Lexikon D

da capo al fine: Musik vom Anfang an (wiederholen) bis zum Schlusszeichen (fine).

Da-capo-Arie: Arie in geschlossener 3teiliger Form (A-B-A); wurde in ihrer Blütezeit (17./18. Jahrhundert) oft zu einer virtuosen und 5teiligen Form erweitert. Die Wiederholung wurde durch die Musizieranweisung da capo gefordert.

Dach: 1. Bautechnik: oberer, gegen Witterungseinflüsse schützender Abschluss eines Gebäudes; besteht aus der Tragkonstruktion (Dachverband) aus Holz (Dachgerüst), Stahl oder Stahlbeton und der Dachdeckung. Nach dem Neigungswinkel unterscheidet man Flachdach (bis 5° Dachneigung), mäßig steiles Dach (von über 5° und weniger als 40°) und Steildach (40° und steiler); nach der Form der Dachfläche das ungebrochene, gebrochene, gebogene und runde Dach Nach der Konstruktion und dem Werkstoff unterscheidet man:

a) das zimmermannsmäßige Dach, bei dem das tragende Gerüst der Dachstuhl ist, der je nach Gebäudetiefe als einfacher, doppelter oder dreifacher Stuhl (stehender oder liegender Stuhl) ausgebildet ist. Typische zimmermannsmäßige Dachkonstruktionen sind das Spanen-, Kehlbalken- und Pfettendach.

b) Dachkonstruktionen für große Spannweiten nach den Regeln des Ingenieurholzbaues als Hänge- oder Sprengwerk aus Fachwerk- oder Vollwandbindern;

c) das Stahldach, bei dem die Dachkonstruktion aus Bindern und Pfetten besteht;

d) das Stahlbetondach, bei dem die Tragkonstruktion monolithisch oder in der Montagebauweise ausgeführt wird und meistens zugleich die Dachfläche bildet.

Nach bauphysikalischen Gesichtspunkten unterscheidet man:

a) das einschalige Warmdach, bei dem die obere Geschoßdecke den Gebäudeabschluss bildet (das entspannte Warmdach hat von der Traufe bis zum First durchgehende Diffusionskanäle und -einsätze);

b) das zweischalige Kaltdach mit einem Luftraum zwischen Dachhaut (Wetterschale) und Dachgeschoßdecke (Tragschale).

2. Geologie: die Schicht, die über der jeweils betrachteten Schichtengruppe liegt; siehe auch Hangendes.

Dach, Simon, 29.7.1605-15.4.1659, Dichter; schuf in schlichter, kraftvoller Sprache geistlicher und weltlicher Lieder voller Empfindungstiefe und Mitgefühl («Der Mensch hat nicht so eigen»).

Dachdeckung: obere niederschlags- und sturmsichere Umhüllung (Dachhaut) der Dachkonstruktion. Die Wahl der Dachdeckungsmaterialien und die Art der Dachdeckung sind von Dachkonstruktion und -neigung abhängig. Man unterscheidet ableitende Dachdeckung, hauptsächlich für Steildächer (Ziegel, Schiefer); und abdichtende Dachdeckung für flachgeneigte Dächer (Dachpappe, Folien). Als harte Dachdeckung bezeichnet man die Eindeckung mit Dachpappe oder feuerfest mit Dachziegel, Schiefer, Asbestplatten, Aluminium-, Zinkblech; als weiche Dachdeckung die Eindeckung mit Stroh, Rohr oder Schilf. Dachdeckungsarten beim Ziegeldach sind mit Plattenziegeln die einfache (Spließdach) oder die doppelte Eindeckung als Doppel-, Kronen- oder Ritterdach. Bei Hohl- und Falzziegeln erfolgt nur eine untere und seitliche Überdeckung der Dachziegel.

Dachgesellschaft, Muttergesellschaft: Spitzengesellschaft eines Konzerns, die über Kapitalbeteiligungen von ihr abhängige, meist juristisch selbständige Tochtergesellschaften kontrolliert beziehungsweise beherrscht.

Dachpappe: mit Bitumen oder Teer getränkte und zum Teil mit Mineralstoffen bestreute Rohpappe oder Glasvlies. Dachpappe wird zur Dachdeckung oder Herstellung von Sperrungen verwendet. Falzbaupappe ist schwalbenschwanzförmig gefalzt und wird vor feuchten Mauern oder als entspannte Dampfsperre in Warmdächer eingebaut.

Dachreiter: schlanke Türmchen auf dem Dachfirst als Glockenturm oder Verzierung; bei der mittelalterlichen Basilika auch zur Betonung der Vierung; oft auf den sonst turmlosen Zisterzienser- und Bettelordenskirchen.

Dachs, Meles meles: Mischwälder und Parklandschaften Eurasiens bewohnender Marder mit starken Grabkrallen und Allesfressergebiss; nachtaktiver Sohlengänger, der Wohnhöhlen gräbt.

Dachschiefer: meist blaugraue, mattglänzende Lagen von Tonschiefern mit ausgezeichneter ebener Spaltbarkeit, geeignet zum Dachdecken und zum Verkleiden von Hauswänden. Hauptfundorte sind Thüringer und Rhein. Schiefergebirge.

Dachstein: Betonelement zur Dachdeckung.

Dachstein: steilflankige Gebirgsgruppe der Salzburger Kalkalpen in Österreich, zwischen Salzkammergut und Ennstal; von zahlreichen Gipfeln (Hoher Dachstein, 2995 m) überragte, verkarstete Hochfläche; 6 unterirdisch entwässernde Gletscher; Gosausee; am Nordrand Eishöhlen.

Dachziegel: grobkeramisches Dachdeckungsmaterial für Steildächer, hergestellt im Strang- (Biberschwanz, Pfanne) oder Pressverfahren (Firstziegel, Falzkremper). Dachziegel werden auf Latten gehängt und mit Zementmörtel verstrichen.

Dacia 1300: Typenbezeichnung für den in Rumänien in Lizenz (Renault R 12, Frankreich) gefertigten 5sitzigen PKW mit 4türiger Ganzstahlkarosserie und Frontantrieb. Der Vierzylinder-Viertakt-Motor mit 1289 cm3 Hubvolumen leistet 40 kW. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 140 km/h.

Dackellähme: Erkrankung der Wirbelsäule bei Hunden, bei der es durch Vorfall der Zwischenwirbelscheiben zu Quetschungen des Rückenmarks kommt. Als Folge treten Lähmungserscheinungen in der Nachhand auf. Die Dackellähme wird vorwiegend bei solchen Hunderassen beobachtet, die ein ungünstiges Verhältnis von Körperhöhe und Rumpflänge aufweisen (Dackel, Pekinese, Franzos. Bulldogge).

Dadaismus: vom kindlichen Stammellaut «dada» abgeleiteter Name für eine internationale Kunst- und Literaturrichtung zwischen 1916 und 1925, hervorgegangen aus dem Züricher «Cabaret Voltaire» (Gründer: H. Arp, A. Breton, J. Cocteau, M. Ernst, G. Grosz, J. Heartfield). Als Protest gegen die bürgerliche Gesellschaft und den imperialistischen Krieg sowie gegen die offenbare Ohnmacht der traditionellen Kunst proklamierte sie eine Antikunst der Synthese aus Sinnlos-Banalem und moderner Technik, die das Chaotische der Gesellschaft darstellen und die provozieren und schockieren sollte. Dadaismus kann in bestimmter Hinsicht als Vorstufe für Surrealismus und Popart gelten. Ein Teil der Dadaisten stieß zur revolutionären Bewegung des Proletariats, manche direkt (Grosz, Heartfield), andere auf dem Umweg über den Surrealismus (L. Aragon).

Dädalus, (griechisch, «Künstler») griechisch Daidalos, in der griechischen Sage erfindungsreicher Baumeister; baute für König Minos von Kreta das Labyrinth, fertigte für sich und seinen Sohn Ikarus Flügel aus Federn und Wachs und entfloh der Gefangenschaft des Minos.

Daddi, Bernardo, gestorben um 1350, Florentiner Maler; entwickelte den Stil Giottos in dekorativem Sinne weiter, ihm folgte darin Orcagna; sein Hauptwerk sind die Fresken der Laurentius- und Stephanus-Legende in Sta. Croce in Florenz (um 1330).

Bernard Binlin Dadié, geboren 1916, Schriftsteller der Republik Elfenbeinküste; Kulturminister; schuf mit folkloristischen Gestaltungsmitteln eine kämpferische Lyrik, unter anderem (Afrika erhebe Dich» 1950), und leistete mit Romanen, unter anderem «Ein Neger in Paris» (1959), einen kulturpolitisch bedeutsamen Beitrag zur Befreiungsbewegung.

Dagan, Dagon (hebräisch, «Getreide»), vorderasiatischer Fruchtbarkeits-, Getreide- und Wettergott; wurde in Mesopotamien, Syrien und Palästina verehrt.

dagestanische Sprachen: einer der 4 Sprachzweige der kaukasische Sprachen, bildet mit dem den ostkaukasischen Sprachzweig (über 1,5 Millionen Sprecher) in der dagestanischen ASSR, in Aserbaidschan und Georgien. Die dagestanische Sprachen werden gegliedert in die awaro-ando-didoische, lakische, darginische und lesginische Gruppe; sie weisen ein reiches Konsonantensystem sowie den Ergativ auf.

Daguerre, Louis Jacques Mandé, 18.11.1787-12.7.1851, französischer Maler; entwickelte das fotografische Verfahren von J. N. Niépce weiter zur Daguerreotypie, einer Vorläuferin der Fotografie. Das Verfahren gab F. Arago 1839 vor der Akademie der Wissenschaften in Paris bekannt.

Dahabije: ruderbares, auf dem Nil übliches langes, schmales Segelschiff mit Kajüte und Verdeck für den Transport von Lasten und Fahrgästen.

Dahlak-Inseln, Dahlak-Archipel: zu Äthiopien gehörende, zum Teil bewohnte Inselgruppe im Roten Meer, vor Massaua; etwa 950 km2; 2 größere (Dahlak, Nora) und 124 kleinere flache und wüstenhafte Koralleninseln; Perlengewinnung, Schildkrötenfang.

Dahlie, (nach einem schwedischen Botaniker) Georgine (nach einem deutsch Botaniker) Dahlia pinnata: Korbblütler aus Mexiko mit Wurzelknollen und großen Blütenständen; sehr variable Zierpflanze mit mehr als 1000 Formen und Sorten, zum Beispiel Mignon-, Duplex-, Kaktus-, Schmuck-, Pompon-Dahlie.

Dahlmann, Friedrich Christoph, 13.5. 1785-5.12. 1860, liberaler Politiker, Staatsrechtslehrer und Historiker; gehörte zu den Göttinger Sieben, arbeitete 1848/49 die Reichsverfassung mit aus. Schrieb unter anderem «Die Politik auf den Grund und das Maß der gegebenen Zustände zurückgeführt» (1835), «Geschichte der englischen Revolution» (1844), «Geschichte der französischen Revolution» (1845).

Dahme: 1. linker Nebenfluss der Spree; 108 km; entspringt südlich von Dahme 2, durchfließt mehrere Seen, mündet in Berlin.

2. Stadt im Kreis Luckau, Bezirk Cottbus, südlich des Niederen Flämings; 5000 Einwohner; Metall-, Leichtindustrie; Landwirtschaft (Obstbau); Heimatmuseum, Tierpark; Stadtmauer (Vogelturm).

Dahn, Felix, 9.2. 1834-3.1. 1912, Schriftsteller; suchte mit dem effektvoll-pathetischen Roman «Ein Kampf um Rom» (1876), der die Überlegenheit der Germanen erweisen sollte, das preußische-deutsche Kaiserreich historisch zu begründen.

Daimyo: (japanisch, «Großer Name») im feudalen Japan zunächst Bezeichnung des über große Ländereien verfugenden Lehnsadels, im 17./18. Jahrhundert der 262 Territorialfürsten; 1869/71 verloren die Daimyo ihre Machtbefugnisse, wurden aber mit großen Geldsummen und neuen Adelstiteln abgefunden.

Daisne, Johan, eigentlich Herman Thiery, 2. 9.1912-9. 8.1978, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; schrieb psychologisch-analytische Romane, in denen Wirklichkeit und Traum zu einem «magischen Realismus» verwoben sind («Der Mann, der sein Haar kurz schneiden ließ», 1958, deutsch) sowie Lyrik, Dramatik und Studien über Literatur und Film.

Dalx, Pierre, geboren 24. 5.1922, französischer Schriftsteller und Kritiker; Mitglied der Résistance; während der 50er Jahre einer der Hauptvertreter der progressiven Literatur, zum Beispiel «Die letzte Feste» (1950, deutsch); später Übergang zu revisionistischen Positionen.

Dajak, Dayak: Sammelbezeichnung für die etwa 300 Stämme zählende indonesische Inlandbevölkerung Kalimantans; mehr als 2 Millionen; Bodenbauer (Trockenreis), zum Teil auch Sammler und Jäger; bis ins 20. Jahrhundert gefürchtete Kopfjäger.

Dayan Khan: 1460—1543, mongolischer Fürst; einigte die ostmongolische Stämme erneut und bezeichnete sich als Großkhan.

Dajtit-Gebirge: Gebirge im mittleren Teil Albaniens, nordöstlich von Tirana; höchster Teil der inneralbanischen Randkette, die Inner- und Niederalbanien voneinander scheidet, mit mächtigem Steilabfall; bis 1612 m; bis 500 m Vegetationsstufe der mediterranen Macchie, bis 1000 m Eichen-, darüber Buchenzone; die höchsten Erhebungen liegen über der Baumgrenze; bei Selita Stausee (Trinkwasserversorgung, Wasserkraftwerk).

Dakar: Hauptstadt und wichtigstes Industriezentrum von Senegal, auf der Halbinsel Kap Verde, am Atlantik; mit Vororten 1,5 Millionen Einwohner; Erdnussverarbeitung, Leicht-, chemische, Metall-, Zementindustrie; Werft; Erdölraffinerie; internationale Messe; Verkehrsknoten; größter westafrikanischer Hafen, internationaler Flughafen Yoff; Universität, Hochschulen; Theater. Als Fischerdorf 1764 in einem «Vertrag» durch den lokalen Herrscher an Frankreich abgetreten; 1857 zu einem französischen Fort ausgebaut; 1902/58 Hauptstadt der kolonialen Föderation Französisch Westafrika; seit 1958 ist Dakar Hauptstadt der heutigen Republik Senegal.

Dakien, Dazien (lateinisch griechisch): historisches Gebiet (etwa das heutige Rumänien). Die Daker (nördlichster Zweig der Thraker), auch Geten genannt, bildeten hier ab 300 vor Christus erste Staaten, die durch militärische-demokratische Züge und eine schwach entwickelte Sklaverei gekennzeichnet waren. Burebista vereinigte diese um 82 vor Christus zu einem Staat, dessen kulturelles und religiöses Zentrum später Sarmizegetusa (in den Südkarpaten) war. Dakien wehrte die Angriffe der Kelten ab, musste sich aber nach 3 Kriegen (87/106 nach Christus) den Römern unterwerfen. Die römische Provinz wurde kolonisiert und romanisiert. Als sie Zuschussgebiet wurde, zog Rom seine Behörden und Truppen aus Dakien zurück (271/74 nach Christus).

Dakota: (englisch - indianisch, «Verbündete») zur Sioux-Sprachgruppe gehörende Gruppe von 7 Indianerstämmen in Nord- und Süddakota (USA), früher auch unter der Bezeichnung Sioux bekannt; vorwiegend Prärieindianer, zum Teil Bodenbauer; heute noch 50000 (zum Teil in Reservationen); 1852, 1862 und 1876 verteidigten sie ihre Jagdgebiete gegen US-amerikanische Truppen (25.6. 1876 Sieg unter Häuptling Tatanka Yotanka, englisch Sitting Bull, über General Custer). Siehe auch Wounded Knee.

Daktyliothek: Sammlung von Gemmen sowie deren Abgüssen. Daktyliotheken bestanden in der Antike; sie wurden im Mittelalter aufgelöst und die Steine zum Schmuck kirchliche Prunkstücke verwandt. Neue Daktyliotheken entstanden seit der italienischen Frührenaissance; heute sind sie in der Regel Bestandteil großer Antikensammlungen.

Daktylogramm: Abdruck der Hautleisten aller Fingerkuppen, auch der Handfläche und Fußsohle zum Vergleich mit festgestellten Fingerspuren zur Erkennung von Spurenverursachern (Daktyloskopie). Daktylogramm können in Karteien erfasst oder mit Hilfe der EDV ausgewertet werden.

Daktyloskopie, Fingerabdruckverfahren: Wissenschaft vom Hautrelief der Finger, auch der Handfläche und Fußsohle. Die Daktyloskopie ist in der Anthropologie bei erbbiologischen Untersuchungen und in der Kriminalistik bei der Identifizierung unbekannter Personen und von Spurenverursachern von großer Bedeutung. Das Hautrelief ist bei jedem Menschen anders und verändert sich während des Lebens nicht.

Dalai Lama: (tibetisch, «Ozean des Wissens») Oberhaupt des Lamaismus seit dem 15. Jahrhundert; gilt als Verkörperung des Schutzheiligen von Tibet. Der Dalai Lama wurde im 17. Jahrhundert zugleich weltliches Oberhaupt Tibets. 1959 floh der 14. Dalai Lama aus Tibet, lebt im Exil in Indien.

Dalben, Dalbe: Bündel von Holz-, Stahlrohr- oder Stahlbetonpfählen, das in den Grund von Hafenbecken eingerammt ist; dient zum Festmachen von Schiffen, zum Schutz von Wasserbauten vor Beschädigung durch Schiffe sowie als Fahrwasserbegrenzung.

Dalberg: 1. Karl Theodor Freiherr von Dalberg, 8.2. 1744-10.2. 1817, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, 1806 «Fürstprimas» des Rheinbundes. Dalberg war ein glühender Bewunderer Napoleons I. Als bedeutender Vertreter der katholischen Aufklärung förderte er Kunst und Wissenschaft. Mit Wieland, Herder, Goethe, Schiller stand Dalberg in Gedankenaustausch.

2. Wolfgang Heribert Reichsfreiherr von Dalberg, 13.11. 1750-27. 9. 1806, badischer Staatsminister; 1778 Gründer und (bis 1803) Intendant des Mannheimer Nationaltheaters; entwickelte durch kluge Ensemblepolitik und mutige Spielplangestaltung (unter anderem Uraufführung der frühen Dramen Schillers) das Mannheimer Nationaltheater zur führenden deutschsprachigen Schauspielbühne seiner Zeit.

Dalcroze, eigentlich Jaques-Dalcroze, Emile, 6. 7. 1865-1. 7. 1950, schweizerischer Musikpädagoge; gründete 1910 in Hellerau bei Dresden eine Schule für rhythmische Gymnastik; seine Lehrmethode («Hellerauschule») wurde wegweisend für den modernen Ausdruckstanz.

Daleminzen: slawische, zur Gruppe der Sorben gehörender Stamm; seit der 2. Hälfte des 6. Jahrhundert zwischen Zschopau und Elbe sowie um Meißen/Oschatz ansässig. Die zeitweilig mit den Ungarn verbündeten Daleminzen wurden 929 von Heinrich I. endgültig unterworfen. Das Gebiet der Daleminzen wurde zum Kerngebiet der Mark Meißen.

Dallas: Stadt im Bundesstaat Texas (USA), am Trinity; 900000 Einwohner, als Metropolitan Area 2,7 Millionen Einwohner; Handels-, Finanz- und Verkehrszentrum; Sitz großer Erdöl- und Versicherungsgesellschaften; bedeutender Maschinenbau (Flugzeug-, Kfz-Bau, Produktion von Baumwollreinigungs- und Landmaschinen sowie Tiefbohrgeräten), Erdölverarbeitung, traditionelle Baumwoll-, Konfektions-, Nahrungsmittel-, Holzindustrie; internationaler Flughafen; 2 Universitäten, Oper.

Dalmatien: Küstengebiet Kroatiens, an der Adria; umfasst einen 450 km langen Streifen zwischen der Halbinsel Istrien im Nordwesten und der Bucht von Kotor im Südosten; vor der Küste die zahlreichen langgestreckten Dalmatinischen Inseln. Dalmatien ist ein wichtiges Fremdenverkehrsgebiet mit vielen Seebädern (Rijeka, Bakar, Sibenik, Split, Ploie, Dubrovnik, Bar unter anderem), die durch eine durchgehende Küstenstraße miteinander verbunden sind. Unter mildem, sonnigem Mittelmeerklima üppige subtropische Vegetation; mitunter schädliche Wirkung der vom Gebirge herabwehenden kalten Fallwinde (Bora); Wein-, Oliven- und Obstbau; Bauxitabbau; Industrie besonders in den Hafenstädten (Rijeka, Zadar, Split). Im Altertum von Illyrern besiedelt; seit 33 vor Christus Teil der römischen Provinz Illyricum; im 6./7. Jahrhundert Einwanderung slawischer Stämme. Im Mittelalter unter byzantinische, kroatische (10./11. Jahrhundert), ungarische (12./14. Jahrhundert) und venezianische, das dalmatinische Binnenland im 16./17. Jahrhundert unter türkischer Herrschaft. Von 1797 (Friede von Campoformio) bis 1918 war Dalmatien österreichisch, jedoch seit 1805 (vorübergehend) unter französischer Kontrolle, gehörte es 1809/13 zu den Illyr. Provinzen. Seit 1848 entwickelte sich eine nationale südslawische Bewegung. 1918/41 war Dalmatien (außer Zadar und einigen Inseln) jugoslawisch; 1941/44 Teil des faschistischen Kroatiens (mit Ausnahme eines italienischen Küstenstreifens und der Inseln). Seit 1945 ist Dalmatien (ohne Kotor) Teil der sozialistischen Republik Kroatien.

Dalmatiner: sehr alte, schwarz oder schokoladenbraun gefleckte weiße Hunderasse, 50 bis 60 cm hoch, 20 bis 30 kg schwer, kurzhaarig.

Dalmatinische Inseln: die vor Dalmatien gelegenen, zu Kroatien gehörenden Inseln Krk, Cresische Brai, Hvar, Pag, Korcula, Vis unter anderem, Reste des untergetauchten Dinarischen Gebirges; Fischerei, Schiffbau; starker Fremdenverkehr (zahlreiche Seebäder).

Dalton, John, 6. 9.1766-27. 7.1844, britischer Chemiker und Physiker; entdeckte das Gesetz der multiplen Proportionen und begründete hieraus sowie unter Anwendung der Lavoisierschen Elementenlehre die wissenschaftliche Atomtheorie.

Daltonide: (nach J. Dalton) chemische Verbindungen, in denen die Massen der Bestandteile in streng stöchiometrischen Verhältnissen stehen und die sich durch eine eindeutige chemische Formel beschreiben lassen, zum Beispiel Wasser (H20) oder Methan (CR,). Im Gegensatz hierzu stehen die Berthollide.

Damanhur: Stadt (Gouvernoratszentrum) in Ägypten, im westlichen Nildelta; 190000 Einwohner; Teppichweberei, Baumwollverarbeitung; pharmazeutische Fabrik; Handelszentrum (Baumwolle); Eisenbahnknoten.

Damaskus, Dimashq, Dimaschk: Hauptstadt Syriens, im Südwesten des Landes, inmitten einer Bewässerungsoase (Ghuta von Damaskus); 1,3 Millionen Einwohner; wichtigstes Handels-, Kultur- und Wirtschaftszentrum Syriens und eine der bedeutendsten Städte des Nahen Ostens; vielseitige Leichtindustrie (Produktion von Textilien, Lederwaren, Tabakwaren, Seife, Glas unter anderem), metallverarbeitende und Elektroindustrie, Zementfabrik, traditionelles Kunsthandwerk (besonders Teppichweberei); internationale Messe; Verkehrsknoten (Beginn der Hedschasbahn, internationaler Flughafen); Universität, Arabische Akademie, Moscheen (unter anderem Umayyaden-Moschee (8. Jahrhundert)), türme reiche Stadtmauer, Nationalmuseum. Damaskus ist eine alte Siedlung an der Kreuzung mehrerer Verkehrswege; seit dem 12. Jahrhundert vor Christus Mittelpunkt des aramäischen Reiches; 732 assyrisch, 539 persisch, 333 unter Herrschaft Alexanders des Großen, 64 dem römischen Reich einverleibt, 635 nach Christus von den Arabern erobert; 661/750 Hauptstadt unter den Umayyaden-Kalifen; 969 von den Fatimiden beherrscht, 1076 von den Seldschuken erobert. Politische und ökonomische Bedeutung wuchs unter den Zengiden (1154/76) und Ayyubiden (1176/1250). 1260/1515 Zentrum der ägyptischen Mamluken-Provinz Syrien; 1400/01 von Timur verwüstet. 1516/1918 osmanische Provinzhauptstadt; seit 1533 venezianische Handelsniederlassung; nach 1775 wachsender französischer Einfluss; seit Mitte des 19. Jahrhundert ein Zentrum der arabischen Unabhängigkeitsbewegung. 1920 wurde Damaskus Hauptstadt des französischen Mandatsgebietes Syrien; seit 1946 Hauptstadt der unabhängigen Republik Syrien.

Damast: (nach Damaskus) feinfädiges jacquard-gemustertes Gewebe aus Leinen-, Baumwoll-, Viskosefasergarn oder Chemieseide mit den durch Wechsel der Gewebebindung erzielten typische Lichtreflexen.

Damaszieren: (nach Damaskus) 1. Fertigungstechnik: Verwinden und Ausschmieden zusammengeschweißter Stäbe aus härtbarem Suhl, wodurch dieser neben der Härte hohe Elastizität erhält. Die Oberfläche daraus gefertigter Gegenstände, besonders Waffen (Damaszener Klingen) zeigen nach dem Ätzen eine dem Damastgewebe ähnliche Zeichnung.

2. Kunstgewerbe: veraltete Bezeichnung für Tauschierung.

Damavand, Demawend: höchster Berg Irans, erloschener Vulkan im Elbursgebirge, 70 km nördlich von Teheran; 5604 m; Firnfelder mit kleinen Gletschern; Schwefelquellen.

Tsendiin Damdinsüren, 14. 9.1908-1979, mongolischer Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer, Mitbegründer der modernen mongolischen Literatur. Seine Erzählungen und Gedichte befassen sich vor allem mit der Erziehung des neuen Menschen.

Dame: 1. Königin: kampfstärkste Schachfigur; vereinigt die Zugmöglichkeiten von Turm und Läufer in sich.

2. Dame (französisch): a) Brettspiel für 2 Personen auf einem 64feldrigen oder 100feldrigen Brett;

b) der als Dame gekennzeichnete Stein mit Sonderrechten.

3. Dame (französisch): Blatt der französischen Spielkarte; deutsche Karte Ober.

4. Dame (englisch französisch): weiblicher nichterblicher Titel des niederen Adels in Großbritannien, an die Verleihung von Orden gebunden; siehe auch Gentry.

Damhirsch, Dama dama: in Rudeln lebender Hirsch mit schaufelartigem Geweih; bewohnt waldige Parklandschaften Kleinasiens und Europas. In der Weidmannssprache als Damwild bezeichnet.

Damm: 1. Damm, Perineum (lateinisch - griechisch) Anatomie: schmale Gewebebrücke zwischen After und Scheide (bei der Frau) beziehungsweise Hodensack (beim Mann).

2. Bautechnik: a) befestigte Fahrbahn (Knüppeldamm);

b) aufgeschütteter oder gespülter, langgestreckter Erd- oder Steinkörper von trapezförmigem Querschnitt zur Eindämmung und Stauung des Wassers (Deich, Stauanlage) oder als Unterbau von Straßen und Eisenbahnen.

Damm: 1. Hans Damm, 25.6.1895-24. 4. 1972, Völkerkundler; 1954/70 Direktor des Museums für Völkerkunde in Leipzig, um dessen Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg er sich große Verdienste erwarb; verfasste wissenschaftliche Arbeiten über Völker Ozeaniens.

2. Peter Damm, geboren 27.7.1937, Hornist; 1959/69 Solohomist des Gewandhausorchesters Leipzig, seit 1969 der Dresdner Staatskapelle; erfolgreicher Konzertsolist auch im Ausland.

Dammar: weißes, braunes oder schwarzes, fast geruchloses Harz verschiedener Flügelfruchtgewächse Indonesiens und Indiens. Es wird durch Lebendharzung gewonnen und als Lackrohstoff verwendet.

Damme, Jutta, geboren 13. 8.1929, Malerin und Graphikerin; 1949/53 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, seit 1967 dort Professor. Familien- und Kindermotive, der Alltag junger Menschen sowie Arbeitsdarstellungen stehen im Mittelpunkt ihrer Kunst, die. von kräftiger Farbigkeit und flächig-kompakten Formen bestimmt wird.

Dämmerschlaf: mit stark eingeschränktem Wachbewusstsein verbundener schlafähnlicher Zustand, hervorgerufen durch monotone Reize (Eisenbahnfahrt) oder zu hohe Dosierung von Beruhigungsmitteln.

Dämmerung: allmähliche Ab- beziehungsweise Zunahme der Helligkeit beim Übergang vom Tag zur Nacht und umgekehrt, da das Licht der unter dem Horizont stehenden Sonne von der Atmosphäre gestreut wird. Je nach dem Stand der Sonne unter dem Horizont unterscheidet man die bürgerliche Dämmerung (-6,5°, Büchsenlicht), nautische Dämmerung (-12°) und astronomische Dämmerung (-18°). Die Länge der Dämmerung hängt von der geographischen Breite und der Jahreszeit ab.

Dämmerungseffekt, Nachteffekt: Störeffekt in der Funkortung und Navigation, der bei Peilanlagen im Lang- und Mittelwellenbereich auftritt. Dämmerungseffekt entsteht durch Interferenz von Boden- und Raumwelle, wobei während der Dämmerung und nachts die Raumgegenüber der Bodenwelle anwächst.

Dämmerungsschalter: ein elektronisches Schaltgerät zum selbsttätigen Ein- und Ausschalten von Straßen-, Schaufensterbeleuchtungen unter anderem, das mittels eines lichtempfindlichen Bauelements bei Unter- beziehungsweise Überschreiten einer einstellbaren Beleuchtungsstärke einen Stromkreis schließt beziehungsweise öffnet.

Dämmerungssehen: Leistung des Sehorgans bei stark herabgesetzter Helligkeit. Die Empfindlichkeit der Netzhaut gegenüber Licht wird um ein Vielfaches (105) größer im Vergleich zum Sehen bei Tageslicht.

Dämmerzustand: Bewusstseinseinengung vor allem bei Epilepsie mit oder ohne Erregung. Der Betreffende kann sich unter anderem an Ereignisse nicht erinnern.

Dämmplatten: Bauplatten aus Dämmstoffen, zum Beispiel Schaumglas, Schaumkunststoffen, gepresstem Stroh; siehe auch HWL-Platte.

Dammriß: während der Geburt entstehende Verletzung von Scheidenwand und Damm; abhängig von Dehnbarkeit der Weichteile, Größe und Lage des Kindes sowie Art der Entbindung.

Dammschnitt, Episiotomie (griechisch): Scheiden-Damm-Einschnitt in Haut und Beckenbodenmuskulatur während der Austreibungsperiode (siehe auch Geburt) zur Erweiterung des weichen Geburtskanals und zur Vermeidung eines Dammrisses.

Dammschutz: Gesamtheit der Maßnahmen beziehungsweise Handgriffe, die während der Geburt (beim Durchtreten des Kopfes) die Gewebe entspannen und dadurch einen Dammriß verhindern.

Dämmstoffe: lufthaltige Materialien mit geringem Wärmeleitvermögen und hoher Schallabsorption. Dämmstoffe werden in loser Form aus Kieselgur, Torfmull, Schlacke, als Wolle oder Gespinst, in Mattenform aus Glasfasern, Mineralwolle, Schilfrohr und als Dämmplatten verwendet.

Dämmung: Teilgebiet des Bautenschutzes; umfasst Schall- und Wärmeschutz durch Dämmstoffe.

Dämon: im alten Volksglauben übernatürliches Wesen in Menschen- oder Tiergestalt, ursprünglich Bezeichnung für Gottheit, später den Göttern gegenüber abgewertet (Halbgott, Geist); die Bedeutung «böser Geist» wurde durch das Christentum sanktioniert.

Damophon von Messene, griechischer Bildhauer des 2. Jahrhundert vor Christus; schuf vor allem Kultbilder in Marmor und Holz, restaurierte auch den Zeus von Olympia des Phidias. Seine Kultbildgruppe aus dem Heiligtum der Despoina von Lykosura (jetzt Athen, Nationalmuseum) ist teilweise erhalten.

Dampf: Gas nahe dem Übergang zum flüssigen (oder festen) Aggregatzustand, bei Wasser der gasförmige Zustand schlechthin. Als gesättigten oder Nassdampf bezeichnet man Dampf, der sich im thermischen Gleichgewicht mit seiner flüssigen Phase befindet. Der Druck in diesem Sättigungszustand ist von der Temperatur abhängig und heißt Dampfdruck. Ist die Flüssigkeit völlig verdampft, heißt der Dampf trockengesättigter oder Trockendampf. Durch weitere Temperaturerhöhung entsteht ungesättigter, überhitzter oder Heißdampf, der in der Technik (vorwiegend zur Erzeugung von Elektroenergie) bis zu Temperaturen von 650°C verwendet wird. Siehe auch Sieden.

Dämpfanlage: absätzig oder stetig arbeitende stationäre oder fahrbare Einrichtung zum Dämpfen von Futtermitteln (besonders Hackfrüchten), zuweilen auch von Erde (Gewächshauserde) zwecks Sterilisation.

Dampfbad, russisch-römisches Bad: Bad in einem feuchtigkeitsgesättigten warmen bis heißen Raum (40 bis 60 °C) für die Dauer von 5 bis 30 Minuten. Nebenerscheinung tritt dabei zum Teil erwünschte beziehungsweise unerwünschte Verfärbung auf.

2. Textiltechnik: Behandeln von bedruckten und beziehungsweise oder gefärbten Textilien mit gesättigtem Dampf in Dämpfeinrichtungen zum Fixieren des Farbstoffes, zur Verhinderung der Kringelbildung oder zur Formgebung.

Dampfer, früher Dampfschiff, Dampfboot: Bezeichnung der Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhundert aufkommenden Schiffe mit Dampfmaschinenantrieb. Zuerst nur auf Flüssen und Seen, ab etwa 1840 auch im Überseeverkehr eingesetzt, waren Dampfer noch bis 1890 zusätzlich mit Stützsegeln zur Schlingerdämpfung ausgerüstet. Der Vortrieb erfolgte anfangs durch Schaufelräder (Raddampfer), ab etwa 1875 bei Seeschiffen ausschließlich durch Schiffsschrauben, wobei man später Ein- und Mehrschraubendampfer unterschied. Heute bezeichnet man als Dampfer im engeren Sinne (Abkürzung D, englisch SS (Steamship)) nur noch die durch eine oder mehrere Kolbendampfmaschinen (Mehrfachexpansionsmaschinen) häufig zusätzlich mit Abdampfturbine angetriebenen Schiffe. Die zum Erzeugen des notwendigen Dampfes dienenden Wasserrohrkessel haben meist Ölheizung, kaum noch Kohlefeuerung. im weiteren Sinne sind auch die Seeschiffe mit Antrieb durch Dampfturbine zu den Dampfer zu zählen, die heute aber allgemein als Turbinenschiffe bezeichnet werden.

Dämpfer, Sordino: bei Musikinstrumenten Vorrichtung zur Klangdämpfung bei gleichzeitiger Klangfärbung;

a) bei Streichinstrumenten kammartiger Aufsatz auf dem Steg;

b) bei Metallblasinstrumenten Holz-, Metall- oder Kunststoffkegel, der in den Schalltrichter gesteckt wird;

c) beim Klavier die durch das linke Pedal bewirkte Vorneigung oder (beim Flügel) seitliche «Verschiebung» der Hämmer.

Dampferzeuger, Dampfkessel: Einrichtung zur Erzeugung von Dampf bestimmten Druckes und entsprechend Temperatur für Betriebs- und Heizzwecke durch Wärmezufuhr. Nach der Art der Wärmezufuhr unterscheidet man brennstoffgefeuerte, Elektro- und Kerndampferzeuger. Bei den brennstoffgefeuerten Dampferzeuger gliedert man nach Brennstoff- und Feuerungsart in kohlegefeuerte (Rost- und Kohlenstaubdampferzeuger) Öl- und Gaskessel. Die bei der Verbrennung freiwerdende Wärme wird durch Strahlung und Berührung der heißen Rauchgase mit den Heizflächen an Wasser beziehungsweise Dampf übertragen. Die Rauchgase strömen

Damno: Schaden, Verlust, Einbuße, zum Beispiel bei Anleihen, Wechseln, infolge wucherischer Provision; Abzug vom Nennwert eines Darlehens.

Damodar: Fluss im Nordosten Indiens, rechter Nebenfluss des Hugli; 590 km; entspringt im Bergland von Chota Nagpur, am Oberlauf 4 Staudämme mit Wasserkraftwerken (Tilaya, Konar, Maithon, Panchet Hill; 104 MW) sowie eine Talsperre bei Durgapur; im Tiefland des Unterlaufes Schifffahrtskanal von 137 km Länge nach Calcutta. Die umfangreichen hydrotechnischen Bauwerke schützen das industriereiche Damodartal im Mittel- und Unterlauf vor Überschwemmungen und ermöglichen die Bewässerung von rund 500000 ha Ackerland.

Dampfdruck: 1. Meteorologie: Teildruck des Wasserdampfes in der Atmosphäre; in mittleren geographischen Breiten zwischen 0 hPa (trockene Luft) und 25 hPa.

2. Dampfdruck, Sättigungsdruck: Thermodynamik - der Druck von gesättigtem Dampf. Dampfdruckerniedrigung heißt das Absinken des Dampfdruck einer Flüssigkeit, wenn schwer- oder nichtflüchtige Stoffe in ihr gelöst werden, zum Beispiel Kochsalz in Wasser. Siehe auch Raoultsches Gesetz.

Dämpfen: 1. Holztechnik Behandeln von Holz mit Dampf zur Verbesserung der Bearbeitungseigenschaften (Senkung des Elastizitätsmoduls) zum Beispiel beim Biegen sowie bei der Furniererzeugung; als durch ein oder mehrere Rohre des Dämpfen (Flammenrohr-, Rauchrohr-Dämpfen) oder umströmen wassergefüllte Trommeln (Walzenkessel) beziehungsweise Rohre. Infolge der günstigen Wärmeübertragung dominiert heute für große Dämpfen Leistungen der Strahlungskessel, dessen Brennkammer allseitig mit Verdampfer Rohren (Kühlrohre) ausgekleidet ist. Zur besseren Ausnutzung der Rauchgaswärme besitzen die modernen Dämpfen Überhitzer und zum Teil Zwischenüberhitzer (von Rauchgasen umströmte Rohrschlangen zum Nachtrocknen und Überhitzen des Dampfes), ferner Speisewasservorwärmer und Luftvorwärmer. Elektro-Dämpfen sind Großwasserraumkessel mit Widerstands- oder Elektrodenheizung. Dämpfen für Kernkraftwerke (Kern-Dämpfen) werden entsprechend dem Reaktortyp (gasgekühlter, Druckwasser-, Siedewasser-, Brutreaktor) und Reaktorkühlmittel gestaltet. Bau, Betrieb und Überwachung von Dämpfen sind gesetzlich geregelt; sie unterliegen den Bestimmungen der Techn. Überwachung.

Dämpfigkeit, Hartschlägigkeit: vorwiegend bei Pferden auftretende chronischen, unheilbare Erkrankung der Lunge oder des Herzens.

Dampfkochtopf, Dampfdrucktopf, mit Schraubdeckel fest verschließbares Stahl- oder Leichtmetallgefäß, das durch Dampfüberdruck bei Temperaturen über 100 °C Speisen energiesparend in kürzerer Zeit als im offenen Topf gar macht (daher auch Schnellkochtopf genannt) und die Vitamine weitgehend erhält.

Dampfkraftwerk: Anlage (Wärmekraftwerk) zur Umwandlung von Wärmeenergie aus Kohle, Erdöl, -gas, Kernspaltstoffen oder aus einem natürlichem Wärmegefälle (Erd-, Wasserwärme) über Wasserdampf als Arbeitsmittel in elektrischer Energie (Kondensationskraftwerk), eventuell auch gekoppelt mit Abgabe von Prozesswärme (Heizkraftwerk).

Dampfkühlung: Nutzung der Verdampfungswärme von Flüssigkeiten, besonders Wasser, zur Kühlung von Verbrennungsmotoren.

Dampfleistung: die in einem Dampferzeuger je Zeiteinheit erzeugte Dampfmenge, angegeben in kg/s oder t/h.

Dampfmaschine: Wärmekraftmaschine zum Umsetzen der Energie gespannter Dämpfe (meist Wasserdampf) in Bewegungsenergie (mechanische Energie). Bei der Kolbendampfmaschine wirkt der Druck des aus dem Dampferzeuger in den Zylinder geleiteten Dampfes periodisch abwechselnd auf beide Seiten eines Kolbens, so dass dieser im Zylinder hin- und hergeschoben wird (Doppelwirkung); die Bewegung wird über ein Schubkurbelgetriebe (Kolbenstange, Kreuzkopf, Pleuelstange, Kurbelwelle) in eine drehende umgewandelt. Die erste brauchbare Niederdruckdampfmaschine wurde 1769 von J. Watt gebaut.

Dampfmotor: stehende, schnelllaufende gekapselte Dampfmaschine mit Ventilsteuerung in Mehrzylinderbauart.

Dampfpumpe: Kolbenpumpe mit Dampf- und Pumpenzylinder (hintereinanderliegend), die durch eine gemeinsame Kolbenstange verbunden sind. Die Dampfpumpe besitzt weder Kurbeltrieb noch Schwungmasse; dadurch einfache Bauart und wartungsarm. Eingesetzt wird die Dampfpumpe zum Beispiel in Kleinkraftwerken oder Heizungsanlagen als Kesselspeisepumpe. In Sonderfällen kann sie auch mit Druckluft betrieben werden.

Dampfreformierung: technisches Verfahren zur Herstellung von Synthesegas (für Ammoniak, Methanol unter anderem) aus Erdgas, Raffineriegas oder Leichtbenzin durch nickelkatalysierte Spaltung mit Wasserdampf bei 750 bis 950°C und 2 bis 3 MPa Druck. Es entsteht ein kohlenmonoxid- und wasserstoffhaltiges Gas, das gegebenenfalls noch konvertiert und mit Stickstoff angereichert wird.

Dampfstrahlgebläse: Strahlgebläse mit Dampf als Treibgas zur Förderung von Gasen nach dem Ejektorprinzip. Beim Fördervorgang findet eine Durchmischung von Treib- und Fördergas statt.

Dampfstrahlpumpe: Düsengerät zum Saugen und Pumpen, bei dem ein aus einer Treibdüse mit hoher Geschwindigkeit austretender Dampfstrahl die Förderflüssigkeit zwischen Treib- und Fangdüse ansaugt, sich mit ihr in der Fangdüse vermischt und im nachfolgenden Diffusor die notwendige Druckenergie erhält. Dampfstrahlpumpe werden als Injektoren bezeichnet, wenn ihr Förderdruck über dem Atmosphärendruck liegt, als Ejektoren, wenn sie Förderflüssigkeit ansaugen und nur gegen Atmosphärendruck fordern.

Dampfturbine: Wärmekraftmaschine als Strömungsmaschine hoher Drehzahl, bei der die Energie des strömenden Mediums (Wasserdampf) durch Umlenkung an gekrümmten Laufschaufeln in eine Drehbewegung des Laufrades umgewandelt wird. Bei Gleichdruckturbinen herrscht vor und hinter dem Laufrad gleicher Druck; bei Überdruckturbinen ist eine Erhöhung der Strömungsgeschwindigkeit im Schaufelgitter vorhanden, somit besteht ungleicher Druck vor und hinter dem Laufrad. Nach der Strömungsrichtung des Arbeitsmediums unterscheidet man Axial- und Radialturbine. Bei der Gegendruckturbine wird Dampf zur weiteren Verwendung (Heizung u. ä.) entnommen.

Dämpfung: 1. Nachrichtentechnik: die (meist frequenzabhängige) Verringerung der Signalgröße (Spannung, Leistung, Schalldruck unter anderem) zwischen dem Eingangs- und Ausgangsklemmenpaar eines Vierpols. Nach den Vierpolabschlusswiderständen unterscheidet man dabei zwischen Wellen-, Betriebs-, Restdämpfung unter anderem. Die an einem Vierpolklemmenpaar auftretende Wellenreflexion wird durch die Rückflussdämpfung und der Oberwellengehalt eines harmonischen Signals durch die Klirrdämpfung gekennzeichnet. Als logarithmischen Dämpfungsmaße dienen Neper (Np) oder Dezibel (dB). Siehe auch Pegel.

2. Physik: zeitliche oder auch räumliche Abnahme der Amplitude von Schwingungen oder Wellen durch Umwandlung der Schwingungsenergie in andere Energieformen, meist in Wärmeenergie. Bei geringer Dämpfung erfolgt eine oszillatorische, bei starker Dämpfung eine monotone Annäherung an die Ruhelage. Dem aperiodischen Grenzfall entspricht die kleinste Dämpfung, bei der die Annäherung monoton erfolgt. Bei Antennen spielt die Dämpfung elektromagnetischen Schwingungen durch Ausstrahlung eine Rolle. Ein Dämpfungsmaß ist das Verhältnis zweier aufeinanderfolgender Amplituden gleichen Vorzeichens oder der natürliche Logarithmus dieses Verhältnisses (logarithmische Dekrement, Zeichen A). Siehe auch Schwingung.

Dämpfungsglied: Vierpol aus ohmschen Widerständen, der eine elektrische Signalgröße (Spannung, Leistung) zwischen seinem Eingangs- und Ausgangsklemmenpaar um einen konstanten (Festwert-Dämpfungsglied) oder einstellbaren Faktor (einstellbares Dämpfungsglied) verringert. Ein Dämpfungsglied wird durch seine Dämpfung und seinen Wellenwiderstand charakterisiert.

Dämpfungsmaß: logarithmiertes Verhältnis von Energiegrößen P (zum Beispiel Leistung, Energie) oder Feldgrößen U (zum Beispiel elektrische Spannung, Schalldruck) zur Kennzeichnung der Dämpfung zum Beispiel einer Schallwelle beim Durchgang durch eine Wand oder eines elektrischen Signals längs einer Leitung. Das Neper ist nur noch in der Fernmeldetechnik üblich.

Dampier: Ort an der Nordwestküste Westaustraliens; 3400 Einwohner; Hafen (Verschiffung der Eisenerze von Mount Tom Price); Erzanreicherungs-, Meerwasserentsalzungsanlage.

Dan: nach Prüfungen oder ehrenhalber verliehener Meistergrad beim Judo. Vom 1. bis 2. Dan werden schwarze, vom 6. bis 8. Dan rot-weiße und vom 9. bis 10. (höchster) Dan rote Gürtel, im Wettkampf ausschließlich schwarze Gürtel getragen (daher Bezeichnung Schwarzgurtträger)

Danae, in der griechischen Sage Tochter des Königs Akrisios von Argos; durch Zeus, der in Gestalt eines goldenen Regens zu ihr kam, Mutter des Perseus.

Danaer: in den Epen Homers Bezeichnung für die Griechen.

Danaergeschenk: unheilbringendes Geschenk, ursprünglich das hölzerne Pferd, das die griechischen Eroberer Trojas in sich barg und von den Trojanern selbst in die Stadt gezogen wurde.

Danaiden: in der griechischen Sage die 50 Töchter des Danaos, töteten in der Brautnacht ihre Männer und mussten zur Strafe in der Unterwelt Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen (daher Danaidenarbeit: vergebliche, sinnlose Mühe).

Danakil, Selbstbezeichnung Afar («Freie»): kuschitisches Volk zwischen Rotem Meer und dem Hochland von Äthiopien (auf dem Gebiet Djiboutis und Äthiopiens); 700000; Hirtennomaden, zum Teil Bodenbauer und Fischer, Muslime.

Danakilland: heißes, trockenes Tiefland in Äthiopien und Djibouti, durch das Danakil-Gebirge (bis 2130 m) vom Roten Meer getrennt; Teil des Ostafrikanischen Grabensystems; Depressionsgebiete des Assale- (bis 116m u. M.) und Assalsees (bis 170 m unter dem Meeresspiegel); Salzseen und -sümpfe; Halbwüste.

Da Nang: Stadt (Provinzzentrum) im mittleren Teil von Vietnam; früher Tourane 500000 Einwohner; Leicht- und Lebensmittelindustrie sowie mechanischen Werkstätten; Verkehrsknoten, Flughafen, Transithafen für Laos.

Danckelmann, Eberhard Christoph Balthasar Freiherr von, 23.11.1643-31.3.1722, brandenburgischer Staatsmann; war bürgerlicher Herkunft; er förderte die Entwicklung von Handel und Gewerbe sowie die Zentralisierung der Verwaltung; 1697 durch Hofmtrigen gestürzt und 10 Jahre eingekerkert, 1713 wieder an den Hof berufen.

Dandelin, Germinal Pierre, 12.4.1794-15.2.1847, belgischer Mathematiker; untersuchte die Kegelschnitte mit Hilfe von Kugeln (Dandelinsche Kugeln), die den Kegel in je einem Kreis und die schneidende Ebene in je einem Brennpunkt berühren.

Danegeld: altenglische (Grund-) Steuer; wurde zwischen 991 und 1014 siebenmal erhoben, um den Tribut an die dänischen Normannen leisten beziehungsweise die Verteidigung gegen sie organisieren zu können; Grundlage der normannischen Besteuerung. Siehe auch Domesday Book.

Danegger, Mathilde, geboren 2.8.1903, Schauspielerin; spielte vor 1933 in Wien und Berlin (bei M. Reinhardt), später in Zürich und bewies nach 1945 insbesondere am Berliner Ensemble und am Deutschen Theater ihre lebendige Gestaltungskunst.

Dänemark: Staat in Mitteleuropa, grenzt im Süden an Deutschland, im Osten an die Ostsee, den Öresund und das Kattegat, im Norden an das Skagerrak und im Westen an die Nordsee. Dänemark ist in 1 Stadt- und 14 Amtskommunen (Bezirke) eingeteilt. Außerdem gehören zu Dänemark die autonomen Gebiete Färöer und Grönland. Währung ist die Dän. Krone.

Bevölkerung: Sie besteht fast ausschließlich aus Dänen, nur in Südjütland lebt eine kleine deutschsprachige Minderheit Amtssprache ist Dänisch. 82% der Bevölkerung wohnen in städtlichen Siedlungen.

Natur: Dänemark umfasst die Halbinsel Jütland und 406 Inseln, unter anderem Röm, Fano, Alsen, Fünen, Langeland, Seeland, Mön, Lolland, Falster und Bornholm.

- Außer Bornholm, das einen Granithorst darstellt, bilden Kreide und Tertiär den Untergrund der durch eiszeitliche Ablagerungen geprägten Oberfläche. Im Westen und äußersten Norden Jütlands sind es meist sandige, von Mooren durchsetzte, flachwellige Ebenen (Geest), im mittleren Teil Jütlands schließt sich ein von Norden nach Süden verlaufendes Endmoränengebiet mit Seengruppen an, den 0 bilden Grundmoränen, die von Förden durchsetzt sind. Auf den Inseln herrscht flachwellige Grundmoränenlandschaft vor. Das Klima ist maritim-gemäßigt; die Juliwerte liegen um 16°C, die Januarwerte im 0 um -0,5°C, Niederschläge nehmen von Westen (800 mm) nach Osten (500 mm) ab. Winde wehen meist aus westlicher Richtung. Öresund und Belte vereisen in kalten Wintern. Die Gewässer bestehen aus einer Reihe von Seen und kurzen, nicht schiffbaren Flüssen, die in die angrenzenden Meere münden. Böden. An Bodentypen finden sich im Westen Podsole, während sonst braune Waldböden überwiegen. Bodenschätze. Dänemark ist verhältnismäßig arm an Bodenschätzen (Kreidekalk, Diatomeen, Kaolin und etwas Braunkohle). In den letzten Jahren hat die Erschließung von Erdgas- und Erdölvorkommen im dänischen Anteil der Nordsee wachsende Bedeutung erlangt.

Dänemarkstraße: Meeresstraße zwischen Island und Grönland; 250 km breit, bis 600 m tief.

Danewerk: mittelalterliche dänische Befestigungsanlage zwischen Schlei und Treene in Schleswig; der älteste Teil der etwa 17 km langen Anlage wurde im 9. Jahrhundert errichtet, später wiederholt verstärkt.

Dänisch: zur östlichen Gruppe der nordischen Sprachen zählende Sprache; kennzeichnend sind Abgeschliffenheit der Endsilben und damit starke Vereinheitlichung der Flexionsendungen, ferner Konsonantenerweichung und Stoßton; vom 14. bis 18. Jahrhundert Aufnahme nieder- und hochdeutschen Wortguts.

Dänisches Punktefahren: Radsport Punktefahren, bei dem sich in den einzelnen Wertungen die Zahl der gewerteten Teilnehmer und die Punktzahl erhöht.

Dannecker, Johann Heinrich von, 15.10.17588.12. 1841, Bildhauer; gehört zu den bedeutendsten Vertretern der klassizistischen Bildhauerei in Deutschland; ausgebildet in Paris und Rom; seit 1790 Professor an der Karlsschule in Stuttgart. Das heroische Pathos seiner Schillerbüsten hat bestimmend das Bild des Dichters in der Auffassung der Nachwelt geprägt.

Danner-Verfahren: maschinelles Ziehen von Glasröhren mit Außendurchmessern von 2 bis 80 mm. Das flüssige Glas fließt auf eine schräg nach unten geneigte, sich drehende (Danner-) Pfeife aus hochlegiertem Stahl, überzogen mit Schamottematerial. Das aufgewickelte Band wird als Rohr auf einer horizontalen Ziehbahn durch eine Ziehmaschine abgezogen. Zur Aufrechterhaltung des inneren Hohlraumes wird durch die Pfeife Blasluft geleitet.

D'Annunzio, Gabriele, 12.3.1863-1.3.1938, italienischer Schriftsteller und Politiker; Wegbereiter faschistischer und chauvinistischer Ideen. Sein umfangreiches, stilistisch glanzvolles lyrisches, episches und dramatisches Werk, das der europäischen Dekadenz verhaftet ist und die italienische Literatur stark beeinflusste, ist geprägt von F. W. Nietzsches Philosophie des Übermenschen.

Dansker: unten offener Erker an Ordensburgen unter anderem mittelalterliche Wehrbauten, der als Abort diente. Dansker wurden auch zuweilen als selbständiger, turmartiger Bauteil über fließendem Wasser angelegt.

Dante Alighieri, Mai 1265-14.9.1321, italienischer Dichter, bekleidete öffentliche Ämter in seiner Vaterstadt Florenz; wurde nach dem Sieg der weif. Partei 1302 von dort verbannt; führte seitdem ein unstetes Wanderleben. Dante Alighieris Dichtung, die den Dolce Stil nuovo fortsetzt, steht unter dem Einfluss seiner vergeistigten Liebe zu Beatrice, die er in «Das neue Leben» (um 1291, deutsch), einer durch Prosa verbundenen Sammlung von Sonetten, beschreibt. Er setzte sich für die Anerkennung des Italienischen als Literatursprache ein («Über das Dichten in der Muttersprache», um 1305, deutsch). In dem lateinischen Traktat «Über die Monarchie» (nach 1310, deutsch) fordert er ein vom Papst unabhängiges Universalkaisertum. Sein aus 100 Gesängen in Terzinen bestehendes Hauptwerk «Divina commedia» («Die göttliche Komödie», zwischen 1307 und 1321 entstanden, deutsch), eine allegorische Wanderung durch das Jenseits (Hölle, Läuterungsberg, Paradies), ist die umfassendste, künstlerisch geschlossenste, das Ideal des Renaissancemenschen heraufbeschwörende Gestaltung der Grundprobleme des mittelalterlichen Menschen.

Danton, Georges Jacques, 28.10.1759-5.4.1794 (guillotiniert), französischer Revolutionär; gehörte neben Robespierre und Marat zu den herausragendsten Gestalten der Französischen Revolution. Danton spielte eine hervorragende Rolle bei der Organisierung des revolutionären Terrors und der Landesverteidigung («Kühnheit, Kühnheit und nochmals Kühnheit, und Frankreich wird gerettet werden»). Als sich die Jakobinerdiktatur weiter festigte, die Revolution scheinbar gesichert schien und der Druck von links nach sozialen Verbesserungen wuchs, wurde er Ende 1793 zum Sprecher einer rechtsoppositionellen Gruppe, die das Klasseninteresse der neureichen Bourgeoisie vertrat und danach strebte, die Revolution zu beenden, die Diktatur zu mildem und einen (zu diesem Zeitpunkt illusorisch) Kompromissfrieden mit der 1. Koalition abzuschließen. Der Unterschlagung und Verschwörung beschuldigt, wurde Danton am 31.3.1794 dem Revolutionstribunal übergeben.

Dantzig, George Bernard, geboren 8.11.1914, US-amerikanischer Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler; entwickelte 1947 die Simplexmethode zur Lösung von Aufgaben der Linearoptimierung.

Daphne, («Lorbeer») Nymphe der griechischen Sage; ließ sich, um Apolls Werben zu entgehen, in einen Lorbeer verwandeln. Der Lorbeer war Apoll heilig.

Daphnis, in der griechischen Sage schöner junger Hirte auf Sizilien, sagenhafter Erfinder des Hirtengesangs. Von einer Nymphe, der er die Treue brach, geblendet, stürzte er vom Felsen und wurde in den Himmel entrückt.

Daqing: 1959 entdecktes und seit den 60er Jahren produzierendes wichtiges Erdölfördergebiet in China, etwa 60 km südwestlich von Anda, in der Provinz Heilongjiang; 5000 km2, 760000 Einwohner in über 200 Ortschaften und Siedlungspunkten; Ölraffinerie, Kunstdüngerproduktion unter anderem; landwirtschaftliche Selbstversorgung mit Getreide und Gemüse; Pipelines nach Qinhuangdao und Lüda.

Darboux, Jean Gaston, 14. 8. 1842-23.2. 1917. französischer Mathematiker; lieferte wichtige Arbeiten zur Theorie höherer Kurven und Flächen und zur Theorie der Differentialgleichungen.

Dardanellen: Meerenge und verkehrswichtige Meeresstraße zwischen der Balkanhalbinsel und Kleinasien; verbindet das Ägäische mit dem Marmarameer; 65 km lang, zwischen 1,3 und 6 km breit und bis 100 m tief; eine salzarme Oberströmung fließt in das Ägäische Meer und eine salzreiche Tiefenströmung entgegengesetzt. Im 1. Weltkrieg erfolgten 1915/16 vergebliche britische-französische Versuche zur Eroberung der von der Türkei beherrschten Dardanellen, um eine Verbindung mit Russland herzustellen.

Daressalam, Dar as Salaam: größte Stadt und neben Dodoma noch faktisch Hauptstadt von Tansania, am Indischen Ozean; 870000 Einwohner; wichtigstes tansanisches Industriezentrum (Nahrungsmittel-, vielseitige Leicht-, Baustoffindustrie, Maschinenbau, Erdölraffinerie, Werft), bedeutendster Landeshafen (Erdölleitung und Eisenbahnlinie nach Sambia); internationaler Flughafen; Universität, Museum, botanischer Garten.

Darfur, Darfor. Provinz und Landschaft im Westen von Sudan; 496000 km2, 2,5 Millionen Einwohner; Verwaltungszentrum Al-Fasher umfasst die westliche Umrandung des Weißnilbeckens (Darfur-Schwelle mit Dschebel Marra) und Teile der Libyschen Wüste; Trockenklima; Trockensavanne; bei Bewässerung Anbau von Weizen, Hirse, Mais, Baumwolle; Wanderviehzucht.

Darien, Golf von: südlichste Bucht des Karibischen Meeres, von Küstenabschnitten Panamas und Kolumbiens halbkreisförmig umgeben; bis 3000 m tief. Auf dem Schelfsockel sitzen zahlreiche kleine Inseln und Korallenriffe auf. Vom südlichsten Teil aus greift eine 30 km breite Bucht über 80 km landeinwärts und bildet den Golf von Urabá.

Darien, Isthmus von: südöstlicher Teil der mittelamerikanischen Landbrücke, gehört politisch zu Panama und Kolumbien. Tiefland, das im Norden und Osten von bis zu 1910 m aufragenden Gebirgszügen, im Süden von Bergland begrenzt wird. Bei feuchtwarmem Tropenklima in den niederen Lagen vorwiegend immergrüner Regenwald, sonst Savannen. Dem 5 bis 9 km breiten Schelfgürtel entlang der Küste des Karibischen Meeres sitzen Tausende kleiner Inseln und Riffe auf; wenig erschlossen.

Darlehen, Darlehn: Geldbetrag, der mit Abschluss eines Darlehensvertrages zeitweilig einem Bürger überlassen wird und bei Fälligkeit zurückzuzahlen ist. Darlehensgeber können gesellschaftliche Organisationen und Bürger sein. Zinsen können nur bis zur Höhe des Zinses für Spareinlagen rechtsverbindlich vereinbart werden. Kreditgewährung von Kreditinstituten erfolgt durch Kreditvertrag. Gewerbsmäßige Gewährung von Darlehen sowie Vereinbarung von Zinseszinsen sind unzulässig.

Darm, Intestinum: dem Magen folgender und sich am After nach außen öffnender Teil des Verdauungskanals. Bei höheren Wirbeltieren und beim Menschen in Dünndarm (Zwölffinger-, Leer-, Krummdarm) und Dickdarm (Blinddarm mit Wurmfortsatz, Grimm-, Mastdarm) gegliedert. Im Dünndarm wird die Nahrung durch Enzyme, produziert in Darmzellen beziehungsweise aus der Bauchspeicheldrüse zugeführt, sowie Gallenflüssigkeit aufgeschlossen und resorbiert. Zur Vergrößerung der inneren Oberfläche besitzt die Darmschleimhaut Falten, Zotten und Gruben. Im Dickdarm wird der breiige Darminhalt durch Wasserentzug eingedickt und der Kot geformt. Die Darmlänge beträgt beim Menschen etwa 4 bis 6 m.

Darmatonie: Erschlaffung der Darmmuskulatur mit Verlust der wellenförmigen Bewegung (Peristaltik) der Darmwand, zum Beispiel bei Bauchfellentzündung. Darmatonie kann in Darmlähmung übergehen.

Darmbad, subaquales Darmbad, Kurzwort Sudabad: ausgiebige Spülung des Dickdarms zum Beispiel mit 10 bis 40 Litern warmer 0,9%iger Kochsalzlösung während eines warmen Vollbades. Anwendung erfolgt zum Beispiel bei chronischen Verstopfung; Dauergebrauch schädigt die Darmfunktion.

Darmbakterien: auf der Darmschleimhaut lebende Keime, die zur Normalflora gehören und unter denen pathogene und fakultativ pathogene Arten Vorkommen. Etwa ein Drittel der Trockensubstanz des Kots besteht aus Darmbakterien Normale Darmbewohner sind unter anderem Milchsäure- und Kolibakterien. Die normale Darmflora erschwert Krankheitserregern, wie Ruhrbakterien, Salmonellen, die Darmbesiedlung. Taxonomisch versteht man unter den Darmbakterien nur die Enterobacteriaceae (zum Beispiel Kolibakterien).

Darmentzündung, Enterokolitis: durch Mikroorganismen, zum Beispiel Bakterien, Nahrungsmittelallergie, Ernährungsfehler, Vergiftungen, Durchblutungsstörungen unter anderem hervorgerufene Reizung der Darmschleimhaut (akute Darmentzündung) bei lange bestehender Reizung kann die Darmentzündung auch geschwürig (Colitis ulcerosa) oder knötchenförmig (Enterocolitis granulomatosa) verlaufen (chron. Darmentzündung). Typ. Kennzeichen sind Leibschmerzen, häufiger Stuhldrang und Durchfälle.

Darmflagellaten: im Darm von Mensch und Tier lebende Geißeltierchen. Häufigste Darmflagellaten des Menschen sind die Trichomonas-Arten, die als Bakterienfresser im Dick- und Blinddarm leben, sowie Lamblia intestinalis, ein im Allgemeinen harmloser Parasit des Dünndarms, und Chilomastix mesnili, ein Dickdarmbewohner. Bodo caudatus tritt häufig im menschlichen Kot auf, selten im Darm selbst. Leptomonas lebt im Darm von Tieren, seltener im Blut.

Darmmuskeln: innerhalb der Darmwand in 2 Schichten angeordnete glatte Muskulatur, durch deren Tätigkeit (Peristaltik) der Darminhalt transportiert wird.

Darmsaft: Absonderungsprodukt von Drüsenzellen der Darmschleimhaut, 2 bis 3 Liter täglich; enthält neben Wasser, Schleim und Mineralstoffen Verdauungsenzyme zur Spaltung von Fett, Eiweiß und Kohlenhydrat. Von Darmsaft im weiteren Sinne spricht man, wenn die Sekretionsprodukte der Bauchspeicheldrüse und der Leber (Galle) mitgerechnet werden.

Darmtrakt-Darmkanal: Gesamtheit der Darmabschnitte.

Darmverschlingung: Achsendrehung eines Darmteils mit der häufigen Folge eines Darmverschlusses.

Darmverschluss, Ileus: Unwegsamkeit des Darmkanals; verursacht durch mechanische Verschlüsse (Geschwülste, Fremdkörper, Steine, Narbenstränge) sowie durch Lähmung der Darmmuskulatur bei Bauchfellentzündungen und Vergiftungen.

Darmzotten: von den Falten ausgehende fingerförmige Fortsätze der Dünndarmschleimhaut; siehe auch Darm.

Darrdichte: Darrmasse des absolut trockenen Holzes im Verhältnis zum Darrvolumen; ausgedrückt in kg/m5.

Darre: 1. Anlage zum Darren (Trocknen, auch Rösten) von Gemüse, Obst, Malz unter anderem durch Warm oder Heißluft.

2. Einrichtung zur Gewinnung von Samen aus geschlossenen Zapfen von Nadelhölzern durch Wärmeeinwirkung.

darstellende Geometrie: Teilgebiet der Geometrie, das die Herstellung von Bildern räumlicher Figuren durch deren Projektion in eine oder mehrere Zeichenebenen lehrt und die dabei auftretenden Gesetzmäßigkeiten untersucht. Die Zentralprojektion von einem Punkt aus liefert vergleichsweise anschauliche Bilder und ist für künstlerische Darstellungen wichtig; die Parallel-, besonders die Orthogonalprojektion auf 2 oder mehr Ebenen ergibt Risse (Bilder) mit großer Maßtreue und ist die Grundlage des technischen Zeichnens. Durch Schattenkonstruktion lässt sich Anschaulichkeit gewinnen oder erhöhen. Geometrische Beziehungen zwischen den Bildern und zwischen Bildern und deren Original haben zur projektiven Geometrie geführt.

darstellende Künste: Oberbegriff für Kunstgattungen, in deren Mittelpunkt (meist auf der Grundlage schriftlich fixierter Vorlagen) die Spieler, (stimmlich, mimisch und gestorben) Verkörperung menschlichen Handelns steht, wie Schauspiel, Oper, Pantomime, Ballett, Puppenspiel; entweder als unmittelbare Bühnendarstellung im kommunikativen Prozess mit dem Publikum oder unter Vermittlung durch technische Medien (Film, Fernsehen, Rundfunk).

Darstellungstheorie: Lehre von der Darstellung von Gruppen und Ringen mit Hilfe von Matrizen. Dabei werden Homomorphismen von Gruppen beziehungsweise Ringen in multiplikative Gruppen beziehungsweise Ringe von quadratischen Matrizen mit festem Zeilenrang untersucht. Die Darstellungstheorie spielt eine wichtige Rolle in der modernen Algebra sowie in der theoretischen Physik.

Darts: Zielwerfen mit 14 bis 15 cm langen, » 25 g schweren Wurfpfeilen aus 3 beziehungsweise 4 m Entfernung auf Zielscheiben mit Wertungsfeldern nach verschiedenen Spielweisen.

Darwin, Charles, 12.2.1809-19.4.1882, britischer Naturforscher; Begründer der modernen Abstammungslehre; studierte anfangs Medizin, später Theologie; wurde durch die Teilnahme an der Weltreise des Vermessungsschiffes «Beagle» (1831/36) zum Naturforscher. Geologische sowie tiergeographische Beobachtungen ließen ihn an der Richtigkeit der Lehre von der Unveränderlichkeit der Arten zweifeln. Nach seiner Rückkehr bearbeitete er zunächst in London, ab 1842 als Privatgelehrter in Downe die Reiseergebnisse und begann systematisch ein umfangreiches Material über das Problem der Entstehung der Arten zusammenzutragen. Neben der «Reise eines Naturforschers um die Welt» (1839) erschien als erstes größeres wissenschaftliches Ergebnis der Weltreise «Über den Bau und die Verbreitung der Korallenriffe» (1842); nach einer Monographie über fossile und lebende Rankenfüßer (1854) erschien nach langjährigen Vorstudien sein berühmtes Werk «Über die Entstehung der Arten» (1859, deutsch), das einen Wendepunkt in der Geschichte der Biologie darstellte. Darwin erklärte mit der Selektionstheorie ff Darwinismus) die zweckmäßigen Anpassungen der Lebewesen an die Umwelt; zahlreiche weitere Veröffentlichungen.

Darwinismus: von C. Darwin entwickelte Evolutionstheorie, die in der natürlichen Auslese (Selektion, Kampf ums Dasein) die Hauptursache für die stammesgeschichtliche Entwicklung sieht. Die grundlegenden Gedankengänge bilden einen zentralen Punkt der modernen biologischen Theorie der Evolution. im weiteren Sinne wird zum Darwinismus auch noch die Abstammungslehre gezählt. Die Selektionstheorie verhalf dem Entwicklungsgedanken in der Biologie endgültig zum Durchbruch.

Darwinfinken, Galapagosfinken, Geospizinae: knapp sperlingsgroße, graubraun bis schwarz gefärbte Singvögel der Galapagosinseln mit sehr unterschiedlicher Schnabelform. Lehrreiches Beispiel für die Artentstehung durch Anpassung, räumliche Trennung und Auslese; dienten C. Darwin als Stütze seiner Theorie (Darwinismus). Eine Art benutzt zum Nahrungserwerb einen abgebrochenen Dorn, mit dem aus engen Spalten Insektenlarven hervorgeholt werden.

Dasselfliegen, Hypodermatinae: Unterfamilie der Biesfliegen, die die Dassellarven Krankheit verursacht.

Dassellarven Krankheit: durch Befall mit Dasselfliegen ausgelöstes Krankheitsbild bei Paarhufern. Die von den Fliegen am Grund der Haare abgelegten Eier entwickeln sich zu Larven, die zur Unterhaut des Rückens wandern und dort Dasselbeulen verursachen. Volkswirtschaftliche Verluste beim Rind durch Häuteschäden und Leistungsminderung.

Daten: 1. Tatsachen, Angaben, Maße, Unterlagen.

2. im weiteren Sinne alle Informationen, die von einem Rechenautomaten verarbeitet oder erzeugt werden können, unter anderem Zahlen, Buchstaben, Symbole, Instruktionen. im engeren Sinne bezeichnen Daten numerische Informationen (Zahlenmaterial). Datenstruktur. die Grundeinheit bildet das Datenwort (Datenelement, Wort). Mehrere Datenwörter bilden einen Datensatz, wenn sie im Sinne einer gegebenen Definition als Einheit aufgefasst werden können. Die Zusammenfassung mehrerer Datensätze auf der Grundlage eines gemeinsamen Ordnungs- und Inhaltsmerkmals heißt Datei (zum Beispiel Stücklisten, Konten). Stammdaten sind langfristig konstante Daten, Bewegungsdaten ändern sich kurzfristig, oft bei jeder Rechnung.

Datenbank: systematische Zusammenfassung umfangreicher Daten in einem Speicher. In der Regel besteht eine Datenbank aus einzelnen Dateien, die keine gemeinsamen Informationen enthalten und durch Zuordnungsschriften bezüglich ihrer Ordnungsbegriffe miteinander verkettet sind. Datenbanken werden durch spezielle Programme ausgewertet und bei Bedarf aktualisiert. Die zweckmäßige Strukturierung von Datenbank ist besonders bei der rechnergestützten Verwaltung von ausschlaggebender Bedeutung.

Datenfernverarbeitung: Datenverarbeitung, wobei die Dateneingabe und -ausgabe nicht unmittelbar am Rechenautomaten erfolgt. Die Datenübertragung wird vorwiegend über Fernsprech- und Fernschreibleitungen ausgeführt. Dabei werden Modems eingesetzt. Im Falle sehr großer Übertragungsraten oder bei starken elektrischen und magnetischen Störeinflüssen werden in zunehmendem Maß Lichtleiter als Übertragungsmedium verwendet. Bei Duplexbetrieb ist die gleichzeitige Datenübertragung in beiden Richtungen möglich. Die Datenfernverarbeitung gestattet mehrere Betriebsarten. Jobfernverarbeitung bedeutet die Übertragung einer Aufgabe an das Rechenzentrum von einem entfernten Ort aus. Beim Time-sharing (Zeitmultiplex) werden mehrere Benutzer mit unterschiedlichen Aufgaben quasi-gleichzeitig bedient, so dass für alle der Mensch-Maschine-Dialog realisierbar ist. Der Teilhaberbetrieb ermöglicht vielen Benutzern den Zugriff zur selben EDVA (zum Beispiel Auskunfts- und Platzbuchungssysteme). Zukunftsorientiert ist besonders der Teilnehmerbetrieb. Dabei können von verschiedenen Benutzern unterschiede Aufträge erteilt werden. Die technische Basis für diese Betriebsart ist im Allgemeinen ein leistungsfähiges Rechnernetz (Zusammenschaltung von mehreren Rechnern an verschiedenen Orten, so dass sie sich gegenseitig ergänzen), dessen effektive Steuerung ein aufwendiges Betriebssystem erfordert.

Datenlogger: Datenerfassungsanlage zur zentralen messtechnische Überwachung eines Betriebes oder größerer Betriebsteile. Die einzelnen Messstellen (über zehn bis mehrere hundert) werden zyklisch abgefragt und die Messwerte nach Bedarf registriert, überwacht oder weiterverarbeitet. Zentrale Einrichtung ist ein Prozessrechner.

Datensicherungsverfahren: Verfahren der Datenverarbeitung zur Erkennung oder Korrektur von Fehlern bei Dateneingabe, -Speicherung oder -Übertragung. Bei der Fehlererkennung werden den Nutzinformationen Zusatzinformationen (Redundanz) so beigefügt, dass über Berechnungen Fehler erkannt werden können. Bei erkannten Fehlern wird die Übertragung wiederholt. Bei Fehlerkorrektur kann das fehlerhaft übertragene Zeichen durch eine vergrößerte Anzahl von Zusatzinformationen (Redundanz) erkannt und in gewissem Umfang korrigiert werden. Dazu ist keine Übertragungswiederholung nötig. Zum Auffinden von Programmfehlern und Computerfehlfunktionen enthalten die Betriebssysteme meist spezielle Diagnoseprogramme. Die Auffindung und Beseitigung solcher Fehler wird auch debugging (englisch) genannt.

Datenträger: Gegenstand zur Aufzeichnung und Speicherung von Daten in visuell oder maschinell lesbarer Form. Traditionelle Datenträger sind Lochkarten und Lochbänder (-streifen). Gegenwärtig gewinnen Magnetkarten, -bänder und maschinenlesbare Belege an Bedeutung. Datenträger für die Speicherung bei EDVA sind zum Beispiel Wechselplatten und Magnetbänder, bei Mikrorechnern dagegen Disketten und Magnetbandkassetten (siehe auch magnetomotorischer Speicher). im weiteren Sinne zählen auch Listen mit Programmtext oder Ein- beziehungsweise Ausgabedaten sowie Operations- und Festwertspeicher zu dem Datenträger.

Dativ: Grammatik 3. Fall der Deklination; Hauptfunktion ist die Bezeichnung eines indirekten Objekts, zum Beispiel er hilft «mir».

Datong, Tatung: Stadt in China, im Norden der Provinz Shanxi; 300000 Einwohner; Zentrum des zweit wichtigsten Kohlefördergebietes des Landes, ausgeprägte Zementindustrie, Produktion von Bergbauausrüstungen; Eisenbahnwerkstätten, Kraftwerk; Knotenpunkt der Eisenbahnlinien Peking-Baotou und Peking-Taiyuan.

Dattelpalme: bis 20 m hohe Palmenart mit gefiederten Blättern und rispigen Blütenständen; zweihäusig; in Nordafrika und Vorderasien heimisch; wegen der kohlenhydratreichen Früchte, einsamigen Beeren (Datteln), in tropischen und subtropischen Gebieten angebaut; siehe auch Südfrüchte.

Dattelpflaume, Kakipflaume, Chinesische Pflaume, Diospyros kaki: zu den Ebenholzgewächsen gehörender Baum des subtropischen Ostasiens; wegen seiner tomatenförmigen süßen Früchte auch in anderen Gebieten angebaut (zum Beispiel Krim, Süden der USA).

Datumgrenze: auf der Erde die festgesetzte Grenzlinie, bei deren Überschreiten sich je nach der Richtung das kalendarische Datum ändert; seit 1845 bis auf geringe Abweichungen der 180. Längengrad.

Datum: (lateinisch, gegeben) genaue Tagesbezeichnung nach dem Kalender; der Tag beginnt dabei um Mitternacht.

Datumsuhr: Uhr, die neben der Tageszeit den jeweiligen Monats-, zum Teil auch Wochentag auf dem Zifferblatt erkennen lässt; siehe auch Kalenderuhr.

Dau, Dhau: breites arabisches Segelschiff, meist zweimastig mit schrägen, langen Rahen und dreieckigen (Latein-) beziehungsweise trapezförmigen Segeln. Seit dem 15. Jahrhundert und noch heute im Indischen Ozean, vorwiegend an der Küste Ostafrikas, verkehrend.

Daubigny, Charles François, 15.2.1817-19.2.1878, französischer Maler und Graphiker; Hauptvertreter der Schule von Barbizon. Daubigny entdeckte die Schönheit der französischen Landschaft, die ihn zu poesievollen Gestaltungen von frischer Farbigkeit anregte («Paysage intime»). In ihnen sind die Grundsätze der Freilichtmalerei in sehr vollkommener Weise verwirklicht.

Däubler, Theodor, 17.8.1876-14.6.1934, österreichischer Schriftsteller; seine kosmische-myth. Verdichtung «Das Nordlicht» (1910) verkündet die Rettung der Menschheit durch den Geist.

Daucher, Dauher. 1. Adolf Daucher, um 1460/65-um 1523/24, Bildhauer; tätig in Augsburg. Sein einziges beglaubigtes Werk, der Annaberger Altar, zeigt an italienischen Vorbildern orientierte Renaissanceformen. Umstritten ist sein Anteil an der Plastik der Fuggerkapelle in Augsburg.

2. Hans Daucher, um 1485-1538, Sohn von Daucher 1; schuf Medaillen und Kleinplastiken im klassischen Stil der Hochrenaissance.

Daudet, Alphonse, 13.5. 1840-16.12. 1897, französischer Schriftsteller; bedeutend sind seine heiteren Schilderungen südfranzösischer Menschen, wie in «Briefe aus meiner Mühle» (1869, deutsch), und der zum Volksbuch gewordene liebenswürdig-groteske Roman «Tartarin von Tarascon» (1872, deutsch). In Daudets späteren Werken ist eine Hinwendung zum Naturalismus zu erkennen.

Dauerauftrag: Auftrag eines Kontoinhabers an ein Geldinstitut, künftig bis auf Widerruf in bestimmten Zeiträumen zu regelmäßig wiederkehrenden Terminen von seinem Guthaben den gleichen Betrag abzubuchen und an denselben Empfänger zu überweisen oder zu zahlen (zum Beispiel für Mieten, Versicherungsbeiträge). Siehe auch Abbuchungsauftrag.

Dauerbackwaren: über längere Zeit (etwa 6 bis 12 Monate) haltbare Feinbackwaren, zum Beispiel Keks, Biskuit, Lebkuchen.

Dauerbrandofen: Einzelheizungsanlage, die ohne Nachfüllen längere Zeit das Feuer halten und gleichmäßige Wärme abgeben kann; Füllschacht und Verbrennungsraum sind voneinander getrennt, der Brennstoff sinkt allmählich zum Rost nach. Dauerform Kokille.

Dauerfrostboden: Schicht ständig gefrorenen Bodens oder Gesteins in den zirkumpolaren Gebieten Nordamerikas und Eurasiens mit Mächtigkeiten, die teilweise mehrere hundert Meter betragen (Ostsibirien, Alaska). Er reicht östlich des Jenissej und an der Hudsonbucht bis 55° nördliche Breite südwärts, kommt jedoch inselförmig noch weiter südlich vor und ist teilweise auch in der Frostschuttstufe der Hochgebirge örtlich entwickelt. Im Dauerfrostboden tritt das Bodeneis heterogen als Porenfüllung und in dünnen Linsen und Blättern, homogen als Kluft- oder Tabereis, Eiskeil und Schichteis auf. Allgemein wird der Dauerfrostboden als Relikt der Kaltzeiten des Pleistozäns angesehen. Im Sommer taut der Dauerfrostboden von der Oberfläche her auf. Die Tiefe des Auftaubodens (Mollisol) beträgt in sommerkühlen Gebieten nur wenige Zentimeter bis Dezimeter und in sommerwärmeren Gebieten bis zu mehreren Metern. Die starke Durchfeuchtung begünstigt die Solifluktion im Bereich der Hänge, während in den ebenen Lagen die Kryoturbation wirksam ist. Die Entwicklung des Dauerfrostbodens wird durch tiefe Wintertemperaturen und geringe Schneedecke gefordert. Er stellt die Bautechnik vor besondere Probleme. Auf Dauerfrostboden ist Ackerbau möglich.

