Lexikon V

Vaal: rechter und längster Nebenfluss des Oranje, in der Republik Südafrika; 1250 km; entspringt den Drakensbergen und durchquert das Veld mit einem tiefen Tal; wichtigste Nebenflüsse sind Wilge, Vet und Riet (von links) sowie Harts (von rechts); mehrere Staudämme (Wasserversorgung, Bewässerung); nicht schiffbar.

Vaasa, Vasa: Stadt im Westen Finnlands, Verwaltungszentrum der Provinz Vaasa, am Bottnischen Meerbusen; 54000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Zellulose- und Holzindustrie; Hafen, Fährverbindungen, internationaler Flughafen; Universität.

va banque: (französisch, «es gilt die Bank») in der Redewendung va banque spielen: alles aufs Spiel, auf eine Karte setzen; übertragen ein gewagtes Spiel spielen.

Vac: Stadt in Ungarn (Bezirk Pest), am linken Ufer der Donau, nördlich von Budapest; 35000 Einwohner; Baustoff-, fotochemische Industrie, Schiff- und Gerätebau; Donauhafen; Kathedrale (1760/77).

Vacheleder: (französisch + deutsch) pflanzlich oder pflanzlich-synthetisch gegerbtes Rindleder für Schuhsohlen.

Vaclav, Wenzel, Fürsten aus dem Geschlecht der Premysliden: 1. Vaclav, Vaclav der Heilige, um 910-28.9.(7)935, erster namentlich bekannter Herzog von Böhmen; förderte Christianisierung und Ausbau des frühfeudalen Staates, nach dem Tod heiliggesprochen. Nach ihm ist die Wenzelskrone benannt.

2. Vaclav II., 1271-1305, böhmischer König seit 1278; Sohn des Premysl II. Otakar, dehnte die böhmische Herrschaft auf Schlesien aus, erwarb die polnische, zeitweise auch die ungarische Königskrone.

3. Vaclav III., 1289-1306, seit 1305 letzter böhmischer König aus dem Geschlecht der Premysliden.

Vademekum: (lateinisch, «geh mit mir!») Bezeichnung und Titel für Taschenbücher, die als griffbereite Ratgeber oder Leitfäden dienen sollen.

Vadianus, Joachim, eigentlich Watt, Joachim von, 29.11.1483-6.4.1551, humanistischer Schriftsteller und Arzt; Stadtarzt in Sankt Gallen, später auch für einige Zeit Bürgermeister; Anhänger der Reformation H. Zwinglis. Ihm wird die Verfasserschaft der Flugschrift «Karsthans» zugeschrieben.

Vadodara: Stadt im Unionsstaat Gujarat (Indien); früher Baroda; 740000 Einwohner; Traktoren- und Landmaschinenbau, Düngemittel-, Textilindustrie, Kunsthandwerk; Universität.

vadoses Wasser: in den Hohlräumen der Erdkruste kreisendes und aus den Niederschlägen, das heißt dem Wasserkreislauf, entstammendes und in Quellen wieder zutage tretendes Wasser.

Vaduz: Hauptstadt von Liechtenstein, am Alpenrhein, am Westfuß des Rätikon; 4900 Einwohner; Textil-, metallverarbeitende, feinmechanische und Möbelindustrie, Maschinenbau; zahlreiche Niederlassungen ausländischer Banken und Konzerne; Schloss Vaduz (um 1300) mit Gemäldegalerie, staatliche Kunstsammlungen, Postmuseum.

Vagantendichtung: Vulgärlateinische Lieder und Gedichte der Vaganten (im 12./13. Jahrhundert umherziehende Kleriker, Studenten, fahrende Schüler; in Frankreich Goliarden genannt). Die Lieder wurden gegen Entgelt vorgetragen; sie zeichnen sich durch derbe Volkstümlichkeit und Sinnenfreude aus; häufig trägt die Vagantendichtung auch gesellschaftskritische Züge. Bedeutendste Sammlungen sind die Cambridger Liederhandschrift und die Carmina Burana.

vage: unbestimmt, ungewiss; verschwommen.

Vaginalkugeln, Globuli, Ovula: kugel- oder eiförmige Arzneimittel aus einer bei Körpertemperatur schmelzenden Masse, in der die Arzneistoffe gleichmäßig verteilt sind; zur Einführung in die Scheide bestimmt.

Vaginalzytologie: Spezialgebiet der Zytologie, das sich mit dem Nachweis hormoneller Veränderungen an der Scheidenschleimhaut befasst.

Vaginismus: krankhafte Empfindlichkeit des Scheideneingangs gegen Berührung mit der möglichen Folge eines Krampfes der Beckenbodenmuskulatur; macht Geschlechtsverkehr unmöglich.

Vaginographie: röntgenologische Untersuchungsmethode der Scheide durch Kontrastmittelauffüllung.

Vagus, Nervus vagus: der Hirn- oder Kopfnerv der Wirbeltiere und des Menschen; versorgt mit seinen parasympathischen Bestandteilen einen großen Teil der inneren Organe.

Vahlteich, Karl Julius, 30.12.1839-26.2.1915, Schuhmacher; 1863 Mitbegründer und bis 1864 Sekretär des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins; gründete 1867 in Dresden eine Sektion der I. Internationale, seit 1869 führendes Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, ab 1874 Reichstagsabgeordneter; emigrierte 1881 in die USA.

Vailland, Roger, 16.10.1907-11.5.1965, französischer Schriftsteller; R6sistanceroman «Seltsames Spiel» (1945, deutsch); erreichte später Positionen des französischen sozialistischen Realismus (Roman «Die junge Frau Amable», 1954, deutsch).

Vaillant-Couturier, Paul, 8.1.1892 bis 10.10.1937, französischer Politiker und Schriftsteller; seit 1921 Mitglied des ZK der KP, seit 1926 Chefredakteur der «Humanité»; schrieb neben zeitgeschichtlich bedeutsamen Arbeiten den autobiographischen Roman «Kindheit» (1938, deutsch).

Vaisheshika, Waischeschika: altindisches klassisches Philosophiesystem, dessen Kategorienlehre Gemeinsamkeiten mit der des Aristoteles hat (Substrat, Eigenschaft, Bewegung, Allgemeines, Besonderes, Inhärenz); lehrt, dass die Welt materiell, veränderlich und erkennbar ist; sie bestehe aus den Atomen von 5 Elementen. Kausalität und Bewegung erklärt das Vaisheshika mechanisch-materialistisch. Daneben werden Seele, Seelenwanderung und Erlösung bejaht. Das Vaisheshika entstand im 2. Jahrhundert vor Christus und verschmolz später mit dem Nyaya. Siehe auch Samkhya.

vakant: leer; offen, unbesetzt (von Stellen).

Vakanz: freie Dienststelle; das Freiwerden einer Stelle; veraltet Ferien,

vakat: (dat.) es fehlt; leerbleibend, leer.

Vakuole: im Zellplasma liegender, größerer Hohlraum, der von einer Elementarmembran umgeben und mit flüssigen oder festen Stoffen gefüllt ist. Besondere Formen sind pulsierende Vakuole (kontraktile Vakuole) und Nahrungsvakuole der Einzeller.

Vakuum: eigentlich leerer Raum, im weiteren Sinne gasverdünnter Raum, in dem der Druck kleiner als der normale Luftdruck ist; auch Bezeichnung für den Zustand in diesem Raum. Zur Erzeugung eines Vakuums dienen Vakuumpumpen, die Druckmessung erfolgt mit dem Vakuummeter. Nach Druckbereichen unterscheidet man Grobvakuum, Feinvakuum, Hochvakuum und Ultrahochvakuum. Im Hochvakuum ist die mittlere freie Weglänge der Gasmoleküle größer als die Abmessung des Vakuumgefäßes. Im Bereich des Ultrahochvakuum ist darüber hinaus die Zeit, in der sich eine atomar saubere Oberfläche durch die aufprallenden Gasmoleküle mit einer Adsorptionsschicht bedeckt, groß gegen die Experimentierdauer. Hochvakuum ist in Elektronenröhren, -mikroskopen und Teilchenbeschleunigern sowie in der Tieftemperaturtechnik (zur Unterdrückung der Wärmeleitung) erforderlich. Techn. Bedeutung hat Vakuum zum Beispiel bei der Herstellung gas- und oxidfreier Materialien (Halbleiter, Reinstmetalle).

Vakuumdestillation: Verfahren zur Trennung von Gemischen hochsiedender Stoffe durch Destillieren unter vermindertem Druck. Die dadurch bewirkte Herabsetzung der Siedepunkte ermöglicht die Destillation auch von temperaturempfindlichen Substanzen.

Vakuumextraktion: geburtshilfliches Operationsverfahren zur Geburtsbeendigung auf vaginalem Wege, zum Beispiel bei Wehenschwäche, mütterliche Erkrankungen, bedrohliche Zustände des Kindes; mit einer auf den vorangehenden kindlichen Teil aufgesetzten Saugglocke zieht der Geburtshelfer im Wehen Rhythmus unter gleichzeitigem Mitpressen der Frau das Kind aus dem Geburtskanal. Der in der Saugglocke vorhandene Unterdrück wird durch eine Vakuumvorrichtung erzeugt. Siehe auch Zangengeburt.

Vakuumfiltration: rasches Abscheiden von Feststoffteilchen aus Flüssigkeiten durch Filtrieren unter vermindertem Druck. Als Filtergeräte verwendet man dazu Filternutschen (Büchner-Trichter) aus Porzellan oder Glas mit einem Siebboden, der mit Papierfilter bedeckt wird, Frittentiegel mit einem Siebboden (Fritte) aus Sinterglas oder Filtertiegel mit einem porösen Porzellanboden. Zum Absaugen des Filtrats wird das Filtergerät zum Beispiel auf eine dickwandige Saugflasche mit seitlichem Ansatzrohr für den Vakuumanschluss aufgesetzt.

Vakuumformverfahren: Gießereitechnik neues Formverfahren, bei dem die Formhälften aus trockenem, binderfreiem Sand unter Vakuum in Plastefolie geformt, verpackt, zusammengelegt und abgegossen werden.

Vakuumguss: Vergießen von Metallen und Legierungen unter Vakuum als Halbzeug- oder Formguss. Durch den Vakuumguss lässt sich der Gehalten Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff herabsetzen, und die Gussstücke zeichnen sich durch einen besonderen Reinheitsgrad aus.

Vakuummetallurgie: Sammelbegriff für metallurgische Verfahren, die unter technischen Bedingungen im Vakuum erfolgen; zum Beispiel Schmelzen in Vakuuminduktionsöfen, -lichtbogenöfen oder Elektronenstrahlöfen, Schmelzebehandlung oder Vergießen unter Vakuum. Siehe auch Vakuumguss, Vakuumstahl.

Vakuummeter: Gerät zum Messen des Druckes der Restgase im Vakuum, also ein Manometer für niedrige Drucke. Nur im Bereich des Grobvakuums sind die Druckkräfte des Restgases groß genug, um einen Messmechanismus zu betätigen, zum Beispiel beim U-Rohr- oder Membranmanometer. Bei niedrigerem Druck muss man mechanische Hilfsenergie Zufuhren (Kompressionsvakuummeter) oder statt des Druckes druckabhängige Eigenschaften des Restgases messen: beim Reibungsvakuummeter die Viskosität des Restgases; beim Widerstands-, Wärmeleitungs-, Hitzdraht- oder Pirani Vakuummeter die Wärmeleitfähigkeit; beim Ionisationsvakuummeter die elektrische Leitfähigkeit, die durch eine Glimmentladung (Gasentladungs- oder Penning-Vakuummeter), mittels Alphateilchen (Alphatron) oder Glühelektronen erzeugt wird. Das Radiometer- oder Molvakuummeter (Knudsen-Vakuummeter) beruht auf der unterschiedlichen thermischen Geschwindigkeit der Restgasmoleküle in der Nähe einer durch Strahlung geheizten Platte.

Vakuumpumpe: Vorrichtung zur Verminderung des Gasdrucks in einem abgeschlossenen Raum. Die von 0. Guericke dafür erfundene Kolbenpumpe hat nur noch historische Bedeutung. Heute unterscheidet man mechanische, Flüssigkeits- und Hochvakuumpumpe. Die technisch wichtigsten mechanischen Vakuumpumpen sind die rotierenden Ölluftpumpen, die als Drehschieber- oder Drehkolbenpumpen gebaut werden. Bei der Drehschieber- oder Kapselpumpe wird jeweils ein Teil des Gases durch einen mit Schiebern versehenen, exzentrisch gelagerten Rotor verdichtet und durch ein in Öl gebettetes Auslassventil entfernt (Enddruck <10~‘ Pa, im zweistufigen Betrieb <10'; Pa). Die Drehkolbenpumpe funktioniert ähnlich, ihr Schieber gleitet, durch Lamellen abgedichtet, im Gehäuse und liegt am Drehkolben an. Zum Absaugen von Dämpfen benutzt man Gasballastpumpen, in denen durch zusätzliches Ansaugen von Luft die Kondensation der Dämpfe vermieden wird. In der Öl freien Rootspumpe, die gegen ein Vorvakuum arbeiten muss, rotieren 2 Läufer mit Lemniskaten förmigen Querschnitt gegeneinander. Die bekannteste Flüssigkeitspumpe ist die Wasserstrahlpumpe. Ein Wasserstrahl wird in einer Düse beschleunigt und reißt dabei das Gas aus dem Rezipienten mit. Zu den Hochvakuumpumpen gehört die Molekularpumpe, die eine sehr schnell rotierende Trommel besitzt, welche den Molekülen einen nach außen gerichteten Impuls verleiht. In Diffusions- oder Dampfstrahlpumpen wird das Gas durch Quecksilber- oder Öldampf ins Vorvakuum transportiert. Mehrstufig erreicht man weniger als I0-6 Pa. Ionenpumpen benutzt man zur Erzeugung von Ultrahochvakuum. In ihnen wird das Restgas ionisiert, wodurch Adsorption und chemische Bindung an den Wänden begünstigt wird; in der Ionengetterpumpe wird dieser Effekt durch das gleichzeitige Verdampfen geeigneter Metalle (zum Beispiel Titan) verstärkt (Gettern des Restgases). Kryopumpen sind Vakuumpumpe hoher Saugleistung für niedrige Drücke, zum Beispiel in Weltraumsimulatoren. Ihre Wirkung beruht auf der Kondensation aller Gase außer Helium an Metallflächen, die durch flüssiges Helium gekühlt werden.

Vakuumstahl: durch Vakuummetallurgie erzeugter hochreiner Stahl; der Wasserstoff- und Sauerstoffgehalt wird dabei auf etwa ein Drittel vermindert.

Vakuumtechnik: Gesamtheit der Anlagen, Apparate, Messgeräte und Maschinen sowie auch der Verfahren, nach denen für Industrie- oder Laborzwecke ein Vakuum erzeugt oder in einem Vakuum gearbeitet wird, zum Beispiel können Verdampfen, Destillieren, Entgasen, Trocknen, Glühen und Schmelzen im Vakuum durchgeführt werden. Vorteile der Vakuumtechnik sind unter anderem geringere Oxydationsgefahr, Schonung wärmeempfindlicher Stoffe und Einsparung von Energie infolge niedrigerer Arbeitstemperaturen.

Vakuumzustand: in der Quantenfeldtheorie der zur niedrigsten, gewöhnlich auf Null normierten Energie gehörende Zustand; Grundzustand des Systems. Der Vakuumzustand ist nicht notwendigerweise frei von Teilchen oder Feldern (siehe auch Dirac-Gleichung). Der Vakuumzustand kann entartet sein, zum Beispiel beim Ferromagnetismus oder in bestimmten Eichfeldtheorien, das heißt, es gibt dann mehrere Vakuumzustand

Vakzination: (dat. vaccinus, «von Kühen stammend») ursprünglich Kuhpockenimpfung zur Prophylaxe der Pocken; inzwischen Sammelbegriff für Impfungen mit lebenden oder toten Erregern.

Val, Grammäquivalent: die Grammmenge eines Stoffes, die mit dem Umsatz von 1 Mol Wasserstoffatomen (1,008 g), Protonen oder Elektronen verknüpft ist. 1 Val eines Stoffes errechnet sich folglich als Quotient aus der Molmasse und seiner Wertigkeit (bei Redoxreaktionen dem Wertigkeitswechsel). Trotz einer Reihe von Vorteilen in der Praxis sieht das internationale physikalische Maßeinheitensystem den Begriff Val nicht vor.

Vala, Katri, eigentlich Karin Alice Wagenström, 11.9.1901-28.5.1944, finnische Dichterin; trat für sozialen Fortschritt ein und bekämpfte Faschismus und Krieg, so in den Gedichtbänden «Rückkehr» (1934), «Der Nestbaum brennt» (1942); übte starken Einfluss auf die finnische Lyrik aus.

Valdemar, Waldemar, dänische Könige: 1. Valdemar l., 14.1.1131-12.5.1182, König seit 1157; begründete die dänische Großmachtpolitik; Feldzüge gegen die Wenden (1160/64), Eroberung Rügens 1168. 2. Valdemar, Valdemar IV. Atterdag, um 1320-24.10.1375, König seit 1340; festigte nach längeren inneren Wirren das Reich und stellte es in seinem alten territorialen Umfang wieder her, eroberte Visby 1361 und geriet dadurch in Konflikt mit der Hanse, die ihn besiegte und im Frieden von Stralsund 1370 zu wirtschaftlichen und politischen Zugeständnissen zwang.

Valdes, Alfonso de, um 1490-3.10.1532, spanischer Schriftsteller; setzte sich leidenschaftlich für die Verbreitung der Ideen des europäischen Humanismus ein; sein «Dialog über Merkur und Charon» (1529) ist eine boshafte Satire auf Missstände der Kirche.

Valdivia: Stadt in Chile, im Kiemen Süden, am Zusammenfluss des Calle calle und Cruces zum Fluss Valdivia; 110000 Einwohner; Lebensmittel-, Leicht-, metallverarbeitende Industrie, Werften; Seehafen, an der Carretera Panamericana, Flughafen; Universität. 1960 durch Erdbeben und Springflut stark zerstört, modern wiederaufgebaut.

Valdivia, Pedro de, 1497-1554, spanischer Konquistador; Teilnehmer an der Eroberung des Inkareiches unter Pizarro; begann 1540 mit der Eroberung Chiles; Gründer von Santiago de Chile und Valdivia.

Valek, Miroslav, geboren 15.7.1927, slowakischer Dichter; Kulturminister der SSR (seit 1969). «Vier Bücher der Unruhe» nannte Valek die Gedichtbände 1959/65, in denen er die Einheit der Widersprüche in der Welt aufrüttelnd festhielt. Schaffensbekenntnisse sind der Gedichtzyklus «Das Wort» (1976) und die Aufsätze «Die Kunst, Kunst zu haben» (1979). deutsch Auswahl «Gedichte» (1962, 1970).

Valence: Stadt im Süden Frankreichs, Verwaltungszentrum des Departements Dröme, an der Rhône; 66000 Einwohner; Metallindustrie, Herstellung von Seiden-, Strick- und Schmuckwaren; romanische Kathedrale Saint-Apollinaire (11./12. Jahrhundert).

Valencia: 1. Valencia: autonome Region im Osten Spaniens, am Mittelmeer; 23 305 km2, 3,6 Millionen Einwohner; 154 Einwohner/km2; wichtigster Ort Valencia 2 umfasst 3 Provinzen; in der Küstenebene, insbesondere in den Huertas (künstlich bewässerte Fruchtgärten) Anbau von Reis, Gemüse, Zitrusfrüchten, ferner Getreide, Wein, Oliven; vielseitige Industrie.

2. Valencia: Stadt, Verwaltungszentrum der Provinz und der Region Valencia, in Gartenlandschaft am Turia; 750000 Einwohner; Schiffbau, Metall-, Textil-, chemische, keramische Industrie; internationale Mustermesse; Hafen El Grao, internationaler Flughafen, Universität (gegründet 1501); Stierkampfarena; orientalisch anmutende Altstadt, Kathedrale (13./15. Jahrhundert), Reste maurische Bauten. 138 vor Christus als römische Kolonie gegründet; 413/714 nach Christus westgotisch, dann maurisch (1021/94 selbständiges Emirat), 1238 endgültige Vertreibung der Mauren, 1319 mit Aragonien vereinigt. Während des Spanischen Freiheitskampfes verlegte die Volksfrontregierung 1936/37 ihren Sitz von Madrid nach Valencia

3. Valencia: Hauptstadt des Bundesstaates Carabobo (Venezuela), westlich des Lago de Valencia; 490000 Einwohner; Textil-, metallverarbeitende, chemische Industrie; wichtiger Agrarmarkt; Flughafen; Universität.

Valenciennes: Stadt im Norden Frankreichs, an der Schelde; 42000 Einwohner; Metall-, chemische und Textilindustrie, Zuckerraffinerie; Kanalhafen; Kunstgalerie.

Valentin: 1. Valentin, Karl, eigentlich Valentin Ludwig Fey, 4.6.1882-9.2.1948, Komiker und Bühnenautor; gestaltete (seit 1911 zusammen mit Lisi Karlstadt (12.12.1892-27.7.1960)) in vielen Sketches und Filmen zumeist die Kämpfe des «kleinen Mannes» mit der Tücke des Objekts und der Logik der Sprache. Die Ursprünglichkeit seines Humors, die Denkmethodik und Spielweise beeinflussten den jungen B. Brecht.

2. Valentin, Thomas, 13.1.1922-22.12.1980, Schriftsteller der BRD; schrieb aus antifaschistischer-humanistischer Grundhaltung zeitkritische Romane («Hölle für Kinder», 1961; «Die Unberatenen», 1963; «Stillleben mit Schlangen», 1967/79), Erzählungen («Nachtzüge», 1964; «Der Fisch im roten Halstuch», 1969) und Kinderbücher.

Valentinian, Name dreier römischer Kaiser. Der bekannteste war Flavius Valentinianus 321 - 17.11.375, Kaiser seit 25.2.364 (vom Heer proklamiert); er übernahm den Westen des Reiches und setzte seinen Bruder Valens zum Kaiser des Ostens ein. Valentinian sicherte die Grenzen an Donau und Rhein gegen die Sarmaten und Alemannen.

Valenz:

1. Chemie: Wertigkeit.

2. Sprachwissenschaft: syntaktische Wertigkeit, vor allem des Verbs; Fähigkeit, Ergänzungsbestimmungen (Subjekte, Objekte und so weiter) an sich zu binden, zum Beispiel «Er» gab «seinem Bruder» «ungern» «einen Rat».

Valerian, Publius Licinius Valerianus, um 193-260, römischer Kaiser seit 253; versuchte erfolglos, das Eindringen benachbarter Völker ins Reich zu verhindern; wurde 260 bei Edessa von den Persern geschlagen und gefangengenommen.

Valeriansäure, Pentansäure-, farblose, nach Baldrian und Schweiß riechende Flüssigkeit; Kp 187°C; Salze und Ester Valerianate.

Valerius Flaccus, Gaius Valerius Flaccus Setinus Balbus, römischer Dichter aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhundert nach Christus; schrieb das (unvollendete) Epos «Argonautica» über den Zug der Argonauten nach Kolchis.

Valerius Maximus, römischer Schriftsteller aus der 1. Hälfte des 1. Jahrhundert nach Christus; sein Werk «Denkwürdigkeiten und Aussprüche» ist eine nach sachlichen Gesichtspunkten zusammengestellte Sammlung von teils römischen, teils ausländischen Beispielen.

Valéry, Paul, 30.10.1871-20.7.1945, französischer Dichter und Essayist; sein hohes Ansehen in der bürgerlichen Kultur beruht auf symbolistische Dichtungen («Die junge Parze», 1917, deutsch, unter anderem) und seiner Verherrlichung eines elitären Ästhetentums.

Valet: Abschied, Lebewohl.

Valeurs: in der Malerei Tonwerte, die in den verschiedenen Abstufungen Licht und Schatten auf einem Gegenstand wiedergeben.

Vali, Vali Muhammad, um 1667 um 1720, indischer Dichter, schrieb in Urdu; verschaffte dem Urdu literarischer Geltung gegenüber dem bis dahin dominierenden Persischen. Seine Gedichte («Valis Sammlungen», 1720) zu erotischen, aber auch vielen anderen Themen sind gekennzeichnet durch Lebensfreude, religiöse Toleranz und Schönheitssinn.

Valler, Max, 9.2.1895-17.5.1930 (verunglückt), österreichischer Techniker; befasste sich in den 20er Jahren mit Publizistischen, theoretischen und praktischen Arbeiten auf dem Gebiet der Raketentechnik. Valler unternahm Versuche mit Feststoff- und Flüssigkeitstriebwerken sowie mit raketengetriebenen Straßen-, Schienen- und Wasserfahrzeugen sowie Flugzeugmodellen.

Valin, Symbol Val; essentielle Aminosäure; bildet farblose, mäßig wasserlösliche Kristalle; kommt gebunden in vielen Eiweißen vor.

Valindaba, Pelindaba: Ort in Transvaal (Republik Südafrika), im Witwatersrand, nordwestlich von Johannesburg; Urananreicherungsanlage, mit Unterstützung Deutschlands und Israels erbaut.

Valjevo: Stadt in Serbien, im Flussbecken der Kolubara (Zufluss zur Sava); 27000 Einwohner; Lignit-, Magnesit-, Kupfer-, Chromerzabbau; Metall-, Holz-, Leder-, keramische, Nahrungsmittelindustrie (Pflaumenverarbeitung).

Valladolid: Stadt im mittleren Spanien, Verwaltungszentrum der Provinz Valladolid, am Pisuerga; 330000 Einwohner; Maschinenbau, Aluminium-, chemische, Kfz-, Textil-, Zuckerindustrie; Verkehrsknoten; Universität (gegründet 1346), Kunstakademie; Dominikanerkolleg; Gemäldegalerie; Renaissancekathedrale San Pablo; Kolumbusdenkmal.

Vallathol, Narayan Menon, 26.10.1878-13.3.1958, indischer Lyriker, schrieb in Malayalam; protestierte in seinen Gedichten und Kurzpoemen gegen Kolonialismus und soziale Missstände und unterstützte den Kampf um den Weltfrieden («Verzeihung», 1925; «Die Klage Indiens», 1946); Vallathol war Mitglied des Weltfriedensrates.

Valle-lnclán, Ramón Maria del, 28.10.1869 5.1.1936, spanischer Schriftsteller; versuchte als feinsinniger Analytiker und großartiger Stilist, seiner Welterfahrung und der spanischen Wirklichkeit einen adäquaten Ausdruck zu verleihen (Romantrilogie «Der Karlistenkrieg», 1908/09).

Vallejo, César Abraham, 16.3.1892 bis 15.4.1938, peruanischer Lyriker, gestaltete zunächst das Gefühl tiefster Vereinsamung («Trilce», 1922), später das Ringen um die Rettung der Menschheit vor der faschistischen Barbarei, besonders während des Spanischen Freiheitskampfes («Menschliche Gedichte», 1939); gelangte zu einer der ersten Darstellungen des Kampfes der Arbeiterklasse Lateinamerikas (Roman «Wolfram für die Yankees», 1931, deutsch).

Vallentin, Maxim, geboren 9.10.1904, Regisseur und Theaterleiter; gründete 1928 die Agitpropgruppe «Das Rote Sprachrohr» in Berlin; emigrierte 1933 in die UdSSR, wo er unter anderem an deutschsprachigen Theatern in Dnepropetrowsk und Engels sowie am Moskauer Rundfunk tätig war, 1947 Begründer des Deutschen Theaterinstituts in Weimar, Professor seit 1949, 1952/68 Intendant und Regisseur am Maxim Gorki Theater Berlin; verdient insbesondere um die schöpferische Anwendung der Lehren K. Stanislawskis.

Vallès, Jules, 11.6.1832-14.2.1885, französischer Journalist und Schriftsteller, aktiver Teilnehmer an der Pariser Kommune; gestaltete in der Romantrilogie «Jacques Vingtras» (1879/86, deutsch) sowie in Erinnerungen die Erfahrungen seines Lebens.

Valletta: Hauptstadt von Malta, auf felsiger Landzunge; früher La Valetta; 14000 Einwohner; umfangreiche Werftanlagen, Textil-, Möbel-, metallverarbeitende, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie (Tabakwaren); 2 Naturhäfen, internationaler Flughafen; Universität, Observatorium, botanischer Garten; Theater, Museum, Bibliothek; Fremdenverkehr.

Vallin de la Mothe, Delamotte, Jean-Baptiste-Michel, 1729-7.5.1800, französischer Architekt, vorwiegend in Russland tätig. Seine Bauten in Petersburg (sogenannt Kleine Ermitage 1764/67, Kaufhof 1761/85, Katharinenkirche 1763/83) weisen ihn als einen typischen Vertreter des Übergangs vom Barock zum Klassizismus aus.

Vallotton, Félix, 28.12.1865-29.12.1925, französischer Maler und Holzschneider schweizerischer Herkunft; neben symbolistisch beeinflussten Gemälden schuf er flächig-expressive Holzschnitte, in denen große schwarze Flächen hart mit weißen kontrastieren; besonders Darstellungen des Pariser Lebens, des Kampfes der Arbeiterklasse und Bildnisse berühmter Zeitgenossen (zum Beispiel M. Gorki).

Valmy: Gemeinde im Nordosten Frankreichs, zwischen Verdun und Châlons-sur-Marne. Durch die Kanonade von Valmy (20.9.1792) wurde der Vormarsch der Preußen und Österreicher auf Paris gestoppt; erster Erfolg der Freiwilligenheere der Revolution über die feudal-monarchistische Reaktion.

Valois: französisches Königshaus (1328/1589), Nebenlinie der Kapetinger.

Valonea: gerbstoffhaltiger schuppiger Fruchtbecher (mit und ohne Eichel) von Eichenarten des Mittelmeerraumes; Gerbmittel.

Valparaiso: Stadt (Provinzzentrum) in Mittelchile, am Stillen Ozean; 280000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, Metall-, Zement-, chemische, petrolchemische, pharmazeutische, Leichtindustrie; wichtigster Importhafen des Landes und größter Hafen an der Westküste Südamerikas, Anschluss an die Carretera Panamericana; 2 Universitäten, Hochschulen, Marineakademie, Institute, naturhistorisches Museum.

Valuta: a) banktechnischer Begriff für Wert (zum Beispiel Kreditvaluta);

b) auf ausländische Währungen lautendes Zahlungsmittel (sowohl Devisen als auch Sorten) einschließlich Edelmetallbestand.

Valutagegenwert: in die eigene Währung zu einem bestimmten Währungskurs umgerechneter Valutapreis. Der Ausweis des Valutagegenwerts erfolgt in Valuta Mark.

Valutakurs, Währungskurs: Preis einer Währung, ausgedrückt in einer anderen Währung; auch Austauschverhältnis von Devisen (Devisenkurs) und bei Banknoten und Sorten (Sortenkurs) untereinander. ursprünglich stellte der Valutakurs einen Wechselkurs dar, der sich auf der Devisenbörse nach Angebot und Nachfrage herausbildete. Im heutigen Kapitalismus beruht der Valutakurs auf den Kaufkraftparitäten und kurzfristig auf der Entwicklung der Zahlungsbilanzen, nachdem Paritätskurse (auf der Grundlage der Goldparitäten) und feste Valutakurs in den 70er Jahren abgeschafft wurden. Im Sozialismus hat der Valutakurs die Funktion, die nationalen Preisniveaus der Volkswirtschaften vergleichbar zu machen. entsprechend den unterschiedlichen Preisbasen und -typen werden vom sozialistischen Staat differenzierte Valutakurs angewandt, so als Valutakoeffizienten (interner Umrechnungskurs), Devisen- und Sortenumrechnungssätze der Staatsbank der DDR für nichtkommerzielle Zahlungen (auf der Grundlage eines Preisvergleichs ausgewählter Waren in den sozialistischen Ländern beziehungsweise der effektiven Währungskurse auf Devisenmärkten festgelegt) und Währungskurs des transferablen Rubels als kollektiver Währung der RGW-Mitgliedsländer gegenüber Drittländern.

Valuta-Mark, Abkürzung VM: spezifische Ausdrucksform ausländischer Währungen in Mark der DDR entsprechend den angewandten Umrechnungssätzen und Valutakoeffizienten zum Zweck der Volkswirtschaft!. Bilanzierung, der Leistungsbewertung des Außenhandels, der Ermittlung der Exportrentabilität sowie des Ausweises der Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.

Valutapreis: der auf dem Weltmarkt beim Export erzielte oder beim Import gezahlte Preis, der in der jeweiligen Auslandswährung oder in einem Valutagegenwert ausgedrückt wird.

Valutaverrechnungspreis: Erlös, den die Exportbetriebe mit einheitlichem Betriebsergebnis für Exporterzeugnisse in Mark der DDR erhalten.

Vamp: (englisch Kurzwort für Vampir) in Hollywood geschaffener Filmtyp einer mondänen, erotisch anziehenden, meist berechnenden Frau.

Vampir: im Volksglauben blutsaugender, nächtlich wiederkehrender Toter (Wiedergänger).

Vampire, Blutsauger, Desmodontidae: im subtropischen und tropischen Amerika heimische Fledermausfamilie mit messerscharfen oberen Schneidezähnen zum Aufritzen der Haut von Warmblütern, deren austretendes Blut aufgeleckt wird; greifen auch Menschen an.

Vanadium, Vanadin beide (nach Vanadis, Beiname der germanischen Göttin Freyja) n, Symbol V: chemisches Element der Kernladungszahl 23; Atommasse 50,9415; Wertigkeiten +5, +4, +3, +2; F1890°C; Kp etwa 3000°C; Dichte 5,98 g/cm3. Minerale sind Vanadinit, Patronit, Camotit u. a. Vanadium kommt auch in Kupfer-, Eisen- und anderen Erzen vor; in Manteltieren ist es blutfarbstoffbildendes Element. Vanadium ist ein stahlähnlich aussehendes, luftbeständiges, sehr hartes, in reinstem Zustand duktiles, sonst sprödes Metall, das sich in Fluss- und Salpetersäure löst; gegen Alkalien ist es beständig. Etwa 95 % der Produktion werden, meist in Form von Ferro-Vanadium (mit 40 bis 75% Vanadium), als Legierungsmetall für Stahl (Vanadium Stahl) verwendet. Vanadium wurde 1801 von dem mexikanischen Mineralogen Andrés Manuel del Rio (1764-1849) als Oxid entdeckt, 1830 nochmals von dem schwedischen Chemiker Nils Gabriel Säfström (1787-1845), der ihm seinen Namen gab.

Vanadiumverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Vanadium. Das orangefarbene, kristallisierte Vanadium(V)-oxid, V205 (F658 °C) wird als sauerstoffübertragender Katalysator, zum Beispiel bei der Schwefelsäureherstellung, verwendet. Es löst sich in Alkalien unter Bildung farbloser Vanadate, zum Beispiel Ammoniumvanadat. In Vanadat Lösungen bilden sich beim Ansäuern gelbe bis orangefarbene, lösliche Vanadium Säuren. Vanadylverbindungen enthalten das Ion VOJ+, zum Beispiel das blaue, wasserlösliche Vanadyl Sulfat (Vanadium(IV)-oxidsulfat), V0S04.

Van-Blommestein-See: Stausee am Fluss Suriname in Suriname (Südamerika), bei der Stadt Brokopondo; 1560 km7, 50 m tief; Staudamm und Wasserkraftwerk bei Afobaka; Nutzung der Elektroenergie für die Bauxitverarbeitung in Paranam.

Vancouver: Stadt im Südwesten der Provinz Britisch-Kolumbien (Kanada), an der Straße von Georgia, am Stillen Ozean; 410000 Einwohner, als Metropolitan Area 1,3 Millionen Einwohner; Industrie-, Handels-, Finanz- und Verkehrszentrum Westkanadas; Erdölverarbeitung (Pipeline von Edmonton), Lebensmittel-, Leicht-, metallverarbeitende, chemische Industrie, Werft; bedeutendster Hafen an der kanadischen Westküste, internationaler Flughafen auf Sea Island (15 km südwestlich), Endpunkt von transkontinentalen Straßen und Eisenbahnlinien; Universität; Museen.

Vancouver Insel: größte Insel an der Westküste Nordamerikas (Kanada (Provinz Britisch-Kolumbien)); 32137 km2, rund 400000 Einwohner; Hauptort und -hafen Victoria. Die gebirgige, bis 2200 m aufragende Vancouver Insel ist an der Pazifikküste durch Fjorde stark gegliedert und zum größten Teil mit Nadelwald bedeckt. Holzindustrie, Fischereiwirtschaft, Bergbau auf Kupfer-, Eisen- und Polyerze.

Vancura, Vladislav, 26.6.1891-1.6.1942 (von deutschen Faschisten ermordet), tschechischer Schriftsteller, Filmschaffender. Den Kommunismus als Verwirklichung des uralten Anspruchs auf Menschenglück auffassend, leistete Vancura einen bedeutenden Beitrag zur sozialistischen Literatur, unter anderem mit den Romanen «Der Bäcker Jan Marhoul» (1924, deutsch), «Drei Flüsse» (1936), «Pferd und Wagen» (1938, als 1. Teil einer unvollendeten Trilogie), der Parodie «Launischer Sommer» (1926, deutsch) und der «Räuberballade» (1931, deutsch); ferner Filmszenarien, Kinderbücher sowie Kunstbetrachtungen.

Vanderbilt, Cornelius, 27.5.1794 bis 4.1.1877, reichster USA-Kapitalist seiner Zeit (geschätztes Vermögen bei seinem Tode mehr als 105 Millionen US-Dollar); zunächst Werftunternehmer und Reeder, erwarb später bedeutende Eisenbahngesellschaften und vergrößerte sein Vermögen durch Börsenspekulationen.

Vandervelde, Emile, 25.1.1866-27.12.1938, belgischer Politiker; einer der Führer der II. Internationale, 1914/37 wiederholt Minister.

Vänersee, schwedisch Vänern: größter See Schwedens, in der mittelschwedischen Senke; 5585 km, bis 89 m tief, 180 km lang; tektonische Graben; zahlreiche Inseln und Halbinseln; Hauptzufluss Klarälven, Abfluss über kanalisierten, schiffbaren Göta Älv; am Nord- und Westufer bedeutende Holz-, Zellulose- und Papierindustrie; Schlösser (Mariefred).

Vanguard: («Vorhut») 1. Bezeichnung für eine US-amerikanische Rakete; 1958/59 als Trägerrakete für den gleichnamigen Erdsatelliten eingesetzt.

2. Erdsatellit, künstlicher.

Vanille, Vanilla planifolia: tropische Orchidee mit weißgrünen Blüten; die langen schotenähnliche Kapselfrüchte werden fermentiert als Gewürz verwendet; Heimat Mexiko.

Vanillin: Hauptgeruchsstoff der Vanilleschoten. Vanillin bildet farblose, leicht wasserlösliche Kristallnadeln von intensivem Vanillegeruch; F 82°C. Es ist als Glykosid in vielen Pflanzen enthalten, wird auch synthetisch hergestellt und in der Parfümerie sowie als Aromastoff verwendet.

Vansee, türkisch Van gölü: abflussloser sodahaltiger See in der Türkei, im Hochland von Armenien; 1720 m über dem Meeresspiegel, 3764 km2, bis 450 m tief.

Vanuatu, Republik Vanuatu. Staat im Südwesten des Stillen Ozeans (Melanesien), auf einer Inselgruppe mit 12 größeren und 70 kleinen Inseln, etwa 800 km westlich von Fidschi und 400 km nordöstlich von Neukaledonien. Von der Bevölkerung sind etwa 90% Melanesier. Amtssprachen sind Englisch und Französisch. Währung sind Australischer Dollar und Vatu. Teils Korallen-, teils Vulkaninseln (noch tätige Vulkane), wobei zur letzten Gruppe die größten Inseln, Eromanga gehören; feuchttropisches Seeklima. Die Inseln sind von tropischem Regenwald bedeckt. Vanuatu ist durch lange Kolonialherrschaft ein unterentwickeltes Agrarland. Wirtschaftlich am weitesten ist die Insel Efate entwickelt. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die als Naturalwirtschaft betriebene Landwirtschaft. Obwohl laut Verfassung der gesamte Grund und Boden den melanesischen Ureinwohnern gehört, befindet sich über ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Händen von Europäern, die nur 3% der Bevölkerung ausmachen. Für den Export Erzeugung von Kopra, Kakao, Kaffee und Gefrierfleisch, für den Eigenbedarf Anbau von Yams, Taro, Maniok und Bananen. Außerdem haben der Thunfischfang und die Manganerz Förderung auf Efate (durch australischen Kapital) sowie die Holznutzung Exportbedeutung. Ein wichtiger Devisenbringer ist der internationale Tourismus. zwischen den Inseln Flug- und Schiffsverkehr; internationale Flughäfen bei Vila und Luganville; Haupthafen Vila. Einfuhr von Lebensmitteln, Industriewaren und Brennstoffen, Haupthandelspartner sind Australien, Frankreich, Japan und die USA. Seit etwa dem 2. Jahrtausend vor Christus von urgesellschaftlichen Stämmen besiedelt, 1606 von portugiesischen Seefahrern entdeckt, 1768 von L. A. de Bougainville wiederentdeckt, 1774 von J. Cook Neue Hebriden genannt; im 19. Jahrhundert Ansiedlung von Europäern, Sandelholzexport und Verschleppung von Ureinwohnern. Nach Rivalitäten schlossen Großbritannien und Frankreich 1887 eine Konvention und errichteten 1906 ein Kondominium zur gemeinsamen Ausbeutung der Inseln. Die 1972 gegründete Vanuatu- (Heimat-) Partei wurde treibende Kraft im Kampf um staatliche Unabhängigkeit, die Vanuatu am 30.7.1980 erlangte.

Van Vleck, John Hasbrouck, 13.3.1899-27.10.1980, US-amerikanischer Physiker; lieferte wesentliche theoretische Beiträge zur Festkörperphysik, besonders zum Magnetismus.

Var: (Abkürzung aus englischen volt ampere reactive beziehungsweise französisch volt ampère réactif, «Blind-Voltampere») Zeichen var; Benennung für die SI-Einheit Watt bei Angabe von elektrischen Blindleistungen.

Varadero: Stadt in Kuba, im Norden der Provinz Matanzas; 10000 Einwohner; Fischerei, Nahrungsmittelindustrie; Flughafen; Touristenzentrum.

Varanasi: Stadt im Südosten des Unionsstaates Uttar Pradesh (Indien), am Ganges; früher Benares, 790000 Einwohner; Maschinen-, Diesellokomotivbau, Textilindustrie (Baumwollverarbeitung, Seiden- und Brokatwebereien), Kunsthandwerk (Messingarbeiten, Holzschnitzereien); Flughafen; Universität; religiöses Zentrum der Hindu: Wallfahrtsort mit mehr als 1500 Tempeln (18./19. Jahrhundert, darunter der sogenannt Goldene Tempel zur Shiva Verehrung) und den Ghats (Badetreppen zum Ganges).

Varangerfjord: Fjord im Nordosten Norwegens, in die Barentssee mündend; 118 km lang, zwischen 7 und 55 km breit; größter Fjord Norwegens; am Nebenarm Bökfjord der Erzhafen Kirkenes.

Varazdin: Stadt in Kroatien, an der Drau; 35000 Einwohner; Textil-, Leder-, Schuh-, Möbel-, Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten; Theater; Fremdenverkehr. Südwesten von Varazdin Schwefelbad Varazdinske Toplice.

Vardar: Hauptfluss Makedoniens; 388 km, davon 312 km in Jugoslawien, 76 km in Griechenland (hier Axios genannt); entspringt in der Sar planina südwestlich von Skopje, bildet mit der Morava die verkehrswichtige Morava-Vardar-Furche, mündet mit einem Delta in den Golf von Saloniki; Hauptnebenflüsse sind Treska, Cma Reka (von rechts) und Lepenac (von links); Bewässerungsanlagen.

Varela, Alfredo, 1914 Februar 1984, argentinischer Schriftsteller; leistete einen wichtigen Beitrag zur sozialistischen Literatur in Lateinamerika (Roman «Der dunkle Fluss», 1943, deutsch).

Varerkar, Bhargavaram Vitthal, genannt Mama Varerkar, 27.4.1883-23.9.1964, indischer Dramatiker und Übersetzer, schrieb in Marathi; befasste sich sozialkritisch mit aktuellen Themen («Der Vater des Jungen», 1919; «Sklaven der Macht», 1922; «Wunderbares Bengalen», 1953).

Vares: Stadt in Bosnien und Herzegowina, an der Slavm'a (zur Bosna), nordwestlich von Sarajevo; 8000 Einwohner; wichtiges Eisenerzförderzentrum; Mangan-, Chromerzabbau; Hüttenwerke.

Varese: Stadt in Oberitalien, in der Region Lombardei, Verwaltungszentrum der Provinz Varese; 89000 Einwohner; Textil- (Seiden-), metallverarbeitende, Leder-, Papierindustrie; Fremdenverkehr; Museum; Hauptkirche San Vittore (16./17. Jahrhundert).

Varese, Edgar, 22.12.1885-6.11.1965, französischer Komponist; lebte seit 1915 in den USA. Varese propagierte seit 1920 eine Klang und Geräusch gleichberechtigt behandelnde Musik, die er unter anderem mit Schlaginstrumenten (auch Sirenen), später mit elektronischen Tonerzeugern realisierte. Sein Stück «Ionisation» (1931, für Schlaginstrumente, Klavier und Sirenen) wirkte in diesem Sinne über Jahrzehnte richtungweisend.

Vargas, Getulio, 19.4.1883-24.8.1954 (Selbsttötung), brasilianischer Politiker; errichtete 1930 eine nationalistischen Diktatur (seit 1934 als Präsident), 1937 den profaschistischen Neuen Staat, 1945 wegen demokratische Zugeständnisse von der Armeeführung zum Rücktritt gezwungen; 1951/54 erneut Präsident, doch auf Grund seiner den nationalen Interessen stärker dienenden Politik durch Offiziersrevolte aus dem Amt verdrängt.

Vargas Llosa, Mario, geboren 28.3.1936, peruanischer Romancier; kritisiert die Verkehrung aller menschlichen Werte durch die kapitalistische Gesellschaft in Peru («Die Stadt und die Hunde», 1963, deutsch) und die Heuchelei der bürgerlichen Moral («Der Hauptmann und sein Frauenbataillon», 1973, deutsch). 1976 Präsident des PEN-Clubs.

variabel: veränderlich, wandelbar, wandlungsfähig, schwankend.

Variable: 1. allgemein veränderliche Größe.

2. Logik: Zeichen, das in einem bestimmten Kontext als Symbol steht für ein beliebiges, nicht spezifiziertes Objekt aus einem bestimmten Bereich; zum Beispiel die Aussagenvariable in der Aussagenlogik. Bezieht sich auf eine Individuen Variable der Prädikatenlogik eine Quantifizierung, so ist diese Variable gebunden, andernfalls ist sie frei.

3. Mathematik: Zeichen, das jedes Element einer bestimmten Menge bedeuten kann; zum Beispiel ist «x» in «sin x» eine Variable für reelle Zahlen.

Variante: 1. allgemein (geringe) Abweichung, Spielart.

2. Musik: a) gering veränderte, erleichternde Abweichung von der Originalgestalt einer schwierigen Vokal- oder Instrumentalstelle in einer Komposition;

b) Abweichung in einem Notenmanuskript oder -druck gegenüber anderen Vorlagen (zum Beispiel in einem kritischen wissenschaftlichen Bericht);

c) in der Musiktheorie H. Riemanns die im Vergleich zur Durtonart gleichnamige Molltonart (zum Beispiel C-Dur c-Moll) und umgekehrt.

3. Schach: bestimmte zweckmäßige Zugfolge in der Partie, besonders in der Eröffnung.

Varianz, Streuung, mittlere quadratische Abweichung: Wahrscheinlichkeitsrechnung Kennziffer, die die Größe der Schwankungen einer Zufallsgröße X um die mathematische Erwartung EX = fi beschreibt. Sie wird als mathematische Erwartung des Quadrats der Differenz X ¡i, das heißt durch Var X = E(X ¡i)1 = a2 definiert, wobei er als Standardabweichung bezeichnet wird.

Variation: 1. allgemein Abwechslung, Veränderung, Abwandlung.

2. Mathematik: Kombinatorik, Variationsrechnung.

3. Musik: grundlegendes Gestaltungsprinzip, das auf der verändernden Wiederholung einer melodischen, rhythmischen, metrischen, formalen oder instrumentalen musikalischen Gestalt beruht (zum Beispiel Chaconne, Passacaglia). Die Variation tritt in Erscheinung als

a) Technik innerhalb der verschiedensten Formen;

b) Bearbeitung eines musikalischen Ganzen, zum Beispiel durch Diminution (Verkleinerung) und Augmentation (Vergrößerung) der Notenwerte;

c) besondere zyklische Form im Sinne eines Themas mit Variationen (Variationsreihe oder Variationsfolge); diese ist im Wesentlichen von der Melodievariation geprägt, die die melodischen Grundgestalt unter beibehaltener Harmonik verschiedenartig umspielt (Figuration, Kolorierung). Freiere thematische Bearbeitung erfährt die Melodievariation im 19. Jahrhundert in der Fantasie- und der Charaktervariation.

4. Tanz: im klassischen Ballett ein Solotanz; Bestandteil des grand Pas de deux.

Variationsmethoden: nummerische Mathematik Näherungsverfahren zur Lösung von Differentialgleichungsproblemen durch Überführung in Variationsprobleme und Konstruktion direkter Verfahren zur Behandlung derselben. Siehe auch finite Ausdrücke.

Variationsrechnung: Teilgebiet der Analysis mit der Problemstellung, innerhalb einer Klasse von Funktionen die Funktion zu finden, für die zum Beispiel ein gegebener Integralausdruck einen möglichst großen oder kleinen Wert besitzt. Die notwendigen Bedingungen für das Eintreten eines Extremwertes erhält man durch kleine Änderung (Variation) der als existent vorausgesetzten Lösung.

Varietät: 1. allgemein Verschiedenheit, Buntheit; Abart, Spielart.

2. Varietät, Abkürzung var.: Biologie systematische Kategorie unterhalb der Art; in der Züchtung auch als Rasse und Sorte bezeichnet.

Varieté: Theater für artistische Programme, Musicals, Revuen; Ende des 18. Jahrhundert in Großbritannien entstanden,

variieren: verschieden sein, abweichen; abwandeln; sich unterscheiden.

Varikozele, Krampfaderbruch: krankhafte Erweiterung und Schlängelung der Venen des Samenstrangs; tritt meist nur einseitig, am häufigsten zwischen 15. und 25. Lebensjahr, auf.

Variometer:

1. Elektronik: Spulenanordnung mit stetig einstellbarer Induktivität zur Abstimmung von Schwingkreisen, insbesondere bei Rundfunksendern.

2. Luftfahrt: Gerät an Bord eines Flugzeuges, das die Steig- und Sinkgeschwindigkeit anzeigt. Dosen-, Stauscheiben- und elektrischer Variometer sind am gebräuchlichsten.

Varistor, (Kurzwort aus variable resistor, englisch) englisch Abkürzung VDR: spannungsabhängiger elektrischer Widerstand (Bauelement) aus gesintertem Siliziumkarbid, dessen Widerstandswert mit steigender Spannung abnimmt.

Variszikum: geologischer Zeitabschnitt, der die Herausbildung der variszische Geosynklinalen (etwa seit dem Devon) und die variszische Tektogenese und Orogenese (Carbon bis Perm) auf der Erde umfasst. Zutage tretende Schollen des variszischen Gebirges sind in Europa unter anderem Erzgebirge, Harz und Rheinischen Schiefergebirge benannt nach dem germanischen Stamm der Varisker, die um Curia Variscorum.

variszisches Gebirge: im weiteren Sinne die im Jungpaläozoikum entstandenen Orogene Eurasiens, Nordamerikas, Australiens, zum Beispiel Ural und Appalachen. Das variszische Gebirge im engeren Sinne, auch Herzyniden genannt, erstreckt sich vom Französischen Zentralplateau in nordöstlicher und östlicher Richtung im großen Bogen durch Mitteleuropa; ist unter anderem im Rhein. Schiefergebirge, Harz und Erzgebirge zugänglich.

Varlin, Eugène, 5.10.1839-28.5.1871, französischer Arbeiterführer, seit 1865 Mitglied der I. Internationale; zurzeit der Pariser Kommune 1871 Mitglied des ZK der Nationalgarde, des Generalrates und Beauftragter für Kriegswesen; nach Gefangennahme durch Versailler Truppen ermordet.

Varma, Mahadevi, geboren März 1907, indische Lyrikerin und Schriftstellerin, schreibt in Hindi; vertritt in ihrer Dichtung den Chayavad, eine neoromantische Literaturströmung («Nebel», 1930; «Kerzenlicht», 1942); ihre Prosaskizzen dagegen stehen dem kritischen Realismus nahe («Bilder der Vergangenheit», 1941).

Varnalis, Kostas, 14.2.1884-16.12.1974, griechischer Schriftsteller; übte als Marxist fundierte Kritik an den philiströsen Idealen der bürgerlichen Gesellschaft (Erzählung «Die wahre Apologie des Sokrates», 1931, deutsch), trat auch als Lyriker, Übersetzer sowie Literaturkritiker hervor.

Varnhagen von Ense: 1. Karl August, 21.2.1785-10.10.1858, Literaturkritiker und Schriftsteller; wegen liberaler Ansichten als preußischer Beamter in den Ruhestand versetzt; schrieb kulturhistorisch bedeutsame «Denkwürdigkeiten» (7 Bände 1837/46, Bände 8/9 1859) und gesellschaftskritische «Tagebücher» (14 Bände, 1861/70).

2. Rahel, geboren Levin, 26.5.1771-7.3.1833, Tochter eines jüdischen Arztes, Frau von Varnhagen von Ense 1; in ihrem berühmten Salon verkehrten Schriftsteller und Gelehrte. Varnhagen von Ense setzte sich für die Juden- und Frauenemanzipation ein und förderte das Verständnis für Goethes Werk.

Varpalota: Stadt in Ungarn (Bezirk Veszprem), an der Südostabdachung des Bakony; 28300 Einwohner; Braunkohlentagebau; im Stadtteil Inota Wärmekraftwerk und Aluminiumhütte, im Stadtteil Petfürdö Stickstoffwerk, Erdölraffinerie, Bau von Bergbaumaschinen; Chemiemuseum; Thermalbad in Petfürdö; spätgotische (15. Jahrhundert), barockschlossartig umgestaltete Burg.

Varro, Marcus Terentius, 116-27 vor Christus, römischer Dichter; Universalgelehrter; von seinen zahlreichen Werken, auf die die gesamte spätere Forschung aufbaute, sind außer Fragmenten ein Buch über die Landwirtschaft und ein Teil des Buches über die lateinische Sprache erhalten.

Varus, Publius Quinctilius, um 46 vor Christus-September 9 nach Christus (Selbsttötung), römischer Feldherr; seit 7 nach Christus Oberbefehlshaber in Germanien; wurde 9 nach Christus mit 3 Legionen in der Schlacht im Teutoburger Wald von Arminius vernichtend geschlagen.

