herrschaft der Bourbonen (Ferdinand IV.). Eine bürgerlich-liberale Revolution (1820/21) wurde durch österreichische Truppen niedergeschlagen; am 7. 9. 1860 durch Garibaldi befreit und 1861 mit dem Königreich Italien vereinigt. 1867 entstand in Neapel die erste italienischen Sektion der I. Internationale. 28.9./1.10. 1943 erfolgreicher Volksaufstand gegen die faschistische deutsche Besetzung.

Neapelgelb: aus Bleiantimonat bestehendes mattgelbes, lichtechtes Pigment für Künstlermalfarben.

neapolitanischer Sextakkord, Neapolitaner: besonders in der neapolitanischen Oper des 18. Jahrhundert verwendeter Scheinsextakkord mit der kleinen Sexte in der Moll-Subdominante. Die zweite Zählzeit (siehe) ist keine Konsonanz (als 1. Umkehrung des B-Dur-Dreiklanges), sondern Vorhalt zum d-Moll Klang und somit Scheinkonsonanz beziehungsweise -sextakkord.

Neapolitanische Schule: Gruppe italienischer Komponisten unter Führung von A. Scarlatti, die seit etwa 1710 in Neapel wirkte, das dortige Musikleben zu hoher Blüte führte und auf ganz Europa ausstrahlte. Typisch für ihr kompositorisches Schaffen, in dessen Mittelpunkt neben der Opera seria auch die Opera buffa stand, sind gesangvolle Melodik (Belcanto), prägnante Rhythmik, neue harmonische Mittel sowie die Ausprägung der Da-capo-Arie (A-B-A Form).

Nearthrose: Gelenkneubildung; durch bestimmte krankhafte Veränderungen kommt es zu einer Gelenkbildung zwischen 2 nicht als Gelenkenden vorgeformten Knochenteilen; häufig bei Ausbleiben einer knöchernen Heilung eines Knochenbruchs (Pseudarthrose) entstehend.

Nebel:

1. Astronomie: Bezeichnung für dunkle oder schwach leuchtende Gebilde am Himmel, die nicht punktförmig wie die Fixsterne und meist nicht so scharf begrenzt wie die Planeten erscheinen. Die galaktischen Nebel gehören zum Milchstraßensystem. Sie sind nichtleuchtende Dunkelwolken oder leuchtende Ansammlungen interstellarer Materie in Form von 1 Gasnebeln oder Reflexionsnebeln. Extragalaktische Nebel sind Sternsysteme außerhalb des Milchstraßensystems.

2. Chemie: feine, meist kolloidale Verteilung von Flüssigkeitströpfchen in einem Gas (oft Luft); siehe auch Aerosol.

3. Meteorologie: in der Luft schwebende, meist mikroskopisch kleine Wassertröpfchen, die sich bei Übersättigung der Luft mit Wasserdampf bilden und durch die die horizontale Sichtweite auf weniger als 1 km herabgesetzt wird. Neben den zur Wasserdampfübersättigung führenden Vorgängen unterscheidet man die Nebelarten:

a) Verdunstungsnebel. Dazu gehören der Frontalnebel, verursacht durch Regen, der aus wärmerer Luft in kühlere fällt und verdunstet (besonders an Warmfronten), sowie der Dampfnebel (arktischer Seerauch), der entsteht, wenn die verdunstende Wasserfläche eine höhere Temperatur aufweist als die darüber strömende Kaltluft.

b) Mischungsnebel bildet sich im Grenzbereich verschieden temperierter und feuchter Luft,

c) Abkühlungsnebel entstehen bei Unterkühlung wärmerer Luft durch Ausstrahlung als Strahlungsnebel (nachts und morgens), infolge Druckerniedrigung als Bergnebel oder durch eine kalte Unterlage als Advektionsnebel. So bilden sich Seenebel, wenn wärmere Luft über kältere Wasserflächen streicht. Eine flache Nebelschicht, über der die horizontale Sichtweite 1 km oder mehr beträgt, nennt man Bodennebel, über feuchten Wiesen Wiesennebel. Durch Hangaufwind an Berghängen entsteht Hangnebel; aus der Höhe wird Nebel in Tälern als Tal Nebel oder Nebelmeer gesehen. Nebel bildet sich hauptsächlich bei windstillem oder windschwachem Wetter und weist zum Teil unterschiedliche Dichte auf. Wenn in kürzeren Zeitabständen die Sichtweite um 1 km wechselt, weil Nebelschwaden durchziehen, heißt dieser Vorgang Nebeltreiben. Bei zunehmendem Wind löst sich der Nebel auf und geht mitunter in eine tiefe Schichtwolkendecke an einer Inversion über, die oft im allgemeinen Sprachgebrauch als Hochnebel bezeichnet wird.

nebelarme Zone: Astronomie unregelmäßig begrenztes Gebiet entlang der Milchstraße, in dem man wenige oder gar keine extragalaktische Nebel beobachtet; durch die lichtschwächende Wirkung des im Milchstraßensystem vorhandenen interstellaren Staubes hervorgerufen.

Nebelfrostablagerungen: durch Gefrieren unterkühlter Nebel- oder Wolkentröpfchen entstandene Eisablagerungen an Gegenständen, Gebäuden und Bäumen. Sie bestehen aus Raufrost (körnige, kristalline, weiße Nebelfrostablagerungen) oder aus Raueis (glatte und kompakte Nebelfrostablagerungen). Nebelfrostablagerungen treten vorwiegend im Mittelgebirge auf.

Nebelhorn: Signalhorn auf Seeschiffen und Leuchttürmen; mit Dampf, Luft, elektrisch oder durch Handluftpumpe betrieben; warnt bei Nebel Schiffe vor dem Nahen eines anderen Schiffes beziehungsweise weist sie auf Land nähe hin.

Nebelkammer, Wilson-Kammer: eine von C. T. R. Wilson entwickelte Spurenkammer zum Sichtbarmachen der Bahnspuren ionisierender Teilchen durch Nebeltröpfchen, die sich an den als Kondensationskerne wirkenden Ionen in einem mit Dampf übersättigten Gas bilden. Die Übersättigung erzeugt man kurzzeitig durch adiabatische Expansion des mit Dampf gesättigten Gases (Expansionsnebelkammer) oder in der Diffusionsnebelkammer für längere Zeit durch Aufrechterhalten eines geeigneten Temperaturgefälles. Aus der Analyse der Spuren (Krümmung im Magnetfeld, Tröpfchendichte = Ionisationsdichte, Reichweite) lassen sich Energie und Masse der Teilchen bestimmen.

Nebelparder, Neofelis nebulosa: südostasiatische Katze mit dicht behaartem, körperlangem Schwanz (Kopf-Rumpf-Länge bis 85 cm); im tropischen Regenwald lebendes Baumtier.

Nebelschlussleuchte: am Heck des Kfz zusätzlich zu den Schlussleuchten anzubringende, aber nicht vorgeschriebene, intensiv rot leuchtende Zusatzleuchte, die nur bei Nebel beziehungsweise Schneefall und einer Sichtweite unter 50 m eingeschaltet werden darf.

Nebenbahn: Eisenbahnlinie als Ergänzung zur Hauptbahn, für geringere Geschwindigkeiten und Zuglasten ausgebaut; kann vereinfachte Sicherungsanlagen und von der Normalspur abweichende Spurweite haben.

nebenberufliche Tätigkeit, Nebenbeschäftigung: entgeltliche Tätigkeit zusätzlich zur Hauptbeschäftigung im Arbeitsrechtsverhältnis, als Genossenschaftsmitglied oder Freischaffender, wird meist als Honorararbeit geleistet. Eine Form der nebenberuflichen Tätigkeit ist die Feierabendarbeit; siehe auch freiberuflich Tätige.

Nebeneierstock, Epoophoron, Parovarium: neben dem Eierstock liegender, nicht zurückgebildeter, funktionsloser Rest des unteren Abschnittes der Urniere; entspricht entwicklungsgeschichtlich beim Mann dem Nebenhoden.

Nebenelemente: chemische Elemente, die in der oberen Erdkruste mit Massenanteilen zwischen 1 und 0,01% vertreten sind. Zu ihnen gehören mit abnehmenden Massenanteilen zum Beispiel Titan, Phosphor, Fluor, Mangan, Barium, Chlor, Kohlenstoff und Schwefel.

Nebengeräte: Turngeräte, die nicht als Wettkampfgeräte verwendet werden. Zu den Nebengeräte gehören: Steiggeräte wie zum Beispiel Turnleiter, Gitterleiter, Sprossenwand, Strickleiter und Steiggewände; Klettergeräte wie zum Beispiel Kletterstange, Kletterbaum, Klettermast und Klettertau; außerdem Turnbank und Turnkasten, Mehrzweckgeräte und verschiedene Trainingshilfsgeräte. Die Mehrzweckgeräte können durch wenige Handgriffe in andere Geräte verwandelt werden. Mit Trainingshilfsgeräten (zum Beispiel Zuggeräte, Gewichtsgürtel, Trainingsroller) werden im Leistungsgerätturnen spezielle Muskelgruppen beziehungsweise Teilbewegungen geschult. Die Nebengeräte dienen in vielfältiger Weise der allseitigen körperlichen Grundausbildung und ermöglichen durch Stütz-, Hang-, Schwung-, Sprung-, Kriech-, Steige-, Kletter-, Balancier- und Laufübungen die Entwicklung grundlegender Bewegungsfähigkeiten.

Nebenhoden, Epididymis: dem Hoden anliegendes, aus Nebenhodenkopf, Nebenhodenkörper und Nebenhodenschwanz bestehendes Organ. Der stark gewundene Nebenhodengang geht in den Samenleiter über. Der Nebenhoden dient der Heranreifung befruchtungsfähiger Samenzellen und als Samenspeicher.

Nebenhodenentzündung, Epididymitis: bakterielle Entzündung des Nebenhodens mit schmerzhaftem, oft akut fieberhaftem Verlauf; nicht selten auf den Hoden (Hodenentzündung) übergreifend.

Nebenmeer: Sammelbegriff für alle von den Ozeanen durch Festlandsgebiete oder Inseln mehr oder weniger stark abgetrennte Meeresteile. Man unterscheidet zwischen Randmeeren, die dem Festland angelagert sind, wie die Nordsee, und vom Weltmeer abgeschnittenen Mittelmeeren, wie das europäische Mittelmeer.

Nebenniere, Glandula suprarenalis: dem oberen Nierenpol anliegende endokrine Drüse; besteht beim Menschen und bei Säugetieren aus der Nebennierenrinde und dem Nebennierenmark-, bei Fischen bilden beide Anteile eigene Organe (Interrenal- und Suprarenal-Organ), während bei Lurchen, Kriechtieren und Vögeln die Abschnitte nicht getrennt sind. Das Nebennierenmark produziert Adrenalin und Noradrenalin, die Nebennierenrinde sogenannt Nebennierenrindenhormone (Mineralo- und Glukokortikoide, Sexualhormone).

Nebennierenerkrankungen: durch Nebennieren-unter- oder -Überfunktion hervorgerufene Hormonstörungen. Bei Unterfunktion der Nebennierenrinde kommt es zur Addisonschen Krankheit; bei Überfunktion der Nebennierenrinde können Cushing-Syndrom, Conn-Syndrom und adrenogenitales Syndrom mit virilisierenden Erscheinungen bei Frauen auftreten. Überfunktion des Nebennierenmarks infolge Tumors (Phäochromozytom) bewirkt Bluthochdruckkrisen.

Nebenniereninsuffizienz, Bronzekrankheit: hormonell bedingte Folgeerscheinungen des akuten Ausfalls der gesamten Nebenniere; Kennzeichen sind bräunliche Hautverfärbung, Blutdrucksteigerung und Kreislaufkollaps.

Nebennierenrindenhormone, Kortikosteroide, Kortikoide: in den Nebennieren gebildete Steroidhormone, die sich nach ihrer Wirkung auf den Stoffwechsel in 3 Gruppen einteilen lassen:

a) Mineralokortikoide (Aldosteron, Desoxykortikosteron) beeinflussen die Flüssigkeitsverteilung zwischen den Geweben und regulieren die Natriumausscheidung durch die Nieren; Ausfall führt zu schweren Erkrankungen,

b) Glukokortikoide (Kortisol, Kortison, Kortikosteron, Dehydro-Kortikosteron) beeinflussen den Stoffwechsel der Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße; werden medizinisch sehr vielfältig genutzt, zum Beispiel bei Glukokortikoidmangel, entzündlichen und allergischen Erkrankungen,

c) Geschlechtshormone (vor allem Androgene, aber auch Östrogene und Gestagene) werden nur in geringen Mengen produziert.

Nebensatz, Gliedsatz: von einem Hauptsatz abhängiger Satz, der ein Satzglied vertritt; auch Teilsatz ohne Satzgliedwert (weiterführender Nebensatz).

Nebenschilddrüsen: Bezeichnung für versprengt liegendes Schilddrüsengewebe.

Nebenstelle: ein Fernsprechapparat, der über eine Nebenstellenanlage an eine öffentliche Wählvermittlungsstelle angeschlossen ist. Man unterscheidet vollamts-, halbamts- und nichtamtsberechtigte Nebenstelle

Nebenstellenanlage: Fernsprechvermittlungsstelle, durch die Nebenstellen untereinander und beziehungsweise oder mit einer öffentliche Wählvermittlungsstelle verbunden werden können.

Nebenwinkel: Winkel, die einen gemeinsamen Scheitel und einen gemeinsamen Schenkel haben, deren beide andere Schenkel zusammen eine Gerade ergeben und für die die Summe ihrer Größen 180° ist.

ne bis in Idem: (lateinisch, «nicht zweimal gegen dasselbe») Straft - Rechtsgrundsatz, wonach wegen einer Tat, über die durch Gericht bereits rechtskräftig entschieden wurde, nicht erneut Anklage erhoben werden und nicht eine erneute Verurteilung erfolgen darf.

Nebraska, Abkürzung Nebr.: Bundesstaat im Zentrum der USA, westlich des Mittellaufes des Missouri; 200 350 km2, 1,6 Millionen Einwohner; 8 Einwohner/ km2; Hauptstadt Lincoln. Nach Westen von 300 m bis 1500 m ansteigende Prärietafel; gemäßigtes Kontinentalklima; viele kleine Seen; Hauptflüsse Missouri, Platte und Republican. Bedeutende Landwirtschaft mit Anbau von Mais, Weizen, Hirse, Futtermitteln, Zuckerrüben; Fleischrind- und Schweinezucht. Der Bergbau fördert Erdöl und -gas; Hydroenergiegewinnung; Bau von Maschinen, Präzisionsinstrumenten; Lebensmittel-, Zement-, pharmazeutische Industrie; Wirtschaftszentrum ist Omaha.

Nebrija, Lebrija, eigentlich Antonio Martinez de Cala, genannt Elio Antonio de Nebrija, um 1444-1522, spanischer Philologe und Humanist; sein Hauptwerk («Spanische Grammatik», 1492) leitete die Vereinheitlichung des Sprachgebrauchs ein (Gebrauch des Kastilischen in Spanien und Südamerika) und ist zum Teil noch heute gültig.

Nebukadnezar II., gestorben 562 vor Christus, bedeutendster König (seit 604) des Neubabylonischen Reiches; Sohn Nabopolassars; verdrängte die Ägypter aus Vorderasien (Schlacht bei Karkemisch), zerstörte das Reich Juda und 587/586 vor Christus Jerusalem. Nebukadnezar II führte einen großen Teil der Juden, insbesondere die Oberschicht, in die Babylon. Gefangenschaft. In Babylon entfaltete er eine großartige Bautätigkeit (unter anderem Prozessionsstraße, Palast, Ischtar-Tor).

Necessaire: (französisch, «Notwendiges») Behälter für Toilettengegenstände, Nähutensilien unter anderem

Nechranice: Siedlung in der CSSR, Ortsteil von Brezno (Nordböhmischer Bezirk), südlich von Chomutov; 100 Einwohner; hier staut seit 1967 ein 3,3 km langer und 48 m hoher Schüttdamm die Ohie; der 277,6 Millionen m3 fassende Stausee dient der Wasserversorgung im Nordböhmischen Becken.

n-Eck: ein Polygon mit genau n Eckpunkten.

Neckar: rechter Nebenfluss des Rheins, in der Deutschland; 367 km, davon 203 km schiffbar; entspringt auf der Baar südwestlich der Schwäbische Alb, durchfließt das Neckarbecken, mündet bei Mannheim; wichtigste Nebenflüsse: Kocher, Jagst (von rechts), Enz (von links); Obst- und Weinbau; Industriekonzentration im mittleren und unteren Neckartal; Häfen; Neckarkanal bis Plochingen.

Necker, Jacques, 30.9.1732-9.4.1804, französischer Politiker, Bankier schweizerischer Herkunft; als Finanzminister (1777/81, 1788/90) vergeblich bemüht, durch Reformen den nahenden Bankrott des Ancien Régime aufzuhalten. Seine vorübergehende Entlassung (11.7.1789) war Anlass für den Sturm auf die Bastille.

Necochea: Stadt in Argentinien, an der Atlantikküste, südlich von Mar del Plata; 51000 Einwohner; Hafen, Flughafen; Seebad mit Spielkasino.

Nedbal, Oskar, 26.3.1874-24.12.1930, tschechischer Komponist und Dirigent; war Mitbegründer des weltberühmten Böhm. Streichquartetts und wirkte als Orchesterdirigent unter anderem in Prag, Wien, Bratislava; -komponierte Werke vieler Gattungen, hatte aber mit der Operette «Polenblut» (1913) seinen größten Erfolg.

Nedreaas, Torborg, geboren 13.11.1906, norwegische Schriftstellerin; beschäftigt sich in ihren Romanen vor allem mit dem Schicksal von Frauen, die um ihr Glück betrogen werden («Im Mondschein wächst nichts», 1947, deutsch). In dem Roman «Die warmen Hände» (1952) wird Norwegens Beitritt zur NATO verurteilt. Poetisch einfühlsam gestaltet Nedreaas ein Kinderschicksal in dem Roman «Musik aus einem blauen Brunnen» (1960, deutsch), der zugleich die nissische Oktoberrevolution in Norwegen reflektiert.

Neef, Ernst, 16.4.1908-7.7.1984, Geograph; 1949/59 Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig, 1959/73 an der TU Dresden; arbeitete auf dem Gebiet der komplexen physischen Geographie, besonders über naturräumliche Grundeinheiten, Gesetze der räumlichen Ordnung in der Natur und über die Wirkung technischer Eingriffe in den Naturhaushalt, und verfasste dazu über 100 Publikationen; Mitglied der SAW und der Leopoldina.

Neefe, Christian Gottlob, 5.2.1748-26.1.1798, Kapellmeister und Komponist; Anhänger der Aufklärung, Lehrer L. van Beethovens in Bonn; verfasste volkstümlich-progressive Lieder und Singspiele.

Neel, Louis, geboren 22.11.1904, französischer Physiker; zahlreiche Arbeiten zum Magnetismus, Entdeckungen zum Antiferro- und Ferrimagnetismus.

Néel-Temperatur, Néel-Punkt, antiferromagnetischer Curie-Punkt (nach P. Curie): diejenige Temperatur, oberhalb derer die Ordnung der magnetische Dipolmomente in den Untergittern eines antiferro- oder ferrimagnetischen Stoffes zerstört wird und dieser in den paramagnetischen Zustand übergeht; entspricht dem Curie-Punkt ferromagnetische Stoffe.

Neer, Aert van der, 1603/04-9.11.1677, holländischer Maler; bildete sich autodidaktisch als Landschaftsmaler und schuf stimmungsvolle Mondscheinlandschaften, Winterbilder und Darstellungen von Feuersbrünsten.

Nef: vom 12. bis 14. Jahrhundert in Westfrankreich und im Nordseebereich verwendetes, seegehendes einmastiges Lastsegelschiff (besonders für den Weintransport); Steuerung erfolgte durch meist ein, zum Teil auch zwei seitlich im Heck angeordnete Steuerriemen.

Neff, Vladimir, 13.6.1909-2.7.1983, tschechischer Epiker; gestaltete in Grotesken und einem fünfbändigen Gesellschaftsroman («Vernunftehen», 1957; «Kaiserveilchen», 1958; «Böses Blut», 1959; «Die lustige Witwe», 1961; «Der Rosselenker», 1963; alle deutsch) die Welt des Bürgertums. In die Zeit der Renaissance führt die pikareske Romantrilogie «Königinnen haben keine Beine» (1973, deutsch), «Der Ring der Borgias» (1975, deutsch) und «Die schöne Zauberin» (1980, deutsch) über das wechselvolle Schicksal des böhmischen Abenteurers Peter Kukan von Kukan.

Nefud: Sandwüste in Vorderasien, im Norden der Arabischen Halbinsel, durchschnittlich 600 bis 700m überm Meer; vegetationsarm, von bis zu 100 m hohen Barchanen und Strichdünen bedeckt; kontinentales subtropisches Klima mit Niederschlägen weniger als 100 mm/ Jahr.

Negation: 1. allgemein Verneinung; Ablehnung; Verneinungswort.

2. Logik: durch «nicht A» ausgedrückte einstellige extensionale Aussagenverbindung, die wahr ist, wenn die Ausgangsaussage A falsch ist, und die falsch ist, wenn die Aussage A wahr ist.

dialektische Negation: Übergang eines Gegenstands oder Zustands der Natur, der Gesellschaft oder des Denkens (Erkennens) in einen anderen, ihm entgegengesetzten. Der neue Gegenstand oder Zustand nimmt den ursprünglichen in gewissem Maße in sich auf, insbesondere dessen positive, entwicklungsfähige Merkmale, die sich im neuen Zusammenhang weiterentwickeln können, während die negativen, nicht mehr entwicklungsfähigen verschwinden. Jeder neu entstandene Gegenstand oder Zustand (Qualität) ist durch den vorangegangenen bedingt. Die dialektische Negation, ein wesentlichen Moment jedes Entwicklungsprozesses, ist Resultat des Wirkens innerer Widersprüche der jeweiligen Qualität. Siehe auch Negation der Negation.

Negation der Negation: eines der allgemeinsten Bewegungs- und Entwicklungsgesetze der Natur, der Gesellschaft und des Denkens (Erkennens); besteht darin, dass in der Entwicklung eines Gegenstandes oder Zustandes dessen zweifache dialektische Negation erfolgt. Dadurch werden bestimmte Züge, Eigenschaften und so weiter des ursprünglichen Gegenstandes oder Zustandes auf höherer Entwicklungsebene wiederholt, erfolgt eine scheinbare Rückkehr zum Alten. Zum Beispiel wird das Gemeineigentum an Produktionsmitteln, das in der Urgesellschaft bestand und in den Ausbeutergesellschaften durch das Privateigentum negiert wurde, durch die sozialistische Revolution auf höherem Entwicklungsniveau wiederhergestellt. Das Gesetz der Negation der Negation umfasst einen ganzen, sich mitunter über einen langen Zeitraum erstreckenden Entwicklungszyklus. Es bewirkt, dass sich in der Entwicklung die Tendenz vom Niederen zum Höheren, vom Alten zum Neuen durchsetzt; dabei wirkt es mit anderen Entwicklungsgesetzen zusammen, insbesondere, da jede dialektische Negation durch innere dialektische Widersprüche zustande kommt und das Umschlagen einer Qualität in eine andere darstellt, mit dem Gesetz der Einheit und des «Kampfes» der Gegensätze (Widerspruch 1) und dem Gesetz des Umschlagens quantitativer Veränderungen in qualitative (Qualität und Quantität). Die Erkenntnis des Gesetzes der Negation der Negation durch die materialistische Dialektik ist Ausdruck der Überwindung metaphysische Vorstellungen, nach denen es entweder überhaupt keine Entwicklung, sondern nur Kreisläufe als Wiederherstellung von schon Dagewesenem gibt oder Entwicklung nur geradlinig im Sinne einer bloßen Abnahme oder Zunahme erfolgt. Entwicklung vollzieht sich dagegen, bildlich gesehen, in Form einer Spirale.

negativ: verneinend; ungünstig; ergebnislos.

Negativ: fotografisches Bild auf belichtetem und entwickeltem Material mit gegenüber dem Aufnahmeobjekt vertauschten Helligkeitswerten (Schwarzweißnegativfilm) beziehungsweise in (etwa) Komplementärfarben (Farbnegativfilm). Siehe auch Positiv 1.

negative absolute Temperaturen: angenommene Werte T < 0 für die absolute Temperatur T zur Beschreibung der Besetzungsinversion in physikalischen Systemen (zum Beispiel Laser) mit Hilfe der Quantenstatistik. Die negativen absoluten Temperaturen widersprechen nicht dem 3. Hauptsatz der Thermodynamik; man muss sich vorstellen, dass die Zustände mit T < 0 über T—» “ erreicht werden. Dies ist nur möglich, wenn die Energie des Systems bei T—>00 einen endlichen Wert annimmt

Neger: (französisch - spanisch niger, «schwarz») Angehörige der negriden Rassengruppe in Afrika südlich der Sahara (etwa 250 Millionen); im 16./19. Jahrhundert durch den Sklavenhandel auch nach Mittel-, Süd- und Nordamerika verschleppt. Da die Bezeichnung Neger als diskriminierend gilt, ist sie durch Afrikaner, Afroamerikaner beziehungsweise durch die Staatsangehörigkeit (zum Beispiel Nigerianer) zu ersetzen.

Negev, Negeb: nach Westen und Osten in Bruchstufen abfallende Landschaft in Vorderasien (Palästina); etwa 12000 km2; Geröll- und Sandwüste, zum Teil auch lößbedeckt; im Norden Bewässerungsfeldbau (Wasser aus dem Einzugsgebiet des Jordan, das in einer 130 km langen Fernleitung herangeführt wird); Erkundung bedeutender Mengen fossilen Grundwassers; teilweise Nutzung der Kupfererz-, Phosphat-, Ton-, Kali-, Gips-, Brom-, Erdöl-, Erdgasvorkommen.

negieren: verneinen; ablehnen; bestreiten.

Negri, Ada, 3.2.1870-11.1.1945, italienische Schriftstellerin; in ihren ersten Gedichtsammlungen («Schicksal», 1892, deutsch; «Stürme», 1896, deutsch) Sprecherin der Unterdrückten; später dominieren persönliche Themen in ihrer Lyrik und ihren Prosawerken (autobiographischer Roman «Frühdämmerung», 1921, deutsch).

Negrin, Juan, 1889-12.11.1956, spanischer Politiker; seit 1929 Mitglied der sozialistischen Arbeiterpartei; 1937/39 Ministerpräsident der Volksfrontregierung; 1939/45 Ministerpräsident der Exilregierung in Mexiko.

Negritos: (spanisch, «Negerlein») im engeren Sinne die kleinwüchsige (145 bis 150 cm), dunkelhäutige und kraushaarige Urbevölkerung der Philippinen (Aeta unter anderem); 50000; im weiteren Sinne alle kleinwüchsigen Völkergruppen Südostasiens (zum Beispiel Andamaner, Semang, Senoi); Sammler und Jäger, zum Teil Fischer und Bodenbauer; ihre Zahl geht ständig zurück.

Negritude: kulturelle Strömung, 1934 unter anderem von A. Césaire (Martinique) und L. S. Senghor gegründet, auf Westafrika und die Karibik konzentriert; hatte bis in die 50er Jahre antikoloniale Wirkung und literarischer Bedeutung durch ihren elitären und gekünstelten Bezug auf das kulturelle Erbe der Afrikaner und zum Teil hinreißende sprachliche-literarische Gestaltungskraft. Unter dem Einfluss spätbürgerlicher Philosophie, mystifizierter afrikanischer Kulturtraditionen zunehmend sozial und politisch konservativ bis reaktionär, wird die Négritude von revolutionär-demokratischen Kulturschaffenden abgelehnt.

Negro: größter linker Nebenfluss des Amazonas (Südamerika); 2100 km (1370 km in Brasilien), Einzugsgebiet etwa 1 Millionen km2; entspringt als Guainla in Kolumbien, nimmt mit dem Casiquiare über eine Bifurkation etwa ein Viertel des Orinoco Wassers auf, mündet bei Manaus; Nebenflüsse links Branco, Uaupés; 800 km schiffbar.

Negro, Rio: 1. Fluss im mittleren Argentinien; 650 km; entspringt mit den beiden Quellflüssen Neuquen und Limay in den südamerikanischen Kordilleren, durchfließt ohne Aufnahme von ständigen Zuflüssen ausgedehnte Steppengebiete, mündet in den Atlantischen Ozean; 400 km schiffbar.

2. linker Nebenfluss des Uruguay (Südamerika); 800 km; entspringt in Südbrasilien, mündet unterhalb von Fray Bentos; 75 km schiffbar, im Mittellauf bei Paso de los Toros an 2 Stellen aufgestaut (Rio-Negro-Stausee) mit Kraftwerksleistungen von 128 und 108 MW; bei Paso Palmar Kraftwerk (1305 MW) im Bau.

Negros: Insel nordwestlich von Mindanao (Philippinen); 12705 km2, etwa 2,7 Millionen Einwohner; Hauptort und -hafen Bacolod. Vorwiegend gebirgig mit noch tätigen Vulkanen (Canlaon bis 2 465 m); Tieflandstreifen an der Küste, von Korallenriffen gesäumt; tropisches Klima; überwiegend mit immergrünem tropischen Regenwald bedeckt.

Neher, Caspar, 11.4.1897-3.7.1962, Bühnenbildner; bedeutender Neuerer der Bühnenbildkunst; schuf an vielen führenden Bühnen nichtillusionistische, poetische und «erzählende» (Brecht) Ausstattungen; war lange Zeit (auch am Berliner Ensemble) Mitarbeiter B. Brechts; schrieb auch Opernlibretti, so zu R. Wagner-R6genys «Der Günstling».

Nehmer, Meinhard, geboren 13.1.1941, Olympiasieger im Bobsport 1976 (Zweier- beziehungsweise Viererbob) und 1980 (Viererbob), olympische Bronzemedaille im Zweierbob 1980, Weltmeister 1977 und Europameister 1979 im Viererbob.

Nehring, Kurt, geboren29.5.1898, Tierphysiologe und Agrikulturchemiker; 1948/63 Professor an der Universität Rostock und 1953/63 Direktor des Oskar-Kellner-Instituts für Tierernährung; bekannt durch Arbeiten auf dem Gebiet der Ernährungsphysiologie und Tierfütterung.

Nehru, Jawaharlal, 14.11.1889-27.5.1964, indischer Politiker, Rechtsanwalt; seit 1912 Mitglied der Kongresspartei, 1929/54 (mit Unterbrechungen) deren Präsident; als Führer der nationalen Befreiungsbewegung von der britischen Kolonialmacht mehrmals inhaftiert. Seit 1947 Ministerpräsident und Außenminister, vertrat eine Politik bürgerlich-demokratische Reformen, der friedlichen Koexistenz und der Nichtpaktgebundenheit. Nehru hatte maßgeblichen Einfluss auf die Herausbildung der Ideologie des demokratischen Flügels der indischen Bourgeoisie. Hauptwerke: «Weltgeschichtliche Betrachtungen» (1934), «Indiens Weg zur Freiheit» (1936, deutsch), «Die Entdeckung Indiens» (1946, deutsch).

Nehrung: durch Küstenversetzung entstandene Landzunge, die Meeresbuchten zu Haffs und Strandseen umbildet.

Neidhart von Reuenthal: um 1180 vor 1246, Lyriker aus bayerischen Rittergeschlecht; gilt als Schöpfer des im bäuerlichen Milieu spielenden weltlichen Tanzliedes («Winterlieder», «Sommerlieder»). Die bäuerliche derbe Haltung und der kraftvolle Realismus seiner Lieder standen in scharfem Kontrast zu den erstarrten Konventionen des zeitgenössischen Minnesangs; sie waren von vielfältiger Nachwirkung (u. a. Nachahmung in der sogenannt höflichen Dorfpoesie).

Neiße, Görlitzer Neiße, Lausitzer Neiße, polnisch Nysa luzycka tschechisch Luzicka Nisa: linker Nebenfluss der Oder, 256 km; entspringt im Isergebirge, von Zittau bis zur Mündung unterhalb Wilhelm-Pieck-Stadt Guben Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen.

Neisser, Albert, 22.1.1855-30.7.1916, Dermatologe; war seit 1882 Professor in Breslau; entdeckte unter anderem 1879 den Erreger der Gonorrhoe (Gonokokkus).

Nejedly, Zdenek, 10.2.1878-9.3.1962, tschechischer Politiker, Musikwissenschaftler, Historiker; 1924 Begründer der «Gesellschaft für wirtschaftliche und kulturelle Annäherung an das neue Russland»; Mitglied der KPTsch seit 1929, des ZK seit 1946; 1945/53 Minister, 1953/62 stellvertretender Vorsitzender der Regierung, ab 1948 Vorsitzender des Verbandes für Tschechoslowakische-sowjetische Freundschaft; Präsident der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften, seit 1952. Nejedly war mit Vorlesungen zur Ästhetik, mit Kunstkritiken und programmatischen Schriften («Die Kommunisten als Erben der großen Traditionen des tschechischen Volkes», 1945; «Alois Jirasek», 1949, deutsch) maßgeblich an der Entwicklung der tschechischen sozialistischen Kultur und Kunst beteiligt.

Nekrassow, Nikolai Alexejewitsch, 10.12.1821 bis 8.1.1878, russischer Lyriker und revolutionärer Demokrat; gab 1847/66 die Zeitschrift «Sovremennik» und 1868/78 die «Otetschestwennyje sapiski» (Vaterländische Blätter) heraus. Seine Lyrik der 40er Jahre enthielt realistische Bilder aus dem Leben der Ausgebeuteten; in den darauffolgenden Jahren erreichte seine Dichtung mit Werken wie «Dichter und Bürger» (1856, deutsch), «Gedanken vor einer Schlosstreppe» (1858, deutsch), «Lied für Jerjomuschka» (1859, deutsch), «Die Eisenbahnstrecke» (1864, deutsch), «Waldkönig Frost» (1863, deutsch) und besonders in dem Poem «Wer lebt glücklich in Russland?» (1863/77, deutsch) ihren Höhepunkt.

Nekrobazillose: durch Nekrose Bakterien hervorgerufene Erkrankung bei Tieren mit vielfältigem Erscheinungsbild; sie verursacht unter anderem die Moderhinke bei Schafen, Erkrankungen des Kehlkopfes und der Lunge bei Kälbern, Infektionen der Geburtswege bei Rindern und Schafen. Die Tiere zeigen Abgeschlagenheit und Saugunlust. Behandlungsmaßnahmen bei erkrankten Tieren sind nicht immer erfolgreich.

Nekrolog: Nachruf für einen Toten.

Nekromantie: im Altertum Weissagung durch vermeintliche Totenbeschwörung.

Nekropole: (griechisch, «Totenstadt») seit dem Altertum Bezeichnung für einen durch Grabbauten geprägten großen Bestattungsplatz, aber auch urgeschichtliches Gräberfeld.

Nekrose: (griechisch) örtlicher Zelltod, Gewebeuntergang.

Nektanebos: griechische Form zweier Pharaonennamen der 30. Dynastie:

1. Nektanebos I., Ägypten, regierte 378/360 vor Christus; ihm gelang die Abwehr der Perser unter Artaxerxes II.

2. Nektanebos II., Ägypten, regierte 359/341 vor Christus; unter ihm ging Ägypten an den persischen König Artaxerxes III. Ochus verloren.

Nektar: 1. in der griechischen Sage Göttertrank; S. a. Ambrosia.

2. Nektar, Obstnektar, Fruchtnektar: pasteurisierte Zubereitung als alkoholfreies Getränk aus homogenisierten Früchten oder Konzentraten.

3. aromatische, zuckerreiche Ausscheidung pflanzlichen Drüsenhaare oder -epithelien vor allem innerhalb der Blüten; Nahrung vieler Insekten und mancher Vögel; in der Honigblase der Biene Umwandlung zu Honig.

Nektarvögel, Honigsauger, Nectariniidae: bunte Singvögel Afrikas und Südostasiens, die sich vorwiegend von Blütennektar, Beeren und Insekten ernähren.

Nekton: Gesamtheit der Tiere des freien Wassers (Pelagial), die zu kräftiger Eigenbewegung und aktivem Ortswechsel befähigt sind; zum Beispiel Fische. Siehe auch Plankton.

Nelken, Dinah, geboren 16.5.1900, Schriftstellerin, lebt in Westberlin; emigrierte 1936 (Österreich, Italien); schrieb den humorvollen Briefroman «ich an dich» (1938), die Romane «Spring über deinen Schatten, spring!» (1954, über Probleme im antifaschistischen Widerstandskampf, Neufassung «Geständnis einer Leidenschaft», 1962), «addio amore» (1958), «Das angstvolle Heldenleben einer gewissen Fleur Lafontaine» (1971).

Nelkengewächse, Caryophyllaceae: weltweit verbreitete, meist krautige Pflanzenfamilie mit ungeteilten, gegenständigen Blättern und strahligen Blüten, zum Beispiel Hornkraut, Heidenelke, Leimkraut, viele Zierpflanzen, zum Beispiel Bartnelke.

Nelkenöl: gelbes, aus Gewürznelken wasserdampfdestilliertes ätherisches Öl mit typischem Nelkengeruch; enthält bis 98 % Eugenol und wird für Aromen sowie in der Parfümerie verwendet.

Nell, Peter, eigentlich Kurt Heinze, 10.10.1907 bis 27.11.1957, Schriftsteller; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil, nach 1945 kulturpolitisch tätig; verfasste neben Gedichten, Erzählungen und Reportagen autobiographische Romane («Der Junge aus dem Hinterhaus», 1955).

Nelligan, Emile, 24.12.1879-18.11.1941, frankokanadischer Dichter, bestimmte mit seinem frühreifen Jugendwerk (in Anlehnung an C. Baudelaire und die französischen Symbolisten) die moderne frankokanadische Literatur entscheidend mit («Emile Nelligan und sein Werk», 1903).

Nelson: 1. Nelson: Fluss in Kanada (Provinz Manitoba); 643 km, mit dem in den Winnipegsee mündenden Saskatchewan und dessen Nebenfluss Box 2570 km, Einzugsgebiet 1,072 Millionen km2; fließt mit zahlreichen Stromschnellen aus dem Winnipegsee und mündet in die Hudsonbucht; zur Energiegewinnung bei Kottle Rapids (1224 MW), Kelsey (1012 MW) und Long Spruce (980 MW) aufgestaut.

2. Stadt im Norden der Südinsel Neuseelands, an der Tasman-Bucht; 33000 Einwohner; Automontage, elektrotechnische Konservenindustrie; Hochsee-, Fischereihafen, Flughafen.

Nelson, Horatio, Viscount Nelson, 29. 9.1758-21.10.1805 (gefallen), britischer Admiral; volkstümlichster britischer Seeheld; seine Siege über die französische Flotte bei Abukir (1.8.1798) und über die vereinte französische-spanische Flotte bei Trafalgar (21.10.1805) sicherten Großbritannien für ein Jahrhundert die Vorherrschaft auf den Weltmeeren.

Nematizide: Schädlingsbekämpfungsmittel zur Abtötung von Fadenwürmern.

Nemea: Tal und gleichnamiger Ort in der griechischen Landschaft Argolis; Zeusheiligtum.

Nemeischer Löwe: in der griechischen Sage Löwe, der in der Gegend von Nemea hauste; von Herakles erwürgt, der danach sein Fell trug.

Nemeische Spiele: antike gesamtgriechische (seit 573 vor Christus, regional schon früher) athletische, hipp und musische Festspiele zu Ehren des Zeus im Tal von Nemea. Die Nemeischen Spiele überdauerten die Olympischen Spiele.

Nemesis, (griechisch, «Zuteilung») griechische Göttin der gerechten Vergeltung für Frevel, wurde kultisch verehrt.

Nen Jiang: linker Nebenfluss des Songhua Jiang im Nordosten Chinas; 1170 km; entspringt im Nordosten des Großen Chingan, durchfließt den nordwestlichen Teil der Nordostchinesischen Ebene in der Mandschurei und mündet unterhalb von Daan; schiffbar bis Nujiang.

Nennbelastung: Auslegungsbelastung für Geräte, Maschinen oder Aggregate, zum Beispiel die einer Feuerung je Zeiteinheit zugeführte Brennstoffmenge.

Nenngrößen, Nenndaten: Werte (zum Beispiel Nennspannung), für die elektrische Maschinen und Geräte ausgelegt sind und auf die sich angegebene Betriebseigenschaften beziehen.

Nenni, Pietro, 9.2.1891-1.1.1980, italienischer Politiker; seit 1921 Mitglied der Italienischen Sozialistischen Partei, 1931/39, 1943/44, 1949/63 Generalsekretär, seit 1973 Vorsitzender der Partei; kämpfte 1936/38 in den Internationalen Brigaden in Spanien; 1942/43 in KZ-Haft. 1945/46 Stellvertretender Ministerpräsident, 1946/47 Außenminister; 1950/55 Vizepräsident des Weltfriedensrates; kündigte 1956 das von ihm 1934 mit der KP abgeschlossene Aktionseinheitsabkommen und stand seitdem auf dem rechten Parteiflügel; 1963/69 Mitglied mehrerer Regierungen, seit 1970 Senator auf Lebenszeit.

Nennleistung: indizierte oder effektive Leistung einer Maschine oder Anlage, für die sie berechnet wird; zum Beispiel ist die Nennleistung eines Dampferzeugers die maximale Dauerleistung (in Dampf je h oder in MW).

Nennmaß: vorgegebenes Maß, zum Beispiel auf technischen Zeichnungen, das zur geometrischen Größenangabe dient und auf das die Grenzmaße bezogen werden.

Nennung: Anmeldung eines Einzelsportlers oder einer Mannschaft für eine ausgeschriebene Sportveranstaltung.

Nennwert, Nominalwert, Nennbetrag: auf Münzen, Papiergeld, Wertpapieren und Briefmarken angegebener Wert im Unterschied zum Metall- oder Kurswert beziehungsweise bei Briefmarken zum Katalog- oder Handelswert.

Nenzensprachen, samojedische Sprachen: Sprachgruppe (Jurakisch, Nganassanisch, Selkupisch), die mit den finnougrischen Sprachen zu den uralischen Sprachen im hohen Norden der Sowjetunion gehört.

Neodarwinismus: Evolutionstheorie, die die Selektionstheorie von C. Darwin mit den Erkenntnissen der Genetik vereinigt.

Neodym, fachsprachlich Neodymium, Symbol Nd: chemisches Element der Kernladungszahl 60; Seltenerdmetall; Atommasse 144,24; Wertigkeit +3; F 1016 °C; Dichte 7,0 g/cm5; kommt im Monazitsand vor. Neodym Verbindungen sind meist von hellvioletter Farbe. Neodymoxid, Nd203, ist ein hellblaues Pulver; wurde (neben Praseodymoxid) erstmals 1885 von C. Auer von Welsbach durch Zerlegung des bis dahin für einheitlich gehaltenen «Didymoxids» hergestellt.

Neogen: Jungtertiär mit den Abteilungen Miozän und Pliozän; gekennzeichnet unter anderem durch Krustenbewegungen, Vulkanismus und Braunkohlenbildungen; siehe auch geologische Systeme.

Neogräzistik: Wissenschaft, die sich mit Sprache, Geschichte (ab 1453) und Gegenwart der in Griechenland, Zypern und anderen Ländern lebenden Griechen befasst. Zunächst zusammen mit der Byzantinistik betrieben, verselbständigte sich die Neogräzistik und vereinigt als Regionalwissenschaft Forschungsergebnisse aus Geographie, Sprachwissenschaft, Ethnographie, Geschichte, Kunst- und Literaturwissenschaft. Hauptzentren sind die Athener Akademie, die griechischen Universitäten und das wissenschaftliche Zentrum der Republik Zypern.

Neokolonialismus: Gesamtheit der Formen und Methoden zur weiteren Ausplünderung und Unterdrückung ehemals kolonial unterdrückter Länder Asiens, Afrikas und Lateinamerikas durch die imperialistische Hauptmächte unter den Bedingungen des Zusammenbruchs des imperialistischen Kolonialsystems, der Verschärfung der allgemeinen Krise des Kapitalismus und der weiteren Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses zugunsten des Sozialismus. Die imperialistischen Staaten sind bestrebt, die Entwicklungsländer weiterhin auszubeuten, sie über aggressive Militärbündnisse an das imperialistische Lager zu ketten und zu verhindern, dass sie ihre politische Selbständigkeit festigen, ökonomisch unabhängig werden, aus dem kapitalistischen Weltsystem ausscheiden und das Bündnis mit den sozialistischen Staaten festigen. Dabei arbeiten die imperialistischen Mächte mit reaktionären Kreisen der einheimischen Ausbeuterklassen zusammen.

Neo Latinistik, eigentlich neulateinische Philologie: Wissenschaft von der lateinischen Sprache und Literatur seit Beginn der Neuzeit. Die Neo Latinistik begann sich erst nach dem 2.Weltkrieg von der mittellateinischen Philologie zu lösen und erfahrt gegenwärtig als jüngste philologische Disziplin einen starken internationalen Aufschwung, steht indessen noch weitgehend am Anfang ihrer Forschung.

Neoliberalismus:

1. Philosophie: Liberalismus.

2. Wirtschaft: extrem antikommunistische Richtung der bürgerlichen Vulgärökonomie in der allgemeinen Krise des Kapitalismus; propagiert den Kapitalismus der freien Konkurrenz bei Beibehaltung der Monopole und einer aktiven Wirtschaftspolitik des imperialistischen Staates.

Neolinguistik: Richtung der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft, die vor allem Erkenntnisse der Dialektforschung und Sprachgeographie berücksichtigt.

Neologismus: Neuwort; zur Bezeichnung eines neuen Begriffes oder Gegenstandes geschaffenes Wort, zum Beispiel Neulehrer, Diskothek.

Neon, (griechisch, «das Neue») Symbol Ne: chemisches Element der Kernladungszahl 10; Edelgas; Atommasse 20,18; Wertigkeit 0; F -248,6 °C; Kp -246,1 °C; in der Luft zu 0,0016 Vol.-% enthalten. Neon ist farblos, geruchlos und mäßig wasserlöslich; Anwendung in Leuchtröhren (rotes, mit Quecksilber blaues Licht, das durch gelbes Glas grün erscheint) und (verflüssigt) als Kühlmittel. Neon wurde 1898 von W. Ramsay und M. W. Travers spektroskopisch als Bestandteil der Luft entdeckt.

Neonatologie: Teilgebiet der Kinderheilkunde, das sich mit dem Neugeborenen befasst.

Neonfisch, Neon tetra, Paracheirodon innesi: zu den Salmlern gehörender bis 4 cm langer, leuchtend gefärbter Süßwasserfisch; lebt im Gebiet des oberen Amazonas; beliebter Aquarienfisch. Siehe auch Salmler.

Neonlicht: von Leuchtröhren (mit Zusatz von Neon im Entladungsrohr) abgestrahltes Licht. Fälschlicherweise wird oft das Licht der Leuchtstofflampe und Reklamebeleuchtung als Neonlicht bezeichnet.

Neophyten: Pflanzen, die in historischer Zeit aus anderen Ländern eingewandert sind und inmitten der heimischen Pflanzenwelt siedeln; zum Beispiel Kleinblütiges Springkraut.

Neorealismus: Richtung im italienischen Film und in der italienischen Literatur Mitte der 40er bis Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhundert mit antifaschistischen und demokratischen Grundhaltung. Die Neorealisten, zum Teil mit der KP verbunden, beschäftigten sich insbesondere mit der Darstellung des barbarischen Charakters des Faschismus, mit dem antifaschistischer Widerstandskampf und dem Kampf für soziale Gerechtigkeit. Sie vermochten jedoch nicht, die komplizierten Widersprüche der kapitalistischen Wirklichkeit nach dem 2. Weltkrieg völlig aufzudecken. insbesondere der neorealistische italienische Film (vertreten unter anderem durch R. Rossellini, V. De Sica, L. Visconti, C. Zavattini) wirkte anregend auf die Filmkunst vieler Länder. Neorealistische Tendenzen gab es auch in verschiedenen westeuropäischen Literaturen. Vertreter des Neorealismus in der italienischen Literatur waren unter anderem L. Bartolini, C. Levi, F. Jovine, V. Pratolini und P. P. Pasolini, der auch als Filmregisseur tätig war. In der bildenden Kunst ist der Neorealismus eine besonders nach dem 2. Weltkrieg in den kapitalistischen Ländern wirksam gewordene Kunstrichtung. Als Gegenbewegung zum Abstraktionismus versucht er, mit betonter Gegenstandstreue gesellschaftskritisch Beziehungen zu verdeutlichen: sozialer Arbeitskampf, Kampf gegen Atomkrieg, antifaschistischer Widerstandskampf, nationale Befreiungsbewegung u. ä. Zu seinen besten Vertretern gehören R. Guttuso, G. Mucchi, A. Fougeron, D. A. Siqueiros.

Neotenie: Eintritt der Geschlechtsreife im Larvenstadium infolge äußerer oder innerer Faktoren, zum Beispiel beim Axolotl.

Nepal, Königreich Nepal: Staat (konstitutionelle Monarchie) in Südasien, an der Südabdachung des zentralen Himalaja; grenzt im Norden an China (Tibet), im Osten, Süden und Westen an Indien; in 14 Verwaltungszonen (75 Distrikte) gegliedert. Zum überwiegenden Teil von hinduistischen Gurkha, des Weiteren von buddhistisch-lamaistischen, tibetisch-mongolische Hochgebirgsstämmen besiedelt; kulturell bedeutendste und eine der ältesten Völkerschaften sind die Newari. Amtssprachen sind Nepali und Englisch. Die Analphabetenrate beträgt noch etwa 80%. Währung ist die Nepalesische Rupie. Natur. Nepal umfasst im Norden den höchsten Teil des Himalajas mit 8 Achttausendern (von insgesamt 14 der Erde), darunter der Qomolangma (Mount Everest; 8848 m) als höchster Berg der Erde. Den mittleren Teil Nepals nehmen dichtbesiedelte fruchtbare Talbecken ein, die nach Süden von der bis zu 3000 m hohen Mahabharata Kette, der sich die 1800 m hohe Siwalikkette vorlagert, begrenzt werden. Die bis zu 150 m hohe sumpfreiche, dschungelbedeckte Ebene der Tarai bildet den nördlichen Saum der Gangesebene. Es herrscht Monsunklima, die Schneegrenze liegt bei 4500 m. Wirtschaft. Nepal ist ein wenig entwickeltes Agrarland mit Überresten feudaler und halbfeudaler Produktionsverhältnisse, dessen Landwirtschaft zwei Drittel des Bruttoinlandprodukts erbringt. Mehr als 90% der Erwerbstätigen sind in diesem Wirtschaftszweig tätig. Nur etwa ein Drittel des Territoriums ist landwirtschaftliche Nutzfläche (hauptsächlich in den Tälern und in der Tarai), doch nur 15 % davon können bewässert werden. Hauptanbauprodukte sind Reis, Weizen, Gerste, Mais, Hirse, Kartoffeln, Tabak, Jute, Ölsaaten, Zuckerrohr. In den Bergen werden Yaks, Rinder und Ziegen gehalten. Die Bergwälder liefern Harthölzer (etwa ein Drittel des Territoriums ist bewaldet). Die reichen Bodenschätze sind noch wenig erforscht; bekannt sind Vorkommen von Erzen, Braun- und Steinkohle, Erdöl und -gas. Der Bergbau beschränkt sich bisher auf die Förderung von Braunkohle und Kupfererz. Die Industrialisierung des Landes befindet sich noch in den Anfängen; vorherrschend ist die Klein- und Heimindustrie mit Verarbeitung von Agrarprodukten. Mit Hilfe der Nachbarstaaten und der UdSSR entstehen Kraftwerke und Fabriken zur Produktion von Landmaschinen, Stahl, keramischen Erzeugnissen, Zement und Chemikalien. Mit UdSSR Hilfe wurden 3 der größten Fabriken (unter anderem Produktion von Zigaretten, Landmaschinen) des Landes errichtet. Mit ausländischer Unterstützung (UdSSR, Indien, China) wird ein Ost-West-Straßensystem geschaffen. Von Raxaul (Indien) erreicht eine Schmalspurbahn Nepal in Janakpur-Bijapur; internationaler Flughafen in Katmandu. Exportiert werden Agrarprodukte, wie Reis (27 %), Jute, Textilien und Ziegenfelle, aber auch Handwerkserzeugnisse (einschließlich Kunsthandwerk) verschiedener Art. Importiert werden Maschinen und Ausrüstungen, Erdölprodukte, Brennstoffe und Konsumgüter. Wichtigster Handelspartner ist Indien (60%), des weiteren Japan und China. Geschichte. Die ursprüngliche Besiedlung von Nepal erfolgte durch tibetische Stämme. Seit 3. Jahrhundert Herausbildung frühfeudaler Staaten (unter anderem Fürstentum Malla). Seit 16. Jahrhundert Einwanderung der Gurkha in das Kathmandu Tal. Durch die Eroberung weiterer Gebiete schufen sie die Grundlagen für einen einheitlichen nepalesischen Staat (hinduistisches Königreich). Nach militärischen Auseinandersetzungen mit Großbritannien wurde Nepal 1814/15 britisches Protektorat. 1846 riss der Feudalclan der Ranas unter Jang Bahadur mit britischer Unterstützung die Macht an sich und herrschte bis 1951 unumschränkt. Nach dem 2. Weltkrieg Entstehung einer Volksbewegung gegen die Rana Diktatur. 1947 entstand der oppositionelle Nepalesischen Nationalkongress (1950 Zusammenschluss mit dem Nepalesischen Demokratischen Kongress zum Nepalesischen Kongress). 1949 wurde der Nepalesische Gewerkschaftskongress gegründet, 1951 die KP. Im Januar 1951 führte der antifeudale Kampf zum Sturz der Rana Diktatur, König wurde Tribhuvan, ihm folgte 1955 sein Sohn Mahendra. 1959 Einführung der konstitutionellen Monarchie, Verkündung der ersten Verfassung. Bei den ersten allgemeinen Wahlen im Februar 1959 errang der Nepalesische Kongress die absolute Mehrheit und bildete eine Regierung unter B. P. Koirala. Die Unzufriedenheit des Volkes mit den halbherzigen Reformmaßnahmen nutzte der König zu einem Staatsstreich. Im Dezember 1960 löste er das Parlament auf und verbot alle Parteien. Am 16.12.1962 dekretierte der König eine neue Verfassung, die auf dem Prinzip der indirekten parteilosen Demokratie (Panchayat-System der Räte) beruhte. Im April 1963 trat die indirekt gewählte Nationalversammlung (National Panchayat) zusammen; es folgte die Einleitung einer Politik gemäßigter Reformen (unter anderem neue Bodenreformgesetze) unter den Ministerpräsidenten S. B. Thapa und Tulsi Giri. 1968 setzte der König eine Kommission für administrative Reformen ein. Nach dem Tode König Mahendras (1972) bestieg dessen Sohn Birendra Bir Bikram Shah Deva den Thron. Im Frühjahr 1979 heftige Unruhen unter Studenten, Landarbeitern und anderen Schichten gegen die sich verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnisse. Ein Referendum vom 2. 5. 1980 erbrachte eine knappe Mehrheit für die Beibehaltung des bestehenden Panchayat-Systems. Die Verfassungsreform vom 15. 12. 1980 ermöglichte direkte und allgemeine Wahlen (1981) zum National Panchayat ohne die formelle Zulassung von Parteien. Nepal betreibt eine Politik der Nichtpaktgebundenheit und tritt für die Verwirklichung der Prinzipien der friedlichen Koexistenz in den internationalen Beziehungen ein.