Dauergrünland: Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, ständig mit mehrjährigen Gräsern bewachsen; genutzt als Wiese oder Weide.

Dauerkulturen: Pflanzen, die mehrere Jahre auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche angebaut werden und im Allgemeinen erst nach einigen Jahren Ertrag abwerfen (zum Beispiel Wein, Hopfen, Obstgewächse, Spargel)-

Dauermagnetmotor, Permanentmagnetmotor, ein synchronlaufender Kleinstmotor mit einem Permanentmagneten als Läufer und einem Klauenpolständer mit Spaltpolanordnung zur Drehfelderzeugung. Siehe auch Klauenpolanordnung.

Dauerpräparat: ein nach entsprechender Behandlung (Fixieren, Einbetten, Schneiden, Färben und Einschließen) für wiederholte Beobachtung geeignetes mikroskopisches Präparat.

Dauerrennen, Steherrennen-. Radsport Geschwindigkeitswettbewerb, fast ausschließlich Bahnrennen, hinter Motorrad- (Schrittmacher-) Führung über eine bestimmte Distanz (zum Beispiel 50 km) oder Zeit (zum Beispiel 1 h). Die Motorräder, die Kleidung des Schrittmachers und die Rennräder unterliegen bestimmten Festlegungen. Ein Rennfahrer (Steher) und ein Schrittmacher bilden ein Gespann. Weltmeisterschaftsdisziplin seit 1893.

Dauerschwingversuch: Festigkeitsprüfung mit periodisch sich änderndem Betrag der Beanspruchung zur Ermittlung der Dauerschwingfestigkeit von Werkstoffen an glatten, polierten Probestäben. Das ist die höchste Schwingbeanspruchung, die nach unendlich vielen Lastspielen (Schwingperioden) nicht zum sogenannt Dauerbruch führt. Sie entspricht der Höhe der Asymptoten der Wöhlerkurve, bei der über der Bruchlastspielzahl die aufgebrachte Schwingbeanspruchung in logarithmische Teilung als Ordinate aufgetragen wird. Die Ergebnisse von Dauerschwingversuch sind stark von der Gestalt (Kerben, Bohrungen u. ä.) und von der Oberflächenrauhigkeit abhängig. Dauerschwingversuch an derartig speziell hergestellten Probestäben oder ganzen Bauteilen ergeben die Gestaltfestigkeit.

Dauerspore: widerstandsfähige Zustandsform von Bazillen und Clostridien zur Überdauerung ungünstiger Lebensbedingungen, wie Trockenheit, hohe Temperaturen, Nährstoffmangel. Charakteristisch für Dauerspore sind geringer Wassergehalt, verdichtetes Zellplasma und verdickte Sporenmembran; bei geeigneten Bedingungen beginnen wieder Wachstum und Vermehrung.

Dauerstrichlaser: ein Laser, der kontinuierlich strahlt (siehe auch Riesenimpulslaser); als aktives Medium werden Kohlendioxid, Helium Neon oder verschiedene Halbleiter verwendet.

Dauertropfinfusion: das unter Zwischenschalten eines Tropfgerätes über eine längere Zeitspanne erfolgende Einfließen von größeren Flüssigkeitsmengen, Lösungen mit Salzen (Elektrolyte), Nährstoffen (Zucker, Eiweiße, Fette) und Arzneimitteln in eine Vene.

Dauerwald: stark biologisch ausgerichtete Art der Waldbewirtschaftung; der Wald wird als Organismus betrachtet und daher ein Gleichgewichtszustand aller zum Wald gehörenden Glieder angestrebt. Die Verwirklichung wird in einem ständig Derbholz produzierenden, ungleichaltrigen, gemischten Wald gesehen.

Dauerwelle: dauerhafte Kräuselung des Haares durch Hitze oder chemischer Präparate. Von der seit 1925 aufgekommenen Erhitzung des auf Wickel gedrehten Haares durch elektrischen Strom (Heißwelle) ging man in den 50er Jahren immer mehr zur (haarschonenderen) Behandlung mit chemischen Präparaten über Kaltwelle).

Daumen, Pollex: erster Finger; ist beim Menschen und manchen Affen durch ein besonderes Gelenk den anderen Fingern der Hand gegenüberstellbar (opponierbar) und macht damit die Hand zur Greifhand.

Daumier, Honoré, 26.2. 1808-10.2. 1879, französischer Graphiker, Maler und Plastiker. Seit 1830 Mitarbeiter der Zeitschrift «La Caricature» und der satirischen Tageszeitung «Le Charivari», für die er mehr als 3400 Lithographien und zahlreiche Holzschnitte schuf. Daumiers bissige Satiren richten sich gegen alles Reaktionäre in der kapitalistischen Gesellschaft (Raffgier der Finanzoligarchie, Verworfenheit der Klassenjustiz, Krieg, Chauvinismus, Klerikalismus). 1832 wurde Daumier wegen Majestätsbeleidigung eingekerkert, 1835/48 und 1851/70 mit Zensur belegt. Daumiers Hauptausdrucksmittel war die Lithographie, als deren größter Meister er im 19. Jahrhundert gilt. Neben Aquarellen und kleinformatigen Ölbildern schuf er auch 36 Tonbüsten von Parlamentariern und die Bronzestatuette des Bonapartisten Ratapoil.

Daunen, Dunen (niederdeutsch), Flaumfedern: Federn mit weichem Schaft und lockerer Fahne; stellen das Nestkleid der Jungvögel dar (Nestdunen), sind besonders bei Wasservögeln stark entwickelt und können (bei Laufvögeln) zeitlebens erhalten bleiben.

Dauphin: seit dem 12. Jahrhundert französischer Fürstentitel für die aus der Dauphini stammenden Grafen, seit 1349, nachdem der französischen König die Dauphin6 erworben hatte, bis 1830 (außer 1792/ 1814) Titel der Thronfolger.

Dauphine: Landschaft im Südosten Frankreichs, von der Rhône bis in die Hochalpen reichend (Dauphine-Alpen 4102 m); wichtigster Ort Grenoble; in der Nieder-Dauphine Anbau von Getreide, Wein, Oliven; in der Ober-Dauphine Almenwirtschaft, Wasserkraftwerke, Elektrochemie und -metallurgie; Durchgangsland zwischen dem Rhonetal und Italien.

Daur: im 19. Jahrhundert in Ägypten entwickelte Gesangsform des Rondo Typs, der eine bestimmte rhythmische Periode zugrunde liegt und deren Refrain von einer Gruppe ausgeführt wird. Die Texte entstammen der volkstümlichen Dichtung.

Davao: Stadt (Provinzzentrum) auf den Philippinen, im Süden der Insel Mindanao; 610000 Einwohner; Textil- und Lebensmittelindustrie; Zentrum eines Gebietes mit Kautschukplantagen; Exporthafen für Kopra und Manilahanf, Flughafen.

David, (hebräisch, «Geliebter») Begründer und erster Herrscher des vereinigten Königreiches von Juda und Israel (1010/970 vor Christus); begründete die Dynastie der Davididen, die bis 586 vor Christus (nach Salomo nur noch in Juda) regierte. An seine Person und Herrschaft knüpft sich die jüdische Erwartung des Messias, der seinem Geschlecht entstammen soll.

David: 1. David, Jacques Louis David, 30.8.1748-29.12.1825, französischer Maler; Begründer des Klassizismus in Frankreich, als dessen Programmwerk der «Schwur der Horatier» (1784/85) gilt. Als aktiver Teilnehmer an der Französischen Revolution stellte David seine Kunst in den Dienst der Revolution, das Bild «Der ermordete Marat» (1793) ist ein Höhepunkt seines Schaffens. Davids malerische Qualitäten offenbaren sich besonders in den scharf beobachteten Bildnissen bedeutender Zeitgenossen.

2. Jakob Julius David, 6.2.1859-20.11.1906, österreichischer Schriftsteller und Publizist; in realistischen Romanen und Novellen gestaltete David sozialkritisch Stoffe aus dem Großstadtleben Wiens («Am Wege sterben», 1900; «Der Übergang», 1902) und dem tschechischen Dorfmilieu in Mähren (Dorfgeschichtenzyklus «Die Hanna», 1904).

3. Johann Nepomuk David, 30.11.1895-22.12.1977, österreichischer Komponist; wirkte unter anderem 1934/45 an der Leipziger Musikhochschule. Sein Schaffen (unter anderem 10 Sinfonien, Orchestervariationen, Kammer- und Orgelmusik, Motetten) ist streng kontrapunktisch orientiert.

4. Kurt David, geboren 13.7.1924, Schriftsteller; verfasste Jugendbücher (unter anderem «Der Schwarze Wolf», 1966; «Tenggeri, Sohn des Schwarzen Wolfs», 1968, beide über Dschingis Khan; «Begegnung mit der Unsterblichkeit», 1970, über Beethoven), die unterhaltsamen Aufzeichnungen «Freitags wird gebadet» (1964), das Kinderbuch «Antennenaugust» (1975) unter anderem Proletarischer Internationalismus bestimmt seine Novelle «Die Überlebende» (1972).

David Anacht, 6. Jahrhundert, armenischer Philosoph; stand dem Neuplatonismus nahe; betrachtete die Dinge und Erscheinungen als gottgeschaffen, als unabhängig vom Verstand und erkennbar; tiefe Gedanken über Naturerscheinungen und Erkenntnisprozess («Definitionen der Philosophie»),

Davidsbündler: Musikerkreis um R. Schumann in Leipzig, der sich gegen seichte Salonmusik der Zeit, Virtuosentum und zahme Musikkritik wandte; außerdem durch Schumann gewählte Mystifikation seiner Methode der Musikkritik in der von ihm geleiteten «Neuen Zeitschrift für Musik».

Davidshirsch, Milu, Elaphurus davidianus: rothirschgroßer chinesischer Hirsch mit spreizbaren großen Klauen; Geweih mit steil aufragender Hauptsprosse, deren oftmals gabelig verzweigte Nebensprossen nach hinten gerichtet sind und zum Geweihende kürzer werden. Bewohnte ursprünglich Flussniederungen, wurde in der Wildbahn vor mehreren hundert Jahren und im chinesisch-kaiserlichen Tiergarten um die Jahrhundertwende ausgerottet, überlebte den Artentod in dem englischen Tiergehege Woburn Abbey, von wo aus 1960 die ersten Tiere in chinesischen Zoos gelangten.

Davidstern: sechszackiger Stern (Hexagramm); seit dem 17. Jahrhundert allgemeines Glaubenssymbol des Judentums; im faschistischen Deutschland Zwangsabzeichen für Juden, seit 1948 Symbol in der Flagge des Staates Israel.

David von Dinant, Anfang 13. Jahrhundert, französischer Philosoph und Naturwissenschaftler; schuf ein von Aristoteles ausgehendes, teilweise materialistisches Lehrsystem. Seine Auffassungen wurden von der katholischen Kirche mehrfach verurteilt.

Davis: 1. Angela Davis, geboren 26.1.1944, US-amerikanische Kommunistin; seit 1969 Hochschullehrerin und aktive Bürgerrechtskämpferin. 1970 wurde sie unter konstruierter Anklage verhaftet, aber durch weltweite Protestkampagne 1972 befreit. Sie ist Mitglied des Nationalkomitees der KP der USA.

2. Benjamin Davis, 1903-24.8.1964, US-amerikanischer Arbeiter- und Farbigen Führer; seit 1959 Mitglied und Sekretär des Nationalkomitees der KP der USA.

3. Jefferson Davis, 3.6.1808-6.12.1889, US-amerikanischer Staatsmann und Militär; war 1861/65 im Bürgerkrieg gegen die Nordstaaten Präsident der südstaatlichen Konföderation; 1865/67 wurde er gefangen gehalten.

4. John Davis, Oktober 1550-29.12.1605 (gefallen), englischer Seefahrer; landete auf der Suche nach der Nordwestlichen Durchfahrt als erster Neuentdecker Grönlands 1585 beim heutigen Godthab und erkundete die nach ihm benannt Meeresstraße 1587 bis in die Gegend des heutigen Upernavik; entdeckte 1592 die Falklandinseln (Malwinen).

Davit: galgenförmige Vorrichtung zum Aussetzen und wieder an Bord nehmen von Rettungs- und Arbeitsbooten. Die Daviteinrichtung besteht aus 2 Davits für jedes Boot, an denen es hängt beziehungsweise unter denen es an Deck steht, und aus Flaschenzügen oder einer Bootswinde zum Fieren und Hieven.

Davy, Sir Humphry, 17.12.1778-29.5.1829, britischer Chemiker und Physiker; stellte durch Schmelzflusselektrolyse erstmals Alkali- und Erdalkalimetalle dar und wies die elementare Natur des Chlors nach; konstruierte auch die nach ihm benannt Sicherheitslampe für Bergwerke.

Dayan, Moshe, 20. 5.1915-16.10.1981, israelischer General und Politiker; 1928/48 war er Mitglied verschiedener zionistische Terroristenorganisationen, 1953/58 Generalstabschef, 1967/74 Verteidigungsminister, 1977/79 Außenminister; einer der Hauptvertreter des Aggressionskurses gegen die arabischen Länder.

Day Lewis, Cecil, 27.4.1904-22.5.1972, englischer Dichter und Literaturwissenschaftler; gehörte in den 30er Jahren zum Kreis um W. H. Auden («Der Magnetberg», 1933); schrieb die antifaschistische Spaniendichtung «Die » (in «Ouvertüren zum Tode», 1938), ferner das Gedicht «Lidice» (in «Das Wort über alles», 1943), den Gedichtband «Requiem für die Lebenden» (1964), die Autobiographie «Schau nie zurück» (1974) sowie unter dem Pseudonym Nicholas Blake Kriminalromane.

Dayton: Stadt im Bundesstaat Ohio (USA), am Miami; 200000 Einwohner, als Metropolitan Area 830000 Einwohner; Maschinenbau und elektrotechnische Industrie (Produktion von elektronischen Rechengeräten, Landmaschinen), Gummi-, metallverarbeitende, Konsumgüterindustrie; Universität; Luftfahrtforschung.

DDT: (Abkürzung für Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan) insektizides Kontakt- und Fraßgift mit geringer initial- und anhaltender Dauerwirkung; wegen seiner kumulativen Eigenschaften ist seine Anwendung in zahlreichen Ländern verboten beziehungsweise auf nicht der Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln dienende Pflanzenbestände beschränkt.

Deadweight: englische Bezeichnung für die Tragfähigkeit eines Schiffes, in t angegeben.

Debatte: (durch Geschäftsordnung geregelte) Erörterung, Aussprache über Meinungsverschiedenheiten; parlamentarische Verhandlung.

Debeljanow, Dimtscho, 28.3.1887-2.10.1916, bulgarischer Dichter; seine vom Symbolismus beeinflusste, doch stets lebensnahe Lyrik besticht durch Gefühlstiefe, inniges Natur- und Liebesempfinden und eine eindringlich musikalische Sprache.

Debilität: vorwiegend angeborener oder frühkindlich erworbener Schwachsinn leichten Grades; erfordert meist Sonderschulbesuch.

Debitorenkonto: Schuldnerkonto (für die Verbuchung von Forderungen).

Debora, israelitische Richterin und Prophetin im ausgehenden 2. Jahrtausend vor Christus; spielte eine führende Rolle in den Kämpfen mit den Philistern; das ihr zugeschriebene «Siegeslied» (Buch der Richter, Kapitel 5) gehört zur ältesten hebräischen Literatur.

Deborin, eigentlich Joffe, Abram Moissejewitsch, 16.6.1881-8.3.1963, sowjetischer Philosoph; 1926/30 Chefredakteur der Zeitschrift «Unter dem Banner des Marxismus». Deborin bekämpfte seit 1905 den Machismus, in den 20er Jahren kritisierte er besonders den mechanischen Materialismus. Deborin ist Verfasser bedeutender Untersuchungen zur materialistischen Dialektik und klassischen deutschen Philosophie.

Debussy, Claude, 22.8.1862-25.3.1918, französischer Komponist; als Führer des musikalischen Impressionismus von großem Einfluss auf das Musikgeschehen zwischen 1890 und 1910; erstrebte Loslösung vom Vorbild R. Wagners und einen eigenen französischen Musikstil. Debussy sind zahlreiche Neuerungen in der Harmonik und Instrumentation zu danken (Ganztonleiter, Quarten Schichtungen, Einbeziehung von Exotismen und Stilelementen aus der Musik des Mittelalters). Sich von gesellschaftlich konkreten Aussagen fernhaltend, hat er dennoch der Musik einen neuen, höchst differenzierten Lebensbezug eröffnet. Debussy schuf Orchesterwerke («Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns», 1892; «Drei Nocturnes», 1899; «Das Meer», 1905); zahlreiche, meist sehr virtuose Klavierzyklen («Images», 1905; 24 «Préludes», 1910/13; 12 «Études», 1915; «Children’s Corner», 1908), Kammermusik (Streichquartett, Violoncello- und Violinsonate); Lieder, Chöre, Oper «Peilêas et Mélisande» (1902; nach M. Maeterlinck).

Debüt: erstes öffentliches Auftreten, besonders von Künstlern (Debütant, Debütantin).

Debye, Peter Joseph Wilhelm, 24.3.1884-2.11.1966, US-amerikanischer Physiker niederländischer Herkunft; arbeitete über Kristallphysik, Quantentheorie, elektrische Leitfähigkeit von Flüssigkeiten, spezifische Wärmekapazität; Debye entwickelte mit P. Scherrer 1916 das Debye-Scherrer-Verfahren.

Debye-Scherrer-Verfahren, Pulvermethode: wichtigstes in der Technik benutztes Verfahren zur Strukturuntersuchung pulverförmiger kristalliner Materialien durch Beugung monochromatischer Röntgenstrahlen. Bei der Durchstrahlung eines aus feinkörnigem Kristallpulver gepressten, zylinderförmigen Stäbchens entstehen auf dem zylindrisch um die Probe angebrachten fotografischen Film schwarze konzentrische Ringe, aus deren Lage und Intensität auf die Gitterkonstante des Kristalls geschlossen werden kann.

Debye-Sears-Effekt: (nach P. J. W. Debye und F. W. Sears) Beugung des Lichtes an Ultraschallwellen in Flüssigkeiten. Die Ultraschallwellen erzeugen durch periodische Dichteschwankungen ein Phasengitter mit der Schallwellenlänge als Gitterkonstante.

Decebal, gestorben 107 (Selbsttötung), letzter König (seit 87) Dakiens; 106 von den Römern besiegt. Die schweren Kämpfe Roms gegen Decebal sind auf der Trajanssäule in Rom nachgebildet.

dechiffrieren: entschlüsseln, entziffern, umschreiben in Klartext; siehe auch chiffrieren.

De Chirico, Giorgio, 10.7.1888-21.11. 1978, italienischer Maler, Graphiker und Schriftsteller. Mit seinen Werken, in denen er Traumwelt und Wirklichkeit miteinander verband, wurde er zum Begründer der Pittura metafisica und zum Vorläufer des Surrealismus.

Deck: waagerechte Fläche, die den Rumpf von Wasserfahrzeugen nach oben hin abschließt und bei größeren Schiffen auch unterteilt (Zwischendeck) besteht aus Stahlplatten (mit Holz-, Plast- oder Steinholzbelag) beziehungsweise bei hölzernen Fahrzeugen aus Planken. Freiborddecke ist das oberste Deck, mit wasserdichten Verschlüssen versehen, auf das der Freibord bezogen ist. Das Haupt- (Ober-) Deck ist das oberste durchlaufende Deck; Aufbaudeck begrenzen Aufbauten und Deckshäuser nach oben hin, wie Back- und Poopdeck, Brücken-, Peil-, Promenadendeck.

Deckakt: geschlechtliche Vereinigung des männlichen und weiblichen Tieres zur Fortpflanzung.

Decke: 1. Bautechnik: oberer Abschluss eines Raumes zur Aufnahme der Eigen- und Nutzlasten sowie zur horizontalen Aussteifung des Bauwerkes. Die Decke besteht aus der Rohdecke (tragende Deckenkonstruktion), Oberdecke (Fußbodenbelag und Unterbau) und Unterdecke (Putzträger, Putz oder Holzverkleidung). Je nach Nutzung des Gebäudes und der Einordnung der Decke muss die Ausbildung der Fertigdecke den Forderungen des bautechnischen Brandschutzes und der Bauhygiene entsprechen. Bei der Holzbalkendecke bildet die Gesamtheit aller Konstruktionshölzer die Balkenlage. Zu den Massivdecken gehören die Trägerdecke (gewölbte Kappen oder Stahlbetonhohldielen zwischen Doppel-T-Trägern); Stahlstein-, Stahlbetonrippen-, Stahlbetonplatten-, Stahlbetonplattenbalken- und Pilzdecke. Bei den Montagedecken unterscheidet man Decke, die nach der Montage der Fertigteile sofort die volle Tragfähigkeit besitzen und solche, die erst nach Einbringen einer Zusatzbewehrung und Ortbeton voll belastet werden können. Stahlleichtträgerdecke bestehen aus leichten Stahlprofilen als Tragelemente und zwischengefügten Hohlkörpern. Die abgehängte Decke wird unter die Rohdecke als Putz- oder Akustikdecke gehängt; der Zwischenraum kann für Installationsleitungen (Lüftungskanäle) genutzt werden.

2. Geologie: a) flächig ausgebreitete Lavamasse, zum Beispiel die Basaltdecke des Hochlandes von Dekan (Indien);

b) tektonisch verfrachtete Gesteinsmasse, die auf einer fremden Unterlage ruht.

3. Jagdwesen: Haut des Schalenwildes (außer Schwarzwild; Schwarte).

4. Verkehrstechnik: Bereifung.

Deckelschildläuse, Diaspididae: Familie der Schildläuse; Weibchen von einem Schild überdeckt; bekannte Schädlinge sind Kommaschildlaus und San-Jose-Schildlaus.

Deckelschnecken: Bezeichnung für Vorderkiemerschnecken, die einen Deckel (Operculum) zum Verschluss ihrer Gehäusemündung ausgebildet haben, der auf dem Fußrücken liegt.

Decken: Arbeitsgang der Rauchwarenveredlung zur Farbangleichung von Fellen innerhalb eines Halbfabrikates (Body) beziehungsweise als Oberflächenfärbung der Haardecke von Pelzfellen.

Deckengebirge: Tektonogen, dessen wesentliches Merkmal tektonischer Decken ist. Siehe auch Decke.

Deckfarbe: in der Malerei Farbe, die den Malgrund nicht durchscheinen lässt (wie bei Lasurfarben), sondern verdeckt. Deckfarbe sind Guasch-, Tempera- und Pastellfarben. Ölfarben können als Deckfarbe, aber auch lasierend verwendet werden.

Deckflügel, Elytren (griechisch; Sing. Elytron): meist stark chitinhaltige Vorderflügel verschiedener Insekten, die als Schutz für Hinterflügel und -leib dienen.

Deckfrucht, Deckkultur, Überfrucht: eine als Hauptfrucht stehende Feldfrucht (zum Beispiel Roggen), in der eine Untersaat (zum Beispiel Klee) steht, die erst nach Ernte der Deckfrucht voll zur Entwicklung kommt.

Deckgebirge: Gebirgsschichten, die über Flöz führenden Schichten oder Lagerstätten anstehen.

Deckglas: planparallele polierte Glasplatte zum Abdecken mikroskopischer Präparate. Die Dicke von Deckglas ist normiert und beträgt 0,17 mm; sie wird bei der Korrektion von Mikroobjektiven berücksichtigt.

Deckinfektion: Erkrankung vorwiegend der äußeren Geschlechtsorgane bei Rind und Pferd, die durch den Deckakt übertragen wird. Zu den Deckinfektionen gehören unter anderem die Trichomoniasis, der Bläschenausschlag beim Rind und die Beschälseuche beim Pferd. Deckinfektionen sind meldepflichtig.

Deckknochen, Belegknochen: unmittelbar aus dem Bindegewebe hervorgehender, nicht knorpelig vorgebildeter Knochen. Deckknochen sind verschiedene Schädelknochen.

Decksamer, Bedecktsamer, Angiospermae: Unterabteilung der Samenpflanzen mit etwa 290000 Arten, deren Samenanlagen im Unterschied zu den Nacktsamern in einer von Fruchtblättern gebildeten Hülle (Fruchtknoten) heranwachsen; als besonderes Bestäubungsorgan dient die Narbe. Typisch sind neben holzigen viele krautige Pflanzen, Zwitterblüten mit auffallender Blütenhülle und Anpassungen an die Bestäubung durch Tiere. Zu den Decksamer gehören die Klassen der Ein- und Zweikeimblättrigen.

Decksbucht, Balkenbucht, Bucht: Querschiffswölbung des Decks, vor allem des Oberdecks, welche die Festigkeit des Schiffskörpers erhöht und das Wasser von Sturzseen schneller ablaufen lässt. Neuerdings bevorzugt man zum Vereinfachen des Baus mitunter eine dachförmige Knickbucht.

Deckschuppe: verholztes Trägerorgan der Samenschuppe am Blütenstand der Nadelhölzer. Deck- und Samenschuppe verwachsen zu einem Schuppenkomplex. Schuppenkomplexe sind in Vielzahl schraubig um eine Spindel angeordnet und bilden auf diese Weise den Zapfen der Nadelhölzer.

Deckshaus: geschlossener, aber nicht von Bord zu Bord reichender Bau auf dem Oberdeck von Schiffen.

Deckspelzen: Tragblätter der Einzelblüten innerhalb der Ährchen der Gräser; oft an der Spitze mit Grannen besetzt.

Deckssprung, Sprung: zum Heck und besonders zum Bug ansteigender gekrümmter Verlauf des Oberdecks von Seeschiffen, vor allem Fischereischiffen und Seeschleppern, der ihre Seetüchtigkeit erhöht. Seefrachtschiffe erhalten im Laderaumbereich heute meist keinen Deckssprung mehr, bei achtem angeordneter Maschinenanlage nur einen zum Bug hin. Manche besitzen auch einen gleichmäßig schräg ansteigenden, linearen Deckssprung, der konstruktiv einfacher ist.

Deckung: 1. Fototechnik: Transparenz.

2. Sport: a) in Mannschaftsspielen die verteidigenden (Teile der) Mannschaften und deren Abwehrtätigkeit;

b) im Boxen Maßnahmen zur Verhinderung gegnerischer Treffer durch Einsatz von Handfläche, -rücken, Unterarm, Ellbogen und Schulter.

Deckunlust: fehlender oder mangelnder Geschlechtstrieb bei männlichen Tieren gegenüber deckbereiten weiblichen Tieren. Die Ursachen sind erblicher Natur, aber auch das Vorliegen ungünstiger Haltungsfaktoren (dunkle Stallungen, einseitige Fütterung) kann zu Deckunlust führen.

Deckwerk: Steinschüttung, Packwerk, Pflasterung unter anderem zur Sicherung eines Flussufers.

Dedekind, Julius Wilhelm Richard, 6.10. 1831-12. 2. 1916, Mathematiker; leistete grundlegende Beiträge zum logisch einwandfreien Aufbau des Zahlensystems, zur Mengenlehre und zur Strukturalgebra.

Dedekindscher Schnitt: (nach J. W. R. Dedekind) Zerlegung der Menge aller rationalen Zahlen in 2 nichtleere Klassen, so dass jede Zahl der unteren Klasse kleiner als jede Zahl der oberen Klasse ist. Ein Dedekindscher Schnitt bestimmt genau eine reelle Zahl.

Dede Korkut Kitabi: türkisches Epos in Prosa und Reimprosa aus der Zeit der Wanderung der nomadisierenden Oghusen im 10. und 11. Jahrhundert aus Mittelasien in den Kaukasus und nach Kleinasien; die 12 Erzählungen des Dede Korkut Kitabi sind durch Lieder des Sängers und Wahrsagers Dede Korkut miteinander verbunden. Eine deutsche Übersetzung «Das Buch des Dede Korkut» erschien 1958.

Dedikation: Widmung, Zueignung, Stiftung, Geschenk.

Deduktion: Logik im weiteren Sinne die Methode, neue Kenntnisse aus schon vorhandenen mittels logisch korrekter Ableitungen zu gewinnen. im engeren Sinne so viel wie Ableitung, Beweis.

Deesis: (griechisch, «Fürbitte») Darstellung des thronenden oder stehenden Christus als Weltenrichter zwischen Johannes dem Täufer und Maria als Fürbitterin für die Menschheit. Als Symbolisierung des Jüngsten Gerichts Kernstück aller mit Ikonen bemalten Bilderwände (Ikonostasen) der Ostkirche. In der Romanik und Gotik oft verschmolzen mit der Majestas Domini (Christus im Glorienschein) beziehungsweise einer Gesamtdarstellung des Jüngsten Gerichts.

de facto: tatsächlich; den Tatsachen entsprechend, unabhängig davon, ob diese rechtlich begründet sind.

De-facto-Anerkennung – Anerkennung.

Defätismus: durch Rückschläge erzeugte Stimmung der Mutlosigkeit und Resignation; Unglaube an den Sieg der Sache, für die gekämpft wird; Schwarzseherei.

Defektive: früher Bezeichnung für alle in ihren körperlichen oder geistigen Funktionen eingeschränkten Personen; wird zunehmend durch die genaueren Begriffe «Beschädigten) oder «Behinderter» mit einer differenzierten WHO-Klassifikation ersetzt.

Defektoskopie: Suchen von Defekten in Werkstoffen und Werkstücken. Bei der Durchstrahlungsprüfung mittels Röntgen- oder Gamma-, selten Neutronenstrahlen, werden infolge der geradlinigen Ausbreitung der Strahlen von den durchstrahlten Werkstücken Schattenbilder erzeugt. Durch unterschiedliche Schwächung der Strahlen an inneren Werkstofffehlern (Risse, Poren, Lunker u. ä.) können diese durch Schwärzungs- beziehungsweise Helligkeitsunterschiede auf einem Film beziehungsweise Leuchtschirm nachgewiesen werden. Weitere Verfahren der Defektoskopie sind die Ultraschallprüfung, für Oberflächenfehler die Eindringprüfung sowie in speziellen Fällen auch die magnetinduktive Prüfung, Thermographie und Schallemissionsanalyse.

Defektur: der Raum einer Apotheke, in dem die Herstellung von Arzneimitteln vorgenommen wird.

Defensor: Verteidiger, Sachwalter.

Defensive: Verteidigung, Abwehrhaltung).

Defibrator, Thermozerfaserer. Maschine zur mechanischen Holzstofferzeugung. In dem gekapselten Zerfaserungsaggregat befindet sich eine vorgeschaltete Dämpfungsvorrichtung, die mittels Dampfs aufgeweichten Holzhackschnitzel werden anschließend unter Dampfdruck zwischen Hartgussmahlscheiben zerfasert. Meist wird Abfallholz verwendet.

Defibrillation: Beheben von Herzkammerflimmern durch Elektroschocks mit kurzen Stromstößen.

Defiguration: Verunstaltung, Entstellung.

Defilee: Engpass, Hohlweg; Vorbei-, Parademarsch.

Definition: Logik Verfahren beziehungsweise Ergebnis eines Verfahrens, durch das eine Begriffs-, Wort- oder Zeichenbedeutung mittels bereits bekannter Begriffe, Worte beziehungsweise Zeichen erklärt wird. Bei Nominaldefinition wird einem sprachlicher Ausdruck (zum Beispiel einem Wort oder Namen) eine Bedeutung gegeben, wobei über den Umfang des erfassten Begriffs oft nichts gesagt wird; bei Realdefinition werden die wesentlichen Charakteristika eines Objekts beziehungsweise Objektbereiches aufgezählt, hier ist der Übergang zur Explikation gleitend. Explizite Definition besagen die Bedeutungsgleichheit des zu Definierenden, des Definiendums, mit einem definierenden Ausdruck. Implizite Definition können vielfältige Strukturen haben.

Definitionshelligkeit: Verhältnis aus der Intensität, die eine Welle in einem Punkt des Bildraums eines optischen Systems erzeugt, und der Intensität, die eine im gleichen Punkt konvergierende Kugelwelle erzeugt. Die Definitionshelligkeit ist ein Gütekriterium, das unter anderem auch bei der Optimierung optischer Systeme angewendet wird.

Im Allgemeinen gelten optische Systeme mit einer Definitionshelligkeit > 0,8 im gesamten Feld als Hochleistungssysteme.

De Fiori, Ernesto, 12.12. 1884-24.4. 1945 (Selbsttötung), Bildhauer italienischer Herkunft; widmete sich anfänglich der Malerei, ging 1911 in Paris zur Plastik über und studierte später bei H. Haller. Er schuf insbesondere Aktfiguren von herber Anmut sowie eine Reihe bedeutender Bildnisse.

Defizit: Fehlbetrag; Verlust; ungedeckter Ausgabenteil (zum Beispiel des bürgerlichen Staatshaushaltes).

Deflagration, Verpuffung: verhältnismäßig langsames Abbrennen von Sprengstoffen im Unterschied zur Detonation und Explosion.

Deflation: 1. Deflation, Ablation: Geomorphologie Ab- und Ausblasen von feinem Verwitterungsmaterial (Schluff- und Sandfraktionen) durch den Wind vom bloßen Boden sowie Abschleifen (Korrosion) der Gesteinsoberfläche (sogenannt Windschliffe) durch die mitgeführten Sandkörner. Die Deflation ist vor allem in den Trocken sowie Polargebieten der Erde wirksam, wo keine Vegetationsdecke die austrocknende Oberfläche schützt.

2. Deflation, Geldkontraktion: Wirtschaft Verminderung des Geldumlaufs unter die zur Zirkulation der Waren notwendige Geldmenge. Die Deflation wird auch für eine Politik der Verminderung des inflationistischen Preisdrucks genutzt.

Deflektor: in der Lüftungstechnik angewandter drehbarer Aufsatz auf Lüftungsschächten und Schornsteinen, der den Windeinfluss vermindern oder den Wind zur Zugerhöhung nutzen soll.

Deflexionslage: abnorme Streckhaltung des kindlichen Kopfes unter der Geburt, wodurch es in Abweichung von der normalen Beugehaltung (Kinn auf der Brust) zur Vorderhauptslage, Stimmlage oder Gesichtslage kommen kann; siehe auch Kindslage.

Defloration: Entjungferung; Einreißen des Jungfernhäutchens (Hymen) beim ersten Geschlechtsverkehr.

Defoe, Daniel, 1660-24.4.1731, englischer Journalist und Schriftsteller; verfasste zahlreiche Schriften über Politik, Ökonomie, Moral, Religion und Geschichte seiner Epoche. Seine Missstände aller Art kritisierenden Pamphlete brachten ihn an den Pranger und ins Gefängnis. Mit «Robinson Crusoe» (1719, deutsch) leitete er das realistischen Romanschaffen der englischen Aufklärung ein; es folgten bürgerliche Sittenromane wie «Moll Flanders» (1722, deutsch) und «Roxana» (1724, deutsch); der Tatsachenbericht «Die Pest zu London» (1722, deutsch) schildert Ereignisse des Jahres 1665.

Defoliation: Entfernen der Blätter mit chemischen Mitteln. Intensivierungsmaßnahme, um den Einsatz von modernen Erntemaschinen zu ermöglichen oder um eine gleichmäßige Reife herbeizuführen.

Deformation: 1. allgemein Gestaltsveränderung, Verformung; Verunstaltung, Missbildung.

2. Geologie: Verformung.

3. Physik: Volumen- oder Formänderung eines Körpers, die durch äußere mechanische Kräfte, Temperaturfelder, magnetischer oder elektrischer Felder hervorgerufen wird. Die Deformation ist elastisch, wenn sie nach Abschalten der sie erzeugenden Kräfte verschwindet, plastisch, wenn sie anhält. Die meisten Festkörper deformieren sich bei kleiner Beanspruchung elastisch und bei großer Beanspruchung mehr oder weniger plastisch.

Degas, Edgar Hilaire Germain, 19.7. 1834-27. 9. 1917, französischer Maler, Graphiker und Plastiker. Malte zuerst Historienbilder, daneben realistische Porträts, bis er sich schließlich ganz den Themen widmete, die sein weiteres Schaffen bestimmten: Pferderennen, Theaterszenen, Frauen bei der Toilette, Motive aus dem Großstadtleben (Nachtlokal, Zirkus, Bordell). Charakteristisch für seine Kunst sind die scheinbare Zufälligkeit des Bildausschnittes und die impressionistische Wiedergabe der Bewegungen. Degas bevorzugte die Pastelltechnik. Er war einer der bedeutendsten Zeichner seiner Zeit. Gegen Ende seines Lebens modellierte er Statuetten in Wachs und Ton.

De Gasperi, Alcide, 3. 4. 1881-19. 8. 1954, italienischer Politiker, gehörte 1919 zu den Organisatoren der klerikalen Volkspartei, arbeitete 1929/44 am Vatikan, 1943/45 war er Generalsekretär der christlich-demokratische Partei; in der Restaurationsphase des italienischen Imperialismus war er Ministerpräsident (1945/53); betrieb als Außenminister (1944/46 und 1951/53) eine proamerikanischen Außenpolitik.

Degen: leichte, zwei- bis vierschneidige Stich- (Stoßdegen) beziehungsweise ein- oder zweischneidige Hiebwaffe (Haudegen) mit langer, schmaler und gerader Klinge. Im Fechten leichte Stoßwaffe (110 cm lang, bis 770 g schwer, Klingenlänge 90 cm, Durchmesser der Glocke 13,5 cm).

Degeneration: Entartung von Zellen und Zellverbänden hinsichtlich ihrer für sie typischen Leistungen und ihres Aussehens. Sie kann fortschreitend sein und zum Zelluntergang führen oder vorübergehend, so dass eine Wiederherstellung aller Leistungen und des Aussehens möglich ist. In der Züchtung nachteilige Veränderung der Nachzucht durch Verlust wertvoller Rasse- oder Sorteneigenschaften.

Degeyter, Pierre, 8.10. 1848-26.9. 1932, französischer Chordirigent und Komponist; seine 1888 nach Versen E. Pottiers vertonte «Internationale» wurde durch Intrigen zunächst seinem Binder Adolf zugeschrieben und erst 1922 gerichtlich als seine Komposition anerkannt.

Degout: Ekel, Widerwille, Abneigung.

Degradation, Degradierung: 1. allgemeine Herabwürdigung, strafweise Versetzung in eine geringer bewertete Tätigkeit, Amtsenthebung.

2. Bodenkunde: Verlust charakteristischer Merkmale eines Bodentyps im Sinne einer Minderung der Bodenfruchtbarkeit.

3. Elektrokeramik: unerwünschte Zerstörung eines Titanoxiddielektrikums durch längere Einwirkung einer Gleichspannung, erkennbar an der Abnahme des Isolationswiderstandes.

Degras, Moellon: teilweise oxydierter Tran als Nebenprodukt der Sämischgerbung; Lederfettungsmittel.

De-Haas-van-Alphen-Effekt: (nach 2 niederländischen Physikern) oszillatorischer Schwanken der magnetischen Suszeptibilität in Metallen in Abhängigkeit von der magnetischen Feldstärke bei Temperaturen unter 20 K.

Dehmel: 1. Richard, 18.11. 1863-8.2. 1920, Schriftsteller; repräsentativer, vor allem in seinen Anfängen sozialkritischer Lyriker der Jahrhundertwende. ursprünglich stark vom Naturalismus geprägt, wandte er sich später unter dem Einfluss F. W. Nietzsches zunehmend irrationalen Tendenzen zu; er wirkte stark auf die Dichtung der jungen Generation um 1910 (J. R. Becher).

2. Walter, 9. 5. 1903-20. 6. 1960, Lyriker; schrieb in den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg Gedichte («Aus der Wirrnis dieser Zeit», 1947) und wirksame Jugendlieder («Diese Zeit ist eine Wende») sowie Nachdichtungen aus dem Russischen («Weltjugendlied»), Italienischen («Bandiera Rossa»), Amerikanischen und Dänischen.

Dehnung: auf die Anfangslänge bezogene Verlängerung bei Zugverformung, Zeichen e, Maßeinheit zum Beispiel mm/m.

Dehnungsmessstreifen, Dehnmessstreifen: Messfühler, bei dem die mechanischen Verformung (Dehnung, Stauchung, Torsion) eines elektrischen Leiters eine Änderung des elektrischen Widerstandes verursacht.

Dehnungsmessung: das Messen der in Probestäben oder Bauteilen durch mechanische Spannungen hervorgerufenen Dehnungen mittels Tensiometers. Die Dehnungsmessung kann mechanisch, optisch, pneumatisch, elektrisch oder röntgenographisch erfolgen. Werden komplizierte Bauteile durch äußere Kräfte belastet, kann aus den Dehnungen über den Elastizitätsmodul die Spannungsverteilung berechnet werden.

Dehydratisieren: Abspalten von Wasser aus chemischen Verbindungen. Kristallwasser wird durch Erhitzen ausgetrieben; bei anderen Dehydratationen wendet man wasserentziehende Mittel an.

Dehydrieren: Abspalten von Wasserstoff aus chemischen Verbindungen. Es erfolgt meist katalytisch in der Gasphase bei 300 bis 500 °C.

Dehydrogenasen: zu den Oxidoreduktasen gehörende Enzyme, die Wasserstoffübertragungsreaktionen katalysieren. Pyridin- oder Flavinnukleotide dienen als Koenzyme.

Deianeira, Deianira, in der griechischen Sage Gattin des Herakles; verursachte ahnungslos dessen Tod, als sie ihm das Nessos-Gewand reichte; siehe auch Nessos.

Deich: Erdwall aus schwer durchlässigem Lockergestein an Flussufern und Küsten zum Schutz gegen Hochwasser und Überflutungen (Sturmflut), meist mit flacher, grasbewachsener (Dünengras) Böschung. Beim Flussdeich unterscheidet man Sommer- oder Nebendeich gegen mittleres Hochwasser; Winter- oder Hauptdeich gegen Frühjahrshochwasser. Hilfsdeich zum Schutz von Baustellen sind der Flüge!-, Kuver- und Kajedeich. Siehe auch Kappsturz.

Deichsel: starrer Verbindungsholm zwischen Zugmittel und Fahrzeug mit Lenkwirkung auf das Fahrzeug.

Deidameia, Deidamia, in der griechischen Sage Tochter des Königs von Skyros, durch Achill Mutter des Neoptolemos.

Deinking: Verfahren zum Entfernen von Druckfarben aus bedrucktem Altpapier in 2 Stufen: Entfernen

a) des hydrophoben Bindemittels und der Pigmente durch Flotation;

b) der Restpigmente durch Bleiche.

Deismus: (lateinisch deus, «Gott») religionsphilosophische Strömung, die den Einfluss eines persönlichen Gottes auf das Weltgeschehen bestreitet, Gott nur als abstraktes Urprinzip, als ersten Beweger der Weltgesetzlichkeit gelten lässt. Der Deismus entstand mit dem mechanischen-materialistischen Weltbild zuerst in England, erlangte in der europäischen Aufklärung bestimmenden Einfluss. Vertreter waren solche Philosophen wie Voltaire, Rousseau und Lessing.

de Jure: rechtlich, dem Rechte nach, vom Standpunkt des Rechts aus, nach der Rechtslage.

Dekabristen: russische adlige Revolutionäre, benannt nach der Erhebung im Dezember (russisch dekabr) 1825. Die Dekabristen gingen von den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution aus, kämpften für die Beseitigung der zaristischen Selbstherrschaft, die Aufhebung der Leibeigenschaft und für eine Verfassung. 1818 gründeten sie den «Wohlfahrtsbund», der sich 1821 in die «Südliche Gesellschaft» (P. I. Pestei, S. I. und M. I. Murawjow-Apostol unter anderem) sowie die «Nördliche Gesellschaft» (N. M. Murawjow, K. F. Rylejew unter anderem) teilte. Pestei trat für eine Republik, Murawjow für eine konstitutionelle Monarchie ein. Der Aufstandsversuch nach dem Tod des Zaren Alexander I. scheiterte, weil die Bewegung vom Volk losgelöst blieb; 5 führende Dekabristen wurden hingerichtet, 121 nach Sibirien verbannt. Die Ideen der Dekabristen beeinflussten die späteren revolutionären Demokraten.

Dekade: Zehnzahl; Zeitraum von 10 Tagen; Zahlenfolge (1, 2, .... 10) • 10 (n = natürliche Zahl).

dekadent: kulturell heruntergekommen; entartet.

Dekadenz: Niedergang, Entartung; Verfall in Kulturen; insbesondere die Krisenerscheinungen in der Kultur des Imperialismus, die sich in Pessimismus, allgemeiner Zweifel an Werten, Hingabe an Anomales, Asoziales, Krankhaftes äußern.

Dekadenzliteratur: Literaturwerke und Literaturströmungen im Imperialismus, in denen ideologischer künstlerischer Niedergang und antihumanistischen Tendenzen der bürgerlichen Literatur besonders deutlich zum Ausdruck kommen. Die bürgerliche Literaturwissenschaft rechnet zur Dekadenzliteratur entweder lediglich jene Werke, die Weltschmerz, Lebensmüdigkeit und verfeinerten Sinnengenuss propagieren, oder sie bezeichnet mit diesem Begriff nur literarische Erscheinungen um 1900. Die marxistische Literaturwissenschaft bezieht den Begriff auf den Verfall der bürgerlichen Ideale in der Periode des Imperialismus. Die geschichtlich-ästhetischen Merkmale der Dekadenzliteratur sind Verzicht des Autors, die Wirklichkeit in ihren wesentlichen Zügen widerzuspiegeln, inhaltliche und formale Verzerrung des humanistischen Menschenbildes und einer humanen Welt, Verneinung der gesellschaftlichen Entwicklung generell, Negierung der progressiven gesellschaftlichen Aufgaben, des sozialen Auftrags und damit der ethisch-erzieherischen Funktion der Literatur; Bevorzugung abstoßender, barbarischer, sinnloser oder extrem pathologische Stoffe und Themen, Versinken in radikalem Psychologismus (psychische Selbstzerstörung), krasse Verneinung der nationalen literarischen Traditionen und überlieferter Werte der Weltliteratur; Bruch mit dem humanistischen Erbe, Abbruch jeglicher Beziehungen zum Volk und Bekenntnis zur selbstgewählten Einsamkeit des Dichters. In der literarischen Praxis treten meist einzelne dieser Züge besonders hervor, so bei G. Benn Nihilismus und Ästhetizismus. Oft verschmilzt die Dekadenzliteratur mit dem Modernismus in der Literatur.

dekadisch: auf die Zahl 10 gegründet, zum Beispiel ist der dekadische Logarithmus der Logarithmus zur Basis 10.

Dekaeder: ein Körper, der von 10 Polygonen begrenzt wird.

Dekalin: terpentinölähnliche Lösungsmittel für Fette, Harze, Wachse, Lacke unter anderem; Decahydronaphthalin; je nach Molekülform 196 °C beziehungsweise 187 °C.

Dekalog: die Zehn Gebote im Alten Testament; Hauptbestandteil der jüdischen und christlichen Sittenlehre.

Dekan: 1. Dekan, Dechant, Erzpriesterischer geistlicher Verwalter eines Bistumsbezirkes (Dekanat).

2. im Süden der BRD leitender Pfarrer eines evangelischen Kirchenkreises. Siehe auch Superintendent.

3. Leiter einer Fakultät an Universitäten und Hochschulen.

4. Dekan (griechisch): das Alkan, Dekan ist eine brenn bare, fast geruchlose, ölige Flüssigkeit; Kp 174,0°C Es ist in Diesel- und Heizölen enthalten.

Dekan, Dekhan, Dekkan sämtliche (Sanskrit, «Südland»): nach Osten flachgeneigtes Hochland in Vorderindien; durchschnittlich 800 bis 1000m überm Meer im Süden bis 2695 m (Anamudi) hoch. Pultscholle mit Mittelgebirgsformen sowie Plateaus mit Inselbergen und Härtlingszügen, die im Westen und Nordwesten vorwiegend von vulkanischen Ergussgesteinen, dem basaltischen «Dekan-Trapp», im Süden und Osten von Graniten, Gneisen, Schiefern und Quarziten aufgebaut ist; im Osten und Westen durch die Randgebirge der Ost- und Westghats begrenzt; tropisches Monsunklima; Wechsel von trockenen und feuchten Monsunwäldern, die größtenteils gerodet wurden; in den südlichen Westghats auch immergrüner tropischer Regenwald. Eisen-, Mangan-, Kupfer- und Edelmetallerze sowie Steinkohle; in der Landwirtschaft Bewässerungsfeldbau, Anbau von Hirse, Reis, Zuckerrohr, Baumwolle, Weizen und Erdnüssen.

Dekantieren: Abgießen einer Flüssigkeit vom Bodensatz.

Decarboxylasen: Enzyme aus der Klasse der Lyasen, die aus Aminosäuren oder a-Ketosäuren Kohlendioxid abspalten.

Dekatieren: Behandeln von Textilien mit Dampf, um ein Einlaufen zu verhindern beziehungsweise den Glanz zu fixieren.

deklamieren: (ausdrucksvoll, kunstgerecht) vortragen; überbetont sprechen; große Worte machen.

Deklaration: 1. politisch und rechtlich bedeutsame Grundsatzerklärung.

2. rechtserhebliche Aussage über Gegenstände oder andere Sachverhalte, insbesondere zoll- oder transportrechtliche Erklärung.

3. Deklaration, deklaratorische Erklärung: rechtsbekräftigende Willensäußerung, die keine Rechte und Pflichten begründet.

deklassieren: 1. Politik: der ursprünglich Klassenzugehörigkeit durch wirtschaftliche oder politische Einflüsse entfremden (zum Beispiel ins Lumpenproletariat herabsinken).

2. Sport: einen Gegner in überlegenerer Art besiegen, als dessen leistungsmäßige Einordnung erwarten lässt.

Deklination: 1. Astronomie: Koordinatensystem.

2. Geologie: Erdmagnetismus.

3. Grammatik: Beugung der nominalen Wortarten, das heißt der Substantive, Adjektive, Pronomen und Numeralien.

Dekoder, Decoder: elektronische Schaltung, die eine auf der Sendeseite zur Optimierung der Informationsübertragung vorgenommene Kodierung (Koder) auf der Empfangsseite wieder rückgängig macht. Dekoder werden unter anderem eingesetzt in der digitalen Informationsübertragung zur Rückgewinnung des Analogsignals, im Stereorundfunkempfänger zur Rückgewinnung der stereophon. Information und im Farbfernsehempfänger zur Rückgewinnung der 3 Farbkomponentensignale.

dekodieren: (englisch französisch) Wörter oder einen Text entschlüsseln.

Dekollete: in der Damenoberbekleidung großzügiger Ausschnitt, der Schultern, Nacken, Brust und (oder) Rücken mehr oder weniger freilässt.

Dekompensation: wesentliches Nachlassen einer Organfunktion, zum Beispiel des Herzens.

Dekomposition: Kybernetik Zerlegung einer großen Optimierungs- oder Steuerungsaufgabe in Teilaufgaben, die von einem übergeordneten Programm so koordiniert werden, dass die Lösung aller genannt Teilaufgaben die Lösung des ursprünglich Problems liefert. Die Dekomposition von Steuerungen führt auf hierarchische Systeme.

Dekompositum: Sprachwissenschaft Ableitung aus einem Kompositum, zum Beispiel Abhandlung aus abhandeln (aus «handeln»).

Dekompression: Hebelvorrichtung zur Unterbindung der Verdichtung bei Verbrennungsmotoren, zum Beispiel zur Unterstützung des Anlassvorganges.

Dekontamination: Beseitigung einer durch Radionuklide verursachten Kontamination mittels Abwaschen oder Abtragen von Oberflächen schichten.

Dekor: künstlerischer Schmuck, besonders von Glas-, Porzellan- und keramischer Erzeugnissen, auch von Textilien;

Dekoration: Schmuck, Ausschmückung; Bühnenausstattung; Orden, Ehrenzeichen.

Dekorbrand: Einbrennen von Aufglasurfarben auf keramische Gegenstände bei 800 bis 90Ö°C in Muffel- oder Elektroofen.

Dekorieren: Verzieren keramischer Gegenstände durch plastische Gestaltung der Oberfläche oder durch Farbgebung.

Dekorum: äußerer Anstand, Schein der Schicklichkeit, besonders in der Wendung das Dekorum wahren.

Dekostoffe: (Kurzwort für Dekorationsstoffe) Oberbegriff für raumgestaltende Stoffe, wie Vorhang-, Gardinen-, Wandbespannungsstoffe.

Dekrepitieren: durch Erwärmen hervorgerufenes knisterndes Zerplatzen von Kristallen, das durch Verdampfung des Lösungsmittels eingeschlossener Mutterlauge bedingt ist.

Dekreszenz: (dat., «Abnahme») das gesetzmäßige, treppenartige Zurücktreten von kongruenten Elementarbausteinen zur Ableitung von Kristallgestalten und damit die Vorstellung von der lückenlosen Erfüllung der Kristalle mit Parallelepipeden; auf den französischen Kristallographen R. J. Hauy zurückgehend.

Dekret: Entscheidung, Anordnung; Erlass; Verfügung eines Staates oder einer Behörde.

Dekubitus, Druckgeschwür. durch lange Bettlägerigkeit und durch Dauerdruck verursachtes Hautgeschwür meist über dem Kreuzbein.

Dekulator: Apparat an schnelllaufenden Papiermaschinen zum Entlüften des Ganzstoffes. Der Dekulator besteht aus einem evakuierten Behälter, in den die Faserstoffsuspension mittels Düsen eingespritzt wird.

Dekumatland: in der Antike Gebiet zwischen Rhein, oberer Donau und Main (heute etwa Baden-Württemberg); von den Römern im 1. Jahrhundert nach Christus besetzt und durch den Limes gesichert; Mitte des 3. Jahrhundert von den Alemannen besetzt. Vermutlich war der Name Dekumatland ein verwaltungs- beziehungsweise steuertechnischer Begriff.

Dekurlo: das Mitglied des Gemeinderates in den Städten altrömischen und latinischen Rechts.

del: 1. Abkürzung für delineavit (lateinischen, (er) hat (es) gezeichnet); auf Kupferstichen vor dem Namen des Künstlers stehend, der die Vorzeichnung anfertigte.

Delacroix, Eugène, 26.4. 1798-13.8.1863, französischer Maler, Graphiker, Kunsttheoretiker und -schriftsteller. Delacroix schuf bedeutende aktuelle Ereignisbilder («Die Freiheit führt das Volk auf die Barrikaden», 1830) sowie zahlreiche Monumentalmalereien in öffentlicher Pariser Gebäuden. Er prägte mit seiner leidenschaftlichen erregten Kunst, die er motivisch durch die Entdeckung der Welt des Orients bereicherte, das Bild der französischen Romantik.

Delaney, Shelagh, geboren 25.11.1939, englische Dramatikerin und Erzählerin; entstammt der Arbeiterklasse; ihr Drama «Es schmeckt wie Honig» (1958, deutsch; verfilmt als «Bitterer Honig») zeigt das vergebliche Suchen junger Menschen nach Glück; die Erzählungen «Wodka und kleine Goldstücke» (1964, deutsch) geben realistischen Einblicke in den heutigen Arbeiteralltag in England.

Delaroche, Paul, 17.7.1797-4.11.1856, französischer Maler, galt als Meister des dekorativen Historienbildes. Obwohl er dem Geschmack des bürgerlichen Publikums huldigte, erlangte er durch seine malerischen Qualitäten einen gewissen Einfluss auf die nachfolgende Künstlergeneration.

delatorisch: angeberisch, verleumderisch.

Delaunay, Robert, 12.4.1885-25.10.1941, französischer Maler und Graphiker. Delaunay gelangte über die fauvistische Malerei zum Kubismus, den er durch die dekorative, rhythmische Gliederung der Farbflächen in kleine prismatische Teile zum Orphismus weiterentwickelte.

Delaware: 1. Fluss im Nordosten der USA; 530 km; entspringt in den Catskill Mountains und mündet unterhalb von Philadelphia in die Delaware Bucht des Atlantischen Ozeans; im Oberlauf zahlreiche Gefällestufen, im kanalisierten Unterlauf für Seeschiffe bis Philadelphia schiffbar; durch Kanäle mit der Chesapeake-Bay und der Raritan-Bay verbunden.

2. Delaware, Abkürzung Del. Bundesstaat im Osten der USA, am Atlantischen Ozean; 5295 km2, 600000 Einwohner (14% Afroamerikaner); 113 Einwohner/km2; Hauptstadt Dover. Delaware nimmt den Nordostteil der flachwelligen Delaware Halbinsel (13 500 km2) ein; gemäßigt feuchtes Klima; Industriestaat (Hauptstandort Wilmington), der infolge seiner günstigen Verkehrslage und Nähe zu Rohstoffvorkommen gute Standortbedingungen für die Entwicklung der chemischen Industrie besitzt. Geringer entwickelt sind Metall-, Leder-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie. In der Landwirtschaft dominieren die Geflügelzucht, der Anbau von Sojabohnen und Mais sowie die Milchproduktion. Herings- und Austernfischerei.

Delawaren, Selbstbezeichnung Lenni Lenape: Algonkin-Indianerstamm, einst am Fluss Delaware; Bodenbauer, Fischer und Jäger; 1835 wurden sie nach Kansas und Oklahoma vertrieben, wo etwa 3000 ihrer Nachkommen leben; ihre Stammesgeschichte ritzten sie in 5 Birkenrindenstückchen ein (das sogenannt Walam Olum).

Delblanc, Sven, geboren 26. 5. 1931, schwedischer Schriftsteller, setzt sich in satirischen Romanen («Homunculus», 1965) mit Gegenwartsproblemen auseinander; in der realistisch orientierten Romanfolge «Erinnerung» (1970), «Steinvogel» (1973), «Winterschlaf» (1973) und «Das Stadttor» (1976) schildert er die Geschichte eines schwedischen Dorfes.

Delbrück: 1. Hans, 11.11. 1848-14.7.1929, Historiker und Politiker; 1885/1921 Professor in Berlin; 1883/1919 Herausgeber der «Preußischen Jahrbüchen»; erwarb sich Verdienste durch Widerlegung verschiedener reaktionärer Geschichtslegenden.

2. Max, 4.9.1906-9.3.1981, US-amerikanischer Biologe deutscher Herkunft, Professor am California Institute of Technology in Pasadena (Cal.); gehört zu den Begründern der Molekularbiologie und Bakteriengenetik, führte exakte quantitativ-experimentelle und mathematische Methoden in der Biologie ein. Delbrück erschloss die Bakterien der genetischen Forschung.

Delcassé, Théophile, 1.3.1852-22.2.1923, französischer Politiker; wiederholt Minister, als Außenminister (1898/1905 und 1914/15) gelang es ihm, mit der Beilegung der Faschoda Krise im März 1899 die Gegensätze zu Großbritannien zu entschärfen und 1904 mit der Bildung der Entente cordiale ein Gegengewicht zum Dreibund zu schaffen.

Delcev, Goce, 29.1.1872-4.5.1903 (gefallen), makedonisch-revolutionärer Demokrat; war ein bedeutender Führer und Ideologe der makedonischen nationalen revolutionären Bewegung. Er bereitete den bewaffneten Volksaufstand gegen die türkische Fremdherrschaft mit vor, war aber gegen den (vorzeitigen) Beginn des Ilinden-Aufstandes. Delcev kämpfte gegen imperialistische Pläne zur Aufteilung Makedoniens unter die Balkanstaaten.

deleatur, (lateinisch, «es werde gestrichen») Abkürzung del., Zeichen: Korrekturzeichen, das Streichung verlangt.

Delegation: 1. Abordnung (eines Kollektivs, einer Volksvertretung und so weiter).

2. Übertragung von Befugnissen (zum Beispiel von einem Staatsorgan auf ein anderes).

Delegierung: Vorschlag beziehungsweise Abordnung eines Mitarbeiters durch einen Betrieb, eine Organisation, Genossenschaft und so weiter für ein Studium oder eine andere Qualifizierung; Auftrag zur Teilnahme an einer Konferenz, Wahlversammlung und so weiter.

de lege ferenda: (lateinisch, «nach zu erlassendem Gesetz») nach der Regelung durch eine künftig zu erlassende (in Vorbereitung befindliche) Rechtsvorschrift, im Unterschied zum geltenden Recht,

Delémont, deutsch Delsberg: Hauptstadt des Kantons Jura im Westen der Schweiz, an der Some; 12000 Einwohner; Uhrenindustrie, Maschinenbau; Bischofsschloss; Juramuseum.

De Leon, Daniel, 14.12.1852-11.5.1914, US-amerikanischer Arbeiterführer, seit 1891 Führer der Socialist Labor Party; vertrat eine sektiererische, anarchosyndikalistische Politik, war 1905 Mitbegründer der Industrial Workers of the World (TWW).

Delescluze, Louis Charles, 2.10.1809-25.5.1871, französischer Journalist und Politiker; aktiver Teilnehmer der Revolutionen von 1830 und 1848, gab seit 1868 die Zeitung «Réveil» heraus. Delescluze wurde am 18.3.1871. ein führendes Mitglied der Pariser Kommune, fiel im Straßenkampf.

deletär: (lateinisch) verderblich, tödlich.

delikat: lecker, köstlich; zartfühlend; heikel; behutsam zu behandeln.

Delikatesse: Leckerbissen; Feinkost; auserlesener köstlicher Genuss; Zartheit, Zartgefühl.

Delirium: bei organischer Hirnkrankheiten und bei hohem Fieber eintretende Bewusstseinsstörung mit Sinnestäuschungen, Wahnideen und Unruhezuständen. Das Delirium tremens ist ein durch chronischen Alkoholismus bedingter tagelang anhaltender Verwirrtheitszustand, der mit vorwiegend optischer Sinnestäuschungen und einem Zittern der Gliedmaßen verbunden ist.

Delisches Problem: Problem der Würfelverdoppelung; nach altgriechische Überlieferung Auftrag des Orakels von Delphi, zur Abwehr der Pest, von einem würfelförmigen Apollo-Altar auf der Insel Dêlos ausgehend, einen Würfel doppelten Inhalts zu konstruieren; das Delische Problem ist durch Konstruktion mit Zirkel und Lineal unlösbar.

Delius, F. C. (Friedrich Christian), geboren 13.2.1943, Schriftsteller, lebt in Westberlin; entlarvte geistige und ökonomische staatsmonopolistische Manipulation in Gedichten («Wenn wir, bei Rot», 1969; «Rezepte für Friedenszeiten», 1973) und dokumentarisch angelegten Satiren («Wir Unternehmer», 1966; «Unsere Siemens-Welt», 1972).

Delkredere: 1. Rücklage von Betrieben für Forderungsausfälle.

2. Haftungserweiterung Handelsvertreter und Kommissionäre für finanzielle Ausfälle bei den von ihnen eingeleiteten Geschäften.

Delle: flache Einsenkung mit muldenförmigem Querschnitt in Hanglagen. Am unteren Ende der Delle treten oft Quellen oder Nassgallen auf; man spricht dann von Quellmulden.

Deller, Alfred George, geboren 31.5.1912, englischer Sänger (Alt); belebte wieder die Tradition des Männergesangs in Alt-Stimmlage; Mitglied bekannter englischer Kirchenchöre, Leiter eines international geschätzten Ensembles für altenglische Musik («Deller Consort»).

De-Long-Inseln: (nach einem US-amerikanischer Polarforscher) sowjetische Inselgruppe in der Ostsibirischen See; etwa 228 km2, bis 426 m hoch (Bennett Insel); Tundra Vegetation; teilweise vergletschert.

Delorme, de l'Orme, Philibert, um 1510/15-8.1.1570, französischer Baumeister und Architekturtheoretiker; seit 1540 tätig in Paris, Generalbauinspektor und Architekt des Königs; geschult an der Antike und der Renaissance in Rom, wurde er Hauptmeister der französischen Baukunst des 16. Jahrhundert Seine zahlreichen Schlossbauten (zum Beispiel Teile der Tuilerien) sind zerstört und nur in Stichen überliefert.

Delos: 2 unbewaldete Granitinseln der griechischen Inselgruppe der Kykladen im Ägäischen Meer: Mikra Delos 3,5 km2 und Megale Delos 17 km2. Mikra Delos war neben Delphi im Altertum Zentrum des Apollonkultes; französische Ausgrabungen legten Tempel des 6./5. Jahrhundert vor Christus, Schatzhäuser älterer Zeit, hellenistische Wandmalereien und Mosaiken frei. Gründungsort des 1. Att. Seebundes; dann zeitweilig Kleruchie Athens. Seit dem 1. Jahrhundert nach Christus verödet.

Delphi: antike Stadt in der mittelgriechische Landschaft Phokis, am Berg Parnass; älterer Name ist Pytho; war schon in mykenischen Zeit Kultstätte. Seit dem 8. Jahrhundert vor Christus ist das Apollonheiligtum mit dem berühmten Orakel (Orakelpriesterin Pythia) nachzuweisen, dessen Sprüche meist vor politischen Entscheidungen eingeholt wurden. Die Pythischen Spiele wurden hier seit 582 vor Christus abgehalten; 279 vor Christus plünderten die Kelten Delphi; im 1. Jahrhundert vor Christus allmählicher Verfall. Durch französische Ausgrabungen seit 1832 wurden bedeutende Reste des Apollonheiligtums besonders aus archaischer Zeit freigelegt (Schatzhäuser von Sikyon und Athen; Skulpturen des Siphnierschatzhauses, archaischer Tempel); Einzelwerke besonders der Plastik bis in römischer Zeit.

Delphinarium: Aquarien-Großanlage (Aquarium) zur Schaustellung und Erforschung der Lebensweise der Delphine.

Delphine, Delphinidae: Familie der Zahnwale; Säugetiere mit bis zu 260 Kegelzähnen, spindelförmigen, 1,5 bis 9 m langem Körper, schnabelförmiger Schnauze und waagerechter Schwanzflosse. Delphine leben gesellig in allen Meeren, sie erreichen Geschwindigkeiten bis 50 km/h, können mehrere Minuten tauchen und ernähren sich vorwiegend von Fischen und Tintenfischen; sie weisen einen hohen Intelligenzgrad auf. In gemäßigten und warmen Meeren der 2 m lange Gemeine Delphine (Delphinus delphis); meist in Küstennähe lebt der Große Tümmler (Tursiops truncatus).

Delphinschwimmen: Kurzbezeichnung für Schmetterlingsschwimmen mit Delphinbewegungen (Vertikalbewegung der Beine mit Impuls aus der Hüfte).

Delphinsprünge: Wasserspringen Gruppe von Sprüngen, die aus dem Stand rücklings (Rücken zum Wasser) vorwärtsdrehend ausgeführt werden.

Delta: 1. dreieckförmige Aufschüttung (Gerolle, Sink- und Schwebstoffe) im Bereich einer Flussmündung in einen See oder in ein Meer, mit mehr oder weniger verzweigtem Netz von Flussarmen. Geringe Neigung des Meeres- oder Seebodens sowie Küstenhebung fördern die Deltabildung. Dabei schiebt der Fluss die Küstenlinie ständig weiter ins Meer hinaus. Das Wachstum ist abhängig von der Schuttmenge, die abgelagert wird, und von der Wassertiefe im Mündungsbereich. Ausgeprägte Deltas besitzen Ganges/Brahmaputra (ca. 80000 km2), Lena, Mississippi, Orinoco, Nil, Wolga, Donau und Po.

2. Delta, Thor-Delta: Bezeichnung für eine Serie US-amerikanischen Raketen; seit 1961 in zahlreichen Versionen als Trägerrakete für Raumflugkörper (auch anderer Länder) eingesetzt.

Deltaflügel: Flugzeugtragfläche, die in der Draufsicht die Form des griechischen Buchstaben A (Delta) hat.

Deltamuskel: das Schultergelenk kappenformig umgebender, zwischen Schultergürtel und Oberarmbein liegender Muskel.

Deltaplan: Wasserbauprojekt in den Niederlanden zur Schließung der Mündungsarme von Rhein, Maas und Schelde gegen die Nordsee mit Ausnahme der Westerschelde und des Nieuwen Waterweges. Hauptanliegen sind der Schutz vor Sturmfluten (Sturmflutkatastrophe 1953) und die Verhinderung des Eindringens von Salzwasser ins Deltagebiet. Baubeginn 1956; inzwischen Abschluss von 3 Meeresarmen mit Deicherhöhungen auf den Deltainseln, die zum Teil ihren Inselcharakter verloren; Aussüßung der Flussmündungen, Anlage von Erholungsgebieten. 9 km langer Damm an der Oosterschelde im Bau (durch Sturmflutwehr für Ebbe und Flut offengehalten).

Delusion: Verspottung; Täuschung.

Demagogen: ursprünglich Volksführer; nach 1815 diffamierende und verächtliche Bezeichnung der deutschen Reaktion für Liberale und Demokraten im Vormärz; heute meist im Sinne von Volksverführer gebraucht.

Demagogie: Volksverführung; irreführende Beeinflussung des Volkes durch die Ausbeuterklasse; betrügerische Politik bürgerlicher oder rechtssozialistischer Parteien.

Demant: dichterisch für Diamant.

Demarche: formloser diplomatischer Schritt eines Staates gegenüber einem anderen Staat (Sondierung, Bitte, Warnung, Protest und so weiter).

Demarkation: Grenzziehung; konkrete Festlegung des genauen Verlaufs einer Staatsgrenze an Ort und Stelle durch Setzen von Grenzzeichen und Erfassen von deren Koordinaten in Karten, Protokollen und so weiter.

Demarkationslinie: provisorische, für einen begrenzten Zeitraum vereinbarte Abgrenzungslinie der Hoheitsgewalt zwischen Staaten (Machtbereichen), kriegführenden Parteien oder Besatzungstruppen.

Dembowski, Edward, 25.4. 1822-27.2. 1846, polnischer revolutionärer Demokrat, Philosoph und Publizist; war Herausgeber einer fortschrittlichen Zeitschrift und Organisator einer Geheimgesellschaft. Dembowski wurde zum Führer des demokratischen Flügels der Aufständischen im Krakauer Aufstand (Krakow), in dem er fiel.

Dementi: Erklärung, die eine Nachricht oder Behauptung nachträglich als unrichtig oder unwahr qualifiziert; Ableugnung, Widerruf, Richtigstellung, Berichtigung.

Demeter, griechische Göttin des Getreides und des Ackerbaus (römisch Ceres), durch Zeus Mutter der Persephone. Ihre Hauptkultstätte befand sich in Eleusis bei Athen.

Demetrios von Phaleron, um 350-um 280 vor Christus, athenische Philosoph, Schriftsteller und Staatsmann; regierte 317/307 Athen; reorganisierte Verwaltung, Gerichtswesen und Wirtschaft Athens entsprechend seinen philosophischen Ansichten. Nach der Eroberung Athens durch Demetrios Poliorketes floh er nach Ägypten, wo er die Einrichtung des Museions anregte.

Demission, Dimission (lateinisch): Rücktritt (von einem Amt), Abdankung; Verabschiedung, Entlassung.

Demiurg: (griechisch, «Handwerker», «Künstler») 1. in frühen Zeiten Athens nicht in der Landwirtschaft arbeitender Teil des Demos. In einigen dorischen Staaten auch Titel der höchsten Staatsbeamten.

2. in der idealistischen Philosophie Platons und Plotins Gott als Schöpfer der Welt.

Demmler, Georg Adolf, 22.12. 1804 2.1. 1886, Baumeister und Architekt; führte bedeutende. Bauten in Schwerin aus; schloss sich der demokratischen Bewegung in Mecklenburg an (deshalb 1851 entlassen). In den 60er Jahren nahm Demmler Kontakt zur erstarkenden Arbeiterbewegung auf. 1872 schloss er sich der Sozialdemokratie an.

Demodikose, Haarbalgmilbenausschlag: eine durch die Haarbalgmilbe verursachte Entzündung der Haarbälge. Die Demodikose (Haarbalgmilbenausschlag) beginnt mit stellenweisem Haarausfall, vor allem an Kopf und Hals, kann sich aber auch über den ganzen Körper ausbreiten. Der Verlauf der Erkrankung ist beim Hund am schwersten, wobei kurzhaarige Rassen öfter als andere erkranken.

Demographie: Bevölkerungswissenschaft, erforscht als gesellschaftswissenschaftliches Teilgebiet die Gesetzmäßigkeiten der Bevölkerungsreproduktion sowie die Wechselbeziehungen zwischen den politischen, ökonomischen, sozialen, biologischen unter anderem Prozessen und der natürlichen Bevölkerungsentwicklung.

Demokrit, Demokritos von Abdera, um 460-370 vor Christus, griechischer Philosoph; einer der bedeutendsten altgriechischer Wissenschaftler; begründete mit Leukipp die Atomistik, das erste ausgeprägt materialistisches System. Ausgehend von Parmenides postulierte er unendlich viele unteilbare kleinste materielle Partikel, Atome, auf deren quantitative Verschiedenheit (Form, Lage, Anordnung) er die Erscheinungsqualitäten reduzierte. Durch die ihnen eigene unablässige Bewegung formieren sich die Atome in streng kausal verlaufenden Prozessen nach Gesetzen der Formgleichheit zu den Dingen, die auch wieder zerfallen. Es entstehen und vergehen unzählige Welten im unendlichen Raum. Demokrit schuf die erste wissenschaftliche Erkenntnistheorie. Nach ihr erhalten wir Informationen über die Umwelt durch Abbilder, die uns über den Tastsinn beziehungsweise seine spezifizierten Formen Gesicht, Gehör mechanisch reizen. Er konstatierte gesetzmäßige Beziehungen zwischen den objektiven Abbildern und den subjektiven Reizen und gelangte schon zur Unterscheidung von primären und sekundären Qualitäten (Locke). Erkenntnis ist Einheit von Sinnlichkeit und Rationalität. In Anlehnung an die Sophisten gelangte Demokrit zu bedeutenden gesellschaftstheoretischen Einsichten: der Mangel führte den Menschen zur Vergesellschaftung und zur Entwicklung handwerklicher Fähigkeiten; auf der Basis der materiellen Kultur entsteht die geistige; in der Evolution des Menschen stehen Biologisches und Soziales in Wechselbeziehung. Er mahnt zum sozialen Engagement, weil vom staatlichen Wohl auch das individuelle abhängt, und rät, sich durch «Unerschreckbarkeit» die Heiterkeit der Seele auch in misslicher Lage zu bewahren. Demokrit, der «erste enzyklopädische Kopf unter den Griechen» (Marx), behandelte, belegt durch Titel seiner in nur wenigen Fragmenten überlieferten Schriften, wie Aristoteles nahezu alle Disziplinen. Die seiner Zeit oft vorauseilenden fortschrittlichen Anschauungen wirkten über Epikur, Lukrez, P. Gassendi, J. Locke, T. Hobbes, J.-J. Rousseau unter anderem bis in die Neuzeit.

Demonetisierung: 1. Außerkurssetzung von Münzen.

2. Ablösung einer spezifischen Geldware in der Zirkulation, typisch für den Versuch, jegliche Bindung des Goldes an Papierwährungen zu beseitigen und zum Beispiel die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds an die Stelle des Goldes als internationale Geldware zu setzen.

Demonstration: 1. anschauliche Beweisführung; eingehende Darlegung; wissenschaftliche Vorführung.

2. Massenkundgebung, -protest.

Demonstrativhandlung: Einsatz von Streitkräften zur Darstellung militärische Macht und Bereitschaft, um einen Gegner zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen, ohne hierbei physisch auf ihn einzuwirken. im Allgemeinen sind militärische Demonstrativhandlungen mit entsprechend politischen diplomatischen, ökonomischen und ideologischen Schritten verknüpft.

Demonstrativpronomen: hinweisendes Fürwort, zum Beispiel dieser, jener.

Demontage: Zerlegung von Maschinen, Geräten und Apparaten zum Zweck der Reparatur, eines einfacheren Transportes, der Verschrottung; bei Bauwerken auch Abriss mit dem Ziel einer Wiederverwendung von Material.

Demoralisierung: sittlicher Verfall; Zersetzung moralischer Orientierungen und Verhaltensweisen von Persönlichkeiten, Menschengruppen oder Klassen; kann gegensätzliche soziale Bedeutung haben, je nachdem, ob sie zum Beispiel gegen die sozialistische Moral oder gegen die Moral von Ausbeuterklassen in ihren verschiedenen Äußerungsformen gerichtet ist.

Demos: (griechisch, «Volk, Gemeinde») 1. Bevölkerung und Gebiet eines altgriechischen Stadtstaates.

2. Gemeinschaft der vollberechtigten freien Bürger einer Polis.

3. im antiken Griechenland das Volk (Bauern, Handwerker, Händler) im Gegensatz zur Aristokratie.

4. in sozialer Hinsicht ärmere freie Bevölkerung der antiken Polis im Gegensatz zu den reichen Sklavenbesitzern.

5. eine der 100 kleinsten Verwaltungseinheiten Athens beziehungsweise Attikas seit der Verfassung des Kleisthenes (508 vor Christus).

6. heute kleinster Verwaltungsbezirk in Griechenland.

Demotisch: (griechisch, «volkstümlich») jüngste Sprach- und Schriftform der ägyptischen Sprache (Ende 8. Jahrhundert vor Christus/etwa 3. Jahrhundert nach Christus). Siehe auch Hieroglyphen.

Demulgieren: Entmischen («Brechen») von Emulsionen, zum Beispiel durch Zusatz von Demulgatoren.

Denar, Denarius (lateinisch): altrömische Silbermünze; seit den Karolingern bedeutet Denar Pfennig, daher Zeichen (= d) für Pfennig.

Denaturieren: Lebensmitteltechnik a) durch äußere Faktoren bewirktes irreversibles Verändern von Strukturen und (damit verbunden) von Eigenschaften (zum Beispiel Quell-, Lösungs-, Fällungsverhalten) von Proteinen. Denaturieren wird durch Wärme (zum Beispiel bei Fleisch oberhalb 40 °C) oder Chemikalienzusätze (Säuren, Basen unter anderem) ausgelöst;

b) Ungenießbar Machen von Lebensmitteln (zum Beispiel Alkohol, Speisesalz) für technische Zwecke.

Dendera, griechisch Tentyra: eine der ältesten Städte Ägyptens, nördlich von Luksor, mit Tempelbezirk der Göttin Hathor (1. Jahrhundert nach Christus) und einer koptischen Kirche (5. Jahrhundert nach Christus).

Dendriten: 1. Anatomie: Fortsätze von Nervenzellen.

2. Geologie: auf Schicht- oder Kluftflächen von Gesteinen befindliche schwarze bis braune, Strauch- oder moosförmige Bildungen, aus eisen- oder manganoxidhaltigen Lösungen entstanden.

3. Metallographie: bei der Erstarrung von Metallschmelzen oft entstehendes verzweigtes Kristallskelett, das zu einem Kristallgefüge verwächst; nach den dabei entstehenden Formen auch als Tannenbaumkristalle bezeichnet.

Dendrochronologie: Methode, mittels vergleichender Dickenmessung der Jahresringe auf das absolute Alter von Bäumen und damit auch der geologischen Bildungen, mit denen sie gleichzeitig entstanden, zu schließen. Die Dendrochronologie lässt sich aber nur auf Bildungen der letzten 9000 Jahre anwenden.

Deneb: (arabisch, «Schwanz») hellster Stern im Sternbild Schwan.

Denervation: Unterbrechung der ein Organ oder Gewebe versorgenden Nervenbahnen, zum Beispiel nach tiefen Verletzungen, so dass Muskelgruppen gelähmt sein können. Im Tierversuch werden Denervation vorgenommen, um festzustellen, wie ein Organ trotz fehlender Nervenversorgung weiter tätig ist.

Denim: dickes Gewebe in Köperbindung aus Baumwolle oder Mischungen mit Chemiefasern, das im Garn blau gefärbt ist.

Denitrifikation: Reduktion von Nitraten durch bestimmte Bodenbakterien («denitrifizierende Bakterien») zur Gewinnung von Oxydationsenergie; siehe auch Nitrifikation.

Denkart: (persisch, «Das Werk über die Religion») ein enzyklopädisches Werk der Literatur der Parsen; entstanden im 9. Jahrhundert.

Denken: höchste Form des Bewusstseins, der psychischen Tätigkeit des Menschen; die auf der Grundlage sinnlicher Wahrnehmung und Vorstellung entstehende, mit Abstraktion und Verallgemeinerung verbundene rationale Form (Begriffe, Aussagen, Theorien) der (vermittelten) ideellen Widerspiegelung des Wesentlichen, Allgemeinen, Gesetzmäßigen der objektiven Realität im menschlichen Bewusstsein. Kriterium der Richtigkeit des Denkens ist die Praxis. Denken ist unmittelbar an Sprache gebunden.

Denkmal, Monument (lateinisch): jedes historisch bedeutsame Zeugnis vergangener Zeiten, auch Naturdenkmal; im engeren Sinne ein architektonisches oder plastisches Erinnerungsmal an bestimmte Ereignisse oder Personen (Sonderform Grabmal).

Denkmäler: in der Quellenkunde traditioneller Begriff zur Bezeichnung solcher Überreste, die an Sachverhalte erinnern sollen, zum Beispiel Urkunden, Inschriften, Kunstwerke.

Denkmalpflege: Erfassung, Sicherung, Erhaltung, Wiederherstellung und Pflege von Denkmalen der Kulturgeschichte, nationalen Geschichte, Geschichte der Arbeiterbewegung, der Kunst und Technik. Ihre Anfänge reichen bis ins Altertum zurück. In der Renaissance gab es bereits denkmalpflegerische Bestrebungen, die sich den heutigen Vorstellungen annähern. Anfang des 19. Jahrhundert begann mit dem Aufstieg des Bürgertums eine systematische und methodische Denkmalpflege. Durch planmäßige Förderung wurde sie in einigen Ländern zur staatlichen Einrichtung. 1844 wurden die Grundzüge der deutschen Denkmalpflege festgelegt. In der DDR hat das staatliche Institut für Denkmalpflege in der Deutschen Demokratischen Republik das gesetzliche Recht, Werke unter Denkmalschutz zu stellen. Bauwerke werden nicht nur erhalten und wiederhergestellt, sondern erfahren neue, der sozialistischen Entwicklung entsprechend Nutzung.