Vas: (VDJ) Bezirk im Westen Ungarns; 3337 km2, 282000 Einwohner; 85 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Szombathely-, umfasst einen Teil des Alpenvorlands und das davor gelagerte, von der Raab durchflossene Hügelland; Weizen-, Zuckerrübenanbau; Rinder- und Schweinezucht; Leicht- und Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbau.

Vasall: (französisch - keltisch) Lehns-, Gefolgsmann; siehe auch Lehnswesen.

Vasarely, Victor, geboren 9.4.1908, ungarischer Maler und Graphiker, lebt seit 1930 in Frankreich; gehört zu den Begründern der mit sozialutopischen Ideen verflochtenen Opart.

Vasari, Giorgio, 30.7.1511-27.6.1574, italienischer Maler, Baumeister und Kunsthistoriograph; als Maler schuf er manieristische Bildnisse und Fresken unter anderem im Palazzo Vecchio in Florenz (seit 1555) und in der Scala Regia des Vatikans (1571/73); bedeutender ist sein Schaffen als Baumeister (Uffizien in Florenz, 1560/74) sowie als Kunsthistoriograph; seine Künstlerbiographien «Künstler der Renaissance» (1550, deutsch) gehören zu den wichtigsten Quellenwerken der europäischen Kunstgeschichtsschreibung.

Vase: (französisch dat. vas, «Gefäß») Archäologie jedes antike Tongefäß, das entweder dem täglichen Gebrauch als Vorrats-, Schöpf- oder Trinkgefäß oder kultischen Zwecken diente.

Vaseline, (Kunstwort, deutsch Wasser + griechisch elaion, «Öl»), Vaselin: weißes bis gelbes, weiches, geruch- und geschmackfreies, salbenartiges Gemisch aus hauptsächlich flüssigen und festen verzweigtkettigen Alkanen. Gelbe Vaseline (Vaselinum flavum) wird aus Rückständen der Erdölverarbeitung, weiße Vaseline (Vaselinum album) daraus durch Behandlung mit Bleicherde gewonnen.

Vasenmalerei: in der Antike Bemalung von Gefäßen aus gebranntem Ton. Die altgriechische Vasenmalerei wurzelt in frühgeschichtlichen Traditionen. Die kretisch-mykenische Technik der Gefäßmalerei mittels feinen Tonschlickers, der im Brand glänzend schwarze, braune oder rote Färbung annimmt, wurde von den Griechen übernommen. Seit dem 10. Jahrhundert vor Christus bildete sich der geometrische Stil heraus, der sich besonders im Dekorationssystem der Vasenmalerei äußerte; der Gefäßkörper wurde mit umlaufenden Linien, Ornamenten und figürlichen Szenen geschmückt, die geometrischen Formen zeigen. Mit dem zunehmenden Einfluss des Orients im 8. und frühen 7. Jahrhundert vor Christus wurden durch den sogenannt orientalisierenden Stil die starren geometrischen Dekorationen zugunsten einer gelösteren Menschen- und Tierdarstellung aufgelockert (Tierfries mit orientalischen Fabelwesen). Trotz der auch weiterhin übliche Verwendung von Rot für Details und Weiß für weibliche Körperteile setzte sich dann im archaischen Stil Ende 7./Anfang 6. Jahrhundert vor Christus die schwarze Bemalung durch, so dass von einem schwarzfigurigen Silhouetten Stil gesprochen wird, bei dem Binnenzeichnung meist durch Ritzlinien angegeben ist. Im letzten Drittel des 6. Jahrhundert vor Christus vollzog sich in der Vasenmalerei der grundlegende Wandel zur rotfigurigen Technik -, die Figuren sind aus dem schwarzen Tonüberzug in Tonfarbe ausgespart, während ihre Binnenzeichnung in feinen Strichen in Schwarz auf rotem Tongrund aufgetragen wurde. Die Keramik des Hellenismus beschränkte sich hingegen meist auf schwarzglänzende Ware mit farbig oder weiß aufgesetztem Dekor.

Vasmer, Max, 28.2.1886-30.11.1962, Slawist; Professor unter anderem in Petersburg, Leipzig, Berlin, Stockholm, zuletzt Westberlin; Verfasser des «Russischen etymologischen Wörterbuches» (1951/58), der Abhandlung «Die Slaven in Griechenland» (1941) und zahlreicher Arbeiten zur Geschichte der slawischen Sprachen.

Vasodilatation: Erweiterung von Blutgefäßen durch Verminderung der Spannung der Gefäßwandmuskulatur. Die Vasodilatation wird vor allem nervös durch verminderte Gefäßnervenerregung verursacht und dient der Durchblutungs- und Kreislaufsteuerung. Sie kann aber auch humoral und örtlich durch Kohlendioxid und andere Stoffwechselprodukte ausgelöst werden. Siehe auch Vasokonstriktion.

Vasokonstriktion: Verengung von Blutgefäßen durch Erhöhung der Spannung der Gefäßwandmuskulatur. An kleinen Arterien und Arteriolen ist die Vasokonstriktion am stärksten ausgeprägt. Sie wird vorwiegend nervös durch Erhöhung der Aktivität adrenerger sympathischer Nervenfasern bewirkt. In bestimmten Blutgefäßen führt Blutdruckanstieg durch Dehnung der Gefäßwand zur Vasokonstriktion Neben der Herztätigkeit sind Vasokonstriktion und Vasodilatation ein wichtiger Stellmechanismus in der Kreislaufregulation.

Vasomotoren: Bezeichnung für alle auf die Muskulatur der Blutgefäße wirkenden vegetativen Nerven.

Vasopressin, Adiuretin: Peptidhormon des Hypophysenhinterlappens, das in der Niere die tubuläre Wasserrückresorption und Natriumausscheidung steigert und die Ausscheidung eines konzentrierten Harns ermöglicht.

Vassilikos, Vasilikos, Vassilis, geboren 18.11.1933, griechischer Schriftsteller und Fernsehdramaturg; sein Talent entzündete sich im Widerstand gegen die griechische Bourgeoisie und ihren bornierten Antikommunismus (Romane «Z», 1966, deutsch; «Die Fotografien», 1968, deutsch).

Västeras: Stadt im mittleren Schweden, Verwaltungszentrum der Provinz Västmanland, am Nordufer des Mälarsees; 120000 Einwohner; Kupferhütte, Maschinenbau, Elektro-, Lebensmittelindustrie; Wärmekraftwerk; größter Binnenhafen Schwedens; gotischer Dom (13. Jahrhundert), Schloss (um 1300).

V. ist ein alter Handelsplatz, seit etwa 1120 Bischofssitz. 1521 bei Västeras Sieg der schwedischen Bauern unter Führung des späteren Königs Gustav I. Vasa über die Dänen. Auf Reichstagen zu Västeras wurden 1527 die Reformation eingeführt und 1544 Schweden zum Erbkönigreich erklärt.

Vaterland: das politische, soziale und kulturelle Milieu, in dem ein Volk oder eine Nation leben und arbeiten und mit dem sie durch ihre Geschichte verbunden sind. Das Vaterland ist eine komplexe gesellschaftliche Erscheinung, die sowohl die politische und sozialen Beziehungen (politische Organisationen, Kultur und so weiter) als auch Territorium und Sprache umfasst. Das sozialpolitische Wesen des Vaterlands wird entscheidend geprägt durch die ökonomisch und politisch herrschende Klasse. In diesem Sinne haben die Proletarier im Kapitalismus kein Vaterland Die Arbeiterklasse, der die politische, sozialen und kulturellen Bedingungen ihres Kampfes und die Geschichte ihres Landes jedoch nicht gleichgültig sein können, kämpft unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei um die Befreiung ihres Landes von Ausbeutung und Unterdrückung, für die Errichtung ihrer politischen Macht und damit für ein sozialistisches Vaterland, das allen Werktätigen ein wahres, mit den anderen sozialistischen Ländern fest verbundenes Vaterland ist.

Vaterländische Front: am 21.5.1933 in Wien gegründete reaktionäre Organisation zur Unterstützung des austro-faschistischen Dollfuß-, später Schuschnigg-Regimes; sollte alle politischen Parteien ersetzen; 1938 aufgelöst.

Vaterländischer Krieg: Verteidigungskampf des russischen Volkes 1812 gegen die Invasion der Großen Armee Napoleons L; begann mit deren Einfall am 24. 6.1812, die russischen Truppen zogen sich nach Smolensk zurück. Der hartnäckige Widerstand des russischen Heeres, die Partisanenbewegung, Nachschubschwierigkeiten und die klimatischen Verhältnisse erschwerten den französischen Feldzug zunehmend. In der Schlacht bei Borodino am 7.9.1812 wurden die napoleonischen Truppen durch die Armee Kutusows entscheidend geschwächt; die russische Armee zog sich bis hinter Moskau zurück. Am 14.9.1812 marschierte Napoleon in das brennende Moskau ein. Nach vergeblichen Verhandlungsversuchen war er am 19.10.1812 zum Rückzug gezwungen, flankiert vom russischen Heer und Partisanenverbänden. Nach verlustreichem Übergang über die Beresina endete der Rückzug der Großen Armee mit einer Katastrophe (etwa 20000 Überlebende von 600000). Napoleon flüchtete nach Warschau. Der russische Sieg leitete die Befreiung Europas von der französischen Herrschaft ein.

Vaterländischer Krieg des koreanischen Volkes, Koreakrieg: gerechter Verteidigungskrieg der Korean. Demokratische Volksrepublik (Abkürzung KDVR) gegen die südkoreanische Reaktion und USA-Intervention 1950/53. Die KDVR brachte, unterstützt von chinesischen Freiwilligen und mit Hilfe der UdSSR und anderer sozialistischer Staaten, den Aggressoren schwere Niederlagen bei und erzwang Waffenstillstandsverhandlungen (1951/53), die 1953 in Phanmundshorn zum Abschluss kamen.

Vatermörder: in der Herrenkleidung hochgestellter Hemd kragen mit steif ausgerichteten, vorstehenden Ecken; in der Mode des Biedermeiers und Ende des 19. Jahrhundert gebräuchlich.

Vaterrecht, im weiteren Sinne Patriarchat (lateinisch griechisch, «Vaterherrschaft»): Völkerkunde Zustand in der späten Phase der Gentilgesellschaft, der sich unterschiedlich bei einzelnen Völkern, aber in der Regel in der Periode der militärischen Demokratie in Ablösung des Mutterrechtes herausbildete und der durch die hervorgehobene Stellung des Mannes, insbesondere des Vorstehers einer Großfamilie, gekennzeichnet ist; weitere Charakteristika sind Abstammung (Deszendenz) und Erbrecht (Patrilinearität) in der väterlichen Linie sowie Eingliederung der angeheirateten Frauen und Kinder in die Großfamilie des Mannes.

Vaterschaft: das Pflichten und Rechte begründende Verhältnis von einem Mann als Vater zu seinem Kind. Bei einem außerhalb der Ehe geborenen Kind wird die Vaterschaft durch beurkundete Anerkennung oder durch gerichtliches Urteil festgestellt. Als Vater kann festgestellt werden, wer mit der Mutter innerhalb der Empfängniszeit geschlechtlich verkehrt hat. Das gilt nicht, wenn der Verkehr nicht zur Empfängnis geführt haben kann oder die Vaterschaft eines anderen Mannes wahrscheinlicher ist. Die Vaterschaft bei einem während der Ehe oder bis zum Ablauf des 302. Tages nach ihrer Beendigung geborenen Kind kann im Wege der Klage vom Ehemann, von der Mutter oder vom Staatsanwalt angefochten werden.

Vaterschaftsnachweis: Methode zur Aufklärung fragliche Abstammungen mit Hilfe der Blutgruppenbestimmung. Da die Blutgruppenfaktoren nach den Mendelschen Regeln vererbt werden, können die Nachkommen nur solche Blutgruppen aufweisen, die zumindest auch ein Elternteil besitzt.

Vatikan, (zu Mons Vaticanus, einer der 7 Hügel Roms) Vaticano (italienisch): Papstresidenz auf dem Vatikanhügel der Vatikanstadt; seit 1378; Komplex von Palästen mit etwa 1000 Sälen und Zimmern sowie dazwischenliegenden Höfen, an deren Gestaltung bedeutende italienischer Künstler (D. Bramante, A. da Sangallo der Jüngere, G. Romano, D. Fontana, Raffael, Michelangelo unter anderem) vom 15. bis 17. Jahrhundert beteiligt waren. Der Komplex enthält die päpstliche Wohnung, Gebäude der obersten päpstlichen Behörden, die Sixtinische Kapelle (mit Wandmalereien der bedeutendsten Meister des 15./16. Jahrhundert; Decke und Jüngstes Gericht an der Altarwand von Michelangelo), Akademie, Archiv, Bibliothek (Vaticana) und Vatikan. Museum (Gemäldegalerie, Antiken-, Teppich-, Waffensammlung).

Vatikanisches Konzil, Vaticanum: vom Papst einberufene höchste katholische Kirchenversammlung im Vatikan, an der hohe kirchliche Würdenträger teilnehmen, um über Fragen der Lehre, Sitte und Disziplin zu beraten und zu entscheiden; auf dem 1. Vatikanischen Konzil (1868/70) wurde unter anderem das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in Lehrentscheidungen proklamiert; das 2. Vatikanisches Konzil K (1962 von Papst Johannes XXIII. einberufen, 1965 unter Paul VI. beendet) leitete das Aggiornamento ein.

Vatikanstadt, Staat der Vatikanstadt: päpstliches Staatsgebiet in Rom. umfasst westlich des Tibers Vatikan, Peterskirche, Petersplatz, Vatikan. Gärten; östlich des Tibers als exterritoriale Gebiete Palast und Kirche San Giovanni in Laterano, Santa Maria Maggiore, San Paolo fuori le Mura; am Stadtrand von Rom den Vatikansender und die 20 km südöstlich gelegener päpstlicher Sommerresidenz Castel Gandolfo. Die Einwohner sind Angehörige des Klerus, Verwaltungs- und Dienstpersonal italienisch und anderer Nationalität, nur etwa 350 besitzen die Staatsbürgerschaft der Vatikanstadt; Amtssprachen sind Lateinisch und Italienisch. Die Vatikanstadt ist Sitz der päpstlichen Regierung und Zentrum der politischen, ökonomischen und ideologischer Macht der römisch-katholischen Kirche. Sie ist als Staat in vielen Ländern diplomatisch vertreten. In Wirtschaft und Währung ist die Vatikanstadt eng mit Italien verbunden und ist eine der bedeutendsten Finanzzentralen der kapitalistischen Welt, deren Einfluss sich auf viele Wirtschaftszweige Italiens erstreckt. Außerdem verfugt die Vatikanstadt über Aktienkapital im Ausland. Das eigene Territorium besitzt nur Dienstleistungs- (Post, Bahnhof, Druckerei, Kraftwerk) und Bildungseinrichtungen (Akademie der Wissenschaften, Observatorium). Die Vatikanstadt hat eigene Post- und Münzhoheit (Vatikan. Lira in Parität zur Italien. Lira, hauptsächlich italienische Münzen im Umlauf) und für die öffentliche Ordnung eine eigene militärischen Gruppe (Schweizergarde). Die Vatikanstadt wurde am 11.2.1929 durch die zwischen dem faschistischen Italien (Mussolini) und dem Heiligen Stuhl (Kardinalsstaatssekretär Gasparri) geschlossenen Lateranverträge als Staat geschaffen, der die Nachfolge des im Risorgimento zerstörten Kirchenstaates antrat. Legislative, Exekutive und Judikative liegen beim Papst.

Vatnajökull: größter Plateaugletscher Islands, im Südosten der Insel; 8400 km2, durchschnittlich 400 m mächtig (maximal 1000 m); höchste Erhebung mit 2119 m, zahlreiche Vulkane (zum Teil unter dem Eis) und Teilgletscher.

Vättersee, schwedisch Vältern: See in Schweden, in der mittelschwedischen Senke; 1912 km2, bis 119 m tief, 144 km lang; tektonische Graben, Abfluss Motala Ström, Teil des Göta Kanals; am Ufer bedeutende Industriestädte (Jönköping, Motala).

Vaudeville: seit dem frühen 18. Jahrhundert in Frankreich volkstümliches Singspiel (zumeist in Vorstadt-Theatern aufgeführt) mit eingängigen Liedern (gleichfalls als Vaudeville bezeichnet); eine wesentliche Wurzel der Opéra comique. Ein Vaudeville genannter Spottliedtypus existierte schon im 15. Jahrhundert in Nordfrankreich.

Vaughan Williams, Ralph, 12.10.1872-26.8.1958, englischer Komponist; Begründer der neueren englischen Musik; schuf 9 Sinfonien, 6 Opern, Film- und Kammermusik, Lieder; verfasste Bücher (unter anderem über englischer National- und Volksmusik).

Vauquelin, Nicolas Louis, 16.5.1763 bis 14.11.1829, französischer Chemiker; entdeckte 1797 das Chrom und 1798 das Beryllium.

Vavra, Otakar, geboren 28.2.1911, tschechischer Filmregisseur; schuf vor allem historische Filme und verfilmte Werke der tschechischen und slowakischen Literatur (zum Beispiel «Jan Hus», «Romanze für Flügelhorn», «Die Tage des Verrats», «Die Befreiung Prags»),

VDE-Vorschriften: vom Verband Deutscher Elektrotechniker (Abkürzung VDE) der BRD herausgegebene und für die BRD gültige Bau- und Sicherheitsvorschriften für Herstellung und Betrieb elektrotechnischer Geräte und Anlagen.

Veda, «(heiliges) Wissen»; Weda: älteste indoarischer Literatursammlung; entstanden zwischen 1500 und 1000 vor Christus; umfasst Rigveda (Götterhymnen), Samaveda (Opfergesänge), Yajurveda (Riten und Opferformeln), Atharvaveda (Zaubersprüche und Beschwörungsformeln). Im Atharvaveda starke vorarische Einflüsse.

Vedanta, (Sanskrit, «Ende des Veda») Wedanta: indische idealistische Philosophiesystem, das die letztliche Identität von individueller Seele (Atman) und oberstem geistigem Prinzip (Brahmán) lehrt; die uns umgebende veränderliche Welt ist das Produkt von Maya (1; Illusion, Zauber). Der Vedanta, der verschiedene Schulen mit teils subjektiv idealistischen, teils pantheistische Tendenzen umfasst, wurde seit dem 9. Jahrhundert bei Übernahme wesentlicher Elemente der anderen indischen Philosophiesysteme zur dominierenden Philosophie Indiens, auf die sich unter anderem auch die Ideologen der Befreiungsbewegung stützten.

Vedisch, Wedisch: die Sprache des Veda, älteste Stufe des Altindoarischen; ursprünglich auf einer Volkssprache beruhend, wurde es bald zur priesterliche Kunstsprache umgestaltet. Vedisch war etwa von 1200 bis 500 vor Christus zunächst in Teilen Irans und Nordwestindiens, später in fast ganz Indien verbreitet.

Vedute: in Gemälde, Zeichnung oder Graphik die sachlich genaue Ansicht einer Stadt oder Landschaft. Die Blütezeit der Vedute war das 17./18. Jahrhundert (A. und B. Canaletto, F. Guardi). Auch frei erfundene Idealveduten wurden geschaffen.

Vega: fruchtbare, bewässerte Ebene im südlichen, mittleren und östlichen Spanien (zum Beispiel Granada, Zaragoza, Málaga), landwirtschaftlich intensiv genutzt; hohe Hektarerträge an Getreide, Obst, Oliven, Wein und Zuckerrüben.

Vega Carpio, Lope Félix de, genannt Lope de Vega, 25.11.1562-27.8.1635, spanischer Schriftsteller; gilt als bedeutendster Volksdichter und Schöpfer des spanischen Nationaltheaters; sein literarisches Schaffen weist ungewöhnliche Breite auf (Komödien, Intrigenstücke, religiöse Einakter, Epen, Sonette) und spricht das Publikum als den kompetenten Richter an; verfasste eine «Theorie der dramatischen Dichtkunst» (1609) und traf das Zeitbewusstsein mit der Verteidigung demokratischer Traditionen gegen den Hochadel; zu seinen bedeutendsten Werken zählen die Schauspiele «Der Richter von Zalamea» (1610, deutsch; Vorlage für P. Calderón), «Die Jüdin von Toledo» (1617, deutsch) und der dramatischen Roman «La Dorotea» (1632, deutsch).

vegetabilisch: (lateinisch) pflanzlich, aus dem Pflanzenreich stammend.

Vegetarier: (englisch französisch) Mensch, der sich ausschließlich oder überwiegend von Pflanzenkost ernährt.

Vegetarismus: (englisch französisch vegetare, «beleben») Lehre von einer ausschließlich oder vorwiegend pflanzliche (vegetabilische) Ernährung. Entsprechende Diätformen können auch zur Behandlung bestimmter Krankheiten eingesetzt werden. Siehe auch Eiweißminimum.

Vegetation: Gesamtheit der Pflanzen beziehungsweise Pflanzengesellschaften eines Gebietes.

Vegetationsfärbung: durch massenhaftes Auftreten von Kleinlebewesen in Gewässern hervorgerufene Erscheinung, wobei Schwefelbakterien, Grünalgen, Blaualgen unter anderem dem Wasser eine meist grüne oder blaugrüne Farbe verleihen. Durch aufschwimmende Blaualgen entsteht die Wasserblüte.

Vegetationskegel, Vegetationspunkt: Region des Pflanzenkörpers, an der die Neubildung von Organen durch Bildungsgewebe stattfindet.

Vegetationsperiode, Vegetationszeit, Zeitspanne, in der die Pflanzenentwicklung vom Ruhezustand über Keimen beziehungsweise Austreiben bis zum Blühen und Fruchten verläuft.

Vegetationstänze: «Flurzauber», Feldumgänge und -ritte zur Wachstumsbelebung der Erde; schon in der Urgemeinschaft bei Ackerbauvölkern weit verbreitet. Symbole für Wachstum waren Stampfen, Sprünge, Weitschritt, Klatschen. Regenzauber sollte Fruchtbarkeit gewähren, ebenso das Umwinden der Bäume (Bändertanz), Feuerräder und Feuerzeichen. Im antiken Griechenland dienten die Tanzkultur der Demeter, Hestia und des Dionysos ebenfalls der Feldfruchtbarkeit. Viele Reste dieser Tänze haben sich in den Volkstänzen bis ins 19. Jahrhundert erhalten (Siebensprung, Perchtentanz, u.a.).

vegetativ:

1. Biologie: pflanzlich; ungeschlechtlich.

2. Physiologie: Vorgänge in Tieren oder Menschen betreffend, die dem Stoff- und Energiewechsel, der Fortpflanzung und der Regeneration dienen (zum Beispiel Atmung, Blutkreislauf) und dem Bewusstsein und Willküreinfluss weitgehend entzogen sind.

vegetative Dystonie: funktionelle Störungen in der Tätigkeit des vegetativen Nervensystems. Die vegetative Dystonie kann unter anderem entstehen durch körperliche oder psychische Überbeanspruchung, oft bei schon vorliegender endogener Labilität des vegetativen Nervensystems (siehe auch Neuropathie). Neben rascher Ermüdbarkeit, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen treten funktionelle Beschwerden an inneren Organen («Organneurose») auf.

vegetatives Nervensystem, autonomes Nervensystem, Eingeweidenervensystem: Teil des Nervensystems, dessen Leistungen nicht dem Willen unterliegen. Es regelt grundlegende Lebensfunktionen (Stoffwechsel, Blutkreislauf, Atmung unter anderem) und besteht aus Sympathikus und Parasympathikus.

vegetieren: kümmerlich, kärglich dahinleben.

vehement: (lateinisch) heftig, ungestüm.

Veidt, Conrad, 22.1.1893-3.4.1943, Schauspieler; spielte zuerst am Deutschen Theater Berlin, später nur noch im Film, wo er vor allem dämonische Rollen gestaltete («Das Kabinett des Dr. Caligari», «Nju»); seit 1927 in Hollywood und seit 1933 auch in Großbritannien tätig.

Veilchen, Viola: zu den Veilchen Gewächsen gehörende Gattung kleiner Wild- oder Gartenpflanzen mit gespornten, meist blauvioletten Blüten und Kapselfrüchten. Häufigste Zierform ist das duftende, meist dunkelviolett blühende Wohlriechende Veilchen oder Märzveilchen (Viola odorata).

Veilchenschnecken, Floßschnecken: räuberisch lebende Vorderkiemer wärmerer Meere mit veilchenfarbenem Gehäuse; schweben an selbstgebautem Floß aus luftgefüllten Schleimblasen und greifen so die vorbeischwimmende Beute.

Veitshöchheim: Gemeinde im Landkreis Würzburg; mit barockem Schloss (1680/82; 1753 von B. Neumann umgebaut und erweitert) und Hofgarten (1681, erweitert 1763/75), Prototyp des deutschen Rokokoparks.

Veitstanz: (nach einem Heiligen); 1. Veitstanz, Johannistanz, Tanzwut: im 14./15. Jahrhundert epidemisch auftretende Erscheinung, tagelang zu tanzen und den Reigen bis zur Raserei zu steigern. Derartige Tanzekstasen gab es seit etwa 1350, häufig durch Pestepidemien ausgelöst. Im Rheinland bildeten sich zum Johannistag (Sommersonnenwende) Züge von Flagellanten mit Hunderten von hysterisch aufgepeitschten Menschen, die mit wilden Verrenkungen und Sprüngen von Stadt zu Stadt zogen (Limburger Chronik, 1374); viele der Veitstänzer wallfahrteten nach Ulm zur Veitskapelle; in Italien unter dem Namen Tarantismus bekannt.

2. V, Chorea: Gehirnerkrankung mit unwillkürlichen blitzartigen Zuckungen einzelner Muskeln und ungeregeltem Zusammenspiel der Muskelgruppen. Die rheumatische Chorea minor befällt Kinder besonders im 7. bis 12. Lebensjahr. Die erbliche Chorea major setzt zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr ein und beruht auf degenerativen Vorgängen.

Veji, heute Isola di Farnese, etruskische Stadt nahe Rom; 396 vor Christus durch Rom unterworfen; zahlreiche Funde (Terrakotta-Großplastik des Apollon von Veji, Wandgemälde in der Grotta Campana).

Veken, Karl, 22.7.1904-21.7.1971, Schriftsteller; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil, wurde verhaftet, emigrierte 1937 (CSR, Frankreich), war 1941/45 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Veken schrieb Jugenderzählungen und Romane über Stoffe aus der Geschichte der Arbeiterbewegung («Der Kellerschlüssel»), 1955; «Auf Tod und Leben», 1961; «Jagd ohne Gnade», 1969), Kinderbücher («Peng und ne Kiste», 1955), Hörspiele unter anderem

Vektor:

1. Biologie: Organismus, der aktiv oder passiv Krankheitserreger aufnimmt und auf einen Empfänger überträgt (zum Beispiel übertragen viele, insbesondere stechende, Insekten Viren, Bakterien, Pilze und Protozoen auf Mensch, Tier und Pflanze).

2. Mathematik: Vektorraum, Vektorrechnung.

Vektoranalysis: Teilgebiet der Vektorrechnung, das Vektoren als Funktionen einer oder mehrerer Veränderlicher untersucht. Die Grundoperationen der Vektoranalysis sind Divergenz, Gradient und 1 Rotation.

Vektorfeld: Begriff der Vektoranalysis. Wird jedem Punkt eines ebenen oder räumlichen Gebiets ein Vektor zugeordnet, so entsteht ein Vektorfeld Kurven, deren Tangenten in jedem Punkt die Richtung des zugeordneten Vektors haben, heißen Feldlinien des Vektorfelds.

Vektorkardiogramm: Medizin zwei- oder dreidimensionale Darstellung der Vektoren des kardioelektrischen Feldes. Das Vektorkardiogramm ist eine spezielle Form des Elektrokardiogramms.

Vektormessgerät: elektronisches Messgerät zur Messung von Wechselspannungen oder Impedanzen nach Betrag und Phasenwinkel bei Frequenzen oberhalb etwa 0,5 MHz (bis zu 1000 MHz); angewendet zur Untersuchung von Funktionselementen der Hoch- und Höchstfrequenztechnik.

Vektorrechnung: Teilgebiet der Mathematik, das das Rechnen mit Vektoren zum Inhalt hat. Im dreidimensionalen Raum kann ein Vektor als eine Translation des Raumes aufgefasst werden, bei der jedem Punkt P des Raumes ein Punkt Q zugeordnet wird. Zu jedem P gehört dann als Repräsentant des Vektors a eine gerichtete Strecke PQ\ P heißt Anfangs-, Q Endpunkt des Repräsentanten. Der Abstand zwischen P und Q wird als Betrag a oder Länge des Vektors a definiert; verschiedene Repräsentanten desselben a sind parallel und haben die gleiche Länge. Unter der Summe a + b zweier Vektoren a und b versteht man den Vektor, der durch die gerichtete Diagonale des von a und b (genauer von ihren Repräsentanten) aufgespannten Parallelogramms bestimmt wird (Parallelogrammsatz), siehe auch Kraft. Im Unterschied zu der Multiplikation von Skalaren treten in der Vektorrechnung zwei Grundtypen der Produktbildung von Vektoren a und b auf:

a) das innere oder Skalarprodukt ist ein Skalar, wobei

b) Das äußere, Kreuz- oder Vektorprodukt a x b oder (ab) = a\ b sin

Velare, Gutturale (lateinisch guttur, «Kehle»): am Velum (Gaumensegel) gebildete Laute; im Deutschen g, k und (x) = ch in «ach».

Velazquez, Diego Rodriguez de Silva y, 1599 (6. 6. getauft)-7.8.1660, spanischer Maler; einer der größten Meister der europäischen Kunst. Velazquez begann mit von J. Ribera beeinflussten Stillleben und Sittenbildern. Seine Berufung als Hofmaler nach Madrid (1623) wirkte bestimmend auf die weitere Thematik. Er entwickelte sich zu einem Meister der Porträtmalerei, der, sachlich und scharf charakterisierend, besonders Bildnisse der königlichen Familie schuf; einen besonderen Höhepunkt stellt das Porträt Papst Innozenz X. (1650) dar; er wurde mit der «Übergabe von Breda» (1635) zum Schöpfer eines realistischen Geschichtsbildes. In den «Spinnerinnen» (um 1657) stellte Velazquez, wenn auch unter mythologischen Vorwand, erstmals Arbeitende in einer Manufaktur dar. Sein malerischer Stil nimmt in den Spätwerken bestimmte Stilmittel des Impressionismus vorweg.

Veld: überwiegend aus Grasland bestehende Hochflächen der Republik Südafrika, stufenförmig von den Drakensbergen zum Becken der Kalahari abfallend; Hohes Veld (1500 bis 2000 m über dem Meeresspiegel), Mittleres Veld (1000 bis 1500 m über dem Meeresspiegel), Bushveld (900 bis 1000 m über dem Meeresspiegel) und Niederes Veld (300 bis 900 m über dem Meeresspiegel); meist als Weideland genutzt.

Velde: (Velda) 1. Adriaen van de Velde, 1636 (30.11. getauft)-1672 (21.1. begraben), holländischer Maler und Radierer; Bruder von Velde 4; Spezialist für anmutige Landschaften in italianisierender Manier mit Staffage von Figuren und Tieren.

2. Esaias van de Velde, 1590/91-1630 (18.11. begraben), holländischer Maler; trug maßgeblich zur Entwicklung der realistisch erfassten nationalholländischen Landschaftsmalerei bei.

3. Henry van de Velde, 3.4.1863-27.10.1957, belgischer Architekt, Kunsthandwerker, Maler und Kunstschriftsteller; lebte 1900/14 in Deutschland, dann in Belgien, den Niederlanden und in der Schweiz; seit 1907 Leiter der Kunstgewerbeschule in Weimar, Mitglied des Deutschen Werkbundes. Er überwand frühzeitig die historisierenden Stilformen und setzte sich für materialgerechtes, zweckmäßiges Bauen ein. Mit der Gestaltung schwellender Ornamente und schönlinig-bewegter Einzelformen wurde Velde zu einem Hauptmeister des Jugendstils, der besonders die Innenarchitektur und den gesamten Wohnstil beeinflusste. Hauptwerke: ehemalige Kunstgewerbeschule in Weimar (1906), Werkbundtheater in Köln (1914). Siehe auch Möbel.

4. Willem van de Velde, 1633 (18.12. getauft)-6.4.1707, holländischer Maler, Bruder von Velde 1; Vertreter der Marinemalerei; seine Darstellungen zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gefühl für Komposition, Atmosphäre und farbige Harmonien aus.

Velence See: zweitgrößter See Ungarns; 26 km2, davon 16 km2 freie Wasserfläche; Durchschnittstiefe unter 2 m; Schilfrohrgewinnung.

Velhagen, Karl, geboren 22.9.1897, Augenarzt; Professor in Greifswald, Leipzig und 1958/67 in Berlin; wichtige Arbeiten sind unter anderem der Nachweis von Gewebehormonen im Auge, das Feststellen von Farbensinn- und Augenmuskelstörungen bei Sauerstoffmangel, das Einführen von Karbaminoylcholin (Jestryl) in die Behandlung des Glaukoms.

Velourleder, Antilop: auf der Aasseite geschliffenes, chromgegerbtes Rauleder beliebiger tierischer Herkunft für Schuhe, Kleidung und Galanteriewaren.

Velours: 1. allgemeine Bezeichnung für Gewebe mit einer samtartigen, gewalkten, gerauten, weichen Oberfläche (siehe auch Samt).

2. Gewirke oder Gestricke mit stark gerauter Rückseite.

3. Bezeichnung für Teppiche oder textilen Fußbodenbelag mit aufgeschnittenen Polnoppen.

Velsen: Stadt im Westen der Niederlande, in der Provinz Nordholland, am Nordseekanal (große Schleuse im Ortsteil); 58000 Einwohner; Hütten- und Stahlwerk, Kokereien, Zement-, Papier- und chemische Industrie; bedeutender Fischerei- und Handelshafen.

Velten: Stadt im Kreis Oranienburg, Bezirk Potsdam; 8000 Einwohner; Herstellung von Kacheln, ferner Gummi-, Metallwaren, Öl und Margarine, Grauguss, Chemikalien; Ingenieurschule für Elektrotechnik/Elektronik; Rathaus.

Velten, Johann, 27.12.1640-1692, Schauspieler; einer der ersten deutschen Prinzipale einer Wandertruppe; erweiterte durch Übersetzungen (insbesondere Molière) den Spielplan; seine Truppe bildete 1685/92 die Hofkomödie der Dresdner Residenz (erstes deutsches Hoftheater).

Veltliner: (nach dem italienischen Alpental Veltlin (Valtellina)) Kelter- und Tafeltraubensorte, die zu guten und lieblichen Weißweinen führt; wird bevorzugt in Ungarn, Italien und Österreich in den Sorten roter, grüner und frühroter Veltliner (Roter Malvasier) angebaut.

Velveton: (Velveton; englisch velvet, «Samt», lateinisch) Gewebe in Schussatlasbindung mit samtartigem Griff, stumpfem Aussehen und gerauter beziehungsweise geschmirgelter Oberseite; für Arbeits- und sportliche Tageskleidung.

Venceremos: Wir werden siegen! (Losung der internationalen Solidaritätsbewegung).

Venda: vom Rassistenregime der Republik Südafrika auf dem Weg des Zwangs geschaffenes Bantureservat in Transvaal, an der Grenze zu Simbabwe, mit Pseudoautonomie; 6500 km2, 470000 Einwohner; 72 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Thohoyandou (2200 Einwohner); das Gebiet von Venda mit wenig ertragreichen Böden ist durch nicht zu Venda gehörende Ländereien in 2 Teile getrennt.

Vendée: Landschaft und historisches Gebiet im Westen Frankreichs, südlich der Loiremündung; als Departement Vendée 6720 km2, 480000 Einwohner; Hauptort La Roche-sur-Yon-, Dünen, Marschen, Heide, Wald; Viehzucht, Milchwirtschaft, Handelsgärtnereien; Fischfang; Leichtindustrie. Während der Französischen Revolution und des Direktoriums Zentrum der von Royalisten geführten Bauernaufstände gegen Revolution und Republik.

Venedig, italienisch Venezia: Stadt in Oberitalien, Verwaltungszentrum der Region Venetien und der Provinz Venedig, in der Lagune von Venedig, an der Adriaküste; 340000 Einwohner, davon nur etwa 80000 in der Altstadt, die auf mehr als 100 Inseln errichtet wurde und durch einen 3,6 km langen Bahndamm sowie Straßenbrücken mit dem Festland und den Vororten verbunden ist; häufige Überschwemmungen, starke Senkung der Altstadt durch Einstellung der Wasserbohrungen (Bau einer Fernwasserleitung) gebremst; im Innern nur Bootsverkehr (zum Teil Gondeln) auf 177 Kanälen (besonders Canale Grande); 400 Brücken; Kunstgewerbe (Gold, Silber, Spitzen, Leder), auf der Laguneninsel Murano Kunstglasfabrikation; Universität, Kunstakademie, Konservatorium; Museen; starker Fremdenverkehr; Seebad Lido auf Nehrung; Industrievorstadt Mestre und Hafen Porto di Marghera mit Schiffbau, Metallurgie, Petrolchemie, Maschinenbau, chemische und Papierindustrie. Zahlreiche bedeutende, mit Plastik und Malerei reich ausgestattete Baudenkmäler, hauptsächlich der Gotik, der Renaissance und des Barocks, im gesamten Stadtgebiet, konzentriert am Markusplatz und am Canale Grande. Sie sind über einem riesigen Pfahlrost errichtet, aus Marmor und Backstein, mit reichem, orientalisch beeinflusstem Fassadenschmuck. Am Markusplatz und an der Piazzetta befinden sich Markuskirche (11./13. Jahrhundert; Hauskirche der Dogen und Staatskirche Venedigs; reicher innerer und äußerer Schmuck, besonders Mosaiken), Dogenpalast (Palazzo Ducale, 14./15. Jahrhundert), Markusbibliothek (1537/45, von J. Sansovino), Loggetta (1537/40), Alte Prokuratien (Ende 15,/Anfang 16. Jahrhundert), Neue Prokuratien (um 1586/1640), Uhrturm (1496/99). Am Canale Grande stehen die Kirchen Santa Maria degli Scalzi (17. Jahrhundert, von B. Longhena), Santa Maria della Salute (seit 1631, von Longhena), Santa Geremia (11./18. Jahrhundert) unter anderem; an Palästen (Palazzi) sind vorhanden Contarini-Fasan (um 1475), Corner della Ca’Grande (seit 1532, von Sansovino), Grimani (1556/57, von M. Sanmicheli), Ca’d’Oro (1421/34), Vendramin-Calergi (um 1500), Pesaro (1679/1710, von Longhena), Foscari (15. Jahrhundert), Rezzonico (1680, von Longhena), Dario (1487) unter anderem; berühmt sind weiterhin Fondaco dei Tedeschi (1505; ehemaliger Sitz deutscher Kaufleute), Rialtobrücke (Ponte di Rialto; 1588/91; Läden später), zahlreiche Bildwerke, darunter das Reiterstandbild des Colleoni von A. Verrocchio (1480/88). 452 nach Christus von Venetern gegründet; im 6. Jahrhundert byzantinisch; 697 Einführung des Dogenamtes (bis 1797), seit dem 11. Jahrhundert Entwicklung zur mächtigen Seestadt, höchste Machtentfaltung nach dem 4. Kreuzzug (1202/04, «Herrin des Mittelmeeres»); im 13./14. Jahrhundert Umwandlung in eine oligarchische Adelsrepublik; 1379 Abwehr der Rivalität Genuas in der Seeschlacht bei Chioggia. Im 14./15. Jahrhundert erneute bedeutende territoriale Ausdehnung (Korfu 1386, dalmatinische Küste und Inseln 1409, Zypern 1489); bis ins 16. Jahrhundert Hauptplatz für den Orienthandel, danach politischer und wirtschaftlicher Niedergang; 1797/1805 und 1815/66 war Venedig bei Österreich; während der Revolution 1848/49 Proklamierung der Republik; seit 1866 ist Venedig bei Italien.

Im Frieden von Venedig (24.7.1177) zwischen Kaiser Friedrich I. und Papst Alexander III. verzichtete der Kaiser endgültig auf die Oberhoheit über den Kirchenstaat und erkannte seinen Gegner als Papst an. Er erlangte die Vermittlung des Papstes für einen Waffenstillstand mit dem Lombard. Städtebund und den Normannen in Süditalien.

Venedigergruppe: Westgruppe der Hohen Tauern in Österreich; höchste Erhebung Großvenediger (3674 m; mit Karen); aus Gneis bestehend; stark vergletschert (Untersulzbachgletscher; große Firnfelder in 3000 m Höhe).

Blutadern: Blutgefäße, die das Blut aus dem Kapillargebiet sammeln und dem Herzen zuführen. Sie unterscheiden sich von den Arterien durch eine meist dünnere Wand und das Vorhandensein von Blutaderklappen, die den Rückfluss des Blutes verhindern.

Venenentzündung, Phlebitis (griechisch): meist bakterielle, im Allgemeinen mit Thrombose verbundene Entzündung der Venen.

Venenum: (lateinisch) Pharmazie stark wirkendes Gift

Venerologie: (nach der Göttin Venus) Lehre von den Geschlechtskrankheiten.

Veneter: 1. zwischen Po und Aquileia sesshaftes Volk, das sich im 3. Jahrhundert vor Christus mit Rom verbündete und 49 vor Christus römisches Bürgerrecht erhielt.

2. keltischer Volksstamm nördlich der Loiremündung, 56 vor Christus von Cäsar unterworfen.

3. Veneter: Gruppierung slawischer Stämme im mittleren Weichselgebiet; in der Bezeichnung «Wenden» lebt dieser Name weiter.

Venetien, italienisch Veneto: Region in Oberitalien, zwischen Alpen und Adriaküste; 18364 km2, 4,37 Millionen Einwohner; 238 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Venedig-, umfasst 7 Provinzen; Gebirgs- (östliche Dolomiten, Venetianer Alpen), Hügel- und Tiefland (Nordteil des Podeltas, Lagunenküste an der Adria); eine der wirtschaftlich leistungsfähigsten Regionen Italiens mit Petrolchemie, Metallurgie, Fahrzeug- und Maschinenbau, Textil- (unter anderem Wollwaren), Glas- und feinmechanische Industrie. Industriezentren sind Venedig (Porto di Marghera, Mestre), Verona, Padua und Treviso. Ertragreiche Landwirtschaft (Anbau von Weizen, Mais, Futterpflanzen, Gemüse, Obst und Wein; Rinder- und Schweinezucht); Handelshafen Venedig (Porto di Marghera), Fischereihafen Chioggia; Fremdenverkehr.

Venezianische Schule: Gruppe bedeutender Komponisten in Venedig (A. Willaert, A. und G. Gabrieli, C. Monteverdi, G. Zarlino unter anderem), die zwischen 1530 und 1650 in der Verbindung von niederländischer und italienischer Überlieferung einen eigenen Stilkreis von großem Einfluss besonders auf die Entwicklung der europäischen Instrumentalmusikformen (Ricercar, Sonate, Sinfonie) schufen und unter anderem auch H. L. Haßler, H. Schütz, M. Praetorius beeinflussten.

Venezia, eigentlich Mellos, Ilias, 4.3.1904-3.8.1973, griechischer Schriftsteller; schilderte in realistischer Gestaltung die Schicksale des kleinasiatischen Griechentums (Romane «Nummer 31328. Leidensweg in Anatolien», 1931; «Äolische Erde», 1943; alle deutsch).

Venezuela: Staat im Norden Südamerikas, am Karibischen Meer; Nachbarländer sind im Osten Guyana, im Süden Brasilien und im Westen Kolumbien. Administrativ in 20 Bundesstaaten, einen hauptstädtlichen Bundesdistrikt, 2 Bundesterritorien (Amazonas, Delta Amacuro) und die Dependencias Federales (72 kleinere, der Küste vorgelagerte und der Regierung direkt unterstellte Inseln) gegliedert. Die Bevölkerung besteht zu 66% aus Mestizen und Mulatten, etwa 20% aus Weißen europäischen (meist spanischer und italienischer) Herkunft, 10% aus Afroamerikanern, 2% aus Indianern unter anderem Etwa 2 bis 3 Millionen Kolumbianer halten sich illegal im Lande auf. Amtssprache ist Spanisch, vereinzelt indianische Dialekte als Umgangssprachen. Währung ist der Bolívar.

Natur: Von Südwesten nach Nordosten sich in einzelne Gebirgsketten auflösend, durchziehen die Ausläufer der Anden (Pico Bolívar mit 5002 m in der Kordillere von Mérida) den Westteil des Landes und schließen dabei im Nordwesten die Senke von Maracaibo mit ausgedehnten tropischen Sümpfen ein. Die hügelige, baumlose Schwemmlandebene (Llanos) des Orinoco geht nach Osten in das Bergland von Guayana über. Im Westen herrschen tropische Höhenklimate, am Maracaibo See trockenheißes, im Osten feuchtheißes tropisches Klima. An den Nordhängen der Anden tropische Regenwälder, sonst meist Steppen und Savannen, an den Flüssen Galeriewälder, im Bergland von Guayana lichte Wälder. Wichtigster Fluss ist der Orinoco mit zahlreichen Nebenflüssen von Norden und S.

Geschichte: In präkolumbischer Zeit war Venezuela vor allem von Stämmen der Aruak und Kariben besiedelt. Das Gebiet wurde 1498 von C. Kolumbus entdeckt. Karl V. übertrug die Besitzrechte 1528/56 an die Welser. Die Indianer wurden durch Sklavenjagd bis auf Reste in Guayana und im Orinokogebiet ausgerottet. 1777 wurde die Generalkapitanie Venezuela errichtet, die mehrere bis dahin selbständige Kolonien (Cumaná, Coro, Maracaibo, Guayana unter anderem) vereinte. Eine Erhebung der Kreolen unter F. de Miranda (1806) gegen die spanische Kolonialherrschaft blieb erfolglos. 1810 begann unter Führung Mirandas, später S. Bolivars der revolutionäre Unabhängigkeitskrieg (Proklamierung der 1. (1811/12) und 2. Republik (1813/14)). Endgültige Befreiung von der spanischen Herrschaft mit der Schlacht von Carabobo (1821). 1819/30 gehörte Venezuela zu Großkolumbien, danach selbständig unter J. A. Páez. Das 19. Jahrhundert war durch ständige Auseinandersetzungen zwischen Zentralisten und Föderalisten, die in den Bürgerkriegen von 1858/64 gipfelten, gekennzeichnet. Seit Ende des 19. Jahrhundert wuchs der Einfluss der USA, die in den sogenannt Venezuelakonflikten (1. Konflikt mit Großbritannien um die Grenze zu Britisch-Guayana, 1895; 2. Konflikt 1902/03 mit Deutschland, Großbritannien und Italien um fällige Zahlungen) als Vermittler auftraten. Die Militärdiktatur von J. Gómez (1908/29 und 1931/35) lieferte Venezuela völlig den Erdölmonopolen aus. 1931 wurde die KP gegründet. Mit der Regierung López Contreras (1936/41) begann die teilweise Wiederherstellung bürgerlich-demokratischen Freiheiten; 1936 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Im Oktober 1945 ging die Macht an die 1941 gegründete Demokratische Aktion (spanische Abkürzung AD) über. Gegen die Reformpolitik der Regierungen Betancourt und Gallegos richtete sich 1948 ein Staatsstreich proamerikanischen Militärs. 1952 riss das Junta-Mitglied M. Pérez Jiménez die Macht an sich. Seine Diktatur brach 1958 durch Generalstreik und Volksaufstand zusammen. R. Betancourt (1959/64 erneut Präsident) distanzierte sich unter dem Druck der USA und der Reaktion von seinem demokratischen Wahlprogramm und schlug seit 1960 einen antikubanischen Kurs ein. Politische Krisenerscheinungen hatten den Zerfall der Regierungsbasis und Abspaltung von der AD zur Folge. Die revolutionären Kräfte schufen die von der KP und der Bewegung der Revolutionären Linken (spanische Abkürzung MIR) geleiteten Bewaffneten Kräfte der Nationalen Befreiung (spanische Abkürzung FALN) und führten einen mehrjährigen Guerillakampf. Wachsende Volksbewegung und Streben nach größerem Spielraum für eigene ökonomische Interessen zwangen die Bourgeoisie zu demokratischen Teillösungen. Unter Präsident R. Caldera (christlich-soziale Partei COPEI; 1969/74) wurden daher neue positive Elemente in Innen- und Außenpolitik wirksam. Sie gipfelten unter Präsident C. A. Pérez (AD; 1974/79) in der Nationalisierung der Bodenschätze, der Verstaatlichung der Erdölindustrie und in verstärkter Förderung nichttraditioneller Wirtschaftszweige. Im Februar 1984 trat J. Lusinchi (AD) das Amt des Präsidenten an.

Veni vidi vici (lateinisch, «ich kam, ich sah, ich siegte»): Siegesmeldung Cäsars nach der Schlacht bei Zela (Kleinasien) 47 vor Christus.

venös: (lateinisch) zu den Venen gehörend, reich an Venen.

Vent, Hans, geboren 13.2.1934, Maler und Graphiker; 1953/58 Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin, lebt freischaffend in Berlin. Vent sucht in seinen Werken (besonders figürliche Darstellungen und Landschaften) durch Licht- und atmosphärische Reize Formwandlungen künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Seine Malerei wird seit 1964 durch ein reiches druckgraphisches Werk (besonders Radierung) ergänzt.

Ventil:

1. Elektrotechnik: Gleichrichter.

2. Maschinenbau: Rohrleitungselement zum Unterbrechen oder Drosseln eines Gas- oder Flüssigkeitsstromes. Die Durchströmöffnung im Ventil (Ventilsitz) wird durch einen Ventilteller oder Ventilkegel verschlossen, der in der Strömungsrichtung durch eine Spindel bewegt werden kann. Die Betätigung erfolgt von Hand, mechanisch oder selbsttätig (Rückschlagventil). Nach der Bauform unterscheidet man Doppelsitz- (mit 2 Dichtflächen), Durchgangsventil, Eckventil, Schrägsitzventil. Zur Druckminderung werden Reduzierventil eingesetzt, wenn ein Medium aus einem Raum höheren Drucks (zum Beispiel Gasflasche) nur mit einem bestimmten Druck ausströmen darf.

3. Musik: bei Metallblasinstrumenten seit etwa 1830 Vorrichtung zur Verlängerung der Schallröhre durch Einschaltung von Zusatzbögen. Bei Ventildruck die Stimmung des Instruments um ein bestimmtes Intervall vertieft. Mehrere Ventile ermöglichen somit chromatisches Spiel.

Ventilationsszintigraphie: (dat. + griechisch) Darstellung der Belüftung der Lunge (Ventilation) mit Hilfe eines Szintillationsscanners nach Einatmung eines radioaktiven Gases (Xenon 133). Ventilator Lüfter.

ventilieren: lüften; übertragen sorgfältig erwägen, durchsprechen.

Ventilsteuerung: Steuerungsvorrichtung bei Kolbenmaschinen, insbesondere Verbrennungsmotoren, zur Steuerung des Ladungswechsels. Im Gegensatz zur Schlitzsteuerung erfolgt die Steuerung zum Ein- beziehungsweise Ausströmen des Arbeitsgases durch Ventile mit kegel- oder plattenförmiger Abdichtung.

Ventose: (französisch, «Windmonat») 6. Monat des Revolutionskalenders. Durch die Ventose Dekrete (Februar/März 1794) verfügte der Konvent die Beschlagnahme des Besitzes von Konterrevolutionären und seine Aufteilung unter die Sansculotten.

ventral: bauchwärts liegend.

Ventrikel, Ventriculus: 1. Magen.

2. Kammer, Hohlraum, zum Beispiel Hirnventrikel, Herzventrikel.

Venturelli, José, geboren 25.3.1924, chilenischer Maler und Graphiker. Den politischen Kampf und das Leben seines Volkes gestaltete er in expressiven, von der fortschrittlichen Kunst Europas beeinflussten Graphiken, die als Flugblätter und Plakate weite Verbreitung fanden; verarbeitete Anregungen der mexikanischen und später auch der chinesischen Kunst; Illustrationen zu Werken von P. Neruda, monumentales Wandbild zur kubanischen Revolution in der Universität von Havanna (1960).

Venüle: (Kurzwort aus Vene und Kanüle) eine unter Unterdrück stehende Ampulle mit eingeschmolzener Glasinjektionsnadel; wird zum Beispiel zur Infusion benötigt.

Venus, (lateinisch, «Liebe», «Schönheit») römische Göttin der Liebe, mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt.

Venus: 1. Venus (nach der Göttin) ein innerer Planet, der Erde benachbart; nach dem Mond hellstes Gestirn, zeigt ausgeprägte Phasen. Die dichte Atmosphäre besteht aus Kohlendioxid (Volumenanteil 96 %), den Rest bildet Stickstoff neben geringen Anteilen von Wasserdampf, Schwefeldioxid, Schwefeldampf, weiteren Schwefelverbindungen und Edelgasen. Die dichte Wolkendecke beginnt in 48km Höhe und reicht bis etwa 70km; die Wolken bestehen aus Schwefelsäure Tröpfchen. Am Venusboden herrscht ein Gasdruck von etwa 9 MPa und eine Temperatur von 470°C. Die Temperatur ist weder von Tages- und Jahreszeit noch von der Breite auf der Venus abhängig. Durch Radaruntersuchungen wurde festgestellt, dass es auf der Venus große Tiefebenen gibt, aus denen mehrere große und viele inselartige kleine Kontinente herausragen. Entdeckt wurden weiterhin Einschlagskrater, Riesenvulkane und tief eingeschnittene Täler. Das Gestein ähnelt den irdischen Basalten. Die Venus rotiert extrem langsam und entgegen dem üblichen Drehsinn des Planetensystems; ihre Wolkendecke umströmt die Venus in nur 4 Tagen. Siehe auch Abendstern.

Venusfliegenfalle, Dionaea muscipula: nordamerikanische Sumpfpflanze, deren borstenbesetzte Blätter bei Berührung schamierartig zusammenklappen; insektenfressende Pflanze.

Venusgürtel, Cestus veneris: seitlich bandartig abgeflachte, bis 1,5 m lange Rippenqualle mit durchscheinendem Körper und Leuchtvermögen.

Venusstatuetten: Bezeichnung für zunächst naturalistische, später stilisierte Frauenfigürchen der jüngeren Altsteinzeit aus Stein, Elfenbein, Knochen oder Ton; von Sibirien bis Westeuropa verbreitet; werden unter anderem mit Fruchtbarkeitskult und Kult der Sippenmutter in Verbindung gebracht. besonders bekannt ist die «Venus von Willendorf» (Niederösterreich).

Veracruz: Stadt im Bundesstaat Veracruz (Mexiko), am Golf von Mexiko; 450000 Einwohner; Werften, Fischfang und -Verarbeitung; wichtigster Importhafen des Landes.