Neper, (latinisiert) Napier, John, 1550-4.4.1617, schottischer Mathematiker; Mitentdecker der Logarithmen, entwickelte die Neperschen Rechenstäbchen.

Nephelin: Mineral, Alkali-Aluminium-Silikat; Kristallsystem hexagonal, Härte 5 bis 6, Dichte 2,6 g/cm3, prismatische oder dicktafelige Kristalle oder glasig dicht, farblos, grau, fettglänzend; im Gegensatz zum «glasigen» Nephelin der Ergussgesteine ist Eläolith die grobkörnige Varietät der Tiefengesteine.

Nephelometrie: Verfahren zur Bestimmung der Konzentration kleiner Teilchen, die in einer Flüssigkeit suspendiert oder kolloid gelöst sind, durch Intensitätsmessung des bei Einfall eines Lichtstrahls entstehenden Streulichtes oder durch Messung der durch die Trübung der Lösung hervorgerufenen Lichtschwächung.

Nephrose: Erkrankung der tubulären Nierenkanälchen mit oft hochgradiger Eiweißausscheidung im Häm und Ödembildung; kann bei fieberhaften Infekten entstehen.

Nephrosklerose, Nephroangiosklerose: fortschreitende Verkalkung mit Einengung der arteriellen Blutgefäße der Niere. Symptom der Erkrankung ist eine zunehmende Blutdruckerhöhung. Die Nephrosklerose führt zum allmählichen Nierenversagen und zur Schrumpfung der Niere.

Nepos, Cornelius, um 100 um 24 vor Christus, römischer Schriftsteller; von seinem Hauptwerk «De illustribus viris» (Über berühmte Männer) ist nur wenig erhalten; seine Darstellungen sind historisch unzuverlässig.

Nepotismus: Vetternwirtschaft; die Bevorzugung von Verwandten und Günstlingen beim Besetzen von Ämtern, Verleihen von Würden u. ä. durch einen Herrscher.

Neptun: (nach dem Gott) äußerer Planet; gehört zur Gruppe der jupiterartigen Planeten. Die dichte Atmosphäre des Neptuns besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium sowie aus Wasserstoffverbindungen, zum Beispiel Methan. Die Temperatur der dichten Wolkendecke liegt unterhalb von -200 °C. Neptun besitzt eine innere Wärmequelle und strahlt mehr Energie in den Weltraum ab, als er von der Sonne empfängt. Er wird von 2 Monden umkreist Neptun wurde 1846 von J. G. Galle entdeckt (nach Berechnungen von U. J. J. Leverrier aus den Störungen der Uranusbahn).

Neptunismus: (nach dem Gott Neptun) die von dem Freiberger Mineralogen und Geologen A G. Werner (1749-1817) begründete, nach jahrzehntelangem Meinungsstreit als wissenschaftlich unhaltbar erkannte Ansicht, dass alle Gesteine mit Ausnahme der rezenten Laven und Tuffe aus dem Wässer abgesetzt worden seien. Dieser Auffassung schloss sich unter anderem auch Goethe an. Siehe auch Plutonismus.

Neptunium: (nach dem Planeten Neptun) Symbol Np: radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 93. Neptunium ist ein silberglänzendes, unedles Metall; F 637 °C; Dichte 20,5 g/cm3 längste Halbwertszeit 2,144 • 10 hoch 6 Jahre (Np 237). Es ähnelt chemisch dem Uran und kommt in Spuren in Uranmineralen vor. Np 239 entsteht beim Beschuss von U 238 mit Neutronen; es wurde erstmals 1940 in den USA nachgewiesen.

Nereidenmonument: Grabdenkmal in Xanthos (Lykien) vom Ende des 5. Jahrhundert vor Christus, genaue Rekonstruktion noch nicht gesichert; ein hoher Sockel trug als Podium die säulenumstandene Grabkammer. Die reiche Plastik (Friese an Sockel und Gebälk sowie einst zwischen den Säulen aufgestellte Statuen der Nereiden; Britisches Museum, London) gehört der spätklassischen Stilstufe der griechischen Kunst an. Siehe auch lykische Kunst.

Neretva: Hauptfluss der Herzegowina (Jugoslawien); 218 km; entspringt im Dinar. Gebirge am Fuße des Maglie, mündet bei Ploie mit Delta in die Adria; Stausee mit Wasserkraftwerk bei Jablanica; ab Metkovió schiffbar.

Nereus, in der griechischen Sage sanfter, greiser Meergott, der Weissagung kundig; seine Töchter sind die Nereiden (Nymphen).

Nergal, sumerisch-akkadischer Gott der Unterwelt, der Sonnenglut, der Seuchen und des Krieges; war mit Ereschkigal verbunden.

neritisch: (griechisch; nach Nereus) zum Flachmeer (bis 200 m Tiefe) gehörend; neritische Sedimente sind zum Beispiel Ablagerungen der Schelfmeere (Tone, Mergel, Kalke, Sandsteine unter anderem).

Nernst, Hermann Walther, 25.6.1864-18.11.1941, Physiker und Chemiker; wirkte in Göttingen und Berlin; Mitbegründer der physikalischen Chemie; erforschte vor allem elektro- und thermochemischen Vorgänge, stellte 1906 das nach ihm benannt Theorem auf.

Nero, Claudius Drusus Germanicus Caesar, 15.12.37-9.6.68 (Selbsttötung), römischer Kaiser seit 13.10.54; brutaler Herrscher; ließ Mutter, Bruder und Frau ermorden, zwang unter anderem Seneca und Petronius zur Selbsttötung; nahm 64 den Brand Roms zum Anlass für eine große Christenverfolgung. Nero unterdrückte mehrere Aufstände im Reich.

Nerol: ein dem Geraniol stereoisomerer, azyklisches Terpenalkohol der Formel Ct0H17OH. Nerol, eine farblose, rosenartig riechende Flüssigkeit, kommt in ätherischen Ölen vor; es wird auch synthetisch hergestellt und in der Parfümerie verwendet.

Nerolin: künstlicher Riechstoff mit orangenblüten ähnlicher Note, hauptsächlich der farblose, kristallisierte ß-Naphthyl Methyl Ether, C10H7-O-CH3; F 72 °C.

Neroliöl, Orangenblütenöl: gelbliches, erfrischend riechendes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation der Blüten der bitteren Orange gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird.

Neruda: 1. Neruda, Jan, 9.7.1834-22.8.1891, tschechischer Schriftsteller; klassischer Nationalautor; verhalf als Theoretiker wie mit seinem literarischen Schaffen dem kritischen Realismus in der tschechischen Literatur zum Durchbruch und unterstützte den Volksbefreiungskampf. Als Meister der kleinen Form kommentierte er in rund 2000 Feuilletons politische Ereignisse («1. Mai 1890»), In den «Kleinseitner Geschichten» (1878, deutsch) stellt er die tiefe Menschlichkeit der Armen dem Besitzbürgertum entgegen. Seine Gedichte künden von Aufbegehren und schöpferische Kraft der Volksmassen, in denen er die Gestalter der Zukunft sieht (6 Bände, unter anderem «Friedhofsblüten», 1858; «Kosmische Lieder», 1878, deutsch; «Freitagsgesänge», 1896, deutsch).

2. Neruda, Pablo, eigentlich Neftalí Ricardo Reyes Basoalto, 12.7.1904-23.9.1973, chilenischer Dichter, sein umfangreiches, vielseitiges Werk gehört zu den Gipfelleistungen der Weltliteratur des 20. Jahrhundert; Mitglied der KP; suchte nach der Verwirklichung des Anspruchs auf ein sinnerfülltes Leben («Aufenthalt auf Erden», 1933/47, deutsch), solidarisierte sich von 1936 an mit dem spanischen Volk sowie dem weltweiten Kampf gegen Faschismus und Krieg (« Spanien im Herzen», 1937/38, deutsch); verherrlichte in der weitgespannten, epochalen Ode «Canto General» («Der große Gesang», 1950, deutsch; vertont von M. Theodorakis) Lateinamerika und den Kampf seiner Völker, besang in den «Elementaren Oden» (1954/57, deutsch) die Schönheit des alltäglichen Lebens und hielt in «Extravaganzenbrevier» (1958, deutsch) sowie «Memorial von Isla Negra» (1964, deutsch) Rückschau auf sein Leben. Postum erschien «Ich bekenne, ich habe gelebt» (1973, deutsch).

Nerva: Stadt im Südwesten Spaniens, am oberen Rio Tinto; früher Minas de Riotinto 8000 Einwohner; Schwefelkies- und Kupfererzbergbau; Kupferhütten; Export über Huelva.

Nerva, Marcus Cocceius, 8.11.30-25.1.98, römischer Kaiser seit 18.9.96; vertrat die Interessen des Senats; unter dem Druck der Klassengegensätze verfügte er ein Landverteilungsgesetz zugunsten armer Bürger und schuf den sogenannten Alimentar Fonds zur Erziehung armer Waisenkinder.

Nerval, Gérard de, eigentlich Gérard Labrunie, 23.5.1808-25.1.1855, französischer Schriftsteller; Verfasser zahlreicher Reisebücher; gilt wegen seiner traumhaft-visionären Gedichte «Die Chimären» (1854) als Vorläufer der Moderne, insbesondere des Surrealismus.

Nerven: (lateinisch griechisch) durch Bindegewebe umhüllte Bündel von Nervenfasern (Nervenzelle), die die Organe mit dem Zentralnervensystem verbinden. Die afferenten (aufsteigenden) Nervenfasern leiten von der Peripherie zum Zentralnervensystem (Leitung von Empfindungen durch sensible oder bei Erregungen, die von Sinnesorganen kommen, sensorische Nervenfasern), die efferenten (absteigenden) Nervenfasern vom Zentralnervensystem zur Peripherie (Leitung von Erregungen zur Muskulatur durch motorische oder zu Drüsen durch sekretorische Nervenfasern).

Nervenendkörperchen: meist von Bindegewebe organartig umhüllter Beginn der afferenten Nervenfasern, zum Beispiel Muskel- oder Sehnenspindeln und Lamellenkörperchen.

Nervenentzündung, Neuritis: entzündliche Erkrankung eines peripheren Nervs durch Allergie, toxische oder mechanische Schädigung. Die Nervenentzündung verursacht Sensibilitätsstörungen, Schmerzen, Muskellähmungen und -schwund. Die Entzündung mehrerer Nerven wird als Polyneuritis bezeichnet.

Nervengifte: im weiteren Sinne alle Gifte, die das Nervensystem akut oder chronisch schädigen; im eigentlichen Sinn entsprechende chemische Kampfstoffe, zum Beispiel Phosphorsäureester-Kampfstoffe. Industriell bedeutsame Nervengifte sind Tetraäthylblei sowie einige quecksilberorganische Saatgutbeizmittel.

Nervenkrankheiten: pathologisch-anatomisch nachweisbare organische Erkrankungen des Zentralnervensystems oder der peripheren Nerven infolge Entzündung, Vergiftung, mechanische Einwirkung, Degeneration oder Geschwulstbildung.

Nervenschnitt, Neurektomie: Veterinärmedizin operative Entfernung eines Nervenstückes. Häufiger Eingriff beim Pferd an den Gliedmaßen infolge unheilbarer chronisch-aseptischer Erkrankungen der Zehengelenke.

Nervensystem: Gesamtheit der untereinander verbundenen Nervenzellen, die morphologisch und funktionell eine Einheit darstellen. Das Nervensystem dient der Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung von Reizen beziehungsweise Erregungen. Das Nervensystem der Wirbeltiere und des Menschen ist am höchsten entwickelt, nach der Lage gliedert man in zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und peripheres Nervensystem, nach der Funktion in animales Nervensystem (dem Willen unterworfenes, willkürliches Nervensystem) und in vegetatives Nervensystem (unwillkürliches, autonomes, dem Willen nicht unterworfenes Nervensystem); beide sind eng miteinander verknüpft.

Nervenzelle, Neuron, Ganglienzelle, Neurozyt: morphologische und funktionelle Einheit des Nervensystems. Die Nervenzelle besitzt die Fähigkeit der Erregbarkeit, der Erregungsleitung und der Erregungsverarbeitung. Sie besteht aus dem zellkernhaltigen Teil (Perikaryon) und den von hier ausgehenden verschieden langen Fortsätzen, den Dendriten und den Neuriten. Nach der Zahl der Fortsätze sind unipolare Nervenzelle, bipolare Nervenzelle und multipolare Nervenzelle zu unterscheiden. Dendriten stellen meist kurze Ausläufer dar, sie enthalten ebenso wie der Zelleib Neuroplasma, Neurofibrillen, Mitochondrien und Nissl-Schollen. Der Neurit (Axon, Achsenzylinder) besitzt keine Nissl-Schollen, ist von feiner Markscheide (Myelinscheide) umgeben und wird als Nervenfaser bezeichnet. Die Markscheide wird von Gliazellen (Oligodendrozyten, Schwannsche Zellen) gebildet. An den Berührungsstellen (Ranviersche Schnürringe) der Gliazellen scheint der Markmantel unterbrochen, die Nervenfaser segmentiert. Nach dem Myelingehalt werden markhaltige (A-Fasern), markarme (B-Fasern) und marklose (C-Fasern) Nervenfasern unterschieden, die die Erregungen unterschiedlich schnell fortleiten. An den Berührungsstellen der Nervenzelle (Synapsen) beziehungsweise den Kontaktstellen zum Erfolgsorgan werden bei der Übertragung der Erregung chemischer Substanzen (Transmitter) freigesetzt.

Nervi, Pier Luigi, 21.6.1891-9.1.1979, italienischer Architekt und Fachschriftsteller; entwickelte unter Verwendung von Stahlbeton und vorgefertigten Elementen eine zweckmäßige und ästhetisch ausgewogene Architektur (Sportstätten, Kinos, Ausstellungshallen, Industriebauten).

Nervina: Arzneimittel, die hauptsächlich auf das Nervensystem einwirken, zum Beispiel Beruhigungsmittel.

Nervismus: Lehre von der führenden Rolle des Nervensystems für alle im Organismus ablaufenden Prozesse.

Nervosität, Nervenschwäche: mangelhafte psychisch-nervliche Belastbarkeit mit verstärkter Erregbarkeit des Nervensystems infolge körperlicher und geistiger Überbelastung, falscher Lebensgewohnheiten, Missbrauchs von Genussmitteln unter anderem; Symptome der Nervosität sind Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, funktionelle Störungen im Bereich des Gefäß- und Verdauungssystems.

nervös: das Nervensystem betreffend; nervenschwach, leicht reizbar.

Nerze: kurzbeinige, gedrungene Marder mit langem Körper, kurzem flachem Kopf und Schwimmhäuten zwischen den Zehen. Der bis 40 cm lange europäischen Nerze oder Sumpfotter (Mustela lutreola) hat glänzend braunes Fell und einen buschigen Schwanz; lebt an Gewässern Osteuropas bis Westsibiriens. Der nordamerikanische Nerz wird wegen seines kostbaren Felles seit etwa 100 Jahren (in Europa ab 1920) in Farmen gezüchtet. Neben Standardnerze sind etwa 150 Farbmutationen bekannt. Standardnerze haben schwarzbraunes Fell; Mutationsnerze reichen von rein weiß über die Grau- oder Beige-Braun-Reihe bis schwarz. Neue Zuchtrichtungen liefern Felle mit dunklerem Grotzen, die bei der Verarbeitung interessante Effekte ergeben.

Nessebar: Stadt im Osten Bulgariens (Bezirk Burgas), am Schwarzen Meer; 7000 Einwohner; internationaler Kur- und Badeort und Museumsstadt; nördlich Kurortkomplex Slantschew Brjag. Seit dem Altertum besiedelt, reich an altbulgarische volkstümliche Wohnbauten, Grundmauern der bedeutenden frühchristlich-byzantinischen Großen Basilika (Ende 5. Jahrhundert); zahlreiche weitere Kirchen des 9. und 14. Jahrhundert stellen einen Höhepunkt der mittelalterlichen bulgarischen Kirchenarchitektur dar.

Nessel: 1. kräftiges, grobes, ungebleichtes Baumwollgewebe in Leinwandbindung; für Wäsche unter anderem

2. Urtika.

Nesselgewächse, Brennesselgewächse, Urticaceae: vorwiegend tropische Pflanzenfamilie, meist Kräuter mit eingeschlechtigen Blüten, oft mit Brennhaaren, zum Beispiel Brennessel; ohne Brennhaare das heimischen Glaskraut (Parietaria); viele Faserpflanzen, zum Beispiel Ramiepflanze.

Nesselrode, Karl Wassiljewitsch Graf, 13.12.1780 bis 23.3.1862, russischer Politiker; 1816/56 Außenminister, 1845/56 Kanzler; erstrebte die Festigung der Heiligen Allianz und die Annäherung Russlands an Österreich und Preußen zur Aufrechterhaltung der feudal-absolutistischen Vorherrschaft in Europa; wurde nach dem Krimkrieg abgelöst.

Nesselstoffe: chemische Kampfstoffe (überwiegend halogenierte Oxime), die auf Haut und Schleimhäuten sofort schmerzhafte Entzündungen mit Blasenbildung hervorrufen; sie wirken zusätzlich als Lungengifte.

Nesseltiere, Cnidaria: artenreicher Stamm meist im Meer verbreiteter wirbelloser Tiere; der radiärsymmetrische Körper besteht aus 2 Zellschichten, die einen der Verdauung dienenden Raum umschließen, dessen Mündung zugleich Mundöffnung und After ist; dem Nahrungserwerb dienen die Mundöffnung umgebende, mit Nesselkapseln versehene Fangarme. Nesseltiere haben oft einen Generationswechsel zwischen Polypen und Quallen. Hierzu gehören unter anderem Hydra, Korallentiere und Staatsquallen.

Nesselzellen, Cnidoblasten: hochspezialisierte Zellen im äußeren Epithel von Nesseltieren. Die Nesselzellen enthalten eine Kapsel, in deren Innerem ein Nesselfaden aufgerollt ist, der bei Berührung eines Fortsatzes (Knidozil) ausgestülpt wird und sich in das Beutetier einbohrt; dabei tritt Kapselsekret aus, das Klebewirkung hat oder den Chitinpanzer kleiner Tiere auflöst und diese tötet.

Nesimi, Imadeddin, 1369-1417 (als Ketzer zu Tode gemartert), aserbaidschanischer Dichter, schrieb auch persisch und arabisch; verlieh der Poesie neuen sozialen und philosophischen Inhalt und bereicherte sie durch neue ‘Ausdrucksmittel; erhob in seinen Ghaselen Anklage gegen Unfreiheit und religiösen Fanatismus, pries irdische Schönheit, Vernunft und Größe des Menschen.

Nessos: in der griechischen Sage ein Zentaur, der von Herakles mit einem durch das Blut der Hydra vergifteten Pfeil getötet wurde; das mit seinem Blut getränkte Nessusgewand verursachte später Herakles Tod; siehe auch Deianeira.

Nest:

1. Bautechnik: Fehlstelle im Beton ohne ausreichenden Bindemittelgehalt mit geringer Festigkeit; bei Stahlbeton mit Korrosionsgefahr für die Bewehrung verbunden.

2. Bergbau: lokal begrenzte Mineralanhäufungen geringer Bedeutung in Gesteinen oder Gesteinsverbänden.

3. Zoologie: Tierbehausung, zum Teil nur vorübergehend als Schlaf- oder Winterquartier oder zur Brutpflege und Jungtieraufzucht bewohnt; komplizierte Bauten bei manchen Insekten (zum Beispiel Bienen, Ameisen), Fischen, Vögeln und manchen Säugetieren.

Nestflüchter: Vogel- und Säugetierarten, bei denen die Jungtiere in voll ausgebildetem Zustand zur Welt kommen und das meist einfache Nest bald verlassen; zum Beispiel Hühnervögel, Feldhase. Siehe auch Nesthocker.

Nesthocker: Vogel- und Säugetierarten, deren Jungtiere intensiver Brutpflege bedürfen und lange Zeit an das Nest gebunden sind; zum Beispiel Singvögel, viele Nagetiere. Siehe auch Nestflüchter.

Nestor, in der griechischen Sage ältester der griechischen Helden vor Troja, König von Pylos; durch lange, reiche Lebenserfahrung als weiser Ratgeber berühmt; übertragen Ältester; weiser Berater.

Nestorianer: Anhänger der von dem Patriarchen Nestorius von Konstantinopel (gestorben um 451) vertretenen Lehre, dass in Christus nicht nur zwei Naturen, sondern auch zwei Personen seien. Nestorius wurde auf dem Konzil von Ephesus (431) als Irrlehrer verurteilt.

Nestroy, Johann Nepomuk, 7.12.1801-25.5.1862, österreichischer Dramatiker und Schauspieler; knüpfte in seinem Schaffen an das Wiener Volkstheater und F. Raimunds Zauberspiele an und schuf das humoristisch-satirische gesellschaftskritische Wiener Volksstück, mit dem er plebejisch-oppositionelle Tendenzen zur Wirkung brachte; verfasste insgesamt 83 Bühnenwerke («Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt», 1833).

Nestwurz: heim, blattgrünlose Waldorchidee (u.N.) mit vogelnestartiger Wurzel und bräunlicher Blütentraube; in Gemeinschaft mit Pilzen lebender Humusbewohner, besonders in Buchenwäldern.

Neto, Antonio Agostinho, 17.9.1922 bis 10.9.1979, angolanischer Politiker, Arzt und Schriftsteller; wegen seiner politischen Aktivität gegen den portugiesischen Kolonialismus mehrmals verhaftet. Neto war 1956 Mitbegründer der Volksbewegung für die Befreiung Angolas (portugiesisch Abkürzung MPLA), seit 1962 ihr Präsident; seit 11. 11.1975 Präsident Angolas, Vorsitzender des Revolutionsrates und Oberkommandierender der Volksbefreiungskräfte und seit 1977 Präsident der MPLA-Partei der Arbeit. Neto hat als sensibler, ausdrucksstarker Lyriker («Heilige Hoffnung», 1963, deutsch) Weltruhm erlangt und bleibenden Einfluss auf die Entwicklung der angolanischen Literatur genommen.

Netsuke: (japanisch, «Wurzelholzschnitzerei») japanische Kleinstplastik aus Holz, Bambus, Horn, Elfenbein oder Metall von zumeist etwa 4 cm Größe, als Knopf oder Knebel verwendet, um Tabaksbeutel u. ä. am Gürtel zu befestigen; kam im 17. Jahrhundert als modisches Zubehör auf und wurde später besonders außerhalb Japans zu einem beliebten Sammelobjekt.

Nettelbeck, Joachim, 20.9.1738-29.1.1824, preußischer Patriot; verhinderte 1806 die Übergabe von Kolberg (Kolobrzeg) an die napoleonischen Truppen und war hervorragend an der Verteidigung der Stadt beteiligt.

netto: rein (zum Beispiel nach Abzug der Kosten); ohne Abzug (zahlbar); ohne Aufschlag (Preis); ohne Verpackung (Masse).

Nettogewinnabführung: von den volkseigenen Kombinaten und Betrieben an den Staatshaushalt abzuführender Teil des Nettogewinns. Die Nettogewinnabführung wird als staatliche Plankennziffer als absoluter Betrag in Mark festgelegt. Ihre Höhe ist abhängig vom planmäßig zu erwirtschaftenden Gewinn entsprechend den von den Kombinaten und Betrieben zu produzierenden Waren und Leistungen in Menge, Qualität und Sortiment und deren Kosten sowie von der erfordert, planmäßigen Bildung und Verwendung eigener Fonds zur Finanzierung der erweiterten Reproduktion, zur Stimulierung der Werktätigen und zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen.

Nettoproduktion: verbindliche staatliche Plankennziffer der Betriebe der Industrie, die das in einem bestimmten Planzeitraum geschaffene Nettoprodukt (Neuwert) im Preisausdruck widerspiegelt. Sie wird berechnet, indem von der industriellen und nichtindustriellen Warenproduktion zu Betriebspreisen plus/minus Bestandsveränderungen an unfertigen Erzeugnissen und Leistungen per 31.12. ausgegangen und davon der Verbrauch von Material und produktiven Leistungen sowie der Verbrauch von Arbeitsmitteln (Abschreibungen) abgezogen wird.

Nettoproduktivität: Kennziffer für die Entwicklung der Arbeitsproduktivität, bei der das Nettoprodukt (die Nettoproduktion) als Ergebnis des Einsatzes der produktiven Arbeit den dafür entstandenen Aufwänden an Arbeitszeit gegenübergestellt wird. Die Nettoproduktivität berücksichtigt, dass die Verringerung des Gesamtquantums an Arbeit, unabhängig von seiner Zusammensetzung nach vergegenständlichter und lebendiger Arbeit, das Kennzeichen gesteigerter Arbeitsproduktivität ist.

Nettowert, Buchwert, Zeitwert: Wert eines Grundmittels zum Zeitpunkt der Bewertung; Differenz zwischen Bruttowert und Verschleiß.

Netz: 1. Netz, Omentum - Anatomie: Doppelblätter des Bauchfells, die den Magen einschließen und zum Teil den Netzbeutel begrenzen.

2. Astronomie: Sternbild.

3. Elektrotechnik: eine aus ohmschen, induktiven oder kapazitiven Widerständen bestehende umfangreiche Schaltung. Sind zusätzlich zu diesen passiven Schaltelementen (passives Netz) Spannungsquellen vorhanden, so entsteht ein aktives Netz Ein Energieversorgungsnetz mit Kraftwerken, Kabeln, Freileitungen, Umspannwerken und so weiter dient der betriebssicheren und wirtschaftlichen Bereitstellung der Elektroenergie. Dabei bietet das Maschennetz (vermaschtes Netz) gegenüber dem Strahlennetz (unvermaschtes Netz) durch mehrseitige Einspeisung der Verbraucher eine höhere Betriebssicherheit. Vermaschte Netze einschließlich der Kraftwerke werden wiederum zu einem Verbundnetz zusammengeschlossen. Außerdem gibt es spezielle Netze (Bordnetz, Bahnnetz). Nach Spannungshöhe werden Höchstspannungsnetz, Hochspannungsnetz, Mittelspannungsnetz und Niederspannungsnetz, nach Ausführung Freileitungsnetz, Kabelnetz und Installationsnetz unterschieden.

4. Geodäsie: System von einander zugeordneten Festpunkten, meist auf der Erdoberfläche, für Lagemessungen (trigonometrisches Netz, Trilaterationsnetz, kombiniertes Netz), Höhenmessungen (Höhennetz) oder Messungen der Schwere (Schwere- beziehungsweise gravimetrisches Netz).

5. Geometrie: System der Kanten, das bei der Abwicklung einer Polyederoberfläche in eine Ebene entsteht.

6. Netz, Fernmeldenetz: Nachrichtentechnik Gesamtheit der Sprech- und Fernschreibstellen, der Freileitungs-, Kabel- und Richtfunkstrecken sowie der Vermittlungseinrichtungen zur Verbindung der Fernsprech- beziehungsweise Fernschreibteilnehmer eines Territoriums (Orts-, Landes-, internationales Netz).

7. Textiltechnik: großmaschiges textiles Flächengebilde aus Fäden oder mehreren Fadensystemen. Die Fadenlegungen werden an den Kreuzungsstellen so festgehalten, dass sich im ausgebreiteten Netz gleichmäßige Maschen bilden.

Netzball: Federball, Tennis, Tischtennis, Volleyball die Oberkante des Netzes berührender, in die gegnerische Spielfeldhälfte gelangender gültiger Ball. Entsteht beim Aufschlag ein Netzball, ist der Aufschlag zu wiederholen, im Volleyball erfolgt Aufgabewechsel.

Netzbeutel, Bursa omentalis: von der freien Bauchhöhle in deren oberem Abschnitt abgegrenzter Spaltraum zwischen Magen (Hinterwand), Bauchspeicheldrüse (Vorderfläche), Milz und Bauchfelldoppelblättern.

Netzebene: Kristallographie jede durch 3 Gitterpunkte gelegte Ebene an beliebiger Stelle des Raumgitters. Jeder Kristall enthält Parallelscharen von Netzebene, die gleichzeitig möglichen Kristallflächen parallel verlaufen.

Netzfett: Fett vom Bauchfell des Schweines.

Netzflügler, Neuropteroidea: Überordnung der Insekten mit vollkommener Verwandlung; Vollkerfe mit 4 durchsichtigen, netzartig geäderten Flügeln und kauenden Mundwerkzeugen; Vollkerfe und Larven leben räuberisch; siehe auch Großflügler, Kamelhalsfliegen, Landhafte.

Netzfrequenz: die konstant gehaltene Frequenz (Nennfrequenz) eines Energieversorgungssystems. Die Netzfrequenz beträgt in Europa 50 Hz, auf anderen Kontinenten zum Teil 60 Hz und im Eisenbahnstromsystem zum Teil 16% Hz.

Netzgerät, Stromversorgungsgerät: aus dem Wechselstromnetz gespeistes Gerät, das die zum Betrieb elektronische Laboraufbauten benötigten (einstellbaren und stabilisierten) Gleichspannungen liefert, insbesondere Betriebsspannungen für Halbleiterbauelemente.

Netzhaut, Retina: beim Menschen aus lichtempfindlichen Sinneszellen (Stäbchen, Zapfen), Nervenzellen und Stützzellen (abgewandelte Gliazellen) aufgebaute und bis zum Pupillenrand reichende, etwa 0,2 bis 0,4 mm dicke innere Augenhaut. Der vordere, die Rückfläche der Regenbogenhaut und den Ziliarkörper überziehende Abschnitt ist lichtunempfindlich. Im Dunkeln ist die Netzhaut durch den Sehpurpur (Rhodopsin unter anderem) rot gefärbt, bei Belichtung wird sie farblos. 2 Gebiete weichen vom übrigen Aufbau ab; die Austrittsstelle der Fasern des Sehnervs, blinder Fleck (Discus nervi optici), besitzt keine Sinneszellen; der gelbe Fleck (Macula lutea) ist die Stelle des schärfsten Sehens (Fovea centralis), hier liegen nur Zapfenzellen. Die Stäbchenzellen (beim Menschen 75 Millionen) vermitteln das Hell-Dunkel-Sehen, die Zapfenzellen (4 Millionen) das Farbensehen.

Netzhautablösung, Ablatio retinae: Ablösung der auf der Aderhaut locker aufliegenden Netzhaut des Auges, meist mit Riß- oder Lochbildung. Die Ursachen sind vielfältig, zum Beispiel starke Kurzsichtigkeit, Veränderung der Netzhaut bei Altersleiden, ferner nach Unfällen und sekundär bei Geschwülsten und Entzündungen. Die Behandlung erfolgt durch operative Anheftung der Netzhaut, zum Beispiel durch Laserstrahlen.

Netzmittel: Substanzen, die die Grenzflächenspannung einer Flüssigkeit, insbesondere Wasser, herabsetzen, so dass eine bessere Benetzung eingebrachter Materialien erreicht wird. Zu den Netzmitteln gehören zum Beispiel Seifen, Alkylsulfate und Alkylarylsulfonate. Netzmittel erhöhen zum Beispiel die Wirksamkeit von Wasch-, Färbe-, Flotations- und Insektizid Lösungen, fotografischen Entwicklern und galvanische Elektrolyten.

Netzplantechnik, Netzwerkplanung: eine Gruppe von Verfahren zur Darstellung, Analyse, Planung und Kontrolle komplizierter Prozessabläufe. Die bekanntesten Verfahren sind CPM (Critical Path Method) und PERT (Program Evaluation and Review Technique), bei denen die Einzelprozesse (Vorgänge oder Aktivitäten) als Kanten in einem Netzwerk, das heißt in einem Graph, dargestellt werden, sowie UPM (Metra-Potential-Methode), bei der die Vorgänge die Knoten des Netzwerkes sind. Die Netzplantechnik ist anwendbar auf Prozessabläufe, die aus vielen Einzelprozessen bestehen, zwischen denen Abhängigkeiten existieren und von denen manche zeitlich parallel und manche aufeinanderfolgend auszuführen sind.

Die Netzplantechnik ermöglicht die Ablaufplanung, Zeitschätzung für die Vorgänge, Terminplanung (evtl. Kosten- und Ressourcenplanung und -Optimierung), gleitende Plankontrolle und -präzisierung. Der Abschluss bestimmter Vorgänge wird als Ereignis bezeichnet. Für das Erkennen von Schwerpunkten der Leitungstätigkeit ist das Bestimmen des kritischen Weges (im Netzwerk) wichtig, der diejenigen Ereignisse verbindet, für die keine Zeitreserven existieren.

Netzspannung: die Spannung zwischen den Leitern eines Energieversorgungssystems. Genormte Werte sind: Kleinspannung: 4, 6, 12, 24 V; Niederspannung:

a) Gleichstrom 60, 110, 220, 440, 750 V;

b) Wechselstrom 110, 220 V;

c) Drehstrom 380, 500 V; Mittelspannung-. Wechsel- und Drehstrom (50 Hz) 10, 20, 30 kV;

Hochspannung: a) Gleichstrom 1,5, 3 kV;

b) Wechselstrom (16% Hz) 1, 3, 6, 15, 110 kV;

c) Drehstrom (50 Hz) 110, 220 kV;

Höchstspannung: a) Gleichstrom ab 1000 kV;

b) Drehstrom (50 Hz) 380, 500, 750 kV. Netzspannungsänderungen (Netzspannungsschwankungen) treten durch Belastungsänderungen, Schalthandlungen und Blitzschlag auf.

Netztafel: in der Nomographie verwendete Form der graphischen Darstellung von funktionalen Beziehungen zwischen 3 und mehr Variablen. In der Grundform werden 3 Kurvenscharen mit den Scharparametern x, y und z in einem m,«-Koordinatensystem so bestimmt, dass 3 Zahlen x, y und z genau dann einer Gleichung F(x, y, z) = 0 genügen, wenn sich die zugehörigen Kurven in einem Punkt schneiden. Damit lässt sich bei Vorgabe von 2 der Zahlen die jeweils dritte leicht ablesen. Die zu einer gegebenen Netztafel gehörende Gleichung F(x, y, z) = 0 heißt Schlüsselgleichung.

Netzwerk: Schaltung aus elektrischen Bauelementen, Energiequellen und Verbindungsleitungen mit 2 (Zweipol), 4 (Vierpol) oder mehr (Mehrpol) Anschlussklemmen. Passive Netzwerke enthalten keine, aktive Netzwerke enthalten Strom- oder Spannungsquellen. Außerdem unterscheidet man lineare und nichtlineare Netzwerk sowie Netzwerk mit konzentrierten Bauelementen und Netzwerk mit verteilten Parametern (Kabel, Leitungen). In der Informationstechnik und Elektronik spielt die Signalübertragung zwischen den Ein- und Ausgangsklemmen von Netzwerken eine dominierende Rolle. Netzwerk dienen auch als Modelle für andere technisch-physikalische Strukturen (Mechanik, Akustik, Pneumatik).

neuapostolische Kirche: die von den katholisch-apostolischen Gemeinden 1865 abgespaltenen christlichen Gemeinden.

Neubarock: historisierende Stilrichtung der europäischen Kunst der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert. Die Rückbesinnung auf die Kunst des Feudalabsolutismus des 18. Jahrhundert entsprach dem Repräsentationsbedürfnis der herrschenden Klassen; barocke Formen waren besonders geeignet, das Streben nach Macht, Pathos und Prunk zu verdeutlichen. In der Architektur setzte sich der Neubarock nicht nur bei Repräsentationsbauten durch, sondern beeinflusste auch den Mietwohnungsbau. Der Neubarock äußerte sich ebenfalls in der Malerei (H. Makart), der Plastik (R. Begas) und den angewandten Künsten. In Deutschland war die Entwicklung des Neubarock eng mit der Gründung des Kaiserreiches von 1871 verknüpft («Kunst der Gründerzeit»).

Neuber, Friederike Caroline, genannt die Neuberin, 9.3.1697-30.11.1760, Schauspielerin und Prinzipalin einer Wandertruppe; reformierte im Sinne J. C. Gottscheds das deutsche Theaterwesen; «verbannte» 1737 in einem allegorisches Spiel den Hanswurst von der Bühne, setzte ein literarisch orientiertes Repertoire (französischer Klassiker, aber auch Uraufführung von G. E. Lessings «Jungem Gelehrten») durch und erhöhte durch Ensembleerziehung das gesellschaftliche Ansehen des Schauspielerstandes.

Neudeutsche Schule: Komponistenkreis, der sich Mitte des 19. Jahrhundert um F. Liszt und R. Wagner scharte und deren musikalischen Gestaltungsprinzipien (sinfonische Dichtung, Musikdrama unter anderem) als Vorbild nahm. Hauptvertreter waren J. Raff (1822-1882), P. Cornelius (1824-1874), H. von Bülow (1830-1894), Hugo Wolf (1860-1903); sie stellten sich in Aufsätzen und Streitschriften in Gegensatz zu den «Klassizisten» um J. Brahms.

Neue Ära: von der deutschen Bourgeoisie geprägte Bezeichnung für die preußische Regierungspolitik 1858/62. Mit Beginn der Regentschaft des Prinzen Wilhelm (seit 1861 König) wurde das reaktionäre Kabinett durch eine Regierung gemäßigt-liberaler Adliger ersetzt. Sie gewährte der Großbourgeoisie geringfügige Zugeständnisse, betrieb aber weiterhin eine Politik, die die Machtgrundlagen der preußischen Monarchie festigte.

neue Armut: eine seit Mitte der 70er Jahre als Folge andauernder Massenarbeitslosigkeit, steigender Preise, Tarife und Mieten und der Politik des Sozialabbaus verstärkt auftretende Erscheinung in entwickelten kapitalistischen Ländern; hat zum Inhalt, dass wachsende Teile der Bevölkerung (besonders ältere Frauen mit niedrigen Renten, Behinderte, Kranke, alleinstehende Mütter, ausländische Arbeitskräfte, Angehörige von rassischen oder nationalen Minderheiten und vor allem Langzeit- und Dauerarbeitslose, darunter zunehmend junge Menschen, die keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz finden) ihre materielle Existenz nicht mehr ohne staatliche oder karitative Hilfe sichern können und unter dem sozialen (mitunter sogar physischen) Existenzminimum leben müssen. Die neue Armut ist ein spezifischer Ausdruck des absoluten, allgemeinen Gesetzes der kapitalistischen Akkumulation.

Neuenburg: 1. Kanton im Westen der Schweiz; 797 km2,156000 französisch sprechende Einwohner; 200 Einwohner/km; Hauptstadt Neuenburg 2; umfasst überwiegend den Schweizer Jura (klüftiges Kalkgestein) von der französischen Grenze bis zum Neuenburger See; Uhrenindustrie (La Chaux-de-Fonds, Le Locle), Elektrogerätebau, Zement-, Asphaltherstellung, Schokoladenindustrie; in Hochtälern Milchviehzucht.

2. Hauptstadt von Neuenburg 1, am Neuenburger See; 33000 Einwohner; Uhren-, Kabel-, Papier-, Tabak-, Schokoladen-, Schmuckwaren-, Elektroindustrie; Universität, Hoch- und Fachschulen; Museen; Schloss (12.,15./17. Jahrhundert), Kollegiats-Stiftskirche Notre Dame (12. Jahrhundert).

Neuenburger See, französisch Lac de Neuchâtel: See im Westen der Schweiz, zwischen Schweizer Juia und Schweizer Mittelland; 218 km2, 38 km lang, bis 153 m tief; bergiges Westufer (Weinbau); von der Zihl durchflossen, durch Kanäle mit dem Bieler- und Murtensee verbunden; Reste von Pfahlbauten.

Neuengland: historische Region im Nordosten der USA seit 1620 durch Puritaner besiedelt; die Kolonien Connecticut, Maine, Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island und Vermont bildeten 1643/84 die Vereinigten Kolonien von Neuengland; Zentrum der Herausbildung der nordamerikanischen Manufaktur- und Industriebourgeoisie.

Neue ökonomische Politik, Abkürzung NÖP: Wirtschaftspolitik des Sowjetstaates beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus 1921/30er Jahre; löste den Kriegskommunismus ab. Die Ersetzung der Ablieferungspflicht durch eine Naturalsteuer, die Zulassung des privaten freien Handels und im begrenzten Maße Elemente des Kapitalismus führten zur Entfaltung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion mit dem Ziel, die durch Krieg und Intervention zerrüttete Wirtschaft wiederherzustellen und sie allmählich sozialistisch umzugestalten. Der sozialistische Charakter war durch die politische Macht der Arbeiterklasse, die sozialistische Gesetzgebung und das staatliche Außenhandelsmonopol gesichert. Mit der Verwirklichung der von Lenin bereits 1918 entwickelten Grundzüge der NÖP («Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht») konnte erst 1921 nach Beendigung des Bürgerkrieges und der ausländischen militärischen Intervention begonnen werden.

Neuerer: Werktätiger, der aktiv und schöpferisch an der Neuererbewegung teilnimmt, auf der Grundlage von Neuerer Vereinbarungen in sozialistischen Gemeinschaftsarbeit an der planmäßigen Lösung von Neuerer Aufgaben mitwirkt oder Neuerervorschläge ausarbeitet.

Neuererbewegung: Masseninitiative der Arbeiterklasse und der anderen Werktätigen im Rahmen des sozialistischen Wettbewerbs, um durch Schöpferische, über die Arbeitsaufgaben hinausgehende Arbeit die Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion durch sozialistischen Rationalisierung in Einheit mit der planmäßigen Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen zu beschleunigen und andere Vorteile für die sozialistische Gesellschaft zu erzielen. Die Neuererbewegung schließt in ihre Ziele die Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft, die Festigung der inneren Sicherheit, Verkehrssicherheit, Verkaufskultur und andere gesellschaftliche Erfordernisse ein.

Neuerermethode: Neuerung (Methode, Maßnahme), die sich durch hohe Verallgemeinerungsfähigkeit auszeichnet, bei deren Realisierung die Arbeitsweise grundlegend verändert und ein nachweisbarer Nutzen für die sozialistische Gesellschaft entsteht.

Neuerervorschlag: von Werktätigen eingereichter Vorschlag, der

a) die Lösung einer wissenschaftlichen technischen oder anderen Aufgabenstellung enthält und die für die Benutzung im Betrieb wesentlichen Mittel und Wege zeigt;

b) geeignet ist, einen Nutzen für die Gesellschaft zu erzielen;

c) im Betrieb nicht bereits angewandt oder nachweislich noch nicht zur Benutzung vorgesehen ist.

Neue Rheinische Zeitung: revolutionäre Tageszeitung mit dem Untertitel «Organ der Demokratie», erschien vom 1.6.1848 bis 19.5.1849 in Köln unter Leitung von K. Marx und Mitarbeit von F. Engels sowie W. Wolff, G. Weerth, F. Freiligrath unter anderem; vertrat in der Revolution von 1848/49 die Konzeption des Bundes der Kommunisten.

Neuer Kurs: von Bismarck-Anhängern geprägte Bezeichnung für die Politik des Reichskanzlers Graf von Caprivi (1890/94); war im Innern durch eine Kombination von Reformansätzen und Repressivmaßnahmen gekennzeichnet und außenpolitisch auf die offene Vorbereitung eines Zweifrontenkrieges orientiert.

Neuerung: 1. allgemein schöpferische Weiterentwicklung durch menschliche Tätigkeit.

2. Neuere/recht schöpferische Lösung eines wissenschaftlich-technischen oder anderen betrieblichen Problems, die gegenüber dem bisherigen Stand im Betrieb neu ist. Neuerung werden im Rahmen von Neuerer Vereinbarungen oder als Neuerervorschläge erbracht und bezwecken besonders die Rationalisierung, die Erhöhung der Qualität von Erzeugnissen, die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.

Neue Sachlichkeit: 1. Richtung der bildenden Kunst seit 1920, die vor allem in Deutschland ausgeprägt war, besonders in Malerei und Graphik; wandte sich gegen Impressionismus, Expressionismus und abstrakte Kunst, indem sie die dargestellten Dinge in sachlich-nüchterner Form, mit scharfen Konturen und die farblichen Gegensätze besonders betonend wiedergab (Hauptvertreter A. Kanoldt, G. Schrimpf, G. Scholz, C. Mense). Oft wurden die Stilmittel der Neuen Sachlichkeit genutzt, um zeitkritische Gestaltungen zu schaffen, die Sympathie zur Arbeiterklasse bezeugten (O. Dix, G. Jürgens, K. Hubbuch, K. Rössing). Die schöpferische Auseinandersetzung mit der Kunst der Neuen Sachlichkeit wirkt bis in das Kunstschaffen der Gegenwart.

2. Stilrichtung in Kunstgewerbe und Architektur, die sich vom Eklektizismus abwendet und Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit anstrebt, Anfänge um 1900; in Italien als Stile Novecento bezeichnet.

Neues Chilenisches Lied: von V. Parra initiierte antiimperialistische Bewegung des sozialen engagierten Liedes, die sich Mitte der 60er Jahre im Kampf um die Unidad Populär herausbildete und im Sinne einer progressiven Verbindung von Nationalem und Sozialem auf lateinamerikanischen Folkloregenres, klassische Kompositionstechniken und Volksmusikinstrumente zurückgreift. Das Neue Chilenische Lied brachte eine Reihe bedeutender Ensembles, Komponisten und Liedermacher hervor. Die Mehrzahl der Vertreter des Neuen Chilenischen Liedes wirkt seit dem faschistischen Putsch von 1973 im Exil.

Neufrankreich: das französische Kolonialreich (seit 1608) in Nordamerika; fiel 1763 an Großbritannien (Kanada und die Gebiete östlich des Mississippi) und Spanien (westlicher Teil von Louisiana).

Neufundland: 1. Insel im Atlantischen Ozean, vor der Nordostküste Nordamerikas, durch die schmale, aber tiefe Belle-Isle-Straße vom Festland getrennt, wichtigster Teil von Neufundland2; 108 860 km2. Durch Fjorde und Buchten reich gegliederte, felsige Steilküste; im Innern flachwellige, seen- und moorreiche, teilweise bewaldete Hochfläche, die im Nordwesten bis 814 m ansteigt; Blei-, Zink-, Kupfererzabbau, Forst- und Fischereiwirtschaft.

2. östlichste Provinz Kanadas, umfasst Neufundland 1 und den Nordostteil der Halbinsel Labrador. Insgesamt 404519km2, 570000 Einwohner, die zu 96% auf Neufundland 1 leben; 1,4 Einwohner/km2; Hauptstadt Saint John’s. Meist 200 bis 700 m hohes Hügel- und Bergland, auf Labrador bis 1676 m (Cirque-Gebirge) hoch. Bei kaltem, feuchtem und nebelreichem Klima Tundra, Sümpfe, Moore, Wald; kaum Ackerboden, Landwirtschaft deshalb unbedeutend. Zahlreiche, zum Teil gefällereiche Flüsse und Glazialseen (Michikamausee). Im Bergbau bedeutendste Eisenerzforderung Kanadas (Labrador), aber Weiterverarbeitung in den USA. Daneben Abbau von Kupfer-, Zink- und Bleierz, Flussspat, Asbest; Hydroenergiegewinnung; außer Baumaterialienindustrie unbedeutende Industrie (Zellulose, Papier, Erdöl); Fischfang; Flughäfen in Goose Bay (Labrador) und Gander (Neufundland); eine im Vergleich zu anderen unterentwickelte Provinz. Die Insel Neufundland wurde um 1000 von Normannen, erneut 1497 von G. Caboto entdeckt, von H. Gilbert für England in Besitz genommen, aber nicht besiedelt. Seit dem 17. Jahrhundert von Frankreich beansprucht, 1713 an Großbritannien abgetreten. 1855 Gewährung der Selbstverwaltung; seit 1949 kanadische Provinz. Seit dem 2. Weltkrieg Luftstützpunkte der USA.

Neufundlandbank: untermeerisches Plateau südöstlich der Insel Neufundland; 20 bis 200 m u. M.; ergiebige Fischgründe (besonders Kabeljau, Hering); berüchtigt wegen der häufigen und dichten Nebel (Neufundlandnebel), die beim Zusammentreffen des kalten Labradorstroms mit dem warmen Golfstrom entstehen.

Neufundländer: (nach der Insel) große, «bärenhafte» meist schwarze Hunderasse mit langem, dichtem Haar, Rüden bis 73 cm, Hündinnen bis 68 cm hoch; anhänglich, gute Schwimmer und Taucher.

Neugeborenes: jedes lebend geborene Kind bis zum vollendeten 7. Lebenstag. Die Neugeborenenzeit hat besondere biologische und medizinische Bedeutung; es vollziehen sich wichtige Anpassungsvorgänge an die Umwelt. Die Gefährdung und die Sterblichkeit sind relativ höher als in jedem späteren Lebensabschnitt.

Neugotik: historisierende Kunstströmung des 18./19. Jahrhundert, in der gotischen Gestaltungsprinzipien wiederbelebt wurden. Sie trat zuerst in England auf (Landhaus Strawberry Hill des Politikers und Schriftstellers H. Walpole; 1750/70) und wurde infolge der Neubesinnung auf die Natur insbesondere für die Gestaltung der Landschaftsparks (mit gotischen Ruinen) bedeutend. In Deutschland steht die Entwicklung der Neugotik im Zusammenhang mit der frühromantischen Bewegung in der Literatur; auch förderte das wissenschaftlichen Studium der mittelalterlichen Baukunst die genaue Kenntnis der Gotik und führte von gotisch nach-empfundenen Bauten bis zur genauen Stilkopie (LF. Schinkel). Zunächst viele Bereiche der Architektur umfassend, wurde die Neugotik gegen Ende des 19. Jahrhundert der nahezu allein verbindliche Stil im Kirchenbau.

Neuguinea, indonesische Irian-, größte Insel Melanesiens, nach Grönland die zweitgrößte der Erde; 771600 km2, etwa 4 Millionen Einwohner (Papua, Melanesier); 5 Einwohner/km2; Westhälfte zu Irian Jaya (Indonesien), Osthälfte zu Papua-Neuguinea. Neuguinea wird von mehreren Gebirgsketten durchzogen (Pik Jaya, 5030 m), südlich davon weitgehend versumpfte Schwemmlandebene; feuchtheißes tropisches Klima; überwiegend tropischer Regenwald; rückständiger Brandrodungsfeldbau, an der Küste Plantagenwirtschaft (Exportkulturen); Holznutzung; Fischfang; kaum Verarbeitungsindustrie; reiche Bodenschätze (Gold, Kupfer, Silber, Mangan, Nickel, Platin, Erdöl), die teilweise, vor allem von USA-, australischen und japanischen Konzernen ausgebeutet werden. ursprünglich von Papua besiedelt, wurde Neuguinea im 16. Jahrhundert von Portugiesen und Spaniern entdeckt und benannt. Den Westteil okkupierten 1828 die Niederländer, der Ostteil wurde 1884 zwischen Großbritannien (Protektorat Papua im S) und Deutschland (bis 1914 «Kaiser-Wilhelms-Land» im N) geteilt und seit 1906 beziehungsweise 1919 von Australien als Mandats- beziehungsweise Treuhandgebiet (seit 1949 Papua und Neuguinea) verwaltet. Nach der Unabhängigkeit Indonesiens verhinderten die Niederlande die Rückgabe des Westfeils (Westiran, heute Provinz Irian Jaya) bis 1963. Der Ostteil wurde am 16.9. 1975 als Papua-Neuguinea unabhängig.