Denkoperationen: diejenigen Elemente der rationalen Erkenntnis, die das Fortschreiten des Denkens zu Erkenntnissen bedingen. Die allgemeinsten und grundlegenden Denkoperationen sind Analyse und Synthese. Auf ihnen bauen Vergleichen, Verallgemeinern und Systematisieren, Abstraktion und Konkretisierung auf. Mit den Denkoperationen werden Begriffsbildung, Urteil und Schluss sowie Problemlosen und damit Verhalten möglich.

Denkstil: Eigenart der Verarbeitung von Informationen, mit deren Hilfe kausale Beziehungen der objektiven Realität durch den Menschen erklärt werden. Der typische Denkstil für den Erwachsenen ist das Kausaldenken (Ursachen und Wirkungen werden aufeinander bezogen). In Abhängigkeit vom Entwicklungsstand kommen auch Beschreibungen, Urheber- (Sandmann bringt den Schlaf), Zweck- (es schneit zum Skifahren) und Wenn-Dann-Denken vor.

Denkzerfahrenheit: Verlust des Zusammenhanges der Gedankenfolge, die dadurch sprunghaft und unlogisch wird; die Äußerungen erscheinen ohne Sinn.

Denkzwang: Teilsymptom des Anankasmus oder von Psychosen, das sich darin äußert, dass Gedanken oder Einfälle sich zwanghaft aufdrängen, ohne willentlich von dem Betreffenden unterdrückt werden zu können.

Denner, Balthasar, 15.11.1685-14.4.1749, Maler; schuf zahlreiche detailnaturalistische Bildnisse vor allem alter Menschen («Poren-Denner»).

Dennis: 1. Eugene Dennis, 10.8.1904-31.1.1961, US-amerikanischer Arbeiterführer; seit 1938 Mitglied des Nationalkomitees, 1946/57 Generalsekretär, 1957/59 Sekretär des Nationalkomitees, seit 1959 Vorsitzender der KP der USA.

2. Nigel Dennis, geboren 16.1.1912, englischer Erzähler, Dramatiker, Journalist; schrieb den Roman «Identitätskarten» (1955), dessen psychoanalytische Suche nach der Identität und ihrer Austauschbarkeit zu absurden Situationen führt, in denen sich Entfremdung und Manipulierung spiegeln.

Denomination: eine meist zahlenmäßig kleinere religiöse Gemeinschaft im Unterschied zu den großen Konfessionskirchen.

Densitometer, Densograph: Gerät zum Bestimmen der optischen (Farb-)Dichte oder Schwärzung, zum Beispiel von entwickelten fotografischen Schichten. Die Messwerte werden unter anderem zur Ermittlung der Schwärzungskurve benötigt.

dental: zum Zahn gehörig, in Richtung zum Zahn gelegen.

Dentalfluorose: weißlich-bräunliche Schmelzverfärbung und Hartsubstanzdefekte an Zähnen; verursacht durch längere Zufuhr zu großer Fluormengen während der Zahnentwicklung, vorwiegend also im Fetal-, Säuglings- und Kleinkindalter. Siehe auch Fluorprophylaxe.

Dentalkeramik: Werkstoff für künstliche Zähne, hergestellt aus einer Mischung von Quarz und Feldspat.

Dentin, Zahnbein, harte, knochenähnliche, von feinen Kanälchen durchzogene Substanz; stellt die Grundlage der Zähne dar und umgibt Zahnhöhle und Wurzelkanal.

Dentitio difficilis: erschwerter Zahndurchbruch sowohl im Milchgebiss als auch im bleibenden Gebiss, insbesondere bei Durchbruch von Weisheitszähnen.

Dentition: Zahnen Durchbruch der Zähne beim Menschen; siehe auch Gebiss.

Denudation: im engeren Sinne die Entblößung des festen Gesteins von der lockeren Bodendecke; im weiteren Sinne die flächenhafte, auf die Einebnung des bestehenden Reliefs gerichtete Abtragung durch Massenbewegungen: aller Art. Talsohlen beziehungsweise alle ebenen Flächen, auf der die an die Gravitation gebundene Denudation erlischt, wirken dabei als lokale, der Meeresspiegel als absolute Denudationsbasis.

Denunziation: aus niedrigen, meist egoistischen Motiven, nicht selten anonym erfolgende Verdächtigung anderer bei Behörden oder Vorgesetzten; in kapitalistischen Ländern organisiert gegen die Arbeiterbewegung unter anderem fortschrittliche Kräfte praktiziert.

Denver: Hauptstadt des Bundesstaates Colorado (USA), 20 km unterhalb des Austritts des South Platte aus dem Felsengebirge, 1600 m über dem Meeresspiegel; 490000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,4 Millionen Einwohner; Handels-, Industrie-, Verkehrszentrum; vielfältiger Maschinenbau (Ausrüstungen für Bergbau, Eisenbahn und Zuckerindustrie); Tourismus; Universität; internationaler Flughafen.

Departement: Verwaltungsbezirk in Frankreich seit der Französischen Revolution; von einigen Staaten im Laufe des 19. Jahrhundert übernommen.

Department: 1. Verwaltungsbezirk oder -zweig.

2. in den USA und in Großbritannien zentrales Regierungsorgan (Ministerium).

Depersonalisationssyndrom: Störung des inneren Gefüges der Persönlichkeit, Störung des Ich-Erlebnisses; tritt besonders bei Schizophrenie und schwerer Depression auf. Dem Kranken erscheinen sein eigenes Ich, sein Körper oder einzelne Körperteile als fremd, nicht zu ihm gehörend, abgestorben; bei Schizophrenie erscheint auch die Verbundenheit mit eigenen Denk- und Willensvorgängen gestört.

Depesche: 1. veraltete Bezeichnung für Telegramm.

2. Eilnachricht in der Diplomatie (siehe auch Emser Depesche); meist durch Kuriere befördert.

Depigmentierung: fleckförmiger (Vitiligo) oder vollständiger (Albinismus) Melaninmangel der Haut oder der Haare (Poliosis). Depigmentierung wird auch bei angeborenen Stoffwechselstörungen, bei Arzneimitteleinnahme oder als Folge von Hautkrankheiten beobachtet.

Depilation: vorübergehende Enthaarung durch Entfernen der aus der Haut ragenden Anteile des Haares; siehe auch Epilation.

deplorabel: bedauerlich; beweinenswert.

Depolarisation: Verminderung (wörtlich Aufhebung) des Membranpotentials, das an allen erregbaren Zellmembranen herrscht. Depolarisation begleitet in der Regel jede Erregung einer Zelle. Bei lokalen Erregungen ist die Größe der Depolarisation proportional der Erregungsgröße.

Depolarisator: Stoff, durch dessen Einwirkung die stromflussbedingte Potentialänderung einer Elektrode verringert oder verhindert wird, zum Beispiel Mangan(IV)-oxid oder Sauerstoff.

deponieren: hinterlegen, in Verwahrung geben oder ein Lager (Depot) anlegen.

Deportation: von Ausbeuterregimes praktiziertes, oft massenhaftes Verschicken von Menschen in entlegene Gebiete; dient der Ausschaltung politischer Gegner unter anderem Missliebiger. Siehe auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Depositär: Völkerrechtssubjekt beziehungsweise Organ eines Völkerrechtssubjektes (zum Beispiel Staat (Depositarstaat, Depositärstaat) oder internationale Organisation, auch höchste Verwaltungsbeamte einer solchen Organisation), bei dem Ratifikations- und Beitrittsurkunden von multilateralen internationalen Verträgen hinterlegt werden. Zu den Aufgaben des Depositärs gehört zum Beispiel die Aufbewahrung des Originaltextes, die Anzeige des Inkrafttretens des Vertrages sowie des Beitritts beziehungsweise Ausscheidens von Staaten.

Depositen: im eigentlich Sinne vorwiegend bei Banken und Sparkassen hinterlegte Wertsachen und Wertpapiere, gegebenenfalls auch bar hinterlegte Geldmittel; im übertragenen Sinne bei Banken und Sparkassen verzinslich angelegte Gelder (Einlagen), die aber rechtlich entgegen der ursprünglich Bedeutung nicht zur Verwahrung, sondern als Guthaben angelegt werden. Die Depositen sind nach der Zeitdauer ihrer Anlage gegliedert in Sichteinlagen (täglich fällige Gelder) und in Termineinlagen (befristet fällig werdende Gelder).

Depot: Lager; Aufbewahrungs-, Hinterlegungsort, vor allem von Wertsachen (Sachdepot) und Wertpapieren (Wertpapierdepot); in der Regel bei Geldinstituten.

Depotpräparate: Arzneimittel mit langer Wirkungsdauer; diese kann erreicht werden entweder durch verzögerte Resorption (zum Beispiel aus öligen oder kristallinen Zubereitungen) oder verlangsamte Elimination.

Depotstimmrecht, Bankenstimmrecht: von den kapitalistischen Banken aus der Aufbewahrung (Depot) und Verwaltung von Aktien abgeleitete Befugnis, das Stimmrecht der Aktienhinterleger (meist der Kleinaktionäre) in den Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften auszuüben. Damit sichert sich das Bankkapital einen maßgebenden Einfluss auf die Monopolunternehmen.

Depot-System: in Zeitschriftenredaktionen angewandte Methode, bei der Manuskripte auf Grund zu großen Umfangs beziehungsweise sehr spezifische Thematik im Depot der Redaktion aufbewahrt werden und eine Veröffentlichung nur in Kurzform, in sogenannten Informationsartikeln, erfolgt. Der Interessent kann eine vollständige Kopie des Manuskripts bestellen.

Depression: 1. Astronomie: negative Höhe eines Gestirns (unter dem Horizont).

2. Geomorphologie: unter dem Meeresspiegel liegende Einsenkung auf dem Festland (zum Beispiel Kaspi-Senke, Totes Meer). Siehe auch Kryptodepression.

3. Depression, Melancholie: Medizin - niedergedrückte, traurige Stimmung mit Gehemmtheit im Denken und Handeln. Die reaktive Depression tritt nach schweren psychischen oder körperlichen Belastungen auf. Die endogene Depression kommt oft phasenhaft, meist unabhängig von äußeren Einflüssen vor.

4. Meteorologie: Tiefdruckgebiet.

5. politische Ökonomie: Krisenzyklus.

deprimieren: (dat.) niederdrücken, entmutigen.

Depressor: (dat.) Kurzbezeichnung für den Depressornerv (den Blutdruck herabsetzender Nerv). Er zieht von den blutdruckmessenden Rezeptoren in der Wand der Aorta (Aortenbogen) zum Rautenhirn. Reizung dieser Rezeptoren oder des Depressor führt reflektorisch zur Blutdrucksenkung.

Deputat: Teil des in Naturalien gewährten Lohnes im Kapitalismus, besonders in der kapitalistischen Landwirtschaft.

Deputation: Abordnung; Ausschuss. Deputierter: Abgeordneter, Parlamentarier; Mitglied einer Abordnung (Deputation).

Derain, André, 10.6. 1880-8.9. 1954, französischer Maler, Graphiker und Bildhauer; neben H. Matisse und M. de Vlaminck Hauptvertreter des Fauvismus. Wandte sich ab 1908 P. Cézanne und dem Kubismus zu. Seit 1912 schuf er Bilder, die Züge des Neoklassizismus und der Neuen Sachlichkeit tragen.

Derby: (nach dem britischen Gründer) jährlich veranstaltete Zuchtprüfung (Rennen) der besten 3jährigen Vollblüter eines Landes über 2400 m; auch Bezeichnung für einzelne hervorragende Prüfungen im Trabrenn-, Spring-, Dressur- und Fahrsport. Ortsderby ist die Begegnung von Ortsrivalen, besonders in Sportspielen.

Derby: Stadt im mittleren England (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Derbyshire, am Derwent; 215000 Einwohner; Flugzeugmotoren- und allgemeiner Maschinenbau, chemische (synthetische Fasern, Farben), keramische, Textilindustrie; Eisenbahnwerkstätten; technische und Kunsthochschule.

Dereliktion: Aufgabe des Eigentums an einer Sache; erfordert Besitzaufgabe in der erkennbaren Absicht zur Dereliktion.

Derfflinger, Georg Reichsfreiherr von, 20.3. 1606-14.2. 1695, brandenburgischer Feldmarschall; Sohn eines österreichischen Bauern; stieg im Dreißigjährigen Krieg bis zum Oberst auf. Derfflinger trat 1655 in brandenburgischem Dienste und zeichnete sich besonders im Feldzug gegen Schweden 1675/79 aus.

Derivat: Abkömmling einer chemischen Verbindung; zum Beispiel ist Phenol, C6H5OH, ein Derivat des Benzols, C6H6.

Derivation, Ableitung: Bildung neuer Wörter durch Ableitungssilben (handeln abhandeln Abhandlung) oder Lautwandel, das heißt «innere Ableitung» (helfen Hilfe).

Dermatika: Arzneimittel zur äußerlichen Behandlung von Hauterkrankungen. Derma ist gleich die Haut.

Dermatitis: Hautentzündung (Rötung bis Blasenbildung) durch Einwirken chemischer oder physikalischer Noxen. Die Bezeichnung Dermatitis wird manchmal auch allgemein für Hautkrankheiten gebraucht.

Dermatoglyphen, Papillarlinien: System von Hautleisten auf den Endgliedern der Finger und Zehen sowie im Bereich der Ballen der Handfläche und Fußsohle (bogen-, schleifen- oder wirbelförmiges Muster). Dermatoglyphen sind genetisch determiniert.

Dermatologie: Lehre von der gesunden und kranken Haut, der einsehbaren Schleimhäute und der Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel, Talg- und Schweißdrüsen), meist mit Einschluss der Venerologie. Als Spezialfach der Medizin erst um 1800 in England, Frankreich, später auch in Österreich und Deutschland auf wissenschaftlicher Grundlage systematisch ausgebaut und seit Anfang des 20. Jahrhundert an deutschen Universitäten mit Lehrstühlen vertreten; vielseitige Wechselbeziehungen zu anderen medizinischen Fachgebieten sowie zunehmende Subspezialisierung.

Dermatom: (griechisch, «Hautabschnitt») 1. von einem Spinalnerven versorgtes Hautsegment.

2. Hautgeschwulst.

3. Apparat zur Entnahme von Hautlappen zur Transplantation.

Dermatomykose, Hautpilzflechte: durch Faden-, Spross- und Schimmelpilze hervorgerufene Hauterkrankung. Die Pilze finden in der Hornschicht der Oberhaut, den hornigen Anhangsgebilden (Haare, Nägel) günstige Nährböden und rufen unter anderem Entzündungen, Juckreiz und Nagelzerstörung hervor.

Dermatoplastik, Dermoplastik beide (griechisch): Verfahren zur möglichst naturgetreuen Nachbildung von Tieren für Ausstellungszwecke unter Benutzung eines Modells, das mit der gegerbten Haut überzogen wird.

Dermatozoonose, Epizoonose beide (griechisch): durch tierische Parasiten (Milben, Insekten, Würmer) hervorgerufene Hautkrankheit.

Dermoid: versprengtes Hautanhangsgebilde (einschließlich Haare und Zähne), das sich meist als Dermoidzyste eingekapselt im Körper befindet (besonders häufig im Eierstock vorkommend). Es entsteht durch fetale Einstülpung des äußeren Keimblattes oder aller 2 Keimblätter im Bereich embryonaler Spalten.

Dernier cri: (französisch, «letzter Schrei») letzte Neuheit, neueste Mode.

Derogation, Abrogation (beide lateinisch): Beschränkung; teilweise Aufhebung einer Rechtsvorschrift.

Derwisch: (persisch, «Bettler, Armer») Angehöriger muslimische Orden oder Bruderschaften; arabisch Fakir («Bettelmönch») und in Nordafrika Ichwan («Bruder») genannt, von der islamischen Mystik (Sufismus) beeinflusst, oft mit ekstatischen Zügen («tanzender Derwisch»),

Desai, Morarji Ranchhodji, geboren 29.2.1896, indischer Politiker; 1930 Mitglied der Kongresspartei; wegen Beteiligung am Unabhängigkeitskampf mehrfach verhaftet; 1956/63 Minister, 1967/69 stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister; 1969/77 einer der Führer der von der Kongresspartei abgespaltenen Kongressorganisation; 1977/79 Vorsitzender der Janata-Partei und Ministerpräsident.

Desaminierung: (Kunstwort) Eliminierung einer Aminogruppe aus einer organischen Verbindung, meist einer Aminosäure.

desavouieren: verleugnen; für unbefugt erklären; bloßstellen.

Descartes, René, latinisiert Cartesius, 31.3.1596-11.2.1650, französischer Philosoph, Mathematiker und Physiker, Begründer der analytischen Geometrie; bekämpfte die mittelalterliche Scholastik und Metaphysik und förderte durch sein mechanisches-materialistisches Weltbild die Herausbildung der klassischen Physik. Er führte die (deduktive) mathematische Methode in die Philosophie ein mit dem Ziel, «klare und deutliche» Erkenntnisse nach dem Vorbild der Mathematik zu gewinnen. Der Zweifel, den er als fortschrittliches methodologisches Prinzip der wissenschaftlichen Forschung gegenüber der Scholastik entwickelte, findet nur an der Tatsache des eigenen Denkens eine Schranke («Cogito ergo sum», Ich denke, also bin ich). Nach Descartes ist Gewissheit der Erkenntnis nach Art der Mathematik dem Menschen durch Gott eingepflanzt (lumen naturale). Der Gegensatz zwischen der idealistischen Annahme einer selbständigen geistigen Substanz (res cogitans) in seiner Erkenntnistheorie und seiner materialistischen Naturauffassung von der korpuskularen materiellen Substanz (res extensa) machte Descartes zu einem Hauptvertreter des Dualismus, die Überzeugung von der unbedingten Sicherheit der mathematischen Methode zum Begründer des Rationalismus. Hauptwerke sind «Abhandlungen über die Methode» (1637, deutsch), «Betrachtungen über die Grundlagen der Philosophie» (1641, deutsch).

Descensus: Herabsteigen, Senkung, Vorfall eines Organs; Descensus iestium ist das Herabsteigen der Hoden aus dem Bauchraum in den Hodensack vor der Geburt, Descensus uteri Senkung der Gebärmutter, Descensus vaginae Vorfall der vorderen oder beziehungsweise und hinteren Scheidenwand.

Desensibilisator: Pina-Farbstoff, der als Vorbad oder dem Entwickler zugesetzt die Empfindlichkeit fotografischer Schichten nach der Belichtung herabsetzt, so dass bei hellerem Dunkelkammerlicht entwickelt werden kann.

Desensibilisierung: Aufheben einer Überempfindlichkeit; siehe auch Allergie.

Desertifikation: vom Menschen bewirkte Verringerung oder Zerstörung des biologischen Potentials von Land, was letztlich zu wüstenähnlichen Verhältnissen führt.

Desertion: Flucht einer Militärperson aus dem Wehrdienst; s. a, Fahnenflucht.

De Sica, Vittorio, 7.7.1902-13.11.1974, italienischer Filmregisseur und -schauspieler; Mitbegründer des neorealistischen Films; schuf unter anderem die Filme «Kinderaugen sehen dich an», «Schuhputzer», «Fahrraddiebe», «Das Wunder von Mailand», «Das Dach», «... und dennoch leben sie», «Sonnenblumen» sowie die Komödien «Gestern, heute und morgen» und «Hochzeit auf italienisch»; gestaltete in vielen Filmen komische Rollen, war aber auch ein bedeutender Charakterdarsteller («Der falsche General»).

Desiderio da Settignano, 1428 - 16.1.1464, italienischer Bildhauer der Frührenaissance; tätig in Florenz; schuf reizvolle, sehr lebendig wirkende Kinder- und Mädchenbüsten sowie das Grabmal Marzuppmi in S. Croce in Florenz.

Design: Entwurf für ein Industrieprodukt, das funktionell richtig und ästhetisch einwandfrei sowie rationell herstellbar sein soll, was die Zusammenarbeit von Technikern, Künstlern und Ökonomen erfordert. Dazu entstand der Beruf des Industrieformgestalters (auch Designer). Siehe auch Formgestaltung.

Designat: Semiotik das durch Zeichen (Designatoren) Bezeichnete. Die Festlegung eines Zeichens für ein bestimmtes Designat ist nicht willkürlich, sondern historisch durch die jeweiligen praktischen Bedürfnisse der Menschen bestimmt. Das Designat wird häufig auch als Denotat bezeichnet. Bisweilen werden Designat aber insofern unterschieden, als sie eine bezeichnete Klasse von Gegenständen (zum Beispiel Bäume) und Denotat die bezeichneten Elemente einer solchen Klasse sind (zum Beispiel Kirschbaum).

Desinfektion-Entseuchung: Abtöten bestimmter Krankheitserreger durch chemische oder physikalische Mittel beziehungsweise Verfahren mit dem Ziel, Infektionsquellen auszuschalten, um weitere Infektionen durch Keimverschleppung zu vermeiden.

Desinfektionsmittel, Desinfizienzien: chemische Stoffe, die zur Abtötung oder Wachstumshemmung von Krankheitserregern auf der Oberfläche des Organismus, in Ausscheidungen (Speichel, Kot), auf Instrumenten und Gegenständen, im Trinkwasser oder in der Umgebung fuhren. Unterschieden wird zwischen Fein- und Grob-Desinfektionsmittel, die aus verschiedenen chemischen Gruppen stammen, zum Beispiel Phenolderivate, Alkohole, Säuren, Halogene, Invertseifen, Schwermetalle und deren Salze sowie Farbstoffe.

Desjatine: alte russische Flächeneinheit (Feldmaß) unterschiedliches Betrages; vorzugsweise 1 Desjatine = 1,0925 ha.

Deskatgebirge: Gebirgszug im Osten Albaniens, an der Grenze zu Makedonien; bis 2374 m.

Deskriptor, Beschreiben genormtes Sachwort, das begrifflich äquivalente Sachwörter repräsentiert und durch Verknüpfung mit anderen Deskriptoren (Thesaurus) den Sachinhalt von Informationsquellen und Informationen selbst zum Speichern und Wiederauffinden kennzeichnet.

Desmane, Desmaninae: spitzmausartige, langschwänzige Verwandte der Maulwürfe mit langer Rüsselnase und Schwimmhäuten zwischen den Zehen. Pelztier ist der in Asien beheimatete Russische Desman (Wychuchol, Desmana moschata).

Desmoulins, Camille, 2.3.1760-5.4.1794, französischer Journalist und Revolutionär, Anhänger der Politik G. J. Dantons. In seiner Zeitung «Le Vieux Cordelier» (seit Dezember 1793) vertrat er republikanisch-gemäßigt revolutionäre Positionen; wegen seiner Angriffe auf die Revolutionsregierung wurde er mit Danton verhaftet und guillotiniert.

Deodorant: Mittel, das Körpergeruch verhindert, beseitigt oder überdeckt, zum Beispiel Seife, Puder, Deodorantstift und Aerosol. Deodorant enthalten Bestandteile mit geruchszerstörender und keimabtötender Wirkung.

Desodorieren: Lebensmitteltechnik Entfernen von Geruchsstoffen, zum Beispiel bei der Speiseölherstellung während der Raffination.

Desornamentadostil: Bezeichnung für die von J. de Herrera und seinen zahlreichen Nachfolgern vertretene Richtung der spanisch-lateinamerikanischen Spätrenaissancearchitektur, deren schmuckarmen, strengen Bauten nicht selten eine abweisende Majestät eigen ist.

Desorption: Abgabe eines sortierten, das heißt durch Adsorption oder Absorption aufgenommenen Stoffes. Der Vorgang der Desorption (Desorbieren) erfolgt bei Temperaturerhöhung, bei Gasen auch durch Druckminderung, im Falle der Adsorption auch durch einen anderen, fester adsorbierbaren Stoff. Die Desorption durch ein Lösungsmittel heißt Elution. Siehe auch Eluieren.

Desoxydieren: Entfernen lösliche Sauerstoffverbindungen aus flüssigen Metallen und Legierungen durch besondere Zusätze (Desoxydationsmittel). Bei der Diffusionsdesoxydation, die grundsätzlich im Ofen vor sich geht, erfolgt die Reduktion der an die Metalloberfläche diffundierenden Metalloxide durch eine reduzierende Schlacke. Bei der Fällungsdesoxydation, die meist in der Gießpfanne erfolgt, werden die Metalloxide in der Schmelze in unlösliche, aufschwimmende (feste oder flüssige) beziehungsweise aufsteigende (gasförmige) Oxide übergeführt.

Desoxyribonukleasen: zu den Hydrolasen zählende Enzyme, die die Phosphorsäurediesterbindungen zwischen den Nukleotidbausteinen der Desoxyribonukleinsäure spalten.

Desoxyribonukleinsäure, Abkürzung DNS, englisch Abkürzung DNA: polymere Verbindung, die aus Desoxyribonukleotiden aufgebaut ist. Die Nukleotide bestehen jeweils aus einer organischen Base (Adenin, Cytosin, Guanin oder Thymin), einem Zuckermolekül (Desoxyribose) und einem Phosphorsäurerest. Ein DNS-Molekül besteht in der Regel aus 2 Polynukleotid-Strängen, die schraubig umeinander gewunden und durch Wasserstoffbrücken zwischen den Basen miteinander verbunden sind. Die genetische Information ist in der DNS als Sequenz der 4 verschiedenen Basen verschlüsselt.

Desoxyribose: ein in Desoxyribonukleinsäure gebundener Desoxyzucker der Kettenformel CH2(OH) (CH(OH))2 CHj CHO. Desoxyribose bildet farblose, wasserlösliche Kristalle; F90°C.

Desoxyzucker: den Zuckern chemisch verwandte Substanzen, die an Stelle einer Hydroxylgruppe ein Wasserstoffatom enthalten, zum Beispiel Desoxyribose.

despektierlich: geringschätzig, verächtlich.

Despotie-Despotismus: Willkürherrschaft eines einzelnen Menschen (Despot).

Desprez, Josquin, um 1440-um 1524, einer der bedeutendsten europäischen Komponisten des 15./16. Jahrhundert; wirkte als Musiker in Mailand, Rom, Ferrara; schrieb Messen und Motetten im strengen Cantus-firmus-Satz sowie in vollständiger Durchimitation (Cantus firmus entfällt, motivisches Material wird auf alle Stimmen verteilt in gegenseitiger Imitation) mit starker musikalischer Ausdruckskraft ausgeprägter Individualität. Siehe auch Niederländische Schule.

Desquamation, Schalenverwitterung: schuppen- oder plattenförmiges Abplatzen von bis zu 20 cm starken Gesteinsschalen an Festgestein, vorzugsweise parallel zur Oberfläche. Desquamation wird verursacht durch starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, die zu Spannungen im Gestein fuhren, und tritt vor allem in heiß-ariden Gebieten auf.

Dessalines, Jean Jacques, um 1758-17.10. 1806 (ermordet), einer der Führer der Unabhängigkeitsrevolution auf Haiti ab 1791; bis 1790 Sklave; besiegte 1797 ein britischer und 1803 ein französischer Expeditionskorps, erklärte als Nachfolger von Toussaint L’Ouverture 1804 die Unabhängigkeit Haitis und proklamierte sich am 8.10. 1804 als Jakob I. zum Kaiser.

Dessaretien: Gebirgslandschaft auf der Balkanhalbinsel, zu Albanien, Griechenland und Jugoslawien gehörend, Grenzzone zwischen Hochalbanien und -makedonien; in ihr liegen die fischreichen, durch Karsteinbrüche entstandenen Dessaretische Seen: Prespa- (853 m über dem Meeresspiegel, 274 km2, bis 54 m tief), Ohrid- (695 m über dem Meeresspiegel, 349 km2, bis 286 m tief), Ostrovo-See (528 m über dem Meeresspiegel, 68 km2, bis 67 m tief) unter anderem.

Dessertwein, Südwein, Süßwein. Wein mit hohem Zucker- und Alkoholgehalt, der entweder durch Gärung aus besonders süßem Traubensaft entsteht (natürliche Dessertwein) oder durch Zusatz von Weingeist zu vergorenem Traubensaft hergestellt wird (gespriteter Dessertwein). Natürlicher Dessertwein wird durch Gärung konzentrierter, zuckerreicher Traubensäfte unter Zusatz von Trockenbeeren oder durch Zusatz konzentrierter Traubensäfte zu Wein hergestellt (Volumenanteil an Alkohol bis etwa 15%). Dazu gehören der ungarische Tokaji Aszu (Ausbruchwein), der französischen Haute Sauternes und der rumänische Cotnari. Gespriteter Dessertwein wird aus zuckerreichen Traubensäften hergestellt, denen zur Unterbrechung der Gärung Weingeist zugesetzt wird (Volumenanteile an Alkohol etwa 16 bis 22%). Dazu gehören besonders spanische und portugiesische Weine, wie Malaga, Madeira und Portwein, ferner Marsala und Sherry. Mistella beziehungsweise Samoswein sind eigentlich keine Weine, da sie unter Umgehung der Gärung aus gekelterten Traubensäften und Zusatz von Weingeist hergestellt werden.

Dessi, Giuseppe, geboren 7. 8. 1909, italienischer Schriftsteller; gestaltete in mehreren, teilweise autobiographische Romanen («San Silvano», 1939; «Michele Boschino», 1942; «Das Lösegeld», 1962, deutsch) Leben und Schaffen der Menschen seiner sardinischen Heimat; bemüht um historischer-gesellschaftlicher Sicht der Probleme.

Dessie, Dese: Stadt im Nordosten Äthiopiens, Verwaltungszentrum der Provinz Welo; 2840 m über dem Meeresspiegel; 66000 Einwohner; Webereien, Gerbereien; Handelszentrum; Straßenknoten, Flughafen.

Dessin: Zeichnung, Muster, Entwurf, Vorlage, Musterzeichnung; branchenübliche Bezeichnung für Muster auf Textilien.

Destille: umgangssprachlich abwertende Bezeichnung für Gaststätte, in der überwiegend Bier und Spirituosen ausgeschenkt werden.

Destillieren: Trennen von Stoffgemischen, meist von Flüssigkeiten oder kondensierten Gasen, durch Verdampfen der leichter flüchtigen Anteile und deren anschließendes Kondensieren. Das Verdampfen erfolgt im Destillierkolben-, der Dampf kondensiert in einem Kühler; das flüssige Kondensat (Destillat) sammelt sich in der Vorlage. Eine Verbesserung der Trennung (zum Beispiel bei höheren Reinheitsanforderungen oder bei Gemischen mit nahe beieinander liegenden Siedepunkten) wird erzielt durch einen zwischen Kolben und Kühler eingefügten Fraktionieraufsatz (Rückflusskühler, in der Technik Fraktionierkolonne), an dessen Füllkörpern oder speziellen Einbauten (zum Beispiel Glockenböden) eine sich ständig wiederholende Kondensation und Wiederverdampfung stattfindet. Da jeweils die niedriger siedende Substanz in stärkerem Maße verdampft, gelangt bei hinreichender Länge des Aufsatzes praktisch ausschließlich der Stoff mit dem niedrigsten Siedepunkt in den Kühler; der höher siedende Gemischanteil läuft als Rückfluss in den Kolben zurück (Rektifikation). Zur verstärkten Rücklaufbildung werden unter anderem auch Dephlegmatoren (zum Beispiel von Wasser durchströmte Rohre) sowie Teilkondensatoren angewandt. In der Technik werden Fraktionierkolonnen von zum Teil über 60 m Höhe angewandt, die in der Regel kontinuierlich betrieben werden.

Das durch Destillieren zu trennende Gemisch wird in den meisten Fällen über einen in mittlerer Höhe angeschlossenen Verdampfer zugeführt, und in verschiedenen Höhen der Kolonne können Destillate unterschiedlicher Zusammensetzung entnommen werden.

Destination: Bestimmung; Endzweck. Destitution (lateinisch): Amtsenthebung, destruktiv (lateinisch): zersetzend, zerstörend.

Desynchronisation: in der Elektroenzephalographie Ablösung der langsamen Rhythmen (Potentialwellen) durch höherfrequente mit minimaler Amplitude. Desynchronisation charakterisiert die Weckreaktion, höhere Aktivitätszustände und den sogenannt paradoxen Schlaf.

Detachieren: Entfernen von Flecken, die der Chemischen Reinigung standgehalten haben, aus Stoffen und Kleidungsstücken in einer Nachbehandlung mit chemischen Spezialmitteln, ohne das Reinigungsgut zu beschädigen.

Detektiv: 1. privater Ermittler von Beweismaterial, der eine Detektei unterhält. Detektiv werden vorwiegend für großkapitalistische Unternehmen und in Ehesachen tätig; in sozialistischen Staaten nicht zugelassen.

2. in manchen Staaten Kriminal-, Geheimpolizist.

Detektor: 1. Elektronik: Halbleiterdiodenschaltung zur Demodulation (zum Beispiel Ratiodetektor im UKW-Rundfunkempfänger) beziehungsweise Gleichrichtung (zum Beispiel Mikrowellendetektor) elektrische Schwingungen.

2. Detektor, Strahlungsdetektor: Messtechnik - Bauelement zum Nachweis elektromagnetische (zum Beispiel Infrarotdetektor) oder anderer Strahlung; in der Kernphysik Gerät für Nachweis, Identifizierung und Energiebestimmung von geladenen und neutralen Teilchen oder Gammaquanten, zum Beispiel Halbleiterdetektor, Zählrohr, Szintillationszähler.

Determinante: Zahl, die einer n-reihigen quadratischen Matrix zugeordnet wird. Man schreibt det(au) oder laöl für die Determinante von (au). Die Determinante ist definiert als die Summe aller Produkte e(n) aUl alh... x a„im, wobei die Summe über alle nl Permutationen n = ii, i2, ..., /„ von 1, 2, ..., n zu nehmen ist und e(n) das Vorzeichen der Permutation bedeutet.

Für eine zweireihige Matrix wird. Determinanten spielen eine wichtige Rolle in der Theorie der linearen Gleichungssysteme.

Determination: 1. Genetik: in der Entwicklungsphysiologie das Festgelegt sein bestimmter Teile der Eizelle (Prädetermination) oder des Keimlings auf eine endgültige Differenzierungsrichtung.

2. Philosophie: Bestimmung; Abgrenzung eines Objektes beziehungsweise eines Begriffs von anderen. Jede Definition ist eine Determination.

3. Psychologie: die gesetzmäßige (statistische) Beziehung zwischen den Bedingungen der Außenwelt, ihrer subjektiven Widerspiegelung und dem resultierenden Verhalten der Persönlichkeit. Dabei ist die Persönlichkeit vor allem gesellschaftlich determiniert, wobei die Einwirkungen der sozialen und natürlichen Außenwelt über die subjektiven Bedingungen der Persönlichkeit gebrochen werden.

Determiniertheit: objektive Bestimmtheit im Sinne des Determinismus.

Determinismus: philosophische Lehre über den objektiven Zusammenhang und die wechselseitige Bedingtheit aller Objekte, Prozesse und so weiter der Natur, der Gesellschaft und des Denkens. Die wichtigste Form des objektiven Zusammenhanges und der wechselseitigen Bedingtheit der Objekte und Prozesse ist das Gesetz. Der Indeterminismus bestreitet den objektiven Zusammenhang und die Existenz objektiver Gesetze ganz oder teilweise. Der mechanische Determinismus verabsolutiert Notwendigkeit und Kausalität und führt zum Fatalismus. Der dialektische und historische Materialismus ist dialektischer Determinismus, der den dialektischen Zusammenhang von Wesen und Erscheinung, Notwendigkeit und Zufall, Kausalität und Wechselwirkung, Freiheit und Notwendigkeit anerkennt. Die materialistische Geschichtsauffassung ermöglichte die Ausdehnung des Determinismus auch auf die Gesellschaft,

detestabel: abscheulich; verabscheuenswert.

Detmar, gestorben nach 1395, Franziskaner im Katharinenkloster in Lübeck; Lesemeister (Lehrer der Novizen); verfasste eine niederdeutsch geschriebene Chronik für die Zeit von 1105 bis 1395, die besonders wertvoll für die Geschichte Lübecks und der Hanse ist.

Detmold: Kreisstadt in Niedersachsen, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirkes Detmold, im Lipp. Wald; 67000 Einwohner; Möbel-, Elektro-, Nahrungsmittel- und polygraphische Industrie; Musikakademie; Schloss (16. Jahrhundert; kostbare Gobelins); unweit von Detmold Hermanns Denkmal im Teutoburger Wald.

Detonation: schlagartige Zersetzung brisanter Sprengstoffe im Unterschied zur Explosion, bei der die Umsetzung (Verbrennung) langsamer und in einer deutlichen Steigerung erfolgt.

Detonationsstärke, Trotyl-Äquivalent: quantitatives Maß für die bei einer Kernwaffendetonation freigesetzte Gesamtenergie. Die Detonationsstärke wird in Detonationsäquivalenten (t, kt, Mt) des Sprengstoffs Trinitrotoluol (TNT, Trotyl) angegeben. Die Detonationsstärke der 1945 von den US-amerikanischen Imperialisten über Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Kernbomben betrug 13,5 beziehungsweise 22 kt.

Detritus: 1. Detritus, Schweb, Flusstrübe: Geologie - unbelebte organische (zum Beispiel Pflanzenreste) und anorganische feinkörnige Schwebstoffe (zerriebenes Gesteinsmaterial unter anderem) des fließenden Wassers.

2. Medizin: Gewebetrümmer, Zerfallsmaterial aus zugrunde gegangenen Zellen.

Detroit: Stadt im Bundesstaat Michigan (USA), am Fluss Detroit zwischen Huron- und Eriesee, gegenüber Windsor (Kanada); 1,3 Millionen Einwohner, als Metropolitan Area 4,4 Millionen Einwohner; wichtiges Handels- und Industriezentrum der USA, Zentrum der US-amerikanische Autoindustrie; bedeutende Schwarz sowie Buntmetallurgie, chemischen, Versorgungs-, Werkzeugmaschinen-, elektrotechnische, Papierindustrie, Flugzeug und Schiffbau; Industriebetriebe in Detroit sowie in den Vorstädten Dearborn, River Rouge unter anderem; 3 Erdölraffinerien; bedeutender Verkehrsknoten und leistungsfähiger Binnenhafen an den Großen Seen, seit Fertigstellung des Sankt-Lorenz-Seeweges auch Seehafen, sowie internationaler Flughafen; 2 Universitäten, Automuseum.

Deubener Blätter: Sammelbände (1961, 1964, 1966), die von schreibenden Arbeitern des Braunkohlenwerks «Erich Weinert» in Deuben unter Leitung E. Bergners geschaffen wurden.

Deukalion, in der griechischen Sage Sohn des Prometheus, rettete sich und seine Frau Pyrrha in einem hölzernen Kasten aus der Sintflut. Aus Steinen, die beide gemäß einem Orakel hinter sich warfen, wurden Menschen.

Deuntzer, Johan Henrik, 20.5. 1845-16.11. 1918, dänischer Politiker und Jurist; als Ministerpräsident und Außenminister (1901/05) führte er eine Steuer- und Kirchengesetzgebungsreform durch und regelte das staatsrechtliche Verhältnis zu Island neu (1903 Autonomie).

Deus ex machina: (lateinisch, «der Gott aus der (Theater-)Maschine») Göttergestalt des antiken Theaters, die mittels einer Schwebevorrichtung auf der Bühne erscheinen und von außerhalb ein im Gang der Handlung nicht begründetes Ende herbeifuhren konnte; heute Begriff für unerwartete oder unmotivierte Lösung eines dramatischen Konflikts.

deuterische Phase: Phase, in der Reaktionen hochtemperierter magmatischer Restlösungen und Dämpfe (unmittelbar im Anschluss an die Erstarrung eines Magmas) mit bereits ausgeschiedenen Mineralen unter Neubildung von Topas, Turmalin, Muskovit, Kassiterit unter anderem ablaufen. Siehe auch pneumatolytische Phase.

Deuteron, Deuton, Zeichen d: gebundener Zustand von Proton und Neutron mit einer Bindungsenergie von 2.2 MeV; Kern des Deuteriums. Das zugehörige Antideuteron (d) wurde 1964 erzeugt.

Deutsch-Britisches Flottenabkommen: 1935 abgeschlossene Vereinbarung, die dem faschistischen Deutschland eine Kriegsflotte bis zu 35% der Stärke der Gesamtflotte der Mitglieder des britischen Commonwealth und der Tonnage der einzelnen Schiffsklassen zubilligte.

Deutsche Akademie der Naturforscher: «Leopoldina» älteste, noch aktive naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt; gegründet 1652 in Schweinfurt; seit 1878 Sitz in Halle; rund 1000 Mitglieder aus dem In- und Ausland. Sie veranstaltet regelmäßig internationale Symposien und Jahresversammlungen.

deutsche Kunst: Die wichtigste Voraussetzung für das Entstehen der deutschen Kunst war die Herausbildung eines einheitlichen Feudalstaates in Mitteleuropa unter Führung des fränkisch-karolingisches Königtums und die damit verbundene Christianisierung des Nordens. Die karolingische Kunst war jedoch im Wesentlichen auf den Kreis des Hofes beschränkt und nach dem Zerfall der Zentralgewalt nicht weiter lebensfähig. Zugleich schufen die Teilungen des Reichs im 9. Jahrhundert die Grundlage für eine spezielle italienische, französische und deutsche Entwicklung.

Am Anfang der deutschen Entwicklung steht die ottonische Kunst (letztes Drittel 10./1. Drittel 11. Jahrhundert). Ihr frühester und wichtigster Bau ist der erste Magdeburger Dom (begonnen 955, zerstört 1207). Weitere Bauten sind die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode und St. Michael in Hildesheim.

- Von der bedeutenden ottonischen Malerei lässt sich nur an Hand der Buchmalerei ein Eindruck gewinnen. Zentren waren die Bodenseeinsel Reichenau (mit einziger erhaltener Monumentalmalerei in St. Georg, Reichenau-Oberzell), Köln und Echternach. Aus der Kleinkunst hervorgegangen, wird in der ottonische Zeit für die mittelalterliche Plastik das große Format erobert (Gerokreuz, Köln). Es entstanden hervorragende Bronzebildwerke (Bernwardinische Kunst). Die Freude der Zeit am Materialwert äußert sich besonders in bedeutenden Goldschmiedewerken (Baseler Antependium unter anderem).

Die Romanik (Anfang ll./l. Hälfte 13. Jahrhundert) ist der erste geschlossene Stil der mittelalterlichen deutschen Kunst und zugleich die letzte Phase der vorwiegend vom Hochadel bestimmten Kultur. Dementsprechend sind auch die Bezeichnungen salischen Kunst (1024/1137) und stanfische Kunst (1138/1254) statt Romanik geläufig. Baukunst. Die stärksten Leistungen der Romanik liegen auf dem Gebiet der Baukunst. Weltliche Bauaufgaben blieben gegenüber den kirchlichen für die Ausbildung des Stils noch ohne Bedeutung, da die Entwicklung der Städte noch nicht weit genug vorgeschritten war. Der Kirchenbau hält am basilikalen Typus fest. Neu ist die konsequente Durchformung aller Details zu einem Gesamtkunstwerk von einer gewissen Einheitlichkeit. Auch der romanische Bau bleibt ein Gruppenbau, doch seine deutlich voneinander abgesetzten Teile sind selbständige Bauglieder nur in Bezug auf ein Zentrum, den Chor. Beliebt im deutschen Kirchenbau ist die Schaffung zweier Zentren (2 Querhäuser, Doppelchörigkeit). Charakteristisch ist die Anlage von Türmen; die Wölbung des Innenraums beginnt etwa 1100. Die Kluniazenser Reformbewegung Frankreichs wirkte auf die deutsche Baukunst (Ruinen der Benediktiner-Stiftskirchen Hersfeld und Limburg an der Haardt); es entsteht die Hirsauer Schule (wichtigste Bauten sind St. Peter und Paul in Hirsau, Alpirsbach, Paulinzella). Gegenüber der hier vertretenen Reformgesinnung in der Klosterarchitektur (Verzicht auf Westchor und Krypta, Flachdecke) steht als Symbol der weltlichen Macht die aufwendige und reichverzierte Architektur der rheinischen Kaiserdome Mainz, Worms, Speyer unter anderem. Weitere bedeutende Leistungen romanischer Baukunst sind die Klosterkirche Maria Laach; in Köln St. Maria im Kapitol, St. Aposteln und Groß St. Martin, St. Godehard in Hildesheim und der Dom zu Braunschweig. Die Spätromanik bildet reiche Zierformen aus (Königslutter). Plastik. Naturferne feierlichen Strenge kennzeichnet die Werke der salischen Zeit (Imad Madonna in Paderborn, Kruzifixe in Essen-Werden und Minden, Holztür von St. Maria im Kapitol, Köln). Großplastik tritt nach französischem Vorbild im Zusammenhang mit der Architektur auf, wobei häufig der Stil von der Elfenbeinschnitzerei übernommen wird. Die Plastik des 12. und vom Anfang des 13. Jahrhundert gehört zu den größten Leistungen der deutsche Kunst K, wobei der sächsische Raum einen besonderen Schwerpunkt darstellt. Hauptwerke sind der Braunschweiger Löwe, das Freudenstädter Lesepult, der Erfurter Wolframleuchter, die Chorschrankenreliefs von Hildesheim und Halberstadt, die Triumphkreuzgruppen von Halberstadt, Freiberg und Wechselburg sowie Grabmäler (Friedrich von Wettin in Magdeburg, Heinrich der Löwe in Braunschweig). Höhepunkt spätromanischer Plastik sind die Georgenchorschranken des Bamberger Doms. Um 1220 setzt der Einfluss der französischen Plastik ein, die seit Anfang des 13. Jahrhundert von gotischen Formen beherrscht wird. Es entstehen die sogenannte klassischen Leistungen des 13. Jahrhundert (Übergangsstil): in Strasbourg der Engelspfeiler, Ecclesia und Synagoge, das Relief des Marientodes; in Bamberg das Fürstenportal, der Reiter, Maria und Elisabeth, Ecclesia und Synagoge, die Adamspforte; in Naumburg die Stifterfiguren, die Kreuzigungsgruppe und die Lettner-Reliefs. Köln ist Sitz der bedeutendsten Goldschmiedeschule der Romanik (Heribertschrein in Deutz, Kölner Dreikönigsschrein des Nikolaus von Verdun). Malerei. Beste frühe Werke der Buchmalerei gehören der Echternacher Schule an (Evangelienbuch Heinrichs III., «Hortus Deliciarum» der Herrad von Landsberg unter anderem). Hauptwerke der Monumentalmalerei sind die Fenster des Augsburger Doms, die Fresken der Klosterkirche in Prüfening und der Doppelkapelle Schwarzrheindorf sowie die Holzdecke von St. Michael in Hildesheim. Früheste erhaltene Tafelmalerei ist der Altarvorsatz aus der Wiesenkirche Soest (um 1250).

Gotik (1.Hälfte 13. Jahrhundert/Anfang 16. Jahrhundert). Mit der Entwicklung der Produktivkräfte, was zur Verbreitung der Geldwirtschaft und zu steigendem Einfluss des Städtebürgertums führte, entfaltete sich, von Frankreich ausgehend, die Gotik. Architektur. Im Übergangsstil werden gotische Details in romanisch empfundene Bauten übernommen (Dom zu Limburg an der Lahn, ab 1215). Erstmalig lag für den Neubau des Magdeburger Doms (ab 1209) eine Konzeption nach französischen Kathedralschema vor, die aber nur stark reduziert zur Ausführung kam. Zahlreiche Bauten entstanden unter dem Einfluss der Zisterzienserbaukunst, die großen Anteil an der Verbreitung der gotischen Baukunst in Deutschland hatte (Maulbronn, Walkenried unter anderem). Im Norden verband sich die Baukunst der Zisterzienser mit der Backsteintechnik (Chorin, Bad Doberan). Früheste deutsche rein gotische Bauten sind die Elisabethkirche Marburg (1235/83) und die Liebfrauenkirche Trier (1235/53). Hochgotisch im französischen Sinn sind der Chor des Kölner Doms und das Münster zu Strasbourg. Typisch deutsche Ausprägungen sind die Einturmfassade des Freiburger Münsters und die schlichten Bettelordensbauten (Dominikanerkirche Regensburg, Predigerkirche Erfurt). Im Nordosten bediente sich die Gotik der in der 2. Hälfte des 12. Jahrhundert dort heimisch gewordenen Backsteintechnik.

Hauptleistungen der Backsteingotik sind die Marienkirchen in Lübeck und Prenzlau, im Zuge der deutschen Ostexpansion die Marienkirche in Gdansk, die Ordensburg in Malbork, weiterhin die bedeutenden Profanbauten der Rathäuser von Lübeck und Stralsund. Zur vollen Entfaltung kommt die deutsche Eigenart erst von der Mitte des 14. Jahrhundert an in der «deutschen Sondergotik» im Zusammenhang mit dem städtlichen Bauwesen, besonders in den Hansestädten und in Schwaben. Der Typ der Hallenkirche wird voll ausgebildet (obersächsischen Hallenkirchen: Annaberg-Buchholz). Mit der schwäbische Baumeisterfamilie der Parier treten erstmalig greifbare Künstlerpersönlichkeiten aus der mittelalterlichen Anonymität hervor (Veitsdom in Prag). Die Profanarchitektur gewinnt immer mehr an Bedeutung. Planvoll angelegte Städte und Stadterweiterungen erfordern Stadtbefestigungen mit Toren und Türmen, Rathäuser (Münster, Braunschweig), Hospitäler unter anderem gesellschaftliche Bauten sowie zahlreiche Bürgerhäuser; auch die spätgotischen Kirchen sind in der Regel städtliche Bauten. Am Ende des mittelalterlichen Burgenbaus und am Anfang der Schlossbaukunst steht die Albrechtsburg in Meißen von Arnold von Westfalen. Die Plastik der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert und der 1. Hälfte des 14. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch die Entwertung des Körperlichen zugunsten der Schönlinigkeit der Gewandbehandlung (Pfeilerplastik des Kölner Doms, Grabmal des Friedrich von Hohenlohe in Bamberg). In enger Beziehung zur Mystik steht die Schaffung des plastischen Andachtsbildes als Sonderleistung der deutschen gotischen Plastik. Das nationale Element zeigt sich am deutlichsten in der Spätgotik. Eine Wendung zum Diesseitigen vollzog sich nach 1350 (Triforiums Büsten des Prager Doms). Neben dem die Plastik nach 1400 bestimmenden «Weichen Stil» findet sich eine realistische Unterströmung, die an Einfluss gewinnt (H. Multscher). Ende des 13. Jahrhundert übernimmt die deutsche Malerei, zuerst im Rheinland, die schönlinig klaren Formen der französischen Gotik. Neben den Miniaturen (Manesse-Handschrift) gewinnen Glas- und Tafelmalerei an Bedeutung. Nach 1350 setzte die Wiedergabe des Natürlichen, Sichtbaren in der menschlichen Gestalt, in Landschaft und Architektur ein. Böhmen wurde zum Ausgangspunkt der neuen Richtung, und seit dem Ende des Jahrhunderts stand die deutsche Malerei unter böhmischen Einfluss (Meister der heiligen Veronika, Meister Bertram, Konrad von Soest). Das Werk des süddeutschen L. Moser bedeutet die letzte Steigerung des lyrischen Stils und leitet die Umwälzung zum bürgerlichen Realismus der Spätgotik ein. Bahnbrecher der neuen Entwicklung ist K. Witz, neben ihm H. Multscher und S. Lochner. Die Malerei der 2. Jahrhunderthälfte verarbeitet den niederländischen Realismus. Renaissance (Anfang bis Ende des 16. Jahrhundert). In den großen Bewegungen der Zeit der Reformation und des Bauernkrieges erhielt auch die Kunst der Spätgotik und der Renaissance einen großen Aufschwung (15. Jahrhundert/l. Hälfte 16. Jahrhundert). In der Architektur wurde der Profanbau Träger der Entwicklung. Höhepunkt und Vollendung ist das Augsburger Rathaus von E. Holl, daneben Knochenhauer-Amtshaus Hildesheim, Schlösser in Dresden, Hartenfels in Torgau (K. Krebs) und Heidelberg, Rathäuser in Rothenburg ob der Tauber und Bremen. Die deutsche Plastik der Spätgotik ist reich an Künstlerpersönlichkeiten, deren Werke aus der gesteigerten Bewegung am Ende des 15. Jahrhundert hinüberfuhren in die Renaissance (N. von Hagenau, J. Syrlin, G. Erhärt, E. Grasser, H. Leinberger, M. Pacher, A. Pilgram, V. Stoß, A. Krafft, P. Vischer, T. Riemenschneider, H. Witten, B. Notke, C. Berg, C. Meit). Zentren der deutschen Renaissanceplastik wurden Augsburg und Nürnberg. Malerei. Auch die größten Maler der 2. Hälfte des 15. Jahrhundert bereiteten die Renaissance vor (B. Notke, H. Pleydenwurff, M. Wolgemut, M. Schongauer, Meister des Hausbuchs, M. Pacher). Im Zeichen der Demokratisierung der Kunst entfalteten sich im 15. Jahrhundert in Deutschland die graphischen Künste. Zu Beginn steht die wohl deutsche Erfindung des Holzschnitts. Nach der Vorstufe des Blockbuchs setzte um 1470 die Holzschnittillustration des mit beweglichen Lettern gedruckten Buches ein. Der vornehmere Kupferstich wurde seit der Mitte des Jahrhunderts gepflegt (Meister der Spielkarten, Meister E. S., M. Schongauer). Die starken gesellschaftlichen Bewegungen führten im 1. Drittel des 16. Jahrhundert zu außerordentlichen künstlerischen Leistungen. A. Dürer fasste alle künstlerischen Bestrebungen der Zeit zusammen und führte besonders die Graphik zu künstlerischen Vollendung. Weitere Maler waren M. Grünewald, L. Cranach der Ältere, H. Baidung, A. Altdorfer (schuf das erste von Menschen freie Landschaftsgemälde der europäischen Kunst). Die Vollendung der deutschen Renaissance vollzog H. Holbein der Jüngere Fast alle großen Meister dieser Epoche waren zugleich Graphiker, so auch H. Burgkmair, H. L. Schäuffelein, U. Graf unter anderem Einige Kupferstecher bildeten wegen des kleinen Formats ihrer Blätter die Gruppe der sogenannt Kleinmeister (H. Aldegrever, H. S. und B. Beham, G. Pencz unter anderem). Sie entwickelten in ihrem Schaffen teilweise zeitkritische Elemente.

Barock und Rokoko: Nach politisch und wirtschaftlich bedingtem künstlerischen Rückgang seit Mitte des 16. Jahrhundert und einer Verzögerung durch die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges kommt es erst seit Ende des 17. Jahrhundert zur Entwicklung eines deutschen Barocks und Rokokos, dem Stil des Absolutismus und der Gegenreformation. Architektur. Am reichsten entfaltete sich der Barock in Süddeutschland, wo er sich auch unter französischen Einfluss mit den leichten Formen des höflichen Rokokos verband. Nachdem anfangs zahlreiche italienische, französische und niederländische Baumeister in Deutschland wirkten, sind bedeutende deutsche Baumeister des Spätbarocks und Rokokos B. Neumann, die Brüder Asam, D. Zimmermann, J. M. Fischer, J. Dientzenhofer. Der protestantische sächsische Barock ist besonders niederländischer Einfluss offen; Hauptmeister ist M. Pöppelmann (Dresdner Zwinger). Auch für den Norden ist im 17. Jahrhundert besonders das niederländische Vorbild verbindlich; Hauptmeister ist A Schlüter. Das preußische Rokoko ist neben dem bayrischen die wichtigste deutsche Leistung dieser Zeit. Sein bester Vertreter ist G. W. von Knobelsdorff (Schloss Sanssouci; Berliner Opernhaus, mit dem er den Klassizismus vorbereitete). Auch die barocke deutsche Plastik ist von italienischen, niederländischen und französischen Kunst abhängig. Bedeutendster süddeutscher Bildhauer ist B. Permoser, der mit dem plastischen Schmuck am Dresdner Zwinger ein Meisterwerk barocker dekorativer Plastik schuf. Weitere süddeutsche Bildhauer sind H. Reichle, G. Petel, M. Rauchmiller, M. Guggenbichler und A. Faistenberger. A. Schlüter, der in Berlin tätig war, ist der genialste Bildhauer des Nordens (Kriegermasken am Zeughaus in Berlin, Reiterstandbild des Kurfürsten Friedrich Wilhelm). Aus der großen Zahl der Meister der Rokokoplastik ragen I. Günther, E. Q. Asam, J. A. Feichtmayr und der mehr klassizistischer R Donner sowie der Meister der Porzellanplastik J. J. Kaendler hervor. Die vordringlichste Aufgabe der Malerei war die Mitwirkung am barocken Gesamtkunstwerk; die Maler schufen riesige Fresken und illusionistische Deckengemälde, jedoch auch diese Arbeiten zeigen Einflüsse der italienischen Kunst, besonders der Werke Tiepolos (C. Asam, J. Zick, F. A. Maulbertsch). In der Tafelmalerei erlangte nur der in Italien lebende A. Elsheimer europäische Bedeutung.

deutsche Literatur: 500 bis 1050 älteste poetische Zeugnisse aus vorfeudaler Zeit sind kultischen Ursprungs (Totenlieder, Zaubersprüche, Kampfgesänge). In frühfeudaler Zeit entstanden Helden- und Preislieder. Erhalten ist das «Hildebrandslied». Die Christianisierung führte zur Verdrängung germanischer heidnische Dichtung («Merseburger Zaubersprüche») durch christliche («Wessobrunner Gebet», «Muspilli», «Heliand»), Übersetzungen und Glossare dienten der Missionsarbeit («Abrogans»), Erstmals im «Evangelienbuch» Otfrieds von Weißenburg wurde der Stabreim durch den Endreim ersetzt. Am Ende der Periode steht Notker der Deutsche. Mit der Festigung der feudalen weltlichen und kirchlichen Macht verdrängte im 10. Jahrhundert die lateinische Dichtung die deutsch-sprachige fast völlig («Waltharilied», «Ruodlieb»; Hrotsvitha von Gandersheim). Tierdichtung diente der Zeitkritik («Ecbasis captivi»).

1050 bis 1230: Unter dem Einfluss der Kluniazenser Reform (Cluny) entstand eine religiös-asketische Literatur («Memento mori», Wiener Genesis, «Ezzolied», «Annolied», Legendendichtung, Marienlieder). Heinrich von Melk bekämpfte die Verkommenheit des Klerus wie die Ideale des Rittertums («Priesterleben», «Erinnerung an den Tod»), mit der wachsenden Rolle des Ritterstandes, besonders nach den ersten Kreuzzügen, traten Verweltlichungstendenzen hervor. Geistliche verfassten Epen in deutscher Sprache («Alexanderlied» des Pfaffen Lamprecht, «Rolandslied» des Pfaffen Konrad, «Kaiserchronik»), Spielleute trugen an den Höfen unterhaltsame Dichtungen vor («Herzog Ernst»). Daneben blühte eine sinnenfrohe, oft oppositionelle Vagantendichtung. Im voll entfalteten Feudalismus erreichte die meist von Ministerialen geschriebene mittelhochdeutsche Literatur ihren Höhepunkt; sie erhob Ideale des christlichen Rittertums zu ethischen Leitbegriffen. Der Minnesang, dessen volkstümliche Anfänge (Kürenberger, Dietmar von Aist) sich von den Formstrengen, dem Vorbild der französischen Troubadours verpflichteten höfliche Minneliedern unterscheiden (Reimar von Hagenau, Heinrich von Morungen), besingt die hohe Minne, die fiktive Liebe zur unerreichbaren adligen Herrin. Der bedeutendste Dichter, Walther von der Vogelweide, durchbrach den höflichen Minnekult und nahm Stoffe aus der Wirklichkeit auf; seine Spruchdichtung spiegelt die Kämpfe zwischen den deutschen Herrschern, kaiserliche Macht und Papsttum, das er leidenschaftlich attackierte. Am Anfang des höflichen Epos, dessen Stoffe (Sagenkreis um König Artus unter anderem) über Flandern aus Frankreich (Chrétien de Troyes) kamen, steht Heinrich von Veldeke («Eneide»). Ihre Vollendung erreichte die Epik mit Hartmann von Aue («Erek» und «Iwein») und Wolfram von Eschenbach («Parzival»); Gottfried von Straßburg, bürgerlicher Herkunft, lässt die Liebenden über den ritterlichen Tugendkodex triumphieren («Tristan und Isolde»). «Nibelungenlied» und «Kudrunlied», Heldenepen unbekannter Verfasser, greifen auf jahrhundertealte Stoffe zurück; vorfeudale ethische Auffassungen vermischen sich mit christlich-höfliche

1230 bis 1480: Die höflich-ritterliche Literatur verfiel mit dem Niedergang des Rittertums. Das Werk Konrads von Würzburg veranschaulicht die beginnende bürgerliche Umformung höflichen-ritterlichen Denkens. In die Lyrik dringen bäuerliche Stoffe (Neidhart von Reuenthal) und derbe Sinnlichkeit (Tannhäuser). Dichter meist bürgerlicher Herkunft kritisieren (oft in Spruchdichtungen) gesellschaftliche Missstände, geistlicher und weltlicher Würdenträger: Freidank («Bescheidenheit»), Spervogel, der Stricker («Der Pfaffe Amis»), Wernher der Gartenaere («Meier Helmbrecht») verurteilt Bauern, die ihre Klasse verraten, und übt scharfe Kritik am Raubrittertum. In didaktischen Werken («Der Renner» des Hugo von Trimberg) und Satiren («Der Pfaffe vom Kalenberg» von P. Frankfurter) artikuliert sich gewachsenes bürgerliches Standesbewusstsein. Die Mystiker (Meister Eckhart, H. Seuse, J. Tauler) bereicherten mit Predigten und Traktaten die deutsche Sprache. Frühes Zeugnis humanistischen Denkens ist der «Ackermann aus Böhmen» des Johannes von Saaz. Zur Ablösung der lateinischen durch die deutsche Sprache in der Literatur trug die Erfindung des Buchdrucks (um 1440) erheblich bei; dennoch überwog noch lange die lateinsprachige Literatur. Geistl. Spiele und Fastnachtspiele stehen am Anfang des deutschen Dramas. Das Volkslied erlebte seine Blüte. Es entstanden, oft als Prosaauflösungen feudaler Ritterepen, erste Volksbücher mit bürgerlicher Tendenz («Hug Schapler», «Fortunatus»).

1480 bis 1525: Humanismus, Reformation und Bauernkrieg schufen eine in die Kämpfe der Zeit eingreifende Literatur (Flugschriften). Gesellschaftskritik findet sich insbesondere bei S. Brant («Narrenschiff») und T. Murner. Von ausgesprochen anti-feudaler Tendenz ist das Tierepos «Reynke de Vos» (Reineke Fuchs). «Till Eulenspiegel» vertritt die Interessen Besitzloser. Zunfthandwerker (H. Folz, H. Rosenplüt, besonders H. Sachs) pflegten Meistergesang und Fastnachtspiel; H. Sachs bewahrte in seinem umfangreichen Werk volkstümlicher Erzählgut. Von epochaler Bedeutung für die Ausbildung einer einheitlichen neuhochdeutschen Schriftsprache war die Bibelübersetzung M. Luthers. Erasmus von Rotterdam, J. Reuchlin, P. Melanchthon und U. von Hutten sind die führenden Vertreter des Humanismus, dessen herausragende satirische Kampfschrift gegen feudalklerikales Denken die «Dunkelmännerbriefe» sind. Hutten vor allem stritt an Luthers Seite gegen die Papstkirche. T. Müntzers Schriften inspirierten den Freiheitskampf der Bauern.

1525 bis 1600: Nach der Niederlage der Bauern festigten die absolutistischen Territorialgewalten ihre Herrschaft. Entschiedene Opposition lebte fast nur in den Liedern der grausam verfolgten Täufer weiter. Im protestantischen Schuldrama, in Fabel (E. Alberus) und Tierdichtung (G. Rollenhagen) demonstrierte das Stadtbürgertum seine Moral- und Lebensvorstellungen. Gesellschaftskritische Züge finden sich insbesondere in Stücken von B. Waldis, J. Stricker und N. Frischlin sowie in volkstümlichen Sprichwortsammlungen (J. Agricola, S. Franck). Schwanksammlungen und romanhafte Bücher (J. Wickram: «Rollwagenbüchlein», «Der Jungen Knabenspiegel», «Von guten und bösen Nachbarn») dienten der Belehrung und Unterhaltung des Bürgertums. Die grobianische Literatur (F. Dedekind, A Musculus) bekämpfte die Verwahrlosung der Sitten. Als aggressiver Satiriker trat der sprachmächtige J. Fischart hervor («Geschichtklitterung»). Ende des 16. Jahrhundert erschienen zwei der wirksamsten Volksbücher (Lalebuch, Dr. Faust).

1600 bis 1685: Trotz der Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges und der weiteren Festigung der absolutistischen Partikulargewalten leisteten die bürgerliche Intelligenz und fortschrittliche Adlige Wesentliches für die Ausbildung einer dem Ausland ebenbürtigen deutschen Dichtung. Sprachgesellschaften festigten das Nationalbewusstsein; Poetiken sollten eine bedeutende Dichtung in deutscher Sprache fördern; M. Opitz («Deutsche Poeterey») war der Lehrmeister. P. Fleming, G. R. Weckherlin, F. von Logau, S. Dach, vor allem der als Lyriker und Dramatiker herausragende A. Gryphius schufen eine humanistische Dichtung zeitkritischen Gehalts. Die satirische Dichtung fand ihre Fortsetzung im Werk von J. M. Moscherosch, B. Schupp unter anderem Lyrik und Kirchenlied bereicherten E. von Spee, P. Gerhardt und A. Silesius. Die religiös-oppositionelle Bewegung fand ihre Vertreter unter anderem in J. Böhme, D. Czepko, Qu. Kuhlmann und J. Arndt. Die bürgerlich-patrizische Ideologie artikulierte sich im Manierismus G. P. Harsdörffers («Nürnberger Trichter»), Daniel Casper von Lohenstein und C. Hofmanns von Hofmannswaldau. Sprecher der Gegenreformation waren neben dem Jesuitentheater unter anderem Abraham a Santa Clara und der lateinsprachige Dichter J. Balde. Neben dem «heroisch-galanten», von absolutistischen Denken geprägten Roman (H. Buchholtz, Anton Ulrich von Braunschweig, H. A. von Ziegler und Kliphausen) entwickelte sich der realistische Roman (J. C. Grimmelshausen, «Simplicissimus»; J. Beer; C. Reuter, «Schelmuffsky»), C. Weises Werke leiten über zur Aufklärung.

1685 bis 1789: Vorbereitet durch S. Pufendorf, E. Thomasius unter anderem, steht die Literatur dieser Periode in engem Zusammenhang mit der gesamteuropäische Aufklärung. C. Wolff, der Leibniz popularisierte, und J. C. Gottsched lieferten der Frühaufklärung die philosophischen und literaturtheoretischen Grundlagen. Gottsched betonte die lehrhafterzieherische Rolle der Literatur. Die Vernunft galt zunehmend als Richter aller Dinge; allen Menschen wurde ein natürliches Recht auf ihre Entwicklung zugesprochen. Dieser Anspruch kündigt sich sowohl in der Erlebnislyrik J. C. Günthers als auch in den Dichtungen B. H. Brockes und F. von Hagedorns an. Moralisch-didaktische Tendenzen bestimmen die Lustspiele und Fabeln C. F. Gellerts. Demgegenüber stärkte F. G. Klopstock mit seiner Dichtung das bürgerliche Nationalbewusstsein. J. J. Winckelmann entwarf ein von der Antike abgeleitetes harmonisches Menschenbild und Demokratie ideal. Hauptgestalt der deutschen Aufklärung ist G. E. Lessing («Laokoon», Literaturbriefe, «Minna von Barnhelm», «Nathan der Weise»); in Abgrenzung von feudal-absolutistischen und höflich-frühaufklärerischen Auffassungen entwarf er das Bild eines freien, humanistischen Menschen. Der Sturm und Drang, vorgeprägt durch J. J. Rousseau, J. G. Hamann und J. G. Herder, verstärkte die antifeudalen Tendenzen der Aufklärung durch Wahrnehmung der Interessen des Volkes; politisch-gesellschaftliche Themen trugen zur Entwicklung eines demokratischen Patriotismus bei. Herder lenkte den Blick auf die Volksdichtung und Shakespeare. Führende Repräsentanten waren der junge Goethe (Straßburger Lyrik, «Prometheus», «Götz», «Werther») und Schiller («Die Räuber», «Kabale und Liebe»), Sozialkritische Stücke schrieben J. M. R. Lenz, F. M. Klinger, H. L. Wagner, volksverbundene Lieder, Balladen und Idyllen C. F. D. Schubart, G. A. Bürger und J. H. Voß. Der Hainbund (H. Hölty unter anderem), auch M. Claudius standen dem Sturm und Drang nahe. 1789 bis 1830. Goethe und Schiller (seit 1794 in enger Zusammenarbeit) sind die Repräsentanten der deutschen Klassik. Vom Geschichtsdenken des aufsteigenden Bürgertums (Vervollkommnung des Menschengeschlechts) und einem humanistischen Erziehungs- und Bildungsprogramm der allseitigen und harmonischen Entwicklung aller schöpferische Kräfte des Menschen ausgehend, schufen sie Dichtungen von weltliterarischen Rang (Goethe: «Egmont», «Tasso», «Wilhelm Meister», «Die Wahlverwandtschaften», Lyrik; Schiller: «Fiesco», «Don Carlos», «Wallenstein», «Die Jungfrau von Orleans», «Wilhelm Teil», Lyrik). Goethes «Faust» I und n weisen in ihrem Zukunftsentwurf über die Schranken der bürgerlichen Gesellschaft hinaus. Unmittelbar auf die Kritik der zeitgenössischen Gesellschaft orientieren die Dichtungen C. M. Wielands, Jean Pauls, F. Hölderlins. G. Förster, unbeirrter Anhänger der Franzos. Revolution, erwies sich als entschiedenster Vertreter einer revolutionären Literatur; J. G. Seume näherte sich einer revolutionär-demokratischen Haltung. Die Romantiker, enttäuscht von den Ergebnissen der Französischen Revolution, artikulierten ihren Protest gegen die Kulturfeindlichkeit des sich entwickelnden Kapitalismus durch Betonung ihrer Subjektivität und den Rückzug in eine mittelalterliche Phantasiewelt. Die Jenaer Romantik (Novalis, L. Tieck, H. Wackenroder, A. W. und F. Schlegel) entwickelte, ausgehend von Fichte und Schelling, vor allem ihre Theorie und Kunstprogrammatik; große Verdienste erwarb sie sich durch die Übersetzung von Werken Shakespeares, Calderons, Cervantes unter anderem. Die Heidelberger Romantik (A. von Arnim, C. Brentano, J. Görres) knüpfte an die deutsche Volksdichtung an («Des Knaben Wunderhorn»). Die napoleonische Fremdherrschaft und die Restauration nach 1815 riefen die Dichter zur Teilnahme am politischen Kampf und zur Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse auf. Das dramatische und novellistische Werk H. von Kleists, in dem sich romantische Züge mit realistischen mischen, spiegelt die Widersprüche seiner Zeit. Die bekanntesten Sänger der Befreiungskriege sind T. Körner und E. M. Arndt. E. T. A. Hoffmann, von weltliterarischer Wirkung, setzte sich in phantastische Überhöhung mit deformierenden Wirkungen des Kapitalismus und des kleinstaatliche Absolutismus auf den Menschen auseinander. Die volkstümlichen Tendenzen der Romantik waren von Einfluss auf Märchendichtung (W. Hauff, J. und W. Grimm) und Lyrik (A. von Chamisso, J. von Eichendorff, L. Uhland, W. Müller). A. von Platen, K. Immermann, D. Grabbe und L. Börne kritisierten Erscheinungen der feudalabsolutistischen Restauration. Vor allem H. Heine löste sich von der Romantik («Buch der Lieder»); in den «Reisebildern» ging er zur konkreten Gesellschaftskritik über.

1830 bis 1848/49: Während des Vormärz erfolgte eine allgemeine Politisierung der Literatur: Publizistik (Heine, Börne), Dramen, Novellen und Romane (G. Büchner, K. Gutzkow, H. Laube), vor allem das Gedicht wurden als Kampfmittel eingesetzt. Büchner («Dantons Tod», «Woyzeck», «Der Hessische Landbote») und Heine («Deutschland. Ein Wintermärchen», «Zeitgedichte») gelangten mit ihrem Aufruf zur Revolution zur fortgeschrittensten Position der revolutionären Demokratie vor Marx und Engels. Demgegenüber verharrte das sogenannt Junge Deutschland (Gutzkow, Laube unter anderem) auf liberalen Positionen Abseits vom politischen Geschehen nahmen A. von Droste-Hülshoff, E. Mörike, die Österreicher F. Grillparzer und A. Stifter eine konservativ-humanistische antikapitalistische Haltung ein. Bedeutende lyrische Dichtungen schuf der Österreicher N. Lenau. Der Schweizer J. Gotthelf trat als volksverbundener Erzähler hervor. C. Sealsfield und W. Alexis gaben Beispiele realistischen Erzählens. In den 40er Jahren erlangte die politische Lyrik breite Resonanz (G. Herwegh, F. Freiligrath unter anderem Achtundvierziger). Herausragende Werke entstanden im Kampfbündnis der revolutionären Demokratie (Heine, Freiligrath) mit den Begründern des wissenschaftlichen Kommunismus. In G. Weerth besitzt das deutsche Proletariat seinen ersten großen Dichter.

1849 bis 1871: Das Scheitern der 48er Revolution führte zu Resignation und Kompromissbereitschaft (O. Ludwig, G. Freytag). Provinzielle Enge und Ausweichen in oft regressiv interpretierte historische Stoffe herrschten vor. F. Hebbel schuf als einziger bedeutende Dramen. Eine epigonale, an Klassik oder Romantik anknüpfende Literatur (P. Heyse, E. Geibel; V. Scheffel) erlangte breite Wirkung. Die Repräsentanten des Realismus (W. Raabe, F. Reuter, T. Storm, H. Kurz, F. Spielhagen, der Schweizer G. Keller) hielten an den Idealen der bürgerlichen Aufstiegszeit fest. Zugleich entstand eine eng mit der Arbeiterbewegung verbundene Literatur.

deutsche Mundarten: älteste Erscheinungsform der deutschen Sprache, erst auf ihrer Grundlage entwickelte sich die Schriftsprache. Sie gliedern. sich nach der 2. Lautverschiebung, die das Oberdeutsche völlig, das Mitteldeutsche zum Teil, das Niederdeutsche (Plattdeutsche) nicht erfasste. Die oberdeutschen und mitteldeutschen Mundarten werden als hochdeutsche zusammengefasst. Oberdeutsche Mundarten sind Süd- und Ostfränkisch, Schwäbisch, Nieder- und Hochalemannisch, Nord-, Mittel- und Südbairisch (-Österreichisch), mitteldeutsche Mundarten sind Ripuarisch (Köln), Moselfränkisch (Trier), Rheinfränkisch (Pfälzisch, Hessisch), Ostmitteldeutsch (Thüringisch, Obersächsisch). Niederdeutsche Mundarten sind Niederfränkisch, West- und Ostfälisch, Nordniedersächsisch, Mecklenburgisch, Märkisch (Brandenburgisch).

deutsche Musik: Die wenigen Quellen lassen vermuten, dass bei den germanischen Stämmen Musik zu magischen Zwecken sowie Arbeits- und Kriegsgesänge vorhanden waren. Vom 9. Jahrhundert an gibt es Berichte über Volkslieder, doch stammen die ältesten Handschriften (Carmina Burana, Jenaer Liederhandschrift, Lochamer sowie Glogauer Liederbuch unter anderem), die zum Teil auch ohne Aufzeichnung der Melodien sind, erst aus dem 13./15. Jahrhundert.

Die liturgische Musik folgt der allgemeinen Entwicklung in Mittel- und Westeuropa. Vom 9. Jahrhundert an sind geistliche Hymnen, Sequenzen und Tropen überliefert, für deren Entwicklung die Benediktinerklöster (St. Gallen, Reichenau) und Mönche wie Notker Balbulus und Tuotilo wichtig waren. Die Mehrstimmigkeit wurde nur zögernd übernommen; vom 13. Jahrhundert an liegen polyphone Kompositionen vor.

Zwischen 1200 und 1400 blühte als Ausdruck ritterlichen Ideals der Minnesang, der von den französischen Troubadours und Trouvères beeinflusst wurde und durch fahrende Spielleute Auffrischung aus dem Volkslied und der dörflichen Tanzmusik erhielt (Walther von der Vogelweide, Neidhart von Reuenthal, später Heinrich von Meißen, Oswald von Wolkenstein unter anderem).

Im 14. Jahrhundert entstand mit dem Erstarken des bürgerlichen Selbstbewusstseins in den Städten der von den Handwerkern zunftmäßig organisierte Meistergesang (unter anderem M. Behaim, H. Rosenplüt, H. Folz, H. Sachs), dessen ästhetische Qualität durch starre Regeln sehr begrenzt blieb und der im 16. Jahrhundert rasch verfiel. An den Höfen (München, Innsbruck) und in den Städten entfaltete sich seit dem 15. Jahrhundert eine kunstvolle mehrstimmige Musik, die sowohl den geistlichen (Messen, Motetten) wie auch den weltlichen Bereich (mehrstimmiges Lied, Madrigal) erfasste. Dabei wirkten ausländische (die Niederländer H. Isaac, O. di Lasso, der Italiener A. Scandello unter anderem) und einheimische (deutscher, schweizerischer, österreichischer) Musiker (H. Finck, L. Senfl, P. Hofhaymer, G. Rhau unter anderem) in gleicher Richtung. Das von M. Luther geforderte, vom Volkslied beeinflusste Reformationslied gab als Choral der geistlichen Musik neue Impulse. Lieder aus dem Bauernkrieg sind nur fragmentarisch überliefert. Eine städtliche Musikpflege erfolgte durch Schulchöre (Kruzianer, Thomaner) und fahrende Spielleute, die nach und nach als Ratsmusikanten in Dienst genommen wurden. Der soziale Status dieser Musikanten (Stadtpfeifer, Kunstgeiger) war (auch im Vergleich zu den Höfen sowie zu militärischen Trompetern und Paukern) überaus differenziert. Ende des 16. Jahrhundert standen in der mehrstimmigen Musik 2 Richtungen gegenüber: eine traditionell polyphone (J. Eccard, L. Lechner unter anderem) und eine italienisch orientierte (H. L. Haßler, später J. H. Schein und S. Scheidt). Eine selbständige Instrumentalmusik entwickelte sich seit dem 15. Jahrhundert zuerst als Orgelkunst (K. Paumann, F. Hofhaymer, S. Scheidt unter anderem), dann für die Laute, die zugleich wichtigstes Instrument für die Hausmusik wurde (H. Judenkünig, H. Newsidler). Nach anfänglicher Übernahme von Vokalformen entstanden eigenständige Instrumentaltypen (Fantasie, Ricercar, Variation, Kanzone, Sonate, Concerto unter anderem). Nach 1600 erlebte die instrumentale Tanzsuite eine Glanzzeit (H. L. Haßler, M. Praetorius, P. Peuerl, M. Franck). Dieser Aufschwung wurde durch den Dreißigjährigen Krieg stark eingeschränkt und mancherorts völlig unterbrochen.

Die überragende Persönlichkeit der deutschen Musik des 17. Jahrhundert war H. Schütz, der während des Dreißigjährigen Krieges als Schöpfer geistlicher und weltlicher Werke (Madrigale, Motetten, geistliche Konzerte, Choralpassionen unter anderem) sowie als Organisator des Musiklebens vorbildlich wirkte. Schütz verband vielfältige Anregungen aus Italien mit der deutschen Tradition und beeinflusste damit die weitere Entwicklung. Neben ihm wirkten unter anderem A. Hammerschmidt, H. Albert und A. Krieger als bedeutende Liedkomponisten. Die Orgelmusik (Toccata, Fuge) wurde von S. Scheidt, D. Buxtehude, der neue Klavierstil von J. J. Froberger, J. C. F. Fischer, J. K. Kerll entwickelt. N. A. Strungk und I. F. Biber forderten die Violinmusik. Die Orchestermusik (Suite, Concerto grosso) wurde außer an den Höfen vor allem von Studentischen Collegia musica gepflegt. Während sich in den Residenzen seit etwa 1660 die italienische Oper (mit italienischen Operntruppen) ausbreitete, entwickelten sich in den großen Handelsstädten (1678 Hamburg, 1693 Leipzig) deutsche Operntheater mit zum Teil deutschsprachigen Werken (J. S. Kusser, R. Keiser, G. P. Telemann) als Ausdruck bürgerlichen Selbstbewusstseins.