Verallgemeinerung, Generalisierung: eng mit der Abstraktion verbundenes methodisches Verfahren zur Gewinnung wissenschaftlicher Begriffe, Gesetzesaussagen, Theorien. Die Verallgemeinerung hebt die gemeinsamen, identische Eigenschaften individueller Dinge beziehungsweise logische Klassen von Dingen gegenüber den unterschiedlichen Eigenschaften hervor. Siehe auch Allgemeines Besonderes Einzelnes.

Veränderlicher Stern: Stern, dessen Helligkeit regelmäßig oder unregelmäßig schwankt. Von den eigentlichen oder physischen Veränderlicher Stern sind die Bedeckungsveränderlichen zu unterscheiden. Erstere teilt man in zahlreiche Arten ein, die meist nach einem typischen Vertreter benannt sind und an bestimmte Sterneigenschaften und Entwicklungsphasen gebunden sind. Bei den Pulsationsveränderlichen schwanken Radius und effektive Temperatur mehr oder weniger regelmäßig mit Perioden zwischen wenigen Stunden (siehe auch RR-Lyrae Stern) und einigen 100 Tagen (siehe auch Mirastern). Hierher gehören auch die Delta-Cephei-Sterne mit Perioden zwischen 2 und 50 Tagen, für die eine Periode-Leuchtkraft-Beziehung gilt. Die eruptiven oder kataklysmischen Veränderlicher Stern (zum Beispiel U-Geminorum-Sterne, siehe auch Nova) zeigen Helligkeitsausbrüche in unregelmäßigen Abständen. Sie sind enge Doppelsterne, zwischen denen vom normalen Stern Gas auf einen weißen Zwerg strömt. Die größten Helligkeitsänderungen aller Veränderlicher Stern zeigen die Supernovae. Die Flacker-, Flare- oder UV-Ceti-Sterne sind Zwergsterne mit Helligkeitsausbrüchen von 30 bis 200 min Dauer. BY-Draconis- und RS-Canum-Venaticorum-Sterne haben einen Lichtwechsel, der auf dunkle Flecken auf ihren Oberflächen zurückgeführt wird. Auch zahlreiche Röntgenquellen sind als Veränderlicher Stern beobachtbar.

Veranlagung, Steuerveranlagung. Verfahren der Feststellung der Steuerpflicht, der Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen und Festsetzung der Steuern durch das mit der Steuererhebung beauftragte staatliches Organ.

Verantwortlichkeit: Das Einstehen müssen für eine Rechtsverletzung. Die rechtliche Regelung der Verantwortlichkeit legt fest, unter welchen Voraussetzungen ein Bürger oder ein Betrieb für die Verletzung bestimmter Pflichten oder auch für Schäden aus dem Betreiben bestimmter Gefahrenquellen, insbesondere von Kraftfahrzeugen (erweiterte Verantwortlichkeit), einzustehen hat und welche Rechtsfolgen ihn als Verantwortlichen treffen. Wird die Verantwortlichkeit als Folge einer schuldhaften Pflichtverletzung wirksam, ist sie zugleich Ausdruck der gesellschaftlichen Kritik an der Rechtsverletzung. Im Zivilrecht bezweckt die Regelung der Verantwortlichkeit auch die Verlagerung der Nachteile, die durch die Verletzung vertraglich übernommener Pflichten entstehen, auf den Partner, der dies zu vertreten hat (vertrag Verantwortlichkeit), bei sonstiger Schadenszufügung auf den Träger der Verantwortung (außervertragliche Verantwortlichkeit). Die vertragliche Verantwortlichkeit umfasst neben Rechtsfolgen, die vom Vorliegen eines Verschuldens des Partners unabhängig sind (zum Beispiel Garantieansprüche wegen Mängeln der Kaufsache), auch den Anspruch auf Schadenersatz, der jedoch bei fehlendem Verschulden entfällt. Die außervertragliche Verantwortlichkeit richtet sich stets auf Schadenersatz. Siehe auch materielle Verantwortlichkeit, strafrechtliche Verantwortlichkeit.

Verantwortung: objektives soziales Verhältnis, in dem einzelne Menschen oder soziale Gruppen, insbesondere Klassen stehen, wenn ihr Verhalten oder Handeln objektive Interessen größerer sozialer Gruppen (Familie, Klasse, Volk, Menschheit) fördern oder verletzen kann. Verantwortung ist ein Maßstab der Freiheit. Siehe auch Pflicht 1.

Verarbeitung, Spezifikation: Recht Herstellung einer neuen beweglichen Sache durch Umbildung von Materialien; das Produkt ist Eigentum des Auftraggebers.

Veratrum Alkaloide: (dat. veratrum («Nieswurz»)) Wirkstoffe der weißen und grünen Nieswurz sowie der Sabadill-Samen (Samen eines mittelamerikanischen Liliengewächses). Das aus Sabadill-Samen gewonnene Gemisch der Veratrum Alkaloide heißt Veratrin und ist ein weißes, geruchloses, sehr giftiges, wenig wasserlösliche Pulver mit insektizider Wirkung, dessen Einatmung stark zum Niesen reizt.

Veräußerung: Übereignung (zum Beispiel Verkauf oder Schenkung) oder Übertragung eines sonstigen Rechts (zum Beispiel eines Nutzungsrechts).

Verb, (dat. verbum, «Wort»;) Tätigkeitswort: Wortart, die eine Tätigkeit, einen Vorgang oder Zustand ausdrückt; konjugierbar.

verbal: zeitwörtlich; als Verb gebraucht; mündlich, durch Worte.

Verbalnomen: von einem Verb abgeleitetes Substantiv, zum Beispiel Trank, Wissen.

Verbalstil: Konzentration von Verbformen, oft durch Nebensätze an Stelle umfangreicher Substantivgruppen; siehe auch Nominalstil.

Verband:

1. Mathematik: algebraische Struktur mit 2 binären Operationen n, u, dem Verbandsdurchschnitt und der Vereinigung, die beide kommutativ und assoziativ sind und die Verschmelzungsgesetze erfüllen: a n (a u b) = a, a u (a n b) = a. Ein Verband ist zum Beispiel die Menge der natürlichen Zahlen mit den Operationen kleinstes gemeinsames Vielfaches und größter gemeinsamer Teiler.

2. Medizin: Abdecken von Wunden mit sterilem Verbandmaterial (Mullkompressen), das meist durch Binden gehalten wird, zum Beispiel Kompressionsverband (Blutstillung), Gipsverband und Klebeverband (Ruhigstellung).

3. Militärwesen: Gliederungselement der Streitkräfte, das mehrere Truppenteile und Einheiten umfasst. Man unterscheidet taktische, operativ-taktische und operative Verbände. Takt. Verbände sind Brigaden und Divisionen; operativ-taktische Verbände sind Armeekorps, Flottenbasen, Flottillen; operative Verbände sind Armeen und Flotten.

4. Recht: Form gesellschaftlicher Vereinigungen, zum Beispiel Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter; Zusammenschluss von Kombinaten und Betrieben für bestimmte wirtschaftliche Zwecke, zum Beispiel Warenzeichenverband; Form der Gemeinschaftsarbeit zwischen Städten und Gemeinden zur gemeinsamen Lösung von Aufgaben auf bestimmten Gebieten (Zweckverbände) beziehungsweise zur Koordinierung und Organisierung ihrer Zusammenarbeit (Gemeindeverbände).

Verbau: Verschalung von Gräben und Baugruben sowie unterirdischen Hohlräumen in nicht standfestem Baugrund. Beim waagerechten Verbau werden Bohlen oder Kanaldielen horizontal nach dem Fortschritt der Ausschachtung unten eingeschoben, beim lotrechten Verbau werden Bohlen vertikal von oben nachgetrieben und mit Brusthölzern gehalten, deren Sicherung gegen Erddruck mit Steifen beziehungsweise Spreizen erfolgt. Keile, Anker, Knaggen, Bolzen und Spannschrauben ermöglichen einfaches Spannen und Lösen des Verbau. Der Umbau des Verbau wird Umsteifen genannt.

Verbindlichkeiten: Zahlungsverpflichtungen von Betrieben gegenüber anderen auf Grund einseitig erfüllter Schuldverhältnisse (zum Beispiel Verbindlichkeiten auf Grund von Warenlieferungen) oder gesetzliche Bestimmungen.

Verbindung: Recht bewusst herbeigeführte oder zufällig eingetretene untrennbare Vereinigung von Sachen verschiedener Eigentümer zu einer neuen Sache.

Verbindungselement: 1. Bauelement.

2. Maschinenelement zum Verbinden von 2 und mehr Teilen durch Formschluss oder Kraftschluss. Formschlüssige Verbindungselement können starre (durch kaltgeschlagene Niete, Passschrauben) und bewegliche (durch Stifte, Bolzen, Ventilnutprofile) Kopplungen ergeben; kraftschlüssige Verbindungselement sind Keile, Schrauben, warmgeschlagene Niete, Schrumpfringe unter anderem

Verbindungsflugzeug, Kurierflugzeug: leichtes Flugzeug, das für Kommandoverbindungen, Kurierdienst, Überwachungs- und Kontrollaufgaben eingesetzt wird.

Verbleien: Beschichten von Metallteilen (meist aus Stahl) mit Blei zum Schutz vor Korrosion durch aggressive chemische Medien (Schwefelsäure, -dioxid) auf galvanotechnischen Wege, durch Metallspritzen, mittels geschmolzenen Bleis (Feuerverbleien) oder durch Auflöten (Homogenverbleien).

Verblenden: Jagdwesen

a) Verkleiden eines Ansitzes mit Reisig;

b) Anbringen eines störenden Gegenstandes (zum Beispiel Taschentuch) am Wechsel, um das Wild zur Umkehr zu veranlassen.

Verbot: moralische oder juristische Verhaltensregel, die einem bestimmten Tun oder Unterlassen der Menschen Schranken setzt; Wesen, Inhalt und Umfang des Verbot werden vom Charakter der jeweiligen Gesellschafts- und Staatsordnung bestimmt.

Verbrauch: soviel wie Konsumtion, sowohl produktive als auch individuelle und gesellschaftliche.

Verbraucherpreis: zusammenfassender Begriff für alle Preise, die unmittelbar die individuelle Konsumtion betreffen, zum Beispiel Einzelhandelsverkaufspreise, Gaststättenpreise, Preise für Dienstleistungen. Zusammen mit der Einkommenspolitik haben die Verbraucherpreise einen großen Einfluss auf das Lebensniveau der Bevölkerung.

Verbrennung:

1. Chemie: im engeren Sinne die unter Flammenbildung oder Erglühen ablaufende chemische Reaktion eines Stoffes mit Sauerstoff (auch zum Beispiel mit Fluor und Chlor); im weiteren Sinne bezeichnet man mit Verbrennung auch Oxydationsvorgänge ohne Flamme beziehungsweise Glühen, zum Beispiel den oxydativen Abbau der Nährstoffe in Organismen.

2. Verbrennung, Combustio: Medizin - Gewebeschaden durch Einwirken von Hitze oder Strahlen auf die Körperoberfläche. Es werden Rötung, Blasenbildung, Gewebetod und Verkohlung unterschieden. Wichtiger als die Tiefe ist die Ausdehnung der Verbrennung; sind mehr als der Körperoberfläche betroffen, besteht besonders bei Kindern Lebensgefahr. Siehe auch Erste Hilfe.

Verbrennungskraftmaschine, Brennkraftmaschine: Wärmekraftmaschine, die Wärmeenergie eines rasch verbrennenden Gemisches von Kraftstoff (Benzin, Rohöl, Kohlenstaub) und Luft in nutzbare mechanische Energie umwandelt. Der Verbrennungsvorgang erfolgt entweder periodisch (beim Verbrennungsmotor entsprechend den Arbeitstakten) oder kontinuierlich (zum Beispiel in einer Gasturbine).

Verbrennungsmotor, Explosionsmotor: Kraftmaschine, die die bei der Verbrennung eines gas-, tropfen- oder staubförmigen Kraftstoffes entstehende Wärmeenergie teilweise (etwa zu 30%) unmittelbar in mechanische Energie umwandelt. Der Rest geht durch Kühlung und Auspuff verloren. Man unterscheidet Viertakt- und Zweitaktverbrennungsmotor. Jede der beiden Arten kann als Otto- oder als Dieselmotor wirken. Die bekannten Übergangsformen werden eingeteilt

a) nach Zahl der Zylinder in Ein-, Zwei-, Drei- bis Achtundzwanzigzylindermotoren;

b) nach Art der Kühlung, die wegen der bei der Verbrennung entstehenden hohen Temperaturen erforderlich ist, in Motoren mit Luftkühlung und mit Flüssigkeitskühlung;

c) nach Art des Kraftstoffes in Motoren für feste, flüssige sowie gasförmige Kraftstoffe.

Verbund: konstruktives Zusammenwirken verschiedener Werkstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften in einem Bauelement, um dessen Gebrauchswert zu verbessern. Durch Verbundmittel (Bügel, Dübel oder Nocken) werden zum Beispiel ein Stahlträger und eine Stahlbetonplatte kraftschlüssig miteinander verbunden, und es wird eine gemeinsame Tragwirkung erreicht.

Verbundbetrieb: 1. Verbindung des Wärmekraftbetriebes mit Heizaufgaben durch Nutzung der Wärmeenergie von Entnahmedampf im Arbeitsprozess beziehungsweise durch Nutzung des Abdampfes.

2. Arbeitsweise einer Kolbendampfmaschine (Zweifachexpansionsmaschine) mit Hoch- und Niederdruckzylinder (Verbundmaschine).

Verbundguss: Gießverfahren, bei dem flüssiges Metall auf einen festen Körper eines anderen Metalls aufgegossen und dadurch stoffschlüssig verbunden wird.

Verbundmaschine, Compoundmaschine: mehrstufige Dampfmaschine, in deren Hochdruckzylinder der Dampf auf mittleren Druck und über den Receiver im Niederdruckzylinder auf Enddruck entspannt wird (Zweifachexpansionsmaschine). Bei Tandemmaschinen liegen die Zylinder hintereinander.

Verbundnetz, Verbundsystem: Zusammenschluss der von Großkraftwerken ausgehenden Hochspannungsleitungen zu einem Netz, auch über Ländergrenzen hinweg (zum Beispiel zwischen den Ländern des RGW), wodurch ein Verlustminimum im Verbundnetz erzielt, ein wirtschaftlicher Einsatz aller Kraftwerke ermöglicht, die Betriebssicherheit besonders im Störungsfall gesteigert und die erfordert. Reservehaltung an Kraftwerken und Maschinen verringert werden kann.

Verbundplatte: Bauplatte aus 2 Deckschichten (zum Teil mehrschichtig) und einem Kern als Stützelement. Der Kern besteht zum Beispiel aus verklebten Furnierstreifen, Holzstäben, Spanplatten oder Hohlraumkonstruktionen aus Vollholz, Faserplatten, Papierwaben. Das dabei verwendete Holz wird als Blindholz bezeichnet. Werkstoffe für die Deckschichten sind Furniere, Sperrholz, Faserplatten, Schichtpressstoff, Asbestbeton, Stahlblech unter anderem

Verbundwirtschaft: rationelle Organisation der Zusammenarbeit zwischen 2 oder mehreren Betrieben meist in Form des Kombinates, um eine höhere Effektivität des Reproduktionsprozesses zu erreichen Formen der Verbundwirtschaft findet man zum Beispiel in der Energiewirtschaft (nationale und internationale Verbund netze).

Verbunkos: (zu «Werbung») alte volkstümliche ungarische Tanzmusikgattung mit starker stilistischer Wirkung auf die ungarische Kunstmusik des 19. Jahrhundert (Verbunkos Stil); frei improvisierte Männertänze; der Name wird auf Werbetänze für die österreichische Armee im 18. Jahrhundert zurückgeführt.

Vercelli: Stadt in Oberitalien, in der Region Piemont, Verwaltungszentrum der Provinz Vercelli; 52000 Einwohner; Textil-, chemische, metallverarbeitende, Musikinstrumenten-, keramische, Schuh- und Zementindustrie; Museen, Bibliothek; historische Altstadt mit Basilika Sant Andrea (13. Jahrhundert), Dom.

Verchromen: Beschichten von Metallen mit Chrom. Bei Verchromen auf galvanotechnischen Wege werden die Werkstücke als Kathode in eine wässrige Chromsäurelösung (mit geringen Zusätzen) gebracht. Das dekorative Glanzverchromen erzeugt auf Nickeloberflächen Schichten bis 0,3 |im Dicke. Beim Hartverchromen werden zur Erhöhung der Verschleißfestigkeit Schichten bis zu 500 um Dicke angestrebt. Verchromen in der Gasphase erfolgt durch Erhitzen in festem oder gasförmigem Chrom(II)-chlorid (Diffusionsverchromen Inchromieren).

Vercingetorix, gestorben 46 vor Christus (hingerichtet), keltischer Fürst aus dem Stamm der Arverner, gallisch-französischer Nationalheld; führte 52 vor Christus die Befreiungsbewegung in Gallien gegen Cäsar, wurde nach anfänglichen Erfolgen bei Alesia durch Cäsar besiegt.

Vercors, französisch: verkarstetes Kalkmassiv im Südosten Frankreichs; südwestlich von Grenoble; bis 2346 m hoch; schluchtenreich, stark bewaldet; Viehzucht.

Vercors, eigentlich Jean Brüller, geboren 26.2.1902, französischer Schriftsteller; gestaltet soziale und ethische Fragen der Zeit (Resistance Novelle «Das Schweigen des Meeres», 1942; Romane «Das Floß der Medusa», 1969; «Kielwasser», 1972, alle deutsch).

Verdampfer: 1. Teil von Kühlgeräten, in denen durch Verdampfen des Kältemittels (Difluordichlormethan, Ammoniak) der Umgebung Wärme entzogen wird.

2. Apparat zum Konzentrieren oder Eindampfen von Lösungen, in denen durch Wärmezufuhr das Lösungsmittel, im Allgemeinen Wasser, als Dampf entfernt wird; hierbei sind durch Evakuieren des Dampfraumes (Vakuumverdampfer), Verwendung des Dampfes zum Vorheizen der Lösungen und Kondensation des Dampfes erheblicher Energieeinsparungen möglich. Die Wärmezufuhr erfolgt über die Außenwand des Verdampfer Gefäßes oder durch in der Flüssigkeit befindliche, von Heißdampf durchströmte Röhren (Röhrenverdampfer). Höhere Verdampfungsleistungen werden durch starkes Rühren der Lösung (Zwangsumlaufverdampfer) oder Herabrieseln lassen eines dünnen Flüssigkeitsfilms über die Heizfläche (Dünnschichtverdampfer) erzielt. Beim Mehrkörperverdampfer sind mehrere Verdampfungskörper mit stufenweise erhöhtem Vakuum hintereinandergeschaltet, wobei der jeweilige Abdampf («Brüden») zum Heizen des folgenden Verdampfungskörpers benutzt wird.

Verdauung, Digestion: Gesamtheit aller Vorgänge, durch die die aufgenommene Nahrung in den zur Resorption und anschließenden Weiterverarbeitung geeigneten Zustand gebracht wird. Dazu gehören motorische Vorgänge, wie Kauen, Schlucken, Transport und Mischbewegungen (Peristaltik; Pendelbewegungen des Darmes unter anderem), Entleerung des Magens sowie sekretorische Vorgänge, durch die die Verdauungssäfte (Speichel, Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Darmsaft, Galle) bereitgestellt werden. Motorik wie Sekretorik werden nerval (reflektorisch) sowie durch ein örtliches Nervensystem in der Wand des Verdauungskanals und humoral (gastrointestinale Hormone) gesteuert und sind abhängig vom Funktionszustand des Zentralnervensystems. Einige Tiere können die Verdauung außerhalb des Körpers einleiten, indem sie (zum Beispiel Spinnen) den Verdauungssaft ausspeien, der die Beute auflöst.

Verdauungssystem, Digestionssystem, Verdauungsorgane: Gesamtheit der Organe, die der Aufnahme, dem Weitertransport, der mechanischen und chemische Aufbereitung und der Resorption der Nahrung sowie der Ausscheidung unverdaut. Stoffe dienen. Dazu gehören Mundhöhle mit Zähnen, Zunge und Speicheldrüsen, Schlund, Speiseröhre, Magen und Darmkanal mit Anhangsdrüsen (Leber, Bauchspeicheldrüse).

Verdelith: (deutsch + griechisch, «Grünstein») Mineral; Turmalin.

Verdelli: (deutsch verde, «grün», «unreif») im Sommer geerntete, grünschalige italienische Zitronen.

Verden an der Aller: Kreisstadt in Niedersachsen, südöstlich von Bremen; 24000 Einwohner; Viehmarkt; Reitturniere, Pferdemuseum; gotischer Dom (10./15. Jahrhundert), Andreas- und Johanniskirche (beide 13. Jahrhundert); Sachsenhain mit 4500 Findlingen (laut Überlieferung zum Gedenken an die 782 auf Befehl Karls des Großen hingerichteten Sachsen).

Verdi, Giuseppe, 10.10.1813—27.1.1901, italienischer Komponist; neben R. Wagner der bedeutendste Musikdramatiker des 19. Jahrhundert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sich durchzusetzen gelang der entscheidende Durchbruch mit «Nabucco» (1842); ihm folgten weitere Opern revolutionären Geistes und aufrüttelnden Pathos, mit denen sich Verdi mitten in den Kampf um die nationale Einheit Italiens stellte. In «Rigoletto» (1851), «Der Troubadour», «La Traviata» (beide 1853), «Ein Maskenball» (1859), «Die Macht des Schicksals» (1862), «Don Carlos» (1867; nach F. Schiller) und besonders «Aida» (1871), «Othello» (1887) und der lyrischen Komödie «Falstaff» (1893; beide nach W. Shakespeare) gestaltete Verdi vielfältige nationale, soziale und menschlichen Probleme seiner Zeit in realistischer Weise (fast stets mit tragischen Ausgang) und schuf eine beispielhafte Einheit von Szene und Musik. Weitere Meisterwerke sind sein Streichquartett (1873) und das hochdramatische «Requiem» (1874). Verdis Größe liegt in seinem untrüglichen Sinn für musikdramatische Wirkung, für die Gestaltung einer zu Herzen gehenden Kantilene, verbunden mit einem klaren Blick für packende realistische Stoffe und die Möglichkeit ihrer musikalischen Umsetzung.

Verdichter, Kompressor: Arbeitsmaschine, in der die Druck- oder Geschwindigkeitsenergie eines gas- oder dampfförmigen Fördermediums statisch oder dynamisch erhöht wird. Nach dem Druckverhältnis, das heißt dem Quotienten aus Druck in Druck- und Saugstutzen (Pd/Ps), unterscheidet man Lüfter (unter 1,1), Gebläse (1,1 bis 3) und Verdichter im engeren Sinne (über 3). Bei Hubkolbenverdichter geschieht die Verdichtung des Mediums statisch in einem Zylinder, der über Ventile mit der Saug- und Druckleitung verbunden ist. Der Kolbenverdichter hat einen Kolben als Verdrängungselement und kann ein- oder mehrstufig sein. Im Umlaufkolbenverdichter wird Gas durch rotierende Bauelemente in einem Arbeitsraum im Allgemeinen ohne Ventile von der Saug zur Druckseite hin verdrängt. Im Kreisel(rad)verdichter kommt es durch ein rotierendes Laufrad zur Verdichtung.

Verdichtungsverhältnis, Zeichen e: Verhältnis von Verbrennungsraum (Kk) und Hubraum (VH) zum Verbrennungsraum bei Verbrennungsmotoren; liegt bei Ottomotoren zwischen 5:1 und 8:1, bei Dieselmotoren zwischen 16:1 und 22:1.

Verdrängermaschine: Arbeitsmaschine zur Förderung von Flüssigkeiten oder Gasen, die nach dem Verdrängerprinzip arbeitet; zum Beispiel Hubkolbenmaschine, Umlaufkolbenverdichter, Zahnradpumpe.

Verdrängung: psychischer, nicht bewusster Vorgang der inneren Konfliktlösung, bei dem das Selbstwertgefühl beeinträchtigende, meist im Widerspruch zu gesellschaftlichen Normen stehende individuelle Erlebnisinhalte unbewusst werden.

Verdun: Stadt im Nordosten Frankreichs, an der Maas; 27000 Einwohner; Gießereien, Herstellung von Möbeln und Süßwaren; Verkehrsknoten; Museen; Zitadelle, romanische Kathedrale (11./14. Jahrhundert). Im Vertrag von Verdun (843) wurde das Karolingerreich nach längeren Auseinandersetzungen unter den Söhnen Ludwigs des Frommen aufgeteilt. Kaiser Lothar I. erhielt Italien und das Gebiet zwischen Schelde, Maas und Rhein sowie Burgund, Ludwig der Deutsche die östlich des Rheins gelegenen Gebiete (ostfränkische Reich) und Karl der Kahle den Westteil des Reiches (westfränkische Reich). Der Vertrag war ein Ergebnis der sozialökonomischen, politisch-staatlichen und ethnischen sprachlichen Abgrenzung zwischen dem östlichen und westlichen Teil des fränkischen Großreiches und Ausgangspunkt für die Herausbildung des deutschen und französischen Feudalstaates. Die Schlacht von Verdun (Februar/Dezember 1916) war die blutigste und verlustreichste Materialschlacht des 1. Weltkrieges. Den deutschen Truppen gelang die Einnahme der französischen Festungen Douaumont und Vaux nur zeitweilig. Das Ziel, Frankreich durch «Ausbluten» zur Kapitulation zu zwingen, wurde nicht erreicht. Die Verluste (Tote, Verwundete, Vermisste, Gefangene) in der «Hölle von Verdun» betrugen über 700000 Mann. Erinnerungsstätten an die Schlacht in Verdun

Verdunstung: allmählicher Übergang einer Flüssigkeit in den gasförmigen Zustand unterhalb des Siedepunktes, wobei Wärme (2,26 106 J pro 1 kg Wasser) verbraucht wird (Verdunstungskälte). Für den Wärmehaushalt der Erdatmosphäre ist die Verdunstung von Bedeutung, da im Wasserdampf Wärme latent gebunden ist, die dann bei Kondensation wieder frei wird. Verdunstung einer feuchten Fläche in die Atmosphäre tritt ein, wenn die Lufttemperaturen über dem Taupunkt liegen. Als Evaporation wird die ausschließlich nach physikalischen Gesetzen erfolgende Verdunstung von freien Wasserflächen, unbewachsenem Boden und von Pflanzen aufgefangenem Wasser bezeichnet.

Veredlung:

1. Gartenbau: Verfahren zur vegetativen Vermehrung besonders von Obst- und Ziergehölzen. Das Auge oder Reis wird mittels verschiedener Methoden so mit der Unterlage verbunden, dass Kambium auf Kambium kommt und damit eine Verwachsung möglich wird. Die Okulation (das Okulieren, Äugeln) wird wie das Nicolieren im Juli bis August durchgeführt, der Austrieb erfolgt im nächsten Frühjahr. Die Reisveredlung ist als Kopulation mit und ohne Gegenzunge oder als Triangulation (Geißfuß) schon ab Ende Februar bis März im Freiland möglich, die Reiser treiben im gleichen Jahr aus. Pfropfen und seitliches Einspitzen sind erst möglich, wenn sich das Kambium gut vom Holzkörper lösen lässt. Bei der Veredlung ist die Unverträglichkeit zu berücksichtigen. Je nach Veredlungsstelle wird von Wurzel-, Wurzelhais-, Kronen- oder Kopfveredlung sowie von Gerüstveredlung beim Umpfropfen gesprochen. Die Veredlungsstelle wird mit Bast verbunden und zur Vermeidung von Luft- und Wasserzutritt mit Baumwachs lückenlos verstrichen.

2. Wirtschaft: Prozess der Umwandlung von Rohstoffen und Materialien in qualitativ hochwertige Erzeugnisse durch Anwendung neuester wissenschaftlich-technische Erkenntnisse in der Produktion. Die höhere Veredlung ist ein Hauptfaktor der Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion und darauf gerichtet, mit den volkswirtschaftlich verfügbaren Energieträgern, Roh- und Werkstoffen ein stabiles Wachstum des Nationaleinkommens und der Produktion zu sichern. Sie durchdringt den gesamten Volkswirtschaft!. Reproduktionsprozess.

Vereinigung: Zusammenschluss von Bürgern, deren Name, Zweck und Organisation durch die bei Gründung festgelegte Satzung (Statut) bestimmt sind. Die Vereinigung erlangt durch staatliche Anerkennung Rechtsfähigkeit; frühere Bezeichnung Verein, mit Erlangung der Rechtsfähigkeit eingetragener beziehungsweise rechtsfähiger Verein (e. Vereinigung). Nicht als Vereinigung gelten Parteien, Massenorganisationen, Arbeitsgemeinschaften und so weiter sowie die Gemeinschaft.

Vereinigungsmenge: zu gegebenen Mengen M, N die Menge, die alle diejenigen Elemente enthält, die in wenigstens einer der Mengen M oder N enthalten sind; wird mit M u N bezeichnet (gelesen: M vereinigt mit N).

Vereinzeln: Entfernen von Einzelpflanzen aus zu dichten Pflanzenbeständen, insbesondere bei Rüben.

Vereisung: Luftfahrt Eisansatz an Flugzeugen während des Fluges. Da die Vereisung zur Massezunahme sowie zur Veränderung der Luftschrauben-, Leitwerk- und Tragflügelprofile führt und somit die Flugfähigkeit beeinträchtigt, muss sie durch Enteisungsanlagen verhindert oder beseitigt werden. Siehe auch Enteisung.

Verelendung des Proletariats: vom Kapital ausgehende Tendenz, die Lage der Arbeiterklasse zu verschlechtern, «Elend zu erzeugen und zu verstärken, ein Elend, das gewaltige Ausmaße erreicht, wenn die ... entgegenwirkende Tendenz fehlt» (Lenin); ergibt sich aus dem Wirken des absoluten allgemeinen Gesetzes der kapitalistischen Akkumulation. Die Verelendung des Proletariats zeigt sich besonders deutlich in ehemals kolonial unterdrückten und abhängigen, wirtschaftlich schwach entwickelten Ländern, in Wirtschaftskrisen und imperialistischen Kriegen. In der Gegenwart kommt die Verelendung des Proletariats vor allem in der wachsenden sozialen Existenzunsicherheit zum Ausdruck (Unsicherheit der Arbeitsplätze, Massenarbeitslosigkeit, Kurzarbeit, inflationäre Geldentwertung unter anderem). Am meisten betroffen sind un- oder wenig qualifizierte Arbeitskräfte, Frauen, Jugendliche und ausländische Arbeitskräfte, in vielen Ländern insbesondere farbige Arbeitskräfte. Der Verelendung des Proletariats wirkt vor allem der Kampf der Arbeiterklasse entgegen, der immer entschiedener, organisierter und bewusster geführt und durch den zunehmenden Einfluss des real existierenden Sozialismus bestärkt wird. Siehe auch neue Armut.

Vererbung: Genetik Auftreten gleicher oder ähnlicher Merkmale bei Vorfahren und Nachkommen auf Grund der Weitergabe der für die Merkmalsausbildung verantwortlichen Erbanlagen. Voraussetzung für ihre Weitergabe ist ihre identische Verdopplung bei der Replikation. Der Prozess der Genwirkung gewährleistet, dass bei Vorliegen gleicher genetischer Information das gleiche Merkmal ausgebildet wird.

Veres, Péter, 6.1.1897 - 16.4.1970, ungarischer Schriftsteller; gestaltete in Novellen und besonders in der autobiographische Romantrilogie «Knechtschaft» (1950, deutsch), «Die Liebe der Armen» (1952, deutsch), «Janos und Julcsa» (1957) kritisch-realistisch das Leben im Dorf vor und nach der Befreiung Ungarns 1945.

Veresterung: Umsetzung einer (organische oder anorganische Säure mit einem Alkohol oder Phenol unter Bildung eines Esters. Die Veresterung einer Carbonsäure erfolgt nach der Gleichung R-COOH + HOR' & R-COOR' + H0.

Verfahren ohne Antrag: Schiedsverfahren zur Sicherung der Plan- und Vertragsdisziplin, das vom Staatlichen Vertragsgericht durch Verfügung, das heißt ohne Antrag eines Betriebes, eingeleitet wird.

Verfahrenstechnik: Wissensgebiet, dessen Gegenstand die theoretische Durchdringung der in den chemisch-technischen (chemische Verfahrenstechnik), im weiteren Sinne auch rein mechanischen (mechanischen Verfahrenstechnik) Apparaten stattfindenden physikalischen und physikalisch-chemischen Vorgänge ist. Ziel der Verfahrenstechnik ist es, eine ökonomisch optimale Prozessführung hinsichtlich Rohstoff- und Energieverbrauch, Art und Qualität des Produktes, eines möglichst hohen Durchsatzes bei kleinstem Apparatevolumen sowie eines möglichst langen störungsfreien Betriebes der Anlagen zu gewährleisten. Dazu ermittelt sie Zusammenhänge zwischen Einflussgrößen (Druck, Temperatur, Konzentrationen unter anderem) und ihren Wirkungen (Reaktionsgeschwindigkeit, Stoff- und Wärmetransport u. ä.); weiterhin gibt sie Berechnungsgrundlagen für die Übertragung von Laborergebnissen in den Pilot- und in den technischen Maßstab; dem chemischen Apparatebau gibt sie Richtlinien für die Gestaltung chemischer technischer Anlagen.

Verfassung: das Grundgesetz eines Staates, das die für die herrschende Klasse beziehungsweise das Klassenbündnis wichtigsten rechtliche Regelungen über die Gesellschafts- und Staatsordnung enthält, um die im Klassenkampf errungene politische Macht zu sichern, zu festigen und für unantastbar zu erklären. Deshalb werden in einer Verfassung vor allem die politische und ökonomische Grundlagen des Staates, das System der Staatsorgane, besonders die obersten Organe, deren Zustandekommen, Aufgaben und Zuständigkeiten sowie die Stellung des Bürgers (Grundrechte und -pflichten) geregelt. Da Verfassung stets Ausdruck und Mittel der Klassenherrschaft sind, unterscheiden sich bürgerliche und sozialistische Verfassung grundsätzlich.

Verfassungskonflikt: Bezeichnung für die Auseinandersetzungen zwischen der junkerlisch-preußischen Regierung unter O. von Bismarck und dem liberalen Abgeordnetenhaus 1862/66; entstand, als das Abgeordnetenhaus die für die Reform des preußischen Heeres geforderten Mittel ablehnte, endete mit ihrer nachträglichen Bewilligung nach dem Sieg Preußens über Österreich.

Verfassungsmäßigkeit: die Übereinstimmung von Gesetzen und anderen Rechtsvorschriften sowie des Handelns der staatlichen Organe, gesellschaftliche Organisationen und Bürger mit den Normen der Verfassung.

Verfehlung: gesetzliche Bezeichnung für Handlungen, die eine Verletzung rechtlich geschützter Interessen der Gesellschaft oder der Bürger darstellen, bei der die Auswirkungen der Tat und die Schuld des Täters jedoch unbedeutend sind.

Verfestigung: Ansteigen der Fließgrenze bei plastischer Verformung, Wärmebehandlung oder Bestrahlung. Dabei nehmen Härte und Festigkeit zu, die Plastizität nimmt dagegen ab. Die Verfestigung wird bei der Herstellung von Werkstoffen genutzt.

Verflechtungsbilanz: ökonomisch-mathematisches Modell, veranschaulicht durch eine schachbrettartige Tabelle zur Darstellung miteinander verflochtener Elemente der Volkswirtschaft (Zweige, Betriebe, Erzeugnisse unter anderem). Die Verflechtungsbilanz ermöglicht die Anwendung mathematischer Methoden und der elektronischen Datenverarbeitung in der Planung. Besondere Bedeutung haben die Verflechtungsbilanz des gesellschaftlichen Gesamtprodukts für die zentrale Planung (komplexe Analyse und Planung der Entstehung und Verwendung des Gesamtprodukts und der damit verbundenen Proportionen) und die Teilverflechtungsbilanz für die Planung in Ministerien, Kombinaten und anderen Verantwortungsbereichen.

Verfolgte des Naziregimes, Abkürzung VdN: Personen, die aus antifaschistische-demokratische Überzeugung Widerstand gegen das Naziregime geleistet und versucht haben, es zu beseitigen oder die aus rassistischen oder religiösen Gründen verfolgt wurden.

Verfolgungsfahren: Radsport Bahnrennen, bei dem 2 Einzelfahrer beziehungsweise Mannschaften im gleichen Abstand voneinander starten und versuchen, den Gegner auf der vorgegebenen Distanz (meist 4000 m) einzuholen oder einen Vorsprung herauszufahren. Siehe auch Zeitfahren.

Verformung, Deformation: Geologie Gesamtheit von Vorgängen, die zur Störung eines ursprünglich einheitlichen Schicht- oder Gefügeverbandes fuhren.

Verfrühen: Beschleunigen von Wachstum beziehungsweise Entwicklung von Pflanzen durch Einsatz technischer Hilfsmittel (Folie, Gewächshäuser, Temperaturerhöhung), um damit eine frühere Nutzung, im Vergleich zum Anbau im Freiland zu erreichen.

Verfügbarkeit: Zuverlässigkeitstheorie Wahrscheinlichkeit, dass sich ein System zu einem beliebigen Zeitpunkt nicht in Reparatur oder prophylaktische Wartung befindet.

Verga, Giovanni, 31.8.1840-27.1.1922, italienischer Schriftsteller; gestaltete nach Schilderungen menschlicher Leidenschaften in Gesellschaftsromanen («Eine Sünderin», 1867; «Eros», 1875, deutsch) in mitfühlenden Berichten meisterhaft die Leiden sizilianischer Landarbeiter, Fischer, Bauern und Kleinbürger (Novellen «Sizilianische Bauernehre», 1880, deutsch, darunter «Cavalleria rusticana», 1884 Dramenfassung, Opernfassung von P. Mascagni; Roman «Die Malavoglia», 1881, deutsch) und wurde damit zum Hauptvertreter des Verismus.

Vergällen: Ungenießbar machen von Lebensmitteln für den menschlichen Genuss mit vorgeschriebenen Vergärungsmitteln; zum Beispiel von Alkohol oder Speisesalz für technische Zwecke.

Vergaser: Vorrichtung an Ottomotoren (mit sogenannt äußerer Gemischbildung) zum Zerstäuben des flüssigen Kraftstoffes für ein Kraftstoff-Luft-Gemisch in einem je nach Belastung des Motors und gewünschter Drehzahl verschiedenen, ganz bestimmten Verhältnis. Beim Fallstromvergaser erfolgt die Gemischbildung von oben nach unten im fallenden Luftstrom, beim Flachstromvergaser wird das Gemisch vom Vergaser waagerecht in die Verbrennungsräume geführt, und beim Steigstromvergaser muss es beim Ansaugen in die Verbrennungsräume gehoben werden.

Vergaserkraftstoff, Abkürzung (V.K): flüssiger Kraftstoff für den Betrieb von Ottomotoren. VK für Kraftfahrzeuge (Fahrbenzin) ist ein zwischen 40 und 200 °C siedendes Gemisch aus Benzin und klopffesten Komponenten (Isoalkane, Aromaten, Alkohole, Äther). Zusätze an Antiklopfmitteln dienen zur weiteren Erhöhung der Klopffestigkeit. Die Oktanzahlen der Fahrbenzine liegen zwischen ROZ 80 und ROZ 100. Flugbenzin ist ein hochklopffester VK (ROZ > 100) und besteht überwiegend aus Isooctan.

Vergasermotor: zum Betrieb mit Kraftstoffen niedrigsiedender Kohlenwasserstoffe (Benzine) eingerichteter Verbrennungsmotor (Ottomotor), bei dem die Vermischung von Kraftstoff und Luft außerhalb des Verbrennungsraumes im Vergaser erfolgt, im Unterschied zum Einspritzmotor, bei dem den Motorzylindern der Kraftstoff mittels Einspritzpumpe zugeführt wird.

Vergasung: Verfahren zur Erzeugung brennbarer Gase durch partielle Oxydation von festen oder flüssigen Brennstoffen. In Generatoren werden insbesondere Kohle, Koks oder Heizöl mit Luft, Wasserdampf oder sauerstoffangereicherten Gemischen beider erhitzt; hierbei geht der Kohlenstoff in Kohlenmonoxid oder Methan über, während der Wasserdampf zu Wasserstoff reduziert wird. Je nach Vergasungsmittel und Reaktionsführung erhält man Generator-, Wasser-, Misch- oder Synthesegas. Zur Erzeugung von Stadt- oder Ferngas hat die Braunkohlendruckvergasung große Bedeutung; hierbei wird Braunkohle bei etwa 1000°C und 2 bis 2,5 MPa Druck mit einem Sauerstoff-Wasserdampf-Gemisch vergast; das Produkt enthält etwa 50% Wasserstoff, 25% Methan und 20% Kohlenmonoxid.

Vergeilung, Etiolement: durch Lichtmangel bedingte übermäßige Streckung der Internodien, so dass die Pflanzen ungewöhnlich hoch werden, verbunden mit mangelhafter Ausbildung von Chlorophyll. Wirtschaftlich genutzt wird Vergeilung zum Beispiel bei in Erdaufschüttungen gezogenem Spargel und Chicorée.

Vergesellschaftung: 1. Vergesellschaftung, Vergesellschaftung der Arbeit und der Produktion: Prozess der Herausbildung des gesellschaftlichen Charakters der Arbeit und der Produktion unter den Bedingungen der maschinellen Großproduktion. Die Vergesellschaftung wird auf einer bestimmten Entwicklungsstufe der Produktivkräfte objektiv notwendig, wo die Produktionsmittel nur noch gemeinschaftlich anwendbar sind und die individuelle Produktion kleiner Warenproduzenten durch die gesellschaftliche Produktion des Kapitalismus verdrängt wird. Die gesellschaftliche Form der Produktion gerät im Kapitalismus in unlösbaren Widerspruch zur privatkapitalistischen Form der Aneignung (Grundwiderspruch). Die sozialistische Vergesellschaftung der Produktionsmittel stellt die Gleichartigkeit im Charakter von Produktion und Aneignung her. Grundformen der Vergesellschaftung sind gesellschaftliche Arbeitsteilung, Spezialisierung, Kooperation, Kombination und Konzentration des Produktionsprozesses. In der DDR wurde der objektiven Vergesellschaftung unter anderem durch die Bildung volkseigener Kombinate entsprochen.

2. Vergesellschaftung, Vergesellschaftung der Produktionsmittel: Überführung der Produktionsmittel aus Privateigentum in gesellschaftliches Eigentum in verschiedenen Formen und Methoden (sozialistische Nationalisierung als entschädigungslose Enteignung, Übernahme privater Betriebe in Volkseigentum mit Entschädigung, freiwilliger genossenschaftlicher Zusammenschluss kleiner Warenproduzenten).

Vergewaltigung, früher Notzucht: Nötigung einer Frau oder Missbrauch einer wehrlosen oder geisteskranken Frau zum Geschlechtsverkehr; strafbar.

Vergiftung, Intoxikation: Aufnahme von Giften in den Organismus (exogene Vergiftung) beziehungsweise deren Bildung im Körper (endogene Vergiftung). V, rufen schwere Störungen hervor und können auch zum Tod führen. Bei kurzdauernder Gifteinwirkung spricht man von akuter V, bei langdauernder (über Monate und Jahre) von chronischen Vergiftung — Die Giftaufnahme (Giftresorption) kann durch die Haut und durch die Schleimhäute, zum Beispiel des Magen-Darm-Kanals oder der Lungen, erfolgen. Gas- oder dampfförmige Gifte werden eingeatmet, zum Beispiel Kohlenmonoxid. Sie werden, nachdem sie eine Giftwirkung entfaltet haben, oftmals wieder unverändert über die Lungen ausgeschieden. Die meisten Gifte werden aber in der Leber abgebaut und damit unwirksam und ausscheidungsfähig. Die Ausscheidung erfolgt vorwiegend über die Nieren in den Harn, aber auch in den Kot, seltener in den Schweiß. Manche Vergiftung sind an typischen Symptomen erkennbar, andere können erst durch komplizierte Methoden nachgewiesen werden. Zu Vergiftung kann es durch Verwechslung nicht oder schlecht gekennzeichneter Substanzen kommen. Nach versehentlicher Aufnahme führen sie zu lebensbedrohlichen Zuständen bei Kindern und Erwachsenen. Langzeitiger Missbrauch von Arznei-, Genuss- und Rauschmitteln fuhrt ebenfalls zu Vergiftung Übermäßige oder ständige Zufuhr von Alkohol in größeren Mengen führt zur Alkoholvergiftung. Alkohol verstärkt auch die Giftwirkung verschiedener Arzneimittel oder anderer Stoffe. Gifte passieren auch die Plazenta, so dass es während der Schwangerschaft zur Vergiftung des sich entwickelnden Kindes kommen kann. Berufsbedingte Vergiftungen entstehen beim Umgang mit schädigenden Stoffen am Arbeitsplatz, wenn die gesetzlichen Bestimmungen nicht genügend beachtet werden, keine Schutzmaßnahmen getroffen werden oder wenn es zu einer Havarie gekommen ist. Kinder vergiften sich relativ häufig mit Haushalts- und Reinigungsmitteln unterschiedlicher Art, durch unkontrollierte Einnahme von Arzneimitteln oder durch Verzehr von giftigen Pflanzenfrüchten bei Vernachlässigung der Aufsichtspflicht der Erwachsenen. Viele Pflanzen, zum Beispiel die verschiedenen Fingerhutarten, das Maiglöckchen, die Tollkirsche, der Eisenhut, der Seidelbast, die Goldrebe und einige Pilze, enthalten sehr stark wirkende Gifte. Allgemeine Behandlungsrichtlinien für Vergiftung sind schnelle Entfernung des Giftes aus dem Körper durch Erbrechen und Magenspülung. Jeder Fall von Vergiftung oder Verdacht gehört unverzüglich in ärztlicher Behandlung. Erbrochenes und Ausscheidungen sind aufzuheben.

Vergil, Virgil, Publius Vergilius Maro, 15.10.70 bis 21.9.19 vor Christus, römischer Epiker, gewann literarischen Ruhm mit seinen «Bucolica» (10 «Hirtengedichte», auch «Eclogae» genannt, zwischen 42 und 39 vor Christus); preist in dem Lehrgedicht «Georgica» (Landbau, 38/30 vor Christus) die friedliche Arbeit des Bauern; sein Epos «Äneis» (nach 29 vor Christus, 12 Bücher) über die Irrfahrten der Trojaner unter Führung des Äneas bis zu ihrer Ansiedlung in Latium wurde Nationalepos der Römer. Vergil galt im Mittelalter und in der Renaissance als der bedeutendste Dichter und wirkte stark auf die Weltliteratur.

Vergissmeinnicht, Myosotis: Gattung der Borretschgewächse mit blauen Blüten; das Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) wird häufig als Gartenzierpflanze kultiviert, das Acker-Vergissmeinnicht (Myosotis arvensis) ist ein Unkraut.

Vergleich:

1. Philosophie: Erkenntnisverfahren, das auf der Analyse aufbaut und auf die Feststellung von Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten oder Unterschieden gerichtet ist. Der Vergleich ist Grundlage für Analogien und Analogieschlüsse.

2.Recht: Einigung.

vergleichende Literaturwissenschaft, Komparatistik: Teilgebiet der Literaturwissenschaft, das gleichartige oder ähnliche Erscheinungen in verschiedenen Nationalliteraturen untersucht und darstellt; Methode literaturwissenschaftliche Forschung. Die vergleichende Literaturwissenschaft erforscht

a) Vorbildwirkungen und Rezeptionsprozesse, Wechselbeziehungen und Einflüsse;

b) auf verschiedener sozialer Grundlage verlaufende Prozesse, die in wesentlichen Punkten vergleichbar werden;

c) die sich entwickelnde tendenzielle Einheit und die nationalen Eigenarten der sozialistischen Literaturen. Objekte der vergleichenden Literaturwissenschaften sind einzelne Werke und Schriftsteller, literarischer Strömungen, aber auch einzelne Gattungen, Motive und Sujets.

Vergolden: Beschichten metallischen und nichtmetallischen Teile mit Gold, zum Beispiel durch Dublieren (Dublee) oder galvanisches beziehungsweise stromloses Vergolden (Kontakt-Vergolden). Beim Blattvergolden werden dünnste Goldblättchen auf die mit einem Kleber versehene Oberfläche aufgebracht und festgeschlagen.

Vergrämen: Stören des Wildes durch Beunruhigung, so dass es einem Gebiet fernbleibt.

Vergrößerung: Verhältnis aus scheinbarer Größe tan w's des Bildes in einem visuell benutzten optisches Instrument und scheinbarer Größe tan w, des mit unbewaffnetem Auge betrachteten Objekts; r = tan w,/tan w,. Bei Lupe und Mikroskop ist tan wt für die Sehweite 250 mm, bei Fernrohren im Allgemeinen für die wirkliche Objektweite zu messen.

Vergüten:

1. Fertigungstechnik: kombiniertes thermisches Verfahren der Wärmebehandlung, bestehend aus Härten nach Volumenerwärmung und nachfolgendem Anlassen bei meist hohen Temperaturen (530 bis 670°C), besonders für Stähle (0,25 bis 0,60% Kohlenstoff) geeignet, mit dem Ziel, günstige Festigkeits-Zähigkeits-Relationen zu erhalten. Ähnliche Eigenschaftskombinationen erreicht man auch durch Zwischenstufen-V, bei dem nach dem Austenitisieren eine isotherme Umwandlung (250 bis 400°C) zu Zwischenstufengefüge (Bainit) erfolgt.

2.Fototechnik: Aufträgen dünner reflexionsmindernder Schichten (Antireflexbelag, Reflexschutz) auf optisch wirksame Glasoberflächen. Um die Wirkung zu erhöhen, trägt man mehrere, in ihren Brechzahlen unterschiedlicher Schichten auf (multicoating); entsprechend behandelte Fotoobjektive sind meist mit MC gekennzeichnet.

Vergütung: 1. Gegenwert für einen Sachwert (Kaufpreis u. ä.) oder ein Recht (zum Beispiel Lizenz) beziehungsweise eine Arbeitsleistung (zum Beispiel Lohn, Gehalt, Honorar).

2. Vergütung, Arbeitsvergütung: in der Landwirtschaft Gesamtheit der an Mitglieder von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften für die individuelle Konsumtion zur Verteilung kommenden Erlöse. Die Vergütung ist Entgelt für die geleistete Arbeit und kann auch einen Gewinnanteil enthalten. Die Höhe der Vergütung richtet sich in erster Linie nach der Tätigkeit, der Erfüllung der Arbeitsaufgaben, nach Menge und Qualität der erzielten Produkte, der bearbeiteten Fläche oder betreuten Tiere. Die Vergütung kann jedoch auch als Zeitvergütung berechnet werden. Sie ist in der Regel unterteilt in die während des Jahres ausgezahlten Vorschüsse (Grundvergütung) und die nach Abrechnung des Wirtschaftsjahres durch die Jahreshauptversammlung zu beschließende Endvergütung. Die früher mehr üblichen Naturalvergütung tritt heute gegenüber der Geldvergütung zurück.

Vergütungsstahl: Stahl, dessen Zähigkeit, Zugfestigkeit und Streckgrenze durch Vergüten dem jeweiligen Verwendungszweck angepasst wird. Vergütungsstahl darf bei weiterer Bearbeitung nicht über die Anlasstemperatur hinaus erwärmt werden.

Verhaeren, Emile, 21.5.1855-27.11.1916 (Unfall), belgischer Dichter französischer Sprache; schuf enthusiastische, von sozial-humanitärem Pathos erfüllte Werke über die Großstadt als Zentrum von Arbeit und Technik sowie über den Fortschritt («Stürmische Kräfte», 1902).

Verhaftung: Freiheitsentziehung für einen Beschuldigten oder Angeklagten auf Grund eines schriftlichen Haftbefehls des Richters.

Verhalten: Bautechnik, Eigenschaft von Baustoffen, Baukonstruktionen und Bauwerken, die deren Beständigkeit beziehungsweise Veränderlichkeit durch das Wirken äußerer Einflussfaktoren in der Zeit bedingt. Man unterscheidet Kurzzeitverhalten von der ersten planmäßigen Prüfung oder Probebelastung bis zur Nutzung (reguläre Beanspruchung), Zeitverhalten in einem vorgegebenen Zeitabschnitt, Langzeitverhalten bis zum Ende der Nutzungsdauer ohne festgelegte Zeitangabe.

Verhaltenslehre, Ethologie: biologische Arbeitsrichtung; untersucht die arttypischen Bewegungskoordinationen der Tiere unter vergleichenden Gesichtspunkten auf Struktur und Funktion (Verhaltensmorphologie) und versucht, die inneren Ursachen des Verhaltens zu analysieren (Verhaltensphysiologie).

Verhaltenstraining: 1. Methode des Übens aufgabenabhängiger und situationsangepasster Verhaltensweisen (zum Beispiel Fehlersuchtraining, Antihavarietraining).

2. Verhaltenstraining sozialpsychologisches Verhaltenstraining: Methode planmäßiger Übung von Verhaltensmustern zur Aneignung sozial kompetenten Verhaltens; soll insbesondere optimales Führungs- und Sozialverhalten ermöglichen (effektives Argumentieren, schöpferische Lösen von Problemen und sozialen Konflikten).

Verhältnisgröße: Quotient aus 2 gleichartigen physikalischen Größen, speziell das Verhältnis einer Größe zu einer Bezugsgröße; zum Beispiel ergibt sich der Wirkungsgrad aus abgegebener Leistung/zugeführte Leistung, die Dielektrizitätszahl aus Dielektrizitätskonstante/elektrische Feldkonstante.

Verhandlung: Recht a) Erörterung aller wesentlichen Fragen, die bei Willensübereinstimmung zu einem Rechtsgeschäft (zum Beispiel Kaufvertrag) führen;

b) wichtiger Teil eines gerichtlichen Verfahrens, in dem das Gericht unter Mitwirkung der Parteien den Sachverhalt erschöpfend ermittelt. Die Verhandlung erfolgt öffentlich und mündlich. In Strafsachen wird sie im Allgemeinen als Hauptverhandlung bezeichnet.

Verholen: Entlangführen eines Schiffes am Kai zu einem anderen Liegeplatz, ohne dass sein Eigenantrieb benutzt wird; erfolgt meist durch (Verhol-) Spills und Trossen.

Verholzung: Einlagerung von Lignin (Holzstoß) in das Zellulosegerüst pflanzlicher Zellwände.

Verhornung, Keratinisierung (griechisch): Verwandlung der Oberhautzellen in Hornschuppen.

Verhüttung: Verarbeitung von Erzen und Konzentraten zu Primärmetallen und zu Roheisen in der Metallurgie.

Verifikation: (lateinisch «wahr», «machen»): Verfahren zur Feststellung des Wahrheitswertes einer Aussage (Hypothese). Aus der gegebenen Aussage werden andere, die in der Praxis überprüft werden können (Beobachtung, Experiment), logisch abgeleitet. Die Hypothese gilt als verifiziert, wenn sich alle abgeleiteten Aussagen als wahr erweisen.

