Lexikon W

Waadt, französisch Vaud: Kanton im Südwesten der Schweiz, zwischen Neuenburger und Genfer See; 3219 km2, 536000 französisch sprechende Einwohner; 167 Einwohner/km2; Hauptstadt Lausanne; umfasst Teile des Kettenjura, des Mittellandes und der Alpen (Les Diablerets, 3210 m); Industrie besonders am Genfer See und am stündlichen Schweizer Jura, vor allem Maschinenbau, Nahrungsmittel- und Uhrenindustrie; Erdölraffinerie bei Aigle; Wein- und Obstbau, Almwirtschaft; Fremdenverkehr (Montreux, Gstaad unter anderem).

Waage: 1. Waage, Libra: Astronomie

a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild am südlichen Himmel;

b) 7. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

2. Messwesen: Gerät zum Bestimmen der Masse eines Körpers durch Vergleich mit Wägestücken (Hebel- oder Balkenwaage) oder aus der durch die Gewichtskraft bewirkten Verformung einer Feder (Federwaage). Die Feinwaage (Analysenwaage) dient zum besonders genauen Wägen. Bei der Tafelwaage liegt der Waagebalken unter den Waagschalen. Die Laufgewichtswaage, zum Beispiel die Küchenwaage, hat 1 oder 2 auf Skalen verschiebbare Laufgewichtstücke. Bei der Neigungswaage, zum Beispiel der Briefwaage, wird die Neigung eines Zeigers abgelesen. In Brückenwaage ruht die Last auf einer Platte (Brücke); eine Hebelübertragung hält diese stets horizontal, und ein Bruchteil, zum Beispiel 1/10 oder 1/100 der Last, genügt, ihr das Gleichgewicht zu halten (Dezimal- beziehungsweise Zentesimalwaage).

Waals, Johannes Diderik van der, 23.11.1837-8.3.1923, niederländischer Physiker, leitete um 1880 die nach ihm benannte Zustandsgleichung realer Gase her und begründete die kinetische Theorie der Flüssigkeiten.

Wabe: (zu «weben») von den Baubienen zur Aufnahme der Brut und Vorräte von oben nach unten beidseitig mit einer gemeinsamen Mittelwand errichteter Verband sechseckiger, leicht nach oben geneigter Zellen aus körpereigenem Wachs.

Wabenkröte, Pipa pipa: zungen- und zahnloser südamerikanischer Froschlurch mit dreieckigem Kopf und flachem Körper; die Eier entwickeln sich in wabenähnlichen Hauttaschen auf dem Rücken des Weibchens.

Wabenlunge, Zystenlunge, meist angeborene Durchsetzung des Lungengewebes mit blasigen, dünnwandigen Hohlräumen.

Wabush: Bergbausiedlung in der Provinz Neufundland (Kanada), im Südwesten von Labrador; 2700 Einwohner; bedeutender Eisenerzabbau (Eisengehalt 36,5%); Exporthafen Pointe Noire, Flughafen.

Wachau: Durchbruchstal der Donau durch das österreichische Granitplateau zwischen Melk und Krems; 30 km lang, bis 400 m tief eingeschnitten; lößbedeckte Wem- und Obsthänge, steile Waldberge mit Burgruinen; alte Städte (Spitz, Weißenkirchen in der Wachau, Dürnstein); Fremdenverkehr.

Wacholder, (althochdeutsch wehaltar, «immergrüner Baum») Juniperus: Gattung immergrüner, meist strauchiger, zweihäusiger Nadelhölzer (Familie Zypressengewächse) der nördlichen gemäßigten Zone. Nadelblätter stachelspitzig und meist zu 3 im Wirtel oder als Schuppen ausgebildet. In lichten Wäldern und Heiden der Gemeine Wacholder oder Machandel (J. communis). Seine kugeligen, fleischigen Beerenzapfen (Wacholderbeeren, Krammetsbeeren) enthalten u. a. 2% ätherisches Öl, Zucker und organischen Säuren; sie dienen als Heilmittel (verdauungsfördernd), als Gewürz und zur Herstellung alkoholischer Getränke (Gin, Steinhäger). Von dem Virgin. Wacholder (Rotzeder, J. virginiana) und dem Chinesischen Wacholder (J. chinensis) gibt es viele Zierformen, häufig in Parks und Friedhöfen.

Wachs: (althochdeutsch wahs, «Gewebe (der Bienen)») Sammelbezeichnung für tierische, pflanzliche, mineralische und synthetische Produkte unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung, die in äußerer Beschaffenheit und Anwendung dem Bienenwachs ähneln. Die meisten Wachse sind bei 20 °C knetbar, nicht schmierend, zum Teil kristallin und unter leichtem Druck polierfähig. Sie lösen sich gut in organischen Lösungsmitteln und schmelzen im Allgemeinen zwischen 40 und 90°C zu Flüssigkeiten niedriger Viskosität, die im Unterschied zu Schmelzen ähnlicher Produkte, wie zum Beispiel von Harzen oder Metallseifen, keine Fäden ziehen. Wichtige tierische Wachse sind Bienen-, Woll- (Lanolin) und Schellackwachs sowie Walrat. Zu den pflanzlichen Wachsen zählen zum Beispiel Carnauba- und Candelillawachs. Diese Wachse bestehen aus Estern höherer aliphatische Carbonsäuren (Wachssäuren) und ebensolcher Alkohole (Wachsalkohole). Mineral. Wachse werden als Extraktions- oder Destillationsprodukte (Paraffine, Vaseline) aus Kohle, Erdöl und Torf gewonnen; ein natürlich vorkommendes Erdwachs ist Ozokerit. Zu den synthetischen Wachsen gehören unter anderem die Polyethylenwachse, deren Zusatz Härte, Schmelzpunkt und Temperaturbeständigkeit anderer Wachs erhöht.

Wachsalkohole: in pflanzlichen und tierischen Wachsen mit Wachssäuren veresterte ein-, seltener zweiwertige Alkohole mit in der Regel mehr als 25 Kohlenstoffatomen im Molekül, zum Beispiel Myricylalkohol im Bienenwachs. Die Wachsalkohole sind weiß, weich und nicht wasserlöslich.

Wachsbildnerei, Zeroplastik (lateinisch griechisch, zu keros, «Wachs»): die Verarbeitung von Wachs als Werkstoff für Plastik. In der Bronzebildnerei wird Wachs zur Herstellung des Modells für den Guss mit verlorener Form verwendet. Auch für Wachsplastiken als selbständige Kunstwerke wird das Wachs auf Grund der Möglichkeiten einer leichten Verarbeitung schon sehr lange benutzt. Die Anfänge liegen im antiken Totenkult (hellenistische Wachstotenmasken, römische Bildnisbüsten Verstorbener, sogenannt Imagines). Im Mittelalter kamen Votivgeschenke aus Wachs auf. In der Renaissance und noch im Barock war die Wachsbildnerei ein anerkannter Kunstzweig, entartete dann aber zur Herstellung von Panoptikums Figuren. Ende des 17. Jahrhundert erhielt der Bildhauer A. Benoist das Privileg, in Paris Wachsbildnisse berühmter Persönlichkeiten auszustellen (Wachsfigurenkabinett). Bis in die Gegenwart hat die Wachsbildnerei keine herausragende künstlerische Bedeutung wiedererlangt.

Wachsblume: 1. Wachsblume, Porzellanblume, Hoya carnosa: in China und Australien beheimateter windender Strauch der Familie Schwalbenwurzgewächse mit lederartigen Blättern und weißen, wachsartigen Blütendolden; beliebte Zimmerpflanze.

2. Wachsblume, Cerinthe: Gattung der Borretschgewächse mit gelben Blüten, zum Beispiel Alpenwachsblume (Cerinthe glabra).

Wachsch: Gebirgsfluss; 524 km; entspringt als Kysylsu am Nordhang des Transalai, wird nach Vereinigung mit dem Muksu Surchob genannt, durchfließt mit Canon artigem Tal das Pamir-Alai-Gebirgssystem und bildet zusammen mit dem Pjandsch oberhalb Termes den Amudarja-, im Unterlauf schiffbar; Wasserkraftwerkskaskade mit 8 Werken geplant, davon 7 fertig (unter anderem Golownaja, 210 MW; Nurek, 2 700 MW; Rogun, 3690 MW, Staumauer 335 m hoch; Baipasinsk, 600 MW), im Bau Sangtuda (900 MW). Das Wachsch-Tai ist eines der wichtigsten Anbaugebiete (besonders Baumwolle, Reis, Obst).

Wachsdrüsen: Wachs absondernde Drüsenzellen der Insekten, zum Beispiel bei Honigbienen.

Wachsmotte: Bezeichnung für 2 Zünslerarten; Große Wachsmotte (Galleria mellonella) und Kleine Wachsmotte (Achroia grisella); Raupen (Rankmaden) zerfressen in Bienenstöcken das Wachs.

Wachssäuren: höhere einwertige Carbonsäuren, die, mit Wachsalkoholen verestert, die pflanzliche, tierische und mineralische Wachse bilden, zum Beispiel Montansäure im Montanwachs. Die Wachssäuren sind farblos, kristallisiert, weich und wasserunlöslich.

Wachstafel: antiker Beschreibstoff; von einem erhöhten Rand eingefasste, mit geschwärztem Wachs ausgegossene Holztafel, deren Wachsfläche mit Metallgriffel (Stilus) beschrieben (geritzt) wurde.

Wachstuch: rückseitig gerautes Baumwollgewebe mit einem Überzug aus gehärtetem Leinölfirnis, meist mit bunten Druckmustern versehen; Vorläufer der jetzigen Kunstleder.

Wachstum: an die Lebenstätigkeit der Zellen gebundene Volumen- und Massenzunahme von Geweben, Organen und des Gesamtorganismus. Einzeller wachsen nur durch Zunahme ihrer Masse (Erhöhung der Eiweißkonzentration, der Packungsdichte von Zellorganellen). Vielzeller wachsen durch Zellteilung und damit -Vermehrung. Voraussetzung für das Wachstum ist die ausreichende Aufnahme von Energieträgern, die essentielle Fett- und Aminosäuren sowie Vitamine (besonders A, Bi, B2, C) enthalten müssen. Wachstumsgeschwindigkeit und Wachstumsproportionalität werden durch ein Wachstumshormon, das Somatotropin, gesteuert.

Wachstumsfaktoren: Produktionsfaktoren, die das Wachstum des gesellschaftlichen Gesamtprodukts, des Endprodukts und Nationaleinkommens bestimmen. Zu ihnen gehören die Arbeitskräfte (das gesellschaftliche Arbeitsvermögen), die Arbeitsmittel (Investitionen und Grundmittel) und die Arbeitsgegenstände (Rohstoff-, Material- und Energiebasis). Die Wachstumsfaktoren haben einen quantitativen und qualitativen Aspekt. Der qualitative Aspekt bringt die höhere ökonomische Wirksamkeit der Produktionsfaktoren für das Wirtschaftswachstum zum Ausdruck. Zu ihm gehören Wissenschaft und Technik, die Qualifikation der Werktätigen, die Organisation der Arbeit, die sozialistische ökonomische Integration und die Vervollkommnung der Leitung, Planung und ökonomische Stimulierung. Die Durchsetzung des Typs der intensiv erweiterten Reproduktion erfordert die umfassende Nutzung der qualitativen Wachstumsfaktoren bei der Verwirklichung der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Wachstumsregulation: Pflanzenphysiologie Eingriff in den natürlichen Wachstums- und Entwicklungsprozess mittels synthetische Wachstumsregulatoren. So werden zum Beispiel Chlorcholinchlorid-Präparate zur Erhöhung der Standfestigkeit des Weizens eingesetzt.

Wachstumstheorie: Theorie von den Faktoren und Gesetzmäßigkeiten, die den ökonomischen Wachstumsprozess bestimmen. Die sozialistische Wachstumstheorie ist ein fester Bestandteil der marxistisch-leninistische politische Ökonomie, insbesondere der Reproduktionstheorie.

Wachtangow, Jewgeni Bagrationowitsch, 13.2.1883 29.5.1922, sowjetischer Schauspieler und Regisseur; Schüler K. S. Stanislawskis; leitete seit 1914 ein Studio des Moskauer Künstlertheaters; seit 1921 künstlerischer Leiter des später nach ihm benannten Theaters; entwickelte neue Ausdrucksmöglichkeiten für das sowjetische Theater.

Wachte: (zu «wehen») an Graten nach der dem Wind abgewandten Seite hin überhängende Treibschneemassen; ihr Abbrechen kann Lawinen auslösen.

Wachtel, Coturnix coturnix: 20 cm langes und bis 120 g schweres Feldhuhn Eurasiens und Afrikas; Wachteleier sind ein wertvolles Nahrungsmittel, heute in Zuchtanstalten gewonnen.

Wachtelkönig, Crex crex: 27 cm lange, kurzschnäblige, überwiegend braun gefärbte Ralle in Feuchtgebieten und Feldern Europas und Westsibiriens; überwintert in Afrika.

Wachtelweizen, Melampyrum: in Wäldern, auf Äckern und Triften verbreitete Gattung einjähriger Braunwurzgewächse mit lippigen, meist gelben, seltener rötliche Blüten und vorwiegend auffällig gefärbten Deckblättern; Halbschmarotzer. Verbreitete Arten sind unter anderem Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense), Hain-Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum) und Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense).

Wächterkontrolluhr: tragbare oder stationäre Uhr zur Kontrolle der Tätigkeit von Betriebsschutzmitarbeitern. Auf einer täglich zu erneuernden Papierscheibe, die sich unter einem verschlossenen Deckel bewegt, sind Zeitmarkierungen aufgedruckt. Schlüssel an Kontrollpunkten stechen die Zeitmarkierung ins Papier (Stechuhr).

Wachtraum, Tagtraum: traumähnliches Vermischen von Realität und lebhaftem Phantasieren, tritt auf bei eingeengtem Bewusstsein, Halbschlaf, Übermüdung, auch bei Epilepsie und Schizophrenie.

Wackenroder, Wilhelm Heinrich, 13.7.1773 bis 13.2.1798, Literatur- und Kunsttheoretiker, Schriftsteller; Vorläufer und früher Vertreter der deutschen Romantik; von der Verbürgerlichung des Lebens abgestoßen, flüchtete er in die Kunst, die er als besondere Form der Religiosität betrachtete («Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders», 1797, mit autobiographischen Erzählungen und Aufsätzen über bildende Kunst, Malerei und Musik).

Wackernagel, Wilhelm, 23.4.1806-21.12.1869, Germanist; verfasste unter anderem «Geschichte der deutschen Literatur» (1848/55) und gab das «Deutsche Lesebuch» (4 Bände, 1835/43) heraus.

Wadenbein, Fibula (lateinisch) der äußere, schwächere der beiden Unterschenkelknochen. Wadenpackung Wadenwickel.

Wadenwickel, Wadenpackung: Kaltwasserumschlag um die Unterschenkel; wird unter anderem bei Fieber, Schlaflosigkeit und Krampfzuständen in den Beinen als ergänzendes Hilfsmittel angewandt.

Wadi: Trockental beziehungsweise trockenliegendes Flussbett in den ariden Gebieten des nordafrikanischen arabischen Raumes mit Wasserabfluss nur nach episodisch auftretenden Starkregen, in den Pluvialzeiten entstanden.

Wadi an-Natrun: Senke in Ägypten, im Nordosten der Libyschen Wüste; 28 m unter dem Meeresspiegel, 40 km lang und 3 bis 7 km breit; Salzseen; seit 1953 Bewässerung von 13000 ha (Getreide, Gemüse, Südfrüchte, Wein); Salz-, Natrongewinnung.

Wadi Draa, Oued Draa: nur zeitweise wasserführender Flusslauf im Süden Marokkos; 1150 km; entspringt der Südabdachung des Hohen Atlas, durchbricht den Antiatlas und mündet nur bei hoher Wasserführung in den Atlantischen Ozean; Bewässerungsoasen (Staudamm N’Ourbaz).

Wadi Hammamat: ein sich von Koptos (heute Qift am Nil) bis zum Roten Meer hinziehendes Wüstental, das bereits im alten Ägypten als Handelsstraße benutzt wurde; Fundort zahlreicher Felsbilder aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit.

Waffel: (niederländisch, zu «Wabe») dünnes, wabenförmig geprägtes, knuspriges Dauergebäck aus flüssigem, geschlagenem Teig, der auf sogenannt Waffeleisen 2 bis 4 min gebacken wird; häufig gefüllt.

Waffen: (zu wafan, «Kampfgerät») Mittel zur Bekämpfung gegnerischer Ziele durch Hieb, Stich, Schuss, Spreng- und Splitterwirkung, Brand, Strahlen, Vergiftung oder Verseuchung. Herkömmliche (konventionelle) Waffen sind unter anderem Schützenwaffen (Bajonett, Handgranaten, Karabiner, Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Panzerbüchsen, Pistolen), Artilleriewaffen (Haubitzen, Kanonen, Geschoßwerfer, Granatwerfer, Panzerabwehrgeschütze) sowie spezifische Waffen der Luft- (Bomben, Maschinenkanonen) und Seestreitkräfte (Torpedos, Universalschiffsartillerie, Wasserbomben). Von ihnen unterscheiden sich Massenvernichtungswaffen (Massenvernichtungsmittel) und kosmische Angriffswaffensysteme (Weltraummilitarisierung). Siehe auch Raketenwaffen.

Waffenbrüderschaft, sozialistische: Beziehungen zwischen sozialistischen Streitkräften verschiedener Nationalität bei der gemeinsamen Verteidigung des Friedens und des Sozialismus im Sinne des proletarischen Internationalismus. Ausdruck der Waffenbrüderschaft sind unter anderem die Vereinten Streitkräfte der Staaten des Warschauer Vertrages und das vielfältige politische, militärische, kulturelle und sportliches Zusammenwirken von Verbänden, Truppenteilen und Einheiten der Bruderarmeen.

Waffenfliegen, Stratiomyidae: Familie bremsenähnlicher, nicht stechender Fliegen; leben von Nektar und Pollen.

Waffengattung: Truppen beziehungsweise Kräfte, die eine arteigene Bewaffnung und Ausrüstung besitzen und damit Kampfhandlungen unmittelbar führen können. Waffengattung sind Hauptbestandteile der Teilstreitkräfte (Landstreitkräfte, Luftstreitkräfte, Seestreitkräfte, Raketentruppen, Luftverteidigung des Landes); zum Beispiel sind die Gebirgsjägertruppen eine Waffengattung der Landstreitkräfte.

Waffenstillstand: völkerrechtliche Abkommen kriegführender Seiten über eine allgemeine oder örtliche Einstellung der Kampfhandlungen, ohne dass bereits der Kriegszustand beendet wird.

Waffentänze: Jagd- und Kriegstänze mit und ohne Waffen; waren in der Urgesellschaft entweder ekstatisch oder imitierten tänzerisch Jagd oder Kampf, um die Dämonen zu zwingen, einen erfolgreichen Ausgang zu begünstigen. Bei Fruchtbarkeitsriten dienten Speer und Pfeil als phallische Symbole. Waffentänze sind heute noch bei Naturvölkern in Afrika, Polynesien und Asien gebräuchlich. In der griechischen Antike wurden die ursprünglich kultischen Waffentänze von der herrschenden Klasse als pädagogische Erziehungsmittel in den Gymnasien in zahlreichen Formen gepflegt. Auch bei germanischen Völkern diente der Schwerttanz als Kampftanz zur Erziehung der männlichen Jugend. Im Feudalismus entstanden aus den Waffentänzen großangelegte Ritterspiele und Turniere. Als höflicher Modetanz war im 15./16. Jahrhundert die Moresca in Europa weit verbreitet. Vom 15./18. Jahrhundert benutzten die Handwerkszünfte den Schwerttanz zur Repräsentation ihres Standes. In der Folklore vieler europäischer Völker haben sich Tänze mit Säbel, Dolch, Schwert und Stock bis in die Gegenwart erhalten.

Waganowa, Agrippina Jakowlewna, 24.6.1879-5.11.1951, sowjetische Tänzerin und Ballettpädagogin; systematisierte die klassische Technik zu einem weltweit anerkannten Ausbildungssystem.

Wagenbühne: 1. Bühnenform spätmittelalterliche Mysterienspiele in mehreren europäischen Ländern; plattformartige Wagen an verschiedenen Plätzen der Stadt bildeten das Zentrum der Darbietung des jeweiligen Zyklusteils des Mysterienspiels.

2. Wagenbühne, Schiebebühne: Bühnensystem, bei dem auf den Seitenbühnen und der Hinterbühne auf fahrbaren Podien Dekorationen bereitgestellt und zur schnellen Verwandlung auf die Hauptbühne gefahren werden können.

Wagenheber: meist mittels Schrauben- beziehungsweise Zahnstangenwinde bewegtes Gerät zum Anheben eines Kfz, zum Beispiel bei Radwechsel und Pflegearbeiten.

Wagenstandgeld: Betrag, der vom Transportkunden bei verspäteter Be- oder Entladung von Eisenbahnwagen als Sanktion zu zahlen ist.

Waggerl, Karl-Heinrich, 10.12.1897-4.11.1973, österreichischer Schriftsteller; konservativ-katholische Prosa und Lyrik über Natur und Bewohner der Alpen («Brot», 1930; «Das Jahr des Herrn», 1933).

Wagif, Molla Panach, um 1717-1797, aserbaidschanischer Lyriker; einer der bedeutendsten Vertreter der wirklichkeitsverbundenen aserbaidschanischen Poesie des 18. Jahrhundert, die er um neue Formen bereicherte; besang in seinen Versen den Menschen, die Natur und das Streben nach Wahrheit und Freiheit.

Wagner: 1. Adolph Wagner - Kathedersozialismus.

2. Heinrich Leopold Wagner, 19.2.1747-4.3.1779, Schriftsteller; Dramatiker des Sturm und Drang; hatte in Strasbourg Kontakt zu J. Goethe und J. M. R. Lenz. Sein Drama «Die Kindsmörderin» (1776) ist eine scharfe Anklage gegen den Feudalabsolutismus.

3. Heinz Wagner, geboren 11.12.1925, Maler und Graphiker, 1947/51 Studium an der Hochschule für Architektur und Bildende Kunst Weimar und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, seit 1951 Lehrtätigkeit (seit 1965 Professor); neben harmoniebetonten, formklaren Darstellungen zu Mensch und Umwelt appelliert Wagner in zahlreichen Werken mit aktuell-politische Thematik an die Verantwortung des Menschen für das Leben.

4. Karl Willy Wagner, 22.2.1883-4.9.1953, Elektrotechniker, erarbeitete unter anderem die Theorie der elektrischen Kettenleiter und erfand 1915 das elektrische Filter (Siebkette).

5. Otto Wagner, 13.7.1841-12.4.1918, österreichischer Architekt und Fachschriftsteller; gehört zu den Hauptvertretern der Wiener Sezession. In seinen klar gegliederten, auf Zweckmäßigkeit und Materialgerechtheit orientierten Bauten verwendete er unter Einbeziehung moderner Werkstoffe (Glas, Eisen) reiche Schmuckelemente des Jugendstils. Hauptwerke: Postsparkasse (1904/06), Kirche am Steinhof (1906), beide in Wien; schrieb «Moderne Architektur» (1894).

6. Richard Wagner, 22.5.1813-13.2.1883, Musikdramatiker, Schriftsteller, Kunsttheoretiker, Dirigent, Theaterleiter und Regisseur; 1842/49 Hofkapellmeister in Dresden; musste wegen aktiver Beteiligung am Dresdner Aufstand fliehen und lebte im Ausland (Schweiz), bis ihn 1864 der bayerische König Ludwig H. nach München rief. Nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 suchte Wagner seine weitgespannten kulturellen und volkserzieherischen Pläne wenigstens hinsichtlich seines eigenen Werkes durchzusetzen, wofür er manche Kompromisse, auch weltanschauliche Art (Hinneigung zur Philosophie A. Schopenhauers), einging. Zur zwingenden Gestaltung der vielfältigen, komplizierten Probleme seiner Zeit entwickelte Wagner einen neuen Typ des musikalischen Dramas, der Dichtung, Musik, Bühnenbild und Darstellung zu einer festen Einheit bindet und in den Dienst des dramatischen Geschehens stellt. Seine kunsttheoretischen und gesellschaftskritischen Arbeiten («Die Kunst und die Revolution», 1849; «Das Kunstwerk der Zukunft», 1850; «Oper und Drama», 1851; unter anderem) zeigen einen äußerst beweglichen Geist, dessen Werk trotz aller in ihm ungelösten Widersprüche über die Begrenzung seiner Epoche hinausweist. Wagners Hauptwerke sind die Opern «Rienzi» (1842), «Der fliegende Holländer» (1843), «Tannhäuser» (1845), «Lohengrin» (1850), «Der Ring des Nibelungen» (1876; «Das Rheingold», «Die Walküre», «Siegfried», «Götterdämmerung»), «Tristan und Isolde» (1865), «Die Meistersinger von Nürnberg» (1868), «Parsifal» (1882). Ferner komponierte er Instrumental- und Vokalmusik («Wesendonck-Lieder», 1857/58, unter anderem). Mit den 1876 ins Leben gerufenen Bayreuther Festspielen (nach seinem Tode von seiner Frau Cosima Wagner (1837-1930) fortgeführt) setzte Wagner seine Ideen auch in der Praxis durch.