Deutscher Ritterorden, Deutscher Orden: während der Kreuzzüge 1198 entstandener Ritterorden; die Tracht war weißer Mantel mit schwarzem Kreuz. 1225/26 von Herzog Konrad von Masowien ins Kulmer Land (zwischen Chelmno und Torun, Polen) gerufen, eroberte der Deutsche Ritterorden seit 1230 das Gebiet der baltische Pruzzen, die in blutigen Kämpfen dezimiert wurden, und gründete dort einen feudalen Staat; Sitz der Hochmeister war 1309/1457 die Marienburg (Malbork). Mit dem Anschluss des Schwertbrüderordens (1237) wurde der Deutsche Ritterorden auch Herr über Livland und Kurland. Die unbeschränkte Landesherrschaft des Ordens wurde zunehmend vom Landesadel, dem wirtschaftlich eingeschränkten Städtebürgertum und den Bauern angegriffen, und außenpolitisch erstand ihm in der polnisch-litauischen Union (1386) ein mächtiger Gegner. 1410 unterlag der Deutsche Ritterorden bei Grunwald einem polnisch-litauisch-russischen Heer; 1466 (2. Thomer Friede) kam der Ordensstaat unter polnischen Lehnshoheit; 1525 wurde er zum weltlichen Herzogtum Preußen, das 1618 Kurbrandenburg zufiel. Der Deutsche Ritterorden bestand in Deutschland bis 1809; 1834 in Österreich neu organisiert, spielt er dort und in Deutschland gegenwärtig eine Rolle als klerikaler Traditionsverband.

deutsche Sprache: neben Englisch Hauptsprache der westlichen Gruppe der germanischen Sprachen; entwickelte sich in den 4 Perioden Althochdeutsch und Altsächsisch beziehungsweise Altniederdeutsch (750/1100), Mittelhochdeutsch und Mittelniederdeutsch (1100/1350), Frühneuhochdeutsch (1350/1650), Neuhochdeutsch (seit 1650). Relativ einheitliche Sprachtypen bestanden um 1200 in der mittelhochdeutschen (oberdeutschen) Dichtersprache, im 14. Jahrhundert in der Mittelniederdeutschen Geschäftssprache der Hanse, um 1500 in den Kanzleisprachen Kaiser Maximilians I. und der Wettiner. Die heutige Schriftsprache entwickelte sich als konsolidierender Faktor des kapitalistischen inneren Marktes mit der Herausbildung der bürgerlichen deutschen Nation aus mehreren regionalen Schreibsprachvarianten vor allem unter ostmitteldeutschem und oberdeutschem Einfluss. Sie ist Ende des 18. Jahrhundert ausgeprägt. Die Erfindung des Buchdrucks und die Verbreitung von Luthers Bibelübersetzung förderten die Vereinheitlichung; dichterische (Klopstock, Lessing, Wieland, Goethe, Schiller n. a.) und wissenschaftliche (Sprachwissenschaft und klassische deutsche Philosophie) Leistungen trugen zu ihrer Festigung bei.

Deutschmeister: im Deutschen Ritterorden der oberste Verwalter der Ordensbesitzungen im Heiligen römischen Reich Deutscher Nation; als Hoch- und Deutschmeister seit 1530 Oberhaupt des auf Deutschland beschränkten Ordens.

Deutschrömer: 1. Bezeichnung für eine Gruppe deutscher Maler, die zwischen 1790 und 1840 in Rom wirkten und dort, bedingt durch die Unzufriedenheit mit der künstlerischen Situation ihres Landes, die «Quelle der Kunst» suchten. Zu ihnen gehörten A. J. Carstens, J. C. Reinhart, J. A. Koch sowie ein Teil der Nazarener.

2. Bezeichnung für die Vertreter der deutschen idealistischen Kunst der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert, die in Rom durch die Begegnung mit der klassischen Kunst Italiens, besonders der Antike, zu idealen, die gesellschaftliche Wirklichkeit negierenden Gestaltungsformen gelangten (H. von Marées, A. Böcklin, A. Feuerbach).

Deutzia: zu den Pfeifenstrauchgewächsen gehörende Gattung ostasiatischer Ziersträucher mit weißen, duftlosen Blütentrauben; beliebte Frühjahrsblüher, besonders hervorzuheben ist Deutzia gracilis aus Japan.

De Valera, Eamon, 14.10,1882-29. 8. 1975, irischer bürgerlicher Politiker; 1916 Teilnehmer am Dubliner Aufstand; 1919 Präsident des provisorischen irischen Parlaments, doch während erzwungener Emigration 1919/20 von rechten Kräften des Sinn Fein verdrängt, die den Dominionvertrag mit Großbritannien abschlossen. De Valera kämpfte an der Spitze des linken Sinn-Fein-Flügels bis 1923 gegen den Kompromiss; 1926 Gründer und bis 1959 Führer der Partei Fianna Fáil; als Ministerpräsident (1932/48, 1951/54 und 1957/59) trieb De Valera eine nationalistisch-antikommunistische Politik und unterstützte bis 1945 die faschistischen Mächte; 1959/73 war er Staatspräsident.

Devanagari, Dewanagari, Nagari: auch heute noch in Indien am weitesten verbreitete indische Schrift; seit dem 8. Jahrhundert nachweisbar.

Deventer: Stadt im Osten der Niederlande, in der Provinz Overijssel, an der IJssel; 64000 Einwohner; metallverarbeitende Industrie und Teppichherstellung; Viehmarkt; Flusshafen; Museen, Bibliothek; romanische/gotische Lebuinuskirche.

Devi, Göttin des Hinduismus, jungfräuliche Gattin Shivas; vereinigt in sich vorarische gentile, bronzezeitliche und spätere lokale Göttinnen; Urbild der sich verbrennenden Witwe.

Deviation: durch benachbarte Eisenmassen hervorgerufene Ablenkung des Schiffs- oder Flugzeugmagnetkompasses von der normalen Anzeige (magnetischer Nord). Zur Berichtigung des Kompasskurses in Bezug auf die Deviation dient eine Deviationstabelle.

Devisen: ausländisches Zahlungsmittel, in der Form auf ausländischen Währungen lautende und im Ausland zahlbare Anweisungen (zum Beispiel Wechsel, Schecks, Akkreditive, Überweisungen), im Unterschied zu Sorten (bare ausländische Zahlungsmittel, wie Münzen, Banknoten). Zu Devisen in einem erweiterten Sinne zählen alle im Ausland ausgegebenen oder ausgestellten Wertpapiere, Anteilrechte, Sparkassenrechte. Da der Begriff Devisen im internationalen Sprachgebrauch verschieden interpretiert wird, geht das Devisengesetz der DDR vom Begriff Devisenwerte aus, der gesetzlich definiert ist und der auch im Ausland befind! Guthaben und Forderungen gegen Devisenausländer, bewegliche Sachen und Grundstücke von Deviseninländern im Ausland einschließt.

Devise (französisch): Wahlspruch, Losung.

Devisenarbitrage: Ausnutzung unterschiedliche Kursnotierungen für die einzelnen Währungen an den Börsenplätzen zur Erzielung von Spekulationsgewinnen.

Devisengesetzgebung, Valutarecht: in sozialistischen Staaten Gesamtheit der Rechtsnormen über die Ein- und Ausfuhr von Zahlungsmitteln sowie über Melde-, Anbietungs- und Verwendungsvorschriften für Devisenwerte einschließlich Vermögenswerte im Ausland und Forderungen gegenüber ausländischer Schuldnern (Auslandsvermögen). Die Devisengesetzgebung sichert zur Verwirklichung des staatlichen Valutamonopols die Leitung, Planung und Kontrolle der internationalen Zahlungs- und Wertbeziehungen durch den sozialistischen Staat.

Devisenmarkt: in den Ländern Sphäre des An- und Verkaufs von Devisen durch Banken gegen Inlandswährung oder gegen andere Währungen zu vereinbarten Preisen (Kursen). Der Haupt-/ teil des Handels auf dem Devisenmarkt wird unmittelbar über gegenseitig errichtete Konten der Großbanken oder spezieller Außenhandelsbanken (Korrespondenzbanken) abgewickelt. Der Ausgleich der Salden erfolgt unter den Bedingungen der unbeschränkten Konvertierbarkeit der Währungen durch Devisenbörsen an den Hauptfinanzplätzen New York, London, Zürich, Frankfurt am Main, Paris. Unter den Bedingungen der Verschärfung der Währungskrise wird der Devisenmarkt besonders stark von Währungsspekulationen betroffen, die zur zeitweiligen Schließung von Devisenbörsen oder Unterbrechung des Devisenhandels führen.

devital: leblos, tot; in der Stomatologie für Zähne mit abgestorbener Pulpa gebräuchlich.

Devolution: Übergang eines Rechtes oder eines Besitzes an einen anderen.

Devolutionskrieg: Eroberungskrieg 1667/68 Ludwigs XIV. von Frankreich gegen die spanische Niederlande, den er unter Berufung auf angebliche Erbansprüche führte. Trotz beträcht! Anfangserfolge der von Turenne und dem Prinzen von Conde geführten französischen Truppen musste Frankreich die Franche Comte im Kompromissfrieden zu Aachen 1668 wieder abtreten, erhielt aber 13 Städte im Norden.

Devon: (nach der Grafschaft) viertes System des Paläozoikums, nach leitenden Ammoniten, Armfüßern und Conodonten in Stufen gegliedert; Zeit der Nacktpflanzen und erster höherer Sporenpflanzen; erste Amphibien, Panzerfische; Entwicklung der variszischen Geosynklinale; nutzbare Gesteine sind Erze, Spate, Marmor, Dachschiefer, Kalkgesteine; siehe auch geologische Systeme.

Devon-Insel: Insel des kanadisch-arktischen Archipels, zu Kanada gehörend; 53800 km2, nahezu unbewohnt; bis 1887 m hohe, im Ostteil stark vergletscherte Insel, deren Küste durch Fjorde stark gegliedert ist; Tundra und vegetationsarme bis -lose Frostschutzflächen.

Devotionalien: in der katholischen Kirche der Andacht dienende Gegenstände, zum Beispiel Rosenkranz, Bilder, Kreuze, Kerzen unter anderem.

Devrient: 1. Eduard, 11.8.1801-4.10.1877, Theaterleiter und Schriftsteller; bemühte sich, vor allem 1852/69 in Karlsruhe, um Werktreue Inszenierungen klassischer Dramen und um die Schaffung einer Ensemblekunst; schrieb eine «Geschichte der deutschen Schauspielkunst» (1848/74).

Dewargefäß, (nach einem britischen Chemiker) Weinholdsches Gefäß (nach dem Erfinder), Vakuummantelgefäß: doppelwandiges Gefäß, meist aus Glas, mit evakuiertem Zwischenraum und verspiegelten Wänden, um Wärmeströmung und -Strahlung zu verhindern; wird als Thermosflasche und zum Aufbewahren verflüssigter Gase verwendet.

Dextrane: aus Glukoseeinheiten unterschiedlicher Kettenlänge aufgebaute Gruppe verzweigter oder unverzweigter Polysacharide. Dextrane bilden farb-, geruch- und geschmackfreie, leicht wasserlösliche Kristalle. Sie werden zum Beispiel mikrobiell aus Saccharose hergestellt und als Verdickungsmittel für Kosmetika, Anstrichmittel und Speiseeis genutzt. Therapeut, werden Dextrane in 6%iger beziehungsweise 10%iger Lösung als Blutvolumenersatzmittel bei starken Blutverlusten verwendet.

Dextrine: aus Glukoseeinheiten aufgebaute Polysacharide, die beim Abbau von Stärke durch Rösten beziehungsweise Einwirkung von Säuren oder Enzymen entstehen; (C6H10O5)„. Dextrine sind gelbe bis weiße, schwach süß schmeckende Pulver, die mit Wasser klebrige Lösungen ergeben; sie sind zum Beispiel in Stärkezucker und Bier enthalten; Verwendung als Klebstoff, Appretur- und Verdickungsmittel.

Dextrokardie: Rechtsverlagerung des Herzens als angeborene Anomalie und infolge entzündlicher Verziehung oder tumorbedingter Verdrängung.

Dez, Diz: Fluss im Nordwesten Irans, rechter Nebenfluss des Kanin; etwa 400 km; entspringt im Zagrosgebirge, im Mittellauf bei Dezful aufgestaut (63 km2, 3,35 Md. m3; Wasserkraftwerk 520 MW); bewässert rund 140000 ha Land.

Dézamy, Théodore, 4.3. 1808-24. 7. 1850, französischer utopischer Kommunist; materialistischer Theoretiker des revolutionären Arbeiterkommunismus. In seinem Hauptwerk «Gesetzbuch der Gütergemeinschaft» (1842) unter anderem Schriften verfocht Dézamy die Befreiung des Proletariats aus eigener Kraft und propagierte die Errichtung einer Gesellschaft mit Gemeineigentum, Produktionsplanung, allgemeine Arbeitspflicht, Verteilung nach Bedürfnis und gleicher Entwicklungsmöglichkeit als Voraussetzung sozialer Harmonie, allgemeinen Wohlstandes und unbegrenzten kulturellen Fortschritts.

Dezember, (lateinisch, «der zehnte Monat») Christmond, Julmond (altnordisch): der 12. Monat des Jahres, hat 31 Tage; vor Einführung des Julian. Kalenders der 10. Monat.

Dezennium: Jahrzehnt, Zeitraum von 10 Jahren.

Dezentralisation: Aufgliederung; Beseitigung einer übermäßigen Konzentration von Zuständigkeiten bei zentralen Staatsorganen, Verlagerung von Zuständigkeiten auf mehrere unterstellte, territorial auseinanderliegende Staatsorgane.

Dezernat: selbständiger Aufgaben- und Arbeitsbereich in der Staatsverwaltung, meist in bürgerlichen Staaten, geleitet von einem Dezernenten.

Dezi: Vorsatz (l0-faches) einer Maßeinheit.

Dezidua: vorwiegend durch das Gelbkörperhormon für die Einnistung (Implantation) einer befruchteten Eizelle vorbereiteter Teil der Gebärmutterschleimhaut; bildet den mütterlichen Anteil der nach der Einnistung entstehenden Plazenta.

Dezimale: Ziffer in einem Dezimalbruch (Bruch) mit einem Stellenwert kleiner als 1.

Dezimalklassifikation: Klassifikationssystem, das auf dem Dezimalprinzip (Zehnereinteilung) als hierarchisches System beruht. Am bekanntesten ist die Internationale Dezimalklassifikation (Abkürzung DK), die alle Wissensgebiete in den Hauptklassen von 0 bis 9 erfasst. Jede Dezimale engt die vorhergehende ein, Anhängezahlen und Verknüpfungsmöglichkeiten sollen die Anwendung polyhierarchisch gestalten.

Dezime: 10. Stufe der diatonischen Tonleiter; auch Intervall, zum Beispiel c-e1.

Dezimeterwellen, dm-Wellen, Ultrahochfrequenz, Abkürzung UHF (vom englisch ultra high frequency): elektromagnetische Wellen mit Frequenzen zwischen 300 und 3000 MHz beziehungsweise Wellenlängen zwischen 100 und 10 cm.

Dhaka, Dacca: Hauptstadt von Bangladesh; 3,5 Millionen Einwohner; Verwaltungs-, Verkehrs-, Handels- und Industriezentrum des Landes; Erdgaskraftwerk, Kernenergiezentrum, Jute-, Baumwoll-, Leder-, Gummi-, Chemiedünger-, Lebensmittelindustrie, Kunstgewerbe; Universität; Eisenbahnknoten, 2 internationale Flughäfen, Flusshafen. Die Agglomeration von Dhaka reicht bis Narayanganj im SO.

Dhamar: Bezirksstadt im Südwesten der JAR, auf einer Hochebene 100 km südlich von Sana; 21000 Einwohner; Getreideanbaugebiet; Straßenknoten, Flughafen; in der Nähe bisher kaum genutzte Schwefel-, Gold- und Eisenvorkommen.

Dharma, Dhamma: in der indischen Philosophie und Religion theologisch begründete rechtliche und moralische Verhaltensvorschrift. Siehe auch Hinduismus.

Dhofar: wüstenhafte Landschaft und Provinz im Süden von Oman; Hauptort Salala; Wanderviehwirtschaft (Kamele, Rinder) vorherrschend; in Oasen Zuckerrohranbau.

Diaabtastung: beim Fernsehen verwendetes Abtastverfahren zur Übermittlung von Diapositiven durch zeilenweise Punktlichtabtastung der Vorlage und anschließende Umwandlung der Helligkeitswerte in elektrische Signale mittels Fotozelle.

Diabas: graugrünes bis dunkelgrünes Erguss- und Ganggestein, bestehend aus Pyroxen und Plagioklas. Diabas ist oft einer «Vergrünung» (Chloritisierung) unterlegen; findet als Straßenbaumaterial und Dekorationsstein Verwendung.

Diabetes, Harnruhr: 1. Diabetes, Diabetes insipidus (griechisch + lateinisch), Wasserharnruhr. Regulationsstörung im Hirnanhangdrüsen-Zwischenhirn-System mit Harnflut und quälendem Durst.

2. Diabetes, Diabetes mellitus (griechisch + lateinisch), Zuckerkrankheit, Zuckerharnruhr: Zuckerverwertungsstörung infolge relativen oder absoluten Mangels an dem Hormon Insulin mit begleitender Störung des Fett- und Eiweißstoffwechsels sowie Schäden an Leber, Nieren, Blutgefäß- und Nervensystem. Kennzeichen sind Harnflut, Durst, Gewichtsverlust, körperliche Schwäche, Sehstörungen, zuckerhaltiger Harn, erhöhter Blutzuckergehalt; lebensbedrohliches Koma infolge «Stoffwechselzusammenbruchs» (Anhäufung saurer Schlackenstoffe aus dem zur Energiegewinnung aktivierten Fettstoffwechsel, große Flüssigkeits- und Salzverluste durch extrem gesteigerte Harnflut infolge hohen Harnzuckergehalts). Die Behandlung des Diabetes erfolgt durch Diät (siehe auch Kohlenhydrateinheit), körperliche Aktivierung («Muskelarbeit») und Insulininjektionen oder Sulfonylharnstoff-Präparate in Tablettenform.

3. Diabetes, Diabetes renalis (griechisch + lateinisch): Zuckerausscheidung im Harn ohne erhöhten Blutzuckergehalt infolge einer Funktionsstörung der Nieren.

Diabetikerlebensmittel: Diätlebensmittel mit einer hinsichtlich Menge, Resorption und Stoffwechsel speziellen Kohlenhydratzusammensetzung, bei gleichzeitig begrenztem Fettgehalt. Zucker ist durch Fruktose, Zuckeralkohole (Sorbit, Xylit) oder Süßstoff (Sacharin) ersetzt.

Diabolo: (deutsch griechisch, «Teufel>) Unterhaltungsspiel im Freien, bei dem ein Doppelkegel mit Hilfe einer Schnur, die an 2 Stäben befestigt ist, in Drehung gebracht, hochgeschnellt und wieder aufgefangen wird.

DIAC: (Abkürzung für diode alternating current switch; englisch, «Wechselstromschaltdiode») Halbleiterbauelement, das ähnlich wie 2 gegenparallel geschaltete Gleichrichterdioden aufgebaut ist. Beim Überschreiten einer bestimmten anliegenden Spannung kippt das Bauelement vom Sperrin den Durchlass Zustand und verkleinert seinen Innen widerstand erheblich.

Diachronie: Sprachwissenschaft Forschungsweise, die im Unterschied zur Synchronie vor allem die sprachlichen Veränderungen im Verlaufe der geschichtlichen Entwicklung untersucht und Form und Inhalt sprachlicher Einheiten über längere Zeiträume verfolgt. Siehe auch Junggrammatiker.

Diakoptics, Netzspaltung-. Verfahren zur Berechnung elektrischer Energie Versorgungsnetze mit Aufspaltung in kleinere, leichter zu berechnende Teilnetze.

Diadem: Stirnbinde aus Stoff oder Stirnreif aus Metall; Herrscher-, Priester- oder Sieges Zeichen.

Diadochen: («Nachfolgen») Heerführer Alexanders des Großen, die nach dessen Tode (323 vor Christus) in langjährigen Kriegen um die Nachfolge an der Spitze des Weltreiches kämpften und danach eigene Reiche (Diadochenreiche) gründeten (Ptolemaios in Ägypten, Seleukos I. in Vorderasien und die Nachfolger des Antigonos I. Monophthalmos in Makedonien).

Diadochie: («Nachfolge») vollständige oder teilweise gegenseitige Vertretbarkeit chemischer Elemente in einem Mineral. Der Grad der Diadochie ist abhängig unter anderem von der Größe der Ionen- beziehungsweise Atomradien der sich vertretenden Elemente, der Polarisierbarkeit der Ionen sowie von den Bildungsbedingungen. Man unterscheidet 3 Arten (Admission, Camouflage, Capturing).

Diadochokinese: die Fähigkeit, entgegengesetzte Bewegungen (zum Beispiel Vor- und Rückdrehen des Unterarmes) in unmittelbarer Folge auszuführen.

Diagenese: Sammelbegriff für alle Vorgänge, die zur Verfestigung (Kompaktion, Zementation) von Sedimenten und damit zur Bildung von Sedimentgesteinen führen (zum Beispiel Kalkschlamm wird zu Kalkstein, lockerer Sand zu Sandstein).

Diagnoseprogramm: Programm zur Feststellung der Betriebssicherheit von Rechenautomaten und zur schnellen Fehlersuche.

Diagnostika: Mittel zur Feststellung beziehungsweise Differenzierung bestimmter Krankheiten, zum Beispiel Röntgenkontrastmittel, Farbstoffe zur Kreislauf-, Leber- oder Nierenfunktionsprüfung.

Diagonale: Strecke in Polygonen und Polyedern, die 2 nicht benachbarte Eckpunkte verbindet. Das Viereck hat 2, das Fünfeck 5, ein n Eck n(n 3)/2 Diagnostika. In Polyedern gibt es neben Flächendiagnostika auch Raumdiagnostika, deren Endpunkte verschiedenen Begrenzungsebenen angehören.

Diagonalschritt: Skisport beim Langlauf angewendete Technik; jeder Schritt wird durch einen Stockschub mit dem gegenüberliegenden (diagonalen) Arm unterstützt.

Diagramm: Schaubild, graphische Darstellung von Zuordnungen, zum Beispiel von funktionalen Zusammenhängen oder Abbildungssystemen algebraischer Strukturen; oft in der Form eines Kurvendiagramm, Säulendiagramm beziehungsweise Kreisdiagramm, aber auch als bewerteter Graph. In der Technik zur Veranschaulichung eines Funktionsverlaufes (Übersichtsdiagramm) oder zur Datenspeicherung (Arbeitsdiagramm) angewendet. Standardisierte Maßstäbe sind hierbei 1:1,1:2, 1:5 und deren 10fache.

Diakon: 1. in der katholischen Kirche Kleriker mit sakramentaler Weihe als Vorstufe zur Priesterweihe, bereits mit Verpflichtung zum Zölibat; nach dem 2. Vatikanisches Konzil eigenes Amt, zu dem auch verheiratete Männer geweiht werden können.

2. in der evangelischen Kirche eigener Berufsstand mit Arbeitsmöglichkeiten bei der Inneren Mission, aber auch innerhalb der Kirchgemeinde.

Diakonisse: evangelische Kranken- oder Gemeindeschwester, ausgebildet in einem Diakonissenmutterhaus, von dort aus werden sie in ihr Amt eingesetzt und im Alter wieder dort aufgenommen; Ehelosigkeit ist Voraussetzung.

diakritisches Zeichen: Zeichen über, neben oder unter einem Schriftzeichen zur Bezeichnung der Aussprache oder als Hilfszeichen bei der Anpassung eines vorgegebenen Alphabets an ein konkretes Lautsystem. Diakritische Zeichen können ein Punkt, Strich oder Häkchen sein; siehe auch Akut, Cédille, Gravis, Häöek, Tilde, Zirkumflex.

Dialektdichtung: Dichtung, die in einer historisch-regionalen entstandenen Mundart geschrieben ist. Dialektdichtung hat es stets gegeben, zum Beispiel schon im griechischen Altertum. In der deutschen Literatur hat vor allem die niederdeutsche Dialektdichtung große Bedeutung besessen. besonders im 19. Jahrhundert haben Autoren wie K. Groth und F. Reuter zu ihrer Verbreitung beigetragen.

Dialekt: 1. Mundart.

2. Gruppe von Mundarten einer Sprache.

Dialektik: (griechisch, «Diskutierkunst») 1. in der antiken Philosophie Griechenlands verbreitetes, vor allem durch Sokrates und Platon entwickeltes Verfahren, im Streitgespräch, durch Rede und Gegenrede, Erkenntnisse zu gewinnen.

2. Wissenschaft von den Gesetzen der objektiven Dialektik, den allgemeinen Gesetzen des Zusammenhangs, besonders der Wechselwirkung, der Bewegung und Entwicklung in der objektiven Realität, und der subjektiven Dialektik, der ideellen Widerspiegelung der objektiven Dialektik im menschlichen Bewusstsein. Die materialistische Dialektik ist die von K. Marx und F. Engels geschaffene und von W. I. Lenin weiterentwickelte höchste Entwicklungsstufe der Dialektik als Wissenschaft. Sie hat als Theorie die allgemeinsten Bewegungs- und Entwicklungsgesetze der Natur, der Gesellschaft und des Denkens (Erkennens) zum Gegenstand: das Gesetz der Einheit und des «Kampfes» der Gegensätze (Widerspruch), das Gesetz des Umschlagens quantitativer Veränderungen in qualitative (Qualität und Quantität) und das Gesetz der Negation der Negation. Sie ist eine philosophische Entwicklungstheorie. Ferner untersucht sie Zusammenhänge der objektiven wie der subjektiven Dialektik, zum Beispiel Absolutes und Relatives, Allgemeines-Besonderes-Einzelnes, Endliches und Unendliches, Inhalt und Form, Möglichkeit und Wirklichkeit, Notwendigkeit und Zufall, Wesen und Erscheinung. Die materialistische Dialektik ist zudem philosophische Methode der Erkenntnis und der praktischen Veränderung der Wirklichkeit. Auf der Grundlage der Erkenntnisse der materialistischen Dialektik als Theorie gibt die dialektisch-materialistische Methode dem Denken und praktischen Handeln Orientierung. Gegenüber den Objekten der materiellen Welt und deren ideellen Abbildern fordert sie Objektivität, marxistisch-leninistische Parteilichkeit, Erfassen der Zusammenhänge, der Bewegung und Entwicklung und so weiter. Die materialistische Dialektik steht im Gegensatz zu jegliche Form der Metaphysik und des Idealismus. Eine spontane, naturwüchsig-naive Dialektik, vor allem in der Betrachtung der Natur, findet sich bei allen alten Kulturvölkern, vor allem aber in der griechischen Antike. In der Verfallsperiode der Sklaverei, im Feudalismus und zur Zeit der Entstehung und Festigung des Kapitalismus herrschte die Metaphysik als Denkweise vor. Erst die klassische deutsche Philosophie eröffnete unter dem Einfluss gesellschaftliche Veränderungen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse eine neue Periode der Entwicklung der (idealistischen) Dialektik, deren entwickeltest Form G. W. F. Hegel schuf. K. Marx und F. Engels vereinten in ihrer Philosophie erstmalig Materialismus und Dialektik zu einem organischen Ganzen, dem dialektischen und historischen Materialismus. Die materialistische Dialektik ist kritisch und revolutionär. Ihre Erkenntnisse und Forderungen dienen der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei bei der Ausarbeitung der Strategie und Taktik zur Überwindung des Kapitalismus und zur Errichtung der kommunistischen Gesellschaft, dialektische Logik Logik, dialektische, dialektischer und historischer Materialismus: die marxistisch-leninistische Philosophie; bildet in Einheit mit der marxistisch-leninistische politische Ökonomie und dem wissenschaftlichen Kommunismus den Marxismus-Leninismus, die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistische Partei. Der von K. Marx und F. Engels geschaffene und von W. I. Lenin weiterentwickelte Dialektik ist die philosophische Verallgemeinerung der Ergebnisse der Entwicklung der Wissenschaften und der Erfahrungen der historischen Praxis, vor allem des Kampfes der Arbeiterklasse. Innerhalb der einheitlichen marxistisch-leninistischen Philosophie hat der dialektische Materialismus das allgemeine Verhältnis zwischen Materie und Bewusstsein und die allgemeinsten Gesetze der Struktur, der Bewegung und Entwicklung in Natur, Gesellschaft und Denken (Erkennen) zum Gegenstand. Er ist eine organische Einheit von Materialismus und Dialektik. Er ist Materialismus, da er die Grundfrage der Philosophie materialistisch beantwortet, das heißt das Primat der Materie gegenüber dem Bewusstsein anerkennt. Er ist Dialektik, da er die Objekte und Prozesse der Wirklichkeit in ihrem Zusammenhang, in ihrer Bewegung und Entwicklung widerspiegelt. Als materialistischer Monismus sieht er die Einheit der Welt in ihrer Materialität (materielle Einheit der Welt). Er betrachtet die Bewegung als Daseinsweise und Raum und Zeit als Existenzformen der Materie. Das menschliche Bewusstsein ist Entwicklungsprodukt der Materie, Eigenschaft des Gehirns als einer hochorganisierten Form der Materie und seinem Wesen und Inhalt nach ideeller Widerspiegelung der objektiven Realität. Die Praxis ist Grundlage und Ziel der Erkenntnis und grundlegendes Kriterium der Wahrheit. Der dialektische Materialismus erklärt als dialektische-materialistische Determinismus den Zusammenhang zwischen den Objekten der Wirklichkeit sowie ihre Entwicklung aus der Existenz beziehungsweise dem Wirken objektiver Gesetze. Aus der Gesamtheit der Erkenntnisse des dialektischen Materialismus als Theorie ergeben sich Forderungen an das Denken und Handeln, die in ihrer Gesamtheit die dialektische-materialistische Methode bilden, die marxistisch-leninistische philosophische Methode der Erkenntnis und praktische Veränderung der Wirklichkeit. Der historische Materialismus, die marxistisch-leninistische materialistische Geschichtsauffassung, steht zum dialektischen Materialismus im Verhältnis des Besonderen zum Allgemeinen. Er beantwortet die Grundfrage der Philosophie in Bezug auf die Gesellschaft materialistisch, da er das gesellschaftliche Sein als primär gegenüber dem gesellschaftlichen Bewusstsein nachweist. Er erklärt die Ideen, von denen sich die Menschen in ihrem Handeln leiten lassen, aus dem wirklichen Lebensprozess der Menschen, vor allem aus der Praxis des Produktions- und Reproduktionsprozesses und des Kampfes zwischen antagonistischen Klassen. Das grundlegende Entwicklungsgesetz der Gesellschaft besteht in der dialektischen Wechselwirkung der sich entwickelnden Produktivkräfte mit den Produktionsverhältnissen. Mit der Erkenntnis, dass innerhalb einer Gesellschafsformation die materiellen Produktionsverhältnisse als ökonomische Basis einen ihnen entsprechend Überbau von politischen, rechtlichen unter anderem Beziehungen, Institutionen und so weiter sowie entsprechend Bewusstseinsformen bedingen, konnte erstmalig eine materialistische Erklärung für die Entwicklung der Gesellschaft gegeben werden. K. Marx wies nach, dass die Arbeiterklasse die historische Aufgabe hat, die kapitalistische Gesellschaftsformation zu beseitigen und die Diktatur des Proletariats als Voraussetzung für den Aufbau der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft zu errichten. Damit erklärt der historische Materialismus nicht nur die Vergangenheit der menschlichen Gesellschaft, sondern gibt zugleich eine Wissenschaftlich begründete, optimistische Prognose ihrer Zukunft.

- Der Dialektik entstand in den 40er Jahren des 19. Jahrhundert als Ergebnis der vorangegangenen sozialen und wissenschaftlichen Entwicklung. Die Arbeiterklasse, die sich zu jener Zeit als selbständige historische und politische Kraft formierte, bedurfte als Orientierung in ihrem Kampf einer wissenschaftlichen weltanschauliche Analyse ihrer Rolle in der Gesellschaft. Zu den theoretischen Quellen des Dialektiks gehören insbesondere der Materialismus der französischen Philosophen des 18. Jahrhundert und L. Feuerbachs sowie die Dialektik der klassischen deutschen Philosophie, aber auch die klassische politische Ökonomie und der utopischer Sozialismus. Weitere Voraussetzungen für den Dialektik lieferten die Naturwissenschaften durch die Entdeckung objektiver dialektischer Zusammenhänge und Entwicklungsprozesse in der Natur. Wie die anderen Bestandteile des Marxismus-Leninismus erfuhr auch der Dialektik eine wesentliche Weiterentwicklung durch W. I. Lenin, der die neuen Erkenntnisse der Wissenschaften und die Erfahrungen der Arbeiterklasse insbesondere in der Großen sozialistischen Oktoberrevolution, der ersten sozialistischen Revolution, und bei der Errichtung des Sowjetstaates, des ersten sozialistischen Staates, philosophisch verallgemeinerte. Auch in der Gegenwart entwickelt sich der Dialektik weiter durch die philosophische Verallgemeinerung neuer Erkenntnisse der Natur- und Gesellschaftswissenschaften sowie der historischen Erfahrungen des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse. Den Einzelwissenschaften dient er als philosophisch-weltanschauliche Grundlage, als Erkenntnistheorie, Methodologie und Methode ihrer Weiterentwicklung. Die marxistisch-leninistischen Parteien nutzen den Dialektik als philosophische Theorie und Methode für die Ausarbeitung der Strategie und Taktik des Kampfes der Arbeiterklasse gegen den Imperialismus und für die weitere Gestaltung der sozialistischen und die Schaffung der Grundlagen der kommunistischen Gesellschaft.

dialektische Theologie: eine nach dem 1. Weltkrieg von K. Barth unter anderem vertretene Richtung der evangelischen Theologie; benannt nach der Dialektik S. Kierkegaards, die den Gegensatz von Zeit und Ewigkeit, Vernunft und Offenbarung betonte; beeinflusste stark die Bekennende Kirche.

Dialektologie: Dialekt- und Mundartkunde; erforscht die territoriale Gliederung einer Sprache, das Wesen und die Verbreitung der Dialekte, erarbeitet unter anderem Mundartwörterbücher und Sprachatlanten.

Dialog: Zwiegespräch, Wechselrede. In der Literatur ist der Dialog

a) ein Gestaltungsmittel, besonders der Dramatik, aber auch der Epik, weniger der Lyrik;

b) eine Form, als philosophisches und gesellschaftskritisches Streitgespräch in der Antike (Sokratiker, Platon, Cicero), Renaissance (Erasmus, G. Galilei, U. von Hutten) und Aufklärung (D. Diderot, G. E. Lessing).

Dialogbetrieb: Betriebsart von Rechenautomaten, bei der die Ausführung eines Programms beliebig oft unterbrochen wird und der Benutzer daher direkten Einfluss nehmen kann. Der Dialogbetrieb ermöglicht es, sehr effektiv einen Rechner zu programmieren und während der Rechnung die Daten zu ändern beziehungsweise zu ergänzen. Dialogbetrieb ist besonders bei Hybridrechnern und EDVA verbreitet, die im Time-sharing (Datenfernverarbeitung) arbeiten. Er gewinnt ständig an Bedeutung.

Dialogcomputer: Rechenautomat (meist Klein- oder Mikrorechner), der während des Rechenbetriebes den ständigen Dialog mit dem Bediener ermöglicht und dazu nötige periphere Geräte besitzt (zum Beispiel Bildschirmgerät und Tastatur). Dialogcomputer, die den Zugriff zu Großrechnern ermöglichen, werden auch Terminals genannt.

Dialyse: Trennung echt gelöster Stoffe (z. B Zucker, Salze) von kolloidal gelösten (zum Beispiel Eiweiße) aus gemeinsamer Lösung mittels einer halbdurchlässigen (semipermeablen) Membran (zum Beispiel Pergament, Plastfolie, tierische Häute). Die Membran bildet eine Wand oder den Boden eines Gefäßes (Dialysezelle, Dialysator), das mit der Lösung gefüllt und jenseits der Membran von reinem Lösungsmittel umspült wird. Infolge des Konzentrationsunterschiedes diffundieren die niedermolekularen Stoffe durch die Poren der Membran in das Lösungsmittel, während die Kolloidteilchen zurückgehalten werden. Die Dialyse ist als Hämodialyse beziehungsweise Peritonealdialyse medizinisch-therapeutisch von Bedeutung («künstliche Niere»).

Diamagnetismus: Eigenschaft von Stoffen, in einem Magnetfeld eine zur Feldrichtung entgegengesetzte Magnetisierung anzunehmen, beruht auf der Larmor-Präzession der Elektronen, das heißt auf elementaren Induktionsströmen. Diamagnetische Stoffe (zum Beispiel Silber, Wasserstoff) werden aus einem inhomogenen Magnetfeld herausgedrängt (siehe auch Magnetismus); ihre magnetischen Suszeptibilität ist negativ. In vielen Stoffen wird der (stets vorhandene) Diamagnetismus durch den stärkeren Paramagnetismus überdeckt.

Diamant: 1. Diamant: Mineral, kubische Modifikation des Kohlenstoffs; Härte 10, Dichte 3,50 bis 3,53 g/cm3, farblos, wasserklar, durch Beimengungen auch gelb, grün, rot und blau gefärbt. Trübe, bleigraue Diamant heißen Bort, schwarze Carbonados, strahlig-faserige Bailas. Der Diamant ist der härteste aller natürlichen Stoffe und einer der wertvollsten Edelsteine; er ist nur mit dem eigenen Pulver schleifbar. Diamant entsteht in großer Tiefe, bei hohem Druck und hohen Temperaturen in ultrabasischen magmatischen Gesteinen (zum Beispiel Kimberlit, Peridodit), die in tiefreichenden Schloten (Pipes) aufsetzen. Daneben tritt Diamant, vielfach ergiebiger, sedimentär in Fluss- oder Strandseifen, auch untermeerisch, sowie in Wüstensanden auf. Hauptfördergebiete sind Südafrika, das Flussgebiet des Zaire, Namibia, Zaire, Brasilien, Indien und Sibirien. Nur etwa 5% der Diamant dienen Schmuckzwecken (Brillanten), der größte Teil wird für technische Zwecke, zum Beispiel für Bohrkronen, Drahtziehdüsen, Achslager bei Präzisionsinstrumenten verwendet. Die berühmtesten Diamanten sind der Cullinan (3106 Karat (k) beziehungsweise 621,2 g), Orlow (1996 k), Florentiner (137 k), Regent (127 k) und der Kohinoor (109 k). Die erste Diamantsynthese aus Graphit gelang 1954 bei 5300 MPa und 2000°C; die industrielle Herstellung künstlicher Diamant erfolgt seit 1958. Nach einem sowjetischen Verfahren wird der Diamant seit 1970 bei niedrigerem Druck aus Methangas synthetisiert.

2. Schriftgrade.

3. Diamant: Bezeichnung für eine Serie französischer Raketen; 1965/75 als Trägerrakete für Raumflugkörper eingesetzt.

Diamantina: Stadt im Bundesstaat Minas Gerais (Brasilien); 38000 Einwohner; Diamantschleifereien, Goldschmiedewerkstätten; Diamantförderung heute von geringer Bedeutung.

diametral: Mathematik Eigenschaft zweier Punkte einer geometrischen Figur, Endpunkte ein und desselben Durchmessers zu sein.

Dian, Diphenylpropan (griechisch + arabisch): das Diphenol, bildet farblose Kristalle; F 157°C; es wird durch Umsetzung zwischen Azeton und Phenol gewonnen und zur Herstellung von Epoxidharzen und Polykarbonaten verwendet.

Diaphragma:

1. Anatomie: muskulöse oder sehnige Scheidewand, zum Beispiel Zwerchfell.

2. Chemie: poröse, stromdurchlässige Trennwand (poröser Ton, Asbest unter anderem), die in Elektrolysezellen oder galvanischen Elementen die Vermischung von Lösungen (zum Beispiel des Kathoden- und Anodenraums) vermindert.

Diaphthorese: rückschreitende (retrograde) Metamorphose, bei der stärker metamorphe Gesteine in Metamorphite mit einem geringeren Metamorphosegrad umgewandelt werden.

Diaphyse: Knochenschaft: Mittelstück der Röhrenknochen.

Diapir: Gesteinsmasse, die infolge ihrer Plastizität in die hangenden Gesteine eindringt. Siehe auch Salzstock, Pluton.

diaplazentar: durchlässig für Stoffe durch die Plazentaschranke vom mütterlichen in den fetalen Kreislauf oder umgekehrt.

Diapositiv, Kurzwort Dia-, mehr oder weniger transparentes fotografisches Bild für Projektionszwecke oder zum Betrachten im durchfallenden Licht.

Diarium: Tagebuch, in älterer Zeit auch als Buchtitel.

Diaspora: konfessionelle Minderheit, die unter Anders- oder Nichtgläubigen lebt; auch nationale Minderheit. Mit Diaspora wird auch Gebiet, Dauer oder Gemeinwesen der Minderheit selbst gekennzeichnet.

Diasporen: Verbreitungseinheiten der Pflanzen, zum Beispiel Samen, Sporen, Ableger, Brutknospen.

Diastase: beim Auseinanderweichen von Muskeln entstehende Gewebelücke, zum Beispiel in der vorderen Bauchwand.

Diastema: (griechisch; PI. Diastemata)

1. Anatomie: Zwischenraum in der Zahnreihe vor den Backenzähnen bei vielen Säugetieren.

2. Stomatologie: Kieferanomalien.

Diastole: (griechisch; PI. Diastolen) Phase der Erschlaffung des Herzens nach und der Füllung der Herzkammern vor der nächsten Kontraktion; wird eingeteilt in Erschlaffungszeit, schnelle und langsame Füllungszeit. Während der Diastole erfolgt zugleich die Erholung und Blutversorgung des Herzmuskels selbst.

Diät: (lateinisch griechisch, «Lebensart») Krankenkost; Kostform, deren Zusammensetzung krankheitsbedingte Nahrungsmittelunverträglichkeiten berücksichtigt. Es werden 5 Diätformen unterschieden (strengste, strenge und erweiterte Grunddiät sowie Stoßwechsel-Grunddiät und spezielle Diät).

Diäten: (dat. dies, «Tag») Tagegelder, Pauschalbeträge, besonders die der Abgeordneten im bürgerlichen Parlament.

Diathek: Sammlung fotografischer Diapositive, auch als Abteilung Staatlicher Allgemeinbibliotheken, die Entleihungen ermöglicht. Siehe auch Fotothek.

diatherman: für Wärmestrahlung durchlässig; siehe auch atherman.

Diathermie, Wärmedurchdringung: Anwendung hochfrequenter Wechselströme zur tiefen Durchwärmung (Elektrotherapie, zum Beispiel «Kurzwelle») und zur oberflächliche Verkochung oder Durchschneidung menschlichen Gewebes (Elektrochirurgie).

Diathese: gesteigerte Bereitschaft des Organismus zu einer bestimmten krankhaften Reaktion, zum Beispiel hämorrhagische Diathese; siehe auch Blutungsübel.

Diäthyläther, fachsprachlich Diethylether - eine farblose, leicht bewegliche, rasch verdunstende, sehr feuergefährliche, in Wasser nur wenig lösliche Flüssigkeit von typischen Geruch; Kp 34,6°C; Dichte 0,71 g/cm3; Flammpunkt -40°C; gewöhnlich «Äther» genannt. Die schweren Dämpfe entzünden sich bereits bei 186°C. Diäthyläther wird aus Äthanol hergestellt und als Extraktions- und Lösungsmittel verwendet; die Anwendung als Narkosemittel ist stark zurückgegangen.

Diatomit: durch Sintern von Kieselgur hergestelltes hochporöses Wärmeschutzmaterial.

Diatonik: musikalischer Satz auf Grund einer 7stufigen, aus Ganz- und Halbtonschritten gemischten Tonleiter.

Diatretglas: Mantelglas, spätrömisches Schmuckgefäß (3./4. Jahrhundert), dessen Außenwand (Mantel) kunstvoll ausgeschliffen ist, wobei Innenwand und Mantel durch Glasstege miteinander verbunden sind; mehrere Funde.

Diätsalze: kochsalzfreie Salze mit kochsalzähnlichen Geschmack, die als Ersatz für Kochsalz bei salz armer Diät verwendet werden.

Diaz, Dias, Bartolomeu, um 1450-29.5.1500 (bei einem Schiffbruch), portugiesischer Seefahrer; umsegelte 1488 als erster Europäer die afrikanische Südspitze und gelangte bis zum Großen Fischfluss (Groot-Vis); auf dem Rückweg entdeckte er das Kap der Guten Hoffnung; Wegbereiter V. da Gamas.

Diaz: 1. José Ramos, 3.5.1896-20.3.1942, spanischer Arbeiterführer; seit 1926 Mitglied, seit 1932 Generalsekretär der KP, festigte die Partei auf marxistisch-leninistische Basis und organisierte gemeinsam mit Diaz Ibárruri Gómez den Widerstandskampf gegen die Francofaschisten und Interventen im Spanischen Freiheitskampf 1936/39.

2. Diaz, Porfirio, 15.9.1830-2.7.1915, mexikanischer General und Politiker; kämpfte unter B. Juárez gegen die französische Intervention; betrieb als Präsident (1877/80 und 1884/1911) mit diktatorische Vollmachten Massenenteignung der indianischen Bauern und verstärkte die Abhängigkeit Mexikos vom britischen und US-Kapital; 1911 durch die Revolution gestürzt; ging nach Frankreich ins Exil.

Diaz de la Peña, Narcisse, 20.8.1808-18.11.1876, französischer Maler, aus spanischen Emigrantenfamilie; zunächst Historienmaler, ab 1840 Schöpfer poesievoller Landschaften, die ihn zu einem der interessantesten Vertreter der Schule von Barbizon werden ließen.

Diacetyl: eine grünlich gelbe, wasserlösliche Flüssigkeit; Butandion; Kp 88 °C; kommt als Träger des typischen Aromas in der Butter, ferner auch in Kakao, Honig unter anderem vor und wird auch synthetisch hergestellt.

Diazoniumsalze: chemische Verbindungen. Diazoniumsalze entstehen durch Diazotieren aromatischen Aminoverbindungen und sind sehr vielseitig zur Herstellung anderer aromatischer Verbindungen verwendbar; mit Phenolen und Aminoverbindungen «kuppeln» sie zu Azofarbstoffen. Sie werden nur in Lösung und unter Eiskühlung verarbeitet; im festen Zustand sind sie meist sehr explosibel.

Diazotieren: Umwandeln aromatische Aminoverbindungen in Diazoniumsalze durch Einwirkung von salpetriger Säure, zum Beispiel für die Herstellung von Farbstoffen.

Dibbelmaschine: Sämaschine zum Ausbringen einer unterbrochenen Reihensaat (Nest- oder Horstsaat).

Dibromethan, (griechisch), fachsprachlich Dibromethan, 1,2-,Äthylenbromid: eine farblose, stark lichtbrechende, schwere Flüssigkeit; Kp 131 °C; wird verbleitem Vergaserkraftstoff zugesetzt, um durch Bildung von flüchtigem Bleibromid, bleihaltige Ablagerungen zu verhindern.

Dichte: 1. Fototechnik: Transparenz.

2. Physik: Quotient aus Masse und Volumen eines Körpers (Massendichte); Zeichen p, SI-Einheit kg/m3. Allgemeiner der Quotient aus einer physikalischen oder mathematischen Größe und Länge, Fläche oder Volumen, zum Beispiel elektrische Linien-, Flächen- oder Raumladungsdichte, elektrische Stromdichte.

Dichtung: 1. Literatur Sprachkunstwerk; auch die Gesamtheit des sprachlichen Kunstschaffens (Dichtkunst). Dichtung ist unter ästhetisch-sprachlichen Aspekten künstlerisch gestaltete Literatur, aber auch nicht schriftlich fixierte (nur mündliche überlieferte) Poesie. Sie verwirklicht nach objektiven Kunstgesetzen in jeweils individueller Eigenart die dialektische Einheit von inhaltlichen (Thematik, Anliegen, Gehalt) und formalen (Genre, Komposition, Sprachstil) Gestaltungsprinzipien. Hauptgattungen sind Lyrik, Epik, Dramatik. Entstehung und Entwicklung der Dichtung, ihre jeweiligen Strukturbesonderheiten und ihre Wirkung unterliegen den Gesetzmäßigkeiten der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Da sie in der Klassengesellschaft Klassencharakter trägt, vermag sie infolge ihrer ästhetisch-erzieherischen und Erkenntnis vermittelnden Funktion den gesellschaftlichen Fortschritt zu fordern oder, im Dienste reaktionärer Klassen stehend, zu hemmen. Zugleich erfüllt sie vielseitig geprägte ästhetische Bedürfnisse der Leser, indem sie die Wirklichkeit als das sprachkünstlerische Erlebnis des Künstlers widerspiegelt. Das geschieht im Gestalten des künstlerischen Bildes, im Ansprechen der intellektuellen und emotionalen Möglichkeiten, des Menschen. So ist sie bei der Förderung gesellschaftliche Bewusstseinsprozesse unersetzbar. Im Ensemble der Künste, auf die sie oft inhaltlich-strukturelle Wirkungen ausübt, so wie sie selber aus anderen Künsten (Musik, bildende Kunst, Film und so weiter) Anregungen empfängt, nimmt sie, bedingt durch das Medium der Sprache, einen zentralen Platz ein. Die spätbürgerliche Literaturwissenschaft verschleiert das Wesen der Dichtung, indem sie ihren Ursprung mystifiziert und ihre soziale Funktion leugnet oder mindert. Vielfach werden mit Dichtung nur solche literarischen Kunstwerke bezeichnet, die ein Höchstmaß an Meisterschaft, an Wahrheits- und Ideengehalt sowie entwickeltes sprachschöpferische Vermögen aufweisen; oft wird Dichtung mit Poesie gleichgesetzt oder nur auf die Lyrik bezogen.

2. Technik: Maschinenelement zur Verhinderung oder Verminderung des Aus- und Überströmens von Gasen, Flüssigkeiten, pastösen, staubförmigen oder körnigen Stoffen aus Behältern oder Rohren durch Spalte. Bei berührungsfreier Dichtung wird durch oftmalige Umlenkung und Verwirbelung durch enge Spalte die Durchströmmenge stark vermindert (zum Beispiel bei Labyrinthdichtung in Dampfturbinen), Berührungsdichtung, angewendet bei relativ zueinander bewegten Teilen, bestehen aus elastischen Material, zum Beispiel federnde Kolbenringe zur Abdichtung des Spalts zwischen Kolben und Zylinderwand bei Verbrennungskraftmaschinen und Kolbenverdichtern, Gummimanschetten bei Wellendurchführungen durch Gehäusewände und Kolbendichtung bei Kolbenpumpen, Gleitring- und Kunstkohledichtung bei höheren Temperaturen, Lippenringe aus Gummi oder Teflon und Weichpackungen aus talggetränkter Baumwollschnur in Stopfbüchsen. Für feste Berührungsdichtung zum Abdichten von Flanschen bei Behältern und Rohren werden Flachdichtung aus Gummi, Asbest-Kunststoff-Gemischen u. ä. verwendet.

Dickblattgewächse, Crassulaceae: Pflanzenfamilie der warmen und gemäßigten Zone, mit dickfleischigen, wasserspeichernden Blättern und 5zähligen Blüten; hierzu gehören unter anderem Brutblatt, Dickblatt (Crassula), Fetthenne, Hauswurz sowie zahlreiche Zierpflanzen.

Dickdarm, Intestinum crassum (lateinisch): von Blinddarm mit Wurmfortsatz, Grimm- und Mastdarm gebildeter, durch ein relativ weites Lumen ausgezeichneter Abschnitt des Darmes.

Dickenmaschine, Dickenfräsmaschine: Holzbearbeitungsmaschine mit Transporteinrichtung und vertikal verstellbarem Tisch sowie darüber rotierender Welle mit 4 oder 6 Messern; dient der Herstellung gleichdicker Werkteile.

Dickens, Charles John Huffam, 7.2. 1812-8. 6.1870, englischer Schriftsteller; wurde mit dem Episodenroman «Die Pickwickier» (1837, deutsch) weltbekannt, begründete mit seinem Romanschaffen den kritischen Realismus in der englischen Literatur in Gestalt des sozialen Problemromans mit bürgerlich-philanthropischer moralisierender Ausrichtung und tiefer Sympathie für die Armen und Unterdrückten («Oliver Twist», 1837/38; «Nicholas Nickleby», 1838/39; «Der Raritätenladen», 1840/41; «Harte Zeiten», 1854, alle deutsch); entwickelte den Typ des kritisch analysierenden Gesellschaftsromans («Leben und Abenteuer Martin Chuzzlewits», 1843/44; «Dombey und Sohn», 1846/48; «David Copperfield», 1849/50; «Bleakhaus», 1852/53; «Klein Dorrit», 1855/57; «Die großen Erwartungen», 1860/61; «Unser gemeinsamer Freund», 1864/65, alle deutsch); begründete das soziale Märchen mit «Ein Weihnachtslied in Prosa» (1843, deutsch).

Dickhäuter, Pachydermata: veraltete Sammelbezeichnung für Elefanten, Flusspferde, Nashörner, Schweine und Tapire.

Dickkopffalter, Hesperiidae: 2 bis 3 cm spannende, breitköpfige Tagfalter, meist braun oder grau gefärbt.

Dickkopfrüssler, Rhynchitinae: Unterfamilie der Rüsselkäfer mit Brutfürsorge; stechen zur Eiablage junge Triebe, Blattrippen oder Früchte an. Blattroller rollen Blätter, in denen sich die Larven entwickeln.

Dickmaulrüssler, Otiorrhynchinae: Unterfamilie der Rüsselkäfer mit kurzem Rüssel; leben auf Laubbäumen und Sträuchern; Larven in der Erde an Wurzeln.

Dicköl, Standöl, Blasöl: durch Erhitzen von Leinöl auf 300 bis 350°C hergestelltes viskoses, trocknendes Öl zur Herstellung von Anstrichstoffen. Dicköl trocknet wesentlich rascher als unbehandeltes Leinöl.

Dickte: Schnittholz, unbesäumt oder besäumt, dessen Dicke 6 bis 15 mm und Breite mindestens 75 mm beträgt.

Dickung: Entwicklungsphase eines jungen Waldbestandes, die vom Beginn des Kronenschlusses bis zum Beginn der natürlichen Astreinigung reicht. Siehe auch Schonung.

Dictyophyllum: (griechisch, «Netzblatt») mesozoischer Farn (Unterer Jura) mit zweiteiligen, verschieden langen Gabelstücken, deren Fiedern spiralig nach außen gedreht sind.

Didache, Zwölfapostellehre: altchristliche Schrift außerhalb des Neuen Testaments, wahrscheinlich zwischen 90 und 150 nach Christus in Syrien entstanden; wichtige Quelle der Kenntnis über die altchristlichen Gemeindeverhältnisse.

Didaktik: allgemeine Theorie des zielgerichteten, organisierten Lehrens und Lernens im Unterricht und in unterrichtsähnlichen Prozessen; befasst sich als Teildisziplin der Pädagogik fachübergreifend mit den Bildungs- und Erziehungszielen und -aufgaben, dem Inhalt, den Gesetzmäßigkeiten und Prinzipien, den Organisationsformen, Methoden und Mitteln unterrichtlicher und außerunterrichtlicher Lehr- und Lernprozesse. Die Didaktik hat besonders engen Bezug zur Methodik der einzelnen Fächer. Erste didaktische Theorien entstanden im 17. Jahrhundert (W. Ratke, J. A. Komenskÿ).

didaktische Poesie: Lehrdichtung, belehrende Dichtung; Dichtung, deren spezifische Art der Widerspiegelung der Wirklichkeit auf die Vermittlung politischen, philosophischen, moralischen, und naturwissenschaftlichen Lehren gerichtet ist, bevorzugte Formen sind Fabel, Parabel, Spruch, Lehrgedicht unter anderem Herausragende Bedeutung hatte die didaktische Poesie in der altchinesischen und altindischen («Pantschatantra») sowie der antiken Literatur (Äsop). Sowohl im Mittelalter wie auch in der Aufstiegsperiode des Bürgertums nahm die didaktische Poesie innerhalb der Literatur einen hohen Rang ein (D. Erasmus «Vertraute Gespräche», M. Luther «Von guten Werken»). Seit der Literatur der Aufklärung ging die didaktische Poesie als bewusste Bildungsaufgabe in die Wirklichkeitsdarstellung ein (S. Richardson «Pamela oder die belohnte Tugend», G. E. Lessing «Nathan der Weise»), B. Brecht pflegte die Tradition der didaktischen Poesie, indem er sie auf die Epoche der sozialistischen Revolution anwandte.

didaktische Prinzipien: allgemeine Grundsätze für die inhaltliche und organisatorisch-methodische Gestaltung des Unterrichts aller Fächer und Klassenstufen sowie geleiteter außerunterrichtlicher Lehr- und Lernprozesse. Die didaktische Prinzipien (zum Beispiel Wissenschaftlichkeit, Parteilichkeit, Lebensverbundenheit, Anschaulichkeit des Unterrichts) sind aus den Zielen des Unterrichts, den Gesetzmäßigkeiten des Lehrens und Lernens sowie den Erfahrungen der besten Lehrer abgeleitet.

Diderot, Denis, 5.10. 1713-30. 7. 1784, französischer Philosoph und Schriftsteller; führender Vertreter der Aufklärung und Hauptinitiator der großen französischen «Encyclopédie»; wurde mit glänzend geschriebenen Arbeiten gegen die reaktionäre feudalistische Ordnung (unter anderem «Rameaus Neffe», 1764, deutsch) zum ideologischen Vorkämpfer der Französischen Revolution. In seiner bedeutende Elemente der Dialektik enthaltenden materialistischen-atheistischen Philosophie («Brief über die Blinden», 1749) überschritt er die Grenzen des mechanischen Materialismus: Die heterogene Materie ist Grundlage aller Naturerscheinungen; sie besitzt die Anlage zur Empfindung; diese beginnt im animalischen Organismus bewusst zu werden und bildet die Voraussetzung der Erkenntnis. Diderot ahnte die dialektische Wechselwirkung zwischen der empirischen und der rationalen Seite der Erkenntnis. In hervorragenden Polemiken bekämpfte er den Agnostizismus und subjektiven Idealismus («Gedanken über die Interpretation der Natur», 1754; «Gespräch d’Alemberts mit Diderot», 1769, beide Deutsch; unter anderem). In der Gesellschaftstheorie vermochte Diderot den Idealismus nicht zu überwinden; die menschlichen Verhaltensweisen leitete er aus den Regierungsformen ab. Er forderte einen Staat, in dem die Menschen frei und tugendhaft leben können. Diderot entwarf eine naturalistisch-realistische Ästhetik («Versuch über die Malerei», 1761; «Traktat über das Schöne», 1751, beide Deutsch; unter anderem) und trat auch als Dramatiker («Der Hausvater», 1758, deutsch; unter anderem) hervor.

Dido, in der antiken Sage Tochter des Königs von Tyros; floh vor ihrem Bruder Pygmalion und gründete Karthago. Sie nahm den schiffbrüchigen Äneas auf, entbrannte in Liebe zu ihm und tötete sich, als dieser sie verließ.

Didymaion: Tempel des Apollon Philesios in Didyma (südlich von Milet in Kleinasien). Das Heiligtum wurde im 6. Jahrhundert vor Christus erbaut und nach Zerstörung durch die Perser 494 vor Christus im 4. Jahrhundert vor Christus in gigantischem Ausmaß wieder errichtet. Das Kultbild des ersten archaischen Tempels hatte Kanachos (Anfang 5. Jahrhundert vor Christus) geschaffen.

Diebskäfer, Ptinidae: Familie der Käfer; Arten vielfach in Häusern; ernähren sich von verschiedenen Vorräten, zum Beispiel Kräuterdieb, Messingkäfer.

Diebstahl: Wegnahme oder Einbehaltung von übergebenen oder in Besitz gelangten Sachen, persönlicher Eigentum eines anderen oder privates Eigentum sind, mit der Absicht, sie sich rechtswidrig anzueignen; wird als Verfehlung oder Straftat geahndet.

Dielektrikum: Stoff mit geringer elektrischer Leitfähigkeit, insbesondere für die Anwendung in Kondensatoren (siehe auch Isolierstoffe). Sein Verhalten im elektrischen Feld wird durch die relative Dielektrizitätskonstante und den Verlustfaktor (Verlustwinkel) charakterisiert. Infolge der Verschiebbarkeit der atomaren Bausteine beziehungsweise der Ausrichtung polarer Moleküle erhält ein Dielektrikum im elektrischen Feld eine scheinbare elektrische Oberflächenladung. Bei einer bestimmten elektrischen Feldstärke, der Durchschlagsfeldstärke, verliert das Dielektrikum sein Isoliervermögen; infolge von Stoßionisation oder innerer Feldemission kommt es zur Erwärmung mit nachfolgender mechanischen Zerstörung. Wichtigste dielektrische Werkstoffe sind Gase, Luft, Öl, Papier, Glas, Porzellan, Glimmer. Ferroelektrika (Seignetteelektrika) sind dielektrische Werkstoffe mit hoher, feldabhängiger Dielektrizitätskonstante, zum Beispiel Kalit, Kondensa, Epsilan, Bariumtitanat. Siehe auch elektrische Polarisation,

dielektrische Erwärmung: Elektrowärmeverfahren für elektrisch nicht oder schlecht leitende Stoffe im elektrischen Wechselfeld; bei 1...50MHz als Kondensatorfelderwärmung (kapazitive Erwärmung) und bei 103...104 MHz als Mikrowellenerwärmung bezeichnet; Anwendung bei Plastschweißen, Holzverleimen, Nahrungsmitteltrocknung und -Sterilisation, Kochen, Backen, Kurzwellentherapie unter anderem

dielektrische Verluste: Energieverluste im Dielektrikum einer Kondensatoranordnung bei Wechselspannung. Durch das Wechselfeld werden die polaren Moleküle periodisch verschoben (Verschiebungsstrom), wobei elektrische Energie in Wärme umgesetzt wird. Kennzeichnend für die dielektrische Verluste ist auch der Verlustfaktor d (Verlustwinkel).

Dielektrizitätskonstante: 1. absolute Dielektrizitätskonstante, Permittivität, Zeichen e: Proportionalitätsfaktor zwischen elektrischer Flussdichte D und elektrische Feldstärke E, SI-Einheit F/m. Die absolute Dielektrizitätskonstante des Vakuums heißt elektrische Feldkonstante (Influenzkonstante).

2. relative Dielektrizitätskonstante, Abkürzung DK, Dielektrizitätszahl, relative Permittivität, Permittivitätszahl, Zeichen e,: dimensionslose Zahl, die das Verhalten eines Dielektrikums im elektrischen Feld charakterisiert.

Dielektrometrie, Dekametrie: Methode zur Untersuchung von Stoffen und Stoffgemischen durch Bestimmung der Dielektrizitätskonstanten. Die Dielektrometrie (Dekametrie) wird vorwiegend zur Untersuchung (zum Beispiel Analyse) von Nichtelektrolyten, für Strukturuntersuchungen sowie zur Verfolgung von Reaktionsabläufen angewandt.

Diene: organische Verbindungen mit 2 Doppelbindungen im Molekül, beispielsweise Buta-1,3-dien, CH2 = CH-CH = CH2.

Dienstauftrag: schriftliches Dokument, das den Werktätigen zur Erfüllung von Aufgaben für den Betrieb außerhalb des Betriebssitzes und seines vereinbarten Arbeitsortes berechtigt und verpflichtet; muss die Unterschrift des Ausstellungsberechtigten und den Dienststempel tragen.

Dienstbarkeit, Servitut (lateinisch): bürgerliches Recht das im Grundbuch registrierte Recht, ein fremdes Grundstück zu benutzen. Siehe auch Mitbenutzungsrecht.

Dienste: 1. Baukunst: Rundstäbe, die in der Gotik als Wand- oder Pfeilervorlagen verwendet werden oder Teil eines Bündelpfeilers sind; sie tragen scheinbar die Gewölberippen und -gurte, führen zu einer Verstärkung der Gewölbeträger und machen das statischen System anschaulich.

2. Militärwesen: Truppen oder Einrichtungen, die Handlungen der Streitkräfte sicherstellen. Bestimmte Dienste, wie die rückwärtigen Dienste, arbeiten für alle oder einzelne Teilstreitkräfte; daneben gibt es artspezifische Dienste von Waffengattungen und Spezialtruppen wie den Panzerdienst.

Dienstfahrt: Fahrt eines Werktätigen, zu dessen Arbeitsaufgabe es gehört, ständig im Fahrdienst unterwegs zu sein (zum Beispiel Kraftfahrer, Kurier). Dienstfahrt gilt nicht als Dienstreise.

Dienstflagge: Erkennungszeichen bestimmter staatlicher Einrichtungen; in der Regel aus Staatsfarben, Staatswappen und einem spezifischen Emblem bestehend.

Dienstleistungen: Resultate der Tätigkeit von Betrieben, Wirtschaftseinheiten und Einrichtungen (Wäschereien, Reinigungen, Betriebe des Friseurhandwerks, Reisebüros und so weiter), die sich nicht in einem materiellen Produkt vergegenständlichen, sondern in Form von Diensten auftreten, die einen wichtigen Beitrag für die allseitige Bedürfnisbefriedigung der Menschen leisten. Dienstleistungen werden von der Bevölkerung zur Befriedigung ihrer individuellen Bedürfnisse entweder gekauft oder unentgeltlich in Form kultureller, gesundheitlicher unter anderem Leistung in Anspruch genommen. Nach der Funktion der Dienstleistungen werden unterschieden personenbezogene Dienstleistungen, die sich direkt auf die Konsumtion beziehen (kulturelle, soziale, gesundheitliche Betreuung, Bildungswesen, Gastronomie, Personenverkehr); sachbezogene Dienstleistungen, die sich auf Gebrauchswerte beziehen, die sich im Besitz des Konsumenten befinden (Instandhaltung und Reparaturen von Konsumgütern); kommunale Dienstleistungen, die das Leben der Werktätigen im Territorium beeinflussen (Straßenbeleuchtung, Müllabfuhr und -Verwertung, Erfassung von Sekundärrohstoffen, Straßenreinigung und -Instandsetzung und so weiter).

Dienstleistungsabkommen: meist als Teil von internationalen Handels- und Zahlungsabkommen zwischen verschiedenen Staaten verbindliche Vereinbarung über Art, Umfang, Finanzierung internationaler Dienstleistungen.

Dienstleistungsbetriebe: Betriebe, die vorwiegend Dienstleistungen für die Bevölkerung durchführen, zum Beispiel Wäschereien, Bügelanstalten, Reparaturstützpunkte. Die Arbeit der Dienstleistungsbetriebe dient der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung.

Dienstleistungsvertrag: 1. zivilrechtlicher Vertrag über die Herstellung, Bearbeitung oder Instandsetzung von Sachen oder über andere Tätigkeiten gegen Entgelt. Hierzu gehören als für die Versorgung der Bürger bedeutsam Verträge über hauswirtschaftliche Dienstleistungen und Reparaturen, Bauleistungen, persönliche Dienstleistungen, Reise und Erholung, Ausleihdienst, Aufbewahrung von Sachen sowie Verkehrs- und Nachrichtenleistungen. Gefördert werden durch die rechtliche Regelung vorrangig solche Dienstleistungen, die der Verminderung und Erleichterung der Hausarbeit, der Verbesserung der Wohnverhältnisse, einer sinnvollen Nutzung der Freizeit und der Erholung dienen. Für hauswirtschaftliche Dienstleistungen und Reparaturen ist für mangelfreie Ausführung und Funktionsfähigkeit 6 Monate Garantie zu gewähren, bei bestimmten Bauleistungen 2 beziehungsweise 5 Jahre. Dienstleistungsbetriebe sind verpflichtet, ihnen im Rahmen solcher Verträge vom Bürger übergebene Sachen sorgfältig aufzubewahren, sie sind für Beschädigung oder Verlust verantwortlich. Beim Dienstleistungsvertrag über Reiseleistungen sind Reiseprogramm und Teilnahmebedingungen Bestandteil des Vertrages. Der Bürger kann vor Beginn der Reise zurücktreten, der Reiseveranstalter nur bei Unmöglichkeit der Erfüllung, er muss aber dann ein anderes Angebot unterbreiten. Bei Unterbringung in Hotels, Fremdenzimmern und so weiter besteht Haftung für die vom Gast eingebrachten Sachen. Gaststätten sind für abgelegte Garderobe verantwortlich, soweit die Gäste sie nicht selbst beaufsichtigen können. Bei Verträgen über Personenbeförderung haften die Verkehrsbetriebe für Personenschäden und Schäden am Handgepäck sowie an mitgeführten Sachen ohne Entlastungsmöglichkeit nach den Grundsätzen der erweiterten Verantwortlichkeit.

2. im Außenhandel ein kommerzieller Vertrag, durch den sich der Auftragnehmer zu einer entgeltlichen Tätigkeit verpflichtet. Hierzu gehören zum Beispiel Montage, Wartung, Kontrolle, Beaufsichtigung, Umschlag, Lagerung, Marktforschung und Beratung.

3. wirtschaftsrechtlicher Vertrag über eine Tätigkeit an Gegenständen oder eine andere Tätigkeit, die der Auftragnehmer für den Auftraggeber übernimmt. Der Dienstleistungsvertrag kann Instandhaltungen, Reparaturen, Lagerung, Kundendienste, Datenverarbeitungsleistungen u. ä. zum Gegenstand haben.

Dienstreise: Reise eines Werktätigen auf Grund eines Dienstauftrages zur Erfüllung seiner Arbeitsaufgabe außerhalb seines Arbeits- oder Wohnortes. Bei einer Dienstreise erhält der Werktätige Reisekosten erstattet. Siehe auch Dienstfahrt.

Dienststellung: Rangstufe, die der Werktätige entsprechend seiner Arbeitsaufgabe im Leitungssystem des jeweiligen Betriebes beziehungsweise einer Einrichtung einnimmt. Die Dienststellung ergibt sich aus dem Funktionsplan und ist meistens mit einer davon abgeleiteten Funktionsbezeichnung (Dienstbezeichnung) verbunden.

Dienstvorschrift: militärische Bestimmung, die Begriffe, Grundsätze, Normen, Verfahrens- und Verhaltensweisen für bestimmte Teilbereiche der Streitkräfte oder anderer Organe der Landesverteidigung verbindlich regelt.

Dientzenhofer, Architektenfamilie in Süddeutschland, Franken und Böhmen, die Baugedanken des italienisches Spätbarocks in ihrem Werk aufnahm, eigenschöpferisch verarbeitete und damit die Barockarchitektur Süddeutschlands und Böhmens maßgeblich beeinflusste.

1. Christoph, 7.7. 1655-20. 6.1722; baute Langhaus und Fassade von St. Nikolaus auf der Kleinseite in Prag (seit 1703) und die Klosterkirche St. Margaretha in Brevnov bei Prag (1708/15); übertrug Baugedanken G. Guarinis auf Deutschland, charakteristisch für ihn sind wellenförmig bewegte und lichterfüllte Bauten.

2. Georg Dientzenhofer, 11.8.1643-2.2.1689; Bruder von Dientzenhofer 1; schuf den Zentralbau der Wallfahrtskirche Kappel (1685/89).

3. Johann Dientzenhofer, 25.5.1663-20.7.1726; Bruder von Dientzenhofer 1; zu seinen Hauptwerken gehören der Neubau des Fuldaer Doms (1704/12), der Bau der Klosterkirche Banz (1710/19) und des Schlosses Weißenstein bei Pommersfelden (1711/16).

4. Johann Leonhard Dientzenhofer, 20.2.1660-26.11.1707; Bruder von Dientzenhofer 1; baute in Bamberg die Residenz (1695/1704) und ab 1697 die Fassade von St. Mi-

5. Kilian Ignaz Dientzenhofer, 1.9.1689-18.12.1751, Sohn von Dientzenhofer 1; hauptsächlich in Prag tätig, wo er sich zum führenden Architekten Böhmens entwickelte. Grundlage fast aller seiner Sakralbauten ist das Schema des Zentralraums, der vielfach abgewandelt erscheint (St. Nikolaus in der Altstadt, 1732/37).

Dieselkraftstoff, Dieselöl, Abkürzung DK: zum Betrieb von Dieselmotoren geeignetes Kohlenwasserstoffgemisch im Siedebereich zwischen 180 und 380°C; Dichte 0, 82 bis 0,88 g/cm5. Als Dieselkraftstoffkomponenten dienen Fraktionen der Erdöldestillation, zum Beispiel Gasöl, sowie Mittel- und Schweröle der Teerverarbeitung. Zur Senkung des Schwefelgehalts werden dem Dieselkraftstoff hydroraffinierte Komponenten zugesetzt. Die Zündwilligkeit des Dieselkraftstoffs wird durch die Cetanzahl charakterisiert.

Dieselkraftwerk: Anlage zur Erzeugung von Elektroenergie durch Antrieb von Schenkelpolsynchrongeneratoren mittels Dieselmotoren. Dieselkraftwerke sind schnell betriebsbereit und dienen als Spitzenkraftwerke oder Notstromanlagen.

dieselmechanischer Antrieb: Antrieb durch Dieselmotor mit Zwischenschaltung eines mechanischen Drehmomentwandlers.

Dieselmotor: Zwei- oder Viertaktmotor (Verbrennungskraftmaschine), in dessen Zylinder im Unterschied zum Ottomotor reine Luft angesaugt und am Ende des Verdichtungshubes in die durch die Verdichtung hocherhitzte Luft Dieselkraftstoff eingespritzt wird, der sich selbst entzündet. Der Dieselmotor besitzt hohen thermischen Wirkungsgrad bei niedrigem Kraftstoffverbrauch. Die Wirtschaftlichkeit wird durch Verwendung von Kraftstoffen, wie Schweröle (im Ottomotor nicht anwendbar), weiter erhöht. Der Dieselmotor ist heute die ökonomischste Verbrennungskraftmaschine und am meisten angewendete Wärmekraftmaschine.

Dieselscher Kreisprozess: idealisierte Form der in einem Dieselmotor ablaufende thermodynamische Vorgänge;

a) adiabatische Kompression atmosphärischer Luft,

b) isobare Expansion (Einspritzen des Kraftstoffs und Verbrennung),

c) adiabatische Expansion,

d) isochore Abkühlung.

Diesterweg, Friedrich Adolph Wilhelm, 29.10.1790-7.7.1866, fortschrittlicher bürgerlicher Pädagoge und Schulpolitiker, forderte bürgerlich-demokratische Schulreform, Beseitigung der konfessionellen Zersplitterung des Schulwesens sowie bessere soziale Stellung und wissenschaftlicher Ausbildung aller Lehrer; betonte die vom Lehrer geführte Selbsttätigkeit des Schülers im Unterricht. Hauptwerk «Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehren) (1835).

Dietrich: 1. Amalie, 26.5.1821-9.3.1891, Botanikerin und Forschungsreisende; sammelte ab 1863 zehn Jahre lang in Australien und der Südsee botanische, zoologische und ethnographische Objekte.

2. Marlene, eigentlich Maria Magdalena von Lösch (Adoptivname), geboren 27.12.1901, Filmschauspielerin; ging nach ihrem Welterfolg in dem Film «Der blaue Engel» 1930 nach Hollywood (US-amerikanische Staatsangehörigkeit, seit 1937), wo sie viele Vamp-, später aber auch Charakterrollen spielte («Urteil von Nürnberg», «Zeugin der Anklage»); trat, auch als Chansonsängerin, für den Frieden ein.

Dietrich von Niem, um 1340-März 1418, päpstlicher Kanzlist und kirchenpolitischer Schriftsteller; war auf dem Konstanzer Konzil 1414/18 rechtsberatend tätig und legte in den «Avisamenta» 1414 ein Reformprogramm für Kirche und Reich vor. Er prangerte den Verfall der Kirche an und verteidigte die Rechte des Konzils gegenüber dem Papsttum.

Dietterlin, Wendel der Ältere, eigentlich Wendling Grapp, 1550/51-1599, Maler, Graphiker und Architekturtheoretiker; schuf Entwürfe für Architektur und Kunsthandwerk in einem zum Frühbarock überleitenden Ornamentstil.

diffamieren: verleumden, Ehre und Ansehen herabsetzen, den Ruf schädigen.

Differentialanalysator, digitaler 1 digitaler Differentialanalysator.

Differentialdiagnose: Unterscheidung ähnlicher, aber ursächlich verschiedener Krankheitsbilder.

Differentialgeometrie: Zweig der Geometrie, in dem nach Einführung von Koordinatensystemen die Methoden der Analysis auf geometrische Probleme angewendet werden. Die Kurventheorie zeigt zum Beispiel, dass eine Kurve im Wesentlichen durch Krümmung und Windung in jedem Punkte bestimmt ist. Die Flächentheorie geht von bestimmten aus der Koordinatendarstellung abgeleiteten Grundformen aus und bestimmt daraus geometrische Größen; die Riemannsche Geometrie ergibt sich aus ihr durch Verallgemeinerung auf n-dimensionale Räume und ist eine der Grundlagen der Allg. Relativitätstheorie. Siehe auch Frenetsche Formeln.

Differentialgleichung: Gleichung, in die eine gesuchte Funktion, deren Ableitungen und die unabhängigen Veränderlichen auftreten. Es handelt sich um eine gewöhnliche Differentialgleichung, falls nur eine unabhängige, um eine partielle Differentialgleichung, falls mehrere unabhängige Veränderliche vorhanden sind. Man spricht von einer Differentialgleichung n-ter Ordnung, wenn in ihr Ableitungen bis zur Ordnung n Vorkommen. Die Differentialgleichung heißt linear, falls die gesuchte Funktion und ihre Ableitungen in der Differentialgleichung nur in der ersten Potenz Vorkommen, andernfalls nichtlinear. Eine Lösung oder ein Integral der Differentialgleichung ist eine Funktion, die die Differentialgleichung für alle Werte der Veränderlichen identisch erfüllt. Man spricht von der allgemeinen Lösung einer gewöhnlichen Differentialgleichung n-ter Ordnung, wenn die Lösung noch n frei verfügbare Konstanten enthält (siehe auch charakteristische Gleichung); eine partikuläre Lösung erhält man aus der allgemeinen Lösung durch eine spezielle Wahl dieser Konstanten. Sie können durch Anfangsbedingungen festgelegt werden, indem man etwa bei einer Differentialgleichung 2. Ordnung fordert, dass die Lösungsfunktion durch einen bestimmten Punkt hindurchgeht und die Tangente in diesem Punkt eine vorgeschriebene Richtung hat. Eine partikuläre Lösung einer partiellen Differentialgleichung kann man dadurch erhalten, dass man sogenannt Anfangs- oder Randbedingungen stellt.

Differentialkolbenpumpe: Kolbenpumpe, bei der durch unterschiedliche Ausführung des Durchmessers vom Tauchkolben eine gleiche Verteilung der Fördermenge beziehungsweise der Pumparbeit bei beiden Hüben erreicht wird.

Differentialschutz: ein (Vergleichs-) Schutzsystem für Generatoren, Transformatoren und Schaltanlagenteile, bei dem Abweichungen zwischen den Strömen am Anfang und Ende des Schutzbereiches durch Erd-, Windungsschluss unter anderem die Abschaltung des gestörten Anlagenteils über ein Differentialschutz Relais hervorrufen.

Differentiation: 1. Mathematik: Differentialrechnung.

2. Petrographie: Zerfall eines Magmas in mehrere Gesteinstypen; bei der Kristallisationsdifferentiation gravitative Abtrennung von Mineralen in Schmelzen, bei der Liquationsdifferentiation Abtrennung von nicht miteinander mischbaren Teilschmelzen (besonders Sulfid-Schmelzen), bei der metamorphen Differentiation Umverteilung von Mineralen durch Metamorphose. Siehe auch Sedimentationszyklus.

Differentiation, graphische: geometrische Konstruktion von Punkten der Kurve aus der Kurve einer Funktion. Parallelen zu den Tangenten in Stützstellen x, durch den Punkt (-/; 0) schneiden die Ordinatenachse bei Y,= If(x,). Die Projektion dieser Punkte auf die Vertikalen durch x, liefert Punkte der gesuchten Kurve. Die Tangenten können mit einem Spiegellineal sehr genau gezeichnet werden (siehe auch Differentiator).

Differentiator: mechanisch-optisch oder elektrisch beziehungsweise elektronisch arbeitende Einrichtung zur Ermittlung der Kurve der Ableitung (x) einer gegebenen Funktion oder einer Wertetabelle dieser Ableitung. Optische Einrichtungen (zum Beispiel Spiegellineal) dienen zur Bestimmung der Tangente an die Kurve von fix), während in anderen Geräten bekannte physikalische Gesetze der Form Y= c f'(t) zur Darstellung der Ableitung als Funktion der Zeit t dienen.

Differenz: 1. allgemein Unterschied; (Meinungs-) Verschiedenheit.

2. Mathematik: Subtraktion.

Differenzenschema: in einer Tabelle angeordnete Differenzen, die durch Subtraktion benachbarter Werte einer Folge von Werten y, entstehen. Erneute Anwendung auf die Differenzenfolge ergibt Differenzen höherer Ordnung. Solche Vorwärts- beziehungsweise Rückwärtsdifferenzen unter anderem werden bei Interpolation, Quadratur, Ausgleichsrechnung, numerische Differentiation und zur Glättung von Messreihen angewendet.

Differenzenverfahren: wichtigste Methoden zur numerischen Lösung von gewöhnlichen und partiellen Differentialgleichungen, wobei der Definitionsbereich der gesuchten Lösung durch ein endliches Punktgitter und die vorkommenden Ableitungen durch Differenzenquotienten ersetzt werden. Bei gewöhnlichen Differentialgleichungen wird zum Beispiel das Gitter mit der Schrittweite h verwendet. Enthält der Ausdruck für die Ableitung jeweils nur 2 benachbarte Gitterpunkte, dann entstehen meist Einschrittverfahren, zum Beispiel das Euler-Cauchy-Verfahren. Andernfalls erhält man Mehrschrittverfahren. Bei partiellen Differentialgleichungen wählt man die Ecken regulärer Polyedernetze des betrachteten Raumes als Gitterpunkte. Voraussetzungen für die Konvergenz der diskreten Lösung des Differenzenverfahrens gegen die Lösung der Differentialgleichung ist sowohl die Konvergenz des Ausdrucks für die Ableitung gegen dieselbe für h —> 0 (Konsistenz), als auch die Beschränktheit des Fehlers y(x,) y, unabhängig von h (Stabilität).

Differenzierglied: elektrisches Netzwerk aus einem Kondensator C im Längszweig und einem Widerstand R im Querzweig, dessen Ausgangsspannung (Spannung über R) näherungsweise dem zeitlichen Differentialquotienten der Eingangsspannung (Spannung über C und R) proportional ist. Differenzierglied werden unter anderem als Rechenelemente und zur Impulsformung in der Elektronik angewendet, wobei die Vorder- und Rückflanken rechteckförmiger Eingangsimpulse in schmale, nadelförmige Ausgangsimpulse mit steilen Impulsflanken und unterschiedliche Polarität umgewandelt werden. Siehe auch Integrierglied.

