Lexikon T

Tabagie: Gasthaus für Raucher; Tabaksgesellschaft.

Tabak, Nicotiana: Gattung der Nachtschattengewächse des tropischen Amerika mit nikotinhaltigen Blättern, die getrocknet und durch Fermentation veredelt werden; meist als Rauchtabak verwendet. Wirtschaftlich am bedeutendsten ist der rosa blühende Virgin. Tabak (Nicotiana tabacum) mit spitzen Blättern. Weniger angebaut wird der Bauern- oder Veilchentabak (Nicotiana rustica) mit grünlichgelben Blüten und stumpfen Blättern; gesundheitsschädigende Genussmittelpflanze.

Tabakmosaikviruserkrankungen: durch die Infektion mit dem Tabakmosaikvirus (Abkürzung TMV) bedingte Erkrankungen verschiedener Kulturpflanzen. Die Symptome reichen von schwachen, mosaikartigen Chlorosen bis zu starken Wachstumsdepressionen und Wuchsanomalien. Die Übertragung erfolgt durch Kontakt mit erkrankten Pflanzen oder -resten, seltener durch Insekten.

Tabakow, Oleg Pawlowitsch, geboren 17.8.1935, sowjetischer Schauspieler und Theaterleiter; gehörte 1957 zu den Gründungsmitgliedern des Moskauer Theaters Sovremennik, dessen Direktor er 1971/79 war; seit 1983 am Moskauer Künstlertheater; wurde auch als Filmschauspieler international bekannt («Leuchte, mein Stern, leuchte», «Tage aus dem Leben Ilja Oblomows»),

Tabarz: Gemeinde im Kreis Gotha, Bezirk Erfurt, am Nordostrand des Thüringer Waldes; 4200 Einwohner; Herstellung von Batterien, Gummi-, Schmuck-, Holzwaren; Luftkur-, Erholungsort (380 bis 440 m über dem Meeresspiegel), Wintersportplatz.

Tabelle: listenförmig angeordnete Zusammenstellung, Zahlentafel; Übersicht.

Tabelliermaschine: elektromechanisch arbeitendes Gerät der Lochkartentechnik zum Tabellieren von Lochkartenstapeln. Tabelliermaschine zählen, addieren, subtrahieren, multiplizieren und drucken, wobei sie von kleinen, auf Schalttafeln gesteckten Programmen gesteuert werden.

Tabernakel:

1. Kunst: baldachinartiges Gehäuse, meist für eine Figur.

2. Religion: in römisch-katholischen Kirchen meist künstlerisch gestaltetes Schrein artiges Behältnis zur Aufbewahrung der Hostien.

Taberne, Taverne: Weinschenke; Wirtshaus mit Verkaufsstand.

Tabes dorsalis: Spätform der Syphilis mit fortschreitendem Schwund von Rückenmarkbahnen und einzelnen Gehirnnerven; es bestehen Gang-, Seh- und Reflexstörungen, Schmerzen in Gliedmaßen und inneren Organen.

Tabidze, Galaktion, 17.11.1891-17.3.1959, georgisch-sowjetischer Dichter von weltliterarischen Rang; bereicherte, aus der klassischen georgischen Lyrik schöpfend, die georgische Dichtkunst durch gedankentiefe, emotionale Gedichte mit origineller Rhythmik und überragender Reimkunst («Ich und die Nacht», 1913; «Der Mond von Mtazminda», 1915; «Falben», 1915; «Meri», 1915).

Tableau: 1. allgemein Gemälde, Bild; Anblick; Meldetafel; Übersicht.

2. Polygraphie: die Zusammenstellung mehrerer, im gleichen Abbildungsmaßstab zu reproduzierender Vorlagen, die so zusammen fotografiert und bearbeitet werden können.

Taboriten: radikaler Flügel der revolutionären Hussitenbewegung, benannt nach seinem Zentrum Tabor. Die Taboriten verwirklichten zunächst für kurze Zeit einen urwüchsigen Kommunismus, der überwiegend militärisch bedingt war und auf eine Verbrauchergemeinschaft beschränkt blieb. Die äußerste Linke wurde 1421 aus der Stadt verdrängt und militärisch geschlagen. Seitdem bestimmte die gemäßigte Linke die Aktionen der Taboriten, die den Kern der hussitischen Heere bildeten.

Täbris, Tebris: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten Irans, in einem weiten Hochbecken; 700000 Einwohner; metallverarbeitende Industrie, Textil-, Leder-, Glas-, Nahrungsmittelproduktion; Textilhandelszentrum; internationaler Flughafen, Eisenbahntransitverkehr; Universität, Bibliotheken, Museen.

tabu: (polynesisch, «verboten») unantastbar, unverletzlich.

Tabu: Völkerkunde religiös begründetes Verbot, insbesondere bei den Polynesiern, das sich auf den Kontakt mit Lebewesen, Gegenständen, bestimmten Plätzen, auf die Ausführung von Handlungen oder die Verwendung bestimmter Wörter bezieht.

Tabula rasa: (lateinisch, «abgeschabte Tafel») erkenntnistheoretischer Begriff, mit dem das Bewusstsein des Menschen bei der Geburt mit einer leeren Tafel verglichen wird, die äußere Einflüsse erst nach und nach beschreiben; von J. Locke zur Begründung seines materialistischen Sensualismus benutzt.

Tabula rasa machen: reinen Tisch machen, rücksichtslos Ordnung schaffen.

Tabulaten: vom Ordovizium bis zum Perm vorkommende Korallen mit zahlreichen Querböden im Skelett.

Tabulator, Kolonnensteller. Einrichtung an Schreib- und Buchungsmaschinen zum schnellen Bewegen des Wagens in eine bestimmte Schreibstellung mittels gesetzter Reiter beim Betätigen der Tabulatortaste; Anwendung beim Schreiben von Tabellen u. ä. Der Dezimaltabulator ermöglicht stellenrichtiges Untereinanderschreiben beziehungsweise Rechnen von beziehungsweise mit Zahlen.

Tabulatur: a) Notation der für Instrumente übertragenen Vokalmusik des 14./18. Jahrhundert, besonders für Orgel und Laute;

b) auf Tafeln geschriebene Regeln des Meistergesangs.

Tabun: extrem starkes, zu den Phosphorsäureester-Kampfstoffen gehörendes Nervengift; systematischer Name Dimethylamino Cyanphosphorsäureäthylester. Tabun, eine farblose, begrenzt wasserlösliche Flüssigkeit von fruchtigem Geruch, wurde im faschistischen Deutschland in einer Menge von 120001 produziert.

Taburett: niedriger Sitz ohne Lehne, Hocker.

Tachismus: (französisch tache, «Fleck») Richtung der spätbürgerlichen abstrakten Malerei; Begriff wurde um 1950 von dem französischen Kritiker M. Seuphor als Bezeichnung für spontan aus Farbflecken und -spritzern entstandene abstrakte Kompositionen eingeführt. Der Tachismus als Variante der abstrakten Kunst betont das «Schaffen aus dem Unbewussten». Hauptvertreter in Europa waren Wols und Bernard Schultze, in den USA J. Pollock.

Tachograph, Fahrtschreiber: gemäß StVZO in LKW, Zugmaschinen und KOM fest eingebautes Gerät, das laufend die Fahrgeschwindigkeit abhängig von Zeit oder Weg (einschließlich der Haltezeiten) auf einem Formblatt registriert.

Tachometer, Geschwindigkeitsmesser: in Kfz eingebautes, meist mit dem Kilometerzähler kombiniertes Gerät zur Anzeige der Fahrgeschwindigkeit; beruht auf der Messung der Drehzahlen von Wellen.

Tachtigers, («Achtziger») Tachtiger-Bewegung: niederländische literarische Bewegung mit den Hauptvertretern Albert Verwey, W. Kloos, L. van Deyssel und F. van Eeden, die um 1880 eine Erneuerung der niederländischen Literatur einleiteten (ab 1885 Zeitschrift «De Nieuwe Gids» (Der neue Führer)). Unter dem Eindruck der Industrialisierung und der aufkommenden Arbeiterbewegung brachen die Tachtigers mit der religiös ausgerichteten, lehrhaften und moralisierenden Dichtung und suchten, von einer L’art-pour-l’art-Auffassung ausgehend, individualisierende Kunst zu schaffen. Zum Teil äußerte sich starkes soziales Gefühl in naturalistische Prosa.

Tachygraphie: Gesamtbezeichnung für die Kurzschriftsysteme der Antike und des Mittelalters, die außerdem im spanischen-portugiesisch-lateinamerikanischen Raum noch heute im Sinne von Stenografie verwendet wird.

Tachykardie: beschleunigte Herzschlagfolge (über 100 Schläge je min); siehe auch Bradykardie.

Tachymeter: optisches Gerät zur Ermittlung von Lage und Höhe eines Geländepunktes relativ zum Aufstellpunkt des Tachymeters mittels optischer Messung von Richtung, Höhenunterschied und Entfernung.

Tachymetrie: geodätische Messverfahren zur Geländeaufnahme für die Herstellung von Lage- und Höhenplänen. Dazu werden von einem Standpunkt aus mittels Theodolits oder Tachymeters Richtung, Entfernung und Höhe der Geländepunkte bestimmt.

Tachyphylaxie: Verminderung der Empfindlichkeit eines Organismus gegenüber einem Arzneimittel oder Gift bereits nach verhältnismäßig kurzer Anwendungsdauer. Die Tachyphylaxie ist eine Form der Gewöhnung.

Tacitus, Publius Cornelius, um 55-um 120, römischer Staatsbeamter und Geschichtsschreiber; verfasste unter anderem die «Germania», eine geographisch-ethnographische Studie, die eine wichtige historische Quelle darstellt, sowie «Historiae» und «Annales» (Darstellung der Geschichte der römischen Kaiserzeit von 14 bis 96 nach Christus).

Tackling: (englisch, «Angreifen») Fußball - Technik der Ballannahme. Gleittackling (Sliding-tackling) ist eine spezielle Form des Tacklings im Zweikampf; das Spielbein gleitet gestreckt am Boden zum Ball.

Taclla: 1 bis 1,5 m langer schwerer Trittgrabstock aus einem dicken Hartholzstab mit angebundener Fußspitze zum Umbrechen des Bodens; Hauptarbeitsgerät in der Landwirtschaft des Inkareiches; in den Andengebieten noch heute verbreitet.

Tacoma: Stadt im Westen des Bundesstaates Washington (USA), am Puget Sund (Stiller Ozean); 160000 Einwohner; Holz- und Papierindustrie, Aluminium- und Kupferschmelze, Schiffbau, Erdölverarbeitung; Eisenbahnknoten, Natur-, Flughafen, Hängebrücke über den Puget Sund; 2 Universitäten.

Tadschiken: iranischsprachiges Volk (2,7 Millionen;), außerdem im Norden Afghanistans (3,5 Millionen), in Iran und in der VR China.

Tadschikistan: Im Südosten Mittelasiens; 143100 km2, 4,5 Millionen Einwohner (nach dem Bevölkerungswachstum an 1. Stelle in der UdSSR); 31 Einwohner/km2; Hauptstadt Duschanbe; grenzt im Süden an Afghanistan und im Osten an China; schließt das Autonome Gebiet Gomy Badachschan ein. Bevölkerung. 60% Tadschiken, 23% Usbeken, 10% Russen und 7 % Angehörige anderer Nationalitäten. Von den Bewohnern leben 34% in Städten. Über 85% der Bevölkerung lebt in Tälern und Hochgebirgskesseln bis 1600m überm Meer Unter der Sowjetmacht beträchtliche Anhebung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus. So stieg zum Beispiel die Zahl der Ärzte und Krankenhausbetten, auf 10000 Einwohner berechnet, im Vergleich zu 1940 um das 6,2- beziehungsweise 3,6 fache. 1930 Einführung der allgemeinen Schulpflicht, seit 1949 sieben-, 1959/62 acht- und seit 1971/75 zehnjährig. Von 1000 in der Volkswirtschaft Beschäftigten haben 845 eine Hoch- und Mittelschulbildung (1939: 45).

Natur: Die T. ist zu 70% ein Hochgebirgsland. Über 50% des Territoriums liegen höher als 3000 m über dem Meeresspiegel. Im Osten erhebt sich der vergletscherte Pamir mit der Kette der Akademie der Wissenschaften (Pik Kommunismus, 7495 m (höchste Erhebung der UdSSR)), im zentralen Teil das Hissar-Alai-System mit Alai- (5539 m), Turkestan- (5509 m), Serafschan- und Hissarkette, im Norden die zum Tienschan gehörende Kuraminkette (3 769 m) und südlich davon Teile des Fergana Beckens und im Südwesten Gebirge überwiegend mit Mittelgebirgscharakter, deren Gebirgszüge durch breite Flusstäler (Wachsch-, Hissartal) voneinander getrennt werden. Es herrscht ein trockenheißes, höhengestuftes Kontinentalklima mit kurzen, milden Wintern. Das Flussnetz ist im Gebirgsteil dicht, im Südwesten und Norden weniger ausgeprägt. Die Flüsse (besonders Amudarja mit seinen Zuflüssen Pjandsch und Wachsch, Syrdarja, Serafschan) sind energiereich und haben auch für die Bewässerung große Bedeutung. Von den zahlreichen Gebirgs- und Stauseen ist der Karakul am wichtigsten. In der Vorgebirgszone bis 1200 m über dem Meeresspiegel Wüsten und Trockensteppe, darüber und an den Gebirgshängen (bis 2000 m über dem Meeresspiegel) Gebirgssteppe. In stärker beregneten Gebieten lichte Wälder und Hochgebirgsweiden. Der Pamir ist weitgehend waldlos, sein östlicher Teil wüstenhaft. Tadschikistan ist reich an Naturschätzen, besonders Nichteisenmetalle, Brennstoffe, Steinsalz, Baustoffe und Mineralquellen.

Kunst: Die bildende Kunst in Tadschikistan entwickelte sich im Zusammenhang mit den Kulturen anderer, Völker Mittelasiens, besonders der Usbekistans. Die frühesten Denkmale reichen bis in die Urgesellschaft zurück (Felszeichnungen der Grotte Schachty im Ost Pamir; Zeugnisse der Hissar-Kultur (5./3. Jahrtausend vor Christus)). Eine erste Blütezeit der Kultur war vom 3. Jahrhundert vor Christus bis zum 3. Jahrhundert nach Christus, als ganz Mittelasien unter hellenistischen Einfluss stand (Stadtanlagen mit Palästen, Tempeln und Profanbauten). Im 5. Jahrhundert entstand der Palastkomplex von Pendschikent mit Befestigung, Zitadelle und Nekropole; Architektur und Monumentalkunst von hoher künstlerischen Qualität. Nach der arabischen Eroberung überwiegen in der Kunst dekorativ-omamentale Formen, im 10./ll. Jahrhundert blühte das Kunsthandwerk auf (Keramik, Metallkunst, Holzschnitzerei), und es entwickelte sich eine vielgestaltige Architektur. Das 15./16. Jahrhundert war eine Blütezeit der Buch- und Miniaturmalerei. Für die Baukunst des 16./18. Jahrhundert sind die Baudenkmäler in Hissar charakteristisch. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang im Jahrhundert kam auch die Baukunst fast zum Erliegen, hingegen entwickelte sich das volkstümliche Kunsthandwerk (Stickerei, Weberei, Keramik, Holzschnitzerei, Kupferschmiedekunst); Zentren der traditionellen Seidenstickerei sind Ura-Tjube und Leninabad (früher Chodshent). Die Volksbaukunst des 19./20. Jahrhundert der einzelnen Gebiete unterscheidet sich in Form und Dekor; charakteristisch sind im Süden Balkenkuppeln mit Licht- und Rauchöffnungen, im Norden reiche Anlagen, Innenhöfe mit Aiwan (Terrasse mit flachem Dach), Loggien, Ornamentik, reiche Innenausstattung. Nach der Oktoberrevolution entwickelten sich alle Kunstgattungen in enger Beziehung zur Kunst der anderen Unionsrepubliken. 1937/41 entstanden Generalbebauungspläne für die Städte Kurgan-Tjube, Kanibadam und Leninabad, die Hauptstadt Duschanbe wurde als Gartenstadt mit großen öffentlichen Bauten angelegt; seit 1934 finden alljährlich Kunstausstellungen statt; 1936 Gründung der Kunstschule, 1944 des Künstlerverbandes, 1947 wurde das Museum für Bildende Kunst der T. SSR in Duschanbe eröffnet.

Literatur: Tadschiken und Perser bildeten im 9./15. Jahrhundert weitgehend eine kulturelle Einheit; die Vertreter der klassischen Periode der persischen Literatur sind daher auch die Klassiker der heute selbständigen tadschikischen Literatur. Der bedeutendste Dichter des 16. Jahrhundert war A. Muschiki; M. Wasifi kritisierte satirisch Gesellschaft und Literatur seiner Zeit. Zum Lobe des Handwerks schrieb im 17. Jahrhundert M. A S. Nasafi; A. Bedil äußerte metaphorisch verschleiert philosophische und sozialpolitische Anschauungen und hatte starken Einfluss auf die weitere Entwicklung der mittelasiatischen und nordindische Literatur. Im 19. Jahrhundert war A. M. Dänisch als Philosoph und Dichter der Hauptvertreter der nach der Angliederung Mittelasiens an Russland einsetzenden, von den russischen revolutionären Demokraten beeinflussten Aufklärungsbewegung. Als Begründer der tadschikischen Sowjetliteratur gilt mit seinen Erzählungen und Romanen S. Aini. Der aus Iran eingewanderte A. Lahuti schrieb revolutionäre Poesie. Mit lyrischen und politisch-agitatorischen Gedichten und Poemen trat seit den 30er Jahren des 20. Jahrhundert M. Tursunsade hervor. A. Dehati schrieb Gedichte und Erzählungen. Den Kampf der jungen Sowjetmacht und den sozialistischen Aufbau in Tadschikistan schildern in Romanen und Erzählungen R Dschalil, D. Ikrami, S. Ulughsade, H. Karim unter anderem. Als Lyriker sind zu nennen P. Sulaimani, M. Mirschakar, A. Schukuhi, B. Rahimsade. Das Thema des Großen Vaterländischen Krieges bearbeiten im Roman F. Nyasi, in Gedichten Lahuti, R. Osod unter anderem Probleme der neuesten Zeit behandeln die Erzähler F. Muhammadijew, S. Tursun, Sorbon; in Poesie und Drama M. Kanoat, G. Mirsa, F. Ansari, L. Scherali unter anderem. Die reich-tadschikische Folklore wird seit dem 19. Jahrhundert gesammelt.

Musik: Das tadschikische Volkslied ist einstimmig, die Tonleitern sind diatoilisch. Die Tadschiken benutzen Volksmusikinstrumente, die auch in anderen Gebieten Mittelasiens, zum Beispiel bei den Kasachen und Turkmenen, verbreitet sind. Die Klassiker der tadschikischen Dichtung des Mittelalters waren zugleich auch Musiker. Das klassische Denkmal des musikalisch-dichterischen Schaffens der Tadschiken (und Usbeken) ist der im 16. Jahrhundert entstandene Schaschmakom, ein Zyklus von 6 mehrsätzigen vokalinstrumentalen Suiten. Seit der Oktoberrevolution werden in der T. SSR-auch der mehrstimmige Gesang und die musikalische Bühnenkunst gepflegt. Namhafte Komponisten der Gegenwart sind S. Saifiddinow und S. Schachidi. Zentrum des tadschikischen Musiklebens wurde Duschanbe (Philharmonie, gegründet 1937; Oper, gegründet 1940). Es entstand ein Netz von Musikschulen.

Tafel, Plattform: Geologie stabiler Bereich der Erdkruste mit stark deformiertem Unterbau und kaum deformiertem Oberbau (zum Beispiel die Osteuropäische und die Westsibirische Tafel).

Tafelberg:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Geomorphologie: Restberg der Abtragung in flachlagernden Sedimentgesteinen, zum Beispiel im Elbsandsteingebirge (Königstein, Lilienstein).

Tafelberg: tafelförmige, aus Sandstein bestehende Erhebung in der Republik Südafrika bei Kapstadt, südlich der Tafelbai (Atlantischen Ozean); 1090 m; Seilschwebebahn.

Tafelglas: maschinell gezogenes oder mundgeblasenes Flachglas von begrenzter Dicke, unterteilt in Dünnglas (bis 1,8 mm, für Mikroskopie, Schablonen, Substrate), Fensterglas (bis 4 mm, für Bauverglasung), Dickglas (5 bis 13 mm, für Fahrzeugverglasung und Schaufensterscheiben).

Tafelmalerei: Malerei auf «Tafeln» aus Holz, auch auf Kupferplatten; seit dem 16. Jahrhundert wird mehr und mehr auf Keilrahmen gespannte Leinwand verwendet, auch Pappe, Pressplatten und Papier, im Unterschied zu Wand-, Glas- und Miniaturmalerei. Als wichtigste Maltechniken haben sich die Temperamalerei und die Ölmalerei herausgebildet. Sie erfordern eine Präparierung des Malgrunds (Grundierung). Weitere Malverfahren sind Enkaustik, Pastellmalerei, in neuerer Zeit auch Malerei mit Acrylfarben. Bereits in der Antike verwendet, trat die Tafelmalerei erst im 14. Jahrhundert gleichberechtigt neben die Wandmalerei, übernahm seit der Renaissance die Führung und wurde zum Träger neuer Bildinhalte (Landschaft, Porträt, Stillleben unter anderem).

Tafelschere: Maschinenschere mit Tisch und langem Messer zum Schneiden von Blechtafeln bis 60 mm Dicke und 4 m Länge.

Täfelung, Tafelwerk, Getäfel (sämtliche zu «Tafel»): Verkleidung von Decken oder Wänden mit Holz tafeln (heute vielfach auch Kunststoffplatten), die an der Decke auf eine Rahmenkonstruktion montiert oder in sie eingelegt sind. Die besonders im 15./18. Jahrhundert in nordischen Ländern angewandte Technik diente dem Schutz vor Kälte und als Schmuck.

Tafelwasser: künstliches Mineralwasser, das 6 g freies Kohlendioxid/1 und mindestens 1 g/1 natürliche oder aus Solen stammende Mineralstoffe in Trinkwasser gelöst enthält.

Tafilalet: ausgedehnte Oasengruppe im Südosten Marokkos, südlich des Hohen Atlas; etwa 130000 Einwohner; rund 25000 ha bewässertes Land.

Taft, Taffet: dichtes Natur- oder Chemieseidengewebe in Leinwandbindung; für Kleider, Blusen unter anderem

Taft-Hartley-Gesetz: reaktionäres Gesetz in den USA zum Eingriff des Staates in das innergewerkschaftliche Leben und zur Abwürgung von Streiks, 1947 erlassen; nach den Senatoren R. A Taft und F. A. Hartley benannt.

Tag, Zeichen d: Maßeinheit der Zeit; 1 d = 24 h = 1440 min = 86400 s. In der Astronomie Zeitdauer, in der sich die Erde um ihre Achse dreht. Eine Umdrehung um 360° heißt Sterntag, die Zeitdauer zwischen 2 aufeinander folgenden Kulminationen eines Sterns (23 h 56 min 4 s). Während dieser Zeit bewegt sich die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne um knapp 1° weiter; daher dauert die Rotation in Bezug auf die Sonne, ein Sonnentag (24 h), rund 4 min länger. Die Kalendertage des täglichen Lebens sind Sonnentag. In unserem Kalender beginnt der Tag um Mitternacht. Als Tag wird auch die Zeitdauer zwischen Sonnenaufgang und -Untergang bezeichnet; am Äquator fast stets 12 Stunden lang, nach den Polen zu jeweils im Sommerhalbjahr länger, im Winterhalbjahr kürzer (siehe auch Polarnacht).

Tagalog: 1. Tagalog, Tagalen: bedeutendstes Volk der Philippinos, leben auf Zentral Luzon und Mindoro; etwa 10 Millionen.

2. Tagalog, Pilipino («Philippinisch»): zu den malaiisch-polynesischen Sprachen gehörende Staatssprache der Philippinen (um Groß-Manila).

Taganka-Theater, Theater an der Taganka, eigentlich Moskauer Theater für Drama und Komödie an der Taganka: 1946 in Moskau gegründetes Theater, das seit den 60er Jahren durch seine experimentelle Theaterarbeit bei Inszenierungen klassischer Dramen, von Stücken B. Brechts und Adaptionen epischer und lyrischer Werke weltberühmt wurde.

Taganrog: Stadt im Gebiet Rostow, am Asowschen Meer; 290000 Einwohner; Eisenhüttenkombinat mit Rohrwalzwerk, Edelstahlwerk, Bau von Kraftwerksausrüstungen und Landmaschinen; Hochseehafen; 2 Hochschulen; Theater, Tschechow Museum. Geburtsort von A. P. Tschechow. Im 2. Weltkrieg wurde Taganrog nach schweren Kämpfen am 30.8.1943 durch die Rote Armee befreit.

Tagebau: Bergbau Abbau unter freiem Himmel, das heißt bergmännische Gewinnung nutzbarer Minerale und Gesteine in offenen Grubenräumen; geeignet für Lagerstätten, die an der Erdoberfläche oder unter einem geringmächtigen Deckgebirge liegen. Hauptvorteile des Tagebau gegenüber dem Tiefbau sind: geringere Abbauverluste, größere Förderleistungen, weniger kostspielige Ausbauarbeiten, weitgehende Mechanisierung, geringere Gefahr von Bergschäden durch Bodensenkungen und insgesamt eine wesentlich höhere Arbeitsproduktivität. Das Abtragen des Deckgebirges (Abraumbetrieb) und die Gewinnung der Lagerstätte (Regel- oder Abbaubetrieb) erfolgen bei Lockergebirge mit Hilfe von Eimerketten- und Schaufelradbaggern; bei festen Gebirgsschichten nach zum Teil vorausgegangener Bohr- und Sprengarbeit mittels Greif-, Löffel- oder Schürfkübelbaggern. besonders wirtschaftlich ist die hydraulische Gewinnung und Förderung. Der Abtransport (Förderung) erfolgt entweder diskontinuierlich im Zugbetrieb mit Elektro- oder Diesellokomotiven und Großraumwagen bis zu 140 m3 Fassungsvermögen, mit Hilfe von Lastkraftwagen bis zu 1001 Masse oder kontinuierlich mit Bandanlagen. Die Abraumförderbrücke ist ein spezieller Bandförderer, der den Abraum auf kürzestem und daher billigstem Wege von der Gewinnungs- zur Verkippungsseite transportiert. Sobald ein Teil des Tagebau abgebaut ist, werden die Abraummassen in diesen leeren Raum verkippt (Innenkippe). Beim Parallelabbau verschieben sich die bagger- und kippenseitigen Böschungskanten mit dem Abbaufortschritt parallel zueinander, so dass der Tagebau stets rechteckig ist; beim Schwenkabbau schwenken die Kanten um einen nur geringfügig wandernden Punkt, so dass der Tagebau immer Dreiecksform hat. In den Deckgebirgsschichten und Flözen werden Baggerstrossen (Arbeitsebenen) angelegt, von denen aus das anstehende Gebirge im Hochschnitt (mit nach oben) oder im Tiefschnitt (mit nach unten arbeitenden Baggern) abgetragen wird. Der Abraum wird entweder mit einer Abraumförderbrücke abgefördert oder in Züge verladen und um den Tagebau herum auf Abraumstrossen zur Kippenseite befördert und dort verkippt. In neuaufgeschlossenen Tagebau werden sowohl die Kohle als auch der Abraum unmittelbar von den Baggern auf Bandförderer (Gummigurtförderer) gegeben, die die Kohle dem Verarbeitungsbetrieb und den Abraum der Kippe zuführen. Ideal sind die heute verwendeten bis zu 60 m hohen Förderbrücken. Vor den Aufschlussarbeiten muss oft das gesamte Grubenfeld entwässert werden, zum Beispiel durch Anlegen von Brunnen mit Unterwasserpumpen oder durch Abteufen von Schächten mit abzweigenden Entwässerungsstrecken. Außer Braunkohle werden im Tagebau vor allem Erze, Edelmetalle, Diamanten, Schiefer, Asbest, Asphalt, Kaolin sowie teilweise auch Steinkohle gewonnen.

Tagelied, Wächterlied: Strophenlied des Minnesangs; gestaltet in Rede und Gegenrede die bei Tagesanbruch durch den Wächterruf ausgelöste Trennung zweier sich entgegen der höflichen Konvention Liebender. Das Tagelied geht auf provenzalische Vorbilder zurück; in der deutschen Literatur erstmals bei Dietmar von Aist (um 1170); später bei Heinrich von Morungen, Wolfram von Eschenbach, Oswald von Wolkenstein; Auswirkungen im Volkslied.

Tagelöhner: meist nicht ständig beschäftigter Lohnarbeiter der Landwirtschaft; ökonomisch unfrei, ausgebeutet, kulturell in Rückständigkeit gehalten und politisch selten organisiert.

Tagesauszug, Kontoauszug, Bankauszug: zum Zwecke der laufenden Information über den Kontostand von Geld- und Kreditinstituten ihren Kunden übergebenes Dokument.

Tagfahrt, Hansetag: Versammlung der Ratsvertreter der zur Hanse gehörenden Städte.

Tagfalter, Diuma: tagfliegende Schmetterlinge; Flügel meist bunt, in der Ruhe nach oben zusammengeklappt, Fühlerenden keulenförmig; alle Tagfalter sind Blütenbestäuber; Raupen sind Pflanzenfresser, wenig behaart, oft mit Domen.

Taggeckos: Sammelbezeichnung für tagaktive Geckoarten, die oft leuchtend gefärbt sind und runde Pupillen besitzen. Die Madagassischen Taggeckos (Phelsuma) sind 10 bis 25 cm lang, oft leuchtend grün mit roter Zeichnung; beliebte Terrarientiere.

Taglilie, Hemerocallis: Gattung der Liliengewächse aus Ostasien und Südosteuropa mit großen, nur einen Tag geöffneten orangeroten oder gelben Trichterblüten.

Taglioni, Marie, 23.4.1804-22.4.1884, italienische Ballerina, hervorragende Vertreterin des Spitzentanzes («La Sylphide»); tanzte in vielen Ländern Europas Hauptrollen in Balletten ihres Vaters Filippo Taglioni (1777-1871, Tänzer und Choreograph).

Tagore, Thakur (Bengali): 1. Abanindranath, 7.8.1871—5.12.1951, indischer Maler; Vetter von Tagore 2; Begründer der sogenannt Bengal. Malschule; knüpfte in seinen Aquarellen vor allem an die traditionelle indische Miniaturmalerei des Mogulstils an.

2. Rabindranath, 7.5.1861-7.8.1941, indischer Dichter und Schriftsteller; schrieb in Bengali realistische Gedichte, Dramen, Erzählungen, Romane und Essays.

T., dessen Werk von weltliterarischer Bedeutung ist, rief zur nationalen Einheit aller Inder im Kampf gegen das britische Kolonialjoch auf und kritisierte Feudalismus und religiösen Fanatismus, so in den Romanen «Gora» (1910, deutsch), «Das Heim und die Welt» (1915/16, deutsch). Internationale Anerkennung erhielt der Lyrikband «Das Sangesopfer» (1910, deutsch). Auf Reisen, unter anderem 1930 in die UdSSR («Briefe aus Russland», deutsch), trat Tagore für Frieden und Völkerverständigung ein. In seinem Essay «Die Krise der Zivilisation» (1943) verurteilte er Imperialismus und Faschismus. 1901 gründete Tagore in Shantiniketan (Westbengalen) eine Schule, aus der 1921 die heutige Vishva Bharati-Universität hervorging. Auch als Musiker, Regisseur, Maler und Philosoph leistete Tagore Bedeutendes.

Tagpfauenauge, Inachis io: bis 6 cm spannender häufiger Fleckenfalter; Flügel braunrot mit je einem großen, blau gekernten Augenfleck; die schwarzen dornigen Raupen leben anfangs gesellig, dann einzeln an Brennesseln.

Tagsatzung: bis 1848 oberste politische Instanz der schweizerischen Eidgenossenschaft ohne gesetzgebende und vollziehende Gewalt; schon während der Helvetischen Republik (1798/1803) einmal aufgehoben, nach 1848 endgültig durch die parlamentarische Bundesversammlung abgelöst.

Tägu, Taegu: Stadt (Provinzzentrum) im Südosten von Südkorea, am Naktong Gang; 1,6 Millionen Einwohner; Rüstungs-, Leicht- und Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen; 2 Universitäten.

Tahiti: von Korallenbänken umsäumte Hauptinsel der Gesellschaftsinseln, im Stillen Ozean, Teil von Französisch-Polynesien; 1042 km2, etwa 100000 Einwohner; 96 Einwohner/km2; Hauptort Papeete. Tahiti ist vulkanische Entstehung, stark bewaldet und besteht aus 2 Teilen, die durch eine flache Nehrung miteinander verbunden sind. Im Innern gebirgig und bis 2241 m (Orohena) hoch; Plantagenwirtschaft (besonders Kokospalmen, Süd-, Zitrusfrüchte), Fischfang; Fremdenverkehr. Mitte des 1. Jahrtausend u. Z, von Polynesiern besiedelt, im 17./18. Jahrhundert von europäischen Seefahrern entdeckt, nach längeren französischen-britischen Rivalitäten um Tahiti seit 1842 französischer Protektorat, 1880 von Frankreich annektiert, seit 1958 Bestandteil und Hauptinsel des französischen Überseeterritoriums Französisch-Polynesien. Seit 1947 wirkt eine Demokratische Sammlungsbewegung für Unabhängigkeit und gegen französische Kernwaffentests.

Tahr, (Hindustani) Hemitragus jemlahicus: wiederkäuender Paarhufer, meist mit Hals-, Schulter- und Brustmähne; bewohnt die Gebirge im Südosten der Arabischen Halbinsel, Südindiens und den Himalaja.

Tal bei, Taipeh: Stadt in China, Verwaltungszentrum der Provinz Taiwan, im Norden der Insel; 2,3 Millionen Einwohner; bedeutendster Industriestandort Taiwans mit Maschinenbau, chemische, Zement-, Leicht- (Textil-, Papier-) und Zuckerindustrie, Teeverarbeitung; 30 km entfernt Überseehafen Jilong, internationaler Flughafen; 6 Universitäten, Museen, Bibliotheken.

Taifun: (chinesisch) tropischer Wirbelsturm über dem Stillen Ozean und Ostasien, besonders häufig zwischen Juli und November.

Taiga: Nadelwaldgürtel südlich der nordischen Tundra, der sich als breite Zone durch Sibirien über Finnland, Skandinavien bis nach Schottland erstreckt und in Nordamerika fortsetzt. Mit niedrigen Wintertemperaturen und kurzer Vegetationszeit größtes zusammenhängendes Waldgebiet der Erde; Holzwirtschaft, Pelztierjagd.

Talhang Shan: von Norden nach Süden streichender Gebirgszug im Osten Chinas, zwischen Huang He im Süden und Hutuo He im Norden; 360 km lang und bis 2010 m hoch; schließt im Westen das Lößplateau ab und begrenzt nach Osten zu in einer staffelbruchartigen Steilstufe die Nordchinesische Ebene.

Tai Hu: Süßwassersee in China, westlich von Shanghai in der Provinz Jiangsu; 2213 km3 mit 91 Inseln, bis 12 m tief; durch den Wusong Jiang und Kanäle mit dem Unterlauf des Chang Jiang und dem Ostchinesischen Meer verbunden.

Taika: (japanisch, «Große Umwälzung») Kernstück von Reformen in Japan 645/705; an die Spitze des Staates wurde ein Kaiser gestellt, der alleiniger Eigentümer des den Bauern zur Nutzung übergebenen Bodens war; legte die Grundlage für die frühfeudale Entwicklung.

Taille: zwischen Brustkorb und Hüften gelegener schmalerer Teil des Körpers.

Tailleur: (französisch, «Schneider») 1. Tailleur: Bankhalter bei verschiedenen Glücks- (Karten-) Spielen.

2. Tailleur: vom Schneider in Maßarbeit angefertigtes, eng anliegendes Kostüm (Jacke und Rock).

Talmur, Mahmud, 16.6.1894-1973, ägyptischer Erzähler und Dramatiker; bemühte sich in zahlreichen Kurzgeschichten, Romanen und Dramen um eine realistische Darstellung der ägyptischen Gesellschaft (dt. Sammlung von Erzählungen «Der gute Scheich», 1961). Talmur gilt neben seinem Bruder Muhammad (1892-1921) als Begründer der realistischen Kurzgeschichte in Ägypten.

Taimyrhalbinsel: Landvorsprung an der Nordküste Ostsibiriens, in der Region Krasnojarsk, zwischen Jenissej- (Karasee) und Chatanga Bucht (Laptewsee); etwa 400000 km2, kaum besiedelt; eben, im zentralen Teil Byrranga Gebirge (bis 1146 m hoch), südlich davon Taimyrsee; im Norden arktische Kältewüste, im Süden Tundra; Dauerfrostboden; Steinkohle, Erdöl, -gas, Nichteisenmetallerze; zum Teil Naturschutzgebiet. Auf Taimyrhalbinsel Kap Tscheljuskin.

Taimyr, Autonomer Bezirk, Autonomer Bezirk der Dolganen und Nenzen: autonomer Bezirk im Hohen Norden Ostsibiriens, in der Region Krasnojarsk, die Halbinsel Taimyr und die südlich angrenzenden Gebiete umfassend; 862100 km2, 52000 Einwohner; 0,06 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Dudinka-, im Westen vom Jenissej durchflossen; Hauptwirtschaftszweige sind Bergbau (Buntmetallerze, Steinkohle, Erdöl, -gas) und Buntmetallurgie (Norilsk), Fischfang, Renzucht, Pelztierzucht und -jagd; Wasserkraftwerk Ust-Chantaika (350 MW) an der Chantaika bei Norilsk; Haupthäfen Dudinka, Dickson und Chatanga.

Tainan: Stadt im Südwesten der Insel Taiwan (China); 610000 Einwohner; Maschinenbau, Erdöl- und Papierindustrie; westlich von Tainan Hafen Anping-, Universität.

Taine, Hippolyte, 21.4.1828-5.3.1893, französischer Philosoph, Historiker, Literatur- und Kunstkritiker; vertrat zunächst liberale Anschauungen, entwickelte sich nach der Pariser Kommune zu einem Ideologen der konterrevolutionären Bourgeoisie. Taine übertrug den Positivismus A. Comtes, insbesondere dessen naturwissenschaftlich orientierte Erkenntnistheorie, auf die Geschichts-, Kunst- und Literaturwissenschaft («Die Philosophie der Kunst». 1869); seine Milieutheorie beeinflusste stark die zeitgenössische Literatur (besonders E. Zola).

Taino: ehemals bedeutende Indianerbevölkerung der Aruak-Sprachfamilie auf Haiti und Puerto Rico; Bodenbauer mit Ansätzen einer Klassendifferenzierung; Anfang 16. Jahrhundert von spanischen Konquistadoren nahezu ausgerottet.

Taipan, Oxyuranus scutulatus: 3 bis 4 m lange, braun bis schwarzbraun gefärbte Giftnatter Nordaustraliens und Neuguineas; gehört zu den gefährlichsten Giftschlangen, deren Biss das Nervensystem lähmt und blutzersetzend wirkt.

Taiping Bewegung: antifeudale Bauernbewegung in China (1851/64). Geführt von Hong Xiuquan, richtete sich die Taiping-Bewegung gegen die Mandschuren Herrschaft und die ausländischen Mächte. Beeinflusst vom Christentum, errichtete die Taiping-Bewegung einen bäuerlich-demokratischen Staat (Taiping tianguo, «Himmelreich des Großen Friedens») mit der Hauptstadt Nanjing. Die Taiping-Bewegung wurde mit Hilfe ausländischer kapitalistischer Mächte niedergeschlagen.

Tairow, Alexander Jakowlewitsch, 6.7.1885-25.9.1950, sowjetischer Regisseur und Theaterleiter; Begründer (1914) und Leiter des Moskauer Kammertheaters; betonte in seinen Inszenierungen besonders artistische Elemente.

Taiwan: Insel zwischen Ost- und Südchinesischen Meer, durch die Taiwanstraße nur 130 km vom Festland getrennt; chinesische Provinz; früher Formosa; 35788 km2, einschließlich der 88 umliegenden kleinen Inseln (darunter Penghu-Inseln) 35989 km2, 18,9 Millionen Einwohner (davon etwa 2% zur indonesischen Sprachgruppe gehörende Gaoshan); 525 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Taibei. Im Osten steil aufragende Gebirgsketten des Taiwan Shan (60 Gipfel über 3000 m; Yu Shan mit 3997 m), im Westen fruchtbares Tiefland, das sich terrassenförmig abstuft. Bei tropischen Monsunklima mit hohen Niederschlägen und Taifungefahr sind 52% von Taiwan mit immergrünen subtropischen Wäldern (umfangreiche Nutzung durch Holzeinschlag und Kampfergewinnung) bedeckt; nur bis 200 km lange Flüsse mit starkem Gefälle (große Wasserkraftressourcen), 27 Wasserreservoire. Bodenschätze: Kohle (besonders Braunkohle), Erdgas und -öl, Gold, Platin, Kobalt, Nickel, Mangan, Kupfer. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft auf 23% der Gesamtfläche; Anbau von Reis (2,3 Millionen t, 2 Ernten jährlich), Zuckerrohr, Bataten, Weizen, Mais, Sojabohnen, Tee, Spargel und Südfrüchten; ausgeprägte Schweine- und Geflügelzucht sowie Fischfang (0,94 Millionen t). Die Industrie, in der 40% aller Arbeitskräfte tätig sind, konzentriert sich in der westlichen Ebene in der Zone Taibei-Taizhong-Gaoxiong. Während in den 50er Jahren mit US-amerikanischer Hilfe besonders die Leicht- und Textilindustrie entwickelt wurde, folgte in den 60er Jahren die arbeitsintensive Industrie und in den 70er Jahren vor allem die Entwicklung der Stahl- und Eisen-, der Erdölindustrie, des Schiffbaus (Großtankerwerft Gaoxiong), des Maschinenbaus (PKW-Montage) sowie der elektronischen Industrie. Wichtigste Zweige sind die chemische Industrie und die Aluminiumindustrie; im beschleunigten Ausbau sind ferner Zement-, Papier- und Konservenindustrie. Elektroenergieerzeugung vorwiegend durch Wärmekraftwerke. Insgesamt 1323 km Eisenbahnlinien (davon 58% in Privatbesitz) vorwiegend im Westteil; Nord-Süd-Autobahn zwischen Jilong und Gaoxiong, Ost-West Highway zwischen Taizhong und Hualian (insgesamt 18000 km Straßen); Haupthäfen sind Jilong (Haupthafen von Taibei), Gaoxiong, Hualian und Wuqi bei Taizhong und Suao an der Nordostküste; Handelsflotte 1,42 Millionen BRT; internationaler Flughafen Taibei und 16 weitere Flugplätze. Seit dem Altertum chinesische Territorium. Die administrative Angliederung an China erfolgte im 13. Jahrhundert nach Christus. Im 16. /17. Jahrhundert war Taiwan von Portugiesen und Niederländern besetzt und fiel 1661 erneut an China. 1895 annektierte Japan Taiwan (Vertrag von Shimonoseki). Seit 1949 ist Taiwan von den Resten des auf dem Festland durch die Volksbefreiungsarmee geschlagenen Guomindang-Regimes besetzt, das von den USA gestützt wird. Taiwan musste 1971 nach Abstimmung der XXVI. Vollversammlung seinen Sitz in der UNO (als «Republik China») an die VR China abtreten.

Taiwanstraße: verkehrsreiche Meeresstraße zwischen der Insel Taiwan und dem südostchinesischen Festland, die das Ost mit dem Südchinesischen Meer verbindet; teilweise nur 130 km breit.

Taiyuan: Stadt im Norden Chinas, Verwaltungszentrum der Provinz Shanxi, am Fen He; 1,4 Millionen Einwohner; Zentrum des Schwermaschinenbaus, Stahlkombinat, chemische Industrie, Baustoff- und Textilindustrie; Flughafen.

Taizz: Bezirksstadt im Südwesten der JAR auf der Jemenitische Hochebene; 120000 Einwohner; Metallverarbeitung, Lebensmittelherstellung; Agrarmarkt, Straßenknoten, internationaler Flughafen; Museum; Festung (12. Jahrhundert), mehrere Moscheen.

Taj Mahal, Tadsch Mahal: weltberühmtes indisches Bauwerk mit regelmäßiger Gartenanlage in Agra (Uttar Pradesh), am Yamuna; wahrscheinlich ursprünglich befestigter Palast aus dem 14. Jahrhundert, 1632/48 als Mausoleum für die Gemahlin des Mogulkaisers Schah Jahan erweitert. Der von 4 Minaretten umgebene Kuppelbau aus weißem Marmor, verziert mit kunstvollen Steinintarsien, gilt als unübertroffener Höhepunkt indo-islamische Architektur (Mogulstil). Siehe auch Agra.

Tajo, Tejo: längster Fluss der Pyrenäenhalbinsel; 1007 km, davon 785 km in Spanien, 179 km in Portugal, 43 km als spanisch-portugiesische Grenzfluss; entspringt im Iberischen Randgebirge, durchfließt in tief eingeschnittenem Tal die Hochfläche Neukastiliens, mündet bei Lissabon in den Atlantik; Stauseen, Wasserkraftwerke; in Talweitungen Vegas.

Tajovsky, Josef Gregor, Gregor-Tajovsky, Josef, 17.10.1874-20.5.1940, slowakischer Schriftsteller; kritischer Realist; klagt in seinen Dorferzählungen («Maco Mliec», 1904, deutsch) die soziale und nationale Unterdrückung an. In Theaterstücken wie «Besitz Verwirrungen» (1901) und «Im Dienst» (1911) schildert Tajovsky die Lage des Proletariats und verurteilt die Geldmoral.

Takahe, Notornis mantelli: entengroße, flugunfähige, blaugrün gefärbte Rallenart Neuseelands; galt als ausgestorben, wurde 1948 an Gebirgsseen in über 2000 m Höhe wiederentdeckt; ernährt sich von Gräsern.

Takamatsu: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Kagawa, im Norden der Insel Shikoku, an der Japanischen Inlandsee; 320000 Einwohner; Maschinen- und Schiffbau, Textilindustrie; Hafen (Eisenbahnfähre nach Honshu); Universität; Schloss (1588).

Takaoka: Stadt in Japan (Präfektur Toyama), im Westen der Insel Honshu; 220000 Einwohner; Aluminium-, chemische, Leichtindustrie, Maschinenbau; Tempel, Große Buddha Statue.

Take: (englisch, «Aufnahme») Szenenausschnitt eines Films, der sich nach dialogeinheitlichen Gesichtspunkten für das Nachsynchronisieren eignet.

Takelage: Sammelbezeichnung für alle Masten, Stengen, Spieren, Segel, festen (stehendes Gut) und beweglichen Raufendes Gut) Leinen und Taue eines Schiffes.

Takelung: Anzahl, Anordnung und Größe der Masten und Segel sowie das Tauwerk und die Verspannung von Segelbooten. Einmastige Segelboote sind meist als Kat (1 Segel) oder Slup (Sloop; Groß- und Vorsegel), Seekreuzer mitunter auch als «Anderthalbmaster» (kleiner Mast hinter dem Ruder; Ketsch (kleiner Mast vor dem Ruder) getakelt.

Takin, Budorcas taxicolor: Wiederkäuer mit rinderartiger Gestalt (Schulterhöhe 110 bis 130 cm), flach nach hinten geschwungenen Hörnern, dichtem, zottigem Fell; bewohnt Bergwälder im nördlichen Hinterindien und in China.

Taklamakan, Takla Makan («Hineingehen und nicht wieder herauskommen»): Sandwüste im Nordwesten Chinas (Autonomes Gebiet Xinjiang Uygur); umfasst mit 370000 km2 den größten Teil des Tarimbeckens; bis zu 40 m hohe sichelförmige Sanddünen, in den Randgebieten auch Kies- und Schotterflächen; nur an den Gebirgsfußrändern und entlang der Flüsse (besonders beiderseits des Tarim) Oasenwirtschaft.

Takt: 1. allgemein Feingefühl; Rücksichtnahme.

2. Maschinenbau: Hub.

3. Musik: Maßeinheit für musikalische Zeitgliederung, verbunden mit einem Betonungssystem (Akzentstufentakt) wird am Anfang ihrer Geltung durch Zeichen (C, Cf) oder Ziffern (2/2, 3/4, 6/8 unter anderem) und im Verlauf des Stückes durch senkrechte Taktstriche vor der jeweils hauptbetonten Zählzeit angezeigt.

4. Verslehre etwa gleicher Zeitabstand von Hebung zu Hebung im Vers; dient dem begrifflichen Erfassen der Versgliederung, ist jedoch keine im Sprechvorgang real abgegrenzte Einheit.

Taktakishvili, Otar, geboren 27.7.1924, georgisch-sowjetischer Komponist; seit 1965 Minister für Kultur der Georg. SSR; wirkte 1947/56 an der Staatlichen Chorkapelle der Georg. SSR (seit 1952 künstlerischer Leiter) und lehrte seit 1947 am Konservatorium Tbilissi (1966 Professor, 1962/65 Rektor); schrieb Orchester- und Vokalwerke, Instrumentalkonzerte, Chöre, Lieder.

Taktgeber, Impulszentrale: elektronischer Signalgeber, dessen (Impuls-) Ausgangssignale zur zeiti. Steuerung der Informationsverarbeitung oder -Übertragung dienen (zum Beispiel in EDVA, beim Fernsehen).

Taktik: 1. allgemein geschicktes, kluges, planmäßiges Verhalten.

2. Marxismus-Leninismus: Strategie und Taktik.

3. Militärwesen: Kriegskunst.

4. Sport: Komplex zielorientierter Maßnahmen und Verhaltensweisen bei der Führung eines Wettbewerbs durch den Sportler (die Mannschaft).

taktil: das Tasten, die Berührung, den Tastsinn betreffend.

taktisch: die Taktik betreffend; den Regeln der Taktik entsprechend; planvoll, klug; berechnend.

Taktverfahren: Organisationsform der Fließfertigung auf Baustellen des Wohnungs- und Industriebaus. Die Bauarbeiten werden nach sich wiederholenden Arbeitstakten für Ausschachtung, Gründung, Montage, Ausbau unter anderem aufgegliedert. Das Aneinanderreihen der Takte gleicher Zeitspannen an verschiedenen Objekten ergibt die Taktstraße.

Tal: durch Erosion und Hangabtragung entstandene, unterschiedlich breite und tiefe Hohlform der Erdoberfläche. Die Täler schließen sich zu Talsystemen mit netz- und fiederförmigem Grundriss zusammen und bilden die am häufigsten auftretenden und vielfältigsten Oberflächenformen des Festlandes. Das Tal besteht aus den Talhängen und der Talsohle mit der Talaue, in die das Fluss- oder Bachbett eingetieft ist. Abhängig vom Talquerschnitt unterscheidet man die Talformen Klamm, Schlucht, Kerbtal, Canon, Sohlen- oder Kastental und Muldental. Nach der Lage zum Streichen der Gesteinsschichten bildeten sich Längstal (mehr oder weniger parallel zum Streichen der Gesteinsgrenzen) und Quer- oder Durchbruchstal (quer zur Streichrichtung) heraus. Ein von Gletschern überformtes Tal mit U-förmigem Querschnitt wird als Trogtal bezeichnet. Talfurchen, die in der Gegenwart nur periodisch oder episodisch Wasser führen und typisch für alle Trockengebiete der Erde sind, nennt man Trockental.

Talar: (lateinisch talaris, «bis zum Knöchel reichend») langes, meist weitärmeliges dunkles Übergewand; Amtstracht von Geistlichen verschiedener Konfessionen (bei katholischen Geistlichen auch Bezeichnung für deren Straßengewand (f Soutane)) sowie (in einigen Ländern) von Richtern, Rechtsanwälten, Universitätsprofessoren unter anderem

Talara: Stadt im Nordwesten Perus; 61000 Einwohner; Zentrum des nordwestperuanischen Erdölgebietes, Erdölraffinerien, chemische Industrie; Seehafen, Flughafen.

Talbot, William Henry Fox, 11.2.1800 17.9.1877, britischer Physiker und Chemiker; erfand in der Fotografie den Negativ-Positiv-Prozess mit gewachsten Papiernegativen. Talbot führte die Fotografie in zahlreiche Bereiche der Wissenschaft, insbesondere die Biologie, ein. Er schuf hervorragende Porträt- und Landschaftsfotografien.

Talcahuano: Stadt im mittleren Chile, an der Bahia de Concepción; 210000 Einwohner; Fischfang und -Verarbeitung, Metallurgie; Hafen (Trockendocks), Marinebasis.

Talent: 1. besondere geistige oder körperliche Fähigkeit. Siehe auch Begabung.

2. altgriechische Geldeinheit.

3. griechische Masseeinheit; 1 mittleres (att.) Talent = 60 Minen = 26,196 kg, 1 kleinstes (syrisches oder ptolemäisches) Talent = 7 kg, 1 größtes (ägäisches) Talent > 45 kg, 1 neugriechisches Talent = 150 kg.

Taler: Großsilbermünze; zuerst 1486 in Tirol geprägt und seit etwa 1525 nach dem ab 1519/20 ausgegebenen Joachimsthaler benannt; 1566/um 1750 als Reichstaler. Währungseinheit in Deutschland, wo sich im 19. Jahrhundert der Taler durchsetzte, seit 1871 beziehungsweise 1873 zu 3 Mark ausgeprägt und 1907 endgültig aus dem Verkehr gezogen. Die Bezeichnung wurde von vielen Ländern übernommen.

Talew, Dimitar, 14.9.1898-20.10.1966, bulgarischer Schriftsteller; schildert im Romanzyklus «Der eiserne Leuchter» (1952, deutsch), «Die Glocken von Prespa» (1954, deutsch), «Der Eliastag» (1953, deutsch) den Freiheitskampf in Makedonien gegen osmanische Feudalherrschaft und griechischer Klerus.

Talg: 1. hartes, nicht streichbares Fett besonders von Rindern, Schafen, auch Rehen und Hirschen; wird wegen seines hohen Schmelzpunktes (zwischen 40 und 45 °C) besonders als Brat- und Backfett verwendet.

2. Pharmazie: Sebum.

Talgdrüsen: meist in den Haarbalg mündende Hautdrüsen; sondern ein fettiges Sekret ab, das Haut und Haare schützt. Siehe auch Haut.

Talich, Vaclav, 28.5.1883-16.3.1961, tschechischer Dirigent; war als Chef der Tschechischen Philharmonie (seit 1919), Leiter des Prager Nationaltheaters (seit 1935) sowie als Gastdirigent international geschätzt; machte sich nach 1945 auch um den Aufbau des Tschechischen Kammerorchesters und der Slowakischen Philharmonie verdient.

Talion: Vergeltung einer Übeltat durch Zufügung des gleichen Übels.

Talisman: kleiner, nach abergläubischer Vorstellungen glückbringender Gegenstand.

Talje: seemännische Bezeichnung für einfachen Flaschenzug aus je einem losen und einem festen Block.

Talk: Mineral, wasserhaltiges Magnesiumsilikat; Kristallsystem monoklin, Härte 1, Dichte 2,7 bis, 2,8 g/cm3; blättrige, farblose bis hellgrüne Aggregate oder dichte Massen (Steatit, Speckstein) in schwach metamorphen Gesteinen. In der Pharmazie wird Talk gemahlen unter der Bezeichnung Talkum als adsorbierender Grundstoff und als Füllmittel unter anderem in Pudern verwendet.

Tallahassee: Hauptstadt des Bundesstaates Florida (USA); 82000 Einwohner; Handelszentrum; Flughafen; 2 Universitäten, Hochschule.

Talleyrand-Perigord, Charles Maurice de, 13.2.1754-17.5.1838, französischer Politiker, Fürst von Benevent; 1788/91 Bischof von Autun, 1789 Mitglied der Generalstände und der Nationalversammlung. Unter dem Eindruck bäuerlicher Unruhen schlug er erste Maßnahmen zur Aufhebung der Feudallasten zugunsten der Bauern vor («Nacht der Wunder», 4.8.1789). 1791 wegen seines Antrages auf Nationalisierung der Kirchengüter mit dem päpstlichen Bann belegt, 1797/1807 Außenminister, 1799 am Staatsstreich Napoleon Bonapartes beteiligt, dessen Eroberungspolitik er ablehnte und gegen den er eine geheime Opposition organisierte; seit 1814 im Dienste der Bourbonen, setzte er als Außenminister auf dem Wiener Kongress 1815 Frankreichs Gleichberechtigung durch. 1830 trug er zum Sturz der Bourbonen bei.

Tallien, Jean Lambert, 23.1.1767-16.11.1820, französischer Politiker; 1792 Mitglied des Konvents, Vertreter der neureichen, erst zur Zeit der Französischen Revolution entstehenden Bourgeoisie; war einer der korrupten Konvents Kommissare und 1794 führend am Sturz Robespierres beteiligt.

Tallierung: Zählung und Kontrolle der zu verladenden oder zu löschenden Mengeneinheiten (Kolli, Säcke, Fässer unter anderem) der Ladung eines Schiffes bei Passieren der Luke; meist Aufgabe spezieller Tallierungsunternehmen. Tallymann ist die Bezeichnung für den Ladungskontrolleur.

Tallinn: Hauptstadt am Finnischen Meerbusen; früher Reval, 460000 Einwohner; Industrie- (40% der estnischen Industrieproduktion) und Kulturzentrum; Maschinenbau, Elektro- und Radiotechnik, Metall-, Holzverarbeitung, Textil-, pharmazeutische, polygraphische, Lebensmittelindustrie; Verkehrsknoten, Hochseehäfen, Flughafen; Akademie der Wissenschaften, 5 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Museen (unter anderem Freilichtmuseum), Zoo, botanischer Garten, Parkanlagen, Sängerfeld mit Bühne für 30000 Sänger; Fernsehturm (314 m); Austragungsort der Segelwettbewerbe der XXII. Olymp. Spiele 1980. Guterhaltene Altstadt mit zahlreichen Bauten von der Gotik bis zum Barock. besonders hervorzuheben sind: Burg Toompea, angelegt ab 1219, mit Bauten des 14. /19. Jahrhundert, Domkirche (13./18. Jahrhundert), Stadtbefestigung mit Wehrtürmen und Toren, Rathaus (14./15. Jahrhundert), Haus der Großen Gilde (1410), Saal der Olai Gilde (1405/22), Nikolaikirche (13./16. Jahrhundert) Fresko «Totentanz» von B. Notke, Olaikirche (13./14. Jahrhundert), Heiliggeistkirche (14. Jahrhundert; Schrein Altar von B. Notke, 1483), Schwarzhäupterhaus (15./16. Jahrhundert), Palast von Kadriorg (1718/23). 1219 Gründung einer Burg durch Dänen; neben der Burg entstand die Stadt, die 1346 an den Deutschen Ritterorden kam; 1561/1710 schwedisch, danach zu Russland. 1918/40 Hauptstadt der bürgerlichen Republik Estland; 1941/44 von faschistischen deutschen Truppen okkupiert.

Tallöl:. dunkle, unangenehm riechende, flüssige bis halbfeste Masse, die bei der Zellstoffherstellung aus Kiefernholz anfällt. T: ist reich an Harz- und ungesättigten Fettsäuren.

Talmi: im engeren Sinne vergoldeter Tombak (90% Kupfer, 9% Zink, 1% Gold) für Schmuckgegenstände; im weiteren Sinne Bezeichnung für Unechtes.

Talmud: (hebräisch, «Lehre») neben dem Alten Testament Hauptwerk der jüdischen Glaubenslehre, entstanden aus mündlichen Überlieferung; enthält die hebräisch verfasste Mischna (kanonische Sammlung des jüdischen Gesetzes, 2. Hälfte des 2. Jahrhundert nach Christus fixiert) und den Kommentar dazu, die aramäisch geschriebene Gemara (vom 2. bis 5. Jahrhundert nach Christus entstanden); ausgehend von 2 Versionen der Gemara gibt es neben einem kürzeren, älteren, in Palästina entstandenen Talmud einen längeren, jüngeren, in Babylonien redigierten, welcher unter den Juden die größere Bedeutung erlangt hat.

Talon: Kartenrest beim Geben; Kaufstein beim Dominospiel.

Talsperre: feste Stauanlage, die das Flusstal durch eine Staumauer oder einen Staudamm abschließt. Zum Schutz gegen Überfluten der Talsperre wird ein Teil der Krone als Überfall ausgebildet, oder es werden verschließbare Entlastungsstollen, auch Hangentleerungen mit Schussrinnen vorgesehen. Bei großen Talsperren werden in die Staumauer Kontrollgänge und Messeinrichtungen eingebaut.

Tama: altes armenisches Brettspiel für 2 Personen auf einem 64-Felder-Brett; ähnlich unserem Damespiel.

Tamale: Stadt (Regionszentrum) im Norden von Ghana; 120000 Einwohner; Textil-, Lebensmittelindustrie, Transportmaschinenbau; Handelszentrum; Flughafen.

Taman, Taman Halbinsel. Landvorsprung im Westen der Region Krasnodar, vom Asowschen Meer (im N), Schwarzen Meer (im S) und der Straße von Kertsch (im W) umspült; 2000 km2; zahlreiche, bis 164 m hohe Schlammvulkane; Acker-, Wein- und Obstbau. Im 2. Weltkrieg im September 1942 von faschistischen Truppen erobert; im September/Oktober 1943 durch die Rote Armee befreit, die am 9.10.1943 die Straße von Kertsch erreichte.

Tamanian, Alexander, 16.3.1878-20.2.1936, armenisch-sowjetischer Architekt; seit 1923 vorwiegend in Jerewan tätig; anfangs den fortschrittlichen Traditionen des russischen Klassizismus verpflichtet, verarbeitete er später in seinen Bauten (Haus der Regierung 1926/41, Spendiarov Theater 1926/39 in Jerewan) traditionelle Formen der armenischen Baukunst. Tamanyan entwickelte die Generalbebauungspläne für Jerewan (1924), Leninakan (1925) und andere Städte.

Tamanrasset: Oasenstadt (Wilayatszentrum) im Süden Algeriens, in der Sahara, an der Transsaharastraße im Ahaggar; früher Fort Laperrine 25000 Einwohner; Handelszentrum (Saharamesse); Flughafen.

Tamarinde, Tamarindus indica: in Afrika heimisches Johannisbrotgewächs; heute als Fruchtbaum in den gesamten Tropen angebaut. Das Fruchtmus der Hülsen wird als Nahrungsmittel und zur Herstellung von Limonaden, Fruchtsirup unter anderem verwendet

Tamarins, Saguinus: Krallenäffchen, die in Familiengruppen als Baumkronenbewohner im tropischen Regenwald des Amazonasgebietes heimisch sind, vorwiegend räuberisch leben, aber auch Blüten, Früchte und Samen fressen.

Tamariske, Tamarix: zu den Tamariskengewächsen gehörende Strauchgattung der Salzsteppen Südeuropas, Nordafrikas und Asiens, mit schuppenförmigen Blättern und rosa Blütentrauben; Zierstrauch.

Tamayo, Rufino, geboren 26.8.1900, mexikanischer Maler und Graphiker. Tamayos eigentliches Medium ist die Tafelmalerei; unter dem Einfluss der Wandmaler schuf er auch von seiner Beziehung zur Volkskunst geprägte farbkräftige architekturgebundene Bilder in betont subjektiver, aber stets figurativer Gestaltung.

Tamayo Mendez, Amaldo, geboren 29.1.1942, kubanischer Kosmonaut; absolvierte vom 18. bis 26.9.1980 als Forschungskosmonaut von Sojus 38 zusammen mit J. W. Romanenko einen Raumflug mit siebentägigem Aufenthalt an Bord der sowjetischer Raumstation Salut 6. Siehe auch Interkosmos 1, Salut 2, Sojus 1.

Tambach-Dietharz: Stadt im Kreis Gotha, Bezirk Erfurt, am Nordostrand des Thüringer Waldes; 5600 Einwohner; Schrauben-, Glühlampenherstellung, Plast-, Holzindustrie; Erholungsort (460 m über dem Meeresspiegel). Südlich Trinkwassertalsperre (0,7 Millionen m3).

Tamberg, Eino, geboren 27.5.1930, estnisch-sowjetischer Komponist; lehrt seit 1968 am Tallinner Konservatorium; schrieb Opern, Ballette, Orchester- und Kammermusik, Lieder unter anderem

Tambo, Oliver Reginald, geboren 27.10.1917, südafrikanischer Politiker und Jurist; arbeitete an führender Stelle in der Jugendliga des Afrikanischen Nationalkongresses (englisch Abkürzung ANC), war deren Nationalsekretär und Vizepräsident; 1955/58 war er Generalsekretär des ANC, danach dessen Vizepräsident und seit 1967 Präsident; seit 1960 im Exil.

Tambour:

1. Bautechnik: zylindrischer oder vieleckiger, meist von Fenstern durchbrochener Unterbau einer Kuppel.

2. Musik: Trommler im Spielmannszug.

Tambourstab: langer, mit farbiger Wollschnur umwickelter Stab, unten mit Messingkugel, oben mit Messingspitze und Quasten; wird vom Leiter des Spielmannszuges (Tambourstab major) zur Zeichengebung geführt.

Tamburin, Schellentrommel: kleine einfellige Handtrommel, in deren Rand 10 bis 15 Schellen oder Metallplättchen eingelassen sind; wird mit den Fingern oder dem Handrücken geschlagen.

Tamil: dravidische Sprache, wird von etwa 37,7 Millionen Menschen besonders im indischen Unionsstaat Tamil Nadu sowie im Norden von Sri Lanka gesprochen.

Tamil Nadu: (tamilisch, «Land der Tamilen») Unionsstaat im Süden Indiens; früher Madras; 130069 km2, 48,3 Millionen Einwohner (überwiegend Tamilen); 371 Einwohner/km2; Hauptstadt Madras. Auf die weite Ebene der Koromandelküste folgen landeinwärts Plateaus und Gebirgszüge der südlichen Ost- und bewaldeten Westghats. Hauptfluss ist die Cauvery (Stauseen und Wasserkraftwerke), ihr Delta ist Hauptanbaugebiet. Landwirtschaft mit zum Teil künstlicher Bewässerung (Anbaugebiete im Lee der Westghats); Kultivierung von Reis, Hirse, Tabak und Zuckerrohr, an der Koromandelküste Erdnüsse, Sesam, im Landesinneren Baumwolle; in den Nilgiri Hills Plantagen für Kautschuk, Kaffee, Tee, Anbau von Pfeffer und anderen Gewürzen. Braunkohlenbergbau und -Verarbeitung um Neyveli mit Kraftwerk (600 MW) und Düngemittelkombinat; Kernkraftwerk im Bau (Kalpakkam) 90% aller Siedlungen sind elektrifiziert; umfangreiche verarbeitende Industrie, Erdölraffinerie.

Tamm, Igor Jewgenjewitsch, 8.7.1895-12.4.1971, sowjetischer Physiker; arbeitete über Quantenmechanik und ihre Anwendung, erklärte mit anderen die Tscherenkow-Strahlung.

Tammsaare, A. H., eigentlich Anton Hansen, 30.1.1878 - 1.3.1940, estnischer Schriftsteller; verlieh dem estnischen kritischen Realismus neue Qualität. Sein Hauptwerk, die Romanfolge «Wahrheit und Recht» (5 Bände, 1926/33, deutsch 3 Bände: «Wargamäe», «Indrek», «Wenn der Sturm schweigt»), spiegelt die Entwicklung in Estland Ende 19,/Anfang 20. Jahrhundert wider. Die bürgerliche Ordnung kritisiert der Roman «Satan mit gefälschtem Pass» (1939, deutsch).

Tammuz, Dumuzi, (sumerisch, «rechter Sohn») sumerisch-akkadischer Vegetations- und Unterweltsgott, Geliebter und Gemahl der Astarte (Ischtar), ursprünglich vielleicht vergöttlichter König.

Tampa: Stadt im Westen des Bundesstaates Florida (USA), an der Tampa Bucht des Golfes von Mexiko; 270000 Einwohner; Lebensmittel-, chemische Industrie; führender Hafen Floridas, internationaler Flughafen, 24 km lange Brücke nach St. Petersburg; 2 Universitäten; Luftwaffenstützpunkt.

Tampen: (niederdeutsch) seemännische Bezeichnung für Tauende.

Tampere, Tammerfors: Stadt im Südwesten Finnlands, an den Stromschnellen Tammerkoski (18 m hoch) zwischen den Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi; 165000 Einwohner; Textil-, holz-, lederverarbeitende, Elektroindustrie; Universität, TH; Museen; Theater.

Tampico: Stadt im Bundesstaat Tamaulipas (Mexiko), am Panuco; 270000 Einwohner; chemische, petrolchemische Industrie, Fischfang und -Verarbeitung; bedeutender Exporthafen für Erdöl und -produkte, Eisenbahnknoten, Flughafen; westlich von Tampico umfangreiche Erdölgewinnung und -Verarbeitung (Ciudad Madero).

Tampon:

1. Medizin: Streifen aus Gaze oder Mull zum Einlegen in Wunden oder Körperöffnungen, unter Druck auch zur Blutstillung.

2. Polygraphie: Ballen.

Tampondruck: indirektes Tiefdruckverfahren; die in eine Tiefdruckform gerakelte Farbe wird mittels Tampons unter Druck abgenommen und auf den Bedruckstoff oder zu bedruckenden Formkörper übertragen.

Tamtam: großer, flacher Gong (etwa 60 bis 125 cm Durchmesser) mit obertonreichem Klang unbestimmbarer Tonhöhe.

Tanagrafiguren: Bezeichnung für hellenistisch, realistisch gebildete genrehafte Tonstatuetten des 2. Jahrhundert vor Christus, nach deren Hauptfundort Tanagra in Böotien benannt, wo sie seit 1870 in großer Anzahl gefunden wurden; die Tanagrafiguren dienten meist als Grabbeigaben.

Tanaro: rechter Nebenfluss des Po in Oberitalien; 276 km; entspringt in den Ligurischen Alpen; unausgeglichene Wasserführung.

Tanaros, keltischer Kriegs- und Donnergott, dem germanischen Donar verwandt.

Tanasee: größter See Äthiopiens, in einem tektonischen Kessel des Äthiopischen Hochlandes; 1830 m über dem Meeresspiegel, 3100 bis 3600 km2, 75 km lang, 70 km breit und bis 72 m tief; fisch-, inselreich; Quellsee des Blauen Nils (Abbay), 35 km unterhalb seines Ausflusses 45 m hoher Wasserfall Tis Isat mit Wasserkraftwerk; Schiffsverkehr.

Tanbur: langhalsiges Lauteninstrument aus dem alten Orient; als Tanbura, Tamburica, Tamburizza und Tamboura bis in den Balkan, den Kaukasus und nach Indien vorgedrungen.

Tancsics, Mihaly, 21.4.1799-28.6.1884, ungarischer Publizist; vertrat in der bürgerlich-demokratischen Reformbewegung zusammen mit S. Petöfi am radikalsten die Interessen der Leibeigenen und wurde dafür mehrmals verhaftet; 1869/70 Präsident des Allgemeinen Arbeitervereins.

Tandemschaltung: Spezialschaltung für den Reihenbetrieb von 2 Leuchtstofflampen an einem Vorschaltgerät, das für die Summe der Lampenleistungen ausgelegt ist. Für jede Lampe ist ein Starter erforderlich.

Tandschur: («die übersetzte Lehre») Sammelwerk von mehr als 3300 Texten in 214 Bänden, zum Teil Kommentare zum Kandschur, zum Teil selbständige Schriften zur Religion und Philosophie des Lamaismus, aber auch zur Mathematik, Astrologie, Grammatik, Medizin unter anderem; Autoren sind in Einzelfällen Tibeter, den größeren Teil bilden Übersetzungen aus dem Sanskrit.

Tanejew, Sergei Iwanowitsch, 25.11.1856-19.6.1914, russischer Komponist, Musiktheoretiker und Pianist; bis 1878 Konzertreisen in Europa; dann Lehrer am Moskauer Konservatorium (1881 Professor, 1885/89 Direktor); trat besonders mit Sinfonien, einer Operntrilogie und Kammermusik hervor.

Tanga: Stadt (Regionszentrum) in Tansania, am Indischen Ozean; 105000 Einwohner; Lebensmittel-, Textilindustrie, Stickstoffdünger-, Walz-, Zementwerk; Verkehrsknoten, Hochsee-, Flughafen.

Tanganjikasee: von steilen Rändern flankierter See im Zentralafrikanischen Graben, zu Tansania, Sambia, Burundi und Zaire gehörend; 31900 km2, 650 km lang und bis 1435 m tief (nach dem Baikal zweittiefster See der Erde); Hauptzufluss Malagarasi; entwässert durch Lukuga zum Lualaba und Rusizi zum Kivusee; Fischfang, Schiffsverkehr.

Tangaren, Thraupidae: finkenähnlicher Singvögel Mittel- und Südamerikas mit meist sehr buntem Gefieder.

Tang-Dynastie: chinesische Kaiserdynastie 618/907, gegründet von Li Yuan; initiierte einen ausgedehnten Handel mit Zentralasien, Indien sowie Persien und erreichte eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte Chinas.

Tange: große Meeresalgen (bis 100 m lang), vornehmlich aus der Gruppe der Braunalgen.

Tangente: Gerade, die eine Kurve oder Fläche in einem Punkt berührt.

Tangentenviereck: Viereck, dessen Seiten Tangenten eines Kreises, des Inkreises des Tangentenvierecks, sind; die Summen der Längen je zweier gegenüberliegender Seiten sind gleich.

Tangentialebene: Ebene, die eine Fläche in einem Punkt P berührt; sie wird aus allen Tangenten an diese Fläche im Punkte P gebildet.

Tanger, arabisch Tandja, Tandscha: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Marokkos, an der Straße von Gibraltar; 305000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, Zementindustrie; Werft; Handelszentrum; Hochsee- (Freihafen), internationaler Flughafen; Hochschulen, Museen; mauerumwehrte Medina mit Großer Moschee (17. Jahrhundert) und ehemaligem Sultanspalast (18. Jahrhundert); Fremdenverkehr. Siehe auch Tanger Statut.

Tangerhütte: Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, in der Altmark, am Elbezufluss Tanger; 7300 Einwohner; Eisengießerei, Holz-, Textil-, Polstermöbel-, Futtermittelindustrie; Altes (1873) und Neues Schloss (1909), Pfarrkirche (1724), Fachwerkbauten (17., 18. Jahrhundert).

Tangermünde: Stadt im Kreis Stendal, Bezirk Magdeburg, in der Altmark, an der Mündung der Tanger in die Elbe; 11600 Einwohner; Faser- und Spanplattenwerk, Lebensmittel- (Konserven, Zucker, Süßwaren), Bekleidungsindustrie, Reparaturwerft; Hafen. Bedeutende spätgotische Backsteinbauten, wie die Hallenkirche St. Stephan, Rathaus (mit prächtigem Ostgiebel; heute Heimatmuseum), Reste der Stadtbefestigung (Tore und Stadtmauer); Fachwerkhäuser (besonders 17. Jahrhundert). 1009 Burg erwähnt, um 1200 Stadtrecht; im 14./15. Jahrhundert Mitglied der Hanse; 1876 Zuckerraffinerie entstanden.

Tanger Statut: Vertrag, der die Stadt Tanger (Marokko) zu einer internationalen entmilitarisierten neutralen Zone erklärte; zwischen Frankreich, Spanien und Großbritannien am 18.12.1923 in Paris abgeschlossen. Franco Spanien brach das Tanger Statut, indem es Tanger 1940 okkupierte. Im Oktober 1945 wurde Tanger wieder unter internationale Kontrolle gestellt. Die auf der Konferenz von Fedalar (29.10.1956) Unterzeichnete Deklaration setzte das Tanger Statut außer Kraft und erkannte das Hoheitsrecht Marokkos über Tanger an.

Tango: moderner Gesellschaftstanz im 2/4- oder 4/4-Takt mit prägnant synkopiertem Rhythmus; ursprünglich Ritualtanz nordafrikanische-spanische Prägung (Shango oder Xango); gelangte nach Südamerika und wurde Teil der Neujahrsfest-Prozession; Ende des 19. Jahrhundert Volkstanz (beziehungsweise politisches Tanzlied) in Argentinien, von wo er 1907 nach Europa kam; seit 1920 weitverbreiteter Mode- und Turniertanz.

Tangshan: Stadt in China, im Nordosten der Provinz Hebei; 980000 Einwohner; metallurgische und Kohleindustrie, Maschinenbau, Zementherstellung. 1976 durch starkes Erdbeben fast vollständig zerstört (240000 Tote); erfolgter Wiederaufbau.

Tanis: im östlichen Nildelta gelegene altägyptische Hafenstadt; war unter Ramses II. (1290/1224 vor Christus) ein Zentrum des Seehandels. Dieser König ließ in Tanis einen Tempel für Amun und eine Kolossalstatue erbauen.

Tanizaki, Junichiro, 24.7.1886-30.7.1965, japanischer Schriftsteller; sein Schaffen zeigt einen starken Einfluss der klassischen japanischen Literatur (Familienroman «Die Makioka-Schwestern», 1943/48, deutsch) sowie übersteigerten Ästhetizismus mit Hang zum Erotischen («Der Schlüssel», 1956, deutsch; «Tagebuch eines alten Narren», 1962, deutsch).

Tanjungkarang: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, im Süden der Insel Sumatera, an der Lampung-Bucht der Sundastraße; früher Telukbetung; 280000 Einwohner; Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Überseehafen (Panjang, 8 km südöstlich), Flughafen.

Tank: 1. Speicher aus Stahl, Spannbeton oder Plaste; für Gase mit gewölbtem Dach, für Flüssigkeiten eventuell mit schwimmendem Dach und in Betontassen gestellt, um im Havariefall das Wegfließen des Inhalts zu verhindern. Beim Rolltank wird die Wand als Metallblech während der Montage von einem Mast abgewickelt und dann verschweißt.

2. früher übliche (englisch Tarn-) Bezeichnung für Panzer.

Tankschiff, Tanker: Spezialschiff zum Transport von flüssiger Ladung, besonders von Erdöl (Öltankschiff), Erdölprodukten (Produkten-, Chemikalien, Flüssiggas (Flüssiggastankschiff), Bitumen, aber auch für Wein, Pflanzenöl (Süßöltankschiff) unter anderem. Für den Erdöltransport werden auch kombinierte Erz-Öl-Frachter genutzt, die wechselweise in ihren Laderäumen entweder Öl oder Schüttgüter befördern. Öltankschiffe wurden mit über 500000 Tragfähigkeit gebaut; der Anteil der Tankschiffe an der Tonnage der Welthandelsflotte beträgt über 40%. im weiteren Sinne gehören zu den Tankschiffen auch Tankleichter, Bunkerschiffe (zum Bevorraten von Seeschiffen mit Treib- und Heizöl) sowie Versorgungstankschiff (für Bohrinseln, Fischereifahrzeuge unter anderem).

Tankwagen: LKW mit einem röhren-, zunehmend auch kastenförmigen Spezialaufbau (Tank) für die Beförderung von flüssigem Ladegut (Kraftstoff, Chemikalien, Milch unter anderem) und Gasen.

Tanne, Abies: immergrüne Gattung der Kieferngewächse mit etwa 40 Arten, die in den gemäßigten Zonen von Europa, Nordamerika und Ostasien, meist im Gebirge, Vorkommen. Die an Langtrieben oft zweizeilig sitzenden flachen Nadeln sind am Grunde stielartig verschmälert und haben unterseits meist 2 silberweiße Wachsstreifen; die aufrechten Samenzapfen zerfallen schon am Baum bis auf die Spindel; die Samen sind geflügelt. Die frostempfindliche Weißtanne (Abies alba) Mittel- und Südeuropas mit weißgrauer Borke gedeiht am besten im wintermilden Klimabereich (zum Beispiel Schwarzwald); zunehmend durch I Tannensterben gefährdet. Angepflanzt bei uns als Parkbaum zum Beispiel die Coloradotanne (Abies concolor), die weniger empfindlich gegen Luftverschmutzung ist und Trockenheit verträgt, ferner die Silbertanne (Abies procera) aus Kalifornien. Die nordamerikanische Balsam- Tanne (Abies balsamea) liefert Kanadabalsam.

Tannenberg: Dorf in der Wojewodschaft Olsztyn (Polen). Bei Tannenberg wurde zu Beginn des 1. Weltkrieges vom 26. bis 30. 8.1914 die vorgestoßene russische Narew-Armee durch eine deutsche Armee zerschlagen.

Tannenhäher, Nucifraga caryocatactes: 30 cm langer Rabenvögel mit dunkelbraunem, weißgetropftem Gefieder; lebt in europäischen Gebirgen und Sibirien; zieht bei Ausfall seiner Hauptnahrung, der Zirbelnüsse, invasionsartig nach Westen.

Tannenläuse, Adelgidae: Familie sehr kleiner Blattläuse; Weibchen legen ähnlich den Zwergläusen in jeder Generation Eier; leben ausschließlich auf Nadelbäumen, wo die Stammmütter (Fundatrizen) Knospengallen erzeugen; charakteristisch sind ihre fadenförmigen Wachsausscheidungen. Die bis 30 mm großen, grünen, behaarten Gallen der Gelben Fichtengallaus (Sacchiphantes abietis) werden an der Basis der Maitriebe erzeugt.

Tannenmeise, Parus ater: etwa 11 cm langer Singvogel, der sich von Insekten und im Winter auch von Samen der Nadelhölzer ernährt; bebrütet in Höhlen unter anderem 7 bis 10 Eier; ist in Nadelwäldern Eurasiens verbreitet.

Tannensterben: Kettenkrankheit der Weißtanne; vermutlich verursacht durch ungeeignete standörtliche und waldbauliche Verhältnisse (die Tanne besitzt ein sehr enges ökologisches Spektrum), Rauchschäden und Schädlingsbefall; langsames Dürrwerden der Krone von unten her führt zum Absterben.

Tanner, Väinö, firm. Politiker; seit 1907 Abgeordneter im Landtag; 1926/27 Ministerpräsident, 1937/44 mehrmals Minister, 1919/26 und erneut 1957/63 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei; als einer der Hauptverantwortlichen für Finnlands Teilnahme am Krieg gegen die UdSSR 1946 verurteilt und bis 1948 in Haft.

Tannhäuser, um 1205 etwa 1270, Minnesänger; wahrscheinlich aus der Oberpfalz (Tannhausen), lebte später in Österreich; gelangte in abenteuerlichen Wanderleben bis in den Orient; schuf erotische, die Minne parodierende Lieder mit sagenhaften sowie Tanzlieder (Leiche) mit volkstümlichen Elementen. In der Volkssage und im Volkslied wurde Tannhäuser zum Symbol des leidenschaftlich-maßlos Liebenden, der beim Papst vergebens um Erlösung nachsucht; Gestaltungen des Tannhäuser-Stoffes durch L. Tieck, H. Heine, E. Geibel, R. Wagner, J. N. Nestroy unter anderem

Tannin: aus Glukose-Estern der Gallussäure bestehender Gerbstoff. Tannin, ein hellgelbes, geruchloses, herb schmeckendes, wasserlösliche Pulver, kommt in Pflanzengallen vor und bewirkt den bitteren Geschmack des Tees. Es wird zum Beispiel als Gerbstoff, als Färbereihilfsmittel und zum Klären von Wein verwendet.

Tansania, Vereinigte Republik Tansania: Bundesstaat in Ostafrika, durch Zusammenschluss der Republik Tanganjika (Festlandsteil; 942 561 km2, 1979: 18 Millionen Einwohner) und der Volksrepublik Sansibar und Pemba (Inselteil; 2642 km2, 1979: 500000 Einwohner; siehe auch Sansibar 1, Pemba) entstanden. Grenzt im Nordosten an Kenia, im Osten an den Indischen Ozean, im Süden an Mozambique, im Südwesten an Malawi und Sambia, im Westen an Zaire und im Nordwesten an Burundi, Rwanda und Uganda. Verwaltungsmäßig in 25 Regionen gegliedert. Währung ist der Tansania-Schilling.

Bevölkerung: Sie besteht zu etwa 90% aus Angehörigen etwa 120 verschiedener Bantuvölker. Daneben Inder, Pakistani, Europäer und Araber. Amtssprachen sind Swahili und Englisch. Die Bewohner sind ungleich über das Land verteilt; Dichtezentren der Besiedlung sind die Küste, die Gebiete am Victoriasee, Kilimandscharo, die südlichen Hochländer und die Inseln. Knapp 15% aller Bewohner leben in Städten. Die Analphabetenrate wurde seit der Unabhängigkeit auf 20% verringert.

Natur: In Tanganjika steigt die Oberfläche hinter einer bis 100 km breiten Küstenebene stufenförmig zum durchschnittlich 1000 bis 1500 m über dem Meeresspiegel gelegenen Binnenhochland mit weiten Hochbecken (in einem der Victoriasee) im Nordwesten und Hügelländern im Südosten und Osten an. Diese werden durch Horstgebirge und Bruchstufen und besonders durch die großen Grabensysteme des Zentralafrikanischen Grabens mit Tanganjika- und Malawisee und des Ostafrikanischen Grabens samt der ihn begleitenden Vulkangebiete (Hochland der Riesenkrater, Kilimandscharo, Meru) weiter aufgegliedert. Das an der Küste feuchtheiße tropische Klima ist im Binnenhochland kühler und trockener, wobei in den Grabensenken die geringsten Niederschlagsmengen fallen. Weite Teile Tansanias sind abflusslos (Bildung von flachen Salzseen). Die Flüsse im südöstlichen Landesteil (Rovuma, Rufiji, Pangani) münden in den Indischen Ozean, das Gebiet um den Victoriasee gehört zum Einzugsgebiet des Nils. entsprechend den klimatischen Bedingungen zeigt die Vegetation im Hochland Domsavanne, lichte Trockenwälder und Kurzgras-, im Tiefland Baum- und Strauchsavanne, in Höhenlagen über 2000m überm Meer Nebelwald, darüber alpine Matten; an der Küste Mangrovenwälder. Die ehemals großwildreiche Tierwelt wird in mehreren Nationalparks (besonders Serengeti) und Reservaten, die knapp ein Viertel der Landesfläche einnehmen, geschützt. An Bodenschätzen (geologisch noch wenig erkundet) kommen Kohle, Eisen-, Nichteisenmetallerze, Diamanten, Steinsalz, Glimmer, Uran, Phosphate und Meerschaum vor.

Tantal, (nach Tantalus) Symbol Ta: chemisches Element der Kernladungszahl 73; Atommasse 180,9479; Wertigkeit +5, +4, +3, +2; /3010oC; Kp etwa 5500°C; Dichte 16,69 g/cm3; Hauptmineral ist Tantalit, (Fe,Mn)(Ta03)2. Tantal ist ein sehr hartes, dehnbares, bläulich-silberglänzendes, korrosionsbeständiges Metall, das auch von Königswasser nicht angegriffen wird und sich nur in Flusssäure löst. Man verwendet es für Spinndüsen, medizinische Instrumente und Spezialstähle. Tantal wurde 1802 von dem schwedischen Chemiker Anders Gustaf Ekeberg (i767—1813) als Oxid entdeckt. Die Darstellung des Elements gelang J. J. von Berzelius 1825.

Tantalus, in der griechischen Sage kleinasiatischer König, Sohn des Zeus, Vater von Pelops und Niobe; tötete Pelops und setzte ihn den Göttern zum Mahl vor, um deren Allwissenheit zu prüfen; büßte seine Frevel in der Unterwelt, indem er mit ständigem Hunger und Durst im Wasser unter Früchten stehen musste, die stets vor ihm zurückwichen (daher Tantalus quälen).

Tantalverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist +5-wertigem Tantal. Tantal(V)-fluorid, TaFs (96,8°C; Kp 229°C), und Tantals-Chlorid sind farblos, kristallisiert und werden durch Wasser zersetzt; das Fluorid bildet Komplexe. Tantal(V)-oxid ein weißes, bis 2000°C beständiges Pulver, ergibt beim Schmelzen mit Alkalien Tantalate verschiedener Zusammensetzung, aus deren wässrigen Lösungen durch Säuren weiße Tantalsäure, Ta205 xH20, gefällt wird.

Tantieme: 1. Reingewinnanteil der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, gegebenenfalls auch der Geschäftsführer beziehungsweise Direktoren von kapitalistischen Unternehmen.

2. Urheberhonorar auf der Grundlage einer Beteiligung an den Einnahmen oder dem Absatz.

Tantra: im indischen Mittelalter entstandene Sanskrittexte von Hinduisten und Buddhisten, die von der Vorstellungswelt matriarchalische Fruchtbarkeitskulte geprägt sind; noch ungenügend erforscht.

Tantrismus: Strömung in Hinduismus und Buddhismus, die lehrt, dass magische Praktiken und orgiastische Riten in Verbindung mit Yoga zur Weltbeherrschung und Erlösung führen.

Tanz: eine der ursprünglichsten künstlerischen Lebensäußerungen des Menschen; wurde aus einer Einheit von Sprache, rhythmisierten Lauten, Mimik und rhythmischer Körperbewegungen zu einer selbständigen Kunstart entwickelt, die (meist mit Musik) Gefühle, Gedanken, Haltungen, Erlebnisse, Handlungen nach Gesetzen des Rhythmus, der Raumverteilung und Körperbewegungen zum Ausdruck bringt. Der Tanz ist ein Mittel des Menschen, die Wirklichkeit zu durchdringen und zu bewältigen. Im Bewusstsein der Urgemeinschaften verdichteten sich die Naturgewalten zu Göttern und Dämonen, die man durch Beschwörungs- und Maskentanz günstig beeinflussen zu können meinte. Jagd-, Tier- und Kampftanz bei Jägern, Fruchtbarkeit-, Regen- und Erntetanz bei Ackerbauern und Tanzrituale bei Geburt, Initiation, Hochzeit und Begräbnis gehören noch heute zum Leben vieler Völker. In der Sklaverei Gesellschaft entwickelten Priester die verschiedensten tänzerischen Riten (Tempel Tanz), die Herrscher ließen zu ihrer Ergötzung Sklavinnen und Hetären tanzen. Im antiken Griechenland diente der Tanz auch der körperlichen Ertüchtigung. In der Feudalgesellschaft, besonders in Süd- und Südostasien, wurde der Schautanz zu klassischer Verfeinerung gesteigert, während Bauern und Handwerker ihren Volkstanz pflegten. In Europa wurde der höfliche Gesellschaftstanz streng vom Volkstanz getrennt, der sich trotz vieler Verbote der Kirche unter anderem zu Fastnachts- und Sonnenwendfesten wie auch in Mysterien- und Passionsspielen immer wieder durchsetzte. Mit dem Aufstieg des Bürgertums im 18. Jahrhundert wurde der Hoftanz durch neue, freiere Formen des Gesellschaftstanzes verdrängt. Der spätbürgerliche Gesellschaftstanz entwickelte mit dem Jazz viele neue, meist der US- und lateinamerikanischen Folklore entlehnte Formen. Das Ballett nahm im Kapitalismus an Breite und Vielfalt zu, während der Volkstanz zu versiegen drohte. Im Sozialismus gelangen Ballett, Gesellschafts- und Turniertanz, Volks- und Kindertanz zu neuer Blüte; neben der Pflege des tänzerischen Erbes werden neue Formen geschaffen. Auch in jungen Nationalstaaten wird die eigene Tanztradition durch Volkstanzensembles bühnenmäßig weiterentwickelt.

Tanzmusik: instrumentale beziehungsweise vokale Begleitmusik zum geselligen Tanzen; von der Antike bis zur Gegenwart eng mit der Kulturgeschichte der Menschheit verbunden. Mit der Entstehung des bürgerlichen Gesellschaftstanzes wurde die Tanzmusik zu einem Bestandteil der Massenunterhaltung, die zunehmend über die Massenmedien verbreitete Hörmusik einschloss. Kennzeichnend sind variable Besetzungsformen in unterschiedliche, den Aufführungsbedingungen und dem Verwendungszweck angepassten Arrangements mit einem von internationalen Moden bestimmten stereotypen Begleitrhythmus. Im Kapitalismus ist die Tanzmusik in den Gesamtzusammenhang imperialistischer Herrschaftsmethoden eingeordnet und hochgradig kommerzialisiert. In den sozialistischen Ländern vollzieht sich ihre Entwicklung als wesentlichen Bestandteil der sozialistischen Lebensweise.

Tanzschrift: Aufzeichnung von Tanzhaltungen und -bewegungen durch Worte, Zeichen und Ziffern. Die ältesten in Europa erhaltenen Tanzsigel enthält ein Tanzbuch der Margarete von Österreich um 1460. 1701 veröffentlichte R. A. Feuillet eine Strichnotation. C. Blasis schrieb Tänze 1820 in Umrisszeichnungen auf. Die 1926 von R. von Laban veröffentlichte und von A. Knust weiterentwickelte Kinetographie ist die umfassendste Tanzschrift

Tanzturnier: sportlicher Wettbewerb von Gesellschaftstanzpaaren. Als Standardtänze werden allgemein langsamer Walzer (English Waltz), Tango, Wiener Walzer, Foxtrott und Quickstep, in der lateinamerikanischen Disziplin Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba (Mambo bolero), Paso doble und Jive getanzt; bei Schüler-Tanzturnieren auch die Polka.

Tolagnaro: Stadt an der Südostküste Madagaskars, am Indischen Ozean; früher Fort-Dauphin-, 15000 Einwohner; Handelszentrum; Hafen; Verarbeitung von Holz, Sisal und Glimmer; Flughafen.

Taormina: Seebad an der Ostküste der italienischen Insel Sizilien; 10000 Einwohner; über einer Bucht bis 225 m ansteigend; starker Fremdenverkehr. Zahlreiche Reste antiker Bauten: griechisches und römisches Theater, Thermen, Aquädukt; Dom (ursprünglich gotisch, im 16. Jahrhundert erneuert), Palazzo Santo Stefano (14. Jahrhundert; zum Teil zerstört).

Tao Yuanming, Tao Qian, 365-427, chinesischer Schriftsteller; einer der bedeutendsten chinesischen Dichter; seine Werke bestehen vornehmlich aus fünfsilbigen Zeilen und handeln zumeist vom ländlichen Leben (Prosadichtung «Der Pfirsichblütenquell»), berühren aber auch politische Zustände (Gedicht «Über den Wein»).

Tapa, Rindenbaststoff: vorwiegend aus dem Rindenbast des Papiermaulbeerbaums hergestellter Stoff der Polynesier; der Rindenbast wird in Wasser aufgeweicht, mit kantigen Holzschlegeln zu Stoffstücken geschlagen, die aneinander geklebt und oft kunstvoll bemalt oder bedruckt werden.

Tapajos: rechter Nebenfluss des Amazonas, in Brasilien; 1900 km; entspringt mit den 2 Quellflüssen Juruena und Sao Manuel im Brasilianischen Bergland (Mato Grosso), erweitert sich im Unterlauf seenartig bis zu 20 km Breite und mündet bei Santarem.

Tapet: Tischdecke, besonders in Sitzungszimmern. aufs Tapet bringen: zur Sprache bringen.

Tapeten: Wandbekleidung; heute überwiegend aus Papier hergestellt. Ein großer Teil der Papiertapeten sind Leimdrucktapeten, bei denen die verwendeten Pigmentfarben mit pflanzlichen Stärkeleim gebunden sind, bei abwaschbaren Tapeten bestehen die Druckfarben aus Pigmentmassen und Leinölfirnis (Öldrucktapeten); Raufasertapeten enthalten in der oberen Schicht eingepresste Fasern, Holzmehl oder -späne. Tapeten werden auf speziellen Tapeten-Rotationshochdruckmaschinen, neuerdings auch im Offset-, Flexo-, Durch- und Tiefdruck auf entsprechenden Rollenrotationsmaschinen gefertigt. Tapeten haben sich seit Jahrtausenden aus Wanddekorationen entwickelt (Malerei, Tierfelle, Teppiche, Stickereien, bemalte Seide und gewebte Bilder (Gobelins)). Die ersten Tapeten im engeren Sinne, das heißt auf die Wand gespannt, waren die nur für die herrschenden Klassen erschwingliche Ledertapeten, die ursprünglich im Orient Anwendung fanden. Im 11. Jahrhundert von Mauren nach Spanien gebracht, waren sie im 16./18. Jahrhundert in Europa weit verbreitet. Sie wurden gepunzt und geprägt und wirkten deshalb plastisch. Im 18. Jahrhundert verdrängten allmählich billigere, leichtere und hellere Materialien, wie Leinen, Baumwolle, Wachstuch, das Leder, was zur Verbürgerlichung der Wohnkultur beitrug. Die Papiertapeten kamen, durch importierte Wandschirme aus Ostasien vermittelt, am Ende des 17. Jahrhundert in Europa auf. ursprünglich nur für den Haushalt des weniger bemittelten Bürgers bestimmt, entwickelten sie sich in kurzer Zeit zu den gebräuchlichsten Tapeten Zuerst wurden kleine handgemalte oder mit Holzmodeln bedruckte Blätter (sogenannt Buntpapiere) aneinandergeklebt. Ende des 18. Jahrhundert ermöglichte die Erfindung der Papiermaschine die Herstellung von Papierrollen, die nun mit Tapetendruckwalzen bedruckt wurden.

In jüngster Zeit gewinnen auch industriell gefertigte Tapeten aus Plastikstoffen an Bedeutung.

Tapetenmotte, Trichophaga tapetzella: weiß und grau gezeichnete Mottenart; Raupe schädigt an Pelzen, Tapeten, Wollstoffen und mitunter auch an Lebensmitteln. Siehe auch Schmetterlinge.

Taphrogenese: Bildung von großen Gräben in der Erdkruste; im weiteren Sinne Blockfaltung beziehungsweise Bruchtektonik.

Tapire, Tapiridae: Unpaarhufer von schweineähnlicher Gestalt mit kurzer Behaarung; Oberlippe rüsselartig verlängert; vorwiegend nachtaktive, wasserliebende Pflanzenfresser; leben in Urwäldern Süd-, Mittelamerikas und Südostasiens. Auffällig schwarzweiß gezeichnet ist der Schabrackentapire (Tapirus indicus), der Flachlandtapire (T. terrestris) ist braun gefärbt.

Tapisserie: früher gewirkte Gobelins, Wandteppiche u. ä., heute Buntstickerei auf Kanevas (gitterartiges Gewebe in Leinwandbindung für Handarbeiten).

Tapolca: Stadt in Ungarn (Bezirk Veszprem), Touristenzentrum im Bakony, nahe dem Balaton; 17200 Einwohner; erschlossenes Karsthöhlensystem.

Taqsim: solistisch improvisierende Einleitung der Vokalformen der arabischen Musik.

Tara: Masse der Verpackung der Ware.

Tarai: Bergfußzone der Siwalikketten, im Bereich des Kumaon-Himalaja; politisch zu Indien und Nepal; besteht aus Schwemmfächern, die nach Norden von Geröllschutt abgelöst werden, hier versiegen kleinere Flüsse, die dann bei abnehmendem Gefälle wieder austreten und meist Sümpfe bilden; nur noch zum Teil von laubabwerfenden regengrünen Monsunwäldern bedeckt, aber dichte bambusreiche Sumpfwälder; Hauptanbaugebiet Nepals.

Taraki, Nur Muhammad, 14.7.1917-8.10.1979 (ermordet), afghanische Partei- und Staatsfunktionär; Mitbegründer (1965) und Generalsekretär (seit 1977) der Demokratischen Volkspartei Afghanistans; Führer der Volksrevolution im April 1978; seit 1978 Vorsitzender des Revolutionsrates und Ministerpräsident.

Tarantel, (nach der Stadt Taranto) Lycosa tarantula: bis 3 cm lange, im Mittelmeergebiet in Erdlöchern lebende Spinne. Früher nahm man an, dass ihr Biss zu Wahnsinn führe, der nur durch Tanz (Tarantella) zu heilen sei.

Tarantella, (nach der Stadt Taranto) süditalienischer Volkstanz im 6/8- oder 3/8-Takt, der im langsamen Tempo beginnt und immer schneller wird.

Tarascon: Stadt im Süden Frankreichs, an der unteren Rhone; 10000 Einwohner; Obst- und Gemüsehandel; Schloss (12./15. Jahrhundert).

Tarasken: Indianervolk in Mexiko (Staat Michoacan) mit isolierter Sprache; etwa 70000; gründeten um 1400 einen starken Staat, der sich gegen die Aztekenherrschaft behaupten konnte; mit der spanischen Eroberung 1532 wurde die alte eigenständige Kultur der Tarasken (Tempelpyramiden, entwickeltes Kunsthandwerk, zum Beispiel Obsidian Masken, Kupferarbeiten, kostbare Federmosaike) vernichtet.

Tarawa: Hauptstadt von Kiribati (Mikronesien), auf dem Tarawa Atoll der Gilbertinseln; 20000 Einwohner; Hochseehafen. In Tarawa befindet sich der Regierungssitz Bairiki.

Tarbes: Stadt im Südwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Hautes-Pyrénées, am Adour, 51000 Einwohner; Elektrolokomotiv- und Flugzeugbau; staatliches Gestüt; Winterkurort.

Tardenoisien: Kultur von Jägern, Sammlern und Fischern der späten Mittelsteinzeit (6./4. Jahrtausend vor Christus) in West-, Mittel- und Südeuropa; typisch sind kleine geometrische Feuersteingeräte (Mikrolithe); benannt nach Funden von La Fère-en-Tardenois im Departement Aisne (Frankreich).

Tardieu, André, 22.9.1876-15.9.1945, französischer Politiker; nahm als Mitarbeiter G. B. Clemenceaus 1919 an der Pariser Friedenskonferenz teil und trat für die strengste Einhaltung des Versailler Vertrages ein; 1929/30 und 1932 Ministerpräsident mit Sympathien für den aufkommenden Faschismus.

Tarent, italienische Taranto: Stadt in Unteritalien, in der Region Apulien, Verwaltungszentrum der Provinz Tarent, am Golf von Tarent; 245000 Einwohner; großes Hüttenwerk, Schiff- und Maschinenbau, Erdölraffinerie; Fischerei, Muschelzucht; Militär- und Handelshafen; Meereskundeinstitut; antike Bauten (Forum, Museion, Theater, Wasserleitung), Dom (11. Jahrhundert), Kastell (15. Jahrhundert). Um 708/707 vor Christus von Spartanern gegründet; 272 vor Christus von Rom in Besitz genommen; im Mittelalter Blütezeit unter den Orsini (1393/1406). Im 2. Weltkrieg wichtiger Hafen der italienischen Kriegsmarine.

Target: (englisch, «Zielscheibe») für die Untersuchung der Eigenschaften von Atomkernen und Elementarteilchen geeignete Stoffprobe, auf die ein Teilchenstrahl trifft.

Tarif: 1. in gesetzlichen Bestimmungen oder Verträgen festgelegter Lohn- oder Gehaltssatz. 2. Verzeichnis von Preisen (Entgelten) für Leistungen insbesondere des Transport- und Nachrichtenwesens sowie für den Verbrauch von Elektroenergie, Gas und Wasser. Siehe auch Elektroenergietarif.

Tariflohn: durch Tarifsatz und Normalarbeitszeit bestimmter, in Kollektivverträgen festgelegter Lohn der Werktätigen. Der Tariflohn wird gezahlt, wenn der Werktätige das festgesetzte Arbeitsmaß nach Qualität und Quantität erfüllt hat.

Tarifvertrag: Vereinbarung zwischen Gewerkschaften oder anderen Verbänden der «Arbeitnehmer» und Unternehmervereinigungen oder Unternehmern zur Regelung des Lohnes, der Arbeitszeit, des Urlaubs unter anderem

Tarim, chinesisch Talimuhe: längster Fluss Zentralasiens, im Nordwesten Chinas (Autonomes Gebiet Xinjiang Uygur); 2750 km; entsteht südöstlich von Aksu durch Vereinigung mehrerer Quellflüsse, die aus dem Tienschan (Aksu, Kaxgar) und dem Kunlun (Yarkant, Hotan) kommen; durchfließt als Fremdlingsfluss die Steppen, Wüstensteppen und Wüsten am Nordrand des Tarimbeckens und versiegt in der östlichen Taklimakan (mündete bis 1923 in den Lop Nor).

Tarimbecken: tektonisch angelegtes Becken mit Binnenentwässerung im Nordwesten Chinas (Autonomes Gebiet Xinjiang Uygur), zwischen Tienschan im Norden, Kunlun im Süden und Pamir im Westen; etwa 400000 km!. Von rund 1400 m im Westen sich auf etwa 800 m ü. M, im Osten senkend, geht das Tarimbecken wieder ansteigend ohne markanten Gebirgsrand in die Gobi über. Bei extrem kontinentalem Klima zum größten Teil von der Sandwüste Taklimakan bedeckt; in den Randgebieten und an den Fremdlingsflüssen Oasen.

Tarkington, Newton Booth, 29.7.1869-19.5.1946, US-amerikanischer Romancier und Dramatiker; schilderte in flüssig geschriebenen Romanen das Leben des amerikanischen Mittelstandes («Die stolzen Ambersons», 1918, deutsch).

Tarle, Jewgeni Wiktorowitsch, Eugen Tarle, 8.11.1875-5.1.1955, sowjetischer Historiker; Autor bedeutender Werke zur russischen und französischen Geschichte in der Periode der Französischen Revolution und der napoleonischen Kriege, des Krimkriegs sowie der internationalen Beziehungen der Neuzeit.

Tarn: Fluss im Süden Frankreichs; 375 km; entspringt in den Cevennen, mündet bei Moissac in die Garonne; durchfließt die engen, tiefen Schluchten des Canons Gorges du Tarn

Tarnobrzeg: 1. Wojewodschaft im Südosten Polens; 6283 km2, 565000 Einwohner; 90 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Tarnobrzeg 2. Überwiegend Beckenlandschaft der Kotlina Sandomierska, von der Wisla und ihren Zuflüssen durchzogen; im Nordwesten Gory Swietokrzyskie, im Osten Wyzyna Lubelska und Teile des Roztocze; zu etwa 30% bewaldet. Industrie-Agrar-Gebiet; Schwefelforderung, darauf basierend chemische Industrie, ferner Eisenmetallurgie, Maschinenbau und Metallverarbeitung, Nahrungsmittel- und Glasindustrie; Landwirtschaft mit Anbau von Getreide, Zuckerrüben, Hanf, Tabak und Gemüse, Obstbau sowie Viehzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Tarnobrzeg 1, an der Wisla; 41000 Einwohner; Maschinenbau, Textilindustrie, im Stadtteil Machow Chemiekombinat auf der Basis lokaler Schwefellager der Schwefeltagebaue Jeziorko und Grzybowo; Theater.

Tarnow: 1. Wojewodschaft im Südosten Polens, südlich der Wisla; 4151 km2, 630000 Einwohner; 152 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum 12. Im Norden Beckenlandschaft der Kotlina Sandomierska, im Süden Karpatenvorland; von Dunajec und anderen Wisla Zuflüssen durchzogen. Industrie-Agrar-Gebiet; chemische, Nahrungsmittel-, Maschinenbau-, metallurgische, Baustoff-, Papier- und Glasindustrie, besonders in Tarnow 2; Bergbau (Erdöl, -gas, Steinsalz); Getreide-, Kartoffel-, Gemüseanbau, Obstbau und Viehzucht; im Süden Touristengebiete.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Tarnow 1, im Karpatenvorland, an der Biala; 110000 Einwohner; chemische Industrie (besonders Stickstoffdüngemittel), Maschinen-, Elektromotorenbau, Lebensmittel-, Glasindustrie; bei Tarnow Erdgasgewinnung; Theater, Museen; Baudenkmäler, unter anderem gotische Kathedrale und Rathaus.

Tarnow, Fritz, 13.4.1880-23.10.1951, Gewerkschaftsführer und revisionistische Theoretiker der SPD; seit 1920 Vorsitzender des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes, seit 1928 Abgeordneter des Reichstags; trat entschieden für Zusammenarbeit mit der imperialistischen Bourgeoisie ein, entwickelte 1931 die These, die Arbeiterklasse müsse «Arzt am Krankenbett des Kapitalismus» sein; ab 1933 Exil.

Tarnowskie Gory: Stadt in Polen (Wojewodschaft Katowice), im GOP; 70000 Einwohner; Zentrum des Bergbaumaschinenbaus; chemische, Leichtindustrie; Eisenbahnknoten; Heimatmuseum; alter Bergbaustollen (unterirdische Kahnfahrt).

Tarnung:

1. Geochemie: Camouflage.

2. Militärwesen: Art der Sicherstellung von Kampfhandlungen durch Schutz von Soldaten, Kampftechnik und Bauten durch natürliche oder künstliche Verkleidung, Anstriche, chemische Substanzen (zum Beispiel Nebelmittel) beziehungsweise funktechnische Maßnahmen; auch Verbergen vor dem Gegner durch Abblenden von Lichtquellen, Vermeiden von Geräuschen, Funkstille unter anderem

Taro, Wasserbrotwurzel, Colocasia esculenta; in den Tropen angebautes Aronstabgewächs aus Südostasien; die stärkereiche, verdickte Knolle ist ein wichtiges Nahrungsmittel. Nach Kochen oder Rösten verliert sich der im rohen Zustand vorhandene, durch Kalziumoxalat hervorgerufene Geschmack.

Tarock: ursprünglich italienisches Kartenspiel zu dritt mit 78 Blatt (bei Großtarock) Abarten: Bayrisch-Tarock (36 Blatt mit deutschen Zeichen), Tapp-Tarock (36 Blatt mit französischen Zeichen).

Tarpan, Equus przewalskii: mausgraues Wildpferd mit schwarzer Mähne, Aalstrich und Schwanz; bewohnte Steppen- (Steppentarpan, Equus przewalskii gmelini) und Waldgebiete (Waldtarpan, Equus przewalskii silvaticus) Mittel- und Osteuropas, ist aber im 18. und 19. Jahrhundert ausgerottet worden. Durch Rückzüchtung aus domestizierten Pferden entstand das Tarpan ähnliche Hauspferd.

Tarpejischer Felsen: Steilhang an der Südwestseite des Hügels Kapitol in Rom, von welchem der Sage nach Lucius Tarpeius, ein Gegner des Romulus, heruntergestürzt wurde; später Hinrichtungsstätte für Verbrecher und politischer Gegner des Senats.

Tarquinius: Geschlechtername zweier römischer Könige, die aus der etruskischen Stadt Tarquinii stammten: 1. Tarquinius Priscus («der Alte»), war der 5. König (6. Jahrhundert vor Christus), soll unter anderem das Forum Romanum haben erbauen lassen. 2. Tarquinius Superbus («der Hochmütige»), 7. und letzter König (6. Jahrhundert vor Christus). Mit seiner Vertreibung aus der Stadt (510) endete die Königsherrschaft in Rom.

Tarragona: Stadt im Nordosten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Tarragona, südwestlich von Barcelona; 110000 Einwohner; Tabak-, Textilindustrie, Wein- (Tarragona Wein) und Likörherstellung; Fischfang; Hafen; Priesteruniversität, Fachschulen, archäologisches Museum; Stierkampfarena; Seebad; Kathedrale (12./14. Jahrhundert), Reste römischer Bauten (Amphitheater).

Tarrasa: Stadt im Nordosten Spaniens, nordwestlich von Barcelona; 160000 Einwohner; Zentrum der Textilindustrie (Wolle, Kunstfasern), Textilmaschinenbau, elektrotechnische Industrie; Textilingenieurschule, Textilmuseum; Kirche San Miguel (6. Jahrhundert).

Tarski, Alfred, geboren 14.1.1901, US-amerikanischer Mathematiker und Logiker polnischer Herkunft; bedeutende Beiträge zu allen Gebieten der mathematischen Logik, zur Mengenlehre, Algebra und Geometrie; Mitbegründer der logischen Semantik.

Tartaglia, Niccolo, 1499 oder 1500-13.12.1557, italienischer Mathematiker und Techniker; entdeckte 1535 S. del Fenos (14657-1526) Methode zur Lösung der kubischen Gleichungen neu, die G. Cardano veröffentlichte; ermittelte, dass die maximale Wurfweite beim Wurf unter 45° erreicht wird.

Tartan: elastischer, synthetischer, fugenloser Bodenbelag auf Polyurethanbasis; ist wetterbeständig, wird für Sportstätten, Schiffsdecks unter anderem verwendet. Handelsbezeichnung anderer Kunststoffbeläge sind zum Beispiel Rekortan.

Tartaros, Tartarus: in der griechischen Sage der finstere Standort im Abgrund des Hades, wo Zeus die Missetäter büßen ließ und seine Feinde gefangen hielt. Siehe auch Sisyphus, Tantalus.

Tartini, Giuseppe, 8.4.1692-26.2.1770, italienischer Komponist und Violinvirtuose; beeinflusste mit zahlreichen, oft sehr eigenwilligen Violinkonzerten, -sonaten, Sinfonien unter anderem die Entwicklung der europäischen frühklassischen Instrumentalmusik.

Tartüff: Heuchler, Scheinheiliger; nach der Titelgestalt in Molares Komödie «Tartuffe».

Tartus, Tartous: Stadt (Provinzzentrum) im Westen Syriens, an der Mittelmeerküste; 53000 Einwohner; Zementwerk, Fischfang; größter Hafen des Landes (Erdölumschlag), Pipeline aus dem Nordosten Syriens, Eisenbahnanschluss.

Tarzan: von Affen aufgezogener, immer siegreicher Dschungelheld der Tarzan-Bücher (1912 und folgende) des US-amerikanische Schriftstellers E. R. Burroughs (1875-1950), die in Millionenauflagen, zahlreichen Übersetzungen und Verfilmungen (seit 1918) noch heute zur Manipulierung sowie zur Verflachung des literarischen Geschmackes unter kapitalistischen Verhältnissen beitragen.

Tas: Fluss in Westsibirien; 1401 km; entspringt dem Sibirischen Landrücken, mündet in die Tasbucht (Karasee); fischreich; zum Teil schiffbar; sein Quellgebiet ist geographischer Mittelpunkt der UdSSR.

Taschenbuch: Buch in kleinem («Taschen»-) Format, seit dem 18. Jahrhundert; heute billige, broschierte Ausgabe (in meist normalem Buchformat auch Paperback genannt) für alle Literaturzweige.

Taschenkamera: kleine und leichte Kamera mit Aufnahmeformaten kleiner als 18 mm x 24 mm (Kleinstbild), vorzugsweise 13 mm x 17 mm (Pocketkamera); Aufnahmematerial ist 16-mm-Film.

Taschenklappen, Semilunarklappen (lateinisch + deutsch): aus jeweils 3 halbmondförmigen Taschen zusammengesetzter Ventilmechanismus zwischen Herzkammern und den daraus hervorgehenden großen Arterien. Die Taschenklappen verhindern den Rückfluss des Blutes zum Herzen.

Taschenkrebs, Cancer pagurus: bis 30 cm breit werdende Krabbe der Nordsee- und Mittelmeerküste mit starkem Panzer und kräftigen Scheren; frisst andere Krebse, Stachelhäuter, Muscheln und Fische; guter Speisekrebs.