7. Svend Wagner, 5.6.1895-8.1.1971, dänischer antifaschistischer Widerstandskämpfer; während der faschistischen Okkupation leitend am Widerstandskampf beteiligt («General Johansen»); nach dem Krieg im dänischen Generalstab tätig, wurde als Kommunist beim NATO-Beitritt Dänemarks in die Reserve versetzt.

8. Wieland Wagner, 5.1.1917-17.10.1966, Opernregisseur; Enkel von Wagner Richard; leitete seit 1951 mit seinem Bruder Wolfgang Wagner (geboren 1919) die Bayreuther Festspiele und war um einen zeitgemäßen Inszenierungsstil der Werke Richard Wagners bemüht; inszenierte auch Werke anderer Komponisten an verschiedenen Opernhäusern.

Wagnerscher Hammer: (nach dem Erfinder) eine nach dem Prinzip des magnetischen Selbstunterbrechers arbeitende Vorrichtung zur periodische Unterbrechung eines Stromkreises und damit zum Erzeugen periodischer Stromimpulse.

Wagnertuba: um 1870 für R. Wagners «Ring des Nibelungen» gebaute Waldhorntuba mit 4 Ventilen und Waldhornmundstück.

Wagner von Jauregg Julius, Ritter, 7.3.1857 27.9.1940, österreichischer Psychiater und Neurologe; 1889/93 Professor in Graz und 1893/1928 in Wien; führte 1917 die Malariaimpfung zur Behandlung der progressiven Paralyse ein.

Wahhabismus: religiös-politische, puritanische Reformbewegung im Islam. Ihr Begründer, Muhammad ibn Abd al-Wahhab (1703-1792), forderte die Wiederherstellung der Reinheit des Islams durch strenge Lebensformen, Bekämpfung von Heiligenkult, Aberglauben u. a. Politische Macht gewann der Wahhabismus Mitte des 18. Jahrhundert Nach einigen Rückschlägen wurde er unter Ibn Saud III. erneut politisch aktiv und bei immer stärkerer Betonung seiner rückständigen Seiten Staatsreligion in Saudi-Arabien.

Wählbarkeit: Recht, in eine Volksvertretung gewählt zu werden; passives Wahlrecht.

Wähler: elektromechanisches Bauelement der Vermittlungstechnik, das dem wahlweisen Verbindungsaufbau von Sprechwegen in Fernsprechzentralen dient. Konstruktiv unterscheidet man (ältere) Hebdrehwähler und Motorwähler; die Durchschaltung erfolgt über mechanische Kontaktbänke, die Steuerung über Elektromagnete durch vom Teilnehmer ausgelöste Wählimpulse.

Wählerauftrag: Verpflichtung eines Abgeordneten, sich bestimmter ökonomischer politischer, sozialer oder kultureller Probleme im Rahmen der Abgeordnetentätigkeit anzunehmen, um die sozialistische Entwicklung der Gesellschaft oder des Territoriums beziehungsweise die Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen zu fordern.

Wählerliste: amtliches Verzeichnis der Wahlberechtigten eines Wahlbezirkes.

Wählerversammlung: Form demokratischer Mitwirkung der wahlberechtigten Bürger der DDR bei der Vorbereitung der Wahlen zu den Volksvertretungen. So werden unter anderem die Kandidaten für die einzelnen Wahlkreise auf öffentlichen Tagungen von Ausschüssen der Nationalen Front der DDR vorgestellt, und es wird wahlkreisweise über die Reihenfolge auf dem Wahlvorschlag beraten und beschlossen. Auf Wählerversammlung in den Wahlkreisen stellen sich die Kandidaten vor und beantworten die Fragen der Wähler.

Wahlgeheimnis: Grundsatz des Wahlrechts, das dem Bürger die Gewähr bietet, den Inhalt seiner Stimmabgabe verborgen halten zu können.

Wahlkaisertum: durch Wahl der Fürsten, später Kurfürsten verliehene Kaiserwürde; siehe auch Erbkaisertum.

Wahlkonsul, Honorarkonsul: in einem Staat ansässige Person, die nebenamtlich und ohne feste Besoldung als Konsul für einen anderen Staat tätig ist.

Wahlkreis: Gebiet, dessen wahlberechtigte Bürger eine bestimmte, nach der Einwohnerzahl festgesetzte Anzahl von Abgeordneten wählen. Zur Durchführung der Wahlen wird das Gesamtgebiet, dessen Bevölkerung ein Vertretungsorgan zu wählen hat, in Wahlkreis eingeteilt.

Wahlmänner: Mittelspersonen bei indirekten Wahlen in bürgerlichen Staaten. Wahlmänner sind von den Bürgern gewählte Personen, die ihrerseits den Staatspräsidenten oder die Mitglieder des Parlaments wählen.

Wahn: krankhafte Störung der Denktätigkeit; bei sonst klarem Denken und Bewusstsein bilden sich falsche Vorstellungen oder Überzeugungen, die trotz logischer Einwände meist nicht unterdrückt werden können, subjektiv nicht als krankhaft anerkannt werden und somit auch nicht korrigierbar sind.

Wahnsinn: allgemein Bezeichnung für Psychosen, bei denen Wahnideen und als deren Folge sinnlose Handlungen auftreten.

wahrer Sozialismus: deutsche kleinbürgerlich-sozialistische Strömung meist oppositioneller Intellektueller des Vormärz (K. Beck, K. Grün, H. Kriege, 0. Lüning, H. Püttmann, zeitweise M. Hess). Der «w.» S. machte die soziale Frage zum Gegenstand der deutschen Publizistik, verflachte jedoch infolge der relativ rückständigen Bedingungen in Deutschland die Kritik westeuropäischer Sozialisten und Kommunisten an den materiellen Grundlagen des Kapitalismus zur Kritik der Moral, besonders des Egoismus.

Wahrheit: Eigenschaft einer Aussage beziehungsweise eines Systems von Aussagen (Theorie), mit dem widergespiegelten Sachverhalt übereinzustimmen; adäquate Widerspiegelung der objektiven Realität im menschlichen Bewusstsein. Der Wahrheitsbegriff war in der Geschichte der Philosophie Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen zwischen Materialismus und Idealismus. Eine materialistische Wahrheitskonzeption vertrat bereits Aristoteles; in entwickelter wissenschaftlicher Form liegt sie dem dialektischen Materialismus zugrunde. Da nur in Bezug auf Aussagen von wahren oder falschen ideellen Abbildern gesprochen werden kann, nehmen Aussagen unter den Formen der Widerspiegelung eine ausgezeichnete Stellung ein. Andere Widerspiegelungsformen sind durch jeweils spezifische Adäquatheitsbedingungen bestimmt (Wahrhaftigkeit in der Kunst). Jede wahre Aussage hat einen vom Subjekt unabhängigen Inhalt, das heißt die Wahrheit ist objektiv. Höchstes Kriterium der Wahrheit ist die gesellschaftliche Praxis. Im Verhältnis von relativer und absoluter Wahrheit kommt der historischen Charakter der Erkenntnis, die Tendenz des Vordringens zu immer umfassenderen und vollständigeren Abbildern der objektiven Realität zum Ausdruck. Jedes richtige Abbild enthält eine historisch begrenzte relative Wahrheit, gleichzeitig aber auch ein Moment der absoluten Wahrheit, das heißt einen durch weitere Erkenntnisfortschritte nicht mehr aufhebbaren objektiven Inhalt. Die mittelalterliche, auf Ibn Ruschd zurückgehende Lehre von der doppelten Wahrheit zielte auf die Eigenständigkeit wissenschaftlicher Erkennens gegenüber der in Glaubenssätzen verkündeten «göttlichen Wahrheit».

Wahrheitswert: mathematischer Logik Wert, den eine Aussage haben kann; in der zweiwertigen Logik gibt es die Wahrheitswert «wahr», abgekürzt zum Beispiel durch W oder 1, und «falsch», abgekürzt zum Beispiel durch F oder 0.

Wahrheitswertfunktion: Logik den extensionalen Aussagenverbindungen der Aussagenlogik entsprechende Funktionen, die beschreiben, wie sich der Wahrheitswert einer zusammengesetzten Aussage aus den Wahrheitswerten der Bestandteile ergibt. Die Wahrheitswertfunktion zu Negation, Konjunktion, Alternative, Implikation sind: non, et, vel, seq; von Interesse sind auch die Sheffersche Funktion nand und die Nicodsche Funktion oder Peirce-Funktion nor.

Wahrnehmung: ganzheitlich, unmittelbar sinnliches ideelles Abbild eines Gegenstandes der objektiven Realität; entsteht auf der Grundlage von Empfindungen. Die Wahrnehmung widerspiegelt das Objekt als Ganzes, in der Einheit seiner Eigenschaften und Beziehungen, sie differenziert nicht (wie das Denken) zwischen wesentlichen und unwesentlichen, notwendigen und zufälligen Eigenschaften. Der Charakter der Wahrnehmung wird durch vorhandene Kenntnisse, Erkenntnisziele und Interessen des Wahrnehmenden mitbestimmt.

Wahrschau: (zu «wahren») Seemannsruf; soviel wie «Achtung!» oder «Vorsicht!». Wahrschauen: warnen.

Wahrscheinlichkeit: Maß für die Sicherheit, mit der unter bestimmten Bedingungen mit dem Eintreten eines zufälligen Ereignisses gerechnet werden kann. entsprechend dem Gesetz der großen Zahlen ist die relative Häufigkeit m/n ein geeigneter Näherungswert der Wahrscheinlichkeit P(E) für das Eintreten des Ereignisses £, wobei m die Häufigkeit des Auftretens des Ereignisses E in einer Folge von n unabhängigen Versuchen ist.

Wahrscheinlichkeitsrechnung: Teilgebiet der Mathematik, in dem Gesetzmäßigkeiten von Massenerscheinungen untersucht werden. Unter solchen Erscheinungen versteht man dabei Vorgänge, die unter dem Einwirken von zufälligen Einflüssen in Gesamtheiten stattfinden, die aus einer großen Anzahl von gleichberechtigten Elementen bestehen. Es interessiert also nicht die Individualität der einzelnen Elemente, wohl aber die prinzipiell unbegrenzte Wiederholbarkeit der betrachteten Vorgänge. So sind Glücksspiele, physikalische Messungen oder die Produktion von Massenartikeln Beispiele von Massenerscheinungen. Entsprechende Gesetzmäßigkeiten sind zum Beispiel das Gesetz der großen Zahlen und der Zentrale Grenzwertsatz. Wichtige Teilgebiete der Wahrscheinlichkeitsrechnung sind unter anderem die Theorie der Grenzwertsätze und die Theorie der stochastischen Prozesse. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist das Fundament der mathematischen Statistik.

Wahrscheinlichkeitswelle: Quantentheorie das Absolutquadrat der Wellenfunktion.

Wahrspruch, Verdikt: frühere Bezeichnung für die Beantwortung der Schuldfrage durch die Geschworenen in bestimmten Straf-, seltener Zivilprozessen, in mehreren kapitalistischen Ländern, zum Beispiel den USA.

Währung: («Gewähr(leistung)») 1. Geldeinheit eines Landes.

2. gesetzlich geordnetes Geldsystem eines Landes, das durch die Geldware und die Art ihrer Vertretung in der Zirkulation bestimmt wird (Währungstyp). Für den vormonopolistischen Kapitalismus war die Metallwährung typisch, zum Beispiel Goldstandard, bei dem Goldmünzen umliefen und die Geldzeichen (Papiergeld, Banknoten) in Gold einlösbar waren (Goldparität bedeutet dabei fester Goldpreis durch Bestimmung des Feingoldgehaltes der Geldeinheit); Bimetall-Währung (Doppel oder Parallelwährung), bei der Gold und Silber als Geldware gleichzeitig zirkulierten. Im staatsmonopolistischen Kapitalismus wurde die Metallwährung durch die Papierwährung ersetzt (nicht in Gold einlösungspflichtige Geldzeichen mit staatlichem Zwangskurs). Sie drückt alle Merkmale der Währungslabilität aus (Währungskrise). Abarten der Papierwährung sind der Golddevisenstandard, bei dem im Unterschied zur reinen Goldwährung die Geldware Gold nur noch als eine der Deckungsreserven der Notenbank zum Ausgleich der Zahlungsbilanz dient, dagegen kein Goldmünzenumlauf und keine Banknoteneinlösungspflicht besteht; ferner der Multi-Devisen-Kredit-Standard, bei dem nach Beseitigung des Golddevisenstandards am Anfang der 70er Jahre mehrere Währung als Goldstellvertreter (Währungskorb) fungieren und die nationalen Währung den Charakter des Kreditgeldes angenommen haben. Im Sozialismus hat sich ein völlig neuer Währungstyp herausgebildet, der sich durch Planmäßigkeit des Verhältnisses zwischen Geldfonds und Warendeckung, ausgeglichenen Staatshaushalt, effektive Durchsetzung des Außenhandels- und Valutamonopols und Zahlungsbilanzgleichgewicht auszeichnet, damit alle Merkmale der Währungsstabilität aufweist. Siehe auch Binnenwährung.

Währungsklausel: Außenwirtschaftsrecht Festlegung der Währung, in der zu zahlen ist; im Außenhandelskaufvertrag auch die Abrede, dass der Zahlung die Kursrelation zweier Währungen beim Vertragsabschluss (Wertsicherungsklausel) oder mehrerer Währungen (Multi-Währungsklausel) zugrunde zu legen ist.

Währungskrise: die monetäre Seite des umfassenden Niedergangs- und Zersetzungsprozesses, der die allgemeine Krise des Kapitalismus kennzeichnet. Die Währungskrise tritt auf als chronische und akute Währungskrise, die Erscheinungsformen der chronischen Labilität der kapitalistischen Währungen sind, zum Beispiel fortschreitende Entwertung des Geldes durch Inflation und sinkende Kaufkraft und mannigfache Formen der Devisenzwangswirtschaft. Der chronische Charakter der Währungskrise bedingt zeitweise zugespitzte akute Krisen im Währungssystem. Alle Versuche, das Währungssystem dauerhaft zu stabilisieren, sind in der Periode der allgemeinen Krise zum Scheitern verurteilt.

Währungsreform: Neuordnung einer durch Inflation oder Krieg gestörten oder zerrütteten Währung, vor allem durch Beseitigung des Geldüberhangs; führt zu einer weiteren klassengebundenen Umverteilung des Nationaleinkommens.

Währungszone, Währungsgebiet, Zahlungsraum, Valutazone, Area: währungspolitischer Zusammenschluss von Ländern eines Wirtschaftssystems. Die wichtigsten Methoden zur Bildung von Währungszone sind feste zwischenstaatliche Valutakurse, Konzentration der Währungsreserven in einem Pool oder Fonds, multilaterale Verrechnungen, freizügige Verwendung der Valuten (Konvertibilität), gemeinsame Währungspolitik gegenüber Drittländern, gegenseitige Kreditgewährung. Der Währungsblock stellte die weitestgehende und auch juristisch festestgefügte Form der Währungszone dar. Vor dem 2. Weltkrieg bestand die Funktion des Sterling- und des Dollarblocks in der festen Bindung einer Reihe schwach entwickelter kapitalistischer Länder an den Kurs von Sterling beziehungsweise Dollar sowie der Übertragung ihrer Devisenreserven an die Zentralnotenbanken Großbritanniens und der USA, die ihrerseits in ihren Währungsräumen die Konvertierbarkeit sicherten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden beide Währungsblöcke zu Währungszone umorganisiert (Sterlingzone, Dollarzone), um Absatzmärkte und Einflusssphären auszudehnen. Mit der Verschärfung der Währungskrise in den 60er Jahren begannen die Währungszone zu zerfallen, so dass sich ihre Funktion schließlich nur auf die Deponierung der Devisenreserven in London und Washington beschränkte. Die erst nach dem 2. Weltkrieg gebildete Franc-Zone wurde infolge der Krise des französischen Kolonialreiches (in den 60er Jahren) in die Westafrikanische Währungsunion und Währungsunion Äquatorialafrikas umgebildet.

Waid, Färberwaid, Isatis tinctoria: von Südosteuropa bis Westasien verbreiteter gelb blühender Kreuzblütler, der früher häufig als Färberpflanze angebaut wurde.

Waigatsch: sowjetische Insel im Arktischen Ozean, zwischen Barents- und Karasee, zum Gebiet Archangelsk; 3383 km2; durch die 4 km breite Meeresstraße Jugorski Schar vom Festland und die 50 km breite Karastraße von Nowaja Semlja getrennt; bis 170 m hoch; arktische Tundra; Dauerfrostboden.

Waika: Indianerstamm mit isolierter Sprache, am oberen Orinoco und Rio Bravo (Südvenezuela); vorwiegend Sammler und Jäger; sind auf Grund ihres schwer zugänglichen Wohngebietes bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhundert so gut wie unbekannt geblieben; bilden bis heute mit benachbarten Stämmen eine der größten, von außen wenig beeinflussten Indianerbevölkerungen des Amazonasgebietes.

Waiman, Michael Israilewitsch, 3.12.1926-Dezember 1977, sowjetischer Violinist; wirkte als Professor am Leningrader Konservatorium und zählte zu den führenden sowjetischen Vertretern seines Faches.

Wain, John, geboren 14.3.1925, englischer Schriftsteller und Kritiker, gehörte mit dem Roman «Eile hinab» (1953) zu den Zornigen jungen Männern, in späteren Werken mischen sich kritische mit komischen und trivialen Elementen («Blick auf morgen», 1955; «Liebhaber und Machthaber», 1958; «Jeremy und der Jazz», 1962; alle deutsch).

Waise: 1. Kind, das einen Elternteil (Halbwaise) oder beide Eltern (Vollwaise) verloren hat.

2. reimlose Zeile zwischen sich reimenden Versen.

Waitz, Georg, 9.10.1813-24.5.1886, Historiker; seit 1842 Professor in Kiel, seit 1849 in Göttingen; 1848/49 Mitglied des Verfassungsausschusses der Frankfurter Nationalversammlung; große Verdienste um die Erforschung des deutschen Mittelalters und die Verbesserung quellenkritische Forschungsmethoden. Hauptwerk «Deutsche Verfassungsgeschichte» (8 Bände, 1844/78).

Wajda, Andrzej, geboren 6.3.1926, polnischer Regisseur; schuf Filme über die jüngste Vergangenheit Polens («Der Kanal», «Asche und Diamant»), nach bedeutenden Werken der polnischen Literatur («Das Birkenwäldchen», «Die Hochzeit», «Das gelobte Land», «Die Mädchen vom Wilkohof»), auch Gegenwartsfilme («Der Mann aus Marmor»); inszenierte an den Bühnen von Warschau und Kraków sowie im Ausland.

Wakayama: 1. Präfektur in Japan, im Südwesten der Insel Honshu, im Nordwesten der gebirgigen Kii-Halbinsel; 4723 km2,1,1 Millionen Einwohner; 233 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Wakayama 2; chemische und metallurgische Industrie.

1. Stadt in Japan, Verwaltungszentrum von Wakayama 1; 400000 Einwohner; Mineralölverarbeitung, Stahl-, Aluminiumindustrie; Hafen; Universität; Schloss (1585).

Wake: Wasserfläche, die vom Eis eingeschlossen ist und selbst bei strengstem Frost eisfrei bleibt.

Wake: aus 3 Inseln (W., Peale, Wilkes) bestehendes Atoll im westlichen Stillen Ozean (Polynesien), 3700 km westlich von Hawaii; USA-Kolonie; 7,8 km2, 300 Einwohner; USA-Luftwaffenstützpunkt.

Waksman, Selman Abraham, 2.7.1888-16.8.1973, US-amerikanischer Agrikulturbakteriologe; seit 1930 Professor am Rutgers Institute of Microbiology in New Brunswick (New Jersey); arbeitete unter anderem über die Wirkung der Mikroorganismen im Boden, ihr Verhalten im Seewasser und über Antibiotika; entdeckte 1944 das Streptomyzin und das Mitglied der Leopoldina.

Wal: in der altgermanischen Mythologie alle im Kampf Gefallenen; daher Walstatt = Schlachtfeld. Siehe auch Walhall, Walküren.

Walachei: historische Landschaft zwischen den Südkarpaten, der Donau, dem Siret und Milcov. Der Feudalstaat Walachei entstand zwischen 1300 und 1330 im Kampf gegen die ungarische Oberhoheit durch den Zusammenschluss feudaler Kleinstaaten; Hauptstadt Bukarest (seit 1459). Seit 1415 Tributzahlung an das Osmanische Reich; nach 1465 verstärkte sich die Abhängigkeit bis zur Vasallität, trotz teilweiser Erfolge im Kampf gegen die Türken (1593/1601). 1716/1821 Herrschaft der Fanarioten; 1821 Volksaufstand unter T. Vladimirescu. 1859 Vereinigung von Walachei und Moldova, 1862 Bildung des Fürstentums Rumänien; siehe auch Rumänien (Geschichte).

Walbrzych: 1. Wojewodschaft im Südwesten Polens; 4168 km2, 730000 Einwohner; 175 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Walbrzych 2. umfasst im Süden Teile der Sudety und des Beckens Kotlina Klodzka, im Norden das Vorland der Sudety; von der Nysa Klodzka durchflossen; zu etwa 30% bewaldet. Wichtiges Industriegebiet (Dolny Slask) mit Steinkohlenförderung (W. 2, Nowa Ruda; Koksproduktion) sowie Maschinenbau (besonders Bergbauausrüstungen), elektrotechnische, Nahrungsmittel-, Textil-, Baustoff-, Glas- und Porzellan-, Holz- und Papierindustrie, besonders in Walbrzych 2, Swidnica, Dzierzoniów, Bielawa und Swiebodzice; Landwirtschaft mit Getreide-, Kartoffel-, Zuckerrüben-, Rapsanbau und Viehzucht; Touristengebiet (besonders Kudowa-, Polanica-, Ladek-Zdroj).

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Walbrzych 1, in einem Bergkessel der Sudety; 140000 Einwohner; Steinkohlenbergbau, Kokereien, Schwermaschinen- und Stahlbau, Leicht-, chemische Industrie; Wärmekraftwerke; Theater, Museum; neoklassizistische Kirche.

Walchensee: ehemaliger Gletschersee am Nordrand der Bayer. Alpen, 802 m über dem Meeresspiegel; 16,4 km2, bis 192 m tief; fischreich; das Walchenseekraftwerk nutzt das Abflussgefalle zum Kochelsee (599 m über dem Meeresspiegel) zur Energiegewinnung.

Walcheren: ehemalige Insel im Südwesten der Niederlande, in der Provinz Zeeland, Teil der Halbinsel Walcheren-Zuid Beveland; 212 km2, 92000 Einwohner; wichtigster Ort Middelburg; intensiver Ackerbau; Fischerei; Industrie im Hafen Vlissingen.

