Lexikon I

Ibaraki: Präfektur in Japan, im mittleren Teil der Insel Honshu, am Stillen Ozean; 6090 km, 2,6 Millionen Einwohner; 427 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Mito; landwirtschaftlich und industriell (durch Ausdehnung der Industrieregion von Tokio) entwickeltes Gebiet; besonders Maschinenbau, chemische und elektrotechnische, Nahrungsmittelindustrie.

Iberer: erste historisch nachgewiesene Einwohner der Pyrenäenhalbinsel («Iberische Halbinsel»), waren nichtindoeuropäischer Herkunft. Etwa seit 500 vor Christus vermischten sie sich mit den eingewanderten Kelten (Keltiberer). Unter römischer Herrschaft erfolgte eine rasche Romanisierung.

Iberien, Iberia: 1. im Altertum Name Mittel- und Ostgeorgiens, bezeichnet nach den Iberern. Perser, Griechen und Römer konnten Iberien nicht völlig unterwerfen. Die Römer erzwangen lediglich im 1. Jahrhundert vor Christus und im 2./4. Jahrhundert nach Christus eine formale Oberhoheit über Iberien

2. Name der Pyrenäenhalbinsel vor der römischen Herrschaft (seitdem Hispania).

Iberisches Randgebirge: Gebirgsgürtel im Nordosten Spaniens, trennt die Kastilische Hochebene vom Ebrobecken; bis 2313 m hoch; mesozoische, im Tertiär gefaltete Gesteine, zum Teil glazial überformt; im Nordwesten relativ feucht, im Südosten sommertrocken; Eisenerzbergbau; wenig ertragreiche Landwirtschaft; schwach bevölkert.

Ibisse, Threskiornithidae: Familie der Schreitvögel mit meist nacktem Kopf oder Hals sowie langem, abwärts gebogenem Schnabel, der zum Stochern in seichtem Wasser oder Schlamm dient. In Sumpfgebieten Afrikas lebt der etwa 65 cm lange Heilige Ibisse (Threskiornis aethiopica), der im alten Ägypten für heilig gehalten und als Verkörperung des Gottes Thot verehrt wurde. Etwa 75 cm lang ist der Waldrapp (Geronticus eremita), der auf Felsen kolonieweise brütet.

Ibiza: Insel der spanischen Inselgruppe Balearen, im Mittelmeer; 592 km2, 45000 Einwohner; wichtigster Ort Ibiza; meist aus Kalkstein bestehende bis 475 m hohe Fläche mit Karsterscheinungen; Anbau von Mandeln, Wein, Oliven, Zitrusfrüchten; Salzgärten; internationaler Flughafen; Fremdenverkehr.

Ibn al-Haitham, latinisiert Alhazen, um 965-um 1039, arabischer Mathematiker und Astronom; verfasste bedeutende Schriften zur Optik sowie zu geometrischen Problemen, insbesondere zum Parallelenpostulat.

Ibn Battuta, Ibn Batuta, 24.2.1304-1377, bedeutendster arabischer Weltreisender; bereiste 1325/49 von Tanger aus die dem Islam bekannte Welt und besuchte dabei große Teile Nordafrikas und Asiens bis China und Sumatera, das Wolgagebiet bis Bolgar, die ostafrikanische Küste bis Kilwa; 1352/53 zog er von Marokko aus in das Nigergebiet und besuchte unter anderem Tombouctou (Timbuktu).

Ibn Chaldun, 27.5.1332-17.3.1406, arabischer Geschichtsschreiber und -philosoph; berühmt sind seine «Prolegomena», die geschichtswissenschaftliche Einleitung zu seiner Weltgeschichte, und die «Geschichte der Berber und der muslimischen Dynastien Nordafrikas»; schrieb die erste soziologische Geschichtsbetrachtung.

Ibn Ruschd, latinisiert Averroes, 1126-1198, arabischer Philosoph, Arzt und Jurist. Seine philosophischen Grundgedanken waren von Bedeutung für den Kampf der Wissenschaft gegen religiöse Ansprüche und fanden großen Widerhall an den europäischen Universitäten. Ibn Ruschd lehrte, dass sich die Welt ewig und nach eigenen Gesetzen bewege, unerschaffen, jedoch räumlich begrenzt sei. Er bestritt die individuelle Unsterblichkeit und schrieb nur dem sogenannt aktiven Intellekt, der allen Menschen gemeinsame Vernunft, Unsterblichkeit zu. Glauben und Wissen suchte er zu trennen; Theologie und Philosophie könnten auf Grund ihrer verschiedenen Gegenstände einander nicht widersprechen. Beachtet wurde auch seine Kritik am Ptolemäischen Weltsystem, das zwar rechnerisch mit den Erscheinungen, aber nicht mit der Wirklichkeit übereinstimme. Als bedeutender Aristoteles Kommentator betonte er vor allem dessen materialistische Züge; siehe auch Averroismus.

Ibn Saud III, Abd ul-Aziz, 24.11.1880-9.11.1953, seit 1902 Imam der Wahhabiten, seit 1926 König des Hedschas und seit 1932 König des von ihm begründeten Königreiches Saudi-Arabien.

Ibn, latinisiert Avicenna, 980-1037, persischer Arzt, Philosoph, Geologe, Mathematiker, Astronom und Grammatiker. In seinem umfangreichen Gesamtwerk, unter anderem eine 18 bändige philosophisch-naturwissenschaftliche Enzyklopädie «Buch der Genesung», nimmt die Aufbereitung griechischen Wissens großen Raum ein. Ibn war progressiver Anhänger des Aristoteles, folgte aber auch neuplatonischen Denkansätzen; er lehrte die Ewigkeit der Welt und die Einheit von Form und Materie. Im Streit zwischen Nominalisten und Realisten (Universalienstreit) vertrat er einen ausgleichenden Standpunkt. Als naturwissenschaftlich orientierter Philosoph betonte er die Rolle des Experiments für das Erkennen. Sein «Kanon der Heilkunde» war über viele Jahrhunderte im Orient und in Europa das maßgebliche Handbuch der Medizin. Ibn hat sich auch mit Musik beschäftigt und in verschiedene seiner Werke Abhandlungen über musiktheoretischen Fragen eingefügt.

Ibo: negrides Volk der Kwa-Sprachfamilie in Südostnigeria; etwa 13,3 Millionen; Bodenbauer, Fischer; ihre Sprache ist als Verkehrssprache in Nigeria weit verbreitet. Geschürt von neokolonialistischen Kräften, spalteten sie 1967 die Ostregion von Nigeria ab, um einen eigenen Staat (sogenannt Republik Biafra) zu gründen.

Ibrahim, Hafis, 1871—21.7.1932, ägyptischer Dichter; Autodidakt; trat in seinen lyrischen Gedichten, die sich formal am Vorbild der klassischen arabischen Poesie orientierten, für soziale und politische Gerechtigkeit und gegen soziale Rückständigkeit ein; er erhielt den Beinamen «Dichter des Nils».

Ibsen, Henrik, 20.3.1828-23.5.1906, norwegischer Dramatiker; lebte in Italien (1864/68) und Deutschland (1868/91); schrieb unter dem Eindruck der Revolution von 1848/49 Freiheitsgedichte und wirkte für die sich entwickelnde norwegische Arbeiterbewegung. In «Peer Gynt» (1867, deutsch) setzte sich Ibsen mit der Romantik auseinander und gelangte zu umfassender Kritik der bürgerlichen Gesellschaft. Dabei entstanden Werke von Weltgeltung, die besonders auf die Entwicklung einer kritisch-realistischen Literatur in Skandinavien, Deutschland und Russland Einfluss hatten, so «Stützen der Gesellschaft» (1877, deutsch), «Nora oder Ein Puppenheim» (1879, deutsch), «Gespenster» (1881, deutsch), «Ein Volksfeind» (1882, deutsch). Das Spätschaffen, beginnend mit dem Drama «Die Wildente» (1884, deutsch), zeigt zunehmend symbolistischen Charakter. In dem dramatischen Epilog «Wenn wir Toten erwachen» (1899) bejaht Ibsen nachhaltig die Einheit von Kunst und Leben.

Ibuse, Masuji, geboren 15.2.1898, japanischer Erzähler, seine zahlreichen Geschichten zeichnen sich durch eine klare, oft sehr poesievolle Sprache aus, sind häufig von feinsinnigem Humor und starker Volksverbundenheit; im Roman «Schwarzer Regen» (1965, deutsch) gestaltete er eindrucksvoll den Atombombenabwurf auf Hiroshima und seine Spätfolgen.

Ibykus, Ibikos, griechischer Lyriker der 2.Hälfte des 6. Jahrhundert vor Christus; von seinem Werk sind nur Fragmente erhalten; Schillers Ballade «Die Kraniche des Ibykus» geht auf eine hellenistische legendäre Erfindung zurück.

Ichneumon, Afrikanischer Mungo, Herpestes ichneumon: marderähnliche, gelblichgraubraune Schleichkatze; bewohnt Steppen und Waldgebiete Nordafrikas und Afrika südlich der Sahara.

Ichthyophthirius: zu den Wimpertierchen gehörender Hautparasit der Fische; bildet durch zahlreiche Teilungen Schwärmer aus, welche die Fische infizieren, die dann an den weißen Pusteln erkenntlich sind.

Ichthyosaurier, Fischechsen, Fischsaurier: langschwänzige Meeresreptilien mit paddelförmigen Flossen, bis 15 m lang; lebten von Trias bis Oberkreide.

Idaho, Abkürzung Id.: Bundesstaat im Nordwesten der USA; 216432 km2, 940000 Einwohner (davon 3000 in Reservationen lebende Indianer); 4 Einwohner/km2; Hauptstadt Boise City. Idaho nimmt den südlichen Teil des Columbia Plateaus und Gebirgszüge an der Westabdachung des Felsengebirges mit Höhen über 3 500 m ein; das Plateau wird vom Snake River und seinen Nebenflüssen durchschnitten. Es herrscht trockenes Kontinentalklima. In den Ebenen des Südens erstrecken sich Trockensteppen, im Norden Grasländer, und im Westen auf den Gebirgszügen wächst Nadelwald. In der Wirtschaft ist die Landwirtschaft mit extensiver Rinderzucht, Kartoffel- und Weizenanbau (Bewässerung am Snake River) sowie der Produktion von Dauermilch führend. Die Elektrizitätsproduktion erfolgt nahezu vollständig durch Wasserkraftwerke; außerdem Nutzung der Silber-, Phosphat-, Zink- und Bleivorkommen, Verhüttungszentrum ist Coeur d’Alene. Das Eisenbahn- und Straßennetz ist relativ weitmaschig.

Idas, in der griechischen Sage Zwillingsbruder des Lynkeus, kämpfte mit diesem gegen die Dioskuren und tötete Kastor; wurde von Zeus mit einem Blitz erschlagen.

Ide, Ida: höchster Gebirgsstock der griechischen Insel Kreta, bis 2 456 m; nach der griechischen Mythologie die Geburtsstätte des Zeus.

Ideal: 1. Mathematik: Teilmenge I eines kommutativen Ringes R, für die gilt, dass mit a, b e I und r eR auch a+b und das Produkt ra in I liegen. Zum Beispiel bilden die Elemente der Form ra, wobei a ein beliebiges Element von I ist und r alle Elemente von R durchläuft, ein Ideal von R, das als das von a erzeugte Hauptideal bezeichnet wird. Im Ring S der ganzen Zahlen sind alle Ideal Hauptideal, dagegen ist dies im Ring aller Zahlen nicht der Fall. Der Begriff des Ideals wurde von R. Dedekind eingeführt, um für Ringe ein Analogon zum Satz von der eindeutigen Primzahlzerlegung zu erhalten; wurde inzwischen zu einem fundamentalen Begriff der Algebra.

2. Philosophie: Leitbild, erstrebenswertes Ziel menschlichen Handelns; Inbegriff der Vollkommenheit. Die Ideale wurzeln im gesellschaftlichen Sein, sind historisch bedingt und haben Klassencharakter.

Ideal, ästhetisches: Element des gesellschaftlichen Bewusstseins, das der Verständigung über das Verhältnis von Wirklichkeit und Möglichkeit dient. Das ä. Ideal bringt die Schönheitsvorstellungen und das Menschenbild einer Klasse, Gruppe, Epoche zum Ausdruck und beeinflusst das Denken und Handeln der Individuen.

Idealisierung: wissenschaftliches Abstraktionsverfahren zur gedanklichen Erzeugung idealer Objekte, die als Grundbegriffe in wissenschaftlichen Theorien fungieren. Die Idealisierung sieht von bestimmten, im Rahmen der betreffenden Theorie nicht wesentliche Eigenschaften der realen Objekte ab und spricht ihnen Eigenschaften zu, die als idealer Grenzfall zu verstehen sind, aber den realen Objekten nicht zukommen (zum Beispiel der ausdehnungslose Massepunkt der klassischen Mechanik).

Idealismus: die dem Materialismus entgegengesetzte philosophische-weltanschauliche Grundrichtung, die vom Primat des Bewusstseins, des Ideellen, des Psychischen ausgeht und die Materie als abgeleitet und sekundär betrachtet. Der objektive Idealismus (Platon, Thomas von Aquino, G. W. Leibniz, G. W. F. Hegel) erkennt zwar die reale Existenz der Außenwelt an, hält sie aber für die Verkörperung oder Entfaltung eines übernatürlichen geistigen Prinzips (Gott, absolute Idee). Zeitgenössische Richtungen des objektiven Idealismus sind Neuthomismus, Neuhegelianismus unter anderem. Der subjektive Idealismus (G. Berkeley, D. Hume, J. G. Fichte unter anderem) leugnet die objektive Realität der Außenwelt und erklärt sie zum bloßen menschlichen Wahrnehmungs- und Bewusstseinsinhalt. Der subjektive Idealismus führt in der Konsequenz zum Solipsismus. Um dessen absurden, offen wissenschaftsfeindliche Thesen zu entgehen, ist der subjektive Idealismus in der Regel mit objektiv-idealistischen Auffassungen verbunden. Zeitgenössische Richtungen des subjektiven Idealismus sind Positivismus, Lebensphilosophie, Pragmatismus unter anderem. Die sozialen Wurzeln des Idealismus sind die mit der historischen Spaltung der Gesellschaft in antagonistischen Klassen verbundene Trennung der geistigen von der körperlichen Arbeit, die Monopolisierung der geistigen Arbeit durch die herrschenden Klassen sowie deren Interesse an der Verschleierung der sozialen Verhältnisse und an ihrer ideologischen Rechtfertigung. Erkenntnistheoretische Wurzeln des Idealismus bestehen in der Kompliziertheit des Erkenntnisprozesses, dessen einzelne Elemente (Empfindung, Wahrnehmung, Begriff, Idee), aus dem Zusammenhang gelöst und verselbständigt, zur Grundlage einseitiger Auffassungen gemacht werden können. Obwohl der Idealismus in der Geschichte der Philosophie auch progressive Züge aufweist, ist er in der Regel die Philosophie konservativer und reaktionärer Klassen, die nicht an der Erkenntnis der gesellschaftlichen Widersprüche und an der Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse interessiert sind. Im bewussten Gegensatz und Kampf gegen den Marxismus-Leninismus versucht der Idealismus heute, den politischen und geistigen Verfall des Imperialismus zu verschleiern und die Werktätigen ideologisch an die untergehende kapitalistische Gesellschaftsordnung zu binden.

Idealtypus: von M. Weber entwickelter Grundbegriff der bürgerlichen Soziologie, eine aus Elementen der sozialen Wirklichkeit willkürlich geschaffene gedankliche Konstruktion, mit deren Hilfe soziologisches Material geordnet und die soziale Wirklichkeit verstanden werden soll. Mit der Konstruktion des Idealtypus suchen bürgerliche Soziologen ihr Unvermögen, objektive gesellschaftliche Gesetze zu erkennen, zu kompensieren durch subjektive Typisierung.

Idee: (lateinisch - griechisch idein, «sehen») 1. allgemein Gedanke, Einfall; Grundgedanke wissenschaftlicher, künstlerischer oder politischer Anschauungen.

2. Philosophie: Begriff, der im Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen Idealismus und Materialismus steht. Die idealistische Philosophie versteht unter Idee immaterielle Wesenheiten, deren Verhältnis zur Wirklichkeit unter Wahrung ihres Primats unterschiedlich aufgefasst wird (Urbild der Dinge, Schöpfer des Materiellen unter anderem). In der marxistischen Philosophie ist die (sekundäre) Idee das Produkt der Widerspiegelung wesentlicher objektiv-realer Eigenschaften oder Zusammenhänge im menschlichen Bewusstsein. Ideen wirken auf das Sein zurück.

Idee fixe: (französisch, «beständiger Gedanke») von H. Berlioz in die Instrumentalmusik eingeführte Bezeichnung für eine in der Art des Leitmotivs verwendete thematische musikalische Gestalt.

ideell: im Bewusstsein existierend, vom Bewusstsein abhängig; bewusstseinsmäßig, geistig.

Ideenflucht: Medizin unnatürlich beschleunigter, oberflächlicher und sich überstürzender Gedankenablauf mit ständig wechselnden Denkzielen; besonders bei Manie.

Iden: im altrömischen Kalender der 15.Tag in den Monaten März, Mai, Juli und Oktober sowie der 13. Tag in den übrigen Monaten. An den Iden des März 44 vor Christus wurde Cäsar ermordet.

Identifizierung: 1. Identifizierung, Identifikation: allgemein Gleichsetzung; Feststellung der Identität, der völligen Übereinstimmung; Wiedererkennen.

2. Kriminalistik: Feststellung der Identität oder Nichtidentität eines Tatwerkzeuges, einer Person, einer Substanz oder eines Prozesses im Zusammenhang mit einem kriminalistisch relevanten Ereignis.

Identifizierungsschwelle: Stärke eines Reizes, der nicht nur unbestimmt wahrgenommen wird (unspezifische Wahrnehmungsschwelle), sondern auch in seiner Qualität erkannt wird; zum Beispiel beim Geschmack als süß, salzig, sauer, bitter.

Identische Wagen: Motorsport Fahrzeuge, die einer Fabrikationsserie angehören, die gleiche Karosserie und die gleichen mechanischen (für Antrieb, Aufhängung, Lenkung und Abbremsen notwendigen) Teile sowie das gleiche Fahrgestell aufweisen.

identisch: sich selbst gleich, in allen Merkmalen übereinstimmend, ein und dasselbe.

Identität: 1. völlige Übereinstimmung von Dingen, Merkmalen, Sachverhalten und so weiter (reale), von Aussagen, Begriffen und so weiter (logisch). In vollständiger Identität steht ein Objekt nur zu sich selbst. Es enthält aber zugleich innere. Gegensätze (Widerspruch) und verändert sich infolgedessen. Die materialistische Dialektik widerspiegelt die reale Identität als dialektische oder konkrete, die den Unterschied, den Gegensatz in sich enthält. Die konkrete Identität verschiedener Objekte ist Einheit von abstrakter Identität (Übereinstimmung und relative Beständigkeit) und Verschiedenheit. Das logische Prinzip der Identität, das die abstrakte Identität widerspiegelt, erlaubt die gedankliche Zusammenfassung mehrerer Dinge in einem Begriff, mehrerer Zusammenhänge in einer Gesetzesaussage unter Abstraktion von ihrer Verschiedenheit. Die Verabsolutierung der abstrakten Identität führt zur metaphysischen Auffassung von der Unveränderlichkeit der Dinge.

2. Algebra: Gleichung.

3. Logik: Mathematik binäre Relation, die auf Objekte a, b genau dann zutrifft, wenn a und b jede Eigenschaft gemeinsam haben (Leibniz’scher Inbegriff)

Identitätsnachweis, Nämlichkeitsnachweis: im Zollwesen der Nachweis, dass ein- oder ausgeführte Waren bei ihrer Wiederaus- oder Wiedereinfuhr miteinander identisch sind.

Identitätsphilosophie: philosophisches System, das ein Absolutes zum Ausgangspunkt nimmt, in dem Sein und Bewusstsein, Natur und Geist zusammenfallen. Im Sinne des objektiven Idealismus vertraten W. J. Schelling und G. W. F. Hegel eine Identitätsphilosophie. Die Klassiker des Marxismus-Leninismus kritisierten die Identitätsphilosophie vom materialistischen Standpunkt.

Ideographie, Ideenschrift: Wiedergabe eines Begriffs, Gedankens oder Gegenstandes durch ein vereinfacht gezeichnetes Bild (Ideogramm. Piktogramm), Frühstufe der Schriftentwicklung. Ideogramme werden heute häufig als allgemeine verständliche sprachenunabhängige Hinweise, Gebote, Verbote, und so weiter verwendet.

idiochromatische Minerale: eigenfarbige Minerale, deren Farbe typischer und wesentlicher Merkmal der chemisch reinen Mineralsubstanz ist, zum Beispiel das Grün des Malachits. Siehe auch allochromatische Minerale.

idiomorphe Minerale: eigengestaltige Minerale, die sich beim Kristallwachstum in umgebender Schmelze, Lösung oder Gasphase gegenseitig nicht behindern. Siehe auch allotriomorphe Minerale.

Idiotie: angeborener oder durch frühkindliche Hirnschädigung erworbener, hochgradiger Schwachsinn mit völliger Bildungsunfähigkeit.

Idiotyp: Gesamtheit der genetischen Information einer Zelle oder eines Organismus (Genotyp und Plasmotyp).

Idol: 1. allgemein Götzenbild; Abgott; Gegenstand übermäßiger Verehrung.

2. Urgeschichte: Kultobjekt; aus Ton, Stein oder Knochen dargestellte Menschen- und Tierplastik, häufig kleine Frauenfiguren; seit der jüngeren Altsteinzeit bekannt.

Idolino: (italienisch, «kleines Idol») antike Bronzestatue eines Knaben, die 1530 in Pesaro gefunden wurde und Berühmtheit erlangte; römischer Erzguss nach einem Polyklet. Vorbild aus dem 5. Jahrhundert vor Christus; heute im Archäologischen Museum Florenz.

Idomeneus, in der griechischen Sage Herrscher von Kreta, kämpfte auf der Seite der Griechen im Trojanische Krieg.

Idris, Jusuf, geboren 19.5.1927, ägyptischer Schriftsteller; von Beruf Arzt, später Journalist; schildert in seinen realistischen Romanen und Kurzgeschichten eindrucksvoll das Leben auf dem Lande und in der Stadt, wobei er in den Dialogen die ägyptische Umgangssprache verwendet. Eine deutsche Auswahl seiner Erzählungen «Die billigsten Nächte» erschien 1977.

Idun, altnordische Göttin, Gemahlin Bragis; Hüterin der goldenen Äpfel ewiger Jugend.

Idylle: ursprünglich im alten Griechenland ein kurzes Gedicht, später die literarische Darstellung einfacher, harmonischer, friedvoll-glücklicher Lebensverhältnisse. In der griechischen Antike entstand als Hauptform der Idylle die Hirtendichtung als Lob naturverbundenen freien Daseins. Vergils «Eklogen» beeinflussten die neuere europäischen Schäferdichtung. Im Deutschland des 18. Jahrhundert erlebte die Idylle eine besondere Blüte bei S. Geßner, Maler Müller, J. Voß («Luise») und J. W. Goethe («Hermann und Dorothea») durch die Wahl aktueller bäuerlichen und bürgerlichen Themen und Stoffe, in denen sich das Ideal «natürlichen» Lebens spiegelte. Infolge der weiteren Zuspitzung der Klassengegensätze in der Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhundert konnte die Form der Idylle nicht wieder belebt werden. Idyllenhaftes findet sich jedoch in der Lyrik, so auch im Schaffen J. R. Bechers.

idyllisch: ländlich-friedlich, einfach, unschuldig. Das Idyllische stellt in gesellschaftlich motivierter Abwehr sozialer Konflikte und nicht lösbar erscheinender Widersprüche vor allem private Lebensverhältnisse außerhalb der geschichtlichen politischen Bewegung als Bedingung harmonischen individuellen Daseins dar.

Igel, Erinaceus europaeus: gesellig lebender, vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiver Insektenfresser mit aufrichtbarem Stachelkleid auf dem Rücken; rollt sich bei Gefahr zusammen; gegen Schlangengift relativ unempfindlich, Kreuzotterbisse können tödlich sein. Igel sind Winterschläfer, im Ruhezustand 5 bis 8 Atemzüge und 18 bis 22 Herzschläge/min, die Körpertemperatur beträgt

Igelfisch, Diodon hystrix: Fisch tropischer Meere; vermag sich kugelförmig mit Wasser aufzupumpen, so dass die dann vom ganzen Körper abstehenden, bis 5 cm langen Stacheln einen wirksamen Schutz darstellen.

Igelwürmer, Sternwürmer, Echiurida: artenarmer Tierstamm; bis 2 m lange, aus sack- bis walzenförmigem Körper und langem, manchmal gegabeltem Fangrüssel bestehende Meerestiere; leben in Felsspalten oder eigenen Röhren; ernähren sich von Kleinlebewesen, die sie mit dem Rüssel vom Boden absammeln.

Iglesias Posse, Pablo, 18.10.1850-9.12.1925, spanischer Sozialist; Drucker, proletarischer Publizist; 1871/72 Mitglied des Spanischen Föderalrats und 1872/73 der Neuen Madrider Föderation der Iglesias Posse Internationale; kämpfte gegen den anarchistischen Einfluss in der spanischen Sektion der Internationale; 1879 Mitbegründer und Vorsitzender der Spanischen sozialistischen Arbeiterpartei; stand nach der Jahrhundertwende auf reformistische, seit 1917 auf antikommunistische Positionen.

Iglu: kuppelförmiges, aus Schneequadern errichtetes Winterhaus der Eskimo.

Ignatius von Loyola, 1491 oder 1495-31.7.1556, spanischer Erneuerer des Katholizismus; 1524/37 Studium der Theologie und Philosophie, ab 1537 Priester, gründete 1534 den sich zur Hauptkraft der Gegenreformation entwickelnden Orden der Jesuiten («Gesellschaft Jesu»), dessen erster Ordensgeneral er 1541 wurde und für den er ab 1544 die Ordensregel schuf; kirchenpraktische Bedeutung erlangten auch seine 1522/23 verfassten, später vollendeten «Geistlichen Übungen» («Exerzitien»).

Ignatjew, Nikolai Pawlowitsch, 29.1.1832-3.7.1908, russischer Diplomat und Politiker; schloss 1860 als russischer Gesandter den Vertrag von Peking mit China, der die Grenze am Amur fixierte; betrieb als Innenminister 1881/82 eine äußerst reaktionäre Politik.

Ignimbrit: Schmelztuff (Schweißschlacke) aus überquellenden Glutwolken bei Ausbrüchen saurer bis intermediärer Magmen (ähnelt kieselsäurereichen Lavaergüssen).

Igor, gestorben 945 (ermordet), Großfürst von Kiew seit 912; trug zur Festigung des Kiewer Großfürstentums bei und unterwarf verschiedene Stämme zwischen Dnestr und Donau; zog 941 und 944 gegen Byzanz, kämpfte gegen die Petschenegen; war Begründer der Dynastie der Rurikiden.

Igorlied: altrussisches Heldenepos («Lied von der Heerfahrt Igors», deutsch) von weltliterarischen Rang, nach 1187 von einem unbekannten Verfasser geschaffen; beschreibt farbig und unter Verwendung vielfältiger stillst. Mittel den Feldzug Fürst Igor Swjatoslawitschs gegen die Polowzer im Jahr 1185.

Igor Swjatoslawitsch, 1151-1202, seit 1178 Fürst von Nowgorod-Sewersk und seit 1198 auch von Tschernigow; kämpfte gegen die Polowzer; Held des Igorliedes.

Igrim: Siedlung im Autonomen Bezirk der Chanten und Mansen, im Norden Westsibiriens, an der Nördlichen Soswa; Erdgasförderung.

Iguaszú: linker Nebenfluss des Paraná in Südbrasilien; 1320 km; entspringt in der Serra do Mar nahe der Atlantikküste, bildet am Unterlauf die Grenze zu Argentinien (150 km); in einem Cañón die Iguaszú Fälle mit 2 Stufen von 23 und 34 m Höhe, inmitten eines Nationalparks.

Iguanodon: bis 10 m langes, pflanzenfressendes Landreptil der Jura- und Kreidezeit; lief vorwiegend auf den Hinterbeinen; Daumen stachelförmig.

Ihara Saikaku, 1642-10.8.1693, japanischer Schriftsteller; führte die frühbürgerliche Erzählprosa zu höchster Blüte; schildert ungeschminkt die Befreiung der Leidenschaften aus den Fesseln feudaler Moral und die Macht des Geldes («Ein Mann der Liebe», 1682, deutsch; «Fünf Frauen der Liebe», 1686, deutsch).

Ihrer, Emma, 3.1.1857-8.1.1911, Funktionärin der deutschen proletarischen Frauenbewegung; gründete 1885 den «Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen» und 1891 die Zeitschrift «Die Arbeiterin» (seit 1892 als «Die Gleichheit» von C. Zetkin redigiert); seit 1890 war sie Mitglied der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands.

Ikaria: griechische Insel der südlichen Sporaden im Ägäischen Meer; 255 km2, 7700 Einwohner; bis 1031 m hoch; reich an Thermalquellen.

Ikarien: (nach der Sagengestalt Ikarus) Name der von Cabet und seinen Anhängern (Ikarier) gegründet kommunistische Musterkolonien.

Ikarier: (nach der Sagengestalt Ikarus) Artisten, die, auf dem Rücken liegend, den Partner mit den Füßen balancieren, drehen oder hochwerfen und wieder auffangen; früher auch Risley-Akrobaten genannt, nach dem englischen Akrobaten Richard Risley, der dieses Genre populär machte.

Ikarus: Typenbezeichnung für in Ungarn gebaute KOM und Nutzfahrzeuge; bekannt ist die KOM-Typenreihe 200 mit mehr als 10 Varianten.

Ikarus, Ikaros, in der griechischen Sage Sohn des Dädalus; stürzte bei der Flucht ins Meer, da das Wachs der vom Vater gefertigten Flügel schmolz, als Ikarus zu nahe der Sonne flog.

Ikat: (malaiisch, «binden», «umwickeln») eine in Asien, Afrika und in einigen peruanischen Küstenkulturen Altamerikas weit verbreitete komplizierte Reservefarbetechnik zur mehrfarbigen Musterung von Seiden- und Baumwollstoffen, bei der nicht das fertige Gewebe, sondern die für seine Herstellung bestimmten Kett- oder Schussfäden, oftmals auch beide (Doppelikat), entsprechend dem gewünschten Farbmuster oder deren Zerstörung durch die Perser verpflichtet; Erbauer des Parthenon.

Ilgner-Aggregat: (nach dem Erfinder) Ilgner-Schwungrad: mit Schwungmasse ausgestatteter Umformer Motor zur Vermeidung kurzzeitiger Netzüberlastungen, zum Beispiel beim Anfahren von Fördermaschinen.

Ilinden Aufstand: antifeudale nationale Erhebung des makedonischen Volkes am Eliastag (2.8.) 1903 gegen das türkische Joch, von G. Delcev unter anderem organisiert. Die Aufständischen riefen die Republik aus und bildeten eine provisorische Regierung in Krusevo. Bis Ende September wurde der Aufstand von mehrfach überlegenen türkischen Kräften grausam niedergeschlagen.

Ikebana: (japanisch, «Blumen zum Leben erwecken») Kunst des Blumensteckens; entwickelte sich in Japan aus dem religiösen Blumenopfer im 15. Jahrhundert zur weltlichen Kunst, die mit einer komplizierten philosophischen-ethischen Symbolik verbunden ist; hat in jüngster Zeit weites internationales Interesse gefunden.

Ikeda, Hayato, 3.12.1899-13.8.1965, japanischer Politiker; vor 1945 Staatsbeamter, danach mehrmals Minister, 1960/64 Ministerpräsident; besaß enge Bindungen zu japanischen und US-amerikanischen Finanzkreisen.

Ikonenmalerei: sakrale Tafelmalerei in der byzantinischen und nachbyzantinischen Kunst. Die Ikonenmalerei stellt als heilig verehrte Szenen und Personen nach einem überlieferten Kanon dar, wie ihn die byzantinische Kirche nach dem Bilderstreit entwickelte. Das Bild (Ikone) selbst wird zum Gegenstand kultischer Verehrung.

Ikonische Darstellung: technisches Zeichnen Zeichnung, deren Elemente in Hinblick auf ihre äußere Gestalt den Objekten, die dargestellt werden sollen, ähnlich sind; meist in Form von (teils standardisierten) Strichdarstellungen.

Ikonographie: 1. Altertumswissenschaft: Bildniskunde.

2. Kunstwissenschaft: Lehre von den Darstellungsinhalten, ihrer Sinndeutung und Gestaltung in festen Bildtypen.

Ikosaeder: ein von 20 kongruenten gleichseitigen Dreiecken begrenzter platonischer Körper mit 30 Kanten und 12 Ecken, in denen je 5 Dreiecke Zusammenstößen.

Iktaa: arabische Form des Lehens, Landzuweisungen an Gefolgsleute des Kalifen, die durch Geld- und Naturalabgaben entgolten werden mussten. Unter den Abbasiden und später bei den Mongolen und Osmanen meist als Militärlehen vergeben.

Iktinos, griechischer Architekt der 2. Hälfte des 5. Jahrhundert vor Christus; von Perikles gemeinsam mit Phidias für den Wiederaufbau der Akropolis von Athen nach

Illampu: Berg des Ancohuma-Massivs in der bolivianischen Ostkordillere; Doppelgipfel mit dem Illampu (6 550 m) und dem Ancohuma (6 427 m); stark vergletschert.

Illegalität: 1. Ungesetzlichkeit, Gesetzwidrigkeit

2. die organisierte Tätigkeit politischer Parteien und Organisationen sowie ihrer Mitglieder und Anhänger trotz staatlichen Verbotes.

Illegitim: gesetzlich nicht anerkannt; unrechtmäßig; nicht im Besitz aller Rechte; früher Bezeichnung für nichteheliche Kinder; siehe auch legitim.

Iller: rechter Nebenfluss der Donau in Deutschland; 147 km; entsteht bei Oberstdorf (Allgäu) aus mehreren Quellflüssen, mündet oberhalb von Ulm; zahlreiche Wasserkraftwerke.

Illes: 1. Bela, 22.3.1895-5.1.1974, ungarischer Schriftsteller; Pionier der ungarischen sozialistisch-realistischen Literatur; schrieb über die Revolution 1919 die Romane «Brennende Theiß» (1929, deutsch) und «Karpatenrhapsodie» (1939/41, deutsch); die Befreiung und sozialistischen Umwandlung Ungarns behandelt der Roman «Landnahme» (1952/54, deutsch).

2. Endre, geboren 4.6.1902, ungarischer Dramatiker, Novellist und Essayist; sein Schaffen ist der Abrechnung mit dem Faschismus und mit der Bourgeoisie gewidmet. Von seinen Dramen wurden insbesondere bekannt «Der Fremde» (1965, deutsch) und «Isabella von Spanien» (1976).

Illinois: 1. Illinois: linker Nebenfluss des Mississippi (USA); 810 km; entspringt südlich der Großen Seen mit 2 Quellflüssen; durch den Illinois-Michigan-Kanal und Chicago-Drainage-Kanal mit dem Michigansee verbunden.

2. Illinois, Abkürzung m.: Bundesstaat im nördlichen Zentralteil der USA; 145934 km2, 11,4 Millionen Einwohner (15% Afroamerikaner); 78 Einwohner/km2; Hauptstadt Springfield. Im Nordwesten hügelig, sonst fruchtbare, zum Teil lößbedeckte Ebenen zwischen Mississippi und südlichen Michigansee; gemäßigtes Klima. Illinois gehört zu den ökonomisch wichtigsten Staaten der USA (nach New York und Kalifornien) mit bedeutender Industrieproduktion: Bau von Landmaschinen (Chicago, Peoria, Rock Island unter anderem), Drehmaschinen (Chicago), Flugzeugen (East St. Louis); Eisenmetallurgie (Chicago), chemische Industrie (Chicago, East St. Louis und Peoria); Lebensmittelindustrie (Fleischverarbeitung in Chicago). Bergbauzentren im Süden des Staates (Förderung von Steinkohle, Erdölförderung gering), Elektrizitätsgewinnung 103 Millionen MWh (installierte Kapazität 29900 MW). In der Landwirtschaft erzeugen die 105000 Farmen Mais, Schweine, Rinder und Soja. Neben dem Eisenbahn-, Straßen- und Luftverkehr besitzt auch der Binnenwasserverkehr (Große Seen, Kanäle) Bedeutung.

illiquid: zahlungsunfähig; keine flüssigen Zahlungsmittel besitzend; nicht flüssig zu machen (bei Werten); siehe auch liquid.

Illubabor: Provinz im Südwesten Äthiopiens, an der Grenze zu Sudan; 47400 km2, 810000 Einwohner; 17 Einwohner/ km2; Verwaltungszentrum Gore.

Illuyanka-Mythos: in hethitische Sprache aus dem 2.Jahrt. vor Christus überlieferter anatolische Mythos, der den Kampf des Wettergottes mit dem Schlangendrachen Illuyanka behandelt. Der Gott gewinnt den Kampf mit Hilfe der List eines Menschen, der jedoch dadurch selbst ins Verderben gerät.

Illuminatenorden: (dat., «Orden der Erleuchteten») 1776 von dem Ingolstädter Professor A. Weishaupt (1748-1830) gegründet bürgerlicher Geheimbund; kämpfte im Sinne der Aufklärung gegen Intoleranz und Despotismus und vertrat das Ideal einer auf Freiheit und Gleichheit beruhenden Gesellschaft. Der Illuminatenorden wurde 1785 in Bayern unterdrückt und dann auch in anderen deutschen Staaten verboten.

Illuminieren: (dat.) 1. festlich erleuchten.

2. a) Handschriften mit Initialen und Malereien verzieren («illuminierte Handschriften»);

b) kolorieren, Zeichnungen oder Holzschnitte farbig ausmalen.

Illusion: 1. allgemein Selbsttäuschung; auf Einbildung beruhende Vorstellung von der Wirklichkeit; trügerische Hoffnung.

2. bildende Kunst: das Erzielen eines optischen Wirklichkeitseindrucks, besonders in der Malerei, durch Umsetzen des räumlichen und körperhaften Wirklichkeitsbildes in die zweidimensionale Bildebene mittels Linien- und Farbenperspektive sowie Schattenmodellierung.

3. Medizin: Sinnestäuschung, die auf falscher Deutung real vorhandener Sinneseindrücke beruht, im Unterschied zur Halluzination.

Illusionist: Zauberkünstler, der vorwiegend technische Apparate für seine Vorführungen verwendet.

illuster: vortrefflich, glanzvoll, berühmt.

Illustration: Erläuterung; Veranschaulichung; Bildbeigabe; Beispiel; Beleg; anschauliche Ausschmückung eines Textes durch Abbildungen, dem Text beigefügt (Textabbildung) oder auf einem besonderen Blatt (Bildtafel).

Illustrationsdruck, Bilderdruck: der Druck von Bildern aller Art in allen Druckverfahren, insbesondere im Buchdruck.

Illyés, Gyula, 2.11.1902-15.4.1983, ungarischer Schriftsteller; gehörte der Bewegung der Volkstümler an; kam von der surrealistischen zur realistischen, gegenständlich-beschreibenden Lyrik; schrieb formvollendete Gedichte (deutsch Auswahl «Mein Fisch und mein Netz», 1973), Prosa über das Leben im Dorf wie «Pußtavolk» (1936) und «Mittagessen im Schloss» (1962), eine Petöfi-Biographie (1936) und historische Dramen wie «Fackel» (1953) und «Der Bejubelte» (1973, alle deutsch).

Illyrien: 1. im Altertum der Nordwestteil der Balkanhalbinsel und der Adriaküste, benannt nach den indoeuropäischen Illyriern.

2. die nach dem Frieden von Schönbrunn (1809) durch Napoleon Illyrien vom Habsburgerreich abgetrennten Gebiete Westkärnten, Krain, Istrien, Triest, Görz und Gradisca, Dalmatien sowie Teile Tirols, Kroatiens und der ehemaligen Republik Dubrovnik, wurden als Illyrische Provinzen Bestandteil des französischen Kaiserreiches bis 1814; bürgerliche Reformen wurden eingeleitet. Wieder zu Österreich gehörig, führte ein Teil dieser Gebiete bis 1849 die Bezeichnung Königreich Illyrien.

Illyrier: indoeuropäische Stämme, die um 1200 vor Christus in das nach ihnen benannt Illyrien einwanderten. Sie stellten im römischen Reich bedeutende Truppenkontingente. Seit 268 nach Christus waren einige römische Kaiser, zum Beispiel Diokletian, Illyrier.

Illyrismus: kroatische politische und kulturelle Bewegung des 19. Jahrhundert im Vormärz zur Bildung einer kroatischen bürgerlichen Nation; hatte besonders Bedeutung für die Wiedergeburt der kroatischen Literatur. Unter Führung von L. Gaj schufen junge Intellektuelle auf der Basis einer umkämpften einheitlichen Literatursprache vor allem eine national bewusste, kämpferisch-romantische Poesie.

Ilm: linker Nebenfluss der Saale; 120 km; entspringt mit mehreren Quellbächen im Thüringer Wald südwestlich von Ilmenau, fließt durch Ilmenau, Stadtilm, Bad Berka, Weimar, mündet bei Bad Sulza.

Ilsenburg: Stadt im Kreis Wernigerode, Bezirk Magdeburg, am Fuße des Brockens, an der Ilse; 7400 Einwohner; Blechwalzwerk, Gießerei, Kupferhütte, Radsatzfabrik, Holzverarbeitung, Strickwarenindustrie; Luftkurort (246 m über dem Meeresspiegel); Hüttenmuseum; Fachwerkhäuser, Klosterkirche (ehemaliges Benediktinerkloster, 11., 16. Jahrhundert), neue Wohnviertel.

Iltis, weidmännisch Ratz, Putorius putorius: bis 50 cm langer, nachtaktiver Marder Eurasiens und Nordafrikas; als Einzelgänger jagt er Nagetiere, Vögel, Fische unter anderem; guter Schwimmer.

Image: Vorstellungsbild, das in der Öffentlichkeit von bestimmten Waren, Institutionen, Personen und so weiter besteht. Die bürgerliche Werbepsychologie manipuliert das Verhalten der Menschen gegenüber Firmen, Waren, Politikern und so weiter, indem sie systematisch und gezielt ein den Interessen der herrschenden Klasse dienendes Image dieser Gegenstände und Personen aufbaut.

Imagisten: kurz vor dem 1. Weltkrieg entstandene, nach Kriegsende zerfallene Gruppe englischer und US-amerikanischer Dichter, die den Kult des «Bildes» (englisch «Image») propagierten und zum Formalismus neigten (T. E. Hulme, E. Pound, R. Aldington, das heißt Lawrence unter anderem). Eine russische Gruppe gleicher Richtung (Imaginisten), der unter anderem. S. A. Jessenin angehörte, bestand 1919/27.

Imam: Leiter des Gebets in der Moschee; Titel einiger islamischer Fürsten und Gelehrter; bei den Schiiten gelten als Imam nur Muhammads Schwiegersohn Ali und dessen Nachkommen.

Imandrasee: See im Südwesten der Halbinsel Kola, im Gebiet Murmansk; 812 km2, bis 67 m tief; Buchten- und Inselreich; zahlreiche Zuflüsse, Abfluss Niwa; Fischfang; am Nordwestufer Montschegorsk.

Imatra: Stadt im Südosten Finnlands, an den Imatrafällen des Vuoksi; 36000 Einwohner; vielseitige Industrie, unter anderem Stahlwerk, Zellulosewerk und Wasserkraftwerk, Imatrafälle: Wasserfälle im Südosten Finnlands, am Oberlauf des Vuoksi (Abfluss des Saimaasees zum Ladogasee); ursprünglich 18 m hoch in 20 m breiter Schlucht im Granit, durch Aufstau für Wasserkraftwerk 24 m Stauhöhe, 4 km langer Stausee; Kraftwerk.

Imbaba: Stadt in Ägypten, westlich von Kairo, am linken Nilufer; seit 1966 Teil von Giseh; 350000 Einwohner; vielseitige Leichtindustrie; Nilbrücke (Eisenbahn, Straße).

Imbezillität: angeborener oder durch frühkindliche Hirnschädigung verursachter Schwachsinn mittleren Grades. Durch geeignete heilpädagogische Maßnahmen kann eine begrenzte soziale Eingliederung erreicht werden.

Imhoff, Karl, 7.4.1876-28.9.1965, Abwasseringenieur; entwickelte unter anderem 1906 den Emscherbrunnen, ein zweistöckiges Abwasserbauwerk, mit dem erstmals eine vollständige Trennung der Absetz- und Schlammausfaulungsprozesse erfolgte.

Imhotep, um 2750 vor Christus, altägyptischer Baumeister, Arzt und Schriftsteller; gilt als der Begründer des monumentalen Steinbaues und erbaute die 60 m hohe Stufenmastaba des Königs Djoser in Sakkara; wurde als Gott der Heilkunst verehrt.

Imidazol: (Kunstwort) heterozyklische Base mit aromatischen Charakter; Struktur H=CH-NH-CH=l1i.

Imidazol ist eine farblose, kristallisierte, wasserlösliche Substanz; F 90 °C. Die Imidazolgruppierung ist in vielen Naturstoffen enthalten.

lminogruppe: (Kunstwort) die funktionelle Gruppe =NH im Molekül der Iminoverbindungen, R=NH.

Imitatgarn: ein nach dem Streichgarnspinnverfahren hergestelltes grobes Garn aus Baumwolle und Chemiefasern als voluminöser, fülliger Schussfaden.

Imitation: 1. allgemein (minderwertige) Nachahmung; Nachbildung.

2. Musik: Nachahmung, die in der Mehrstimmigkeit als Satztechnik (zum Beispiel «imitierender Stil» in der Polyphonie) angewandt wird, am konsequentesten in Kanon und Fuge.

Imkerei: Haltung, Zucht und Nutzung der Honigbienenvölker, um landwirtschaftliche Kulturen zu bestäuben und Honig, Wachs, Bienengift, Pollen, Kittharz oder Weiselfuttersaft zu erzeugen. Je Volk wird ein durchschnittlicher Honigertrag von 10,5 kg erzielt. Die Völker sind meist in Wanderwagen oder Bienenhäusern untergebracht.

immanent: innewohnend, in der Sache liegend; mit etwas unlöslich verbunden.

Immaterialismus: Lehre, der zufolge die Materialität der Welt geleugnet und die Wirklichkeit nur als Geist beziehungsweise Bewusstseinsinhalt aufgefasst wird.

immaterieller Schaden: nicht mit materiellen Nachteilen verbundener Schaden; begründet grundsätzlich keinen Ersatzanspruch, wohl aber Ausgleichsanspruch.

Immediat: unmittelbar, ohne Vermittlung. Im deutschen Reich (bis 1806) so viel wie dem Kaiser und Reich unmittelbar unterstellt.

immensurabel: unmessbar.

Immergrüne: Sammelbezeichnung für Gehölze, die ihr Laub während der Vegetationsruhe im Winter nicht abwerfen.

Immermann, Karl Leberecht, 24. 4. 1796 bis 25. 8.1840, Schriftsteller und Theaterleiter; gestaltete im «Trauerspiel in Tirol» (1828) einen Stoff aus den antifeudalen Kämpfen in Österreich. In seinen Hauptwerken, den Gegenwartsromanen «Die Epigonen» (1836) und «Münchhausen» (1838, mit der Dorferzählung «Der Oberhof»), fand Immermann den Übergang von klassisch-romantischen Epigonentum zur bürgerlichen realistischen Literatur des Vormärz. Immermann setzte sich für ein literarisch wertvolles Theaterrepertoire und für Ensemblekunst ein.

Immersion: (dat., «Ein-, Untertauchen»)

1. Geologie: Sedimentationszyklus.

2. Physik: Flüssigkeit zwischen optisch wirksamen Flächen. Immersion zwischen Objektdeckglas und Objektiv dient beim Mikroskop zur Erhöhung der numerischen Apertur.

Imminens: nahe bevorstehend, drohend; zum Beispiel Abortus imminens (drohender Abort).

Immission: störende Einwirkung auf die Umwelt, wie Verunreinigung der Luft und des Wassers, Geruch, Lärm und Erschütterungen (siehe auch Emission 3). Betriebe müssen bei derartigen Auswirkungen auf die Umwelt die bestehenden Grenzwerte auf Grund der Rechtsvorschriften für den Umweltschutz beachten und sind darüber hinaus verpflichtet, Immission so gering wie möglich zu halten. Sie sind für pflichtwidrig durch Immission verursachte Schäden verantwortlich. entsprechend Grundsätze gelten auch für Bürger.

Immunbiologie, Immunologie (dat. + griechisch): Lehre von den (spezifischen) Antigen-Antikörper-Reaktionen höherer Organismen zur Erkennung und Abwehr körperfremder (schädigender) Strukturen (Immunreaktion); Teilgebiete der Immunbiologie sind zum Beispiel die Serologie, die Transplantationsimmunbiologie, die Infektionsimmunbiologie und die Tumorimmunbiologie. Siehe auch Immunität, Immuntoleranz.

Immunität: 1. Medizin: Unempfindlichkeit des Organismus gegen eingedrungene Krankheitserreger und beziehungsweise oder deren Gifte; Fähigkeit zur Erkennung und Zerstörung körperfremder Strukturen, aber auch unbrauchbarer gealterter, geschädigter oder entarteter körpereigener Zellen (Schutz- und Reinigungsfunktion). Die Immunität gewährleistet die Erhaltung der ererbten körpereigenen, individuellen Strukturen. Natürliche unspezifische Immunität ist eine angeborene Resistenz gegen Krankheitserreger, beruhend auf inneren Schutzvorrichtungen des Organismus; erworbene spezifische Immunität entsteht nach Auseinandersetzung mit einem bestimmten Krankheitserreger durch Überstehen einer Infektionskrankheit oder durch aktive künstliche Immunisierung mit abgeschwächten Krankheitserregern (Schutzimpfung) und ist an die aktive Bildung von spezifischen Abwehrstoffen (Antikörper) und Abwehrzellen (sensibilisierte immunkompetente Zellen) gebunden. Bei der passiven künstlichen Immunisierung bewirkt die Zufuhr antikörperhaltigen Serums (Immunserum) eine rasch einsetzende, kurzzeitige Immunität

2. mittelalterliches Recht: Ausnahmestellung der mit königlichen Privilegien ausgestatteten geistlichen und weltlichen Grundherrschaften; wurde von den erstarkenden Feudalgewalten vielfach erzwungen; Immunitätsprivilegiert verboten den königlichen Beauftragten (Grafen), das Immunitätsgebiet zu betreten, und befreiten dieses von öffentlichen Abgaben; sie entbanden jedoch nicht von verschiedenen Pflichten, wie Beherbergung des Königs und seines Gefolges, Heerbann, Wachdienst, Burgen-, Brücken- und Straßenbau sowie Jahresgeschenken an den König. Seit dem 10. Jahrhundert wurde die Immunität der Grafschaft völlig gleichgestellt.

Immunprophylaxe: gezielte Einflussnahme auf das Immunsystem zur Verhütung von

a) Infektionskrankheiten durch aktive und passive Immunisierung (Schutzimpfung) und

b) Rhesus-Faktor-Unverträglichkeit des Neugeborenen durch Unterdrückung der Sensibilisierung (Immunzellprägung, Antikörperbildung) gegen den Rhesus-Faktor bei der Mutter mittels Zufuhr des Rhesus-Antikörpers als Anti-D-Immunglobulin (Anti-D-I).

Immunreaktion: Antigen-Antikörper-Reaktion; lebenswichtige spezifische Abwehrreaktion höherer Organismen gegen eingedrungene körperfremde Substanzen (Antigene) durch Bildung von Antikörpern (Immunglobuline) beziehungsweise Vermehrung spezifisch reaktionsfähiger Zellen des lymphatischen Systems (Immunzellen). Die Immunabwehr ist bei Immundefekten, Allergien und Autoaggressionskrankheiten gestört. Siehe auch Transplantationsimmunologie.

Immunsuppression: unspezifische Unterdrückung der Immunabwehr durch Arzneimittel (Immunsuppressiva), ionisierende Strahlen unter anderem Siehe auch Immunreaktion, Immuntoleranz.

Immuntoleranz: streng spezifische Duldung bestimmter körperfremder Strukturen (Antigene) durch das Immunsystem mit Ausbleiben der Immunreaktion; auslösbar durch Zufuhr sehr großer oder sehr geringer Antigenmengen, begünstigt zum Beispiel durch Immunsuppression. Siehe auch Transplantationsimmunologie.