Taschenratten, Geomyidae: plumpe, maulwurfähnliche Nagetiere mit taschenförmigen, mit Fell ausgekleideten Hautfalten, die von den Mundwinkeln bis zur Schulter reichen, mit großen Nagezähnen und kurzen, stark bekrallten Beinen; bewohnen dämmerungsaktiv Busch- und Waldgebiete von Südwestkanada bis zum nördlichen Südamerika.

Taschenrechner: Rechenautomat, der sich durch extrem geringes Volumen und einfache Peripherie auszeichnet. Ein Taschenrechner besitzt eine Tastatur zur Eingabe und eine Ziffernanzeige zur Ausgabe, mitunter ist auch ein Ergebnisdrucker oder ein einfacher Massenspeicher (zum Beispiel Magnetbandgerät) anschließbar. Der Rechner selbst besteht aus einem oder mehreren Halbleiterschaltkreisen und enthält die Zentraleinheit, den Multiplexer (elektronischer Mehrfachumschalter) sowie Eingabeschaltungen und Ausgabeverstärker. Die Zentraleinheit besteht aus Steuerwerk und Rechenwerk und hat oft auch einen (mitunter über Tastatur oder austauschbare Magnetkarten ladbaren) Speicher zur Steuerung komplizierter Berechnungen. Leistungsfähige Taschenrechner verfügen über festprogrammierte Operationen für Logarithmen, Winkel-, Exponentialfunktionen unter anderem Zur Stromversorgung dienen Trockenbatterien, aufladbare Nickel-Cadmium-Akkumulatoren oder ein Netzanschlussgerät.

Taschkent: Hauptstadt der Usbek. SSR und Zentrum des Gebietes Taschkent, in einer vom Tschirtschik bewässerten Oase, in den Vorbergen des westlichen Tienschan; 2 Millionen Einwohner; Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum Mittelasiens; vielseitige Industrie mit Maschinen-, Traktorenbau, Metallverarbeitung, vielseitiger Leicht- (besonders Baumwollverarbeitung), chemische, pharmazeutische und Lebensmittelindustrie; Wärmekraftwerk (1920 MW) auf Erdgasbasis; Verkehrsknoten, Flughafen, U-Bahn; Akademie der Wissenschaften, Universität (1918 gegründet), 18 Hochschulen; Theater, Museen, Philharmonie, Observatorium, Zoo; Filmfestival; Fernsehturm (375 m). 1966 durch Erdbeben stark zerstört, unter Mithilfe des gesamten Sowjetvolkes wieder aufgebaut. Zu den bedeutendsten Baudenkmälern des mittelalterlichen Taschkent gehören Junus-Chan-Mausoleum (15./16. Jahrhundert), Hodscha-Ahrar-Medrese (um 1451), Kaffal-Schachi-Mausoleum (1541/42), Kukeldash-Medrese (um 1569) und Chan-Mausoleum (1531/32). Die Neustadt mit Gebäuden europäischen Typs entstand nach der Mitte des 19. Jahrhundert Nach 1917 wurde Taschkent wesentlich erweitert (Generalbebauungspläne 1937/40 und 1968). Die nationalen Traditionen in Verbindung mit konstruktiven Prinzipien werden besonders in öffentlichen-repräsentativen Bauten aufgegriffen. Taschkent ist eine der ältesten Städte Mittelasiens, im Mittelalter wichtiges politisches und ökonomisches Zentrum; 16./18. Jahrhundert zwischen usbekischen, bucharischen und kasachischen Chanen umstritten; 1865 von russischen Truppen besetzt, wurde Hauptstadt des Generalgouvernements Turkestan; seit 1930 Hauptstadt der Usbek. SSR.

Tas Halbinsel: Landvorsprung im Norden der Westsibirischen Ebene, im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen, zwischen Ob Bucht im Westen und Tas Bucht im Osten; etwa 200 km lang und bis 100 m hoch; Tundra; Erdgasgewinnung (Erdgasleitung Jamburg-Westgrenze der UdSSR (4605 km); Bau mit RGW-Beteiligung).

Tasman, Abel Janszoon, 16030kt. 1659, niederländischer Seefahrer; entdeckte 1642 Van Diemen’s Land (Tasmanien), Neuseeland, 1643 die südlichen Tonga- und Fidschiinseln; erkundete 1644 die australische Nord- und Nordwestküste.

Tasmanien: Insel vor der Südostspitze Australiens und kleinster australischer Bundesstaat, durch die Bass-Straße vom australischen Kontinent getrennt; mit Nebeninseln 67800 km2; 435000 Einwohner; 6 Einwohner/km2; Hauptstadt Hobart. Von zum Teil bewaldeten Gebirgen durchzogenes grasbedecktes, zum Teil bewaldetes Zentrales Hochland von Tasmanien, das im Mount Ossa (1617 m) seine größte Höhe erreicht; feuchtgemäßigtes Seeklima, im Norden subtropisch. Agrarstaat mit bedeutendem Bergbau; Obst- und Gemüsebau (besonders im Südosten), außerdem Kartoffelanbau, Schaf- und Rinderzucht sowie Forstwirtschaft; Förderung von Zinn-, Eisen-, Kupfer-, Blei-, Zink-, Silbererzen, Gold, Schwefel, Steinkohle und Bauxit; Bunt-, Leichtmetallurgie und Leichtindustrie (besonders Holzverarbeitung); Elektroenergieerzeugung durch Wasserkraftwerke. 1642 von A. J. Tasman entdeckt und nach dem damaligen Gouverneur von Niederländisch-Indien Van Diemen’s Land genannt; 1803 britische Sträflings-, 1825 Zivilkolonie, seit 1855 unter dem Namen Tasmanien mit innerer Selbstverwaltung; Ureinwohner (Tasmanier) ausgerottet. Seit 1901 Staat des Australischen Bundes.

Tasmanier: ehemalige Bevölkerung Tasmaniens, zur Zeit ihrer Entdeckung 6000 bis 7000; von britischen Kolonisatoren bis 1876 ausgerottet; sie verkörperten kulturell die altertümlichste Bevölkerung Ozeaniens; steinzeitliche Kultur: sehr wenig Waffen (Pfeil und Bogen fehlten) und Geräte aus Holz oder roh behauenen Steinen, im Allgemeinen keine Kleidung, Windschirm als Behausung.

Tasmansee: Randmeer des Stillen Ozeans zwischen Tasmanien und Australien im Westen und Neuseeland, Norfolk und Neukaledonien im Osten; 3,34 Millionen km2, bis 6015 m tief, Salzgehalt 35,0 bis 35,5%o, Tidenhub 5,3 m; Fischfang. Durch die Bass-Straße mit dem Indischen Ozean verbunden.

Tassaert, Antoine, 1727 (19.8. getauft) 21.1.1788, flämischer Bildhauer, Vertreter des Übergangs vom Rokoko zum Klassizismus; seit 1775 Leiter der königlichen Bildhauerwerkstatt in Berlin, erhielt 1787 die Direktion über alle Bildhauerarbeiten an den königlichen Bauten in Berlin und Potsdam.

Tassili: Sandsteinmassiv in der ostalgerischen Sahara; hier wurden 1933 an Felsen und in Höhlen Tausende von Malereien und Gravierungen (Tier- und Menschendarstellungen) aus der Zeit vom 8. Jahrtausend vor Christus bis zum Beginn unserer Zeit entdeckt. Die Darstellungen werden 4 Epochen (Rundkopf-, Rinder-, Reiter- und Kamelperiode) zugeordnet.

Tasso, Torquato, 11.3.1544-25.4.1595, italienischer Lyriker und Epiker; verfasste formvollendete melancholische Gedichte in der Tradition Petrarcas und mit «Aminta» (1573, deutsch) das beste italienische Schäferdrama; Ergebnis seines Bemühens um ein klassisches Nationalepos ist sein Hauptwerk «Das befreite Jerusalem» (1581, deutsch), in dem sich die weltanschaulichen Probleme der Zeit seit der Herrschaft Karls V. in Italien und der Ausbreitung der Gegenreformation widerspiegeln.

Titelgestalt eines Dramas von J. W. Goethe.

Tastatur: Anordnung von Tasten in Form eines Bedienungsfeldes insbesondere bei Büromaschinen zur Eingabe von Daten und zum Betätigen oder Auslösen von Maschinenfunktionen.

Taste: Bedienelement an technischen Einrichtungen zur Betätigung mittels Hand- oder Fußkraft bei geringem Hub, zum Beispiel bei Büromaschinen und beim Klavier. In der Elektrotechnik ein federnder Hebel zum Schließen oder Unterbrechen elektrischer Stromkreise, der nach Betätigung in die Ruhestellung zurückkehrt. Siehe auch Drucktaste.

Tasteninstrumente: Musikinstrumente, die mittels Tasten gespielt werden und sich damit auch gut für akkordischen Spiel eignen. Zu den klassischen Tasteninstrumenten gehören die Aerophone Orgel und Harmonium sowie die besaiteten Tasteninstrumente Clavichord, Cembalo und Klavier mit ihren Nebengruppen.

Taster: 1. zirkelähnliches Gerät zum Abtasten, Vergleichen und Übertragen von Maßen.

2. in der Messtechnik als Tastorgan verwendetes Bauelement von Messfühlern, normalerweise mit Objektkopplung; auch taktiler Sensor.

Tasthaare, Spürhaare, Schnurrhaare, Sinushaare, Vibrissae: unterschiedlich lange, borstenähnliche steife Haare zum Wahrnehmen von Tastempfindungen (besonders Innervierung der Haarbälge); Vorkommen auf der Oberlippe, den Wangen und am Kinn vieler Säugetiere.

Tastkörperchen: auf der Körperoberfläche oder im Körperinneren liegende Rezeptoren unterschiedlicher Bauart zur Wahrnehmung von Tastempfindungen.

Tastsinn, Berührungssensibilität, taktile Sensibilität: Fähigkeit zur Wahrnehmung von Gegenständen und deren Eigenschaften durch Berühren oder Betasten, die über Hautrezeptoren vermittelt und durch Informationen der Tiefensensibilität unterstützt wird. Die Mechanorezeptoren der Haut reagieren auf Druck, Berührung oder Beschleunigung (Vibration; Pacini-Körperchen). Die Rezeptoren sind an Zungenspitze, Fingerbeeren und Lippen besonders dicht angeordnet. Das Gegenteil trifft zum Beispiel für den Rücken zu, der Mindestabstand zweier Reize beträgt dort 30 mm und mehr, um getrennt wahrgenommen zu werden. An der Zungenspitze genügt 1 mm (Raumschwelle).

Tastung: plötzliche Änderung der Amplitude, Frequenz oder Phase einer Trägerschwingung im Rhythmus diskreter Zeichen zur Telegrafie- oder Datenübertragung; siehe auch Modulation 1.

Tatabanya: Stadt im Norden Ungarns, Verwaltungszentrum des Bezirkes Komarom, zwischen den Gebirgen Vértes und Gerecse; 75900 Einwohner; Aluminiumhütte, Baustoff- und Brikettherstellung; bei Tatabanya Braunkohlen- und Bauxitabbau.

Tatanka Yotanka, Sitting Bull (englisch, «Sitzender Stier»), um 1831-15.12.1890 (erschossen), Führer des indianischen Freiheitskampfes, Dakota-Häuptling; besiegte 1876 in der Schlacht am Little Big Horn US-amerikanischen Truppen unter General Custer.

Tataren: 1. in Europa Sammelname für die im 13. Jahrhundert unter Dschingis-Khan vereinigten Mongolen und Turkvölker; siehe auch Goldene Horde.

2. Turkvolk, unteres Wolgagebiet und Westsibirien), etwa 6,3 Millionen; Nachkommen der turksprachigen Bevölkerungen der Chanate Astrachan, Kasan, Krim und Sibir.

Tatarensund: Meeresstraße zwischen dem asiatischen Festland und der sowjetischen Insel Sachalin, verbindet das Ochotskische mit dem Japanischen Meer; 852 km lang, 7,3 km (Newelskoistraße) bis 342 km breit. Tatarisch Turksprachen.

Tatarische, Tatarien: im Osten der Osteuropäischen Ebene, an der mittleren Wolga und unteren Kama; 68000 km2, 3,52 Millionen Einwohner (48% Tataren, 44% Russen); 52 Einwohner/km2; Hauptstadt Kasan. Großenteils Tiefland mit breiten Flussniederungen, im Südosten flachwellig und bis 343 m ansteigend; gemäßigtes Kontinentalklima. Entwickelte Industrierepublik, mit hochmechanisierter Landwirtschaft. Wirtschaftliche Hauptbedeutung haben Erdölförderung (2. Stelle in der UdSSR, Almetjewsk), -Verarbeitung und -Chemie; außerdem Maschinen- (Ausrüstungen für die Chemieindustrie, Erdöl- und Erdgaswirtschaft, Werkzeug-, Landmaschinen) und LKW-Bau (Typ «Kamas» in Breschnew) sowie Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Hauptindustriezentren sind Kasan, Selenodolsk, Nishnekamsk und Almetjewsk; Wärme- und Wasserkraftwerke (Nishnekamsk, 1248 MW); Anbau besonders von Getreide und Futterpflanzen; intensive Viehzucht (besonders Rinder); Pelztierzucht.

Tatauierung, Tätowierung: Musterung der Haut durch Einbrennen, -schneiden, -ritzen oder -schlagen; Schmuck-, Stammes- oder Standesabzeichen, auch vermeintlich magische Schutzmittel; weltweit, besonders bei Polynesiern verbreitet.

Tatbestand: Strafrecht - gesetzliche Definition der objektiven und subjektiven Merkmale einer Straftat.

Tateinheit: Verletzung mehrerer Strafrechtsnormen durch eine Tathandlung. Siehe auch Tatmehrheit.

Täter: Person, die schuldhaft eine Straftat allein oder mit anderen gemeinsam (Mittäter) ausführt oder durch einen strafrechtlich deswegen nicht verantwortlichen anderen als Werkzeug (zum Beispiel ein Kind) ausführen lässt (mittelbarer Täter). Siehe auch Teilnahme.

Tati, eigentlich Tatischeff, Jacques, 9.10.1908-5.11.1982, französischer Filmregisseur, -autor und -Schauspieler, nahm in seinen Satiren und Komödien menschlichen Schwächen und die bürgerliche Zivilisation aufs Korn («Die Ferien des Monsieur Hulot», «Mein Onkel», «Playtime», «Trafic»).

tätige Reue: Strafrecht freiwillige und endgültige Abwendung des tatbestandsmäßigen Erfolges einer strafbaren Handlung durch den Täter beim beendeten Versuch.

Tätigkeit: 1. allgemein Funktion eines technischen, Organ. oder gesellschaftlichen Systems (Tätigkeit einer Maschine, des Herzens, einer Organisation).

2. Philosophie: aktives zielgerichtetes Verhalten der Menschen zu ihrer natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt. Tätigkeit ist ein gesellschaftlicher Prozess, in dem sich die Menschen ihre Umwelt materiell-gegenständlich und geistig aneignen und ihre individuellen und gesellschaftlichen Kräfte und Fähigkeiten entwickeln. Sie ist stets konkret historisch durch den Entwicklungsstand der Produktivkräfte und die jeweiligen Produktionsverhältnisse bestimmt. Wichtigste Form ist die auf die Veränderung der materiellen Welt gerichtete praktische Produktionstätigkeit, die Arbeit, auf deren Grundlage die verschiedenen Formen der sozialen und geistigen Tätigkeit der Menschen entstehen und sich ausbilden (insbesondere die gesellschaftlich-politische Tätigkeit zur notwendigen Um- oder Neugestaltung der Produktionsverhältnisse, ferner Spiel, Lernen, wissenschaftliche, kulturell-ästhetische Tätigkeit und Sport). Die Kategorien des historischen Materialismus, insbesondere Produktivkräfte, Produktionsverhältnisse, Klassen, Revolution, widerspiegeln die wesentlichen gesellschaftlichen Zusammenhänge menschlicher Tätigkeit.

3. Psychologie: Prozess, in dem das konkrete Verhältnis des Individuums zur Umwelt, insbesondere zu anderen Menschen und den Aufgaben des Lebens, entsteht, sich entwickelt und äußert. In Einheit von Bewusstsein und Tätigkeit entwickelt sich das Psychische in der Tätigkeit und äußert sich durch deren Regulation.

Tätigkeitsmerkmale: Kriterien zur Kennzeichnung des Inhalts einer Arbeitsaufgabe oder einer Teilaufgabe, der Bedingungen ihrer ordnungsgemäßen Erfüllung und der sich aus ihr ergebenden Anforderungen an den Werktätigen. Die Tätigkeitsmerkmale bilden die Grundlage für die Eingruppierung.

Tätigkeitsverbot: Verbot einer Berufs- oder anderen Erwerbstätigkeit als Zusatzstrafe zu einer Freiheitsstrafe oder Verurteilung auf Bewährung, wenn die Straftat im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit begangen wurde.

Tatischtschew, Wassili Nikititsch, 29.4.1686 bis 26.7.1750, russischer Politiker und Historiker; förderte Wissenschaft und Aufklärung in Russland, leitete mehrere Jahre das Berg- und Hüttenwesen im Ural; Verfasser einer fünfbändigen «Geschichte Russlands».

Tatlin, Wladimir Jewgrafowitsch, 28.12.1885 bis 31.5.1953, sowjetischer Formgestalter, Maler, Graphiker und Bühnenbildner, bedeutender Vertreter des Konstruktivismus. Tatlin entwarf bereits 1913/14 Konstruktionen aus verschiedenen Materialien, um bildkünstlerische Gesetze auf Raumkunst und materielle Produktion auszudehnen. Bedeutendste Arbeit ist sein Entwurf für den Turm der III. Internationale (1919/20), den er als Sinnbild des Sozialismus und der befreiten Arbeit verstand. Seit 1923 leitete Tatlin ein Gestalter Kollektiv für Bekleidung, Möbel, Keramik unter anderem und war seit 1933 überwiegend als Bühnenbildner tätig.

Tatmehrheit: Verletzung verschiedener Strafrechtsnormen durch mehrere selbständige Handlungen oder derselben Strafrechtsnorm mehrfach.

Tatra, Tatry: höchster Teil der Karpaten beiderseits des oberen Väh in den Westkarpaten. Südlich vom Väh erstreckt sich in der CSSR die 90 km lange und bis 25 km breite Niedere Tatra (Nizke Tatry) als Mittelgebirge (Dumbier, 2043 m), das im Westteil aus Granit und im Ostteil aus Gneis aufgebaut, teilweise von Kalkstein ummantelt ist. In der Kalkzone auf der Nordseite dehnt sich das über 20,5 km lange Tropfsteinhöhlengebiet von Demänova aus. Nördlich der Oberläufe von Väh und Poprad ragt die 50 km lange und 15 bis 16 km breite Hohe Tatra (slowakisch Vysoke Tatry, polnisch Wysokie Tatry) als Hochgebirge auf, dessen kleinerer nördlicher Teil mit dem Rysy (2499 m) auf der Grenze CSSR/Polen zu Polen gehört; höchste Erhebung Gerlachovsky stit (Gerlachspitze, Gersdorfer Spitze) bis 2 655 m. Die Hohe Tatra gliedert sich von Westen nach O:

a) Westtatra (Zapadne Tatry (früher Liptovske Tatry)-, Bystre, 2248 m) aus Kali- und Dolomitgesteinen;

b) Hohe Tatra als eigentliches Kerngebiet, bestehend aus Graniten, Gneisen und kristallinen Schiefern mit einer Nordzone aus Kalk- und Dolomitgesteinen;

c) Belianske Tatry (Havran, 2152 m), die vorwiegend aus Kalkgestein aufgebaut ist. Charakteristisch für den höchsten Gebirgszug der Karpaten sind alpin gestaltete Gipfel und Grate, die zwischen Karseen (Meeraugen) und hochgelegenen Trogtälern aufragen, vereinzelt auch kleine Firnflecken. Entwickelte Forst- und Weidewirtschaft; international bekanntes Erholungs- und Wintersportgebiet mit zahlreichen Kurorten (unter anderem Tatranska Lomnica und Star£ Smokovec in der ÖSSR und Zakopane in Polen). Große Teile des Gebirges stehen unter Landschaftsschutz und bilden den Tatra-Nationalpark mit seltenen Pflanzen- und Tierarten (Gemsen, Murmeltiere, Bären, Luchse, Adler unter anderem).

Tatsachenentscheidung: vom Kampf- beziehungsweise Schiedsrichter während des Wettbewerbs getroffenes Urteil im Rahmen der Wettkampfbestimmungen. Eine Tatsachenentscheidung ist in der Regel nicht anfechtbar und nachträglich nicht korrigierbar.

Tau: 1. Tau: Wasserniederschlag aus in der Luft enthaltenem Wasserdampf bei Abkühlung der Luft unter den Taupunkt. Siehe auch Niederschlag.

2. Tau, Tauwerk: durch Verseilen oder Flechten hergestelltes linienförmiges textiles Erzeugnis. Je nach Durchmesser unterscheidet man Schnur (bis 5 mm Durchmesser), Leine (5 bis 12 mm Durchmesser) und Seil (über 12 mm Durchmesser).

Tauben, Columbidae: fast weltweit verbreitete Vogelfamilie mit kleinem rundlichen Kopf und schmalem, am Grunde von einer Wachshaut bedecktem Schnabel. Die 2 Jungen (Nesthocker) werden anfangs mit einer schleimigen Absonderung der Kropfwand (Kropfmilch) ernährt. In Eurasien verbreitet sind die Felsentauben (Columba livia), in Wäldern die Ringeltauben (Columba palumbus) mit weißen Flecken an den Halsseiten, die blaugraue Hohltauben (Columba oenas) sowie die Turteltauben (Streptopelia turtur). In Städten auf Bäumen lebt die Türkentauben (Streptopelia decaocto). Die von der Felsentaube abstammende Haustaube wird zur Fleischnutzung, aus Liebhaberei und gelegentlich zur Übermittlung von Nachrichten gezüchtet. Der volkswirtschaftliche Nutzen liegt unter anderem auch darin, dass sich Haustauben einen Teil des Futters selbst suchen und dabei Unkrautsamen und Insekten vertilgen. Sie können andererseits aber auch zur Saatzeit auf den Feldern Schaden anrichten und verwildert in Städten zur Plage und Infektionsquelle werden. Ein Gelege besteht aus 2 Eiern, die Brutdauer beträgt 17 bis 19 Tage. Ein Taubenpaar zieht im Jahr 10 bis 18 Jungtiere auf. Die zahlreichen Taubenrassen werden nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt (Kropftauben, Farben- und Trommeltauben, Sporttauben unter anderem).

Tauber: linker Nebenfluss des Mains; 120 km; entspringt an der Frankenhöhe, durchfließt den fruchtbaren Taubergrund (Obst- und Weinbau) von Rothenburg bis Tauberbischofsheim, mündet bei Wertheim.

Tauber, Richard, 16.5.1892-8.1.1948, österreichischer Sänger (Tenor); war anfangs in Opern (wirkte in Dresden, Berlin, Wien und München), später vor allem in Operetten (besonders von F. Lehar) und Tonfilmen überaus erfolgreich; musste 1933 das faschistische Deutschland verlassen und wurde 1940 britischer Staatsbürger.

taubes Gestein: Gestein, das keine nutzbaren Bestandteile enthält, besonders im Erzbergbau.

Täubling, Russula: Gattung der Blätterpilze mit oft lebhaft gefärbten Hüten, hellen, sehr brüchigen Blättern und Stielen. Roh mild schmeckende Arten sind essbar, zum Beispiel der Speisetäubling (R. vesca); ungenießbar ist der Speitäubling (Russula emetica). Siehe auch Pilze.

Taubnessel, Bienensaug, Lamium: Gattung der Lippenblütler, Blätter sind der Brennessel ähnlich, aber ohne Brennhaare; verbreitet ist die Weiße Taubnessel (Lamium album).

Taubstummheit: fehlende oder hochgradig verzögerte und unvollständige Sprachentwicklung infolge in früher Kindheit erworbener oder angeborener Gehörlosigkeit oder hochgradiger Schwerhörigkeit.

Tauchen: Herstellungsverfahren für dünnwandige, einseitig offene Hohlkörper, zum Beispiel Schutzhandschuhe, aus Thermoplasten oder Elasten. Man taucht Formen (Positivmodelle) in entsprechende Lösungen, Dispersionen oder Pasten. Beim Herausziehen bleibt eine Schicht auf den Formen haften, die durch Erwärmen vom Lösungsmittel befreit, eventuell vulkanisiert und dann abgestreift wird.

Tauchen: im weiteren Sinne Aufenthalt und Bewegung von luftatmenden Lebewesen unter Wasser, im engeren Sinne nur auf den Menschen bezogen. Als Unterwasserarbeit wird Tauchen vor allem angewandt zur Kontrolle, Instandhaltung und so weiter sowie beim Bau von Wasserfahrzeugen und -bauten, Brücken, bei Such- und Rettungsaktionen, für militärische Aufgaben, für Unterwasserforschungen unter anderem Mit dem Schlauchtauchgerät können Taucher mehrere Stunden ohne Unterbrechung in Tiefen bis 40 m arbeiten. Es besteht aus einem wasserdichten Anzug, dem ein mit Fenstern versehener Metallhelm aufgesetzt wird. Dazu kommen Bleistücke und -schuhe. Luft wird durch einen Schlauch zugeführt. Um in größere Tiefen (bis 200 m) Vordringen zu können, wurden Panzertauchgeräte konstruiert, druckfeste Metallbehälter mit gelenkigen Arm- und Beinteilen für eine Person, für deren Atmung Mischgas in Druckluftflaschen mitgeführt wird. Ähnlich ist der Tauchturm, dem besondere Arm- und Beinteile fehlen; er dient unter anderem zur Beobachtung des Meeresgrundes. Mit Tauchkugeln (siehe auch Bathyskaph, Bathysphäre) werden maximale Tiefen erreicht. Autonome Tauchgeräte (zum Beispiel Sauerstoff-, Druckluftgerät) werden beim Tauchsport benutzt sowie für Berufstaucher, militärische Aufgaben und Forschungsaufträge. Zusätzlich werden meist ABC-Geräte verwendet.

Tauchlackieren: wirtschaftliche Lackierverfahren, bei dem das zu beschichtende Werkstück in den Anstrichstoff (Tauchlack) getaucht wird. Zur Erhöhung der Anstrichqualität, insbesondere bei Grundanstrichen, bewähren sich elektrophoretische Tauchlackieranlagen (Elektrotauchgrundierung).

Tauchsport, autonomes Tauchen, Sporttauchen: Aufenthalt unter sportlichen Gesichtspunkten im und unter Wasser unter Zuhilfenahme von ABC-Geräten beziehungsweise leichten Tauchgeräten. Der Tauchsport als Wehrsportart umfasst wettkampfmäßig

a) Flossenschwimmen: in Schwimmbecken über 100 bis 1500 m (je nach Disziplin) sowie bei längeren Strecken meist im Freiwasser ausgetragene Geschwindigkeitswettbewerbe bei Verwendung besonders großdimensionierter Flossen (Einzel und Staffel);

b) Streckentauchen-, in Schwimmbecken ausgetragene Geschwindigkeitswettbewerbe über 50 m ohne Tauchgerät beziehungsweise 100 bis 800 m (je flach Disziplin) mit Tauchgerät (Einzel und Mannschaft);

c) Orientierungstauchen: Absolvieren einer vorgegebenen Strecke von 650 bis 750 m mit beziehungsweise ohne Markierungspunkten in einer Sollzeit (Einzel) beziehungsweise Lösen von Orientierungsaufgaben mit Orientierungsmitteln beziehungsweise Treffübungen (Mannschaft). Bei der in vielen Ländern verbotenen Unterwasserjagd werden festgelegte Fischarten mit Schussharpunen gejagt (Punktwertung von Anzahl und Masse der gejagten Fische). im weiteren Sinne gehören zum Tauchsport auch Unterwasserfotografie und -forschung. Welt- und Europameisterschaften.

Tauern: Teil der zentralen Ostalpen in Österreich (Salzburg, Osttirol, Kärnten, Steiermark). Hohe Tauern: zwischen Pinzgau und Pustertal; 120 km lang, mit Venedigergruppe (Großvenediger, 3674 m), Glocknergruppe (Großglockner, 3798 m; Naturschutzgebiet), Ankogelgruppe (Hochalmspitze, 3355 m), Rieserfernergruppe (Hochgall, 3435 m), Kreuzeck-, Goldberg Sonnblickgruppe unter anderem; vergletschert (Pasterze, mit 10 km längster Ostalpengletscher), Schneegrenze bei 2770 m; Wetterscheide; von der Tauernbahn im 8,6 km langen Tauerntunnel, von der Tauernautobahn (2 Tunnel) und von der Großglockner Hochalpenstraße gequert; Pässe, Wasserkraftwerke (Tauernwerk) im Kapruner Tal, Stubachtal und in der Reißeckgruppe. Niedere Tauern: zwischen Enns und Mur; im Hochgolling 2 863 m; unvergletschert; Pässe. In den Tauern Fremdenverkehr, Alm-, Holzwirtschaft, in den Tälern etwas Textilindustrie.

Taufe: Brauch (Sakrament) der christlichen Kirche, den Täufling mit Wasser zu besprengen beziehungsweise in Wasser zu tauchen; seit dem 3. Jahrhundert setzte sich die Säuglingstaufe durch, kann aber auch an Erwachsenen (zum Beispiel bei den Täufern, Baptisten, Mennoniten) vollzogen werden; gilt als Aufnahmeakt in die christliche Gemeinschaft.

Täufer, Jiri, 5.7.1911 Dezember 1986, tschechischer Dichter und Übersetzer. Im Exil (1941/45) in der Sowjetunion entstanden Teile der Gedichtsammlung «Chronik» (1957), das Poem «Eroica» (1958) sowie Übersetzungen sowjetischer Dichter. Seine Lebenserinnerungen «Partei, Menschen, Generationen» (1962), «Majakowski in Prag» (1971), «Porträts und Silhouetten» (1980) sind zugleich parteiliche Bekenntnisse. Ausgewählte Gedichte 1928/60 erschienen unter dem Titel «Jahresringe».

Täufer, Wiedertäufer: vor allem aus Handwerkern, Bauern und Plebejern zusammengesetzte Bewegung. Sie bestand aus unterschiedlicher Strömungen, die sich alle zur Erwachsenentaufe bekannten. Die ersten Täufergemeinden entstanden unabhängig voneinander 1525 in der Nordschweiz und in Mitteldeutschland. Nach der Niederlage des deutschen Bauernkrieges (1524/26) wurden sie zum Sammelbecken Unzufriedener. Obwohl nur ein Teil der Täufer eine gewaltsame Durchsetzung ihrer an urchristlichen Idealen orientierten Ziele in Betracht zog, wurden alle Täufer seit 1527, vor allem aber nach dem Reichstag zu Speyer (1529), von der Obrigkeit grausam verfolgt. Viele ihrer Führer starben den Märtyrertod; ganze Gemeinden mussten auswandern. Die radikale Richtung der Täufer versuchte unter J. Bockelson 1534/35 in Münster «das Reich Gottes auf Erden» zu errichten; unter dem Druck der bald beginnenden Belagerung der Stadt bemühten sie sich, eine Gütergemeinschaft zu verwirklichen. Die Kommune von Münster unterlag schließlich dem massiven militärischen Einsatz des Adels. Nach ihrer Zerschlagung verlor die radikale Richtung der Täufer an Bedeutung, während die sich der Obrigkeit anpassende, gemäßigte Gruppe weiter bestand.

Taufliegen, Essigfliegen, Drosophilidae: Fliegenfamilie mit sehr kleinen, braunen Arten; Larven leben besonders in gärenden Pflanzenstoffen. Die Art Drosophila melanogaster ist in der Genetik ein geschätztes Versuchstier.

Taufstein: Taufbecken für die christliche Taufe, seit dem 11. Jahrhundert meist in der Eingangshalle der Kirchen oder im Chor aufgestellt; oft reich verziert.

Tau-Lepton: instabiles Elementarteilchen aus der Familie der Leptonen, Zeichen t. Es hat dieselben elektromagnetischen Eigenschaften wie das Elektron, aber eine größere Masse.

Tauler, Johannes, um 1300-1361, Vertreter der Mystik, Anhänger des Neuplatonismus; verfasste zahlreiche gefühlsbetonte Predigten.

Taumelkäfer, Gyrinidae: Käferfamilie; 4 bis 8 mm lange Arten mit langen Vorder- und kurzen, flossenartigen Mittel- und Hinterbeinen; leben gesellig auf ruhigen Wasserflächen, wo sie durch kreiselnde Bewegungen auffallen.

Taunus: rechtsrheinischer Südostteil des Rheinischen Schiefergebirges, zwischen Lahn und Main; waldreiche Hochfläche (450 m) mit Rheingaugebirge und Höhe (Großer Feldberg, 880 m); Ackerbau (Täler, Senken), Weinbau (Südhänge); Kurorte (Mineralquellen): Wiesbaden, Soden, Homburg vor der Höhe unter anderem

taupe: (französisch) maulwurfsfarben.

Taupunkt, Taupunkttemperatur: Zustand eines Gas-Dampf-Gemisches, bei dem der vorhandene Dampfdruck gleich dem Sättigungsdampfdruck, die relative Luftfeuchte also 100% ist; eine weitere Abkühlung unter den Taupunkt führt zur Kondensation von Wasserdampf.

Taurin: aliphatische Aminosulfonsäure, in freiem Zustand vorwiegend als inneres Salz, H3N+-CH2CH2-S020“, vorliegend. Taurin ist färb- und geruchlos, kristallisiert und wasserlöslich; F 240 °C unter Zersetzung; Verwendung insbesondere zur Herstellung von Wasch- und Textilhilfsmitteln.

Taurus: Kettengebirgssystem in der Türkei, zwischen der Mittelmeerküste im Süden und dem Hochland von Armenien im Norden; über 1500 km lang und im Erciyas Gebirgsmassiv/ bis 3917 m hoch; gegliedert in West-Taurus (Lykischer Taurus), Mittel-Taurus (Kilikischer Taurus), Aladag (Anti-Taurus), dann Gabelung in Inneren Östlichen-Taurus und Äußeren Ost-Taurus (Armen. r.); steil nach dem Mittelmeer abfallend, von schluchtartigen Tälern durchbrochen und aus verkarsteten Kalk- und vulkanischen Gesteinen aufgebaut; an den südexponierten Hängen mit subtropischen Laubwäldern bedeckt, nach Norden zu bei zunehmender Trockenheit Steppen und Wüstensteppen; Chrom-, Blei-, Zink- und Kupfererzvorkommen.

Tauschhandel: primitive Form des Handels, bei der unmittelbar Ware gegen Ware getauscht wird.

Tauschierung: ornamentale Verzierung von Waffen, Rüstzeug und Gerät aus Eisen und Bronze durch Einlegen von Gold- oder Silberdrähten. Nach dem solidesten der verschiedenen Verfahren werden die Drähte in nach unten sich verbreiternde Rillen eingehämmert. Die Technik der Tauschierung, die schon in der Antike bekannt war, wurde in Ostasien und im Orient angewendet und war seit dem späten Mittelalter in Spanien, Italien und Deutschland verbreitet; Blütezeit im 16. Jahrhundert Veraltete Bezeichnung ist Damaszieren.

Tauschvertrag: Vertrag, durch den sich die Beteiligten verpflichten, Sachen oder Rechte gegeneinander auszutauschen. Auf den Tauschvertragen sind die zivilrechtliche Vorschriften über den Kauf entsprechend anzuwenden. Siehe auch Wohnungstauschvertrag.

Tauschwert: Erscheinungsform des Wertes; das quantitative Verhältnis, in dem unterschiedliche Gebrauchswerte in der warenproduzierenden Gesellschaft miteinander ausgetauscht werden.

Tausendblatt, Myriophyllum: zu den Seebeerengewächsen gehörende Gattung ausdauernder Wasserpflanzen mit quirlständigen, feingefiederten Blättern und unscheinbaren Blüten.

Tausender: Abart von Sechsundsechzig, wobei das Spiel beim Erreichen von 66 Augen nicht abgebrochen, sondern die am Ende jedes Spieles erreichte Augenzahl notiert wird.

Tausendfüßer, Vielfüßer, Myriapoda: Klasse der Gliederfüßer mit über 10000 Arten; landbewohnende Tracheenatmer mit abgesetztem Kopf und langgestrecktem, gleichförmig gegliedertem Körper mit 1 bis 2 Beinpaaren pro Segment (insgesamt 3 bis über 100 Paare). Unterklassen sind Hundert-, Doppel-, Wenig-, Zwergfüßer.

Tausendgüldenkraut, Centaurium: Gattung der Enziangewächse mit roten Blüten in Trugdolden. Auf Wiesen und Waldschlägen wächst das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea).

Tausendundeine Nacht: berühmteste Sammlung orientalischer Erzählungen und Märchen, deren Rahmenerzählung aus Indien stammt, später ergänzt durch persischen Feen- und Geistermärchen, Geschichten aus Bagdad um den Kalifen Harun ar-Raschid, ägyptischer Schelmen- und Dämonengeschichten; seit dem 9. Jahrhundert im arabischen-islamischen Raum, besonders in Bagdad, bekannt. Die Sammlung fand Eingang in die europäischen Literatur durch den französischen Gelehrten A. Galland (1646-1715).

Taut: 1. Bruno, 4.5.1880-23.12.1938, Architekt, Städteplaner und Fachschriftsteller; Bruder von Taut 2; 1918 Mitglied des Arbeitsrates für Kunst und der Novembergruppe, 1921/24 Stadtbaurat in Magdeburg, seit 1931 Professor an der TH Berlin, 1932 Berufung nach Moskau, 1933 Emigration in Japan, seit 1936 in der Türkei. Taut war führend im Massenwohnungsbau tätig. In Anlehnung an volksverbundene Architekturtraditionen orientierte er auf die natürliche Schönheit traditioneller Materialien bei einfacher, zweckmäßiger Formgebung und propagierte die farbige Gestaltung des Wohnhauses sowie die Einbeziehung von Grünflächen in die Wohnkomplexe (Gartenstadt «Reform» in Magdeburg, 1912; Waldsiedlung Berlin-Zehlendorf, 1926/31).

2. Max, 15.5.1884-26.2.1967, Architekt und Fachschriftsteller; Bruder von Taut 1; 1918 Mitbegründer des Arbeitsrates für Kunst, 1919 Mitglied der Novembergruppe, 1933 vom Faschismus diffamiert, 1945/54 Professor und Leiter der Architekturabteilung an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin; strebte in seinen Bauten (Wohn- und Siedlungsgebäude, öffentlichen Bauten, Schulen) eine zweckentsprechende und moderne Gestaltung an, indem er unter anderem die Rahmenkonstruktion des Stahlbetonskeletts für die optische Gliederung der Fassade nutzte (Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker, Berlin, 1924/25).

Tautologie:

1. Logik: Fehler in einer Definition, der dann vorliegt, wenn ein Begriff durch sich selbst definiert wird; in der modernen Logik auch ein allgemeingültiger Ausdruck.

2. Sprachwissenschaft: Verbindung bedeutungsgleicher Wörter einer Wortart («bereits schon»); zum Teil ausdruckverstärkend («hegen und pflegen»); heute nicht mehr streng von Pleonasmus geschieden.

Tautomerie: die Erscheinung, dass sich bestimmte isomere Moleküle wechselseitig ineinander umwandeln und in der Regel miteinander im Gleichgewicht stehen. Bei der Keto-Enol-Tautomerie zum Beispiel erfolgt die Umwandlung der tautomeren Formen gemäß R-CH2-CO-R (Ketoform) ?= RCH=C(OH)-R. Sind die tautomeren Formen isolierbar, spricht man auch von Desmotropie.

Tauziehen: Wettbewerb, bei dem 2 zahlenmäßig gleichstarke Mannschaften auf Kommando die entgegengesetzten Enden eines Taus ergreifen und die gegnerische Mannschaft über eine markierte Mittellinie zu ziehen versuchen. Olymp. Sportart 1900 bis 1920.

Tavares Rodrigues, Urbano, geboren 6.12.1923, portugiesischer Schriftsteller, gestaltet in Romanen und Erzählungen die Auseinandersetzung Jugendlicher mit den ihre persönliche Entfaltung behindernden Konventionen der kapitalistischen Gesellschaft in Portugal («Ein Stein fällt in den Sumpf», 1957; «Die Unbezwungenen», 1961; «Zeit der Asche», 1968).

Taxation: Schätzung, Abschätzung, Wertermittlung.

Taxe: 1. festgesetzter Preis; geschätzter Zeitwert eines Gegenstandes; Gebühr.

2. alte Bezeichnung für Postgebühren, die nach Taxquadraten, auch Taxfelder (Entfernungszonen) genannt, festgesetzt wurden.

3. Gebührenordnung; siehe auch Kurtaxe.

Taxi, Taxe: Mietfahrzeug (mit Fahrer) zur Beförderung von Personen, Gepäck und leichten Gütern (Gütertaxi); oft mit Fahrpreisanzeigegerät (Taxameter).

Taxie: aktive Einstellung der Körperachse eines Organismus oder Richtungsbewegung (zum Beispiel Mikroorganismen) zu einer oder zu mehreren Reizquellen. Die Taxie können auf die Reizquelle hin und von ihr weg (positive und negative Taxie) oder quer zu einem Reizfeld (elektrische und beziehungsweise oder magnetische Feldlinien) erfolgen. Nach der Art der die Taxie auslösenden Umweltwirkungen unterscheidet man unter anderem Chemotaxis, Fototaxie, Thermotaxie, Thigmotaxis (auf Berührung), Hydrotaxie (Strömung) und Geotaxis (Schwerkraft).

taxieren: (ab)schätzen, den Wert ermitteln.

Tay: längster Fluss Schottlands (Großbritannien); 193 km; aus den Grampians, mündet im Firth of Tay in die Nordsee; wird bei Dundee von 3214 m langer Bahn- und 2134 m langer Straßenbrücke überquert.

Taygetos, Pentadactylon (griechisch, «Fünffinger(berg)»): griechischer Hochgebirgszug im Süden des Peloponnes; bis 2407 m; monatelang schneebedeckt; trennt das fruchtbare Tiefland Lakoniens von dem Messeniens.

Taylor, Brook, 18.8.1685-29.12.1731, britischer Mathematiker; Arbeiten über Fragen der Analysis und über Perspektive; verfasste auch theologische und philosophische Schriften.

Taylorsche Reihe: nach B. Taylor Potenzreihe, die k-te Ableitung der Funktion f(z) im Punkt z0 ist. Eine in einem Gebiet G der z-Ebene reguläre Funktion (Funktionentheorie) lässt sich in jedem Punkt z0 von G in eine Taylorschen Reihe entwickeln. Für die Funktion f(z) = e zum Beispiel erhält man für 1.

Taylorsystem: System der «wissenschaftliche Betriebsführung», von dem US-amerikanischen Ingenieur Frederick Winslow Taylor (1856-1915) 1901/02 begründet; diente der umfassenden kapitalistischen Rationalisierung und bezog besonders den «Faktor Mensch» ein. Das Taylorsystem, von W. I. Lenin zutreffend als «wissenschaftliches System der Schweißauspressung» bezeichnet, war unmenschlich und arbeiterfeindlich. Obwohl sogar von bürgerlichen Arbeitswissenschaftlern kritisiert, lebt es noch heute in allen Methodensystemen des kapitalistischen Arbeits- und Zeitstudiums weiter.

Tbilisi: Hauptstadt von Georgian; früher Tiflis; 1,14 Millionen Einwohner; Wirtschafts-, Kultur- und Wissenschaftszentrum Transkaukasiens; Maschinen- (besonders Industrieausrüstungen, Landmaschinen), E-Lok-, Präzisionsgerätebau, Textil-, Schuh-, chemische, Lebensmittelindustrie; Wärmegroßkraftwerk (1960 MW); Verkehrsknoten am Endpunkt der Georg. Heerstraße, U-Bahn, internationaler Flughafen; Akademie der Wissenschaften, Universität (gegründet 1918), 10 Hochschulen; Theater, Museen, botanischer Garten, Zoo. Die Festungsruine Narikala (älteste Teile 4. Jahrhundert sowie Bauten des 9. Jahrhundert und 16./17. Jahrhundert) und die Metechi-Kirche (1278/93) bestimmen die Silhouette der Stadt. Weitere Bauten: Sioni Kathedrale (gegründet 6./7. Jahrhundert, Umbauten im Mittelalter, zuletzt 1710), Antschis-Chati-Basilika (6./13. Jahrhundert) mit Glockenturm (1675). Im 19. Jahrhundert wurde die Neustadt gegründet, die von Bauten des russischen Klassizismus und Historismus beherrscht wird. Ab den 20er Jahren des 20. Jahrhundert wurde die Stadt rekonstruiert (Anlage neuer Boulevards, Platzensembles und Wohngebiete). Im 5. Jahrhundert gegründet, im 6. Jahrhundert Hauptstadt Georgiens; im 8. Jahrhundert Residenz des arabischen Emirs, seit dem 12. Jahrhundert Zentrum des Feudalstaates Georgien; im 13. und 14. Jahrhundert Einfall der Mongolen und des Heeres Timurs, 1795 Zerstörung der Stadt durch die Perser, 1799 durch russische Truppen besetzt, 1845 Sitz des zaristischen Statthalters im Kaukasus; 25.2.1921 Sieg der Sowjetmacht; 1922/36 Hauptstadt der Transkaukasischen SFSR, seit 1936 von Georgian.

Tchicaya, Gérald Félix, geboren 25.8.1931, kongolesischer Schriftsteller; zunächst der Négritude verhaftet; sein Werk zeichnet sich durch vieldeutige, traditionellen Mustern verwandte, jedoch vollkommen neuartige Metaphorik und kritischer humanistischer Weitsicht aus (Gedichte «Buschfeuer», 1957).

Tczew: Stadt in Polen (Wojewodschaft Gdansk), an der Wisla; 55000 Einwohner; Maschinenbau, Nahrungsmittelindustrie; Eisenbahnknoten, Flusshafen.

tdw, Abkürzung für ton deadweight (englisch, «Tonne Totlast»): international gebräuchliche Maßeinheit zur Angabe der Tragfähigkeit von Schiffen, ausgedrückt in Tonnen je 1000 kg, die die Masse der Ladung, des Treibstoffes, der Vorräte, Ausrüstungsmaterialien und Besatzung umfasst.

Teakholz: gold- bis dunkelbraune, dunkel gestreifte, harte, dauerhafte südostasiatische Laubholzart; wird zur Furnierherstellung, zum Innenein- und Schiffbau verwendet.

Teamwork: 1. gutes Zusammenwirken einer Mannschaft (besonders in Sportspielen).

2. in kapitalistischen Ländern gebräuchliche Bezeichnung für das im Interesse der Monopole in Produktion und Forschung organisierte Zusammenwirken verschiedener Spezialisten, das der kapitalistischen Rationalisierung dient.

Teatro Colón: (spanisch, «Kolumbustheater») das führende südamerikanische Opernhaus, das in seiner jetzigen Gestalt 1908 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires eröffnet wurde (das erste Teatro Colón, in dem französischen und italienischen Ensembles spielten, entstand 1857). Jede Inszenierung, durch namhafte internationale Kräfte in der Originalsprache dargeboten, wird nur wenige Male wiederholt.

Tebaldi, Renata, geboren 1.2.1922, italienische Sängerin (Sopran); entwickelte sich zu einer der besten und international erfolgreichsten Verdi- und Puccini-Sängerinnen.

Teberda: Stadt im Autonomen Gebiet der Karatschaier und Tscherkessen, am Fluss Teberda, im Kaukasus; Kurort (1280 bis 1420 m über dem Meeresspiegel), in der Umgebung Bergsteiger- und Touristenbasen. In der Nähe Teberda Nationalpark (83100 ha).

Tébessa: Stadt (Wilayatszentrum) im Nordosten Algeriens, nahe der timesischen Grenze; 70000 Einwohner; Düngemittelfabrik, Teppichherstellung; zahlreiche Ruinen aus der Römerzeit. In der Nähe Phosphat- und Eisenerzbergbau (Djebel Onk).

Technetium, Symbol Tc: künstliches radioaktives chemisches Element der Kernladungszahl 43; Hauptwertigkeit +7; das beständigste Isotop ist Tc 97 (Halbwertszeit 2,6 • 106 Jahre). Technetium ist ein silbergraues, in Salpetersäure und Königswasser lösliches Metall; f2200°C; Dichte 11,49g/cm3. Das Isotop Tc 99 (Halbwertszeit 2,12 • 105 Jahre) wird in Kernreaktoren technisch hergestellt. Die Technetium Verbindungen ähneln denen des Rheniums; das gelbe Technetium(VI)oxid, TC207 (120°C; Kp 311°C), ergibt mit Wasser rosarote Technetium(VII)-säure (Pertechnetiumsäure), HTc04; Salze: Technetate(VII) (Pertechnetate). Technetium wurde 1937 von E. G. Segr6 entdeckt.

Technik: (griechisch, «Fertigkeit», «Handwerk»)

1. komplexer, vielschichtiger Begriff zur Bezeichnung aller Mittel, Methoden und Verfahren, mit deren Hilfe vorherbestimmte Zwecke erfüllt werden. Er gilt vorrangig für den Bereich der Produktion materieller Güter, aber auch für alle anderen Gebiete menschlicher Tätigkeit. In der materiellen Produktion umfasst die Technik die vom Menschen geschaffenen Produktionsinstrumente und technologische Verfahren, die er einsetzt, um im «Stoffwechsel mit der Natur» (Marx) deren Stoffe, Kräfte und Gesetze zur Sicherung seiner materiellen Existenzgrundlage auszunutzen; das sind zum Beispiel Rohstoffe wie Erz, Holz, Fasern oder Kautschuk, Energiequellen wie Wasser, Wind, Strahlung, Kohle, Erdöl, Atomkern sowie Naturgesetze physikalischer, chemischer, biologischer Art. Die Ver- beziehungsweise Bearbeitung der verschiedenen Roh- und Werkstoffe sowie deren Zweckbestimmungen erfordern unterschiedliche, ihnen jeweils adäquate Verfahren, die als Techniken bezeichnet werden. Die einzelnen Techniken sind entweder profilbestimmendes Wesensmerkmal eines Industriezweiges oder, im Fall der Verfahren, wesentliches Produktionselement vieler Industriezweige. Die Theorien dieser materiellen Techniken sind Gegenstand der technischen Wissenschaften einschließlich der Technologie. Die Technik ist seit Beginn der Menschheitsgeschichte die entscheidende materielle Grundlage für den gesellschaftlichen Fortschritt, indem sie ständig die Produktivität der menschlichen Arbeit erhöht und diese erleichtert. Das Entwicklungstempo und die Nutzanwendung der Technik für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Werktätigen waren und sind in den einzelnen Gesellschaftsformationen verschieden; sie werden von den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen wesentlich beeinflusst. Neueste Entwicklungsrichtungen der Technik als Ergebnis und Inhalt der wissenschaftlich-technischen Revolution erscheinen als Schlüsseltechnologien.

2. Sport: in der Praxis erprobtes motorisches Lösungsverfahren einer sportlichen Bewegungsaufgabe im Rahmen der jeweiligen sportlichen Zielstellung.

technische Gebäudeausrüstung, Abkürzung TGA, Haustechnik: Planung, Projektierung und Ausführung der Heizungs-, Lüftungs-, Elektro- und sanitärtechnische Anlagen sowie der Gasinstallation und der Aufzüge in einem Gebäude.

technische Geologie: nach A. W. Sidorenko Wissenschaftszweig im Grenzbereich der geologischen, geographischen, technisch-ingenieurmäßigen und ökonomischen Wissenschaften, besser als Territorialgeologie beziehungsweise allgemein als Anthropogeologie zu bezeichnen.

technische Gesteinskunde: Wissenschaft, die mittels geologische, petrologische und physikalisch-chemische Methoden die für die Verwendung natürlicher Gesteine im Bauwesen wichtigen Materialeigenschaften, wie Dichte, Porosität, Druck-, Biege- und Zugfestigkeit, Wetter- und Frostbeständigkeit, untersucht.

technische Meteorologie: Wissenschaftszweig, der sich mit den Anwendungen der Meteorologie auf die Technik und andere technische Bereiche der Volkswirtschaft, wie Verkehrswesen, Bauwesen (Bauklimatik) beschäftigt.

technischer Fehler: nicht regelgerechte Ausführung einer sportlichen Technik; macht in verschiedenen Sportarten die Übung ungültig (zum Beispiel Gewichtheben) beziehungsweise führt zu Spielunterbrechung und Vorteil für den Gegner (Punkt, Aufgabewechsel).

technisches Konzept: Strukturbeschreibung der meist nur qualitativ bestimmten technischen Funktionselemente in Form einer Strichzeichnung.

technisches Mittel: mit Hilfe der Technik hergestelltes Arbeitsmittel zur Schaffung neuer Gebrauchswerte durch Nutzbarmachung vorhandener Rohstoffe und Energien für den Menschen. Technische Mittel können Anlagen, Apparate, Baugruppen, Geräte, Maschinen und Werkzeuge sein.

technische Textilien: Sammelbegriff für Textilien zur Herstellung und Ausstattung von technischen Arbeitsgegenständen und Arbeitsmitteln, wie Planen, Zeltstoffe, Filter, Transportbänder, Riemen, Seile,

technische Trocknung, Heißlufttrocknung: verlustarme Konservierung von wasserhaltigen Nahrungs- und Futtermitteln mittels Heißluft.

technische Überprüfung: in gesetzlich festgelegten Zeitabständen vorgenommene Durchsicht eines Kfz auf Betriebs- und Verkehrssicherheit.

Technische Überwachung, Abkürzung TÜ: staatliches Amt zur Anleitung, Kontrolle und Überwachung der Maßnahmen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz bei überwachungspflichtigen Anlagen (Dampfkessel, Rohrleitungen Tankfahrzeuge unter anderem). Die Inspektionen der TU haben umfassende Befugnisse bei der Konstruktion, Herstellung, Errichtung und Inbetriebnahme dieser Anlagen sowie bei Havarien.

technische Veränderungen: an Kfz vorgenommene bauliche Maßnahmen, wodurch sich Veränderungen gegenüber den Angaben im technischen Gutachten (Typschein) ergeben. Technische Veränderungen sind bei der Zulassungsstelle meldepflichtig und werden im Zulassungsschein und Fahrzeugbrief eingetragen.

technische Wissenschaften, Technik Wissenschaften, Ingenieurwissenschaften: Wissenschaften, deren Sachbereich die Technik ist. Sie analysieren bestehende technische Systeme und nehmen neue technische Objekte und Prozesse gedanklich vorweg. Die technischen Wissenschaften bildeten sich im 18-/19. Jahrhundert mit dem Übergang der industriellen Produktion vom Hand zum Maschinenbetrieb, verbunden mit der Einführung der Arbeitsmaschinen, der Nutzung der Dampfenergie und der stürm. Entwicklung der Naturwissenschaften, heraus. Ihr Entwicklungsprozess ist bis heute noch nicht abgeschlossen, immer neue technische Disziplinen entstehen (zum Beispiel Informations- und Kommunikationstechnik, Biotechnik, Optoelektronik). Ihr theoretisches Gehalt vertieft sich, und ihre Arbeitsweise wird durch die neuen Möglichkeiten der Informationstechnik revolutioniert (CAD/CAM). Nach Charakterisierung und Aufgaben sind technische Wissenschaften zweckorientierte Wissenschaften (Ziel ist die Anwendung der Erkenntnisse zur Befriedigung technischer Bedürfnisse der jeweiligen Gesellschaft); tragen konstruktiven Charakter, das heißt Strukturen und Funktionen von neuen technischen Systemen und ihre Realisierungsmöglichkeiten werden gedanklich vorweggenommen und bewertet. Technik wissenschaftlicher Arbeit umfasst Teile der Grundlagenforschung, der Konstruktions- und Projektierungstätigkeit, der Technologie und anderer Bereiche; sind integrierende Wissenschaften (in die Gestaltung, Bewertung und Optimierung technischer Systeme gehen Erkenntnisse der Natur-, technischen und Gesellschaftswissenschaften sowie gesellschaftlichen Prämissen ein). Den technischen Wissenschaften kommt eine aktive Funktion bei der Gestaltung des Produktionsprozesses auf wissenschaftlicher Grundlage zu.

technische Zeichnung: maßstäbliche Darstellung eines technischen Mittels nach standardisierten Regeln, nach den Erfordernissen bemaßt und mit den notwendigen Angaben für Fertigung, Montage, Gebrauch unter anderem versehen.

Technologie: (griechisch) Wissenschaft von den in der materiellen Produktion angewandten naturwissenschaftlich-technischen Gesetzmäßigkeiten, Regeln, Methoden und Verfahren zur Gewinnung und Aufbereitung von Naturprodukten (Rohstoffen) und deren Verarbeitung, meist über mehrere Zwischenstufen, zu Fertigerzeugnissen. Ihre Hauptgegenstände sind Fertigungstechnik und -organisation. Die allgemeine Technologie untersucht die grundlegenden, allen Produktionsprozessen eigenen Elemente und Merkmale. Die spezielle Technologie befasst sich entweder mit einer bestimmten Produktionstechnik (zum Beispiel mechanische, chemische Technologie) oder mit den spezifischen Elementen und Merkmalen von Produktionsprozessen bestimmter Erzeugnisgruppen beziehungsweise Produktionszweige (zum Beispiel Technologie des Maschinenbaus, der Holzverarbeitung). Umgangssprachlich bezeichnet man mit Technologie auch die Arbeitsvorgänge selbst sowie betriebliche Struktureinheiten, denen die technologische Vorbereitung der Produktion obliegt. Da neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der Natur-, Gesellschafts- und technischen Wissenschaften nur durch die Technologie realisiert werden, hat diese entscheidenden Anteil an der Durchsetzung der wissenschaftlich-technischen Revolution und an der Steigerung der Arbeitsproduktivität. Hierzu dienen auch Gruppenbearbeitung und Typung. Der Schwerpunkt für die Entwicklung der Technologie liegt gegenwärtig auf der Einführung moderner Schlüsseltechnologien. Dabei bildet der Übergang zur komplexen rechnergestützten Arbeit eine wichtige Voraussetzung für die rationelle Umsetzung von Erkenntnissen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts für die Technologie Begründer der Technologie als Wissenschaft war J. Beckmann.

technologische Kosten: Teil der Kosten, der im unmittelbaren Produktionsprozess sowie für Forschungs-, Entwicklungs- und Projektierungstätigkeiten entsteht.

technologische Prüfung: Verfahrensgruppe der Werkstoffprüfung, bei der unter Verzicht auf physikalisch begründete Messwerte durch praxisnahe Versuche die Gebrauchs- und Verarbeitungseigenschaften von Werkstoffen, Halbzeugen oder Bauelementen festgestellt werden. Prüfkriterium ist stets das Nichtauftreten von Rissen. Beim Faltversuch für Grob- und Mittelblech sowie Stabmaterial wird die Probe um einen Dom bis zu einem bestimmten Winkel gebogen. Der Hin- und-Her-Biegeversuch berücksichtigt die mögliche Anzahl der Biegungen bis zum Riss (zum Beispiel Drähte für Förderseile). Beim Doppelfaltversuch werden Feinbleche doppelt gefaltet (früher Taschentuchprobe genannt), und im Erichsen-Versuch wird durch Eindrücken einer Kugel in die am Rand eingespannte runde Blechprobe eine Beule bis zum Anriss erzeugt. Rohre werden im Aufdornversuch durch Eintreiben eines Domes und im Bördelversuch durch Aufsetzen und Eindrücken eines stumpfen Kegels geprüft. Beim Stauchversuch werden Stangenabschnitte kalt oder warm bis zu einer bestimmten Höhe gestaucht.

technologischer Prozess: wichtigster Teil des Produktionsprozesses. Er gliedert sich in Arbeitsgänge, -stufen, Griffe, Griffelemente und Bewegungen zwecks Änderung der Form, Maße sowie der physikalischen oder chemischen Eigenschaften von Roh- und Werkstoffen bis hin zu Teilfertig- und Fertigerzeugnissen. Zusammenfassend nennt man mehrere Arbeitsgänge Phasen des LP. und die Folge mehrerer miteinander verflochtener technologischer Prozess technologische Ketten, von denen wiederum mehrere ein technologisches System bilden können. In der metallverarbeitenden Industrie bezeichnet man den technologischen Prozess als Fertigungsprozess, wobei zwischen Teilefertigungs- und Montageprozessen unterschieden wird.

Techtelmechtel: (italienisch teco meco «(ich) mit dir, (du) mit mir») geheimes Einverständnis; Liebschaft; auch geheime Verabredung.

Teckel, Dachshund, Dackel: vor allem als Erd-, aber auch als Schweiß- und Stöberhund beliebte Hunderasse in 3 Haartypen, Kurz-, Lang- und Rauhhaarteckel.

Tecumseh, Tecumtha, um 1768-5.10.1813, Indianerhäuptling; versuchte den Landraub nordamerikanischer Siedler durch Einigung aller nordwestlichen Indianerstämme zu verhindern; fiel als britischer Brigadegeneral.

Tedeum, Te Deum: (lateinisch Te deum laudamus, «Dich, Gott, loben wir») frühchristlicher lateinischer Hymnus; zu großen Chorwerken mit Orchester gestaltet von G. F. Händel, A. Bruckner, A. Dvorak unter anderem

Tee: 1. gerollte, eventuell fermentierte und getrocknete Blattknospen, junge Blätter und Triebe des Teestrauches. Nach der Aufbereitung wird besonders zwischen grünem und schwarzem Tee unterschieden. Grüner Tee ist unfermentiert, so dass die grüne Farbe, das Chlorophyll, erhalten bleibt.

2. aus Tee 1 mit siedendem Wasser hergestelltes Aufgussgetränk, dessen anregende Wirkung auf den Gehalt an Koffein (früher als Tein bezeichnet) zurückgeht.

Teer: mehr oder weniger dickflüssige, braune bis schwarze, intensiv riechende Masse, die sich beim Abkühlen der bei der Hitzezersetzung (Verschwelung oder Verkokung) von Kohle, Holz oder anderen organischen Substanzen entstehenden Gase beziehungsweise Dämpfe abscheidet. Steinkohlenteer besteht vorwiegend aus aromatischen Verbindungen, während Braunkohlenschwelteer auch aliphatische Kohlenwasserstoffe enthält; beide sind wichtige Rohstoffe für die chemische Industrie (siehe auch Kohleveredlung). Auch Torf-, Holz-, Ölschiefer-Teer und Knochen-Teer finden Anwendung. Tabak-Teer ist besonders gesundheitsschädlich.

Teestrauch, Camellia sinensis: zur Familie der Teegewächse gehörender immergrüner Strauch aus Südostasien mit relativ großen Blüten; die Blätter liefern den schwarzen beziehungsweise grünen Tee.

Teezeremonie: eine auf chinesische Ursprünge zurückgehende, in Japan im 15. und 16. Jahrhundert ästhetisch sehr verfeinerte Zeremonie, bei der das Zubereiten, Darreichen und Trinken des Tees strengen, mit dem Zen-Buddhismus zusammenhängenden Regeln unterworfen ist. Sie beeinflusste auch die Entwicklung der sogenannt Teeraum-Bauten, der Gartenkunst, Landschaftsmalerei und verschiedener Zweige des Kunsthandwerks, besonders der Keramik.

Tegner, Esaias, 13.11.1782-2.11.1846, schwedischer Dichter und Gelehrter; griff in dem Epos «Die Frithjofssage» (1820/25, deutsch), einem Hauptwerk der schwedischen Romantik, auf einen altnordischen Sagenstoff zurück und schuf ein idealisiertes Bild vom nordischen Menschen; seine spätere Lyrik ist klassizistisch; wurde 1818 Mitglied der Schwedischen Akademie.

Tegucigalpa: Hauptstadt von Honduras sowie Departementszentrum, in einem Hochbecken; 530000 Einwohner; wichtigstes Industrie- und Handelszentrum des Landes, vor allem Lebensmittel- und Textilindustrie; Verkehrsknoten mit Anschluss an die Carretera Panamericana, internationaler Flughafen Toncontin-, wissenschaftliche Institute, Universität, Akademie, Nationalarchiv, -museum, -bibliothek, -theater.

Teheran: Hauptstadt Irans und größte Stadt Westasiens, am Südfuss des Elburs in einer weiten Vorgebirgsebene, 1133 m über dem Meeresspiegel; 4,7 Millionen Einwohner, als Agglomeration 6 Millionen Einwohner; politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes mit einem Drittel der Industrieproduktion: vielseitige Verarbeitungs- und Schwerindustrie, besonders Metallverarbeitung, Fahrzeugbau, Erdölraffinerie, chemische, Textilindustrie; Knotenpunkt von Straßen und der Transiranischen Eisenbahn, internationaler Flughafen Mehrabad westlich von Teheran, Erdöl- und Erdgasleitung vom Zagrosgebirge, Produktenpipeline von Abadan; 3 Universitäten, Polytechnikum, pädagogische und Agrarhochschule, Fachschulen, zahlreiche Forschungsinstitute; Nationalbibliothek, Museen, 6 Theater; Kongress- und Festivalstadt; Moscheen, Golestan Palast (18./19. Jahrhundert). - bis zum 17. Jahrhundert unbedeutend; wurde mit Aufstieg der Kadscharen Dynastie am Ende des 18. Jahrhundert Hauptstadt Persiens; 1905/11 Zentrum der bürgerlich-demokratischen Revolution; 1978/79 Zentrum der Massenaktionen zum Sturz der Pahlawi-Dynastie.

Teheran, Konferenz von: erstes Zusammentreffen der Regierungschefs der 3 Hauptmächte der Antihitlerkoalition (Russland, USA und Großbritannien) vom 28.11. bis 1.12.1943 in Teheran. Es wurden Fragen der weiteren Kriegführung und der Nachkriegszeit beraten. Im Mittelpunkt stand die Koordinierung der weiteren Kriegshandlungen gegen Hitlerdeutschland.

Tehuantepec, Landenge von: Festlandsteil im Südosten Mexikos, zwischen dem Golf von Campeche (Atlantischen Ozean) und dem Golf von Tehuantepec (Stiller Ozean); bildet die physisch-geographische Grenze zwischen Nord- und Mittelamerika; 216 km breit, bis 207 m über dem Meeresspiegel aufragend; an der atlantischen Seite immer feuchtes, an der pazifischen Seite wechselfeuchtes Tropenklima mit einer Trockenzeit von Oktober bis März; lagunenreiche Küsten.

Teich: gespeistes, ablassbares, kleines stehendes Gewässer ohne Tiefenzone; zur gewerblichen Nutzung (Kühlteich, Fischteich unter anderem) meist künstlich angelegt.

Teichfrosch, Rana lessonae: 9 bis 12 cm langer, vorwiegend grüner Frosch Europas; bewohnt Teiche und Seen.

Teichhuhn, Gallinula chloropus: fast weltweit verbreitete, 33 cm lange braunschwarze Ralle mit grünen Füßen; nistet im Schilf, legt bis 10 Eier; Küken tiefschwarz.

Teichjungfern, Lestidae: Familie der Libellen; Körper sehr dünn, metallisch grün oder bronzefarben, Flügel farblos; Larven leben räuberisch im Wasser.

Teichmolch, Triturus vulgaris: bis 11 cm langer Molch; Bauch orangefarben bis gelb mit schwarzen Flecken, Männchen mit gewelltem oder gekerbtem Rückenkamm während der Fortpflanzungszeit; lebt in Europa und Westasien.

Teichmuschel, Anodonta cygnea: Süßwassermuschel mit bis 26 cm langen, gelbgrünen Schalen; filtert aus dem Wasser Plankton und Detritus als Nahrung; kommt in Europa und Nordasien vor.

Teichoskopie: (griechisch, «Mauerschau») klassische Gestaltungsmittel der Dramatik; unmittelbarer Bericht einer handelnden Figur (eines Beobachters) über wichtige Ereignisse (zum Beispiel Schlachten, Schiffsuntergänge), die szenisch nicht darstellbar sind.

Teichrohrsänger, Acrocephalus scirpaceus: etwa 12 cm langer Singvogel Europas, Südwestasiens und Nordwestafrikas; lebt in Schilfbeständen; in dem an Schilfstengeln befestigten Nest werden 4 bis 5 Eier bebrütet; Zugvogel.

Teichwirtschaft: Aufzucht von Fischen in ablassbaren Teichen. Es haben vor allem die Karpfenteichwirtschaft und die Forellenteichwirtschaft Bedeutung: Karpfen werden in warmen (20°C und mehr), gedüngten Teichen bei rationeller Fütterung in 3 Jahren zum Speisefisch von 1 bis 1,5 kg herangezogen, Forellen in kleineren kühlen (unter 20 °C), stark durchströmten Teichen in 1 '/2 Jahren zum Speisefisch von 200 bis 300 g.

Teig: zähflüssiges bis plastisches Gemenge aus Mehl und Wasser oder Milch mit Zusätzen zur Herstellung von Back- und Teigwaren. Zur Teiglockerung werden Backpulver, Hefe- oder Sauerteig (Brotherstellung) eingesetzt.

Teigwaren: kochfertige Nährmittelerzeugnisse aus meist pressgeformtem, schonend getrocknetem Teig, bevorzugt auf Hartweizenbasis.

Teilbarkeit:

1. Geologie: Zerlegbarkeit von magmatischen Gesteinen, besonders von Tiefengesteinen, nach bestimmten, sich während der Erstarrung herausbildenden charakteristischen Richtungen; wichtig für die Bearbeitung von Gesteinen, zum Beispiel Dekorsteinen.

2. Mathematik: Relation im Bereich der ganzen Zahlen, die auf das geordnete Paar (a, b) ganzer Zahlen genau dann zutrifft, wenn es eine ganze Zahl q gibt, so dass a = bq gilt.

Teilbeschäftigung: Arbeit in einem Arbeitsrechtsverhältnis nur während eines Teils der gesetzlichen Arbeitszeit. Die Teilbeschäftigung ist arbeitsvertraglich zu vereinbaren; sie dient vor allem der Weiterarbeit von Rentnern nach ihren Wünschen und der Verwirklichung des Rechts auf Arbeit für die Frauen, die auf Grund familiärer Verpflichtungen nicht in der Lage sind, ganztägig zu arbeiten.

Teilchenanalysator: kernphysikalisches Messgerät zur Bestimmung der bei Kernreaktionen entstehenden Teilchen (Atomkerne, Kernbausteine oder sonstige Elementarteilchen). Zur Analyse der Teilchen nutzt man entweder ihre unterschiedlicher Reichweite, Laufzeit, die von ihnen erzeugte Ionisationsdichte oder ähnlich wie beim Massenspektrograph ihre Ablenkung in elektrischen und magnetischen Feldern.

Teilchendiskriminierung: in der Kernphysik die Unterscheidung der Teilchen nach Masse und Ladung (siehe auch Teilchenanalysator) oder auch die Unterdrückung störender Teilchen, zum Beispiel durch einen Absorber vor dem Detektor.

Teilchenemission: Aussenden eines Teilchens aus einem Atomkern im Anschluss an eine Kernreaktion oder beim radioaktiven Zerfall.

Teilchenfluenz: Quotient aus der Anzahl der in eine kleine Kugel ein tretenden Teilchen einer ionisierenden Strahlung und der Querschnittsfläche der Kugel; Zeichen P, SI-Einheit 1/m2.

teildurchlässiger Spiegel: optisch wirksame Fläche zur Bündelteilung, die das Licht teilweise reflektiert und teilweise hindurchlässt; diese Fläche kann an einer planparallelen Platte oder zwischen 2 an den Diagonalebenen verkitteten Halbwürfeln liegen (Teilungswürfel).

teilerfremd, relativ prim (lateinisch): zwei natürliche Zahlen, deren größter gemeinsamer Teiler 1 ist.

Teilhard de Chardin, Pierre, 1.5.1881-10.4.1955, französischer Theologe, Philosoph und Paläontologe; seit 1899 Jesuit, Mitentdecker des Sinanthropus. Teilhard de Chardin versuchte eine Synthese von Religion und Wissenschaft, insbesondere von christlicher Schöpfungslehre und Evolutionstheorie, die er als universale Evolution bezeichnete. Entwicklung sei unendlich fortschreitende Komplexität, der Mensch Verkörperung des Seins. Das Individuum finde Erfüllung in der Gemeinschaft, letztlich in Christus. Das Handeln der Menschen sei Hauptproblem der Schöpfungsgeschichte, im historischen Handeln vollende sich die Evolution. Zunächst vom offiziellen Katholizismus abgelehnt, fand seit dem 2. Vatikan. Konzil (1965) eine wachsende Aufnahme der Anschauungen des Teilhard de Chardin in das bürgerlich-religiöse Denken statt.

Teilkopf: mechanisch oder optisch arbeitendes Gerät zur Erzeugung definierter Winkelschritte als Zubehör von Werkzeugmaschinen zur mehrfachen Lagebestimmung von Werkstücken während der Bearbeitung beziehungsweise als Messgerät zum Prüfen der Winkelschritte an den Werkstücken.

Teilkörperbestrahlung: Bestrahlung abgegrenzter Körperregionen, zum Beispiel in der Strahlentherapie und Röntgendiagnostik, mit entsprechend vermindertem strahlenbiologischen Risiko.

Teilkreis:

1. Teilkreis, Teilungsmessgerät: Feingerätebau bei Winkelmessgeräten verwendeter scheiben- oder ringförmiger Maßkörper mit beliebigen gleich- oder ungleichförmigen Teilungen zum Einstellen und Ablesen von Winkelwerten in Geodäsie, Mess- und Elektrotechnik.

2. Maschinenbau: geometrische-konstruktive Größe an Zahnrädern; der zur Radachse senkrechte Kreis, dessen Mittelpunkt in der Radachse liegt und auf den die Teilung bezogen wird.

Teilleistung: Erbringen eines Teils der geschuldeten Leistung. Nicht vereinbarte Teilleistungen sind abzunehmen, wenn sie selbständig verwendbar sind und keine zusätzlichen Aufwendungen erfordern.

Teilmenge: eine Menge N bezüglich einer Menge M dann, wenn jedes Element von N auch Element von M ist; Bezeichnung N s M. insbesondere ist die I leere Menge Teilmenge jeder Menge, und jede Menge ist Teilmenge von sich selbst. Alle von M verschiedenen Teilmengen von M heißen echte Teilmenge von M dies wird mit N c M bezeichnet. Siehe auch Potenzmenge.

Teilnahme: Strafrecht gemeinschaftliche Ausführung einer vorsätzlichen Straftat mit anderen (Mittäterschaft), vorsätzliches Bestimmen eines anderen zur begangenen Straftat (Anstiftung) und vorsätzliche Hilfe für einen anderen zur begangenen Straftat (Beihilfe).

Teilnehmerfernschreibverkehr, Telex Verkehr, Telex (Kurzwort für teleprinter exchange; englisch): unmittelbarer und zeitweiliger Austausch von Nachrichten zwischen zwei oder mehreren Fernschreibteilnehmern mit Hilfe von Fernschreibanlagen. Siehe auch Fernschreiber, Telegrafie.

Teilung: bei Zahnrädern im Bogen gemessener Abstand auf dem Teilkreis zwischen den entsprechenden Punkten zweier benachbarter gleichgerichteter Zahnflanken.

Teilungsanordnung: Zivilrecht Weisung im Testament, wie Miterben Nachlassgegenstände untereinander aufzuteilen haben.

Teilurteil: Urteil im Zivilprozess, das über einen von mehreren geltend gemachten Ansprüchen oder den selbständigen Teil eines Anspruchs befindet.

Teilverhältnis: mit einem Vorzeichen versehenes Streckenverhältnis (A, B; P) =PS\ für drei auf einer Geraden liegende Punkte A, B, P, das die Lage des Punktes P bezüglich der Strecke AB charakterisiert. Es wird als positiv definiert, falls P innerer Punkt der Strecke AB ist, für äußere Punkte P dagegen negativ.

Teilzahlungskauf, Abzahlungsgeschäft, Ratenkauf: Kaufvertrag über langlebige Konsumgüter, bei dem der Kaufpreis durch ein Kreditinstitut kreditiert wird und vom Käufer in Teilzahlungen (Raten) zu bestimmten Terminen zu begleichen ist. Bis zur völligen Zahlung steht dem Kreditinstitut ein Pfandrecht an der Ware zu.

Teinochemie: Wissensgebiet von der unmittelbaren Umwandlung von chemischer in mechanischer Energie. Hierzu gehört zum Beispiel die im Tiermuskel stattfindende Umsetzung der bei der Oxydation von Glukose frei werdenden Energie in mechanische Arbeit.

Teint: (französisch) Zustand und Farbe der Gesichtshaut.

Teirlinck, Herman, 24.2.1879-4.2.1967, belgischer Schriftsteller niederländische Sprache; begann mit Dorfgeschichten und impressionistischen Erzählungen; führte mit dem Roman «Das Elfenbeinäffchen» (1910, deutsch) das Großstadtthema in die flämische Literatur ein, das auch weitere Romane («Der Kampf mit dem Engel», 1952) bestimmte. Einen Beitrag zur Erneuerung des flämischen Theaters leistete er mit Stücken expressionistischen Stils.

Teja, gestorben Jahreswende 552/53, letzter König der Ostgoten; im Kampf gegen das byzantinischen Heer unter Narses in der Nähe des Vesuvs gefallen.

Tektite, Glasmeteorite: meist dunkle und grünlich durchscheinende knopfförmige natürliche Glaskörper von Haselnuss- bis Walnussgroße. Sie kommen über die ganze Erde verteilt vor. Die Tektite werden allgemein als kurzzeitig erhitzte Gesteins Würflinge von Meteoritenkratern angesehen, die während ihres Fluges auf ballistischen Bahnen unter vakuumähnlichen Bedingungen in der Hochatmosphäre wieder erstarrten. Ungeklärt ist ihr hoher Kieselsäuregehalt von 70 bis 80%. Tektite wurden auch auf dem Mond gefunden.

Tektonik:

1. Geologie: Wissenschaft vom Bau und von den Bauelementen der Erdkruste, den Ursachen ihrer Entstehung und der Bewegung der Bauelemente.

2. Kunst: das Zusammenfügen von Formgliedern zu einem Ganzen, besonders in der Architektur

tektonisch: (griechisch) auf den Bau und die Bauelemente der Erdkruste bezogen; die Tektonik betreffend.

tektonisches Achsenkreuz: von dem Geologen B. Sander (1884-1956) eingeführtes Koordinatensystem zur Beschreibung der Raumlage von Linearen und Flächen bei oder nach der Bewegung geologischer Körper. Koordinate a ist die Transportrichtung, b (senkrecht zu a) die Koordinate, um die sich bei Deformation Rotationen abspielen (Deformationsachse), c steht senkrecht zu a und b. Die durch die Achsen a und c bestimmte Ebene ist die Deformationsebene (ac).

Tektonogen: der durch Faltung, Schieferung, Metamorphose und Granitisation bei gebirgsbildenden Prozessen hervorgehende Baukörper der Erdkruste, aus dem wiederum das Orogen hervorgeht.

Tektogenese, Tektogenese beide (griechisch, «Baubildung»): Vorgang der durchgreifenden Gefügeveränderung der Erdkruste, der durch Faltung, Deckenbildung und Metamorphose gekennzeichnet ist; besonders ausgeprägt in den zum Orogen reifenden Geosynklinal Räumen.

Tektosphäre: die bis in maximal 120 km Tiefe reichende äußere Zone der Erde, in der wesentliche tektonische Prozesse (zum Beispiel Epirogenese, Orogenese, Tektogenese) ablaufen beziehungsweise durch Konvektionsströme gesteuert werden.

Tektur: Polygraphie Papierstreifen, der über eine fehlerhafte Textstelle im Druckprodukt geklebt wird und den richtigen Text enthält.

Tela: Gewebe, Gewebeschicht; zum Beispiel Tela submucosa (unter einer Schleimhaut liegende bindegewebige Verschiebeschicht).

Telanaipura: Stadt (Provinzzentrum) in Indonesien, im Südosten der Insel Sumatera, am Hari; früher Djambr, 230000 Einwohner; Leichtindustrie; Zentrum der Erdöl- und Erdgasgewinnung (Erdölleitung nach Palembang); Hafen, Flughafen; Universität.

Tel Aviv, Tel Aviv-Jaffa: nach geltendem Völkerrecht Hauptstadt Israels, Doppelstadt (Distriktzentrum) mit Jaffa an der Küste des Mittelmeeres; 330000 Einwohner, als Agglomeration 1 Millionen Einwohner; Industrie-, Handels- und Kulturzentrum des Landes, Sitz diplomatischer Vertretungen; vielseitige Verarbeitungsindustrie (ehem., Textil-, Lebensmittel-, Elektro-, Gummi-, pharmazeutische Industrie), Diamantenschleiferei (Diamantenbörse); in Jaffa Kunstgewerbe; Banken; Verlage; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen Lod; 2 Universitäten, TH; Museen, Nationaltheater und -oper, Philharmonie, Planetarium. 1908 als zionistische Siedlung gegründet; 1948 Hauptstadt Israels; von zionistischen Kräften seit 1950 nicht mehr als Hauptstadt betrachtet (Jerusalem).

Tele: Stadt in der CSSR (Südmährischer Bezirk); 5400 Einwohner; Leicht- und Lebensmittelindustrie; in ursprünglicher Form erhaltener dreieckiger Marktplatz mit Bürgerhäusern von der Renaissance bis zum Klassizismus; Schloss (14./16. Jahrhundert), Rathaus und Heiliggeistkirche (Ende 15. Jahrhundert), Jakobskirche (14./15. Jahrhundert); Stadt steht unter Denkmalschutz.

Teleangiektasie: bleibende Erweiterung kleinster Blutgefäße der Haut, besonders auf den Wangen; Symptom von Haut- (Poikilodermie, Rosacea) oder Leberkrankheiten und ein Zeichen der Altershaut.

teled: (Kunstwort aus Textilleder) gerautes Baumwollgewebe, das mit Polyurethan beschichtet wird und durch anschließende Wärmebehandlung schrumpft, wodurch eine genarbte, lederähnliche Oberfläche entsteht.

Telefonie: Fernsprechen: Übermittlung von Sprache durch elektrische Signale. Die Sprachschallschwingungen beeinflussen den Mikrofon Speisestrom im Fernsprechapparat, werden als elektrische Wechselströme über die Leitungs- und Vermittlungseinrichtungen des Netzes dem Fernhörer am Empfangsort zugeleitet und hier wieder in Schallschwingungen umgewandelt. Übertragen wird ein Frequenzbereich von 300 bis 3 400 Hz. Siehe auch Multiplextechnik, Telegrafie.

telegen: (griechisch) für Fernsehaufnahmen geeignet, fernsehwirksam.

Telegonos, in der griechischen Sage Sohn des Odysseus und der Kirke; tötete seinen Vater unerkannt auf der Suche nach ihm.

Telegraf, Telegrafenapparat: Sende- und Empfangseinrichtung zur Übermittlung von Telegrafiesignalen. Nach der Art der Kodierung unterscheidet man zwischen dem Morseapparat (Schreibtelegraf mit symbolischen Schriftzeichen), dem Fernschreiber (Drucktelegraf mit Typendruckzeichen) und dem Bildtelegraf (Punktlichtabtastung einer Bildvorlage und fotografische Wiedergabe). Siehe auch Bildtelegrafie, Telegrafie.

Telegrafie: Übermittlung von Schriftzeichen durch elektrische Signale. Auf der Sendeseite werden die Schriftzeichen im Telegrafen nach dem jeweiligen Telegrafenalphabet kodiert und in elektrische Impulsfolgen umgesetzt; anschließend erfolgt die Übertragung über die Leitungs- und Vermittlungseinrichtungen im Netz beziehungsweise über Funkstrecken (Funk-Telegrafie zum empfangsseitigen Telegrafen, der sie in die ursprüngliche Zeichenform zurückwandelt. Zur Übertragung dienen Gleichstrom- (Gleichstrom-Telegrafie) oder Wechselstromimpulse (Wechselstrom-Telegrafie). Die Telegrafie wird im Telegrammdienst der Postverwaltungen, im Teilnehmer-Fernschreibdienst und bei Sonderdiensten (Verkehrs- und Pressewesen, Wetterdienst, Polizei unter anderem) eingesetzt. Siehe auch Bildtelegrafie, Multiplextechnik.

Telegramm: telegrafisch übermittelte Nachricht. Für die Übermittlung und Aushändigung von Telegramm gilt als Rangfolge:

a) Not-Telegramm (zum Schutz menschlichen Lebens oder volkswirtschaftlich wichtiger Sachwerte);

b) Staats-Telegramm (in Staatsangelegenheiten);

c) Wetter- und Wasser-Telegramm (für Wetterbeobachtungen und -Vorhersagen);

d) dringendes Telegramm (doppelte Gebühr);

e) gewöhnliches Telegramm (einfache Gebühr);

f) Brief-Telegramm (mit der Briefpost auszuhändigen, ermäßigte Gebühr).

Die Telegramme unter a) bis d) sind Vorrangtelegramm. Weitere Telegrammarten sind zum Beispiel Schmuckblatttelegramm, Seefunktelegramm. Die zugelassenen Telegrammarten enthält die Telegrammanordnung.

Telegraph für Deutschland, Der: führende Zeitschrift des Jungen Deutschland, 1838/48 unter der Redaktion K. Gutzkows in Hamburg herausgegeben; Mitarbeiter unter anderem G. Büchner und F. Engels.

Teleki, Laszlo Graf, 11.2.1811-8.5.1861 (Selbsttötung), ungarischer Politiker; einer der Führer der liberalen Opposition an der Seite L. Kossuths in der bürgerlichen Reformbewegung; 1844 Vorsitzender des Industrieschutzvereins, 1848 Abgeordneter des ersten Landtags, nach 1849 im Exil, wirkte er für den Gedanken einer Donaukonföderation.

Telekinese: (griechisch) angebliches Bewegt werden entfernter Gegenstände mittels okkulter Fähigkeiten.

Telemachos, (griechisch) Telemach, in der griechischen Sage Sohn des Odysseus und der Penelope; half dem unerkannt heimgekehrten Vater im Kampf gegen die dreisten Freier seiner Mutter.

Telemann, Georg Philipp, 14.3.1681-25.6.1767, Komponist; einer der bedeutendsten und produktivsten Musiker seiner Zeit; seit 1721 Musikdirektor in Hamburg. Telemann war einer der Wegbereiter des klassischen Instrumental- und Vokalstils; seine zahlreichen Werke zeichnen sich durch eingängige Melodik, Volkstümlichkeit und Eleganz der Form aus. Er schuf etwa 50 (meist verlorengegangene) Opern («Der geduldige Sokrates», «Pimpinone» unter anderem), Hunderte von Orchestersuiten, über 40 Passionen, 15 Messen, zahlreiche Kantaten («Die Tageszeiten» unter anderem), Oratorien, Motetten, Konzerte, Kammermusik, Lieder (darunter die «Singe-, Spiel- und Generalbass-Übungen») unter anderem Von besonderer Bedeutung wurden seine für die Hamburger Bürgerschaft geschriebenen großformatigen «Kapitänsmusiken». Erst seit Mitte des 20. Jahrhundert wird Telemann wieder als einer der führenden Meister der Aufklärungsepoche gewürdigt.

Telemark: (nach der norwegischen Provinz) beim Skispringen anzustrebender Aufsprung (beide Knie gebeugt, ein Bein vorgeschoben), dessen Ausführung in die Haltungsbewertung einbezogen wird.

Telemark: Provinz im Süden Norwegens; 15315 km2, 160000 Einwohner; Verwaltungszentrum Skien; seen- und waldreiche Gebirgslandschaft, vom Skagerrak auf 1883 m ansteigend; Elektrochemie, -metallurgie, Holzindustrie; Wasserkraftwerke; Wintersport.

Teleologie: (griechisch) Idealistische, philosophische Anschauung, die einen den Gegenständen innewohnenden oder von einem außerweltlichen Wesen (Idee, Gott) in sie hineingetragenen geistigen Zweck annimmt, der als Ursache und Ziel der Entwicklung angesehen wird. Die Teleologie beruht auf einer Übertragung der zwecksetzenden Tätigkeit des Menschen auf die Natur; vertreten von Aristoteles, G. W. Leibniz, C. Wolff, gegenwärtig vom Neothomismus und Vitalismus.

Telepathie: (griechisch) unbewiesene, angebliche Übertragung psychische Vorgänge zwischen Menschen über größere Entfernungen; Gedankenübertragung. Siehe auch Parapsychologie.

Telesio, Bernardino, 1509-2.10.1588, italienischer Philosoph; vertrat materialistische Ansichten und war Gegner des scholastischen Aristotelismus; trat für das experimentelle Naturstudium ein.

Teletypesetter, Abkürzung TTS: Gerät zur automatischen Steuerung von Zeilensetz- und -gießmaschinen; trennt das Tasten vom Gießen und steuert den Setz- und Gießvorgang mittels eines auf einem Perforator (Tastgerät) gefertigten Lochbandes. Siehe auch Setzmaschine.

Telexstelle, öffentliche: von der Post eingerichtete und betriebene Telex Anschlüsse, um Teilnehmern ohne eigenen Fernschreibanschluss die Benutzung des Telexnetzes (im abgehenden Verkehr) zu ermöglichen.

telezentrisch: Strahlenverlauf in einem optischen System, bei dem die Hauptstrahlen parallel zur Achse sind; wird in Messmikroskopen und -Projektoren angewendet. Die Öffnungsblende muss dazu in der Brennebene stehen. Bei telezentrischem Strahlenverlauf bringt eine kleine Defokussierung bei fest mit dem optischen System verbundener Bildebene nur eine geringe Unschärfe, aber keine Änderung des Abbildungsmaßstabes mit sich.

Telezker See, Goldener See: langgestreckter See im Autonomen Gebiet Gomo-Altaisk, im Altai; 436 m über dem Meeresspiegel, 223 km2, bis 325 m tief; etwa 70 Zuflüsse, Abfluss durch Bija (Quellfluss des Ob); Fischfang; Touristengebiet. Telipinu-Mythos: in hethitischer Sprache aus dem 2. Jahrtausend vor Christus überlieferter anatolischer Mythos vom Gott der Vegetation, dessen Verschwinden die Natur sterben lässt.

Teil: durch zahlreiche Siedlungsschichten künstlich erhöhter Wohnhügel, seit der Jungsteinzeit im Orient und in Südosteuropa nachweisbar.

Tell, Wilhelm, sagenhafter schweizerischer Volksheld aus Bürglen (Uri), dessen Auftreten mit dem Freiheitskampf der Schweizer gegen die Habsburger verbunden ist. Die Tellsage wurde zuerst 1470 im «Weißen Buch» zu Samen festgehalten. Die darin enthaltene Geschichte vom Apfelschuss ist ein altes nordisches Sagenmotiv. Drama von F. Schiller, Oper von G. Rossini.

Tellereisen: Fangeisen für Raubwild, dessen Mechanismus durch das Berühren einer Trittplatte ausgelöst wird; tötet das Wild in der Regel nicht, sondern hält es nur fest.

Tell Mardikh: Ruinenhügel in Syrien, 60 km südwestlich von Halab; früher Ebla seit 1964 Ort umfangreicher Ausgrabungen, die Architekturreste der Hauptstadt eines einflussreichen westsemitisches Staatswesens (2. Hälfte 3./Anfang 2. Jahrtausend vor Christus) freilegten. Bedeutsam ist der Fund des Palastarchivs von Ebla (über 16000 Tontafeln).

Tellur: (lateinisch tellus, «Erde») Symbol Te: chemisches Element der Kernladungszahl 52; Chalkogen; Atommasse 127,60; Wertigkeiten +6, +4, -2; F 449,9°C; Kp 1390°C; Dichte 6,25 g/cm3. Das sein seltene Tellur begleitet Schwefel und Selen in sulfidischen Kupfer-, Silber- und Bleierzen. Tellur bildet silberglänzende, spröde, relativ weiche Kristalle mit elektrischer Halbleitereigenschaften. Es verbrennt mit blauer, grüngesäumter Flamme zu einem weißen Rauch von Tellur(IV)-oxid, Te02. Man gewinnt Tellur zum Beispiel aus dem Anodenschlamm der Kupferraffination und verwendet es in der Halbleitertechnik. Tellur wurde 1782 von dem Berginspektor Franz Joseph Müller (1740-1825), dem späteren Baron von Reichenstein, in Golderz entdeckt; die Elementnatur bewies 1798 M. H. Klaproth.

Tellurik, Erdstromverfahren, geophysikalische Verfahren, bei dem man den durch natürliche elektrische Ströme im Erdboden bedingten, zwischen 2 Elektroden auftretenden Spannungsabfall misst und damit gewisse Aufschlüsse über den geologischen Aufbau der Erdkruste erhält.

Tellurium: Demonstrationsmodell für die Bewegung von Sonne, Erde und Mond.

Tellurverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Tellur. Das farblose, kristallisierte, in Wasser praktisch unlösliche Tellur(IV)-oxid, Te02 (733 °C; Kp 1245 °C), löst sich in Alkalien zu Telluriten, den Salzen der in freiem Zustand unbeständigen tellurigen Säure, H2Te03. Die farblose, kristalline, wasserlösliche Tellursäure, H6Te06 (Salze Tellurate), geht beim Erhitzen in das orangegelbe, wenig wasserlösliche Tellur(VI)-oxid, Te03, über. Tellurwasserstoff, H2Te, ist ein farbloses, brennbares, sehr giftiges, übelriechendes Gas; die Salze heißen Telluride.

- Im menschlichen Körper gehen Tellurverbindungen in gasförmiges Dimethyl tellur, (CH3)2Te, über, das der Atemluft einen durchdringenden Knoblauchgeruch verleiht.

Tellus, (lateinisch, «Erde») römische Göttin der Erde, Schätzerin der Saaten.

Telomerization: Polymerisation, bei der sich bereits nach geringem Kettenwachstum Molekülteile eines nicht polymerisationsfähigen Stoffes an die Enden der Polymerketten lagern. Diese Anlagerung bewirkt Kettenabbruch bereits im niedermolekularen Bereich, und es entstehen Produkte (Telomere), deren Eigenschaften durch die Endgruppen wesentlich mitbestimmt werden.

Telugu: 1. dravidische Sprache, wird von etwa 44,8 Millionen Menschen, besonders im indischen Unionsstaat Andhra Pradesh, gesprochen.

2. Dravida.

Tema: Stadt und wichtigstes Industriezentrum Ghanas, am Golf von Guinea (Atlantischen Ozean), im Vorortbereich von Accra; 61000 Einwohner; Erdölraffinerie, Stahl-, Aluminiumwerk, chemische, Zement-, Textil-, Lebensmittelindustrie; wichtigster Hochseehafen des Landes.

Tembe: Viereckhaus einiger Völker im Innern Tanganjikas; die aus lehmverkleideten Pfahlwänden beziehungsweise Flechtwerk errichteten Gebäude umschließen einen Innenhof, zu dem die Ausgänge der einzelnen Familienabteile führen.

Tembrock, Günter, geboren 7.6.1918, Biologe; arbeitet maßgeblich in der Verhaltensforschung; 1969/83 Leiter des Bereiches Verhaltenswissenschaften an der Sektion Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin; zahlreiche Veröffentlichungen.

Temirtau: Stadt im Gebiet Karaganda, am Samarkand Stausee der Nura; früher Samarkandski) 225000 Einwohner; Karaganda-Eisenhüttenkombinat, kokschemisches Kombinat (synthetischer Kautschuk); Stichkanal zum Karaganda Kanal.

Tempel: Kultbau, in der Regel Mittelpunkt eines abgeschlossenen sakralen Bezirks. Alle Hochkulturen brachten charakteristische Tempelanlagen hervor, zum Beispiel Ägypten die säulenreiche große Halle mit den wuchtigen Pylonen mit vorgestellten Obelisken am Eingang; Mesopotamien die turmartige, mehrfach gestufte Zikkurat; das alte Amerika riesige Stufenpyramiden; Indien und Ostasien vielgestaltige, reichverzierte Turmbauten. Gegenüber diesen meist in riesigen Dimensionen erbauten Tempel zeichnen den griechischen Tempel bei oft geringer Größe harmonische Proportionen und monumentale Wirkung aus. Im Grundriss ist der griechischen Tempel, abgesehen vom seltenen Rundtempel (Tholos), rechteckig. Haupttypen sind Antentempel (dem Eingang ist eine Vorhalle (Pronaos) vorgelagert, die 2 zwischen die verlängerten Seitenwände gestellte Säulen stützen), Prostylos (vor der Stirnfront befindet sich eine Säulenreihe), Amphiprostylos (vor beiden Schmalseiten ist je eine Säulenreihe), Perípteros (Säulenringhalle, das heißt, die Säulenreihe ist um die ganze Zella (Naos), den Kernbau des griechischen Tempel, herumgeführt), Dípteros (Säulenringhalle mit doppelter Säulenstellung), Monopteros (seltene Form ohne Zella). Im Innern der durch Säulen in 3 Schiffe geteilten Zella befand sich das Kultbild des Gottes, dem der Tempel geweiht war. Der Tempel galt als Wohnhaus einer oder mehrerer Gottheiten. Der Opferaltar stand vor dem Tempel, und die Kulthandlungen wurden in dem oft mehrere Tempel und Bauwerke umgebenden ummauerten heiligen Bezirk (Temenos) vollzogen. Den strengen Aufbau des griechischen Tempel zeigt am reinsten der dorische Stil: auf der oberen Stufe (Stylobat) des dreistufigen Unterbaus stehen die Säulen, die das stumpfwinklige Dach tragen. Giebel und Gebälk sind meist plastisch geschmückt und waren ursprünglich farbig bemalt. Bedeutendster Tempel Griechenlands ist der Parthenon in Athen. Der römische Podiumstempel entwickelte sich aus der etruskischen Architektur.

Tempelblock: kugelförmige Trommel aus Hartholz in verschiedenen Größen, mit Schlitzen und Bemalung versehen; Anschlag erfolgt mit Holz-, Gummi- oder Filzschlegeln; ursprünglich in Ostasien von Priestern zum Gebet geschlagen.

Tempelhof, Lissy, geboren 17.3.1929; Schauspielerin; vielseitige Darstellerin an Berliner Bühnen (seit 1963 am Deutschen Theater) sowie bei Film und Fernsehen («Die besten Jahre», «Alle meine Mädchen»),

Temperamalerei: Malerei mit Temperafarben, Emulsionsfarben, deren Bindemittel aus natürlichen wässrigen und öligen Stoffen besteht (hauptsächlich Eiweiß und das ölhaltige Eigelb, das die Farbe geschmeidig erhält, und Zusätze von Leim, Honig und Pflanzensäften). Temperafarben lassen sich mit Wasser verdünnen, trocknen sehr rasch und sind danach wasserfest, was ein Ineinander Malen und Verschmelzen der Töne sehr erschwert. Ein abschließender Firais Überzug steigert die Leuchtkraft der sonst stumpfen Farben. Die Anfänge der Temperamalerei reichen bis ins alte Ägypten zurück. Im Mittelalter war sie die Haupttechnik der Tafelmalerei. Nach Erfindung der Ölmalerei im 15. Jahrhundert ist sie lange Zeit mit dieser kombiniert worden (Tempera-Ölfarben-Mischtechnik), allmählich ging jedoch die Technik der Temperamalerei verloren. Seit dem 19. Jahrhundert wurde teilweise wieder auf sie zurückgegriffen, während sie im 20. Jahrhundert erneut größere Bedeutung erlangte.

Temperament: («die richtige Mischung») bestimmte Ausprägung der Dynamik psychischer Prozesse, die sich aus der unterschiedlichen Kombination der ihnen angeborenen Stärke, Beweglichkeit und Ausgeglichenheit ergibt. Das Temperament ist eine der Grundlagen der Herausbildung der Individualität. Die älteste Temperamentenlehre stammt von Hippokrates (Choleriker, Melancholiker, Phlegmatiker, Sanguiniker).

Temperatur: eine thermodynamische Zustandsgröße, Maß für die Intensität der Wärmebewegung der Teilchen eines makroskopischen Systems, Zeichen T, SI-Einheit Kelvin (K). Der Temperaturbegriff ist nur sinnvoll für Systeme, die sich im thermodynamischen Gleichgewicht befinden. Die Temperatur eines Körpers ist um so höher, je größer die Energie seiner Atome beziehungsweise Moleküle ist; in Gasen zum Beispiel ist die mittlere kinetische Energie der Teilchen der Temperatur proportional. Zum tiefsten Wert dieser Energie gehört eine tiefste Temperatur, der absolute Nullpunkt. Er liegt bei -273,15°C oder 0 K und kann nach dem 3. Hauptsatz der Thermodynamik nur asymptotisch erreicht werden. Zur Temperaturmessung benutzt man Thermometer, Thermoelemente, Bimetallstreifen, Pyrometer, Thermocolore und Pyrometerkegel. Die herkömmliche Technik nutzt einen Temperaturbereich von etwa -50 bis + 2000°C aus, für die Forschung sind auch extrem hohe und tiefe Temperatur interessant. In einem Tokamak erzeugte man eine Temperatur von 230 Millionen K. In der Meteorologie ist die Temperaturangabe in Grad Celsius (°C) noch üblich (0°C = 273,15 K). Die Temperaturmessung erfolgt mit Thermometern nach verschiedenen Messprinzipien, wobei zum Beispiel zur Bestimmung der Lufttemperatur ein möglicher Messfehler infolge Strahlungseinfluss durch eine Thermometerhütte oder andere Strahlungsschutzformen verhindert wird.

Temperaturskale: Zuordnung von Zahlenwerten zu Temperaturen. Die thermodynamische Temperaturskale beruht auf den Gesetzmäßigkeiten der Thermodynamik und der Festlegung des Wertes für den Tripelpunkt des Wassers. Schmelzpunkt F des Eises und Siedepunkt Kp des Wassers haben als Fixpunkte bestimmte Werte: Celsius-Skale, F = 0°C (Grad Celsius), Kp = 100°C, Kehin-Skale, F = 273,15 K, Kp = 373,15 K; für Temperaturdifferenzen gilt 1°C = 1 K; Fahrenheit-Skale (in englischsprachigen Ländern), F = 32 “F (Grad Fahrenheit), Kp = 212 “F. Die Internationale Prakt. Temperaturskale von 1968 wird für praktische Messzwecke angewendet und ist innerhalb der Messunsicherheit der thermodynamischen Temperaturskale gleichzusetzen. Sie ist auf 11 Fixpunkte und Vorschriften für Interpolationsgeräte und -formeln gegründet und umfasst den gesamten Bereich oberhalb 13,81 K (-259,34°C). Für tiefere Temperaturen werden nationale Temperaturskalen angewendet.

Templer, Tempelherren: 1119 gegründeter geistlicher, vorwiegend französischer Ritterorden, der im 13. Jahrhundert besonders in Frankreich zu großem Reichtum gelangte (unter anderem durch Wuchergeschäfte). 1307 wurden die Templer in Frankreich verhaftet und ihr Besitz von der Krone beschlagnahmt, 1314 der Großmeister J. de Molay unter anderem hingerichtet. Papst Clemens V. musste 1312 den Orden aufheben. Der Temple, Hauptniederlassung der Templer in Paris, war während der Französischen Revolution Staatsgefängnis.

Templin: Kreisstadt im Bezirk Neubrandenburg, in der Uckermark, in seenreicher Umgebung («T.er Seenkreuz»), am Stadtsee; 14000 Einwohner; Agrarzentrum, Forstwirtschaft, Holz-, Bau-, Bekleidungsindustrie; Institut für Lehrerbildung, medizinische Fachschule; Volkskundemuseum; mittelalterliche Stadtbefestigung mit 3 Stadttoren; Erholungsort.

Tempo: 1. allgemein Schnelligkeit, Hast; Zeitmaß, Geschwindigkeitsgrad.

2. Tempo, Abkürzung T, Musik: Zeitmaß, das den Schnelligkeitsgrad eines Musikstückes bestimmt. Grundlegende Maßeinheit ist die Zählzeit (Takt 3) beziehungsweise Schlagzeit beim Dirigieren. Tempovorschriften werden meist durch Tempobezeichnungen (zum Beispiel andante, presto) gegeben, ihre Präzisierung kann durch Metonymisierung (Metronom) oder Angabe der Dauer eines Musikstückes in Minuten und Sekunden (zum Beispiel 3'25") erfolgen. Tempoveränderungen werden durch entsprechende Vortragsbezeichnungen angezeigt (zum Beispiel ritardando, accelerando).

Tempoläufer: relativ spurtschwacher Mittel- oder Langstreckenläufer, der die Gegner mit Hilfe eines hohen, ziemlich gleichmäßigen Lauftempos zu zermürben und den Lauf von der Spitze zu gewinnen sucht. Siehe auch Spurtläufer.

temporal: (lateinisch) zeitlich; die Zeit betreffend.

Temporallen: mit der Verwaltung eines kirchlichen Amtes verbundene weltliche Rechte und Einkünfte der Geistlichen.

Temporalsatz, Zeitsatz: Nebensatz, der Zeitpunkt oder -dauer eines im Hauptsatz enthaltenen Vorgangs bestimmt; zum Beispiel: Er wartete, «bis sie kam».

Temporalstunde, Planetenstunde: Stunde mit jahreszeitlich bedingt wechselnder Länge (Unterteilung des Tages von Sonnenaufgang bis -Untergang (Lichttag) beziehungsweise der Nacht in jeweils 12 Teile). Zeitangaben in Temporalstunde waren bis zum 14. Jahrhundert üblich. Siehe auch Äquinoktialstunde.

Tempus: Zeitform des Verbs; grammatische Kategorie, die die Einordnung eines Geschehens oder Seins in den Zeitverlauf bestimmt.

Temuco: Stadt (Provinzzentrum) in Chile, im Kleinen Süden, am Cautín; 170000 Einwohner; Textilindustrie, Sägewerke; Eisenbahnknoten, an der Carretera Panamericana, Flughafen; Araucaner Museum; Seebad.

Tenasserim: Landschaft im Süden Burmas, zwischen dem Andaman. Meer und der Grenze zu Thailand; 81781 km2; vorwiegend Gebirgsland (bis 2080 m), Flachland entlang der Küste; im Norden Monsunwälder, im Süden immergrüner tropischer Regenwald, reich an Mangrovensümpfen (besonders im S); reiche Zinnerzlagerstätten.

Tenazität: (dat.) Widerstandskraft eines mikrobiellen Erregers gegenüber Umwelteinflüssen.

Tendenz: (durchscheinende) Absicht; Neigung; Entwicklungsrichtung einer Erscheinung.

tendenzen: Zeitschrift für engagierte Kunst; 1960 in München gegründet; mit ihr verbunden ist die Gruppe progressiver Künstler «tendenz». Ziele der Zeitschrift sind Kritik des spätbürgerlichen Kunstbetriebs, Stärkung einer antiimperialistischen Orientierung der Kunst und das Bewusstmachen der gesellschaftlichen Verantwortung der Künstler unter den politischen und kulturellen Bedingungen des Imperialismus.

Tender: Vorratswagen der Dampflokomotive für Kohle und Wasser.

Tendrjakow, Wladimir Fjodorowitsch, 5.12.1923-3.8.1984, russisch-sowjetischer Schriftsteller; gestaltete in seinen Erzählungen Entwicklungsprobleme des Dorfes («Der Fremde», 1954, deutsch; «Drei Sack Abfallweizen», 1973, deutsch) und konfliktreiche ethisch-moralische Entscheidungssituationen («Das Gericht», 1961; «Verwandlungsspiele des Frühlings», 1973; «Die Nacht nach der Abschlussfeier», 1974; «Die Abrechnung», 1979; «Sechzig Kerzen», 1980; alle deutsch).

Tenentismo: (portugiesisch tenente, «Leutnant») kleinbürgerlich-revolutionäre Bewegung «Junger Offiziere» in Brasilien (1922/34) mit antioligarchischen und bürgerlich-demokratischen Zielstellung, Höhepunkt war der Kampf der Kolonne Prestes 1924/27; differenzierte sich nach 1927 in einen bürgerlich-reformistischen und einen von L. C. 1 Prestes geführten revolutionär-demokratischen Flügel.

Tenerife, Teneriffa: größte der kanarischen Inseln, zu Spanien gehörig; 2057 km2, 660000 Einwohner; wichtigster Ort Santa Cruz de Tenerife-, vulkanischen Ursprungs, gebirgig, im Pico de Teide 3718 m hoch; tropisches Klima; Anbau von Bananen, Tomaten, Frühkartoffeln, Blumen; Erdölraffinerie; internationaler Flughafen; Universität in La Laguna; Badeorte.

Tenesmus (lateinisch griechisch): meist entzündlich bedingter schmerzhafter Darm- oder Blasenkrampf mit Stuhl- beziehungsweise Harndrang.

Teniers, David der Jüngere, 15.12.1610-25.4.1690, flämischer Maler; seit 1633 Mitglied der Antwerpener Lukasgilde; vielseitig tätig als Maler von Bildnissen, Stillleben, Spuk- und Hexenszenen, leistete Teniers sein Bestes im treffsicher erfassten und anekdotisch pointierten

Tennantit: (nach einem britischen Chemiker) Mineral; Fahlerze.

Tennessee: 1. Tennessee: linker, längster und wasserreichster Nebenfluss des Ohio, im Südosten der USA; 1049 km; entspringt mit 2 Quellflüssen in den Appalachen und ist in seinem gesamten Lauf kanalisiert und schiffbar; zum Hochwasserschutz, zur Elektroenergie- und Wassergewinnung aufgestaut, unter anderem Kentucky Lake (649 km2), Lake Guntersville (275 km2), Wheeler Chickamauga (143 km2), Watts Bar Lake (272 km2); mit 377 km langem Wasserweg über den Tombigbee Verbindung zum Golf von Mexiko. Siehe auch Tennessee Valley Authority.

2. Tennessee, Abkürzung Tenn.: Bundesstaat im Südosten der USA, zwischen dem Mississippi und den Appalachen; 109152 km2, 4,6 Millionen Einwohner (16% Afroamerikaner); 42 Einwohner/km2; Hauptstadt Nashville-Davidson. Im Osten Appalachen (bis 2024 m), im Zentrum Cumberland Plateau (bis 1077 m), im Westen Hügelland und Mississippi Niederung; feucht- bis subtropisches-kontinentales Klima; Hauptflüsse sind der Mississippi, Cumberland und der wasserkraftreiche Tennessee; durch Aufforstung wieder 52% Waldbedeckung. Mehr als ein Drittel der Fläche ist unkultivierbares, nur wenig fruchtbares Ackerland: Anbau von Tabak (Nashville-Becken), Mais, Sojabohnen, Baumwolle (Mississippi Ebene), intensive Milchwirtschaft und Schweinehaltung;

Forstwirtschaft: Bedeutender Zinkbergbau, Abbau von Steinkohle, Phosphaten, Kupfererzen, Ton, Marmor und Glimmer. Die Industrialisierung wurde durch die bedeutende Elektroenergieerzeugung (besonders Hydroenergiegewinnung durch die Tennessee Valley Authority) begünstigt: chemische sowie Eisen- und Stahl-, Textil-, Zement-, Lebensmittel-, Holz-, Kernindustrie (Oak Ridge); Aluminium- und Manganhütten. Wirtschaftszentren und zugleich wichtige Binnenhäfen sind Memphis, Nashville-Davidson, Knoxville, Chattanooga.

Tennessee Valley Authority, Abkürzung TVA: US-amerikanische Bundesbehörde zur Nutzung und Erhaltung des Tennessee-Stromgebietes (Schutz vor Hochwasserkatastrophen, Bodenabspülung, Waldvernichtung; Energiegewinnung, Herstellung der Schiffbarkeit unter anderem durch 33 Staudämme, davon 23 durch die TVA errichtet, zum Teil mit Schifffahrtsschleusen); gegründet 1933; Sitz in Knoxville; umfasst 125 Counties mit etwa 4 Millionen Einwohner auf 106000 km2 Fläche (Bundesstaaten Alabama, Georgia, Kentucky, Mississippi, Nordkarolina, Tennessee, Virginia). Die Hydroenergieerzeugung wurde durch bedeutende Kapazität von Wärmekraftwerken ergänzt (Gesamtkapazität über 20000 MW), um den Bedarf der Rüstungsindustrie zu decken. Anlage von Flusshäfen; Transportleistung des Kanalsystems etwa 25 Millionen t/Jahr.

Tennis: auf einem Hart-, Rasenplatz, einer Parkettfläche o. ä. hauptsächlich im Freien beziehungsweise in Hallen mittels Tennisschlägern gespieltes Rückschlagspiel zwischen Einzelspielern und Doppeln. Der 56,7 bis 58,74 g schwere, filzüberzogene Gummihohlball von 6,35 bis 6,67 cm Durchmesser ist derart über das das Spielfeld halbierende, in der Mitte mit der Oberkante 0, 91 m über der Spielfeldebene gespannte Netz zu schlagen, dass der Gegner den Ballwechsel nicht regelgerecht fortsetzen kann. Gegner. Fehler zählen als Punkt, 4 gewonnene Punkte (gezählt wird: 15-30-40-Spiel) ergeben (bei 2 Punkten Vorsprung) 1 Spiel, 6 gewonnene Spiele (bei 2 Spielen Vorsprung) 1 Satz, 2, zum Teil auch 3 (ausschließlich in Männereinzel- und Männerdoppelspielen) gewonnene Sätze den Sieg. Die Dauer eines Satzes wird zum Teil durch Tie break begrenzt. Olymp. Sportart 1896/1924 und ab 1988, Europameisterschaften seit 1963, Weltmeister werden seit 1978 ermittelt.

Tenno: (japanisch, «Himmelskönig») auch Mikado (japanisch, «erhabene Pforte»): offizielle Bezeichnung beziehungsweise ehrender traditioneller Titel für den japanischen Kaiser.

Tennyson, Alfred Lord, 6.8.1809 bis 6.10.1892, englischer Dichter; Hauptvertreter der spätromantischen Lyrik vor allem mit den «Königsidyllen» (1859/65, deutsch) um den legendären König Artus; populär wurde auch das tragische Poem «Enoch Arden» (1864, deutsch).

Tenochtitlan: Hauptstadt des Aztekenreiches (heute Zentrum von Mexiko-Stadt), die über 4 Stadtviertel, Tempelpyramiden, Paläste, Märkte, Wasserleitungen und Straßen verfügte, die von der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Bedeutung des Aztekenreiches zeugten; Reste von Grundmauern der alten Tempel und Paläste freigelegt.

Tenor: 1. allgemein Sinn; Haltung; Inhalt, Wortlaut.

2. Tenor (PI. Tenores): Musik - in der polyphonen Musik besonders des 14./16. Jahrhundert die den Cantus firmus «haltende» (ausführende) Stimme, der die anderen Stimmen kontrapunktisch zugeordnet sind.

3. Recht: soviel wie Urteilstenor. Siehe auch Urteil.

Tenor: a) höchste Männerstimme;

b) Gesamtheit der Tenorsänger im Chor. Bei Musikinstrumenten spricht man von der Tenorlage des Instruments, zum Beispiel Tenorsaxophon.

Tenreks, Tenrecidae: igel- bis spitzmausartige, 40 cm lange, dämmerungs- und nachtaktive Insektenfresser mit verkümmertem Schwanz und kloakenähnlicher Hautfalte im After und in der Genitalöffnung; das grannige Fell besitzt zahlreiche Tastborsten oder Stacheln; Kleintierfresser; leben auf Madagaskar.