Neuhaus, Neuhaus am Rennweg: Kreisstadt im Bezirk Suhl, auf dem Kamm des Thüringer Schiefergebirges; 6800 Einwohner; Röhren-, Pharmaglaswerk, keramische Industrie; Höhenluftkurort, Wintersportplatz (804 m über dem Meeresspiegel).

Neuhaus: 1. Heinrich Neuhaus, 12.4.1888-10.10.1964, sowjetischer Pianist deutscher Herkunft; war seit 1919 Professor am Kiewer, seit 1921 am Moskauer Konservatorium; Begründer einer der bedeutendsten Pianistenschulen (E. G. Gilels, S. T. Richter); schrieb «Die Kunst des Klavierspiels» (1958, deutsch) unter anderem

2. Wolfgang Neuhaus, 27.3.1929-24.8.1966, Schriftsteller; schrieb Gegenwartsromane (unter anderem «Wetterleuchten um Wadrina», 1954; «Gestohlene Jugend», 1959), Erzählungen («Kampf gegen Sternlauf. Der Weg der deutschen Partisanen Fritz Schmenkel»), 1970; vollendet von Barbara Neuhaus) sowie Reportagen über den sozialistischen Aufbau.

Neuhegelianismus: seit Beginn des 20. Jahrhundert auftretende Strömung der spätbürgerlichen Philosophie, die das progressive Erbe der Hegelschen Philosophie entstellte und den Revisionismus beeinflusste; insbesondere metaphysisch-irrationalistische Interpretation der Geschichte.

Neuilly-sur-Seine: Wohnvorstadt im Westen von Paris, am Bois de Boulogne; 66000 Einwohner; feinmechanische, pharmazeutische und Parfümindustrie. Am 27.11.1919 wurde zwischen den Entente-Staaten und Bulgarien der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine unterzeichnet, der den 1. Weltkrieg zwischen diesen Staaten beendete. Er diktierte Bulgarien Gebietsabtretungen an Griechenland (Westthrakien), Jugoslawien (westliche Grenzgebiete und Strumica Tal) und Rumänien (Süddobrudscha), hohe Reparationen sowie die Beschränkung des Heeres auf 20000 Mann. Der Vertrag trug imperialistischen Charakter.

Neujahr: der erste Kalendertag eines Jahres; wird bei uns seit etwa 1500 gefeiert.

Neujahrsbilder: im alten China Bilder symbolischen Inhalts (Malereien, seit dem 10. Jahrhundert Holzschnitte). Sie wurden zu Neujahr an Haustüren und -mauern angebracht, um Unheil abzuwehren und Glück zu mehren; zeigen seit der Mitte des 20. Jahrhundert volkstümliche Szenen.

Neukaledonien: Insel im Stillen Ozean (Melanesien), zur Kolonie Französisch-Ozeanien gehörend; 16117 km2, mit umliegenden (unter anderem Chesterfield-, Loyauté-) Inseln 19103 km2, 155000 Einwohner (43% Melanesier, 37.% Europäer (besonders Franzosen), 20% Polynesier und Asiaten); 8 Einwohner/km2; Hauptort und -hafen Nouméa; von einem Korallenriff umgebene gebirgige Insel (bis 1628 m hoch) unter tropischen bis subtropischen Klima; Savannen, Busch-, Bergwälder; Bergbau auf Nickel- (etwa 11% der Weltforderung), Chrom-, Manganerz; Nickelerzverhüttung; mehrere Betriebe der Verarbeitungsindustrie (Chemieprodukte, Möbel, Lebensmittel); Landwirtschaft mit Plantagen (Kokosnüsse (Kopra), Bananen und Kaffee) und Viehhaltung von untergeordneter Bedeutung; Tourismus. 1774 von J. Cook entdeckt, wurde Neukaledonien 1853 französische Kolonie, 1946 zum «Überseeterritorium» erklärt; 1864/1953 Verbannungsort, unter anderem für politische Häftlinge (nach 1871 Pariser Kommunarden). Die einheimische Bevölkerung (Kanaken) erhebt Forderungen nach staatlicher Selbständigkeit.

Neukantianismus: einflussreiche, in verschiedene Richtungen gegliederte Strömung der deutschen spätbürgerlichen Philosophie der 2. Hälfte des 19. und des beginnenden 20. Jahrhundert; entwickelte sich besonders in den 70er Jahren des 19. Jahrhundert als ideologische Reaktion der Bourgeoisie auf den wachsenden Einfluss der Lehren von K. Marx und F. Engels in der Arbeiterbewegung und als Versuch, neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften durch Rückgriff auf die Philosophie I. Kants zur Bewältigung der Krise der bürgerlichen Philosophie zu nutzen. Der Neukantianismus suchte mit erkenntniskritischen und wissenschaftstheoretischen Schriften den philosophischen Materialismus zu bekämpfen, die Entwicklung der Naturwissenschaften jedoch nicht zu behindern. Er orientierte sich an den subjektividealistischen und agnostizistischen Momenten der Kantschen Philosophie und bekämpfte den Materialismus in Kants Denken (Ding an sich). Im Bereich der Gesellschaftswissenschaften wendete sich der Neukantianismus gegen den historischen Materialismus und dessen Gesetzesbegriff. Zu seinen frühen Vertretern zählt F. A. Lange. Seine bedeutendsten Zentren sind die Marburger Schule (H. Cohen, P. Natorp, E. Cassirer) und die Südwestdeutsche (Freiburger) Schule (W. Windelband, H. Rickert). Während sich die Marburger Schule vorrangig auf logische und erkenntnistheoretische Probleme konzentrierte, beschäftigte sich die Südwestdeutsche Schule vor allem mit ethischen, ästhetischen und philosophie-historischen Fragen (Wert- und Sollensproblematik). In der Arbeiterbewegung wirkte der Neukantianismus über den Revisionismus insbesondere E. Bernsteins und M. Adlers.

Neuklassizismus, Neoklassizismus:

1. Kunstwissenschaft: Bezeichnung für eine widersprüchliche Stilrichtung seit etwa 1900, vor allem in der Architektur, kennzeichnend sind Wiederaufnahme von Elementen des Klassizismus sowie rationelle, tektonisch ordnende Formen als Gegenpol zu Eklektizismus und Jugendstil, kam so den Bestrebungen nach einem funktionell-sachlichen realistischen modernen Bauen entgegen. In extremster Fortführung formstrenger, monumentalisierender Tendenzen wurde der Neuklassizismus als Ausdrucksmittel zur nationalistischen Betonung der Macht des deutschen und italienischen Monopolkapitals während der Zeit des Faschismus missbraucht. Siehe auch Klassizismus.

2. Musik: ästhetisch und historisch ungenaue und uneinheitliche Bezeichnung für Bestrebungen in der Musik des 20. Jahrhundert (insbesondere I. Strawinsky und französische Komponisten), dem Klangrausch der Jahrhundertwende eine an Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert orientierte schlichte, klare Musik entgegenzustellen. In ihrem Hang zu Motorik, Spieler. Heiterkeit und klangliche Transparenz führte sie nur zum Teil humanistische Traditionen weiter; vielfach erstarrte sie in nüchterner Ausdruckslosigkeit und künstlerischer Sterilität.

Neukrantz, Klaus, 1895 -nach 1941, Schriftsteller; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; 1933 von den Faschisten verhaftet; schrieb neben journalistischen Arbeiten und Rezensionen unter anderem das romanhafte Erlebnisbuch «Barrikaden am Wedding» (1931; über den Blutmai 1929).

Neulatein: lateinische Sprachentwicklung von der Renaissance bis zur Gegenwart in unmittelbarem Anschluss an das Mittellatein. In der Renaissance und bis zum 18. Jahrhundert blieb Neulatein in weitem Maße Ausdrucksmittel für Dichtung, Philosophie und Wissenschaft mit zahlreichen Neubildungen für neue begriffliche und sachliche Inhalte. In den Naturwissenschaften, im Universitätsleben bei besonderen Anlässen (Ehrenpromotion) sowie in der katholischen Kirche (Liturgie, päpstliches Rundschreiben, Amtssprache des Vatikans) und im philologischen Bereich (Textausgaben) ist Neulatein bis heute im Gebrauch.

neulateinische Literatur: lateinsprachige literarische Erzeugnisse des Neulateins seit dem Übergang zur Neuzeit. Ihren Höhepunkt fand die neulateinische Literatur im Renaissancehumanismus des 14./16. Jahrhundert, als fast alle antiken literarischen Genres (in neuen Formen wiederbelebt) vertreten waren. In der Dichtung, die ihrem Wesen nach Gelehrtendichtung blieb, war die antike Kunsttheorie vorherrschend, sie ließ dichterische Erzeugnisse oft künstlich wirken. Neben religiöser und vor allem weltliche Lyrik, die dem neuen humanistischen Lebensgefühl Ausdruck verlieh (C. Celtes), und den anderen Dichtungsgattungen (Epik, Bukolik, Satire, Epigramm) wurde besonders das Drama gepflegt (Humanisten Komödie, reformatorisches Schul- und Bibeldrama), das auch in die religiös-politische Polemik eingriff (T. Naogeorg, P. Frischlin). Auch in der Zeit des Barock blieb Latein noch vielfach Sprache der Dichtung (A. Gryphius, M. Opitz). Die Prosa entfaltete ebenfalls nach antikem Muster großen Formenreichtum; bedeutendster humanistischer Vertreter war Erasmus von Rotterdam. Neben Dialog und Briefliteratur, Kunstrede, Gesprächsnovelle und Schwank, Liebes- und Gesellschaftsroman (T. More), politische Kampfschriften (U. von Hutten), didaktisch-pädagogisches, historiographischen, biographischen und autobiographischen Schrifttum gab es bis ins 18. Jahrhundert eine umfangreiche neulateinische Fachliteratur in Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften.

Neulehrer: kurzfristig ausgebildete, demokratisch gesinnte Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone Deutschlands. Der Einsatz von Neulehrer war ein wichtiger Teil der antifaschistischen-demokratischen Schulreform nach 1945.

Neumann: 1. Alfred Neumann, 15.10.1895-3.10.1952, Schriftsteller, emigrierte 1933 über Italien, Frankreich in die USA; kehrte 1949 nach Italien zurück; schrieb, in der realistischen Erzähltradition des 19. Jahrhundert stehend, zeitkritische und historische Romane mit psychologisierender Tendenz («Der Patriot», 1925; «Der Teufel», 1926; «Die Rebellen», 1927; «Es waren ihrer sechs», 1944, über den Kampf der Geschwister Scholl); ferner Filmszenarien, Hörspiele unter anderem

2. Balthasar Neumann, 1687 (getauft 30.1.)-18.8.1753, Architekt und Ingenieur; einer der bedeutendsten Meister des deutschen Barocks. Das künstlerische Hauptanliegen Neumanns war die Verschmelzung sämtlicher Raumteile, was in der kirchlichen Baukunst am deutlichsten in der Verbindung von Langhaus und Zentralbau zum Ausdruck kommt (Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, 1743/72; Abteikirche in Neresheim, seit 1745). Im Profanbau übernehmen die Treppenhäuser die Funktion der Verklammerung beziehungsweise Verbindung. Höhepunkte barocken Raumerlebnisses stellen die Treppenhäuser in den Schlössern von Würzburg, Bruchsal und Brühl dar.

3. Franz Ernst Neumann, 11.9.1798-23.5.1895, Physiker und Mineraloge; begründete die theoretische Physik in Deutschland, arbeitete über Optik, Elektrodynamik, Kristallphysik, Lichttheorie und Wärmeleitung.

4. Johann (John) Ludwig von Neumann, 28.12.1903-8.2.1957, US-amerikanischer Mathematiker ungarischer Herkunft; Begründer der modernen Funktionalanalysis und der Spieltheorie; maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der elektronischen Rechentechnik (Konzept der internen Programmspeicherung).

5. Karl Neumann, 30.7.1916-9.4.1985, Schriftsteller; schrieb Erzählungen («Das Mädchen hieß Gesine», 1966) und Romane («Frank», 1958; «Frank und Irene», 1964) für Jugendliche und Kinder.

6. Margarete Neumann, geboren 19.2.1917, Schriftstellerin; setzt sich in Gedichten («Blätter», 1977), Erzählungen («Ein gewöhnlicher Nachmittag», 1983), Romanen («Der Weg über den Ackere, 1955) und Reportagen («Orenburger Tagebuch», 1977) kritisch mit der Vergangenheit auseinander und gestaltet das Leben im Sozialismus.

7. Robert Neumann, 22.5.1897-3.1.1975, österreichischer Schriftsteller; emigrierte 1934 nach Großbritannien, lebte nach 1945 in der Schweiz; Literaturparodist («Mit fremden Federn», 1927), Verfasser satirischer Zeitromane («Sintflut», 1929; «Bibiana Santis. Der Weg einer Frau», 1944, deutsch (ursprünglich englisch)) und glänzender antifaschistischer Publizist (Film «Das Leben Adolf Hitlers», 1963). Seine Novellen («Karriere», 1931) weisen sein besonderes Interesse für psychologische Probleme aus.

8. Neumann, Stanislav Kostka, 5.6.1875-28.6.1947, tschechischer Lyriker; Theoretiker des sozialistischen Realismus; seine 1895/1946 erschienenen 22 Gedichtbände leiteten mehrfach neue Strömungen in der tschechischen Lyrik ein, vom Symbolismus über den Vitalismus bis zur proletarischen Literatur («Rote Gesänge», 1923) und antifaschistische Dichtung («Herz und Wolken», 1935). Neumann war auch ein kongenialer Übersetzer H. Heines und deutscher proletarischer Literatur.

9. Neumann, Vaclav, geboren 29.9.1920, tschechischer Dirigent; seit 1973 Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie; wirkte zuvor unter anderem in Prag, Berlin, Leipzig, Stuttgart.

Neumeier. John, geboren 24.2.1942, US-amerikanischer Tänzer und Choreograph; wirkte 1969/73 in Frankfurt am Main als Ballettdirektor, seitdem an der Staatsoper Hamburg; schuf hervorragende Choreographien zu G. Mahlers III. und IV. Sinfonie, J. S. Bachs «Matthäuspassion», W. Shakespeares «Ein Sommernachtstraum», zu Musik von L. Bernstein unter anderem

Neumen: Tonzeichen; mittelalterliche Vorform der heutigen Notenschrift, die den Stimmverlauf nur andeutungsweise fixiert.

Neumexiko, Abkürzung (N. Mex.): Bundesstaat im Südwesten der USA zum Teil an der Grenze zu Mexiko; 314925 km2, 1,3 Millionen Einwohner (7% Indianer, Mexikaner); 4 Einwohner/km2; Hauptstadt Santa Fe. Gebirgsland mit dem Llano Estacado im 0, im Westen Felsengebirge (bis 4056 m) und Coloradoplateau; sonniges Trockenklima; im Norden Steppe und im Süden Wüste. Bedeutender Bergbau auf Kalisalz, Uran, Erdöl und -gas, weiterhin auf Kupfer-, Zink-, Molybdän-, Gold-, Silbererz. Wenig Industrie: Erdölverarbeitung, Nichteisenmetallurgie, elektronische, chemische Industrie, Maschinenbau; Kernforschungsinstitut mit Versuchsgelände in Los Alamos; Hydroenergiegewinnung. Bewässerungsfeldbau (Baumwolle, Weizen); Fleischrinder-, Milchvieh- und Schafhaltung. Raketentestgelände bei Alamogordo; Indianerreservate; Tourismus. Seit 1539 von Spaniern erkundet, später schwach besiedelt; 1848 von den USA annektiert, 47. Bundesstaat der USA seit 1912.

Neunaugen, Petromyzontidae: Rundmäuler mit gut entwickelten Augen und 7 Kiemenöffnungen auf jeder Körperseite, Nasenloch unpaar. Das bis 50 cm lange und 200 g schwere Flussneunaugen (Lamprete, Lampetra fluviatilis) lebt räuberisch im Brackwasser europäischen Meere, laicht aber in Flüssen. Das nur 20 cm lange Bachneunaugen (Lampetra planeri) bleibt stets im Süßwasser. Die Larven (Querder) entwickeln sich mehrere Jahre als Filtrierer im Bodengrund fließender Gewässer.

Neunerprobe: eine Rechenprobe, die die Kongruenz 10 = 1 (mod 9) benutzt. Danach hat eine Zahl bei Division durch 9 den gleichen Rest wie ihre Quersumme, zum Beispiel ist 144 durch 9 teilbar, weil die Quersumme von 144 gleich 4 + 4 + 1 = 9 ist.

Neunkirchen: (Saar) Kreisstadt im Saarland, an der Blies, Wirtschaftszentrum des östlichen Saarlandes; 52000 Einwohner; Stahl-, chemische, Holzindustrie, Maschinenbau.

Neuntöter, Rotrückenwürger, Lanius collurio: bis 18 cm langer und 35 g schwerer Singvogel Eurasiens; brütet in dichten Büschen, spießt Kleinsäuger und Insekten als Nahrungsreserve an Domen auf.

Neuplatonismus: letzte bedeutsame Richtung der antiken Philosophie (3./6. Jahrhundert). Der von Plotin begründete Neuntöter verknüpfte auf platonische Grundlage Gedanken unter anderem des Aristoteles und der Stoa und verband sich unter dem Einfluss unter anderem von Porphyrios und Proklos immer mehr mit religiösen Erlösungslehren. Höchste Wirklichkeit besitzt das oberste geistige Wesen, das «Ureine», das durch Emanation aus sich die verschiedenen Wirklichkeitsschichten entlässt, bis hin zur Materie, der Quelle der Vielfalt, des Bösen und des Nichtseins. Ziel der Lehre ist Abkehr von der Materie und Rückkehr zum «Ureinen» durch ekstatische Versenkung.

Neuralgie: meist anfallsweise auftretende Schmerzen im Bereich peripherer Nerven ohne nachweisbare anatomische Veränderungen.

Neuralleiste, Ganglienleiste: beiderseits der Neuralrinne entstehender einheitlicher Zellstrang; aus der Neuralleiste bilden sich Ganglien der Hirn- und Rückenmarknerven, periphere Nerven, Schwannsche Zellen und Mantelzellen, das sympathische Nervensystem, Paraganglien, Mesektoderm für Schädelanteile, die Marksubstanz der Nebenniere und die Pigmentzellen.

Neuralrinne, Medullarrinne: in der Längsrichtung des Keimlings verlaufende Einsenkung des äußeren Keimblattes; stellt den Vorläufer des Neuralrohres dar.

Neuralrohr, Medullarrohr: aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm) entstehende embryonale Anlage des Zentralnervensystems.

Neuraltherapie: (griechisch) wissenschaftlich widerlegtes Verfahren der Paramedizin zur Behandlung sogenannt Fernstörungskrankheiten (zum Beispiel Migräne oder Kreuzschmerzen von ferngelegenen Narben ausgelöst) durch Einspritzen eines örtlichen Betäubungsmittels in «Störfelder». Gelegentliche Erfolge sind überwiegend durch Suggestion, spontane Besserung o. ä. erklärbar.

Neuraminsäure: ein Derivat der Mannose, das in Lipiden und in Protein-Kohlenhydrat-Komplexen vorkommt.

Neurasthenie: Nervenschwäche; allgemeine nervöse und vegetative Übererregbarkeit und Labilität meist als Folge geistig-emotionaler Überforderung oder nach schwerer körperlicher Erkrankung. S. a. Nervosität, Neuropathie.

Neurath: 1. Konstantin Freiherr von Neurath, 2.2.1873-14.8.1956, faschistischer Politiker, Diplomat; 1932/38 Reichsaußenminister; war 1939/41 als Reichsprotektor von Böhmen und Mähren einer der Hauptverantwortlichen für faschistisches Verbrechen an der tschechoslowakischen Bevölkerung. Im Nürnberger Prozess zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, 1954 vorzeitig aus der Haft in Spandau (Westberlin) entlassen.

2. Otto Neurath, 10.12.1882-22.12.1945, österreichischer Philosoph; Mitglied des neopositivistischen Wiener Kreises um M. Schlick; beschäftigte sich besonders mit sozialtheoretischen Fragen; emigrierte 1934 über die Niederlande nach Großbritannien.

Neurenaissance, Neorenaissance: historisierende Stilrichtung des 19. Jahrhundert; zunächst Ausdruck bürgerlich-demokratische Gesinnung, wurde die Neurenaissance im Laufe ihrer Entwicklung zum Instrumentarium des Machtstrebens der Großbourgeoisie. Die Wiederaufnahme von Renaissanceformen erfolgte in größerem Maße seit 1830 besonders in der Architektur (Palast-, Villen-, Wohnungsbau und Bau kommunaler Einrichtungen), aber auch im Kunsthandwerk und in der Industrie (Möbelherstellung). In Deutschland spielte bis 1871 die Rezeption der italienischen Renaissance als Zeit der Blüte von Wissenschaft und Kunst eine entscheidende Rolle; erst danach griff man auf die eigenen nationalen Traditionen zurück. Hauptvertreter sind G. Semper, L. von Klenze, L. Gedon, H. Griesebach.

Neurobiologie: Querschnittswissenschaft, die mehrere biologische und naturwissenschaftliche Teildisziplinen, wie Neuromorphologie, -Physiologie, -biochemie, -biophysik, -Pharmakologie, Verhaltensforschung, Psychologie unter anderem umfasst.

Neurofibrillen: fädige Strukturen in Nervenzellen und Nervenfasern.

Neuroglia, Glia: im zentralen und peripheren Nervensystem vorkommende Zellform, deren Aufgaben (Stütz-, Stoffwechsel-, Abwehr-, Speicher sowie Hüll- beziehungsweise Isolierfunktion) mit denen der Bindegewebezellen vergleichbar sind.

Neurohämalorgan: Speicherorgan für Neurohormone bei Krebsen und Insekten.

Neuroleptanalgesie: Narkoseart, die durch gleichzeitige Gabe von Neuroleptika (besonders Butyrophenone) und stark wirkenden Schmerzmitteln erreicht wird.

Neuroleptika, Neuroplegika: Psychopharmaka, die den Grundtonus des zentralen Nervensystems herabsetzen (Psychosedativa); gehören chemisch zu den Phenothiazinen, Rauwolfia-Alkaloiden, Butyrophenon Derivaten unter anderem.

Neuromantik, neuromantische Literatur: uneinheitliche und widersprüchliche Richtung der deutschen Literatur um 1900, die in Abkehr von der zeitgenössischen Gesellschaft und vom Naturalismus an unterschiedlicher Elemente der Romantik anknüpfte; ihr Erscheinungsbild reicht von subjektivistisch-ästhetizistischen, sich bewusst vom Volk abgrenzenden Positionen über die von humaner Verantwortung erfüllte Hinwendung zum Leben der «kleinen Leute» bis zur reaktionären Heimatliteratur. Humanistische Haltungen bewahrten R. M. Rilke, H. von Hofmannsthal sowie die zeitweilig beeinflussten G. Hauptmann und H. Hesse. Reaktionärer Vertreter der ästhetizistischen Richtung war S. George.

Neuronentheorie, Neuronenlehre: anerkannte Theorie, nach der das Nervensystem aus abgrenzbaren Grundeinheiten, den Neuronen (Nervenzelle), aufgebaut ist, die durch Berührung (Synapse) miteinander in Verbindung stehen.

Neuropathie: nervöse Übererregbarkeit und Schwäche mit ausgeprägter emotionaler vegetativer Labilität auf konstitutioneller Basis. Siehe auch Nervosität, Neurasthenie.

Neurophysiologie: Teilgebiet der Physiologie, das sich mit elektrophysikalischen und elektronischen Methoden der Reizung und der Ableitung elektrischer Erscheinungen im peripheren und zentralen Nervensystem befasst.

Neuropsychologie: Teilgebiet der Psychologie, das die Beziehungen zwischen den psychischen Prozessen und Erscheinungen und den ihnen zugrunde liegenden zentralnervösen Prozessen untersucht. Neben der allgemeinen Neuropsychologie bestehen genetische und klinische Neuropsychologie. Die Neuropsychologie wendet psychologische Methoden zusammen mit Methoden der Neurophysiologie an.

Neuroradiologie: Teilgebiet der medizinischen Radiologie, das sich mit der röntgenologische und nuklear-medizinische Diagnostik von Erkrankungen des Zentralnervensystems einschließlich der zu- und abführenden Blutgefäße im Kopfbereich befasst.

Neurose: erlebnisbedingte Störung der Person-Umwelt-Beziehung mit psychische und beziehungsweise oder körperliche Symptomatik. Ursachen der Neurose sind unter anderem ungünstiges Erziehungsmilieu, psychische Belastungen und ungelöste Konflikte.

Neurosekretion, Neurokrine: Bildung von Hormonen in bestimmten Nervenzellen (zum Beispiel Hypothalamus), die in ihren Nervenfasern transportiert und in das Blut oder an Erfolgsorgane abgegeben werden; spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulation und Steuerung von Körperfunktionen (zum Beispiel Wasserausscheidung).

Neurotoxine: (griechisch + lateinisch) in Schlangengiften vorkommende Proteine, die zu Lähmungen der Muskulatur führen.

Neurula: Embryonalstadium der Wirbeltiere, gekennzeichnet durch erste sichtbare Differenzierungen des künftigen Nervensystems in Neural- (Medullär-) Platte und Neural- (Medullär-) Wülste.

Neurulation: äußerlich sichtbarer Entwicklungsvorgang bei Wirbeltieren, der von der Gastrula (Gastrulation) zur Bildung der Neurula führt.

Neuruppin: Kreisstadt im Bezirk Potsdam, am Ruppiner See (Rhinsee); 26000 Einwohner; Herstellung von elektronischen Bauelementen, Feuerlöschern, Möbeln und Druckerzeugnissen; Erholungsort; Heimatmuseum mit Ausstellung über K. F. Schinkel (in Neuruppin geboren); Stadtkern (unter Denkmalschutz) mit frühklassizistischen Pfarrkirche und Bürgerhäusern, Bauten der Backsteingotik und Geburtshaus von T. Fontane.

Neuschottland: Provinz im Südosten Kanadas, besteht aus der Kap-Breton-Insel und der Halbinsel Neuschottland, am Atlantischen Ozean; 55491km2, 850000 Einwohner; 15 Einwohner/ km2; Hauptstadt Halifax. Bewaldetes Hügelland, bis 537 m hoch; kühles, feuchtes, nebliges Klima; reich an Seen. Eisenmetallurgie, Schiffbau, Erdölverarbeitung, Automontagewerk, Fischkonserven-, Zellstoff-, Papier-, Textil- und Bauindustrie; Förderung von Bitumenkohle, Gipsgewinnung; bedeutender Fluss- und Seefischfang; geringe Landwirtschaft (Feld- und Obstbau); Haupthäfen Halifax, Sydney; Naturschutzgebiete, Kap-Breton-Hochland-Nationalpark. 1534 von J. Cartier erreicht und seit 1604 von Franzosen besiedelt; gehörte mit Neubraunschweig zum sogenannt Akadien, wurde 1713 britisch und erhielt 1749 Kolonialstatus. Nach 1784 von «Loyalisten» aus den USA besiedelt; kam 1867 zu Kanada.

Neuseeland: Inselstaat (parlamentarische Monarchie) im Südwesten des Stillen Ozeans, südöstlich von Australien. Verwaltungsmäßig in 13 Provinzen (statistical areas) gegliedert. Unter der Herrschaft von Neuseeland stehen die Antipoden-, Auckland-, Bounty-, Chatham-, Cook-, Kermadec- und Tokelau Inseln sowie Niue und viele kleinere Inseln im Stillen Ozean. Währung ist der Neuseeland. Dollar. Bevölkerung. Sie ist zu etwa 90% europäische, zumeist britische Abstammung; 9% sind Polynesier (zumeist Maori). Amtssprache ist Englisch. Etwa 85% der Bevölkerung leben in Städten. Natur. Neuseeland besteht im Wesentlichen aus einer Doppelinsel (Nord- und Südinsel), durch die Cookstraße voneinander getrennt und von einem Zentralgebirge durchzogen. Die Nordinsel (114453 km2) trägt ein vielgestaltiges, seenreiches, jungvulkanisches Gebirge (Ruapehu, mit 2 797 m höchste Erhebung der Nordinsel; Mount Egmont an der Westküste 2518 m) mit noch tätigen Vulkanen, Fumarolen, Geysiren und häufigen Erdbeben. Die Südinsel (150718 km2) wird von den schneebedeckten und vergletscherten Neuseeland. Alpen durchzogen, die Hochgebirgscharakter tragen (Mount Cook, mit 3764 m höchster Berg Neuseelands). Die Südwest- und Südküste der Südinsel ist durch tief eingeschnittene Fjorde stark gegliedert, auf der Ostseite befindet sich die größte Tiefebene Neuseelands, die fruchtbare Canterbury Ebene. Das Klima ist gemäßigt, im äußersten Norden auch subtropisch, die Inseln im äußersten Süden sind subarktisch. Zahlreiche Gebirgsflüsse mit starkem Gefälle werden zunehmend zur Energieerzeugung genutzt. Die Oberfläche wird überwiegend von Grasland und nur zu knapp 25% von Wäldern (starker Raubbau) bedeckt. Neuseeland hat nur wenig Bodenschätze; die Lagerstätten sind zum größten Teil kaum abbauwürdig.

Wirtschaft: Neuseeland ist ein kapitalistischer Agrar-Industrie-Staat mit entwickelter, exportorientierter Landwirtschaft. Ausländisches, vor allem britisches, US-amerikanisches und australisches Kapital hat großen Einfluss. Die Landwirtschaft, die zum Teil in Großfarmen, zum Teil in kapitalistisch geführten Genossenschaften betrieben wird, liefert etwa die Hälfte der Produktion des Landes und 70% seines Exports. Hauptzweig ist die Viehwirtschaft (Schafe, Rinder, Schweine) mit Fleisch-, Woll- und Milcherzeugung; fast die Hälfte der Landesfläche sind Wiesen und Weideland, dagegen nur 3 % Acker- und Anbauland (Getreide, Obst, Gemüse). Umfangreich ist die Holzgewinnung. Der Fischfang ist im Wesentlichen auf Küstenfischerei beschränkt. Die Industrie exportiert relativ wenig, vielmehr ist Neuseeland stark vom Import von Industriewaren abhängig. Es gibt kaum Schwerindustrie, am stärksten sind Nahrungsmittel-, Textil-, Bekleidungs-, Holz- und Papierindustrie entwickelt. Es bestehen überwiegend kleinere Betriebe. Hauptindustriestandorte sind Auckland, Christchurch, Hamilton, Wellington und Dunedin. Neuseeland kann nur etwa 60% seines Primärenergiebedarfs aus eigenem Aufkommen decken, es muss daher Erdöl (zu 85%) importieren; seit 1980 verstärkte Erschließung von Erdgaslagern. An der Erzeugung von Elektroenergie haben Hydroenergie einen Anteil von 85 %, geothermische Kraftwerke (besonders Wairakei) 8%. Neuseeland verfügt über ein entwickeltes binnenländisches Verkehrsnetz (Straßen, Eisenbahnen, Inlandsflugverkehr) und ausgedehnte internationale Verkehrsverbindungen. Wichtigste Hochseehäfen sind Auckland, Whangarei und Wellington; internationale Flughäfen in Auckland, Wellington und Christchurch. Im Außenhandel haben beim Export Fleisch (größter Hammelfleischexporteur der kapitalistischen Welt), Wolle und Milchprodukte (weltgrößter Butterexporteur) die größten Anteile. Vom Import entfallen etwa 66 % auf industrielle Halbfertig- und Fertigwaren (die Hälfte davon auf Maschinen, Ausrüstungen und Fahrzeuge). Haupthandelspartner sind Australien, Japan, die USA und Großbritannien. Geschichte. Seit dem 14. Jahrhundert von Maori besiedelt; 1642 von A. Tasman entdeckt; 1769 durch J. Cook zum britischen Besitz erklärt, 1840 britische Kolonie, nach Niederwerfung der Maori (1843/48) seit 1852 mit innerer Selbstverwaltung; 1907 Dominion. Im 1. und 2. Weltkrieg stand Neuseeland auf Seiten der Entente beziehungsweise der Antihitlerkoalition. Regierungen der konservativen Nationalpartei 1949/57 und 1960/72 waren abhängig vom britischen Imperialismus, es verstärkte sich der Einfluss des US-amerikanischen Imperialismus. 1972/75 regierte die Labour Party (N. Kirk 1972/74, W. E. Rowling 1974/75), 1975/84 die Nationalpartei (R. Muldoon). Seit 1984 regiert mit Ministerpräsident D. Lange erneut die Labour Party, die bestrebt ist, die wirtschaftlichen Krisenerscheinungen zurückzudrängen und die außenpolitische Eigenständigkeit zu erweitern (zum Beispiel Eintreten gegen Kernwaffen). Avantgarde des Proletariats ist die 1966 gegründet sozialistische Einheitspartei Neuseelands.

Neuseeländerkaninchen: mittelgroße, 3 bis 5 kg schwere Kaninchenrassen amerikanischen Ursprungs. Das Weiße Neuseeländerkaninchen wurde aus dem Roten Neuseeländerkaninchen herausgezüchtet, ist reinweiß mit blass roten Augen (Albino); beide Rassen zeichnen sich durch Schnellwüchsigkeit und hervorragenden Fleischansatz aus.

Neuseeländische Alpen, Südliche Alpen: Faltengebirge auf der Südinsel Neuseelands; bis 3764 m (Mount Cook); aus mesozoischen Schichten aufgebaut, zum Teil Hochgebirgscharakter (unter anderem 29km langer Tasman Gletscher); energiereiche Flüsse mit Wasserkraftwerken; seenreich; Fremdenverkehr.

Neusibirische Inseln; sowjetische Inselgruppe im Arktischen Ozean, zwischen Laptew- und Ostsibirischer See; 38000 km2, davon etwa 100 km2 vergletschert; besteht aus den Ljachow-, Anjou- und De-Long-Inseln\ arktische Tundrenvegetation, Dauerfrostboden.

Neusiedler See, ungarisch Fertö: See im österreichischen Burgenland, Südteil zu Ungarn gehörend; 115m überm Meer, Seefläche von wechselnder Größe (etwa 335 km2, davon 93 km2 zu Ungarn), überwiegend nur bis 2 m tief; schwach salzhaltig; geringe Wasserzuführung durch die Wulka; künstlich geschaffener Abfluss in Ungarn; am Westufer Wein- und Obstbau; Mineralwasservorkommen; Schlamm- und Schilfgewinnung (2 bis 4 km breiter Schilfgürtel); Fremdenverkehr; Naturschutzgebiet (Wasservögel).

Neusilber, Kunstsilber: silberglänzende Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel. Der Nickelgehalt bestimmt das Aussehen und den hohen Widerstand gegen chemische Einflüsse. Andere Namen für Neusilber sind. Verwendet für Schmuck, medizinische und feinmechanische Geräte.

Neuss: Kreisstadt in Nordrhein-Westfalen, in der Kölner Bucht, am Rhein gegenüber von Düsseldorf; 145000 Einwohner; Maschinenbau, metallverarbeitende, Papier-, Nahrungsmittel-, chemische und Pharmazeut. Industrie, Aluminiumwalzwerk; Hafen; pädagogische Hochschule; Theater, Museum; Quirinusmünster (Baubeginn 13. Jahrhundert), Zeughaus (17. Jahrhundert).

Neustadt: 1. Neustadt, Neustadt an der Orla: Stadt im Kreis Pößneck, Bezirk Gera, in der fruchtbaren Orlasenke; 11000 Einwohner; Maschinenbau, Metall-, optische, Textil-, Leder-, Möbelindustrie; landwirtschaftliche Betriebe; spätgotisches Rathaus (15. Jahrhundert) und Stadtkirche (16. Jahrhundert; Flügelaltar aus der Werkstatt L. Cranachs), Barockschloss (17. Jahrhundert).

2. Neustadt in Sachsen: Stadt im Kreis Sebnitz, Bezirk Dresden, im Polenztal; 12000 Einwohner; Landmaschinenbau (Kombinat Fortschritt), Kunstblumen, Elektrowerkzeugherstellung; planmäßig angelegter Stadtkern (um 1300), bedeutende Stadterweiterung nach 1945.

3. Neustadt, Neustadt an der Weinstraße: kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirks Rheinhessen-Pfalz, an der Haardt; 50000 Einwohner; Maschinenbau, Papier- und Pharmazeut. Industrie; Weinbau, -handel; Stiftskirche (14. Jahrhundert).

Neustrelitz: Kreisstadt im Bezirk Neubrandenburg, am Zierker See; 27000 Einwohner; elektrotechnische, Lebensmittel-, Metall-, Holz-, Bauindustrie, Raw; Hafen; Ingenieur-, medizinische Fachschule; Friedrich-Wolf-Theater, Staatliche Folklore-Ensemble; Museum; Stadtpark mit Orangerie, Tiergarten; barocke Stadtanlage, Schloss- (18. Jahrhundert), Stadtkirche (18. Jahrhundert). Der Ort Strelitz, 1278 nachweisbar, erhielt 1349 Stadtrechte; fiel 1329 an die Herzöge von Mecklenburg und wurde 1701 Sitz des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz. 1733 wurde im Zusammenhang mit dem Ausbau des Jagdhauses Glieneke bei Strelitz zur Residenz eine neue Stadt (N.) angelegt, die 1759 Stadtrechte erhielt.

Neustrien: nordwestlicher Teil des Frankenreiches zwischen Schelde/Maas und Loire, im 6/7. Jahrhundert dessen Zentrum; mit der stärkeren Feudalisierung und inneren Fehden in Neustrien verlagerte sich im 7. Jahrhundert der Schwerpunkt des Frankenreiches nach Austrasien.

Neusüdwales: volkreichster Bundesstaat Australiens, im Südosten des Erdteils; 801600 km2, 5,3 Millionen Einwohner; 7 Einwohner/km2; Hauptstadt Sydney. Erstreckt sich vom klimatisch begünstigten Küstenstreifen über die ostaustralischen Kordillere (Mount Kosciusko, 2230 m) in die nach Westen trockener werdende Ebene mit Grassavanne und wird von Murray, Darling und Murrumbidgee durchflossen; subtropisches Klima. Industrie-Agrar-Staat mit Wirtschaftsschwerpunkt in der dichtbesiedelten Küstenzone; Bergbau (Steinkohle, Nichteisenmetalle, Bauxit, Uran, Antimon, Asbest); vielseitige Schwer- und Leichtindustrie, vorwiegend in den Hafenstädten (Sydney, Newcastle, Wollongong, Port Kembla). In der Landwirtschaft Obst-Südfrucht- und Weinbau sowie Milchviehzucht im Küstengebiet, Weizenanbau am Westhang des Gebirges, Schafzucht und Bewässerungsfeldbau (Reis, Obst, Wein) in den trockenen Ebenen. 1770 von J. Cook entdeckt, 1788 britischer Sträflings-, 1823 Zivilkolonie (1855 innere Selbstverwaltung), seit 1859 besteht Neusüdwales in den heutigen Grenzen, 1901 wurde es Staat des Australischen Bundes.

Neuthomismus, Neothomismus: bedeutendste, auf die philosophisch-theologische Lehre des Thomas von Aquino zurückgreifende objektiv-idealistische Strömung der spätbürgerlichen Philosophie, bestimmende Richtung innerhalb des katholischen philosophischen Denkens der Gegenwart; wurde von Papst Leo XIII. in der Enzyklika «Aeterni patris» (1879) zur offiziellen Philosophie der katholischen Kirche erklärt, was zur weiten Verbreitung in den katholischen Gebieten Europas beitrug (Italien, Frankreich, Belgien, Deutschland). Der Neuthomismus ist in seiner reinsten Form ein objektiv-idealistischen Versuch, alle Bereiche der Wirklichkeit und des Denkens in einem streng hierarchischen Wissenssystem zu erfassen. An der Spitze steht die Metaphysik mit einer Akt-Potenz-Lehre und dem Stoff-Form-Problem; die Form (Gott, geistiges Sein) ist das aktive Prinzip, das die passive Potenz erst zur Wirklichkeit werden lässt. Die Naturphilosophie des Neuthomismus umfasst eine Seinshierarchie von der anorganischen Welt über die (pflanzliche-tier.) organische, die menschliche-soziale, die geistige bis zur göttlichen Welt. Seine Ethik sieht die Glückseligkeit des Menschen in der Orientierung aller menschlichen Handlungen am vollkommenen göttlichen Sein. In seiner Soziallehre verteidigt der Neuthomismus Privateigentum und Klassen als gottgewollt; die Gesellschaft wird als eine Stand. Gliederung begriffen. Seit dem H. Vatikan. Konzil (1962/65) gibt es Versuche einer Anpassung an die veränderte welthistorische Situation.

Neutra, Richard, 8.4.1892-18.4.1970, US-amerikanischer Architekt und Fachschriftsteller österreichischer Herkunft; seit 1923 in den USA ansässig, wo er als einer der ersten bedeutenden Architekten moderne europäischen Baugedanken einführte. Neutra versuchte bei seinen großangelegten Siedlungsprojekten, die Landschaft mit in die architektonische Wirkung einzubeziehen und gab damit dem sozialen Wohnungsbau entscheidende Impulse.

Neutralbiss: normale Bisslage, bei der im Schlussbiss die obere Zahnreihe die untere umfasst.

neutrale Faser: Festkörperphysik im Innern eines Körpers liegende Schicht, die bei einer Biegung des Körpers keine Längenänderung erfährt.

Neutralisation: 1. allgemein das Aufheben der Wirkung einer Sache oder einer Handlung.

2. Chemie: Reaktion, bei der sich Base und Säure zu Salz und Wasser umsetzen. Bei einem bestimmten Mengenverhältnis der Reaktionspartner verschwinden die sauren und basischen Eigenschaften vollständig; eine entsprechende Lösung reagiert neutral (pH = 7). Zum Beispiel führt die Neutralisation von Natronlauge durch Salzsäure zur Bildung von Natriumchlorid (Kochsalz) und Wasser, dabei vereinigen sich die OH "-Ionen der Base mit den H+-Ionen der Säure unter Freisetzung der Neutralisationswärme zu Wasser, während die übrigen Ionen unverändert in der Lösung verbleiben und meist erst beim Verdampfen des Wassers zu Salzkristallen zusammentreten. Bei der Neutralisation im weiteren Sinne können die Basen und Säuren durch ihre Anhydride (Metall- und Nichtmetalloxide) sowie durch Hydrogen- und Hydroxid Salze ersetzt werden.

3. Elektronik: Schaltungsmaßnahmen zur Vermeidung unerwünschter Kopplungen zwischen Ein- und Ausgang von Hochfrequenzverstärkern.

4. Sport: zeitweilige Unterbrechung der Wertung eines laufenden Wettkampfes; besonders im Radsport.

Neutralität: a) Neutralität im Kriege: völkerrechtlich geregelte Situation eines Staates, der keiner kriegführenden Seite Hilfe leistet; sein Territorium ist unverletzlich, eindringende Truppen sind zu internieren; die Neutralität kann durch den neutralen Staat mit Waffengewalt geschützt werden;

b) ständige Neutralität: durch staatlichen Rechtsakt oder völkerrechtliche Vertrag festgelegte zeitlich unbegrenzte Neutralität (zum Beispiel Schweiz seit 1815, Österreich seit 1955). Ein ständig neutraler Staat darf zum Beispiel keinen Militärbündnissen beitreten und keine fremden Militärstützpunkte auf seinem Territorium zulassen;

c) positive (aktive) Neutralität: außenpolitisches Prinzip (Nichtpaktgebundenheit, Anerkennung des Prinzips der friedlichen Koexistenz) der Mehrzahl der nach dem Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems entstandenen national befreiten Staaten.

Neutrino: stabiles, elektrisch neutrales Elementarteilchen mit Ruhmasse Null aus der Familie der Leptonen, mit Spinquantenzahl s = % Zeichen v; durchdringt Materie fast ungehindert. Das Neutrino wurde 1931 von W. Pauli zur Erhaltung von Energie und Impuls beim Betazerfall gemäß n —» p + e~ + ve postuliert und 1956 über die Reaktion ve + p — e+ + n nachgewiesen (n Neutron, p Proton, e~ Elektron, v„ Anti-Elektron-Neutrino, e+ Positron). 1962 wurde gezeigt, dass es 2 Arten von Neutrino gibt, das Elektron-Neutrino ve und das Myon-Neutrino vp, jedoch wird nach der Entdeckung des Tau-Leptons die Existenz auch eines Tau-Neutrino vT vermutet Neutrino sind die einzigen nur der schwachen Wechselwirkung unterliegenden Elementarteilchen; sie sind für die Nichterhaltung der Parität verantwortlich. Seit 1980 gibt es experimentelle Hinweise auf eine Ruhmasse 4= 0 (etwa 10“5 Elektronenmassen); bei Bestätigung hätte dies weitreichende Konsequenzen für die Astrophysik. Auch die sogenannte Neutrinooszillationen (Übergänge von einer Neutrino Art in die andere) sind experimentell noch nicht gesichert.

Neutrinoastronomie: Teilgebiet der Astronomie, das die von Himmelskörpern ausgehenden Neutrino Ströme untersucht. Wegen ihrer geringen Wechselwirkung mit anderen Teilchen verlassen die Neutrinos ungehindert das Innere der Sterne, sind deshalb auch nur sehr schwer nachzuweisen.

Neutron: instabiles, elektrisch neutrales Elementarteilchen (Zeichen n) aus der Familie der Baryonen mit Ruhmasse mn = 1,674 95 • 10'"27 kg, Spinquantenzahl s='/ und (anomalem) magnetischer Moment n„= -1,913 N = 9,66218-IO-27 A-m2 (/N Kernmagneton); wurde 1932 von J. Chadwick entdeckt und ist, wie das Proton, Bestandteil des Kerns; siehe auch Nukleon. Es wandelt sich nach einer mittleren Lebensdauer von 917 s beim Betazerfall n —> p + e' + ve unter Emission eines Elektrons e“ und Anti-Elektron-Neutrinos v„ in ein Proton p um. Das ebenfalls neutrale Anti-Neutron n wurde 1956 entdeckt. Neutron entstehen bei der Kernspaltung und anderen Kernprozessen; als Neutronenquelle wird häufig die Umwandlung Be (a, n) ‘JC von Beryllium in Kohlenstoff beim Beschuss mit a-Teilchen benutzt. Mehr als 99 % der bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen treten innerhalb 10“14 s als prompte Neutron auf, weniger als 1 % durch radioaktive Umwandlung von Spaltprodukten erst bis zu Minuten später (verzögerte Neutron). Werden Neutron so weit abgebremst, dass sie im kinetischen Gleichgewicht mit der Wärmebewegung der sie umgebenden Moleküle sind, so nennt man sie thermisches Neutron. Bei 20 °C haben sie eine kinetische Energie von 0,025 eV beziehungsweise eine Geschwindigkeit von 2,2 km/s. Bei schnellen Neutronen liegt die Energie höher als 0,1 MeV.

Neutronenbestrahlung: Anwendung schneller Neutronen zur Geschwulstbehandlung. Die Neutronenbestrahlung bewirkt eine höhere Strahlenschädigung der Geschwulstzellen auf Grund der großen Energieübertragung der schnellen Neutronen.

Neutronendetektor: kernphysikalisches Messgerät zum Nachweis von Neutronen. Dabei wird die durch Kernreaktionen mit Neutronen ausgelöste ionisierende Strahlung gemessen; siehe auch Zählrohr.

Neutroneneinfang: Kernreaktion, bei der ein Neutron von einem Atomkern absorbiert wird und Gammaquanten emittiert werden. Siehe auch Einfangreaktion.

Neutronengenerator: nach dem Beschleunigerprinzip arbeitendes Gerät zur Erzeugung schneller Neutronen, zum Beispiel durch Beschuss, von Tritium mit Deuteriumkernen. Neutronengenerator werden in der Aktivierungsanalyse eingesetzt.

Neutronenstern: ein Stern äußerst hoher Dichte (1016 bis 1018 kg/m3), der vorwiegend aus Neutronen besteht. Neutronenstern haben Massen von 1 bis 2 Sonnenmassen, aber nur 20 bis 30 km Durchmesser. Sie entstehen vermutlich bei Supernova Ausbrüchen und sind als Pulsare sowie als bestimmte Röntgenquellen beobachtbar.

Neutronenstreuung, Neutronenbremsung-, beim Durchgang von Neutronen durch Stoffe erfolgende Zusammenstöße mit Atomkernen, die zu einem Verlust an kinetischer Energie der Neutronen führen. In thermischen Kernreaktoren wird die Energie der bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen durch den Moderator so weit verringert, dass die Spaltwahrscheinlichkeit zu- und die kritische Masse abnimmt. Die kohärente Neutronenstreuung an kristallinen Körpern, Flüssigkeiten oder an Makromolekülen wird zur Strukturuntersuchung eingesetzter Neutronenüberschuss Kern.

Neutsch, Erik, geboren 21.6.1931, Schriftsteller, gestaltet konfliktreiche Lebenswege in der sozialistischen Gesellschaft: Erzählungen («Bitterfelder Geschichten», 1961; «Die anderen und ich», 1970; «Zwei leere Stühle», 1979), Romane («Spur der Steine», 1964; «Auf der Suche nach Gatt», 1973; Zyklus «Der Friede im Osten», l. Buch «Am Fluss», 1974, 2. Buch «Frühling mit Gewalt», 1978, 3. Buch «Wenn Feuer verlöschen», 1985), Stücke («Haut oder Hemd», 1971); ferner historische Erzählung «Förster in Paris» (1981), Essays, Gedichte, Kinderbücher.

Neuweitgeier, Cathartidae: vorwiegend aasfressende Greifvögel Amerikas mit gut entwickeltem Geruchssinn; in Nordamerika der 60 cm lange und 1,5 m spannende schwarze Rabengeier (Coragyps atratus); von Südkanada bis über ganz Südamerika verbreitet ist der Truthahngeier (Cathartes aura).

Neuwert: der im Produktionsprozess durch die lebendige Arbeit neu geschaffene Wert einer Ware (Wertprodukt)-, setzt sich im Kapitalismus aus dem reproduzierten Wert des variablen Kapitals plus Mehrwert, im Sozialismus aus dem Wert des Produkts für sich und des Produkts für die Gesellschaft (Reineinkommen) zusammen. Der Neuwert des gesellschaftlichen Gesamtprodukts ist das Nationaleinkommen der Gesellschaft.

Neuwied: Kreisstadt in Rheinland-Pfalz, am Rhein; 60000 Einwohner; wichtiges Industriezentrum im Wirtschaftsraum Neuwieder Becken; Stahl-, Maschinen-, Bimsstein-, Holz- und Papierindustrie; Hafen; Theater.

Neuzeit: Zeit zwischen dem Beginn des Übergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus (Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert) und der Oktoberrevolution 1917 (Beginn der neuesten Zeit).

Neuzüchtung: Züchtung neuer leistungsfähiger Sorten landwirtschaftlicher und gärtnerischen Nutzpflanzen.

Nevada, Abkürzung Nev.: Bundesstaat im Westen der USA; 286 352 km2, 800000 Einwohner (6 % Afroamerikaner, 2 % Indianer); 3 Einwohner/km2; Hauptstadt Carson City. Den Hauptteil nimmt das Große Becken (Steppe, Salzwüste) ein, im Westen Ausläufer der Sierra Nevada (bis 4005 m hoch); Trockenklima; Flüsse enden in Binnenseen. Bedeutendster Wirtschaftszweig ist der Fremdenverkehr (Hauptorte Las Vegas, Reno). Bergbau auf Kupfer-, Gold-, Baryt-, Wolfram-, Silber-, Zinkerz, Lithium, Antimon, Quecksilber; Gewinnung von Hydroenergie; Nichteisenmetallurgie, elektronische, chemische, holzverarbeitende, Zement-, Glas-, Lebensmittelindustrie. Forstwirtschaft bei 17 % Waldbestand; geringe Landwirtschaft auf bewässerten Flächen; Rinder- und Schafzucht. Große Gebiete werden für Kern- und Raumfahrtforschung, als Versuchsgelände für Kernwaffen und Luftwaffenbasen genutzt.

Nevado del Ruiz: tätiger Vulkan in Südamerika, in der Zentralkordillere von Kolumbien; 5 398 m. Am 13.11.1985 verheerender Ausbruch; die durch geschmolzenes Gletschereis des Vulkans ausgelöste Schlamm- und Gerölllawine, ein sogenannt Lahar, begrub die 40 km entfernt liegende Ortschaft Armero sowie weitere kleinere Orte unter sich und forderte etwa 22 500 Tote.

Nevers: Stadt im mittleren Frankreich, Verwaltungszentrum des Departements Nièvre, an der Loire, in der Landschaft Nivernais; 45000 Einwohner; metallverarbeitende, chemische, polygraphische und Textilindustrie, Flugzeugteilfertigung, Herstellung von Fayencen (Museum); Fachschulen; Schloss (15./16. Jahrhundert), Kirche St.-Etienne (11. Jahrhundert), gotische Kathedrale (10./16. Jahrhundert), Porte du Croux (14. Jahrhundert).

Newa: Fluss im Gebiet Leningrad, schiffbarer Abfluss des Ladogasees; 74 km; mündet mit einem 46 km2 großen, kanalisierten Delta, auf dem große Teile Leningrads liegen, in den Finn. Meerbusen; Teil des Weißmeer-Ostsee-Kanals und Wolga-Ostsee-Schifffahrtsweges.