Impacttheorie: englisch Impact, «Zusammenstoß»): Theorie, nach der die Hauptmasse der Krater der erdähnliche Planeten Merkur, Venus, Mars, des Erdmondes und einiger anderer Monde durch Aufschlag von Meteoriten, Kometenköpfen oder größeren Planetoiden (bis 50 km Durchmesser; Geschwindigkeiten von 3 bis 60 km/ s) entstanden sind. Durch sie wird auch die Entstehung der Maria (Mare) erklärt. An den Impact haben sich durch Schmelzung der Planetenkruste sekundär vulkanische Prozesse angeschlossen. Die Impacttheorie steht im Gegensatz zur Auffassung, nach der die meisten Krater der genannt Planeten und Monde vulkanischen Ursprungs seien.

impaktiert: Medizin eingeklemmt, eingekeilt; ein impaktierter Zahn ist ein durch Raummangel oder falsche Lage am Durchbruch oder an richtiger Einstellung in der Zahnreihe gehinderter Zahn.

Impala, Schwarzfersenantilope, Aepyceros melampus: bis 1 m hoher, schlanker Wiederkäuer mit langen Hörnern nur im männlichen Geschlecht. Impala leben oft in großen Herden in Ost- und Südwestafrika.

Impander: biegsames oder zusammendrückbares Trainingsgerät für das Muskelkrafttraining.

Impasto: in der Malerei das dicke (pastöse) Aufträgen der Farben.

Impedanz, komplexer Widerstand, Widerstandsoperator: Quotient aus der (komplexen) Spannung U und der (komplexen) Stromstärke; Zeichen Z, SI-Einheit Ohm (i2). Der Betrag wird Gesamtwiderstand, häufig (aber wenig zutreffend) auch Scheinwiderstand genannt.

Impedanzwandler: elektronische Einrichtung mit hohem beziehungsweise niedrigem Eingangs- und niedrigem beziehungsweise hohem Ausgangswiderstand.

Imperativ: (dat. imperare, «befehlen») Befehlsform: Modus des Verbs, zum Beispiel komm!, kommt!

Imperator: (lateinisch, «Oberbefehlshaber») im alten Rom der Inhaber der obersten Befehlsgewalt. Die römischen Kaiser führten den Titel Imperator im Namen; somit entwickelte sich Imperator als Bezeichnung für den Kaiser.

imperfektiv: Grammatik Aspekt, vor allem zur Kennzeichnung einer Handlung in ihrem Verlauf und ihrer Wiederholung.

Imperialismus, Monopolkapitalismus: höchstes und letztes Entwicklungsstadium des Kapitalismus; gesetzmäßiges Ergebnis der Entwicklung des Kapitalismus der freien Konkurrenz; bildete sich in den entwickelten kapitalistischen Ländern gegen Ende des 19. Jahrhundert heraus. Lenin analysierte den Imperialismus und fasste dessen Entwicklungsbedingungen in 5 ökonomischen Merkmalen zusammen:

a) Die Konzentration der Produktion und des Kapitals erreicht eine Entwicklungsstufe, auf der die Sicherung von Höchstprofiten gesetzmäßig zur Ablösung der freien Konkurrenz durch die Herrschaft der kapitalistischen Monopole führt;

b) das Bankkapital verschmilzt mit dem Industriekapital zum Finanzkapital; es entsteht die Finanzoligarchie, die weitgehende Verfügung über das Gesamtkapital und die Naturreichtümer erlangt, immer mehr direkten Einfluss auf den Staatsapparat gewinnt und ihn zur Herrschaft über alle übrigen Klassen und Schichten in der Gesellschaft nutzt;

c) der Kapitalexport gewinnt gegenüber dem Warenexport zunehmend Bedeutung, um bessere Profitbedingungen in anderen Ländern dem Monopolkapital nutzbar zu machen;

d) es bilden sich internationale Monopole heraus, die die Bodenschätze, Absatzmärkte, Verkehrswege unter anderem Produktionsressourcen des Erdballs nach dem jeweiligen Kräfteverhältnis zwischen ihnen unter sich aufteilen;

e) die territoriale Aufteilung der Erde unter die imperialistischen Mächte ist abgeschlossen, der Kampf um die Neuaufteilung hat begonnen. Das ökonomische Wesen des Imperialismus besteht in der Herrschaft kapitalistischer Monopole. Politisch ist der Imperialismus Drang nach Gewalt und Reaktion auf der ganzen Linie. Seinem historischen Platz nach ist der Imperialismus monopolistischer, faulender oder parasitärer und sterbender Kapitalismus, das heißt Vorabend der proletarischen Revolution. Der Imperialismus bereitet durch die Zuspitzung des Grundwiderspruchs des Kapitalismus, des damit verbundenen Wachstums der Produktivkräfte und der Verschärfung des Klassenkampfes die sozialistische Revolution materiell vor. Der parasitäre und faulende Charakter des Imperialismus äußert sich am deutlichsten in seiner dem Wesen des kapitalistischen Monopols entspringenden Aggressivität. Die freie Entfaltung der Produktivkräfte in der Aufstiegsphase des Kapitalismus wird im Imperialismus von der Tendenz zu Stagnation und Fäulnis, vom zunehmenden Missbrauch der Produktivkräfte als Destruktivkräfte abgelöst. Das schließt allerdings Perioden raschen Wachstums der Produktivkräfte und der Wirtschaft nicht aus. Das Monopol als umfassendes nationales und internationales Ausbeutungsverhältnis, das alle Seiten des gesellschaftlichen Lebens durchdringt, steht objektiv in Widerspruch zu den Lebensinteressen aller nichtmonopolistischen Klassen und Schichten des Volkes. Darin besteht die objektive politische Schwäche des Imperialismus und zugleich die ökonomische Grundlage für ein weltweites, breites antimonopolistische Bündnis. Dem Drang des Monopols nach Herrschaft, Unterdrückung und Höchstprofit entsprechend schlägt im Imperialismus die bürgerliche Demokratie in die Tendenz zu offener Reaktion um mit der Tendenz zur faschistischen Diktatur. Anders ist die Herrschaft der Monopolbourgeoisie über die Mehrheit der Bevölkerung immer weniger zu sichern. Die Spaltung der Arbeiterbewegung durch den Opportunismus wird zu einer wesentlichen Existenzbedingung für den Imperialismus Die Zuspitzung der Widersprüche des Imperialismus treibt gesetzmäßig zum staatsmonopolistischen Kapitalismus, der eine Entwicklungsphase des Imperialismus darstellt. Das mit dem Imperialismus verbundene Sterben des Kapitalismus äußert sich vor allem in der Zuspitzung aller Widersprüche des Imperialismus, in den Siegen des Proletariats über den Kapitalismus, in der damit verbundenen allgemeinen Krise des Kapitalismus, in der Existenz der historischen Alternative zum Kapitalismus, dem Sozialismus und seinem wachsenden Einfluss auf die Entwicklung in der Welt.

Impetigo, Eiterflechte, Blasengrind, Grindflechte: durch Eitererreger (Strepto- oder Staphylokokken) verursachte ansteckende Hauterkrankung mit Pusteln oder eiterhaltigen Blasen, später honiggelben Krusten, meist bei Kindern auftretend. Siehe auch Pyodermie.

Impetus: 1. allgemein Heftigkeit, Ungestüm; Anstoß, Impuls.

2. in der idealistischen Philosophie der Spätscholastik eine göttliche Kraft, die die Körper des Weltalls in Bewegung gesetzt haben soll.

Impfen: (dat. imputare, «einschneiden») Chemie Zugabe von Fremdkörpern oder Kristallen zu einer übersättigten beziehungsweise unterkühlten Lösung oder Schmelze, um deren Kristallisation auszulösen.

Impfstoff, Vakzin: Stoff, der abgetötete beziehungsweise abgeschwächte lebende Krankheitserreger oder nur deren Stoffwechselprodukte enthält. Wurde das Serum vom Empfänger des Impfstoff selbst entnommen, handelt es sich um Autovakzine. Je nach Art des Impfstoff kann eine aktive oder passive Immunisierung erfolgen. Siehe auch Schutzimpfung.

Implantation: Einpflanzen, zum Beispiel von Hormonkristallen oder eines Herzschrittmachers unter die Haut; in der Embryologie Einnisten des befruchteten Eis in die Gebärmutterschleimhaut (Nidation).

Implikation: Logik umgangssprachlich durch «wenn Ah so A2» oder «yl, impliziert A2» ausgedrückte zweistellige Aussagenverbindung, die nur dann als falsch gilt, wenn die Prämisse Al wahr und die Konklusion A2 falsch ist; bei dieser extensionalen Interpretation wird die Implikation auch materiale Implikation genannt, im Gegensatz zu anderen Interpretationen des umgangssprachliche «Wenn-so» (kausale Implikation, modale oder strikte Implikation und so weiter).

Implizit: 1. allgemein unentwickelt, nicht entfaltet.

2. Mathematik: explizit.

implizite: inbegriffen, eingeschlossen.

Implosion: Zerstörung eines evakuierten Gefäßes durch den von außen wirkenden Luftdruck (zum Beispiel bei Bildröhren) im Unterschied zur Explosion bei Überdruck im Inneren.

Imponderabilien: wirksame, aber unbestimmbare Einflüsse und Umstände.

Imperium: im alten Rom die höchste Befehlsgewalt der obersten zivilen, militärischen und richterlichen Beamten, nach Einrichtung von Provinzen auch die der dort eingesetzten Statthalter. Etwa seit Cicero auch das Gebiet, in dem diese Beamten das Imperium ausübten; auch das Reichsgebiet zur Kaiserzeit (Imperium Romanum).

Imponiergehabe: bei Tieren angeborene ritualisierte Bewegungs- und Haltungsformen, die auf den Partner (Werbung) oder gegen den Konkurrenten (Drohung) gerichtet sind.

Import: Einfuhr von im Ausland produzierten Waren für den inländischen Verbrauch oder zur späteren Wiederausfuhr sowie Inanspruchnahme von Dienstleistungen aus dem Ausland; Teil des Außenhandels.

Importpreis: Geldausdruck für den Aufwand, den eine eingeführte Ware verursacht. Der Importpreis tritt in ausländischer Währung als Valutapreis als Valutagegenwert auf, der auch als eine Grundlage für den Inlandspreis dient.

Importquote: Anteil des Imports am Gesamtverbrauch eines Erzeugnisses in einer Volkswirtschaft beziehungsweise in der gesamten Industrie, in einem Kombinat oder Betrieb.

Importvertrag: internationaler Wirtschaftsvertrag mit einem ausländischen Lieferer. Zur Sicherung des staatlichen Außenhandelsmonopols dürfen Importverträge als Besteller nur die Außenhandelsbetriebe u. a. speziell ermächtigte Betriebe schließen.

imposant: eindrucksvoll, großartig.

Impotenz, Impotentia: Unfähigkeit zur Zeugung. Man unterscheidet Impotentia coeundi (Unvermögen des Mannes, den Beischlaf auszuüben) und Impotenz generandi (Zeugungsunfähigkeit). Als Ursache kommen psychische oder organische Veränderungen in Betracht. Siehe auch Andrologie.

Imprägnation: 1. biologische Technik: Anlagerung von Metallionen (zum Beispiel Silber, Gold, Chrom) an Zell- und Gewebestrukturen, die sich dort durch Einwirkung von reduzierenden Substanzen unlöslich in Metallform niederschlagen und damit sichtbar werden.

2. Geologie: feine Verteilung von Stoffen (Minerale, Flüssigkeiten, Gase) in Mineralen und Gesteinen, zum Beispiel Erzminerale in Gesteinen oder Erdöl/Erdgas in Sandsteinen.

Imprägnieren: 1. Holztechnik: Tränken des Holzes mit Flüssigkeiten (Öl, Salzlösungen) oder geschmolzenen Stoßen zur Erhöhung der Gebrauchseigenschaften.

2. Lebensmitteltechnik: Carbonisieren.

3. Textiltechnik: Aufbringen von flüssigen Textilhilfsmitteln auf textile Flächengebilde, um ihnen bestimmte Eigenschaften zu verleihen, zum Beispiel um sie wasserabweisend zu machen.

Impresario: Vermittler und Betreuer von Künstlergastspielen; statt dessen heute oft Manager oder Agent genannt.

Impression: (dat., «Einprägung») Eindruck; Empfindung; Sinneswahrnehmung.

Impressionismus: stilistisch weitgehend einheitliche Kunstrichtung vor allem in Malerei und Graphik sowie Musik und Literatur im letzten Drittel des 19. Jahrhundert, ausgehend von Frankreich. Der Impressionismus entstand als Reaktion vorwiegend kleinbürgerlich-intellektueller Schichten auf den Übergang vom vormonopolistischen Kapitalismus zum Imperialismus, dessen sozialökonomisches und politisches Wesen jedoch nicht durchschaut wurde. Die Impressionisten vermieden Themen gesellschaftskritische oder direkt politische Tendenz und wandten sich einer landschaftsbezogenen Wahrnehmung der Wirklichkeit zu. Auf Grund eines lebensbejahenden, humanistische Wirklichkeitsverhältnisses brachte der Impressionismus aber Kunstwerke von bleibender Schönheit und Wahrheit hervor, erweiterte besonders in der Malerei die Gestaltungsmöglichkeiten und entwickelte im Streben nach Naturwahrheit und künstlerische Unmittelbarkeit neue Möglichkeiten des bürgerlichen Realismus. Die Überbetonung des Formalen lenkte in subjektivistischen Bahnen und bereitete dem Modernismus spätbürgerlicher Kunst den Boden. In der bildenden Kunst entwickelte sich der Impressionismus als Stilrichtung der Malerei und Graphik im letzten Drittel des 19. Jahrhundert in Frankreich. Er entstand als Bewegung gegen die erstarrten Kunstlehren des bürgerlichen Akademismus und als Reaktion auf die Ateliermalerei mit ihrer Dunkeltonigkeit sowie der Überbewertung des Inhaltlichen im Historien- und Genrebild. Der Impressionismus erfasst das Naturvorbild in seiner sich ständig verändernden, natürlichen Einheit. Bestimmte Eindrücke werden in ihrer Zufälligkeit und Augenblicklichkeit festgehalten, wobei atmosphärische Wirkungen, das Zusammenspiel von Licht und Luft, eine besondere Rolle spielen. Mit skizzenhaft lockerem Pinselstrich wird die Wiedergabe eines jeweils flüchtigen Moments angestrebt; Lokalfarben, festbegrenzte Flächen und Linien werden dabei aufgegeben. Der Impressionismus führt vor allem die realistischen Bestrebungen der Schule von Barbizon und der Freilichtmalerei, aber auch der intimen Landschaftsmalerei von J. Constable und W. Turner weiter. Indem er bemüht ist, den Gegenstand im farbigen Reichtum natürliche Beleuchtung wiederzugeben, wird der dunkle Atelierton durch eine aufgehellte Palette verdrängt. Dunkle Farben werden vermieden und selbst Schatten erscheinen als farbige Reflexe. Um die Farben in ihrer Reinheit nicht zu beeinträchtigen, werden sie ungebrochen-rein auf den Malgrund aufgetragen. Durch die optische Mischung im Auge des Betrachters soll sich dann der farbliche Gesamtklang ergeben, ein Prinzip, das in der Übersteigerung im Divisionismus seinen Niederschlag fand. Hauptvertreter in Frankreich sind E. Manet, C. Monet, C. Pissarro, A Renoir und A. Sisley; in Deutschland M. Liebermann, M. Slevogt, L. Corinth und R. Sterl. In der Plastik führten impressionistische Tendenzen zu einer malerisch weichen Modellierung der Oberfläche, die ein lebhaftes Spiel von Licht und Schatten ermöglicht (A Rodin, C. Meunier). In der Literatur ist der Impressionismus eine vom Naturalismus ausgehende, zum Expressionismus führende Strömung (1890/1910), die vom Impressionismus in der Malerei beeinflusst war; er bereicherte die künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten, besonders in der Lyrik, durch feinfühlige sprachliche Gestaltung subjektiver Sinneseindrücke, seelische Regungen sowie momentaner Erscheinungen der Wirklichkeit. In den Werken seiner Vertreter (D. Liliencron, H. von Hofmannsthal, R M. Rilke, A. Schnitzler, M. Dauthendey, P. Hille unter anderem) herrschen teils romantisch-subjektivistische, teils realistische Tendenzen vor. Auch die Musik nahm, zuerst in Frankreich, Anregungen von der Malerei auf. Charakteristisch wurden tonmalerisch vielfältig differenzierte Naturschilderungen, Vorliebe für klangliche Exotismen (Gamelan Orchester, fremdartige Tonleitern), Klänge mittelalterlicher Musik unter anderem Bevorzugt eingesetzt wurden reizvolle musikalische Gestaltungselemente, wie Differenzierung der Klangfarbe der Instrumente und des Orchesters, überraschende Instrumentationseffekte, übermäßige Dreiklänge, Ganztonleiter und Quarten Akkorde, frei schwebende Motivik, Verflüchtigung der melodischen Linie, ostinate Rhythmen, zuweilen orgiastischen Steigerungen. Hauptvertreter waren C. Debussy, M. Ravel, M. de Falla; Blütezeit zwischen 1890 und 1915.

Imprimatur: Druckreiferklärung und Druck-erlaubnis durch Autor, Verlag oder sonstigen Auftraggeber; imprimatur, Abkürzung impis, impr., ist die Formel für das Imprimatur («es werde gedruckt»),

Impromptu: Charakterstück für Klavier, meist in dreiteiliger Liedform, zum Teil improvisiert wirkend; besonders von F. Schubert und F. Chopin gepflegt.

improvisieren: 1. etwas aus dem Stegreif tun; mit behelfsmäßigen Mitteln herstellen.

2. Musik: spontan erfinden und gleichzeitig darbieten ohne vorherige notenschriftliche Fixierung, besonders im 17. /18. Jahrhundert gepflegt; wichtiges Element auch des Jazz.

Impuls: 1. allgemein Anstoß, Anregung; plötzliche Eingebung.

2. Elektronik: kurzzeitiger Strom- oder Spannungsstoß mit beliebigem Zeitverlauf (häufig benutzt Rechteck-, Dreieck-, Trapez-, Sinus-, Kosinus Quadrat-Impuls). Periodische (Puls) und statistische Impulsfolgen werden in der Nachrichten-, Fernseh-, Radar-, Rechen- und Automatisierungstechnik als Informationsträger- beziehungsweise Steuersignale angewendet.

3. Physik: Produkt aus Masse m und Geschwindigkeit v eines Massenpunktes, Zeichen p, SI-Einheit kg • m/s = N • s. Der Impuls ist ein Vektor p = mv, der die gleiche Richtung wie die Geschwindigkeit hat, das heißt in jedem Punkt der Bahnkurve tangential an dieser liegt; er wird auch Bewegungsgröße genannt. Nach dem Impulssatz ändert sich in einem nach außen abgeschlossenen System die Summe aller Einzelimpuls nicht, das heißt, der Gesamtimpuls ist eine Erhaltungsgröße.

Impulsdichte, Impulsrate, Zählrate: die auf die Zeit bezogene mittlere Anzahl der Impulse, die von einem Detektor für ionisierende Strahlung bei der Messung von Teilchen, Gamma- oder Röntgenquanten abgegeben werden. Die Impulsdichte ist der Intensität der einfallenden Strahlung proportional. Impulsdichtemesser gestatten in Verbindung mit einem registrierenden Messgerät die fortlaufende Überwachung der Strahlungsintensität.

Impulserneuerer, Impulsregenerator, elektronische Schaltung in digitalen Übertragungssystemen, die die am Empfänger eintreffenden verzerrten und mit Störsignalen überlagerten Impulse regeneriert. insbesondere werden Impulsamplitude, -dauer und -form sowie der Bit-Takt des Digitalsignals erneuert.

Impulsformer: elektronische Schaltung (zum Beispiel Trigger) oder elektrisches Netzwerk (zum Beispiel Differenzier- oder Integrierglied) zur Umformung von Impulsen nach vorgeschriebener Bedingung.

Impulshöhenanalysator: elektronische Gerät zur Registrierung von Amplitudenspektren elektrischer Impulse; ursprünglich für die Kernphysik entwickelt. Im Vielkanalanalysator werden die Impulse nach ihrer Amplitude (Impulshöhe) in entsprechend Kanäle (bis zu mehreren 1000) sortiert. Im Einkanalanalysator werden die Impulse nur in einem nach Lage und Breite einstellbaren Amplitudenbereich registriert. Durch Änderung der Lage des Bereiches lassen sich die Impulsspektren aufzeichnen.

Impulsmuster: Serie von fortgeleiteten Aktionspotentialen in der Nervenfaser oder in der Nervenzelle. Dabei weist jedes einzelne Aktionspotential einen für das Impulsmuster charakteristischer zeitlicher Abstand (Intervall) zum vorangegangenen auf. In den Impulsmustern sind die Informationen verschlüsselt, die von den Rezeptoren zum Zentralnervensystem gelangen beziehungsweise von ihm, zum Beispiel für die Skelettmuskulatur, ausgesandt werden.

Impulsoperator: in der Quantenmechanik der dem Impuls p eines Teilchens zugeordnete hermitesche Operator; in der Wellenmechanik zum Beispiel ist der Impulsoperator durch den auf die Wellenfunktion y (x, y, z, t) wirkenden Differentialoperator gegeben; h Planck Konstante. Siehe auch Drehimpulsoperator.

Impulsspektrum, Impulshöhenverteilung: Atom- und Kernphysik Darstellung der Häufigkeit von Impulsen, zum Beispiel aus Teilchendetektoren, in Abhängigkeit von ihrer Amplitude (Impulshöhe). In der Kernphysik ist das Impulsspektrum meist ein Abbild des Energiespektrums der untersuchten Strahlung.

Impulstechnik: Elektronik Verfahren und Einrichtungen zur Erzeugung und Nutzung von Impulssignalen.

Impulstransformator, Impulsübertrager:

a) ein besonders ausgelegter Transformator zum Anpassen einer Belastung an eine Impulsspannungsquelle;

b) Transformator zum Erzeugen von Steuerimpulsen für Halbleiterbauelemente.

Impulsverstärker: elektronischer Verstärker impulsförmiger elektrischer Signale. In der kernphysikalischen Messtechnik unterscheidet man spektroskopische Impulsverstärker für Detektorsignale, die von einem Impulshöhenanalysator verarbeitet werden, und schnelle Impulsverstärker für Signale, die ein Zeitanalysator verarbeitet.

Imputzinstallation: elektrische Installationsart für trockene Räume mit auf dem ungeputzten Mauerwerk verlegten flachen (Steg-)Leitungen, die durch den Putz mechanisch geschützt sind.

Imroz, Imbros: Insel im Ägäischen Meer, westlich der Halbinsel Gelibolu, zur Türkei gehörend; 256 km2, etwa 6000 Einwohner; Hauptort Imroz; gebirgig, bis 672 m; Teppichindustrie; Anbau von Getreide, Wein, Oliven.

Imru al-Kais, gestorben um 550, arabischer Dichter der vorislamischen Zeit; verfasste Kassiden, von denen eine in die bekannte Sammlung «al-Muallakat» aufgenommen wurde. F. Rückert stellte Imru al-Kaiss Leben anhand seiner Gedichte, soweit erhalten, dar («Amrilkais, der Dichter und König», 1843).

In absentia: (lateinisch) in Abwesenheit.

Inachos, in der griechischen Sage Flussgott, Sohn des Okeanos, König von Argos, Vater der Io.

in aeternum: auf ewig, für immer.

Inboard-Rennboot: Motorboot mit eingebautem homologiertem Motor, dessen Bootskörper keinen Konstruktionsbeschränkungen unterliegt.

Inch, Zeichen in oder: angloamerikanische Längeneinheit; 1 in = 25,4 mm.

Inconel: (Kunstwort) Nickellegierung für Heizleiter bis 1200 °C mit 10 bis 20 % Chrom und bis 6 % Eisen.

Incontro: gleichzeitiger Doppeltreffer bei Florett- und Säbelfechten; entsteht durch konventionswidriges Verhalten eines Fechters und wird diesem als Treffer angerechnet Siehe auch Action simultanée, Coup double.

In corpore: insgesamt, alle gemeinsam.

Indalsälven: Fluss im Norden Schwedens; mit Quellfluss Järpströmmen 420 km; durchfließt mehrere Seen (unter anderem Storsjön, 447 km2), mündet bei Sundsvall in den Bottnische Meerbusen; mehrere Wasserkraftwerke; Flößerei.

Indanthrenfarbstoffe: (Kunstwort aus Indigo + Anthrazen) ursprünglich Anthrachinon-Küpenfarbstoffe, heute Sammelbezeichnung für Farbstoffe verschiedener Klassen mit besonders hervorragender Licht- und Waschechtheit.

Indefinitpronomen, unbestimmtes Fürwort: Wortart zum Ausdruck einer Unbestimmtheit, zum Beispiel man, jemand, etwas.

indeklinabel: unflektierbar, zum Beispiel etwas, lila.

Indemnität: (lateinisch, «Straflosigkeit») 1. Befreiung von der Verantwortlichkeit, Entlastung.

2. nachträgliche Billigung vollmachtüberschreitender Regierungsmaßnahmen durch das bürgerliche Parlament (meist bei Etats-Überschreitungen).

3. Grundsatz, nach dem Abgeordnete für ihre Stimmabgabe oder Äußerungen in Ausübung ihres Mandats weder strafrechtlich noch disziplinarisch zur Verantwortung gezogen werden dürfen.

Independenten: seit etwa 1600 in England von Freibauern, mittleren Schichten der Bourgeoisie sowie kleinen und mittleren Landadligen gebildeter linker Flügel der Puritaner. Die Independenten forderten die Unabhängigkeit der Glaubensgemeinde (Congregation) von Staat, Priesterhierarchie und anderen Gemeinden, deshalb auch Kongregationalisten genannt. In der bürgerlichen Revolution bildeten die Independenten unter Führung O. Cromwells den Kern des reorganisierten Parlamentsheeres und waren anfänglich das Sammelbecken aller konsequent revolutionären Kräfte. Sie entfernten 1648 die großbürgerlichen und adligen Presbyterianer aus dem Parlament und erklärten England zur Republik. Danach führten unterschiedliche Klasseninteressen zu ihrer Spaltung. Während das Offizierskorps (verächtlich «Granden» genannt) als Vertreter der Manufaktur- und Handelsbourgeoisie sowie des neuen Adels (Gentry) an der Stabilisierung der erzielten Ergebnisse interessiert war, versuchten die kleinbürgerlich-demokratische Massen (Levellers), die Revolution weiterzutreiben. Sie wurden unterdrückt, und die «Granden» unterstützten 1660 die Restauration der Königsdynastie Stuart.

Inder: 1. Astronomie: Sternbild.

2. Völkerkunde: die anthropologisch, sprachlich, kulturell und religiös sehr unterschiedliche Bewohner Vorderindiens; über 800 Millionen; überwiegend Indoarier und Dravida; außerdem Munda und den Tibetern nahestehende Himalaya-Völker. Hinduismus und Islam sind die verbreitetsten Religionen. Inder im engeren Sinne sind die Staatsbürger der Republik Indien.

Indeterminismus: idealistische philosophische Anschauung, die die allgemeine Gesetzmäßigkeit und den kausalen Zusammenhang der Erscheinungen in Natur und Gesellschaft ablehnt. Der Indeterminismus verabsolutiert den Zufall und setzt ihn mit Ursachlosigkeit gleich. Auf Grund einer undialektischen, starren Gegenüberstellung von Freiheit und Notwendigkeit behauptet er die absolute Freiheit des Willens.

Indexieren: Wiedergeben des Inhaltes von Informationsquellen zur Speicherung und zum Wiederauffinden der in ihnen enthaltenen Informationen durch Themenanzeiger (Indizes) einer 1 Informationsrecherchesprache, zum Beispiel durch Schlagwörter, Deskriptoren.

Indiaca: Rückschlagspiel für Einzelspieler, Doppel oder Mannschaften, bei dem das federballähnliche Spielgerät (die Indiaca) mit der flachen Hand über ein Netz geschlagen wird. Die Spielfeldgröße ist variabel, die Regeln leimen sich an Volleyball an.

Indiana, Abkürzung Indischen: Bundesstaat im nördlichen Zentralteil der USA, zwischen mittlerem Ohio im Süden und Michigansee im Norden; 93 720 km2, 5,5 Millionen Einwohner; 59 Einwohner/km5; Hauptstadt Indianapolis. Die von glazialen Ablagerungen gebildete und von zahlreichen kleinen Seen bedeckte Oberfläche ist vorwiegend wellig und durch die Nebenflüsse des Ohio zerschnitten; gemäßigt kontinentales Klima. Indiana zählt zu den entwickelten Industrie- und Agrarstaaten der USA: Eisenmetallurgie (Gary, Indiana Harbor, Hammond und East Chicago), Autoindustrie (South Bend, Fort Wayne, Indianapolis), elektrotechnische Industrie, Landmaschinenbau, Flugzeug-, chemische und Lebensmittelindustrie. Die Energiebasis der Industrie bilden leistungsfähige Wärmekraftwerke (Energieerzeugung 71 Millionen MWh, installierte Leistung 17100 MW), Steinkohlengewinnung, die Erdölförderung ist gering. In der Landwirtschaft Rückgang der Farmen; an der Marktproduktion sind Schweinezucht, Maisanbau, Rinderzucht und Sojaanbau in erster Linie beteiligt. Verkehrsmäßig gut erschlossen durch sternförmig von Indianapolis ausgehende Straßen und Bahnlinien und vom Eriesee zum Wabash führende Kanäle.

Indianapolis: Hauptstadt des Bundesstaates Indiana (USA); 700000 Einwohner (22 % Afroamerikaner), als Metropolitan Area 1,1 Millionen Einwohner; chemische, pharmazeutische Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau (Autos, Flugzeuge unter anderem), Lebensmittel-, Rüstungs-, Elektroindustrie; Agrarmarkt; Verkehrsknoten; 2 Universitäten.

Indianapolis-Start: (nach der US-amerikanischen Stadt) Motorsport spezielle Startart, bei der die Fahrzeuge hinter einem Führungsfahrzeug (kein Teilnehmer!) eine «tote» Runde in der festgelegten Startaufstellung zurücklegen und ohne Halt an der Startlinie das Rennen aufnehmen.

Indianer: 1. Astronomie: soviel wie Inder (Sternbild).

2. Völkerkunde: Ureinwohner Amerikas (ohne Eskimo). Der Name geht zurück auf den Irrtum des Kolumbus, der in Amerika Indien auf dem westlichen Seeweg erreicht zu haben glaubte. Die Indianer bilden einen eigenen Zweig der mongoliden Rassengruppe; der volkstümliche Name «Rothaut» ist unzutreffend (und geht meist auf eine entsprechend Zeremonial-Bemalung zurück), vielmehr ist die Haut gelbbraun in vielen Schattierungen; das Haar ist blauschwarz und glatt. Die Indianer wanderten in mehreren Wellen aus Asien über die Beringstraße vor etwa 40000 bis 10000 Jahren ein. Sie bilden zahlreiche Sprachfamilien (Indianersprachen); umfassen in ihrer traditionellen Wirtschaftsführung sowohl Sammler und Jäger als auch Fischer und Bodenbauer. Anfänge des Bodenbaus (Kürbis, Mais, Bohnen) sind in Mexiko und Peru etwa seit 5000 vor Christus nachweisbar, in allen anderen Gebieten später. Nach Wirtschaftsgeographischen Gesichtspunkten ergibt sich folgende Gliederung der traditionellen indianischen Kulturen in Nordamerika: Indianer der Subarktis (subarktische Jäger und Fischer in den Wäldern und Waldtundren Alaskas und Kanadas; vorwiegend Athapasken und Algonkin); Nordwestküstenindianer (sesshafte Fischer mit ausgeprägter sozialer Schichtung, auf den Inseln und Küsten Südalaskas und Westkanadas); Kalifornische Indianer (Sammler, zum Teil Fischer und Jäger) und Indianer des Großen Beckens (repräsentiert durch die Schoschonen); des Südwestens (Bodenbauer in Arizona und Neumexiko, zum Beispiel Pima und Puebloindianer sowie die relativ spät eingewanderten Jäger und Sammler Navaho und Apachen); Prärie-Indianer (verhältnismäßig junge jägerische Kultur zwischen Rocky Mountains und Mississippi; Dakota, Cheyenne, Comanche); Indianer im Gebiet der Großen Seen (Erntevölker des wilden Wasserreises, aber auch Bodenbauer, zum Beispiel Ojibwa); des östlichen Waldlandes (Bodenbauer und Jäger zwischen dem Gebiet des Sankt-Lorenz-Stromes und dem Atlantik, repräsentiert durch die Delawaren und andere Algonkin sowie Irokesen); Indianer des Südostens (mit intensiver Maiskultur und hochentwickeltem Häuptlingstum, zum Teil Anfänge eines Staatswesens; zwischen Mississippi/Ohio und Atlantik/Golf von Mexiko; dazu gehören Cherokee, Muskogee, Creek und Natchez). Auf der Grundlage eines intensiven Bodenbaus entwickelten sich die mittelamerikanische und andinen Kulturen (Zerfall der Urgesellschaft, Entstehung von Staaten, zum Beispiel Aztekenreich, Staaten der Maya und Chibcha, Inkareich), die durch eines der größten Verbrechen der Weltgeschichte von den spanischen Eroberern in der 1. Hälfte des 16. Jahrhundert vernichtet wurden. Einteilung in 4 Gruppen: die Völker Nord- und Zentralmexikos (Chichimeken, Mixteken, Tarasken, Otomi, Huaxteken, Zapoteken, Azteken); die Maya und Quiché im östlichen Mexiko, Guatemala und angrenzenden Gebieten; die Völker des nördlichen Andenraumes und angrenzender Gebiete der mittelamerikanischen Landenge (Chibcha) und die Völker des zentralen Andenraumes (Ketschua, Aimará). Den Übergang zu den nicht sesshaften Indianer des südlichsten Andenraumes, der Pampas und Patagoniens bilden die Araukaner. Die wichtigsten Gruppen im übrigen Südamerika sind: Indianer des tropischen Waldlandes von Amazonien und Guyana (typischer Bodenbauer, aber auch Flussfischer und Jäger mit einer Kultur, wie sie am deutlichsten von den Aruak und Kariben repräsentiert wird; siehe auch Paño, Karajá); Indianer des brasilianischen Küstengebietes (wirtschaftlich-kulturell mit den Indianer des tropischen Waldlandes verwandt, zum Beispiel die Tupí-Guaraní); Indianer der Montaña (Gebirgswaldgebiet des östlichen Andenvorlandes Ekuadors und Perus; nehmen eine Zwischenstellung ein zwischen den Indianer des tropischen Waldlandes und den Indianer des zentralen Andengebietes, zum Beispiel die Jivaro); Indianer des Brasilianischen Berglandes (Sammler und Jäger mit gering entwickeltem materiellem Kulturbesitz, zum Teil extensiver Bodenbau; dazu gehören Ge, Aimore unter anderem); Gran-Chaco-Indianer, Pampasindianer und Patagonier entwickelten in verhältnismäßig junger Zeit (17./18. Jahrhundert) eine Reiteijäger-Kultur ähnlich dem nordamerikanischen Prärie-Indianertum. Andere Sammler-, Jäger- und Fischergruppen sind zum Beispiel Feuerländer und Bororo. Die Indianer wurden im Zuge der europäischen Kolonisation rücksichtslos dezimiert, zum Teil völlig ausgerottet wie die Indianer der Antillen (16. Jahrhundert) und die Feuerländer (20. Jahrhundert); andere Stämme wurden aus ihren ursprünglich Gebieten vertrieben und in Reservationen gepfercht (besonders in den USA). Die Schätzungen der Anzahl der Indianer zur Zeit der Entdeckung schwanken zwischen 8 und 40 Millionen Gegenwärtig leben in Nordamerika etwa 1,5 Millionen Indianer, in Mittelamerika und den Andenstaaten etwa 30 Millionen und im übrigen Südamerika (besonders Amazonien und Mato Grosso) etwa 500000. Dazu kommen etwa 40 bis 50 Millionen Mischlinge. Die soziale Lage der Indianer ist überall durch Rechtlosigkeit, Unterdrückung und Landmangel gekennzeichnet; lediglich in Mexiko und in jüngerer Zeit in Nikaragua haben sich ihre soziale Lage und kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten zum Teil gebessert.

Indianersommer: spätsommerliche Schönwetterperiode in Nordamerika; entspricht dem Altweibersommer in Mitteleuropa.

Indianersprachen: Sprachen der Ureinwohner Nord-, Mittel- und Südamerikas mit etwa 120 Sprachfamilien (nahezu 1000 Einzelsprachen). Viele Indianersprachen sind als Folge kolonialistische und imperialistische Ausrottungspolitik ausgestorben oder im Aussterben begriffen. Die wichtigsten Sprachfamilien sind in Nordamerika Eskimoaleutisch, Na-Dene, Hoka Sioux, Algonkin; in Mittelamerika Uto-Aztekisch, Tarasko, Maya; in Südamerika Karibisch, Chibcha, Arauka-Sprachen, Arawak, Aimara, Ketschua, Tupi-Guarani unter anderem.

Indianische Kunst: Älteste Belege für die indianische Kunst stammen aus Jäger- und Sammlerkulturen. In der indianischen Kunst Nordamerikas überwiegt die ornamentale Gestaltung der Gebrauchsgegenstände sowie die Zeichen- und Malkunst. Demgegenüber treten Plastik und Maskenkunst stark zurück. An der Nordwestküste Nordamerikas erreichen Plastik, Architektur und Zeichenkunst einen Höhepunkt. Die Kunst der Puebloindianer zeichnet sich durch eine komplizierte Ornamentik, charakteristische Masken, Puppen und eine hochentwickelte Juwelier- und Textilkunst aus. Die Bodenbauer Mittelamerikas und des Andengebietes brachten bedeutende Leistungen der sakralen Architektur und der Steinskulptur hervor. Bei den Bodenbauern des tropischen Waldlandes Südamerikas bestimmt eine typische Ornamentik Flechtkunst und Keramik. Tonplastiken, Masken und Federarbeiten erscheinen vielfach als stilisierte mythologische Darstellungen.

indianische Literatur: Schriftlich fixierte Überlieferungen bilden einen geringen Anteil der von den verschiedenen indianischen Völkern geschaffenen Lieder, Gedichte, Epen, Dramen sowie ihrer Erzähltraditionen. Die meisten indianischen Sprachen sind schriftlos geblieben, Schriftzeugnisse anderer, zum Beispiel die Hieroglyphentexte der Maya Südmexikos aus dem 1. Jahrhundert, noch nicht völlig enträtselt. Während der kolonialen Eroberung wurden viele Schriftdokumente vernichtet; anderes wurde bewahrt, bisher mündlich Überliefertes in den indianischen Sprachen aber in lateinischer Schrift aufgezeichnet. Aus Altmexiko blieben ungefähr 20 auf Hirschleder oder Rinden beziehungsweise Agavefaser-Papier gemalte bunte bilder- oder hieroglyphenschriftlichen Darstellungen erhalten, die nach den Sammlern oder ihrem Aufbewahrungsort benannt werden, zum Beispiel die kostbarste der 3 erhaltenen Mayahandschriften, Codex Dresdensis, die schönste der mixtekischen Handschriften, Codex Borgia, oder der Codex Borbonicus der Azteken. Sie enthalten Daten und Ereignisse vieler Jahrhunderte vorspanischen Geschichte, Herrschergenealogien, epische Dichtungen, Tributlisten, Land- und Flurkarten. Nach der spanischen Eroberung wurden Berichte aztekischer Würdenträger über Lebensweise und Kultur, Mythen und Annalen unter anderem in der «Allgemeinen Geschichte der Angelegenheiten Neuspaniens» des Franziskanermönchs Bernardino de Sahagun (um 1500-1590) zusammengestellt. Neben den sogenannten Büchern des Jaguarpriesters (Chilam Balam) der Yucatán-Maya hat das «Buch der Ratsversammlung» (Popol Vuh) der Quich6-Maya Guatemalas wegen seiner Darstellungen mythische und historische Ereignisse Berühmtheit erlangt. In den altamerikanischen Kulturen des Andenraumes war keine vollwertige Schrift entwickelt worden, deshalb ist der Umfang der aus diesem Gebiet stammenden indianischen Literatur weitaus geringer. Berühmt ist das sehr spät aufgezeichnete Drama «Ollantay», dessen Stoff aus der Inkazeit stammt. Bei den nordamerikanischen Indianern gab es bildliche Darstellungen von Stammesüberlieferungen historischen und mythischen Inhalts, die auf Rinde, Büffel- oder Hirschhaut, Knochen und Stein gemalt wurden. Ihre höchste Entwicklung erfuhren sie als sogenannt «winter counts», Kalender der Kiowa und Dakota, in der «roten Einritzung» (Walam Olum) der Delawaren und den Geheimnissen der Midewiwin, des Geheimbunds der Ojibwa.

Indien, Republik Indien: Bundesstaat in Südasien, der den größten Teil des indischen Subkontinents einnimmt und einige Inselgruppen im Arabischen und Bengalische Meer umfasst. Indien erstreckt sich von Norden nach Süden über 3200 km, von Osten nach Westen über 3000 km; grenzt im Norden an China, Nepal und Bhutan, im Osten an Burma und Bangladesh, im Süden an Sri Lanka und im Westen an Pakistan. Es ist administrativ in 22 Unionsstaaten und 9 zentralverwaltete Unionsterritorien geteilt. Währung ist die Indische Rupie. Bevölkerung. Nach China ist Indien der bevölkerungsreichste Staat der Erde, in dem als Vielvölkerstaat mehr als 800 Sprachen (einschließlich der Dialekte) gesprochen werden. Sie gliedern sich in die indoeuropäische, die dravidische, die austroasiatische und die tibeto-burmesische Sprachgruppe. Viele dieser Sprachen werden nur von jeweils sehr wenigen Menschen in den nördlichen und nordöstlichen Bergregionen verwendet, während es nur 15 Hauptsprachen gibt, die von über 90% der indischen Bevölkerung gesprochen werden. Amtssprachen sind Hindi und Englisch. In bestimmten Unionsstaaten gelten als Hauptsprache Hindi, Urdu, Bengali, Marathi, Gujarati, Oriya, Punjabi, Assami, Kashmiri, Telugu, Kannada und Malayalam. Indiens Einwohnerzahl steigt jährlich um etwa 2,5 %; so wuchs die durchschnittliche Besiedlungsdichte von 125 Einwohner/km2 (1951) auf über 208 Einwohner/ km2 (1981), wobei dieser Wert in einigen Unionsstaaten im Gangestiefland und an der Küste (Kerala) noch weit übertroffen wird. In den über 3000 Städten des Landes leben etwa 23 % der Bevölkerung, davon die Hälfte allein in den mehr als 200 Großstädten (davon 12 Millionenstädte). Trotz großer Fortschritte im Bildungswesen sind erst 47 % der männlichen und nur 25 % der weiblichen Bevölkerung des Lesens und Schreibens kundig. Etwa 33 % der Bevölkerung sind erwerbstätig. Auf die Landwirtschaft entfallen 69 % der Erwerbstätigen (43 % als Bauern Natur. Oberfläche. Indien gliedert sich in 3 Großlandschaften: im Norden die Faltengebirgsketten des Himalaja und des Karakorum (bis 8611m) und ihre Vorgebirge, südlich davon das 300 bis 500 km breite Indus-Ganges-Tiefland mit seinen Schwemmlandebenen und dem sehr wasserreichen Ganges-Brahmaputra-Delta und im Süden die Scholle des Dekan mit ihren Hügel-, Berg- und Hochländern. Zu ihr gehören im Nordwesten das Malwa Plateau, umgeben von Vindhya-Kette und Aravalligebirge, im Nordosten das Hochland von Chota Nagpur und schließlich im Süden das Hochland von Dekan mit seinen Randgebirgen, den West- und Ostghats. Diesen sind an der Koromandelküste im Osten breite und an der Malabarküste im Westen schmale Schwemmländer vorgelagert. Das Hochland von Dekan ist durch Flüsse (Tapti, Narbada, Godavari, Krishna, Kaveri) und Gebirge (Satpura Kette, Nilgiri unter anderem) gegliedert. Klima. Bestimmend ist der Monsun. Es sind 3 Jahreszeiten zu unterscheiden, die besonders im nördlichen Indien hervortreten. Von Juni bis Oktober bringt der tropische Sommermonsun aus Südwesten vom Arabischen Meer her große Niederschlagsmengen an die Luvseiten der Gebirge im Westen, Norden und Nordosten. Dagegen bleiben die Ostseiten der Westghats und der Nordwesten Indiens niederschlagsarm. Vom November bis Mai herrscht der aus Innerasien kommende trockene Nordost- oder Wintermonsun vor. Er bewirkt von Dezember bis Februar in Nordindien die gemäßigt-trockene Jahreszeit. In ihr fallen jedoch im Nordwesten einige Niederschläge, hervorgerufen durch vom Westen heranziehende Luftwirbel (Zyklonen) der gemäßigten Breiten. Von März bis Mai währt die trocken-heiße Jahreszeit, in der der Boden steinhart austrocknet, wenn keine Bewässerung erfolgt. Jedoch fallen im Nordosten und Osten ab März vormonsunale Niederschläge («Mangoregen»). Auch der äußerste Süden bleibt in der Trockenzeit nicht ohne Regen. Beim Umschlagen der Monsunrichtung im November und März treten vorwiegend im Osten gefürchtete Wirbelstürme (Zyklone) auf. Gewässer. Die wasserreichsten Flüsse sind Sutlej im Nordwesten, Ganges mit Yamuna im Norden, Brahmaputra im Nordosten, Godavari und Krishna im Süden und Tapti wie Narbada im Westen. Das Wasserkraftpotential aller indischen Flüsse beträgt 41000 MW; im Süden und Nordwesten wird es schon weitgehend genutzt. Auf Wasserkraftwerke entfallen etwa 40 % der Elektrizitätserzeugung. Fluss-, Grund- und Speicherwasser aus in der Sommermonsunzeit aufgestauten Teichen (Tanks) ermöglichen, dass etwa 30 % des Ackerlandes bewässert werden können, so dass mehrere Ernten im Jahr möglich sind. Pflanzenwelt. Die ursprüngliche Vegetation ist infolge jahrtausendelangen Ackerbaus nur noch stellenweise im Ganges Delta (Mangroven) und am Fuß des Himalaja als Dschungel, in Gebirgen als immergrüner tropischer Regenwald, subtropischer Wald und Knieholz vorhanden. Nur 19% des Landes sind waldbedeckt, 48 % des Territoriums sind Ackerland. Etwa ein Drittel der Fläche Indiens sind landwirtschaftlich ungenutzte Gebirge, Savannen, Steppen und im Nordwesten Wüste (Thar) Böden. Es existieren vielfältige Bodentypen von unterschiedlicher natürlicher Fruchtbarkeit. Hervorzuheben sind fruchtbare alluviale Schwemmlandböden im Gangestiefland, in den Deltas und an Flussläufen, aber auch der wasserspeichernde Regur des nördlichen und mittleren Dekans. Indien ist reich an Bodenschätzen. Reichen Vorkommen an Steinkohle steht ein begrenzter Vorrat an verkok barer Kohle gegenüber, ebenso an Erdöl. Überaus groß sind die Vorkommen an Eisenerz, Manganerz und Bauxit. Die Erze zeichnen sich meist durch einen sehr hohen Metallgehalt aus. Genutzt werden Vorkommen an Glimmer, Diamanten und Gold.

Indieren: (Kunstwort, zu «Indium») elektrochemisches Beschichten von Metalloberflächen mit Indium zum Schutz vor Korrosion und Verschleiß, zum Beispiel für Gleitlager.

indifferent: 1. allgemein unentschieden; wirkungslos; gleichgültig.

2. Physik: Gleichgewicht.

Indigenismus, (lateinisch indigena, «einheimisch») Indigenismo: in Lateinamerika Sammelbegriff für die ihrem politischen und sozialen Charakter nach sehr unterschiedlichen Bewegungen für die völlige Emanzipation der indianischen Bevölkerung. Soziales Hauptproblem ist dabei die Lösung der Agrarfrage. Der fortschrittliche Indigenismus entwickelte sich besonders unter dem Einfluss der mexikanischen Revolution 1910/17 und fand seinen Niederschlag auch in Literatur (P. Neruda) und Kunst (D. Rivera).

Indigniert: unwillig, entrüstet, beleidigt.

Indigo: tiefblauer, seit dem Altertum besonders aus der Indigopflanze (vor allem in Indien und Jawa), seit 1897 in technischen Maßstab synthetisch hergestellter, sehr wasch- und lichtechter Farbstoff. Indigo wird vor dem Färben verküpt (Küpenfarbstoffe); das mit der farblosen Lösung behandelte Färbegut wird an der Luft durch Rückbildung von Indigo blau. Indigo ist die Stammsubstanz der indigoiden Farbstoffe-, es wurde zum Teil durch noch echtere Anthrachinonfarbstoffe verdrängt,

indigoide Farbstoffe: Küpenfarbstoffe mit Indigo oder indigoähnliche Struktur, zum Beispiel Thioindigo. Zu den indigoiden Farbstoffen gehört auch der antike Purpur.

Indigopflanze, Indigostrauch, Indigofera tinctoria: Schmetterlingsblütengewächs der Tropen und Subtropen; liefert den blauen Indigo, der bis zur Herstellung des synthetischen Indigos am Ende des vergangenen Jahrhunderts zu den wichtigsten natürlichen Farbstoffen gehörte. In Mitteleuropa lieferte ein Kreuzblütengewächs, der Färberwaid (Isatis tinctoria), den blauen Farbstoff.

Indigotin: wasserlösliche blauer Farbstoff, der aus Indigo durch Sulfonierung mit Schwefelsäure hergestellt wird. Indigotin ist das Natriumsalz der Indigo-Disulfonsäure, C16HeN202(S03Na)2; es wird in der Medizin, Mikroskopiertechnik und als Lebensmittelfarbstoff verwendet.

Indikation: 1. allgemein Kennzeichen, Merkmal.

2. Medizin: Heilanzeige zu einer bestimmten Behandlungsart im einzelnen Krankheitsfall.

Indikativ, Wirklichkeitsform: Modus des Verbs, der im Allgemeinen den dargestellten Sachverhalt als «wirklich» charakterisiert, zum Beispiel «Er arbeitet gut».

Indikator: 1. Chemie: Substanz, die durch Änderung der Farbe oder einer anderen Eigenschaft die Anwesenheit eines Stoffes oder den jeweiligen Zustand eines Stoffsystems (zum Beispiel hinsichtlich des pH-Wertes) anzeigt und vorzugsweise in der Maßanalyse angewendet wird, zum Beispiel Lackmus, Methylorange, Phenolphthalein. Siehe auch Metallindikator.

2. Maschinenbau: Gerät, das den Druckverlauf in Abhängigkeit vom Kolbenweg in Zylindern von Kolbenmaschinen, zum Beispiel Verbrennungsmotoren, aufzeichnet. Die entstehende Kurve heißt Indikatordiagramm. Der Druckverlauf wird bei langsam laufenden Maschinen mechanisch, bei schnelllaufenden elektrisch mittels der Piezoelektrizität von Quarzgebern übertragen.

3. Messtechnik: a) Einrichtung zum Nachweis sehr kleiner elektrischer Ströme oder Spannungen oder von Strahlung, ohne deren Größe zu messen; zum Beispiel Nullindikator in Brückenschaltungen;

b) Hilfsmittel zum Einstellen oder Anzeigen von bestimmten Werten konstanter oder zeitlich verändert. Größen, zum Beispiel der Messkraft bei Messschrauben.

sozialer Indikator: empirisches Äquivalent eines nicht direkt beobachtbaren sozialen Sachverhaltes (zum Beispiel zeigen Handlungen bestimmte Einstellungen an). Für komplexe soziale Sachverhalte sind sozialer Indikator in Form von Statistiken, Indizes und Kennziffern repräsentative Anzeiger, die Aussagen über Gesamtzustand und Entwicklung ermöglichen. Systeme von sozialem Indikator sind Grundlagen der sozialen Planung.

Indikatorelement: meist ein Spurenelement, das bei Prospektionsarbeiten Hinweise auf die Nähe einer Vererzung (zum Beispiel Molybdän in Böden für endogene Kupferlagerstätten) oder bei Mineraluntersuchungen auf die Bildungsbedingungen des Minerals gibt (zum Beispiel Wismut im Galenit, Selen in Sulfiden).

Indikatrix: 1. Verzerrungsellipse: Kartographie in der Kartennetzentwurfslehre verwendetes Maß zur Feststellung der Verzerrung eines Entwurfes.

Indischer Ochsenfrosch, Kaloula pulchra: zu den Engmaulfröschen gehörender nur 8 cm langer Froschlurch mit gelbbraun gemustertem Rücken; in Südostasien verbreitet, wo er häufig gegessen wird.