Differenzierung: in der Didaktik zeitweilige, teilweise unterschiedlicher Gestaltung des Bildungs- und Erziehungsprozesses für einzelne Schüler oder Schülergruppen auf der Grundlage des im Prinzip einheitlichen Bildungsweges für alle Schüler. Hauptformen sind die innere oder didaktische Differenzierung (Erteilen unterschiedlicher Leistungsanforderungen an bestimmte Schüler im Unterricht) und die äußere Differenzierung (teilweise organisatorischer Veränderung des Bildungsweges durch fakultativen Unterricht, Spezialklassen unter anderem).

Differenzierung der Wissenschaften: Prozess der Aufgliederung der Wissenschaften und deren traditioneller Zweige in neue, selbständige Disziplinen, bedingt durch das Anwachsen des Wissens, das eine zunehmende Spezialisierung der Wissenschaftler erfordert, und durch die Vertiefung des Wissens über die jeweiligen Erkenntnisgegenstände, die zur selbständigen Erforschung der einzelnen Aspekte mit spezifischen Methoden führt. Siehe auch Integration der Wissenschaften.

Differenzierungsprozess: aus dem Privateigentum und dem daraus hervorgehenden Konkurrenzkampf der Warenproduzenten entspringender Prozess der ungleichmäßigen Entwicklung der Warenproduzenten, die zum Ruin vieler und zum Reichtum weniger führt. Im Kapitalismus verschärft sich der Konkurrenzkampf, wodurch der Differenzierungsprozess neue Dimensionen erlangt. Das gilt sowohl für den Differenzierungsprozess unter den Kapitalisten selbst (Herausbildung von Monopolkapitalisten, andererseits bankrottgehende Unternehmer) als auch für den Differenzierungsprozess zwischen den einfachen Warenproduzenten, den Handwerkern, werktätigen Bauern (Entstehung von neuen Kapitalisten, andererseits massenhafter Ruin und Proletarisierung der kleinen Warenproduzenten, vor allem der werktätigen Bauernschaft).

Differenzierungszentrum: Entwicklungsphysiologie Bezirk der Keimanlage, von dem die Differenzierungsvorgänge des Keimes ihren Ausgang nehmen.

Differenzmenge: zu 2 gegebenen Mengen A, B die mit A\B (gelesen: A minus B) bezeichnete Menge aller Elemente, die zu A, aber nicht zu B gehören.

Diffuseur, Wäscher, zylindrischer Behälter mit Siebboden, in den ein nach dem Sulfatverfahren hergestellter Zellstoff aus dem Kocher überführt und mittels Wasser im Gegenstromprinzip von anhaftender Lauge befreit wird.

Diffusion: der mit der Durcheinanderbewegung der verschiedenen Stoffkomponenten in mehrkomponentigen Gasen, Flüssigkeiten und Festkörpern verbundene Stofftransport. Die Diffusion wird durch atomare beziehungsweise molekulare Wechselwirkungen verursacht und ist als irreversibler Prozess mit Entropieproduktion verbunden. Die entsprechend Entropiezunahme heißt Mischungsentropie. Der Betrag der Diffusionsstromdichte ist die auf Fläche und Zeit t bezogene Molzahl des diffundierenden Stoffes. Bei Beschränkung auf die x-Richtung gilt nach dem 1. Fickschen Gesetz, wobei D der Diffusionskoeffizient das Konzentrationsgefälle bedeuten. Aus diesem Gesetz und der Kontinuitätsgleichung ergibt sich das 2. Ficksche Gesetz, das im Fall der Ortsunabhängigkeit von D die Form annimmt. Der Diffusionskoeffizient wächst bei Gasen mit steigender Temperatur annähernd quadratisch und ist der Quadratwurzel aus der Masse der diffundierenden Teilchen umgekehrt proportional. Die Abhängigkeit der Diffusionsgeschwindigkeit von der Teilchenmasse wird zur Bestimmung der Dichte von Gasen und zur Isotopentrennung benutzt. Siehe auch Thermodiffusion.

Diffusionskapazität: Menge an Atemgas, die zwischen der Luft in den Lungenbläschen und den roten Blutzellen diffundiert. Für den Sauerstoff beträgt die Diffusionskapazität 0,14 mmol/s • kPa (etwa 25 ml/min x mm Hg).

Diffusionspotential: 1. Chemie: an der Grenzfläche von Elektrolytlösungen verschiedener Konzentration oder Zusammensetzung auftretendes elektrisches Potential, dessen Ursache unterschiedliche Ionenbeweglichkeiten sind.

2. Physiologie: Membranpotential.

Diffusionsspannung: elektrische Spannung, die an Festkörpergrenzflächen (pn- oder Metall-Halbleiter-Übergang) dadurch entsteht, dass Ladungsträger infolge von Konzentrationsunterschieden durch die Grenzflächen diffundieren und Raumladungen aufbauen; die Diffusionsspannung wächst so lange, bis sie die weitere Diffusion von Ladungsträgern verhindert.

Diffusionsthermoeffekt: räumliche Temperaturdifferenzen während der Diffusion in Gasen, die beim Erreichen des Gleichgewichtszustandes wieder verschwinden. Der Diffusionsthermoeffekt stellt im Sinne der Reziprozitätsrelationen die zur Thermodiffusion inverse Erscheinung dar.

Difluordichlormethan: ein farbloses, nicht brennbares, ungiftiges Gas von schwachem, ätherischen Geruch; Kp -29,8°C. Difluordichlormethan wird als Kältemittel in Kühlanlagen, als Sprühflaschentreibgas und als Ausgangsstoff für Tetrafluorethen verwendet.

Digamma: griechischer Buchstabe («Doppelgamma») mit dem Lautwert w, in der klassischen Zeit nicht mehr geschrieben, von R Bentley in den homerischen Epen wiederentdeckt.

Digerieren: Herauslösen von Stoffen aus Stoffgemischen durch wiederholtes Übergießen mit heißem Lösungsmittel und nachfolgendes Abgießen.

Digestiva: Stoffe, die die Verdauung der Speisen im Magen-Darm-Kanal verbessern und die Darmentleerung fördern.

Di Giacomo, Salvatore, 12.3.1860-4.4.1934, italienischer Schriftsteller; Vertreter des Verismus; schilderte in Erzählungen, Gedichten und Dramen liebevoll, humoristisch und zugleich melancholisch das Leben der einfachen Menschen seiner Heimatstadt Neapel.

Digital-Analog-Umsetzer, D-A-Umsetzer, D-A-Wandler, englisch digital-to-analogue-converter, Abkürzung dac: elektronische Schaltung zur Umsetzung einer kodiert vorliegenden Eingangsgröße in eine feinstufig änderbare (quasianaloge) Ausgangsgröße; benötigt für spezielle Analog-Digital-Umsetzer und zur quasianalogen Ausgabe digitaler Größen, zum Beispiel mittels Zeigerinstrumenten.

Digitaldarstellung: im Gegensatz zur Analogdarstellung ziffernmäßige Darstellung physikalischer unter anderem Größen zum Zweck der rechentechnische Behandlung, zum Beispiel durch Dualzahlen; siehe auch Quantisierung.

digitale Messtechnik: Messverfahren, die einen Messwert in diskreten Stufen erfassen und in Zahlen anzuzeigen gestatten. Gegenüber Verfahren der analogen Messtechnik, die den Messwert stetig erfassen und mittels Zeigerinstrumenten anzeigen, ist die erreichbare Messgenauigkeit höher, die Fernübertragung des Messwerts weniger störanfällig und eine direkte Auswertung in Digitalrechnern möglich. Die digitale Messtechnik gewinnt mit zunehmendem Einsatz von Mikroprozessoren und Mikrorechnern stark an Bedeutung.

digitaler Differentialanalysator: Rechenautomat, der stetig verändert. Funktionen verarbeitet, die digital dargestellt werden. Verglichen mit Analogrechnern arbeiten digitale Differentialanalysatoren mit höherer Genauigkeit und lassen sich leichter mit Digitalrechnern koppeln.

digitale Technik: Verfahren und Einrichtungen zur kodierten Darstellung von Größen in der Rechen-, Mess-, Übertragungs-, Steuerungs- und Regelungstechnik sowie ihre Übertragung und Verarbeitung unter Verwendung insbesondere elektronische Methoden. Der Zahlenwert jeder Größe wird als Vielfaches einer kleinsten (wählbaren) Einheit, der Quantisierungseinheit, mit Hilfe zum Beispiel binärer (2wertiger) Signale quantisiert ausgegeben und kann in Ziffernform dargestellt werden. In der analogen Technik werden alle Größen fortlaufend stetig, das heißt stufenlos, erfasst und verarbeitet; die Ausgabe (Anzeige) erfolgt meist mittels Zeigerinstrumenten oder Oszillographen. Die digitale Technik ermöglicht vielfach eine wesentlich genauere Verarbeitung als die analoge Technik.

Digitalisglykoside: in den Blättern verschiedener Fingerhutarten (Digitalis purpurea, Digitalisglykoside lanata unter anderem) vorkommende herzwirksame Stoffe, sogenannt Herzglykoside. Bei Herzmuskelschwäche verbessern sie die Leistung des Herzens. Chemisch sind die Digitalisglykoside aus einem Cyclopentanoperhydrophenanthren-Ringsystem, einem 5-Laktonring und mehreren Zuckern aufgebaut. Zu den Digitalisglykosiden gehören die Purpureaglykoside A (Digitoxin) und B (Gitoxin) sowie die Lanatoside A, B und C (Digoxin).

Digitaloide: herzwirksame Glykoside, die nicht in den Digitalis Pflanzen, sondern in anderen Pflanzen, zum Beispiel Meerzwiebel, Maiglöckchen unter anderem, Vorkommen; chemisch und wirkungsmäßig den Digitalisglykosiden ähnlich.

Digitalrechner, Ziffernrechner. Rechenautomat, der auf der Grundlage des Zählprinzips mit Ziffern arbeitet. Zu den das Dualsystem verwendenden elektronischen Digitalrechner zählen unter anderem Mikrorechner und Zentraleinheiten von EDVA. Siehe auch Rechenautomat.

Digitalseismik: seismische Aufzeichnungs- und Bearbeitungstechnik, bei der die Registrierungen digitalisiert, auf Magnetband gespeichert und auf Digitalrechnern weiterverarbeitet werden, um schließlich geologisch interpretierbare Profilschnitte und Karten zu erhalten; Hauptmethode der angewandten Geophysik bei der Erdöl-Erdgas-Erkundung.

Digitaluhr: zeigerlose Uhr, bei der die Darstellung der Zeitangaben durch geordnete Folgen von diskreten Zuständen erfolgt. Der Übergang von einer numerische Zeitanzeige zur nächsten erfolgt nicht kontinuierlich, sondern schrittweise. Die dazu notwendigen Schaltvorgänge werden elektromechanisch oder elektronisch vom Uhrwerk gesteuert. Zahlenfelder lassen die Stunden-, Minuten- und Sekundenangaben getrennt erkennen. Für viele Anwendungsbereiche können die Sekundenangaben dezimal unterteilt werden. Siehe auch Analoguhr.

Digitalvoltmeter: Messgerät bis zu höchsten Messgenauigkeiten für elektrische (Gleich-) Spannungen, bei dem der Messwert in Ziffern angezeigt wird. Moderne Digitalvoltmeter sind weitgehend automatisiert und fernsteuerbar. Als Digitalmultimeter sind sie auch zur Messung von Wechselspannungen, Gleich- und Wechselströmen und Widerständen eingerichtet. Siehe auch Vielfachmessgerät.

Digitoxin: wichtigstes Glykosid aus dem Roten Fingerhut (Digitalis purpurea); entsteht aus dem «gemeinen» Purpureaglykosid A durch Abspaltung der Glukose bereits beim Trocknungsprozess; wurde 1785 von W. Withering in die Therapie eingeführt. Siehe auch Digitalisglykoside.

Digoxin: Herzglykosid; entsteht aus dem Lanataglykosid C des Wolligen Fingerhutes durch Abspaltung von Glukose und der Acetylgruppe.

Digression: Winkel zwischen Meridian und Vertikalkreis eines polnahen Sterns; siehe auch Koordinatensystem.

Dikdiks, Windspielantilopen, Madoqua: bis 45 cm Schulterhöhe erreichende Zwergantilopen mit bewegliche, schwach rüsselförmiger Nase; bewohnen deckungsreiche Buschgelände in Ost- und Südafrika.

Diktator: 1. höchster außerordentlicher Beamter im alten Rom; wurde in Kriegs- und Notzeiten ernannt; hatte unumschränkte Vollmachten für 6 Monate; 202 vor Christus letztmalig bezeugt. Spätere Diktatoren (Sulla, Cäsar) sind damit nicht vergleichbar.

2. Regierender mit unbeschränkter Macht; Gewaltherrscher.

Diktatur: Herrschaft einer Klasse zur Durchsetzung ihrer Klasseninteressen mittels eines Systems politischer Organisationsformen, deren wichtigste der Staat ist. Charakter, Inhalt und Ziele einer Diktatur werden von den Interessen der jeweils herrschenden Klasse bestimmt. Die Klasseninteressenwurzeln in den ökonomischen Existenzbedingungen der Klasse. Daraus resultiert der antagonistische Gegensatz zwischen den Diktaturen von Ausbeuterklassen und der Diktatur des Proletariats.

Diktyogenese, Gerüstbildung-, eigenständige Bewegungsform, die Einbiegung und Absenkung der Erdkruste erzeugt und dabei ältere Brüche nachzeichnet.

Dikumarole: (Kunstwort) blutgerinnungshemmend wirkende Antivitamine des Vitamins K. Sie werden zur Therapie übermäßiger Blutgerinnungsneigung verwendet.

Dilatanz: isotrope Änderung des Volumens bestimmter Stoffe durch äußere Schubbeanspruchung; wird durch Änderung der Packung der Teilchen bewirkt. Hierauf beruht unter anderem die Eigenschaft bestimmter, meist kolloider Systeme, bei mechanischer Einwirkung zu erstarren und im Ruhezustand wieder dünnflüssig zu werden. Siehe auch Rheologie.

Dilatation: 1. Festkörpermechanik: Vergrößerung der räumlichen Abmessungen eines Körpers; Volumenzunahme.

2. Medizin: normale (physiologische) oder krankhafte (pathologische) Erweiterung eines Hohlorgans, zum Beispiel des Herzens.

DIL-Gehäuse: (Abkürzung von dual in line; englisch, «zweifache Reihe») ein Gehäuse aus Plast, Keramik u. ä. zur Verkappung integrierter Schaltkreise; die Anschlussfahnen sind in 2 Reihen an parallelen Außenkanten, nach unten zeigend, angeordnet.

Dill, Anethum graveolens: einjähriges, im östlichen Mittelmeergebiet und Vorderen Orient heimisches Doldengewächs mit zerteilten Blättern und gelben Blüten; enthält ein ätherisches Öl; das wohlriechende Kraut und die Früchte werden als Gewürz, besonders zum Einlegen von Gurken («Gurkenkraut») verwendet.

Dillis, Johann Georg von, 26. 12. 1759-28.9. 1841, Maler und Radierer; war ab 1822 Direktor der Galerie in München; widmete sich vorwiegend der detailgetreuen Landschaftsdarstellung.

Dilthey, Wilhelm, 19.11. 1833-1.10. 1911, Philosoph; Mitbegründer der subjektivistischen deutschen Lebensphilosophie; beschäftigte sich mit der Geschichte des europäischen Geistes und erarbeitete eine hermeneutische Theorie der Geisteswissenschaften, deren Eigenständigkeit gegenüber den Naturwissenschaften er betonte.

dilute Färbung: Färbung von Mineralen durch fein verteilte, als färbende Fremdkörper nicht erkennbare Farbträger, zum Beispiel Chrom oder Eisen im Korund.

dilutus: verdünnt; zum Beispiel Spiritus dilutus (verdünnter Spiritus). Der Vorgang der Verdünnung wird als Dilution bezeichnet.

Diluvialböden: ältere Sammelbezeichnung für Bodentypen, die aus diluvialen (pleistozänen) Ablagerungen entstanden sind.

Dime: Silbermünze der USA zu 10 Cents, seit 1792 geprägt; jetzt aus Nickel.

Dimension: 1. Mathematik: Anzahl unabhängiger Ausdehnungsrichtungen einer Figur beziehungsweise in einem Raum, zum Beispiel Länge, Breite, Höbe. Ein Punkt hat 0, eine Strecke 1, eine Fläche 2, der Raum der täglichen Erfahrung 3 als Dimension Allg. ist die Dimension eines mathematischen Raumes durch die Minimalzahl der Koordinaten beziehungsweise Parameter gegeben, die zu seiner Beschreibung erforderlich sind. Siehe auch Vektorraum.

2. Metrologie: Ausdruck, der die Beziehung einer physikalischen Größe zu den Basisgrößen des gegebenen Größensystems (Maßsystem) durch ein Potenzprodukt mit dem Zahlenfaktor 1 darstellt; zum Beispiel hat die Kraft im Größensystem mit den Basisgrößen Länge, Masse, Zeit (1, m, t) die Dimension LMT-2.

Dimerisierung: chemische Reaktion, bei der 2 gleiche Moleküle ohne Abspaltung eines Zweitproduktes zu einem neuen Molekül zusammentreten; zum Beispiel dimerisiert Stickstoffdioxid (N02) bei niedrigen Temperaturen zu Distickstofftetroxid (N204).

Dimethylanilin: eine anilinähnliche, wenig wasserlösliche, giftige Flüssigkeit, Kp 192,5°C; Farbstoffzwischenprodukt.

Dimethylether, fachsprachlich Dimethylether - ein leicht brennbares Gas von typischen Geruch; Kp —23,6°C; bildet mit Luft explosible Gemenge; wird als Brenngas und für chemische Synthesen verwendet.

Dimethylformamid: eine farblose, fast geruchlose, stark lichtbrechende, schwach hygroskopische Flüssigkeit; Kp 152°C. Dimethylformamid ist mit Wasser und vielen organischen Lösungsmitteln unbegrenzt mischbar und besitzt selbst ein sehr gutes Lösevermögen für Polymere (zum Beispiel Polyacrylnitril, Farbstoffe unter anderem Substanzen).

Dimethylglyoxim, Diacetyldioxim beide (griechisch): Reagens zum Nachweis und zur quantitativen Bestimmung von Nickel. Die l%ige ethanolische Lösung (Tschugajews Reagens) fällt Ni2+-Ionen durch Chelatbildung als roten, flockigen Niederschlag.

Diminution: Musik: a) Wiederholung eines musikalischen Motivs, Themas und so weiter in kürzeren Tönen (besonders in Kanon und Fuge);

b) bei Figuration und Verzierungen Zerlegung des Haupttones in kürzere, ihn wiederholende oder umspielende Töne.

Diminutiv, Deminutiv beide (lateinisch): 1. Verkleinerungsform eines Substantives, zum Beispiel Häuschen zu Haus.

2. Diminutiv: Aktionsart des Verbs mit der Bedeutung einer abgeschwächten Intensität, zum Beispiel hüsteln, lächeln.

Dimorphismus: Auftreten von 2 unterscheidbaren Formen innerhalb einer Art. Bei Geschlechtsdimorphismus sind Männchen und Weibchen unter anderem in Körperform, Größe und Färbung verschieden, zum Beispiel Hirschkäfer, Stockente und Rothirsch. Saisondimorphismus tritt zum Beispiel beim Landkärtchen-Falter auf. Die Frühlingsgeneration unterscheidet sich in Farbe und Zeichnung von der Sommergeneration.

Dinant: Stadt im Süden Belgiens, in der Provinz Namur, an der Maas; 10000 Einwohner; Messing- und Kupferwarenherstellung, Baustoffindustrie; Zitadelle auf 90 m hohem Kalksteinfelsen; namengebend für unterste Stufe des Carbons.

Dinarisches Gebirge: aus Kalk und Flysch aufgebautes Gebirge in Jugoslawien, Fortsetzung der südlichen Kalkalpen an der Westseite der Balkanhalbinsel; 500 km lang; bis 2522 m hoch (Durmitor); stark verkarstet (Karst) und oft von plateauartigem Charakter, Bauxit-, Erzbergbau; Wasserkraftwerke; Schafhaltung; siehe auch Dalmatinische Inseln.

Dinasstein: zuerst in England aus dem Quarzit des Dinasfelsens in Wales hergestellter hochfeuerfester Stein mit Tonbindung; heute ersetzt durch den Silikastein mit Kalkbindung.

Ding, Thing: germanische Volks- und Gerichtsversammlung der freien, waffenfähigen Männer; entschied über alle Fragen, die das Volk betrafen, insbesondere auch über Krieg und Frieden. Mit zunehmender sozialer Differenzierung wurde die Macht des Ding immer stärker zugunsten von Adel und Königtum zurückgedrängt. Bis zur Ausbildung des Territorialstaats blieb Ding die Bezeichnung für Gerichtstage, insbesondere von Dorfgerichten.

Dingaan, gestorben 1843 (ermordet), Oberhäuptling der Zulu in Südafrika. Dingaan trat mit einem gut organisierten Heer den Dezentralisierungsbestrebungen der im Zulu-Staat vereinten Stämme entgegen. Nach anfänglichen Erfolgen gegen die vordringenden Buren unterlag sein Heer der britisch-burischen Übermacht am 16.12. 1838. Der noch wenig gefestigte Staat zerfiel, nachdem Dingaan einem Raubfrieden zustimmen musste und sein Heer 1840 vollständig vernichtet wurde. Ding an sich: Grundbegriff der Philosophie I. Kants, der zum Ausdruck bringen soll, dass die Dinge als Gegenstände der Erkenntnis unabhängig vom erkennenden Subjekt (das heißt objektiv) existieren, diesem aber prinzipiell nur so gegeben sind, wie sie ihm, vermittelt durch Sinne und Verstand, Erfahrung und Denken, erscheinen. Kant schränkt die Sphäre des Erkennbaren auf die Erscheinungen ein, die zwar eine Entsprechung in den Dingen haben, deren Wesen aber (das Dingaan) unerkennbar sei. Die Lehre vom Dingaan kennzeichnet Kants Schwanken zwischen Materialismus und Idealismus und begründete eine spezifische Form des Agnostizismus.

Dingi, Dinghi beide (Hindustani): kleinste Art der Beiboote (Ruderboote) von Schiffen; von einem Mann zu bedienen.

dingliches Recht: Recht an einer Sache, zum Beispiel Eigentumsrecht, Pfandrecht.

Dingo, Canis lupus f. dingo: wildlebender, rotbrauner Hund Australiens; stammt von Haushunden ab, die mit den Ureinwohnern dorthin gelangten; Schädling für Wildtiere und Schafzucht.

Dinosaurier: überwiegend landbewohnende Reptilien des Mesozoikums, bis 30 m lang und 60 t schwer; darunter die größten Landtiere aller Zeiten.

Dinschawai: ägyptisches Dorf nördlich von Kairo. In Dinschawai verübte die britische Kolonialmacht 1906 ein grausames Justizverbrechen an 13 Fellachen; es gab den Anstoß für einen erneuten Aufschwung der ägyptischen Unabhängigkeitsbewegung.

Diodor, um 80-um 29 vor Christus, griechischer Geschichtsschreiber aus Agyrion (Sizilien); Verfasser der «Historischen Bibliothek», einer Weltgeschichte in 40 Büchern (nur zum kleinen Teil erhalten).

Diogenes Laertios, griechischer Schriftsteller; verfasste um 200 das unkritische, auf Unterhaltung bedachte, aber einzige überlieferte philosophiegeschichtliches Werk «Leben und Meinungen berühmter Philosophen».

Diokletian, Gaius Aurelius Valerius Diocletianus, um 240-3.12.316, römischer Kaiser 17.11.284/1.5.305; Sohn eines Freigelassenen; zunächst Soldat; führte zahlreiche Kriege gegen Germanen, Sarmaten, Araber und Perser, kämpfte gegen verschiedene Usurpatoren und warf einen ägyptischen Aufstand nieder; begründete den Dominat und die Tetrarchie (Vierherrschaft, das heißt 2 Augusti und 2 Cäsaren residierten in 4 Hauptstädten). Seine neue Verwaltungsgliederung des Reiches und seine Reformen sollten den Sklaverei Staat festigen; dankte 305 ab.

Diole: 2wertige Alkohole; aliphatische Verbindungen mit 2 Hydroxylgruppen (-OH) im Molekül, zum Beispiel Äthylen Glykol.

Diomedes, in der griechischen Sage Held vor Troja, König von Argos; vollbrachte, teilweise gemeinsam mit Odysseus, im Kampf um Troja Heldentaten (unter anderem Raub des Palladiums).

Dionysios, um 1440-nach 1502, russischer Fresken- und Ikonenmaler; Hauptvertreter der Moskauer Schule Ende des 15. Jahrhundert. Die Traditionen A. Rubljows fortsetzend, schuf Dionysios schlanke, leicht überlängte, verfeinert und zart wirkende Gestalten in lichten Farben, die den Geist einer neuen Epoche widerspiegeln und die Entwicklung der weltlichen Kunst in Russland ankündigen.

Dionysios: 1. um 430-367 vor Christus, seit 406 Stratege und seit 405 Tyrann von Syrakus; wurde von der ärmeren Bevölkerung Siziliens und von Söldnern unterstützt; während des Kampfes mit Karthago errichtete er ein Sizilisches Reich.

2. Dionysios II., um 396-nach 337 vor Christus, 367/357 und 347/345 Tyrann von Syrakus; Sohn von Dionysios 1.

3. Dionissi.

Dionysios Areopagita, 1. Jahrhundert nach Christus, ein angeblich von Paulus bekehrtes Mitglied des athenischen Areopags. Unter diesem Namen wurden im 5. Jahrhundert entstandene Schriften mystisch-christlichen und neuplatonisches Inhalts überliefert; sie wirkten stark auf die Mystik des Mittelalters und trugen wesentlich zur Ausbildung der byzantinischen Ästhetik bei.

Dionysios von Halikarnassos, griechischer Geschichtsschreiber zur Zeit des römischen Kaisers Augustus; war seit 30 vor Christus Lehrer für Rhetorik in Rom. Verfasste die «Römische Archäologie», die in 20 Büchern die römische Geschichte bis zum Beginn des 1. Punischen Krieges behandelt. 

dionysisch: zum Kult des Dionysos gehörig; rauschhaft, wild.

Dionysos, griechischer Fruchtbarkeitsgott, besonders Gott des Weines (römisch Bacchus), Sohn des Zeus und der Seffiele, vermählt mit Ariadne. Silen, Satyrn und Nymphen begleiteten ihn; seine Verehrerinnen, Mänaden, Bakchen beziehungsweise Bacchantinnen genannt, feierten ihn in einem orgiastischen Kult. In Attika wurden Dionysos zu Ehren die Dionysien abgehalten. Aus dem Kultlied für Dionysos, dem Dithyrambus, ist die griechische Tragödie entstanden.

diophantische Gleichungen: (nach Diophantos von Alexandria) algebraische Gleichungen in mehreren Unbekannten mit ganzen Koeffizienten, für die man ganzzahlige oder rationalzahlige Lösungen sucht. Sie haben im Allgemeinen mehrere Lösungen. Diophantische Gleichungen ersten Grades mit 2 Unbekannten lassen sich mit Hilfe des Euklidischen Algorithmus lösen. Zu den bekanntesten diophantischen Gleichungen gehört die Gleichung x" + y = z (Fermatsche Vermutung). Siehe auch Pellsche Gleichung.

Diophantos von Alexandria, um 250 nach Christus, hellenistischer Mathematiker, behandelte lineare und quadratische Gleichungen bei echten Ansätzen algebraischer Bezeichnungs- und Denkweisen.

Dioptas: Mineral, wasserhaltiges Kupfersilikat; Kristallsystem trigonal, smaragdgrün, oft durchscheinend, Härte 5, Dichte 3,3 g/cm3. Vorkommen in den Trockengebieten der Kasachischen und Kirgisischen SSR, im Otavi-Bergland (Namibia) und in Arizona (USA).

Diopter: Schießsport runde, auswechselbare Metallscheibe mit Ziel- (Seh-) Loch, mit der über das Korn gezielt wird.

Diorama: räumliches Schaubild mit plastischen Figuren und gemaltem Hintergrund.

Diorit: intermediäres Tiefengestein von meist dunkler Farbe, bestehend vor allem aus Plagioklas und Amphibol; wird als Denkmal- und Pflasterstein sowie Schotter verwendet; Vorkommen unter anderem im Harz.

Dioskuren: (griechisch, «Zeus Söhne») in der griechischen Sage die unzertrennliche Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes (lateinisch Pollux), Söhne des Zeus und der Leda. Als Kastor im Kampf gefallen war, teilte Polydeukes seine Unsterblichkeit mit ihm, so dass beide entweder im Olymp oder im Hades lebten; Beschützer der Seeleute.

Dioxan: eine farblose, brennbare, giftige, wasserlösliche Flüssigkeit von typischem Geruch. Dioxan ist ein sehr gutes Lösungsmittel für Fette, Wachse, Harze und dergleichen; chlorierte Produkte dienen als Insektizide. Die Inhalation von Dioxan wirkt in hohen Konzentrationen narkotisch sowie leber- und nierenschädigend.

Dioxin: extrem starkes, als potentieller chemischer Kampfstoff in Betracht kommendes Gift mit teratogener und hautschädigender Wirkung. Dioxin war als Verunreinigung in den im Vietnamkrieg von den USA angewandten Phyto-Giften enthalten.

Dipeptidasen: Gruppe der Proteasen, die Dipeptide hydrolisieren.

Diphenyl, Biphenyl (lateinisch + griechisch): eine farblose, kristallisierte, wasserunlösliche Substanz. 70,5°C, Kp 255 °C; dient als Wärmeübertragungsflüssigkeit sowie zur schimmelverhütenden Imprägnierung von Zitrusfrüchten und ihrer Verpackung.

Diphenylether: eine farblose, kristallisierte, wasserunlösliche, schwach geranienähnlich riechende Substanz; F 26,9°C, Kp 259°C; dient als Wärmeübertragungsflüssigkeit und Riechstoff.

Diphosphopyridinnukleotid, Abkürzung DPN: alte Bezeichnung für Nikotinsäureamid-Adenin-Dinukleotid (Abkürzung NAD).

Diphtherie, Halsbräune-, durch das Corynebacterium diphtheriae hervorgerufene Infektionskrankheit, die vorwiegend im Kindesalter auftritt. Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 7 Tage. Charakteristische Symptome sind Fieber, Halsschmerzen, Beläge auf den Mandeln. Gefährlich ist die Ausbreitung auf Kehlkopf und Luftröhre, die zur Erstickung führen kann (Behandlung durch Intubation oder Luftröhrenschnitt). Das Gift der Erreger kann eine Herzmuskelentzündung oder Lähmungen bewirken. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika und Heilserum. Impfung (Dreifachimpfung) bietet weitgehenden Schutz.

Diphtherieerreger, Corynebacterium diphtheriae: 1884 von Loeffler entdeckter Erreger der Diphtherie. Die Diphtherieerreger sind grampositive, durch sogenannte Polkörperchen keulenartig aufgetriebene unbewegliche Stäbchen. Das Toxin der Diphtherieerreger stört die Proteinsynthese.

Diphthong: (griechisch) vokalischer Zwielaut, Doppellaut in der Funktion eines einfachen Vokals, zum Beispiel ei, au, äu.

Diphyodontie: einmaliger Zahnwechsel der Säugetiere und des Menschen.

Diplegie: doppelseitige Lähmung einzelner Bereiche des Körpers (zum Beispiel beider Beine oder Arme) bei Hirn- oder Rückenmarkerkrankungen.

Diplodocus: bis 22 m langer und 5 m hoher pflanzenfressender Dinosaurier mit sehr langem Hals und peitschenförmigem Schwanz; lebte in tieferen Gewässern des Oberjuras; siehe auch Dinosaurier.

Diploe: schwammartige Knochensubstanz zwischen den beiden kompakten Tafeln der platten Schädelknochen.

diploid: 2 Chromosomensätze besitzend; diploid sind in der Regel die Körperzellen der meisten Lebewesen; siehe auch haploid.

Diplokokken: paarweise gelagerte kugelförmige Bakterien; hierzu gehören einige Krankheitserreger, wie zum Beispiel Pneumokokken (Lungenentzündung, Eiterungen, Sepsis), Gonokokken (Gonorrhoe), Meningokokken (Hirnhautentzündung), des Weiteren leben auf der Nasen-Rachen-Schleimhaut sogenannt Pseudo-Meningokokken, die in der Regel nicht krankheitserregend sind. Diplom (lateinisch griechisch) n, Abkürzung Dipl.: Zeugnis, Urkunde über eine bestandene Prüfung (Hochschul-Diplokokken, Meisterdimorphismus) oder über eine Auszeichnung.

Diplomat: Vertreter eines Staates, der zur Wahrnehmung der zwischenstaatlichen Beziehungen von seiner Regierung in den Empfängerstaat oder an den Sitz eines anderen Völkerrechtssubjektes entsandt ist und dort die Interessen des Entsendestaates, seiner Staatsbürger und juristischen Personen wahrnimmt. Für Diplomat gibt es unterschiedliche Ränge im Auswärtigen Dienst; sie genießen im Ausland diplomatische Immunität und Privilegien zur Wahrnehmung ihrer Funktion.

Diplomatie: offizielle Tätigkeit der mit der Gestaltung der auswärtigen Beziehungen eines Staates beauftragten Organe (Staatsoberhäupter, Regierungen, Ministerien für auswärtige Beziehungen, diplomatische Missionen unter anderem). Die Diplomatie ist ein wichtiges Mittel der Staaten zur Durchsetzung ihrer jeweiligen außenpolitischen Interessen und Ziele. Inhalt und T,. T. auch Methoden der Diplomatie werden vom Klassencharakter des betreffenden Staates bestimmt. Alle Staaten haben bei der Ausübung ihrer diplomatische Tätigkeit das geltende Völkerrecht zu achten. Hauptformen der Diplomatie sind Führung von Verhandlungen, Abschluss völkerrechtlicher Verträge, Mitarbeit in zwischenstaatlichen internationalen Organisationen, Führung diplomatischer Korrespondenz (Noten, Briefe, Memoranden und so weiter), Unterhaltung von diplomatischer Vertretungen im Ausland, Veröffentlichung wichtiger außenpolitische Erklärungen und Dokumente. Im übertragenen Sinne wird unter Diplomatie auch die Verhandlungskunst beziehungsweise das gewandte und berechnende Vorgehen verstanden.

diplomatische Beziehungen: zwischen Staaten vereinbarte ständige Beziehungen, die im Allgemeinen die gegenseitige Errichtung von diplomatische Missionen und den Austausch von Botschaftern beziehungsweise Gesandten einschließen; wichtige Methode friedlicher Zusammenarbeit.

diplomatisch: zur Diplomatie gehörig; geschickt beim Verhandeln.

Diplomlehrer: akademischer Grad, der nach erfolgreicher Absolvierung des Hochschulstudiums für Lehrer an allgemein- oder spezialbildenden Schulen verliehen wird.

Diplopie: Doppeltsehen, unter anderem durch Augenmuskellähmungen.

Dipol: Anordnung von 2 entgegengesetzt gleichgroßen elektrischen Ladungen beziehungsweise magnetischen Polen.

- Das elektrische (Dipol-) Moment ist ein Vektor, der die Richtung von der negativen zur positiven Ladung hat, sein Betrag ist gleich dem Produkt aus Ladung und Abstand beider Ladungen, SI-Einheit C m. Bei einem magnetischen Dipol entspricht der positiven Ladung der Nordpol, der negativen der Südpol. Er ist einem elektrischen Kreisstrom äquivalent (siehe auch magnetisches Moment). Bei einem elektrischen Oszillator (Hertzscher Dipol) ändert sich das Dipolmoment periodisch, er strahlt daher elektromagnetische Wellen ab; realisiert wird er durch eine kurze Antenne. Atome und Moleküle werden in elektrischen beziehungsweise magnetischen Feldern zu elektrische beziehungsweise magnetische Dipol; ohne äußere Felder können Atome permanente magnetische Dipol, Moleküle permanente elektrische Dipol sein. Siehe auch elektrische Polarisation, magnetische Polarisation.

Dipolmolekül: Molekül mit ungleichmäßig verteilter elektrischer Ladung und einem daraus resultierenden permanenten Dipolmoment; zum Beispiel stellt das Wassermolekül, H20, wegen seines gewinkelten Baus mit Ladungsverteilung längs der Symmetrieachse ein Dipolmolekül dar.

Dipolstrahlung: von einem schwingenden elektrischen oder magnetischen Dipol ausgehende elektromagnetischer Strahlung; verhält sich in großer Entfernung vom Dipol wie eine Kugelwelle. Die von einem angeregten Atom emittierte Strahlung ist meist Dipolstrahlung.

Dipoltheorie: in der Elektroenzephalographie entwickelte einfachste Erklärung des Entstehens von elektrischen Potentialen am Hirngewebe. Durch Veränderung des Membranpotentials an einzelnen Stellen einer Nervenzelle, zum Beispiel bei Erregung, bildet sich an der Zelle ein Dipol. Geschieht das an vielen dicht beieinander liegenden Zellen gleichzeitig, summieren sich die Dipole, so dass an der Hirnoberfläche Potentiale messbar werden.

Dipolwechselwirkung zwischenmolekulare Kräfte.

Diponegoro, Pangeran, 11.11.1785-8.2.1855, indonesischer Prinz aus der Dynastie von Yogyakarta; Nationalheld; spielte eine führende Rolle im antikolonialen Volksaufstand auf Java (1825/30) und wurde nach dessen Niederschlagung verbannt.

dippen: 1. Lebensmitteltechnik: Trockenobst in heißes Wasser kurzzeitig eintauchen; dient zum Auffrischen.

2. Schifffahrt: als Gruß zwischen Schiffen die Staats- oder Handelsflagge langsam um 2 Drittel niederholen und nach Erwiderung des Grußes wieder vorheißen (hochziehen).

Dipsomanie: in Abständen von Wochen oder Monaten auftretende periodische Trunksucht (Quartalstrinker), oftmals bei Verstimmungszuständen; Dauer etwa 2 bis 8 Tage; tritt meist bei Psychopathen in Zusammenhang mit äußeren Anlässen, seltener bei Epileptikern auf.

Diptam, Dictamnus albus: bis 1 m hohes Rautengewächs mit rosa oder weißen, dunkel geaderten Blüten; unter Naturschutz; kalk- und wärmeliebend; ätherische Öle der Blüten bei hohen Temperaturen entflammbar («Brennender Busch»).

Diptychon: 1. zweiteilige zusammenklappbare Schreibtafel aus Elfenbein, Holz oder Edelmetall, innen mit einer Wachsschicht zum Schreiben.

2. in der mittelalterlichen Kunst zweiflügeliges Altarbild.

Dipylon: Doppeltor in antiken Stadtmauern, an Palästen und Theatereingängen. Am berühmtesten ist das Dipylon Athens, seit 1873 in den Fundamenten freigelegt.

Dirac, Paul Adrien Maurice, 8.8.1902 bis 20.10.1984, britischer Physiker; Mitbegründer der Quantenmechanik (1925) und der Fermi-Dirac-Statistik (1926); schuf 1928 die relativistische Theorie des Elektrons (siehe auch Dirac-Gleichung) und sagte die Existenz des Positrons voraus. Dirac regte zahlreiche Entwicklungen der theoretischen Physik an, unter anderem die Theorie magnetischer Monopole und die funktionale Integration. Hauptwerke sind «Die Prinzipien der Quantenmechanik» (1930; deutsch), «Vorlesungen über Quantenfeldtheorie» (1966).

Dirac-Gleichung: relativistische Wellengleichung für Teilchen (und deren Antiteilchen) mit Ruhmasse m 4= 0 und Spinquantenzahl s = V2, zum Beispiel Elektronen und Positronen oder Protonen und Antiprotonen, die durch eine 4komponentige Wellenfunktion i//a (a = 1, 2, 3, 4), einen Dirac-Spinor, beschrieben werden. Die Dirac-Gleichung hat 4 linear unabhängige Lösungen: 2 zu positiver und 2 zu negativer Energie; letztere wurden von Dirac in seiner Löchertheorie als Zustände positiver Energie der Antiteilchen gedeutet. Danach ist das Vakuum ein Elektronensee (Dirac-See), in dem alle Zustände negativer Energie aufgefüllt und alle Zustände positiver Energie unbesetzt sind. Ein Loch im Dirac-See verhält sich wie ein Antiteilchen positiver Energie und positiver Masse; beim Herausschlagen eines Elektrons aus dem Dirac-See, zum Beispiel durch ein Photon mit einer Energie E g 2mt (c Lichtgeschwindigkeit), werden ein Loch (Positron) und ein Elektron in einem Zustand positiver Energie erzeugt.

Direktbezug: Warenbezug, insbesondere des Einzelhandels, von der Industrie, der kein Großhandelslager berührt. Dem Direktbezug liegen Verträge zwischen Einzelhandels- (Bedarfsträger) und Industriebetrieben (Direktgeschäfte), vom Großhandel vermittelte Verträge (Vermittlungsgeschäfte) oder Verträge zwischen allen Genannten (Streckengeschäfte) zugrunde.

direkte digitale Regelung, Abkürzung DDC (von englischen direct digital control): automatische Regelung, bei der die Funktion des Reglers durch einen programmierbaren Digitalrechner (Prozessrechner) realisiert wird. Der Prozessrechner erfüllt dabei die Funktion gegebenenfalls vieler herkömmlicher Einzelregler, weshalb er eine hohe Zuverlässigkeit haben muss, beziehungsweise spezielle Maßnahmen zum Notbetrieb getroffen werden müssen. Siehe auch Back-up-System.

Direktorialverfassung: französische «Verfassung vom Jahr III» (1795). Sie sicherte durch Wahlrechtsbeschränkung nach dem Besitzzensus die politische Alleinherrschaft der Großbourgeoisie, führte zur Einführung des Zweikammersystems (Rat der Alten und Rat der Fünfhundert) und zur Errichtung des fünfköpfigen Direktoriums als Exekutive. entsprechend der Direktorialverfassung musste ein Drittel der Abgeordneten jährlich neu gewählt werden.

Direktorium, französisch Directoire: großbourgeoise Regierung in Frankreich, die auf der Grundlage der Direktorialverfassung aus 5 Direktoren gebildet wurde; amtierte vom 2./3. 11. 1795 bis 9. 11. 1799. Seine Politik richtete sich sowohl gegen die royalistische Reaktion als auch gegen die revolutionäre Volksbewegung und führte nicht zur innenpolitischen Stabilität. Innere Unsicherheiten und Misserfolge im Kampf gegen die europäische Feudalreaktion schufen die Grundlage für den Staatsstreich Napoleon Bonapartes am 9. 11. 1799.

Direktrice: leitende Angestellte, besonders in der Bekleidungsindustrie.

Direktstudium: Studium unmittelbar an der Bildungseinrichtung ohne Ausübung eines Berufes; Hauptform der Ausbildung und Erziehung an Universitäten, Hoch- und Fachschulen. Siehe auch Fernstudium.

Direktverkehr: planmäßige Zirkulation von Produktionsmitteln zwischen Hersteller beziehungsweise Importeur und Weiterverarbeiter oder Anwender mit wirtschaftlichen Vorteilen wie beim Direktbezug von Konsumgütern.

Dirigent: Leiter eines musikalischen Ensembles beziehungsweise einer musikalischen Aufführung.

dirigieren (lateinisch): leiten, besonders die Aufführung eines Musikwerkes.

Dirigismus: bürgerliche Bezeichnung für direkte ökonomische Interventionen des imperialistischen Staates in die Wirtschaft (staatsmonopolistische Regulierung). Dirke, in der griechischen Sage Frau des Lykos, die Antiope misshandelte und zur Strafe von deren Söhnen Amphion und Zethos auf einen Stier gebunden und zu Tode geschleift wurde.

Disaccharidasen: in den Lysosomen der Zelle und im Verdauungstrakt vorkommende Enzyme, die Disaccharide hydrolytisch zu Monosachariden spalten.

Disaccharide, Disaccharide: Kohlenhydrate (Zucker), deren Moleküle durch Säuren oder Enzyme unter Wasseraufnahme in zwei gleich- oder verschiedenartige Monosaccharid Moleküle aufgespalten werden. Zu den Disacchariden gehören zum Beispiel Saccharose, Maltose und Laktose.

Disagio: Abschlag, Abzug; Betrag, um den der Kurs von Devisen oder Wertpapieren unter dem Nennwert steht.

Discantus: (lateinisch, «Auseinandergesang») a) in der frühen mehrstimmigen Musik die Gegenstimme zu einem Cantus (Cantus firmus) oder auch der Verband der beiden und mehrerer Stimmen, Stimmführung Note gegen Note;

b) improvisiertes mehrstimmiges Singen der liturgischen Gesänge, im Satz Note gegen Note; bis ins 18. Jahrhundert hinein tradiert;

c) so viel wie Diskanta).

Disciplina Etrusca: Lehre der etruskischen Haruspices (Haruspex), die in heiligen Büchern niedergelegt war. Sie umfasste die Kunst der Opferschau, Deutung der Blitze und deren Sühnung und böser und guter Götterzeichen.

Diseur-Diseuse: Interpret(in) einer besonders Art des Sprechgesangs im Kabarett.

Disjunktion: 1. Biologie: räumliche Trennung eines in früherer Zeit meist geschlossenen Verbreitungsgebietes einer Pflanzen- oder Tierart in isolierte Teilareale.

2. Logik: Alternative, Antivalenz.

Diskant: a) oberste Stimme eines mehrstimmigen Satzes;

b) rechte Hälfte der Tastenreihe des Klaviers.

Diskographie: 1. Schallplattenverzeichnis, alphabetisch oder systematisch geordnet, auch mit erläuternder, vergleichender oder wertender Beschreibung.

2. Schallplattenkunde.

Diskomusik, Diskosound: Mitte der 70er Jahre aufgekommener Typ von Tanzmusik, der musikalisch und aufnahmetechnisch auf möglichst optimale Wiedergabe in großen Diskotheken ausgerichtet ist.

Diskont, Diskonto: in der kapitalistischen Wirtschaft Zinsabzug beim Ankauf noch nicht fälliger Schuldtitel; am gebräuchlichsten beim Ankauf von Wechseln vor Fälligkeit. Der Diskontsatz (Diskontrate, Bankrate) ist dabei der der Berechnung des Diskonts zugrunde gelegte Zinssatz. Im gegenwärtigen Kapitalismus ist der Diskont der Grundzinssatz der Zentralbanken gegenüber Geschäftsbanken bei deren Refinanzierung; dient als staatsmonopolistisches Instrument zur Konjunkturbeeinflussung über die Kreditversorgung der Wirtschaft sowie als Teil des währungspolitischen Instrumentariums der Zentralbanken zur Regulierung des Geldumlaufs und zum Teil der internationalen Geldströme.

Diskontgeschäft: Kreditgeschäft - kapitalistische Banken durch Ankauf noch nicht fälliger Wechsel, wobei der Kreditzins in Form eines Abzugs einbehalten wird. Das Diskontgeschäft wird als besonders sicheres Kreditgeschäft gewertet, da nur Wechsel mit hohen Sicherheitsmerkmalen hereingenommen werden, die auch der Zentralnotenbank zur Rediskontierung angeboten werden können (zentralbankfähige Wechsel),

diskontieren: Wechsel gegen Zinsabzug (Diskont) ankaufen.

Diskontinuität: Unstetigkeit, sprunghafte Veränderung besonders physikalische Eigenschaften in Abhängigkeit von Raum, Zeit und Einflussfaktoren, zum Beispiel Druck und Temperatur. So stellt zum Beispiel die Grenze von Luft zu Wasser für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes eine Diskontinuität dar. Siehe auch Conrad Diskontinuität, Mohorovicic-Diskontinuität.

Diskordanz: 1. Genetik: das Nichtübereinstimmen in Bezug auf genetisch determinierte Merkmale bei Zwillingen.

2. Geologie: ungleichsinnige Lagerung von Gesteinen. Man unterscheidet tektonisch bedingte Winkeldiskordanz, Erosionsdiskordanz und Scheindiskordanz.

diskreditieren: in Verruf bringen, verleumden.

Diskrepanz: Abweichung, Missverhältnis; Zwiespalt, Unstimmigkeit.

diskret: 1. allgemein verschwiegen; taktvoll; geheim.

2. Physik: unstetig, nur in endlichen Schritten veränderlich; zum Beispiel ändert sich die Energie eines Elektrons der Atomhülle nicht kontinuierlich, sondern sprunghaft, das heißt die Energiewerte bilden ein diskretes Spektrum.

diskrete Optimierung: Teilgebiet der mathematischen Optimierung. Die diskrete Optimierung löst Aufgaben, bei denen mindestens eine der Variablen nur diskrete, insbesondere ganzzahlige Werte (ganzzahlige Optimierung) annehmen darf. Ein Spezialfall ist die Null-Eins-Optimierung. Diskrete Optimierung wird zum Beispiel bei Zuschnitt Problemen oder Ja-Nein-Entscheidungen angewendet und erfordert im Allgemeinen Rechenautomaten.

Diskriminante: Zahl, die gewissen mathematischen Größen zugeordnet wird und wesentliche Eigenschaften dieser Größe widerspiegelt. Sie ist positiv, gleich null oder negativ, je nachdem ob

Diskriminator: besonders in der kernphysikalischen Messtechnik verwendete elektronische Schaltung zur Auswahl von Impulsen, deren Amplituden eine einstellbare Größe, die Diskriminatorschwelle, übersteigen. Siehe auch Impulshöhenanalysator.

diskriminieren: herabsetzen, verächtlich machen, zu Unrecht verdächtigen; in völkerrechtswidriger Weise bestimmte Völker oder Staaten benachteiligen.

Diskurs: Erörterung; lebhafte Verhandlung; Unterhaltung.

diskursiv: begrifflich schließend; im Denken von Begriff zu Begriff, von Urteil zu Urteil fortschreitend.

Diskusbuntbarsch, Diskusfisch, Symphysodon discus: bis 20 cm langer scheibenförmiger Buntbarsch aus dem Amazonasgebiet in zahlreichen Farbspielarten, die zum Teil früher als eigene Arten angesehen wurden; die Brut wird einige Tage von einem Hautsekret ernährt; anspruchsvoller Aquarienfisch.

Diskuswerfer, griechisch Diskoboi: eine der berühmtesten Statuen des griechischen Bildhauers Myron, die in mehreren Marmorkopien erhalten ist; die bekannteste ist der sogenannte Lancelotti (jetzt Rom, Thermenmuseum).

Diskuswurf: leichtathletische Disziplin; Weitwurf (Schleuderwurf aus Umdrehungen) eines 2 kg (Männer) beziehungsweise 1 kg (Frauen) schweren, scheibenförmigen Geräts (Diskus), das aus einem Wurfkreis von 2,50 m Durchmesser geworfen wird und in einem Wurfsektor von 40° aufschlagen muss. Ring Oberkante beziehungsweise Boden außerhalb des Wurfkreises dürfen vom Werfer nicht berührt werden, er muss den Wurfkreis nach Aufschlagen des Geräts nach hinten verlassen. Olymp, (seit 1896), Weltmeisterschafts- (seit 1983) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1934).

Dislokation: 1. Geologie: Veränderung der ursprünglichen Lagerungsform von Gesteinen durch tektonische Vorgänge (Faltung, Verwerfung).

2. Traumatologie: Knochenbruch.

Dispache: Aufstellung (Urkunde) über eine Schadensaufteilung und -berechnung im Schiffsverkehr, Experten, die gewerbsmäßig Schadenberechnungen insbesondere bei der großen Haverei aufstellen, werden Dispacheur genannt.

disparat: ungleichartig; unvereinbar, nicht zueinander passend.

Dispatchersystem, Dispatcherdienst: Kontroll- und Lenkungssystem von Arbeitsprozessen in bestimmten Bereichen und Einrichtungen der Volkswirtschaft, besonders in der Industrie und im Verkehrswesen. Das Dispatchersystem trägt zur optimalen Realisierung der Produktionsaufgaben bei, indem es mit Hilfe von Dispatchern (Mitarbeiter, die die Planmäßigkeit der laufenden Prozesse überwachen und bei auftretenden Störungen Sofortmaßnahmen auslösen), der Nachrichten-, Signal- und Fernmeldetechnik einen reibungslosen Ablauf der Arbeitsprozesse sichert. Von besonderer Bedeutung ist das Dispatchersystem der Deutschen Reichsbahn (seit 1954 im gesamten Betriebsnetz eingeführt). Durch Zusammenfassung von Leitung und Kontrolle des operativen Fahr-, Wagen-, Lokbetriebs- und technischen Wagendienstes wurde eine einheitliche Kommandogewalt in der operativen Betriebsführung dieses Transportzweiges geschaffen. Dieses Dispatchersystem dient der Sicherung eines pünktlichen und wirtschaftlichen Betriebs- und Planablaufs.

Dispens, Dispensation (beide dat.): Befreiung von einer Verpflichtung im Einzelfall; Ausnahme; Beurlaubung.

Dispensairebetreuung: eine umfassende Methode der aktiven Kontrolle des Gesundheitszustandes der Bevölkerung. Sie integriert die Prophylaxe, Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe und gewährleistet eine geeignete Beobachtung Gesunder, Überwachung Gefährdeter, Früherfassung, -behandlung und -rehabilitation Gestörter sowie eine ständige Behandlung und Rehabilitation Geschädigter. Die Dispensairebetreuung wird in ambulanten Einrichtungen, den Dispensaires, durchgeführt.

Dispensation: 1. Pharmakologie: Herstellung und Abgabe einer Arznei in der Apotheke.

2. Recht: Dispens.

disperse Elemente: chemische Elemente, die nirgends angereichert sind und keine eigenen Minerale bilden. Sie sind infolge von Diadochie in Mineralen aus häufig vorkommenden Elementen verstreut, zum Beispiel Rubidium in Orthoklas, Hafnium in Zirkon. Zu den dispersen Elementen werden weiterhin Gallium, Germanium, Rhenium und Yttrium gerechnet.

Dispersion: 1. Chemie: aus 2 oder mehreren Phasen bestehendes Stoffgemisch, in dem eine feinteilige feste, flüssige oder gasförmige Phase (disperse Phase, zum Beispiel Staubteilchen, Tröpfchen oder Bläschen) in einer anderen festen, flüssigen oder gasförmigen Phase (Dispersionsmittel Dispergens) mehr oder weniger stabil verteilt ist. Die Verteilung der dispersen Phase (Dispergieren) erfolgt durch Vermahlen, Verrühren, Versprühen, Verschäumen u. ä. Verfahren. Die Stabilität einer Dispersion hängt unter anderem von der Teilchengröße der dispersen Phase, von Dichteunterschieden, von der Viskosität des Dispersionsmittels und von elektrisch bedingten Anziehungs- beziehungsweise Abstoßungskräften zwischen den Partikeln ab. Je nach dem Aggregatzustand der dispersen Phase und des Dispersionsmittels bezeichnet man eine Dispersion als Suspension (fest flüssig), Emulsion (flüssig flüssig), Schaum (gasförmig flüssig), Hart- oder Weichschaum (gasförmig fest) oder Aerosol (fest gasförmig = Rauch, flüssig gasförmig = Nebel). Nach dem Zerteilungsgrad unterscheidet man (ohne scharfe Abgrenzung) kolloiddisperse (1...100nm) und grobdisperse (>100nm) Dispersionen. Dispersionen sind von großer biologischer und technischer Bedeutung, zum Beispiel Milch, pigmentierte Anstrichstoffs, Sprays, Latex- und fotografischer Emulsionen, Schaumbeton, verschäumte Plaste und Elaste.

2. Geochemie: Verteilung, insbesondere Zerstreuung chemischer Elemente in und auf der Erde durch geochemische Prozesse. Die Dispersion ist der entgegengesetzte Prozess der Konzentration. Man unterscheidet eine primäre Dispersion, die im Erdinneren auftritt, von einer sekundären Dispersion an der Erdoberfläche.

3. Physik: die Abhängigkeit einer physikalischen Größe von der Wellenlänge beziehungsweise Frequenz, in der Optik die Abhängigkeit der Brechzahl optische Werkstoffe von der Wellenlänge des Lichtes. Ursache der Dispersion ist das frequenzabhängige Mitschwingen von Ladungen im elektrischen Feld der Lichtwelle. Optische Gläser zeigen im sichtbaren Gebiet normale Dispersion, das heißt, die Brechzahl sinkt mit wachsender Wellenlänge X. Anomale Dispersion ist in Spektralgebieten vorhanden, in denen die Stoffe merklich absorbieren, die Brechzahl wächst mit X. Die Dispersion ist die Grundlage für die spektrale Zerlegung des Lichtes mittels Dispersionsprismen; bei Linsen bewirkt die Dispersion die chromatische Aberration; siehe auch Prisma, Rotationsdispersion.

Dispersionsaureole: Bereich in der Umgebung einer Lagerstätte, in dem migrationsfähige, meist auch in der Lagerstätte selbst konzentrierte Elemente angereichert sind. Das Antreffen einer Dispersionsaureole erleichtert das Auffinden einer Lagerstätte.

Dispersionsfarbstoffe: in Wasser unlösliche Farbstoffe, besonders für Polyesterfaserstoffe. Dispersionsfarbstoffe werden in feinster wässriger Suspension angewandt und lösen sich im Färbegut.

Dispersionskleber: wässrige Dispersion (Emulsion) von Polyvinylazetat oder anderen Kunstharzen zum Kleben insbesondere von Holz, Papier, Leder und Textilien unter- und miteinander. Nach dem Verdunsten des Wassers ist die Klebstelle wasserfest.

Displaced Persons: (englisch, «Vertriebene, Verschleppte») während des 2. Weltkrieges aus den besetzten Gebieten von den deutschen Faschisten verschleppte Menschen (Zwangsarbeiter unter anderem), die nach 1945 nicht in ihre Heimat zurückkehrten beziehungsweise unter Zwang zurückgehalten wurden. Die Westmächte nutzten die Displaced Persons als Kaderreservoir für Diversanten.

Display, Anzeigeeinheit: optische Ausgabeeinheit bei elektronischen Rechenautomaten und Messgeräten. Als Display werden Bildschirmgeräte und Ziffernanzeigeeinheiten bezeichnet.

Disponent: mit begrenzter Vollmacht ausgestatteter Bearbeiter eines größeren, hauptsächliches kaufmännisches Sachgebietes in Betrieben, wirtschaftsleitenden Organen und Bilanzorganen. Disponenten werden vor allem in der Materialwirtschaft (Materialdisponent), im Absatz (Verkaufsdisponent) und auch im Fertigungsprozess für die Einordnung von Aufträgen eingesetzt.

disponibel: (sofort) verfügbar.

Disponibilität des Arbeiters: vielseitige Einsetzbarkeit eines Werktätigen im Arbeitsprozess, die seinen subjektiven Fähigkeiten und den objektiven Bedingungen entsprechen muss. Disponibilität des Arbeiters ist ein Erfordernis sozialistischer Produktion und steht mit der Intensivierung der Produktionsprozesse in direktem Zusammenhang. Von Marx wird die Disponibilität des Arbeiters als ein allgemeines gesellschaftliches Produktionsgesetz charakterisiert. Disponibilität des Arbeiters verlangt vielseitige berufliche Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, um ein Arbeitsgebiet mit breitem Profil umfassend zu beherrschen und neue Aufgaben schnell zu meistern,

disponiert: aufgelegt, gestimmt; empfänglich; bei Stimme.

Disposition: 1. allgemein Anordnung, Gliederung; Verfügung; Neigung, Veranlagung.

2. Medizin: angeborene oder erworbene Erkrankungsbereitschaft des Organismus; Gesamtheit der inneren Krankheitsbedingungen im Unterschied zur Exposition.

Dispositionsprinzip: im Zivilprozess die Befugnis der Prozessparteien, im Rahmen der Gesetze über ihre zivilen und prozessualen Rechte innerhalb und außerhalb des Verfahrens frei zu verfügen, zum Beispiel sich gerichtlich oder außergerichtlich zu einigen, die Klage zu erweitern oder zurückzunehmen, dispositiv abdingbar.

dispositives Recht: Rechtsvorschriften, deren Anwendung den Parteien bei der Gestaltung ihrer Rechtsverhältnisse freisteht.

Disproportion: Störung objektiv erforderliche volkswirtschaftliche Proportionen, der Größen- und Wachstumsverhältnisse zwischen den Phasen des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses beziehungsweise den Bereichen und Zweigen der materiellen Produktion und der nichtmateriellen Sphäre; sortiments- beziehungsweise mengenmäßige oder zeitliche Nichtübereinstimmung von Beziehungen zwischen den Zweigen der materiellen Produktion, zwischen Produktion und Bedarf, zwischen Wirtschaftsgebieten unter anderem. Im Kapitalismus sind Disproportion auf Grund des kapitalist Eigentums an den Produktionsmitteln und des Wirkens des Gesetzes der Konkurrenz und der Anarchie in der Wirtschaft gesetzmäßig. Die erforderlichen volkswirtschaftlichen Proportionen können sich hier nur über ständige Disproportion im Verlaufe des Krisenzyklus durchsetzen. Daran vermag auch die staatsmonopolistische Regulierung der Wirtschaft nichts grundsätzlich zu ändern. Unter sozialistischen Produktionsverhältnissen können Disproportion von vornherein vermieden werden, weil das einheitliche sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln eine planmäßige proportionale Entwicklung der Volkswirtschaft gesetzmäßig erfordert und ermöglicht.

Disproportionierung, Dismutation (beide dat.), Oxydo-Reduktion (griechisch + lateinisch): Reaktion zwischen Ionen oder Molekülen einer chemischen Verbindung mittlerer Oxydationsstufe, bei der ein Teil der Verbindung in eine höhere, der andere in eine niedrigere Oxydationsstufe übergeht zum Beispiel führt die Disproportionierung von Kaliumchlorat (KC103 mit Chlor in der Oxydationsstufe +V) durch Erhitzen auf etwa 400 °C zu den Reaktionsprodukten Kaliumperchlorat (KC104, Stufe +VII) und Kaliumchlorid. Bei der Disproportionierung eines Aldehyds wird ein Alkohol (niedrigere Oxydationsstufe) und eine Carbonsäure (höhere Stufe) gebildet (Cannizzaro'sche Reaktion). Das Gegenteil der Disproportionierung ist die Komproportionierung.

Disput, Disputation: Wissenschaftliche Streitgespräch; Wortgefecht.

Disqualifikation: Ausschluss vom Wettbewerb wegen schweren Regelverstoßes.

Disraeli, Benjamin, Earl of Beaconsfield, 21.12. 1804-19.4. 1881, britischer Politiker und Schriftsteller, seit 1848 Führer der Konservativen Partei; bereitete unter dem Eindruck der wachsenden Arbeiterbewegung soziale und politische Reformen vor; als Premierminister (1868 und 1874/80) förderte er die Kolonialexpansion und festigte die britische Vormachtstellung besonders in Indien und im Mittelmeerraum. Disraeli war literarischer Hauptvertreter der neutralistische Reformbewegung «Junges England» und schrieb hierfür die sozialen Programmromane «Coningsby oder Die neue Generation» (1844, deutsch) und «Sybille oder Die beiden Nationen» (1845, deutsch).

Dissens: den Beteiligten bewusste oder nicht bewusste Nichtübereinstimmung von Angebot und Annahme beim Abschluss von Verträgen. Dissens verhindert grundsätzlich das Zustandekommen des Vertrages. Siehe auch Konsens.

Disseptimente, Scheidewände: a) bei Korallentieren radiär angeordnete Kalkplatten;

b) bei Borstenwürmern zwischen Hautmuskelschlauch und Darm gelegene dünne Querwände, die die Leibeshöhle in hintereinanderliegende Kammern gliedern.

Dissertation: schriftliche wissenschaftliche Arbeit im Promotionsverfahren zur Erlangung des akademischen Grades «Doktor eines Wissenschaftszweiges» (D. A) oder «Doktor der Wissenschaften» (D. B).

Dissident: (dat., «der Getrenntsitzende») 1. veraltete Bezeichnung für jemanden, der nicht einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft angehört.

2. im (irreführenden) Sprachgebrauch imperialistischer Ideologen Bürger eines sozialistischen Landes mit antisozialistischen Haltung.

Dissimilation: Abbau von organischer Substanz in Lebewesen zur Freisetzung von Energie unter Verbrauch von Sauerstoff zwecks Leistung chemische (Synthese anderer organischer Substanzen), mechanische (Bewegungen) oder struktureller (Wachstum, Ersatz) Arbeit, wobei auch Wärme entsteht. Bei Tieren entstehen durch die Dissimilation Wasser, Kohlendioxid, Harnstoff, Ammoniak, Harnsäure, Phosphate unter anderem.

In der Pflanzenphysiologie werden Dissimilation und Atmung begrifflich oft gleichgesetzt. Siehe auch Assimilation.

Dissimulation: bewusstes Verheimlichen gesundheitlicher Schäden, zum Beispiel um einen bestimmten Beruf ausüben zu können, die Fahrerlaubnis zu erhalten oder Entlassung aus einem Krankenhaus zu erreichen.

Dissipation: Physik Übergang irgendeiner Energieform in Wärme; tritt bei jedem irreversiblen Prozess auf.

dissipative Strukturen: Strukturen, die in thermodynamischen Systemen entstehen, die weit vom Gleichgewicht entfernt sind und mit ihrer Umgebung ständig Energie und Stoff austauschen. Dissipative Strukturen spielen besonders bei der Strukturbildung in biologischen Systemen eine Rolle.

Dissolution: das Überführen kolloid gelöster Teilchen in eine echte Lösung durch Zusatz eines dritten Stoffes.

Dissonanz: 1. allgemein Missklang; Unstimmigkeit.

2. Musik: «Missklang», dessen Teile auseinanderstreben, unter Umständen nach Auflösung in eine Konsonanz; auch Spannungsklang.

Dissoziation: 1. allgemein Zerfall, Trennung, Auflösung.

2. Chemie: soviel wie Aufspaltung. Die thermische Dissoziation ist die durch Erhitzen bewirkte Zersetzung von Molekülen. Unter der elektrolytischen Dissoziation versteht man die Aufspaltung von Molekülen oder Ionenkristallen durch Lösen in Wasser oder durch Schmelzen. Der Dissoziationsgrad gibt an, welcher Anteil der ursprünglich vorhandenen Moleküle dissoziiert vorliegt; er ist konzentrationsabhängig und nähert sich mit zunehmender Verdünnung dem Wert 1. Die Dissoziationskonstante ist die Gleichgewichtskonstante, die sich bei Anwendung des Massenwirkungsgesetzes auf die elektrolytische Dissoziation ergibt; sie ist eine konzentrationsabhängige Maßzahl für die Lage des jeweiligen Gleichgewichts und damit zum Beispiel für die Stärke von Säuren und Basen.

Distalbiss: Bissanomalie, wobei der Unterkiefer weiter zurückliegt als beim Normalbiss. Siehe auch Kieferanomalien.

Distance Measuring Equipment, Abkürzung DME: in der Luftfahrt gebräuchlichstes Entfernungsmessverfahren; aus der Laufzeit der Impulse zwischen Bord- und standortbekannter Bodenanlage wird die Entfernung bestimmt.

Distanz: 1. allgemein Abstand, Entfernung.

2. Geometrie: Abstand.

3. Sport: a) allgemeine Länge einer Wettbewerbsstrecke; im Pferdesport im engeren Sinne die letzten 200 m bis zum Ziel;

b) der Abstand zum Gegner beziehungsweise zum Ziel (Bogenschießen, Schießsport).

Distanzieren: 1. Überbieten (Hinter sich lassen) des Gegners im sportlichen Wettkampf.

2. die Rückstufung eines Wettkampfteilnehmers im Klassement wegen Regelverstoßes.

Distanzschutz: ein (Staffel-) Schutzsystem für Kabel und Freileitungen in elektrischen Energieversorgungsnetzen gegen Kurz- oder Erdschlüsse. Als Maß für die Entfernung und der davon abhängigen gestaffelten Kommandozeit der Distanzschutzrelais (Impedanzrelais) dient die Impedanz (der Quotient U/I), wodurch das nächstgelegene Relais zuerst auslöst.

Distel: Bezeichnung für Kräuter mit stacheliger Beblätterung, besonders aus der Familie der Korbblütler, zum Beispiel Silberdistel (Eberwurz), Golddistel (Carlina vulgaris); Nickende Distel (Carduus nutans), Stacheldistel (C. acanthoides); die Stranddistel (Eryngium maritimum) ist ein Doldengewächs.

Distelfalter, Vanessa cardui: weltweit verbreiteter Tagfalter, Raupe besonders an Disteln; typischer Wanderfalter; siehe auch Schmetterlinge.

Distickstoffpentoxid: das Anhydrid der Salpetersäure; N205; bildet farblose, zerfließliche, oft ohne sichtbaren Anlass explodierende Kristalle; F 30°C.

Distickstofftrioxid: das Anhydrid der salpetrigen Säure; N203. Distickstofftrioxid ist unterhalb -10°C eine tiefblaue Flüssigkeit, die oberhalb dieser Temperatur in Stickstoffmon- und -dioxid zerfällt.

Distinktion: Auszeichnung; Würde, hoher Rang.

distinktiv (lateinisch): unterscheidend; auszeichnend.

Distomatose: durch Leberegel der Gattung Fasciola verursachte Parasitose bei Säugetieren. Lebergewebe und Gallengänge werden stark geschädigt, es kommt zu Masseabnahme und Leistungsminderung bei den Tieren. Die Distomatose ist meldepflichtig.

Distomon: Stadt im mittleren Griechenland, in Böotien; 3000 Einwohner; Sitz des Konzerns «Aluminium Griechenland», der den Abbau von Bauxit im Parnaß und Helikon kontrolliert, Betriebsanlagen um die Bucht von Antikyra, hierzu der Hafen Agios Nikolaos; im Westen von Distomon die Ruinen von Delphi.

Distribution: 1. Mathematik: Verallgemeinerung des Funktionsbegriffs in der Funktionalanalysis. Eine Distribution ist eine Zuordnung von Funktionen gewisser Funktionenräume zu komplexen Zahlen, die stetig ist, und für 2 Funktionen. Die (Diracsche) Deltafunktion 8(x) ist eine spezielle Distribution, die jeder Funktion ihren Funktionswert zuordnet. In der Analysis, zum Beispiel in der Theorie der Differentialgleichungen, und in der modernen Physik findet die Theorie der Distribution zahlreiche Anwendungen.

2. politische Ökonomie: Verteilung des produzierten Nettoprodukts auf die Klassen und Schichten der Gesellschaft entsprechend dem Charakter der Produktionsverhältnisse; im weiteren Sinne Verteilung der Arbeitskräfte und Produktionsmittel auf die Zweige und Bereiche der gesellschaftlichen Produktion; Bestandteil und Funktion des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses.

Distributionsanalyse: Methode zur Erforschung der sprachlichen Umgebungen, in denen ein sprachliches Element auftreten kann. Ziel der Distributionsanalyse ist die Auffindung der Elemente und deren Klassenbildung (zum Beispiel Phonem, Morphem).

Distributivgesetz: Formulierung einer Beziehung zwischen der Addition und der Multiplikation, nämlich a(b + c) = ab + ac.

distributiv: verteilend, einteilend.

Distributivzahl: Verteilungszahl, zusammengesetzt aus «je» + Zahlwort, zum Beispiel je zwei.

Disziplin: 1. allgemein Ordnung; Bereitschaft zur Einordnung.

2. Teilgebiet einer Wissenschaft oder einer Sportart (Sportdisziplin).

3. Ethik: Forderungen, Haltungen, Verhaltensweisen, die auf Verwirklichung der äußeren Ordnung, der Stabilität beziehungsweise Funktionsfähigkeit sozialer Prozesse und Einrichtungen gerichtet sind. Für das Arbeiten oder Zusammenleben in verschiedenen Gemeinschaften ist jeweils eine spezifische Disziplin erforderlich. Disziplin kann (äußerlich) erzwungen werden oder aus persönlicher Identifizierung mit den jeweiligen gesellschaftlichen Prozessen erwachsen. Ihr sozialer Inhalt bestimmt den sozialen Charakter der in ihnen geübten Disziplin Selbstdisziplin zielt auf die persönliche Lebensordnung.

Disziplinarbefugnis: Recht zur Eröffnung und Durchführung eines Disziplinarverfahrens und zur Festlegung einer Disziplinarmaßnahme. Die Disziplinarbefugnis hat kraft Gesetzes in der Regel der Betriebsleiter; er kann sie durch Festlegung in der Arbeitsordnung leitenden Mitarbeitern übertragen (ausgenommen der Ausspruch einer fristlosen Entlassung).

disziplinarische Verantwortlichkeit: Einstehen müssen des Werktätigen für eine schuldhafte Arbeitspflichtverletzung durch Auferlegung einer Disziplinarmaßnahme. Siehe auch materielle Verantwortlichkeit.

Disziplinarmaßnahme: dem Werktätigen vom Disziplinarbefugten wegen schuldhafter (vorsätzlicher oder fahrlässiger) Verletzung von Arbeitspflichten auferlegte erzieherische Maßnahme. Grundsätzlich sind gesetzlich zugelassen Verweis, strenger Verweis, fristlose Entlassung (in bestimmten Bereichen können rechtliche Regelungen über andere Disziplinarmaßnahme bestehen). Eine Disziplinarmaßnahme bedarf der Schriftform unter Angabe der Gründe. Der Werktätige kann gegen eine Disziplinarmaßnahme innerhalb von 2 Wochen nach Zugang Einspruch bei der Konfliktkommission beziehungsweise dem Kreisgericht einlegen (Arbeitsstreitigkeiten). Eine Disziplinarmaßnahme erlischt nach bestimmter Zeit (Verweis und strenger Verweis nach 1 Jahr, fristlose Entlassung nach 2 Jahren); der Disziplinar befugte kann sie vorzeitig aufheben. Siehe auch Disziplinarordnung.

Disziplinarordnung: spezielle rechtliche Regelung der Pflichten, Rechte und Verantwortlichkeit der Werktätigen solcher Betriebe, in denen besonders hohe Anforderungen an die Disziplin gestellt werden müssen, zum Beispiel Staatsorgane, Post, Eisenbahn, Schulen.

Disziplinarrecht: Rechtsnormen, die die disziplinär. Verantwortlichkeit der Werktätigen, das heißt das Einstehen für eine schuldhafte Verletzung der aus dem Arbeits-, Dienst- oder Ausbildungsverhältnis resultierenden Pflichten regeln. Das Disziplinarrecht ist nur anzuwenden, wenn andere Formen der sozialistischen Erziehung nicht ausreichen. Normen des Disziplinarrechts enthalten das Arbeitsgesetzbuch und andere rechtliche Regelungen, wie zum Beispiel die Verordnung über die Pflichten, Rechte und Verantwortlichkeit der Mitarbeiter in den Staatsorganen.

Disziplinarverfahren: Verfahren zur Untersuchung von Verletzungen der Arbeitsdisziplin und zur Entscheidung über die Festlegung einer Disziplinarmaßnahme. Das Disziplinarverfahren ist vom Disziplinarbefugten einzuleiten und unter Einbeziehung der Werktätigen durchzuführen; der Beschuldigte ist vom Disziplinarbefugten zu hören.

dithionige Säure: sehr unbeständige, nur in wässriger Lösung existierende Säure der Formel H2S,04. Ihre Salze heißen Dithionite, zum Beispiel das reduktiv bleichend wirkende, in der Küpenfärberei und als «Entfärber» verwendete Natriumdithionit.

Dithmarschen: Landschaft in Holstein, zwischen Unterelbe und Eider; 1400 km2; vorwiegend Marschenland; Ackerbau, Gemüseanbau, Viehzucht; Hauptort Heide. Seit dem 12. Jahrhundert entwickelte sich hier unter anderem durch Deichbauten und gemeinsame Siedlungsunternehmungen eine freie Bauerngemeinschaft (Bauernrepublik), in der zunehmend reiche Geschlechter die Politik bestimmten. Die Bauernrepublik von Dithmarschen verteidigte lange Zeit ihre politische Unabhängigkeit gegen die umliegenden rivalisierenden Feudalherren; 1559 vom dänischen König Frederik II. unterworfen.

Dithyrambus: altgriechisches chorisches Tanzlied rhythmisch-ekstatischen Charakters zur Verherrlichung des Gottes Dionysos; in der klassischen deutschen Literatur auch als Bezeichnung für Dichtung mit hymnischer expressiver Ausdrucksweise verwendet (Goethes «Wandrers Sturmlied»).

Dittersdorf, Karl Ditters von, 2.11. 1739-24.10. 1799, österreichischer Komponist und Violinist; war mit C. W. Gluck, J. Haydn und W. A. Mozart befreundet; schrieb vor allem zahlreiche gefällige Orchester- und Kammermusik, komische Opern («Doktor und Apotheker», 1786) sowie eine Autobiographie.

Dittes, Friedrich, 23. 9. 1829-15. 5. 1896, Pädagoge und Schulpolitiken kämpfte für Demokratisierung der Schule, Hebung des Bildungsniveaus in der Volksschule und bessere Lehrerbildung; Hauptwerk «Schule der Pädagogik» (1876).

Diurese: Ausscheidung des Harns. Bei normaler Flüssigkeitsaufnahme beträgt die Diurese 1 bis 1,3 Liter je Tag. Bei übersteigerter Flüssigkeitsaufnahme oder vermehrter Abgabe osmotisch aktiver Stoffe kann sie stark zunehmen.

divergent: 1. auseinandergehend; in entgegengesetzter Richtung verlaufend.

2. Grenzwert.

Divergenz: 1. allgemein das Auseinandergehen; übertragen Widerstreit, Meinungsverschiedenheit.

2. Divergenz, Zeichen div: Mathematik Operation der Vektoranalysis, die der vektoriellen Ortsfunktion.

Diversifikation: Prozess, in dem Monopole eine Mehr- beziehungsweise Vielzweigstruktur annehmen, oft mit der Bildung von j1 Konglomeraten verbunden. Die Diversifikation ermöglicht es den Monopolen, grundlegende Forschungsergebnisse auf mehreren Gebieten technisch zu nutzen und Profite daraus zu ziehen; sie soll auch bei strukturellen und zyklischen Krisen in einzelnen Wirtschaftszweigen Ausweichmöglichkeiten innerhalb des Monopols eröffnen. Im Ergebnis der Diversifikation zentralisiert sich die ökonomische und politische Macht noch stärker in den Händen der Finanzoligarchie.

Diversity, Empfang, Mehrfachempfang. Empfangsverfahren zur Verringerung von Schwund bei Richtfunkverbindungen. Man unterscheidet Raum-Diversity (mit räumlich getrennten Antennen), Frequenz-Diversity (mit 2 Frequenzkanälen) und Polarisations-Diversity (mit 2 Polarisationsrichtungen der elektrischen Feldstärke).

divertieren: ergötzen, belustigen.

Divertikel: natürliche oder krankhafte Ausstülpung der Wand von Hohlorganen, zum Beispiel des Darmes.

Divertikulose: Befall des Dickdarms, seltener anderer Darmanteile, mit zahlreichen erbsen- bis bohnengroßen Divertikeln (Aussackungen), die sich entzünden, durchbrechen oder bluten können.

Divertimento: a) unterhaltsames mehrsätziges Instrumentalwerk (besonders im 18. Jahrhundert);

b) freies Zwischenspiel in der Fuge.

Divertissement: 1. Musik: französische Bezeichnung für das Divertimento.

2. Tanz: Balletteinlage; Aneinanderreihung verschiedenartiger Tänze ohne verbindende Handlung, besonders in französischen Opern.

divide et impera: (lateinisch, «teile und herrsche») sprichwörtlich gewordenes Prinzip römische Außenpolitik, die Gegner durch unterschiedliche Behandlung voneinander zu trennen, um sie einzeln leichter beherrschen zu können.

Dividende: jährlicher Anteil des Aktionärs am Gewinn (Profit) der Aktiengesellschaft. Die Höhe der Dividende schwankt in Abhängigkeit insbesondere vom Geschäftsgang.

Dividivi: zum Gerben verwendete Schoten eines mittelamerikanisch-westindischen Schmetterlingsblütlers.

Division: 1. Mathematik: Teilen; Umkehrung der Multiplikation. Der Dividend gibt an, welche Zahl geteilt wird; der Divisor gibt an, durch welche Zahl geteilt wird. Das Ergebnis der Division heißt Quotient.

2. Division: Militärwesen: Verband.

3. Division: Sportspiele: Leistungsklasse etwa gleichstarker Mannschaften.

Divisionismus, Neoimpressionismus (griechisch + französisch), Pointillismus: von G. Seurat und P. Signac begründete Richtung der Malerei, die sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Farbtheorie und Optik (H. von Helmholtz, J. Maxwell, O. N. Rood, C. Henry) stützte. Die Farbe wird in kleinen Punkten (französisch point «Punkt») aufgetragen und ihre optischen Mischung dem Auge des Betrachters überlassen. Seurat selbst nannte wegen der Zerlegung der Farben in Grundelemente dieses Prinzip Divisionismus Erste Gemälde in dieser Manier entstanden 1883/84. Im Divisionismus erreichte der Impressionismus seine letzte Steigerungsstufe. Gleichzeitig bot er zahlreiche Ansatzpunkte für den Übergang zum Jugendstil beziehungsweise zur abstrakten Kunst.

Division mit Rest: Bestimmung der ganzen, nicht negativen Zahlen q und r aus den ganzen positiven Zahlen m und n gemäß der Gleichung m = qn + r mit einer Zahl r, die echt kleiner als n ist. Entsprechendes gilt für Polynome mit Koeffizienten aus einem Körper: Wenn m(x) und n(x) Polynome sind, so gibt es eindeutig bestimmte Polynome q(x) und r(x) mit der Eigenschaft, dass m(x) = q(x) n(x) + r(x) und der Grad von r(x) kleiner als der Grad von n(x) ist Siehe auch Euklidischer Algorithmus.