Wald: Vegetationsformation mit Vorherrschaft von Bäumen auf mehr oder weniger großer Fläche; Lebensgemeinschaft, in der Bäumen und andere Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen mit den abiotischen Faktoren Licht, Atmosphäre, Boden und Wasser in enger Wechselwirkung stehen. Der Wald hat die Fähigkeit, sich bei natürlichen Tod einzelner Bäume oder Baumgruppen durch Selbstansamung (Naturverjüngung) wiederherzustellen; typisch sind die gegenseitige Schutz- und Wettbewerbswirkung der einzelnen Glieder sowie das Entstehen eines besonderen Waldinnenklimas (ausgeglichene Temperaturen, erhöhte Luftfeuchtigkeit). Die verschiedenen Waldformen sind vor allem ein Produkt der unterschiedliche Klimate. Der vorwiegend aus Nadelhölzern bestehende Nadelwald findet sich in Gebieten mit strengem Winter und mäßig warmem Sommer sowie annähernd gleich verteilter mäßiger Feuchtigkeit. Periodisch grüne Laubwälder sind die sommergrünen Wälder der Gebiete mit warmem Sommer und kühlem Winter bei annähernd gleich verteilter Feuchtigkeit und die regengrünen Wälder heißer, zeitweise trockener Gebiete (dann Laubabwurf) mit Regenzeiten (Trockenwald, Monsunwald). Zu den immergrünen Laubwäldern gehören Hartlaubwald und Lorbeerwald sommerwarmer und -trockener, wintermilder und -feuchter Gebiete sowie Nebelwald im Wolkenbereich niederschlagsreicher, vorwiegend tropische und subtropische Gebirge. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Waldes ist vielfältig. Er liefert den wichtigen Rohstoff Holz, außerdem für einige Industriezweige unentbehrliche Nebenprodukte (zum Beispiel Rinde und Harz). Von größter Bedeutung ist auch sein Einfluss auf Klima, Wasserhaushalt und Boden; er bewirkt einen Ausgleich der tägliche und jährliche Temperaturextreme sowie die örtliche Verringerung der Windgeschwindigkeit, beeinflusst die Luftfeuchtigkeit und verhindert den raschen Abfluss des Wassers nach Niederschlägen; dadurch wirkt er wasserspeichernd und kann Überschwemmungen abschwächen. Erhaltung und Pflege des Waldbestandes im Quelleinzugsgebiet sind besonders für die Wasserversorgung wichtig. Eine weitere Wirkung des Waldes liegt in der Minderung der mechanischen Gewalt starker Niederschläge und der damit verbundenen nachhaltigen Einwirkungen auf die Bodenoberfläche (Auswaschung, Verdichtung, Abspülung). Die durch die Bewurzelung erfolgende Befestigung des Bodens trägt dazu bei, schädliche Bodenabrutschungen und -abschwemmungen, Dünenbildung und -Wanderung sowie andere unerwünschte Bodenbewegungen zu verhindern oder abzuschwächen

Waldaufbauform, früher Betriebsart, Betriebsform: durch bestimmte forstwirtschaftliche Ernte- und Verjüngungsverfahren entstehende Waldtypen. Man unterscheidet Hochwald, die wirtschaftlich bedeutendste Waldaufbauform, bei der die Bäume meist in vollerwachsenem Zustand geerntet werden und die Verjüngung ausschließlich aus Samen (Kernwüchsen) erfolgt; Niederwald, eine nur bei ausschlagfähigen Laubbäumen (Eiche, Erle, Weide) anwendbare Waldaufbauform; wird in regelmäßigen Zeitabständen vollständig genutzt (etwa alle 10 bis 40 Jahre) und ausschließlich durch Stockausschlag und Wurzelbrut verjüngt; Mittelwald, Zwischenform mit einer deutlichen Schichtung von aus Kernwüchsen (Samen) entstandenem Ober- und aus Stockausschlag hervorgegangenem Unterholz.

Waldbau: forstliche Disziplin mit der Aufgabe, durch Begründung, Anzucht und Pflege Wälder so aufzubauen, dass diese unter Berücksichtigung landeskultureller Belange mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln nachhaltig größtmöglichen Nutzen für die Gesellschaft erbringen.

Waldbrand: meist durch Fahrlässigkeit oder Funkenflug verursachtes Feuer in Waldbeständen, als Boden- oder Lauffeuer (Brand des trockenen Bodenbewuchses), Kronenfeuer (Brand der Baumkronen), Stammfeuer (Feuer an Einzelstämmen) und Erdfeuer (unterirdisches Feuer von Torf, Rohhumus u. ä.). Die meisten Waldbrände entstehen in den Monaten April bis August. Zum vorbeugenden Waldbrandschutz gehören die Anlage von Feuerschutzstreifen an Straßen und Eisenbahnlinien, die täglich ermittelten Waldbrandwarnstufen I bis IV (höchste), die Einteilung der Wälder in Gefahrenklassen und die Überwachung brandgefährdeter Waldgebiete von Feuerwachtürmen aus.

Waldburg, Georg, Truchseß von, 25.1.1488-29.5.1531, Heerführer des Schwab. Bundes; schlug 1525 die aufständischen Bauern in Oberdeutschland und übte grausames Strafgericht.

Waldeidechse, Bergeidechse, Lacerta vivipara: etwa 15 cm lange, in Europa und Sibirien weit verbreitete Eidechse; überwiegend braun mit dunklerer Zeichnung, unterseits meist gelb bis orangerot; lebendgebärend, bis 6 Junge; frisst kleine Insekten und Spinnen.

Waldeinstellung: Gliederung der Waldfläche in Holzboden (für Holzproduktion) und Nichtholzboden (zum Beispiel Ödland, Moore). Holzboden wird in regulären Wirtschaftswald und Schon- beziehungsweise Schutzwald eingeteilt. Beständige örtliche Einheit der Waldeinstellung ist die Abteilung (auch Jagen), etwa 20 ha groß, durch baumlose Streifen (Schnelsen, Gestelle) begrenzt, im Flachland oft rechteckig, sonst in Anpassung an das Gelände unregelmäßig geformt.

Walden, Herwarth, eigentlich Georg Lewin, 16.9.1878-31.10.1941, Schriftsteller; trat als Kritiker und Theoretiker, besonders als Herausgeber der expressionistischen Zeitschrift «Der Sturm» (1910/32) und Gründer der Sturm-Kunstausstellungen für moderne Literatur und Kunst ein; näherte sich nach 1918 der revolutionären Arbeiterbewegung; emigrierte 1932 in die UdSSR, wo er unter anderem an antifaschistischen deutschen Exilzeitschriften mitarbeitete.

Waldenser: von Petrus Waldus um 1176 in Lyon gegründete religiös-soziale Laienbewegung; erstrebten Gemeinschaftsleben nach urchristlichen Vorbild; von der katholischen Kirche verfolgt; 1532 reformiert; Reste noch heute in Norditalien, im Süden der BRD und in den USA. Eine Theologische Fakultät der Waldenser existiert in Rom. Siehe auch Albigenser.

Waldersee, Alfred Graf von, 8.4.1832-5.3.1904, General; 1888/91 Generalstabschef; gewann großen Einfluss auf Wilhelm II. und wirkte gegen Bismarck; trat in den 90er Jahren für eine militärische Niederwerfung der Arbeiterbewegung ein; 1900/01 Oberbefehlshaber der imperialistischen Interventionstruppen, die den chinesischen Volksaufstand Yihetuan niederschlugen.

Waldfeldbau; Meliorationsmaßnahme, bei der vor der Anlage der Forstkultur eine mehrjährige landwirtschaftliche Nutzung, verbunden mit Vollumbruch, Kalkung, und Düngung, eingeschaltet wird; auch allgemeine Bezeichnung für Verbindung von forstlicher mit landwirtschaftlicher Nutzung.

Waldgesellschaft: Vegetationseinheit natürliche oder naturnaher Wälder, die durch eine charakteristische Kombination von Bäumen und anderen Pflanzen bestimmt ist.

Waldglas: grünes, nicht entfärbtes Glas, das die deutschen Glashütten bis zum 16. Jahrhundert herstellten.

Waldheim: Stadt im Kreis Döbeln, Bezirk Leipzig, an der Zschopau; 10500 Einwohner; Sitzmöbel-, kosmetische, elektrotechnische Textilindustrie; Fremdenverkehr; Rathaus (1902). Südlich von Waldheim Talsperre (1,3 km2; Stauraum 11,6 Millionen m3) und Burg (1404/1544; Museum) Kriebstein.

Waldheim, Kurt, geboren 21.12.1918, österreichischer Politiker; mehrfach Vertreter Österreichs bei den UN; 1971/81 Generalsekretär der UN; seit 1986 Bundespräsident.

Waldis, Burkhard, um 1490-1556, Dichter, Anhänger der Reformation, wegen «Ketzerei» 1536/40 eingekerkert; verfasste die populäre Fabelsammlung «Esopus. Ganz neugemacht und in Reimen gefasst ...» (1548) und das niederdeutsche Fastnachtsspiel «Die Parabel vom verlorenen Sohn» (1527).

Waldkauz, Strix aluco: 38 cm große Eule mit rundem Kopf; nistet in Baumhöhlen, legt 3 bis 4 weiße Eier, die in 28 bis 30 Tagen ausgebrütet werden; lebt im Norden Eurasiens.

Waldmeister, Galium odoratum: Rötegewächs mit weißen Blüten und quirlständigen schmalen Blättern; ausdauernde, kumarinhaltige Laubwaidpflanze.

Waldmüller, Ferdinand Georg, 15.1.1793-23.8.1865, österreichischer Maler; einer der Hauptvertreter des österreichischen Realismus des Vormärz; gestaltete neben Bildnissen und Stillleben auch Genreszenen mit zum Teil sozialkritischer Tendenz; seine Landschaftsgemälde zeigen mit ihrer lockeren malerischen Auffassung Tendenzen der Freilichtmalerei.

Waldoff, Claire, eigentlich Clara Wortmann, 21.10.1884 22.1.1957, Vortragskünstlerin; eirang in Berliner Kabaretts mit ihren urwüchsig-drastischen Couplets große Popularität; wurde von den Hitlerfaschisten gemaßregelt und erhielt schließlich Auftrittsverbot.

Waldrapp, Geronticus eremita: 75 cm langer, schwarzgrün schillernder Ibis mit nacktem blaurötlichen Kopf; brütet gesellig an Felswänden in Nordafrika und Südwestasien.

Waldrebe, Klematis, Clematis: Gattung meist kletternder Hahnenfußgewächse mit gegenständigen, gefiederten Blättern. In Auwäldern verbreitet ist die giftige Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) mit weißen Blütenrispen; zahlreiche Zierpflanzen als Klettersträucher mit einzeln stehenden blauen, violetten oder roten Blüten, zum Beispiel die Italienische Waldrebe (Clematis viticella).

Waldsänger, Parulidae: etwa 100 Arten umfassende Familie bis meisengroßer insektenfressender Singvögel Amerikas, die in Gestalt und Lebensweise unseren Laubsängern und Meisen ähneln.

Waldschutzgebiet: innerhalb normal bewirtschafteter Waldbestände ausgesonderter Bestand mit möglichst ursprünglicher, den natürlichen Standortverhältnissen entsprechender Pflanzenartenzusammensetzung. Siehe auch Naturschutz.

Waldstätten, Urkantone: seit etwa 1289 gebräuchliche Bezeichnung für die am Vierwaldstätter See liegenden Schweizer Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern (seit 1332).

Waldstein-Sonate: L. van Beethovens Klaviersonate C-Dur, op. 53 (1804); seinem Freund und Gönner Graf Ferdinand von Waldstein gewidmet.

Waldsteppe: Mosaik von Laubwaidbeständen und Grassteppen in der Übergangszone zwischen Laubwäldern und Steppen in Gebieten mit kontinentalem Klima (zum Beispiel Osteuropa).

Waldteufel, Emil, 9.12.1837-12.2.1915, französischer Komponist; war seit 1865 kaiserlicher Hofballdirektor in Paris; trat auch als Dirigent und Komponist von Unterhaltungs- und Tanzmusik im Ausland hervor; komponierte 268 Tänze, zumeist Walzer (darunter «Die Schlittschuhläufer», «España»),

Waldviertel: Granit- und Gneis Landschaft in Niederösterreich, östlicher Teil des österreichischen Granitplateaus, nördlich der Donau; kuppige, tiefzertalte, waldreiche Hochfläche (400 bis 700 m; im Weinberg 1039 m).

Waldweide: Viehweide im Wald, früher oft von größerer Bedeutung als die Holznutzung.

Wale, Cetacea: dem Wasserleben angepasste (daher fälschlich Walfische genannt), fast haarlose, lungenatmende Säugetierordnung mit torpedoförmigem Körper, zu Flossen umgewandelten Vorderbeinen und äußerlich fehlenden Hintergliedmaßen; die quergestellte Schwanzflosse dient als Antriebsorgan; das zu einer starken Speckschicht ausgebildete Unterhautbindegewebe dient als Wärmeschutz, zur Verringerung der Körpermasse und als Polster gegen Tauchdruck in großen Tiefen; die Nasengänge sind scheitelwärts verlagert (Spritzloch); die Milch wird den Jungen durch Muskeldruck ins Maul gespritzt. Wale geben Laute von sich und orientieren sich durch Ultraschall.

Wales: Halbinsel im Westen der Insel Großbritannien, von der Ir. See, dem Bristol- und Sankt-Georgs-Kanal umgeben; in 8 Grafschaften gegliedert; mit der Insel Anglesey 20761 km2, 2,8 Millionen Einwohner (meist Waliser, von denen etwa 20% Kymrisch sprechen); 135 Einwohner/km2; Hauptstadt Cardiff. Zumeist Bergland, im Snowdon (Cambrian Mountains) bis 1085 m hoch; im Bergland raues, niederschlagreiches, an der Küste mildes Seeklima; Steinkohlenbergbau bei abnehmendem Kohleexport; Industrie im Süden konzentriert (Swansea, Rhondda unter anderem), besonders Hütten-, Nichteisenmetall-, Automobil-, Textil-, Papier- und chemische Industrie, Erdölverarbeitung (bedeutender Erdöleinfuhrhafen Milford Haven); Schaf- und Rinderzucht (meist auf Naturweiden), Milchwirtschaft, Futtergetreideanbau, Fischfang; Häfen Cardiff, Swansea, Newport; Universität von Wales mit Colleges in 5 Städten; Nationalbibliothek in Bangor; Seebäder, Nationalparks. Seit Mitte des 1. Jahrtausend vor Christus durch keltische Kymrer besiedelt, im 12. Jahrhundert Entstehung einer feudalen Zentralgewalt; 1282 von England unterworfen, seit 1301 Lehen des Thronfolgers, der nach Belehnung den Titel Prince of Wales führt; 1536 zwangsweise mit England vereinigt. Mit der kapitalistischen Entwicklung im 18. und besonders im 19. Jahrhundert wurde Wales ein Zentrum der britischen Arbeiterbewegung. Auswirkungen der zyklischen Wirtschaftskrisen seit 1974 bewirkten industriellen Niedergang und begünstigten einen Aufschwung der kleinbürgerlich-nationalistischen Partei Plaid Cymru (gegründet 1925). Vorschläge für innere Selbstverwaltung wurden in einer Volksabstimmung 1979 abgelehnt.

Walhall: (altnordisch valhöll, «Totenhalle») in der nordischen Mythologie Aufenthaltsort der in der Schlacht Gefallenen (Wal); zuerst als Stätte im Berg, dann als Königshalle Odins gedacht.

Waliser: die Bewohner von Wales (Großbritannien); etwa 2,8 Millionen; das keltische Kymrisch oder Walisisch (Nationalsprache der Waliser) wird noch von etwa 560000 Menschen gesprochen.

Walken:

1. Lederherstellung: Ausrecken und Kneten von Ledern im Walkfass, zum Einbringen von Fettstoffen oder zum mechanischen Lockern des Lederfasergefüges.

2. Textiltechnik: Verdichten und Verfilzen textiler Flächengebilde aus oder mit Wolle durch Stoßen, Drücken, Reiben in schwach alkalischer oder stark saurer Flüssigkeit.

Walkie-Talkie: (englisch to walk, «gehen», + to talk, «sprechen») tragbares UKW Funksprechgerät für Wechselsprechverkehr, das aus Sende- und Empfangseinrichtung besteht.

Walkman: besonders kleiner, leichter, netzunabhängiger Kassettenrecorder mit hoher Wiedergabequalität mittels miniaturisierter Kopfhörer.

walk over, (englisch, «leichter Sieg») Abkürzung (w.o.): Boxen Sieg durch Nichtantreten des Gegners.

Walküren: («Totenwählerin») in der nordischen Mythologie Kampfjungfrauen; küren (wählen) den Wal; geleiten als Helferinnen Odins die Toten nach Walhall.

Walk-Vliesstoff: Faserverbundstoff, ganz oder teilweise aus filzfähigen Fasern in Form von Krempelvliesen durch Filzen und Walken verfestigt. Walk-Vliesstoffe haben eine tuchartige glatte Oberfläche, sind dehnbar, knitterresistent und bauschelastisch.

Wall: Pferdesport aus einer Erderhebung bestehendes und (je nach Form und Ausstattung) mit kleinen Ricks, Gräben unter anderem versehenes Hindernis.

Wallaby: Bezeichnung für das Fell einiger australischer Känguruharten, meist mit rostbrauner oder rötlichgrauer Färbung.

Wallace: 1. Alfred Rüssel Wallace, 8.1.1823-7.11.1913, britischer Naturforscher; begründete neben C. Darwin die Evolutions- und Selektionstheorie, war führender Forscher in der Tiergeographie; bereiste als Forscher Brasilien und Südostasien; vertrat (utopische) sozialistische Ideen.

2. Edgar Wallace, 1.4.1875-10.2.1932, englischer Schriftsteller, verfasste zahlreiche auf äußere, konstruierte Spannung und überraschende Effekte gerichtete Kriminal- und Sensationsromane, von denen er viele auch dramatisierte.

3. Sir William Wallace, um 1272-23.8.1305 (hingerichtet), schottischer Führer im Unabhängigkeitskampf gegen England; Nationalheld Schottlands; als Reichsverweser (1298) wurde er von den Baronen behindert und unterlag einem englischen Heer bei Falkirk (22. 7.1298); durch Verrat schottischer Adliger 1305 von den Engländern gefangengenommen.

Wallach: (ursprünglich «Pferd aus der Walachei») kastriertes männliches Pferd.

Wallenstein, eigentlich Waldstein, Albrecht Wenzel Eusebius von, Herzog von Friedland, 24.9.1583-25.2.1634, kaiserlicher Feldherr im Dreißigjährigen Krieg; stellte 1625 für Ferdinand II. ein Heer auf, das die Protestant. Gegner erfolgreich schlug. Da Wallenstein versuchte, die kaiserliche Macht zu stärken, wurde er 1630 auf Drängen der Kurfürsten entlassen, jedoch nach dem Vordringen der Schweden unter Gustav II. Adolf bis Süddeutschland wieder berufen; drängte die Schweden nach Norddeutschland zurück, führte aber insgeheim Friedensverhandlungen, wurde deshalb 1634 erneut abgesetzt und schließlich ermordet.

Wallfahrt: Reise, Wanderung der Gläubigen (Pilger) zu Stätten religiöser Verehrung. Bekannte römisch-katholischer Wallfahrtsorte sind Rom, Lourdes, Fatima; im Islam sind Mekka und Medina berühmt.

Wallis, französisch Le Valais, Valais: Kanton im Süden der Schweiz; 5226 km2, 227000 Einwohner, zu zwei Dritteln französisch, zu einem Drittel deutsch sprechend; 43 Einwohner/km2; Hauptstadt Sion\ umfasst die breite, niederschlagsarme Längstalfurche der Rhône von der Quelle bis zur Mündung in den Genfer See sowie die höchsten Massenerhebungen der Schweiz (Dufourspitze, 4633 m) in den Berner und Walliser Alpen; chemische, Aluminiumindustrie, Erdölraffinerie (Collombey) im Rhonetal; Wasserkraftwerke; bedeutender Wein-, Obst- (Aprikosen), Gemüsebau, Almwirtschaft; Durchgangsverkehr (Simplon Bahn, Lötschbergbahn), Fremdenverkehr.

Walliser Alpen, Penninische Alpen: stark vergletscherter Teil der Schweizer Alpen zwischen Großem Sankt Bernhard und Simplon, südlich der Rhône; mit 21 Gipfeln über 4000 m (Dufourspitze, 4633 m; Weißhorn, 4505 m; Matterhorn, 4478 m); aus Gneis und Glimmerschiefer; etwa 140 Gletscher, Schneegrenze bei 3 200 m; Wasserkraftwerke; Fremdenverkehr (Saas-Fee, Zermatt).

Wallis und Futuna: Inselgruppe im Stillen Ozean (Polynesien), nordöstlich von Fidschi, französische Kolonie; 274km2, 13000 Einwohner; zum Teil vulkanischen Ursprungs, zum Teil auch Koralleninseln; besteht aus den Inselgruppen Wallis (159 km2; auf der Hauptinsel Uvea Hauptort Mata Utu; Luftwaffenstützpunkt) und Hont (115 km2; Hauptort Sigavé), zu der die Inseln Futuna (64 km2) und Alofi (51 km2) gehören; Anbau (Naturalwirtschaft) von Yams, Taro, Bananen, Ananas und Kokospalmen; Perlenfischerei.

Wallonen: französischsprachiger Volksstamm in Belgien, 4 Millionen; Nachkommen der romanisierten Kelten (Beiger) und Germanen (Franken).

Wallonien, französisch Wallonie: Siedlungsgebiet der Wallonen in Belgien und zukünftige belgische Region, die nach Umwandlung Belgiens in einen Bundesstaat gebildet werden und die heutigen Provinzen Hennegau, Namur, Lüttich und Luxembourg (zusammen etwa 16842 km2 mit 3,21 Millionen Einwohner) umfassen soll (mit Befugnissen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet). Wallonisches Zentrum ist Namur.

Wallonisch: französischer Dialekt mit flämischen und germanischen Einflüssen, der vor allem im wallonischen (südlicher) Teil Belgiens gesprochen wird.

Walnussbaum, (niederdeutsch walnut, «welsche (italienische) Nuss») Juglans: zu den Walnussgewachsen gehörende fiederblättrige Gattung von Bäumen mit eingeschlechtigen Blüten und zweiklappigen Steinfrüchten; ein Obstbaum aus Südosteuropa ist der Echte Walnussbaum (J. regia). Als Park- und Alleebaum angepflanzt wird der aus Nordamerika stammende Schwarze Walnussbaum (J. nigra) mit süß schmeckenden Nüssen (Samen).

Walpole: 1. Horace, 24.9.1717-2.3.1797, englischer Schriftsteller; Sohn von Walpole 3; begründete mit «Die Burg von Otranto» (1764, deutsch) den (vorromantischen) Schauerroman (gothic novel), der durch Rückgriff auf Mittelalterliches, leidenschaftliche Gefühle und raffinierte Spannungstechnik eine Reaktion auf den realistischen Aufklärungsroman darstellt; schrieb kulturhistorisch wertvolle Briefe.

2. Sir Hugh Seymour, 13.3.1884-1.6.1941, englischer Schriftsteller; sein Romanschaffen trägt teils realistische (Familienchronik «Herries Saga», 4 Bände, 1930/33, deutsch), teils humorvolle (Jugendgeschichte «Jeremy», 3 Bände, 1919/27, deutsch), teils psychologisch-metaphysische Züge («Die Kathedrale», 1922, deutsch).

3. Robert, Earl of Orford, 26.8.1676-18.3.1745, britischer Politiker; Führer der Whigs; als einflussreicher Schatzkanzler 1715/17 und 1721/42 de facto erster britischer Premierminister im modernen Sinne.

Walpurgis, Walburga, Walpurga, um 710-779, englische Missionarin bei den Deutschen; Äbtissin, katholische Heilige (Tag der Heiligsprechung: 1. Mai).

Walpurgisnacht: Nacht zum 1. Mai, im Volksglauben verbunden mit Fahrten von Unholden, später Hexen (Blocksberg). Die Beziehung zu Walpurgis ist ungeklärt (vermutlich Übertragung vorchristlicher, um eine Frau beziehungsweise Göttin gruppierter Frühlingsriten zum Maibeginn).

Walras, Léon Marie Esprit, 16.12.1834-5.1.1910, schweizerischer Vulgärökonom; begründete die mathematische-funktionelle Richtung der Grenznutzenschule (Lausanner Schule).

Walrat: weiches, weißes tierisches Wachs, das sich in einem Hohlraum über dem Schädeldach des Pottwals bildet; als Zusatz für kosmetischen und pharmazeutischen Salben verwendet.

Walross, Odobenus rosmarus; bis 4 m lange und 1,5 t schwere Robbe mit kleinem Kopf, langen Hauern (obere Eckzähne), Oberlippe mit dichtem Schnurrbart; taucht bis in 30 m Tiefe und 10 min lang nach Krebsen und Muscheln; von Elfenbeinjägern weitgehend ausgerottet; Restvorkommen längs der Eisränder arktische Meere.

Walsall: Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Midlands, nordwestlich von Birmingham; 180000 Einwohner; Zentrum der britischen Lederwarenindustrie; ferner chemische unter anderem Industrie; Lateinschule (gegründet 1554).

Walschap, Gerard, geboren 9.7.1898, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; trug mit realistische vitalistische Prosa zur Erneuerung des flämischen Romans bei (Trilogie «Die Sünde der Adelaide», 1929/33, deutsch; «Jan Houtekiet», 1939, deutsch); verfasste Essayistik.

Walser: 1. Martin, geboren 24.3.1927, Schriftsteller der BRD; wurde durch gesellschaftskritisch-satirische Romane bekannt («Ehen in Philippsburg», 1957; «Halbzeit», 1960); setzte sich in Stücken mit dem Weiterwirken der faschistischen Vergangenheit, dem Antikommunismus und der historischen Perspektivlosigkeit des imperialistischen Systems auseinander («Eiche und Angora», 1962; «Der Schwarze Schwan», 1964; «Überlebensgroß Herr Krott. Requiem für einen Unsterblichen», 1963). Walser trat wiederholt öffentlich für progressive Bestrebungen ein («Was zu bezweifeln war. Aufsätze und Reden 1958-1975», 1976). Sein späteres Schaffen verbindet realistische Gestaltung des Alltagslebens im Kapitalismus (Romane (Jenseits der Liebe», 1976; «Seelenarbeit», 1979; «Das Schwanenhaus», 1980; «Brandung», 1985) mit der Frage nach der heutigen Bedeutung geschiehtlicher Prozesse («Das Sauspiel. Szenen aus dem 16. Jahrhundert», 1975; «In Goethes Hand. Szenen aus dem 19. Jahrhundert», 1982).