Indischer Ozean, Indik (nach Indien): zweitkleinster der 4 Ozeane der Erde, zwischen Ostafrika, Südasien, dem Malaiischen Archipel und Australien; geht im Süden in das dem Kontinent Antarktika vorgelagerte Südpolarmeer über; mit Nebenmeeren (Arabisches Meer mit persischen Golf und Rotem Meer, Golf von Bengalen und Andamanischen Meer) 74,12 Millionen km2; durchschnittlich 3900 m, im Sundagraben im Nordosten bis 7 450 m tief; unterschiedlicher Salzgehalt in den einzelnen Meeresteilen, nimmt im offenen Indischen Ozean polwärts ab, im Mittel 36 %o; salzreichstes Wasser (über 40 %o) im Roten Meer und im Arabischen Golf bei Wassertemperaturen von teilweise über 30 °C. ln den südlichsten Teilen (Indischen Südpolarmeer) kommen teilweise Treib- und Packeis vor, Eisberge der Antarktis driften im Mittel bis 58° südliche Breite. Der Indische Ozean ist durch zahlreiche untermeerische Becken gegliedert, die sich beiderseits der von der Südspitze Vorderindiens südwärts nach Antarktika verlaufenden Zentralindischen Schwelle gruppieren. Charakteristisch sind jahreszeitlich wechselnde Oberflächenströmungen; warme Meeresströmungen sind die Äquatorialströme, im Norden der Somalistrom und im Süden der Agulhasstrom, kalt ist die westaustralische Strömung. Der Indische Ozean ist arm an Inseln, der südöstliche Teil ist nahezu inselleer (nur Cocos- und Weihnachtsinseln); häufiger sind Inseln nur längs der ostafrikanischen Küste und vor der Küste Vorderindiens. Keine besonders reichen Fischgründe, nach Süden nimmt der Fischbestand in Abhängigkeit von dem sich erhöhenden Planktongehalt zu, Nutzung durch Küsten-, geringe Hochseefischerei; besonders häufig sind Bartenwale und Robben, großer Artenreichtum an Haien. Submarine Erdöl- und Erdgasförderung im Persischen Golf und indonesische Schelfbereich. Durch den stark befahrenen nördlichen Teil verlaufen die Hauptschifffahrtslinien zwischen Europa und Asien beziehungsweise Australien (Suezkanal)

indische Schriften: Gruppe in Südasien verwendeter Schriften mit etwa 200 verschiedenen Alphabeten. Mit Ausnahme der Kharosthi (3. Jahrhundert vor Christus bis etwa 4. Jahrhundert nach Christus) lassen sie sich fast alle auf das Brahmi-Alphabet (Brahmi) zurückführen. Die meistgebrauchte der indischen Schriften ist die seit dem 8. Jahrhundert nachweisbare I Devanagari.

indische Sprachen: in Südasien gesprochene Sprachen mit den Hauptgruppen indoarische Sprachen, dravidische Sprachen, Munda-Sprachen.

Indisch Lamm: weißes Fell mit braunen Flecken von 1 bis 4 Tagen alten Lämmern einer Fettsteißschaf-Rasse Indiens und Pakistans. Die persianerähnliche Locke ist flacher und offener, mitunter drahtig. Indisch Lamm wird zu strapazierfähigen Jacken und Mänteln, vorwiegend braun oder beige gefärbt, verwendet.

Indiskretion: Mangel an Verschwiegenheit; Taktlosigkeit, Vertrauensbruch.

indiskutabel: nicht der Erörterung wert.

Indisponiert: nicht aufgelegt; unpässlich; nicht in Form.

Indium: (lateinisch, zu «Indigo») Symbol In: chemisches Element der Kernladungszahl 49; Atommasse 114,82; Wertigkeit +3, seltener +1.1. ist ein silberweißes, weiches, sehr luftbeständiges Metall; F 156 °C, Kp 2 300 °C; Dichte 7,31 g/cm. Es wird als Nebenprodukt bei der Verhüttung von Zinkblende gewonnen und unter anderem für Halbleiterbauelemente, Hochtemperaturthermometer und astronomischer Spiegel verwendet. Indium wurde 1863 von dem Physiker, Chemiker und Mineralogen Ferdinand Reich (1799-1882) und seinem Assistenten Theodor Richter (1824-1898) in einer Freiberger Zinkblende entdeckt und nach seiner charakteristischen blauen Spektrallinie benannt.

Indium Verbindungen: Stoffe, in denen Indium, hauptsächlich als In3+-Ion, chemisch gebunden ist. Indium(III)-chlorid, InCl3, -nitrat, In(N03)3, und -Sulfat, In2(S04)3, sind leicht wasserlösliche Salze. Aus ihren Lösungen wird durch Natronlauge lndium(III)-hydroxid, In(OH)3, als weißer, voluminöser Niederschlag ausgefällt. In den Indaten liegt Indium als säurebildendes Element vor. Indiumphosphid, InP, -arsenid, InAs, und -antimonid, InSb, sind wichtige Halbleiterwerkstoffe.

Individualbegriff: traditionelle Logik Begriff, unter den genau ein Gegenstand fällt, zum Beispiel «natürlicher Erdtrabant». Charakteristisch für Individualbegriff ist ihr Gebrauch mit dem bestimmten Artikel.

Individualisierung: Prinzip der sozialistischen Bildung und Erziehung, das verlangt, auf der Grundlage hoher Anforderungen an alle Angehörigen eines Kollektivs individuelle Leistungsvoraussetzungen unter anderem Besonderheiten zu berücksichtigen sowie persönlich und gesellschaftlich bedeutsame individuelle Fähigkeiten und Interessen der Lernenden zu fordern.

Individualismus: Denk- und Handlungsweise, die individuelle Interessen in abstrakten Gegensatz zu gesellschaftlichen Interessen setzt und die Interessen des Individuums als die entscheidenden versteht. Als Prinzip der frühbürgerliche Aufklärung im Kampf gegen die Knechtung des Menschen im Feudalismus progressiv, erhielt der bürgerlichen Individualismus, der im privatkapitalistischen Eigentum an Produktionsmitteln seine ökonomische Grundlage hat, mit dem Fortschreiten der kapitalistischen Gesellschaft in wachsendem Maße reaktionären Charakter und wurde zu einem beherrschenden Grundzug der imperialistischen Ideologie.

Individualität: Gesamtheit von Lebensäußerungen, die ein Individuum von allen anderen unterscheidet; Besonderheit einer Persönlichkeit, besonders ihrer Schöpfer, gesellschaftliche Lebensäußerungen, inneren geistig-kulturellen Welt (Wertvorstellungen, Ziele u. ä.), die Eigenheit ihrer Fähigkeiten und Bedürfnisse, ihrer psychische und physische Beschaffenheit. Die Entwicklung der Individualität wird entscheidend bestimmt durch den Platz, den eine Persönlichkeit auf der Grundlage der gesellschaftlichen Arbeitsteilung im System der gesellschaftlichen Beziehungen einnimmt.

Individuum: Einzelwesen; ein unteilbares Ganzes darstellendes Lebewesen. Das menschliche Individuum ist charakterisiert als Persönlichkeit und Individualität.

Indiz: Anzeichen; Tatsache, von der aus auf eine andere zu schließen ist; Verdacht erregender Umstand. Siehe auch Indizienbeweis.

Indizienbeweis: indirekter Beweis im Strafprozess in Bezug auf die Begehung der Straftat durch den Beschuldigten oder Angeklagten. Der Beweis wird mit Tatsachen (Indizien) geführt, die durch ihren Zusammenhang miteinander in Bezug auf die zu beweisenden Tatsachen (gegenseitiges Ergänzen oder Bestätigen) zwingende Schlussfolgerungen auf das Vorliegen dieser Tatsachen ergeben,

indizierte Leistung: Leistung einer Wärmekraftmaschine, zum Beispiel Verbrennungsmotor, ohne Berücksichtigung ihres mechanischen Wirkungsgrades.

Indoarier: Sprach- und Völkergruppe im nördlichen Indien, in Pakistan, Bangladesh und Sri Lanka, Nachkommen der Arier; mehr als 600 Millionen; zu den Indoarier gehören Hindi (180 Millionen), Bengalen (120 Millionen), Marathen (50MiIL), Gujarati (Gudscharaten; 30 Millionen), Punjabi (Pandschaben) einschließlich Sikhs (55 Millionen), Biharen (40 Millionen), Rajasthani (Radschastaner; 25 Millionen), Assami (Assamesen; 12 Millionen), Singhalesen (10 Millionen) unter anderem

indoarische Sprachen: Zweig der indoeuropäische Sprachfamilie, dessen Sprachen in Südasien verbreitet sind. Er geht auf die gegen Ende des 2.Jahrt. vor Christus nach Indien eingewanderten Arier zurück und gliedert sich in Altindisch mit Vedisch (2. Jahrtausend vor Christus) und Sanskrit; Mittelindisch (seit der 2.Hälfte des 1. Jahrhundert vor Christus) mit dem Pali und den Prakrit-Sprachen; Neuindisch (etwa seit 1000) mit Hindi, Urdu, Bengali, Gujarati, Marathi, Punjabi, Singhalesisch unter anderem

Indochina: historische-politische Bezeichnung für den östlichen Teil Hinterindiens, die auf das Zusammentreffen indischer und chinesischer Kulturelemente in diesem Raum anspielt; von den französischen Kolonialisten seit 1887 zur Benennung ihres dortigen Kolonialgebietes (Indochinesische Union) verwandt. Indochina wird heute von den Staaten Kampuchea, Laos und Vietnam eingenommen.

Indochinesische Union, Französisch-Indochina: französische Kolonie, die 1887 durch Zwangsvereinigung von Kampuchea und Vietnam (ab 1893 auch Laos) entstand. Die Union wurde 1945 durch die nationalen Befreiungsbewegungen dieser Länder gesprengt; endgültige Liquidierung 1954 durch die Schlacht von Dien Bien Phu und die Genfer Indochina-Abkommen.

Indoeuropäische Sprachen, indogermanische Sprachen: Sprachfamilie mit den Sprachzweigen beziehungsweise Einzelsprachen indoiranische Sprachen, Tocharisch, anatolische Sprachen, Phrygisch, Armenisch, Griechisch, Pelasgisch, Thrakisch-Dakisch, Albanisch, Illyrisch, Venetisch, ital. Sprachen (mit Latein), Messapisch, keltische Sprachen, slawische Sprachen, baltische Sprachen, germanische Sprachen unter anderem (Die mit bezeichneten Sprachen sind heute ausgestorben.) Das Verhältnis der indoeuropäischen Sprachen zueinander versuchte man durch die 1 Stammbaumtheorie (A. Schleicher), die Wellentheorie (J. Schmidt), die Dialektgeographie (A. Meillet) und die Sprachbundhypothese zu erklären. Die Auflösung der indoeuropäischen Einheit erfolgte kaum später als im 4./3. Jahrtausend vor Christus. Die Verwandtschaft der indoeuropäischen Sprachen gründet sich auf exakte Entsprechungen der Wortwurzeln, affixalen Morpheme und Endungen, auf weitreichende Übereinstimmungen der Struktur und Bedeutung der Wörter, auf genaue Lautentsprechungen sowie alte Gemeinsamkeiten im syntaktischen Bau, in den prosodischen Teilsystemen und in einer Anzahl fester Wendungen.

Indoeuropäistik, Indogermanistik: linguistische Disziplin, die sich mit dem historischen-vergleichenden Studium der indoeuropäischen Sprachen befasst. Sie wurde Anfang des 19. Jahrhundert mit der Entdeckung der indoeuropäischen Sprachverwandtschaft durch F. Bopp und R. Rask begründet.

Indoiranische Sprachen: Sprachgruppe, die die indoeuropäischen indischen (indoarische) und iranische Sprachen umfasst zwischen den indoiranischen Sprachen existieren engere Beziehungen, ohne dass die beiden Zweige unmittelbar auf einen zurückführbar sind.

Indol: (Kunstwort, zu «Indigo») stickstoffheterozyklische Base.

Indol ist eine farblose, blumig (durch Verunreinigungen oft fäkalartig) riechende Substanz; F 53 °C. Es kommt in faulendem Eiweiß und im Steinkohlenteer vor.

Indolalkaloide: von der Aminosäure Tryptophan abgeleitete stickstoffhaltige, basische Naturstoffe mit meist starken pharmakologische Wirkungen, zum Beispiel Mutterkorn-, Strychnos- und Curare Alkaloide.

Indolenz: 1. allgemein Unempfindlichkeit, Gleichgültigkeit, Trägheit.

2. Medizin: verminderte Schmerzempfindung auf Grund organischer oder psychischer Erkrankungen.

Indologie: Regionalwissenschaft, die die Erkenntnisse und Methoden gesellschaftswissenschaftlicher Grunddisziplinen (Geschichtswissenschaft, Ökonomie, Sprach- und Literaturwissenschaft, Ethnographie unter anderem) auf die Erforschung der gesellschaftlichen Entwicklung Indiens anwendet.

Indonesien, Republik Indonesien: Staat in Südostasien und Ozeanien, beiderseits des Äquators; umfasst 13677 Inseln (davon etwa 6000 bewohnt) des Malaiischen Archipels; grenzt im Norden auf der Insel Kalimantan an Malaysia und im Osten auf der Insel Neuguinea an Papua-Neuguinea; vom asiatischen Festland durch die Straße von Singapur, von den Philippinen durch die Sulawesi-See getrennt; administrativ in 26 Provinzen und die Hauptstadt gegliedert; Währung ist die Rupiah. Bevölkerung. In Indonesien leben über 100 Völkerschaften, deren überwiegende Mehrheit malaiischen Gruppen angehört; im Osten leben Papua-Stämme; außerdem Chinesen, Araber und Europäer. Amtssprache ist Indonesisch (Bahasa Indonesia). Die Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig verteilt; äußerst dicht besiedelt sind die Inseln Java, Madura und Bali (etwa 680 Einwohner/km2). Die Regierung propagiert und unterstützt materiell gezielte Binnenwanderung auf die schwächer besiedelten Inseln, zum Beispiel nach Sumatera, Kalimantan, Sulawesi unter anderem 55 % der Einwohner sind Analphabeten, der Anteil der städtlichen Bevölkerung beträgt 20 %. Natur. Indonesien liegt im Grenzraum zwischen dem Indischen und dem Stillen Ozean. Es umfasst die Großen Sundainseln mit Java, Sumatera, Sulawesi und Kalimantan (mit Ausnahme von Nord-Kalimantan), die Kleinen Sundainseln, die Maluku und den Westteil von Neuguinea (Irian Jaya). Da es sich über 5100 km in Ost-West-Richtung und 1880 km in Nord-Süd-Richtung ausdehnt, treten in der Naturausstattung spürbare Unterschiede auf. Dies betrifft vor allem die Böden und die bisher bekannten Lagerstätten. Oberfläche. Etwa die Hälfte des Landes wird von Gebirgen vulkanischen Ursprungs eingenommen; von mehr als 200 Vulkanen sind noch etwa 130 aktiv, darunter der Rakata (Krakatau) in der Sundastraße. Die höchste Erhebung ist mit 5030 m der Pik Jaya in Irian Jaya. Klima. Es herrscht tropisches Monsunklima mit einer winterlichen Regenzeit und Niederschlagsmengen bis 3000 mm vor. Im Gebiet der Kleinen Sundainseln sinken die Niederschläge zum Teil erheblich ab. Typisch ist eine gleichbleibend hohe Luftfeuchtigkeit. Gewässer. Auf den großen Sundainseln und in Irian Jaya ist das Flussnetz dicht und wird zum Teil für die Binnenschifffahrt genutzt (Kapuas und Barito auf Kalimantan; Kuantan, Hari, Musi auf Sumatera; Solo auf Java). Pflanzenwelt. 60% des Landes sind waldbedeckt; bis 1500 m tropische Vegetation, vorwiegend immergrüner tropischer Regenwald, bis 3000 m folgen subtropischen Pflanzen. An den Küsten sind Mangrovenwälder weit verbreitet. Die Tierwelt ist mit Elefant, Nashorn, Tiger, Affenarten, darunter Orang-Utan, Krokodil, Waran (Komodo), Schlangen und einer vielgestaltigen Vogelwelt sehr artenreich.

Indonesier: im engeren Sinne Bevölkerung der Republik Indonesien; im weiteren Sinne Völkergruppe der malaiisch-polynesische Sprachfamilie in Südostasien; über 200 Millionen; kulturell, ökonomisch und gesellschaftlich auf unterschiedlicher Entwicklungsstufe, so die von der indische und später arabische-muslimische Kultur beeinflussten staatenbildenden Völker (Malaien, Jawaner, Balinesen, Aceh und Philippinos) im Gegensatz zu den zumeist noch in der Dorf- oder Stammesgesellschaft lebenden sogenannt Altvölkern (Batak, Dajak, Toraja, Igoroten unter anderem).

Indossament: (italienisch in dosso, «auf dem Rücken») Vermerk des Inhabers (Indossant) eines Orderpapiers auf dessen Rückseite durch den die Rechte aus dem Papier mit dessen Übergabe auf einen anderen (Indossat, Indossatar) übertragen werden.

Indra, Hauptgott des Rigveda, Heerführer; im Hinduismus Regengott (ohne Tempelkult).

Indre: linker Nebenfluss der Loire in Frankreich; 265 km; entspringt im Nordwesten des Zentralmassivs, mündet 30 km unterhalb von Tours.

in dubio pro reo: (lateinisch, «im Zweifelsfalle für den Angeklagten») Rechtsgrundsatz, nach dem bei einer zweifelhaften Beweislage stets zugunsten des Beschuldigten oder Angeklagten zu entscheiden ist.

Induktanz, induktiver Blindwiderstand: Produkt aus Induktivität L und Kreisfrequenz oi = 2jtf im elektrischen Wechselstromkreis bei der Frequenz; Zeichen XL, SI-Einheit Ohm (ü).

Induktion: 1. elektromagnetische Induktion: Elektrizitätslehre Erzeugung eines elektrischen Feldes durch zeitlicher Änderung eines Magnetfeldes. Zum Beispiel entsteht in einer Leiterschleife eine elektrische Spannung, wenn sich der magnetische Fluss ändert, der die Schleife durchsetzt. Beim Generator geschieht dies, weil die Schleife rotiert, beim Transformator, weil sich die Stromstärke in der Primärspule ändert. Nach dem Faraday’schen Induktionsgesetz ist die induzierte Spannung U der zeitlichen Änderung des magnetischen Flusses 0 proportional. Wird die Flussänderung durch die Änderung der Stromstärke I in einer Spule bewirkt, so wird in dieser selbst eine Spannung induziert (Selbstinduktion); der Proportionalitätsfaktor L heißt Induktivität. Das negative Vorzeichen entspricht der Lenzschen Regel, nach der die induzierte Spannung so gerichtet ist, dass sie der erzeugenden Ursache (dem Strom I) entgegenwirkt. Ändert sich in einem Leiter die Stromstärke, so wird in einem zweiten Leiter die Spannung induziert; M heißt Gegeninduktivität und hängt von der geometrischen Anordnung der Leiter und der Permeabilität des zwischen ihnen befindliche Stoffes ab; siehe auch Maxwellsche Gleichungen.

2. Logik: wichtige Form der Reduktion; schließt vom Einzelnen auf das Allgemeine. Wahre Prämissen führen dabei nicht immer zu wahren Konklusionen. Methodisch wird die Induktion im Allgemeinen zusammen mit der Deduktion und mit Experimenten benutzt.

3. Ontogenie: die Fähigkeit von Keimbezirken, in benachbarten Geweben bestimmte Entwicklungsleistungen auszulösen, das heißt diese zu induzieren. Die Phase der Reaktionsbereitschaft der beeinflussten Gewebe ist zeitlich und örtlich begrenzt.

Induktionserwärmung, induktive Erwärmung: Erhitzen von Werkstoffen durch elektromagnetische Induktion. Nach Speisefrequenzen werden Hoch-, Mittel- und Niederfrequenzerwärmung unterschieden. Leitende Stoffe werden unmittelbar durch Stromfluss, nichtleitende durch indirekte Erwärmung in stromdurchflossenen metallischen Behältern erhitzt. Anwendung beim (Um-)Schmelzen, Warmhalten, Oberflächenhärten, Löten, Schweißen.

Induktionsmessinstrument, Ferraris-Instrument (nach G.Ferraris): Messinstrument für elektrische Wechselströme oder -Spannungen und Leistungen; das Prinzip wird heute nur noch in Induktionszählern angewendet.

Induktionszähler, Ferraris-Zähler (nach G. Ferraris): Elektroenergieverbrauchszähler mit Induktionsmesswerk für die elektrische Arbeit bei Wechsel- und Drehstrom. Der Induktionszähler arbeitet im Prinzip wie ein Asynchronmotor; die Zahl der Umdrehungen des Läufers ist proportional der vom Verbraucher umgesetzten Energie. Der Induktionszähler wird auch als Haushaltzähler eingesetzt.

Induktive Zugsicherung, Kurzwort Indusi: Fahrsperre im Eisenbahnsicherungswesen, die durch Induktion vom Gleis auf das Fahrzeug ausgelöst werden kann; verhindert das Überfahren eines auf «Halt» stehenden Signals, falls der Triebfahrzeugführer das Fahrzeug nicht anhält.

Induktivität, Selbstinduktivität, Induktionskoeffizient: Proportionalitätsfaktor L zwischen dem magnetischen Fluss, der von einem stromführenden Leiter aufgebaut wird, und der elektrischen Stromstärke I; SI-Einheit Henry (H). Die Induktivität ist von der Geometrie des Leiters abhängig. Siehe auch Induktion 1. Induktor Funkeninduktor.

Indur, Indore: Stadt im Unionsstaat Madhya Pradesh (Indien); 830000 Einwohner; Textil- und Lebensmittelindustrie; Flughafen; Universität.

Induratives Ödem: derbe Schwielenbildung des Unterhautgewebes nach hoch dosierter Tiefenbestrahlung.

Indus: (lateinisch, «Inder») das Sternbild Inder.

Indus: (lateinisch griechisch Sanskrit Sindhu, «Fluss») längster Strom Vorderindiens, Hauptfluss Pakistans; 3180 km; entspringt im Transhimalaja (China), durchströmt die Längs- und Quertäler des Karakorum und Kashmir-Himalaja in teilweise bis zu 3000 m tiefen Schluchten, wendet sich nach Süden, durchbricht den westlichen Himalaja, durchfließt, beiderseits oft von bewässertem Kulturland begleitet, das Punjab (Fünfstromland) als Fremdlingsfluss, indem er verschiedene Wüsten (Thar) durchfließt, tritt in die Indusebene ein, mündet mit 250 km breitem und 8000 km2 großem Delta ins Arabische Meer (Indische Ozean). Nebenflüsse: rechts Gilgit, Kabul, Kurram; links Punjab mit den Zuflüssen Chenab, Ravi, Beas, Sutlej und Ihelum. Der Indus und seine Hauptnebenflüsse bewässern über 8 Millionen ha Land. Die zahlreichen Stauanlagen, so unter anderem Tarbela, Gudu, Tausa, dienen nicht nur der bedarfsgerechten Wasserbereitstellung, sondern auch der Elektroenergiegewinnung. Erst ab Hyderabad schiffbar; Hochwasser von März bis September.

Industrial handling: Sammelbegriff für automatische Handhabevorgänge von Werkstücken oder Werkzeugen im unmittelbaren Bereich von Werkzeug- und Montagemaschinen. Zu Handhabeeinrichtungen zählen zum Beispiel Beschickungs-, Magazineinrichtungen, Manipulatoren, Industrieroboter.

Industrialisierung: Übergang zur maschinellen Produktion in Fabrikbetrieben, Herausbildung und Entwicklung der industriellen Großproduktion, Einführung moderner industrieller Methoden und Organisationsformen der Produktion. Ziel, Methoden, Tempo und Auswirkungen der Industrialisierung werden entscheidend durch die herrschenden Produktionsverhältnisse bestimmt. Die kapitalistische Industrialisierung begann in der Frühperiode des Kapitalismus als historischer Prozess der Ablösung der Manufaktur durch die maschinelle Großproduktion. Sie erfasste zunächst jene Produktionszweige, in denen relativ geringe Investitionen notwendig waren, das Kapital schnell umschlug und folglich bei niedriger organischer Zusammensetzung des Kapitals eine hohe Profitrate erzielt wurde. Die kapitalistische Industrialisierung vollzieht sich spontan und planlos und verstärkt dadurch die Entwicklung der Widersprüche des Kapitalismus. Die sozialistische Industrialisierung ist eine allgemeine Gesetzmäßigkeit des sozialistischen Aufbaus, Teil des wissenschaftlich-tecbn. Fortschritts. Ihr Inhalt besteht vor allem in der Schaffung der materiell-technischen Basis des Sozialismus, der Durchsetzung der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der Industrie und der richtigen territorialen Verteilung der Industrie. Ihr Ziel ist es, die Produktivkräfte auf den neuesten Stand von Wissenschaft, Technik und Produktionsorganisation zu bringen. Dieser Prozess verläuft planmäßig und erfasst alle Zweige und Gebiete der Wirtschaft.

Industrie: (französisch lateinisch industria, «Fleiß», «Betriebsamkeit») wichtigster Zweig der materiellen Produktion und daher führender Zweig der Volkswirtschaft, dessen Produktion auf die Gewinnung von Naturreichtümern, zum Beispiel Bodenschätze (extraktive), oder auf die Weiterverarbeitung bereits durch menschliche Arbeit geschaffener Materialien, zum Beispiel Halbfabrikate (verarbeitende), zur Befriedigung gesellschaftliche und persönliche Bedürfnisse gerichtet ist. Die Industrie ist durch die umfassende Anwendung von Maschinensystemen charakterisiert. Siehe auch bezirksgeleitete Industrie, Grundstoffindustrie, Leichtindustrie, Schwerindustrie, zentralgeleitete Industrie.

Industrieabgabepreis, Abkürzung IAP: Abgabepreis industrieller Hersteller (Herstellerabgabepreis) für Erzeugnisse und Leistungen an Betriebe der Industrie, des Bau- und Verkehrswesens, der Land- und Forstwirtschaft und so weiter. Grundlage des IAP ist der gesellschaftlich notwendige Arbeitsaufwand.

Industrie-Agrar-Staat: Staat, der sich auf einer bestimmten Entwicklungsstufe vom Agrarstaat über den Agrar-Industrie-Staat zum Industriestaat befindet, der bereits durch ein Überwiegen des Anteils der Industrieproduktion am erarbeiteten Nationaleinkommen, zugleich aber durch eine bedeutende, im Allgemeinen hochentwickelte Landwirtschaft gekennzeichnet ist. In der Regel kann er den Bedarf der Bevölkerung an Lebensmitteln aus eigenem Aufkommen weitestgehend decken und gleichzeitig aus eigener Produktion ein mehr oder weniger umfangreiches Angebot an Industriegütern bereitstellen.

Industriebahn, Werkbahn: nichtöffentliche Eisenbahnanlage eines Betriebes, zum Beispiel Grubenbahn; wird mit Lokomotiven oder Seilzuganlagen (Spills) betrieben.

Industriebau: Zweig der Bauindustrie, dem die Errichtung moderner Industriegebäude und komplexer Industriebauwerke sowie die Rekonstruktion von Gebäuden und Anlagen der Industrie obliegt.

Industrieflug: zusammenfassende Bezeichnung für den Einsatz von Luftfahrzeugen für industrielle Zwecke, zum Beispiel Kran-, Überwachungs- und Kontrollflüge.

Industriegas: in der Industrie verwendetes Brenngas, wie Generator-, Wasser-, Gicht-, Schwel-, Stadtgas.

Industriegebiet: städtebaulich für Produktionsbetriebe erschlossenes oder geplantes Gelände.

Industriegeographie: Zweig der ökonomischen Geographie, dessen Untersuchungsziel in der Ermittlung der territorialen Struktur der Industrie sowie der dafür wichtigen Lokalisationsfaktoren besteht und der die Perspektiven für eine rationelle Standortverteilung aufzeigt. Die Industriegeographie erforscht die Ursachen der Territorialstruktur der Industrie beziehungsweise deren territoriale Entwicklungsprozesse, die dann in ihren Auswirkungen auf die Gesamtgebietsstruktur betrachtet werden. Dabei geht man meist von der komplexen Analyse der gegenwärtigen Struktur aus (zum Beispiel Betriebsgrößen, Eigentumsverhältnisse, Industrialisierungsgrad, Industriedichte, territoriale Vergesellschaftungsformen, Spezialisierung der Industrie).

Industriegesellschaft: in der gegenwärtigen bürgerlichen Sozialtheorie verbreiteter Begriff, der alle sozialen und politischen Widersprüche der Epoche ausschließlich auf die wissenschaftlich-technische Entwicklung zurückführt und die Rolle der Produktionsverhältnisse, insbesondere der Eigentumsverhältnisse, leugnet. Mit der Behauptung, dass Kapitalismus und Sozialismus nur Varianten einer einheitlichen Industriegesellschaft seien, sollen unter anderem grundlegende Unterschiede verwischt und der gesetzmäßige revolutionäre Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus geleugnet werden. Siehe auch postindustrielle Gesellschaft.

Industriehumus: in speziellen Düngestoffbetrieben hergestellter organischer Dünger.

Industriekomplex: Verflechtung von sich nicht durch Lärm, Staub, Abgase und so weiter störenden, unterschiedlichen Produktionsbetrieben eines Industriegebietes.

Industrieläden: moderne Einzelhandelseinrichtungen für Konsumgüter, die volkseigenen Kombinaten beziehungsweise Betrieben angeschlossen sind und für diese wichtige Aufgaben der Bedarfsforschung und des Tests von Neu- und Weiterentwicklungen, zugleich aber im Auftrag der örtliche Räte wichtige Versorgungsaufgaben übernehmen.

industrielle Elektronik: komplexe Anwendung der Informationselektronik zur Gewinnung und Verarbeitung von Mess- und Steuergrößen und der Leistungselektronik zur Energiesteuerung bei der Automatisierung von industriellen Prozessen. Klass. Beispiele sind elektronische Antriebssteuerung, numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen sowie mittels Prozessrechnern geführte Verarbeitungsanlagen; ein modernes Beispiel ist der Einsatz von Mikrorechnern beziehungsweise Mikroprozessoren zur industriellen Automatisierung.

industrielle Revolution: Prozess der Umwälzung der handwerklich betriebenen Manufaktur zum Fabriksystem; ging von der Arbeits- oder Werkzeugmaschine aus, die in der Manufakturwerkstatt entwickelt wurde und bisher von Menschen gehandhabte Werkzeuge durch einen Mechanismus bewegt. Durch die Dampfmaschine erhielten die Arbeitsmaschinen (Spinnmaschine, mechanischer Webstuhl) eine mächtige Antriebskraft. Die industrielle Revolution begann im letzten Drittel des 18. Jahrhundert in England; war ein langandauernder Prozess; von der Textilproduktion ausgehend, erfasste sie nach und nach alle anderen Produktionszweige. Mit der industriellen Revolution bildete sich die materiell-technische Basis des Kapitalismus heraus.

industrielles Bauen: Produktionsform des Bauwesens auf der Grundlage industrieller Fertigungsmethoden, zum Beispiel Fließfertigung, Plattenbauweise, Gleitbauweise. Sie erfordert sorgfältige Arbeitsvorbereitung, Einsatz leistungsfähiger Baumaschinen, die Montage vereinheitlichter Bauelemente, ein hohes Niveau der Vorfertigungstechnologie unter anderem

industriemäßige Fischproduktion: Aufzucht von Fischen geeigneter Arten, wie Karpfen, Forellen, Aale, Schollen, Seezungen, Welse, unter möglichst optimalen Umweltbedingungen (Temperatur, Sauerstoff, Salzgehalt u. a. des Wassers, vollwertiges Mischfutter) auf engstem Raume in Rinnen, Becken, Teichen, Netzkäfigen unter anderem, mitunter bei Nutzung des warmen Kühlwassers von Kraftwerken. Weitgehende Mechanisierung und Automatisierung der Arbeiten sowie Konzentration und Spezialisierung der Produktion bei Entwicklung der Kooperation ersparen Arbeitskräfte und erhöhen die Arbeitsproduktivität.

industriemäßige Pflanzenproduktion: Verfahren und Organisationsformen der Pflanzenproduktion mit Anwendung industriemäßiger Produktionsmethoden in der Landwirtschaft.

Produktionsmethoden in der Landwirtschaft: Verfahren und Organisationsformen der landwirtschaftlichen Produktion zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität und Effektivität, die, unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Landwirtschaft, den in der Industrie angewandten Verfahren und organisatorische Formen ähneln. Die Einführung industriemäßiger Pflanzenproduktion vertieft die Arbeitsteilung und führt zur Herausbildung spezialisierter Produktionseinheiten auf dem Wege der Kooperation. Die Anwendung industriemäßiger Pflanzenproduktion ist ein objektiver Prozess der Entwicklung der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse.

industriemäßige Tierproduktion: Haltung von Haustieren in großen Komplexen zur wirtschaftlichen Erzeugung von Jungtieren, Fleisch, Milch und Eiern mit weitgehender Mechanisierung der Futterzuführung und Kotbeseitigung. Die Produktion erfolgt nach festgelegten Produktionszyklogrammen, so dass regelmäßig wiederkehrende Ereignisse eine kontinuierliche Produktion über das ganze Jahr sichern.

Industrieminerale: von der chemischen, keramischen u. a. Industrien benötigte mineralische Rohstoffe, wie Schwefel, Gips, Talk, Fluss- und Schwerspat, Kaolin. Siehe auch Steine und Erden.

Industrieministerien: staatliche Organe für die Leitung eines oder mehrerer Industriezweige. Sie arbeiten nicht nach der wirtschaftlichen Rechnungsführung. Ihnen sind die zentralgeleiteten volkseigenen Kombinate unterstellt. Die Industrieministerien befähigen die ihnen unterstellten Einrichtungen, eine qualifizierte eigenverantwortliche Leitung auf der Grundlage der zentralen staatlichen Planvorgaben zu leisten.

Industrieofen: mit feuerfesten Baustoffen ausgekleideter Ofen, in dem durch möglichst wirtschaftliche Erwärmung physikalische sowie chemische Umsetzungen von Stoffen in industriellem Umfang vorgenommen, eingeleitet oder unterstützt werden, zum Beispiel Hafenofen.

Industriepflanzen: eingebürgerte Bezeichnung für vorwiegend Industrierohstoffe liefernde Kulturpflanzen, wie Heil-, Duft-, Gewürz-, Öl-, Faserpflanzen, Korbweiden, Hopfen.

Industriepreis: Industrieabgabepreis für Produktionsmittel und Betriebspreis für sämtliche Erzeugnisse. Die Industriepreise werden nicht für die Bevölkerung wirksam.

Industrieroboter: programmierbarer Manipulator mit flexiblem Programmspeicher und universellen Einsatzmöglichkeiten durch auswechselbare Greifer oder Werkzeuge. Er dient zum Handhaben von Werkstücken und Werkzeugen (zum Beispiel Einlegen, Wechseln, Wenden, Stapeln) oder zum Fertigen, indem er ein Werkzeug auf definierten Bahnen (zum Beispiel beim Farbspritzen, Gussputzen oder Reinigen) oder zu definierten Positionen (zum Beispiel beim Punktschweißen oder Montieren) führt.

Industriestaat: Staat, dessen Wirtschaftsstruktur von der industriellen Produktion bestimmt wird, in dem die Industrie den Hauptteil des Nationaleinkommens liefert sowie den größten Teil der gesellschaftlichen Gesamtproduktion erzeugt und in dem der Anteil der in der Industrie Beschäftigten relativ hoch ist. Industriestaat sind wirtschaftlich hochentwickelte Länder mit moderner Landwirtschaft und starken außenwirtschaftlichen Verflechtungen. Zahlreiche Industriestaat können den Bedarf der Volkswirtschaft an Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus eigener Produktion nicht decken und sind auf Importe angewiesen. Hauptexportgüter sind im Allgemeinen industrielle Fertigwaren.

Industrievertrieb: Vertriebsform für hochwertige technische Konsumgüter mit Groß- und Einzelhandelsfunktion, bei der die entsprechend Einrichtungen den jeweiligen Kombinaten beziehungsweise Produktionsbetrieben angeschlossen sind und sich durch fachkundige Beratung der Käufer und spezielle Kundendienste auszeichnen.

Industriezweig: Zusammenfassung von Industriebetrieben, die entweder durch die Gemeinsamkeit der zu fertigenden Erzeugnisse oder der zu verarbeitenden Rohstoffe beziehungsweise durch die Anwendung gleicher oder ähnliche Technologien gekennzeichnet sind.

induzieren: 1. das Allgemeine aus dem Besonderen, dem Einzelfall ableiten.

2. Elektrizitätslehre: Induktion.

induzierte Emission: die durch ein äußeres Strahlungsfeld von einem angeregten atomaren System erzwungene Aussendung von Photonen. Emittierte und auslösende Strahlung stimmen in Frequenz, Phasenlage, Ausbreitungs- und Polarisationsrichtung überein. Die induzierte Emission wurde 1917 von A. Einstein vorausgesagt. Sie ist Grundlage der Laser und Maser. Siehe auch spontane Emission.

induzierte Reaktion: chemische Reaktion, die durch die Nebenreaktion eines zugesetzten Fremdstoffes ausgelöst beziehungsweise beschleunigt wird, der im Gegensatz zu einem Katalysator bei der Reaktion verbraucht wird. Ein Beispiel für eine induzierte Reaktion ist die in wässriger Lösung nur sehr langsam verlaufende Oxydation von arseniger Säure durch Bromsäure, die bei Zusatz von schwefliger Säure beschleunigt wird; letztere wird dabei gleichfalls oxydiert.

induziertes Irresein: krankhafte geistig-psychische Entwicklung bei einem bisher gesunden Menschen infolge emotional fundierter Beeinflussung durch einen Geisteskranken, mit dem ersterer in einem engen menschlichen Kontakt steht; zum Beispiel werden wahnhafte Gedanken auf Familienmitglieder übertragen.

in efflgle: bildlich; eigentlich im Bilde.

Inert: reaktionsträge; unter den gegebenen Umständen keine chemischen Reaktion eingehend. Als inerte Gase (Inertgase) werden häufig Stickstoff, die Edelgase und auch Kohlendioxid benutzt, um den Luftsauerstoff fernzuhalten.

Inertialsystem: physikalisches Bezugssystem, in dem das Trägheitsgesetz (Newtonsche Axiome) gilt, das heißt, in dem sich jeder kräftefreie Körper mit konstanter Geschwindigkeit auf einer Geraden bewegt. Alle gegenüber einem Inertialsystem geradlinig gleichförmig bewegten Bezugssysteme sind ebenfalls Inertialsysteme; alle Inertialsysteme sind physikalisch gleichwertig (siehe auch Relativitätstheorie).

In extenso: ausführlich, vollständig.

Infallibilität: Unfehlbarkeit des Papstes in Lehrentscheidungen; seit 1871 Dogma der römisch-katholischen Kirche.

infam: niederträchtig; ehrlos.

Infant: (spanisch infante, «Kind») seit dem 13. Jahrhundert Titel der königlichen Prinzen in Spanien und Portugal (bis 1910); weibliche Form Infantin.

Infanterie: in manchen Staaten übliche Bezeichnung für eine Waffengattung der Landstreitkräfte; ursprünglich zu Fuß kämpfende Truppe.

Infantilismus: Fortbestehen kindlicher Merkmale beim Erwachsenen infolge einer körperlichen und beziehungsweise oder geistigen Entwicklungshemmung.

Infarkt: abgestorbener Gewebebezirk infolge plötzlicher Unterbrechung der Blutzufuhr bei Verschluss des versorgenden Blutgefäßes durch Embolie, Thrombose unter anderem; zum Beispiel Herzinfarkt (Myokardinfarkt), Lungeninfarkt, Hirninfarkt, Milzinfarkt.

Infektion: Ansteckung; Eindringen von Krankheitserregern (Bakterien, Viren, tierische Einzeller, Pilze) in den Organismus mit der möglichen Folge einer Infektionskrankheit.

Infektionskrankheiten, übertragbare Krankheiten: durch Infektion erworbene Krankheiten, meist mit Ansteckungsgefahr verbunden; treten sporadisch oder seuchenhaft auf, verlaufen als Allgemeinerkrankung in 2 typische Stadien (Inkubation und Generalisation mit Ausbreitung über Blut- und beziehungsweise oder Lymphbahnen sowie Organmanifestation durch Festsetzung der Erreger in bestimmten Organen oder Geweben). Typ. Allgemeinerscheinungen sind Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Kreislaufschwäche, Veränderungen der weißen Blutzellen und Bluteiweißkörper. Nach Überstehen der meisten Infektionskrankheiten besteht Immunität. Verhütung und Bekämpfung der Infektionskrankheiten sind in den meisten Staaten gesetzlich geregelt. Im Interesse der Gesunderhaltung der Bevölkerung der DDR und der wirksamen Bekämpfung von Infektionskrankheiten sind in Rechtsvorschriften (zum Beispiel Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten beim Menschen vom 3.12.1982) die Meldepflicht bestimmter Infektionskrankheiten bei den zuständigen Gesundheitsbehörden, Untersuchungs- und Behandlungspflichten (zum Beispiel Impfpflichten), Dienstpflichten für Leiter in Staat und Wirtschaft und Pflichten für Bürger zur Gewährleistung der Hygiene und so weiter festgelegt. Pflichtverletzungen können als Ordnungswidrigkeiten verfolgt werden beziehungsweise unterliegen strafrechtliche Verantwortlichkeit.

Infektionsschutz: Gesamtheit aller staatlichen, gesellschaftlichen und medizinischen Maßnahmen, die der Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten beim Menschen dienen. Oberste Prinzipien des Infektionsschutzes in der sozialistischen Gesellschaft sind die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die zu lösenden Grundaufgaben und die vorrangige Verwirklichung der prophylaktischen Maßnahmen.

infektiöse Bauchwassersucht: Fischkrankheit; verlustreiche infektiöse Erkrankung besonders der Karpfenfische.

inferior: untergeordnet; minderwertig,

infernalisch: höllisch, teuflisch.

Infertilität: 1. Befruchtungsunfähigkeit des Mannes durch in der Regel missgebildete oder fehlende Samenfädchen im Sperma oder Unwegsamkeit des Samenleiters.

2. Unvermögen der Frau, ein Kind bis zur Geburt auszutragen.

Infiltration: Hydrologie Versickerung.

Infiltrat: Medizin Durchtränkung eines Gewebebezirkes, zum Beispiel mit Blut, Entzündungs- oder Geschwulstzellen,

Infinitiv, Nennform: Grundform des Verbs, zum Beispiel rufen, stehen.

Infinitivkonstruktion, erweiterte Nennform: Bezeichnung für jede beliebige syntaktische Konstruktion, die einen Infinitiv enthält; fungiert als Satzglied oder Satzgliedteil.

Infix: Wortbildungselement beziehungsweise grammatische Bildungsmittel, das innerhalb der Bedeutung tragenden Wurzel eingefügt wird, zum Beispiel lateinisch iugum («Joch») zu iungere («verbinden»); in indoeuropäischen Sprachen selten, außerhalb dieser oft anzutreffen.

Inflation: («Aufblähung») Geldentwertung; gesetzmäßiger Prozess im staatsmonopolistischen Kapitalismus, der durch Monopolpreisbildung, Umverteilung von Nationalvermögen und Nationaleinkommen über den Staatshaushalt und das Kreditsystem und damit verbundene Überfüllung der Zirkulationskanäle mit Papiergeldzeichen und Expansion des Kreditvolumens über die Bedürfnisse des Produktionswachstums hinaus (Geldüberhang) zur permanenten Geldentwertung (Geldwertverschlechterung) und zum Kaufkraftschwund der Währungen führt. Die Inflation ist eine außerordentlich komplexe ökonomische, monetäre und soziale Erscheinung in der allgemeinen Krise des Kapitalismus und ein Ausdruck der ständigen Verletzung des Gesetzes der Geldzirkulation (Geldumlauf). Neben Perioden der galoppierenden Inflation (wie in Deutschland 1922/23) sind chronischen Prozesse der Inflation (schleichende, wie in kapitalistischen Ländern in den 50er und 60er Jahren) sowie der verdeckten, preisgestoppten Inflation (wie in Deutschland vor und in der BRD zeitweilig nach dem 2. Weltkrieg) für den Kapitalismus typisch. Der außerordentliche Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise leitete auf dem kapitalistischen Weltmarkt in den 70er Jahren eine Internationalisierung der Inflation ein. Neben den Preissteigerungen auf den Warenmärkten sind die steigenden Verbraucherpreise und Lebenshaltungskosten der Werktätigen in den kapitalistischen Ländern ein Ausdruck der permanenten Inflation

Influenz: («Einwirkung») Ladungstrennung durch ein elektrisches Feld, zum Beispiel durch Annäherung eines elektrisch geladenen Körpers an einen Leiter; die dem Körper zugewandte Seite des Leiters wird ungleichnamig, die abgewandte gleichnamig aufgeladen. Die gleichnamige Ladung ist durch Erdung ableitbar, die andere nicht. Die Influenz beruht auf der freien Beweglichkeit der Elektronen im Leiter. Influenza Grippe.

Influenzaviren: Erreger der Virusgrippe mit einem Durchmesser von 110 nm. Man unterscheidet die immunologischen Typen A B und C. Vom Typ A sind zahlreiche Subtypen bekannt. Durch mutative Veränderungen innerhalb eines Subtyps entstehen Variant Stamme, die für die Epidemien verantwortlich sind.

Informatik: 1. Wissenschaft, die die allgemeinen Eigenschaften wissenschaftlicher Informationen sowie die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Prozesse der wissenschaftlichen Kommunikation untersucht (auch Informationswissenschaft, Information- und Dokumentationswissenschaft, Wissenschaftsinformation genannt).

2. Bezeichnung für die mit der automatisierten Informationsverarbeitung verbundenen Prozesse, die der wachsenden Automatisierung der Produktion dienen (automatisierte Maschinensysteme, Arbeitsplatzcomputer) oder sich mit dem Aufbau von Rechnern, Hardware, Software unter anderem beschäftigen.

Information: 1. Unterrichtung, Auskunft, Mitteilung, Nachricht. Grundbegriff einer Reihe von Wissenschaften, wie Kybernetik, Informationstheorie, Informatik. Information werden in

a) soziale und nichtsoziale (elementare, biologische),

b) semantische und nichtsemantische,

c) wissenschaftlich und nichtwissenschaftlich (Trivial-) Information klassifiziert. Siehe auch Information und Dokumentation.

2. Journalistik: Mitteilung über Ereignisse und Einschätzungen von gesellschaftlicher Bedeutung durch Nachrichten, Berichte, Korrespondenzen unter anderem

3. Kybernetik: Mitteilung über das Eintreten eines Ereignisses, wodurch die Ungewissheit darüber beseitigt wird. Unter Ereignissen sind dabei Zeichen, Wörter, in kybernetischen Systemen die aktuellen Werte der Ein- und Ausgangssignale sowie Zustände zu verstehen. Der Informationsgehalt I, bei Eintreten eines Ereignisses aus N möglichen bestimmt sich aus der Mindestanzahl der zur Kodierung erforderlichen Binärentscheidungen und wird in Bit angegeben. Bei gleichwahrscheinlichen Ereignissen ist I, = lb N (bit/Zeichen), bei Ereignissen mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten Pi ist I¡ = lb (1/pi) (bit/Zeichen); lb ist der Logarithmus zur Basis 2. Je seltener ein Ereignis eintritt, desto größer ist Den mittleren Informationsgehalt, die Entropie H, berechnet man nach der Shan-Nnon-Formel. Für gleiche Wahrscheinlichkeiten p, nimmt die Entropie ihr Maximum, den Entscheidungsgehalt, an. Für einen Buchstaben der deutschen Sprache ist H = 4,1 bit/ Zeichen; im Kontext, also dadurch, dass auf einen Buchstaben wieder andere mit unterschied), Wahrscheinlichkeit folgen, beträgt die Entropie nur 1,6 bit/Zeichen. Dieser Informationsbegriff ist ein statistischer. Der semantische Aspekt, die Bedeutung einer Information, wird dabei nicht berücksichtigt.

Informationselektronik: die Technik der Informationserfassung, -Übermittlung und -Verarbeitung mittels elektrische, optische und magnetische Signale. Der Entwurf und die Ausführung von Geräten und Systemen der Informationselektronik basieren auf dem umfangreichen Einsatz elektronischer Bauelemente mit der Ausnutzung ihrer speziellen Effekte.

Informationsfachkraft: vorrangig in Einrichtungen der Information und Dokumentation, aber auch in Bibliotheken, Archiven und so weiter tätige qualifizierte Arbeitskraft.

Informationskanal, Übertragungskanal: Medium, über das Informationen von einem Informationssender zum -empfänger gelangen. Durch seine Bandbreite sowie durch die eintretenden Störungen (im Verhältnis zur Leistung der Nutzsignale) wird der Informationsfluss begrenzt, das ist der zeitbezogene übertragene mittlere Informationsgehalt, gemessen in bit/s. Der maximal mögliche Informationsfluss heißt Kanalkapazität.

Informationsmittel: Veröffentlichung, die von Einrichtungen der Information und Dokumentation herausgegeben wird. Informationsmittel haben Informations- und Auskunftscharakter. Sie geben einen Überblick über die Informationsquellen (Fachliteratur) eines Fachgebietes beziehungsweise zu einer Thematik. Informationsmittel sind unter anderem Bibliographien, Referatedienste, Weltstandsvergleiche, Wissensspeicher.

Informationsquelle: Sammelbezeichnung für alle Formen der Fixierung von Informationen zum Zweck der Verbreitung im System der gesellschaftlichen Kommunikation. Informationsquellen können unter anderem in visuelle, auditive, taktile; buchhändlerische, nichtbuchhändlerische; periodische, nichtperiodische; Primär-, Sekundär-, Tertiär-Informationsquelle und so weiter klassifiziert werden. Wichtige Informationsquellen sind Monographien, Zeitschriften, Patentschriften, Standards, Forschungs- und Entwicklungsberichte, Tagungsmaterialien.

Informationsrecherchesprachen: formalisierte, weitgehend auf der Basis der natürlichen Sprache, gegebenenfalls unter Hinzufügung entsprechend Notationen, entwickelte Ordnungs- und Speichersysteme, die aus einem Wortschatz sowie einer Grammatik bestehen und als methodische Hilfsmittel für das Indexieren von Informationen und Informationsanfragen eingesetzt werden. Zu den Informationsrecherchesprachen gehören sowohl bibliothekarisch-bibliographischen Klassifikationssysteme (Dezimalklassifikation) als auch Thesauri (Thesaurus).

Informationsrecherchesystem, Abkürzung IRS: nach logische, kybernetische und systemtheoretische Prinzipien aufgebautes System, das der Auffindung (Recherche) und Ausgabe von Informationen (in dokumentaler oder anderer Form) dient. Das IRS besteht aus einer Informationsrecherchesprache, den Regeln für die Übersetzung des Textes in diese Sprache, allgemeine Regeln der Recherche und den technischen Mitteln für die praktische Realisierung. Man unterscheidet Dokumenten-Informationsrecherchesystem (Ausgabe von Informationsquellennachweisen), Fakteninformationsrecherchesystem (Ausgabe von Sachverhaltsinformationen), informationslogische Informationsrecherchesystem (Ausgabe von synthetisch verarbeiteten Informationen).

Informationssynthese: Prozess der Verallgemeinerung von Informationen, die im Ergebnis der Analyse von Informationsquellen (Literatur) gewonnen wurden. Aus den analysierten Informationsquellen ist das Neue herauszufinden und in komprimierter (synthetisierender) Form darzustellen. Ergebnisse der Informationssynthese sind in der Information und Dokumentation die sogenannten synthetischen Informationsmittel, wie Weltstandsvergleiche, Trendanalysen, Fortschrittsberichte.

Informationstechnik: Verfahren und technische Einrichtungen zur Erzeugung, Gewinnung (Erfassung), Übertragung und Verarbeitung von Informationen mit Hilfe (nahezu ausschließlich) elektrische Signale in der Nachrichten-, Mess-, Steuerungs- und Rechentechnik sowie in vielen nichttechnischen Bereichen, zum Beispiel Medizin, Biologie, Sprachwissenschaften.

Informationstheorie: mathematische Theorie, die sich mit den Gesetzmäßigkeiten bei der Übermittlung, Verarbeitung und Speicherung von Informationen befasst. Die übliche (Shannonsche) Informationstheorie berücksichtigt nicht den semantischen Aspekt, das heißt den Bedeutungsgehalt, der Zeichen. Da die Vorgänge in und zwischen hochentwickelten dynamischen Systemen auf Informationsaustausch beruhen, wird die Informationstheorie auch als Teilgebiet der Kybernetik betrachtet.