Divisionsglied: mechanisches Getriebe oder elektronische Schaltung zur Ausführung der Division zweier Zahlen oder Funktionen in mathematischen Geräten oder Analogrechnern; häufig auch nur als Umkehrung eines Multiplikators durch Vertauschung von Aus- und Eingang realisiert.

Divisionskalkulation: Kalkulationsverfahren, bei dem zur Ermittlung der Kosten pro Erzeugnis die Kosten der produzierenden Kostenstellen beziehungsweise des Betriebes durch die im gleichen Zeitraum produzierte Erzeugnismenge dividiert werden. Die Divisionskalkulation erfordert, dass innerhalb der produzierenden Kostenstelle beziehungsweise des Betriebes nur eine Erzeugnisart hergestellt oder unterschiedliche Erzeugnisarten kostenmäßig vergleichbar gemacht werden. Siehe auch Äquivalenzziffernrechnung.

Divulgation: (lateinisch) Ausbreitung, Kundmachung.

Diwan: 1. niedriges gepolstertes Ruhebett.

2. Staatsrat im islamischen Orient.

3. Gedichtsammlung eines Dichters in den islamischen orientalischen Literaturen.

Dixieland: 1. Musik: erster «weißer» Jazz Stil; entstanden um die Jahrhundertwende; bestand in der Imitation des New Orleans Jazz der Afroamerikaner durch weiße amerikanische Musiker; Wiederbelebung in den 50er Jahren; seither versteht man darunter verschiedene Mischformen älterer Jazzstile.

2. Dixieland, Dixieland Foxtrott, Dixie: Tanz - rhythmischer Abart des Foxtrotts in schnellem %-Takt ohne eigenes Schrittmaterial; benutzt in der Musik Elemente des Dixieland-Jazz in kommerzialisierter Form.

Diyarbakir: Stadt (Provinzzentrum) im Südosten der Türkei, in einer Oase am oberen Tigris; 230000 Einwohner; Handelszentrum des türkischen Kurdistans (besonders landwirtschaftliche Produkte); Leichtindustrie (zum Beispiel Textilien und Lederwaren); Verkehrsknoten, Flughafen.

Dicyandiamid: ein weißer, wasserlösliche Feststoff; wird aus Harnstoff gewonnen und dient zur Herstellung von Plasten und Kunstharzen.

Dizyandiamidharze, Symbol DD: aus Dicyandiamid und Formaldehyd durch Polykondensation hergestellte Aminoplaste. Dizyandiamidharze sind farblos, beliebig einfärbbar, gut elektrisch isolierend und wärmefest. Sie werden als Holzleime (Furnierverklebung, Bindemittel für Faser- und Spanplatten) sowie im Gemisch mit Füllstoffen (zum Beispiel Zellstoff, Holzmehl) zur Herstellung von «Didi»-Pressmassen verwendet.

Djibouti, Dschibuti, Republik Djibouti: Staat in Nordostafrika, am Golf von Aden; grenzt im Südosten an Somalia, sonst an Äthiopien; verwaltungsmäßig in 4 Distrikte gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich überwiegend aus Issa (55%) und Afar (40%) zusammen. Amtssprachen sind Französisch und Arabisch. Währung ist der Djibouti-Franc. Das Küstengebiet weist infolge tektonischer Bewegungen und vulkanische Tätigkeit vielfältige Oberflächenformen auf mit Höhenunterschieden von 174 m unter dem Meeresspiegel (Depression des Assalsees) bis 1775 m über dem Meeresspiegel Durch heißes und trockenes, aber schwüles Klima teils wüstenhafte Dombuschsavanne, teils vegetationslose Gebiete. Ungenutzte Kupfer-, Mangan-, Schwefelkies-, Gips- und Achatvorkommen; große geothermische Ressourcen. Djibouti ist ein schwach entwickeltes Agrarland, noch überwiegend vom Auslandskapital (besonders französisches) beherrscht. Die wichtigste Einnahmequelle des Staates sind die Hafenwirtschaft, der Transitverkehr äthiopischer Güter über den Hafen der Hauptstadt und der Fremdenverkehr. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft. Die Mehrzahl der erwerbstätigen Bewohner betreibt halbnomadische Viehhaltung. An der Küste Fischfang, Perlen- und Schwammfischerei sowie Meersalzgewinnung. Die Industrie ist gering entwickelt und beschränkt sich überwiegend auf die Verarbeitung der Produkte aus der Viehhaltung (Fleisch, Häute, Felle). Ausgeprägt ist die handwerkliche Produktion. Ausfuhr von Fellen, Häuten, Vieh, Meersalz; Einfuhr von Lebensmitteln, Brennstoffen, Verbrauchsgütern. Das Gebiet der heutigen Republik Djibouti war schon Ägyptern, Griechen und Römern bekannt; seit dem 7. Jahrhundert unter arabische, seit dem 16. Jahrhundert unter türkischer Herrschaft. Mitte des 19. Jahrhundert drangen französische Kolonialeroberer ein, erklärten die durch «Kaufverträge» erworbenen Gebiete 1896 zur Kolonie Französisch-Somaliland. 1946 erfolgte gegen den Willen der Bevölkerung die Umwandlung in ein sogenanntes Überseeterritorium Frankreichs. 1958/66 Demonstrationen gegen die Kolonialherrschaft, die grausam niedergeschlagen wurden. Nach einem Volksentscheid (19.3.1967) erfolgte im Juni 1967 demagogisch die Umbenennung in Französischen Territorium der Afar und Issa. Um die strategisch wichtige Position am «Horn von Afrika» weiter zu beherrschen, wurde die koloniale Politik zur Spaltung der beiden wichtigsten Volksgruppen fortgesetzt. Am 8. 5.1977 entschied sich die Bevölkerungsmehrheit in einem erneuten Referendum für die Unabhängigkeit. Im Ergebnis dieser Abstimmung wurde am 27. 6. 1977 die Republik Djibouti gegründet; erster Präsident wurde Hassan Gouled Aptidon, der Vorsitzende der afrikanischen Volksliga für die Unabhängigkeit (französisch Abkürzung LPAI). Nach Erringung der staatlichen Selbständigkeit wurde Djibouti Mitglied der UN, OAU und Arabische Liga. Frankreich sicherte sich jedoch weiterhin Militärstützpunkte und die Vorherrschaft über Wirtschaft und Finanzen Djiboutis. Außenpolitisch orientierte sich die Regierung auf strikte Neutralität. Auf Grund der engen ökonomischen Beziehung zu Äthiopien strebt Djibouti ein gutnachbarliches Verhältnis an, ebenso zu Somalia. 1979 wurde die Schaffung einer neuen Partei, der Volksbewegung für den Fortschritt (französisch Abkürzung MPP), unter der Führung Hassan Gouled Aptidons beschlossen.

Dobermann: (nach einem Hundezüchter) mittelgroße, kräftige, weltweit verbreitete Hunderasse; vorzüglich Haus-, Schutz- und Begleithund; Rüden 62 bis 70 cm hoch, kurzhaarig; schwarz, braun oder blau mit rostroten, scharf abgegrenzten Abzeichen; Ohren und Rute kupiert.

Döblin, Alfred, 10.8.1878-28.6.1957, Schriftsteller, 1911/33 Nervenarzt in Berlin; emigrierte 1933; schrieb, vom Expressionismus ausgehend, aus antiimperialistischer Grundhaltung sprachgewaltige, künstlerisch eigenwillige, von (ideologischen) Widersprüchen nicht freie Prosawerke («Die drei Sprünge des Wang-Lun», 1915; «Wallenstein», 1920; «Berge, Meere und Giganten», 1924). Seinen größten Erfolg erzielte er mit dem kritisch-realistischen Gesellschaftsroman «Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte von Franz Biberkopf» (1929); ferner sozialkritische Romane («Pardon wird nicht gegeben», 1935; «Amazonas», 1935/48; Tetralogie «November 1918», 1937/50; «Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende», 1956) sowie Erzählungen und Essays. Nach seiner Rückkehr aus dem Exil, wo Döblin zum Katholizismus konvertiert war, blieb er in der BRD ohne Anerkennung und starb dort völlig vereinsamt.

Docodonta: primitive Säuger der Obertrias bis -kreide mit eigentümlich doppeltem Kiefergelenk, das den Übergang von den Reptilien zu den Säugern zeigt.

Dodd, Martha, geboren 8.10.1908, US-amerikanische Schriftstellerin; wurde in den USA wegen ihrer antifaschistische Haltung verfolgt; ihre Erfahrungen im faschistischen Deutschland behandelt der Bericht «Aus dem Fenster der Botschaft» (1939, deutsch); der Roman «Die den Wind säen» (1945, deutsch) spiegelt den antifaschistischen Kampf in Deutschland wider.

Dodekaeder, Zwölfflächner: ein von 12 Polygonen begrenzter Körper; das Pentagondodekaeder, von 12 regelmäßigen 5ecken begrenzt, ist ein platonischer Körper; Rhombendodekaeder und Deltoiddodekaeder treten bei Mineralen auf.

Doebereiner, Johann Wolfgang, 13.12.1780-24.3.1849, Chemiker; fand die platinkatalysierte Entzündung von Wasserstoff an der Luft (Döbereinersches Feuerzeug); stellte 1829 seine Triadenregel als Vorstufe zum Periodensystem der Elemente auf.

Dock: 1. technische Anlage auf Werften und in Häfen zum Trockenstellen von Schiffen für Reparatur, Umbau, Anstrich, Untersuchung. Das Trockendock ist ein längliches Becken, durch wasserdichtes Tor verschließbar, das nach Einfahren des Schiffes leergepumpt wird. Das Schwimmdock ist ein meist U-förmiger stählerner Schwimmkörper, der durch Fluten von Zellen abgesenkt und nach dem Einschwimmen des Schiffes wieder leergepumpt wird.

2. durch Schleusen oder Docktore abschließbares und dadurch vom Tidenhub unabhängiges Hafenbecken.

Doggen: schon im Mittelalter für Jagd- und Kriegszwecke gehaltene Gruppe kräftiger Hunde, aus der durch Kreuzung reine Rassen hervorgingen, zum Beispiel die Deutsche Dogge, Rüden über 80 cm hoch, kurzhaarig, gelb, blau, schwarz, schwarzweiß gefleckt (Tigerdogge), gestromt, als Diensthund anerkannt. Die Franzosische Bulldogge ist bis 34 cm hoch, kurzhaarig, gestromt, weiß mit gestromten Flecken oder reinweiß, ruhig und anhänglich.

Dogma: für unumstößlich, ewig und überall gültig gehaltener philosophischer, politischer oder theologischer Lehrsatz; religiös verbindlicher Glaubenssatz; festgelegte starre, die Realität in ihrer Entwicklung unberücksichtigt lassende Lehrmeinung; ungeprüft hingenommene Behauptung.

Dogmatik: Teil der Theologie, systematische Darstellung eines religiösen Glaubens, Glaubenslehre; umfasst Ekklesiologie (Lehre vom Wesen der Kirche), Trinitätslehre, Schöpfungslehre, Gnadenlehre, Christologie, Mariologie, Sakramentenlehre, Eschatologie unter anderem.

Dogmatiker: Lehrer der Dogmatik; 1. weiteren Sinne unkritischer Verfechter starrer, überlebter Lehrsätze (Dogmen)-, jemand, der unfähig ist, wissenschaftliche Theorien unter veränderten Bedingungen schöpferisch anzuwenden.

Dogmatismus: Buchstaben Gelehrsamkeit, Berufung auf Dogmen; unhistorische, metaphysische Denkweise, die ohne konkrete historische Analyse der Wirklichkeit an angeblich ewigen und überall gültigen Wahrheiten festhält. Der Dogmatismus ist charakteristischer Grundzug jeder Religion und Wesensmerkmal bürgerlicher Ideologie. In der Arbeiterbewegung erscheint er als spezifische Abweichung vom Marxismus-Leninismus, bei der einzelne seiner Thesen aus dem Zusammenhang gerissen werden, und die Unfähigkeit besteht, die marxistisch-leninistische Theorie lebensverbunden und schöpferisch zur Auswertung neuer Erfahrungen des Klassenkampfes anzuwenden und weiterzuentwickeln. Dogmatismus führt zum Sektierertum.

Doha, Ad-Dawhah, Ad-Duha: Hauptstadt von Katar, an der Ostküste der Halbinsel Katar am Persischen Golf; 180000 Einwohner, regionales Finanzzentrum; Seehafen (im Ausbau), internationaler Flughafen, Erdgasleitung aus Dukhan; Gewinnung von Trinkwasser durch Meerwasserentsalzung; territoriale Erweiterung durch Aufschüttung im Meer.

Dohle, Corvus monedula: knapp taubengroßer Rabenvögel Europas, Nordafrikas, Westasiens; brütet in Baum- und Felshöhlen, auch in alten Gebäuden; lebt gesellig, im Winter oft mit Saatkrähen in großen Schwärmen zusammen. Siehe auch Rabenvögel.

Dohna-Schlobitten, Friedrich Ferdinand Alexander Burggraf und Graf von, 29.3.1771-21.3.1831, preußischer Jurist und Politiker; 1807 Präsident der preußischen Kriegs- und Domänenkammer in Berlin, gehörte zu den Reformern um Stein und Hardenberg, 1808/10 Innenminister; wirkte 1813 mit an der Begründung der preußischen Landwehr.

Doisy, Edward Adelbert, geboren 13. 11. 1893, US-amerikanischer Biochemiker; Professor in Rochester (N. Y.). Ihm gelang 1935 die Isolierung des Östradiols (physiologisch wirksames Ovarialhormon); konnte die chemische Struktur von Vitamin K aufklären (1937).

Doktor, Abkürzung Dr.: akademischer Grad und Titel, verliehen von Universitäten, Hochschulen unter anderem wissenschaftliche Einrichtungen nach Annahme und Verteidigung der Dissertation unter anderem Prüfungsleistungen. Der Doktortitel kann für besondere Verdienste um die Wissenschaftsentwicklung an hervorragende Persönlichkeiten auch ehrenhalber verliehen werden (Dr. h. c.).

Doktorfische, Acanthuridae: Familie der Barschartigen mit einem abspreizbaren, stilettartigen Dom beiderseits der Schwanzwurzel; vielfach farbenprächtige Bewohner tropischer Korallenriffe, die Algenbewuchs abweiden.

Dokumentarfilm: im weiteren Sinne Sammelbegriff für alle Filme, die wirkliche Geschehnisse und Tatsachen wiedergeben; im engeren Sinne für Filme, die über Ereignisse und Geschehnisse im gesellschaftlichen Leben und in der Natur berichten, wobei das Tatsachenmaterial vom Standpunkt des Filmschöpfers ausgewählt, angeordnet und interpretiert wird,

dokumentarisches Theater: Richtung der kritischen realistischen und sozialistischen Dramatik und des Theaters, die vorwiegend dokumentarisches Material (Protokolle, Briefe, Statistiken unter anderem) verwendet, das vom Verfasser montiert und sprachlich geformt wird. Das dokumentarische Theater verzichtet weitgehend auf einheitlicher Fabel und psychologische Charaktergestaltung; zu ästhetische und politische Wirkungen gelangt es durch Auswahl und Beweiskraft des dokumentarischen Materials. Es hat sich in den 20er (E. Piscator) und besonders den 60er Jahren des 20. Jahrhundert hauptsächlich im deutschsprachigen Theater entwickelt (H. M. Enzensberger, «Das Verhör von Habana»; H. Kipphardt, «In der Sache J. Robert Oppenheimer»; P. Weiss, «Die Ermittlung»; unter anderem); auch im Sowjettheater (zum Beispiel M. Schatrow, «Bolschewiki»).

Dokumentarliteratur, literatura testimonial (spanisch), Zeugnisliteratur, in den spanischen-lateinamerikanischen Literaturen neuer Typ vielgestaltiger literarischer Ausdrucksformen; weitgehend journalistischen Ursprungs und zum Teil literarische Ersatzform zur Umgehung publizistischer Medienzensur; unter anderem auch auf Tonbandaufzeichnungen beruhende authentische Berichte und Lebensbeschreibungen.

Dokumentation: 1. inhaltliche Be- und Verarbeitung von Informationsquellen mittels rationeller Methoden und Techniken, zum Beispiel Referieren (Referat), Indexieren (Deskriptor), Informationssynthese CT Wissensspeicher), mit dem Ziel der rationellen Speicherung und schnellen Verbreitung neuer wissenschaftliche Erkenntnisse. Siehe auch Information und Dokumentation.

2. publizistischer Genre, das unter Verwendung von Dokumenten Nachweise über das gesellschaftliche Verhalten von Personen, sozialen Gruppen, Klassen und Staaten oder über den Ablauf von Ereignissen führt (zum Beispiel Farbbücher); in Film, Fernsehen, Rundfunk zum Teil künstlerisch geformt.

Dokumente gegen Akzept: Zahlungsart und Finanzierungsmethode im Außenhandel mit dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet. Der Exporteur händigt die über das Eigentum der Ware berechtigenden Dokumente (in der Regel Versanddokumente) gegen Akzeptierung einer Tratte (Wechsel) durch den Importeur (Wechselakzept) aus. Damit wird dem Käufer ein kommerzieller Kredit eingeräumt und ein Zahlungsziel gewährt, wobei das Risiko durch den Rechtscharakter des Handelswechsels bedeutend eingeschränkt wird. Beim Abschluss eines Exportliefervertrages stellt die Zahlungsart Dokumente gegen Akzept zusammen mit dem Zahlungstermin die Zahlungsklausel dar.

Dokumentenanalyse: Methode der sozialwissenschaftlichen Forschung zur Gewinnung von Daten und Aussagen. Man unterscheidet verbale, statistische und Bild-Dokumentenanalyse, private und öffentlichen Dokumentenanalyse, systematische und zufällige Dokumentenanalyse Die qualitative Auswertung (zusammenfassende Bewertung) wird zunehmend ergänzt durch quantitative Analysen (Inhaltsanalyse). Die Dokumentenanalyse dient bei soziologischen Erhebungen der Voruntersuchung, ist aber oft auch Ergänzungs- und selbst Hauptmethode.

Dolby-System: (nach dem Erfinder) elektronisches Verfahren zur Verringerung des störenden Rauschens bei der Speicherung und Wiedergabe von Schall, das nur bei kleinen Nutzsignalamplituden wirksam ist und die Wiedergabequalität erheblich verbessert.

Dolce stil nuovo: (italienisch, «süßer neuer Stil») in der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert aus der provenzalisch-sizilianische Minnedichtung unter dem Einfluss neuplatonische Ideen in Ober- und Mittelitalien sich entwickelnde neue Art der Liebeslyrik, deren Hauptvertreter Guittone d’Arezzo, G. Guinizelli und Dante Alighieri sind.

Dolch: kurze Stichwaffe mit feststehender zweischneidiger Klinge.

Dolchfrosch, Babina holsti: Frosch, dessen Daumen aus einem dolchartig zugespitzten Knochen mit nur dünner Hautbedeckung besteht, vermag damit blutende Wunden zuzufügen; bewohnt das Okinawa-Gebirge.

Dolchstoßlegende: in der Schlussphase des 1. Weltkrieges 1918 von imperialistischen und militaristischen Kreisen hervorgebrachte Lüge, Deutschland habe den Krieg nicht aus militärischen und ökonomischen Gründen verloren, sondern durch den «Verrat der Heimat» («Dolchstoß in den Rücken der Front»), Die Dolchstoßlegende war eine ideologische Waffe der Reaktion im Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und alle demokratische Kräfte.

Dolchwespen, Scoliidae: Familie der Stechwespen, vorwiegend in Südeuropa und den Tropen; Vollkerfe zum Teil sehr groß; ihre Larven entwickeln sich in Larven der Blatthornkäfer (Engerlingen).

Dolde: Blütenstand, dessen gleichlange Seiten Achsen von einem Punkt der kurzen Hauptachse ausgehen, zum Beispiel bei der Primel.

Doldengewächse, Umbelliferae, Apiaceae: Familie zweikeimblättriger Pflanzen, vorwiegend auf der nördlichen Erdhalbkugel; meist Kräuter mit doldigen Blütenständen und meist gefiederten Blättern, reich an ätherische Ölen; viele Gewürzpflanzen, zum Beispiel Anis, Dill, Kümmel, Fenchel, Koriander, Liebstöckel, Petersilie, sowie Gemüsepflanzen, zum Beispiel Möhre, Sellerie; sehr giftig sind Gefleckter Schierling (Conium maculatum) und Wasserschierling (Cicuta virosa).

Dole: Wasserdurchlass durch einen Damm; überbauter Ablaufgraben unter Straßenabzweigungen.

Dolichenus, der aus Doliche in Kommagene (Nordsyrien) stammende Baal, den die Römer mit Jupiter gleichsetzten und als Schutzgottheit der Soldaten verehrten.

Doline: Einsenkung im Karstgebiet, die durch den Einsturz unterirdischer Hohlräume entstanden ist und eine charakteristische Oberflächenform in Karstgebieten darstellt. Durch Zusammenwachsen mehrerer benachbarter Doline können große Senkungsgebiete entstehen, die als Uvalas bezeichnet werden.

Dollar, Zeichen $: Währungseinheit der USA (seit 1792) unter anderem Länder. Der US-Dollar wurde 1944 durch Vereinbarung von Bretton Woods zur Leitwährung des kapitalistischen Währungssystems, Haupthandelswährung; entwertete sich besonders infolge der verstärkten US-Aggressionspolitik (Dollarkrise); 1968 Aufhebung der 25%igen Golddeckung und 1971 der Verpflichtung von Zentralbanken kapitalistischer Länder, jederzeit Dollar gegen Gold einzutauschen; erschütterte das kapitalistischen Weltwährungssystem. Abwertung 1971 (7,895%) und 1973 (10%). Der fortschreitende Kursverfall des US-Dollar in den 70er Jahren konnte erst (im Zusammenhang mit der US-Hochzinspolitik und der Reaganschen Rüstungspolitik) Anfang der 80er Jahre gebremst und rückläufig gestaltet werden. Siehe auch Währung.

Dolle-Dutte: Vorrichtung am oberen Rand der Bordwand von Ruderbooten als Lager für das Ruder, bei Sportbooten am Ausleger befestigt.

Dollfuß, Engelbert, 4.10. 1892-25.7. 1934, österreichischer Politiker; entwickelte die christlich-soziale Partei in Anlehnung an die faschistische Partei Italiens. 1932/34 Bundeskanzler und Außenminister, errichtete 1933 die Dollfuß-Diktatur, schlug im Februar 1934 den Widerstand der österreichischen Arbeiter nieder (Februar Kampfe); wegen seiner proitalienischen Orientierung im Aufträge des deutschen Faschismus ermordet.

Dolly: gummibereifter, schienenloser Spezialwagen für Filmaufnahmen, meist als Kran-Dolly ausgeführt, dessen schwenkbare, stets waagerechte Plattform die Kamera und auch den Kamera Mann trägt.

Dolman: (türkisch) 1. ursprünglich von den Türken getragenes jackenartiges, vom offenes Kleidungsstück mit engen Ärmeln. Später knapp anliegende Uniformjacke der Husaren.

2. breiter, in das Oberteil eingeschobener Ärmel, der zum Handgelenk hin schmaler wird.

Dolmetscheranlage: elektroakustische Anlage für die simultane Übersetzung der Rednersprache in andere Sprachen und zur drahtgebundenen oder -losen Übermittlung zu Kopfhörern von Teilnehmern internationaler Konferenzen.

Dolomit: (nach einem französischen Geologen) 1. Mineral, Kalzium-Magnesium-Carbonat; Kristall System trigonal; farblos, weiß; Härte 3,5 bis 4, Dichte 2,85 g/cm3; kommt in karbonatischen Sedimentfolgen, auch auf hydrothermalen Erzgängen vor.

2. Dolomit, Dolomitgestein-. ein aus Dolomit zusammengesetztes sedimentäres und metasomatisches-regionalmetamorphes Sedimentgestein, zum Beispiel in den Dolomiten.

Dolomit Erzeugnisse: Stampfmassen und Steine zum Ausfüttern basischer Stahlöfen, hergestellt aus gebranntem Dolomit (Sinterdolomit).

dolos: (lateinisch) arglistig, betrügerisch, auf Täuschung beziehungsweise vorsätzliche Schädigung gerichtet.

Dom: 1. Dom (lateinisch, «Haus») Baukunst: gebräuchliche deutsche Bezeichnung für die Bischofskirche (Kathedrale); auch die Hauptkirche einer Stadt.

2. Völkerkunde: Zigeuner.

Doma: (griechisch, «Haus, Dach») Kristallographie 2flächiges Dach, dessen Flächen spiegelbildlich zu einer Symmetrieebene und parallel zur a-, b- oder c-Achse verlaufen.

Do mag, Gerhard, 30.10. 1895-24. 4. 1964, Pathologe und Bakteriologe; Professor an der Universität Münster; Leiter der Abteilung für experimentelle Pathologie der I. G.-Farbenindustrie (Bayer-Konzern) in Wuppertal-Elberfeld. Durch die Entdeckung der Heilwirkung der Sulfonamide (Prontosil; 1932) ermöglichte er erstmalig die gezielte Bekämpfung bakterieller Erkrankungen.

Domäne: 1. land- oder forstwirtschaftlicher Großbesitz, der dem feudalen oder bürgerlichen Staat oder auch einem regierenden Fürstenhaus gehört. Am Ende des Feudalismus erfolgte die Trennung der Domäne (Staatsgut) von dem Privatvermögen des Fürsten (Krongut).

Domanovszky, Endre, 23.1. 1907-15.5. 1974, ungarischer Maler, schuf neben dekorativen Wandmalereien und -teppichen auch thematisch gebundene Werke, unter anderem expressive Arbeitsdarstellungen.

Domenichino, eigentlich Domenico Zampieri, 21.10. 1581-6. 4. 1641, italienischer Maler; vertrat mit klar gegliederten Fresken eine klassizistischen Richtung innerhalb der Barockmalerei.

Domestik: (französisch) Hausangestellter, Dienstbote, Diener.

Domestikation: (lateinisch) Umwandlung von Wildtieren in Haustiere.

Domgraf-Fassbaender, Willi, 19.2.1897-15.2.1978, Sänger (Bariton); wirkte an verschiedenen großen Opernhäusern; als Mozart-Sänger international geschätzt; war 1953/62 als Oberspielleiter in Nürnberg tätig.

Dominante: (italienisch, «die Herrschende») im Dur-Moll-System die Quinte über der Tonika (Oberdominante) beziehungsweise die Quinte unter der Tonika (Subdominante oder Unterdominante) einer Tonart und der darauf aufgebaute Dreiklang. Tonika, Dominante und Subdominante bestimmen in der Kadenz die Tonart.

Dominanten: Biologie die Arten, die gegenüber den übrigen Arten einer Lebensgemeinschaft die relativ höchste Individuenzahl oder Biomasse aufweisen.

Dominantseptakkord: in Dur und Moll der Vierklang der 5. Stufe, bei dem der Dominantdreiklang um eine kleine Septime nach oben (vom Grundton aus) erweitert ist.

Dominanz: 1. Genetik: Erscheinung bei Bastarden, dass von den beiden Allelen eines Gens die Wirkung des als dominant bezeichnten Allels die des zweiten (rezessiven) Allels bei der Merkmalausbildung unterdrückt. Siehe auch rezessiv.

2. Ökologie: die relative Häufigkeit von Individuen einer Art zum Vorkommen sämtlicher Arten in einer Lebensgemeinschaft (Individuendominanz). Die Biomasse kann auch als Bezugsgröße verwendet und dadurch die Gewichts- oder Volumendominanz einer Art ermittelt werden.

Dominat: («Herrschaft») letzte Herrschaftsperiode (284/476 nach Christus) der römischen Kaiser, in der sie unter sakraler Verbrämung als dominus et deus (Herr und Gott) die absolute Macht im Staate ausübten. Das Dominat diente der Rettung und Restaurierung des römischen Sklavereistaates; von Diokletian begründet, von Konstantin I. zur vollständigen Militärdiktatur ausgebaut. Der Staat dieser Periode stützte sich auf einen bürokratischen Beamtenapparat, das Heer und nach ihrer Anerkennung die christliche Kirche.

Dominica, Commonwealth von Dominica: Staat (Republik) auf der Insel Dominica, einer der Windward-Inseln (Kleine Antillen), im Karibischen Meer. Die Bevölkerung gliedert sich ethnisch in etwa 89% Afroamerikaner, 8% Mulatten, 2% Weiße und 1 % Kariben (in einem Reservat im Nordosten der Insel). Amtssprache ist Englisch, Verkehrssprache Französisch (Patois-Dialekt). Währung ist der Ostkaribische Dollar. Dominica ist eine vulkanische Gebirgsinsel (Morne Diablotins, 1447 m) mit dichtem tropischen Regenwald, fruchtbaren Verwitterungsböden, zahlreichen Flüssen, Wasserfallen und Geysiren. Dominica ist ein wenig entwickeltes kapitalistisches Agrarland mit schwacher industrieller Basis und einer hohen Arbeitslosenquote. Wichtigste Anbau- und Exportprodukte stellen Bananen (75% Anteil am Export), Zitrusfrüchte, Kopra, Gewürze (Muskat, Vanille), Kokosnüsse, Kakao und Tabak dar. Förderung der Viehwirtschaft sowie der wirtschaftlichen Nutzung der großen Waldbestände, Entwicklung des Auslandstourismus zum Ausgleich der defizitären Außenhandelsbilanz. Die Industrie ist auf die Verarbeitung agrarische Produkte (Kopra, Rum, Zigaretten unter anderem) orientiert. Daneben existieren ein Erdölverarbeitungsbetrieb, eine Bekleidungs- und eine Zementfabrik. Hochseehafen Roseau, internationale Flughafen. Haupthandelspartner sind Großbritannien, die USA und die karibischen Staaten. 1493 von Kolumbus entdeckt; 1632 begann französische Kolonisation, im 18./19. Jahrhundert umstritten zwischen Frankreich und Großbritannien, das sich den Besitz der Insel sicherte. Erhebungen und Volksaufstände (unter anderem 1844, 1894) wurden unterdrückt. Nach dem 2. Weltkrieg erzwang die Volksbewegung Zugeständnisse (1951 allgemeines Wahlrecht), 1967 erhielt Dominica innere Selbstverwaltung, und 1978 wurde es staatlich selbständig. Soziale Spannungen führten 1979 zum Rücktritt des Präsidenten und der Regierung der Labour-Partei, die bei Wahlen im Juli 1980 der mit antikommunistischem Regierungsprogramm auftretenden Freiheitspartei unterlag.

Dominikaner, Predigerbrüder. Mitglieder eines 1216 von Dominikus (um 1175-1221) gegründeten Ordens zur Bekämpfung der «Ketzer» in Südfrankreich. Seit 1232 auch in der kirchlichen Inquisition tätig. Neben den Franziskanern sind die Dominikaner der zweitgrößte Bettelorden. Er wirkt besonders durch die Predigt der apostolischen Armut. Bedeutende Theologen wie Albertus Magnus, Thomas von Aquino, die Mystiker Meister Eckhart, J. Tauler, H. Seuse gehörten diesem Orden an.

Dominikanische Republik: Staat im Osten der Insel Haiti, im Karibischen Meer; verwaltungsmäßig in 26 Provinzen und den Nationalen Distrikt gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich zu etwa 73% aus Mulatten, zu 11% aus Afroamerikanern und etwa 16% aus Weißen zusammen. Amtssprache ist Spanisch. Währung ist der Dominikanische Peso. Hinter einem flachen Küstensaum durchziehen von Nordwesten nach Südosten 4 parallele Gebirgszüge (Pico Duarte, 3175 m) die Insel; bei feucht-tropischen Klima an der Küste Regenwald, im trockneren Landesinneren kakteenreiche Dombuschsteppe. Die reichen, aber noch unzureichend erkundeten und erschlossenen Bodenschätze werden noch wenig durch den Bergbau genutzt. Die Dominikanische Republik ist ein gering entwickeltes kapitalistisches Agrar-Industrie-Land, das in starkem Maße vom US-Kapital abhängig ist. Die Wirtschaft wird durch die Monokultur des Zuckerrohranbaus geprägt. Mehr als zwei Drittel der Exporterlöse stammen aus der Landwirtschaft, wo vorwiegend im Plantagenbau (US-Konzerne) Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Bananen, Tabak und Sisal angebaut werden; die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln (Reis, Mais, Maniok) ist nicht gewährleistet. Zunehmende Bedeutung erlangt der Bergbau, wo vor allem Bauxit, Chrom-, Golderz, Erdöl, Nickel-, Kupfererz unter anderem gefördert werden. In der Industrie vorwiegend Verwertung agrarische Produkte sowie Petrolchemie; neu entstandenes Industriezentrum bei Bajos de Haina (Schiffbau, Stahlwerk). Wichtigster See- und internatischer Flughafen ist Santo Domingo. Ausfuhr von Zucker (25% des Exporterlöses), Rum, Kaffee, Kakao, Tabak, Bauxit; Haupthandelspartner sind die USA, Puerto Rico, die BRD. 1492 wurde die Insel und Frankreich 1697 (Friede von Rijswijk) blieb der 0, die spätere Dominikanische Republik R„ bis 1795 spanisch. Die Unabhängigkeitsrevolution Haitis ergriff auch den Osten; 1804 rief sich J. J. Dessalines zum Kaiser (Jakob I.) der gesamten Insel aus; 1808 erkämpfte ein Aufstand mit britischer Hilfe die Selbständigkeit gegenüber Haiti (1. Republik), 1814 wurde die spanische Herrschaft wiederhergestellt. Die mit der Unabhängigkeit von 1821 geschaffene 2. Republik wurde 1822 durch Haiti erobert, nach einem Volksaufstand entstand unter J. P. Duarte 1844 die 3. Republik. Die wegen innerer Wirren und Bedrohung durch Haiti 1861 erneut wiederhergestellte spanische Herrschaft brach durch Volkserhebung (1863/65) zusammen. Begünstigt von Rückständigkeit und politische Instabilität, wuchs seit Ende des 19. Jahrhundert der Einfluss der USA (1904 Finanzkontrolle, 1916/24 Okkupation), die das Land während der Herrschaft des Trujillo-Clans (1930/61) in völlige Abhängigkeit brachten. Der liberale Präsident J. Bosch (1963) wurde von reaktionären Militärs gestürzt; für die Wiederherstellung seiner Regierung (Verfassung von 1963) erhoben sich im April 1965 fortschrittliche Armeeteile unter F. Caamaño und leiteten einen Volksaufstand ein, zu dessen Unterdrückung 30000 US-Marinesoldaten landeten. Am 31. 8. 1965 mussten die Linken die sogenannte Akte der Nationalen Versöhnung unterzeichnen, die unter anderem die Bildung einer provisorische Regierung vorsah. Der zunächst mit diktatorischen Mitteln regierende Präsident J. Balaguer (1966/78, Reformistische Partei) war in den 70er Jahren wegen verschärfter ökonomischer und politischer Widersprüche gezwungen, eine zwiespältige Reformpolitik einzuleiten (unter anderem 1977 Legalisierung der 1944 gegründet KP). Von der Sozialdemokratischen Dominikanischen Revolutionären Partei gestellte Präsidenten (S. A. Guzmán Fernández 1978/82, S. Jorge Blanco seit 1982) vermögen mit ihren begrenzten Reformprogrammen nicht, die soziale Lage des Volkes zu verbessern.

Dominion: (englisch: «Herrschaft», «Hoheitsgebiet») 1907 bis etwa 1947 offizielle Bezeichnung für den aus einer britischen Kolonie hervorgegangenen Staat im Verband des britischen Empire (ab 1931 British Commonwealth of Nations), dessen volle Souveränität 1931 (Westminster Statut) staatsrechtlich anerkannt worden war. Viele ehemalige Dominions sind jetzt Gliedstaaten des Commonwealth of Nations.

Dominium maris Baltici: die Herrschaft über die Ostsee; seit dem 16. Jahrhundert Ziel der Politik Schwedens. Durch Kriege gegen Dänemark, Polen Litauen, Russland sowie durch sein Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg konnte Schweden im 17. Jahrhundert eine Großmachtstellung erreichen und sie bis zur Niederlage im Nordischen Krieg (1700/21) behaupten.

Domino: langer, oft dunkler Seidenmantel, meist mit Kapuze, als Maskenkostüm; auch Bezeichnung für den Träger dieses Kostüms.

2. Domino - Ablegespiel für 2 bis 8 Personen mit Spielsteinen, die auf geteiltem Feld 0 bis 6 beziehungsweise 9 Punkte tragen und im Allgemeinen so abgelegt werden, dass Felder derselben Augenzahl aneinanderstoßen.

Dominus vobiscum: (lateinisch, «Der Herr (sei) mit euch») in der katholischen Kirche gebräuchlicher liturgischer Gruß des Priesters an die Gläubigen.

Domitian, Titus Flavius Domitianus, 24.10.51-18.9.96 (ermordet), seit 81 römischer Kaiser, Sohn des Vespasian; führte ein gewaltsames Regime, auch gegen den römischen Senat; kämpfte erfolgreich in Britannien, Germanien und an der Donau, forderte als erster Kaiser für sich den Titel «Herr und Gott».

Domkapitel: Körperschaft von Geistlichen an den Domkirchen, die den Gottesdienst zu halten haben und dem Bischof beratend zur Seite stehen.

Domopera: ursprünglich die Bauhütte eines italienischen Doms; heute auch die dem Dom angegliederten musealen Räume, in denen Kunst- und Kulturdenkmäler aus dessen Besitz aufbewahrt werden.

Domra: altrussische Langhalslaute mit rundem Schallkörper, Schalloch und 3 Metallseiten; wird mit Plektron gespielt; heute für Volksmusik verwendet.

Don: (italienisch und spanisch, «Herr») in Italien Ehrentitel für Geistliche und Adlige; in Spanien, verbunden mit dem Vornamen, Höflichkeitsanrede. Weibliche Formen sind italienisch Donna, spanisch Doña, portugiesisch Dona.

Donatello, eigentlich Donato di Niccolò di Betto Bardi, um 1386—13. 12. 1466, italienischer Bildhauer, bedeutendster Meister der Frührenaissance in Florenz. Donatello war bahnbrechend in der Überwindung der mittelalterlichen Tradition durch Wiederaufnahme antiken Formenguts und realistische Ausdrucksstärke. Neubelebung der Aktdarstellung (David, Florenz) und des Reiterstandbildes (Gattamelata, Padua), Anwendung der Zentralperspektive am Relief; vielseitiges Schaffen in kraftvoll-lebensnahem Stil, der vorbildlich wirkte bis in unsere Zeit.

Donau, slowakisch Dunaj, russisch Dunai, ungarisch Duna, serbisch Dunavf, bulgarisch Dunav, Dunaw, rumänisch Dunärea: zweitlängster Strom Europas; 2850 km, Einzugsgebiet 817000 km2, mittlerer jährlicher Abfluss an der Mündung 6300 m3/s, 2580 km schiffbar (ab Budapest für Seeschiffe). Die Quellflüsse Brigach und Brege entspringen im Schwarzwald und vereinigen sich bei Donaueschingen. Beim Durchbruch durch den klüftigen Kalk der Schwäbische Alb versickert in trockenen Jahren das Donauwasser vollständig und tritt als Karstquelle der Hegauer Aach am Nordrand des Hegaus wieder zutage (sogenannt Donauversickerung). In Deutschland durchfließt die Donau das Donauried und Donaumoos, in Österreich die Wachau und das Wiener Becken und in der ÖSSR auf kurzer Strecke die Westslowakei bei Bratislava. Sie bildet danach die tschechoslowakische -ungarische Grenze, durchbricht das ungarische Mittelgebirge und durchfließt das Pannonischen Becken in Ungarn und Jugoslawien bis zum Durchbruch durch das Banater Gebirge am Eisernen Tor. Darauf ist die Donau rumänischer bulgarischer Grenzfluss, durchströmt den Südosten Rumäniens, ist danach rumänisch-sowjetischer Grenzfluss und mündet schließlich mit einem 5000 km2 großen versumpften und verschilften Delta, das sich jährlich bis zu 40 m hinausschiebt, mit 3 Hauptarmen (Chilia-, Sulina-, Sfintu Gheorghe-Arm; nur der mittlere ist für die Schifffahrt reguliert) in das Schwarze Meer. Die längsten Nebenflüsse sind von rechts Sava, Drau, Morava und Inn, von links Theiß, Pruth, Siret, Olt. Die Donau ist die wichtigste Wasserstraße zwischen Mittel- und Südosteuropa, deren Bedeutung durch weitere Anschlüsse an das europäische Binnenwasserstraßennetz noch steigen wird. Im Bau befindet sich der Rhein-Main-Donau-Kanal, 1984 eröffnet wurde der Donau-Schwarzmeer-Kanal (Rumänien). Die gewaltigen Wasserkräfte werden in zahlreichen Staustufen zur Energiegewinnung genutzt. Fertiggestellt ist der rumänische-jugoslawische hydroenergetische Komplex «Eisernes Tori», im Bau befinden sich «Eisernes Tor II» (Eisernes Tor), Gabcikovo/Nagymaros (Ungara) und Turnu Măgurele/Nikopol (Rumänien/Bulgarien). In der BRD und in Österreich arbeiten zahlreiche kleine Wasserkraftwerke. Wichtige Häfen sind Wien, Bratislava, Budapest, Belgrad, Galafi, Ismail.

Donaufürstentümer: die Fürstentümer Moldau und Walachei bis zu ihrer Vereinigung zum Fürstentum Rumänien (1859/61).

Donaumonarchie: inoffizielle Bezeichnung für den seit dem 16. Jahrhundert etappenweise entstandenen österreichische Vielvölkerstaat in Südosteuropa unter der Herrschaft der Habsburger; 1918 zerfallen.

Donauschule: Richtung der deutschen Malerei im ersten Drittel des 16. Jahrhundert im Donaugebiet mit den Hauptvertretern A Altdorfer und W. Huber. Vegetationsreiche (Wald-) Landschaft drängt die szenische Aussage der kleinformatigen Figuren zurück. Licht- und Farbeffekte unterstützen den Stimmungsgehalt der Naturstücke, so dass sie als Vorläufer der reinen Landschaftsmalerei gelten. Zahlreiche Zeichnungen von oft topographischer Genauigkeit.

Donau-Schwarzmeer-Kanal: Schifffahrtsweg in Rumänien, der die Dobrudscha von Cernavodă an der Donau bis Agigea am Schwarzen Meer durchquert und den Wasserweg zum Seehafen Constanta um etwa 400 km verkürzt; 64,2 km lang, 7,5 m tief, Sohlenbreite bis Basarabi 70 m, von dort bis Constanta-Süd-Agigea 90 m; je eine Großschleuse an beiden Enden; für Schiffe bis 5000 tdw; zur Bewässerung von etwa 300000 ha Ackerfläche der niederschlagsarmen Dobrudscha genutzt.

Donau-Theiß-Kanal: perspektiv. Vorhaben einer 120 km langen Verbindung von Donau (südlich von Budapest) und Theiß, durch die die Theiß Wasser aus der Donau erhält; große Bedeutung für Bewässerung und Schifffahrt.

Donauversickerung: unterirdisches Verschwinden des Donauwassers in der Schwäbische Alb bei Immendingen (660 m über dem Meeresspiegel) westlich von Tuttlingen in Baden-Württemberg; der größte Teil des Wassers erscheint als Hegauer Ach (Achtopf, 481 m über dem Meeresspiegel) wieder und fließt zum Bodensee.

Doncaster: Stadt in der englischen Großstadtgrafschaft South Yorkshire (Großbritannien), am Don, nordöstlich von Sheffield; 82000 Einwohner; Steinkohlenbergbau und vielseitige Verarbeitungsindustrie, unter anderem Traktoren- und Elektroapparatebau, Kunstfaser-, Röhren-, Glas- und Kabelindustrie; Pferderennen (St. Leger).

Dongen, Kees van, 26.1.1877-28. 5. 1968, niederländischer Maler; seit 1897 vorwiegend in Paris tätig, wo er in leuchtend hellen Farben meist Szenen aus dem Leben der mondänen Pariser Damenwelt gestaltete.

Dong Jiang: Fluss im Südosten Chinas, in der Provinz Guangdong; 533 km; entspringt mit zwei Quellflüssen im Süden der Provinz Jiangxi und mündet unterhalb von Guangzhou in den Zhu Jiang am Südchinesischen Meer; beiderseits des der Jüngere weitverzweigte Bewässerungssysteme, vorwiegend für den Reisanbau.

Dongsha-Inseln: größtenteils aus Korallenriffen bestehende Inselgruppe im Südchinesischen Meer, zu China gehörend; intensiv betriebene Korallen- und Perlenfischerei; Anbau von Kokospalmen.

Don Juan: literarische Gestalt, von Tirso de Molina erstmals in die spanische Literatur eingeführt. Trotz aller Unterschiedlichkeit der nachfolgenden Interpretationen blieb diese Figur zugeschnitten auf den skrupellosen, charmanten Frauenverführer.

Donner, Georg Raphael, 24. 5. 1693-15. 2. 1741, österreichischer Bildhauer. In seinen meist in Bleiguss ausgeführten Werken verbindet sich eine spätbarocke Grundhaltung mit klassizistischen Tendenzen (Brunnen mit allegorischen weiblichen Figuren auf dem Neuen Markt in Wien; 1737/39).

Donoso, José, geboren 5.10. 1924, chilenischer Romancier, stellt den allseitigen Verfall der traditionellen Verhältnisse in Chile dar, ohne die Perspektive eines Auswegs zu erkennen, zum Beispiel «Krönung» (1957), «Ort ohne Grenzen» (1967, deutsch), «Der obszöne Vogel der Nacht» (1970, deutsch).

Don Quijote, Don Quixote, Don Quichotte, Don Quichote: Held des gleichnamigen Romans des Cervantes Saavedra. Don Quijote ist das Symbol eines Menschen, der gegen ihm offensichtlich überlegene Umstände von idealistisch, historisch faktisch überholter Position aus, jedoch in guter Absicht und humanistischen Wollen (daher die Allgemeingültigkeit) anzukämpfen sucht.

Doping: Versuch der Steigerung sportlicher Leistungen durch Drogen mit stimulierender Wirkung auf das Zentralnervensystem oder zur beschleunigten Zunahme der Stärke der Muskulatur. Die Anwendung von Doping ist international verboten, weil sie ernsthafte Gesundheitsschäden verursacht beziehungsweise entgegen dem Reglement der Sportverbände Vorteile bei sportlichen Leistungen verschaffen könnte. Bei bedeutenden internationalen Wettkämpfen werden aus Harnproben Dopingkontrollen durchgeführt.

Doppelbesteuerung: Erhebung verschiedener Steuern durch einen Staat auf denselben Steuergegenstand oder Besteuerung desselben Steuergegenstandes durch verschiedene Staaten. Diese Form der Doppelbesteuerung kann durch zwischenstaatliche Abkommen (Doppelbesteuerungsabkommen) verhindert werden.

Doppelbildungen: durch unvollständige Trennung der beiden Keimanlagen von eineiigen Zwillingen hervorgerufene Missbildungen, die verschiedene Grade der physischen Vereinigung aufweisen können.

Doppelboden: Bodenkonstruktion von Seeschiffen, bei der in einem bestimmten Abstand vom Schiffsboden ein Innenboden auf Längs- und Querträgern liegt; bietet bei Grundberührung Schutz gegen Wassereinbruch.

Doppelbrechung: bei der Brechung des Lichtes an der Grenzfläche eines optisch anisotropen Stoffs die Aufspaltung des Strahles in 2 Wellen, die senkrecht zueinander jeweils linear polarisiert sind. Anisotrop sind zum Beispiel Kristalle (Kalkspat, Quarz). Bei optisch einachsigen Kristallen entsteht ein ordentlicher Strahl, der nach demselben Gesetz gebrochen wird, wie es für isotrope Stoffe gilt, und ein außerordentlicher Strahl, für den die Brechzahl richtungsabhängig ist. Bei optisch zweiachsigen Kristallen entstehen 2 Wellen, die sich beide in ähnlicher Weise wie die außerordentliche Welle des einachsigen Kristalls verhalten. Die Doppelbrechung ist die Grundlage für das Polarisationsprisma- und für Kristallplatten, mit denen der Polarisationszustand verändert werden kann (Phasenplatten); siehe auch Cotton-Mouton-Effekt, Kerr-Effekt, Spannungsoptik.

Doppelbruch: ein Bruch, dessen Zähler und Nenner selbst wieder Brüche sind. besonders wichtig ist der Doppelbruch, der als Doppelverhältnis bezeichnet wird.

Doppelfüßer, Diplopoda: Unterklasse der Tausendfüßer mit über 7000 Arten. Der segmentierte, oft wurmförmige Körper hat 13 bis etwa 140 Beinpaare, in den Tropen bis 28 cm lang. Doppelfüßer leben in der obersten Bodenschicht, unter Laub, Steinen, Rinde unter anderem, verzehren abgestorbene Pflanzenstoffe (natürliche Humusbildung). Hierzu gehören die bis 20 mm langen und 6 mm breiten Saftkugler (Glomeridae), die sich bei Gefahr zu einer Kugel zusammenrollen und Wehrsaft absondern, sowie die etwas längeren Schnurfüßer (Julidae), die sich uhrfederartig einrollen.

Doppelgewebe: Gewebe aus 2 miteinander verbundenen, übereinander liegenden, aus je einem Kett- und Schussfadensystem bestehenden. Gewebelagen, die durch Zerschneiden getrennt werden.

Doppelherrschaft: nach der Februarrevolution 1917 in Russland entstandene Verflechtung zweier Gewalten, der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten als Organe der revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft sowie der Provisorischen Regierung als Organ der Diktatur der Bourgeoisie; die Doppelherrschaft endete im Juli 1917 durch die Errichtung der Alleinherrschaft der Bourgeoisie mit Hilfe der kleinbürgerlichen Paktierer Parteien (Menschewiki und Sozialrevolutionäre).

Doppelhüllenschiff: Schiff, dessen Rumpf im Laderaumbereich aus einer Doppelhülle besteht. Die äußere Hülle wird durch die Außenhaut gebildet, die innere aus dem Innenboden des Doppelbodens sowie aus backbord und steuerbord angeordneten Seitenlängsschotten. Der Raum zwischen Außenhaut und Seitenlängsschott dient zur Aufnahme von Ballastwasser. Als Doppelhüllenschiff werden vor allem Containerschiffe und Erzfrachter gebaut, damit diese insbesondere den im Seegang auftretenden Torsions- und Längsbeanspruchungen gewachsen sind; Erzfrachter auch deshalb, weil die glatten Innenwände das Löschen und Säubern erleichtern.

Doppelkapelle: zweigeschossige Burg- oder Pfalzkapelle, in Deutschland meist mit einer Öffnung in der Zwischendecke; das Obergeschoß war Grundherrenkirche. Die Doppelkapelle steht in der Nachfolge der Aachener Pfalzkapelle. Hauptbeispiele des 12./13. Jahrhundert sind Landsberg bei Halle, Goslar, Schwarzrheindorf, Nürnberg, Freyburg (Unstrut).

Doppelkegel: Körper, dessen Mantelfläche erzeugt wird von allen Geraden, die einen festen Punkt S, die Spitze des Doppelkegels, mit den Punkten einer geschlossenen, S nicht enthaltenden Kurve verbinden. Siehe auch Kegel.

Doppelkolbenmotor: Sonderform der Verbrennungskraftmaschine (Verbrennungsmotor); Zweitaktmotor, bei dem je 2 Kolben einen gemeinsamen Verdichtungsraum haben. Man unterscheidet Doppelkolbenmotor mit paralleler Kolbenführung im U-Zylinder (Doppelzylindermotor) und Doppelkolbenmotor mit gegenläufigen (in einer Achse liegenden) Kolben im gemeinsamen Zylinder (Gegenkolbenmotor).

Doppeln: gemeinsames Kaltwalzen von 2 bis 16 paarweise aufeinanderliegenden Feinblechen, um größere Walzenzustellungen als Dickenabnahme je Blech zu ermöglichen.

Doppelniere: Doppelanlage des Nierenbeckens (ein- oder beiderseitig). Bei inkompletter Spaltung des dazugehörigen Harnleiters spricht man von Ureter fissus (aufgespaltener Harnleiter), bei kompletter von Harnleiterdopplung. Die Doppelniere ist eine relativ häufige angeborene Missbildung, tritt etwa bei 1 % aller Menschen auf.

Doppelresonanz: die gleichzeitige Resonanzabsorption von elektromagnetischer Strahlung zweier verschiedener Frequenzen; wird bei den Doppelresonanzmethoden der Hochfrequenzspektroskopie sowie bei Lasern und Masern ausgenutzt.

Doppelsalze: Mischkristalle aus 2 Salzen mit stöchiometrischen Zusammensetzung. Die Doppelsalze gehören oft einem anderen Kristallsystem an als ihre Komponenten; im Gegensatz zu den Komplexsalzen tritt beim Lösen in Wasser eine Aufspaltung in alle Ionen der Einzelsalze auf.

Doppelsame, Diplotaxis: Gattung der Kreuzblütler mit gelben Blüten und kleinen eiförmigen Samen, die in den Früchten (Schoten) 2reihig angeordnet sind; vor allem auf Ruderalstandorten vorkommend.

Doppelschleichen, Ringelechsen, Amphisbaenia: wurmförmige, gliedmaßenlose, 10 bis 60 cm lange Kriechtiere unsicherer systematischer Stellung mit zahlreichen anatomischen Besonderheiten. Doppelschleichen sind Bodenwühler in den Tropen und Subtropen, die sich von Ameisen, Termiten und Würmern ernähren.

Doppelschwänze, Diplura: Insektenordnung, gekennzeichnet durch lange Fühler und 2 lange Schwanzfäden oder Zangen; heimische Arten 2 bis 6 mm lang, farblos, leben im Boden von pflanzlichen Zerfallsstoffen oder räuberisch.

Doppelstern: im weiteren Sinne 2 Sterne, die am Himmel dicht beieinander stehen; im engeren Sinne physischer Doppelstern, 2 Sterne (die Komponenten des Doppelstern), die sich räumlich so nahe sind, dass sie einander auf Grund der gegenseitigen Massenanziehung auf elliptischen Bahnen umlaufen. Ein visueller Doppelstern erscheint mit optischen Hilfsmitteln getrennt, ein spektroskopischer Doppelstern ist nur an der periodischen Verschiebung der Spektrallinien infolge des Doppler-Effekts als Doppelstern erkennbar. Die Umlaufzeiten betragen wenige Stunden bis etwa 10000 Jahre. Mehr als 25 % aller Sterne sind Doppelstern oder Mehrfachsterne, das sind Systeme aus mehr als 2 Sternen.

Doppelsternmotor: hintereinander angeordnete, gegeneinander versetzte Sternmotoren mit luftgekühlten Zylindern.

Doppelsteuerröhre: eine Elektronenröhre mit 6 beziehungsweise 7 Elektroden, die 2 Steuergitter aufweist. Die Doppelsteuerröhre dient zur multiplikativen Mischung Überlagerung) von Wechselspannungen, die an den beiden Steuergittern anliegen.

Doppelstockbühne: im Theater 2 übereinanderliegende, starr verbundene Bühnenflächen, die zum raschen Bildwechsel hydraulisch beziehungsweise elektromotorisch gehoben und gesenkt werden.

Doppelstockgüterwagen: zweistöckige offene Güterwagen zur Beförderung von PKWs (Autotransportwagen); obere Ladebühne ist absenkbar.

Doppelstockschub: Skisport beim Langlauf angewendete Technik; beide Stöcke werden gleichzeitig und auf gleicher Höhe zum Abdruck vom Schnee eingesetzt. Der Doppelstockschub wird mit und ohne Zwischenschritte angewendet.

Doppelstockwagen: zweistöckiger Großraumreisezugwagen mit 2 Drehgestellen, besonders für den Berufsverkehr geeignet. Im Gegensatz zum Doppelstockzug können mit den Doppelstockwagen variable Zuglängen gebildet werden, was eine bessere Anpassung an das Verkehrsaufkommen ermöglicht.

Doppelstockzug: aus 2 oder 4 zweistöckigen Großraumreisezugwagen, die durch gemeinsame Drehgestelle verbunden sind, bestehender Eisenbahnzug; besonders für den Berufsverkehr geeignet. Die daraus entwickelten 1 Heiligen Doppelstockgliederzüge in Leichtbauweise mit höherem Reisekomfort sind für den Fernreise- und Urlaubsverkehr vorgesehen. Siehe auch Doppelstockwagen.

doppelte Unterstellung: ein auf dem demokratischen Zentralismus beruhendes Prinzip des Aufbaus des Staatsapparates im sozialistischen Staat, wonach bestimmte Staatsorgane sowohl Organen der Staatsmacht der gleichen Ebene (horizontale Unterstellung) als auch Staatsorganen der nächsthöheren Ebene (vertikale Unterstellung) verantwortlich und rechenschaftspflichtig sind.

Doppeltier, Diplozoon: an den Kiemen von Süßwasserfischen lebende Saugwürmer, bis 1 cm lang; geschlechtsreife Tiere stets paarweise über Kreuz miteinander verwachsen; Krankheitserreger bei Karpfenfischen.

doppeltkohlensaures Natron: Trivialname für Natriumhydrogenkarbonat; siehe auch Natriumverbindungen.

doppeltwirkende Maschine: Kolbenmaschine mit beiderseits geschlossenem Zylinder, bei der das Arbeitsmedium im Gegensatz zur einfachwirkenden Maschine abwechselnd auf beide Kolbenseiten wirkt.

Doppelverhältnis: Quotient der Teilverhältnisse zweier Punkte P, Q in Bezug auf eine Strecke AB. Das Doppelverhältnis ist negativ, wenn P innerer und Q äußerer Teilpunkt (oder umgekehrt) von AB ist, das heißt, wenn die Punktepaare A, B und P, Q einander trennen. Ist das Doppelverhältnis -1, so nennt man A, B, P, Q harmonische Punkte. Das Doppelverhältnis bleibt bei Zentralprojektion erhalten und ist eine wichtige Größe in der j1 projektiven Geometrie.

Doppelzahn: Verschmelzung und Verwachsung von Zähnen, den ganzen Zahn beziehungsweise nur Krone oder Wurzel betreffend.

Döpper, Kopfmacher. Werkzeug zum Formen des Schließkopfes von Nieten, das zwischen Hammer und Niet gehalten oder in das Nietgerät eingesetzt wird. Die Schlagfläche des Döpper entspricht der Form des Nietkopfes.

Doppler, Christian, 29.11. 1803-17.3. 1853, österreichischer Physiker und Mathematiker; beschäftigte sich mit Akustik, Optik und Astrophysik und erklärte 1842 den nach ihm benannt Effekt.

Doppler-Effekt: (nach Christian Doppler) Erscheinung, dass ein Beobachter einer Schallquelle beziehungsweise einer Quelle elektromagnetischer Strahlung, die sich relativ zu ihm mit der Geschwindigkeit v bewegt, bei Annäherung eine höhere, bei Entfernung eine niedrigere Frequenz empfängt, als sie die Quelle (Frequenz f) aussendet. In erster Näherung gilt, wenn v klein gegen die Schall- beziehungsweise Lichtgeschwindigkeit c ist, f = /(I ± v/c). Plus gilt für Annäherung, Minus für Entfernung. Ein Ton erscheint also höher beziehungsweise tiefer als bei konstantem Abstand von Beobachter und Schallquelle (vorbeifahrendes hupendes Auto), Spektrallinien werden nach dem violetten beziehungsweise roten Ende des Spektrums verschoben. Siehe auch Rotverschiebung. In der Medizin wird der Doppler-Effekt zur Bestimmung der Strömungsgeschwindigkeit des Blutes verwendet.

Dordogne: Fluss im Südwesten Frankreichs; 490 km, davon 117 km schiffbar; entspringt am Puy de Sancy im Zentralmassiv, bildet ein zum Teil schluchtenartiges, bis zu 200 m tiefes Tal; vereinigt sich mit der Garonne zur Trichtermündung der Gironde; unregelmäßige Wasserführung; Wasserkraftwerke.

Dorfformen: unterschiedliche Grundrissgestalten ländlicher Siedlungen, die sich in verschiedenen geschichtlichen Epochen und Landschaften herausbildeten. Sie stehen in engem Zusammenhang mit den ihnen entsprechenden Flurformen und sind konkreter Ausdruck des jeweils erreichten Entwicklungsniveaus der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse sowie der sozialen Struktur und kulturellen Traditionen. Die kleineren, unregelmäßigen, gewachsenen Dorfformen sind im Allgemeinen die älteren, die größeren, regelmäßigeren und planvollen Anlagen die jüngeren. Unregelmäßige Dorfformen: Die Primärform des aufgelockerten, aus nur wenigen Höfen bestehenden, unregelmäßigen Kleindorfes bezeichnet man als Weiler oder Drubbel, bei rundlicher Anlage als Rundweiler. Jüngere Nebenformen des älteren Bauernweilers sind Gutsweiler und Werkweiler. Das Haufendorf hat sich durch dichte, unregelmäßige Bebauung aus dem Bauernweiler entwickelt, auch Zusammenwachsen getrennter Siedlungen ist nachweisbar. Streusiedlungen sind Gruppen auseinanderliegender Einzelgehöfte jüngeren Alters, oft im Gebirge vorkommend. Regelmäßige Dorfformen entstanden meist durch Reihung von Gehöften an vorhandenen oder geplanten Straßen, Wegen, Plätzen oder vorgegebenen geographischen Leitlinien, wie Quellmulden, Flüssen, Bachtälern, Terrassenkanten und so weiter. Rundlinge sind in Rund- oder Halbrundform angelegte Dörfer mit nur einem Zugang, die oft in viehzuchtbetonten Agrarlandschaften auftreten. Ihnen stehen formal die ovalen Angerdörfer und eckigen Platzdörfer nahe, deren Anger beziehungsweise Dorfplatz als Viehweide und Versammlungsstätte diente. Bei Verbreiterung einer durchlaufenden Straße zum Anger entstand das Straßenangerdorf. Den Übergang von den kleinen zu den großen Planformen bilden die Zeilen- und Gassendörfer mit enger Reihung der Gehöfte. Das Zeilendorf entstand durch einseitige, das Gassendorf durch zweiseitige Bebauung eines Weges. Enge Reihung der Gehöfte zeigt auch das langgestreckte jüngere Straßendorf, lockere das Reihendorf. Im Marschengebiet heißen diese Marschhufen- beziehungsweise Hagenhufendorf in den Mittelgebirgsgegenden Waldhufendorf. Die sozialistische Dorfplanung knüpft an die historisch überlieferten Dorfformen an und gestaltet sie nach den Erfordernissen der agrarische Großproduktion.

Dorfgeschichten: von der bürgerlichen Literaturwissenschaft entwickelter Begriff vor allem für die epische Kleinformen der Bauernliteratur, die ländliche Milieu schildern. Die Blütezeit der Dorfgeschichten war im 19. Jahrhundert, als K. Immermann, J. Gotthelf, B. Auerbach, J. Rank, K. I. Beck, O. Ludwig, A von Droste-Hülshoff, G. Keller unter anderem zu ihrer Ausbildung beitrugen. In der sozialistischen Literatur hat sich Charakter und Struktur der Dorfgeschichten grundsätzlich verändert.

Doriboot: etwa 4 m langes Ruderboot mit Hilfssegel und mit einem Fischer besetzt, das (von Mutterschiffen in größerer Anzahl mitgeführt) zur Langleinenfischerei auf Kabeljau bei Neufundland/Grönland benutzt wird.

Dorier, Dorer: einer der 4 griechischen Hauptstämme, der seit dem 13. Jahrhundert vor Christus in Griechenland eindrang (dorische Wanderung) und die mittelgriechische Landschaft Doris besiedelte. Die Dorier ließen sich auch in dem größten Teil des Peloponnes, auf Kreta, Rodos und in Südwestkleinasien nieder.

Dorisch: a) altgriechische Tonart (Leiter e'-e, abwärts);

b) wichtigste Kirchentonart (Leiter d-d1, aufwärts) dorischer Stil Säule.

Dorn: 1. Botanik: spitzes, starres, oft verholztes Pflanzenorgan, das an Stelle von Blättern (Kakteen), Sprossen (Schlehe), selten von Wurzeln (einige Palmen) entsteht; siehe auch Stachel.

2. Fertigungstechnik: a) Werkzeug mit zylindrischem oder kegelstumpfförmigem Ende zum Aufweiten von Löchern in Leder unter anderem weichen Werkstoffen, zum Walzen und Ziehen von Rohren, Einschmieden von Hohlräumen, Rundbiegen von Draht, Stabmaterial unter anderem;

b) Werkstückspanner (Spanndorn) zur form- beziehungsweise kraftschlüssigen Aufnahme in einer Bohrung; konstruktiv als fester Dorn mit zylindrischer oder schwach kegeliger Mantelfläche sowie als Dehn- oder Spreizdorn mit dehn- oder spreizbarer Mantelfläche ausgeführt.

Dornaugen, Acanthophthalmus: zu den Schmerlen gehörende, langgestreckte Süßwasserfische Südostasiens; teilweise kontrastreich gefärbt und gezeichnet.

Dornauszieher: antike Bronzeplastik eines Knaben, der sich einen Dom aus dem Fuß zieht (1. Jahrhundert vor Christus; Rom, Kapitolinisches Museum). Das genrehafte Motiv, das erstmals bei hellenistischen Terrakotten auftrat, wird bei diesem römischen Pasticcio mit Stilformen der Kunst des 5. Jahrhundert vor Christus verbunden. Das Motiv des Dornauszieher wird in der romanischen Kunst und in der italienischen Renaissance weiterverwendet.

Dörnberg, Ferdinand Wilhelm Kaspar Freiherr von, 14.4. 1768-19.2. 1850, patriotischer Offizier; versuchte 1809 als Oberst der Gardejäger im Königreich Westfalen erfolglos einen Aufstand gegen die französische Fremdherrschaft; nahm 1812/13 als russischer General am antinapoleonischen Befreiungskampf teil. Dornbirn: Stadt in Vorarlberg (Österreich), im Rheintal 12 km südlich vom Bodensee; 38000 Einwohner; bedeutende Textilindustrie, ferner Maschinenbau, elektrotechnische und pharmazeutische Industrie; Textilmesse; Textilfachschule.

Dornburg, Dornburg an der Saale: Stadt im Kreis Jena, Bezirk Gera; 1100 Einwohner; drei 90 m über der Stadt liegende Schlösser (Spätgotik, Renaissance, Rokoko); Institut für Pflanzenzüchtung; Naherholungsgebiet.

Dornhai, Squalus acanthias: etwa 1 m langer Hai in Meeren gemäßigter Breiten, ohne Afterflosse, mit Giftdomen vor der 2. Rückenflosse; geräuchert als «Seeaal» und «Schillerlocken» im Handel.

Dornschwänze, Uromastyx: bis 40 cm lange, nordafrikanische-vorderasiatischen Agamen mit kräftigem Körper und kurzem, stark bedorntem Schwanz. Dornschwänze sind pflanzenfressende Wüstenbewohner; beliebte Terrarientiere.

Dörpfeld, Wilhelm, 26.12. 1853-25. 4. 1940, Architekt und Archäologe; entwickelte als Mitarbeiter H. Schliemanns (seit 1882) die moderne Ausgrabungstechnik; Ausgrabungen unter anderem in Troja, Athen, Pergamon; Veröffentlichungen zu Ausgrabungen und zur antiken Kultur.

Dörrfleckenkrankheit: durch Manganmangel hervorgerufene Krankheit des Hafers, bei der auf den Blättern bräunliche Flecken auftreten.

Dorsch, Käthe, 29.12. 1890-25.12. 1957, Schauspielerin; spielte an verschiedenen Berliner Bühnen ein vielseitiges Repertoire, wurde am Burgtheater Wien (seit 1939) zur großen Mütterdarstellerin; seit 1951 noch in Westberlin und in der BRD tätig; wurde auch durch viele Filme populär.

Dorschartige, Gadiformes: vorwiegend in Meeren lebende Ordnung der Fische mit Kinnbartel, viele von großer wirtschaftlichen Bedeutung, wie Kabeljau, Köhler, Schellfisch, Seehecht. Als eine der wenigen Süßwasserarten hierzu auch die einheimische Quappe.

Dortu, Johann Ludwig Maximilian, 29.6. 1826-31. 7. 1849 (erschossen), preußischer Unteroffizier und revolutionärer Demokrat; kämpfte 1849 in der badischen Volksarmee gegen die Truppen der Konterrevolution, wurde durch ein preußisches Feldgericht zum Tode verurteilt.

Dosenspinnmaschine, Schlauchkops Spinnmaschine: Maschine zum Spinnen lose bis mittelhart gedrehter Garne aus in rotierende Dosen (Spinntöpfe) eingelegtem Vorgarn.

Dosiereinrichtungen: Bautechnik Geräte zum Abwägen oder Abmessen der zur Mischgutherstellung erforderlichen Komponenten, zum Beispiel von Zuschlagstoffen, Bindemitteln, Anmachwasser, Zusatzmitteln.

Dosieren: gravimetrische oder volumetrische Zuteilung eines stetigen oder aus Teilen bestehenden Mengenstromes, zum Beispiel bei Förderbanddosierwaagen.

Dosierpumpe: meist Hubkolben- oder Membranpumpe zur Dosierung des Förderstromes; eingesetzt zum Beispiel zur Konstanthaltung einer geforderten Zusammensetzung bei der Wasseraufbereitung sowie für die Hochdruck- und Vakuumtechnik.

Dosierung: ärztlich verordnete, auf bestimmte Menge und Zeitintervalle festgelegte Arzneimitteleinnahme.

Dosimeter: Messgerät zur Bestimmung der Dosis oder Dosisleistung ionisierender Strahlung. Als Strahlungsdetektoren werden verwendet Ionisationskammer, Auslöse- und Proportionalzählrohr, Szintillator, fotografischer Film und Thermoluminophore. Letztere senden nach Anregung durch ionisierende Strahlung beim Erwärmen Licht aus. Spezielle Detektoren gestatten die Bestimmung der Äquivalentdosis.

Dosimetrie: experimentelle Bestimmung und theoretische Untersuchung der Energieübertragung von ionisierender Strahlung auf bestrahlte Stoffe. Dosis (5 griechisch; PL Dosen) 1. Dosimetrie, Gabe: Pharmazie bestimmte Menge eines Arzneimittels. Unterschieden werden therapeutische Dosimetrie (die üblicherweise zur Behandlung verwendete Menge), toxische Dosimetrie (schädliche Dosimetrie), Letal-Dosimetrie (tödliche Dosimetrie) und unterschwellige Dosimetrie (unwirksame Dosimetrie). Bei manchen Arzneimitteln wird zu Beginn der Behandlung eine höhere Initial-Dosimetrie gegeben und die Therapie mit der geringeren Erhaltungsdosimetrie fortgesetzt.

2. Dosimetrie, Energiedosis: Strahlenschutz Quotient aus der absorbierten Energie von ionisierender Strahlung und der Masse des bestrahlten Stoffes; Zeichen D, SI-Einheit Gray (Gy), 1 Gy = 1 J/kg.

Dosis-Effekt-Kurve: graphische Darstellung der Abhängigkeit eines biologischen Effektes (zum Beispiel Abtötungsrate) von der Dosis. Die Gestalt der Dosis-Effekt-Kurve lässt Rückschlüsse auf den zugrunde liegenden Wirkmechanismus zu.

Dost, Origanum vulgare: blass rot blühender, wie Majoran duftender Lippenblütler; in Gebüschen und Trockenrasen, Arzneipflanze.

Dostojewski, Fjodor Michailowitsch, 11.11. 1821-9.2. 1881, russischer Schriftsteller; einer der bedeutendsten Vertreter des kritischen Realismus; näherte sich den revolutionären Ideen seiner Zeit und schloss sich dem Kreis um den utopischen Sozialisten M. W. Petraschewski an, in dessen Prozess er 1849 zum Tode verurteilt, dann zu Zwangsarbeit und Militärdienst in Sibirien «begnadigt» wurde, wo er 11 Jahre weilte. Sein erster Roman «Arme Leute» (1846, deutsch) war programmatisch für die sogenannte Natürliche Schule. In seinen Romanen «Erniedrigte und Beleidigte» (1861, deutsch), «Aufzeichnungen aus einem Totenhaus» (1861/62, deutsch), «Schuld und Sühne» (1866, deutsch), «Der Idiot» (1868, deutsch), «Die Dämonen» (1871/72, deutsch), «Der Jüngling» (1875, deutsch) und «Die Brüder Karamasow» (1880, deutsch) schildert er tragische Lebensschicksale erniedrigter und gedemütigter Menschen. Er wurde zum unerbittlichen Kritiker der russischen Ausbeutergesellschaft, wenngleich er sich gegen eine gewaltsame Beseitigung der sozialen Unterdrückung wandte. Sein widerspruchsvolles Werk enthält bittere Lebenswahrheit und pessimistische Lebensphilosophie. Dostojewski beeinflusste nachhaltig die Weltliteratur.

Dotierung: definiertes Hinzufügen von Fremdatomen zu Halbleitern im Kristallzüchtungsprozess oder danach durch Diffusion beziehungsweise Ionenimplantation, um n- oder p-Leitung mit bestimmter Ladungsträgerkonzentration zu erzeugen.

Dotter, Vitellus: nährstoffreiche Substanz in Eizellen (Deutoplasma, passiver Nährdotter); im weiteren Sinne auch das Ooplasma (aktiver Bildungsdotter).

Dottergang: embryonale Verbindung von Darm und Dottersack. Ein Rest davon kann als Ausstülpung des Krummdarmes (Meckelsches Divertikel) zeitlebens erhalten bleiben.

Dottersack: Embryonalanhang der Wirbeltiere, der bei Fischen, Kriechtieren und Vögeln die Masse des Nährdotters umwächst. Der Dottersack besteht aus allen 3 Keimblättern; trotz Dottermangels auch bei Säugetieren entwickelt. Im Dottersack entwickeln sich die ersten Blutzellen.

Dottersackbrut: frisch geschlüpfte Fischbrut, die sich bis zur Schwimm- und Fressfähigkeit vom Eidotter ernährt.

Dotterzellen: den Keimlingen vieler Tiere als Nahrung dienende Zellen.

Double: 1. allgemeines Doppel.

2. Film: Kleindarsteller oder Artist, der in Szenen, die der Hauptdarsteller selbst nicht darstellen kann (artistische Kunststücke), an dessen Stelle tritt. Siehe auch Stuntman.

Doubs: Fluss im Osten Frankreichs; 430 km; entspringt im Schweizer Jura, mündet oberhalb von Chalon-sur-Saône in die Saône; der geologische Bau des Faltenjuras beeinflusst die Richtung des Ober- und Mittellaufes; starke Wasserführung.

Douglas-Home, Alexander Frederick, Earl of Home (1963 Adelsverzicht zwecks Ausübung politischer Tätigkeit), Baron Home of the Hirsel, geboren 2.7.1903, britischer konservativer Politiker, vertrat als Privatsekretär A. N. Chamberlains die profaschistische Appeasement-Politik, als Außenminister (1960/63 und 1970/74) und Premierminister (1963/64) betrieb er den Beitritt Großbritanniens zur EWG.

Douglasie, fälschlich Douglastanne (beide nach einem britischen Botaniker), Pseudotsuga menziesii: raschwüchsiger, zu den Kieferngewächsen gehörender bis 100 m hoher Nadelbaum aus dem westlichen Nordamerika, mit flachen, weichen Nadeln und hängenden Zapfen; ausgezeichnete, vielerorts (auch in Europa) kultivierte Wirtschaftsholzart.

Douglaspunktion: (nach einem britischen Anatomen) Einstich einer Kanüle von der Scheide aus in den Douglasschen Raum zwecks Absaugung und Untersuchung dort entstandener Flüssigkeitsansammlungen.

Douglasscher Raum: (nach einem britischen Anatomen) zwischen Gebärmutter und Mastdarm liegender, zugleich tiefster Abschnitt der Bauchhöhle, in dem sich bei Entzündungen von Organen des Beckenraumes Eiter ansammeln kann.

Dove, Heinrich Wilhelm, 6.10. 1803-4. 4. 1879, Physiker und Meteorologe; Begründer der neueren Meteorologie; fand das Drehungsgesetz der Winde und Erkenntnisse der späteren Polarfronttheorie; er untersuchte die Wärmeverteilung auf der Erde und zeichnete erste Monatsisothermen und Isanomalen der Temperatur.

Dover: 1. Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), in der Grafschaft Kent, an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals (Straße von Dover) 33000 Einwohner; Papierindustrie; Handels- und bedeutender Fährhafen für den Verkehr mit dem westeuropäischen Festland (zum Beispiel mit Luftkissenbooten); Holzeinfuhr; Seebad; Reste römischer Bauten. Geplanter Tunnelbau zum Festland (Calais) aus finanziellen Gründen bisher gescheitert.

2. Hauptstadt des Bundesstaates Delaware (USA); 23000 Einwohner; Lebensmittelindustrie; Handelszentrum eines Obst- und Gemüseanbaugebietes; Flughafen.

Dowland, John, 1562-21.1. 1626, englischer Komponist und Lautenvirtuose; seine «Songes or Ayres» (mit Lautenbegleitung) und seine ebenso bedeutenden Instrumentalkompositionen (für Laute, Violine und Violen) kennzeichnen ihn, besonders wegen der stimmungsmäßigen und melodische Intensität seiner Sätze, als einen der wichtigsten Meister der Spätrenaissance.

Downing Street: Straße in London-Westminster mit dem Amtssitz des britischen Premierministers und dem Auswärtigen Amt; übertragen die britische Regierung.

Downs: Ketten von Kreidekalkerhebungen in Südengland, die ihre Steilstufe der zwischen ihnen liegenden Landschaft The Weald zukehren. Die North Downs, 200 km lang, bis 295 m hoch, erreichen bei Dover die Küste und bilden dort einen Steilabfall, die South-Downs, 130 km lang, bis 269 m hoch, erstrecken sich längs der Südküste,

Doyen: ranghöchster beziehungsweise dienst-ältester (nach Tag und Stunde der Akkreditierung) Diplomat des bei einem Staat akkreditierten diplomatischen Korps; in einigen Ländern fungiert als Doyen traditionsgemäß der päpstlichen Nuntius. Die Funktionen des Doyens beschränken sich hauptsächlich auf einige Fragen des diplomatischen Protokolls.

Doyle, Sir Arthur Conan, 22. 5. 1859-7.7. 1930, schottischer Schriftsteller und Arzt; berühmt durch die Detektivgeschichten mit dem Helden Sherlock Holmes und seinem Assistenten Dr. Watson (vor allem «Die Abenteuer des Dr. Holmes», 1891/92, deutsch); schrieb auch wissenschaftlich-phantastische Erzählungen und Romane («Die verlorene Welt», 1912, deutsch; «Der Giftgürtel», 1913, deutsch).

Dozent: Lehrender an einer Universität oder Hochschule, einer Fachschule, Volkshochschule u. ä. Der Hochschuldozent ist der an einer Universität oder Hochschule tätige Wissenschaftler, der Dozent mit künstlerischer Lehrtätigkeit ist der an eine Hochschule berufene Künstler. Siehe auch Facultas docendi.

dozieren: lehren, Vorlesungen halten; abwertend in lehrhaftem Ton (von oben herab) sprechen.

Drache: 1. Astronomie: Sternbild.

2. Kunst: in China und Japan Symbol des Regens, der Fruchtbarkeit, der Nacht und der Himmelsgegenden. Als schlankes, bewegliches Fabeltier vielfältig dargestellt. In China seit der Han-Zeit Emblem des Kaisers (5klauiger Drache), der Prinzen und hohen Beamten (3- und 4klauiger Drache), auch als Wächterfigur in Grab- und Palastbezirken.

3. Drache, Lindwurm. Volkskunde: von antiken, germanischen und biblischen Vorstellungen mitgeprägte, weitverbreitete Sagen- und Märchengestalt, ein meist fliegend, oft mehrköpfig gedachtes feuerspeiendes Ungeheuer. Im Volksglauben wird auch ein Hausgeist, der im Funkenflug durch den Schornstein ein- und ausfahren soll, als Drache aufgefasst.

Drachen: Fluggerät, das im Allgemeinen aus einem mit leichtem Stoff oder Papier bespannten Holzgerüst besteht und unter Ausnutzung des dynamischen Auftriebs fliegt. Man unterscheidet Spitz- und Kastendrachen Wahrscheinlich wurde der Drachen zuerst im alten China verwendet. Bis zur Entwicklung des Ballons war er weitverbreitet. Heute dient der Drachen fast ausschließlich als Spielzeug beziehungsweise in modifizierter Ausführung für Gleitflüge (Drachenfliegen).

Drachenblut: rotes bis braunes Harz der Rohrpalme (Sundainseln); wird für Lacke (früher besonders Geigenlacke) und zum Anfärben von Pflastern und Zahnkitt verwendet.

Drachenköpfe, Scorpaenidae: Familie, der Barschartigen, überwiegend in tropischen und gemäßigten Meeren; Flossenstacheln oft mit Giftdrüsen verbunden; hierzu u. a. Meersau, Rotbarsch und Rotfeuerfische.

Drachenlilie, Dracaena: in den Tropen und Subtropen heim, artenreiche Gattung baum- oder strauchförmiger Agavengewächse; einige Arten werden als Zimmerpflanzen gehalten; der Drachenbaum (Dracaena draco) ist ein mächtiger, bis 18 m hoher Schopfbaum der kanarischen Inseln.

Drachenviereck, Deltoid: Viereck mit Symmetrieachse und 2 Paaren gleichlanger Nachbarseiten; seine Diagonalen sind orthogonal; mitunter nur konvexes Viereck mit diesen Eigenschaften. Spezielle Drachenviereck sind die Rhomben und die Quadrate.

Drachmann, Holger, 9.10.1846-14.1. 1908, dänischer Schriftsteller, Marinemaler; gehörte zeitweise zum Kreis um G. Brandes; schrieb Liebes- und Naturlyrik und realistische Schilderungen vom Leben der Fischer und Seeleute («In Sturm und Stille», 1875, deutsch).