2. Robert, 15.4.1878-25.12.1956, schweizerischer Erzähler deutscher Sprache; schrieb neben frühen impressionistischen Gedichten eine in der parabelhaften Verschlüsselung auf F. Kafka hindeutende Kurzprosa sowie Romane über sensible, moralisch integre Charaktere in einer menschlichen Beziehungen kommerzialisierenden Gesellschaft («Geschwister Tanner», 1907; «Der Gehülfe», 1908).

Walsertal: Name zweier Täler in den Allgäuer Alpen, in Österreich (Vorarlberg); Viehwirtschaft; Fremdenverkehr. Großes Walsertal: rechtes Seitental der unteren 111 (Walgau). Kleines Walsertal: linkes Seitental der Iller, durchflossen von der J. Breitach; Streusiedlungen; Hauptort Mittelberg; BRD-Zollgebiet.

Waltari, Mika, 19.9.1908-27.8.1979, finnischer Schriftsteller; sein umfangreiches Schaffen umfasst alle literarischen Gattungen; weltweiten Erfolg hatte er mit seinen historischen Romanen, zum Beispiel «Sinuhe der Ägypter» (2 Bände, 1945, deutsch).

Walter: 1. Bruno Walter, eigentlich Bruno Walter Schlesinger, 15.9.1876-17.2.1962, Dirigent; waru. a. GMD in München und Berlin sowie seit 1929 Gewandhauskapellmeister in Leipzig; emigrierte 1933 über Österreich (1936/38 Direktor der Wiener Staatsoper) und Frankreich nach den USA (1939), wo er als Konzert- und Operndirigent wirkte; wurde besonders als vorbildlicher Interpret der Werke Mozarts und G. Mahlers hochgeschätzt.

2. Jürgen Walter, geboren 7.12.1943, Schlagersänger; profilierte sich Ende der 70er Jahre mit einer stark am französischen Chanson orientierten Interpretationsweise zu einem auch international anerkannten Repräsentanten des DDR-Schlagers.

3. Otto F. Walter, geboren 5.6.1928, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; schrieb neben Dramen («Die Katze», 1967) Romane über menschlichen Versagen in der modernen bürgerlichen Gesellschaft («Der Stumme», 1959; «Die Verwilderung», 1977).

Waltershausen: Stadt im Kreis Gotha, Bezirk Erfurt, am Nordosthang des Thüringer Waldes; 15000 Einwohner; Gummiwaren-, Fahrzeug-, Glasschmuck-, Puppenherstellung, Bekleidungsindustrie; Schloss Tenneberg (16. Jahrhundert; Heimatmuseum), Stadtkirche (18. Jahrhundert), Nikolaustor (16., 18. Jahrhundert), Töpferturm (15. Jahrhundert); Internatsschule (EOS; 1784 gegründet; Wirkungsstätte von C. G. Salzmann und J. C. F. Guts Muths) im Ortsteil Schnepfenthal.

Waltharilied, Walthanus manu fortis (lateinisch, «Walther mit der starken Hand»): mittellateinisches Epos in Hexametern (wahrscheinlich um 930) über die Flucht Walthers und seiner Verlobten Hildegunde aus hunnischer Gefangenschaft sowie Zweikämpfe Walthers mit den Burgunden; verknüpft germanische Heldensage und christlicher Elemente (Walther als Ideal des christlichen Ritters). Die Verfasserschaft Ekkehards I. von St. Gallen ist umstritten.

Walther von der Vogelweide, um 1170 um 1230, aus Österreich stammender Dichter, bedeutendster mittelhochdeutscher Lyriker und politischer Spruchdichter; zunächst Lyrik im Stile des höflichen Minnegesangs, später über die Liebe zur nichtadeligen, unverheirateten Frau und zum Bauernmädchen, verhalf so der «niederen Minne» zur Anerkennung in der Kunst («Herzeliebez frouwelin»); neuartig ist auch seine Naturlyrik («Uns hat der winter geschat über al»). In seiner politischen Spruchdichtung («Ich saz uf eime steine») stritt Walther von der Vogelweide für eine starke Zentralgewalt, nahm energisch Partei gegen Papsttum und Klerus und beklagte, besonders in Altersgedichten, die Zerfallserscheinungen der ritterlichen Gesellschaft.

Walton, Ernest Thomas Sinton, geboren 6.10.1903, irischer Kernphysiker; entwickelte mit J. D. Cockcroft eine Kaskadenschaltung zur Teilchenbeschleunigung, mit der beide 1932 die erste Kernumwandlung mit künstlich beschleunigten Protonen durchführten.

Waltran: fettes Öl, das aus Walfett durch Ausschmelzen oder durch Behandlung mit Wasserdampf gewonnen wird. Roher Waltran riecht unangenehm und ist ungenießbar. Durch katalytische Hydrierung raffinierter Waltran dient zur Herstellung von Margarine und Seife.

Walvis Bay, Walfischbai: Stadt in Namibia, am Atlantischen Ozean; 1124 km2, 30000 Einwohner; Fischverarbeitung, Werft; wichtigster namibischer Hochseehafen, Flughafen. Von der Republik Südafrika widerrechtlich gegen UN-Beschluss als sogenannt Exklave in die Kapprovinz eingegliedert.

Walze:

1. Fertigungstechnik: zylinderförmiger Körper; rollt auf einer Unterlage ab oder drückt gegen andere Walzen.

2. Geometrie: gerader Kreiszylinder.

3. Landtechnik: Gerät zur Bodenbearbeitung und Pflanzenpflege, das zum Zerdrücken von Erdklumpen und Krusten, zum Andrücken von Saatgut und Pflanzen sowie zum Verdichten und Einebnen des Bodens verwendet wird.

4. Tiefbau: Erdbau- oder Straßenbaugerät zum Verdichten und Glätten von Lockergestein für Unterbau und Straßendecken. Walze werden als Anhängegeräte oder selbstfahrend meist als Zwei- oder Dreiradwalze gebaut.

Walzel, Oskar, 28.10.1864-29.12.1944, Literaturhistoriker, Vertreter formengeschichtlicher Analyse; Herausgeber des «Handbuchs der Literaturwissenschaft» (ab 1923); schrieb ferner «Deutsche Romantik» (1908), «Gehalt und Gestalt im Kunstwerk des Dichters» (1925).

Walzen: kontinuierliches Umformverfahren, das eine fortlaufende, örtlich begrenzte Querschnittsab- und Längenzunahme des Walzgutes durch Druck bewirkt. Das Walzgut wird in den Zwischenraum zwischen 2 entgegengesetzt umlaufenden Walzen eines Walzgerüstes (Walzwerk) eingeführt, von den Walzen erfasst und durch Reibkräfte zwischen ihnen hindurchgezogen, wobei eine Querschnittsabnahme auf das Maß des Walzenabstandes erfolgt. Bis zum Erreichen der Endabmessungen müssen meist mehrere Stiche durchlaufen werden. Durch Walzen werden Halbfertig- und Fertigerzeugnisse, meist Halbzeuge, hergestellt. Zwischen- oder Endformen beziehungsweise Fertigteile werden meist durch Sonderwalzverfahren erzeugt. Durch Aufwalzen (Walzplattieren) wird plattiertes Material, zum Beispiel Dublee, hergestellt. Walzen ist bei Raum- (Kaltwalzen) oder Warmumformtemperatur (Warmwalzen) möglich, wobei die erreichbare Dickenabnahme bei ersterem geringer ist. Kaltgewalzt wird besonders Blech oder Band («Kaltband»), wodurch besonders enge Toleranzen und gute Oberflächenbeschaffenheit erzielt werden. Aus Nichteisenmetallen werden vor allem Bleche und Bänder gewalzt sowie Draht und Profile vorgewalzt. Reckwalzen wird beim Schmieden angewendet und dient zur Herstellung von Endformen (zum Beispiel Messerklingen, Gabelzinken) oder Zwischenformen (zum Beispiel Pleuel). Mittels Querwalzen sind Fertigformen (zum Beispiel Isolatoren Klöppel), Endformen (zum Beispiel Wellen) oder Zwischenformen zum Gesenkschmieden herstellbar. Ringwalzen wird angewendet, um den Durchmesser vorgeschmiedeter Ringe, zum Beispiel für Kugellager, zu vergrößern und die Wanddicke zu verringern.

Walzentrockner: Maschine zur Trocknung von Feststofflösungen oder -suspensionen mit 1 oder 2 von innen beheizten rotierenden Trocknungswalzen.

Walzer: (zu walzen, «sich drehen») deutscher Nationaltanz; geschlossener Paarrundtanz im 3/4-Takt; entstand aus süddeutschen und österreichischen ländlichen Rundtänzen; erste Blütezeit Ende des 18. Jahrhundert. Der Walzer erhielt seit etwa 1825 besonders durch J. Lanner, J. Strauß (Vater und Söhne) als Wiener Walzer Weltgeltung; er hat sich bis heute als Gesellschaftstanz erhalten.

Wälzer: Ringen Gruppe von Grifftechniken im Bodenkampf, bei der der Gegner bei steter Mattenberührung um seine Körperlängs- oder Körperbreitenachse gedreht wird.

Wälzkreis: der zur Radachse senkrecht liegende Kreis an Zahnrädern, der bei der Bewegungsübertragung auf dem Wälzkreis des Gegenrades abrollt; beide haben gleiche Umfangsgeschwindigkeit. Im Berührungspunkt der Wälzkreis rollen (wälzen) bei einer Evolventen-Verzahnung die Zahnflanken aufeinander ab.

Walzprofil: Querschnittform des Walzgutes senkrecht zur Walzgutlängsachse.

Wälzsprung, Straddle: eine Hochsprungtechnik; Weiterentwicklung des Rollsprungs, wobei infolge größerer Körperdrehung der Springer bäuchlings die Latte überquert. Der Absprung erfolgt nach einem Anlauf im Winkel von etwa 25 bis 45°, die Latte wird parallelliegend mit fast gestrecktem Körper (Parallel-Wälzsprung) oder mit gebeugter Hüfte und Drehung um die Breitenachse (Tauch-Wälzsprung) überquert; die Landung erfolgt auf dem Schwungbein und einer Hand.

Walzwerk: im weiteren Sinne Betrieb, in dem Halbzeuge auf Walzstraßen umgeformt werden. Diese bestehen aus mehreren hinter- oder nebeneinander angeordneten Walzgerüsten, Ständern mit rotierenden Stahl- oder Gusswalzen, nach deren Anzahl man Duo-, Trio-, Lauthesche Trio-, Quarto- und Mehrwalzengerüste unterscheidet. Je nach Erzeugnis erfolgt die Einteilung in Grob-, Mittel-, Feineisenstraßen, Draht-, Kalt- und Warmbandstraßen. im engeren Sinne auch Bezeichnung für Walzgerüst, besonders bei Sonderanlagen, zum Beispiel zum Rohrwalzen.

Wamme:

1. Pelzbearbeitung: Bauchteil des rund abgezogenen Felles, weist meist hellere Färbung auf als die Rückenseite.

2. Zoologie: Hautfalte einiger Wirbeltiere zwischen Hals und Brust.

Wampilow, Alexander Walentinowitsch, 19.8.1937-17.8.1972 (verunglückt), russisch-sowjetischer Schriftsteller, griff in Schauspielen, teilweise mit satirischer Schärfe, moralische Fragen auf («Der ältere Sohn», 1969; «Provinzanekdoten», 1971; «Letzten Sommer in Tschulinsk», 1972; alle deutsch); schrieb auch Erzählungen.

Wampum: ursprünglich Schnüre aus weißen, seltener dunkelvioletten Seeschnecken-Scheiben oder auch zylindrische Röhren«perlen», die den Indianern der Atlantikküste Nordamerikas als Schmuck und Zahlungsmittel dienten; zum Teil so zu Gürteln oder Bändern verflochten, dass Symbole beziehungsweise Muster entstanden. Diese schriftähnlichen Dokumente spielten bei den politischen Verhandlungen der östlichen Stämme, insbesondere der Irokesen, eine wichtige Rolle.

Wand: senkrechte Raumabschlussfläche; man unterscheidet nach der statischen Funktion tragende, selbsttragende und nichttragende Wand, nach der Wirkungsweise Brandwand als Brandschutzkonstruktion, Trennwand unter anderem.

Wandalen, Vandalen: ostgermanischer Stamm, der um 100 vor Christus von Jütland in das Gebiet östlich der mittleren Oder einwanderte. Ende 406 nach Christus drangen die Wandalen in Gallien ein, überquerten 409 die Pyrenäen und ließen sich 411 in Spanien als Föderalen Westroms nieder. Bedrängt durch die Westgoten, setzten sie 429 unter König Geiserich nach Nordafrika über und gründeten das Wandalenreich (Hauptstadt Karthago). 455 plünderten sie Rom. Zerstörung des Wandalenreiches 533/34 durch Belisar.

Wandel, Paul, geboren 16.2.1905, Politiker, Maschinentechniker, seit 1926 Mitglied der KPD und seit Gründung der SED bis 1976 Mitglied ihres Parteivorstandes beziehungsweise ZK, 1945/49 Präsident der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung, 1949/52 Minister für Volksbildung, 1953/58 Sekretär des ZK der SED. 1964/76 Präsident der Liga für Völkerfreundschaft der DDR. 1954/58 Abgeordneter der Volkskammer.

Wander: 1. Carl Friedrich Wilhelm Wander, 27.12.1803-4.6.1879, Pädagoge und Schulpolitiker; kämpfte, von den Ideen der Aufklärung und des bürgerlichen Humanismus ausgehend, für ein kirchenunabhängiges einheitliches demokratisches Schulwesen, eine bessere Bildung der Volksschullehrer und für deren politischen Vereinigung. Wander war Mitbegründer des «Allgemeinen Deutschen Lehrervereins» (1848); als «roter Wander» von der Reaktion amtsenthoben (1850). Hauptwerk «Die Volksschule als Staatsanstalt» (1842).

2. Fred Wander, geboren 5.1.1917, Schriftsteller; 1939 in Frankreich interniert, 1942 ins KZ Buchenwald deportiert; schreibt Erzählungen («Der siebente Brunnen», 1971; «Ein Zimmer in Paris», 1975), Reiseberichte («Provenzalische Reise», 1978), Stücke («Josua lässt grüßen», 1979).

3. Maxi Wander, 3.1.1933-20.11.1977, Schriftstellerin; stellte in «Guten Morgen, du Schöne. Protokolle nach Tonband» (1977) Lebensansichten junger Frauen in der DDR vor. Ihr Mann, Wander 2, gab 1980 ihre Tagebücher und Briefe heraus.

Wanderbühne: a) im 16./18. Jahrhundert umherziehende Berufstheatertruppe, die an Fürstenhöfen, aber auch vor bürgerlichen und plebejischen Publikum (auf Märkten, in Sälen und so weiter) auftrat;

b) heute Theaterensemble, das plan- und turnusmäßig in Orten, die kein eigenes Theater besitzen, spielt (Abstecher Theater).

Wanderdrucker: Buchdrucker des 15. und 16. Jahrhundert, die aus wirtschaftlichen Gründen häufig ihren Aufenthaltsort wechselten; trugen zur raschen Verbreitung des Buchdrucks bei.

Wanderfalke, Falco peregrinus: weltweit verbreiteter oberseits taubengrauer, unterseits quergebänderter, krähengroßer Greifvogel; schneller Vogeljäger, erreicht im Stoßflug etwa 200 km/h; vom Aussterben bedroht.

Wanderfalter: Schmetterlinge, die aus ihrem Entwicklungsgebiet heraus einzeln oder in Schwärmen Wanderungen unternehmen. Die bekanntesten europäischen Wanderfalter (Admiral, Distelfalter, Gammaeule, Totenkopf) sind südeuropäische/nordafrikanische Arten, die jährlich in wechselnder Anzahl über die Alpen nach Mittel- und Nordeuropa einwandern. Ihre Nachkommen überstehen den Winter nicht, zum Teil werden Rückwanderungen beobachtet. Fluggeschwindigkeit bei Schwärmern (Einzelwanderer) bis 50 km/h, beim Kohlweißling (Schwann- und Binnenwanderer) bis 8 km/h.

Wanderheuschrecken: Bezeichnung für etwa 15 Feldheuschreckenarten, die besonders in südlichen Ländern, ausgelöst durch Überpopulation, in riesigen Schwärmen über große Strecken wandern. Auf Entfernungen bis zu 2000 km wird dabei infolge Kahlfraß verheerender Schaden angerichtet. Ein mittlerer Schwarm von 5 bis 12 km2 Ausdehnung umfasst bis 2 Md. Tiere, die 600001 Grünmasse vertilgen. Heute ist in verschiedenen Staaten ein Warn- und Beobachtungsdienst eingerichtet.

Wandern: aktive Form der Fortbewegung mit ästhetisch-beschaulichem, lehrhaftem oder leistungsbetontem Charakter zu Fuß oder mit Hilfsmitteln (Fahrrad, Boot, Skier, Motorrad). Beim Etappen-Wandern enden Teilstrecken jeweils an einem anderen Ort, beim Stützpunkt-Wandern führen sie jeweils zum Standquartier zurück, beim Stern-Wandern wird von mehreren Wandergruppen ein gemeinsames Ziel erwandert. Am verbreitetsten ist das Fuß-Wandern (3,5 bis 4 km/h, Tagesleistung 20 bis 40 km).

Wanderpreis, Wanderpokal: Sportpreis, der entweder nach mehreren Siegen oder nie (ewiger Wanderpreis) Eigentum des Siegers wird.

Wandertisch: Stetigförderer für Stückgut. Von 1 oder 2 umlaufenden Ketten werden mehrere hintereinander zu einem endlosen Band angeordnete Platten gezogen, die mit Rollen auf Fahrbahnen oder Schienen in horizontaler oder senkrechter Ebene, seltener in räumliche Linienführung, umlaufen. Wandertisch werden für Montage- und Fließarbeit sowie in Gießereien verwendet.

Wandertrieb, Poriomanie: Medizin dranghaftes Weglaufen bei Psychopathen, Neurotikern und bei Epilepsie.

Wanderwellen: sich wellenartig längs einer elektrischen Leitung ausbreitende Überspannungen, hervorgerufen durch atmosphärische Entladung bei Gewittern, durch Schalthandlungen beziehungsweise Kurz- oder Erdschluss. Wanderwellen gefährden die Isolierungen der Maschinen und Geräte und werden durch Überspannungsableiter beseitigt.

Wandmalerei: Malerei, die unmittelbar auf der Wand eines Bauwerks ausgeführt wird und so fest mit der Architektur Verbunden ist. Unterschieden werden die Malerei auf die trockene Wand (italienisch «a secco») oder auf den feuchten Putz (italienisch «a fresco»; Fresko 1) sowie die Malerei mit Wachsfarben (Enkaustik 1). Verwandt sind Mosaik und Sgraffito. Ein Zweig der Wandmalerei ist die Deckenmalerei. Wandmalerei ist auf Betrachtung aus größerer Entfernung berechnet; sie ist deshalb meist monumental, auf öffentlichen, auch oft auf dekorative Wirkung ausgerichtet. Die ursprünglich «strenge» Wandmalerei lässt die Wandfläche selbst wirken; seit dem Frühbarock strebt die Wandmalerei jedoch nach illusionistischen Effekten. Wandmalerei ist die älteste Form der Malerei überhaupt; sie reicht von der urgeschichtlicher Zeit (Höhlenmalerei), in der sie zunächst mehr kultisch-magischen Zwecken diente (Jagdzauber), über alle Zeiten bis in die Gegenwart (besonders in der mexikanischen Kunst).

Wandsbecker Bote, Der: von M. Claudius 1771/75 (1773/75 unter dem Titel «Der Deutsche, sonst Wandsbecker Bote») in Hamburg herausgegebene weitverbreitete Zeitschrift.

Wandtechnik: Bergsteigen Klettern in der Vertikalen unter Ausnutzung von Unebenheiten der Wand (Löcher, Leisten, Knorpel) als Halt für Hände und Füße.

Wanen: altnordisches Göttergeschlecht, dem unter anderem Njörd, Frey und Freyja angehören.

Wang Anshi, 1021-1086, chinesischer Politiker; führte als Kanzler unter der Song-Dynastie Reformen durch, um den Staatshaushalt zu ordnen und die sozialen Widersprüche zu mildem, scheiterte jedoch am Widerstand der von Sima Guang vertretenen Grundbesitzer.

Wangenheim: 1. Eduard Freiherr von Winter Stein.

2. Gustav von Wangenheim, 18.2.1895-5.8.1975, Regisseur, Schauspieler und Dramatiker; Sohn von E. von Winterstein; war Schauspieler, wandte sich in den 20er Jahren der proletarisch-revolutionären Theaterbewegung zu und gründete die «Truppe 31» (die unter anderem mit dem von ihm verfassten und inszenierten Stück «Die Mausefalle» Aufsehen erregte). Nach der Emigration (1933/45 UdSSR) war Wangenheim als Regisseur bei Theater und Film sowie als Dramatiker maßgeblich an der Entwicklung sozialistischer Dramatik und Filmkunst beteiligt.

3. Inge von Wangenheim, geboren Franke, geboren 1.7.1912, Schriftstellerin; 1933/45 im Exil (UdSSR); schrieb autobiographische Bücher («Mein Haus Vaterland», 1950; «Die tickende Bratpfanne», 1974; «Schauplätze», 1983), Romane über die sozialistische Gegenwart («Professor Hudebraach», 1961; «Das Zimmer mit den offenen Augen», 1965; «Spaal», 1979), Essays («Die Geschichte und unsere Geschichten», 1966; «Genosse Jemand und die Klassik», 1982).

Wangerooge: östlichste der Ostfriesischen Inseln, vor der Nordseeküste; 4,7 km2, 1800 Einwohner; Heilbad; Vogelschutzgebiet.

Wang Fuzhi, Wang Fudschi, Wang Chuanshan, 1619-1692, chinesischer Philosoph; materialistischer Denker; sah in den Bedürfnissen der Menschen die Triebkraft der Geschichte.

Wang Meng, geboren 1934, chinesischer Schriftsteller, seit 1986 Kulturminister; schreibt über das Leben der Jugend und über die Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit in China.

Wang Shifu, chinesischer Dramatiker des 13. Jahrhundert; gestaltete in dem nach älteren Vorlagen verfassten Drama «Das Westzimmer» den Kampf junger Menschen gegen feudale Moralprinzipien.

Wang Yangming, Wang Shouren (Joujon), 1472-1528, chinesischer Philosoph; Neo Konfuzianer; begründete eine einflussreiche subjektiv-idealistischen Lehre, nach der die Dinge der Welt nur Ausdrucksformen des Moralbewusstseins sind.

Wankel, Felix, geboren 13.8.1902, Ingenieur; Konstrukteur des ersten funktionstüchtigen Drehkolbenmotors (W.-Motor; erster Versuchsmotor 1957).

Wannsee-Protokoll: Niederschrift über eine Konferenz hoher Ministerialbeamter und SS-Führer am 20.1.1942 in Berlin-Wannsee; legte im Zuge der Politik der «Endlösung der Judenfrage» Maßnahmen zur Ermordung von über 11 Millionen Juden fest; nach Schätzungen ermordeten die Faschisten insges. etwa 6 Millionen Juden.

Wanten: (Sing. Want) Drahtseile, mit denen die Schiffsmasten querschiffs (seitlich) abgespannt sind; gehören zum sogenannt stehenden Gut.

Wanzen: (mittelhochdeutsch wantlus, eigentlich «Wandlaus») Heteroptera: Ordnung der Schnabelkerfe mit etwa 35000 Arten, davon etwa 900 in Mitteleuropa; Vollkerfe ungleich geflügelt; Vorderflügel zu zwei Dritteln derb (Halbdecken), am Rand membranartig, Hinterflügel häutig weich, gefaltet; Mundwerkzeuge stechendsaugend; Larven und Vollinsekten leben zum Teil räuberisch als Jäger, als Außenparasiten oder als Pflanzensauger; zahlreiche Schädlinge der Kulturpflanzen; räuberisch lebende Arten oft als Parasiten Vertilger nützlich.

Wanzleben: Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, in der Magdeburger Börde; 5600 Einwohner; Agrarzentrum; Ziegel-, Holzindustrie; Agrarmuseum; Burgreste (12. Jahrhundert), Rathaus (1446).