Infrarot-Ultrarot: elektromagnetische Strahlung mit Wellenlängen zwischen 780 nm und 1 mm.

Infrarotastronomie: Zweig der Astronomie, der die aus dem Weltall kommende Infrarotstrahlung untersucht. Die Erdatmosphäre ist vor allem wegen ihres Wasserdampfgehaltes nur in einigen schmalen Spektralbereichen für Infrarotstrahlung durchlässig. Beobachtungen werden daher zum Beispiel auch von Flugkörpern aus unternommen. Als Detektor dienen besondere Fotozellen, die zum Teil stark gekühlt werden. Die Infrarotastronomie erforscht bevorzugt relativ kühle Objekte (Planeten, kühle Sterne, interstellare Staubwolken).

Infrarotdetektor: zum Nachweis von Infrarotstrahlung geeignetes, meist elektrisches Messelement. Verwendet werden Thermoelement, Bolometer, Fotodiode, Fotoelement und Fotowiderstand, die unterschiedliche Effekte ausnutzen.

Infrarotfotografie, Kurzwort IR-Fotografie: Fotografie mit Infrarotstrahlen auf Infrarotmaterial mittels Infrarotfilters. Infrarotmaterial ist besonders für die Wellenlängen von 700 bis 1100 nm sensibilisiert, Infrarotfilter absorbieren das sichtbare Licht teilweise (Rotfilter) oder gänzlich (Schwarzfilter). Hauptanwendung der Infrarotfotografie für Fernaufnahmen (schärfer und klarer), in Medizin (Hauterkrankungen), Kriminalistik (Fälschungsnachweis), Wissenschaft und Technik.

Infrarotmikroskopie: Darstellung undurchlässiger Strukturen (zum Beispiel Chitin, Pigmente) im sichtbaren Spektralbereich durch Infrarotstrahlung; Abbildung erfolgt auf fotografischem Weg oder durch elektronische Bildwandler.

Infrarotstern: Stern, von dem Licht überwiegend im infraroten Spektralbereich empfangen wird. Es handelt sich meist um Sterne, die von dichten Staubhüllen umgeben sind.

Infrarotstrahlungserwärmung: Aufheizen von Oberflächen und dünnen Schichten durch Temperatur- (Infrarot-) Strahlen mit Infrarotstrahlern, die je nach Anteil an sichtbarem Licht als Hell- oder Dunkelstrahler bezeichnet werden. Anwendung zur Raum- (Punkt-) Heizung, in der Medizin, zur Kleintieraufzucht, zum Trocknen, Aushärten unter anderem

Infraschall: Schallwellen mit Frequenzen unter 16 Hz (unterhalb der Hörschwelle), zum Beispiel bei Schwingungen von Gebäuden oder des Bodens.

Infrastruktur: die materiell-technische Ausstattung eines Territoriums mit solch allgemeinen Grundlagen der Produktion und des menschlichen Lebens überhaupt, wie Einrichtungen des Transport-, Verkehrs-, Nachrichten-, Siedlungs- und Bildungswesens, der Energie- und Wasserwirtschaft, Gesundheitseinrichtungen unter anderem

Infundibulum: 1. Hypophysenstiel: Fortsatz des Zwischenhirnbodens; stellt als Teil der Neurohypophyse die Verbindung zwischen Hypophyse und Zwischenhirn dar.

2. trichterförmiges Anfangsstück des Eileiters vieler Wirbeltiere und des Menschen.

Infusion: (lateinisch, «Eingießung») das tropfenweise Einfließen («Dauertropf») größerer Flüssigkeitsmengen meist in das venöse Gefäßsystem, seltener unter die Haut oder in den Magen, Dünn- oder Mastdarm; dient zur Besserung des Wasser-, Eiweiß- und Elektrolythaushalts eventuell mit Zufuhr von Arzneimitteln.

Ingenieur: Berufsbezeichnung für einen Absolventen einer Ingenieur- oder Fachschule, zum Beispiel Bau-, Elektro-, Maschinenbauingenieur.

Ingenieurbau: Projektierung nach bautechnischen Berechnungsverfahren sowie Ausführung von technischen Bauwerken mittels hochentwickelter Technologien, zum Beispiel Brücken, weitgespannte Hallen, Fernsehtürme.

Ingenieurbiologie: Wissenschaft, die sich mit den biologischen Wirkungen infolge baulicher Maßnahmen in der Landschaft befasst.

Ingenieurbiologische Bauweise: Arbeitstechnik, bei der Pflanzen, insbesondere Gehölze, zur Sicherung abtragsgefährdeter Hänge oder zur naturverbundenen Gestaltung technischer Bauwerke im Erd- und Wasserbau eingesetzt werden; siehe auch Küstenschutz, Uferschutz.

Ingenieurgeologie, Baugeologie, Baugrundgeologie: Zweig der angewandten Geologie, der sich mit geologischen Untersuchungsarbeiten für Ingenieurbauten befasst.

Ingenieurgeophysik: Teilgebiet der angewandten Geophysik, in dem kleinräumige Untersuchungen, besonders des Baugrundes, durchgeführt werden. Dabei werden vor allem die Verfahren der Geoelektrik und Seismik eingesetzt.

Ingenieurholzbau: ingenieurmäßige Berechnung und Ausführung von weitgespannten oder frei ausladenden Tragwerken, zum Beispiel Hallen, Tribünendächer. Die Tragwerke werden verdübelt, genagelt oder verleimt. Siehe auch Hängewerk, Sprengwerk.

Ingenieurpass: Form der persönlichen- und kollektivschöpferischen Pläne von Angehörigen der wissenschaftlich-technischen Intelligenz. Im Ingenieurpass sind Zielstellungen enthalten, den wissenschaftlich-technischen Vorlauf zu erweitern, Forschungs- und Entwicklungsergebnisse schneller in die Praxis überzuleiten, besondere Leistungen zur Rationalisierung, Intensivierung und zur Selbstkostensenkung zu erbringen, zur Steigerung der Erzeugnisqualität und damit zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität und Effektivität beizutragen.

Ingenieurpsychologie: integrierendes Teilgebiet der Arbeitspsychologie, das sich aus Problemstellungen der Automatisierungstechnik entwickelt hat; untersucht mittels kybemet. Methoden vor allem die psychische Informationsverarbeitung in Mensch-Maschine-Systemen und leistet Beiträge zur Optimierung der Arbeitstätigkeit und Arbeitsplatzbedingungen des Bedien- und Überwachungspersonals an technischen Anlagen und Einrichtungen. Siehe auch Ergonomie.

Ingenieurschule: Fachschule, an der mittlere Fachkräfte für technische und ökonomische Berufe ausgebildet werden.

ingenieurtechnisch-Personal: Beschäftigte, die in den produzierenden Einheiten des Betriebes für die Durchführung des technologischen Prozesses eingesetzt sind und deren Funktion laut Stellenplan eine entsprechend abgeschlossene Ausbildung als Fach- oder Hochschulkader voraussetzt. Zum ingenieurtechnischen Personal zählt nicht das Leitungs- und Verwaltungspersonal in den produzierenden Bereichen.

Ingeniös: (französisch) scharfsinnig; sinnreich; erfinderisch.

Inger, Myxinidae: marine, blinde, etwa 50 cm lange, aalförmige Rundmäuler mit kurzen Maultentakeln; aasfressende Bewohner des Schlickbodens.

Ingot: 1. soviel wie Metallbanen.

2. in Kokillen gegossener Stahlblock beim Bessemer-, Thomas- und Siemens-Martin-Prozess.

Ingredienzien: (lateinisch; Ingrediens) Zutaten, Bestandteile.

Ingres, Jean Auguste Dominique, 29.8.1780-14.1.1867, französischer Maler; tätig in Rom und Paris. Im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen E. Delacroix vertrat Ingres als Schüler von J. L. David eine liniengebundene, glatte klassizistische Malerei. Seine Bildnisse und Aktdarstellungen («Graf N. D. Gurjew», «Die große Odaliske», «Die Quelle») werden durch ein leuchtendes altmeisterliche Kolorit sowie eine präzise Gestaltungsweise gekennzeichnet. Seine Hauptwerke befinden sich im Louvre, Paris.

Ingwer, Zingiber officinale: aus Südostasien stammende tropische Kulturpflanze mit kriechendem, ätherisches Öl enthaltendem Wurzelstock; wird als Gewürz, als Arzneimittel und zur Likör- und Konfektherstellung verwendet.

Inhaberpapier: Wertpapier, das den jeweiligen, namentlich nicht benannt Inhaber als berechtigt bezeichnet, das verbriefte Recht wahrzunehmen. Die Übertragung des Inhaberpapiers bewirkt auch den Übergang des verbrieften Rechts. Siehe auch Namenspapier.

Inhalation: Einatmung von Gasen, Dämpfen und vernebelten, feinst zerstäubten Flüssigkeiten (Aerosole) bei Erkrankungen der Atemwege, zum Beispiel Rauminhalation salzhaltiger Luft in den Gradierwerken der Solbäder.

Inhalatorium: medizinische Einrichtung zur Inhalation.

Inhaltsanalyse: formalisierte quantitative Erfassung objektiver feststellbarer Eigenschaften von Kommunikationsinhalten; wird in sozialwissenschaftliche Erhebungen als spezielle Form der Dokumentenanalyse angewendet. Aus Häufigkeit und Kontext von Worten, Wendungen (Symbolen) wird auf die im manifesten Inhalt verborgenen Bedeutungen (latenter Inhalt) und auf Einstellungen und Absichten der Verfasser geschlossen.

Inhaltsfahne: in Zeitschriften zur schnellen Unterrichtung des Lesers zwischen Umschlag und erstem Blatt des Textteiles eingefügtes schmales Blatt mit Inhaltsangabe der im Heft veröffentlichten Aufsätze.

Inhalt und Form: einander bedingende gegensätzliche Charakteristika aller Objekte der Natur, der Gesellschaft und des Bewusstseins. Der Inhalt eines Objekts ist die Gesamtheit seiner Elemente, Eigenschaften, inneren Prozesse und so weiter; die Form eines Objekts ist die Organisation, die Struktur und äußere Erscheinungsweise seines Inhalts. Es gibt weder einen formlosen Inhalt noch eine inhaltlose Form. In der dialektischen Einheit von Inhalt und Form ist der Inhalt gegenüber der Form bestimmend, wobei die Form auf Grund ihrer relativen Selbständigkeit die Entwicklung des Inhalts fördern oder hemmen kann. Wenn in der Entwicklung eines Objekts der Widerspruch zwischen dem sich schneller entwickelnden Inhalt und der relativ stabilen Form zum Konflikt führt, wird die alte Form vom Inhalt umgestaltet oder durch eine neue ersetzt. Die alte Form kann, besonders in der Gesellschaft, noch längere Zeit bestehen, obwohl ihr Inhalt weitestgehend vergangen ist. Oft tritt ein neuer Inhalt zunächst in alter Form auf und gestaltet sie erst allmählich um. In der Geschichte der Ästhetik Kategorienpaar, das vor allem zur Bestimmung der Struktur des Kunstwerks entwickelt wurde. In der marxistisch-leninistischen Ästhetik wird der Inhalt als bestimmende Seite der ästhetischen Kommunikation im Sinne von abgebildeter Wirklichkeit verstanden, die Form als die Seite der sinnfälligen Erscheinungsweise der Kunst. Beide Seiten stellen eine dialektische Einheit dar. Die Kategorien Inhalt und Form sind für die ästhetische Analyse sinnvoll anwendbar, wenn sie hinsichtlich Gattung, Medium, Gegenstand, Gebrauchszweck und Kommunikationszusammenhang definiert und spezifiziert werden. Die künstlerische Qualität eines Kunstwerkes wird entscheidend von einer adäquaten Übereinstimmung von Inhaltsfahne und F. geprägt.

inhärent: innewohnend; nicht selbständig existierend (zum Beispiel Eigenschaften im Verhältnis zu ihren Trägern).

Inhibitor: Hemmstoff, der das Ablaufen einer chemischen Reaktion verzögert oder verhindert. Demgemäß kann ein Inhibitor auch als Antikatalysator aufgefasst werden. Ein Inhibitor, der zum Beispiel die Oxydation von Fetten, Gummi unter anderem durch Luftsauerstoff inhibiert, wird als Antioxidans bezeichnet. Stabilisatoren sind Substanzen, die zum Beispiel die spontane Polymerisation von Styrol, Firnis, Lacken und die spontane Zersetzung von Wasserstoffperoxid inhibieren. Bei Enzymen verringern die Inhibitoren durch reversible Bindung an das Enzymprotein dessen katalytische Aktivität.

inhuman: unmenschlich; menschenunwürdig; unbarmherzig.

initial: anfänglich, zum Beispiel initialer Magmatismus, der einen geomagmatischen Zyklus einleitende Magmatismus.

Initiale, Initial (beide dat., «Anfangsbuchstabe»): Zierbuchstabe am Beginn eines Abschnitts oder Kapitels; vor allem in den Handschriften (seit dem 3. Jahrhundert) künstlerisch oft reich ausgeschmückt.

Initialsprengstoff, Initialzünder, Detonator: durch Stoß, Schlag, Stichflamme und dergleichen leicht entzündbarer Sprengstoff, der die schwer entzündlichen eigentlichen Sprengladung zur Detonation bringt, zum Beispiel Knallquecksilber.

Initiation: Völkerkunde mit symbolischen, oft geheimgehaltenen Riten verbundene Reifefeier bei zahlreichen Völkern der Urgesellschaftsordnung, mit der die Jugendlichen Mitglieder der Erwachsenengemeinschaft werden.

Initiative: Entschlusskraft; Unternehmungsgeist; erste Anregung; Fähigkeit, aus eigenem Antrieb zu handeln; Element schöpferischer Tätigkeit der Werktätigen.

Initiator: 1. allgemein jemand, der den Anstoß zu einer Handlung gibt; Urheber; Aktivist, Neuerer.

2. Chemie Stoff, der infolge seiner Eigenschaft, leicht Radikale oder Ionen zu bilden, Kettenreaktionen (zum Beispiel Polymerisationen) einleitet (initiiert); bei der Reaktion wird er selbst verbraucht.

Injektion: 1. Bautechnik: Baugrundverfestigung durch Einpressen von Zementleim, chemische Lösungen oder Emulsionen, die in Wechselwirkung mit den Erdstoffen feste und wenig oder nicht wasserdurchlässige Erdkörper bilden. Man unterscheidet Poreninjektion bei Lockergesteinen und Kluft Injektion bei Felsspalten.

2. Mathematik: Abbildung.

3. Medizin: das Einbringen von gelösten Arzneimitteln unter Umgehung des Magen-Darm-Kanals (parenteral) in den Organismus mit Hilfe einer Injektionsspritze (bestehend aus Kolben, Zylinder und Kanüle) zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken. Die wesentlichen Injektionsarten sind subkutan (unter die Haut), intramuskulär (in die Muskulatur), intravenös (in die Vene), intraarteriell (in die Arterie), intrakardial (in eine der Herzhöhlen), intraperitoneal (in die Bauchhöhle).

4. Petrographie: Eindringen von Magma in Spalten und Klüfte des Nebengesteins.

Injektionspräparat: Anatomie Präparat mit Darstellung des Gefäßsystems oder anderer Hohlräume durch Einbringen Injektion) meist gefärbter Substanzen.

Inka: («Herr») im eigentlichen Sinn Titel des in Cuzco regierenden Herrschers des Inkareiches und der Mitglieder seiner Sippe, die die herrschende Oberschicht bildeten. im weiteren Sinne wurde später der Name für die gesamte ketschua sprachige Bevölkerung des Inka reiches angewandt.

Inkabein, Os incae, Os interparietale: ein durch eine querverlaufende Knochennaht von der Schuppe des Hinterhauptbeines abgegrenzter dreieckiger Knochen; wurde an Schädeln der Inka erstmalig beschrieben.

Inkalilie, Alstroemeria: Gattung der (Amaryllisgewächse aus Südamerika; Stauden mit in Dolden oder Trauben angeordneten, meist rötlichen oder gelben trichterförmigen Blüten; dekorative Freilandpflanzen.

Inkareich: hochentwickelter Staat altorientalischen Typs im vorkolumbischen Amerika; um 1250 nach Christus durch Zuwanderung in das Cuzcotal (Peru) und die Vereinigung beziehungsweise Unterwerfung von Ketschua sprechenden unter anderem Stämmen entstanden, wurde das Inkareich vom Inka regiert, der sich auf den militärischen und Priesteradel stützte. Die Bauern waren dem Inka, dem Adel und den Priestern tributpflichtig. zur Zeit der größten Ausdehnung (1. Viertel des 16. Jahrhundert) umfasste das Inkareich das heutige Ekuador, Peru, Bolivien, Nordchile und Nordwestargentinien. 1531/33 unterwarf der Spanier F. Pizarro das Inkareich Die Kunst der Inka stellt die jüngste Phase der vorkolonialen Kunst im Andenraum dar (etwa 1200/1530). Die Architektur ist gekennzeichnet durch megalithische Bauweise; polygonale oder quaderförmige Steinblöcke sind ohne Bindemittel fugenlos miteinander verbunden (von der Tiahuanaco-Kultur übernommen); angewandt bei Palästen, Tempeln und Festungsbauten; Verzicht auf Fassadenschmuck, was die monumentale Wirkung erhöhte. Die Keramik zeigt standardisierte Formen mit wenig Dekor; Hauptform ist der Inka Aryballos (Inka-Amphore), ein spitzbodiges Gefäß mit schlankem Hals; individuelles Kunstschaffen trat gegenüber der Massenproduktion von Gebrauchsgegenständen zurück. In der Metallbearbeitung dominieren Plastiken aus Gold oder Silber (Hohlguss); Kenntnis der Bronzeherstellung wurde aus der Tiahuanaco-Kultur übernommen. Es wurden auch Steinschalen und inkrustierte Holzbecher (Keros) hergestellt.

Inkarnat, Hautton: in der Malerei die Farbe des menschlichen Körpers; besonders des Gesichts und der Hände.

Inkarnation: (lateinisch, «Fleischwerdung») nach religiöser Auffassung leibliche Verkörperung göttlicher beziehungsweise geistiger Wesen; im Christentum Inkarnation Christi.

Inkarnatklee: zottig behaarter Schmetterlingsblütler mit blutroten Blüten und langgestielten walzigen Blütenständen; Feldfutterpflanze.

Inkasso: Einziehen von Geld, Forderungen, fälligen Wechseln, Schecks, Zinsen und Dividenden; auch Bankgeschäft (gegen Provision) und Zahlungsart im Außenhandel, meist in Verbindung mit der Einziehung des Rechnungsbetrages gegen Aushändigung der Versanddokumente unter anderem zahlungsauslösender Außenhandelsdokumente (Dokumenteninkasso). Siehe auch Kasse gegen Dokumente.

Inkasso mit Vorakzept: im Zahlungsverkehr zwischen sozialistischen Ländern angewandte Zahlungsbedingung, soviel wie Kasse gegen Dokumente, jedoch ohne Abnahme- und Transferrisiko; häufiger ist das Inkasso mit Nachakzept.

inklinieren: zu etwas neigen; Vorliebe für etwas zeigen.

Inklusion: Mathematik binäre Relation zwischen Mengen M, N, die genau dann besteht, wenn M Teilmenge von N ist; die Inklusion ist eine Halbordnungsrelation.

inkognito: unerkannt; unter anderem Namen.

inkohärent: unzusammenhängend. Inkohärentes Licht ist nicht interferenzfähig. Siehe auch Kohärenz.

Inkohlung: Umwandlung abgestorbener Pflanzen unter Luftabschluss, Druck und Wärme in Torf, Braun-, Steinkohle, Anthrazit, Graphit. Siehe auch Kohle.

inkommensurabel, kommensurabel, inkommodieren: belästigen, stören; Ungelegenheiten machen.

Inkompatibilität:

1. Medizin: Unverträglichkeit von transfundiertem Blut oder transplantiertem Gewebe mit Blut (Blutgruppeninkompatibilität) beziehungsweise Gewebe (Histoinkompatibilität) des Empfängers.

2. Pharmazie: Unverträglichkeit (chemisch, physikalisch und therapeutisch) zweier oder mehrerer Wirkstoffe (Arznei-, Nahrungs-, Genussmittel) bei gleichzeitiger Anwesenheit im Organismus oder bei Mischung vor der Anwendung (zum Beispiel Lösung).

3. Recht: Unvereinbarkeit, vor allem der Bekleidung mehrerer Ämter durch eine Person (zum Beispiel bürgerlicher Abgeordnetenmandat und Beamtenstatus).

inkompressibel: nicht zusammendrückbar. Die Kompressibilität von Festkörpern und Flüssigkeiten ist sehr klein, so dass diese oft als inkompressibel betrachtet werden können.

inkonsequent: nicht folgerichtig; widerspruchsvoll; schwankend.

Inkontinenz: unwillkürlicher Abgang von Harn oder Stuhl als Folge einer mangelnden oder fehlenden Verschlussfähigkeit der Schließmuskeln. sogenannt Streßinkontinenz ist meist die Folge klimakterische Erscheinungen.

Inkorporation: Einverleibung, Eingliederung; Aufnahme in eine Körperschaft,

inkorporierende Sprachen: Sprachen, die wie die synthetischen Sprachen morphologische Angaben in der Wortform selbst ausdrücken, zusätzlich aber auch noch andere Wörter in diese Wortform einbeziehen; zum Beispiel Eskimosprachen. Siehe auch Sprachtypologie.

Inkrafttreten: Rechtswirksamwerden von Gesetzen unter anderem Rechtsvorschriften, auch von Verträgen. Gesetze der Volkskammer zum Beispiel treten, soweit nicht anders bestimmt, am 14. Tag nach ihrer Verkündung in Kraft.

Inkreis: Kreis, der alle Seiten eines ebenen Polygons berührt; sein Mittelpunkt liegt auf allen Halbierenden der Innenwinkel. Jedes Dreieck hat einen Inkreis; von den Vierecken besitzen nur die Tangentenvierecke Inkreis; siehe auch Ankreis, Umkreis,

inkrementale Messtechnik: Messtechnik, bei der die Messgrößen in konstante Teile (Inkremente) unterteilt werden. Die Darstellung der Messgrößen erfolgt durch Zählung der Teile und Multiplikation mit der absoluten Größe eines Inkrements.

Inkrustation: 1. Architektur: Verkleidung von Mauem und Fußböden mit verschiedenfarbigen Steinplatten.

2. Kunsthandwerk: farbige Flächendekoration durch Einlegen härterer Materialien (Stein, Glas u. ä.) in verhärtende Massen (Gips, Zement, Kitt u. ä.).

Inkubation: Einnisten eines Krankheitserregers im Organismus nach erfolgter Infektion. Siehe auch Infektionskrankheiten.

Inkubationszeit: Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Infektionskrankheit.

Inkubator: Klimakammer zur Aufzucht Frühgeborener und zur Behandlung kranker Neugeborener. Der Inkubator ermöglicht die geregelte Zufuhr eines keimarmen und angefeuchteten Luft-Sauerstoff-Gemisches und Konstanz der Temperatur. Vorstufe des Inkubators war die Couveuse (Spezialwärmebett).

Inlandeis: schildförmige Vergletscherung kontinentalen Ausmaßes, unterschieden in antarktischen Typ ohne Zehrgebiet mit Eisabbruch an der Küste (in Antarktika liegen rund 90 % der Eismassen der gegenwärtigen Vergletscherung) und in arktischen Typ mit Zehrgebiet am Rand und Auflösung in Gletscherzungen, die ins Meer abbrechen (kalben) und Eisberge bilden. Während der pleistozänen Kaltzeiten waren Nordamerika und große Teile Eurasiens (während der Elsterkaltzeit bis zur europäischen Mittelgebirgszone) vom Inlandeis bedeckt.

Inlaut: jeder Laut im Wortinnern, zum Beispiel 1 in elf.

Inlett: sehr dichtes Baumwollgewebe in Köper- oder Atlasbindung; als Hülle zum Einfüllen von Daunen, Bettfedern unter anderem verwendet.

In medias res: (lateinisch, «mitten in die Dinge hinein») unmittelbar zur Sache.

in memoriam: zum Gedächtnis.

Inn: rechter Nebenfluss der Donau; 510 km; entspringt in Graubünden, durchfließt das Engadin (Schweiz), Tirol (Österreich) und das Alpenvorland Bayerns, mündet bei Passau; Wasserkrafterzeugung (Innstaustufen) und energieintensive Industriebetriebe.

Innenohrschwerhörigkeit: Schwerhörigkeit infolge Erkrankung der Hörschnecke und beziehungsweise oder des Hörnervs.

Innenraumbeleuchtung: Beleuchtung von Arbeits-, Wohn- und gesellschaftlichen Räumen sowie Verkehrszonen in Gebäuden mit natürlichem oder künstlichem Licht nach spezifischen beleuchtungstechnischen Regeln. Dabei unterscheidet man Allgemeinbeleuchtung und kombinierte (Arbeitsplatz-) Beleuchtung.

Innenwinkel: Winkel, deren Schenkel von benachbarten Seiten eines konvexen Polygons gebildet werden und deren Fläche das Innere des Polygons enthält.

Innere Energie: thermodynamische Zustandsgröße; Gesamtenergie eines Systems ohne die kinetische Energie des Systems als Ganzes und seine potentielle Energie in einem äußeren Kraftfeld. Die innere Energie umfasst somit die kinetische Energie der Wärmebewegung sowie Schwingungs- und Rotationsenergien der Moleküle, die Energie der Wechselwirkung zwischen den Molekülen sowie inneratomare Energien. Siehe auch Hauptsätze der Thermodynamik.

Innereien: für den menschlichen Genuss taugliche Organe der Brust- und Bauchhöhle von Schlachttieren. Dazu zählen Leber, Lunge, Herz, Zunge, Gehirn, Milz, Nieren und Blut. Beim Rind kommen hinzu Euter, Pansen, Kaldaunen, Netz und Schlund, beim Kalb Bries und Gekröse, beim Schwein Magen und Schwarten.

innere Konversion: Übergang eines Atomkerns aus einem angeregten Zustand in einen Zustand niedrigerer Energie, wobei ein Elektron der inneren Schalen des Atoms die freiwerdende Energie aufnimmt und emittiert wird (Konversionselektron), konkurrierender Prozess zur Aussendung von Gammastrahlen. Bei genügend hoher Anregungsenergie des Kerns kann auch innere Paarbildung stattfinden, das heißt Erzeugung eines Elektron-Positron-Paares aus der freiwerdenden Energie.

Innere Makedonische Revolutionäre Organisation, Abkürzung IMRO: während des makedonischen Freiheitskampfes gegen das türkische Joch 1893/94 von G. Deliev und J. Sandanski gegründet Organisation; stellte bewaffnete Abteilungen auf und leitete 1903 den antitürkischen Winteraufstand. Die chauvinistische Politik der Balkanbourgeoisie im 20. Jahrhundert spaltete die IMRO: der rechte Flügel (Autonomisten) unterstützte 1923 den bulgarischen Faschismus; der linke Flügel (Föderalisten) vertrat die Interessen des makedonischen Volkes und stützte sich auf die kommunistische Parteien der Balkanländer. 1925 bildeten revolutionäre Kräfte die Vereinigte IMRO, die bis 1935 bestand.

Innere Medizin: größtes Fachgebiet der Medizin; Lehre von der Erkennung (Diagnostik), Behandlung (Therapie) und Verhütung (Prophylaxe) der Krankheiten innerer Organe oder Organsysteme. Teilgebiete der inneren Medizin sind zum Beispiel Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie, Hämatologie.

Innere Mission: karitative Organisation der evangelischen Kirche; 1848/49 von J. H. Wiehern gegründet; inzwischen mit dem Hilfswerk der Evangelische Kirche zum Diakonischen Werk vereinigt.

Innere Mongolei, Autonomes Gebiet, chinesisch Nei Mongol: autonomes Gebiet im Norden und Nordosten Chinas; 1177500 km2, 19,3 Millionen Einwohner (zu 90 % Han (Chinesen), des weiteren Mongolen, Hui und Mandschu); 16 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Hohhol Größtenteils von der Mongolische Hochebene eingenommen, im Westen vom Bei Shan, im Süden von der Großen Mauer und im Osten vom Großen Chingan begrenzt; von Grassteppe in Wüste übergehend; trockenkontinentales Klima. Vorkommen von Steinkohle, Braunkohle, Eisenerz; Eisenmetallurgie, Maschinenbau, Leder-, Woll-, Holzverarbeitung; Schaf-, Ziegen-, Pferde- und Rinderzucht, Anbau von Weizen, Hirse und Kartoffeln; durch Eisenbahn schwach erschlossen.

Innere Reibung: Eigenschaft von Festkörpern, Flüssigkeiten und Gasen, eine ihnen zugeführte mechanische Energie irreversibel in Wärme zu überführen. In Festkörpern gehören zur inneren Reibung die an elastischen Erscheinungen, das heißt Abweichungen vom elastischen Verhalten, sowie das Auftreten eines viskosen Widerstandes bei der plastischen Deformation. Siehe auch Dissipation, Viskosität.

innerer Monolog: Darstellung unausgesprochenen Denkens und Fühlens einer literarischen Figur unmittelbar durch diese selbst (Noll: «Einmal sah er sein Spiegelbild im Wasser ... Das bist du, das ist von dir geblieben ...»); bevorzugte Stilform moderner Erzähltechnik.

Innerer Punkt: Punkt P einer Punktmenge M mit der Eigenschaft, dass noch eine ganze Umgebung von P nur aus Punkten von M besteht. Siehe auch Randpunkt, offene Menge.

innere Sicherheit: alle baulichen Maßnahmen an und in Fahrzeugkarosserien zum Schutz der Insassen beziehungsweise zur Minderung möglicher Folgen bei Unfällen. Hierzu zählen zum Beispiel Knautschzonen vor und hinter der Fahrgastzelle, Sicherheitsgurte, Prallkissen am Lenkrad. Siehe auch äußere Sicherheit.

Innerkomplexverbindungen: zu den Chelaten gehörende Komplexverbindungen, in denen Ligandenmoleküle (zum Beispiel Aminosäuren) zugleich salzartig und (an einer anderen Stelle ihres Moleküls) koordinativ an ein metallische Zentralion gebunden sind, so dass sie als zweizählige Liganden wirken. Zu den Innerkomplexverbindungen gehören zum Beispiel Diacetyldioximnickel und Glykokoll Kupfer.

Innertropische Konvergenz: Bereich zwischen den Passatgürteln der Nord- und Südhalbkugel der Erde, der mit der äquatorialen Tiefdruckfurche zusammenfällt. Charakteristisch ist labile Luftschichtung mit großer Niederschlagsneigung (tropisches Äquatorialklima).

Innervation, Innervierung: anatomisch die Versorgung eines bestimmten Körper- oder Organgebietes mit Nerven; funktionell die Zuführung und Ableitung von Informationen zwischen versorgtem Organ und nervösem Zentrum.

in nomine: im Namen, im Aufträge.

Innovation: 1. allgemein Neuerung, Erneuerung; Verjüngung (bei Pflanzen).

2. Wirtschaft: Erneuerungsprozess im technisch-wirtschaftlichen Bereich, der Teil des wissenschaftlich-technischen Fortschritts ist, verbunden mit der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis; beginnt mit der Idee und endet mit der Produktion und Markteinführung einer Neuheit, zum Beispiel einem neuen Produkt, Verfahren, Material. Sie ist eine entscheidende Grundlage für die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit hochindustrialisierter Länder und gewinnt für die sozialistische Wirtschaft wachsende Bedeutung.

Innovationsgeschwindigkeit: Tempo des Generationswechsels neuer Erzeugnisse beziehungsweise Technologien in der Produktion, gemessen am Produktionsanteil und der Sortimentsbreite.

Innovationsrate: Verhältnis des Umsatzanteils von Neu- und Weiterentwicklungen zum Gesamtumsatz eines Unternehmens; auch wertmäßiger Anteil neuer beziehungsweise weiterentwickelter Erzeugnisse an der Gesamtproduktion (zum Beispiel der industriellen Warenproduktion).

Innozenz: (lateinisch, «Unschuldiger») Päpste: 1. Innozenz III., um 1160-16.7.1216, Papst seit 1198; erweiterte die päpstliche Macht, förderte die Kreuzzüge, bereitete eine Kirchenreform vor und bekämpfte die Albigenser; förderte die Bettelorden.

2. Innozenz IV., um 1190-7.12.1254, Papst seit 1243; im Machtkampf zwischen Kaiser- und Papsttum hartnäckiger Gegner der Hohenstaufen, besonders Friedrichs II. (Kirchenbann auf dem Konzil zu Lyon 1254).

3. Innozenz XI., 19. 5.1611-12. 8.1689, Papst seit 1676; bekämpfte den besonders durch König Ludwig XTV. vertretenen Gallikanismus, war außerdem um Finanz- und Verwaltungsreformen bemüht.

Innsbruck: Hauptstadt des Bundeslandes Tirol (Österreich), an der Mündung der Sill in den Inn, am Südfuss des Karwendelgebirges; 115000 Einwohner; metallverarbeitende, Textil-, chemische, Schuh-, Leder-, Holz- und Elektroindustrie; Industriemesse; Verkehrsknoten für Straße und Bahn, internationaler Flughafen; Universität; Theater, Museen; botanischer Garten, Alpenzoo; Wintersportstätten (Schanze am Bergisel); Olymp. Winterspiele 1964 und 1976; Fremdenverkehr; südöstlich von Innsbruck der eingemeindete Kurort Igls. Historische Altstadt: Altes Rathaus (um 1350) mit Stadtturm (1396), Hofkirche (16. Jahrhundert, mit Renaissancegrabmal Maximilians Innsbruck, umgeben von 28 überlebensgroßen Bronzestatuen) unter anderem Kirchen, Hofburg (14./18. Jahrhundert), Bürgerhäuser («Goldenes Dachl», 1500) und Adelspaläste des 15./18. Jahrhundert, Schloss Ambras (Waffensammlungen); im Vorort Wüten Prämonstratenserstift (seit 1138) und Stiftskirche (17./18. Jahrhundert). Bei Innsbruck bestand eine römische Siedlung, 1180 Gründung der heutigen Altstadt, 1239 Stadtrecht; 1363/1665 Residenz der Grafen von Tirol (Nebenlinie der Habsburger), 1677 wurde unter Einfluss der Jesuiten eine Universität gegründet, 1806/14 bayerisch besetzt. Der vor den Toren der Stadt liegende Bergisel war Kampfort der Aufständischen 1809 gegen die bayerischen-französischen Fremdherrschaft.

in nuce: (lateinisch, «in der Nuss») in knappster Form; kurz und bündig.

Innung: («in einen Verband aufnehmen») Interessenvereinigung selbständiger Handwerker und deren Gesellen aus einem oder aus mehreren verwandten Gewerben; entstand nach Aufhebung der Zünfte und Einführung der Gewerbefreiheit.

Innviertel: Voralpenlandschaft in Österreich, zwischen Donau, Inn und Hausruck; etwa 2250 km2; gegliedert in Sauwald (Haugst, 876 m) und in eine Schotter-, Moränen- und Niederterrassenlandschaft mit entwickelter Landwirtschaft; wichtigster Ort Ried (9 500 Einwohner); in Ranshofen am Inn Aluminiumgewinnung.

Ino, in der griechischen Sage Tochter des Königs Kadmos von Theben und der Harmonia; stellte ihren Stiefkindern Phrixos und Helle nach, stürzte sich ins Meer und wurde in die Meeresgöttin Leukothea verwandelt.

Inoceramus: formenreiche marine Muschelgattung der Lias- und Kreidezeit; Schale meist mit kräftigen konzentrische Rippen bedeckt

Inoperabel: nicht mehr operationsfähig.

Inosit: eine färb- und geruchlose, kristallisierte, wasserlösliche, süß schmeckende Substanz; systematischer Name Hexahydroxy Zyklohexan; Formel C6H6(OH)6. Inosit steht den Kohlenhydraten nahe und ist Bestandteil vieler pflanzliche Phosphatide.

Inotropie: Fähigkeit des Herzmuskels, sich zu kontrahieren, bezogen auf eine vergleichbare Vorbelastung. Bei positiver Inotropie nimmt die Kontraktionskraft zu; beeinflussbar durch das vegetative Nervensystem.

In persona: (lateinisch, «in (eigener) Person») persönlich, selbst.

ln petto: (italienisch, «in der Brust») in Bereitschaft (halten).

In puncto: (lateinisch, «in dem Punkt») hinsichtlich, in Bezug auf.

Input-Output-Analyse: Theorie und Methode zur quantitativ-empirische Erfassung der Verflechtungsbeziehungen zwischen den Wirtschaftszweigen einer Volkswirtschaft; 1941 von dem US-amerikanischen bürgerlichen Ökonomen W. Leontief entwickelt; auf unwissenschaftlichen Kategorien der bürgerlichen Ökonomie beruhend, unter Vernachlässigung der qualitativen Analyse der kapitalistischen Produktionsweise, leugnet sie die Gesetzmäßigkeit kapitalistischer Wirtschaftskrisen und entstellt in vieler Hinsicht den vom Charakter der Produktionsweise abhängigen gesamtwirtschaftlichen Reproduktionsprozess.

Inquisition: (dat., «Untersuchung») im 13. Jahrhundert gegründet Gerichtsorganisation der katholischen Kirche gegen religiös Abtrünnige («Ketzer»), seit 1232 den Dominikanern beziehungsweise Franziskanern übertragen; arbeitete oft mit Methoden des psychischen und physischen Zwanges (seit 1252 Anwendung der Folter); kämpfte gegen Glaubens- und Gewissensfreiheit, wissenschaftlicher Fortschritt und antifeudale Volksbewegungen. In Spanien wurden 1481/1808 etwa 300000 Menschen Opfer der Inquisition, davon etwa 30000 zum Tode verurteilt.

Die Inquisition bestand bis ins 18. Jahrhundert, in Spanien und Portugal bis ins 19. Jahrhundert.

inquisitorisch: peinlich (mit grausamen Methoden) ausfragend.

INRI: Abkürzung für Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum («Jesus von Nazareth, König der Juden»), die (lateinische) Inschrift auf dem Kreuz Christi.

Insektarium: Behältnis für naturgemäße Insektenhaltung zu Anschauungs-, Forschungs- und Zuchtzwecken.

Insekten, Kerbtiere, Keife m PL, Insecta: Klasse der Gliedertiere mit über 1 Millionen bekannter Arten (etwa 75 % aller Tierarten), davon über 30000 in Mitteleuropa. Der Körper der Insekten (0,2 bis 350 mm lang) ist durch Kerben (Name!) in Kopf, Brust und Hinterleib gegliedert. Alle Abschnitte sind von einer Chitinhülle umgeben, die als Stütze (Außenskelett) und Schutz dient. Am Kopf befinden sich 1 Paar Fühler, die Augen (Facetten- oder Punktaugen) und die Mundwerkzeuge, die in 4 Grundtypen (kauend, leckend, saugend, stechend) eingeteilt werden. Die Brust besteht aus 2 Segmenten, die je 1 Beinpaar tragen; am 2. und 3. Segment sitzen, soweit vorhanden, je ein Paar Flügel. Der Hinterleib umgibt beim geschlechtsreifen Tier (Vollkerf, Imago) die Geschlechtsorgane. Die Entwicklung der Insekten (Metamorphose) beginnt mit dem abgelegten Ei und vollzieht sich über mehrere Häutungen (Abstreifen der Chitinhülle) als unvollkommene Verwandlung (dem Vollkerf ähnliche Larvenstadien wachsen zur Imago heran) oder als vollkommene Verwandlung (dem Vollkerf unähnliche Larvenstadien werden in der Puppe zur Imago). Die Insekten besiedelten vom mittleren Devon (älteste Fossilien) ausgehend alle Lebensräume der Erde. Vorwiegend landbewohnende Tracheenatmer, kam es zu Anpassungen an Wasser, Höhlen und andere Lebensräume. Hochentwickelte Nerven- und Sinnesorgane prägten außergewöhnliche Instinkte für Nahrungserwerb, Brutpflege, Parasitismus und Staatenbildung.

Insektenfresser, Insectívora: fast weltweit verbreitete (außer Südamerika und Australien), altertümliche Säugetierordnung mit in Körperbau und Lebensweise sehr unterschiedlichen Vertretern: springende (zum Beispiel Rüsselspringer), grabende (zum Beispiel Maulwürfe), schwimmende (zum Beispiel Otterspitzmäuse) und laufende (zum Beispiel Igel) Formen unter anderem. Das Gehirn ist primitiv und klein, aber die Sinnesorgane sind meist sehr leistungsfähig; das Gebiss ist sehr zahnreich (28 bis 44 Zähne); neben Insekten wird vorwiegend Kleingetier gefressen. Siehe auch Spitzmäuse.

Insektivoren, insektenfressende Pflanzen, fleischfressende Pflanzen: Pflanzen (etwa 400 Arten) nährstoffarmer, insbesondere stickstoffarmer Böden, die kleine Tiere, besonders Insekten, anlocken, festhalten und durch Enzyme zum Teil verdauen, wodurch sie sich zusätzlich Nährstoffquellen (Eiweiß) erschließen. Der Fang geschieht aktiv mit Klappmechanismus (zum Beispiel Venusfliegenfalle), passiv nach dem Leimruten- (zum Beispiel Sonnentau) oder Fallgrubenprinzip (zum Beispiel Kannenpflanze).

Insektizide: Wirkstoffe chemischer oder pflanzlicher Herkunft zur Abtötung von Insekten. Sie wirken als Fraß-, Atem- oder Berührungsgifte (Kontaktinsektizide). Wichtige insektizide Wirkstoffgruppen sind chlorierte Kohlenwasserstoffe, organische Phosphorverbindungen, Carbamate und natürlichen pflanzlichen Insektizide, zum Beispiel Pyrethrum, Derris, Quassia, Nikotin.

Insel: wasserumschlossenes Land; man unterscheidet Land nahe oder kontinentale Insel (Küsten- und Schelfinsel) und ozeanische, meist landferne Insel (besonders durch Korallenbauten oder Vulkanismus entstanden). Insel bilden oft Reihen oder Gruppen (Archipele).

Inselberg: Einzelberg oder Berggruppe mit steilen Hängen, als Restberg auf tektonische Schwellen oder im Bereich harter Gesteinskomplexe inselartig angelegt. Inselberg sind eine typische Bergform der wechselfeuchten Tropen in der Gegenwart beziehungsweise ihrer Ausdehnung im Neozoikum (zum Beispiel Domberge).

Inselbetrieb: von einem Verbundnetz unabhängiger Betrieb eines Generators oder Kraftwerks zur Versorgung von Verbrauchern mit Elektroenergie.

Inselbögen: bogenartig angeordnete Inselketten, die besonders am Westrand des Stillen Ozeans die tektonisch aktive Grenzzone zwischen ozeanischer und kontinentaler Platte durch Subduktion ozeanische Lithosphäre unter die benachbarte kontinentale Platte, hohe Seismizität und intensiven Vulkanismus charakterisieren.

Inseln über dem Wind: Inselgruppe der Kleinen Antillen, im Osten des Karibischen Meeres; umfassen die Jungfern-, Leeward-, Windward Inseln, Trinidad und Tobago sowie Barbados; 800 km langer Inselbogen meist vulkanische Entstehung, gebirgig, auf Guadeloupe bis zu 1484 m hoch; ständig feuchtes tropisches Klima mit häufig auftretenden Wirbelstürmen.

Inseln unter dem Wind: Inselgruppe der Kleinen Antillen im Südosten des Karibischen Meeres, vor der venezolanischen Küste; die größten Inseln sind Aruba, Curacao und Bonaire (Niederländische Antillen); aus kristallinen Gesteinen und Korallenkalken aufgebaut, auf Curacao bis 372 m hoch; ständig feuchtes tropisches Klima.

Insemination: Eindringen von Samen in die weiblichen Geschlechtsorgane. Auch gebräuchlich für künstliche Befruchtung oder Besamung (instrumentelles Einbringen des Samens in die Gebärmutter).

Inserat: Zeitungs- oder Zeitschriftenanzeige meist werbenden Inhalts.

Insertion: 1. Insertio: Anatomie

a) Ansatz eines Muskels am Knochen durch Bindegewebe;

b) Ansatzpunkt der Nabelschnur an der Plazenta.

2. Genetik: Form der Genmutation, bei der ein oder wenige zusätzliche Nukleotide in die genspezifische Basensequenz eingefügt sind; führt zur Verschiebung des Leserasters bei der Translation.

Insetter: (englisch, «Einfüger», «Einsetzen») Steuer- und Regelvorrichtung in Rollenrotationsdruckmaschinen, um eine (farbig, eventuell in einem anderen Druckverfahren) vorbedruckte Papierbahn registergenau mit dem in der Druckmaschine gefertigten Produkt zu einem kombinierten Druck zu vereinigen.

Insider: Eingeweihter; jemand, der interne Kenntnisse einer Gruppe (zum Beispiel einer Betriebsleitung) besitzt.

Insignien: Herrschafts- oder Standeszeichen als Ausdruck besonderer Macht und Würde; Kennzeichen der Amtsgewalt, zum Beispiel Krone, Thron und Zepter der Fürsten; Helm und Schild der Ritter; Fahnen, Adler und Standarten der Heere; Tiara, Thron und Schlüssel des Papstes; Mitra, Ring und Stab der Bischöfe; Amtsketten städtlicher Oberhäupter und der Universitätsrektoren.

Insinuation: Einschmeichelung, Zuträgerei; Unterstellung; Ansinnen.

Insistieren: zu etwas drängen; auf etwas bestehen; hartnäckig sein.

Insolation: 1. Klimatologie: Sonneneinstrahlung beziehungsweise deren Dauer.

2. Medizin: Sonnenstich.

Insolationsverwitterung: durch tägliche starke Temperaturschwankungen ausgelöste oberflächliche Abschuppung oder Abgrusung des Festgesteins sowie die Zerkleinerung von Gesteinsschutt (Kernsprünge), besonders in semiariden und ariden Gebieten.

Insolent: unverschämt, anmaßend.

Insolvenz: Zahlungsunfähigkeit; ist zu unterscheiden von Insuffizienz (Überschuldung).

In spe: (lateinisch, «in der Hoffnung») zukünftig.

Inspiration: 1. Anregung; Eingebung; plötzlicher Einfall; Beeinflussung.

2. Atmung.

Inspizient: Mitarbeiter bei Theater und Film, der für den exakten (technischen) Ablauf der Aufführung, Probe oder Aufnahme verantwortlich ist.

Installation: Vorbereitung, Ausführung und Instandhaltung der technischen Gebäudeausrüstung, hauptsächlich der Versorgungsleitungen. Um deren Unfallsicherheit zu gewährleisten dürfen Installation nur von geprüften Fachleuten ausgeführt werden.

Installationselemente: vorgefertigte Montageteile der Gebäudeinstallation. Dazu gehören Anschlusselemente für die horizontalen Zu- und Abflussleitungen, Rohrbündel als geschoßhohe, auf Gestell montierte Zu- und Abflussleitungen sowie Rahmenelemente, in Gestellrahmen eingebaute horizontale und vertikale Zu- und Abflussleitungen, die zugleich zur Befestigung der Installationsobjekte dienen.

Installationsmaterial: zur Elektroinstallation erfordert. Geräte und Befestigungsmaterialien (Installationsgeräte, -leitungen, -rohre sowie Befestigungsschellen und -teile aus Stahl, Plast, Leiter- und Kontaktmaterial). Installationsgeräte (Steck- und Abzweigdosen, Schalter, Sicherungen unter anderem) werden als versenkte, runde oder eckige Geräte für Unterputzmontage (Unterputzgeräte, Kurzbezeichnung up) ausgeführt. Aufputz Geräte (Kurzbezeichnung ap) werden fast nur noch für den Ersatzbedarf hergestellt. Installationsleitungen sind ein- oder mehradrige kabelähnliche elektrische Leitungen mit Gummi- oder Plast Isolierung zur festen Verlegung und zum Anschluss ortsveränderlicher Verbraucher. Die Ausführung des Installationsmaterial hinsichtlich Berührungs-, Fremdkörper- und Wasserschutz richtet sich nach den Einbauverhältnissen, denen Standards zugeordnet sind.

Installationsplan, Installationsschaltplan: Symbol. Darstellung von Fernmelde- und Elektroinstallationen. Der Installationsplan wird lagerichtig in Grundrisszeichnungen im Maßstab 1:50 (1:100) eingetragen oder für Fahrzeuge und Geräte übersichtlich, der Montage und nicht der Funktion entsprechend dargestellt.

Installationszelle: Raumzelle im Wohnungsbau mit Küche, Bad und WC einschließlich der technischen Ausrüstung für Elektroenergie, Gas, Wasser und Abwasser.

Instandhaltung: Gesamtheit aller Maßnahmen zur Überwachung, Verminderung und Beseitigung der Abnutzung der Grundmittel. Ziel der Instandhaltung ist es, die Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Grundmittel während ihrer Nutzungsdauer aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen und ihre intensive Ausnutzung zu sichern. Stillstandszeiten und Kosten bei der Instandhaltung sind durch planmäßige vorbeugende Instandhaltungsmaßnahmen zu senken.

Instantprodukte, (englisch instant, «Augenblick») Schnellprodukte: Lebensmittel in gut benetzbarer feinkörniger Form, die nach Zugabe von warmer oder kalter Flüssigkeit (Milch, Wasser, Saft) sofort verzehrfertig sind. Es gibt Instantgetränke (zum Beispiel Kaffee, Tee, Kakao und Fruchtpulver), die sich rückstandsfrei lösen, Instantkindernährmittel, wie Instanthafer- und -reismehl, Mekoma, aus denen ohne Kochen ein verzehrfertiger Brei zubereitet werden kann, weiterhin Instantpuddingpulver («kalt quellendes Puddingpulver»).

Instanz: 1. allgemein zuständige Stelle.

2. Verfahrensrecht: die zuständige Stelle im Aufbau der Staatsorgane, besonders der Gerichte und Behörden.

Instanzenordnung, Instanzenweg, Instanzenzug: Aufeinanderfolge verschiedener Staatsorgane, besonders Gerichte oder Behörden, die im Laufe eines Verfahrens zur Klärung von Sach- und Rechtsfragen nacheinander tätig werden. Die Entscheidungen der Organe unterer Ordnung (erste Instanz) können von den Beteiligten in der Regel mit Rechtsmitteln (Einspruch, Beschwerde, Berufung) angefochten werden und unterliegen dann der Nachprüfung durch ein Organ höherer Ordnung (zweite Instanz).

in statu nascendi: im Entstehungszustand.

Instillation: Einträufeln, Einbringen von flüssigen Arzneimitteln in Hohlorgane, Körperhöhlen, Ohr, Auge oder Nase.

Instinkt: (lateinisch, «Anreiz») ererbte Fähigkeit vieler Tierarten, stimmungsanregende Impulse innerer und äußerer Herkunft mit arttypischen Verhalten zu beantworten; durch biologische Motivationen erleichterter Ablauf angeborener, unbedingter Reflexe. Beim Säugling ist ein Instinktverhalten rudimentär vorhanden; das Lernverhalten überwiegt von Anfang an.

Instinktiv: triebhaft; gefühlsmäßig; unwillkürlich; ohne Überlegung.

Instleute, Deputanten: Tagelöhner, die einschließlich ihrer Ehefrauen und Kinder unter halbfeudalen Arbeitsbedingungen gegen geringe Entlohnung, freie Katenwohnung und Parzellennutzung für Gutsherren und Großbauern arbeiteten und besonders stark ausgebeutet wurden.

Instruktion: 1. allgemein Unterweisung, Anleitung; Dienstanweisung, Verhaltensmaßregel.

2. Befehl, Kommando: Programmierung primäre Anweisung an einen Rechenautomaten zur Ausführung einer Operation. Eine Instruktion besteht in der Regel aus 3 Teilen, dem Operationskode, der die gewünschte Operation festlegt, einem oder mehreren Operanden, auf die sich die Operation direkt oder mittelbar bezieht, und dem Modifikationsteil, der zum Beispiel die Art der Verwendung der Operanden spezifiziert. Instruktion, die als binäre Zeichenfolge dargestellt sind, heißen Maschinenbefehle. Durch die verschiedenen Instruktionen werden Datentransporte, arithmetische und logische Operationen, Steuerungen peripherer Geräte und viele andere Operationen bewirkt. Die Reihenfolge der Abarbeitung der Instruktion wird im Allgemeinen durch den Befehlszähler (Zentraleinheit) festgelegt,

instruktiv: aufschlussreich, lehrreich.

Instrumental: Kasus vieler Sprachen zum Ausdruck vor allem des Mittels oder Werkzeugs.