Verismus: (lateinisch verus, «wahr») in der Literatur die um 1880 in Süditalien unter französischem Einfluss begründete Form des Naturalismus. Die Veristen (besonders G. Verga, L. Capuana, G. Deledda, M. Serao) gestalteten vornehmlich soziale Themen ihrer engeren Heimat, dies gab ihrem Schaffen einen ausgeprägt regionalistischer Charakter; ihre Weitsicht war pessimistisch und fatalistisch. Unter dem Einfluss des literarischen Verismus entwickelte sich um 1890 in Italien ein Opernstil, der in den Mittelpunkt die nackte, oft krasse, unreflektierte «Wahrheit» stellte und das alltägliche, Leben, vor allem die soziale Problematik der Zeit, wirklichkeitsgetreu, in ihren unmittelbaren Erscheinungen, wiedergeben wollte. Die ersten veristischen Opern waren P. Mascagnis «Cavalleria rusticana» (1890) und R. Leoncavallos «Der Bajazzo» (1892); Hauptmeister wurde G. Puccini mit den Opern «La Bohème» (1896), «Tosca» (1900) und «Madame Butterfly» (1904). Der Verismus wurde auch in anderen europäischen Ländern aufgegriffen (zum Beispiel von E. d’Albert in «Tiefland», 1903). Ausgehend von der Literatur und dem Musiktheater, wurde der Begriff Verismus in den 20er Jahren auf die bildende Kunst übertragen und besonders von den Vertretern der Neuen Sachlichkeit als geeignete Methode bei der Gestaltung gesellschaftskritischer Themen genutzt (O. Dix, G. Grosz). Durch die übersteigerte, herausfordernd sachliche und krasse Wiedergabe der Realität sollte auf die Unerträglichkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse hingewiesen werden.

Verissimo, Erico Lopes, 17.12.1905 bis 28.11.1975, brasilianischer Romancier; gestaltete die von der Durchsetzung kapitalistischer Verhältnisse ausgelöste Krise aller gesellschaftlichen Beziehungen in Brasilien (historische Trilogie «Die Zeit und der Wind», 1949/62, Band 1 und 2 dt).

veritabel: (französisch) wahrhaft; echt, unverfälscht.

Verjüngung: 1. Forstwirtschaft natürliche (Naturverjüngung) oder künstliche Walderneuerung durch Saat oder Pflanzung; auch Bezeichnung für den Zeitraum vom Beginn der Naturverjüngung bis zum Räumungshieb (Verjüngungszeitraum).

2. Gartenbau starkes Zurückschneiden der Kronen von älteren Obst- und Zierbäumen, um Neubildung von Trieben zu erzielen.

Verkalkung: Kalkablagerung in Körpergeweben; normal beim Knochenaufbau (Ossifikation); krankhaft bei Nekrosen (zum Beispiel Tbk), alten Thromben (Venensteine), Exsudaten (Panzerherz) und Geweben mit herabgesetzter Funktion und Ernährung (zum Beispiel Arteriosklerose, Geschwülste), selten generalisiert in Haut, Herz, Lungen, Nieren, Magen bei der Kalkspeicherungskrankheit (Kalkgicht).

Verkaufszeit: Zeitspanne von der Beendigung des Produktionsprozesses bis zur Realisierung des Wertes der Waren, ihrer Verwandlung in Geld. Die Verkaufszeit ist die erste Phase der Zirkulationszeit (Umlaufzeit 3).

Verkehr: 1. Vorgang der Ortsveränderung.

2. Gesamtheit der technischen, organisatorischen und ökonomischen Maßnahmen, Einrichtungen und Mittel zur Ortsveränderung (Beförderung) von Personen und Gütern sowie zur Beförderung und Übermittlung von Nachrichten mit dem Ziel, durch Überwindung räumlicher Entfernungen die Bedürfnisse der arbeitsteiligen Wirtschaft sowie menschlicher Reise- und Informationsbedürfnisse zu befriedigen.

3. Einheit von Transport- und Nachrichtenwesen.

Verkehrsfunk: Sammelbegriff für den Sprechfunk zwischen und mit Landfahrzeugen in öffentlichen (postalische Verkehrsfunk) und nicht öffentlichen (zum Beispiel Polizeifunk) Diensten.

Verkehrsgeographie: Zweig der ökonomischen Geographie, in dem der Verkehr als Faktor der Territorialstruktur unter Berücksichtigung der herrschenden Produktionsverhältnisse untersucht wird. Die allgemeine Verkehrsgeographie erforscht die geographische Verteilung der Zweige des Verkehrswesens und die globalen ökonomisch-geographischen Auswirkungen des Verkehrs, die regionale Verkehrsgeographie befasst sich mit der Strukturanalyse des Verkehrs von einzelnen Ländern und Gebieten.

Verkehrslast, Nutzlast: Statik in die Berechnung zur Bemessung einer Baukonstruktion neben der Eigenlast sowie Schnee- und Windlast als Lastannahme eingehende verändert, oder beweg). Belastung.

Verkehrsleiteinrichtungen: Sammelbezeichnung für Zeichen und Einrichtungen unterschiede Art, Form und Farbe zur Sicherung, Ordnung, Absperrung oder Umleitung des Straßenverkehrs. Einteilung in horizontale Verkehrsleiteinrichtungen und vertikale Verkehrsleiteinrichtungen Horizontale Verkehrsleiteinrichtungen (Fahrbahnmarkierungen) sind auf beziehungsweise in Verkehrsflächen angeordnete Linien, Symbole und Schriftzeichen zur Ergänzung der Verkehrszeichen. Bei Längsmarkierungen unterscheidet man: Sperrlinie (darf nicht überfahren werden), Leitlinie (darf überfahren werden) sowie durchgehende beziehungsweise unterbrochene gelbe Linien am Fahrbahnrand (Halte- beziehungsweise Parkverbot); bei den Quermarkierungen: Haltelinie, Aufstelllinie, Breitstrichgatter (Zebrastreifen; zur Kennzeichnung eines Fußgängerüberweges) in Verbindung mit entsprechenden Vorschriftszeichen und Begrenzungslinien für den Fußgängerverkehr an signalisierten Straßenknotenpunkten unter anderem; bei den Flächenmarkierungen: die Sperrfläche (Schrägstrichgatter; darf nicht befahren werden), die gelbe Zickzacklinie (Parkverbot auf der markierten Fläche) und die Parkflächenmarkierung (kennzeichnet die vorgeschriebene Parkordnung); bei den Hinweis- und Zusatzmarkierungen Pfeil-, Dreieck- und Schriftzeichen (STOP, TAXI, BUS), bei den Vorschriftszeichen auf Verkehrsflächen das jeweils gelbe Halte- beziehungsweise Parkverbotszeichen. Vertikale Verkehrsleiteinrichtungen sind Leit- und Absperrkegel, Verkehrsteiler, Leitpfeil in Kurven, Sicherungskennzeichnung und Leitplanke. Siehe auch Verkehrszeichen.

Verkehrsmedizin: Teilgebiet der Medizin; befasst sich besonders mit Fragen der Tauglichkeit und den gesundheitlichen Problemen im Zusammenhang mit dem Benutzen und Führen von Kraft- und Schienenfahrzeugen sowie bei der Luft- und Schifffahrt.

Verkehrspsychologie: Teilgebiet der Arbeits- und Ingenieurpsychologie, das sich mit den psychischen Voraussetzungen und Beanspruchungen beim Verkehr auf Straße, Schiene, Wasser und in der Luft befasst, um für Technik, Ausbildung und Verkehrsrecht psychologische Grundlagen für optimale Verkehrssicherheit bereitzustellen.

Verkehrsrechner: (mikro)elektronische Datenverarbeitungsanlage zur optimalen Steuerung des Straßenverkehrs (Farbzeichendauer und -folge an Signalgebern) an Einzelknoten und in Grünen Wellen. Die erfordert. Daten (Ankunft oder Geschwindigkeit von Kfz) werden durch Detektoren (meist in die Fahrbahn eingelassene Induktionsschleifen) automatisch erfasst, gespeichert und dem Verkehrsrechner eingegeben.

Verkehrsregelung durch Farbzeichen: Zeichen der Lichtsignalanlagen beziehungsweise von Verkehrsposten gegebene Licht- oder Flaggenzeichen gemäß StVO.

Verkehrssprache: in der deutschen Sprachgeschichte die gesprochene Sprache (gegenüber der Kanzlei- oder Amtssprache im späten Mittelalter); heute meist verstanden als Sprache, die der Verständigung in einem Gebiet mit mehreren Sprachgemeinschaften dient; kann eine durch Gesetzgebung zur Staatssprache erhobene Sprache sein.

Verkehrsstraftaten: Straftaten gegen die Sicherheit im Bahn-, Straßen-, Luft- und Schiffsverkehr.

Verkehrsunfall: Unfall mit Fahrzeugbeteiligung im öffentlichen Straßenverkehr, bei dem im Zusammenhang mit dem Fährverkehr Personen- oder Sachschaden entstand. In der DDR werden

a) Verkehrsunfall mit geringen Folgen (ohne Personen-, geringer Sachschaden) ohne Einschaltung der VP und

b) alle übrigen Verkehrsunfall unterschieden.

Verkehrswirtschaftslehre: Teil der Verkehrswissenschaft, befasst sich mit den ökonomischen Gesetzmäßigkeiten der Ortsveränderung von Personen, Gütern und Nachrichten.

Verkehrszeichen: Sammelbegriff für Straßenzubehör zur Vermittlung von Informationen für das Verhalten im Straßenverkehr. Unterteilung in

a) Verkehrszeichen im engeren Sinne (Verkehrsschild);

b) Signalgeber für zeitlich in Farbe oder Form (Ziffern = Richtgeschwindigkeit) wechselnde Anzeige. Verkehrszeichen im engeren Sinne sind auf Schilder oder Tafeln (in der Regel aus Reflexmaterial) aufgebrachte, in Form und Farbe meist international gleichbedeutende Zeichen. Unterschieden werden: Warnzeichen, die auf örtliche Gefahren aufmerksam machen; Vorschriftszeichen, die Gebote und Verbote aussprechen; Hinweiszeichen zur Erleichterung der Orientierung der Verkehrsteilnehmer; Zusatzzeichen für Gültigkeitsbestimmung anderer Verkehrszeichen Neuerdings dienen ferngesteuerte Wechselverkehrszeichen mit veränderbarem Inhalt zur zeitweisen Beeinflussung (zum Beispiel Umleitung) des Verkehrs.

verketteter Algorithmus, Gauß-Banachiewicz-Verfahren (nach C. F. Gauß und einem polnischer Mathematiker): durch spezielle Wahl der Operationsfolge aus dem Gaußschen Eliminationsverfahren entstehende Lösungsform für lineare Gleichungssysteme.

Verklagter, Beklagter. Zivilprozessrecht derjenige, gegen den sich die Klage richtet.

Verklarung: Verfahren zur Feststellung der Ursachen und Sicherung sich ergebender zivilrechtliche Ansprüche nach Unfällen im Seeverkehr.

Verklicker: Drehvorrichtung für einen Windanzeiger im Masttopp eines Segelbootes.

Verkündigung: Szene der christlichen Kunst, in der Maria ein Engel erscheint, um ihr die Geburt eines Kindes zu verkünden. Die Darstellung der Verkündigung fand besonders in der Tafelmalerei des 14./15. Jahrhundert Verbreitung, wobei das Thema zunehmend realistisch und weltlich aufgefasst wurde bis hin zur Abbildung genrehafter Einzelheiten in der niederländischen Malerei des 15. Jahrhundert. Im 16./17. Jahrhundert finden sich besonders in der italienischen Malerei idealisierte Darstellungen. Seit dem 18. Jahrhundert tritt die Darstellung der Verkündigung in der Kunst zurück.

Verkündung:

1. Staatsrecht: die amtliche Bekanntmachung von Rechtsvorschriften im Gesetzblatt.

2.Verfahrensrecht: mündliche Bekanntgabe einer gerichtlichen Entscheidung, zum Beispiel eines Urteils.

Verkupfern: Beschichten metallischen oder nichtmetallischen Teile mit Kupfer, entweder als Zwischenschicht für nachfolgendes Vernickeln und Verchromen oder in der Galvanoplastik als dicke, abtrennbare Schicht. Das Verkupfern erfolgt auf nichtmetallischen Oberflächen durch Kontaktverkupfern, auf metallischen Oberflächen wird die Kupferschicht aus cyanidisch-alkalischen oder sauren Bädern elektrolytisch abgeschieden.

Verlag: Betrieb, der Bücher, Zeitschriften, Musikalien, Kunstblätter, Globen, Zeitungen und andere Druckerzeugnisse in enger Zusammenarbeit mit Autoren entwickelt und veröffentlicht, das heißt in der Polygraphie herstellen und über den Buchhandel verbreiten lässt.

Verlagsrecht: Gesamtheit der Rechtsvorschriften über die Beziehungen zwischen Urheber und Verlag; auch die Befugnis des Verlages zur Vervielfältigung und Verbreitung von Büchern und Broschüren.

Verlagssystem: Übergangsform von der handwerklichen zur kapitalistischen Produktion, bei der sich das Kaufmannskapital den Handwerker abhängig machte und ihn ausbeutete; verbreitet in der Periode der Herausbildung der Produktionsweise. Der Kaufmann wurde dabei zum Verleger, indem er Rohstoffbeschaffung und Warenabsatz für den Handwerker übernahm; der Handwerker geriet in wachsende Abhängigkeit und konnte so allmählich ausgebeuteter Lohnarbeiter (Heimarbeiter) werden.

Verlagsvertrag: Vertrag, durch den ein Autor oder Komponist einem Verlag die ausschließliche Befugnis zur Vervielfältigung und Verbreitung eines Werkes überträgt.

Verlagswesen: Gesamtheit der Verlage mit langlebigeren Erzeugnissen; die Verlage der Tages- und Wochenzeitungen werden zum Pressewesen (Presse) gerechnet. Früher und zum Teil heute noch in kapitalistischen Staaten wird das Verlagswesen als herstellender Buchhandel oder Verlagsbuchhandel bezeichnet. Zum Verlagswesen der DDR gehören 78 Buch- und Zeitschriftenverlage, die meist volkseigen sind oder Eigentum von Parteien oder gesellschaftlichen Organisationen. Die Themenpläne der Verlage werden entsprechend den vom Ministerium für Kultur bestätigten Aufgabengebieten aufgestellt; die herausgegebene Literatur dient sowohl den ständig wachsenden geistig-kulturellen Bedürfnissen der Leser in der DDR als auch den Interessen ausländischer Leser (Export in 100 Länder). Mit mehr als 8 Büchern pro Jahr und Kopf der Bevölkerung gehört die DDR zu den führenden Buchproduzenten der Welt. Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig ist der Verband der Verleger und Buchhändler der DDR.

Verlaine, (verlern) Paul, 30.3.1844 - 8.1.1896, französischer Dichter; einer der Hauptvertreter des Symbolismus; in seiner Lyrik mit oft provozierend antibürgerlicher Charakter ist die Begrifflichkeit der Sprache zunehmend durch klangmusikalische Elemente ersetzt («Lieder ohne Worte», 1874, deutsch; «Frauen», 1890, deutsch; «Invektiven», 1896, deutsch).

Verlandung: Übergang eines offenen Gewässers in Festland durch Aufeinanderfolge (Sukzession 1) verschiedener Pflanzengesellschaften (Schwimmblattzone, Röhricht unter anderem).

verlängertes Mark, Medulla oblongata, Myelencephalon, Nachhirn: Gehirnabschnitt, der die Verbindung zum Rückenmark herstellt; enthält neben den Ursprungsstellen für Hirnnerven lebenswichtige Zentren, zum Beispiel für Atmung, Herz- und Kreislauftätigkeit.

Verlängerung: Tor-, Mal- und Korbspiele in den Spielregeln festgelegte sportartspezifisch unterschiedlich lange zusätzliche Spielzeit bei unentschiedenem Ausgang von Pokal- und Entscheidungsspielen, mit Ausnahme von Basketball, wo jedes unentschiedene Spiel verlängert wird.

Verleumdung: Verbreiten von Unwahrheiten wider besseres Wissen oder leichtfertiges Vorbringen von nicht beweisbaren Behauptungen, die geeignet sind, das gesellschaftliche Ansehen eines Menschen oder eines Kollektivs herabzusetzen; strafbar.

Verlies: früher unterirdisches Gefängnis, Kerker, zum Beispiel in Burgen (Burgverlies).

Verlöbnis, Verlobung: das Versprechen von Mann und Frau auf künftige Eheschließung; zieht keine Rechtswirkung nach sich.

Verlust: Wirtschaft negatives Ergebnis der wirtschaftlichen Tätigkeit eines Betriebes, bei dem die Aufwendungen die Erlöse innerhalb eines Abrechnungszeitraumes übersteigen. Verlust sind durch Erhöhung der Effektivität des betrieblichen Reproduktionsprozesses, insbesondere durch Steigerung der Arbeitsproduktivität, Selbstkostensenkung durch Rationalisierungsmaßnahmen, Verringerung der Stillstands- und Wartezeiten, höhere Kapazitätsauslastung, Herstellung bedarfsgerechter Erzeugnisse und Herstellung von hochwertigen Erzeugnissen mit weltmarktfähigen Preisen abzubauen beziehungsweise zu vermeiden.

Verluste: Elektrotechnik bei Transport und Umwandlung elektrischer Energie entstehende Energieumsetzung in Wärme (Energieverluste, Leistungsverluste), die nicht nutzbar wird und den Wirkungsgrad verschlechtert. Wesentliche Verlustquellen sind mechanische Verluste, Ummagnetisierungsverluste, Stromwärmeverluste und dielektrische Verluste. Mechanische Verluste entstehen durch Luft-, Lager- und Bürstenreibung, Stromwärme-V durch den Wirkwiderstand der Leiter. Man unterscheidet belastungsunabhängige Verluste (Leerlaufverluste) und belastungsabhängige Verluste.

Zu den Netz-Verluste, gehören vor allem Freileitungsverluste (mit Koronaverluste (s. a. Koronaentladungen) und Stromwärmeverluste), Kabelverluste (Stromwärmeverluste und dielektrischen Verluste) und Transformatorenverluste (Ummagnetisierungsverluste und Stromwärmeverluste). Bei rotierenden elektrischen Maschinen werden Leerlaufverluste mit mechanischer Verluste, Ummagnetisierungsverluste und Stromwärmeverluste in den Erregerwicklungen (Erregerverluste) sowie (durch den Leerlaufstrom) in den Ankerwicklungen von den Lastverluste mit Stromwärmeverluste und Zusatzverluste außerdem Ständerverluste und Läuferverluste unterschieden.

Verlustwinkel: Elektrotechnik die Winkeldifferenz zwischen tatsächliche und theoretische (90°-) Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung; Zeichen 5, SI-Einheit rad. Der Verlustfaktor (tan 5) ist das Verhältnis des Wirkwiderstandes zum Blindwiderstand beziehungsweise der entsprechenden Leistungen und eine Kenngröße für Isolierstoffe. Sein reziproker Wert ist der Gütefaktor.

Verlustzeiten: nicht notwendige Zeitaufwände, die zur Überschreitung des technologisch und organisatorisch begründeten Zeitaufwandes für den Ablauf beliebiger Arbeitsprozesse führen und durch Abweichungen von den dem Ablauf der Prozesse zugrunde liegenden optimalen Bedingungen verursacht werden. Verlustzeiten sind unter anderem mit den Mitteln des Arbeitsstudiums zu analysieren und zu erfassen. Sie stellen Reserven bei der rationellen Nutzung des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens dar. Die Ursachen für Verlustzeiten sind zu beseitigen.

Verlustziffer:

1. Kennziffer bei ferromagnetischen Werkstoffen für die Ummagnetisierungsverluste.

2. Produkt aus Dielektrizitätskonstante e und Verlustfaktor tan S als Maß für die Erwärmung eines Isolierstoffes.

Vermächtnis, Legat: testamentarische Zuwendung aus dem Nachlass, die keine Erbeinsetzung ist. Der Bedachte kann vom Erben Herausgabe der Zuwendung verlangen. Mit einem Vermächtnis kann auch ein Erbe (neben seinem Erbteil) bedacht werden.

vermaledeien: (französisch) verwünschen, verfluchen.

Vermarktung: die mit dem Kauf beziehungsweise Verkauf verbundene Einstufung oder Klassifizierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse; im weiteren Sinne gehören dazu alle Prozesse, die darüber hinaus zur Erzielung der Verkaufsreife eines Produktes notwendig sind (Kennzeichnung, Lagerung, Aufbereitung unter anderem). Vermarkung: dauerhafte Festlegung von geodätischen Festpunkten im Gelände, zum Beispiel durch Drän- oder Eisenrohre, Granitsteine, Betonpfähle oder -pfeiler; meist unterirdisch, mit der Geländeoberfläche abschließend; oberirdisch als Beobachtungspfeiler.

vermasseln: (hebräisch) verpfuschen; falsch machen.

Vermeer van Delft, Jan, 1632 (31.10. getauft) — 1675 (15.12. begraben), holländischer Maler; seit 1653 Mitglied der Delfter Lukasgilde; als einer der Hauptmeister des bürgerlichen Interieurs konzentrierte sich Vermeer van Delft auf die Darstellung weniger Figuren im lichterfüllten Raum. Mit der «Ansicht von Delft» (um 1658) oder dem «Brieflesenden Mädchen am offenen Fenster» (um 1659) nahm Vermeer van Delft wichtige Erkenntnisse der Freilichtmalerei vorweg.

Vermehrung: jede Erhöhung der Individuenzahl durch eigene Nachkommen. Bei Pflanzen unterscheidet man die ungeschlechtliche (vegetative, asexuelle) Vermehrung, eine Form der Fortpflanzung durch Knollen, Ausläufer, Brutknospen, Zwiebeln, Stecklinge, Ableger, Abriss, Absenker, Klon, Veredlung, von der geschlechtlichen (generativen) Vermehrung durch Samenbau.

Vermeil: in Feuer vergoldetes Silber.

Vermessingen: Beschichten von Metallteilen mit Messing, meist zu dekorativen Zwecken (zum Beispiel für Beleuchtungskörper). Die elektrolytische Legierungsabscheidung ist trotz der normalerweise weit auseinanderliegenden Abscheidungspotentiale von Kupfer und Zink an der Kathode aus Metall-Cyanokomplex-Salzen möglich.

Vermessung, Schiffsvermessung: Ermittlung des Rauminhalts von Schiffen, um im internationalen Verkehr die diversen Gebühren (Hafen, Schleusen und so weiter) nach möglichst gleichgearteten Bedingungen für die verschiedenartigsten Schiffe festlegen zu können. Unterschieden werden Bruttovermessung (Gesamtinhalt einschließlich Aufbauten mit Ausnahme der Räume für Teile der Antriebsanlage, Hilfs- und Verarbeitungsmaschinen, Küchen, Sanitärzellen u. ä.) und Nettovermessung (gewinnbringender Nutzraum).

Vermessungswesen: Bezeichnung für alle ingenieurtechnischen und organisatorischen Aufgaben und Tätigkeiten der Geodäsie, die sich auf die Aufnahme der Erdoberfläche und ihrer Objekte, auf Kartierung und Absteckung beziehen.

Vermeylen, August, 12.5.1872-10.1.1945, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; 1901/23 Professor für Kunstgeschichte in Brüssel, 1923/40 für Literatur- und Kunstgeschichte in Gent; Mitbegründer der literarischen Zeitschrift «Van Nu en Straks» (Von heute und morgen; 1893) und Theoretiker dieser Schriftstellergruppe, die der flämischen Literatur zu europäischen Geltung verhalf; schrieb Essays, Kritik, Studien zur Geschichte der Kunst und Literatur sowie Romane («Der ewige Jude», 1906, deutsch).

vermittelnde Beobachtungen: Beobachtungen von physikalischen Größen, mit deren Hilfe eine nicht direkt beobachtbare Größe berechenbar ist. Sollen zum Beispiel Gestalt und Lage der Ellipsenbahn eines Erdsatelliten bestimmt werden, so gelingt dies nur durch vermittelnde Beobachtungen.

Vermittlungstechnik: Verfahren und Einrichtungen in der Fernmeldetechnik, die den wahlweisen Aufbau von Verbindungen zwischen allen an das Netz angeschlossenen Fernsprech- beziehungsweise Fernschreibteilnehmern ermöglichen. Zur Kontaktgabe zwischen ankommenden und abgehenden Leitungen dienen in der Wählvermittlungsstelle Koppeleinrichtungen (Wähler, Koordinatenschalter oder vollelektronische Koppelnetzwerke), die durch vom Teilnehmer ausgelöste Wählimpulse gesteuert werden. Siehe auch Selbstwählfernverkehr.

Vermögen: die Gesamtheit der Sachen und in Geldwert schätzbaren Rechte des Vermögensinhabers. Zum Vermögen zählen im Allgemeinen nur die Aktiva, während Verbindlichkeiten aus dem Vermögen zu erfüllen sind; anders im Steuerrecht.

Vermögenseinziehung: Strafrecht Zusatzstrafe, die die Überführung eines Teils oder des gesamten Vermögens des Täters mit Ausnahme der unpfändbaren Gegenstände in das Volkseigentum bewirkt.

Vermont, Abkürzung Vt.: Bundesstaat im Nordosten der USA; 24000 km2, 525000 Einwohner; 21 Einwohner/km2; Hauptstadt Montpelier. Vorwiegend Hügelland, von Norden nach Süden von den Appalachen (Green Mountains, bis 1291 m) durchzogen; bei feuchtgemäßigtem Klima etwa zwei Drittel der Fläche mit Laubwald bedeckt; zahlreiche kurze Flüsse. Überwiegend Hydroenergiegewinnung; Leicht-, Lebensmittel-, polygraphische Industrie, Werkzeugmaschinenbau; Bergbau auf Granit, Marmor, Asbest, Schiefer. In der Landwirtschaft herrscht die Milchviehzucht vor, daneben Anbau von Futtergräsern, Mais, Kartoffeln, Hafer. Der Fremdenverkehr (Wintersport) entwickelte sich zu einem führenden Wirtschaftszweig; dichtes, leistungsfähiges Verkehrsnetz.

Gesetzliche Vermutung, Präsumtion: gesetzliche Regel darüber, ob eine Tatsache oder ein Recht zunächst als vorliegend anzusehen ist, so zum Beispiel Vermutung über gleiche Anteilsrechte zwischen Miteigentümern. Wer der Gesetzlichen Vermutung widerspricht, muss sie widerlegen.

Verne, Jules, 8.2.1828-24.3.1905, französischer Schriftsteller; Begründer des wissenschaftlichen phantastischen Romans, dessen Themen er mit Fragen seiner Zeit verband (Trilogie «Die Kinder des Kapitäns Grant», 1867/68; «Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer», 1869, beide deutsch).

Vernichtungsstrahlung: die bei der Paarvernichtung von Teilchen und Antiteilchen auftretende, zumeist elektromagnetische Strahlung.

Vernickeln: Beschichten metallischen oder nichtmetallischen Teile mit Nickel. Zur Glanzerzielung wird anschließend oft verchromt. Vernickeln erfolgt überwiegend auf elektrolytischem Wege. Aus komplexen Nickelsalzlösungen ist die Abscheidung von Nickelschichten durch Reduktionsmittel auf chemischem Wege möglich (ehem. Vernickeln).

Vernissage: Besichtigung einer Kunstausstellung durch geladene Gäste einen Tag vor der eigentlichen Eröffnung; ursprünglich Besichtigung vor dem Firnissen der Gemälde.

Vernunft: Vermögen des Menschen, die objektive Realität in ihren Zusammenhängen, Gesetzmäßigkeiten und Widersprüchen im Denken widerzuspiegeln. Die Vernunft geht über einen allein mit Begriffen operierenden Verstand insofern hinaus, als sie auch das Wesen der Begriffe erfasst. In der Philosophie des progressiven Bürgertums galt die Vernunft als ein Denken, das die Herrschaft des Menschen über Natur und Gesellschaft philosophisch begründete; als unvernünftig galt, was den Klasseninteressen der aufstrebenden Bourgeoisie widersprach.

Verona: Stadt in Oberitalien, in der Region Venetien, Verwaltungszentrum der Provinz Verona, am Adige; 260000 Einwohner; Bleihütte, metallverarbeitende, Holz-, Papier-, Textil-, keramische und Tabakindustrie; Handelszentrum; Museen. Zahlreiche bedeutende Bauwerke, zum Beispiel römisches Amphitheater (Ende l. Jahrhundert, für etwa 25000 Zuschauer; fast vollständig erhalten, heute Freilichtbühne), Teatro Romano (römisches Theater); Reste spätromanischer Stadtbefestigung mit 2 Toren, romanische Kirchen S. Zeno Maggiore mit Kampanile, S. Lorenzo, romanisch-gotischer Dom, gotischen Scaliger Grabmale, gotisches Castelvecchio (heute Kunstmuseum); aus der Renaissance sind vorhanden Palazzo della Ragione (mit 84 m hohem Stadtturm, 12. Jahrhundert), Palazzi Pompeji, Canossa und Bevilacqua von M. Sanmicheli (16. Jahrhundert). 489 Sieg der Ostgoten über Odoaker bei Verona; 774 fränkisch; im 13./14. Jahrhundert unter der Herrschaft der Scaligeri und Visconti, 1405 zu Venedig, 1797/1805 und 1815/66 habsburgischen Festung; seit 1866 beim Königreich Italien.

Veronese, eigentlich Caliari, Paolo, 1528-19.4.1588, italienischer Maler; einer der Hauptmeister der venezianischen Malerei, angeregt von Tizian und Tintoretto. In großformatigen Bildern schildert er das Bild der genussfreudigen Nobilität seiner Zeit in Venedig. Helle, prächtige Farben, plastisch modellierte Figuren vor illusionistische architektonische Perspektiven sowie prunkvolle Details kennzeichnen seine Kunst, die zum Barock überleitet und dem venezianischen Kolorit noch neue Farbtöne zufügte.

Verordnung, Abkürzung VO: Rechtsvorschrift, die auf der Grundlage von Gesetzen von dazu berechtigten staatlichen Organen, meist von der Regierung, erlassen wird.

Verpackung: Gesamtheit von Verpackungsmitteln und Verpackungshilfsmitteln; dient zum Umhüllen des Gutes.

Verpackungsmaschinen: Maschinen zum automatischen und beziehungsweise oder halbautomatischen Verpacken von Gütern in Verpackungsmittel.

Verpackungsmittel: Einheit von Verpackungswerkstoffen, wie Papier, Karton, Holz, Glas, Blech, und Verpackungshilfsmitteln, wie Leim, Niete, Garn. Verpackungsmittel dienen zum Umhüllen des Gutes, schützen dieses vor äußeren Einflüssen, helfen durch ihre graphische Gestaltung werben, dienen zur Ausschilderung, schützen den Inhalt vor Verderb und umgekehrt die Umwelt vor negativen Einflüssen durch das Gut (zum Beispiel Gifte). Zu Verpackungsmittel zählen unter anderem Beutel, Schachteln, Tuben, Flaschen, Folien.

Verpflichtungsgeschäft: Rechtsgeschäft, das Forderungen und Verbindlichkeiten begründet, zum Beispiel Abschluss eines Kaufvertrages,

verpönt: (lateinisch) verachtet, verrufen; früher strafbar.

Verputzaggregat: Gerätekomplex zum Herstellen und Anwerfen von Mörtel auf Wandflächen.

Verrechnungseinheit, Abkürzung VE: in einigen internationalen Handels- und Zahlungsabkommen vereinbarte Werteinheit, die statt einer nationalen oder kollektiven Währung Verrechnungen zugrunde gelegt wird.

Verrechnungswährung, Clearingwährung, Verrechnungsdevise: in bilateralen Handels- und Zahlungsabkommen festgelegte Werteinheit, die nur der gegenseitigen Verrechnung dient und nicht konvertierbar ist. Die Verrechnungswährung kann sowohl eine der beiden Währungen der vertragschließenden Länder als auch die eines dritten Landes sein.

Verreibung: Mischung eines fein pulverisierten Arzneimittels mit Laktose in einem bestimmten Verhältnis.

Verrenkung, Luxation: durch Unfall hervorgerufene gewaltsame Verschiebung von gelenkbildenden Knochenenden gegeneinander über das normale Bewegungsausmaß hinaus, meist mit Kapsel- und Bandzerreißung verknüpft. Siehe auch Erste Hilfe.

Verres, Gaius, um 115-43/42 vor Christus, römischer Staatsmann; Prototyp des römischen verbrechet. Statthalters; presste als Proprätor in Sizilien 73/71 vor Christus die Bevölkerung schamlos aus; wurde durch Cicero entlarvt und angeklagt.

Verrocchio, Andrea del, 1436-7.10.1488, italienischer Bildhauer und Maler; ein Hauptmeister der florentinischen Frührenaissance. Seine technisch präzis ausgeführten spannungsreich bewegten Bildwerke aus Bronze und Marmor charakterisieren das Menschenbild seiner Zeit. Aus seinem Maleratelier ging unter anderem Leonardo da Vinci als Schüler hervor (Mitarbeit an dem Gemälde «Taufe Christi», 1470). Hauptwerke: Bronzestatue des David in Florenz, 1465; Reiterstandbild des Colleoni in Venedig, 1479/88.

Vers: 1. im Unterschied zur Prosa die metrisch gegliederte, gebundene Rede; im Allgemeinen liegt jedem Vers ein vom Sprachrhythmus umspielter und damit variierter metrischer Rahmen zugrunde, der in anderen Vers seine Entsprechung findet und dessen wesentlichen Eigenschaften im Metrum erfasst werden können. Die Unterschiede zwischen den antiken, romanischen oder deutschen Vers ergeben sich aus dem jeweils spezifischen Sprachstoff, der den konkreten Rhythmus der Vers wesentlich mitbestimmt.

2. vereinfachende Gleichsetzung mit Verszeile.

Versailler Vertrag: imperialistischer Gewaltfriede zwischen den Siegerstaaten und Deutschland zur Beendigung des 1. Weltkrieges; wurde auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 ausgehandelt, am 28.6.1919 in Versailles unterzeichnet und trat am 10.1.1920 in Kraft. Er bestand aus 440 Artikeln und beinhaltete auch die Satzung des Völkerbundes. Sowjetrussland erkannte den Versailler Vertrag nicht an. Die Sieger, besonders Frankreich und Großbritannien, sicherten sich große territoriale, militärische und ökonomische Vorteile, beschränkten die Souveränität Deutschlands, ließen jedoch die Grundlagen des Imperialismus und Militarismus unangetastet, um die revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland niederzuhalten und das imperialistische Deutschland als potentiellen Verbündeten gegen Sowjetrussland zu nutzen. Der Versailler Vertrag trug so den Keim neuer Kriege in sich. Die KPD bekämpfte den Versailler Vertrag und die imperialistische Revanchepolitik. Die deutsche Reaktion benutzte ihn zur Schürung des Chauvinismus. Die Revision vieler Artikel erfolgte bereits während der Weimarer Republik; 1935 offener Bruch des Versailler Vertrags durch die faschistische Regierung; durch einseitige Aufkündigung am 30.1.1937 auch offiziell beendet.

Versailles: Stadt in Frankreich, südwestlich von Paris, Verwaltungszentrum des Departements Yvelines; 91000 Einwohner; Herstellung von Isolierstoffen, Uhren, Chemikalien; Handelsgärtnereien; Gartenbauschule; Militärakademie. Schloss Versailles ist das Hauptwerk des französischen Barocks und wurde Vorbild für die europäischen Schlossbaukunst des 17./18. Jahrhundert; Kern der Anlage bildet ein für Ludwig XIII. erbautes Jagdschloss von 1624/26; im Auftrag Ludwigs XIV. seit 1663 erweitert durch die Architekten L. Le Vau und J. Hardouin-Mansart sowie den Maler C. Lebrun (unter anderem Spiegelgalerie, Schlosskapelle). Die symmetrisch gegliederte Parkanlage schuf A. Le Nôtre, sie enthält die Lustschlösser Grand Trianon (1686/87) und das frühklassizistische Petit Trianon (1726/66). Im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles wurde am 18.1.1871 der preußische König zum deutschen Kaiser ausgerufen. Seit März war die Stadt Sitz der konterrevolutionären («Versailler») Regierung A. Thiers.

Versalien: Großbuchstaben der Druckschrift.

Versammlungsfreiheit: das verfassungsmäßig garantierte Recht der Bürger, Versammlungen durchzuführen, an Versammlungen teilzunehmen und dort zu sprechen. In die Versammlungsfreiheit eingeschlossen ist die Kundgebungs- und Demonstrationsfreiheit.

Versanddisposition: Festlegung des Bestellers gegenüber dem Lieferer über den Bestimmungsort, auch das Transportmittel und den Weg für die Versendung von Waren.

Versandhandel: Handel, bei dem Waren durch Kataloge, Prospekte und so weiter breiten (oft ländlichen) Bevölkerungskreisen angeboten und die Bestellungen auf dem Versandweg erledigt werden.

Versandpflicht: Pflicht des Lieferers, die Ware an ihren Bestimmungsort zu versenden, falls keine Abholung durch den Besteller vereinbart ist.

versatil: beweglich, gewandt; ruhelos; wandelbar.

Versatz:

1. Bautechnik: schräge Verbindung zweier auf Schub beanspruchter Hölzer, zum Beispiel einer Strebe auf einem Unterlagsholz (Schwelle, Deckenbalken oder Gurt) in Fachwerkwänden oder im Dachverband. Je nach Ausführung unterscheidet man den geraden, doppelten, Brust- und Fersenversatz.

2. Bergbau: Auffüllen leergeförderter Grubenbaue mit wertlosem Material, wie Berge, Asche, Erde, Sand, Schlacke, Verarbeitungsrückstände unter anderem, um ein zu Bruch gehen des Hangenden oder zumindest schädigende Auswirkungen weitgehend zu verhindern, im Gangerzbergbau eine Arbeitsebene zu schaffen und Wetterverluste zu vermeiden.

Verschiebeankermotor: Elektromotor an Hebezeugen mit axial kegelig ausgebildetem Läufer, der beim Ausschalten durch Federkraft gegen die ebenfalls kegelige Ständerbohrung gepresst wird und damit als Bremse wirkt.

Verschiebung:

1. Geologie: Bewegung eines Krustenstücks entlang einer Verwerfung.

2. Mathematik: Translation.

3. Musik: Wirkungsweise des linken Pedals beim Flügel; bei der Benutzung werden die Klaviatur und die dahinterliegende Mechanik nach rechts gerückt; der Hammer schlägt nur noch 2 Saiten (due corde) oder 1 Saite (una corda) an und bewirkt damit eine Verringerung der Tonstärke und eine Veränderung der Klangfarbe.

Verschiebungsstrom: elektrischer Strom, der durch ein zeitlich veränderliches elektrisches Feld verursacht wird und im Gegensatz zum Leitungsstrom auch im Vakuum fließt. Er ist das Flächenintegral über die Verschiebungsstromdichte dD/dt, wobei D die elektrische Flussdichte und l die Zeit ist. Siehe auch Maxwellsche Gleichungen.

Verschlackung: teilweises oder vollständiges Überführen eines Erz- oder Legierungsbestandteils in die Schlacke bei Oxydationsprozessen (Frischen) in der Metallurgie.

Verschleiß: 1. allgemein Abnutzung; Verbrauch.

2. politische Ökonomie: Entwertung des fixen Kapitals beziehungsweise im Sozialismus der Grundmittel (Maschinen, Werkzeuge, Gebäude und so weiter), die zwar als Ganzes an der Produktion teilnehmen, aber nicht auf einmal, sondern allmählich im Verlaufe mehrerer Produktionsperioden wertmäßig auf das neue Produkt übertragen werden. Physischer Verschleiß ist die Wertminderung, die sich aus der natürlich und technisch bedingten Abnutzung im Verlauf der ständigen Anwendung (zum Beispiel der Maschinen) in der Produktion ergibt; moralischer Verschleiß ist die Entwertung der Grundmittel, die durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt, durch das Aufkommen modernerer und leistungsfähigerer Maschinen und so weiter bedingt ist. Der moralische Verschleiß beschleunigt sich in der wissenschaftlich-technischen Revolution und erlangt so wachsende Bedeutung; er verkürzt die ökonomische Nutzungsdauer der Grundmittel unter die physische, erfordert daher insbesondere die intensive Nutzung der Grundmittel, zum Beispiel durch mehrschichtige Auslastung.

3. Technik: bleibende Form und beziehungsweise oder Stoffänderung von festen Körpern durch Reibung; adhäsiver Verschleiß entsteht durch punktweises Verschweißen oder Adhäsion der Reibpartner; abrasiver Verschleiß durch Oberflächenrauigkeiten des härteren Reibpartners oder durch harte lose Teilchen; korrosiver Verschleiß durch chemische Umsetzungen; Ermüdungsverschleiß durch wiederholte elastische oder plastische Verformungen der Oberflächenschichten.

Verschluss:

1. Fototechnik: Vorrichtung an Kameras, die durch Öffnen und Schließen das fotografische Material entsprechend der eingestellten Belichtungszeit zur Belichtung freigibt. Der Zentralverschluss (Objektivverschluss) besteht aus 2 bis 5 Lamellen beziehungsweise Sektoren, der Schlitzverschluss (Bildebenen Verschluss) aus 2 Metallvorhängen beziehungsweise Gummitüchern. Die Funktionen des Verschluss werden mittels Federspannung und mechanische Hemmwerke beziehungsweise (zunehmend) elektronische Bauteile ermöglicht.

2. Militärtechnik: beweglicher Teil einer Feuerwaffe, der das Rohr, bei Handfeuerwaffen den Lauf (hier Schloss genannt) hinten abschließt und dem Einfuhren der Munition, dem Abfeuern des Geschosses sowie meist dem Auswerfen der Hülsen beziehungsweise Kartuschen dient; enthält Spanneinrichtung mit Schlagbolzen, Sicherungs-, Abzugs- und Auswerfer Einrichtung. Maschinenwaffen besitzen einen automatischen Verschluss. Siehe auch rückstoßfreies Geschütz.

Verschlusssachen: Dokumente staatlicher Organe, die ihres Inhalts wegen als vertrauliche Verschlusssachen (Abkürzung WS) oder geheime Verschlusssachen (Abkürzung GVS) gekennzeichnet und damit nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sind.

Verschnitt: 1. Spirituose, die neben dem Edelbrand, nach dem sie benannt ist, noch Prima- beziehungsweise Feinsprit und Wasser enthält; die charakteristischen geruchlichen und geschmacklichen Eigenschaften des Edelbrandes müssen deutlich erkennbar sein. Weinbrandverschnitt enthält im Allgemeinen 10%, Weinbrandverschnitt Spezial 20%, Rumverschnitt 5% und Arrak Verschnitt 10% Edelbrand.

2. Mischung aus zwei oder mehreren Weinen.

Verschollenheit: das Bestehen begründeter ernstlicher Zweifel am Weiterleben eines Menschen, dessen Aufenthalt längere Zeit unbekannt ist. Ein Verschollener kann nach Ablauf einer bestimmten Frist für tot erklärt werden. Siehe auch Todeserklärung.

Verschrottung: Rückführung alter, unbrauchbarer Erzeugnisse aus Metall an die metallurgische Industrie und Umschmelzung zu neuen Rohstoffen.

Verschulden: Recht zusammenfassende Bezeichnung für Vorsatz und Fahrlässigkeit als Voraussetzung bestimmter Rechtsfolgen für Pflichtverletzungen. Im Zivilrecht besteht die Vermutung, dass derjenige, der durch Pflichtverletzung einem anderen Schaden zufügt, schuldhaft handelt (Verschuldensvermutung). Die daraus folgende Ersatzpflicht entfällt, wenn feststeht, dass kein Verschulden vorliegt. Im Strafrecht muss Verschulden nachgewiesen werden.

Verschuldensprinzip: familienrechtliches Prinzip, wonach eine Ehe bei Vorliegen schuldhafter Pflichtverletzungen des verklagten Ehegatten (zum Beispiel bei Ehebruch) geschieden werden kann. In der DDR gilt das Zerrüttungsprinzip, nicht das Verschuldensprinzip

Verschulen:

1. Forstwirtschaft: Verpflanzen von Sämlingen in Forstbaumschulen und Pflanzgärten.

2. Gartenbau: Verpflanzen schwacher Unterlagen zur Kräftigung für die künftige Veredlung.

Verschwörung der Gleichen: utopisch-kommunistische Bewegung 1796 zum Sturz des Direktoriums und für eine Revolution zugunsten des Frühproletariats, geführt von F. N. Babeuf, A. J. Darthe, F. M. Buonarroti; durch Verrat entdeckt (Mai). Babeuf und A. J. Darthe wurden 1797 hingerichtet.

Verschwörung des 20. Juli 1944: Bezeichnung für Kreise des Bürgertums und des Adels, die dem Hitlerregime oppositionell gegenüberstanden und deren Aktivitäten in dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gipfelten. Die Verschwörung war Ausdruck des Bestrebens von Teilen der deutschen Monopolbourgeoisie, das imperialistische System über die sich abzeichnende politische und militärische Niederlage des Faschismus zu retten. Die politischen Unterschiede zwischen den einzelnen Kräften der Verschwörung hinsichtlich ihrer Motive und Zielvorstellungen waren beträchtlich. Ein Teil der Verschwörer konzentriert um C. F. Goerdeler, Generaloberst a. D. L. Beck und den Botschafter a. D. U. von Hassel orientierte auf eine Regierung, die Übereinkünfte mit den imperialistischen Westmächten zum Abschluss eines Separatfriedens suchen sollte. Zugleich planten sie, den Krieg gegen die Sowjetunion fortzusetzen, eine Position, die sie mit den militärischen Ereignissen vom Sommer 1944 verlassen mussten. Eine andere realistisch denkende Gruppe um Oberst C. Graf Schenk v. Stauffenberg und anderen Angehörigen der Generalität und des Offizierskorps zielte auf eine gewaltsame Beseitigung Hitlers und eine Beendigung des Krieges an allen Fronten. Diese Gruppe hatte Verbindungen mit dem Kreisauer Kreis um H. J. Graf von Moltke, der christlich und sozialreformerisch geprägte Vorstellungen vertrat, und zu Sozialdemokratischen Widerstandskämpfern.

Versehrtensport: jede Art sportlicher Betätigung vorübergehend oder dauernd körperlich Geschädigter; unterschieden wird Versehrtensport als Heilmaßnahme und Versehrtensport als Wettkampfsport (V. im engeren Sinne). Versehrtensport als Heilmassnahme sind Körperübungen für Versehrte zum Zweck der Leistungswiederherstellung, -Steigerung und der Verhütung von Schädigungen; er obliegt Krankenhäusern u. ä. Versehrtensport als Weltkampfsport wird in Versehrtensportsektionen betrieben: Ballspiele, Bogenschießen, Kegeln, Leichtathletik, Pferdesport, Rüdem, Schach, Schwimmen und Wasserball, Skisport, Tischtennis, Touristik, Turnen und Gymnastik. Durch spezielle Klasseneinteilung werden die verschiedenen Versehrtengrade berücksichtigt. Durchführung von Bestenermittlungen, nationalen und internationalen Meisterschaften.

Verseifung: durch Wasseraufnahme bedingte Spaltung eines Esters, Nitrils oder sonstigen Säurederivats unter Bildung der freien Säure (beziehungsweise im alkalischen Medium des entsprechenden Salzes) und eines weiteren Produktes, im Falle der Nitrilverseifung zum Beispiel von Ammoniak. Die Verseifung eines Esters (Esterspaltung) ist die Umkehrung der Veresterung und ergibt als Produkte Säure (beziehungsweise Salz) und Alkohol. Eine Esterspaltung ist auch die Verseifung der Fette, bei der neben Glyzerol in saurem Milieu die freien Fettsäuren, in alkalischem Milieu die Seifen entstehen.

Versendungsgefahr, Transportgefahr: das Tragen der Gefahr durch einen Vertragspartner für zufällige Schädigung oder Verlust zu versendender Güter während des Transports.

Versendungskauf, Distanzkauf: Kaufvertrag, bei dem der Verkäufer auf Verlangen des Käufers sowie auf dessen Kosten und Gefahr die Ware an einen anderen Ort als den Leistungsort versendet.

Versenkbühne: Bühnensystem, bei dem Bühnenbilder in der Unterbühne aufgebaut, auf die Hauptbühne gehoben und wieder versenkt werden können; oft mit Wagenbühne kombiniert.

Versenken: Einbringen von Wasserschadstoffen (zum Beispiel industrielle Abwässer) in die Lithosphäre mittels Schächten, Bohrlöchern oder Becken.

Versetten: («kleiner Vers») kleine Orgelstücke (oft kurze Fugen) im 15./18. Jahrhundert; entstanden aus dem wechselweisen Vortrag der Verse liturgische Gesänge durch 2 Halbchöre oder Orgel und Chor.

Versetzungszeichen, Akzidenzien: Musik Vorzeichen, die die Erhöhung oder Erniedrigung der folgenden Note angeben: ff (Kreuz) erhöht um einen, x (Doppelkreuz) um 2 Halbtöne; (Be) erniedrigt um einen (Doppel-Be) um 2 Halbtöne; ihre Geltung wird durch tj (Auflösungszeichen) aufgehoben.

Versfuß: Grundeinheit der metrischen Gliederung für den antiken Vers, der die Silben nach ihrer Länge (-) oder Kürze (-) anordnet; da der deutsche Vers weniger auf die Quantität (Dauer) der Silben als vielmehr auf deren Betonung achten muss, gibt es im Deutschen keine direkten Entsprechungen; die lange Silbe wurde in der Regel zur Hebung (i), die kurze Silbe zur Senkung (x) umgedeutet. Die wichtigsten antiken Versfüße sind: Jambus —, deutsch xx (Gebot); Trochäus oder Choreus —, deutsch ix (Väter); Spondeus —, deutsch ohne wirkliche Entsprechung; Daktylus —", deutsch xxx (lieblich); Anapäst, deutsch xxx (Diamant).

Versicherung an Eides Statt, eidesstattliche Versicherung: nach bürgerlichen Recht Wahrheitsbeteuerung, die schriftlich oder mündlich zur Glaubhaftmachung einer rechtserheblichen Tatsache vor einem zuständigen Organ (Behörde) abzugeben ist und Beweiszwecken dient.

Versicherungsmethode: eine Finanzierungsmethode, bei der die Finanzierung im Versicherungsfall aus einem kollektiv (mittels Beitragszahlungen) gebildeten Versicherungsfonds erfolgt.

Versicherungsrecht: Gesamtheit der vom Staat festgesetzten Rechtsvorschriften zur Organisierung des Versicherungswesens einschließlich der inhaltlichen Gestaltung der Versicherungsrechtsverhältnisse.

Versicherungsschein, Police: vom Versicherer für den Versicherten ausgestellte Urkunde über Abschluss und Inhalt des Versicherungsvertrages.

Versickerung, Einsickerung, Infiltration: Eindringen beziehungsweise Einleiten von Wasser in die Lithosphäre.

Versiegelung: gut haftende, dünne Wachs- oder Kunstharzschicht auf Parkett beziehungsweise Estrich zur Verfestigung der Oberfläche. Die Versiegelung vermindert den Verschleiß des Fußbodens, macht ihn wischfest (evtl. auch Öldicht) und ermöglicht eine Farbbehandlung.

versiert: (lateinisch) bewandert, gut unterrichtet.

Versilbern: Beschichten metallischen oder nichtmetallischen Teile mit Silber. Metalle werden elektrochemisch, Nichtmetalle chemisch versilbert. Der Begriff «90er Silberauflage» bedeutet, dass 12 Esslöffel + 12 Gabeln eine Auflage von zusammen 90 g Silber erhalten haben (38 jim Schichtdicke). Das Versilbern von Glas, Plasten unter anderem dient zur Verspiegelung oder zum Erreichen einer elektrisch leitenden Oberfläche.

Versinkung: schnelles Eindringen von Wasser in die Lithosphäre beziehungsweise deren schnelle Strömung in die Tiefe. Versinkungsstellen und -strecken in Wasserläufen lassen den Abfluss ständig oder zeitweise als Sinkwasser verschwinden (Flussschwinde).

Version: 1. allgemein Wendung; Fassung, Lesart.

2. Kriminalistik: begründete Vermutung bei der Aufdeckung und Aufklärung von Straftaten und der Ermittlung des Täters.

Verslehre: Lehre vom Vers und seinen Gesetzmäßigkeiten, besonders vom Bau der Vers- und Strophenformen und von der Sprachbehandlung (Prosodie 1) im Vers; auch Metrik genannt.

Versöhnlertum: prinzipienloses, Verhalten gegenüber rechts- und linksopportunistischen Kräften in der Arbeiterbewegung. Versöhnlertum lähmt den revolutionären Kampf der Arbeiterklasse, indem es Widersprüche vertuscht.

Versorgung: Prozess der materiellen und finanziellen Sicherstellung des gesellschaftlich begründeten Bedarfs individueller und gesellschaftlicher Konsumenten sowie der materiellen Produktion an Konsumgütern, Produktionsmitteln und Dienstleistungen; erfolgt unter sozialistischen Produktionsverhältnissen planmäßig; ist eine wesentliche Voraussetzung der Kontinuität, Stabilität und Effektivität des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses.

Versottung, Schornsteinkrebs: Zerstörung von Schornsteinwänden durch Eindringen von Teerausscheidungen; entsteht durch Kondenswasserbildung bei Verbrennung stark wasserhaltiger Brennstoffe (zum Beispiel Rohbraunkohle) und mangelhaftem Zug. Der sich bildende Glanzruß kann zu Schornsteinbränden führen.

Verspätungszinsen, Verzugszinsen: Geldsumme, die prozentual auf einen geschuldeten, überfälligen Geldbetrag berechnet wird und vom Schuldner an den Gläubiger zu zahlen ist.

Verstand: Vermögen des Menschen, die objektive Realität in Begriffen, Aussagen, Theorien widerzuspiegeln. Verstand, der dialektisches Denken darstellt, ist identisch mit Vernunft. I. Kant, G. W. F. Hegel unter anderem beschränkten den Verstand auf das abstrakte, formale Denken.

Verstärker:

1. Elektrotechnik/Elektronik: Schaltung zur Signalverstärkung (Amplitudenvergrößerung elektrischer Spannungen, Ströme, Leistungen). Nach den elektronischen Bauelementen unterscheidet man Röhren-, Transistor- und integrierte Verstärker (zum Beispiel Operationsverstärker), nach dem Frequenzbereich Gleichstrom-, Gleichspannungs- sowie Nieder-, Hoch- und Höchstfrequenzverstärker, nach der Bandbreite Breitband- und Selektivverstärker, nach dem Pegel Kleinsignal- und Großsignalverstärker (Leistungs-, Sender-, Endverstärker) und nach der Art des Schaltungsaufbaus Differenz-, Eintakt-, Gegentakt-, gegengekoppelte und mitgekoppelte Verstärker Die rasche Entwicklung der Informationstechnik und Elektronik wurde unter anderem durch elektronische Verstärker ermöglicht. In der Steuerungs- und Regelungstechnik sowie in der elektrischen Energietechnik werden neben elektronische Verstärker der Magnetverstärker beziehungsweise Transduktor und die Verstärkermaschine zur Erzeugung hoher Ausgangsleistungen eingesetzt.