Tenschert, Joachim, geboren 4.6.1928, Dramaturg und Regisseur; nach publizistischer Tätigkeit war Tenschert 1958/70 und ist erneut seit 1977 Chefdramaturg und in Zusammenarbeit mit M. Wekwerth Regisseur am Berliner Ensemble; seit 1982 Professor an der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» Berlin. Als Gastregisseur und Methodiker hat Tenschert wesentlich zur internationalen Verbreitung des Theaterschaffens B. Brechts beigetragen.

Tenside, Detergenzien (lateinisch; Sing. Detergens), grenzflächenaktive Stoffe, oberflächenaktive Stoffe: Substanzen, die die Grenzflächenspannung von Flüssigkeiten, in der Praxis nahezu ausschließlich Wasser, herabsetzen und dadurch die benetzende und emulgierende Wirkung stark erhöhen. Die wirksamen Ionen beziehungsweise Moleküle der Tenside bestehen aus einem hydrophoben Teil, zum Beispiel einer längeren Kohlenwasserstoffkette, und einer hydrophilen Atomgruppe, welche die Wasserlöslichkeit bedingt. Bei anionaktiven Tenside ist das Anion grenzflächenaktiv, zum Beispiel in den Seifen, Alkylsulfaten, Alkylsulfonaten (R-SO3') unter anderem; meist werden die Natriumsalze angewandt. Kationaktive Tenside haben ein grenzflächenaktives Kation, zum Beispiel NR¡+ in quartären Ammoniumsalzen; meist werden die Sulfate angewandt. Bei nichtionogenen Tenside, zum Beispiel Polyglykolethern liegen grenzflächenaktive Neutralmoleküle vor. Gelöste Tenside ordnen sich bevorzugt an den Grenzflächen an; hierbei befindet sich der hydrophile Teil in der wässrigen Phase, während sich die hydrophobe Gruppe nach der nichtwässrigen Seite (Luft, Gefäßwandungen, Öltröpfchen) ausrichtet. Bei einer Öl-in-Wasser-Emulsion ragt zum Beispiel der hydrophile Teil in das Wasser, der hydrophobe Teil in das Öl, so dass die Emulsion stabilisiert wird. Tenside finden Anwendung in Wasch-, Reinigungs-, Netz-, Emulgier-, Textilhilfs-, Schädlingsbekämpfungs-, Korrosionsschutzmitteln, fotografischen Entwicklern, Antistatika unter anderem. An Tenside wird die Forderung gestellt, dass sie in Abwässern biologisch abbaubar sind.

Tension: Spannung, das heißt Druck in Gasen und Dämpfen; wenig gebräuchlicher Begriff.

Tensometer: Dehnungsmesser zum Ermitteln von Längenänderungen, die durch mechanische Spannungen in Festkörpern hervorgerufen werden.

Tensor: 1. Tensor, Spanner: Anatomie Muskel, der eine Membran oder Faszie spannt; zum Beispiel Musculus tensor tympani (spannt das Trommelfell).

2. Tensor, Multilinearform: Mathematik Begriff der linearen Algebra, der von grundlegender Bedeutung für die Physik und die Differentialgeometrie ist. Die einfachsten Tensoren sind Skalare, das heißt reelle und komplexe Zahlen, Vektoren und Linearformen auf einem I Vektorraum. Kompliziertere Tensoren erhält man als Funktionen auf den Vektorräumen ist linear bezüglich der Argumente heißt Stufe des Tensor.

Tentakel: beweglicher Tast- oder Fangorgan niederer Tiere beziehungsweise insektenfressender Pflanzen.

Tentamen: (lateinisch; PI. -tamina) Versuch; Prüfung; Vorprüfung.

Tentoriumriss: Einreißen einer venösen Blutbahn des Großhirns bei der Geburt durch Verschiebung der Schädelknochen des Kindes.

Tenues: die stimmlosen Explosivlaute p, t, k.

tenuto: Musik gleichmäßig (aus)gehalten.

Teotihuacan: (aztekisch, «Ort, wo man zum Gott wird») Name einer alten Ruinenstätte nordöstlich von Mexiko-Stadt. Teotihuacan war etwa 200/800 eines der wichtigsten Kultzentren Altmexikos mit zahlreichen Pyramiden und Tempeln; die bedeutendsten sind Mond- und Sonnenpyramide; letztere ist die größte bekannte Altmexikos (gebaut etwa 400/450).

Tepaneken: altmexikanisches Indianervolk der Nahua-Sprachgruppe, das zu den Chichimeken gerechnet wird; dehnte im 13./14. Jahrhundert seinen Herrschaftsbereich über das Hochtal von Mexiko aus, der Anfang 15. Jahrhundert von den Azteken erobert wurde.

Teppich: (romanisch - griechisch) großflächiger, abgepasster textiler Fußbodenbelag, seltener Wandbehang, von Hand oder mechanisch in unterschiedlichen Verfahren hergestellt durch Knüpfen, Weben, Wirken. Man unterscheidet gewebte Teppich

a) ohne Pol (Sisal- oder Kokosteppich und -läufer),

b) mit nicht aufgeschnittenen Polnoppen (Tapestry-, Bouclé-, Brüssel Teppich),

c) mit aufgeschnittenen Polnoppen (Velours(Tournai-) Teppich); Teppiche mit vorgewebtem Pol (Axminster- beziehungsweise Chenille Teppich); Nadelpolteppich (Tufting); Knüpfteppich, beflockte Teppich. Siehe auch Läufer 4. Älteste Zeugnisse gibt es vom 2. Jahrtausend vor Christus aus Ägypten. Berühmt ist der von den Arabern bei der Eroberung von Ktesiphon im Jahre 637 erbeutete Gartenteppich, auf dem ein Gartenparterre mit Wegen, Gewässern, Blumen und Tieren dargestellt war. Vorstufen zu den Vasen-, Tier- und Jagdteppich aus dem 16./17. Jahrhundert stammen aus sassanidischer Zeit. Das Mittelmedaillon der späten Perserteppiche entwickelte sich aus dem Gartenteppich (Mittelbeet), zum Teil unter chinesischen Einfluss. Neben dieser höflichen Entwicklung der Teppichkunst läuft eine volkstümliche einher, die fast ausschließlich geometrische Motive verwendet. Die Teppichkunst des Vorderen Orients erreichte vom 15. bis 18. Jahrhundert ihre Blüte; große Mengen Knüpfteppich aus dem Orient, besonders aus Persien, wurden nach Europa ausgeführt, wo der Teppich seit dem frühen Mittelalter, meist als gewirkter Bildteppich, in sakralem und profanem Gebrauch war.

Teppichbelag: Straßenbelag aus bitumenumhülltem Splitt, nach der Makadambauweise auf raue Unterlage aufgebracht und abgewalzt.

Teppichpflanzen: niedrige Gruppenpflanzen, die für das Bepflanzen sogenannt Teppichbeete in geometrischen Mustern besonders geeignet sind.

Tequila: (nach dem gleichnamigen Ort in Mexiko) mexikanischer Branntwein, der durch Destillation der vergorenen Maische des Strunkes der Agave tequilana gewonnen wird; Volumenanteil an Alkohol 43%.

teratogene Wirkung: Missbildung erzeugende Wirkung; bestimmte Arzneimittel und andere Stoffe können bei Aufnahme in der Frühschwangerschaft zu Missbildungen des Kindes führen. Jedes Arzneimittel wird bei Neueinführung auf teratogene Wirkung überprüft.

Teratologie: (griechisch) Lehre von den Missbildungen.

Teratom, (griechisch) Wundergeschwulst: angeborene, durch Entwicklungsstörungen entstandene, oft organähnliche Mischgeschwulst, die aus verschiedenen Gewebearten besteht.

Terbinerden: (nach dem schwedischen Ort Ytterby) die Oxide der Seltenerdmetalle Europium, Gadolinium und Terbium.

Terbium, (nach dem schwedischen Ort Ytterby) Symbol Tb: chemisches Element der Kernladungszahl 65; Seltenerdmetall; Atommasse 158,9254; Wertigkeit + 3, seltener +4; f 1356°C; Äp2480°C; Dichte 8,25 g/cm3. Terbium ist silberweiß und läuft an der Luft blaugrau an; es löst sich leicht in Säuren zu den meist farblosen Terbium Verbindungen. Terbium wurde 1843 von dem schwedischen Chemiker Carl Gustav Mosander (1797-1858) entdeckt.

Terborch, Gérard, 1617-1681 (8.12. begraben), holländischer Maler und Zeichner; seine Genredarstellungen, meist wenige Personen im vornehm bürgerlichen Innenraum, zeichnen sich durch eine subtile Wiedergabe des Stofflichen aus. Einen neuen Typus der Bildnismalerei schuf Terborch mit ganzfigurigen Porträts, die trotz kleinen Formats ein Höchstmaß an psychologischer Durchdringung aufweisen.

Terek: Fluss in Nordkaukasien; 623 km; entspringt im Kaukasus, mündet mit 4000 km2 großem Delta ins Kaspische Meer; Hauptnebenflüsse sind Ardon, Uruch, Malka (mit Baksan) von links und Sunska von rechts; fischreich; speist Bewässerungskanäle (unter anderem 148 km langer Terek-Kuma Kanal); bei Prochladny Terek-Malka-Stauanlage; Wasserkraftwerke.

Terenin, Alexander Nikolajewitsch, 6.5.1896 bis 18.1.1967, sowjetischer Physikochemiker; seit 1932 Professor in Leningrad; Forschungen insbesondere über Fotochemie, Spektralanalyse und Katalyse.

Terenz, Publius Terentius Afer, um 190-159 vor Christus, römischer Komödiendichter; kam als Sklave aus Karthago nach Rom, wurde dort freigelassen; schuf in enger Anlehnung an die attische sogenannt neue Komödie (Menander) bei Verwendung der Sprache der gebildeten Oberschicht (im Unterschied zu Plautus) bürgerl. Lustspiele (6 über Probleme des Alltagslebens sind erhalten), mit denen er nachhaltig die Entwicklung des Dramas in Europa (unter anderem Molière, Lessing) beeinflusste.

Terephthalsäure: (griechisch + deutsch) farb- und geruchlose, kristalline Substanz; dient zur Herstellung von Polyesterfaserstoffen und -folien.

Teresa, Mutter Theresa, eigentlich Agnes Gonxha Bojaxhiu, geboren 27.8.1910, karitativ tätige katholische Ordensschwester albanischer Herkunft; Gründerin der Schwesternkongregation der «Missionarinnen der Nächstenliebe» (1950); wirkt in Calcutta (Indien) mit ihrem Orden, der dem Gelübde des Dienstes an allen Notleidenden verpflichtet und heute in der ganzen Welt verbreitet ist, für die Armen, Hungernden und Sterbenden.

Teresa de Jesús, heilige Teresa, eigentlich Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada, 28.3.1515-4.10.1582, spanische Schriftstellerin; seit 1534 Mitglied des Karmeliterordens; gilt als bedeutendste Mystikerin der katholischen Kirche (1622 heiliggesprochen); ihre Schriften spiegeln ihr Streben nach göttlicher Erleuchtung und ihr Ringen um Stärkung des Ordens («Lebensbeschreibung», 1561/62; «Das innere Schloss oder die Wohnstätten», 1577).

Tereschkowa, Walentina Wladimirowna, geboren 6.3.1937, sowjetische Kosmonautin; führte als erste Frau einen Raumflug aus (16./19.6.1963; Wostok 6); seit 1963 mit dem Kosmonauten A. G. Nikolajew verheiratet. Vorsitzende des Komitees der Sowjetfrauen.

Teresina: Hauptstadt des Bundesstaates Piaul (Brasilien), am Paranaiba; 380000 Einwohner; Baumwoll-, Zucker-, Holz-, Seifenindustrie; Handelszentrum; Flughafen; juristische Fachschule.

Term: Mathematik Zeichenreihe, deren Variable mit Elementen aus einem gegebenen Bereich belegt werden dürfen und die stets wieder ein Element daraus beschreibt; zum Beispiel a2 b2.

Termin: 1. allgemein festgelegter Zeitpunkt, Ziel.

2. Recht: rechtsverbindlich bestimmter (zum Beispiel in Gesetz, Vertrag, Gerichtsbeschluss) Zeitpunkt für eine Leistung, Handlung oder Gerichtsverhandlung.

Terminal: 1. leistungsfähiger Umschlagplatz im Transportwesen (vorwiegend für Container, Container-Terminal), auf den sich der Güteraustausch zwischen Schiene und Straße, Schiff und Straße oder Schiene, Flugzeug und Straße für einen größeren örtlichen Bereich konzentriert.

2. Terminal: Abfertigungsgebäude für Fluggäste und beziehungsweise oder Luftfracht.

3. Terminal: Arbeitsplatz zur Kommunikation mit einer EDVA auch über Datenfernübertragungskanäle. Ein Terminal enthält einen Bildschirm und eine Tastatur und wird von der EDVA als langsames peripheres Gerät verwaltet. Intelligente Terminal besitzen einen eigenen Rechner (Mikro- oder Kleinrechner), der mit der EDVA gekoppelt Ist, und weitere periphere Geräte.

Terminalfaden: (dat. + deutsch) fadenförmig ausgezogenes Ende des Rückenmarks.

Terminator: Lichtgrenze; Grenze zwischen beleuchtetem und unbeleuchtetem Teil eines Himmelskörpers.

Termingelder: befristet bei Banken und Sparkassen verzinslich angelegte Gelder. Festgelder sind an dem bei der Einlage vertraglich vereinbarten Termin rückzahlbar, Kündigungsgelder nach Ablauf einer Kündigungsfrist

Termingeschäft, Zeitgeschäft: eine Form des Börsengeschäfts im Kapitalismus, bei dem die Ware, die Wertpapiere oder andere Objekte des Börsenhandels nicht am Tage des Geschäftsabschlusses, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt abgenommen oder geliefert werden. Beim festen Termingeschäft (Zielgeschäft) ist der Erfüllungszeitpunkt fixiert (zum Beispiel zum 15. des Monats). Das bedingte Termingeschäft wird ohne feste Verpflichtung zur Realisierung abgeschlossen. Käufer und Verkäufer können bei für sie ungünstigen Kursentwicklungen zwischen Geschäftsabschluss und Erfüllung vom Geschäft zurücktreten. Das Termingeschäft ist Gegenstand umfangreicher Spekulationen der Monopole, besonders durch Ausnutzung der Zinsdifferenz zwischen Tages- und Terminpreis beziehungsweise -kurs.

Terminologie: (lateinisch + griechisch) Gesamtheit der Fachausdrücke eines Gebietes.

Terminus, Terminus technicus: (definierter) Fachausdruck eines Gebietes, vor allem aus Wissenschaft und Technik.

Terminus, römischer Gott des Grenzsteins und der Grenzen; wurde besonders von den Bauern verehrt. Terminus technicus Terminus.

Termiten, Isoptera: den Schaben verwandte Insektenordnung mit 2 bis 20 mm langen Arten; leben vorwiegend in südlichen Ländern; bilden regelrechte Staaten mit hochentwickelter Arbeitsteilung zwischen Geschlechtstieren und geschlechtlich degenerierten Arbeitern und Soldaten; Holzfresser, einige züchten Nährpilze; Nester in oder über der Erde (Termitenhügel).

Terms of trade, Trade Terms: nach Ländern unterschiedlicher Auslegungsregeln für Handelsklauseln im internationalen Geschäftsverkehr.

ternär: dreifach; aus 3 Bestandteilen, Einheiten bestehend. Chem. Verbindungen bezeichnet man dann als ternär, wenn an ihrem Aufbau 3 Elemente beteiligt sind (zum Beispiel H2S04, KOH, NaC10fl).

Terni: Stadt in Mittelitalien, in der Region Umbrien, Verwaltungszentrum der Provinz Terni, an der Nera; 110000 Einwohner; Hüttenwerk, metallverarbeitende, keramische, chemische und Kunstfaserindustrie; Wasserkraftwerk; Gewerbe-, Industrieschule.

Ternopil: Stadt (Gebietszentrum) im Westen der Ukraine, 175000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Textil-, Kunstlederindustrie, Maschinenbau, pharmazeutische, keramische Industrie; Verkehrsknoten, Flughafen; 3 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Heimatmuseum; Altstadt mit Baudenkmälern (Kirchen, Klöster) aus dem 16./18. Jahrhundert. Im 2. Weltkrieg nach schweren Kämpfen mit der eingekesselten faschistischen Besatzung am 14.4.1944 durch die Rote Armee befreit.

Terpandros, Terpander, um 675 vor Christus, griechischer Musiker und Dichten-ältester griechischer Kitharöde; schuf durch die Einführung der asiatischen siebenseitigen Kithara die Voraussetzungen für ein Musizieren in siebentönigen Tonleitern; Begründer des siebenteiligen kitharodischen Nomos, der modellhafte Bedeutung gewann.

Terpene: im engeren Sinne azyklische und zyklische Kohlenwasserstoffe der Formel (C5H8)n, deren Moleküle aus 2 bis 6 Isopren Baugruppen, C5Hg, gebildet werden. Monoterpene, zum Beispiel Pinen, haben die Forme), Sesquiterpene, Diterpene Triterpene.

Im weiteren Sinne werden zu den Terpene auch deren wasserstoffärmere und -reichere sowie sauerstoffhaltige Derivate gerechnet, zum Beispiel der Terpenalkohol Geraniol, der Terpenaldehyd Zitral und das Terpenketon Karvon. Die Terpene und ihre Derivate sind charakteristische Bestandteile der ätherischen Öle, Balsame und Harze; zu ihnen gehören wichtige Riechstoffe.

Terpentin: weißer bis brauner, klebriger, aromatisch riechender Balsam, der an der Luft zu einer spröden Masse eintrocknet. Terpentin wird durch Einkerben der Rinde von Nadelbäumen (vor allem Kiefern) gewonnen und durch Wasserdampfdestillation in Terpentinöl und Kolophonium zerlegt.

Terpentinöl: aus Terpentin gewonnenes, farbloses, aromatisch riechendes, brennbares, in Wasser unlösliches ätherisches Öl; Kp um 160°C; Dichte etwa 0,870 g/cm3. Terpentinöl besteht vorwiegend aus bizyklischen Terpenen (insbesondere a- und ß-Pinen) der Formel C,„H16 und ist ein gutes Lösungsmittel für Harze und Fette; Verwendung für Lacke, Schuhkrems, Bohnerwachse sowie zur Herstellung von synthetischen Kampfer und Riechstoffen.

Terpineol: farbloses, flüssiges, fliederartig riechendes Gemisch monozyklische Terpenalkohole; Hauptbestandteil ist a-Terpineol, F36,9°C, Kp 219°C. Terpineol kommt in vielen ätherischen Ölen vor, wird synthetisch aus Pinen hergestellt und ebenso wie sein erfrischend riechender Essigsäureester Terpinylacetat in der Parfümerie verwendet.

Terpsichore, (griechisch, «die Tanzfrohe») Muse des Tanzes.

Terrain: Gebiet; Gelände; Grundstück.

Terra incognita: unbekanntes Land, besonders das lange gesuchte Südland; übertragen Unerforschtes.

Terrakotta: unglasierter, gebrannter Ton von weißer, gelber, brauner oder roter Farbe, einer der ältesten künstlerischen Werkstoffe; die Bezeichnung Terrakotta ist auch gebräuchlich für Kunstgegenstände besonders der Kleinplastik (Terrakotten), die aus Terrakotta hergestellt sind; im weiteren Sinne Sammelbegriff für jede gebrannte Tonware (außer Gefäßen). Terrakotta empfiehlt sich durch seine Haltbarkeit und Wetterbeständigkeit auch für die Bauplastik. Die Formgebung erfolgt mit der Hand, mit der Scheibe oder durch Formabdruck. Terrakotten finden sich in allen Kulturen des Altertums (Griechenland, Rom, China). Von großer Bedeutung ist die Terrakotta als Werkstoff der italienischen Bildhauer des Quattrocentos.

Terrarienkunde: Lehre von der Haltung und Pflege amphibisch und terrestrisch lebender Tiere im Terrarium. Die Terrarienkunde ist die wissenschaftliche Grundlage der Terraristik.

Terrae: (lateinisch; Sing. Terra, «Land») gebirgige Hochländer der Mondkruste, die die Maria bis zu einigen 1000 m überragen und mit Impactkratern (siehe auch Impacttheorie) übersät sind. Die Terrae bestehen hauptsächlich aus Anorthositen. Sie sind die ältesten Teile der Mondkruste und stellen trotz vieler Unterschiede eine Analogie zur Granitschale der Erde dar.

Terraristik: (dat.) Beobachtung, Pflege und Zucht von Reptilien und Amphibien auf der Basis naturgemäßer Haltung in Terrarien.

Terrarium: Behälter zur Pflege und Zucht von niederen Wirbeltieren (Lurche, Kriechtiere), Insekten und Schnecken; auch entsprechende Gebäude zur Schaustellung.

Terrasse: 1. allgemein Absatz, Stufe.

2. Architektur: künstlich geebnete, meist durch Beton, Natur- oder Kunststeinplatten befestigte Erderhebung, oft durch Unterkellerung überhöhte Fläche am Erdgeschoß eines Gebäudes; ein ebenes begehbares Dach wird als Dachterrasse bezeichnet.

3. Gartenbau: a) aus dem Gelände herausgehobene, meist allseitig begrenzte ebene Fläche (Sitzplatz);

b) durch den Bau von Stützmauern oder Erdwällen geschaffene, häufig treppenartig wiederholte ebene Fläche, die der Verhinderung der Bodenerosion und Verbesserung des Pflanzenbaus dient.

4. Geomorphologie: Hangstufe mit ebener oder gering geneigter Terrassenfläche und steilem Terrassenhang. Nach der Genese und dem Materialaufbau werden folgende niveaugebundene Formen unterschieden:

a) Flussterrasse oder Talterrasse, die Reste eines ehemaligen, durch Talvertiefung zerschnittenen Talbodens darstellen (Schotterterrasse oder Felsterrasse) und nach der Lage zum Talboden in Hochterrasse, Mittelterrasse, Niederterrasse differenziert werden;

b) Strand- oder Abrasionsterrasse, die aus einer über dem heutigen Meeres- oder Seespiegelliegenden ehemaligen Abrasionsplatte hervorgegangen sind;

c) Seeterrasse, die durch Senkung des Seespiegels entstanden sind. Nichtniveaugebundene Formen sind:

a) gesteinsbedingte Denudationsterrasse.

d) Glazialterrasse, die durch glaziale Exaration entstehen.

Terrazzo: Zementestrich mit farbigen Zuschlagstoffen aus Naturstein, der nach dem Erhärten abgeschliffen und poliert wird; besonders in Plattenform.

terrestrisch: dem (Fest-) Land zugehörig, auf ihm gebildet, zum Beispiel terrestrische Sedimente.

Terreur, Schreckensherrschaft: im engeren Sinne zurzeit der Franzos. Revolution Bezeichnung für die kompromisslose Bekämpfung der Konterrevolutionäre durch die Jakobiner («Gesetz über die Verdächtigen», 17.9.1793). Hauptinstrument zur Durchsetzung der Terreur war das Revolutionstribunal. im weiteren Sinne umfasste die Terreur politischen, ideologischen, ökonomischen, militärischen und rechtlichen Sonderregelungen in den Jahren 1793/94. Die Terreur richtete sich in erster Linie gegen Aristokraten und ihre Handlanger, traf aber auch bürgerliche Kräfte (Spekulanten, Schieber), politischen Gegner der Jakobiner und weitete sich selbst gegen Revolutionäre links von den Jakobinern (Enragés, Cordeliers, J. R. Hébert) aus.

Terrier: rassenreiche Gruppe von Hunden, ursprünglich auf den britischen Inseln jahrhundertelang als Jagdhunde gehalten (Erdhunde). Heute als hochläufige Rassen, wie Bull Terrier, Bedlington Terrier, Kerry Blue Terrier, und niederläufige Rassen, wie Yorkshire Terrier, Skye Terrier, weit verbreitet, aber nur noch in wenigen Rassen als Jagdhunde, wie Fox Terrier, Scottish Terrier und Deutscher Jagdterrier. Der Airedale Terrier gehört zu den Diensthunderassen.

terrigen: (lateinisch + griechisch) vom Festland stammend.

Terrine: Suppenschüssel mit Deckel; auch Form für Pasteten.

territorial: ein Gebiet betreffend; zu einem Gebiet gehörend; inländisch.

territoriale Rationalisierung: Bestandteil der sozialistischen Rationalisierung zur Erzielung vielfältiger Intensivierungseffekte innerhalb eines Territoriums. Die territoriale Rationalisierung dient der Erschließung örtlicher Reserven und der effektiveren Nutzung der im Territorium vorhandenen Ressourcen bei gleichzeitiger Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen durch Zusammenwirken von Kombinaten und Betrieben, Einrichtungen und örtlichen Organen.

Territorialgeologie: räumlich bezogene Anthropogeologie, wichtig für Planung und Prognose im Territorium; siehe auch technische Geologie.

Territorialgewässer, Hoheitsgewässer, Küstengewässer: der an die Meeresküste eines Küstenstaates angrenzende Meeresstreifen, der Zum Territorium (Hoheitsgebiet) des Küstenstaates gehört und daher uneingeschränkt sowohl hinsichtlich der Wasseroberfläche, des Meeresbodens und -untergrundes wie auch des Luftraums über ihm dessen Souveränität unterliegt. Jeder Staat hat das Recht, Territorialgewässer in einer Breite bis zu 12 Seemeilen (Dreimeilenzone, Zwölfmeilenzone), ausgehend von der Niedrigwasserlinie entlang der Küste (Basislinie), festzulegen.

Territorialhoheit, Gebietshoheit: Gesamtheit der Hoheitsrechte, die dem Staat im Rahmen seiner völkerrechtsgemäßen Souveränitätsausübung innerhalb seines Staatsgebietes und über sein Staatsgebiet zustehen.

Territorialökonomie: 1. planmäßige Gestaltung und rationelle Nutzung der in einem Territorium zusammenwirkenden Produktivkräfte und der nichtproduzierenden Bereiche. Die Territorialökonomie schließt den sparsamsten Umgang mit den territorialen Ressourcen, die effektive Nutzung der territorialen Infrastruktur und rationelle räumliche Beziehungen in der Produktion zur Beschleunigung der ökonomischen Kreisläufe durch planmäßige Standortverteilung der Produktivkräfte und optimale Gestaltung der ökonomischen Beziehungen ein.

2. Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften, das die Erforschung der Wirkungsweise der ökonomischen Gesetze des Sozialismus unter den konkreten territorialen gesellschaftlichen, technischen, ökonomischen und geographischen Bedingungen zum Inhalt hat.

Territorialplanung: Bestandteil der Planung der Volkswirtschaft zur Sicherung einer rationellen Territorialstruktur der Volkwirtschaft und der weiteren Erhöhung des Lebensniveaus der Bevölkerung eines sozialistischen Landes. Die Territorialplanung umfasst

a) die zentrale Planung der Territorialstruktur der Volkswirtschaft, insbesondere die Planung der Standortverteilung der Produktivkräfte;

b) die eigenverantwortliche Planung in den Bezirken, Kreisen, Städten und Gemeinden;

c) die territorialen Bedingungen und Konsequenzen des Umweltschutzes.

Territorialprinzip: sozialistisches Leitungsprinzip, das gemeinsam mit dem Produktionsprinzip (in dieser kombinierten Form als produktionsterritoriales Prinzip bezeichnet) die komplexe Leitung gesellschaftlicher Prozesse sichert. Das Territorialprinzip orientiert die Leitung und Planung der Volkswirtschaft auf die Berücksichtigung der territorialen Gegebenheiten beziehungsweise Entwicklungen in den Bezirken, Kreisen, Städten und Gemeinden. Es wird vor allem durch die Bezirks- und Kreistage, Räte der Bezirke, Kreise, Städte und so weiter, Bezirks- und Kreisplankommissionen sowie Wirtschaftsräte der Bezirke verwirklicht. Siehe auch Funktionalprinzip, Linienprinzip, Zweigprinzip.

Territorialstaaten: Staaten der deutschen Fürsten, die durch Errichtung der Landesherrschaft seit dem 13. Jahrhundert große Unabhängigkeit, im Westfälischen Frieden 1648 volle Souveränität erlangten.

Territorialverteidigung: Teil der Landesverteidigung, zu dessen Aufgaben die Gewährleistung der Operationsfreiheit der Streitkräfte, die Sicherung der Staatsgrenze, wichtiger politischer, wirtschaftlicher, kultureller und militärischer Objekte auf dem Staatsgebiet sowie der Kampf gegen eingedrungene subversive Kräfte und Luftlandetruppen des Gegners gehören. Die Territorialverteidigung obliegt in der Regel bestimmten Teilen der Streitkräfte, Schutz- und Sicherheitsorgane.

Territorium: Gebiet unterschiedlicher Größe, administrativ begrenzt; oft zur Bezeichnung des Staatsgebietes gebraucht.

Tersanszky, Jozsi Jenö, 12.9.1888 - 12.6.1969, ungarischer Erzähler; zeichnet sich, insbesondere in seinem Hauptwerk, dem Romanzyklus «Marci Kakuk» (1942, Auszüge deutsch), einer modernen Schelmengeschichte, durch Fabulierfreudigkeit und unerschütterliche Lebensfreude aus.

Terschelling: niederländische westfriesische Insel, vor der Küste Frieslands; 90 km2, 4300 Einwohner; Polder im S.; Fischerei; Seebad; Vogelschutzgebiet.

Tertiär: System des Känozoikums, gegliedert in Paläogen (Alttertiär) und Neogen (Jungtertiär), ersteres wird weiter unterteilt in Paleozän, Eozän und Oligozän, letzteres in Miozän und Pliozän. Im Tertiär entstanden die großen eurasischen Faltengebirge. Damit im Zusammenhang stand ein ausgedehnter Basaltvulkanismus. Die meisten mitteleuropäischen Braunkohlenlagerstätten wurden im Tertiär gebildet. Die Flora war der gegenwärtigen bereits verwandt, die Säugetiere entwickelten sich sprunghaft. Siehe auch geologische Systeme.

Tertius gaudens: (lateinisch) der lachende Dritte.

Tertullian, Quintus Septimius Florens Tertullianus, um 160 um 220, erster lateinischer Kirchenschriftsteller, prägte Grundbegriffe der christlichen Dogmatik; erklärte Glaubensinhalte als prinzipiell nicht beweisbar; war von großem Einfluss auf die christliche Literatur und das Kirchenlatein.

Teruel: Stadt im Osten Spaniens, Verwaltungszentrum der Provinz Teruel, am Turia; 28000 Einwohner; Holzbearbeitung und -handel; mittelalterliches Stadtbild, maurischen Vorstadt, Kathedrale (16. Jahrhundert). Von Iberern gegründet, seit etwa 206 vor Christus römisch, ab 5. Jahrhundert nach Christus westgotisch, seit 714 arabisch, gehört seit 1171 zu Aragonien. Im Spanischen Freiheitskampf 1936/39 Sieg der republikanischen Truppen bei Teruel (15./22.12.1937).

Terz: 3. Stufe der diatonischen Tonleiter; auch Intervall, zum Beispiel c-e.

Terzett: Komposition für 3 Solosingstimmen; auch die Gruppe der Ausführenden.

Terzine: Strophe aus 3 jambischen Fünfhebern, unter anderem von Dante in der «Göttlichen Komödie» verwendet; die Strophen sind durch den fortlaufenden Reim auch inhaltlich miteinander verbunden: aba beb ... yzyz; im Deutschen unter anderem bei J. W. Goethe.

Teschemacher, Margarete, 3.3.1903-19.5.1959, Sängerin (Sopran); debütierte 1924 in Köln; wirkte u: a. 1935/46 an der Dresdner Staatsoper, war besonders als Mozart- und Strauss-Sängerin auch im Ausland erfolgreich.

Teschler, Fred, geboren 27.9.1926, Sänger (Bass); seit 1954 Mitglied (1965 Kammersänger) der Dresdner Staatsoper; auf zahlreichen Gastspielreisen, auch als Konzertsänger, erfolgreich.

Tesla, (nach N. Tesla) Zeichen T: SI-Einheit der magnetischen Induktion (Flussdichte); 1 T = 1 Wb/m2. Tesla, Nikola, 10.7.1856-7.1.1943, US-amerikanischer Physiker kroatischer Herkunft; erfand unter anderem 1887 einen Drehstrommotor und 1891 den Tesla-Transformator zur Erzeugung hochfrequenter Wechselspannungen bis zu mehreren Millionen Volt.

Tessin, italienisch Ticino: 1. Tessin: linker Nebenfluss des Po; 248 km; entspringt am Sankt Gotthard, durchfließt die südliche Schweiz, den Lago Maggiore, die Lombard. Ebene (Italien), mündet südöstlich von Pavia.

2. Tessin: Kanton im Süden der Schweiz, südlich der Gotthard-Adula-Gruppe; 2811km2, 271000, überwiegend italienisch sprechende Einwohner; 96 Einwohner/km2; Hauptstadt Bellinzona, umfasst die Tessiner Alpen, wird vom Tessin durchflossen; in Tälern und an Seen (Lago Maggiore, Luganer See) mildes Klima; industriearm; Steinbrüche (Granite, Kalkgestein, Marmor); zahlreiche Wasserkraftwerke mit Stauseen (Ritom-, Luzzone See); Almwirtschaft, in Tallagen Wein-, Obst-, Gemüse-, Tabakanbau; Tourismus.

Test:

1. Medizin: Probe, Tests sind biochemische, hämatologische, biophysikalische, psychologische und andere diagnostische Verfahren, insbesondere Funktionsprüfungen, zur Ermittlung und Differenzierung krankhafter Vorgänge im Organismus.

2. Psychologie: psychodiagnostisches Verfahren zur Ermittlung von Persönlichkeitseigenschaften (Intelligenz, Motivation, Einstellung, Charakter unter anderem). Der Test unterscheidet sich von anderen Verfahren durch Standardisierung der Versuchssituation, der Aufgaben und der Instruktion; er setzt Normwerte für seine Auswertung voraus.

Testakte: englische Gesetz von 1673; forderte als Voraussetzung für staatliche und politische Tätigkeit die Anerkennung der anglikanischen Kirche durch Leistung des Suprematseides und Verwerfung der katholischen Lehre; Kampfmittel des bürgerlichen Parlaments gegen Rekatholisierungs Bestrebungen des nach der bürgerlichen Revolution restaurierten Königshauses Stuart; 1829 aufgehoben.

Testament, Verfügung von Todes wegen, letztwillige Verfügung, Letzter Wille: einseitige, vom Erblasser (Testator) jederzeit widerrufliche Verfügung über sein Eigentum für den Fall seines Todes. Ein Testament kann nur von Volljährigen und nur persönlich errichtet werden. Soweit der Erblasser kein Testament errichtet, tritt gesetzliche Erbfolge ein. Es gibt verschiedene Arten von Testament

a) notarielles Testament, notarielle Niederschrift über den gegenüber dem Notar mündlich oder schriftlich erklärten Willen; muss vom Staatlichen Notariat verwahrt werden;

b) eigenhändiges Testament: vom Erblasser handschriftlich geschriebenes und unterschriebenes Testament; kann dem Staatlichen Notariat in Verwahrung gegeben werden;

c) Nottestament: durch mündliche Erklärung gegenüber 2 Zeugen errichtetes Testament, nur in besonderen Notfällen zulässig;

d) gemeinschaftliches Testament: von Ehegatten gemeinsam errichtetes Testament Ein Testament kann enthalten: Erbeinsetzung (Bestimmung eines oder mehrerer Erben und ihrer Erbteile); Ausschluss von der gesetzlichen Erbfolge; Bestimmung von Ersatzerben; Zuwendung von Vermächtnissen; Erteilung von Auflagen; Teilungsanordnungen; Bestimmung eines Testamentsvollstreckers. Wer ein Testament aufbewahrt oder auffindet, hat es unverzüglich nach Kenntnis des Erbfalls dem Staatlichen Notariat zu übergeben. Das Testament ist nach dem Tode des Erblassers durch das Staatliche Notariat zu eröffnen. Mit der Errichtung eines neuen Testaments wird ein früheres widerrufen, soweit es dessen Verfügung widerspricht, ebenso wenn es der Erblasser vernichtet oder ein notarielles Testament oder Nottestament aus der notariellen Verwahrung zurücknimmt. Besonderheiten gelten für den Widerruf eines gemeinschaftlichen Testaments. Ein Testament ist nichtig, wenn es nicht in der vorgeschriebenen Form errichtet wird. Unter bestimmten Voraussetzungen, insbesondere wegen Irrtums oder widerrechtliche Bedrohung des Testators kann ein Testament durch Klage angefochten werden.

Testamentsvollstrecker: vom Erblasser durch Testament eingesetzter Miterbe oder anderer Bürger, der im Testament getroffene Festlegungen ausfuhren, insoweit den Nachlass verwalten oder darüber verfügen soll. Eine Rechtspflicht, die Aufgaben eines Testamentsvollstreckers zu übernehmen, besteht nicht.

Testat: Zeugnis, Beglaubigung, Bescheinigung, Leistungsnachweis für Prüfungszwecke.

Testator: derjenige, der ein Testament errichtet.

Testbild: von den Fernseh Sendeanstalten außerhalb der Programmzeiten ausgestrahltes Prüfbild für Abgleich-, Reparatur- und Servicearbeiten an Fernsehempfängern.

testieren: bezeugen, bescheinigen; ein Testament errichten.

Teston, (französisch) Testone (italienisch), Testoon: italienische Münze, die erstmals 1474 in Mailand zu 20 Soldi geprägt und zum Vorbild für die die Münzherren darstellenden Münzbildnisse der Renaissance wurde.

Testosteron: aus Cholesterol in den Hoden gebildetes wichtiges männliches Keimdrüsenhormon. Testosteron ist für die Samenbildung sowie für Wachstum und Erhaltung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale erforderlich.

Testsatellit, Erprobungssatellit: künstlicher Erdsatellit, der der praktischen Erprobung von Bauelementen, Technologien und Verfahren der Raumflugtechnik unter Weltraumbedingungen dient. Siehe auch Erdsatellit, künstlicher.

Tetanie: Symptomenkomplex mit gehäuften Krampfanfällen bei erhaltenem Bewusstsein, zum Beispiel infolge Unterfunktion der Nebenschilddrüsen mit erniedrigtem Blutkalkspiegel oder infolge nervöser Übererregbarkeit. Bei Haustieren treten krampfartige Zustände in großen Muskelpartien auf. Die Tetanie wird beim Rind durch eine Verminderung des Magnesium- und Kalziumgehalts im Blutserum ausgelöst. Bei hochgradigen Störungen kommt es zum Festliegen und schnellen Tod der Tiere. Die Weidetetanie als bekannteste Form tritt im Frühjahr beim ausschließlichen Beweiden von Graskulturen auf.

Tetanus, Wundstarrkrampf: akute, schwere Infektionskrankheit; verursacht durch das Toxin der Tetanusbazillen und charakterisiert durch krampfhafte Starre der Muskulatur. Tetanus kann durch aktive und passive Schutzimpfung verhütet werden. Siehe auch Inkubation.

Tete: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten von Mozambique, am Sambesi; 55000 Einwohner; Handels- und Verkehrszentrum; Flughafen; bei Tete Bergbauzentrum Moatize (Steinkohlen-, Uranerzbergbau).

Teterow: Kreisstadt im Bezirk Neubrandenburg, am Teterower See (383 ha; bis 8 m tief); 11600 Einwohner; Nahrungsmittel-, Maschinenbau-, elektrotechnischen, Bekleidungs-, Holzindustrie; Agrarzentrum; Stadtkirche (13./15. Jahrhundert; Backstein), Stadttore (13. Jahrhundert); Erholungsort. Bei Teterow Teterower Bergring (1,877 km lange Grasbergrennstrecke). Im Teterower See auf einer Insel wurde 1950/53 eine slawische Burganlage des 9711. Jahrhundert ausgegraben; wahrscheinlich Fürstensitz.

Tethys: (nach einer griechischen Sagengestalt)

1. Astronomie: Mond.

2. Geologie: vom Paläozoikum bis ins Alttertiär bestehender geosynklinaler Meeresraum, der sich in äquatorialer Richtung zwischen den Nord- und Südkontinenten erstreckte und aus dem heraus in verschiedenen Zeiten den Kontinenten Gebirgssysteme angefaltet wurden, insbesondere zur Kreide- und Tertiärzeit die alpidischen Gebirge.

Tétouan, Tetuan: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Marokkos; 370000 Einwohner; Lebensmittel-, Textil-, Metallverarbeitungs-, Zementindustrie; Kunsthandwerk; Handelszentrum; Hochschulen; Museen; orientalisch geprägte Altstadt (Medina).

Tetovo: Stadt in Makedonien; 40000 Einwohner; chemische, Textilindustrie; Museum; Seilbahn (6 km) zur Sar planina (Wintersport).

Tetraethylblei, Bleitetraäthyl: sehr giftige, farblose, ölige, brennbare, wasserunlösliche Flüssigkeit von süßlich-aromatischen Geruch; dient als Antiklopfmittel zum «Verbleien» von Vergaserkraftstoff; dringt auch durch die Haut in den menschlichen Körper ein. Wegen Umweltschädigung strebt man bleifreien Kraftstoff an.

Tetrachlorethen, Perchlorethylen: farblose, Chloroform ähnlich riechende, wasserunlösliche Flüssigkeit; Kp 121°C; Dichte 1,623 g/cm3; Verwendung als Extraktions- und Lösungsmittel sowie zur Entfettung insbesondere von Leichtmetalloberflächen.

Tetrachlormethan, Tetrachlorkohlenstoff: farblose, nicht brennbare, wasserunlösliche, charakteristisch riechende Flüssigkeit; Dichte 1,594 g/cm3; auch «Tetra» genannt; Verwendung in Feuerlöschern, insbesondere bei Benzinbränden, sowie als Lösungs- und Extraktionsmittel für Fette, Harze und Wachse, zum Beispiel bei der Chemischen Reinigung. Nach Aufnahme von Tetrachlormethan über die Atemwege oder den Magen-Darm-Kanal können Narkosezustände sowie schwere Leber- und Nierenschäden auftreten.

Tetrachord: (griechisch, «Viersaiter») 4 Töne umfassendes Intervall (Quarte abwärts); Baustein der altgriechischen Tongeschlechter.

Tetrade: (griechisch) Gruppe von 4 Ziffern einer Dualzahl, kann durch eine Hexadezimalziffer dargestellt werden.

Tetraeder: (griechisch, «Vierflach») allgemein eine beliebige dreiseitige Pyramide, die von 4 Dreiecksflächen begrenzt wird; im engeren Sinne einer der platonischen Körper, also ein Tetraeder mit 4 kongruenten regelmäßigen Seitenflächen.

Tetrafluorethen, Tetrafluorethylen: farbloses, nicht brennbares Gas der Formel CF2 = CF2; Kp -76,3°C; dient zur Herstellung von Polytetrafluorethylen.

Tetrafluormethan: färb- und geruchloses, reaktionsträges Gas der Formel CF4; Kp -128°C. tetragonal Kristallsystem.

Tetrahydrofuran: zyklischer Äther, ein vielseitig verwendetes Lösungsmittel, ist eine farblose, brennbare, giftige, in Wasser und organischen Lösungsmitteln lösliche Flüssigkeit von ätherischen Geruch; F -108,5 °C; Kp 65,4°C. Die Tetrahydrofuran Dämpfe bewirken nach Einatmen Reizerscheinungen an den Atemwegen und in hoher Konzentration narkotische Zustände.

Tetralin, (griechisch + lateinisch) Tetralen: terpentinölähnliches Lösungsmittel für Fette, Harze, Lacke u. ä.; Formel C10H12; Kp 207,6°C; systematischer Name Tetrahydronaphthalen.

Tetralogie: (griechisch) Zyklus von 4 zusammengehörigen literarischen Werken (besonders Dramen).

Tetramorph: (griechisch, «Viergestalt») Vereinigung der 4 Evangelistensymbole Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes) in einer Gestalt, als symbolische Darstellung in der frühmittelalterlichen und byzantinischen Kunst; wahrscheinlich aus Syrien stammend.

Tetrazykline, Tetracycline-. Breitspektrumantibiotika, die aus Streptomyces Arten gewonnen werden. Tetrazykline sind neben ihrer breiten antibakteriellen Wirkung auch gegen Rickettsien- und einige Viruserkrankungen wirksam.

tetrazyklisch: (griechisch) im Molekül 4 kondensierte ringgeschlossene Atomketten enthaltend, zum Beispiel im Steran (Steroide) und im Naphthacen (Azene).

Tetzel, Johann, um 1465-11.8.1519, Ablassprediger; Dominikaner; seine Ablasspredigten im Aufträge des Erzbischofs von Mainz, Albrecht von Brandenburg, lösten M. Luthers Thesen gegen den Ablasshandel (1517) aus.

Teufe, Tiefe: Bergbau senkrechter Abstand eines Punktes unter Tage von der Erdoberfläche, auch Gesamttiefe eines Schachtes, einer Sohle unter anderem

Teufel: (lateinisch - griechisch diabolos, «Verleumder») Personifikation des Bösen; phantastische Gestalt, die die Missstände der wirklichen Welt im Gegensatz zum Guten, das von den Göttern, zum Beispiel der Güte des christlichen Gottes ausgeht, erklären soll. Siehe auch Luzifer, Satan.

Teufelsinsel, französisch Ile du Diable: Insel der aus 3 Inseln bestehenden Gruppe Ile du Salut im Atlantischen Ozean, rund 8 km vor der Küste Französisch-Guayanas, zu dem sie gehört; Reedehafen für Cayenne. Von 1852 bis 1946 französische Strafkolonie.

Teufelsmauer: gegenüber seiner Umgebung relativ verwitterungsresistenter Gesteinszug, der mauerartig aufragt; zum Beispiel die Teufelsmauer bei Thale im Harz.

Teufelsrochen, Mobulidae: lebendgebärende Rochen mit flossenartigen Lappen beiderseits der Mundöffnung. Bis 7 m lang und 1500 kg schwer wird die Manta (Manta birostris), die im Atlantischen Ozean lebt.

Teutoburger Wald: bewaldeter Höhenrücken am Nordostrand des Münsterlandes; 110 km lang, 7 bis 15 km breit; im Nordwesten Osning (bis 386 m), im Südosten Lippischer Wald (Velmerstot, 468 m). In der Schlacht im Teutoburger Wald wurden 9 nach Christus von den Cheruskern unter Arminius 3 römische Legionen vernichtend geschlagen.

Teutonen: westgermanischer Stamm, ursprünglich auf Jütland ansässig. Auf ihrer um 120 vor Christus begonnenen Wanderung, die durch Noricum und Gallien führte, besiegten sie gemeinsam mit den Kimbern mehrere römische Heere, bevor sie 102 vor Christus bei Aquae Sextiae (Aix-en-Provence) durch die Römer unter Marius vernichtend geschlagen wurden.

Tevfik Fikret, 24.12.1867-19.8.1915, türkischer Dichter; schrieb neben Naturlyrik Gedichte, in denen er gegen den Despotismus protestiert («Nebel», 1901) und die islamischen Reformer verurteilt («Ende der Alten Geschichte», 1906) sowie seiner Enttäuschung über das Ausbleiben sozialen und politischen Fortschritts nach der Jungtürkischen Revolution Ausdruck verleiht («Beutetisch», 1912).

Texas, Abkürzung Tex.: nach Alaska zweitgrößter Bundesstaat der USA, am Golf von Mexiko; 691030 km2; 15,7 Millionen Einwohner (13% Afroamerikaner, 14% Mexikaner); 23 Einwohner/km2; Hauptstadt Austin. Im Osten und Süden Golfküstenebene, nach Westen und Nordwesten ansteigende Prärietafel (bis 1117 m), im Südwesten das Chisos Gebirge (bis 2389 m), im äußersten Westen Ausläufer des Felsengebirges (Guadalupe Peak, 2667 m); in der Golfküstenebene subtropisches Klima, nach Nordwesten immer trockener und kühler werdend. Hauptflüsse sind Rio Grande, Red River, Hochentwickelter Industrie-Agrar-Staat mit bedeutendem Bergbau (Erdöl(auch im Golf von Mexiko), Erdgas-, Kalisalz-, Schwefelgewinnung) und verarbeitender Industrie (Erdöl-, Baumwoll-, Fleischverarbeitung, Getreidemühlen, Maschinenbau (Bohrausrüstungen), Lebensmittel-, petrolchemische und elektronische Industrie). In der Landwirtschaft ist Baumwolle das Hauptanbauprodukt, weiterhin Anbau von Hirse, Weizen, Mais, Futtergräsern (bedeutende Viehzucht), bei künstlicher Bewässerung Reis, Gemüse; in Stadtnähe Milchwirtschaft. Sitz der NASA in Houston; zahlreiche Luftfahrteinrichtungen; wichtige Flughäfen: Dallas Fort Worth, Houston, San Antonio; Haupthäfen: Galveston, Houston, Corpus Christi, Port Arthur; entlang der gesamten Küste das Kanalsystem Intracoastal Waterway. 1525 von Spaniern erkundet und bis 1821 spanisch; 1821/36 zu Mexiko gehörig; 1836/45 mit britischer Unterstützung durch die USA-Südstaaten von Mexiko abgetrennt und «unabhängige» Republik. Seit 1845 Staat der USA.

Texel: niederländische westfriesische Insel, vor der Küste Nordhollands; 157 km2, 12000 Einwohner; Blumenzwiebelzucht und Fischerei; Seebad; Vogelreservat.

Texoprintverfahren: Verfahren zur Herstellung von Schriftdiapositiven als Kopiervorlage für Offset- und Tiefdruck; fotografische Aufnahme eines mit mattschwarzer Farbe eingespritzten, danach an den druckenden Stellen blankgeriebenen Schriftsatzes auf Spezialfilm.

TEXOTHERM: Handelsbezeichnung für einen Schrumpf-Vliesstoff, Mischung von Fasern (mindestens 60% PVC-Fasern), die als Faserschicht einer Temperatur von etwa 170°C ausgesetzt werden. Dadurch schrumpft die Faserschicht und verfestigt sich durch Verschlingen der Fasern.

Text: (dat., «Gewebe») 1. Text: schriftliche Aufzeichnung; Wortlaut; Begleitworte zu Gesangsstücken; Buchstelle.

2. Schriftgrad.

Textcomputer: Mikrorechner mit Tastatur, Bildschirmgerät externem Speicher sowie Drucker zur Eingabe, Speicherung, Korrektur, Zusammenstellung und Ausgabe von Text

Textilabfälle: Textilien, die ihren ursprünglichen Gebrauchswert im Gewinnungs-, Herstellungs- und Verarbeitungs- oder im Konsumtionsprozess nicht erreicht oder verloren haben und aus diesen Prozessen ausscheiden; sie werden zu textilen Sekundärrohstoffen aufbereitet.

Textildruck: Bedrucken von Textilien in ein- oder mehrfarbigen Musterungen, meist im Tiefdruck, auch Hoch- und Durchdruck, im Unterschied zur Färberei, der einheitlichen Färbung des Materials. Nach der Art der Musterbildung durch den Farbstoff unterscheidet man Direktdruck, bei dem der Farbstoff dem Muster entsprechend aufgetragen wird; Reservedruck mit örtlichen Schützen des Textilmaterials gegen den Farbstoff; Ätzdruck mit Zerstörung des aufgetragenen Farbstoffes durch Chemikalien. Nach der Art der Farbstoffaufbringung unterscheidet man Modeldruck mit Druckstöcken als Handdruck; Perrotine Druck mit Druckstöcken als Maschinendruck; Spritzdruck mit Aufsprühen des Farbstoffes und Mustergestaltung durch Schablonen; Filmdruck (Siebdruck, eigentlich Durchdruck) mit Gazeschablonen; Walzendruck (Rouleauxdruck) mit gravierten Walzen als Druckbildspeicher; Thermodruck (Transferdruck), wobei der Farbstoff auf Papier separat aufgebracht und durch thermische Prozess übertragen wird.

textiler Fußbodenbelag: textiles Flächengebilde zum Belegen von Fußböden, hergestellt durch Weben, Wirken, Nähen, Nähwirken, Nadeln, Kleben, Beflocken unter anderem als Rollenware in 2 bis 5 m Breite. Siehe auch Auslegeware, Teppich,

textiler Sekundärrohstoff: textiler Rohstoff unterschiedlicher Zusammensetzung und beziehungsweise oder Form, entstanden durch Aufbereitung von Textilabfällen, und für die Herstellung von Textilien verwendet.

Textilhilfsmittel: Sammelbezeichnung für Spezialchemikalien (zum Beispiel spezielle Färberei-, Appretur- und Druckereihilfsmittel), die die Durchführung von textilen Prozessen ermöglichen, erleichtern oder günstig beeinflussen, die Qualität oder Gebrauchstüchtigkeit der Textilien fördern, Fehler oder Schäden vermeiden.

Textilien: ganz oder teilweise aus textilen Faserstoffen mittels textiler Produktionsverfahren hergestellte linien-, flächen- und körperförmige Erzeugnisse. Siehe auch pflegeleichte Textilien, technische Textilien.

Textilindustrie: Zweig der Leichtindustrie; umfasst Betriebe zur Herstellung von Fäden und textilen Stoffen Und zu deren Weiterverarbeitung (zum Beispiel Spinnereien, Webereien, Strickereien und Wirkereien, Textilveredlungs- und Konfektionsbetriebe).

Textilverbundstoffe, Nonwovens: (englisch; «Nichtgewebtes») textile Flächengebilde aus einem Vlies- oder Fadenstoff, der mit polbildenden Fasern, Vlies, Fäden unter anderem oder mit anderen textilen oder nichttextilen Flächengebilden verbunden ist.

Textilveredlung: chemische und mechanische Behandlung von Textilien, um ihnen einen hohen Mode- und Gebrauchswert zu geben, zum Beispiel durch Reinigen, Bleichen, Färben, Drucken, Appretieren, Imprägnieren.

Textkritik: Prüfung überlieferter Texte, um für wissenschaftliche historisch-kritische Werkausgaben den ursprünglichen beziehungsweise den vom Autor gewollten Text möglichst genau und richtig darstellen zu können, Aufgabe der Philologie.

Textryl: auf der Papiermaschine hergestellter papierähnlicher Werkstoff aus Chemiefasern und einem faserartigen, polymeren Bindemittel, das mit den Chemiefasern in der Trockenpartie beziehungsweise im Satinierkalander unter Wärmeeinfluss zu einem festen Blatt verschmilzt. Je nach Ausgangsmaterial hat Textryl verschiedene Eigenschaften.

Textur: 1. allgemein Gewebe; Faserung; Gefüge; Anordnung.

2. Holztechnik: Maserung.

3. Metallographie: statistisch bevorzugte Orientierung der Kristallite eines metallische Werkstoffes in bestimmten Richtungen, zum Beispiel Stengelkristalle im Gussgefüge, Walz- oder Ziehtextur infolge Verformung in nur einer Richtung. Die Textur kann erwünscht (Trafobleche) sein, wobei sie der Verbesserung mechanischen und magnetischen Eigenschaften dient, oder unerwünscht (Tiefziehbleche).

4. Petrographie: Gefüge.

Texturblech: kaltgewalztes weichmagnetisches Blech oder Band (Texturband) mit sehr geringen Ummagnetisierungsverlusten und hoher Permeabilität in der Vorzugsrichtung. Zurzeit wird fast ausschließlich Einfach-Texturblech, bei dem die Würfelkanten der Kristalle in einer Vorzugsrichtung (Einfach-, Goss- Textur) liegen, hergestellt und für Transformatoren (Transformatoren-, Trafoblech), Wandler, nachrichtentechnische Geräte sowie Großmaschinen angewendet, deren magnetischer Kreis so ausgelegt sein muss, dass der magnetische Fluss weitgehend in der Vorzugsrichtung verläuft. Würfel-Texturblech mit 2 Vorzugsrichtungen (Würfeltextur) oder Würfelflächen-Texturblech mit Kristallflächen in der Blechebene (Würfelflächentextur) finden wegen hoher Herstellungskosten bisher wenig Anwendung.

Texturfäden: Chemieseiden und -fasergarne, deren Bauschigkeit und zum Teil auch Elastizität durch meist mechanisch-thermische Verfahren derart erhöht worden sind, dass die daraus gefertigten Textilien bei geringerem Gewicht ein größeres Wärmedämmvermögen und eine verbesserte Feuchtigkeitsaufnahme zeigen. Das Texturieren erfolgt zum Beispiel durch Kräuseln, Stauchen, Drehen oder Zwirnen, gleichzeitige oder anschließende Wärmebehandlung und eventuell Rückdrehen beziehungsweise Entzwirnen.

Thackeray, William Makepeace, 18.7.1811-24.12.1863, englischer Schriftsteller; begründete, aufbauend auf satirischen Skizzen («Das Snobsbuch», 1846/47, deutsch), mit «Jahrmarkt der Eitelkeit» (1847/48, deutsch) den kritisch-realistischen englischen Gesellschaftsroman; schuf den Erziehungs- und Bildungsroman «Pendennis» (1850, deutsch) und die historischen Romane «Henry Esmond» (1852, deutsch) und «Die Virginier» (1859, deutsch).

Thaer, Albrecht Daniel, 14.5.1752-26.10.1828, Arzt und Landwirt; schuf wissenschaftliche Grundlagen für eine landwirtschaftliche Forschung und Lehre; er führte die Fruchtwechselwirtschaft in Deutschland ein und bearbeitete systematisch alle Gebiete und Zweige der landwirtschaftlichen Produktion. Hauptwerke: «Einleitung zur Kenntnis der englischen Landwirtschaft» (3 Bände, 1798/1800), «Grundsätze der rationellen Landwirtschaft» (4 Bände, 1809/12).

Thal, Tai (beide «die Freien»): zur sinotibetische Sprachfamilie zählende mongolide Völkergruppe in Hinterindien und Südchina; 52 Millionen; hohe Kultur, überwiegend Buddhisten; unter anderem Thai im engeren Sinne (früher Siamesen; 22 Millionen), Lao und Zhuang.

Thailand, Königreich Thailand: Staat (konstitutionelle Monarchie) in Südostasien, am Südchinesischen Meer; grenzt im Nordosten und Osten an Laos, im Südosten an Kampuchea, im Süden an den Golf von Thailand und Malaysia, im Westen an das Andaman. Meer und Burma (NW). Administrativ gliedert es sich in 73 Provinzen. Die Bevölkerung besteht zu 85% aus Thaivölkern, dazu 30 Minderheiten (Chinesen, Malaien, Karen, Kha, Shan unter anderem); am dichtesten ist das Becken des Menam besiedelt. Amtssprache ist Thai. Währung ist der Bath.

Natur: Der Norden und Westen werden von bewaldeten, parallel von Norden nach Süden streichenden Gebirgszügen (Doi Inthanon bis 2595 m) eingenommen, im zentralen Landesteil fruchtbare Schwemmlandebene des Menam und seiner Nebenflüsse, im Osten das ausgedehnte Khorat Plateau, im Süden Halbinsel Malakka. Bei tropischen Monsunklima an den Luvseiten der Gebirge im Westen und Süden tropischer Regenwald (40% der Landesfläche), sonst laubabwerfender Monsunwald, auf dem Khorat Plateau Trockensavanne; an den Küsten Mangrovendickichte. Artenreiche Tierwelt (Elefant, Nashorn unter anderem). Der Norden ist ungenügend geologisch erkundet, im Süden reiche Bodenschätze. Geschichte. Zu Beginn des 2. Jahrtausend nach Christus eingewanderte Thaistämme gründeten 1228 den frühfeudalen Staat Sukhothai, in dem der Hinayana-Buddhismus zur herrschenden Religion wurde. 1350 entstand der erste zentralisierte Thaistaat (Siam) mit der Hauptstadt Ayuthia. 1782 begründete Phraya Chakri als Rama I. (1782/1809) die bis heute herrschende Chakri-Dynastie und verlegte die Hauptstadt nach Bangkok. Rama V. (Chulalongkorn; 1868/1910) führte eine Reihe von Reformen durch, in deren Folge sich der Kapitalismus in Siam zu entwickeln begann. Die Ende des 19. Jahrhundert verstärkt einsetzende Kolonialexpansion der europäischen Großmächte und der von Großbritannien und Frankreich erzwungene Abschluss ungleicher Verträge verwandelten Siam bei Wahrung formaler Unabhängigkeit in ein halbkoloniales Land. Am 1. Weltkrieg nahm Siam auf Seiten der Entente teil. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise entstanden erste Gewerkschaften, in tiefer Illegalität bildeten sich kommunistische Gruppen. Im Ergebnis eines Staatsstreiches führender Militärs wurde Siam 1932 eine konstitutionelle Monarchie und erhielt die erste Verfassung. Mit der Losung «Asien den Asiaten» fand Japan Anklang bei den rechtsorientierten nationalistischen Kräften um Phibul Songkram, der 1938 durch einen Staatsstreich die Macht an sich riss und in Indochina ein «siamesisches Großreich» schaffen wollte. Diesem Ziel entsprach auch die Umbenennung Siams in «Thailand» («Land der Freien») am 24.6.1939. Im Dezember 1941 schloss Thailand ein Bündnis mit Japan ab und erklärte im Januar 1942 Großbritannien und den USA den Krieg. Diese Politik stieß auf den Widerstand der demokratischen Kräfte und des antijapanisch gesinnten Teils der Bourgeoisie und Aristokratie. Sie bildeten eine lose Einheitsfront und nahmen unter Führung des kleinbürgerlichen Demokraten Luang Pradit Manudharm den Kampf an der Seite der Alliierten auf. Sie trugen 1944 zum Sturz der Regierung Songgram und zum Abzug der japanischen Truppen bei. In den ersten beiden Nachkriegsjahren setzte eine gewisse Demokratisierung des politischen Lebens ein, die es der im November 1942 gegründeten Kommunistischen Partei erstmals erlaubte, legal zu arbeiten. 1947 wurde die Allthailändische Vereinigte Gewerkschaft gebildet, die dem WGB beitrat. Diese demokratische Entwicklung wurde durch einen Staatsstreich reaktionärer Offiziere am 8.11.1947, der erneut Songgram an die Macht brachte, abgebrochen. Thailand geriet zunehmend unter den Einfluss des USA-Imperialismus. 1950 schlossen beide Staaten ein Abkommen über wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit sowie über Militärhilfe, das es den USA ermöglichte, die Rohstoffquellen des Landes auszubeuten und Militärstützpunkte anzulegen. 1952 wurden alle politischen Parteien und Gewerkschaften verboten. 1954 war Thailand Mitbegründer der SEATO. Unter den Regierungen Sarit Thanarat (1958/63) und Thanom Kittikachorn (1963/73) entwickelte sich Thailand zur Aggressionsbasis der USA gegen die Völker Südostasiens. Seit 1970 verstärkte sich der Widerstand der nationalen und demokratischen Kräfte gegen die reaktionäre Innen- und Außenpolitik. Er kulminierte in den Massendemonstrationen vom 13. bis 15.10.1973, die die Regierung Kittikachorn zum Rücktritt zwangen. Die nachfolgenden Zivilregierungen Sanya Dharmasakti (1973/75) sowie Seni und Kukrit Pramoj (1975/76) leiteten einige positive Schritte auf außenpolitischen Gebiet ein (1974 Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur DDR, Auflösung der USA-Militärstützpunkte). Neuerliche Putsche rechter Militärs (1976 und 1977) blockierten diese Entwicklung. Thailand wurde zu einem «Frontstaat» gegen die progressive Entwicklung in Laos, Kampuchea und Vietnam ausgebaut.

Thal Nguyen: Stadt (Provinzzentrum) in Vietnam, nördlich von Hanoi, am Cau; Eisenhüttenkombinat, Leicht- (Papierfabrik) und Baustoffindustrie; 3 Hochschulen (Pädagogik, Medizin, Forst-Wirtschaft) für nationale Minderheiten. 1972 durch US-amerikanische Bombenangriffe stark zerstört, seit 1975 Wiederaufbau.

Thakin: (burmesisch, «Herr im eigenen Land») Bezeichnung für die Mitglieder der Dobama Asiayone.

Thale: Stadt im Kreis Quedlinburg, Bezirk Halle, am Harznordrand, an der Bode; 16000 Einwohner; Eisen- und Hüttenwerk (Stahl-, Blechwalzwerk, Metallwaren, -pulver), Holzindustrie; Erholungsort; Heimatmuseum; Tierpark. Südlich von Thale die Granitfelsen Roßtrappe (437 m) und Hexentanzplatz (454 m; Museum «Walpurgishalle», Harzer Bergtheater, Personenschwebebahn (720 m)).

Thales, Thales von Milet, um 625-545 vor Christus, griechischer Philosoph, Mathematiker und Astronom; lehrte, dass die Erde auf dem Wasser schwimmt; vertrat wahrscheinlich auch die naiv-materialistische Auffassung, dass das Grundprinzip der Erscheinungsvielfalt das Feuchte sei. Thales ist der erste namentlich bekannte griechischer Mathematiker; er soll erstmals elementargeometrische Aussagen als «Sätze» formuliert haben (unter anderem den über den Thaleskreis); er machte astronomische Beobachtungen und sagte die Sonnenfinsternis von 585 vor Christus voraus.

Thaleskreis: (nach Thales) zu einer gegebenen Strecke AB die Kreislinie durch A, B mit AB als Durchmesser. Der Thaleskreis zu AB ist der geometrische Ort aller Scheitel von rechten Winkeln, von denen der eine Schenkel durch A und der andere durch B geht. Siehe auch Peripheriewinkel.

Thalheim, Thalheim im Erzgebirge: Stadt im Kreis Stollberg, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im mittleren Erzgebirge, an der Zwönitz; 10100 Einwohner; Zentrum der Strumpfindustrie (VEB Kombinat «Esda»); elektrotechnische/elektronische, Papier-, Lederwarenindustrie; Kindersanatorium; Jugendsprungschanze.

Thalheim, Hans-Günther, geboren 5.5.1924, Germanist; tätig am Zentralinstitut für Literaturgeschichte an der AdW; Untersuchungen und Editionen zur Aufklärung, Klassik, Romantik, besonders F. Schiller («Zur Literatur der Goethezeit», 1969); Vorsitzender eines Herausgeberkollektivs der «Geschichte der deutschen Literatur» (1961 und folgende); mit L. Fürnberg Begründer der Zeitschrift «Weimarer Beiträge» (1955) und ihr erster Chefredakteur.

Thalia, Thaleia (griechisch, «die Blühende»): 1. Muse des Lustspiels.

2. eine der 3 Chariten.

Thalia: von F. Schiller 1786/91 in Leipzig herausgegebene Literaturzeitschrift; Vorläufer war die «Rheinische Thalia» (1785, Mannheim).

Thallium, Symbol TI: chemisches Element der Kernladungszahl 81; Atommasse 204,383; Wertigkeit +1, +3; F305,5°C; Kp 1437°C; Dichte 11, 84 g/m3; wird als Nebenprodukt aus sulfidischen Erzen gewonnen; kommt auch in Kalisalzen und Glimmern vor. Thallium ist ein zähes, weiches, silberweißes Schwermetall, das an der Luft rasch grau anläuft, in verdünnter Salpetersäure leicht löslich und gegenüber Alkalien beständig ist. Die technische Anwendung ist gering; Thallium Amalgam (mit 8,5% Thallium) wird erst bei -59°C fest und ist daher in Tieftemperaturthermometern enthalten. Thallium wurde 1861 von dem britischen Chemiker William Crookes (1832-1919) im Bleikammerschlamm einer Harzer Fabrik auf Grund seiner grünen Spektrallinie entdeckt. Der französische Chemiker Claude Auguste Lamy (1820-1878) entdeckte das Thallium ebenfalls, publizierte darüber aber erst 1862.

Thalliumverbindungen: Substanzen, in denen Thallium, meist als Tl+- oder Tl3+-Ion, chemisch gebunden ist. Alle Thalliumverbindungen sind giftig und färben Flammen intensiv grün. Die Thallium(III)-Verbindungen ähneln denen des Aluminiums, die Thallium(I)-Verbindungen teils denen der Alkalimetalle, teils denen des Silbers. Das schwarze, hygroskopische Thallium(I)-oxid, T120, reagiert mit Wasser zu dem gelben Thallium(I)-hydroxid das sich wie das farblose

Thallium(I)-karbonat, T12C03, mit stark alkalischer Reaktion in Wasser löst. Thallium(I)-suIfat, T12S04) und -chlorid, T1C1, sind wenig wasserlöslich. Thallium(III)-sulfat, vereinfacht T12(S04)3, dient als Rodentizid, Thallium(I)-karbonat zur Herstellung stark farbstreuender Gläser.

Thälmann, Ernst, 16.4.1886-18.8.1944 (ermordet), Transportarbeiter, bedeutender Führer der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung; trat mit 17 Jahren der Sozialdemokratie bei, setzte sich als deren Funktionär und in der Gewerkschaft für die Interessen der Werktätigen ein und kämpfte gegen Imperialismus, Krieg und Opportunismus. Thälmann wurde Mitglied der USPD, 1919 Vorsitzender der USPD-Ortsgruppe Hamburg und wirkte energisch für die Vereinigung mit der KPD; der Vereinigungsparteitag (A. n. 12. 1920) wählte ihn in die Parteiführung. Im Herbst 1923 war er Führer des Hamburger Aufstandes. Das Studium des Marxismus Leninismus, der Erfahrungen der Bolschewiki und der Komintern formten ihn zu einem Arbeiterführer, der maßgeblich dazu beitrug, die KPD zu einer starken, eng mit den Massen verbundenen marxistisch-leninistische Partei zu entwickeln. Seit 1924 Reichstagsabgeordneter und Mitglied des EKKI, seit 1925 Vorsitzender des RFB und seit September 1925 Vorsitzender der KPD. Thälmann erzog die deutschen Kommunisten im Geiste des proletarischen Internationalismus und der Freundschaft zur Sowjetunion. Er warnte frühzeitig vor der Gefahr des Faschismus und erarbeitete die Leitlinien für die proletarische Einheitsfront. Auf seine Initiative entstand 1932 die Antifaschistische Aktion. 1925 und 1932 Kandidat der KPD bei den Reichspräsidentenwahlen. Am 3.3.1933 wurde Thälmann von den Faschisten verhaftet. Trotz weltweiter Solidaritätsaktionen für seine Freilassung wurde er im KZ Buchenwald auf Befehl A. Hitlers erschossen.

Thälmann-Bataillon: Einheit der XI. Internationalen Brigade, in der sich vorwiegend deutsche Antifaschisten am Freiheitskampf des spanischen Volkes 1936/39 beteiligten; etwa 3000 deutsche Interbrigadisten, unter anderem A. Becker und H. Beimler, fielen im Kampf.

Thanatos, griechischer Gott des Todes; Bruder des Hypnos, Sohn der Nyx («Nacht»).

Thanh Hoa: Stadt (Provinzzentrum) in Vietnam, im Süden von Hanoi, am Ma; 60000 Einwohner; mit metallurgischen Kombinat, Landmaschinenbau, chemische, Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten mit Straßen und Eisenbahnbrücke Ham Rong, Flughafen.

1972 durch US-amerikanische Bomben völlig zerstört, seit 1975 Wiederaufbau.

Thant, Sithu, U Thant, 22.1.1909-25.11.1974, burmesischer Politiker; Generalsekretär der UNO 1961/71, vertrat die Politik der friedlichen Koexistenz und setzte sich für die Gleichberechtigung aller Staaten ein.

Thar: Trockengebiet im Nordwesten Vorderindiens, politisch zu Indien und Pakistan gehörend; etwa 120000 km2; bei trockenem Monsunklima vorwiegend Trockensteppen und Halbwüsten, im östlichen Teil stellenweise auch Wüsten mit Dünen (im Süden bis 150 m hoch) und Salztonebenen; Hauptwirtschaftszweig ist eine extensive Weidewirtschaft.

Tharandt: Stadt im Kreis Freital, Bezirk Dresden, an der Wilden Weißeritz, am Tharandter Wald; 2900 Einwohner; Tonmöbel-, Werkzeugmaschinen-, Elektrogerätebau; ehemalige Forstakademie, heute Sektion Forstwirtschaft der TU Dresden; forstbotanischer Garten; Erholungsort; Burgruine.

Thartharkanal: Kanal im zentralen Teil Iraks, etwa 70 km nordwestlich von Bagdad; verbindet den Tigris mit der Tharthar Depression, 65 km; beginnt am Samarra-Staudamm am Mittellauf des Tigris, bewässert den ariden Teil Mesopotamiens und dient dem Hochwasserschutz (Wasserüberleitung bei Überflutungen); vom Tharthar See Verbindungskanal zum 1 Euphrat.

Thasos: griechische Insel im nördlichen Ägäischen Meer; 379 km2; 16000 Einwohner; gebirgig (bis 1203 m); zum Teil bewaldet; Getreide-, Wein-, Oliven-, Tabakanbau; Erzbergbau, Marmorbrüche.

Thatcher, Margaret Hilda, geboren 13.10.1925, britische Politikerin; seit 1975 Führerin der Konservativen Partei, seit 1979 Premierminister.

Theater: grundlegender und ältester Teilbereich der darstellenden Künste. entsprechend der historisch gewachsenen gesellschaftlichen Funktion, künstlerische Spezifikation und institutionellen Struktur des Theaters umfasst der Begriff das Theater als künstlerisch-kommunikativen Prozess, als Institution und als Gebäude.

- Der künstlerisch-kommunikative Prozess spielt sich in der unmittelbaren Wechselbeziehung zwischen Darstellern (Schauspielern, Sängern, Tänzern, Pantomimen, Puppenspielern) und Zuschauern ab. Die Theateraufführung ist das Zusammentreffen eines theatralischen-spielerischen Angebots mit (historisch und sozial determinierten) Erwartungshaltungen des Publikums, aus dem (heitere, provokative, erschütternde beziehungsweise belehrende) Unterhaltung entsteht. Die (räumlich und zeitlich) gemeinsame Anwesenheit und gegenseitige Beeinflussung von Kunstproduzenten und -rezipienten macht also (im Unterschied zu anderen Künsten) Wesen und besondere gesellschaftliche Wirksamkeit der Theaterkunst aus. Im theatralischen Spiel werden Ereignisse und Beziehungen zwischen Menschen dargestellt; die Themen können mythischen oder phantastischen Ursprungs sein oder aus der Geschichte beziehungsweise der zeitgenössischen Realität stammen; Grundlage ist der (meist literarisch fixierte) dramatische Text, der entweder für die jeweilige Aufführung geschaffen oder aktuell angeeignet wird. Die Darstellungsweise ist traditions- und gegenstandsbezogen sehr variabel; sie kann auf Parabolik (poetische und artistische Überhöhung) oder größtmögliche Wirklichkeitsnähe (psychologische Durchdringung der Figuren, Realismus des Details unter anderem) orientiert sein. Der theatralische Schaffensprozess ist kollektiv; in seinem Zentrum stehen die Darsteller, die mit mimischen, gestorben, tänzerischen, sprachlichen, gesanglichen und anderen Ausdrucksmitteln theatralischen Spiel hervorbringen, unterstützt von tangierenden Künsten, wie Bühnenraum-, Kostüm- und Maskengestaltung, Musik und so weiter; der Prozess der Erarbeitung einer Aufführung wird entscheidend geprägt durch ihren Leiter, den Regisseur. Die Institution Theater umfasst Struktur, Organisation, und Funktionsweise des Theaterwesens, deren konkrete Erscheinungsformen von der jeweiligen Gesellschaftsordnung abhängen. In der sozialistischen Gesellschaft existieren ausschließlich staatliche und städtliche Theater, die als Zentren in das geistig-kulturelle Leben der Territorien integriert sind und aus dem Staatshaushalt subventioniert werden. entsprechend der historisch entstandenen Spezialisierung in der Theaterkunst wirken die künstlerischen Mitarbeiter in Sparten beziehungsweise Ensembles (Schauspiel, Oper, Operette, Ballett, Pantomime, Puppentheater). Wichtige Abteilungen des Theaters sind weiter die Dramaturgie und die Besucherabteilung, die Kollektivkörper (Orchester, Chor, Ballett), die Bühnentechnik, Beleuchtung und Tontechnik, der Komplex der Werkstätten (zur Dekorations-, Requisiten- und Kostümherstellung), die Maskenbildnerei unter anderem Leiter ist der Intendant beziehungsweise Generalintendant, dem die Direktoren beziehungsweise Leiter der Sparten und Abteilungen unterstehen. Nach einem langfristig konzipierten Spielplan werden in den Sparten unter Leitung des Regisseurs künstlerische Produktionen (Inszenierungen) einstudiert und ins Repertoire aufgenommen. Das Theater als Gebäude wird verstanden als funktionales Zentrum des Theaterwesens und als baukünstlerisches Werk; siehe auch Theaterbau.

Geschichtliches: Ältestes Ausdrucksmittel des Theater ist der pantomimischer Tanz. Bereits in der Urgesellschaft gab es theatralische Darstellungen, die, als Bestandteil magisch-totemistische Riten oder als Teil verschiedener religiöser Kulte, den Bedürfnissen der Gemeinschaft unmittelbaren Ausdruck verliehen. Solche Tanzpantomimen wurden grundlegend für die Entwicklung des asiatischen Theater in seiner Einheit von Tanz, Pantomime, Musik und Gesang sowie des vielfältigen Gebrauchs von Masken; die Blütezeit der klassischen asiatischen Theaterkulturen war die Feudalepoche (etwa 6./18. Jahrhundert). Von weittragender Bedeutung für die Entwicklung des europäischen Theater wurde das im 6. Jahrhundert vor Christus sich herausbildende antike Theater Griechenlands, das seinen Höhepunkt in den Aufführungen der Werke von Äschylus, Sophokles, Euripides und Aristophanes erlangte. Unter seinem Einfluss entwickelte sich das Theater des römischen Imperiums, dessen Auflösung zum Zerfall der antiken Theaterkultur und für mehrere Jahrhunderte des europäischen Theater überhaupt führte. Etwa seit dem 10. Jahrhundert nach Christus entstanden, aus dem Gottesdienst hervorgehend und von der Kirche ideell und organisatorisch getragen, geistlichen Spiele (geistliches Drama), die im späten Mittelalter mit der Entstehung der Städte und des Bürgertums verweltlichten und als Mysterienspiele auf städtlichen Marktplätzen unter anderem Volksfestcharakter annahmen; daneben (und zum Teil in Wechselbeziehung mit den geistlichen Spielen) entwickelten sich aus Volksbräuchen und -Überlieferungen weltlicher Theaterformen wie Frühlings- und Fastnachtsspiele, Farcen und Sottisen (Narrenspiele). In der Renaissance wurde das theatralische Erbe der Antike neu erschlossen, und in der Verbindung von humanistischen Weltbild, volkstümlichen Traditionen und wachsendem Nationalbewusstsein entstanden die Anfänge großer Nationaltheaterkulturen, besonders in Italien (Commedia dell’arte), England (W. Shakespeare), Spanien (L. F. de Vega Carpio, P. Calderon de la Barca) und im 17. Jahrhundert auch im absolutistischen Frankreich (P. Corneille, J. Racine, Molière). Es entwickelte sich eine berufsmäßige Schauspielkunst; mit Oper und Ballett entstanden spezielle Genres des Theater; in der Entwicklung der Kulissenbühne und des Theaterbaus kam ein neues, von den antiken und mittelalterlichen Formen grundsätzlich verschiedenes kommunikatives Verhältnis zwischen Theaterspiel und Publikum zum Ausdruck. Im Zeitalter des Absolutismus wurde das vorrangig höflichen Theaters immer deutlicher Ausdruck feudal-hierarchische Ideologie und Mittel höfliche Repräsentation oder Instrument der katholischen Gegenreformation; im Volke verwurzelte Theaterformen wurden immer mehr verdrängt. Neue Impulse empfing das Theater im 18. Jahrhundert durch die vorrevolutionären bürgerlichen Ideen der Aufklärung; eine neue Dramatik entstand (bürgerliches Trauerspiel). Erst jetzt entwickelte sich in Deutschland eine nationale Dramatik (G. E. Lessing, J. W. Goethe, F. Schiller) sowie eine realistische Schauspielkunst (C. Ekhof, F. L. Schröder). Im 19. Jahrhundert führten die Preisgabe der progressiv-humanistischen Positionen der bürgerlichen Aufstiegsphase durch die etablierte Bourgeoisie und die zunehmende Herabwürdigung des Theater zum kapitalistischen Unternehmen zum Verfall der realistischen Theaterkunst in den westeuropäischen Ländern, während das russische Theater in dieser Zeit eine große realistischen Tradition begründete und in den unterdrückten Nationen Ost- und Südeuropas sich Anfänge einer nationalen Theaterkunst entwickelten. Die Verschärfung gesellschaftlicher Widersprüche Ende des 19. Jahrhundert trug zur Entstehung einer bedeutenden kritisch-realistischen Dramatik (H. Ibsen, G. Hauptmann, G. B. Shaw, A. P. Tschechow) und zu Theaterkonzeptionen bei, die gegen Kommerzialismus und künstlerische Verflachung gerichtet waren (A. Antoine, O. Brahm, K. S. Stanislawski); bedeutende Regisseure (Stanislawski, M. Reinhardt, J. Copeau) wurden die entscheidenden Schöpfer.

Kräfte der Theaterarbeit. Die allgemeine Krise des Kapitalismus brachte einerseits immer neue Spielarten der Dekadenz hervor, andererseits aber auch immer neue Ansätze zur Durchsetzung von Volkstheaterkonzeptionen (J. Vilar, J. Littlewood, G. Strehler) und zur Nutzung des Theater als Instrument im Klassenkampf (E. Piscator, B. Brecht in den 20er/30er Jahren; Teile der Gruppentheaterbewegung seit den 60er Jahren). Das sowjetische Theater (Stanislawski, W. E. Meyerhold, A. J. Tairow, J. B. Wachtangow; später N. P. Ochlopkow, G. A. Towstonogow) legte das Fundament für eine sozialistisch-realistische Theaterkunst, die sich in vielfältigen Formen und Handschriften nach dem 2. Weltkrieg auch in den anderen sozialistischen Ländern ausprägen konnte (in der DDR besonders durch das Wirken B. Brechts, W. Felsensteins) und die die internationale Theaterentwicklung maßgeblich beeinflusst.

In den Ländern Asiens wirken die zum Teil hochentwickelten alten Theaterkulturen mit eigenständigen Theaterformen weiter, zum Beispiel die Pekingoper in China, das No (höflich-aristokratisches Drama) und das Kabuki (volkstümliches Drama) in Japan, das Kathakali (Tanzpantomime) in Indien, das Wajang (Schattenspiel) in Indonesien. Daneben entstanden nach dem Vorbild des europäischen Geschäftstheaters (zum Teil getragen von der Schicht der Kolonialherren) im 19. Jahrhundert in den Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas neuere Theaterformen. besonders nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich dann in den jungen Nationalstaaten auf der Grundlage nationaler Traditionen eigenständige Theaterkulturen.

Dem internationalen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des Theaterwesens dienen das 1948 gegründete Internationale Theater-Institut und seit 1954 das Festival Théâtre des Nations.

Theater am Geländer, tschechisch Divadlo Na zabradli: 1958 in Prag gegründetes experimentelles Theater, in dem mit einem Pantomimen-Ensemble (Leitung Ladislav Fialka) und einem Schauspielensemble (Leitung Evald Schorm) ungewohnt theatralische Ausdrucksmittel erprobt werden; durch Gastspiele international bekannt.

Theaterbau: die räumlichen und architektonischen Gegebenheiten für Theaterspiel, die grundlegenden historischen und funktionalen Wandlungen unterworfen waren. Während theatralischer Früh- und Nebenformen ohne eigenständige Bauten auskamen (Dorfplatz, Markt, Podium, Kirche, Versammlungsraum oder andere Orte für Theater), haben die entwickelten Theaterkulturen den ihnen adäquaten Theaterbau hervorgebracht. Der Theaterbau der Antike war die Freilichtarena, deren Sitzreihen im Dreiviertelkreis um die Orchestra und die Skene angeordnet waren. Bei den mittelalterlichen geistlichen Spielen herrschte das Prinzip der Simultanbühne auf öffentlichen Plätzen vor. Die Theaterbauten der großen Theaterkulturen im 16./17. Jahrhundert (Shakespearebühne) waren ebenfalls Freilichttheater, in denen, mit einem Podest als Hauptspielort im Zentrum, die Einheit von Bühnen- und Zuschauerraum gegeben war. Ausgehend von Italien, entwickelte sich seit dem 17. Jahrhundert die moderne Theaterarchitektur: Bau geschlossener Räume für Aufführungen, Unterteilung des Gebäudes in Bühnen- und Zuschauerhaus, Ausführung der Bühne (perspektivische, verwandelbare Kulissenbühne) als «Guckkasten», Gestaltung des Zuschauerraums als Rangtheater und Logentheater. Diese Grundstruktur ist in der feudal-absolutist, und der bürgerlichen Epoche (entsprechend der gewachsenen Rolle des Theaters als Ausdruck gesellschaftlicher Repräsentation) architektonisch und technisch vervollkommnet und im Wesentlichen bis in die Gegenwart beibehalten worden; die totale Trennung von Bühnen- und Zuschauerraum hat neben theaterkonzeptionellen auch Sicherheitsgründe (feuerfeste Wände und eiserner Vorhang zwischen beiden Bereichen). Im 20. Jahrhundert sind vielfältige Versuche unternommen worden, Alternativen zum Prinzip der Kulissenbühne zu entwickeln (zum Beispiel M. Reinhardts Arenatheater, W. E. Meyerholds Massentheater, E. Piscators/W. Gropius Konzeption eines «Totaltheaters»). Neue Theaterbauten, wie das Moskauer Taganka-Theater (1980) oder die Schaubühne Westberlin (1981), versuchen fließende Übergänge zwischen Bühnen- und Zuschauerraum zu finden. Siehe auch Freilichttheater.

Theater der Grausamkeit, Théâtre de la cruauté: irrationalistische Richtung im spätbürgerlichen Theater (unter künstlerische Berufung auf A. Artaud); in den 60er und 70er Jahren besonders in Westeuropa und den USA verbreitet, will durch Ritual und Schock «befreiende» Wirkungen auf das Publikum erzielen.

Theater des Absurden: Richtung des Theaters und der Dramatik in imperialistischen Ländern in den 50er und Anfang der 60er Jahre; ausgehend von der existentialistischen Philosophie, wird menschliches Leben als absurd dargestellt; der Untergang der antagonistischen Klassengesellschaft wird unhistorisch als Endzeit der Menschheit gedeutet; wichtige Vertreter: A. Adamov, S. Beckett, E. Ionesco, J. Genet.

Theaterglas, Opernglas: Fernrohr mit höhen- und seitenrichtigem Bild sowie schwacher Vergrößerung (im Allgemeinen 2- bis 5fach); meist ein binokulares Galileisches Fernrohr, manchmal ein Prismenfernrohr.

theater im palast, Abkürzung tip: 1976 von V. Oelschlegel (Intendantin) gegründetes Theater im Palast der Republik in Berlin; kommunikatives Theater mit variablem Raum, das insbesondere Veranstaltungen zu Dramatik, (Welt-) Literatur sowie Musik (besonders zeitgenössische) bietet, auch Ausstellungen zu Malerei und bildender Kunst.

Theaterkritik: Beschreibung und Wertung von Theaterkunst in der Tages- und Fachpresse und in den anderen Massenmedien. Mit der Entwicklung des Journalismus gibt es Anfänge der Theaterkritik im 18. Jahrhundert; ihre spezifische Ausprägung erfolgte im 19. Jahrhundert (in Deutschland zum Beispiel L. Tieck, Theaterkritik Fontane, F. Mehring). Wahrend vor allem in den englischsprachigen Ländern die aufführungsorientierte Tageskritik überwiegt und großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg von Aufführungen hat, herrschen traditionell in den deutschsprachigen Ländern wissenschaftliche, feuilletonistische und literarischer Tendenzen in der Theaterkritik (zum Beispiel bei S. Jacobsohn, A. Kerr, H. Jhering, A. Polgar) vor. In der sozialistischen Gesellschaft kommt der Theaterkritik große Bedeutung bei der Förderung neuer Werke und Tendenzen und der Entwicklung der «Zuschaukunst» (B. Brecht) zu.

Theaterwissenschaft: kunstwissenschaftliche Disziplin, deren Gegenstand Theorie und Geschichte des Theaters in der Einheit von Drama, Bühnenkunst und Kommunikationsprozess ist. Obwohl theatertheoretisches Denken bis in die Antike zurückreicht, konstituierte sich die Theaterwissenschaft, ausgehend von der Literaturwissenschaft, erst Ende des 19. Jahrhundert als Wissenschafts- und Universitätsdisziplin. Zu den Wegbereitern der deutschen Theaterwissenschaft gehören M. Herrmann und A. Kutscher. Zentren theaterwissenschaftliche Lehre und Forschung in der DDR sind die Humboldt Universität zu Berlin und die Theaterhochschule «Hans Otto», Leipzig. Seit 1954 besteht eine Internationale Vereinigung für Theaterforschung.

Théâtre des Nations, französisch, Theater der Nationen. 1954 gegründetes Theaterfestival, das unter Schirmherrschaft des Internationalen Theater-Instituts bis 1972 jährlich in Paris hervorragende Leistungen des Welttheaters vorstellte; ab 1975 in Theatermetropolen verschiedener Länder weitergeführt.

Théâtre National Populaire, (französisch «Nationales Volks theater») französisch, Abkürzung TNP: 1920 von F. Gémier in Paris gegründetes erstes staatliches Volkstheater in Frankreich. Unter Leitung von J. Vilar (1951/63) gewann das TNP durch volkstümlichen Inszenierungen und ein fortschrittliches Repertoire Massenbasis unter den Pariser Werktätigen; seit 1972 wirkt es unter Leitung von R. Planchon und P. Chereau als nationales Tourneetheater mit Sitz in Lyon. Durch zahlreiche Gastspiele wurde das TNP international bekannt.

Theatre Workshop: (englisch, «Werkstatt-Theater») 1945 in Northumberland gegründetes, seit 1953 in London wirkendes Volkstheater, das in den 50er und 60er Jahren unter Leitung von J. Littlewood internationalen Ruhm errang. Es erwarb sich große Verdienste um die Entwicklung der Ensemblekunst, die Förderung fortschrittlicher Autoren (E. MacColl, B. Behan, S. Delaney) und die Gewinnung von Arbeiterpublikum.

Thebain: Opiumalkaloid der Formel C19H2i03N. Thebain bildet farb- und geruchlose, sehr giftige, schwer wasserlösliche Kristalle; F193 °C; es ist Nebenprodukt der Morphingewinnung und dient zur Herstellung von Kodein.

Thebe: 1. Mond.

2. kleinste Währungseinheit in Botswana; siehe auch Währung.

Theben: 1. Hauptort des 4. oberägyptische Gaues, nahe dem heutigen Karnak und Luksor am rechten Nilufer gelegen, das «hunderttorige Theben» Homers; Hauptkultort des Gottes Amun. Von Theben aus erfolgte die Einigung Ägyptens seitens der 11. (um 2040 vor Christus) und 17./18. Dynastie (um 1562 vor Christus). Von der alten Stadt sind am Ostufer die Amun Tempel von Karnak und Luksor, am Westufer mehrere Gedächtnistempel (Deir al-Bahari, Ramesseum, Medinet Habu) und Königsgräber des Neuen Reiches (Tal der Könige) sowie zahlreiche Beamtengräber mit bedeutender Wandmalerei erhalten.

2. Theben, Thevai: Stadt im mittleren Griechenland, in Böotien; 16000 Einwohner; Verarbeitung von Agrarprodukten, Woll- und Viehmarkt. Im Altertum war Theben Hauptort des Böotischen Bundes, das «siebentorige Theben» Homers; wurde in mykenischer Zeit gegründet. Infolge des demokratischen Umsturzes 379 vor Christus und des Sieges über Sparta (371 vor Christus bei Leuktra) erlangte Theben kurzzeitig bis 362 vor Christus die Hegemonie über Griechenland.

Theismus: Glaube an einen personalen Gott als Schöpfer der Welt, der diese (im Unterschied zum Deismus) nach seinem Willen erhält, in ihren Gang eingreift und sich auf übernatürlicher Weise offenbart; im Gegensatz zum Pantheismus lehrt der Theismus einen substantiellen Unterschied zwischen Gott und der Welt.

Theiß, Tissa, Tisza, Tisa: linker und längster Nebenfluss der Donau; 977 km (davon 595 km in Ungarn); entspringt den Waldkarpaten (Ukraine), durchfließt mit geringem Gefälle Ungarn, mündet nordwestlich von Belgrad; Nebenflüsse: Mure, Körös, Szamos von links, Bodrog, Saj6, Zagyva von rechts; etwa ab sowjetischer Grenze schiffbar, starke jahreszeitliche Schwankung in der Wasserführung, Staustufen bei Kisköre (Tisza II) und Tiszalök (Tisza I), Tisza III bei Csongrad (im Bau), dadurch Verminderung überschwemmungsgefährdeter Flächen und Bewässerung eines Teils des Alföld.

Theiß-Hauptkanal, Hauptkanal Ost: Kanal in Ungarn, im Osten des Alföld, verbindet die Theiß (ab Stauwerk Tiszalök, von wo aus die Wassereinspeisung erfolgt) in südlicher Richtung mit der Berettyó; 108 km lang, 40 m breit; 1951/56 erbaut; dient der Bewässerung der Hortobägy; schiffbar, vom Theiß-Hauptkanal zweigt bei Tiszavasvari der kürzere Hauptkanal West ab.

Theke: Schanktisch; in Österreich auch Bezeichnung für Ladentisch.

Thema: 1. allgemein Aufgabe, zu behandelnder Gegenstand; Stoff (eines Werkes); Grund-, Haupt-, Leitgedanke.

2. Geschichte: ursprünglich byzantinischer «Heer», dann auch Militär- und Verwaltungsbezirk (Themenverwaltung).

3. Musik: der als Melodie objektivierte Grundgedanke einer Komposition, besonders in Fuge, Sonate, Sinfonie, Variation, der, in sich geschlossen, die Möglichkeit zu weiterer Verarbeitung bietet. Das Thema gliedert sich in Motive.

Themar: Stadt im Kreis Hildburghausen, Bezirk Suhl, an der oberen Werra; 3700 Einwohner; Möbelindustrie; Agrarzentrum; Stadtkirche (um 1500), Rathaus (1608), Fachwerkhäuser, Teile der Stadtbefestigung.

Thematik: (griechisch) Art der Stellung, Behandlung und Ausführung eines Themas; Themenkreis, Themenauswahl.

thematische Arbeit: kompositorisches Gestaltungsprinzip, das die Themen eines Musikstückes melodisch, harmonisch, rhythmisch und dynamisch verschiedenartig abwandelt und verknüpft. Siehe auch Durchführung.

Themenverwaltung: soviel wie Themenverfassung. Im 7. Jahrhundert eingeleitete, im 8./10. Jahrhundert ausgebaute Heeres und Verwaltungsreform, durch die das Byzantinischen Reich in Militärbezirke (Themen) eingeteilt wurde, die gleichzeitig Verwaltungseinheiten waren. An ihrer Spitze stand ein Stratege (griechisch strategos «Feldherr»), der neben der militärischen zunehmend auch zivile Gewalt ausübte. Im Zusammenhang mit der Themenverwaltung stand die Herausbildung von Stratiotengütern. Die Themenverwaltung bedeutete eine Dezentralisierung und entsprach der frühfeudalen Staatsform von Byzanz.

Themis, in der griechischen Sage Titanin, Göttin der Rechtsordnung lind Gerechtigkeit, durch Zeus Mutter der Horen und Moiren.

Themistokles, um 524-459 vor Christus, athenischer Staatsmann und Feldherr; Führer der Demokraten; ließ eine starke Flotte bauen und den Hafen von Piräus befestigen; evakuierte 480 vor Christus beim persischen Angriff die Bevölkerung Athens nach Salamis und Troizen und führte die siegreichen Griechen bei Salamis gegen die persische Flotte.

Themse, englisch Thames: bedeutendster Fluss Englands (Großbritannien); 336 km; entsteht aus mehreren Quellflüssen, die in Cotswold Hills entspringen, fließt als Isis durch Oxford, mündet in bis 29 km breitem Trichter in die Nordsee; gleichmäßige Wasserführung, jedoch Auswirkung der Gezeiten bis etwa 100 km landeinwärts; im Unterlauf mehrfach untertunnelt; größte Schiffe bis zu den Tilbury Docks, oberhalb Londons nur unbedeutende Binnenschifffahrt; Trink- und Brauchwasserlieferant für London; Sperrschleuse als Hochwasserschutz für London; am Mündungstrichter wichtige Industriestandorte, besonders Erdölraffinerien; Seebäder.

Theobromin: dem Koffein verwandter Hauptwirkstoff der Kakaobohnen (bis 4% Gehalt). Theobromin ist ein Xanthinderivat der Formel C7H802N4 und bildet farb- und geruchlose, bei etwa 290°C sublimierende, bitter schmeckende, schwer wasserlösliche Kristalle. Es findet sich auch in Tee und Kolanüssen, wirkt gefäßerweiternd und harntreibend und wird als Kreislaufmittel und Diuretikum verwendet. Im Unterschied zu anderen Xanthinderivaten (zum Beispiel Koffein) wirkt es nicht zentralerregend.

Theoderich, um 454-30.8.526, König der Ostgoten seit 471; führte diese von der Balkanhalbinsel nach Italien, wo er nach dem Sieg über Odoaker (490 Schlacht an der Adda) und nach dessen Ermordung (493) das Ostgotenreich begründete. Theoderich ist der Dietrich von Bern der deutschen Sage.

Theoderich Grabmal: Grabmal des Ostgotenkönigs Theoderich in Ravenna, errichtet um 520; besteht aus zehneckigem Sockelgeschoß, auf dem sich ein Rundbau erhebt, der einen Kuppelstein trägt; verbindet stilistische Elemente des antiken Mittelmeerraumes mit solchen der nordischen Kunst.

Theoderich von Prag, Meister Theoderich, Tafelmaler des 14. Jahrhundert; einer der Hauptmeister der böhmischen Malerschule; Großförmigkeit, Schwere und Ausdruckskraft der Darstellung kennzeichnen seine Bilder, vor allem die 129 Heiligentafeln für die Kreuzkapelle der Burg Karlstejn (geweiht 1365) für Kaiser Karl IV.

Theodizee: auf eine Schrift von G. W. Leibniz zurückgehender Begriff für die Rechtfertigung Gottes gegenüber dem Vorwurf, er sei für die Übel der Welt verantwortlich.

Theodolit: geodätisches Instrument zum Messen von Horizontal- und Vertikalwinkeln. Hauptbestandteile sind Horizontal- und Vertikalkreis mit Ablesevorrichtungen, ein um eine horizontale Achse (Kippachse) drehbares Zielfernrohr sowie Vorrichtungen zum Senkrechtstellen der Umdrehungsachse. Der magnetische Theodolit ist ein Gerät zum Messen von Deklination und (durch Anbringen eines Ablenkmagneten) Horizontalintensität des Erdmagnetfelds; besteht hauptsächlich aus einer in der horizontalen Ebene frei bewegliche Kompassnadel mit vertikaler Drehachse.

Theodora, um 500-548, politisch einflussreiche Gattin und Mitregentin des oströmische Kaisers Justinian I. (527/65); von niederer sozialer Herkunft.

Theodorakis, Mikis, geboren 29.7.1925, griechischer Komponist; wurde wegen seiner progressiven politischen Haltung wiederholt eingekerkert und lebte bis 1974 in Frankreich. Sein gesamtes Schaffen ist ein Bekenntnis zu kämpfender Kunst, Freiheit, Frieden und nationaler Souveränität aller Völker. Theodorakis komponierte Lieder, Film- und Theatermusiken, Instrumental- und vokalsinfonische Werke in einer volksverbundenen, oft Folklore einbeziehenden Musiksprache. insbesondere sein Oratorium «Canto General» (nach P. Neruda) erlebte in vielen Ländern mitreißende Aufführungen.

Theodosius, römischer beziehungsweise oströmische Kaiser: 1. Theodosius der Große, 11.1.347—17.1.395, Kaiser seit 19.1.379; unter seiner Regierung war das Römische Reich letztmalig vereinigt. Theodosius besiegte die Goten in Mösien; verbot 391/92 alle heidnischen Kulte, damit wurde das Christentum endgültig Staatsreligion. Nach seinem Tod wurde das Reich in ein Ost- und ein Weströmisches Reich aufgeteilt.

2. Theodosius, 30.8.401-28.7.450, Enkel von Theodosius 1; wurde 408, noch minderjährig, Kaiser Ostroms. Das Reich wurde von seiner Schwester und seiner Gattin regiert. Er gab 438 die nach ihm benannte Gesetzessammlung «Codex Theodosianus» heraus, die alle kaiserlichen Erlasse seit Konstantin I. enthält.

Theognis, griechischer Dichter wahrscheinlich der 2. Hälfte des 6. Jahrhundert vor Christus; unter seinem Namen sind 2 Bücher Elegien erhalten, von denen manches unecht ist; die Gedichte sind teils Sprüche mit Lebensregeln für einen jungen Adligen, teils Gelage Poesie unter anderem

Theogonie: (griechisch) Lehre oder Mythos von Ursprung und Abstammung der Götter. Titel eines Werkes von Hesiod.

Theokratie: (griechisch, «Gottesherrschaft») Staatsform, in der das Interesse der herrschenden Klasse durch eine religiöse Körperschaft oder Person vertreten wird, die im Namen Gottes zu handeln beansprucht; Formen sind der sogenannt «Gottesstaat des Amun» in Ägypten, die Herrschaft Moses über die israelitischen Stämme, der Lamaismus in Tibet, der Islam zur Zeit Muhammads, das Papsttum des Mittelalters.

Theokrit, hellenistischer griechischer Dichter der 1. Hälfte des 3. Jahrhundert vor Christus; begründete mit seinen «Idyllen» die bukolische Poesie. Er stellte idealisierend das Leben der Bauern und Hirten in ländlicher Einfachheit und Natürlichkeit dar; von Vergil nachgeahmt.

Theologie: (griechisch, «Lehre von Gott») im engeren Sinne Versuch, die Religion erkenntnismäßig zu durchdringen und den Glaubensinhalt theoretisch zu rechtfertigen; im weiteren Sinne alle traditionellen Lehrgebiete wie Dogmatik, Moraltheologie, Exegese, Kirchengeschichte, Fundamentaltheologie, Apologetik, praktische Theologie besonders zahlreiche, oft gegensätzliche Lehren finden sich im Christentum (katholische Theologie mit verschiedenen Ausgangspunkten, evangelische Theologie mit verschiedenen Tendenzen wie lutherische Theologie, kalvinistische Theologie, Theologie Karl Barths unter anderem).

Theologie der Befreiung: römisch-katholische Erneuerungsbewegung der Gegenwart, entstanden Ende der 60er Jahre im Ergebnis tiefgreifender ideologischer Differenzierungsprozesse innerhalb der katholischen Kirche Lateinamerikas; Ausgangspunkt bildete, verursacht von der besonders tief ausgeprägten allgemeinen Krise des Kapitalismus in den Ländern des Kontinents, eine sich in den 60er Jahren durchsetzende neue religiöse Praxis (Entstehung und umfassende Verbreitung christlicher Basisgemeinden mit erhöhter sozialer Aktivität und innerer Ablehnung der Ungerechtigkeit und Unmoral der bürgerlichen Gesellschaft), die zu einer Belebung des theologischen Denkens führte und vor allem Vertreter des niederen Klerus neue Ansichten finden ließ; namengebend wirkte das programmatische Buch des peruanischen Geistlichen Gustavo Gutierrez (1971); unter dem Eindruck der sich zuspitzenden Klassenwidersprüche betont die Theologie der Befreiung die besondere Verantwortung der Kirche für die Ausgebeuteten und Unterdrückten, ihre Vertreter (vor allem Leonardo Boff, Brasilien; O. A. Romero y Galdamez, El Salvador; Ernesto und Fernando Cardenal, Miguel D’Escoto, Nikaragua) stehen trotz Kritik durch die Papstkirche antiimperialistische Befreiungsbewegungen aufgeschlossen gegenüber beziehungsweise unterstützen sie aktiv.

Theophanes, um 752-818, byzantinischer Chronist; seine 810/14 verfasste «Chronographie» (annalistisches Geschichtswerk) über die Jahre 284/813 überliefert viel Material aus verlorenen Schriften und ist eine wichtige Quelle der byzantinischen Geschichte.

Theophanes der Grieche, Feofan Grek (russisch), um 1340-um 1410, griechischer Ikonen- und Freskenmaler; kam um 1370 aus Konstantinopel nach Russland, wo er mehr als 30 Jahre lebte und Wandmalereien sowie Ikonen für Nowgor oder und Moskauer Kirchen schuf; erhalten sind unter anderem die Fresken in der Erlöserkirche an der Iljastraße in Nowgorod (1378). Seine Werke zeichnen sich durch kraftvolle Monumentalität, dynamischer Aufbau der Komposition, expressive Farbgebung und erregende Ausdruckskraft der Gestalten aus und hatten bedeutenden Einfluss auf die russische Malerei bis Ende 15. Jahrhundert

Theophanu, um 955-15.6. 991, byzantinische Prinzessin; seit 972 Gemahlin Kaiser Ottos II., seit 983 umsichtige Regentin für Otto III.

Theophrastos, 372-287 vor Christus, griechischer Philosoph; Schüler des Aristoteles, mit dem er unter anderem Botanik und Philosophiegeschichtsschreibung begründete. S. a. Peripatetiker.

Theophyllin: koffeinähnlicher Wirkstoff, der das Koffein im Tee begleitet; ist ein Xanthinderivat der Formel C7H802N4 und bildet farb- und geruchlose, schwach bitter schmeckende, wenig wasserlösliche Kristalle; F 268 °C. Theophyllin -wird arzneilich wegen seiner geringen Löslichkeit meist zusammen mit anderen Stoffen (Euphyllin) oder nach Strukturmodifikation (Oxyethyl-Theophyllin) als harntreibendes, gefäß- und bronchialerweiterndes Mittel verwendet.

Theorbe: Zupfinstrument; Basslaute mit je einem Wirbelkasten für die Griffbrett- und für die links neben dem Griffbrett laufenden Bordunsaiten; im 17./18. Jahrhundert besonders Begleitinstrument in Kammer- und Orchestermusik.

Theorell, Hugo Axel Theodor, 6.7.1903-15.8.1982, schwedischer Biochemiker; grundlegende Arbeiten über Elektrophorese und Enzyme, besonders Katalasen, Cytochrom c und Riboflavin.

Theorem: 1. allgemein in einem Satz gefasste Erkenntnis; Lehrsatz, den man aus irgendwelchen Gründen (zum Beispiel experimentelle Bestätigung) für wahr halten muss.

2. Logik/Mathematik: innerhalb eines Kalküls oder einer axiomatischen Theorie herleitbarer Ausdruck.

Theoretiker: (griechisch) Wissenschaftler, jemand, der wissenschaftliche Systeme, Grundlegungen und so weiter entwickelt; abwertend lebens- und weltfremder Mensch (im Gegensatz zum Praktiker).

theoretisch: (griechisch) gedanklich, die Theorie betreffend, im Rahmen der Theorie oder auch der bloßen Möglichkeit bleibend.

Theorie: (griechisch, «das Anschauen») systematisch geordnete Menge von Aussagen über einen Bereich der objektiven Realität oder des Bewusstseins; verallgemeinert Erkenntnisse eines Wissensgebietes und spiegelt Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten wider. Eine wissenschaftliche Theorie ist eng mit der Praxis verbunden; neue Erfahrungen und Ergebnisse der Wissenschaft werden ständig in sie eingearbeitet, pseudotheoretische Elemente von ihr ferngehalten. Die Praxis ist Ausgangspunkt und Ziel der Theorie

Theosophie: mystische Gottesschau, Gottesschwärmerei; auf idealistische Philosophie und Theologie beruhende Verbindung von scheinbar rationalem und gefühlsmäßig-intuitivem, okkultem «Wissen» um Gott; vertreten unter anderem durch Plotin, die Gnostiker, den späten W. J. Schelling; auch Richtung der neueren bürgerlichen Philosophie.

Theotokis, Konstantinos, 13.3.1872-1.7.1923, griechischer Lyriker und Philologe; engagierter Anhänger der Volkssprache; vertrat als erster griechischer Schriftsteller sozialistische Ideen (Romane «Die Ehre und das Geld», 1912; «Die Sklaven in ihren Fesseln», 1922); er übersetzte auch Sanskrittexte, Platon, Vergil, Shakespeare, Goethe.

The Potteries: (englisch, «Die Töpfereien») Wirtschaftsgebiet im mittleren England (Großbritannien), am oberen Trent; Hauptort Stoke-on-Trent; Zentrum der britischen keramische Industrie.

Thera, Thira, Santorin: ringförmige Inselgruppe der griechischen Kykladen, im Ägäischen Meer; 89 km2, 6200 Einwohner; wichtigster Ort Thera; größtenteils aus der Kraterruine eines untermeerischen Vulkans bestehend (letzter Ausbruch 1956); bis 566 m hoch; fruchtbare vulkanische Böden mit Anbau von Tomaten und Wein; Bimssandabbau; Tourismus.

Therapeutika: Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen, therapeutische Breite: Maß für die Gefährlichkeit beziehungsweise Sicherheit eines Arzneimittels. In der Medizin im Allgemeinen der Abstand zwischen einer wirksamen und einer schädlichen Arzneimittelmenge.

Therapie, Heilung, Krankenbehandlung: alle der Beseitigung oder Linderung von Gesundheitsstörungen und Krankheitszuständen dienenden medizinischen Maßnahmen (zum Beispiel Pharmakotherapie, Psychotherapie, Physiotherapie, Chemotherapie, Soziotherapie, Balneotherapie).

Therapsiden: Reptilien des Perms und der Trias, bei denen bereits typische Merkmale der aus ihnen hervorgegangenen Säugetiere entwickelt waren, zum Beispiel der Bau des Unterkiefers, die Art seines Gelenks, das differenzierte Gebiss, der sekundäre Gaumen und die aufgerichteten Extremitäten.

Theriomorphismus: «Tiergestaltigkeit» der Götter; in der Antike erhielt sich der Theriomorphismus nur in Resten.

Thermalquelle, Therme: Quelle, deren Wasser beim Austritt eine Temperatur von über 20 °C aufweist. Das Auftreten von Thermalquelle ist an tektonisch und magmatisch aktive Gebiete gebunden. Oft weisen Thermalquellen auch auf alten Vulkanismus hin.

Thermen: in der römischen Antike Bäder in Rom und allen Provinzstädten, zum Teil für große Menschenmengen und als Stätten geselligen Verkehrs (Caracalla-, Diokletiansthermen in Rom). Aus feststehenden Baderegeln ergab sich für die Bauten ein allgemeiner Grundriss: Auskleideraum (Apodyterium), Kaltbad (Frigidarium), Warmluft- (Tepidarium) und Heißluftraum (Caldarium), Schwitzbad (Laconicum), offenes Schwimmbecken (Natatio), Stätte für sportliche Übungen (Palaestra) sowie verschiedene Nebenräume mit Badewannen und Wasserbecken; die Heizung erfolgte durch Hypokausten.

Thermidor: (griechisch, «Hitzemonat») 11. Monat des Revolutionskalenders. Am 9. Thermidor (27.7.) 1794 wurde die Jakobinerdiktatur unter M. Robespierre im Ergebnis einer Verschwörung (Thermidorianer) innerhalb des Konvents gestürzt. Der gegen den Umsturz proklamierte Aufstand der Pariser Kommune scheiterte an der Unentschlossenheit der jakobinische Führer. Mit dem 9. Thermidor endete die Aufstiegsphase der Franzos. Revolution.

thermische Analyse: Messung und Aufzeichnung des Temperaturverlaufes beim Erhitzen oder Abkühlen einer Metallprobe; Zustandsänderungen durch Schmelz- beziehungsweise Erstamingsvorgänge sowie Kristallgitterumwandlungen bewirken Unstetigkeiten im Kurvenverlauf. Die thermische Analyse dient zur Aufnahme von Zustandsdiagrammen.

thermische Stabilität: die Beständigkeit von Geräten und Bauelementen gegen unterschiedlichste Temperatureinflüsse. besonders bei Halbleiterbauelementen kann infolge der thermisch-elektrische Wechselwirkung durch Einwirkung erhöhter Temperaturen ein innerliches Aufheizen erfolgen. Wird dabei oder auch durch andere Einwirkungen (zum Beispiel Überschreitung einer maximal zulässigen Stromstärke) die maximal zulässige Verlustleistung überschritten, kommt es zur Zerstörung des Bauelementes. Durch entsprechende Kühlmaßnahmen (Kühlblech o. ä.) kann der Bereich der thermischen Stabilität erheblich erweitert werden.

thermisches Trennen, thermisches Schneiden: Durch- oder Abtrennen metallischer Werkstoffe mittels örtlicher Verbrennung oder Durchschmelzung. Man unterscheidet Brennschneiden (autogenes Trennen) und Schmelzschneiden (Plasmaschneiden). Beim Brennschneiden wird mit einer Brenngas- (Azetylen, Wasserstoff, Propan, Erd- oder Stadtgas) Sauerstoff-Flamme und einem Sauerstoffstrahl der Werkstoff, dessen Zündtemperatur unter seiner Schmelztemperatur liegt und dessen Oxide (Schlacke) ebenfalls bei niedrigerer Temperatur schmelzen, durchgebrannt. Das Werkstück wird durch eine an der Vorwärmdüse eines Schneidbrenners gebildete Flamme auf die Zündtemperatur (bei Stahl zum Beispiel etwa 1150°C) erhitzt und der Werkstoff durch aus der Schneiddüse des Brenners geblasenen Sauerstoff verbrannt und als flüssige Schlacke aus der entstehenden Trennfuge geschleudert. Geschnitten wird bei kleinen Stückzahlen mit Handbrenner oder einer auf dem Werkstück mittels Elektromotorantriebs laufenden Handschneidemaschine (Schneidmotor). In der Serienfertigung arbeitet man mit ortsfesten Brennschneidmaschinen, über deren Auflagetisch sich ein Wagen mit einem Arm bewegt, an dem ein oder mehrere Brenner, zwangläufig mit der Steuereinrichtung verbunden, verschiebbar angebracht sind. Die Steuerung erfolgt entweder nach Anriss oder Zeichnung des Werkstückes mittels Lichtkreuzprojektion oder selbsttätig nach einer Schablone, die zum Beispiel von einer Magnetrolle abgetastet wird. Moderne Maschinen arbeiten mit einer Fotozelle, die eine Werkstückzeichnung abtastet und die Bewegung auf den Brenner überträgt (optisches Brennschneiden), beziehungsweise elektronisch mit Loch- oder Magnetband. Beim Unterwasserbrennschneiden wird durch eine Ringdüse zusätzlich um die Schneidstelle eine Druckzone (Luft oder Sauerstoff) ausgebildet, die das Wasser fernhält. Beim Sauerstoffhobeln oder Brennputzen zum Säubern und Glätten von Guss-, Schmiede- und Walzteilen sowie beim Fugenhobeln zum Ausarbeiten von Schweißnahtwurzeln und Heraustrennen fehlerhafter Nahtabschnitte werden Spezialbrenner schräggestellt und der Werkstoff nur aus der Oberfläche herausgelöst. Beim Flammen (zum Glätten von Walzoberflächen) werden gleichzeitig mehrere nebeneinanderliegende Fugen mit einem Mehrdüsenbrenner gehobelt. Mit den Starkschneidbrennern können bis zu 3 m dicke Teile geschnitten werden. Für das autogene Trennen von Werkstoffen, deren Schmelzpunkt unter ihrem Zündpunkt liegt (zum Beispiel Gusseisen mit Lamellengraphit, Beton, Keramik), wendet man das Pulverbrennschneiden an, bei dem Eisen- oder Aluminiumpulver dem Brenner zugeführt wird, im Sauerstoffstrahl verbrennt und die Reaktionswärme an die Schnittfuge abgibt. Beim früher angewendeten elektrischen Trennen wurde der Werkstoff im Lichtbogen, der zwischen einer unverzehrbaren Wolfram- oder einer abschmelzenden Stahlelektrode und dem Werkstück brannte, durchgeschmolzen. Beim Oxy-arc-Verfahren (elektrisches Sauerstofftrennen) verwendet man eine umhüllte Hohlelektrode, durch die Sauerstoff geblasen wird; geschnitten werden Aluminium, Kupfer, Gusseisen mit Lamellengraphit. Beim Plasmaschneiden wird ein Plasmabrenner verwendet, mit dem ein übertragener Lichtbogen erzeugt wird, der zwischen einer Hafnium Öder Wolframelektrode und dem Werkstück brennt. Ein Gasstrom, der von einer wassergekühlten Düse eingeengt wird, umspült diesen und wird damit zum Plasma mit Temperaturen bis 30000°C. Als Schneidgase werden Argon, Stickstoff, Wasserstoff, Argon-Wasserstoff und andere Gemische verwendet; geschnitten werden Aluminium, Kupfer, Nickel sowie hochlegierte Chrom- und Chrom-Nickel-Stähle. Durch Verwendung von Druckluft (Druckluftplasmaschneiden) an Stelle der teuren anderen Gase kann das Verfahren wirtschaftlich zum Trennen von Baustählen bis 30 mm Dicke eingesetzt werden. Das Schneiden der Werkstoffe erfolgt auf Plasmaschneidanlagen, die nach dem gleichen Prinzip wie die Brennschneidmaschinen arbeiten.

thermochemische Behandlung, chemisch-thermische Metallbehandlung: Verfahrensgruppe der Wärmebehandlung besonders metallischer Werkstoffe, die durch ein dem Temperatur-Zeit-Ablauf überlagerte chemische Regime gekennzeichnet ist; zur Verbesserung des Verschleißverhaltens, der Korrosions- und beziehungsweise oder Zunderbeständigkeit sowie der Dauerfestigkeit bei ökonomischer Werkstückfertigung und Einsparung von Legierungselementen durch Diffusion von Metall- (zum Beispiel Titan, Aluminium, Chrom) und beziehungsweise oder Nichtmetallatomen (zum Beispiel Kohlenstoff, Stickstoff) in oberflächennahe Werkstückbereiche (3 (im bis 4 mm dick). Wichtige Verfahren der thermochemischen Behandlung sind: Aufkohlen, Nitrieren, Carbo- und Sulfonitrieren, Silizieren, Borieren, Sherardisieren (Diffusionsverzinken), Alitieren (Aluminieren), Titanieren sowie Chromieren (Bezeichnung nach eindiffundierenden Elementen). Die zwei letzteren sind bei ausreichendem Kohlenstoffangebot zu den Verfahren der Metallkarbidbehandlung zu zählen. Optimale Eigenschaften werden mitunter erst durch Kombination der thermochemischen Behandlung mit thermischen Wärmebehandlungsverfahren erzielt; zum Beispiel Aufkohlen und nachfolgendes Härten, das sogenannt Aufkohlungshärten (Einsatzhärten). im weiteren Sinne können auch Wärmebehandlungen im Vakuum oder unter Schutzgas (Schutzgaswärmebehandlung), bei denen kein Stoffaustausch zwischen Ofenatmosphäre und Werkstück erfolgt, sowie entkohlende Glühungen von Eisen-Kohlenstoff-Werkstoffen zur thermochemischen Behandlung gerechnet werden.