Instrumentalismus: von J. Dewey entwickelte Form des proimperialistischen Pragmatismus. Das wesentlich auf Vorstellung reduzierte, biologistisch erklärte Denken sei nicht Widerspiegelung der objektiven Realität, sondern allein Werkzeug (Instrument) zur Beherrschung der Umwelt, zur Anpassung an Vorgefundene Lebensbedingungen.

Instrumentalsatz, Umstandssatz des Mittels: Umstandsbestimmung in Form eines Gliedsatzes zum Ausdruck des Mittels, mit dessen Hilfe sich die Handlung im Hauptsatz vollzieht; antwortet auf die Frage «wodurch» und wird eingeleitet durch indem oder dadurch, dass; zum Beispiel: Er befestigte das Boot, indem er das Seil um den Pflock schlang.

Instrumentation, Instrumentierung:

1. Verteilung der einzelnen Stimmen eines Tonsatzes auf die Orchesterinstrumente, um eine bestimmte Klangvorstellung zu verwirklichen.

2. das nachträgliche Einrichten (Orchestrierung) zum Beispiel eines Klavier- oder Orgelsatzes für Orchester. Siehe auch Arrangement 2.

Instrumentenflug: nach Instrumentenflugregeln (Abkürzung IFR) durchgeführter Flug ohne Bodensicht beziehungsweise in den Wolken, bei dem das Flugzeug nach der Anzeige im Cockpit eingebauter Instrumente (Landezeiger, künstlicher Horizont, Kompass) gesteuert wird.

Instrumentenlandesystem, Instrument Landing System, Abkürzung ILS: Funknavigationsmittel für Schlechtwetterlandungen von Flugzeugen. Diese werden durch die Leitstrahlebenen je eines Landekurs- und Gleitwegsenders zum Aufsetzpunkt geführt; senkrecht strahlende Markierungsfeuer (Vor-, Haupt- und zum Teil auch ein Platzeinflugzeichen) geben festgelegte Entfernungen (vom Aufsetzpunkt) auf diesem Gleitweg an. Die Schnittlinie von Kurs- und Gleitebene ist der vorgeschriebene Anflugweg. Das im Cockpit befindliche Kreuzzeigergerät informiert den Flugzeugführer über Art und Grad der Abweichung vom markierten Anflugweg.

Insubordination: Gehorsamsverweigerung, Auflehnung gegen Vorgesetzte.

Insuffizienz: 1. allgemein Unzulänglichkeit, Versagen, Schwäche.

2. Medizin: funktionelle Schwäche, unzureichende Leistung eines Organs, zum Beispiel des Herzens, der Leber oder der Nieren.

3. Recht: Überschuldung.

Insufflation: Einblasen von Luft, Sauerstoff, gas- oder dampfförmigen Arzneimitteln; Maßnahme der intensivmedizinischen Behandlung, zum Beispiel bei gestörter Atmung.

Insulin: in den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildetes Hormon mit blutzuckersenkender Wirkung. Das Insulin des Menschen ist ein aus 51 Aminosäurebaugruppen zusammengesetztes Protein, das aus 2 durch Disulfidbrücken zusammengehaltenen Polypeptidketten besteht; in den Insulinmolekülen verschiedener Säugetiere sind einzelne Aminosäuregruppen durch andere ersetzt. Mangel an Insulin führt beim Menschen zum Diabetes mellitus.

Insulinde: (dat. insula + India, «Inselindien») niederländische Bezeichnung für den Malaiischen Archipel ohne die Philippinen; früher gebraucht für die ehemaligen niederländischen Kolonialbesitzungen in Südostasien.

Insulinschock: Heilbehandlung besonders bei Schizophrenie durch Insulineinspritzung in hoher Dosierung.

Insult:

1. Insult, Insultation: allgemein Kränkung, Beschimpfung, (grobe) Beleidigung.

2. Medizin: Schlaganfall.

Insurgent: Aufrührer, Aufständischer, Empörer; früher Bezeichnung für ein Mitglied des freiwilligen Aufgebots der Adligen in Ungarn.

Insurrektion: 1. bewaffneter Aufruhr, Volksaufstand gegen Unterdrückung.

2. in Ungarn bis 1848 Bezeichnung für das allgemeine Aufgebot, besonders des Reichsadels durch den König (Heeresfolge in sogenannt Banderien) zur Sicherung der Grenzen.

Inszenierung: 1. Prozess der szenischen Erarbeitung eines theatralischen oder filmischen Kunstwerkes unter Leitung des Regisseurs; meist auf der Grundlage einer literarischen Vorlage.

2. das Ergebnis des Inszenierungsprozesses, das heißt die Aufführung.

Intarsia-Einlegearbeit: Ornament- und Bildschmuck an Möbeln unter anderem Holzarbeiten, der durch Einlegen farbiger Furniere, auch von Elfenbein, Schildpatt, Perlmutter und Metall, in eine Holzfläche entsteht. Schon im Altertum und im Mittelalter bekannt, wurde die Intarsia-Einlegearbeit erstmalig in der italienischen Renaissance für die Möbelkunst wichtig. Zunächst wurde die sehr kostbare Verzierung nur für kirchliches Mobiliar verwendet, später auch für Schränke, Türen, Wandtäfelungen. Eine neue Blüte brachte die vorwiegend französische Luxusmöbelindustrie des 17./18. Jahrhundert; Intarsia-Einlegearbeit dieser Zeit heißt Marketerie.

integer: unversehrt; ganz; moralisch sauber, unbescholten.

Integralgleichung: besondere Form einer Gleichung zur Bestimmung einer Funktion f(x), die im Integranden eines Integrals auftritt, zum Beispiel die Fredholmsche Integralgleichung 2. Art. Hierbei sind der a sogenannt Kern K(x,y) der Integralgleichung und g(x) gegebene Funktionen; die Integralgleichung heißt homogen, wenn g(x) identisch Null ist, im anderen Fall inhomogen. Besitzt die homogene Integralgleichung für einen Wert X eine Lösung f(x) + 0, so heißt X Eigenwert und f(x) Eigenfunktion. Integralgleichung treten bei der Lösung von Randwertaufgaben für Differentialgleichungen auf. Die Theorie der Integralgleichung wurde zu Beginn des 20. Jahrhundert insbesondere von E. I. Fredholm, D. Hilbert und E. Schmidt begründet.

Integralismo: faschistische Bewegung in Brasilien; verkörpert in der Partei Brasilianische Integralistische Aktion, von P. Salgado 1932 gegründet; 1937 durch Dekret aufgelöst; strebte eine korporative Gesellschaft an; ideologisch am italienischen und am deutschen Faschismus orientiert; nach Putschversuch (1938) bedeutungslos.

Integralkurve: Lösungskurve einer gewöhnlichen Differentialgleichung.

Integrallogarithmus: Funktion li(x), die durch ein uneigentliches Integral definiert ist;

Integration: 1. allgemein Zusammenschluss von Teilen zu einem Ganzen, das gegenüber seinen Teilen eine neue Qualität aufweist (zum Beispiel verschiedene Volkswirtschaften zu einem einheitlichen Wirtschaftsorganismus); Einbeziehung; Vereinheitlichung; Vervollständigung. Siehe auch sozialistische ökonomische Integration, imperialistische Integration.

2. Mathematik: Integralrechnung.

3. Mikroelektronik: das Zusammenfassen einer großen beziehungsweise sehr großen Anzahl elektronische Funktionselemente (vorwiegend Transistoren) in einem einzigen Halbleiterplättchen beziehungsweise einem anderen Trägermaterial (Substrat).

4. Völkerrecht: Form enger Zusammenarbeit von Staaten auf wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Gebiet, die erheblich über nur vertragliche Abmachungen in Einzelfragen hinausgeht. Wesen, Inhalt und Zielstellung der Integration werden entscheidend durch den Klassencharakter der beteiligten Staaten bestimmt.

soziale Integration: Einbeziehung des einzelnen in eine soziale Einheit, Verflechtung sozialer Elemente zu einem System. Die soziale Integration ist objektiv für jeden Menschen bei Geburt durch die sozialökonomische Stellung der Familie und die Verwandtschaftsbeziehungen gegeben. Die personale Integration ist die Einbeziehung in eine bestimmte soziale Gruppe, bei der normativen Integration werden gruppenspezifische Werte und Normen übernommen, bei Aar funktionalen Integration soziale Funktionen und Rollen. Bürgerliche Soziologen verstehen unter soziale Integration die Einbeziehung eines nicht gesellschaftlichen Menschen in die Gesellschaft.

vertikale Integration: in imperialistischen Ländern Form der Eingliederung der Landwirtschaftsbetriebe in vertikale, das heißt vom Rohstoff bis zur letzten Verarbeitungsstufe reichende Verbundketten der Nahrungsgüterproduktion. Die vertikale Integration wird durch Verträge verwirklicht (Vertragslandwirtschaft), durch die Landwirtschaftsbetriebe an Industrie- oder Handelsmonopole (sogenannt Integratoren) gebunden werden, vielfach ihre freie Handlungsfähigkeit verlieren und sich dem Preisdiktat des Integrators ausliefern.

Integration der Wissenschaften: die gegenwärtige Wissenschaftsentwicklung kennzeichnender Prozess der Verschmelzung wissenschaftlicher Disziplinen zu komplexen wissenschaftlichen Theorien, die interdisziplinäre Kooperation erfordern (Grenzwissenschaften, Querschnittswissenschaften). Die Integration der Wissenschaften setzt die Differenzierung der Wissenschaften voraus und führt selbst zu neuen Differenzierungen im System der Wissenschaften.

Integrationsgrad: Mikroelektronik ein Maß für die Anzahl der je integrierten Schaltkreis beziehungsweise integrierten System realisierten Funktionen. Bestimmend ist dabei die Packungsdichte (Anzahl der Funktionszellen beziehungsweise Grundelemente oder Bauelementefunktionen je Chipfläche). Man unterscheidet kleine, mittlere und hohe Integrationsstufen: Kleinintegration (Abkürzung SSI, von englischen small scale Integration) mit 1 bis 100 integrierten Elementen je Chip; Mittelintegration (Abkürzung MSI, von englischen medium scale integration) mit 102 bis 103 integrierten Elementen je Chip; Großintegration (Abkürzung LSI, von englischen large scale integration) mit 103 bis IO4 integrierten Elementen je Chip; Super-LSI (Abkürzung VLSI, von englischen very large scale integration) mit über 104 integrierten Elementen je Chip.

Integrator: Mathematik - Gerät zur graphischen oder numerischen (aber nicht digitalen) Integration. Integraphen zeichnen die Integralkurve zu einer Funktion auf, während Integrimeter den Integralwert anzeigen, wenn die Kurve mit einem Fahrstift durchlaufen wird. Siehe auch Integrierglied, Planimeter.

integrieren: 1. vereinheitlichen; zu einem Ganzen zusammenschließen, eingliedern.

Integrierglied: elektrisches Netzwerk aus einem Widerstand R in f Längszweig und einem Kondensator C im Querzweig, dessen Ausgangsspannung (Spannung über C) näherungsweise dem zeitlichen Integral der Eingangsspannung (Spannung über R und C) proportional ist Integrierglied werden unter anderem als Rechenelement von Analogrechnern und zur Impulsformung in der Elektronik angewendet, wobei rechteckförmige Eingangsimpulse in eine dreieck- oder sägezahnförmige Ausgangsspannung umgewandelt werden. Siehe auch Differenzierglied, integrierte Optik: Teilgebiet der Optik, das sich mit der Integration von optischen Bauelementen (wie Halbleiterlaser, Modulatoren, optoelektronischer Empfänger) in dünnen wellenleitenden Schichten befasst. Für die Zukunft wird der Einsatz der L O. in der Nachrichtentechnik erwartet Siehe auch Optoelektronik.

integrierter Pflanzenschutz: Kombination chemischer, kulturtechnischer, biologischer unter anderem Maßnahmen zum Schutz der Kulturpflanzen vor Schädigungen.

Integrität: Ganzheit Vollständigkeit; (körperliche oder moralische) Unversehrtheit; Unantastbarkeit; Lauterkeit, Unbescholtenheit

Integrodifferentialgleichung: (lateinisch + deutsch) Gleichung zur Bestimmung einer Funktion, die zusammen mit wenigstens einer ihrer Ableitungen im Integranden eines Integrals auftritt Integument Haut

Intellectus agens: tätiger Verstand; Begriff der averroistischen Philosophie, geschaffen von Alexander von Aphrodisias (um 200), der damit die Tatsache erfassen wollte, dass alle Menschen über einen seinem Wesen nach gleichen Intellekt verfügen; wurde Bestandteil des lateinischen Averroismus (besonders bei Siger von Brabant). Im orthodoxen scholastischen Sinne als außerweltliches ungeschaffenes göttliches Licht unter anderem gedeutet (Albertus Magnus).

Intellekt: Verstandeskraft, Denkvermögen, Urteilsfähigkeit; Vermögen zu logischen, analytisch-synthetischen Erfassung der Realität Intellektualismus (lateinisch):

1. allgemein betont theoretische verstandesmäßige Haltung.

2. Philosophie: erkenntnistheoretische Anschauung, die das rationale Moment in der Erkenntnis überbewertet; die Tendenz zum Intellekt ist vielen idealistischen Systemen des Rationalismus eigen.

intellektuell: verstandesmäßig, geistig, auf das Denken bezogen, intellektuelle Bildung und Erziehung: grundlegender Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung, der auf die Vermittlung und Aneignung von Kenntnissen, Erkenntnissen und Hinsichten sowie von geistigen und sprachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten gerichtet ist; wichtige Voraussetzung für die Formung der wissenschaftlichen Weltanschauung und für die Befähigung zum selbständigen und schöpferischen Denken und Handeln.

intelligent: (lateinisch) klug, zu theoretischen Denken befähigt, durch Intelligenz ausgezeichnet intelligente Messgeräte: elektronische Messgeräte, die selbständig zusätzliche Funktionen ausführen, zum Beispiel Korrektur des Nullpunkts, Bereichsumschaltung, Umrechnung von Messwerten. Diese Funktionen werden meist mit Hilfe eines Mikroprozessors gesteuert, zum Beispiel bei Digitalvoltmetern.

Intelligenz: 1. ausgeprägte Fähigkeit neue Erkenntnisse zu erarbeiten oder Kenntnisse zu erwerben; Auffassungsgabe, Urteils- und Denkvermögen. Die L ist ein Komplex menschlicher Fähigkeiten, die Niveau und Qualität der erkenntnismäßigen Prozesse bedingen und charakterisieren.

2. soziale Schicht, deren Angehörige sich berufsmäßig mit geistiger Arbeit befassen (Wissenschaftler, Ärzte, Lehrer, Künstler, Techniker unter anderem). Ihre Herausbildung in der antagonistischen Klassengesellschaft ist eng mit dem für diesen charakteristischen Gegensatz zwischen körperlicher und geistiger Arbeit verbunden. Ihre Angehörigen rekrutieren sich aus verschiedenen Klassen und Schichten; im System der gesellschaftlichen Produktion spielt die Intelligenz keine selbständige Rolle, sie ist keine Klasse. Die im Kapitalismus überwiegend aus Mittel- und Kleinbourgeoisie hervorgegangene Intelligenz ist eng mit der Bourgeoisie verbunden. Ein Teil ihrer Angehörigen, insbesondere jene, die einer zunehmenden Proletarisierung unterliegen, nimmt am Kampf um den sozialen Fortschritt teil und wird zum Bündnispartner der Arbeiterklasse. Die wissenschaftlich-technische Revolution führt zu einem starken Anwachsen der Intelligenz und zur Annäherung eines großen Teiles an die soziale Stellung der Arbeiterklasse. Im Sozialismus festigt die Arbeiterklasse das Bündnis mit der Intelligenz und schafft alle Möglichkeiten für die Entfaltung der schöpferischen Kräfte der Sozialist Intelligenz, die in ihrer Mehrheit der Arbeiterklasse und der Klasse der Genossenschaftsbauern entstammt, eine stabile soziale Schicht darstellt und in den Prozess der Annäherung der Klassen und Schichten einbezogen ist

künstliche Intelligenz: Modellbildung und Simulation menschlicher intellektueller Fähigkeiten auf Rechenautomaten; dient der Analyse geistiger Prozesse und der technischen Realisierung von Informationsverarbeitungen und Steuerungen.

Intelligenzmessung: psychodiagnostische Untersuchung des Niveaus und der Besonderheit der Intelligenz zumeist mit Hilfe von Intelligenztests, durch die die Höhe der Intelligenz (im Vergleich zum Standard einer Population) sowie deren Qualität (Gerichtetheit auf bestimmte geistige Leistungen) bestimmt wird. Intelligenzmessung sind zum Beispiel bei Fragen der Schulfähigkeit der Einweisung in Sonderschulen, der Verantwortlichkeit von Straftätern, der Auswahl von Begabungen, in Erziehungsberatung und Psychotherapie erforderlich. L erfordert gut entwickelte Verfahren, um Missbrauch auszuschließen, wie er in kapitalistischen Ländern (zum Beispiel um die angebliche Minderbefähigung der Arbeiterklasse nachzuweisen) oft betrieben wird.

intelligibel: verständlich; in der idealistischen Philosophie übersinnlich, nur durch den Verstand erfassbar.

Intendant: 1. höchster Beamter des absolutistischen französisches Königtums mit weitgehenden Vollmachten; erste Anfänge der Intendant als vom König beauftragte Kontrolleure gab es bereits unter Ludwig IX. Richelieu baute das System der Intendant systematisch aus, so dass Macht und Einfluss der örtlichen Feudalgewalten beschnitten wurden. Nach der Französischen Revolution leiteten die L nur noch die Versorgung des Heeres.

2. verantwortliche Leiter eines städtlichen oder staatlichen Theaters, Rundfunk- oder Fernsehsenders.

Intensität, (lateinisch, «Anspannung») Energiestromdichte: die auf die Zeit und auf die Fläche bezogene eingestrahlte Energie einer Korpuskular- oder Wellenstrahlung, für letztere ist sie dem Quadrat der Amplitude proportional; SI-Einheit W/m2. Die Intensität nimmt bei einer punktförmigen Strahlungsquelle mit dem Quadrat des Abstandes ab. Siehe auch Energiefluenz, Poynting-Vektor.

intensiv: (lateinisch) nach innen gerichtet; angestrengt; gründlich; eindringlich; stark wirkend.

intensive Größe, Qualitätsgröße: physikalische Größe, deren Wert sich bei der Teilung eines Systems in Untersysteme nicht ändert, zum Beispiel Druck, Temperatur. Im Gegensatz dazu setzen sich die Werte von extensiven oder Quantitätsgrößen additiv aus denen für die Untersysteme zusammen, zum Beispiel Volumen, Masse, Energie.

Intensivhaltung: Haltungsform landwirtschaftlicher Nutztiere, bei der die Tiere ausschließlich in einem Stall oder in Käfigen gehalten werden. Voraussetzung sind unter anderem geeignetes Tiermaterial und vollwertige Mischfuttermittel. Die Intensivhaltung ermöglicht höhere Produktionsleistungen bei gleichzeitiger Arbeitserleichterung. Sie ist die wichtigste Haltungsform in der Geflügelproduktion. Siehe auch Geflügelhaltung.

Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion: wirksamere Nutzung der im Produktionsprozess eingesetzten lebendigen und vergegenständlichten Arbeit, um die Effektivität und Qualität der gesellschaftlichen Arbeit zu erhöhen, woraus zunehmend das ökonomische Wachstum resultiert. Der Leistungszuwachs fließt immer stärker aus dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt Charakteristisch ist, dass sich das Produktionswachstum bei sinkendem Energie- und Materialverbrauch vollzieht Gleichzeitig wird der spezifische Transportaufwand verringert und das Tempo der ökonomischen Kreisläufe erhöht. Die Senkung des Produktionsverbrauches wirkt sich positiv auf die Dynamik des Nationaleinkommens aus. Die Produktionsausrüstungen werden erneuert und zeitlich besser ausgelastet Damit wird die intensiv erweiterte Reproduktion zur bestimmenden Grundlage für das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft. Die umfassende die den Inhalt der neuen Etappe der Verwirklichung der ökonomischen Strategie der DDR ausmacht, betrifft alle Bereiche der Volkswirtschaft, alle Phasen des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, mit dem Ziel, dass die Ergebnisse schneller wachsen als der Aufwand. Das ist mit einem hohen Tempo an Erneuerung verbunden, womit tiefgreifende Veredlungs- und Substitutionsprozesse einhergehen. Das zwingt dazu, wissenschaftliche technische Leistungen weit stärker ökonomisch zu verwerten und Einsparungspotentiale in ökonomischem Wachstum umzuwandeln. Die Erhöhung der Endergebnisse der Produktion durch bessere Nutzung der Ressourcen ist ökonomisch der vorteilhafteste, mitunter auch einzig mögliche Weg. Mit der umfassenden Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion werden alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um die Politik der Hauptaufgabe in ihrer Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik unter den Bedingungen der 80er Jahre weiter kontinuierlich fortzusetzen. Die umfassende Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion ist darauf gerichtet den allseitig ressourcensparenden Typ der intensiv erweiterten Reproduktion zu verwirklichen.

Intensivmedizin: Durchführung von aufwendigen diagnostischen, therapeutischen und pflegerischen Maßnahmen unter Zuhilfenahme modernster Geräte in hochspezialisierten Abteilungen zur Behandlung von Menschen in höchster Lebensgefahr. Die Intensivmedizin konzentriert sich auf das Aufrechterhalten der lebenswichtigen Funktionen (Atmung, Kreislauf, Temperaturregulation und Stoffwechsel).

Intention: Absicht Vorhaben; Willensrichtung; Zielgerichtetheit des Denkens und Erkennens.

Intercarrier Verfahren, (englisch + deutsch, ((Zwischenträgerverfahren») Differenztonverfahren: in der Fernsehempfangstechnik angewandtes Verfahren zur Tonübertragung, bei dem nach gemeinsamer Verstärkung von Bild- und Tonsignal am Ausgang des Zwischenfrequenzverstärkers ein modulierter Zwischenträger von 5,5 MHz (Differenzfrequenz zwischen Bild- und Tonträger) erzeugt und als sogenannt DF- (Differenzfrequenz-) Signal zum Zwecke der Tonwiedergabe im Fernsehempfänger weiterverarbeitet wird.

Interchemiefaser, Interchimwolokno (russisch Kurzwort): internationale Wirtschaftsvereinigung im RGW für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung, Entwicklung und Produktion von Chemiefasern. Interchemiefaser arbeitet Vorschläge für die internationale Spezialisierung und Kooperation der Produktion, für die Modernisierung bestehender sowie Errichtung neuer Produktionskapazitäten für Chemiefasern aus; gegründet 1974; Sitz Bukarest.

Interdisziplinär: mehrere (wissenschaftliche) Disziplinen betreffend, meist im Sinne der Kooperation von Vertretern verschiedener Wissenschaftsdisziplinen zur Lösung von komplexen, disziplinübergreifenden Problemen.

Interesse: (lateinisch, «Dabei-, Dazwischen sein») auf Erkenntnis zielende, oft emotional betonte, handlungsmotivierende Hinwendung zu einem bevorzugten Objekt. Die Entwicklung von Interesse ist unter anderem soziologisch, ideologisch, durch Alter und Geschlecht, Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie psychisch wie physisch bedingt Interesse können sich auf alle Bereiche der menschlichen Umwelt und des Bewusstseins richten; sie sind relativ konstant und oft tätigkeitsbestimmend. In der Philosophie ist das Interesse die im gesellschaftlichen und individuellen Denken, Wollen und Handeln enthaltene, der Erreichung von Zielen dienende Gerichtetheit beziehungsweise Richtungsbestimmung; unter den Bedingungen der Klassengesellschaft vor allem durch die geschichtliche Situation und Rolle der jeweiligen Klasse determiniert. Die Durchsetzung der Interessen progressiver Klassen ist eine Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung. Letztlich durch die materiellen gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmt, stellen sie eine Vermittlung zwischen diesen und dem menschlichen Subjekt dar. Erst im Sozialismus entstehen die Bedingungen für eine weitgehende Übereinstimmung von objektivem gesellschaftlichem und individuellem Interesse

Interessengemeinschaft, Abkürzung IG: Zusammenschluss juristisch selbständig bleibender kapitalistischen Unternehmen zur Verfolgung gemeinsamer Profitinteressen (Absprachen über Erzeugung, Absatz, Finanzierung unter anderem); eine spezielle Form der Zentralisation von Kapital, häufig Vorstufe der Fusion kapitalistischer Firmen.

Interface: («Wechselbeziehung») Informationstechnik Gesamtheit der funktionellen, elektrischen und konstruktiven Bedingungen, die eingehalten werden müssen, damit die Kopplungsfähigkeit und das Zusammenwirken einzelner Funktionseinheiten in automatisierten Systemen der Mess-, Rechen- oder Automatisierungstechnik gewährleistet wird. Die anwendungsbezogene Vereinheitlichung der Interfacebedingungen hat zu einer begrenzten Anzahl von nationalen und internationalen Standard-Interfaces geführt.

Interferenz: Überlagerung von Wellen ausreichender Kohärenz, die zu einer von den Amplituden und Phasen abhängigen Intensitätsverteilung führt. Diese kann als Verstärkung, Schwächung oder Auslöschung der Wellen beobachtet werden. 2 Wellen mit gleicher Frequenz und Amplitude überlagern sich bei gleicher Phase zu einer Welle mit doppelter Amplitude; sie löschen sich bei der Phasendifferenz 180° aus. Die Interferenz ermöglicht den experimentellen Nachweis für den Wellencharakter des Lichtes. Die Interferenz wird im Interferometer messtechnisch genutzt. Zur Erzeugung interferenzfähiger Teilbündel fester Phasendifferenz aus einer Welle wird diese aufgespalten. Die Aufspaltung durch Reflexion oder Transmission an den Flächen von planparallelen Schichten ergibt Interferenzen gleicher Neigung. Die Aufspaltung an keilförmigen Schichten führt zu Interferenzen gleicher Dicke (siehe auch Newtonsche Ringe). Bei der Interferenz von weißem Licht entstehen Interferenzfärben, zum Beispiel Farben dünner Blättchen.

Interferenzlinguistik: Teilgebiet der Linguistik; beschäftigt sich mit Sprachkontakten unterschiedlicher Art und deren Auswirkungen auf die beteiligten Sprachen.

Interferenzmikroskop: Kombination aus Mikroskop und Interferometer. Im Interferenzmikroskop wird in Durch- oder Auflicht Interferenz erzeugt, aus der Rückschlüsse auf Oberflächenstrukturen oder Verteilungen der optischen Dicke zu ziehen sind.

Interferometer: optisches Gerät, in dem zur Lösung messtechnischer Aufgaben Interferenz des Lichtes herbeigeführt wird. Es gibt Interferometer, bei denen über teildurchlässige Platten, Spiegel und planparallele Platten 2 Bündel zur Interferenz gebracht werden (Michelson Mach-Zehnder-, Jaminsches). Sie dienen besonders der genauen Längenmessung (siehe auch Komparator) oder der Brechzahlmessung; der durch die unterschiedlichen Brechzahlen des Küvetten Inhalts erzeugte Gangunterschied der beiden Teilstrahlen wird durch die Kompensator Platten messbar kompensiert und damit die Brechzahldifferenz bestimmt). Die kohärenten Wellen können auch durch Beugung am Doppelspalt entstehen (Beugungs-L). Interferometer, bei denen durch Mehrfachreflexionen an planparallelen Platten viele Bündel interferieren, werden für die hochauflösende Spektrometrie verwendet (Fabry-Perot-, Lummer-Gehrcke-Interferometer). In der optischen Astronomie dienen Interferometer zum Beispiel zur Messung von Sterndurchmessern. Zur Steigerung der Winkelauflösung werden oft mehrere Radioteleskope zu Interferometer vereinigt, wobei zum Teil der gegenseitige Abstand veränderbar ist.

Interferon: löst Protein, das durch Einwirken inaktivierter oder lebender Viren beziehungsweise unspezifische Induktoren (Polysacharide, Nukleinsäuren o. a.) in den Zellen gebildet und dann freigesetzt wird. Interferon hat eine wichtige Abwehrfunktion bei viralen Infektionen und nimmt Einfluss auf die Wirkung mancher Hormone, Regulation des Zellwachstums (Tumoren) unter anderem

Intergalaktisch: (lateinisch + griechisch) im Raum zwischen den Galaxien befindlich.

Interferenzfilter fachsprachlich: optischer Filter, mit dem nahezu monochromatisches Licht erzeugt werden kann; besteht aus einem System von dünnen Schichten zwischen planparallelen Trägern (zum Beispiel dünne Metallschicht) Infolge der Mehrfachreflexion an den Grenzflächen wird nur Licht aus einem bestimmten Wellenlängenbereich durch das Interferenzfilter fachsprachlich gut hindurchgelassen, für andere Bereiche aber von diesem reflektiert.

Interhalogenverbindungen: sehr reaktionsfähige, in der Regel durch direkte Synthese herstellbare Verbindungen zwischen den Halogenen. Chlorfluoride. Chlomono-, tri- und -pentafluorid (CIF, C1F3 und CIF5) sind farblose Gase; das Tri- und das Monofluorid übertreffen an Reaktionsfähigkeit selbst elementares Fluor. Bron\fluoride. Brommonofluorid (BrF) ist ein hellrotes Gas, Bromtri- und -pentafluorid (BrF3 beziehungsweise BrFs) sind farblose, leicht verdampfende Flüssigkeiten. Bromchloride. Als einzige Interhalogenverbindungen zwischen Brom und Chlor existiert bei niedrigen Temperaturen Brommonochlorid (BrCl). Jodfluoride. Jodheptafluorid (IF7) ist ein farbloses, sehr reaktionsfähiges Gas, das zum Beispiel Quarz angreift; Jodpentafluorid (IFS) ist eine farblose Flüssigkeit. Jodtrifluorid (EF3) bildet gelbe, Jodmonofluorid (IF) braune Kristalle. Jodchloride. Jodmonochlorid (IC1) bildet rote, Jodtrichlorid (IClj) gelbe Kristallnadeln. Jodbromide. Als einzige Interhalogenverbindungen zwischen Jod und Brom ist Jodmonobromid (IBr) in Form rotbrauner Kristalle bekannt.

Interieur: (französisch) die Darstellung eines Innenraums in Malerei und Graphik. In der europäischen Malerei wurden Innenräume seit dem frühen 14. Jahrhundert (Giotto) immer realistischer wiedergegeben, wozu seit dem 15. Jahrhundert besonders die Entdeckung der Zentralperspektive beitrug (Brüder van Eyck, Leonardo da Vinci, A. Dürer, Tintoretto unter anderem). Jedoch war das Interieur noch nicht Selbstzweck. Erst im 17. Jahrhundert wurde in den Niederlanden das Interieur zur selbständigen Bildgattung; im 19. Jahrhundert erschien es erstmalig auch ohne menschliche Gestalt (A. von Menzel).

interimistisch: (lateinisch) vorläufig, vorübergehend.

Interiorisation: (lateinisch interior, «innen befindlich») Verinnerlichung: Herausbildung und Festigung der psychischen Abbilder der objektiven Realität durch in Beziehung setzen jedes einzelnen zu den vergegenständlichten Resultaten der gesellschaftlichen Tätigkeit der Menschen (Begriffe Produkte). Siehe auch Extériorisation.

Interjektion, (dat., «Ausrufewort») Empfindungswort: unflektierbares, außerhalb des syntaktischen Satzrahmens stehendes Wort zum lautlichen Ausdruck von Empfindungen und Gefühlen; zum Beispiel ach!, ei!

interkontinentale Fernsehübertragung: Übertragung von Fernsehsendungen zwischen Bodenstationen mittels aktiver Nachrichtensatelliten als Relaisstationen. Die Erdsatelliten bewegen sich auf elliptischen oder kreisförmigen Bahnen (geostationäre oder Synchronsatelliten, zum Beispiel die Typen Stationär und Intelsat) um die Erde.

Interkostalneuralgie: Schmerzen im Verlauf von Zwischenrippennerven, hervorgerufen durch Bandscheibenschäden der Wirbelsäule, Rheumatismus, Gürtelrose unter anderem

interkrustal, intrakrustal: innerhalb der Erdkruste gebildet, zum Beispiel Tiefengesteine und Metamorphite.

Interlaken: (dat., «zwischen den Seen») Kurort in der mittleren Schweiz (Kanton Bern), an der Aare, zwischen Thuner und Brienzer See; 5 500 Einwohner; Textil-, Uhrenindustrie; Fremdenverkehrszentrum des Berner Oberlandes mit Jungfrau, Mönch und Eiger; mehrere Bergbahnen; Schloss.

Interlingua: (lateinisch, «Zwischensprache») 1. mehrdeutigkeitsfreie Kunstsprache als Mittlersprache für automatische Übersetzungen mehrerer Sprachen ineinander.

Interlinguistik: neuer Zweig der angewandten Sprachwissenschaft, der die internationale sprachliche Kommunikation mit allen ihren politischen, ökonomischen, linguistischen u. a. Aspekten untersucht. Die Interlinguistik erforscht besonders Fragen der Schaffung, Struktur und Funktion von Plansprachen. Interlinguistik steht (seltener) auch für Forschungen über Mehrsprachigkeit, Sprachkontakte, Sprachmischung, Sprach- und Übersetzungsvergleiche.

Interlockgestrick: (englisch to interlock, «ineinandergreifen») feines laufmaschenfreies Gestrick; für Unter- und Oberkleidung verwendet.

Interludium: (lateinisch) Musik Zwischenspiel.

Intermediär: Genetik - Bezeichnung für eine Merkmalsausbildung bei Heterozygotie eines Allelpaares, die eine Zwischenform zwischen den Merkmalen darstellt, die bei Homozygotie eines der beiden Allele ausgeprägt werden.

intermediäres Boson, Vektorboson: Eichboson (Eichfeldtheorien), das als Feldquant die schwache Wechselwirkung vermittelt. Die beiden geladenen intermediäre Boson W+ und W“ (Masse etwa 85 Protonenmassen) und das neutrale Z° (etwa 100 Protonenmassen) wurden 1982/83 unter C. Rubbia bei CERN experimentell nachgewiesen.

Intermetallische Verbindungen, intermetallische Phasen, intermediäre Phasen: Legierungen bestimmter Zusammensetzung, deren Atome im Gegensatz zu Mischkristallen unter anderem Legierungen eine spezielle Nahordnung aufweisen, so dass sich das Kristallgitter von dem der einzelnen Komponenten stark unterscheidet. Die Zusammensetzung der intermetallischen Verbindungen entspricht nicht den bekannten Wertigkeiten; sie richtet sich nach den Strukturen und Größenverhältnissen im Kristallgitter. Die intermetallischen Verbindungen sehen metallisch aus, sind jedoch meist spröde; einige intermetallische Verbindungen haben technisch wichtige elektrische oder magnetische Eigenschaften und werden zum Beispiel als Halbleiter genutzt.

Intermezzo: 1. heiteres szenisches Zwischenspiel zwischen den Akten von Dramen und Opern; auch Intermedium genannt.

2. kurzes Instrumentalstück meist in freier Fantasieform, besonders für Klavier (R. Schumann, J. Brahms).

3. übertragen kleine, oft heitere Zwischenfälle am Rande des Geschehens.

intermittierend: zeitweilig beziehungsweise periodisch aussetzend und wiederkehrend.

intermolekular: (lateinisch) zwischen Molekülen erfolgend.

intern: (lateinisch) innerlich; innerdienstlich, nicht öffentlich, vertraulich.

Internat: Ein Internat ist eine Schule, in der ein Teil oder alle Schüler nicht nur studieren, sondern auch während des Schuljahres dort leben. Tatsächlich bezieht sich der Begriff Internat auf den Zustand der Menschen, wenn sie an einem Ort leben.

Viele Privatschulen sind Internate in den Ländern des British Imperial Commonwealth und der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Schüler leben den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend außerhalb ihres Elternhauses, obwohl sie die Möglichkeit haben, während der Ferien und Feiertage nach Hause zurückzukehren.

Auch Internat genannt werden Einrichtungen, in denen Kinder aus ländlichen Gebieten während des Studiums Nahrung und Unterkunft erhalten. In einigen Fällen sind die Schule und das Internat Teil derselben Institution und desselben Gebäudes, in anderen Fällen sind sie getrennt.

Geschichte der Internate haben eine lange Tradition. In der Vergangenheit gab es in europäischen Ländern wie Großbritannien, Deutschland und der Schweiz Internate ausschließlich in Klöstern. Hier wurden die Kinder wohlhabender Familien erzogen und auf das Priestertum vorbereitet.

Internate sind heute nicht mehr unbedingt mit religiösen Institutionen verbunden und die Bildungsmethoden sind nicht mehr die gleichen. Viele Internate sind heute Stiftungen. In der Regel handelt es sich um Vollzeitinternate.

Das Internat hat zum Ziel, eine ganzheitliche Ausbildung anzubieten und nicht nur akademische. Das Potenzial des Internats wird in all seinen Facetten berücksichtigt: musikalische Begabungen, Sport, etc.

Integrale Schule, in der Schüler beiderlei Geschlechts in der gleichen Residenz leben und die Klassenzimmer teilen. Es ist die häufigste Form des Internats. Internate werden auch von externen Schülern besucht.

Es gibt Internate, dass nur Wohnraum bietet. Die Internatsschüler gehen daher auf verschiedene externe Schulen.

Heutzutage gibt es eine wachsende Tendenz für Schüler, insbesondere für Eltern, sich für Internate zu entscheiden. Dies ist in vielen Fällen auf die Unzufriedenheit mit der Qualität der Bildung in öffentlichen Schulen zurückzuführen. Viele Eltern wollen ihren Kindern eine Ausbildung anbieten, die ihren persönlichen Erwartungen besser entspricht.

Der positive Effekt auf die Entwicklung des Inneren ergibt sich auch aus der geringen Größe der Gruppen im Unterricht. Auf diese Weise ist es für den Tutor einfacher, eine persönliche Betreuung jedes einzelnen Schülers zu gewährleisten.

In den verschiedenen Internaten gibt es unterschiedliche Finanzierungsquellen. Sie unterscheiden sich danach, ob sie von einer bestimmten Lehrmethode (Steiner, Montessori, Summerhill, Sudbury), einer bestimmten Religion oder einer privaten Institution geleitet werden. Es gibt auch öffentliche Internate.

internationale Flüsse: schiffbare Flüsse, die unmittelbar mit dem Meer verbunden sind, die Territorien mehrerer Staaten durchfließen oder voneinander abgrenzen und die wegen ihrer Bedeutung auf Grund internationaler Verträge im Frieden der Handelsschifffahrt der Vertragsstaaten oder aller Länder offenstehen. Die Territorialhoheit über internationale Flüsse bleibt davon unberührt.

Internationaler Tag der Alphabetisierung: auf Empfehlung einer Weltkonferenz der Minister für Volksbildung 1966 von der Generalkonferenz der UNESCO bestätigter, alljährlich am 8. Sept begangener Kampftag für die allmähliche Überwindung des gegenwärtig noch ansteigenden Analphabetentums in den vom Kolonialjoch befreiten Ländern und in kapitalistischen Industriestaaten; eng verbunden mit der Durchsetzung einer Grundschulbildung für alle Kinder.

internationaler Wert: Wert der auf dem Weltmarkt gehandelten Waren; bestimmt sich analog zum nationalen Wert und bringt das gesellschaftliche Verhältnis der am Welthandel beteiligten Produzenten zum Ausdruck.

internationaler Wirtschaftsvertrag: Vertrag im internationalen Wirtschaftsverkehr zwischen Partnern aus verschiedenen Ländern. Zu den internationalen Wirtschaftsvertrag gehören der Außenhandelsvertrag, der internationale Spezialisierungs- und Kooperationsvertrag und der internationale Gesellschaftsvertrag.

Internationales Band, Kurzwort i-Band: vorzugsweise auf Magnetfilm hergestellte Tonfassung eines Films für den internationalen Austausch, die Geräusche und Musik, jedoch keine Sprache enthält, für das Nachsynchronisieren des Films in eine fremde Sprache.

internationale Gerichtsbarkeit: auf freiwilliger Vereinbarung zwischen Staaten beruhende Schlichtung von internationalen Streitigkeiten. Die betreffenden Staaten legen fest, auf welche Art von Streitigkeiten sich die internationalen Streitigkeiten erstrecken, welches Organ beziehungsweise welche Person oder Personengruppe entscheiden und welches Verfahren angewandt werden soll. Die internationalen Streitigkeiten erstreckten sich ausschließlich auf die die internationalen Streitigkeiten vereinbarenden Staaten. Haben diese ein von ihnen vorgesehenes internationales Schiedsgericht angerufen, so ist dessen Entscheidung für sie verbindlich.

Internationale Sozialisten Deutschlands, Abkürzung ISD: Gruppe linker Sozialdemokraten, die zu Beginn des 1. Weltkrieges entstand und sich gegen die Politik der Sozialchauvinisten und Zentristen innerhalb der Sozialdemokratie wandte; schloss sich 1915 der Zimmerwalder Linken an. Mit der seit 1917 erfolgten Hinwendung ihres Führers, J. Borchardt, zu anarchistischen Auffassungen differenzierte sich die Gruppe und verlor zugleich ihren Einfluss auf die Arbeiterbewegung.

Internationales Privatrecht, Abkürzung IPR: Rechtszweig des innerstaatlichen Rechts, der die Rechtsnormen enthält, die festlegen, nach welchem innerstaatlichen Recht (insbesondere Zivilrecht) Rechtsverhältnisse zu beurteilen sind, die Berührung zu Rechtsordnungen anderer Staaten haben. Das IPR beruht insbesondere auf dem Grundsatz der Achtung der Souveränität aller Staaten und ihrer Rechtsordnungen. Internationales Wirtschaftsrecht geht dem IPR vor.

Internationales Protokoll, diplomatisches Protokoll: Gesamtheit der im zwischenstaatlichen Verkehr von den für die Wahrnehmung der auswärtigen Beziehungen zuständigen Organen allgemeinen angewandten Formen und Verhaltensweisen. Das internationale Protokoll beruht auf dem Völker- und Staatsrecht, auf Gebräuchen, nationalen Traditionen und Besonderheiten.

Internationales und Nationales: zwei untrennbar miteinander verbundene Seiten der Entwicklung der Gesellschaft seit der Entstehung der Nationen, die auch im Kampf der Arbeiterklasse sowie beim sozialistischen und kommunistischen Aufbau wirken. Das Internationale beruht darauf, dass die Arbeiter aller Länder gemeinsame Interessen und Ziele besitzen; es verkörpert die allgemeingültigen Merkmale der Arbeiterklasse, ihre grundlegenden und gemeinsamen Aufgaben in allen Ländern und im Weltmaßstab. Das Nationale wurzelt darin, dass die Arbeiterklasse verschiedenen Nationen angehört, ihr Kampf sich im nationalen (nationalstaatlichen) Rahmen entfaltet. Es stellt die konkreten Bedingungen, Aufgaben, Formen und Methoden dar, die in der gesellschaftlichen Entwicklung und im Kampf der Arbeiterklasse im jeweiligen Land auftreten, in denen sich aber auch das Internationale widerspiegelt. Die kommunistischen Parteien berücksichtigen die Einheit von Internationales und Nationales unter Naturschutz, die auch in der Verbindung von proletarischem Internationalismus und sozialistischen Patriotismus in ihrer Politik und Weltanschauung zum Ausdruck kommt Siehe auch Internationalismus, proletarischer.

internationales Zivilrecht und Familienrecht: Rechtsnormen des innerstaatlichen Rechts, die festlegen, welches in- oder ausländische Recht bei Zivil- beziehungsweise Familienrechtsverhältnissen mit internationalem Element Anwendung findet Siehe auch internationales Privatrecht

Internationalismus: Sprachwissenschaft in vielen Sprachen vorkommendes Wort (beziehungsweise Ausdruck), stammt häufig aus dem Griechischen oder Lateinischen, zum Beispiel wird lateinisch res publica («öffentliche Sache») zu Englisch republic, französisch république, deutsch Republik, russisch respublika; gegenwärtig starke Zunahme von Internationalismus durch die Entwicklung von Wissenschaft und Technik, durch Kultur und Sport.

Internierung: Freiheitsbeschränkung, die ein Staat zu seinem Schutz gegen Staatsfeinde oder ein kriegführender Staat gegen die auf seinem Gebiet verbleibenden Angehörigen des gegnerischen Staates (Zivilinternierung), neutraler Staat zur Wahrung seiner Neutralität gegen die auf sein Gebiet geratenen Militärpersonen anwendet. Die Internierung wird in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht im Allgemeinen in besonderen Lagern durchgeführt sie ist aufzuheben, wenn die Voraussetzungen dafür entfallen sind.

Internodium: Botanik Abschnitt eines Pflanzensprosses zwischen 2 Knoten (Nodien).

Internuntius: diplomatischer Vertreter des Vatikans (päpstlicher, apostol Internuntius), der zur Klasse der Gesandten gehört. Er ist bei einem Staatsoberhaupt akkreditiert und steht im Rang unter dem Nuntius. S. a. Ränge im Auswärtigen Dienst

Interpellation: Einspruch, Mahnung, Ersuchen, Anfrage; insbesondere das Recht der Abgeordneten (Interpellationsrecht), von der Regierung auf eine an diese gestellte förmliche Anfrage entsprechende Auskunft zu erhalten. Die Geschäftsordnungen bürgerlicher Parlamente unterscheiden meist zwischen großen Anfragen (deren Beratung im Plenum verlangt werden kann) und kleinen Anfragen (ohne Beratung im Plenum).

interplanetar: (lateinisch + griechisch) im Raum zwischen den Planeten, das heißt im Sonnensystem, befindlich oder auf diesen Raum bezüglich.

Interplanetare Materie: Gas und Festkörper im Raum zwischen den Planeten. Das Gas ist zum überwiegenden Teil identisch mit dem Plasma des Sonnenwindes, kleine Beiträge werden auch von Kometen und den Atmosphären der Planeten geliefert. Die Festkörper der interplanetaren Materie sind Staubteilchen, auch Mikrometeorite genannt, und Meteorite. Gelegentlich werden auch Planetoiden und Kometen zur interplanetaren Materie gezählt. Die Staubteilchen bilden eine das Planetensystem einhüllende ellipsoid. Wolke, die das Zodiakallicht hervorruft.

Interpolator: ein Digital-Analog-Wandler, das heißt ein Gerät, das durch Interpolation eine kontinuierliche Zeitfunktion aus vorgegebenen diskreten Wertepaaren erzeugt Interpolator werden zur Erzeugung von Kurven in automatischen Zeichengeräten und numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen sowie in Funktionsgeneratoren angewendet

Interpretation: 1. allgemein Auslegung, Deutung eines Werkes oder Textes.

1. Musik: a) schöpferische Wiedergabe eines in Noten- und Vortragszeichen vom Komponisten niedergelegten Werkes durch die Ausführenden; ist künstlerischer Kern der Aufführungspraxis und erfordert die Synthese von stilgerechter Reproduktion und persönliche Gestaltung;

b) Verbalisierung musikalische Verläufe.

2. Recht: Auslegung.

Interpretenrechte: im Urheberrecht der DDR Leistungsschutzrechte der ausübenden Künstler (Dirigenten, Solisten und Ensembles) in Bezug auf die Verbreitung ihrer Leistungen durch die Massenmedien (Rundfunk, Fernsehen, Schallplatte, Kassette und Tonband). Der Schutz erstreckt sich neben den Nutzungsbefugnissen auch auf das künstlerische Ansehen.

Interpunktion: Zeichensetzung; Gebrauch von Satzzeichen nach festen Regeln.

Interregnum: (lateinisch, «Zwischenherrschaft») in Deutschland die Zeit vom Tode König Wilhelms von Holland (1256) bis zur Wahl Rudolfs Interregnum von Habsburg (1273), in der 2 machtlose ausländische Fürsten nominell deutsche Könige waren.

Interrenalorgan: bei den Fischen zwischen den Nieren liegendes Organ; entspricht der Nebennierenrinde der höheren Wirbeltiere und des Menschen.

Interrogativpronomen, Fragefürwort: der Einleitung einer Frage dienende Wortart, zum Beispiel wer?, was?, welcher?, was für ein?

interstellare Extinktion: Schwächung des Sternlichts beim Durchgang durch interstellare Materie; wird durch Staubteilchen von etwa 0,1 Durchmesser hervorgerufen und äußert sich als interstellare Verfärbung.

interstellare Materie: das Gas und der Staub im Raum zwischen den Sternen; im weiteren Sinne auch das interstellare Magnetfeld und die kosmische Strahlung. Das interstellare Gas besteht überwiegend aus Wasserstoff und Helium. Die Teilchen des interstellaren Staubes haben einen Durchmesser von etwa 0,1 um und bestehen unter anderem aus Silikaten und Kohlenstoff. Sie verursachen die interstellare Extinktion und die interstellare Verfärbung. Die interstellare Materie bildet eine stark zur Milchstraßenebene konzentrierte, aber ungleichmäßige Schicht. Die mittlere Dichte beträgt wenige Atome je cm3. Besondere Erscheinungsformen sind die Gasnebel und die Dunkelwolken. Die Molekülwolken sind besonders dichte und kühle Ansammlungen von interstellarer Materie. Sie bestehen überwiegend aus molekularem Wasserstoff. Daneben wurden über 50 insbesondere Wasserstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff enthaltende Moleküle nachgewiesen. In den Molekülwolken entstehen Sterne.

interstellare Verfärbung: Verfärbung des Sternlichts zum Roten hin beim Durchgang durch interstellare Materie, die dadurch hervorgerufen wird, dass die interstellaren Staubteilchen blaues Licht stärker schwächen als rotes. Sie wird als Farbexzeß (Helligkeit) gemessen.

interstitielle Bestrahlung: Strahlentherapeut Behandlung, bei der ein radioaktiver Strahler direkt in den Geschwulstbereich eingebracht wird.

Interstitium: meist mit lockerem Bindegewebe ausgefüllter Raum zwischen oder innerhalb von Organen.

Intertrigo, volkstümlich Wolf: Wundsein an gegeneinander scheuernden, schwitzenden Hautflächen, zum Beispiel an den Innenseiten der Oberschenkel, in der After- oder Bauchfurche, unter den Brüsten der Frau; besonders bei Fettleibigkeit auftretend, oft durch Hautpilze und Bakterien mitbedingt oder verschlimmert.

Intervall: 1. allgemein Zwischenraum, -zeit, Unterbrechung.

2. Mathematik: Menge aller reellen Zahlen zwischen 2 gegebenen Zahlen a und b, die auch Randpunkte heißen. Diese selbst gehören zum abgeschlossenen Intervall (a, i), nicht aber zum offenen Intervall.

3. Musik: Tonhöhenabstand und Tonverhältnis zweier gleichzeitig (simultan, = harmonischer Intervall) oder nacheinander (sukzessiv, = melodischer Intervall) erklingender Töne. In der Diatonik gibt es reine, große und kleine, übermäßige und verminderte und über die Oktave hinausreichende.

Intervallarithmetik: moderne Form der Erfassung der Fehler bei numerischen Rechnungen mittels Rechenautomaten, durch direktes Rechnen mit den Unsicherheitsintervallen aller Größen sofort auch Fehlerintervalle der Ergebnisse zu erhalten.

Intervallschachtelung: Mathematik eine Folge von Intervallen bei der das Intervall /„ +1 im Intervall /„ enthalten ist und die Längen der Intervalle gegen Null konvergieren.

Inter valutarischer Kurs: Preis einer ausländischen Währung, ausgedrückt in einer anderen, meist der einheimische Währung; Austauschverhältnis der Währungen (Devisen und Sorten). Grundlage für die Kursbestimmung im heutigen Kapitalismus ist der sich aus dem Verhältnis der Goldparitäten zueinander ergebende Paritätskurs, um den dann die täglichen Kurse entsprechend Angebot und Nachfrage (oft manipuliert) im internationalen Devisenhandel schwanken.

Intervention: 1. Völkerrecht: Einmischung eines Staates oder einer Staatengruppe beziehungsweise zwischenstaatlichen internationalen Organisation in innere oder äußere Angelegenheiten eines anderen Staates, die dessen alleiniger Kompetenz unterliegen, durch Anwendung bewaffneter Gewalt, Ausübung von Druck oder Drohungen, subversive terroristische Aktionen, Einsatz propagandistische Mittel und so weiter. Die Intervention ist völkerrechtswidrig. Siehe auch Interventionsverbot.

2. Zivilprozessrecht: Einbeziehung einer weiteren Prozesspartei in ein zwischen anderen anhängiges Verfahren zur Wahrung der Belange der einbezogenen Partei.