2. Fototechnik: chemische Lösung zur Dichtevergrößerung fotografischer Silberbilder. Prinzipiell werden chemische und physikalische Verstärker unterschieden, Verstärker haben unterschiedliche Wirkungsweisen.

Verstärkermaschine, Maschinenverstärker. Sammelbegriff für elektrische Kommutatormaschinen mit hoher Leistungsverstärkung und kleinen Zeitkonstanten. Verstärkermaschine haben gegenüber Gleichstrommaschinen zusätzliche Wicklungen (Rototrol) und geänderten Magnetkreis (Querfeldmaschine) sowie Zwischenbürsten (Amplidyne, Autodyne, Zwischenbürstenverstärker). Zu den Verstärkermaschinen zählt auch die meist als Konstantstrom Umformer eingesetzte Metadyne.

Verstauchung, Distorsion: Gelenkverletzung mit Zerrung der Gelenkkapsel und -bänder. Ursache ist eine indirekte Gewalteinwirkung auf das Gelenk, durch die normale Bewegungsgrenzen überschritten werden.

verstehende Soziologie: von W. Diltheys Theorie der Geisteswissenschaften ausgehende methodologische Grundlinie bürgerlicher Soziologie. Nach ihr hat die Soziologie konstante Beziehungen zwischen Individuen festzustellen und psychologisch zu deuten; von M. Weber weiterentwickelt.

Versteigerung: öffentlicher Verkauf voll beweglicher Sachen (Auktion) oder Grundstücken durch Zuschlag an den Meistbietenden.

Versteppung: Verödung landwirtschaftlich genutzten Kulturlandes, verursacht durch Abholzung, Monokultur, Bergbauschäden, Grundwasserentzug u. ä., besonders in Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Verstopfung, Hartleibigkeit, Obstipation: verzögerte Stuhlentleerung, das heißt seltener als 2- bis 3mal in der Woche; Ursachen sind organische Erkrankungen, Arzneimittel, nervöse Darmregulationsstörungen oder falsche Lebensweise (schlackenarme Kost, Bewegungsmangel unter anderem).

Verstrebung: konstruktive Maßnahme im Holz- und Metallbau zur Aussteifung (zum Beispiel im Windverband) von Bauwerken oder zur Sicherung von Bauteilen und Gerüsten.

Versuch: 1. allgemein soviel wie Experiment.

2. Leichtathletik: Möglichkeit zum Leistungsnachweis in den technischen und Sprungdisziplinen. Dem Sportler stehen in der Qualifikation sowie im Vor- und Endkampf je 3 Versuch zu; im Hoch- und Stabhochsprung bei jeder Höhe 3 Versuch

3. Sportspiele: Rugby.

4. Strafrecht: Beginn der vorsätzlichen Ausführung einer Straftat, ohne sie zu vollenden; in den gesetzlich vorgesehenen Fällen strafbar. Der Versuch bleibt straflos, wenn der Täter freiwillig und endgültig von der Tatvollendung Abstand nimmt (Rücktritt vom Versuch) beziehungsweise den Eintritt der Tatfolgen abwendet (tätige Reue).

Versuch-und-Irrtum-Methode, Trial-and-error-Methode: Kybernetik Methode, durch eine Folge von Versuchen zu einem gewünschten (optimalen) Verhalten eines Systems in unbekannter Umwelt zu kommen. Das erfordert ein Kriterium zur Bewertung der Versuchsergebnisse und die Speicherung der bisher erzielten besten Verhaltensweise. Erfolgt die Wahl des nächsten Versuches nach einem Algorithmus, so gelangt man von einer stochastischen Versuch-und-Irrtum-Methode zu einem determinierten Optimierungsverfahren. Systeme, die die Versuch-und-Irrtum-Methode anwenden, sind adaptiv.

Vertäuen: Festmachen eines Schiffes (zum Beispiel am Kai) mit Trossen.

Vertauschungsregel, Vertauschungsrelation: Quantentheorie Beziehung zwischen 2 Operatoren Ä und ß, die angibt, wie sich deren Produkt gegenüber Vertauschung der Faktoren verhält. Die Vertauschungsregel kann häufig mit dem Kommutator (Ä, B) = (ÄB SÄ) ausgedrückt werden, zum Beispiel lautet die Vertauschungsregel für den Orts- und Impulsoperator eines Teilchens Planck-Konstante.

Verteidiger: Strafrecht Rechtsanwalt, der den Beschuldigten beziehungsweise Angeklagten in einem Strafverfahren bei der Wahrung seiner berechtigten Interessen berät und unterstützt. Er kann durch den Beschuldigten selbst beauftragt (Wahlverteidiger) oder vom Gericht in gesetzlich geregelten Fällen bestellt werden (Pflichtverteidiger oder Offizialverteidiger). Siehe auch gesellschaftlicher Verteidiger.

Verteidigung:

1. Militärwesen: Kampfart von Streitkräften, die das Ziel verfolgt, einen angreifenden Gegner soweit wie möglich zu schwächen, am Vordringen zu hindern und (nach Verstärkung der eigenen Kräfte) im Gegenangriff zurückzuschlagen.

2. Sportspiele: individuelle und kollektive Abwehr des gegnerischen Angriffs; variierende Formen der Raumdeckung (Zonen-V; ein bestimmter Spielfeldabschnitt wird abgesichert), Manndeckung (der Gegenspieler wird «eng» beschattet) und kombinierte Verteidigung Recht auf Verteidigung: in der Verfassung und in der Strafprozessordnung geregeltes Recht des Beschuldigten oder des Angeklagten, sich selbst zu verteidigen oder sich in jeder Lage des Verfahrens eines Rechtsanwalts als Verteidiger zu bedienen; beinhaltet auch das Recht, über die erhobene Beschuldigung und die vorhandenen Beweismittel unterrichtet zu werden, alles zur Entlastung dienende Vorbringen, Beweisanträge und andere Anträge stellen und Rechtsmittel einlegen zu können; der Beschuldigte oder der Angeklagte ist über die ihm zustehenden Rechte zu belehren.

Verteidigungszustand: besondere Rechtslage eines Staates, die im Falle eines Krieges oder bei Kriegsgefahr von dazu bevollmächtigten Staatsorganen beschlossen und verkündet wird.

Verteiler: 1. Fernmeldetechnik - Bauelement oder Baustufe zur Verbindung von ankommenden und abgehenden Leitungen in Fernsprechzentralen. Als Bauelement werden Verteiler häufig als Lötösen-Verteiler und Klemmen-Verteiler ausgeführt und in großer Zahl zu Baustufen zusammengefasst.

2. V, Zündverteiler: Maschinenbau - Vorrichtung zur zyklischen Verteilung des Stroms auf die Zündkerzen des Ottomotors; bei der Magnetzündung ist der Verteiler eine umlaufende Kontaktscheibe, bei der Batteriezündung ein sich drehendes und dabei die Kontakte der Verteilerkappe berührendes Plättchen. Siehe auch Zündung 1.

Verteilförderer, Kommissionier Förderer. Stetigförderer für Stückgut, vorwiegend mit Gurt-, Stahl- oder Plattenbändern als umlaufende Förderorgane, bei denen durch Fördergutabweiser die Stückgüter zielgesteuert zur automatischen Beschickung von Arbeits- und Kommissionier Plätzen vom Förderorgan abgeschoben und damit verteilt werden. Siehe auch Bandförderer, Gliederbandförderer.

Verteilungsfunktion, Wahrscheinlichkeitsdichte, Phasenraumdichte: Funktion, die angibt, wie sich die Teilchen eines Systems auf Orts- und Geschwindigkeitsintervalle im Phasenraum verteilen. Mit der Ein-Teilchen-Verteilungsfunktion f(t, r, v) kennt man die Wahrscheinlichkeit f(t, r, v) d3r d3v, dass zum Zeitpunkt t ein Teilchen im Volumenelement d3r = dx dy dz um den Ort r und im Bereich d3v = dv dv, dvz um die Geschwindigkeit v anzutreffen ist, sie stellt somit eine Wahrscheinlichkeit je Volumenelement im p.-Raum dar. Aus ihr lassen sich zum Beispiel lokale Teilchenzahldichte und Temperatur berechnen. Das quantenstatistische Analogon zur Verteilungsfunktion im T -Raum heißt Dichteoperator oder -matrix. Verteilungsfunktion einer Zufallsgröße X: Funktion F(x), die für jeden Wert der Variablen x, < x < +“, die Wahrscheinlichkeit P(X < x) des Ereignisses (X < x) angibt; man sagt auch, X unterliegt der Verteilungsfunktion F(x); die nichtnegative Funktion p(u) heißt dann Verteilungsdichte (Dichtefunktion) von F(x). Siehe auch Gauß-Verteilung, Poisson-Verteilung.

vertikal: senkrecht, lotrecht.

Vertikal (lateinisch): Bezeichnung für eine Serie sowjetischer Höhenraketen; seit 1970 innerhalb des Interkosmos-Programms für Aufstiege in Höhen zwischen 500 und 1500 km verwendet.

Vertiko: Zierschrank mit konsolartigem Aufsatz; angeblich nach einem Berliner Tischler Vertikow.

Vertrag: Einigung zweier (oder mehrerer) Partner, die auf Begründung, Änderung oder Aufhebung von wechselseitigen Rechten und Pflichten gerichtet ist. Ein Vertrag kommt durch Angebot (Antrag, Offerte) und damit inhaltlich übereinstimmende rechtzeitige Annahmeerklärung zustande. Als Vertrag wird auch die Urkunde über einen Vertrag bezeichnet, ferner das durch seinen Abschluss begründete Rechtsverhältnis. Der internationale oder völkerrechtliche Vertrag ist eine Vereinbarung zwischen Völkerrechtssubjekten (Staaten, internationale staatliche Organisationen), durch die Rechte und Pflichten der Vertragspartner begründet, geändert oder aufgehoben werden und die den Regeln des Völkerrechts unterliegt. Der völkerrechtliche Vertrag ist heute die wichtigste Quelle des Völkerrechts. Völkerrechtliche Verträge können die verschiedensten Bezeichnungen haben (V., Staatsvertrag, Abkommen, Regierungsabkommen, Pakt, Traktat, Konvention, Deklaration, Kommuniqué, Protokoll unter anderem). Nach der Anzahl der Vertragsteilnehmer wird zwischen zwei- (bilateralen) und mehrseitigen (multilateralen) Verträgen unterschieden. Die völkerrechtliche Verträge treten mit ihrer Unterzeichnung oder, wenn vereinbart, mit ihrer Bestätigung durch die dafür vorgesehenen innerstaatlichen Organe der Vertragsstaaten (Ratifizierung) in Kraft. Es gilt der völkerrechtliche Grundsatz, eingegangene Verträge nach Treu und Glauben zu erfüllen (Pflicht zur Vertragstreue).

Verträglichkeit:

1. Ackerbau: Eigenschaft von Pflanzen, mehrmals hintereinander ohne Ertragsrückgang angebaut zu werden (Selbstverträglichkeit).

2. Pharmakologie: Ausmaß der unerwünschten Reaktionen des Organismus auf Arzneimittel.

Vertragsabschlusspflicht: auf den Erfordernissen der sozialistischen Planwirtschaft beruhende wechselseitige Pflicht der Wirtschaftseinheiten, Wirtschaftsverträge zu schließen. insbesondere haben die Betriebe Leistungsverträge zu schließen, sobald, vor allem auf der Grundlage der staatlichen Planentscheidungen, über den Bedarf und seine Deckung ausreichende Klarheit besteht.

Vertragsänderung: nachträglich vereinbarte Änderung vertraglicher Abreden. Bei Wirtschaftsverträgen ist die Vertragsänderung Pflicht, wenn sie eine bessere Planerfüllung ermöglicht.

Vertragsaufhebung: vereinbarter Wegfall aller noch bestehenden Vertragspflichten; hat keine Rückwirkung. Bei Wirtschaftsverträgen ist die Vertragsaufhebung Pflicht, wenn sie im gesellschaftlichen Interesse liegt. Vertragsformulare: vorgedruckte Vertragstexte, in denen häufig abzuschließende Verträge inhaltlich einheitlich ausgestaltet sind. Vertragsaufhebung können in Form von Musterverträgen oder durch allgemeine Bedingungen als Rechtsvorschriften verbindlich erklärt werden.

Vertragsgesetz: Kurzbezeichnung für das Gesetz über das Vertragssystem. Wirtschaft, das die Aufgaben, Rechte und Pflichten der Wirtschaftseinheiten und staatliche Organe bei der Organisierung und Realisierung der Kooperationsbeziehungen durch Wirtschaftsverträge regelt.

Vertragslandwirtschaft: Form der vertikalen Integration zwischen Industrie und Landwirtschaft, die sich in den USA als contract-farming entwickelte und nach dem 2. Weltkrieg besonders in den westeuropäischen imperialistischen Ländern verbreitet wurde, wobei die Landwirtschaftsbetriebe durch Verträge an Industrie- oder Handelsmonopole (sogenannt Integratoren) gebunden werden. Durch Spezialisierung der Produktion und Lieferung der Agrarerzeugnisse, abgestimmt nach Menge, Qualität und Termin sowie durch Produktionsmittelbezug von den Integratoren (zum Beispiel Futtermittel, Saatgut, Dienstleistungen) werden die bäuerlichen Betriebe den Produktions- und Verwertungsbedingungen des Monopolkapitals angepasst und intensiv ausgebeutet.

Vertragsmuster: 1. veröffentlichter Vertragstext, der den Beteiligten zur Anwendung empfohlen wird (zum Beispiel Mietvertragsmuster).

2. vom Minister für Kultur im Einvernehmen mit den Urheberverbänden veröffentlichter Vertragstext für urheberrechtliche Verträge, der beim Fehlen konkreter vertraglicher Regelungen als vereinbart gilt; das Vertragsmuster ist als verbindliche Richtlinie für die Vertragsgestaltung anzusehen.

Vertragsstrafe, Konventionalstrafe: Geldbetrag, der für die Verletzung zwischenbetrieblicher Vertragspflichten vom verantwortlichen Vertragspartner an den betroffenen Partner zu zahlen ist und den voraussichtlichen Schaden abdecken soll. Bestimmte Vertragsstrafen gelten kraft Gesetzes (gesetzliche Vertragsstrafe), andere nach Vereinbarung (vereinbarte Vertragsstrafe). Vertragsstrafe, die auch bei Unabwendbarkeit der Vertragsverletzung zu zahlen sind, wurden früher Preissanktionen genannt.

Vertragssystem: Methode der sozialistischen staatlichen Wirtschaftsleitung, eine hohe Effektivität der Volkswirtschaft zu erreichen, indem die zentrale staatliche Leitung und Planung mit der eigenverantwortlichen Gestaltung und Erfüllung der Wirtschaftsverträge durch die Wirtschaftseinheiten bei der Vorbereitung und Durchführung ihrer staatlichen Planauflagen verbunden wird.

Vertragsverletzung: Verletzung vertraglicher Pflichten durch Nichterfüllung oder nichtgehörige Erfüllung, insbesondere nicht qualitäts-, nicht termingerechte oder unvollständige Leistung; begründet vertragliche Verantwortlichkeit.

Vertrag zugunsten Dritter: Vertrag, durch den sich der Schuldner seinem Partner gegenüber verpflichtet, die vereinbarte Leistung unmittelbar an einen Dritten (Begünstigten) zu erbringen; der Begünstigte kann selbst die Leistung fordern.

Vertrauensfrage, Kabinettsfrage-, in bürgerlichen Staaten der Antrag des Ministerpräsidenten (des Premierministers, Kanzlers o. ä.) an das Parlament, ihm und seiner Regierung das Vertrauen für die weitere Amtsausübung auszusprechen. Die Folgen eines Vertrauensentzuges sind unterschiedlich geregelt (Rücktritt der Regierung, Auflösung des Parlaments unter anderem). Siehe auch Misstrauensvotum.

Vertretung: Ermächtigung, für einen anderen in dessen Namen Verträge abzuschließen, sonstige Erklärungen abzugeben oder entgegenzunehmen. Die Vertretungsbefugnis ergibt sich aus Rechtsvorschriften, so zum Beispiel der Eltern für das Kind (gesetzt. Vertretung) oder wird durch Vollmacht des Vertretenen begründet (rechtsgeschäftliche Vertretung). Die Wirkungen treffen den Vertretenen so, als ob er selbst die Erklärung abgegeben oder entgegengenommen hätte. Mitarbeiter von Betrieben gelten als bevollmächtigt, je nach ihrer Tätigkeit übliche Rechtshandlungen vorzunehmen.

Vertretungsvertrag: Vertrag, nach dem der Auftragnehmer (Vertreter) im Namen und für Rechnung des Auftraggebers Verträge mit Dritten (Ausführungsgeschäfte, Ausführungsverträge) schließt und dafür vom Auftraggeber das vereinbarte Entgelt (Vergütung, Provision) erhält.

Vervielfältigungsverfahren: a) Sammelbegriff für alle technische Verfahren zur Herstellung von Duplikaten nach einer Vorlage (Original) auf mechanisch-physikalischen oder chemische Wege (zum Beispiel Druckverfahren) oder durch Strahlung (zum Beispiel Kopie);

b) im engeren Sinne bürotechnische Verfahren zur Herstellung (weniger) Duplikate (Reprographie); unterschieden werden Schreibverfahren (mittels Schreibmaschine oder -automaten), Druckverfahren (Hektographie Verfahren, Kleinoffsetdruck unter anderem), fototechnische Kopierverfahren (Luminographie, Thermokopierverfahren unter anderem), elektrofotografischer Verfahren (Xerographie).

Verviers: Stadt im Osten Belgiens, in der Provinz Lüttich, an der Vesdre; 55000 Einwohner; bedeutendes Zentrum der belgischen Wollindustrie, ferner Textilmaschinenbau, Lederwaren- und Papierherstellung; Textilschule; Museen; Konservatorium.

Verwachsung: gesetzmäßiges Aneinander- oder Durcheinanderwachsen von Kristallen gleicher oder verschiedener Art. Bei Parallelverwachsung sind Kristalle parallel aneinandergewachsen, bei Zwillingen symmetrisch aneinander- oder durcheinandergewachsen; siehe auch Zwillinge 3.

Verwaltung: als Staatsverwaltung nach der bürgerlichen Gewaltenteilungslehre eine der 3 Gewalten. In diesem Sinne umfasst die Verwaltung, auch als Exekutive bezeichnet, neben der gesamten staatlichen Verwaltung im engeren Sinne auch die Armee und Polizei, also den gesamten Zwangs- und Unterdrückungsapparat des bürgerlichen Staates. Im sozialistischen Staat wird mit Verwaltung im Sinne der Staatsverwaltung die gesamte vollziehende und verfugende Tätigkeit der Staatsorgane bezeichnet.

Verwandtschaft: das durch Abstammung voneinander (K in gerader Linie: Großeltern, Eltern, Kinder) oder von einem gemeinsamen Vorfahren (V. in der Seitenlinie: zum Beispiel Geschwister) begründete Familienverhältnis. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl der sie vermittelnden Geburten; zum Beispiel sind Eltern und Kinder im 1. Grad, Großeltern und Enkel im 2. Grad der geraden Linie, Geschwister im 2. Grad der Seitenlinie verwandt.

Verwarnung: Aufforderung zur Fairness durch den Kampf- beziehungsweise Schiedsrichter nach Regelverstoß; zum Beispiel in Sportspielen nach grobem Foulspiel, in Laufwettbewerben der Leichtathletik nach Fehlstart. In Kampfsportarten beeinflussen Verwarnungen die Punktwertung. Siehe auch Feldverweis, Keikoku.

Verwerfen, Abort: Abgehen einer noch nicht voll entwickelten Frucht während der Tragezeit, auch Verkalben, Verfohlen, Verlammen und Verferkeln genannt. Verwerfen wird durch nichtinfektiöse Ursachen (Fütterungsfehler, Überanstrengung, Stoßeinwirkung unter anderem) und durch Infektionserreger (Brucellen, Salmonellen unter anderem) hervorgerufen.

Verwerfung, Sprung, Bruch: Verschiebung von Schollen der Erdkruste an Bruchflächen infolge tektonischer Beanspruchung. Der vertikale Betrag der Verschiebung heißt Sprunghöhe. Auf- und Überschiebungen entstehen durch einengende Beanspruchung, wobei eine Scholle über die andere bewegt wird. Bei Überschiebungen beträgt der Fallwinkel der Verwerfung weniger als 45°. Bei Dehnung der Erdkruste entstehen Abschiebungen. Verwerfung mit wesentlicher horizontaler Bewegungskomponente heißen Blatt-, Diagonal-, Horizontal-, Transversal- oder Seitenverschiebung.

Verwertungsprozess: Prozess der Mehrwertproduktion als charakteristische Form des Wertbildungsprozesses im Kapitalismus. Siehe auch Produktion.

Verweser: («jemandes Stelle vertreten») Stellvertreter; vorläufiger Verwalter eines Amtes während der Abwesenheit, Minderjährigkeit, der noch nicht erfolgten Wahl unter anderem des eigentlichen Amtsinhabers.

Verwesung: Zersetzung organischer Substanz unter Einwirkung von Trockenheit bei ungehindertem Sauerstoffzutritt durch aerobe Bakterien. Siehe auch Fäulnis.

Verwinden: Verdrehen (Verdrillen) einzelner oder mehrerer Halbzeuge, auch einzelner Werkstücke, in ihrer Längsachse zur Herstellung wendelförmiger Werkstücke, zum Beispiel Bohrer oder winkeldefinierter Kröpfungen bei Kurbelwellen.

Verwirrtheit, Confusio mentalis: formale Denkstörung, bei der die Zusammenhänge der gedanklichen Vorstellungen verlorengehen; die Orientierung ist gestört.

Verwitterung: (zu «Wetter») die an oder nahe der Erdoberfläche wirkenden exogenen Kräfte, die zur Zerstörung, Zerkleinerung und Umwandlung von Mineralien und Gesteinen führen. Man unterscheidet physikalische (mechanische) und chemische Verwitterung. Bei der physikalischen Verwitterung erfolgt der Gesteinszerfall durch mechanische Vorgänge. Sie umfasst die Prozesse der Insolations- (Temperatur-), Frost-, Salzsprengungs- und der physikalisch-biologischen Verwitterung. Letztere basiert auf dem Wachstumsdruck der Pflanzenwurzeln und fuhrt zur Wurzelsprengung. Die chemische Verwitterung beruht vor allem auf der lösenden Kraft des Boden- und Grundwassers, die bei Aufnahme von Säuren und Salzen wesentlich gesteigert wird. Sie umfasst als Hauptarten die Lösungs- und die hydrolytische Verwitterung (Zersetzung von Silikaten), ferner die Oxydationsverwitterung (Einwirkung des im Wasser enthaltenen Luftsauerstoffs auf die oberen Bodenschichten) und die chemische-biologische Verwitterung (ehem. Einwirkung biologischer Abbauprodukte). Die Hydratation ist der physikalischen und der chemischen Verwitterung zuzuordnen. Sie basiert auf Volumenerweiterung bei Kristallwasseraufnahme und führt zur Quellfaltung des betreffenden Gesteins. Die chemische Verwitterung wird bei hohen Temperaturen und großer Bodenfeuchtigkeit sehr stark intensiviert und ist daher besonders in allen feucht-warmen Klimaten vorherrschend; in extrem trocken-warmen und kalten Klimaten hingegen überwiegt die physikalische Verwitterung. In stark industrialisierten Gebieten gewinnt zunehmend die Rauchgasverwitterung als eine Sonderform der chemischen Verwitterung an Bedeutung. Sie wird vor allem durch Schwefeldioxid und andere verwitterungsfördernde Inhaltsstoffe ausgelöst (zum Beispiel Schädigung antiker Bauwerke in Rom und Athen).

Verwoerd, Hendrik French, 8.9.1901 bis 6.9.1966 (ermordet), südafrikanischer Politiker; als Ministerpräsident (seit 1958) erhob er die Apartheid zum Grundprinzip der Innen- und Außenpolitik Südafrikas.

Very Important Person, Abkürzung (V. I. P.): Bezeichnung für Person hoher gesellschaftlicher Stellung; festgelegter Personenkreis, der auf Flughäfen und an Bord von Flugzeugen besonders betreut wird.

Verzahnung: Gestaltung der Oberflächenform (Zahnform) an der Außenseite (Außenverzahnung) oder Innenseite (Innenverzahnung) von Zahnrädern. Nach der Zahnform werden Evolventenverzahnung, Zykloidenverzahnung, Wildhaberverzahnung, Novikov-Verzahnung, Triebstock- und Sonderverzahnung unterschieden. Standardisierte Evolventenzahnräder gleicher Teilung können bei der Evolventenverzahnung beliebig gepaart werden; Zahnräder mit Zykloidenverzahnung sind nur paarweise verwendbar. Die Wildhaber-Novikov-Verzahnung, deren Zahnflanke im Stirnschnitt Kreisbogenform hat, eignet sich für Hochleistungsgetriebe; die Triebstock-Verzahnung (Zähne mit Kreisquerschnitt) nur bei untergeordneten Antrieben.

Verzeichnung: geometrische-optische Abbildungsfehler, durch den die Ähnlichkeit zwischen Bild und Objekt gestört wird. Bei kissenförmiger Verzeichnung wächst, bei tonnenförmiger Verzeichnung sinkt der Abbildungsmaßstab mit dem Abstand des Bildpunktes von der optischen Achse.

Verzierungen: Musik die notierten oder improvisierten ausschmückenden Wendungen in der Vokal- und Instrumentalmusik, das Umspielen eines Melodietones in verschiedenen Floskeln (zum Beispiel Triller, Pralltriller, Mordent, Doppelschlag, Vorhalt, Vorschlag, Nachschlag, Arpeggio); erhielten im Laufe der Geschichte verschiedene Bezeichnungen (zum Beispiel Ornamente, Arabesken, Koloraturen, Manieren, Agréments).

Verzinken: Beschichten von Stahlteilen mit Zink zum Schutz vor Korrosion. Beim Feuer-V taucht man die Werkstücke in geschmolzenes Zink (zum Beispiel kontinuierliches Bandverzinken von Blechen). Galvanisches Verzinken erfolgt aus alkalisch-cyanidischen, Schwefel- oder phosphorsauren Lösungen durch katodische Abscheidung, wobei Anoden aus Elektrolytzink verwendet werden. Die entstehenden sogenannten Glanzzinkschichten sind nach entsprechendem Chromatieren äußerlich von Chromschichten nicht zu unterscheiden und dienen zur materialökonomischen Substitution von Kupfer-Nickel-Chrom-Schichten. Verzinken wird auch nach dem Diffusionsverfahren (Diffusionsverzinken) durchgeführt.

Verzinnen: Beschichten von Metallteilen mit Zinn zum Schutz vor Korrosion (vor allem für Gegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen), für elektrotechnische Belange und zur Reibungsverminderung der Kolben bei Verbrennungskraftmaschinen. Das Feuerverzinnen wird, zunehmend durch das gahanische Verzinnen ersetzt. Verzinntes Stahlblech wird Weißblech genannt.

Verzögerungsleitung: Leitungsanordnung, die elektrischen Signale um die Laufzeit der Leitungswelle verzögert; die Ausführungsformen der Verzögerungsleitung hängen vom Anwendungsfall und Frequenzbereich ab. Verzögerungsleitung für Farbfernsehempfänger nach dem PAL- und SECAM-Verfahren dienen der Verzögerung des Farbsignals um eine Zeilendauer und nutzen die Laufzeit einer Ultraschallwelle bei Mehrfachspiegelung in einem Quarzkristall aus; zur Wandlung des elektrischen Signals in die Ultraschallwelle und umgekehrt dienen piezoelektrische Wandler. Verzögerungsleitung für Lauffeldröhren verzögern eine elektromagnetische Welle im Mikrowellenbereich, damit diese mit der (langsameren) Raumladungswelle in Wechselwirkung treten kann; Ausführungsformen sind unter anderem Wendel- und Interdigitalleitung.

Verzug:

1. Spinnerei: Verlängerung beziehungsweise Verfeinerung eines Faserbandes oder Vorgarnes auf einer Vorspinn- oder Spinnmaschine; zum Beispiel bedeutet achtfacher Verzug, dass ein Vorgarn auf einem Streckwerk der Ringspinnmaschine auf seine achtfache Länge gebracht wird und somit achtmal so fein wird wie das Ausgangsprodukt.

2. Vertragsrecht: Überschreiten der Leistungszeit durch den Schuldner (Schuldnerverzug) oder Behinderung der termingerechten Erfüllung durch den Gläubiger (Gläubigerverzug).

Vesaas, Tarjei, 20.8.1897-15.3.1970, norwegischer Schriftsteller, schrieb Romane aus dem Bauernleben («Die schwarzen Pferde», 1928, deutsch; «Das große Spiel», 1934, deutsch), deren Realismus zunehmend durch symbolistische Züge beeinflusst wurde; in «Das Haus im Dunkeln» (1945) behandelt er allegorisch Probleme der deutschen Okkupationszeit. Später wandte sich Vesaas menschlicher Existenzproblemen der Nachkriegszeit zu («Das Eis-Schloss», 1963, deutsch).

Vesal, latinisiert Vesalius, Andreas, 31.12.1514 bis 15.10.1564, niederländischer Anatom deutscher Herkunft; 1537/44 Professor in Padua, dann Leibarzt Karls Vesal in Brüssel und Philipps II. in Madrid; forderte für Ärzte ein auf der Sektion menschlicher Leichen beruhendes gründliches Studium des Körpers und wurde dadurch zum Begründer moderner anatomischer Methoden. Die Ergebnisse seiner anatomischen Arbeiten fasste er in 7 ausgezeichnet bebilderten Büchern vom Bau des menschlichen Körpers («De humani corporis fabrica») zusammen.

Vesicular Film, Bläschenfilm: Bildaufzeichnungsverfahren in einer Kunststoffschicht, das von einem Objekt sowohl ein negatives (Durchsicht) als auch positives (Draufsicht) Bild ergibt; bisher ausschließlich zu Kopierzwecken.

Vesikel: kleine Bläschen, die von einer Elementarmembran umgeben sind und in deren Lumen gelöste oder feste Stoffe in Zellen aufbewahrt oder transportiert werden. Siehe auch Vakuolen.

Vespasian, Titus Flavius Vespasianus, 17.11.9 bis 24.6.79, römischer Kaiser seit 1.7.69; schlug 69/71 den Aufstand der Bataver unter Iulius Civilis nieder, veranlasste eine rege Bautätigkeit in Rom (unter anderem Kolosseum) und in den Provinzen (Straßen).

Vesper: Abendgebet beziehungsweise -andacht in der christlichen Kirche, mit fester liturgischen Ordnung.

Vespucci, Amerigo, 18.3.1452-22.2.1512, italienischer Seefahrer; befuhr seit 1499 in spanischen und portugiesischen Diensten mehrmals die Nord- und Ostküste Südamerikas. Nach seinem Vornamen wurde 1507 zunächst Südamerika, ab 1538 die gesamte Neue Welt «Amerika» genannt.

Vesta, römische Göttin des Staatsherdes (griechisch Hestia); in ihrem Tempel befand sich der Herd mit dem ewigen Feuer, das ihre Priesterinnen, die Vestalinnen, hüten mussten, die, zur Keuschheit verpflichtet, große Ehren und Vorrechte genossen.

Vestdijk, Simon, 17.10.1898-23.3.1971, niederländischer Schriftsteller; gestaltete vorwiegend psychologische Konflikte der Gegenwart (Roman «Zurück zu Ida Dämman», 1934) und Geschichte (Roman über El Greco «Das 5. Siegel», 1937, deutsch); ferner Lyrik und Essays.

Vesteralen: norwegische Inselgruppe nordöstlich der Lofoten, als Verwaltungseinheit den Westteil von Hinnoya, Andaya, Hadseloya unter anderem umfassend; 2368 km2, 34000 Einwohner; wichtigster Ort Sortland (7000 Einwohner); gebirgig (bis 1266 m), Moore; Fischfang und -Verarbeitung.

Vestibulumplastik: operative Mundvorhof Vertiefung, um für Zahnprothesen einen besseren Halt und guten Sitz zu gewährleisten.

Westmännerinseln: vulkanische Inselgruppe im Süden Islands, 10 km vor der Küste, aus 14 Inseln bestehend; 16 km2, 4700 Einwohner; nur Hauptinsel Heimaey bewohnt, dort als einzige Siedlung die Stadt V. (Fischerei; Fischausführhafen; 1972 durch Ausbruch des Vulkans Helgafell zum Teil verschüttet, danach wieder aufgebaut).

Vesuv: Vulkan in Unteritalien (Kampanien), südöstlich von Neapel; 1277 m; Schichtvulkan mit noch teilweise erhaltenem altem Kraterrand (Monte Somma 1132 m, Aschekegel mit Krater von 700 m Durchmesser); der sich ständig verändernde eigentliche Eruptionskegel ist vom Vulkanologischen Observatorium mit der Drahtseilbahn erreichbar; an den Hängen bis 500 m intensiver Obst- und Weinbau, bis 800 m Kastanien- und Eichenhaine, darüber mit Kiefern aufgeforstete Lavafelder. Durch Ascheregen des Vesuvs wurde 79 nach Christus Pompeji zerstört; letzter schwerer Ausbruch 1944.

Vesuvian: (nach dem Vesuv (Fundort)) Mineral, Kalziumaluminiumsilikat; Kristallsystem tetragonal, Härte 6,5, Dichte 3,34 bis 3,47g, braune, auch grünliche prismatische Kristalle, vorwiegend in kontaktmetamorphen Gesteinen; lokale Varietäten sind Egeran und Wiluit.

Veszprem: 1. Bezirk im Westen Ungarns, nördlich vom Balaton; 4689 km2, 388000 Einwohner; 83 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Veszprem.

2. umfasst vor allem Bakony und Teile des nordwestlichen anschließenden Kisalfold; Bauxit-, Braunkohlen- und Manganerzabbau im Bakony; chemische (Varpalota) und Aluminiumindustrie (Ajka); Weizen-, Maisanbau, Weinbau.

3. Stadt in Ungarn, Verwaltungszentrum von Veszprem 1, im Bakony, am S6d; 60000 Einwohner; Verarbeitungsindustrie; Touristenzentrum; Universität, Theater, Bakony-Museum; mittelalterliche Bauten.

Veteran: 1. altgedienter Soldat; ehemaliger Feldzugsteilnehmer. Im alten Rom waren die Veteran altgediente und bewährte Soldaten des Heeres, denen seit der Heeresreform des Marius (105 vor Christus) zahlreiche Vergünstigungen eingeräumt wurden.

2. langjähriger bewährter und wegen Erreichen der Altersgrenze ausgeschiedener Mitarbeiter. Der Arbeiterveteran ist ein alter, verdienstvoller Vertreter der Arbeiterbewegung; alter verdienstvoller Arbeiter.

Veterinärmedizin, Tierheilkunde, Tiermedizin: medizinische Wissenschaft in ihrer Anwendung auf das Tier; sie befasst sich mit der Erforschung des gesunden und kranken Organismus der Tiere, den Gesetzmäßigkeiten ihrer Krankheiten sowie deren Vorbeugung und Heilung. Zu ihren Aufgaben gehören ferner der Schutz des Menschen vor Tierkrankheiten, die hygienische Überwachung der von Tieren stammenden Lebensmittel und die Seuchenbekämpfung und -Verhütung. Die Erhaltung des Lebens der Tiere unter Berücksichtigung ihrer Wirtschaftlichkeit, die Gesundheit und die Ausschöpfung der erblich angelegten Leistungsfähigkeit bestimmen den Inhalt der Veterinärmedizin Auf den Naturwissenschaften aufbauend, entwickelt sie sich in enger Wechselbeziehung mit der Medizin.

Vetiveröl: braunes, dickflüssiges, süßholzig riechendes ätherisches Öl, das aus Vetivergras Wurzeln (Haiti, Indien, Réunion) wasserdampfdestilliert und in der Parfümerie verwendet wird.

Veto: (dat., «ich verbiete») Einspruch gegen das Zustandekommen eines Beschlusses. Das Veto kann ein absolutes sein, das den Beschluss endgültig verhindert, oder ein suspensives, das sein Wirksamwerden zunächst aussetzt.

Vetter, Walther, 10.5.1891-1.4.1967, Musikwissenschaftler; 1946/58 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; forschte und publizierte insbesondere zur altgriechischen Musik und zur Musikgeschichte des 18. und 19. Jahrhundert (J. S. Bach, C. W. Gluck, F. Schubert).

Vexierbild: Rätselart, bei der eine zu suchende Person oder Sache unauffällig in ein Bild eingezeichnet ist und oft nur durch Drehen des Bildes gefunden werden kann.

Vexiergefäße: Trinkgefäße verschiedener Gestalt (zum Beispiel Angster) aus Glas, Steinzeug oder Fayence, die auf Grund ihrer Konstruktion das Trinken mit scherzhaften Effekten verbinden; schon im Altertum bekannt, in Deutschland besonders im 3./17. Jahrhundert beliebt.

Vezelay: Gemeinde südöstlich von Paris (Frankreich), 540 Einwohner, mit ehemaliger Benediktinerabtei (gegründet 878/79); romanische Kloster- und Wallfahrtskirche Ste-Madeleine (1096 bis Ende 12. Jahrhundert; frühgotischer Chor) ist ein Hauptwerk der jüngeren burgundische Bauschule, ihre plastische Ausstattung zählt zu den bedeutendsten Beispielen romanischer Kunst.

Via Appia, Appische Straße: älteste römische Heerstraße, 312 vor Christus vom Zensor Appius Claudius Caecus angelegt, führte von Rom bis Capua; wurde später bis Brundisium verlängert.

Via Mala: (italienisch, «böser Weg») 2,5 km lange, 300 bis 500 m tiefe, stellenweise nur 3 m breite Schlucht des Hinterrheins in der Schweiz (Kanton Graubünden); Straße zum Splügenpaß und zum Pass Sankt Bernhardin.

Viatikum: Wegzehrung, Zehrgeld.

Viborg: Stadt in Dänemark, im mittleren Jütland, Verwaltungszentrum des Amtes Viborg, am Sonder und Narre See; 39000 Einwohner; besonders Textil- und Lederindustrie; Hochschulen; romanischer Dom; älteste Stadt Dänemarks (seit 1027 erwähnt).

Vibranten: Zitterlaute; Laute, bei deren Bildung die Zungenspitze oder das Gaumenzäpfchen vibrieren; im Deutschen zum Beispiel r.

Vibraphon: Schlaginstrument aus liegenden Metallstäben mit Resonanzröhren, die sich beim Spiel automatisch öffnen und schließen (ergibt Vibrato); wird mit Gummi- oder Filzschlegeln geschlagen.

Vibration: erzwungene, meist unharmonische Schwingung von Maschinen oder Bauwerken.

Vibrationsantrieb: elektrischer Antrieb aus einem elektromagnetischen Feder-Masse-Schwingungssystem (elektromechanischer Vibrator) oder einem Antriebsmotor mit großer Unwucht (Unwuchtantrieb) zum Erzeugen mechanischer Schwingungen für Förder-, Rüttelsieb- oder Verfestigungseinrichtungen.

Vibrationsmaschine, Rüttler. Schwingungserreger für die Baustoffaufbereitung, den Erd- und Straßenbau und die Fördertechnik. Zum Verdichten von Beton verwendet man Außenvibratoren (Schalungsrüttler), die auf Betonformen oder Schalungen aufgesetzt werden, und Innenvibratoren, die in den Frischbeton eintauchen. Vibrationstische werden bei der Betonfertigteilherstellung eingesetzt, Vibrationsplatten und -bohlen vorwiegend zur Verdichtung des Frischbetons bei Gleitfertigem. Bodenschwingungsverdichter oder Oberflächenvibrator für Sand- und Kiesschüttungen.

Vibrationsschutz: Vorbeugung und Abwehr gesundheitsschädigender Abstrahlung beziehungsweise Übertragung von Schwingungen an Arbeitsplätzen.

Vibrato: Musik leichtes Beben des Tones beim Gesang sowie beim Spiel auf Streich- und Blasinstrumenten.

vibrieren (lateinisch): schwingen; beben.

Vibrionen: (Sing. Vibrio) kommaförmige, gramnegative, begeißelte Bakterien des Oberflächenwassers.

Vicente, Gil, um 1465 nach 1536, portugiesischer Dramatiker; verband mittelalterlicher Tradition mit frühhumanistischen Denken und kritisierte in allegorischen Spielen («Spiel von der Seele», 1518) und Farcen Klerus, Kaufleute und den verfallenden Adel.

Vicenza: Stadt in Oberitalien, in der Region Venetien; Verwaltungszentrum der Provinz Vicenza; 110000 Einwohner; chemische, Textil-, keramische, Papier-, Lebensmittelindustrie; Maschinenbau, Goldschmiedearbeiten; Marmorbrüche. Gotische Kirchen S. Corona, S. Lorenzo, Dom; das Gesicht der Stadt wird seit der Renaissance von den Bauten A. Palladios geprägt: Basilica Palladiana (seit 1549), Palazzo Chiericati (1550/56, 1690/1705; heute Museo Civico), Teatro Olimpico (1579/84) und außerhalb der Stadt die Villa Rotonda (um 1550); zahlreiche Paläste.

Vichy: Stadt im mittleren Frankreich, am Allier, 32000 Einwohner; Thermalbad; Abfüllung und Export von Mineralwasser; Oper, Casino; Regattastrecke.

Vichy Regime: profaschistisches Marionettenregierung unter Marschall P6tain 1940/44 in Vichy nach der Kapitulation Frankreichs.

Vico, Giovanni Battista, 23.6.1668-23.1.1744, italienischer Philosoph. Vico, einer der Begründer der bürgerlichen Geschichtsphilosophie, wandte T. Hobbes Prinzip der Einheit von Erkennen und Handeln auf die Geschichte an: Sie ist Ergebnis menschlichen Handelns und als solches auch erkennbar. Seine Einsicht ist jedoch in eine teleologische Kreislauftheorie eingebettet; wies als erster Gesetzmäßigkeiten in der Geschichte nach.

Vicomte: (französisch, «Vizegraf») französischer Adelstitel zwischen Baron und Graf; weibliche Form: Vicomtesse.

Victor, Walther, 21.4.1895-19.8.1971, Schriftsteller, Publizist; 1935/47 im Exil (Schweiz, USA); Herausgeber der «Lesebücher für unsere Zeit», von denen er selbst die Bände über J. W. Goethe, H. Heine und G. E. Lessing bearbeitete; ferner populärwissenschaftlichen Arbeiten «Marx und Heine» (1953), «Der Mann, der die Welt veränderte» (1959, über K. Marx) und «Der beste Freund» (1961, Engels-Biographie).

Victoria, (lateinisch, «Sieg») römische Siegesgöttin, der griechischen Nike gleichgesetzt.

Victoria: 1. am dichtesten besiedelter Bundesstaat Australiens, im Südosten des Kontinents; 227600 km2, 4,05 Millionen Einwohner, davon 71% in der Hauptstadt Melbourne-, 18 Einwohner/km2. umfasst von Osten nach Westen einen schmalen fruchtbaren Tieflandstreifen entlang der Küste der Bass-Straße, die Australischen Alpen und das Murray Becken, das weiter nach Westen in ein Trockengebiet übergeht; subtropisches Klima (im Nordwesten trocken), im Gebirge Eukalyptuswälder, in tieferen Lagen Savanne und Grasland, im Nordwesten Eukalyptus- und Akaziengestrüpp (Scrub). Industrie-Agrar-Staat mit einem Anteil von über 30% an der australischen Industrieproduktion. Hauptindustriezweige sind Bergbau (Förderung von Braunkohle sowie, auch untermeerisch in der Bass-Straße, von Erdöl und -gas), Petrolchemie, Schiff-, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Leicht- und Lebensmittelindustrie; Hauptindustriezentren und -häfen sind Melbourne und Geelong. Die intensive Landwirtschaft ist auf den Anbau (zum Teil Bewässerung) von Weizen, Futterkulturen und Gemüse, den Wein- und Obstbau, eine umfangreiche Milchwirtschaft und Schweine- und Schafzucht ausgerichtet. Große Bedeutung hat die Nutzholzgewinnung. 1851 durch Goldfunde ausgelöste Masseneinwanderung und Bestätigung als separate britische Kolonie mit innerer Selbstverwaltung; 1854 Erhebung von Ballarat; seit 1901 Staat des Australischen Bundes.

2. Victoria: Hauptstadt und -hafen der Seychellen, an der Nordostküste der Insel Mahé; 25000 Einwohner; Lebensmittelindustrie.

3. Hauptstadt der Provinz Britisch-Kolumbien (Kanada), auf der Vancouver Insel; 64000 Einwohner; Schiffbau, Holz-, Fischverarbeitung; 2 Häfen, Flughafen; Universität, Observatorium für Astrophysik.

4. Hongkong.

Victoria amazonica: zu den Seerosengewächsen gehörende Schwimmpflanze des Amazonasgebietes mit anfangs weißen, dann rötliche Blüten; die kreisrunden Blätter mit aufrechtstehendem Rand (Durchmesser bis 2 m) haben eine Tragfähigkeit bis 75 kg.

Victoriafälle: Wasserfälle des Sambesi, südlich von Livingstone, auf der Grenze Sambia/Simbabwe; 128 m hoch (maximaler freier Fall 109 m), zusammen 1700 m breit; kleines Wasserkraftwerk (8 MW) für das nahegelegene Livingstone; Fremdenverkehr. 1855 von D. Livingstone entdeckt.

Victoriainsel: drittgrößte Insel im kanadisch-arktische Archipel (Kanada); 212198 km2; Hauptsiedlungen Holman und Cambridge Bay.

Victorialand: Gebiet von Ostantarktika, zwischen 140 und 170° östliche Länge und 68 und 78° südliche Breite; im Westen Inlandeis, im Osten Gebirge (bis 4025 m); teilweise von Neuseeland beansprucht («Ross Dependency»). 1841 von J. C. Ross entdeckt.

Victoriasee: größter Binnensee Afrikas, in einem tektonischen Becken in Ostafrika (Tansania, Uganda, Kenia); 1134m überm Meer, 68800km2, 320 km lang, bis 275 km breit und 69 m tief; wichtigster Zufluss Kagera, Abfluss durch den Victorianil; Fischfang, Eisenbahnfähre von Jiiya nach Mwanza.

Videorecorder: Magnetbandgerät zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Fernsehprogrammen. Während die magnetischen Bildspuren auf dem speziellen Magnetband je nach Verfahren quer oder schräg zur Bandrichtung verlaufen, werden die Schallaufzeichnungen am Rand des Bandes in Längsrichtung aufgebracht. Wegen der hohen Bildqualität ist der Videorecorder in der Fernsehstudiotechnik generell eingeführt, aber auch für den Heimgebrauch geeignet.

Videotelefonie, Fernsehtelefonie: Fernsprechen über ein (zukünftiges) Fernmeldenetz mit Sprach- und Bildübertragung.

Videoverstärker: Fernsehtechnik elektronische Breitbandverstärker zur Verstärkung des Bild- (Video-) Signals; im engeren Sinne Verstärker im Schwarz-Weiß-Fernsehempfänger, der das vom Videogleichrichter gelieferte Bildsignal auf den zur Aussteuerung der Bildröhre erforderlichen Spannungswert verstärkt.

Vidyapati, Bisaibaras Thakur, um 1350-1438, indischer Bhakti-Dichter, schrieb in Sanskrit, Prakrit und Maithili; verfasste neben Poemen («Die Mannesprüfung», «Das Beste der Shiwaiten», «Die Ruhmeskette») und Dramen in Sanskrit über die Herrscherfamilie mehr als 1000 bis heute noch populäre lyrische Lieder in Maithili über den Gott Shiwa sowie Radhas Liebe zu Krishna.

Viebig, Clara, 17.7.1860-31.7.1952, Schriftstellerin; aus dem Naturalismus hervorgegangen, gelangte sie um die Jahrhundertwende in ihren besten volksverbundenen Werken zu kritisch-realistische Gestaltung: Novellensammlung «Kinder der Eifel» (1897); Romane «Das Weiberdorf» (1900), «Das tägliche Brot» (1900), «Das Kreuz im Venn» (1908), «Die vor den Toren» (1910).

Vielbereichsmessgerät, Vielfachmessgerät, Multimeter: vorwiegend in Labors und im Service eingesetztes universelles Messgerät zur Messung elektrischer Gleich- und Wechselspannungen beziehungsweise -ströme mit bis zu 50 Messbereichen, die mittels Dreh- oder Tastenschalter eingestellt werden; häufig auch zur Widerstands- und Kapazitätsmessung eingerichtet. Moderne Vielbereichsmessgerät haben statt des Anzeigeinstruments eine Ziffernanzeige.

Vielborster, Polychaeta: Klasse der Ringelwürmer mit seitlichen, Borstenbüschel tragenden Stummelbeinen; teils frei bewegliche (zum Beispiel Palolowurm), teils festsitzende (zum Beispiel Meerpinsel), zumeist getrenntgeschlechtliche Meeresbewohner mit Entwicklung über eine Trochophora-Larve; ernähren sich von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen.

Vielfachgerät: mehrreihiges, meist als Traktor Aufsattel- oder -Anbaugerät ausgeführtes und mit austauschbaren Werkzeugführungen und Werkzeugen ausgestattetes landtechnisches Arbeitsmittel für Bestellungs-, Pflege- und Erntearbeiten; hat die herkömmliche Hackmaschine verdrängt.

Vielfraß, («Bergkater») Gulo gulo: etwa 1 m langer, bärenartig plumper Marder mit stämmigen Füßen und Tatzen; bewohnt Waldtundren im Norden Eurasiens und Amerikas.

Vielkörperproblem: Bestimmung der Bewegung von Systemen endlich vieler, als Massenpunkte idealisierter Körper unter dem Einfluss ihrer gegenseitigen Wechselwirkung. Das Zweikörperproblem der Himmelsmechanik ist allgemein, das Dreikörperproblem nur für bestimmte Anfangskonfigurationen der Körper exakt lösbar.

Vielseitigkeitsprüfung: Pferdesport Leistungsprüfung aus mehreren Teilprüfungen mit verschiedenartigen Anforderungen an das Pferd, meist zusammengesetzt aus Dressur-, Gelände- und Springprüfung. Siehe auch Military.

Vielstoffmotor: Verbrennungsmotor, der durch eine besonders gestaltete Brennkammer und Zündeinrichtung für den Betrieb mit flüssigen Kohlenwasserstoffen vom niedrig- bis zum hochsiedenden Bereich (Vergaser- bis Dieselkraftstoffe) geeignet ist.

Vielzeller, Metazoa: Tiere, deren Zellen mindestens in Körper- und Fortpflanzungszellen differenziert sind, meist aber Gewebe und Organe mit sehr unterschiedlicher Aufgaben bilden; hierzu zählen alle Tiere außer Einzellern.

Vielzweckkleber, Alleskleber. Kleblacke zum Verbinden sehr verschiedenartiger, jedoch nicht «aller» Materialien, meist auf Basis Polyvinylazetat. Das Abbinden der Vielzweckkleber erfolgt physikalisch unter Abgabe von Lösungsmitteldämpfen.

Vientiane: Hauptstadt von Laos, am Mekong; 120000 Einwohner; wichtigster Industriestandort des Landes mit Leicht- und Lebensmittelindustrie, Kunsthandwerk; Fluss- und internationaler Flughafen; Technikum, Universität, Hochschulen, Nationalbibliothek; buddhistisches Heiligtum That Luang (errichtet 1586).

Vienuolis, 7.4.1882-17.8.1957, litauisch-sowjetischer Schriftsteller; seine Erzählungen «Die Selbstmörderin» (1909) und «Krebs» (1920) stellen Höhepunkte der litauischen Prosa dar; kritisch-realistische Traditionen setzte er in der Novelle «Die Pflegetochter» (1945, deutsch) fort und gelangte mit dem Roman «Ausgespielt» (1947/51, deutsch) zum sozialistischen Realismus.

Viereck: einfaches oder überschlagenes Polygon mit 4 Seiten. Beim einfachen Viereck beträgt die Summe der Innenwinkelgrößen 360°; es ist eine konvexe Figur oder hat eine «einspringende Ecke». Sonderformen sind Quadrat, Rechteck, Parallelogramm, gleichschenkliges Trapez, Rhombus und Drachenviereck; siehe auch Sehnenviereck, Tangentenviereck.

Vierfarbenproblem: graphentheoretisches Problem entsprechend der Aufgabe, eine beliebige Landkarte derart mit 4 Farben zu färben, dass keine 2 Länder mit gemeinsamer, nicht nur punktförmiger Grenze gleich gefärbt sind; 1977 mit Hilfe eines Computerprogramms positiv gelöst.

Vierfingerfurche, Affenfurche-. Sonderbildung der Beugefurchen der Hand. Die Vierfingerfurche verläuft von der Kleinfingerseite der Hand quer über die Handfläche nach der Daumenseite. Sie ist relativ häufig als Kennzeichen bei Menschen mit genetisch bedingten oder mitbedingten Krankheiten zu beobachten; kommt allerdings auch bei der Normalbevölkerung mit einer Häufigkeit von 2 bis 4% vor.

Vierhügelplatte: Teil des Mittelhirns mit Umschaltzentren für Reflexleitungsbahnen.

Vierjahresplan: staatsmonopolistisches Programm im faschistischen Deutschland zur Förderung der Produktion von kriegswichtigen Rohstoffen, zur Entwicklung von Ersatzstoffen und bestimmter landwirtschaftlicher Produkte in der Vorbereitung des 2. Weltkrieges; trat im Oktober 1936 in Kraft. Die Vierjahresplanbehörde (Leitung H. Göring) wurde 1938 mit dem Reichswirtschaftsministerium vereinigt.

Vierlande: fruchtbare Flussmarsch südöstlich von Hamburg zwischen Elbe und Bille; wichtigster Ort Bergedorf. Gemüse-, Obstbau, Blumen-, Viehzucht; bei Reitbrook Erdöl- und Erdgasfeld. Vierleitersystem Wechselstrom.

Vierpass: Kegelsport genormte Standfläche der Kegel, auf der die 9 beziehungsweise 10 Kegelstandplatten eingelassen sind.

Vierpol: elektrisches Netzwerk mit 2 Eingangs- und 2 Ausgangsklemmen (Pole) für Signalein- und Signalausgang.

Vierpunktaufhängung, Vierpunktkopplung: Viergelenk-Anbausystem zur Verbindung von Anbaugeräten mit dem Traktor an 4 Kopplungspunkten.

Vierstimmigkeit: in der Musikliteratur weitverbreitete Satzart, die von den Lagen der menschlichen Stimme ausgeht (Sopran, Alt, Tenor, Bass), in der Instrumentalmusik von denen der Stimmfamilien (zum Beispiel Gamben-, Blockflöten-, Streichquartett). Im strengen homophonen Satz wird dabei konsonante Vierstimmigkeit durch Verdoppelung eines Dreiklangtons, meist des Grundtons, erreicht.