Newald, Richard, 30.7.1894-24.4.1954, Germanist; vorzüglicher Kenner der deutschsprachigen Literatur des 15. bis 18. Jahrhundert sowie der neulateinischen Dichtung; veröffentlichte etwa 300 Arbeiten, darunter 10 Bücher, unter anderem «Die deutsche Literatur vom Späthumanismus zur Empfindsamkeit. 1570 bis 1750» (1951). Zusammen mit H. de Boor Begründer einer «Geschichte der deutschen Literatur» (1949ff).

Newark: Stadt im Bundesstaat New Jersey (USA), im Ballungsgebiet von New York; 380000 Einwohner (etwa 50% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 2 Millionen Einwohner; chemische, elektronische, elektrotechnische Leichtindustrie, Maschinen- und Werkzeugbau; Übersee- und internationaler Flughafen; Universität.

New Bedford: Stadt im Südosten des Bundesstaates Massachusetts (USA), an der Buzzards Bay; 100000 Einwohner; führender Standort der Baumwollindustrie der USA; Verarbeitung von Seide, Kunstfasern und -stoffen, Gummi, Boots- und Maschinenbau; zweitgrößter Fischereihafen der USA Walfangmuseum.

New Bussa: Stadt im zentralen Teil Nigerias, am Niger; 20000 Einwohner; Verwaltungssitz des nahegelegenen Nigerstaudamms Kainji; Emirspalast, Zentralmoschee. 1968 nach Überflutung von Bussa durch den Kainji-Stausee entstanden.

Newcastle: 1. Stadt in Neusüdwales (Australien), an der Mündung des Hunter River in den Stillen Ozean; mit Vororten 400000 Einwohner; Eisenmetallurgie, Werften, Maschinenbau, petrolchemische, Textilindustrie; Hochseehafen, Flughafen; Universität, Hochschulen.

2. Stadt im Nordosten von Natal (Republik Südafrika), am Fuß der Drakensberge, 1190 m über dem Meeresspiegel; 70000 Einwohner; Eisenmetallurgie; bei Newcastle Eisenerz- und Kohlebergbau.

Newcomen, Thomas, 28.2.1663 bis 5.8.1729, englischer Schmied; konstruierte 1712 die erste brauchbare Vakuumdampfmaschine, eine atmosphärische Kolbenmaschine, eingesetzt in Kohlengruben und städtlichen Wasserwerken.

New Criticism: (englisch, «Neue Kritik») in den 20er Jahren des 20. Jahrhundert entstandene Strömung in der US-amerikanischen Literaturkritik und -theorie; siehe auch Vereinigte Staaten von Amerika (Literatur).

New Deal: (englisch, «neues Verteilen») Bezeichnung für die staatsmonopolistische Wirtschafts- und Sozialpolitik der USA-Regierung unter F. D. Roosevelt von 1933 bis zum 2. Weltkrieg.

Newelskoistraße: bis 7,3 km breite und 56 km lange Meerenge im Tatarensund, zwischen dem asiatischen Festland (Region Chabarowsk, RSFSR) und der Insel Sachalin; benannt nach dem russischen Seeoffizier G. I. Newelskoi.

Newerly, eigentlich Abramow, Igor, geboren 24. 3. 1903, polnischer Schriftsteller; schloss sich frühzeitig der Arbeiterbewegung an, war 1943/45 in faschistischen KZ; von seinen Romanen gilt «Eines Menschen Weg» (1952, deutsch) als ein Höhepunkt in der polnischen sozialistischen realistischen Literatur; schrieb ferner «Der Junge aus der Salsker Steppe» (1948, deutsch) und «Archipel der wiedergewonnenen Menschen» (1950, deutsch).

New Hampshire: (nach dem Bundesstaat) frühreife, sich schnell befiedernde Wirtschaftsrasse des Hühnergeflügels; ursprünglich als Zweinutzungstyp (Eier und Fleisch) gezüchtet.

New Hampshire, Abkürzung (N. H.): Bundesstaat im Nordosten der USA, am Maine Golf; 24032 km2, 920000 Einwohner; 38 Einwohner/km2; Hauptstadt Concord. Eiszeitlich geprägtes seen- und waldreiches Hügel- und Bergland im Bereich der Appalachen, bis 1917 m hoch, im Südosten Küstenebene; kaltgemäßigtes Klima. Hochentwickelter Industriestaat; der Bergbau fördert Zirkon, Beryllium, Granit; Leicht-, Textil-, Elektro- und elektronische Industrie. In der Landwirtschaft Anbau von Getreide, Gemüse, Futterpflanzen, Obstbau; Geflügel-, Milchviehzucht; Fischfang, Hummerfang und Austernfang; Tourismus.

New Haven: Stadt im Bundesstaat Connecticut (USA); 130000 Einwohner, als Metropolitan Area 350000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Rüstungs-, Gummi-, Möbel-, Textilindustrie; Hafen; Yale-Universität, Bibliothek, Yale-Archiv; Kunstgalerie, Museen (Spielkarten).

Ne Win, eigentlich Shu Maung, geboren 14.5.1911, burmesischer General, Politiker; war Mitglied der Dobama Asiayone, 1942/45 einer der Führer des antijapanischen Befreiungskampfes; übernahm am 2.3.1962 an der Spitze der Armee die Macht, Vorsitzender der burmesischen sozialistischen Programmpartei seit 1964, 1974/81 Vorsitzender des Staatsrates und Präsident.

New Jersey, Abkürzung (N). Bundesstaat im Nordosten der USA, am Atlantischen Ozean; 20169 km2, 7,4 Millionen Einwohner (11% Afroamerikaner); 367 Einwohner/km2; Hauptstadt Trenton. Im Norden bewaldetes Piedmont Plateau und Appalachen (bis 550 m hoch), im Nordosten vollkommen verstädterte Zentralebene, im Süden Küstenebene; gemäßigtes Seeklima: Hauptfluss Delaware. Eisenerz- und Zinkbergbau, Buntmetallurgie, Erdölverarbeitung, Schiff-, Automobil- und Flugzeugbau, chemische, pharmazeutische, elektrotechnische Lebensmittel-, Leichtindustrie. Die gut entwickelte Landwirtschaft produziert Frühgemüse, Tomaten, Kartoffeln, Mais, Milch, Geflügel, Eier. Internationale Flughäfen (besonders Newark), gut ausgebaute Häfen, sehr dichtes Eisenbahnnetz; zahlreiche wissenschaftlichen Zentren und Institute; am stärksten bevölkerter und verstädterter Staat der USA; Tourismus. Seit 1620 besiedelt, bildete mit Neuamsterdam die niederländische Kolonie Neuniederland, 1664 von England erobert, seit 1702 Kronkolonie, 1776 unabhängig, 1787 10. Bundesstaat der USA

New Orleans: Stadt im Bundesstaat Louisiana (USA), am linken Ufer des Mississippi, 175 km vor dessen Mündung; 560000 Einwohner (davon 45 % Afroamerikaner), als Metropolitan Area 1,2 Millionen Einwohner; Erdöl- und Erdgasverarbeitung, Raumfahrt- (Raketen-), Aluminium-, Bekleidungs-, Papier-, Werft- und chemische Industrie; drittgrößter Seehafen der USA, Kanal zum Golf von Mexiko, Flusshafen, internationaler Flughafen (Moisant); mehrere Universitäten, Forschungsinstitute; zahlreiche Museen, Ausstellungs- und Kulturzentren; altes Stadtviertel Vieux Carré, St.-Louis-Kathedrale (18. Jahrhundert). 1718 von Franzosen gegründet, kam 1762 als Teil Louisianas an Spanien, 1800/01 an Frankreich, 1803 an die USA. 1818/49 Hauptstadt von Louisiana sowie Finanz- und Handelszentrum des Mississippi-Tals.

New Orleans Jazz: Urform und damit erster authentischer Stil des Jazz; entstand um die Jahrhundertwende im Süden der USA mit Zentrum New Orleans und blieb bis in die 20er Jahre hinein erhalten; ist gekennzeichnet durch mehrstimmige Kollektiv-Improvisation und die deutliche Akzentuierung der eigentlich «schwachen» Zählzeiten 2 und 4.

Newport: Stadt im Südosten von Wales (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Gwent, an der Mündung der Usk in den Severn; 105000 Einwohner; Stahl- und Walzwerk; Fahrzeug- und Maschinenbau; Hafen; Technikum.

Newport News: Stadt im Südosten des Bundesstaates Virginia (USA), an der Mündung des James River in den Atlantik; 140000 Einwohner; Erdölverarbeitung; Bau von Kriegs- und Handelsschiffen, Lebensmittel-, Leicht-, elektronische Industrie; Hafen (Trockendock); Raumfahrtlaboratorium; Seefahrtmuseum.

Newton, nach I. Newton, Zeichen -N: SI-Einheit der Kraft; 1N = 1 kg • m/s2.

Newton, Sir Isaac, 4.1.1643 bis 31.3.1727, englischer Physiker, Mathematiker und Astronom; 1669/1701 Professor in Cambridge, seit 1703 Präsident der Royal Society, seit 1699 königliche Münzmeister. Newtons größte Leistung besteht in der Aufstellung der nach ihm benannten Axiome, womit er die klassische Physik begründete, und in der Ableitung des Gravitationsgesetzes aus den Keplerschen Gesetzen. Sein Werk «Philosophiae naturalis principia mathematica» (Mathematische Grundlagen der Naturwissenschaft; 1687) beinhaltet die für die klassische Mechanik grundlegenden Gesetze und Begriffe (Masse, Impuls, Kraft) und behandelt ferner Schwingungen, Präzession und Nutation sowie Ebbe und Flut. Newton entwickelte neben G. W. Leibniz die Infinitesimalrechnung (Theorie der Fluxionen) und die damalige Reihenlehre (Binomialreihe). Er konstruierte ein Spiegelteleskop, entdeckte die Zerlegung von weißem Licht in Spektralfarben, arbeitete an einer Farbenlehre und begründete eine Korpuskular- (Emanations-) Theorie des Lichtes.

Newtonsche Abbildungsgleichung: (nach I. Newton) Zusammenhang zwischen Objektweite z, Bildweite z und den Brennweiten bei der Gaußschen Abbildung; wird dabei vom Brennpunkt F, z' vom Brennpunkt F' aus gemessen.

Newtonsche Axiome: von I. Newton formulierte Grundgesetze der klassischen (Newtonschen) Mechanik der Massenpunktsysteme.

1. Newtonsche Axiome oder (Galileisches) Trägheitsgesetz: Jeder Körper beharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmig geradlinigen Bewegung, das heißt sein Impuls p bleibt zeitlich konstant, solange er nicht durch äußere Kräfte gezwungen wird, diesen Zustand zu ändern.

2. Newtonsche Axiome oder dynamisches Grundgesetz. Die zeitliche Änderung dp/df des Impulses ist der einwirkenden Kraft F dem Betrag und der Richtung nach gleich; die Beschleunigung a eines Körpers der unverändert. Masse m ist daher der einwirkenden Kraft F proportional und ihr gleichgerichtet. Wirken auf einen Körper mehrere Kräfte, so beschleunigt jede Kraft den Körper so, als ob andere Kräfte nicht vorhanden wären; die resultierende Beschleunigung ergibt sich aus der resultierenden Kraft (Superpositionsprinzip).

3. Newtonsche Axiome oder Gegenwirkungsprinzip, auch Wechselwirkungsgesetz. Die von zwei Körpern aufeinander ausgeübten Kräfte (actio et reactio, das heißt Wirkung und Gegenwirkung) sind gleich groß und entgegengesetzt gerichtet.

Newtonsche Ringe: (nach I. Newton) Interferenzbild aus konzentrischen Ringen, das an der keilförmigen Schicht zwischen einer ebenen und einer schwach gewölbten Fläche entsteht. Im quasimonochromatischen Licht sind die Newtonschen Ringe abwechselnd hell und dunkel, im weißen Licht farbig. Newtonsche Ringe sind Interferenzen gleicher Dicke zuzuordnen.

Newtonsches Abkühlungsgesetz, Abkühlungsgesetz-. Gesetz, nach dem die von einem Körper, der wärmer ist als die ihn umgebende Luft, durch Konvektion und Strahlung je Zeiteinheit abgegebene Wärmemenge seiner Oberfläche sowie in gewissen Grenzen auch der jeweiligen Temperaturdifferenz zwischen Körper und Umgebung direkt proportional ist. Die Temperatur eines solchen Körpers nimmt nach einer Exponentialfunktion mit der Zeit ab.

Newtonsches Näherungsverfahren: (nach I. Newton) Verfahren zur 1 Nullstellenbestimmung einer Funktion y = f(x), wenn die Ableitung berechnet werden kann. Die Funktion wird in jedem Schritt durch eine Gerade durch den Punkt (xk, /()) mit dem Anstieg f (xk) ersetzt und der Schnittpunkt dieser Geraden mit der Abszissenachse als nächste Näherung xt+1 für die Nullstelle der Funktion /(x) betrachtet. Die Berechnungsformel lautet x+1 := xt-/(x)//'(x), wobei ein Startpunkt x, vorgegeben wird. Es ist im Allgemeinen ein sehr schnelles (quadratisch konvergentes) Verfahren.

New York: 1. Bundesstaat Abkürzung (N. Y.) im Nordosten der USA zwischen Erie- und Ontariosee einerseits und der Hudsonmündung andererseits; 127189 km2, 17,6 Millionen Einwohner (davon 12 % Afroamerikaner); 138 Einwohner/km2; Hauptstadt Albany. Größtenteils bewaldetes und von Flusstälern durchschnittenes Appalachen Plateau, im Norden Adirondack Gebirge (bis 1629 m hoch), am Ontariosee und an der atlantischen Küste Tiefland; Seen, Hauptflüsse: Hudson, Mohawk; gemäßigtes Seeklima, im Nordwesten zunehmend kontinentaler. Der Bergbau fördert Steinsalz, Titan, Erdöl, Baumaterial; Hydro- und Kernenergiegewinnung. Führend in der Wirtschaft sind nichtproduktive Zweige. (Handel, Finanzen, Versicherung, Dienstleistungen); des weiteren Eisen-, Nichteisenmetallurgie, Instrumentenbau, Bekleidungs-, Leder-, Lebensmittel-, elektrotechnische, chemische, polygraphische Industrie; Verlage. Die hochentwickelte Landwirtschaft produziert Getreide, Kartoffeln, Klee, Mais, Äpfel, Geflügel, Milch, Rindfleisch, Eier. Wichtige Kanäle, Häfen, Flughäfen; Wirtschaftszentren sind New York, Buffalo, Rochester, Syracuse unter anderem; reger Tourismus.

2. bevölkerungsreichste Stadt der USA, im Südosten von New York 1, an der Mündung des Hudson in den Atlantischen Ozean; als New York City 806 km2, 7,1 Millionen Einwohner (neben Angloamerikanern 21% Afroamerikaner und irische, jüdische, deutsche, italienische, polnische und andere Minderheiten), als Standard Metropolitan Area New York 9,1 Millionen Einwohner und als New York-Northeastern New Jersey Urbanised Area 16,2 Millionen Einwohner; größte Nordwest-Südost-Ausdehnung 58 km, größte Nordost-Südwest-Eistreckung 26,5 km. New York umfasst, zum Teil auf Inseln, zum Teil auf dem Festland gelegen, 5 Stadtbezirke: das Kerngebiet Manhattan auf der gleichnamigen Insel, Bronx auf der sich nordöstlich anschließenden Festlandhalbinsel, Brooklyn und Queens im Westteil der Insel Long Island und Richmond auf der Insel Staten Island. Vor der Südspitze Manhattans liegen in der Mündungsbucht des Hudsons die Inseln Ellis Island (früher Einwandererprüfstelle) und Liberty Island mit der 46 m hohen Freiheitsstatue auf 47 m hohem Sockel. Wichtigstes wirtschaftliches, kulturelles und Verkehrszentrum der USA mit sehr leistungsfähiger verarbeitender Industrie: Maschinen- und Fahrzeugbau, Leicht-, Bekleidungs-, Lebensmittel-, Baumaterialien-, chemische und elektrotechnische/elektronische Industrie. New York ist mit Abstand bedeutendster Überseehafen der USA zweitgrößter in der Welt (nach Rotterdam) mit 200 Millionen t Umschlag pro Jahr, verfügt über 3 internationale Flughäfen (J. F. Kennedy, La Guardia, Newark), mehrere Hubschrauberflugplätze und eine U-Bahn. Der Hudson und der New York State Barge Canal verbinden New York mit den Großen Seen. Das Zentrum New Yorks ist das von einem rechtwinklig angelegten Straßennetz durchzogene Manhattan, durch 8 Hängebrücken und 11 Tunnel mit Long Island und den Vorstädten im Bundesstaat New Jersey verbunden. Im Südwestteil liegen das Hauptgeschäfts- und Verwaltungsviertel (City) mit riesigen Hochhäusern («Wolkenkratzern»): Empire State Building mit 102 Stockwerken, 381 m; World Trade Center mit 110 Stockwerken, 413 m, mit Fernsehturm 449 m; Chrysler Building mit 319 m. Es wird von der Wallstreet, der Hochburg des Monopolkapitals und Sitz der größten Banken, Versicherungsgesellschaften und der New Yorker Börse, sowie dem 29 km langen Broadway, der Hauptverkehrsstraße Manhattans, durchzogen. Die Bevölkerung ist nach ethnischen, sozialen und rassischen Gesichtspunkten in bestimmten Vierteln gruppiert, zum Beispiel Hartem im Norden von Manhattan mit vorwiegend afroamerikanischen Bewohnern, Chinatown, Little Italy, Germantown; dabei Gettobildung (Afroamerikaner, Puertoricaner) mit zum Teil Slumcharakter. Über 80 % aller Beschäftigten sind im nichtproduktiven Sektor tätig. New York ist Sitz bedeutender Buch- und Zeitungsverlage, Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie der US-amerikanischen Filmindustrie, hat 6 Universitäten (unter anderem Columbia-Universität (gegründet 1754)), Hoch- und Fachschulen, Hunter College, wissenschaftliche Gesellschaften und Institute, Musik- und Kunstakademien, Theater- und Ballettschulen; Metropolitan Opera, Philharmonie Hall, New York State Theater, Museen (Metropolitan Museum of Art, Guggenheim), Bibliotheken, 39 Stadien, Planetarium, botanischen und zoologischen Gärten, Aquarien; Central Park (336 ha), Battery Park, Riverside Park unter anderem Seit 1945 Sitz der UNO (Gebäude am East River); Weltausstellungen 1853, 1939/40, 1964/65; St. Patricks Cathedral (1858/79); New York Jazz Festival (Juni/ Juli). 1625 von Niederländern gegründet, 1626/64 Neuamsterdam genannt; 1664 von England erobert; im Unabhängigkeitskrieg 1776/83 wichtigster Stützpunkt der britischen Kolonialarmee und der Loyalisten; 1784/1800 Hauptstadt der USA.

New York Herald Tribune: bis 1966 erschienene großbürgerliche Tageszeitung der USA; stand der Republikanischen Partei nahe; ging 1924 aus dem «New York Herald» (gegründet 1835) und der «New York Tribüne» (gegründet 1841) hervor. In Paris erscheint seit 1887 die europäischen Ausgabe «International Herald Tribüne».

New York State Barge Canal: Kanalsystem im Nordosten der USA zwischen den Großen Seen und Hudson (Atlantischen Ozean) mit dem 1825 entstandenen Eriekanal als Hauptkanal; insgesamt 845 km lang; für 2000-t-Schiffe; seit 1918.

Nexus: Verbindung, Verknüpfung; Zusammenhang.

Ney: 1. Elly, 27.9.1882-31.3.1968, Pianistin; konzertierte seit 1900 und galt international als bedeutende Beethoveninterpretin; musizierte auch (unter anderem mit W. Stroß und L. Hoelscher) im Klaviertrio und lehrte am Salzburger Mozarteum.

2. Ney, Michel, 10.1.1769-7.12.1815, Marschall von Frankreich; Sohn eines Böttchers; Soldat seit 1787, wurde in den Revolutionskriegen General; führend an den napoleonischen Kriegen beteiligt, ging er nach dem Sturz Napoleons I. zu Ludwig XVIII. über, während der Hundert Tage erneut aufseiten Napoleons; auf Betreiben der bourbonischen klerikalen Reaktion erschossen.

Nezval, Vitezslav, 26.5.1900-6.4.1958, tschechischer Dichter, leistete den Hauptbeitrag zur Entwicklung der modernen tschechischen Bildsprache sowohl in romantischen Traditionen aufnehmender experimentierender Lyrik («Pantomime», 1924) und surrealistischen Versuchen als auch im Bemühen um das polyphone realistische Gedicht. Sein Spätschaffen charakterisieren antifaschistische Bände («Mutter Hoffnung», 1938; «Historisches Bild», 1945), die Dichtung «Ich singe den Frieden» (1950, deutsch von Kuba) und Kindheitserinnerungen. In Deutsch Auswahl erschienen unter anderem «Gedichte» (1938), «Ausgewählte Gedichte» (1967), «Auf Trapezen» (1978).

NF-Verstärker, Tonfrequenzverstärker. Verstärker für Niederfrequenz; unterschieden werden NF-Vorverstärker und NF-Leistungsverstärker. Siehe auch Leistungsverstärker.

Ngamisee: Salzsumpf im Nordwesten von Botswana, am Südrand des Okavango Beckens; 70 km lang, bis 15 km breit; in den Ngamisee mündet ein Flussarm des Okavango.

Ngaoundere: Stadt (Regionszentrum) im Norden Kameruns; 20000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Webereien; Handelszentrum; internationaler Flughafen; mauerumwehrter Stadtkern. Bei Ngaoundere Bauxitabbau.

Ngorongoro-Krater: einer der größten Krater der Erde, im Hochland der Riesenkrater, im Norden von Tansania, am Rand des Ostafrikanischen Grabens; Durchmesser bis 22 km, Kraterboden 1700 m über dem Meeresspiegel, Caldera Rand bis 2 460 m hoch; Wildreservat; Fremdenverkehr.

Ngouabi, Marien, 1938—18.3.1977 (ermordet), kongolesischer Politiker, seit 1968 Präsident der Volksrepublik Kongo, seit 1969 Vorsitzender des ZK der Kongolesischen Partei der Arbeit.

Ngugi wa Thiong'o, früher James Ngugi, geboren 5.1.1938, kenianischer Romancier, Essayist und Dramatiker; bedeutendster kritisch-realistischer Schriftsteller Ostafrikas; gestaltet den Reifeprozess im antikolonialen Kampf (Romane «Abschied von der Nacht», 1964; «Der Fluss dazwischen», 1965; «Preis der Wahrheit», 1967; alle deutsch); antizipiert in seinem bedeutendsten Werk «Land der flammenden Blüten» (1976, deutsch), über sein konsequent demokratischen Menschen-, Gesellschafts- und Geschichtsbild hinausgehend, die sozialistisch-realistische Literaturentwicklung in Afrika.

Nguyen Du, 23.11.1765 oder 1.3.1766 bis 16.9.1820, vietnamesischer Dichter; schrieb sowohl in der alten vietnamesischen Hieroglyphenschrift (Hauptwerk Truyen Kieu) als auch in Chinesisch («Reise in den Norden»), Er gilt als Hauptvertreter der klassischen vietnamesischen Literatur.

Nguyen Huu Tho, geboren 10.7.1910, vietnamesischer Politiker; seit 1947 aktiv in der Befreiungsbewegung; wurde 1962 Vorsitzender der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams, 1964/77 Vorsitzender des Präsidiums ihres ZK, 1969/76 Vorsitzender des Konsultativrats der Provisorischen Revolutionären Regierung Südvietnams, 1976/80 Vizepräsident, 1980/81 amtierender Präsident der SRV, seit 1981 Präsident der Nationalversammlung.

Nguyen Thi Binh, geboren 25.6.1927, vietnamesische Politikerin; führendes Mitglied der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams, 1969/75 Außenminister der Provisorischen Revolutionären Regierung Südvietnams, die sie bei den Pariser Friedensverhandlungen (1968/73) vertrat; seit 1976 Minister für Volksbildung.

Nguyen Trai, 1380-19.9.1442, vietnamesischer Dichter, Philosoph, Staatsmann und Heerführer; verfasste seine Werke in Chinesisch («Geographische Beschreibung Vietnams» in literarischer Form), so auch sein Hauptwerk «Proklamation über die Befriedung der Ngo» (1428), das die Einheit von Volk und Armee als Unterpfand des Sieges gegen die Invasoren der chinesischen Ming-Dynastie hervorhebt und gleichzeitig seine meisterhafte Beherrschung der chinesischen Dichtkunst offenbart. Nguyen Trai schrieb auch Gedichte in der alten vietnamesischen Hieroglyphenschrift, wovon heute noch 254 erhalten sind.

Niagara: Fluss in Nordamerika, zwischen Erie- und Ontariosee, Grenze zwischen Kanada und den USA; 55 km; die Niagarafälle (eng! Niagara Falls) werden in den 790 m breiten, 49 m hohen kanadischer und in den 350 m breiten, 51 m hohen US-amerikanischen Wasserfall unterteilt; durch rückschreitende Erosion Verlagerung um 1,5 m/Jahr; Wasserkraftwerke, 5 auf der kanadischen und 2 auf der US-amerikanischen Seite (insgesamt 1950 MW, Ausbau auf 3 600 MW vorgesehen); Touristenattraktion (5 Millionen Besucher/Jahr).

Niagara Falls: 1. Stadt im Bundesstaat New York (USA), an den Niagarafällen; 71000 Einwohner; Hydroenergiegewinnung; elektrotechnische, elektrochemische, metallurgische, Papier-, Raumfahrtindustrie; 3 Brücken nach Niagara Falls 2; starker Tourismus.

2. Stadt in Kanada, in der Provinz Ontario, unterhalb der Niagarafälle, gegenüber Niagara Falls 1; 69000 Einwohner; Wasserkraftwerk; Herstellung von Chemikalien, Düngemitteln, Silberwaren, Sportausrüstungen, Maschinenbau; Zollhafen; College, Theater, Park; Fremdenverkehr.

Niamey: Hauptstadt der Republik Niger, am linken Nigerufer, 365000 Einwohner; Fleischverarbeitung, Textilfabrik, Töpferwaren-, Kunststoffartikelherstellung, Gerberei; Handelszentrum; Fluss-, internationaler Flughafen, Straßenknoten; Universität; Nationalmuseum.

Nianjun: (eh., «Fackelträger») Truppen des bäuerlichen Geheimbundes «Nian», organisierten 1832/68 in Mittel- und Ostchina antimandschurische und antifeudale Aufstände; 1868 von Truppen der Quing-Dynastie vernichtet.

Nias: Insel im Malaiischen Archipel, vor der Westküste Sumateras (Indonesien); 4772 km2, etwa 350000 Einwohner; Hauptort Teluk Dalam sumpfreiche Flachlandküste, im Inneren Bergland (bis 886 m.) Niacin Vitamine.

Nibbeln, Beißschneiden: stückweises Abtrennen von Blechteilen längs einer beliebigen Schnittlinie; erfolgt mit speziellen Maschinenscheren mit kurzen Messern und hohen Hubzahlen.

Nibelungen: Zwergen Geschlecht, dessen Schatz (Nibelungenhort) durch Siegfried in den Besitz der Burgunderkönige kam, auf die auch der Name Nibelungen überging.

Nibelungenlied: mittelhochdeutsches Heldenepos; um 1200 im bayerisch-österreichischen Raum entstanden, Ursprung und Verfasser nicht eindeutig geklärt. Aus 22 fragmentarischen und 10 vollständigen Handschriften sind 3 ältere Fassungen nachgewiesen. Das Nibelungenlied besteht aus 2 400 Strophen und verbindet 2 Themenkreise: das sogenannt Siegfried- und das Brunhild Lied (Siegfrieds Werben um Kriemhild, Günthers um Brunhild) und die Sage vom Untergang der Nibelungen (Burgunden). Historische Grundlage ist die Zeit der Völkerwanderung, der Einbruch der Hunnen unter König Etzel (Attila) in Westeuropa (Vorstufe ist das vorhöfliche Epos «Der Nibelunge Not», um 1150). Im Lied selbst verschmelzen frühfeudale und höfliche Auffassungen. Über das Volksbuch vom «Gehörnten Siegfried» und durch die deutsche Romantik (K. Simrock) wurde das Nibelungenlied seit dem 19. Jahrhundert zur populärsten deutschen Sage. Der Stoff hat im 19.und 20. Jahrhundert mehrfach künstlerische Gestaltung gefunden (unter anderem durch F. Hebbel, R. Wagner).

Nibelungenstrophe: (nach dem Nibelungenlied) 4 paarweise gereimte Langzeilen (Nibelungenzeilen), deren Kurzzeilen bei unterschiedlicher Kadenz jeweils 4 und 3 Hebungen verwirklichen. Die letzte Kurzzeile hat eine Hebung mehr.

Nice, Nizza: Stadt im Südosten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Alpes-Maritimes, an der Côte d’Azur des Mittelmeers; 340000 Einwohner; metallverarbeitende und elektronische Industrie; Herstellung von Parfüm, ätherischen Ölen, Möbeln, Textilien, Tabak- und Lederwaren; Blumenzucht; Fischerei; Hafen, internationaler Flughafen; Universität, Fachschulen; Theater, Museen; Kathedrale (17. Jahrhundert), Schloss; Fremdenverkehr, Spielbank, Kongresse; Karneval, Blumenfeste.

Nicht-Äquivalentenaustausch: Austausch von Waren ohne Berücksichtigung der in ihnen verkörperten Wertgröße, der eine zumeist auf Betrug basierende Bereicherung des ökonomisch Stärkeren (zum Beispiel Monopol, imperialistischer Staat) auf Kosten des Schwächeren (zum Beispiel nichtmonopolisierter Betrieb, Entwicklungsland) bedeutet,

nichteheliches Kind: umgangssprachliche Bezeichnung für ein «nicht während der Ehe geborenes Kind». Das nichteheliche Kind steht dem während der Ehe geborenen Kind gesellschaftlich gleich. Für seinen Unterhalt müssen beide Eltern sorgen, der Vater durch Unterhaltszahlung. Siehe auch Ehelichkeit, Vaterschaft.

Nichterfüllung: Nichterbringung der geschuldeten Leistung; siehe auch Unmöglichkeit der Leistung.

nichteuklidische Geometrie: jede Geometrie, in der das Parallelenaxiom Euklids nicht gilt. Die bekanntesten nichteuklidischen Geometrien sind die hyperbolische und die elliptische Geometrie. In der hyperbolischen Geometrie lassen sich durch einen Punkt außerhalb einer Geraden mehr als eine Parallele ziehen; in der elliptischen Geometrie dagegen existieren keine parallelen Geraden, da je 2 in ein und derselben Ebene liegende Geraden immer einen Schnittpunkt haben, außerdem ist dort die Länge jeder Geraden endlich. Die ebene hyperbolische Geometrie kann als Geometrie auf der Pseudosphäre gedeutet werden, die ebene elliptischer Geometrie als Geometrie auf der Kugel.

nichtgereifter Käse, Frischkäse-, ohne Reifung (frisch) in den Verkehr gebrachter Käse, der aus pasteurisierter Milch, auch entrahmter Milch, Buttermilch oder mit Sahnezusatz unter Verwendung von Hilfs- und Zusatzstoffen hergestellt wird; beschränkte Haltbarkeit. Zu den nichtgereiften Käse zählen unter anderem Speisequark und Schichtkäse.

Nichtigkeit: endgültige Unwirksamkeit eines Vertrages oder eines sonstigen Rechtsgeschäfts (zum Beispiel eines Testaments). Gründe für die Nichtigkeit sind insbesondere Handlungsunfähigkeit, Verstoß gegen gesetzliches Verbot, Unvereinbarkeit mit den Grundsätzen der sozialistischen Moral, Verstoß gegen Formvorschriften oder eine fehlende staatlichen Genehmigung.

nichtlineare Optik: Teilgebiet der Optik, das sich mit den Wirkungen des Lichtes befasst, die vorwiegend bei sehr großen elektrischen Feldstärken in der Lichtwelle auftreten. Feldstärken in der Größenordnung der atomaren Feldstärken am Ort der Elektronen lassen sich mit Lasern erzeugen. Die elektrische Polarisation der Stoffe hängt bei großen Feldstärken nichtlinear von der Feldstärke ab. Die Folge sind neuartige optische Effekte. So lässt sich eine Frequenzverdopplung erzielen, mit 2 Wellen kann die Summen- und die Differenzfrequenz erzeugt werden. Die Brechzahl der Stoffe ist von der Lichtintensität abhängig, womit eine Selbstfokussierung (Einschnürung) der Laserbündel verbunden sein kann. Für die Spektroskopie sind nichtlineare Streueffekte und Effekte im extremen Kurzzeitbereich nutzbar.

nichtlineare Optimierung, nichtlineare Programmierung. spezielle Aufgabenstellung der mathematischen Optimierung mit nichtlinearen Beziehungen in der Zielfunktion, im Nebenbedingungssystem oder in beidem.

nichtlineare Verzerrung: Veränderung des Zeitverlaufs der Ausgangsgröße gegenüber dem der Eingangsgröße bei elektroakustischen Wandlern, bei Verstärkung, Übertragung oder Speicherung elektrischer Signale. Durch nichtlineare Verzerrung entstehen zum Beispiel in einem Verstärker bei der Klangübertragung zusätzliche Frequenzen, die am Eingang nicht vorhanden waren. Ein Maß für die nichtlineare Verzerrung ist der Klirrfaktor.

Nichtmetalle: chemische Elemente, deren Atome eine völlig (Edelgase) oder nahezu abgeschlossene Elektronenhülle aufweisen. Ihre chemischen Eigenschaften werden weitgehend davon bestimmt, dass bei Elektronenaufnahme Energie frei wird; sie bilden dann negativ geladene Anionen. Die Nichtmetalle (außer den Edelgasen) bilden mehratomige Moleküle und kristallisieren meist in Molekülgittern. Sie zeigen keinen Metallglanz und nur geringe Leitfähigkeit für Elektrizität und Wärme. Etwa 20 chemische Elemente sind Nichtmetalle; der Übergang zu den Metallen ist fließend. Manche Elemente (zum Beispiel Kohlenstoff, Phosphor, Selen, Arsen) existieren sowohl in metallische als auch nicht metallische Modifikationen. Siehe auch Periodensystem der Elemente, Nichtpaktgebundenheit: außenpolitisches Prinzip, insbesondere vieler asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten (vor allem der Entwicklungsländer), das in der Nichtbeteiligung an militärischen Pakten, in der strikten Ablehnung ausländischer Militärstützpunkte auf eigenem Territorium und in aktivem Auftreten im Interesse des Friedens und der nationalen Unabhängigkeit besteht. Die Bewegung der Nichtmetalle führte zu gemeinsamem Auftreten der betreffenden Staaten im Rahmen der UN als Gruppe der Nichtpaktgebundenen sowie in Form regelmäßiger Gipfelkonferenzen. Die Bewegung der Nichtmetalle, die etwa die Hälfte der Weltbevölkerung und mehr als zwei Drittel der in den UN vertretenen Staaten repräsentiert, vereint Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnungen und ist daher eine widerspruchsvolle Erscheinung im System der internationalen Beziehungen der Gegenwart. Auf der Grundlage gemeinsamer Grundinteressen im antiimperialistischen Kampf bestehen zwischen den nichtpaktgebundenen und den sozialistischen Staaten viele übereinstimmende oder ähnliche Auffassungen in wichtigen internationalen Fragen, zum Beispiel in der Verurteilung von Kolonialismus, Neokolonialismus und Rassismus und hinsichtlich des Kampfes um Frieden, Abrüstung und Sicherheit.

nichtproduktive Sphäre: Bereich der gesellschaftlichen Arbeit, der gesellschaftlich notwendige Dienste und Leistungen hervorbringt, jedoch keinen materiellen Gebrauchswert und kein Mehrprodukt schafft. Die Reproduktion der nichtproduktiven Sphäre erfolgt aus dem in der produktiven Sphäre geschaffenen Mehrprodukt. Daher kann sie sich nur im Rahmen der von den produktiven Bereichen geschaffenen Möglichkeiten entwickeln. Gleichzeitig übt die nichtproduktive Sphäre eine aktive Rückwirkung auf die produktive Sphäre aus. Zur nichtproduktiven Sphäre gehören Bildungswesen, Gesundheitswesen, Kultur, Sport, Dienstleistungsbereiche, Verwaltung unter anderem sowie deren Einrichtungen.

nichtvermögensrechtliche Befugnisse: Urheberrecht die dem Urheber zum Schutz seines Ansehens und der Integrität seines Werkes zustehenden und generell unübertragbaren Befugnisse. Nichtvermögensrechtliche Befugnisse sind die Anerkennung der Urheberschaft, die Entscheidung über die Erstveröffentlichung jedes neuen Werkes und über alle Änderungen, insbesondere das Verbot von Entstellungen sowie allgemein der Schutz gegen jede das Ansehen schädigende Verwendung des Werkes.

Nick, Harry, geboren 15.8.1932, Wirtschaftswissenschaftler; Professor für politische Ökonomie des Sozialismus und Forschungsbereichsleiter am Institut Politische Ökonomie des Sozialismus der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED; zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zur politischen Ökonomie des Sozialismus, insbesondere zu ökonomischen Problemen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts.

Nickel, Symbol Ni: chemisches Element der Kernladungszahl 28; Atommasse 58,69; Wertigkeit +2, seltener +3; F1451°C, Kp2730°C; Dichte 8,91g/ cm3. Nickel begleitet das Eisen im Magnetkies und findet sich auch als Garnierit; weitere Minerale sind Nickelin und Chloanthit (Rot- und Weißnickelkies). Zur Reinigung technisch hergestellten Nickels dient das Mondverfahren, bei dem Rohnickel bei 50 °C mit Kohlenmonoxid in das gasförmige Nickeltetracarbonyl übergeführt wird, das sich bei 200 °C unter Bildung von 99,99 %-igem Nickel wieder zersetzt. Nickel ist ein gelbstichig silberweißes, zähes, Schmied- und schweißbares, unterhalb 357 °C ferromagnetischen Metall, das gegen Luft, Wasser und Alkalien wegen Passivierung sehr beständig ist. Von nichtoxydierenden Säuren wird es langsam, von Salpetersäure schnell gelöst. Man verwendet Nickel unter anderem zur Herstellung von hartem, zähem Nickelstahl und anderen Nickellegierungen (zum Beispiel Neusilber), für galvanische Überzüge (Vernickeln) sowie in der chemischen Industrie als Hydrierkatalysator. Beim Umgang mit Nickel und seinen Verbindungen sind berufliche Schäden, zum Beispiel Hautekzeme, Schleimhautentzündungen, Krebs der Lungen und Nasennebenhöhlen, möglich. Metall. Nickel wurde erstmals 1751 von dem schwedischen Chemiker und Mineralogen Axel Frederic Cronstedt (1722-1765) hergestellt.

Nickelin, Rotnickelkies: Mineral, Nickelarsenid; Kristallsystem hexagonal, Härte 5,5, Dichte 7,8 g/cm3, körnige, metallglänzende, kupferrote Aggregate; hydrothermale Vorkommen in Schneeberg, Mansfeld.

Nickel-Cadmium-Akkumulator, Kurzwort NC Akku: Akkumulator, dessen Elektroden im aufgeladenen Zustand mit grauem, schwammigem Cadmium (Cd; Minuspol) beziehungsweise schwarzem Nickel(III)-hydroxid (Ni(OH)3; Pluspol) bedeckt sind; der Elektrolyt besteht aus Kalilauge. Bei Stromentnahme (Entladung) bilden sich weißes Cadmiumhydroxid beziehungsweise hellgrünes Nickel(II)-hydroxid; die Dichte der Lauge bleibt hierbei unverändert. Beim Aufladen kehren sich die Vorgänge um. Die Einzelzelle des Nickel-Cadmium-Akkumulators liefert eine Spannung von 1,2 bis 1,4 Volt; das Gerät zeichnet sich durch geringe Masse, Kälteunempfindlichkeit und Gasdichtheit aus.

Nickelverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist in der Oxydationsstufe +2, seltener + 3 vorliegendem Nickel. Kristallwasserhaltige Nickel(II)-verbindungen sehen grün aus, zum Beispiel das apfelgrüne, zum stromlosen Vernickeln verwendete Nickelchlorid und das smaragdgrüne, zum galvanischen Vernickeln verwendete Nickel(Il)-sulfat (Nickelvitriol). Nickelhydroxide Nickel-Cadmium-Akkumulator. Nickeloxid ist ein graugrünes Pulver. Eine flüchtige Nickelverbindungen (Kp 43 °C) ist das farblose Nickeltetracarbonyl; siehe auch Carbonyle.

Nickhaut: bei Landwirbeltieren vorkommendes drittes Augenlid; die Nickhaut ist durchsichtig, kann über das Auge hinweg bewegt werden und dient der Reinigung der Hornhaut.

Nicolaescu, Sergiu, geboren 13.4.1930, rumänischer Filmregisseur und -schauspieler, schuf vor allem historische und Kriminalfilme, wie «Der letzte große Sieg der Daker», «Mit reinen Händen», «Die letzte Patrone», «Die Unsterblichen», «Für das Vaterland», «Killany, der singende Hund», «Das Duell», in denen er meist auch die Hauptrolle spielte.

Nicolai: 1. Christoph Friedrich Nicolai, 18.3.1733 bis 8.1.1811, Schriftsteller, Kritiker und Verleger; begründete bedeutende Zeitschriften der deutschen Aufklärung; verfasste den unter anderem gegen dogmatische Pietismus und Kleinstaaterei gerichteten satirischen Roman «Sebaldus Nothanker» (1773/76); wandte sich gegen demokratische Tendenzen des Sturm und Drang und der Klassik.

2. Otto Nicolai, 9.6.1810-11.5.1849, Komponist und Dirigent; war seit 1841 Hofopernkapellmeister in Wien, seit 1848 in Berlin, wo 1849 sein Meisterwerk, die Oper «Die lustigen Weiber von Windsor», uraufgeführt wurde; schrieb neben weiteren Opern auch Instrumentalmusik und Lieder.

Nicolas, Armand, geboren 1925, Führer der Arbeiterbewegung Martiniques; seit 1951 Mitglied des Büros der Sektion Martinique der Franzos. KP, seit Gründung Mitglied der KP Martiniques, ihres ZK, des Politbüros und des Sekretariats des ZK, seit 1962 Generalsekretär.

Niebuhr: 1. Barthold Georg Niebuhr, 27.8.1776-2.1.1831, Althistoriker; preußischer Politiker; Sohn von Niebuhr2; einer der Begründer der philologisch-kritischen Methode der Geschichtswissenschaft; Hauptwerk «Römische Geschichte» (3 Bände, 1811/32).

2. Carsten Niebuhr, 17.3.1733-26.4.1815, Arabien Forscher; unternahm 1761/67 in dänischen Diensten eine der ersten wissenschaftlichen Orientreisen (Ägypten, Arabische Halbinsel, Indien, Persien, Mesopotamien, Syrien).

Niederafrika: Gebiete in Nord-, West- und Zentralafrika mit Sahara, Landschaften Sudan und Guinea und Zairebecken; im Mittel 500 m über dem Meeresspiegel gelegen. Siehe auch Hochafrika.

Niederdruck: geringer Druck in Rohrleitungen, Behältern, Dampferzeugern, Arbeitszylindern unter anderem; die Grenze der Druckhöhe ist nicht einheitlich festgelegt; als Niederdruck gelten im Allgemeinen bei Dampfheizungen bis 0,05 bei Fahrzeugreifen 0,15 bis 0,3, im Warme-Kraftwerksbetrieb etwa 0,5 bis 1 MPa.

Niederdruckentladungslampe: Entladungslampe, bei welcher die Lichterzeugung durch eine Gasentladung bei einem Druck von <130 Pa erfolgt. Zu den Niederdruckentladungslampen gehören zum Beispiel Leuchtstofflampen und Natriumdampf-Niederdrucklampen.

Niederfinow: Gemeinde im Kreis Eberswalde, Bezirk Frankfurt, am Finowkanal; 1000 Einwohner 3 km nördlich von Niederfinow, am Oder-Havel-Kanal, das 94 m lange, 27 m breite und 60 m hohe Schiffshebewerk Niederfinow (1927/34 für Schiffe bis 1200 t erbaut), das die Überwindung von 36 m Höhenunterschied zwischen Barnim und Oder ermöglicht

Niederfrequenz, Abkürzung NF: Bezeichnung für Wechselspannung oder -ström mit Frequenzen zwischen 10 Hz und 20 kHz.

Niedergang: seemännische Bezeichnung für die vom Oberdeck unter Deck führende überdachte Treppe.

Niederguineaschwelle: bis knapp 3000 m aufragendes Hochland in Zentralafrika, das sich parallel zur Atlantikküste von Kamerun bis Nordangola erstreckt und das Zairebecken im Westen begrenzt; vom Zaire durchbrochen.

Niederkalifornien, spanisch Baja California: Halbinsel an der Südwestküste Nordamerikas, zwischen Stillem Ozean und Golf von Kalifornien; politisch zu Mexiko gehörend; 143790 km2, 1200 km lang, 50 bis 250 km breit; von Norden nach Süden verlaufende Gebirgsketten (bis 3078 m) als südliche Fortsetzung der nordamerikanischen Küstenkordillere; bei heißem, trockenem subtropischem Klima vorwiegend domstrauch- und kakteenreiche Halbwüsten und Wüsten; bei künstlicher Bewässerung Anbau von Baumwolle, Datteln, Wein und Gemüse; Thunfisch- und Muschelfang mit Fischkonservenherstellung; Bergbau auf Kupfererz bei Santa Rosalia.

Niederkirchner: 1. Katja (eigentlich Käthe), 7.10.1909-28.9.1944 (ermordet), antifaschistische Widerstandskämpferin; Tochter von Niederkirchner 2; 1929 Mitglied der KPD; emigrierte 1933 in die UdSSR. Sie meldete sich für den Einsatz im faschistischen Deutschland; 1943 auf der Fahrt nach Berlin verhaftet, später in das KZ Ravensbrück verschleppt.

2. Michael, 5.9.1882-19.8.1949, Politiker, Arbeiter. Niederkirchner trat 1903 der Sozialdemokratischen Partei Ungarns, 1905 der deutschen Sozialdemokratie bei. Er nahm 1917 an der Oktoberrevolution teil, wurde 1919 Mitglied 4er USPD und 1920 der KPD. Er wirkte vor allem in den Gewerkschaften. 1933 wurde Niederkirchner inhaftiert; konnte 1934 in die Sowjetunion emigrieren, wo er den Kampf gegen den Faschismus fortsetzte. Nach 1945 setzte sich Niederkirchner besonders für die Schaffung revolutionärer Gewerkschaften ein.

Niederländisch: westgermanische Sprache, die in den Niederlanden (hier auch Holländisch genannt) und den nordbelgischen Provinzen West- und Oost-Vlaanderen, Brabant, Antwerpen und Limburg (hier auch Flämisch genannt) gesprochen wird; ferner als Dialekt im französischen Departement Nord (Flandern), in Suriname und auf den Niederländischen Antillen. Niederländisch entwickelte sich Ende des 12. Jahrhundert aus dem Altniederfränkischen (deutsche Mundarten). Man unterscheidet 2 Perioden, Mittelniederländisch (etwa 1200/1550), das südniederländisch geprägt ist, und Neuniederländisch (etwa seit 1600), das hauptsächlich auf dem Dialekt Nordhollands beruht.

Niederländische Antillen: abhängiges Gebiet, sogenannt autonomer überseeischer Teil der Niederlande, in der Karibik; 768 km2, 204000 Einwohner; 266 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Willemstad auf Curacao. Die Bevölkerung besteht zu über 80 % aus Afroamerikanern und Mulatten. Die Niederländischen Antillen bestehen aus 2 fast 1000 km voneinander entfernt liegenden Inselgruppen der Kleinen Antillen; im Süden die beiden Inseln Bonaire und Curacao vor der Küste Venezuelas, im Norden die wirtschaftlich bedeutungslosen Leeward Inseln Sint Eustatius, Saba und der südliche Teil von Sint Maarten. Die Wirtschaft ist einseitig auf die Verarbeitung und Zwischenlagerung von aus Venezuela stammendem Erdöl. V. orientiert und wird von ausländischen Monopolen beherrscht. Raffinerien, Gewinnung von Kalziumphosphat; auf Bonaire und Sint Maarten Meersalzgewinnung; wachsende Bedeutung des internationalen Tourismus. Jede Insel besitzt einen Flughafen; wichtigste Häfen sind Willemstad (Curacao) und Kralendijk (Bonaire).

Niederländische Schule, Niederländer: Gruppe von Komponisten des 15./16. Jahrhundert mit Schule bildendem Einfluss auf die Entwicklung der europäischen mehrstimmigen Musik auf dem Gebiet des heutigen Belgiens, von Teilen der Niederlande sowie einem Teil Nordfrankreichs mit flämisch-wallonisch-französischer Bevölkerung; entfaltete sich auf dem Gebiet des damaligen Herzogtums Burgund (Burgund. Schule, 15. Jahrhundert). Errungenschaften der Niederländischen Schule sind die niederländische Chorpolyphonie als gelungene Synthese von melodischen Eigenständigkeit und Zusammenhang; eine neue Stufe der Bewältigung satztechnische Probleme durch den ausgewogenen Satz von 4 durchimitierenden Stimmen; Umorientierung des Satzes auf die Oberstimme als der wichtigsten, in liedhafter Melodik gegliedert; Hinwendung zu den bisher vernachlässigten Problemen der Motivbildung (Auseinandersetzung mit dem Begriff «Thema») und der Textausdeutung. Bedeutende Komponisten der Niederländische Schule sind G. Dufay, J. Ockeghem, J. Desprez, H. Isaac, J. di Lasso, A. Willaert, A. und G. Gabrieli.

Niederlandistik: Wissenschaft von der niederländischen Sprache und Literatur, Anlänge im 19. Jahrhundert (1. «Niederländische sprachlicher und literarischer Kongress» 1849; Gent); philologisches Fach an Universitäten inner- und außerhalb des niederländischen Sprachgebiets.

Niederlassung: staatliche Erlaubnis für Ärzte und Zahnärzte zur Durchführung ambulanter medizinischer Betreuung der Bevölkerung in eigener Praxis.

Niederösterreich: österreichisches Bundesland beiderseits der Donau, im Norden und Nordosten an die CSSR grenzend; 19171 km2,1,43 Millionen Einwohner; 75 Ew/km2; Behördensitz Wien; umfasst Waldviertel, Weinviertel, das Donauengtal der Wachau, die Ebene des Tullner Feldes, Marchfeld, Wiener Becken und hat Anteil am Alpenvorland, am Leithagebirge und an den Alpen. Erdöl-, Erdgasförderung im Marchfeld, Abbau von Gips, Anhydrit, Kieselgur, Maschinen-, Fahrzeugbau, chemische, Nahrungsmittel-, metallverarbeitende, Textil-, Holz- und Papierindustrie; Industriekonzentrationen besonders in Sankt Pölten und Wiener Neustadt; Kraftwerke (unter anderem Ybbs-Persenbeug). Bedeutendstes Agrargebiet Österreichs, Anbau von Weizen, Zuckerrüben, Obst, Gemüse und Wein, im Alpenvorland und Waldviertel von Kartoffeln und Roggen; Viehzucht; über ein Drittel der Landesfläche waldbedeckt.

Niederrheinische Tieflandsbucht: Teil des nordwestlichen Flachlandes der BRD in Nordrhein-Westfalen, beiderseits des Rheins gelegen, in das Rhein. Schiefergebirge eingreifend, im Süden Kölner Bucht genannt; gewellt, meist fruchtbar, in den südlichen Börden intensiver Ackerbau (Gemüse), im Norden besonders Viehzucht; umfangreicher Braunkohlenbergbau in der Ville, Steinkohlenbergbau links des Rheins und bei Aachen; zahlreiche Kraftwerke; industrielles Ballungsgebiet beiderseits des Rheins, unter anderem mit den Städten Köln, Düsseldorf, Duisburg, Krefeld, Leverkusen.

Niederschachtofen: in der Eisenmetallurgie zur Erzeugung von Roheisen eingesetzter Schachtofen mit 3 bis 6 m Beschickungshöhe, in dem minderwertige, im Hochofen nicht einsetzbare Kokssorten Verwendung finden; nur noch selten betrieben.

Niederschlag:

1. Niederschlag, Knockdown - Boxen: Wirkungstreffer, der den Gegner zu Boden zwingt

2. Meteorologie: Kondensationsprodukt des Wasserdampfes der Luft in flüssiger oder fester Form, das zur Erdoberfläche gelangt oder sich an dieser abscheidet. Man unterscheidet fallenden Niederschlag (Regen, Niesel, Schnee, Hagel unter anderem) und abgesetzten Niederschlag (Tau, Reif, Nebelfrostablagerungen, Glatteis) sowie nach Entstehung des Niederschlag zyklonalen Niederschlag, an die Wetterfronten einer Zyklone gebundener Niederschlag (Aufgleitregen, Landregen an einer Warmfront, Schauer und Gewitter an der Kaltfront), und luftmasseninternen konvektiven Niederschlag, der sich durch Thermik in instabiler Luftschichtung besonders in den Tropen und in den gemäßigten Zonen bei Wärmegewittern ausbildet, sowie orographischen Niederschlag durch Hebung von Luftmassen an Geländeformen (Stauregen).