Interventionsverbot: Grundprinzip des Völkerrechts, das jedem Staat und jeder Staatengruppe beziehungsweise zwischenstaatliche Organisation untersagt, sich in die inneren oder äußeren Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen (Prinzip der Nichteinmischung). Verletzungen des Interventionsverbots sind schwere völkerrechtliche Delikte, gegen die der angegriffene Staat das Recht zur Abwehr hat und für die der sie begehende Staat völkerrechtlich verantwortlich ist. Die Verletzung des Interventionsverbots ist ein typisches Bestandteil imperialistischer Politik, während sozialistische Staaten jede Einmischung in Angelegenheiten anderer Staaten strikt ablehnen. Siehe auch Intervention 1.

Interzellularen: Zellzwischenräume im Gewebeverband, enthalten eine Interzellularsubstanz; bei Pflanzengeweben können Interzellularen auch luftgefüllt sein:

Interzellularsubstanz: im Gewebe zwischen den Zellen liegendes geformtes (zum Beispiel Fasern) und ungeformtes (Grundsubstanz), aus Proteoglykanen und Glykoproteinen bestehendes Material. Interzellularsubstanz und Zellen sind funktionell eng miteinander verknüpft.

intestinal: zu den Eingeweiden (insbesondere zum Magen-Darm-Kanal) gehörig oder diese betreffend.

Intima: innere Schicht der Blut- und Lymphgefäßwand; besteht aus Endothel und Bindegewebe.

Intimus: (oft scherzhaft) engster Freund, Vertrauter.

Intonation: 1. Musik: a) Tongebung in Hinsicht auf korrekte Höhe;

b) Anstimmen liturgischer Gesänge durch Kantor oder Priester,

c) Einstimmen der Orgelpfeifen;

d) Begriff der marxistischen Musikästhetik, der die akustische Äußerung menschliche Bewusstseinsprozesse im klanglich-bildhaften musikalischen Sinngehalt bezeichnet, im engeren Sinne auf Merkmale bestimmter Genres oder der Folklore bezogen.

2. Sprachwissenschaft: Gesamtheit der stimmlichen Mittel, mit denen ein Satz oder ein Teil eines Satzes als (relatives) Ganzes geformt werden (Lautstärke, Stimmhöhe, Akzentverteilung, Sprechtempo).

In toto: (lateinisch) im Ganzen; im Großen und Ganzen.

Intrada: (romanisch), Entrata: instrumentales Einleitungsstück, oft feierlich-tänzerischen Charakters.

intraglutäal: (lateinisch) im oder in den großen Gesäßmuskel.

Intrakutan: (lateinisch) in der Haut liegend; meist Injektion in die Haut.

Intrakutantest: diagnostisches Verfahren zum Nachweis einer Allergie (Nesselsucht Asthma, Heuschnupfen) oder zur Feststellung der Immunitätslage (zum Beispiel bei Tuberkulose). 0,1 ml des verdächtigen Schadstoffes (zum Beispiel Pollen) werden in die Haut injiziert. Als positives Ergebnis tritt nach 20 min eine Rötung oder nach 24 h ein Knötchen auf.

Intralumbal: (lateinisch) innerhalb der Rückenmarkhüllen liegend; Injektion in den Wirbelkanal.

Intramagmatisch: (dat. + griechisch) innermagmatisch: in schmelzflüssigem Magma entstanden.

intramolekular: (lateinisch) innerhalb von Molekülen erfolgend.

Intramontan: innerhalb des Orogens befindlich, zum Beispiel Innensenken der Orogene.

intramuskulär: in der Muskulatur liegend; meist Injektion in die Muskulatur.

intransigent: (lateinisch) unversöhnlich, unnachgiebig; starrsinnig.

Intransitive Verben, nichtzielende Tätigkeitswärter: Verben ohne Objekt, zum Beispiel ich laufe, beziehungsweise ohne direktes Objekt, zum Beispiel ich gratuliere dir.

Intraperitoneal: (lateinisch + griechisch) in der Bauchfellhöhle liegend.

Intrauterin: in der Gebärmutter liegend.

Intravenös: (dat.) im Venensystem liegend; siehe auch Infusion, Injektion.

Intrazellulär: (dat.) innerhalb von Zellen befindlich.

Intrige: (französisch) Ränkespiel, hinterlistige Machenschaften.

Intrinsic-Faktor, Castlesches Enzym; nach einem US-amerikanischen Internisten: Substanz, die aus Mukoproteinen besteht und während der Verdauung in der Magenschleimhaut gebildet wird. Zusammen mit dem in der Nahrung vorhandenen Vitamin B 12 (Extrinsic-Faktor) entsteht ein resorbierbares Wirkstoffgefüge, das die normale Blutbildung gewährleistet.

Intrinsic-Leitfähigkeit: Leitfähigkeit des reinen Halbleitermaterials. Beim absoluten Nullpunkt (-273 °C) strebt der spezifische Widerstand des reinen Materials nach e = m, um mit steigender Temperatur abzunehmen. Bei Zimmertemperatur sind im Silizium 1,5 • 1010 Elektronen und Defektelektronen je cm3 an der Leitfähigkeit beteiligt. Bei Germanium beträgt die Intrinsic-Zahl n, = 2,4 • 1013 je cm3. Der Wert der Intrinsic-Leitfähigkeit dient als Maß für die Reinheit des Ausgangsmaterials für Störstellenhalbleiter.

Introduktion: 1. allgemein Einführung, Einleitung.

2. Musik: Einleitungsteil oder -satz zu einem größeren Musikstück.

Introitus: 1. Anatomie: Eingang, zum Beispiel Introitus vaginae (Scheideneingang).

2. Musik: chorischer Einleitungsgesang der römisch-katholischen Messe.

Introvertiert: psychisch nach innen gerichtet; zurückhaltend, verschlossen wirkend.

Intrusion: Geologie - das Eindringen magmatischer Massen in die Erdkruste.

Intubation: Einführen eines Rohres (Tubus) durch Mund oder Nase in die Luftröhre zu deren Freihaltung und zur Beatmung; Anwendung bei Erstickungsgefahr und zur Intubationsnarkose.

Intuition: (dat., «Anschauung») auf reicher Erfahrung und großem Wissen beruhende plötzliche, unmittelbare schöpferische Einsicht in bisher unbekannte Zusammenhänge; Moment wissenschaftlichen Forschens und künstlerische Gestaltern. Die idealistische Philosophie interpretiert die Intuition als angeblich höhere, mystische Erkenntnisweise, durch die das Wesen der Dinge unter Verzicht auf Erfahrung und logisch-rationale Erkenntnis durch instinktives Erleben oder eine unmittelbare geistige Schau erfasst werden könne.

Intussuszeptionswachstum: (dat. + deutsch) Größenzunahme durch Substanzeinlagerung in die wachsende pflanzliche Zellwand.

Inulin: ein stärkeähnliche, aus etwa 30 Fruktose Einheiten aufgebautes Polysacharid der angenäherten Formel. Inulin stellt das Reservekohlenhydrat mancher Pflanzen dar; es kommt zum Beispiel in Dahlienknollen vor und dient zur Gewinnung von Fruktose.

Inv: Abkürzung für invenit (lat.; «(er) hat (es) erfunden»); auf Kupferstichen unter anderem graphischen Blättern Zusatz hinter dem Namen des Künstlers, der die zugrunde liegende Zeichnung schuf.

Invalidenrente: monatliche Geldleistung der Sozialversicherung bei Invalidität des Versicherten. Voraussetzung der Invalidenrente ist in der Regel eine ununterbrochene versicherungspflichtige Tätigkeit von mindestens 5 Jahren unmittelbar vor Eintritt der Invalidität. Die Berechnung der Invalidenrente erfolgt nach den Grundsätzen der Altersrente. Bei Invalidität durch Arbeitsunfall oder Berufskrankheit wird Unfallrente gezahlt.

Invalidität: Erwerbsunfähigkeit. In der DDR gilt als invalid derjenige, dessen Leistungsvermögen und Verdienst durch Krankheit, Unfall oder sonstige geistige oder körperliche Schädigung um mindestens zwei Drittel gemindert ist, wenn diese Minderung in absehbarer Zeit durch Heilbehandlung nicht behoben werden kann. Blinde und Empfänger von Sonderpflegegeld gelten stets als invalid.

Invar: (Kurzwort für invariabel) Eisen-Nickel-Legierung (34 bis 36% Nickel) mit sehr geringem Wärmeausdehnungskoeffizienten und geringer Wärmeleitfähigkeit; verwendet für Längenmessmittel, Uhrpendel u. ä.

Invarianz: Unveränderlichkeit von mathematischen oder physikalischen Größen (die dann Invarianten heißen) bei gewissen Abbildungen oder Transformationen. Die Invarianz physikalischer Größen ist eine Folge bestimmter Symmetrien der Natur; mit ihr sind Erhaltungssätze verknüpft. Unter Kovarianz versteht man die Invarianz der Form einer Gleichung bei einer Transformation der Gleichungsvariablen.

Invarianzen: Erkenntnistheorie Merkmale, die innerhalb eines bestimmten Gegenstandsbereichs bei Übergang von einem Gegenstand zu einem anderen unverändert (invariant) bleiben.

Invasion: 1. Medizin: Eindringen von Krankheitserregern, insbesondere von tierischen Einzellern, Würmern und Gliederfüßern, in den Körper.

2. Völkerrecht: völkerrechtswidriges Eindringen (bewaffneter Kräfte) in fremdes Staatsgebiet. Siehe auch Intervention 1, Interventionsverbot.

Invektive: Schmährede, beleidigende Äußerung, Anzüglichkeit.

Inventar: 1. die in Betrieben unter anderem Einrichtungen vorhandenen Arbeitsmittel, unabhängig von der Höhe ihres Anschaffungspreises und ihrer Nutzungsdauer, die gemäß Rechtsvorschriften inventarisierungspflichtig sind, in Verzeichnisse aufgenommen und mit einer Inventarnummer versehen werden.

2. Verzeichnis aller durch eine Inventur ermittelten aktiven und passiven Bestände eines Betriebes beziehungsweise einer Einrichtung; tief gegliederter Bestandsnachweis.

Inventarbeitrag: Beitrag in Form von Geld, totem und lebendem Inventar für den Aufbau der genossenschaftlichen Wirtschaft, zu dessen Aufbringung jedes Mitglied bei Eintritt in eine LPG entsprechend der Fläche eingebrachten Bodens verpflichtet war.

Invention: 1. allgemein Erfindung; (künstlerischer) Einfall.

2. Musik: Instrumentalkomposition ohne verbindlichen Formtyp, oft in imitierender oder kontrapunktischer Setzart.

Inventur: Bestandsaufnahme der im Betrieb beziehungsweise der Einrichtung befind! materiellen und finanziellen Mittel sowie der Forderungen und Verbindlichkeiten durch Messen, Zählen, Wiegen oder Einholen von Saldenbestätigungen (Kontoauszug) und Abstimmung mit den in Rechnungsführung und Statistik ausgewiesenen Beständen. Abweichungen sind als Inventurdifferenzen zu erfassen. Inventuren dienen vor allem der Sicherung des Volkseigentums.

Inverness: größte der ehemaligen Grafschaften Schottlands (Großbritannien), beiderseits der Glen-More-Furche; etwa 11000 km2, 90000 Einwohner, davon etwa 25% gälisch sprechend; wichtigster Ort heute Teil der Region Highland; umfasst den höchsten Teil der Highlands mit dem Ben Nevis (1343 m); stark gegliederte Steilküste; Moore, Heiden, in Tälern Wälder, Fischerei; Aluminiumherstellung; Wasserkraftwerke.

Invers: allgemein umgekehrt; verkehrt. In der Geologie nennt man die überkippte beziehungsweise umgekehrte Lagerung von Schichten (ältere über jüngeren Schichten) invers.

Inversion: 1. allgemein Umkehrung, Umstülpung.

2. Genetik: Chromosomenmutation.

3. Transformation durch reziproke Radien, Spiegelung am Kreis: Geometrie Abbildung einer um einen Punkt P„ vermehrten euklidische Ebene auf sich; Original und Bildpunkt liegen auf ein und demselben Strahl, der seinen Anfangspunkt im Mittelpunkt eines vorgegebenen Kreises hat, an dem gespiegelt wird. Das Produkt der Entfernungen von Original- und Bildpunkt vom Kreismittelpunkt ist gleich dem Quadrat des Kreisradius.

4. Grammatik: Veränderung der normalen Reihenfolge der Wörter im Satz; zum Beispiel in Fragesätzen wie «Arbeitet er?».

5. Halbleiterphysik: Übergang von der n zur p-Leitung oder umgekehrt längs einer Schicht, zum Beispiel an der Oberfläche eines Halbleiterkristalls.

6. Meteorologie: vertikale Temperaturverteilung in der Atmosphäre, die im Gegensatz zur üblichen Temperaturabnahme mit der Höhe eine Temperaturzunahme aufweist. Inversion tritt häufig im Einflussbereich von Hochdruckgebieten in der troposphärischen Grundschicht auf. Inversionsschichten haben hohe Schichtungsstabilität, behindern den Vertikalaustausch und begünstigen Nebel- und Dunstbildungen.

Investitionsauftraggeber, Abkürzung LAG: Kombinate, Betriebe, Einrichtungen oder Organe, die für die Planung, Vorbereitung und kurzfristige Durchführung der Investitionen verantwortlich sind.

Investitionsauftragnehmer, Abkürzung IAN: Liefer- und Leistungsbetriebe, die auf der Grundlage von mit Investitionsauftraggebern abgeschlossenen Verträgen Aufgaben im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung von Investitionen übernehmen.

Investitionsprogramm: planmethodisch eine unabhängig vom Standort vorgenommene, volkswirtschaftlich sinnvolle Zusammenfassung mehrerer Investitionsvorhaben (einschließlich Folgeinvestitionen)

a) vor- und nachgelagerter Produktionsstufen, um die Aufnahme oder Erweiterung der Produktion eines Erzeugnisses vor allem durch zeitliche Koordinierung der gesamten Investitionstätigkeit zu sichern (Erzeugnisprogramm);

b) eines Zweiges bei Realisierung gleichartiger Investitionen (Zweigprogramm). Im weiteren Sinne Zusammenfassung der zur Erreichung bestimmter wirtschafts- und sozialpolitischen Ziele notwendigen Investitionen (zum Beispiel Wohnungsbauprogramm).

Investitionsrechnung: Sachgebiet der betriebt Rechnungsführung und Statistik zur Erfassung, Aufbereitung und Analyse der Vorbereitung und Durchführung von Investitionen unter besonderer Berücksichtigung der vertragt. Bindungen, der Investitionskosten, deren Finanzierung sowie des materiellen Fertigungsstandes.

Investitionsvertrag: Wirtschaftsvertrag über die Erarbeitung von Unterlagen zur Vorbereitung von Investitionen oder über Bau-, Montage- und andere Leistungen für ihre Durchführung.

Investitionsvorhaben: in Verantwortung eines Investitionsauftraggebers durchgeführte nutzungsfähige, funktionell zusammengehörende und eine wirtschaftliche-technische Einheit bildende Investitionen, mit denen als Ganzes ein bestimmter Zweck erreicht wird; Grundeinheit der Investitionsplanung. Teilvorhaben sind stufenweise fertigzustellende und vorfristig in Betrieb zu nehmende kapazitätswirksame Teile eines Investitionsvorhabens.

Investitur: im Mittelalter die förmliche Einweisung in ein Grundstück, ein Lehen oder ein Amt unter Übergabe entsprechend Symbole; kirchenrechtlich die Einsetzung der Bischöfe, Äbte und allgemein jedes Geistlichen. Das im 11. Jahrhundert erstarkende Papsttum verdammte die Investitur der Bischöfe durch den König als Simonie (Kauf oder Verkauf geistlicher Ämter). Der 1075/76 zwischen Papsttum (Gregor VH.) und deutschem Königtum (Heinrich IV.) ausgebrochene Investiturstreit erhielt besondere Schärfe durch die Reichskirchenpolitik des deutschen Königtums und die Opposition des hohen Feudaladels. Im Wormser Konkordat (1122) wurde in der Investiturfrage ein Kompromiss geschlossen.

Investivlohn: in einigen kapitalistischen Ländern praktizierte Lohnform, bei der ein Teil des Arbeitslohnes vom Unternehmer gegen Gutschrift oder Vergabe von Wertpapieren einbehalten wird, um ihn im Interesse des Unternehmers anzulegen. Unter dem Vorwand, den Arbeiter damit zum Miteigentümer von Produktionsmitteln zu machen, kommt in Wirklichkeit der Investivlohn dem Zwangssparen gleich und schließt den Arbeiter auf Grund bestimmter Sperrfristen zeitweilig vom vollen Verfügungsrecht über sein Guthaben aus. Siehe auch Miteigentum.

Investmentgesellschaft, Investment-Trust: kapitalistische Spezialbank und Finanzierungsinstitut für Kapitalgesellschaften. Durch Heranziehung von Spargeldern (Investmentsparen) auf dem Wege des Verkaufs von kleingestückelten Anteilscheinen (Investment-Zertifikate) an einen Deckungsfonds (Investmentfonds) beteiligen sich die Investmentgesellschaft an einer Vielzahl von Unternehmen verschiedener Branchen durch Aktienübernahme. Die Verzinsung erfolgt als Durchschnittsdividende aus den Beteiligungen. Damit soll eine Risikoverminderung für den Investmentsparer erreicht werden. Obwohl Investmentgesellschaften der Kapitalgewinnung, der Erzielung von Maximalprofit und der Ausdehnung der Machtpositionen der Banken und Finanzierungsgesellschaften dienen, werden sie von bürgerlichen Ideologen in apologetischer Weise als Instrumente der «Demokratisierung des Kapitals» und des «Volkskapitalismus» angepriesen.

In vino veritas: «im Wein (ist) Wahrheit», das heißt Trunkene plaudern die Wahrheit aus.

Involution: 1. Anatomie: reversible oder irreversible Rückbildung von Organteilen, Organen oder des gesamten Organismus.

2. Mathematik: eineindeutige, von der identischen verschiedene Abbildung, die ihre eigene Umkehrabbildung ist, zum Beispiel Geraden- und Punktspiegelungen in der Ebene.

Inzest: Blutschande.

Inzestzucht: Tierzucht engste Form der Inzucht, nämlich die Paarung zwischen Geschwistern, Eltern und Kindern oder Großeltern und Enkeln.

Inzidenz: 1. Genetik: Maß für die Häufigkeit des Auftretens eines Merkmals in einer Population bezogen auf eine Zeiteinheit beziehungsweise Altersklasse.

2. Geometrie: Relation zwischen Punkten P und Geraden g beziehungsweise Ebenen E sowie zwischen Geraden g und Ebenen E, die genau dann zu trifft, falls P auf g beziehungsweise in E liegt sowie falls g in E liegt

Inzidenzteilchen: Geschoßteilchen, das eine Kernreaktion hervorruft

Inzision: 1. Medizin: Einschnitt in lebendes Gewebe, zum Beispiel zur Eröffnung eines Abszesses.

2. Völkerkunde: Beschneidung.

Inzucht: 1. Pflanzenzüchtung: erzwungene Selbstbefruchtung beziehungsweise Verwandtschaftspaarung bei Fremdbefruchtern; die Nachkommenschaften werden als Inzuchtlinien bezeichnet

2. Tierzucht: Paarung miteinander verwandter Individuen; führt zur Vereinheitlichung der Erbmasse und kann dadurch eine Zunahme von leistungssteigernden Faktoren mit sich bringen. Es können aber auch bei Zusammenführung gleicher unerwünschter und zunächst verdeckter Anlagen Inzuchtschäden auftreten.

Inzuchtlinien: Pflanzenzüchtung durch fortgesetzte Inzucht entstandene Zuchtlinien, die genetisch einheitlicher sind als die gesamte Population.

Io, in der griechischen Sage Tochter des Flussgottes Inachos; Geliebte des Zeus, der sie in eine Kuh verwandelte, um sie vor der eifersüchtigen Hera zu verbergen; nach anderer Version von Hera zur Strafe in eine Kuh verwandelt und von Argus bewacht Io wurde der ägyptischen Göttin Isis gleichgesetzt

Ioannina, Janina: Stadt im Nordwesten Griechenlands, Verwaltungszentrum des Landesteils Epirus und des Distrikts Ioannina, im Zentrum eines Beckens am See von Ioannina (20 km2); 40000 Einwohner; Lederverarbeitung, Teppichherstellung, Gold- und Silberstickerei; Tabakanbau; Bauten aus türkischer Zeit; auf einer Insel im See 4 Klöster (13. Jahrhundert) mit Fresken.

Joffe, Abram Fjodorowitsch, 29.10.1880-14.10.1960, Sowjet Physiker; verfasste bedeutende Arbeiten zu mechanischen Eigenschaften von Festkörperkristallen und zu elektrischen Eigenschaften der Halbleiter und Dielektrika (besonders Thermoelektrizität).

2. Abram Moisejewitsch Deborin.

Iokaste, in der griechischen Sage Frau des Königs Laios von Theben, Mutter des Ödipus; heiratete nach dem Tod des Laios ahnungslos ihren Sohn und erhängte sich nach Entdeckung der Wahrheit

Ion: elektrisch geladenes Atom (Atomion) oder Molekül. Je nach Ladungsvorzeichen unterscheidet man zwischen positiv geladenen, zur Kathode wandernden Kationen (zum Beispiel das wasserstoffIiche H+, oder das Magnesium-Ion Mg2+ beziehungsweise Mg++) und negativen, zur Anode wandernden Anionen (zum Beispiel das Chlorid-L, CI“). Die Zahl der Elementarladungen je Ion heißt Ionenwertigkeit, zum Beispiel ist das Magnesium-Ion positiv zweiwertig, das Chlorid-Ion negativ einwertig.

Ionenaustauscher: Stoffe, die aus einer Lösung Ionen aufnehmen und dafür andere Ionen in die Lösung abgeben können. Natürlicher Ionenaustauscher sind zum Beispiel die aus Alumosilikaten bestehenden Zeolithe; synthetische Ionenaustauscher auf Kunstharzbasis sind die Wofatite, auf Silikatbasis Permutite. im Allgemeinen bestehen Ionenaustauscher aus einem dreidimensionalen polymeren Gerüst, an dem polare austauschaktive Atome oder Atomgruppen (Festionen) verankert sind, die ihrerseits entsprechend der elektrischen Ladung Gegenionen binden und zwar in Kationenaustauschern Kationen, in Anionenaustauschern Anionen. Durch Behandlung mit Elektrolytlösungen (meist Säuren oder Laugen) werden die Ionenaustauscher regeneriert Sie dienen zum Beispiel zur Wasserenthärtung oder -vollentsalzung (Austausch von Ca2+ und Mg2+ gegen Na+ beziehungsweise H+ sowie von CI", S042- unter anderem gegen OH), als Katalysatoren sowie für komplizierte chemische Trennungen.

Ionenimplantation: Verfahren zur Dotierung von Halbleitern, bei dem die Störstellenatome in Form eines Ionenstrahls mit Energien zwischen keV bis MeV in den Halbleiter, unter Umständen durch Deckschichten hindurch, eingeschossen werden.

Ionenkristalle: aus regelmäßig angeordneten positiven und negativen Ionen bestehende Festkörper. Jedes Ion ist dabei von einer meist möglichst großen, konstanten Anzahl (Koordinationszahl) entgegengesetzt geladener Partner umgeben (Ionengitter). Da Ionenkristalle keine Moleküle enthalten (nur zum Beispiel Molekülionen), bedeutet die chemische Formel einer Verbindung das Verhältnis, in dem die Ionen vorhanden sind (Verhältnisformel). Ionenkristalle sind nur mäßig hart; ihre Schmelzpunkte betragen in der Regel mehrere hundert °C. Beim Lösen und Schmelzen werden die Ionen frei beweglich und leiten dann den elektrischen Strom. Substanzen, die aus Ionenkristalle bestehen, heißen salzartige Stoffe-, zu ihnen gehören neben Salzen zum Beispiel auch manche Metalloxide und -hydroxide.

Ionenleitung: elektrische Leitung in Elektrolyten, manchen Festkörpern (Ionenkristalle, zum Beispiel Alkalihalogenide) und im Plasma, die auf der Wanderung von Ionen beruht. Im Gegensatz zur Elektronenleitung ist die Ionenleitung mit einem merklichen Stofftransport verbunden und daher Träger.

Ionenpotential: ein von dem US-amerikanischen Chemiker Groves Howard Cartledge (geboren 1891) in die Geochemie eingeführtes Maß S = Wertigkeit eines Ions geteilt durch einen Ionenradius. Das Ionenpotential gestattet Aussagen über das geochemische Verhalten der Ionen.

Ionenpumpe: 1. Physiologie: Ionentheorie der Erregung.

2. Technik: Vakuumpumpe.

Ionenquelle: Einrichtung zur Erzeugung gerichteter Ionenstrahlen, meist mittels einer Gasentladung, in der Atome oder Moleküle ionisiert und aus dem Plasma durch eine zusätzliche Elektrode abgesaugt werden. Eine thermische Ionenquelle ist die Kunsman-Ionenquelle (Anodenstrahlen). Spezielle Ionenquelle sind die radioaktiven Alphastrahler.

Ionenstrahlen: Ströme schneller positiver oder negativer Ionen, die in Ionenquellen gebildet und durch elektrische Felder beschleunigt werden. Sie ionisieren die Materie, die sie durchdringen. Ionenstrahlen sind zum Beispiel die Kanalstrahlen (die aus einem Kanal in der Glimmkathode austreten) und die Anodenstrahlen. Sehr hohe Energien erreichen Ionenstrahlen in Beschleunigern.

Ionentheorie der Erregung: Physiologie - allgemein anerkannte Erklärung für das Zustandekommen der Schwankungen des elektrischen Potentials über die Außenmembran von lebenden Zellen, zum Beispiel Nervenzellen, Muskelzellen, bei deren Erregung (Aktionspotential). Verschiedene kleine, besonders einwertige Ionen sind zu beiden Seiten der Membran ungleich verteilt konzentriert; Kaliumionen mehr im Innern, Natriumionen mehr außerhalb der Zelle. Der Erregungsvorgang wird durch die Öffnung sogenannt Natriumkanäle eingeleitet, so dass Natriumionen, einem Konzentrationsgefälle folgend, nach der Innenseite der Membran strömen. Auf Grund der Ladungsverschiebung kehrt sich die elektrische Polarisation der Membran um. Später erfolgt eine Zunahme der Membranpermeabilität für Kaliumionen, und es kommt zu einer Repolarisation (Rückkehr auf den Ausgangszustand der Membranladung). Dabei werden sogenannt Ionenpumpen (Stoffwechselprozesse, bei denen unter Energieverbrauch Ionen gegen einen bestehenden Konzentrationsgradienten transportiert werden) wirksam. Im Ruhezustand sind die Natriumkanäle geschlossen. Das dabei vorhandene unveränderte Ruhepotential ist hauptsächlich auf eine im Gleichgewicht zwischen innen und außen stehende Verteilung der Kaliumionen und die Existenz von negativ geladenen Eiweiß Ionen im Zellinneren zurückzuführen (Kaliumgleichgewichtspotential).

Ionentriebwerk: zum Antrieb von Raketen angewendetes elektrostatisches Triebwerk (kein Raketentriebwerk im engeren Sinne); der Antriebsstrahl wird dadurch erzeugt, dass die Moleküle oder Atome des Arbeitsgases ionisiert und anschließend in einem elektrostatisches oder magnetisches Feld beschleunigt werden.

lonenwolke: Schwarm entgegengesetzt geladener Ionen, von dem jedes Ion in einer Elektrolytlösung umgeben ist. Die Existenz einer lonenwolke verringert die Beweglichkeit der Ionen und führt zu kleineren Werten des osmotischen Drucks und der elektrischen Leitfähigkeit

Ionesco, Eugène, geboren 26.11.1912, französischer Dramatiker rumänischer Herkunft; Mitbegründer des Theaters des Absurden. Seine Stücke «Die Stühle» (1951, deutsch), «Die Nashörner» (1959, deutsch) unter anderem enthalten skurril zugespitzte Kritiken an der Banalität und Borniertheit kleinbürgerlicher Lebensauffassungen.

Ionier, loner: einer der altgriechischen Hauptstämme, der nach der dorischen Wanderung (13. Jahrhundert vor Christus) vor allem an der kleinasiatischen Westküste siedelte; gelten als Hauptträger der griechischen Kultur.

Ionisation, Ionisierung (beide lateinisch - griechisch): Abtrennung eines oder mehrerer Elektronen von einem Atom oder Molekül, aus dem dadurch ein positives Ion wird; kann unter anderem durch Stoß eines schnellen Teilchens (Stoßionisation), Absorption eines Photons (Fotoionisation) oder durch ein starkes elektrisches Feld bewirkt werden. Die Ionisation erfordert die Zuführung einer Mindestenergie, der Ionisationsenergie (entsprechend der Ionisationsspannung), die für das erste Elektron zwischen 3,9 eV (bei Zäsium) und 24,6 eV (bei Helium) liegt Durch Ionisation entsteht aus einem Gas ein Plasma, dessen Ionisationsgrad durch den Prozentsatz ionisierter Atome bestimmt ist.

Ionisationskammer: in der Kernphysik und Dosimetrie benutztes Messgerät für ionisierende Strahlung; im Prinzip ein Kondensator mit Gasfüllung zwischen den beiden Elektroden, an denen bei genügend hoher Spannung alle durch die Strahlung erzeugten Ionen und Elektronen gesammelt werden. Der dabei fließende Strom ist ein Maß für die Intensität der einfallenden Strahlung.

Ionisationspotential: Energieaufwand, der zur Überführung eines Atoms aus dem neutralen Zustand in den elektrisch geladenen notwendig ist.

Ionisch: Musik a) altgriechische Tonart (Leiter g-G, abwärts);

b) Kirchentonart (Leiter c'-c2, aufwärts).

Ionische Inseln: gebirgige Inseln vor der Westküste Griechenlands im Ion. Meer mit Kefalonia (Kephallenia), Korfu (Kerkyra), Zakynthos (Sakinthos), Leukas (Levkas), Ithake (Ithaka) sowie der südlich des Peloponnes gelegenen Insel Kythera (Kithira) unter anderem; als griechischer Landesteil 4 Distrikte umfassend; 2307 km2, 185000 Einwohner; 80 Einwohner/km2; üppige Mittelmeervegetation; Anbau von Wein (Korinthen), Oliven, Südfrüchten; häufig Erdbeben (1953 mit großen Schäden und Verlust von Kunstschätzen).

Ionische Naturphilosophen: die vom ionischen Milet an der kleinasiatischen Westküste stammenden materialistisch-hylozoistischer Denker der ältesten griechischen Philosophie (6./S. Jahrhundert vor Christus; unter anderem Thaies, Anaximander, Anaximenes, Heraklit), die die Vielfalt der Erscheinungen auf einen Grundstoff zurückzuführen suchten. Siehe auch Naturphilosophie.

Ionischer Aufstand: gegen das Vordringen der Perser, besonders gegen die Behinderung des griechischen Handels von Seiten der Perser im Ägäis Raum gerichteter Aufstand in den Jahren 500/493 vor Christus, der durch die Ionier Kleinasiens geführt wurde und erfolglos endete. Athens und Eretrias Hilfe für die Aufständischen diente Persien als Vorwand für den Beginn der Perserkriege.

Ionischer Bund: im Altertum zum Schutz gegen Lydien geschlossener Bund 12 ionische Städte (unter anderem Milet, Ephesos).

Ionisches Meer: Teil des Mittelmeeres zwischen Unter-italien und Griechenland mit den Ion. Inseln, verbindet das Adriatische Meer mit dem eigentlichen Mittelmeer, bis 5121 m tief.

Ionisierende Strahlung: Teilchen- oder Quantenstrahlung, deren Energie ausreicht, um beim Durchgang durch Materie Atome oder Moleküle zu ionisieren. Direkt ionisierende Strahlung besteht aus elektrisch geladenen Teilchen, wie Elektronen, Protonen und Alphateilchen. Zur indirekt ionisierende Strahlung gehören Röntgen- und Gammastrahlung sowie Neutronen, die über Elementarprozesse sekundäre, elektrisch geladene Teilchen freisetzen, die die Ionisation auslösen.

Ionosphäre: höhere Schichten der Atmosphäre zwischen 60 und etwa 500 km, die infolge ihrer unterschiedlich stark ionisierten Bestandteile elektrisch leitend sind, daher elektromagnetische Wellen beugen und reflektieren können. Die Ionosphäre entsteht durch Korpuskular- und Wellenstrahlung der Sonne und ist durch wechselnde Elektronendichte in den Schichten der Ionosphäre gekennzeichnet. Dazu gehören die nur tagsüber auftretende D- beziehungsweise E-Schicht (diese auch Kennelly-Heaviside-Schicht genannt) in 65 bis 85 beziehungsweise 85 bis 140 km Höhe sowie die nur im Sommer vorhandene F,-Schicht in 140 bis 250 km und die immer vorhandene F2- oder Appletonschicht in 140 bis 400 km Höhe. Die Ionosphäre ist für den Funkverkehr wichtig.

Iontophorese: Einbringen elektrisch geladener Arzneimittel, zum Beispiel Heparin, über die Haut durch Anlegen einer Gleichspannung. Arzneimittellösung und Körper befinden sich zwischen Kathode und Anode.

Iorga, Nicolae, 17. 6.1871-28.11.1940, rumänischer Historiker und Politiker, war 1931/32 Ministerpräsident; wurde, da er das Bündnis Rumäniens mit dem faschistischen Deutschland ablehnte, von Mitgliedern der Eisernen Garde ermordet. Iorga schrieb zahlreiche Werke zur rumänischen und türkischen Geschichte.

Iowa: Bundesstaat im nördlichen Zentralteil der USA, im Osten vom Mississippi, im Westen vom Missouri begrenzt; 145753 km2, 2,9 Millionen Einwohner; 20 Einwohner/ km2; Hauptstadt Des Moines. Die im Norden mehr, im Süden weniger hügelige Oberfläche ist glazial überformt und von den Nebenflüssen des Missouri und Mississippi tief durchschnitten; auf den fruchtbaren Lößböden herrschte ursprünglich Grassteppe (Prärie) vor, die heute weitestgehend landwirtschaftlich genutzt wird; gemäßigt kontinentales Klima. Iowa gehört mit seiner ausgeprägt Großproduktion in der Landwirtschaft zu den bedeutendsten Agrarstaaten der USA; wertmäßig wichtigste Produktionszweige sind Rinder-, Schweinezucht, Mais-, Sojaanbau, ferner Schafzucht. Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Fleischwaren- und Landmaschinenindustrie; Elektrizitätsgewinnung 21,8 Millionen MWh, installierte Kapazität 7 300 MW; dichtes Bahn-, Straßen- und Wasserstraßennetz.

Iphigenie, in der griechischen Sage Tochter des Agamemnon und der Klytaimestra. Als der Vater Iphigenie in Aulis der Artemis opfern wollte, wurde sie von dieser ins Land der Taurier entrückt, wo sie der Göttin als Priesterin diente und wo sie ihr Bruder Orest fand; mit ihm kehrte sie nach Griechenland zurück.

Ipoh: Hauptstadt des Gliedstaates Perak im Nordwesten Malaysias; 320000 Einwohner; Zentrum eines Bergbaugebietes auf Zinn und andere Buntmetalle; Buntmetallverhüttung, Metallverarbeitung; Verkehrsknoten mit Flughafen.

Ipso jure: (dat., «durch das Recht selbst») an und für sich; allein auf Grund der Rechtslage, ohne Notwendigkeit irgendeiner Aktivität des Berechtigten oder des Verpflichteten.

Ipsos: antike Stadt in Phrygien (Kleinasien); hier wurde 301 vor Christus Antigonos Ipsos Monophthalmos von den anderen Diadochen besiegt und fiel.

Ipswich: 1. Stadt im Südosten Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Suffolk, unweit der Mündung des Orwell in die Nordsee; 120000 Einwohner; Maschinen- und Dieselmotorenbau, chemische und Nahrungsmittelindustrie; Hafen (Küstenschifffahrt); Museum, Gemäldegalerie.

2. Stadt in Queensland (Australien), innerhalb des Ballungsgebietes von Brisbane; 50000 Einwohner; Zentrum eines Kohlenreviere; Textilindustrie.

Iqbal, Muhammad, 9. 11. 1877-21. 4. 1938, indischer Dichter und Philosoph; seine Poesie ist auf die Renaissance islamischen Denkens und die Aktivierung der Volksmassen für den Kampf um nationale und soziale Befreiung gerichtet; von großer Wirkung insbesondere in Pakistan.

Iquique: Stadt (Provinzzentrum) im Norden Chiles, am Rande der Atacama; 100000 Einwohner; Werften, Fischkonservenindustrie; Seebad; Flughafen, Haupthafen für Salpeterausfuhr, Fischereihafen.

Iquitos: Stadt (Departements Zentrum) in Peru am Ucayali, einem Quellfluss des Amazonas; 170000 Einwohner; Sägemühlen, Baumwoll-, Erdöl-, Gummiverarbeitung; bedeutender Flusshafen am Endpunkt der Amazonasschifffahrt, internationaler Flughafen; Universität.

Irak, Republik Irak: Staat in Vorderasien, im Norden der Arabischen Halbinsel, mit Zugang zum persischen Golf im Südosten; grenzt im Norden an die Türkei, im Osten an Iran, im Süden an Kuweit und Saudi-Arabien sowie im Westen an Jordanien und Syrien; verwaltungsmäßig in 18 Provinzen gegliedert, davon sind 3 zum Autonomen Gebiet der Kurden zusammengefasst. Währung ist der Irak-Dinar.

Bevölkerung: Sie besteht etwa zu 80 % aus Arabern, zu 15 % aus Kurden, zu 2 % aus Türken, daneben Perser, Assyrer unter anderem Amtssprache ist Arabisch und im Autonomen Gebiet der Kurden gleichberechtigt Kurdisch. Etwa 60 % der Einwohner leben in Städten.

Natur: Irak umfasst das Tiefland an Euphrat und Tigris (Mesopotamien), das im Norden vom Bergland von Kurdistan und im Osten vom Zagrosgebirge begrenzt wird sowie im Westen und Süden in die Wüsten und Steppen des syrisch-irakischen Tafellandes übergeht. Das Tiefland besteht im Norden aus einer flach geneigten Tafel (Al Dschasira) und südlich von Bagdad aus teilweise versalztem, episodisch überflutetem Schwemmland (Irak Arabi), das überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Das Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris bildet am Schatt al-Arab ein breites Sumpfland. Es herrscht subtropisches, trockenes Kontinentalklima mit heißen Sommern und kühlen Wintern. Der Niederschlag ist im Norden ausreichend (300 bis 400 mm/Jahr), im Süden gering (150 bis 180 mm/Jahr). Das Gebiet am Persischen Golf gehört zu den heißesten Gegenden der Erde. Die beiden Hauptflüsse Euphrat und Tigris queren mit sich verzweigenden Läufen das Land von Nordwesten nach Südosten und vereinen sich 150 km vor der Mündung in den Persischen Golf. 80 % des Landes sind Steppe, 5 % Wüste, die Gebirge sind teilweise bewaldet.

Iran, Islamische Republik Iran: Staat in Vorderasien; grenzt im Norden an die UdSSR und das Kaspischen Meer, im Osten an Afghanistan und Pakistan, im Süden an den Golf von Oman und den Persischen Golf sowie im Westen an Irak und die Türkei; administrativ in 22 Provinzen gegliedert. Währung ist der Iran. Rial. Bevölkerung. Etwa 66 % der Einwohner sind Perser, etwa 20% Aserbaidschaner, 10% Kurden, daneben Belutschen, Araber, Armenier unter anderem Amtssprache ist Persisch. Fast die Hälfte der Einwohner lebt in Städten, 40 % der Bevölkerung sind noch Analphabeten.

Natur: Iran umfasst den Hauptteil des Hochlandes von Iran, das von schwer zugänglichen Hochgebirgsketten, im Westen vom Zagrosgebirge und im Norden vom Elbuis mit der höchsten Erhebung des Landes, dem Damavand (5604 m), eingefasst wird. In dem in Senken und Becken zergliederten Hochland liegen große Oasen zwischen weiten Wüsten- und Steppengebieten (Kavir, Lut), die reich an Salzseen und -sümpfen sind. Am Kaspischen Meer erstreckt sich ein fruchtbares Tiefland, im Süden, am Persischen Golf, dagegen eine unwirtliche Küstenebene. Es herrscht kontinentales Klima mit heißen, trockenen Sommern und kühlen, niederschlagsreicheren Wintern. Die jährlichen und täglichen Temperaturschwankungen sind beträchtlich. Am Kaspischen Meer ist das Klima subtropisch mit sehr hohen Niederschlägen (bis 1400 mm/Jahr). Iran ist süßwasserarm. Die meisten Flüsse versickern beziehungsweise verdunsten im Landesinneren und führen nur während der Regenzeit Wasser, der größte und einzige schiffbare Fluss ist der Kanin. Es gibt mehrere große Binnenseen. Vorherrschend sind Steppenvegetationen und Wüsten, im Norden immergrüne Laubwälder, in den Gebirgen Trockenwälder.

Hochland von Iran: Landschaft in Vorderasien, zwischen Armen. Hochland, Mesopotamien und Industiefebene; gehört politisch zu Iran, Afghanistan und Pakistan; etwa 2,5 Millionen km2; Beckenlandschaft mit vorwiegender Binnenentwässerung, ist im Norden von etwa 5000 m (Elburs), im Süden von über 3000 m (Zagrosgebirge), im Westen von 1200 m und im Osten von über 7000 m (Hindukusch) hohen Faltengebirgen umgeben; extrem kontinentales Klima; Steppen, Wüstensteppen und Wüsten.

Irangebirge: Gebirge im Inneren der Insel Kalimantan (Malaiischer Archipel); aus kristallinen Gesteinen aufgebaut; bis 2 987 m; Quellgebiet zahlreicher wasserfallreicher Flüsse; auf dem Kamm verläuft die Grenze zwischen Ostmalaysia (Sarawak) und Indonesien.

Iranier: Sprach- und Völkergruppe der indoeuropäischen Sprachfamilie in Vorder- und Mittelasien; etwa 65 Millionen; zu ihr gehören Osseten, Kurden, Perser, Tadschiken, Afghanen und Belutschen; im Altertum auch die Meder, Parther, Baktrier und Skythen.

iranische Sprachen: zum indoiranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie gehörende Sprachen: Altiranisch (bis 3. Jahrhundert vor Christus) mit Altpersisch und Awestisch; Mitteliranisch (3. Jahrhundert vor Christus bis 7. Jahrhundert nach Christus) mit Mittelpersisch (Pahlavi oder Pehlewi), Sogdisch, Sakisch, Choresmisch; Neuiranisch (ab 8./9. Jahrhundert) mit Neupersisch, Tadshikisch, Dari, Afghanisch (Paschtu, Paschto oder Puschtu), Ossetisch, Belutschisch, Kurdisch, Tatisch, Pamir Sprachen unter anderem

Iranistik: Wissenschaft von Sprache, Literatur und Kultur der iranischen Völker (Iranier).

Irbis, Schneeleopard, Uncia uncia: Katze der Zentralasiatischen Hochgebirge; Fell dicht, gelblich- bis weißlich grau, dunkel gefleckt.

Erebuni: urartäische Stadtfestung (8-/7. Jahrhundert vor Christus) am Stadtrand von Jerewan. Der ausgegrabene Palastbezirk mit seinen wertvollen Wandmalereien wurde zum Teil restauriert (Freilichtmuseum). Siehe auch Karmir-Blur.

Ireland, John, 13.8.1879-12.6.1962, englischer Komponist; schrieb programmatische Orchester- («A London Ouverture», 1936; «A Maritime Ouverture» für Blasorchester, 1944) und klangsinnlichen Kammermusik sowie zahlreiche Lieder und Chorkompositionen.

Iren: keltisches Volk in der Republik Irland (3,4 Millionen), in Nordirland (ungefähr 1,4 Millionen) und infolge anhaltender Auswanderung im 19. Jahrhundert über 13 Millionen in den USA und über 1 Million in Kanada. Nur noch 700000 in der Republik Irland beherrschen das kelt: Gälisch, die übrigen gebrauchen Englisch.

Irene, gestorben um 803, byzantinische Kaiserin 797/802, seit 780 Regentin für ihren Sohn Konstantin VI. und Mitkaiserin. Unter Irene wurde auf dem 7. ökumenischen Konzil von Nikäa 787 die Bilderverehrung wiederhergestellt (Bilderstreit).

Irian Jaya: Westteil Neuguineas, mit umliegenden Inseln Provinz von Indonesien; früher West-Irian; 421981km2, 1,2 Milli Einwohner (hauptsächlich Papua); 2 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Jayapura. Im Inneren von Gebirgsketten durchzogen (Pik Jaya, 5030 m), im Süden versumpftes Tiefland, im Norden Tief- und Bergland; überwiegend waldbedeckt. Wirtschaftlich schwach entwickelte Provinz. Es überwiegt Brandrodungsfeldbau, in Plantagen Kokosnüsse (Kopra), Kautschuk, Kakao, Kaffee und Muskatnüsse. Die Bodenschätze sind wenig erschlossen, Förderung (Nickel, Erdöl, Kupfer) vor allem durch ausländische Monopole; kaum Industrie.

Iridektomie: (griechisch) keilförmiges Ausschneiden eines Stückes der Iris (Regenbogenhaut).

Iridium, Symbol Ir: chemisches Element der Kernladungszahl 77; Platinmetall; Atommasse 192,2; Wertigkeiten +3, +4 unter anderem; F 2454°C; Kp etwa 4800°C; ist mit der Dichte 22,65 g/cm3 das schwerste chemische Element. Es ist sehr selten und kommt nur gediegen als Platinbeimengung, häufig auch mit Osmium vergesellschaftet, vor. Iridium ist silberweiß, sehr hart, spröde und auch in Königswasser unlöslich; es dient zum Härten von Edelmetalllegierungen und zum Schwarzfärben von Porzellan. Siehe auch Iridium-Verbindungen. Iridium wurde 1804 zusammen mit Osmium von dem britischen Naturwissenschaftler Smithson Tennant (1761-1815) in Rohplatinerzen entdeckt.

Iridium Verbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Iridium. Das Metall kann zum Beispiel durch eine Ätzkali-Salpeter-Schmelze oder durch Chlor bei Rotglut in Iridium Verbindungen übergeführt werden. Die Iridium Verbindungen sind meist stark komplex, zum Beispiel das dunkelrote Ammonium Hexachloroiridat(IV), «Iridiumsalmiak».

Irigoyen, Hipólite, 12.7.1852-3.7.1932, argentinischer Politiker; Führer der bürgerlichen reformistischen Radikalen Bürgerunion; Präsident 1916/22 und 1928/30, betrieb eine antioligarchisch-antiimperialistische Reformpolitik; durch Militärputsch gestürzt.

Iris: 1. Anatomie: Auge.

2. Botanik: Schwertlilie.

Iris (griechisch, «Regenbogen»), in der griechischen Sage Götterbotin, steigt auf dem Regenbogen zur Erde herab.

Irische Republikanische Armee, Irish Republican Army, Abkürzung IRA: im Ringen um Unabhängigkeit seit 1916 von irischen Patrioten formierte Kampftruppe, die sich bei der Bildung des Ir. Freistaates 1921 in dessen Regierungstruppe und einen linken Flügel spaltete, der bis 1923 gegen den Dominion Kompromiss kämpfte. Eine Restgruppe setzte ihre Aktionen besonders in Nordirland illegal und von den Volksmassen isoliert fort, sie spaltete sich 1969 in einen «offiziellen» Flügel, der mit anderen fortschrittlichen Kräften zusammenarbeitet und politischen Lösungen sucht, sowie einen kleinbürgerlich-anarchistischen «provisorische» Flügel, der durch Sektierer. Beharren auf Methoden des individuellen Terrors den britischen Behörden sowie extremistische Organisationen der angloschottischen Bevölkerungsgruppe in Nordirland Vorwände für die Unterdrückung der Bürgerrechts- und Arbeiterbewegung gibt.

Irische See: Randmeer des Atlantiks zwischen Irland und Großbritannien; etwa 100000 km2, bis 272 m tief; im Norden durch den Sankt-Georgs-Kanal mit dem Atlantik verbunden, der südliche Teil Celtic Sea genannt; im Winter schwere Stürme; in der Irischen See die Insel Man; fischreiches Erdgasvorkommen.

Irisdiagnose, (Iris griechisch, «Regenbogen») Augendiagnose: wissenschaftlich nicht belegbare Untersuchungsmethode zur angeblichen Erkennung von Allgemeinkrankheiten aus Beobachtung von Strukturbesonderheiten der Iris (Regenbogenhaut).

Irisdruck: Polygraphie das gleichzeitige Nebeneinanderdrucken mehrerer lasierender Farben in derselben Druckmaschine durch Unterteilung des Farbkastens. An der Grenzstelle zweier Farben ergeben sich farblich harmonische Übergänge; auch das Druckprodukt selbst.

irisieren: in Regenbogenfarben schillern, perlmuttartig schimmern.

irisierende Gläser, Lüstergläser: durchsichtige, farblose beziehungsweise gefärbte, in den Regenbogenfarben schillernde Gläser, deren Herstellung durch Wärmen des Glases in zinnsalzhaltiger Flamme oder durch Auftrag einer organischen Wismut Lösung mit nachfolgender Erhitzung erfolgt.

Irisöl, Veilchenwurzel Öl: gelbliche, wachsartige Masse mit Veilchengeruch, die aus Schwertlilienrhizomen durch Wasserdampfdestillation gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird. Irisöl besteht vorwiegend aus Myristinsäure.

Irland, Republik Irland: Staat auf der westeuropäischen Insel Irland (84420 km2) zwischen Atlantik und Ir. See; in 26 Grafschaften und 5 grafschaftsfreie Städte gegliedert.

Bevölkerung: Die der keltische Volksgruppe angehörenden Iren sprechen infolge der jahrhundertelangen Abhängigkeit von England hauptsächlich englisch, nur ein Fünftel beherrscht gälisch. Eine Folge der wirtschaftlichen Rückständigkeit ist die starke Auswanderung (16 Millionen Iren leben außerhalb Irlands). Irland hat die höchste natürliche Bevölkerungszunahme aller Länder Europas. Amtssprachen sind Irisch und Englisch. Währung ist das Ir. Pfund.

Natur: Hinter einer besonders im Westen und Südwesten buchtenreichen Küste erheben sich kahle Bergmassive (im Carrauntoohill bis 1041 m), die eine waldarme zentrale Tiefebene (30 bis 40 m über dem Meeresspiegel) mit wasserreichen Flüssen, Seen und Mooren umgeben. Der Aufbau besteht überwiegend aus paläozoischen Gesteinen, die Oberfläche ist reich an Zeugen eiszeitliche Bedeckung. Längster Fluss ist der Shannon, größter See der Lough Corrib. Das milde, regenreiche Klima begünstigt Graswuchs («Grüne Insel»). Nur 5 % Irlands sind waldbedeckt. Torflagerstätten sind von großer Bedeutung; weitere Bodenschätze sind Blei-, Zink-, Kupfer-, Silbererze, Erdgas und Steinkohle.

Irminsul: (altsächsische, «gewaltige Säule») bei einigen germanischen Stämmen als heilig geltende Säule aus Holz oder Stein; eine Irminsul wurde von Karl dem Großen 772 bei der Eresburg zerstört.

Irokesen: 1. indianische Sprach- und Völkergruppe zwischen Huronsee und der Ostküste der USA, umfasst unter anderem Cherokee, Huronen und Irokesen im engeren Sinne 2. ehemals bedeutender Stammesbund (Irokesen im engeren Sinne) von 5, später 6 Stämmen im Nordwesten des Staates New York (USA); Bodenbauer mit intensiver Maiskultur, ausgeprägte Sozialorganisation; seit Ende 18. Jahrhundert in Reservationen lebend; heute leben 43000 in den USA und 22000 in Kanada; vielfach als Hochbauarbeiter in New York tätig.

Iron: (griechisch) ein im Irisöl enthaltenes, farbloses, in Verdünnung nach Veilchen riechendes Öl. Iron ist ein Gemisch zyklischer, ungesättigter Ketone der Formel C14H220. Synthetisches Iron wird in der Parfümerie verwendet.

Ironie: (lateinisch - griechisch, «Verstellung») Redeweise, in der spottend das Gegenteil vom Gemeinten gesagt wird. Die sokratische Ironie ist eine Methode, sich unwissend zu stellen, um mangelndes oder Scheinwissen des Gesprächspartners bloßzulegen und im Dialog die Begriffe zu präzisieren. In der Aufklärung war die Ironie ein Mittel im Kampf gegen die feudalabsolutistische Ideologie, besonders den Obskurantismus und Klerikalismus (zum Beispiel bei Voltaire, D. Diderot). Die Ironie der Romantik ist das künstlerische Experimentieren, das Spiel mit dem Gegenstand seitens eines sich als autonom auffassenden Subjekts (zum Beispiel bei L. Tieck). H. Heine verwandelte als erster wahrhaft revolutionärer Vertreter der deutschen Romantik die Ironie wieder in ein Mittel direkter sozialer Kritik, indem er in diesem Sinne das Erbe der romantischen und der klassischen deutschen Philosophie bis G. W. F. Hegel aufhob und überwand.