Thermodiffusion: Diffusion der Moleküle eines Gas- oder Flüssigkeitsgemisches, die durch ein Temperaturgefälle hervorgerufen wird und zu einer teilweisen Entmischung führen kann.

Thermodynamik, Wärmelehre: die Wärmeerscheinungen beschreibende phänomenologische Theorie. Die Gleichgewichtsthermodynamik geht von den 3 durch Erfahrung gesicherten Hauptsätzen der Thermodynamik aus und entwickelt Beziehungen zwischen den makroskopisch messbaren Zustandsgrößen. Dabei wird vorausgesetzt, dass sich die Systeme im thermodynamischen Gleichgewicht befinden. Mit der Gleichgewichtsthermodynamik wurden erfolgreich Probleme der Wärmetechnik (Wärmekraftmaschinen), der physikalischen Chemie (Massenwirkungsgesetz) unter anderem gelöst. Im Gegensatz dazu befasst sich die T, irreversibler Prozesse oder Nichtgleichgewichtsthermodynamik mit Systemen, die sich außerhalb des Gleichgewichts befinden. Sie behandelt zum Beispiel Wärmeleitung von Flüssigkeiten, Thermodiffusion und -elektrizität. Im Gegensatz zur makroskopischen Thermodynamik ist die statistische Physik eine mikroskopische oder atomistische Theorie, die die Thermodynamik mit den atomaren und molekularen Gesetzmäßigkeiten verknüpft.

thermodynamische Potentiale: Zustandsgrößen, aus denen man alle Aussagen über ein thermodynamisches System im Gleichgewicht durch Differentiation gewinnen kann. Jedes thermodynamische Potential ist eine Funktion gewisser für dieses Potential charakteristische Zustandsgrößen. Spezielle thermodynamische Potentiale sind innere Energie U(S, V) als Funktion von Entropie S und Volumen V (nicht aber U(T, V) oder U(p, V); T Temperatur, p Druck), freie Energie F(T, V), Enthalpie H(j>, S) und freie Enthalpie G(p, T). Da sich alle thermodynamischen Potentiale ineinander umrechnen lassen (zum Beispiel ist die freie Energie F die um die gebundene Energie TS verminderte innere Energie, F = U TS), hängt die Verwendung eines bestimmten thermodynamischen Potentials von der Aufgabe ab.

thermodynamisches Gleichgewicht: Zustand eines thermodynamischen Systems, in dem keine Entropie produziert wird. Im thermodynamischen Gleichgewicht sind alle Parameter zeitlich konstant, und es fließen keine durch äußere Quellen verursachten stationären Ströme, die eine Dissipation verursachen. Im thermodynamischen Gleichgewicht ist das System durch wenige makroskopische Parameter, die Zustandsgrößen, wie Temperatur, Druck und so weiter, beschreibbar.

Thermoelastizität: bei der Deformation eines Körpers auftretende Temperaturänderung beziehungsweise bei Wärmezufuhr auftretende Längenänderung, die die normale Wärmedehnung überdeckt; besonders bei Kautschuk.

thermoelektrische Effekte: thermische Wirkungen des Stromes oder umgekehrt elektrische Wirkungen von Temperaturdifferenzen in Festkörpern. Dazu gehören der Seebeck-Effekt und der Peltier-Effekt als seine Umkehrung, der Thomson-Effekt und der Benedicks-Effekt als dessen Umkehrung.

Thermoelektrogenerator, Thermogenerator, thermoelektrischer Generator, Seebeck-Element (nach einem Physiker): elektrische Spannungserzeuger, vorwiegend Halbleiter-Thermoelement, der Wärme direkt in elektrischer Energie umwandelt; in Zusammenschaltung zu thermoelektrischen Batterien beziehungsweise Kaskaden für die Raumfahrt und andere dezentrale Energieversorgung relativ geringer Leistung wegen hoher Lebensdauer und robustem, kompaktem und strahlungsunempfindlichem Aufbau geeignet.

Thermoelement: Anordnung aus 2 verschiedenen Metalldrähten (oder Halbleiterkristallen), die an den Enden verlötet sind. Das Thermoelement ist ein thermoelektrischer Wandler mit einer Temperaturdifferenz als Eingangsgröße und der Thermospannung als Ausgangsgröße, in dem der Seebeck-Effekt (thermoelektrischer Effekt) ausgenutzt wird. Unabhängig von der verwendeten Schaltung hängt die Thermospannung stets von der Temperaturdifferenz an der Lötstelle der beiden Metalldrähte und der Temperatur an der anderen Berührungsstelle (Vergleichsstelle) sowie von der Metallkombination des Thermoelement ab. Mehrere hintereinandergeschaltete Thermoelemente bilden eine Thermosäule. Angewendet werden Thermoelemente hauptsächlich bei Messungen höherer Temperaturen (etwa ab 1000°C). Umgekehrt verursacht ein Strom eine Erwärmung der einen Verbindungsstelle und eine Abkühlung der anderen (Peltier-Effekt).

Thermofixieren: Behandeln von Textilien aus thermoplastischen Faserstoffen mit Heißluft, Heißwasser, Wasserdampf, Strahlungs- oder Kontaktwärme, um ihnen Formbeständigkeit und besseren Griff zu geben sowie ihre Knitterneigung zu mindern.

Thermograph: Gerät zur analogen Aufzeichnung der Lufttemperatur. Für mechanische Thermographen werden Bimetallstreifen, für fernmessende Systeme meist Widerstandsthermometer (Platin) oder Thermoelemente verwendet.

Thermographie: 1. Thermokopierverfahren.

2. Fotothermographie: Verfahren, das die von Körpern und Gegenständen ausgehende Wärmestrahlung fotografisch mittels Infrarotmaterials aufzeichnet und auf dem Positivbild (Thermogramm, Temperaturbild) wärmere Stellen heller abbildet (Thermovision). Anwendung in Medizin und Technik.

thermographischer Druck, Stahlstichimitationsdruck, fälschlicher Reliefdruck: Verfahren zur Herstellung stahlstichähnliche Druckprodukte (thermoplastisches Farbpuder werden auf im Buchdruck- oder Offsetdruckverfahren frisch bedruckte Bogen aufgestreut, wo sie an der feuchten Druckfarbe haften und unter Wärmeeinwirkung angeschmolzen werden); auch das Produkt selbst.

Thermocolore, Temperaturmessfarben: komplexe Salze bestimmter Metalle, die bei bestimmten Temperaturen ihre Farbe wechseln. Sie werden als Anstrich- oder Spritzfarben beziehungsweise als Farbstifte zur Temperaturmessung verwendet.

Thermokompression: unter Hitze und Druck erfolgendes Kontaktierverfahren zur Verbindung von Halbleiterschaltungen mit den Anschlüssen des umgebenden Gehäuses.

Thermokopierverfahren, Thermographie (griechisch), Wärmekopierverfahren: Vervielfältigungsverfahren, bei dem Kopierpapier mit wärmeempfindlicher Schicht in einem Infrarot-Thermokopiergerät mit der Vorlage in Kontakt gebracht wird. Die Strahlung durchdringt das Kopierblatt und bewirkt an den dunklen Stellen der Vorlage einen Wärmestau, der dort zu einer Verfärbung des Kopierpapiers führt.

Thermolumineszenzdetektor: Nachweisgerät für ionisierende Strahlung. Die auf den Detektorkristall (zum Beispiel Cadmiumsulfid) treffende Strahlung erzeugt in diesem zunächst nur Störstellen. Zur späteren Auswertung wird der Kristall erwärmt und die dabei auftretende Lumineszenzstrahlung registriert.

thermomagnetische Effekte: Gesamtheit der Erscheinungen, die in Leitern bei Vorhandensein von konstanten magnetischen Feldern und Wärmeströmen auftreten.

thermomechanische Behandlung: Verfahrensgruppe der Wärmebehandlung metallischer Werkstoffe, gekennzeichnet durch Kombinationen plastischer Umformung mit vorangegangener, gleichzeitiger oder nachfolgender Gefügeumwandlung im festen Zustand als Folge bestimmter Temperatur-Zeit-Abläufe. Die thermomechanische Behandlung hilft, mechanische Eigenschaften (besonders Festigkeit, Zähigkeit) zu verbessern und beziehungsweise oder ökonomische Vorteile durch Einsparung von Fertigungsprozessstufen zu erreichen. Verfahren der thermomechanischen Behandlung sind zum Beispiel die thermomechanische Hoch- und Niedertemperaturbehandlung von Stählen.

Thermometer: Gerät zum Messen der Temperatur. Man benutzt

a) die thermische Ausdehnung von Gasen (Wasserstoff, Helium) oder, in den meisten Fällen, von Flüssigkeiten (Quecksilber, Alkohol, Pentan); das Maximum-Minimum-Thermometer ist ein Alkoholthermometer, in dem ein Quecksilberfaden 2 Eisenstäbchen vor sich herschiebt, so dass die höchste und tiefste Temperatur in einem bestimmten Zeitraum festgehalten werden;

b) die thermische Ausdehnung von Metallen, insbesondere die Krümmung eines Bimetallstreifens im Metallthermometer.

c) die Änderung des elektrischen Widerstandes eines Drahtes (Platin) im Widerstandsthermometer;

d) die Strahlung eines glühenden Körpers beim Strahlungsthermometer oder Pyrometer.

Thermometerhütte, Wetterhütte: 2 m über dem Boden angebrachter Holz- oder Plastikkasten mit jalousieartigen Wänden und Pultdach; Schutzvorrichtung für Messinstrumente, besonders der Lufttemperatur und -feuchte, gegen Niederschläge und direkte Sonnenbestrahlung.

Thermoplaste: Plaste, die im Gegensatz zu den Duroplasten einen linearen (fadenförmigen) Molekülbau haben. Die Thermoplaste werden vorwiegend durch Polymerisation hergestellt; sie erweichen beim Erwärmen und werden plastisch verformbar, der Vorgang kann praktisch unbegrenzt wiederholt werden. Manche Thermoplaste sind in organischen Lösungsmitteln quellbar oder löslich und können mit Weichmachern verarbeitet werden. Die wichtigsten Verarbeitungsverfahren sind Kalandrieren, Extrudieren und Spritzgießen, wodurch Platten, Folien, Rohre, Profile und Formartikel hergestellt werden. Typ. Thermoplaste sind Polyäthylen, Polypropylen, Polyvinylchlorid, Polystyrol, Polymethacrylsäureester, Polyamide, lineare Polyester, Zelluloseazetat und Zelluloid.

Thermopylen, Thermopylae: (neugriechisch, «Tor der warmen Quellen») in der Antike strategisch wichtiger und oft umkämpfter Engpass im mittleren Griechenland zwischen dem Gebirge (Kallidromos) und der versumpften Küste südlich von Lamia; 7 km lang und nur 50 m breit, heute durch junge Anschwemmungen jedoch auf 4 km verbreitert. 480 vor Christus verteidigten sich hier die Spartaner unter Leonidas mehrere Tage gegen die persische Übermacht.

Thermoregulation, Temperaturregulation: Physiologie die geregelte Anpassung der Wärmebildung und -abgabe eines Organismus (voll entwickelt bei Warmblütern), die zur Aufrechterhaltung einer von der Umgebungstemperatur unabhängigen Körpertemperatur dient. Beim Menschen beträgt die Körperkerntemperatur 37°C, sie hat tageszeitliche Schwankungen (zirkadiane Periodik) von ±0,5 °C (Minimum früh morgens, Maximum spät nachmittags). Bei der Frau steigt sie nach der Ovulation (Eisprung) um 0,3 bis 0,5 °C. Bei körperlicher Dauerarbeit erhöht sie sich proportional der Belastung (Sollwertvorstellungen). Die Wärmebildung wird durch Stoffwechselsteigerung erhöht (vor allem Muskeltonus, -zittern, zum Teil Fettsäureoxydation). Die Wärmeabgabe wird durch verstärkte Hautdurchblutung und Schweißsekretion erhöht, damit Wärme von der Haut durch Verdunstung, Strahlung und Leitung an die Umgebung abgegeben werden kann. Aus dem Körperinnern erfolgt der Wärmetransport mit dem Blut an die Oberfläche (Kreislaufbelastung bei erhöhter Wärmebildung). Die Rezeptoren im Körperinnern (zum Beispiel im Zwischenhirn) messen die Körperkerntemperatur; die Kalt- und Warmrezeptoren der Haut (vor allem Gesicht, Brust) melden die Einflüsse der Umgebungstemperatur (Störwertaufschaltung), so dass, schon bevor sich die Körperkerntemperatur ändert, der Ausgleich durch Wärmebildung oder -abgabe geschaffen werden kann.

Thermoscheibe: vorgefertigtes Fensterelement aus 2 oder 3 luftdicht abgeschlossenen Flachglasscheiben. Der Zwischenraum ist mit verdünnter, trockener Luft ausgefüllt, um Kondensatbildung zu verhindern.

Thermosgefäß, Thermobehälter, Thermophor (griechisch): doppelwandiges Gefäß mit wärmeisolierender Zwischenschicht beziehungsweise aus wärmeisolierendem Material; zum Beispiel ist bei Glas der Hohlraum zwischen den Wänden evakuiert und verhindert weitgehend eine Wärmeübertragung.

Thermospannung: die an den kalten Enden eines Thermoelements auftretende elektrische Spannung; ist der Temperaturdifferenz zwischen Lötstelle und kalten Enden proportional.

Thermosphäre: Schicht der Atmosphäre oberhalb der Mesosphäre (über 90 km Höhe); bis etwa 300 km Höhe nimmt die Temperatur zu und nähert sich dann einer konstanten Exosphären Temperatur.

Thermostat: Gerät zur Einhaltung einer eingestellten Temperatur in einem Wasser- oder Ölbad (bis 300 °C) durch einen über ein empfindliches Relais gesteuerten Heizkörper.

Thermoumformer, Thermowandler, Thermokreuz: Einrichtung zur Messung des Effektivwerts von Wechselströmen bis zu mehreren hundert MHz und unabhängig von ihrem Zeitverlauf. Vom zu messenden Strom wird ein sogenannter Heizer erwärmt, der ein mit ihm in Wärmekontakt stehendes Thermoelement aufheizt; dessen Ausgangsspannung wird mittels eines Drehspulinstruments gemessen («indirekte Gleichrichtung»).

Thesaurus: (griechisch, «Schatzkammer») Informationsrecherchesprache, die aus einem alphabetisch und systematisch, thematisch begrenzten Verzeichnis von Sachwörtern beziehungsweise Sachwortgruppen besteht. Die aus synonymen Sachwörtern mittels sogenannt Äquivalenzklassen gebildeten Deskriptoren werden im Thesaurus durch begriffliche Beziehungen miteinander verknüpft und dienen zur Kennzeichnung des Inhaltes und zum Wiederauffinden der thematisch einschlägigen Informationsquellen, vor allem in mit Hilfe der EDV aufgebauten Informationsspeichern.

Thesaurus linguae Latinae: (lateinisch, «Schatzkammer der lateinischen Sprache») umfassendstes wissenschaftliches Wörterbuch der lateinischen Sprache, herausgegeben von der Internationalen Thesaurus Kommission (im Aufträge zahlreicher Akademien und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften), erscheint in Leipzig und München; 1893 begonnen; die Buchstaben A bis M und O liegen vollständig, von P liegt ein Teil vor.

These: (wissenschaftlich zu beweisende) Behauptung; Satz, Lehrsatz.

Theseus, athenisch Heros der griechischen Sage, Sohn von König Aigeus von Athen und sein Nachfolger; tötete auf seinen Unternehmungen viele Ungeheuer (Prokrustes, Minotauros mit Hilfe von Ariadne); brachte aus dem Kampf gegen die Amazonen deren Königin Hippolyte als seine Frau mit nach Athen; beider Sohn, Hippolytos, wurde durch Phädras Schuld getötet.

Thesis: (griechisch, «Senkung») Musik:

a) der schwere, betonte Taktteil;

b) der abwärtsgerichtete Schlag beim Dirigieren;

c) Setzen, Senken des Fußes beim Tanzschritt.

Thespis, Grieche aus der attischen Gemeinde Ikaria; führte 534 vor Christus in Athen an einem Fest zu Ehren des Dionysos die erste Tragödie auf, indem er dem Festchor einen Sprecher gegenüberstellte; einer Überlieferung nach führte Thespis seine Stücke von einem Wagen (Thespiskarren) aus auf.

Thespiskarren: Wagen des Thespis, mit dem er von Ort zu Ort gezogen sein soll; häufig als Symbol der Theaterkunst gebraucht.

Thessalien, Thessalia: Landschaft im Nordosten des mittleren Griechenlands, als Landesteil 4 Distrikte umfassend; 14037 km2, 700000 Einwohner; 50 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Larisa; gebirgsumrahmtes Becken; Getreide-, Obst-, Zitrusfrucht-, Oliven-, Feigen- und Baumwollanbau.

Theten: im antiken Griechenland die auf Lohnarbeit angewiesenen Freien. In Athen waren die Theten seit den Reformen Solons die unterste Bürgerklasse und steuerfrei. Sie leisteten den Kriegsdienst als Leichtbewaffnete, Ruderer oder Matrosen.

Thetis, griechisch Meernymphe, Mutter des Achill, machte diesen bis auf die Ferse unverwundbar.

Theuerdank, Teuerdank-, spätmittelalterliche allegorische Reimpaardichtung über die Brautwerbung Maximilians I., wahrscheinlich von dem kaiserlichen Kaplan Melchior Pfintzing; veröffentlicht 1517.

The Wash: flache Meeresbucht an der englischen Ostküste (Großbritannien); nordöstlich der Marschen des Fen District; 24 km lang, 12 km breit; zum Teil Wattenmeer mit hohem Tidenhub (6,5 m); reich an Sandbänken.

Thibaut, Anton Friedrich Justus, 4.1.1772-28.3.1840, Jurist und Musiktheoretiker; Haupt der philosophischen Rechtsschule, Vorkämpfer für ein einheitliches deutsches Zivilgesetzbuch; Kritiker des bürgerlichen Musiklebens.

Thienemann, August, 7.9.1882-22.4.1960, Zoologe, Ökologe; lehrte die Ganzheitsbetrachtung in der Gewässerkunde (Limnologie), unterschied nach den ökologischen Verhältnissen verschiedene «Seentypen» (eutrophe, oligotrophe unter anderem Seen).

Thierry, Augustin, 10.5.1795-22.5.1856, französischer bürgerlich-liberaler Historiker; wies in seinen Arbeiten die Rolle des Klassenkampfes als Triebkraft der geschichtlichen Entwicklung nach, den er allerdings auf den Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Feudaladel einengte.

Thiers, Adolphe, 4.5.1797-3.9.1877, französischer Historiker und Politiker; Gegner der Bourbonen und einer der Führer der liberalen Bourgeoisie zur Zeit der Restauration, nach der Julirevolution wiederholt Minister, während des Zweiten Kaiserreiches Kopf der Opposition. Als provisorischer Staatschef der Versailler Regierung ließ er 1871 im Bunde mit Bismarck die Pariser Kommune blutig niederschlagen.

Thies: Stadt (Regionszentrum) im Westen Senegals, östlich von Dakar; 130000 Einwohner; Eisenbahnwerkstätten, Textilkombinat, Düngemittelerzeugung; landwirtschaftliches Handelszentrum; Verkehrsknoten, Flughafen. Östlich von Thies Phosphatabbau.

Thietmar von Merseburg, 25.7.975-1.12.1018, Bischof von Merseburg seit 1009; verfasste zwischen 1012 und 1018 eine Chronik, die ergiebige Quelle für die Regierungszeit Ottos Hl., Heinrichs H. und die Geschichte der Westslawen zwischen Elbe/Saale und Oder ist.

Thilo, Erich, 27.8.1898-25.6.1977, Chemiker; 1938 Professor in Berlin, 1943 in Graz, seit 1946 an der Humboldt-Universität zu Berlin, 1950/68 Direktor des Instituts für Anorganische Chemie der AdW. Thilo arbeitete insbesondere über die Struktur der Silikate und kondensierten Phosphate.

Thimphu: Hauptstadt und Sommerresidenz von Bhutan, im Tal des Flusses Thimphu; 20000 Einwohner; Kunsthandwerk, Wollweberei, Wasserkraftwerk; Verkehrsknoten an der Abzweigung der innerbhutanischen Längsstraße nach Süden (über Jainti nach Westbengalen Indien; Palast, Kloster).

Thimig, Hugo, 16.6.1854-24.9.1944, Schauspieler; wirkte seit 1874 am Burgtheater Wien (seit 1897 auch Regisseur, 1914/17 Direktor); seit 1924 mit seinen Kindern (Hermann, Helene, Hans) an M. Reinhardts Theater in der Josefstadt in Wien engagiert.

Thinitenzeit: Bezeichnung für die Frühzeit der altägyptischen Geschichte, die Zeit der 1. und 2. Dynastie (etwa 3000/2778 vor Christus), deren Könige aus Thinis (Oberägypten) stammen sollen.

Thio: in chemischen Bezeichnungen angewandter Vorsatz zur Kennzeichnung des Austauschs von Sauerstoff durch Schwefel, zum Beispiel leitet sich Thioharnstoff, CS(NH2)2, von Harnstoff, CO(NH2)2, ab.

Thiobarbitale: schwefelhaltige Barbitursäureabkömmlinge. Die Salze nennt man Thiobarbiturate. Die Thiobarbitale besitzen eine sehr kurze (3 bis 5 min) narkotische Wirksamkeit. Sie werden deshalb für Narkosen bei kleinen Chirurg. Eingriffen oder zur Einleitung einer längeren Narkose verwendet.

Thioglykolsäure, Thioglycolsäure: farblose, wasserlösliche, unangenehm riechende Flüssigkeit der Formel CH2SH-COOH; wirksamer Bestandteil von kosmetischen Kaltwell- und Haarentfernungspräparaten.

Thioharnstoff: farb- und geruchlose, kristalline, wasserlösliche Substanz; F181,5°C; Verwendung insbesondere zur Herstellung von Vulkanisationsbeschleunigern.

Thiol Enzyme: Enzyme, deren Aktivität an das Vorhandensein einer oder mehrerer Schwefel-wasserstoffgruppen im Proteinmolekül gebunden ist; zum Beispiel Urease, Papain.

Thionville: Stadt im Nordosten Frankreichs, an der Mosel; 43000 Einwohner; lothringisches Industriezentrum, besonders Eisenverarbeitung, Zement- und Elektroindustrie; Hafen; Schloss (12./13. Jahrhundert). Im 8. Jahrhundert merowingischer Pfalz, 1659 zu Frankreich, 1871/1918 (Diedenhofen) mit Lothringen deutsch.

Thiophenole: Substanzen, die sich von Phenolen dadurch ableiten, dass phenolische Hydroxylgruppen (-OH) durch Sulfhydrylgruppen (-SH) ersetzt sind. Thiophenol im engeren Sinne, C6HsSH, ist eine farblose, brennbare, wasserunlösliche, äußerst widerwärtig riechende Flüssigkeit.

Thioplaste: kautschukartige, durch Polykondensation von Dihalogenverbindungen mit Natriumpolysulfid hergestellte Werkstoffe; auch als Polysulfidkautschuk bezeichnet. Thioplaste sind wenig fest und elastisch, jedoch zwischen -40 und +120°C einsetzbar sowie sehr alterungs-, witterungs- und lösungsmittelbeständig. Sie dienen unter anderem zur dauerelastischen Abdichtung arbeitender Fugen sowie als Vibrationsschutz.

Thioschwefelsäure: äußerst unbeständige Säure der Formel H2S203; die Salze heißen Thiosulfate. Natriumthiosulfat, Na2S203 5H20, hergestellt durch Umsetzung von siedender Natriumsulfitlösung mit Schwefel, bildet farblose, leicht wasserlösliche Kristalle; es löst Silberhalogenide zu Thiosulfato Komplexen und wird daher als fotografisches Fixiersalz angewendet.

Thiocyansäure, Thiocyansäure, Rhodanwasserstoffsäure: farblose, ölige, scharf riechende, sehr flüchtige und zersetzliche Flüssigkeit der Formel HSCN; die Salze heißen Thiocyanate (Rhodanide), zum Beispiel das farblose, leicht wasserlösliche Kaliumthiocyanat (Kaliumrhodanid). Isothiocyansäure existiert nur in Form ihrer Ester, der Senföle.

Thixotropie: Eigenschaft bestimmter Aufschlämmungen, durch mechanische Einwirkung (Schütteln, Rühren, Ultraschall) dünnflüssiger zu werden; im Ruhestand stellt sich wieder die ursprüngliche Dickflüssigkeit ein. Die Thixotropie beruht auf dem reversiblen Übergang von Gelen in kolloidale Lösung durch mechanische Zerstörung schwacher zwischenmolekularer Bindungen. In der Geologie beliebig wiederholbares Verflüssigen und Verfestigen meist tonig schluffiger Lockergesteine bei mechanischer Erschütterung beziehungsweise Ruhe.

Thoas, in der griechischen Sage König der Taurier; nahm Iphigenie als Priesterin der Artemis auf.

Thököly, Imre Graf, 25.9.1657-13.9.1705, ungarischer Freiheitskämpfer, führte mit türkischer Hilfe 1678 die nationale Befreiungsbewegung der Kuruzen gegen Habsburg mit Erfolg, wurde 1682 Fürst von Oberungarn und 1690 von Siebenbürgen; 1697 musste er in die Türkei fliehen.

Thoma: 1. Hans, 2.10.1839-7.11.1924, Maler und Graphiker; beeinflusst von G. Courbet, W. Turner, W. Leibi und A. Böcklin, schuf Thoma Bildnisse, Darstellungen der heimatlichen Landschaft, Szenen aus dem bäuerlichen Leben, Tierstücke und Stillleben. Mit ihrer schlichten, menschlich warmen Auffassung und sorgfältigen malerischen Wiedergabe bilden sie den besten Teil in Thomas Werk, während seine mythologische allegorische Figurenkompositionen von widersprüchlichen Charakter sind.

2. Ludwig, 21.1.1867-26.8.1921, Schriftsteller; Redakteur des «Simplicissimus»; schrieb aus genauer Kenntnis des Lebens in Oberbayern gesellschaftskritische Komödien («Moral», 1909) und Romane («Andreas Vöst», 1905), in denen er satirisch und pathetisch-anklagend mit dem Herrschaftsanspruch des Klerikalismus abrechnete. Im «Briefwechsel des bayrischen Landtagsabgeordneten Jozef Filser» (1909/12) entlarvt er Untertanengeist und Obrigkeitsstaat; weite Verbreitung fanden auch seine humoristischen Erzählungen («Lausbubengeschichten», 1905; «Tante Frieda», 1907).

Thomaner, Thomanerchor (nach dem heiligen Thomas): Knabenchor der Thomasschule zu Leipzig, gegründet 1212; wurde unter K. Straube (1918/39) und G. Ramin (1940/56) weltberühmt; bedeutendster Thomaskantor war J. S. Bach (1723/50), dessen Werk die Thomaner heute vorbildlich pflegen. Leiter seit 1972 ist Thomaskantor Professor H.-J. Rotzsch.

Thomas: 1. Thomas, Ambroise, 5.8.1811-12.2.1896, französischer Komponist; erfolgreich mit lyrischen Opern («Mignon» unter anderem), Instrumental- und Vokalmusik.

2. Thomas, Dylan Marlais, 27.10.1914-9.11.1953, walisischer Dichter und Schriftsteller; führte mit besonderer poetischer Symbolik und oft stark surrealistische Elementen die demokratische Tradition walisische Dichtung fort. Seine Lyrik kreist um Liebe, Geburt, Leben und Tod («18 Gedichte», 1934; «25 Gedichte», 1936; «Tode und Tore», 1946, deutsch); urwüchsiger Humor kennzeichnet die Erzählungen «Porträt des Künstlers als junger Dachs» (1940, deutsch) und «Ein Blick aufs Meer» (1955, deutsch) sowie das Hörspiel «Unter dem Milchwald» (1955, deutsch).

3. Thomas, Gwyn, 6.7.1913 - April 1981, walisischer Schriftsteller; Bergarbeitersohn; schrieb realistische Romane über Leben und Kampf der Arbeiter in Wales («Die Liebe des Reverend Emanuel», 1946, deutsch; «Alle Dinge verraten dich», 1948), später auch humoristisch-satirische Romane, Erzählungen, Stücke und Fernsehspiele über den Kleinbürgeralltag.

4. Thomas, Sidney Gilchrist, 16.4.1850-1.2.1885, britischer Hütteningenieur; erfand 1878 mit seinem Vetter Percy Carlyle Gilchrist (1851-1935) das Thomasverfahren.

Thomas der Slawe, byzantinischer Gegenkaiser und Führer einer machtvollen antifeudalen Erhebung (820/23), die nach Erfolgen in Kleinasien und Thrakien und einjähriger Belagerung Konstantinopels blutig niedergeschlagen wurde.

Thomasius, Christian, 1.1.1655-23.9.1728, Philosoph; Vertreter der Frühaufklärung; verfocht einen idealistischen Rationalismus, eine antitheologische Naturrechtslehre und eine diesseitsorientierte Ethik; bekämpfte Folter und Hexenprozesse. Thomasius führte die deutsche Sprache bei Universitätsvorlesungen ein und förderte die Philosophiegeschichtsschreibung.

Thomasverfahren: (nach S. G. Thomas) veraltetes Verfahren zur Stahlherstellung aus phosphorreichem Roheisen im Konverter mit basischer Auskleidung (gebrannter Dolomit). Das Roheisen wird flüssig in den Thomaskonverter eingebracht, dort mit Luft (Wind) durchblasen und so zu Stahl umgewandelt (Windfrischverfahren). Das Thomasverfahren liefert nur Gussstahl; es ist für Qualitätsstahl nicht geeignet.

Thomas von Aquino, 1225-7.3.1274, italienischer Philosoph; dominikanischer Theologe; begründete das einflussreichste theologisch-philosophische System des 13. Jahrhundert (Scholastik). Thomas von Aquino nutzte alle ihm zugänglichen philosophischen Errungenschaften zur Gestaltung der christlichen Theologie entsprechend den sozialen und ideologischen Bedürfnissen der geistlichen Feudalherren. Dem Aristotelismus gab er eine Interpretation, die dessen Aufnahme in die christliche Theologie als deren philosophische Grundlage ermöglichte; neuplatonische Ideen lehnte er ab. Im Mittelalter und während der Gegenreformation wurden Teile seiner Lehre weiterentwickelt (Thomismus). Nach 1879 (Ernennung des Thomas von Aquino zum ersten Lehrer der katholischen Kirche) entwickelte sich der Neuthomismus. Seit dem 2. Vatikan. Konzil (1963/65) entstanden auch innerhalb des Katholizismus differenzierte Einstellungen zu Thomas von Aquino

Thomismus: auf Thomas von Aquino zurückgehende Strömung der mittelalterliche Philosophie. Seine Auffassungen wurden von dominikanischen Gelehrten in der Auseinandersetzung mit dem Augustinismus (Lehre des Augustinus) vor allem des Franziskanerordens vertreten. Der Thomismus stellt keine vollständige Übernahme der Lehren des Begründers dar; von wesentlichen Teilen seines Systems, die 1277 als nicht rechtgläubig verurteilt worden waren, wird zugunsten Augustinischer Thesen abgewichen. Der Einfluss des Thomismus war im 14./15. Jahrhundert in Frankreich und Italien besonders groß. Im 16. Jahrhundert diente er als theologisch-philosophische Grundlage der katholischen Ideologie der Gegenreformation (Tridentiner Konzil). Mit dem Niedergang des Feudalismus und dem Abbau der exklusiven ideologischen Stellung der katholischen Kirche verlor der Thomismus seine Bedeutung. Durch die Enzyklika «Aeterni patris» (1879) wurde er theoretische Grundlage des Neuthomismus.

Thomon, Jean Thomas de, 12.4.1760-4.9.1813, französischer Architekt, Maler und Graphiker schweizerischer Herkunft; ab 1798 in Russland tätig, einer der Hauptvertreter des russischen Klassizismus. Hauptwerk: Ensemble der Börse mit Vorplatz und Rostral Säulen in Petersburg; ab 1805.

Thompson: 1. Benjamin Rumford.

2. Stith Thompson, 7.3.1885-13.1.1976, US-amerikanischer Folklorist; schuf für die vergleichende Erzählforschung grundlegende Katalogwerke, überarbeitete das Verzeichnis der Märchentypen von Antti Aaroe.

3. William Thompson, um 1775-28.12.1833, britischer utopischer Kommunist; Anhänger R. Owens; begründete den Anspruch der Arbeiter auf den von ihnen erzeugten Mehrwert, unterstützte die Gewerkschaftsbewegung. Thompson wollte durch massenhafte Gründung von Genossenschaften und Entwicklung politische Demokratie den Kapitalismus aufheben und eine kommunistische Gesellschaft herbeiführen.

Thompson-Seton, Ernest, 14.8.1860 - 23.10.1946, anglokanadischer Schriftsteller und Tierforscher; schrieb populärwissenschaftlich-unterhaltsame Tiergeschichten, wie «Bingo» (1898, deutsch), «Tierhelden» (1906, deutsch), «Rolf der Trapper» (1913, deutsch).

Thomson: 1. Sir George Paget Thomson, 3.5.1892-10.9.1975, britischer Physiker; Sohn von Thomson 3; entdeckte 1927 die bei Durchstrahlung dünner kristalliner Schichten mit Elektronen auftretenden Interferenzen und wies damit die Welleneigenschaften von Elektronenstrahlen nach.

2. James Thomson, 11.9.1700-27.8.1748, schottischer Dichter; schuf die klassizistische Versdichtung «Die Jahreszeiten» (1726/30, deutsch; vertont von J. Haydn).

3. Sir Joseph John Thomson, 18.12.1856-30.8.1940, britischer Physiker; arbeitete besonders über Gasentladungen und klärte 1897 die Natur der Kathodenstrahlen als Ströme freier Elektronen auf; bestimmt die spezifische Ladung des Elektrons.

4. Robert William Thomson, 1822-8.3.1873, britischer Ingenieur, stellte 1845 einen Gummireifen mit Luftfüllung her, der jedoch wegen der hohen Kautschukpreise keine Verbreitung fand; ließ sich 1849 einen Füllfederhalter patentieren.

5. William Thomson: Kelvin of Largs.

Thomson-Brücke: (nach W. Thomson) mit Gleichspannung gespeiste Brückenschaltung ähnlich der Wheatstone-Brücke zur Messung sehr kleiner ohmscher Widerstände (von etwa jifi bis ß). Durch einen zusätzlichen Brückenzweig wird der Einfluss der Zuleitungswiderstände zum Mess- und Vergleichswiderstand eliminiert.

Thomson-Effekt: (nach W. Thomson) neben der Jouleschen Wärme auftretende Erwärmung oder Abkühlung eines homogenen, stromdurchflossenen Leiters, in dem ein Temperaturgefälle herrscht, je nach der Stromrichtung bezüglich des Temperaturgefälles; 1856 entdeckt. Die Umkehrung des Thomson-Effekts ist der Benedicks-Effekt (1916), nach dem in einem homogenen Leiter bei extremen Temperaturunterschieden eine sehr kleine Spannung entsteht.

Thomsonsche Formel: (nach W. Thomson) Formel für die Kreisfrequenz (Resonanzfrequenz) g>o der Schwingungen in einem idealen Schwingkreis mit der Kapazität C und der Induktivität L.

Thomsonscher Satz: (nach W. Thomson) Aussage der Hydrodynamik, nach der in einer idealen Flüssigkeit die Zirkulation (Wirbel 3) zeitlich konstant bleibt.

Thon Buri: Stadt in Thailand, am Menam, größte Vorstadt von Bangkok; 650000 Einwohner; Leicht-, Nahrungsmittelindustrie; ist Bestandteil der ersten, 1971 gebildeten thailändischen Industriezone im Westen der Hauptstadt; Universität.

Thonet Stühle: industriell gefertigte, formschöne und leichte Sitzmöbel aus gebogenem Holz (Bugholz), benannt nach dem Industriellen M. Thonet (1796-1871), der das Verfahren zum Biegen von Holz erfand und erste Sitzmöbel dieser Art serienmäßig herstellte.

Thöny, Eduard, 9.2.1866-26.7.1950, österreichischer Zeichner und Maler; seit 1896 in München Mitarbeiter der Zeitschrift «Simplicissimus». Thöny geißelt in seinen Zeichnungen schonungslos den preußischen Militarismus, die Großbourgeoisie und das Spekulantentum.

Thor, nordischer Name für Donar, in der nordischen Religion und Mythologie der Sohn Odins und neben diesem die bedeutendste Göttergestalt; schwingt den Hammer Mjöllnir und bekämpft Unholde und Riesen.

Thor: Bezeichnung für eine Serie US-amerikanischer Raketen; 1955/57 als Mittelstreckenrakete entwickelt, seit 1959 in zahlreichen Versionen (T. Able, Thor Agena unter anderem) als Trägerrakete für zivile und militärische Raumflugkörper eingesetzt.

Thora, (hebräisch, «Lehre») Tora: bei den Juden gebräuchliche Bezeichnung des Pentateuch (5 Bücher Moses); enthält wichtige gesetzliche Bestimmungen.

Thoraxchirurgie: operative Eingriffe am Brustkorb und an den Organen der Brusthöhle (Lunge, Herz, Speiseröhre, Mediastinum und Zwerchfell). Voraussetzung für die Eröffnung des Brustkorbs ist die Überdruckbeatmung, um das Zusammenfallen der Lungen zu verhindern.

Thorbecke, Jan Rudolf, 15.1.1798-4.6.1872, niederländischer Politiker; 1849/72 mehrmals Ministerpräsident, kämpfte als Führer der Liberalen für die Beseitigung der Adelsprivilegien, 1848 war er Mitarbeiter an einer neuen, bürgerlichen Verfassung.

Thordarson, Thorbergur, 12.3.1889 12.11.1974, isländischer Schriftsteller; propagierte mit dem «Brief an Laura» (1924) den wissenschaftlichen Sozialismus; er verfasste (zum Teil naturalistische) autobiographische Werke («Unterwegs zu meiner Geliebten», 1938, deutsch; «Der Superkluge», 1940/41) sowie Biographien von Zeitgenossen.

Thoreau, Henry David, 12.7.1817-6.5.1862, US-amerikanischer philosophischer Schriftsteller; einer der bedeutendsten Vertreter des Transzendentalismus, Gegner der Sklaverei. Von R. W. Emerson beeinflusst, pries er in philosophischen Essays («Waiden oder Leben in den Wäldern», 1854, deutsch) ein einfaches, natürliches Leben. Seine Kritik an Erscheinungsformen der kapitalistischen Gesellschaft blieb individualistisch und romantisch.

Thorez, Maurice, 28.4.1900-11.7.1964, bedeutender Führer der französischen und internationalen Arbeiterbewegung, Bergarbeiter; 1920 Mitbegründer der KP, seit 1924 Mitglied des ZK, seit 1925 des Politbüros, wurde 1930 zum Generalsekretär der Partei gewählt. Thorez war 1934/36 maßgeblich an der Schaffung der Einheits- und Volksfront gegen Faschismus und Krieg beteiligt Dabei setzte die von ihm geführte KP mit Erfolg die vom VII. Weltkongress der KI (Moskau 1935) erarbeiteten neuen Grundsätze der kommunistischen Bewegung in Frankreich um. Nach dem Verbot der KP (26.9.1939) leitete Thorez die illegale Arbeit. 1940 emigrierte Thorez auf Beschluss der Partei in die UdSSR. Nach seiner Rückkehr 1944 übernahm er die Führung im Kampf um die demokratische Erneuerung Frankreichs; 1945/47 war Thorez mehrmals Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Unter seiner Führung wurde die KP zur stärksten Partei des Landes. Er schrieb unter anderem die Autobiographie «Ein Sohn des Volkes» (1961, deutsch).

Thorild, Thomas, 18.4.1759-1.10.1808, schwedischer Dichter und Philosoph. Seine Gedichte und ästhetische Schriften sind von den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution durchdrungen.

Thorium, (nach dem Gott Thor) Symbol Th: radioaktives chemisches Aktiniden Element der Kernladungszahl 90; Atommasse 232,04; Wertigkeit +4; F etwa 1700°C; beständigstes Isotop und zugleich Anfangsglied der radioaktiven Thorium Zerfallsreihe ist Th232. Thorium begleitet die Seltenerdmetalle im Monazit. Thorium ist ein silberweißes, gut dehnbares, luftbeständiges, in Salpeter-, konzentrierter Schwefelsäure und Königswasser lösliches Metall. Es kann Bedeutung für die Kernenergiegewinnung bekommen, da es im Brutreaktor in spaltbares U 233 übergeht. Thorium wurde 1828 von J. J. Berzelius entdeckt und in unreiner Form hergestellt. Die Herstellung reineren Metalls gelang 1882 dem schwedischen Chemiker Lars Frederik Nilson (1840-1899).

Thorium Verbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist +4-wertigem Thorium. Thorium(IV)-chlorid ist farblos, kristallisiert und wasserlöslich. Mit dem ebenfalls farblosen Thorium(IV)-nitrat werden (im Gemisch mit 1% Cernitrat) Gasglühkörper getränkt; beim ersten Abbrennen zersetzen sich die Nitrate zu den Oxiden. Thorium(IV)-oxid ein weißes, wasserunlösliches Pulver (3050°C, strahlt im Gemisch mit 1% Ceroxid bereits bei Leuchtgasflammentemperatur ein sehr helles, schwach grünlichweißes Licht aus.

T-Horizont: Bodenhorizont, der aus Torf besteht.

Thormann, Ernst, 29.5.1905-26.12.1984, Stahlgraveur, Tiefdruckretuscheur, Amateurfotograf; seit 1925 Mitglied der KPD, seit 1926 Mitglied der «Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands», nach 1945 als Retuscheur tätig, 1954/70 beim Staatlichen Rundfunkkomitee; seine Arbeiten, die Leben und Kampf der Arbeiterklasse direkt und unmittelbar widerspiegeln, gehören zu den besten Leistungen der Arbeiterfotografie.

Thorn, Gaston, geboren 3.9.1928, luxemburgischer Politiker; 1961/69 und seit 1972 Vorsitzender der Demokratischen Partei, 1974/79 Ministerpräsident und Außenminister; führender Politiker in den gemeinsamen Organen der europäischen Gemeinschaften.

Thoroddsen, Jan, 5.10.1818-8.3.1868, isländischer Lyriker und Romanautor; schilderte in dem ersten isländischen Roman (Jüngling und Mädchen» (1850, deutsch) und dem Romanfragment «Mann und Frau» (1876) isländische Verhältnisse seiner Zeit und förderte das isländischen Nationalbewusstsein.

Thorvaldsen, Bertel, 13.11.1768-24.3.1844, dänischer Bildhauer; 1797/1838 in Rom tätig, fand erst durch die Berührung mit der Antike zu einem eigenen Stil; seine Werke zeichnen sich durch Betonung des Gesetzmäßig-Typischen (strenge, oft starre Form), wohlabgewogene Formgebung und edle Schönheit der Umrisslinien aus, weshalb auch das Relief die bevorzugte Ausdrucksform war; neben A. Canova einer der einflussreichsten Vertreter klassizistischer Bildnerei. Hauptwerke: «Ganymed, den Adler tränkend», 1817; Grabmal für Papst Pius VII., 1824/40 (St. Peter, Rom).

Thot, Thoth, altägyptischer Gott der Weisheit, der Sprache und der Schrift, auch Mondgott und Herr der Zeitrechnung; Hauptkultort war Hermopolis.

Thrakien, Thrazien: Im weiteren Sinne Großlandschaft im Südosten Europas; in der Antike das Gebiet zwischen Donau und Ägäischem Meer, als römische Provinz Thracia Teile des heutigen Bulgariens und Griechenlands sowie die europäische Türkei umfassend, von Stara planina, Ägäischem Meer, Mesta (Naxos) und Schwarzem Meer begrenzt; im engeren Sinne der griechischen Landesteil Thrakien (Distrikte Euros, Rodope, Xanthe), 8578 km2, 345000 Einwohner; wichtigster Ort Komotini und die europäische Türkei (23764 km2, 4,8 Millionen Einwohner; größte Stadt Istanbul (2,8 Millionen Einwohner)); steppenhaftes, von Bergzügen überragtes Tafelland; Anbau von Tabak, Baumwolle, Weizen, Gerste, Mais und Obst; Seidenraupen- und Schafzucht.

Thrakisch: ausgestorbene indoeuropäische Sprache im Nordosten der Balkanhalbinsel, zu der vermutlich auch das Dakische zählt; in Glossen und Namen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus bekannt.

Thrakische Tiefebene, Oberthrakisches Becken, Mamabecken, Marica Becken, Maritzabecken: von der Mariza und ihren Nebenflüssen durchflossene und bewässerte fruchtbare Tiefebene in Bulgarien, als tektonisches Becken zwischen Rhodopen im Süden und Sredna Gora im Norden eingesenkt; zwischen Plowdiw (Hauptort) und Pasardshik durch Bewässerung intensiver Obst- und Weinbau sowie Gemüse-, Reis-, Baumwoll- und Tabakanbau («Gartenbauzone Bulgariens»).

Thrasybulos, um 450-388 vor Christus (erschlagen), athen. Feldherr und demokratischer Politiker; stürzte 411/410 und 404/403 die Oligarchie.

Threonin, Symbol Thr: eine essentielle Aminosäure; bildet färb- und geruchlose, wasserlösliche Kristalle; kommt als Molekülbestandteil vieler Eiweiße vor.

Thriller: reißerisch-effektvoll angelegtes Werk der bürgerlichen Spannungs- und Unterhaltungsliteratur (Abenteuer- und Kriminalroman, auch Theaterstück oder Film); oft Machwerk imperialistischer Trivialliteratur.

Thrombin: eiweißspaltiges Enzym, das im Organismus unter der Wirkung von Thrombokinase (Prothrombinaktivator) und Kalziumionen aus seiner Vorstufe, dem Prothrombin, gebildet wird und durch Umwandlung des Fibrinogens (Glycoprotein) in unlöslichen Fibrin die Blutgerinnung herbeiführt. Thrombin kann als lokal blutstillendes Mittel genutzt werden.

Thrombose: durch Bildung eines Thrombus bedingter teilweiser oder vollständiger Verschluss einer Arterie (arterielle Thrombose) oder Vene (venöse Thrombose) mit Behinderung oder Unterbrechung des Blutstroms; zum Beispiel Beinvenenthrombose. Eine mögliche Folge der Thrombose ist die Thromboembolie. Eine mit Thrombose verbundene Venenentzündung (Phlebitis) bezeichnet man als Thrombophlebitis. Siehe auch Embolie, Embolus.

Thrombozytopenie: krankhafte Verminderung der Blutplättchenanzahl als Symptom verschiedener Krankheiten, vor allem des Knochenmarks; Thrombozytopenie ist durch Blutungen («blaue Flecke») der Haut und der Schleimhäute gekennzeichnet.

Thrombus, Blutgerinnsel: Blutpfropf, der im durchströmten Blutgefäßsystem (Herz, Arterien, Venen) durch teilweise Gerinnung entsteht. Ursachen der Thrombusbildung sind Gefäßwandschäden (zum Beispiel durch Arteriosklerose), Verlangsamung des Blutstroms (zum Beispiel infolge Krampfaderbildung, Herzinsuffizienz) oder Veränderungen der Blutzusammensetzung (Erhöhung der Viskosität, der Gerinnungsaktivität, der Blutplättchen und roten Blutzellen). Thrombus können das Gefäßvolumen verschließen (obturierender Thrombus) oder nur einengen (wandständiger Thrombus). Siehe auch Embolie, Thrombose.

Thron: künstlerisch gearbeiteter erhöhter Sitz, repräsentativer Sessel mit Rückenlehne und Armstützen; symbolisiert Herrschaft und höchste Ehrenstellung weltlicher und geistlicher Würdenträger (Kaiser, Könige; Papst).

Thronrede: Ansprache des Monarchen beziehungsweise eines von ihm beauftragten Ministers vor dem Parlament, enthält Grundsätze des künftigen Regierungsprogramms.

Thukydides, um 460-um 396 vor Christus, athenischer Historiker und Aristokrat; verfasste eine «Geschichte des Peloponnesischen Krieges», die 411 vor Christus abbricht.

Thule: 1. sagenhafte, von Pytheas von Massilia besuchte Insel im Norden, wahrscheinlich in Mittelnorwegen, aber auch auf den Shetlandinseln, Färöern oder am Bottnischen Meerbusen oder Island vermutet.

2. Siedlung an der Nordwestküste Grönlands, Verwaltungszentrum von Nordgrönland; 790 Einwohner. Der von K. Rasmussen 1910 gegründete frühere Handelsposten Thule liegt 100 km südlich (seit dem 2. Weltkrieg Luftwaffenstützpunkt der USA Dundas).

Thulin, Ingrid, geboren 27.1.1929, schwedische Schauspielerin; wurde neben ihrer Tätigkeit am schwedischen Theater (Malmö, Stockholm) vor allem durch Filme I. Bergmans («Wilde Erdbeeren», «Das Schweigen», «Die Stunde des Wolfs») bekannt, arbeitete auch in westeuropäischen Ländern (Frankreich, Italien) und in den USA; gab 1978 ihr Debüt als Regisseurin («Eins plus eins»),

Thulium, (nach der Insel Thule) Symbol Tm: chemisches Element der Kernladungszahl 69; Seltenerdmetall; Atommasse 168,9342; Wertigkeit +3; F1545 °C; Kp 1727 °C; Dichte 9,32 g/cm3. Thulium ist silberweiß und löst sich leicht in Säuren; die Thuliumverbindungen, zum Beispiel Thulium Oxid, Tm203, sehen in der Regel grün aus. Thulium wurde 1879 von dem schwedischen Chemiker Per Theodor Cleve (1840-1905) in der Yttererde entdeckt und als Oxid isoliert.

Thum: Stadt im Kreis Zschopau, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im mittleren Erzgebirge; 3800 Einwohner; Metall-, Leichtindustrie; Erholungsort (499 m über dem Meeresspiegel) im Greifensteingebiet.

Thun: Stadt in der mittleren Schweiz (Kanton Bern), am Ausfluss der Aare aus dem Thuner See (48 km2, bis 217 m tief); 75000 Einwohner; Maschinenbau, Kartonagen-, Uhrenindustrie; altes Stadtzentrum, Schloss.

Thunbergia: (nach einem schwedischen Botaniker) Thunbergia: afrikanische Gattung der Akanthusgewächse; meist rankende Pflanzen mit braungelben, hellgelben, weißen oder hellblauen Blüten.

Thunder Bay: Stadt im Südwesten der Provinz Ontario (Kanada), an der Thunder Bay des Oberen Sees; 110000 Einwohner; Holzverarbeitungs- (Papierindustrie) und Bergbauzentrum, Erdölraffinerie (Pipeline von Alberta), Fahrzeugbau (Schiff-, Flugzeugbau); Hafen (kanadischer Endpunkt der Schifffahrt auf den Großen Seen), Flughafen, Endpunkt von Eisenbahnlinien, liegt am Trans-Canada-Highway; Universität, College. 1970 aus Fort William und Port Arthur entstanden.

Thünen, Johann Heinrich von, 24.6.1783-22.9.1850, Nationalökonom und Gutsbesitzer, gilt als Begründer der landwirtschaftlichen Betriebswirtschaftslehre, im Hinblick auf die Einkommenstheorie, bei der Bestimmung der Höhe von Lohn, Rente und Zins als Begründer der vulgären Grenzproduktivitätstheorie, einer Theorie der Einkommensverteilung auf der Grundlage des Gesetzes vom abnehmenden Bodenertragszuwachs.

Thunfisch, Thunnus thynnus: bis 5 m langer und 800 kg schwerer Fisch warmer und gemäßigter Meere, lebt räuberisch in lockeren Verbänden; Nutzfisch.

Thurber, James Grover, 8.12.1894 bis 2.11.1961, US-amerikanischer Schriftsteller und Karikaturist; entlarvte in vielen selbstillustrierten, humorvollen, ironisch-satirische Kurzgeschichten und Bilderzählungen treffend die Schwächen und Fehler seiner Mitmenschen («Man hat’s nicht leicht», 1933, deutsch).

Thurgau: Kanton im Nordosten der Schweiz, am Bodensee; 1013 km2,187000 Einwohner; 185 Einwohner/km2; Hauptstadt Frauenfeld; von Thur und Murg durchflossenes Hügelland; Textil-, Schuh- und Aluminiumindustrie, Maschinenbau; Stickerei; Gras- und Milchwirtschaft, Obstbau, Fischerei.

Thüringer: westgermanischer Stammesverband, der sich um 400 vermutlich aus Teilen der Hermunduren, Angeln und Warnen im Saalegebiet bildete; im 5. Jahrhundert erreichte das Königreich der Thüringer seine größte Ausdehnung (bis zum Main); nach der Vernichtung des Thüringerreiches durch die Franken (im Bunde mit den Sachsen) 531 wurden die Thüringer auf den Raum zwischen Thüringer Wald und Harz zurückgedrängt und in das Frankenreich einbezogen.

Thüringer Becken: weites, sanft gewelltes, hügeliges, von zahlreichen Flüssen (Saale, Unstrut unter anderem) durchzogenes Becken zwischen Harz im Norden und Thüringer Wald im Süden, überwiegend im Bezirk Erfurt; stark entwickelte Landwirtschaft (besonders im zum Teil mit Löß bedeckten Beckeninneren) mit dem Anbau von Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Gemüse und mit Obstbau; Wälder auf Sandsteinflächen beschränkt; im Nordwesten Stein- und Kalisalzabbau, in den Städten vielseitige verarbeitende Industrie; Hauptort ist Erfurt.

Thüringer Glas: für die Glasbläserarbeit gut geeignetes Glas mit 3% Tonerde.

Thüringer Schiefergebirge: 600 bis 800 m hohe, flachwellige Hochfläche in den Bezirken Suhl und Gera, zwischen Schwarza und Loquitz, südöstlich an den Thüringer Wald anschließend; nach Süden schroff abfallend, nach Norden allmähliche Abdachung; Eisenerzbergbau (Schmiedefeld), Schieferbrüche (Lehesten), Glas-, Spielzeugherstellung; Landwirtschaft; Erholungsgebiet; Hauptorte sind Schwarzburg, Neuhaus, Sonneberg und Lauscha.

Thüringer Wald: schmales, waldreiches Mittelgebirge im Südwesten, zwischen Thüringer Schiefergebirge und dem Werratal bei Hörschel, in den Bezirken Suhl und Erfurt; durch von beiden Seiten eingreifende Waldtäler wurde die Hochfläche (650 bis 850 m über dem Meeresspiegel) bis auf eine wellige, kammartige Höhe mit dem Rennsteig aufgelöst (Kanungebirge); höchste Erhebungen sind die Porphyrkuppen Großer Beerberg (982 m), Schneekopf (978 m), Großer Finsterberg (944 m) und Großer Inselsberg (916 m); Eisenerzbergbau (Schmalkalden), Metall-, Glas-, Uhren- (Ruhla), Holzindustrie; Grünland-, Forstwirtschaft; eines der wichtigsten Erholungsgebiete; bedeutendste Kur- und Erholungsorte sind Frauenwald, Masserberg, Schmiedefeld, Oberhof, Friedrichroda, Finsterbergen, Tabarz, Bad Liebenstein unter anderem Nach Südosten Fortsetzung im Thüringer Schiefergebirge.

Thuringit: (nach dem Fundgebiet Thüringen) Mineral; Chlorite.

Thürk, Harry, geboren 8.3.1927, Schriftsteller; schreibt antiimperialistische abenteuerliche Bücher («Die Stunde der toten Augen», 1957; «Der Wind stirbt vor dem Dschungel», 1961; «Lotos auf brennenden Teichen», 1962; «Der Tod und der Regen», 1967; «Amok», 1974; «Der Gaukler», 1980), ferner Filmszenarien («For eyes only», 1963) und Fernsehspiele («Rendezvous mit Unbekannt», 1969).

Thum, Heinrich Matthias Graf von, 24.2.1567-28.1.1640, Führer des Protestant. Adels in Böhmen; veranlasste 1618 den Prager Fenstersturz und wurde militärischer Führer des Aufstandes der böhmischen Stände gegen die Habsburger.

Thurn und Taxis: deutsches Adelsgeschlecht, ursprünglich aus der Lombardei; Franz von Thurn und Taxis errichtete um 1500 für Kaiser Maximilian I. die erste Poststrecke zwischen Wien und Brüssel und wurde 1502 Reichsritter, 1615 erhielt die Familie das Generalpostmeisteramt und damit das Postprivileg im römisch-deutschen Reich, das sie bis 1867 innehatte; Sitz der Familie seit 1748 in Regensburg.

Thutmosis, Name von 4 ägyptischen Königen der 18. Dynastie: 1. Thutmosis, herrschte 1516/1504 vor Christus, unternahm Feldzüge bis zum Euphrat und nach Nubien, das er bis zum 3. Nilkatarakt unterwarf. Er siegte über Mitanni. Sein Felsengrab befindet sich im Biban el Moluk.

2. Thutmosis II., Sohn von Thutmosis 1; regierte 1503/1490 vor Christus, drang bis an den Euphrat vor und schlug nubischen Aufstände nieder.

3. Thutmosis III., Sohn von Thutmosis 2; herrschte 1490/1436 vor Christus, stand bis 1468 unter der Vormundschaft seiner Tante und Stiefmutter Hatschepsut. Er unternahm zahlreiche erfolgreiche Eroberungszüge nach Vorderasien und verlegte die Südgrenze Ägyptens in Nubien bis zum 4. Nilkatarakt vor. Unter ihm erlangten die militärischen Positionen und der politische Einfluss Ägyptens in Vorderasien ihren Höhepunkt.

4. Thutmosis IV., Sohn von Amenophis II.; regierte 1409/1400 vor Christus, schloss einen Friedensvertrag mit den Mitanni und schlug einen Aufstand in Nubien nieder.

Thymian, Quendel, Thymus: Gattung der Lippenblütler, Kleinsträucher mit hellroten bis lilafarbenen Blüten; enthalten ätherische Öle (zum Beispiel Thymol); der Echte Thymian oder Gartenthymian (Thymus vulgaris) aus Südeuropa ist Würz- und Heilpflanze; heimische Art in Trockenrasen, zum Beispiel Sandthymian (Thymus serpyllum).

Thymianöl: rotbraunes, würzig riechendes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation von Thymiankraut gewonnen wird; Verwendung in der Pharmazie und Parfümerie.

Thymin: stickstoffheterozyklische Base der Formel N = C(OH)-N=CH-C(CH) = (OH); F336°C; bildet farblose, in heißem Wasser lösliche Kristalle; Bestandteil des genetischen Kodes in den Nukleinsäuren.

Thymol: Hauptgeruchsstoff des Thymians; es bildet farblose, wenig wasserlösliche Kristalle von würzigem Geruch und bitterem Geschmack; F 51,5°C; Kp 233,5°C; Anwendung als Antiseptikum in Mundwässern unter anderem sowie zur Synthese von Menthol.

Thymus, Bries: hinter dem Brustbein liegendes lymphatisches Organ; ist im Kindes- und Jugendalter am umfangreichsten und bildet sich nach der Geschlechtsreife durch Einlagerung von Fettgewebe zurück (Thymusfettkörper des Erwachsenen). Erkrankungen können ebenfalls zu (reversiblen) Rückbildungen des Thymus führen. Im Thymus werden weiße Blutzellen (Thymuslymphozyten) für bestimmte immunologische Abwehrvorgänge vorbereitet.

Thyratron, Gasentladungsröhre mit Glühkathode, Anode und Zündelektrode, über die der Stromfluss durch Zündung eingeleitet wird. Das Thyratron diente als trägheitsarmer Schalter für hohe Ströme insbesondere in der Steuerungs- und Regelungstechnik sowie als gesteuerter Gleichrichter und ist heute weitgehend durch den Thyristor ersetzt.

Thyreoglobulin: Protein, das als Synthese- und Speicherform der Schilddrüsenhormone dient. Durch proteolytischer Abbau von Thyreoglobulin wird Thyroxin freigesetzt.

Thyreoidea: Schilddrüse.

Thyreotropin, TSH (Abkürzung für Thyreoidea stimulierendes Hormon): Wachstum und Hormonproduktion der Schilddrüse steigerndes Proteohormon des Hypophysenvorderlappens.

Thyristor, früher auch Thyratron Transistor, Halbleiterstromtor, Halbleiterthyratron: ein gesteuerter Halbleitergleichrichter. Neben dem eigentlichen Thyristor (rückwärtssperrender Thyristor) unterscheidet man zwischen dem bidirektionalen Thyristor (TRLAC, Thyristor in 2 Richtungen steuerbar) und der Zweirichtungsthyristordiode (DIAC, Triggerdiode). Der Thyristor hat eine Vierschichtstruktur, die aus einer einkristallinen Siliziumscheibe mit 3 pn-Übergängen mit der Zonenfolge n-p-n-p gebildet wird. Der Anschluss an die äußere p-Schicht wird als Anode, der Anschluss an die äußere n-Schicht als Kathode und der Anschluss an einer Zwischenschicht als Steuerelektrode bezeichnet. Der Thyristor wird durch einen Impuls an der Steuerelektrode gezündet und schaltet damit die Strecke Anode-Kathode durch (Stromfluss wird eingeschaltet). Die Leistungsverstärkung eines Thyristors beträgt etwa 104 bis 105 und die Betriebsfrequenz einige Hertz bis über 100 kHz. Es gibt Thyristor für Stromstärken von etwa 0,1 bis 500 A mit Sperrspannungen bis in den Kilovoltbereich. Der Thyristor wird in Gleichrichteranlagen mit regelbarer Gleichspannung, bei Stromrichterantrieben (besonders mit Stromrichtungsumkehr), zur Helligkeitssteuerung von Beleuchtungsanlagen, zur Drehzahlregelung bei Drehstrommotoren, als Umrichter zur Frequenzumwandlung, als Wechselrichter, zur Gleichstromsteuerung (besonders in der Steuerungs- und Regelungstechnik) und als elektronischer Schalter sowie als Speicherelement in der Digitaltechnik verwendet. Eine Besonderheit stellt der Fotothyristor (Zündung durch Lichtimpuls) dar. Der Thyristor verkörpert ein zentrales Steuer- und Schaltelement der Leistungselektronik.

Thyroxin: jodhaltiges Schilddrüsenhormon mit sehr komplexer Wirkung auf den Kohlenhydrat-, Protein- und Lipidstoffwechsel. Thyroxin beeinflusst den Energieumsatz sowie Wachstums- und Differenzierungsvorgänge im Organismus.

Thyssen: 1. August, 17.5.1842-4.4.1926, einer der maßgeblichen Repräsentanten der deutschen Montanindustrie in den Jahrzehnten vor und nach der Jahrhundertwende; gründete 1890 die August-Thyssen-Hütte AG in Duisburg, Kern des Thyssen Konzerns.

2. Fritz, 9.11.1873-8.2.1951, Sohn von Thyssen; Chef des Thyssen-Konzerns in den 20er und 30er Jahren sowie Mitbegründer der Vereinigten Stahlwerke, des damals größten deutschen Stahltrusts.

Tiahuanaco: altperuanischer Ruinenkomplex im Nordwesten des heutigen Boliviens, südlich des Titicacasees; etwa von 300 bis 800 ein religiöses Kultzentrum vermutlich der Aimara mit Tempelpyramiden und einem aus einem Block gehauenen Tor («Sonnentor»).

Tiamat, in der akkadischen Mythologie das personifizierte und als Gemahlin des Gottes Apsu vorgestellte Urmeer, von Marduk erschlagen.

Tian Han, 19. 3.1898-10.12.1968, chinesischer Dramatiker, Begründer des revolutionären chinesischen Theaters; Thema seiner Dramen sind der nationale Befreiungskampf und der sozialistischen Aufbau; in seinen historischen Dramen («Guan Hanqing», 1958; «Prinzessin Wencheng», 1961) reflektiert er Probleme der Gegenwart.

Tian Jian, geboren Mai 1916, chinesischer Dichter; Hauptthema seiner Gedichte und Verserzählungen sind das Leben und der Kampf der Bauern («Chinesische Hirtengesänge», 1936; «Des Tien Tschien Lied vom Karren», 1946, deutsch).

Tianjin, Tientsin: Stadt und der Regierung direkt unterstelltes Verwaltungsgebiet im Norden Chinas, am Hai He, nahe der Bohai Bucht; über 11300 km2, 7,85 Millionen Einwohner, davon etwa 4 Millionen in der eigentlichen Stadt; Metallurgie, Erdölverarbeitung, chemische, Papierindustrie; zweitgrößte Textilindustriestadt Chinas; Überseehafen Tanggu Xingang (auch Tianjin Xingang) 40 km Flussabwärts (für 35000-t-Schiffe geeignet), U-Bahn, Eisenbahnknoten; 2 Universitäten, Institute; südöstlich an der Küste das Dagang-Erdölrevier; 1984 zur offenen Stadt für Auslandsinvestitionen (bei Tanggu Xingang ökonomisch-technische Entwicklungszone von 50 km2) erklärt. Die Stadt wurde im 2. Opiumkrieg 1858 und 1860 von britischen und französischen Truppen besetzt. Durch die Verträge von Tianjin (1858) verlor China weitere Souveränitätsrechte. 1860 musste Tianjin dem kapitalistischen Handel der ausländischen Mächte geöffnet werden. 1937/45 von Japan besetzt, am 15.1.1949 durch die Volksbefreiungsarmee befreit.

Tiara: in der römisch-katholischen Kirche Bezeichnung für die mit 3 Kronreifen ausgestattete Papstkrone, die das Hirten-, Lehr- und Priesteramt symbolisiert; ursprünglich Kopfbedeckung persischer Könige; heraldisches Symbol.

Tiaret: Stadt (Wilayatszentrum) im Norden Algeriens, im Hochland der Schotts zwischen Küsten- und Saharaatlas; 65000 Einwohner; Grau- und Stahlgießerei; Handelszentrum.

Tibbu: äthiopides, teils negrides Wüstenvolk in der zentralen Sahara (besonders in Tibesti); 250000; Hirtennomaden, zum Teil Bodenbauer; Muslime. Siehe auch Kanuri.

Tiber, italienisch Teyere: Fluss in Mittelitalien; 405 km (längster Fluss der Apenninhalbinsel); entspringt im Toskanischen Apennin, durchfließt Umbrien, die Campagna Romana und mündet mit starker Schuttführung südwestlich von Rom ins Tyrrhen. Meer.

Tiberius, Claudius Nero, 16.11.42 vor Christus16. 3. 37 nach Christus, römischer Kaiser seit 17.9.14 nach Christus; war 4 nach Christus durch Augustus adoptiert worden. Tiberius eroberte mit seinem Bruder Drusus Rätien, Pannonien und Dalmatien und siegte 8 vor Christus in Germanien. Er überließ seinem Günstling Sejan weitgehend die Regierungsgeschäfte.

Tibesti: steil aufragendes, vulkanisches, wüstenhaftes Gebirgsland mit einzelnen Tal Oasen in der mittleren Sahara, überwiegend in Tschad, zum Teil auch in Libyen und Niger; bis 3415 m (Emi Koussi) Sockel kristallin, darüber Sandstein mit Vulkandurchbrüchen; von Tibbu bewohnt; Wolfram-, Blei-, Zinnerzvorkommen; in Tal Oasen Kultivierung von Dattelpalmen und Weizen; Kamelzucht; frühgeschichtliche Felszeichnungen.

Tibet: Autonomes Gebiet Tibet, chinesisch Xizang: autonomes Gebiet im Südwesten Chinas, im Hochland von Tibet; 1221600 km2, 1,9 Millionen Einwohner (davon 120000 Han-Chinesen; in Tibet leben etwa 25% aller Tibeter); 2 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Lhasa. Hochgebirgsland von durchschnittlich 4000 m Höhe; bei streng kontinentalem trockenkaltem Klima nur im vom Südwestmonsun beeinflussten Tsangpo Tal und anderen tiefeingeschnittenen Flusstälern des Osten Anbau von Gerste, Weizen, Mais, Erbsen und Raps bei künstlicher Bewässerung (Leegebiet des Himalaja); Wanderviehzucht (Ziegen, Schafe, Yaks und Kamele). Reiche Bodenschätze an Eisenerzen, Kohle, Kupfer-, Blei-, Zinkerz, Glimmer, Arsen, Graphit und Salzen, aber noch geringer Abbau; allmähliche Entwicklung des Kohlebergbaus und der Produktion von Maschinen, Chemikalien, Zement, Papier, Textilien. Wirtschaftliche Entwicklung durch Ausbau des Verkehrsnetzes begünstigt: Fernstraßen nach den Provinzen Qinghai, Sichuan und dem Autonomen Gebiet Xinjiang Uygur; Eisenbahnbau von Xining (Qinghai) bis Lhasa, zur Zeit bis Golmud (Qaidam Becken) fertiggestellt; Flughafen bei Lhasa. Die Geschichte Tibets ist seit frühester Zeit mit China verbunden (641 Heirat des tibetischen Königs mit der chinesischen Prinzessin Wencheng). Im 13. Jahrhundert Teil der Yuan-Dynastie. 1762 erfolgte die administrative Angliederung an China. Seit 1641 eine Theokratie mit dem Dalai Lama als Oberhaupt. 1886/88 erzwang Großbritannien durch bewaffnete Aggression Handelsprivilegien und betrieb seit 1911, unterstützt von der tibetischen Feudalaristokratie, die Lostrennung Tibets von China. Seit 1933 gab es in Lhasa eine ständige Vertretung der chinesischen Zentralregierung, seit 1936 eine britische Mission. Die Zugehörigkeit Tibets zu China wurde 1951 auf der Grundlage eines Abkommens zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama geregelt. Nach der Niederschlagung eines Putsches 1959, in dessen Verlauf der Dalai Lama Tibet verließ, wurden Reformen durchgeführt. Seit dem 9. 9.1965 autonomes Gebiet der VR China.

Hochland von Tibet: Hochgebirgsbecken im Südwesten Chinas, im Süden vom Himalaja (Qomolangma (Mount Everest), 8848 m), im Westen vom Pamir und Karakorum, im Norden vom Kunlun und im Osten von den osttibetischen Randgebirgsketten begrenzt; etwa 2 Millionen km2, durchschnittlich 4500m überm Meer Alpidisch gehoben, im Innern von mesozoischen, im Süden von alttertiären Gesteinen bedeckt, wird es von zahlreichen im Mittel 5000 m hohen Gebirgszügen mit schuttreichen Gebirgsfußflächen durchzogen, dazwischen liegen in den Becken über 1000 abflusslose Salzseen und -sümpfe von insgesamt 30000 km2 Fläche. Das zwischen Transhimalaja und Kunlun liegende Hochland von Changthang bildet den zentralen Teil, das zwischen Qilian Shan und Bayankara Shan gelegene Hochland von Qinghai (im Norden Tsaidam Becken und Qinghai Hu) den Nordosten des Hochlands von Tibet. Das Hochland ist Quellgebiet bedeutender Ströme, wie Salween, Sutlej, Irrawaddy und Brahmaputra (Tsangpo). Bei streng kontinentalem Klima mit trockenkalten Wintern Steppen, Wüstensteppen und Wüsten, nur im Ost- und Südteil Nadelwälder.

Tibeter: zur sinotibetischer Sprachfamilie zählendes mongolides Volk in Tibet und angrenzenden Gebieten im Himalaja; 5 Millionen; Ackerbauern und Hirtennomaden; Lamaisten.

Tibetisch: zum tibetisch-burmanischen Zweig der sinotibetischen Sprachen zählende Sprache.

Tibetlamm: (nach dem Gebiet) Fell 6 bis 8 Wochen alter Lämmer einer im Norden Chinas heimische Fettsteißschafrasse mit gekräuseltem weißem bis elfenbeinfarbigem Haarkleid.

Tibull, Albius Tibullus, um 50-19 (oder 17) vor Christus, römischer Elegiendichter; seine Lyrik ist von Gefühlswärme und Weichheit geprägt, besang seine Liebe zu Delia und Nemesis; in der Sammlung seiner Gedichte befinden sich auch die Gedichte der Sulpicia.

Tiburtius, Franziska, 24.1.1843-5.5.1927, Ärztin; studierte nach Abschluss ihres Lehrerinnenexamens in Zürich Medizin, wurde aber in Berlin nicht als Ärztin, sondern nur zur Ausübung einer Heilpraxis zugelassen. Eine Stiftung ermöglichte ihr die Einrichtung einer Poliklinik, die später zur «Klinik weiblicher Ärzte» wurde. Tiburtius förderte die Frauenbewegung.

Tic, Tick: Medizin Bezeichnung für in einzelnen oder in mehreren Muskeln, seltener auch generalisiert auftretende gleichförmig wiederkehrende unwillkürliche Zuckungen.

Tichonow: 1. Nikolai Alexandrowitsch, geboren 14.5.1905, sowjetische Partei- und Staatsfunktionär; Mitglied der KPdSU seit 1940, 1966 ihres ZK, 1979/85 des Politbüros des ZK; 1980/85 Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR.

2. Nikolai Semjonowitsch, 4.12.1896-8.2.1979, russisch-sowjetischer Schriftsteller; schuf revolutionär-romantische Gedichte und Balladen über die Kämpfer im Bürgerkrieg und die Verteidiger des Landes im Großen Vaterländischen Krieg (Poem «Kirow ist mit uns!», 1941, deutsch). In seiner Prosa («Erzählungen aus Pakistan», 1950, deutsch; «Sechs Kolonnen», 1968) griff Tichonow internationalistische Motive auf.

3. Wjatscheslaw Wassiljewitsch, geboren 8.2.1928, sowjetischer Schauspieler; bekannt durch Film und Fernsehen («Die junge Garde», «Krieg und Frieden», «Siebzehn Augenblicke des Frühlings», «Sie kämpften für die Heimat», «Weißer Bim Schwarzohr»).

Tichwin: Stadt im Gebiet Leningrad; 66000 Einwohner; Holzchemie, Gießerei, Metallverarbeitung, Nahrungsmittelindustrie; Klöster und Kirchen aus dem 16. und 17. Jahrhundert; Geburtsort von N. A. Rimski-Korsakow (Museum). Im 2. Weltkrieg wurde die für die Versorgung Leningrads wichtige Stadt am 8.11.1941 von faschistischen Truppen erobert und am 9.12.1941 durch die Rote Armee zurückgewonnen.

Ticinus, italienisch Ticino: linker Nebenfluss des Po. Hier siegte 218 vor Christus Hannibal im 2. Punischen Krieg über die Römer unter Publius Cornelius Scipio.

Ticket: (eigentlich «Zettel») Einlass-, Fahr-, Flug-, Schiffskarte; in der Schweiz auch Postwertmarke; im Pferdesport am Totalisator ausgegebene Quittung über den Wettabschluss.

Tidenhub: arithmetische Mittel aus dem Stieg und Fall einer Tide. Höchstwerte des Tidenhub erreichen bis zu 16 m.

Tidewasserstand: Höhe des Tidewasserspiegels über oder unter einem festen Bezugspunkt, angegeben in Meter. Die durch die Flut bedingte höchste Hebung des Tidewasserspiegels wird als Tidehochwasser, das bei Ebbe eintretende tiefste Absinken als Tideniedrigwasser (Niedrigwasser) bezeichnet. Das arithmetische Mittel gilt als Tidemittelwasser (Mittelwasser).

Tidikelt: Oasengruppe im zentralen Teil Algeriens, in der Sahara, in einem Senkungsgebiet; etwa 25000 Einwohner; Hauptoase und -ort Ain Salah.

Tie break, Spielabbruchmethode: Tennis gewöhnlich beim Stand «6 Spiele beide» angewandte Methode zur Satzbeendigung: Eine Partei, die zuerst 7 von 12 (numerisch gezählten) Punkten (bei 2 Punkten Vorsprung) erreicht, gewinnt den Satz.

Tieck: 1. Christian Friedrich Tieck, 14.8.1776 12.5.1851, Bildhauer; Bruder von Tieck 2; 1794/97 im Atelier G. Schadows, 1805/08 Studium antiker Werke in Rom, seit 1819 in Berlin Zusammenarbeit mit K. F. Schinkel und C. D. Rauch, 1830 Direktor der Skulpturenabteilung der Berliner Museen; dem Kreis um J. W. Goethe freundschaftlich verbunden, vertrat er in seinen Bildnisbüsten und dekorativen Skulpturen, unter anderem für den Schlossneubau in Weimar, einen strengen Klassizismus.

2. Johann Ludwig Tieck, 31.5.1773-28.4.1853, Schriftsteller und Kritiker; einer der bedeutendsten Vertreter der Frühromantik. Tieck begründete das romantische deutsche Kunstmärchen («Der blonde Eckbert», 1797); in seinen Künstlerromanen (unter anderem «Franz Sternbalds Wanderungen», 1798, Fragment) verbinden sich Ablehnung der gesellschaftlichen Wirklichkeit und subjektivistischen Verabsolutierung der Kunst. Nach 1820 fand Tieck zu realistische Gestaltung historischer und zeitgeschichtlicher Stoffe. Große Verdienste besitzt Tieck als Übersetzer, Förderer der Shakespeare Übersetzung von A. W. Schlegel und seiner Tochter Dorothea Tieck (1799-1841) sowie als Theoretiker der Novelle und als Herausgeber.

Tiefbau:

1. Teil des Bauwesens: der die Planung und Ausführung aller Baumaßnahmen für den Erd-, Verkehrs- und Wasserbau sowie die Errichtung von Gründungen und Versorgungsnetzen umfasst.

2. Untertagebau: der Bergbau unter Tage im Unterschied zum Tagebau.

3. Geologie: die in den Schilden von Kontinentalplatten durch Verwitterung und Abtragung sichtbar gewordenen, sonst verdeckten tiefsten Teile alter Tektonogene. Den Tiefbau kennzeichnen hochmetamorphe Schiefer, Gneise und Granitareale.

Tiefbohrung: vertikale Erd- und Gesteinsbohrung in Tiefen von mehr als 1000 m. Tiefbohrungen können auch auf dem Meer niedergebracht werden. Über 5000 m spricht man von übertiefen Bohrungen. Die tiefsten Bohrungen der Erde erreichten über 12000 m (Halbinsel Kola, UdSSR, 1985), 8006 m (DDR, 1977); 9583 m (Oklahoma, USA, 1977). Tiefbohrung dienen zum Feststellen der geologischen Schichtenfolge, zum Aufsuchen von Lagerstätten nutzbarer Gesteine sowie zur Gewinnung gasförmiger oder flüssiger Bodenschätze (Erdgas, Erdöl, Sole, Wasser). Auf gasförmige oder flüssige Bodenschätze fündige Tiefbohrung können als sogenannt Produktionsbohrungen sofort zur Förderung genutzt werden. Beim Vollbohren wird das Gestein im gesamten Bohrlochquerschnitt zerstört, während beim Kernbohren mit einem hohlen Bohrwerkzeug gearbeitet und ein bis zu 8 m langer zylindrischer Kern gewonnen wird. Besondere Bedeutung beim Tiefbohren hat die Spültechnik, das Herausspülen des Bohrkleins. Siehe auch Bohrturm.

Tiefdecker: Flugzeug, bei dem die Tragflächen an der Unterseite des Rumpfes angebracht sind; siehe auch Flugzeug.

Tiefdruckgebiet, Tief, Zyklone, Depression: Gebiet relativ niedrigen Luftdruckes, das von der Luft auf der Nordhalbkugel entgegen dem Uhrzeigersinn, auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn umströmt wird (Gradientwind). Im Tiefdruckgebiet treten häufig Bewölkung und Niederschlag auf.

Tiefendosis: Medizin Dosis einer ionisierenden Strahlung in einer bestimmten Tiefe eines bestrahlten Objekts.

Tiefenpsychologie: Strömungen idealistischer bürgerlicher Psychologie, die die unbewussten psychischen Vorgänge als dominierende Triebkräfte menschlichen Verhaltens ansehen. Die Tiefenpsychologie ging vor allem aus der Psychoanalyse S. Freuds hervor.

Tiefensensibilität: Fähigkeit, die die Wahrnehmung der Stellung der Glieder, passiver Bewegungen der Gelenke und des Widerstandes gegen eine Bewegung ermöglicht. Sie beruht vor allem auf Informationen von Mechanorezeptoren in den Muskeln, Sehnen und Gelenken, die auch als Propriozeptoren zusammengefasst werden. Die Tiefensensibilität dient außerdem der unbewussten Kontrolle und Steuerung der Motorik.

Tiefgang: senkrechter Abstand der Schwimmwasserlinie eines Schiffes, von der Unterkante Kiel auf halber Schiffslänge (mittlerer Tiefgang) sowie am Vor- und Hintersteven (vorderer beziehungsweise hinterer Tiefgang) gemessen.

Tiefland: größeres Gebiet in geringer Meereshöhe, im Allgemeinen bis in 200 m über dem Meeresspiegel; überwiegend als Ebene, zum Teil als Hügelland ausgebildet.

Tiefschlag: Boxen verbotener Schlag, der unterhalb der Gürtellinie des Gegners auftrifft.

Tiefschur: Pelzbearbeitung technisches Verfahren, durch Scheren eines Teils der Unterwolle mit einer für diesen Zweck konstruierten Schermaschine Moiré-Effekte zu erzielen. Siehe auch Moiré.

Tiefseefauna: Tierwelt der lichtlosen Tiefe der Weltmeere. Die Arten sind an den gleichmäßig kalten Lebensraum ohne Wasserbewegung angepasst, ihre Lichtsinnesorgane verkümmert oder extrem leistungsfähig. Trotz des hohen Druckes besteht die Tiefseefauna meist aus zarten Formen.

Tiefseefische: in mittleren und großen Tiefen (bis etwa 7500 m) der Meere lebende Fische mit rückgebildeten oder leistungsfähigen, teleskopartig vorstehenden Augen, Leuchtorganen, Tastorganen und kräftigen Fresswerkzeugen.

Tiefseegräben, Tiefseerinnen: langgestreckte rinnenförmige Einsenkungen im Meeresboden der Tiefsee, in denen die größten Wassertiefen erreicht werden. Tiefseegräben liegen meist am Rande von Kontinenten und Inselketten und stimmen häufig mit Gebieten erhöhter Erdbebentätigkeit überein oder befinden sich in der Nachbarschaft geologisch junger Faltengebirge mit tätigen Vulkanen. Sie verdanken ihre Entstehung tektonischen Vorgängen und werden heute meist als Ausdruck von Dehnungsprozessen in der Erdkruste aufgefasst. Auch in den Tiefseegräben wurden Lebensformen bis in die größten Tiefen nachgewiesen. Die Zahl der Tiefseegräben ist je nach Einteilungsprinzip verschieden, meist werden 15 angegeben.

Tiefstart: Beginn eines Kurzstreckenlaufs von Startblöcken.

Tiefstrahler: Leuchte, bei der der Lichtstrom der Lampe gebündelt in der Leuchtenachse abgestrahlt wird.

Tieftemperaturbehandlung, Tiefkühlen: thermisches Sonderverfahren der Wärmebehandlung zur Maßstabilisierung und Härtesteigerung von Stählen; gekennzeichnet durch Abkühlen (nach dem Härten) auf meist erheblich unter Raumtemperatur liegende Werte, um so die Umwandlung von Restaustenit zu Martensit hervorzurufen oder zu vervollständigen. In der Regel wird flüssiger Stickstoff (—196,5 °C) als Kühlmedium verwendet.

Tieftemperatur-Hochdruck-Hydrierverfahren, Kurzwort ITH-Verfahren: technisches Verfahren zur raffinierenden Hydrierung von Braunkohlenschwelteeren im Gemisch mit Mittel- und Leichtölen sowie Vakuumdestillaten der Erdölverarbeitung mit dem Ziel, Schmieröle, Paraffin, Diesel- und Vergaserkraftstoffe herzustellen. Die Einsatzprodukte werden bei 350 bis 460°C und 25 bis 30 MPa katalytisch mit Wasserstoff behandelt.

Tieftemperaturphysik: Forschungsgebiet, das sich mit physikalischen Untersuchungen im Temperaturbereich zwischen 0 und 77 K beschäftigt. Siehe auch adiabatische Entmagnetisierung, Josephson-Effekte, Supraflüssigkeit, Supraleitfähigkeit.

Tieftemperaturtechnik: Teilgebiet der Kältetechnik, das sich durch den Anwendungsbereich (unterhalb -80 bis -100°C) und das Kälteerzeugungsverfahren von der übrigen Kältetechnik abgrenzen lässt. Die Kryotechnik gehört ebenfalls zur Tieftemperaturtechnik

Tiefwurzler, Pfahlwurzler: Kulturpflanzen, die den Boden unterhalb der gepflügten Zone stark durchwurzeln (zum Beispiel Luzerne, Lupine, Rotklee).

Tiefziehen: Blechziehverfahren zur Herstellung oder Vertiefung offener Hohlkörper ohne Änderung der Blechdicke, bei dem eine Platine in meist mehreren Stufen (An-, Weiter-, Fertigschlag) von einem Stempel in einen Ziehring gezogen wird; zum Beispiel Formstempel- und Matrizen-Tiefziehen.

Tiegelofen: mit Kohle (Koks), Öl, Gas oder Elektroenergie beheizter Gefäßofen zum Schmelzen metallischer Werkstoffe. Die Wärmeübertragung erfolgt durch die Tiegelwand.

Tienschan: (chinesisch, «Himmelsgebirge») von Südwesten nach Nordosten streichendes Hochgebirge in Zentralasien, der westliche Teil zur UdSSR, der östliche zu China gehörend; 2500 km lang, bis 400 km breit, höchste Erhebung Pik Pobeda mit 7439 m. Der Tienschan ist in zahlreiche Gebirgsketten gegliedert, die an der Westflanke fächerförmig auseinanderlaufen und breite Buchten des westturkestanischen Tieflandes umschließen; nach Osten zu fügen sie sich wieder enger zusammen und streichen in der Gobi aus. Dazwischen liegen Senkungsfelder (zum Beispiel Issyk-Senke mit dem Issyk-Kul) und teilweise ausgedehnte Hochplateaus; zur Dsungarei steiler, zum Tarimbecken sanfter Abfall. Die höchsten Gebirgsteile erhalten reichliche Niederschläge und sind örtlich stark vergletschert (zwischen dem Khan-Tengri und dem Pik Pobeda der etwa 60 km lange Inyltschek-Gletscher). In den mittleren und unteren Höhenlagen Gebirgs- und Gebirgswüstensteppe, darüber Laub- und Nadelwald (Tienschan Fichte), der nach oben zu in die alpinen Matten übergeht; nach Osten zu wird das Gebirge trockener und wüstenhafter; Quellgebiet des Syrdarja, des Ili und des Tarim. Weidewirtschaft; am Gebirgsfuß, besonders an der Nordflanke, ausgedehnter Bewässerungsfeldbau.

Tiepolo, Giovanni Battista, 5.3.1696-27.3.1770, italienischer Maler und Radierer; die dekorative Begabung Tiepolos, in dessen Werk die venezianische Malerei einen letzten Gipfelpunkt erreicht, entfaltet sich am reichsten in illusionistischen Wand- und Deckengemälden für Kirchen und Paläste in Italien, Deutschland (Fresken im Würzburger Schloss) und Spanien.

Tiere: Lebewesen, die im Unterschied zu den grünen Pflanzen organischer Stoffe als Nahrung aufnehmen (heterotrophe Ernährung). Kennzeichen der Tiere sind im Gegensatz zu den Pflanzen erhöhte Beweglichkeit und Reizbarkeit (Muskel-, Sinnes- und Nervenzellen). Die Tiere werden nach bestimmten Merkmalen innerhalb des Tierreiches in entsprechende taxonomische Gruppen (Systematik) eingeteilt. Siehe auch geschützte Tiere.

Tierfaserstoffe: von Tieren gewonnene, verspinnbare oder anderweitig textil verarbeitbare Fasern oder Elementarfäden.

Tiergeographie, Zoogeographie: Teilgebiet der Biogeographie, das sich mit der Verbreitung der Tiere auf der Erde und deren Ursachen befasst; stützt sich vor allem auf zoologisch-systematische, geologische geographische und ökologische Forschungsergebnisse.

Tierklinik: Einrichtung zur klinischen Untersuchung und stationären Behandlung von Tieren. An den Sektionen Tierproduktion und Veterinärmedizin der Universitäten in Leipzig und Berlin dient sie auch Ausbildungszwecken in der Fachrichtung Veterinärmedizin, ist dort nach Disziplinen eingeteilt (Chirurgie, innere Medizin, Geburtshilfe).

Tierkörpermehl: aus verendeten Tieren und Schlachthofabfällen durch Sterilisieren, Fettabscheiden, Trocknen und Vermahlen hergestelltes Eiweißfutter (proteinreiches Konzentrat).

Tierkörperverwertungsbetrieb, Abkürzung TKVB: Betrieb, in dem durch bestimmte Verfahren eine unschädliche Beseitigung von Tierkörpern und Tierkörperteilen durchgeführt wird. Vorläufer des Tierkörperverwertungsbetriebs war die Tierkörperbeseitigungsanstalt (Abdeckerei). Die Tierkörperverwertungsbetriebe sind unverzüglich zur Abholung der gemeldeten Tierkörper verpflichtet. In den Tierkörperverwertungsbetrieb erfolgt gleichzeitig eine Gewinnung volkswirtschaftlich wichtiger Produkte (Fette, Häute, Felle, Knochenmehl). Die tierseuchenprophylaktische Überwachung der Tierkörperverwertungsbetrieb erfolgt durch Betriebe des Veterinärwesens.

Tierkreis, Zodiakus: die Folge der 12 Sternbilder Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische längs der Ekliptik im Sinne zunehmender Rektaszension (Koordinatensystem 1). Durch Aufteilung der Ekliptik in 12 gleichlange Abschnitte erhält man die Tierkreiszeichen. Sie sind nach den Sternbildern des Tierkreises benannt und werden durch aus dem Altertum überlieferte Zeichen dargestellt (siehe auch astronomische Zeichen). Sie beginnen am Frühlingspunkt mit dem Tierkreiszeichen Widder. Wegen der rückläufigen Bewegung dieses Punktes infolge der Präzession stimmen die Tierkreiszeichen heute mit den Tierkreissternbildern gleichen Namens nicht mehr überein.

Tierläuse, Phthiraptera: Insektenordnung mit 500 mitteleuropäischen Arten; 0,8 bis 14 mm lang, flügellos, Körper abgeflacht; leben als Außenparasiten sehr spezialisiert auf Säugetieren und Vögeln; Unterordnungen sind Läuse und Läuslinge.

Tierpark: moderne, großräumige, parkartige Form des zoologischen Gartens mit Freigehegen.

Tierpassage: mehrfache Übertragung eines Infektionsstoffes von Tier zu Tier, wobei die Tierarten gleich oder verschieden sein beziehungsweise mit Bruteiern oder Zellkulturen abwechseln kann (Wechselpassage).

Tierpflege: Maßnahmen zur optimalen Gestaltung des Wohlbefindens der Haustiere; neben der Unterbringung in zweckmäßig gebauten Stallungen und der regelmäßigen Futterzuteilung die Sauberhaltung des Stalles und der Tiere, die Huf- und Klauenpflege, die Behandlung der Hörner, das Kürzen des Haares und der Schutz vor Ungeziefer.

Tierpsychologie: Lehre von den Motivationen des tierischen Handelns. Mit den Methoden des Beobachter, der Verhaltensregistrierung, des Experiments und des systematischen Vergleichs sowie Erkenntnissen aus der Humanpsychologie wird versucht, Einsicht in die psychologischen Grundlagen des Verhaltens der Tiere zu gewinnen. Heute Teildisziplin der Verhaltenswissenschaften; siehe auch Verhaltenslehre.

Tierquälerei: das vorsätzliche rohe Misshandeln oder Quälen eines Tieres; zieht als Vergehen strafrechtliche Verantwortlichkeit nach sich.

Tierra caliente: (spanisch, «heißes Land») unterste Höhenstufe (Vegetationsstufe) tropischen Hochgebirge, insbesondere der venezolanischen Anden; 800 bis 1000 m über dem Meeresspiegel; in der Passatzone sind im Norden an den Luvseiten der Gebirge bei durchschnittlichen Jahrestemperaturen um 25°C und Niederschlägen zwischen 150 und 500 mm/Jahr Kakteenhalbwüsten oder Domgehölze, äquatorwärts regengrüne tropische Wälder oder Llanos (Savanne und Grasland), bei Jahresniederschlägen von mehr als 2000 mm halbimmergrüne beziehungsweise immergrüne tropische Regenwälder entwickelt; Anbau von Kakao, Zuckerrohr, Bananen, Baumwolle, Mais, Maniok, Reis.

Tierra fría: (spanisch, «kaltes Land») über der Tierra templada angeordnete subalpine Höhenstufe tropischer Gebirge; 2300 beziehungsweise 2500 m bis 3000 m über dem Meeresspiegel; die Jahresmittel der Lufttemperaturen sinken mit zunehmender Höhe auf etwa 8°C ab; feuchte Nebelwälder; Grenze tropischer Wälder; Anbau von Kartoffeln, Getreide, Bohnen, Obst, Gemüse.

Tierra helada: (spanisch, «Frostland») alpine Höhenstufe tropischer Hochgebirge, oberhalb der Tierra fría; über 3000 m über dem Meeresspiegel; an die Waldgrenze schließt sich eine schmale Gebüsch Zone an, die in die Páramos (Trockengrasfluren mit Sukkulenten) übergeht; in einer Höhe von etwa 4500 bis 4800 m und Jahresmitteln der Lufttemperatur von weniger als 0°C vegetationslose Kältewüste, Schneegrenze bei etwa 4 800 m über dem Meeresspiegel

Tierra templada: (spanisch, «gemäßigtes Land») über der Tierra caliente angeordnete, sich von 800 bis 2300 m beziehungsweise 1000 bis 2500 m erstreckende submontane und montane Höhenstufe; bei Jahresmitteln der Lufttemperatur von 22 bis 15°C regengrüne tropische und halbimmergrüne tropische Wälder; mit zunehmender Höhe nasse Nebelwälder; Anbau von Kaffee, ferner von Mais, Maniok, Tabak.

Tierreich: Gesamtheit aller tierischen Lebewesen. Das Tierreich als systematische Kategorie (Systematik) umfasst gegenwärtig etwa 1,2 Millionen Arten (insgesamt rechnet man mit 2 bis 4 Millionen heute lebender Tierarten). Das Tierreich wird in die Unterreiche Einzellige Tiere (Protozoen) und Mehrzellige Tiere (Metazoen unter anderem mit Hohltieren, Stachelhäutern, Insekten und Chordatieren) unterteilt. Die artenreichste Gruppe stellen die Insekten mit etwa 1 Millionen Arten dar.

Tierschäden: durch Tiere verursachte Schäden, für die der Halter nach den Grundsätzen für erweiterte Verantwortlichkeit haftet (Tierschädenhaftung). Besonderheiten gelten für Schäden durch Wild.

Tierschutz: Verhütung der Tierquälerei bei Nutz- und Haustieren sowie die Aufgabe des Naturschutzes zur Erhaltung seltener oder vom Aussterben bedrohter Tierarten. In Tierschutzgebieten wie Vogelfreistätten oder Wildreservaten (zum Beispiel für Wisente) besteht ganzjähriges Fang- und Jagdverbot.

Tierseuche: durch Bakterien, Viren, Protozoen oder Pilze hervorgerufene Infektionskrankheit bei Tieren. Tierseuche betreffen entweder nur eine oder wenige Tierarten oder alle Tiere. Viele Tierseuchen sind auf den Menschen übertragbar (Zoonosen).

Tierseuchenbekämpfung: Maßnahmen zur Beseitigung und Verhinderung der Weiterverbreitung von Tierseuchen oder zur Verringerung ökonomischer Schäden, die durch Tierseuchen verursacht werden. Sie können in der Tötung oder Schlachtung von Tieren, Absperrung von Tieren oder Tierbeständen, Unterbindung des Personen- und Wirtschaftsverkehrs, Vernichtung von Gegenständen, die mit infektiösem Material verseucht sind, und in besonderen diagnostische und immunprophylaktische Verfahren bestehen.

Tierseuchenverordnung: grundlegende Rechtsnorm zum Schutz der Tierbestände vor Tierseuchen, Parasitosen und anderen besonderen Gefahren, in der die staatlichen Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung festgelegt sind.

Tierstaat: höchstentwickelte Form eines Verbandes von Tieren (Sozietät); Zusammenleben der Nachkommenschaft eines oder weniger Muttertiere in großer Familiengesellschaft mit Arbeitsteilung (zum Beispiel Termiten, Bienen). Siehe auch Tierstock.

Tierstil: überwiegend auf stilisierter Darstellung von Wildtieren beruhende Ornamentik ur- und frühgeschichtliche Kunst. Der skythische Tierstil (6./5. Jahrhundert vor Christus) zeigt besonders Tierkampfszenen und das Motiv des liegenden Hirsches. Der germanischen Tierstil (550/800 nach Christus) entstand in Nordeuropa durch Umformung provinzialrömische Tiermotive zu Flächenmustern aus stilisierten Tiergestalten (Stil I). Ende des 6. Jahrhundert breitete sich dieser Tierstil unter Vermischung mit koptischen Flechtbandmustern (Stil II) nach Mitteleuropa und Oberitalien aus. Ab 700 nach Christus entwickelte sich in Skandinavien eine Spätform des Tierstil (Stil III) mit abstrakten, ornamental verschlungenen Tiergebilden.

Tierstock: nach ungeschlechtlicher Vermehrung miteinander verbundene Tierindividuen. Durch Knospung entstehende Jungtiere bilden beispielsweise mit Alttieren eine physische Funktionseinheit (Kormus), zum Beispiel Staatsquallen. Siehe auch Tierstaat.

Tierversuche: Versuche am lebenden Tier, um bestimmte biologische Gesetzmäßigkeiten zu ermitteln oder zu überprüfen. Tierversuche dienen unter anderem zur Prüfung von Arzneimitteln, Gewinnung von Impfstoffen und Erprobung von Operationsverfahren. Die Ergebnisse erlauben in gewisser Weise Analogieschlüsse auf den Menschen. Die Haltung von Versuchstieren und die Durchführung von Tierversuche unterliegen gesetzlichen Bestimmungen, um Tierquälerei zu verhindern.

Tierzucht: durch den Menschen gelenkte Auslese und Vermehrung von Tieren zur Verbesserung von Form und Leistung. Die Methoden der Tierzucht sind vorzugsweise die Auslese- und die Kombinationszüchtung; die Mutationszüchtung hat kaum Bedeutung erlangt. Bei der Auslesezüchtung bedient man sich der Reinzucht und der Inzucht, bei der Kombinationszüchtung der Veredlungs-, der Kombinations- und der Verdrängungskreuzung. Die Zuchttierauswahl geschieht durch Beurteilung nach der äußeren Form, der Abstammung und Leistung sowie nach Erbfehlern, die den Nutzwert oder die Körperform beeinträchtigen. Alle Vatertiere müssen durch eine staatliche Körkommission beurteilt werden, um Deckerlaubnis zu erhalten; die besten werden für die künstliche Besamung verwandt. Alle Maßnahmen zur Förderung der Tierzucht werden in der DDR auf der Grundlage des Tierzuchtgesetzes von der WB Tierzucht erlassen; die wichtigsten staatlichen Einrichtungen zur Durchführung dieser Maßnahmen beziehungsweise Leitung sind die VEB Tierzucht in den Bezirken.

Tiger: Panthera tigris: Großkatze mit rötlichgelbem Fell und schwärzliche Querstreifen; Einzelgänger; bewohnt Taiga, Dschungel- und Rohrdickichte Süd- und Ostasiens; die Wildbestände wurden stark dezimiert und deshalb unter Schutz gestellt.

Tigerauge: (nach dem Lichteffekt an polierten Stücken) Mineral; goldbrauner, durch Quarz verdrängter Asbest; Schmuckstein; Vorkommen in Südafrika.

Tigerblume, Tigridia pavonia: aus Mittelamerika stammende Gartenpflanze mit großen, prächtigen Blüten; Schwertliliengewächs mit Zwiebel.

Tigersalamander, Ambystoma tigrinum: bis 33 cm langer, gelblich gefleckter Querzahnmolch Nordamerikas.

Tigersprung: Bahnradsport ruckartige Beschleunigung des Rades im Endspurt am Zielstrich durch entsprechenden Körpereinsatz, um auf gleicher Höhe befindliche Konkurrenten zu besiegen.

Tiglatpilesar, Name mehrerer assyrischer Könige: 1. Tiglatpilesar herrschte um 1112/1074 vor Christus; stellte das assyrische Großreich wieder her, schlug die von Westen her eindringenden Aramäer zurück. 2. Tiglatpilesar III., herrschte 745/727 vor Christus; begründete die erneute Entwicklung zum Großreich (vom Mittelmeer bis zum persischen Golf); unterwarf Babylonien, Armenien, Syrien und Phönikien.

Tigre: Landschaft und Provinz (65900 km2, 2,16 Millionen Einwohner; 33 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Mekele) im Norden Äthiopiens; Hochland (durchschnittlich 2000 m hoch) mit Steilabfall zum Küstentiefland von Eritrea, von tiefen Schluchten zerfurcht und einzelnen Taifelbergen überragt.

Tigre: sprachlich den Amharen nahestehendes semitisches Volk im Norden Äthiopiens, besonders in Norderitrea; 500000; Hirtennomaden, nur zum Teil Bodenbauer.

Tigris: (griechisch

Tihama: wüstenhafte Küstenebene im Südwesten der Arabischen Halbinsel, am Roten Meer; politisch zur JAR und zu Saudi-Arabien gehörend; 50 bis 70 km breit, im Mittel 250 m über dem Meeresspiegel Mit ständig hohen Lufttemperaturen (Jahresmittel um 30°C) und hoher Luftfeuchtigkeit bei nur geringem Jahresniederschlag (80 mm) gehört die Tihama zu den extremen schwülen Gebieten der Erde. Am steil ansteigenden Gebirgsfuß Bewässerungsfeldbau (besonders Baumwolle, Zuckerrohr, Tabak).

Tijuana: Stadt im Bundesstaat Baja California (Mexiko), am Fluss Tijuana, an der Grenze zu den USA; 930000 Einwohner; bedeutendes Touristen- und Vergnügungszentrum (Stierkampfarena unter anderem); Flughafen.

Tikal: ältestes Kultzentrum der klassischen Mayakultur im Urwaldgebiet von El Petén (Guatemala) mit höchster Pyramide Amerikas (etwa 68 m), erhalten sind Stelen mit Daten sowie Stuckverzierungen an Wänden und Schnitzereien mit Hieroglyphentexten.

Tikl: in Polynesien Bezeichnung für Götter, Urahnen oder sogenannt Kulturheroen und deren plastische Darstellungen aus Holz, Stein oder Knochen (als Anhänger um den Hals getragen).

Tilak, Bal Gangadhar, genannt Lokmanya (-ja; «Mann des Volkes»), 23.7.1856-1.8.1920, indischer Politiker, Philosoph; Führer des radikalen Flügels des Indischen Nationalkongresses und der antikolonialen Boykottbewegung 1905/08; 1908/14 von den Briten deportiert (aus Protest dagegen 1908 in Bombay erster politischer Generalstreik); gründete 1916 die Home Rule League (Liga für Selbstregierung), mit der es gelang, breite kleinbürgerliche Schichten in die indische nationale Befreiungsbewegung einzubeziehen.

Tilburg: Stadt im Süden der Niederlande, in der Provinz Nordbrabant; 150000 Einwohner; Zentrum der niederländischen Wollindustrie, ferner Maschinenbau, Elektro-, Schuh- und Autoreifenindustrie; katholische Wirtschaftshochschule; Textilforschungsinstitut.

Tilde: 1. Aussprachezeichen, zum Beispiel im Spanischen über dem palatalisiert (mouilliert) zu sprechenden «n», zum Beispiel España,

2. im Buchdruck Wiederholungszeichen (-), zum Beispiel Hüttenarbeiter, -besitzer, -werk.

Tilke: (mundartlich für Tälchen) Hohlform von allgemein geringer Tiefe mit einem ebenen Boden, der markant gegen steile Hänge abgesetzt ist; enthält kein fließendes Gewässer und ist nur im Offenland anzutreffen.

Tillandsia: (nach einem schwedischen Botaniker) artenreiche epiphytisch lebende Gattung der Ananasgewächse aus dem tropischen und subtropisches Amerika; einige Arten sind sehr anspruchslos, zum Beispiel die wurzellose silbergraue Tillandsia usneoides, die wie eine Bartflechte von Zweigen und Telegrafendrähten herabhängt.

Tilleda: deutsche Königspfalz im 10./12. Jahrhundert auf dem Pfingstberg bei Tilleda am Kyflhäuser; bestand aus kleinerer Hauptburg und geräumiger Vorburg. In Tilleda kam es 1194 zur Annäherung zwischen Heinrich VI. und Heinrich dem Löwen.

Tillier, Claude, 10.4.1801-18.10.1844, französischer Schriftsteller; Hauptwerk ist der humoristische satirische Sittenroman aus der Provinz «Mein Onkel Benjamin» (1843, deutsch).

Tillit: ein durch eiszeitliche Gletscher entstandener verfestigter Geschiebelehm.

Tilly, Johann Tserclaes Graf von, Februar 1559—30.4.1632, seit 1610 Heerführer der Liga im Dreißigjährigen Krieg, unterlag Gustav II. Adolf 1631 bei Breitenfeld und 1632 am Lech, wo er tödlich verwundet wurde.

Tilsit: heute Sowjetsk. Durch die Friedensverträge von Tilsit 1807 wurde der Kriegszustand zwischen Frankreich und Russland sowie zwischen Frankreich und Preußen beendet; Preußen verlor mehr als die Hälfte seines Territoriums.

Timalien, Timaliidae: vielgestaltige Singvogelfamilie, vorwiegend in Südostasien verbreitet; vom Himalaja bis Südchina lebt der 15 cm lange Sonnenvogel (Leiothrix lutea), ein beliebter Käfigvogel. Siehe auch Häherlinge.

Timanberge: Höhenzug im Nordosten der Osteuropäische Ebene; über 900 km lang, bis 471 m hoch; aus paläozoischen Gesteinen aufgebaut; im Norden Tundra, im Süden Taiga; zahlreiche Moore. Am Südostrand bei Uchta Erdöl- und Erdgasförderung.

Timan Petschora Becken: Erdöl-, Erdgas- und Kohlelagerstättenbereich in der ASSR der Komi und im Autonomen Bezirk der Nenzen; etwa 350000 km2; rund 60 Erdgas-, Gaskondensat- (Vuktyl) und Erdöllagerstätten (Zapadno-Tebuk, Usinsk). Im Timan-Petschora Becken und angrenzenden Gebieten entwickelte sich der Territoriale Produktionskomplex Human-Petschora mit Brennstoffindustrie und Holzverarbeitung.

Timar: (türkisch - persisch, «Pflege», «Wartung») ursprünglich nichterbliches Kriegerleben im Osmanischen Reich; jeder Inhaber eines Timar (Timariot, Späht) war zu persönliche Kriegsdienst und Steuerabgaben an die Zentralgewalt verpflichtet; die Timar wurden entsprechend ihren militärischen Verpflichtungen in 5 Kategorien mit unterschiedlichen Einkünften eingeteilt. Vorbild waren die vorosmanische Timar in Anatolien.

Timbales: paarig zu spielende zylindrische Einfelltrommeln, die leicht schräg auf einen Ständer gehängt und mit 30 cm langen Stöckchen angeschlagen werden; sie sind mit einem Reifen und Schrauben versehen und unten offen; ursprünglich lateinamerikanische Rhythmusinstrument.

Timbre: die besondere, charakteristische Klangfarbe eines Instruments oder einer Gesangsstimme.

Timing: (englisch, zu time, «Zeit») Bestimmung des für einen beabsichtigten Effekt günstigsten Zeitpunktes zu Beginn eines Handlungsablaufs; synchrone Abstimmung verschiedener Bewegungsabläufe aufeinander; zeitliche Steuerung technischer Prozesse.

Timirjasew, Kliment Arkadjewitsch, 3.6.1843 bis 28.4.1920, russisch-sowjetischer Pflanzenphysiologe; arbeitete über die Einwirkung verschiedenfarbigen Lichts auf die Pflanzen; bedeutender Vertreter und Popularisator des Darwinismus in Russland.

Timi: linker Nebenfluss der Donau; 350 km (davon 241 km in Rumänien); entspringt im Banater Gebirge (Rumänien), mündet als Tamis bei Belgrad.

Timisoara: Bezirksstadt im Westen Rumäniens (Bezirk Timi), an der kanalisierten Bega; 290000 Einwohner; Elektrogeräte-, -motorenbau, Leicht-, chemische, polygraphische Industrie; internationaler Flughafen; Universität, Hochschulen; Theater, Museum des Banats im Schloss (14./15. Jahrhundert), Sternwarte; barocke römisch-katholische Kathedrale (1736/73), Palais (18. Jahrhundert); Thermalquellen. Erstmalige urkundliche Erwähnung 1212; 1241 von Tataren zerstört; 1552/1716 Residenz des türkischen Verwaltungsbezirks Timisoara; im 19./20. Jahrhundert bedeutendes Industrie- und Arbeiterzentrum; 1868 Gründungsort der Allgemeinen Arbeiterassoziation Transilvanias.

Timm, Uwe, geboren 30.3.1940, Schriftsteller der BRD; schrieb progressive, politisch engagierte Lyrik («Widersprüche», 1971), Hörspiele («Leerjahre», 1972) und Prosa (Romane «Heißer Sommer», 1974; «Morenga», 1978).

Timmermans, Felix, 5.7.1886-24.1.1947, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; Vertreter der flämischen Heimatliteratur mit Erzählungen («Das Jesuskind in Flandern», 1917, deutsch) und Romanen («Pallieten>, 1916, deutsch; «Bauernpsalm», 1935, deutsch).

Timmins: Stadt im Osten der Provinz Ontario (Kanada), am Mattagami; mit 3120 km2 flächengrößte Stadt Kanadas, 45000 Einwohner; Zentrum des Bergbaugebietes Porcupine (Gold-, Kupfer-, Zink-, Polymetallerz Förderung), Erzanreicherungsanlage.

Timokratie: eine Staatsordnung im alten Griechenland, die den Bürgern ihre politische Rechte entsprechend der Vermögenshöhe zusprach; sollte in den Poleis die Herrschaft der reichsten Bürger sichern.

Timor, Timur: östlichste und größte der Kleinen Sundainseln, im Malaiischen Archipel; 480 km lang, bis 100 km breit, 33615 km2. Der Westteil gehört zu Indonesien, der Nordostteil und die Exklave von Ambeno zu Osttimor (14925 km2, 560000 Einwohner), einer ehemaligen portugiesischen Kolonie, deren politischen Status noch ungeklärt ist. Hauptorte und -häfen sind Kupang (Indonesien) und Dili (Osttimor). Die von 2 zentralen Gebirgsketten durchzogene Insel (höchste Erhebung Ramelau mit 2980 m) weist im Nordwesten und im zentralen Teil bei tropischen Monsunklima Feucht- und Trockenwälder auf, an der feuchtheißen Südküste vielfach Mangrovendickichte, an der Nordküste Lagunen. Brandrodungsfeldbau; Anbau von Reis, Kaffee, Kokospalmen, Sago, Mais; Gewinnung von Edelhölzern; Erschließung von Erdölvorkommen; Konsumgüterproduktion in Kleinbetrieben. Timor war seit dem 17. Jahrhundert als Kolonie zwischen Portugal und den Niederlanden geteilt, 1942/45 von Japan besetzt. Der niederländische Westteil wurde mit Gründung der Republik Indonesien unabhängig, der Osten 1955 eine «überseeische Provinz» Portugals (seit 1974 mit dem anerkannten Recht auf Selbstbestimmung). Seit 1976 beansprucht Indonesien Osttimor als indonesische Provinz.