Niederschlagsmesser, Regenmesser, Hyetometer, Ombrometer, Pluviometer: zylindrisches Gefäß mit definierter Auffangfläche (meist 200 beziehungsweise 500 cm2), Abflusstrichter und Sammelkanne, aus der die gefallene Niederschlagsmenge bestimmt wird.

Niederwartha: Ortsteil der Gemeinde Cossebaude im Kreis und Bezirk Dresden, links der Elbe; 5100 Einwohner; Pumpspeicherwerk (126 MW).

Niederwild: Gruppe jagdbarer Tiere, wie Hase, Kaninchen, Raubwild (außer Bär, Wolf, Luchs), Federwild (außer Auerwild), im Unterschied zum Hochwild.

niedrigschmelzende Legierungen: im weiteren Sinne Legierungen in eutektische Zusammensetzung, bei denen der Schmelzpunkt tiefer liegt als die Schmelzpunkte der reinen Stoffkomponenten; im engeren Sinne Legierungen des Wismuts (Schmelzpunkt 271 °Q mit zum Beispiel Cadmium, Blei und beziehungsweise oder Zinn. Bekannteste niedrigschmelzende Legierungen ist das Wood Metall (50 % Wismut, 10 % Cadmium, 27 % Blei, 13 % Zinn) mit einem Schmelzpunkt von 70 °C. Verwendet werden niedrigschmelzende Legierungen unter anderem als Lote.

Niedrigwasser: Tiefstand des Wassers an der Küste infolge von Gezeiten oder Windeinwirkung (Sturm-Niedrigwasser). Siehe auch Tidewasserstand.

Niehans, Paul, 21.11.1882-1.9.1971, schweizerischer Chirurg und Endokrinologe; Professor in Bern; entwickelte die Frischzellentherapie, bei der Aufschwemmungen von frischen Drüsen durch Injektion auf den kranken Menschen übertragen werden.

Niello: Technik der Metallverzierung; auch Bezeichnung für den damit verzierten Gegenstand. Die in das Metall (meist Silber und Gold) gravierte Zeichnung wird mit der schwarzen Niello-Masse (Mischung aus Silber, Kupfer, Blei, Schwefel, Borax) ausgefüllt, wonach die Oberfläche poliert wird, so dass sich die schwarze Zeichnung vom Grund abhebt. Auch von den gravierten Platten angefertigte Abdrucke auf Papier werden als Niello bezeichnet. Niello war bereits im alten Ägypten und in Rom bekannt und wurde vor allem im 15./16. Jahrhundert in Italien, im Orient und im 19. Jahrhundert im südlichen Russland verwendet.

Nielsen: 1. Asta, 11.9.1881 bis 24.5.1972, dänische Schauspielerin; filmte zuerst in Dänemark («Abgründe»), seit 1912 in Deutschland («Engelein», «Der Reigen», «Hamlet», «Fräulein Julie», «Hedda Gabler», «Die freudlose Gasse»). Sie war eine der bedeutendsten Darstellerinnen der Stummfilmzeit; schrieb die Lebenserinnerungen «Die schweigende Muse» (1946, deutsch).

2. Carl August, 9.6.1865-3.10.1931, dänischer Komponist; schrieb neben Solokonzerten, Streichquartetten, 2 Opern und anderen Werken 6 dramaturgisch eigenwillige Sinfonien, die die Tradition dieser Gattung bedeutsam fortsetzen. Nielsen wirkte erfolgreich als Dirigent und Lehrer am Konservatorium Kopenhagen.

Niemandsland: a) Gelände zwischen den gegnerischen Fronten im Krieg;

b) von Siedlungen entblößter Grenzstreifen;

c) unerforschtes, unbesiedeltes Land.

Niemöller, Martin, 14.1.1892-6.3.1984, evangelischer Theologe; gründete 1933 den Pfarrernotbund, als Antifaschist und Leitungsmitglied der Bekennenden Kirche, wegen seines Auftretens gegen Eingriffe des faschistischen Staates in innerkirchlichen Angelegenheiten 1937/45 in den KZ Sachsenhausen und Dachau eingekerkert; nach 1945 führend beteiligt an der Formulierung der Stuttgarter Schulderklärung der evangelischen Kirche und anderen Schriften sowie im Kampf gegen den klerikalen Missbrauch des Christentums und der Kirche für antikommun ist und andere reaktionäre politische Ziele; große Verdienste im Friedenskampf, 1961 einer der Präsidenten des Weltfriedensrates, 1981 Mitverfasser des «Krefelder Appells» gegen die Stationierung von Atomraketen in Westeuropa.

Niere, Ren, Nephros (griechisch): paariges Ausscheidungsorgan der Wirbeltiere; beim Menschen seitlich der Lendenwirbelsäule angeordnete, etwa 11 cm lange, bogenförmige Organe. Das von der Nierenkapsel umgebene Nierengewebe ist in die Nierenrinde (außen) und das Nierenmark (innen) gegliedert und besteht aus den Nierenkanälchen (Harnkanälchen, Nephron). Diese beginnen jeweils mit dem in der Rinde liegenden Nierenkörperchen (Glomerulum), einem von Epithel (Bowmansche Kapsel) umschlossenen Kapillarknäuel, und enden an den in das Nierenbecken mündenden, im Mark liegenden Sammelröhren. Der in den Nierenkörperchen gebildete Primärharn wird in den Nierenkanälchen verändert und dem Nierenbecken zugeleitet, von hier gelangt er durch den Harnleiter zur Harnblase. Außer der Funktion der Ausscheidung bestimmter Substanzen kommt der Niere eine wichtige Aufgabe bei der Regulierung des Blutdruckes zu.

Nierenbeckenentzündung, Pyelitis (griechisch): meist akute bakterielle Entzündung des Nierenbeckens. Die Nierenbeckenentzündung tritt bei Frauen verhältnismäßig häufig auf, besonders während der Schwangerschaft; Symptome sind Druckschmerz in der Nierengegend, Fieber sowie Harninfektion. Bei Übertritt der Entzündung auf das Nierengewebe kommt es zu einer Pyelonephritis.

Nierenentzündung, Nephritis (griechisch): häufig nach Infekten (Streptokokken Erkrankungen) oder als Herdinfektion auftretende Entzündung des Nierengewebes, die durch Nässe und Kälte begünstigt wird (akute Nierenentzündung). Symptome der Erkrankung sind Mattigkeit, Kopfschmerzen und Schmerzen in der Nierengegend. Im Harn lassen sich rote Blutzellen und Eiweiß nachweisen. Die roten Blutzellen sind ein Zeichen dafür, dass die Entzündung die Nierenkörperchen (Glomeruli) befallen hat. Eine nicht ausgeheilte akute Nierenentzündung kann in die chronischen Nierenentzündungen übergehen, die zur Schrumpfniere führen kann. Eine besondere Form der Nierenentzündungen ist die durch eine allergisch-immunologische Reaktion der Nierenkörperchen hervorgerufene Schädigung der Nieren (Glomerulonephritis). Die Behandlung besteht hauptsächlich in Bettruhe, Antibiotikagaben und salzloser Diät.

Niereninsuffizienz: erhebliche Herabsetzung des Nierenleistungsvermögens infolge von Nierenerkrankungen verschiedenster Ursachen, zum Beispiel Schrumpfniere und akute Glomerulonephritis. Die Niereninsuffizienz führt zur Ansammlung harnpflichtiger Substanzen im Blut (Harnvergiftung).

Nierenkolik: heftige, vorwiegend durch Harnsteine hervorgerufene, wehenartige an- und abschwellende Schmerzen von der betroffenen Niere in den Harnleiter oder bei tiefsitzenden Harnleiter Steinen bis zur Blase und in die Geschlechtsregion ausstrahlend. Die Nierenkolik ist meist mit Erbrechen, Kreislaufstörungen und Darmentleerungsstörungen verbunden. Werden Nierenkolik durch Steinerkrankungen verursacht, so sind im Harn fast stets rote Blutzellen nachweisbar.

Nierensenkung, Wanderniere, Nephroptose (griechisch) Ren Mobilis: Abwärtstreten der Niere in den Mittel- bis Unterbauch, besonders beim Stehen mit dumpfem Druckgefühl in der Flankengegend verbunden. Ursachen der Nierensenkung sind Bindegewebeschwäche (Banderschlaffung), starke Abnahme der Körpermasse (Fettschwund) und häufige Geburten.

Nierensteinkrankheit, Nephrolithiasis (griechisch): Bildung von Steinen in der Niere. Sie können als winzige Papillensteine von selbst abgehen oder infolge gestörten Harnabflusses und Infektion zu großen Nierenbecken- und Nierenbeckenkelchausgusssteinen anwachsen. Ursachen der Nierensteinkrankheit können zum Beispiel Stoffwechselstörungen, pH-Wert-Veränderungen und vegetative Regulationsstörungen mit Beeinflussung der Nierendurchblutung sein.

Nierentransplantation: operative Überpflanzung einer Niere bei chronischen Nierenversagen, zum Beispiel als Folge von Nierenschrumpfung oder sonstigen chronischen Entzündungsprozessen der Niere. Als Nierenspender kommen in Frage Blutsverwandte 1. Grades (sogenannt Lebendspender) und tödlich verunglückte (sogenannt Leichenspender).

Nieselregen, Sprühregen: aus Schichtwolken fallender, aus feinen, dicht verteilten Wassertröpfchen bestehender, ziemlich gleichmäßiger Niederschlag.

Niesen: unwillkürliche Reaktion (Schutzreflex), die bei Reizung der Nasenschleimhaut ausgelöst wird und deren mechanische Säuberung mit Hilfe eines auswärts gerichteten Luftstroms bewirkt; die erfordert. Koordination der Kontraktion von Mund- und Atemmuskeln erfolgt durch ein im Nachhirn befind! nervöses Zentrum.

Nießbrauch: (zu «genießen») nach früherem Recht und nach bestimmten ausländischen Rechtsordnungen die nicht übertragbare Berechtigung, fremde Sachen, Rechte oder Vermögensmassen zu nutzen, ohne dass eine Verminderung ihrer Substanz eintritt.

Nieswurz: (zu «niesen») Helleborus: Gattung giftiger Hahnenfußgewächse; die ausdauernde Schwarze Nieswurz (H. niger), auch Schnee- oder Christrose genannt, ist eine Zierpflanze mit weißen Blüten, die im Winter erscheinen.

Nieten: Fügeverfahren, bei dem ein Zapfen eines der zu fügenden Teile durch ein Loch im anderen Teil oder ein Hilfsfügeteil beziehungsweise Fügeelement (Niet) durch Löcher in den zu verbindenden Teilen gesteckt und das überstehende Ende zu einem Schließkopf umgeformt wird, wodurch eine unlösbare Verbindung entsteht. Der Niet besteht aus dem zylindrischen Schaft und dem angestauchten Setzkopf, nach dessen Form Halbrund-, Senkniete unter anderem unterschieden werden. Nietmaterial ist plastisch verformbares Metall oder Thermoplast (Nietzapfen). Für gering beanspruchte Verbindungen und empfindliche Teile aus elastischem Material werden aus Rohr oder Band gefertigte Hohlniete benutzt. Ein Blindniet besteht aus einem Hohlniet mit Nietdorn. Er wird von einer Seite eingesteckt und der Dom auf dieser Seite herausgezogen, wobei er auf der anderen Seite den Schließkopf formt. Nieten ist damit für nur einseitig zugängliche Stellen geeignet. Beim Warmnieten wird der Niet zum Formen des Schließkopfes erwärmt; Kaltnieten erfolgt bei Umgebungstemperatur. Beim Nieten wird ein Gegenhalter am Setzkopf angesetzt und der Schließkopf manuell schlagend mit Hammer und Döpper oder pressend mit Nietzange geformt; mechanisiert durch druckluft- oder elektrisch angetriebene Niethämmer oder elektrisch, hydraulisch oder pneumatisch angetriebene Handnietpressen sowie mit Nietmaschinen auch automatisiert in Montageautomaten. Beim maschinellen Taumelnieten für hochwertige Verbindungen im Gerätebau rollt oder wälzt der schräggestellte, drehende, angepresste Döpper auf einer Kreisbahn auf dem sich bildenden Schließkopf, beim Radialnieten beschreibt er eine rosettenförmige Bahn und formt vor allem mit radialen Bewegungen. Beim Spreng- oder Thermonieten wird eine im Schaft befindliche Sprengladung durch Erwärmen oder Schlag gezündet, die den Schließkopf erzeugt. Nach der Nietanordnung unterscheidet man ein- oder mehrreihige Parallel- oder Zickzacknietung, die eine Überlapp- oder Laschennietung sein kann. Die Nietteilung (Abstand der Niete voneinander) hängt davon ab, ob die Verbindung ausschließlich dicht sein muss (Behälterbau), fest und dicht (Druckbehälterbau) oder nur fest (Stahlbau). Die Nietverbindung wurde weitgehend von der Schweißverbindung abgelöst, gewinnt aber im Feingerätebau an Bedeutung.

Nietzsche, Friedrich Wilhelm, 15.10.1844 bis 25.8.1900, Philosoph und Schriftsteller, ab 1889 geistig umnachtet. Nietzsche vertrat eine irrationale, in ihrem theoretischen Kern subjektiv-idealistischen Philosophie des Lebens und des Willens zur Macht; sie ist eine kleinbürgerlich-intellektualistische Reaktion einerseits auf das Anwachsen der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Ideologie, andererseits auf die Verlogenheit der bürgerlichen liberalen Moral angesichts ihrer imperialistischen Praktiken. Er lehrte eine geistesaristokratische Elitetheorie und Herrenmenschenmoral und übte scharfe Kritik am Christentum. Nietzsche wirkte auf viele, auch progressive spätbürgerlicher Künstler. Der deutsche Faschismus nützte ihn zur Begründung seiner Herrenmenschenideologie.

Nieuwe Maas, Neue Maas: Hauptmündungsarm des Rheins (Niederlande), Fortsetzung der Merwede ab Dordrecht, vereinigt sich östlich von Rotterdam mit dem Lek.

Nieuwe Waterweg, Neuer Wasserweg: künstlich angelegter Mündungsarm des Rheins in den Niederlanden, zwischen der Nordsee und Rotterdam; 33 km lang, 250 m breit, bei Ebbe noch lim tief; 1866/72 erbaut; ohne Schleusen; Siedlungs- und Industrieballung.

Nife: (Kurzwort aus Nickel + Ferrum) nach einigen Auffassungen angenommener Nickel-Eisen-Silizium-Kern der Erde, der etwa in 2 900 km Tiefe liegen soll.

Niger: 1. Niger (französisch): größter Strom Westafrikas, in Guinea, Mali, der Republik Niger, Benin und Nigeria; 4160 km; Einzugsgebiet 2,1 Millionen km2; entspringt als Djoliba im Fouta Djalon, strömt nach Nordosten in Richtung Sahara, verzweigt sich bei Sansanding (Mali; Staudamm) zu einem 84000 km2 großen Binnendelta (Bewässerungsanlagen), wendet sich in einem durch Anzapfung entstandenen Knie nach Südosten und mündet nach Aufnahme des Benue mit einem 25000 km2 großen Delta (Erdölförderung) in den Golf von Guinea; wichtigste Nebenflüsse sind Benue, Sokoto und Kaduna von links sowie Bani von rechts; von Koulikoro bis Ansongo (beide Mali), bei Hochwasser von Onitsha (Nigeria) bis zur Mündung ständig schiffbar; Nutzung seiner Wasserkräfte durch die Wasserkraftwerke bei Kainji und Jebba (545 MW) in Nigeria. Der Niger ist ein wichtiger Wasserspender für die Sahelzone. Seit 1966 Abkommen der Anliegerstaaten für seine umfassende Nutzung.

2. Niger: Bundesstaat im Westen Nigerias; 65037 km2,1,9 Millionen Einwohner; 29 Einwohner/km2; Hauptstadt Minna.

Niger, Republik Niger: Staat im Inneren Westafrikas; grenzt im Norden an Libyen, im Osten an Tschad, im Süden an Nigeria, im Südwesten an Benin und Burkina, im Westen an Mali und im Nordwesten an Algerien; verwaltungsmäßig in 7 Departements gegliedert. Ethnische Hauptgruppen der Bevölkerung (überwiegend im Süden konzentriert) sind Hausa (52 %), Djerma und Songhai (20%), Tibbu, Fulbe und Beni (15%), Peul (9 %) und Tuareg (3 %). Etwa 20 % der Bewohner sind Nomaden. Amtssprache ist Französisch. Währung ist der CFA-Franc. Niger erstreckt sich vom Fluss Niger im äußersten Südwesten 1800 km weit nach Nordosten über das Bergland von Air (2 310 m) bis zum Djado Plateau (Digado Plateau; 1022 m). Es herrscht trockenes Passatklima, im Südteil dreimonatige Regenzeit. Im Süden Feuchtsavanne, die nach Norden in Dornsavanne (Sahel) und Wüste (Sahara), beide 60 % der Landesfläche einnehmend, übergeht. Vorkommen von Uran-, Eisen-, Buntmetallerzen (besonders Zinn), Phosphaten und Kohle. Durch lange Kolonialherrschaft ist Niger ein äußerst rückständiges Agrarland. In der Landwirtschaft sind etwa 80 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Hauptwirtschaftszweige sind der Abbau der reichen Uranerzlagerstätten bei Arlit und Akonta (im A3r) durch ausländische Monopole mit 33- beziehungsweise 31%iger Staatsbeteiligung und die nomadische und halbnomadische Viehhaltung. Im Süden Bewässerungs- (am Fluss Niger) und Regenfeldbau (Baumwolle, Hirse (besonders Sorghum), Erdnüsse, Reis). Die verarbeitende Industrie ist gering entwickelt. Verkehrsmäßig ist Niger noch wenig erschlossen. Die Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes wird durch den Bau mehrerer Straßen verbessert. Im Bau ist eine Eisenbahnlinie nach Benin, weite Teile des Landes sind nur mit dem Flugzeug erreichbar. Binnenschifffahrt wird auf dem Niger betrieben. Internationaler Flughafen bei Niamey. Ausfuhr von Urankonzentraten, Erdnüssen, Erdnussprodukten, Vieh und Häuten; Einfuhr von Lebensmitteln, Industrieausrüstungen und Brennstoffen; Haupthandelspartner sind Frankreich, die USA, die BRD und Nigeria. Seit urgeschichtlicher Zeit besiedelt, befand sich Niger im Mittelalter im Einzugsgebiet der west- und zentralsudanesische Großreiche. Am Ende des 19. Jahrhundert wurde es von Frankreich kolonial unterworfen und erlangte am 3.8.1960 die staatliche Selbständigkeit. Die proimperialistische Politik des Präsidenten H. Diori verschärfte alle vom Kolonialismus hinterlassenen Probleme und führte am 15. 4. 1974 zur Machtübernahme durch die Armee mit Oberstleutnant S. Kountch6 an der Spitze; Bildung eines Obersten Militärrates. Die Regierung Kountch6 leitete erfolgreich ein dem nationalen Interesse Nigers dienendes umfangreiches Reformprogramm ein mit dem Ziel der Selbstversorgung der Bevölkerung mit den wichtigsten Lebensmitteln. Rückläufiger Uranexport und Dürrefolgen erschweren seine Realisierung.

Nigeria, Bundesrepublik Nigeria: Staat in Westafrika; grenzt im Norden an Niger, im Nordosten an Tschad, im Osten an Kamerun, im Süden an den Golf von Guinea und im Westen an Benin. Nigeria besteht aus 19 Bundesstaaten und einem Territorium für die künftige Hauptstadt Abuja. Währung ist die Naira.

Bevölkerung: Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Hier wohnen etwa 270 ethnische Gruppen, deren bedeutendste Hausa und Fulani (21 % beziehungsweise 9 % der Gesamtbevölkerung; im Norden), Yoruba (20 %; im Westen) und Ibo (17 %; im Osten) sind. Am dichtesten ist der Südteil Nigerias und der nigerianische Teil des Hochlandes von Adamaoua besiedelt. Amtssprache ist Englisch. Etwa 30 % der Bewohner leben in Städten.

Natur: Nigeria erstreckt sich vom lagunenreichen, sumpfigen, mangrovengesäumten Küstenstreifen beiderseits des Nigerdeltas über die Senke der Unterläufe von Niger und Benue und das Josplateau (1780 m) bis an den Rand des saharischen Sahels im Norden und bis zum Tschad im NO. Den Ostteil flankiert das Hochland von Adamaoua. Es herrscht ein gleichmäßig warmes tropisches Klima mit doppelter Regenzeit im Süden und einfacher Regenzeit im Nigeria Hauptströme sind Niger und sein Nebenfluss Benue. Von Süden nach Norden folgen auf den Mangrovengürtel des Küstenlandes tropischer Regenwald, laubabwerfender Wald, baumreiche Feucht sowie Trocken- und Dombuschsavanne (Sahel). Reiche Bodenschätze, besonders an Erdöl, aber auch Erdgas, Blei, Zink, Kolumbit, Eisen, Kohle, Wolfram, Gold, Uran.

Niggli, Paul, 26.6.1888-13.1.1953, schweizerischer Mineraloge; arbeitete über Kristallstruktur, Kristallwachstum sowie die Paragenese von Mineralen und Gesteinen auf der Grundlage physikochemische Erkenntnisse.

Nightingale, Florence, 15.5.1820 bis 13.8.1910, britische Krankenpflegerin und Sozialreformerin; arbeitete seit 1856 in London; organisierte im Krim krieg die bis dahin völlig unzureichende Verwundeten Fürsorge und später das Krankenpflegeschulwesen.

Nigrosine: (lateinisch) stickstoffheterozyklische, schwarze Farbstoffe für Leder, Schuhkrem und Druckfarben.

Nihilismus: weltanschauliche Haltung, die durch Ablehnung aller Ideale, Wertvorstellungen und positiven Zielsetzungen charakterisiert ist (zum Beispiel Nihilismus als Ausdruck der Ausweglosigkeit und Resignation gegenüber dem Imperialismus und seiner Ideologie). Der Nihilismus kann sich auch auf einzelne Bereiche beziehen; Erkenntnistheoretischer Nihilismus ist extremer Agnostizismus; der ethische Nihilismus leugnet alle moralische Werte und Normen; der politische Nihilismus verwirft Organisation, Lenkung und Leitung gesellschaftlicher Prozesse und ist theoretische Grundlage des Anarchismus.

Nihongi, Nihon Shoki (japanisch, «Japan. Chronik»): 720 niedergeschriebenes legitimistisches japanisches Geschichtswerk von den (mythologischen) Anfängen bis zur (damaligen) Gegenwart; stark nach chinesischen Vorbildern, nutzte auch chinesische und koreanische Quellen, mit Ausnahme einiger Lieder und Gedichte auch in chinesischer Sprache abgefasst.

Niigata: 1. Präfektur in Japan, im Norden der Insel Honshu; 12 578 km2, 2,5 Millionen Einwohner; 199 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Niigata 2; in der wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeblieben, Bevölkerungsabwanderung; Erdöl- und Erdgasförderung; chemische, Nahrungsmittel- und Textilindustrie; Reisanbau.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Niigata 1, an der Mündung des Süden hin ano in das Japanische Meer, 460000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Petrolchemie, Aluminiumherstellung, Maschinen- und Fahrzeugbau; bedeutender Hafen, Flughafen; Universität.

Niihama: Stadt in Japan (Präfektur Ehime), im Norden der Insel Shikoku, an der Japanischen Inlandsee; 130000 Einwohner; Erzaufbereitung (besonders Kupfer und Nickel), Erdölraffinerie; Hafen und Flughafen; in der Nähe Abbau von Kupfererz.

Nijhoff, Martinus, 20.4.1894-26.1.1953, niederländischer Schriftsteller; beteiligte sich an der Widerstandsbewegung gegen die faschistische Okkupation; schrieb stilistisch vollendete Lyrik («Formen», 1924) sowie Dramen («Das heilige Holz», 1950) und Essays; arbeitete an einer Übersetzung der Psalmen mit.

Nijmegen, Nimwegen: Stadt im Südosten der Niederlande, in der Provinz Gelderland, am Südufer des Waal; 150000 Einwohner, als Agglomeration 230000 Einwohner; Maschinenbau, Papier-, Schuh-, chemische, elektrotechnische Industrie; Flusshafen; katholische Universität, Museen; Stephanskirche (13./15. Jahrhundert), Rathaus (16. Jahrhundert). Der Frieden von Nijmegen (1678/79) zwischen Frankreich und seinen Verbündeten und den Niederlanden und ihren Koalitionspartnern beendete den Eroberungskrieg Frankreichs gegen die Niederlande, die ihr Gebiet behaupteten, während Spanien die Franche-Comté und einige belgische Grenzplätze an Frankreich verlor.

Iznik, Nikäa, Nicäa, Nizäa, türkisch Iznik: Stadt im Nordwesten Kleinasiens; Tagungsort des 1. (325, verdammte den Arianismus) und des 7. Weltkonzils der christlichen Kirche (787, gestattete wieder die Bilderverehrung). Nikäa war 1204/61 Zentrum des Kaiserreichs von Nikäa; wurde 1331 von den Türken erobert.

Nika-Aufstand: (nach dem Zirkuskampfruf «Nika!», griechisch, «Siege!») Volkserhebung 532 in Konstantinopel unter Führung der Zirkusparteien gegen die Unterdrückungs- und Eroberungspolitik Justinians I.

Nikander, Nikandros (griechisch), um 200 vor Christus, hellenistischer Dichter; schrieb unter anderem Lehrgedichte über Mittel gegen tierischer und andere Gifte («Theriaka», «Alexipharmaka»).

Nikaragua, Republik Nikaragua: Staat in Mittelamerika, zwischen Stillem Ozean im Westen und Karibischen Meer im Osten; grenzt im Norden an Honduras und im Süden an Kostarika; administrativ in 16 Departements gegliedert. Währung ist der Córdoba.

Bevölkerung: Sie besteht zu 70 % aus Mestizen, zu 10% aus Kreolen, zu 15% aus Mulatten und Afroamerikanern und zu etwa 5% aus Indios (vor allem Misquitos). Bis zur revolutionären Umgestaltung 1979 waren 50 % der Einwohner Analphabeten, seit 1980 nationale Kampagne zur Beseitigung des Analphabetentums. Amtssprache ist Spanisch.

Natur: Der Westteil von Nikaragua wird durch die erdbebengefährdete und von zum Teil noch tätigen Vulkanen umgebene große Grabensenke bestimmt, in der die beiden größten Seen Nikaraguas, der Nikaragua- und der Managuasee, liegen. Das sich östlich davon anschließende Bergland von Nikaragua mit dem bis zu 2438 m hohen Isabella-Gebirge läuft zum Karibischen Meer fächerförmig aus und geht in das Schwemmland der Moskitoküste über. Im Norden 40 Vulkane, darunter 5 tätige. Bei nach Höhenstufen differenziertem tropischen Passatklima ist der Osten immerfeucht, der Westen trockenheiß. An der karibischen Küste tropischer Regenwald, im Westen und in hochliegenden Gebieten des Zentralteils Savannen; 50% des Territoriums sind bewaldet. Reiche, aber wenig erforschte Bodenschätze, besonders an der Atlantikküste; Vorkommen von Blei-, Zink-, Zinn-, Eisenerz, Bauxit, Uran und Schwefel. Von relativer Bedeutung ist der Abbau von Gold-, Silber-, Kupfererz und Salz.

Nicaraguasee: größter See Mittelamerikas, in dem von zahlreichen Vulkanen umgebenen Grabenbruch der Nicaraguasenke; mit dem Managuasee durch den Rio Tipitapa, mit dem Karibischen Meer durch den Rio San Juan verbunden; 8 264 km2, über 160 km lang, 72 km breit, bis 70 m tief.

Niklas, vor 469-413 vor Christus (hingerichtet), athenischer Politiker und Feldherr; schloss im Peloponnes. Krieg 421 mit Sparta den Frieden des Niklas

Nikisch, Arthur, 12.10.1855-23.1.1922, Dirigent ungarischer Herkunft; 1895/1922 Gewandhauskapellmeister in Leipzig; erlangte Weltruhm auch auf Konzertreisen, dirigierte die bedeutendsten Orchester Europas und der USA; führte Konzerte für Arbeiter ein.

Nikitin, russischer Artisten und Dresseure, Brüder: Dmitri Alexandrowitsch, 1835-13. 1. 1918, Akim Alexandrowitsch, 1843-21. 4. 1917, Pjotr Alexandrowitsch, 1846-20.8.1921; gründeten 1873 den ersten russischen nationalen Zirkus in Pensa, 1876 einen weiteren in Saratow.

Niklot, gestorben 1160, um 1125 als Fürst der Abodriten erwähnt; fiel im Kampf gegen Heinrich den Löwen; Stammvater des mecklenburgischen Fürstenhauses; siehe auch Pribislaw 2.

Nikolai, Nikolaus, russischer Zaren: 1. Nikolai, 6.7.1796-2.3.1855, Zar seit 1825; unterdrückte alle fortschrittlichen Bewegungen in Russland, besonders den Dekabristen Aufstand 1825, den polnischer Aufstand 1830/31 und die ungarische Revolution 1848/49; übte über die Heilige Allianz eine reaktionäre Vorherrschaft in Europa aus («Gendarm Europas»); sein Bestreben zur Machtausdehnung im Orient scheiterte nach siegreichen Kriegen gegen Persien 1826/28 und die Türkei 1828/29 durch die Niederlage im Krimkrieg 1853/56.

2. Nikolai II., 18.5.1868-17.7.1918 (erschossen), letzter Zar seit 1894; unterdrückte blutig die Demonstration am 22.1.1905 (Blutiger Sonntag) und die Revolution 1905/07; betrieb eine aggressive Außenpolitik; Gegner aller demokratischen Bewegungen und konstitutionellen Ansätze; durch die Februarrevolution 1917 gestürzt.

Nikolajew: Stadt (Gebietszentrum) in der Ukraine, am linken Ufer des Bug-Limans (Schwarzes Meer); 475000 Einwohner; Werft, Maschinenbau, vielseitige Leicht-, Lebensmittelindustrie; Hochseehafen; 2 Hochschulen; Theater, Museen, astronomisches Observatorium. Nordwestlich von Nikolajew Kernkraftwerk «Südukraine» (880 MW).

Nikolajewa: 1. eigentlich Woljanskaja, Galina Jewgenjewna, 18.2.1911-18.10.1963, russisch-sowjetische Schriftstellerin; trat nach dem Kriege mit Lyrik und Prosa («Das Geständnis», 1954, deutsch) hervor. In den Romanen «Ernte» (1950, deutsch) und «Schlacht unterwegs» (1957, deutsch), ihrem bedeutendsten Werk, gestaltete sie wirkungsvoll den Widerspruch zwischen rückständiger Haltung und schöpferischer, vorwärtsdrängender Initiative.

Nikolaus: ursprünglich in den östlich-orthodoxen Kirchen, seit dem Hochmittelalter auch in der römischen Kirche verehrter Heiliger; galt unter anderem als Schutzpatron der Kinder und Schüler; sein Kalendertag (6. Dezember) wurde vielerorts zum vorweihnachtliche Beschertag, er selbst zur Weihnachtsmannfigur.

Nikolaus, Fürsten. Montenegro: 1. Nikolaus Nikola, Nikola Petrovic-Njegos, 7.10.1841-2.3.1921, letzter Fürst (1860/1910) und König (1910/18) von Montenegro; erlangte 1878 die formale Anerkennung der Unabhängigkeit Montenegros; wurde 1918 abgesetzt.

Nikolaus von Kues, latinisiert Nicolaus Cusanus, 1401—11.8.1464, Philosoph und Theologe; bahnbrechender Denker des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. Nikolaus von Kues vertrat die pantheistische Auffassung der Identität von Gott und Natur; lehrte die Unendlichkeit des Universums, das keinen Mittelpunkt habe und eine Einheit von Gegenständen bilde. Nach Nikolaus von Kues fallen die endlichen Einzeldinge in der Unendlichkeit zusammen. Diese Auffassung vom Zusammenfallen der Gegensätze (coincidentia oppositorum) erlangte in der Geschichte der Dialektik große Bedeutung. Nikolaus von Kues forderte die Anwendung des Experiments und das Studium der Mathematik; war in der Astronomie Vorläufer des Kopernikus.

Nikolaus von Oresme, um 1320 bis 11.7.1382, französischer Geistlicher, Mathematiker und Naturphilosoph; einer der Wegbereiter der neuzeitlichen Naturwissenschaft; lehrte die tägliche Umdrehung der Erde, entwickelte Ansätze der Mechanik und analytische Geometrie sowie eine Theorie des Geldes, lieferte Beiträge zur Proportionenlehre.

Nikolaus von Verdun, um 1130-nach 1205, lothringischer Goldschmied und Emailmaler; Weg-bereiter der Gotik; schuf den Klosterneuburger Altar (Antependium, 1181) in virtuosem Grubenschmelz, bedeutsam für die Ikonographie; seine Schreine (Dreikönigsschrein, vor 1200, Köln; Marienschrein, 1205, Toumai) beeinflussten im Figurenstil auch die Großplastik um 1200.

Nikomedes, Name mehrerer hellenistischer Könige Bithyniens: 1. Nikomedes I., herrschte 280/255 vor Christus, unterstützte die Hellenisierung des von den Thrakern bewohnten Landes.

2. Nikomedes II. Epiphanes, herrschte 149/128 vor Christus, gelangte mit Unterstützung Roms zur Macht.

3. Nikomedes III. Euergetes, herrschte 128/94 vor Christus, gilt als «Wohltäter> der Griechenstädte.

4. Nikomedes IV. Philopator, herrschte 94/75 vor Christus, vererbte sein Land an das römische Reich. Es wurde damit römische Provinz.

Nikon, eigentlich Nikita Minow, 1605-27.8.1681, russischer Patriarch 1652/66; seine Kirchenreformen führten zur Spaltung der russischen Staatskirche (Raskol); sein Versuch, die Kirche über die Macht des Zaren zu stellen, schlug fehl; seit 1666 verbannt.

Nikopol: Stadt im Gebiet Dnepropetrovsk (Ukrain), am Kachowka Stausee des Dneprs; 155000 Einwohner; Manganerz Förderung und -aufbereitung (größte Manganerzlagerstätte Russlands); Ferrolegierungs- und Rohrwalzwerk, Maschinenbau; Hafen.

Nikosia, Nicosia, griechisch Levkosia: Hauptstadt von Zypern, im zentralen Teil der Insel; 160000 Einwohner; politisches, ökonomisches und kulturelles Zentrum des Landes; Lebensmittel-, Tabak-, Textil-, keramische und Lederindustrie; internationaler Flughafen (seit 1974 geschlossen), Straßenknoten; orientalische Altstadt, wertvolle Bibliotheken, Museen, pädagogische Akademie. Seit dem Bürgerkrieg 1963/64 durch eine künstliche Grenzziehung, die sogenannte Green Line, in einen griechischen und einen türkischen Teil gespalten.

Nikotin, (nach einem französischen Gelehrten) Nicotin: das Hauptalkaloid des Tabaks. Nikotin ist eine äußerst giftige, farblose bis braune, basische, wasserlösliche Flüssigkeit von schwachem Tabakgeruch; chemische Formel C10H14N2; Kp 246 °C. Der Nikotingehalt rauchfertigen Tabaks beträgt 1 bis 3 %. In kleinen Mengen bewirkt Nikotin Erregung des Zentralnervensystems, vorübergehende Verminderung der Herztätigkeit, Senkung des Blutdrucks und Steigerung der Atmung. Nach längerer Einwirkungszeit wird das Zentralnervensystem gelähmt, die Herztätigkeit gesteigert und der Blutdruck erhöht. Ständiges Rauchen kann unter anderem zu Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen und des Herzens, Magengeschwüren und Nervosität führen.

Nikotinsäure: eine farblose, kristallisierte, wasserlösliche, stickstoffheterozyklische Verbindung; Pyridin-3-karbonsäure. Nikotinsäure und ihr Amid gehören zum Vitamin-B-Komplex. Das Hydrazid der isomeren Isonicotinsäure (Pyridin4-karbonsäure) ist ein Antituberkulosemittel; siehe auch Vitamine.

Nicotinsäureamid-adenin-dinukleotid, Abkürzung NAD: in zahlreichen Dehydrogenasen wirksames wasserstoffübertragendes Koenzym, das in oxydierter oder reduzierter Form vorliegen kann. Die oxydierte Form des Nicotinsäureamid-adenin-dinukleotid (Abkürzung NAD+) kann am Pyridinring unter Bildung der reduzierten Form (Abkürzung NADH) reversibel Wasserstoff (genauer ein Hydridion) binden.

Nicotinsäureamid-adenin-dinucleotid-phosphat, Nicotinsäureamid-adenin-dinucleotidphosphat, Abkürzung NADP: dem Nicotinsäureamid-adenin-dinukleotid ähnlich Pyridinnukleotid Coenzym; ist durch einen zusätzlichen Phosphatrest gekennzeichnet. Nicotinsäureamid-adenin-dinucleotid-phosphat besitzt im Zellstoffwechsel vor allem Bedeutung für reduktive Synthesen.

Nil: längster Strom der Erde; 6 671 km; Einzugsgebiet 2,9 Millionen km2. Sein Quellfluss ist der Rukarara, ein linker Nebenfluss des Nyawarungu, der wiederum ein Nebenfluss des Kagera (wichtigster Zufluss zum Victoriasee) ist. Der Nil entströmt dem Victoriasee als Victoria Nil, durchfließt den Kyoga- und Albertsee, verlässt ihn als Albert-Nil, heißt dann von der ugandisch-sudanesische Grenze Bahr al-Djabal (Gebirgsnil), bildet ein 550000 kni2 großes Sumpfgebiet (Sudd), heißt nach Aufnahme des Bahr al-Ghasal (von links) Weißer Nil oder Bahr al-Abiad (z.T. schon nach Abfluss aus dem Albertsee so genannt), durchfließt danach das Obemil-Becken, vereinigt sich bei Khartum mit dem Blauen Nil oder Bahr al-Asrak (1140 km; vom Tanasee in Äthiopien), durchbricht nach Aufnahme des rechten Zuflusses Atbara auf 2700 km ohne jeden Zufluss als Hauptwasserbringer die Wüste mit 6 Katarakten (davon 2 vom Nassersee des Staudamms As-Sadd al-Ali überflutet), strömt in einer bis 20 km breiten, fruchtbaren Schwemmlandebene (Niloase; größte Flussoase der Erde) durch Ägypten, mündet mit einem 20000 km2 großen Delta (Hauptarme Rosette und Damiette) ins Mittelmeer. Der Nil hat durch sein jährliches Hochwasser (Höchststand September/Oktober) für die Landwirtschaft der Republik Sudan und Ägyptens größte Bedeutung (Be- und Entwässerung, Nährstoffzufuhr durch den Hochwasserschlamm). Durch mehrere Staudämme (15 bedeutende, davon größter As-Sadd al-Ali) wird die Wasserführung gleichmäßiger über einen längeren Zeitraum des Jahres verteilt und Elektroenergie gewonnen. Vom Süden der Republik Sudan an ist der Nil, abgesehen von schnellen reichen Strecken, auf insgesamt 3000 km schiffbar.

Nilgau: (Hindustani) Blaubock, Boselaphus tragocamelus: hochbeinige Antilope mit abschüssigem Rücken und kurzen Hörnern im männlichen Geschlecht; Böcke mit blaugrauem, Weibchen mit hellbraunem Fell; lebt gesellig in Buschsteppen Vorderindiens. Siehe auch Antilopen.

Nilgiri: aus Gneis und kristallinen Schiefern aufgebautes Gebirge im Süden Vorderindiens; höchste Erhebung Doda Betta mit 2637 m; verbindet Ost- und Westghats; im Norden überwiegend bewaldet (Eukalyptus- und Chinarindenbäume); Anbau von Tee, Kaffee und Kautschuk.

Nilhechte: meist kleine nur selten bis 1m lange Süßwasserfische Afrikas mit häufig rüsselartig ausgezogenem Kopf und schmalem Schwanzstiel. Sie verfügen über schwache elektrische Organe, die zur Orientierung in trübem Wasser dienen. Nilhechte werden jetzt im Labor zur Gewässerüberwachung eingesetzt, da sie mit veränderten Stromstößen auf Gifte im Wasser reagieren.

Niloten: negride Völkergruppe am oberen Nil und im Norden Ostafrikas (Schilluk, Dinka, Massai unter anderem); von großem, schlankem Wuchs und tiefdunkler Hautfarbe; 15 Millionen; Viehzüchter (z.T. Hirtennomaden) und Bodenbauer.

Nilsen, Rudolf, 28.2.1901-23.4.1929, norwegischer Lyriker und Publizist; Mitbegründer der KP; beschrieb poetisch aus sozialistischen Sicht Leben und Kampf der Arbeiterklasse in der Gedichtsammlung «Auf Steingrund» (1925); Bekenntnisse zur UdSSR enthält der Band «Äuf Wiedersehen» (1926); programmatisch ist das Gedicht «Stimme der Revolution» (1926). In theoretischen Arbeiten formulierte Nilsen Grundgedanken einer sozialistischen Kulturpolitik.

Nilsson, Birgit, geboren 17.5.1918, schwedische Sängerin (Sopran); debütierte 1944 in Stockholm; mit Partien im hochdramatischen Fach und als Wagnerinterpretin hatte sie eine glänzende Karriere, die sie an alle großen Opernhäuser führte.

Nimbaberge: Erhebung der Oberguineaschwelle im Grenzbereich von Liberia, Guinea und Elfenbeinküste; aus Quarzit aufgebaut und bis 1852 m hoch (Mount Nimba)-, zum Teil bewaldet; Eisenerzbergbau (Erzbahn nach Buchanan).

Nimbus: 1. allgemein Ansehen; Glanz, der jemanden oder etwas umgibt; (übertriebener) Ruhm; Heiligenschein; siehe auch Aureole.

2. Raumfahrt: Erdsatellit, künstlicher.

Nimeri, Gaafar Muhammad an-, geboren 1.1.1930, sudanesischer Politiker und Militär; 1969/71 Vorsitzender des Revolutionsrates, 1971 Präsident, 1985 aller Ämter enthoben.

Nimes: Stadt im Süden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Gard, im Languedoc; 130000 Einwohner; Maschinenbau, Herstellung von Bekleidung, Teppichen, Schuhen, Spirituosen; Weinhandel; Museen; zahlreiche römische Baudenkmäler (Amphitheater). Nimes wurde 121 vor Christus römisch; von Westgoten, Franken und Sarazenen erobert; kam 1229 unter die Herrschaft des französischen Königs.

Im 16./17. Jahrhundert war Nimes Stützpunkt der Hugenotten. Durch das Edikt von Nimes (1629) wurde das Edikt von Nantes stark eingeschränkt.

Ningxia Hui, Autonomes Gebiet: autonomes Gebiet im Nordwesten Chinas, am Mittellauf des Huang He; 66400 km2, 3,9 Millionen Einwohner, davon 33 % Hui und Mongolen; 59 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Yinchuan. Kernland ist die zwischen Löß- und Wüstenplateau am Huang He eingelagerte Ningxia Ebene (1000 bis 1200 m über dem Meeresspiegel); ausgeprägtes Kontinentalklima; bedeutender Steinkohlenbergbau, ferner Gewinnung von Erdöl, Eisen-, Chrom-, Kupfererz, Platin, Salzen; seit 1949 industrielle Entwicklung (Wasserkraftwerk Qingtongxia, Eisenmetallurgie, Maschinenbau und Textilindustrie); Anbau von Reis, Weizen, Hirse, Flachs und Zuckerrüben; Eisenbahnlinie Peking-Baotou-Lanzhou.

Ninive: Hauptstadt des Neuassyrischen Reiches, am Ostufer des mittleren Tigris (bei Mosul); wurde 612 vor Christus durch die Babylonier unter Nabopolassar und die Meder zerstört. 1845/49 britische Ausgrabungen, die die Reste des riesigen Palastes Assurbanipals, Kunstwerke, Gegenstände, Inschriften und die Bibliothek des Assurbanipal mit etwa 20000 Keilschrifttafeln freilegten.

Niobe, in der griechischen Sage Tochter des Tantalus, Frau des Königs von Theben; verhöhnte aus Stolz auf ihre 14 Kinder Leto, die Mutter des Zwillingspaares Apoll und Artemis. Diese töteten aus Rache ihre Kinder, die Niobiden-, Niobe selbst wurde in ihrer kleinasiatischen Heimat in einen Fels verwandelt

Niobium, Niob beide (nach Niobe), Symbol Nb: chemisches Element der Kernladungszahl 41; Atommasse 92,91; Wertigkeit +5, seltener +2, +3, +4; F 2470 °C; Kp 4930 °C; Dichte 8,56 g/cm3. Niobium kommt in der Natur stets gebunden und mit Tantal vergesellschaftet vor; wichtigstes Mineral ist Kolumbit. Niobium ist ein silberglänzendes, weiches, luft- und wasserbeständiges Metall, das von Flusssäure, konzentrierten Alkalilaugen und heißen Mineralsäuren (außer Salpetersäure) angegriffen wird. Man verwendet es für Spezialstähle und in der Kernreaktortechnik. Tantal haltiges Niobium wurde erstmals 1801 als Oxid von dem britischen Naturforscher Charles Hatchett (1765-1847) entdeckt und Columbium genannt. Die eindeutige Unterscheidung zwischen Niobium und Tantal gelang 1844 H. Rose, der dem Niobium auch seinen Namen gab. Elementares Niobium wurde erstmals 1866 von dem schwedischen Wissenschaftler Blomstrand dargestellt.

Niobium Verbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist +5 wertigem Niobium. Niobium Fluorid bildet farblose Kristallnadeln; F 79 °C. Niobium(V)-oxid ist ein weißes, wasserunlösliches Pulver (1520 °C), das sich unter Komplexbildung in Fluss-, Oxal- und Weinsäure löst und mit Alkalischmelzen salzartige Niobate von komplizierter Zusammensetzung bildet.

Nipebucht: Meeresbucht an der Nordostküste Kubas; bis 25 km lang, Buchteinfahrt nur 100 m breit; südlich der Nipebucht befindet sich eines der reichsten Nickelerzvorkommen der Erde (Bergbauzentrum Nicaro).

Nippel: rohrförmiges Maschinenelement für Rohr- und Schlauchverbindungen sowie Schmiereinrichtungen, meist mit Gewinde.

Nippes, (nip, auch nips; Französisch) Nippsachen: kleine Ziergegenstände (besonders aus Porzellan); seit dem 19. Jahrhundert meist kitschige Massenartikel.

Nippon Steel Corporation, Abkürzung NSC: eines der weltgrößten Stahlmonopolunternehmen mit 40 Millionen t Rohstahlkapazität; entstand 1970 durch Fusion, Sitz Tokio; 13 Md. Dollar Umsatz, 80000 Beschäftigte.

Nippur: altsumerischer Stadtstaat nahe dem Euphrat; kulturelles und religiöses Zentrum Sumers. Hier befanden sich der Tempel des Gottes Enlü, das zentrale Heiligtum des Landes, in dem vorrangig die Naturalabgaben der Bevölkerung Zusammenflossen, und ein siebenstufiger Tempelturm (Zikkurat) mit einem Observatorium zur Beobachtung des Himmels.

Nyiragongo: einer der Virunga-Vulkane am Nordufer des Kivusees, in Zaire, an der Grenze zu Rwanda; 3470 m; 250 m tiefer Krater von 2 km Durchmesser.

Nirala, eigentlich Suryakant Tripathi, Januar 1896 bis 15.10.1961, indischer Lyriker; Mitbegründer des Chayavad (Neoromantik) in der Hindi-Literatur; wandte sich nach anfänglicher Abkehr von der sozialen Realität (Lyrik «Die Jasminblüte», 1916) später dem sozialkritischen Realismus zu (Erzählungen «Shuklas Frau», 1941; Gedichte «Neue Blätter», 1946). Nirala reformierte den Versbau des Hindi; seine Poesie ist einfach, ausdrucksstark und musikalisch.

Nirvana, Nirwana (Sanskrit, «Verlöschen»): das im Buddhismus als höchstes religiöses Ziel erstrebte Aufhören des anfanglosen Brennens, das heißt der Wiedergeburt.

Nisami Gandshew, Hjas Jussuf-ogly, um 1141—12.3.1209, aserbaidschanischer Nationaldichter; gilt auch als größter Romanzendichter und Epiker der persischen Literatur; weltberühmt wurden seine «Chamse» (Fünf Epen) «Die Schatzkammer der Geheimnisse» (1173/74), «Chosrau und Schirin» (1180/81, deutsch), «Leila und Madshnun» (1188, deutsch), «Die sieben Geschichten der sieben Prinzessinnen» (1197, deutsch) und »Das Alexanderlied» (um 1200, zum Teil deutsch); beeinflusste die Literatur des Vorderen Orients.

Nishi, Amane, 3.2.1829-31.1.1897, japanischer Philosoph; studierte 1862/65 in den Niederlanden; propagierte, beeinflusst von J. S. Mill, A. Comte und H. Spencer, Utilitarismus und Positivismus; vertrat begrenzt Ideen der europäischen Aufklärung.

Nishida, Kitaro, 17.6.1870-7.6.1945, japanischer Philosoph; strebte, beeinflusst von I. Kant, J. G. Fichte und F. W. J. Schelling, nach einer Synthese europäischen und asiatischen Denksysteme und gab damit entscheidende Impulse für die Entwicklung einer eigenständigen japanische Philosophie («Über das Gute», 1911; «Vom Handelnden zum Sehenden», 1927).

Nissen: (germanisch) 1. Eier der Läuse.

2. Garnfehler als Faserknötchen im Baumwollgarn.

Nissky, Georgi Grigorjewitsch, geboren 21.1.1903, sowjetischer Maler und Graphiker; widmet sich vorwiegend der Landschaftsdarstellung, vertritt eine lakonische, stark verallgemeinernde und konstruktive Auffassung; seine Kompositionen erfassen die Dynamik des gegenwärtigen Lebens.

Niteroi: Stadt im Bundesstaat Rio de Janeiro (Brasilien), an der Baia de Guanabara; 430000 Einwohner; Schiffbau, Textil-, Tabak-, Zement-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie; Universität; Seebad. - bis 1975 Hauptstadt des Bundesstaates.

Nithard, gestorben 14.6.844, fränkischer Geschichtsschreiber, Enkel Karls des Großen; verfasste die «Historiarum libri IV» (Vier Bücher Geschichten), in denen unter anderem der Stellinga Aufstand geschildert und der Text der Straßburger Eide überliefert wird.

Nitrate: Salze und Ester der Salpetersäure. Die Salze sind fest, fast durchweg wasserlöslich und spalten beim Erhitzen Sauerstoff (Schwermetall-Nitrate zusätzlich Stickstoffdioxid) ab. Einige Nitrate werden auch als Salpeter bezeichnet. Die Ester haben die funktionelle Gruppe —O—N02 (Nitratgruppe) und sind zum Teil hochexplosiv, zum Beispiel Glyzerol- und Zellulose-Nitrate.

Nitratzelluloselacke, Nitrolacke, NC-Lacke: schnelltrocknende, farblose oder farbige Anstrichstoffe mit Zellulosenitrat als Bindemittel und Weichmachern.

Nitride: chemische Verbindungen zwischen Metall und Stickstoff, zum Beispiel Magnesiumnitrid, Mg3N2, ein graugrünes Pulver, das sich mit Wasser unter Ammoniakbildung zersetzt. Das metallische, sehr harte Eisennitrid bildet sich als Oberflächenschicht beim Nitrierhärten von Stahl.

Nitrieren: Einführen von Nitrogruppen, im weiteren Sinne auch von Nitratgruppen in organische Moleküle durch Umsetzung mit Salpetersäure oder Nitriersäure. Technisch wichtig ist das Nitrieren von Benzol und Toluol zu Nitroverbindungen sowie von Glyzerol und Zellulose zu Salpetersäureestern.

Nitriersäure: Salpetersäure-Schwefelsäure-Gemisch unterschiedlicher Zusammensetzung zur Herstellung von Nitroverbindungen oder Salpetersäureestern.

Nitrifikation: Nitratbildung durch im Erdboden und Wasser lebende nitrifizierende Bakterien (Nitrifikanten) aus Ammoniak, das bei bakterieller Zersetzung organischer Substanzen frei wird. Das Ammoniak wird durch Nitritbakterien (Nitrosomonas-Arten) zu Nitrit oxydiert, das Nitrit durch Nitratbakterien (Nitrobacter-Arten) zu Nitrat weiteroxydiert, das dann den grünen Pflanzen wieder als Nährstoffquelle zur Verfügung steht. Die Nitrifikation hat große Bedeutung für den Kreislauf des Stickstoffs in der Natur.

Nitrifikationsinhibitoren: Mittel, die die Umwandlung von Ammoniumstickstoff in die Nitratform im Boden durch nitrifizierende Bakterien vermindern. Nitrifikationsinhibitoren bewirken Verringerung der Stickstoffverluste, höhere Erträge und Senkung der Nitratbelastung des Wassers.

Nitrile: organische Verbindungen mit der Nitril Gruppe -C=N. Die einfachsten Nitrile sind giftige Flüssigkeiten oder Feststoffe.