Drachme: (griechisch, «eine Handvoll») 1. altgriechische Gewichts- und Rechnungseinheit, als Silbermünze Grundlage griechischer Währungen.

2. Währungseinheit in Griechenland; siehe auch Währung.

3. alte Masseeinheit; siehe auch Apothekergewichte.

Dragoner: 1. Militärwesen: Angehöriger einer französischen berittenen, ursprünglich zu Fuß kämpfenden Truppe, die einen Drachen im Feldzeichen führte; später (bis zum 1. Weltkrieg) Angehöriger einer leichten Reitertruppe.

2. Zoologie: volkstümlich für Weichkäfer und Feuerwanzen.

Drag-Rennen, Sprintrennen: Motorsport Geschwindigkeitswettbewerb, der auf einer % 500 m langen und geraden Strecke im K-o.-System (2 Fahrer starten jeweils gegeneinander) in 4 Gruppen (Top, Senior, Middle, Junior) zu je 8 Fahrern entschieden wird. Die 8 Zeitschnellsten bilden die Gruppe Top und ermitteln in dieser den Sieger und die Platzierten.

Draht: 1. Fertigungstechnik: strangförmiges Halbzeug bis 40 mm Durchmesser, meist mit Kreisquerschnitt, seltener als Profildraht Metalldraht wird aus Stahl, Kupfer und Kupferlegierungen, Aluminium und Aluminiumlegierungen, Blei und Bleilegierungen sowie Edelmetallen hergestellt. Stahldraht bis 4 mm Durchmesser wird warm auf Feinstraßen gewalzt (Walzdraht). Draht geringeren Durchmessers wird aus vorgewalztem Draht oder aus pulvermetallurgisch gefertigten Stäben (Wolfram, Molybdän) gezogen, bis zu minimal 0,005 mm Durchmesser (zum Beispiel für Glühlampen). Dabei erfolgt die Querschnittsabnahme beim Durchgang durch Ziehdüsen (früher Zieheisen, heute Ziehstein aus Hartmetall oder Diamant). Stahldraht wird zur Herstellung von Drahtseilen, -gewebe, -geflecht, Federn, Nieten, Schrauben, Muttern, Wälzkörpern, Nägeln, Klammem u. ä., Draht aus Kupfer- oder Aluminiumlegierungen in der Elektroindustrie für Leitungen und Wicklungen benötigt. Die Oberfläche kann mit einem Überzug versehen sein. Plastikdraht, insbesondere aus PVC und PA, wird in Durchmessern von etwa 0,1 bis 3 mm durch Extrudieren hergestellt, zu Seilen verarbeitet und für Einzäunungen, Wäscheleinen, Angelschnüre, Möbelgeflechte unter anderem verwendet.

2. Schuhherstellung: aus mehreren Hanffaden mit der Hand gedrehter Nähfaden.

Drahtfunk: hochfrequente Übertragung von (Hör-) Rundfunkprogrammen im Langwellenbereich über ein Leitungsnetz (Fernsprechnetz). Durch eine Drahtfunkweiche gelangen die hochfrequenten Drahtfunkschwingungen zum Rundfunkempfänger, die niederfrequenten Fernsprechströme dagegen zum Fernsprechapparat. Drahtfunk war in Gebieten mit gestörtem Rundfunkempfang verbreitet, verlor durch den UKW-Rundfunk jedoch an Bedeutung.

Drahtgeflecht: Flechtwerk aus Metall- oder Plastikdraht, bei dem die Drähte an den Kreuzungspunkten miteinander verschlungen sind; siehe auch Drahtgewebe.

Drahtgewebe: Gewebe aus Metall- oder Plastikdraht, bei dem sich die Drähte im Unterschied zum Drahtgeflecht rechtwinklig kreuzen. Drahtputzwand Rabitzwand.

Drahtseil: aus Drähten hergestelltes Seil. Für Stahldrahtseil werden Drähte von 0,2 bis 5 mm Durchmesser verwendet, und zwar für Spiraldrahtseil einzelne Drähte, für Litzendrahtseil dünne Seile (Litzen). Letztere erhalten eine Hanfseele, die gute Biegsamkeit bewirkt. Bei Kreuzschlagseilen kreuzen sich Draht- beziehungsweise Litzenrichtung (für wechselnde Seilspannung), bei Gleichschlagseilen haben sie gleiche Drehrichtung (für gleichbleibende Seilspannung). Plastikdrahtseil, besonders für Schifffahrt und Fischerei, stellt man nach gleichem Prinzip her. Das «Schlagen» von Drahtseil geschieht auf der Verseilmaschine.

Drahtwürmer: Larven der Schnellkäfer; manche Arten durch Fraß an Wurzeln landwirtschaftlicher Kulturen schädlich.

Draisine: (nach dem Erfinder) 1. historisches zweirädriges Laufrad, bei dem man sich mit den Füßen vom Boden abstieß; Vorläufer des Fahrrades.

2. leichtes Schienenfahrzeug zum Befördern einzelner Personen oder kleiner Lasten; früher von Hand angetrieben, heute mit Verbrennungsmotor ausgerüstet (Schienenauto).

Drake: 1. Drake, Sir Francis Drake, um 1540-28.1.1596, englischer Seefahrer; erfolgreicher Kaperkapitän gegen die spanische Kolonialflotte, dabei 1577/80 Weltumsegelung; 1588 Vizeadmiral bei der Vernichtung der spanischen Armada.

2. Friedrich Drake, 23.6.1805-6.4.1882, Bildhauer; ab 1827 Schüler und bald auch Mitarbeiter von C. Rauch, dessen Einfluss sowohl in seinen Porträtplastiken als auch in seinen monumentalen Aufträgen wirksam blieb.

3. Heinrich Drake, geboren 15.2.1903, Bildhauer; 1927/29 Studium bei K. Albiker in Dresden, danach gefordert von G. Kolbe; seit 1949 Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Drake gestaltet neben Porträts und Statuen (Zilledenkmal in Berlin, Goethedenkmal in Marianske Lazne) besonders lebensvoll-charakteristische Tierplastik.

Drakensberge: (afrikaans, «Drachenberge») östliche Randgebirge des Südafrikanischen Hochlandes, steil zur Küste abbrechend, Teil der Großen Randstufe; bis 3482 m (Thabantshonyana) erstreckt sich durch die Republik Südafrika, Lesotho und Swasiland; aus Quarziten und Granit aufgebaut; Osthänge bewaldet, Westhänge Savanne; Quellgebiet von Oranje, Vaal, Caledon, Tugela, Umzimvubu unter anderem Flüssen.

Drakon, athenisch Archont; beeindruckt durch die damaligen heftigen Klassenkämpfe des Demos ließ er um 621 vor Christus das mündlich überkommene Gewohnheitsrecht aufzeichnen. Mit der Androhung strengster (drakonischer) Strafen wurde vor allem das Privateigentum der herrschenden Aristokratie geschützt.

drakonitisch: (griechisch drakonisch «Drachen») auf die Knoten der Mondbahn, die Drachenpunkte, bezogen, zum Beispiel der drakonitische Monat.

drakonisch: (nach Drakon) sehr streng; hart, rücksichtslos.

Drall: 1. Physik: Drehimpuls.

2. Waffentechnik: Drehung des Geschosses um seine Längsachse; wird dem Geschoß durch die im Lauf oder Rohr der Feuerwaffen eingeschnittenen Züge und stehengebliebenen Felder verliehen; gewährleistet die Stabilität des Geschosses im Flug und erhöht die Treffgenauigkeit.

Drallje: (zu «Drall») gedrehter, profilierter Stab aus Holz oder Naturstein an Treppen- oder Brüstungsgeländern.

Drallstabilisierung, Rotationsstabilisierung: Fixierung der (Haupt-) Achse einer Rakete(nstufe) oder eines Raumflugkörpers durch Rotation um diese (meist die Längs-) Achse.

Drama: (griechisch, «Handlung, Geschehen») dramatisches Werk, Bühnendichtung, Schauspiel im weiteren Sinne; Grundlage für Theaterspiel Drama: Stadt im Nordosten Griechenlands, Verwaltungszentrum des Distrikts Drama in Makedonien; 31000 Einwohner; Tabakindustrie; Baumwoll-, Holz-, Lederverarbeitung; in der Umgebung Reis- und Tabakanbau.

Dramatik: dramatische Dichtung, literarische Gattung (neben Lyrik und Epik), deren Spezifik in der Darstellung von gesellschaftlich bedingten Konflikten in gegenwärtiger Handlung besteht. Die Gattung Dramatik realisiert sich nicht primär im literarischen Text, sondern in der szenischen Darstellung, das heißt Dramen gehen als wesentliche Komponenten in Werke der darstellenden Künste ein. Dramatik im weitesten Sinne umfasst Theaterstücke, Libretti für Oper, Operette und Ballett, Hörspiele, Puppenspiele, Szenarien für Filme und Fernsehspiele und so weiter. Von Dramatik kann gesprochen werden, seit sich in der Sklaverei-Gesellschaft die Erarbeitung von Handlungsvorlagen arbeitsteilig vom theatralischen Schaffensprozess emanzipiert hat und die Texte schriftlich fixiert wurden. Genres, Strukturen, Formen und Gestaltungsmittel der Dramatik entwickelten sich in engem Wechselverhältnis zu den gesellschaftlichen Wirkungsmöglichkeiten sowie den institutionellen und materiell-technischen Gegebenheiten der darstellenden Künste.

Dramaturg: künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Theater, Film, Rundfunk oder Fernsehen. Im Theater ist der Dramaturg zusammen mit dem Intendanten verantwortlich für die Spielplangestaltung; er arbeitet mit Autoren an der Entwicklung neuer Werke, erarbeitet mit dem Regisseur Konzeptionen und nimmt beratend am Probenprozess teil, verfasst Programmhefte, Presseinformationen und so weiter.

Dramaturgie: 1. Lehre von den ästhetischen Gesetzen und Wirkungsmöglichkeiten des Dramas. Älteste Dramaturgie ist die «Poetik» des Aristoteles. Lessings «Hamburgische Dramaturgie» (1767/69) ist die erste bedeutende deutsche Dramaturgie; wesentliche Beiträge zur Entwicklung einer sozialistisch-realistischen Dramaturgie leistete B. Brecht.

2. Abteilung des Theaters, Films, Rundfunks oder Fernsehens, in der die Dramaturgen zusammengefasst sind.

Dränage-Drainage: 1. Bautechnik: unterirdisch (1 bis 2 m tief) verlegtes, an eine Vorflut angeschlossenes System (Stränge als Sammler und Sauger) aus Kunststoffrohren zur Entwässerung, Durchlüftung, Erwärmung und Lockerung landwirtschaftlich genutzter Böden (Melioration). Unter Straßen, Bauwerken und Rohrleitungstrassen wird durch Dränage-Drainage des Baugrundes eine dauernd oder zeitweise wirkende Entwässerung gewährleistet.

2. Medizin: Ableiten von Körperflüssigkeiten (zum Beispiel Galle) oder entzündlichen Ergüssen aus dem Körper durch Einsetzen eines Röhrchens (Drain), das aus Gummi oder Plaste besteht.

Drang: abnormer Antrieb zu sinnlosen Handlungen, der nur begrenzt zu beeinflussen ist; meist im Zusammenhang mit dranghaften Verstimmungszuständen (zum Beispiel bei psychopathischen Jugendlichen, Schwachsinnigen, Epileptikern oder anderen organisch Hirngeschädigten). Dabei kann es zu Drang- oder Impulshandlungen kommen, zum Beispiel triebhaftes Stehlen (Kleptomanie), Drang zu Brandstiftungen (Pyromanie), Hang zum Weglaufen beziehungsweise Wandertrieb (Poriomanie) oder sexuelle Entgleisungen.

Drängewässer: durch einen Deich oder dessen Untergrund austretendes und in Niederungen sich sammelndes Wasser.

Dränmaschinen: Maschinen zum Herstellen von Dränsträngen als System offener Gräben (Grabendränung), in den Boden verlegter Dränrohre (Röhrendränung) oder unterirdisch durch Bodenverdrängung ausgeformter Erdröhren (Maulwurfsdränung) zur Bodenentwässerung.

Dränrohr: Rohr ans Keramikgut oder gelochtem Kunststoff, das im Boden in Strängen verlegt zur Entwässerung dient; siehe auch Dränage 1.

Drastika: äußerst stark wirkende Abführmittel (zum Beispiel Krotonöl); nur noch in der Tierheilkunde gebräuchlich,

drastisch (griechisch): sehr wirksam; derb, unverblümt.

Dravida, Drawida: dunkelhäutige, vorindoeuropäische Völker- und Sprachfamilie im südlichen und mittleren Vorderindien; etwa 180 Millionen; überwiegend Anhänger des Hinduismus (einschließlich Kastenwesen). Zu den Dravida gehören große Völker, wie Telugu oder Andhra (60 Millionen), Tamilen (54 Millionen), Kanaresen (28 Millionen), Malayalam oder Malabaresen (27 Millionen) und Tulu (1,5 Millionen), aber auch kleinere Stämme und Völker in Rückzugsgebieten (Toda) mit wenig entwickelter Wirtschaft.

dravidische Sprachen, drawidische Sprachen-, nach der indoeuropäischen zweitgrößte in Indien vertretenen Sprachfamilie, die dort vor allem in Südindien sowie in Belutschistan und in Sri Lanka gesprochen wird. Zu Schriftsprachen entwickelten sich Tamil, Telugu, Kannada und Malayalam.

Drechseln: Bearbeiten (Drehen) von Werkstücken, zum Beispiel aus Holz, nichtmetallischen Werkstoffen, zu rotationssymmetrischen Körpern auf einer der Metalldrehmaschine ähnelnden Holzdrehbank.

Drees, Willem, geboren 5. 7. 1886, niederländischer Sozialdemokratischer Politiker; zur Zeit der faschistischen deutschen Okkupation führend in der Widerstandsbewegung. Während seiner Regierungszeit als Ministerpräsident (1948/58) erfolgte die Einbeziehung der Niederlande in das westliche Militärbündnis und in die EWG.

Dregowitschen: ostslawischer Stamm, im 9./10. Jahrhundert zwischen Prypjat und Westliche Dwina lebend. Die Dregowitschen betrieben Ackerbau, Viehzucht und übten einige Gewerbe aus. Im 11. Jahrhundert ging ihr Land in der Kiewer Rus auf.

Drehautomat: Drehmaschine mit selbsttätig nach vorgegebenem, gespeichertem Programm ablaufendem Arbeitsprozess, meist mit Kurven- (auch Nocken-) oder numerische Steuerung mit offenem Wirkungsweg (Steuerkette) für die Fertigung großer Stückzahlen. Nach der Zahl der Hauptspindeln unterscheidet man Einspindel- (Form- und Abstechautomaten, Form- und Langdrehautomat, Revolverdrehautomat) und Mehrspindeldrehautomat nach der Werkstoffzufuhr Stangen-, Magazin- und Futter- (Spannfutter-) Automat.

Drehbuch: produktionsreife Fassung der literarischen Grundlage (Szenarium, Roman, Erzählung, Schauspiel unter anderem) eines Films; enthält in der Reihenfolge des Handlungsablaufs alle Einzelheiten der Gestaltung und den Dialog.

Drehbühne: drehbare Kreisfläche auf der Bühne zum gleichzeitigen Aufbau mehrerer Dekorationen; erlaubt raschen Szenenwechsel; in Europa erstmalig von G. Lautenschläger nach japanischem Vorbild 1896 in München verwendet.

Dreheiseninstrument, Weicheiseninstrument zur Messung von Wechselströmen und -Spannungen verwendetes Messinstrument, dessen Funktion auf der im magnetischen Feld auf ferromagnetische Stoffe (Eisen) ausgeübten Kraftwirkung beruht; misst exakt den Effektivwert eines Wechselstromes, die Skalenteilung lässt sich durch konstruktive Maßnahmen in weiten Grenzen beeinflussen. Standardmessgerät für technischen Wechselstrom (50 Hz).

Drehen: 1. Fertigungstechnik: spannendes Fertigungsverfahren zur Herstellung von rotationssymmetrischen Innen- und Außenflächen vorgefertigter Teile (meist durch Ur- oder Umformen) mit kreisender Schnittbewegung und stetiger Vorschubbewegung des ständig im Eingriff befindliche Werkzeugs. Beim Längsdrehen erfolgt die Vorschubbewegung in axialer, beim Plan- und Einstechdrehen in radialer Richtung. Das Kegeldrehen ist eine Abart des Längsdrehens, bei dem der Meißel eine Längsbewegung ausführt, die um den halben Kegelwinkel zur Achse des Werkstücks geneigt ist. Formdrehen wird mit Formdrehmeißeln ausgeführt (zum Beispiel Gewindeschneiden). Nachform- (Kopier-) Drehen ist ein spezielles Drehverfahren, bei dem ein Musterstück (Prototyp) als Vorlage dient und «nachgeformt» wird (Anwendung besonderer Nachformdrehmaschinen oder Nachformaggregate auf Universaldrehmaschinen). Mehrkant-Hinterdrehen werden mit besonders Zusatzeinrichtungen oder Sonderdrehmaschinen ausgeführt. Feindrehen ist ein sehr genaues Verfahren, das höchsten Qualitätsansprüchen genügt. Dazu sind Feindrehmaschinen erforderlich, die mit hohen Schnittgeschwindigkeiten, geringen Vorschüben und Schnitttiefen arbeiten. Revolverdrehen erfolgt auf speziellen Revolverdrehmaschinen (für Herstellung größerer Stückzahlen), Automatendrehen wird für sehr hohe Stückzahlen angewendet. Standardwerkzeug ist der einschneidige Drehmeißel mit Schaft aus Baustahl und dem gelöteten beziehungsweise geklemmten (Klemmhalter) Schneidenteil vorwiegend aus Hartmetall, aber auch aus Schneidkeramik oder superharten Schneidstoffen; hergestellt in vielen Ausführungen für verschiedene Werkstückformen und Drehverfahren.

2. Filmtechnik: ursprünglich das Drehen der Kurbel der handgetriebenen Bildaufnahmekamera, heute allgemein die Aufnahme (auch Gesamtherstellung) eines Films oder von Filmteilen.

3. Silikattechnik: Formgebungsverfahren für plastische Massen. Beim Freidrehen werden runde Gefäße auf der Töpferscheibe freihändig aufgedreht. Beim Eindrehen werden Becher unter anderem Hohlkörper mit Hilfe von Gipsformen und Stahlschablonen auf der Drehspindel geformt. Teller- und Becherautomaten benutzen das Rollerprinzip, wobei das äußere beziehungsweise innere Profil durch den Rollerkopf (Vollschablone) geformt wird. Abdrehen ist für die Herstellung von Isolatoren aus lederhart getrockneten Hubeln geeignet, wobei die überschüssige Masse mit einer Drehschlinge herausgearbeitet wird.

Drehfeld: mit einer bestimmten Winkelgeschwindigkeit in einem Gerät oder einer elektrischen Maschine rotierendes Magnetfeld. Besondere Bedeutung hat das kreisförmige Drehfeld, das mit konstanter Amplitude und Winkelgeschwindigkeit in Drehfeldmaschinen, vorwiegend in Drehstrommaschinen, umläuft. Ein Drehfeld entsteht durch Speisung von (im einfachsten Fall) 3 räumlich um 120° versetzten Spulen durch 3 zeitlich um 120° gegeneinander phasenverschobene Wechselströme sowie auch bei Rotation eines Dauer- oder Elektromagneten.

Drehfläche, Rotationsfläche. Fläche, die durch Drehung einer ebenen Kurve um eine in ihrer Ebene liegende Gerade a, die Achse, entsteht. Sie wird von jeder a enthaltenden Ebene in einem Meridian und von jeder zu a orthogonalen Ebene in einem Parallel- oder Breitenkreis geschnitten. Die Drehfläche umschließt einen Dreh- oder Rotationskörper.

Drehflügelflugzeug, Drehflügler, Rotorflugzeug: Fluggerät, bei dem Auf- und Vortrieb nicht durch Tragflächen, sondern überwiegend oder ausschließlich von einem in der Waagerechten umlaufenden Drehflügel (Rotor) bewirkt werden. Der Hubschrauber ist als bedeutendes Drehflügelflugzeug am weitesten entwickelt und verbreitet. Er hat entweder einen Rotor und eine das Drehmoment ausgleichende Heckschraube oder 2 koaxiale Rotoren. Seine Vorzüge bestehen darin, dass er senkrecht starten und landen, am Ort verharren und sich um die eigene Achse drehen kann. Verbundhubschrauber haben zusätzlich eine Hilfstragfläche. Verwandlungshubschrauber (Convertiplan) nehmen eine Stellung zwischen Drehflügelflugzeug und Starrflügler ein. Flugschrauber haben zusätzliche Luftschrauben zur Vergrößerung des Vortriebes (Entwicklung eingestellt). Kombinationsflugschrauber sind Flugschrauber mit zusätzlicher Hilfstragfläche, die im Horizontalflug den überwiegenden Teil des Auftriebs liefert (der Rotor, der von der anströmenden Luft angetrieben wird, liefert den restlichen). Der Tragschrauber (Autogiro) ist mit Luftschraubentriebwerk für die Erzeugung des Vortriebes und mit einer Tragschraube (Drehflügel) ausgerüstet, die von der anströmenden Luft angetrieben wird. Siehe auch Autorotation.

Drehgestell: 2- oder mehrachsiges Fahrgestell von Schienenfahrzeugen, das den Wagenkasten trägt und sich um eine senkrechte Achse drehen kann; ermöglicht gute Federung, ruhigen Lauf und bessere Laufgüte in Gleiskrümmungen.

Drehimpuls, Impulsmoment: in der Mechanik eines Massenpunktes das Vektorprodukt. Für den um eine feste Achse rotierenden starren Körper ist die Drehimpulskomponente L in Richtung der Drehachse das Produkt aus Trägheitsmoment J um diese Achse und Winkelgeschwindigkeit ö des Körpers: L = Ja. Die Ableitung des Drehimpulses nach der Zeit ist dem resultierenden Kraftmoment aller äußeren Kräfte gleich. Greifen an einem mechanischen System keine äußeren Kräfte an (abgeschlossenes System), so ist der Drehimpuls zeitlich konstant (Erhaltungssatz des Drehimpulses, Drehimpulssatz). Siehe auch Flächensatz.

Drehkolbengebläse: Gebläse in Drehkolbenbauart zur Förderung von Gasen. entsprechend den Bauarten werden Roots-, Jäger-, Enke-, Zellen- und Schraubengebläse unterschieden. Die Förderströme betragen 40 bis 15000 m3/h.

Drehkolbenmotor, Kreiskolbenmotor: Kolbenmotor mit hoher Drehzahl, dessen Kolben eine rotierende Bewegung vollführt. Die Kolbenform weicht von der des Hubkolbens ab (polygonartiger Querschnitt). Drehkolbenmotoren arbeiten mit einem Kolben oder mit einem Kolbenpaar. Der Wankelmotor ist ein ventilloser Verbrennungsmotor mit 3 Zylinderräumen und Schlitzsteuerung. Vorteile des Drehkolbenmotor sind unter anderem wenig Motorbauteile, keine oszillierenden Massen und kleine Leistungsmasse.

Drehkondensator: Kondensator mit stetig veränderbarer Kapazität. Der Drehkondensator besteht aus einem feststehenden und einem davon isolierten drehbaren metallischen Plattenpaket; Anwendung zum Beispiel im Rundfunkempfänger zur Abstimmung.

Drehkrankheit, Coenurose: eine weltweit verbreitete parasitäre Gehirnerkrankung bei Schafen. Die Finne des Hundebandwurmes verursacht durch Druck auf das Großhirn Zwangsbewegungen (Manege-Traberbewegungen) bei den Tieren.

Drehkreis: Schifffahrt Bahn, die der Schiffsschwerpunkt nach einer Geradeausfahrt vom Moment eines bestimmten Ruderausschlages an oder bei einseitigem Schiffsschraubeneinsatz beschreibt. Unter Wirkung der Ruderkräfte dreht das Schiff und fahrt in eine Kreisbahn ein. Drehkreismanöver werden besonders zur Beurteilung der Drehfähigkeit von Schiffen ausgeführt, wobei auch oft die Stabilitätsbeanspruchung (zum Beispiel Krängung) im Drehkreis von Interesse ist.

Drehkristallverfahren, Braggsche Methode (nach W. L. Bragg): Verfahren zur Untersuchung der Kristallstruktur von Einkristallen durch Beugung von monochromatischer Röntgenstrahlen beziehungsweise zur Wellenlängenbestimmung von Röntgenstrahlen mit einem Kristall bekannter Gitterkonstanten. Der Einkristall wird während der Bestrahlung um eine Achse senkrecht zum einfallenden Strahl gedreht, wobei als Drehachse eine kristallographische Achse gewählt wird. Auf dem zylinderförmig um den Einkristall angebrachten fotografischen Film entstehen schwarze parallele Geraden, aus deren Abstand der Atomabstand in Richtung der Drehachse bestimmt werden kann.

Drehleier, Radleier, altertümliches Saiteninstrument, bei dem 1 bis 2 durch Druck auf Tangententasten verkürzbare Melodiesaiten und 2 bis 4 Bordunsaiten mit einem Kurbelrad gleichzeitig angestrichen werden; heute noch vereinzelt als Volksmusikinstrument gebräuchlich.

Drehmagnetinstrument: robustes Messinstrument für elektrische Gleichströme und -Spannungen, bei dem ein drehbar gelagerter Dauermagnet im Feld einer stromdurchflossenen Spule ausgelenkt wird. Anwendung zum Beispiel in Fahrzeugen.

Drehmaschine: Werkzeugmaschine, bei der das Werkstück meist die rotierende Hauptbewegung und das Werkzeug die Vorschubbewegung ausführt. Drehmaschine dienen vorzugsweise zur Außen- und Innenbearbeitung rotationssymmetrische Werkstücke unterschiedlichster Abmessungen, Masse und Qualität. Es lassen sich alle Drehoperationen (Drehen 1), aber auch Gewindeschneiden, Bohren, Senken und Reiben realisieren. Man unterscheidet im Allgemeinen Universaldrehmaschine (Leit- und Zugspindeldrehmaschine kleinster Abmessungen, als Mechaniker Drehmaschine bekannt, bis zu Lang- und Großdrehmaschine) und Produktionsdrehmaschine, die den Erfordernissen einer rationellen Produktion angepasst sind, zum Beispiel Futter- oder Frontdrehmaschine für kurze Werkstücke, Plandrehmaschine mit horizontaler oder Karusselldrehmaschine mit vertikaler Arbeitsspindel für große, meist ringförmige Werkstücke sowie Feindrehmaschine für hohe Qualitätsansprüche. Hinsichtlich des zunehmenden Mechanisierung- und Automatisierungsgrades unterscheidet man weiter Nachformdrehmaschine (Kopierdrehmaschine), Revolverdrehmaschine (Stern- und Trommelrevolver) und sogenannt Drehautomaten (Ein- und Mehrspindelautomaten). Daneben werden Drehmaschine für Sonderzwecke gebaut, zum Beispiel Kurbelwellen- und Nockenwellendrehmaschine, Radsatzdrehmaschine, Walzen- Drehmaschine, Hinter Drehmaschine für den Werkzeugbau unter anderem. Der Grundaufbau, bezogen auf die Universaldrehmaschine, besteht aus dem Spindelkasten mit dem Hauptgetriebe und der Hauptspindel zur Aufnahme und Rotationsbewegung des Werkstücks, dem Vorschubgetriebe zur Realisierung der Vorschub- (Neben-) Bewegung, dem Maschinenbett, dem Bettschlitten mit Quer- und Werkzeugsupport und dem Reitstock sowie der Lünette zur Unterstützung bei der Bearbeitung langer und schwerer Werkstücke. Die Zugspindel dient zur linearen Bewegung (maschinelle Vorschubbewegung) des Bettschlittens, die Leitspindel zum Gewindeschneiden. Die Produktionsdrehmaschine weichen mehr oder weniger von dieser Bauart ab. Revolverdrehmaschinen haben als Besonderheit einen trommel- oder sternförmigen Mehrfachwerkzeugträger, keinen Reitstock und keine Leitspindel. Drehautomaten haben mehrere Mehrfachwerkzeugträger, keinen Reitstock, keine Leitspindel. Die Werkstücke können bei Drehautomaten mit Magazin zugeführt werden (Magazinautomat), oder es wird von der Werkstoffstange gearbeitet (Stangenautomat). Alle Arbeitsoperationen verlaufen auf dem Drehautomaten automatisch. Sämtliche Drehmaschinentypen können auch mit numerischer Steuerung (NC-Steuerung) ausgerüstet werden. Der Aufbau der NC-Maschinen weicht gegenüber konventionellen Drehmaschine zum Teil erheblich ab.

Drehmelder: Geber und Empfänger für die Fernmessung und -Übertragung von Drehmomenten, Drehwinkeln oder Informationsgrößen. Bei ungleicher Läuferstellung entstehen in den Ständerwicklungen der zur Drehmelderkette zusammengeschalteten Geber und Empfänger Ströme, die ein Drehmoment und damit ein Nachdrehen des Empfängers hervorrufen. Nach Aufgabe unterscheidet man Drehmomentdrehmelder, Steuerdrehmelder und Differentialdrehmelder. Angewendet werden Drehmelderketten zum Beispiel für die Lageanzeige von Schiffs- und Flugzeugrudern, Schleusentoren.

Drehmomentwandler: Getriebe zur Wandlung eines eingegebenen Drehmoments (Input) in ein abgegebenes Drehmoment (Output), wobei sich die Drehmomente umgekehrt proportional zu den entsprechend Drehzahlen verhalten. Diese Wandlung ist stets mit Energieverlusten verbunden.

Drehorgel, Leierkasten-, transportable Kleinorgel mit Zungenpfeifen oder Flöten; eine Kurbel betätigt gleichzeitig den Blasebalg und die Walze mit Metallstiften, die die entsprechend Pfeifenventile öffnen und schließen; besonders im 19. Jahrhundert bei Bettlern und Bänkelsängern gebräuchlich.

Drehpunkt: von B. Brecht geprägter dramaturgische und schauspielmethodische Begriff, der einen entscheidenden Wendepunkt in der dramatischen Handlung, in der Entwicklung einer Figur oder im Verlauf einer Szene bezeichnet.

Drehrohrofen: kontinuierlich arbeitender metallischer Ofen, der ein langes zylindrisches Gefäß darstellt, das um eine schwach zur Horizontalen geneigte Achse gedreht wird. Das an der oberen Seite zugeführte Beschickungsgut durchläuft den Ofen infolge dessen Neigung und Rotation. Die Heiz- beziehungsweise Reaktionsgase werden im Gegen- oder Gleichstrom zum Reaktionsgut geführt. Der Drehrohrofen wird verwendet zum Trocknen von feuchtem, körnigem Gut, zum Rösten, zur thermischen Aufbereitung, zur Eisenschwammherstellung unter anderem.

Drehrostgenerator: kontinuierlich arbeitender Reaktor zur Vergasung von Kohle oder Koks. Ein senkrechter, geschlossener Schacht mit Gasableitung taucht in eine sich drehende Wassertasse. Diese ist fest mit einem Rost verbunden, auf dem die Kohle liegt und durch den Luft beziehungsweise Wasserdampf geblasen wird. Durch die Drehung wird laufend der Koks geschürt und die Asche ausgetragen.

Drehscheibe: Anlage zum Umsetzen und Wenden von Schienenfahrzeugen. Eine brückenartige Stahlkonstruktion dreht sich in einer Grube um einen Zapfen (Königsstuhl) und wird an den Enden durch auf Schienen laufende Räder gestützt. Die Einheitsdrehscheibe der Deutschen Reichsbahn hat 23 oder 26 m Durchmesser.

Drehsinn, Umlaufsinn-, in der Geometrie eine bestimmte Drehrichtung. Der positive Drehsinn in der ebenen Geometrie ist der Uhrzeigerdrehung entgegengerichtet.

Drehspiegelung: Geometrie Bewegung im Raum, bestehend aus einer Drehung um eine Gerade und einer Spiegelung an einer dazu orthogonalen Ebene.

Drehspulinstrument: Messinstrument für elektrische Gleichströme und -Spannungen. Im Feld eines Dauermagneten wird eine drehbar gelagerte Spule durch den zu messenden Strom ausgelenkt, 2 Spiralfedern bilden die Stromzuführungen und liefern das Gegendrehmoment. Bei homogenem Magnetfeld ist die Skale linear geteilt. Wegen des geringen Leistungsverbrauchs wird das Drehspulinstrument sehr häufig verwendet. Siehe auch Dreheiseninstrument, Vielfachmessgerät.

Drehsteife, Direktionsmoment, Richtmoment: für kleine Torsionen, das heißt Verdrillung von Stäben oder Drähten, der Proportionalitätsfaktor D zwischen dem Betrag des rücktreibenden Kraftmoments M und dem Drehwinkel.

Drehstoßtechnik: Kugelstoßtechnik, die eine Kombination der Diskuswurf- und der O’Brien Technik darstellt. Die Kugel, die sich entsprechend den Wettkampfregeln am Hals des Sportlers befindet, erhält während der Drehung eine höhere Geschwindigkeit (Vorteil), es erhöht sich aber damit auch die Schwierigkeit der Ausführung (Nachteil).

Drehstrommaschine: elektrische Maschine zur Umwandlung mechanischer Leistung in elektrischer Drehstromleistung (Drehstromgenerator) oder umgekehrt (Drehstrommotor). Wichtigste Bauformen sind Asynchron- und Synchronmaschine.

Drehung: 1. Garnherstellung: Vorgang, bei dem alle im Querschnitt eines Bändchens liegenden Fasern schraubenförmig um die Garnmittellinie (Längsachse) gedreht werden. Die auf 1 m bezogene Anzahl Drehungen wird als Drehungszahl bezeichnet. Z- beziehungsweise S- Drehung liegt vor, wenn bei senkrecht gehaltenem Faden die Faserrichtung dem Schrägstrich des Buchstabens Z beziehungsweise S entspricht.

2. Drehung, Rotation (lateinisch): Geometrie - Bewegung in einer Ebene, bei der genau ein Punkt, das Drehzentrum, fest bleibt, und Bewegung im Raum, bei der genau eine Gerade, die Drehachse, punktweise festbleibt. Jeder Drehung ist ein Winkel als Drehwinkel derart zugeordnet, dass bei der Drehung einer seiner Schenkel in den anderen übergeht.

Drehvermögen, optisches: Eigenschaft von Stoffen mit optischer Aktivität, die Schwingungsebene linear polarisierten Lichtes zu drehen. Das optische Drehvermögen kann zur Konzentrationsmessung bei Lösungen dienen (zum Beispiel Sacharimeter).

Drehwaage, Torsionswaage: empfindliches Gerät zur Messung abstoßender oder anziehender Kräfte; besteht aus einem leichten Waagebalken, der an einem dünnen Torsionsdraht waagerecht aufgehängt ist und an den Enden jeweils eine kleine Massekugel trägt. Ein äußeres Drehmoment bewirkt eine Drehung des Waagebalkens, der die Torsion des Drahtes entgegenwirkt. Die Drehwaage von H. Cavendish (1798) diente zur Messung der Gravitationskonstanten, die Drehwaage von L. Eötvös (1894) zum Nachweis der Gleichheit von schwerer und träger Masse sowie zu gravimetrischen Messungen, die Drehwaage von C. A. de Coulomb (1785) zur Messung elektrischer Kräfte.

Drehwuchs: Wuchsform bei Holzgewächsen; die Holzfasern verlaufen nicht parallel sondern spiralig zur Stammachse (meist linksdrehend). Drehwuchs tritt bei allen Baumarten, aber mit unterschiedlicher Intensität auf; er mindert die Qualität des Holzes und schränkt die Verwendungsmöglichkeiten ein.

Drehzahlverhalten: Art der Drehzahländerung in Abhängigkeit vom Belastungsmoment bei einem (Elektro-) Motor. Unterschieden werden synchrones Drehzahlverhalten (konstante Drehzahl), Nebenschlussverhalten (geringer Drehzahlabfall) und Reihenschlussverhalten (starker Drehzahlabfall).

Dreibein: System von 3 in einem Punkt beginnenden gerichteten Einheitsstrecken e, e2, e3, die nicht komplanar sind, und deren jede eine Achse eines räumlichen Koordinatensystems festlegt. Ist dieses ein kartesisches, so sind eh e2, e3 paarweise senkrecht; können e, e2, e, in dieser Reihenfolge durch Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand dargestellt werden, ist das Koordinatensystem ein Rechts-, andernfalls ein Linkssystem.

Dreiberg: Heraldik ein aus 3 Wölbungen bestehender Hügel, dessen mittlere Erhöhung die beiden Seitenwölbungen überragt. Meist aus dem Schildfuß wachsend, dient er gewöhnlich anderen heraldischen Bildern als Fuß- oder Stützpunkt.

Dreibund: geheimer Bündnisvertrag zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien vom 20. 5. 1882, war gegen Frankreich und Russland gerichtet. Der Dreibund wurde bis 1912 regelmäßig verlängert, zerfiel aber 1915 mit dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente.

dreidimensionaler Druck, 3-D-Druck: Verfahren zur Herstellung von Druckprodukten mit räumlicher Bildwirkung; siehe auch Anaglyphen.

Dreieck: 1. Astronomie: Sternbild.

2. Geometrie: geschlossener ebener Streckenzug zwischen 3 nichtkollinearen Punkten A. B. C. Die Seitenlängen a. b. c werden oft nach den gegenüberliegenden Ecken bezeichnet. Die Summe der Innenwinkelgrößen a, ß, y ist stets 180°. Im spitzwinkligen Dreieck ist jeder Innenwinkel spitz, im rechtwinkligen Dreieck einer ein rechter, im stumpfwinkligen Dreieck einer ein stumpfer. Das gleichseitige Dreieck hat 3 gleichlange Seiten, das gleichschenklige Dreieck deren 2, die Schenkel. Die dritte Seite wird hier meist die Grundlinie des gleichschenkligen Dreiecks genannt. Der Flächeninhalt eines Dreieck ist das halbe Produkt aus einer Seitenlänge und der Länge der zugehörigen Höhe; zum Beispiel F = c hc/2. Nach Heron von Alexandria gilt F = Js(s a)(s b)(s c), wenn 2s = a + b + c. In einem rechtwinkligen Dreieck ist die dem rechten Winkel gegenüberliegende Seite die Hypotenuse, die beiden anderen Seiten sind die Katheten.

Dreiecksbein: annähernd dreieckiger, in der proximalen Reihe der Handwurzel liegender Knochen.

Dreieckschaltung: Schaltung eines Drehstromverbrauchers mit Verbindung jeweils des Anfangs eines mit dem Ende des nächsten Schaltelements und der Verbindungspunkte mit den Leitern LI, L2 und L3.

Dreiecksungleichung: Ungleichung, wonach der absolute Betrag einer Summe höchstens so groß wie die Summe der absoluten Beträge der Summanden ist gilt zum Beispiel für reelle Zahlen, komplexe Zahlen, Vektoren.

drei Einheiten: dramaturgische Regel, die in sich geschlossene lineare Handlungsführung (Einheit der Handlung) im Zeitraum von höchstens 24 Stunden (Einheit der Zeit) an nur einem Schauplatz (Einheit des Ortes) im Drama postuliert. Ausgehend von der «Poetik» des Aristoteles wurden die drei Einheiten seit dem 16. Jahrhundert in der klassizistischen Theorie und Dramatik (besonders in Frankreich) zur verbindlichen Norm; in der Renaissancedramatik (zum Beispiel Shakespeare), im Sturm und Drang und vielen Erscheinungen der neueren Dramatik wurden mit der normativen Dramaturgie auch die drei Einheiten überwunden.

Dreierprobe: Teilbarkeitsregel, wonach eine ganze Zahl durch 3 teilbar ist, wenn ihre Quersumme durch 3 teilbar ist. Die Dreierprobe beruht darauf, dass jede Zehnerpotenz bei Division durch 3 den Rest 1 lässt.

Dreifachimpfung: kombinierte Schutzimpfung gegen Diphtherie, Keuchhusten und Wundstarrkrampf.

Dreifelderwirtschaft: Ackerbausystem (Bewirtschaftungsform), das sich mit der Intensivierung des Wintergetreideanbaus im 8. Jahrhundert herauszubilden begann und durch die Fruchtfolge Wintergetreide Sommergetreide Brache charakterisiert ist («reine Dreifelderwirtschaft»), Bei der «verbesserten Dreifelderwirtschaft» folgte ein Jahr Hackfrucht- beziehungsweise Feldfutterbau (seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert). Die Dreifelderwirtschaft im Feudalismus erforderte die Einteilung des Ackerlandes in mindestens 3 Gewanne und Flurzwang.

Dreifuß: antikes Kultgerät, seit dem 9-/8. Jahrhundert vor Christus als Metallarbeit künstlerisch gestaltet.

Dreikaiserbündnis: dreiseitiger Neutralitätsvertrag vom 18. 6. 1881 zwischen Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn. 1887 konnte das für die Politik Bismarcks wichtige Abkommen wegen der Interessengegensätze zwischen Russland und Österreich-Ungarn auf der Balkanhalbinsel nicht verlängert werden.

Dreikanter, Windkanter: Gesteinsstück, das durch vom Wind bewegte Sandmassen facettenförmig geschliffen ist.

Dreikantmuschel, Wandermuschel, Dreissena polymorpha: europäischen Süßwassermuschel, sitzt mit Byssus (Byssusdrüse) festgeklebt an Steinen, Pfählen und so weiter; besiedelt und verstopft auch Rohrleitungen, da die Schwimmlarve alle Siebe passiert. Siehe auch Muscheln.

Dreikantwurm, Pomatoceros triqueter: eine dreikantige Kalkröhre bewohnender, bis 3 cm langer Vielborster; lebt an der Nord- und Ostseeküste auf Steinen und Muschelschalen.

Drei-Kelvin-Strahlung, 3-K-Strahlung, Urstrahlung, kosmische Hintergrundstrahlung: aus dem Weltall aus allen Richtungen gleichmäßig einfallende Mikrowellenstrahlung, deren Intensität und spektrale Verteilung denen eines schwarzen Körpers mit der Temperatur von rund 3 K entsprechen. Die 1965 von A. Penzias und R. Wilson entdeckte Drei-Kelvin-Strahlung beweist, dass das Weltall vor mehreren Md. Jahren eine sehr heiße und dichte Phase durchlief und seither expandiert.

Dreiklang: allgemeiner Zusammenklang dreier verschiedener Töne; Dur-D. aus Grundton, großer Terz und reiner Quinte (zum Beispiel c-e-g), Moll-D. aus Grundton, kleiner Terz und reiner Quinte (zum Beispiel c-es-g); der verminderte Dreiklang (Benennung nach dem Rahmenintervall, der verminderten Quinte) ergibt sich aus dem Miteinander von 2 kleinen Terzen (zum Beispiel c-es-ges), der übermäßige Dreiklang aus dem Miteinander von 2 großen Terzen (zum Beispiel c-egis). Jeder Dreiklang kann in 3 Formen auftreten: als Grundstellung, Sextakkord und Quartsextakkord (siehe auch Umkehrung).

Dreiklassenwahlrecht: ungleiches, undemokratisches, indirektes Wahlverfahren, wonach die Wahlberechtigten (Urwähler) nach Höhe ihrer Steuerzahlung in 3 Kategorien (Klassen) eingeteilt waren, die jeweils die gleiche Anzahl von Wahlmännern wählten; zum Beispiel in Preußen bis 1918 geltendes Wahlrecht.

Dreileitersystem: Gleichstrom-Energieübertragungssystem, bei dem zwischen den Außenleitern (+ und -) die volle und zwischen einem Außenleiter und dem Mittelleiter die halbe Spannung abgegriffen werden kann; auch Bezeichnung für ein Drehstromsystem ohne Nullleiter.

Dreimächtepakt: am 27.9.1940 in Berlin zwischen Hitlerdeutschland, dem faschistischen Italien und Japan abgeschlossenes aggressives politisch-militärisches Bündnis zur Aufteilung der Welt in sogenannt Ordnungssphären und zur gegenseitigen Unterstützung ihrer aggressiven, auf Weltherrschaft zielenden Pläne.

Dreiperiodensystem: zeitliche Abfolge von Stein-, Bronze- und Eisenzeit; 1836 von dem dänischen Archäologen C. Thomsen und fast gleichzeitig von J. F. Danneil und G. C. F. Usch entdeckt.

Dreipunktanbau: standardisiertes Anbausystem zur Verbindung von Anbaugeräten mit dem Traktor an 3 Kopplungspunkten.

Dreiser, Theodore, 27.8.1871-28.12.1945, US-amerikanischer Schriftsteller; beschrieb, vom Naturalismus beeinflusst, in seinen Romanen das Wesen des Kapitalismus und seine destruktive Wirkung auf den menschlichen Charakter («Schwester Carrie», 1900, deutsch; Trilogie «Der Finanzier», 1912, deutsch, «Der Titan», 1914, deutsch, «Der Stoiker», 1947, deutsch). In seinem Hauptwerk, dem kritisch-realistischen Roman «Eine amerikanische Tragödie» (1925, deutsch), zerstört Dreiser die Illusion vom amerikanischen Erfolgstraum anhand des Schicksals eines ehrgeizigen Jungen, der um des sozialen Aufstiegs willen bereit ist, einen Mord zu begehen. Dreiser bezog in den 30er Jahren sozialistischer Positionen.

Dreispaltenstruktur: Aufbrechen der kontinentalen Kruste in Form dreier Brüche, die von einem Knotenpunkt im Idealfall unter einem Winkel von 120° ausgehen, bedingt durch Ausdünnung der Lithosphäre, Aufwölbung und Bruchzerlegung in Zonen thermische Aktivierung; nach mobilistische Vorstellung ein mögliches Ausgangsstadium der Ozeanbildung (Dreispaltentektonik).

Dreispitz: um 1690 entstandene Hutform, bei der die Krempe eines breitrandigen Hutes an 3 Seiten hochgeschlagen wurde.

Dreisprung: leichtathletische Disziplin für männliche Athleten; aus 3 Teilsprüngen (englisch Hop, Step und Jump benannt) bestehender Weitsprung mit vorgeschriebener Sprungfolge (links-links-rechts oder rechts-rechts-links) nach Anlauf und Absprung von einem Absprungbalken. Die Regeln gleichen denen im Weitsprung, der Springer darf aber nicht mit dem an der jeweiligen Sprungphase nicht beteiligten Fuß den Boden berühren. Olymp, (seit 1896), Weltmeisterschafts- (seit 1983) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1934).

Dreißigjähriger Krieg: Kampf (1618/48) zwischen dem habsburgische Mächteblock (Spanien und Österreich, das Papsttum, einige italienische Fürsten sowie Polen Litauen) und einer antihabsburgische Gruppierung (Niederlande, Schweden, später noch Frankreich, zeitweise auch England und Dänemark), die meist unter Führung Schwedens und Frankreichs stand. Er wurde, bedingt durch die Existenz zweier politisch-konfessioneller, militärisch organisierter Lager (Protestant. Union, katholische Liga) der Fürsten innerhalb des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation, meist auf deutschem Boden ausgetragen. Der Dreißigjährige Krieg war ein Krieg um die Ostseeherrschaft und um europäische Märkte, in dem konfessionelle Gegensätze eine untergeordnete Rolle spielten. Neben den Spannungen und Rivalitäten zwischen den feudalen Mächten drückte sich im Gegensatz Niederlande-Spanien auch der Grundwiderspruch zwischen der aufsteigenden bürgerlich-kapitalist Gesellschaft und dem reaktionären Feudalabsolutismus aus. Der Aufstand der böhmischen Stände gegen die habsburgische Herrschaft (2. Prager Fenstersturz, 23. 5. 1618) löste den Krieg aus. Die Aufständischen, denen die Union die Hilfe versagte, unterlagen in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag (8.11. 1620). Über Böhmen brach eine Welle von Verfolgungen und Hinrichtungen herein. Unter Ferdinand II. versuchten nun spanische Truppen und solche der Liga, die Kurpfalz zu erobern (1621/25). Das Eingreifen Dänemarks, das mit den Niederlanden und (im Hintergrund) England verbunden war, stoppte das Vordringen ligistische Truppen nach Norddeutschland nur zeitweise. Nach deren Sieg bei Lutter am Barenberg (27. 8. 1626) drangen die kaiserlichen Truppen mit ihrem neuen Feldherrn Wallenstein bis zur Ostsee vor und belagerten (vergeblich) Stralsund. 1629 erreichte die kaiserliche Macht ihren Höhepunkt (Restitutionsedikt). Der Machtzuwachs des Kaisers an der Ostsee veranlasste Schweden zum Eingreifen in den Krieg. 1630 landeten schwedische Truppen unter Gustav U. Adolf, der nach dem triumphalen Erfolg bei Breitenfeld (17. 9. 1631) 1632 bei Lützen fiel. Wallenstein, der angesichts der schwedischen Erfolge erneut gerufen werden musste, versuchte den Krieg zu begrenzen, was den Interessen der kaiserlichen Partei widersprach; 1634 wurde er ermordet. In der Schlacht bei Nördlingen (5./6. 9. 1634) konnte das weitere Vordringen der Schweden nach Süddeutschland verhindert werden. Der Prager Sonderfriede (30. 5. 1635) schien den Krieg zu beenden. Nach dem offenen Eingreifen Frankreichs folgte jedoch eine letzte, besonders verheerende Phase. Der Krieg zog sich bis zur Erschöpfung der Hilfsquellen aller kämpfenden Parteien hin. In verschiedenen deutschen Gebieten erhob sich die Bevölkerung gegen die Terrorisierung durch die Soldateska (Harzschützen, Werwolf); in einigen Gebieten kam es zu größeren Bauernaufständen mit antifeudaler Zielsetzung. 1648 fand der Dreißigjährige Krieg durch den Westfälischen Frieden sein Ende. Vor allem in den Kampf- und Durchzugsgebieten von Truppen waren furchtbare Verwüstungen sowie durch eingeschleppte Seuchen, Hunger und Kampfhandlungen auch hohe Menschenverluste entstanden. Wirtschaftlich fielen die deutschen Territorien weit hinter die anderen europäischen Länder zurück.

Dreistellungskampf: mit Freier KK-Büchse, Freiem Gewehr (beide 120 Schuss) oder KK-Standardgewehr (60 Schuss) ausgetragene Schießsportdisziplin, bei der je ein Drittel der Schüsse in der Anschlagart liegend, stehend und kniend in einer vorgeschriebenen Zeit über 50 m beziehungsweise 300 m (Freies Gewehr) abgegeben werden.

dreiteilige Strophe, stollige Strophe-, aus Aufgesang (Stollen und Gegenstollen) und Abgesang bestehende Strophe. Der Gegenstollen wiederholt rhythmisch und melodisch den 1. Stollen, während der Abgesang, meist länger als ein Stollen, aber kürzer als der ganze Aufgesang, eine neue Melodie bringt. Diese Strophenform der provenzalische und altfranzösische Minnedichtung (Kanzone 1) wurde im Minnesang, dann im Meistersang zur Norm gemacht und auch im Volks- und Kirchenlied viel verwendet.

Dreiteilung des Winkels, Winkeldreiteilung: aus dem Altertum stammende Aufgabe, einen beliebigen Winkel in 3 gleichgroße Winkel zu zerlegen; mit Zirkel und Lineal allein unlösbar.

Dreizack: lange, dreigespitzte Harpune mit Widerhaken; Attribut und Waffe des Poseidons (Neptun).

Dreizylindergarn: Garn aus Baumwolle und beziehungsweise oder entsprechend Chemiefasern, das durch Ausspinnen auf Streckwerken mit 3 (Vierzylindergarn mit 4) Walzenpaaren hergestellt wird.

Drell, Drillich («dreifädig»): kräftiges Baumwoll- oder Leinengewebe in Köper- oder Atlasbindung.

Drempel, Kniestock: Holzkonstruktion aus Stiel und Pfette zwischen Dachboden und Sparren bis in Höhe der verlängerten Außenwand.

Dreschen: manuelle oder mechanische Befreiung der Früchte (Getreide) aus den Ähren, der Samen (Raps, Rübsen) aus den Schoten, der Hülsenfrüchte aus den Hülsen (Erbse), der Kapselfrüchte aus den Kapseln (Mohn) oder der Fruchtknäuel (Rüben) von den Stengeln.

Dreschmaschine: stationär arbeitende Maschine zum Herauslösen von Körnerfrüchten aus ihren Fruchtständen und -hüllen; weitgehend durch den Mähdrescher abgelöst.

Dresdner Aufstand: bewaffneter Kampf von Arbeitern und Handwerkern vom 3. bis 9. 5. 1849 um die Anerkennung der von der Frankfurter Nationalversammlung beschlossenen Reichsverfassung. Nach ersten Erfolgen wurde die sächsische Volksbewegung von preußischen und sächsischen Truppen niedergeschlagen.

Dressieren: Kaltnachwalzen mit geringer Dickenabnahme warmgewalzter, geglühter und entzunderter Bleche sowie Bänder zum Zwecke einer Oberflächenverbesserung und -Verfestigung. Dadurch werden beim Tiefziehen örtlicher Streckungen (Fließfiguren) vermieden.

Dressurprüfung: Pferdeleistungsprüfung für den Ausbildungsgrad von Reit- oder Wagenpferden. Auf abgegrenztem, ebenem Dressurviereck von 20 m x 40 m oder 20 m x 60 m für Reitprüfungen beziehungsweise 40 m x 80 m für Fahrprüfungen muss eine festgelegte Aufgabe vorgeführt werden. Bewertet werden unter anderem Gangart, Tempowechsel mit einer Note für die Gesamtaufgabe oder (international) mit Punkten für jede Lektion. Olymp, (seit 1912), Weltmeisterschafts- (seit 1966) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1965).

Dressurreiten: Pferdesportdisziplin mit dem Zweck, das Pferd durch Signale, die der Reiter mit Unterschenkeln, Körperverlagerungen und Zügeln übermittelt, zu allen von Natur aus möglichen Bewegungen zu veranlassen.

Driesch, Hans, 28. 10. 1867-17. 4. 1941, Biologe und Philosoph; Mitbegründer der Entwicklungsphysiologie; begründete, von E. Haeckel sowie zoologische Studien beeinflusst, einen antimaterialistischen Neovitalismus, der von der Existenz selbständiger Entelechien in der Natur ausgeht; war Gegner des Faschismus.

Drift: (zu «treiben») 1. Elektronik: langsame zeitliche Änderung einer physikalischen Größe (zum Beispiel Stromstärke, Spannung) beziehungsweise der Nullpunktanzeige bei elektronischen Messgeräten.

2. Drift, Trift (zu «treiben») Ozeanologie: vom Wind erzeugte, oberflächennahe Meeresströmung.

Driftbrot: Roggen-Weizen-Mischbrot von geringem Energiewert mit höherem Anteil an aufgeschlossenen Weizenschalen als das roggenbrotähnlichere Trendbrot Warndienst für den Nördlichen Seeweg, Verbesserung der Wettervorhersagen) im nordeuropäischen und nordasiatischen Raum sowie für ozeanographische, hydrologische und geophysikalische Beobachtungen. Bis 1976 drifteten 26 Stationen («Nordpol» 1 bis 26).

Drillen: (zu «drehen») Heranziehen eines an die Angel gegangenen Fisches.

Drillingspumpe: Dreizylinderkolbenpumpe mit in der Regel 3 Plungern (Kolben) gleichen Durchmessers; angewendet zur Erzeugung hoher Drücke bei Pressen und Hydraulikanlagen.

Drillmaschine: (englisch drill, «Rille, Furche») Universalsämaschine zur Reihensaat aller Körnerfrüchte.

Drina: rechter Nebenfluss der Sava, in Jugoslawien; ohne Quellflüsse 346 km; entspringt mit den Quellflüssen Tara und Piva in den Bergen Montenegros, bildet mit ihrem Mittellauf im Dinar. Gebirge ein tief eingeschnittenes Tal; ab Zvornik schiffbar, Hauptnebenfluss Lim (211 km). An der Drina mehrere Stauseen und Kraftwerke.

Dringliche Medizinische Hilfe, Abkürzung DMH: Bestandteil der Schnellen Medizinischen Hilfe; mobile, spezialisierte ärztliche Hilfe bei schweren Unfällen und lebensbedrohliche Zuständen. Der Einsatz erfolgt über Funk durch eine Leitstelle.

Dringlicher Hausbesuchsdienst, Abkürzung DHD: Bestandteil der Schnellen Medizinischen Hilfe; mobile, ärztliche Hilfe im Rahmen der medizinischen Grundbetreuung.

Drini: Fluss im Norden von Albanien; 281 km; entsteht aus den in Jugoslawien entspringenden Quellflüssen Drini i Zie, der dem Ohridsee entfließt, und Drini i Bardhe, der sich 14 km westlich von Kukesi mit ersterem vereinigt; mündet nach seinem Lauf durch die mittelalbanische Gebirgsstöcke an der Küste des Drin-Golfes in das Adriatische Meer; am Oberlauf Wasserkraftwerk Vau i Dejes (250 MW) sowie bei Fierza (500 MW) und Komani (600 MW; im Bau).

Driographie: Flachdruckverfahren, bei dem durch eine spezielle farbabstoßende Druckplattenbeschichtung beim Druck die Feuchtung entfällt. Die Driographie-Platte wird in Offsetdruckmaschinen ohne Feuchtwerk eingesetzt.

Dritte Abteilung: berüchtigtes Fahndungs- und Untersuchungsorgan gegen revolutionäre Bestrebungen in Russland; 1826, nach dem Aufstand der Dekabristen, von Nikolai I. begründet.

Dritte Republik: der französischen Staat zwischen 1870 (1875 Verabschiedung der Verfassung der Dritten Republik) und der Errichtung des profaschistischen Vichy Regimes durch das «Verfassungsgesetz» vom 10. 7. 1940.

Drittwiderspruch: im Zivilprozess die Geltendmachung der Unzulässigkeit der Vollstreckung durch einen Dritten, der an einer gepfändeten Sache oder Forderung Rechte hat, die der Vollstreckung entgegenstehen (zum Beispiel Eigentum) oder die vorrangige Erfüllung seines Anspruchs rechtfertigen (vorrangiges Pfandrecht). Über den Drittwiderspruch entscheidet das Kreisgericht durch Beschluss.

Drogenabhängigkeit: Zustand, der sich bei wiederholter Zufuhr bestimmter Arzneimittel (zum Beispiel Psychopharmaka, Schlaf-, Suchtmittel), von Alkohol, Nikotin oder Rauschmitteln ausbilden kann. Es gibt eine physische und eine psychische Drogenabhängigkeit, die getrennt oder gemeinsam (Sucht) Vorkommen kann. Die physische Abhängigkeit zwingt zur Wiedereinnahme des Mittels und ist immer von einer Gewöhnung begleitet. Bei der psychischen Abhängigkeit führt die Einnahme des Stoffes zu einer Befriedigung des Verlangens auch ohne Gewöhnung.

Drogenfieber, Drug fever: Arzneimittelfieber infolge Überempfindlichkeit.

Drogen: durch Trocknen gewonnene Pflanzen- oder Tierprodukte, die in ihrer ursprünglich Form oder in bestimmter Zubereitung als Arzneimittel oder auch technisch verwendet werden.

Drohn: männliche Honigbiene aus unbefruchteten Eiern, lebt nur für die Paarung.

Drohung: Ankündigung eines Nachteils, um den Bedrohten zu einem bestimmten Verhalten zu nötigen. Die Drohung als Mittel der Beeinflussung anderer in ihrer Entscheidung ist unter bestimmten Voraussetzungen strafrechtlich relevant, zum Beispiel bei der Beeinträchtigung staatlicher oder gesellschaftlicher Tätigkeit, Wahlbehinderung, Entführung von Kindern und Jugendlichen, Erpressung, Menschenhandel, Nötigung, Raub, zur Erzwingung des Geschlechtsverkehrs, zur Duldung und Vornahme sexueller Handlungen.

Drolerie: drollige, oft drastische Darstellung von Menschen, Tieren oder Fabelwesen in der mittelalterlichen Kunst.

Dromedar, Camelus dromedarius: nur als Haustier bekanntes, einhöckeriges Kamel heißer Trockengebiete Afrikas und Asiens; als Reit- und Lasttier bedeutend. Vermutlich lebte die Wildform in Nordafrika oder Arabien. Siehe auch Huftiere.

Drongos, Dicruridae: Familie meist schwarzer, grünlich bis bläulich schimmernder Singvögel, die im Flug Insekten jagen; oft mit langem Gabelschwanz; bewohnen die Tropen (außer Amerika). Der Flaggendrongos (Dicrurus paradiseus) hat an den 24 cm langen äußeren Schwanzfedern eine Flagge, seine Körperlänge beträgt 35 cm.

Dronke, Ernst, 17.8.1822-3.2.1891, Schriftsteller; war Mitglied des Bundes der Kommunisten und 1848/49 einer der Redakteure der «Neuen Rheinischen Zeitung». Seine Werke (unter anderem Reportage «Berlin», 1846) stehen dem «wahren» Sozialismus nahe.

Drop-Kick: (englisch, «Fall-Stoß») Sprungtritt; im Fußball und Rugby das Treten des Balles unmittelbar nach Auftreffen auf dem Boden.

Dropout: (englisch, «Ausfall») kurzzeitige Verringerung der Signalamplitude beim Abspielen eines Magnetbandes mit Schall- oder Bildaufzeichnungen, die unter anderem durch kleine Fehler in der magnetisierbaren Schicht entsteht.

Drop-Shot: (englisch, «Fall-Schuss») im Federball, Tennis und Tischtennis ein dem Ball ein Effet erteilender Schlag.

Drossel: 1. Elektrotechnik: Drosselspule.

2. Technik: Einrichtung im Maschinen- und Rohrleitungsbau, um durch eine Querschnittsverringerung den durch eine Rohrleitung fließenden Gas- oder Flüssigkeitsstrom zu vermindern, zum Beispiel durch Drosselschieber oder Drosselklappe.

3. Zoologie: Drosseln.

Drosselkette: ein Filter (Tiefpaß) zur Dämpfung (Drosselung) von störenden hoch- oder netzfrequenten Wechselspannungen in elektrischen Geräten, das aus Spulen (Drosseln) und Kondensatoren besteht.

Drosselkurve: Linie für die Abhängigkeit des Förderdruckes oder Druckverhältnisses einer Kreiselpumpe oder eines Turboverdichters vom Förderstrom (bei konstanter Drehzahl) im Druckförderstromdiagramm.

Drosselmarke: Abdruck des Drosselwerkzeuges am Hals bei Strangulation.

Drosseln, Turdidae: artenreiche Familie der Singvögel, weltweit verbreitet, nur auf Madagaskar fehlend, Insekten- und Beerenfresser; brüten meist in offenen Napfnestern in Büschen. Heimisch die Amsel, die unterseits getropfte Misteldrosseln (Turdus viscivorus) in Waldgebieten und die Singdrosseln (T. philomelos) in Gärten und Parkanlagen. Gesellig lebt die grauköpfige Wacholderdrosseln (Krammetsvogel, T. pilaris), Wintergast ist die nördliche Rot- oder Weindrosseln (T. iliacus) mit rötlichen Unterflügeln. Den echten Drosseln verwandt sind unter anderem Nachtigall, Blau-, Braun-, Rotkehlchen, Steinschmätzer.

Drosselspule, Drossel: in den Leitungszug elektrischer Geräte und Anlagen geschalteter induktiver Widerstand zur Spannungsherabsetzung und Kurzschlussstrombegrenzung.

Drosselung: Strömungsverminderung durch ein Hindernis in einer Rohrleitung, verbunden mit einem Energieverlust, der sich meist als Abkühlung äußert; unter bestimmten Bedingungen tritt auch Erwärmung auf. Der Druckabfall bei der Drosselung lässt sich durch 2 Manometer leicht nachweisen. Die Drosselung wird in der Technik zur Messung und Regulierung von Gas- und Flüssigkeitsströmungen angewandt. Siehe auch Joule-Thomson-Effekt.

Drosselvenen: 1. Drosselvenen, Jugularvenen (lateinisch): vom Kopf und Hals zur oberen Hohlvene ziehende oberflächliche und tiefe Venen, die beim Erdrosseln stark anschwellen.

2. Venen, die durch ihren Wandaufbau den Blutstrom regulieren (drosseln) können.

Droste-Hülshoff, Annette von, 10.1.1797-24.5.1848, Lyrikerin und Erzählerin; in katholischer-konservativer Haltung stand sie abseits der großen gesellschaftlichen Fragen (Zyklus «Das geistliche Jahr», 1851). Von hohem Wert sind Naturgedichte («Heidebilder») und Balladen («Der Knabe im Moor») mit detailgetreuer Wiedergabe heimatliche Landschaft. In der Kriminalnovelle «Die Judenbuche» (1842) werden gesellschaftliche Zusammenhänge aufgedeckt.

Druck: 1. Physik: der Quotient p = F/A aus senkrecht zu einer Fläche wirkender Kraftkomponente F und Fläche A, in der Thermodynamik eine Zustandsgröße. SI-Einheit Pascal (Pa); siehe auch Druckeinheit. Die Erzeugung von Über- und Unterdruck gegenüber dem Atmosphärendruck ist für zahlreiche Aufgaben in Physik, Chemie und Technik notwendig. Im Labor ist es möglich, Drücke von mehr als 106 MPa und weniger als 10~10 Pa zu erzeugen; siehe auch Hochdruckchemie, Hochdruckphysik, Vakuum. Der Druck in ruhenden Flüssigkeiten heißt (im Unterschied zum statischen Druck einer strömenden Flüssigkeit) hydrostatischer Druck. Über statischen und dynamischen Druck Bernoulli’sche Gleichung. In Gasgemischen setzt sich der statische Druck aus den Teil- oder Partialdrücken der einzelnen Gase additiv zusammen. Über Druckmessung Manometer, Schalldruck Schall; siehe auch Dampfdruck 2. Als magnetischen Druck (HB/2) wird zuweilen die Energiedichte eines Magnetfeldes bezeichnet (H magnetische Feldstärke, B magnetische Flussdichte), da sie die Kraftwirkung auf ein Plasma charakterisiert.

2. Polygraphie: a) Druckvorgang, das heißt die Vervielfältigung von Informationen (Bild und beziehungsweise oder Text) durch Aufbringen von Druckfarbe oder färbenden Substanzen mittels einer Druckkraft oder anderer Kräfte von einer Druckform oder mittels eines anderen Druckbildspeichers auf den Bedruckstoff;

b) das Druckprodukt;

c) das Druckverfahren.

Druckbildspeicher: Speicher, zum Beispiel Druckform oder Magnetband, der alle zum Übertragen von Druckfarbe oder anderen färbenden Substanzen auf den Bedruckstoff für die Wiedergabe von Bild und beziehungsweise oder Text erforderliche Informationen enthält.

Druckeinheit: Maßeinheit des Druckes; SI-Einheit ist das Pascal, Zeichen Pa. 1 Pa = 1 N/m2 = 1 Gebräuchliche Vielfache sind Kilopascal (kPa) und Megapascal (MPa). Megapascal ist auch für mechanische Spannungen anzuwenden (1 MPa = 1 N/mm2). Die Druckeinheit Bar, Zeichen bar (1 bar = 105 Pa = 0,1 MPa), ist befristet gültig (Termin wird nach Vorliegen internationaler Beschlüsse festgelegt); das Millibar (mbar) wurde in der Meteorologie durch Hektopascal (hPa) ersetzt.

Drücken: 1. Fertigungstechnik: Umformverfahren zur Herstellung rotationssymmetrischer metallischer Hohlkörper. Eine eingespannte rotierende Ronde (Platine) wird auf der Drückbank mittels Drückwerkzeugs mechanisch oder manuell gegen ein ebenfalls rotierendes Modell gepresst und nimmt dessen Form an. Beim Fließdrücken (Abstreckdrücken) wird im Unterschied zum Drücken die Wanddicke verringert, indem der Werkstoff in der Wand zum Fließen gebracht wird, wobei Innen- oder Außendurchmesser unverändert bleiben. Dabei wird noch zwischen Gleich- und Gegenlaufverfahren unterschieden.

2. Jagdwesen: a) Zutreiben des Schalenwildes durch wenige Treiber zum Schützen (Drückjagd);

b) Verharren des Wildes in voller Deckung, des Hasen in der Sasse.

Drucker: ein peripheres Gerät von Rechenautomaten für die Ausgabe von Daten als Beleg. Man kennt serielle Drucker für die langsame Ausgabe (Mosaikdrucker, Spaltendrucker) sowie Paralleldrucker (Zeilendrucker) für schnelle Ausgabe. Auf der Grundlage nichtmechanischer Druckprinzipien (zum Beispiel beim Xerograph) wird die Ausgabegeschwindigkeit der Paralleldrucker deutlich übertroffen.

Druckerei: Produktionsbetrieb der graphischen Industrie und des Handwerks zur Herstellung von Druckprodukten. Eine Druckerei kann Abteilungen für Druckformenherstellung und Fortdruck, häufig auch für Druckweiterverarbeitung (zum Beispiel Buchbinderei), oder ausschließlich den Teilprozess Drucken umfassen. Bei Spezialbetrieben für Teilprozesse, wie Satzherstellung oder Reproduktion (zum Beispiel sogenannt Satzzentren), wird der Begriff Druckerei nicht angewendet.

Drückerfische, Balistidae: Familie der Kugelfischartigen mit seitlich zusammengedrücktem Körper und relativ hohem Rücken, Zähne nicht verwachsen; Bewohner der Korallenriffe tropischer Meere, fressen meist Schnecken, Muscheln und Krebstiere; oft auffallend bunt; hierzu gehören neben den eigentlich Drückerfische (Gattung Balistes unter anderem) auch Picasso-Drückerfisch (Rhinecanthus).

Druckermarken, Druckerzeichen: den mittelalterlichen Hausmarken nachgeahmte, schon im frühen Buchdruck verwendete Werkstattzeichen am Schluss des Buches oder auf dem Titelblatt. Siehe auch Signet.

Druckfarben, graphische Farben: in Bindemitteln verschiedener Viskositätsgrade meist fein verteilte Farbpigmente (manchmal auch gelöste Farbstoffe) aller Farbtöne einschließlich Weiß, Schwarz und Farblos, die, abgestimmt auf die verschiedenen Druckverfahren, direkt oder indirekt auf Druckformen aufgebracht und von dort auf den Bedruckstoff übertragen werden.

Druckflüssigkeitsspeicher, Akkumulator: Gerät der Hydraulik. Druckflüssigkeitsspeicher speichern hydraulischer Energie und geben sie bei Bedarf in eine hydrostatische Anlage ab. Bauarten sind masse-, feder- und druckgasbelastete Druckflüssigkeitsspeicher Sie haben unter anderem die Aufgaben Deckung von Leistungsspitzen, Ausgleich von Leckage sowie druck- und temperaturbedingten Volumenänderungen des Druckmittels, kurzzeitige Lieferung von hydraulischer Energie beim Ausfall einer Hydraulikpumpe.

Druckform: ein als Werkzeug ausgeführter Druckbildspeicher. Aus einem Teil bestehende Druckform nennt man Druckplatte, mittels Unterlagen auf Schrifthöhe (etwa 23,567 mm) gebrachte, ursprünglich nicht schrifthohe Hochdruckplatten Druckstock.

Druckform-Graviermaschine, elektromechanisches Graviergerät: Anlage zur elektromechanischen Herstellung von Druckformen und Kopiervorlagen für Hoch-, Flach- und Tiefdruck. 

Druckguss: Gießverfahren, bei dem das flüssige beziehungsweise zähflüssige Gießmetall in eine kalte oder warme Kammer einer Druckgussmaschine (Kaltkammer- beziehungsweise Warmkammerverfahren) gebracht und mit einem Kolben in eine Stahlform (Kokille) gedrückt wird; Anwendung für Serienfertigung meist in der Leicht- und Schwermetallgießerei, selten in der Eisen- und Stahlgießerei. Die Teile sind sehr maß genau und von hoher Oberflächengüte.

Druckhöhe: Angabe für den Förderdruck bei Flüssigkeiten oder Gasen; erfolgte früher in Meter Wassersäule (gesetzlich nicht mehr zulässig), heute in Pascal.

Druckkabine: Luftfahrt luftdicht abgeschlossener, druckfester und mit Wärmedämmstoff umgebener Besatzungs- und Fluggastraum in Flugzeugen, in dem beim Flug in großer Höhe ein Luftdruck wie in 2500 m Höhe und normale Temperatur aufrechterhalten werden.

Drucklähmung: Lähmung, die durch Druck auf einen Nervenstamm, zum Beispiel am Arm nach schlechter Lage während einer Operation, entstanden ist.

Drucklinie, Stützlinie: Kraftlinie innerhalb eines Bogens oder Gewölbes, die alle Querschnittspunkte mit Druckkräften verbindet. Liegt die Drucklinie im mittleren Drittel, auch bei Wind- und Verkehrslast, treten keine Zugkräfte auf.

Druckliste: Datenträger für Informationen, die von Rechenautomaten mittels Drucker auf Papier ausgegeben werden. Gebräuchlich ist die Verwendung von Endlospapier (Leporellopapier).

Druckluft, früher Pressluft: in Verdichtern oder Gebläsen verdichtete Luft zur Verwendung als Energieträger für druckluftangetriebene Maschinen und Werkzeuge; siehe auch Druckmittel.

Druckluftaufbereitung: Pneumatik Maßnahmen zur Sicherung geforderter Kennwerte (Druck, Sauberkeit, Schmierstoff- und eventuell Gefrierschutzmittelgehalt) der von einem Verdichter gelieferten Druckluft. Geräte der Druckluftaufbereitung sind zum Beispiel Filter, Wasser- und Ölabscheider, Trockner, Öler, Druckregelventile.

Druckluftbremse: mit Druckluft arbeitende Bremsvorrichtung an Schienen- und Straßenfahrzeugen. Die Druckluft wird im Triebfahrzeug erzeugt und füllt die Bremsleitung des Eisenbahnzuges und die Hilfsluftbehälter der Wagen. Durch Druckverminderung in der Bremsleitung wird über den Bremszylinder das Anlegen der Bremsklötze bewirkt. Die erste brauchbare Eisenbahn-Druckluftbremse wurde 1867 von G. Westinghouse gebaut.

Druckluftkrankheit: durch starke Veränderung des Außendrucks hervorgerufene Erkrankung bei Tauchern und Caissonarbeitern infolge einer anomalen Stickstoffsättigung des Blutes. Siehe auch Caissonkrankheit.

Druckluftwerkzeuge: mit Druckluft betriebene Werkzeuge; sie nutzen die in der verdichteten Luft aufgespeicherte Energie zum Schlagen (zum Beispiel Abbau-, Niethammer), Drehen (zum Beispiel Bohrmaschine, Druckluftschrauber), Schlagen und Drehen (zum Beispiel Bohrmeißel, -hämmert, Anpressen (zum Beispiel Umformwerkzeuge, Nietgegenhalter) oder zum Aufträgen von Stoffen aus (zum Beispiel Farb-, Metallspritzpistole).

Druckmaschine: Maschine zur Vervielfältigung zweidimensionaler Vorlagen mittels Druckbildspeichers, wobei Druckfarbe oder andere färbende Substanzen unter Einwirkung einer Druckkraft oder anderer Kräfte auf den Bedruckstoff übertragen werden. Wesentliche Baugruppen der Druckmaschine sind Druckwerk (zum Beispiel Druckformzylinder und Druckzylinder), Farbwerk, Vorrichtungen zur Zu- und Ausführung des Bedruckstoffes (zum Beispiel Bogenanleger). Einteilung nach der Konstruktion entsprechend den Druckverfahren in Hoch-, Flach-, Tief-, Durch- und Kombinationsdruckmaschine, nach Arbeits- oder Druckprinzip in Tiegeldruckmaschine (Fläche gegen Fläche), Flachformzylinderdruckmaschine (Zylinder gegen Fläche), Banddruckmaschine, auch Gürteldruckmaschine, Cameron-Belt-Press (umlaufendes endloses Druckformträgerband gegen Zylinder) und Rotationsdruckmaschine (Zylinder gegen Zylinder, für Großauflagen). Bei indirekt arbeitenden Druckmaschine (zum Beispiel Offsetdruckmaschine) wird das Druckbild von der Druckform über einen gummi-tuchbespannten Zylinder auf den Bedruckstoff übertragen. Mit der Banddruckmaschine und der Book-o-Matic-Druckmaschine, einer Rollen-Rotationsdruckmaschine, werden vollständige Bücher in einem Druckgang hergestellt.

Druckmittel: zur Energieübertragung verwendetes Medium; in der Hydraulik Hydrauliköl auf Mineralölbasis, schwerentflammbare synthetische Flüssigkeiten, Wasser-Öl-Emulsionen, Wasser (Druckflüssigkeiten); in der Pneumatik aufbereitete Druckluft (Druckluftaufbereitung). Die Erzeugung des Druckzustandes des Druckmittels erfolgt mit Pumpen und Verdichtern.

Druckpunkt: bei Handfeuerwaffen ein vom Abzugshebel vor dem Auslösen des Schusses geleisteter deutlicher größerer Widerstand. Nach dem Druckpunktnehmen ist nachzuvisieren; der verkürzte Weg des Abzugshebels bis zum Auslösen des Schusses verringert die Gefahr des «Verreißens» der Waffe.

Druckreaktoren: dickwandige, mit Armaturen für das Einleiten von Gasen und Flüssigkeiten unter hohem Druck ausgerüstete Reaktionsgefäße der chemischen Industrie. Autoklaven arbeiten diskontinuierlich, Druckrohre kontinuierlich.

Druckregler: Regeleinrichtung zur Konstanthaltung des Druckes in einer Druckluftanlage, zum Beispiel für pneumatische Regeleinrichtungen.

Drucksache: Briefsendung, deren Inhalt durch Vervielfältigung auf Papier oder papierähnlichen Stoffen mittels Drucks oder ähnlichen Verfahren, Belichtung oder Stempels hergestellt worden ist; bis 500 g zugelassen und offen aufzuliefern. Hand- oder maschinenschriftliche Nachtragungen dürfen nicht mehr als 5 Wörter oder Zahlen umfassen. Siehe auch Postwurfdrucksache, Wirtschaftsdrucksache.

Druckschriften: zum Vervielfältigen von Texten bestimmte Schriften in Form von Drucktypen, Matrizen, Matrizenscheiben unter anderem; auch die gedruckte Schrift im Unterschied zur geschriebenen.

Drucktaste: elektromechanischer Schalterbauelement der Elektrotechnik/Elektronik, mit dem durch eine Druckbewegung die in einem Schieber gelagerten Kontaktbrücken geschaltet werden; Drucktastenschalter haben 2 Schaltstellungen und sind meist vielpolig; zusammengesetzte Drucktastenschalter ergeben ein Drucktastenaggregat.

Drucktype, Letter: aus Bleilegierung oder Plast gefertigter, aufrecht stehender, rechteckiger Körper in Schrifthöhe (62 2/3 p), der am Kopf erhaben das spiegelverkehrte Bild eines Schriftzeichens trägt.

Druckumlaufschmierung: Schmierung beim Verbrennungsmotor, bei dem das Öl mittels Pumpe, meist Zahnradpumpe, den Schmierstellen unter Druck zugeführt wird.

Druckventil: Absperrvorrichtung zwischen Druckleitung und Zylinderraum der Kolbenpumpe beziehungsweise des Kolbenverdichters, in der Regel als druckgesteuertes Plattenventil ausgeführt. Das Druckventil verhindert ein Zurückströmen des Fördermediums in den Saugraum während des Ansaugvorganges.

Druckverfahren: Arbeitsweisen und -methoden zur Vervielfältigung zweidimensionaler Vorlagen durch Übertragen von Druckfarbe von einer Druckform auf den Bedruckstoff mittels einer Druckmaschine. Jedes Druckverfahren gliedert sich in die Fertigungsphasen Druckformenherstellung und Fortdruck. Die Eigenart der Druckform bestimmt die Unterschiede der verschiedenen Druckverfahren. Man unterscheidet

a) Hochdruck: Alle druckenden Stellen stehen erhaben in einer Ebene, werden eingefärbt und geben die Druckfarbe an den Bedruckstoff ab. Im Buchdruck besteht die Druckform aus Drucktypen und beziehungsweise oder Maschinensatzzeilen, Stereos und Galvanos; beim Lettersetdruck, besser indirektem Hochdruck, aus einer meist geätzten, rundgebogenen Metallplatte (Wickelplatte); beim Flexodruck Flexographie, veraltet Anilin-, Anilingummi-, Gummidruck) aus flexiblem Gummi oder Plast, gedruckt wird hierbei mit dünnflüssiger, spirituslösliche Druckfarbe;

b) Flachdruck: Druckende und nichtdruckende Druckformstellen liegen praktisch in einer Ebene. Die Druckform ist chemisch so behandelt, dass sie nur an den druckenden Stellen Farbe annimmt; alle angeführten Flachdruckverfahren außer Zink-, Stein- und Lichtdruck sind indirekte Druckverfahren Im Steindruck besteht die Druckform aus einem plangeschliffenen Stein aus Solnhofener Kalkschiefer; beim Zinkdruck aus einer feingekörnten Zinkplatte; beim Offsetdruck und Blechdruck (zum Bedrucken von Blechtafeln) aus einer Mehrmetallplatte oder aus einer gekörnten Zink-, Aluminium-, selten Plastikplatte; beim Lichtdruck aus einer mit Chromgelatine beschichteten Glasplatte, die druckenden Stellen sind vertieft, wegen der notwendigen chemischen Behandlung der Druckplatte wird der Lichtdruck dem Flachdruckverfahren zugeordnet;

c) Tiefdruck: Die druckenden Stellen liegen vertieft; in sie wird dünnflüssige Farbe eingebracht und die Oberfläche der Druckform mittels Rakel wieder gereinigt, worauf der Abdruck erfolgt (Rakeltiefdruck (Raster-Kupfertiefdruck), Linientiefdruck, Stahlstichdruck unter anderem);

d) Durchdruck (Sieb-, Schablonen-, Filmdruck, Serigraphie, Silk-Screen): Die Druckfarbe wird durch eine Schablone (zum Beispiel aus Papier), die auf der siebartigen Bespannung (zum Beispiel aus Chemieseide) eines Druckrahmens befestigt ist, mittels Rakel auf den Bedruckstoff gedrückt.