Timoschenko, Semjon Konstantinowitsch, 18.2.1895-31.3.1970, Marschall der Sowjetunion; 1918 Beitritt zur Roten Armee; seit 1919 Mitglied der KPR(B); Mai 1940/Juli 1941 Volkskommissar für Verteidigung, 1939/52 Mitglied, 1952/70 Kandidat des ZK der KPdSU; im Großen Vaterland. Krieg Oberbefehlshaber verschiedener Fronten.

Timur, Timur Lenk («der lahme Timur»), Tamerlan, 1336-18.2.1405, mittelasiatischer Heerführer, Begründer der Dynastie der Timuriden\ seit 1370 Herrscher in Samarkand; schuf in vielen Feldzügen ein gewaltiges Reich, das ganz Mittelasien, Transkaukasien, Persien und Irak umfasste, jedoch nach seinem Tode sehr schnell zerfiel.

Tinbergen, Jan, geboren 12.4.1903, niederländischer bürgerlicher Ökonom; Vertreter der staatsmonopolistischen kapitalistischen Wirtschaftsprogrammierung und der Konvergenztheorie.

Ting, Samuel Chao Chung, geboren 27.1.1936, US-amerikanischer Physiker chinesischer Herkunft; entdeckte 1974, unabhängig von B. Richter, ein neues Elementarteilchen (J- oder Psi-Teilchen).

Tingeltangel: (lautmalend) um 1870 in Berlin entstandene Bezeichnung für anspruchsloses Vergnügungslokal. Tingel-Tangel: politisch-literarisches Kabarett in Berlin, 1930 von F. Hollaender eröffnet; 1935 verboten.

Tinktur, Tinctura: dünnflüssiger, mit Äthanol verschiedener Konzentration, gegebenenfalls mit bestimmten Zusätzen hergestellter Auszug aus pflanzlichen Grundstoffen, zum Beispiel Drogen.

Tinte: Schreibflüssigkeit - Gewöhnliche Schreibtinte ist weder Wasser noch radierfest; sie enthält synthetische organische Farbstoffe, Konservierungs- (zum Beispiel Resorzin) und zum Teil Verdickungsmittel (Dextrin); Füllhaltertinte enthält nur leicht lösliche Stoffe und ergibt keine Verkrustungen. Als wasserfeste und lichtechte Dokumententinte verwendet man meist Eisengallustinte, die mit Eisen(II)-sulfat und Gallussäure bereitet ist und deren zunächst blasse Schriftzüge an der Luft durch Oxydation tief schwarz werden. Siehe auch Geheimtinte.

Tintenbeutel: Drüse am After der Kopffüßer (Tintenfische), die ein schwarzes Sekret (Sepia) absondert.

Tintling, Coprinus: Gattung der Blätterpilze, deren Fruchtkörper im Alter zu tintenähnliche Masse zerfließen; jung essbar ist der Schopftintling (Coprinus comatus).

Tintoretto, eigentlich Jacopo Robusti, 29.9.1518 bis 31.5.1594, italienischer Maler; neben Tizian und Veronese Hauptmeister der venezianischen Malerei des 16. Jahrhundert; beeinflusst von Tizian, Parmigianino und Michelangelo. Skizzenhafte Malweise in düsterem Kolorit charakterisiert sein Frühwerk; es folgte eine Phase, in der die Ausdruckskraft der machtvollen Körper durch stürm. Bewegungen gesteigert wird; später entwickelte er sich durch seinen ekstatischen Stil und die durchgeistigte Farbigkeit zu einem Hauptvertreter des Manierismus. Typisch für seine Werke sind Lichteffekte, tonige Farbgebung, dramatisch bewegte Menschenmengen und oft eine geisterhaftunwirkliche Stimmung. Hauptwerke: Fresken der Scuola di S. Rocco, Venedig (1564/88), Abendmahl, Venedig (1594).

Tipi: (indianisch) zeltartige Behausung (konisches Stangengerüst, mit Bisonhaut bedeckt) der Prärieindianer, besonders der Dakota.

Tipit Presse: Gerät (schlauchartiges elastisches Geflecht) der südamerikanischen Indianer des tropischen Waldlandes (Amazonien, Guayana) zum Auspressen und Entgiften des bitteren Manioks.

Tippett, Michael, geboren 2.1.1905, englischer Komponist und Dirigent; war unter anderem 1940/51 Musikdirektor des Morley College London und 1970/74 künstlerischer Direktor des Bath-Festivals; schuf unter anderem 4 Sinfonien, Solokonzerte, Opern und das Oratorium «Ein Kind unserer Zeit» (1944), das die faschistische Judenverfolgung anprangert.

TIR: (Abkürzung für Transport International de Marchandises par la Route; französisch) internationales Abkommen über den Transport unverzollter Waren unter Zollverschluss über mehrere Grenzen; die Fahrzeuge fuhren ein Zollbegleitscheinheft (Carnet TIR) und das Zeichen TIR als Aufschrift mit.

Tirade: Wortschwall; leeres Geschwätz.

Tirana, albanisch Tirane: Hauptstadt von Albanien, am Fluss Tirana, überragt von der Kruja-Kette; 200000 Einwohner; wichtigstes Industriezentrum des Landes mit einem Fünftel der Industrieproduktion (vielseitige Leicht-, chemische, Nahrungsmittelindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau); internationaler Flughafen Rinas\ Universität, Hochschulen, Akademie der Wissenschaften; Kulturpalast, Oper, Nationalbibliothek, Museen, Zoo, Filmstudio, botanischer Garten; türkischer Uhrturm, Moschee Hadji-Ethem Bey. Zu Beginn des 17. Jahrhundert gegründet, bis 1912 türkisch; seit 1920 Hauptstadt; 1939 von italienischen und 1943 von deutschen faschistischen Truppen besetzt; am 17.11.1944 nach schweren Kämpfen durch die Nationale Befreiungsarmee befreit.

Tirana Verträge: 2 Verträge zwischen Italien und Albanien, der Freundschafts- und Sicherheitspakt vom 27.11.1926 und der Defensivbündnisvertrag vom 22.11.1927, mit denen das Zogu-Regime die nationalen Interessen preisgab. Die Tirana Verträge ermöglichten die Errichtung eines italienischen Protektorats und legalisierten die faschistische Einflussnahme auf die Entwicklung Albaniens.

Tiraspol: Stadt in der Moldauischen SSR, am Dnestr, 160000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Maschinen-, Elektrogerätebau, Textil-, Holzverarbeitungskombinat, Chemiewerk, Wärmegroßkraftwerk (2000 MW); Hafen; pädagogische Hochschule; Theater, Museen.

Tirill-Regler: (nach dem Erfinder) elektromechanische Spannungsregler, der über ein Schütz die Erregerspannung zu- und abschaltet (Zweipunktregelung), während die Generatorspannung über ein elektromagnetisches Messwerk den Gegenkontakt am Schütz verstellt und damit die Zuschaltdauer ändert.

Tirol: österreichischer Bundesland, im Norden an die BRD, im Süden an Italien grenzend; bestehend aus Nordtirol und dem seit der Abtrennung Südtirols von ihm räumlich getrennten Osttirol; 12647 km2, 590000 Einwohner; 47 Einwohner/km2; Hauptstadt Innsbruck. Nordtirol umfasst die Nordtiroler Kalkalpen, das obere Lechtal, das verkehrswichtige Längstal des Inns von Finstermünz bis Kufstein, die Nordseite der Ötztaler Alpen (Wildspitze, 3774 m), Stubaier, Zillertaler, Tuxer, Kitzbüheler Alpen; Osttirol umfasst den Südabhang der Hohen Tauern (Großglockner, 3798 m), Defereggengebirge, Lienzer Dolomiten, Schobergruppe, das Becken der Drau um Lienz. Bodenschätze sind Ölschiefer und Magnesit; Kupferverhüttung in Brixlegg, Holz-, Papier-, metallverarbeitende, Textil-, Zement-, Nahrungsmittelindustrie (besonders Molkereierzeugnisse) im Inntal; zahlreiche Wasserkraftwerke (Achensee, Gerlos, Bösdornau, Sillwerke); Alm- und Waldwirtschaft, ein Drittel der Landesfläche waldbedeckt, Ackerbau unbedeutend (um Lienz und im Zillertal); Fremdenverkehr. Die Grafschaft, nach dem Schloss Tirol über Meran benannt, wurde 1363 habsburgisch, seit dem 15. Jahrhundert Zentrum des Silberbergbaus; 1525/26 insbesondere im Süden alpenländischen Bauernkrieg; 1805/14 bayerisch beziehungsweise Südtirol seit 1809 italienisch; 1809 Aufstand des Andreas Hofer. 1918 Abtrennung von Vorarlberg als selbständiges Bundesland; 1919 kam Südtirol (Alto-Adige) an Italien.

Tiroler Landesordnung: 1526 von M. Gaismair verfasstes revolutionäres sozialpolitisches Programm, das unter anderem die Verstaatlichung von Bergbau und Handel sowie die politische Machtausübung durch Bauern und Bergknappen vorsah. Die Tiroler Landesordnung entstand zu spät, um den Bauernkrieg noch beeinflussen zu können.

Tirpitz, Alfred von, 19.3.1849-6.3.1930, Admiral; 1897/1916 Staatssekretär des Reichsmarineamtes; Hauptvertreter der aggressiven deutschen Flottenpolitik seit den 90er Jahren des 19. Jahrhundert (Flottengesetz); forderte im 1. Weltkrieg den uneingeschränkten U-Boot-Krieg; nach 1918 deutschnationaler Politiker.

Tirso de Molina, eigentlich Fray (Bruder) Gabriel Téllez, 9.3.1584-12.3.1648, spanischer Schriftsteller, Mönch im Orden der Barmherzigen Brüder, stellte in seinen etwa 400 Stücken (volkstümliche Komödien historischen und religiösen Inhalts, religiöse Stücke, Charakter-, Intrigen- und historischer Stücke wie «Don Gil mit den grünen Hosen» (1635, deutsch)) satirisch Standesdünkel und andere menschliche Torheiten bloß; erste dramatische Bearbeitung des Don-Juan-Stoffes («Der steinerne Gast», i630, deutsch).

Tiruchirapalli: Stadt im Osten des südindischen Unionsstaates Tamil Nadu, an der Cauvery; früher Trichinopoly) 610000 Einwohner; Produktion von Dampfkesseln und Industrieausrüstungen, Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Tabak), Handwerk (Seiden-, Leder-, Schmuckwaren); Flughafen; Shiva Tempel (1660/70), bedeutender Wallfahrtsort für Hindu (Tempelstadt Srirangam, 10. Jahrhundert).

Thiruvalluvar, indischer Dichter der Tamil-Literatur, wahrscheinlich um 500 nach Christus Sein «Kurall» oder auch «Tirukurall» (Kurzzeiler) ist eine Spruchsammlung von Lebensweisheiten.

Tiryns: auf einem alten neolithischen Siedlungsplatz im 16. Jahrhundert vor Christus erbaute und bis ins 13. Jahrhundert vor Christus erweiterte mykenischen Burganlage bei Nauplia (Ostpeloponnes); einer der Hauptfundorte mykenischen Kultur; 1884/85 Ausgrabungen von H. Schliemann und W. Dörpfeld.

Tisch, Harry, geboren 28.3.1927, Politiker, Bauschlosser, Diplomgesellschaftswissenschaftler, seit 1945 Mitglied der KPD, 1946 der SED; seit 1963 Mitglied des ZK. 1961/75 1. Sekretär der Bezirksleitung Rostock der SED. 1971/75 Kandidat, seitdem Mitglied des Politbüros des ZK der SED sowie Vorsitzender des Bundesvorstandes des FDGB. Seit 1976 ist Tisch Mitglied des Staatsrates, seit 1963 Abgeordneter der Volkskammer.

Tischbein, hessische Malerfamilie des 18. und 19. Jahrhundert; bekannteste Mitglieder sind: 1. Johann Friedrich August, 9.3.1750-21.6.1812; seit 1800 Akademiedirektor in Leipzig («Leipziger Tischbein»); neben A. Graff bedeutendster deutscher Bildnismaler im 18. Jahrhundert (umfangreiche Sammlung im Museum der bildenden Künste, Leipzig).

2. Johann Heinrich Wilhelm, 15.2.1751-26.6.1829; auch Radierer und Altertumsforscher; «Goethe-Tischbein», so genannt wegen seiner Freundschaft mit dem Dichter in Rom. Hauptwerk: «Goethe in der Campagna» (1787/88).

Tischrechner: Auftischgerät für Berechnungen. Tischrechner besitzen eine Tastatur, eine Ziffernanzeige und ein Rechenwerk für meist nur einfache Operationen, zum Teil auch ein Druckwerk. Programmierbare Tischrechner zählen zu den Rechenautomaten.

Tischtennis: auf einer mit 2 cm breiten Grund- und Seitenlinien (Doppelspiel außerdem mit 3 mm breiter Mittellinie parallel zur Seitenlinie) versehenen, 76,2 cm hohen und 152,5 cm x 274,3 cm großen Tischfläche bestimmter Elastizität mittels Tischtennisschlägern wettkampfmäßig ausschließlich in Hallen betriebenes Rückschlagspiel zwischen Einzelspielern und Doppeln. Der 2,40 bis 2,53 g schwere Zelluloid- oder Plasthohlball von 11,43 bis 12,70 cm Umfang ist derart über das das Spielfeld halbierende, 15,25 cm über der Spielfeldebene gespanntes Netz zu schlagen, dass der Gegner den Ballwechsel nicht regelgerecht fortsetzen kann. Gegner. Fehler zählen als Punkt; 21 gewonnene Punkte (bei 2 Punkten Vorsprung) ergeben 1 Satz, 2 beziehungsweise bei Männern 3 gewonnene Sätze den Sieg. Olymp. Sportart ab 1988, Weltmeisterschaften seit 1926, Europameisterschaften seit 1958.

Tischtschenko, Boris Iwanowitsch, geboren 23.3.1939, sowjetischer Komponist; hat sich vor allem mit Instrumentalwerken einen Namen gemacht und zählt zu den bekanntesten sowjetischen Musikschaffenden der Gegenwart.

Tisza: 1. Istvan Graf, 22.4.1861-31.10.1918, ungarischer Politiker; Sohn von Tisza 2; 1903/05 und 1913/17 Ministerpräsident, unterstützte im 1. Weltkrieg die deutsch-österreichischen Eroberungspläne, beim Ausbruch der Revolution von aufständischen Soldaten erschossen

2. Kälmän Graf, 16.12.1830-23.3.1902, ungarischer Politiker, 1848 in der Regierung Batthyany, dann im Exil; vertrat als Abgeordneter ab 1861 die Interessen von Hochadel und mittlerem Grundbesitz, gründete 1875 die Liberale Partei, vertiefte 1875/90 als Ministerpräsident den österreichisch-ungarischen Dualismus, forderte den wirtschaftlichen Aufschwung, unterdrückte soziale Bewegungen des Landproletariats und die Nationalitäten.

Tiszalök: Gemeinde im Nordosten Ungarns (Bezirk Szabolcs-Szatmär), am linken Ufer der Theiß; 6600 Einwohner; Standort eines Stausystems (Tiszal; erbaut 1951/59) mit komplexen Aufgaben für Wasserstandsregulierung der Theiß, Bewässerung der Hortobägy, Energiegewinnung (Wasserkraftwerk mit 11,5 MW), Verbesserung der Schifffahrt.

Titan: (nach den Titanen)

1. Astronomie: Mond.

2. Titan, fachsprachliche Titanium, Symbol Ti: chemisches Element der Kernladungszahl 22; Atommasse 47,88; Wertigkeit +4, seltener +3; F 1677°C; Kp 3277°C; Dichte 4,51 g/cm3. Titan ist in der Natur sehr verbreitet, findet sich jedoch nur selten in eigenen Erzen; Minerale sind Ilmenit (Titaneisenerz), FeTi03, und Rutil, Ti02. Titan ist ein zinnweißes, sehr hartes, bis etwa 600°C äußerst korrosionsbeständiges Leichtmetall mit sehr hoher Zug- und Druckfestigkeit, das seine Sprödigkeit mit zunehmender Reinheit verliert. Kompaktes Titan ist beständig gegen die meisten Säuren, auch gegen Königswasser, Chlorlösungen und nitrose Gase; von Flusssäure und heißer Salzsäure wird es gelöst. Titan wird durch Umsetzung zwischen Titantetrachlorid und Magnesium hergestellt; der zunächst anfallende Titanschwamm wird im Hochvakuum geschmolzen. Man verwendet Titan im Flugzeug-, Raketen- und chemische Apparatebau, als Elektrodenmaterial und meist als Ferro-Titan (mit 30 bis 40% Titan), zur Herstellung von Titanstählen. Titan wurde 1791 von dem britischen Chemiker und Mineralogen William Gregor (1761-1817) und unabhängig davon 1795 von M. H. Klaproth als Oxid entdeckt; als unreines Metall wurde Titan erstmals 1825 von J. J. Berzelius hergestellt.

3. Raumfahrt: Bezeichnung für eine Serie schwerer US-amerikanischen Raketen; 1954/57 als Interkontinentalrakete entwickelt, seit 1965 in mehreren Versionen als Trägerrakete für bemannte Raumfahrzeuge (Gemini-Programm) und unbemannte zivile und militärische Raumflugkörper, besonders Spionagesatelliten, eingesetzt.

Titanen, in der griechischen Sage riesenhaftes Göttergeschlecht, von Uranos und Gäa abstammend; zu ihnen gehörten unter anderem Hyperion, Kronos, Okeanos, Rhea; Zeus und seine Geschwister besiegten die Titanen und stürzten sie in den Tartaros.

Titanic: britischer Passagierdampfer der White-Star Linie; Wasserverdrängung 660001, Geschwindigkeit 22,3 kn; 1912 größtes Schiff, sank im gleichen Jahr nach Kollision mit einem Eisberg.

Titanverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Titan. Die in der Regel farblosen Titan(TV)-verbindungen sind beständiger als die violetten Titan(HI)-verbindungen. Titan(III)-chlorid entsteht als violettes Hexahydrat beim Lösen von Titan in heißer Salzsäure. Titan(IV)-chlorid ist eine farblose, an der Luft rauchende Flüssigkeit; F -24°C, Kp 136°C. 77tan(IV)-oxid (Titandioxid) F 1840°C, wird als Weißpigment (Titanweiß) verwendet.

Titanweiß: aus Titan (TV)-oxid (Titandioxid), TiO;, meist mit Zusätzen von Bariumsulfat und Zinkoxid, bestehendes, gut deckendes, ungiftiges und lichtechtes Weißpigment für Anstrichstoffe.

Titel: 1. Überschrift eines Literaturwerkes, eines Films; bei Büchern auf einem besonderen Titelblatt vorausgestellt (früheste Form etwa 1465).

2. Rang-, Dienstbezeichnung; Ehrenanrede; Rechtsgrund.

Titelei: alle dem eigentlichen Buchtext vorangestellten, den Titelbogen (meist 8 bis 16 Seiten) bildenden Buchteile; enthält unter anderem Schmutztitel, Haupttitel, Impressum einschließlich Copyrightvermerk, Vorwort, Inhaltsverzeichnis. Teile der Titelei stehen oft am Schluss des Buches.

Titelschutz: 1. Schutz des Titels eines urheberrechtlich geschützten Werkes, wenn er eine individuelle schöpferische Leistung darstellt.

2. Wettbewerbsschutz sonstiger Titel und Werknamen gegen Verwechslungsgefahr.

Titicacasee: größter und höchstgelegener Binnensee Südamerikas, im Hochbecken des Altiplano, an der bolivianisch-peruanische Grenze; 3816 m ü. M; 8100 km2, 190 km lang, bis 50 km breit und 281 m tief (jährlich Wasserspiegelschwankungen bis zu 5 m); sehr buchtenreich, zahlreiche Zuflüsse; der Abfluss erfolgt durch den Desaguadero zum Poopó-See.

Titisee: See im südlichen Schwarzwald; 848 m über dem Meeresspiegel; 1,1 km2, bis 40 m tief; Abfluss über Gutach; am Nordufer Kurort Titisee-Neustadt.

Tito, eigentlich Broz, Josip, 25.5.1892-4.5.1980, jugoslawischer Partei- und Staatsfunktionär; kroatischer Bauernsohn, Metallarbeiter; ein Führer der internationalen Arbeiterbewegung. Nach russischer Kriegsgefangenschaft und Kampf in den Reihen der Roten Armee 1920 Rückkehr nach Jugoslawien, Mitglied der KP; 1934 wurde Tito Mitglied des ZK der KP und 1937 Generalsekretär der KP. Im 2. Weltkrieg war Tito Organisator und Führer des antifaschistischen Volksbefreiungskampfes und 1941/45 Oberbefehlshaber der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee; seit 1943 Marschall von Jugoslawien. Tito wurde 1945 Ministerpräsident, 1953 (seit 1963 auf Lebenszeit) Staatspräsident und war 1953/63 zugleich Präsident des Bundesexekutivrates (Regierung); seit 1952 war er Generalsekretär (seit 1966 Vorsitzender) des Bundes der Kommunisten. Tito gehörte zu den Initiatoren der Bewegung der Nichtpaktgebundenheit.

Titograd: Hauptstadt von Montenegro, an der Moraira (Zufluss zum Shkodrasee); 130000 Einwohner; Aluminiumwerk, Maschinenbau, Eisen-, Buntmetallurgie, Tabakverarbeitung, Leichtindustrie; Handelszentrum; internationaler Flughafen; Akademie der Wissenschaften und der Kunst, Universität; Theater, Museum. Nahe Titograd befinden sich römische Ruinen; im 13. Jahrhundert als Podgorica erwähnt, war die Stadt im 15. Jahrhundert türkisch, kam 1878 an Montenegro. 1945 umbenannt.

Tittel, Gerhard, geboren 13.5.1937, Komponist; seit 1981 Professor an der Berliner Musikhochschule; leitet seit 1977 das Jugend-Sinfonieorchester der Berliner Musikschulen; berücksichtigt in seinem vielseitigen Schaffen alle musikalische Gattungen.

Titulescu, Nicolae, 17.3.1882-17.3.1941, rumänischer bürgerlicher Politiker; 1920/36 Rumäniens Vertreter im Völkerbund; trat als Vorsitzender der Tagungen des Völkerbundes 1930/31 für ein kollektives Sicherheitssystem in Europa ein; 1927/28 und 1932/36 Außenminister.

Titulus: Bildunterschrift (Titel) auf Kunstwerken des frühen Mittelalters, meist in Versen. Die Titulus sind Hauptquelle der Erforschung der Bildinhalte dieser Zeit.

Titurel: Gestalt der Artussage; Titelfigur eines Epenfragments Wolframs von Eschenbach, des einzigen höflichen Epos in Strophen (Titurelstrophe); von einem wahrscheinlich bayerischen Dichter Albrecht um 1270 fortgeführt («Jüngerer Titurel»).

Titus, Flavius Vespasianus, 30.12.39-13.9.81, römischer Kaiser seit 24.6.79; beendete 70 mit der Eroberung Jerusalems den Jüdischen Krieg. Titus weihte das Kolosseum in Rom ein und ließ Thermen errichten. Siehe auch Titusbogen.

Titusbogen: eintoriger Triumphbogen an der Ostseite des Forum Romanum in Rom, den Kaiser Domitianus zur Verherrlichung der Einnahme Jerusalems durch Titus nach dessen Tod 81 errichten ließ; auf den kunsthistorisch bedeutsamen Reliefs in den Leibungen des Torbogens ist der Triumph des Titus dargestellt.

Tituskopf: (nach dem römischen Kaiser) Frisur mit kurz geschnittenem, auf dem ganzen Kopf zu kleinen Locken eingedrehtem Haar.

Tivoli: Stadt in Mittelitalien, in der Region Latium, über einem Steilhang der Monti Sabini; 51000 Einwohner; Eisen-, Papier-, Textilindustrie, Travertinbrüche; Fremdenverkehr wegen der Wasserfälle des Aniene, der Villa d’Este (Renaissance) mit Park und der Ruinen der Hadriansvilla.

Tizian, eigentlich Tiziano Vecelli oder Vecellio, 1476/77-27.8.1576, italienischer Maler, Hauptmeister der venezianischen Malerschule und einer der einflussreichsten Künstler der italienischen Hochrenaissance; in seinem Frühwerk beeinflusst von G. Bellini und Giorgione («Zigeunermadonna», um 1503). Seit 1518 ist in seinen religiösen und mythologischen Kompositionen die Pracht der venezianischen Hochrenaissance vorherrschend. Die Farbe ist das bestimmende Ausdrucks- und Gestaltungsmittel («Himmelfahrt Mariä», 1516/18). Als ein an allen europäischen Höfen begehrter Porträtist schuf er zahlreiche psychologisch eindringliche Bildnisse (Karl V., Philipp n.). In seinem Spätwerk wird die Farbe zunehmend zum Sichtbarmachen geistiger Bezüge genutzt («Danae», «Grablegung», 1545/46).

Tizi Ouzou, Tizi Uzu: Stadt (Wilayatszentrum) im Norden Algeriens, am Nordfuß des Küstenatlas; 75000 Einwohner; Handelszentrum der Großen Kabylei; elektrotechnischer, Lebensmittelindustrie.

Tjumen: an der Tura und der Transsibirischen Eisenbahn; 500000 Einwohner; Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum Westsibiriens; Werft, vielseitiger Maschinen- und Gerätebau, Holzverarbeitung, chemische, Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Ausgangspunkt der Nordsibirischen Eisenbahn, Flughafen; Universität (1973 gegründet), 4 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Museen; älteste Stadt Sibiriens (1586 gegründet). Das Gebiet Tjumen ist wichtigstes sowjetisches Erdöl- (Samotlor) und Erdgasfördergebiet (Urengoi, Jamburg, Medweshje) und Ausgangsgebiet zahlreicher Fernleitungen.

Tkaczyk, Wilhelm, 27.2.1907-2.12.1982, Lyriker, war Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, leistete antifaschistische Widerstandsarbeit. Tkaczyk entwickelte sich vom schreibenden Arbeiter zum satirisch-optimistischen Gestalter des Sozialismus; «Fabriken Gruben», 1932; «Wir baun uns eigne Himmelswiesen», 1958; «Auf dieser Erde», 1963; «Der Tag ist groß», 1972; «Meine Wolken sind irdisch», 1981; Auswahl «Rundflüge im Abendrot», 1983; schuf auch Nachdichtungen.

Tkatschow, Pjotr Nikititsch, 11.7.1844-4.1.1886, russischer Revolutionär, Ideologe der Narodniki, Publizist und Literaturkritiker, 1873 emigriert; Verfechter der anarchistischen Verschwörer Taktik L. A. Blanquis.

Tlemcen, Tilimsan: Stadt (Wilayatszentrum) im Nordwesten Algeriens; 120000 Einwohner; Textil-, Lebensmittel-, Metallindustrie, Teppichherstellung; Handelszentrum; Verkehrsknoten; Museum. In der Nähe Baudenkmäler aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

Tlingit: Gruppe von Indianerstämmen der nordamerikanischen Nordwestküste (an der Küste und auf vorgelagerten Inseln Südostalaskas); etwa 10000; Fischfang und Jagd auf Seesäuger, feste Siedlungen aus großen Plankenhäusern, Totempfähle und hierarchisch gegliederte Gesellschaft; die Sprache der Tlingit wird mit der der Athapasken unter dem Begriff Na-Dene zusammengefasst.

Toamasina: Stadt (Provinzzentrum) im Osten von Madagaskar, am Indischen Ozean; früher Tamatave; 85000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Metallverarbeitungs-, Holzindustrie, Erdölraffinerie; wichtigster madagassischer Hochseehafen, Flughafen; Seebad.

Tobago: Insel mit innerer Autonomie im Atlantischen Ozean, rund 120 km vor der Nordostküste Venezuelas, gehört zu Trinidad und Tobago; 301km2, 41000 Einwohner; Hauptort Charlotteville-, gebirgig, bis 576 m; bei tropischen Wechselklima teils immergrüner tropischer Regenwald, teils Savannen.

Toboggan: kufenloser Schlitten kanadischer Indianer, besonders der Algonkin; vom hochgebogenes breites Brett oder durch Riemen verbundenes Bretterpaar; zum Teil von Hunden gezogen; von europäischen Siedlern übernommen; dient heute, entsprechend weiterentwickelt, auch dem Wintersport.

Tobolsk: Stadt im Gebiet Tjumen, in Westsibirien, nahe der Mündung des Tobol in den Irtysch und an der Nordsibirischen Eisenbahn; 75000 Einwohner; petrolchemisches Kombinat; Werft, Holzverarbeitung; Hafen; pädagogische Hochschule; Theater; Zweitälteste Stadt Sibiriens (1587 gegründet); Kreml (17. Jahrhundert), Sophie-Uspenski-Kathedrale (17. Jahrhundert), Klöster.

Tobruk: Stadt in Libyen, am Mittelmeer; 60000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Kunsthandwerk; Hafen (Erdölausfuhr); Ingenieurschule. Bei Tobruk Erd-ölraffinerie. Im 2. Weltkrieg war das befestigte Tobruk 1941/42 von deutsch-italienischen und britischen Truppen heftig umkämpft.

Tobsucht: hochgradiger, psychisch bedingter motorischer Erregungszustand, der zur Gefährdung der eigenen Person und der Umgebung führen kann; unter anderem bei Schizophrenie und Epilepsie.

Tocantins: Fluss in Brasilien; 2640 km; entspringt mit mehreren Quellflüssen (Rio das Almas, Paraná) im mittleren Teil des Brasilianischen Berglandes (Bundestaat Goiás), nimmt nach Norden von links den Araguaia als größten Nebenfluss auf und bildet mit dem südlichen Mündungsarm des Amazonas, dem Rio do Pará, einen gemeinsamen Mündungstrichter (Marajó-Bucht) zum Atlantischen Ozean; 1320 km schiffbar (bis Tucurui für Seeschiffe); Wasserkraftwerk Tucurui (im Bau).

Toccata: frei gestaltetes Instrumentalstück, vor allem für Tasteninstrumente, Laute oder Orchester, in dem virtuose Passagen mit akkordischen Teilen wechseln.

Tochigi: Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, nördlich von Tokio; 6414 km2, 1,7 Millionen Einwohner; 265 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Utsunomiya-, landwirtschaftlich und vor allem industriell entwickeltes Gebiet.

Tochtergesellschaft: Unternehmen, das von einer anderen Kapitalgesellschaft (Muttergesellschaft) durch Kapitalbeteiligung, Aufsichtsratsmandate, Verträge unter anderem beherrscht wird. Siehe auch Schachtelgesellschaft.

Tochterkopf: militärische Bezeichnung für einen Einzelsprengkopf von Mehrfachsprengköpfen.

Tochterrepubliken: Bezeichnung für die von Frankreich abhängigen Staatsgebilde, die während der Koalitionskriege gegründet wurden. Die Tochterrepubliken wurden einerseits rücksichtslos ausgebeutet, andererseits trug die Beseitigung der Feudalverhältnisse zur Entwicklung des Kapitalismus bei.

Tocqueville, Alexis Charles de, 29.7.1805-16.4.1859, französischer Historiker und Politiker; seit 1841 Mitglied der Académie française, gehörte zur Zeit der Februarrevolution zu den Führern der rechtsliberalen Ordnungspartei; heftiger Gegner des Sozialismus. Tocqueville schrieb unter anderem «Das Ancien Régime und die Revolution» (1856, deutsch).

Tod: Zustand bei endgültigem Erliegen der Lebensfunktionen eines Gesamtorganismus. Der Tod ist das Ende eines Prozesses, der als Sterben bezeichnet wird. Das Kennzeichen des Individualtods ist der totale Funktionsausfall des Gehirns (Hirntod). Herz-Kreislauf-Tätigkeit und Atmung können noch vorhanden sein oder künstlich aufrechterhalten werden. Hatten Wiederbelebungsmaßnahmen Erfolg, lag kein Tod vor, sondern ein lebensbedrohlicher Sterbezustand, der früher als klinischer Tod bezeichnet wurde. Nach dem Individualtod überleben die einzelnen Organe entsprechend ihrer Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoffmangel verschieden lange und können unter Umständen auf lebende Personen übertragen werden (Transplantation). Der Sterbeprozess endet mit dem Zelltod oder biologischer Tod. Die Feststellung des Tods beruht auf dem Nachweis von Todeszeichen. Unsichere Todeszeichen sind unter anderem Stillstand von Atmung und Kreislauf, Absinken der Körpertemperatur, Erlöschen der Reflexe, die auch beim sogenannten Scheintod, einer hochgradigen Reduzierung der Stoffwechselprozesse zum Beispiel infolge starker Unterkühlung oder bei Schlafmittelvergiftung, auftreten können. Als beweisend für den Todeseintritt beziehungsweise als Zeitpunkt für die Beendigung von Wiederbelebungsmaßnahmen gilt nur das Auftreten von sicheren Todeszeichen (Totenflecke und Totenstarre). Diese fehlen beim Scheintod. Die Totenflecke (Leichenflecke, Livores) entstehen nach Stillstand des Blutkreislaufs infolge Absinkens des Blutes in die tiefliegenden Körperregionen und treten als blauviolette Hautverfärbung in Erscheinung. Die Totenstarre (Leichenstarre, Rigor mortis) beginnt in der Regel 2 Stunden nach dem Tod und ist im Allgemeinen in 7 bis 8 Stunden vollständig ausgebildet. Bei jedem Verstorbenen ist die Todesursache festzustellen. Gelingt dies bei der Leichenschau nicht, muss eine Sektion durchgeführt werden. Die Einteilung der vielfältigen Todesursachen erfolgt nach einer internationalen Klassifikation. Hinsichtlich der Todesart ist zu unterscheiden zwischen natürlichem Tod und nichtnatürlichem oder gewaltsamem Tod (Unfall, Selbsttötung, Tod durch andere Personen).

Toda: Dravida sprachiger, kleiner Volksstamm in den Nilgiri-Bergen Südindiens; etwa 1000; Rinder- und Büffelzüchter.

Todeserklärung: gerichtliche Feststellung des Todes und beziehungsweise oder des Todeszeitpunktes eines Verschollenen (Verschollenheit) nach Ablauf bestimmter Fristen (Verschollenheitsfristen). Die Todeserklärung begründet die Vermutung, dass der Verschollene zu dem im Beschluss festgesetzten Zeitpunkt gestorben ist, und löst Rechtsfolgen des natürlichen Todes aus (zum Beispiel Erbfolge). Mit Rechtskraft der Todeserklärung wird eine bestehende Ehe beendet.

Todesspirale: Eiskunstlauf Paarlauffigur; beide Partner laufen rückwärts-auswärts (die Partnerin auch rückwärts-einwärts), dann geht der Partner in einen Zirkel über und hält die ihn zurückgebeugt umkreisende Partnerin an einer Hand.

Todorow, Stanko, geboren 10.12.1920, bulgarischer Politiker; seit 1943 Mitglied der KP; am antifaschistischen Volksaufstand vom 9.9.1944 beteiligt; seit 1954 Mitglied, 1957/59 und 1966/71 Sekretär des ZK der KP; seit 1959 Kandidat und seit 1961 Mitglied des Politbüros des ZK der KP; 1971/81 Vorsitzender des Ministerrates; seit 1981 Vorsitzender der Volksversammlung.

Toe Loop, getippter Rittberger, getupfter Rittberger. Eiskunstlauf dem Rittberger entsprechender Sprung, bei dem der Schlittschuh des Spielbeins beim Absprung in das Eis eingehakt wird.

Toeplitz: 1. Heinrich, geboren 5.6.1914, Jurist; seit 1951 Abgeordneter der Volkskammer, 1960/86 Präsident des Obersten Gerichts der DDR; Ehrenpräsident der Vereinigung der Juristen der DDR und Sekretär der Internationalen Vereinigung Demokratischen Juristen.

2. Jerzy, geboren 24.11.1909, polnischer Filmwissenschaftler und -kritiker, 1930 Mitbegründer der progressiven Filmgruppe «Start», Professor an der Filmhochschule L6dz (1949/52 und 1957/68 Rektor) und später Direktor der Hochschule für Film und Fernsehen in Sydney; veröffentlichte eine «Geschichte des Films» (5 Bände, 1955/70, Band 1/4 deutsch).

Toga: antikes faltenreiches Obergewand des der herrschenden Klasse angehörenden Römers, meist aus weißer Wolle, über der Tunika getragen; bei Senatoren und Priestern mit Purpursaum.

Togliatti, Palmiro, Pseudonym Ercoli, 26.3.1893-21.8.1964, bedeutender Führer der italienischen und der internationalen Arbeiterbewegung; seit 1914 Mitglied der sozialistischen Partei, gründete 1919 mit A. Gramsci unter anderem die Turiner Zeitschrift «L’Ordine Nuovo», um die sich eine Gruppe marxistischer Sozialisten sammelte. 1921 Mitbegründer der KP, seit 1926 an der Spitze der Partei; 1935/43 Mitglied des Sekretariats der KI und deren Vertreter in Spanien während des Spanischen Freiheitskampfes 1936/39; 1944/46 stellvertretender Ministerpräsident und Justizminister. Zahlreiche Arbeiten zur Theorie des Marxismus-Leninismus, entscheidender Beitrag zur wissenschaftlichen und propagandistischen Erschließung der Werke A Gramscis.

Togo, Republik Togo: Staat in Westafrika, an der Guineaküste. Grenzt im Norden an Burkina, im Osten an Benin, im Süden an den Golf von Guinea und im Westen an Ghana. Verwaltungsmäßig in 5 Regionen gegliedert. Die Bevölkerung setzt sich aus 40 verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen. Amtssprache ist Französisch, die Währung der CFA-Franc. Von der lagunenreichen Küste im Süden steigt das Land zur ebenen bis hügeligen Oberguineaschwelle an und wild nahezu in der ganzen Länge vom Togogebirge (bis 986 m) durchzogen. Es herrscht tropisches Klima mit einer, im Süden zwei Regenzeiten. Vorherrschend ist Kurzgrassavanne; an den Berghängen vereinzelt Waldinseln. Die Bodenschätze (nachgewiesen sind Phosphate, Bauxit, Chrom-, Titan-, Eisenerze) sind noch wenig erschlossen. Togo ist ein vom Auslandskapital (besonders Frankreich) beherrschtes Agrarland mit beginnendem Aushau der Industrie. Etwa 80% der Bevölkerung existieren unmittelbar von der Landwirtschaft. Hauptzweig ist der Ackerbau (überwiegend im Süden des Landes) mit der Erzeugung von Kakao, Palmkernen, Baumwolle, Kaffee und Erdnüssen für den Export Zweitgrößte Bedeutung hat der Abbau von Phosphaten (verstaatlicht) nordöstlich von Lomé. Die Lagunen- und Küstenfischerei ist im Ausbau begriffen. Hauptzweige der verarbeitenden Industrie sind die Lebensmittel- und Textilindustrie. Daneben entstanden ein Zement-, Stahl-, Phosphordüngemittelwerk sowie eine Erdölraffinerie. Das Verkehrsnetz umfasst 520 km Eisenbahnlinien und etwa 2500 km asphaltierte Straßen. Internationaler Flughafen und größter Seehafen in Lomé. Ausfuhr von landwirtschaftlichen Produkten und Phosphaten (40% des Exportwertes); Einfuhr von Treibstoffen, Maschinen und anderen Industrieausrüstungen sowie Lebensmitteln. Haupthandelspartner sind Frankreich, die BRD, Großbritannien, die USA, die Niederlande, Japan und Italien.

Geschichte: Togo war bereits im Paläolithikum besiedelt, erlebte zahlreiche Völkerbewegungen im frühen und lokale Staatengründungen im ausgehenden Mittelalter; seit der ersten Landung der Portugiesen (1471) entwickelten sich von der Küste aus Sklavenjagd und -handel 1884/1901 von Deutschland kolonial erobert, wurde Togo nach dem 1. Weltkrieg als Mandatsgebiet des Völkerbundes und nach dem 2. Weltkrieg als Treuhandgebiet der UN unter britischer und französischer Herrschaft aufgeteilt. 1956 entschied sich die Bevölkerung des britischen Treuhandgebietes von Togo für den Anschluss an die Goldküste (heute Ghana), während der französische Teil am 1.9.1956 den Status einer autonomen Republik innerhalb der Communauté Française erhielt. Am 27.4.1960 erlangte das ehemalige Französisch-Togo die staatliche Selbständigkeit. Die proimperialistischer und antidemokratischer Politik des ersten Präsidenten Sylvanus Olympio führte am 13.1.1963 zu einem Militärputsch, aus dem am 16.1.1963 eine neue Zivilregierung unter Präsident Nicolas Grunitzky hervorging, die jedoch ihrerseits am 13.1.1967 durch das Militär unter General G. Eyadema, der seitdem Präsident ist, gestürzt wurde. Unter der Regierung Eyademas stabilisiert sich die einheimische Bourgeoisie durch eine nationale Wirtschaftspolitik, jedoch in starker Abhängigkeit vom internationalen Monopolkapital.

Togogebirge: Gebirgszug in Westafrika, im Südosten Ghanas sowie im westlichen und mittleren Teil Togos; bis 986 m (Mont Agou) aus Quarziten aufgebaut; regenreich; zum Teil noch bewaldet. Nördliche Fortsetzung ist das Atakora Gebirge.

To Huu, eigentlich Nguyen Kim Thanh, geboren 4.10.1920, vietnamesischer Dichter und Politiker, seit seiner Jugend revolutionär tätig und Mitglied der KP Indochinas seit 1938; seine Gedichte (dt. Auswahl «Vietnam, mein Land», 1975) haben die Kämpfe des werktätigen Volkes zum Hauptthema; auch kulturpolitische Aufsätze.

Tohuwabohu: (hebräisch, «wüst und leer») im Alten Testament chaotischer Urzustand vor der Schöpfung; übertragen Durcheinander.

Toilette: (französisch) Gesellschaftskleid; Frisiertisch; Wasch- und Abortanlage. Toilette machen: sich (gut) anziehen; sich fein machen.

Tojo, Hideki, Dezember 1884-23.12.1948, japanischer Militär, seit 1940 Armeeminister, 1941/44 Ministerpräsident; trug wesentliche Verantwortung für die Ausweitung des 2. Weltkrieges auf den pazifischen Raum; als Hauptkriegsverbrecher hingerichtet.

Tokaimura: Ort in Japan, an der Pazifikküste, nordöstlich von Tokio; Standort des japanischen Kernforschungsinstituts (Versuchsreaktor).

Tokajer: (nach der Stadt Tokaj) ungarischer Naturdessertwein aus den Rebsorten Furmint, Muskateller oder Lindenblättriger, Volumenanteil an Alkohol zwischen 13,8 und 15,5%.

Tokamak: (Kunstwort aus der russischen Bezeichnung für «Ringkammer im Magnetfeld») aussichtsreicher Typ von Versuchsanlagen für die gesteuerte Kernfusion, wurde zuerst in der UdSSR entwickelt. Der Tokamak ist ein Torus mit magnetisch eingeschlossenem Plasma und einem nach dem Transformatorprinzip induzierten Plasmastrom, dessen eigenes Magnetfeld zusätzlich zu einem äußeren Längsfeld stabilisierend wirkt und der das Plasma aufheizt. Bei ähnlichen Anlagen, den Stellaratoren, ist das äußere Magnetfeld komplizierter.

Tokarew, Sergei Alexandrowitsch, geboren 28.12.1899, sowjetischer Völkerkundler; Professor für Ethnographie an der Lomonossow-Universität und Sektorenleiter am Miklucho-Maklai-Institut für Ethnographie der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in Moskau; veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Wissenschaftsgeschichte und Religionsethnologie.

Tokee, Gekko gecko: bis 35 cm langer Gecko Südostasiens; blaugrau mit zahlreichen orangeroten Punkten; nachtaktiver Kulturfolger. Tokelau-Inseln: zu Neuseeland gehörende Gruppe von 3 Atollen (Atafu, Fakaofo, Nukunonu) im Stillen Ozean (Polynesien), 480 km nördlich von Westsamoa; früher Unionsinseln; 10 km2, 1600 Einwohner; Fischfang; Kokospalmenkulturen; Kopraexport.

Tokio, Tokyo («Osthauptstadt»): Hauptstadt Japans, im mittleren Teil der Insel Honshu, in der dichtbesiedelten Kanto Ebene, an der sehr flachen Tokio Bucht des Stillen Ozeans; 8,3 Millionen Einwohner (mit etwa 15000 Einwohner/km2 eine der am dichtesten bevölkerten Städte der Erde). Die zur Präfektur Tokio zusammengefasste Agglomeration Groß-Tokio zählt 11,9 Millionen Einwohner auf 2155 km2; Verwaltungs-, Industrie-, Handels-, Finanz-, Verkehrs- und Kulturzentrum Japans; bildet mit den angrenzenden Großstädten Chiba, Kawasaki und Yokohama eine Hafengemeinschaft und einen geschlossenen Industriebezirk (Keihin) entlang der Küstenzone; vielseitige bedeutende Industrie, besonders Schiff-, Kfz- und Maschinenbau, elektrotechnische, chemische, feinmechanische, Genussmittel-, Papier-, Textil- und Porzellanindustrie, Zentrum der Erdölverarbeitung; größter Eisenbahnknoten mit Ring- und Untergrundbahn sowie Einschienenbahn zum internationalen Flughafen Haneda, neuer internationaler Flughafen Narita, Ausgangspunkt des Eisenbahnstreckennetzes Shinkansen und der Tomei-Autostraße; über 100 Universitäten und Hochschulen (in Tokio über zwei Fünftel aller japanischen Studenten), nordöstlich von Tokio Forschungszentrum Tsukuba («Stadt der Wissenschaften» mit 140000 Einwohner); Bibliotheken, Museen und Theater, botanische und zoologische Gärten; 215 große Parkanlagen mit buddhistischen Tempeln und Shinto Schreinen; im Zentrum Tokios der von Graben und Wall umgebene Kaiserpalast; 332 m hoher Tokio Turm (Fernseh- und Aussichtsturm); Einkaufs- und Vergnügungsviertel Ginza\ moderne Sportstätten (1964 Austragungsort der XVIII. Olymp. Spiele). ursprünglich Edo (oder Yedo)\ 1603/1867 Regierungssitz der Shogune aus dem Geschlecht der Tokugawa; seit 1868 unter dem Namen Tokio Hauptstadt Japans.

Tokographie: apparative Aufzeichnung des Wehenablaufs zur Geburtsüberwachung; dient auch zur Registrierung vorzeitiger Wehentätigkeit während der Schwangerschaft.

Tokologie: Geburtslehre, Lehre von den Geburtsvorgängen, speziell der Wehentätigkeit.

Tokos, Tockus: schlanke, langschwänzige Nashornvögel Afrikas und Vorderindiens mit leicht gebogenem Schnabel; ernähren sich von Insekten und Früchten.

Tokugawa: japanisches Kriegeradelsgeschlecht; stellte 1603/1867 die Shogune; unter den Tokugawa kam es zur Entstehung eines zentralisierten Feudalstaates mit straffer Verwaltung und zur fast völligen Landesabschließung.

Tokunaga, Sunao, 20.1.1899-15.2.1958, japanischer Schriftsteller; schuf den ersten japanischen Arbeiterroman («Die Straße ohne Sonne», 1929, deutsch); setzte die Traditionen der proletarischen Literatur fort («Schlafe, meine Gefährtin», 1946/48; «Stille Berge», 1950/54, deutsch).

Tokushima: 1. Präfektur in Japan, im Osten der Insel Shikoku; 4145 km2, 825000 Einwohner; 199 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Tokushima 2; industriell wenig entwickeltes Gebiet.

2. Stadt in Japan, Verwaltungszentrum von Tokushima, am Stillen Ozean; 250000 Einwohner; Schiffbau, chemische, Textilindustrie; Hafen, Flughafen; Universität. Tokusuke, Chomin Nakae.

Toland, John, 30.11.1670-11.3.1722, irischer Philosoph; vertrat in «Christentum ohne Geheimnisse» (1696) eine Vernunftreligion, die göttliche Offenbarung und Wunder ausschließt. Für die Entwicklung des Materialismus hatten seine «Briefe an Serena» (1704) große Bedeutung (innere Aktivität der Materie, Bewusstsein Produkt des Gehirns).

Tolbuchin: Bezirksstadt im Nordosten Bulgariens, inmitten eines Agrargebietes in der südlichen Dobrudscha; 100000 Einwohner; umfangreiche Lebensmittelindustrie, Landmaschinenbau, elektrotechnische, Textil-, Schuhindustrie; Theater, Museen.

Tolbuchin, Fjodor Iwanowitsch, 16.6.1894 bis 17.10.1949, Marschall der Sowjetunion; während des Bürgerkrieges Stabschef einer Division der Roten Armee, seit 1938 Mitglied der KPdSU; 1944 Oberbefehlshaber der Truppen, die entscheidend zur Befreiung Südosteuropas beitrugen.

Tölcke, Carl Wilhelm, 31.3.1817-30.11.1893, Rechtsanwalt; schloss sich 1864 dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein an, wurde Vorstandsmitglied und 1866 vorübergehend Präsident; trat als fanatischer Verteidiger der Ideen F. Lassalles hervor. Während der Zeit des Sozialistengesetzes gab er eine legale Arbeiterzeitung heraus.

Toldo: großes, mit Fellen bedecktes Zelt der patagonischen Indianer, das an einer Seite offen bleibt und so an einen Windschirm erinnert; ein Toldo wurde oft von mehreren Familien der Patagonier bewohnt.

Toledo: 1. Toledo: Stadt im mittleren Spanien, Verwaltungszentrum der Provinz Toledo, am Tajo; 58000 Einwohner; Waffenfabrik; Kunstgewerbe. Einzigartiges historischer Stadtensemble: Reste eines römischen Zirkus, Mauern und Türme nacheinander von Westgoten, Mauren, Christen errichtet. Aus maurischer Zeit Alcántara-Brücke, ehemalige Moschee «San Cristo de la Luz», Teile mehrerer Kirchen und arabische Bäder; im Mudéjarstil die Synagogen «S. Maria la Bianca» (12. Jahrhundert) und «del Tránsito» (14./15. Jahrhundert) und die fünfschiffige Kathedrale (13./15. Jahrhundert); weitere Bauten: Alcázar (16. Jahrhundert), Rathaus (16./17. Jahrhundert) und viele Paläste. 192 vor Christus römisch (Toletum), 567/712 nach Christus Hauptstadt des Westgotenreiches; bis 1085 maurisch; 1087/1561 Blütezeit als kastilische beziehungsweise spanische Hauptstadt; im Mittelalter berühmte Waffenwerkstätten (Toledaner Klingen).

2. Toledo: Stadt im Nordwesten des Bundesstaates Ohio (USA), an der Mündung des Maumee in den Eriesee; 350000 Einwohner; Eisenmetallurgie, Erdölverarbeitung, Maschinenbau, chemische, Lebensmittel-, Glasindustrie; größter Binnenhafen der Großen Seen, Flughafen; Universität, Hochschule.

Toleranzedikt: Urkunde, die den neben der Staatskirche bestehenden Konfessionen Freiheit der Religionsausübung zusicherte, zum Beispiel Potsdamer Edikt.

Toliara: Stadt (Provinzzentrum) im Südwesten Madagaskars, an der Straße von Mozambique (Indischer Ozean); früher Tulear, 50000 Einwohner; Nahrungsmittelindustrie, Sisalverarbeitung; Hochseehafen, Flughafen.

Tollan: Ortschaft nordwestlich von Mexiko (Stadt). Im 9./12. Jahrhundert Hauptort des Tolteken Reiches; bei Ausgrabungen wurden Tempel und Pyramiden, Steinsäulen, ferner ein Ballspielplatz und Wohnkomplexe freigelegt.

Tollense: rechter Nebenfluss der Peene; 79 km; entspringt dem Nördlichen Landrücken nördlich von Neustrelitz, durchfließt den langgestreckten Tollensesee (15 m über dem Meeresspiegel; 17,4 km2, bis 34 m tief) bei Neubrandenburg, mündet bei Demmin.

Toller, Ernst, 1.12.1893-22.5.1939, Schriftsteller; führend beteiligt an Novemberrevolution und Münchener Räterepublik (5 Jahre Festungshaft); ab 1933 im Exil (Schweiz, Frankreich, Großbritannien, USA). Toller, der während des 1. Weltkrieges Kriegsgegner wurde und sich an G. Landauers utopischer Sozialismus orientierte, setzte sich aus expressionistischer Sicht in aufrüttelnden Stücken mit zentralen Problemen seiner Zeit auseinander. Leidenschaftliche Anklage des Krieges sind «Die Wandlung» (1919) und «Hinkemann» (1924); «Masse Mensch» (1921), «Hoppla, wir leben» (1927) und «Feuer aus den Kesseln» (1930) stellen die Revolutionsproblematik dar; «Pastor Hall» (1939) ist die Tragödie des gegen den Faschismus kämpfenden Einzelmenschen. Aus Tollers revolutionär-pathetischer Lyrik ragt das während der Festungshaft geschriebene «Schwalbenbuch» (1924) heraus.

Tollkirsche, Atropa bella-donna: Nachtschattengewächs lichter Bergwälder mit braunvioletten Blüten und Kirsch ähnliche, schwarzen, sehr giftigen Beeren; die ausdauernde Staude wird als Arzneipflanze angebaut, sie enthält die Alkaloide Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin.

Tollwut, Wutkrankheit, Lyssa, Rabies: durch ein Virus hervorgerufene, weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die vorwiegend Säugetiere und den Menschen befällt. Die Übertragung erfolgt durch den Biss (Speichel) kranker Tiere und äußert sich sowohl in Erregungszuständen als auch in Lähmungserscheinungen. Überwiegt die Tollwut, wobei das Virus hauptsächlich durch Füchse und andere Wildtiere auf Haustiere (Hund, Katze, Rind, Schaf) und den Menschen übertragen wird. Therapieversuche bei tollwutverdächtigen Tieren sowie deren Schlachtung sind untersagt. Die Tollwut verläuft unbehandelt tödlich, deshalb muss bei Tollwutverdacht ein Tierarzt, Arzt oder die Volkspolizei verständigt werden; sie ist meldepflichtig. Siehe auch Infektionskrankheiten.

Tolna: Bezirk im Süden Ungarns, westlich der Donau; 3704 km2, 267000 Einwohner; 72 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Szekszard; umfasst Hügelland und Flussniederungsgebiete, die vorwiegend landwirtschaftlich genutzt werden (Weizen-, Maisanbau, Weinbau; Schweinezucht); Leicht- und Nahrungsmittelindustrie.

Tolnay, Klari, geboren 27.4.1914, ungarische Schauspielerin; ist seit 1934 als wandlungsfähige Charakterdarstellerin an verschiedenen Budapester Theatern (unter anderem Madach-Theater) sowie beim Film tätig («Frau Dery», «Die Lerche»),

Tölpel, Sulidae: Ruderfüßer mit langem Schnabel und sehr langen Flügeln; gute Flieger und Stoßtaucher; brüten in Kolonien auf abgelegenen Inseln; südamerikanische Arten als Guano-Lieferanten geschätzt; in großen Kolonien an den Küsten des nördlichen Atlantiks brütet der 90 cm lange, weiße Basstölpel (Sula bassana).

Tolstoi: 1. Alexej Nikolajewitsch, 10.1.1883 bis 23.2.1945, russisch-sowjetischer Schriftsteller; trat vor 1917 nach kurzer Annäherung an den Symbolismus mit kritisch-realistischen Prosa hervor. Der Oktoberrevolution stand Tolstoi zunächst verständnislos gegenüber, er emigrierte 1918 und lebte in Paris und Berlin; 1923 kehrte er jedoch in die UdSSR zurück und nahm aktiv am gesellschaftlichen Leben teil. Den im Ausland neben der autobiographische Erzählung «Nikitas Kindheit» (1920/22, deutsch) und dem phantastischen Roman «Aelita» (1922, deutsch) geschaffenen Roman «Die Schwestern» (1920, deutsch) baute Tolstoi mit den Romanen «Das Jahr Achtzehn» (1927/28, deutsch) und «Trüber Morgen» (1940/41, deutsch) zu der Trilogie «Der Leidensweg» aus. Der historische Roman «Peter der Erste» (1929/45, deutsch) blieb unvollendet.

2. Fjodor Petrowitsch, 21.2.1783-25.4.1873, russischer Bildhauer, Maler, Graphiker und Medailleur; trat mit klassizistischer Basreliefs zur «Odyssee», 21 allegorische Medaillons zum Vaterland. Krieg gegen Napoleon I., die als sein Hauptwerk (1814/36) gelten, sowie Porträts, Büsten, Druckgraphik und Zeichnungen hervor; stand zeitweilig den Dekabristen nahe.

3. Lew Nikolajewitsch, 9.9.1828-20.11.1910, russischer Schriftsteller; begann sein literarisches Schaffen, mit dem er die Weltliteratur nachhaltig beeinflusste, mit den autobiographischen Erzählungen «Kindheit» (1852, deutsch), «Knabenjahre» (1854, deutsch) und «Jugendzeit» (1857, deutsch). Über den Krim krieg an dem er teilnahm, berichtete Tolstoi in den realistischen «Sewastopoler Erzählungen» (1855/56, deutsch); die Eindrücke seiner ersten Europareise fanden in Werken wie «Luzern» (1857, deutsch) ihren Niederschlag. 1860/61 studierte Tolstoi auf einer zweiten Reise das Schulwesen in Westeuropa, nachdem er seit 1859 in Jasnaja Poljana Bauernkindern Unterricht erteilt hatte. 1863 brachte er die Erzählungen «Die Kosaken» (dt.) und «Polikuschka» (deutsch) heraus und begann die Arbeit an dem Roman «Krieg und Frieden» (1863/69, deutsch), in dem er ein beeindruckendes Bild der Zeit zwischen 1805 und 1820 entwarf. 1875/78 erschien der Roman «Anna Karenina» (dt.), die Tragödie einer jungen Frau, deren Leben an der heuchlerischen Moral der Adelsgesellschaft zerbricht. In den 80er Jahren löste sich Tolstoi vollends von seiner Klasse und vertrat die Positionen der patriarchalischen Bauernschaft. Obwohl er mit schonungsloser Kritik alle Grundfesten der herrschenden Gesellschaftsordnung angriff, vermochte er ihr nur den utopischen Gedanken der moralischen «Selbstvervollkommnung» und die Lehre vom «Verzicht auf gewaltsamen Widerstand gegen das Böse» entgegenzusetzen. In Erzählungen wie «Der Tod des Iwan Iljitsch» (1886, deutsch), Romanen wie «Auferstehung» (1899, deutsch) und Dramen wie «Macht der Finsternis» (1886, deutsch) und «Der lebende Leichnam» (1900/11, deutsch) fanden die neuen Moralvorstellungen Tolstois ihren Ausdruck. Seine Kritik an Erscheinungen des Zarismus verdichtete sich schließlich zur Ablehnung jeder antagonistischen Klassengesellschaft.

Tolstow, Sergei Pawlowitsch, 25.1.1907-28.12.1976, sowjetischer Völkerkundler, Direktor des Miklucho-Maklai-Institutes für Ethnographie der Akademie der Wissenschaften der UdSSR; seit 1936 Ausgrabungen in Chiwa (Mittelasien); erarbeitete Theorien zur Geschichte der Urgesellschaft.

Tolteken: Nahua sprachige Indianerstämme, die, im 9. Jahrhundert aus dem Norden kommend, Zentralmexiko besetzten, das Tolteken Reich mit der Hauptstadt Tollón gründeten und sich die Errungenschaften der alten mexikanischen Kulturentwicklung. Zu eigen machten und zu hoher Blüte brachten (charakteristisch ist die reiche Baukunst); wurden im 11./12. Jahrhundert nach Süden verdrängt (Spuren von Yucatán bis Nikaragua).

Tolubalsam: (nach der kolumbianischen Stadt Tolü) aromatisch riechender Balsam des Tolubalsam Baumes (Kolumbien, Venezuela); wird für pharmazeutische und kosmetische Zwecke sowie Räuchermittel verwendet.

Toluidin: Sammelname für die 3 isomeren Aminotoluole der chemischen Formel C6Hi(CH3)(NH2). Die Toluidin sind farblos, bei gewöhnlicher Temperatur flüssig oder fest und riechen anilinähnlich; sie sind Zwischenprodukte für die Herstellung von Farbstoffen und Pharmaka.

Toluol, Toluen, aromatisches Kohlenwasserstoff der Formel C4HS-CH3. Toluol ist eine farblose, brennbare, wasserunlösliche Flüssigkeit (Kp 110,6°C), wird aus Erdöl oder Steinkohlenteer gewonnen und als Lösungsmittel sowie Zwischenprodukt für Trinitrotoluol, Benzoesäure und Sacharin verwendet. Toluol verursacht nach Einatmen in Dampfform narkoseähnliche Zustände und Schleimhautreizungen. Schädigungen des blutbildenden Systems treten meist nur bei Verunreinigungen mit Benzol auf.

Tölz, Bad: Kreisstadt in Bayern, in Oberbayern, an der Isar; 13000 Einwohner; Holzindustrie, Kunstgewerbe; heilklimatischer Kurort, Jodquellen.

Tom: rechter Nebenfluss des Ob, im Süden Westsibiriens; 827 km; entspringt im Abakangebirge, durchfließt das Kusnezkbecken, mündet unterhalb Tomsk; wichtigste Nebenflüsse sind Mras-Su und Kondoma (von links); ab Tomsk schiffbar, bei Krapiwinski Wasserkraftwerk (300 MW).

Tomahawk: ursprünglich Kriegs- und Zeremonial Keule der nordamerikanischen Indianer; später Name für die importierten Stahläxte.

Toman, Josef, geboren 6.4.1899, tschechischer Schriftsteller; wurde vor allem durch seine historische Romane bekannt, in denen er meist das Menschenbild der Antike und der Renaissance aktualisiert («Don Juan», 1944, deutsch; «Nach uns die Sintflut», 1963, deutsch; «Sokrates», 1977, deutsch). Mit seiner Frau Miroslava Tomanova (geboren 1906) schrieb er den Aufbauroman «Wo sich die Füchse gute Nacht sagen» (1957, deutsch).

Tomasi di Lampedusa, Giuseppe, 23.12.1896 bis 23.7.1957, italienischer Erzähler; sein postum erschienener historischer Roman «Der Leopard» (1958, deutsch) ist eine kunstvolle Darstellung der sizilianischen Aristokratie zur Zeit des Risorgimento.

Tomate, Lycopersicon esculentum: gelb blühendes Nachtschattengewächs; aus Südamerika stammende Kulturpflanze mit fleischigen roten, seltener gelben Beerenfrüchten.

Tombak: Messing mit hohem Kupfergehalt (72 bis 90%, Rest Zink); lässt sich gut verformen; verwendet für Kondensator-, Manometer Röhre, Modeschmuck unter anderem

Tombola: Verlosung von (meist gestifteten) Gegenständen.

Tombouctou, Timbuktu: Stadt (Regionszentrum) im nördlichen Zentralteil von Mali, am Nigerknie; 20000 Einwohner; Handels-, Verkehrszentrum (ehemals Ausgangspunkt wichtiger transsaharischer Karawanenstraßen), Fluss-, Flughafen; Museum; Baudenkmäler (Medrese, Moscheen, Palast, Karawansereien) des 13./15. Jahrhundert.

Tommy: (englisch, Verkleinerung von Thomas) englischer Spitzname für den einfachen englischen Soldaten.

Tomographie, Planigraphie, Röntgenschichtuntersuchung: Verfahren, das durch koordinierte entgegengesetzte Bewegung von Röntgenröhre und -film eine scharfe Abbildung wählbarer dünner Körperschichten meist parallel zur Körperlängsachse ermöglicht. Das Hauptanwendungsgebiet der Tomographie ist die Darstellung krankhafter Strukturen in Lunge, Niere, Gallengangsystem und Knochen. Siehe auch Computertomographie.

Tomonaga, Shinichiro, 31.3.1906—8.7.1979, japanischer Physiker; arbeitete zur Quantenelektrodynamik und Elementarteilchenphysik.

Tomowa-Sintow, Anna, geboren 22.9.1944, bulgarische Sängerin (Sopran); debütierte 1967 in Leipzig; seit 1972 Mitglied der Staatsopern Berlin und Sofia, Kammersängerin; auch als Konzertsängerin in den Musikzentren der Welt geschätzt.

Tomsk: Stadt (Gebietszentrum) in Westsibirien, am Tom; 470000 Einwohner; Industrie- und Wissenschaftszentrum Westsibiriens; petrolchemische Kombinat, Maschinen- und Gerätebau, Metallverarbeitung, Holz-, Lebensmittel-, pharmazeutische Industrie; Hafen, Flughafen; älteste Universität Sibiriens (1880 gegründet), 5 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Museum, botanischer Garten.

Tomski, Nikolai Wassiljewitsch, 19.12.1900-17.11.1984, Sowjet Bildhauer, 1923/27 Studium am künstlerischen Technikum in Leningrad, seit 1948 Professor an der Staatlichen Surikow-Kunsthochschule in Moskau, 1964/70 deren Rektor, seit 1968 Präsident der Akademie der Künste der UdSSR. Tomski widmete sein Schaffen besonders der monumentalen Denkmalsplastik (mehrere Lenindenkmäler, unter anderem in Berlin, 1968/70) und dem Porträt (N. W. Gogol, 1951; D. Rivera, 1956/57); schuf auch Statuen und Reliefs.

Tomtom: in verschiedenen Formen und Größen gebaute zweifellige Holztrommel mit zylindrischer Zarge.

Tomus, Tom., tom., Tomus, t.: Band, Teil eines größeren Literaturwerkes.

Ton: 1. Ton (althochdeutsch): am weitesten verbreitetes Sedimentgestein der Erde, Korngrößenfraktion unter 2 um Durchmesser. Tongesteine sind vorwiegend aus Tonmineralen zusammengesetzt, die durch Verwitterung feldspathaltiger Gesteine entstanden sind; Verwendung zur Herstellung keramischer Erzeugnisse.

2. Ton (althochdeutsch): durch hohen Tongehalt gekennzeichnete Körnungsart des Bodens.

3. Ton (althochdeutsch): ein Bodensubstrattyp (Substrattypen), der bis mindestens 80 cm Tiefe vorwiegend aus Ton 1 besteht. Siehe auch Tonboden.

4. Ton (lateinisch griechisch): durch eine sinusförmige Schallschwingung erregte Gehörsempfindung, im Unterschied zum Klang frei von Obertönen. Die Frequenz bestimmt die Tonhöhe, das Quadrat der Amplitude die Tonstärke. Kombinationstöne können beim Zusammenklingen zweier Töne der Frequenzen v, und v2 auftreten, ihre Frequenzen sind v = pvj ± qv2 (p und q sind kleine ganze Zahlen).

Tonacatecuhtli («Herr des Überflusses»), aztekischer Schöpfergott.

Tonadilla: (spanisch, «Liedchen») im 18./19. Jahrhundert aus kurzen Refrain Liedern, die nach kleinen Einlagen bei spanischen Theateraufführungen vorgetragen wurden, entstandenes volkstümliches Zwischenspiel, das sich dann verselbständigte.

Tonalität: im weiteren Sinne jedes System von Ton- und Akkordbeziehungen; im engeren Sinne Begriff der Funktionsharmonik, der die Beziehung der Töne zum Grundton und zum tonalen Zentrum, der Tonika, bezeichnet. Der Begriff Tonalität wurde erstmalig (1844) von F.-J. F6tis in Bezug auf das von J.-P. Rameau entwickelte Harmoniesystem verwendet. Die historische Entwicklung der Tonalität führte unter anderem zur Bitonalität und Polytonalität (R Strauss, I. Strawinsky, C. Ives; P. Hindemith, B. Britten unter anderem), in der mehrere tonale Zentren durch Aufeinanderfolge und Überlagerung zu einem System vereinigt werden. In der Atonalität entfällt der Bezug auf ein tonales Zentrum. Siehe auch atonal. Tonart: Beziehung des Tongeschlechts zu einem bestimmten Grundton; melodisch-harmonische Grundlage eines (tonalen) Musikstücks, meist erkennbar an den Vorzeichen und am Schlussakkord. Es gibt 12 Dur- und 12 Molltonarten.

Tonbeton: wasserdichter Baustoff aus verschiedensten Lockergesteinen unter Zusatz von gemahlenem Ton, vorwiegend für Stauanlagen.

Tonbeugung: vom Versmaß erzwungener Verstoß gegen die normale Wort- und Satzbetonung.

Tonboden: Boden, in dem die Körnungsart Ton dominiert; auch als schwerer Boden bezeichnet. Tonboden ist schwer zu bewirtschaften, besonders, wenn er unter Nässe leidet, ton deadweight tdw.

Tondo: rundes Gemälde oder Relief; fand besonders in der italienischen Renaissance seit dem 15. Jahrhundert hauptsächlich für Madonnendarstellungen Verwendung.

Ton Duc Thang, 20.8.1888-30.3.1980, vietnamesischer Politiker; seit 1910 im revolutionären Kampf tätig und lange Zeit eingekerkert, nach 1946 in wichtigen Partei- und Staatsfunktionen der Demokratischen Republik Vietnam, ab 1960 Vizepräsident, 1969 Präsident des Landes.

Tone, Theobald Wolfe, 20.6.1763-19.11.1798 (Selbsttötung), irischer Patriot englischer Abstammung; gründete 1791 die United Irishmen; Anhänger der Franzos. Revolution, vereinbarte die Invasion eines französischen Hilfskorps in Irland, das 1796 scheiterte, 1798 erst nach der Niederwerfung des Volksaufstandes landete und erfolglos blieb.

Tonen: (lateinisch griechisch) Polygraphie das Mitdrucken von Stellen der Druckform, die außerhalb des Druckbildes liegen; wird im Flachdruck durch Ansetzen von Druckfarbe an den bildfreien Stellen, im Tiefdruck durch mangelhaftes Abrakeln des Tiefdruckformzylinders verursacht.

Tonerde: Trivialname für Aluminiumoxid, A1203.

Tonfilm: Film mit einer synchronen Verbindung von Bild- und Schallaufzeichnungen. Entwickelt wurden das Nadeltonverfahren (Schallplatten zum Bild Film), das Lichttonverfahren sowie das Magnettonverfahren. Siehe auch Schallspeicherverfahren.

Tonfrequenz, Hörfrequenz: elektrische oder akustische Schwingungen mit Frequenzen zwischen 16 Hz und 20 kHz.

Tonfrequenzgenerator: elektronisches Gerät, das sinusförmige Signale im Tonfrequenzbereich (16 Hz bis 20 kHz) für Labor-, Prüf- und Servicezwecke erzeugt. Siehe auch Generator 1.

Tonga, Königreich Tonga: Staat auf den Tongainseln (Freundschaftsinseln) im Südwesten des Stillen Ozeans (Polynesien). Verwaltungsmäßig in 3 Distrikte gegliedert. Die Bevölkerung besteht zu 99% aus Polynesiern. Amtssprachen sind Englisch und Tongaisch. Währung: Pa'Anga (Tongaischer Dollar). Tonga umfasst etwa 170 Vulkan- (bis 1109 m hoch) und Koralleninseln (davon nur etwa ein Viertel besiedelt, die sich auf 3 Hauptgruppen (von Norden nach Süden Vava’u, Ha’apai und Tongatapu mit der Hauptinsel Tongatapu, auf der auch die Hauptstadt liegt) verteilen. Es herrscht tropisches Seeklima. Die Vulkaninseln sind zum Teil von dichtem tropischem Regenwald bedeckt. Tonga ist ein schwach entwickeltes Agrarland, nahezu ohne Industrie. Drei Viertel der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft beschäftigt, wo noch Naturalwirtschaft überwiegt (Anbau von Melonen, Yams, Erdnüssen, Taro unter anderem für den Eigenbedarf). Wichtigste Wirtschaftszweige sind der Anbau von Kokospalmen (Kopra Gewinnung) und Bananen für den Export und der internationale Tourismus. zwischen den Inseln Schiffs- (Haupthafen Nuku’alofa) und Flugverkehr (internationaler Flughafen auf der Insel Tongatapu). Einfuhr von Lebensmitteln, Industriewaren und Brennstoffen; Haupthandelspartner sind Neuseeland und Australien. Südöstlich von Tonga erstreckt sich der Tongagraben (Witjas-Tief, 10882 m). Besiedlung durch Polynesier seit dem 1. Jahrtausend nach Christus, im 17. Jahrhundert von niederländischen Seefahrern entdeckt, von J. Cook 1777 Freundschaftsinseln genannt. 1820/45 erfolgte unter britischem Einfluss die Vereinigung der Stämme und 1875 die Ausrufung des Königreiches unter einer zum Christentum übergetretenen einheimische Dynastie. Die britische Vorherrschaft wurde 1899 durch Errichtung des Protektorats und «Freundschaftsverträge» (1900, 1905) verstärkt. Am 4.6.1970 erlangte Tonga die staatliche Selbständigkeit.

Tongeschlechter, Klanggeschlechter: in der neueren europäischen Musik die seit dem 17. Jahrhundert gebräuchliche beiden Tonartengattungen Dur und Moll.

Tonghak Bewegung: (koreanisch Tonghak, «östliche Lehre») religiöse Bewegung; entstand in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert im Süden Koreas als Protest der Bauern gegen feudale Ausbeutung und Eindringen ausländischen Kapitals; die Tonghak Bewegung verkündete die Gleichheit aller Menschen, forderte eine gerechte Verteilung des Bodens und motivierte damit den Bauernkrieg 1893/94, der von koreanischen und chinesischen Truppen niedergeschlagen wurde.

Tongking, Golf von Bacbo, Golf von. Tonhäutchen: durch Sickerwasser abwärts transportierte und an den Kluftflächen sowie in Grobporen abgelagerte dünne Tonfilme; charakteristisch für Bt-Horizonte (B-Horizont) der Fahlerden und I Parabraunerden.

Tonic water: alkoholfreies Erfrischungsgetränk aus Trinkwasser beziehungsweise Mineral- oder Tafelbrunnen, Zucker, Bitterstoffen, Kohlendioxid unter anderem mit einer typischen Bitternote.

Tonika: Grundton (1. Stufe) einer Dur- oder Molltonart; auch der darauf errichtete Dreiklang; harmonisches Zentrum eines Musikstücks. Siehe auch Kadenz.

Tonika-Do: Methode für den Gesangsunterricht, die relative Tonbezeichnungen und Handzeichen benutzt; geht im Wesentlichen auf Guido von Arezzo (um 1000) zurück. Siehe auch Solmisation.

Tonitza, Nicolae, 13.4.1886-27.2.1940, rumänischer Maler, Zeichner und Kunstkritiker; schuf sozialkritische Werke, Landschaften, Bildnisse und Stillleben von intensiver Farbigkeit

Tonkow, Wladimir Nikolajewitsch, 1872-1954, sowjetischer Anatom; Professor in Kasan und an der Militärmedizinischen Akademie in Leningrad; forschte besonders auf den Gebieten der Angiologie und Embryologie, förderte die Errichtung von anatomischen Lehi Museen.

Tonleiter, Skala: der Tonhöhe nach geordnete Stufenfolge des Tonvorrates eines Musikstiles. Die diatonische Tonleiter unterscheidet sich durch Lage der Halbtöne und Stimmung der Terzen (zum Beispiel Dur-Tonleiter, Moll-Tonleiter). Die chromatische Tonleiter umfasst alle 12 Halbtöne der Oktave, die Ganz-Tonleiter besteht aus 6 Ganztönen. Außereuropäische Tonleitern entfernen sich in ihren Intervallschritten oft weit von den europäischen. Siehe auch Diatonik, Pentatonik, Tonsystem.

Tonlesap: Flussschaltsee (Süßwasser) in Kampuchea; während der Trockenzeit (etwa 2500 km2, nur 1 bis 2 m tief) entwässert er über den Fluss Tonlesap zum Mekong, zur Zeit des regenreichen Sommermonsuns Rückflutung des Mekong Hochwassers über den jetzt in umgekehrter Richtung fließenden Fluss Tonlesap, damit Vergrößerung der Fläche auf etwa 25000 km2 und der Tiefe auf etwa 16 m; sehr fischreich.

Tonmalerei: in der Programmmusik besonders entwickeltes Verfahren der Abbildung und assoziativen Stilisierung von Wirklichkeitserscheinungen (zum Beispiel Gewitter, Tierstimmen, Wasserplätschern, Seufzen, Lachen) sowie von Bereichen und Äußerungen menschlicher und sozialer Beziehungen (Jagd, Kampf, Tanz). Tonmalerei, zum Beispiel in der sinfonischen Dichtung, dient als Gestaltungsmittel der Konkretisierung einer musikalischen Aussage. Siehe auch Tonsymbolik.

Tonminerale: Hauptgemengeteile der Tone, die durch Verwitterung Feldspat führender Gesteine entstanden sind; zum Beispiel Kaolinit, wasserhaltiges Aluminiumsilikat, Härte 1, Dichte 2,6 g/m3, mikrokristalline Aggregate. Siehe auch Montmorillonit.

Tonnage: Bezeichnung für die Größe eines Schiffes oder der Flotte einer Reederei, eines Staates o. ä. in Tonnen; meist in Registertonnen, für Kriegsschiffe beziehungsweise -flotten in Tonnen Wasserverdrängung angegeben.

Tonne: 1. Tonne, Zeichen t: Metrologie Maßeinheit der Masse; 11 = 1000 kg.

2. Schifffahrt schwimmendes, verankertes Seezeichen verschiedener Form; häufig mit Signaleinrichtung oder Radarreflektoren.

Tonnenschnecken, Tonnidae: Schnecken wärmerer Meere mit bis zu 30 cm hohen, ei- oder tonnenförmigen Gehäusen, die meist charakteristische Spiralreifen besitzen. Die etwa 35 Arten leben räuberisch, wobei sie die Beutetiere durch Injizieren von 3- bis 4%iger Schwefelsäure lähmen.

Tönnies, Ferdinand, 26.7.1855-11.4.1936, Soziologe; schuf mit der Gegenüberstellung von Gemeinschaft und Gesellschaft, Kultur und Zivilisation, deren Basis unterschiedlich gearteter Wille sei (Wesenswille, Kürwille), eine lange Zeit wirksame Typologie der bürgerlichen Soziologie. Tönnies sympathisierte mit der deutschen Arbeiterbewegung und wandte sich gegen Faschisierung und Antisemitismus.

tonnlägig: Bergbau geneigt, schräg auf- beziehungsweise abwärts.

Tonofibrillen: faserige Strukturen in den Zellen des mehrschichtigen Plattenepithels; haben Bedeutung für die mechanische Widerstandsfähigkeit des Zellverbandes.

Tonometrie: Augeninnendruckmessung; wichtig zur Feststellung des Glaukoms.

Tonoplast: (griechisch) innere Elementarmembran, die bei einer Pflanzenzelle die Zellsaftvakuole umgibt.

Tonphysiologie: Wissenschaft von den Vorgängen im Gehörorgan und den Veränderungen des Klanges bis zur Wahrnehmung. H. Helmholtz legte dem Erlebnis des Hörens die physikalischen Eigenschaften der Schwingung unter, der Tonhöhe die Frequenz, der Lautheit den Schalldruck, der Klangfarbe die Schwingungsform. Heute wird die psychische Widerspiegelung des äußeren Klangvorgangs sehr komplex gesehen.

Tonpsychologie: Wissenschaft von der psychischen Wirkung der Töne, Intervalle, Klänge und so weiter beziehungsweise von der Einrichtung der Musik nach psychologischen Gesichtspunkten. Siehe auch Musikpsychologie.

Tonsberg: Stadt im Süden Norwegens, Verwaltungszentrum der Provinz Vestfold, am Tonsbergfjord (Teil des Oslofjords); 9000 Einwohner; Lebensmittel-, Bekleidungs-, Holzindustrie; auf vorgelagerten Inseln Erdölraffinerie; mittelalterliche Ruinen; Wikingerschiff (Museumsschiff).

Tonschiefer: aus Ton entstandener Schiefer (festes Tongestein). Die Schieferung geht oft parallel zur primären Schichtung; Verwendung als Baustoff.

Tonsillektomie: (lateinisch + griechisch) operatives Entfernen der Gaumenmandeln.

Tonsprachen: Sprachen, in denen Tonhöhenunterschiede zur Bedeutungsunterscheidung verwendet werden; kommen in Asien (zum Beispiel Chinesisch), Afrika (zum Beispiel Bambara), Amerika (zum Beispiel einige Indianersprachen) sowie Europa (zum Beispiel Serbokroatisch) vor und sind somit nicht auf eine verwandtschaftlich geprägte Sprachgruppe beschränkt.

Tonsur: 1. verschiedenartige Haarschur bei Priestern oder Mönchen (zum Beispiel im Isiskult, Buddhismus, Katholizismus); in der katholischen Kirche auch Aufnahme in den Stand der Kleriker.

2. am Kreuzgang gelegene Brunnenkapelle des Klosters, in der den Klerikern bei der Weihe Kopf- und Barthaar geschoren wurden.

Tonsymbolik: relativ stabiles System semiotisch-formaler Elemente in der Musik, das auf ein von ihm verschiedenes System hinweist (Chor = Volksmenge, Choral = Gemeinde, Polka = ländliches Milieu, Kreuztonart = Leiden, Golgatha) einschließlich seiner Abbildung in der Notenschrift (auch # = Tonerhöhung, t> = Tonerniedrigung), ohne von diesem kausal erzeugt zu sein. Tonsymbolik ist ein Mittel zur Abbildung realer oder vorgestellter Objekte durch Musik und Notenschrift, wird in Form sozial differenzierter Konventionen festgelegt und unterliegt historischen Veränderungen.

Tonsystem: Ordnung ausgewählter Töne, die einem Musikstil zugrunde liegen, nach ihren inneren Beziehungen; äußerlich angeordnet in Gruppen von Tonleitern. Es gibt pythagoreische Tonsystem (aus Quint Beziehungen gebildete Reihen), wie die Pentatonik, Diatonik, Chromatik, Tonleitern aus Dreiklängen mit reinen Terzen unter anderem

Tontafeln: vom späten 4. Jahrtausend vor Christus durch 3000 Jahre Schriftträger der Keilschriften.

Tontrennungsverfahren: Fototechnik Kopierverfahren, bei dem durch die Kombination eines Lichter- und Schattennegativs Positive mit guter Lichter- und Schattendurchzeichnung erzeugt werden.

Tonus: a) über längere Zeit beibehaltener Aktivitäts- oder Erregungszustand, zum Beispiel Aktivitätszustand des Gehirns oder nervöser Teilsysteme (Sympathikotonus);

b) Spannungszustand der Skelettmuskulatur (Muskeltonus), der auf reflektorischen Mechanismen und ihrer nervösen Kontrolle beruht;

c) Spannungszustand der glatten Muskulatur (Muskeltonus), zum Beispiel Darmwand, den die glatten Muskelzellen bei ihrer Dehnung einnehmen können.

Tonwaren, Irdengut, Irdenwaren: älteste Erzeugnisse der Keramik mit farbigem, nicht durchscheinendem Scherben und mit erdigem, mattem, feinkörnigem Bruch. Tonwaren für den Haushalt sind heute meist durch Steingut, Porzellan unter anderem ersetzt.

Tonwortmethode: Methode für den Gesangsunterricht, die durch ein System sangbarer Tonsilben die leichtere Erfassung der Tonstufen und ihrer gegenseitigen Verhältnisse innerhalb der Oktave ermöglicht; basiert entweder auf den Solmisationssilben des Guido von Arezzo, dem von C. Eitz entwickelten Lautsystem oder der Jale-Methode.

Toowoomba: Stadt im Südosten von Queensland (Australien), westlich von Brisbane; 75000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Maschinen-, LKW-Bau; Verkehrsknoten; Tourismus. Bei Toowoomba Steinkohlenbergbau.

Topas: Mineral, Aluminium Fluorsilikat; Kristallsystem rhombisch, Härte 8, Dichte 3,5 bis 3,6 g/cm3, farblose, gelbe oder bläuliche Kristalle, Edelstein; vor allem in Pegmatiten (Schneckenstein/Vogtland, UdSSR, Brasilien).

Topeka: Hauptstadt des Bundesstaates Kansas (USA), am unteren Kansas; 120000 Einwohner; Lebensmittel-, polygraphische Industrie; Verlage; Binnenhafen; Universität; zoologischer und botanischer Garten.

Topelius, Sakari (eigentlich Zacharias), 14.1.1818-12.3.1898, finnland-schwedischer Dichter; begründete mit «Die Erzählungen des Feldschers» (5 Bände, 1853/67, deutsch) den historischen Roman in Finnland. Internationale Beachtung fand seine Märchensammlung «Lektüre für Kinder» (8 Bände, 1865/96, deutsch).

Töpferscheibe: einfache Vorrichtung zur Formung rotationssymmetrische keramische Gegenstände; besteht aus einer senkrechten Welle (Spindel) mit Scheibenkopf und Fuß- beziehungsweise Riemenscheibe; schon etwa 4500 vor Christus bekannt.

Töpfervogel, Furnarius rufus: etwa 18 cm langer Schreivogel, der vorwiegend auf Bäumen ein bis 10 kg schweres, backofenähnliche Lehmnest baut; lebt im Buschland Südamerikas.

Töpferwaren: keramische Erzeugnisse mit porösem, meist gelbliche Scherben; unglasiert (zum Beispiel Blumentöpfe) oder glasiert (zum Beispiel Küchengeschirr) hergestellt.

Topf kreis: elektrischer Schwingkreis hoher Güte für Dezimeterwellen. Der Topf kreis stellt ein koaxiales Leitungsstück aus Metall mit im Allgemeinen versilberter und polierter Innenoberfläche dar, das an den Enden kurzgeschlossen, offen oder kapazitiv belastet ist; die Energieein- und Energieauskopplung erfolgt über induktive Koppelschleifen oder elektrischer Sonden.

Topfpflanzen: in Gefäßen kultivierte Zierpflanzen mit dekorativen Blüten (Topfblumen) oder mit zierender Belaubung beziehungsweise interessantem Habitus (Grünpflanzen).

Topfzeit: Zeitraum, in dem ein Mehrkomponentenanstrichstoff (zum Beispiel Reaktionsgrundierung, Reaktionslack) nach dem Mischen der Komponenten (meist Harzlösung mit Härter) verarbeitbar ist.

Topinambur, (nach einem brasilianischen Indianerstamm) Erdbirne, Helianthus tuberosus: der Sonnenblume ähnlicher Korbblütler aus Amerika; seine kartoffelähnlichen, unterirdische Knollen enthalten Inulin; Gemüse- und Futterpflanze.

Topitsch, Ernst, geboren 20.3.1919, österreichischer Philosoph und Soziologe. Topitsch, Vertreter des Neupositivismus, befasst sich mit Fragen der Sozialtheorie und der Wissenschaftslogik und entwickelte eine besonders gegen den Marxismus-Leninismus gerichtete «Ideologiekritik».

Topochemie: Wissensgebiet von chemischen Umsetzungen, an denen mindestens ein Feststoff beteiligt ist, von dessen Struktur und Textur wesentlich der Reaktionsablauf und die Eigenschaften fester Reaktionsprodukte abhängen. Topochemische Vorgänge spielen zum Beispiel in der Sintermetallurgie, bei der Herstellung von Katalysatoren, keramischen Erzeugnissen und Zement sowie bei der Korrosion eine Rolle.

Topographie: 1. Gesamtheit der Ausstattung des Festlandes der Erdoberfläche in Bezug auf Grundriss und Relief. Die Topographie ist ein Hauptobjekt geodätische, geographische und kartographische Tätigkeit. Die elementaren Bestandteile der Topographie bezeichnet man als Geländeobjekte, die man in natürliche (zum Beispiel Berge, Flüsse, Bäume) und künstliche (zum Beispiel Häuser, Straßen, Eisenbahnstrecken, Brücken) unterteilt. Die Zusammenfassung von gleichartigen Geländeobjekten nach einheitlichen Gesichtspunkten bezeichnet man als Geländeelement. Dabei unterscheidet man Relief, Bodenart, Gewässernetz, Bodenbewachsung, Bodenbebauung, Grenzen.

2. Lehre von der Methodik der Geländeaufnahme mittels geodätischen und fotogrammetrischen Verfahren sowie die Wiedergabe der Ergebnisse in Form von topographischen Karten.

3. veraltete Bezeichnung für zu Bildbänden vereinigten Städteansichten, zum Teil auch für historische Beschreibungen.

Topolnica: linker Nebenfluss der Mariza, in Bulgarien, in der Thrakischen Tiefebene; 230 km; entspringt in der Sredna Gora; nördlich von Pasardshik Stauwerk (Bewässerung und Energiegewinnung).

Topologie: Teilgebiet der Mathematik, das aus der Untersuchung solcher Eigenschaften von Kurven und Flächen entstanden ist, die zum Beispiel unabhängig von Winkel- und Streckenmessungen sind, also bei gewissen stetigen Deformationen erhalten bleiben; in moderner Gestalt die Theorie geometrischer Eigenschaften der topologischen Räume.

topologischer Raum: Mathematik sehr allgemeiner Raum, in dem ein Begriff der Umgebung derart erklärt ist, dass zu jedem Punkt P ein System von Umgebungen von P gehört, das gewisse charakteristische Eigenschaften haben muss.

Toponomastik, Toponymik (griechisch), Ortsnamenkunde: wissenschaftliche Untersuchung der Fluss-, Berg-, Flur- und Siedlungsnamen.

Topp: (niederdeutsch, «Zopf») Spitze, besonders der Masten und Stengen von Schiffen.

Toppen: seemännische Bezeichnung für das Stellen (Auftoppen) oder Legen (Abtoppen) eines (meist Lade-) Baums.

Toprak-Kala: Fundort mit den Resten der Hauptstadt von Choresm (2./3. Jahrhundert), südlich des Aralsees; rechteckige, ummauerte Anlage; neben wertvollen Tonskulpturen Reste polychromer Wandmalerei.

Topspin: Tischtennis spezieller Angriffsschlag mit starker Oberschnittrotation.

Toquepala: Bergbausiedlung im Süden Perus; bei Toquepala bedeutendes Kupfererzlager in 3 500 m über dem Meeresspiegel (Förderung und Aufbereitung von Kupfererz (Vorräte 1 Md. t bei 1,1 bis 1,5% Cu-Gehalt)); Verhüttung nördlich von Ilo, Ausfuhr über Ilo.

Tor:

1. Elektronik: Torsteuerung.

2. Sport: a) in Torspielen das Angriffsziel;

b) im Pferdesport bei Springprüfungen spezielles Hindernis;

c) im Kanuslalom und alpinen Skisport ein regelgerecht zu durchfahrendes Stangenpaar.

Toraja: zu den sogenannt Altvölkern Indonesiens zählende Stämme im westlichen und südwestliche Sulawesi; etwa 1,5 Millionen; Reisbauern; früher Kopfjäger.

Toray-Platte: (nach der japanischen Herstellerfirma) Flachdruckplatte, bei der durch spezielle Beschichtung die Feuchtung entfällt.

Torbay: Stadt im Südwesten Englands (Großbritannien), in der Grafschaft Devon, an der Tor Bay des Kanals; 115000 Einwohner; pharmazeutische und elektrotechnische/elektronische Industrie; Fischerei; Hafen; Kunstgalerie; Museum (frühgeschichtliche Funde); Kurort; Tagungen; Segelregatta.

Torbernit, (nach dem schwedischen Chemiker Torbern O. Bergman) Kupferuranglimmer: Mineral, wasserhaltiges Kupfer-Uranyl-Phosphat; Kristallsystem tetragonal, Härte 2 bis 2,5, Dichte 3,3 g/cm3, smaragdgrün; meist sekundäre Entstehung in der Oxydationszone von Uranerzlagerstätten, zum Beispiel Johanngeorgenstadt, Utah (USA).

Tordesillas: Stadt in Spanien, südwestlich von Valladolid. Im Vertrag von Tordesillas (7.6.1494) wurde entsprechend der Bulle Papst Alexanders VI. von 1493 nahe dem 46. Grad westlicher Länge die Demarkationslinie zwischen den portugiesischen (östlich davon) und spanischen (westlich davon) kolonialen Interessensphären festgelegt; 1529 ergänzt durch den Vertrag von Zaragoza.

Torelli, Giuseppe, 22.4.1658-8.2.1709, italienischer Komponist und Violinist; wirkte besonders in Bologna als Viola- und Violinvirtuose. Torelli beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der Instrumentalmusik und ist einer der Begründer des Soloviolinkonzerts.

Toreutik: (griechisch) Kunst der Bearbeitung von Metall in kaltem Zustand; Techniken sind besonders Treiben, auch Ziselieren, Gravieren, Punzen unter anderem

Torf: schwarzes bis hellbraunes, wasser- und kohlenstoffreiches (bis 60 %), brennbares Zersetzungsprodukt aus organischen Substanzen, in Mooren gebildet und abgelagert (Moor); erdgeschichtlich jüngstes Glied der Inkohlungsreihe; Verwendung als Brennstoff und zur Herstellung von Aktivkohle und chemische Präparaten. Siehe auch Torfmull.

Torfmoos, Sphagnum: Gattung der Laubmoose, in Mooren und auf sauren Waldböden; die Polster wachsen oben unbegrenzt weiter und sterben unten unter Bildung von Torf allmählich ab.

Torfmull: schwach zersetzter, an der Luft getrockneter, mechanisch zerkleinerter Torf, besonders Weißtorf der Hochmoore, lose oder, in Ballen gepresst; Verwendung vorwiegend für gärtnerische Spezialkulturen.

Torga, Miguel, eigentlich Adolfo Correia da Rocha, geboren 12.8.1907, portugiesischer Schriftsteller; begann parallel zum Neorealismus das Leben der Kleinbauern im Norden Portugals als Ausdruck urwüchsiger, naturverbundener Integrität darzustellen und den Verhältnissen in der Stadt als menschlicher gegenüberzustellen («Geschichten aus dem Gebirge», 1941; sozialkritischer Roman «Weinlese», 1945/54, deutsch); sein Werk gilt als bedeutendste Leistung modernen portugiesischen Erzählens.

Torgau: Kreisstadt im Bezirk Leipzig, an der Elbe; 22000 Einwohner; Flachglaskombinat, Landmaschinenbau, Steingut-, Möbel-, Bekleidungsindustrie, Papierverarbeitung; Eisenbahnknoten, Hafen; Kreismuseum im Schloss Hartenfels; neue Stadtteile im Nordwesten und Westen; Naherholungszentrum Großer Teich (Strandbad, Wassersport, Karpfenzucht). Historische Bauten sind Schloss Hartenfels (auf älterem Baubestand seit 1456, frühbarocke Umbauten 1616/23; bedeutende Leistung deutscher Renaissancearchitektur ist der Ostflügel (Johann-Friedrich-Bau) mit Großem Wendelstein, 1533/36 von K. Krebs; Schlosskirche, 1543/44; als erste Protestantische Kirche 1544 von M. Luther eingeweiht), spätgotische Marienkirche, Renaissancerathaus und -bürgerhäuser. 973 erwähnt, zwischen 1255 und 1267 Stadtrecht. Schloss Hartenfels war seit 1485 zeitweise Residenz der sächsischen Kurfürsten; 1815 zu Preußen. Bei Torgau trafen im 2. Weltkrieg am 25.4.1945 die Sowjet, und US-amerikanischen Truppen erstmals zusammen (Denkmal).

Torgelow: Stadt im Kreis Ueckermünde, Bezirk Neubrandenburg, an der Ücker, in der Ückermünder Heide; 14000 Einwohner; Eisengießerei, Maschinen-, Geräte-, Polstermöbelbau; Forstwirtschaft; Volks- und Schulsternwarte, Heimatmuseum; neues Wohngebiet Torgelow-Ost.

Tori: (japanisch) Judoka, der die technisch-taktische Handlung mit oder am Uke erfolgreich ausführt.

Tories: britische politische Gruppierung, die nach 1660 aus Anhängern der Stuarts entstand; durch Vereinigung mit Teilen der Whigs organisierte Pitt der Jüngere 1784 die neuen Tories, die bis zu ihrem Zerfall (1827) bestimmenden politischen Einfluss ausübten; ihre kapitalistischen Elemente (linke Tories) bildeten nach der Parlamentsreform (1832) mit den neuen Whigs die Liberale Partei. Aus alten grundbesitzenden rechten oder Hochtories ging im 19. Jahrhundert die Konservative Partei hervor, deren Anhänger noch heute Tories genannt werden.

torische Gläser: Brillengläser zur Korrektur des Astigmatismus, bei denen eine der brechenden Flächen Teilfläche eines Torus ist und daher in 2 senkrechten Schnitten unterschiedlicher Brennweiten hat.

Torkretieren, Betonmörtelspritzverfahren: Verfahren zum Putzen, Verschließen von Rissen und Hohlräumen sowie Verstärken von Bauteilen durch Spritzbeton, der mit hohem Druck aufgespritzt wird und sofort haltet.

Törn: in der Schifffahrt

a) Umschlingung eines Pollers o. ä. mit einem Tau;

b) bestimmte wiederkehrende Zeitfolge, zum Beispiel Wachtörn;

c) Seetörn nennt man die Fahrt eines Schiffes auf hoher See, im Unterschied zum Hafentörn, der Hafenliegezeit.

Tornado: kleinräumiger verheerender Wirbelsturm beziehungsweise Trombe mit orkanartiger Windgeschwindigkeit und Gewitter; häufig im zentralen und südlichen Nordamerika und in Australien.

Torneälven: Fluss im Norden Schwedens; 570 km; entspringt im Torneträsk (See); bildet am Unterlauf die schwedische-finnische Grenze, mündet in den Bottnischen Meerbusen; Flößerei.

Töröcsik, Mari, geboren 23.11.1935, ungarische Schauspielerin; Darstellerin dramatischer und komischer Rollen bei Bühne (seit 1958 Nationaltheater Budapest) und Film («Karussell», «Frechdachs»).

Toroid, Toroidspule, Ringspule: auf einen torusförmigen Kern gewickelte Spule geringer magnetischen Streuung für magnetische Messungen, hochwertige Induktivitäten und Ringkerntransformatoren.

Toronto: Hauptstadt der Provinz Ontario (Kanada), am Nordufer des Ontariosees; 560000 Einwohner, als Metropolitan Area 2,99 Millionen Einwohner; 2 Erdölraffinerien (Pipeline von Edmonton), Schiff-, Maschinen-, Flugzeug-, Elektrogerätebau, polygraphische, Lebensmittel-, Leicht-, chemische Industrie; Handels- und Finanzzentrum, größte kanadische Börse (Produktenbörse); Verkehrsknoten, Hafen am Sankt-Lorenz-Seeweg, internationaler Flughafen in Malton (30 km nordwestlich), U-Bahn; 2 Universitäten, Forschungsinstitute; Bibliotheken, Museen (Ontario Museum), Theater, kanadischer Nationalausstellung.

Torpedo: Unterwassergeschoß mit Eigenantrieb und Selbststeuerung, das im Gefechtskopf eine Sprengladung (auch Kernladung) trägt und zur Vernichtung oder Beschädigung von Unterwasserschiffen und U-Booten bestimmt ist (Länge 6 bis 9 m, Durchmesser 45 bis 60 cm). Der Torpedo gehört zur Hauptbewaffnung von U-Booten, Torpedoschnellbooten und Torpedoflugzeugen, wird aber auch von anderen Überwasserkräften und von Küstentorpedobatterien eingesetzt. Nach der Antriebsart unterscheidet man Dampfgas-, Elektro- und reaktive Torpedos.

Torpedoboot: von etwa 1870 bis 1945 übliches mittel-großes, schnelles Kampfschiff mit Torpedobewaffnung zum Nahangriff auf Seeziele; heute Zerstörer und 1 Torpedoschnellboot

Torpedoschnellboot: schnelllaufendes, mit 2 bis 6 Torpedos, mittlerer Universalschiffsartillerie, Wasserbomben und Nebelanlagen bewaffnetes Fahrzeug kleiner Wasserverdrängung (bis 400 ts) zur Bekämpfung von Überwasserkräften auf See, Reede und Ankerplätzen; auch zur Seeaufklärung, zum Minenlegen und zum Absetzen von Kampfschwimmergruppen eingesetzt.

Torpparit: im 17. Jahrhundert entstandene Schicht landloser Bauern in Finnland und Schweden, die gegen Abgaben (auch Abarbeit) gepachtete Bodenstücke bearbeiteten; machten 1901 40% der finnische Landbevölkerung aus. 1930 gab es noch 80000 Torpparit in Finnland, 18000 in Schweden.

Torquemada, Tomas de, 1420-16.9.1498; seit 1483 als Großinquisitor Oberhaupt der spanischen Inquisition, berüchtigt für seinen religiösen Fanatismus, veranlasste 1492 die Vertreibung der Juden und die Verfolgung der Moriscos.

Torques: Halsring der Kelten aus Bronze, Silber, Gold oder Eisen, seit der Bronzezeit bekannt; wurde später auch bei den Römern als Ehrenzeichen getragen.

Torre del Greco: Stadt in Unteritalien, in der Region Kampanien, ursprünglich auf dem Lavastrom des Vesuvs von 1631 erbaut; 100000 Einwohner; chemische Industrie, Korallenverarbeitung; Hafen; Fachschule für Muschel- und Korallenverarbeitung; Seebad; mehrmals von Lavaströmen zerstört.

Torreón: Stadt im Bundesstaat Coahuila, im Nordosten Mexikos, am Nazas; 360000 Einwohner; Bergbau- und Agrarzentrum (Baumwollanbaugebiet); Hüttenindustrie (Silber-, Blei-, Zinkgewinnung unter anderem); Verkehrsknoten, Flughafen.

Torres González, Juan José, 5.3.1921-1976, bolivianischer Politiker, General; führte 1970/71 eine Militärregierung, die antiimperialistische Maßnahmen einleitete; von rechten Militärs unter H. Banzer Suarez gestürzt, im argentinischen Exil ermordet.

Torresstraße: flache, an Inseln und Korallenriffen reiche Meeresstraße zwischen Neuguinea und Kap York (Australien), die die Arafura- (Indischer Ozean) mit der Korallensee (Stiller Ozean) verbindet; 74 km lang, 150 bis 240 km breit 1606 von dem spanischen Seefahrer L. V. Torres entdeckt.

Torricelli, Evangelista, 15.10.1608 bis 25.10.1647, italienischer Physiker und Mathematiker; erfand 1643 das Quecksilberbarometer und arbeitete über Hydrodynamik und Analysis.

Torrijos Herrera, Omar, 13.2.1929-31.7.1981 (bei Flugzeugabsturz), panamaischer Militär und Politiker; 1968 Führer der Erhebung patriotischen Militärs, später einer Militärjunta, die antiimperialistische Reformen durchführte; schloss als Präsident (1972/78) mit den USA 1977 einen neuen Vertrag über den Panamakanal, der die Souveränität Panamas erweitert.

Torse: Geometrie abwickelbare Regelfläche.

Torsion:

1. Geometrie: Windung.

2. Mechanik: spezielle Scherung zylinderförmiger Stäbe, wobei die Stirnflächen senkrecht zur Stabachse gegeneinander verdreht werden.

Torso: unvollständig erhaltene oder ausgeführte Statue, vor allem die in beschädigtem Zustand aufgefundenen antiken Bildwerke; seit dem 19. Jahrhundert (A. Rodin) auch als selbständige Kunstwerke geschaffen; übertragen unvollendetes Werk, Bruchstück.

Torstenson, Lennart, Graf von Ortala, 17.8.1603-7.4.1651, schwedischer Feldherr, 1641/46 Oberbefehlshaber des schwedischen Heeres; seit 1647 Generalgouverneur von Västergötland.

Torsteuerung, Torschaltung, Kurzwort Tor: elektronische Schaltung, die in Abhängigkeit von einem steuernden Signal zwischen seinen Ein- und Ausgängen entweder eine identische Signalübertragung oder eine Unterbrechung des Signalflussweges herbeiführt Einschalt-Ausschalt-Torsteuerung haben 1 Eingang und 1 Ausgang, Umschalt-Torsteuerung dagegen entweder mehrere Eingänge und 1 Ausgang oder 1 Eingang und mehrere Ausgänge. In getakteten Schaltungen werden als Torsteuerung oft logische Verknüpfungselemente bezeichnet, die nur während eines Aufrufes (Takt) Informationen weiterleiten. Angewendet werden Torsteuerung insbesondere in der digitalen Rechen-, Mess-, Steuerungs- und Übertragungstechnik.

Torte: Konditoreierzeugnis mit gebackenen, zum Teil gefüllten Böden. Namengebend sind verwendete Backmassen, Füllungen, Beläge oder, bei variabler Zusammensetzung, typischen Geschmackseigenschaften, Formen oder Garnierungen.

Tortelett: Törtchen beziehungsweise Törtchenboden.

Tortilla: Fladenbrot aus Maismehl, Wasser, Fett und Zucker, besonders in Spanien und Lateinamerika verbreitet.

Tortur: Peinigung, Marter, Qual.

Torun: 1. Wojewodschaft im Norden Polens; 5348 km2, 630000 Einwohner; 118 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Torun 2. umfasst das seenreiche Moränengebiet im Bereich von Chelmza-Dobrzyn, im Westen das von der Wisla durchflossene Torun-Eberswalder Urstromtal. Industrie-Agrar-Gebiet; Maschinenbau, chemische, Nahrungsmittel- (besonders Zucker), Baustoff-, Leichtindustrie, besonders in Torun 2, Grudziadz und Wabrzezno; Getreide-, Kartoffel-, Zuckerrüben-, Raps-, Tabakanbau und Viehzucht (besonders Schweine); Fremdenverkehr.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Torun, an der unteren Wisla; 185000 Einwohner; chemische (Fasern, Düngemittel), Maschinenbau-, elektrotechnische/elektronische, Textil-, Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten, Flusshafen; Universität; Theater, Museen; Vielzahl gotischer Baudenkmäler: Rathaus (Museum), Kirchen, Klöster, Schloss unter anderem; Geburtsstadt von N. Kopernikus. Im 12. Jahrhundert slawische Siedlung; 1231 Gründung einer Burg und Stadt durch den Deutschen Ritterorden, 1233 Stadtrecht; im 14./15. Jahrhundert bedeutende Handelsmetropole. 1454 erhob sich Torun mit dem Preußischen Bund gegen den Deutschen Ritterorden und kam 1466 im 2. Thomer Frieden zu Polen; 1793 (2. Teilung Polens) fiel Torun an Preußen (bis 1918) und wurde zur Festung ausgebaut; 1939/45 dem faschistischen Deutschland einverleibt und am 1.2.1945 durch die Rote Armee befreit.

Torus:

1. Geometrie: Drehkörper, der durch Drehung einer Kreisfläche um eine Gerade entsteht, die in der Ebene der Kreisfläche liegt, diese aber nicht schneidet oder berührt; im engeren Sinne auch dessen Oberfläche. Siehe auch Körper.

2. Kunst: Wulstring an der Säulenbasis.

Torverhältnis: in Torspielen die Differenz von erzielten und hingenommenen Toren. Das Torverhältnis wird bei Punktgleichheit nach Spielserien zur Platzierung punktgleicher Mannschaften herangezogen. Analog zum Torverhältnis Satzverhältnis, Spielpunktverhältnis in anderen Sportspielen.

Tosaka, Jun, 1900-1945, japanischer Philosoph; Mitbegründer der marxistisch-leninistischen Wissenschaftstheorie in Japan («Die Wissenschaft», 1935); schrieb ferner «Logik der Ideologie» (1930), «Japanische Ideologie» (1935).

Tosa-Schule: japanische Malerschule; begründet von Yukihiro Tosa (gestorben um 1443), erreichte die vorwiegend von kaiserlichen Hofmalern gepflegte, durch lebhafte Farbgebung gekennzeichnete Malerei im rein japanischen Stil besonders durch das Schaffen des 1469 zum Leiter des Hofamtes für Malerei ernannten Mitsunobu Tosa (gestorben um 1523) im 15. und 16. Jahrhundert ihre letzte Blüte. Bildträger waren besonders Faltschirme.

Tosbecken: (zu «tosen») größeres Sturzbett unterhalb des Überlaufs einer Stauanlage mit ständigem Wasserstand, in dem die kinetische Energie des herabstürzenden Wassers weitgehend vernichtet, die Fließgeschwindigkeit vermindert und eine Auskolkung im Unterlauf verhindert wird.

Toscanini, Arturo, 25.3.1867-16.1.1957, italienischer Dirigent; wirkte an fast allen bedeutenden Opernhäusern und Orchestern. Seine Interpretationen (Verdi, Puccini, Wagner, Beethoven, Mozart) gelten auch heute noch als Maßstäbe setzend. Aus Protest gegen den Faschismus dirigierte Toscanini zwischen 1937 und 1945 nicht in Italien, Deutschland und Österreich.

Toselli, Enrico, 13.3.1883-15.1.1926, italienischer Pianist und Komponist; von seinen Werken ist besonders die Serenade op. 6,1 bekannt.

Toskana, italienisch Toscana: historische Landschaft an der Westküste Mittelitaliens; als Region Toskana 22992 km2, 3,6 Millionen Einwohner; 157 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Florenz-, umfasst 9 Provinzen; überwiegend Berg- und Hügelland zwischen Toskanischen Apennin und Küste (Maremmen) mit dem Tal des Arno, im Norden die Apuanischen Alpen, vor der Küste die Toskanischen Inseln mit Elba; Eisenerz-, Braunkohlenbergbau, Marmorbrüche; Schiffbau, Erdölverarbeitung, Hütten- und Textilindustrie, Industriekonzentrationen an der Küste und im Raum Florenz-Prato; Wein-, Obstbau, Anbau von Weizen, Mais, Oliven und Gemüse, Baumschulen; Viehzucht; Häfen: Livorno, Piombino, Portoferraio; zahlreiche Heilbäder; bedeutender Fremdenverkehr in die durch Kunstwerke und Sammlungen bekannten Städte Florenz, Pisa, Pistoia, Siena, Lucca. Das antike Etrurien, seit Diokletian Tuscia (Tuszien), war 568/774 langobardisches Fürstentum (Hauptstadt Lucca); 774/1115 Markgrafschaft, zerfiel im Mittelalter in Stadtstaaten, unter denen Florenz die Vormacht erlangte; im 15. Jahrhundert Zentrum der Renaissance; seit 1569 Großherzogtum; 1737/1859 habsburgisch (1801/08 napoleonisches Königreich Etrurien, 1808/14 von Frankreich annektiert); seit 1860 Bestandteil Piemonts beziehungsweise Italiens. Nach dem 2. Weltkrieg als «Rote Region» Hochburg der KP.

Toskaner, Toskana-Lamm: Bezeichnung für das Fell eines glatthaarigen, gebügelten Oberhaarlammfelles, vorzugsweise von einer in der Toskana beheimateten Schafrasse.

Toskanischer Apennin: Kettengebirge mit Mittelgebirgscharakter, das Ober von Mittelitalien trennt; im Monte Cimone 2165 m; größtenteils entwaldet; durchquert vom Apennin Tunnel (18,5 km).

totaler Krieg: imperialistische Lehre und Methode der Kriegführung; besteht in der völligen Militarisierung des gesellschaftlichen Lebens zur umfassenden Kriegsvorbereitung sowie in der rücksichtslosen Ausschöpfung aller Kräfte und der Anwendung Verbrecher. Mittel im Kriege; zum ersten Mal vom deutschen Imperialismus im 1. Weltkrieg, in extremer Form vom deutschen Faschismus im 2. Weltkrieg angewandt, insbesondere gegen die Sowjetunion.

Totalitarismus-Doktrin: imperialistische Geschichts- und Gesellschaftskonzeption, die den realen Sozialismus als wesensgleich mit dem Faschismus verleumdet; sie ist die in den kapitalistischen Ländern verbreitetste Form des Antikommunismus.

Totalität: (lateinisch) Gesamtheit, Ganzheit; Vollständigkeit.

totaliter: (lateinisch) ganz und gar, durchaus, völlig.

Totalreflexion: Reflexion des Lichtes an einer Grenzfläche, an der die Brechzahl n sprunghaft zu einem kleineren Wert n übergeht, wobei der Einfallswinkel größer als der aus sin e0 = n'/n folgende Grenzwinkel der Totalreflexion e0 sein muss. Siehe auch Brechung.

Toteis: bewegungslos gewordene Teile eines Gletschers oder einer Inlandeismasse, die beim Zerfall des Eiskörpers abgetrennt worden sind. Das Toteis wird oft von Moränen- beziehungsweise Schmelzwasserablagerungen bedeckt und konserviert. Spätglaziales Tieftauen führte zum Beispiel im Norden Mitteleuropas zur Bildung kleiner, oft seengefüllter Hohlformen.

Totemismus: soziologisch-religiöses Phänomen vieler Völker der Urgesellschaft, besonders bekannt bei nordamerikanischen Indianern und australischen Ureinwohnern; im Mittelpunkt steht der Glaube an ein enges Verwandtschaftsverhältnis zwischen einer Gruppe von Personen oder einem einzelnen Menschen einerseits und einer Gattung von natürlichen oder künstlichen Objekten andererseits, die als Totems jener Menschen bezeichnet werden. Soziologisch bedeutsam ist vor allem die angenommene Verbindung oder Verwandtschaft bestimmter Menschengruppen (Sippen, Gentes, Clans) mit den, oft in Tiergestalt gedachten, Totemahnen, weil dadurch auch eine (meist fiktive) Verwandtschaft zwischen den Angehörigen dieser Gruppen hergestellt wird. Das Totem ist meist tabu; Name und Abbild werden oft als Abzeichen geführt und religiös verehrt.

Totempfahl: geschnitzter Wappenpfahl der Nordwestküstenindianer Nordamerikas zu Ehren verstorbener Sippenoberhäupter, der jedoch weniger etwas mit Totemismus im engeren Sinne, als vielmehr mit Heraldik und Familiengeschichte zu tun hat; die übereinander angeordneten Schnitzereien von Tier- und Menschenbildern versinnbildlichen Herkunft und Geschichte der Sippe.

Totengräber, Necrophorus: Gattung der Aaskäfer mit schwarzen, zum Teil rot gebänderten Arten; verscharren zur Eiablage Tierkadaver, von deren Zerfallsprodukten die Junglarven vom Weibchen gefuttert werden.

Totenkopf, Acherontia atropos: größter (bis 12 cm spannend) europäischen Schwärmer mit totenkopfähnliche Zeichnung auf dem Rücken; jährlich aus Nordafrika und Südeuropa einfliegender Wanderfalter; Raupe an Kartoffelkraut und anderen Nachtschattenarten; siehe auch Schwärmer.

Totenliteratur: altägyptische, seit Mitte des 3. Jahrtausend vor Christus in Kultbauten, auf Särgen und Papyri überlieferte Pyramiden- und Sargtexte, Totenbücher und Jenseitsführer mit Sprüchen, Ritualen, Illustrationen für die Aussage im Totengericht und das Leben im Jenseits.