Nitrite: Salze und Ester der salpetrigen Säure. Natriumnitrit, NaN02, ist ein farbloses, leicht wasserlösliche, in größeren Mengen giftiges Salz; F 271 °C. Es ist bis zu 0,5% im Pökelsalz enthalten (erhält die rote Farbe des Fleisches) und wird zur Herstellung von Azofarbstoffen verwendet. Die Ester haben die funktionelle Gruppe -O-NO (Nitril Gruppe), zum Beispiel das herzfrequenzbeschleunigende und blutdrucksteigernde Isoamylnitrit.

Nitrobenzol, fachsprachlich Nitrobenzen: eine gelbe, giftige, stark lichtbrechende, wenig wasserlösliche Flüssigkeit von mandelähnlichen Geruch; Formel C6H5-N02; f 5,8°C; Kp 210,8 °C. Nitrobenzol ist wichtigstes Zwischenprodukt zur Herstellung von Anilin und Folgeprodukten (Farbstoffe, Pharmaka unter anderem). Bei der Herstellung und Verwendung von Nitrobenzol können nach Einatmung der Dämpfe oder bei Hautkontakt Schäden am Nervensystem und Blut auftreten.

Nitrofurane: Arzneimittel mit chemotherapeutischer Wirkung gegen verschiedene Bakterienarten und gegen einige Pilze. Präparate sind zum Beispiel Nitrofurantoin (zur Behandlung von Nieren- und Harnwegsinfektionen) und Furazolidon (bei Darminfektionen).

Nitrogenase: Multienzymkomplex, der die Stickstofffixierung katalysiert. Nitrogenase kommt nur in Mikroorganismen vor, die dadurch zur Luftstickstoffbindung befähigt sind.

Nitromethan: farblose, ätherisch riechende, brennbare, schwach wasserlösliche Flüssigkeit der Formel CH3N02; F -28,6°C, Kp 101 °C. Nitromethan dient als Extraktionsmittel und Raketentreibstoffkomponente.

nitrose Gase: Sammelname für verschiedene Stickstoffoxide, insbesondere N02, N204 und NO. Die in der Regel als braunes Gemisch vorliegenden nitrosen Gase bilden sich zum Beispiel bei der Einwirkung von Salpetersäure auf oxidierbare Substanzen, finden sich auch in Abgasen von Kraftfahrzeugen und sind sehr giftig. Nitrose Gase verursachen bei Einatmung Verätzungen, die zum Lungenödem führen können.

Nitrose Verfahren, Bleikammerverfahren: technisches Verfahren zur Herstellung von Schwefelsäure, bei dem nitrose Gase katalytisch die Oxydation von Schwefeldioxid zu Schwefeltrioxid durch Luftsauerstoff ermöglichen. Nach dem Nitrose-Verfahren werden etwa 20% der Weltproduktion an Schwefelsäure hergestellt.

Nitrosoverbindungen: chemische Verbindungen mit der Nitrosogruppe -NO im Molekül, zum Beispiel Nitrosobenzol.

Nitroverbindungen: chemische Verbindungen mit der Nitrogruppe -N02 im Molekül, zum Beispiel Nitrobenzol, C6H5N02.

Nitscheln: Runden von Vliesstreifen zwischen 2 changierenden Bändern zu Vorgarn.

Niue, Niue Insel, Savage: mit Neuseeland assoziierter Staat mit innerer Autonomie auf der gleichnamigen Koralleninsel (bis 65 m hoch) im Stillen Ozean (Polynesien); 259 km2, 3300 Einwohner; 13 Einwohner/km2; Hauptort Alofi (700 Einwohner); Kokosnüsse (Kopra), Zitrusfrüchte; Briefmarkenemission.

nivales Klima, Eisklima, Schneeklima: durch eine ständige Schneedecke gekennzeichnete Klimaerscheinung.

Nivation: Hangabtragung unter Firn oder Schnee, die sich aus dem Zusammenwirken von Frostverwitterung, Abtransport von Lockermaterial durch abgleitenden Schnee und Abspülung durch Schmelzwasser ergibt. Die Nivation erzeugt muldenförmige, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Wannen an steilen Hängen.

Niveau: (französisch) Bezugsfläche, Höhenstufe; übertragen geistig-kulturelle Höhe, Bildungsgrad.

Nivellement: geometrische Höhenmessung mit Hilfe der horizontalen Ziellinie eines Nivelliers und einer Nivellierlatte als Maßstab. Durch Ablesen an der Latte wird die Höhendifferenz der Punkte bestimmt, auf die sie nacheinander senkrecht gestellt wird.

Nivellier: Instrument für Nivellements. Hauptbestandteile sind das Zielfernrohr und eine Vorrichtung zur Horizontierung der Zielachse (Röhrenlibelle oder Kompensator).

nivellieren: (französisch) gleichmachen, auf gleiche Höhe bringen.

Nivernais: Landschaft in Mittelfrankreich, am Mittellauf der Loire; wichtigster Ort Nevers; bewaldetes Hügelland, bis 425 m; Rinderzucht; metallverarbeitende, chemische Industrie; wichtige Verkehrswege.

Nixen: (germanisch) sagenhafte männliche (Nicker, Nix, Nöck, Wassermann) und weiblicher (Nixe, Seejungfer, Wasserfrau) Wassergeister, meist in halbmenschlicher Gestalt.

Nyamwezi, Njamwesi, Wanjamwesi: Bantuvolk in Zentraltansania (Landschaft Unjamwesi); 3,7 Millionen; Hackbauer und Großviehzüchter. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert widersetzten sich die Nyamwezi unter Führung des Häuptlings Mirambo dem arabischen Sklavenhandel. Mirambo fasste mehrere verwandte Stämme zusammen und unterwarf den zentralen Teil des heutigen Tansania. Ab 1870 entstanden Ansätze eines Feudalstaates; nach Eindringen des deutschen Kolonialismus zerfiel das Reich.

Njegos, Petrovic-Njegos, montenegrinische Bischofs- und Herrschergeschlecht (1697/1918): 1. Danilo, 25. 5. 1826-13. 8. 1860, Fürst seit 1851; begründete 1852 das weltliche Fürstentum Montenegro.

2. Nikola I. Nikolaus.

3. Petar, 1.11.1813-19.10.1851, serbischer Dichter, Fürstbischof; sein «Bergkranz» (1847, deutsch) über den montenegrinischen Freiheitskampf gegen die Türken wurde klassisches serbisches Nationalepos; er schrieb ferner philosophische Epik sowie das Drama «Der falsche Zar Stephan der Kleine» (1851).

Njörd, altnordischer Gott der Fruchtbarkeit, des Reichtums und des Meeres; Vater des Frey und der Freyja; entspricht sprachlich, aber nicht sachlich der Nerthus.

Nkomo, Joshua Mgabuko Nyongolo, geboren 7.6.1917, simbabwischer Politiker; wurde 1957 Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses, gründete nach dessen Verbot 1962 die Afrikanische Volksunion von Simbabwe; 1980/82 Minister in der Regierung Mugabe.

Nkongsamba: Stadt (Regionszentrum) im Westen Kameruns; 100000 Einwohner; Kaffee-, Fischverarbeitung, Sägewerk.

Nkrumah, Kwame, 21.9.1909-27.4.1972, ghanaischer Politiker, ein Führer der nationalen Befreiungsbewegung in Afrika; seit 1935 Präsident der afrikanischen Studentenorganisation in den USA und Kanada, führend am 5.Panafrikanischen Kongress 1945 in Manchester beteiligt. 1947 kehrte Nkrumah in die damalige britische Kolonie Goldküste zurück und wurde Generalsekretär des Vereinigten Konvents der Goldküste; gründete 1949 die Volkskongresspartei, die die Unabhängigkeitsbewegung führte. 1952 Ministerpräsident der Goldküste, 1957 des unabhängigen Ghanas und 1960 Präsident der Republik; 1966 durch Staatsstreich gestürzt, seitdem im Exil.

No: 1. Nobelium.

2. No (japanisch, «Kunstfertigkeit»): klassisches Theater des feudalen Japans. Entstanden im 14. Jahrhundert, hatte es im 17. Jahrhundert seine Blütezeit, erstarrte später in der Überlieferung und wird so bis in die Gegenwart gepflegt. Das No ist auf der Grundlage alter Mythen, Legenden und Sagen eine hochstilisierte künstlerische Einheit von Wort, Musik, Tanz, Gesang und Pantomime. Eine No-Aufführung umfasst 5 beziehungsweise 3 Spiele meist unterschiedlichen Stils, die jeweils durch possenhafte Zwischenspiele (Kyogen) voneinander abgesetzt sind. Im Zentrum des No steht der Hauptschauspieler (Shite), den ein Chor (8 Mann) und ein Orchester (4 Mann) unterstützen; ein zweiter Schauspieler (Waki) agiert als Partner des Shite und ist Mittler zum Publikum. Alle Rollen werden von Männern gespielt.

Noah, einer der Urväter im Alten Testament; überlebte mit seiner Familie und einem Paar jeder Tierart die Sintflut in einer Arche (Kasten).

nobel: (französisch) adlig; edel, vornehm (auch im ironischen Sinne); freigebig, großzügig.

Nobel: Name des Löwen in der Tierfabel. Nobel, Alfred, 21.10.1833-10:12.1896, schwedischer Chemiker und kapitalistischer Unternehmer; widmete sich seit 1859 insbesondere der Erforschung von Sprengstoffen. Er führte die Initialzündung mit Knallquecksilber ein und gründete 1865 die erste «Nitroglyzerin»- (Glycerintrinitrat-) Fabrik, entwickelte 1863/67 das Dynamit und bis 1875 die Sprenggelatine; außerdem betrieb er Forschungen auf den Gebieten der Elektrochemie, Optik, Biologie und Physiologie. Seit 1869 lebte er hauptsächlich in Paris; siehe auch Nobelpreis.

Nobelium, (nach A. Nobel) Symbol No: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 102; längste Halbwertszeit 58 Minuten (No 259); mit Sicherheit erstmals 1958 in Dubna (UdSSR) beim Beschuss von Plutonium 241 mit Sauerstoff-16-Teilchen als No 252 hergestellt.

Nobelpreis: durch Testament von A. Nobel gestifteter, seit 1901 jährlich verliehener Preis. Es werden je ein Nobelpreis für Physik und Chemie (durch die Schwedische Akademie der Wissenschaften), Medizin (durch das Karolinska Institut in Stockholm) und Literatur (durch die Schwed. Akademie der Künste) sowie ein Friedensnobelpreis (durch einen Ausschuss des norwegischen Storting) vergeben. 1969 wurde von der Schwed. Reichsbank ein Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gestiftet. Die Entscheidungen hinsichtlich des Nobelpreises für Literatur und Wirtschaftswissenschaften sowie des Friedensnobelpreis stellen kein absolutes Kriterium für die Weltgeltung eines Schriftstellers und so weiter dar, da neben der Auszeichnung hochverdienter Persönlichkeiten auch Verleihungen aus nationalen oder politischen Gründen erfolgen.

Nobile, Umberto, 21.1.1885-30.7.1978, italienischer General, Luftschiffkonstrukteur, Polarforscher; überflog 1926 mit dem von ihm konstruierten Luftschiff «Norge» zusammen mit R, Amundsen und L. Ellsworth den Nordpol; leitete 1928 die italienische Polarexpedition mit dem Luftschiff «Italia», das den Nordpol erreichte, aber auf dem Rückflug bei Spitzbergen strandete. Die Überlebenden wurden, unter anderem vom sowjetischen Eisbrecher «Krassin», gerettet; siehe auch Luftschiff.

Nobilität: 1. im alten Rom der Geburtsadel.

2. der Beamtenadel im alten Rom, der sich nach Beendigung des sogenannten Ständekampfes aus den Patriziern und der Oberschicht der Plebejer gebildet hatte. Als privilegierte soziale Schicht stellte die Nobilität in der späten römischen Republik die herrschende Klasse dar. Seit der Gracchenzeit formierte sich der überwiegende Teil der Nobilität zu einer besonderen politischen Gruppe, den Optimaten.

Nobility: (französisch) der britische Hochadel mit den Ständen Duke, Marquess, Earl beziehungsweise Count, Viscount und Baron.

Noblesse: (französisch) Vornehmheit, Würde; veraltet Adel, sogenannt vornehme Welt.

Noblesse de robe: Dienstadel im absolutistischen Frankreich; entstammte dem Bürgertum, hatte den Adelstitel meist käuflich zusammen mit einem Amt erworben; beherrschte den Verwaltungs- und Gerichtsapparat und war an der Aufrechterhaltung der Feudalordnung interessiert; während der Franzos. Revolution 1790 beseitigt.

Noblesse oblige: (französisch) «Adel verpflichtet» (zu edlem Handeln).

Nocke, Nockerln: Mehl- oder Grießklößchen, meist als Suppeneinlage.

Nocken: entsprechend den geforderten Bewegungsgesetzen geformter Vorsprung an Nockenwellen, zum Beispiel zur Steuerung der Ventile bei Verbrennungsmotoren.

Noctiluca: im Meer lebende Geißeltierchen; Noctiluca miliaris verursacht häufig das Meeresleuchten.

Nocturne, (französisch, «Nachtstück») Notturno (italienisch): im 18. Jahrhundert soviel wie Serenade oder Kassation; im 19. Jahrhundert poesievolles, einsätziges Musikstück für Klavier oder Orchester (zum Beispiel von F. Chopin).

Nodier, Charles, 29.4.1780-27.1.1844, französischer Erzähler; führender Frühromantiker; bevorzugte romantische (Erzählung «Der Maler von Salzburg», 1803; Roman «Jean Sbogar», 1818, deutsch), später phantastisch-abenteuerliche Stoffe (Erzählung «Das letzte Bankett der Girondisten», 1833, deutsch).

Noel-Baker, Philip John Baron, 1.11.1889-8.10.1982, britischer Politiker; 1919/22 Mitarbeiter des Völkerbundes, 1929/70 in der Führung der Labour Party, 1946/51 Minister; setzte sich für die friedliche Lösung internationaler Streitfragen und das Verbot der Kernwaffen ein.

Noelte, Rudolf, geboren 20.3.1921, Regisseur der BRD; bevorzugt Werke der Klassik und des kritischen Realismus, die er mit eindrucksvoller Detailgenauigkeit aus spätbürgerlich-pessimistischen Weltempfinden inszeniert; arbeitet als Gastregisseur (unter anderem in Westberlin, München, Zürich) ohne feste Bindungen an ein Ensemble.

Noem: (griechisch) Sprachwissenschaft Element der Erkenntnis; aus Noemen setzen sich sprachliche Bedeutungen zusammen.

Noether, Emmy, 23.3.1882-14.4.1935, Mathematikerin; seit 1922 Professor in Göttingen, emigrierte 1933 in die USA; Mitbegründerin der modernen Algebra, lieferte richtungweisende Arbeiten zur kommutativen und nichtkommutativen Algebra sowie zur Invariantentheorie.

Nofretete, altägyptische Königin, Frau des Amenophis IV. Echnaton, der 1361/um 1347 vor Christus regierte. Herkunft und Ende der Nofretete sind unbekannt. Sie zog mit Amenophis nach Achet-Aton (Teil al Amama) und bewohnte hier später einen eigenen Palast. Dort wurde auch ihre berühmte farbige Kalksteinbüste gefunden.

Noiret, Philippe, geboren 1.10.1931, französischer Schauspieler; zeitweilig im Ensemble des Théâtre National Populaire; gehört zu den führenden Charakterdarstellern des französischen Films («Alexander, der glückselige Träumen), «Das späte Mädchen», «Der Uhrmacher von Saint Paul», «Das alte Gewehr», «Die umgekehrte Wendung»),

Nok: Siedlung im Bundesstaat Kaduna (Nigeria); Fundort der sogenannt Nok-Kultur (500 vor Christus/200 nach Christus), die durch Entwicklung der Eisenmetallurgie und Gestaltung prächtiger Terrakotten, die zu den ältesten subsaharischen Plastiken zählen, belegt ist und eine wichtige Epoche afrikanischer Kulturgeschichte darstellt.

Nolde, eigentlich Hansen, Emil, 7.8.1867-13.4.1956, Maler und Graphiker; Hauptvertreter des Expressionismus, zu dem er nach impressionistischen Anfängen seit etwa 1905/06 (Beitritt zur Brücke) übergegangen war. Leuchtende, ungebrochene Farben und große, vereinfachte Formen beherrschen seine Gestaltungen (Stillleben, Landschaften, figürliche Kompositionen). Von faszinierender Wirkung sind seine Aquarelle.

nolens volens. (lateinisch, «nichtwollend wollend») wohl oder übel; gezwungenermaßen.

Noma, Wangenbrand, Wasserkrebs: schwerste Form einer geschwürigen Mundschleimhauterkrankung, die mitunter nach schweren Infektionskrankheiten als Zeichen einer hochgradigen Abwehrschwäche auftritt.

Hiroshi Noma, geboren 23.2.1915, japanischer Romancier und Essayist; bemüht sich um das Aufdecken der Ursachen für die Enthumanisierung des Menschen (antimilitaristischer Roman «Die Vakuumzone», 1952; fünfbändiger Zyklus «Ring der Jugend», 1947/71; zweibändiger Dokumentarbericht «Das Verfahren gegen Sayama», 1976).

Nomade: (griechisch) Angehöriger eines Hirtenvolkes (Hirtennomadismus); im weiteren Sinne Angehöriger eines Volkes oder Stammes ohne festen Wohnsitz.

Nomen: (lateinisch, «Name») Grammatik Sammelbegriff für alle deklinierbaren Wortarten (Substantiv, Adjektiv, Pronomen und Numerale).

Nomen est omen, Nomen et omen (beide lateinisch, «Name ist (beziehungsweise und) Vorzeichen»): im Namen liegt eine Vorbedeutung; der Name sagt alles (Zitat aus «Persa» von Plautus).

Nomenklatur: a) Zusammenstellung, Verzeichnis von Namen, Fachausdrücken, Erfassungsobjekten und so weiter;

b) Gesamtheit der, wissenschaftlichen Bezeichnungen eines Fachgebiets. Als biologisches Ordnungsprinzip zerfällt die Nomenklatur in botanischer Nomenklatur und zoologische Nomenklatur und befasst sich mit der wissenschaftlichen Namengebung der systematischen Kategorien in Verbindung mit Merkmalen und Rangstufen. Die gültige binäre Nomenklatur, von C. von Linné 1753 geschaffen, besteht aus der wissenschaftlichen Bezeichnung der Gattung und Art und dem abgekürzten Autorennamen, zum Beispiel Rubus idaeus L. (Himbeere). Die Nomenklatur wird von Nomenklaturkommissionen international nach Nomenklaturregeln festgelegt. Volkswirtschaft!. Nomenklatur sind Arbeitsmittel (Verzeichnisse) zur Ordnung der ökonomischen Erfassungsobjekte und zur Schaffung aussagefähiger Gruppierungen in der Volkswirtschaft für die Leitung, Planung und Abrechnung. Sie müssen den jeweiligen Informationsbedürfnissen der leitenden Organe der Volkswirtschaft auf den verschiedenen Ebenen entsprechen. Eine besonders wichtige volkswirtschaftliche Nomenklatur ist die Staatsplan-Nomenklatur.

Nominalform, infinite Form: Grammatik nicht personengebundene Verbform (Infinitiv und Partizip), zum Beispiel erwachen, erwachend; auch substantiviert verwendbar.

Nominallohn: Nenn- (Geld-) Wert des Arbeitslohnes ohne Berücksichtigung seiner Kaufkraft.

Nominalstil: Konzentration von Nomina (Substantiv-, Adjektivgruppen) auf Kosten des Verbs, das entweder ganz entfällt ((beim) Brand des Hauses = (wenn) das Haus brennt; L. Frank: «Kurzer, scharfer Knall und schwarzer Blitz, sekündlich wieder Himmel ...») oder die wesentliche Bedeutung an das Substantiv abgibt (zum Verkauf bringen = verkaufen).

Nominativ, Nullkasus: Grammatik unabhängiger Kasus (Casus rectus); in den indoeuropäischen Sprachen Nennfall für das Subjekt des Satzes.

nominell, nominal: dem Namen nach; angeblich, nominieren (lateinisch): benennen; als Kandidat aufstellen.

Nomographie: Lehre von den Nomogrammen, das heißt graphische Darstellungen der Funktionen mehrerer Veränderlicher. Ein Nomogramm für n Veränderliche soll es ermöglichen, den Wert einer Variablen mittels einer einfachen geometrischen Operation abzulesen, wenn die übrigen bekannt sind. So sind Funktionsleitern Nomogramme für 2 Variable. Fluchtlinientafeln sind Nomogramme mit 3 Variablen x, y, z, die auf Skalen derart dargestellt werden, dass die Werte der Schlüsselgleichung F(x,y, z) = 0 genau dann genügen, wenn die zugehörigen Skalenpunkte auf einer Geraden liegen. Für 3 bis 6 Veränderliche eignen sich auch Netztafeln, während mehr Variable durch kombinierte Netz- und Fluchtlinientafeln monographiert werden können.

Nomoli: kleine Plastiken aus Speckstein, die als Bodenfunde in Westafrika Vorkommen und in Feldbauriten Verwendung fanden. Stilvergleiche ordnen sie dem 16. Jahrhundert zu.

Nomos: (griechisch, «Sitte», «Gesetz») altgriechischer Gesangsvortrag auf der Basis modellhafter Gestaltungsprinzipien hinsichtlich Melodik, Rhythmik und formalem Bau, mit dem auch bestimmte ethische Wirkungen erzielt werden sollten; verwandt mit dem indischen Raga und dem arabischen Maqam.

Nomos georgikos: (griechisch, «Bauerngesetz») byzantinische Sammlung rechtlicher Bestimmungen über das Zusammenleben in den Gemeinden freier Bauern und über Steuerverpflichtungen der Gemeinden gegenüber dem Staat; entstanden etwa Ende des 7./1. Hälfte des 8. Jahrhundert.

y-Nonalacton, fälschlich Kokosaldehyd: eine farblose, intensiv kokosartig riechende. y-Nonalacton wird synthetisch hergestellt und in der Parfümerie sowie für Aromen verwendet.

Nonan: (lateinisch nona, nonus, «neunte(r)») im weiteren Sinne Bezeichnung für die 35 Alkane der Formel C9H20; im engeren Sinne n-Nonan (Normal-Nonan), CH3-(CHJ7-CH3, eine farblose, brennbare, wasserlösliche Flüssigkeit von schwachem, angenehmem Geruch; Kp 150,7 °C. Nonane sind in Benzinen, Diesel- und Heizölen enthalten.

Nonchalance: Ungezwungenheit, Formlosigkeit; Lässigkeit; Unbekümmertheit.

Non-Cooperation: (englisch, «Nichtzusammenarbeit») Form des passiven Widerstands gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien; beinhaltet die Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit mit den britischen Behörden; seit 1920 von der Kongresspartei unter Führung von M. K. Gandhi angewandt.

None: 9. Stufe der diatonischen Tonleiter; auch Intervall, zum Beispiel C-d.

Nonett: Komposition für 9 Soloinstrumente; auch Ensemble von 9 Instrumentalsolisten.

Non-Hodgkin-Lymphome: Sammelbegriff für alle mehr oder weniger bösartigen Wucherungen des lymphoretikulären Zellsystems (Immunsystem), die nicht der Hodgkinschen Krankheit (Lymphogranulomatose) zugeordnet werden können, zum Beispiel lymphozytische, lymphoblastische, zentrozytische, zentroblastische und immunoblastische Non-Hodgkin-Lymphome Leitsymptom aller Formen ist die örtlich begrenzte oder generalisierte Lymphknotenschwellung.

Nonius: (nach einem portugiesischen Mathematiker) zusätzlicher Strichmaßstab zum Bestimmen von Bruchteilen des Skalenwertes eines Hauptmaßstabs, zum Beispiel beim Messschieber. Jeder der n Teile des Nonius ist um e/n kürzer als eine oder mehrere Einheiten e der Hauptskale.

Nonkonformismus: («Nichtübereinstimmung») besonders unter bürgerlichen Intellektuellen verbreitete oppositionelle Einstellung zu den politischen Verhältnissen des staatsmonopolistischen Kapitalismus und den ideologischen Auffassungen der imperialistischen Bourgeoisie. Da der Nonkonformismus nicht frei von Antikommunismus und kleinbürgerliche Vorbehalten gegenüber der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei ist, spielt er eine widersprüchliche Rolle und kann auch konterrevolutionäre Positionen fördern.

Nonne: 1. Angehörige eines Frauenklosters, Mitglied eines weiblichen Ordens oder einer Kongregation, besonders in der katholischen und orthodoxen Kirche.

2. Nonne, Lymantria monacha: Trägspinner, weiß mit dunklen Punkten, zuweilen verdunkelt (Melanismus); Forstschädling mit periodischer Massenvermehrung; Raupe schädigt Nadelbäume, oft auch Laubholz durch Kahlfraß.

Nonnos, griechischer Dichter des 5. Jahrhundert aus Panopolis (Ägypten); schuf unter anderem das letzte große Epos der Antike («Dionysiaka», Dionysos Geschichten).

Nono, Luigi, geboren 29.1.1924, italienischer Komponist. Politisch engagiert, sucht Nono in seinen meist textgebundenen Kompositionen mit sehr modernen Gestaltungsmitteln und unkonventionellen Dramaturgien die Musik in den Dienst des gesellschaftlichen Fortschritts zu stellen. Seine eigenwilligen Werke (unter anderem «La fabbrica illuminata», 1964; Oper «Intolleranza», 1961; «Como una ola de fuerza y luz» (1972, «Wie eine Woge von Kraft und Licht»), Ballett «Genesis») sind international überaus erfolgreich.

non olet: «(das Geld) stinkt nicht», man merkt ihm die unsaubere Herkunft nicht an.

Nonplusultra: (dat., «nicht darüber hinaus») das Unübertreffbare.

Nonvaleur: (französisch) etwas Wertloses, besonders entwertetes Wertpapier; unverkauft. Ware; übertragen unfähiger Mensch; Versager.

Noosphäre: von der bewussten menschlichen Tätigkeit erfasster und gestalteter Bereich der Erde, der mit der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft aus der Biosphäre hervorgeht; tendiert zur Ausdehnung über die gesamte Erdoberfläche, in das Erdinnere und über die Erde hinaus auf andere Himmelskörper.

Noppen: Faserknoten im Gewebe; Webfehler oder absichtlich durch Noppen Zwirn (mit Verdickungen) erzielt.

NORAD, Abkürzung für North American Air Defence: von den USA und Kanada angeblich zur gemeinsamen Luftverteidigung geschaffene Organisation; gebildet 1958, Hauptquartier in Colorado Springs. NORAD geht von der imperialistischen Unterstellung aus, dass Nordamerika über den Nordpol hinweg von der UdSSR bedroht werde; dient dem Aufbau eines Systems von Radarketten in allen Provinzen Kanadas, darunter eines sogenannt Frühwarnsystems (Distant Early Warning Line), das unter anderem aus mit Kernwaffen ausgestatteten Flugzeugstaffeln besteht. Blinder Alarm infolge Computerfehlers schuf bereits mehrfach kritische Situationen.

Noradrenalin, Arterenol: Hormon des Nebennierenmarkes, das eine Verengung der Blutgefäße bewirkt.

Noranda: Stadt in Kanada, im Westen der Provinz Quebec; 11000 Einwohner; mit der Nachbarstadt Rouyn bedeutendes Bergbauzentrum (Kupfer, Gold); Kupferraffinerie, Holzgewinnung, Milchwirtschaft, Kraftwerke; Flughafen.

Nord, Norden: eine Himmelsrichtung; für einen Punkt P der Erdoberfläche zeigt geographisch Nord in Richtung des Meridians durch P, magnetisch Nord in Richtung der Horizontalkomponente des Magnetfeldes der Erde und Gitternord parallel zum Mittelmeridian des geodätische Koordinatensystems.

Nordafrika: im weiteren Sinne der nördlich der Landschaft Sudan gelegene Teil Afrikas bis zur Küste des Mittelmeeres mit den Atlasländern und der Sahara; im engeren Sinne nur die Atlasländer und die Mittelmeerküste. Nordafrika unterscheidet sich vom übrigen Afrika durch enge Beziehungen zu Europa. Das kommt zum Ausdruck in Gebirgsbau (die Atlasketten gehören zu den Alpiden), Klima (Mittelmeerklima), Vegetation (Hartlaubgewächse), anthropologischer (hellhäutige Bewohner) und kultureller Hinsicht. Nordafrika ist ein altes Kulturgebiet. Seit jeher sind Pflug- und Bewässerungsfeldbau ebenso wie Transhumance (Wanderviehzucht in Verbindung mit Ackerbau) sowie ein hochstehendes Kunsthandwerk verbreitet. Alte und bedeutende Städte sowie Ruinenstätten (besonders aus der Römerzeit) sind zahlreich. Die Länder Nordafrikas (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten) gehören zum islamischen Bereich. Nordafrika verfügt über eine relativ umfangreiche verarbeitende Industrie und einen entwickelten Bergbau (besonders Erdöl- und Erdgasförderung in Libyen und Algerien, Phosphatgewinnung in Marokko).

Nordal, Sigurdur, 14.9.1886-20.9.1974, isländischer Philologe und Kulturhistoriker; 1918/74 Professor in Reykjavik; erforschte besonders die isländische Saga; Verfasser einer isländischen Kulturgeschichte (1942), vieler Essays und Gedichte.

Nordalbanische Alpen: vom Shkodrasee nach Nordosten streichendes, aus flachlagernden Kalken, Dolomiten und Schiefern bestehendes Gebirge in Albanien; 120 km lang; höchste Erhebung Jezerca mit 2694 m; von den rechten Nebenflüssen des Drini zerschluchtet; verkarstet; Luftkurorte Razna, Boga, Theth.

Nordamerika: Größe, Lage, Erstreckung. Nordamerika umfasst den nördlichen Teil des amerikanischen Doppelkontinents und ist drittgrößter Erdteil; mit Grönland und dem kanadisch-arktischen Archipel 21,52 Millionen km2 und 264 Millionen Einwohner (ohne Mexiko). Nordamerika erstreckt sich vom Kap Morris Jessup (83° 39' nördliche Breite) auf Grönland beziehungsweise der vorgelagerten kleinen Insel Oodaaq Östlich bis zur Landenge von Tehuantepec (15° 30' nördliche Breite) in Mexiko, wo die physisch-geographische Grenze zu Mittelamerika verläuft. Die Gesamterstreckung in West-Ost-Richtung unter 53° nördliche Breite beträgt 6000 km, in Nord-Süd-Richtung etwa 7 500 km. Von Asien ist der Kontinent durch die nur 92 km breite Beringstraße getrennt; das mittelamerikanische Festland verbindet Nordamerika mit Südamerika. Nordamerika grenzt im Norden an den Arktischen, im Westen an den Stillen und im Osten an den Atlantischen Ozean. Der Kontinent ist wenig gegliedert; die wichtigsten Halbinseln Alaska und Niederkalifornien liegen im Norden beziehungsweise Südwesten, Labrador im Nordosten und Florida im Südosten; die größten Inseln sind Grönland und Neufundland im Atlantischen Ozean, Baffinland, Ellesmere Land und Victoria im Arktischen Ozean, Vancouver und die Aleuten im Stillen Ozean.

Bevölkerung: Der größte Teil der Bewohner Nordamerikas ist europäischer Herkunft. Die indianische Urbevölkerung und die Eskimo wurden durch die Einwanderer aus Europa zu einem großen Teil ausgerottet oder in entlegene Gebiete verdrängt. In den USA und in Kanada sind nur noch 2 % der Gesamtbevölkerung Indianer oder Mestizen, die zudem meist in Reservaten leben; lediglich in Mexiko beträgt dieser Anteil über 80 %. Die Zahl der Eskimo ist noch wesentlich geringer. Überwiegend im Süden der USA leben die Nachkommen der von 1619 bis 1808 nach Nordamerika verschleppten Sklaven, die rassisch diskriminiert und sozial unterdrückt werden; an der Küste des Stillen Ozeans auch Bewohner asiatischer Herkunft. Die Bevölkerungsverteilung weist extrem große Unterschiede auf. Hohe Dichtewerte sind kennzeichnend für die östlichen Teile der USA sowie für zahlreiche Küstenabschnitte am Stillen Ozean. Im Gegensatz dazu sind Grönland, der kanadisch-arktische Archipel und die nördlichen Gebiete des kanadischen Festlandes extrem dünn besiedelt. Die Verstädterung ist in den USA und Kanada sehr hoch und wächst weiter an.

Natur - Oberfläche: Der geologisch-morphologischen Bau zeigt große, übersichtlich angeordnete Einheiten. Im Gegensatz zu Europa erfolgt die Großgliederung des geologischen Baus und Reliefs meridional. Entlang der Küste des Stillen Ozeans verläuft das junge Faltengebirge der bis 6198 m (Mount McKinley) hohen nordamerikanischen Kordilleren (siehe auch Felsengebirge), die nahezu ein Drittel der Gesamtfläche einnehmen. An der atlantischen Küste erstreckt sich das variszische Rumpfgebirge der bis 2039 m (Mount Mitchell) hohen Appalachen. Dazwischen breitet sich das muldenförmige Tiefland, das vom Golf von Mexiko bis zur Hudsonbucht reicht, aus. Dieses gliedert sich in das Zentrale Tiefland, das bei einer Durchschnittshöhe von 200 bis 300 m über dem Meeresspiegel im Unterschied zu den aufgeschütteten Küstenebenen eine junge Tafel darstellt, und die zwischen dem Tiefland und dem Ostteil der Kordilleren sich erstreckenden Großen Ebenen (Great Plains), die eine alte Tafel (Plattform) bilden und von 200 m im Osten nach Westen auf 1800 m allmählich ansteigen. Sie durchziehen in einer Breite von etwa 700 km das gesamte Nordamerika Das Gebiet um die Großen Seen ist ein flachhügeliges, glazial überformtes Tiefland. Der Nordosten des Kontinents wird zum großen Teil vom Kanadischen Schild eingenommen. Die Küsten haben im Nordteil zahlreiche Buchten, Fjorde und Sunde, im Südteil herrschen Ausgleichsküsten vor, die im Bereich des tropischen Klimas von Korallenriffen umgeben sind. Klima. Nordamerika hat infolge seiner bedeutenden Nord-Süd-Ausdehnung an allen Klimaten der nördlichen Halbkugel Anteil. Etwa 20% der Gesamtfläche entfallen auf die arktische, 5 % auf die tropische, der überwiegende Teil auf die gemäßigte Klimazone. Diese Klimazonen lassen sich in verschiedene Klimagebiete untergliedern, die sich vor allem durch unterschiedliche Niederschlags-, aber auch durch unterschiedliche Temperaturverhältnisse voneinander unterscheiden. Das Fehlen einer west-östlich streichenden Gebirgsbarriere ermöglicht das Eindringen polarer Luftmassen weit nach Süden und tropischen Luftmassen weit nach Norden. Blizzards in Kanada und im Norden der USA, Northers im Süden der USA und Tornados im Mississippi Gebiet sind häufig. Grönland, die arktischen Inseln und der nördliche Küstenstreifen liegen im Bereich polaren Klimas mit durchschnittlichen Januartemperaturen von -20 °C im Süden bis -40 °C im Norden. Von Alaska über die Hudsonbucht zur Labradorküste erstreckt sich die subpolare Zone, deren mittlere Jahrestemperatur noch unter dem Gefrierpunkt liegt. Die gemäßigte Klimazone nimmt neben dem Südteil Kanadas fast das Gesamtgebiet der USA (mit Ausnahme des subtropischen Südens) ein. Sie wird in der Regel durch warme bis heiße Sommer und kalte Winter gekennzeichnet. besonders niederschlagsarm ist der Westteil von 97° westlicher Länge an, ausgenommen die vom ozeanischen Klima des Stillen Ozeans beeinflussten Westhänge der Kordilleren und Küstengebiete der kanadischen Provinz Britisch-Kolumbien sowie der Bundesstaaten Washington und Oregon mit reichlichen Niederschlägen. In den südlichen Beckenlandschaften westlich des Felsengebirges herrschen extrem hohe Temperaturen (Mohavebecken). Nach Süden, im Bereich der subtropischen Zone, nehmen die Temperaturen zu, die für Westen und Osten unterschiedliche Niederschlagsverhältnisse gelten auch für dieses Gebiet. Die tropische Klimazone ist auf Mexiko und die Südspitze Floridas beschränkt. Gewässer. Infolge der westlichen Lage der Hauptwasserscheide, gebildet vom Felsengebirge, wird nur ein Fünftel Nordamerikas nach dem Stillen Ozean entwässert, unter anderem durch die Flüsse Yukon, Columbia und Colorado. Das Gebiet zwischen den Kordilleren und Appalachen gehört zum Einzugsbereich des Golfs von Mexiko; Hauptströme sind Mississippi und seine Nebenflüsse Missouri, Ohio, Arkansas unter anderem. Das Einzugsgebiet des Arktischen Ozeans ist das größte. Hier sind Mackenzie und Nelson die Hauptströme. Direkt zum Atlantischen Ozean wird nur etwa ein Achtel des Kontinents entwässert. Wichtigste Flüsse in diesem Raum sind der Sankt-Lorenz-Strom und der Hudson. Im Bereich der Plateau- und Beckenzone bleiben 1 MÜL km2 Fläche ohne Abfluss zum Meer. Nordamerika verfügt über eine große Zahl von Binnenseen, davon sind die Großen Seen, der Große Bärensee, der Große Sklavensee und der Winnipegsee die bedeutendsten. Vegetation. Nordamerika gehört mit Ausnahme der tropischen und subtropischen Gebiete zum holarktischen Florenreich und weist etwa die gleichen Pflanzenformationen auf wie das arktische und gemäßigte Eurasien. Hinzu kommen ostasiatische und mediterrane Pflanzengesellschaften. Grönland und die im Norden gelegenen Inseln des kanadisch-arktischen Archipels liegen in der Zone des ewigen Eises. Daran schließt sich nach Süden die Zone der Tundra mit Flechten, Moosen und Zwergsträuchern an. Südlich der Waldgrenze, die sich vom Westufer der Hudsonbucht nach Nordwesten bis an die Küste von Alaska zieht, dehnt sich der boreale Nadelwald aus, dem die Zone der sommergrünen Laub- und Mischwälder folgt. Die gemäßigte Klimazone umfasst im Westen das pazifische Waldland (Kiefern, Zedern, Douglasien) und im Osten das Waldland der Appalachen (im Norden und im subtropischen Nadelwald und im zentralen Teil Laubwald). zwischen beiden Waldgebieten liegt das ausgedehnte Gebiet der Prärie (im Ostteil mit Hoch-, im Westteil mit Kurzgräsern). Die Osthänge des Felsengebirges sind zum Teil von Nadelwäldern bedeckt, die Hochgebirgsbecken meist von Halbwüsten- und Wüstenformationen. Die Golfküste ist ein Übergangsgebiet zur tropischen Vegetationszone. In der Mississippi Niederung sind subtropische Wälder vorherrschend, die Golfküste wird von Mangroven umsäumt. Tierwelt. Für die Tundra sind Lemming, Ren, Eisbär, Polarfuchs unter anderem kennzeichnend, die übrigen Teile Nordamerikas weisen verschiedene Hirscharten, Elche, Luchse, Dachse, Füchse, Wölfe, Marder, Beuteltiere, Eichhörnchen unter anderem auf. Der früher häufig vorkommende Bison lebt nur noch in Präriereservaten (30000 Tiere). Sehr zahlreich sind Schlangen, Eidechsen und Schildkröten, im Süden Waschbär, Stinktier und Truthühner, im Felsengebirge Schneeziege, Dickhornschaf und Grizzlybär. Mexiko ist mit Puma, Jaguar, Ozelot, Klapperschlange und anderen Arten Übergangsgebiet zur Fauna Südamerikas. Bodenschätze. Nordamerika ist reich an Bodenschätzen. Von größter wirtschaftliche Bedeutung sind Stein- und Braunkohle, Eisen-, Uran- und zahlreiche Buntmetallerze sowie Erdöl und Erdgas.

Nordäquatorialstrom: westwärts gerichtete Oberflächenmeeresströmung auf der Nordhalbkugel der Erde zwischen etwa 10° und 20° nördlicher Breite; von den Passatwinden erzeugt.

Nordasien: Subkontinent, der sich vom Arktischen Ozean bis zur Kasachischen Schwelle, den Randgebirgen des Mongolischen Beckens beziehungsweise im Amurgebiet etwa bis zum 47. Breitengrad erstreckt, im Westen vom Ural, im Osten vom Stillen Ozean begrenzt; politisch zur UdSSR gehörend; etwa 14 Millionen km2. zwischen Ural und Jenissej im Westen erstreckt sich das Westsibirische Tiefland mit dem riesigen Sumpfgebiet der Wassjuganje. Es geht nach Osten zum Mittelsibirischen Bergland über, das nach Süden zum Altai und West- und Ostsajan sowie zu den Gebirgszügen Baikaliens und Transbaikaliens ansteigt. Weiter im Osten schließen sich das Nordostsibirische Bergland und die Bergländer des Fernen Ostens an. Es herrscht ein extrem strenges Kontinentalklima, nur die westlichen Teile sind teilweise maritim beeinflusst. Weite Gebiete in den nördlichen Teilen sowie in Mittel- und Ostsibirien werden von Dauerfrostboden unterlagert. Hauptflüsse sind Amur, Ob, Lena, Irtysch, Jenissej und Kolyma. Im Norden wird Nordasien von der Zone der Tundra bedeckt, die nach Süden zu über die Waldtundra in die pelztierreiche Nadelwaldzone, die Taiga, übergeht; im Süden Anteil an der Vegetationszone der Waldsteppe beziehungsweise Steppe und im Fernen Osten an der Laubwaldzone.

Nordbrabant: Provinz im Süden der Niederlande; 4965 km2, 2,1 Millionen Einwohner; 424 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum’s-Hertogenbosch Geestland (Decksande, Sandlöss) mit Heide, Eichen- und Kiefernwäldern, Mooren; Löß- und Lehmböden mit Weizen- und Zuckerrübenanbau; intensive Viehzucht; Industrie in Eindhoven, Breda, Tilburg unter anderem, besonders Maschinenbau, Elektro-, Kfz-, Textil- und Reifenindustrie.

Nordbund russischer Arbeiter: eine der ersten revolutionären Arbeiterorganisationen in Russland, 1878/80 in Petersburg tätig; unterstützte die proletarische Streikbewegung und erste politische Aktionen; Hauptvertreter: W. P. Obnorski, S. Chalturin.

Nordchinesische Ebene, Große Ebene: Schwemmlandebene in China, zwischen Yan Shan im Norden, Taihang Shan im Westen, Dabie Shan und Huaiyang Shan im Süden und dem Gelben Meer im Osten; etwa 300000 km2, größtenteils 50 m über dem Meeresspiegel; hauptsächlich von fruchtbarem Schwemmlöß, der durch den Huang He und Huai He abgelagert worden ist, aufgebaut; wichtigstes Ackerbaugebiet Chinas; ausgebautes Kanalnetz für Schifffahrt und Bewässerung.

Norddakota: Abkürzung (N. Dak.): Bundesstaat im Norden der USA, an der Grenze zu Kanada; 183119 km2, 650000 Einwohner (davon 2% Indianer); 4 Einwohner/km2; Hauptstadt Bismarck. Teil des Zentralen Tieflandes und des Prärieplateaus, zum Teil eiszeitlich geprägt; steigt von Nordosten nach Südwesten bis auf 1069 m an; längs der Little Missouri Badlands (Ödland); kontinentales Klima; Hauptfluss Missouri. Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft mit Anbau von Sommerweizen, Gerste, Roggen, Mais, Hafer, Kartoffeln, Zuckerrüben, Lein; Rinder- und Schafzucht, Molkereiprodukte; kürzeste Vegetationsperiode und niedrigstes Farmereinkommen in den USA. Braunkohlen- und Erdölförderung; Hydroenergiegewinnung; Lebensmittelindustrie; wachsender Tourismus.

Norddeutscher Bund: Bundesstaat von 22 deutschen Mittel- und Kleinstaaten nördlich des Mains unter preußischer Führung: entstand im Ergebnis des preußisch-österreichischen Krieges 1866; bildete die Grundlage für das deutsche Kaiserreich von 1871.

Norden, Albert, 4.12.1904-30.5.1982, Politiker, Redakteur. Norden trat 1921 der KPD bei, arbeitete für die Parteipresse und nahm aktiv am antifaschistischen Widerstand teil. Nach 1945 übte er verantwortliche Funktionen in den Partei- und Staatsorganen und in der Nationalen Front aus. Er war 1955/81 Mitglied und Sekretär des ZK der SED und 1958/81 Mitglied seines Politbüros; 1976/81 Mitglied des Staatsrats der DDR.

Nordenskiöld: 1. Adolf Erik Freiherr von, 18.11.1832-12.8.1901, schwedischer Polarforscher; befuhr 1878/79 auf der «Vega» als erster den Nördlichen Seeweg (mit einer Überwinterung) längs der sibirischen Arktisküste.

2. Erland Freiherr von, 19.7.1877-5.7.1932, schwedischer Völkerkundler; Sohn von Nordenskiöld 1; zwischen 1900 und 1927 Reisen zu südamerikanischen Indianern, deren Leben er eingehend erforschte.

Norderney: eine der Ostfriesische Inseln, vor der Nordseeküste; 26 km2, 8500 Einwohner; schmal, mit ausgedehntem Sandstrand und im Osten mit 20 m hohen Dünen; an der Südwestspitze Nordseebad Norderney (1797 gegründet).

Nordeuropa: nördlicher Teil Europas, der geographisch die Halbinsel Skandinavien (Norwegen, Schweden), die Halbinsel Kola (UdSSR) sowie die Finno-Karelische Platte (Finnland, UdSSR) umfasst und geologisch weitgehend der aus archaischen und paläozoischen Gesteinen aufgebauten fennoskandische Scholle entspricht. Zu Nordeuropa zählen außerdem Island, die Färöer und Svalbard. Politisch-ökonomisch rechnet man auch Dänemark zu Nordeuropa, obwohl es physisch-geographisch zu Mitteleuropa gehört.

Nordeuropawissenschaften: Gesamtheit der gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit politischen, ökonomischen, ideologischen und kulturellen Entwicklungsprozessen in Nordeuropa befassen. Siehe auch Nordistik, Finnougristik.

Nordhausen: Kreisstadt im Bezirk Erfurt, am Harzsüdrand, im Nordwesten der Goldenen Aue; 47000 Einwohner; Schwermaschinen- (Bagger), Motoren-, Fernmeldeanlagen-, Schachtbau, Lebensmittel- (unter anderem Spirituosen, seit 1507), Bekleidungs-, Bauindustrie; VEG Tierzucht; Verkehrsknoten; Ingenieur-, medizinische Fachschule, Institut für Lehrerbildung; Theater, Museum; neues Stadtzentrum; rekonstruierte historische Bauwerke wie Dom (romanisch-gotisch), Renaissancerathaus, Pfarrkirche (15. Jahrhundert). 927 als Burg urkundlich genannt, erhielt 1220 Stadtrechte und war bis 1802 Freie Reichsstadt; 1802 fiel es an Preußen.

Nordirland: britischer Nordteil der Insel Irland, zur Zeit unter direkter Verwaltung der britischen Regierung; in 2 Stadtgrafschaften und 6 Grafschaften eingeteilt (26 Distrikte); 14120 km2,1,55 Millionen Einwohner (zwei Drittel evangelisch, aus England und Schottland zugewandert; ein Drittel katholisch; Bevölkerungsabwanderung); 110 Einwohner/km2; Hauptstadt Belfast Von Berg- und Hügelland (bis 852 m) umgebene Tiefebene mit dem Lough Neagh; Seeklima. In der ökonomischen Entwicklung zurückgeblieben; Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft mit überwiegendem Anteil der Viehzucht (Rinder-, Schaf-, Schweine- und Geflügelhaltung); Anbau von Hafer, Gerste, Kartoffeln, Gemüse, Lein; Hochsee- und Flussfischerei; Torfabbau. Industrie vorwiegend um Belfast konzentriert; vielseitige Textilindustrie (Leinenindustrie führend), außerdem Schiff-, Flugzeug- und Textilmaschinenbau, Elektrotechnik sowie Kunstfaserindustrie. Die Kolonialisierung Irlands durch England führte in Nordirland ab 1603 zur Verdrängung der vorwiegend katholische Iren durch Protestant. Engländer und Schotten, die schließlich die Bevölkerungsmehrheit stellten und aus denen sich die herrschende Klasse formierte. Bei Bildung des selbständigen irischen Staates 1921 verblieb Nordirland auf Grund des Kompromisses zwischen Teilen der irische Bourgeoisie und der britischen Regierung bei Großbritannien. Die Bürgerrechtsbewegung der politisch und sozial diskriminierten katholischen irischen Bevölkerung wuchs seit 1966 an; bewaffnete Kämpfe zwischen der katholischen Irischen Republikanischen Armee und Protestant. Extremisten boten 1969 britische Truppen den Vorwand für die Besetzung Nordirlands und den Beginn eines Kolonialkrieges (1971 Ausnahmegesetz); 1972 wurde das Selbstverwaltungsrecht suspendiert und Nordirland direkt britischer Verwaltung unterstellt. Bemühungen Großbritanniens und Irlands um eine imperialistische Befriedung Nordirlands führten 1985 zum Abkommen von Hillsborough, welches die britische Herrschaft über Nordirland bekräftigte, Irland eine beratende Funktion in Nordirland zuweist.

nordische Disziplinen: Sammelbezeichnung für die in Skandinavien entwickelten Disziplinen Langlauf, Skispringen und Nord. Kombination.

Nordischer Krieg: Krieg Schwedens 1700/21 gegen Dänemark, Sachsen, Polen, Russland, später auch Preußen und Hannover, nach anfänglichen Erfolgen 1709 vernichtende Niederlage des schwedischen Königs Carl XU. bei Poltawa gegen Peter I.; Schweden verlor die Vorherrschaft im Ostseeraum (Friede von Nystad).

Nordischer Rat: zwischenstaatliches Organ der Parlamente und Regierungen Dänemarks, Finnlands (seit 1955), Islands, Norwegens und Schwedens zur Beratung gemeinsamer Probleme (außer militärischer Fragen), gegründet 1952; die Beschlüsse des Nordischen Rats haben empfehlenden Charakter; seit Beginn der 70er Jahre existiert auf Basis des Nordischen Rats der Nördliche Ministerrat.

Nordischer Siebenjähriger Krieg, Dreikronenkrieg: Krieg Dänemarks und Lübecks gegen Schweden um die Vorherrschaft im Ostseeraum (1563/70); Anlass war die Beibehaltung der 3 Kronen im schwedischen Wappen als Zeichen der Kalmarer Union. Dänemark behielt die Vorherrschaft.

nordische Sprachen, skandinavische Sprachen: nördlicher Zweig der germanischen Sprachen; zur östlichen Gruppe gehören Dänisch, Schwedisch und das norwegische Bokmal, zur westlichen Gruppe Isländisch, Färöisch und das norwegischen Nynorsk. Früher zählten zur westliche Gruppe auch das Nom auf den Orkney- und den Shetlandinseln (um 1700/50 ausgestorben) sowie das Altnordische auf Grönland (im 15. Jahrhundert ausgestorben). Das mittelalterliche Gutnische (auf der Insel Gotland) gehörte zur östlichen Gruppe, hatte aber auffallende Gemeinsamkeiten mit dem Isländischen. Verbreitet sind die nordische Sprachen auch in Teilen Finnlands (Schwedisch ist zweite Landessprache) und (infolge Auswanderung) in Teilen der USA und Kanadas. Älteste Stufe der nordischen Sprachen sind das Urnordische (1./8. Jahrhundert) und das Altnordische des Mittelalters. Allmähliche Differenzierung führte ab 11. Jahrhundert zur Herausbildung der nordischen Einzelsprachen sowie ab 16. Jahrhundert zur Entwicklung der neunordischen Sprachen, die (ausgenommen Isländisch und Färöisch) viel vom alten Formenreichtum eingebüßt haben; die Aussprache hat sich zum Teil erheblich geändert; Dänisch, Schwedisch und das norwegische Bokmal haben deutsches Wortgut aufgenommen.

Nordistik, nordische Philologie: Wissenschaft von den Sprachen und Literaturen Dänemarks, der Färöer, Islands, Norwegens und Schwedens; Auch Wissenschaft von den mittelalterliche Stufen der nordischen Sprachen und der altnordischen Literatur, im weiteren Sinne wird die Altertumskunde des Nordens, die Rechts-, Religions- und Kulturgeschichte einbegriffen. Siehe auch altnordische Literatur, nordische Sprachen.

Nordkanal, englisch North Channel Pno: Meerenge zwischen Nordirland und Schottland, 20 bis 40 km breit, bis 272 m tief; verbindet die Ir. See mit dem Atlantik.

Nordkap, norwegisch Nordkapp: markant über den Meeresspiegel aufregender Punkt des europäischen Kontinentalsockels, auf der Insel Magerey (Norwegen); 307 m hoher Schieferfelsen, 71° 10'21" nördlicher Breite; gilt als nördlichster Punkt Europas; tatsächlich reicht die Landzunge Knivskjärodden auf der gleichen Insel noch weiter nach Norden (71° 11'8" nördliche Breite). Der nördlichste Punkt des Festlandes ist das weiter östlich gelegene Kap Nordkinn (Nordkyn), 234 m hoch, 71° 8'1" nördliche Breite.