Viertaktmotor: Verbrennungskraftmaschine, bei der das Arbeitsspiel in 4 Takten abläuft (2 Kurbelwellenumdrehungen); Ansaugen: der Kolben bewegt sich vom Zylinderkopf (oberer Totpunkt, Abkürzung OT) zum kurbelwellenseitigen Totpunkt (unterer Totpunkt, Abkürzung UT) und saugt das Kraftstoff-Luft-Gemisch an; Verdichten: der Kolben bewegt sich vom UT zum OT und drückt das Gemisch zusammen, anschließend, kurz vor dem OT, erfolgt die Zündung; Ausdehnen (der eigentliche Arbeitstakt, -hub, Expansionstakt): die verbrennenden Gase dehnen sich aus und treiben den Kolben zum UT zurück; Ausschieben (Auspuffhub, -takt): der Kolben bewegt sich zum OT und treibt die Abgase nach außen.

Viertel, Viert, Viertelein, Vierling: 1. alte Volumeneinheit; Flüssigkeitsmaß zwischen 0,17 und 40 1, Getreidemaß (unter anderem etwa 901).

2. alte Flächeneinheit; zwischen 600 und 900 m2.

Viertel: 1. Berthold, 28.6.1885-24.9.1953, österreichischer Regisseur, Theaterkritiker und Schriftsteller; war bis 1933 an führenden Theatern Deutschlands und Österreichs als Wegbereiter des Expressionismus wirksam; arbeitete nach der Emigration 1933/47 (vor allem London, USA) unter anderem am Berliner Ensemble und am Wiener Burgtheater. Viertel trat auch mit Gedichtbänden («Fürchte dich nicht», 1940; «Der Lebenslauf», 1946), Feuilletons, Essays sowie als Übersetzer von Dramatik hervor.

2. Martin, geboren 2.10.1925, Schriftsteller; gestaltet in den Romanen «Sankt Urban» (1968) und «Bollerbock» (1986) die Herausbildung der neuen Gesellschaftsordnung und die Arbeit im Erzbergbau der DDR; schrieb auch Filmszenarien und Kinderbücher («Kuckucksgarn», 1977).

Vierteltonmusik: Kompositionsverfahren auf der Grundlage einer in 24 gleiche Stufen geteilten Oktave. Durch Teilung des temperierten Halbtons (daher auch als Bichromatik, das heißt «Doppelchromatik», bezeichnet) sollen die europäischen Tonsysteme bereichert und den differenzierteren Systemen orientalischen und ostasiatischen Musikkulturen angenähert werden.

Vierte Republik: Bezeichnung für die durch die Verfassung von 1946 wiedererrichtete bürgerliche Republik in Frankreich. Die Vierte Republik endete 1958 mit der Machtübernahme C. de Gaulles.

Vierter Stand: während der Französischen Revolution entstandener Begriff für proletarischer Lohnarbeiter in Abgrenzung zu den 3 anerkannten Ständen.

Vierung: Raumteil der mittelalterlichen Basilika, der sich aus der Durchkreuzung von Mittel- und Querschiff ergibt. Sind diese gleich breit, entsteht das Vierungsquadrat, die Maßeinheit des gebundenen Systems. Verstärkte Vierungspfeiler betonen schon in frühromanischer Zeit die räumliche Selbständigkeit der Vierung, die auch im Außenbau durch den mächtigen Vierungsturm (oder Dachreiter, später Kuppelbau) sichtbar wird.

Vierverband: im 1. Weltkrieg Kriegspakt (1915) zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland (Tripelentente (Entente)) sowie Italien, welches den Dreibund verließ, gegen die Mittelmächte.

Vierwaldstätter See: Alpenrandsee in der Schweiz; 434 m über dem Meeresspiegel, 114 km2, bis 214 m tief; benannt nach den Waldstätten Schwyz, Uri, Unterwalden, Luzern; von der Reuß durchflossen; von Bergen (unter anderem Rigi, Pilatus) umgeben; mildes Klima; Fremdenverkehr.

Vieta, Viète, François, 1540-23.2.1603, französischer Mathematiker; arbeitete über Trigonometrie und Algebra; benutzte als erster Buchstaben zur Bezeichnung von Unbekannten und Konstanten in Gleichungen; wesentliche Beiträge zur Gleichungslehre und zum Kalenderwesen.

Vietnam, Sozialistische Republik Vietnam, Abkürzung SRV: sozialistischer Staat in Südostasien; grenzt im Norden an China, im Osten und Süden an das Südchinesische Meer sowie im Westen an Kampuchea und Laos; administrativ in 36 Provinzen, die 3 zentralverwalteten Städte Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hai Phong und das zentralgeleitete Sondergebiet Vung Tau Con Dao gegliedert. Währung ist der Dong.

Bevölkerung: 88% sind Vietnamesen, 2% Chinesen (Han), des weiteren existieren 52 nationale Minderheiten, die vorwiegend in den Berg- und Dschungelgebieten und im Mekong Delta (Khmer) leben. Amtssprache ist Vietnamesisch. Bei einer territorial sehr ungleichmäßigen Bevölkerungsverteilung sind die Hauptsiedlungsgebiete (80% der Einwohner) die Deltagebiete der großen Flüsse und die zum Teil sehr schmale Küstenebene; sehr hoher jährlicher Bevölkerungszuwachs (etwa 2,3%). Anteil der Stadtbewohner 19%.

Natur: Oberfläche. Etwa zwei Drittel des Landes werden von Gebirgen eingenommen, die im Norden 3142 m (Phan Si Pan) und im Bereich der Kordillere von Truong Son über 2000 m erreichen. Nach Süden zu flacht sich dieser Gebirgszug ab und bildet zum Teil breite, rumpfflächenartige Plateaus und Hochflächen. Entlang der 3260 km langen Küste, der zahlreiche Inseln vorgelagert sind, erstreckt sich ein schmaler Tieflandstreifen. Fruchtbare Schwemmlandebenen wurden im Norden durch Ablagerungen des Roten Flusses (Delta: 22000 km2) und im Süden durch den Mekong (zum Teil versumpftes Delta mit 70000 km2) aufgebaut.

Klima: Tropisches Monsunklima (Regenzeit von März bis September bringt 80% des Jahresniederschlags) mit nach Norden abnehmenden Temperaturen; jährliche mittlere Luftfeuchtigkeit 81%. Der Norden liegt im Einzugsgebiet tropischer Wirbelstürme (Taifune). Gewässer. Zahlreiche Flüsse (Rater Fluss im Norden und Mekong im S) weisen schwankende Wasserführung beziehungsweise jährliches Hochwasser auf. Pflanzen- und Tierwelt. In den Gebirgen immergrüner tropischer Regenwald (tropische Edelhölzer), an der Küste Mangrovendickichte. Die Fauna umfasst unter anderem Elefant, Nashorn, Tiger, Bär, Krokodil, Wildschwein und verschiedene Affenarten. Starke Schädigung der natürlichen Vegetation (40% der ehemaligen Waldbestände) und Tierwelt während der US-amerikanischen Aggression durch chemische Kampfstoffe und Flächenbombardierung, besonders im Süden auf weiten Flächen.

Geschichte: Im seit dem Paläolithikum besiedelten Norden Vietnams entstanden mit den Reichen Van Lang (2. und 1. Jahrtausend vor Christus) und Au Lac (257/208 vor Christus) erste Staaten, doch wurde dieses Gebiet 207 v. Chr. von der chinesischen Han-Dynastie annektiert. Nach vielen Aufständen, zum Beispiel unter den Schwestern Trung 39/43 nach Christus, gewann der Norden Vietnams 939 unter Ngo Quyen (939/44) die staatliche Unabhängigkeit von China zurück. In der Folgezeit erstarkte die feudale Zentralgewalt und erreichte im 15. Jahrhundert unter der 2. Dynastie der Le ihre Blüte, doch musste sich Vietnam besonders 1388 und 1407/27 gegen neuerliche chinesische Invasionen wehren. Die gleichzeitig einsetzende feudale Expansion auf Kosten der stündlichen Nachbarn (Champa und östliche Gebiete des Khmer Reiches) fand erst im 4./18. Jahrhundert mit Erreichung etwa des heutigen Territoriums Vietnams ein Ende. Die feudale Zentralgewalt wurde im 16. Jahrhundert durch die faktische Herrschaft der Adelsfamilien Trinh im Norden und Nguyen im Süden geschwächt. europäischen Kaufleute und Missionare, zunächst Niederländer und Portugiesen, seit Ende des 5. Jahrhundert besonders Franzosen, nutzten die Situation und fassten in Vietnam Fuß. Innere Machtkämpfe und wachsende feudale Unterdrückung führten zu zahlreichen Aufständen, von denen der bedeutendste 1771/78 die Tay-Son- (Westgebirge-) Erhebung unter Führung dreier Brüder war. Sie beseitigten die Macht der Adelsfamilien Trinh und Nguyen sowie die nominell herrschende Le-Dynastie, schlugen chinesische Invasoren zurück; einer von ihnen wurde unter dem Namen Quang Trung neuer Herrscher (1778/92). Ein Vertreter der Adelsfamilie Nguyen nutzte jedoch die Schwäche der Nachfolger Quang Trungs, die dessen Reformpläne nicht realisieren konnten und die Massenbasis verloren. 1802 ergriff er mit französischer Unterstützung die Macht und gründete als Kaiser Gia Long die Nguyen-Dynastie.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert begann Frankreich, Vietnam in eine Kolonie zu verwandeln. 1858 erfolgte die erste militärische Provokation durch den Überfall auf Tourane (Da Nang). Vietnam wurde zur Öffnung von Häfen sowie zum Abtreten von Provinzen gezwungen, und bereits 1867 war ganz Nambo französische Kolonie. Danach wurde das Gebiet um Hanoi angegriffen und ganz Bacbo 1882/84 besetzt. Der starke Volkswiderstand blieb ohne nennenswerte Unterstützung durch den vietnamesischen Kaiserhof in Hue. Zentralvietnam (1 Trungbo) wurde bald ebenfalls okkupiert und 1887 mit den anderen Landesteilen, mit Kampuchea und seit 1893 auch mit Laos zur kolonialen Zwangsunion Französisch-lndochina zusammengeschlossen. Die einheimischen Herrscher bezahlten ihre Kapitulationspolitik mit der Einbuße ihrer faktische Macht. Die Widerstandsbewegung gegen die französischen Okkupanten, zum Beispiel der Aufstand des De Tham 1893/1913, konnte jedoch nicht siegen, da sie unkoordiniert war und noch keine über eine Restauration der Feudalstrukturen hinausreichende Perspektive hatte. Die französische Kolonialherrschaft führte zu deformierten kapitalistischen Verhältnissen, da die entstehende Industrie sich auf Ausplünderung von Rohstoffvorkommen konzentrierte. Auf dem Lande blieben rückständige vorkapitalistische Verhältnisse bestehen, die durch Pachtsystem und vom Großgrundbesitzer abhängige Kleinbauernwirtschaften gekennzeichnet waren; zum Teil breitete sich Plantagenwirtschaft (Kautschuk) aus. Damit verbunden, kam es Anfang des 20. Jahrhundert zur Herausbildung eines Industrieproletariats, einer einheimischen Bourgeoisie und kleinbürgerliche Kreise, Quellen einer neuen Opposition, die besonders von vietnamesischen Emigranten in Südchina unterstützt und geleitet wurde. 1926 entstand die bürgerliche Vietnamesische Nationalpartei. 1929 kam es in der Nachfolge der 1925 auf Initiative von Ho Chi Minh geschaffenen Liga der revolutionären Jugend Vietnams zur Formierung kommunistischer Gruppierungen, die sich 1930 zur KP Vietnams zusammenschlossen. Im gleichen Jahr kam es zu spontanen Bauernaufständen, in deren Folge unter Führung der KP Räteverwaltungen in den Provinzen Nghe An und Ha Tinh entstanden. Die französischen Kolonialisten schlugen diese Erhebung wie auch Aufstandsversuche der kleinbürgerlichen Opposition (Aufstand von Yen Bai) blutig nieder. Sie konnten aber die Weiterentwicklung der KP nicht verhindern, die 1936 die durch die französische Volksfrontregierung gegebene Möglichkeit einer legalen Betätigung kurz nutzen konnte.

Im 2. Weltkrieg kam es 1941 zum Zusammenschluss aller demokratischen Kräfte unter Führung der KP in der Befreiungsfront Viet Minh, die sich gegen die profaschistische französische Kolonialverwaltung und die von dieser ins Land gelassenen japanischen Truppen richtete. 1944 wurde die Vietnamesische Volksarmee gegründet. Unter Nutzung der bei Kriegsende geschwächten Position Frankreichs und Japans in Indochina begannen die Volkskräfte am 16.8.1945 einen allgemeinen Volksaufstand («Augustrevolution»). Nach dessen Sieg rief Ho Chi Minh am 2. 9.1945 die Demokratische Republik Vietnam aus, zu deren erstem Präsidenten er gewählt wurde. Frankreich versuchte durch diplomatische Winkelzüge und militärische Gewalt, Vietnam wieder zur Kolonie zu machen und begann am 19.12.1946 den offenen Krieg. Ab 1950 gewann die Vietnamesische Volksarmee die Oberhand und erzielte im Mai 1954 mit dem Sieg von Dien Bien Phu die militärische Entscheidung.

Literatur: Aus der Zeit bis zum 13. Jahrhundert sind nur mündlich überlieferte Werke in Vietnamesisch bekannt, da das Chinesische als Literatursprache fungierte. Im 14./15. Jahrhundert entwickelte sich die vietnamesische Nationalliteratur bedeutend, wobei Nguyen Trai eine besondere Rolle zukommt. Mit dem Verfall der feudalistischen Staatsmacht ging ein Absinken der Literatur auf konventionelle Stimmungslyrik einher. Das 18. Jahrhundert brachte wieder bedeutende Werke, wie das «Klagelied einer Kriegerfrau» der Dichterin Doan Thi Diem und die satirischen Verse der Dichterin Ho Xuan Huong. Höhepunkt der klassischen vietnamesischen Literatur ist der Versroman «Kim Van Kieu» von Nguyen Du. Patriotischer Lyrik des Widerstandes gegen die französischen Kolonialisten verfasste Phan Dinh Phung und ¡später Phan Boi Chau. Bis Ende des 19. Jahrhundert gab es in Vietnam Belletristik nur in Versform. Unter europäischen Einfluss entstand nun auch Prosa, wobei zunächst neoromantische Züge vorherrschten. Die Klassenauseinandersetzungen der 30er Jahre des 20. Jahrhundert ließen den kritischen Realismus reifen (Vu Trong Phung: «Dirnenleben», «Sturm») und den sozialistischen Realismus entstehen (Nguyen Hong: «Die Diebin»), der dann die Thematik des militärischen Widerstandskampfes gegen die Franzosen aufgriff. Zu den Autoren dieser Richtung aus der heutigen älteren Generation gehören der Dichter To Huu, der Prosaist Nam Cao («Die Augen») und Nguyen Van Bong («Der Wasserbüffel). Generalsekretär des 1957 gegründeten vietnamesischen Schriftstellerverbandes wurde Nguyen Dinh Thi, Präsident Nguyen Cong Hoan. Der sich nun voll entfaltenden sozialistischen Realismus schildert die gesellschaftliche Umgestaltung, wobei Autoren der nächsten Generation, wie Dao Vu («Der gepflasterte Hof»), hervortraten. Der lange Kampf um die Befreiung Südvietnams und gegen die USA-Aggressoren spiegelt sich in den Werken von Nguyen Dinh Thi («Feuerprobe»), Nguyen Khai wie auch solcher jungen Schriftsteller wider, die, wie Le Minh Khue, der auch Fernsehautor ist, zum Teil selbst aktiv kämpften. Die große Zahl von nationalen Minderheiten in Vietnam bedeutete für die sozialistische Literaturentwicklung nicht nur eine thematische Erweiterung, sondern auch die Aufgabe, die entsprechenden Literaturen zu fördern. Mit dem Nationalitätenthema befassten sich To Hoai («Das Ehepaar A-Phu») und Nguyen Ngoc («Die Feuer der Bana»).

Musik: Die ältesten belegbaren Musikinstrumente in Vietnam sind steinzeitliche Lithophone sowie bronzezeitlichen Kesselgongs und Glocken. Die Musik vietnamesischer Feudalreiche war am chinesischen (6. Jahrhundert) und japanischen Hof (8. Jahrhundert) bekannt. «Große» und «kleine Musik» (letztere ursprünglich Volksmusik) werden im 13./14. Jahrhundert als höfliches Ensemble genannt. Im 15. Jahrhundert gab es 8 Arten höflicher Musik für Zeremonien und zur Unterhaltung mit spezifischen Instrumentarium und Repertoire. Die Ensembles am Hof benutzten im 20. Jahrhundert Klingsteine, Klingsteinspiele, Glocken, Glockenspiele, Wölbbrettzithern, Instrumente vietnamesischer, chinesischer und indischer Herkunft. Die Volksmusik der verschiedenen Nationalitäten Vietnams umfasst unter anderem Singspiel, Tanz, Lied (zum Beispiel Liebeslied als Wechselgesang), Instrumentalmusik. Seit 1945 wird das musikkulturelle Erbe im sozialistischen Staat entwickelt, Ensembles, Solisten auf Volksmusikinstrumenten werden gefordert. Als neue Gattungen entstehen Massenlieder, Chöre, Sinfonien, Tänze und Musiktheater (1965 erste vietnamesische Oper). Im Widerstand gegen die US-amerikanischer Aggression war das revolutionäre Lied ein wesentlicher, die Kampfmoral der vietnamesischen Nation stärkender Faktor.

Vietnamesen, Selbstbezeichnung Viel: mongolides Volk mit isoliert dastehender Sprache; früher Annamiten genannt; Hauptbevölkerung Vietnams; etwa 53 Millionen, in Kampuchea und Thailand etwa 500000.

vietnamesische Sprache und Schrift: Strukturell den sinotibetischen Sprachen ähnelnd, weist das Vietnamesische wie das Chinesische das monosyllabischen Kernwortprinzip auf, wobei jedoch jede Silbe einen bedeutungsverändernden musikalischer Akzent trägt (Grundton und 5 Akzentvarianten). Heute wird das Vietnamesische mit einer im 16. Jahrhundert von Missionaren entwickelte Lateinschrift geschrieben, welche auch die Akzente berücksichtigt und die alten, der chinesischen Schrift ähnelnden Silbenzeichen (Chu nom) völlig verdrängt hat.

Vieuxtemps, Henri, 17.2.1820-6.6.1881, belgischer Violinist und Komponist; war seit Mitte der 30er Jahre einer der berühmtesten Virtuosen und neben seinem Lehrer C. A. de Bériot führender Meister der französischen Geigerschule.

Viga, Diego, eigentlich Paul Engel, geboren 7.6.1907, Schriftsteller, Biologe, Arzt; stammt aus Wien, lebt seit 1935 in Südamerika; seit 1938 Professor an verschiedenen Universitäten. In Romanen und Erzählungen gestaltet er kritisch die gesellschaftlichen Verhältnisse in Lateinamerika (unter anderem «Der Freiheitsritter», 1955; «Schicksal unterm Mangobaum», 1957; Trilogie «Waffen und Kakao», 1961; antifaschistischer Arzt- und Emigrantenroman «Die Parallelen schneiden sich», 1969; «Die Indianer», 1983).

Viganò, Renata, geboren 17.6.1900, italienische Erzählerin, Journalistin; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil; gestaltete in ihrem bedeutendsten Werk (Roman «Agnes geht in den Tod», 1949, deutsch) das Schicksal einer einfachen Bäuerin, die sich im Kampf gegen die Faschisten zu einer heldenhaften Partisanin entwickelt.

Vigee-Lebrun, Marie Elisabeth Louise, 16.4.1755-30.3.1842, französische Malerin; war als geschätzte Porträtistin hauptsächlich für Hof und Adel tätig; der sensitive Klassizismus ihrer Werke folgte dem offiziellen europäischen Bildnisstil der Zeit. Bedeutend sind ihre Selbstbildnisse.

Vigeland, Gustav, 11.4.1869 bis 12.3.1943, norwegischer Bildhauer; gehört zu den bedeutendsten Vertretern der neueren norwegischen Plastik; ausgehend von Naturalismus und Symbolismus sowie künstlerische Anregungen A. Rodins schuf er Bildnisbüsten, Denkmäler und Aktdarstellungen; Hauptwerk: Brunnenanlage auf Tortberg bei Oslo (Frognerpark); auch Holzschnitte und Zeichnungen.

Vigevano: Stadt in Oberitalien, in der Lombardei; 65000 Einwohner; Zentrum der italienischen Schuhindustrie mit Schuhmaschinenbau; ferner Leder-, Gummi-, Baumwollindustrie; Altstadt mit historischen Marktplatz, gotische Kastell.

vigilant: umgangssprachlich wachsam; findig, pfiffig.

Vigilien: 1. im altrömischen Heerwesen die 4 Nachtwachen von Sonnenuntergang bis -aufgang.

2. katholische Liturgie ursprünglich privates Gebet, seit dem Mittelalter nächtlicher Gottesdienst vor hohen kirchlichen Festen, zum Beispiel Ostervigil.

Vignette: (französisch, «Weinrankenzierat») ursprünglich (seit etwa 1520) Bezeichnung für zierliche Weinrankenornament als Schmuck des Titels, der Kapitelanfänge oder am Schluss des Buches, dann kleines ornamentales oder figürliche Bildchen auf einer Buchseite als Auftakt oder Abschluss von Titelseiten, am Kapitelanfang (Vignette en tête) oder -ende (Cui de lampe).

Vignettierung: Abschattung der äußeren Bereiche des Bildfeldes bei der optischen Abbildung durch den Einfluss von Blenden. Man unterscheidet künstliche Vignettierung (Randabschattung), bei der Blenden seitlich in das abbildende Bündel hineinragen und natürliche Vignettierung bei der durch den schrägen Durchgang des Lichtes durch das optische System die Beleuchtungsstärke von der Bildmitte nach außen abnimmt.

Vignola, eigentlich Giacomo Barozzi, 1.10.1507-7.7.1573, italienischer Baumeister und Architekturtheoretiker, seit 1546 in Rom tätig, übernahm 1564 die Bauleitung von St. Peter. Sein Hauptwerk, die Jesuitenkirche II Gesù in Rom (begonnen 1568), wurde zum Prototyp des barocken Kirchenraums in Europa.

Vigny, Alfred de, 27.3.1797-17.9.1863, französischer Schriftsteller, Romantiker mit aristokratischer und geschichtspessimistischer Positionen; verfasste Lyrik, den historischen Roman «Cinq-Marx» (1826, deutsch) und das Drama «Chatterton» (1835, deutsch).

Vigo: Stadt im Nordwesten Spaniens, an der Atlantikbucht Ria de Vigo; 260000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau; Automobil-, Holz-, Papierindustrie; Fischfang (Sardinen, Thunfisch); Hafen; historische Altstadt.

Vigognegarn: (französisch - spanisch - indianisch) grobes Garn aus Baumwolle oder Mischungen von Baumwolle mit Reiß-, Chemiefasern oder Faserabfällen.

Vigoureux Garn: meliertes Kammgarn, das vor dem Strecken im Kammzug in gleichen Abständen verschiedenfarbig bedruckt wird.

Viita, Lauri, 17.12.1916-22.12.1965, finnischer Schriftsteller, aus seinem Schaffen sind der Gedichtband «Der Betonmüller» (1947) und der Roman «Ein einzelner Weiser ist immer ein Narr» (1950, deutsch) hervorzuheben; übte starken Einfluss auf Arbeiterschriftsteller, wie Viita Linna, aus.

Vijayawada: Stadt im Unionsstaat Andhra Pradesh (Indien), am Krishna; 550000 Einwohner; Lebensmittel- (Tabak), Textil-, Düngemittelindustrie, Maschinenbau; Flughafen; buddhistische und hinduistische Pilgerzentrum.

Vik, Bjorg, geboren 11.9.1935, norwegische Schriftstellerin und Journalistin; gestaltet in Romanen und Erzählungen vornehmlich Frauenschicksale («Der Fisch im Netz», 1975, deutsch).

Vikar: 1. in der evangelischen Kirche ein im Ausbildungsverhältnis stehender, sich auf den Pfarrberuf vorbereitender Diplomtheologe.

2. in der katholischen Kirche untere Rangstufe (geweihter Priester) in der geistlichen Laufbahn; Gehilfe des Pfarrers.

Viking: Bezeichnung für zwei 1975 gestartete Marssonden der USA, die 1976 den Planeten erreichten. Aus der Marsumlaufbahn wurden Lander abgesetzt, die auf die Planetenoberfläche niedergingen, Detailaufnahmen der Oberflächenstruktur lieferten, Untersuchungen anstellten und (ergebnislos) nach Lebensspuren suchten. Die in der Umlaufbahn verbliebenen Orbiter fotografierten die Marsoberfläche und stellten weitere Messungen an; siehe auch Planetensonde.

Viktor Emanuel, Vittorio Emmanuele, italienische Könige: 1. VE. II., 14.3.1820-9.1.1878, König von Sardinien-Piemont 1849/61, von Italien seit 1861; unter seiner Herrschaft wurde die Herausbildung des bürgerlichen Nationalstaates in Italien abgeschlossen.

2. Viktor Emanuel III., 11.11.1869-28.12.1947, König 1900/46; begünstigte den Faschismus; dankte 1946 widerrechtlich zugunsten seines Sohnes Umberto II. ab und ging ins Exil.

Viktoria, englisch Victoria, 24.5.1819 bis 22.1.1901, britische Königin seit 1837 (Haus Hannover), seit 1877 zugleich Kaiserin von Indien; während ihrer Herrschaft Blütezeit Großbritanniens als Industrie- und Kolonialmacht («Viktorianische Zeitalter»), besonders auf Kosten der ausgebeuteten Kolonialvölker.

Vikunja, Lama vicugna: kleines (Widerristhöhe 70 bis 110 cm) höckerloses Kamel der Hochgebirge von Peru und Bolivien; vom Aussterben bedroht.

Vilaras, Ioannis, 1771-28.12.1823, griechischer Schriftsteller, Arzt in albanisch-türkischen Diensten; bereitete theoretisch und praktisch, besonders mit seinen volkstümlichen Fabeln, die Verwendung der griechischen Volkssprache als Literatursprache vor und schuf damit wesentliche Voraussetzungen für die Entfaltung der griechischen Nationalliteratur.

Vilde, Eduard, 4.3.1865-26.12.1933, estnischer Schriftsteller; Bahnbrecher des kritischen Realismus in der estnischen Literatur (Roman «Ins raue Land», 1896). «Aufruhr in Mahtra» (1902, deutsch), «Die Abgesandten von Anija» (1903) und «Der Prophet Maltsvet» (1908) bilden eine historische Trilogie über die Bauernbewegung der 50er Jahre des 19. Jahrhundert.

Villa: (italienisch, PI. Villen) ursprünglich außerhalb der Stadt inmitten von Gärten gelegenes Sommerhaus vornehmer Römer; dem römischen Vorbild folgten die Italiener der Renaissance, wobei die gesamte gartenartige Anlage Villa genannt wurde, das Wohngebäude selbst Casino. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff übertragen auf das im Unterschied zum Reihenhaus frei stehende, repräsentative, ein- bis dreigeschossige, von einem Garten umgebene Wohnhaus.

Villa, Francisco, eigentlich Doroteo Arango, genannt Pancho, 5.6.1877-20.7.1923 (ermordet), mexikanischer Revolutionär, Partisanenführer und General; bedeutende Persönlichkeit der bürgerlich-demokratischen Revolution 1910/17.

Villach: Stadt in Kärnten (Österreich), beiderseits der Drau; 53000 Einwohner; Holz-, Pappe-, Metallwaren-, Konfektions-, Leder- und chemische Industrie, Maschinenbau, Brauerei; Verkehrsknoten; Ruine Schloss Landskron; in der Nähe Warmbad Villach (Schwefel- und radonhaltige Therme).

Villa Clara: Provinz im zentralen Teil Kubas; 8073 km2, 770000 Einwohner; 95 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Santa Clara. Im Norden Tiefland, im Süden Sierra del Escambray; entwickelte Landwirtschaft, besonders Zuckerrohranbau und -Verarbeitung; metallverarbeitende, chemische, keramische Industrie; Fischerei.

Villa-Lobos, Heitor, 5.3.1887-17.11.1959, brasilianischer Komponist und Volksmusikforscher; entwickelte sich zum fruchtbarsten Komponisten und Musikorganisator Lateinamerikas. Sein umfangreiches Gesamtwerk umfasst Opern, Oratorien, Sinfonik, Konzert-, Chor- und Kammermusik, Lieder. Villa-Lobos war unter anderem Präsident der 1945 von ihm gegründeten brasilianischen Musikakademie.

Villanova Kultur: eisenzeitliche Kultur Nord- und Mittelitaliens (1. Hälfte des 1. Jahrtausend vor Christus), benannt nach dem Gräberfeld Villanova bei Bologna. Träger waren vermutlich die Italiker. Bronzegefäße, geometrisch verzierte tönerne Ascheumen und figürlicher Metallschmuck deuten auf Beziehungen zur Hallstattkultur.

Villard de Honnecourt, französischer Baumeister des 13. Jahrhundert, tätig in Frankreich und Ungarn; Verfasser eines um 1240 entstandenen Bauhüttenbuches, das, als einziges seiner Art, in Fragmenten erhalten, einen einzigartigen Einblick in die Schaffensweise hochgotischer Künstler und Bauhütten gibt (seit 1795 in der Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt).

Villiers de I'Isle-Adam, Auguste, Comte de, 7.11.1838-19.8.1889, französischer Schriftsteller; Verfasser mystisch-phantastischer Werke mit starkem Einfluss insbesondere auf den Symbolismus (Novellensammlung «Grausame Geschichten», 1883, deutsch; Roman «Die Eva der Zukunft», 1886, deutsch).

Villon, François, eigentlich François de Moncorbier, genannt Des Loges, 1431 bis um 1465, französischer Dichter; seine balladeske Lyrik in volkstümlicher Sprache («Das kleine Testament», 1456, deutsch; «Das große Testament», 1461, deutsch) zeigt sein abenteuerliches Leben als Versuch, sich als Individuum in der zerfallenden Sozialordnung des Mittelalters zu behaupten und kennzeichnet ihn als einen der ersten Dichter der Neuzeit, dessen Wirkung bis ins 20. Jahrhundert anhält.

Vilnius: (russisch) Hauptstadt der Litauischen SSR, am Neris (Wilija); früher Wilna, Wilno 535000 Einwohner; vielseitiger Maschinen- und Gerätebau, Metallverarbeitung, chemische, Schuh-, Konfektions-, Nahrungsmittelindustrie; Verkehrsknoten, Flughafen; Akademie der Wissenschaften, Universität (1579 gegründet; älteste der UdSSR), 5 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Gemäldegalerie, Museen; Fernsehturm (326 m); Baudenkmäler des 14. bis 18. Jahrhundert in der Altstadt (zahlreiche Barockkirchen, klassizistische Stanislaus Kathedrale und Rathaus, Bauensemble der Universität, Bernhardinerkloster). Vilnius erhielt 1387 Stadtrecht und wurde ein Zentrum von Handel und Handwerk; bis zur Lubliner Union 1569 Hauptstadt des Großfürstentums Litauen; nach der 3. Teilung Polens kam es 1795 an Russland; in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert war es Zentrum der litauischen Arbeiterbewegung; Sieg der Sowjetmacht im Dezember 1918; Okkupation des Gebietes und der Stadt Vilnius durch Polen am 9.10.1920; seit Juli 1940 Hauptstadt der Litauischen SSR, ab Juni 1941 von faschistischen Truppen besetzt, Befreiung der Stadt durch die Rote Armee am 13.7.1944.

Vinca-Kultur: jungsteinzeitliche Kultur auf der Balkanhalbinsel (2. Hälfte 5. Jahrtausend vor Christus bis 1. Hälfte 3. Jahrtausend vor Christus), benannt nach dem aus 8 bis lim mächtigen Siedlungsschichten bestehenden Teil von Vinla, 14 km südöstlich von Belgrad.

Vincennes: Stadt östlich von Paris; 44000 Einwohner; Herstellung von Rundfunkgeräten und Schreibmaschinen; Universitätsinstitute; Park mit Schloss (14./17. Jahrhundert); Pferderennbahn; Sportstadion.

Vincent Presse: Bauart der Reibspindelpresse mit ortsfest gelagerter Spindel; besitzt einen Dreischeibenantrieb.

Vindhyagebirge: von Westen nach Osten verlaufendes Mittelgebirge im Nordwesten des Dekan (Indien); 1000km lang, bis 829m überm Meer; stark bewaldet; bricht nach Süden in einer markanten Stufe zum Narmada-Tal ab und geht, nach Nordosten zu niedriger werdend, in die Granit-Gneis-Hochfläche von Bundelkhand über; Weidewirtschaft und Holznutzung.

Vinje, Aasmund Olavsson, 6.4.1818-30.7.1870, norwegischer Schriftsteller und Journalist; von Sympathie für die ärmsten Volksschichten durchdrungen sind seine zeitkritischen «Reiseerinnerungen vom Sommer 1860» (1861). Zusammen mit H. Ibsen gab er die Zeitschrift «Andhrimnir» (1851) heraus.

Vinland: (altnordisch, «Weinrebenland») vom Normannen Leif Eriksson um 1000 entdeckter Küstenabschnitt in Nordamerika (wahrscheinlich Neufundland oder Neuschottland).

Vinum: Wein - In der Pharmazie auch Bezeichnung für Wein mit arzneiliche Zusätzen. Vinylazetat Essigsäureester.

Vinylchlorid, Monochloräthen: farbloses, giftiges, brennbares, leicht druckverflüssigbares Gas von typischem Geruch; Kp -13,8°C; wird technisch zu Polyvinylchlorid polymerisiert. Vinylchlorid wirkt narkotisch und kann Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenschäden verursachen.

Vinylgruppe, fachsprachlich Ethinylgruppe: die einwertige, ungesättigte Atomgruppe.

Vinyliden Gruppe: die zweiwertige, ungesättigte Atomgruppe.

Viola: 1. eine Hauptgattung europäischen Streichinstrumente im 15./18. Jahrhundert mit oben spitzem Schallkörper, flachem Boden, gewölbter Decke und seitenständigen Wirbeln für 4 bis 7 Saiten. Die wichtigsten Arten sind Viola da braccio («Arm»Viola), Viola d'amore («Liebes»Viola) mit Resonanzsaiten, Viola da gamba («Knie»Viola).

2. Bezeichnung für die Bratsche, das Alt-Tenor-Instrument vom Typ der Violine; bei prinzipiell gleicher Form 5 bis 10 cm größer als diese.

Violine: (deutsch, «kleine Viola») Streichinstrument mit oben und unten rundem Schallkörper, gewölbtem Boden, gewölbter Decke, seitenständigen Wirbeln und 4 Saiten ohne Bünde; im 16. Jahrhundert in Italien aus mehreren Vorformen entwickelt. Um 1700 wurde die Violine, besonders durch den Instrumentenbau in Cremona, zum führenden europäischen Streichinstrument.

Viollet-Ie-Duc, Eugène Emmanuel, 27.1.1814-17.9.1879, französischer Architekt, Restaurator, Denkmalpfleger und Fachschriftsteller, vom konstruktiven System der Gotik angeregt, beeinflusste er wesentlich die Entwicklung der Neugotik; erwarb besonders durch seine denkmalpflegerischen Leistungen Anerkennung (Restaurierung der gotischen Kathedralen in Reims, Amiens und Paris (Notre Dame)).

Violoncello, Kurzwort Cello: Streichinstrument, Tenor-Bass-Instrument in Violinform mit 4 Saiten (CG da); entstand im 16. Jahrhundert in Italien, war zunächst nur Generalbass-Begleitinstrument; seit etwa 1700 in zunehmendem Maße auch solistisch verwendet.

Virago: Frau mit männlicher Sexualempfindung.

Virchow, Rudolf, 13.10.1821-5.9.1902, Pathologe und Anthropologe; 1849/56 Professor in Würzburg und 1856/1901 in Berlin; begründete die mikroskopische pathologische Anatomie, vertrat die Ansicht, dass Zellen nur aus Zellen entstehen können, war auf Grund seiner den Krankheitsprozess durch Veränderungen der Zelle erklärenden Zellularpathologie bis weit in das 20. Jahrhundert hinein maßgebend für die gesamte Medizin; leistete bedeutendes auch auf anderen Gebieten der Medizin und Naturwissenschaften, wie Geschichte der Medizin, Onkologie, Hygiene (beeinflusste die Hygienegesetzgebung), war Mitbegründer der modernen Anthropologie und Ethnologie; als Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei war er im preußischen Abgeordnetenhaus ein erbitterter Gegner O. von Bismarcks.

Virginal: im 16./17. Jahrhundert Tasteninstrument mit der Anreißmechanik des Cembalos bei querstehendem, rechteckigem Schallkörper.

Virginalisten: Gruppe englischer Klavierkomponisten und -virtuosen des 16. Jahrhundert (W. Byrd, J. Bull, T. Tomkins, O. Gibbons, T. Morley unter anderem). Die verbreitetste Form des Klaviers war im 16./18. Jahrhundert in England das Virginal. Die Virginalisten nutzten auch Cembalo und Spinett, die mit der Bezeichnung Virginal ebenso gemeint sein konnten. Hauptquelle der Virginalmusik ist das Fitzwilliam Virginal Book (Anfang 17. Jahrhundert).

Virginia, Abkürzung Va.: Bundesstaat im Osten der USA, am Atlantik; 105586 km2, 5,55 Millionen Einwohner (19% Afroamerikaner); 53 Einwohner/km2; Hauptstadt Richmond. Im Osten zum Teil sumpfige Küstenebene, im Innern das hügelige Piedmont Plateau, im Westen Alleghenygebirge (bis 1 743 m) der Appalachen; bei feuchtwarmem gemäßigtem Klima bis zu 50% waldbedeckt. Die kurzen wasserreichen Flüsse (Potomac, James, Rappahannock) werden an der Fallinie für die Elektroenergiegewinnung genutzt. Entwickelter Bergbau auf Steinkohle, Blei- und Zinkerz, Kalkstein; Leichtindustrie, chemische, Tabakindustrie, daneben Maschinen- und Schiffbau. Anbau von Tabak, Erdnüssen, Mais, Weizen, Baumwolle, Futtergräsern, Gemüse; bedeutendere Viehzucht. Fischerei (Austern, Krabben); Tourismus; Häfen Norfolk, Portsmouth, Newport News; gut entwickeltes Verkehrsnetz. Als erste englische Kolonie in Amerika 1585/86 und erneut 1607 gegründet; seit 1624 Kronkolonie. 1861 zählte Virginia zu den von den USA abgefallenen Südstaaten.

Virgo: (lateinisch) 1. Jungfrau; Mädchen, das noch keinen Geschlechtsverkehr hatte und dessen Jungfernhäutchen unverletzt ist.

Virialkoeffizienten: Koeffizienten in einer Entwicklung der Zustandsgleichung nach Potenzen von/V (V Volumen); sie hängen von der absoluten Temperatur ab und werden meist mit A, B, C, ... bezeichnet. Für den ersten Virialkoeffizienten gilt A = nRT (n Molzahl, R Gaskonstante). Für ideale Gase sind alle übrigen Virialkoeffizienten Null.

Virialsatz: für ein aus Norden Massenpunkten bestehendes System gültige. Dabei ist k die Boltzmann-Konstante, die absolute Temperatur und F, die auf den am Ort r, befindliche Massenpunkt / wirkende Kraft. Durch den Querstrich wird der zeitliche Mittelwert gekennzeichnet. Der Ausdruck auf der linken Seite heißt Virial des Massenpunktsystems. Aus dem Virialsatz kann man die Zustandsgleichung ableiten.

Viriathus, etwa 190-139 vor Christus, Führer der lusitanischen Stämme im Kampf gegen Rom seit 147; befreite den Nordwesten der Pyrenäenhalbinsel. Die Römer mussten ihn 140 als König anerkennen und ließen ihn schließlich ermorden.

Virilismus: körperliche Vermännlichung (Bartwuchs, Rückbildung der Brüste, Amenorrhoe, Stimmbruch, Klitorishypertrophie) bei Frauen infolge Hormonstörungen.

Virologie: (dat. + griechisch) Lehre von den Viren, im engeren Sinn von den Viruskrankheiten.

virtuell: (französisch) unwirklich, scheinbar; nur gedacht; der Möglichkeit nach vorhanden.

virtuelle Teilchen: heuristisch als Zwischenzustände von Elementarprozessen eingeführte, real nicht existierende Elementarteilchen mit den Quantenzahlen ihrer realen Vorbilder, die dem Erhaltungssatz für Energie und Impuls nicht unterliegen. Siehe auch Feynman-Diagramm.

virtuos: (deutsch) tüchtig, technisch meisterhaft, kunstfertig.

Virtuose, Virtuos (beide deutsch): Künstler, der die technischen Schwierigkeiten spielend meistert, besonders in der Musik.

Virulenz: Fähigkeit eines Mikroorganismus, durch Vermehrung im Wirt und Bildung tox. Enzyme lokale oder allgemeine Krankheitssymptome auszulösen.

Virunga-Vulkane: Gruppe von 8 größeren und zahlreichen kleinen tätigen und erloschenen Vulkanen im Zentralafrikanischen Graben nördlich vom Kivusee, in Zaire, Rwanda und Uganda; bis 4507 m (Karisimbi), höchste tätige Vulkane Nyiragongo (3470 m) und Namlagira (3056 m).

Virus: (dat., «Gift») nichtzellulär organisiertes, aus Nukleinsäuren und Proteinhülle bestehendes Partikel (Nukleoproteid). Die Viren vermehren sich nur in lebenden Zellen, deren Stoffwechsel dabei autokatalytisch auf den eigenen Bedarf umgestellt wird. Viren sind so klein, dass sie durch Bakterienfilter hindurchgehen und nur mittels Elektronenmikroskops sichtbar gemacht werden können; Erreger von Infektionskrankheiten, zum Beispiel Grippe, Masern, Röteln.

Viruskrankheiten, Virosen: durch Viren hervorgerufene akute, seltener auch chronischen Infektionskrankheiten bei Mensch, Tier und Pflanzen. Zu den Viruskrankheiten des Menschen gehören zum Beispiel Grippe, Masern, Röteln, Mumps, Hepatitis, Pocken und Kinderlähmung. Sie hinterlassen oft eine langfristige Immunität. Eine Vorbeugung ist durch Schutzimpfung zum Teil möglich. Viruskrankheiten bei Haustieren verursachen je nach Art und Ausbreitung erheblichen Wirtschaftliche Schäden, zum Beispiel Maul- und Klauenseuche, Schweinepest, Geflügelpest, Influenza bei Pferd und Schwein, Leukosen. Sie werden durch verbesserte Impfverfahren und Sperrmaßnahmen verhindert beziehungsweise bekämpft. Viruskrankheiten der Pflanzen sind unter anderem Mosaik- und Kräuselkrankheiten virösen Ursprungs.

Pflanzenpathogene: Viren können nahezu alle Kulturpflanzen befallen und verursachen mitunter erhebliche beziehungsweise totale Ertragsausfälle. Sie können nur über Wunden und Verletzungen in den Wirt eindringen und werden mechanisch mit den Arbeitsgeräten oder durch Vektoren übertragen. Die Bekämpfung von Viruskrankheiten im Sinne einer Therapie ist bisher nicht möglich.

Visby, deutsch Wisby: Stadt auf der schwedischen Insel Gotland; Verwaltungszentrum der Provinz Gotland; 20000 Einwohner; Lebensmittelindustrie, Kalkverarbeitung; Hafen, Fremdenverkehr; Stadtmauer, Kirchen. Visby war im Mittelalter eine reiche Handelsstadt; bis Ende des 13. Jahrhundert Hauptstützpunkt der Hanse, 1398/1408 im Besitz des Deutschen Ritterordens, dann bis 1645 dänisch.

Vischer: Nürnberger Erzgießer Familie (etwa 1450-1550), deren Werke (besonders Grabplatten) über Deutschland, Polen, Böhmen und Ungarn verbreitet waren. Als Begründer der Vischer-Werkstatt gilt Hermann der Ältere (gestorben 13.1.1488); er goss 1457 das Taufbecken für die Wittenberger Stadtpfarrkirche. Bedeutendster Vertreter war Peter der Ältere (um 1460-7.1.1529), einer der besten Bildhauer der Dürerzeit, der in seinen realistischen Werken spätgotisches Formengut mit Renaissanceelementen verband (Hauptwerk: Sebaldusgrab in St. Sebald zu Nürnberg; 1508/19). In den Arbeiten seiner Söhne überwiegen Renaissanceformen. besonders Hans (um 1489-8.9.1550) war beeinflusst von der italienischen Hochrenaissance; Peter der Jüngere (1487-1528) schuf vor allem Kleinplastik und Medaillen.

Vischer, Friedrich Theodor, 30.6.1807 bis 14.9.1887, Philosoph, Kunsttheoretiker und Schriftsteller; löste sich in seinen Schriften zur «Ästhetik» (1846/57) von G. W. F. Hegel und beeinflusste den Neuhegelianismus; pantheistische Tendenzen enthält sein satirischen Roman «Auch einer. Eine Reisebekanntschaft» (1879); ferner «Faust» Travestie (1862).

Visconte: italienischer Adelstitel bis 1947; weibliche Form: Viscontessa.

Visconti: italienisches Adelsgeschlecht; beherrschte 1277/1447 Mailand; errichtete die erste Signoria in Italien.

Visconti, Luchino, 2.11.1906-17.3.1976, italienischer Regisseur; gehörte zu den Mitbegründern des Neorealismus; schuf die Filme «Die Erde bebt», «Rocco und seine Brüder», «Der Leopard», «Die Unschuld»; inszenierte an italienischen Theatern auch Opern und klassische wie sozialkritische Dramen.

Viscount: «Vizegraf» Stand des britischen Hochadels (Nobility) zwischen Baron und Earl; weibliche Form: Viscountess.

Visegrad: Gemeinde in Ungarn (Bezirk Pest), rechts der Donau (am Donauknie), Erholungsort am Nordfuß des Visegrader Gebirges; 1700 Einwohner; König-Matyas-Museum; frühmittelalterliche Burg.

Vishakhadatta, altindischer Dichter, vermutlich jüngerer Zeitgenosse des Kalidasa; verfasste das Bühnenstück «Mudrarakshasa - Des Kanzlers Siegelring», das politische Intrigen zum Thema hat und Einblicke in altindische Politik, Diplomatie und Lebensweise vermittelt.

Vishnu, Wischnu, einer der Hauptgötter des Hinduismus, erscheint im Ablauf der Weltzeitalter in verschiedenen Verkörperungen (zum Beispiel Krishna, Rama), um die in Verfall geratene Ordnung (Dharma) zu schützen und die Menschheit zu retten. Sein Reittier ist der Vogel Garuda, seine Gemahlin Lakshmi.

Visier: 1. Visier, Helmsturz-, aufklappbarer, das Gesicht schützender, mit Sehschlitzen versehener Teil des mittelalterlichen Helms.

2. Hilfsmittel an Feuerwaffen zum Richten oder Zielen.

Visiereinrichtung, Zieleinrichtung: Teil einer Feuerwaffe, mit dessen Hilfe Lauf oder Rohr so auf das Ziel gerichtet werden, dass die mittlere Flugbahn des Geschosses dem Haltepunkt entspricht. Mechanische Visiereinrichtung der Handfeuerwaffen bestehen aus dem Korn auf der Laufmündung sowie dem Visier (mit Kimme, Visierfuß, -klappe und -Schieber zur Entfernungseinstellung) auf dem hinteren Laufende. Mit optischer Visiereinrichtung (Zielfernrohr mit Fadenkreuz) sind unter anderem Scharfschützengewehre, Panzerbüchsen und Geschütze ausgerüstet. Automatische Visiereinrichtung für Fliegerabwehrwaffen errechnen nach Einstellen unter anderem von Geschwindigkeit, Kurs und Entfernung des Ziels den Vorhalt für den Treffpunkt selbsttätig und geben dem Lauf beziehungsweise Rohr, wenn das Visier auf das Ziel gerichtet ist, die entsprechende Richtung. Nacht-Visiereinrichtungen ermöglichen durch Ausleuchten der entsprechenden Visierteile das Anvisieren in der Dämmerung. Infrarot-Visiereinrichtung gestatten das Zielen bei völliger Dunkelheit (Nacht-Sichtgeräte), Funkmess-Visiereinrichtung erlauben das Erfassen und Bekämpfen von Zielen durch Kampfflugzeuge oder Luftabwehrwaffen (Flak-Artillerie, Raketenwaffen) auf große Entfernungen ohne optische Sicht.

visieren: (französisch) nach etwas sehen, zielen; eichen; beglaubigen; mit dem Visum versehen.

Vision: (lateinisch) Erscheinung, Traumbild; subjektive Gesichtswahrnehmung, deren Gegenstand irrtümlich für objektiv-real gehalten wird,

visionär: (lateinisch) traumhaft, seherisch.

Visitation: Besichtigung, Durchsuchung. Leibesvisitation ist eine polizeiliche Sicherheitsmaßnahme in Form der Durchsuchung am Körper und der Bekleidung eines Menschen nach Gegenständen, die zur Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit benutzt werden können und die der Einziehung unterliegen.

Visite: (französisch) Besuch; Krankenbesuch des Arztes.

viskos, viskos: zäh-, dickflüssig; klebrig; leimartig.

Viskose: gelbbraune, dickflüssige Lösung von Natriumzellulosexanthogenat (Z = xanthogenierter Zelluloserest), in Natronlauge, hergestellt aus Zellulose durch Alkalisierung mit Natronlauge und anschließende Umsetzung mit Kohlendisulfid; zur Herstellung von Viskosefaserstoffen, Viskoseschwämmen und Zellglas.

Viskosefaserstoffe, Zeichen VI: aus regenerierter Zellulose bestehende Chemieseiden (VI-S) und -fasern (VI-F; früher «Zellwolle»), die aus Zellstoff über das Zwischenprodukt Viskose nach dem Nassspinnverfahren hergestellt werden. Hierbei wird die Viskose durch Spinndüsen in ein Fällbad, bestehend aus 10%iger, meist natriumsulfathaltiger und zinksulfathaltiger Schwefelsäure gepresst, wobei unter Abspaltung von Kohlendisulfid Fäden aus regenerierter Zellulose gebildet werden. Viskosefaserstoffe sind leicht zu verarbeiten und zu färben; ihre geringe Nassfestigkeit konnte durch Entwicklung der Hochnassfestfaserstoffe (HWM-Faserstoffe, zum Teil auch als Modal(Zeichen MD) oder Polynosic Faserstoffe bezeichnet) verbessert werden. Textilien aus Viskosefaserstoffe sind von hoher Feuchtigkeitsaufnahme und daher hautfreundlich; sie lassen sich gut bleichen, färben, waschen und chemisch reinigen.

Viskosimeter: Gerät zum Messen der Viskosität. Beim Kapillarviskosimeter wird sie aus der Durchflusszeit eines bestimmten Volumens durch eine Kapillare, beim Kugelfallviskosimeter nach Höppler aus der Fallzeit einer Kugel in einem flüssigkeits- beziehungsweise gasgefüllten Rohr bestimmt. Rotationsviskosimeter sind das Couette Viskosimeter und das Kegelviskosimeter, bei denen eine Strömung zwischen 2 konzentrischen Zylindern beziehungsweise Kegeln besteht, von denen einer angetrieben und die auf den zweiten übertragene Kraft gemessen wird.

Viskosität, Zähigkeit: innere Reibung von Gasen oder Flüssigkeiten. Nach dem Newtonschen Reibungsgesetz ist F die Kraft, die notwendig ist, um zwei parallele Platten der Fläche A im Abstand d im viskosen Stoff: mit der Geschwindigkeit u aneinander vorbeizubewegen. Die dynamische Viskosität, ist bei den meisten (sogenannt Newtonschen) Flüssigkeiten eine Materialkonstante (siehe auch Rheologie); ihre SI-Einheit ist Pa • s. Die kinematischen Viskosität wird in m2/s gemessen.

Viskositätsfixpunkte: markante Werte der Viskositäts-Temperatur-Kurve, die zur Charakterisierung von Gläsern dienen. Man unterscheidet den unteren und den oberen Kühlpunkt sowie den Transformationspunkt Tg (Wendepunkt der Kurve). Die Viskosität in Tg beträgt für alle Gläser 101! Pa • s.

visuell: den Gesichtssinn, das Sehen betreffend; mit den Augen wahrgenommen; durch Gesichtswahrnehmungen bestimmt.

Visum: (dat., «das Gesehene») Genehmigungs- oder Sichtvermerk im Pass einer Person, der ihr die Aus-, Ein- oder Durchreise aus dem, in das oder durch das Territorium eines Staates gestattet. Die Erteilung von Visa erfolgt durch innerstaatlich festgelegte Staatsorgane, außerhalb des Staates wird sie in der Regel durch die konsularischen Vertretungen vorgenommen. Staaten können durch Abkommen die visafreie Ein- beziehungsweise Ausreise vereinbaren.

Vita, «Leben»: literarisch anspruchsvolle Lebensbeschreibung bekannter Persönlichkeiten; Bezeichnung wurde von altrömischen Biographen sowie im Mittelalter (V. von Heiligen oder Fürsten) gebraucht.

Vita brevis, ars longa: «Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang»; Anfangsworte der Aphorismen des Hippokrates.

Vitae, non scholae discimus: «Für das Leben, nicht für die Schule lernen wir»; nach einer Briefstelle des jüngeren Seneca gebildet.

vital: lebenskräftig; lebenswichtig, lebendig; auf das Leben bezüglich.

vitale Reaktion: gerichtsmedizinisch wichtiger makro- und mikroskopischer oder biochemischer Nachweis, dass eine Verletzung o. ä. zu Lebzeiten des Betroffenen entstanden ist.

Vitalexstirpation: Entfernen des lebenden, nicht abgestorbenen oder durch Arzneimittel «abgetöteten» Zahnmarks.

Vitalfärbung: Anfärben lebender Organismen, Organe oder Zellen.

Vitalienbrüder, Viktualienbrüder (beide dat. + deutsch): Freibeuter der Ost- und Nordsee Ende des 14. Jahrhundert, die 1389/95 dem belagerten Stockholm Lebensmittel (Viktualien) gebracht haben sollen. ursprünglich unter Führung Adliger, gewann nach 1395 das bäuerliche-plebejische Element die Oberhand, so dass ihr Vorgehen nunmehr Züge sozialen Protests gegen das reiche Handelsbürgertum und die bestehende Ordnung enthielt. Auch Likedeeler («Gleichteiler») genannt, kaperten die Vitalienbrüder Hanseschiffe. 1401 wurden sie (unter anderem K. Störtebeker) von den Hamburgern überwältigt.

Vitalismus: idealistische Theorie zur philosophischen Erklärung biologischer Prozesse, deren Besonderheit gegenüber der Entwicklung nichtorganischer Materie sie metaphysisch verabsolutiert. Der Vitalismus entstand im 18. Jahrhundert als Reaktion auf die mechanistischen Erklärungsversuche der Lebensprozesse (Maschinentheorien, Reduzierung biologischer Prozesse auf physikalischer und chemischer); von Aristoteles Begriff der Entelechie ausgehend, nahm er eine geheime, immaterielle Lebenskraft an. Mit der Entwicklung der organischen Chemie wurde diese Annahme gegenstandslos. Zu Beginn des 20. Jahrhundert trat in Deutschland und Frankreich der Neovitalismus auf (H. Driesch, H. Bergson), dessen Einfluss unter anderem durch Biochemie, Biokybernetik, Verhaltensforschung zurückgedrängt wurde.