Iron Knob: Bergbauort in Südaustralien, im Nordosten der Eyre Halbinsel, am Fuß des Berges Iron Knob, der aus Eisenerz mit einem Eisengehalt von 63 bis 64 % besteht; 1000 Einwohner; Eisenerztagebau; Stichbahn nach Whyalla.

Irradiation: 1. optische Täuschung, bei der helle Figuren auf dunklem Grund größer erscheinen als dunkle Figuren auf hellem Grund.

2. Ausbreitung von Erregungs- und Hemmungsprozessen im Zentralnervensystem, zum Beispiel in der Großhirnrinde bei der Ausbildung bedingter Reflexe.

Irrationalismus: wissenschaftsfeindliche, idealistische philosophische Strömung, die die Fähigkeit des wissenschaftlichen Denkens leugnet, die objektive Realität und ihre Gesetze zu erkennen beziehungsweise diese selbst für irrational hält und die Verstandestätigkeit durch Offenbarung, Wesensschau, Intuition oder gefühlsbetontes «Erleben» ersetzen will. Der Irrationalismus tritt in zahlreichen Ausprägungen auf und ist Bestandteil verschiedenster philosophischer Systeme und Strömungen (zum Beispiel W. J. Schelling, S. Kierkegaard, A. Schopenhauer, F. W. Nietzsche); er ist den meisten Richtungen der spätbürgerlichen Philosophie immanent, insbesondere der Lebensphilosophie und der faschistischen Ideologie.

Irrawaddy, Irawadi: Hauptstrom Burmas; 2150 km; entspringt mit 2 Quellflüssen in den burmesisch-chinesischen Grenzgebirgen, fließt durch zahlreiche Engtalstrecken und weiträumige Becken nach Süden und mündet in zahlreichen Flussarmen in den Golf von Martaban (Indischer Ozean); sein über 38000 km2 großes Delta, das jährlich um 10 km2 anwächst, gehört mit zu den fruchtbarsten Reisanbaugebieten der Erde; hohe Sinkstoffführung und Wasserspiegelschwankungen von 6 bis 9 m; 1730 km schiffbar.

Irrawaddybecken: tektonisch angelegte Beckenlandschaft in Hinterindien, am Mittellauf des Irrawaddy im Gebiet von Mandalay (Burma); durch das bis zu 800m über dem Meeresspiegel aufragende Bergland von Pegu Yoma in 3 meridional verlaufende Teilbecken gegliedert; relativ niederschlagsarm, von fruchtbaren Schwemmlandböden bedeckt; intensiver Bewässerungsfeldbau, besonders Reisanbau.

Irrealis: Nichtwirklichkeitsform des Verbs; wird im Deutschen durch den Konjunktiv des Imperfekts oder des Plusquamperfekts wiedergegeben (irrealer Konjunktiv: Ich wäre gern ins Kino gegangen).

Irredentismus: (italienisch irredento, «unerlöst», «nicht befreit») nationale, seit der Jahrhundertwende nationalistische Bewegung in Italien zwischen 1870 und 1920, die den Anschluss von Gebieten (das sogenannt Italia irredenta), die nicht zum Königreich Italien gehörten, historisch, ethnisch und kulturell begründete.

irrelevant: (lateinisch) unerheblich; rechtlich ohne Bedeutung; geringfügig,

irreparabel: (lateinisch) nicht wiederherstellbar, nicht wiedergutzumachen; unersetzlich,

irreversibel: nicht umkehrbar, alle realen Prozesse in der Natur sind irreversibel; siehe auch reversibel, Entropie 2.

Irrgarten: quadratische oder rechteckige, durch hohe Heckenwände unübersichtliche Anlage mit Labyrinth artigem, geometrischem Grundriss, deren Mitte nur auf Umwegen erreichbar ist. Irrgarten waren feste Bestandteile der Boskettanlagen in Barockgärten.

Irrigator: Gefäß mit angeschlossenem Schlauch zur Darm-, Magen- oder Blasenspülung.

Irrlicht, Irrwisch: unstete Lichterscheinung, besonders über Sumpfböden (Methan); führte zu abergläubische Vorstellungen und Sagen (von unerlösten Seelen u. ä.).

Irrstrom, Leckstrom, Streustrom, vagabundierender Strom: elektrischer Strom, der nicht im vorgesehenen Stromkreis, sondern durch die Isolierung und über leitende Teile, zum Beispiel auch durch das Erdreich, zurückfließt und elektrochemische Korrosion hervorruft.

Irrtum, Error: Annahme, dass eine Aussage wahr sei, deren Sachverhalt nicht in der behaupteten Weise existiert. Vom Irrtum zu unterscheiden sind Falschheit, Lüge und Sinnestäuschung.

Irrtumswahrscheinlichkeit: mathematische Statistik (bedingte) Wahrscheinlichkeit p dafür, dass eine zu prüfende Hypothese auf Grund eines Experiments abgelehnt wird, obwohl sie richtig ist. Die Zahl 1 p heißt statistische Sicherheit.

Irving, Washington, 3. 4. 1783 bis 28.11.1859, US-amerikanischer Schriftsteller; seine humoristische «Geschichte New Yorks von Diedrich Knickerbocker» (1809, deutsch) und die teils romantische, teils realistische Skizzen und Erzählungen («Das Skizzenbuch», 1819/20, deutsch) sind die ersten bedeutenden Werke der US-amerikanischen Literatur.

Isaac, Heinrich, um 1450-26. 3. 1517, flämischer Komponist; wirkte unter anderem in Florenz und Innsbruck (am Hofe Maximilians Isaac), schrieb kunstvoll polyphone Messen, Motetten und volkstümliche Liedsätze (zum Beispiel «Innsbruck, ich muss dich lassen»). Siehe auch Niederländische Schule.

Isabella, spanisch Isabel, Königinnen: 1. Isabella die Katholische, 22.4.1451-26.11.1504, Königin von Kastilien seit 1474; erreichte durch die Heirat mit Ferdinand H. von Aragonien (1469) die Vereinigung der beiden größten spanischen Teilreiche (1479/1504 Doppelherrschaft); unter ihrer Regierung Festigung des Absolutismus, Beendigung der Reconquista (Eroberung Granadas 1492), Begründung des spanischen Kolonialreichs in Amerika und Austreibung der Juden (1492).

2. Isabella II., 10.10.1830-9.4.1904, Königin von Spanien 1833/68, bis 1843 unter der Regentschaft ihrer Mutter Maria Cristina de Borbon (1833/40) und des Generals Espartero (1841/43); gegen ihre Thronfolge erhoben sich die Karlisten; während ihrer Regierung Beginn einer liberalen Reformpolitik (unter anderem Enteignung von Kirchenländereien); durch die Revolution von 1868 vertrieben.

Isabelle: gelbgraues Pferd mit heller Mähne und hellem Schweif.

Isanomale: (griechisch) Verbindungslinie von Punkten gleicher geophysikalischer Messwerte zur Darstellung geophysikalischer Anomalien.

Isar: rechter Nebenfluss der Donau; 295 km; entspringt im Karwendelgebirge (Tirol, Österreich), tritt nach Bayern über, durchfließt die Bayer. Alpen und das Alpenvorland (München), mündet bei Deggendorf; wichtigste Nebenflüsse Loisach und Amper; Aufstauungen und Wasserableitungen zur Wasserkrafterzeugung (Walchen-, Sylvenstein-, Speichersee und am Mittleren Isarkanal).

Isa reo, Eisack: linker Nebenfluss des Adige in Oberitalien; 35 km; entspringt am Brenner und mündet bei Bozen; Kraftwerke; im Tal Brennerautobahn.

Ischämie: Blutleere eines Organs oder eines Organteils infolge unzureichender Blutzufuhr, zum Beispiel bei Thrombose, Embolie oder entzündliche beziehungsweise arteriosklerotisch bedingtem Arterienverschluss.

Ischia: italienische Insel im Golf von Neapel; 46 km2, 32000 Einwohner; wichtigster Ort Ischia (16100 Einwohner); bis 789 m; warme Mineralquellen; auf fruchtbaren vulkanischen Böden besonders Wein- und Obstbau; Fischerei; Fremdenverkehr.

Ischias, Ischialgie: Schmerzen im Verlauf des Ischias nervs, entsprechend der Lokalisation dieses Nervs werden Schmerzen im Gesäß, an der Hinterseite des Oberschenkels, in der Kniekehle und am Unterschenkel empfunden; tritt unter anderem bei Veränderungen der unteren Wirbelsäule, besonders bei Bandscheibenschäden, auf.

Ischiasnerv, Ischiadikus, Nervus ischiadicus, Hüftnerv: stärkster und längster Nerv des menschlichen Körpers; entsteht aus dem Kreuzbeinnervengeflecht, verläuft zwischen den Gesäßmuskeln nahe dem Hüftgelenk zur Hinterseite des Beines und innerviert Haut und Muskeln bis zum Fuß.

Ischl, Bad: Heilbad und Kurort in Oberösterreich, im Salzkammergut; 13000 Einwohner; Kochsalz-, Glaubersalz-, Schwefelquellen; Saline; metallverarbeitende, Holz- und Glasindustrie; Lehar-Museum.

Ischuria paradoxa: Harnträufeln bei überfüllter Harnblase und Unvermögen, den Harn zu lassen; tritt meist beim Prostataadenom auf.

Isegrim: (althochdeutsch, «Eisenhelm») der Wolf in der Tierfabel.

Isenthalpe: (griechisch) Kurve im Zustandsdiagramm, die Zustände gleicher Enthalpie verbindet.

isentrop, isentropisch: bei konstanter Entropie vor sich gehend; siehe auch Zustandsänderung.

Iser, Iosif, 21. 5.1881-25.4.1958, rumänischer Maler und Karikaturist; schuf Landschaften und Bauerndarstellungen monumentaler Form sowie expressive politische Karikaturen auf das alte Rumänien.

Isère: Fluss im Südosten Frankreichs; 290 km; entspringt in den Grajischen Alpen, mündet bei Valence in die Rhône; durchfließt die Landschaften Tarentaise und Gresivaudan; gefalle- und wasserreicher Lauf; bedeutende Energiegewinnung (Wasserkraftwerke) förderte die Industrialisierung (Metallurgie, Papierindustrie); das Tal der Isère ist eine wichtige Leitlinie des Verkehrs.

Isherwood, Christopher William Bradshaw, geboren 26.8.1904, englischer Schriftsteller und Dramatiker, war unter anderem auch als Hauslehrer und Journalist tätig und lebt seit 1939 in den USA In den Romanen «Mr. Morris steigt um» (1935) und «Leb wohl, Berlin» (1939, deutsch) schilderte Isherwood das Erstarken des Faschismus; in den späteren Romanen «Praterveilchen» (1945, deutsch), «Die Welt am Abend» (1954, dt.) und «Tage ohne Morgen» (1962, deutsch) wandte er sich tiefenpsychologische Personencharakterisierung zu; schrieb mit W. H. Auden expressionistische Versdramen.

Ishikawa Takuboku, eigentlich Hajime Ishikawa, 20.2.1886-13.4.1912, japanischer Dichter und Essayist; entwickelte sich vom Romantiker zum frühsozialistischen Dichter und schuf in der klassischen Form der 31silbigen Tanka sowie der des freien Verses aufrüttelnde Gedichte von tiefer Volksverbundenheit, zum Beispiel die Sammlung «Eine Handvoll Sand» (1910).

Isidor von Sevilla, um 570-4.4.636, gelehrter lateinischer Schriftsteller in Spanien, 600/601 Erzbischof von Sevilla. Isidor von Sevilla fasste in zahlreichen Schriften das gesamte Wissen seiner Zeit zusammen und vermittelte es an das Mittelalter.

Isis, altägyptische Liebes-, Mutter- und Totengöttin, Schwester und Gemahlin des Osiris, Mutter des Horus.

Iskenderun: Stadt im Süden der Türkei, am Golf von 1. (Mittelmeer); 120000 Einwohner; bedeutendstes Eisenhüttenwerk des Landes (mit Hilfe der UdSSR erbaut), Phosphatwerk, Lebensmittelherstellung, Baumwollreinigung; Hafen, Erdölleitung von Batman, Anschluss an die Bagdadbahn; türkischer Flotten- und Luftwaffenstützpunkt.

Iskyr, Iskär, Isker: rechter und größter Nebenfluss der Donau in Bulgarien; 369 km; entspringt mit 2 Quellen im Rila Gebirge, wird südlich von Sofia in einer dreistufigen Kaskade (Wasserreservoir für Bewässerung und Energieerzeugung; Erholungsgebiet) mit dem Iskar Stausee (30 km2, Stauraum 673 Millionen m3) aufgestaut, durchfließt das Becken von Sofia, durchbricht die Stara Planina in einem engen Tal und mündet bei Gigen.

Islam: (arabisch, «Hingabe (an Gott)») im 7. Jahrhundert von Muhammad im Zusammenhang mit der politischen Einigung der arabischen Stämme geschaffene Religion, hervorgegangen aus arabischen, jüdischen und christlichen Elementen. Die Anhänger des Islam nennen sich Muslime (Moslems, persisch Muselmanen), das heißt «Gottergebene». Heilige Schrift und Glaubensgrundlage ist der Koran, dazu tritt die Sunna («Brauch»), die aus Berichten über Worte und Taten Muhammads und der Urgemeinde besteht. Der Islam ist ein strenger Monotheismus, das heißt Allah ist der einzige, unbedingten Gehorsam fordernde Gott, der in absoluter Allmacht die Geschicke des Menschen und der Welt bestimmt (Kismet). Der Prophet des Islam ist Muhammad. Zu den Grundpflichten des Muslims gehören das fünfmalige tägliche Gebet, das Almosengeben, Fasten (Ramadan) und die Pilgerreise nach Mekka. Der Kult ist bildlos. Ein Priesterstand fehlt, seine Stelle nimmt der Schrift- und Rechtsgelehrte ein. Im Streit um die Nachfolge Muhammads spaltete sich die Gemeinde in Sunniten und Schiiten. Der Islam breitete sich im 7. Jahrhundert über Syrien, Persien und Ägypten aus, im 8. Jahrhundert über Nordafrika bis nach Spanien (bis 1492), seit 1000 in Indien, im 11. Jahrhundert über Kleinasien, nach der Eroberung Konstantinopels (1453) bis ins 19. Jahrhundert über Südosteuropa, ferner bis Turkestan, Indonesien und über weite Teile Afrikas.

islamische Kunst: Wichtigste Grundlage der islamische Kunst ist der Islam. Von der Arabischen Halbinsel ausgehend, wurden zahlreiche Völkerschaften Träger dieser Kultur, vor allem die arabische, iranische, mongolische und türkische Kunst wurden vom Islam geprägt. Die unter Einbeziehung vorhandener Traditionen (spätantike, byzantinische, persisch-sassanidische, indische) beziehungsweise durch Auseinandersetzung mit ihnen neu entwickelten Kunstformen zeigen trotz geographischer Weiträumigkeit (Spanien bis Indien, Mittelasien bis Afrika) ähnliche Tendenzen. Gemeinsame Merkmale, bedingt durch gleichartige künstlerische Aufgaben, sind: starker Hang zur Abstraktion, der sich vor allem in Dekoration und Schrift zeigt, ausgewogenes ästhetisches Empfinden, hoher Stand des technischen Könnens und der Präzision im Handwerk, ausgeprägter Erfindungsreichtum und intensiver Austausch künstlerischer Stilformen. Die Berufung von Architekten, Künstlern und Kunsthandwerkern aus vielen Teilen der beherrschten Reiche begünstigte diese Entwicklung und steigerte die Produktivität. Architektur. Während im Wohnbau lokale Traditionen vorherrschen, setzen sich neue Ideen in großen Bauaufgaben durch: Moschee, Medrese, Grabmal (Türbe, Kuppelmausoleum), Befestigungsanlagen, Paläste und Gärten, Bäder, Krankenhäuser (Muristan), Rasthäuser (Karawansereien) in Städten und an Landstraßen, Brücken. Diese Bauwerke sind durch klare, übersichtliche Anlagen mit ausgewogenen Proportionen gekennzeichnet. Höchste Vollendung erreicht die Baukunst in den Wölbungsformen (Kuppel, Iwan, Portal) mit teilweise kompliziertem Schmuckwerk (Zellentreppen- und Stalaktitengewölbe). Als Baumaterial dienen Stein, Ziegel, Lehm. Die Baudekoration bilden Steinmetzarbeit, Ziegelomamentik, farbig glasierte Fliesen und Fayencemosaik, auch Steinintarsien, im Innenraum Reliefs und Stalaktit Werk (Stuck, Holz, Keramik), hölzernes Kassettenwerk und Fliesendekoration. Das Vermeiden bildlicher Darstellungen von Lebewesen im sakralen Bereich führte zur Vorherrschaft von Ornament und Schrift als schmückende Elemente in Architektur und Kunsthandwerk (geometrische Muster, Flechtband, Arabeske, florales Dekor, kufisches Schriftduktus in verschiedenen Varianten). In der Buchkunst gilt das gleichfalls für die Koran-Illustrationen; wissenschaftliche, historische, literarische Werke werden aber oftmals mit farblich und szenisch reichen Miniaturen geschmückt, die zu den kostbarsten Zeugnissen der islamischen Kunst gehören (Bagdader Schule, iranischer, türk, und indischer Miniaturen). Höchstleistungen bringt das islamische Kunsthandwerk hervor; seine hervorragenden Erzeugnisse waren seit dem frühen Mittelalter in Europa begehrt. Berühmt sind Knüpfteppiche, Brokat- und Seidenweberei, tauschierte Metallarbeiten, Waffen, Glas- und Keramikwaren, Bergkristallarbeiten (Hedwigs Gläser), Holz- und Elfenbeinschnitzerei, Lederarbeiten (zum Beispiel Bucheinbände). Der Stilwandel zwischen den einzelnen Epochen erklärt sich aus den unterschiedlichen politisch-ökonomischen Verhältnissen unter den jeweils aufsteigenden Herrscherdynastien mit ihren Kulturzentren, der geographischen Verlagerung der Schwerpunkte der Kunstentwicklung und der Bestimmung des künstlerischen Inhalts durch den Auftraggeber: Omaijaden (661/750 Damaskus), Abbasiden (750/1258, Bagdad und Samarra), Fatimiden (969/1171) und Mamluken (1250/1517) in Ägypten, Seldschuken (1055/13. Jahrhundert) in Iran und Kleinasien, Mongolen und Timuriden (Anfang 13./Anfang 16. Jahrhundert) in Iran und Mittelasien, Mauren (12./16. Jahrhundert) in Spanien und Nordafrika, Osmanen (14./20. Jahrhundert) in Kleinasien (später Syrien, Teile Nordafrikas, Balkangebiete), Safawiden (1502/1736) in Iran, Moguln (1526/1838) in Indien. Nach dem Niedergang der spätislamischen Großreiche im 18./19. Jahrhundert bleibt eine qualitätvolle Volkskunst erhalten, die die nationalen Eigenheiten bewahrt und die Kunstäußerungen der Gegenwart beeinflusst.

Island, Republik Island: Staat auf der gleichnamigen Insel (102 819 km2, ohne vorgelagerte Inseln) im Nordatlantik, in der Nähe des nördlichen Polarkreises, etwa 800 km von Großbritannien und etwa 290 km von Grönland entfernt; verwaltungsmäßig in 16 Kreise eingeteilt. Die Siedlungen der Bewohner (Isländer) liegen meist an der Küste. Amtssprache ist Isländisch, Währung ist die Island. Krone. Natur. Aus tertiären Gesteinen (Basalten, Laven, Tuffen, Brekzien) bestehendes Hochland (400 bis 1000 m über dem Meeresspiegel) mit meist steil ansteigender Küste und aufgesetzten jüngeren noch tätigen Vulkanen (Öraefajökull, 2119 m; Hekla, 1491m; Kefla, auf anliegenden Inseln Surtsey, Helgafell), heißen Quellen (Geysire), Lavafeldern und Gletschern (Vatnajökull, 8 400 km2). Das vom Golfstrom beeinflusste, nebel- und windreiche kühl-maritime Klima hat milde Winter (Januar um 0 °C) und kühle Sommer (Juli um +11 °C). Die Flüsse sind kurz und reich an Wasserfällen, die Vegetation ist spärlich (Grasflächen, kaum Wald).

Isländisch: zur westlichen Gruppe der nordischen Sprachen zählende Sprache; kennzeichnend sind Formenreichtum und fast völliges Fehlen von Fremdwörtern und Mundarten; schon im Mittelalter war der schriftsprachliche Charakter ausgeprägt.

Isländisches Moos, Cetraria islandica: in Nordeuropa verbreitete Strauchflechte; wird getrocknet («Lichen islandicus») gegen Erkrankungen der Atmungsorgane verwendet.

Ismael, (hebräisch, «Gott hört») in der Bibel Sohn Abrahams und seiner Sklavin Hagar, Stammvater der Ismaeliter (Araber).

Ismailia, Al-Ismailia: Stadt (Gouvernoratszentrum) im Nordosten Ägyptens, am vom Suezkanal durchzogenen Timsahsee; 190000 Einwohner; Glühlampenwerk, Konfektionsbetriebe, chemische Industrie; Straßenknoten, Flughafen; Ismai Hakanal zum Nildelta; Universität, Museum; Sitz der Suezkanalverwaltung.

Ismene, in der griechischen Sage Tochter des Königs Ödipus und der Iokaste, Schwester von Antigone, Polyneikes und Eteokles; siehe auch Sieben gegen Theben.

Isoamylalkohol: eine farblose, giftige, stark hustenreizende Flüssigkeit. Isoamylalkohol kommt im Fuselöl vor und wird unter anderem als Flotationshilfsmittel verwendet.

Isobar: (griechisch) ohne Druckänderung vor sich gehend; siehe auch Zustandsänderung.

Isobare: (griechisch) Meteorologie Verbindungslinie zwischen Punkten gleichen Luftdrucks in einem bestimmten Höhenniveau, zum Beispiel auf Wetterkarten.

Isobare: Kernphysik - Atome unterschiedlicher chemischer Elemente, deren Kerne gleiche Massenzahl, also gleiche Anzahl der Nukleonen haben. Isobare unterscheiden sich etwas in ihren Massen. Isobare mit größerer Masse wandeln sich durch radioaktiven Zerfall in solche mit kleinerer Masse um, so zum Beispiel Tritium in Helium.

Isobathe: (griechisch)

1. Hydrologie: Ozeanologie Verbindungslinie zwischen Punkten gleicher Wassertiefe.

2. Markscheidewesen: Linie gleicher Teufe unter Normalnull (Verbindungslinie zwischen Punkten gleicher Höhen oder Tiefen).

Isobuttersäure: unangenehm buttersäureähnlich riechende Flüssigkeit. Die Salze und Ester heißen Isobutyrate. Isobuttersäureester werden als Aromen und Lösungsmittel verwendet.

isochor: (griechisch) ohne Volumenänderung vor sich gehend; siehe auch Zustandsänderung.

Isochromate: (griechisch) Linie gleicher Farbe, in der Strahlungsphysik Linie gleicher Wellenlänge oder Frequenz.

Isochrone: (griechisch) Verbindungslinie von Punkten gleicher Ausbreitungszeit seismische Wellen.

Isodynamie Regel: Regel, die besagt, dass Nahrungsstoffe (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße) in Bezug auf die Bereitstellung von Energie im Organismus (1 g Kohlenhydrat = 1 g Eiweiß = 0,44 g Fett) austauschbar sind, zum Beispiel bei fettarmer Ernährung durch mehr Kohlenhydrate. Die Gültigkeit der Isodynamie Regel ist begrenzt, da Eiweiß und bestimmte Fette (essentielle Fettsäuren) in der Nahrung nicht fehlen dürfen. Der Begriff Isodynamie Regel wurde von dem Physiologen und Hygieniker Max Rubner (1854-1932) geprägt.

Isoenzyme, Isozyme: in einem Organismus vorkommende Enzyme mit gleicher Wirkung, aber genetisch unterschiedlich festgelegter Proteinstruktur, meist aus verschiedenen Organen stammend. Die ungleiche Verteilung der Isoenzyme im Organismus führt zur Herausbildung organspezifische Isoenzymmuster.

Isogamie: (griechisch) geschlechtliche Fortpflanzung bei Einzellern durch Vereinigung gleichgestaltiger Gameten (Isogameten); bei einigen Grünalgen, Pilzen und Protozoen vorkommend.

Isoglosse: (griechisch) in der Dialektforschung geographische Linie, die Punkte mit gleichen sprachlichen Erscheinungen verbindet

isogonal: (lateinisch - griechisch) gleichwinklig, unter gleichem Winkel; winkeltreu.

Isohelie: (griechisch) nur wenige, deutlich voneinander abgesetzte Graustufen oder Farbtöne enthaltendes fotografisches Bild mit stark plakativem beziehungsweise graphischem Charakter.

Isokrates, 436-338 vor Christus, griechischer Rhetor und Politiker in Athen; setzte sich für eine Einigung Griechenlands gegen Persien ein; seine Rhetorikschule war über die Grenzen Griechenlands hinaus berühmt.

Isolate: (griechisch) Humangenetik Heiratskreise, das heißt kleine Populationen, innerhalb deren Ehen bevorzugt geschlossen werden, so dass im Extremfall ausgesprochene Engzuchtgebiete entstehen.

Isolation: 1. Isolierung: allgemein Getrennthaltung, Absonderung (zum Beispiel bei Infektionskrankheiten); Abschließung, Absperrung; Vereinzelung.

2. Bautechnik: fälschlich für Dämmung und Sperrung verwendet

3. Elektrotechnik: die Abgrenzung (galvanische Trennung) spannungführender Leiter oder Teile eines elektrischen Stromkreises untereinander oder von der Erde. Die Isolation wird durch die Isolierung realisiert. Eine Isolationsminderung kann durch Schmutz, Feuchtigkeit und Alterung auftreten.

4. Genetik: Evolutionsfaktor (Evolution), verhindert Genfluss zwischen Populationen. Es gibt zahlreiche Typen der Isolation, zum Beispiel geographische, ökologische, ethologische und genetische Isolation.

Isolationsprüfung: die Prüfung des Isolationsvermögens einer Isolierung durch Messung des Isolationswiderstands, der die Höhe des unerwünschten Isolationsstroms bestimmt, oder der Durchschlagfestigkeit mit einer Prüfspannung, die sich nach der Spannung (Isolationsspannung) richtet, mit der ein elektrisches Gerät maximal betrieben werden darf.

Isolator: 1. Elektrotechnik Konstruktionselement (Isolierkörper) aus Keramik, Glas, Plast oder Hartpapier zum Befestigen (Tragisolator) spannungführender Leitungen und Teile oder zum Durchführen durch geerdete Wände (Durchführungsisolator, Durchführung). Unterschieden werden: nach Einsatz Freiluftisolator (Freileitungsisolator) und Stations, nach Befestigung Hängeisolator und Standisolator, nach elektrischen Verhalten durchschlagbare und (bevorzugte) nichtdurchschlagbare, bei denen der weniger Schaden anrichtende Überschlag durch die Luft durch Lichtbogenschutzarmaturen von der Isolator Oberfläche ferngehalten wird. Zu den Freiluftisolator mit einem wulstförmig vergrößerten Weg (Kriechweg) zwischen den Elektroden (Armaturen) gehören als Standisolator Stützenisolator und Leitungsstützer, als Hängeisolator Vollkernisolator beziehungsweise Langstabisolator und zu Hängeketten vereinigte Kappenisolator Stations-L werden in Gerätestützenisolator, Hohlstützer und Vollkernstützer untergliedert. Bei Fernmeldeleitungen werden Fernmelde-Isolator eingesetzt 2. Physik Stoff, der Elektrizität oder Wärme nicht oder nur schlecht leitet Siehe auch Dielektrikum, Isolierstoffe.

Isoleucin, Isoleucin, eine essentielle Aminosäure der chemischen Formel CH3-CH2-CH(CH3)-CH(NH2)-COOH; geht bei alkoholischer Gärung in Bestandteile des Fuselöls über.

isolierende Sprachen: Sprachen ohne Formenbildung; syntaktische Beziehungen werden im Wesentlichen durch die Wortfolge, durch Hilfswörter und musikalische Töne ausgedrückt Siehe auch Sprachtypologie.

Isolierfenster: Fenster, bei dem 2 Glasscheiben in kleinerem Abstand (getrennt durch Metallprofil, Kunststoff oder direkte Glasverschmelzung) in einem Rahmen vereint sind. Die Zwischenschicht ist mit trockener Luft gefüllt und dicht abgeschlossen.

Isolierstein: hochporöser Leichtziegel zur Wärmedämmung und Schalldämpfung von Gebäuden.

Isolierstoffe: Elektrotechnik Sammelbegriff für feste, flüssige und gasförmige Stoffe ohne freie Ladungsträger und deshalb mit sehr hohem Widerstand. Die Isolierstoffe sind neben elektrische auch mechanische, thermische und chemische Beanspruchungen ausgesetzt. Eine ausreichende Isolation ist meist nur durch gleichzeitigen Einsatz unterschiedlicher Isolierstoffe zu erreichen. Wichtigste Kenngrößen sind elektrische und mechanische Festigkeit, Temperatur- und Alterungsbeständigkeit sowie der Verlustfaktor. Unterschieden werden anorganische und organische Isolierstoffe Häufigste Isolierstoffe sind Glas, Keramik, Plaste auf Bakelit-, Polyamid-, Silikon- und Epoxidharzbasis, Glimmer, Papier, Hartpapier, Öl, Isolierlack, Luft, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefelhexafluorid (SF6); auch in Verbindung mit Trägermaterial wie Papier, Leinen, Glasseide, zum Beispiel als Ölpapier, Isolierband, Mikanit, Mikafolium. In der Hochspannungstechnik werden Hartporzellan und Steatit, in der Hochfrequenztechnik Hochfrequenzkeramik sowie in der Elektrowärmetechnik poröse Sonderwerkstoffe (zum Beispiel lithiumhaltige Keramik) eingesetzt.

Isolierung: 1. allgemeine Isolation.

1. Elektrotechnik: die technische Realisierung der j1 Isolation mittels Isolierstoffen und ihre Formgestaltung (Einstoffisolierung, Mehrstoffisolierung siehe auch Isolator 1) bei elektrotechnischer Anlagen und Geräten zur Vermeidung unerwünschter Fehlerströme (Betriebs-!.) und zur Sicherung von Lebewesen (Schutzisolierung, siehe auch Schutzmaßnahmen). Zur Sicherung einer ausreichend hohen Lebensdauer dürfen bestimmte Werte für Erwärmung (siehe auch Wärmebeständigkeitsklasse) und innere Überspannungen nicht überschritten werden. Die Güte der Isolierung bestimmt maßgebend die Qualität elektrotechnischer Geräte und Anlagen und kann besonders auch bei elektronischen Geräten funktionsbestimmend sein, so dass zunehmend hochohmigere Isolierungen angestrebt werden.

2. Pflanzenzüchtung: Maßnahme zur Verhinderung unerwünschter und unkontrollierbarer Fremdbefruchtung. Isolierung kann räumlich, zeitlich oder mechanisch erfolgen.

Isolinie, Isarithme: (griechisch) Linie, die Punkte gleichen Merkmals beziehungsweise gleicher Wertigkeit auf Karten miteinander verbindet; zum Beispiel Isotherme, Isobare.

Isomeratzucker: aus Stärke hergestelltes Gemisch aus Trauben- (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose). Man erhält Isomeratzucker durch Einsatz von Enzymen, wobei die Stärke zur Glukose verzuckert wird. Bei der anschließenden Isomerisierung mittels Glucose Isomerase werden 40 bis 48 % der Glukose in Fruktose übergeführt Isomeratzucker ist ähnlich süß wie Invertzucker und gewinnt als Süßungsmittel für Getränke, Konserven und Backwaren zunehmend an Bedeutung.

Isomerie: 1. Chemie: die Erscheinung, dass verschiedene chemische Verbindungen die gleiche Summenformel aufweisen. Während die Strukturisomerie (Konstitutionsisomerie) auf unterschiedliche Verknüpfung der Atome im Molekül beruht, ist die Stereoisomerie auf die verschiedene räumliche Lage der Atome bei gleicher Verknüpfung zurückzuführen. Bei stereoisomeren Verbindungen unterscheidet man die ds-trans isomerie und die optischen Isomerie Strukturisomere Verbindungen haben stets verschiedene physikalische und chemische Eigenschaften, zum Beispiel Äthanol, CH3-CH2-OH, und Dimethylether, CH3-O-CH3, beide mit der Summenformel QHjO. Ist die Strukturisomerie auf verschiedenartige Stellung bestimmter Atome oder funktioneller Gruppen zurückzuführen, spricht man von Stellungsisomerie, zum Beispiel beim 1,1-Dichloräthan und 1,2-Dichloräthan. Bei den Disubstitutionsprodukten des Benzols ergeben sich drei Stellungsisomere, die durch die Vorsilben ortho- (1,2-Stellung), meta- (1,3-Stellung) und para- (1,4-Stellung) gekennzeichnet werden. Bei Verbindungen höherer Ordnung ist die Erscheinung der Komplexisomerie (auch Koordinationsisomerie) zu beobachten. So können in Komplexverbindungen Ionen sowohl als Liganden als auch als Gegenionen vorhanden sein, wie es zum Beispiel im roten Chlorid und im grünen Nitrit der Fall ist Isomere Komplexverbindungen können auch durch Austausch von Zentralion und Bestandteil des komplexen Gegenions charakterisiert sein, zum Beispiel im Chlorocuprat und im Chloroplatinat. Bei Komplexen treten auch cis-trans-Isomerie und optische Isomerie auf.

2. Physik: Auftreten von Atomkernen mit gleicher Massen- und Ordnungszahl, aber verschiedenem Energieinhalt, der verschiedenen Anregungszuständen entspricht Diese sind metastabil, das heißt sie haben eine endliche, relativ große Lebensdauer. Die angeregten Kerne nennt man Isomere der Kerne im Grundzustand.

Isomerisierung: (griechisch) innere Umlagerung von Molekülen ohne Änderung der Summenformel, zum Beispiel bei der technischen Umwandlung von Alkanen in Isoalkane.

Isometrische Abbildung: Abbildung zweier Flächen aufeinander, bei der die Bogenlänge von Kurven ungeändert bleibt

Isomorphie: Eigenschaft von Kristallarten, Mischkristalle zu bilden. Größe und Bindungscharakter der beteiligten Bausteine weichen nur unwesentlich voneinander ab. Siehe auch Isotypie, Mischkristall.

Isonitrile, Isocyanide: organische Verbindungen der Formel R-N=C, zum Beispiel Phenylisonitril, Phenylisocyanid. Die einfachsten Isonitrile sind farblose, giftige, widerwärtig riechende Flüssigkeiten; sie bilden sich zum Beispiel aus primären Aminen und Trichlormethan in Gegenwart von Alkalilauge.

Isonzo: Fluss aus den Julischen Alpen, mündet auf italienischen Gebiet in den Golf von Triest; 136 km. Im 1. Weltkrieg war der Isonzo 1915/17 Schauplatz von 12 blutigen Schlachten zwischen dem österreichischen-ungarischen und dem italienischen Heer. Ende Oktober 1917 durchbrachen deutsche und österreichische-ungarische Truppen die Front am Isonzo und stießen bis zum Piave vor.

Isooctan: ein benzinähnlicher, dem Oktan, CH,s, isomerer Kohlenwasserstoff. Isooctan ist Bezugssubstanz für die Klopffestigkeit von Vergaserkraftstoffen.

Isopelletierin: (nach einem französischen Chemiker) ein Punica-Alkaloid der Formel C8H15ON; farblos, ölig, giftig; kommt unter anderem in der Rinde des Granatapfelbaumes vor. Iso-Pelletier-Inpräparate dienen als Mittel gegen Bandwurm.

isoperimetrisch: (griechisch) umfangsgleich; L nennt man ebene Flächenstücke mit gleichem Umfang beziehungsweise im Raum Körper mit gleichgroßer Oberfläche. Unter allen isoperimetrischen ebenen Flächenstücken hat der Kreis den größten Flächeninhalt.

Isopolysäuren: Säuren, die durch Kondensation mehrerer Moleküle der gleichen Säure unter Abspaltung von Wasser entstehen, zum Beispiel Dichromsäure, Trichromsäure und Dodeka Wolframsäure.

Isopren: eine farblose, brennbare, rasch verdampfende Flüssigkeit der chemischen Formel CH2=C(CH3)-CH=CH2; Kp 33 bis 34 °C. Aus Isopren Resten bauen sich Naturkautschuk und die Terpene auf.

Isopropanol, Isopropylalkohol: eine farblose, brennbare, wasserlösliche Flüssigkeit von typischem Geruch; Anwendung als Lösungsmittel, zum Beispiel für Kosmetika.

Isorhythmik: Kompositionstechnik der i Ars nova; mehrmalige Wiederholung eines rhythmischen Grundgerüsts unabhängig von Veränderungen in Melodie und Text im Motetten-, Messen- und Kantilenensatz.

Isoseiste: (griechisch) Verbindungslinie zwischen Orten gleicher Erdbebenstärke. Die Isoseiste umschließt das Epizentrum. Siehe auch Erdbeben.

Isospin, Isobaren Spin: innere Quantenzahl (Zeichen I) von Elementarteilchen, die in Analogie zum Spin zur Unterscheidung verschiedener elektrischer Ladungszustände sonst gleichartiger, fast gleichschwerer (isobarer) Hadronen, der Isospin Multipletts, eingeführt wurde. Zum Beispiel sind Proton und Neutron die beiden, durch die 3. Komponente 13 des Isospin unterschiedenen Ladungszustände des Nukleons mit I = % Siehe auch Elementarteilchen Multiplett, Quantenzahl, unitäre Symmetrie.

Isostasie: (griechisch, «Schwimmgleichgewicht») Geophysik aus der Verteilung von Schwereanomalien im Jahr 1889 abgeleitete Vorstellung, dass einzelne Teile der Lithosphäre einen Gleichgewichtszustand anstreben. Im Erdmantel wird eine sogenannt Ausgleichsfläche angenommen, über deren Flächeneinheit stets gleiche Massen liegen.

Isosthenurie, (griechisch) Harnstarre: Unfähigkeit der Niere, den Harn zu konzentrieren oder zu verdünnen; Isosthenurie ist Kennzeichen einer schweren Nierenschädigung.

isotherm: (griechisch) bei konstanter Temperatur vor sich gehend; siehe auch Zustandsänderung.

Isotherme: Meteorologie Verbindungslinie zwischen Punkten gleicher Temperatur in Klimakarten oder anderen graphischen Darstellungen.

Isotone: Atome mit Kernen gleicher Neutronen-, aber verschiedener Protonenzahl, zum Beispiel Deuterium und Helium.

isotonisch: (griechisch) von gleichem osmotischem Wert; isotonische Lösungen entwickeln gleiche osmotische Drücke auf Grund gleicher Konzentration beziehungsweise Anzahl an gelösten Teilchen.

Isotope: Atome eines chemischen Elements, deren Kerne gleiche Protonen-, aber verschiedene Neutronenzahl haben. Die Massenzahl dient zur Kennzeichnung, zum Beispiel Uran 235, Uran 238. Durch die Isotope von Mischelementen (chemisches Element) wird die Abweichung von ganzzahligen Atommassen erklärt. Isotope haben gleiche Elektronenzahl und (bis auf die leichtesten Elemente) gleiches chemisches Verhalten, sie können deshalb nicht chemisch getrennt werden. Außer in der Masse (siehe auch Isotopieeffekt) unterscheiden sich Isotope auch im Volumen, in Spin- und magnetische Quantenzahl des Atomkerns. Es gibt stabile Isotope und radioaktive oder Radioisotope. Elemente mit gerader Ordnungszahl Z haben fast immer mehrere stabile Isotope, solche mit ungeradem Z dagegen höchstens zwei. Stabile Isotope werden zunehmend insbesondere in der Medizin und den Biowissenschaften, zum Beispiel zur Verfolgung von Stoffwechselprozessen, verwendet. Sie lassen sich leichter handhaben als Radionuklide.

Isotopenaustausch: chemischer Vorgang, bei dem Isotope eines Elements, die sich in unterschiedlichen chemischen Verbindungen oder in verschiedenen Steilungen innerhalb eines Moleküls befinden, ihre Plätze tauschen. Der Isotopenaustausch wird durch markierte Atome nachgewiesen.

Isotopengeologie: Forschungsdisziplin, die mittels kernphysikalischer Verfahrenstechnik Aufschluss über Bildungsbedingungen eines Minerals, Herkunft der Gesteine, Alter geologische Prozesse und Paläotemperaturen gibt.

Isotopennephrographie: seitengetrennte Untersuchung der Nierenfunktion und des Harnabflusses mit radioaktiv markierten Substanzen, zum Beispiel Jod131-Hippursäure, deren Ausscheidung durch Strahlungsmessung verfolgt wird.

Isotopentrennung: Reindarstellung der Isotope eines Elements, oft auch nur Abtrennung oder Anreicherung eines dieser Isotope. Verfahren zur Isotopentrennung beruhen auf Isotopieeffekten. Isotopenmischungen in Form beschleunigter Ionen lassen sich in elektrischen oder magnetischen Feldern trennen (siehe auch Massenspektrograph, Massenseparator). Gasförmige oder flüssige Isotopenmischungen trennt man mit Gaszentrifugen, Trenndüsen, durch Diffusion, durch Thermodiffusion (mit Trennrohr: senkrechtes Rohr mit axialem Heizdraht), auf Grund der Ionenbeweglichkeiten, durch Elektrolyse und durch fraktionierte Destillation. Nach den beiden letzten Verfahren wird zum Beispiel Deuterium hergestellt Zur Anreicherung des Uran-Isotops U 235 wird vor allem die Diffusionsmethode verwendet.

Isotopenverdünnungsanalyse: ein quantitatives, radiochemisches Analysenverfahren. Bei der einfachen Isotopenverdünnungsanalyse wird dem inaktiven Analysengemisch ein Radionuklid des zu bestimmenden Stoffes zugesetzt und aus der nach der Abtrennung gemessenen spezifischen Aktivität das Analysenergebnis berechnet.

Isotopieeffekt: Unterschied in physikalischen oder chemischen Eigenschaften von Isotopen eines chemischen Elements, die durch den Masseunterschied verursacht werden, zum Beispiel Unterschied in der spezifischen Ladung, Diffusions- oder Verdampfungsgeschwindigkeit, Wärmeleitfähigkeit, chemische Reaktionsfähigkeit unter anderem Einige Isotopieeffekt werden bei der f Isotopentrennung genutzt. Optische Isotopieeffekte äußern sich zum Beispiel in einer Verschiebung der Spektrallinien bei den verschiedenen Isotopen eines chemischen Elements. Siehe auch BCS-Theorie.

Isotropie: (griechisch) Unabhängigkeit der physikalischen Eigenschaften (zum Beispiel elastisches Verhalten, elektrische Leitfähigkeit, Lichtausbreitung) von der Richtung.

Isotypie: Struktureigenschaft von Kristallarten, die dem gleichen Bau- oder Strukturtypus angehören. Ein gleicher Strukturtypus liegt vor, wenn bei jeweils gleichen Mengenverhältnissen der chemischen Bausteine deren relative Größenverhältnisse nur wenig voneinander abweichen. Siehe auch Isomorphie.

Isovaleriansäure: eine farblose, unangenehm nach Schweiß und Baldrian riechende Flüssigkeit. Isovaleriansäure kommt frei und verestert in der Baldrianwurzel vor; sie dient zur Herstellung von Aromen und Lösungsmitteln. Die Salze und Ester der Isovaleriansäure heißen Isovalerianate.

Isocyanate: Ester der Isocyansäure; allgemeine Formel R-N=C=0. Die niederen Isocyanate sind sehr reaktionsfähige, giftige, unzersetzte siedende Flüssigkeiten. Diisocyanate mit 2 und Triisocyanate mit 3 Isocyanatgruppen werden zur Herstellung von Polyurethanen verwendet.

Isocyansäure: eine farblose, stechend riechende, bei -86 °C erstarrende Flüssigkeit, Formel H-N=C=0, die bei Raumtemperatur zu Cyamelid polymerisiert. Die Salze der Isocyansäure sind mit denen der Zyansäure identisch; die Ester heißen Isocyanate.

Israel: (hebräisch, «Gottesstreiter») Beiname des biblischen Erzvaters Jakob, der als Ahnherr der nach ihm benannten semitischen 12 Stämme Israel in Altpalästina (Name schon um 1220 vor Christus in Ägypten bezeugt) gilt; im religiösen Bereich wurde die Bezeichnung Israeliten für die Angehörigen des Stammesverbandes Israel (auch «Kinder Israel») vorherrschend. Siehe auch Juden.

Israel, Staat Israel: Republik in Vorderasien; grenzt im Norden an Libanon, im Osten an Syrien und Jordanien, im Süden an das Rote Meer (Golf von Akaba) sowie im Südwesten an Ägypten. Die Westgrenze bildet das Mittelmeer. Die mit 14000 km2 angegebene Fläche entspricht dem Territorium in den durch UN-Beschluss 181 vom 29.11.1947 festgelegten Grenzen; durch Annexion arabische Gebiete im israelisch-arabischen Krieg 1948/49 auf 20 700 km2 erweitert (ohne Berücksichtigung der völkerrechtswidrigen Annexion des Ostteils Jerusalems (1980) und der Golanhöhen (1981)). Verwaltungsmäßig ist Israel in 6 Distrikte gegliedert. Währung ist der Schekel Bevölkerung. 85% der Einwohner sind Juden, in der Mehrzahl Einwanderer aus über 100 Ländern der Erde, 15 % sind Araber. Etwa 1 Millionen Araber wurden aus Palästina vertrieben und leben heute vor allem in Jordanien, Libanon, Syrien und Ägypten. Amtssprache ist Iwrith (Neuhebräisch). Etwa 80 °/o der Einwohner leben in Städten.

Natur: Oberfläche. Im Norden Israels schließen sich an die bewässerte, fruchtbare, etwa 20 km breite Küstenebene entlang dem Mittelmeer von Norden nach Süden das Bergland von Galiläa (bis 1208 m), das Karmel-Gebirge und Teile des Hochlandes von Judäa an. Den Ostrand Israels bildet das obere Jordantal mit dem See von Genezareth; im südlichen Landesteil Anteil am Toten Meer. Etwa zwei Drittel des Landes nimmt die Wüste Negev, ein tief zerschnittenes Tafelland, im Süden ein. Im Küstengebiet winterfeuchtes mediterranes Klima, im östlichen Bergland ist es kühler und feuchter, im Süden extrem trocken und heiß. Die Niederschläge schwanken zwischen 500 bis 700 mm/Jahr im Norden und weniger als 50 mm/Jahr im äußersten Süden Israels ist arm an Gewässern, es hat Anteil am Oberlauf des Jordan und am Toten Meer, häufig sind Trockentäler (Wadis). Die Vegetation ist mediterran, trockenheitsliebende Pflanzen dominieren, im Bergland Reste immergrüner Wälder, im Süden Wüsten und Steppen.

Israels, Jozef, 27.1.1824-12.8.1911, niederländischer Maler und Graphiker; neben Porträts, Landschaften und historische Szenen schuf er vor allem Darstellungen aus dem Volksleben, die mit ihrer tiefen psychologischen Durchdringung das Werk M. Liebennanns, V. van Goghs unter anderem nachhaltig beeinflussten.

Issaew, Mladen, geboren 20. 6. 1907, bulgarischer Dichter; kündet in seinen optimistischen, oft romantisch durchpulsten Gedichten, Balladen und Poemen vom Lebensgefühl des Kommunisten, seinem Verantwortungsbewusstsein vor dem Volk und der Geschichte («Brände», 1932; «Frische», 1936; «Der grüne Baum», 1963; «Höhen», 1969).

Issahakjan, Awetik, 31.10.1875-17.10.1957, armenisch-sowjetischer Dichter; lebte bis 1936 vorwiegend im Ausland (Deutschland, Schweiz, Frankreich); 1946/57 Vorsitzender des armenischen Schriftstellerverbandes; verarbeitete in seinem lyrischen und epischen Schaffen nationale und weltliterarische Traditionen. Sein Poem «Abu’l Ala Mahari» (1909) bildet eine vernichtende Absage an die bürgerliche Gesellschaft, seine weiteren Werke beweisen die geschichtsbildende Kraft des Volkes und dessen Heldentum bei der Verteidigung der sozialistischen Heimat. Gedichtauswahl «Der Glockenton der Karawane» (1978).

Issatschenko, tschechischer Isacenko, Alexander, 21.12.1910-19.3.1978, Sprachwissenschaftler russischer Herkunft; Professor für Slawische und Allgemeine Sprachwissenschaft an den Universitäten Bratislava, Olomouc, Los Angeles und Klagenfurt. Seine zentralen Publikationen sind allen Ebenen der russischen Sprache, im Besonderen der russischen Literatursprache und ihrer Geschichte, gewidmet.

Issos: antike Stadt im Südosten Kleinasiens (am heutigen Golf von Iskenderun); hier siegte 333 vor Christus Alexander der Große über das Heer der Perser unter König Dareios III. Kodomannos.

Istanbul: größte Stadt (Provinzzentrum) der Türkei, beiderseits des Bosporus, im Nordwesten des Landes; 2,8 Millionen Einwohner; wichtigstes Industrie-, Handels-, Finanz- und Kulturzentrum der Türkei; vielseitige Verarbeitungsindustrie (unter anderem Textil-, Leder-, Nahrungsmittel- und Genussmittelherstellung), Elektrotechnik, Fahrzeug- und Schiffbau, chemische Industrie; bedeutendster Verkehrsknoten und Hafen des Landes, Ausgangspunkt der Anatol. Eisenbahn, internationaler Flughafen Yefilköy, Hängebrücke (Spannweite 1074 m) verbindet Asien mit Europa; Verbindung des europäischen und asiatischen Eisenbahnnetzes durch Fähre; 2 Universitäten, technischer Universität, Hochschulen; Theater, Oper, Museen, Bibliotheken; auf europäischen Seite Altstadt Stambul (mit Hafen), durch Goldenes Horn von Pera und Galata getrennt, auf asiatischer Seite Stadtteile Üsküdar und Kadiköy. - bis 1453 war Istanbul das Zentrum byzantinischer Kunst: Hagia Sophia (532/37, später türkische Moschee, heute Museum), Hagios Sergios und Bakchos, Hagia Irene (beide 6. Jahrhundert), Chora-Kirche (um 1100) und -kloster unter anderem; seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhundert bis ins 16. Jahrhundert begann eine hohe Blüte der türkischen Baukunst: Moschee des Sultans Bajazet II.; Rüstem-Pascha-, Prinzen- (Shehzade-), Suleiman- und Sokullu-Moschee von Sinan; Top Kapi-Serai (15./17. Jahrhundert, Residenz der Sultane, heute Museum); Moschee Ahmed (Grüne Moschee, 1609/14, von Mehmed Agha). Als Byzantion (Byzanz) um 660 vor Christus am Bosporus gegründet; seit 330 nach Christus als Konstantinopel Hauptstadt des römischen Reiches, 395 Hauptstadt des Byzantinisches Reiches und 1204/61 des Latein. Kaiserreiches. 1453 von den Türken erobert, bis zum Ende des 1. Weltkrieges Hauptstadt des Osmanischen Reiches, danach bis 1923 der Türkei.

Isthmische Spiele: (zu Isthmus, «Landenge») alle 2 Jahre ausgetragene gesamtgriechische athletische, hipp, und musische antike Festspiele auf der Landenge von Korinth; seit etwa 580 vor Christus

Isthmus: (lateinisch griechisch)

1. Anatomie: enger beziehungsweise schmaler Bezirk von Organen.

2. Landenge: Geographie schmaler Landstreifen zwischen 2 Meeren oder Meeresteilen, der benachbarte Landgebiete verbindet und günstige Kanaldurchstiche ermöglicht (zum Beispiel Isthmus von Korinth, Isthmus von Panama).

Istmaß: durch Messung an einem Prüfgegenstand ermitteltes, von den erfassbaren systematischen Fehlern befreites Maß.

Istrati, Panait, 11. 8. 1884-16. 4. 1935, rumänischer Schriftsteller; ergriff in seinen größtenteils in französischer Sprache geschriebenen Romanen und Novellen von einer zum Teil romantisch-anarchistischen Position aus Partei für die Erniedrigten und Beleidigten («Kyra Kyralina», 1923, deutsch; «Geschichten des Adrian Zograffi», 1924/26, deutsch; «Die Disteln des Bärägan», 1928, deutsch).