Druckverhältnis: Quotient aus Enddruck, gemessen am Druckstutzen, und Anfangsdruck, gemessen am Saugstutzen; dient unter anderem zur Klassifizierung der Verdichter in Gruppen, zum Beispiel Lüfter und Gebläse mit einem Druckverhältnis unter 3 und Verdichter unter 100 (bei Hochdruckverdichtern).

Druckwasser: Wasser, das einen hydrostatischen Druck auf Bauwerke oder Bauwerksteile ausübt.

Druckwasserreaktor: Kernreaktor (ein Leistungsreaktortyp) mit Wasser als Moderator und Kühlmittel, das unter einem Druck von = 15 MPa auf = 300 °C erhitzt wird, ohne zu sieden. Größte und technisch aufwendigste Komponente ist sein Druckgefäß. Im unteren Teil dieses Gefäßes befindet sich die Spaltzone mit auf 3% an Uran 235 angereicherten Brennelementen. Der Druckwasserreaktor verfügt über gute Betriebs- und Sicherheitseigenschaften. Er ist sehr kompakt, erreicht elektrische Blockleistungen bis über 1000 MW, erlaubt bei der Elektroenergieerzeugung jedoch nur Wirkungsgrade von wenig über 30%. Er ist gegenwärtig der am häufigsten eingesetzte Reaktortyp. Siehe auch Kernreaktor, Kernkraftwerk.

Druckzone: Querschnittsteil eines Trägers oder einer Decke, der bei Biegung auf Druck beansprucht wird.

Drud, Drude, Trud: («Unholdin») oberdeutsche Bezeichnung für Hexe oder Alp; davon abgeleitet Drudenfuß.

Druide: (lateinisch - keltisch, «der Wissende») keltischer Priester in Gallien und Britannien.

Drumlins: im Grundmoränengebiet in Richtung der ehemaligen Eisbewegung angeordnete, langgestreckte Rücken mit allgemeinen elliptischen Grundriss; aufgebaut aus Grundmoränenmaterial, im Kern gelegentlich auch geschichtete Schotter; bis etwa 2 km lang.

Druse: 1. Mineralogie: unregelmäßig gestalteter Hohlraum im Gestein, dessen Wände mit gut ausgebildeten Kristallen (zum Beispiel Kalzit, Quarz) bedeckt sind und den Raum ganz oder teilweise ausfüllen.

2. Veterinärmedizin: akute, früher seuchenhaft auftretende Infektionskrankheit der Pferde; Erreger sind Streptokokken. Die Druse ist gekennzeichnet durch Entzündung der Schleimhäute der oberen Luftwege, Vereiterung der Halslymphknoten, Fieber und krampfartigen Husten. Komplikationen können durch Eindringen der Erreger in die Lunge auftreten. Bei rechtzeitiger Behandlung ist eine Heilung möglich; meldepflichtig.

Drusen: arabische Religionsgemeinschaft und Volksgruppe im Süden Syriens (260000) und im Libanon (180000). In ihrer religiösen Lehre (im 10. Jahrhundert entstanden) mischen sich Grundanschauungen der schiitischen Sekte der Ismailiten mit Einflüssen der griechischen Philosophie; bedeutender nationaler Befreiungskampf gegen die französische Mandatsherrschaft (1925/27).

Drüsen, Glandulae: Organe zur Bildung und Abgabe von Säften (Sekret), die sich vom Epithelgewebe ableiten. Erfolgt die Ausscheidung direkt in die Blut- oder Lymphbahn, handelt es sich um Drüsen mit innerer Sekretion (endokrine oder inkretorische Drüsen, Hormondrüsen-, siehe auch Inkretsystem). Wird das Sekret durch einen Drüsenausführungsgang abgeleitet, sind es exokrine oder exkretorische Drüsen Die verschiedenen Typen der Drüsen unterscheiden sich nach der Form ihrer Endstücke, nach der Sekretionsweise beziehungsweise nach der Art des Sekretes. Zu den exokrinen Drüsen gehören zum Beispiel Speichel-, Darm-, Tränen- und Milchdrüsen.

Drüsengewebe: in der Epidermis oder im Parenchym der Pflanzen vorhandenes lebendes Absonderungsgewebe, das bestimmte Sekrete nach außen abscheidet zum Beispiel Harz, ätherische Öle, Schleim.

Drüsenhaare: auf der Epidermis der Pflanzen befindliche gestielte Haare mit kopfförmiger Endzeile (Köpfchenhaare); schuppenförmige oder zottige Gebilde, die der Ausscheidung von Sekreten dienen. Siehe auch Drüsengewebe.

Drusenköpfe, Conolophus: über 1 m lange, kräftige, bodenbewohnende Leguane der Galapagosinseln, die sich von Pflanzen ernähren.

Drüsenmagen, Vormagen: vorderer, drüsenreicher, dünnwandiger Abschnitt des Magens der Vögel. Vom Drüsenmagen gelangt die angedaute Nahrung in den Muskelmagen.

dry: soviel wie trocken; Zusatzbezeichnung bei Schaumwein, auch Wein und Spirituosen, für zuckerarme beziehungsweise wenig Zuckerlösung enthaltende Produkte.

Dryden, John, 9.8.1631-1.5.1700, englischer Dichter, Dramatiker und Kritiker; verspottete in politischen Verssatiren («Absalom und Achitophel», 1681, deutsch) bürgerlich-puritanischer Heuchelei; schrieb heroische Tragödien im Geiste des höflich-aristokratischen Klassizismus («Cleopatra», 1677, deutsch) und Komödien («Heirat nach der Mode», 1673); übersetzte aus dem Griechischen und Lateinischen.

Drygalski, Erich von, 9.2.1865-10.1.1949, Geograph, Geophysiker und Polarforscher, leitete 1891/93 eine Expedition nach Westgrönland und 1901/03 die deutsche Südpolarexpedition auf der «Gauß», die das Kaiser-Wilhelm-Land (heute Prawda-Küste) mit dem Gaußberg entdeckte.

Dryopithecus Muster: die nach den Dryopithecinen benannt fünfhöckrige Kronenstruktur der unteren Backen- oder Mahlzähne (Molaren). Die zwischen den Höckern liegenden Furchen bilden ein fünffaches Y-Muster.

Dryopithecinen: im Miozän und Pliozän der Alten Welt weitverbreitete Primatengruppe, aus der sich die heutigen Menschenaffen und der Mensch entwickelt haben.

Dschami, Nur-ad-Din Abd-ur-Rahman, 7.11.1414-9.11.1492, persischer Dichter, Mystiker und Gelehrter, beschließt mit seinem umfangreichen Werk, das alle Stilarten seiner Vorgänger in Lyrik und Prosa vereint, die klassische persische Literatur; schrieb 2 Diwane, Epen und Prosaschriften unter anderem über den Koran sowie über Mathematik und Astronomie.

Dschebel ad-Duruz, Dschebel Hauran: Gebirge - vulkanische Entstehung im südlichen Syrien; bis 1800 m; Halbwüste mit episodisch wasserführenden Flüssen, die das Gebirge radial entwässern.

Dschebel al-Achdar, Al-Dschebel al-Ahdjar, Al-Dschebel al-Akhdar: 1. Kettengebirge im Südosten der Arabischen Halbinsel, zu Oman gehörend; bis 2980 m hoch; Steppenvegetation mit lichten Baumbeständen.

2. aus Kalk und Mergeln aufgebautes Gebirgsplateau im Nordosten Libyens; 876 m; erhebt sich in 2 Stufen über der Mittelmeerküste; verkarstet.

Dschebel al-Uweinat: wüstenhaftes Gebirge im Dreiländereck Ägypten, Libyen und Sudan, höchster Teil der Libyschen Wüste; bis 1893 m; aus kristallinen Schiefern, Graniten, Porphyren, zum Teil aus Sandstein aufgebaut; kaum besiedelt.

Dschemdet Nasr: archäologischer Fundort nordöstlich von Bagdad (Irak); namengebend für eine frühe Entwicklungsstufe altmesopotamischer Stadtkultur (um 2800 vor Christus); Tontafel-, Siegel- und Keramikfunde. Siehe auch altvorderasiatische Kunst.

Dschunke: ostasiatischer Segelschiff bis 5001 Tragfähigkeit; fuhrt bis zu 3 Masten und rechteckige Mattensegel.

Dshabarly, Dschafar, 22.3. 1899-31.12. 1934, aserbaidschanischer-sowjetischer Dramatiker; Begründer des sozialistischen Realismus in der aserbaidschanischen Dramatik; gestaltete in seinen bühnenwirksamen und wahrhaften Stücken den Freiheitskampf seines Volkes, die Emanzipation der Frau («Die Feuerbraut», 1927; «Almas», 1931) und die revolutionäre Erneuerung des Dorfes («Jaschar», 1932).

Dsungarei, Zhunger pendi: Beckenlandschaft mit Binnenentwässerung in Zentralasien, im Nordwesten Chinas im Autonomen Gebiet Xinjiang Uygur; etwa 770000 km2, 200 bis 750 m über dem Meeresspiegel. Die Dsungarei ist ein Senkungsfeld zwischen Tienschan im Süden, Altai im Norden und mit der Dsungarischen Pforte im W. Als meerfernstes Gebiet der Erde mit streng kontinentalem Klima der kühlgemäßigten Zone vorwiegend Steppen- und Wüstensteppenvegetation, im Inneren auch Sandwüsten sowie im Norden Salzsümpfe. Bewässerungsfeldbau in den Oasen an den Gebirgsrändern (Anbau von Weizen, Mais, Obst), in den Steppen und Wüstensteppen nomadisierende Viehwirtschaft (Schafe, Kamele); reiche Erdöllagerstätten bei Karamay, Wusu und Shihezi, Steinkohlenvorkommen bei Ürümqi. Seit 1965/66 Verkehrserschließung durch Xinjiang-Bahn.

Dualismus: 1. allgemein Zweiheit; Zwiespältigkeit; Gegensätzlichkeit.

2. Geschichte: Rivalität von Staaten in einem Staatenbund oder Bundesstaat:

a) Der preußisch-österreichische Dualismus (18./19. Jahrhundert) um die Vorherrschaft im Reich (Schlesische Kriege) endete 1866 mit dem Sieg Preußens (Preußisch-österreichischer Krieg), unter dessen Führung 1871 unter Ausschluss Österreichs das Deutsche Reich gegründet wurde,

b) Bezeichnung für die Realunion zwischen Österreich und Ungarn nach dem Ausgleich von 1867 (bis 1918); beide Länder hatten gesonderte Regierungen und Parlamente, aber gemeinsame Finanz-, Kriegs- und Außenministerien sowie einen Monarchen (Franz Josef).

3. Philosophie: Zweiheitslehre, die die Einheit der Welt (Monismus) bestreitet und von 2 selbständigen, voneinander unabhängigen und einander entgegengesetzten (materiellen und ideellen) Prinzipien oder Grundkräften in der Welt ausgeht; zum Beispiel die Philosophie Descartes.

4. Physik: Erscheinung, dass alle Materie, das heißt sowohl elektromagnetische Wellen (insbesondere Licht) als auch massive Korpuskeln, je nach Versuchsbedingungen Wellen- oder Teilcheneigenschaften offenbart; zum Beispiel konnten der Compton-Effekt nur mit Hilfe der Lichtquantenhypothese erklärt und die Beugung von Elektronenstrahlen an Kristallen durch die Annahme der Existenz von Materiewellen vorausgesagt werden.

Dualsystem, Binärsystem, dyadisches System, Zweiersystem: Stellenwert-Zahlensystem mit der Basis 2, das im Gegensatz zum Dezimalsystem nur die beiden Ziffern 0 und 1 verwendet und damit besonders für die Zahlendarstellung in Rechenautomaten geeignet ist; siehe auch Binärverschlüsselung.

Duane-Huntsches Gesetz: nach 2 US-amerikanischen Physikern: 1915 für die Grenzwellenlänge der Röntgenbremsstrahlung aufgestellte Formel; = hc/(eU), h Planck-Konstante, c Lichtgeschwindigkeit, e Elementarladung, U Beschleunigungsspannung der Röntgenröhre. Entsprechendes gilt für die Grenzfrequenz vG der kontinuierlichen elektromagnetische Strahlung, die beim Abbremsen eines freien Elektrons der Masse m im Feld eines Ions entsteht; hv0 = (m/2)«2 (für den Fall, dass das Elektron von der Anfangsgeschwindigkeit u auf Null abgebremst, aber nicht eingefangen wird).

Duant: Beschleunigungselektrode in einem Zyklotron (Beschleuniger).

Duarte, Juan Pablo, 1813-15. 7. 1876, dominikanischer Politiker; schuf 1838 zum Kampf für die Unabhängigkeit von Haiti den Geheimbund «La Trinitaria», führte 1844 den Volksaufstand gegen Haiti; nach Exil kehrte er 1864 zum Kampf gegen die spanische Okkupation in seine Heimat zurück.

Dubai: 1. Scheichtum innerhalb der VAE; 3900 km2, 280000 Einwohner; 72 Einwohner/km2; Hauptstadt Dubai 2; Industriezentrum des Emirats ist Dschebel Ali südlich von Dubai 2 mit Hochseehafen, Aluminium- und Kabelwerk, Meerwasserentsalzungsanlage.

2. Hauptstadt des Scheichtums Dubai 1 innerhalb der VAE; 80000 Einwohner, davon drei Viertel Ausländer; regionales Handels- und Dienstleistungszentrum am Persischen Golf; Banken; Hafen Port Raschid, internationaler Flughafen, Satellitenbodenstation.

Dubbat al-Ahrar: («Freie Offiziere») 1938 von Gamal Abd al-Nasser gegründet, seit 1949 unter diesem Namen hervorgetretene illegale Offiziersvereinigung in der ägyptischen Armee. Ihr Ziel war der Sturz der korrupten Monarchie und die Schaffung eines unabhängigen ägyptischen Staates. Nach der Revolution vom 23. 7. 1952 entstand aus dem Exekutivausschuss der Freien Offiziere der Revolutionsrat Ägyptens. Nach ägyptischem Vorbild gab es gleichnamige Organisationen auch in Sudan, Irak und Jemen.

Dübel, Döbel: a) in Bauteile eingelassenes Kantholz, häufig schwalbenschwanzförmig profiliert, oder nagelbarer Dübelstein, auch Spreizdübel aus Kunststoff oder Stahlblech; dient zur Befestigung von Installationen, Wandbekleidungen unter anderem mit Schrauben oder Haken;

b) Formstück aus Holz, Metall oder Glas zur Verbindung von Holzteilen oder Werksteinen, zum Beispiel Einpress-, Krallendübel, Domringdübel (Krallenplatte oder Bulldog Dübel) und Einlass Dübel im Ingenieurholzbau (zum Beispiel als Zugstoß).

Du Bellay, Joachim, 25. 2. 1522-1.1. 1560, französischer Dichter; einer der bedeutendsten Lyriker der französischen Renaissance, Verfasser der «Verteidigung und Verherrlichung der französischen Sprache» (1549), des Manifestes der Pléiade. Siehe auch Ronsard.

Dübelmasse: Gemisch aus Holzmehl und einem Bindemittel (Gips, Zement unter anderem) zum Befestigen von Schrauben u. ä. sowie zum Ausgleichen von Unebenheiten im Mauerwerk. Die Masse erstarrt durch chemische Bindung von Wasser.

Dübeln: Verbinden zweier Holz- oder Holzwerkstoffteile durch zylindrische Hartholzrundstabstücke (Dübel) in entsprechend Bohrungen mit oder ohne Klebstoff.

Dübener Heide: stark bewaldetes Hügel-Sand-Gebiet (Endmoränen, Sander) zwischen unterer Mulde und Elbe östlich von Bitterfeld; bis 191 m; Kur- und Erholungsgebiet (Bad Düben, Bad Schmiedeberg); am Westrand Braunkohlentagebau.

dubios: zweifelhaft, fragwürdig; unsicher.

Dubiose, zweifelhafte Forderungen: Forderungen, deren Eingang ungewiss ist (zum Beispiel bei geminderter Zahlungsfähigkeit des Schuldners).

Dublee, Doublé: mit einer sehr dünnen Goldschicht überzogener metallischer Werkstoff (Silber, Kupfer oder Kupferlegierung); verwendet für Schmuckgegenstände, Uhrengehäuse, Brillengestelle u. ä.

Dublette: 1. allgemein zweimal vorhandener Gegenstand, Doppelstück, besonders in Sammlungen; Doppeltreffer.

2. Boxen: Verbindung zweier Schläge gleicher Art; die ausklingende Phase des ersten Schlages bildet die Auftaktphase des zweiten.

3. Pharmazie: zweifach dragierte Tablettenform; enthält in 2 Schichten angeordnete Arzneimittel, die gegeneinander und nach außen jeweils durch eine Drageeumhüllung abgegrenzt sind.

4. Schießsport: Skeetschießen.

Dublin, irisch Baile Àtha Cliath: Hauptstadt der Republik Irland, an der Ir. See, Stadtgrafschaft und Verwaltungszentrum der Grafschaft Dublin; 525000 Einwohner, mit Vorstädten 900000 Einwohner; vielseitige Verarbeitungsindustrie: Schiff-, Lokomotiv-, Auto- und Maschinenbau, Zement-, Mineraldünger-, Textil-, Tabak- und Spirituosenindustrie (Whisky), Brauerei (Guinness); Handels- und Fischereihafen, Docks, Vorhafen Dun Laoghaire, internationaler Flughafen; Bank von Irland; Nationaluniversität von Irland (1908), Trinity College (1592); Hochschulen, Nationalgalerie, -museum und -bibliothek; Kathedralen Christ Church (12./13. Jahrhundert), Saint Patrick (14. Jahrhundert). Alte keltische Siedlung, im 9./12. Jahrhundert Zentrum der dänischen Normannen (Dyflin), 1038 Bistum, seit 1170 Stützpunkt der englischen Invasionen (siehe auch Pale), später englischer Verwaltungssitz; Zentrum des nationalen Widerstandes (Dubliner Aufstand) und der Arbeiterbewegung; Hauptstadt seit 1922.

Dubliner Aufstand, Osteraufstand: Volksaufstand für die Unabhängigkeit Irlands im April 1916 unter Führung von J. Connolly, P. Pearse unter anderem; nach heldenhaftem Kampf von britische Truppen niedergeschlagen.

Dublone, Dublon: spanische Goldmünze des 16./19. Jahrhundert, entspricht der Pistole.

Dubois, Guillaume, 6.9. 1656-10.8. 1723, französischer Staatsmann und Kardinal; schloss 1716/17 zur Wahrung des Friedens von Utrecht (1713) ein Bündnis mit Großbritannien und den Niederlanden gegen Spanien; führte 1719 einen Krieg gegen Spanien herbei.

Du Bois, William Edward Burghardt, 23.2.1868-27. 8. 1963, US-amerikanischer Schriftsteller, Historiker und Politiker; Begründer der Panafrikanischen Bewegung, Mitglied des Weltfriedensrates, seit 1963 Staatsbürger Ghanas; widmete sein Schaffen den Problemen der Afroamerikaner in Vergangenheit und Gegenwart; historische Abhandlung «Schwarze Rekonstruktion in Amerika, 1860-1880» (1935), Romantrilogie «Die Schwarze Flamme» (1957/61), Autobiographie «Mein Weg, meine Welt» (1965, deutsch).

Du Bois-Reymond, Emil, 7.11.1818-26. 12.1896, Physiologe; Professor in Berlin; bedeutender Experimentalphysiologe des 19. Jahrhundert, Begründer der Elektrophysiologie. Du Bois-Reymond, der einen naturwissenschaftlicher Materialismus vertrat, war ein konsequenter Gegner des Lebenskraftkonzepts. Er begründete eine hochangesehene Physiologenschule.

Duccio di Buoninsegna, um 1255-1319, italienischer Maler; Hauptmeister der sienesischen Malerei, zuerst 1278 erwähnt; hielt an der byzantinischen Manier fest, trug aber durch Wirklichkeitsnähe, seelische Vertiefung, reiche farbige Mittel und Größe der Auffassung zum Wandel der italienischen Malerei am Anfang des Trecento bei. Sein Hauptwerk ist die thronende Madonna mit Engeln und Heiligen (1308/11, Siena).

Duchamp-Villon, Raymond, 5.11.1876-7.10.1918, französischer Bildhauer; Bruder der Maler M. Duchamp und J. Villon. Bildete sich zunächst unter dem Einfluss von A. Rodin und A. Maillol, entwickelte sich dann zu einem Hauptvertreter der kubistischen Plastik.

Duchess, «Herzogin» höchster Titel des britischen Hochadels (Nobility); Gattin oder Witwe eines Duke.

Duchessa: Herzogin; ehemaliger italienischer Adelstitel.

Ducht: Querträger in offenen Booten zum Sitzen (Sitzducht) und zur Halterung des Mastes (Mastducht).

Ducker, Schopfantilopen, Cephalophinae: Unterfamilie der Rinderartigen; Hasen- bis Reh groß, meist mit einem Haarschopf auf der Stirn und kurzen, spießförmigen Hörnern in beiden Geschlechtern; leben in dichten Wäldern, zum Teil auch am oder im Grasland Afrikas.

Dudelsack, Sackpfeife-, altertümliches Blasinstrument. Ein durch Anblasrohr oder kleinen Balg gefüllter Windsack wird zwischen Körper und Oberarm eingeklemmt; die durch Armdruck herausgepresste Luft bringt eine schalmen artige Pfeife mit Grifflöchern und eine oder mehrere Bordunpfeifen zum Erklingen; als Volksmusikinstrument heute noch in Schottland und Südosteuropa gebräuchlich.

Duden, Konrad, 3.1. 1829-1. 8. 1911, Philologe; Gymnasiallehrer 1859/1905; sein «Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache» (1880) wurde Grundlage für die 1901 eingeführte deutsche Einheitsrechtschreibung. Dieses seit 1915 «Duden» genannt Werk (18. Neubearbeitung, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1985) ist besonders für die Schulen und seit 1959 in der DDR als Standard für die Setzereien verbindlich.

Dudley: Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Midlands, westlich von Birmingham, mitten im Black Country; 190000 Einwohner; Steinkohlenbergbau; Metallurgie, Maschinenbau, Elektroindustrie; TH; geologisches Museum.

Dudow, Slatan, 30.1.1903-12.7.1963 (Autounfall), Filmregisseur und -autor bulgarischer Herkunft; schuf mit «Kuhle Wampe» 1932 den ersten deutschen Film über Arbeiterprobleme, inszenierte bei der DEFA unter anderem «Unser täglich Brot», «Frauenschicksale», «Stärker als die Nacht», «Der Hauptmann von Köln», «Verwirrung der Liebe», «Christine» (unvollendet).

Duero, portugiesisch Douro: Fluss in Spanien und Portugal; 895 km; Einzugsgebiet 98375 km2; Quelle im Iberische Randgebirge (Cordillera Ibérica), bildet unterhalb von Zamora ein bis zu 500 m tiefes Tal, dem zum Teil die portugiesische Grenze folgt, mündet bei Porto in den Atlantik, vor enger Trichtermündung eine Sandbarre; Nebenflüsse mit geringer Wasserführung; mehrfach gestaut, Wasserkraftwerke; im Dourotal Portugals Anbaugebiet von Portwein.

Duett: a) Gesangsstück für 2 Stimmen, auch mit Instrumentalbegleitung;

b) Musiziergemeinschaft zweier Sänger(innen).

Dufay, Guillaume, um 1400-27.11.1474, nordfranzösischer Komponist; wirkte in Italien, am burg- und Hof und in Cambrai; eine der größten Musikerpersönlichkeiten des 15. Jahrhundert; schuf einheitliche, auf ein einziges Thema gegründete Messen, Motetten, Chansons.

Dufflecoat: aus der englischen Soldatentracht stammender gerade geschnittener sportlicher Kurzmantel mit Knebelverschluss und Kapuze, oft als Wendemantel gearbeitet.

Dufour, Guillaume Henri, 15.9.1787-14.7.1875, schweizerischer Militär, 1831 Chef des schweizerischen Generalstabes; führte 1847 erfolgreich den Krieg gegen den Sonderbund; 1864 Mitbegründer des Roten Kreuzes.

Duftdrüsen: besonders gebaute Schweißdrüsen, deren Sekret Duftstoffe enthält, die der sexuellen Erregung oder auch der Abwehr (Stinktier) dienen; beim Menschen nur in ganz bestimmten Hautgegenden ausgebildet.

Duftstoffe: flüchtige Substanzen, die in sehr kleinen Mengen von Organismen abgegeben werden und bei Individuen der gleichen Art oder anderer Arten Reaktionen auslösen. Duftstoffe dienen so der Kommunikation.

Du Fu, 712-770, chinesischer Dichter. Als Meister aller dichterischen Formen und Genres seiner Zeit prangert er die Laster der herrschenden Klassen an und bekundet seine Sympathie für die Unterdrückten, unter anderem in den Gedichten «Der alte Mann zieht in den Krieg» und «Der Beamte von Shihao». Seine Gedichte sind von feingeschliffener Form, oft voller Zitate und Anspielungen. Sein dichterisches Gesamtwerk gilt als «Geschichte in Versen».

Dufy, Raoul, 3.6.1877-23.3.1953, französischer Maler und Graphiker; anfänglich Impressionist, seit 1905 durch H. Matisse dem Fauvismus verpflichtet. Seine Darstellungen (beflaggte Straßen, Strandbilder, ländliche Feste, Pferderennen, Stillleben) beeindrucken durch ihre farbig bewegte, anmutig dekorative Malweise.

Dugong, dugong: bis 3 m lange blauschwarze bis hellbraune Seekuh mit dreieckiger Schwanzflosse; lebt in den Küstengewässern des Indischen und des südlichen Stillen Ozeans; die Bestände sind bedroht.

Duguilang-Bewegung: Bewegung der mongolischen Araten gegen feudale und koloniale Unterdrückung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert, besonders in der Inneren Mongolei. Die Araten schlossen sich in Zirkeln (Duguilang) von 300 bis 800 Mitgliedern zusammen, die jedoch isoliert voneinander operierten, was zur Zerschlagung der Duguilang-Bewegung führte.

Duhamel, Georges, 30.6.1884-13.4.1966, französischer Schriftsteller; Verfasser aufrüttelnder Antikriegsromane, zum Beispiel «Leben der Märtyrer) (1917, deutsch) unter anderem. In späteren Romanzyklen vertrat er zunehmend kleinbürgerlich-individualistische Positionen.

Gibbs-Duhem-Gleichung: Grundgleichung der Thermodynamik von Systemen mit verändert. Teilchenzahlen N. Sie lautet SdT Vdp + Z N, dßi = 0 (S Entropie, T absolute Temperatur, V Volumen, p Druck, ßi chemisches Potential der i-ten Teilchensorte, das man durch Differenzieren eines beliebigen thermodynamischen Potentials nach der Teilchenzahl erhält). benannt nach dem französischen Physiker und Philosophen Pierre Duhem (1861-1916) und J. W. Gibbs.

Dühring, Eugen, 12.1.1833—21.9.1921, Ökonom und Philosoph; vertrat eine kleinbürgerliche ökonomische Richtung sowie eklektische Positionen eines metaphysischen Materialismus; von Engels vernichtend kritisiert («Anti-Dühring»).

Dukas, Paul, 1.10.1865-17.5.1935, französischer Komponist; schuf dem Impressionismus eng verbundene Werke: das wirkungsvolle Orchesterscherzo «Der Zauberlehrling» (1897, nach Goethe), die lyrische Oper «Ariane und Blaubart» (1907, nach M. Maeterlinck), Klavierwerke unter anderem; war auch als Lehrer und Kritiker geschätzt.

Dukaten: alte italienische, ungarische, österreichische, skandinavische und niederländische Goldmünze; in Deutschland Reichsmünze seit 1559.

Duk-duk: ehemals mächtigster Männergeheimbund auf Neubritannien (Melanesien); in der Öffentlichkeit Auftreten in Masken und hohen spitzen Maskenhüten; von deutschen Kolonialisten Ende des 19. Jahrhundert vernichtet.

Duke: («Herzog») höchster Stand des britischen Hochadels (Nobility), seit dem 19. Jahrhundert Mitgliedern der königlichen Familie Vorbehalten.

Düker: Unterführung einer Rohrleitung unter einem Hindernis (zum Beispiel Kanal, Straße); nach dem Prinzip der kommun ¡zierenden Röhren.

Duktilität: Vermögen von Werkstoffen, zum Beispiel Plasten, Asphalt und den meisten Metallen, sich unter Einwirkung äußerer Kräfte bleibend zu verformen. Die Duktilität hängt von Temperatur, Gestalt, Behandlungszustand und Verformungsgeschwindigkeit ab.

Duktus: charakteristischer Schriftzug; Linienführung einer (Druck-) Schrift.

Dulles: 1. Allen Welsh Dulles, 7.4.1893-29.1.1969, US-amerikanischer Diplomat; Bruder von Dulles 2; im 2. Weltkrieg Leiter der US-Spionage in Europa, 1953/61 Chef der CIA, wurde wegen der fehlgeschlagenen Aggression gegen Kuba (Niederlage von Playa Giron) abgesetzt.

2. John Foster Dulles, 25.2.1888-24.5.1959, US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei); 1946/50 UN-Delegierter, betrieb als Außenminister (1953/59) nach eigenem Bekenntnis eine «Politik am Abgrund des Krieges» besonders gegen die UdSSR.

Dulong, Pierre Louis, 12.2.1785-19.7.1838, französischer Physiker und Chemiker; entdeckte 1820 die Zusammensetzung des Wassers; arbeitete zur Wärmetheorie (unter anderem Dulong-Petitsche Regel) und ihrer technischen Anwendung.

Dulong-Petitsche Regel: (nach P. Dulong und A. Petit) Regel, nach der die molare Wärmekapazität für alle festen Stoffe (bei nicht zu tiefen Temperaturen) annähernd den gleichen Wert besitzt. Bei Annäherung an den absoluten Nullpunkt geht die Wärmekapazität gegen Null.

Duluth: Stadt im Bundesstaat Minnesota (USA), am Westende des Oberen Sees; 95000 Einwohner, als Metropolitan Area 270000 Einwohner; Erzanreicherungswerk, Stahlwerke, Werften, Maschinenbau, Lebensmittel-, Erdöl-, Holzindustrie; bedeutendster Binnenhafen der USA (Eisenerz von der Mesabikette, Holz; Jahresumschlag etwa 40 Millionen t), internationaler Flughafen.

Dulzian: 1. Doppelrohrblattinstrument des 16./17. Jahrhundert; Vorläufer des Fagotts.

2. sanfte, fagottartige Zungenstimme der Orgel vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.

Duma, (russisch, «Rat») Gosudarstvennaja Duma, Staatsduma, Reichsduma: russische gesetzgebende Körperschaft 1906/1917; wurde vom Zaren unter dem Eindruck der Revolution 1905/1907 einberufen, besaß aber nur sehr beschränkte Vollmachten. Die 1. und 2. Duma wurden wegen ihrer oppositionellen Haltung, besonders in der Agrarfrage, aufgelöst; in der 3. und 4. Duma waren nach dem reaktionären Wahlgesetz von 1907 die Werktätigen und die nichtrussischen Völker kaum vertreten. Im August 1915 entstand in der 4. Duma aus bürgerlichen Kräften der Progressive Block, der im Interesse der Kriegführung vom Zaren politische Zugeständnisse forderte.

Dumas: 1. Alexandre (père; der Ältere), 24.7. 1802-5. 12. 1870, französischer Schriftsteller; Verfasser historischer Abenteuerromane, wie «Die drei Musketiere» (1844, deutsch), «Der Graf von Monte Christo» (1845/46, deutsch) unter anderem.

2. Alexandre (fils; der Jüngere), 27.7.1824-27.11.1895, französischer Dramatiker, Sohn von Dumas 1; verfasste Romane, wurde jedoch vor allem durch bühnenwirksame Theaterstücke bekannt, zum Beispiel «Die Kameliendame» (1852, deutsch) unter anderem.

Du Maurier, Daphne, geboren 13.5.1907, englische Schriftstellerin; schrieb zahlreiche, zum Teil verfilmte Unterhaltungs- und Erfolgsromane, meist psychologische Charakterstudien und romantisch-abenteuerliche Liebesgeschichten, wie «Rebecca» (1938, deutsch), «Die Parasiten» (1949, deutsch), «Das Geheimnis des Falken» (1965, deutsch).

Dumka: im 19. Jahrhundert Bezeichnung für lyrische, auch epische und balladeske Volkslieder der Westukraine unter anderem slawische Länder. Dumka fanden auch in die Instrumentalmusik Eingang (P. I. Tschaikowski, M. A. Balakirew, A. Dvorak unter anderem).

Dummkoller, Koller: unheilbare Gehirnerkrankung bei Pferden, bei der es zu Bewusstseinsstörungen kommt. Als Ursache kommen unter anderem Parasiten oder Geschwülste in Betracht.

Dumouriez, Charles François, 25.1.1739-14.3.1823, französischer General und Politiker; 1792 Außenminister; kommandierte die Revolutionsarmeen bei den siegreichen Schlachten von Valmy und Jemappes; versuchte in der Folgezeit, gewaltsam die konstitutionelle Monarchie wiederherzustellen, wurde in der Schlacht bei Neerwinden entscheidend geschlagen und lief nach Entlarvung seiner konterrevolutionären Pläne im April 1793 zu den Österreichern über.

Dümpeln: unregelmäßige Bewegung eines vor Anker oder gestoppt liegenden Schiffes bei Seegang.

Dumper: Autoschütter, überwiegend auf Baustellen verwendetes, meist allradangetriebenes, geländegängiges Kfz mit kippbarer Mulde zum Befördern von Schüttgut. Siehe auch Kipper 1.

Dumping: Warenexport - kapitalistische Monopole und Staaten zu Preisen, die zur Ausschaltung der Konkurrenz, zur Eroberung ausländischer Märkte und so weiter zeitweilig extrem unter dem Preisniveau des Binnen- und Auslandsmarktes gehalten werden. Dumping wird durch Monopolsonderprofite finanziert, die durch Preissteigerungen bei entsprechend Zollschutz auf dem Binnenmarkt, staatliche Subventionen in Form von Exportprämien, Importrückvergütungen, Steuernachlass unter anderem (Subventionsdumping), durch besonders niedrige Löhne und Sozialaufwendungen im exportierenden Land (Lohn- beziehungsweise Sozialdumping), durch Abwertung der Währung (Valutadumping) unter anderem erzielt werden. Das Dumping ist ein Mittel des kapitalistische Konkurrenzkampfes und in seiner Wirksamkeit vom Kräfteverhältnis zwischen den Staaten abhängig.

Polen: 247 km; entspringt mit 2 Quellflüssen (Biafy D. und Czamy D.) in der Hohen Tatra, durchbricht in einem malerischen Tal die Pieniny (Floßfahrten für Touristen); Staudämme (Roznów (Wasserkraftwerk, 50 MW), Czchów).

Dunant, Jean-Henri, 8. 5. 1828-30.10. 1910, schweizerischer Kaufmann. Stark beeindruckt von den Greueln der Schlacht bei Solferino (1859), setzte er sich für die Einberufung einer internationalen Konferenz in Genf ein, auf der Maßnahmen zur Verbesserung des Sanitätsdienstes beschlossen wurden. Sie sind in der sogenannt Genfer Konvention (1864) niedergelegt. Dadurch wurde Dunant zum geistigen Urheber der Rotkreuzbewegung.

Duncan I, König von Schottland 1034/40; von seinem aufständischen Feldherrn Macbeth besiegt und erschlagen.

Duncker: 1. Franz Gustav Duncker, 4.6.1822-18.6.1888, liberaler Publizist und Verleger, Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei und später der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine.

2. Hermann Duncker, 24.5.1874-22.6.1960, Publizist, Hochschullehrer; war einer der hervorragendsten Propagandisten des wissenschaftlichen Kommunismus, der auf mehrere Generationen revolutionärer Arbeiter nachhaltigen Einfluss ausübte. Seit 1893 Mitglied der Sozialdemokratie, kämpfte er an der Seite von K. Liebknecht, R. Luxemburg, F. Mehring und W. Pieck gegen Opportunismus und imperialistischer Krieg. Er war Mitbegründer der KPD, gab in deren Auftrag viele Werke der Klassiker des Marxismus Leninismus heraus und brachte diese, unter anderem als Lehrer an der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH) in Berlin, zahlreichen Arbeitern nahe. 1933 wurde Duncker von den Faschisten eingekerkert. 1936 gelang es ihm, zu emigrieren, zuletzt in die USA, wo er den antifaschistischen Kampf fortsetzte. Nach seiner Rückkehr war er 1947/49 Dekan der Gesellschaftswissenschaftlichen. Fakultät der Universität Rostock sowie seit 1949 Direktor der Hochschule des FDGB. Auch im hohen Alter und trotz fast verlorener Sehkraft war er als Lehrer und Propagandist tätig. Duncker schrieb unter anderem «Einführung in den Marxismus. Ausgewählte Reden und Schriften» (2 Bände, 1958/59), «Der Traum meines Lebens. Reden und Aufsätze» (1974).

3. Käte Duncker, 23.5.1871-2.5.1953, eine Führerin der proletarischen Frauenbewegung, Lehrerin; Frau von Duncker 2; seit 1898 Mitglied der Sozialdemokratie. Sie vertrat revolutionäre Positionen und war Mitbegründerin des Spartakusbundes und der KPD. 1939 musste sie emigrieren (Rückkehr 1947).

Dundee: Stadt im Osten Schottlands (Großbritannien), am Firth of Tay; 180000 Einwohner; Zentrum der Juteindustrie; ferner Schiff- und Maschinenbau, Papier-, Uhren-, elektrotechnischen und elektronischen Industrie; Hafen; Universität, Seefahrtsschule, Sternwarte; Museen.

Düne: vom Wind aufgeschütteter Hügel aus Treibsand in vegetationsarmen bis -freien Räumen (Wüsten, Küsten). Nach der Lage unterscheidet man Küstendüne, die aus dem Sand des Meeresstrandes aufgebaut sind, und Binnendüne in früheren oder jetzigen Trockengebieten, die meist aus Sand bestehen, der aus der Verwitterung quarzhaltiger Gesteine sowie aus Fluss- oder Seeablagerungen hervorgegangen ist. Nach der Form unterscheidet man Zungendüne, Strich- oder Längsdüne, Wall- oder Quer Düne, Stern- und Sichel- oder Bogendüne (Barchan). Beim Verlust der Vegetation geraten Dünen als Wanderdüne in Bewegung.

Dunedin: Stadt auf der Südinsel Neuseelands, am Pazifik; 80000 Einwohner, mit Vororten 115000 Einwohner; Metallurgie, elektrotechnischen, chemische, Leicht-, Lebensmittelindustrie; Hafen, Flughafen; Universität, Museen.

Dünger, Düngemittel, Düngestoffe: zusammenfassende Bezeichnung für alle Stoffe, die im Boden vorhanden sind oder ihm zugeführt werden, Pflanzennährstoffe enthalten, Grundlage der Ertragsbildung sind, die physikalischen, chemischen und biologischen Bodeneigenschaften verbessern und den entscheidenden Intensivierungsfaktor für die Steigerung der Pflanzenproduktion darstellen; sie sind an der Ertragssteigerung zu etwa 50% beteiligt. Man unterscheidet grundsätzlich organische und anorganische oder Mineraldünger. Eine Unterteilung in Boden- und Pflanzendünger ist nicht zweckmäßig, da mit Ausnahme der Blattdünger alle Dünger sowohl den Boden verbessern als auch die Pflanzen düngen. Die organischen Dünger stellen die Gesamtheit der dem Boden zugeführten organischen Substanz dar, wie Abprodukte aus der tierischen Produktion (Stalldung, Gülle, Jauche), Stroh (Strohdünger), Erdkomposte, Klärschlamm und Müllkomposte sowie Gründünger und die im Boden verbleibenden Ernte- und Wurzelrückstände. Die organischen Dünger sind wichtige Träger der Reproduktion der Bodenfruchtbarkeit; sie verbessern die physikalischen, kolloidchemischen und biologischen Eigenschaften der Böden; ihre Nährstoffe werden durch Mikroorganismen kontinuierlich freigesetzt (Mineralisation). Unter den Bedingungen der industriemäßigen Pflanzenproduktion der DDR rechnet man in Abhängigkeit vom Anbauverhältnis mit durchschnittlich 20 dt/ha organischer Düngertrockensubstanz, die jährlich dem Boden zugeführt werden muss; dabei ist ein enges Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis anzustreben. Die anorganische Dünger (Mineraldünger) werden bergmännisch gewonnen (Kalidünger), synthetisch in der chemischen Industrie hergestellt (zum Beispiel Ammoniak) oder fallen als Industrienebenprodukte an (Thomasphosphat); sie werden in Einnährstoffdünger (enthalten nur einen Pflanzennährstoff) und Mehrnährstoff- oder Komplexdünger (mehrere Pflanzennährstoffe) eingeteilt. Die stickstoffhaltigen anorganischen Dünger werden nach ihrem Gehalt an der jeweiligen Stickstoffverbindung unterteilt, zum Beispiel Amiddünger (Harnstoff, Kalkstickstoff), ammoniumnitrathaltige (Kalkammonsalpeter, Kalkammonsalpeter), ammoniumhaltige (Ammophos, Ammoniumsulfat). entsprechend ihrem mengenmäßigen Verbrauch durch Pflanze und Boden wird in Makronährstoffdünger (stickstoff-, phosphor-, kalium-, kalzium-, magnesiumhaltige) und Mikronährstoffdünger (bor-, kupfer-, molybdänhaltige unter anderem) unterschieden.

Düngerstreuer; traktorbetriebene, auf LKW aufgebaute oder selbstfahrende Arbeitsmaschine zum Ausstreuen körniger oder pulvriger Düngemittel in fahrwegabhängiger Dosierung; vorwiegend mechanische Verteilprinzipien (zum Beispiel Schleuderscheiben-Düngerstreuer), zunehmend auch pneumatisch.

Dungfliegen, Cordyluridae: Fliegenfamilie; Larven meist an Exkrementen oder Aas, wenige Pflanzenfresser; die Mistfliege mit dichtem gelbem Haarpelz, häufig auf Kuhfladen.

Dungkäfer, Aphodiinae: bis 6 mm lange Blatthornkäfer, deren Weibchen die Eier in den Kot verschiedener Säugetiere, besonders der Wiederkäuer, ablegen.

Düngung: alle Maßnahmen, durch die dem Boden beziehungsweise der Pflanze Stoffe zugeführt werden, die den Pflanzenertrag qualitativ und quantitativ erhöhen und die durch Verbesserung der physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit beitragen.

Düngungsempfehlung: auf der Grundlage der EDV erarbeitete fruchtarten- und schlagbezogene Empfehlung für alle Dünger (organisch und mineralisch einschließlich Mikronährstoffdünger). Dabei werden sowohl der Ertrag als auch die Qualität der Ernteprodukte für die zu berechnenden Düngermengen berücksichtigt. Düngungsempfehlung geben Auskünfte über die optimale Höhe des Düngereinsatzes, die zweckmäßigen Düngerformen, das optimale Düngungsverfahren und die günstigsten Düngungszeitspannen.

Dunhuang: Ort in China, im Westen der Provinz Gansu, an der Seidenstraße. Hier entstanden vom 4. bis zum 14. Jahrhundert etwa 1000 buddhistische Höhlentempel, davon sind rund 470 erhalten. Sie sind mit Plastiken und farbigen Wandmalereien (buddhistische Heilige, realistische Darstellungen aus dem Volksleben) ausgestattet, die zum Teil Fremdeinflüsse zeigen. Anfang des 20. Jahrhundert wurden hier über 30000 buddhistische Texte und Rollbilder entdeckt.

Dunkeladaptation: Anpassung des Auges an unterschiedliche Beleuchtungsverhältnisse durch Veränderung der Pupillenweite und Vermehrung oder Verminderung des Sehpurpurgehaltes in der Netzhaut. Nach intensiver Belichtung wird der beste Dunkeladaptation zustand erst nach fast 1 Stunde erreicht. Die Untersuchung der Adaptation erfolgt mit dem Adaptometer.

Dunkelentladung, Townsend-Entladung taunzend-; nach einem irischen Physiker): selbständige Gasentladung bei sehr niedrigen Stromstärken und ohne merkliche Lichtemission.

Dunkelkammer: lichtdichter Arbeitsraum für Arbeiten mit lichtempfindlichem fotografischem Material. Zur Einrichtung einer Dunkelkammer gehören unter anderem Wasser- und Elektroinstallation, Labortische, Geräte zum Entwickeln, Kopieren und Vergrößern, Dunkelkammerleuchten mit Dunkelkammer-Schutzfiltern.

Dunkelleitfähigkeit: Restleitfähigkeit von Fotowiderständen bei fehlender Belichtung; wird durch Störstellen oder thermische Anregung von Ladungsträgern hervorgerufen.

Dunkelmännerbriefe, Epistolae obscurorum worum: anonyme Sammlung fingierter Briefe, in denen die Verkommenheit der Geistlichen und die Rückständigkeit der Wissenschaft aufgedeckt wurden; Hauptautoren waren Crotus Rubeanus (1. Teil, 1515) und Ulrich von Hutten (2. Teil, 1517); bedeutendste Kampfschrift der deutschen Humanisten gegen die Missstände in der Kirche. Siehe auch Reuchlin.

Dunkelstrahler, Infrarotdunkelstrahler. Strahlungsquelle und Elektrowärmegerät mit Wärmeabstrahlung im Infrarotbereich ohne nennenswerte sichtbare Lichtentwicklung. Siehe auch Infrarotstrahlungserwärmung.

Dunkelwolke: Ansammlung interstellarer Materie, die durch die lichtschwächende Wirkung des in ihr enthaltenen Staubes die dahinterstehenden Sterne verdeckt und sich als Sternleere am Himmel bemerkbar macht.

Dunkerque, Dünkirchen: Stadt im Norden Frankreichs, an der Nordsee, nahe der französisch-belgischen Grenze; 84000 Einwohner, mit Vororten 190000 Einwohner; vielseitige Industrie, besonders Eisenmetallurgie (großes Hüttenwerk), Schiffbau, Textilindustrie, Fisch- und Schwefelverarbeitung; 2 Erdölraffinerien; bedeutender Übersee- und Fischereihafen; Fähre nach Dover; Endpunkt von Kanälen. Im 2. Weltkrieg wurden bei Dunkerque britische und französische Streitkräfte von faschistischen deutschen Truppen eingeschlossen (20. 5./4. 6. 1940); über 300000 Mann konnte die britische Flotte evakuieren.

Dunlap, William, 19.2. 1766-28.9. 1839, US-amerikanischer Schriftsteller; begann als Maler, entwickelte sich zu einem der produktivsten Dramatiker.

Dunlop, John Boyd, 5. 2. 1840-23.10. 1921, britischer Tierarzt und Erfinder; führte 1888 den Luftreifen für Fahrräder ein, der 1895 für das Kfz weiterentwickelt wurde.

Dünndarm, Intestinum tenue: aus Zwölffinger-, Leer- und Krummdarm bestehender, durch ein relativ enges Lumen charakterisierter Abschnitt des Darmes.

Dünnsaat: bei der Aussaat eine starke Minderung der üblichen Saatmenge, die zur besseren Entwicklung der Einzelpflanzen durch Vergrößerung des Standraumes beiträgt. Sie ist nicht bei allen Kulturen dazu geeignet, Höchsterträge zu erzielen.

Dünnschichtreaktor: technischer Apparat für chemische Reaktionen zwischen Gas und Flüssigkeit. In einem senkrechten zylindrischen Rohr wird in den oberen Teil die Flüssigkeit eingeführt und durch einen Rotationskörper gleichmäßig auf die Wandfläche verteilt. Die Flüssigkeit fließt als dünner Film in kreisender Bewegung nach unten, während das Gas von unten nach oben strömt.

Dünnschliff: Plättchen biologischer oder anderer Objekte (zum Beispiel Knochen-, Mineral-, Gesteinsplättchen), das so dünn (0,01 bis 0,03 nun) geschliffen ist, dass es, auf einem Objektträger aufgekittet, unter dem Mikroskop in durchfallendem Licht untersucht werden kann.

Dünnschneiden: Arbeitsgang der Rauchwarenzurichtung an der Kreismesseimaschine; dient der Entfernung von Bindegewebsschichten des Pelzleders zur Verminderung beziehungsweise Egalisierung der Lederstärke.

Dunois, Jean Graf von, genannt Bastard von Orléans, 23.11. 1402-28.11. 1468, französischer Feldherr; verteidigte 1429 Orléans gegen eine englischen Übermacht bis zum Entsatz durch Jeanne d’Arc.

Duns Scotus, Johannes, um 1265-8.11. 1308, schottischer Philosoph; scharfsinniger Gegner des Thomas von Aquino; stützte sich unter anderem auf Augustinus und den Nominalismus (Universalienstreit); erkannte der Theologie den Rang einer Wissenschaft ab, bekämpfte aber die plebejisch-bäuerlichen Häretiker und kritisierte den Averroismus.

Dunst: 1. Lebensmitteltechnik: Produkt der Weizenvermahlung, das in der Teilchengröße zwischen griffigem Mehl und Grieß liegt.

2. Meteorologie: atmosphärische Trübung durch kleinste Wassertröpfchen und beziehungsweise oder Staubteilchen, besonders über Großstädten und Industriegebieten (Dunstglocke)-, Sichtweiterückgang bis auf 1 km. Siehe auch Nebel 3.

Dunstable, John, um 1380-24.12. 1453, englischer Komponist; beeinflusste mit Motetten, Messen und Chansons die Musik des Festlandes durch neuartigen, spezifisch englischer Wohlklang. Dunstglocke Dunst 2.

Duo: a) Komposition für 2 Instrumente;

b) Musiziergemeinschaft von 2 Instrumentalisten.

Duodenographie: Röntgenuntersuchung des Zwölffingerdarmes nach Einbringen von Luft und flüssigem Kontrastmittel, meist durch eine geschluckte Sonde.

Duole: rhythmische Figur von 2 an Stelle von 3 gleichwertigen Noten.

Duoschaltung: Spezialschaltung für den Parallelbetrieb von 2 Leuchtstofflampen in einer Leuchte zur Reduzierung der Lichtwelligkeit und zur Verbesserung des Leistungsfaktors des Versorgungsnetzes.

düpieren: täuschen; hereinlegen.

Duplex: («doppelt») Kettengewirke, bei dem 2 Stofflagen rückseitig miteinander verklebt werden. Siehe auch Simplex.

Duplexbetrieb, Gegenverkehr. Betriebsart in Fernmeldenetzen, bei der eine gleichzeitige Nachrichten- beziehungsweise Datenübermittlung in beiden Verkehrsrichtungen erfolgt.

Duplexpumpe: Sonderbauart der Dampfpumpe mit parallel angeordneten und doppeltwirkenden Dampf- und Pumpenzylindern; eingesetzt besonders dort, wo Abdampf kostengünstig zur Verfügung steht, zum Beispiel in Chemieanlagen.

Duplexsystem: Korrosionsschutzsystem; besteht aus der Kombination von metallischen und nachfolgenden organische Schutzschichten, zum Beispiel einer Metallspritzschicht und einem Anstrichsystem. Die Korrosionsbeständigkeit eines Duplexsystems ist höher als die Summe der Beständigkeiten der Einzelschichten.

Duplexverfahren: Verfahren zum Erschmelzen metallischer Werkstoffe (Stahl, Gusseisen, Temperguss), bei dem 2 verschiedene metallurgische Öfen nacheinander benutzt werden, zum Beispiel Kupolofen mit Bessemer-Konverter beziehungsweise Kupolofen mit Elektroofen (meist Induktionsofen).

Duplikat: Doppel, Durchschlag; zweite gleichlautende Ausfertigung einer Urschrift, Doppel eines Belegs.

Dup-Verfahren: spezielle Verfahren zur Herstellung von Duplikaten in der Filmtechnik. Um Original-Bildnegative oder -Umkehrpositive zu schonen, auch um eine größere Anzahl Kopien herstellen zu können, werden Positivfilme angefertigt, von denen dann wiederum Dup-Negative kopiert werden, um eine noch größere Anzahl von Theater- (Massen-, Sende-, Vorführ-, Verleih-) Kopien zu erhalten.

Dur: (durus, «hart») eines der beiden Tongeschlechter im diatonischen System (Diatonik); siehe auch Dreiklang.

durabel: dauerhaft, bleibend.

Dura Europos, Doura Europos: antike makedonische Militärsiedlung am mittleren Euphrat, um 300 vor Christus von Seleukos I. gegründet; Ausgrabungen seit 1920. Von größter Bedeutung sind die Fresken der Synagoge (um 220, 245 erneuert) mit alttestamentliche Themen sowie die Malereien der 232 aus einem Wohnhaus umgebauten christliche Kirche mit Szenen aus den Evangelien, die das Prinzip der Frontalität vertreten und als Vorstufe zum sogenannt Repräsentationsbild der Spätantike betrachtet werden.

Duralumin, Dural: aushärtbare Aluminiumlegierung mit 2,5 bis 5 % Kupfer, 0,2 bis 1, 8% Magnesium und 0,3 bis 1,5% Mangan für mechanisch hochbeanspruchte Leichtbauteile, zum Beispiel im Flugzeugbau.

Durance, Fluss im Südosten Frankreichs; 305 km; entspringt in den Westalpen, mündet seit 1966 durch einen vom Zusammenfluss der Durance und des Verdon bei Cadarache abgeleiteten Kanal bei Saint Chamas in den Etang de Berre; Gebirgsfluss mit unregelmäßiger Wasser- und starker Schuttführung; mehrere Wasserkraftwerke (unter anderem Serre-Poncon, Stausee 1,2 Md. m3); zur Bewässerung genutzt (Frühgemüse).

Durango: Hauptstadt des Bundesstaates Durango (Mexiko), 2040 m über dem Meeresspiegel, im zentralen Hochland; 220000 Einwohner; bedeutendes Landwirtschafts-, Bergbau- und Verkehrszentrum; Eisenerz-, Buntmetallerzbergbau, Gewinnung von Quecksilber, Metallurgie, Textil-, Holzindustrie; Universität, technisches Institut; in der Umgebung der Stadt Anbau von Mais, Bohnen, Baumwolle und Obst.

Duras, Marguerite, geboren 4. 4. 1914, französische Schriftstellerin; wurde insbesondere durch das Filmszenarium zu «Hiroshima, meine Liebe» (1959, deutsch) bekannt und gehört heute zu den Vertretern des Nouveau Roman.

Durău: Kurort in Rumänien, in den Ostkarpaten, am Nordhang des Ceahläu-Gebirges, 800 m über dem Meeresspiegel; nahebei Ceahläu-Naturschutzgebiet mit Duruitoarea-Wasserfällen.

Durchbiegung: Bautechnik Formänderung eines belasteten Tragwerkes. Die Größe der Durchbiegung ist abhängig von Trägheitsmoment, Elastizitätsmodul, Belastung und Stützweite.

Durchblutungsstörungen: meist auf Arteriosklerose, selten auf Arterienentzündung beruhende verminderte Blutversorgung bestimmter Körperteile, zum Beispiel des Gehirns, des Herzens, der Beine und des Darms. Durchblutungsstörungen äußern sich in belastungsabhängigen, später auch Ruheschmerzen, schließlich in Gewebeuntergang (Nekrose, Brand, Infarkt) des betroffenen Gebietes.

Durchbruch: bei elektronischen Halbleiterbauelementen mit pn-Übergang das lawinenartige Ansteigen des Sperrstromes bei einer bestimmten, am pn Übergang angelegten Sperrspannung (elektrischen Durchbruch). Der Vorgang ist reversibel. Ein thermischer Durchbruch entstellt durch Einschnür-Effekt beziehungsweise thermische Instabilität und hat meist die Zerstörung des Bauelementes zur Folge.

Durchfall, Diarrhoe: gehäufte breiige oder flüssige Stuhlentleerung, mitunter mit Schleim oder beziehungsweise und Blut; verursacht durch Darmentzündung, ungenügende Verdauungsleistung, Abführmittelmissbrauch oder Vergiftung.

Durchfluss, Wasserführung: Wassermenge, die in einer Zeiteinheit den Querschnitt eines offenen Gerinnes oder einen geschlossenen Querschnitt durchfließt, angegeben in 1/s oder m3/s.

Durchflussprofil: von Feststoffen freizuhaltender lichter Raum eines fließenden Gewässers, zum Beispiel für den Wasserabfluss bei Brücken und Durchlässen.

Durchflutung, veraltet magnetische Urspannung, magnetomotorische Kraft, Abkürzung MMK, Amperewindung, Formelzeichen 0: die Summe der Ströme, die eine von einer geschlossenen Randlinie aufgespannte Fläche durchsetzen. Bei einer (Erreger-) Spule erregt die Durchflutung als Produkt aus Stromstärke und Windungszahl den magnetischen Fluss im magnetischen Kreis elektrischer Maschinen und Geräte. SI Einheit ist das Ampere (A).

Durchflutungsgesetz, Ampèresches Verkettungsgesetz (nach A. M. Ampère): Spezialfall der 2. Maxwellschen Gleichung; die über eine geschlossene Kurve, die einen oder mehrere Stromleiter umschließt, berechnete Umlaufspannung H ds ist gleich der Durchflutung (H magnetische Feldstärke, ds Wegelement).

Durchforstung: regelmäßig wiederkehrende Stammentnahme aus einem Waldbestand mit dem Ziel, die besten Bäume unter Wahrung des Kronenschlusses zu fördern und Vorerträge zur Deckung des Holzbedarfs zur Verfügung zu stellen.

Durchführung: Musik a) in der Fuge das einmalige Durchlaufen des Themas durch alle Stimmen;

b) im Hauptsatz der klassischen Sonate die der Exposition folgende Verarbeitung der Themen.

Durchgang: Astronomie a) so viel wie Kulmination;

b) Vorübergang der Planeten Merkur und Venus vor der Sonnenscheibe.

Durchkomponieren: a) freies Gestalten der Liedstrophen nach der textlichen Aussage, im Gegensatz zum Strophenlied;

b) freie Gestaltung einer szenischen musikalischen Einheit im Gegensatz zu den «Nummern» der älteren Oper.

Durchlassfähigkeit: größtmögliche Verkehrsmenge je Zeiteinheit (Verkehrsbelegung), die eine Straßenverkehrsanlage (Straße, Knotenpunkt) passieren kann. Die Durchlassfähigkeit ist von den Eigenschaften der Verkehrsanlage und vom Qualitätsanspruch an die Verkehrsabwicklung abhängig.

Durchlauferhitzer: Gerät zum schnellen Erhitzen des aus der Leitung fließenden Wassers, das durch gasbeheizte Rohrschlangen geführt oder an elektrisch erhitzten Stäben vorbeigeleitet wird.

Durchlaufregallager: stählernes Stapelregal, dessen Regalfachböden aus Rollförderern bestehen, auf denen die Lagergüter an beziehungsweise in Lagerungshilfsmitteln (Paletten, Behälter) von der Einlagerungs- zur Auslagerungsseite nach dem Fließlagerprinzip gefördert werden.

Durchleuchtungsprobe, Diaphanoskopie (griechisch), Translumineszenz-Probe: Hodensackdurchleuchtung (ein- oder beiderseitig) zur Unterscheidung zwischen Flüssigkeitsansammlung um den Hoden und Nebenhoden (Hydrozele) und Hodentumoren.

Durchlichtungsverfahren: fotografisches Verfahren zur Vervielfältigung einseitig bedruckter oder beschriebener Vorlagen. Die Vorderseite der Vorlage ist im Kontakt der lichtempfindlichen Schicht zugewendet; belichtet wird durch die Rückseite hindurch.

Durchlüftungsgewebe, Aerenchym: parenchymatische Gewebe mit großen Interzellularräumen; dient dem raschen Gasaustausch innerhalb der Pflanzenteile. Ausgebildet vor allem in untergetauchten Organen von Wasser- und Sumpfpflanzen. Das Durchlüftungsgewebe steht mit den Spaltöffnungen der Blätter in Verbindung.

Durchmesser: Strecke bei geometrischen Figuren mit Mittelpunkt M, die durch M geht und beiderseits auf der Figur beziehungsweise ihrer Begrenzung endet; auch die Länge solcher Strecken.

Durchnähmaschine: Steppmaschine für Kett- und Steppstich zur Verbindung der Schuhsohle mit Schaft und Brandsohle.

Durchörterung: hydraulische Vorpressen großer Rohre (Durchmesser 1,2 bis 3 m) in Lockergestein mit manuellem oder mechanischen Erdstoffabbau im Rohrinnern; mit Zwischenpreßstationen im Rohrstrang kann die Durchörterung bis zu 250 m Länge durchgeführt werden.

Durchsatz: 1. Raketentechnik: Treibstoffdurchsatz.

2. Technik: Stoffmenge, die während eines technischen Prozesses eine technische Anlage durchläuft; Leistungsangabe, zum Beispiel für einen metallurgischen Ofen.

Durchschlag: 1. Bürotechnik: auf schreibenden Büromaschinen mittels Kohlepapier, Farbband oder ähnlichem gleichzeitig mit dem Original hergestellte Kopie.

2. Elektrotechnik: plötzlicher, unerwünschter Stromdurchgang als Funken- oder Lichtbogenentladung durch die Isolierung von Geräten und Leitungen.

Durchschnittslohn: errechneter Durchschnitt des monatlichen, täglichen oder stündlichen Brutto- oder Nettolohnes eines Werktätigen in einem bestimmten Zeitraum, in der Regel des vergangenen Kalendeijahres. Der Durchschnittslohn wird meist bei Ausgleichszahlungen gewährt. Bei der Errechnung werden verschiedene Teile des Arbeitslohnes (zum Beispiel Lohn für Überstundenarbeit, Prämien, Entschädigungszahlungen, Überbrückungsgeld) nicht einbezogen.

Durchschnittsmenge: zu 2 gegebenen Mengen M, N die mit M n N (gelesen: M geschnitten mit N) bezeichnete Menge aller Elemente, die Element jeder der beiden Mengen sind. Beispiel: (a, b, c, d) n (ft, d, e) = (6, d). Mengen Mu Nu deren Durchschnittsmenge leer ist, das heißt die keine gemeinsamen Elemente haben, heißen elementfremd (disjunkt).

Durchsetzen: wechselseitiges versetztes Absetzen oder Kröpfen beim handwerklichen oder Freiformschmieden.

Durchsicht: im durchfallenden Licht beurteilte Faserverteilung im Papier. Durchsicht kann Qualitätsmerkmal, also gleichmäßig, klar oder (meist unerwünscht) wolkig, flockig sein.

Durchstich: Verfahren zum Abflachen starker Stromkrümmungen und zum Verkürzen des Flusslaufes (D. von Landzungen); verstärkt das Gefälle und erhöht damit die Schleppkraft des Flusses und die mitgeführte Geschiebemenge.

Durchsuchung: prozessuale Maßnahme zum Zweck der Verhaftung eines sich versteckt haltenden Verdächtigen und zum Auffinden von Beweismaterial. Die Durchsuchung wird vom Staatsanwalt angeordnet, bei Gefahr im Verzuge auch vom Untersuchungsorgan.

Dürer, Albrecht, 21.5. 1471-6.4. 1528, Maler und Graphiker, tätig in Nürnberg; Reisen nach Colmar und Basel 1490/94 und nach Italien 1495 und 1505/06 sowie in die Niederlande 1520/21; Hauptmeister der deutschen Kunst in der Periode der frühbürgerlichen Revolution. Durch sein überragendes Künstlertum und eine außerordentliche Vielseitigkeit in seinem malerischen und graphischen Schaffen (Porträts, Landschaftsaquarelle, Naturstudien, religiöse Tafelbilder, graphische Zyklen und Einzelblätter) vereinte Dürer alle Bestrebungen der Kunst seiner Zeit und führte sie zu einem Höhepunkt. Als erster deutscher Künstler beschäftigte er sich auch mit Kunsttheorie, Perspektive und Künstleranatomie («Die vier Bücher über die Proportion», 1528). In seinem noch von spätgotischen Formengut bestimmten Frühwerk, der Holzschnittfolge zur Apokalypse (1498), sind die sozialen und geistigen Spannungen am Vorabend von Reformation und Bauernkrieg ausgedrückt. Angeregt durch die Humanisten und die italienische Renaissance, gelangte er später zu ruhigen, klaren Formen und Kompositionen (Paumgärtner-Altar, «Anbetung der Könige»). Seine Selbstporträts sowie die Bildnisse Nürnberger Patrizier sind Höhepunkt in der Erfassung des Individuellen. Volkstümlichkeit erlangten seine Naturstudien («Feldhase», «Kleines Rasenstück», «Veilchenstrauß»); weite Verbreitung fanden die graphischen Zyklen («Marienleben») und die sogenannte 3 Meisterstiche «Ritter, Tod und Teufel», «Melancholie» und «Hieronymus im Gehäus».

Dürerbund: von F. Avenarius 1902 in Dresden gegründet Vereinigung, die eine betont idealistisch-deutsche tümelnde Kunst zu fordern suchte (Verbreitung von Kunstdrucken); wirkte besonders auf den gebildeten bürgerlichen Mittelstand.

Durgapur: Stadt im Unionsstaat Westbengalen (Indien), am Ausgang des Damodar-Tals; 310000 Einwohner; staatliches Eisenhüttenkombinat und Werk zur Produktion von Schacht- und Hüttenausrüstungen, Düngemittelwerk, Glasfabrik, Großkraftwerk.

Duris, bedeutender attischer Vasenmaler und Töpfer des frühen rotfigurigen Stils, tätig um 500 bis 460 vor Christus Von Duris sind mehr als 30 signierte Gefäße erhalten; die Bilder seiner Trinkschalen gehören zu den Meisterwerken altgriechischer Malerei.

Dürkheim, Emile, 15. 4. 1858-15.11. 1917, französischer Philosoph und Soziologe; sieht die Ursache der von ihm untersuchten Krise der modernen bürgerlichen Gesellschaft in der Arbeitsteilung; der Soziologe trete dem Auseinanderfallen der Gesellschaft durch Verweisen auf gemeinsame Werte entgegen; schrieb unter anderem «Über die gesellschaftliche Arbeitsteilung» (1893), «Die Regeln der soziologischen Methode» (1895). Siehe auch Soziologismus.

Durmitor: höchster Bergstock des Dinarischen Gebirges in Montenegro; im Bobotov kuk 2522 m; 320 km2 großer Naturschutzpark bei Zabljak.

Dur-Moll-System: das im 16./17. Jahrhundert die mittelalterliche Kirchentöne ablösende grundtonbezogene (Tonika) System der Tonalität mit Dur und Moll als bestimmenden Tongeschlechtern.

Duroplaste: Plaste, die im Gegensatz zu den Thermoplasten und Elasten eine räumlich stark vernetzte Struktur haben. Sie sind deshalb im Endzustand unlöslich, kaum quellbar, hart und da sie beim Erwärmen nicht erweichen, nicht warmformbar. Die Duroplaste entstehen vorwiegend durch Polykondensation. Das Reaktionsgemisch durchläuft hierbei einen Zustand geringer Vernetzung, in dem es noch löslich, schmelzbar und verformbar ist. Das mit Füllstoffen und eventuell vernetzend wirkenden Zusätzen (Hartem) versehene Vorkondensat wird unter Wärme- und Druckeinwirkung oder auch drucklos ausgehärtet (siehe auch Pressmassen). Die wichtigsten Duroplaste sind Pheno- und Aminoplaste (Melamin-, Dicyandiamid-, Harnstoffharze), ungesättigte Polyester sowie vernetzte Silikone, Polyurethane und Epoxidharze.

Dürre, Trockenperiode-. Zeitspanne mit Niederschlagsmangel, bei meist hohen Temperaturen; bei Luftdürre besteht Wassermangel in der Luft.

Dürrenmatt, Friedrich, geboren 5.1. 1921, schweizerischer Schriftsteller; gestaltet kritisch-realistisch und mit grotesk-komödischen Mitteln Probleme der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Dürrenmatt verfasste vor allem Theaterstücke, zum Beispiel «Der Besuch der alten Dame» (1956), «Die Physiker» (1961), «Der Meteor» (1966), «Play Strindberg» (1969), «Die Frist» (1977), außerdem die Hörspiele «Stranitzky und der Nationalheld» (1952), «Herkules und der Stall des Augias» (1954), «Gesammelte Hörspiele» (1961) sowie Kriminalromane und -erzählungen, zum Beispiel «Der Richter und sein Henken) (1952), «Das Versprechen» (1958) unter anderem, ferner «Theaterschriften und Reden» (1. Band, 1966; 2. Band, 1972).

Dürreresistenz, Trockenresistenz: bei Pflanzen die Fähigkeit, längere Trockenperioden ohne Minderung der Ertragsleistung zu überstehen.

Dürreschäden: Pflanzenschäden, die durch Störung der Wasseraufnahme bei gleichzeitig trockener Luft und hoher Transpiration entstehen. Bei Obstbäumen werden die Blätter vor den Früchten geschädigt.

Durresi: Kreisstadt und wichtigste Hafenstadt Albaniens, am Adriatische Meer; 63000 Einwohner; Schiffbau, Fischverarbeitung, Tabak-, Gummi-, Plast-, Lederindustrie, Gerätebau; Eisenbahn nach Tirana und Elbasani; venezianische Festung (15. Jahrhundert), römische Arena und Thermen; Kulturpalast, archäologisches Museum, Theater, 5 km südliches Seebad. 627 vor Christus als griechische Kolonie Epidamnos gegründet; spielte als römischer Hafen Dyrrhachium eine wichtige Mittlerrolle zwischen Rom und Byzanz; 1914/20 albanische Hauptstadt.

Dürrfleckenkrankheit: Pilzkrankheit, deren Erreger (Altemaria) an Kartoffelknollen die Hartfäule und an Tomatenfrüchten die Altemaria-Fruchtfäule hervorrufen. Die Bekämpfung erfolgt durch Fungizide, bei Tomaten auch durch Saatgutbeizung.

Durst: Bewusstwerden des Wasserdefizits beziehungsweise einer angestiegenen Konzentration an Natrium im Blutplasma, bei verminderter Abgabe von Speichel mit Trockenheitsgefühl im Mund verbunden. Die physikalisch-chemischen Veränderungen werden vom Zwischenhirn und von Rezeptoren in einigen Abschnitten des Kreislaufs registriert.

Duse, Eleonora, 3.10.1858-21.4.1924, italienische Schauspielerin; verkörperte mit tiefer psychologischer Einfühlung und musikalischer Sprachgestaltung vor allem tragischen Frauengestalten; erwarb sich auf Gastspielreisen Weltruhm.

Düse: Teil einer Rohrleitung, in dem der Querschnitt allmählich abnimmt. Dadurch erhöht sich die Geschwindigkeit des hindurchströmenden Mediums (Gas, Flüssigkeit), während sein statischer Druck gleichzeitig abnimmt. Die Druckabnahme bei gasförmigen Medien ist nur bis zum kritischen Druck möglich.

Düsenantrieb: Strahlantrieb.

Düsenfärbemaschine: Maschine zum Färben von zug- und druckempfindlichen textilen Flächengebilden, die in Strangform mittels Düsendrucks durch die Färbeflotte bewegt werden.

Düsenflugzeug: umgangssprachliche (aber falsche) Bezeichnung für ein Flugzeug mit Turbinenluftstrahl- (TL-) Triebwerken.

Düsenkraftstoff, Turbinenkraftstoff: zum Betrieb von Flugzeug-Gasturbinen geeignetes, schwefelarmes Kohlenwasserstoffgemisch im Siedebereich zwischen 150 und 300 °C; Dichte 0,72 bis 0,85 g/cm3; Stockpunkt -60°C.

Düsentriebwerke: Strahltriebwerke.

Düsenwebautomat: Webautomat (Webmaschine), bei dem der Schussfaden von einer ortsfesten Spule abgezogen und mittels Flüssigkeits- oder Druckluftstrahls in das Webfach eingetragen wird.

Dust: (englisch, «Staub») mit dem Abgas aus metallurgischen Anlagen mitgerissene Beschickungspartikel (über 100 /im); gröberer Staub.

Duun, Olav, 21. 11. 1876-13. 9. 1939, norwegischer Schriftsteller; schrieb realistische in Nynorsk verfasste Romane und Erzählungen über das Leben der Bauern und Fischer (Hauptwerk «Die Juwikinger», 6 Bände, 1918/23, deutsch).

Duval, Émile Victor, genannt. Der General, 1841-4. 4. 1871, französischer Gießereiarbeiter; Mitglied und General der Pariser Kommune; wurde von Soldaten der konterrevolutionären Versailler Regierung standrechtlich erschossen.

Duvetine: Gewebe mit durch Aufrauen samtartig gestalteter Oberfläche; Wildlederimitation.

Dwivedi, Mahavir Prasad, 1864-21. 12. 1938, indischer Dichter, Kritiker und Übersetzer; Wegbereiter der Hindi-Prosa durch Prosaübersetzungen altindischen Dramen (Kalidasa) und Begründer des modernen Essays in Indien («Essays zur Literatur», 1927); Gedichte erschienen unter anderem in «Die Blume» (1923).

Dyas: (griechisch, «Zweiheit») veraltete Bezeichnung für das Perm wegen dessen Zweiteilung in Rotliegendes und Zechstein.

Dyck, Anthonis van, 22.3. 1599-9.12. 1641, flämischer Maler und Radierer; seit 1632 Hofmaler in London. Neben religiösen Darstellungen schuf er vorwiegend Bildnisse in differenzierter Farbgebung und kompositorischer Eleganz, die seinen Ruhm als Porträtist der höflichen Gesellschaft begründeten und von nachhaltiger Wirkung auf die englische Bildnismalerei bis ins 18. Jahrhundert waren.

Dylan, Bob, eigentlich Robert Zimmermann, geboren 24. 5.1941, US-amerikanischer Liedsänger, -komponist und Gitarrist; begann als Folkloresänger, entwickelte sich während der Studentenrevolten Mitte der 60er Jahre zu einem Protestsänger und wurde zu einem Leitbild dieser Revolten.

Dyn, Zeichen dyn: veraltete Maßeinheit der Kraft (amtlich seit 1.1. 1980 ungültig); 1 dyn = 10'5 N.

Dynamik: 1. Elektroakustik: Verhältnis des größten zum kleinsten vorkommenden Schalldruck bei der Schallerzeugung oder -Übertragung beziehungsweise Verhältnis der größten zur kleinsten noch aufzeichenbaren Signalamplitude bei Schallspeicherung. Zur technischen Übertragung oder Speicherung von Schall muss die Dynamik meist verringert werden. Siehe auch Dynamikkompression.

2. Musik: Lehre von den Tonstärkegraden, auch Gesamtheit ihrer Verhältnisse in einem Musikstück. Die Art und Weise ihrer Anwendung gehört zu den zeit-, personal- und gattungsspezifischen Kennzeichen der Musik. Sie ist durch die herrschenden ästhetischen Ideale und die verfügbaren musikalischen Ausdrucksmittel bedingt.

3. Physik: Lehre von der Bewegung beziehungsweise Zustandsänderung physikalischer Systeme mit der Zeit unter dem Einfluss innerer oder äußerer Kräfte beziehungsweise Wechselwirkungen; je nach Art der untersuchten Systeme oder Kräfte unterscheidet man zum Beispiel Aero-, Hydro-, Elektro- oder Thermodynamik. Siehe auch Mechanik, Statik.

Dynamikexpansion: elektroakustisches Verfahren zur automatischen Vergrößerung des Verhältnisses der größten zur kleinsten Signalamplitude am Ausgang eines Übertragungskanals beziehungsweise bei der Wiedergabe von Schallaufzeichnungen, um die am Eingang des Übertragungskanals oder Speichergerätes vorgenommene Dynamikkompression wieder rückgängig zu machen. Dadurch werden Störungen unterdrückt und die Wiedergabequalität verbessert.

Dynamikkompression: elektroakustische Verfahren zur automatischen Verkleinerung des Verhältnisses der größten zur kleinsten Signalamplitude bei der elektrischen Übertragung oder Speicherung von Schall, um den Einfluss technischen Störungen (Rauschen) zu vermindern. Die Dynamikkompression muss durch eine Dynamikexpansion wieder rückgängig gemacht werden. Siehe auch Dolby-System.

dynamische Optimierung: mathematisches Verfahren zur Optimierung mehrstufiger Entscheidungsprozesse; dabei ist auf jeder Stufe in Abhängigkeit vom vorliegenden Zustand eine Entscheidung derart zu fällen, dass der gesamte Prozess optimiert wird. Siehe auch mathematische Optimierung.

dynamisch: voll innerer, vorwärtstreibender Kraft; lebendig wirksam.

Dynamit: Sammelname für handhabungssichere Sprengstoffe auf der Basis von Glyceroltrinitrat (Nitroglyzerin), C3H5(NO,)3. Die älteren (1867 von A. Nobel erfundenen) Gur-Dynamit waren durch Aufsaugen von Glyceroltrinitrat (Sprengöl, 75%) in gebrannter Kieselgur (25%) handhabungssicher, jedoch wasserempfindlich; in den später entwickelten, heute ausschließlich verwendeten Gelatine-Dynamit ist das Sprengöl durch Verkneten mit Kollodiumwolle geliert.

Dynamoblech, Elektroblech: im magnetischen Kreis elektrischer Maschinen und Geräte verwendetes weichmagnetische Blech von 0,5 oder 0,35 mm Dicke. Kaltgewalztes Dynamoblech hat gegenüber warmgewalztem Dynamoblech eine glattere Oberfläche, geringere Verluste, höhere Sättigungsinduktion und größere Permeabilität.

dynamoelektrisches Prinzip: von W. Siemens angegebenes Verfahren der Selbsterregung vor allem für Gleichstromgeneratoren. Der Erregerstrom in der dem Anker parallel geschalteten Feldwicklung wird durch den Restmagnetismus im magnetischen Kreis verursacht und verstärkt sich in Wechselwirkung mit der induzierten Ankerspannung.

Dynamometer: 1. Elektrotechnik: elektrodynamisches Instrument.

2. Mechanik: Gerät zum Messen von Kräften.

Dynamostahl: mit Silizium legierter Baustahl für die Eisenkerne elektrischer Maschinen und Transformatoren.

Dynast: (griechisch) regierender Fürst, Herrscher.

Dynastie: (griechisch) Herrscherfamilie, Fürstenhaus, das durch Erbfolge über mehrere Generationen den Landesherrn stellt.

Dysangelium: üble Botschaft.

Dysarthrie: Störung der Sprachartikulation infolge Schädigung des Nervensystems.

Dysgnathie: irreguläre Funktion und anomale Entwicklungszustände im Zahn-Kiefer-Bereich.

Dyshidrosis: meist kleinblasiger, juckender Hautausschlag an Handtellern und Fußsohlen; tritt häufig als allergische Reaktion und bei Dermatomykosen auf.

Dyskinesien: unwillkürliche, ungeordnete Bewegungsabläufe, zum Beispiel bei Veitstanz.

Dyslalie, Stammeln: Spracherkrankung mit fehlerhafter Lautbildung, Auslassen oder Ersatz von Lauten oder Lautverbindungen infolge von Hirnschäden.

Dysmenorrhoe: Menstruation mit starken, oft krampfartigen Unterleibsschmerzen, seltener verbunden mit Erbrechen, Migräne und Kreislaufstörungen.

Dyspepsie: (griechisch) Verdauungsstörung mit Aufstoßen, Übelkeit, Durchfall.

Dysphagie: Behinderung des Schluckvorganges; Anzeichen bei Speiseröhrenerkrankungen.

Dysphasie: (griechisch) hirnorganisch bedingte Sprachstörung.

Dysphonie: (griechisch) Stimmstörung; Symptom der Dysphonie ist eine heisere, raue, unreine oder belegte Stimme.

Dysphorie: missmutig-gereizte Stimmung

Dysplasie: Stomatologie Missbildung der Zähne; Entstehung durch Zahnkeimschädigung, Erbanlage oder Wachstumsstörung.

Dyspnoe: Atemnot; Symptom bei Herz- und Lungenkrankheiten.

Dysprosium, Symbol Dy: chemisches Element der Kernladungszahl 65; Seltenerdmetall; Atommasse 162,50; Wertigkeit +3; F 1407°C, Kp 2336°C; Dichte 8,56 g/cm3. Dysprosium ist zurzeit noch ohne technischer Bedeutung; seine Salze sind hellgelb gefärbt.

Dysprosium wurde 1886 von F. Le Coq de Boisbaudran spektralanalytisch entdeckt und 1906 von dem französischen Chemiker Georges Urbain (1872-1938) isoliert.

Dysthymie: Sammelbezeichnung für psychopathische Temperamentsarten;

a) lebhafter, heiterer, explosibler Typ (Hyperthymie);

b) gemütsarmer oder depressiver Typ (Hypothymie);

c) empfindsamer, stimmungslabiler Typ (Poikilothymie).

Dystonie: Fehlregulation des Spannungszustandes der Nerven und Blutgefäße, im weiteren Sinne der Organfunktionen.

Dystrophie: Abmagerung, chronischen Ernährungs- beziehungsweise Gedeihstörung der Säuglinge; meist Folge von Mangel- oder Fehlernährung, Resorptionsstörungen des Darmes, Unverträglichkeit bestimmter Nahrungseiweiße. Es können Eiweißmangelödeme und Organschäden (Leber) auftreten.

Dysurie: erschwerte Blasenentleerung; oft als Folge von Blasenabflussbehinderungen und bei Blasenentzündungen verschiedener Ursachen.

Dzaoudzi, Stadt mit dem einzigen Naturhafen der Komoren, auf dem Felseneiland Pamanzi, vor der Ostküste der Insel Mayotte; 4000 Einwohner; Verwaltungszentrum von Mayotte.