Wappen: (niederländisch, ursprünglich «Waffen») nach bestimmten Regeln (Heraldik) formiertes Abzeichen einer Person, Familie oder Körperschaft; namentlich in der Feudalgesellschaft von Bedeutung. Zunächst Erkennungszeichen der gepanzerten Ritter als Teil der Bewaffnung, später bleibendes und erbliches Kennzeichen für Familien (Geschlechtswappen) und dann auf deren Besitzstand bezogen (Herrschaftswappen). Auch Vereine, Klöster, Gemeinden und Städte nahmen Wappen an oder erhielten sie vom Landesherren verliehen beziehungsweise bestätigt (Gesellschaftswappen). In neuerer Zeit wurden Wappen auch als Hoheitszeichen von Staaten üblich. Das Wappen hat die Form eines Schildes, dem ursprünglichen Wappenträger, mit Helm und ist in bestimmter Weise ausgeschmückt, wobei sich ein eigener («heraldischer») Stil entwickelte. Kennzeichnendes Merkmal des Wappens ist das Schildbild, dessen Elemente Wappenbild und Wappenfarbe sind. Im Wappenbild sind zu trennen Heroldsbild (das heißt Aufteilung und Musterung der Schildfläche) und gemeine Figuren (stilisierte, dekorative Abbilder wirklicher Dinge, wie Tiere, besonders Adler und Löwe, Blüten, Türme unter anderem). Im redenden Wappen weisen die Figuren auf den Namen des Wappenträgers hin. Häufig sind die Wappen verschiedener Besitztümer zusammengesetzt zu oft sehr komplizierten, vielfach unterteilten Gebilden. Zutaten sind die heraldische Prachtstucke (Schildhalter, Wappenmäntel, Wahlsprüche, Fahnen, Trophäen) sowie die Nebenstücke (Rang- und Würdenzeichen, wie Kronen, Orden unter anderem).

Wapzarow, Nikola, 7.12.1909-23.7.1942, bulgarischer Lyriker; weltliterarisch bedeutender Dichter des bulgarischen Proletariats. Seine Lyrik (Sammlung «Motorenlieder», 1940) offenbart das historische Selbstverständnis des Kommunisten, tiefe Liebe zu den Menschen und Zukunftsgewissheit, die sich auf die Lebenskraft der kommunistischen Ideen und das menschliche Schöpfertum gründet. deutsch Sammlung «Gedichte» (1952). Als Widerstandskämpfer von den Monarch-Faschisten ermordet.

Warane, Varanidae: tagaktive, langschwänzige Echsen mit weit vorstreckbarer Zunge und kräftigen, stark bezahnten Kiefern sowie gut entwickelten Gliedmaßen; leben räuberisch von Kleinsäugern, Vögeln unter anderem; sind zwischen 20 cm und über 3 m lang; bewohnen unterschiedliche Biotope Afrikas, Südasiens und Australiens. Etwa 2 m lang wird der afrikanische Nilwarane (Varanus niloticus); größte rezente Echse ist der über 3 m lange Komodowarane (Varanidae komodoensis), der auf einigen der Kleinen Sundainseln lebt.

Ware: Produkt menschliche Arbeit, das als Einheit von Gebrauchswert und Wert (Doppelcharakter der Ware) von vornherein für den Austausch bestimmt ist. Wesen und Inhalt der Ware als bestimmte gesellschaftliche Eigenschaft eines Produktes werden durch die herrschenden Produktionsverhältnisse bestimmt. Im Kapitalismus, wo fast alles, auch die Arbeitskraft, zur Ware wird, enthält die Ware in der Keimform bereits alle Widersprüche dieser Produktionsweise. Im Sozialismus hat die Arbeitskraft aufgehört, eine Ware zu sein, werden die Waren planmäßig produziert und ausgetauscht, das heißt der Gebrauchswert dient unmittelbar der Bedürfnisbefriedigung der Gesellschaft und ist nicht mehr bloße Bedingung für die Realisierung von Profit.

Waren, Waren (Müritz): Kreisstadt im Bezirk Neubrandenburg, an der Müritz; 24000 Einwohner; Metallguss-, Wellpappenwerk, Holz-, Nahrungsmittelindustrie; Forstwirtschaft; Hafen; Museum; frühgotischen Kirchen (Backstein); See-, Luftkurort im Erholungsgebiet Müritz-Seen-Park mit Zentrum in Klink, 6,5 km südwestlich von Waren entfernt.

Warenhaus: Großbetrieb des Einzelhandels mit einer Verkaufsraumfläche von mindestens 5000 m2, der ein universelles Warenangebot führt. Die bedeutendsten Warenhäuser in der DDR sind in der Vereinigung Volkseigener Warenhäuser «Centrum» beziehungsweise in dem konsumgenossenschaftlichen Zentralen Handels- und Produktionsunternehmen «konsument» zusammengeschlossen.

Warenkennzeichen: Herkunftsangaben und j1 Marken (Dienstleistungs-, Fabrik-, Handelsmarken) zur Kennzeichnung von Waren. Herkunftsangaben sind Zeichen (Wort, Bild), die die Herkunft von Waren aus einem Land, einer Gegend oder einem Ort kenntlich machen. Warenkennzeichen werden durch Eintragung in beim Patentamt geführte Register rechtlich geschützt.

Warenkennzeichnungsrecht: Teil des Rechts der DDR, der die Kennzeichnung der Herkunft von Waren und Dienstleistungen durch Marken, Herkunftsangaben und Betriebsnamen sowie den Gebrauch ähnlicher Kennzeichnungen im Wirtschaftsverkehr zum Gegenstand hat. Grundlagen des Warenkennzeichnungsrechts sind das Gesetz über Warenkennzeichen sowie die Pariser Verbandsübereinkunft.

Warenkennzeichnungsverband: aus Betrieben und Kombinaten bestehende Organisation zur einheitliche Verwendung von Kollektivkennzeichen (Warenkennzeichen) für die von ihnen entwickelten, hergestellten oder vertriebenen Waren oder ausgeführten Dienstleistungen.

Warenkunde: Wissenschaftsgebiet und Hoch- beziehungsweise Fachschullehrfach von den Gebrauchswerten der Waren als angewandte Naturwissenschaft. Die Warenkunde beschäftigt sich mit der Prüfung und Systematisierung der Waren sowie mit ihren Lagerungs- und Pflegebedingungen.

Warenumschlag: Gesamtheit der materiell-stoffliche Prozesse und Tätigkeiten des Transports und der Lagerung beziehungsweise Sortimentierung sowie der vertragsmäßigen Vorbereitung und rechnungs- beziehungsweise finanzmäßigen Abwicklung von Warenlieferungen der Produktion an den Handel sowie an produktive, gesellschaftliche und individuelle Konsumenten; konkreter Inhalt der Warenzirkulation.

Warenzirkulation, Warenaustausch: für die Warenproduktion charakteristische Form des Austauschs von Produkten durch Kauf und Verkauf; Funktionsträger ist der Handel.

Warhol, Andy, eigentlich Andrew Warhola, 6.8.1928-22.2.1987, US-amerikanischer Maler, Designer und Filmemacher tschechoslowakischer Herkunft; führender Vertreter der Pop-art; bediente sich besonders des Siebdrucks und wandte Methoden der Werbung auf seine Kunst an, die stereotype Gefühls- und Verhaltensäußerungen der kapitalistischen Gesellschaft reflektiert. Siehe auch Vereinigte Staaten von Amerika.

Warmblüter, Homöotherme: Tiere, deren Körperinnentemperatur durch die Thermoregulation trotz abweichender Umgebungstemperaturen nahezu konstant gehalten wird (Vögel, Säugetiere einschließlich des Menschen). Siehe auch Wärmebildung.

Wärme: ungeordnete Eigenbewegung der zu einem physikalischen System gehörenden Teilchen (zum Beispiel Moleküle). Die Energie dieser Bewegung wird als Wärmeenergie oder Wärmemenge bezeichnet, Zeichen Q oder W, SI-Einheit Joule (J). Zufuhr von Wärmeenergie erhöht die 1 innere Energie eines Systems (siehe auch Hauptsätze der Thermodynamik). Im Unterschied zur inneren Energie hängt die Wärmemenge nicht nur vom Anfangs- und Endzustand eines Prozesses, sondern wesentlich von dessen Verlauf ab. Siehe auch Thermodynamik, statistische Physik, kinetische Theorie.

Wärmeäquivalent: Betrag einer Energiemenge, die einer in Kalorien (cal) gemessenen Wärmemenge gleichwertig ist. Das mechanische Wärmeäquivalent besagt zum Beispiel, dass 1 cal 0,42693 kp m äquivalent ist.

Wärmeausbreitung: Transport von Wärmeenergie von Orten höherer zu solchen tieferer Temperatur. Man unterscheidet zwischen Wärmestrahlung (Strahlung), Konvektion und Wärmeleitung. Bei der Wärmeleitung wird die Wärme, als Bewegung atomarer beziehungsweise molekularer Teilchen aufgefasst, von Teilchen zu Teilchen in Festkörpern, ruhenden Flüssigkeiten und Gasen übertragen. Bildlich stellt man sich vor, dass die Wärmeenergie längs Wärmestromlinien fließt, die überall senkrecht auf Flächen gleicher Temperatur stehen. Durch einen plattenförmigen Körper zum Beispiel, dessen Oberflächen sich auf verschiedenen Temperaturen Tj und T2 befinden, fließt ein Wärmestrom (Wärmeenergie durch Zeit) Q/t = AA (T, TJ/d, wenn A beziehungsweise d Plattenfläche beziehungsweise -dicke bedeuten; X heißt Wärmeleitfähigkeit, SI-Einheit W/(m • K). Als charakteristische Größe für die mit der Wärmeausbreitung verbundene Temperaturänderung tritt die Temperaturleitfähigkeit a = A/(ce); c spezifische Wärmekapazität, p Dichte des Stoffes) auf. Als Wärmedurchgang bezeichnet man die Wärmeausbreitung durch eine Festkörperschicht, die auf beiden Seiten von Flüssigkeit oder Gas umgeben ist, als Wärmeübergang die Wärmeausbreitung von einem Festkörper in eine Flüssigkeit oder ein Gas.

Wärmeaustausch: Meteorologie Energieumsatz zwischen Erdoberfläche und Atmosphäre durch Strahlung, Konvektion (fühlbare Wärme) und Wasserdampftransport (latente Wärme).

Wärmebehandlung:

1. Bautechnik: Verfahren der Betonschnellerhärtung mittels Wärmezufuhr, als Dampfbehandlung bis 100°C mit Sattdampf, als Autoklav Behandlung durch Dampf bis 145 °C mit höherem Druck, als Warmbeton durch Einblasen von Dampf in den Mischer, weiterhin als Heißluftbehandlung, elektrothermische Erwärmung und Infrarotbestrahlung.

2. Fertigungstechnik: Verfahren zur thermische, thermochemische oder thermomechanische Behandlung vornehmlich metallische Werkstoffe im festen Zustand. Die Wärmebehandlung dient zum Verbessern oder Einstellen bestimmter Verarbeitungs- und beziehungsweise oder Gebrauchseigenschaften als Folge von Gefüge- und Strukturänderungen. Wichtige Wärmebehandlungsverfahren sind Glühen, Härten, Vergüten, thermochemische Behandlung und thermomechanische Behandlung.

Wärmebeständigkeitsklasse, veraltet Isolierstoffklasse-. in TGL festgelegte Klassifizierurig der elektrischen Isolierstoffe nach Beständigkeit gegen thermische Beanspruchung.

Wärmebilanz: Gegenüberstellung der einem Wärmeprozess zu- und abgeführten Wärmemengen, aufgeteilt in die nutzbaren Anteile und die auftretenden Wärmeverluste (graphisch dargestellt zum Beispiel im Sankey Diagramm). Die Wärmebilanz dient der Bestimmung des thermischen Wirkungsgrades.

Wärmebildung: Freisetzung von Wärme aus chemischen Reaktionen des Stoffwechsels. Die Wärmebildung wird von den Warmblütern zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur genutzt beziehungsweise gesteuert dafür eingesetzt, zum Beispiel Zunahme der Muskelgrundspannung, allgemeine Steigerung des Stoffwechsels durch Hormone, zum Beispiel Adrenalin und Thyroxin. Bei hoher Außentemperatur wird die Wärmebildung zu einer Störgröße, der durch vermehrte Wärmeabgabe entgegengewirkt wird. Siehe auch Thermoregulation.

Wärmebrücke: Bautechnik begrenzter Konstruktionsbereich, der im Unterschied zu benachbarten Bauteilen eine höhere Wärmeleitung aufweist. Wärmebrücke führen zu Energieverlusten und werden durch Wärmeschutz verhindert. Wärmebrücke werden fälschlich auch Kältebrücken genannt, weil sie sich bei niedrigeren Außentemperaturen kühler anfühlen, im Extremfall zu Tauwasser- und Eisbildung führen und verstärkt Wärme aus dem Raum ableiten.

Wärmedämmung: Maßnahmen zur Absenkung des Wärmeverlustes von Gebäuden, Rohrleitungen unter anderem durch Isolier- beziehungsweise Wärmedämmstoffe, die ein geringes Wärmeleitvermögen besitzen.

Wärmedurchgangskoeffizient: physikalische Größenart für die Wärmeübertragung zwischen 2 durch eine feste Wand voneinander getrennten flüssigen oder gasförmigen Medien; SI-Einheit W/(m2 • K).

Wärmekapazität: Quotient aus zu- oder abgeführter Wärmemenge und dadurch bedingter Temperaturänderung eines Körpers, Zeichen C, SI-Einheit J/K. Die auf die Masse bezogene Wärmekapazität heißt spezifische Wärmekapazität c, eine Stoffkonstante; für Wasser ist c angenähert 4,2 kJ/(kg K). Man unterscheidet zwischen spezifische Wärmekapazität bei konstantem Volumen cv und der bei konstantem Druck aber nur bei Gasen ist der Unterschied merklich. Die auf die Stoffmenge bezogene Wärmekapazität heißt molare Wärmekapazität Cm (früher Atom- beziehungsweise Molwärme genannt). Für sie gilt die Dulong-Petitsche Regel.

Wärmekraftmaschine: Kraftmaschine, die Wärmeenergie in mechanischer Energie umwandelt, zum Beispiel Verbrennungsmaschine (-motor), Dampf- und Gasturbine, Dampfmaschine; früher auch kalorische beziehungsweise thermische Maschine genannt.

Wärmeleistung: die bei einem Wärmeübertragungsprozess abgegebene oder aufgenommene Wärmemenge pro Zeiteinheit, zum Beispiel kJ/h, wobei damit im Allgemeinen die Leistungsfähigkeit einer Feuerung, eines Dampferzeugers oder Wärmeübertragers charakterisiert wird.

Wärmepole: Orte der Erde, an denen die höchsten Lufttemperaturen gemessen wurden (zum Beispiel Al Azizia, Libyen: 57,8°C am 13.9.1922).

Wärmepumpe: zur Raumheizung und in der Industrie verwendete Maschine, die der Umgebung (Gewässer, Erdboden, Außenluft) Wärme entzieht und unter Aufwendung äußerer Arbeit bei höheren Temperaturen wieder abgibt. Sie arbeitet im Prinzip wie eine Kältemaschine, wobei aber nicht die erzeugte Kälte, sondern die (bei Kältemaschinen an das Kühlwasser) abgegebene Wärme ausgenutzt wird. Die Wärmepumpe erlaubt gegenüber konventioneller Heizung wesentliche Energieeinsparungen bei allerdings hohen Anlagekosten.

Wärmequellen: Körper, von denen Wärmeenergie durch Wärmeleitung, Strömung oder Strahlung ausgeht (siehe auch Wärmeausbreitung).

Wärmeschutz: konstruktive und stoffliche Bautenschutz Maßnahmen zur Verlangsamung des Temperaturausgleichs zwischen Gebäudeinnenluft und der Außenluft beziehungsweise heißen Apparaturen. Mittels Wärmeschutz werden Energieverluste vermindert und rasches Aufheizen der Innenräume durch Sonneneinstrahlung vermieden.

Wärmespeicher: Behälter zur Speicherung von Dampf oder Heißwasser, der bei stark schwankendem Wärmebedarf als Puffer zwischen Dampferzeuger und Wärmeverbraucher geschaltet wird. Man unterscheidet Gleichdruckspeicher und Gefällespeicher.

Wärmestromdichte: Geophysik die aus dem Erdinneren nach außen strömende zeit- und flächenbezogene Wärmemenge. Der globale Mittelwert beträgt zur Zeit 60 mW/m2. Hauptenergiequelle ist der radioaktive Zerfall in der Lithosphäre.

Wärmetechnik: Teilgebiet der Technik, das den Bereich der Erzeugung und Anwendung von Wärme (Temperaturniveau oberhalb der Umgebungstemperatur) umfasst. Dazu gehören zum Beispiel die Probleme der Energieumwandlung in Feuerungen, Kraftwerken, Industrieöfen, Heizungen.

Wärmetod: hypothetischer Zustand des Weltalls, in dem alle Energie in gleichmäßig verteilte Wärmeenergie umgewandelt ist und keine thermodynamischen Prozesse mehr ablaufen können; entspricht einem Entropiemaximum. Die Hypothese vom Wärmetod wurde von R. Clausius auf Grund des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik aufgestellt, wobei er das Weltall als abgeschlossenes thermodynamisches System voraussetzte, was aber keineswegs zwingend ist.

Wärmeübergangskoeffizient: physikalische Größenart für die Wärmeübertragung zwischen einer strömenden Flüssigkeit oder einem strömenden Gas und den Begrenzungswänden der Flüssigkeit oder des Gases; SI-Einheit W/(m2 • K).

Wärmeübertrager, Wärmeaustauscher, Wärmetauscher. technische Apparatur zur Übertragung und eventuell Rückgewinnung von Wärmeenergie, wobei Wärme von einem heißen Medium (zum Beispiel Wasser, Luft, Gas) an ein kaltes abgegeben wird. Regeneratoren arbeiten mit einer Speichermasse, die vom Heizmedium erwärmt und durch das Kühlmittel wieder abgekühlt wird. Beide Stoffströme können entweder abwechselnd durch die Speichermasse geleitet werden (zum Beispiel beim Hochofenwinderhitzer), oder eine rotierende Speichermasse transportiert die Wärme vom Heizmedium an das Kühlmittel (zum Beispiel Drehluftvorwärmer in Dampferzeugern). Rekuperatoren sind kontinuierlich nach dem Gegen-, Gleich- oder Querstromprinzip arbeitende Wärmeübertrager ohne Speicherung, wobei das wärmeabgebende vom wärmeaufnehmenden Medium durch eine Wand (Heizfläche) getrennt ist (zum Beispiel Rohrbündelwärmeübertrager).

Wärmeverbrauch: das für Wärmekraftmaschinen als spezifischer Wärmebedarf bezeichnete Verhältnis von aufgewendeter Wärmeenergie zu gewonnener Elektroenergie, angegeben in kJ/kWh.

Warmfront, Aufgleitfront: Aufgleitfläche der Warmluft auf kältere Luft an der Vorderseite eines Tiefdruckgebietes; der Durchzug einer Warmfront ist in der Regel verbunden mit Luftdruckfall, Schichtbewölkung und länger anhaltenden Niederschlägen. Nach Durchgang der Warmfront tritt Erwärmung ein.

Warmhauspflanzen: meist aus tropischen und subtropischen Gebieten stammende Zierpflanzen, die hohe Ansprüche an Temperatur (mindestens 18°C) und meist auch an Luftfeuchtigkeit stellen (zum Beispiel Anthurien, Philodendron- und Ficus-Arten).

Warmia: historische Provinz Polens, die sich von der mittleren Pregolja über die sowjetisch-polnische Grenze bis nach Frombork erstreckte; Siedlungsgebiet des Pruzzen Stammes Warmowie. Zu Beginn des 13. Jahrhundert vom Deutschen Ritterorden unterworfen (Warmien); seit 1243 Bistum (Ermland). Im 2. Thorner Frieden 1466 (Torun) wurde Warmia polnisch Lehen, bei der 1. Teilung Polens (1772) von Preußen annektiert, seit 1945 wieder zu Polen.

Warmstart: Anlassen des auf Betriebstemperatur (etwa 80 °C) erwärmten Kraftfahrzeugmotors. Der Warmstart erfolgt im Allgemeinen ohne Starthilfe. Siehe auch Kaltstart.

Warndienst: Einrichtung innerhalb des Pflanzenschutzdienstes mit der Aufgabe, auf der Grundlage von Prognosen die landwirtschaftliche Praxis vor dem Massenauftreten von Schädlingen und Krankheitserregern zu warnen und eine gezielte Bekämpfung einzuleiten.

Warneke, Lothar, geboren 15.9.1936, Filmregisseur; schuf vor allem Gegenwartsfilme («Dr. med. Sommer n», «Die Beunruhigung», «Blonder Tango») sowie den Büchner-Film «Addio, piccola mia».

Warnen: westgermanischer Stamm; um 100 nach Christus in Nordschleswig ansässig. Teile der Warnen gingen seit dem 3. Jahrhundert im Stammesverband der Thüringer auf.

Warnke, Herbert, 24.2.1902-26.3.1975, Politiker, Nieter; wurde 1923 Mitglied der KPD, die er 1932/33 als Abgeordneter im Reichstag vertrat; nach 1933 illegal tätig, musste nach Schweden emigrieren; 1948 wurde er Mitglied des Parteivorstandes beziehungsweise des ZK der SED. Als Mitglied des Politbüros des ZK der SED seit 1958 und Vorsitzender des Bundesvorstandes des FDGB seit 1948 erwarb sich Warnke große Verdienste um den sozialistischen Aufbau in der DDR. 1953 wurde er Vizepräsident des WGB, 1971 Mitglied des Staatsrats der DDR; Abgeordneter der Volkskammer seit ihrer Gründung.

Warnow: Küstenfluss der Ostsee; 128 km; entspringt im Nördlichen Landrücken nördlich von Parchim, weitet sich im Stadtgebiet von Rostock zur Unterwarnow mit Breitling und mündet bei Rostock Warnemünde.

Warschauer Vertrag, Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand: auf der Warschauer Konferenz am 14.5.1955 zwischen Albanien, Bulgarien, der CSSR, der DDR, Polen, Rumänien, der UdSSR und Ungarn geschlossener Vertrag zur Gewährleistung der Sicherheit der Partnerstaaten und zur Erhaltung des Friedens in Europa; am 4.6.1955 in Kraft getreten. Albanien erklärte 1968 seinen Austritt aus der Vertragsorganisation. Der Warschauer Vertrag wurde abgeschlossen, nachdem mit der Ratifizierung der Pariser Verträge, Aufnahme der BRD in die NATO und Zurückweisung des Vorschlages der sozialistischen Länder durch die NATO-Staaten, ein europäischen kollektives Sicherheitssystem zu schaffen, die Kriegsgefahr in Europa erhöht worden war. entsprechend dem Charakter seiner Teilnehmerstaaten trägt der Warschauer Vertrag ausschließlich Verteidigungscharakter. Er schützt zuverlässig die Grenzen der sozialistischen Staaten Europas gegen alle imperialistischen Angriffe und ist ein wichtiges Instrument zur Organisierung ihrer allseitigen brüderlichen Zusammenarbeit auf der Grundlage des sozialistischen Internationalismus. Der Warschauer Vertrag ist in Übereinstimmung mit der UN-Charta ein regionales Verteidigungsabkommen, das auf die Durchsetzung des Aggressionsverbots gerichtet ist. Seine Teilnehmerstaaten bekundeten ihr Streben nach einem gesamteuropäischen Sicherheitssystem, sie setzen sich für wirksame Maßnahmen zur Abrüstung und für Beziehungen der friedlichen Koexistenz zwischen den Staaten unterschiede gesellschaftliche Systeme ein. Hauptorgane des Warschauer Vertrags sind der Politische Beratende Ausschuss, das Vereinte Kommando mit dem Stab der Vereinten Streitkräfte, Sitz Moskau, das Komitee der Verteidigungsminister (seit 1969), das Komitee der Außenminister (seit 1976). Die Wirksamkeit des Warschauer Vertrags, die koordinierte Friedens-, Sicherheits- und Entspannungspolitik seiner Teilnehmerstaaten trugen entscheidend dazu bei, dass der Frieden in Europa gesichert werden konnte. Am 26.4.1985 wurde in Warschau durch die führenden Repräsentanten der Parteien und Staaten der Teilnehmerländer des Warschauer Vertrags ein Protokoll über die Verlängerung des Vertrages für die nächsten 20 Jahre mit nachfolgender Verlängerung um weitere 10 Jahre unterzeichnet.

Warszawianka: international verbreitete Arbeiterhymne (dt. «Feindliche Stürme durchtoben die Lüfte ...»); erklang erstmalig bei einer Arbeiterdemonstration in Warschau 1885.

Warte- und Stillstandszeiten: für die Produktion ausfallende Zeit infolge Stockungen im Produktionsablauf oder Störungen der gesamten Betriebstätigkeit. Warte- und Stillstandszeiten sind Bestandteil der nominellen Arbeitszeit und beeinträchtigen ihre volle Ausnutzung.

Warze, Verruca: verhornte Wucherung der Oberhaut mit glatter oder zerklüfteter Oberfläche. Die meist zahlreichen flachen Warze bei Jugendlichen, die gewöhnliche Warze und die sogenannte Feigwarze werden durch das Warzenvirus hervorgerufen. Ursache der seborrhoischen oder Alterswarze ist unbekannt.