Totentanz:

1. bildende Kunst: Anfang des 15. Jahrhundert aufgekommene Darstellung eines Reigentanzes, den Tote und Lebende in wechselnder Reihenfolge aufführen; meist an Friedhofsmauern und -kapellen angebracht. Er symbolisiert die Abberufung der Lebenden durch die Verstorbenen. Diese von jeher nicht zu den offiziellen kirchlichen Themen zählende Darstellung wandelte sich am Ende des 15. Jahrhundert. Das Tanzmotiv wurde zugunsten einer Bilderfolge aufgegeben, welche die Macht des als menschliche Gerippe dargestellten Todes über alle Stände und Geschlechter schildert, damit gegen die herrschenden Klassen und für die Unterdrückten und Rechtlosen Partei nehmend (Holzschnittfolge von H. Holbein der Jüngere). In der Graphik des 19. und 20. Jahrhundert wurde teilweise an diese Tradition angeknüpft (A. Rethel, M. Klinger, K. Kollwitz, HAP Grieshaber).

2. in der Urgesellschaft und Sklaverei Gesellschaft bildhafter oder ekstatischer Tanz um Leichnam, Sarg oder Verbrennungsstätte. Totentänze sollten böse Dämonen bannen, wobei dem Tod oft der Fruchtbarkeitszauber entgegengesetzt wurde. Trotz vieler kirchlicher Verbote hatten sich auch in Europa Relikte des Totentanzes bis ins 19. Jahrhundert erhalten.

toter Punkt:

1. Maschinenbau: Totpunkt.

2. Sportmedizin: verstärkte Anstrengungsempfindung und vorübergehende Leistungsminderung in der Anfangsphase einer intensiven Ausdauerleistung. Der tote Punkt ist Ausdruck von Umstellungsprozessen im Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf- und Zentralnervensystem bei hohen Belastungsanforderungen. Trainierte empfinden keinen toten Punkt, da die Funktionsumstellungen auf die Belastung bereits in der Aufwärmphase erfolgen.

Totes Gebirge: Gruppe der Salzburger Kalkalpen in Österreich, zwischen Traun und Steyr, mit überwiegend unbewachsener, verkarsteter Hochfläche; im Großen Priel 2514 m.

Totes Meer: abflussloser Salzsee an der jordanisch-israel. Grenze, im tiefsten Teil des Syrisch-Jordan. Grabens, 395 m unter dem Meeresspiegel; 920 km2, 79 km lang, bis 17 km breit und 356 m tief, füllt damit die tiefste Depression der Erde; nach der Tiefe zunehmender Salzgehalt (22 bis 33%). Infolge hoher Wasserentnahme aus dem Jordan (etwa 80%), dem Hauptzufluss des Toten Meers, geht der Wasserspiegel ständig zurück; deshalb seit 1981 durch Israel Bau eines meist unterirdisch verlaufenden 100 km langen Kanals vom Mittelmeer zum Toten Meer, der widerrechtlich durch den okkupierten Gazastreifen geführt wird.

totes Rennen: Sport gleichzeitiges Überqueren der Ziellinie durch 2 oder mehr Wettkampfteilnehmer.

tote Zone: Funktechnik Gebiet, in dem ein (Kurzwellen-) Sender nicht empfangen werden kann. Die tote Zone wird begrenzt vom Empfangsbereich der Bodenwelle (in Sendernähe) und dem Gebiet, in dem die an einer leitenden Schicht der Ionosphäre reflektierte Raumwelle einfällt.

Totgeburt, Totgeborenes: Leibesfrucht, bei der nach vollständigem Verlassen des Mutterleibes keine Herztätigkeit und Lungenatmung oder nur eines von beiden Lebenszeichen vorhanden war, das Geburtsgewicht jedoch mindestens 1000 g betrug.

Totila, gestorben 552 (gefallen), König der Ostgoten seit 541; unter seiner Führung und unterstützt von geflüchteten Sklaven und Kolonen eroberten die Ostgoten im Kampf gegen das byzantinische Heer unter Narses große Teile Italiens zurück (542/50), bevor sie der Übermacht erlagen.

Totonaken: mexikanisches Volk im Küstengebiet nördlich der Stadt Veracruz; heute etwa 150000; Träger einer präkolumbische Kultur mit dem Zentrum El Tajin (Blütezeit etwa 400/1000 nach Christus); typische Steinplastiken und vielbemalte Keramik; von den Azteken unterworfen, im 16. Jahrhundert die ersten Verbündeten der Spanier.

Totpunkt, toter Punkt: Getriebestellung, bei der ein Antriebsglied keine Bewegung an das anzutreibende Glied übertragen kann. Der Totpunkt wird durch Schwungräder überwunden.

Totraum: Medizin Anteil des Atemvolumens, der nicht am Gasaustausch zwischen Luft und Blut beteiligt ist (150 bis 180 ml je 500 ml Atemzugvolumen in Ruhe beim Erwachsenen).

Totschlag: vorsätzliche Tötung eines Menschen unter schuldmindernden Umständen. Siehe auch Mord.

Totstellreflex: im Rahmen der Schutzanpassung von Tieren bei Gefahr auftretende Bewegungslosigkeit, das heißt unauffällige Körperhaltung, anstelle Flucht oder Aggression.

Tottori: 1. Präfektur in Japan, im Westen der Insel Honshu, am Japanischen Meer; 3492 km2, 600000 Einwohner; 172 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Tottori 2; industriell wenig entwickeltes Gebiet.

2. Stadt in Japan, Verwaltungszentrum von Tottori, am Sendai; 130000 Einwohner; Touristik, in der Nähe Thermalquellen.

Tötung: Verursachen des Todes eines Menschen; als vorsätzliche Tötung (Mord oder Totschlag) und fahrlässige Tötung strafbar.

Totverbellen: Anzeigen von gefundenem totem Wild durch Bellen des Jagdhundes.

Totwasser, Altwasser: stehendes Gewässer in einer abgeschnittenen ehemaligen Flussschlinge.

Totzeit: Kernphysik Zeit, die nach einem Ereignis vergeht, bis eine Messapparatur für die Registrierung eines weiteren Ereignisses bereit ist.

Touat, Tuat: Oasengruppe (Reggane unter anderem) im Süden Algeriens, in der Sahara, an der Transsaharastraße; etwa 55000 Einwohner; unterirdisch angelegte Kanäle (Foggaras)-, Kultivierung von Dattelpalmen, Getreide und Gemüse. Im Süden die Oasenstadt Reggane.

Touggourt, Tuggurt: Oasengruppe in Algerien, in der Sahara; 30000 Einwohner; Dattelpalmen; Verkehrsknoten (Eisenbahnlinie nach Nordalgerien), Flughafen; Fremdenverkehr.

Toulon: Stadt im Süden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Var, an einer Bucht des Mittelmeeres; 180000 Einwohner; bedeutendster französischer Militärhafen; Arsenal, Trockendock, Neubau- und Reparaturwerften, Maschinenbau; Seefischerei; Handelshafen, Messen; Seefahrtsmuseum, Barockkirchen; Winterkurort, Seebad.

Toulouse: Stadt im Südwesten Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Haute-Garonne, an der Garonne und am Canal du Midi; 350000 Einwohner; Flugzeug- und Landmaschinenbau, Verarbeitung von Nichteisenmetallen, chemische, Möbel-, Papier-, Konserven-, Schuh-, Textil- und Tabakindustrie; internationaler Flughafen; Universität (gegründet 1230), Hochschulen, Raumforschungszentrum, Museen. Altstadt mit St-Sernin (Ende 1172. Hälfte 12. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert restauriert), gotische Kathedrale St-Étienne und Jakobinerkirche St. Romain, Renaissance- und Barockbauten.

Toulouse-Lautrec, Henri de, 24.11.1864-9.9.1901, französischer Maler und Graphiker; außergewöhnliche Beobachtungsgabe und souveränes Zeichner. Können befähigten ihn zu meisterhaften Darstellungen des Pariser Lebens. Die zwielichtig faszinierende Welt des Montmartre mit ihren Kabaretts, Cafés, Theatern, Bars regte ihn zu immer neuen Gestaltungen an und machte ihn zum unverfälschten Chronisten der spätbürgerlichen Pariser Gesellschaft. Neben dem Impressionismus beeinflusste vor allem der japanische Farbholzschnitt seine Kunst. Seit 1893 widmete er sich besonders der Farblithographie, die er mit seinen oft satirischen und grotesken Plakaten als künstlerische Ausdrucksmöglichkeit neu entdeckte.

toupieren: Haarsträhnen von der Spitze zur Wurzel kämmen und formen.

Tour: 1. allgemein Umdrehung; Runde; Fahrt, Reise; Strecke.

2. Sport: a) Fuß-, Rad- oder Skiwanderung; bergsteigerisches Unternehmen (Bergtour)

b) Etappenrennen;

c) Rallye (zum Beispiel Tour d’Europe).

3. Tanz: in sich geschlossener Abschnitt eines Gesellschafts- oder Volkstanzes; auch soviel wie Pirouette.

Touraine: Landschaft im mittleren Frankreich, beiderseits der Loire; Hauptort Tours-, zumeist fruchtbare Ebene, «Garten Frankreichs» genannt; Wein-, Obstbau, Anbau von Gemüse; Kernkraftwerke; berühmte Schlösser.

Tourcoing: Stadt im Norden Frankreichs, an der Grenze zu Belgien; 100000 Einwohner; mit dem angrenzenden Roubaix Zentrum der französischen Wollindustrie (Kamm- und Tuchwolle), ferner Herstellung von Strümpfen, Möbelstoffen und Teppichen, Jute- und Kunstfaserverarbeitung.

Toure: 1. Ahmed Sekou, 9.1.1922-26.3.1984, guineischer Politiker; seit 1945 Gewerkschaftsführer und ab 1952 Generalsekretär der Demokratischen Partei Guineas; wurde nach Erlangung der staatlichen Selbständigkeit Guineas 1958 Präsident der Republik und verfolgte eine antiimperialistische, auf die nichtkapitalistische Umgestaltung zielende Politik.

2. Samory, um 1830-1900, afrikanischer Staatsmann; Führer des antikolonialen Widerstandskampfes der Völker Westafrikas. Er fasste 1870/75 die Gebiete zwischen oberem Niger und der Waldzone zu einem mächtigen Reich zusammen, das er in den 90er Jahren heroisch gegen die französischen Kolonialeroberer verteidigte; verstarb als Gefangener in Gabun.

Tourenwagen: in großer Serie (mehr als 5000 Stück in 12 Monaten) gefertigtes Automobil, welches für den Automobilsport bei Homologation in die Gruppe A eingestuft wird; bestimmte Veränderungen, wie Masseerleichterungen und Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit, sind erlaubt.

Tourismus: Fremdenverkehr, der sich auf die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit des Menschen außerhalb des Wohn- und Arbeitsortes richtet, ohne jedoch Kurverkehr zu sein; auch als Erholungsverkehr im engeren Sinne bezeichnet.

Touristenkarten: zusammenfassende Bezeichnung für eine Kartenart, die ein spezielles Thema der Touristik zum Gegenstand hat. Touristenkarten umfassen insbesondere Wanderkarten, Umgebungskarten, Bergsteigerkarten, Wasserwanderkarten, Wintersportkarten und Bäderkarten. Touristenkarten sind zum Teil als Bildkarten gestaltet und können mit einem Namensverzeichnis (Sehenswürdigkeiten, Klettergipfel unter anderem) ausgestattet sein.

Touristik: im weiteren Sinne Theorie und Praxis des Reisens, Wanderns und Bergsteigens, soweit dies der körperlichen Erziehung, Belehrung, Unterhaltung und Erholung dient. Touristik im engeren Sinne ist ausschließlich durch sportliche Elemente charakterisiert (Bergsteigen, alle Formen sportliches Wanderns).

touristische Wettkämpfe: Wettkampfformen, die nach relativ frei festzulegenden Regeln und Wertungen Formen des Wanderns, geländesportliche und Orientierungsübungen, touristische Arbeitsfertigkeiten und Übungen der Ersten Hilfe zum Inhalt haben können. Voraussetzungen werden durch den Geländesport (zum Beispiel Geländespiele) entwickelt, der die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit, die Ausbildung taktischen Denkens und den Erwerb vormilitärische Kenntnisse und Fähigkeiten fördert.

Tournai, Doomik (flämisch): Stadt im Südwesten Belgiens, in der Provinz Hennegau, an der Schelde; 68000 Einwohner; Maschinenbau, Zement-, Elektro- und traditionelle Teppichindustrie; Fachschulen, Museen; fünftürmige romanisch-gotische Kathedrale (11712. Jahrhundert), Tuchhalle (Spätrenaissance).

Tournedos: vom Filet des Rindes geschnittenes gebratenes oder gegrilltes Fleisch.

Tournier, Michel, geboren 19.12.1924, französischer Epiker; gestaltet, auf bekannte Motive und Mythen zurückgreifend, mit hohem philosophischen Anspruch und großer Fabulierfreude äußerst wirkungsvoll Probleme und Widersprüche menschlicher Existenz der Gegenwart (Romane «Freitag oder Im Schoß des Pazifik», 1967; «Der Erlkönig», 1970; Erzählungen «Die Familie Adam», 1977; alle deutsch).

Tournüre: in der Damenmode um 1870 unter dem hohen Rockansatz getragenes Gesäßpolster oder Halbreifengestell als Stütze für die Bauschungen des Rockes. Ähnliche Polster wurden in der Mode im 18. Jahrhundert und um 1880 auch Cul de Paris genannt.

Tours: Stadt im mittleren Frankreich, Verwaltungszentrum des Departements Indre-et-Loire, an der Loire und am Cher; 130000 Einwohner; Maschinenbau, chemische, Metall-, Textil- und Konservenindustrie; Wein- und Obstmarkt, Agrarmesse; Universität, Theater; gotische Kathedrale St. Gatien (16. Jahrhundert vollendet), mittelalterliche Bürgerhäuser. In der Schlacht bei Tours und Poitiers 732 schlug das fränkische Heer unter Karl Martell die aus Spanien eingedrungenen Araber. Dieser Sieg verhinderte das weitere Vordringen der Araber in Westeuropa.

Toussaint L'Ouverture, François Dominique, 20.5.1743-7.4.1803, Führer der Unabhängigkeitsrevolution Haitis, der «schwarze Robespierre» genannt; ehemaliger Sklave, seit 1791 an der Spitze des Kampfes gegen die französische Kolonialherrschaft, 1794 auf Seiten der Jakobiner; wurde 1801 Herrscher auf Lebenszeit; 1802 durch Verrat gefangengesetzt und nach Frankreich deportiert, starb in napoleonischer Gefangenschaft.

Tower: (englisch, «Turm») 1. die historische Befestigungswerke im Osten der Altstadt Londons, erbaut seit 1078 als königliche Zwingburg für London; bis 1509 Hauptresidenz, bis zum 17. Jahrhundert gelegentlich königliche Residenz, bis 1820 Staatsgefängnis und Richtstätte (Tower Hill); heute Museen und Amtsgebäude.

2. Kontrollturm.

Townes, Charles Hard, geboren 28.7.1915, US-amerikanischer Physiker; grundlegende Arbeiten zur Quantenelektronik.

Townsville: Stadt im Nordosten von Queensland (Australien), an der Korallensee; 100000 Einwohner; Kupfer- und Nickelerzverhüttung, Werft, Lebensmittel-, Zementindustrie; Endpunkt der Bahnlinie von Mount Isa, Hochsee-, Flughafen; Universität, Zoo.

Towstonogow, Georgi Alexandrowitsch, geboren 28.9.1915, sowjetischer Regisseur und Theaterleiter; seit 1956 Chefregisseur des Leningrader Maxim-Gorki-Theaters. An Traditionen russische und sowjetische Theaterkunst anknüpfend, erwarb Towstonogow durch differenzierte Menschengestaltung und theatralische Vielfalt in seinen Inszenierungen (auch Gastinszenierungen in zahlreichen Ländern) hohes internationales Ansehen.

Toxaphen: für Bienen ungefährliches Insektizid und Rodentizid mit geringer Anfangs-, aber starker Dauerwirkung; Wirkstoff ist Chloramphen.

Toxikologie: (griechisch) Lehre von den Giften und ihren Wirkungen auf den lebenden Organismus.

Toxikose: (griechisch) Vergiftungskrankheit, die entweder bei geschädigtem Stoffwechsel durch ungenügend entgiftete Produkte des eigenen Organismus (endogen) oder durch von außen (exogen) zugeführte Stoffe verursacht werden kann.

Toxine: (griechisch + lateinisch) giftige Substanzen pflanzlicher, bakterieller oder tierischer Herkunft, die schon in kleinen Mengen andere Organismen schädigen oder töten können. Siehe auch Schutzimpfung.

Toxizität: (lateinisch griechisch) Giftigkeit. Die Toxizität einer Substanz wird tierexperimentell ermittelt. Die akute Toxizität charakterisiert das Vergiftungsbild bei einmaliger Gabe einer hohen Dosis eines Stoffes und legt in der Regel die tödliche Dosis fest. Die chronische Toxizität erfordert eine mehrwöchige Verabreichung des zu untersuchenden Stoffes.

Toxoplasmose: durch den Einzeller Toxoplasma gondii hervorgerufene und durch infizierte Lebensmittel sowie Kontakt mit kranken Haustieren übertragene Infektionskrankheit und Zoonose; befällt vorwiegend Gehirn und Augen, daneben auch das lymphatische System, die Lunge und den Herzmuskel; eine Infektion während der Schwangerschaft kann zu Fehl-, Früh-, Totgeburt oder zu Missbildungen beziehungsweise schweren Erkrankungen des Neugeborenen führen.

Toyama: 1. Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, an der Küste des Japanischen Meeres; 4252 km2, 1,1 Millionen Einwohner; 259 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Toyama 2; metallurgische, chemische Industrie.

2. Stadt in Japan, Verwaltungszentrum von Toyama 1, 300000 Einwohner; Aluminiumhütte, Schiff- und Maschinenbau; Eisenbahnknoten, Hafen.

Toynbee, Arnold Joseph, 14.4.1889-22.10.1975, britischer Historiker und Geschichtsphilosoph; 1925/55 Direktor des Instituts für Internationale Beziehungen; Berater des britischen Außenministeriums; Vertreter einer subjektiv-idealistisch interpretierten Kreislauftheorie der Weltgeschichte und Kultur.

Toyota: Stadt in Japan (Präfektur Aichi), östlich von Nagoya, im mittleren Teil der Insel Honshu; 280000 Einwohner; Sitz der Toyota Motor Company, ferner Landmaschinen- und Textilindustrie.

Toyotomi, Hideyoshi, 1536-1598, Militärbefehlshaber im feudalen Japan; General unter N. Oda; riss nach dessen Tod die Macht an sich und schloss bis 1590 die wichtigsten Territorien Japans unter einer starken Zentralgewalt zusammen.

Traat, Mats, geboren 23.11.1936, estnisch-sowjetischer Schriftsteller; beschäftigt sich in Lyrik und Prosa besonders mit dem Dorfleben, in Romanen («Tanz um den Dampfkessel», 1971) und Erzählungen («Die Kaffeebohnen», 1974, deutsch) mit ethischen Problemen.

Trabant:

1. Astronomie: Mond.

2. Kraftfahrzeugtechnik: Markenbezeichnung der im VEB Sachsenring Automobilwerk Zwickau gebauten viersitzigen Kleinwagen mit Frontantrieb. Der Motor aller Modelle ist ein luftgekühlter Zweizylinder-Zweitaktmotor, beim Typ Trabant 601 mit 595 cm3 Hubvolumen und 19,1 kW Leistung; Höchstgeschwindigkeit 100 km/h.

3. Militärwesen: ursprünglich geworbener Krieger, im 15./18. Jahrhundert fürstlicher Begleiter; Leibwächter, Diener.

Trabekel: Anatomie Bälkchen artiges Gerüst (festes Bindegewebe) mit stützender Funktion in einigen Organen, zum Beispiel in Lymphknoten und Milz.

Trabrennen: in der Gangart Trab auf 800 bis 1600 m langen Rundbahnen ausgetragene Pferderennen über 2 bis 2,5 km mit Pferden spezieller Traberrassen. Der Fahrer sitzt in einem Sulky. entsprechend den Massezulagen bei Galopprennen sind Streckenzulagen (20-m-Einheiten) üblich, die sich aus der 1000-m-Bestzeit beziehungsweise der Gewinnsumme des Pferdes ergeben. Disqualifikation erfolgt bei Traben im Passgang und Galoppieren.

Trabzon: Stadt (Provinzzentrum) im Nordosten der Türkei, am Schwarzen Meer, am Fuß des Pont. Gebirges; früher Trapezunt; 110000 Einwohner; Zementfabrik, Werft, Lebensmittelproduktion, Fischfang; Hafen, Flughafen; TU; Moscheen.

Tracheen:

1. Botanik: Leitgewebe.

2. Zoologie: röhrenförmige Atmungsorgane der Insekten und Spinnen.

Trachom, Ägyptische Körnerkrankheit: übertragbare Infektionskrankheit des Auges in den Tropen und Subtropen, die in fortgeschrittenen Stadien zur Erblindung führt; gegenwärtig noch die häufigste Erblindungsursache in der Welt.

Tracht: (zu «tragen»)

1. Ackerbau: ältere Bezeichnung für die Anbaufolge landwirtschaftliche Kulturen nach einer Stalldunggabe. In erster Tracht werden auf frisch mit Stalldung versorgtem Boden zum Beispiel Hackfrüchte (Humuszehrer), in zweiter Tracht, also im nachfolgenden Anbaujahr, zum Beispiel Getreidearten angebaut.

2. Biologie: Erscheinungsform eines Tieres in Beziehung zur Umwelt. Die Tarntracht (Verbergetracht, Umgebungstracht) basiert auf der sich der Umgebung anpassenden Farbe und Zeichnung des Tieres und schützt vor Feinden (zum Beispiel weißer Schneehase im hohen Norden). Bei der Schrecktracht und Warntracht wird durch auffällige Farben oder Form des Tieres der Feind erschreckt oder gewarnt (zum Beispiel werden schwarzrot gefärbte Feuerwanzen von Insektenfressern gemieden).

3. Imkerei: der von Honigbienen eingetragene Nektar, Honigtau und Pollen, auch das Angebot der Blüten an Nektar und Pollen.

4. Kristallographie: Kristall.

5. Volkskunde: in verschiedenen historischen Zeitabschnitten (besonders im Feudalismus) herausgebildete Kleidung spezifischer Gruppen, die, ohne Uniform zu sein, als Norm galt, zum Beispiel Berufstracht der Bergleute, der Zimmerleute; Amtstracht der Richter, Ordenstracht der Mönche, jeweils stadttypische Bürgertrachten, wie sie sich besonders im 16. Jahrhundert ausprägten; Volkstrachten sind regional- (zum Beispiel Spreewälder, Schwarzwälder, Altenburger Tracht) oder nationaltypischen (zum Beispiel Holländertracht) Kleidungssitten.

Trächtigkeit: (zu «tragen») Zustand des weiblichen Säugetiers im Zeitraum zwischen erfolgreicher Besamung oder Bedeckung und Geburt eines Jungtiers, embryonalem Fruchttod oder einer Fehlgeburt. Die Tragezeit ist je nach Tierart unterschiedlich lang, zum Beispiel Pferd 335, Rind 285, Schaf und Ziege 151, Hund 63, Katze 58, Kaninchen 31 Tage.

Trachyt: (griechisch) dem Syenit entsprechendes, meist junges (tertiäres), rötliches bis graues Ergussgestein.

Tractus, (lateinisch) Trakt: Anatomie Zug, Strang, Kanal; zum Beispiel Tractus intestinalis (Darmkanal).

Tracy, Spencer, 5.4.1900-10.6.1967, US-amerikanischer Filmschauspieler, spielte vor 1930 in vielen Broadway-Inszenierungen, bewies seine Vielseitigkeit danach sowohl in Gangster als auch in komischen und tragischen Filmen und Western («Teufelskerle», «Das siebte Kreuz», «Der alte Mann und das Meer», «Wer den Wind sät», «Urteil von Nürnberg», «Eine total verrückte Welt»),

Trademark: Handelsmarke, Fabrikzeichen, Schutzzeichen für Waren.

Tradeskantie: (nach einem Londoner Gärtner) zur Familie der Commelinengewächse gehörende krautige Pflanze aus Amerika mit weißen, lila- oder rosafarbenen Blüten.

Trade Union Congress: Britischer Gewerkschaftskongress; siehe auch Großbritannien (Parteien und Massenorganisationen).

Trade Unionismus: unter Opportunist, beziehungsweise bürgerlicher Einfluss stehende Strömung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert in der Gewerkschaftsbewegung, die sich anfangs in der britischen, später auch in der Arbeiterbewegung anderer Länder herausbildete. Der Trade-Unionismus beschränkt den gewerkschaftlichen Kampf auf begrenzte ökonomische beziehungsweise soziale Interessenvertretung in Form des sogenannten Nurgewerkschaftertums und lehnt den politischen beziehungsweise revolutionären Kampf der Arbeiter- beziehungsweise Gewerkschaftsbewegung ab.

Trade Unions: gewerkschaftliche Vereinigungen, die in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert in Großbritannien nach beruflichen beziehungsweise zünftlerischen Gesichtspunkten zur Vertretung beruflicher beziehungsweise begrenzter ökonomischer und sozialer Interessen gebildet wurden. Die Opportunistischen Führer der Trade Unions brachten diese zunehmend unter den Einfluss bürgerlicher Ideologien und entgegen den Interessen der Arbeiter zur Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie,

tradiert: (lateinisch) überliefert, mündlich weitergegeben.

Tradition: 1. allgemein Überlieferung, Brauch.

2. Quellenkunde: Bezeichnung jener Gruppe von Quellen, die aus dem Streben nach einer Darstellung für die Mit- und Nachwelt entspringt (zum Beispiel Heldenlieder, Memoiren).

Trafalgar: spanisches Vorgebirge zwischen Cádiz und Gibraltar. Am 21.10.1805 Seesieg der britischen Flotte unter H. Nelson über die vereinigte französische-spanische Flotte; verhinderte eine französische Invasion und sicherte die britische Seeherrschaft.

Tragant: 1. Tragant, Astragalus: sehr artenreiche Gattung der Schmetterlingsblütler mit unpaarig gefiederten Blättern; meist in Trockengebieten. Einige Arten liefern den Tragantgummi; verbreitetste heimische Art ist der Süßholz-Tragant oder Bärenschote (Astragalus glycyphyllos).

2. Kohlenhydrat mit gummiähnlichen Eigenschaften und hoher Molekülmasse, das aus vorderasiatischen Arten von Tragant 1 gewonnen wird; ist teilweise wasserlöslich, stark quellfähig und wird als Klebstoff und in der Lebensmittelindustrie als Bindemittel verwendet.

Tragédie lyrique: die französische höfliche Repräsentationsoper des 17. und 18. Jahrhundert, meist nach antiken Stoffen; Hauptmeister J. B. Lully und J.-P. Rameau.

Träger: stabförmiges, hauptsächlich auf Biegung beanspruchtes Tragwerk, das vorwiegend quer zur Längsachse gerichtete Kräfte aufnimmt und in die Auflager überträgt Träger bestehen aus Holz, Stahl (Walzprofil) oder Stahlbeton und werden besonders bei Brücken, Dächern, Decken, Kranbahnen verwendet. Man unterscheidet nach der Lagerung Balkenträger auf 2 oder mehr Stützen frei aufliegend, ein- oder beidseitig eingespannt; Kragträger frei auskragend; Durchlaufträger ohne Gelenke über mehrere Stützen durchlaufend; Gerberträger mit Gelenken; Koppelträger mit 2 Gelenken in einem Trägerfeld; nach der Form Vollwandträger aus Stahlbeton, genieteten oder geschweißten Blechen, genagelten oder verleimten Brettern, Fachwerkträger und Gitterträger mit Diagonalstäben.

Träger, Claus, geboren 4.2.1927, Literaturwissenschaftler; Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig, arbeitet besonders zur Literatur zwischen Aufklärung und Romantik, Literaturtheorie sowie Geschichte und Methodologie der Literaturwissenschaft (unter anderem «Studien zur Realismustheorie und Methodologie der Literaturwissenschaft», 1972; «Studien zur Erbetheorie und Erbeaneignung», 1981; «Geschichte und Romantik», 1984; Herausgeber und Mitautor vom «Wörterbuch der Literaturwissenschaft», 1986); vielseitige Editionstätigkeit.

Trägerfrequenzkopie: das Aufeinanderkopieren (und spätere Trennen und Wiedersichtbarmachen mittels eines speziellen Projektionsgerätes) einer Vielzahl von Negativen (Strichaufnahmen) auf ein einziges Positiv.

Trägerrakete: Rakete zum Transport wissenschaftlichen, technologischen oder anderer Nutzmassen in Freiflugbahnen. Trägerrakete sind im Unterschied zu den wiederverwendbaren Raumtransportsystemen Verlustgeräte.

Trägerrost: System zweier sich in einer Ebene berührender und an den Kreuzungspunkten kraftschlüssig miteinander verbundener Trägerlagen; Anwendung im Brückenbau, für Bauwerksgründungen und bei Deckenkonstruktionen.

Tragfähigkeit: diejenige Masse, die ein Schiff unter Berücksichtigung von Vorschriften und Sicherheit zu tragen fähig ist. Sie umfasst außer der Besatzung, den Fahrgästen und der Nutzlast die für den Schiffsbetrieb erforderlichen Vorräte; wird in t oder tdw angegeben. Siehe auch Deadweight.

Tragfähigkeit der Erde: vom Stand der Produktivkräfte abhängige Messgröße für die Zahl von Menschen, die die Erde ernähren kann. Diese Tragfähigkeit der Erde liegt höher als jede auch in Zukunft zu erwartende Menschenzahl.

Tragfläche, Tragflügel: flächenhaftes Flugzeug- und Schiffbauteil; bei Flugzeugen zur Erzeugung des dynamischen Auftriebes, an dessen Unterseite durch die vorbeistreichende Luft Druck- und an dessen Oberseite Sogkräfte entstehen und so einen Auftrieb bewirken. Die Tragfläche ist ein leicht gewölbter, innen hohler, aber versteifter, nach den Längskanten zu sich verjüngender Metall-, seltener Holzkörper mit meist rechteckigem oder trapezförmigem Umriss. Pfeilflügel ermöglichen höhere Geschwindigkeiten. Bei Überschallflugzeugen herrscht der Deltaflügel (Dreieckform) mit sehr dünnem Profil und kleiner Streckung vor.

Tragflächenschiff, Tragflügelschiff-. Motor- oder Gasturbinenschiff mit Tragflächen unter dem Rumpf, der sich bei hoher Geschwindigkeit aus dem Wasser heraushebt, so dass das Fahrzeug nur noch auf den Tragflächen gleitet; in Küstengewässern eingesetzte (seegehende) Tragflächenschiff erreichen etwa 55 km, auf Binnengewässern verkehrende Tragflächenschiff etwa 130 km/h Geschwindigkeit. Außer Tragflächenschiff gibt es noch kleine Tragflächenboote.

Trägheit, Beharrungsvermögen-, Eigenschaft aller Körper, ihren Bewegungszustand in Inertialsystemen nur unter dem Einfluss einer äußeren Kraft F zu ändern (Trägheitsgesetz) Newtonsches Axiom). Gemäß dem 2. Newtonschen Axiom F = ma ist die von F hervorgerufene Beschleunigung a von der trägen Masse m des Körpers abhängig.

Trägheitsmoment, Massenträgheitsmoment-, für einen im Abstand r um eine feste Achse rotierenden Massenpunkt der Masse m das Produkt J = mr2, SI-Einheit kg • m2; für einen Körper die Summe der Trägheitsmoment aller seiner Massenelemente Am, also J=Y. rt Am, beziehungsweise 1J>2 p(r) dV, wobei p(r) i die Massendichte ist und über das gesamte Volumen integriert wird. Das Trägheitsmoment charakterisiert die Trägheit rotierender Körper gegenüber einer zeitlichen Änderung d> ihrer Winkelgeschwindigkeit a> unter dem Einfluss eines Kraftmoments vom Betrag M in Richtung der Drehachse. Nach dem Steinerschen Satz ergibt sich das zur Drehachse A gehörige Trägheitsmoment Jk aus dem Trägheitsmoment /s bezüglich der zu A parallelen, durch den Schwerpunkt des Körpers gehenden Achse S zu JA = Js + ma2, wobei a der senkrechte Abstand von S zu A und m die Masse des Körpers ist. Trägt man für jede durch den Schwerpunkt gehende Achse den Wert 1/7 auf derselben ab, so entsteht das sogenannt Trägheitsellipsoid; die Trägheitsmoment in Richtung der Hauptachsen (Hauptträgheitsachsen) des Ellipsoids mit den Halbmessern a g b a c heißen Hauptträgheitsmoment des Körpers, für sie gilt s Jbs Je. Die Achsen mit dem größten beziehungsweise kleinsten Trägheitsmoment Jc sind freie Achsen, das heißt eine Rotation des Körpers um diese Achsen ist auch ohne zusätzliche Lagerung derselben stabil. Als Flächenträgheitsmoment einer Fläche mit den Elementen dA im Abstand r von einer senkrecht zur Fläche stehenden Drehachse bezeichnet man die Größe /= Jr2

Tragikomödie: (griechisch) Dramengenre, dessen Wirkung auf der dialektischen Einheit von Tragischem und Komischem beruht; hat sowohl in der spätbürgerlichen (F. Wedekind, L. Pirandello, F. Dürrenmatt) als auch in der sozialistischen Dramatik (S. O’Casey, B. Brecht) an Bedeutung gewonnen.

tragisch: erschütternd, unheilvoll, die Tragödie betreffend. Das Tragische ist eine ästhetische Wertungskategorie, die den sozial oder historisch bedingten Untergang von Menschen im Kampf zwischen reaktionären und fortschrittlichen Kräften bezeichnet.

Dabei sind 2 Varianten möglich:

a) das Scheitern zu früh gekommener Revolutionäre und

b) das Scheitern bereits historisch überlebter Vertreter des Bestehenden, deren Untergang tragisch ist, solange für ihr Handeln objektive Berechtigung noch vorhanden ist und dieses «ein weltgeschichtlicher Irrtum, aber kein persönlicher» (Marx) ist. Tragische Konflikte und deren ästhetischen Bewältigung in der Tragödie konzentrieren sich in historischen Umbruchsituationen (Epochenveränderungen), weil hier der Boden für das historisch Alte und Neue gleichermaßen vorhanden ist. Tragische Gestaltung fordert die Einsicht in die geschieht! Perspektiven des Handelns.

Traglastnachweis: Bemessungsmethode für Baukonstruktionen; Grundlage ist das Verhältnis Grenzdehnung Stahl zu Grenzstauchung Beton.

Tragluftkonstruktion, pneumatische Konstruktion: extrem leichtes Umhüllungstragwerk, das durch künstlich erzeugten Überdruck (0,03 bis 0,05 MPa) aufgerichtet und in seiner Form erhalten wird. Verwendet werden lichtdurchlässige, mit Plast beschichtete Textilgewebe (Textilverbund) oder regendichte und sturmfeste Folien, die an Fundamenten befestigt und abgespannt sind; als Lager-, Ausstellungs- und Trainingshallen sowie im Winterbau verwendet; siehe auch Stützschlauchkonstruktionen.

Tragöde, Tragödin: veraltete Bezeichnung für Darsteller(in) von tragischen Heldenrollen.

Tragödie, Trauerspiel-, neben der Komödie Hauptgenre der Gattung Drama; zusammenfassende Bezeichnung für alle Arten dramatischer Werke, die menschlichen Beziehungen und soziale Verhältnisse in den Dimensionen des Tragischen (tragisch) darstellen. Antike Tragödie (Äschylus, Sophokles, Euripides) sind gebunden an mythische Stoffe und religiöse Schicksalsvorstellungen; in der Renaissance (W. Shakespeare) bringen Tragödie die aus individuellen Freiheitsvorstellungen herauswachsenden Konflikte zum Ausdruck; seit der Aufklärung (G. E. Lessing, J. W. Goethe, F. Schiller) hat die Tragödie soziale Konflikte zunehmend historisch konkret dargestellt; die spätbürgerliche Dramatik tendiert, trotz sozialkritischer Gestaltung tragische Einzelschicksale (T. Williams), stärker zur Komödie und Tragikomödie; die sozialistische Dramatik (W. W. Wischnewski, F. Wolf) hat neue Dimensionen tragischer Darstellung erschlossen.

Trägspinner, Schadspinner, Lymantriidae: Familie dunkel gefärbter Nachtfalter, Raupen stark behaart, zum Teil mit Haarbüscheln oder bunten Warzen; viele Arten an Obst- und Waldbäumen schädlich.

Tragtrommelrollapparat, Pope-Roller: Aufrollvorrichtung für die Papierbahn bei schnelllaufenden Papiermaschinen; besteht im Wesentlichen aus Tragzylinder, 2 bewegliche Traghebeln mit Gabeln, 2 Anlageböcken und einer hydraulischen oder mechanischen Bewegungsvorrichtung.

Tragwerk:

1. Bautechnik: Skelett jedes Bauwerkes zur Lastaufnahme und -Übertragung; man unterscheidet Stabtragwerk, Flächentragwerk (Platte, Faltwerk, Schale), räumliche Stabtragwerk, Seiltragwerk und pneumatische Tragwerk. Siehe auch Hängewerk, Sprengwerk, Tragluftkonstruktion.

2. Flugzeug.

Traykov, Georgi, 20.4.1898-14.1.1975, bulgarischer Politiker, seit 1919 Mitglied des Bulgar. Bauernvolksbundes; wegen antifaschistischer Tätigkeit mehrmals verhaftet; 1947/74 Sekretär des Bulgarischen Bauernvolksbundes, 1964/71 Vorsitzender des Präsidiums der Volksversammlung, 1972/74 Erster Stellvertreter des Staatsratsvorsitzenden und Vorsitzender des Nationalrates der Vaterländischen Front (ab 1974 Ehrenvorsitzender).

Trailer: von einer Spezialzugmaschine gezogener, nicht selbstlenkender Lastanhänger für Stückgüter oder Container; wird mit bordeigenen Schleppfahrzeugen in das Schiff eingefahren.

Trainer: Berufsbezeichnung für Sportlehrkader, die Sportler auf sportliche Höchstleistungen vorbereiten und bei Wettkämpfen betreuen.

Training: planmäßiger Prozess der sportlichen Vervollkommnung zur Herausbildung hoher und höchster sportlicher Leistungen; im weiteren Sinne auch zielgerichteter Ausbildungsprozess zur Steigerung der individuellen und kollektiven Leistungsfähigkeit für spezialisierte Tätigkeiten. Sportliches Training ist langjährige psychisch-physische sportliche Ausbildung und Vervollkommnung auf der Grundlage von Trainingsprogrammen unter fachlicher Anleitung und sportärztliche Kontrolle. Zielgerichtete, planmäßige Belastungen mittels Körperübungen und Wettkämpfen und entsprechend Lebensweise lösen die Leistungssteigerung aus, Umfang und Intensität werden stetig, variiert in Trainingszyklen (Tage und Wochen), gesteigert bei Anwendung verschiedenster Trainingsmethoden. Siehe auch Verhaltenstraining 2.

Trajan, Marcus Ulpius Traianus, 18.9.53-8.8.117, römischer Kaiser seit 28.1. 98; unter ihm erreichte das römischen Reich seine größte territoriale Ausdehnung; kämpfte gegen die Germanen, Parther und Daker; forderte besonders die ital. Binnenkolonisation und die Bautätigkeit in Rom.

Trajanssäule: Ehren- und Siegessäule von 33 m Höhe, die 113 auf dem Trajansforum in Rom errichtet wurde und auf einem 200 m langen spiralig umlaufenden Reliefband die Siege des Kaisers Trajan über die Daker verherrlicht; ursprünglich durch die Statue des Herrschers bekrönt.

Trajanswall: römische Grenzbefestigung in der Provinz Mösien (heute Dobrudscha) zwischen Donau und Schwarzem Meer, angelegt auf Veranlassung Trajans; teilweise bis zu 6 m hohe Steinmauern.

Trajektorie: System- und Steuerungstheorie zeitlicher Verlauf des von den Zustandsgrößen gebildeten Zustandsvektors im Zustandsraum; beschreibt zum Beispiel die Überführung eines Systems aus einem Anfangs- in einen gewünschten Endzustand.

Trajektorien: Kurven, die sämtliche Kurven einer gegebenen ebenen Kurvenschar schneiden. Bei orthogonalen Trajektorien sind sämtliche Schnittwinkel stets 90°.

Trakl, Georg, 3.2.1887-4.11.1914 (wahrscheinlich Selbsttötung), österreichischer Lyriker, Repräsentant des frühen Expressionismus; seine formvollendeten, klangschönen Verse, die in Visionen Sehnsucht nach Schönheit und sinnerfülltem Leben ausdrücken («Gedichte», 1913; «Aufbruch», 1915), sind von Abscheu vor der imperialistischen Gesellschaft, Resignation und Untergangsstimmung geprägt.

Trakt: 1. allgemein Strecke, Ausdehnung in die Länge; Straßenzug; Gebäudeteil.

2. Anatomie: Tractus.

Traktat: relativ kurze, meist lehrhafte Schrift über allgemein interessierende wissenschaftliche Fragen; auch religiöse Flugschrift.

traktieren: (lateinisch) (schlecht) behandeln; bewirten.

Traktion: Antriebsart für Triebfahrzeuge im Eisenbahnwesen. Man unterscheidet nach der zur Verfügung stehenden Energiequelle Dampf-, Diesel sowie elektrische Traktion, wobei die Dampftraktion nur noch vereinzelt angewendet wird. Bei Mitteltraktion befindet sich das Triebfahrzeug in der Mitte des Wagenzuges und wird bei Änderung der Fahrtrichtung nicht umgestellt.

Traktor, Schlepper: selbstfahrendes Landfahrzeug, das im Straßenverkehr, vorwiegend aber als Zug- und Antriebsmaschine für landwirtschaftliche Geräte, Arbeitsmaschinen und Transportfahrzeuge bei Feld- und Hofarbeiten eingesetzt wird. Kraftmaschine des Traktor ist fast ausschließlich der Dieselmotor, dessen mechanische Energie über das Trieb- und Fahrwerk zur Eigenfortbewegung und zum Zug, über meist hydraulische Hubeinrichtungen, zum Beispiel zum Heben und Kippen, über mechanische Antriebe von Zapfwellen, Riemenscheiben und Seiltrommeln zum Betrieb von Arbeitsmaschinen genutzt wird. Letztere können an den Traktor angebaut, aufgesattelt oder angehängt werden. Nach Art des Fahrwerkes werden Radtraktor und Kettentraktor unterschieden. Vorläufer des Traktors sind Dampfpflug und Motortragpflug; Beginn der Traktorenentwicklung um 1910.

Traktrix, Schleppkurve: Bahn eines Massenpunktes P, der anfangs im Abstand r von einer Geraden g (der Leitlinie) liegt und an einem Faden der Länge r gezogen wird, dessen anderes Ende längs g bewegt wird; diese Gerade g ist Asymptote der Traktrix. Siehe auch Pseudosphäre.

Tralow, Johannes, 2.8.1882-27.2.1968, Schriftsteller, lebte viele Jahre im Orient; war Regisseur und Theaterleiter; wandte sich gegen neofaschistische Entwicklungstendenzen in der BRD und übersiedelte 1967 in die DDR. Tralow, der mit Versdramen begann, wurde durch historische Romane bekannt: «Gewalt aus der Erde» (1933; über 0. Cromwell); «Boykott» (1950; über den irischen Befreiungskampf), «Osmanische Tetralogie» («Malchatun», 1952, «Irene von Trapezunt», 1947, «Roxelane», 1942, «Der Eunuch», 1956).

Tramin, Peter von, eigentlich Peter Freiherr von Tschugguel zu Tramin, geboren 9.5.1932, österreichischer Schriftsteller; übt, die Tradition des Österreich, bürgerlichen Gesellschaftsromanes fortsetzend, aus der Sicht der Oberschicht Kritik an den Lebensformen seiner Klasse («Die Herren Söhne», 1963; «Die Tür im Fenster», 1967).

Traminer: (nach dem Ort Tramin (Termeno; Italien)) alte, edle Keltertraubensorte, die zu den besten der nördlichen Weinbaugebiete gehört und milde Weine mit angenehmem Bukett liefert; auch an Elbe, Saale und Unstrut angebaut.

Tramp: 1. a) umherziehender Gelegenheitsarbeiter (besonders in den USA);

b) über Land ziehende beziehungsweise in fremden Fahrzeugen mitgenommene (trampende) Person.

2. Frachtschiff ohne festen Fahrplan.

Trampeltier, Camelus ferus, bactrianus: aus dem etwas kleineren Wildkamel (C. ferus) vor etwa 5000 bis 6000 Jahren in Zentralasien gezüchtetes zweihöckeriges Hauskamel; dient als Reit- und Tragtier, ist Milch-, Woll- und Fleischlieferant, wird in kleinen Gruppen oder großen Herden gehalten. Siehe auch Kamele.

Trampolinsport: durch die Elastizität des Sportgeräts ermöglichte Ausführung von Sprüngen und Sprungfolgen. Das Trampolin ist 457 cm x 274 cm groß und 99 cm hoch. Wettbewerbe werden für Einzelsportler (Pflicht und Kür) und im Synchronspringen (2 gemeinsam gewertete Wettkampfteilnehmer führen an je 1 Trampolin gleiche Übungsteile gleichzeitig aus; ausschließlich Kür) ausgetragen. Eine Mannschaftswertung ist möglich. 1 Übung besteht aus 10 Teilen (Elementen). Die Bewertung erfolgt nach Schwierigkeitsnote je Element und Ausführungsnote; maximal werden 10 Punkte je Kampfrichter vergeben. Das Gesamtresultat wird wie beim Gerätturnen ermittelt. Weltmeisterschaften seit 1964, Europameisterschaften seit 1969.

Tran: (zu «Träne») von erlegten Meeressäugetieren, besonders von Walen, auch von Robben und Delphinen, gewonnenes Öl. Tran wird meist hydriert und dient als Rohstoff für die Herstellung von Margarine und Seife; Robbentran findet als Lederfett Verwendung.

Tran: vietnamesische Dynastie (1225/1400); Prinz Tran Hung Dao (1253-1300) schlug 1288 in der Seeschlacht an der Bach-Dang-Mündung chinesisch-mongolischen Invasoren vernichtend.

Trance: hypnotischer, schlafähnlicher Zustand mit deutlicher Einschränkung des Bewusstseins und Vorherrschen ungesteuerter Motorik.

Tranchieren: kunstgerechtes Zerlegen von verzehrfertigem Fleisch, besonders Geflügel und Wild.

Tränendrüse, Glandula lacrimalis: im oberen, äußeren Teil der Augenhöhle liegende Drüse zur Bildung der Tränenflüssigkeit.

Tran Ninh Plateau: («Ebene der Tonkrüge») Hochland in Hinterindien, zwischen Mekong, Song Da und den Nordwestausläufern des Truong Son; gehört politisch zu Laos und Vietnam; im Mittel 1200 m, maximal bis 2 817 m über dem Meeresspiegel. Das von Einzelbergen überragte, vorwiegend aus mesozoischen Sandsteinen aufgebaute Tran-Ninh-Plateau ist bei tropischen Monsunklima überwiegend von regengrünen Monsunwäldern bedeckt; Wanderfeldbau; reich an Zinn-, Wolfram- und Golderzen.

Tranquilizer, Ataraktika: Gruppe der Psychopharmaka mit vorwiegend beruhigender Wirkung auf das Zentralnervensystem. Sie werden zur Beseitigung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen verwendet. Nach ihrer chemischen Struktur sind Tranquilizer Benzodiazepine (zum Beispiel Faustan), Karbamidsäureester unter anderem

Transaktion: Unternehmung; umfangreicheres, über den Rahmen der täglichen Geschäftsvorfälle hinausgehendes Bank-, Börsen- oder Geldgeschäft zur Erzielung von Höchstprofit.

Transalai: vergletscherte Hochgebirgskette im Norden des Pamir, durch das Alaital vom Alai getrennt; 240 km lang, bis 7134 m (Pik Lenin) hoch; Steppe, Hochgebirgswiesen.

Transamazonica: in Ost-West-Richtung verlaufendes Straßensystem in Brasilien, das von der Küste des Atlantischen Ozeans (Recife) durch die immergrünen tropischen Regenwälder des Amazonasbeckens über Rio Branco nach Cruzeiro do Sul nahe der Grenze zu Peru führt; mehr als 5400 km lang; 1970/74 erbaut; eine Fortsetzung bis an die Küste des Stillen Ozeans ist geplant; von wirtschaftlicher (Erschließung wertvoller Bodenschätze) und militärstrategische Bedeutung.

Transartdruck: (Kunstwort) Herstellungsverfahren für den Druck von Schichtzeichnungen (meist im Tiefdruck) auf transparente Folien. Die Betrachtung aller passgerecht übereinandergelegten Folien ergibt eine Gesamtansicht; die einzelnen Folien simulieren einen Einblick in den Gegenstand.

Transbaikalien: Landschaft, südöstlich des Baikalsees bis zur Grenze zur Mongolei; vorwiegend 1200 bis 1400m überm Meer, stellenweise bis 2000 m hohes, flachwelliges Gebirgsland, durch eingesenkte Becken und zahlreiche Flüsse (Witim, Oljokma, Selenga, Schilka, Argun) gegliedert; Dauerfrostboden; reich an Bodenschätzen (besonders Gold, Zinn, Wolfram, Molybdän, Eisen, Kohle).

Trans-Canada Highway: 1949 begonnene, seit 1965 lückenlos befahrbare, 7 821 km lange transkontinentale Autostraße im Süden Kanadas; verbindet die Pazifik- (Vancouver-Island) mit der Atlantikküste (Saint John’s auf Neufundland) und führt durch alle 10 Provinzen.

Transceiver: Gerät zur kabelgebundenen oder drahtlosen Informationsübertragung, das aus Sender (englisch transmitter) und Empfänger (englisch receiver) besteht.

Transcurrent-Störungen: Horizontalverschiebungen bedeutender Erstreckung im Rahmen großer Bruchzonen, zum Beispiel Great-Glen-Störung in Schottland, an der im Devon die Nordscholle 133 km nach Westen, im Tertiär 29 km nach Osten verschoben wurde.

Transduktion: Übertragung von Bakteriengenen durch Bakteriophagen; führt in der Empfängerzelle zur Vermehrung des genetischen Materials oder zu dessen Rekombination.

Transduktor: in der Automatisierungstechnik ein Magnetverstärker zur Steuerung von Spannungen und Strömen, der aus einer Drossel mit Eisenkern, Arbeitswicklung und einer oder mehreren Steuerwicklungen besteht; heute durch Thyristorbaugruppen verdrängt.

Trans-Europ-Express, Abkürzung TEE: von mehreren europäischen Eisenbahnverwaltungen vereinbartes Netz für internationale Expresszüge mit hoher Fahr- und Reisegeschwindigkeit und besonderem Komfort. Die Deutsche Reichsbahn ist in den TEE-Verkehr nicht einbezogen.

Trans-Europ-Express-Marchandises, Abkürzung TEEM: von mehreren europäischen Eisenbahnverwaltungen unter Beteiligung der Deutschen Reichsbahn vereinbartes Netz für schnellfahrende (bis 100 km/h) internationale Güterzüge.

Transfer:

1. Geldwesen: Übertragung von Werten, zum Beispiel der Währung eines Landes in eine andere Währung oder in ein anderes Land. Für die Entwicklungsländer ist der Profittransfer in kapitalistischen Staaten besonders belastend, während der von ihnen in der UNO geforderte Technologietransfer nur in geringfügigem Umfang erfolgt.

2. Verkehr: institutionell organisierte Beförderung von Reisenden sowie deren Gepäck zwischen räumlich getrennten Aus- und Einsteigestellen im gebrochenen Verkehr sowie zwischen Aus- beziehungsweise Einsteigestellen der Fernverkehrsmittel einerseits und Hotels, Ferienheimen und ähnlichen Einrichtungen andererseits.

transferabler Rubel, Abkürzung tR: Einheit der kollektiven sozialistischen Währung der RGW-Mitgliedsländer; die Parität beträgt 0,987412 g Feingold. Seit 1964 erfolgen alle Verrechnungen zwischen den RGW-Mitgliedsländern aus Abkommen und Verträgen in tR. Der tR übt alle wichtigen Funktionen einer eigenständigen internationalen Währung aus.

Transferasen: gruppenübertragende Enzyme.

Transferreaktion: direkte Kernreaktion, bei der Nukleonen vom einfallenden Teilchen auf den Targetkern oder umgekehrt übertragen werden. Typ. Transferreaktion sind Stripping-Reaktion und Pick-up-Reaktion.

Transfer-RNS, Transport-RNS, tRNS: Klasse von RNS-Molekülen, die die Übersetzung der in der mRNS als Basensequenz vorliegenden genetischen Information in die Aminosäuresequenz der Proteine vermitteln. Transfer-RNS-Moleküle sind aminosäurespezifisch.

Transfluxor: aus dem Ferritkern entwickeltes elektronisches Bauelement mit magnetischen Eigenschaften; Anwendung in logischen Schaltkreisen, Speicherelementen, Magnetverstärkern unter anderem

Transformation:

1. Genetik: Übertragung von genetischen Material in Form extrahierter DNS; fuhrt in der Empfängerzelle zur Vermehrung des genetischen Materials oder zu dessen Rekombination.

2. Geometrie: eineindeutige Abbildung einer Ebene beziehungsweise eines Raumes auf sich. Die Gesamtheit der Transformation eines Raumes bildet eine Gruppe; diese Transformationsgruppen spielen für die Charakterisierung einzelner Geometrien eine wichtige Rolle (siehe auch Erlanger Programm). Hinsichtlich eines Koordinatensystems lassen sich Transformation durch Transformationsgleichungen beschreiben, die die Koordinaten eines Bildpunktes in Abhängigkeit von den Koordinaten seines Originalpunktes angeben. Treten in solchen Transformationsgleichungen die Koordinaten des Ausgangspunktes nur in Polynomen und dort in 1. Potenz auf, spricht man von linearen Transformation

Transformationsgrammatik: Form der generativen Grammatik, von N. Chomsky ausgearbeitet; erzeugt eine semantisch interpretierbare syntaktische Tiefenstruktur, aus der durch Anwendung von Transformationen die phonetisch interpretierbare syntaktische Oberflächenstruktur entsteht; so werden Laut- und Bedeutungsstrukturen durch Vermittlung der Syntax miteinander verbunden.

Transformator, Kurzwort Trafo: elektrische Maschine ohne bewegliche Teile zum Umformen von Wechselspannungen, -strömen und -widerständen bei gleichbleibender Frequenz. Im Prinzip sind 2 elektrisch getrennte Spulen magnetisch gekoppelt. Die Übertragung der elektrischen Energie von der Wicklung 1 (Primärwicklung) zur Wicklung 2 (Sekundärwicklung) mittels Induktion wird durch Unterbringung auf einem geschlossenen, zur Verminderung von Wirbelströmen lamellierten Eisenkern verbessert. In Näherung verhalten sich die Spannungen an den Wicklungen wie die Windungszahlen. Beim Spartransformator wird nur eine, für die Sekundärspannung angezapfte Wicklung ausgeführt. Nach Aufbau unterscheidet man Kerntransformator, Manteltransformator und Fünfschenkeltransformator; nach Stromart Einphasentransformator und Dreiphasentransformator (Drehstromtransformator); nach Isolier- und Kühlmittel Trockentransformator (Lufttransformator), Öltransformator mit Selbst- und Fremdkühlung. Transformator werden in der Elektrizitätsversorgung zum Ändern der Spannungshöhe (Umspanner, Leistungstransformator), in der Messtechnik als Messwandler, zum Anpassen der Netzspannung an Geräte, Bauelemente und Arbeitsgänge als Netztransformator, Gleichrichtertransformator, Stelltransformator und Schweißtransformator sowie zum Anpassen des Widerstands als Übertrager eingesetzt.

transforme Störungen: Geologie aktive Querbrüche beziehungsweise Bruchzonen, an denen Teile eines Rift Systems gegeneinander versetzt werden. Transforme Störungen sind Horizontalverschiebungen mit einem nur für den Bereich zwischen den versetzten Rift Teilen typischen Bewegungsmechanismus. Sie zeigen die gleiche magmatische wie seismische Aktivität wie die von ihnen versetzten Rift Elemente.

transformieren: umformen, umgestalten; umspannen.

Transgression:

1. Geologie: Sedimentationszyklus.

2. Pflanzenzüchtung: stärkere Ausprägung eines Merkmals bei den Nachkommen aus einer Kreuzung; beruht auf dem Zusammentreffen sich in ihrer Wirkung verstärkender und ergänzender Gene. Im Unterschied zur Heterosis sind Transgressionseffekte fixierbar. Transgressionszüchtung kann zur Entstehung neuer Sorten führen.

Transhimalaja, Gangdisi Shan, Hedingebirge (nach S. Hedin): Hochgebirge in Tibet (China), durch das Tal des Tsangpo vom Himalaja getrennt; 1600 km lang, bis 300 km breit, mittlere Höhe 5500 bis 6000 m, höchste Erhebung Aling Gangri mit 7315 m; zum Teil vergletschert; Wasserscheide zwischen Hochland von Tibet mit Binnenentwässerung und Indischen Ozean; in den unteren Lagen Gebirgssteppe, über 4000 m alpine Matten.

Transientenrecorder: spezielles Oszilloskop zur Registrierung einmaliger und kurzzeitiger Spannungsverläufe zum Beispiel bei Schaltvorgängen und Übergangsprozessen (englisch transients). Das Eingangssignal wird in kurzen Zeitabständen (< 1/10000000 s) abgetastet, mittels Analog-Digital-Umsetzers digitalisiert und gespeichert. Der gespeicherte Signalverlauf kann beliebig oft und mit unterschiedlichem Zeitmaßstab mittels Elektronenstrahlröhre dargestellt werden. Notwendig für die Untersuchung sehr schnell ablaufender, einmaliger Vorgänge.

Transilvania: vom Karpatenbogen umrahmte zentralrumänische Landschaft, die das Transsilvanische Becken (Podisul Transilvaniei) umfasst, ein durch Mure, Some und deren Nebenflüsse (Timava Mare, Tarnava Mica) zertaltes Berg- und Hügelland (400 bis 600 m). Am Innenrand der Ostkarpaten sind durch jungtektonische Bewegungen mehrere Teilbecken (Giurgiu, Ciuc, Tara Birsei Burzenland) entstanden, am Südkarpatenrand sowie östlich vom Bihor Gebirge bildeten sich fruchtbare Senken, in denen intensive Landwirtschaft betrieben wird. Bergbau auf Erdgas, Salz, Kohle, Bauxit; verarbeitende Industrie in Brasov, Sibiu, Cluj-Napoca, Targu Mures und in vielen kleineren Städten; ungarische und deutsche Minderheiten. Siehe auch Siebenbürgen.

Transiranische Eisenbahn: Hauptlinie des Eisenbahnnetzes in Iran; 1392 km lang; fuhrt von den Häfen am persischen Golf (Bandar-e Imam Chomeini, Khorramshahr) über Teheran nach Bandar-e Anzeli am Kaspischen Meer im Norden; wichtige Stationen sind Ahvaz (Abzweig nach Abadan), Qom, Sari, Gorgan; 1938 vollendet.

Transistor: (Kurzwort aus transfer resistor, englisch, «Übertragungswiderstand») aktives, das heißt verstärkendes Halbleiterbauelement («Kristallverstärker») aus einem Halbleiterkristall (meist Silizium, früher Germanium) mit 3 Anschlüssen (Elektroden). Der Transistor wirkt als nahezu trägheitsloser, stetig steuerbarer Widerstand. Die Verstärkerwirkung kommt zustande, weil zur Steuerung des Ausgangsstromes (Laststrom) wesentlich weniger Leistung erforderlich ist als dem Ausgangskreis entnommen werden kann. Man unterscheidet 2 Hauptgruppen, den Bipolar-Transistor und den Feldeffekt.

- Beim Bipolartransistor erfolgt die Steuerung durch Änderung der Spannung von 2 dicht benachbarten pn-Übergängen. Am Stromfluss sind 2 Ladungsträgerarten (Elektronen und Defektelektronen) beteiligt. Je nach Reihenfolge der p- und n-leitenden Schichten unterscheidet man npn- und dazu komplementäre pnp-Transistor. Die Anschlüsse heißen Emitter, Basis (Steuerelektrode) und Kollektor (Sammelektrode). Nach Art und Weise der Realisierung der Zonenfolge unterscheidet man zum Beispiel Planartransistor, Lateraltransistor, Mesa Transistor, gezogener Transistor, Spitzentransistor, Legierungstransistor und Diffusionstransistor. Eine besondere Art stellt dabei der Multiemitter-Transistor (Mehremitter Transistor) dar, der hauptsächlich in der Halbleiterblocktechnik realisiert wird.

Beim Feldeffekttransistor (Abkürzung FET) beziehungsweise Unipolartransistor ist am Stromtransport nur eine Ladungsträgerart beteiligt (Elektronen bei n-Kanal-FET, Defektelektronen bei p-Kanal-FET). Die Funktion der FET beruht auf der Steuerung des Widerstandes eines leitfähigen Kanals zwischen 2 Elektroden, der Quelle (englisch source) und der Senke (englisch drain) durch eine isolierte Steuerelektrode, das Tor (englisch gate). Man unterscheidet entsprechend den beiden unterschiedlichen Mechanismen (Feldeffekt), die für die Änderung des Widerstandes des Kanals zwischen Source und Drain verantwortlich sind, zwischen dem SFET (JFET; Abkürzung von englisch junction field effect transistor, Sperrschicht FET) und dem IGFET (Abkürzung von englisch insulated gate field effect transistor, Oberflächen-FET). Beim SFET erfolgt eine Änderung des Querschnitts des Kanals mit Hilfe von Sperrschichten (die Breite der Raumladungszone wird verändert). Dazu benutzt man auch Schottky-FET und MESFET (Abkürzung von englisch metal Silicon field effect transistor, Metall Silizium-FET). Beim IGFET erfolgt die Veränderung der Ladungsträgerdichte im Kanal mit Hilfe von Influenz. Man unterscheidet beim IGFET je nach dem Aufbau zwischen der Ausführung als Dünnschichttransistor und dem nach dem Verfahren der MIS-Technik hergestellten MISFET (Abkürzung von englisch metal insulator Silicon field effect transistor). Der MISFET wird wegen der fast ausschließliche Verwendung eines Oxids als Isolator meist MOSFET (Abkürzung von englisch metal oxid Silicon field effect transistor) genannt Besondere Arten mit Speicherfunktionen sind MNOSFET (Abkürzung von englisch metal nitride oxide Silicon field effect transistor). Für den speziellen Einsatz als Leistungsverstärker eignet sich auf Grund seines vertikal zum Substrat liegenden Kanals der VFET (Abkürzung von englisch vertical field effect transistor). Neben diesen beiden genannten Hauptgruppen von Transistor müssen noch die oberflächengesteuerten Transistor (SCT-Elemente, Abkürzung von englisch surface controlled transistor) erwähnt werden. Ihre Bedeutung ist aber entsprechend der seltenen Anwendung geringfügig. Transistor werden in zahlreichen technologischen und konstruktiven Varianten produziert. Dabei spielen technologische Verarbeitungsverfahren (Planar Technik, Epitaxie) eine besondere Rolle bei der Herstellung moderner Transistor und Strukturen der Halbleiterblocktechnik. Eine Unterscheidung der Transistor ist weiterhin entsprechend der Verwendung möglich, zum Beispiel NF-Transistor, HF-Transistor, Mikrowellentransistor, Leistungstransistor, Schalttransistor Sonderbauformen sind im Fototransistor, Lawinentransistor und Unijunction-Transistor zu finden. Das Verhalten der Transistor lässt sich gut durch Kennlinien darstellen (Steuer-, Ein- beziehungsweise Ausgangskennlinie). Die Erfindung des Transistor (1948) leitete das Zeitalter der steuerbaren Halbleiterbauelemente ein und ermöglichte die Entwicklung der Mikroelektronik. Gegenüber den früher verwendeten Schaltungen mit Elektronenröhren sind Transistor-Schaltungen zuverlässiger, kleiner, billiger, haben nahezu unbegrenzte Lebensdauer, höhere mechanische Festigkeit, benötigen kleinere Betriebsspannungen, verbrauchen weniger Leistung und sind sofort betriebsbereit.

Transistorarray: integrierte Schaltung, in der mehrere Einzeltransistoren (Transistor) enthalten sind. Dabei können Transistoren, deren Anschlüsse direkt aus dem Halbleiter Chip herausgeführt werden, beziehungsweise solche mit internen Verbindungen integriert worden sein.

transitive Verben, zielende Tätigkeitswörter. Verben mit direktem Objekt, das heißt Objekt im Akkusativ, zum Beispiel ich liebe dich.

transitorisch: vorübergehend; kurzfristig.

Transitverkehr: Teil des internationalen Güter- und Personenverkehrs im Eisenbahnwesen, im Kraftverkehr, in der Schifffahrt und im Luftverkehr sowie im internationalen Nachrichtenverkehr (Post- und Fernmeldeverkehr). Im Transitverkehr werden Leistungen auf innerstaatliche Verkehrswegen erbracht, um internationale Verkehrsbeziehungen zwischen Ländern zu ermöglichen, die geographisch oder betrieblich keine direkten Verbindungen besitzen und so der Mitwirkung eines dritten Landes oder weiterer Länder bedürfen. Der Transitverkehr wurde früher auch als Durchgangsverkehr bezeichnet.

Transkarpatien, Karpato Ukraine: weitgehend bewaldetes Gebiet im Westen der Ukraine an der Südostabdachung und im Vorland der Ostkarpaten, zum Teil in der Theiß Niederung; 12800 km2, 1,2 Millionen Einwohner; Verwaltungszentrum Ushgorod; Holz-, Nahrungsmittel-, Textilindustrie; Bergbau (Kohle, Salz), Marmorbrüche; Milchviehzucht; Garten- und Weinbau, Getreideanbau; Tourismus, Kurwesen (Mineralquellen).

Transkaspische Eisenbahn, Mittelasiatische Eisenbahn: 1864 km lange Eisenbahnstrecke durch die Turkmenische und Usbekische SSR, verbindet Krasnowodsk Uber Aschchabad, Mary, Tschardshou und Samarkand mit Taschkent; Anschluss an die Turkestan-Sibirischen Eisenbahn, das Streckennetz der Kasachischen SSR und des europäischen Teils der UdSSR; durch Eisenbahnfähre über das Kaspische Meer mit dem kaukasischen Streckennetz verbunden; 1881/88 erbaut.

Transkription: 1. Umschrift aus einer Schrift in ein anderes Schriftsystem mit möglichst getreuer Wiedergabe des Lautbestandes der fremden Sprache. Siehe auch Transliteration.

2. erster Schritt der Proteinbiosynthese, bei der an einem oder mehreren Genen gemeinsam eine dem Musterstrang der DNS komplementäre Messenger-RNS gebildet wird, die die Information dieses Bereiches übernimmt. Siehe auch Genwirkung.

3. Bearbeitung eines Musikstücks für eine andere als die Originalbesetzung.

Translation:

1. Genetik: zweiter Schritt der Proteinbiosynthese, bei der nach der Basensequenz der Messenger-RNS Proteine mit entsprechender Aminosäuresequenz (genetischer Kode) gebildet werden. Die Translation erfolgt an den Ribosomen. Siehe auch Transfer-RNS.

2. Translation, Verschiebung, Parallelverschiebung: Geometrie eine Bewegung, bei der jede Bildgerade ihrem Original parallel ist und kein Punkt festbleibt.

3. Kristallographie: Parallelverschiebung, die im Kristallgitter einen Punkt in einen mit ihm identischen überführt. Es entstehen Punktreihen, -netze und -gitter.

4. Mechanik: Bewegung.

Transleithanien: 1867/1918 gebräuchliche (nichtamtliche) Bezeichnung für die östlich der Leitha gelegenen Gebiete der Doppelmonarchie Österreich Ungarn (Ungarn mit Siebenbürgen, Kroatien, Slawonien sowie Fiume); siehe auch Zisleithanien.

Transliteration: buchstabenweise Wiedergabe einer Schrift durch eine andere, so dass eine genaue rückwärtige Transliteration möglich ist, im Unterschied zur Transkription.

Translokation: Genetik Verlagerung eines Chromosomenbruchstücks in eine andere Position des gleichen Chromosoms oder auf ein anderes Chromosom. Die Translokation ist eine Chromosomenmutation, die zu einer Fehlverteilung des genetischen Materials und in der Folge zu krankhaften Störungen führen kann.

Transmineralisation: Verschiebung von Mineralen zwischen Zelle und Zellflüssigkeit, zum Beispiel in Form eines Austauschs von Natrium gegen Kalium oder Kalzium gegen Magnesium. Die Transmineralisation wird bei Störungen des Wasser-Salz-Haushalts beobachtet. Sie wird zum Teil aber auch als Grundprinzip von Bade- oder Trinkkuren angesehen, da hierbei bestimmte Minerale vom Körper aufgenommen und gegen vorhandene ausgetauscht werden sollen.

Transmissible Gastroenteritis, Abkürzung TGE: virusbedingte Infektionskrankheit der Schweine. Kennzeichen sind Magen-Darm-Entzündungen und Durchfälle. besonders bei Saugferkeln treten nach kurzem Krankheitsverlauf Todesfälle auf. Die Verbreitung erfolgt vorwiegend durch den Tierhandel. Die TGE ist meldepflichtig.

Transmission: Einrichtung zur Übertragung (Leitung) mechanische Energie (Rotationsbewegung) von einem Motor meist über größere Entfernungen zu mehreren Arbeitsmaschinen (Energieverbrauchern) mittels Hülltrieben und beziehungsweise oder Wellen.

Transmissionsgrad: Verhältnis aus dem von einem Stoff hindurchgelassenen und dem auffallenden Lichtstrom beziehungsweise Strahlungsfluss (Strahlung).

Transmitter, Neurotransmitter, Mediator, Überträgerstoff: chemisches Glied der synaptischen Informationsübertragung (siehe auch Synapse). Die Transmitter werden in der Nervenzelle synthetisiert, an die Nervenfaser abgegeben und wirken anschließend auf die Membran des nachgeschalteten Neurons beziehungsweise der Effektorzelle (zum Beispiel Muskelzelle). Der unmittelbare Wirkungsort des Transmitters sind «Rezeptor»proteine der Ionenkanäle in der Zellmembran. Durch Transmitter-«Rezeptor»-Bindung werden die Ionenkanäle zeitweilig geöffnet und infolge von Ionenströmen kurzzeitige Membranpotential-änderungen (postsynaptische Potentiale) bewirkt, während der Transmitter selbst rasch abgebaut und zum Teil wieder in die Nervenzelle aufgenommen wird. Zu den Transmittern gehören u. a. Acetylcholin, Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Serotonin, Histamin, verschiedene Aminosäuren und viele Peptide.

transnational: auf andere Staaten übergreifend, zum Beispiel transnationales Monopol.

Transparent: 1. durchsichtiges Bild auf Stoff, Pergament oder speziell getränktem Papier, das von einer dahinter befindliche Lichtquelle «durchleuchtet» wird.

2. auf Rahmenleisten gespanntes Schriftband.

Transparentlacke: Lacke, die einen durchsichtigen Anstrichfilm bilden. Man unterscheidet Zapon- (farblos) und Lasurlacke (farbig). Beide enthalten zum Beispiel Zellulosenitrat oder Polystyrol als Bindemittel, Lasurlacke zusätzlich lösliche Farbstoffe.

Transparentleder: mit Glyzerol oder geeigneten Ersatzstoffen behandelte und getrocknete ungegerbte Hautblöße aus (meist) Rindhäuten und Kalbfellen für Trommelfelle unter anderem

Transparenz: Verhältnis der durch eine teils durchsichtige, teils lichtabsorbierende Schicht durchtretende Lichtintensität zur auftreffenden Lichtintensität, Durchlässigkeit ist Transparenzangabe in Prozent (t • 100). In der Fototechnik ist die Dichte D (Deckung, Extinktion) die Schwärzung beziehungsweise Farbdichte einer Schicht.

- In der Papierindustrie Lichtdurchlässigkeit (Durchscheinen) des Papiers, wird bei diffus einfallendem Licht in Prozent, bezogen auf ein Barytbezugsnormal, angegeben. Hohe Transparenz ist zum Beispiel bei transparentem Zeichenpapier gefordert.

Transpiration: Abgabe von Wasserdampf an die Atmosphäre; sie erfolgt bei den höheren Pflanzen durch die Spaltöffnungen (stomatäre Transpiration) und über die Kutikula (kutikuläre Transpiration). Bei Mensch und Tier ist Transpiration gleichzusetzen mit Hautatmung (Atmung) und Schwitzen (Schweiß).

Transplantation, Gewebeverpflanzung: Überpflanzen von lebendem Gewebe zur Beseitigung eines Defektes, zum Beispiel der Haut bei Verbrennungen (Gewebetransplantation), oder von Organen zur Funktionsübernahme, zum Beispiel Niere, Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse (Organ). Nach der Herkunft des Gewebes unterscheidet man

a) die autoplastische Transplantation (Autoplastik) beziehungsweise Autotransplantation, bei der Spender und Empfänger identisch sind und das Gewebe von einer Körperregion auf eine andere übertragen wird, zum Beispiel Haut, Sehnen, Knochen und Gefäße (Autotransplantat),

b) die isoplastische Transplantation (Isoplastik) beziehungsweise Isotransplantation, bei der Spender und Empfänger genetisch identisch sind (eineiige Zwillinge, Inzuchttierstämme);

c) die homoio- oder homoplastische beziehungsweise Homoio- oder Homo Transplantation, bei der Spender und Empfänger zur gleichen Art gehören (zum Beispiel Mensch-Mensch, Hund-Hund) und

d) die heteroplastische Transplantation (Heteroplastik) beziehungsweise zwischen verschiedenen Arten (zum Beispiel Mensch-Affe, Maus-Ratte). Neben der Vitalität des Transplantates und optimaler Operationstechnik ist für das Anwachsen und die Funktion des Transplantates bei homoioplastische und heteroplastische Transplantation das Ausmaß der Übereinstimmung der sogenannten Transplantationsantigene zwischen Empfänger und Spender entscheidend. Schon bei geringen Differenzen ist, abhängig von der Art des transplantierten Organes beziehungsweise Gewebes, der Erfolg der Transplantation durch den Selbstschutz des Organismus gegenüber artfremdem biologischem Material (Transplantationsimmunität) zweifelhaft. Von einer wirklichen Einheilung kann nur gesprochen werden, wenn die überpflanzten Zellen erhalten bleiben, sich regenerieren und wenn es zu einem funktionellen Anschluss an den Empfängerorganismus kommt;

e) die alloplastische beziehungsweise Allotransplantation, bei der Körpergewebe durch Fremdstoffe, zum Beispiel Metall oder Keramik (Hüft-, Knie-, Fingergelenke) oder durch Kunststoffe (Silikon für Brustprothesen), ersetzt wird.

Transplantationsimmunologie: Teilgebiet der Immunbiologie; befasst sich mit den Immunreaktionen zwischen Empfängerorganismus und verpflanztem Spenderorgan beziehungsweise -gewebe (Transplantat), die auf Unterschieden der Transplantations- (Histokompatibilitäts-) Antigene von Empfänger- und Spendergewebe sowie dem individuell spezifischen und vererbten Human-Leukozyten-A-System beruhen. Die weitgehende Übereinstimmung der Transplantationsantigene mindert die Gefahr der Transplantatabstoßung, der außerdem durch eine künstlich erzeugte Abschwächung der Immunreaktion des Empfängerorganismus (Immuntoleranz) begegnet wird.

transponieren: ein Musikstück in eine andere Tonart versetzen; häufig bei Liedern.

transponierende Instrumente: Blasinstrumente, die in anderer Tonart erklingen, als das Notenbild anzeigt, zum Beispiel Klarinette, Horn, Trompete.

Transport: (französisch) Versendung, Beförderung; siehe auch Transportwesen.

Transporter: Bezeichnung für schweren LKW, Last- (oder Sattel-) Zug mit kastenförmigem Aufbau zur Beförderung hochwertiger Güter über große Entfernungen. Siehe auch Kleintransporter.

Transportflugzeug: zum Transport von Truppen, Kampftechnik und Versorgungsgütern eingerichtetes Flugzeug. Es hat meist ein hochgesetztes Leitwerk und große Heckluken.

Transportökonomie: soviel wie Ökonomie des Transportwesens.

Transportoptimierung, Transportproblem-. Aufgabe der Operationsforschung, ein Gut so von Erzeugerorten zu Verbraucherorten zu transportieren, dass der Gesamttransportaufwand minimal wird. Das mathematische Modell besteht im Wesentlichen aus Aufwandsmatrix und Versandmatrix.

Transportreaktion: eine Folge chemischer Umsetzungen, durch die ein fester oder flüssiger Stoff an einen anderen Ort transportiert wird. So kann etwa am ersten Ort ein Gas (Nickeltetracarbonyl) entstehen, das durch Strömung oder Diffusion an einen anderen Ort gelangt, wo es (zum Beispiel durch Erhitzen) unter Rückbildung der ursprünglichen Substanz (Nickel) wieder zersetzt wird. Die Transportreaktion nutzt man zur Trennung und Reinigung von anorganischen Stoffen sowie zur Kristallzüchtung.

Transportversicherung: Versicherungsform, die Schäden an transportierten Gütern (Kargoversicherung), Transportmitteln (Kaskoversicherung) sowie mit dem Transport zusammenhängende Haftpflichtschäden finanziell ausgleicht.

Transportvertrag: Vertrag zwischen Transportbetrieb und Transportkunden über die Vorbereitung und Beendigung des Ladungstransports, insbesondere die Bestellung, Bereitstellung sowie Be- oder Entladung des Transportmittels; im weiteren Sinne Oberbegriff für Transportvertrag und die Fracht-, Speditions- und Umschlagverträge sowie den Transportkoordinierungsvertrag.

Transportwesen: Teil der Volkswirtschaft, dessen primäre Produktionsaufgabe in der Ortsveränderung von Personen und Gütern besteht. Der Transportwesen gliedert sich in Transportzweige, deren Kombinate und Betriebe. Seine Aufgabe liegt vorwiegend im öffentlichen Transport. Der nichtöffentliche Transport (Rohrleitungs- und Werkverkehr) zählt in der Praxis mit zum Transportwesen, auch wenn die volkswirtschaftliche Systematisierung ihn nicht als Teilbereich des Transportwesens ausweist. Außerhalb des Transportwesens liegen der innerbetriebliche Transport als Bestandteil der verschiedenen Produktionsprozesse und die Beförderung mit individuellen Kraftfahrzeugen.

Transsaharastraße: Autostraße in Nord- und Westafrika; mit Nebenstrecken 2900 km (davon 2100 km in Algerien); beginnt in Algier (Algerien) und verläuft nach Süden durch die Sahara über Ain Salah und Tamanrasset nach Agadez (Niger); südlich von Tamanrasset Abzweigung nach Gao (Mali).

Transsibirische Eisenbahn, russisch Kurzwort Transsib: längste Eisenbahnstrecke der Erde, 9302 km (von Tscheljabinsk 7416 km) lang, bis Tschita elektrifiziert; beginnt in Moskau und führt über Swerdlowsk beziehungsweise Tscheljabinsk, Omsk, Nowosibirsk, Krasnojarsk, Irkutsk, Tschita, Chabarowsk nach Wladiwostok; Haupttransportader Sibiriens, durch Baikal-Amur-Magistrale entlastet; 1891/1916 gebaut.

Transsudat: stauungsbedingte Ansammlung einer gelblichklaren, eiweiß- und zellarmen, aus Blutplasma und Gewebelymphe bestehenden Flüssigkeit in Körperhöhlen; zum Beispiel Brustfellerguss, Bauchwassersucht, Gelenkerguss. Siehe auch Exsudat.

Transurane: (lateinisch + griechisch) die auf das Uran folgenden künstliche radioaktive chemische Elemente (Kernladungszahlen 93 und größer).

Transvaal: Provinz der Republik Südafrika, im Nordosten des Landes; 283917 km2, 10,9 Millionen Einwohner; 38 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Pretoria, größte Stadt Johannesburg. umfasst eine von Grasland, Buschsavanne und Trockenwäldern bedeckte Hochfläche, die im Osten von den Drakensbergen begrenzt wird (Berg-, Nebelwald) und nach Norden zur Limpopo Senke abfallt. Östlich daran schließt sich sandiges Hügelland mit Savanne und Trockenwald an (Krüger-Nationalpark). Im Hochland gemäßigtes subtropisches, im Norden und Osten feuchtheißes tropisches Klima. Transvaal ist die Hauptindustrieprovinz des Landes (besonders Witwatersrand). Hauptbedeutung haben der Bergbau mit der Förderung von Gold, Diamanten, Uran, Steinkohle, Buntmetallerzen, seltenen Metallen, Asbest, Eisenerz und Phosphaten und die vielseitige Verarbeitungsindustrie (Eisen-, Buntmetallurgie, Maschinenbau, Metallverarbeitung, chemische, Textil-, Leder- und Nahrungsmittelindustrie). Die Landwirtschaft ist auf den Anbau von Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Baumwolle und Tabak, den Obst- und Zitrusfruchtanbau sowie die Viehzucht (Rinder, Schafe) ausgerichtet,

transversal:

1. Anatomie: quer, der Transversalebene entsprechend.

2. Physik: senkrecht zu einer vorgegebenen Richtung; zum Beispiel transversale Wellen. Siehe auch longitudinal.

Transversale: beim Dreieck oder beim n-Eck eine Gerade, die diese Figur trifft und in ihrer Ebene liegt; eine Ecktransversale enthält einen Eckpunkt der Figur, zum Beispiel sind Seitenhalbierende, Winkelhalbierende und Höhen eines Dreiecks Ecktransversale.

Transversalebene, Horizontalebene: Anatomie Querebene, das heißt senkrecht zur Längsachse des Körpers liegende Schnittebene.

Transversalwelle, Scherungswelle, Scherwelle: Seismik - elastische Welle, bei der die Materieteilchen senkrecht zur Richtung der Wellenausbreitung schwingen; tritt nur im festen Teil des Erdkörpers auf.

Transverter, (Kurzwort aus Transistor + Konverter) Gleichspannungswandler: elektronische Schaltung zur Umformung von Gleichspannungen. Beim Transverter werden mittels Schalttransistoren aus Gleichspannungen Wechselspannungen mit proportionaler Amplitude geformt, die dann mit einem Transformator auf einen größeren oder kleineren Spannungswert umgesetzt und anschließend von einer Gleichrichterschaltung wieder in Gleichspannungen umgeformt werden. Transverter arbeiten im Frequenzbereich von 50 Hz bis 50 kHz. Sie werden zur Stromversorgung von transportablen elektronischen Geräten, zur Erzeugung von Hochspannungen für geringe Belastungen (zum Beispiel zur Erzeugung der Bildröhrenhochspannung in Fernsehgeräten) und zur Realisierung von Sonderspannungen (erdfreie Spannungen, das heißt Potentialtrennung) in elektronischen Geräten verwendet.

Transvestismus, Transvestitismus: krankhafter Trieb, die Kleidung des anderen Geschlechts anzulegen.

transzendent: bei I. Kant alle (mögliche) Erfahrung überschreitend; übersinnlich, jenseitig, außerhalb der natürlichen Welt.

transzendental: bei I. Kant soviel wie vor aller Erfahrung gegeben, diese erst bedingend; transzendental ist bei Kant die Erkenntnis der a priori gegebenen Anschauungs- und Denkformen (Raum und Zeit; die Kategorien der reinen Vernunft).

Transzendentalismus: idealistische philosophische und literarische Strömung US-amerikanischer Intellektueller um 1836/60; war Ausdruck eines Protestes gegen den Rationalismus des 18. Jahrhundert und den Sensualismus J. Lockes; griff auf Ideen der deutschen idealistischen Philosophie zurück (I. Kant, J. G. Fichte, W. J. Schelling, F. Schleiermacher). Hauptvertreter des Transzendentalismus waren R. W. Emerson und H. D. Thoreau. Siehe auch Vereinigte Staaten von Amerika (Literatur).

Transzendentalphilosophie: von I. Kant («Kritik der reinen Vernunft») entwickelte idealistische Annahme sogenannt Prinzipien der reinen Vernunft, die vor aller Erfahrung (a priori) im Subjekt liegen und Bedingungen für Erfahrungen darstellen.

Traore, Moussa, geboren 25.9.1936, malinesischen Militär und Politiker; stürzte 1968 an der Spitze der Armee die Regierung Keita; als Präsident des danach gegründeten Militärkomitees der Nationalen Befreiung wurde Traore Staatspräsident und ab 1969 auch Regierungschef. 1979 wurde er Generalsekretär der Demokratischen Union des Malinesischen Volkes.

Trapani: Stadt im Westen der italienischen Insel Sizilien, Verwaltungszentrum der Provinz Trapani; 72000 Einwohner; Nahrungsmittelindustrie; Hafen im Küstenverkehr; Thunfischfang, Korallenfischerei, Salzgärten.

Trapez:

1. Geometrie: ebenes konvexes Viereck mit 2 parallelen Seiten der Längen a und c. Die Mittelparallele hat die Länge m = (a + c)/2. Der Flächeninhalt ist mh; h Höhe.

2. Trapez, fliegendes Trapez: Segelsport bei Jollen Haltevorrichtung aus Drahtseil und einer Trapezhose, mit deren Hilfe sich ein an der Außenkante des Bootsdecks stehender Segler weit außenbords lehnen kann, um die Stabilität des Bootes zu vergrößern.

Trapezknochen, Trapezium (lateinisch griechisch): Knochen der Handwurzel.

Trapezmuskel: kräftiger, oberflächlicher Rückenmuskel zwischen Hinterhaupt, Wirbelsäule und Schulterblatt.

Trapp: (schwedisch, «Treppe») Plateaubasalt, mächtiger Erguss dunkler Eruptivgesteine (besonders Basalte); als terrassen- oder treppenförmig übereinander angeordnete Plateaus auftretend; zum Beispiel im Dekan (Indien), in Äthiopien und Kanada.

Trappen, Otididae: hochbeinige hühnerartige Steppenvögel in Eurasien, Afrika und Australien. Lokal in Feld- und Steppengebieten Europas und Westasiens die Großtrappen (Otis tarda), Männchen bis 1 m lang und 16 kg schwer, Weibchen nur 70 cm lang und 8 kg schwer, im Frühjahr ausgeprägte Schaubalz der Männchen.

Trappisten: römisch-katholische Mönchsorden, der dem Schweigegebot verpflichtet ist (außer im Gottesdienst, Gebet und während der Beichte), sich der Feldarbeit widmet und alles Weltliche, auch die Beschäftigung mit der Wissenschaft ablehnt, 1664 in der Abtei La Trappe (Normandie) gegründet.

Trapschießen: Schießsport Disziplin des Wurftaubenschießens. Die Wurftauben werden aus einem 25 m langen Graben mittels 15 Wurfmaschinen in verschiedene, dem Schützen nicht bekannte Richtungen geworfen, die Schützenstände sind parallel zum Graben 15 m dahinter angeordnet. Es werden 200 Tauben beschossen; je Taube sind 2 Schuss erlaubt.

Trass: aus vulkanischen Lockerprodukten verfestigter, trachytische Bimssteintuff; wird gemahlen als hydraulischer Zusatzstoff beziehungsweise mit Kalk gemischt als hydraulische Bindemittel für Mörtel und Beton genutzt, um Wärmespannungen und die Gefahr der Rissbildung zu mindern sowie den Alkaliangriff von Mörtel auf Glas zu verringern.

Trasse: (französisch, «Spur») 1. Verlauf oder Linienführung eines Verkehrsweges.

2. Streckenführung - elektrische Freileitungen und Kabel oder von Rohrleitungen (zum Beispiel für Gas, Erdöl). Trasse werden zunehmend für verschiedene Energiearten (elektrische Energie, Öl, Gas) gemeinsam genutzt.

Trassenheide: Gemeinde im Kreis Wolgast, Bezirk Rostock, im Westteil von Usedom; 790 Einwohner; Bau von Fischverarbeitungsmaschinen; Ostseebad.

Trassologie: (französisch + griechisch) Spurenkunde; Gebiet der Kriminaltechnik, das sich mit der Entstehung, Suche, Sicherung, Untersuchung von Spuren und der Identifizierung des Spurenverursachers befasst.

Traube: Blütenstand mit vorherrschender Hauptachse und untergeordneten unverzweigten, einblütigen Seitenachsen, zum Beispiel Raps; der volkstümlich als Weintraube bezeichnete Fruchtstand der Weinrebe ist eine Rispe. Siehe auch Blütenstand

Traubenhyazinthe, Träubel, Muscari: artenreiche Gattung der Liliengewächse; Zwiebelpflanze mit grundständigen, schmalen Blättern und in Trauben angeordneten, meist blauen, kleinen krugförmigen Blüten. Im Frühjahr blühende Gartenzierpflanze, vorwiegend aus dem Mittelmeergebiet stammend.

Traubenwickler: Bezeichnung für 2 Wicklerarten, die zu den gefährlichen Schädlingen des Weinbaues zählen, den Einbindigen Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella) und den Kreuzbindigen Traubenwickler (Lobesia botrana); die Raupen beider fressen in der 1. Generation an den Knospen (Heuwurm), in der 2. Generation an den unreifen Beeren (Sauerwurm). Siehe auch Wickler.

Trauermantel, Nymphalis antiopa: schwarzbrauner Fleckenfalter mit gelben Flügelrändern, bis 7 cm spannend; die dornige, schwarzrot gefleckte Raupe besonders an Birken.

Trauermücken, Sciaridae: Mückenfamilie mit kleinen, dunklen Arten; die Larven leben von faulen Pflanzenstoffen oder Pilzen, bei Massenauftreten kommt es gelegentlich zu Wanderzügen (Heerwurm).

Trauf: (zu «triefen») an Wald- und Bestandesrändern entwickelter Saum standfester Bäume mit tiefreichender Beastung.

Traufe: (zu «triefen») untere Begrenzung der Dachfläche.

Traugutt, Romuald, 16.1.1826-5.8.1864 (hingerichtet), polnischer General und Freiheitskämpfer; führend im Aufstand 1863/64, wurde im Oktober 1863 zum sogenannt Diktator der Nationalregierung ernannt.

Traum. (zu «trügen») im Schlaf erlebte Vorstellungen, überwiegend bildhaft, nur selten akustisch oder in anderen Sinnesmodalitäten. Träume basieren auf Informationsverarbeitungsprozessen des Gehirns im Schlaf und setzen voraus, dass entsprechende Elemente im Gehirn gespeichert sind (zum Beispiel werden bei angeborener Blindheit im Traum keine Bilder gesehen). Durch Reize (auch von inneren Organen, zum Beispiel Hunger, Durst, gefüllte Blase), Erlebnisse des vergangenen Tages und andere Aktivierungen wird der Trauminhalt bestimmt. Die Verzerrung der Traumvorstellungen gegenüber der Realität basiert auf Veränderungen in der Hirntätigkeit während des Schlafs. Träume treten vorwiegend im paradoxen Schlaf auf.

Trauma: Wunde, Verletzung, Gewalteinwirkung.

Traun: rechter Nebenfluss der Donau in Österreich; 153 km; aus dem steirischen Salzkammergut, durchfließt den Hallstätter See und den Traunsee (422 m über dem Meeresspiegel, 25 km2, bis 191 m tief), bildet beim Eintritt ins Alpenvorland den 14 m hohen Traunfall (Kraftwerk), mündet unterhalb von Linz.

Träuschling, Stropharia: Gattung der Blätterpilze mit schleimigem Hut, dunklen Blättern und beringtem Stiel. Der essbare Rotbraune Riesen- oder Kulturträuschling (Stropharia rugosoannulata) wird auf feuchtem Stroh in Gärten angebaut.

Trautonium: eines der ersten elektronischen Musikinstrumente, 1930 durch F. Trautwein konstruiert, 1949/52 durch O. Sala zum Mixturtrautonium weiterentwickelt; wurde für Bühnenmusiken und im Rundfunk, selten als Konzertinstrument verwendet.

Trauung: kirchliche Handlung nach vollzogener Eheschließung auf dem Standesamt, verbunden mit der Bitte um Gottes Beistand und Segen für den Ehebund.

Trave: Fluss in Schleswig-Holstein; 118 km, davon 53 km schiffbar (für Seeschiffe bis Lübeck); entspringt südlich von Eutin, mündet bei Travemünde in die Ostsee; Elbe-Lübeck-Kanal (61,5 km) verbindet die Trave mit der Elbe.

Traven, B. (Pseudonym), gestorben als B. Torsvan alias Hal Croves (bürgerlicher Name unbekannt), geboren zwischen 1882 und 1890, gestorben 26.3.1969, Schriftsteller; war 1908/15, hauptsächlich unter dem Pseudonym Ret Marut, in verschiedenen deutschen Städten als Schauspieler und Regisseur tätig; 1917/21 gab er die von ihm allein bestrittene Zeitschrift «Der Ziegelbrenner» heraus. Nach Teilnahme an der Münchener Räterepublik flüchtete er nach Mexiko (1923), dessen Staatsbürgerschaft er 1951 annahm. In gesellschaftskritischen, packend geschriebenen Romanen und Erzählungen spiegelt sich sein abenteuerliches Leben unter anderem als Seemann, Goldgräber, Forschungsreisender: «Das Totenschiff», 1926; «Die Baumwollpflücker», 1926; «Der Schatz der Sierra Madre», 1927; «Die weiße Rose», 1929; «Caoba»-Zyklus (unter anderem «Der Karren», 1931; «Die Rebellion der Gehenkten», 1936; «Ein General kommt aus dem Dschungel», 1940).

travers: (französisch) quer; quer gestreift.

Traverse: 1. stufenförmige Anordnung von Steh- und Sitzplatzreihen für Zuschauer in Stadien und auf Sportplätzen.

2. Fördertechnik: Lastaufnahmemittel in Form eines Querträgers; entweder für ein Hebezeug mit Befestigungsvorrichtung für mehrere Seile, Bänder, Magnete u. ä., die die Last unmittelbar aufnehmen, oder als Verbindungselement für die Hubseile zweier Hebezeuge (Krane, Laufkatzen), um Lasten heben zu können, die die Tragfähigkeit eines Hebezeuges überschreiten.

traversieren: (französisch) durchqueren; überschreiten.

Travestie: (englisch - französisch - italienisch, «Verkleidung») satirische Nachahmung eines literarischen Werkes, die den Inhalt der Vorlage verwendet, ihn jedoch durch Einkleidung in eine unangemessene, banale Form und Sprache lächerlich macht; Verständnis für die Travestie setzt Kenntnis der Vorlage voraus.

Travois: Transportmittel der Prärieindianer, bestehend aus von Hunden und später Pferden geschleiften Zeltstangen, auf deren Querverbindungen die Habe gelegt wurde.

Trawler: Hochseefischerei- (Motor-) Schiff für den Fang mit Schleppnetz; je nach Netzlage Seiten- oder Hecktrawler; Supertrawler sind moderne große Hecktrawler, die als Fang- und Verarbeitungsschiff oder Frosttrawler arbeiten.

Treber: (zu «trüb») bei der Bierherstellung anfallende eiweiß- und zellulosereiche ausgebraute Malzrückstände; schmackhaftes und bekommt Futtermittel vor allem für Milch- und Mastvieh.

Trecento: italienische Bezeichnung für das 14. Jahrhundert und den Stil der italienischen Kunst dieser Zeit.

Treck: Zug, Auszug; in Kolonne fahrende Fuhrwerke.

Treibeis: das auf den Meeren und Binnengewässern treibende Eis; entsteht aus den verschiedenen Formen des Meereises und beim Zerbrechen einer Festeisdecke.

Treiben:

1. Fertigungstechnik: handwerkliches Verfahren zur Herstellung von Blechhohlteilen bei Raumtemperatur; für kunstgewerbliche Arbeiten oder für Werkstücke, deren Form oder Stückzahl maschinelle Verfahren ausschließen. Treiben erfolgt mit einem handgeführten oder maschinell angetriebenen Treibhammer und einer geeigneten Unterlage unter Dickenabnahme und Dehnung des Werkstoffs.

2. Gartenbau: Beschleunigung der Entwicklung oder Wachstumsförderung bereits vorhandener Organe aus den Reservestoffen der Pflanze bei Einsatz technischer Hilfsmittel (Verdunklung, Wasserzufuhr, Temperaturerhöhung nach vorheriger Kälteeinwirkung unter anderem, zum Beispiel bei Chicorée, Schnittlauch, Hyazinthen). Siehe auch Verfrühen.

Treiber: Gaffelsegel am hinteren Mast (Treibermast (Mast 4)).

Treibgas: gasförmiger Kraftstoff für Ottomotoren. Als Treibgase dienen Flüssiggas, das vor der Zuführung zum Motor verdampft werden muss, Permanentgas (Methan, Stadtgas), das im Kraftfahrzeug in stationär eingebauten Hochdruckbehältern (20 MPa) mitgeführt wird, und Generatorgas, das zum Beispiel aus Holz in einem Generator erzeugt wird.

Treibgemüse: durch Treiben gewonnenes Gemüse.

Treibjagd: Jagd, bei der von Treibern das Wild aufgescheucht und den Schützen zugetrieben wird.

Treibladung: bestimmte Menge eines festen oder flüssigen Explosivstoffgemisches, bei dessen Verbrennung der Druck der komprimierten Verbrennungsgase das Geschoß, die Granate o. ä. auf eine bestimmte Anfangsgeschwindigkeit beschleunigt.

Treibnetz, Fleet: langes, wandartiges Netz, in dessen Maschen sich die Fische mit ihren Kiemendeckeln verfangen; speziell für den Fang von Hering, Dorsch und Lachs.

Treibschlag, Drive: Federball, Tennis Schlag, der dem Ball eine flache Flugbahn erteilt, das Spieltempo erhöht und den Gegner in den hinteren Teil seiner Spielfeldhälfte drängen soll.

Treibstoffdurchsatz, Durchsatz: Menge des von einem Raketentriebwerk je Zeiteinheit verbrauchten Treibstoffes (kg/s); hat entscheidenden Einfluss auf die Größe des Schubs von Raketen- und Strahltriebwerken.

Treideln: Vorwärtsziehen eines Schiffs am Schlepptau von einem längs des Wasserweges verlaufenden Uferpfad (Leinpfad); erfolgte früher durch Menschen oder Pferde, heute nur noch in einigen Kanalschleusen sowie vor Schiffshebewerken mittels Elektrolokomotiven.

Treitschke, Heinrich von, 15.9.1834-28.4.1896, Historiker; seit 1874 Professor in Berlin; entwickelte sich vom Liberalen zum ideologischen Wegbereiter der Verpreußung und Militarisierung Deutschlands. Hauptwerk: «Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert» (5 Bände, 1879/94, unvollendet).

Tre-Elementbauweise: (Kunstwort, zu italienisch tre, «drei») Montage von Skelettbauten als Leichtbau aus geschoßhohen Stützen mit sternförmigem Querschnitt und Aluminiumträgern sowie Ausfachen mit komplettierten Leichtbauplatten. Die Trelementbauweise lässt flexible und individuelle Funktionslösungen und Baukörpergruppierungen entsprechend dem Geländeprofil für eingeschossige, pavillonartige Gebäude unterschiedlicher Nutzung zu.

Trelleborg: Stadt im Süden Schwedens, an der Südküste der Halbinsel Schonen; 35000 Einwohner; Gummi-, Möbel-, Plasteindustrie; Fährhafen mit Linien nach Saßnitz (DDR) und Travemünde.

Trema: Punkte über einem von zwei nebeneinanderstehenden und getrennt auszusprechenden Vokalen, zum Beispiel Aleuten.

Tremolit: (nach dem Val Tremola in der Schweiz) Mineral; Amphibole.

Tremolo: (italienisch, «Zittern»)

a) im Gesang (Tremolieren) übersteigertes Vibrato;

b) in der Instrumentalmusik schnelle Wiederholung desselben Tones oder rascher Wechsel zwischen 2 Tönen (mindestens im Terzabstand);

c) wiederholter schneller Wechsel zwischen einer Hauptnote und ihrer oberen oder unteren Nebennote (Triller).

Tremor: Zittern von Körperteilen, insbesondere der Gliedmaßen, durch rasch aufeinanderfolgende Muskelbewegungen. Tremor tritt vornehmlich auf bei organischen Nervenkrankheiten, Quecksilber- und Alkoholvergiftung, multipler Sklerose, Basedowscher Krankheit, im Greisenalter, aber auch bei körperlicher und physischer Belastung, bei vegetativer Übererregbarkeit und bei Hysterie.

Trend: Entwicklungstendenz; Grundrichtung eines statistisch erfassten Verlaufs.

Trendbrot: Spezialmischbrot in Kastenform mit einem hohen Anteil an Weizenschalen, hohem Vitamin-B-Gehalt und niedrigem Energiewert; besonders geeignet für eine energiereduzierte Ernährung und für Diabetiker.

Trennen: Fertigungstechnik Fertigen durch Formändern eines festen Körpers, indem ein Zusammenhalt örtlich aufgehoben und im Ganzen vermindert, formloser Stoff von oder aus einem festen Körper entfernt wird oder zusammengesetzte Körper zerlegt werden. Die Endform ist dabei in der Ausgangsform enthalten. Man unterscheidet Zerteilen ohne Entstehen von formlosem Stoff (zum Beispiel Schneiden, Brechen, Reißen), Spanen (zum Beispiel Drehen, Bohren, Schleifen), Abtragen (Werkstoffabtrag auf elektrochemische, elektroerosivem, chemische Wege durch Laser- oder Elektronenstrahlen unter anderem), Zerlegen (zum Beispiel Auseinandernehmen), Reinigen (zum Beispiel Entfetten, Beizen, Spülen) und Evakuieren (Luftleermachen). Siehe auch Fertigungsverfahren, thermisches Trennen.

Trennschalter, Trenner: Schaltgerät in elektrischen Anlagen, das stromlos geschaltet wird (Leerschalter) und eine zuverlässig erkennbare Trennstelle, das heißt offene Kontakte, aufweist; dient damit besonders dem Schutz des Bedienungs- und Wartungspersonals.

Trennschärfe, Selektivität: Eigenschaft eines (Funk-) Empfängers, das Nutzsignal mit der gewünschten Empfangsfrequenz aus einem Frequenzband so herauszuheben, dass der Empfang nicht durch frequenzmäßig benachbarte Sender gestört wird. Realisiert wird die Trennschärfe durch die Selektionswirkung der Filter, durch geeignete Wahl der Zwischenfrequenz und durch das Vermeiden nichtlinearer Effekte im Hoch- und Zwischenfrequenzteil des Empfängers.

Trennungsentschädigung: Zahlung des Betriebes an Werktätige mit eigenem Haushalt, die ständig an einem Arbeitsort außerhalb ihres Wohnortes arbeiten und nicht täglich zurückkehren können. Die Trennungsentschädigung wird nach gesetzlich festgelegten Sätzen in der Regel bis zu 12 Monaten, bei besonderen Voraussetzungen bis zu 24 Monaten, gewährt.

Trennwand: leichter, plattenförmiger Bauteil ohne statischer oder bauphysikalischer Funktion zur Unterteilung einer Geschoßfläche in einzelne Räume, zum Beispiel durch Bauplatten, eine Rabitzwand oder die Gerüst-Trennwand aus einem Holz- oder Stahlrohrgerüst mit beidseitiger Beplankung oder Ausfachung. Siehe auch Kernbauweise.

Trent: Fluss im mittleren England (Großbritannien); 274 km; entspringt in den Südwestausläufern der Penninen, mündet zusammen mit der Ouse als Humber in die Nordsee; schiffbar; Kanäle nach Sheffield, Lincoln und zum Mersey.

Trentino-Alto Adige, Trentino-Tiroler Etschland: Region in Oberitalien mit Sonderstatut; 13620 km2, 880000 Einwohner (davon 260000 deutsch-, 20000 ladinischsprachig); 65 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Trento; umfasst die autonomen Provinzen Bozen und Trento, zwischen Brenner und Gardasee, Ortles und Marmolada (Dolomiten) mit den Tälern des Adige und Isarco; Erzbergbau (unter anderem Blei, Zink, Uran); Textil-, chemische, Lebensmittelindustrie, Eisen- und Nichteisenmetallurgie, Fahrzeugbau; Wasserkraftwerke; Wein-, Obstbau (Äpfel), Viehzucht (Rinder), Holzwirtschaft; Durchgangsverkehr (Brennerbalm und -autobahn); für Tourismus weitgehend erschlossen (Drahtseilbahnen, Sessellifte), Zentren Trento, Bozen, Meran. 1363/1918 habsburgische Grafschaft Tirol, 1805/14 zwischen Königreich Bayern und Italien geteilt; seit 1919 bei Italien. 1947 erhielt die Region im Interesse der deutschsprachigen nationalen Minderheit die Regionalautonomie; besonders in den 60er Jahren verübten deutschsprachige Terroristen Sprengstoffanschläge.

Trento, Trient: Stadt in Oberitalien, Verwaltungszentrum der Region Trentino-Alto Adige und der Provinz Trento, am Adige; 100000 Einwohner; Landmaschinen- und Haushaltgerätebau, Elektro-, Kugellager-, Reifen-, Textil-, chemische Industrie, Weinherstellung; Verkehrsknoten (Brennerautobahn); Universität, Konservatorium, Museen, botanischer Garten; Touristen- und Sportzentrum; Dom (11. bis 16. Jahrhundert), Kirche San Maria Maggiore (16. Jahrhundert), Kastell.

Trenton: Hauptstadt des Bundesstaates New Jersey (USA), am Delaware; 92000 Einwohner; Drahtzieherei, Maschinenbau, Metall-, elektrotechnische Industrie; Verkehrsknoten, Hafen für Seeschiffe; Hochschule, Staatsbibliothek.

Trepang: essbare Seewalze, getrocknet und geräuchert; besonders zur Herstellung von Trepangsuppe, einer asiatischen Delikatesse, oder als Würzmittel verwendet.

Treppe: stufenförmiger Verbindungsweg aus Holz, Stein, Beton, Stahlbeton oder Stahl zwischen 2 Ebenen unterschiedlicher Höhe. Die ununterbrochene Stufenfolge ergibt den Treppenlauf, zum Beispiel gerade, gewendelt, ein- oder mehrläufig. Die Laufbreite ist der Abstand zwischen Wand und Geländer oder zwischen 2 Handläufen. Die Trittstufe ist die waagerechte Auftrittsfläche, die Setzstufe die lotrechte Stoßfläche der Stufe. Als ideales Steigungsverhältnis gilt eine Trittstufenbreite von 29 cm und eine Tritthöhe von 17 cm. Die gute Begehbarkeit der Treppe ergibt sich aus der Form des Treppenlaufs und dem Steigungsverhältnis. Die Treppenwange ist die seitliche Begrenzung der Trittstufe, das Treppenauge der Raum zwischen 2 Treppenläufen. Das Treppengeländer auf der freien Seite besteht aus Brüstung und Handlauf. Patenttreppe sind Spezialtreppe, zum Beispiel die Roll-, Schiebe- oder Klapptreppe.

Treppengebiss: angeborene oder erworbene krankhafte Gebissform bei Pferd und Rind. Durch unterschiedlich lange Backenzähne entstehen sogenannt Treppen; gestörtes Kauen mit Abmagerung.

Treppenhauselement: vorgefertigtes Montagebauteil mit Zentralverteiler und Leitungsbündel bei der elektrischen Wohnungsinstallation.

Treppenturm, Wendelstein: an ein Bauwerk angesetzter Turm mit einer Wendeltreppe im Innern, welche die Geschosse des Gebäudes miteinander verbindet; bis zur Renaissance gebräuchlich. Bedeutende Beispiele an der Albrechtsburg in Meißen, am Schloss Hartenfels in Torgau.

Treppenwitz, Esprit d’escalier: treffend-witzige Entgegnung, die einem zu spät, erst «beim Weggehen auf der Treppe», Tresor Stahlschrank.

Trespe, Bromus: artenreiche Gattung der Süßgräser mit rispigem Blütenstand; darunter Wiesen- und Waldgräser sowie Ungräser, zum Beispiel die Taube Trespe (Bromus sterilis).

Trester: Pressrückstände (Schalen, Kerne, Stiele, Fruchtfleischreste) der Obstsaft- und Weinbereitung; verwendet als Futtermittel sowie zur Herstellung von Tresterwein, Pektin und ätherischen Ölen.

Tresterwein: leichter Wein, der aus Trester unter Wasser- und Zuckerzusatz durch Gärung gewonnen wird; dient ausschließlich als Haustrunk (zum Eigenverbrauch), Verschnitt von Tresterwein mit Traubenwein ist unzulässig.

Tretjakow: 1. Pawel Michailowitsch, 27.12.1832-16.12.1898, russischer Kunstsammler; Begründer der Tretjakow-Galerie. Tretjakow richtete seine mit Sachkenntnis und Leidenschaft betriebene Sammlertätigkeit ausschließlich auf Werke russischer Künstler, besonders der Peredwischniki, und förderte entscheidend die demokratisch-realistische Kunstrichtung.

2. Sergej Michailowitsch, 21.6.1892-9.8.1939, russisch-sowjetischer Schriftsteller, strebte mit dem Drama «Brülle, China!» (1926/30, deutsch) und dem in die Form eines Interviews gekleideten Roman «Deng Schi-Hua» (1930, deutsch) sowie Skizzen über die Kollektivierung («Feld-Herren», 1930, deutsch) eine möglichst objektive Darstellungsweise an.

Tretjakow-Galerie, Staatliche: von P. M. Tretjakow begründete Sammlung russische realistische Malerei, die er zusammen mit der von seinem Bruder S. M. Tretjakow (1834-1892) geerbten Kunstsammlung 1892 der Stadt Moskau schenkte; 1918 verstaatlicht, wurden die Sammlungen mit Werken aus dem 11. bis 19. Jahrhundert und der sowjetische Kunst ergänzt, so dass die Tretjakow-Galerie heute die größte Sammlung russische und sowjetische Kunst ist.

Treuenbrietzen: Stadt im Kreis Jüterbog, Bezirk Potsdam, am Nordrand des Flämings; 6500 Einwohner; Messgerätebau, Holz-, Metallindustrie; Agrarzentrum; Heimatmuseum; Nikolai- und Marienkirche (Basiliken, 13. Jahrhundert).

Treuhand: heraldisches Sinnbild; 2 ineinander verschlungene Hände verschiedener Personen.

Treuhänder, Fiduziar: Person, der eine Sache, ein Recht oder eine Vermögensmasse von einem anderen, dem Treugeber, «zu treuen Händen», zur Verwaltung zeitweise übertragen ist. Der Treuhänder handelt nach außen im eigenen Namen, aber für Rechnung des Treugebers.

Treuhandgebiete: Gebiete, die nach der Gründung der UN deren Treuhandschafts System unterstellt wurden. Es gab 11 Treuhandgebiete, die jedoch inzwischen im Prozess des nationalen Befreiungskampfes fast ausnahmslos ihre staatliche Unabhängigkeit erlangten. Das UN-Treuhandschafts System scheiterte, da es einer verschleierten Aufrechterhaltung des Kolonialismus gleichkam.

Treuhandschaftsrat: eines der Hauptorgane der UN; soll die Einhaltung der wichtigsten Prinzipien der Treuhandschaftsverwaltungen in den Treuhandgebieten kontrollieren und diese Gebiete schrittweise zur Unabhängigkeit führen.

Treu und Glauben: herkömmlicher allgemeiner Rechtsgrundsatz für das Verhalten im Rechtsverkehr entsprechend den Geboten des Anstands und des Schutzes fremden Vertrauens.

Trevelyan, George Macaulay, 16.2.1876-20.7.1962, britischer liberaler Historiker; 1927/40 Professor in Cambridge. Weite Verbreitung fanden seine «Geschichte Englands» (1926, deutsch) und seine «Sozialgeschichte Englands» (1944, deutsch).

Treverer: kelto-germanischer Stamm, im 1. Jahrhundert vor Christus an der unteren Mosel ansässig, mit Zentrum Augusta Treverorum (Trier); von Cäsar 51 vor Christus unterworfen.

Treviranus, Gottfried Reinhold, 4.2.1776-16.2.1837, Naturforscher; schrieb ein umfassendes Werk über die Lebenserscheinungen und prägte dabei 1802 unabhängig von J. B. de Lamarck, K. F. Burdach unter anderem das Wort «Biologie».

Treviso: Stadt in Oberitalien, in der Region Venetien, Verwaltungszentrum der Provinz Treviso; 86000 Einwohner; Landmaschinenbau, chemische, metallverarbeitende, keramische, Glas- und Obstkonservenindustrie; historische Altstadt, Dom (11. Jahrhundert).

Trevithick, Richard, 13.4.1771-22.4.1833, britischer Ingenieur; baute 1798 die erste brauchbare Hochdruckdampfmaschine, 1801 den ersten Dampfwagen, 1803/04 die erste Dampflokomotive. Die Dampflokomotive war jedoch wegen des unzureichenden Schienenmaterials nur kurzzeitig in Südwales zur Roheisenförderung im Einsatz. Von Trevithick stammen noch viele Erfindungen, wie Dampfkran, Schwimmdock, die jedoch nicht die volle Reife erlangten.

Trexler: 1. Georg Trexler, 9.2.1903-15.12.1979, Komponist; wirkte in Leipzig als Organist (1947 Kirchenmusikdirektor) und Lehrer (1948 Professor) an der Musikhochschule; komponierte sinfonischen und kammermusikalischen Werke, Konzerte, Lieder sowie ausdrucksstarke Orgelmusik.

2. Roswitha Trexler, geboren 23.11.1936, Sängerin (Sopran); Tochter von Trexler 1; zählt zu den international profiliertesten Interpreten zeitgenössische Vokalmusik; zahlreiche Komponisten (unter anderem P. Dessau, H. W. Henze, M. Kelemen, L. Nono, F. Schenker) widmeten ihr neue Stücke. Einen besonderen Ruf erwarb sie sich als Eisler-Sängerin.

Triac, (Kurzwort für triode alternating current switch, englisch, «Trioden-Wechselstromschalter») Symistor: ein Halbleiterbauelement, dessen Stromdurchlässigkeit in beiden Richtungen gesteuert werden kann und das damit 2 antiparallel geschalteten Thyristoren entspricht; zum Steuern von Wechselstromverbrauchern.

Triade: Dreiheit; Dreischritt. Die Lehre von der Triade wurde vor allem in der Dialektik und Erkenntnistheorie der klassischen deutschen Philosophie entwickelt, von I. Kant als Triplizität, von J. G. Fichte als Thesis, Antithesis und Synthesis, von G. W. F. Hegel als Negation der Negation. Sie ist eine Keimform des Grundgesetzes der materialistischen Dialektik von der Negation der Negation.

Trial: (englisch, «Probe») Wettbewerb mit Spezialmotorrädern in schwierigstem Gelände. Mit niedriger Geschwindigkeit sind markierte Wertungsstrecken (Sektionen) zu befahren, wobei alle Fahrfehler mit Strafpunkten geahndet werden. Weltmeisterschaften seit 1975, Europameisterschaften seit 1968.