Nordkarolina, englisch Abkürzung (N.C.): Bundesstaat im Südosten der USA, zwischen den Appalachen und dem Atlantischen Ozean; 136413 km2, 5,9 Millionen Einwohner (davon 22% Afroamerikaner); 43 Einwohner/km2; Hauptstadt Raleigh. Im Osten Küstenland mit Inseln und Sanddünen, im Zentralteil Piedmont Plateau mit Fallinie und Seen, im Westen Appalachen (bis 2037 m hoch); zu zwei Dritteln bewaldet; subtropisches Seeklima. An Bodenschätzen Phosphat, Feldspat, Granit; Hydroenergiegewinnung; bedeutende Landwirtschaft mit Anbau von Tabak, Baumwolle, Mais, Sojabohnen, Erdnüssen; Produktion von Schweinefleisch, Broilern; bedeutende Forstwirtschaft. Entwickelte verarbeitende Industrie mit elektronische, chemische, Papier-, Tabak- und Lebensmittelindustrie; moderne Häfen (Wilmington, Morehead City); starker Tourismus.

Nördliche Militaristen: chinesische Militärcliquen, hervorgegangen aus der 1898 von Yuan Shikai gegründeten Nordchinesischen Armee; beherrschten 1911/27 mit Hilfe imperialistischer Mächte Nord- und Nordostchina.

Nördlicher Donez: rechter Nebenfluss des Don (UdSSR); 1053 km; entspringt auf dem Mittelrussischen Landrücken und fließt im Unterlauf am Nordrand des Donezbeckens; ab Donez schiffbar; Hauptnebenflüsse sind Oskol und Kalitwa (von links); bei Isjum mündet der Dnepr-Donbass-Kanal.

Nördlicher Feldzug: 1926 begonnener Feldzug der Einheitsfront von Guomindang und KP Chinas gegen die Nördlichen Militaristen zur revolutionären Einigung Chinas; nach militärischen Anfangserfolgen infolge Verrats der rechten Kräfte um Jiang Jieshi in der Guomindang Führung 1927 abgebrochen.

Nördlicher Landrücken, Mecklenburgischer Land-rücken: eiszeitlich geformter, vorwiegend hügeliger, seenreicher, breiter Landrücken im Nordteil der DDR und BRD zwischen Lübecker-Lauenburgischer Senke und Oder; mit Mecklenburg. Seenplatte südöstlich von Güstrow und Mecklenburger Schweiz um Malchin; höchste Erhebungen sind die Helpter Berge (179 m) südöstlich von Neubrandenburg und die Ruhner Berge (178 m) südlich von Parchim; ackerbaulich und forstlich genutzt.

Nördlicher Seeweg, Nordöstliche Durchfahrt, Nordostpassage: Wasserweg entlang den Nordküsten Europas und Asiens, von Archangelsk bis zur Beringstraße rund 6 500 km, bis Wladiwostok etwa 11250 km lang. Erste Erkundungen des Nördlichen Seewegs im 16. Jahrhundert durch englische und holländische (W. Barents unter anderem) Seefahrer scheiterten im Packeis; Anfang des 17. Jahrhundert gelangten russische Robbenjäger und Händler bis zum Kap Tscheljuskin; 1648 umsegelten S. I. Deshnjow und F. A. Popow die Tschuktschen Halbinsel. Andere sibirische Küstenabschnitte wurden 1733/43 im Verlaufe der Großen Nordischen Expedition (V. Bering) erforscht. 1878/79 gelang A. E. Nordenskiöld erstmals die gesamte Durchfahrt mit einer Überwinterung. 1932 glückte der «Sibirjakow» nach zahlreichen russischen und später sowjetischen Forschungen die erste Durchfahrt ohne Überwinterung; seitdem zur Entwicklung des Hohen Nordens der UdSSR systematischer Ausbau des Seeverkehrs und Verlängerung der Schifffahrtsperiode durch Einsatz einer leistungsfähigen Eisbrecherflotte (unter anderem Atomeisbrecher).

Nördlicher Wirtschaftsbezirk: wirtschaftsräumliche Einheit im Norden und Nordosten des europäischen Teils der RSFSR; 1466300 km3, 5,9 Millionen Einwohner (76% in Städten); 4 Einwohner/km2. Im Unionsmaßstab haben der Bergbau (Apatite, Eisen-, Buntmetallerze, Erdöl, -gas), die Eisen- und Buntmetallurgie, chemische, Holzindustrie sowie die Hafenwirtschaft größte Bedeutung. Hauptindustriezentren und -häfen sind Murmansk und Archangelsk.

Nördliche Uvaly, Nordrussischer Landrücken: flachwellige, bis 293 m hohe Moränenlandschaft im Norden der Osteuropäischen Ebene; bildet die Wasserscheide zwischen Wolga und Nördlicher Dwina; mit Nadelwald bestanden, zum Teil versumpft.

Nord-Ostsee-Kanal: Seeschiffskanal zwischen Nordsee und Ostsee, durchquert Schleswig-Holstein von Brunsbüttel nahe der Elbmündung bis zur Kieler Förde bei Kiel-Holtenau; 98,7 km lang, 11,3 m tief, 102 m breit; 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal eingeweiht; 2 Schleusen; verkürzt Seeweg um etwa 700 km.

Nordpol: 1. Astronomie: Pol, Präzession.

2. Name zahlreicher sowjetischer Forschungsstationen auf driftenden Eisschollen. S.a Driftstationen.

Nordpunkt: Astronomie einer der beiden Schnittpunkte des Meridians mit dem Horizont. Im Unterschied zu dem anderen Schnittpunkt, dem Südpunkt, hat er die geringere Poldistanz.

Nordrhodesien: Kolonialbezeichnung des heutigen Sambia.

Nordschule, Zhe-Schule: ebenso wie die Bezeichnung Südschule (Wu-Schule) eine traditionelle Unterteilung der chinesischen Landschaftsmalerei der Song-Zeit (960/1279), die sich nicht auf regionale Unterschiede bezieht. Typisch für sie sind monumentale, reich ausgestaltete Kompositionen in kräftigen blaugrünen Farbtönen mit Weiß und Goldkonturen.

Nordsee: Randmeer des Atlantiks zwischen dem europäischen Festland und den britischen Inseln; im Norden durch europäischen Nordmeer (Skandik), im Südwesten durch Kanal und im Osten durch Kattegat (Verbindung zur Ostsee) begrenzt; von Norwegen, Dänemark, der BRD, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Großbritannien umgeben; 575000 km2; Nord-Süd-Ausdehnung etwa 1000 km, Ost-West-Ausdehnung etwa 800 km; mittlere Tiefe (Schelfmeer) 94 m, geringste Tiefe (fischreiche Doggerbank) 15 m, größte Tiefe Norwegische Rinne bis 809 m; mittlere Wassertemperaturen im Winter + 1,3°C, im Sommer + 17,7°C, im westlichen Teil erfolgt stärkere Erwärmung durch den Golfstrom, südliche Küstengewässer vereisen in strengen Wintern etwa 2 Monate; Salzgehalt bis 35 %; Tidenhub an der britischen Küste bis 6 m, in der Deutschen Bucht bis 3,75 m; Veränderung des Küstenverlaufs bis in jüngste Zeit durch Hebungen und Senkungen des Meeresspiegels; britische Küste im allgemein als Kliffküste, norwegische Küste als Fjordküste ausgebildet, im Süden und Südosten Flachküste mit vorgelagerten Inselketten (West-, Ost- und Nordfries. Inseln) und ausgeprägtem Wattenmeer; zum Schutze der tiefgelegenen Marschen und zur Landgewinnung wasserbautechnische Maßnahmen, besonders in den Niederlanden (Trockenlegung der Zuiderzee, Deltaplan); in der Deutschen Bucht die Felseninsel Helgoland, nordöstlich von Schottland die Orkney- und Shetlandinseln. Buchten, Fjorde und Flussmündungen (Mündungstrichter) begünstigen die Anlage natürlicher Häfen wie Antwerpen, London, Hamburg, künstlich geschaffene Wasserstraßen verbinden Rotterdam mit der Nordsee; bedeutender Fischfang (Hering, Kabeljau, Schellfisch, Scholle, Krabben unter anderem); trotz oft schwerer Stürme, dichten Nebels und gefährlichen Untiefen eines der verkehrsreichsten Meere der Erde; dem schnelleren Zugang zur Ostsee dient der Nord-Ostsee-Kanal, starker Fährverkehr; zahlreiche Seebäder. Von den Anrainerstaaten wurde die Nordsee in Interessensphären aufgeteilt, besonders im britischen und norwegischen Sektor zunehmende Erdöl- (etwa 100 Millionen t im Jahr) und Erdgasforderung mit Rohrleitungen zu den Küsten; küstennahe Gebiete durch Industrieabwässer stark verschmutzt.

Nordseekanal: Kanal zwischen der Nordsee und Amsterdam in den Niederlanden; 24 km lang, bei normalem Wasserstand bis 12,5 m tief; 1865/76 gebaut; für Hochseeschiffe benutzbar; mehrfach untertunnelt.

Nordstaaten: die industriell höher entwickelten Staaten im Norden der USA und die mit ihnen im Bürgerkrieg 1861/65 verbündeten Staaten. Siehe auch Südstaaten.

Nordterritorium, Nordaustralien: Territorium in Nord- und Zentralaustralien; 1346200 km2, 135000 Einwohner; 0,1 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum und einziger Hafen Darwin. Hinter Mangrovenküste einförmiges, weithin abflussloses Tafelland, von Norden nach Süden mit Eukalyptuswäldern, Savanne und Halbwüste bedeckt; im Süden MacDonnell Ranges (1511 m), im Norden mäßig gehobene Hochfläche (Arnhemland); bedeutender Bergbau (Eisen, Bauxit (Arnhemland), Mangan (Insel Groote Eylandt), ferner Gold, Uran, Kupfer, Zink, Erdöl und -gas); extensive Rinderzucht. Nordtirol Tirol.

Nordtiroler Kalkalpen: Teil der Nördlichen Kalkalpen in Österreich, nördlich des Inntales; umfasst Kaiser-, Sonnwend-, Karwendel-, Wetterstein-, Mieminger Gebirge, im weiteren Sinne auch Lechtaler Alpen (bis 3038 m); dünn besiedelt.

Nordwestküstenindianer: Indianerstämme an der nordwestamerikanischen Küste und auf den ihr vorgelagerten Inseln zwischen Südalaska und Oregon; 25000 bis 30000; bildeten bis zum Untergang ihrer Kultur (Folge der Kolonisation Ende 19. Jahrhundert) eine besondere wirtschaftliche-kulturelle Einheit (sesshafte Fischer in festen Siedlungen mit über 100 m langen verzierten Plankenhäusern); hierarchisch gegliederte Gesellschaftsstruktur mit Häuptlings-Priester Schicht, Besitzarmen und Haussklaven; kunstvolle Schnitzereien (siehe auch Totempfahl). Sprachlich gehören die Tlingit und Haida zur Na-Dene-Gruppe, andere Stämme gehören zu den Salish oder sprechen isolierte Sprachen.

Nordwestliche Durchfahrt, Nordwestpassage: Seeweg im Norden Amerikas durch den Kanadisch Arktischen Archipel nach Asien, etwa 5 780 km lang; gesucht seit Anfang des 16. Jahrhundert, erstmalige Durchfahrt 1903/06 durch R. Amundsen mit zweimaliger, 1944 durch H. A. Larsen ohne Überwinterung; für die Schifffahrt ist die Nordwestliche Durchfahrt nur schwer nutzbar.

Nordwestordonnanz: USA-Gesetz vom 13.7.1787; sah vor, im Gebiet zwischen Mississippi und Ohio Einzelstaaten zu bilden und legte Bedingungen für ihre Zulassung zur Union fest; die Sklaverei in diesem Gebiet wurde verboten.

Nordwestterritorien: Verwaltungsbezirk im Norden Kanadas mit den Distrikten Mackenzie, Keewatin und Franklin; 3 379684 km2, 46000 Einwohner (davon 31% Eskimo und 19% Indianer); 0,01 Einwohner/km2; Hauptstadt Yellowknife. Größtenteils mittelhohes Plateau im Bereich des Kanadischen Schildes, im Westen das Franklin-, Mackenzie- und Selwyn Gebirge, im Osten und Nordosten bis 2900 m hohe Hochländer und Gebirge mit Kappen ewigen Eises. Beim arktischen, zum Teil subarktisches Klima in den kurzen Sommern durch Schneeschmelze große Überschwemmungen, auf Dauerfrostboden Tundra (Barren Grounds), südwestlich der Linie Mackenzie-Mündung-Churchill (Hudsonbucht) nördlicher Nadelwald. Zahlreiche große Seen (Großer Bären-, Großer Sklavensee), die wie die Flüsse lange Zeit im Jahr eisbedeckt sind. Hauptwirtschaftszweig ist der Bergbau (Abbau von Zink-, Blei-, Gold-, Silber-, Wolfram-, Kupfer- und Cadmiumerz); bedeutende Erdöl- und Erdgasvorkommen. Gewinnung von Hydroenergie; Erdölverarbeitung; Forstwirtschaft; Pelztierjagd (Polarfuchs); Robben-, Fisch- und Walfang; Landwirtschaft stellenweise möglich, aber nicht einträglich; Tourismus. Das Gebiet wird hauptsächlich durch den Luftverkehr versorgt, zum Beispiel Einfuhr aller Lebensmittel.

Norfolk: 1. Norfolkinsel: zu Australien gehörende Insel zwischen Australien und Neuseeland in der Fidschisee (Stiller Ozean), in Melanesien; 36 km2, 1800 Einwohner; 50 Einwohner/km2; Hauptort Kingston; Vulkaninsel, bis 316 m hoch; Anbau von Gemüse, Zitrusfrüchten, Bananen; Fischfang; Fremdenverkehr.

2. Grafschaft im Osten Englands (Großbritannien); 5355 km2, 690000 Einwohner; 129 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Norwich\ landwirtschaftlich intensiv genutztes Tiefland; Anbau von Gerste, Weizen, Zuckerrüben; Blumen- und Blumenzwiebelzucht; Fischerei; Landmaschinenbau und Textilindustrie; vor der Küste Erdgasfelder in der Nordsee.

3. Stadt im Bundesstaat Virginia (USA), am Südufer der Mündung des James River in den Atlantischen Ozean; 270000 Einwohner (davon 28% Afroamerikaner), mit der Zwillingsstadt Portsmouth 370000 Einwohner; Schiffbau, Leichtindustrie; bedeutender Hafen, Hauptquartier der USA-Atlantikflotte; Universität, Colleges, botanischer Garten.

Norm: 1. allgemein Regel, Richtschnur, Maßstab, Vorschrift, Einheitsmuster, Musterbeispiel, Vorbild. Siehe auch Arbeitsnorm.

2. Analysis: Verallgemeinerung des Begriffs absoluter Betrag bei reellen Zahlen auf Objekte wie Funktionen, Vektoren, Matrizen, die einen linearen Raum bilden. Die Norm eines Elementes x eines linearen Raumes, in Zeichen ||x||, hat die Eigenschaften

3. Recht: Rechtsvorschrift, einzelner Rechtssatz.

4. Sport: Limit.

Norma: das Sternbild Winkelmaß.

Normal: regelrecht, regelmäßig; allgemein üblich; der Norm entsprechend; naturgemäß, geistig gesund.

Normal: Messmittel zur Darstellung einer Maßeinheit und beziehungsweise oder Vielfacher oder Teile dieser Einheit zum Zwecke ihrer Bewahrung und Übertragung auf andere Messmittel (zum Beispiel Normal Wagestück, -element). Anstelle des Normals kann auch ein Normalverfahren dienen.

Normalbedingungen, Normbedingungen: Bezugstemperatur und -druck von 0 °C beziehungsweise 101325 Pa zur (vergleichbaren) Angabe von Volumina, besonders von Gasen.

Normale: Gerade, die im betreffenden Berührungspunkt senkrecht steht zur Tangente an eine Kurve beziehungsweise zur Tangentialebene an eine Fläche.

Normalelement: galvanisches Element, das eine vollkommen reproduzierbare, möglichst wenig temperaturabhängige Urspannung liefert und als Eichmaß bei Spannungsmessungen dient. Heute benutzt man als Normalelement hauptsächlich das Westonelement, bestehend aus Cadmiumamalgam (Minuspol) und Quecksilber (mit einer Schicht aus Quecksilber(I)-sulfat; Pluspol) in einer gesättigten Cadmiumsulfat Lösung; die Urspannung beträgt bei 20 °C 1,01830 V.

Normalform: Logik, Mathematik zu einem Ausdruck oder Term äquivalenter Ausdruck oder Term, der sich durch eine leicht überschaubare Gestalt auszeichnet.

Normalgleichung: in der Ausgleichsrechnung auftretende Gleichung zur Bestimmung der Parameter.

Normalhöhe: Höhe eines Punktes der Erdoberfläche über dem Pegel von Kronstadt bei Leningrad, dem dortigen mittleren Wasserstand der Ostsee. Seit 1952 bilden die Normalhöhen die Grundlage des Höhennetzes der DDR, sie werden auch Höhen über Höhennull (Abkürzung HN) genannt. Seit 1879 war der Amsterdamer Pegel Bezugspunkt für amtliche deutsche Höhenangaben (Höhen über Normalnull (Abkürzung NN))/ HN-Werte liegen zwischen 145 mm und 185 mm unter den NN-Werten.

Normalität: Konzentrationsmaß, das angibt, wie viel Grammäquivalente eines Stoffes bei 20 °C in 11 Lösung enthalten sind. Zur Kennzeichnung der Normalität dient das Zeichen N (früher -n). Zur Herstellung einer 1N Lösung (sprich: eins-normale Lösung) wiegt man die entsprechende Grammenge (molare Masse, dividiert durch die Wertigkeit; siehe auch Val 1) ab und füllt diese bei 20 °C mit dem Lösungsmittel auf 11 auf. Lösungen, deren Konzentration durch die Normalität angegeben wird, heißen Normallösungen und werden bei der Maßanalyse zum Titrieren verwendet.

Normaluhr: Uhr, die die für ein Land maßgebende Normalzeit (zum Beispiel UT) anzeigt. Unterschieden werden

a) Normaluhr, deren Zeitmessergebnis als Zeitnormal für andere Uhren dient;

b) Hauptuhr - elektrische Uhrenanlagen, die Nebenuhren steuert;

c) Normaluhr auf öffentlichen Straßen und Plätzen.

Normalwald: modellartig idealisierte Waldstruktur auf Grund der Normal-Forderung, dass alle Altersjahrgänge gleichmäßig an der gesamten Waldfläche beteiligt sind.

Norman, Jessye, geboren 15.9.1945, US-amerikanische Sängerin (Sopran); nach Konzertreisen durch Europa 1969 wurde sie Mitglied der Deutschen Oper Berlin (West); ist auch als Liedgestalterin sehr erfolgreich.

Normandie: historisches Gebiet im Nordwesten Frankreichs, beiderseits der unteren Seine, mit der in den Kanal vorspringenden Halbinsel Cotentin; als heutige Wirtschaftsregionen Basse-Normandie und Hautet. zusammen 29906 km2, 3 Millionen Einwohner; 100 Einwohner/km2; wichtigster Ort Le Havre; Tief- und Hügelland (bis 417 m), zum Teil waldreich, Hecken; mildes feuchtes Klima; wirtschaftliches Zentren an der unteren Seine; Eisenerzbergbau, Granitbrüche; Erdölverarbeitung; Eisenmetallurgie, Schiff- und Maschinenbau; chemische und Textilindustrie; Gemüse-, Obstbau, Apfelweinkelterei; Pferde- und Rinderzucht, Milchwirtschaft; Fischerei; Häfen: Le Havre, Rouen, Cherbourg, Dieppe; Badeorte. Im 9. Jahrhundert von den Normannen erobert, seit 911 Herzogtum, seit 1066 wiederholt mit England verbunden, 1204 vom französischen König erobert. Im 2. Weltkrieg mit der Landung alliierter Truppen in der Normandie am 6.6.1944 Eröffnung der zweiten Front.

Normannen, Wikinger: nordgermanische Stämme (Norweger, Schweden und Dänen), die vor allem Fischerei und Schifffahrt betrieben. Im 8. Jahrhundert begannen die Piratenzüge und die Auswanderung der Normannen (letzte Welle der germanischen Völkerwanderung) nach den Küsten West- und Osteuropas, nach Island, Grönland und Nordamerika (um 1000); schwedische Normannen (Waräger) setzten sich zum Teil in russischen Gebieten fest. Die von zahlenmäßig wenigen Angehörigen des Adels mit ihren Gefolgschaften unternommenen Eroberungen (8. Jahrhundert Shetlandinseln und Hebriden, 9. Jahrhundert Irland, Island, Normandie, Nowgorod und Kiew, 11. Jahrhundert England, Süditalien) hatten nur vorübergehend Erfolg. Außer in Island wurden die Normannen assimiliert (zum Beispiel in der Normandie).

normannische Kunst: 1. mittelalterliche Kunst in der Normandie; bedeutend ist der Kirchenbau der 2.Hälfte des 11. Jahrhundert, der burgundisch-kluniazensische Anregungen (Cluny) verarbeitet und Elemente der Gotik (Dienste, Rippengewölbe, Streben) vorbereitet (Caen: Ste-Trinit6, 1059/66; St-Etienne, 1064/77); ein einzigartiges Werk ist der Bildteppich von Bayeux, der die Eroberung Englands durch Herzog Wilhelm 1066 schildert.

2. anglonormannischen Kunst: in England nach der Eroberung 1066; überträgt nordfranzösische Anregungen auf angelsächsische Grundlagen (Kathedralen in Durham, Ely, Peterborough).

3. Kunst: in Unteritalien und auf Sizilien unter normannischen Herrschaft im 12./13. Jahrhundert; verschmilzt französische, byzantinische und arabische Elemente (Königspalast in Palermo, Dome in Cefalü und Monreale); reiche Mosaiken und ausdrucksstarke Plastik an Portalen, Kanzeln unter anderem

Normativ: von staatlichen und wirtschaftsleitenden Organen verbindlich festgelegte Kenngröße für den Einsatz und die rationelle Nutzung volkswirtschaftliche Ressourcen zum sparsamen Umgang mit vergegenständlichter und lebendiger Arbeit sowie zum Schutz der Werktätigen vor Gefährdungen im Arbeitsprozess; unerlässliche Grundlage der Leitung und Planung auf allen Ebenen und in allen Bereichen.

Normativakt: konkrete Erscheinungsform des sozialistischen Rechts, mit der Rechtsnormen gesetzt, geändert oder aufgehoben werden. Hauptformen des Normativakts sind Verfassung, Gesetz, Verordnung, Anordnung, Durchführungsbestimmung und Beschluss. Normativakt der örtlichen Volksvertretungen werden in der Regel als Ordnungen bezeichnet.

Normativbestimmungen: zwingende rechtliche Bestimmungen, die in den Statuten bestimmter juristischer Personen enthalten sein müssen und deren Erfüllung Voraussetzung für die Eintragung in ein Register und für die Erteilung der Rechtsfähigkeit ist.

normierter Raum: Menge mathematischer Objekte, die einen linearen Raum bilden und für die eine Norm definiert ist.

Normzeit: erforderlicher Zeitaufwand für einen Arbeitsauftrag, wie er bei der Arbeitsnormung und auf der Basis durchschnittlicher Leistungsfähigkeit und durchschnittlichen Einsatzgrades der Arbeitskraft zur Durchführung des optimalen Arbeitsverfahrens festgelegt wird.

Nornen: (altnordisch) in der nordischen Mythologie die 2 Schicksalsgöttinnen Urd, Werdandi und Skuld («Vergangenheit», «Gegenwart», «Zukunft»).

Norris, Frank, eigentlich Benjamin Franklin, 5.3.1870-25.10.1902, US-amerikanischer Schriftsteller; schilderte naturalistisch die Zerstörer. Wirkung des Geldes in dem Roman «Gier nach Gold» (1899, deutsch), sozialkritisch den Existenzkampf der kalifornischen Weizenfarmer gegen die Eisenbahntrusts im 1.Teil einer unvollendeten Trilogie («Der Octopus», 1901, deutsch).

Norrköping: Stadt im Südosten Schwedens, an der Mündung des Motala Ström in die Ostsee; 120000 Einwohner; Metallverarbeitung, elektronische, Textil-, chemische, Papier-, Plast- und Lebensmittelindustrie; Hafen.

Norrland: den gesamten Norden Schwedens einnehmende Landschaft, nördlich der Landschaft Dalama; etwa 245000 km2, 1,2 Millionen Einwohner; von der Ostsee zum Skandinavischen Gebirge stufenförmig ansteigend; sehr waldreich; Holzwirtschaft und Erzbergbau (Eisen, Buntmetalle), an der Küste Holz-, Zelluloseindustrie und Maschinenbau; Wasserkraftwerke.

Northers: kalte, im Norden oft mit Schneestürmen (Blizzard) verbundene, im Süden aber relativ trockene Winde in Nordamerika, die bis zum Golf von Mexiko und nach Mittelamerika vorstoßen können und schwere Frostschäden anrichten.

Northumberland: Grafschaft im Norden Englands (Großbritannien), zwischen Penninen und Nordsee; 5033 km2, 300000 Einwohner; 60 Einwohner/km2; im Westen gebirgig und hügelig, im Osten und Süden Tiefebene; Wälder, Moore; Steinkohlenbergbau; Industrieballung an der Nordseeküste; Nationalpark; Reste römischer Bauten (Hadrianswall).

Nortje, Arthur, 1942-Dezember 1970, südafrikanischer Schriftsteller, herausragender Lyriker; psychologisch vertiefte Gestaltung individuellen Schicksals unter der Apartheid und im Exil (Gedichte zusammen mit O. Mtshali in «Dichter für’s Volk», 1974, deutsch).

Nortongetriebe: (nach einem britischen Erfinder) ein an herkömmliche Drehmaschinen übliche Vorschubgetriebe mit Schwenkrad (Schwenkradgetriebe); dient zur Veränderung des Drehzahlverhältnisses zwischen Haupt- und Leitspindel.

Norwegen, Königreich Norwegen, norwegische Kurzform Norge: Staat im Norden Europas, an der Westseite der Halbinsel Skandinavien; grenzt im Westen an den Atlantik, im Nordosten an die Sowjetunion und Finnland, im Osten an Schweden; in 19 Provinzen (Fylker) gegliedert; zu Norwegen gehören außerdem in der Arktis die Inselgruppe Svalbard und die Insel Jan Mayen, in der Antarktis die Bouvet- und die Peter-I.-Insel. Währung ist die norwegische Krone.

Bevölkerung: Sie setzt sich zu 98 % aus Norwegern zusammen; Minderheiten sind etwa 20000 Lappen (Samen) und etwa 7000 Kwanen (finnischsprachige Norweger). Der Norden (Finnmark) ist sehr dünn besiedelt, der Südosten dagegen mit den Provinzen Oslo und Akershus (ein Fünftel der Bevölkerung des Landes) verhältnismäßig dicht. Die Hälfte der Einwohner lebt in städtlichen Siedlungen. Die Konzentration in größeren Dörfern und Städten schreitet fort, da viele Kleinstsiedlungen wegen mangelnder Erwerbsmöglichkeiten verlassen werden. Amtssprache ist Norwegisch.

Natur: Oberfläche. Norwegen umfasst große Teile des kaledonisch gefalteten und gehobenen Skandinavischen Gebirges. Es besteht aus alten Sedimentgesteinen, die von Ergussgesteinen (Granite, Gneise) durchsetzt sind. Die heutigen Großformen entstanden während und nach dem Tertiär, die Mittel- und Kleinformen unter anderem durch die Abtragungsprozesse der Eiszeit. Das Kerngebiet Norwegens weist öde Hochflächen (Fjelle, Vidda) mit Durchschnittshöhen um 1000 m über dem Meeresspiegel und einer Ausdehnung bis zu 12000 km2 (Hardangervidda) auf, die durch tiefe Täler getrennt und zum Teil vergletschert sind (größter Gletscher ist der Jostedalsbreen, 486 km2). Der Gebirgsstock Jotunheimen mit den höchsten Bergen Norwegens, Glittertind (2 472 m) und Galdhopiggen (2469 m), hat alpinen Charakter. Das Skandinavische Gebirge fällt zum Meer steil ab, die Küste ist durch Fjorde sowie Schären geprägt und bietet knappen Siedlungsraum. Wichtigste der Küste vorgelagerte Inselgruppe sind die Lofoten. Das Klima der Küstenregion ist maritim und weist durch den Einfluss des Golfstroms viel höhere Wintertemperaturen (zwischen 0 und -3 °C) auf, als sie für diese Breitenlage typisch sind. Die Sommertemperaturen liegen zwischen 13 und 17 °C. Im Innern sind bei gemäßigt kontinentalem Klima die Winter kälter und die Sommer wärmer. An der Küste fallen bis zu 4000 mm Niederschlag im Jahr, im Innern zwischen 300 und 600 mm. Die Gebiete nördlich des Polarkreises liegen im Sommer im Bereich der Mitternachtssonne. Gewässer. Die Flüsse sind meist kurz und haben starkes Gefälle (Wasserfälle). Längster Fluss ist der Glomma mit 598 km; größter See ist der Mjösasee mit 368km2 Pflanzen- und Tierwelt. Die natürliche Vegetation ist der Wald (auf 25% der Landesfläche; zu 90% Nadel-, nur im Süden Laub- und Mischwald); im Norden und im Hochgebirge Tundra. An Tieren sind Rotwild, Elch, Ren, Luchs, Lemming, Hase, Schneehuhn und vereinzelt auch der Bär anzutreffen.

Geschichte: In der Frühgeschichte besiedelten germanische Stämme das Land. Durch Harald I. Härfagre erfolgte um 872 die erste Vereinigung der Kleinkönigreiche. Bis ins 11. Jahrhundert unternahmen die Normannen ausgedehnte Raub- und Handelszüge, die sie bis nach Island, Grönland, an die nordamerikanische Küste, nach Westfrankreich und bis ins Mittelmeer führten. Um 1000 wurde das Christentum durch Olav I. Tryggvason eingeführt. Unter Hakon V. Hakonsson (1217/63) erfolgte die innenpolitische Festigung und es begann die Feudalisierung; Grönland und Island wurden angegliedert (1261/64). Im 13./14. Jahrhundert erlebte Norwegen eine kulturelle Blüte (höfliche Dichtung, Geschichtsschreibung, Sagas). 1319/43 war Norwegen in Personalunion mit Schweden verbunden, seit 1380 mit Dänemark und ab 1397 in die Kalmarer Union einbezogen. Die Aufhebung der norwegischen Selbstverwaltung (1537) und die Einführung der Reformation stärkten die dänische Stellung im Lande. Das Dänische wurde Amts- und Literatursprache. In den schwedisch-dänischen Kämpfen um die Vorherrschaft im Ostseeraum vom 16. bis 18. Jahrhundert war Norwegen häufig Kriegsschauplatz und musste Gebietsverluste hinnehmen. Mit dem Niedergang der Hanse gewann die dänisch-norwegische Kaufmannschaft und Schifffahrt an Bedeutung. Die Bauern waren im Gegensatz zu den dänischen persönlich frei, litten aber unter den Steuerlasten. Durch Aufstände suchten sie ihre Lage zu verbessern. Als Folge der napoleonischen Kriege musste Dänemark im Frieden von Kiel 1814 Norwegen an Schweden abtreten (ohne Island, die Färöer und Grönland). Norwegen blieb jedoch selbständig (Eidsvoll Verfassung) und nur durch Personalunion mit Schweden verbunden. Es entwickelte sich eine nationale und liberale Bewegung. Auswirkungen des sich durchsetzenden Kapitalismus waren unter anderem die Einführung der Gewerbefreiheit (1839 und 1843), der Bau der ersten Eisenbahnlinie und die Erweiterung der Flotte. Mit der fortschreitenden Industrialisierung entstand eine Arbeiterklasse (Bildung von Arbeitervereinen); unter der Bauernschaft begann eine stärkere Differenzierung. Die Proletarisierung von Teilen der Bauernschaft und das Vorgehen gegen die Arbeiterbewegung führten zu einer verstärkten Auswanderung nach Nordamerika. 1887 wurde die Norwegische Arbeiterpartei gegründet, nachdem sich 1884 die liberale Venstre und die konservative Hoyre als Parteien konstituiert hatten. 1905 löste Norwegen die Union mit Schweden und erlangte die volle Souveränität. Die Arbeiterbewegung erstarkte und gewann wachsenden Einfluss. 1923 gründete der linke Flügel der Arbeiterpartei die kommunistische Partei. 1920 erhielt Norwegen vom Völkerbund die Souveränität über das an Kohlevorkommen reiche Svalbard zugesprochen (Spitzbergenvertrag). Der Konflikt 1931/32 mit Dänemark wegen der Besetzung der Ostküste Grönlands wurde 1933 zugunsten Dänemarks entschieden. Am 9.4.1940 überfielen und besetzten faschistische deutsche Truppen Norwegen Am 25.9.1940 wurde ein faschistisches Besatzungsregime errichtet (Verbot aller Parteien außer der faschistischen Nasjonal Sämling), am 1.2.1942 wurde V. Quisling Ministerpräsident einer Marionettenregierung. Der König und die verfassungsmäßige Regierung setzten seit 1940 von London aus den Widerstand fort. Unter Führung der Arbeiterparteien entstand eine breite Widerstandsbewegung gegen die Okkupanten. Am 8.5.1945 kapitulierten die faschistischen Truppen, nachdem bereits im Oktober 1944 das nördliche Norwegen durch die Rote Armee befreit worden war. 1949 trat Norwegen der NATO bei, lehnte aber die Stationierung ausländischer Streitkräfte und von Kernwaffen auf seinem Gebiet ab. Seit 1960 ist Norwegen Mitglied der EFTA, ein Anschluss an die EWG scheiterte 1972 an einer Volksabstimmung. 1945/81 (mit Unterbrechungen 1965/71 und 1973) regierte die Norwegische Arbeiterpartei (norwegische Abkürzung DNA), 1981/86 die konservative Hoyre, die ab 1983 mit der Christi. Volkspartei und Zentrumspartei eine Koalitionsregierung bildete; nach deren vorzeitigem Rücktritt beauftragte König Olav V. die Vorsitzende der DNA, Gro Harlem Brundtland, mit der Regierungsbildung. Norwegen lehnt eine Beteiligung an der von den USA betriebenen Weltraummilitarisierung ab.

Kunst: Bis ins 11. Jahrhundert stand die norwegische Kunst unter dem Einfluss der germanischen Kunst. Die Übernahme des Christentums brachte den Anschluss an die allgemeine europäische Entwicklung. In der Architektur trägt die seit Mitte 12. Jahrhundert stärker hervortretende Steinbauweise besonders kirchliche Bauten (Dom zu Stavanger, 12. /13. Jahrhundert, und Dom zu Trondheim, 1152/14. Jahrhundert) anglonormannische Züge. Wichtigster Profanbau dieser Zeit ist die Hakonshalle in Bergen (1261 vollendet). Außerhalb der großen Städte dominiert weiter die Holzbauweise (Bauernhäuser im Blockbau; Kirchen als Mast- oder Stabbau: Kirchen von Umes, um 1060/12. Jahrhundert, und Borgund, um 1150) oft mit reicher Schnitzerei in bäuerlichen Motiven. Durch Verlust der Eigenstaatlichkeit im 14./19. Jahrhundert fehlte es in dieser Zeit an bedeutenden Bauaufgaben. Zahlreiche norwegische Künstler arbeiteten im Ausland, während in Norwegen selbst Ausländer die wenigen künstlerischen Aufgaben lösten. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert entwickelte sich die Architektur bis zur Gegenwart im Zusammenhang mit den anderen nordischen Ländern, sachlich und zweckbestimmt. Plastik. Die mittelalterliche Steinplastik entwickelte sich besonders in der Trondheimer Hütte. Bedeutend war auch die romanische und gotische Holzbildnerei. Außerdem ist der Import von geschnitzten und gemalten Flügelaltären aus Norddeutschland (zum Beispiel Lübeck) und den Niederlanden bestimmend. Im Ringen um nationale Selbständigkeit fand das nationale bildnerische Schaffen vor allem in der Volkskunst seinen Niederschlag. Die neuere Plastik seit dem späten 19. Jahrhundert wird durch I. Middelthum, S. Sinding und G. Vigeland vertreten. Malerei. Die eigentlichen Leistungen der norwegischen Kunst liegen auf dem Gebiet der Malerei. Abgesehen von mittelalterlichen sakralen Monumentalmalereien und einer hochentwickelten Buchmalerei der Schulen von Bergen, Oslo und Trondheim setzt die Entwicklung auch hier erst im 19. Jahrhundert mit der wachsenden nationalen Unabhängigkeitsbewegung ein. Im Zusammenhang damit steht die Entdeckung der norwegischen Landschaft. Begründer einer nationalen Malerei ist J. C. C. Dahl, der die heimatliche Landschaft darstellte und der romantischen Auffassung C. D. Friedrichs stark verwandt war. Wie er studierten und arbeiteten bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhundert die meisten Maler im Ausland (Dresden, Düsseldorf, München, Paris) und erhielten dort entscheidende Anregungen. Der verstärkt einsetzende Kampf um nationale Unabhängigkeit in den 80er Jahren des 19. Jahrhundert bewog viele Künstler zur Rückkehr nach Norwegen Mit E. Munch, dem Wegbereiter des Expressionismus, erhielt die norwegische Malerei europäischen Bedeutung. Die Malerei der Gegenwart kennt sowohl die realistische (R. Aulie, K. Fjell, E. Johnson unter anderem) als auch die zum Abstraktionismus tendierenden Strömungen (A. Ekeland). Die Volkskunst leistete Hervorragendes in der Holzbearbeitung, auch in der Bildweberei, Teppichwirkerei und in der Stickerei.

Literatur: Zu den ältesten überlieferten Zeugnissen der norwegischen Literatur gehören Runeninschriften. Auf dem Eggja Stein (etwa 7. Jahrhundert) in West-Norwegen ist die längste Inschrift der älteren Runenreihe bewahrt. Die von Isländern aufgezeichnete Skaldendichtung (13. und 14. Jahrhundert) hat ihren Ursprung in Norwegen, wo sie zwischen 850 und 1150 eine Blütezeit erlebte. Wichtigste Prosawerke der mittelalterlichen Dichtung sind der «Königsspiegel» (um 1250, deutsch), ein anonymes höfliches Lehrbuch, und «Das Traumgedicht» (um 1300, deutsch), eine sozial-utopische Visionsdichtung. Seit der Personalunion zwischen Dänemark und Norwegen (1380) wurde die norwegische Sprache zugunsten der dänischen zurückgedrängt. Norwegisch lebte jedoch in der mündlich überlieferten Volksdichtung weiter. P. Dass schrieb um 1700 lebensvolle Versdichtung über Nord-Norwegen. Mit L. Holberg entstand eine bürgerliche Nationalliteratur auf der Grundlage der dänischen Schriftsprache. Nationale Tendenzen verstärkten sich gegen Ende des 18. Jahrhundert bei C. B. Tullin und J. Brun. 1772 wurde in Kopenhagen die «Norwegische Gesellschaft» gebildet, in der der Satiriker J. H. Wessel führend war. Nach der Befreiung Norwegens vom dänischen Feudalabsolutismus und der Einführung einer bürgerlichen Verfassung (1814) gruppierten sich progressive Dichter um H. Wergeland, den Hauptvertreter der romantischen aufklärerischen Literatur. Um die Mitte des 19. Jahrhundert sammelten P. C. Asbjornsen und J. Moe Volksmärchen und -sagen, M. B. Landstad Volkslieder. L. Aasen wirkte mit sprachwissenschaftlichen Arbeiten für die neunorwegische Schriftsprache, das Nynorsk. Realistische Züge zeigten sich im Werk von C. Collett. Der Weltruhm der norwegischen Literatur gründet sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert auf das Schaffen der «Vier Großen» (H. Ibsen, B. Björnson, A. Kielland und J. Lie). In kritisch-realistischen Dramen und Romanen leiteten sie eine schonungslose Kritik am Kapitalismus ein. Mit dem Werk von P. Sivle rückte um 1890 die Arbeiterklasse ins Blickfeld progressiver Autoren. Die soziale Anklage dominierte im gleichen Zeitraum bei naturalistischen Autoren wie A. Garborg und A. Skram. Vertreter der Neuromantik waren um die Jahrhundertwende S. Obstfelder und T. Krag. Antidemokratische Züge traten bei K. Hamsun auf, der später dem Faschismus verfiel. Bedeutende Erzähler des 20. Jahrhundert sind S. Undset, 0. Duun, J. Falkberget und K. Uppdal. Sie bevorzugten historische oder soziale Themen und gestalteten zum Teil eindrucksvoll das Leben der Arbeiterklasse. Die proletarisch-revolutionäre Literatur begann in der Lyrik (R. Torgeirson, T. Auerdahl) und fand ihren ersten Höhepunkt im Schaffen von R. Nilsen. Norwegen Grieg entwickelte sich in den 30er Jahren zum Vertreter des sozialistischen Realismus. Nach 1945 wurde die Auseinandersetzung mit Krieg, Faschismus und Okkupation bedeutsames Thema, unter anderem für 0. Bolstad, T. Nedreaas, J. Bjorneboe, S. Hoel und S. Holmebakk. Die bürgerlich-humanistischen Literatur setzen T. Vesaas und J.Borgen fort. In der Gegenwartsliteratur werden Widersprüche des Kapitalismus kritisch reflektiert unter anderem von E. Hoem und K. Flogstad.

Musik: Infolge der jahrhundertelangen staatlichen Union mit Dänemark gab es keine Entwicklungsbedingungen für eine eigene feudal-aristokrat Musik. Auch liturgische Musik ist kaum aufgezeichnet. Träger der Musikkultur waren bis ins 17. Jahrhundert fast ausschließlich freie Bauern. Die von ihnen gepflegte Volksmusik ist reich entwickelt und gut überliefert (Wiegen- und Scherzlieder, Heldengesänge, Tanzweisen, die auf der Hardangerfiedel musiziert wurden). Die städtliche Musikentwicklung lag im 17./18. Jahrhundert in den Händen von Ausländern. Eine eigenständige nationale Kunstmusik entwickelte sich seit dem Beginn des 19. Jahrhundert; sie entstand in steter Auseinandersetzung mit der Volksmusik. Die bedeutendsten Komponisten mit internationaler Wirkung sind E. Grieg, J. S. Svendsen, C. Sinding; ihren Rang hat im 20. Jahrhundert noch kein norwegischer Komponist wieder erreicht. Grieg gründete 1871 die Musikgesellschaft Musikforeningen, die noch heute als Filharmonisk Selskap besteht und ein ausgezeichnetes Orchester besitzt. Nach einem kurzzeitigen Versuch 1918/21 gibt es erst seit 1958 eine selbständige norwegische Opernbühne in Oslo. In Oslo und Bergen finden jetzt jährlich internationale Festspiele statt; hier gibt es auch Musikhochschulen. In Trondheim befindet sich ein bemerkenswertes Musikinstrumentenmuseum.

norwegische Sprachen: die in Norwegen seit 1885 gesetzlich gleichberechtigten Sprachen,

a) Bokmal («Buchsprache»; auch Riksmal, «Reichssprache»), ein der norwegischen Artikulation angeglichenes und mit norwegischen Wörtern aufgefülltes Dänisch (letzteres seit Ende des 14. Jahrhundert offizielle Sprache (Kalmarer Union)), von 80 % der Norweger verwendet;

b) Nynorsk («Neunorwegisch»; auch Landsmal, «Landessprache»), eine von Ivo Aasen (1813-1896) um 1850 auf der Grundlage westneunorwegische Mundarten und des Altnorwegischen entwickelte Schriftsprache. Siehe auch nordische Sprachen.

Norwich: Stadt im Osten Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Norfolk, am Wensum; 120000 Einwohner; Maschinenbau, Nahrungsmittel- (Schokolade) und Schuhindustrie; Universität, Kunstschule; Museen, Theater; Kathedrale (11. Jahrhundert), Kastell (12. Jahrhundert), St. Andrews Hall (15. Jahrhundert), Schloss (17. Jahrhundert).

Norwid, Cyprian Kamil, 24.9.1821-23.5.1883, polnischer Dichter, Maler und Bildhauer. Norwids vielschichtige Gedankenlyrik, Dramatik und philosophische Prosa blieb zu seinen Lebzeiten unverstanden, so der platonische Dialog «Promethidion» (1850), das Poem «Quidam» (1855/57) unter anderem Erst im Zeitalter des «Jungen Polen» wurde sein Werk neu entdeckt. Norwid widmete großen Zeitgenossen (G. Byron, A. Mickiewicz, J. Slowacki, J. Bern) begeisternde Verse; er nahm in Essays zu philosophische und ästhetische Problemen Stellung.

Noske, Gustav, 9.7.1868-30.11.1946, Politiker; rechter Sozialdemokrat; 1886 Mitglied der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands; wurde seit 1907 zum Exponenten der Sozialdemokratischen Befürworter des imperialistischen Aggressionskurses, stand 1918/19 als Mitglied des Rates der Volksbeauftragten und 1919/20 als Reichswehrminister an der Spitze der bewaffneten Konterrevolution; am 22.3.1920 zum Rücktritt gezwungen.

Nosologie: (griechisch) Lehre von den Krankheiten; siehe auch Pathologie.

Nossow, Jewgeni Iwanowitsch, geboren 14.1.1925, russisch-sowjetischer Schriftsteller; neben dem vielfältig reflektierten Kriegserlebnis stehen ethisch-moralische Fragen der Gegenwart im Vordergrund seiner Werke, die ihn als einen originellen Erzähler ausweisen (dt. Prosasammlungen «Der rote Wein des Sieges», 1974; «Der weiße Ganten», 1981).

Nostalgie: (griechisch, «Heimweh») sehnsuchtsvolle Hinwendung zur Vergangenheit; meist reaktionäre und manipulierte Verklärung vergangener gesellschaftlicher Verhältnisse, Personen unter anderem

Nostradamus, eigentlich Michel de Notre-Dame, 14.12.1503-2.7.1566, französischer Astrologe; Leibarzt Karls IX.; berühmt durch gereimte Prophezeiungen.

nostratische Sprachen: Gruppe von Sprachfamilien der Alten Welt, die als entfernt verwandte angesehen werden: Indoeuropäisch, Hamito-Semitisch, Khartwelisch, Uralisch, Altaisch und Drawidisch; ihre Zusammensetzung ist jedoch noch in einer Reihe von Punkten umstritten.

Nota: Anmerkung, kurze Aufzeichnung; Rechnung.

Notabeln: «vornehme Herren» aus Klerus, Adel und teilweise Drittem Stand (Noblesse de robe) in Frankreich, die seit dem 15. Jahrhundert vom König anstelle der gewählten Generalstände gelegentlich zu Notabeln Versammlungen berufen wurden. Bei ihrem letzten Zusammentreten 1787/88 (nur Adel und Klerus) am Vorabend der Französischen Revolution lehnten sie eine geringfügige Besteuerung der Privilegierten ab (Revolte der Privilegierten).

notabene, (lateinisch, «merke wohl!») Abkürzung NB: beachte!; übrigens.

Notar: Jurist, meist im staatlichen Dienst, der Angelegenheiten der nichtstreitigen Rechtspflege wahrnimmt, zum Beispiel Verträge beurkundet, die Echtheit von Schriftstücken beglaubigt, Testaments- und Erbschaftsangelegenheiten regelt.

Notarium: durch Verschmelzung der Brustwirbel entstandener einheitlicher Knochen der Wirbelsäule vieler Vögel als funktionelle Anpassung an den Flug.

Notation: 1. das historisch verändert. System schriftlicher Musikaufzeichnung (zum Beispiel Choral-Notation, Mensuralnotation, Tabulatur), das eine annähernd exakte Speicherung, Übermittlung und Tradierung musikalischer Ideen ermöglicht und in Verbindung mit Kenntnissen über die jeweilige Aufführungspraxis der Realisierung eines Musikwerkes dient. Siehe auch Neumen, Noten.

2. Schach.

Notbeleuchtung: Beleuchtung, die bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung in Funktion tritt. Man unterscheidet

a) Sicherheitsbeleuchtung für die Evakuierung von Räumen und Gebäuden;

b) Behelfsbeleuchtung für die Weiterführung wichtiger Arbeiten und Prozesse, die nicht unterbrochen werden dürfen (zum Beispiel in Operationssälen).

Note: 1. allgemein Kennzeichen; Anmerkung; Urteil, Zensur im Zeugnis; (persönliche) Eigenart

2. Geldwesen: soviel wie Banknote.

3. Musik: Noten.

4. Sport: erreichte Punktzahl (zum Beispiel im Skispringen) oder Teilbewertung (zum Beispiel im Eiskunstlauf A-Note und B-Note).

5. Völkerrecht: förmliche schriftliche Mitteilung eines Völkerrechtssubjektes an ein anderes (diplomatischer Schriftwechsel). Man unterscheidet die persönliche Note (mit Anrede und Unterzeichnung), die Verbal-Note (gebräuchliche Form, unpersönlich abgefasst), die Zirkularnote (mit gleichem Inhalt an mehrere Adressaten) und die Mantelnote (fasst mehrere beigefügte Schriftstücke inhaltlich zusammen). Der Austausch von Note wird als Notenwechsel. bezeichnet.

Notelett: (französisch) kleines Briefblatt für kurze Mitteilungen.

Noten: Schriftzeichen für die Töne. Noten-Zeichen und Notenschrift (Notation, Notierung) entstanden aus dem wachsenden gesellschaftlichen Bedürfnis, Musikstücke als geschlossene Werke möglichst getreu im Schriftbild abzubilden, weiterzugeben und die künstlerischen Absichten des Komponisten immer genauer zu verwirklichen. Schon die orientalischen Hochkulturen haben komplizierte Aufzeichnungssysteme entwickelt. Da Dichtung und Musik noch eine musische Einheit bildeten, lag die Verwendung der Buchstabenschrift nahe. Ihrer bediente sich auch die griechische Antike, wobei sich Vokal- und Instrumentalaufzeichnung voneinander unterschieden. Die europäische Notenschrift entwickelte sich weiter über die Neumen zur gregorianischen Choralnotation, aus der im 13. Jahrhundert schließlich die Mensuralnotation (Mensuralmusik) entstand. Das Liniensystem schwankte zwischen 4 und 6 Linien, bis sich um 1600 das Fünfliniensystem in der Praxis durchsetzte.

Unterschieden werden heute ganze, halbe, Viertel-, Achtel und so weiter. Noten und gleichwertige Pausen(zeichen); sie stehen auf oder zwischen den 5 Notenlinien, an deren Anfang der Notenschlüssel steht. Zur Notenschrift gehören ferner Taktstriche, Takt-, Versetzungszeichen, Verzierungen unter anderem

Notenbank: staatlich oder staatlich beaufsichtigte Bank mit dem Recht zur Herausgabe (Emission) von Geldzeichen (Banknoten und Münzen); meist als Zentralnotenbank bezeichnet.

Notenschreibmaschine: Schreibmaschine zur mechanischen Aufzeichnung von Notenliteratur durch Herstellung des Liniensystems, Niederschrift sämtliche Noten, Schlüssel und Zeichen in der gewünschten Höhenlage sowie des Textes.

Notenstich: Herstellung der Druckplatten für den Musikaliendruck. In Metallplatten aus einer Blei-Zinn-Legierung werden mit dem fünfzinkigen Rastral die Notenlinien gezogen, danach die unveränderlichen Zeichen und gegebenenfalls der Text mit Stempeln eingeschlagen, die verändert. Zeichen mit Sticheln eingraviert (gestochen). Siehe auch Musiknotensatz.

Notfrist: im Zivilprozess zwingend bestimmte Frist besonders für die Einlegung von Rechtsmitteln oder den Widerruf einer gerichtlichen Einigung, deren Versäumnis zum Verlust des geltend zu machenden Rechts führt. Das Gericht kann Befreiung von den Folgen der Fristversäumnis gewähren, wenn diese unverschuldet war.

Notgeld: Geldersatz, meist aus Papier, aber auch aus Metall, Glas, Porzellan unter anderem, der im Kapitalismus bei Mangel an echtem Geld (zum Beispiel in Kriegen und Inflationen) vorübergehend von örtlichen Behörden, aber auch von Großbetrieben ohne gesetzliche Regelung zur weiteren Ermöglichung des Zahlungsverkehrs herausgegeben wird und an Stelle gesetzlichen Zahlungsmittel kursiert.

Notifikation: offizielle diplomatische Mitteilung zwischen Staaten (durch das Außenministerium oder die diplomatische Vertretung). Siehe auch Note.

Nötigung: rechtswidrige Erzwingung eines bestimmten Verhaltens durch Anwendung von Gewalt oder durch Androhung eines schweren Nachteils; strafbar.

Notiz: Kenntnis; Aufzeichnung; Anmerkung; Nachricht, Anzeige (in der Presse).

Notizen zum Plan: vom Maschinenführer K.-H. Hübner im VEB Reifenwerk Fürstenwalde 1974 ausgelöste Wettbewerbsinitiative zur Ermittlung und Aufzeichnung von vorhandenen Intensivierungsreserven und ihrer Ursachen durch Analyse der Arbeitsprozesse, der Nutzung der Grundfonds, des Materialeinsatzes und der erreichten Qualität der Produkte am Arbeitsplatz mit dem Ziel ihrer Erschließung.