Warzenbein, Mastoideum: Teil der Felsenbeinpyramide im Säugetierschädel; siehe auch Warzenfortsatz.

Warzenfortsatz, Processus mastoideus: Knochenvorsprung des Schläfenbeins hinter der Ohrmuschel; enthält viele kleine, lufterfüllte und mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume, die mit dem Mittelohr (Paukenhöhle) in Verbindung stehen.

Warzenschlangen, Acrochordidae: Schlangenfamilie mit warzenartigen Schuppen; lebendgebärend; leben im Brack- und Meerwasser Süd- und Südostasiens.

waschaktive Substanzen: Tenside, die als Bestandteile von Waschmitteln (10 bis 35%) den Schmutz vom Waschgut ablösen und in der Waschlauge emulgieren. Natürliche waschaktive Substanzen sind die Saponine; wesentlich wichtiger sind synthetische waschaktive Substanzen, insbesondere Seifen, Alkylsulfate und Alkylsulfonate. Nichtionogene waschaktive Substanzen, zum Beispiel Polyglykolether, zeigen bei mäßiger Schaumbildung gute Waschwirkung und eignen sich daher besonders für Waschmaschinen.

Waschbär, Procyon lotor: plumper Kleinbär mit spitzer Schnauze, schwarzweißer Gesichtsmaske und buschigem, hell-dunkel geringeltem Schwanz. Charakteristisch ist bei Zoo- oder Farmtieren das Bewegen der Nahrung im Wasser vor dem Verzehr, eine Ersatzhandlung für den Beuteerwerb aus ufernahen Gewässerregionen, die lange für das «Waschen» von Futter gehalten wurde. Der Waschbär ist von Nordamerika bis Panama verbreitet, in Europa leben ausgesetzte oder verwilderte Farmtiere. Siehe auch Schupp, Pelztiere.

Wäscher:

1. Chemie: Anlage zum Reinigen von Gasen mit Hilfe einer Flüssigkeit. Im Sprühwäscher wird die Waschflüssigkeit durch Sprühdüsen oder mechanische Zerstäubung (Ströderwäscher) im strömenden Gas fein verteilt; im Rieselwäscher, zum Beispiel einem mit Füllkörpern versehenen Waschturm, strömt das Gas einer herabrieselnden Flüssigkeit entgegen.

2. Papierherstellung: Diffuseur.

Waschmaschine: Maschine mit einem zunehmend als Trommel gestalteten Wäschebehälter, in dem die schmutzige Wäsche nach einem gesteuerten oder vorgewählten automatischen Programm gewaschen und beim Waschautomaten auch geschleudert wird. Außer einem Heizungssystem mit Temperaturregler bestimmen das Bewegungssystem (Rührwerk--, Schneckenrad- oder Wirbelrad-Waschmaschine und Trommelwaschmaschine), die Laugenpumpe zum Entleeren sowie durch Wasserstandsregler gesteuerte Ventile den Waschvorgang, der wesentlich vom Waschmittel und der Waschbewegung beeinflusst wird.

Waschmittel: Substanzgemenge, die die Waschwirkung des Wassers stark erhöhen. Sie enthalten in Mengen von 10 bis 35% als wesentliche Wirkkomponente eine oder mehrere waschaktive Substanzen. Den überwiegenden Anteil der Waschmittel bilden Waschhilfsstoffe, zum Beispiel Alkaliphosphate und -Silikate, Natriumkarbonat (Soda) und -sulfat, Zelluloseäther, sauerstoffabgebende Bleichmittel (Natriumperborat), Weißtöner unter anderem Während Natriumsulfat im Wesentlichen zur besseren Granulierbarkeit des Waschmittel führt, schaffen die meisten übrigen Substanzen optimale Bedingungen für den Waschvorgang.

Waschzettel: kurze Darstellung über Inhalt und Zweck eines Buches; vom Verlag den Besprechungsexemplaren beigegeben.

Washa-Pschawela, eigentlich Luka Rasikaschwili, 14.7.1861-10.7.1915, georgischer Dichter; führte das Gedankengut der georgischen Realisten fort. In seinen Epen «Aluda Ketelauri» (1888), «Gast und Gastgeber) (1893) und «Der Schlangenesser» (1901) gestaltet er meisterhaft den Widerspruch zwischen Humanismus und patriarchalische Tradition.

Washington: 1. Washington, Abkürzung Wash.: Bundesstaat im Nordwesten der USA, an der Grenze zu Kanada und am Pazifik; 176479 km2, 4,3 Millionen Einwohner; 24 Einwohner/ km2; Hauptstadt Olympia. Im Westen dichtbewaldetes Küstenibis 2428 m) und Kaskadengebirge (bis 4392 m), dazwischen fruchtbare Ebene, im Osten steppenhafte Hochfläche des Columbia Plateaus; im Westen gemäßigtes See-, im Osten semiarides Klima (Regenschatten); Hauptflüsse sind Columbia und Snake. Bedeutende Wasserkraftwerke (unter anderem Grand Coulee) begünstigen elektroenergieintensive Industrien (Aluminium-, Kupfergewinnung). Flugzeug-, Maschinen- und Schiffbau, ferner Erdölverarbeitung, Leicht-, chemische Industrie; Urangewinnung. Auf zum Teil bewässerten Flächen Anbau von Weizen, Kartoffeln, Gemüse; Obst- und Gartenbau; wichtiger Holzlieferant der USA; Fischerei (Lachs, Heilbutt); Wirtschaftszentrum um den Puget Sund (Seattle, Tacoma), Haupthafen Seattle.

2. Bundes Hauptstadt der USA, im Bundesdistrikt Columbia, im Osten des Landes, am linken Ufer des Potomac; 178 km2, 623000 Einwohner (75% Afroamerikaner), als Metropolitan Area 3 Millionen Einwohner; Regierungssitz mit Weißem Haus (Amtssitz des Präsidenten der USA), Kapitol (Sitz des Parlaments) und Bundesministerien, unter anderem das riesige Fünfeck (Pentagon) des Kriegsministeriums. Washington ist eine Verwaltungsstadt mit ausgedehntem Dienstleistungssektor; Verkehrsknoten, Ende der Schifffahrt auf dem Potomac, 2 Flughäfen (unter anderem Dulles International Airport), U-Bahn; 5 Universitäten, Nationale Akademie der Wissenschaften, Hochschulen, Forschungsinstitute; Kongressbibliothek, Nationale Kunstgalerie, Nationales Sinfonieorchester, Nationalmuseum, -archiv, Theater; Parks, Freilichttheater; Nationaler Zoologischer Garten.

Washington: 1. Booker Taliaferro, um 1856-14.11.1915, US-amerikanischer Schriftsteller, hoffte als Führer der Afroamerikaner auf deren friedliche Integration in die USA-Gesellschaft (Autobiographie «Vom Sklaven empor!», 1901, deutsch).

2. George, 22.2.1732-14.12.1799, US-amerikanischer Staatsmann; seit 1775 Oberkommandierender der Kontinentalarmee; nach dem Unabhängigkeitskrieg Führer der die politische Zentralisierung verfechtenden Föderalisten; betrieb als Vorsitzender des Verfassungskonvents (1787) und erster Präsident der USA (1789/97) eine konservativ-zentralistischen Innen- und eine isolationistischen und englandfreundliche Außenpolitik.

Washingtoninsel, Teraina: zu Kiribati gehörendes Atoll der Linieninseln, im Stillen Ozean (Polynesien); 7,7 km2, 420 Einwohner; Kokospalmenplantagen (Kopra Ausfuhr).

Wasnezow, Wiktor Michailowitsch, 15.5.1848-23.7.1926, russischer Maler; wandte sich nach sozialkritischen Anfängen Sujets aus der russischen Geschichte sowie aus Sagen und Märchen zu, die er in monumentaldekorativen und stilisierten Werken darstellte; schuf auch Fresken und Ikonen, Architekturentwürfe sowie realistische Porträts.

Wasow, Iwan, 9.7.1850-22.9.1921, bulgarischer Schriftsteller, Klassiker der bulgarischen Literatur. In Gedichten, in den feierlich-erhabenen Poemen des Zyklus «Epopöe der Vergessenen» (1881/84, deutsch), der Erzählung «Die Verfeinten» (1884, deutsch) und in dem berühmten Roman «Unter dem Joch» (1889, deutsch) gestaltete Wasow die Freiheitskämpfe der Bulgaren gegen das + Feudaljoch. Mit Lyrik der 80er und 90er Jahre und besonders mit der Kurzprosa der 90er Jahre (Sammlung «Striche und Farben», 1893/95) übte er Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft.

Wasser: farblose, in dicken Schichten (über 5 m) blaue, geruch- und geschmackfreie Flüssigkeit der Formel H2O (Wasserstoffoxid). Wasser erstarrt bei 0°C (unter 200 MPa Druck bei -20°C) unter Ausdehnung um 1/11 seines Volumens zu Eis\ die dabei auftretenden Kräfte können Felsgestein zertrümmern und sind maßgeblich an dessen Verwitterung beteiligt. Wasser siedet unter Normaldruck (101,3 kPa) bei 100°C (unter 9,37 kPa bei 50°C, unter 1,555 MPa bei 200 °C) zu Wasserdampf. Flüssiges Wasser hat bei 4°C mit 1 g/cm3 seine größte Dichte; daher sammelt sich bei Frost Wasser von 4°C auf dem Grund von stehenden Gewässern, und die Vereisung erfolgt nur langsam von der Oberfläche her. Die Dichte von Eis beträgt bei 0°C 0,917 g/cm3. Flüssiges Wasser hat mit 4,187 kJ/(kg • K) die größte spezifische Wärmekapazität aller Stoffe; somit ist Wasser ein guter Wärmespeicher, und große Wassermassen wirken klimatisch ausgleichend (Seeklima). Wasser ist das wichtigste Lösungsmittel. Viele Säuren, Basen und Salze lösen sich unter Bildung beweglicher Ionen (elektrolytische Dissoziation), wodurch die äußerst geringe elektrische Leitfähigkeit sehr stark erhöht wird. Molekular lösen sich niedere Alkohole, Amine, Aldehyde und andere Verbindungen mit hydrophilen Atomgruppen. Wasser zerfällt bei höheren Temperaturen (bei 3000°C zu 20%) in die Elemente; bei gewöhnlicher Temperatur ist Wasser (nach Zusatz von Leitsubstanzen wie Schwefelsäure) durch Elektrolyse zerlegbar. Alkali- und Erdalkalimetalle verdrängen bereits bei gewöhnlicher Temperatur den Wasserstoff, Fluor den Sauerstoff. Wasser ist für lebende Organismen unentbehrlich; Menschen und höhere Tiere enthalten 60 bis 75% Wasser Trinkwasser soll sauerstoffreich, klar, farb- und geruchlos sein und infolge geringen Salzgehaltes erfrischend schmecken; auch darf es keine Giftstoffe und krankheitserregenden Bakterien enthalten. Trinkwasser wird als Grund-, Quell- und auch Oberflächenwasser gewonnen; es muss aufbereitet werden und unterliegt ständige hygienische Überwachung. 71 % der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt; die Atmosphäre kann bei Normaltemperatur bis etwa 4VoL-% Wasserdampf aufnehmen. Wasser verdunstet aus offenen Gewässern; der entstehende Wasserdampf bildet schließlich Wolken, die abregnen (Wasserkreislauf). Die Herstellung reinen (insbesondere salzfreien) Wassers aus natürlichen Wasser erfolgt durch Destillation (destilliertes Wasser, aqua destillata) oder durch Ionenaustauscher (entionisiertes Wasser, aqua deionisata). Wasser ist zu einem der wichtigsten Rohstoffe geworden, der von der erstmaligen Entnahme bis zur endgültigen Abgabe an das Meer mehrfach verwendet und gereinigt werden muss; insbesondere ist die hochgradige Reinigung aller Abwässer eine vordringliche Aufgabe. Natürliches Wasser enthält zu 0,018% schweres Wasser.

Wasseramsel, Cinclus cinclus: starengroßer, kurzschwänziger Singvogel Eurasiens und Nordwestafrikas mit wasserdichtem Federkleid; lebt an raschfließenden Gebirgsgewässern; taucht und fängt, am Grund laufend, kleine Wassertiere.

Wasseraufbereitung: Entfernen von Schweb- und anderen störenden Stoffen aus Oberflächen- und Grundwasser. Für Trinkwasser werden Trübstoffe oft nach Chemikalienzusatz (Aluminium- oder Kieselsäurepräparate) durch Kies, Aktivkohle unter anderem abfiltriert. Eine sich bei Langsamfiltern auf den Körnern bildende gallertartige Haut aus Mikroorganismen erhöht die Filterwirkung gegenüber Trübstoffen (Eisen- und Mangansalze, organischen Substanzen, Algen, Bakterien). Eine bei Schnellfiltern sich bildende Eisen- und Manganoxidhydratschicht bewirkt durch chemische Reaktion die Abscheidung gelöster Eisen-, Mangan- und organischen Verbindungen. Durch Versprühen oder Einblasen von Luft scheidet sich Eisen als Oxidhydrat ab. Geruchs- und Geschmacksstoffe werden durch Zugabe von Chlor, Ozon oder Silbersalzen (0,1 bis 0,7 g/m5) zerstört. Brauchwasser wird nur filtriert oder als Kesselspeisewasser in Wärmekraftwerken über Ionenaustauscher entsalzt und eventuell durch Hydrazin Zusatz entgast.

Wasseraufbereitungsanlage: technische Einrichtung, in der die Aufbereitung von Grund- und Oberflächenwasser so vorgenommen wird, dass Trink- und Brauchwasser von geforderter Qualität entstehen.

Wasserball: mit den Händen gespieltes, im Wasser schwimmend ausgeübtes Torspiel zweier Mannschaften von je 7 Spielern (1 Torwart und 6 Feldspieler) und 4 Auswechselspielern. Der 400 bis 450 g schwere Hohlball von 68 bis 71 cm Umfang soll möglichst oft in das gegnerische Tor befördert werden. Die Spielzeit beträgt 4x7 min effektiv. Der Ball darf nur mit der Innenfläche einer Hand geworfen, Tore können aber mit jedem beliebigen Körperteil erzielt werden. Regelverstöße werden in einfache (ergibt Freiwurf für den Gegner) und schwere Fehler (zum Beispiel Treten, Schlagen, Untertauchen; ergibt Strafwurf für den Gegner oder (Zeit-) Herausstellung) unterteilt. Olymp. Sportart seit 1900, Weltmeisterschaften seit 1973, Europameisterschaften seit 1926.

Wasserbau: Projektierung und Ausführung von Baumaßnahmen zur Kanalisierung von Wasserläufen, Errichtung von Stauanlagen, Kanälen und Deichen sowie für den Hafenbau.

Wasserbombe: mit herkömmlichen Sprengstoff oder Kernladung gefüllter, mit Zeitzünder versehener Metall- oder Kunststoffkörper; wird von Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen zur Bekämpfung von U-Booten in Unterwasserlage eingesetzt.

Wasserburg: innerhalb natürlicher oder künstlich angelegter Gewässer erbaute mittelalterliche Burg.

Wasserchemie: Teilgebiet der angewandten Chemie, das sich mit den chemischen und physikalischen Eigenschaften der Grund-, Oberflächen- und sonstigen Wasservorkommen befasst einschließlich ihrer Inhaltsstoffe und der chemischen Grundlagen der Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung sowie der hierfür notwendigen Methoden und Verfahren der Wasseranalytik.

Wasserdampfdestillation: Destillationsverfahren für hitzeempfindliche, in Wasser nicht oder nur wenig lösliche Substanzen, bei dem diese in siedendem Wasser unter gleichzeitigem Einblasen von Wasserdampf erhitzt werden. Hierdurch wird die Verdampfungstemperatur der Substanz wesentlich (auf etwa 100°C) erniedrigt, und es erfolgt eine schonende Destillation. Das Destillat trennt sich in eine wässrige und eine nichtwässrige Schicht.

Wasserfahrsport: Sammelbezeichnung für Kanu-, Ruder-, Segel- und Motorbootsport sowie Wasserwandern.

Wasserfall: senkrechter freier Absturz des fließenden Wassers über eine Gefällstufe im Wasserlauf. Erosion und Unterwaschung durch die gegen den Fuß der Gefällstufe gerichteten Grundwalze verursachen eine ständige Rückwärtsverlagerung der Stufe.

Wasserfarben: feingemahlene, mit Leim verbundene, in Wasser gelöste Farbstoffe, die auch nach dem Trocknen wasserlöslich bleiben. Siehe auch Aquarell, Guaschmalerei.

Wasserfassung: bauliche Anlage zur Aufnahme von Grund-, Quell- oder Flusswasser für die Trink- oder Brauchwasserversorgung beziehungsweise zur Wasserableitung aus 1 Stauanlage.

Wasserflöhe, Cladocera: Unterordnung der Blattfußkrebse mit zweiklappiger, durchsichtiger, am Bauch offener Schale und unpaarem Auge; in stehenden Süßgewässern, selten im Brack- und Salzwasser; Jungtiere entwickeln sich im sogenannt Brutraum der Mutter. besonders verbreitet sind die Wasserflöhe im engeren Sinne oder Daphnien (Daphnia) wie der Gemeine Wasserflöhe (D. pulex), der in flachen Gewässern lebt und sich von Algen und Bakterien ernährt. Wasserflöhe sind Nahrung für Nutz- und Aquarienfische.

Wasserfrosch, Rana esculenta: bis 12 cm langer Frosch von vorwiegend grüner Färbung; gilt als Hybride zwischen Teich- und Seefrosch; lebt in Mittel- und Osteuropa.

Wassergas: hauptsächlich aus Wasserstoff (bis 50%) und Kohlenmonoxid (bis 40%) bestehendes Heiz- und Synthesegas. Wassergas wird durch Vergasen von Kohle oder Koks mit Sauerstoff und Wasserdampf hergestellt; aus Erdgas, Benzin oder Heizöl erhält man Wassergas durch Dampfreformierung beziehungsweise Öldruckvergasung.

Wassergefäßsystem, Ambulakralgefäßsystem (dat. + deutsch + griechisch): der Fortbewegung sowie der Atmung dienendes Gefäßsystem der Stachelhäuter.

Wasserglas: wasserlösliche, farblose, hauptsächlich aus Natriumsilikaten, Na20 nSi02 (n = 3 bis 5), bestehende glasige Masse; auch die zähflüssige konzentrierte Lösung wird oft als Wasserglas bezeichnet. Wasserglas wird unter anderem als Kernbindemittel in Gießereien, als Flammschutzmittel für Textilien sowie als Klebstoff für Glas und Porzellan verwendet.

Wassergraben: 1. Leichtathletik Hindernislauf. 2. Pferdesport Hindernis in Springprüfungen, das einen Weitsprung des Pferdes erfordert.

Wasserhaltung:

1. bergmännische Wasserwirtschaft: Gesamtheit der Anlagen, Einrichtungen und Maßnahmen zum Sammeln, Abführen und Heben der den Grubenbauen zu sitzenden (zufließenden) Wässer. Die aus allen Teilen der Grube zuströmenden Wässer werden im Sumpf der Hauptwasserhaltung gesammelt, geklärt und durch elektrisch angetriebene Kreiselpumpen über Tage gehoben. Die Sonderwasserhaltungen drücken das Wasser, das abgelegenen Feldesteilen ohne Gefälle zufließt, in den Bereich der Hauptwasserhaltung Zum Schachtsümpfen (Auspumpen des Schachttiefsten) verwendet man Unterwasserpumpen (Tauchkreiselpumpen), die an einer Seilwinde entsprechend dem sinkenden Wasserspiegel automatisch nachgelassen werden.

2. Anlagen und Maßnahmen zur Freihaltung der Baugruben von Wasser. Siehe auch Grundwasserabsenkung.

Wasserhärte: auf einem Gehalt an Kalzium- und Magnesiumsalzen, hauptsächlich Hydrogenkarbonaten (Carbonathärte, temporäre Härte) und Sulfaten (Nichtkarbonathärte, permanente Härte), beruhende, meist nachteilige Eigenschaft des Wassers. Beim Erhitzen in Dampfkesseln, Rohren u. ä. setzt sich Wasserstein («Kesselstein») ab, der einen Mehrverbrauch an Heizmaterial bedingt, beim Abplatzen zu Kesselexplosionen führen kann und Rohre zusetzt. Beim Waschen mit Seife scheidet sich Kalkseife ab, die einen Mehrverbrauch an Seife zur Folge hat und zur Schädigung von Textilgewebe führen kann. Die eigentlichen Härtebildner sind die Ci2- und Mg2+-Ionen. Ihre Gesamtkonzentration wird auf Kalziumoxid umgerechnet; 1 deutscher Härtegrad entspricht dann einer Konzentration von 10 mg CaO/1. Wasser bis 8°d wird als weich, bis 18°d als mittelhart, bis 30°d als hart und über 30°d als sehr hart bezeichnet. Enthärtung ist durch chemische Fällungsmittel, durch Ionenaustauscher und (am vollständigsten, aber ökonomisch aufwendigsten) durch Destillation möglich. Als chemisches Fällungsmittel werden Natriumkarbonat, Kalziumhydroxid + Natriumkarbonat (Kalk-Soda-Verfahren) und (stärker wirkend) Trinatriumphosphat verwendet. Durch Destillation und kombinierte Ionenaustauscher kann eine vollständige Entsalzung des Wassers erreicht werden.

Wasserhaushalt:

1. Hydrologie: Zusammenwirken von Niederschlag (P), Abfluss (R), Verdunstung (E) und Wasservorratsänderung als Summe von Rücklage und Aufbrauch in einem bestimmten Gebiet für ein definiertes Zeitintervall; bilanziert im langjährigen Mittel ergibt sich die Wasserbilanzgleichung P = R + E + AW.

2. Physiologie: die Prozesse der Aufnahme, Verteilung und Abgabe von Wasser, durch die der Wassergehalt des Organismus bestimmt wird. Der relative Wassergehalt der fettfreien Körpermasse wird sehr konstant auf 70 bis 75% reguliert (der Fettgehalt des menschlichen Körpers mit sehr niedrigem Wasseranteil schwankt zwischen 8 und 50%). Die Wasseraufnahme erfolgt mit der Nahrung und durch Trinken und wird durch Bildung von Wasser im Stoffwechsel ergänzt. Bereits bei einem Wasserverlust von etwa 0,5% des Körpergewichts entsteht Durst (meist wird ohne Durst getrunken). Die Wasserabgabe wird durch die Nieren reguliert. Der Körper gibt über Lunge und Haut ständig Wasserdampf ab. Überschüssiges Wasser, Salze und Stoffwechselprodukte werden mit dem Harn ausgeschieden. Ferner wird Wasser mit dem Kot abgegeben und als Schweiß abgesondert. Durch Rezeptoren, die den osmotischer Druck des Blutes, die Dehnung der Blutgefäße im Brustraum (Blutvolumen) und den Natriumgehalt in der Hirnflüssigkeit messen, werden über das Zwischenhirn Durst und Wasserausscheidung reguliert, wobei Vasopressin der wesentliche Mittler ist.

Wasserhebemaschine: Anlage zur Entwässerung tief liegender oder Bewässerung höher liegender landwirtschaftlicher Nutzflächen mit Wasser-, Wind-, Dieselmotor- oder Elektroantrieb (früher durch Mensch oder Tier angetrieben, zum Beispiel Göpelwerk). Wurf- und Pumpräder arbeiten mit einem Wirkungsgrad von 50 bis 58%, Kolben- und Kreiselpumpen werden für große Förderhöhen eingesetzt, Schöpfwerke bei geringer Hubhöhe.

Wasserkäfer, Hydrophilidae: Käferfamilie mit meist kleinen, dunklen Arten; vorwiegend ständige Wasserbewohner, zum Teil auch in Uferzonen; Larven leben räuberisch im Wasser.

Wasserkalb, Gordius aquaticus: im Süßwasser lebender, bis 40 cm langer Saitenwurm; die Larve schmarotzt in Wasserkäfern.

Wasserkanal: Versuchseinrichtung für Strömungsuntersuchungen, insbesondere für Wasserbauten und an Wasserfahrzeugen; ähnelt einem Windkanal. Siehe auch Schiffbauversuchsanstalt.

Wasserkopf, Hydrozephalus: abnorm großer Hirnschädel infolge Erweiterung der Hirnkammern und Verminderung der Hirnsubstanz. Eine operative Behandlung ist möglich.

Wasserkraftmaschine: Kraftmaschine, die strömendem Wasser Energie entnimmt und an Generatoren oder an Arbeitsmaschinen weiterleitet, zum Beispiel Wasserturbine in Wasserkraftwerken. Älteste Wasserkraftmaschine ist das Wasserrad.