Vitalitätsprüfung: Stomatologie Methode zur Beurteilung der Intaktheit des Zahnmarks, zum Beispiel durch Ermitteln der Sensibilität gegenüber thermischen und elektrischen Reizen.

Vitalkapazität: Luftvolumen, das nach maximaler Einatmung maximal ausgeatmet werden kann (beim untrainierten Erwachsenen etwa 3 bis 4,51). Die Vitalkapazität umfasst das Atemzugvolumen in Ruhe (0,5 1) und die Ein- und Ausatmungsreserve. Zurück bleibt die nichtausatembare Luft (Residualvolumen von 1, 2 1), so dass die Lunge eine Gesamtkapazität von 4,7 bis 6,2 1 aufweist. Die Vitalkapazität wird bei körperlichen Tauglichkeitsuntersuchungen überprüft.

Vitamine: unentbehrliche, niedermolekulare organische Verbindungen, die im Organismus nicht oder in nur unzureichender Menge gebildet werden und in der Nahrung in kleinen Mengen enthalten sein müssen. Vitamine werden in wasserlösliche (B Gruppe, C und H) und fettlösliche (A, D, E, F und K) eingeteilt. Vitaminmangel führt zu den Krankheitserscheinungen der Hypo- und Avitaminosen, die durch Vitamingabe beseitigt werden können. Bei einigen Vitamine (A und D) führt übermäßige Aufnahme ebenfalls zu Stoffwechselstörungen (Hypervitaminosen). Ob eine Substanz ein Vitamine ist, und in welcher Menge sie aufgenommen werden muss, hängt von der Art des Organismus (zum Beispiel ist Vitamine C nur für Menschen, Menschenaffen, Meerschwein und Reh ein Vitamine), von dessen Entwicklungsphase, Alter und Geschlecht, von der körperlichen Belastung, dem Allgemeinzustand (Krankheiten, Schwangerschaft), Ernährungsgewohnheiten (zum Beispiel erhöhter Vitamin B-Bedarf bei bevorzugter Ernährung von poliertem Reis) und Klima ab. Neben den aufgeführten Vitaminen werden gelegentlich die vom tierischen und menschlichen Organismus nicht synthetisierbaren mehrfach ungesättigten Fettsäuren (essentielle Fettsäuren) als Vitamine F bezeichnet.

Vitiligo, Weißfleckenkrankheit: weiße, scharf begrenzte, meist symmetrische Flecken der Haut infolge Pigmentmangels (Farbstoffmangel); es besteht eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht; Ursache unbekannt.

Vitium: 1. allgemein Übel, Gebrechen, Fehler; Laster.

2. Medizin: Missbildung, im engeren Sinne des Herzens (Vitium cordis (Herzklappenfehler)).

Vitoria: Stadt im Norden Spaniens, Verwaltungszentrum der Region Baskenland und der Provinz Alava, südöstlich von Bilbao; 190000 Einwohner; Bau von Landmaschinen, Herstellung von Möbeln, Fahrrädern, Zucker, Spielkarten; Kathedrale Santa Maria (13./15. Jahrhundert).

Vitrage: undurchsichtiger, auch weißer Fenstervorhang mit Zugvorrichtung, der vor Sonne schützt.

Vitreous China, (englisch, «Glasporzellan») Halb Ponellan: dichter keramischer Werkstoff mit einer dem Hartsteingut ähnlich, jedoch Flussmittelreicheren Zusammensetzung; vorwiegend für sanitärkeramische Erzeugnisse verwendet.

Vitrine: (französisch lateinisch vitrum, «Glas») Glasschrank, gläserner Schaukasten.

Vitriole: (lateinisch vitreus, «gläsern») kristallwasserhaltige Sulfate zweiwertiger Metalle, zum Beispiel von Eisen, Kupfer, Zink.

vitrophyrisch: (lateinisch + griechisch) glasig, zum Beispiel glasiges bis halbglasiges Gefüge bei Ergussgesteinen.

Vitry, Philippe de, 31.10.1291-9.6.1361, französischer Geistlicher, Dichter, Komponist und Musiktheoretiker; Freund F. Petrarcas; seit 1351 Bischof von Meaux; fasste in der musiktheoretischen Schrift «Ars nova» (1321) seine notations- und kompositionstechnische Neuerungen zusammen sowie die neue Technik der Isorhythmik; gilt als Meister der isorhythmischen Motette.

Vitti, Monica, eigentlich Maria Luisa Ceciarelli, geboren 3.11.1933, italienische Filmschauspielerin; wurde international bekannt durch Filme M. Antonionis («L’avventura», «Die Nacht», «Sonnenfinsternis»).

Vittorini, Elio, 23.7.1908-12.2.1966, italienischer Erzähler; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil; wurde mit Übersetzungen aus der modernen US-amerikanischen Literatur und eigenen Werken (Roman «Gespräch in Sizilien», 1941, deutsch) zum Mitbegründer des Neorealismus; gestaltete antifaschistische Themen (Romane «Die Toten wissen Antwort», 1945, deutsch) sowie das Leben in seiner Heimat Sizilien (Romanfragment «Die Städte der Welt», 1969).

vivace: Musik lebhaft.

Vivaldi, Antonio, 4.3.1678-1741 (28.7. begraben), italienischer Komponist und Violinist; beeinflusste mit seinen zahlreichen Konzerten für 1 bis 4 Violinen und andere Instrumente, mit Sonaten, Sinfonien unter anderem den Instrumentalstil seiner Zeit, führte viele spieltechnische Neuerungen ein und wirkte stark auf J. S. Bach unter anderem Berühmt ist sein op. 8 mit dem Violinkonzert Zyklus «Die vier Jahreszeiten». Vivaldis Opernschaffen ist noch weitgehend unerforscht. Bedeutend war Vivaldi auch als Kantaten- und Oratorienkomponist (zum Beispiel «Juditha-Oratorium, 1716).

Vivati: «Er (sie, es) soll leben!» (Hochruf).

Vivekananda, eigentlich Narendranath Datta, 12.1.1863-4.7.1902, indischer Philosoph; Ideologe des kleinbürgerlich-demokratischen Flügels der nationalen Befreiungsbewegung. Vivekananda verband Vorstellungen des Hinduismus mit utopisch-sozialistischen Auffassungen und gründete in Europa und den USA Zentren zur Propagierung des Vedanta.

Viviparie: Fortpflanzungsform; bei Vermehrung durch Viviparie werden Larven oder mehr oder weniger vollausgebildete Jungtiere geboren, deren Keimesentwicklung im mütterlichen Organismus abgeschlossen wurde (manche Schnecken, Fliegen, Fische, alle Säugetiere außer den Kloakentieren).

Vivisektion: operativer Eingriff an unbetäubten lebenden Tieren zu experimentellen Zwecken, wenn eine wissenschaftliche Aussage auf andere Weise nicht erreicht werden kann.

Vizconde: spanischer und portugiesischer Adelstitel zwischen Baron und Graf.

Vize: Stellvertreter(in) des ... beziehungsweise der ..., zum Beispiel Vizepräsident(in).

Vizekönig: Statthalter oder Generalgouverneur als Stellvertreter des Monarchen in Provinzen oder Kolonien.

Vladimirescu, Tudor, um 1780 - 8.6.1821 (ermordet), rumänischer Nationalheld; 1821 Führer des nationalen, antifeudalen Volksaufstandes in der Walachei, der trotz militärischer Niederlage eine bedeutende Lockerung der türkischen Fremdherrschaft erreichte.

Vlahuta, Alexandru, 5.9.1858-19.11.1919, rumänischer Schriftsteller; übte in seinen von der Romantik und auch sozialistische Ideen beeinflussten Gedichten, Erzählungen, Novellen und dem Roman «Dan» (1894) heftige Kritik an Unterdrückung und sozialer Ausbeutung.

Vlaminck, Maurice de, 4.4.1876 bis 11.10.1958, französischer Maler, Graphiker und Schriftsteller; Mitbegründer und Hauptvertreter des Fauvismus; war beeinflusst von Vlaminck van Gogh und P. Cézanne; bevorzugte kräftige Pinselstriche und dunkle, ungebrochene Farben; malte Landschaften, Stillleben und Porträts.

Vlies: 1. Schur.

2. eine infolge natürlicher Haftung zusammenhängende Faser- oder Elementarfadenschicht.

Vlies-Faden-Nähgewirke: Nähgewirke aus Vlies, das durch Maschen aus Nähfäden verfestigt ist, wobei zusätzlich Fäden und beziehungsweise oder Flächengebilde enthalten sein können.

Vlieskunstleder: hochwertiges Kunstleder, dessen Trägermaterial aus Vliesstoffen besteht.

Vlies-Nähgewirke: Nähgewirke aus Vlies, das durch Maschen aus Fasern oder Elementarfaden des Vlieses verfestigt ist und ein mehr oder weniger ausgeprägtes Maschenbild ausweist.

Vlissingen: Stadt im Südwesten der Niederlande, in der Provinz Zeeland, auf der ehemaligen Insel Walcheren; 44000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, chemische Industrie; Erdölraffinerie, Aluminiumhütte; Handels- und Fischereihafen, Fähre nach Großbritannien; Flottenstützpunkt; Seebad.

Vlora: Stadt im Süden von Albanien; 62000 Einwohner; Erdölraffinerie, Leichtindustrie, Meersalzgewinnung; Hochseehafen, Erdölleitung von Cërriku; Altstadt mit Moscheen; Museum.

Vltava, Moldau: linker und größter Nebenfluss der Elbe auf dem Gebiet der CSSR; 440 km; entspringt im Böhmerwald, 1172 m über dem Meeresspiegel, als Tepla Vltava (Warme Moldau) und bei Haidmühle als Kalte Moldau, die sich südlich von Volary zur Vltava vereinigen; durchfließt das Becken von Ceské Budejovice und mündet gegenüber von Milnik; am Ober- und Mittellauf zahlreiche Talsperren; ab Prag Flussschifffahrt.

V-Motor: Verbrennungsmotor mit zweireihig V-förmig angeordneten Zylindern (V-Winkel zwischen 60 und 90°) von geringem Bauvolumen bei hoher Leistungskonzentration; Anwendung zum Beispiel bei mittelschnelllaufenden Hochleistungsdieselmotoren mit maximal 24 Zylindern zum Antrieb von Schiffen oder Lokomotiven.

Vocoder: (Kurzwort aus voice oder, englisch, «Sprachverschlüßler») elektronische Schaltung, die durch Anwendung eines geeigneten Kodierungsverfahrens die benötigte Frequenzbandbreite bei der Sprachübertragung einengt, ohne dass wesentliche Informationsverluste entstehen.

Voelkner, Benno, 3.9.1900-21.1.1974, Schriftsteller; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil; gestaltete in Romanen das Leben der Landarbeiter und die sozialistische Umgestaltung auf dem Dorf («Die Leute von Karvenbruch», 1955; «Die Bauern von Karvenbruch», 1959).

Vogel: 1. Hans Vogel, 16.2.1881-6.10.1945, Sozialdemokratischer Politiker; seit 1927 Mitglied und 1931/33 einer der Vorsitzenden der SPD; ab 1933 im Exil; seit 1939 Vorsitzender des Emigrationsvorstandes, 1941 Mitbegründer der Union deutscher sozialistischer Organisationen in Großbritannien; nahm antikommunistische Positionen ein.

2. Hans-Jochen Vogel, geboren 3.2.1926, Politiker der BRD; 1950 Mitglied der SPD, 1984 stellvertretender Vorsitzender, seit 1987 Vorsitzender der SPD; Mitglied des Bundestages seit 1972, wurde 1983 Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag.

3. Heinrich Vogel, geboren 9.4.1902, evangelischer Theologe; Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin; Gründungsmitglied der Christliche Friedenskonferenz.

4. Hermann Carl Vogel, 3.4.1841-13.8.1907, Astronom; bestimmte als erster Radialgeschwindigkeiten von Sternen, entdeckte die spektroskopischen Doppelsterne.

5. Siegfried Vogel, geboren 6.3.1937, Sänger (Bass); seit 1966 Mitglied der Berliner Staatsoper (1968 Kammersänger); als Opern-, Lied- und Oratoriensänger auch im Ausland erfolgreich.

Vögel, Aves: Klasse der Wirbeltiere mit 8000 Arten, die durch den Besitz von Federn, die Umbildung der Vordergliedmaßen zu Flügeln, den Bau der Beine, ein System von Luftsäcken (auch in Röhrenknochen), hornbekleideten Schnabel, hohen Stoffumsatz (Körpertemperatur etwa 42°C) und das Fehlen von Harnblase und Zähnen gekennzeichnet ist. Vögel sind verschieden in Gestalt, Größe und Lebensweise. Die Federn sitzen fast immer auf bestimmten Hautfeldern, «Fluren», zwischen denen «Raine» liegen. Vögel legen 1 bis 20 Eier, die meist in Nestern ausgebrütet werden. Die Jungvögel sind selbständig (Nestflüchter) oder müssen von den Altvögel gefüttert werden (Nesthocker). Standvögel verlassen den Lebensraum nur selten, Strichvögel öfters, Zugvögel wechseln regelmäßig bis über 4000 km entfernte jeweils günstige Klimagegenden.

Vogelberingung: Anlegen registrierter Aluminiumstreifen um den Fuß von Vögeln (Durchzügler, Irrgäste, Strichvögel); die Rückmeldung von Funden dient unter anderem der Erforschung des Vogelzugs.

Vogeler, Heinrich, 12.12.1872-14.6.1942, Maler, Architekt, Graphiker und Illustrator, einer der vielseitigsten Meister der Worpsweder Künstlerkolonie und bedeutender Buchkünstler des Jugendstils. Als aktiver Kriegsgegner und Kommunist wurde er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Bremen und gründete 1919 in Worpswede die Kommune «Barkenhoff». Reisen in die Sowjetunion (1923/24 und 1926/27) wurden richtungweisend für sein Schaffen. Vogeler war 1928 Gründungsmitglied der Asso in Berlin und übersiedelte 1931 in die UdSSR. Hauptthema seiner Kunst wurde der Kampf der Arbeiterklasse. Seine wegweisenden Agitationsbilder (Komplexbilder mit der Darstellung mehrerer Szenen um eine Hauptfigur) zählen zu den besten Leistungen der proletarisch-revolutionären Kunst.

vogelfrei: («den Raubvögeln (zum Fraß) freigegeben») für rechtlos erklärt; im Mittelalter als Strafe die Freigabe zur beliebigen Tötung.

Vogelfreistätte: Schutzgebiet für Vögel, das zur Brutzeit nicht betreten werden darf.

Vogelhege: Maßnahmen des praktischen Vogelschutzes (Anlegen von Nisthöhlen, Vogelschutzhecken, Winterfütterung), besonders für seltene oder nützliche Vögel, auch für verletzte und flugunfähige Tiere, aus Motiven des Tierschutzes.

Vogelhochzeit, obersorbisch Ptaci kwas: in der Oberlausitz am 25.1. üblicher Bescherbrauch; Kinder stellen Teller vor das Fenster, damit ihnen die Vögel, die angeblich an diesem Tag Hochzeit halten, eine Kostprobe vom Festmahl darauflegen.

Vogelsberg: Mittelgebirge in Hessen, von rundlichen Umriss, zwischen Lahn und Fulda; im Taufstein 774 m; größtes Vulkangebiet der BRD (erloschen); karger Ackerbau, Rinder-, Schafzucht; Basaltsteinbrüche; Naturpark.

Vogelschutzhecken: auf Feldrainen und Ödland Streifen gepflanzte Hecken aus Weißdorn, Hainbuche, Felsenbirne und anderen niedrigen Gehölzen zur Förderung des Nestbaues freibrütender Vögel, zugleich eine Grundlage der biologischen Schädlingsbekämpfung.

Vogelspinnen, Orthognatha: Gruppe überwiegend tropische Webspinnen mit über 1500 Arten, 5 bis 9 cm lang, pelzig behaart. Vogelspinnen leben in Erdröhren, an Sträuchern und Bäumen; ernähren sich bevorzugt von Insekten, Vögel fallen ihnen nur selten zum Opfer.

Vogesen, französisch Les Vosges: Mittelgebirge im Osten Frankreichs, westlich der Oberrheinische Tiefebene; 120 km lang, 75 bis 25 km breit; im Grand Ballon bis 1426 m hoch; aus metamorphen und magmatischen Gesteinen, im Norden von Sandstein überlagert; eiszeitlich überformt; Steilabfall nach Osten, sanftere Abdachung nach Westen; Klima rau und niederschlagsreich; wasser- und gefällereiche Flüsse; tiefeingeschnittene dichtbesiedelte Täler; Mineralquellen; Laub- und Nadelwälder; Almwirtschaft; Sägewerke, Textil-, chemische und Maschinenindustrie; am Ostfuß Weinbau; Fremdenverkehr (Zentrum Gérardmer)-, auf dem Kamm elsässisch-französische Sprachgrenze.

Vogt: (lateinisch, zu «Advokat») Schirmherr, Richter, Verwalter, ursprünglich Vertreter von Kirchen und Klöstern in weltlichen Angelegenheiten (Kirchenvogt, Schirmvogt), später Beamter in einer Vogtei; verwaltete er ein größeres Gebiet, so hieß er Landvogt, Reichsvogt.

Vogt: 1. Carl, 5.7.1817-5.5.1895, Naturforscher und Politiker; Vulgärmaterialistische und Atheist; arbeitete als Zoologe anatomisch-physiologisch, nach 1860 Vorkämpfer des Darwinismus; Verfasser zahlreicher populärer Schriften. Vogt nahm als Vertreter der Linken an der Frankfurter Nationalversammlung teil.

2. Oskar, 6.4.1870-31.7.1959, Hirnforscher; 1902/36 Professor in Berlin, seit 1937 Direktor des von ihm gegründeten Instituts für Hirnforschung und Allgemeine Biologie in Neustadt (Schwarzwald); arbeitete gemeinsam mit seiner Frau Cécile (1875-1962) über den Feinbau sowohl des gesunden als auch des kranken Zentralnervensystems; kam zu der Ansicht, dass die normal-psychische wie auch die psychotische Funktionen bestimmten Hirngebieten zugeordnet sind.

Vogtland: flachwellige, von tiefen Waldtälern gegliederte, 400 bis 600 m hohe Hochfläche beiderseits der Weißen Elster, in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Gera; nach Norden allmähliche Abdachung, der Südteil fällt als Elstergebirge (bis 759 m) steil zur CSSR ab; acker-, wiesenreich, in höheren Lagen Wald; Textil-, Holzindustrie, Musikinstrumentenherstellung; Talsperren (Pöhl, Feilebach, Pirk, Muldenberg); Erholungs- und Kurgebiet (Heilbäder Bad Elster, Bad Brambach); Hauptort ist Plauen.

Vojnovic, Ivo, 9.10.1857-30.8.1929, jugoslawischer (kroatischer) Dramatiker und Erzähler besonders bekannt wurden seine meist dem Symbolismus verpflichteten Dramen aus der Geschichte seiner Heimatstadt («Ragusaner Trilogie», 1902, deutsch) und nach Motiven der Volkspoesie.

Vojvodina, Wojwodina: sozialistisches autonomes Gebiet im Norden Serbiens; 21506 km2, 2,04 Millionen Einwohner (50% Serben, 22% Ungarn, 7% Kroaten); 95 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Novi Sad. Bis auf die inselartig herausragenden Bergländer der Fruska gora (539 m) und des Vrsac (641 m) ein baumarmes, ebenes, von fruchtbarem Löß bedecktes Tiefland (Südostteil des Pannonische Beckens), das östlich der unteren Theiß Banat, westlich davon bis zur Donau Batschka, südlich zwischen Sava und Donau Srem heißt. Bedeutendste jugoslawischer Agrarregion; Rinder-, Schweine-, Geflügelzucht; Weinbau; Bewässerung durch den Donau-Theiß-Donau-Kanal; Erdöl- und Erdgasgewinnung; Nahrungsmittelindustrie, Maschinen-, Schiffbau, elektrotechnische, Chemie- und Baustoffindustrie, besonders in Novi Sad, Subotica und Zrenjanin. Im 6./7. Jahrhundert slawische Besiedlung der Vojvodina (Banat, Batschka, Baranya); seit dem 10. Jahrhundert unter ungarischer, 1552/1699 unter türkischer Herrschaft. Ende des 17./Anfang des 18. Jahrhundert fiel die Vojvodina zum Teil an die österreichischen Habsburger, einen Teil der Vojvodina unterstellten sie der ungarischen Krone; 1849/60 österreichisches Kronland, seit 1860 wieder unter ungarischer Verwaltung; 1918 Anschluss an Jugoslawien, das östliche Banat kam zu Rumänien; seit 1945 autonomes Gebiet.

Vokale: (lateinisch, vocalis, «tönend») Selbstlaute, Sprachlaute ohne Geräuschbeimischung; im Deutschen a, e, i, o, u, dazu die Umlaute und Diphthonge.

Vokalise: textloser Gesang beziehungsweise Gesangsübung auf Vokalen oder Silben.

Vokalmusik: Musik für Singstimmen im Unterschied zur Instrumentalmusik. Von instrumental begleiteter Vokalmusik wird der reine Vokalsatz (a cappella) unterschieden. Gattungen der Vokalmusik sind Lied, Oper, Operette, Singspiel, Passion, Kantate, Oratorium und Motette.

Vokativ: Grammatik Kasus der Anrede, im Deutschen nicht vorhanden.

Volant: 1. breite Rüsche als Kanten- oder Saumabschluss an Blusen, Röcken unter anderem.

2. früher übliche Bezeichnung für das Lenkrad eines Kraftwagens.

Voliere: (französisch, zu voler, «fliegen») größerer Draht- oder Glaskäfig; Flugraum für Vögel.

Volk: (germanisch, «Heerhaufe(n)») 1. soviel wie Volksmassen.

2. im umgangssprachlichen Sinne gleichbedeutend mit Nation oder mit der Gesamtbevölkerung eines Landes.

3. im völkerkundlichen Sinne große Gemeinschaft von Menschen, die sich ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten, historisch entstandenen Ethnie (griechisch ethnos, «Volk») bewusst ist, die sich von anderen menschlichen Gemeinschaften vor allem durch ihre kulturellen Besonderheiten, einschließlich der gemeinsamen Sprache, unterscheidet, die im Stadium der Herausbildung ein gemeinsames Territorium besaß und in der die Gliederung nach Stämmen oder anderen Einheiten im Ergebnis der ethnischen Konsolidierung als überwunden gilt. Menschen, die sich einer Ethnie zugehörig fühlen, können unterschiedliche Klassen und Schichten angehören und sogar Bürger verschiedener Staaten sein. Als Völkerschaft werden zumeist kleinere, vornationale Ethnien bezeichnet; ethnische Gemeinschaften der Urgesellschaftsordnung oder der Übergangsperiode zur Klassengesellschaft können als Horde, Lokalgruppe oder Stamm in Erscheinung treten.

4. Existenz- und Entwicklungsform der Gesellschaft, entstanden unter den Bedingungen der Herausbildung des Feudalismus, bildete eine Basis für die Entwicklung der Nation.

Völker, Karl, 17.10.1889-28.12.1962, Maler, Graphiker und Architekt; Mitglied der Novembergruppe, in den 20er Jahren mit Malereien, Pressegraphik und Wandbildern in Halle Wegbereiter proletarisch-revolutionärer Kunst; nach 1945 dekorative Wandgestaltungen und symbolischen Zeichnungen.

Völkerball: Abwurfspiel zwischen 2 zahlenmäßig gleichstarken Mannschaften. Das (unterschiedlich große) Spielfeld ist halbiert (für jede Mannschaft 1 Hälfte). Die Gegner sind durch Treffer mit dem Ball (vollzählig) abzuwerfen.

Völkerbund: Société des Nations, League of Nations: internationale Organisation von Staaten; Sitz Genf. Die Bildung des Völkerbunds wurde auf der Pariser Friedenskonferenz am 14.2.1919 beschlossen; seine Satzung, Bestandteil des Versailler Vertragssystems, trat am 10.1.1920 in Kraft. Der Völkerbund umfasste zeitweise 55 Mitgliedstaaten; die USA traten ihm nicht bei. insbesondere Frankreich und Großbritannien nutzten ihn zur Durchsetzung ihrer imperialistischen Interessen und für antisowjetische Aktionen. Nach dem Austritt des faschistischen Deutschlands und Japans (1933) trat die UdSSR (1934) dem Völkerbund bei, um ihn gegen die faschistische Aggressionspolitik und für die Schaffung eines kollektiven Sicherheitssystems auszunutzen. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges zerfiel der Völkerbund faktisch; seine formelle Auflösung erfolgte am 18.4.1946.

Völkerkunde: eine Gesellschaftswissenschaft, die Entwicklung und Geschichte aller Typen von ethnischer Gemeinschaften (Stamm, Völkerschaft, Volk, Nation) erforscht; wird zusammen mit der Volkskunde in zunehmendem Maße auch in der DDR Ethnographie genannt (wie in der UdSSR und den meisten sozialistischen Ländern). Im System der bürgerlichen Wissenschaften werden Disziplinen, die sich vom Gegenstand her zum Teil mit den gleichen Erscheinungen wie die Völkerkunde befassen, als Ethnologie (Frankreich und andere westeuropäische Staaten) oder Kulturanthropologie (cultural anthropology-, USA, Großbritannien und andere englischsprachige Länder) bezeichnet. Früher wurden Ethnographie und Ethnologie im deutschen Sprachgebrauch als «beschreibende Völkerkunde» und «vergleichende Völkerkunde» unterschieden. Forschungsobjekt der Völkerkunde sind ohne Ausnahme alle Völker der Erde, sie befasst sich mit Klassifizierung, Herausbildung beziehungsweise Entstehung von Völkern (Ethnogenese), Urgesellschaftsforschung, Erforschung der frühen Klassengesellschaft, Sammlung und Erschließung der materiellen Kulturgüter (in Völkerkundemuseen), Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für eine planvolle Umgestaltung aller Lebensbereiche wenig entwickelter Bevölkerungen in vielen Gebieten Asiens, Afrikas, Ozeaniens und Amerikas. Eine systematische wissenschaftliche Beschreibung fremder Völker erfolgte seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert (Aufklärung); mehrere wissenschaftliche Gesellschaften für Ethnologie beziehungsweise Anthropologie (1839 Paris, 1842 New York, 1845 in Russland, 1869 Berlin) wurden gegründet; aus den Kuriositätenkabinetten des 18. Jahrhundert entstanden wissenschaftliche Museen (1841 Kopenhagen, 1869 Leipzig, 1873 Berlin). In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert bildete sich die Völkerkunde als selbständige Wissenschaft heraus; seit 1860 war der Evolutionismus bestimmende Richtung (L. H. Morgan); seit Ende des 19. Jahrhundert entstanden in klerikalen und musealen Kreisen die Kulturkreislehre und später im Interesse des Kolonialismus der Funktionalismus als wichtigsten bürgerlichen Schulen der Völkerkunde. In der UdSSR entwickelte sich die Ethnographie in den 20er Jahren zu einer marxistisch-leninistischen Wissenschaft, die die Umgestaltung der Lebensweise der bis 1917 zurückgebliebenen Völker und die Herausbildung sozialistischen Nationen forderte.

Völkermord, Genozid: Verbrecher. Handlungen, die im Frieden oder im Krieg in der Absicht begangen werden, nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppen ganz oder teilweise zu vernichten, indem Mitglieder der Gruppe getötet beziehungsweise ihnen schwere körperliche oder seelische Schäden zugefügt oder Lebensbedingungen für solche Gruppen geschaffen werden, die auf deren völlige oder teilweise physische Vernichtung berechnet sind oder indem Geburtenverhinderungsmaßnahmen getroffen oder zwangsweise Kinder einer Gruppe in eine andere eingeordnet werden unter anderem. Der Völkermord ist ein schweres völkerrechtliches Verbrechen. Völkermord ist vielfach von imperialistischen Staaten begangen worden, so zum Beispiel vom deutschen Faschismus gegenüber Juden, Polen, Tschechen unter anderem

Völkerrecht, internationales Recht: Gesamtheit der Rechtsnormen, die die Beziehungen zwischen voneinander unabhängigen, souveränen Staaten, innerhalb und zwischen staatlichen internationalen Organisationen sowie zwischen Staaten und staatlichen internationalen Organisationen regeln. Die Normen des Völkerrechts werden durch Vereinbarungen der Staaten (beziehungsweise der staatlichen internationalen Organisationen) geschaffen, deren Beziehungen sie regeln sollen. Diese Vereinbarungen können in ausdrückliche Form, das heißt durch völkerrechtliche Verträge, oder aber in Form des Gewohnheitsrechts erfolgen. Die Hauptquelle des Völkerrechts sind heute Verträge. Die typischen Subjekte des Völkerrechts sind Staaten und staatliche internationale Organisationen. Die Durchsetzung des Völkerrechts erfolgt durch die Staaten selbst, wobei diese ausschließlich völkerrechtlich zulässige Mittel anwenden dürfen. Den wichtigsten Bestandteil des Völkerrecht bilden die zwingenden Grundprinzipien des Völkerrecht, die auf der Grundlage ihrer Normierung in der Charta der Vereinten Nationen in der Deklaration A/2625 der XXV. Vollversammlung der Vereinten Nationen vom 24.10.1970 authentisch interpretiert und präzisiert worden sind.

Völkerschlacht bei Leipzig: Entscheidungsschlacht (16./19.10.1813) im Befreiungskrieg 1813/14 zwischen der durch Truppen aus den Staaten des Rheinbundes verstärkten napoleonischen Armee und den verbündeten russische, österreichische, preußische und schwedische Truppen. Mit der Niederlage der französischen Armee endete die napoleonische Fremdherrschaft in Deutschland.

Völkerwanderung: im weiteren Sinne eine durch innere Ursachen (gesellschaftliche Umschichtungen beim Übergang von der Gentilordnung zur Klassengesellschaft, Naturkatastrophen, relative Übervölkerung) sowie äußere Anstöße (zum Beispiel Hunneneinfälle) ausgelöste Bewegung mehrerer Stämme beziehungsweise «Völker», vorwiegend in Urgeschichte und Altertum, aber auch später. 1. e. S. seit Ende des 18. Jahrhundert von der bürgerlichen deutschen Geschichtsschreibung als Epochenbezeichnung für die große Wanderungsbewegung der ost- und westgermanischen Stämme zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert nach Christus verwendet. Das Ziel dieser Wanderungen ergab sich meist daraus, dass die in der Militärischen Demokratie entstandenen aristokratischen Schichten und ihre Gefolgschaften neues Land und noch mehr Beute und Tribut von Völkern zu erlangen suchten, die unterworfen und beherrscht werden sollten. Seit dem 3. Jahrtausend vor Christus drangen die Wandervölker über die Gebirgsschwelle des 40. Breitenkreises in die Länder der Hochkulturen ein und überlagerten sie (Indien, China, Mesopotamien, Syrien, Ägypten). Im Zusammenhang mit den Wanderungsbewegungen der germanischen Stämme begann der Hauptansturm auf das römische Reich gegen Ende des 4. Jahrhundert Ausgelöst wurde die große Wanderlawine durch den Einbruch der Hunnen, die 375 das Gotenreich am Schwarzen Meer zerschlugen. Die Westgoten überschritten, um den Hunnen auszuweichen, die Donau und ließen sich, nachdem sie 378 bei Adrianopel ein römisches Heer geschlagen hatten, als Föderaten nieder; schließlich drangen sie nach Italien vor, eroberten Rom (410) und gründeten dann ein locker gefügtes Reich in Südgallien und Nordspanien. Die Ostgoten errichteten im letzten Viertel des 5. Jahrhundert ein Reich in Italien; die Wandalen zogen durch Gallien und Spanien bis nach Nordafrika, wo sie 429 ebenfalls ein Reich errichteten; an der Rhône entstand um die Mitte des 5. Jahrhundert das Burgunden Reich. Alle diese ostgermanischen Reichsgründungen hatten keinen Bestand, da die gesellschaftlichen Zustände im eroberten Gebiet nicht grundlegend verändert wurden. Seit Beginn des 5. Jahrhundert drangen auch die Westgermanen (Franken, Alemannen unter anderem) in Gallien ein. Bei ihnen war die Eroberung mit umfangreicher bäuerlicher Siedlung verbunden und führte zur Veränderung bestehender Produktionsverhältnisse. Seit dem 4./5. Jahrhundert beunruhigten Nomadenstämme (Hunnen, Awaren, Magyaren, Turkstämme) Ost-, Südost- und Mitteleuropa; die nomadische Expansionen erreichten im 12./13. Jahrhundert mit den Mongolen und Tataren unter Dschingis-Khan und ihren Staatengründungen in China, Zentralasien und Südrussland einen letzten Höhepunkt. Mit Beginn des 6. Jahrhundert gerieten auch die slawischen Völker in Bewegung; nach Westen stießen sie bis in die Gegend Erfurt, Halle und zur Unterelbe vor, im Süden erreichten sie den Peloponnes. Die Normannen verheerten seit dem 8. Jahrhundert Nordfrankreich, England und das Rheingebiet und siedelten sich vor allem in der Normandie und Ostengland an. Im 11./12. Jahrhundert siedelten sich Turkstämme im Gefolge der seldschukischen Eroberungen in den nördlichen Gebieten des Kalifats und in Kleinasien an.

Volksabstimmung: unmittelbare Entscheidung der (wahlberechtigten) Bürger zu grundsätzlichen Fragen der Staatspolitik (in der Regel bei der Verfassung- und Gesetzgebung). In der Verfassung der DDR ist die Volksabstimmung als ein Bestandteil des Rechtes der Bürger auf Mitbestimmung und Mitgestaltung verankert. Über die Art und Durchführung einer Volksabstimmung beschließt die Volkskammer. Volksabstimmung ist ein Oberbegriff für verschiedene Formen der unmittelbaren Bekundung oder Erfassung des Willens der Bevölkerung und umfasst zum Beispiel das Volksbegehren, die Volksbefragung und den Volksentscheid (Plebiszit, Referendum).

Volksaktien: bürgerliche Bezeichnung für bestimmte Kleinaktien mit geringem Nennwert; Mittel zur demagog. Verschleierung der Ausbeutungsverhältnisse; Erscheinungsform des sogenannt Volkskapitalismus. Die Volksaktien dienen dazu, Spargelder der Arbeiter und anderer Werktätiger den Monopolen für Investitionszwecke nutzbar zu machen und die Werktätigen durch die Illusion vom Miteigentum an Produktionsmitteln vom Kampf gegen den Kapitalismus abzuhalten.

Volksbücher: von meist unbekannten Verfassern geschaffene (vereinfachende) Prosafassungen verschiedenartigster Dichtungen des 15./16. Jahrhundert Kulturelle Entwicklung des Bürgertums und technischen Fortschritt (Buchdruck) sicherten den Volksbücher bald breite Leserschichten. Frühe Volksbücher waren Nachdichtungen französischer Ritterromane («Hug Schapler», um 1430), Sagenbearbeitungen («Melusine», 1456; «Die Haimonskinder», 1604), phantastisch ausgeschmückte historische Stoffe («Alexanderlied», um 1130, des Pfaffen Lamprecht; «Herzog Ernst», 1493), Übersetzungen italienischer Renaissance-Novellistik («Griseldis», 1473) und Bearbeitungen mittelhochdeutscher Versepen («Tristant», 1484, nach Eilhart von Oberge). Im 16. Jahrhundert entstanden die bedeutendsten, wirklich volkstümlicher Volksbücher: «Fortunatus» (1509), «Ulenspiegel» (1515), «Faust» (1587), «Lalebuch» (1597, später «Schildbürger»), «Siegfried» (Erstdruck 1726). Im 17. /18. Jahrhundert von den Gelehrten verachtet, erhielten sich die Volksbücher in bäuerlichen-plebejische Schichten. Im Sturm und Drang und in der Romantik wurden sie wiederentdeckt, gesammelt, dramatisiert und nacherzählt (J. Görres, L. Tieck, G. Schwab). F. Engels («Die deutschen Volksbücher», 1839) unterschied zwischen «Leidens- und Duldergeschichten» und zur Veränderung der Welt anregenden Volksbücher.

Volksdemokratie: eine Form der Diktatur des Proletariats, die im Allgemeinen in einem einheitlichen, kontinuierlichen, sich ständig höher entwickelnden revolutionären Prozess entstanden ist, in dem die antifaschistische beziehungsweise antiimperialistische-demokratische Umwälzung in die sozialistische Revolution hinüberwuchs. Die Volksdemokratie entstand nach dem 2. Weltkrieg im Ergebnis der Zerschlagung des faschistischen Imperialismus in Europa und der Aggression des japanischen Imperialismus durch die Sowjetarmee und die anderen Streitkräfte der Antihitlerkoalition sowie durch die bewaffneten Volkskräfte in mehreren Ländern Mittel- und Südeuropas sowie Asiens.

Volksentscheid: in der Verfassung der Weimarer Republik verankerte Möglichkeit einer Volksabstimmung über Gesetzentwürfe, die vom Reichstag oder Reichspräsidenten abgelehnt worden waren; die Entwürfe erlangten Geltung, wenn mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten für sie stimmten. Von der KPD im Juni 1926 im Ringen um eine entschädigungslose Enteignung der Fürsten genutzt.

Volksetymologie, Pseudoetymologie: begriffliche und lautliche Angleichung fremder oder (durch Lautveränderung beziehungsweise Ungebräuchlichkeit) fremd gewordener, etymologisch undurchsichtiger Wörter oder Wortteile an verständlichen und damit verbundene Umdeutung; zum Beispiel Maulwurf althochdeutsch muwerf (angelsächsischer muga, «Haufen», «Hügel»; althochdeutsch werfan, «werfen»; «Tier, das Erdhaufen aufwirft», Umdeutung unter Anlehnung an «Maul»).

Volksfront: Bündnis verschiedener Parteien und Organisationen der Arbeiterklasse mit bürgerlich-demokratischen Kräften im Kampf für Frieden, Demokratie und sozialen Fortschritt, gegen Faschismus und andere Formen der imperialistischen Reaktion. Die Volksfrontpolitik als neue Form der Bündnispolitik der Arbeiterklasse wurde vom VH. Kongress der KI (Moskau 1935) angesichts der Offensive des Faschismus und unter Berücksichtigung der Erfahrungen der internationalen revolutionären Arbeiterbewegung ausgearbeitet. Den kommunistischen Parteien wurde die Aufgabe gestellt, auf der Grundlage der Aktionseinheit der Arbeiterklasse ein breites Bündnis aller an der Erhaltung oder Herstellung demokratischer Verhältnisse interessierten Klassen und Schichten zum Kampf gegen Faschismus und Kriegsgefahr zu schaffen. Durch ihre Orientierung auf eine antifaschistische-demokratische Etappe des revolutionären Kampfes zeigte die Volksfrontkonzeption zugleich neue Möglichkeiten des Herankommens an die sozialistische Revolution auf. Volksfrontregierungen gab es in Frankreich (1936/38), Spanien (1936/39), Chile (1938/41 und erneut 1970/73). Auf Initiative der KPD wurde 1935 in Paris ein Ausschuss zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront geschaffen. In den Volksdemokratischen Ländern entstanden während und nach dem 2. Weltkrieg Regierungen der Einheitsfront und Volksfront, die sich zu Formen der Diktatur des Proletariats weiterentwickelten. Nach dem 2. Weltkrieg bestimmte der Volksfrontgedanke die Bündnispolitik der Kommunisten in den kapitalistischen Ländern im Kampf um eine antimonopolistische Demokratie.

Volksgerichtshof: demagogische Bezeichnung für das höchste hitlerfaschistische Sondergericht in Berlin (1934/45), das in erster Instanz grausame Strafurteile wegen angeblichen Hoch- und Landesverrats, Wehrkraftzersetzung unter anderem fällte, die nicht angefochten werden konnten. Unter Vorsitz von R. Freister (1942/45) verhängte es jeder Gesetzlichkeit hohnsprechende Freiheitsstrafen, war ein berüchtigtes Machtinstrument faschistischen Terrors.

Volkskapitalismus: Konzeption der vulgären bürgerlichen politischen Ökonomie und der imperialistischen Wirtschaftspolitik, mit deren Hilfe zum Beispiel durch Ausgabe von Kleinaktien und Investmentzertifikaten zusätzliche Akkumulationsmittel für das Großkapital flüssig gemacht und der Bevölkerung der entwickelten kapitalistischen Länder die Illusion suggeriert werden soll, das ganze Volk sei am kapitalistischen Eigentum und an der Wirtschaftsleitung beteiligt.

Volkskunde: Wissenschaft von Kultur und Lebensweise der werktätigen Klassen und Schichten im Geschichtsverlauf. Vorwiegend im Hinblick auf mitteleuropäische Bevölkerung gebraucht, gilt die Volkskunde als spezielles Teilgebiet der Völkerkunde und schließt die jeweilige Folkloristik ein.

Volkskunst: die in Motivik, Typik und Stilistik eigenen Traditionslinien folgende Kunst unterdrückter Klassen und Schichten (besonders Handwerker und Bauern) im Feudalismus und Kapitalismus; umfasst Volkslied beziehungsweise Volksmusik, Volkstanz, Volkserzählung, die künstlerische Gestaltung der Gebrauchsgegenstände (Haus, Möbel, Kleidung, Geschirr unter anderem) und das bildnerische Schaffen.

Volksmassen: Gesamtheit aller der Klassen, Schichten und sozialen Gruppen, die in einer bestimmten historischen Epoche objektiv und entsprechend den konkreten Bedingungen an der Durchsetzung des gesellschaftlichen Fortschritts interessiert sind. Der Begriff der Volksmassen ist eine historisch konkret zu bestimmende Kategorie. Die gesetzmäßig wachsende Rolle der Volksmassen findet gegenwärtig ihren Ausdruck in der historisch neuen Qualität des Friedenskampfes und beim Aufbau des Sozialismus.

Volksmusik: Gesamtheit vokaler und instrumentaler Musizierpraktiken werktätiger Klassen und Schichten von nationaler Eigenart, besonders Volkslied und Volkstanz. Die Volksmusik, vielfältig in Funktion und Gestalt, ist aufs engste mit dem Leben der Werktätigen verbunden. Sie umfasst sowohl die von diesen selbst geschaffene als auch die von ihnen produktiv angeeignete, dabei umgeformte (Veränderung der musikalischen Elemente und der sozialen Funktion) und verbreitete Musik. Infolge der gedächtnismäßigen Überlieferung sowie des Gestaltungswillens jedes Musizierenden ist sie variabel; es gibt nie ein «Original» eines Liedes oder Instrumentalstücks. Der Volksmusik stehen vielgestaltige Volksmusikinstrumente zur Verfügung. Sie hat vielfältige Funktionen in allen Lebensbereichen der Gemeinschaften der Bauern, Handwerker, Hirten, Bergarbeiter, Seeleute unter anderem; sie ist Teil zeremonieller Bräuche (zu Festen u. ä.), ist in den Alltag einbezogen, zum Beispiel in kollektive Arbeitsprozesse (Arbeitssignale und -lieder), dient der Geselligkeit und Belehrung (Erzähl-, Scherzlieder unter anderem) und begleitet den Tanz; es wird für Kinder beziehungsweise in ihren Spielgemeinschaften musiziert (Wiegen-, Spiellieder und Reime unter anderem); oft wird die Volksmusik im Klassenkampf eingesetzt (Arbeiterlied). Die zwischen Dörfern, Städten und Feudalhöfen wandernden Spielleute sind Ausdruck der Spezialisierung bis hin zur Professionalisierung innerhalb der Volksmusikpraxis. Mit der Entwicklung zum Kapitalismus beginnen die sozialfunktionalen Grundlagen der Volksmusikpraxis zu zerfallen. Seit dem 18. Jahrhundert wird Volksmusik, besonders das Volkslied, gesammelt (in Deutschland durch J. G. Herder, A. von Arnim, C. Brentano, L. C. Erk, F. M. Böhme, Parisius, W. Steinitz unter anderem). Die sozialistische Gesellschaft greift die Traditionen der Folklore auf, pflegt sie und entwickelt neue Formen der Schöpfer, künstlerische Betätigung (Laienmusik-, Singebewegung), womit sie in andere sozial-funktionale Zusammenhänge gestellt wird.

Volksmusikinstrumente: in der Volksmusikpraxis verwendete, vom Volk geschaffene beziehungsweise übernommene und dabei veränderte Musikinstrumente, auch einfache artfremde Geräte, die wie Musikinstrumente benutzt werden. Nur ein Teil der Volksmusikinstrumente ist von den Spielern selbst hergestellt, die meisten von Spezialisten (Handwerkern oder reinen Instrumentenbauern). Volksmusikinstrumente sind oft vielgestaltig in Bau und musikalische Spielmöglichkeiten und verlangen damit hochspezialisierte Spieltechnik; ein anderer Teil ist von jedem leicht handhabbar (zum Beispiel Schallgeräte). Volksmusikinstrumente werden meist einzeln beziehungsweise in kleinen Gruppen eingesetzt, meist in außermusikalischen Handlungszusammenhängen, zu Bräuchen und Festen (hier ursprünglich auch von magischer Bedeutung), Tänzen, auch zu Arbeitsorganisation und Nachrichtenübertragung, selten nur zum Zuhören (zu Liedvortrag o. ä.). Es gibt kein «echtes» Volksmusikinstrumente, denn im Verlauf der sozialhistorischen Entwicklung hat es ein ständiges Geben und Nehmen zwischen den Musikinstrumentarien der Völker sowie der Klassen und Schichten der einzelnen Völker gegeben, so dass sich sozial-kulturelle Funktion und Bau der Volksmusikinstrumente mehrfach gewandelt haben. So sind die Volksmusikinstrumente überwiegend nicht Schöpfung und alleiniger Besitz einzelner Völker, sondern erhalten durch diese nur ihre jeweils besondere Prägung.

Volkspoesie, Volksdichtung: ursprünglichste Form der Poesie, entstand spontan im Arbeitsprozess (historisch erhalten im Arbeitslied oder afroamerikanischen Spiritual) oder im Kult (Jagdzauber, Fruchtbarkeitskult), im Allgemeinen mündlich überliefert, als Allgemeingut bewahrt, bereichert und variiert (Volkslieder, Balladen, Märchen, Sagen, Bänkelgesang); neigt zur Typisierung von Handlung und Charakteren, zum Reichtum an Motiven, zum literarischen Lakonismus. Die Volkspoesie stellt eine wesentliche Quelle aller nationalen Literaturen dar.

Volksstück: aus Traditionen des Volkstheaters hervorgegangenes dramatisches Genre; im 19. Jahrhundert Entwicklung zur humorvollen und rührenden Darstellung des Milieus der «kleinen Leute», gekennzeichnet durch Wirklichkeitsnähe und lokale Gebundenheit, oft auch durch Tendenz zu Kleinbürgerlichkeit und Idylle; bedeutende bürgerlichen Volksstückautoren sind L. Anzengruber, L. Thoma, 0. von Horvath, F. X. Kroetz; in der sozialistischen Dramatik B. Brecht, H. Sakowski, R. Strahl unter anderem

Volkssturm: faschistische deutsche Territorialmiliz aus nicht zur Wehrmacht eingezogenen waffenfähigen Männern von 16 bis 60 Jahren; im September 1944 gegründet, sollte Kräfte der Wehrmacht verstärken und helfen, den längst verlorenen Krieg weiterzuführen; unterstand H. Himmler und M. Bormann.

Volkstanz: Gesamtheit der vom werktätigen Volk geschaffenen und gepflegten, meist mündlich überlieferten Tänze, die in ihrem Inhalt seinem Denken, Fühlen und Handeln entsprechen und feste Funktionen in Brauch, Geselligkeit und Volksglauben besitzen. Von der bäuerlichen Bevölkerung, bestimmten Berufsgruppen (Fischer, Schäfer, Schiffer unter anderem) und den städtlichen Handwerkern im Feudalismus und Frühkapitalismus aus den Kulttänzen der Urgesellschaft weiterentwickelt, ist der Volkstanz als Kunst der unterdrückten Klassen und Schichten in seinem Wesen humanistisch und demokratisch; er ist die Quelle aller anderen Tanzformen, des höflichen und bürgerlichen Gesellschafts- sowie des frühen Bühnentanzes. Im Volkstanz spiegeln sich tänzerisch stilisiert soziale Probleme und Verhaltensweisen, regionale und nationale Eigenarten in musikalischen und Choreographischen Gestaltungen sowie in Begleitinstrumenten und Tracht wider. Volkstanz und städtlicher Gesellschaftstanz sowie auch Bühnentanz beeinflussen sich wechselseitig. Tänze anderer Nationen werden vom Volk assimiliert und im Sinne des nationalen Charakters umgestaltet. In allen sozialistischen Staaten entstanden nach dem

2. Weltkrieg bedeutende Forschungsstellen und Archive, die das noch lebendige Volkstanzgut ihrer Länder aufzeichnen und wissenschaftlich dokumentieren.

Volkstheater: Theater, das den objektiven Interessen des Volkes beziehungsweise seiner progressiven Klassen entspricht. Der Begriff Volkstheater umfasst historisch und soziologisch unterschiedliche Aspekte der Theaterentwicklung:

a) theatralisches Spiel auf der Grundlage kultischer Vorstellungen und lebendiger Bräuche (mim. Volkstraditionen, Fastnachts- und andere jahreszeitliche Spiele, das geistliche Theater des Mittelalters unter anderem), bei dem die Grenzen von den Spielenden zu den Zuschauenden fließend waren;

b) Theater als Stätte gesellschaftlichem Selbstverständnisses und komplexer Unterhaltung (in der Antike Theater als demokratische Institution, in den Renaissance-Theaterkulturen, besonders Englands und Spaniens, Ausdruck der breiten nationalen Zustimmung); mit dem professionellen volkstümlichen Theater Ausprägung kommunikativer Spielweisen und publikumsnaher Figuren;

c) im 17./19. Jahrhundert Volkstheater als Alternative zum vorherrschenden höflichen oder bürgerlichen Repräsentations- und Bildungstheater (unter anderem Jahrmarkts- und Vorstadttheater, zum Beispiel das Wiener Volkstheater); das Abgleiten ins Triviale und Kommerzielle (Volkstheater als unverbindliches Angebot seichter Unterhaltung für kleinbürgerliche und plebejische Schichten);

d) seit Ausgang des 19. Jahrhundert Entwicklung von Volkstheaterkonzeptionen, die auf Überwindung der Diskrepanz von Volkstheater und bürgerlicher Nationaltheater sowie Abschaffung des bürgerlichen Theaterprivilegs zielen (zum Beispiel die Volksbühnenbewegung; die französische Volkstheaterbewegung von R. Rolland über F. G6mier bis zu J. Vilar und R. Planchon; Tendenzen des proletarisch-revolutionären Theaters);

e) die mit Überwindung der antagonistischen Klassengegensätze im Theater der sozialistischen Gesellschaft gesetzmäßige Entwicklung zum sozialistischen Volkstheater.

Volkstümlichkeit: Kategorie des sozialistischen Realismus, die die tatsächliche Verständlichkeit eines Kunstwerkes für breiteste Volksmassen ausdrückt, ist aber der Kategorie Volksverbundenheit als dem objektiven Kriterium untergeordnet. Merkmal der Volkstümlichkeit ist nicht eine vereinfachte Form oder eine spezielle Darstellungsweise, sondern die wirkliche Rezipierbarkeit. B. Brecht spricht vom demokratischen Prozess des Volkstümlich Werdens der Kunst.

Volksverbundenheit: Kategorie des sozialistischen Realismus, die das Verhältnis der Kunst zum Volk kennzeichnet. Ein Kunstwerk ist volksverbunden, wenn es die objektiven Interessen des Volkes zum Ausdruck bringt. Die reale Volksverbundenheit der Kunst ist sehr vielschichtig und geht über die Volkstümlichkeit von Kunstwerken hinaus. Volksverbundenheit und sozialistische Parteilichkeit stehen in der sozialistisch-realistischen Kunst in enger Wechselbeziehung.

Volksvermögen: Teil des Nationalreichtums, umfasst alle durch Arbeit geschaffenen materiellen Güter wie Produktionsfonds, materielle Bestände und Reserven, materielle gesellschaftliche Fonds der nichtproduktiven Bereiche (Handels- und Dienstleistungseinrichtungen, Kultur- und Sozialeinrichtungen, Wohngebäude, Fonds der staatlichen Organe und der gesellschaftlichen Organisationen) und das persönliche Eigentum der Bevölkerung. Im Sozialismus existiert das Volksvermögen in folgenden Eigentumsformen: gesamtgesellschaftlichen Volkseigentum, genossenschaftlicher Gemeineigentum werktätiger Kollektive, persönlicher Eigentum, Eigentum gesellschaftlicher Organisationen der Bürger.

Volkswirtschaft: Bereich der miteinander verflochtenen ökonomische und technische Prozesse der erweiterten Reproduktion innerhalb eines Landes; beruht auf der produktiven Tätigkeit der Arbeiter und aller anderen Werktätigen. Ziele, Inhalt und Struktur der Volkswirtschaft werden weitgehend vom Charakter der Produktionsverhältnisse bestimmt.

volkswirtschaftliche Bilanzen: als Instrumente der Volkswirtschaftsplanung Formen der Gegenüberstellung von Aufkommen und Verwendung wichtiger Erzeugnisse, von Geldeinnahmen und -ausgaben wichtiger Bereiche unter anderem Mit ihrer Hilfe wird die Proportionalität zwischen Bedarf und Ressourcen, zwischen Einnahmen und Ausgaben hergestellt. Sie dienen als Berichtsbilanzen zur Analyse der bisherigen und als Planbilanzen zur Entscheidung über die künftige Entwicklung der Volkswirtschaft. Siehe auch Bilanzsystem.

volkswirtschaftliche Proportionen: durch die gesellschaftliche Arbeitsteilung objektiv bedingte, qualitativ, quantitativ und zeitlich bestimmte Relationen zwischen den verschiedenen Elementen, Teilprozessen und Phasen des Reproduktionsprozesses der Volkswirtschaft. Hauptinstrument zur Gestaltung effektiver volkswirtschaftlicher Proportionen durch die Planung der Volkswirtschaft ist die Bilanzierung.

Volkszählung, Zensus: umfassende Erhebung zur genauen Ermittlung von Anzahl, Zusammensetzung und Entwicklung der Bevölkerung; an Stichtage gebunden, häufig nach Haushalten oder Familien ermittelt, oft verbunden mit Wohnraum- oder Berufszählungen und der Ermittlung anderer sozialökonomischer Kennziffern.

Vollbohrung: vertikale Gesteinsbohrung, bei der im Gegensatz zur Kernbohrung das Gestein in vollem Querschnitt der Bohrlochsohle zertrümmert und meist durch Spülung (Spülbohren) entfernt wird.

Vollleder: gespaltenes oder ungespaltenes Leder beliebiger tierischer Herkunft mit natürlichem sichtbarem (nicht abgeschliffenem) Narben. Bei gespaltenem Vollleder muss neben dem Narben noch ein genügend großer Anteil von kollagenem Fasergeflecht vorhanden sein, der die Festigkeitseigenschaften gewährleistet.