Triangel: Schlaginstrument; zum Dreieck gebogener, an einem Faden frei aufgehängter Stahlstab; ergibt, mit einem Stahlstäbchen angeschlagen, einen hellen, hohen Klang.

Triangulation:

1. Geodäsie: Verfahren zur Lagebestimmung von Festpunkten der Erdoberfläche durch ein Netz von Dreiecken, in denen sämtliche Winkel und mindestens eine Basis als Maßstab gemessen werden; die Dreieckspunkte werden trigonometrische Punkte genannt. Die Triangulation bildet die Grundlage für die Aufnahme und kartographische Darstellung eines Landes. Siehe auch Trilateration.

2. Obstbau: Veredlung.

Trias: (griechisch, «Dreiheit») ältestes System des Mesozoikums, benannt nach der in Mitteleuropa gebräuchliche Gliederung in die Abteilungen Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper (germanische Trias). Eine andere Gesteinsausbildung (vorwiegend aus Tiefseeablagerungen bestehend) und Gliederung existiert im Bereich der alpidischen Gebirge (alpine Trias). In der Trias sind für die Fauna Reptilien und Ammoniten kennzeichnend, für die Flora Nadelhölzer, Seelilien, Farne und Schachtelhalme. Siehe auch geologische Systeme.

Triethanolamin: farbloses, in Wasser und organischen Lösungsmitteln lösliches Öl von fischartigem Geruch; Formel N(CH2-CH2OH)3; F21°C; verwendet zur Herstellung von Wasch- und Textilhilfsmitteln.

Triaxialgerät: Prüfvorrichtung für Lockerböden und Felsgesteine, bei der eine zylindrische Probe dreiaxial gedrückt wird, bis sich Gleitflächen zeigen und der Grundbruch oder Absplitterungen auftreten. Diese Ergebnisse sind Grundlage für bodenmechanische Berechnungen.

Triacetat Faserstoffe, Zeichen TA: aus Lösungen von Cellulosetriacetat (zum Beispiel in Chloroform) nach dem Trockenspinnverfahren hergestellte Chemieseiden und -fasern. Triacetat Faserstoffe sind relativ fest, scheuer- und temperaturbeständig, zum Beispiel besonders geeignet für Stoffe mit dauerhaften Falten.

Tribalismus: (englisch tribe, «Stamm», lateinisch) gegen die nationale Einheit gerichtete Überbetonung von Stammesbesonderheiten und -interessen.

Tribochemie: Teilgebiet der Mechanochemie. Die Tribochemie untersucht chemische Veränderungen, die bei intensiver mechanischer Einwirkung insbesondere auf die Grenzflächen von Festkörpern eintreten. Durch die mechanischen Einflüsse kommt es zum Entstehen und Wandern von Fehlern im Kristallgitter, zu Ladungs- und Stoffübergängen, zur Erzeugung angeregter elektronischer Zustände (Exzitonen), zu Leucht- und anderen Erscheinungen. Vielfach entstehen Bereiche stark gestörter Kristallgitter, in denen kurzzeitig der Zustand eines Plasmas herrscht, so dass chemische Reaktionen eintreten können, die unter anderen Bedingungen nicht stattfinden.

Tribogalvanik: Verfahren des Abscheidens metallischer Schichten aus Metallsalzlösungen (zum Beispiel Zink auf Stahl) ohne äußere Stromquelle. Die notwendige Energie wird durch mechanische Prozesse zugeführt.

Tribotechnik: Wissenschaftsgebiet, das Reibung, Schmierung und Verschleiß mit dem Ziel einer technischen und ökonomischen Beherrschung dieser Vorgänge untersucht. Forschungsgegenstand sind Werk- und Schmierstoffe für Reibpaarungen sowie deren optimale Gestaltung und Berechnung, Schmierverfahren und -einrichtungen, technologische Verfahren zur Erhöhung der Verschleißbeständigkeit, Zuverlässigkeit sowie technische Diagnostik.

Tribun: im alten Rom Titel von Beamten, Offizieren und Volksvertretern;

a) Vorsteher einer städtlichen Tribus;

b) in der Königszeit Führer der Reiterei;

c) Militärtribunen (in der Republik 6 höhere Offiziere einer Legion);

d) Volkstribunen (seit 494 vor Christus von den Plebejern zum Schutz vor patrizische Übergriffen gewählte Beamte) übertragen Volksführer.

Tribunal: im alten Rom der erhöhte Platz auf dem Forum, von dem aus Recht gesprochen wurde. Später allgemeine Bezeichnung für ein Gericht.

Tribüne: Redner-, Zuhörer-, Zuschauerbühne; Zuhörer-, Zuschauerschaft. In Stadien, Sporthallen und anderen Sporteinrichtungen stufenförmige Anlage der Zuschauerplätze (meist Sitzplätze); sind in Stadien meist freitragend überdacht; Tribüne in Sporthallen können fest eingebaut oder flexibel (ausziehbar, versenkbar, demontierbar) sein.

Tribunisten: (nach der Zeitung «De Tribun») linke Gruppe in der Sozialdemokratischen Partei der Niederlande; 1909 aus der Partei ausgeschlossen, 1919 an der Gründung der KP beteiligt; ihre Mehrheit stand später auf «ultralinken» Positionen.

Tribus: ursprünglich die 3 Stämme (Luceres, Ramnes, Tities), die das römische Volk bildeten; dann die 3 patrizische Bezirke des antiken Roms; später die 35 Verwaltungsbezirke Roms und seiner Umgebung.

Tribut: 1. allgemein Abgabe, Steuer. Im antiken Rom zunächst Kopf-, dann Vermögenssteuer zu Kriegszwecken, seit der Kaiserzeit Bezeichnung für die direkten Steuern der Provinzen.

2. schuldige Hochachtung.

Trichine, Trichinella spiralis: bis 4 mm langer, im Darm fleischfressender Säugetiere (besonders bei Haus- und Wildschwein, Hund, Katze, Ratte) und des Menschen lebender, die Trichinose hervorrufender Fadenwurm. Die Jungen wandern ins Muskelfleisch ein, kapseln sich ein und gelangen bei Genuss verseuchten Fleisches in ein neues Wirtstier.

Trichinenschau: gesetzlich geregeltes Verfahren zur mikroskopischen Untersuchung von Schweinefleisch auf Trichinen. Andere Tierarten, die Träger von Trichinen sein können (Wildschwein, Sumpfbiber), unterliegen ebenfalls der Trichinenschau, wenn sie der menschlichen Ernährung dienen sollen. Die Trichinenschau wird von Veterinärmedizinischen Fachkräften durchgeführt.

Trichinose: durch Trichinen hervorgerufene gefährliche hochfieberhafte Erkrankung des Menschen und einiger Tiere. Die Infektion erfolgt durch den Genuss wurmhaltigen rohen Schweinefleisches. Kennzeichen sind Brechdurchfall später Muskelschmerzen, -Schwellung, -Verhärtung (Muskel-) mitunter auch Schluck- und Atemstörungen. Verhütungsmaßnahmen gegen Trichinose sind Rattenvernichtung, Trichinenschau und ausreichendes Erhitzen des Fleisches.

Trichlorethen, beziehungsweise Trichlorethylen, Kurzwort Tri: farblose, giftige, narkotisch wirkende, wasserunlösliche Flüssigkeit von Chloroform artigem Geruch; Formel CHC1=CC12; Kp 87,2 °C; verwendet als Lösungsmittel für Fette, Öle, Harze u. ä., zum Beispiel bei der Chemischen Reinigung und Entfettung von Metalloberflächen. In Abhängigkeit von Konzentration und Dauer der Einwirkung führt Trichlorethen nach Einatmen vor allem zu Schädigungen des Nervensystems (narkoseähnliche und psychotische Zustände).

Trichloressigsäure: farblose, kristalline, hygroskopische, sehr leicht wasserlösliche Substanz; F 58°C. Trichloressigsäure ist eine sehr starke Säure und wird für organisch-chemische Synthesen und als dermatologische Ätzmittel verwendet.

Trichom: haarartiges Anhangsgebilde der pflanzlichen Oberhaut, zum Beispiel Brennhaar.

Trichomonadeninfektion: durch Trichomonas vaginalis (Geißeltierchen) verursachte Harnröhrenentzündung. Die Trichomonadeninfektion wird durch den Geschlechtsakt übertragen und kann zu Entzündungen der Prostata und der Scheide führen.

Trichomonadenseuche: 1. Trichomonadenseuche des Rindes: eine spezifische Paarungsinfektion des Rindes. Der Erreger, Tritrichomonas foetus (Geißeltierchen), wird durch den Bullen beim Deckakt auf die weiblichen Tiere übertragen; bei diesen kommt es zu Gebärmutter- und Eileiterentzündungen sowie zu Aborten oder Sterilität; meldepflichtig.

2. Trichomonadenseuche der Tauben, gelber Knopf: durch Trichomonas gallinae (Geißeltierchen) hervorgerufene Infektionskrankheit bei Tauben, Hühnern, Puten und wildlebenden Vögeln. Es bilden sich diphtheroide Belege auf den Schleimhäuten von Kropf, Mundhöhle und Speiseröhre.

Trichophytie, Scherpilzflechte: Erkrankung der Haut, der Haare oder der Nägel infolge Ansteckung mit Trichophyton Pilzen, übertragen von Tieren, Menschen oder Gebrauchsgegenständen. Die oberflächliche Trichophytie Formen bevorzugen vor allem den Kopf-Bart-Bereich sowie die Lanugo behaarten Körperteile, während die tiefe Trichophytie im Kindesalter die Kopfhaut, im Erwachsenenalter den Bartbereich («Bartflechte») befällt. Bei Erkrankung der Nägel wird deren Hornsubstanz gelockert, sie verfärben sich und können schließlich völlig zerstört werden.

Trichostrongylidose: Veterinärmedizin Parasitose, die durch den Befall mit Rundwürmern verursacht wird. Die Trichostrongylidose führt zu Schädigungen des Magen-Darm-Kanals.

Trichter: Chemie Gerät aus Glas, Plast, Porzellan unter anderem zur Aufnahme von Filtern oder zum Abfüllen flüssiger oder pulvriger Substanzen.

Trichterbecherkultur, früher Megalithkultur: jungsteinzeitliche Kultur in Mitteleuropa und Südskandinavien des 3. Jahrtausend vor Christus; benannt nach der typische Gefäßform (Trichterbecher mit charakteristischer Tiefstichverzierung). Kennzeichnend sind unter anderem Bodenbau, Viehzucht, Bestattung in Großsteingräbern.

Trichterbrust: meist angeborene Einsenkung des unteren Brustbeins und der angrenzenden Rippenabschnitte.

Trichterling: Gattung der Blätterpilze mit weißlichen, am Stiel herablaufenden Blättern; zum Teil giftig (Muskarin haltig).

Trichterspinnen, Agelenidae: Familie der Spinnen; hierzu die in und an Gebäuden lebenden Haus- oder Winkelspinnen (Tegenaria), die in den Winkeln der Wände Deckennetze mit einer Zufluchtsröhre im Winkelscheitel spinnen. Die zu ihnen gehörige Wasserspinne (Argyroneta aquatica) lebt in einer zwischen Wasserpflanzen hängenden Gespinstglocke unter Wasser, in die sie Atemluft trägt. Siehe auch Spinnen.

Trident: dreistufige seegestützte ballistische Rakete der USA, stationiert auf Unterwasserschiffen der Ohio-Klasse (24 Raketen je Unterwasserschiff in senkrechten Startschächten). Die Rakete ist mit Mehrfachsprengkopf (8 Einzelsprengköpfe von je 100 TNT) bestückt; ihre Länge beträgt 10 m, der Durchmesser 1,87 m, die Reichweite bis 7500 km und die mittlere Zielabweichung 30 bis 100 m.

Tridentiner Konzil, Tridentinum (nach Tridentum, lateinisch für Trient): von Papst Paul III. einberufene allgemeine katholische Kirchenversammlung in Trient (Trento) 1545/63, die die katholische Glaubenslehre gegenüber der Protestant, klar abgrenzen, aus Schrift und Tradition begründen, die Reformation rückgängig machen und die getrennten Christen wieder in der katholischen Kirche vereinigen wollte; förderte die Gegenreformation.

Trieb:

1. Maschinenbau: technische Mittel zur Übertragung mechanischer Energie (Bewegungsenergie); erfolgt durch Hülltrieb (zum Beispiel Seil-, Riementrieb) zwischen 2 Wellen mit großem Achsabstand, durch Zahnradtrieb (Zahnradgetriebe) zwischen 2 parallelen oder sich kreuzenden (Kegelradtrieb) Wellen infolge Formschluss; durch Schneckentrieb für große Übersetzungsverhältnisse bei sich in einem Abstand kreuzenden Wellen; durch Kurbeltrieb für die Wandlung einer Drehbewegung in eine Hubbewegung beziehungsweise umgekehrt bei Kolbenverdichtern und Verbrennungskraftmaschinen (Diesel- und Ottomotoren).

2. Psychologie: veraltete Bezeichnung für innere Verhaltensursachen, besonders für organische Bedürfnisse (Stoffwechsel, Sexualität, Abwehr von Schädigungen), die bei Tier und Mensch ein Verhalten auslösen, das zu ihrer Befriedigung führt. Beim Menschen treten diese Bedürfnisse weitgehend sozial geformt, durch gesellschaftliche Normen bestimmt in Erscheinung.

Triebförderung: im Obstbau in Abhängigkeit von Baumalter und Gestaltung der Krone auftretende Gesetzmäßigkeiten bei der Ausbildung von Trieben; Spitzenförderung: Austrieb in den oberen Kronenteilen, besonders junger Bäume; Oberseitenförderung: zahlreiche Triebbildung an waagerechten Ästen; Basisförderung: Austrieb am Astansatz, besonders in alten Kronen; Scheitelpunktförderung: stärkste Triebbildung auf dem Scheitelpunkt eines Fruchtastes.

soziale Triebkräfte: die immer historisch konkreten Widersprüche zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, die wirksam werden im gesellschaftlichen Handeln der Menschen, das letztlich aus deren jeweiligen ökonomischen Existenzbedingungen hervorgeht. In antagonistischen Klassengesellschaften führt der Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen (Produktionsweise) notwendig zum Klassenkampf, der als entscheidende soziale Triebkraft in der Revolution gipfelt. In der sozialistischen Gesellschaft, in der Klassen und soziale Schichten gemeinsame Grundinteressen haben, wirkt deren Zusammenarbeit zur planmäßigen Entwicklung der Gesellschaft, die stetig dem Gesetz der Übereinstimmung der Produktionsverhältnisse mit dem Charakter der Produktivkräfte Rechnung tragen muss, als entscheidende soziale Triebkraft; daneben besteht der Klassenkampf zwischen Sozialismus und Imperialismus als äußere soziale Triebkraft fort. Entscheidende Elemente im System der sozialen Triebkraft des Sozialismus, die objektive Widersprüche immer neu überwinden, sind die Übereinstimmung gesellschaftlicher und individueller Interessen, die Entwicklung der Produktivkräfte zur Befriedigung der stetig wachsenden Bedürfnisse sowie die ideellen soziale Triebkraft sozialistischen Bewusstheit und Verantwortung, sozialistischen Patriotismus und Internationalismus.

Triebmittel: Lockerungsmittel für Backteige beziehungsweise -massen auf biologischer (Hefe, Sauerteig) oder chemische Grundlage (zum Beispiel Backpulver, Pottasche, Hirschhornsalz für Flachgebäck).

Triebstock: Zahnstange, deren Zähne aus kreisrunden Zapfen bestehen, in die ein entsprechend geformtes Zahnrad eingreift; für geringe Beanspruchung.

Triebwagen: Schienenfahrzeug mit einem Antrieb und großer Nutzfläche zur Beförderung von Personen oder Gütern. Man unterscheidet elektrische Triebwagen mit Fremdeinspeisung aus der Fahrleitung oder mit Energiespeicher (Akkumulatoren), Dieseltriebwagen mit Antrieb durch Dieselmotoren und mechanische, hydraulische oder elektrische Kraftübertragung und Dampftriebwagen (nur noch selten vorhanden). Nach dem Einsatzgebiet wird unterteilt in Schnelltriebwagen mit hohem Reisekomfort für weite Entfernungen und große Geschwindigkeiten und in Nahverkehrstriebwagen mit großem Fassungsvermögen für schnellen Fahrgastwechsel. Eine Sonderform stellt der Dieselleichttriebwagen (Schienenomnibus) für den Personenverkehr auf Nebenstrecken dar. Gütertriebwagen dienen zur Güterbeförderung. Expresstriebwagenzüge haben meist Stromlinienform, einheitliche Gestaltung und bieten hohen Reisekomfort. Das Einsatzgebiet von Triebwagenzügen und Lokomotiv Zügen wird von ökonomischen Gesichtspunkten bestimmt.

- Bei Straßenbahnen und Stadtschnellbahnen ist der Triebwagen ein Wagen mit eigenem Antrieb und Führerstand, der mit Steuer- oder Beiwagen zu Triebwagenzügen gekuppelt werden kann.

Triebwerk: 1. Fahrgestell.

2. Bezeichnung für die Antriebsmaschine eines Luftfahrzeuges. Die Triebwerk werden unterschieden in Luftschrauben Triebwerk (Kolbentriebwerk, rückstoßgetriebene Rotoren), gemischte Triebwerk (Kolbentriebwerk mit Abgasrückstoß, Propellerturbinenluftstrahltriebwerk) sowie Strahltriebwerk (Turbinenluftstrahltriebwerk, Raketentriebwerk, Staustrahltriebwerk). Siehe auch Flugzeug.

Triebwerksanordnung: konstruktive Platzierung des Motors und der Kraftübertragungsteile im Kraftwagen. Man unterscheidet

a) Standardbauweise (vorn liegender Motor und Hinterradantrieb);

b) Frontantrieb (vorn liegender Motor (Frontmotor) und Vorderradantrieb);

c) Heckantrieb (hinten liegender Motor (Heckmotor) und Hinterradantrieb).

Triel, Burhinus oedicnemus: 40 cm langer Regenpfeifervogel Europas, Nordafrikas und Westasiens; lebt dämmerungsaktiv auf Öd- und Brachland.

Triennium: Zeitraum von 3 Jahren.

Trier: kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirks Trier, an der Mosel; 95000 Einwohner; Stahlwerke, Nahrungsmittel- und Schuhindustrie, Maschinenbau; Hafen; Universität, Rhein. Landesmuseum; Geburtshaus von Karl Marx. Spätrömische Bauten wie Amphitheater (100 nach Christus; für etwa 30000 Zuschauer), Porta Nigra (3. Jahrhundert), Kaiserthermen (2./4. Jahrhundert); Dom (11./13. Jahrhundert, barock umgestaltet im 18. Jahrhundert), romanische Kirche St. Matthias (gotisch und barock verändert), gotische Liebfrauen- (Zentralbau) und Dreifaltigkeitskirche, erzbischöfliche Palais (1757/61), zahlreiche Bürgerhäuser von der Gotik bis zum Klassizismus. Um 15 vor Christus römische Militärkolonie und im 3./4. Jahrhundert Sitz römischer Kaiser, bereits im 6. Jahrhundert als Erzbistum nachweisbar. Ende des 12. Jahrhundert bis 1801 Kurfürstentum; 1815 zu Preußen.

Triere, Trireme: griechische Holzschiff des 7./3. Jahrhundert vor Christus mit 3 Reihen Rudern übereinander und Hilfstakelage.

Trier Morch, Dea, geboren 9.12.1941, dänische Schriftstellerin und Graphikerin; gestaltet in Gegenwartsromanen Alltagsschicksale aus sozialistischer Sicht («Winterkinder», 1976, deutsch; «Innenstadt», 1980, deutsch); schuf Buchillustrationen unter anderem zu Werken von W. Majakowski und P. Neruda.

Triest, italienisch Trieste: Stadt in Oberitalien, Verwaltungszentrum der Region Friaul-Jul. Venetien und der Provinz Triest, am Golf von Triest; 245000 Einwohner; Wirtschaftszentrum mit Schiff- und Maschinenbau, Metallurgie, chemischer und vielseitiger Leichtindustrie; Erdölraffinerien (Pipeline Triest-Ingolstadt); zweitgrößter Hafen Italiens (Freihafen für Jugoslawien); Universität, nautische Akademie, Sternwarte; Museum; römische Ruinen, historische Altstadt, Dom S. Giusto (aus 2 frühchristlichen Kirchen des 5./6. Jahrhundert entstanden), Kastell (15./16. Jahrhundert), Barockkirche St. Maria Maggiore.

- Triest, das vorrömische und römische Tergeste, war 1382/1918 habsburgisch. Seit 1719 durch Freihafen bedeutender wirtschaftlichen Aufschwung; seit 1919 italienisch; nach dem 2. Weltkrieg Streitobjekt zwischen Italien und Jugoslawien, lt. Friedensvertrag (1947) sollte es Freistaat werden; durch Abkommen (1954) kamen Stadt und Hafen Triest an Italien, das Hinterland von Triest zu Jugoslawien, 1975 Anerkennung der Demarkationslinie durch beide Staaten als Staatsgrenze.

Trifels: Burg bei Landau in der Pfalz. 1081 erstmals erwähnt, im 12. Jahrhundert erweitert und verstärkt. 1193/94 wurde hier der englische König Richard I. Löwenherz gefangen gehalten.

Trifokalglas: Brillenglas aus 3 Teilen mit unterschiedlicher, optische Wirkung.

Trifonow, Juri Walentinowitsch, 28.8.1925 bis 28.3.1981, russisch-sowjetischer Schriftsteller; wurde zunächst durch die Romane «Studenten» (1950, deutsch) und «Durst» (1963, deutsch) bekannt, fand seinen unverkennbaren Stil aber erst mit den «Moskauer Novellen» («Der Tausch», 1969; «Zwischenbilanz», 1970; «Langer Abschied», 1973; alle deutsch), in denen er, wie auch in weiteren Romanen («Ungeduld», 1973; «Das andere Leben», 1975; «Der Alte», 1978; «Zeit und Ort», 1981; alle deutsch) mit historischen Blick zu ethischen Problemen des Alltags Stellung nimmt.

Triforium: in Bogenstellungen aufgelöste Innenwandzone zwischen Arkaden und Fenstern des Hochschiffs gotischer Kirchen (seit dem 11. Jahrhundert verwendet), dahinter ein Laufgang (ohne Laufgang Blendtriforium); seit der Mitte des 13. Jahrhundert (erstmals am Langhaus der Abteikirche von St. Denis bei Paris) wurde es auch verglast; in der Zisterzienser- und Bettelordensbaukunst verzichtete man meist darauf.

Triftröhre, Klystron: Elektronenröhre (Laufzeitröhre) für Mikrowellen, bei der ein Elektronenstrahl mit einem elektrischen Höchstfrequenzfeld in Wechselwirkung tritt, wobei durch Laufzeiteffekte im Lauf- (Trift-) Raum eine Verstärkung der Höchstfrequenzschwingungen erzielt wird. Das Reflexklystron stellt eine Oszillator-Triftröhre für niedrige Ausgangsleistungen dar, die heute weitgehend durch Halbleitergeneratoren ersetzt ist. Dagegen lassen sich mit dem Mehrkammerklystron (Verstärker-Triftröhre) hohe Dauerstrich- und Impulsleistungen erzeugen; Einsatz erfolgt als Senderverstärker für UHF-Fernsehsender und Scattering-Richtfunkverbindungen sowie in Linearbeschleunigern.

Trigeminus, Nervus trigeminus, Drillingsnerv: der V. Hirn- oder Kopfnerv; Dreiteilung in Äugen-, Oberkiefer- und Unterkiefernerv diese versorgen die entsprechenden Gesichtspartien sensibel, letzterer die Kaumuskulatur außerdem motorisch.

Trigeminusneuralgie: anfallsweise meist einseitig auftretende, sich oft wiederholende starke Schmerzen im Bereich des Trigeminus; verursacht unter anderem durch Arteriosklerose, Infektionskrankheiten.

Trigger: elektrische Schaltungsanordnung, die bei Anlegen eines Auslösesignals (Trigger Signal) ein anderes definiertes Signal abgibt. Anwendung unter anderem zur Synchronisation von Elektronenstrahloszilloskopen und zur Impulsformung (zum Beispiel Schmitt-Trigger).

Trigonometrie, Dreiecksmessung: Berechnung von Strecken, Winkeln und Flächen in einem Dreieck mit Hilfe von Winkelfunktionen. Die ebene Trigonometrie befasst sich mit Dreiecken in einer Ebene, die sphärische Trigonometrie mit solchen auf einer Kugel.

trigonometrisches Signal: oberirdische Kennzeichnung eines trigonometrischen Punktes durch ein Holzstangen- oder Metallgerüst, um den Punkt anzielen oder von ihm aus messen zu können.

Trikala: Stadt im mittleren Griechenland, Verwaltungszentrum des Distrikts Trikala, in Thessalien; 45000 Einwohner; Baumwollverarbeitung, Tabak-, Lederindustrie; Altstadt mit Kirchen, Moscheen, Basar; chemische Festung.

Trikolore: «dreifarbige» Fahne; besonders die in der Franzos. Revolution eingeführte französische Nationalflagge Blau-Weiß-Rot.

Trikot: a) Sammelbezeichnung für Kuliergewirke zur Herstellung von Unterwäsche;

b) Bindungsart von Ketten- und Nähgewirken;

c) elastisches Wollgewebe mit feinen Rippen.

2. Trikot: eng anliegendes Kleidungsstück, speziell für Sportkleidung.

Trikotagen: Ober- und Unterkleidung, wie Pullover, Kleider, Tag- und Nachtwäsche, aus geschnittenen Gestricken und Gewirken.

Trilateration: Verfahren zur Lagebestimmung von Festpunkten der Erdoberfläche durch ein Netz von Dreiecken, in denen sämtliche Seitenlängen mittels elektronischer Entfernungsmessung bestimmt werden.

Trilliarde: 1000 Trillionen, geschrieben als 1 mit 21 Nullen oder als Zehnerpotenz 1021.

Trillion: 1000 Billiarden, geschrieben als 1 mit 18 Nullen oder als Zehnerpotenz 1018.

Trilobiten, Dreilapper: marine Gliederfüßer des Kambriums bis Perms mit ausgeprägter Dreigliederung des Panzers; wichtige Leitfossilien.

Trilogie: Zyklus von 3 zusammengehörigen literarischen Werken (besonders Dramen und Romane).

Trimaran: (Kunstwort, zu «Katamaran») Dreirumpfboot oder -schiff.

Trimm: Schwimmlage eines Wasserfahrzeugs beziehungsweise Fluglage eines Luftfahrzeugs, bezogen auf die Querachse. Kopf- oder topplastig ist ein Fahrzeug, wenn es vom schwerer ist als hinten, so dass sein Bug tiefer liegt als das Heck. Umgekehrt nennt man es achter-, heck- oder schwanzlastig.

Trimmen: Schifffahrt a) zweckmäßige Verteilung der Ladung oder des Ballasts, um ein Schiff in eine möglichst gleichlastige beziehungsweise horizontale Schwimm- (oder Trimm-) Lage zu bringen;

b) früher das Beladen eines Schiffes mit Kohlen, die dann nach Bedarf aus den Bunkern vor die Kesselfeuer gebracht (getrimmt) wurden;

c) Setzen von Segeln, vor allem neuen, eines Segelschiffs so, dass sie aerodynamisch günstig wirken.

Trimmer: Kondensator einstellbarer Kapazität mit Keramik- oder Luftdielektrikum zum Abgleich (Trimmen) von Schwingkreisen unter anderem

trimorph: (griechisch) dreigestaltig.

Trincomalee: Stadt (Distrikt- und Provinzzentrum) im Nordosten von Sri Lanka, an der Koddiyar Bay; 45000 Einwohner; Reparaturwerft; zweitwichtigster Hafen des Landes.

Trinec: Stadt in der CSSR (Nordmährischer Bezirk), südöstlich von Ostrava; 34200 Einwohner; metallurgisches Zentrum mit Eisenerzverhüttung, Stahl- und Walzwerken (Sauerstoff Konverterstahlwerk), Glasindustrie, Maschinenbau; Museum des Hüttenwesens.

Trinidad: 1. Trinidad: Insel im Atlantischen Ozean, vor der Nordostküste Venezuelas; gehört zu Trinidad und Tobago; etwa 4828 km2, 1 Millionen Einwohner; Hauptstadt und wichtigster Hafen Port of Spain. Im Norden stark zerschnittene Northern Range (Mount Aripo mit 940 m), im Süden Hügel- und Flachland; 45% der Insel sind waldbedeckt.

2. Trinidad: Stadt im Westen Kubas; 40000 Einwohner; Handelszentrum für Vieh und Agrarprodukte; Fluss- und Flughafen; Seruminstitut, landwirtschaftliche Versuchsstation; denkmalgeschützter Stadtkern.

Trinidad und Tobago, Republik Trinidad und Tobago: Staat vor der Nordostküste Südamerikas, bestehend aus den Antilleninseln Trinidad und Tobago (mit innerer Autonomie) sowie -6 kleinen Inseln im Atlantischen Ozean. 41% der Bevölkerung sind Afroamerikaner, 41% sind in Amerika geborene Inder (vorwiegend auf Trinidad), über 16% sind Mischlinge, 1% Weiße sowie fast 1% Chinesen. Amtssprache ist Englisch, Verkehrssprache auch Spanisch. Währung ist der Trinidad- und-Tobago-Dollar. Trinidad liegt auf dem südamerikanischen Schelf, durch den Golf von Paria von der venezolanischen Küste getrennt. Im Norden der Insel Trinidad und auf Tobago östlichste Ausläufer der venezolanischen Küstenkordillere (Mount Aripo, 940 m); bei tropischen Klima im Norden und Osten immergrüner tropischer Regenwald, im Westen und Süden Trockenwälder und Savannen. Kapitalistischer Staat mit bedeutender Erdölindustrie, die von multinationalen (USA- und britischen) Monopolen beherrscht wird. Hauptzweige der Industrie sind die Gewinnung von Erdöl (reiche Vorkommen im Südwesten von Trinidad und vor dessen Küste), Erdgas und Asphalt (größtes natürliches Asphaltvorkommen der Erde (Pechsee)) sowie deren Verarbeitung (3 Erdölraffinerien). Die umfangreichen Erdgasvorkommen bilden die Grundlage für eine sich entwickelnde petrolchemische Industrie und die Energiebasis für ein Stahlwerk. Die elektronische und Plasteindustrie befinden sich im Aufbau; Verarbeitung von Agrarprodukten. In der Landwirtschaft geringfügiger Anbau von Exportkulturen (Zuckerrohr, Kakao, Kaffee, Bananen, tropische Früchte), über 50% der Lebensmittel werden importiert; Fischerei. Zunehmender internationaler Tourismus. Hauptsee- und Flughafen Port of Spain; Ausfuhr von Erdölderivaten (besonders über die Häfen und Raffineriestandorte Pointe-4-Pierre, La Brea und Point Fortin). 1498 von Kolumbus entdeckt, seit 1532 spanisch, jedoch kaum kolonisiert. Trinidad wurde 1797 von britischen Truppen besetzt, 1814 wurde Tobago, zwischen Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien umstritten, Teil der britischen Windward Inseln. 1833/38 Aufhebung der Sklaverei; 1888 wurden Trinidad und Tobago zu einer Kolonie zusammengefasst. 1958/62 Teil der Westindischen Föderation, seit 31.8.1962 staatlich unabhängig. Soziale und ethnische Spannungen in dem ökonomisch relativ entwickelten Land führten 1970 zu einem Volksaufstand, der von der herrschenden Nationalen Volksbewegung (englisch Abkürzung PNM) unter E. Williams mit britischer und USA-Hilfe unterdrückt wurde. 1976 erklärten sich Trinidad und Tobago als erster der karibischen Commonwealth-Staaten zur Republik, die trotz imperialistischer Überfremdung eine gewisse unabhängige Entwicklung anstrebt. 1986 Wahlsieg der Allianz für den Nationalen Wiederaufbau (englisch Abkürzung ANR), Ministerpräsident A. N. Robinson.

Trinität, Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit: christliches Dogma, wonach Gott eine Wesenseinheit von 3 verschiedenen göttlichen Personen ist (Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist).

Trinitrotoluol, Abkürzung TNT: handhabungssicherer, stoßunempfindlicher Sprengstoff, der durch Initialzündung zur Detonation gebracht wird. Trinitrotoluol (genauer 2,4,6-Trinltrotoluol, C6H2(CH3)(N02)3), ein blassgelbes Kristallpulver (80,6 °C), ist der wichtigste militärische Sprengstoff und wird auch für industrielle Zwecke eingesetzt.

Trinkbranntwein: für den menschlichen Genuss bestimmte Spirituose aus Äthylalkohol (Primasprit) und Wasser mit einem Alkoholgehalt von 32 bis 50%, je nach der Sorte werden Geschmacksstoffe zugesetzt. Trinkbranntwein ohne Geschmackszusätze sind zum Beispiel Klarer und Wodka, Trinkbranntwein mit Geschmackszusätzen fügt man Obstbrände, Extrakte und Destillate aus Drogen zu, zum Beispiel Nordhäuser, Richtenberger. Bittere Trinkbranntwein sind Boonekamp, Magenbitter unter anderem

Trinkkur: ärztlich verordnetes und kontrolliertes kurmäßiges Trinken von Heilquellen zur Beeinflussung zahlreicher Erkrankungen, insbesondere des Kreislaufsystems, des Verdauungstraktes und der Harnwege.

Trinkschokolade: 1. Getränk aus geriebener (Block-) Schokolade oder Schokoladenpulver, Zucker und Milch.

2. Schokoladenpulver zur Herstellung von Trinkschokolade 1 (Kakaogehalt mindestens 35 %).

Trinkzentrum: Nervenzellverband im Zwischenhirn; nach dessen Zerstörung ist die Flüssigkeitsaufnahme stark reduziert (Adipsie), nach dessen Reizung steigt sie stark an. Es ist inzwischen bewiesen, dass diese Region zusammen mit anderen für die Regulation des Wasser- und Salzhaushaltes (Aufnahme und Ausscheidung) Bedeutung hat. Durch Erhöhung des osmotischen Drucks oder der Natriumionenkonzentration im Blut sowie durch Abnahme des Blutvolumens werden diese Strukturen aktiviert und bewirken eine Verminderung der Wasserausscheidung in den Nieren und gleichzeitig das Auftreten einer Durstempfindung.

Trintignant, Jean-Louis, geboren 11.12.1930, französischer Filmschauspieler; gestaltete Rollen vor allem in problemreichen, auch gesellschaftskritischen Filmen («Wenn alle Menschen der Welt», «Ein Mann und eine Frau», «Der große Irrtum», «L’Attentat», «Das Geheimnis», «Das wilde Schaf»).

Trio: a) Komposition für 3 Instrumente; auch die Gruppe der Ausführenden;

b) ruhigerer Mittelteil von Marsch, Menuett und Scherzo.

Triole: Musik Figur aus 3 Noten an Stelle von 2 (beziehungsweise 4) im bisherigen Takt.

Triolet, Elsa, 12.9.1896-16.6.1970, französische Schriftstellerin russischer Herkunft; Frau von L. Aragon, Schwägerin von W. W. Majakowski; verfasste nach Werken zum Thema Résistance zahlreiche Romane über aktuelle Fragen wie Atombedrohung, Persönlichkeitszerstörung und Identitätsverlust in der kapitalistischen Gesellschaft («Das rote Pferd», 1953, deutsch; «Das Nylon-Zeitalter», 1959/63, deutsch; «Das große Nimmermehr», 1965, deutsch).

Triolett: französische einstrophige epigrammatische Gedichtform aus 8 meist vier- oder fünfhebigen Versreihen mit nur 2 Reimen; der Name kommt von der dreifachen Verwendung der 1. Zeile (Wiederholung in der 4. und 7. Zeile); die 8. Zeile ist eine Wiederholung der 2. Freiere Nachahmungen des Triolett sind in der deutschen Literatur des 18. Jahrhundert anzutreffen.

Triosonate: Sonate für 2 Soloinstrumente und Generalbass, der vom Cembalo mit Unterstützung einer Gambe oder eines Violoncellos ausgeführt wurde; im 17. Jahrhundert entstanden.

Trip: Ausflug, kurze Reise.

Tripathi: Govardhanram Madhavaram, 1855 bis 1907, indischer Dichter und Schriftsteller; schrieb in Gujarati und Englisch; trat gegen den britischen Kolonialismus und seine schädliche Ideologie auf und setzte sich für den Schutz der nationalen Kultur ein. «Saraswatichandra» (4 Bände, 1887/1901) war der erste Gegenwartsroman in der Gujarati-Literatur. In seiner Poesie verurteilte Tripathi Witwenverbrennung und Kinderheirat (Poeme «Das Siegel der Liebe», 1889; «Das Leben Lilavatis», 1905).

Tripelallianz: Dreibund, Bündnis zwischen 3 Staaten, zum Beispiel 1882 zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Italien.

Tripelfuge: Fuge mit 3 Themen, die nacheinander in allen Stimmen durchgeführt werden und im Schlussteil miteinander erklingen.

Tripelkonzert: Orchesterwerk mit 3 Soloinstrumenten.

Tripelpunkt: durch Druck und Temperatur eindeutig bestimmter Punkt, an dem der feste, flüssige und gasförmige Zustand eines Stoffes gleichzeitig bestehen können. Der Tripelpunkt von Wasser liegt bei 610 Pa und 273,16 K (= 0,01 °C); der Temperaturwert ist genau festgelegt durch die Definition des Kelvin.

Triphenylmethan: aromatisches Kohlenwasserstoff der Formel CH(C6H5)3; F93X; Kp 359°C. Triphenylmethan ist farblos und wasserunlöslich.

Triphenylmethanfarbstoffe: synthetische Farbstoffe, die sich vom Triphenylmethan ableiten, zum Beispiel Fuchsin, Methylviolett, Malachitgrün, Kristallviolett; mit den Triphenylmethanfarbstoffe sind die Phthaleine verwandt.

Triplebarre, Staccionata: Pferdesport aus 3 in einem Sprung zu überwindenden Ricks steigender Höhe bestehendes Hindernis.

Triplett, Kodon:

1. Genetik: Reihenfolge von 3 Basen in der mRNS, deren Kombination die Aminosäurefolge bei der Proteinbiosynthese bestimmt.

2. Physik: Feinstruktur.

Tripolis: 1. (arabisch Tarabulus, Tarabulus al-Gharb) Hauptstadt von Libyen, am Mittelmeer, als Agglomeration 1 Millionen Einwohner; Lebensmittel-, vielseitige Leicht- (besonders Textil-), Erdölverarbeitungsindustrie; Kunsthandwerk; Meerwasserentsalzungsanlage; Handelszentrum (internationale Messe), wichtigster Hochseehafen des Landes, Fischerei-, internationaler Flughafen; TU, Raumflugplanetarium; orientalisch geprägte Altstadt mit Triumphbogen für Mark Aurel (164 nach Christus), zahlreichen Moscheen, Kastell (1., 14., 16. und 20. Jahrhundert; Museum) und Palast des Volkes (ehemaliger Königspalast).

2. Tripolis, arabisch Tarabulus, Trablous: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Libanons, auf einer Halbinsel am Mittelmeer; 175000 Einwohner; Schiffbau, Erdölverarbeitung, Lebensmittel- und Textilindustrie; Hafen und Erdölhafen Al-Mina am Endpunkt der Hafen von Tripolis, Pipeline von Kirkuk (Irak); Museum, Theater. Industrie- und Wohngebiete infolge militärischer Kampfhandlungen seit 1975 stark zerstört.

3. Stadt im Süden Griechenlands, Verwaltungszentrum des Distrikts Arkadien, auf dem Peloponnes; 21000 Einwohner; Textil-, Lederindustrie, Teppichweberei; Marktort; pädagogische Akademie; Museum.

Tripolitanien: historisches Gebiet im Nordwesten Libyens; etwa 350000 km2, 1 Millionen Einwohner; Hauptort Tripolis.

Tripolje Kultur: (nach einem Ort bei Kiew) spätjungsteinzeitliche bis frühbronzezeitliche Kultur im Südwesten der Sowjetunion (3000/1700 vor Christus); Bodenbau und Viehzucht bilden die Basis einer reichen bäuerlichen Kultur, für die unter anderem bemalte Keramik und Tonstatuetten typisch sind.

Triptis: Stadt im Kreis Pößneck, Bezirk Gera, an der Orla; 5000 Einwohner; Herstellung von Porzellan und Werkzeugen, Dauermilchwerk, Agrarbetriebe; Moto-Cross-Rennstrecke; barocke Stadtkirche.

Tripton: unbelebte Stoffe des Gewässers, die durch Wasserbewegung in schwebendem Zustand verbleiben, Teil des Sestons.

Triptychon: dreiteiliges Bild, im engeren Sinne Flügelaltar, aus einem Mittelbild (Altarschrein) und 2 bewegliche Seitenflügeln bestehend. In der Gegenwartskunst häufig wieder aufgegriffen zur Darstellung vielschichtiger Bildinhalte.

Tripura: Unionsstaat im Nordosten Indiens, östlich von Bangladesh; 10477 km2, 2,06 Millionen Einwohner; 197 Einwohner/ km2; Hauptstadt Agartala (60000 Einwohner). Im Ostteil gebirgig, verbreitet Dschungelgebiete, in den Flusstälern (Langai, Fenry) und im westlichen Tiefland Ackerbau; Kleinbetriebe (Holzverarbeitung, Textilien) und Handwerk produzieren für die örtlichen Märkte.

Trisaccharide: Zucker, deren Moleküle durch Säuren oder Enzyme unter Wasseraufnahme in 3 gleich- oder verschiedenartige Monosaccharid Moleküle aufgespalten werden, zum Beispiel Raffinose.

Trisomie: Form der Aneuploidie, bei der in einer diploiden Zelle ein Chromosom zu viel, das heißt dreimal statt zweimal, vorliegt; beim Menschen Ursache von Erkrankungen.

trist: (französisch) traurig, düster, freud-, trostlos; langweilig.

Tristan, keltischer Sagenheld, durch Liebeszaubertrank mit Isolde, der Gattin seines Onkels, König Marke, verbunden. Literarische Gestaltung der Tristansage unter anderem durch Eilhart von Oberge, Gottfried von Straßburg (T. als Idealgestalt des Liebenden), Hans Sachs, A. W. Schlegel, K. Immermann, R. Wagner.

Tristan, Flora, 7.4.1803-14.11.1844, französische Sozialistin; kämpfte seit 1833 für Aufhebung der Sklaverei, Emanzipation des Proletariats, Gleichberechtigung der Frau und Internationalismus. Tristan rief die Arbeiter zum nationalen und internationalen Zusammenschluss auf (Hauptwerk «Arbeiterbund», 1843) und begann mit der praktischen Organisation des französischen Frühproletariats.

Tristan da Cunha: vulkanische Inselgruppe (4 Hauptinseln) im südlichen Atlantischen Ozean, britische Kolonie, von Sankt Helena verwaltet; 209 km2, 330 Einwohner. Der Archipel umfasst die Hauptinsel Tristan da Cunha (104 km2; 2060 m hoher tätiger Vulkan; Hauptsiedlung Edinburgh) sowie die Inseln Gough (Diego Alvarez; 93 km2), Inaccessible (10 km2), und Nightingale (2 km2); regen- und sturmreiches Klima; Kartoffelanbau, Viehzucht, Fisch- und Robbenfang.

Tri-State-Logik: Ausgangsschaltung eines binären Logikelements, die neben den aktiven Pegeln für 0 und 1 einen dritten, passiven (hochohmigen) Zustand des Ausgangssignals erzeugen kann. Die Tri-State-Logik wird benötigt, um mehrere Sender auf eine Leitung (Bus) zu schalten, wobei stets höchstens ein Sender aktiv und die übrigen passiv (hochohmig) gesteuert werden.

Triticale: Getreideart, die durch Kreuzung von Weizen mit Roggen entsteht.

Tritium, überschwerer Wasserstoff, Symbol T oder 3H: radioaktives Wasserstoffisotop der Massenzahl 3; der Atomkern (Triton) zerfallt mit einer Halbwertszeit von 12,4 Jahren unter ß-Strahlung zu Helium 3. Tritium bildet sich in der Hochatmosphäre, wird in Kernreaktoren künstlich hergestellt und als Radioindikator sowie zur Kernfusion verwendet. Elementares Tritium, T2, siedet bei -248°C; Tritiumoxid (überschweres Wasser), T20, schmilzt bei 4,49 °C. Auf der Erde sind nur wenige Kilogramm Tritium vorhanden.

Triton, griechischer Meeresgott, halb Mensch, halb Fisch, Sohn des Poseidon und der Amphitrite; auf dem Muschelhorn blasend dargestellt.

Tritonshörner (nach dem Gott), Cymatiidae: überwiegend in wärmeren Meeren lebende Vorderkiemer. Die Gehäuse der größeren Arten (Gattung Charonia) wurden, mit einem Blasloch versehen, schon bei den Römern als Kriegstrompete benutzt, sie dienen auch heute noch als Jagd- und Signalhörner.

Tritonus: Intervall im Abstand von 3 Ganztonschritten, zum Beispiel c-fis (übermäßige Quarte) beziehungsweise c-ges (verminderte Quinte).

Tritt: Abdruck des Laufes beim Haarwild; eine Reihe von Tritt ergibt die Fährte oder Spur.

Trittico: (italienisch) Triptychon von G. Puccini, bestehend aus den 3 Einaktern «Der Mantel», «Schwester Angelica», «Gianni Schicchi» (1918).

Trituration: (lateinisch) Verreibung; in der Homöopathie gebräuchliche Arzneizubereitung.

Triumph: großer Erfolg; Freude über einen errungenen Sieg. Im alten Rom Siegesfeier eines erfolgreichen Feldherrn; mindestens 5000 Feinde mussten getötet worden sein. Der Triumph stand nur dem Diktator, Konsul oder Prätor zu und war in der Kaiserzeit das Vorrecht der Kaiser.

triumphal: (lateinisch griechisch) herrlich, siegreich, sieghaft.

Triumphbogen: 1. römischer Ehrenbogen für Kaiser und Feldherren in Form eines frei stehenden ein- oder mehrtorigen Monumentalbaus, architektonisch reich gegliedert, mit Reliefs geschmückt, über dem Bogen eine Ehreninschrift. Auf dem Bogen stand meist eine Quadriga, gelenkt von einer plastischen Figur, die den Geehrten darstellte.

2. im Kirchenbau der mächtige Bogen, der den Chor vom Mittelschiff der Basilika abschließt und das Triumphkreuz enthält, eine monumentale plastische oder gemalte Darstellung des Kruzifixus.

Triumvirat: im alten Rom Dreimännerbund, außerordentliche Kommission zur Erledigung von Staatsgeschäften. Das 1. Triumvirat wurde 60 vor Christus zwischen Pompejus, Cäsar und Crassus gebildet, das 2. Triumvirat entstand 43 vor Christus zwischen Octavianus, Antonius und Lepidus. Beide Bündnisse waren Ausdruck der krisenhaften Verhältnisse in der spätrömischen Republik.

Trivandrum: Hauptstadt des Unionsstaates Kerala (Indien), nordwestlich vom Kap Komorin; 520000 Einwohner; Textil-, Lebensmittelfabriken, Maschinenbau; Flughafen, Endpunkt der Eisenbahn im Süden Keralas; Universität, Forschungsinstitute, Observatorium, Museen; Pilgerstadt mit Tempelbauten (Vishnu Tempel, 18. Jahrhundert).

trivial: platt, abgedroschen, alltäglich; im Mittelalter dagegen galten als Trivialitäten die Fächer des Triviums (Freie Künste).

Trivialliteratur: ästhetisch-künstlerisch weniger wertvolle, schematisierende Literatur; dient seit der Entfaltung des kapitalistischen Buchmarktes im 19. Jahrhundert zunehmend den Profitinteressen und ideologischen Zielen der herrschenden Klasse.

Trivialname: herkömmliche, nicht nach gültigen Nomenklaturregeln gebildeter Name für chemische Verbindungen, zum Beispiel Soda, Kochsalz, Traubenzucker.

Trizeps: dreiköpfiger Muskel

a) an der Rückseite des Oberarms als Strecker des Unterarms,

b) an der Wade als Beuger des Fußes.

trizyklisch: (griechisch) im Molekül 3 kondensierte ringgeschlossene Atomketten enthaltend, zum Beispiel im Anthrazen oder Phenanthren.

Trnka, Jiri, 24.2.1912-30.12.1969, tschechischer Puppenfilmregisseur, Kinderbuchillustrator, gründete 1936 ein Puppentheater, arbeitete als Zeichner und Illustrator sowie als Kostümbildner; schuf seit 1945 in einem von ihm mitbegründeten Animationsfilmstudio in Prag zahlreiche Puppenfilme («Das tschechische Jahr», «Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk», «Ein Sommemachtstraum», «Erzengel Gabriel und Frau Gans»).

Troblako: (Kunstwort) Futtermittel aus technisch getrockneten Zuckerrübenblättern und -köpfen.

trochäische Verse: ursprünglich aus Trochäen (Versfuß) bestehende Verse, dann auch alternierende Verse (alternieren), die immer mit einer Hebung beginnen. Siehe auch jambische Verse.

Trochanter: (griechisch) großer und kleiner Knochenhöcker am hinteren oberen Ende des Oberschenkelbeinschaftes.

Trochiten: einzelne Stielglieder von Seelilien; oft gesteinsbildend, zum Beispiel Trochitenkalk. Trochoide Zykloide.

Trochophora: im Wasser frei schwimmende Larvenform mariner Ringelwürmer und Weichtiere von kugelförmiger Gestalt.

Trockeneis: aus festem Kohlendioxid, C02, bestehendes Kühlmittel. Trockeneis ist eine weiße, kristallisierte, gepresste Masse, die bei -78°C sublimiert. Im Gegensatz zu Wassereis schmilzt Trockeneis bei Normaldruck nicht; es kühlt auf wesentlich niedrigere Temperaturen und die Kühlleistung ist etwa fünfmal so groß wie bei dem gleichen Volumen Wassereis. Durch Mischen mit Äthanol sind Temperaturen um -100°C erreichbar.

Trockenelement: galvanisches Element, dessen Elektrolytlösung durch Quellmittel (zum Beispiel Mehl) verdickt oder von porösem Material (Sägespäne) aufgesogen ist; siehe auch Zink-Salmiak-Kohle-Element.

Trockenfarmerei: Ackernutzungssystem in trockenen Gebieten, bei dem zur Sicherung der Wasserversorgung der Pflanzen die Brache öfter in die Fruchtfolge eingeschaltet wird.

Trockenfestigkeit: mechanische Festigkeit von Papier in trockenem Zustand. Siehe auch Nassfestigkeit.

Trockenkühlung: Rückkühlverfahren für Wasser oder andere Medien, bei dem kein Kontakt zwischen dem zu kühlenden Medium und der Luft besteht. Der Kühlprozess erfolgt in Rippenrohr-Wärmeüberträgern.

Trockenmilch: pulverförmige Milchdauerware, die durch Sprüh- oder Walzentrocknung von Vollmilch, entrahmter Frisch- oder auch Buttermilch hergestellt wird; heute häufig als Instantprodukt.

Trockenplasma: gefriergetrocknetes, 5 Jahre lagerfähiges Blutplasma; wird nach Zusatz von sterilem destilliertem Wasser transfundiert, besonders bei Eiweißmangelzuständen.

Trockenpräparat: Demonstrationsobjekt eines Organs oder Organismus (Dauerpräparat), das durch Fixieren (zum Beispiel Formalin), anschließendes Imprägnieren (stufenweises Durchtränken mit Alkohol unter anderem) und nachfolgendes Trocknen an der Luft haltbar gemacht wird.

Trockenrasen: baumfreier bis gehölzarmer Vegetationstyp trockener Standorte mit wärme- und trockenheitsliebender Pflanzen- und Tierwelt, zum Beispiel Silbergrasflur auf sauren, sandigen Böden.

Trockenstehen: Zustand vor dem Kalben, in dem die Kühe nicht mehr gemolken werden.

Trockensubstanz: durch Trocknen bei über 100°C erhaltener wasserfreier Rückstand.

Trockenwald: regengrüner, lichter Wald; sein Aussehen in der Trockenzeit ähnelt den mitteleuropäischen Laubwäldern im Winter.

Trockenzeit: niederschlagsarme oder -freie Jahreszeit, besonders in den Rand- und Subtropen.

trocknende Öle: fette Öle, die infolge eines hohen Gehaltes an Glyceriden mehrfach ungesättigter Fettsäuren, insbesondere Linol- und Linolensäure, an Licht und Luft allmählich erstarren, zum Beispiel Lein-, Holz-, Mohn- und Hanföl. Bei der Trocknung, die durch Zusatz von Trockenstoffen (Sikkative) beschleunigt werden kann, finden Oxydations- und Polymerisationsvorgänge statt; aus Leinöl bildet sich Linoxyn. Die trocknenden Öle werden für Anstrichmittel (Ölfarben) verwendet.

Trocknung:

1. Anstrichtechnik: Bildung trockener Anstrichfilme aus flüssigen Anstrichstoffen durch Verdunsten der Lösungsmittel (physikalische Trocknung) oder durch chemische Reaktionen (chemische Trocknung). Die Trocknung erfolgt bei Raumtemperatur (Lufttrocknung) oder bei erhöhter Temperatur (Ofentrocknung). Die Ofentrocknung wird als Konvektionstrocknung (mit umlaufender Luft) oder Strahlungstrocknung (Infrarottrocknung) mit Infrarotstrahlern) durchgeführt. Die Strahlungstrocknung erfolgt auch in Trockentunneln, die das zu trocknende Gut durchläuft.

2. Verfahrenstechnik: Entfernen von Feuchtigkeit, hauptsächlich Wasser oder Wasserdampf, aus festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen. Die natürliche Trocknung (Freilufttrocknung) erfolgt durch Wind und Sonne, die künstliche Trocknung durch Wärmezufuhr, Vakuum oder Anwendung spezieller Trocknungsmittel (Schwefelsäure, wasserfreies Natriumsulfat unter anderem). Bei direkter Trocknung kommen Wärmeträger (zum Beispiel heißes Gas) oder Trocknungsmittel unmittelbar mit dem zu trocknenden Gut in Berührung; die indirekte Trocknung erfolgt durch Kontakt mit beheizten Flächen (Heizplatten, -walzen unter anderem). Zum Trocknen wärmeempfindlicher Güter eignen sich hygroskopische Substanzen, die Wasserdampf sorbieren oder binden und sich durch Erwärmung leicht regenerieren lassen, wie Silikagel, aktiviertes Aluminiumoxid unter anderem Zur direkten Trocknung benutzt man unter anderem Kanaltrockner für teigiges bis grobstückiges Nassgut, das auf Hordenwagen lagert, die durch eine Trockenzone gefahren werden. Schachttrockner mit eingebauten Jalousien (Jalousien Trockner), Dächern, Kaskaden oder Lochblechen dienen zum Trocknen von Körnerfrüchten, leichtrieselnden Chemie- und Bergbauprodukten (Rieseltrockner). Beim Sprühtrockner (Zerstäubungstrockner) wird eine Lösung oder Suspension am oberen Ende einer hohen, beheizten Kammer zu feinsten Tröpfchen versprüht, die im freien Fall trocknen. In Gefriertrocknern wird die Feuchtigkeit durch Sublimation im Vakuum entfernt.

Troddelblume, Alpenglöckchen, Soldanella: Gattung ausdauernder Primelgewächse der alpinen Stufe der Hochgebirge mit nickenden, gefransten, violetten Blütenglocken und nierenförmigen Blättern, zum Beispiel das Bergalpenglöckchen (Soldanella montana).

Troeltsch, Ernst, 17.2.1865-1.2.1923, Philosoph und Theologe; Interessenvertreter des liberalen Großbürgertums; arbeitete über Religionsphilosophie und -Soziologie. Troeltsch, der die Unwiederholbarkeit historischer Prozesse vertrat und den gesetzmäßige Zusammenhänge leugnenden Historismus kritisierte, versuchte eine Sinndeutung aus theologischer subjektiv-idealistischer Sicht.

Trogkettenförderer: Stetigförderer mit Ketten, an denen Mitnehmer als Förderorgan befestigt sind. Die Förderung erfolgt in geschlossenen Trögen vorwiegend im Untertrum als ununterbrochener Förderstrom.

Trogons, Trogonidae: Baumvögel mit meist buntem, oft schillerndem Gefieder, die sich von Insekten und Früchten ernähren; brüten in Baum- oder Erdhöhlen in tropischen Wäldern Amerikas, Afrikas und im indo-malaiischen Gebiet. Siehe auch Quetzal.

Trois-Rivières: Stadt im Süden der Provinz Quebec (Kanada), an der Mündung des dreiarmigen Sankt Maurice in den Sankt-Lorenz-Strom; 50000 Einwohner; Papier- und Zellstoff-, elektrotechnische Industrie; Tiefwasserhafen, Flughafen; Kloster (1697).

Trotze-Sergej-Kloster, Dreieinigkeits-Sergius-Kloster: größtes russisches Kloster in Sagorsk bei Moskau, im 14. Jahrhundert gegründet und bis zum 17. Jahrhundert ein bedeutendes Kulturzentrum; jetzt staatliches Museum und Sitz der geistlichen Akademie der russisch-orthodoxen Kirche.

Troizk: Stadt im Gebiet Tscheljabinsk; 90000 Einwohner; Werkzeugmaschinen-, Elektrogerätebau, Leichtindustrie (besonders Lederwaren); Wärmekraftwerk (2500 MW); Veterinärhochschule.

Troja, Ilion (nach dem sagenhaften Gründer Ilos): antike Stadt im Nordwesten Kleinasiens; Ausgrabungen seit 1870 durch H. Schliemann, den Entdecker Trojas, W. Dörpfeld und andere Forscher. Im Hügel Hissarlik konnten 9 übereinanderliegende, von verschiedenen Ansiedlungen stammende Schichten festgestellt werden. Die älteste Schicht stammt aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, die 6. Schicht (1900/1300 vor Christus) enthält die Reste des von Homer beschriebenen Trojas.

- Nach Homers Ilias Schauplatz des Trojanischen Krieges, der wegen des Raubes der Helena entbrannte; die Griechen, auch Danaer genannt, eroberten durch List (Trojanische Pferd) die Stadt im 10. Jahr der Belagerung; Äneas entkam aus der Stadt.

Trojan: Stadt im mittleren Teil Bulgariens, am Nordhang der Mittleren Stara Planina; 24000 Einwohner; chemische, pharmazeutische, Holz-, keramische, Textilindustrie, Maschinenbau; Kurort.

Trojaner: Astronomie Planetoid, Librationspunkte.

Trokar: stärkeres Rohr mit entfernbarer spitzer Einlage zur Punktion und zum Entfernen von Flüssigkeit aus Körperhöhlen.

Troll: dämonisches Wesen in der nordischen Mythologie, bald riesiger, bald koboldhafter Gestalt.

Trollblume, Trollius europaeus: ausdauerndes Hahnenfußgewächs vorwiegend feuchter Gebirgswiesen mit handförmig geteilten Blättern und großen gelben kugeligen Blüten.

Trollhättan: Stadt im Südwesten Schwedens, am gleichnamigen Wasserfall (32 m) der Göta Älv; 48000 Einwohner; Fahrzeugbau (Lokomotiven, Kraftfahrzeuge); Düngemittelindustrie; Wasserkraftwerke; durch den Trollhätte Kanal (4 Schleusen) werden die Fälle der Göta Älv umgangen.

Trombe, Windhose: heftiger, kleinräumiger Wirbelwind, der an dem Wolkenschlauch oder der Wolkensäule an der Unterseite der Cumulonimbus Wolke erkennbar ist. Eine Trombe ist über Land mit Staub oder Sand (Sandhose), über Gewässer mit Wasser (Wasserhose) angefüllt.

Trommel: (lautmalend) Schlaginstrument: der zylindrische Schallkörper aus Holz oder Metall ist meist an beiden Öffnungen mit Kalbfell (auch Kunststoff) bespannt,

a) Kleine Trommel: flach, unten Schnarrsaiten, mit Holzstöcken geschlagen, hellrasselnd;

b) Rühr- oder Landsknechtstrommel tonnenartig, dumpfer Klang;

c) Große Trommel: senkrecht getragen, tiefer, gewaltiger Schlag, b) und c) werden mit Filz- oder Lederschlegeln geschlagen; siehe auch Tamburin, Tomtom. Trommel: Wochenzeitung für Thälmannpioniere und Schüler; herausgegeben vom Zentralrat der FDJ, erscheint seit 1948 (Mai/Dezember 1948 unter dem Titel «Unsere Zeitung», Januar 1949/Mai 1958 als «Der junge Pionier»).

Die Trommel: Zeitung der Arbeiter- und Bauernkinder, erschien 1925/34 als Organ des Jung-Spartakus-Bundes.

Trommelfell, Paukenfell: Membran zwischen äußerem Gehörgang und Mittelohr (Paukenhöhle).

Trommelmühle: Maschine zur Feinzerkleinerung mit horizontal gelagertem, zylindrischem oder zylindrischem konischem rotierendem Mahlraum. In der Trommel befindet sich das Mahlgut mit den Mahlkörpern, die aus Stahlkugeln (Kugelmühle), Stahlstäben (Stabmühle) oder groben Haufwerk Stücken (Autogenmühle) bestehen. Bei der Drehung der Trommel wird der Inhalt umgewälzt beziehungsweise gestürzt und dadurch das Mahlgut zerkleinert.

Trommelreuse, Bunge: Fischfanggerät in Form eines zylindrischen Netzschlauches mit 2 gegenüberliegenden Fangöffnungen (Kehlen).

Trommelschlegelfinger, Kolbenfinger: kolbenförmige Auftreibung der Fingerendglieder mit uhrglasartiger Nagelverformung meist infolge chronischen Sauerstoffmangels bei Lungen- und Herzkrankheiten, seltener bei Leber- und Darmerkrankungen; manchmal familiäre Formenvariante ohne Krankheitswert.

Trommelsprache: Nachrichtenübermittlung mit Trommelzeichen verschiedener Höhe und Länge; früher hauptsächlich von afrikanischen Völkern, Papuas und südamerikanischen Indianern gebraucht. Trommelsucht Aufblähen.

Trompe: Mauerstück, das einen rechteckigen Unterbau in eine darüber liegende runde oder polygonale Form (zum Beispiel Achteck) überführt, indem es die Eckwinkel des Raumes nischenartig zusammenfasst (bei Turm- und Kuppelbauten); verbreitet besonders in der orientalischen und mittelalterliche Baukunst.

Trompete: Metallblasinstrument aus einmal gewundenem zylindrischem Messingrohr mit Kesselmundstück. Von der Naturtrompete (Clarinblasen) bis zur Trompete mit chromatischem Spiel führte die Entwicklung im 18. Jahrhundert über die Inventions- und Klappentrompete um 1830 zur Ventiltrompete. Ihre 3 Drehventile zur Verlängerung der Luftsäule ermöglichten nun einen dichten Tonvorrat auch in tiefer Lage. Die Trompete wird in verschiedenen Stimmungen und Größen gebaut, zum Beispiel Aida-Trompete, Sopran-Trompete in B, Alttrompete in F, Basstrompete in B oder C. ursprünglich in langgestreckter Form, besaß die Trompete schon in der Antike hohe Bedeutung.

- Die Jazztrompete hat engere Mensur und Kolbenventile.

Trompetentierchen: Wimpertierchen von langgestreckter, vom trichterartig verbreiterter, trompetenähnliche Form; frei schwimmend oder auf Algen u. ä. mit dem Hinterende festgeheftet.

Trompetervögel, Psophiidae: am Boden lebende Kranichvögel mit gedrungenem Körper. Im nordöstlichen Südamerika lebt der bis 50 cm lange, grünbraun gefärbte Graurücken-Trompetervögel (Psophia crepitans), der von den Indianern oft mit dem Hausgeflügel gehalten wird.

Tromso: Stadt im Norden Norwegens auf gleichnamiger Insel, Verwaltungszentrum der Provinz Tromso; 47000 Einwohner; Fischfang und -Verarbeitung; Hafen; Universität, Nordlichtobservatorium; Museum; Brücke zum Festland.

Trondheim: Stadt im mittleren Norwegen, Verwaltungszentrum der Provinz Sor Trondelag, am Trondheimfjord; 135000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Holzindustrie; Fischverarbeitung, Fischhandel; Pelztierzucht; Hafen, internationaler Flughafen; Universität; Theater, Museen; Nidarosdom (11./13. Jahrhundert), Liebfrauenkirche (12. Jahrhundert), Königsgut (12. Jahrhundert), Holzbauten des 17. und 18. Jahrhundert Trondheim wurde 997 gegründet (Nidaros), seit 1152 Sitz des Erzbischofs und Krönungsstadt norwegischer Könige.

Tropen: Gebiet beiderseits des Äquators mit ständig hohen Temperaturen; in Äquatornähe tropischer immergrüner Regenwälder bei gleichmäßigen Temperaturen und hohen Niederschlägen, zu den Subtropen hin bei abnehmendem Jahresniederschlag und zunehmender Dauer der Trockenzeit in regengrüne Wälder und Savannen übergehend.

Tropenkrankheiten: Infektionskrankheiten, deren Weiterverbreitung nur unter tropischen Verhältnissen möglich ist. Zu den Tropenkrankheiten zählen zum Beispiel Gelbfieber, Malaria und Schlafkrankheit.

Tropfenbewässerung: wassersparendes, automatisierbares Bewässerungsverfahren, bei dem gefiltertes Wasser in Schläuchen zu jeder Pflanzenreihe geleitet und die Einzelpflanze durch einen Tropfer mit Wasser versorgt wird.

Tropfkörper: Anlage zur biologischen Abwasserreinigung, bei der das Abwasser über Brockenmaterial (u. a. faustgroße Schlackensteine) vernesselt wird.

Tropfstein: durch abtropfendes kalkhaltiges Wasser gebildete verschieden geformte Kalkabsätze (Sinter); von Höhlendecken herabhängende säulige Sinter werden als Stalaktiten, vom Boden aufstrebende Säulen als Stalagmiten, zu einem Gebilde vereinigt als Palmenstamm bezeichnet.

Tropftrichter: Glasgefäß mit Ablasshahn zur tropfenweisen Dosierung von Flüssigkeiten.

Trophäe: erbeutetes feindliches Ausrüstungsstück (besonders Waffen, Fahnen); Siegeszeichen; Jagdbeute.

Tropikvögel, Phaethontidae: Familie weißer, 40 bis 50 cm langer Ruderfüßer mit körperlangen Mittelschwanzfedern; leben an den Küsten tropischer Meere, wo sie stoßtauchend Fische erbeuten; brüten an abgelegenen Felsküsten, das einzige Ei wird in 4 Wochen ausgebrütet.

Tropinin, Wassili Andrejewitsch, 30.3.1776 bis 16.5.1857, russischer Maler. In Tropinins Bildnissen findet ein neues Interesse an der intimen Darstellung einfacher Menschen Ausdruck, das besonders in den genrehaften Porträts hervortritt und auf das Anwachsen demokratischer Tendenzen in der russischen Malerei jener Zeit hinweist.

tropisch: die Tropen betreffend; in der Astronomie auf den Frühlingspunkt (Äquinoktium) bezogen, zum Beispiel tropisches Jahr.

Tropismus: Ausrichtung von Organen festgewachsener Pflanzen (Stengel, Blätter, Wurzeln) auf eine Reizquelle. Dies kann mit Wachstumsvorgängen verbunden sein oder allein auf Änderungen der Plasmabewegung in den Zellen beruhen, zum Beispiel bei Stengel Krümmungen. Nach der Art des Reizes werden Geotropismus (Schwerkraftwirkung), Haptotropismus (Berührung) und Chemotropismus (Reiz) unterschieden.

Troposphäre: Schicht der Atmosphäre, die sich von der Erdoberfläche bis in 10 bis 15 km Höhe erstreckt und von der Tropopause (isotherme Schicht) begrenzt wird.

Tropus, (griechisch tropos, «Wendung», «Weise») Trope (griechisch; beide PI. Tropen):

1. Musik: a) in der Musik des Mittelalters in einen größeren liturgischen Gesang eingefügter textloser oder auch textierter Melodieabschnitt;

b) in Antike und frühem Mittelalter Bezeichnung für Oktavgattungen, Transpositionsskalen und Kirchentöne;

c) bestimmte Anordnung von Sechstongruppen als Grundlage eines Systems der Zwölftontechnik (bei dem österreichischen Komponisten J. M. Hauer).

2. Stilistik: wirkungsvolle, oft bildliche Ersatzbezeichnung (unter anderem Metapher, Metonymie, Synekdoche).

Trosse: seemännische Bezeichnung für ein dickes Faser- oder Drahtseil zum Vertäuen oder zum Schleppen von Schiffen.

Trötschel, Elfriede, 22.12.1913-20.6.1958, Sängerin (Sopran); debütierte 1934 an der Dresdner Staatsoper, der sie bis 1944 angehörte; wirkte 1947/53 an der Berliner Oper, danach an der Städt. Oper Westberlin; galt als hervorragende Interpretin besonders lyrische-dramatische Partien.

Trotta, Margarethe von, geboren 21.2.1942, Filmregisseurin, -autorin und -Schauspielerin der BRD; setzt sich mit der bürgerlichen Gesellschaft ihres Landes auseinander («Schwestern oder Die Balance des Glücks», «Die bleierne Zeit»); ferner «Rosa Luxemburg».

Trottoir: (französisch germanisch) veraltet Fußweg, Gehsteig (neben der Fahrstraße).

Trott zu Solz, Adam von, 9.8.1909-26.8.1944 (ermordet), Jurist; seit 1940 Legationsrat im Auswärtigen Amt; gehörte dem Kreisauer Kreis als dessen außenpolitischer Berater an; lehnte die reaktionäre Konzeption der Kräfte um C. F. Goerdeler in der 1 Verschwörung des 20. Juli 1944 ab und trat für einen Frieden an allen Fronten ein; nach dem misslungenen Attentat auf A Hitler verhaftet.

Trotz: affektive Abwehr äußerer Anforderungen; bei Kindern um das 3. Lebensjahr Ausdruck des Selbständig Werdens (Willensübung); kann durch Erziehungsfehler zur sogenannt Trotzphase ausweiten. Gleichartige Erscheinungen treten in der Pubertät auf; beim Erwachsenen Ausdruck psychischer Störung.

Trotzki, Lew Dawidowitsch, eigentlich Leib Bronstein, 7.11.1879-21.8.1940 (ermordet), russischer Politiker; Mitglied der SDAPR (Menschewik) seit 1903 und der KPdSU seit 1917; Teilnehmer an der Revolution 1905/07 und der Oktoberrevolution, 1917/18 Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, während der Verhandlungen um den Frieden von Brest-Litowsk wegen abenteuerlicher Politik abgelöst; trat wiederholt gegen die Leninsche Politik, den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR und die Generallinie der KPdSU auf; seine Fraktionstätigkeit innerhalb der Partei führte 1927 zu seinem Ausschluss aus der KPdSU und seine Verbindung mit antisowjetischen Kräften im In- und Ausland sodann 1929 zur Ausweisung aus der UdSSR. Trotzkis Ideen wurden zur Grundlage des Trotzkismus.

Trotzkismus: (nach L. Trotzki) dem Marxismus Leninismus feindliche, besonders antisowjetische kleinbürgerliche politisch-ideologische Strömung. Dem Trotzkismus ist Unglaube an die Kraft der Arbeiterklasse eigen; er ist gekennzeichnet durch linksradikales Abenteurertum und pseudorevolutionäre linksopportunistische Politik. Der Trotzkismus bekämpfte den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion und die Politik der Kommunistischen Internationale. Er vertrat die den Marxismus verfälschende Losung vom «Export der Revolution». Seit 1938 versuchte Trotzki, eine IV. Internationale zu bilden, deren Geschichte infolge des Sektierer. Charakters der ihr angeschlossenen Splittergruppen eine Kette innerer Streitigkeiten und Spaltungen darstellt. Der heutige Trotzkismus tritt gegen die Außenpolitik der sozialistischen Staaten und der kommunistischen Parteien, gegen die Politik der friedlichen Koexistenz und des Aufbaus des Sozialismus auf; er dient damit objektiv der imperialistischen Bourgeoisie; Anhänger sind vor allem irregeführte Teile der Intelligenz und der Studenten in einigen kapitalistischen Ländern.

Troubadour, eigentlich Trobador: provenzalischer Dichter und Sänger des 12./13. Jahrhundert; nordfranzösisch Trouvère-, Vorbild für die deutschen Minnesänger.

Troyes: Stadt im mittleren Frankreich, Verwaltungszentrum des Departements Aube, an der Seine; 64000 Einwohner; Zentrum der Wirkwarenindustrie (Wolle, Baumwolle), ferner Kunstfaserverarbeitung, elektronische und Reifenindustrie; frühgotische Kathedrale, gotische Kollegiatskirche, Rathaus (13./16. Jahrhundert).

Trub: (zu «trübe») Bezeichnung für das bei der Bier-, Wein- und Süßmostklärung abgetrennte unlösliche Stoffgemisch.

Trubezkoi: 1. Nikolai Sergejewitsch Trubezkoi, 16.4.1890-25.6.1938, russischer Sprachwissenschaftler, erarbeitete die Prinzipien der Phonologie als selbständige linguistische Disziplin; erforschte die Geschichte kaukasischer Sprachen.

2. Pawel (Paolo) Petrowitsch Trubezkoi, 15.2.1866-12.2.1938, russischer Bildhauer und Maler italienischer Herkunft; hauptsächlich Autodidakt, Vertreter des Impressionismus; 1897 lehrte er an der Schule für Malerei, Bildhauerei und Architektur in Moskau, 1899/1906 schuf er das Reiterdenkmal Alexanders IH. in Petersburg; bedeutender sind seine Kleinplastiken und Porträtbüsten, die durch die skizzenhafte Darstellung des Sujets unmittelbar und frisch wirken.

3. Sergej Petrowitsch Fürst Trubezkoi, 9.9.1790-4.12.1860, russischer Offizier; war 1825 unter den Dekabristen als künftiger Regierungschef Russlands vorgesehen; ließ die Aufständischen im Stich, dennoch zum Tode verurteilt, dann begnadigt; 1826/56 verbannt.

Trübglas, Opalglas, Milchglas: weißes und durchscheinendes Glas; enthält feindisperse Kristalle (Fluoride, Arsenate, Phosphate), an denen das Licht gestreut wird. Die Lichtdurchlässigkeit soll möglichst hoch sein. Trübglas wird in der Licht-, Medizin- und Beleuchtungstechnik verwendet.

Trübner, Wilhelm, 3.2.1851-21.12.1917, Maler. Sein realistisches Frühwerk (besonders Bildnisse, Interieurs, Stillleben) steht ganz unter dem Einfluss des Leibl-Kreises und G. Courbets. Nach 1890 entwickelte sich Trübner zu einem der Hauptvertreter der impressionistischen Landschaftsmalerei. Er gestaltete auch religiöse und mythologische Kompositionen.

Truchsess: Inhaber eines der 4 Erzämter im mittelalterlichen deutschen Reich; Ehrenamt des Leiters der königlichen Hofhaltung, versehen vom Pfalzgrafen bei Rhein.

Trud: (russisch, «Arbeit») Tageszeitung des Zentralrats der Sowjetgewerkschaften; gegründet 1921, erscheint in Moskau.

Trudeau, Pierre, geboren 18.10.1919, kanadischer Politiker; 1968/84 Vorsitzender der Liberalen Partei, 1968/79 und 1980/84 Ministerpräsident.

Trudeln: Flugzustand, bei dem sich das Flugzeug steil nach unten bewegt und dabei um eine außerhalb der Längsachse befindliche Achse dreht; wird als Kunstflugfigur aus der Normal- oder Rückenlage eingeleitet.

Trudowiki: (russisch, «Werktätige») 1906 entstandene kleinbürgerlich-bäuerliche demokratische Gruppe in der russischen Reichsduma, stand den Sozialrevolutionären nahe; forderte Verteilung der Gutsländereien an die Bauern; bezog im 1. Weltkrieg sozialchauvinistischen Positionen, seit Oktober 1917 auf Seiten der Konterrevolution.

Truffaldino: Dienerfigur im italienischen Volkstheater (Commedia dell arte), dem Arlecchino verwandt.

Truffaut, François, 6.2.1932-21.10.1984, französischer Filmregisseur; war Filmkritiker und einer der bedeutenden Vertreter der «Neuen Welle»; schuf unter anderem die Filme «Streiche und Schläge», «Das wilde Kind», «Das Ehedomizil», «Die amerikanische Nacht», «Die Geschichte der Adèle H.», «Die letzte Metro».

Trüffel: 1. Tuberaceae: Familie der Schlauchpilze mit unterirdischen, knollenförmigen, bis faustgroßen Fruchtkörpern, deren Rinde warzig-zerklüftet ist; darunter begehrte Speise- und Würzpilze mit hohem Mineralstoffgehalt; besonders in Italien und Südfrankreich.

2. aus Trüffelrohmasse (Schokoladen- oder Kakaomasse) hergestelltes Konfekt, das nur in der Form an Trüffelpilze erinnert.

Trughirsche: Unterfamilie der Hirsche mit hasen- bis rothirschgroßen Vertretern, deren Männchen ein Geweih auf kurzem Rosenstock tragen. Zu ihnen gehört unter anderem das Reh.

Trugnattern, Boiginae: weitverbreitete Unterfamilie der Nattern mit längsgefurchten Giftzähnen im hinteren Oberkiefer. Siehe auch Boomslang, Eidechsennatter.

Trugschluss: Musik - harmonische Schlusswendung (Kadenz), in der nach der Dominante nicht, wie üblich, die Tonika, sondern der Parallelklang folgt.

Truhe: seit dem Altertum gebräuchliche Kastenmöbel, häufig zugleich als Sitzbank, zur Aufnahme von Kleidung und kostbarem Gerät, besonders für die Brautausstattung; neben der Nutzung im Wohnraum war die Truhe auch Reisemöbel; reich verziert, besonders die Cassoni (Sing. Cassone) der italienischen Renaissance.

Trujillo: Stadt im Norden Perus, in der Küstenebene, am Moche; 350000 Einwohner; chemische Industrie, Eisenmetallurgie, traditionelle Leicht- und Lebensmittelindustrie; an der Carretera Panamericana, Flughafen; 2 Universitäten; Museum, Theater; nordwestlich von Trujillo Ruinenstadt Chan-Chan.

Truk: von Korallenriffen umgebene Gruppe von etwa 90 Vulkaninseln der Karolinen im Stillen Ozean (Mikronesien), zum UN-Treuhandgebiet Pazifische Inseln unter US-amerikanischer Verwaltung gehörend, von den USA widerrechtlich in das pseudoautonome Gebiet Bundesstaaten von Mikronesien eingegliedert; 101km2, 38000 Einwohner; Kopra Gewinnung.

Trulli: fensterloser Haustyp in Unteritalien, in der Region Apulien noch anzutreffen; auf frühgeschichtliche Hausformen zurückgehend. Einraum Trockenbauten aus dünnen Kalkplatten mit dunklen, kegelförmigen Dächern über weißgetünchten Mauern.

Trum: (Trume oder Trümer) 1. geologische und bergmännische Bezeichnung für einen kleinen Mineral-, Gesteins- oder Erzgang beziehungsweise für eine Abteilung der Schachtröhre (zum Beispiel Förder-, Fahrtrum).

2. Fördertechnik: Begriff bei Stetigförderern und Seil- beziehungsweise Kettenbahnen; zum Beispiel ist Ober- beziehungsweise Untertrum der im gegebenen Augenblick oben beziehungsweise unten laufende Abschnitt eines endlos umlaufenden Förderorgans (Gummigurt, Stegkette o. ä.).

Truman, Harry S., 8.5.1884-26.12.1972, US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei); 1945/53 Präsident der USA, befahl den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki und eröffnete den kalten Krieg.

Truman Doktrin: aggressive außenpolitische Doktrin des USA-Imperialismus, am 12.3.1947 von USA-Präsident Truman verkündet. Sie begründete die Interventionspolitik der USA gegen alle progressiven und revolutionären Veränderungen in der Welt. Die Truman Doktrin stellte eine Vorstufe zum Marshallplan und zur NATO dar.

Trumeau: Pfeilerspiegel.

Trumpf: Kartenspiele bevorzugte Karte (zum Beispiel Unter beim Skat) beziehungsweise Farbe, die alle anderen sticht.

Trumscheit: Streichinstrument des Mittelalters von 1 bis 2 m Länge, mit schmalem, dreikantigem Schallkörper und meist einer Darmsaite, auf der durch Anstreichen in Flageolett Art schnarrende, trompetenhafte Töne erzielt werden. Das Trumscheit wurde in Nonnenklöstern an Stelle der Trompete (daher Nonnengeige, Marientrompete) eingesetzt.

Truncus: Anatomie soviel wie Rumpf oder Stamm, zum Beispiel Truncus cerebri (Hirnstamm).

Trundholm: Moor bei Nykobing auf Seeland (Dänemark); hier wurde 1902 der Sonnenwagen von Trundholm, ein Kultwagen der Nord. Bronzezeit, gefunden.

Trung Bo: mittlerer Landesteil Vietnams; etwa 149800 km2; vorwiegend Gebirgsland, das vom Truong Son durchzogen wird und steil zu dem sehr fruchtbaren, aber meist schmalen Küstentiefland am Südchinesischen Meer abfallt; von immergrünem tropischen Regen- und regengrünem Monsunwald bedeckt. Zunächst zu Champa gehörig, wurde Trung Bo im 15. Jahrhundert vom feudalen Vietnam annektiert, das im 19. Jahrhundert die Landeshauptstadt (Hue) hierher verlegte; in der französischen Kolonialzeit auch Annam genannt. Im Befreiungskrieg 1946/54 umfasste Trung Bo ein ständig befreites Gebiet (5. Interzone).

Truong Son: von Nordwesten nach Südosten streichendes Gebirge in Südostasien, parallel zur vietnamesischen Küste; früher Annamit. Kordillere; politisch zu Vietnam und Laos; etwa 900 km lang. Der im Norden (Phou Lai Leng, bis 2711 m hoch) aus Kalk- und Sandsteinen, im Süden (Ngoc Linh, bis 2598 m hoch) aus kristallinen Gesteinen mit darüber liegenden Basalt- und zum Teil Sandsteindecken aufgebaute, nach Süden zu sich abflachende Truong Son bildet eine schräggestellte Scholle mit teilweise breiten Plateaus und Hochflächen. Auf der Ostseite Steilabfall zur Küste, der durch kurze, aber tiefe und enge Täler stark gegliedert wird; am Gebirgsfuß immergrüner tropischer Regenwald, darüber regengrüner Monsunwald.

Trupiale, Icterus: gelb und schwarz gefärbte, gesellig lebende Stärlinge. Der 20 cm lange Baltimore-Trupiale (I. galbula) ist von Südkanada bis Venezuela verbreitet; viele Arten in Mexiko. Trupiale bauen hängende Napfnester an Zweigen oder starken Blättern.

Truppen der chemischen Abwehr, chemische Truppen: Spezialtruppen, die den Schutz der Streitkräfte vor Massenvernichtungsmitteln zu gewährleisten haben. Sie sind mit speziellen Mitteln für die Aufklärung, Entaktivierung und Entgiftung ausgerüstet.

Truppenführung: Komplex politische ideologische, militärfachliche und organisatorisch-technische Tätigkeiten von Kommandeuren (Chefs, Befehlshabern) und deren Stäben zur Herstellung, Aufrechterhaltung und Erhöhung der Kampfkraft und Gefechtsbereitschaft von Streitkräften sowie zur Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten Kampfes.

Truppenluftabwehr: Waffengattung der Landstreitkräfte, der die Bekämpfung gegnerische Luftangriffsmittel obliegt. Ihre Truppenteile und Einheiten sind mit Fla-Raketen, Flakartillerie sowie funktechnischen Mitteln ausgerüstet.

Truppenteil: Gliederungselement der Streitkräfte, das mehrere Einheiten umfasst. Truppenteil sind Regimenter, selbständige Bataillone beziehungsweise Abteilungen, bei Luft- und Seestreitkräften auch Geschwader.

Trust: Form der monopolistischen Kapitalvereinigung, bei der alle in ihr zusammengefassten Betriebe ihre wirtschaftliche und rechtliche Selbständigkeit verlieren und den Ausbeutungsprozess unter einer einheitlichen Leitung betreiben.

Truthühner, Meleagrididae: Familie der Hühnervögel mit dem Truthuhn (Meleagris gallopavo), das in nordamerikanischen Laubwäldern von pflanzlicher Nahrung lebt. In mittelamerikanischen Wäldern ist das Pfauentruthuhn (Agriocharis ocellata) beheimatet. Die Hauspute stammt vom Truthuhn ab. Sie wird vorzugsweise zur Fleischnutzung gehalten. Das fettarme, leicht verdau! Fleisch gewinnt ständig an Bedeutung. Puten sind Weidetiere und verlangen eiweiß- und vitaminreiches Futter. Intensivhaltung wird zunehmend betrieben. Große breitbrüstige Puten, zum Beispiel Bronzeputen, besitzen geringe Fruchtbarkeit, aber große Körpermassen (Puter 20 kg, Puten 10 kg). Die Weißen Beltsville-Puten sind leichter, dafür frühreifer und fruchtbarer.

Truyen Kieu: vietnamesischer Versroman («Das Mädchen Kieu», deutsch) von Nguyen Du, der die Liebe und das unglückliche Leben des Mädchens beschreibt, das in der korrupten Feudalgesellschaft untergeht.

Trypanosomen, Trypanosoma: parasitisch lebende Geißeltierchen von länglicher Gestalt und einer am Vorderende hinter dem Zellkern entspringenden Geißel, die sich in eine undulierende Membran (verbindendes Häutchen) fortsetzt. Meist findet Wirtswechsel zwischen blutsaugenden Insekten und Wirbeltieren statt. Krankheitserreger beim Menschen sind Trypanosoma cruzi (Chagas-Krankheit; Wanzen als Überträger), Trypanosomen gambiense und Trypanosomen rhodesiense (Schlafkrankheit; Tsetsefliege als Überträger).

Trypsin: wichtiges proteolytisches Verdauungsenzym der Bauchspeicheldrüse, das Proteine und Polypeptide zu Oligopeptiden abbaut.

Tryptophan, Symbol Try: eine essentielle, heterozyklische Aminosäure; F 293 °C; kristallisiert in farblosen, heißwasserlösliche Blättchen; kommt, meist in geringer Menge, in vielen Eiweißen vor.

Trzebnica: Stadt in Polen (Wojewodschaft Wroclaw), am Fuß der Trzebnica Höhen (bis 256 m); 8500 Einwohner; Zisterzienserabtei mit spätromanischer Kirche (1203/40), St.-Hedwigs-Kapelle (13. Jahrhundert), Klostergebäude (17./18. Jahrhundert).

Tsangpo, Yarlung Zangbo Jiang, Yarlung (tibetisch): Oberlauf des Brahmaputra im Hochland von Tibet (China).

Tsantsa, Schrumpfkopf: apfelsinengroße Kopftrophäe der Jivaro-Indianer (mit Hilfe von heißem Sand präparierte Kopfhaut des besiegten Feindes, oft mit schulterlangem Haar).

Tsaratanana Gebirge: höchstes Gebirge Madagaskars, im Norden der Insel; bis 2 886 m (Maromokotro) aus Kristallin- und Vulkangestein aufgebaut und stark zerschnitten; bewaldet.

Tschad: abflussloser Süßwassersee mit geringen Salz- und Natronbeimengungen im mittleren Sudan, im Sahel, inmitten der weiten Tschadsenke (Depression), Teile zu Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun; 10000 bis 25000km2; Hauptzufluss Schari; Inselreich; Fischfang; an seinen versumpften Ufern vielfältige Großtierwelt.

Tschad, Republik Tschad: Binnenstaat im Norden Zentralafrikas, im mittleren Sudan und in der mittleren Sahara. Grenzt im Norden an Libyen, im Osten an Sudan, im Süden an die ZAR, im Südwesten an Kamerun und im Westen an Nigeria und Niger. Verwaltungsmäßig in 14 Präfekturen gegliedert. Die Bevölkerung besteht im Nord- und Zentralteil aus arabischen-islamischen Gruppen (besonders Tibbu (Kanuri) und Araber), im Süden aus dunkelhäutigen Bewohnern (Hausa und Sudanvölker (Baguirmi)). Amtssprache ist Französisch; Währung ist der CFA-Franc. Tschad umfasst den Ostteil des flachen, abflusslosen, 250 bis 300 m über dem Meeresspiegel gelegenen Tschadbeckens mit dem See Tschad (Ostteil zu Tschad) und der Niederung Bod61fi sowie Teile seiner Umrandung mit der Asandeschwelle (Schari-Zaire-Wasserscheide) im Süden, den Bergländern von Wadai (1790 m) im Südosten, Ennedi (1450 m) und Erdi (1115 m) im Nordosten und Tibesti (3415 m) im N. Das tropische Klima ist im Süden wechselfeucht, im Norden wüstenhaft. Hauptstrom ist der in den See Tschad mündende Schari mit seinem Zufluss Logone. Die im Süden vorhandene Feucht- (Baum-) Savanne geht nach Norden schnell über Trocken- (Dornbusch-) Savanne (Sahel; 30% der Landesfläche) zur Vollwüste (40%) mit Oasen über. Die Bodenschätze (nachgewiesen Bauxit, Steinsalz, Natron, Erdöl, Blei, Gold, Zinn, Wolfram, Zink, Uran) sind noch unzureichend erforscht.

- Tschad ist durch lange Kolonialherrschaft ein äußerst rückständiges Agrarland, das vom Auslandskapital (besonders Frankreich) beherrscht wird. Innenpolitische Auseinandersetzungen haben die schwach entwickelte Infrastruktur zerrüttet und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes deformiert. Etwa 85 % der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Hauptwirtschaftszweige sind der Anbau von Baumwolle und die nomadische Viehhaltung (Rinder, Schafe, Ziegen) im Sahelgürtel (durch Trockenheit stark beeinträchtigt). Die Hauptanbaugebiete liegen im Überschwemmungsgebiet von Logone und Schari sowie am See Tschad Die Industrie ist kaum entwickelt. Neben einigen Bergbaubetrieben für die Steinsalz- und Natrongewinnung gibt es nur wenige Industriebetriebe zur Aufbereitung landwirtschaftlicher Rohstoffe (Herstellung von Textilien und Nahrungsmitteln). Tschad ist verkehrsmäßig kaum erschlossen (keine Eisenbahn, nur 200 km asphaltierte Straßen, unbedeutende Binnenschifffahrt), wodurch sich die Nachteile seiner Binnenlage (weite Entfernung zu den Meeresküsten) zusätzlich erschwerend auf die Wirtschaft auswirken. Internationale Flughäfen liegen in N’Djamena. Der Außenhandel wird über die Häfen von Kamerun und Nigeria abgewickelt. An der Ausfuhr sind Baumwolle mit etwa 70% sowie Lebendvieh und Viehprodukte (Fleisch, Felle, Häute) mit 20% beteiligt. Eingeführt werden Lebensmittel, Industriewaren und Treibstoffe. Haupthandelspartner sind Frankreich, Nigeria, Zaire und die USA.

Geschichte: Seit Jahrtausenden kontinuierlich besiedelt, entstanden im Mittelalter in Tschad stabile Reiche mit frühklassengesellschaftlicher Struktur (Kanem, Bomu, Wadai, Baguirmi). Am Ende des 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhundert wurden die Völker Tschads durch Frankreich kolonial unterworfen; 1900 Schaffung des sogenannt Militärterritoriums Tschad, 1910 Eingliederung in die Kolonialföderation Französisch-Äquatorialafrika. Am 11.8.1960 erreichte Tschad die staatliche Selbständigkeit. Die regierende Fortschrittspartei unter Präsident F. Tombalbaye war nicht in der Lage, die sozialökonomische Probleme des Landes zu lösen und die regionalen Spannungen zu überwinden, so dass es seit Mitte der 60er Jahre in wachsendem Maße zu blutigen Auseinandersetzungen mit oppositionellen Gruppen vor allem im Norden kam, die sich in ihrer Mehrheit 1966 zur Nationalen Befreiungsfront von Tschad (französisch Abkürzung FROLINAT) zusammenschlossen. Das Tombalbaye-Regime wurde am 13.4.1975 gestürzt, und die Macht übernahm ein Militärrat unter General F. Malloum, dem es zeitweilig gelang, sich mit einem Teil der FROLINAT unter Hissen Habre zu einigen, während eine andere FROLINAT-Gruppierung unter Goukouni Oueddei weiterkämpfte. Im Ergebnis von durch die OAU vermittelten Verhandlungen zwischen allen relevanten politischen Gruppierungen kam es im November 1979 zur Bildung einer Übergangsregierung der Nationalen Einheit des Tschad (französisch Abkürzung GUNT) unter G. Oueddei (seit 1986 unter Ibn Oumar). Bereits im März 1980 schied Hissen Habre aus ihr aus, bereitete einen Staatsstreich vor und machte sich nach der militärischen Einnahme der Hauptstadt im Juni 1982 zum

Präsidenten: Seine von imperialistischen Staaten massiv unterstützte Regierung konnte Gegenangriffe der GUNT-Truppen im Juni/Juli 1983 und Februar 1984 abwehren, verhinderte Initiativen der OAU zu einer friedlichen Lösung des Tschad-Konfliktes und erreichte die Stabilisierung des Regimes.

Tschagos Archipel: Gruppe von 5 großen und mehreren kleinen Korallenatollen im Indischen Ozean, von Großbritannien als sogenannt britisches Territorium im Indischen Ozean besetzt, rechtmäßig von Mauritius beansprucht; 52 km2, keine ständige Bevölkerung; Hauptatoll Diego Garcia (USA-Kriegsstützpunkt); Kopra Ausfuhr; Fischfang.

Tschaika: (russisch, «Möwe») Markenbezeichnung der repräsentativen viertürigen sowjetische Limousine vom Typ GAS 14. Der Achtzylinder-Viertaktmotor mit 5526 cm3 Hubvolumen hat eine Leistung von 162 kW; Höchstgeschwindigkeit 175 km/h.

Tschaikowski: 1. Boris Alexandrowitsch, geboren 10.9.1925, sowjetischer Komponist; fand mit Opern, Orchesterwerken, Instrumentalkonzerten, Kammermusik und Klavierwerken auch international Anerkennung.

2. Pjotr Hjitsch Tschaikowski, 7.5.1840-6.11.1893, russischer Komponist; schuf in nahezu allen musikalischen Gattungen Meisterwerke und verhalf der russischen Tonkunst im ausgehenden 19. Jahrhundert zu Weltgeltung. Tschaikowski schrieb 6 Sinfonien, von denen die 4., 5. und 6. weltberühmt sind, ferner sinfonische Dichtungen und Phantasieouvertüren, Orchestersuiten, 3 Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, 10 Opern («Eugen Onegin», 1879; «Pique Dame», 1890; unter anderem), Ballette («Schwanensee», 1877; «Dornröschen», 1890; «Der Nussknacker», 1892), Kantaten, Kammermusik, Chöre und Lieder. Er zählt zu den bedeutendsten Sinfonikern des 19. Jahrhundert, der sich im Unterschied zu den Komponisten des Mächtigen Häufleins sehr früh intensiv mit der sinfonischen Tradition Westeuropas auseinandersetzte.

Tschaikowsky Zirkel: 1871 in Petersburg gegründeter, nach seinem Mitglied N. W. Tschaikowski benannter Zirkel der revolutionären Narodniki; machte sich um Verbreitung revolutionärer Schriften verdient; durch Verhaftungen 1874 wurde seine Tätigkeit lahmgelegt.

Tschaka, 1787-1828 (ermordet), Oberhäuptling der 1 Zulu (1818/28); unterwarf dank einer überlegenen militärischen Taktik und einer verbesserten Waffentechnik zahlreiche Bantustämme im Süden Afrikas und legte die Grundlage für die Herausbildung eines Zulu-Staates in Natal; schränkte die Macht der Stammesführer ein und leitete soziale Veränderungen auf der Basis der Militärischen Demokratie ein.

Tschako: helmähnliche, meist lederne Kopfbedeckung mit flachem, rundem Oberteil, früher von Soldaten, später von Polizisten mancher Länder getragen.

Tschardshou: Stadt (Gebietszentrum) der Turkmenen, am Amudarja; 155000 Einwohner; Textilindustrie (Seidenkombinat, Baumwollweberei und -Spinnerei, Karakul Verarbeitung); Hafen; pädagogische Hochschule; bei Tschardshou petrolchemisches Kombinat.

Tscharenz, eigentlich Soghomonjan, Jeghische, 13.3.1897-29.11.1937, armenischer-sowjetischer Schriftsteller; gestaltete in Poemen das tragische Schicksal seines Volkes und entscheidend inspiriert durch die Oktoberrevolution, die geschichtsbildende Kraft der revolutionären Volksmassen («Die rasenden Massen», 1919); geißelte in dem satirischen Roman «Das Land Nairi» (1922/26) die bürgerlich-nationalistische Konzeption der armenischen Daschnaken und verlieh mit seinen Lenin Balladen (1923/29) und lyrischen Werken der Ausprägung des sozialistischen Realismus in der armenischen Sowjet-literatur maßgebliches Impulse.

Tschawtschawadse, Ilia, 27.10.1837-30.8.1907, georgischer Schriftsteller; Führer der nationalen Befreiungsbewegung des georgischen Volkes und entscheidender Theoretiker und Dichter des Realismus in der Gruppe «Tergdaleuli». Sein gesamtes Werk ist vom Kampf um die nationale Unabhängigkeit Georgiens und gegen die soziale Unterdrückung der georgischen Bevölkerung durchdrungen (Erzählung «Ist das noch ein Mensch?!», 1858/63). Tschawtschawadse wurde im Auftrag der zaristischen Geheimpolizei ermordet.

Tschebyschow, Pafnuti Lwowitsch, 16.5.1821-8.12.1894, russischer Mathematiker; arbeitete über Zahlentheorie, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Approximation von Funktionen und Integration algebraischer Funktionen. Er entwickelte die Anfänge der konstruktiven Funktionentheorie.

Tschebyschow-Approximation: (nach P. L. Tschebyschow) spezielle Form der Approximation, bei der zu einer Funktion (x) dasjenige Polynom P„(x) n-ten Grades gesucht wird, dessen größte Abweichung d von f(x) in einem Intervall (a, fc) möglichst klein wird. Das beste Polynom weicht an mindestens n + 2 Stellen xk abwechselnd um +d und -d von /(xt) ab. Die Menge dieser Punkte heißt Alternante des Problems.

Tschechisch: eine westslawische Sprache, gesprochen im westlichen Teil der CSSR; Nationalsprache der Tschechen, die ebenso wie die slowakische Nationalsprache Staatssprache der CSSR ist; beide Sprachen stehen sich sehr nahe. Die gesonderte Entwicklung des Tschechisch gegenüber dem Slowakischen tritt seit dem 13. Jahrhundert deutlicher hervor. Das Tschechisch betont gleich dem Slowakischen und dem Serbischen die erste Silbe. Der Bereich des Tschechisch umfasst ein westliches (Böhmisch) und ein östliches Dialektgebiet (Mährisch). Die tschechische Schriftsprache beruht auf dem Prager Dialekt.

Tschechow, Anton Pawlowitsch, 29.1.1860-15.7.19Ö4, russischer Schriftsteller; trat seit 1880 mit humoristischer, aber auch nachdenklich, psychologisch vertieften und in der Folgezeit immer schärfer sozialkritische Erzählungen hervor («Der Tod des Beamten», 1883, deutsch; «Das Chamäleon», 1884, deutsch; «Die Steppe», 1888, dt.). Das Werk «Die Insel Sachalin» (1893/94, deutsch) entstand nach einer Reise, auf der Tschechow das Leben der Verbannten kennenlernte. Als Arzt half Tschechow aktiv bei der Bekämpfung der Cholera und Unterstützung der hungernden Bauern. Erzählungen wie «Krankenzimmer Nr. 6» (1892, deutsch), «Jonytsch» (1898, deutsch) und «Der Mensch im Futteral» (1899, deutsch) sowie die Schauspiele «Die Möwe» (1896, deutsch) und «Onkel Wanja» (1897, deutsch) gehören zu seinen reifen kritisch-realistischen Werken. Nach der 1899 erfolgten Übersiedlung von Melichowo nach Jalta schuf Tschechow die Schauspiele «Drei Schwestern» (1901, deutsch) und «Der Kirschgarten» (1904, deutsch) sowie die Erzählungen «In der Schlucht» (1902, deutsch) und «Die Braut» (1903, deutsch), in denen seine Hoffnung auf ein besseres Leben besonders starken Ausdruck fand. Tschechows Werk beeinflusste nachhaltig die russische und die europäischen Novellistik und Dramatik.

Tscheka: «Gesamtrussische außerordentliche Kommission zum Kampf gegen Konterrevolution und Sabotage»; im Dezember 1917 gegründet, Vorsitzender war F. E. Dzierzynski; 1922 in die GPU umgebildet.

Tscheleken, Tscheleken Halbinsel: wüstenhafter, ebener Landvorsprung in der Turkmenischen SSR, am Ostufer des Kaspischen Meeres, nach 1937 durch Absinken des Spiegels des Kaspischen Meeres aus einer Insel entstanden; etwa 500 km2; bis 100 m hoch; wichtiges Erdölfördergebiet; Fischfang. Zentrum ist die Stadt Tscheleken (15000 Einwohner; Petrolchemie).

Tscheljabinsk: Stadt (Gebietszentrum), an der Ostabdachung des südlichen Ural; 1,1 Millionen Einwohner; Zentrum der Eisenmetallurgie (Hüttenwerk für Edelstahl und Legierungen, Rohrwalzwerk Maschinen-, Traktoren-, Gerätebau, Nahrungsmittel-, chemische, Bau-, Leichtindustrie; Wärmegroßkraftwerke (in der Umgebung Tscheljabinsker Kohlebecken (Braunkohle)); Eisenbahnknoten, Flughafen; Universität (1974 gegründet), 6 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Museen.

Tscheremchowo: Stadt im Gebiet Irkutsk, im Süden Ostsibiriens, an der Transsib; 73000 Einwohner; Steinkohlenforderung; Maschinenbau, Leichtindustrie; Großkraftwerk; Theater.

Tscherenkow, Pawel Alexejewitsch, geboren 10.8.1904, sowjetischer Physiker; entdeckte 1934 die nach ihm benannte Strahlung.

Tscherenkow-Strahlung: (nach P. A. Tscherenkow) elektromagnetische Strahlung des sichtbaren und ultravioletten Bereichs, die von geladenen Teilchen emittiert wird, wenn sie sich in einem durchsichtigen Stoff der Brechzahl n mit einer Geschwindigkeit bewegen, die größer ist als die Phasengeschwindigkeit Qj/n des Lichts in diesem Stoff.

Tscherenkow-Zähler: (nach P. A. Tscherenkow) Messgerät zur Zählung und Klassifizierung hochenergetische Teilchen durch die von ihnen emittierte Tscherenkow-Strahlung, die in einem Sekundärelektronenvervielfacher verstärkt wird.

Tscherepowez: Stadt im Gebiet Wologda, am Wolga-Ostsee-Wasserweg und Rybinsker Stausee (Wolga); 295000 Einwohner; modernes Hüttenwerk mit 5580 m3 großem Hochofen; chemische Industrie (unter anderem Stickstoffwerk), Furnier-, Möbelkombinat; Hafen; pädagogische Hochschule; Museen.

Tscherkassow, Nikolai Konstantinowitsch, 27.7.1903-14.9.1966, sowjetischer Schauspieler bei Bühne (Leningrad) und Film; berühmt vor allem als Darsteller historischer Persönlichkeiten (Alexander Newski, Peter I., Suworow, Iwan der Schreckliche, Rimski Korsakow, auch als Don Quichotte).

Tscherkassy: Stadt (Gebietszentrum) in der Ukraine, am Dnepr-Stausee von Krementschug; 270000 Einwohner; Maschinenbau, Chemiekombinat (Düngemittel, Fasern), Textilindustrie; Hafen; pädagogische Hochschule; Theater, Philharmonie, Planetarium.

Tscherkessen, Selbstbezeichnung Adyge: im weiteren Sinne die frühere Bezeichnung für den nördlichen Zweig der nordwestkaukasische, vorwiegend muslimische Völker, die sich in Adyge im engeren Sinne (109000), Kabardiner (322000) und Tscherkessen im engeren Sinne (46000) gliedern; ungefähr 200000 im 19. Jahrhundert ausgewanderte Tscherkessen leben in Vorderasien.

Tscherkessk: Hauptstadt des Autonomen Gebiets der Karatschaier und Tscherkessen, am Kuban; früher Batalpaschinsk; 100000 Einwohner; Kühlanlagen-, Maschinen- und Gerätebau, chemische, Leicht-, Nahrungsmittelindustrie; Theater.

Erich Tschermak-Seysenegg, 15.11.1871 bis 11.10.1962, österreichischer Botaniker, arbeitete unter anderem über Pflanzenzucht, war einer der Wiederentdecker der Mendelschen Regeln (1900).

Tscherni Wrach: höchster Gipfel des Witoscha, in Bulgarien; 2290 m; Wetterstation; am Bergfuß Erholungsort Aleko.

Tschernjachow Kultur: (nach einem Ort bei Kiew) vom mittleren Dnepr- und Dnjestr Gebiet bis Nordostrumänien verbreitete Kultur des 2./5. Jahrhundert nach Christus; kennzeichnend sind unbefestigte Ansiedlungen, Gräberfelder mit Körper- und Urnenbestattungen, hoher Stand der Eisenbearbeitung. Ihre ethnische Zuweisung wird verschieden ausgelegt (Goten, Slawen, Daker werden angenommen).

Tschernowzy: Stadt (Gebietszentrum) im Südwesten der Ukraine, im Karpatenvorland, am Prut; früher Czernowitz; 240000 Einwohner; Textil-, Schuh-, Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbau, Möbelfabrik; Verkehrsknoten, Flughafen; Universität (1875 gegründet), medizinische Hochschule; Theater, Philharmonie, Museen; Holzkirchen (17./18. Jahrhundert), Universitätsgebäude (1864/82).

Tschernyschewski, Nikolai Gawrilowitsch, 24.7.1828-29.10.1889, russischer Philosoph und Publizist; revolutionärer Demokrat. Seit 1856 war Tschernyschewski leitender Redakteur der Zeitschrift «Sovremennik», die er zu einem Organ der revolutionären Demokratie entwickelte. 1862 wurde die Zeitschrift verboten und Tschernyschewski in der Peter-Pauls-Festung eingekerkert. Hier schrieb er in 5 Monaten seinen berühmten Roman «Was tun?» (dt.). 1864 wurde er 21 Jahre nach Sibirien verbannt. Tschernyschewskis Ideen erlangten für die Klassenkämpfe in Russland große Bedeutung. Er vertrat die Auffassung, dass die Bauernrevolution, die er als Volksrevolution ansah, sozialistische Charaktere tragen und die bäuerliche Dorfgemeinschaft unmittelbar in den Sozialismus führen würde. Seine Kritik am Kapitalismus kam der des wissenschaftlichen Kommunismus nahe. Als Philosoph kämpfte Tschernyschewski unter dem Einfluss L. Feuerbachs gegen Idealismus und religiöse Ideologie («Das anthropologische Prinzip in der Philosophie», 1860, deutsch). Seine Ästhetik, deren wichtigste Prinzipien der Realismus und die Volksverbundenheit der Kunst und Literatur sind, deckte den Klassencharakter der ästhetische Begriffe auf («Die ästhetischen Beziehungen der Kunst zur Wirklichkeit», 1855, deutsch).

Tscherskigebirge: Faltengebirge (etwa 1500 km lang) im Nordosten, von der Indigirka durchbrochen; bis 3147 m (Pobeda) hoch; aus paläozoischen Gesteinen aufgebaut; vergletschert; an den unteren Hängen Lärchentaiga; Nichteisenmetallerzvorkommen.

Tscherwonez: 1. ursprüngliche Bezeichnung für alle nach Russland eingeführten, später auch für die dort geprägten Goldmünzen.

2. 1922/47 Sowjet, goldgedeckte Banknote, 1923 auch Goldmünze zu 10 Rubel.

Tschetniks, serbokroatisch Cetnici: im 18./19. Jahrhundert serbischer Freischärler gegen die Türken, nach 1918 freiwillige bäuerliche Heimwehren in Serbien; im 2. Weltkrieg bürgerlich-monarchistische Einheiten, die zunehmend mit den faschistischen Okkupanten kollaborierten; von der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee zerschlagen.

Tschetschenen: den Dagestanern sprachlich und kulturell nahestehendes kaukasisches Volk, hauptsächlich in der ASSR der Tschetschenen und Inguschen (insgesamt 756000).

Tschimkent: Stadt (Gebietszentrum) 360000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Bleihütte, chemische Industrie (Phosphorgewinnung, Hydrolyse Werk), Maschinenbau, Baum- und Schafwollverarbeitung, pharmazeutische Industrie; Flughafen; 3 Hochschulen; Theater. Etwa 30 km östlich bei Lenger Braunkohlenabbau.

Dschingis-Khan, eigentlich Temüdschin, 1167 oder 1155-1227, Gründer des mongolischen Weltreichs (1206); eroberte Nordchina, Mittelasien und drang bis Südrussland vor; progressiv war die Schaffung des mongolischen frühfeudalen Staates, aber Dschingis-Khan spätere Raubzüge gegen fremde Völker waren ungerechte Kriege und vernichteten wertvolle Kulturgüter.

Tschintulow, Dobri, September 1822-8.4.1886, bulgarischer Dichter; seine patriotische Gedichte riefen zum Kampf gegen die osmanische Fremdherrschaft auf («Der Wind braust, der Balkan stöhnt», 1863) und wurden zum Teil populäre Massenlieder.

Tschinvat-Brücke, Cimat-Brücke: im Zoroastrismus Name der Jenseitsbrücke, die von der Seele nach dem Tode überschritten werden muss; die gute Seele gelangt unversehrt hinüber ins Paradies, die böse Seele stürzt in den höllischen Abgrund.

Tschirikow, Alexei Iljitsch, 1703-November 1748, russischer Sibirienforscher, begleitete 1725/30 V. Bering auf der 1. Kamtschatkaexpedition, entdeckte auf der 2. Kamtschatkaexpedition 1741 als erster Alaska.

Tschirnhaus, Ehrenfried Walter Graf von, 10.4.1651—11.10.1708, Philosoph, Physiker und Mathematiker, Vertreter der Frühaufklärung; von R. Descartes beeinflusst, Freund B. Spinozas. Tschirnhaus orientierte die Wissenschaft auf Experiment und manufakturelle Anwendung (Hauptwerk «Medicina mentis», 1687); war an der Erfindung des Porzellans in Europa beteiligt.

Tschirtschik: 1. rechter Nebenfluss des Syrdarja; 155 km; entsteht aus dem Zusammenfluss von Tschatkal und Pskem; Wasserkraftwerkskaskade von 19 Werken (insgesamt 3000 MW), davon am größten Tscharwak (600 MW; 168 m hoher Damm, 37 km2 großer Stausee mit 2 Md. m3 Stauraum); Stauseen dienen der Abflussregulierung und Bewässerung.

2. Stadt im Gebiet Taschkent, im Tal des Tschirtschik 1; 150000 Einwohner; elektrochemisches Kombinat, Hartlegierungswerk, Maschinen- und Transformatorenbau; Leicht-, Lebensmittelindustrie.

Tschistjakow, Pawel Petrowitsch, 5.7.1832 bis 11.11.1919, russischer Maler, Pädagoge und Kunsttheoretiker; erlangte vor allem als Lehrer, der die fortschrittliche demokratische Kunstentwicklung förderte, an der Petersburger Akademie der Künste Bedeutung; malte Historienbilder, Genreszenen und Porträts.

Tschoibalsan: Bezst im Osten der MVR, am Cherlen; 28000 Einwohner; industrielles Zentrum der Ostmongolei mit Leicht- und Lebensmittelindustrie; seit 1939 durch 237 km lange Eisenbahnlinie nach Solowjewsk an das sowjetische Eisenbahnnetz angeschlossen, Flughafen.

Tshombe, Moise Kapenda, 10.11.1919-29.6.1969, kongolesischer Politiker, mit belgischer Unterstützung trennte er die Provinz Shaba als Republik Katanga von Zaire ab, war 1960/63 deren Präsident; mitverantwortlich für die Ermordung P. Lumumbas. 1964/65 (abgesetzt) Ministerpräsident von Kongo/Kinshasa (heute Zaire), 1967 in Abwesenheit zum Tode verurteilt

Tschön Tuhwan, geboren 23.1.1931, südkoreanischer Politiker; ehemaliger General; ließ sich 1980, erneut 1981 zum Staatspräsidenten wählen, nachdem er, bemüht um Scheinlegitimität, zuvor den aktiven Armeedienst verlassen hatte; unterdrückt im Aufträge der südkoreanischen Großbourgeoisie und des Imperialismus jegliche Opposition.

Tschorbadshi: (türkisch, «Herren») Schicht reicher Kaufleute, Wucherer, Handwerker und Großbauern, die mit der kapitalistischen Entwicklung im 18./19. Jahrhundert in Bulgarien entstand; durch ihre enge Bindung an die türkischen Oberschicht meist Gegner der nationalen Befreiungsbewegung.

Tschorny Peredel: (russisch, «Schwarze Neuverteilung») Organisation der revolutionären Narodniki, entstand 1879 durch die Spaltung der «Semlja i Wolja»; führende Mitglieder waren P. B. Axelrod und G. W. Plechanow. Der Tschorny Peredel erstrebte eine Neuverteilung des Bodens und bekämpfte die zaristische Selbstherrschaft, trat für revolutionäre Propaganda ein und verwarf den individuellen Terror; zerfiel 1881.

Tschubak, Sadek, geboren 1916, iranischer (persischer) Schriftsteller, gehörte zum Freundeskreis um S. Hedajat. Wie dieser zeichnete er in Kurzgeschichten (Sammlungen «Das Marionettentheater», 1945; «Der Affe, dessen Herr starb», 1949) ein Bild vom Leben der kleinen Leute, wobei auch Fatalismus und krasser Naturalismus sein Schaffen kennzeichnen. In seinem Roman «Der Mann aus Tangestan» (1963) kämpft ein Einzelgänger erfolgreich gegen Ungerechtigkeit und Betrug.

Tschuchrai, Grigori Naumowitsch, geboren 23.5.1921, sowjetischer Filmregisseur; beschäftigt sich in seinen Filmen mit dem Verhalten von Menschen in entscheidenden Situationen («Der letzte Schuss», «Ballade vom Soldaten», «Klarer Himmel», «Es lebte einmal ein Alter mit seiner Alten», «Das Leben ist schön»); ferner Filmdokumentation «Gedächtnis» über die Stalingrader Schlacht.

Chudomir, 1.4.1890-26.12.1967, bulgarischer Schriftsteller; schrieb Humoresken über den kleinstädtischen Alltag, herausgegeben in «Ich bin nicht so einer» (1935), «Leute von uns» (1937), «Wie man sich bettet» (1940) und anderen.

Tschuktschen Halbinsel: Landvorsprung im äußersten Nordosten Asiens, im Gebiet Magadan, mit dem Kap Deshnjow, weitgehend vom Tundren bedeckten Tschuktschen Gebirge (1843 m, auf der Tschuktschen Halbinsel bis 1158 m) bedeckt; Dauerfrostboden; Nichteisenmetallerze, Edelmetalle, Steinkohle; Kernkraftwerk Bilibino (48 MW).