Wasserkreislauf: Umlauf des Wassers in seinen verschiedenen Zustandsformen; vom Meer verdunstend, gelangt Wasser als Wasserdampf in die Atmosphäre, wird von dort als Niederschlag wieder ausgeschieden und sofern dieser die feste Erdoberfläche erreicht (das heißt nicht verdunstet oder als Schnee und Eis gespeichert wird), als Abfluss dem Meer wieder zugeführt.

Wasserkunst: im Barock Bezeichnung für alle technischen Anlagen der Wasserförderung, besonders aber für Springbrunnen und Kaskaden.

Wasserlauf: oberirdisch in natürlichen oder beziehungsweise und künstliche Gewässerbetten ständig (permanent beziehungsweise perennierend) oder zeitweilig (intermittierend beziehungsweise periodisch oder episodisch) fließendes Gewässer.

Wasserläufer: 1. Wasserläufer, Gerridae: Wanzenfamilie, deren bis 15 mm lange Vollkerfe mit meist langen dünnen Beinen auf der Oberfläche von Gewässern gleiten; die flugfähigen Kerfe ernähren sich räuberisch von Kleintieren.

2. Wasserläufer, Tringa: etwa drosselgroße langbeinige und langschnäblige Schnepfenvögel; ernähren sich von Kleintieren, die mit dem Schnabel aus dem Schlamm «gestochert» werden; leben in Nordeurasien und -amerika. In Sumpfgebieten kommt der braune, weiß gepunktete Bruchwasserläufer (Tringa glareola) vor, in alten Drosselnestern in Waldgebieten brütet der Waldwasserläufer (Tringa ochropus).

Wasserlinie: Linie, in der der Wasserspiegel den Schiffsrumpf in den (je nach der Schiffsbelastung) verschiedenen Schwimmebenen (Wasserlinienebenen) berührt; die Konstruktionswasserlinie (Abkürzung KWL) ist die Wasserlinie in der theoretischen Schwimmebene (KWL-Ebene).

Wasserlinse, Lemna: zu den Wasserlinsengewächsen gehörende Gattung kleiner Schwimmpflanzen mit meist linsenförmigen Sprossen; starke vegetative Vermehrung. Wasserlinse schwimmen auf der Oberfläche stehender, nährstoffreicher Gewässer.

Wassermann: 1. Wassermann, Aquarius: Astronomie

a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild der Äquatorzone;

b) 11. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

2. Volkskunde - Nixen.

Wassermann: 1. August von, 21.2.1866 - 16.3.1925, Bakteriologe; Schüler und Mitarbeiter von R. Koch in Berlin, Leiter des Instituts für experimentelle Therapie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Berlin-Dahlem; arbeitete unter anderem über Infektion, besonders über Immunität, und führte die Wassermannsche Reaktion zur Serodiagnose der Syphilis ein.

2. Jakob, 10.3.1873 - 1.1.1934, Schriftsteller; fand um 1910/30 mit breit angelegten, psychologisierenden und nach metaphysischen Vertiefung strebenden Zeitromanen weite Anerkennung («Caspar Hauser», 1908; «Das Gänsemännchen», 1915; «Christian Wahnschaffe», 1919; «Der Fall Maurizius», 1928); aus seiner Novellistik ragt «Das Gold von Caxamalca» (1928) hervor, ferner Essays.

Wassermilben, Hydracarina: Milbengruppe, die mit mehreren tausend Arten sowohl in Binnengewässern wie im Meer lebt; besonders häufig in der Pflanzenreichen Uferzone von Teichen und Seen, aber auch in Bächen, Flüssen, in unterirdischen Gewässern und Thermen; einige Arten parasitisch in Schwämmen und Weichtieren.

Wassernase: etwa 1 cm tiefe Längsrille zum Abtropfen von Niederschlagswasser an der Unterseite vorspringender Bauteile, zum Beispiel Wetterschenkel, Fensterbänke, Gesimse.

Wasserpflanzen, Hydrophyten: Pflanzen, die im Wasser völlig untergetaucht leben (viele Laichkräuter, Hornblatt) oder Schwimmblätter haben (Seerose). Der zarte Bau der untergetauchten Stengel und Blätter ermöglicht eine direkte Aufnahme von Kohlendioxid, Sauerstoff und Nährsalzen; viele Wasserpflanzen sind daher wurzellos.

Wasserpflaume: kugelige beziehungsweise knollige, bis hühnereigroße, oliv- bis blaugrüne oder schwarzbraune Ansammlung fadenförmiger Blaualgen mit fester, aber schleimiger Außenschicht, die frei schwimmend in Seen oder am Grunde von Gewässern weltweit verbreitet Vorkommen.

Wasserrad: älteste und einfachste Wasserkraftmaschine; mit Schaufeln oder Zellen versehenes Rad, das durch die Stoßkraft (unterschlächtiges Wasserrad) oder die Schwerkraft (oberschlächtiges Wasserrad) des Wassers in Drehung versetzt wird.

Wasserreh, Hydropotes inennis: zu den Hirschen gehörender Wiederkäuer; Reh groß, schlank; Männchen ohne Geweih, aber mit langen, hauerartigen oberen Eckzähnen; lebt meist in Gewässernähe, kommt in Ostchina und Korea vor.

Wasserringverdichter, Flüssigkeitsringverdichter: Spezialverdichter zur Förderung von Gasen. Durch Rotation eines beschaufeiten, exzentrisch zum zylindrischen Gehäuse gelagerten Laufrades bildet sich bei teilweise mit Wasser gefülltem Zylinderraum ein Flüssigkeitsring konzentrisch zur Gehäusebohrung aus, in den alle Schaufeln verschieden tief eintauchen und so den sichelförmigen Arbeitsraum in Zellen unterteilen. Bei der weiteren Laufraddrehung verkleinern sich die Zellen bis zur Arbeitsöffnung, so dass das Gas verdichtet wird.

Wasserscheide: Grenze zwischen benachbarten Einzugsgebieten, von der aus Wasser nach verschiedenen Richtungen fließt.

Wasserschichtung: durch Temperatur- und Dichteunterschiede bedingte Schichtenbildung in stehenden Gewässern, wobei Oberflächen- (Epilimnion) und Tiefenschicht (Hypolimnion) sich durch einen starken vertikalen Temperaturabfall (Sprungschicht, Metalimnion) abzeichnen.

Wasserschimmel, Saprolegniaceae: Familie der Eipilze; kommt an organischen Resten im Süßwasser und im Erdboden, auch parasitisch an Fischen, Krebstieren unter anderem vor; kann epidemisch auftreten (Krebspest).

Wasserschloss: Bauwerk, das Druckunterschiede einer Wasserleitung infolge starken Wechsels der Fließgeschwindigkeit (speziell bei Wasserkraftwerken) durch Wasserstands Veränderungen ausgleicht.

Wasserschosse, Wasserreiser: starkwüchsige, großblättrige, meist aufrechtwachsende Jungtriebe am Stamm oder an stärkeren Ästen innerhalb der Baumkrone, die allgemeine bei starkem Rückschnitt von Gerüstasten oder beim Umpfropfen auftreten.

Wasserschutzgebiet: abgegrenztes und durch Hinweis- und Warnschilder gekennzeichnetes Gewinnungsgebiet für Trinkwasser. Wasserschutzgebiete unterliegen durch Verordnungen festgelegten Nutzungsbeschränkungen.

Wasserschwein, Hydrochoerus hydrochaeris: Meerschweinchen ähnliches, größtes, bis 1 m langes und 50 kg schweres Nagetier; Bewohner südamerikanischer Sumpfwälder; frisst Gras, Wasserpflanzen unter anderem

Wasserskilauf: Fortbewegung auf der Wasseroberfläche mittels 1 oder 2 bis 25 cm breiten, mindestens 100 cm langen Wasserskiern im Schlepp eines Motorbootes, mit dem der Sportler mittels einer 23 m langen, mit Handgriff ausgestatteten Zugleine verbunden ist.

Wettkampfdisziplinen sind:

a) Slalom: eine 259 m lange Bojenstrecke ist (gegebenenfalls in mehreren Durchgängen bei jeweils um 3 km/h höherer Schleppgeschwindigkeit, gegebenenfalls auch Leinenverkürzung) zu absolvieren, bis eine Boje nicht mehr umrundet wird; die Zahl der umrundeten Bojen entscheidet;

b) Figurenlauf (Trick): in 2 Durchgängen zu je 20 s sind beliebige, nach Haltung, Ausführung unter anderem in Punkte umzurechnende (Sprung-) Drehungen auszuführen;

c) Springen: mit vorgeschriebener Schleppgeschwindigkeit ist über eine im Wasser aufgebaute 6,40 bis 6,70 m lange, 3,70 bis 4,30 m breite, 1,80 m (Frauen 1,50 m) hohe Sprungschanze möglichst weit zu springen. Die Kombinationswertung ergibt sich aus einer Punktumrechnung der Einzeldisziplin Platzierungen. Weltmeisterschaften seit 1949, «Gruppen»-Meisterschaften (zum Beispiel Europa, Westasien und Afrika gemeinsam) seit 1947.

Wasserspeier: die weit über den Dachrand vorkragenden Ausgussrinnen, die das Regenwasser vom Mauerwerk ableiten. An griechischen Tempeln meist als Löwenköpfe gestaltet, waren sie in der mittelalterlichen Baukunst besonders phantasievoll ausgebildet, oft als fratzenhafte Tier- oder Dämonengestalten.

Wassersport: Sammelbegriff für alle im, auf und unter Wasser betriebenen Sportarten und Disziplinen (Sportschwimmen, Kunstschwimmen, Tauchsport, Wasserball, -fahrsport, -skilauf, -springen unter anderem).

Wasserspringen: Fachgebiet des Schwimmsports; Ausführung vielfältiger Sprünge von einem Sprungturm in ein wassergefülltes Becken. Wettkampfmäßig werden Kunstspringen (vom 1 beziehungsweise 3 m hohen federnden, in den Wurfeigenschaften verstellbaren Brett) und Turmspringen (von 5 oder 10 m hoher starrer Plattform) betrieben. Bretter und Plattformen müssen waagerecht sein und 1,80 m beziehungsweise 1,50 m über den Beckenrand ragen. Die Sprungbeckenabmessungen sind vorgeschrieben; es gibt eine Vorrichtung zum Bewegen der Wasseroberfläche, damit sie durch die Springer wahrgenommen werden kann. Alle Sprünge werden nach Ausgangsstellung und Drehrichtung in Sprunggruppen eingeteilt (Vorwärts-, II Rückwärts-, III Auerbach-, IV Delphin-, V Schrauben- und (nur vom Turm) VI Handstandsprünge). Jeder Sprung hat einen festgelegten Schwierigkeitsgrad zwischen 1,1 und 3,5. Sprünge können in 4 Ausführungsarten (gestreckt, gehechtet, gehockt, freie Haltung) gezeigt werden. Im Wettkampf werden Kürsprünge mit und ohne Schwierigkeitsbegrenzung absolviert (Kunstspringgen: Männer 5 mit, 6 ohne, Frauen je 5 Sprünge; Turmspringen: Männer 4 mit, 6 ohne, Frauen je 4 Sprünge). Bei bedeutenden Veranstaltungen und mehr als 16 Teilnehmern werden Vorkämpfe mit voller Sprungserie ausgetragen. Die Bewertung erfolgt mit 0 bis 10 Punkten (Differenzierung 1/2 Punkt) von 5 oder (international) 7 Punktrichtern. Die höchste und die niedrigste Wertung werden bei 5 Punktrichtern gestrichen, die Summe der verbleibenden 3 Wertungen wird mit dem Schwierigkeitsgrad multipliziert. Bei 7 Punktrichtern wird das Produkt aus den verbleibenden 5 Wertungen und dem Schwierigkeitsgrad durch 5 dividiert und mit 3 multipliziert. Olymp. Sportart seit 1904, Weltmeisterschaften seit 1973, Europameisterschaften seit 1926.

Wasserstand: Abstand der Wasseroberfläche über oder unter einem Bezugsniveau (zum Beispiel Pegelnull, Messpunkt), angegeben in Metern und nach Hauptwerten als Hochwasserstand (Abkürzung HW), Mittelwasserstand (Abkürzung MW) beziehungsweise Niedrigwasserstand (Abkürzung NW) bezeichnet.

Wasserstoff, Hydrogenium (griechisch, «Wasserbildner») n, Symbol H: chemisches Element der Kernladungszahl 1; Nichtmetall; Atommasse 1,00794; Wertigkeiten +1, seltener -1; Isotope sind Protium (Massenzahl 1; 99,985%), Deuterium (Massenzahl 2; 0,015%) und das radioaktive Tritium (Massenzahl 3; 10"10 %b). Freier Wasserstoff, H2, ist farblos, geruch- und geschmackfrei, ungiftig, wenig wasserlöslich; F -259,2°C; Kp -252,9°C; mit der Dichte 0,0899 g/1 (bei 0°C und 101,3 kPa) ist er das leichteste Gas. Er verbrennt mit schwachblauer Flamme zu Wasserdampf; Wasserstoff-Luft-Gemische sind explosibel (Knallgas). Wasserstoff ist wahrscheinlich das häufigste Element des Weltalls. Fixsterne (zum Beispiel die Sonne), interstellare Materie und auch die Planeten Jupiter und Saturn bestehen überwiegend aus Wasserstoff. In der Erdrinde kommt Wasserstoff fast nur chemisch gebunden vor (Wasser, Erdöl, Kohle, organische Substanz, einige Minerale) und ist massenmäßig (0,9%) das neunt-, atomzahlmäßig (15,4%) das dritthäufigste Element. In der Technik gewinnt man Wasserstoff (im Gemisch mit Kohlenmonoxid) durch Reduktion heißen Wasserdampfes mit Koks oder Kohle (Wassergas) sowie durch katalytische Umsetzung mit Erdgas oder Erdölfraktionen (Dampfreformierung, Öldruckvergasung); bei der Alkalichloridelektrolyse entsteht Wasserstoff als Nebenprodukt. Wasserstoff kommt unter 15 MPa Druck in rot gekennzeichneten Stahlflaschen mit Linksgewinde in den Handel. Man verwendet ihn rein oder als Bestandteil von Wasser-, Stadt-, Fern- und Schwelgas zum Heizen, vor allem aber für chemische Synthesen (Ammoniak, Methanol und sonstige Hydrierungen, zum Beispiel Kohle- und Erdölhydrierung, Fetthärtung unter anderem). Wasserstoff wurde 1766 von H. Cavendish entdeckt und «brennbares Gas» genannt.

Wasserstoffbrückenbindung: durch ein Wasserstoffatom bewirkte Bindung zwischen (intermolekulare Wasserstoffbrückenbindung) oder innerhalb von Molekülen (intramolekulare Wasserstoffbrückenbindung). Die Wasserstoffbrückenbindung wird gemäß X-H---Y symbolisch durch eine punktierte Linie wiedergegeben; X und Y bedeuten stark elektronegative Atome, insbesondere Fluor, Sauerstoff, Stickstoff Somit tritt die Wasserstoffbrückenbindung bevorzugt in Wasser, Ammoniak und Fluorwasserstoff auf, aber auch in Alkoholen, Phenolen und Aminen; sie bewirkt deren relativ hohe Schmelz- und Siedepunkte. Bindungsenergie und -festigkeit einer Wasserstoffbrückenbindung sind geringer als bei normalen chemischen Bindungen.

Wasserstoffperoxid: in verdünntem Zustand sehr explosible, farblose, ölige Flüssigkeit der Formel HJ02; F -0,89°C, Kp 157,8°C. Handelsüblich sind 3- und 30%ige, nicht explosible, jedoch leicht zersetzliche Lösungen, die durch Harnstoff oder Phosphorsäure stabilisiert sind. Man verwendet sie als Bleich- und Desinfektionsmittel.

Wasserstoffspektrum: Spektrum des Wasserstoffatoms; man unterscheidet:

a) ein Linienspektrum, dessen Einzelwellenlängen A nach der Balmer-Formel zu berechnen sind (R Rydberg-Konstante; n, m natürliche Zahlen); n charakterisiert jeweils eine Serie von Spektrallinien, die sich mit m = n + 1, n + 2, ... ergeben, insbesondere die Lyman- (n = 1), Balmer- (n =), Paschen- (n = 3), Brackett-Serie (n = 4) und

b) kontinuierliche Spektren, die sich an die Seriengrenzen anschließen und vom positiven Ion und dem abgetrennten Elektron herrühren. Atome und Ionen mit nur einem äußeren Elektron zeigen ein analoges Spektrum.

Wasserstrahlbearbeitung: Verfahren zum Trennen von Glas, Metall, Holz und anderen Werkstoffen mittels eines energiereichen Flüssigkeitsstrahls, der unter hohem Druck aus einer kleinen Düse mit Überschallgeschwindigkeit austritt und einen feinen Trennschnitt bewirkt.

Wasserstraße: Schifffahrtsstraße, das heißt ein von Schiffen befahrenes Gewässer. Natürliche Wasserstraße sind alle Schifffahrtswege in der offenen See, auf Flüssen, Seen sowie in den Haff- und Bodengewässern; künstliche Wasserstraße sind Häfen, Kanäle und durch Wasserbau! Anlagen befestigte ehemalige natürliche Wasserstraße; Seestraßen sind alle Schifffahrtswege in der offenen See ohne genaue seitliche Begrenzung, mit Ausnahme durch Küstenlinien; Seewasserstraße sind Schifffahrtswege mit festgelegten Grenzen in See- und mit der offenen See verbundenen Küstengewässern; Binnenwasserstraße sind Schifffahrtswege im Binnenland.

Wassertiefe: lotrechter Abstand eines Punktes im Wasserspiegel vom Gewässerbett beziehungsweise vom See- oder Meeresboden.

Wassertreter, Phalaropodidae: 3 Arten umfassende Familie zierlicher Regenpfeifervögel. Wassertreter schwimmen leicht wie Kork, die Füße tragen Schwimmlappen. Das Männchen ist weniger bunt gefärbt als das Weibchen und übernimmt die Brutfürsorge allein. Das etwa 17 cm lange Odinshühnchen (Phalaropus lobatus) ist in Nordamerika, -asien und -europa verbreitet.

Wassertrugnattern, Homalopsinae: lebendgebärende Nattern mit gefurchten Giftzähnen und verschließbaren Nasenlöchern; leben im Süß-, Brack- und Meerwasser des indo-australischen Raumes und fressen Fische, Krabben unter anderem. Die Fühlerschlange (Herpeton tentaculatum) hat 2 tentakelartige Fortsätze auf der Schnauzenspitze.

Wasserturbine: Wasserkraftmaschine zur Umwandlung der potentiellen oder kinetischen Energie des Wassers in andere (meist elektrische) Energiearten. Siehe auch Francis Turbine, Kaplanturbine, Peltonturbine.

Wasseruhr: antiker Zeitmesser, bei dem aus- oder einfließendes Wasser die Zeit durch den Wasserstand im Gefäß der Wasseruhr bestimmt. Bedingt durch den sich ändernden Wasserdruck, die Wasserverdunstung und die Unwirksamkeit bei Frost, gab die Wasseruhr nur ungenau die Zeit an.

Wasserverdrängung: Rauminhalt der vom Unterwasserschiffskörper (ohne Ruder, Schiffsschraube, Außenhaut) verdrängten Wassermenge. Das Deplacement gibt diese Wassermenge dagegen in an.

Wasserversorgung: Bereitstellung von Trink- und Brauchwasser aus Flüssen, Seen, Talsperren, Grund- und Quellwasser zur Befriedigung des Bedarfs der Bevölkerung, der Industrie und Landwirtschaft. Für Trink- und Brauchwasser erfolgt eine unterschiedliche Wasseraufbereitung in Wasserwerken.

Wasserwanzen, Hydrocorisae: Unterordnung der Wanzen mit Schwimmbeinen, besonderen Atemorganen oder Luftreservoiren und in Fühlergruben verborgenen Fühlern; Larven und Vollkerfe leben räuberisch von anderen Insekten.

Wasserwerk: Anlage zur Wasseraufbereitung für die Trink- oder Brauchwasserversorgung. Zum Wasserwerk gehören Aufbereitungsbecken, Filteranlagen, Pumpstationen und Hochbehälter (Wasserturm) aus Stahlbeton oder -blech. Die in Hochbehältern gespeicherte potentielle Energie bewirkt den erforderlichen Wasserdruck in den Versorgungsleitungen.

Wasserwerkstatt: Arbeitsbereich in der Lederherstellung, in dem alle Arbeitsgänge (wie Weichen, Äschern, Enthaaren, Spalten und Streichen) bis zum Erhalt der Blöße ausgeführt werden.

Wasserwirtschaft: Wirtschaftszweig, der die rationelle Nutzung des Wassers (zum Beispiel durch planmäßige Bewirtschaftung des unterschiedlichen Wasserdargebots), dessen schadlose Ableitung, die Reinerhaltung des Wassers und den Schutz vor den Gefahren des Wassers (Hoch-, Niedrigwasser) zu gewährleisten hat. Zentrales Organ zur Leitung der Wasserwirtschaft ist das Ministerium für Umweltschutz und Wasserwirtschaft

Wasserzeichen: durchscheinendes Herkunfts- oder Sortenzeichen (Schrift, Wappen unter anderem) im Papier. Unterschieden werden echte und künstliche Wasserzeichen. Bei den echten Wasserzeichen werden das durch Egoutteur erzeugte, nur im durchfallenden Licht sichtbare Egoutteur-Wasserzeichen (echtes Wasserzeichen im eigentlichen Sinn) und das mittels Gummiprägewalze erzeugte Molette-Wasserzeichen unterschieden. Künstliche Wasserzeichen werden mit Hilfe eines Prägekalanders in die nachgefeuchtete Papierbahn gedrückt oder durch Aufdruck erzeugt. Wasserzeichen dienen vor allem der Sicherung gegen Fälschungen bei Banknoten, Wertpapieren unter anderem

Wassilew, Orlin (Christo), 3.12.1904-2.4.1977, bulgarischer Schriftsteller, schrieb Romane über den Septemberaufstand 1923, historische Romane, Erzählungen; später trat er mit den Bühnenwerken «Alarm» (1948) und «Glück» (1954) hervor; ferner Filmszenarien, Essays und Kinderbücher.

Wassili, Großfürsten von Moskau: 1. Wassili I. Dmitrijewitsch, 1371-1425, Großfürst seit 1389, unterwarf 1392 die Fürstentümer Nischni Nowgorod und Murom, verlor 1404 Smolensk an Litauen. 2. Wassili II. Wassiljewitsch Tajomny («der Geblendete»), 1415-1462, Großfürst seit 1425; Sohn von Wassili 1; kämpfte gegen die Teilfürsten und festigte das Großfürstentum; 1446 von Gegnern geblendet. 3. Wassili III. Iwanowitsch, 1479-1533, Großfürst seit 1505; eroberte unter anderem 1510 Pskow und 1521 Rjasan; gewann 1514 Smolensk zurück.

Wassili Iwanowitsch Schuiski, Fürst, 1552 - 22.9.1612, russischer Zar 1606/10; unterdrückte den Bauernaufstand unter 1.1. Bolotnikow; bekämpfte Dmitri II. und die polnischen Interventen, 1610 gestürzt.

Wassiljew: 1. Boris Lwowitsch Wassiljew, geboren 21.5.1924, russisch-sowjetischer Schriftsteller; schrieb über Kriegserleben die Erzählung «Im Morgengrauen ist es noch still» (1969, deutsch) und den Roman «In den Listen nicht erfasst» (1974, deutsch), betont die sittliche Verantwortung des Menschen in dem Roman «Schießt nicht auf weiße Schwäne» (1973, deutsch), gestaltete das Schicksal einer russischen Adelsfamilie in dem historischen Roman «Die Wege der Oleksins» (1977/78, deutsch).

2. Fjodor Alexandrowitsch Wassiljew, 22.2.1850 - 6.10.1873, russischer Landschaftsmaler; Meister der russischen lyrischen Stimmungslandschaft, dessen betont sozialkritische, sehr poesievolle, von unmittelbarem Naturerlebnis und frischer Farbigkeit geprägte Werke starken Einfluss auf die weitere Entwicklung der Freilichtmalerei in Russland ausübten.

3. Wladimir Wiktorowitsch Wassiljew, geboren 18.4.1940, sowjetischer Tänzer und Choreograph; seit 1958 Solist am Bolschoi-Theater, hervorragender Interpret klassischer und neuerer Hauptrollen; choreographierte unter anderem «Ikarus» (1971).

Wasungen: Stadt im Kreis Meiningen, Bezirk Suhl, an der Werra; 4200 Einwohner; Dachpappenwerk und andere Leichtindustrie; Heimatmuseum; Karnevalstadt, Ferienort; Rathaus (1533) und andere Fachwerkbauten, Stadtkirche (16. Jahrhundert).

Waterkant: (niederdeutsch, «Wasserkante») Küste, besonders die Nordseeküste.