Volleyball: wettkampfmäßig in Hallen mit den Händen gespieltes Rückschlagspiel zweier Mannschaften von je 6 Spielern und 6 Auswechselspielern. Der 270 bis 280 g schwere Hohlball von 64 bis 66 cm Umfang ist derart über das das Spielfeld halbierende, 2,43 m (Männer) beziehungsweise 2,24 m (Frauen) hohe Netz zu spielen, dass der Gegner den Ballwechsel nicht regelgerecht fortsetzen kann. Gegner. Fehler zählen bei eigener Aufgabe als Punkt, eigene Fehler haben Aufgabewechsel und Aufstellungswechsel der gegnerischen Mannschaft (die Spieler rücken im Uhrzeigersinn eine Position weiter) zur Folge. 15 gewonnene Punkte (bei 2 Punkten Vorsprung) ergeben einen Satz, 3 Gewinnsätze den Sieg. Fehler sind unter anderem Bodenberührung oder Verschlagen des Balles, Fangen, Halten, Ziehen des Balles statt der geforderten Zuspieltechnik, Ballberührung mit einem Körperteil unterhalb der Hüfte, mehr als 3 Ballberührungen durch eine Mannschaft hintereinander. Olymp. Sportart seit 1964, Weltmeisterschaften seit 1949, Europameisterschaften seit 1948.

Vollfliegen, Muscidae: artenreiche Fliegenfamilie; die Vollkerfe haben mit Ausnahme der Stechfliegen leckend saugende Mundwerkzeuge; alle Vollfliegen sind den Stubenfliegen ähnlich; die beinlosen Larven (Maden) leben von verwesenden pflanzlichen und tierischen Stoffen.

Vollholz: Holzerzeugnis, das durch Querschnitte (Rundholz) und beziehungsweise oder Längsschnitte (Schnittholz) hergestellt wird.

Völligkeitsgrad: Verhältniszahl, die die Form des Unterwasserschiffsteils charakterisiert. Der Völligkeitsgrad ist abhängig vom Schiffstyp; er beeinflusst Geschwindigkeit und Ladefähigkeit des Schiffs. Der Völligkeitsgrad der Verdrängung (auch Blockkoeffizient) bezieht das Volumen des Unterwasserkörpers auf den umschreibenden Quader, der Völligkeitsgrad der Wasserlinie ergibt sich aus dem Verhältnis der Konstruktionswasserlinienfläche zu dem umschriebenen Rechteck, der Völligkeitsgrad des Hauptspants aus dem Verhältnis des Unterwasserteils der Hauptspantfläche zu dem umschriebenen Rechteck und der Zylinder Völligkeitsgrad (auch Längenschärfegrad oder Völligkeitsgrad des Schiffes beziehungsweise prismatischer Koeffizient) bezeichnet das Verhältnis der Wasserverdrängung zu dem aus Hauptspantflächen und Schiffslänge gebildeten zylindrischen Körper.

Vollinsekt, Imago, Vollkerf: voll ausgebildetes, meist geflügeltes geschlechtsreifes Insekt. Siehe auch Insekten.

Volljährigkeit, Mündigkeit: die mit Vollendung des 18. Lebensjahres eintretende volle Handlungsfähigkeit.

vollkommene Zahlen: natürliche Zahlen, die gleich der Summe ihrer Teiler sind, wenn die Zahl 1 als Teiler mitgezählt wird, die betreffende Zahl selbst jedoch nicht, zum Beispiel ist 6 = 1 + 2 + 3 eine vollkommene Zahl.

Vollkornbrot: Brot, das aus Vollkornmehl oder Vollkornfein- oder -grobschrot hergestellt wird; enthält alle Bestandteile des Korns, einschließlich Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe.

Vollmacht: durch einseitige Erklärung des Vollmachtgebers begründete Befugnis zur Vertretung; auch die entsprechende Urkunde.

Vollpolläufer, Turboläufer, zylindrischer Läufer von Vollpolsynchronmaschinen mit 2 oder selten 4 Polen mit einer Gleichstromerregerwicklung in gegen Fliehkräfte mit massiven Metallkeilen geschlossenen Nuten.

Vollpolmaschine, Turbogenerator: von Dampfturbinen in Wärmekraftwerken angetriebene Vollpolsynchronmaschine mit zwei- oder (selten) vierpoligem Vollpolläufer (bei 50 Hz 3000/min, selten 1500/min).

Vollschiff: Segelschiff mit 3 bis 5 Masten, die sämtlich rahgetakelt (vollgetakelt) sind.

Vollständigkeitsklausel: Außenwirtschaftsrecht vertragliche Abrede, nach der zum Leistungstermin alle vereinbarten Teile des Leistungsgegenstandes herauszugeben sind, andernfalls Verzug mit der gesamten Leistung eintritt.

Vollstreckbarkeitserklärung: 1. im Zivilprozess Beschluss des Kreisgerichts, mit dem die Vollstreckung von Entscheidungen gesellschaftliche Gerichte beziehungsweise von Schiedssprüchen oder Einigungen im schiedsgerichtlichen Verfahren zugelassen wird.

2. Entscheidung eines inländischen Gerichts, mit der die Vollstreckung aus einem ausländischen Zivilurteil oder Schiedsspruch für zulässig erklärt wird.

Vollstreckung: 1. Ausführung einer behördlichen Entscheidung oder Anordnung durch staatliche Behörden.

2. Durchsetzung einer gerichtlichen Entscheidung. Im Zivilprozess ist das Gericht für die Vollstreckung seiner Entscheidungen verantwortlich. Sie wird auf Antrag des Gläubigers durchgeführt, wenn der durch Urteil oder sonstigen Vollstreckungstitel Verpflichtete (Schuldner) die ihm obliegende Leistung nicht freiwillig erbringt. Sie ist je nach Inhalt des Vollstreckungstitels auf die Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen, die Herausgabe von Sachen oder Grundstücken, die Erzwingung von Handlungen, Duldungen oder Unterlassungen gerichtet. Wegen Geldforderungen wird die Vollstreckung meist in einzelne Vermögenswerte betrieben, ist aber auch in das gesamte Vermögen zulässig (Gesamtvollstreckung). Erbringt der Schuldner eine ihm auferlegte Handlung nicht, wird ihm ein Zwangsgeld angedroht, oder der Gläubiger wird zur Ersatzvornahme ermächtigt. Vollstreckung im Strafverfahren Strafvollzug.

3. Durchsetzung von Geldforderungen der Staatsorgane und staatliche Einrichtungen (zum Beispiel Steuern, Zölle, Ordnungsstrafen) durch deren Vollstreckungsstellen.

Vollstreckungsverfahren: staatliche Verfahren zur zwangsweisen Durchsetzung von Ansprüchen, deren Berechtigung endgültig feststeht (zum Beispiel durch rechtskräftiges Urteil), soweit sie nicht freiwillig erfüllt werden oder die (wie der staatliche Strafanspruch bei der Haftstrafe) nur durch Vollstreckung realisiert werden können.

Volos: Stadt im mittleren Griechenland, Verwaltungszentrum des Distrikts Magnesia, in Thessalien; 71000 Einwohner; Textil-, Metall-, Zementindustrie, Salzgewinnung; Hafen; Antikensammlung, Fremdenverkehr; 1955 schwere Erdbebenschäden.

Volsker: altitalische, zur umbrisch-sabellischen Sprachgruppe zählender Volksstamm, war im Süden Latiums ansässig; 338 vor Christus durch Rom unterworfen.

Volt: (nach A. Volta) Zeichen V: SI-Einheit der elektrischen Spannung; 1 V = 1 W/A. Als Normal zur Bewahrung des Volt dient vorzugsweise das Internationale Weston-Element, ein galvanisches Element mit einer Spannung von 1,01865 V bei 20°C.

Volta: Fluss in Westafrika; 1600 km; entspringt mit mehreren Quellflüssen, darunter Schwarzer und Weißer Volta, die sich zum Volta vereinigen, in Burkina, durchfließt Ghana und mündet mit einem Delta in den Golf von Guinea (Atlantischer Ozean); Hauptnebenfluss Oti (von links); im Unterlauf schiffbar; Fischfang; bei Akosombo Voltastaudamm.

Volta, Alessandro, Graf, 18.2.1745-5.3.1827, italienischer Physiker; verbesserte das Elektroskop, erfand 1782 den Plattenkondensator und 1799 die Voltasche Säule, entdeckte die Berührungsspannung zwischen verschiedenen Metallen und stellte 1801 die erste Spannungsreihe auf.

Voltaire: (voltenr) eigentlich François-Marie Arouet, 21.11.1694-30.5.1778, französischer Philosoph und Schriftsteller; Repräsentant der großbürgerlichen Richtung der französischen Aufklärung, Mitarbeiter an der «Encyclopédie»; lebte 1750/53 am Hofe Friedrichs II. von Preußen, seit 1758 auf seinem Gut Ferney bei Genf. Starken Einfluss auf Voltaire übten das physikalische Weltbild Newtons und die materialistische Erkenntnistheorie J. Lockes aus. Als Deist und Anhänger eines «aufgeklärten» Absolutismus kritisierte er von sensualistischen Positionen die Leibniz’sche Metaphysik, Offenbarungsglauben und Klerus und forderte religiöse Toleranz. Nach 1760 veröffentlichte Voltaire anonyme Broschüren mit satirischen Polemiken gegen die Feinde der Aufklärung («Philosophisches Taschenwörterbuch», 1764). Von größerer Wirkung als seine eigentlichen philosophischen Schriften («Philosophisches Wörterbuch», 1764, deutsch) erwiesen sich seine «kleinen Romane», in denen er aktuelle philosophische und politischen Themen aufgriff. In seinem Hauptwerk, «Abhandlung über die Sitten und den Geist der Nation» (7 Bände, 1756, deutsch), stellte er die Weltgeschichte als Kampf des Menschen um Vernunft und Fortschritt dar. Sein einflussreiches Wirken trug zur Vorbereitung der Französischen Revolution bei.

Voltameter: (nach A. Volta) Coulombmeter, Coulometer (beide nach C. A. de Coulomb) Gerät zum Messen der durch einen Stromkreis geflossenen elektrischen Ladung aus der elektrolytisch abgeschiedenen Stoffmenge nach den 1 Faradayschen Gesetzen der Elektrolyse.

Voltampere, (nach A. Volta und A. M. Ampère) Zeichen V • A oder VA: Benennung für die SI-Einheit Watt bei Angabe von elektrischen Scheinleistungen.

Voltasche Säule: von A. Volta erfundene elektrochemische Spannungsquelle, die zum Beispiel zur galvanischen Metallabscheidung diente. Die Voltasche Säule bestand aus aufeinanderliegenden Schichten galvanischer Elemente, die sich aus Zink- und Silberscheiben zwischen porösem, mit Salzlösung getränktem Material (Pappe, Filz, Leder) zusammensetzten.

Volte: (französisch - italienisch, zu voltare, «wenden», «drehen»)

1. Kartenspiele: Trick, durch den eine Karte beim Mischen stets die gleiche Position behält.

2. Pferdesport: Kreis von 6 Schritten (etwa 5 m) Durchmesser zur Schulung der Biegsamkeit des Pferdes.

Volterra-Zyklus: (nach einem italienischen Mathematiker) charakteristische periodische Veränderungen der Individuenzahlen in einem Biotop mit «Räuber»- und «Beute»-Organismen. Eine Vermehrung der Beutetiere bewirkt durch die damit verbundene Verbesserung der Nahrungsbasis der Räuber deren Vermehrung, was seinerseits zur Reduzierung der Zahl der Beutetiere führt, wodurch die Lebensbedingungen der Räuber verschlechtert werden und ihre Zahl wieder abnimmt.

Voltigeur: Zirkusartist, der

a) von einem Untermann hochgeworfen und wieder aufgefangen wird oder

b) Geschicklichkeitsübungen am galoppierenden Pferd vorführt.

Voltigieren: Pferdesport - tumerische Übungen am galoppierenden, an einer Longe geführten Pferd.

Volumen:

1. Buchkunde: im Altertum Bezeichnung für Buchrolle, später allgemeine bibliographische Bezeichnung für Buch oder Band.

2. Geometrie: Körper.

3. Physik: der von einem Körper eingenommene Raum; Zeichen V, SI-Einheit m3. Das spezifische Volumen ist der Quotient aus Volumen und Masse.

Volumeneinheit, Kubikmaß, Raummaß, Hohlmaß: Maßeinheit des Volumens (Rauminhalts). SI-Einheit ist das Kubikmeter, Zeichen m3; gebräuchliche. Für 1 dm3 ist auch die Bezeichnung Liter (Zeichen 1 oder L) zulässig, jedoch nicht für Angaben mit einer relativen Unsicherheit <5 • 10“5; außerdem können unter anderem die Vielfachen sowie Hektoliter (1 hl = 1001) verwendet werden. In der Seefahrt werden noch die Volumeneinheit Brutto- und Nettoregistertonne benutzt.

Volumenprozent, Abkürzung Vol.-%: Konzentrationsmaß, das angibt, wieviel Volumina der betreffenden Komponente in 100 Volumenteilen des Gemisches vorhanden sind.

volumetrische Verluste: Gesamtheit der Volumenverluste, die durch Strömungswiderstände beim Einströmen des Arbeitsmediums (Flüssigkeit oder Gas) in den Zylinderraum einer Kolbenmaschine bedingt sind. Zur Verbesserung des Wirkungsgrades werden möglichst kleine volumetrische Verluste angestrebt.

voluminös: (französisch) umfangreich, stark, massig; vielbändig.

Voluntarismus: (lateinisch voluntas, «Wille») idealistische philosophische Richtung, nach der der Wille entscheidende Triebkraft und Grundlage aller Wirklichkeit ist (zum Beispiel A. Schopenhauer). Der Voluntarismus der bürgerlichen Geschichtsauffassung sieht die Geschichte als Produkt des Willens einzelner Persönlichkeiten («Übermenschen», Elite) und betrachtet die Volksmassen als passives «Material» (T. Carlyle, F. Nietzsche).

Volute: Ornament oder Bauglied von Schnecken- oder spiralartig eingerollter Form; besonders beliebt im 16./18. Jahrhundert.

Vondel, Joost van den, 17.11.1587-5.2.1679, niederländischer Schriftsteller, bedeutendster niederländischer Dramatiker und Lyriker des 17. Jahrhundert; seine historischen («Gijsbrecht van Aemstel», 1637, deutsch) und biblischen Dramen («Lucifer», 1654, deutsch) prägten das niederländische Nationaltheater.

Vo Nguyen Giap, geboren 3.1.1911, vietnamesischer Politiker und Militär; organisierte im Aufträge der Viet Minh 1944 die Vietnamesische Volksarmee, deren Oberbefehlshaber er war. Vo Nguyen Giap bekleidete verschiedene Regierungsämter (Verteidigungsminister, stellvertretender Ministerpräsident).

Vonnegut, Kurt, geboren 11.11.1922, US-amerikanischer Schriftsteller; schildert in iron. und satirischen Romanen («Frühstück für starke Männer», 1973, deutsch) und Erzählungen, oft mit Motiven der Sciencefiction, in eigenwilliger Form und salopper Sprache kritisch die individuellen Auswirkungen der sozialen Entwicklung in den USA; Antikriegsroman «Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug» (1969, deutsch).

VOR, Abkürzung für Very-High-Frequency-Omnidirectional-Range: UKW-Ortung für jede Richtung; wichtigstes international angewandtes Kurz- und Mittelstreckenverfahren in der Funknavigation.

Vorarlberg: österreichisches Bundesland; im Norden an die BRD, im Westen an Liechtenstein, im Süden an die Schweiz grenzend; 2601 km2, 307000 Einwohner; 118 Einwohner/km2; Hauptstadt Bregenz; umfasst die dichtbesiedelte, industriereiche Rheinebene, den Bregenzer Wald, die Lechtaler Kalkalpen (2706 m), das Illtal und seine Nebentäler (Walgau, Montafon, Großes und Kleines Walsertal, Klostertal), das Rätikon, die Silvrettagruppe (im Piz Buin 3312 m); Textil-, Konfektionsindustrie und Stickerei in Bregenz, Lustenau, Dornbirn (Textilmesse) unter anderem; metallverarbeitende, Elektro-, Holz- und Lederindustrie; Wasserkraftwerke an der 111; Alm-, Waldwirtschaft; auf über der Hälfte der Landesfläche Grünland, auf einem Viertel Wald; Ackerbau nur im Rhein- und Illtal; internationale Verkehrswege (Arlbergbahn, -straße), Fremdenverkehr.

Vorarlberger Bauschule: Gruppe von Baumeistern und Handwerkern (M. Beer, M. Thumb, K. Moosbrugger), die aus Vorarlberg stammen und seit etwa 1680 in Süddeutschland und in der Schweiz hauptsächlich im Auftrag der Benediktiner- und Prämonstratenserklöster arbeiteten und einen eigenen, vom italienischen Einfluss befreiten deutschen Barock einleiteten.

Vorderasien, Westasien: Subkontinent im Südwesten Asiens; umfasst Kleinasien, Kaukasien, die Hochländer von Armenien und Iran, Mesopotamien, Syrien, Palästina, die Arabische und die Sinaihalbinsel; rund 7 Millionen km2; politisch zu Afghanistan, Bahrein, Irak, Iran, Israel, Jemenit. Arabische Republik, VDR Jemen, Jordanien, Katar, Kuweit, Libanon, Oman, Saudi-Arabien, Syrien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Zypern, zum Teil zu Ägypten und zur UdSSR. Die Oberfläche wird durch das tertiäre Faltengebirgssystem Anatoliens und Irans geprägt, an das sich im Norden der mit dem Elbrus bis 5642 m aufragende Kaukasus und im Süden der wenig gegliederte Block der Arabischen Halbinsel anfügen. Die größte Insel ist Zypern. In Vorderasien herrscht vorwiegend trockenes Passatklima. entsprechend überwiegen Steppen, Wüstensteppen und Wüsten. Letztere sind besonders im Inneren der Arabischen Halbinsel großflächig entwickelt (unter anderem Nefud, Rub al-Khali). In den Küstengebieten am Mittelmeer und am östlichen Schwarzen Meer ist dagegen Etesienklima mit Winterregen beziehungsweise immer feuchtes subtropisches Klima (Kolchis) bestimmend, das eine mediterrane Hartlaubvegetation beziehungsweise subtropische Feuchtwälder bedingt. So ist im westlichen Kaukasien eine üppige subtropische Pflanzendecke entwickelt. Größere Flüsse entwässern vorwiegend den nördlichen Teil von Vorderasien (Euphrat, Tigris, Kura, Kizilirmak, Aras).

Vorderindien: Subkontinent in Südwestasien; etwa 5 Millionen km2, über 900 Millionen Einwohner; im Norden durch Himalaja, im Osten von den westburmanischen Randgebirgen und dem Bengal. Meer sowie im Westen durch Kirthar-, Suleiman Gebirge, Hindukusch und Arabisches Meer begrenzt; im Süden durch die Palkstraße von der Insel Ceylon getrennt, die physisch-geographisch zum Subkontinent gehört; politisch zu Indien, Pakistan, Bangladesh, Nepi, Bhutan und Sri Lanka. Vorderindien lässt sich in 3 sehr verschiedene naturräumliche Großregionen gliedern: Nördliche Gebirgssaum, Indus-Ganges-Tiefland und Halbinsel Vorderindien Der Nördliche Gebirgssaum umfasst das Kirthax- (2480 m) und das Suleiman Gebirge (3379 m), zum Teil mit Gebirgsketten des Hindukusch und Karakorum, sowie die 2 Hauptketten des Himalaja (8 848 m) einschließlich der südlich vorgelagerten, stark bewaldeten Siwalikketten (3 647 m) und der Khasiberge (1934 m). Das Indus-Ganges-Tiefland setzt sich aus dem häufig überschwemmten sumpfreichen Ganges-Brahmaputra-Delta mit teilweise dichten Mangrovensumpfwäldern im Osten sowie aus den nach Westen zunehmend trockener werdenden Landschaften von Westhindustan und des Punjab, dem Industiefland mit dem Indusdelta, dem Trockengebiet der Thar sowie dem Tiefland von Gujarat mit dem Salzsumpf Rann von Kutch zusammen. Die Halbinsel Vorderindien besitzt mit dem durchschnittlich 500 bis 1000 m aufragenden Hochland von Dekan, das an den Rändern von den bis über 2000 m hohen Ost- und Westghats begrenzt ist, mit Aravalligebirge (1722 m), Malwa Plateau, Vindhya- (829 m) und Satpuragebirge (1350 m) im Norden sowie Nilgiri- (2637 m) und Kardamomgebirge (1922 m) im Süden zumeist Gebirgs- und Hochflächencharakter. Nur im Westen und Osten entlang der Malabar- und der Koromandelküste sind Tiefländer vorgelagert. Überwiegend wird Vorderindien von tropischen Monsunklimaten mit unterschiedlich langen Regen- und Trockenzeiten beherrscht; in den nordwestlichen Teilen auch trockenes Subtropenklima. entsprechend der klimatischen Differenzierung gedeihen an der Westseite des Dekan und auf Ceylon immergrüne tropische Regenwälder, im Norden und Osten Feucht- beziehungsweise Trockenwälder, die im Nordwesten in Trockensteppen, Halbwüsten und Wüsten mit eingelagerten Salzsümpfen übergehen. Die größten Ströme sind Ganges, Brahmaputra, Indus und Godavari.

Vorderlader: früher übliche Feuerwaffen, bei denen Treibladung und Geschoß von der Mündung in den Lauf (das Rohr) eingeführt wurden; heute nur noch Granatwerfer.

Vorderrhein: einer der 2 Hauptquellflüsse des Rheins; entspringt am Sankt Gotthard (Tomasee) in der Schweiz; vereinigt sich bei Reichenau mit dem Hinterrhein zum Alpenrhein; im Einzugsgebiet viele Gletscher.

Vordersatz: Nebensatz, der vor dem Hauptsatz steht, zum Beispiel «Wenn du bei mir bist», bin ich glücklich.

Vorentladung: Hochspannungstechnik an spannungführenden Teilen (Elektroden) bei sehr hoher Spannung beziehungsweise Feldstärke auftretende, örtlich begrenzte Entladung (Glimm-, Korona-, Büschel-, Gleitentladung).

Vorfahrt: in der StVO geregelter Vorrang für Benutzer bestimmter Zufahrten von Kreuzungen und Einmündungen, den ihnen (wartepflichtige) Fahrzeuge anderer Richtungen gewähren müssen. Bei gleichrangigen Straßen hat Vorfahrt, wer von rechts kommt; Benutzer von Hauptstraßen haben Vorfahrt vor Benutzern von Nebenstraßen; Linksabbieger haben dem geradeausfahrenden Gegenverkehr Vorfahrt zu gewähren, Straßenbahnen ist generell Vorfahrt zu lassen. Verkehrsregelung mit Hand- beziehungsweise Farbzeichen hebt die üblichen Vorfahrtsregeln auf.

Vorflut: Möglichkeit des Wassers, mit natürlichem Gefälle oder durch künstliche Hebung abzufließen.

Vorfluter: 1. der Vorflut dienendes Fließgewässer.

2. Leitung zur Grundstücks-, Straßen- und Flächenentwässerung; hierbei kann die Wasserweiterleitung durch Gefälle (natürlicher Vorfluter) oder Hebung (künstlicher Vorfluter) erfolgen.

Vorführung: gerichtlich angeordnete zwangsweise Zuführung eines Angeklagten, Zeugen oder Schuldners beziehungsweise inhaftierter Personen zum Gericht.

Vorgabe: bei Brettspielen Verzicht des stärkeren Spielers auf einen Stein oder eine Figur bei Beginn des Spiels zum Ausgleich der unterschiedlichen Spielstärke; häufig im Go (V. von 2 bis 9 Steinen).

Vorgarn, Lunte: Spinnerei von der Vorspinnmaschine (Flyer) geliefertes feines Faserband mit schwacher Drehung, das nachfolgend durch Verziehen zu Garn ausgesponnen wird.

Vorgewende, Angewende, Vorende: Ackerbau der im rechten Winkel zur Bestellrichtung verbleibende Streifen zum Wenden der Maschinen, der zuletzt bearbeitet wird.

Vorhalt: Musik das auf einer betonten Taktzeit erfolgende Erklingen des oberen oder unteren Nachbartones eines konsonanten Akkord- oder Melodietones. Der Vorhalt ist dissonant und erzeugt musikalische Spannung; die Auflösung wird meist auf der weniger betonten Taktzeit erreicht.

Vorhaltematerial: Hilfsmaterial für Produktionseinrichtungen in der Bauindustrie. Dazu gehören Rüststangen, Bretter, Rüst- und Schalungstafeln, Maste, Rammpfähle, Bauzäune, Spundbohlen unter anderem.

Vorhandschlag: Eishockey, Federball, Hockey, Tennis, Tischtennis unter anderem Schlag, bei dem die Handfläche der den Schläger (Stock) führenden Hand dem anfliegenden Ball (der Scheibe) zugewandt ist. Siehe auch Rückhandschlag.

Vorhangwand: nichttragende, meist leichte, mehrschichtige Außenwand, die vor die tragende Konstruktion (Skelettbau) gehängt und an ihr verankert wird.

Vorhofflimmern: schnelle, unregelmäßige Flimmerbewegungen der Herzvorhöfe mit Frequenzen zwischen 350 und 600 je Minute und unregelmäßiger Erregungsüberleitung zu den Herzkammern mit der Folge einer absoluten Arrhythmie; beim Vorhofflattern schlagen die Vorhöfe regelmäßig mit einer Frequenz von 200 bis 350 je Minute. Beide Rhythmusstörungen können auf degenerativen, entzündliche und toxische Herzmuskelerkrankungen, auf Herzklappenfehlern, Herzbeutelentzündung und Schilddrüsenüberfunktion beruhen.

Vorkammermotor: Dieselmotor, bei dem der Verbrennungsraum zum Zweck der verbesserten Gemischbildung in Hauptverbrennungsraum und Vorkammer (20 bis 40% des gesamten Verdichtungsraums) unterteilt ist. Der Kraftstoff wird bei mäßigem Druck (8 bis 12 MPa Überdruck) in die Vorkammer gespritzt, verbrennt hier teilweise und drückt infolge des starken Druckanstiegs den Rest in den Hauptverbrennungsraum, wo gleichmäßige Vermischung mit der Luft und vollständige Verbrennung erfolgt. Beim Anlassen des Motors wird die Luft mit Hilfe einer Glühkerze erwärmt. Die Vorkammermotoren sind besonders für kleinere Leistungen geeignet.

Vorkampf, Vorrunde: erster Durchgang eines Wettkampfes vor dem (Zwischen- und) Endkampf.

Vorkaufsrecht: gesetzliches oder vertragliches Recht eines bestimmten Personenkreises, vorrangig einen Kaufvertrag zu schließen. Verkaufsabsicht und -bedingungen sind dem Vorkaufsberechtigten mitzuteilen, worauf dieser innerhalb einer bestimmten Frist sein Vorkaufsrecht ausüben kann. Ein Verkauf unter Missachtung des Vorkaufsrechts ist grundsätzlich unwirksam. Dem Vorkaufsrecht geht ein gesetzliches Vorerwerbsrecht vor.

Vorkeim, Prothallium: die aus einer Spore hervorgehende, Fortpflanzungsorgane tragende Geschlechtsgeneration bei Farn und Schachtelhalm (lagerartig und grün) sowie bei Bärlapp (unterirdisch, knollig und farblos). Bei den Moosen ist die Moospflanze selbst die geschlechtliche Generation, sie entsteht aus einem fadenförmigen Vorkeim (Protonema).

Vorkeimen: künstliches Einleiten der Keimung bei Saatgut (Vorquellen mit Wasser) und Pflanzgut, um die Wachstumszeit zu verkürzen; erfolgt bei Kartoffeln etwa 6 Wochen vor dem Pflanztermin bei 10 bis 15°C Lufttemperatur, hellem Licht (damit keine Dunkelkeime entstehen) und genügend Luftfeuchtigkeit; besonders bei frühen Sorten.

Vorklassik: wissenschaftlich nicht exakte Bezeichnung für die europäischen Musik des 2. Drittels des 18. Jahrhundert, also für die Zeit von den «Altklassikern» J. S. Bach und G. F. Händel bis zu C. W. Gluck. Der Charakter dieser Musik ist eng mit der Ausprägung des bürgerlichen Selbstbewusstseins verbunden und durch die Forderungen der Aufklärung bestimmt.

Vorkommen, Mineralvorkommen: im Gegensatz zur Lagerstätte nur wissenschaftlich interessante Anreicherung mineralische Rohstoffe, deren Abbau gegenwärtig keinen Volkswirtschaft!. Nutzen bringt.

Vorkonservieren: Aufbringen des Grundanstrichstoffes (meist einer überschweißbaren Grundierung) auf Walzstahl (Profile, Grobbleche) in Vorkonservierungsanlagen (Durchlaufanlagen) nach Oberflächenvorbehandlung durch Strahlen (vorwiegend in Schleuderradstrahlanlagen).

Vorkragen: (mittelhochdeutsch krage, «Hals», «Nacken») Architektur das Herausragen eines Bauteils (zum Beispiel «Kragsteine») aus der Wandfläche.

Vorlage:

1. Recht: Gesetzentwurf; im weiteren Sinne auch Entwurf für einen Beschluss bei verschiedenen Organen und Gremien.

2. Sport: in Tor-, Mal- und Korbspielen der Pass für einen Torschuss (-wurf), Korbwurf u. ä.

Vorleistung: Aufwendungen des Betriebes für die Vorbereitung künftiger Produktionsprozesse. Zu den Vorleistungen gehören unter anderem Kosten für Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Überleitung neuer Erzeugnisse und Technologien, Anlaufkosten für neue Erzeugnisse sowie Kosten für den Aufschluss im Bergbau.

Vorlesung: hauptsächliche Organisationsform des Universitäts- und Hochschulstudiums, in der ein Hochschullehrer eine wissenschaftliche Thematik zusammenhängend darstellt.

Vormärz: nachträglich geprägte Bezeichnung für die Vorbereitungszeit der Revolution von 1848/49, gekennzeichnet durch die schnelle Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise sowie durch die wachsende Opposition der liberalen Bourgeoisie und großer Teile des Volkes gegen das halbfeudale Herrschaftssystem in Deutschland; Eintritt der deutschen Arbeiterklasse in die geschichtliche Entwicklung.

Vornamen: den Kindern von ihren Eltern gegebene Eigennamen; entstanden aus ursprünglich selbständigen Personennamen, als die Personenbenennung durch Nachnamen (Sippen-, Bei-, Familiennamen) erweitert wurde. Siehe auch Namenstag.

Vorniere: erste, bei allen Wirbeltieren embryonal auftretende Nierenanlage; bleibt nur bei einigen niederen Wirbeltieren (Rundmäulern) auch im Reifestadium funktionstüchtig und wird sonst durch Ur- und Nachniere ersetzt.

Vor-Ort-Steuerung: Steuerung, mit der bestimmte Teile von Antrieben und Anlagen (zum Beispiel Pumpen) unmittelbar an der Anlage (vor Ort) bedienbar sind. Bei größeren Anlagen wird die Vor-Ort-Steuerung nur zur Inbetriebnahme und nach Reparaturen angewendet, im Normalbetrieb ist sie verriegelt.

Vörösmarty, Mihaly, 1.12.1800 bis 19.11.1855, ungarischer Dichter und Dramatiker; Hauptvertreter der ungarischen Romantik; schrieb unter anderem das nationale Epos «Zalans Flucht» (1825, deutsch) und das noch heute die ungarischen Bühnen beherrschende Märchenspiel «Csongor und Tünde» (1831, deutsch); unterstützte den Freiheitskampf 1848/49.

Vorparlament: Versammlung von liberalen und demokratischen Vertretern des deutschen Volkes in Frankfurt am Main vom 31.3. bis 3.4.1848; beschloss die Einberufung der Nationalversammlung.

Vorpfänden: Bergbau Absicherung der Firste im Streckenvortrieb zwischen der zuletzt fertiggestellten Ausbaueinheit und der Ortsbrust (Ort) durch Vorpfändschienen mit aufgelegten Kappen und Bohlen.

Vorrangverarbeitung: Betriebsart eines Rechenautomaten, bei der im Bedarfsfall ein gestartetes Programm unterbrochen wird, um inzwischen ein anderes mit höherer Priorität auszuführen.

Vorrat: 1. Vorrat, Mineralvorrat: abbauwürdige Mineralkonzentration bestimmten Umfanges (Menge) und definierter Qualität (Gehalt, Mächtigkeit u. ä.), die der modernen Technik erschließbar ist und deren Nutzbarmachung ökonomisch vertretbaren Aufwand erfordert. Siehe auch Vorratsberechnung, Vorratsklassifikation.

2. Produktions- und Konsumtionsmittel, die für den produktiven und individuellen Verbrauch bereitgestellt werden. Planmäßige Vorratshaltung ist ein allgemeines Erfordernis der Kontinuität des volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses.

Vorratsberechnung: rechnerischer Nachweis volkswirtschaftlich nutzbarer Mineralvorräte bei der geologischen Erkundung; siehe auch ökonomische Geologie.

Vorratsmilben, Acaridae: Familie der Milben; gedrungen gebaute, weißlich oder gelblich gefärbte Tiere, die sich an und in Vorräten jeglicher Art aufhalten, zum Beispiel die Käsemilbe (Tyrophagus casei). Ein bedeutender Schädling ist die 0,6 mm lange Mehlmilbe (Acarus siro), die Getreide, Mehl und Backwaren befällt, sowie die Polstermilbe (Glycyphagus domesticus), die sich in Ställen, aber auch in Matratzen und Polstermöbeln aufhält.

Vorrichtung: 1. Bergbau.

2. Fertigungsmittel: das Werkstücke oder Werkzeuge in ihrer Lage bestimmt und spannt. Vorrichtung sind Hilfsmittel für die industrielle Fertigung, um bei gegebener Wirkkette wirtschaftlich und mit geforderter Genauigkeit zu arbeiten, zum Beispiel Montage- und Fügevorrichtung, Messvorrichtung und Prüfvorrichtung.

Vorsatz:

1. Polygraphie: mit der einen Hälfte auf die Innenseite des vorderen oder hinteren Buchdeckels aufgeklebtes Doppelblatt, das Buchblock und Buchdecke miteinander verbindet.

2. Strafrecht: Grundart der Schuld. Vorsätzlich handelt, wer sich zu der im gesetzlichen Tatbestand bezeichnten Tat bewusst entscheidet (unbedingter Vorsatz) oder wer die im gesetzlichen Tatbestand bezeichnete Tat nicht anstrebt, sich jedoch bei seiner Entscheidung zum Handeln bewusst damit abfindet, dass er diese Tat verwirklichen könnte (bedingter Vorsatz). Siehe auch Fahrlässigkeit

3. Zivilrecht: im Verhältnis zur Fahrlässigkeit die schwerere Form des Verschuldens. Vorsatz liegt vor, wenn ein Schaden bewusst herbeigeführt wird oder der Handelnde sich bewusst damit abfindet, dass der Schaden als mögliche Folge seines Handelns eintritt.

Vorschaltgerät: bei Entladungslampen erforderliche Vorrichtung zur Stabilisierung der Gasentladung. Man unterscheidet ohmsche, induktive, kapazitive und elektronische Vorschaltgerät sowie Kombinationen davon. Das Vorschaltgerät kann allein oder in Verbindung mit einem Starter das Zünden der Lampe bewirken.

Vorschub: Weg des Werkzeugs in Vorschubrichtung (Richtung des Bearbeitungsfortschritts) je Umdrehung oder Hub. Die Vorschubbewegung ist die Bewegung zwischen Werkstück und Werkzeug, die zusammen mit der Schnittbewegung eine mehrmalige oder stetige Spanabnahme während mehrerer Umdrehungen oder Hübe ermöglicht. Sie kann schrittweise oder stetig erfolgen. Der Zahnvorschub ist der Vorschubweg zwischen 2 unmittelbar nacheinander entstehenden Schnittflächen; als Vorschubgeschwindigkeit wird die momentane Geschwindigkeit des Werkzeugs in Vorschubrichtung bezeichnet.

Vorschulerziehung: Bildung und Erziehung der Kinder in der Familie und in gesellschaftliche Einrichtungen (Kinderkrippen und -gärten, Säuglings- und Vorschulheime) mit dem Ziel, ihre stetige geistige und körperliche Entwicklung zu sichern und sie auf den Schuleintritt vorzubereiten.

Vorspinnen: Verfeinern eines Faserbandes, so dass es als Vorgarn für die Feinspinnerei dienen kann.

Vorspur: Maß, um das die inneren Felgenränder der Vorderräder eines Kraftwagens hinten weiter auseinanderstehen als vorn.

Vorstartzustand: psychophysische Gesamtverfassung des Sportlers kurz vor dem Wettkampf, in normalen Grenzen eine zweckmäßige, leistungsvorbereitende Körperreaktion.

Vorstehhunde: Gruppe von Hunderassen, die sich durch die besondere Eigenschaft, das bei der freien Suche aufgefundene Wild anzuzeigen (vorzustehen), auszeichnen. Zu ihnen gehören unter anderem die deutschen Vorstehhunde, wie Deutsch-Drahthaar, Deutsch-Kurzhaar, Deutsch-Langhaar, Deutsch-Stichelhaar, der Große und Kleine Münsterländer, der Böhmische Raubart, sowie die britische Vorstehhunde, wie der Pointer und die Setter.

Vorstellung: sinnlich-ganzheitliches Abbild objektiv-realer Gegenstände, das frühere Wahrnehmungen reproduziert und in gewissem Grade verallgemeinert. Diese sinnliche Verallgemeinerung macht die Vorstellung zum Bindeglied zwischen Wahrnehmung und Begriff und verbindet sie eng mit Denken und Sprechen. Die Vorstellung ermöglicht es, sich in gewissen Grenzen von der gegebenen Realität zu lösen, Vergangenes zu rekonstruieren und Künftiges vorwegzunehmen; sie ist ein wichtiges Moment künstlerischer Phantasie und wissenschaftlichen Schöpfertums.

Vorstrafe: vor einer erneut begangenen Straftat rechtskräftig ausgesprochene, noch nicht der Straftilgung unterliegende gerichtliche Strafe, unabhängig davon, ob sie verbüßt wurde oder nicht. Vorstreichfarben: stark pigmentierte Zwischenanstrichstoffe; Anstrichsystem.

Vorteil: Tennis der erste Punkt nach Einstand. Erzielt die gleiche Partei auch den nächsten Punkt, ist das Spiel gewonnen, im anderen Fall ergibt sich wiederum Einstand.

Vortragsbezeichnungen: Musik die den Notentext ergänzenden Hinweise (zum Beispiel Worte, Abbreviaturen, Zeichen) für den musikalischen Vortrag, unter anderem über Zeitmaße (zum Beispiel presto), Ausdruckscharaktere (zum Beispiel maestoso), Lautstärke (zum Beispiel piano), Spiel- und Gesangstechnik (zum Beispiel legato).

Vortragskünstler: Unterhaltungskünstler, der sich im Wesentlichen auf die Verwendung des Wortes unter Anwendung aller Mittel der Rhetorik beschränkt. Zu den Vortragskünstlern gehören Bauchredner, Conférenciers, Komiker, Parodisten, auch Kunstpfeifer.

Vortrieb: Bergbau Auffahren (Herstellen) von Grubenbauen, zum Beispiel Streckenvortrieb; auch das Maß des dabei erzielten Arbeitsfortschrittes.

Vorurteil: auf mangelhafter Kenntnis oder missdeuteter Erfahrung beruhende Meinung,

vorvertragliche Pflichten: Wirtschaftsrecht Pflichten zwischen Partnern, die einen Vertrag anstreben oder zu schließen haben, insbesondere die Pflicht zur fristgerechten Äußerung auf ein Vertragsangebot.

Vorwald: natürliche oder künstlich begründeter Wald aus Pionierbaumarten, der die nachwachsenden wertvollen, aber frostempfindliche Wirtschaftsbaumarten schützt.

Vorwärts: 1.1844/45 in Paris herausgegebene deutsche Emigrantenzeitung; zeitweilige Mitarbeiter waren unter anderem K. Marx und H. Heine; dokumentiert den Übergang von der revolutionären Demokratie zum proletarischen Sozialismus.

2. Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, erschien 1876/78 in Leipzig, wurde nach Erlass des Sozialistengesetzes verboten, erschien 1891/1933 in Berlin; 1891/1900 von W. Liebknecht geleitet, später in den Händen der rechten SPD-Führung.

3. Wochenzeitung der BRD, steht der SPD nahe; gegründet 1948, erscheint in Bonn.

4. deutschsprachiges Zentralorgan der Partei der Arbeit der Schweiz; gegründet 1920, erscheint in Basel.

Vorwärtssprünge: Wasserspringen Gruppe von Sprüngen, die mit oder ohne Anlauf vorlings vorwärtsdrehend ausgeführt werden.

Vorwurf: Rugby Pass(wurf) in Richtung des gegnerischen Malfeldes; gilt als Regelverstoß und führt zu einem Gedränge.

Vorzeichen: Mathematik vor eine reelle Zahl gesetztes Zeichen + oder, um sie als positiv oder negativ, das heißt > oder < 0 zu kennzeichnen.

Vorzeichnungen: Musik

a) die am Anfang eines Musikstückes nach dem Notenschlüssel stehenden generellen Versetzungszeichen, die für alle Oktavbereiche gelten und aus denen die Tonart zu erkennen ist, im Unterschied zu den zufälligen Vorzeichnungen, die nur für den betreffenden Takt und die jeweilige Tonhöhe gelten;

b) die nach den generellen Vorzeichnungen stehenden Taktangaben.

Vorzeitigkeit: Zeitverhältnis, bei dem die Handlung des Nebensatzes vor der des Hauptsatzes liegt, zum Beispiel «Als er gekommen war», beruhigten sich alle.

Vorzugsmaß: Maß einer standardisierten Maßreihe, das die Anwendung willkürlich gewählter Maße und damit die Zahl der Werkzeuge, zum Beispiel Bohrer, einschränken soll. Bei der Auswahl des Vorzugsmaßes hat die Reihe mit der größeren Stufung den Vorzug.

Vorzugszahlen, Normzahlen: System von international standardisierten ausgewählten Zahlen zur bevorzugten Anwendung bei der Festlegung technischer Kenngrößen (zum Beispiel Abmessungen, Leistungen, Drehzahlen) und deren Stufung, besonders zu Typenreihen. Vorzugszahlen sind gerundete Gliederwerte dezimalgeometrische Folgen, die alle Zehnerpotenzen mit ganzzahligen Exponenten enthalten. Je nach Stufungsdichte unterscheidet man die Vorzugszahlenreihen R 5, R 10, R 20, R 40, R 80 mit den entsprechenden Stufensprüngen (Quotienten), wobei n = 5, 10, 20, 40, 80 ist. Außer diesen Grundreihen gibt es Rundwertreihen mit einigen stärker gerundeten Werten, abgeleitete Reihen, aus nur jedem x-ten Glied einer Grundreihe bestehend (x a), sowie zusammengesetzte Reihen, aus mindestens 2 Teilabschnitten verschiedener Grund- oder Rundwertreihen bestehend. Vorzugszahlen sind eine wichtige Grundlage für Typenbeschränkung.

Voß, Johann Heinrich, 20.2.1751-29.3.1826, Dichter und Übersetzer; führend im Göttinger Hain; Gegner des Feudalabsolutismus, des katholischen Obskurantismus und der reaktionären Romantik («Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier?», 1819); verfasste gesellschaftskritische Idyllen («Die Leibeigenen», 1774), die aufklärerische Idylle «Luise» (1795), volkstümlich-liedhafte Gedichte über das Landleben; übersetzte «Tausend und eine Nacht» (1781/85, 6 Bände), Homers «Odyssee» (1781) und «Ilias» (1793) sowie gemeinsam mit seinen Söhnen W. Shakespeares Schauspiele (1818/29, 9 Bände).

Vostell, Wolf, geboren 14.10.1932, Maler; Vertreter der sogenannt Ereigniskunst (Happening Künstler), der, anknüpfend an den Dadaismus, eine kritische, originelle Sicht auf politischen und Alltagserscheinungen im Kapitalismus anstrebt. Seine Veranstaltungen und Objekte zielen durch die Darstellung provokanter Handlungsabläufe auf eine Veränderung des Bewusstseins, ein Protest, der aber politisch folgenlos und nur einer Minderheit entschlüsselbar bleibt.

votieren: (französisch englisch zu «Votum») abstimmen, beschließen; sich entscheiden.

Votivfund: (lateinisch votivus, «geweiht») Fund urgeschichtlicher Gegenstände (Werkzeuge, Waffen, Schmuck), die als Opfer- oder Weihegaben in das Moor beziehungsweise den Erdboden gelangten.

Votum: Meinungsäußerung; Gutachten, Urteil, Stimme bei einer Abstimmung.

Voute: (französisch, «Wölbung», «Rundung») 1. Verstärkung eines Stahlbetonbalkens am Stützen- oder Wandauflager.

2. Eckausrundung (Kehle) beim Übergang der Wand zur Decke.

Vox humana: (lateinisch, «menschliche Stimme») Orgelregister, meist aus Zungenpfeifen mit kurzem Schallbecher bestehend.

Vox populi: (lateinisch) die Stimme des Volkes.

Voyager: (englisch, «Reisender») Bezeichnung für zwei 1977 gestartete Planetensonden der USA, die der Naherkundung von Jupiter (1978), Saturn (1980 beziehungsweise 1981) und (V.) des Uranus (1986) dienten. Voyager 2 soll auch noch den Neptun in geringem Abstand passieren. Bisher übermittelten sie Messdaten und Fotos der Planeten, ihrer Ringe und Monde zur Erde. Siehe auch Planetensonde.

Vranica, Bosnisches Erzgebirge: Kalkgebirge in Bosnien und Herzegowina, zwischen oberem Vrbas und oberer Bosna; bis 2112m (Nadkrstac); Buchenwälder; Abbau von Braunkohle und Erzen.

Vranitzky, Franz, geboren 4.10.1937, österreichischer Politiker; 1984/86 Finanzminister, seit 1986 Bundeskanzler (sozialistische Partei Österreichs).

Vraz, Stanko, eigentlich Jacob Fras, 30.6.1810-24.5.1851, kroatischer Dichter slowenischer Herkunft; schloss sich der Bewegung des Illyrismus an; setzte sich für die kulturelle Gemeinsamkeit aller Slawen ein; seine Lyrik («Guslen und Tamburins», 1845) ist von der Volkspoesie beeinflusst.

Vrchlicky, Jaroslav, eigentlich Emil Frida, 17.2.1853-9.9.1912, tschechischer Dichter, Professor für allgemeine Literatur (seit 1893) in Prag. Vrchlicky verstand seine 90 Gedichtbände als Bruchstücke einer Epopöe der Menschheit («Geist und Welt», 1878, deutsch; «Bar Kochba», 1897, deutsch); schrieb einen Dramenzyklus; bühnenwirksam blieb das Lustspiel «Die Nacht auf dem Karlstein» (1884); schuf auch Übersetzungen (unter anderem Goethes «Faust»).

Vrettakos, Nikiphoros, geboren 1.1.1912, griechischer Dichter und Kritiker; nahm am Widerstandskampf gegen die faschistischen Okkupanten und gegen die griechische Militärjunta teil; schuf zahlreiche Gedichtsammlungen («Reise», 3 Bände, 1971), Prosaschriften.

Vries: 1. Vries, Fries, Adriaen de Vries, 1545—1626 (15.12. begraben), niederländischer Bronzebildner. Vries bildete sich um 1580 in Florenz in der Werkstatt von Giovanni da Bologna, dessen Formensprache, neben der antiken Plastik, bestimmend für sein weiteres Schaffen in Deutschland wurde. Es umfasst vorwiegend Brunnenskulpturen und mythologische Darstellungen, in deren Mittelpunkt der virtuos behandelte menschliche Akt steht. Zu seinen Hauptwerken, in denen sich barocke Gestaltungsprinzipien ankündigen, gehören der Merkurbrunnen (1599) und der Herkulesbrunnen (1602) in Augsburg.

2. Hans Vredeman de Vries, 1527-1604 (oder 1623), niederländischer Architektur- und Ornamentzeichner, Maler, Architekt und Bautheoretiker; seine Architekturdarstellungen und Vorlagebücher waren weit verbreitet und wurden zur Grundlage für die spätere niederländische Architekturmalerei.

3. Hugo de Vries, 16.2.1848-21.5.1935, niederländischer Botaniker; Professor in Amsterdam. Vries erforschte Turgor und Plasmolyse, begründete die Mutationstheorie und war einer der Wiederentdecker der Mendelschen Regeln.

4. Theun de Vries, geboren 26.4.1907, niederländischer Schriftsteller; begann mit Gedichten über seine fries. Heimat, wurde bekannt mit dem Roman «Rembrandt» (1931, deutsch); schuf eindrucksvolle historische Zeitgemälde (Roman «Die Freiheit geht im roten Kleid», 1945, deutsch) und schrieb über den antifaschistischen Widerstandskampf die Romane «Das Mädchen mit dem roten Haar» (1956, deutsch) und «Stadt wider den Tod» (1962, deutsch) sowie «Dolle Dinsdag. 5 Erzählungen aus Amersfoort» (1963, deutsch).

Vrsac: Stadt in der Vojvodina, im Banat; 34000 Einwohner; Metall-, Textil-, Holz-, Nahrungsmittelindustrie; pädagogische Akademie; Heimatmuseum; Kirchen (18. und 19. Jahrhundert); Fremdenverkehr; Flughafen; in der Umgebung Weinbau.

V-Stoffe: (Kunstwort) höchstwirksame, zu den Phosphorsäureester-Kampfstoffen gehörende Nervengifte; Hauptbestandteile der chemischen Waffen der NATO; für den Einsatz als Binärkampfstoffe in Granaten, Bomben und Raketen vorgesehen.

V/STOL: zusammenfassender Begriff für Flugzeuge mit Eigenschaften eines Senkrechtstartflugzeugs und eines Kurzstartflugzeugs.

Vulcano: italienische Insel nördlich von Sizilien, zu den Liparischen Inseln gehörig; 21 km2, 400 Einwohner; mit tätigem Vulkan Vulcano (499 m); Anbau von Wein und Südfrüchten, Fischerei.

vulgär: gewöhnlich; grob und unanständig; oberflächlich,

vulgarisieren: (lateinisch, zu «vulgär») eine Lehre übermäßig vereinfachen, unwissenschaftlich und ungenau darstellen; verflachen; verbreiten.

Vulgarismus: Wort oder Wendung einer Stilschicht unterhalb der Alltagssprache; gilt als anstößig und beleidigend.

Vulgärökonomie: nach der klassischen politischen Ökonomie folgende, sich mit der Betrachtung von Oberflächenerscheinungen begnügende und das Wesen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse apologetisch verschleiernde bürgerliche politische Ökonomie.

Vulgata: (lateinisch, «die allgemein Verbreitete») die in der römisch-katholischen Kirche benutzte lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus; 1546 vom Konzil von Trient für verbindlich erklärt.

Vulkan: (nach Vulcanus) durch Ausbruch von Lava, Gasen und Lockerprodukten entstandene kegelförmige Erhebung, «feuerspeiender Berg»; Vulkan sind entweder an Subduktionszonen und sich daraus entwickelnde Krustentypen (Geosynklinale, Tektonogene, Orogene) oder an ozeanischen Rücken (und deren kontinentale Äquivalente) gebunden. Im Bereich der ozeanischen Rücken werden vor allem alkalibasaltische Laven gefördert. Schildvulkane sind flachkuppelig und durch anhaltende Förderung dünnflüssiger Lava entstanden, Schicht- oder Strato-Vulkan zeigen abwechselnde Lagen von Asche und Lava und besitzen stark geneigte Hänge (zum Beispiel Ätna). Man unterscheidet tätige, untätige und erloschene Vulkane Siehe auch Quellkuppe, Staukuppe.

Vulkanfiber: hauptsächlich aus Hydratzellulose bestehender, leichter, zäher, horn- bis lederartiger Werkstoff. Zur Herstellung werden saugfähige Zellulosepapiere mit konzentrierter Zinkchloridlösung behandelt («pergamentiert»), anschließend mehrschichtig warmgepresst, ausgewaschen und getrocknet. Vulkanfiber ist verschleißarm und vielseitig verarbeitbar.

Vulkaninseln, japanisch Kazan Reto: Inselgruppe im Westen des Stillen Ozeans, südlich der Ogasawara Inseln; zu Japan gehörend; bestehend aus den 3 Inseln Kita-Jojima (5,4 km2), Naka-Kojima (20,1 km2) und Minami-Kojima (3,8 km2).

Vulkanisation: Verfahren zur Umwandlung von Natur- und Synthesekautschuk in Gummi, wodurch insbesondere Elastizität, Festigkeit und Beständigkeit gegenüber Wärme, Kälte und Alterung sowie zum Teil auch Abrieb wesentlich verbessert werden. Meist wird der Kautschuk auf beheizten Walzwerken mit Vulkanisiermitteln (insbesondere Schwefel) und anderen Zusätzen (zum Beispiel Ruß für Autoreifen) versehen und in Formen auf über 100°C erhitzt (Heißvulkanisation), wodurch gleichzeitig Formstabilisierung erfolgt. Bei der Kaltvulkanisation für dünnwandige Artikel dient Dischwefeldichlorid als Vulkanisiermittel; so werden Metallformen (zum Beispiel durch Tauchen) mit einer Latexschicht versehen, getrocknet und in die Lösung des Vulkanisiermittels eingebracht.

Vulkanismus: Gesamtheit der Prozesse, die mit der Förderung gasförmiger, flüssiger und fester magmatischer Produkte aus dem Erdinnern zur Erdoberfläche verknüpft sind.

Vulvitis: Entzündung des äußeren Genitale der Frau (große und kleine Schamlippen, Schamspalte, Scheidenvorhof); oft Begleitkrankheit bei Scheidenentzündung, Diabetes mellitus, seltener bei Harnweg- und Darmerkrankungen.

VVN: (Abkürzung für Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) Organisation antifaschistischer Widerstandskämpfer und aus religiösen oder rassischen Gründen während der Nazidiktatur Verfolgter; 1947 gegründet. Wichtigste Zielstellungen waren der Kampf gegen alle Reste des Nazismus, Militarismus und Rassismus und für die Sicherung des Friedens sowie die allseitige Unterstützung der ehemals Verfolgten.

V-Waffen: (Kurzwort für «Vergeltungswaffen») von den deutschen Faschisten gebrauchte Bezeichnung für Fernkampfwaffen, die sie ab 1944 zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung Londons, Brüssels, Antwerpens und anderer Städte einsetzten. Mit ihnen wollten sich die Faschisten die waffentechnische Überlegenheit sichern, um die Weltherrschaft zu erringen. «V 1» war ein unbemannter Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk, «V 2» eine Flüssigkeitsrakete. Von 23000 «V 1» wurden über 4000 bereits während der Produktion von Widerstandskämpfern verschiedener Nationen unbrauchbar gemacht.