Istrien: Halbinsel Jugoslawiens im Nordosten der Adria; 4700 km2, 400000 Einwohner; im Nordosten öde Hochfläche bis 1396 m, im zentralen Teil Mulde aus tertiären Tonen, Mergeln und Sandsteinen, im Süden und Westen fruchtbares Kalkhügelland; Wein-, Obst-, Ackerbau; Kohle- und Bauxitabbau; Werft, Leichtindustrie; Meerwassersalinen; an der buchtenreichen Westküste Häfen und Seebäder (Köper, Umag, Porec, Rovinj, Pula), an der windgeschützten Ostküste klimatische Kurorte (Rabac, Opatija). Im Altertum von Illyrern bewohnt; 976 zum Herzogtum Kärnten; die Grafschaft Istrien fiel 1374 an die Habsburger, die Mark Istrien 1420 an Venedig; das venezianischen Istrien kam 1797 zu Österreich, 1809/14 französisch (Illyrische Provinzen), 1814/1918 erneut österreichisch. 1919/44 war Istrien von Italien annektiert; 1944/45 durch die jugoslawische Volksbefreiungsarmee befreit; seit 1947 zu Jugoslawien.

Istru, Bogdan, eigentlich Iwan Bodarew, geboren 13.4.1914, moldauisch-sowjetischer Lyriker und Prosaschriftsteller; schrieb im Großen Vaterländischen Krieg patriotische Gedichte und Skizzen; die späteren Gedichte, Poeme und Erzählungen stellen die schöpferische Arbeit und die sozialistische Umgestaltung und Entwicklung seiner moldauischen Heimat in den Mittelpunkt.

István István I, Stephan Stephan der Heilige, um 970-15.8.1038, erster ungarische König (seit 1000) und Gründer des Feudalstaates; führte das Christentum ein, unterdrückte die partikularistische Bestrebungen der heidnischen Stammesfürsten. Nach ihm wird die ungarische Königskrone Stephanskrone genannt.

Itabira: Stadt im Bundesstaat Minas Gerais (Brasilien); 17000 Einwohner; Zentrum des bedeutendsten Eisenerzbergbaugebietes Brasiliens; Hüttenwerk; Erzausfuhr über Hafen Tubarão bei Vitória.

Itabirit: (nach Itabira) Eisenglimmerschiefer, Eisenquarzit; metamorphes, vorwiegend aus Hämatit bestehendes wertvolles Eisenerz.

Italia: (griechisch italos beziehungsweise lateinisch vitulus, «Kalb», «Jungstier») etwa seit 500 vor Christus durch die Griechen geprägter Name für die Südspitze Italiens (Bruttium), seit dem 3. Jahrhundert vor Christus Bezeichnung für die gesamte Apenninenhalbinsel.

Italien, Italienische Republik: Staat im Süden Europas, im Nordwesten an Frankreich, im Norden an die Schweiz und Österreich, im Westen, Osten und Süden an das Mittelmeer mit seinen Nebenmeeren (Tyrrhenische, Ligurische, Adriatische und Ionische Meer) grenzend; in 20 Regionen, von denen 5 (Sizilien, Sardinien, Aostatal, Trentino-Alto Adige und Friaul-Julisches Venetien) Sonderstatut besitzen, und weiterhin in 94 Provinzen gegliedert. Währung ist die Lira. Bevölkerung 98 % der Einwohner sind Italiener, an nationalen Minderheiten gibt es Österreicher (über 200000 im Alto Adige), Franzosen, Katalanen, Ladiner, Slowenen unter anderem Amtssprache ist Italienisch. Die Bevölkerungsdichte ist am höchsten in Kampanien, der Lombardei und Ligurien, am niedrigsten in den Alpen und auf Sardinien. 65 % der Bevölkerung wohnt in Städten, darunter 30 % in Großstädten. Die Einwohnerzahlen der Großstädte gehen zurück. 64 % der Bevölkerung befinden sich im erwerbsfähigen, 21 % im Kindes- und 15 % im Rentenalter. Von den Berufstätigen sind 48 % im Dienstleistungssektor und in der Verwaltung, 38 % in der Industrie und 14 % in der Landwirtschaft beschäftigt. Mangelnde Arbeitsmöglichkeiten und niedriger Lebensstandard sind die Ursachen für Landflucht und Auswanderung, besonders aus Süditalien. Etwa 5 Millionen Italiener arbeiten ständig oder befristet im Ausland, 2,4 Millionen Italiener sind arbeitslos. In Italien gibt es 600000 Analphabeten.

Natur - Oberfläche: Italien liegt im tertiären Faltengebirgsgürtel Europas und hat im Norden und Nordwesten Anteil an den Alpen, die Oberitalien bogenförmig umgeben (Mont Blanc 4 810 m an der französischen, Monte Rosa 4 633 m an der Schweizer Grenze). Daran schließt sich als Gebirgsrückgrat Mittel- und Unteritaliens der 1000 km lange Apennin an, der sich in Sizilien fortsetzt. Die Bruchzone an seinem Westrand ist mit vulkanischer Tätigkeit verbunden, die noch heute anhält (Vulkane: Ätna, Vesuv, Stromboli, Vulcano; Ausbrüche von Schwefeldampf und Kohlensäure; häufige Erdbeben); Sardinien und Elba sind Reste einer ins Meer abgesunkenen Gebirgsmasse (meist Granite und Gneise) mit kleinen Kohle- und Erzlagerstätten. Die dem Apennin aufgelagerten Sedimente (Mergel, Tone, Sande) sind arm an Bodenschätzen. Wenn Kalke diese Decke durchstoßen, treten auch schroffe, alpine Gebirgsformen auf (Abruzzen mit Gran Sasso d’Italia, 2 914 m). Aus dem Schutt der abgetragenen Gebirge haben die Flüsse Arno und Tiber junge Schwemmlandebenen gebildet. Die Poebene zwischen Apennin und Alpen (46000 km2) war im Quartär ein Golf der Adria und schiebt sich auch heute noch weiter ins Meer vor.

Klima: In Oberitalien ähnelt es dem Mitteleuropas. Der Frühling zieht jedoch früher ein, und die Sommer sind wärmer. Im Schutze der Alpen sind die Ufer der Seen am Alpenrand und die Riviera fast frostfreie Klimaoasen. Mittelmeerklima herrscht nur auf der eigentlichen Apenninhalbinsel, aber auch hier können relativ kalte Winter auftreten. Niederschläge gibt es in den Alpen zu jeder Jahreszeit. Die Oberitalienische Tiefebene und die südlichen Nachbargebiete haben 2 Regenzeiten (Frühjahr und Herbst), der weitere Süden kennt im Allgemeinen nur kurze Winterregen. In Mittel- und noch mehr in Unteritalien herrscht im Sommer viele Wochen Trockenheit bei wolkenlosem Himmel. Gewässer. Die Wasserführung der Flüsse ist schwankend. Außer dem Po mit seinen Nebenflüssen (gefürchtete Herbsthochwässer) haben noch Adige, Tiber, Arno und Piave Bedeutung. Der Po ist im Unterlauf als Dammfluss ausgebildet und eingedeicht. Die wichtigsten Seen sind neben den Alpenrandseen (Lago Maggiore, Corner See, Gardasee) Lago Trasimeno und Lago di Bolsena. Pflanzen- und Tierwelt. In Oberitalien gleicht die Vegetation etwa der Mitteleuropas. In Mittel- und Unteritalien bilden verschiedene Arten von Hartlaubgewächsen, die heute stark dezimiert sind, die ursprüngliche Vegetation. In höheren Lagen findet man Edelkastanien und mitteleuropäische Baumarten. Größere wildlebende Tiere kommen fast nur noch in den Naturparks der Alpen vor. Bodenschätze. Italien ist verhältnismäßig arm an Bodenschätzen. Es gibt Vorkommen von Erdöl, Erdgas, Eisen, Quecksilber, Mangan, Uran, Blei, Zink, Bauxit, ferner Marmor, Schwefel, Salz und Natursteinen.

Kunst: Anfänge und Kunst der antiken Sklaverei Gesellschaft etruskische Kunst, römische Kunst und frühchristliche Kunst. Die eigentlichen Anfänge der italienischen Kunst kommen erst in der Romanik zum Durchbruch, wobei spätantike Überlieferungen ebenso nachwirken wie frühchristlich-byzantinische Einflüsse und germanische Elemente. Erschwert wurde die Bildung eines nationalen Stils durch die politische Zersplitterung des Landes, deren Folge seine regional sehr ungleichmäßige Entwicklung war. Die romanische Baukunst übernahm von der frühchristlichen die querschifflose Basilika, den daneben freistehenden Kampanile (Glockenturm); bei Domen ist dieser Baugruppe das Baptisterium (Taufkirche) angeschlossen. Eine spezifische Bauschule entstand in der Lombardei (Mailand, Como, Verona, Pavia), daneben in der Toskana (Pisa, Lucca). In Mittelitalien (Rom) gab es keine bedeutenden Bauvorhaben, bemerkenswert ist die dekorative Bereicherung der altchristlichen Kirchen durch die Steinintarsien der Cosmaten. An byzantinischen Vorbildern orientiert blieben Venedig (S. Marco) sowie Sizilien und Unteritalien (Palermo, Monreale, Cefalü), wobei hier arabische und normannische Formengut einfloss. Die Plastik blieb baugebunden (Portale, Kanzeln); früh wurden einzelne Künstlerpersönlichkeiten fassbar (B. Antelami, in Parma tätig). Die erhaltenen Wandbilder und Mosaiken (Rom, Formis, Venedig, Sizilien), ausgehend von der byzantinischen Kunst, bezeugen ebenso wie die Buchmalerei den hohen Rang der Malerei. Früh fand das Tafelbild Verbreitung, besonders in Form bemalter Triumphkreuze in Pisa und Lucca. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert erfüllte G. Cimabue die «Maniera greca» noch einmal mit innerer Größe, während Duccio di Buoninsegna zum neuen Wirklichkeitsbild der Gotik überleitete, in der die Künstlerpersönlichkeit in Italien endgültig aus der Anonymität tritt.

Die Gotik drang im 13. Jahrhundert von Frankreich in die Baukunst Italiens ein, allerdings vielfach reduziert und umgedeutet (Ordenskirchen und Dome in Fossanova, Assisi, Florenz, Mailand, Orvieto). Hauptbaumeister in Florenz war Arnolfo di Cambio. Bedeutende Leistungen wurden, schon seit der Romanik, auch im kommunalen Profanbau erreicht (Florenz: Palazzo Vecchio, Bargello; Siena: Palazzo Pubblico; Venedig: Dogenpalast). In der Plastik leitete N. Pisano im Zusammenhang mit der toskanischen Protorenaissance die großartige Blüte der italienischen Bildhauerkunst ein. Sein Sohn G. Pisano war Hauptmeister der gotischen Skulptur Italiens. Neben ihm ist A. Pisano hervorzuheben. besonders in Verona und Bologna entstanden Meisterwerke der Grabmalkunst. Einzigartig entfaltete sich um 1300 Wand- und Tafelmalerei des sogenannten Trecento. Florenz und Siena wurden die Zentren dieser Entwicklung. Der Florentiner Giotto, eigentlicher Begründer der italienischen Malerei, schuf mit seinem Hauptwerk, den Fresken der Arenakapelle in Padua, eine neue monumentale Bildsprache. T. und A. Gaddi, B. Daddi, A Orcagna folgten ihm nach. In Siena dominierte eine lyrische, gefühlsbetonte gotischen Malerei, deren Hauptvertreter, S. Martini, schulbildend für viele Maler war (L. Memmi, Bartolo di Fredi, Bama da Siena unter anderem). Neben ihm wirkten P. und A. Lorenzetti, die unter Giottos Einfluss standen.

Renaissance: Die in Italien zuerst einsetzende, zu höchsten Leistungen gesteigerte und weit ausstrahlende Periode der Renaissance war «die größte progressive Umwälzung, welche die Menschheit bis dahin erlebt hatte» (F. Engels). Die Blütezeit dieser für die Weltkultur außerordentlich bedeutsamen Epoche der «Entdeckung der Welt und des Menschen» vollzog sich über die Früh- bis zur Hochrenaissance in 2 großen Etappen. Die Frührenaissance des 15. Jahrhundert (Quattrocento), die sich, von Florenz ausgehend, auf der Grundlage der schnellen Entwicklung des Frühkapitalismus herausbildete, war die bahnbrechende Periode der Erfassung der Wirklichkeit mit Hilfe neuer künstlerischer Mittel (Perspektive, Proportionslehre, Akt- und Naturstudium, Kunsttheorie). Diese Entwicklung wurde gefordert durch die Rückbesinnung auf die jetzt als nationales Erbe empfundene Antike und die enge Verbindung, die Kunst und Wissenschaft im Zeitalter des Humanismus eingingen. Die Baukunst strebte in rigoroser Abwendung von der Gotik nach überschaubarer Gliederung, Regelmäßigkeit, Diesseitigkeit, Betonung von Horizontalen und ruhenden Flächen. Der Profanbau (vor allem Palastbauten) steht gleichberechtigt neben dem Sakralbau. Hauptbaumeister sind F. Brunelleschi, L. B. Alberti (führender Theoretiker der Frührenaissance), B. di Michelozzo, B. da Maiano, A. und G. da Sangallo, L. Laurana, F. di Giorgio. In der Plastik ist das systematische Natur- und Antikenstudium besonders deutlich. Die Bildhauer bemühten sich, den menschlichen Körper in kraftvoller Schönheit wiederzugeben. Weltliche Aufgaben (Bildnisse, Reiterstatuen) wurden immer bedeutungsvoller. Genialster Schöpfer ausdrucksstarker Formen in der Porträtbüste, dem Akt, dem Relief war Donatello, der die Plastik von der Architektur befreite. Neben und nach ihm wirkten Meister wie J. della Quercia, L. Ghiberti, L. della Robbia, A. Pollaiuolo, A. del Verrocchio, B. da Maiano, Desiderio da Settignano, Mino da Fiesole, P. Lombardi. In der Malerei wurden die religiösen Bildinhalte durch realistische Darstellungsformen verweltlicht. Die individualisierten Gestalten erscheinen oft im Zeitkostüm und bewegen sich in realen, nach den Gesetzen der Zentral- und Luftperspektive wiedergegebenen Räumen oder Landschaften, die den mittelalterlichen Goldgrund verdrängen. Gleichzeitig häufen sich profane Themen (Porträt, historische und mythologische Darstellungen, Allegorien). Fresko und Tafelmalerei stehen auf gleicher Höhe. Die zunehmende Subjektivierung der Kunst äußert sich auch in der Ausbreitung der Handzeichnung. Die starke Betonung des Zeichnerischen gehört überhaupt zum Wesen der Frührenaissancemalerei. Der entscheidende Wegbereiter war der Florentiner Masaccio. Weitere Hauptmeister waren A. Pisano, P. Uccello, A. del Castagno, D. Veneziano, Fra Angelico, Fra F. Lippi, P. della Francesca, A. del Pollaiuolo, D. Ghirlandaio, P. Perugino, L. Signorelli, Antonello da Messina, Gentile und Giovanni Bellini, V. Carpaccio, A. Mantegna, C. Tura, F. del Cossa, C. Crivelli. In der um 1500 ersetzenden Hochrenaissance konzentrierten sich alle künstlerischen Kräfte im päpstlichen Rom. Allein Venedig entwickelte sich davon unabhängig. Der Realismus des 15. Jahrhundert wurde von der Hochrenaissance weiterentwickelt und klassisch vollendet. Doch die Kunst hielt sich nur kurz auf dieser Höhe. Schon im 2. Viertel des 16. Jahrhundert folgte der Umschwung zum Manierismus. In der Baukunst wurde die Bewältigung von Baumassen und Axialität als Ziel angestrebt; der Zentralbau, in dem alle Kräfte ruhen, wurde zum Ideal. Davon ausgehend, entwarf D. Bramante den Neubau der Peterskirche in Rom, an dem viele Architekten des 16./17. Jahrhundert beteiligt waren, unter ihnen Raffael und besonders Michelangelo, der Schöpfer der Kuppel des gewaltigen Bauwerkes. Weitere Hauptbaumeister waren A. da Sangallo, B. Peruzzi, M. Sanmicheli, J. Sansovino. Bei G. Romano und G. Vasari (Begründer der Künstlerhistoriographie) zeigen sich bereits manieristische Züge. A. Palladio, der größte Baumeister und Architekturtheoretiker nach der Mitte des Jahrhunderts, begründete einen strengen Klassizismus, der bis ins 19. Jahrhundert als Gegenpol der Barockbaukunst fortwirkte. In der Plastik steht der Vielzahl der Künstler des Quattrocento allein die geniale Persönlichkeit Michelangelos gegenüber, von dessen kraftvoll verinnerlichtem Schaffen tiefgreifende Wirkungen ausgingen, die den Barock einleiteten und über ihn hinauswirkten. Zu seinen unmittelbaren Nachfolgern gehören: B. Bandinelli, G. della Porta, B. Ammanati. B. Cellini und Giovanni da Bologna unterliegen bereits dem Manierismus. Die Malerei der Hochrenaissance wurde von Leonardo da Vinci eingeleitet. Klare, ausgewogene Kompositionen vereinen sich mit harmonischer Menschendarstellungen und einer durchgeistigten Malweise, die die Zeichner. Spröde des Quattrocento überwand. Raffael führte das Streben nach idealer Schönheit, Ausgeglichenheit und feierl. Ruhe zu höchster Vollkommenheit. Das Fresko verlor, trotz überragender Leistungen Raffaels (Stanzen des Vatikans) und Michelangelos (Sixtinische Kapelle), allmählich seine Gleichstellung mit der Tafelmalerei. Weitere Hauptmeister waren Fra Bartolomeo, A. del Sarto, G. Romano, S. del Piombo, Correggio; als führender Kupferstecher galt M. Raimondi. In Venedig entwickelte sich eine unabhängige Malerschule mit Giorgione, Tizian, Palma Vecchio. Eine Blütezeit erlebten auch Kleinkunst und Kunsthandwerk im 15./16. Jahrhundert (Medaillen, Kleinplastik, Möbel, Goldschmiedekunst, Fayencen, venezianisches Glas).

Seit etwa 1520 bildete sich in Florenz und Parma (J. Pontormo, A Bronzino, Parmigianino) der Manierismus, ein durch politische Wirren, durch die Entwicklung von Gegenreformation und Absolutismus verursachter Krisenstil, heraus, der sich besonders eindringlich in der Malerei äußert. Hauptkennzeichen sind eine Abkehr von der Wirklichkeit, Neigung zu Spiritualismus, Deformation der Figuren und unruhig grelle Farbigkeit. In Venedig ragen die farbenprächtigen Gemälde P. Veronese und die durch das religiöse Pathos gekennzeichneten Werke Tintorettos heraus.

Der Barock, Stil der Gegenreformation und des Absolutismus, entwickelte sich aus den von der Renaissance geschaffenen Gegebenheiten. Doch an die Stelle von Würde und maßvoller Verhaltenheit treten leidenschaftliche Bewegung, erfindungsreiche Prachtentfaltung und eine Vielfalt malerischen-illusionistischen Formen. In der Baukunst, aber auch in der Plastik, zeigt sich dieser Wandel am entschiedensten. Dies gilt besonders für Rom, das einer repräsentativen und propagandistischen Kirchen- und Palastbaukunst bedurfte und der Architektur die meisten und großzügigsten Aufgaben stellte. Mit genialer Raumphantasie und Erfindungskraft schufen die Barockbaumeister dynamisch schwingende, plastisch gegliederte Innenräume, Fassaden und weiträumige Platzanlagen. L. Bemini, der bedeutendste Bildhauer und Architekt des 17. Jahrhundert, vollendete mit der Innen- und Vorplatzgestaltung die Peterskirche in Rom, nachdem zuvor C. Madema das riesige Langhaus und die Fassade anfügte. Weitere Baumeister waren G. Vignola (sein frühbarocker Bau II Gesu, mit der Fassade von G. della Porta, wurde Vorbild zahlreicher Barockkirchen), F. Borromini, C. Rainaldi, P. da Cortona. In Venedig wirkte B. Longhena, in Oberitalien G. Guarini und F. Juvarra, bei dem sich schon der Klassizismus ankündigte. Auch in der Plastik war Bemini der Hauptrepräsentant des Hochbarocks. Daneben stehen A. Algardi und F. Duquesnoy. Bedeutender Vertreter der klassizistischen Plastik war A. Canova. Im Kampf um die Überwindung des Manierismus trat um 1600 in der Malerei der Gegensatz zwischen Idealismus und Realismus zum ersten Mal offen zutage. Die idealistische Richtung sah in der aus dem Formengut der Hochrenaissance eklektizistisch auswählenden Malerei A. Carraccis ihr Leitbild. Die durchaus positiven Ziele seiner «Akademie» in Bologna bekamen unter den Verhältnissen der siegreichen Gegenreformation jedoch zwiespältigen Charakter und führten zu einer formalen, dekorativen Malerei. Dies wird besonders bei den zahlreichen Anhängern ersichtlich (G. Reni, Domenichino, Guercino). Bedeutungsvoller für die europäischen Malerei wurde die Gegenrichtung: der Naturalismus des M. da Caravaggio, mit dem spannungsgeladenen Helldunkel und den als Heilige verkleideten Volkstypen. Seine außerordentliche Wirkung erstreckte sich besonders auf den Norden Italiens. Nachfolger sind J. de Ribera, O. Gentileschi, D. Fetti, B. Strozzi. Illusionistische Wirkungen erzielte die Deckenmalerei (P. da Cortona, A. Pozzo).

Im 18. Jahrhundert erlebte die Malerei in Oberitalien durch G. M. Crespi und A. Magnasco, besonders aber in der geistreichen, sinnenfrohen Malerei Venedigs eine Spätblüte (G. Piazzetta, G. B. Tiepolo). G. B. Piranesi radierte architektonische Ansichten von Rom und bizarre Architekturphantasien und Bestandsaufnahmen antiker Ruinen. Das phantastische Element spiegelt sich auch wieder in den Bühnendekorationen der Familie Galli-Bibiena. Diesen Szenerien steht die venezianische Vedutenmalerei nahe, vertreten durch A. und B. Canaletto, F. Guardi. Ein Meister der Genremalerei ist P. Longhi. Der Klassizismus, der sich seit Mitte des 18. Jahrhundert entwickelte, hatte zwar neue Aufgaben wie Theater- und Museumsbauten gestellt (Museo Pio Clementino, seit 1774; Vatikan. Pinakothek, 1815; Etruskisches Museum, 1836; Ägyptisches Museum, 1839), doch insbesondere das 19. Jahrhundert unterlag weiterhin Stagnation und Eklektizismus, da tragende gesellschaftliche Kräfte fehlten und die politische Verhältnisse die Herausbildung einer neuen nationalen Kultur verhinderten. Vorhandene Ansätze aus dem 18. Jahrhundert wurden von Ausländern getragen (J. J. Winckelmann, A. M. Mengs, J. L. David).

19.und 20. Jahrhundert. Hervorzuheben sind die dem Impressionismus und Naturalismus verwandten Maler aus dem Kreis der «Macchiaioli» (Fleckenmaler) sowie G. Toma, G. Segantini oder G. Pellizza. Erst im 20. Jahrhundert jedoch errang die italienische Kunst wieder internationale Geltung. In der Baukunst setzte sich das funktionalistische Bauen, das A. Sant’Elia zuerst gefordert hatte, seit den 20er Jahren immer stärker durch. Es entstanden bedeutende Wohn-, Verkehrs-, Sport-, Kultur- und Industriebauten. Namhaftester Architekt ist P. L. Nervi. Die beachtliche Entwicklung der modernen Plastik leitete M. Rosso ein. Die bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart sind M. Marini und G. Manzú; daneben M. Mascherini, E. Greco; Vertreter abstrakter Plastik sind Mirko, G. Pomodoro, A. Cascella. Die Gefährdung und Versehrtheit des Menschenbildes in der kapitalistischen Gesellschaft zeigen beklemmende, von der Pop-art beeinflusste Bildwerke von G. Vangi und R. Iandolo. Zur spätbürgerlichen Malerei leistete Italien um 1910 einen wesentlichen Beitrag mit dem Futurismus (U. Boccioni, G. Severini, G. Baila). Während des

1. Weltkrieges entstand die «Pittura metafisica» (G. de Chirico, C. Carrá), eine Vorstufe des Surrealismus. Dem französischen Fauvismus nahe stehen die Bildnisse und Akte A Modiglianis. Ein überlegener Meister des Stilllebens war G. Morandi. Gegen die neusachliche, bald in sterile Akademik und faschistische Gefolgschaft geratene Bewegung des «Novecento» (C. Carrá) richtete sich in den 30er Jahren die leidenschaftlich-phantastische Malerei des römischen Kreises um Scipione. Unter dem Einfluss der internationalen Kunst-Biennalen in Venedig wurden nach dem

2. Weltkrieg fast alle Spielarten der spätbürgerlichen Kunst aufgegriffen (G. Santomaso, E. Vedova, A. Burri unter anderem). Eine neue, die revolutionären Kämpfe unterstützende Kunst entstand aus der im 2. Weltkrieg gegründet Bewegung des «Realismo», die einen wichtigen Beitrag zur sozialistischen Weltkunst der Gegenwart leistete (R. Guttuso, A. Pizzinato, G. Zigaina, G. Mucchi). Große Bedeutung besitzt auch die zeitgenössische Graphik.

Literatur: Dichtung des Mittelalters. In Italien entwickelte sich erst im 13. Jahrhundert eine nicht in Latein, sondern in der Volkssprache verfasste Literatur. Die Vertreter der «Sizilianische Schule» am Hofe Friedrichs II. in Palermo knüpften an die höfliche-feudale Minnedichtung der Provence an. In Kanzonen und Sonetten behandelten sie die konventionellen Themen der Troubadourdichtung. Neben der Minnelyrik entstand in Oberitalien eine didaktische Dichtung religiöser Thematik, deren Verfasser meist Geistliche waren. Vertreter einer volkstümlichen geistlichen Lyrik in Mittelitalien sind Franz von Assisi und Jacopone da Todi. In der Toscana knüpften Guittone d’Arezzo und C. Davanzati an die sizilianischer Hofpoesie an, verliehen aber auch den politischen Auseinandersetzungen ihrer Zeit dichterischen Ausdruck. In Bologna wurde G. Guinizelli zum Begründer der von Dante Alighieri vollendeten neuen Art der Dichtung Dolce stil nuovo, die die Minnelyrik mit platonischen Ideen zu verbinden suchte. Humanismus und Renaissance. Im 14. Jahrhundert erreichte die italienische Literatur ihren ersten großen Höhepunkt mit der Gestaltung der gesellschaftlichen Widersprüche beim Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Epoche. Dante verlieh in seiner «Göttlichen Komödie» dem Weltbild des mittelalterlichen Menschen meisterhaft künstlerischen Ausdruck, doch finden sich bei ihm schon Ansätze humanistischen Geistes. Er trug entscheidend dazu bei, dass das Florentinische zur italienischen Schriftsprache wurde. Auf dem Gebiet der Lyrik wurde F. Petrarcas «Liederbuch» zum Vorbild der europäischen Dichtung, doch artete die Petrarca-Nachahmung bei vielen Epigonen in die Manier des Petrarkismus aus. G. Boccaccio schuf mit seinem realistischen-sinnenfreudigen «Decamerone» die Gattung der modernen Novelle. Die 1. Hälfte des 15. Jahrhundert ist die Blütezeit des italienischen Humanismus, der als nationale Bewegung entstand und entscheidend für den Durchbruch der Renaissance in ganz Europa wurde. Da sich die Humanisten vor allem der Erforschung und Nachahmung der Antike widmeten, wurde die Literatur in italienischer Sprache zurückgedrängt. Erst seit der Mitte des 15. Jahrhundert setzte sich das Italienische wieder stärker als Literatursprache durch, so in der Lyrik des Lorenzo Medici und A. Poliziano sowie in den Ritterepen von L. Pulci und M. M. Boiardo. Gegen Ende des 15. Jahrhundert entstand nach antikem Vorbild (Theokrit, Vergil) die wirklichkeitsferne Schäferpoesie, deren Hauptvertreter J. Sannazaro mit seinem Roman «Arcadia» ist. Die 1. Hälfte des 16. Jahrhundert, die Blütezeit der Renaissance, ist durch klassische Vollkommenheit der dichterischen Formen charakterisiert. L. Ariosto schuf mit seinem ironischen Epos «Der rasende Roland» die bedeutendste Dichtung dieser Epoche. N. Machiavelli, der mit «Mandragola» die beste Renaissancekomödie schrieb, forderte in seiner politischen Schrift «Der Fürst» für Italien einen absolutistischen Herrscher, der das zerrissene Land mit allen Mitteln zu einem Nationalstaat einen sollte. Das Idealbild des Renaissancemenschen, dessen körperliche, geistige und musische Fähigkeiten gleichmäßig entwickelt sind, zeichnete B. Castiglione in seinem Buch «Der Höfling». Eine realistische Schilderung der Zeit gab M. Bandello in seinen Novellen. Stark Sitten- und gesellschaftskritisch sind die Werke und Briefe P. Aretinos. Der einzige originelle Lyriker ist Michelangelo Buonarroti. Feudale Reaktion und Fremdherrschaft. Die 2. Hälfte des 16. Jahrhundert zeigt einen unter anderem durch die sich ausbreitende Gegenreformation und fortwirkende Fremdabhängigkeit bedingten Niedergang der Literatur. Die politische und geistige Unterdrückung zur Zeit der spanischen Herrschaft führte bei den Schriftsteilem zu Unsicherheit und Resignation oder zu formalistischen Virtuosentum. Vom Widerspruch zwischen Renaissancegeist und religiösen Skrupeln zeugt auch das Epos «Das befreite Jerusalem» von T. Tasso, dem bedeutendsten Dichter dieser Periode. Die Literatur des 17. Jahrhundert wurde vom Marinismus beherrscht, dem schwülstigen, barocken Stil der Nachahmer G. Marinos. Doch entstand in dieser Zeit auch die Commedia dell’arte, die volkstümliche Stegreifkomödie. Eine klare, ungekünstelte Prosa entwickelte sich unter dem Einfluss bedeutender Wissenschaftler (G. Bruno, G. Galilei, T. Campanella). In der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert versuchte die 1690 in Rom gegründet literarische Akademie «Arcadia» ein Gegengewicht zum Marinismus zu schaffen, doch artete die Dichtung der Arkadier ebenfalls in Formalismus aus. Erst in der 2.Hälfte des 18. Jahrhundert nahm die Literatur unter dem Einfluss der europäischen Aufklärungsbewegung und der Französischen Revolution neuen Aufschwung. Durch die Behandlung nationaler und sozialer Fragen bereiteten die Schriftsteller ideologisch die als Risorgimento bezeichnete Bewegung des 19. Jahrhundert zur Erneuerung und Einigung Italiens vor. G. Parini prangerte in seinen «Oden» und der satirischen Dichtung «Der Tag» die Sittenlosigkeit des Adels an und ergriff Partei für das ausgebeutete Volk. V. Alfieri forderte mit seinen klassizistischen Tragödien zur nationalen Befreiung auf. C. Goldoni wurde mit seinen volksnahen Sitten- und Charakterkomödien, deren aufklärerisches Anliegen unverkennbar ist, zum Reformator des italienischen Theaters.

Das 19. Jahrhundert war gekennzeichnet durch den Kampf gegen die österreichische Fremdherrschaft, der mit der nationalen Befreiung und Einigung Italiens endete, aber keine Lösung der sozialen Probleme brachte. Vor allem unter dem Einfluss der englischen und deutschen Literatur entwickelte sich die romantische Dichtung, deren besonderer Charakter in der Betonung des nationalen Moments liegt (U. Foscolo, G. Berchet, S. Pellico). Demgegenüber treten pessimistische und irrationale Züge, die teilweise bei G. Leopardi dominieren, in den Hintergrund. A. Manzoni, der vielseitigste Vertreter der italienischen Romantik, erlangte durch seinen historischen Roman «Die Verlobten» Weltgeltung. Unter seinen Nachfolgern ragt Italien Nievo hervor, der in dem Roman «Bekenntnisse eines Achtzigjährigen» den Typ des für die Freiheit seines Vaterlandes kämpfenden Helden schuf. Nach der nationalen Einigung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert klang die Romantik aus; es entwickelte sich unter dem Einfluss des europäischen bürgerlichen kritischen Realismus und Naturalismus der Verismus. In den stark regional geprägten veristischen Romanen und Erzählungen wurden Schicksale und Leiden von Menschen aus den unteren sozialen Schichten gestaltet, ohne dass Auswege und revolutionäre Veränderungen angedeutet wurden. Zu den Veristen gehören neben G. Verga, dem bedeutendsten Vertreter, M. Serao, S. di Giacomo und G. Deledda. Die Lyrik dieses Zeitraums ist klassizistisch; Hauptvertreter sind G. Carducci und G. Pascoli.

20. Jahrhundert. Überbetonung der Form, Ästhetentum und aggressiver Nationalismus sind auch in Italien literarische Charakteristika einer bürgerlichen Krisensituation zu Beginn der imperialistischen Epoche. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert erreichte die «dekadente» Literatur ihre stärkste Ausprägung bei G. d’Annunzio, der von den Faschisten als ideologischer Wegbereiter in Anspruch genommen wurde und vorübergehend großen Einfluss auf die westeuropäische Literatur ausübte. An den Verismus knüpfte L. Pirandello an, der in seinen Novellen und Dramen (besonders «Sechs Personen suchen einen Autor») die Gespaltenheit des Menschen in der spätbürgerlichen Gesellschaft gestaltete. Mit der subjektivistischen Ästhetik des Kulturphilosophen und Literaturkritikers B. Croce setzte sich A. Gramsci auseinander und gab in seinem Werk wichtige Anregungen für das künstlerische Schaffen. In der Zeit der faschistischen Diktatur nahmen zahlreiche Schriftsteller aktiv am Widerstandskampf teil, wurden verfolgt und verbannt. Mit der Gestaltung des Widerstandskampfes entstand nach 1945 eine relativ geschlossene Literatur mit progressivem sozialem und nationalem Gehalt, die einen Höhepunkt in der literarischen Entwicklung Italiens darstellt. Bedeutende Werke mit antifaschistischer Thematik schufen R. Viganö, C. Levi, C. Pavese, E. Vittorini, N. Ginzburg, C. Cassola und Italien Calvino, die alle der KP angehörten oder ihr nahe standen. Die herrschende literarische Richtung, die sich nach dem 2. Weltkrieg nach dem Vorbild von C. Alvaros Novellenband «Die Hirten vom Aspromonte» und E. Vittorinis «Gespräch in Sizilien» herausbildete, war der Neorealismus. Zu den Neorealisten, die das Leben der Besitzlosen in Stadt und Land schildern, gehören besonders L. Bartolini, F. Jovine, V. Pratolini und P. P. Pasolini. Einige dieser Autoren resignierten Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre, weil sich die an die Befreiung vom Faschismus geknüpften sozialen Hoffnungen nicht erfüllt hatten, und wandten sich der Gestaltung subjektiv-persönliche Probleme zu. Andererseits stand aber noch in den 60er Jahren die antifaschistische Thematik weiterhin im Mittelpunkt vieler Werke, unter anderem bei G. Bassani («Die Gärten der Finzi Contini»), G. Dessl («Das Lösegeld»), A. Benedetti («Die Mauern von Lucca»), B. Fenoglio («Eine Privatsache»). A. Moravia, einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Erzähler nach dem 2. Weltkrieg, zeigt in seinen Romanen und Erzählungen den Wertzerfall in der spätbürgerlichen Gesellschaft. Die italienische Lyrik des 20. Jahrhundert entwickelte sich unter dem Einfluss der französischen Symbolisten. Die bedeutendsten Vertreter des Hermetismus sind G. Ungaretti, E. Montale und S. Quasimodo (in seinen Anfängen). Auf dem Gebiet der Dramatik setzte U. Betti die Tradition H. Ibsens und Pirandellos fort. Ein neues Volkstheater begründeten der Neapolitaner E. de Filippo mit seinen Komödien und Dario Fo mit seinen gesellschaftskritischen Farcen.

Musik: Vom Reichtum der alten Volksmusik ist nur wenig überliefert. Umfangreich sind hingegen die Zeugnisse liturgischer Musik der römischen Kirche. Diese frühe Kunst wurde gefestigt durch die Theoretiker A. M. S. Boethius und Cassiodor (6. Jahrhundert), durch die Fixierung des Gregorianischen Gesangs (7. Jahrhundert) sowie die Reform der Notenschrift (Guido von Arezzo, 11. Jahrhundert) und sicherte sich wesentlichen Einfluss auf die europäischen Musikentwicklung.

Ende des 13. Jahrhundert trat der einstimmige Gesang hinter mehrstimmige Musizierformen zurück, und in Wechselwirkung mit der Polyphonie der französischen Ars nova entwickelte sich eine hochstilisierte weltliche Liedkunst (Ballade, Caccia, Madrigal). Im 14 Jahrhundert: gelangte F. Landini zu europäischen Berühmtheit. Im 15./16. Jahrhundert entstanden unter dem Einfluss der Volksmusik neue Vokal- und Instrumentalformen (Frottola, Villanella, Canzonetta, Balletto unter anderem).

Mit Komponisten nördlicher Länder, insbesondere mit Vertretern der Frankoflämische Schule (J. Obrecht, H. Isaac, J. Desprez, A. Willaert waren zeitweise in Italien tätig), begann ein reger Kulturaustausch; das führte zu einer Bereicherung des musikalischen Ausdrucks, wie sie sich Ende des 16. Jahrhundert in den Madrigalen L. Marenzios, Gesualdo da Venosas und danach bei C. Monteverdi zeigt. Der Notendruck förderte die Entwicklung. Neben den bisher in Orgel- und Lautentabulaturen fixierten Werken dokumentieren nun durch Notendruck vervielfältigte Canzoni, Ricercari, Fantasien, Toccaten und so weiter eine hochentwickelte Instrumentalkunst für Orgel, Clavicembalo, Streich- und Blasinstrumente.

Innerhalb der Kirchenmusik setzte eine Differenzierung ein. In Rom führten Palestrina unter anderem die kontrapunktische Kunst in Messen, Motetten unter anderem zu einem Höhepunkt. In Venedig und Neapel schufen A. und G. Gabrieli mehrchörige Kirchenmusik, die zugleich den Ausgangspunkt zu einer selbständigen Orchester- und Kammermusik bildete. G. Gastoldi, 0. Vecchi unter anderem entwickelten hier auch ihre zum Teil volkstümlicher Villanellen, Madrigale und so weiter

Um 1600 setzte sich der monodisch-homophone Stil durch. Wesentlicher Anstoß dazu gab die Florentiner Camerata (Humanistenkreis von Dichtern, Musikern und Gelehrten in Florenz). Bei den Bemühungen um eine Wiedererweckung der antiken Tragödie entstanden hier die ersten Opern (1597 «Dafne» von J. Peri, 1600 «Euridice» von Peri beziehungsweise G. Caccini). Der neue Musikstil beeinflusste bald alle Musikformen. Die Oper wurde von C. Monteverdi zu einem ersten Höhepunkt geführt. Er verhalf ihr aus anfängliche aristokratische Enge zu umfassender öffentlicher Wirkung (1637 Eröffnung des ersten öffentlichen Opernhauses in Venedig). Im letzten Drittel des 17. Jahrhundert war die Opera seria voll ausgebildet, und ihre Hauptvertreter (A. Scarlatti, L. Vinci, L. Leo) beeinflussten auch die ausländischen Opernkomponisten. Ende des 17. Jahrhundert trat von Neapel und Rom aus die volkstümliche Opera buffa ihren Siegeszug an; ihre wichtigsten Komponisten im 18. Jahrhundert waren G. B. Pergolesi, N. Piccini, G. Paisiello, D. Cimarosa. Parallel zur Oper entwickelten sich im 17. Jahrhundert Kantate und Oratorium (G. Carissimi, A. Stradella).

In der Instrumentalmusik standen lange die Tasteninstrumente im Mittelpunkt (G. Frescobaldi). In der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert wurde jedoch, von A. Corelli ausgehend und von der Geigenbaukunst (Amati, Stradivari, Guameri unter anderem) gefördert, die italienische Violin-Tradition begründet. A. Vivaldi, F. Veracini, G. Tartini, P. Locatelli unter anderem trugen zur weiteren Ausbildung selbständiger Instrumentalmusik (Solo- und Triosonate, Concerto grosso, Solokonzert, Ouvertüre, Suite) bei. Im 18. Jahrhundert hatten D. Scarlatti und M. Clementi Anteil an der Herausbildung der Klaviersonate; G. B. Sammartini entwickelte das Concerto grosso weiter, L. Boccherini die Form des Streichquartetts und -quintetts, G. B. Viotti und N. Paganini (dieser im 19. Jahrhundert) das Violinkonzert. Im 19. Jahrhundert steht die Opernkunst im Mittelpunkt. G. Rossini, dann die melodiösen Opern V. Beliinis und G. Donizettis, auch die Gesangskünste vieler italienischer Sänger begeisterten ganz Europa. Im Schaffen G. Verdis, dessen Frühwerke in engem Zusammenhang mit den nationalen Bestrebungen des Risorgimento stehen, offenbart sich eine ganz neue Qualität des Musikdramatischen. Ende des 19. Jahrhundert entstanden veristische Opern von R. Leoncavallo, P. Mascagni und U. Giordano. An diese knüpfte G. Puccini an und gelangte zu überzeugendem Realismus (Verismus). E. Wolf-Ferrari und F. Busoni wirkten zu Beginn des 20. Jahrhundert vornehmlich im Ausland. Eine Gruppe um 1880 geborener Komponisten (unter anderem O. Respighi, Italien Pizzetti, F. Malipiero, A. Casella) bemühte sich, die Instrumentaltradition neu zu beleben. zwischen 1910 und 1925 gingen von Italien die Experimente des Futurismus und die Theorien des Bruitismus («Lärmkunst») aus, ohne aber gültige Werke zu hinterlassen. Von der um 1900 geborenen Generation vermochte sich nur G. C. Menotti mit Kammeropern andauernd im Ausland durchzusetzen. Andere Komponisten, wie G. Petrassi, L. Dallapiccola, M. Peragallo, blieben, trotz humanistischer Orientierung, in ihrer Wirkung beschränkt. B. Madema, L. Berio unter anderem haben international beachtete, zum Teil sehr experimentelle Werke vorgelegt. L. Nono, L. Lombardi unter anderem ist es gelungen, in engem Kontakt zur Arbeiterklasse ihre Kunst progressiver Aussage nutzbar zu machen. Die Operntradition setzten in jüngster Zeit unter anderem N. Rota, F. Mannino, B. Bartolozzi fort.

Italiener: aus Italien stammende Haushuhnrasse des Legetyps. Von der Vielzahl der Farbschläge hat der rebhuhnfarbige die größte Verbreitung gefunden. Die Tiere werden vorzugsweise in Kleinbetrieben gehalten.

Italienisch: eine der aus dem Latein hervorgegangenen romanischen Sprachen. Unter den zahlreichen italienischen Dialekten hat sich auf Grund der ökonomischen und kulturellen Vormachtstellung von Florenz ab 13. Jahrhundert das Toskanische zur Nationalsprache entwickelt. Italienisch wird auch in Teilen der Schweiz sowie auf Korsika gesprochen.

Italienischer Kilometer: Bahnradsport gemeinsames Zeitfahren zweier Partner. Gibt der anfangs führende seine Position auf, muss er ausscheiden und der verbleibende Partner bestreitet das Rennen bis zum Ende allein.

Italienisches Jagdrennen: Bahnradsport Disziplin, bei der zahlenmäßig gleichstarke Mannschaften in gleichen Abständen voneinander starten. Jeder Fahrer führt eine Runde und scheidet dann aus. Die Länge des Rennens ist abhängig von der Mitgliederzahl der Mannschaften, eingeholte Mannschaften scheiden aus.

Italienisch-Türkischer Krieg: Aggressionskrieg des italienischen Imperialismus um neue Kolonien; ausgelöst durch die Annexion Tripolitaniens und der Cyrenaika durch Italien (1911), welches beide zur Kolonie Libyen vereinigte. Entgegen den Bestimmungen des Friedens von Ouchy vom 18.10.1912 behielt es auch den im April 1912 besetzten Dodekanes, den es erst im Frieden von Sèvres (1920) de jure zugesprochen bekam. Arabische Partisanen leisteten in der Nähe der Oasen bis Anfang der 30er Jahre Widerstand.

Italiker: indoeuropäische Stämme, die im 2. Jahrtausend vor Christus nach Mittel- und Süditalien erwanderten, unter anderem Latiner, Sabiner, Osker, Samniten; wurden bis Mitte des 3. Jahrhundert vor Christus von den Römern unterworfen.

item: ebenso, desgleichen; ferner.

Iteration: wiederholte Anwendung desselben Rechenverfahrens auf dabei erhaltene Zwischenwerfe, um eine Näherungslösung zu gewinnen; siehe auch Iterationsmethode.

Iterationsmatrix: jede Matrix A mit der Eigenschaft, dass die Folge (A1) ihrer Potenzen gegen die Nullmatrix konvergiert.

Iterationsmethode, Methode der sukzessiven Approximation: Konstruktion einer Folge (x) mathematischer Objekte (Zahlen, Vektoren, Funktionen, Operatoren unter anderem), die in einem gewissen Sinn gegen die unbekannte Lösung x einer Gleichung F(x) = 0 strebt. Meist wird die Folge durch einen Operator 0 rekursiv bestimmt. Jedes folgende Objekt wird somit aus m vorher gegebenen oder berechneten Gliedern eindeutig gebildet. Für m = 1 spricht man von gewöhn! Iterationsmethode oder Einschrittverfahren, sonst von m-Schrittverfahren (siehe auch Sekantenmethode).

Itinerarium: im Altertum und im Mittelalter Reisehandbuch mit Wegekarten und Schifffahrtslinien.

Itten, Johannes, 11.11.1888-25.3.1967, schweizerischer Maler, Graphiker und Kunsthandwerker; bedeutsam ist sein kunsttheoretisches und -pädagogisches Wirken (1919/23 Lehrer am Bauhaus in Weimar), weniger sein malerische, von gegenständlicher bis zu abstrakter Formensprache reichendes Werk.

Iturbide, Agustin de, 27.9.1783 bis 19.7.1824 (erschossen), mexikanischer Politiker; Großgrundbesitzer; Führer des konservativen Flügels der Unabhängigkeitsbewegung gegen Spanien; unterdrückte die demokratischen Kräfte und proklamierte 1821 die Unabhängigkeit Mexikos; regierte 1822/23 als Kaiser Agustin Iturbide

Ituri: Quellfluss des Aruwimi, in Zaire; 1000 km; entspringt westlich des Albertsees; nicht schiffbar (Stromschnellen).

Ivens, Joris, geboren 18.11.1898, niederländischer Dokumentarfilmregisseur; wirkte seit 1928 in vielen Ländern, tritt in den meisten seiner Filme für progressive humanistische Ziele und Ideen ein, so in «Die Brücke», «Heldenlied», «Spanische Erde», «400 Millionen», «Lied der Ströme», «Die Seine trifft sich mit Paris», «Kuba Volk in Waffen», «Der 17. Breitengrad».

Ives, Charles Edward, 20.10.1874-19.5.1954, US-amerikanischer Komponist; war Beamter und schuf nebenberuflich Sinfonik, Kammermusik und Lieder unter Verwendung von Polytonalität, Atonalität, Vierteltönen, Polymetrik unter anderem. Die Bedeutung dieser Werke, die zunächst keinerlei Aussicht auf Aufführungen hatten, wurde erst um 1930 erkannt.

Iwailo, gestorben 1280, Führer eines antifeudalen Bauernaufstandes (1277/80) in Bulgarien, Hirt; vertrieb die Tataren, nahm 1278 Tymowo ein und bestieg den bulgarischen Thion; nach einigen siegreichen Schlachten wurde er von den Byzantinern und bulgarischen Bojaren verjagt; er floh zu den Tataren und wurde dort ermordet.

Iwan, Fürsten. Bulgarien: 1. Iwan II. Assen, gestorben 1241, seit 1218 Fürst des 2. Bulgaren Reiches; besiegte 1230 den Despoten von Epirus Theodor Komnenos und dehnte seine Herrschaft auf Oltenia, Südbulgarien bis zur Ägäis, Makedonien, Nordgriechenland, Albanien und Teile Serbiens aus; Bulgarien wurde zur stärksten Balkanmacht.

Russland: 2. Danilowitsch, genannt Kalita («Geldsack»), gestorben 1340, seit 1325 Fürst von Moskau, Großfürst von Wladimir seit 1328; festigte die Stellung Moskaus, verlegte den Sitz des Metropoliten von Wladimir nach Moskau, brachte Nowgorod unter anderem Fürstentümer unter seine Kontrolle. 3.1. III. Wassiljewitsch, 22.1.1440-27.10.1505, Großfürst von Moskau seit 1462; vereinte fast alle Teilfürstentümer mit Moskau und befreite 1480 Russland endgültig vom Tatarenjoch; stellte diplomatische Beziehungen zu vielen europäischen und asiatischen Staaten her. 4. 7. IV. Wassiljewitsch, genannt Grosny («der Gestrenge», «der Schreckliche»), 25. 8.1530-28. 3.1584, Großfürst von Moskau seit 1533, nahm 1547 den Zarentitel an; festigte die Zentralgewalt und führte einschneidende Gesellschafts- und Staatsreformen durch. Die sich widersetzenden Bojaren (Opritschnina) bekämpfte er mit brutalen Mitteln. Iwan förderte Handel und Kultur, erwarb unter anderem Kasan, Astrachan, das Wolgagebiet und Westsibirien; kämpfte 1558/83 (Livländischer Krieg) erfolglos um den Zugang zur Ostsee. Seine Kriege und seine Gewaltherrschaft stürzten den Staat in eine schwere Krise und hatten die massenweise Vernichtung von Produktivkräften zur Folge.

Iwanowski, Dmitri Iossifowitsch, 9.11.1864 bis 20.4.1920, russischer Mikrobiologe; leitete neben dem niederländischen Botaniker Martinus Willem Beijerinck (1851-1931) 1892 durch die Entdeckung der Filtrierbarkeit des Tabakmosaikvirus die Virusforschung ein.

Iwate: Präfektur in Japan, im Norden der Insel Honshu, am Stillen Ozean; 12578 km2, 1,4 Millionen Einwohner; 111 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Morioka überwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet, gering entwickelte Industrie (Nahrungsmittelproduktion); Fischerei.

Iwo Jima, Iwoshima: eine der Vulkaninseln. Im 2. Weltkrieg im Februar/März 1945 von Streitkräften der USA nach erbitterten Kämpfen mit japanischen Truppen erobert und danach zu einer strategischen Luftbasis ausgebaut.

Ixion, in der griechischen Sage König der Lapithen, versuchte Hera zu verführen und wurde deshalb zur Strafe auf ein sich ewig drehendes feuriges Rad gebunden.

Izett-Stahl: (Kunstwort aus den Anfangsbuchstaben von «immer zäh») alterungsbeständiger, kohlenstoffarmer Baustahl, der zur Entfernung des Stickstoffes mit einem Überschuss von Aluminium desoxydiert ist; wird wegen seiner beständigen Zähigkeit insbesondere für Kesselbleche verwendet.

Izmir: Stadt (Provinzzentrum) im Westen der Türkei, am Ägäischen Meer; früher Smyrna-, 760000 Einwohner; bedeutende Industriestadt und regionales Handelszentrum; Metallwaren-, Baustoff-, Textilindustrie, Tabakverarbeitung, Erdölraffinerie Aliaga (mit sowjetischer Hilfe erbaut), Schiffbau; internationale Messe; Seehafen, internationaler Flughafen; Universität, Akademien; Museen. Izmir wurde als Kolonie der Äolier gegründet; 575 vor Christus durch die Lyder und 1403 durch Timur zerstört; seit 1425 türkisch; 1915 Niederschlagung eines Weberaufstandes; am 15. 5.1919 wurde Izmir von Griechenland besetzt; ein Arbeiteraufstand führte am 9. 9. 1922 vor Ankunft der Truppen Atatürks zur Vertreibung der griechischen Besatzung. Im Frieden von Lausanne wurde Izmir 1923 der Türkei zurückgegeben.

Izmit: Stadt (Provinzzentrum) im Nordwesten der Türkei, am Marmarameer; 190000 Einwohner; Zement-, Papier-, Zelluloseherstellung, Baumwollverarbeitung, Reifen- und Holzindustrie, Erdölraffinerie; Fischereihafen, Straßenknoten, iznik Nicäa.