Tschuktschensee: Randmeer des Arktischen Ozeans, vor der Nordwestküste Alaskas (USA); 595000 km2, bis 1256 m tief; Salzgehalt 24 bis 32%»; von Oktober bis Juni eisbedeckt; in der Tschuktschensee Wrangelinsel; Fischfang. Nahe der Küste der Nördliche Seeweg zur Beringstraße.

Tschuwaschen: Turkvolk teils ostfinnisch, teils wolga-bulgarischen Herkunft; unter mongolischer Fremdherrschaft (Chanat Kasan) Annahme der tatarischen Sprache; Hauptbevölkerung der Tschuwaschien (insgesamt etwa 1,8 Millionen).

T-Shirt: einfaches, Pullover artiges Oberbekleidungsstück der Damen-, Herren- und Kinderkonfektion aus feiner Maschenware (besonders Baumwolle); benannt nach dem ursprünglich T-förmigen Schnitt.

Tsu: Stadt in Japan, Verwaltungszentrum der Präfektur Mie, im mittleren Teil der Insel Honshu, an der Ise-Bucht; 140000 Einwohner; Schiffswerft (mit Dock für Großtanker), Textilindustrie; Universität.

Tsugaru Straße: Meeresstraße zwischen den japanischen Inseln Honshu und Hokkaido, verbindet das Japanischen Meer mit dem Stillen Ozean; teilweise nur 20 km breit, bis 200 m tief; wird mit Hilfe des untermeerischen Seikan Tunnels unterfahren.

Tsumeb: Bergbaustadt im Norden Namibias, 1290 m über dem Meeresspiegel; Förderung und zum Teil Verhüttung von Zinn- und von Kupfer-Blei-Zink-Erz, als Nebenprodukt Gewinnung von Cadmium, Silber und Germanium.

Tsunami, seismische Woge: durch submarine Erdbeben oder Vulkanausbrüche erzeugte Welle mit einer Wandergeschwindigkeit bis zu 700 km/h, die beim Auflaufen auf die Küste bis über 30 m Höhe erreichen und schwere Schäden anrichten kann.

Tsushima: Doppelinsel zwischen Südkorea und der japanischen Insel Kyushu, zu Japan gehörend; 709 km2, etwa 70000 Einwohner; Hauptort Izuhara. Die 2 Hauptinseln Kaminou und Shimono sind durch die Aso-Bucht voneinander getrennt; gebirgig (bis 647 m über dem Meeresspiegel) und waldreich; Reisanbau und Küstenfischerei, Im Russisch-Japan. Krieg 1904/05 wurde am 27./28.5.1905 bei Tsushima die russische Ostseeflotte nach einer Fahrt um Afrika von der japanischen Hotte vernichtend geschlagen.

T-Tauri-Stern: (nach dem Stern im Sternbild Stier (lateinisch Taurus)) Art veränderliche Sterne mit unregelmäßigem Lichtwechsel. Es sind junge Sterne, die sich in der Kontraktionsphase vor dem Hauptreihenstadium befinden.

Tuamotu Inseln, Paumotu Inseln: sich über 1500 km erstreckende Gruppe von 78 niedrigen, in 2 Reihen angeordneten Koralleninseln (Atollen) im Stillen Ozean, Teil Französisch-Polynesiens und gemeinsam mit den Gambierinseln verwaltet; 774 km, 11200 Einwohner; Hauptort Rotoava, Kultivierung von Bananen und Kokospalmen; Fischfang, Perlenfischerei; Kopra Ausfuhr.

Tuapse: Stadt in der Region Krasnodar, am Schwarzen Meer; 63000 Einwohner; Erdölraffinerie, Maschinenbau, Reparaturwerft, Leichtindustrie; Hochseehäfen.

Tuareg: Berbervolk der zentralen Sahara (Nordmali, Südalgerien und angrenzende Gebiete Libyens und Nigers); 900000; vorwiegend Hirtennomaden (Kamele, Schafe und Ziegen); charakteristisch für einige Stämme ist die Verschleierung der Männer.

Tua res agitur: (paries cum proximus ardet) Um deine Sache handelt es sich, dich geht es an (wenn das Nachbarhaus brennt); Zitat aus den «Briefen» von Horaz.

Tuba: 1. langgestreckte altrömische Heerestrompete.

3. tiefstes Metallblasinstrument aus weitem konisch, länglich oder rund (dann Helikon oder, mit nach vom gerichtetem Schalltrichter, Sousaphon genannt) gewundenem Messingrohr mit 4 bis 6 Drehventilen, Kesselmundstück und nach oben gerichtetem Schalltrichter; in verschiedenen Größen gebaut, zum Beispiel Basstuba in F oder Es (Bombardon), Kontrabasstuba in C oder B, Kaiserbass (Kontrabasstuba mit sehr weiter Mensur). Siehe auch Wagnertuba.

Tubarruptur: Platzen des Eileiters bei einer Eileiterschwangerschaft infolge Zernagung der Eileiterwand durch einwachsende Chorionzotten (sogenannt äußerer Fruchtkapselaufbruch). Hauptsymptome der Tubarruptur sind plötzlich auftretender starker Schmerz im Unterbauch und Kollaps durch Blutung in die Bauchhöhle. Es besteht Verblutungsgefahr, wenn nicht sofort operiert wird.

Tübbing: Bergbau gusseisernes oder stählernes Ringsegment zum Ausbau von Schächten in wasserführendem Gebirge. Mehrere Tübbings werden zu einem Ring zusammengeschraubt und mehrere Ringe zu einer Röhre zusammengesetzt.

Tubera: Knollen, in der Pharmazie vor allem Wurzelknollendroge, zum Beispiel Tubera Aconiti (Eisenhutknollen).

Tuberkelbakterien: schlanke, sporenlose, säurefeste Stäbchenbakterien mit hohem Lipoidgehalt der Zellwand; 1882 von R. Koch als Erreger der Tuberkulose entdeckt.

Tuberkulid: wahrscheinlich durch Aussaat von Tuberkelbakterien über den Blutweg entstehender chronischen Hautausschlag, der infolge gesteigerter (hyperergische) Abwehrlage des Körpers gegenüber Tuberkelbakterien relativ günstig verläuft.

Tuberkulin: Stoffwechselprodukt der Tuberkelbakterien; das Verabreichen von Tuberkulin fuhrt bei einem tuberkulös infizierten Organismus zu einer entzündlichen Reaktion (Tuberkulinreaktion).

Tuberkulose, Abkürzung Tb, Tbk, Tbc: durch Tuberkelbakterien hervorgerufene und vorwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragene, meist chronischen Infektionskrankheit mit typischer Knötchenbildung im Gewebe (Tuberkel). Häufig kommt es zu einer unbemerkten Erstinfektion im Kindesalter, danach besteht eine weitgehende Immunität gegen eine erneute Infektion; nur bei schlechter Abwehrlage führt eine Reinfektion zur Ausbreitung der Entzündung in Lungen, Bronchien und Lymphknoten an den Lungenwurzeln (Lungentuberkulose), selten zur Streuung auf dem Blutweg in alle Organe (Miliartuberkulose). Die Lungentuberkulose ist am häufigsten, daneben gibt es unter anderem auch Lymphknoten-, Urogenital-, Darm-, Haut- und Knochentuberkulose. Die Verhütung der Tuberkulose durch Schutzimpfung und verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen, die Früherkennung durch Volksröntgenreihenuntersuchung sowie wirksame Arzneimittel (Tuberkulostatika) haben die Erkrankungshäufigkeit weitgehend vermindert. Die Tuberkulose kommt auch bei Tieren, besonders bei Rindern, Geflügel, Schweinen, Schafen und Fleischfressern, vor und ist durch spezifische knötchenförmige Entzündungsvorgänge an den befallenen Organen gekennzeichnet.

Tuberkuloseberatungsstelle: zentrales Beratungszentrum des Gesundheits- und Sozialwesens auf Kreisebene zur Verhütung und Bekämpfung der Tuberkulöse. Die Tuberkuloseberatungsstelle ist strukturell als poliklinische Abteilung für Lungenkrankheiten und Tuberkulose einer Poliklinik angegliedert.

Tuberkulostatika: Arzneimittel, die das Wachstum der Tuberkelbakterien hemmen, zum Beispiel Isonicotinsäurehydrazid (Abkürzung INH), Streptomyzin, p-Aminosalicylsäure (Abkürzung PAS). Zur Tuberkulosebehandlung werden stets mehrere Tuberkulostatika gleichzeitig gegeben, damit die Nebenwirkungen vermindert und die Resistenzentwicklung der Bakterien verzögert wird.

Tubman, Harriet, um 1821-10.3.1913, US-amerikanische Abolitionistin afroamerikanischer Herkunft. Sie befreiten mit der illegalen Antisklaverei Organisation «Underground Railroad» rund 300 Sklaven und wirkten im Sezessionskrieg 1861/65 als Offizier, Kundschafterin und Agitatorin.

Tubuai-Inseln, Austral Inseln: eine sich über eine Länge von 1300 km erstreckende Kette vulkanischer Inseln (bis 630 m hoch) und Korallenriffe im Stillen Ozean, Teil Französisch-Polynesiens; 174 km;, 6300 Einwohner; umfasst 5 bewohnte (Rurutu, Tubuai mit dem Hauptort Mataura, Rimatara, Raivavae und Rapa) und 2 unbewohnte Inseln; zum Teil bewaldet; Kopra Gewinnung, Vanille-, Bananen-, Gemüseanbau.

tubulös: Anatomie röhrenförmig, schlauchförmig, zum Beispiel tubulöse Drüsen.

Tubus: Rohr, das Objektiv und Okular des Mikroskops zueinander zentriert hält. Die mechanische Tubuslänge beträgt oftmals 160 mm. Die optische Tubuslänge ist der Abstand des objektseitigen Brennpunktes des Okulars vom bildseitigen Brennpunkt des Objektivs.

Tucana: das Sternbild Tukan.

Tuch:

1. Weberei: schweres, gewalktes Streichgarngewebe in Leinwand- (Tuch-) Bindung mit verfilzter Oberfläche.

2. Wirkerei: Grundbindung von Kettengewirken mit schräg über die Maschenstäbchen verlaufenden Fäden.

Tucholski, Herbert, 21.6.1896-29.3.1984, Graphiker, Maler und Publizist; 1920/25 Studium an der Kunstakademie Dresden, seit 1933 freischaffend tätig in Berlin, 1964/65 Leiter der Zentralen Werkstätten für Bildende Kunst in Berlin, seit 1964 Mitarbeiter der «Weltbühne». Tucholski gestaltete in herber, klarer Formsprache und mit poetischen Gehalt vorrangig Landschaften, besonders Küsten- und Hafenmotive; veröffentlichte zahlreiche Aufsätze und kunsthistorisch fundierte Studien (unter anderem «Bildfläche und Maß», 1969).

Tucholsky, Kurt, Pseudonym Ignaz Wrobel, Peter Panter, Theobald Tiger, Kaspar Hauser, 9.1.1890-21.12.1935 (Selbsttötung), Schriftstellerund Publizist; schrieb 1913/33 in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften (besonders in der «Weltbühne») mit satirischer Schärfe und stilistische Meisterschaft gegen die reaktionären politischen Kräfte der Weimarer Republik und gegen die Faschisierung. 1933 emigrierte er nach Schweden. Glossen, Gedichte, Feuilletons, Chansons unter anderem enthalten die Sammlungen «Mit 5 PS» (1928), «Das Lächeln der Mona Lisa» (1929), «Deutschland, Deutschland über alles» (1929). Mit den liebenswürdig-heiteren Erzählungen «Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte» (1912) und «Schloss Gripsholm» (1931) stellt er dem bornierten Spießertum ein idyllisches, von hintergründiger Ironie erfülltes Wunschbild entgegen.

Tuckfischerei: gemeinsames Ziehen eines Schleppnetzes durch 2 Fischfangschiffe.

Tucovic, Dimitrije, 1.5.1881-20.11.1914 (gefallen), serbischer Arbeiterführer, begründete 1903 die Serbische Sozialdemokratische Partei, Führer ihres revolutionären internationalistischen Flügels; gab Schriften von Marx und Engels in serbischer Sprache heraus.

Tucson: Stadt im Südosten des Bundesstaates Arizona (USA), am Santa Cruz; 330000, als Metropolitan Area 530000 Einwohner; Flugzeug-, elektronische Industrie; Universität, Forschungsinstitute (Wüstenvegetation, Magnetismus, Geologie), Sternwarte, Museen; Winterkurort; Luftwaffenstützpunkt.

Tudor: alte englische Adelsfamilie, 1485/1603 Königsdynastie.

Tuff: aus ursprünglich lockerem, später verfestigtem vulkanischem Auswurfmaterial bestehendes Gestein, vermischt mit Sedimentmaterial.

Tugendbund: Kurzbezeichnung für die Geheimorganisation «Sittlich-wissenschaftlicher Verein», von Patriot Vertretern des preußischen Adels und der bürgerlichen Intelligenz im April 1808 in Königsberg (Kaliningrad) gegründet mit dem Ziel, das Nationalgefühl zu entwickeln und die Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft vorzubereiten; wurde Ende 1809 durch den preußischen König aufgelöst.

Tughra: (türkisch, «Zeichen») besondere kalligraphische Gestaltung von Name und Titel islamischer Herrscher am Anfang offizieller Urkunden; auch an Gebäuden und als Münzbild; üblich seit der Seldschuken Herrschaft; ihre eigenwilligste Form, die bis ins 20. Jahrhundert beibehalten wurde, erhielt die Tughra in osmanischer Zeit.

Tuglas, bis 1923 Mihkelson, Friedebert, 2.3.1886-15.4.1971, estnisch-sowjetischer Schriftsteller; schrieb Novellen mit symbolistischen und impressionistischen Einschlag, den realistischen Kindheitsroman «Illimar» (1937, deutsch) sowie Reiseskizzen («Wo einst Karthago stand», 1918, 1928/30, deutsch) und literaturkritische Werke. deutsch Auswahl «Der goldene Reifen» (1961).

Tuilerien: (eigentlich «Ziegeleien») ehemaliges, seit 1564 als Erweiterung des Louvre erbautes Schloss für die französischen Könige in Paris. Mit dem Sturm auf die Tuilerien am 10.8.1792 begann die zweite Phase der Französischen Revolution; unmittelbare Ergebnisse waren unter anderem die Inhaftierung Ludwigs XVI. (Ludwig 11), der Sturz der Monarchie und die Einberufung des Konvents.

Tukane: Pfefferfresser, Ramphastidae: bis 60 cm lange Spechtvögel des tropischen Amerikas mit auffallend großem, sehr leichtem, bunt gefärbtem und gezähntem Schnabel, der zum Früchtepflücken dient; hierzu der 60 cm lange Riesentukane (Ramphastos toco), dessen Schnabel 20 cm lang ist.

Tukaram, um 1607-24.2.1649, indischer Bhakti-Lyriker; schuf 3 Poeme und etwa 5000 in einfachem Marathi verfasste, heute noch populäre Abhangas (kurze religiöse Lieder zu Ehren Krishnas), die von seinen Anhängern aufgeschrieben wurden. Tukaram tritt darin unter anderem für Kastengleichheit, Gottesverehrung und religiöse Unterweisung ein.

Tukulör, Toucouleurs: negride Mischbevölkerung (Fulbe, Soninke, Berber) am unteren Senegal; 700000; sprechen Fulbe Dialekte; gründeten den mittelalterlichen Staat Tekrur.

Tula: 1. Stadt, altes russisches Industriezentrum südlich von Moskau; Heldenstadt; 530000 Einwohner; Hüttenwerk, Maschinen-, Fahrzeug- (Motorroller) und vielseitiger Gerätebau, Metallverarbeitung (Sport-, Jagdwaffen, Samoware), chemische, Nahrungsmittel-, Textilindustrie; Verkehrsknoten; 2 Hochschulen; Theater, Museen, Philharmonie; Kreml (16. Jahrhundert) mit Uspenija Kathedrale (18. Jahrhundert), Blagoweschtschensker Kirche (1692). Südlich von Tula Chemiekombinat und Wärmegroßkraftwerk Schtschokino.

Tularämie: (nach der kalifornische Landschaft Tulare) Hasenpest: durch Tierkontakt, infiziertes Wildfleisch und Insektenstich übertragene bakterielle Infektionskrankheit bei Mensch und Nagetieren. Die äußere Tularämie führt zu Haut- und Schleimhautgeschwüren mit Lymphknotenschwellung, die innere Tularämie ist durch hohes Fieber und typhusartige Erscheinungen gekennzeichnet; meldepflichtig.

Tulcea: Bezirksstadt im Südosten Rumäniens (Bezirk Tulcea), am Beginn des Donaudeltas, am Simtu-Gheorghe-Arm; 74000 Einwohner; Werft, Schilfzellulose-, Aluminat Werk, Fischkombinat; Fluss-, Flughafen; Donaudeltamuseum, zentrale Forschungs- und Verwaltungsstelle des Donaudeltas.

Tulenkantajat: (finnisch, «Feuerträger») finnischer Schriftsteller- und Künstlergruppe, die in den 20er und zu Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhundert die progressive Entwicklung von Kunst und Literatur in Finnland forderte.

Tüll: (nach der Stadt Tülle) Sammelbegriff für offene, netzartige, glatte oder gemusterte textile Flächengebilde, die nach verschiedenen Verfahren hergestellt werden.

Tulle: Stadt im Departement Correze (Frankreich). Im 2. Weltkrieg am 9.6.1944 Ermordung von 99 Geiseln durch deutsche Faschisten, um die Widerstandskämpfer einzuschüchtern.

Tulpe, Tulipa: Gattung europäisch-asiatischer Liliengewächse mit aufrechten, endständigen Einzelblüten; eingebürgert ist die gelbblühende Wilde Tulpe (T. sylvestris) an Weinbergen und in feuchten Wäldern. Aus Westasien stammt die in vielen Sorten kultivierte Gartentulpe (Tulipa gesneriana). In Gärten auch viele frühblühende Wildtulpenarten (zum Beispiel Tulpe kaufmanniana).

Tulsa: Stadt im Nordosten des Bundesstaates Oklahoma (USA), am Arkansas; 360000 Einwohner; Verarbeitungs- und Verwaltungszentrum (Sitz zahlreicher Erdölgesellschaften) eines wichtigen Erdöl- und Erdgasgebietes; Flugzeug-, Maschinenbau (Erdölausrüstungen), chemische Industrie; Binnenhafen; Universität, Institut für Geschichte und Kunst; internationale Erdölausstellung.

Tulsidas, Goswami, um 1532-24.7.1623, indischer Bhakti-Lyriker, schrieb in den Hindi-Dialekten Avadhi und Braj Bhasha. Sein Epos «See der Taten Ramas» (1575), eine Version des altindischen Volksepos «Ramayana», wurde in Nordindien zur Norm sittlichen Handelns. Tulsidas trug wesentlich zur Konsolidierung des Hinduismus im Kampf gegen innere Reformbestrebungen und den Islam bei.

Tumaco: Stadt in Kolumbien, am Stillen Ozean, auf der Isla del Morro, über einen Damm mit dem Festland verbunden; 80000 Einwohner; Hafen, Endpunkt der Erdölleitung von Orito nahe der Grenze zu Peru (überquert die Anden in 3515 m über dem Meeresspiegel), Flughafen.

Tumanyan, Hovhannes, 19.2.1869-23.3.1923, armenischer Dichter; gestaltete in seinen Gedichten, Poemen, Versiegenden und Erzählungen Lebensfragen seines von der Ausrottung bedrohten Volkes, wobei er dessen schöpferischen Potenzen sowie die Freundschaft zu anderen Völkern insbesondere in Poemen wie «Anusch» (1892) oder «David von Sasun» (1902) hervorhob. Nationalliterarische wie weltliterarische Erfahrungen verschmelzend, bildet sein volksverbunden-humanistisches Schaffen in klassischer Schlichtheit einen Höhepunkt des Realismus in der armenischen Sowjetliteratur. In deutsch Übersetzung erschien eine Auswahl («Das Taubenkloster», 1972).

Tumba: 1. Tumba: Sarkophag ähnlicher mittelalterliches Grabmal, frei stehend, meist mit der plastischen Darstellung des Verstorbenen.

2. Tumba: mit den Händen geschlagene schlanke tonnenförmige Trommel kubanischer Herkunft; Verwendung besonders in Tanz- und Jazzmusik; auch in 2 unterschiede Größen gebräuchlich.

Tummler: (niederdeutsch, «Taumler») Becherglas des 16./18. Jahrhundert, von gedrungener Form, mit gerundetem, schwerem Boden, so dass es nur im leeren Zustand Standfestigkeit hat.

Tümmler: Bezeichnung für verschiedene Zahnwalarten. Siehe auch Delphine, Schweinswale.

Tumult: (lateinisch) Lärm, Unruhe; Auflauf erregter Menschenmassen; Aufruhr.

Tumulus: (lateinisch) frühere Bezeichnung für einen urgeschichtlichen Grabhügel.

Tundra: Vegetationsform der Arktis, Eurasiens und Nordamerikas mit baumlosen Pflanzenbeständen (unter anderem Zwergsträucher, bodenanliegende Weidearten, Heidekrautgewächse, Moose, Flechten) auf Dauerfrostboden, der im Sommer oberflächlich auftaut. In der Waldtundra sind Wald und Tundra mosaikartig verzahnt.

Tundsha: linker und längster Nebenfluss der Mariza; 405 km, davon 349 km in Bulgarien, 56 km in der Türkei; entspringt in der mittleren Stara Planina, durchquert die östlichen subbalkanischen Becken (Tal der Rosen bei Kasanlyk), mündet bei Edime; Talsperren «Georgi Dimitroff» und «Shrebtschewo» bei Kasanlyk.

Tunesien: Staat in Nordafrika; grenzt im Norden und Osten ans Mittelmeer, im Südosten und Süden an Libyen und im Westen an Algerien; verwaltungsmäßig in 23 Gouvernorate gegliedert. Währung ist der Tunesischen Dinar.

Bevölkerung: Sie besteht überwiegend aus Arabern und arabisierten Berbern. Amtssprache ist Arabisch. Die Bewohner sind besonders im Raum Tunis sowie im nördlichen und nordöstlichen Küstengebiet konzentriert. 53% der Bevölkerung leben in Städten. Natur. Hinter der durch mehrere Buchten (Golf von Tunis, Golf von Gabes unter anderem) gegliederten Küste, der mehrere Inseln (größte Djerba) vorgelagert sind, erheben sich im Nord- und Zentralteil des Landes die sich nach Osten auflösenden Ausläufer der Atlasketten des Küsten- und Saharaatlas mit Steilküste zum Mittelmeer (Teil). Aa der Ostküste und im Süden sind Tiefländer und wellige Ebenen bestimmend. Im Norden herrscht mediterranes Winterregenklima, das nach Süden in trockenes tropisches Passatwüstenklima übergeht. Hauptfluss im Norden ist die Medjerda; Zentral- und Südtunesien sind weithin abflusslos. Im höheren Gebirgsteil ist Wald (Korkeichen), sonst Macchie, im Süden Trockensteppe (Esparto) anzutreffen. Weite Landesteile sind völlig vegetationslos (Dünen des Großen östlichen Erg, Salztonebenen mit Salzseen). Tunesien besitzt relativ umfangreiche Bodenschätze (Phosphate, Erdöl, -gas, Eisen-, Nichteisenmetallerze, Braunkohle).

Geschichte: Im Altertum war Tunesien von libyschen Stämmen bewohnt. Die phönikischen Handels- und Seestadt Karthago errichtete ihre Herrschaft über weite Teile Tunesiens. Sie wurde in den Punischen Kriegen (264/146 vor Christus) zerstört und Tunesien römische Provinz. Seit dem 2. Jahrhundert nach Christus Verbreitung des Christentums; 429 eroberten die Wandalen Tunesien (Wandalenreich), 534 geriet es unter byzantinischer, im 7. Jahrhundert unter arabischen Herrschaft und wurde dem Kalifat einverleibt. Unter den Aghlabiden (800/909) erlangte Tunesien weitgehende Selbständigkeit. Im 9. Jahrhundert wurde Tunesien islamisiert und später überwiegend arabisiert. Vom 10. bis 16. Jahrhundert herrschten arabische beziehungsweise berberischen Dynastien (Fatimiden, Ziriden, Almohaden, Hafsiden); 1574 wurde Tunesien Bestandteil des Osmanischen Reiches; 1881 französisches Protektorat. 1942/43 war Tunesien von faschistischen deutsch-italienischen Truppen besetzt, die im Mai 1943 von britischen-amerikanischen Verbänden geschlagen wurden. Nach dem 2. Weltkrieg verstärkte sich die von der Neo-Destour-Partei (gegründet 1934) geführte nationale Befreiungsbewegung (Massenaktionen, ab 1952 bewaffneter Kampf). Frankreich musste im Juni 1955 die innere Autonomie und am 20.3.1956 die staatliche Selbständigkeit Tunesiens anerkennen. Am 25.7.1957 wurde die Republik proklamiert und Habib Bourguiba zum Präsidenten gewählt. Unter Führung der Neo-Destour-Partei (ab 1964 sozialistische Destour-Partei) wurde ein bürgerliches Regime errichtet, und Tunesien schlug einen kapitalistisch orientierten Entwicklungsweg ein. In den 60er Jahren wurden antiimperialistische, allgemeindemokratische Reformen (Liquidierung des französischen Militärstützpunktes Bizerta (1963), Enteignung des ausländischen Großgrundbesitzes(1964), Schaffung eines staatlichen und genossenschaftlichen Sektors, Wirtschaftsplanung unter anderem) verwirklicht. Die vorrangige Entwicklung des privatkapitalistischen Sektors in den 70er Jahren führte zur Verschärfung der sozialen und politischen Widersprüche, die sich in ökonomischen Streiks und regierungsfeindliche Protestaktionen (Januar 1978, Januar 1980, Dezember/Januar 1983/84) äußerten. Die Mitte 1980 eingeleitete Politik der «Öffnung» (Aufhebung des Einparteiensystems, Wiederzulassung der KP, Sozialmaßnahmen, Freilassung politischer Gefangener unter anderem) zielt auf eine Stabilisierung des bürgerlichen Regimes.

Tungusen: im eigentlichen Sinn veraltete Bezeichnung für die Ewenken, im weiteren Sinne Sprach- und Völkergruppe in Sibirien und in der Mandschurei, umfasst die Mehrzahl der tunguso-mandschurisch sprachigen Völker (Ewenken, Ewenen, Nanaier, Orotschen, Udehe u. a.); zusammen etwa 100000.

Tunguska: 2 rechte Nebenflüsse des Jenissej in Ostsibirien, die das Mittelsibirischen Bergland durchfließen;

a) Steinige, Mittlere Tunguska oder Katanga; 1830 km;

b) Untere Tunguska 2989 km; in ihrem Einzugsgebiet liegt das Tunguska Becken (etwa 1 Millionen km2, geologischer Kohlevorrat 2345 Md. t). Obere Tunguska ist eine veraltete Bezeichnung für die Angara.

Tunica: Anatomie Gewebeschicht, zum Beispiel Tunica mucosa (Schleimhaut).

Tunika: 1. hemdartiges weißwollenes Gewand der altrömischen Männer und Frauen, bei Würdenträgern mit Purpurstreifen.

2. in der Damenkleidung Sammelbezeichnung für Formvarianten von Überrock- und Doppelrockeffekten, besonders bei festlichen Kleidern.

3. dreiviertel- oder siebenachtellanges Kleid, das über Hose oder Rock getragen wird.

Tunis: Hauptstadt Tunesiens, an der Bucht von Tunis (Mittelmeer); 600000, als Agglomeration 875000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Metallverarbeitungs-, Textil-, chemische (unter anderem Superphosphatwerk), metallurgische (unter anderem Bleihütte), Zementindustrie; Handelszentrum (internationale Messe); größter tunesischer Hochseehafen (La Goulette 10 km langer Seekanal nach Tunis); internationaler Flughafen Al-Aouina bei Tunis; Universität, Hochschulen; Theater, Museen, Zoo; Medina mit zahlreichen Baudenkmälern vom 8. bis 19. Jahrhundert (Moscheen, Paläste unter anderem). Im 2. Weltkrieg bildeten am 10.11.1942 deutsche Truppen bei Tunis einen Landekopf und bauten eine Front gegen die in Marokko und Algerien gelandeten alliierten Streitkräfte auf. Am 13.5.1943 mussten die bei Tunis auf engstem Raum zusammengedrängten faschistischen Verbände kapitulieren.

Tunnel: unterirdisch verlegter Transport- und Verkehrsweg. Tunnelquerschnitt und -ausbau sind abhängig von der Zweckbestimmung des Tunnel, dem Gebirgs- und Wasserdruck. Gebirgstunnel werden meist durch bergmännischen Vortrieb, teils mittels leistungsfähiger Maschinen (Schildvortrieb) hergestellt. Bei der Kernbauweise bleibt in der Tunnelachse ein Massivkern stehen, auf den sich die Verzimmerung abstützt. Der Kern wird erst nach Fertigstellung der Tunnelwandungen ausgebrochen. Unterwassertunnel werden je nach Wasser- und Untergrundverhältnissen in offener Baugrube, durch Absenken vorgefertigter langer Tunnelsegmente aus Stahlbeton mit Außendichtung oder mittels Druckluftgründung errichtet. Unterpflastertunnel, die nur geringfügig unter der Erdoberfläche liegen, werden in offener Baugrube erstellt.

Tunneldiode, Esaki-Diode (nach L. Esaki): hochdotierte Halbleiterdiode, die infolge des quanten-mechanischen Tunneleffektes einen instabilen Bereich mit fallender Strom-Spannungs-Kennlinie, das heißt einen negativen differentiellen Widerstand, aufweist. In Spenrichtung fließt ein großer Tunnelstrom. Anwendung als Verstärker, Oszillator und Schalter für sehr hohe Frequenzen (100 bis 1000 MHz).

Tunneleffekt: quantenmechanische Erscheinung, dass Teilchen mit einer Energie E < V0 einen Potentialwall der Höhe K0 durchdringen («durchtunneln») können. Der Durchlasskoeffizient nimmt mit wachsender Breite a des Walls und zunehmender Differenz V0 E exponentiell ab. Der Tunneleffekt ist wichtig zur Erklärung des Alphazerfalls, der Feldelektronen-emission und der Josephson-Effekte.

Tunnelmikroskopie: soviel wie Raster-Tunnel-Mikroskopie.

Tunnelschal verfahren: Hochbautechnologie, bei der eine verfahrbare Schalung aus Wand- und Deckentafeln einen durch die Gebäudetiefe durchgehenden Tunnel bildet.

Tunnelstrom: auf dem Tunneleffekt beruhender Strom.

Tupac Amaru, eigentlich José Gabriel Condorcanqui, 24.3.1740-18.5.1781 (hingerichtet), peruanischer Dorfvorsteher aus Inkageblüt; führte 1780/81 den größten gegen die spanische Kolonialherrschaft gerichteten indianischen Aufstand.

Tupamaros: (nach Tupac Amaru) kleinbürgerlich-revolutionäre Untergrundbewegung in Uruguay seit den 60er Jahren; versuchte, die kapitalistische-oligarchische Machtverhältnisse mit Methoden des individuellen Tenors zu stürzen, durch die Armee seit 1971 weitgehend aufgerieben.

Tüpfelanalyse: mikroanalytische Methode zur Bestimmung von Stoffen mit Hilfe spezifischer Farbreaktionen, wobei ein Tropfen Untersuchungslösung und ein Tropfen Reagenzlösung auf Tüpfelpapier (weißes, saugfähiges Filtrierpapier) oder einer Tüpfelplatte (glasierte Porzellanplatte mit Näpfchen artigen Vertiefungen) zur Reaktion gebracht werden.

Tüpfelfarn, Polypodium: artenreiche und vielgestaltige Farngattung; heimisch ist der auf schattigen Felsen und Mauern sowie in Wäldern auf kalkfreien Böden wachsende Gemeine Tüpfelfarn (Engeküß, Polypodium vulgare) mit einfach gefiederten Blättern.

Tüpfelhyäne, Fleckenhyäne, Crocuta crocuta: plumpes, kurzhaariges, etwa 90 cm hohes Raubtier mit gelblichen bis rötlichen, dunkel geflecktem Fell; lebt dämmerungs- und nachtaktiv gesellig in Rudeln und jagt vor allem größere Säugetiere; gräbt unterirdische Ruhe- und Wurfplätze; lebt in Steppengebieten südlich der Sahara.

Tupi-Guarani: indianische Sprachfamilie und Völkergruppe im Amazonas- und Parana-Gebiet, ehemals auch an der brasilianischen Ostküste; 200000 (ohne Guarani in Paraguay); Bodenbauer mit Jagd und Fischfang; aus der Sprache der Tupi, Guarani und dem Portugiesischen entwickelte sich die Verkehrssprache Innerbrasiliens, die Lingua geral.

Tupiza: Stadt im Süden von Bolivien, in der Ostkordillere, 3000m überm Meer; 30000 Einwohner; Bergbauzentrum (Blei-, Silber-, Zinn-, Wismut Erzgewinnung), Bleihütte; Eisenbahnanschluss.

Tupolew, Andrej Nikolajewitsch, 10.11.1888 bis 23.12.1972, sowjetischer Flugzeugkonstrukteur; konstruierte zahlreiche Verkehrsflugzeuge vom Typ «ANT» und «TU» sowie Militärflugzeuge. Ab 1956 wurde das von Tupolew und seinem Kollektiv entwickelte erste verkehrssichere TL-Flugzeug TU 104 eingesetzt; ihm folgten das PTL-Flugzeug TU 114 sowie die ZTL-Flugzeuge TU 124, TU 134 und TU 154. Ferner wurde das erste Überschallverkehrsflugzeug TU 144 unter seiner Leitung entwickelt. Tupolew gilt als Begründer und Wegbereiter des Metallflugzeugbaus in der UdSSR; er leistete unter anderem Herausragendes bei der Lösung mathematischer-aerodynamischer Probleme und der Festigkeitsberechnungen.

Tür: Ausbauelement aus Holz, Metall oder Glas zur Verbindung von Räumen untereinander (Verbindungstür) oder zum Verschluss eines Raumes oder Hauses (Eingangstür). Nach Bauart werden Rahmentür, Füllungstür, Ganzblatttür unterschieden; nach der Anzahl der Türflügel ein-, zwei- oder mehrflügelige Tür; nach der Bewegungsart Flügeltür, Schiebetür, Falttür, Drehtür, Pendeltür; nach der Öffnungsrichtung des Türblattes Rechts- oder Linkstür und nach dem Einbau der Tür Zargentür, Blendrahmentür, Futtertür.

Tura:

1. Tura: linker Nebenfluss des Tobol, in Westsibirien; 1030 km; entspringt im Mittleren Ural, durchfließt die Westsibirische Ebene und mündet unterhalb Tjumen; Hauptnebenflüsse (von rechts) sind Tagil, Niza und Pyschma; auf 635 km schiff-bar, mehrere Stauwerke.

2. städtliche Siedlung in der Region Krasnojarsk, Verwaltungszentrum des Autonomen Bezirkes der Ewenken, an der Unteren Tunguska; 5000 Einwohner; Holzwirtschaft; Heimatmuseum.

Turakos, Musophagidae: kuckucksverwandte Familie fruchtfressender, farbenprächtiger 40 bis 70 cm langer Vögel Afrikas, die oft gesellig leben.

Turan, Tiefland von, Turan Ebene-. Senkungsgebiet in der UdSSR östlich des Kaspischen Meeres, im Norden vom Kasachischen Kleinhügelland, im Süden vom Kopetdag begrenzt; von Halbwüste und Wüste (Karakum, Kysylkum) eingenommen; einzelne Bergplateaus (besonders Ustjurt Plateau) und niedrige Gebirgszüge (bis 922 m); die in das Turan einströmenden Flüsse münden in Endseen (Aral-, Balchaschsee); zahlreiche Trockenbetten und Depressionen (Karagije, bis 132 m unter dem Meeresspiegel (tiefster Punkt der UdSSR)); Erdöl- und Erdgaslager (Gasli, Mangyschlak).

Turanismus, Panturkismus: Chauvinistische Bewegung expansionslüsterner Intellektueller und Militärs der Jungtürken, aber auch muslimischer-feudaler Kreise in der Türkei; während des 1. Weltkrieges unter maßgebender Beteiligung von Ziya Gökalp entstanden; ausgehend von der von ihnen behaupteten rassische, historische und moralische Einheit aller Turkvölker, erhoben die Anhänger des Turanismus Gebietsansprüche auf alle von sogenannt Turani em besiedelten Territorien (besonders auf Mittelasien und den Kaukasus) und erstrebten ihre politische Vereinigung; damit verbunden war die Abwendung von Europa.

Turas: (Kunstwort aus Tour + Achse) Kettenstem zum Antrieb und beziehungsweise oder Umlenken von Förderketten an Eimerkettenbaggern unter anderem

Turati, Filippo, 27.11.1857-30.3.1932, italienischer Arbeiterführer; 1892 Mitbegründer der sozialistischen Partei, später Führer ihres reformistischen Flügels; 1922 als Reformist aus der Partei ausgeschlossen, gründete mit G. Matteotti die Vereinigte sozialistische Partei; aus faschistischer Haft nach Frankreich geflohen.

Turbae: (lateinisch turba, «Menge», «Gedränge») in Passionen, Oratorien, geistlich Spielen die Chöre (Volksmenge, Jünger, Juden, Kriegsknechte), die den solistischen Partien (Christus, Evangelist unter anderem) gegenüberstehen.

Turban: Kopfbedeckung der Muslime und Hindu aus einem langen, um den Kopf gewickelten Stoffstreifen; zeitweilig in abgewandelter Form in der Damenmode verwendet.

Turbine: (lateinisch turbo, «Wirbel», «Kreisel»)

1. Kraftmaschine, die die Energie von strömendem Dampf, Gas, Wasser beziehungsweise Wind unmittelbar in rotierende Bewegung umsetzt. Hauptteil ist ein mit gekrümmten Schaufeln besetztes Laufrad, das in axialer (Axialturbine) oder radialer (Radialturbine) Richtung vom Arbeitsmedium durchströmt wird, wobei die durch Ablenkung an den Schaufeln entstehenden Impulskräfte das Laufrad in kontinuierlicher Drehbewegung mit gleichbleibendem Drehmoment versetzen. Bei der Aktionsturbine (Gleichdruckturbine) herrscht vor und hinter dem Laufrad der gleiche Druck. Bei der Überdruckturbine wird im Leitrad nur ein Teil des Energiegefälles des Strömungsmediums in Strömungsenergie umgeformt; die noch vorhandene Druckenergie wird im Laufrad in Strömungsenergie umgeformt. Nach dem genutzten Medium unterscheidet man Dampfturbine, Gasturbine, Wasserturbine und Windturbine.

2. Turbine, Airotor: Stomatologie luftstrahlgetriebenes, hochtouriges (300000 U/ min) Bohrgerät in der zahnärztlichen Praxis; die Abtragung von Zahnhartsubstanzen und die Bearbeitung von Füllungen und festsitzendem Zahnersatz kann mit der Turbine schneller, schmerzärmer und schonender als mit der traditionellen Bohrmaschine erfolgen. besonders vorteilhaft ist der Wegfall unangenehmer und schmerzhafter Vibrationen während der fräsenden Bearbeitung. Die, hohe Tourenzahl macht eine ständige Spraykühlung erforderlich, der Druckluftstrom verursacht ein pfeifendes Geräusch.

Turbinenschiff, Abkürzung TS: durch Dampfturbinen angetriebenes Schiff. Als Turbinenschiff werden vor allem große Überseefahrgastschiffe (wegen des ruhigen Laufs der Turbinen), aber auch große Tankschiffe, Schnellfrachtschiffe unter anderem gebaut. Sie haben heute ausschließlich ölbeheizte Dampferzeuger. Ihr Anteil an den Antriebsarten in der Welthandelsflotte beschränkt sich auf sehr große Schiffe, er nimmt aber auch bei diesen zugunsten des energetisch günstigeren Dieselmotors ab.

Turbo: Kreisel...; Bezeichnungszusatz für Arbeitsmaschinen mit einem rotierenden Arbeitsmittel und stetiger Strömung (zum Beispiel Turbogebläse, Turboverdichter) und für alle Aggregate, die durch eine Turbine angetrieben werden (zum Beispiel Turbogenerator). Turbobohren n, Turbinenbohren: Tiefbohrverfahren, bei dem der Antriebsmotor unmittelbar über dem Bohrwerkzeug, also im Bohrloch, untergebracht ist. Das Turbo mit seiner hohen Schnittgeschwindigkeit wird fast ausschließlich zur Herstellung von Erdölbohrlöchern angewendet; 1924 in der UdSSR entwickelt.

Turbodetander: Turbine zur Abkühlung und Verflüssigung von Gasen. Nach dem Durchlaufen von Leitkanälen gibt dabei das sich ausdehnende Gas durch Druck oder Rückstoß einen Teil seiner Wärmeenergie an einen Rotor ab; 1939 von P. L. Kapitza entwickelt.

Turbulenz: Meteorologie ungeordnete, wirbelhaft in verschiedenen räumlichen und zeitlichen Größenordnungen verlaufende Luftbewegung, die dem mittleren Strömungsfeld überlagert ist. Sie entsteht durch Reibungs- und Schubspannungskräfte in der Atmosphäre und am Boden und ist der wesentliche Mechanismus für den Vertikalaustausch von Energie und Stoff in der Atmosphäre.

Turda: Stadt und Kurbad in Rumänien (Bezirk Cluj), in Transilvania, am Zusammenfluss von Tur und Arie; 59000 Einwohner; chemische, Baustoffindustrie, Stahl- und Walzwerk; Theater, Fürstenpalais (15./16. Jahrhundert, Museum); bei Turda Salzbergbau.

Turek, Ludwig, 28.8.1898-9.11.1975, Schriftsteller; war in verschiedenen Berufen tätig (unter anderem Seemann); emigrierte 1933 nach Frankreich, nahm ab 1940 in Deutschland am antifaschistischen Widerstand teil. Turek schrieb das autobiographische Buch «Ein Prolet erzählt» (1930), abenteuerliche Reiseberichte («Klar zur Wende», 1949; «Ahoi, dufte Wanne», 1974), die Romane «Die letzte Heuer» (1935, über die internationale Solidarität der Seeleute im Kampf gegen den Faschismus), «Anna Lubitzke» (1952, über die aufopferungsvolle Arbeit der Berliner Trümmerfrauen); ferner Erzählungen («Die Flucht der Grüngesichtigen», 1959), Filmszenarien.

Turf: (eigentlich «Rasen») englische Bezeichnung für Pferderennbahn und Pferdesport.

Turfan Senke: Depression im Nordwesten Chinas (Autonomes Gebiet Xinjiang Uygur), am Südfuss des Tienschan; bis 154 m unter dem Meeresspiegel, 50140 km2; bei extrem kontinentalem Klima überwiegend von Wüsten und Wüstensteppen bedeckt; entlang der einmündenden Gebirgsflüsse Bewässerungsfeldbau (besonders Weinbau und Baumwollanbau); am Nordrand Oasenstadt Turfan.

Turgay Plateau: Tafelland in der Kasachischen südlichen Ural und Mugodsharen im Westen und Kasachischer Kleinhügelland im Osten; bis 310 m hoch; Trocken-, Wüstensteppe; Bergbau Eisen, Bauxiterz (Arkalyk), Braunkohle (Ubagan)). Im zentralen Teil Turgay Senke. Turgay Senke: Niederung im Westen, im zentralen Teil des Turgay Plateaus; 800 km lang, 20 bis 75 km breit und 125 m hoch; verbindet das Tiefland von Turan mit der Westsibirische Ebene; vom Turgay und Ubagan durchflossen; zahlreiche Salzseen; Trocken- und Wüstensteppe.

Turgenjew, Iwan Sergejewitsch, 9.11.1818-3.9.1883, russischer Schriftsteller; trug mit den «Aufzeichnungen eines Jägers» (1852, deutsch), einer scharfen Kritik an der Leibeigenschaft, und Romanen wie «Rudin» (1856, deutsch), «Ein Adelsnest» (1859, deutsch), «Vorabend» (1860, deutsch) und «Väter und Söhne» (1862, deutsch) zur Entwicklung der kritisch-realistische Prosa bei. Turgenjew wirkte, auch durch seine Mitarbeit im «Sovremennik», für die Verbreitung der russischen Literatur in Westeuropa. Sein liberalistisches Schwanken führte 1860 zum Bruch mit dem «Sovremennik» und den revolutionär-demokratischen Auffassungen von N. G. Tschernyschewski und N. A. Dobroljubow; Turgenjew lebte seit dieser Zeit fast ausschließlich im Ausland. Aus seinem Spätschaffen ragen die «Gedichte in Prosa» (1878/82, deutsch), lyrische Miniaturen von großer sprachlichen Ausdruckskraft, besonders hervor.

Turgor: osmotisch bedingter Innendruck von Pflanzenzellen, durch den der protoplasmatischer Wandbelag gegen die Zellwand gepresst wird.

Turgot, Anne Robert Jacques, 10.5.1727-20.3.1781, französischer klassischer bürgerlicher Ökonom; Vollender des Physiokratismus. Sein Versuch, als Minister Ludwigs XVI eine prokapitalistische Wirtschaftspolitik durchzusetzen, führte zu seinem Sturz (1776) als Folge des Widerstandes des Feudaladels.

Turin, italienisch Torino: Stadt in Oberitalien, Verwaltungszentrum der Region Piemont und der Provinz Turin, am Po; 1,05 Millionen Einwohner, als Agglomeration 2 Millionen Einwohner; Zentrum der Kfz-Industrie Italiens (FIAT), Eisen- und Nichteisenmetallurgie, feinmechanische, elektrotechnische, chemische, Gummi-, Textil-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie; Juwelen- und Schmuckverarbeitung; Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Universität, TH, Akademien, Hoch- und Fachschulen, wissenschaftliche Gesellschaften, Sternwarte, Museen (unter anderem Automuseum), Bibliotheken, Galerien. Historische Bauten wie Dom S. Giovanni (Renaissance), S. Lorenzo (Zentralbau, seit 1668 von G. Guarini), Wallfahrtskirche La Consolata (1679/1705, von Guarini), Rathaus (1665), Palazzo Carignano (1680, von Guarini), Palazzo dell’Accademia delle Scienze (heute Sitz dreier Museen), Palazzo Reale (ehemaliges königliches Schloss, 17. Jahrhundert), Palazzo Madama; bei Turin Superga Kirche (1717/31; Hauptwerk von F. Juvarra) mit Kloster. Im Altertum Hauptort der keltischen Tauriner, unter Augustus römische Kolonie; 590/636 langobardischer Herzogtum, danach fränkische Markgrafschaft; 1060 zum Herzogtum Savoyen; 1720/1861 Residenz der Könige von Sardinien-Piemont, 1861/65 des Königs von Italien; 1848/60 Mittelpunkt der bürgerlich-liberalen Richtung der italienischen Einigungsbewegung; im 20. Jahrhundert Zentrum der revolutionären Arbeiterbewegung (1919 Gründung der kommunistischen Gruppe «L’Ordine Nuovo»). April 1945 durch einen Volksaufstand von den Faschisten befreit.

Turing, Alan Mathison, 23.6.1912-7.6.1954, britischer Mathematiker; entwickelte die Turing Maschine.

Turing-Maschine: (nach A. M. Turing) Gedankenmodell für einen Automaten mit unendlichen Speicher, der grundsätzlich für die Lösung jedes beliebigen Algorithmus geeignet ist; zuerst 1936/37 im Zusammenhang mit der Klärung des Begriffs Berechenbarkeit einer Funktion betrachtet.

Turkanasee: abflussloser Salzsee in Kenia (Seespitze in Äthiopien), im Ostafrikanischen Graben; früher Rudolfsee; etwa 8 500 km2, bis 265 km lang, 50 km breit und 73 m tief; mehrere Vulkaninseln; Fischfang.

Türkei: Staat auf der Halbinsel Kleinasien und in Südosteuropa; wird im Norden durch das Schwarze Meer, im Westen durch das Ägäische Meer und im Süden durch das Mittelmeer begrenzt Nachbarstaaten sind im Nordwesten Griechenland und Bulgarien, im Nordosten die UdSSR, im Osten Iran sowie im Süden Irak und Syrien. Administrativ ist das Land in 67 Bezirke) gegliedert. Währung ist die Türkische Lira.

Bevölkerung: Die Mehrzahl der Einwohner sind Türken, daneben Kurden (etwa 8 Millionen), Araber, Armenier, Lasen, Tscherkessen, Bulgaren, Griechen unter anderem Amtssprache ist Türkisch. Die Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig verteilt. besonders dicht sind die Küstengebiete, am geringsten ist der Südosten besiedelt. Etwa ein Drittel der Einwohner lebt in Städten. Die Analphabetenrate beträgt 30%.

Natur: Oberfläche. Die Türkei besteht aus dem größeren asiatischen Teil (756953 km2) und dem durch Bosporus und Dardanellen abgetrennten europäischen Teil (23623 km2). Der asiatische Teil umfasst die Halbinsel Kleinasien (Anatolien) mit dem größten Teil des Hochlandes von Armenien sowie dem nördlichen und westlichen Kurdistan. Anatolien ist ein im Norden und Süden von steilen, bis 4000 m hohen Randgebirgen (Pont. Gebirge, Taurus) umrahmtes, durch Flüsse (Kizilirmak, Sakaiya, Seyhan) und Bergzüge in wellige und geneigte Becken gegliedertes Hochland (bis 1500 m über dem Meeresspiegel), das stark erdbebengefährdet ist. Im Osten erhebt sich das Armenische Hochland, dessen Hochfläche von einzelnen Vulkanbergen (Ararat (5137 m), die höchste Erhebung der Türkei) überragt wird. Die Küstengebiete des Landes, vor allem die zum Ägäischen Meer, sind stark zergliedert und zum größten Teil sehr fruchtbar. Der europäischen Teil (Ostthrakien) stellt ein zertaltes, von niedrigen Bergrücken überragtes Tafelland dar.

Das Klima ist durch die Oberflächengestalt erheblich differenziert. Während die Küstenregionen maritimes, zum Teil subtropisches Klima (700 bis 800 mm Niederschlag/Jahr) haben, herrscht in den zentralen Landesteilen Kontinentalklima mit heißen, regenarmen Sommern und kalten Wintern (300 bis 400 nun Niederschlag/Jahr).

Gewässer: Die wichtigsten Flüsse sind Kizilirmak, Sakarya, Seyhan, Ceyhan mit jahreszeitlich stark wechselnder Wasserführung. Im Hochland von Armenien entspringen Euphrat und Tigris; in zum Teil abflusslosen Becken zahlreiche salz-haltige Seen (Van-, Tuz See).

Pflanzenwelt: Die küstennahen Gebirge tragen dichte, sommergrüne Laubwälder, landeinwärts gehen sie in Buschvegetation über. Die inneren Landesteile besitzen überwiegend Steppencharakter. Bodenschätze. Die Türkei ist reich an Bodenschätzen, besonders Chromerzen, Bauxit-, Mangan-, Kupfer-, Wolfram-, Zink-, Zinnerz, Schwefel, Stein- und Braunkohle, Erdöl, Eisenerzen und Salzen, deren Erschließung vor allem im Osten noch unvollständig ist.

Geschichte: Um 550 entstand das erste türkische Reich in Mittelasien. Seit Mitte des 9. Jahrhundert Wanderungen der meisten Turkvölker nach Westen, wo es den Seldschuken 1055 gelang, Irak zu erobern; 1071 Sieg bei Manzikert über Byzanz. Unter dem legendären Ertugrul (1198/1281) und Osman I. Ghasi (1288/1326) bildete sich in Kleinasien das Osmanischen Reichs heraus.

Osmans Nachfolger verdrängten die Byzantiner aus Westkleinasien und drangen auf den Balkan vor; Bursa wurde erste türkische Hauptstadt (1326/65). Orchan (1326/62) eroberte 1331 Nikäa, teilte das Reich in Sandschaks ein, schuf ein stehendes Heer, führte Timare ein und gründete die Janitscharentruppe, die besondere Vorrechte erhielt. Die Osmanen setzten sich 1354 in Gelibolu fest und eroberten unter Murad I. (1359/89) auch Adrianopel (ab 1366 Hauptstadt). Mit dem Sieg 1389 auf dem Amselfeld und der Herrschaft über große Teile der Balkanhalbinsel wurde das Osmanische Reich zum Großstaat. Bajazet I. (1389/1402) eroberte 1393/94 Bulgarien, stieß zum Ägäischen Meer vor und siegte 1396 bei Nikopol über die von König Sigismund geführten Ungarn. In eine zeitweilige Krise geriet die Türkei durch die Niederlage 1402 bei Ankara gegen den Mongolenchan Timur und Volkserhebungen 1415/16 unter Führung von Bedr ed-Din und Bürklüdsche Mustafa; Abschluss der Unterwerfung der anatolischen Emirate in der 1. Hälfte des 15. Jahrhundert; bei Varna siegte 1444 Murad ü. (1421/51) über das Heer der ungarisch-polnischen Kreuzritter; unter Mehmed ll. (1451/81) wurde 1453 Konstantinopel erobert (Ende des Byzantinischen Reiches). Es folgten die Eroberung Serbiens 1459, des Peloponnes 1461, Bosniens 1463 und Albaniens 1479; Vasallenstaaten wurden 1462 Walachei, 1478 das Krim-Chanat und 1506 die Moldova. Nach dem Sieg 1473 über die Turkmenen in Persien nahm Mehmed II. den Sultanstitel an. Im 16./17. Jahrhundert fielen mit Ausnahme Marokkos auch die arabischen Länder an die Türkei; Suleiman II. (1520/66) siegte 1526 bei Mohäcs über Ungarn und belagerte 1529 (vergeblich) Wien. Unter ihm erreichte die türkische Machtentfaltung ihren Höhepunkt. Die sozialökonomischen Strukturen, vor allem auf dem Lehnswesen basierend, waren weitgehend stabil; das Feudalsystem war durch folgende Merkmale gekennzeichnet: alles eroberte Land gehörte dem Sultan, der es verdienten Soldaten als ursprünglich nicht vererbbares Lehen (Timar) überließ; andere Formen feudalen Landbesitzes waren die Staatsländereien (Miri), die sogenannte religiösen Stiftungen, Ländereien, die von hohen muslimischen Würdenträgern verwaltet wurden, und Freigüter, abgaben- und dienstfreies Privatland. Mit der Niederlage in der Seeschlacht bei Lepanto 1571 gegen eine italienisch-spanische Flotte blieb die Vorherrschaft der Türkei auf das östliche Mittelmeer beschränkt; der Niedergang des Reiches setzte ein.

Von 1598 bis 1605 kam es in Anatolien zu großen Bauernerhebungen gegen die Ausplünderung durch die Grundherren und Steuerpächter. Würdenträger und hohe Militärs erkämpften die Erblichkeit ihrer Güter. Magnatenfamilien (Ayanen) beherrschten die Provinzen. Im 17./18. Jahrhundert führte die Türkei verlustreiche Kriege gegen Österreich. Nach der vernichtenden Niederlage vor Wien 1683 verschärften sich die auswärtigen Belastungen des Osmanischen Reiches erheblich. Im Frieden von Karlowitz 1699 ging Ungarn an Österreich verloren. Hauptgegner wurde nun Russland, das nach den Schwarzmeerhäfen drängte. Im Frieden von Kütschük Kainardschi 1774 musste die Türkei Russland das geistlichen Protektorat über die christlichen Rumänen, Bulgaren, Serben und Griechen einräumen; 1783 kamen Don- und Dnepr Mündung sowie die Krim, 1792 die Küste bis zum Dnestr an Russland. Unter dem Einfluss liberaler türkischer Staatsbeamter wurde um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert eine Heeresreform eingeleitet, die 1826 zur Zerschlagung der Janitscharentruppe führte. Seit Beginn des 19. Jahrhundert verstärkte sich der nationale Befreiungskampf der nichttürkischen Völker im Osmanischen Reich. 1804/13 und 1815 Erhebung der Serben, 1821/30 griechischer Unabhängigkeitskrieg. 1827 Niederlage bei Navarino gegen die vereinigte britisch-französisch-russische Flotte. 1805/49 schuf Muhammad Ali einen weitgehend unabhängigen zentralisierten Staatsapparat in Ägypten. Die Reformen (1839 und 1856) forderten unter anderem den Prozess der religiösen Gleichheit aller osmanischen Staatsangehörigen und erleichterten das Eindringen der europäischen Mächte und des Kapitalismus das Osmanische Reich. Am 23.12.1876 wurde die liberale Verfassung Midhat Paschas proklamiert, 1878 aber de facto wieder außer Kraft gesetzt. Der Berliner Kongress (1878) beendete den Russisch-Türkischen Krieg 1877/78, es folgte die Anerkennung der Unabhängigkeit von Montenegro, Serbien und Rumänien durch die Türkei; Bulgarien wurde autonomes Fürstentum, Zypern kam an Großbritannien, Kars und Batum fielen an Russland. 1881 verlor die Türkei Tunis an Frankreich, 1882 besetzte Großbritannien Ägypten und Italien 1883/85 Eritrea. Ende des 19. Jahrhundert verwandelte sich die Türkei in eine Halbkolonie des europäischen Kapitals. 1906/07 Aufstände der Bauern in den Randgebieten. Mit einer Erhebung in Resna im Juli 1908 begann die Jungtürkische Revolution (Jungtürken). Die Verfassung von 1876 wurde wieder in Kraft gesetzt und eine Nationalversammlung einberufen. Österreich annektierte 1908 Bosnien und die Herzegowina; wachsende Abhängigkeit der Türkei vom deutschen Imperialismus. 1911/12 Verlust von Tripolitanien und der Kyrenaika an Italien; in den Balkankriegen 1912/13 Verlust des gesamten europäischen Gebietes außer Istanbul und Adrianopel (Edime). 1914/18 nahm die Türkei auf Seiten der Mittelmächte am 1. Weltkrieg teil; 1915/16 Massaker gegen die Armenier. Im Ergebnis des 1. Weltkrieges kam es zum Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und zum Verlust aller nichttürkischen Gebiete (Frieden von Sèvres 1920). Westkleinasien wurde durch Griechenland besetzt. 1920 KP gegründet Unter Atatürk erfolgreicher nationaler Widerstand mit Hilfe Sowjetrusslands; am 16.3.1921 Abschluss eines Freundschaftsvertrages zwischen der Türkei und Sowjetrussland. Im Friedensvertrag von Lausanne von 1923 erfolgte die Revision des Vertrages von Sèvres; die Türkei erhielt ihren europäischen Besitz zurück. Nach der Absetzung des Sultans (1.11.1922) wurde am 29.10.1923 die Republik ausgerufen und Atatürk zum 1. Präsidenten, i. inönü zum Ministerpräsidenten gewählt; 1924 Abschaffung des Kalifats. 1923/24 griechisch-türkischer Bevölkerungsaustausch; 1925 Kurdenaufstand. 1924/38 nach Revision der Verfassung (20.3.1924) Durchführung von Reformen. 1934 beteiligte sich die Türkei an der Balkanentente; sie gewann 1936 auf der Konferenz von Montreux die Hoheit über die Meerengen zurück. Nach dem Tode Atatürks wurde inönü am 11.11.1938 Präsident. Im 2. Weltkrieg war die Türkei bis Februar 1945 neutral, betrieb jedoch eine antisowjetische Politik.

Seit Ende des 2. Weltkrieges erneute Abhängigkeit von imperialistischen Mächten: 1947 Dollaranleihe, die Türkei wird 1952 Mitglied der NATO, 1954 des Balkanpaktes und 1955 des Bagdad Paktes (später CENTO, 1979 aufgelöst). 1957 kam es zur Annahme der Eisenhower Doktrin und 1959 zum Abschluss eines Militärvertrages mit den USA, der in der Folgezeit durch ein ganzes System bilateraler militärischer und politischer Abkommen komplettiert wurde. Ebenfalls 1959 erfolgte die Unterzeichnung des Londoner Zypern Abkommens (Unabhängigkeit für Zypern ab 1960). Die Rüstung führte zu einer ungeheuren Verschuldung des Landes und zur Verelendung der Volksmassen; die Opposition wurde brutal unterdrückt. Am 27.5.1960 wurde das seit 1950 herrschende Menderes-Regime durch das «Komitee der nationalen Einheit» gestürzt. Die Regierung übernahm General C. Gürsel und nach dessen Wahl zum Präsidenten (1961) I. inönü. Trotz der versprochenen Rückkehr zu den Prinzipien Atatürks hielt die Regierung an den Militärabkommen fest. Die Verschärfung innenpolitischer Konflikte führte am 12.3.1971 zum Sturz der Regierung Demirel (seit 1966) und de facto zu einer Herrschaft der Militärs. Nach den Parlamentswahlen von 1973 verfügte die Regierungskoalition über eine knappe Mehrheit, zeitweilig nur über eine Minderheit. Es kam zu permanenten Regierungskrisen, wiederholt lösten sich S. Demirel und B. Ecevit als Ministerpräsident ab. Der Putsch griechischer Offiziere der zyprischen Nationalgarde am 15.7.1974 diente der Türkei als Vorwand, um den Nordteil Zyperns zu besetzen, wodurch sich die Beziehungen zur NATO verschlechterten (zeitweiliges USA-Waffenembargo). Durch die katastrophale Wirtschaftslage und den Terrorismus ultrarechter und linksextremer Kräfte spitzte sich die innenpolitische Lage zu. Am 12.9.1980 übernahmen die Militärs erneut die Macht. Unter Generalstabschef K. Evren wurde ein Nationaler Sicherheitsrat gebildet, der eine Politik der radikalen Unterdrückung demokratischer Kräfte betreibt; die Verfassung wurde suspendiert, das Parlament aufgelöst, die Tätigkeit der Parteien verboten und über das ganze Land das Kriegsrecht verhängt (1985 teilweise wieder aufgehoben). Offiziell wurden 30000 Personen verhaftet, zunächst vor allem Anhänger der neofaschistischen Partei der Nationalen Bewegung und deren Stoßtrupps, der «Grauen Wölfe», dann zunehmend Gewerkschaftsführer und demokratischer Politiker. 1982 wurde durch ein Referendum eine neue Verfassung angenommen und Generalstabschef Evren zum Präsidenten gewählt. Am 5.11.1983 fanden unter beschränkter Zulassung von Parteien Wahlen statt, danach erfolgte die Regierungsbildung unter Türkei Özal, Vorsitzender der Vaterlandspartei.

Kunst: Seit Errichtung der Seldschuken Herrschaft (11./13. Jahrhundert) wurden Turkvölker zu Trägern der Kultur in Vorderasien. In Kleinasien erreichte diese ihre Blütezeit vor allem in Konya (Hauptstadt des Sultanats von Rum seit 1097). In der Architektur entstanden neue Bauformen durch die Übertragung des 4-Iwan-Typs (Iwan) der Medresen (mit offener Bogenhalle an jeder Hofseite) auf den Moscheehof mit anschließendem Kuppelraum sowie durch die Monumentalisierung des Grabbaus als rundes oder polygonales Turmgrab (Türbe) mit spitzem Zeltdach. Rum-Seldschukische Sonderformen sind außerdem die starke Betonung der Portale durch reichverzierte Schmuck- und Schriftfriese, zuweilen auch durch figürliche Reliefs, verbunden mit Tier- und Pflanzendarstellungen, sowie paarweise Minarette. Später führte die Überdachung des Hofes zur Kuppelmoschee beziehungsweise -medrese. Zur Innenausstattung diente vorwiegend farbiges Fayencemosaik (Türkisblau, Braun, Schwarz) mit abstrahierter Ornamentik (Arabeske, Flechtband) und Schriftdekor (Koran Sprüche). An den wichtigsten Straßen, Festungsbauten, Brücken unter anderem entstanden Karawansereien (Hane; Rasthäuser für Handelskarawanen). Wichtige Erzeugnisse des Kunsthandwerks sind die ältesten erhaltenen islamischen Knüpfteppiche (sogenannt Konya Teppiche), kunstvolle Holzschnitzereien, besonders für Predigtkanzeln (Minbar), Koran-Faltpulte (Rahle), Kenotaphe und Türen sowie Glasurkeramik. -

Nach der Auflösung des Sultanats und der Herrschaft der 12 Emirate begann im 14. Jahrhundert der Aufstieg des Osmanischen Reiches, dessen Glanzzeit 1453 mit der Eroberung Konstantinopels (Istanbul) einsetzte. Die Architektur, ausgehend von seldschukische Traditionen, verarbeitete Anregungen der christlich-byzantinischen Baukunst (Hagia Sophia in Istanbul), wobei der Kuppelbau im Vordergrund stand, für den einzigartige Lösungen mit großen Kuppelspannweiten gefunden wurden (Sinan). Charakteristisch für die Moscheebauten sind schlanke, hohe Minarette, offene Vorhalle beziehungsweise Hof sowie eine Vielzahl von Nebenbauten als Moscheekomplex (Külliye) mit Medrese, Bibliothek, Krankenhaus, Armenspeisehaus (Imaret) unter anderem. Der innere Bauschmuck der Moscheen und Paläste besteht vorwiegend aus Fliesenschmuck mit farbiger Unterglasurmalerei (reicher Blumendekor). Zu den bedeutendsten Profanbauwerken gehören neben Palästen Karawansereien, Bäder- und Brunnenanlagen. Hervorragende Leistungen angewandter Kunst in Fliesen- und Gefäßkeramik (zum Beispiel in Iznik und Kütahya), Teppichherstellung, Weberei (Samt, Seide, Brokate) und Stickerei. In der Buchkunst entwickelten sich für die Miniaturmalerei (Herrscherchroniken unter anderem) und die Kalligraphie (Urkunden mit Tughra) eigene Stilformen. Seit dem 18. Jahrhundert ist in der türkischen Kunst zunehmend europäischen Einfluss spürbar (sogenannt türkischer Rokoko). Seit dem 20. Jahrhundert verstärkten sich, bestimmt von der Rückbesinnung auf nationale Traditionen, Tendenzen zur Weiterentwicklung einer eigenständigen bildenden Kunst.

Literatur: Die Anfänge der osmanisch-türkischen Literatur liegen im 13. Jahrhundert Zu der jahrhundertelang mündlich tradierten Volksliteratur gehören Anekdoten des Nasreddin Hoca, Schattentheater mit Karagöz als Haupthelden, die Epen «Dede Korkut» und «Köroglu» unter anderem. Eine Zwischenstellung zwischen Volksliteratur und Kunstdichtung haben Lieder und Gedichte von Volksdichtem wie Yunus Emre, Kaygusuz Abdal, Pir Sultan Abdal und Karacaoglan. Die Kunstdichtung bildete sich im engen Kontakt mit der persischen und arabischen Literatur, deren Stoffen, Genres und Metrik heraus. In der Masnavi Dichtung des 13./16. Jahrhundert wurden Stoffe wie die Geburt des Propheten, das Leben Alexanders des Großen (Ahmedi), Chosroes und Schirin, Leila und Medschnun (Hamdi) und Jusuf und Suleiha (Hamza, Hamdi, Kemal Pashazade) bevorzugt. In panegyrischen Kassiden, Ghaselen und anderen Gedichtformen strebten die Dichter Ahmet Pasa, Necat? und die Dichterin Mihri Hatun Harmonie und phantasievolle Vieldeutigkeit an. Vollkommenheit in diesem Genre erreichte Baki. Satirische Formen der Dichtung bildeten sich besonders im 16. und 17. Jahrhundert heraus. Die Prosa war bis zum 19. Jahrhundert vor allem durch historiographische Werke und geographische Beschreibungen vertreten. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert entwickelten die auf Europa orientierten Aufklärer neue Formen und Inhalte in der Literatur (Tanzimat Literatur genannt). Ibrahim Wasi schrieb das erste türkische Bühnenstück; Namik Kemal ist der Verfasser des ersten türkischen Romans und von gesellschaftskritischen Dramen. Abdülhak Hamit Tarhan trat mit philosophischen Gedichten hervor. Die Literatur der folgenden Zeit, nach der literarischen Zeitschrift «Servet-i Fünun» (Schatz des Wissens) benannt, stellte die naturalistisch-sentimentale Gestaltung individueller Schicksale in den Vordergrund. Auf die Dichtung des beginnenden 20. Jahrhundert hatte einerseits der französischen Symbolismus Einfluss (Ahmet Hasim, Yahya Kemal), andererseits nahm das Bemühen um historische und soziale Konkretheit zu (Tevfik Fikret). Mehmed Emin Yurdakul und Ziya Gökalp stützten sich auf die Volksdichtung; ihre Gedichte sind jedoch zumeist vom Panturkismus geprägt, der von Ziya Gökalp theoretisch begründet wurde. Nationaler Befreiungskampf der Türkei, Auseinandersetzung mit Konservativismus und religiösem Fanatismus gehören zu den Themen der Prosaschriftsteller Halide Edip Adivar, Ömer Seyfettin, Refik Halit Karay, Yakup Kadri Karaosmanoglu und Resat Nuri Güntekin. Die Notwendigkeit der sozialen und politischen Befreiung des Volkes fand ihren Niederschlag in den realistischen Erzählungen von Sabahattin Ali. Zu seinen Nachfolgern gehören Orhan Kemal, Mahmut Makal und die Romanciers Kemal Tahir, Orhan Hancerlioglu, Fakir Baykurt. In der Kurzgeschichte nehmen Sait Faik Abasiyanik durch seinen lyrischen, von Stimmungswechsel bestimmten Stil, Haldun Taner durch seine verfremdende Erzählweise und Aziz Nesin durch seine beißende Satire einen besonderen Platz ein. In Nazim Hikmet gewann die türkische Poesie des 20. Jahrhundert einen Dichter von Weltruf. Auch andere wie Orhan Veli Kanik und Fazil Hüsnü Daglarca setzten der traditionellen Dichtung ein neues von sozialen und internationalen Fragen bestimmtes Programm entgegen.

Musik: Die Musikkultur Kleinasiens, die in früher Zeit enge Beziehungen zur griechischen und dann zur byzantinischen Musik hatte, wurde seit dem Sieg der Seldschuken 1071 über ein byzantinisches Heer zunehmend von der Musik islamisierter Turkvölker bestimmt. Mit der Eroberung der arabischen Länder durch die Osmanen ging die Führung auch auf musikalischem Gebiet auf die Türkei über. Ihre Spuren sind bis heute in Tradition und Musikpraxis einiger arabischer Länder zu beobachten. Die reiche und besonders unter den Bauern noch heute sehr lebendige Volksmusik hat sich starke traditionelle Züge bewahrt. Die Kunstmusik der Türkei ist einerseits wesentlich durch die Zeremonial Musik der Derwischorden, andererseits durch die Musik des Serail bestimmt worden. Die Musik der türkischen Militärkapelle (Janitscharenmusik) hinterließ starken Widerhall in der europäischen Musik des 17./18. Jahrhundert («Türkenopern», Musik «alla turca»). Seit dem 19. Jahrhundert hat in den großen Städten der Türkei europäischen Musik Eingang gefunden. In jüngerer Zeit wuchs eine Generation türkischer Komponisten heran, die eine Synthese der verschiedenen Traditionen anstreben (Adnan Saygun u. a.).

Türken, Osmanen: Turkvolk in Kleinasien, Bulgarien, Jugoslawien, Albanien und auf Zypern; Hauptbevölkerung der Türkei; 42 Millionen; in anderen Ländern 2 Millionen (darunter in der UdSSR 93000).

Türkenbund, Lilium martagon: kalkliebendes Liliengewächs der Laubwälder mit nickenden hell purpurroten, dunkler gefleckten Blüten, die einem Turban ähneln (u. N.).

Türkensattel, Sella turcica: (lateinisch) Anatomie Vertiefung des Keilbeinkörpers an der Innenfläche der Schädelbasis, beinhaltet die Hypophyse.

Türkentaube, Streptopelia decaocto: graubräunliche, 28 cm lange Taube mit schwarzem Nackenstreif; von Indien, Nordafrika bis Nordwesteuropa verbreitet; etwa 1950 nach Mitteleuropa eingewandert, heute häufiger Stadtvogel, der auf Bäumen lebt.

Turkestan: (persisch, «Land der Türken») historisches Gebiet in Zentralasien, zwischen Kaspischen Meer im Westen und dem Lop Nor (Tarimbecken) im Osten; etwa 2,5 Millionen km. Durch Pamir und Tienschan in das zur UdSSR gehörende Westturkestan und in das kleinere, zu China gehörende Ostturkestan gegliedert.

Turkestan-Sibirische Eisenbahn, russisch Kurzwort Turksib: 2160 km lange Eisenbahnstrecke, von Taschkent über Alma-Ata nach Nowosibirsk; verbindet die mittelasiatische Sowjetrepubliken und den Süden der Kasachischen SSR mit dem Kusnezkbecken und hat Anschluss an die Transkaspischen Eisenbahn; Inbetriebnahme 1930.

Türkis: (französisch, «der Türkische») Mineral, wasserhaltiges Kupferaluminiumphosphat; Kristallsystem triklin, Härte 5 bis 6, Dichte 2,6 bis 2,8 g/cm3, feinkörnige, nierige, bläulich grüne Aggregate; Schmuckstein; Vorkommen unter anderem in Iran, Ägypten, den USA.

Turkmenen: Turkvolk (etwa 2,25 Millionen), Hauptbevölkerung der Turkmenischen SSR (über 2 Millionen), außerdem in angrenzenden Gebieten Afghanistans und Irans sowie in Irak, Syrien und der Türkei (zusammen etwa 1,2 Millionen).

Turkmenistan: im Südwesten Mittelasiens; 488100 km2, 3,2 Millionen Einwohner; 7 Einwohner/km2; Hauptstadt Aschchabad. Grenzt im Südosten an Afghanistan, im Süden an Iran und im Westen an das Kasp. Meer.

Bevölkerung: 68% Turkmenen, 13% Russen, 9% Usbeken) 3% Kasachen und 7% Angehörige anderer Nationalitäten. Von der Bevölkerung leben 48 % in Städten. Die Bewohner konzentrieren sich in den Flusstälern und Oasen am unteren Murgab, am mittleren und unteren Amudarja sowie im Vorgebirgsgürtel im S. Unter der Sowjetmacht verbesserte sich die Lebenslage der Bevölkerung beträchtlich. So stieg beispielsweise die Anzahl der Ärzte und der Krankenhausbetten, auf 10000 Einwohner berechnet, im Vergleich zu 1940 bis heute um das vier- beziehungsweise 2,5fache. 1930 begann die Einführung der allgemeinen sieben-, 1959/62 der acht- und 1971/75 der zehnjährigen Grundschulpflicht. Gegenwärtig haben von 1000 in der Volkswirtschaft Beschäftigten 889 eine abgeschlossene Hoch- oder Mittelschulbildung (1939: 78).

Natur: Die Turkmenistan SSR besteht überwiegend aus Ebenen, die 100 bis 200 m über dem Meeresspiegel liegen. 80% der Fläche werden vom Tiefland von Turan eingenommen, das zu 80% von der Wüste Karakum bedeckt ist. Im Westen am Kaspischen Meer breitet sich das bis unter den Meeresspiegel reichende Kaspi-Tiefland und im Norden die Sarykamysch Senke aus, im Südwesten und Südosten Bergländer (darunter Kopetdag, bis 2942 m), im Nordwesten der Südteil des Ustjurt Plateaus. Das Klima ist extrem kontinental, sonnenscheinreich und trocken; kennzeichnend sind relativ milde Winter, große tägliche und jährliche Temperaturschwankungen, niedrige Luftfeuchtigkeit und äußerst geringe Niederschlagsneigung. Etwa 80% des Territoriums sind abflusslos; Hauptstrom ist der Amudarja (im Osten); von ihm zweigt der Karakumkanal ab, der die Flüsse Murgab und Tedsen miteinander verbindet. Die Vegetation ist überwiegend wüstenhaft (schüttere Gras- und Strauchvegetation). Im reichen Maße sind Bodenschätze wie Brennstoffe (hinsichtlich der Erdgasvorkommen nach Westsibirien an 2. Stelle der UdSSR), Chemierohstoffe und Baustoffe vorhanden.

Geschichte: Vom 6. bis 4. Jahrhundert vor Christus gehörte das Gebiet der Turkmenistan SSR zu Persien sowie zum Reich Alex-anders des Großen, im 7./8. Jahrhundert nach Christus Eroberung Turkmeniens durch Araber, 1219/21 durch Mongolen; in der 2. Hälfte des 10. Jahrhundert Übernahme des Islam; Anfang des 16. Jahrhundert gehörten Gebiete Turkmeniens teilweise zu den Chanaten Chiwa und Buchara; zwischen 1869 und 1885 Angliederung an Ruß-land; zu Beginn des 20. Jahrhundert entstanden eiste Sozial-demokratische Gruppen; Teilnahme turkmenischer Bauern am mittelasiatischen Aufstand 1916 gegen den Zarismus. Sieg der Sowjetmacht Ende 1917/Anfang 1918; nach Bürgerkrieg und ausländische Intervention Wiederherstellung der Sowjetmacht 1920. 27.10.1924 Gründung der Turkmenistan SSR, die am selben Tag der UdSSR beitrat. Durchführung einer Bodenreform 1920/22; in den 30er Jahren Kollektivierung der Landwirtschaft und Beginn der Industrialisierung, Beseitigung des Analphabetentums; in der 2. Hälfte der 30er Jahre Sieg der sozialistischen Produktionsverhältnisse. Die Turkmenistan SSR wurde eine hochentwickelte Sowjetrepublik.

Kunst: Eine reiche Kulturtradition ist seit dem 6./5. Jahrtausend vor Christus archäologisch überliefert (feste Siedlungen, Schmuck, Keramik, Terrakotta-Idole), seit dem 3. Jahrtausend sind Bauten mit Wandmalerei nachgewiesen (Zivilisation von Altyn-Tepe: Ruinen einer Stadtanlage mit Kultstätte; Funde von Keramik, Kult- und Schmuckgegenständen; 3./2. Jahrtausend vor Christus). In der Sklaverei Gesellschaft (3. Jahrhundert vor Christus/ 4. Jahrhundert) entstanden die Stadtanlagen von Choresm (Chiwa) und Merw (Mary) mit Monumentalplastik und -malerei (Arsakiden Residenz in Nissa (im Westen der Turkmenistan SSR), 2. Jahrhundert). Mit der Durchsetzung des Feudalismus (6./7. Jahrhundert) wurden zahlreiche Burgen angelegt mit gewölbten und überkuppelten Innenräumen. Nach der Eroberung durch die Araber (7./8. Jahrhundert) konzentrierte sich das künstlerische Schaffen auf ornamental-dekorative angewandte Kunst. Im 11. /12. Jahrhundert erfolgte ein rasches Wachstum der Städte und eine kulturelle Blütezeit, die sich in den befestigten Palastanlagen (zum Beispiel in Merw (Maiy), und Dagistan (im Südwesten der Turkmenistan SSR)) zeigt. Paläste und Karawansereien, meist Zentralbauten, wurden mit Fayenceplatten und Steinreliefs geschmückt (bedeutende Bauten: Mausoleum des Sultans Sandshar in Merw, 1158; Mausoleum in Serachs (Oase Tedshen), 11. Jahrhundert; Mausoleen Fahreddin Rasis und Sultan Tekeschs in Urgentsch, 12. Jahrhundert), Keramik und Goldschmiedekunst standen in hoher Blüte. Trotz des Niedergangs nach 1221 (Mongoleneinfall) entstanden auch im 14./15. Jahrhundert wichtige Bauten (Mausoleen in Urgentsch, Moschee in Anau Tepe) mit polychromem Keramikschmuck. Bedeutung erlangten nun auch Silberschmiedekunst und die Teppichherstellung. Seit dem Anschluss an Russland (70er und 80er Jahre des 19. Jahrhundert) entwickelte sich der Städtebau nach europäischen Muster. Nach dem Sieg der Sowjetmacht vollzog sich auf allen Gebieten der Kunst eine rasche Entfaltung (Sanierung alter und Errichtung neuer Städte; ab 1920 eigene nationale Kunstschule, 1937 Gründung des nationalen Künstlerverbandes und 1939 des Staatlichen Museums für bildende Kunst in Aschchabad. Bedeutende Maler und Graphiker traten hervor.

Literatur: Die Turkmenen besitzen eine reiche Volksliteratur, deren bedeutendstes Zeugnis das Epos «Köroglu» (16./17. Jahrhundert) ist. Die ältesten Literaturdenkmäler (14./15. Jahrhundert) sind islamischen-religiösen Inhalts. Im 18. Jahrhundert waren die Destanen verbreitet, umfangreiche epische Werke, die von Volkssängern mehrere Tage lang vorgetragen wurden. Weltlich und volksnah in Sprache und Inhalt ist der größte Teil des Werkes von Makhtumkuli, des Begründers der klassischen turkmenische Literatur. Sein Werk wurde von S. Seidi und K. Selili fortgesetzt und erfuhr Mitte des 19. Jahrhundert eine wesentliche Weiterentwicklung durch K. Mollanepes. Mit dem Anschluss Turkmeniens an Russland erhielt die turkmenische Literatur Ende des 19. Jahrhundert einen weiteren Auftrieb. Nach der Oktoberrevolution begann eine neue Epoche, in der die turkmenische Sowjetliteratur von B. Kerbabajew, K. Burunow, A. Kauschutow und J. Nassyrli begründet wurde. Die Veränderungen im turkmenischen Dorf fanden vor allem in der Prosa und in der Lyrik ihren Niederschlag. Kauschutow und A. Nijasow schufen die Grundlagen der turkmenischen Dramatik. In der zeitgenössischen turkmenischen Literatur machten sich in der Prosa B. Sejtakow, A. Kurbanow, O. Akmamedow und Turkmenistan Dshumageldijew einen Namen, in der Lyrik Turkmenistan Aschirow, K. Sejtlijew und A. Atadshanow, in der Dramatik H. Muchtarow und A. Karlijew. Eine große Rolle spielten bis in die Gegenwart hinein die turkmenischen Volksdichter (Schahire), so vor allem Bairam-Schähir, S. Körmolla, Durdy Klytsch und Ata Salich. Musik. Das turkmenische Volkslied ist einstimmig. Tänze waren bei den Turkmenen vor der Oktoberrevolution unbekannt, desgleichen Schlaginstrumente. Volksmusikinstrumente sind Dutar (Zupfinstrument), Gidshak (Streichinstrument) und Tjuiduk (Blasinstrument). Für die instrumentale Volksmusik sind kompliziert geformte programmartige Stücke charakteristisch. Nach der Oktoberrevolution entfalteten sich in der Turkmenistan SSR eine nationale Tonkunst und ein reiches Musikleben. Einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der turkmenischen Tonkunst leisteten russische Komponisten wie J. S. Mejtus und S. N. Wassilenko. Namhafte turkmenische Komponisten der Gegenwart sind W. Achmedow und W. Muchatow. Zentrum des turkmenischen Musiklebens wurde Aschchabad (Philharmonie, gegründet 1938; Oper, gegründet 1941). Die Turkmenistan SSR weist ein Netz von musikalischen Einrichtungen und Musikschulen auf. Turkologie: Wissenschaft von den Sprachen, Literaturen und der Kultur der Turkvölker.

Turksprachen: Sprachfamilie, die sich gliedert in die wolga-bulgarische Gruppe (Tschuwaschisch), die Nordwest- oder Kiptschak Gruppe (Tatarisch, Baschkirisch, Kasachisch, Kirgisisch, Karakalpakisch, Karaimisch, Kumykisch), die osttürkische oder uigurische Gruppe (Tschagataisch oder Altusbekisch, Usbekisch, Neuuigurisch), die Südwest- oder Oghusgruppe (Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch) und die nordtürkische Gruppe (Jakutisch, Tuwinisch, Schorisch unter anderem).

Turks- und Caicosinseln: britische Kolonie auf 2 Inselgruppen im westlichen Atlantik, südöstlich der Bahamas, 430 km2; 7400 Einwohner (überwiegend Afroamerikaner und Mulatten); Hauptort Grand Turk. Von den meist aus Korallenkalken aufgebauten 48 Inseln sehr unterschiedlicher Größe sind nur 8 bewohnt; größte Insel Grand Caicos-, bei semiaridem, vom Passat beeinflusstem Klima Anbau von Mais und Sisal, Obst- und Gemüsebau vor allem auf den Caicosinseln. Die Küstenfischerei ist spezialisiert auf den Fang von Krebsen, Muscheln und Schildkröten; bedeutsame Meersalzgewinnung.

Turku, Abo: Stadt im Südwesten Finnlands, Verwaltungszentrum der Provinz Turku, am Bottnischen Meerbusen; 165000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Textilindustrie; Hafen, Fährverbindungen, internationaler Flughafen; finnische und schwedische Universität, Handelshochschulen; Theater, Museen; Dom, Schloss (beide 13. Jahrhundert).

Turkvölker: große Völkerfamilie im Südosten Europas und in Vorder-, Mittel- und Nordasien; etwa 90 Millionen; dazu zählen Tschuwaschen, Tataren, Baschkiren, Nogaier, Kumyken, Gagausen, Kasachen, Türken, Aserbaidschaner, Turkmenen, Karakalpaken, Usbeken, Uiguren, Kirgisen, Altaier, Tuwiner und Jakuten.

Turm:

1. Bauwerk: von großer Höhe über geringer Grundfläche, das meist technischen (Leuchtturm, Wasserturm, Funk- oder Fernsehturm), militärischen (Wachturm) oder kultischen (Glockenturm, Minarett) Zwecken dient.

2. Schachfigur: Zugmöglichkeit senkrecht und waagerecht.

Turmalin: Mineral, Mischkristallreihe von Natrium-Eisen-Aluminium-Bor-Silikaten; Kristallsystem trigonal, Härte 7, Dichte 3 bis 3,25 g/cm3, stark piezo- und pyroelektrisch; Farbvarietäten sind Schörl (schwarz), Dravit (braun); die Edelsteinvarietäten sind Indigolith (blau), Rubellit (rosarot), Verdelith (grün); Vorkommen in Pegmatiten saurer Tiefengesteine (unter anderem in Brasilien, Kalifornien (USA)).

Türme des Schweigens, Dakhma (altpersisch, «Grab»): Stätten, an denen die Parsen ihre Toten den Aasvögeln aussetzen, um die Erde nicht zu verunreinigen.

Turmfalke, Falco tinnunculus: bis 33 cm langer Falke, der auf Bäumen oder an Gebäuden brütet; jagt im «Rüttelflug» Mäuse; in Eurasien und Afrika weit verbreitet.

Turn: (englisch to tum, «wenden») Kunstflugfigur, bei der das Flugzeug aus dem Horizontalflug senkrecht nach oben gezogen wird, im höchsten Punkt mittels kräftigen Seitenruderausschlags nach rechts oder links über die Tragfläche dreht und in den Sturzflug übergeht, aus dem es dann abgefangen wird.

Turnen: von F. L. Jahn geprägter Begriff für alle Körperübungen; Einengung auf Geräteturnen erst im 20. Jahrhundert; siehe auch Gymnastik.

Turner: 1. Nat, 1800-11.11.1831 (hingerichtet), US-amerikanischer Prediger; Sklave; leitete vom 13. bis 23.8.1831 in Southampton (Va.) einen der bedeutendsten Sklavenaufstände in der Geschichte der USA.

2. William, 23.4.1775-19.12.1851, britischer Maler und Graphiker, Hauptmeister der Landschaftsmalerei, wurde zu einem der Wegbereiter des Impressionismus. Herausragend sind seine Darstellungen des schottischen Hochlandes mit der koloristisch fein empfundenen Wiedergabe atmosphärischer Stimmungen; Turner wandte sich auch der Industrielandschaft zu und schuf eine der ersten künstlerischen Darstellungen der Eisenbahn (1844).

Turner-Syndrom: Folge einer Abweichung der Chromosomenzahl; es fehlt ein Geschlechtschromosom (XO-Konstellation). Die inneren Geschlechtsorgane der äußerlich weiblichen Patienten sind unvollständig ausgebildet (Gonadendysgenesie), sekundäre Geschlechtsmerkmale fehlen. Es besteht Minderwuchs. benannt nach dem US-amerikanischen Endokrinologen Henry H. Turner (geboren 1892). Turngeräte: Sammelbegriff für Barren, Bodenturnen, Pferd, Reck, Ringe, Schwebebalken unter anderem

Turnier: im Mittelalter Ritterkampfspiel mit Waffen; heute

a) sportlicher Wettbewerb mit großer Teilnehmerzahl;

b) spezieller (unterschiedlicher) Austragungsmodus zum schnelleren Ablauf von a) Normen sind unter anderem «jeder gegen jeden», K.-o.-System.

Turnierangelsport, (englisch to cast, «werfen»), Turniersport, Turnierwerfen: Zielwurf- und Weitwurfwettbewerbe an Land mittels Angelgeräten in verschiedenen gerätebedingten Klassen (Gebrauchsgeräteklasse = handelsübliche Geräte, Turniergeräteklasse = nicht handelsübliche Geräte, Multiplikator Klasse = Spezialgeräte) und Disziplinen (zum Beispiel in der Gebrauchsgeräteklasse Fliege Skish, Fliege-Kombination, Gewicht-Präzision, Gewicht-Skish und Gewicht-Distanz). Es entscheiden jeweils Weite beziehungsweise Präzision der Treffer auf Zielscheiben innerhalb eines Zeitlimits. Weltmeisterschaften seit 1955.

Turnov: Stadt (Ostböhmischer Bezirk), beiderseits der Iser; 14000 Einwohner; Edelsteinverarbeitung (böhmischer Granate) und Schmuckwarenherstellung; Forschungsinstitut; Ausgangspunkt und Museum für das Naturschutzgebiet tesky ray.

Turnu Magurele: Stadt in Rumänien (Bezirk Teleorman), nahe der Mündung des Olt in die Donau; 33000 Einwohner; Chemiekombinat, Reparaturwerft; Hafen; Ruinen der Festung Turnu (14. Jahrhundert). Unterhalb von Turnu Magurele Hydroenergiekomplex (800 MW) in Zusammenarbeit mit Bulgarien im Bau.

Turnus: Reihenfolge, Wechsel, Umlauf; regelmäßige Wiederkehr.

Türstock: hölzerne Ausbaueinheit in Grubenbauen mit annähernd rechteckigem oder trapezförmigem Querschnitt aus 2 senkrecht- oder schrägstehenden Stempeln und einer aufliegenden Kappe. Je nach Ausführung der Verbindungsstelle der Stempel und Kappe (auch aus Stahl gebräuchlich) werden deutscher, polnischer und schwedischer Türstock unterschieden.

Tursunzade: Stadt im Süden der Tadschik, im Hissartal; früher Regar, 21000 Einwohner; Aluminiumhütte, Baumwollreinigung.

Tursunzade, Mirsa, 2.5.1911-24.9.1977, tadshikisch-sowjetischer Dichter; behandelt in Gedichten und Poemen die neue kommunistische Moral und den Freiheitskampf der Völker Asiens und Afrikas (Gedichtsammlungen «Indische Ballade», 1947; «Ich bin aus dem freien Osten», 1951; «Die Stimme Asiens», 1956); verfasste auch Dramen («Urteil», 1933) und Opera Libretti.

Turtiainen, Arvo, 16.9.1904-8.10.1980, finnischer Lyriker; war als führendes Mitglied der Kiila Gruppe (Kiila ryhmä) während des 2. Weltkrieges eingekerkert; wandte sich in seinen Gedichten gegen soziales Unrecht und rief zum Kampf für den Weltfrieden auf: «Lied an die Partei» (1946), «Glockenbojen» (1950, mit E. Sinervo, deutsch); übersetzte unter anderem W. Majakowski und W. Whitman.

Tusch: Festsignal in Form eines aufsteigenden gebrochenen Dreiklanges, meist von Blechbläsern und Pauken ausgeführt.

Tusche: ursprünglich mit wasserlösliche Bindemitteln (Gummiarabikum unter anderem) angeriebener Ruß. Heute versteht man unter Tusche schwarze, weiße oder farbige, deckende oder lasierende, reichlich Bindemittel enthaltende Flüssigkeiten, die einen dichten, relativ licht-, radier- und wasserfesten Strich ergeben und insbesondere für technische Zeichnungen verwendet werden.

Tuschieren: Prüfverfahren zur Prüfung der Formgenauigkeit feinbearbeiteter, meist geschabter (Schaben) Flächen, wobei das prüfende Teil auf der mit Tuschierpaste bestrichenen Tuschierplatte hin- und herbewegt wird, so dass nach dem Abheben die Unebenheiten durch unterschiedliche Farbaufnahme sichtbar werden.

Tuschmalerei: spezieller Zweig der ostasiatischen Malerei, in China seit der Tang-Dynastie (618/907), in Japan seit dem 14. Jahrhundert gepflegt. Mit verschiedenen Pinseln wurde die Tusche schnell auf Seide oder Papier aufgetragen, da der Malgrund die Tusche sofort aufsaugt. Die Tuschmalerei wurde in ihrer klassischen Form ausschließlich mit schwarzer Tusche ausgeführt.

Tuschratta, König des nordmesopotamischen Mitanni, regierte Anfang des 14. Jahrhundert vor Christus; wegen der Bedrohung seitens der Hethiter schloss er ein Bündnis mit Ägypten.

Tusculum: alte Stadt im Albanergebirge (heute Ruinenstätte) nahe dem heutigen Frascati, deren Bewohner bereits im 4. Jahrhundert vor Christus das römische Bürgerrecht erhielten. In der Umgebung von Tusculum finden sich Reste zahlreicher Villen der römischen Kaiserzeit, daher Tuskulum sprichwörtlich für behaglichen Wohnsitz.

Tussahspinner, Antheraea mylitta: bis 16 cm spannende, in Südostasien beheimatete Augenspinnerart, deren Raupe (Tussah) in Indien zur Seidengewinnung gezüchtet wird; sie lebt dort auf verschiedenen Pflanzen, in Europa werden bei der Zucht Eichenblätter verfüttert.

Tutenchamun, auch Tutenchaton, altägyptischer König der 18. Dynastie, herrschte etwa 1347/1338 vor Christus; unter dem Druck der thebanische Amun Priester erneuerte er den Amun Kult und gilt als der Vollender des Tempelbaues in Luksor. Sein nahezu unversehrtes Grab wurde 1922 von dem britischen Archäologen H. Carter im Biban el-Moluk bei Theben gefunden; die reichen Grabbeigaben (Goldmaske des Königs unter anderem) stellen einen wertvollen Schatz der Weltkultur dar.

Tuticorin: Stadt im Süden des Unionsstaates Tamil Nadu (Indien), am Golf von Mannar; 250000 Einwohner; Handelszentrum mit Textil- (Baumwollverarbeitung) und Lebensmittelindustrie; Hafen für Küstenschifffahrt, Fährverkehr nach Sri Lanka.

Tutti: Musik alle (Stimmen), das ganze Orchester; volles Orgelwerk.

Tuttifrutti: (italienisch, «alle Früchte») 1. gemischte, eingemachte Früchte.

2. Schichtspeise aus verschiedenen Früchten, Gebäck, Vanillecreme.

3. Fruchtaromalikör.

Tuttlingen: Kreisstadt in Baden-Württemberg, an der oberen Donau; 32000 Einwohner; bedeutende medizintechnische und orthopädiemechanische Industrie; in der Nähe Donauversickerung.

Tutu: Tüllröckchen der Ballerinen im klassischen Ballett, bestehend aus mehreren Tüllschichten; seit 1832 bis Wadenmitte, seit 1880 verkürzt, von der Hüfte abstehend.

Tutu, Desmond Mpilo, geboren 7.10.1931, südafrikanischer Geistlicher; Anglikaner, 1978/85 als erster Schwarzafrikaner Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrates, seit 1985 Bischof, seit 1986 Erzbischof von Johannesburg; energischer Repräsentant der gegen die Apartheid engagierten Christen Südafrikas und aktiver Kämpfer für die Beseitigung der Rassendiskriminierung.

Tutuola, Amos, geboren Juni 1920, nigerianischer Schriftsteller, einer der Begründer der zeitgenössischen nigerianischen Literatur; gestaltete in seiner Prosa («Der Palmweintrinker», 1952, deutsch) mythologische Stoffe in vielseitiger Beziehung zur Gegenwart.

Tuul: rechter Nebenfluss des Orchon (MVR); 819 km; entspringt im östlichen Chentij und fließt durch Ulan-Bator. ausschließlich aus Polynesiern. Amtssprache ist Englisch. Währung ist der Australische Dollar, daneben auch der Tuul-Dollar. Die flachen, sich über etwa 600 km von Nordwesten nach Südosten erstreckenden Inseln (bis 5 m hoch) haben maritimes tropisches Klima und werden von dichten Kokospalmenwäldern bedeckt. Tuul ist durch lange britische Kolonialherrschaft ein unterentwickeltes Agrarland ohne Industrie. Vorherrschend ist die Naturalwirtschaft (Anbau von Kokospalmen, Bananen, Taro, Bataten). Neben der Fischerei haben besonders die Nutzung der Kokospalme (Kopra Ausfuhr), die Herausgabe von Briefmarken und die Geldüberweisungen der wegen der schlechten Wirtschaftslage im Ausland tätigen Tuvaluaner größte wirtschaftliche Bedeutung. Internationaler Flughafen und Seehafen auf dem Atoll Funafuti (bei Fongafale). Einfuhr von Industriegütern und Brennstoffen. Haupthandelspartner ist Großbritannien, außerdem Australien, Neuseeland und Japan. Die Inseln wurden 1764 entdeckt, 1877 zu britischen Besitz erklärt und unter dem Namen Ellice Inseln als Protektorat annektiert 1915 zur Kronkolonie im Verband der Gilbert- und Ellice Inseln erklärt; 1975 erfolgte die administrative Trennung von den Gilbertinseln und die Umbenennung in Tuul, das am 1.10.1978 staatliche Selbständigkeit erlangte.

Tuweik, Dschebel: Gebirge im zentralen Teil Saudi-Arabiens, bis in die westliche Rub al-Khali reichend; 1200 km lang, bis 1081 m hoch; steil abfallende Schichtstufen aus Jurakalken.

Tuwim, Julian, 13.9.1894-27.12.1953, polnischer Lyriker, führte die Großstadt mit ihrer sozialen Problematik in die polnische Literatur ein. Zunehmend protestierte er gegen kapitalistische Ausbeutung und Krieg («Worte in Blut», 1926; «Zigeunerbibel), 1933) und gegen das soziale Unrecht im Polen Pilakowski, französischer Lyrik), schrieb auch Kinderbücher.

tuzla: Stadt im Nordosten von Bosnien und Herzegowina; 65000 Einwohner; Steinkohlen-, Erdöl-, Salzbergbau; Landmaschinenbau, chemische (Sodafabrik), Asbestindustrie; Theater, Museum; bei T. Heilbad Slana Banja (Thermalquellen).

Tuz See, Tuzgölü: abflussloser Salzwassersee in der Türkei, im Zentrum des Anatolischen Hochlandes; 899 m über dem Meeresspiegel, im Frühjahr bis 2500 km2, im Herbst nur 1600 km2 (Salzsumpf); zwischen 1 und 2 m tief; Salzgehalt 32,2% (einer der salzreichsten Seen der Erde); Salzgewinnung.

Tweed: (nach dem Fluss) kleingemustertes Wollgewebe aus groben Streichgarnen in verschiedenen Bindungen; besonders für Anzüge und Mäntel.

Twens: (englisch, zu twenty, «zwanzig») junge Leute zwischen 20 und 29 Jahren. Twenthe: Landschaft im Osten der Niederlande, in den Provinzen Overijssel und Gelderland; Ebene aus Sandböden, Endmoränen bis 85 m hoch; Wiesen, Weiden, Milchwirtschaft; traditionelles Gebiet der niederländischen Baumwollindustrie, ferner chemische Industrie, Maschinen- und Motorenbau; Industriestädte Enschede, Hengelo, Almelo.

Twinset: Kombination von Pullover und dazu passender Jacke beziehungsweise Weste.

Twist: (englisch, «Drehung») 1. weich gedrehter Zwirn.

2. 1961 in den USA entstandener Modetanz im 4/4-Takt; Abart des Rock’n’Roll mit Elementen lateinamerikanischer Rhythmisierung.

3. Gerätturnen: Akrobatik - Sprung mit Drehung um die Körperlängsachse mit Verwringung des Oberkörpers.

4. Tennis: mit Oberschnitt geschlagener Aufschlag.

Twostep: (englisch, «Zweischritt») Gesellschaftstanz im 2/4-Takt; gelangte um 1906 aus Nordamerika nach Europa.

Tyche, griechische Göttin des wechselnden Geschicks, des Glücks und des Zufalls (römisch Fortuna).

Tychy: Stadt in Polen (Wojewodschaft Katowice), im GOP; 180000 Einwohner; Kohlenbergbau; Kfz-Bau (Fiat 126p), chemische, Leichtindustrie.

Tydings-McDuffie-Act: Gesetz der USA vom 24.3.1934 über die Gewährung der Autonomie für die Philippinen ab 1.5.1934 auf der Grundlage des «Commonwealth»-Status (offizielle Bezeichnung des Landes «Commonwealth of the Philippines»); wurde auf Grund des Drucks der nationalen Befreiungsbewegung verabschiedet; sicherte den USA auch weiterhin bestimmenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Einfluss.

Tyfon, Typhon: Signalhorn auf Schiffen mit einer elektrisch, hydraulisch, durch Druckluft, Kohlendioxid oder Dampf bewegten Membran.

Tyl, Josef Kajetan, 4.2.1808-11.7.1856, tschechischer Schriftsteller; begründete das nationale Theaterschaffen mit Komödien, Märchenspielen, historische Dramen über revolutionäre Volkskämpfe; schrieb historische und sentimentale Erzählungen, darunter die sozialkritische «Der Dieb» (1849, deutsch). Sein Lied «Wo ist meine Heimat?» (1834) leitet die Staatshymne der CSSR ein.

Tympanon: Giebelfeld antiker Tempel; im Mittelalter vertieftes spitz- oder rundbogiges Feld über dem Türsturz von Portalen; oft Träger reichen Bildschmucks (besonders Relief).

Tynan, Kenneth, 2.4.1927-26.7.1980, britischer Theaterkritiker und Dramaturg; als einflussreicher Kritiker (in der Tageszeitung «Observer») in den 50er Jahren entschiedener Förderer der sozialkritischen englischen und internationalen Dramatik; 1963/73 Chefdramaturg des britischen Nationaltheaters.

Tynda: Stadt im Gebiet Amur, im Süden Ostsibiriens; 100000 Einwohner; Hauptort der Baikal-Amur-Magistrale und Kreuzungspunkt mit der Kleinen BAM; Holzverarbeitung.

Tyndall-Effekt, nach einem irischen Physiker): seitliche Streuung des Lichtes in kolloiden Lösungen, tritt auch bei Stoffen mit örtlichen Dichteschwankungen auf.

Tyndallisieren: (nach einem irischen Physiker) fraktioniertes Sterilisieren; Haltbarmachen (Konservieren) von Arznei- und Nahrungsmitteln.

Tyne: Fluss im Norden Englands (Großbritannien); 129 km; aus North Tyne (aus den Cheviot Hills) und South Tyne (vom Cross Fell); mündet in die Nordsee; bis Newcastle für Seeschiffe befahrbar; bei Field Reservoir zur Speicherung von Trink- und Brauchwasser; beiderseits der Mündung Industriestandorte.

Tyne and Wear: Großstadtgrafschaft im Nordosten Englands (Großbritannien), an der Nordsee; 540 km2, 1,15 Millionen Einwohner; 2 130 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Newcastle-upon-Tyne; Steinkohlenbergbau; Schiff- und Maschinenbau; Hafen (besonders Kohleexport).

Tynjanow, Juri Nikolajewitsch, 18.10.1894 bis 20.12.1943, russisch-sowjetischer Schriftsteller und Literaturtheoretiker, schrieb historische Romane und Erzählungen, wie «Küchelbecker. Dichter und Rebell» (1925, deutsch), «Sekondeleutnant Saber» (1928, deutsch), «Der Tod des Wesir-Muchtar» (1929, deutsch) und «Puschkin» (1935/43, unvollendet, deutsch).

Typ: 1. Typ, Typus: allgemein Grundform, Urbild; Gattung; Eigenart; Bauart, Form, Aussehen.

2. Obstbau: vegetative Nachkommenschaft mehrerer gleichartiger Pflanzen; s. a, Klon.

3. Tierzucht: Bezeichnung für den Gesamteindruck eines Tieres als Ausdruck seiner psychologischen Eigenschaften und damit seiner Leistungen und Nutzungsformen. Die verschiedenen Gebrauchsansprüche drücken sich in den Proportionen des Körpers, im Typ des Tieres aus (Milch-, Masttyp, Arbeitstyp).

Typar: Siegelstempel; tritt in verschiedenen Formen (Siegelring, Petschaft) auf; oft künstlerisch gestaltet.

Type: 1. Drucktype.

2. bei Büromaschinen metallisches, erhabenes und seitenverkehrtes Schriftzeichen zum Abdruck auf Papier. Nach Anordnung der Type auf dem Typenträger unterscheidet man schmale Typenblocks (2 oder 3 Typen) und Universaltypenträger.

Typenelemente: Bauwesen konstruktiv und funktionell in sich abgeschlossene Einzelteile, wie Fenster, Türen, Wandelemente, die in großer Stückzahl benötigt und in Serien vorgefertigt werden. Typenkomödie: Bezeichnung für komische Theaterstücke, deren Figuren sieb durch überhöhende Typisierung auszeichnen; besonders ausgeprägt im römischen Theater (Plautus, Terenz) und in den europäischen Komödien des 15./18. Jahrhundert.

Typenlösungen: Nutzung neuer wissenschaftlicher technischer Erkenntnisse und der besten praktischen Erfahrungen im Hinblick auf Technologie, Organisation, Arbeitsmethoden und -bedingungen zum Zwecke der Mehrfach- und Massenanwendung. Typenschlüssel: Elektronik Kombination aus einer Buchstaben- und Zahlengruppe zur Kennzeichnung von Elektronenröhren, diskreten Halbleiterbauelementen (zum Beispiel Transistoren, Halbleiterdioden), integrierten Schaltkreisen (zum Beispiel bipolare Digital-, Analog- und unipolare Digitalschaltkreise) und anderen elektronischen Bauelementen.

Typhlohepatitis, Blackhead; englisch, «Schwarzkopf(krankheit)»): Infektionskrankheit der Hühnervögel mit hohen Verlusten in den ersten Lebensmonaten. Erreger der Typhlohepatitis ist der Flagellat Histomonas meleagridis. Die Tiere erkranken an einer Blinddarmentzündung, gelegentlich wird eine dunkle Verfärbung der unbefiederten Kopfhaut beobachtet. Die Typhlohepatitis ist meldepflichtig.

Typhon, in der griechischen Sage Ungeheuer mit zerstörenden Urkräften; Sohn der Gäa, zeugte mit Echidna eine furchtbare Nachkommenschaft; als Typhon gegen Zeus aufstand, wurde er besiegt und über ihn der Ätna gewälzt.

Typhus abdominalis, Bauchtyphus: durch Typhus-Salmonellen (stäbchenförmige Bakterien) hervorgerufene und durch Schmierinfektion sowie infizierte Lebensmittel einschließlich Trinkwasser übertragene Infektionskrankheit. Kennzeichen sind ansteigendes hohes Fieber, Benommenheit, Hautausschlag, Milzschwellung, Darmgeschwüre, Durchfall oder erbsbreiartige Stühle. Eine wirksame Behandlung erfolgt mit Antibiotika; wichtig ist die Vorbeugung durch hygienische Maßnahmen und Schutzimpfung. Siehe auch Paratyphus, typisch: gattungsmäßig; kennzeichnend, eigentümlich; vorbildlich; ausgeprägt. Das Typische in der Ästhetik ist eine Kategorie zur Bezeichnung des im Kunstwerk in sinnlich-konkreter Form dargestellten Allgemeinen. Als Grundform realistischer künstlerischer Verallgemeinerung zielt die Typisierung auf das Erkennen und Gestalten der sozial wesentlichen, geschichtlich und ideologisch bedeutsamen und gesetzmäßigen Zusammenhänge des abgebildeten Realitätsausschnittes. Das Typische ist Ergebnis künstlerischer Verdichtung und ästhetisch-weltanschauliche Interpretation.

typisieren: typisch gestalten; nach Typen einteilen; vereinheitlichen, in bestimmten Größen herstellen (besonders bei technischen Erzeugnissen).

Typisierung: (lateinisch griechisch) allgemein typischer Gestaltung.

Typographie: 1. Gestaltung eines Druckproduktes.

2. frühere Bezeichnung für die Buchdruckerkunst.

typographisches Maßsystem: in der Satzherstellung, zum Teil auch in Stereotypie und Galvanoplastik angewendetes Maßsystem für Satzmaterial und Satzprodukt. Typographisches Maßsystem = 2660 typographische Punkte beziehungsweise 1 typographische Punkt bei 20°C (Zeichen p oder ', Plural Punkte oder Punkt) = 0,376065 mm (~ 0,376 mm). 1 Cicero (Zeichen c) = 12", 1 Konkordanz (in der DDR nicht mehr zulässig) = 48'. Im Fotosatz ist das typographische Maßsystem praktisch durch das metrische System ersetzt worden.

Typologie: 1. Typologie, typologische Methode: veraltete Methode, urgeschichtliche Funde nach evolutionären Merkmalen zeitlich einzuordnen.

2. Typologie, Typenlehre: Psychologie Lehre von der Einteilung der Menschen nach psychischen oder körperlichen Merkmalen in Typen; im Allgemeinen von geringem wissenschaftlichen Wert, da reine Typen nicht existieren.

3. Religionsgeschichte: Gegenüberstellung von ähnlichen Ereignissen beziehungsweise Personen des Alten und Neuen Testaments als Typus und Antitypus (zum Beispiel 12 Propheten und 12 Apostel); bereits in der frühchristlichen Kunst verbreitetes Bildmotiv.

Typometall: (Kunstwort, griechisch) Legierung aus Blei, Antimon und Zinn; verwendet als Schriftmetall für Lettern und Stereotypplatten.

Typung, Typisierung: Teilgebiet der Standardisierung; einheitliche volkswirtschaftlich optimale Festlegung von Erzeugnissen nach Art, Form, Größe oder anderen Hauptmerkmalen; ihre Stufung erfolgt im Regelfall in Typenreihen, wozu meist Vorzugszahlen benutzt werden. Typung im Bauwesen (Typenprojektierung) bezieht sich auf ganze Gebäude, Gebäudeabschnitte und Bauelemente. Die Typung technologischer Prozesse legt, meist in Verbindung mit der Gruppenbearbeitung, die rationellsten Arbeitsgänge und deren Folge sowie die dazu erforderlichen Arbeitsmittel einheitlich fest.

Tyrann: (griechisch) im alten Griechenland gewaltsam an die Macht gekommener Alleinherrscher; meist dem Adel entstammend, beseitigte er, gestützt auf den Demos oder die Söldnertruppen, die politische Vorrechte der Aristokratie. Die Tyrannen herrschten seit dem 7. /6. Jahrhundert vor Christus in den fortgeschrittensten griechischen Poleis, überwanden hier die Macht der alten Gentil Aristokratie und schufen damit die Voraussetzungen für das Aufblühen der Poleis der Sklaverei Periode übertragen selbstherrlicher, rücksichtsloser, herrschsüchtiger Mensch.

Tyrannen, Tyrannidae: Familie vielgestaltiger Schreivögel Amerikas; viele Arten ähneln in Gestalt und Lebensweise heimischer Singvögeln, zum Beispiel Schnäppern, Meisen, Grasmücken.

Tyrannosaurus: bis 12 m langer, etwa 5 m hoher, zweibeiniger, räuberisch lebender Dinosaurier der Kreidezeit; seine Vorderbeine waren auffällig verkümmert.

Targoviste: Bezirksstadt im Nordosten Bulgariens; 48000 Einwohner; Herstellung von Spezialstählen, Maschinenbau, elektrotechnische, Textil-, Holz-, Lebensmittelindustrie; Theater, Museum. Im Umland Erdöl-, zum Teil auch Erdgasgewinnung.

Tyrlova, Hermina, geboren 11.12.1900, tschechische Puppenfilmregisseurin; legte die Grundlagen für den tschechoslowakischen Puppenfilm; schuf vor allem Filme für Kinder («Ferdy, die Ameise», «Der Aufruhr der Spielsachen»),

Tyros: altphönikische reiche Hafen- und Handelsstadt auf einer Insel vor der heutigen libanesische Küste, 75 km südwestlich von Beirut, heute Sur, hatte vom 11. bis 9. Jahrhundert vor Christus die Vorherrschaft über andere phönikische Städte, war an der Kolonisation im westlichen Mittelmeergebiet beteiligt; hoher Stand des Kunsthandwerks (Elfenbeinschnitzereien, Metallkunst); Reste der Hafenanlagen zum Teil archäologisch erschlossen.

Tyrosin, Symbol Tyr: phenolische Aminosäure; bildet farb- und geruchlose Kristalle; kommt als Baugruppe in vielen Eiweißen vor, unter anderem Vorstufe der Schilddrüsenhormone. Tyrrhenisches Meer: Teil des Mittelmeeres zwischen der Apenninhalbinsel und den Inseln Elba, Korsika, Sardinien und Sizilien; bis 3756 m tief.

Tyszkiewicz, Beata, geboren 14.8.1938, polnische Schauspielerin; wurde durch viele Filme bekannt («Maria und Napoleon», «Balzacs große Liebe»); gastierte auch im Ausland (UdSSR, Ungarn, DDR).

Tytschina, Pawlo, 27.1.1891-16.9.1967, ukrainisch-sowjetischer Dichter; gehört zu den Begründern der ukrainischen Sowjetlyrik; gestaltete aus einem tiefen philosophischen Verständnis der Geschichte heraus den Weg des ukrainischen Volkes zur Sowjetmacht und seine Aufbauerfolge. Tytschinas Verse knüpfen oft an bekannte Motive und Melodien der ukrainischen Folklore an, sind thematisch äußerst mannigfaltig und von ungewöhnlicher Musikalität (Gedichtbände «Sonnenklarinetten», 1918; «Der Pflug», 1920; «Wind aus der Ukraine», 1924; «Stahl und Zärtlichkeit», 1941; «Guten Tag, du schöne Welt», 1960).

Tzara, Tristan, 4.4.1896-24.12.1963, französischer Dichter rumänischer Herkunft; Begründer und Hauptvertreter des Dadaismus, Verfasser der «Sieben Dada-Manifeste» (1916/20, gesammelt 1924, deutsch); näherte sich in seinem späteren Schaffen dem Surrealismus.

Tzschirner, Samuel Erdmann, 29.6.1812-17.2.1870, kleinbürgerlich-demokratische Politiker, Advokat; während der Revolution 1848/49 führender Parlamentarier der radikalen Opposition im Sächs. Landtag, nahm 1849 am Dresdner Maiaufstand teil und war führender Kopf in der Provisorischen Regierung Sachsens. Nach Niederlage der sächsischen Bewegung kämpfte Tzschirner in Baden gegen die Konterrevolution, musste 1849 in die Schweiz emigrieren. Tzschirner näherte sich der Position des revolutionären Proletariats.