Notke, Bernt, um 1430-1509, Bildschnitzer, Maler, Reißer für den Holzschnitt; Hauptmeister der norddeutschen Kunst der Spätgotik, tätig in Lübeck und Stockholm. Hauptwerke sind die lebensgroße St.-Jürgen-Gruppe (1489; Stockholm, Nikolaikirche), Triumphkreuzgruppe (1477; Lübeck, Dom), Hochaltäre des Domes in Arhus (1479) und des Heiliggeistspitals in Tallinn (1483); Gemälde «Gregorsmesse» (um 1504; zerstört); Holzschnitte der «Lübecker Bibel» von 1494.

notorisch: a) offenkundig, anerkannt, allgemein bekannt, keines Beweises bedürfend;

b) berüchtigt.

Notre-Dame, Schule von (notradam): Epoche bildende Weiterentwicklung der europäischen mehrstimmigen Musik zwischen 1160 und 1240, ausgehend von der Sängerschule an der Pariser Kathedrale Notre Dame; Hauptmeister waren Leonin und Perotin. Mit Hilfe der Modalrhythmik (Modus 3) fand die Musik der Notre-Dame über den zweistimmigen Satz hinaus zum dreistimmigen Satz bis hin zu den berühmt gewordenen vierstimmigen Organa (Organum) Perotins (um 1200); der Conductus gab Raum zur «freien Findung einer möglichst schönen Melodie» (Darstellung eines Zeitgenossen). Einsetzende Säkularisierung der Kunst und Emanzipation der ästhetischen Mittel gehören zu den wesentlichen Tendenzen auch der Musik der Zeit.

Notrufmelder: öffentliche Meldungsgeber für kombiniertes Volkspolizei-Feuerwehr-Notrufsystem; dient auch zur Abgabe von Brandmeldungen.

Notschlachtung: Schlachtung von Tieren bei bestehender Lebensgefahr durch Krankheit oder Unfall ohne vorherige Schlachttieruntersuchung. Die Notschlachtung wird in Sanitätsschlachtbetrieben durchgeführt.

Notsignal: Signal, das von einem in Seenot geratenen Schiff gegeben werden kann,

a) optische Signale: Flaggensignal «NC»; Flagge mit Ball, orangefarbige Rauchsignalrakete, rote Handfackel, brennende Öltonne, rote Signalsterne, auch als Fallschirmsignale ausgebildet, «SOS» in Morsezeichen (als Lichtsignal);

b) akustische Signale: Dauerton mit der Dampfpfeife, Kanonenschläge, Blitzknallraketen;

c) Funksignale: im Tastfunkverkehr SOS, im Sprechfunk das Kunstwort «mayday».

Notstand:

1. Recht: Rechtfertigungsgründe.

2. Notstand, Zwangsstand: Veterinärmedizin Einrichtung zur Bändigung widersetzlicher Großtiere und zur Erleichterung der Behandlung.

Notstandsgesetze: in imperialistischen Staaten erlassene Gesetze, die es auf «legalem» Wege ermöglichen, bürgerlich-demokratische Rechte und Freiheiten der Bürger zu beseitigen und besondere Machtbefugnisse auf Regierung, Verwaltung, Militär, Polizei und Justiz zu übertragen. Notstandsgesetze sind Ausdruck der verschärften Unterdrückung der Volksmassen und dienen zur Sicherung der Macht der Bourgeoisie insbesondere in Perioden zugespitzten Klassenkampfes beziehungsweise bei der Vorbereitung imperialistischer Kriege.

Notstromanlage, Netzersatzanlage: elektrische Anlage zur Speisung (Notstromversorgung) lebens- oder betriebswichtiger Verbraucher bei Ausfall der normalen Energieversorgung. Als Spannungsquelle werden Akkumulatorenbatterien oder Maschinensätze (Notstromaggregate) verwendet.

Nottestament: in besonderen Notfällen (zum Beispiel bei naher Todesgefahr) zulässiges Testament durch mündliche Erklärung vor 2 nicht dadurch begünstigten Zeugen.

Nottingham: Stadt im mittleren England (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Nottinghamshire, am Trent; 270000 Einwohner; Steinkohlenbergbau; Hauptsitz der englischen Spitzen-, Strumpf- und Strickwarenindustrie; ferner Maschinen- und Fahrradbau, Tabak- und Arzneimittelindustrie; Universität; Museum, Gemäldegalerie, Theater, Schloss (17. Jahrhundert), Reste römischer Bauten.

Notverordnungsrecht: das zum Teil verfassungsmäßig festgelegte Recht imperialistischer Regierungen, ohne Zustimmung des Parlaments Gesetze zu erlassen und Zwangsmaßnahmen zu treffen; richtet sich gegen die Arbeiterklasse und alle demokratischen und friedliebenden Kräfte des Volkes. Das Notverordnungsrecht diente zum Beispiel in der Weimarer Republik (Artikel 48 Absatz 2 der Weimarer Verfassung) zur Unterdrückung der erstarkenden Arbeiterklasse und des Kampfes gegen Militarismus und Faschismus.

Notweg: frühere Bezeichnung für den zur Nutzung eines Grundstücks erforderlicher Zugang über ein Nachbargrundstück zu einem öffentlichen Weg, wenn eine andere Verbindung fehlt. Siehe auch Mitbenutzungsrecht.

notwendiges Produkt: Teil des neugeschaffenen Produkts, der für die Befriedigung der individuellen Bedürfnisse der produktiv Tätigen und ihrer Familien bestimmt ist und sich aus der Primärverteilung des durch die produktive Arbeit geschaffenen Neuprodukts (Nationaleinkommen) ergibt. Siehe auch Produkt für sich.

Notwendigkeit und Zufall: objektive gegensätzliche Arten des Zusammenhangs zwischen Gegenständen, Ereignissen, Prozessen der materiellen Welt sowie ihrer Erkenntnis. Ereignisse und so weiter sind notwendig, wenn sie innerhalb eines Systems von Bedingungen eindeutig durch andere Ereignisse und so weiter bestimmt werden, sich nur so und nicht anders gestalten können. Sie sind, wenn sie nicht eindeutig bestimmt sind, unter den gegebenen Bedingungen eintreten können, aber nicht eintreten müssen. Im Rahmen derselben Bedingungen schließen sich Notwendigkeit und Zufall gegenseitig aus; außerhalb dieser Bedingungen können Notwendigkeit und Zufall ineinander übergehen. Ein Ereignis, das in einem Zusammenhang notwendig ist, kann in einem anderen zufällig sein und umgekehrt. In Entwicklungsprozessen kann ein ursprünglich zufälliger Zusammenhang zu einem notwendigen werden. Eine Verabsolutierung der Notwendigkeit führt zum Fatalismus, eine Verabsolutierung des Zufalls zum Indeterminismus.

Nougat, Nugat: Konfekt aus Nougatrohmassen, das heißt fettreichen, geschmeidigen Gemischen aus feinzerkleinerten Mandel-, Haselnuss- oder Kaschunuss Kernen, Zucker und oft weiteren Zusätzen; zum Beispiel Kakaobutter.

Nouméa: Stadt auf Neukaledonien (französische Kolonie) und deren Verwaltungszentrum, im Stillen Ozean, an der Südküste der Insel; 80000 Einwohner; Nickeierzverhüttung, Kraftwerk; internationaler Flughafen, Hochseehafen (Erzausfuhr); Tourismus.

Nouveau Roman: Sammelbezeichnung für unterschiedlicher Tendenzen in der französischen Literatur der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhundert, deren Gemeinsamkeit in der Ablehnung traditionell geschlossener Erzählformen zugunsten der Erprobung neuer Text- und Rezeptionsstrukturen besteht (Hauptvertreter M. Butor, A. Robbe-Grillet, Nouveau Roman Sarraute, R. Pinget).

Nouveauté: Textiltechnik Neuheit; in Farbe, Muster und beziehungsweise oder Material neuartiger, mod. Stoff.

Nouvelle Critique: (französisch, «neue Kritik») theoretisch uneinheitliche Tendenz in der französischen Literaturwissenschaft seit den 60er Jahren des 20. Jahrhundert, die existierenden Methoden der Literaturkritik und -geschichtsschreibung zu überwinden (unter anderem R. Barthes); untersucht entsprechend ihrem Ausgangspunkt im Strukturalismus und gestützt auf dessen Ergebnisse in Soziologie, Psychologie und Linguistik hauptsächlich den rein sprachlichen Materialwert der Literatur (vornehmlich den Zusammenhang von Bedeutungs- und Textstrukturen) und negiert deren Historizität.

Nova, Neuer Stern: ein Typ Veränderlicher, dessen Leuchtkraft in Stunden oder Tagen um das tausend- bis millionenfache steigt (Nova Ausbruch), um dann langsam wieder abzunehmen. Nova sind enge Doppelsterne, bei denen Masseübertragung von einem Stern auf den anderen (wahrscheinlich ein weißer Zwerg) diesen instabil werden lässt. Bei einigen Nova wurden mehrere Ausbrüche beobachtet; solch eine Nova bezeichnet man als wiederkehrende Nova. Siehe auch Supernova.

Novak, Vitezslav, 5.12.1870-18.7.1949, tschechischer Komponist; wirkte seit 1909 (1918 Professor) am Prager Konservatorium und war Lehrer einer großen Zahl heute führender tschechischer und slowakischer Komponisten. Seine Werke sind musikalisch und ideell ausnahmslos national bestimmt, in ihrer Wirkung weitgehend lokal- und zeitgebunden.

Novalis, eigentlich Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg, 2.5.1772-25.3.1801, Schriftsteller; Lyriker und Prosadichter der deutschen Frühromantik; gestaltete in Abkehr von der ihm prosaisch-hässlich erscheinenden Wirklichkeit eine ersehnte harmonische Welt. In den «Hymnen an die Nacht» (1800) stellt er christlich-romantische Todessehnsucht dem Diesseits entgegen. Im Romanfragment «Heinrich von Ofterdingen» (1802) verherrlicht Novalis im Symbol der «blauen Blume» die romantische Poesie als Mittel zur Selbstverwirklichung des Menschen. Der zeitkritisch gemeinte Aufsatz «Die Christenheit oder Europa» (1799) wurde von der Heiligen Allianz und der katholischen Reaktion politisch genutzt.

Novara: Stadt in Oberitalien, in der Region Piemont, Verwaltungszentrum der Provinz Novara, westlich von Mailand; 100000 Einwohner; Maschinenbau, Textil-, polygraphische, chemische Industrie; Verlage; Baptisterium (11. Jahrhundert), Dom (Mitte 19. Jahrhundert), Paläste. Östlich von Novara Erdölraffinerie Trecate.

Novecento: (italienisch, «Zwanzigstes Jahrhundert», eigentlich «neunhundert») Stile Novecento, Novecento Italiano: 1. Neue Sachlichkeit.

2. Name einer italienischen Künstlergruppe, die 1925 gegründet wurde und bis Mitte der 30er Jahre die italienische Kunst beeinflusste; kritisierte den Provinzialismus der italienischen Kunst des 19. Jahrhundert und wandte sich dem Neoklassizismus zu. Ihre Kritik an der Krise der bürgerlichen Kunst sowie die Neigung zur Monumentalisierung und Glorifizierung der römischen und italienischen Vergangenheit wurde vom italienischen Faschismus aufgegriffen und einer faschistischen Kunst dienstbar gemacht.

Novelle:

1. Literatur: kleinere epische Prosadichtung, die bei starker Konzentration auf einen einzigen Konflikt ein für den Helden außerordentlich entscheidendes Ereignis gestaltet; geschlossene Form mit völligem Zurücktreten des Erzählers, oft in Gestalt der Rahmenerzählung, im Aufbau dem Drama verwandt. Die Novelle wurde in der frühbürgerliche Literatur ausgeprägt (Boccaccio) und war im 19. Jahrhundert eines der wichtigsten epischen Genres (G. de Maupassant, Stendhal; A. Puschkin, L. Tolstoi, A. Tschechow; L. Stevenson; G. Keller, H. von Kleist, C. F. Meyer, W. Raabe, T. Storm unter anderem).

2. Recht: Nachtragsgesetz (Neufassung, Ergänzung); Teil des Corpus iuris civilis.

November, (lateinisch, «der neunte Monat»), Nebelung (germanisch): 11. Monat des Jahres, mit 30 Tagen; vor Einführung des Julian. Kalenders der 9. Monat.

Novembergruppe: Vereinigung oppositioneller Künstler und Intellektueller; am 3.12.1918 in Berlin gegründet. In ihrem Programm forderten sie eine Demokratisierung des gesamten Kunstgeschehens, wie zum Beispiel soziale Gleichberechtigung der Künstler und Überwindung der Kluft zwischen Volk und Kunst. Mitglieder waren unter anderem M. Pechstein, G. Schrimpf, O. Dix, C. Felixmüller, G. Grosz. Infolge ihrer widersprüchliche Auffassungen zu vielen Fragen konnte die Novembergruppe nur sehr begrenzt wirksam werden und ihre Ziele nicht realisieren, da sie eine feste Bindung an die revolutionäre Arbeiterbewegung ablehnte. Bereits 1921 trennten sich die fortschrittlichsten Künstler von ihr. 1933 wurde die Novembergruppe von den Faschisten verboten.

Novemberrevolution 1918/19: erste antiimperialistische Volksrevolution in Deutschland unter Führung der Arbeiterklasse, Teil der internationalen revolutionären Bewegung gegen Imperialismus und Krieg, für Frieden und Sozialismus; reifte im Ergebnis der durch den 1. Weltkrieg weiter verschärften gesetzmäßigen Widersprüche des Kapitalismus und im Gefolge der Oktoberrevolution heran. Am 7. 10. 1918 beschloss die Spartakusgruppe ein Programm, das die Beendigung des Krieges, den Sturz der Monarchie, die Entmachtung der imperialistischen Reaktion, Heranführung der Massen über antiimperialistische und demokratische Umgestaltungen an die sozialistische Revolution und ein Bündnis mit Sowjetrussland vorsah. Mit dem Kieler Matrosenaufstand am 3.11. begann die Novemberrevolution 1918/19, sie breitete sich rasch aus, überall wurden Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Generalstreik und bewaffneter Aufstand in Berlin am 9.11. führten zum Sturz der Monarchie, die Republik wurde ausgerufen. Der Rat der Volksbeauftragten wurde die provisorische Regierung. In ihm wirkten rechte SPD-Führer für ein bürgerliches Reformprogramm und betrieben eine konterrevolutionäre Politik, indem sie die Enteignung von Monopolkapital und Großgrundbesitz, die Zerschlagung des alten Staatsapparates, die Bewaffnung der Arbeiterklasse verhinderten und die Wahl einer bürgerlichen Nationalversammlung ermöglichten. Der 1. Reichsrätekongress (16./20. 12. 1918) entschied in der Machtfrage (Rätemacht oder Nationalversammlung) zugunsten der Bourgeoisie. Die Gründung der KPD am 30.12.1918/1.1.1919 war das historisch bedeutsamste Ergebnis der Novemberrevolution 1918/19 und wurde zum Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Die junge Partei hatte jedoch nicht die Kraft und Reife, die Angriffe der Reaktion abzuwehren. Am 15.1.1919 wurden ihre Führer, K. Liebknecht und R. Luxemburg, ermordet. Von Januar bis Anfang Mai 1919 kam es in verschiedenen Teilen Deutschlands zu erbitterten Klassenauseinandersetzungen. Alle Bestrebungen, die Novemberrevolution 1918/19 in eine sozialistische Revolution hinüberzuleiten und die Macht des Imperialismus und Militarismus zu brechen, erlitten jedoch durch den Verrat der rechten Sozialdemokratischen und der Zentristische Führer der USPD eine Niederlage. Wesentliche Ergebnisse der Novemberrevolution 1918/19 waren der Sturz der Monarchie, die Beendigung des Krieges, die Erringung demokratischer Rechte und Freiheiten (Koalitions-, Presse- und Versammlungsfreiheit, allgemeines Wahlrecht auch für Frauen, Achtstundentag, Tarifrecht, Abschaffung der Gesindeordnung). Die Novemberrevolution 1918/19 vermittelte der Arbeiterklasse wichtige Lehren (revolutionäre Kampfpartei und Überwindung des Einflusses des Opportunismus als Voraussetzung für den Sieg).

Noverre, Jean Georges, 29.4.1727 bis 19. 10. 1810, französischer Tänzer, Choreograph und Tanztheoretiker; forderte als Reformator das Handlungsballett; schrieb «Briefe über den Tanz» (1760, zum Teil deutsch).

Novi Pazar: Stadt in Serbien, im Raäkatal, Hauptort der Berglandschaft Raska: 23000 Einwohner; Autowerk, Teppichweberei, Tabakverarbeitung; Handelszentrum; ehemalige türkische Festung, Moscheen; Heilbad.

Novi Sad: Stadt in Serbien, Verwaltungszentrum des Autonomen Gebiets Vojvodina (Serbien), in der Batschka, an der Donau (1,3 km lange Brücke); 215000 Einwohner; Kabelwerk, Maschinenbau, chemische, Zement-, Leicht-, Lebensmittelindustrie, Werft; Fachmessen, internationale Herbstmesse; Verkehrsknoten, Hafen; Universität, Kunstakademie; Theater, Museen; Festung Petrovaradin.

Novität: Neuerscheinung, Neuheit, besonders bei Druck- und Modeerzeugnissen.

Novize: «Neuling», der vor dem endgültigen Klostereintritt (Profess) dort mindestens 1 Jahr Probezeit (Noviziat) verbringt.

Novum: Neuheit, Neuerung.

Nowshera: Stadt in Pakistan, am Kabul; 60000 Einwohner; wachsendes Industriezentrum mit chemische, Papier-, Baumwoll-, Woll- und polygraphische Industrie.

Nowy Sacz: 1. Wojewodschaft im Süden Polens; 5576 km2, 655000 Einwohner; 117 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Nowy Sacz 2. umfasst Teile der Karpaten mit Westbeskiden, Tatra (Rysy, 2499 m) sowie die Hochbecken von Podhale und Nowy Sacz 2, von Dunajec, Poprad und Biala durchflossen; waldreich; zahlreiche Nationalparks; Fremdenverkehr (besonders in Zakopane), Kur- und Erholungswesen; Forstwirtschaft, Viehzucht, Obstbau; Schuh-, chemische, Holz- und Lebensmittelindustrie.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Nowy Sacz 1, am Dunajec, in einem Gebirgsbecken der Karpaten; 65000 Einwohner; Nahrungsmittel-, chemische, elektrotechnische/elektronische, Holzindustrie; Eisenbahnwerkstätten; Zentrum der Volkskunst und des Kunstgewerbes; Straßenknoten; Museum; mehrere Baudenkmäler. In der Nähe Roznow-Stausee (18 km2; Erholungsgebiet).

Nowy Targ: Stadt in Polen (Wojewodschaft Nowy Sqcz), am Zusammenfluss von Czamy (Schwarzem) und Bialy (Weißem) Dunajec, im Podhale; 28000 Einwohner; Textil-, Leder- und Schuhindustrie; Pelzherstellung; Museum; Touristenzentrum.

NTSC-Verfahren: (NTSC Abkürzung für National Television System Committee; englisch) US-amerikanisches, Ende 1953 eingeführtes Farbfernsehverfahren mit Farbhilfsträger zur Übertragung der Farbinformation; nachteilig sind Farbtonverfälschungen auf dem Übertragungsweg. Die Weiterentwicklung führte zum SECAM-Verfahren und PAL-Verfahren.

Nuance: Abstufung; feiner Unterschied oder Übergang; Schattierung.

Nubien: Landschaft im Nordosten Afrikas (im Süden Ägyptens und im Norden der Republik Sudan); 550000 km2, etwa 3 Millionen Einwohner; umfasst das zum Teil vom Nassersee eingenommene Niltal von Ad-Debba bis Assuan sowie die Nubische Wüste östlich des Nils, ein von Tafelbergen überragtes und von Trockentälern durchschnittenes, bis 1240 m hohes Plateau; Wanderviehzucht, Bewässerungsfeldbau.

Nubier: negrides Volk (z.T. mit europiden Zügen) in Nubien; 1,9 Millionen; Bauern, vielfach Händler und Gewerbetreibende; Nachkommen der Bevölkerung des Meroitischen Reiches und der mittelalterlichen nubischen Staaten.

nubische Kunst: Kunst der Nubier vom 4./3. Jahrtausend vor Christus bis zum 14. Jahrhundert. Aus bäuerlichen künstlerischen Leistungen der neolithischer Zeit (Keramik, Schmuck) entstand in Nubien unter Verwendung altägyptische, afrikanische und vorderasiatische Anregungen eine eigenständige Kunst, besonders im Fürstentum von Kerma (1. Hälfte 2. Jahrtausend) und noch mehr im Reiche von Kusch (meroitische Kunst). Nach tausendjähriger bedeutender Entwicklung in christlicher Zeit (5./14. Jahrhundert nach Christus; Klöster, Kirchen, Fresken, Keramik) wurde die nubische Kunst Bestandteil der islamischen Kunst. Aus christlicher Zeit wurden in Alt-Dongola und im Bischofssitz Faras bedeutende Reste von Kirchen ausgegraben. Berühmtheit erlangten Fresken von Faras (7. /12. Jahrhundert), die einen selbständigen Zweig der byzantinischen Kunst darstellen. Sie wurden 1961/64 durch polnische Archäologen geborgen und nach Khartum beziehungsweise Warschau überführt.

Nubuk: narbenseitig geschliffenes Kalb- oder Rindleder aus geringfügig beschädigter Rohware.

Nugget: Klümpchen reinen Metalls, besonders gediegenen Goldes.

Nuklearmedizin: Teilgebiet der medizinischen Radiologie, das radioaktiv markierte Stoffe am Patienten zur Funktionsdiagnostik und Abbildung von Organen anwendet und offene Radionuklide zur Strahlentherapie einsetzt, indem diese in den Körper eingebracht werden. Die Diagnostik mit Radionukliden (Isotopendiagnostik) beruht darauf, dass sich diese im Stoffwechsel ebenso verhalten wie ihre stabilen Isotope, durch ihre Strahlung jedoch in kleinsten Mengen nachweisbar sind (Tracermethode). Wichtig ist die Möglichkeit, Radionuklide an Substanzen mit bekanntem Stoffwechselverhalten zu koppeln und aus der Beobachtung solcher markierten Substanzen Informationen zu gewinnen. Siehe auch Radionuklidtherapie.

Nukleasen, Nucleasen: Enzyme, die Nukleinsäuren spalten. Nach dem Substrat unterscheidet man zwischen Ribonukleasen und Desoxyribonukleasen.

Nukleinsäurebasen, Nukleinsäurebasen: in Nukleinsäuren vorkommende Purin- und Pyrimidin-Abkömmlinge. Wichtigste Nukleinsäurebasen sind die Purinbasen Adenin und Guanin sowie die Pyrimidin-Basen Uracil, Thymin und Cytosin.

Nukleinsäuren, Nucleinsäuren: hochmolekulare Verbindungen, die aus Mononukleotiden aufgebaut sind und mit basischen Proteinen als Nukleoproteide Vorkommen. Durch Hydrolyse sind Nukleinsäuren vollständig in Pyrimidin- oder Purinbasen, in Phosphorsäure und in Ribose oder Desoxyribose zerlegbar. Je nach Kohlenhydratanteil unterscheidet man Ribonukleinsäuren (Abkürzung RNS), die Ribose, und Desoxyribonukleinsäuren (Abkürzung DNS), die Desoxyribose enthalten. Nach dem Helix-Strukturmodell von J. D. Watson und F. H. C. Crick ist die DNS in 2 antiparallelen Strängen als Rechtsschraube (Doppelspirale) angeordnet. Die Nukleinsäuren sind als Träger und Übermittler von biologischen Informationen für die Proteinbiosynthese und für die Vererbung bedeutsam, indem sie die Erneuerung von spezifischen Proteinen vornehmen; Nukleinsäuren sind auch Bausteine der Chromosomen und deren Gene im Zellkern.

Nukleon: Elementarteilchen aus der Familie der Baryonen, Zeichen Norden; gemeinsame Bezeichnung für Proton p und Neutron n, die als verschiedene Ladungszustände des Nukleon angesehen werden (siehe auch Isospin); Baustein des Kerns der Atome. Elektron-Proton-Streuexperimente weisen auf eine ausgedehnte innere Struktur der Nukleon hin (siehe auch Quarks).

Nukleon-Nukleon-Wechselwirkung: die zwischen den Nukleonen im Atomkern bestehende starke Wechselwirkung; soviel wie Kernkraft C Kern).

nukleophil: (atom)kernsuchend. Atome, Moleküle, Ionen oder Bereiche eines Moleküls beziehungsweise Ions sind dann nukleophil, wenn sie auf Grund eines Elektronenüberschusses bestrebt sind, einem anderen («elektrophilen») Reaktionspartner ein Elektronenpaar unter Ausbildung einer homöpolaren Bindung zur Verfügung zu stellen. Eine organische chemische Reaktion wird dann als nukleophil bezeichnet, wenn in einer Substrat-Reagens-Beziehung das Reagens nukleophil ist. Siehe auch Reagens.

Nukleoproteine, Nucleoproteine. komplexe Verbindungen von Proteinen und Nukleinsäuren, die vor allem im Chromatin des Zellkerns und in den Ribosomen vorliegen. Einige Viren bestehen aus reinen Nukleoproteine

Nukleoside, Nucleoside. Verbindungen zwischen heterozyklische Stickstoffbasen (zum Beispiel Nukleinsäurebasen) und Monosachariden.

Nukleotide, Nucleotide. Bausteine der Nukleinsäuren, die aus einer stickstoffhaltigen Base (Purin- oder Pyrimidinbase), einem Monosacharid (Ribose oder Desoxyribose) und einem Phosphorsäurerest bestehen.

Nukleus: («Kern»)

1. Biologie: Zellkern.

2. Urgeschichte: Feuersteinknolle, von der durch Schlag oder Druck einzelne Klingen zur Herstellung von Werkzeugen (Alt- und Jungsteinzeit) abgetrennt wurden.

Nuklid: durch Protonenzahl und Neutronen- beziehungsweise Massenzahl gekennzeichnete Atomart, zum Beispiel das Uran-Nuklid U238 oder U, wobei 238 die Massenzahl und 92 die Protonenzahl ist. Es gibt etwa 270 stabile Nuklid und etwa 1250 instabile Radionuklide.

Nullarbor Ebene: sich bis 300 km landeinwärts erstreckende wüstenhafte Ebene in West- und Südaustralien längs der Großen Australische Bucht; durchschnittlich 100 m über dem Meeresspiegel gelegene Kalkfläche, von einer schnurgeraden Eisenbahnstrecke (300 km) durchzogen.

Nulleffekt: durch unvermeidliche Störeinflüsse bewirkte Anzeige von Messgeräten, in der Kernphysik auch als Fond oder Untergrund bezeichnet.

Null-Eins-Optimierung: Spezialfall der diskreten Optimierung, wobei die diskreten Variablen nur 2 Werte annehmen dürfen, zum Beispiel bei Ja-Nein-Entscheidungen.

Nullleiter: der unmittelbar geerdete Mittelleiter (Mittelpunktleiter (MP-Leiter), Sternpunktleiter (N-Leiter)) eines Energieversorgungssystems. Der Nullleiter führt deshalb gegen Erde keine Spannung («Null») und kann zu Schutzzwecken herangezogen werden. Siehe auch Schutzmaßnahmen.

Nullimpedanz: komplexer Gesamtwiderstand des Mittelleiters (Nullleiter) eines Drehstromsystems.

Nulllinie: Grenzlinie zwischen Druck- und Zugzone einer auf Biegung beanspruchten Tragkonstruktion.

Nullmethode: Messverfahren, bei dem die Differenz zwischen der zu messenden und einer Vergleichsgröße zu Null gemacht wird (Kompensationsverfahren, Differenzmessung)-, die Differenz Null wird durch ein empfindliches, meist nicht kalibriertes Instrument (Indikator 3) angezeigt.

Nullpunktsenergie: Energie eines physikalischen Systems am absoluten Nullpunkt; oft auch nur für die kinetische Energie verwendet, die nach dem Heisenbergschen Unbestimmtheitsprinzip auch bei der Temperatur 7= OK nicht Null werden kann. Ein Atom im Kristallgitter zum Beispiel kann nicht «einfrieren», da sonst die Unbestimmtheiten für Ort und Impuls beide verschwänden. Vielmehr beträgt seine Nullpunktsenergie hv/2, wenn h die Planck-Konstante und v die Frequenz der Schwingung ist, die das Atom ausführt.

Nullpunktunterdrückung: bei anzeigenden Messinstrumenten Verschiebung des Messbereichsanfangs nach außerhalb der Skale, zum Beispiel durch einen Hilfsstrom, um den interessierenden oberen Messbereich besser darstellen zu können.

Nullserie: geringe Stückzahl eines neuen Erzeugnisses als Versuchsserie zur Überprüfung der konstruktiven und technologischen Lösung unter den Bedingungen der Serienfertigung.

Nullspannungsmessgerät: elektrisches Messinstrument, dessen Skale am Messbereichsanfang stark gedehnt ist; verwendet besonders beim Synchronisieren von Wechselstromnetzen.

Nullstellenbestimmung: Berechnung der Lösungen einer Gleichung f(x) = 0 oder eines entsprechenden Gleichungssystems. Oft ist die exakte Bestimmung nicht möglich, und man muss Näherungsverfahren anwenden. Voraussetzung der Nullstellenbestimmung ist stets der Nachweis der Existenz, der bei einer einfachen Gleichung mit stetigem f(x) durch Ermittlung eines Intervalls (a, A) mit f(a)-f(b) <0 gelingt, da dann sicher eine Nullstelle im Intervall liegt. Spezielle Methoden der Nullstellenbestimmung sind die Sekantenmethode und das Newtonsche Näherungsverfahren.

Nullsummenspiel: Spiel, bei dem die Summe der Gewinne aller Spieler gleich Null ist. Bei einem Zweipersonen-Nullsummenspiel ist der Gewinn des einen gleich dem Verlust des anderen Spielers.

Nullteiler: in einem Ring R ein Element a0 aus R, zu dem es ein Element 60 aus R mit ab = 0 gibt.

nullum crimen, nulla poena sine lege (lateinisch, «kein Verbrechen, keine Strafe ohne Gesetz»): von der bürgerlichen Aufklärung verkündetes humanistisches Prinzip, wonach Strafen nur im gesetzlich angedrohten Ausmaß für Handlungen ausgesprochen werden dürfen, die zur Zeit ihrer Begehung gesetzlich zur Straftat erklärt waren.

Nullwachstum: beschönigende Bezeichnung in kapitalistischen Staaten für eine stagnierende Produktion.

Numerale, Zahlwort Wortart zur Bezeichnung von Zahlen und zahlenmäßig ausgedrückten Mengenangaben; bestimmte Numerale sind Kardinalzahlen und Ordinalzahlen, unbestimmte Numerale Wörter wie «viele», «manche»,

Numerik Rechner: schneller Mikrorechner, Multiprozessor oder digitaler Differentialanalysator zur Steuerung von Industrierobotern und Werkzeugmaschinen. Numerik-Rechner berechnen, steuern und koordinieren deren Bewegungsabläufe.

numerisch: zahlenmäßig; Darstellung einer Information in Ziffern,

numerische Apertur: Produkt A aus der Brechzahl n des Stoffes zwischen Objekt und optischen System sowie dem Sinus des halben Öffnungswinkels u; A = n sin u. Die numerische Apertur ist besonders bei Mikroskopobjektiven wichtig, weil von ihr auch das Auflösungsvermögen abhängt.

numerische Mathematik, Numerik: Disziplin der Mathematik, die das Ziel verfolgt, mathematische Objekte der zahlenmäßigen Berechnung zugänglich zu machen. Sie sucht Näherungsverfahren, studiert Fehlerverhalten und numerische Eigenschaften wie Konvergenz, Stabilität und Kondition und untersucht die Realisierung in der Form eines programmierbaren Algorithmus. Mit fortschreitender Entwicklung der Rechentechnik wachsen die Möglichkeiten für numerische Verfahren schneller als ihre theoretische Beherrschung, und die numerische Mathematik erhält in zunehmendem Maße auch eine experimentelle Komponente. Die charakteristischen Probleme der numerischen Mathematik im Unterschied zur Analysis entstehen durch die Endlichkeit ihrer Objektbereiche (endliche Teilmenge der rationalen Zahlen, endlicher Folgen, endlicher Summen und so weiter).

numerische Steuerung, numerical control, Abkürzung NC. vorzugsweise bei Fertigungsprozessen angewendete Steuerung mit Programmeingabe in Form von Zahlen, interner Informationsverarbeitung und ständiger Anpassung an den Arbeitsfortschritt, zum Beispiel bei Be- und Verarbeitungsmaschinen, Handhabeeinrichtungen, Industrierobotern, zur Führung von Schweißköpfen.

numerisch gesteuertes Maschinensystem, NC Maschinensystem (NC Abkürzung für numerical control, englisch): numerisch gesteuerte Maschinen (NC-Maschinen) oder Maschinenzentren, die durch automatisierten Werkstück- und Werkzeugfluss miteinander verbunden sind und von einem Rechner gesteuert werden; eingesetzt zur Komplettbearbeitung einander ähnliche Werkstücke, besonders in kleinen Losgrößen. Die zum numerisch gesteuerten Maschinensystem gehörenden Funktionselemente, die Werkstückhandhabung (zum Beispiel Spannen, Zentrieren), Fertigungsablaufsteuerung, Qualitätssicherung, weisen je nach Erfordernissen unterschiedliche Automatisierungsstufen auf.

Numerus, Zahl:

1. Grammatik: Kategorie des Substantivs; im Satz von diesem auf die zugehörigen anderen Nomina übertragen, ebenso auf das finite Verb; siehe auch Singular, Plural.

2. Mathematik: Logarithmus.

Numerus clausus: (lateinisch, «geschlossene Zahl») Methode der staatsmonopolistischen Beschränkung und Regulierung der Zulassung unter anderem zum Hochschulstudium; verschärft das Bildungsmonopol der herrschenden Ausbeuterklasse im Hochschulbereich.

Numidien: (griechisch, «Nomadenland») im Altertum von Berberstämmen bewohntes Küstenland Nordafrikas (etwa Nordtunesien, Ostalgerien); 201 vor Christus gründete Masinissa das Numidische Reich. Jugurtha versuchte vergeblich, sich im Jugurthin. Krieg (111/105 vor Christus) vom römischen Einfluss zu befreien. 46 vor Christus wurde Numidien Teil der römischen Provinz Africa.

numinos: die Gottheit, das Göttliche betreffend.

Numitor, in der römischen Sage König von Alba Longa, Bruder des Amulius, Vater der Rea Silvia.

Nummerung, Benummern: Datenverarbeitung Zuordnung einer Nummer (Schlüsselnummer), das heißt einer Folge von Zeichen vereinbarten Aufbaus zur Identifikation und Klassifikation von Elementen einer Menge. Nummern sind im Allgemeinen aus arabischen Ziffern und Trennzeichen wie - oder aufgebaut. Beispiele: Waren-, Kostenstellennummer, Personenkenn-, Postleitzahl.

Nummuliten, Münzsteine: Foraminiferen der Oberkreide und des Tertiärs mit scheibenförmiger, bis 12 cm großer, spiralig gekammerter Kalkschale.

Nunatak: über die Oberfläche von Gletschern und Inlandeismassen aufragender Fels.

Nuntius: (lateinisch, «Bote») diplomatische Vertreter des Vatikans (päpstliche, apostolische Nuntius), steht im Rang den Botschaftern gleich. Siehe auch Doyen, Internuntius, Ränge im auswärtigen Dienst.

Nupe: einer der 7 «unechten» Hausastaaten im Norden des heutigen Nigeria; im 18. Jahrhundert islamisiert, Anfang des 19. Jahrhundert vom Sokoto-Reich abhängig; 1897 unter britische Kolonialherrschaft.

Nuppenglas, Warzenglas: Glasgefäß, dessen Außenwand mit aufgeschmolzenen Nuppen (Glastropfen) verziert ist, von denen ein kleiner Teil rasch abgezogen wurde, wodurch auslaufende Spitzen entstanden. In Anlehnung an römischen und syrischen Traditionen seit etwa 1400 bis ins 17. Jahrhundert besonders in Deutschland gebräuchlich.

Nurgewerkschaftertum: Form des Opportunismus, dessen Wurzeln in der Politik und Ideologie rechter Sozialdemokratischer Führer liegen und die auf politische «Neutralität» der Gewerkschaften beruht. Die Vertreter des Nurgewerkschaftertums leugnen die Notwendigkeit des revolutionären Kampfes als Einheit von politischen, ideologischen und ökonomischen Kampf und beschränken sich auf die Vertretung sozialer Tagesinteressen. In der deutschen Gewerkschaftsbewegung äußert sich Nurgewerkschaftertum in der Zusammenarbeit rechter Sozialdemokratischer Führer mit der Bourgeoisie («Arbeitsgemeinschaftspolitik»), in der Einordnung der Gewerkschaften in das kapitalistische System («Wirtschaftsdemokratie», «Sozialpartnerschaft») sowie in der Gegnerschaft zur marxistisch-leninistischen Partei und zur Sowjetunion.

Nurmi, Paavo Johannes, 13.6.1897-2.10.1973, finnischer Leichtathlet; er lief 22 Weltrekorde über Mittel- und Langstrecken; erfolgreichster Olympiateilnehmer aller Zeiten (9 Gold-, 3 Silbermedaillen).

Nürnberger Ei: im 16. Jahrhundert unter anderem in Nürnberg gebaute Hals- oder Taschenuhr, deren oft kunstvolles Gehäuse die Form eines «Bisamapfels» (Riechstoffbehälters) hat oder eiförmig gestaltet ist.

Nürnberger Gesetze: Bezeichnung für die 1935 in Nürnberg in Gesetzesform verkündeten Terrormaßnahmen des faschistischen Staates gegen die jüdische Bevölkerung; zu ihnen gehörten unter anderem das «Reichsbürgergesetz» und das «Blutschutzgesetz». Die Nürnberger Gesetze bildeten die «Rechtsgrundlage» für die Vernichtung von 6 Millionen europäischen Juden.

Nürnberger Prozess: internationaler Strafprozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des faschistischen Deutschlands, der vor dem Internationalen Militärgerichtshof (je ein Richter der UdSSR, der USA, Großbritanniens und Frankreichs) vom 14.11.1945 bis zum 1.10.1946 in Nürnberg stattfand. Grundlage bildeten die Moskauer Erklärung über die Verantwortlichkeit der Hitleranhänger für begangene Greueltaten vom 30. 10. 1943, das Londoner Abkommen vom 8.8.1945 und das Statut des Internationalen Militärgerichtshofes vom 8. 8. 1945. Das Gericht verurteilte H. Göring, J. von Ribbentrop, W. Keitel, E. Kaltenbrunner, A. Rosenberg, K. Frank, W. Frick, J. Streicher, F. Sauckel, A. Jodl, A. Seyß-Inquart und M. Bormann (in Abwesenheit) zum Tode, R. Heß, W. Funk und E. Raeder zu lebenslanger Haft, B. von Schirach und A. Speer zu 20 Jahren, K. Freiherr von Neurath zu 15 Jahren und K. Dönitz zu 10 Jahren Haft. Als Verbrecher. Organisationen wurden die SS, die Gestapo, der Sicherheitsdienst (SD) und das Korps der politische Leiter der NSDAP verurteilt.

Nurpeissow, Abdishamil, geboren 22.10.1924, kasachisch-sowjetischer Schriftsteller, veröffentlichte seit 1949 Romane über den Krieg und die Geschichte des kasachischen Volkes, von denen die Trilogie «Blut und Schweiß» mit den Bänden «Morgendämmerung» (1961, deutsch), «Irrwege» (1964, deutsch) und «Untergang» (1970, deutsch), in denen die Jahre zwischen 1914 und 1916 dargestellt werden, besonderen Anklang fanden.

Nus: Geist, Verstand und dessen Vergegenständlichung als Weltgeist; bei Anaxagoras als feinster (Denk-) Stoff Weltgesetz und Ursache der Bewegung der Materie; später bei Platon, Aristoteles, Plotin rein ideell gefasst.

Nuschke, Otto, 23.2.1883-27.12.1957, Politiker, Journalist. Nuschke gehörte vor 1933 bürgerlich-demokratischen Parteien an; von den Nazis wurde er verfolgt und inhaftiert. Als Mitbegründer der CDU und ihr Vorsitzender seit 1948 erwarb sich Nuschke große Verdienste um die Einbeziehung christlich gesinnter Bürger in den sozialistischen Aufbau und die fortschrittliche Entwicklung der CDU. Er wirkte führend in der Volkskongressbewegung mit und wurde nach Gründung der DDR einer der Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats sowie Abgeordneter der Volkskammer.

Nusic, Branislav, 8.10.1864-19.1.1938, serbischer Schriftsteller; schrieb vor allem realistische satirische Komödien über das serbische Bürger- und Kleinbürgertum, wie «Der Abgeordnete» (1883, deutsch), «Frau Minister Popovic» (1929, deutsch), «Mister Dollar» (1932), ferner Dramen, Erzählungen, Feuilletons und eine humorvolle «Autobiographie» (1924, deutsch). deutsch Auswahl von Satiren «Der tollwütige Teofilo» (1985).

Nuss: trockene, einsamige Schließfrucht (zum Beispiel Haselnuss), zum Teil mit besonderen Verbreitungseinrichtungen (zum Beispiel Flügelnuss der Ulme). Walnuss und Kokosnuss sind Steinfrüchte.

Nussbohrer, Curculio: Gattung der Rüsselkäfer; bis 1 cm lang mit sehr langem dünnem Rüssel; Larve frisst in Nüssen, Eicheln, Pflanzengallen unter anderem

Nüstern: (zu «Nase») Nasenlöcher des Pferdes.

Nut:

1. Holztechnik: Vertiefung an der Schmalfläche eines Holzbauteiles zur Aufnahme des Gegenstückes (unter anderem Feder).

2. Maschinenbau: rinnenförmige Vertiefung an Maschinenteilen von meist rechteckigem, T-, V- oder trapez- (Schwalbenschwanz-) förmigem Querschnitt zur Verbindung oder Bewegungsführung von Maschinenteilen, zur Befestigung von Werkstücken auf Maschinentischen, zur Schmierstoffführung unter anderem

Nutation:

1. Astronomie: kurzperiodische Schwankung der Rotationsachse der Erde, der Präzession überlagert.

2. Physik: Kreisel.

Nuten: Ausheben eines Spanes von etwa zwei Dritteln der Materialdicke aus (dicken) Pappen, um diese entlang der Nutlinie ohne Wulstbildung biegen zu können. Siehe auch Rillen.

Nutria, Sumpfbiber, Biberratte, Myocastor coypus: südamerikanisches Nagetier, dessen Körper 45 cm und Schwanz 40 cm lang ist. Nutria sind Pflanzenfresser und gute Schwimmer. Die planmäßige Farmhaltung wird seit Anfang der 30er Jahre betrieben. In Farmen gehaltene Nutria werfen nach 128 bis 132 Tagen 5 bis 6 Jungtiere. Das Fell hat dichte braune Unterwolle und kräftige bräunlich gelbe Grannenhaare, die durch Hochschur beim Veredeln entfernt werden. Neben der Standardfarbe gibt es zahlreiche Farbmutationen. Die Zucht ist besonders in Polen verbreitet.

Nutzanwendungssatellit: unbemannter künstlicher Erdsatellit, der technischen und beziehungsweise oder wissenschaftlichen Zwecken dient. Zu den Nutzanwendungssatelliten gehören als wichtigste Arten Erderkundungs-, geodätische, Nachrichten-, Navigation- und Wettersatelliten. Siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Nutzeffekt: Wirksamkeit der eingesetzten lebendigen und vergegenständlichten Arbeit im produzierenden und nichtproduzierenden Bereich der Volkswirtschaft zur besseren Befriedigung gesellschaftlicher und individueller Bedürfnisse. Der Nutzeffekt drückt aus, mit welchen Aufwendungen gesellschaftlicher Arbeit die gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigt, die Arbeits- und Lebensbedingungen verbessert werden. Der gesellschaftliche Nutzeffekt als Wirkungsgrad der gesellschaftlichen Gesamtarbeit findet seinen Ausdruck in den Kennziffern Nationaleinkommen pro Kopf der Bevölkerung beziehungsweise pro Beschäftigten in den produzierenden Bereichen der Volkswirtschaft und im Zuwachs an Nationaleinkommen und Reineinkommen der Gesellschaft. Für hohen Nutzeffekt sind entscheidend wissenschaftlich-technischer Fortschritt, hohe Qualität, niedrige Kosten der Erzeugnisse und weitere Ergebnisse der umfassenden Intensivierung.

Nutzeffekts Berechnung: Verfahren zur Ermittlung des ökonomischen Nutzeffekts von Aufgaben der Intensivierung und des wissenschaftlich-technischen Fortschritts (Investitionen, Maßnahmen der Konzentration und Spezialisierung der Produktion und so weiter). Bei der Nutzeffekts Berechnung werden Aufwand und Ergebnis ermittelt, zueinander in Beziehung gesetzt und in Nutzeffekts Kriterien ausgedrückt.

Nutzen: Polygraphie a) nach Durchschneiden eines Druck- oder unbedruckten Materialbogens sich ergebende Einzelexemplare beliebiger Größe; bei Druckbogen, wenn die Druckform gleichen Text und beziehungsweise oder gleiche Bilder mehrfach enthält;

b) mehrfach angefertigte Kopiervorlagen für die Druckformherstellung.

Nutzens Rechnung: Vorausberechnung, Planung, Abrechnung und Analyse der Aufwendungen für Vorbereitung und Durchführung wissenschaftlicher technischen Aufgaben, Investitionen sowie technischen und organisatorischen Maßnahmen, des ökonomischen Niveaus der Lösung und der ökonomischen Wirkungen nach Durchführung der Maßnahmen. im engeren Sinne Sachgebiet der betrieblichen Rechnungsführung und Statistik zur Abrechnung des Nutzens.

Nutzmasse:

1. Kraftfahrzeugtechnik: in Kilogramm oder Tonnen angegebene zy lässige Zuladung bei Kfz oder Anhängefahrzeugen.

2. Raumfahrt: Masse des oder der von einer Rakete mitgeführten Raumflugkörper(s) beziehungsweise der wissenschaftlichen Ausrüstung.

Nutzpflanzen: Pflanzenarten, deren Früchte oder andere Pflanzenteile dem menschlichen Bedarf dienen; zu ihnen zählen die Kultur- und eine Anzahl von Wildpflanzen, auch Zierpflanzen und niedere Pflanzen.

Nutzungsbefugnisse: Urheberrecht dem Urheber zustehende vermögensrechtliche Befugnisse, deren Ausübung er gegen Entgelt durch Vertrag in der Regel an eine kulturelle Einrichtung überträgt; wichtige Nutzungsbefugnisse sind zum Beispiel das Recht der Vervielfältigung des Werkes, der Verbreitung zu Erwerbszwecken beziehungsweise das Aufführungsrecht.

Nutzungsrecht: Recht eines Bürgers, der nicht der Eigentümer ist, ein Grundstück zu nutzen (einschließlich Bepflanzung und soweit dies vereinbart ist, Bebauung mit persönlicher Bedürfnissen dienenden Gebäuden); früher Pacht genannt. Ein Nutzungsrecht an volkseigenen Grundstücken für den Bau und die persönliche Nutzung von Eigenheimen entsteht durch Verleihung; es berechtigt und verpflichtet zur bestimmungsgemäßen Nutzung. Zum gleichen Zweck können sozialistische Genossenschaften Bürgern genossenschaftlich genutzten Boden zuweisen.

Nutzungsvertrag: Vertrag auf dem Gebiet des Wirtschaftsrechts, des Zivilrechts, insbesondere auch des Urheberrechts, durch den die zeitweilige Gebrauchsüberlassung von Sachen, Bodenflächen oder Einrichtungen beziehungsweise die zeitweilige Übertragung von Rechten vereinbart wird.

Nuuk, Godthab (dänisch, «gute Hoffnung»): Stadt, Verwaltungszentrum von Grönland, an der südlichen Westküste; 9800 Einwohner; Fischfang und -Verarbeitung, Werft; einziger Hochseehafen der Insel; Fernsehsender.

Nux: (lateinisch; PI. Nuces) Pharmazie Bezeichnung für Nuss; zum Beispiel Nux vomica (Brechnuss).

Nwankwo, Nkem, geboren 12.6.1936, nigerianischer Schriftsteller; wendet sich in kritisch-realistischen Erzählungen und Romanen («Danda», 1964; «Zerbrochene Bilder», 1967) gegen humanitätsfeindlichen Auswirkungen kapitalistischer Entwicklungstendenzen in Nigeria; schärfer satirisch und sozialkritisch angelegt ist der Roman «Mein Mercedes ist größer als deinen» (1975, deutsch).

Nyaya: (Sanskrit) altindisches philosophisches System, in dem besonders Logik und Erkenntnistheorie ausgearbeitet waren; benannte bereits um 400 die Praxis als Kriterium der Wahrheit. Mit dem Vaisheshika zu einem System verschmolzen, erstarrte er im Mittelalter zur Scholastik.

Ny Dag: (schwedisch, «Neuer Tag») Zentralorgan der Linkspartei-Kommunisten Schwedens; erscheint wöchentlich; seit 1930 in Stockholm herausgegeben.

Nykturie: (griechisch) vermehrte nächtliche Harnausscheidung; tritt besonders bei Herzmuskel- und Prostataerkrankungen auf.

Nylund, Rose, geboren 8.8.1929, Schriftstellerin; schreibt Gedichte («Fünf Kiesel im Bach», 1964) und Erzählungen («Kristall und Flamme», 1963).

Nylanders Reagens: Chemikalienmischung zum Nachweis von Zucker im Harn; wird heute kaum noch verwendet. benannt nach dem schwedischen Chemiker Claes Wilhelm Gabriel Nylander (1835-1907).

Nymphe: (griechisch, «Mädchen») durch Auftreten von Flügelansätzen gekennzeichnetes letztes Larvenstadium mancher Insekten mit unvollkommener Verwandlung (zum Beispiel Blasenfüße, Schild- und Blattläuse).

Nymphen: griechische weibliche Naturgottheiten der Bäume (Dryaden, Hamadryade), Berge und Wälder (Oreaden), der Gewässer (Najaden) und des Meeres (Nereiden).

Nymphomanie: (griechisch)

1. Medizin: übersteigerter, zügelloser Drang nach sexueller Befriedigung beim weiblichen Geschlecht.

2. Veterinärmedizin: Brüllerkrankheit.

Nyrop, Martin, 11.11.1849-18.5.1921, dänischer Architekt. Nyrop, der die enge Bindung der dänischen Baukunst an eklektizistische Strömungen zu lösen und einen neuen nationalen Baustil zu schaffen bemüht war, hat besonders mit zahlreichen öffentlichen Bauten in Kopenhagen (zum Beispiel Rathaus, 1892/1905) und verschiedenen architekturtheoretische Schriften auf die Entwicklung der modernen Baukunst in Dänemark Einfluss genommen.

Nysa: Stadt in Polen (Wojewodschaft Opole), an der Nysa Klodzka; 42000 Einwohner; Maschinen-, Kleinbusbau, Holz-, Papier-, Nahrungsmittelindustrie; mittelalterlicher Altstadt mit vielen Baudenkmälern; in der Nähe Stausee (22 km).

Nysa Klodzka: linker Nebenfluss der Oder, im Süden Polens; 182 km; entspringt am Fuß des Snieznik (1425 m), durchfließt das Becken von Klodzko; im Oberlauf Stauseen bei Otmuchow (23,5 km2, Stauraum 135 Millionen m) und Nysa (22 km2, 111 Millionen m3); nicht schiffbar.

Nystad: schwedischer Name der finnischen Hafenstadt Uusikaupunki nordwestlich von Turku. Der Friede von Nystad (10.9.1721) beendete den Nord. Krieg zwischen Russland und Schweden; Russland erhielt Livland, Estland, Teile Kareliens und Finnlands und damit den Zugang zur Ostsee.

Nystagmus: Augenzittern; rhythmische gleichsinnige Bewegungen der Augäpfel, zum Beispiel in horizontaler Richtung bei Blickverfolgung vorbeiziehender Objekte (Nystagmus) oder bei Drehung des Körpers um seine Längsachse und dadurch Reizung des Gleichgewichtsorgans (Dreh- oder labyrinthärer Nystagmus); besteht aus einer langsamen Komponente und einer ihr entgegen gerichteten, die Augäpfel in die Geradeausstellung zurückbringenden schnellen, ruckartigen Komponente. Der Nystagmus ist auch Zeichen bei zentral-nervösen Störungen oder angeborenes Leiden.

Nyx, in der griechischen Sage die personifizierte «Nacht».

Nzinga a-Nkuwu, gestorben 1506, Herrscher des Kongo-Reiches; nach seinem Übertritt zum Christentum 1491 Joao I. (Johann I.) genannt; während seiner Herrschaftszeit breite Christianisierung durch portugiesische Missionare, unter anderem Umbenennung der Hauptstadt Mbanza Kongo in San Salvador, diese Entwicklung traf jedoch auf den Widerstand der Bevölkerung.

Nzinga Mbandi Anna, 1582 bis 17.12.1663, 1625/55 Herrscherin (Ngola) des Ndongo-Reiches in Angola; organisierte erfolgreich den Kampf der Völker Angolas gegen die portugiesische Kolonialeroberung.

Nzo, Alfred, geboren 19.6.1925, südafrikanischer Politiker; Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses von Südafrika seit 1949, seit 1969 dessen Generalsekretär.