Waterloo: Gemeinde in Belgien südlich von Brüssel. In der Schlacht bei Waterloo (nach einem Gasthaus bei Waterloo auch als Schlacht bei Belle-Alliance bezeichnet) besiegten preußische und britische Truppen am 18.6.1815 Napoleon I. endgültig.

Waterproof: (englisch, «Wasserdichtes») 1. Waterproof: wasserabstoßend imprägnierter Stoff, aus solchem hergestellter Mantel oder Umhang.

2. Waterproof: chromgegerbtes oder chrom-pflanzlich gegerbtes wasserabweisendes Rindleder für Sportschuhe und Stiefel.

Waterstradt, Berta, geboren 9.8.1907, Schriftstellerin; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; 1933/34 in der Emigration (Großbritannien); anschließend Teilnahme am antifaschistischen Widerstandskampf in Deutschland; wirkte nach 1945 an der demokratischen und sozialistische Umgestaltung mit. Waterstradt schrieb Filmszenarien («Die Buntkarierten», 1949), Schauspiele («Ehesache Lorenz», 1958; «Einen Tick hat schließlich jeder», 1965), Erzählungen («Alle Tage ist kein Alltag», 1977), Kinderbücher sowie Hör- und Fernsehspiele.

Watson-Crick-Modell: (nach einem US-amerikanischen Biologen und F. H. C. Crick) räumliches Strukturmodell der DNS. Danach sollen sich 2 Polynukleotid stränge unter Bildung einer Doppelhelix (Doppelspirale) umeinander winden, wobei sich im Inneren bestimmte Basen gegenüberstehen (Basenpaarung). Mit dem Watson-Crick-Modell lässt sich die identische Replikation der DNS anschaulich machen.

Watt: 1. Watt (zu «waten»): aus Sand und Schlick bestehender, unterschiedlich breiter Streifen des Meeresbodens an einer flachen Gezeitenküste, der von Prielen durchzogen wird und bei Ebbe trockenfällt, bei Flut aber vom Meerwasser bedeckt ist (Wattenmeer).

Watt: 1. Watt James, 19.1.1736 - 19.8.1819, britischer Ingenieur; Erfinder der ersten betriebsfähigen Dampfmaschine (Patent 1769), erfand ferner den Kondensator, das Wattsche Parallelogramm als Geradführung und den Fliehkraftregler.

2. Joachim von Vadianus.

Watteau, Antoine, 10.10.1684-18.7.1721, französischer Maler; seine Bildthemen (Feste im Freien, galante Szenen und Motive aus der italienischen Komödie) sind charakteristisch für die Lebensauffassung des französischen Adels im 18. Jahrhundert Von vielen Nachahmern fand keiner die gleiche Leichtigkeit und Eleganz in der Wiedergabe heiter-beschwingter Menschen inmitten einer lichterfüllten Natur.

Watten: (zu «Watte») in flachem Wasser frei schwebende «watteartige» Verbände grüner Fadenalgen.

Wat Tyler, (englisch, «Walter (der) Ziegeldecker») ermordet 15.6.1381, Führer im englischen Bauernkrieg von 1381; wurde nach der Einnahme Londons bei Verhandlungen mit König Richard II. verraten und erschlagen. Oper von A. Bush.

Watussirind: (nach dem afrikanischen Volk) afrikanisches Hausrind mit großen Hörnern (an der Basis bis 50 cm Umfang, Länge bis 150 cm).

Waugh, Evelyn Arthur St. John, 28.10.1903 bis 10.4.1966, englischer Schriftsteller; schilderte in satirischen Romanen die Hohlheit und Brüchigkeit der bürgerlichen Gesellschaft aus katholischer Sicht («Aber das Fleisch ist schwach», 1930, deutsch; «Eine Handvoll Staub», 1934, deutsch; «Tod in Hollywood», 1948, deutsch); mit dem 2. Weltkrieg beschäftigt sich die Trilogie «Das Schwert der Ehre» (1952/61). Nach dem Krieg traten metaphysische Züge stärker hervor.

Waza-ari: Judo «Fastpunkt»; ein Waza-ari wird gegeben, wenn eine Wurftechnik in Bezug auf Kraft, Schnelligkeit oder Landung auf dem Rücken Mängel aufweist beziehungsweise wenn ein Festhaltegriff 25 bis 30 s gehalten wird. 2 Waza-ari ergeben Ippon (Waza-ari awasete Ippon).

Wazyk, Adam, 17.11.1905-13.8.1982, polnischer Schriftsteller; wandte sich unter dem Eindruck des Krieges (Gedichtsammlung «Herz der Granate», 1943) gesellschaftliche Thematik und humanistischer Tradition zu (Poem «Das Labyrinth», 1961); ferner Romane, Essays sowie Nachdichtungen (A. S. Puschkin, Apollinaire).

WBS 70: Abkürzung für Wohnungsbauserie 70; sie entspricht den Bedingungen des industriellen Bauens und ermöglicht variable Städtebau! Lösungen.

WCHUTEIN: (russisch, «Höheres künstlerisch-technisches Institut») 1. künstlerische Lehranstalt (Parallele zu den Moskauer WCHUTEMAS); 1922 aus der Petrograder Kunstakademie hervorgegangen, existierte bis 1930.

2. Bezeichnung der Moskauer WCHUTEMAS nach ihrer Umbildung 1927 und der erneuten Hinwendung zu stärkerer Spezialisierung der Ausbildung; 1930 aufgelöst.

WCHUTEMAS: (russisch, «Höhere künstlerisch-technische Werkstätten») 1920 durch ein von Lenin unterzeichnetes Dekret des Rates der Volkskommissare gebildete, dem Bauhaus vergleichbare allgemeine Kunsthochschule in Moskau, die, von der Konzeption einer neuen Einheit aller Künste ausgehend, auf moderne Gestaltung der sozialistischen Produktion und Umwelt orientiert war, parallele Institutionen auch in anderen Städten.

Webb, Sidney James, Baron Passfield, 13.7.1859-13.10.1947, britischer Wirtschaftstheoretiker und Politiker; Mitbegründer und opportunistischer Theoretiker der Fabian Society und der Labour Party.

Weber, (nach E. Weber) Zeichen Wb: SI Einheit des magnetischen Flusses; 1 Wb = 1 V • s = 1 N • m/A.

Weber: 1. Adolf Weber, 29.12.1876-5.1.1963, ökonomischer 1921/47 Professor für Volkswirtschaftslehre in München, Vertreter einer liberalen Richtung; entschiedener Gegner des Keynesianismus. Weber trat vor allem durch Arbeiten über Sozialpolitik und in antikommunistischer Weise über den real existierenden Sozialismus in Erscheinung.

2. Alfred Weber, 30.7.1868-2.5.1958, Soziologe; vertrat eine Kultursoziologie auf lebensphilosophische Grundlage; neigte später zum Existentialismus. Unwissenschaftlichkeit und Irrationalismus seiner Theorie spiegeln die Ausweglosigkeit der Ideologie und Praxis des Imperialismus wider.

3. Carl Maria von Weber, 18.11.1786-5.6.1826, Komponist; war zunächst Operndirigent in Breslau (Wroclaw) und in Prag, seit 1817 Musikdirektor der neu gegründeten Deutschen Oper in Dresden. Nach dem frühen Meisterwerk «Abu Hassan» (1811) schuf er hier die Oper «Der Freischütz» (1821), die, noch unter dem Eindruck der Befreiungskriege, von breiten Volksschichten begeistert begrüßt wurde. Nicht der gleiche Erfolg war der Oper «Euryanthe» (1823) beschieden. Seine letzte Oper «Oberon» schrieb der todkranke Weber für London, wo er bald nach der Uraufführung (1826) starb. Bedeutend sind auch Webers Konzerte für Klavier und Klarinette sowie seine Kammermusik. Der Stil seiner brillanten Klavierwerke («Aufforderung zum Tanz» unter anderem) wurde von F. Chopin und F. Liszt weitergeführt. Von seinen Liedkompositionen und Chören sind die zu T. Körners «Leier und Schwert» (1814) von Patriot. Begeisterung erfüllt. Webers historischer Verdienst liegt in der Schaffung der romantischen deutschen National- und Volksoper, die im «Freischütz» ihre klassische Ausprägung fand, sowie in der Gestaltung volksliedhafter Weisen, in der dramatischen Profilierung inniger oder schwungvoller Kantilenen und in der packenden Darstellung dämonischer Naturkräfte, womit er stark auf R. Wagner wirkte.

4. Hans Weber, geboren 14.7.1937, Schriftsteller; gestaltet in Erzählungen («Meine Schwester Tilli», 1972) und Romanen («Sprung ins Riesenrad», 1968; «Bin ich Moses?», 1976; «Einzug ins Paradies», 1979; «Alter Schwede», 1984) Themen der sozialistischen Gegenwart; schrieb auch Filmszenarien.

5. Jürgen Weber, geboren 14.1.1928, Bildhauer der BRD; seine zahlreichen realistischen Bildwerke (Brunnen, Sakralplastik, monumentale Bronzereliefs, Kleinplastik) sind von dynamischer Plastizität und demokratischen kritischen Engagement geprägt; vertritt als Lehrer und Kunsttheoretiker aktiv die demokratische Künstlerbewegung.

6. Max Weber, 21.4.1864-14.6.1920, Soziologe; führender Vertreter der imperialistischen Soziologie. Methodologisch dem Neukantianismus (H. Rickert) und der Lebensphilosophie verpflichtet, schuf Weber eine I verstehende Soziologie, in der er fachwissenschaftlichen Rationalismus mit philosophischem Irrationalismus zu verbinden suchte. Er ersetzte das Erkennen objektiver gesellschaftlicher Gesetze durch die Untersuchung der subjektiven Absicht der Handelnden.

7. Wilhelm Eduard Weber, 24.10.1804-23.6.1891, Physiker; einer der Göttinger Sieben; arbeitete über Wellenlehre und Magnetismus; mit C. F. Gauß konstruierte er 1833 die erste elektromagnetische Telegrafenanlage sowie Messinstrumente für Magnetismus und Elektrizität; durch elektrodynamischen Maßbestimmungen schuf er die Grundlage für spätere internationale Maßeinheiten.

Weberaufstand: spontaner Aufstand schlesisch Weber in Peterswaldau (Pieszyce) und Langenbielau (Bielawa) im Juni 1844 gegen die kapitalistische Ausbeutung, durch preußische Truppen brutal niedergeschlagen; erste bedeutende proletarische Erhebung, löste zahlreiche Lohnkämpfe, Demonstrationen und Streiks aus und eröffnete den selbständigen Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie. Gedicht von H. Heine, Drama von G. Hauptmann, Grafikzyklus von K. Kollwitz.

Weberei: 1. Betrieb, der industriell Gewebe erzeugt.

2. Herstellung von Geweben aus Kett- und Schussfäden (kurz Kette und Schuss), die sich in fachgemäßer Bindung rechtwinklig kreuzen. Der Kett- und Gewebelauf schreitet kontinuierlich fort, indem Kette vom Kettbaum freigegeben und Gewebe auf den Gewebe- (Brust-) Baum aufgewickelt wird. Webschäfte, von einer Fachbildungsvorrichtung gesteuert, heben und senken die Kettfäden in 2 Ebenen und binden bei jedem Wechsel den Schussfaden ein, der mittels eines die Schussspule tragenden Webspulenschützens, eines Greiferschützens (beide kurz Schützen), Greifers, Luft- oder Wasserstrahls in das jeweils offene Fach eingetragen wird.

Webereivorbereitung: Arbeitsgänge, bei denen zur Vorbereitung des Webprozesses die von der Spinnerei, Zwirnerei oder dem Chemiefaserwerk kommenden (Kett- beziehungsweise Schuss-) Fäden in die für das Weben nötige Verarbeitungs- beziehungsweise Aufmachungsform gebracht werden.

Weber-Fechnersches Gesetz: Psychologie mathematische Formulierung des Zusammenhangs von Reizstärke und Größe der sinnlichen Empfindung, wonach die Empfindungsgröße mit dem Logarithmus der Reizstärke anwächst; von Ernst Heinrich Weber (1795-1878) gefunden, von Gustav Theodor Fechner (1801-1887) verallgemeinert. Neuere Untersuchungen haben den Gültigkeitsbereich eingeschränkt und den Zusammenhang präziser gefasst.

Weberknechte, Kanker, Opiliones: Ordnung der Spinnentiere mit etwa 2500 Arten, davon 35 in Mitteleuropa; Vorder- und Hinterleib im Unterschied zu den Spinnen zu einem einheitlichen Körper verbunden, Beine meist sehr lang und dünn.

Webern, Anton, 3.12.1883-15.9.1945, österreichischer Komponist; nutzte als Schüler A. Schönbergs die Zwölftontechnik; leitete mit seinen aufs äußerste konzentrierten und verknappten Kompositionen die Entwicklung zum Punktualismus ein.

Webersche Drüsen: Schleimdrüsen des Zungengrundes, deren Sekret die Nahrung gleitfähig macht; benannt nach dem Anatomen und Physiologen Ernst Heinrich Weber (1795-1878).

Webersinke, Amadeus, geboren 1.11.1920, Pianist; wirkte bis 1953 überwiegend als Organist; seither international erfolgreicher Konzertpianist, auch Organist und Clavichord Spieler, lehrte 1946/66 an der Leipziger (1953 Professor), lehrt seit 1966 an der Dresdner Musikhochschule.

Webervögel, Ploceidae: gesellig lebende Singvögel Afrikas, Südostasiens und Australiens; manche flechten kunstvolle, frei schwebende Nester. Der 12 cm lange Feuerweber (Euplectes orix) brütet in kleinen Gesellschaften.

Webmaschine: Maschine, bestehend aus den Baugruppen Kettablassvorrichtung, Gewebeabzugsgetriebe, Vorrichtung für den Schussfadeneinzug und für die Fachbildung, zu industriemäßiger Produktion von Geweben. Nach dem Prinzip des Eintragens des Schussfadens werden nichtautomatische und automatische Webmaschine unterschieden. Nichtautomatische Webmaschine: Bei der Spulenschützenwebmaschine wird der Webvorgang durch Nachfüllen des Spulenschützens unterbrochen. Auf den Hodgson Stühlen werden leichte Baumwoll-, Wollmisch- und Seidengewebe hergestellt, auf den schweren, langsamer laufenden Crompton Stühlen Wollgewebe, Möbelbezugsstoffe und Teppiche. Genügt bei einfachen Mustern zur Fachbildung (Fach) eine Trittvorrichtung, müssen bei größeren Mustern die Hubbewegungen der Schäfte durch Schaftmaschinen nach Musterkarten gesteuert werden. Komplizierte Webmuster werden auf Jacquard Webmaschine hergestellt. Automatische Webmaschine: Bei Webautomaten werden Spulen beziehungsweise Schützen selbsttätig gewechselt (Spulenwechsel- beziehungsweise Schützenwechsel-Webautomat). Auf der bis zu 3,5 m breiten Buckskin Webmaschine werden schwere Oberkleidungsgewebe hergestellt. Polgewebewebmaschine haben Einrichtungen zur Schlingenbildung der Polkette, Rutenwebmaschine beweglicher Schneid- beziehungsweise Zugrouten, um Samte, Plüsche unter anderem herzustellen. Doppelwebmaschine erzeugen in einem Arbeitsgang 2 gleiche Gewebe (Ober- und Unterware), die durch ein zwischen beiden Geweben bewegtes Messer getrennt werden. Bei Bandwebmaschine können mehrere als Bandketten auf Scheiben gewickelte Kettfäden nebeneinander gewebt werden. Auf Rundwebmaschine wird Schlauchware, auf Bobinet Webmaschine werden Tüllgardinen hergestellt. Bei der Greifer Schützenwebmaschine übernimmt der Greiferschützen, der keine Spule trägt, abwechselnd von beiden Seiten den Schussfaden und trägt ihn ein, während beim Greifer Webautomaten der Schussfaden durch einen beziehungsweise 2 beidseits angebrachte Greifer eingetragen wird. Der Schusseintrag bei Düsenwebmaschine erfolgt pneumatisch (Luftstrahl) oder hydraulisch (Wasserstrahl).

Websky, Christian Friedrich Martin, 17.7.1824-27.11.1886, Mineraloge, Professor an der Berliner Universität; verbesserte die kristallographischen Berechnungs- und Projektierungsmethoden, legte zahlreiche Beschreibungen und Messungen natürliche Kristalle vor.

Webstuhl, Handwebstuhl: Gerät zur Herstellung von Geweben, dessen Arbeitsprinzip in die Webmaschine übernommen und dort weiterentwickelt worden ist.

Wechmann, Artur, 5.8.1882-12.2.1969, Hydrologe; Begründer der wissenschaftlichen Hydrologie in Deutschland, langjähriger Herausgeber des «Gewässerkundlichen Jahrbuches», der «Hydrologischen Bibliographie» und diverser Fachbücher.

Wechsel:

1. Bautechnik: Holzbalken, der rechtwinklig zwischen 2 parallelen Trägern oder Sparren mit Zapfen eingefügt wird und den dazwischenliegenden, wegen Aussparungen verkürzten Stichbalken als Auflager dient.

2. Jagdwesen: vom Schalenwild, Bär, Wolf und Luchs regelmäßig benutzter Pfad; beim übrigen Haarnutz- und Raubwild Pass genannt.

3. Recht: Wertpapier, schriftliche Anweisung des Ausstellers, an den genannten Empfänger oder laut dessen Order eine bestimmte Geldsumme zu zahlen. Ein Wechsel muss in einer bestimmten Form ausgestellt und ausdrücklich als Wechsel bezeichnet werden.

Wechselburg: Gemeinde im Landkreis Roschütz, Bezirk Karl-Marx-Stadt; gut erhaltene romanische ehemalige Stifts- (Schloss-) Kirche (1160/80; Restaurierung 1953/63; bedeutende spätromanische Lettner Plastik, Triumphkreuzgruppe), Barockschloss (1753/56), Kleines Schloss (zum Teil spätgotisch, im Barock stark verändert) und 2 spätgotische Torbauten vom Kloster.

Wechseljahre, Klimakterium, Klimax: Zeit des Übergangs von der Geschlechtsreife zur unfruchtbaren Lebensperiode der Frau; Dauer etwa 10 Jahre (5 Jahre vor und nach der letzten Regel). Die Menopause (letzte Regel) tritt zwischen 47. und 52. Lebensjahr ein. Die Wechseljahre sind gekennzeichnet durch unregelmäßiges Auftreten und schließlich Aufhören der Menstruation infolge Nachlassens der Eierstockfunktion. Mögl. Beschwerden sind Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gemütsverstimmungen unter anderem

Wechselklima: Veränderungen typischer Witterungs- und Klimazustände in einem Gebiet durch Verlagerung des planetar. Windsystems im Wechsel der Jahreszeiten.

Wechselkröte, Bufo viridis: bis 10 cm lange Kröte, deren Oberseite mit grünen, dunkel gerandeten Flecken bedeckt ist; bevorzugt trockene, sandige Lebensräume Mittel- und Osteuropas sowie Asiens und Nordafrikas.

Wechselrichter: elektrisches Gerät mit steuerbaren Halbleiter- oder (veraltet) Gasentladungsventilen zum Umformen von Gleichstrom in Wechsel- oder Drehstrom.

Wechselspannung: elektrische Spannung mit periodisch wechselnder Polarität; in der Elektrotechnik hat die Wechselspannung meist eine Frequenz von 50 Hz und entspricht einer sinusförmigen Schwingung. Siehe auch Wechselstrom.

Wechselspannungsprüfung: Hochspannungstechnik Prüfung elektrotechnischer Erzeugnisse mit hohen sinusförmigen Wechselspannungen zum Nachweis des Isoliervermögens.

Wechselspannungssteller, umgangssprachlich auch Wechselstromsteller: Gerät oder Schaltung der Leistungselektronik mit antiparallelgeschalteten Thyristoren (Triac), mit denen die Wechselspannung bei gleichbleibender Frequenz gesteuert wird.

Wechselstrom: elektrischer, von einer Wechselspannung angetriebener Strom, dessen Richtung und Betrag sich periodisch, häufig sinusförmig zwischen positivem und negativem Scheitelwert (Maximalwert, Spitzenwert, Amplitude bei sinusförmigen Größen) ändert und dessen Mittelwert bei reinem Wechselstrom Null ist. Die Schwingungen des Wechselstrom je Sekunde werden durch die Frequenz / (in Hz) angegeben. Nenn- und Messwerte des Wechselstrom sind in der Praxis der Wechselstromtechnik fast immer die Effektivwerte (bei sinusförmigem Wechselstrom 0,707 • Amplitude). Der Widerstand des Wechselstromkreises ist die Impedanz, die sich aus Resistanz und dem induktiven sowie dem kapazitiven Blindwiderstand, beide zusammen Reaktanz genannt, zusammensetzt. Durch die Blindwiderstände tritt eine zeitliche Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung um den Phasenwinkel q> auf (Leistungsfaktor). Leistungen im Wechselstromkreis sind Wirkleistung als Maß für die Energieumsetzung, Scheinleistung für die Erwärmung der Generatoren und Transformatoren und Blindleistung, die durch Blindleistungskompensation möglichst klein gehalten wird. Wechselstrom lässt sich verlustarm mittels Transformatoren auf hohe Spannungen transformieren und über weite Entfernungen wirtschaftlich übertragen. Man unterscheidet Einphasenstrom (Einphasenwechselstrom), Zweiphasenstrom oder allgemein Mehrphasenstrom (Mehrphasenwechselstrom), darunter Drehstrom (Dreiphasenstrom, Kraftstrom) als wichtigste Stromart der Elektroenergieversorgung, der aus 3 zeitlich um eine Drittelperiode (120°) gegeneinander phasenverschobenen Einphasenströmen gebildet und über 3 (Dreileitersystem) oder 4 Leiter (Vierleitersystem (mit Nullleiter)) übertragen wird. Bei Drehstrom steht neben der Spannung zwischen den Leitern (Leiterspannung, Dreieckspannung) die um den Faktor -y/F kleinere Spannung (Sternspannung, Strangspannung) gegen Null (Erde) zur Verfügung. In Kraftwerken wird fast ausschließlich Drehstrom und nur für Fernbahnen Einphasenstrom erzeugt (letzterer auch aus Drehstrom mit Bahnumformer gewonnen). Für Beleuchtungsanlagen, Haushaltgeräte und kleine Elektrowerkzeuge wird Einphasenstrom zwischen einem Leiter des Drehstromsystems und dem Sternpunktleiter abgegriffen.

Wechselwarmblüter, Poikilotherme, Kaltblüter. Tiere, deren Körper jeweils die Umgebungstemperatur annehmen (zum Beispiel Insekten, Fische, Lurche, Reptilien). Im Unterschied dazu regelt der Warmblüter die Körpertemperatur so, dass sie von der Umgebungstemperatur unabhängig ist. zwischen beiden gibt es keine klare Grenze. Bei Winterschlaf besteht eine Thermoregulation auf niedrige Werte. Bei Wechselwarmblüter kann bei tiefen Temperaturen eine Kältestarre eintreten.

Wechselwirkung:

1. Philosophie: grundlegende Form des objektiven Zusammenhangs zwischen Gegenständen der objektiven Realität, des Bewusstseins oder beider, besteht darin, dass ein Gegenstand auf den anderen einwirkt und selbst durch diesen Einwirkungen erfährt. Ein Kausalzusammenhang (Kausalität) ist ein Teil, Aspekt der Wechselwirkung Alle materiellen Dinge existieren nur in Wechselwirkung mit ihrer materiellen Umgebung und durch sie.

2. Physik: gleichzeitige, gegenseitige Einwirkung zweier physikalischer Systeme aufeinander, durch Austausch von Energie und eventuell weiterer physikalischer Größen gekennzeichnet. Die Wechselwirkung wird in der nichtrelativistischen Mechanik durch die entgegengesetzt gleichen Kräfte («actio = reactio») der Systeme aufeinander beschrieben, die augenblicklich über beliebige Entfernungen wirken (Fernwirkungstheorie); in der relativistischen Physik erfolgt die Wechselwirkung lokal in jedem Raum-Zeit-Punkt vermittels realer Felder (Feldtheorie) beziehungsweise durch Austausch von Feldquanten (siehe auch Quantenfeldtheorie). Man unterscheidet derzeit 4 Grundtypen der Wechselwirkung (elementare Wechselwirkung), die durch unterschiedliche Koppelungskonstanten charakterisiert sind: gravitative Wechselwirkung (Gravitation) zwischen allen Massen, elektromagnetische Wechselwirkung zwischen elektrischen Ladungen, starke Wechselwirkung (Kernkraft) der Hadronen und schwache Wechselwirkung aller Elementarteilchen (außer dem Photon); wenn man die Hadronen als gebundene Zustände von Quarks auffasst, greift die starke Wechselwirkung an deren Farbladungen und die schwache Wechselwirkung an deren Flavour Ladungen an. Die 4 elementaren Wechselwirkung können dann als universelle Wechselwirkung, das heißt für alle unmittelbaren Wechselwirkungspartner gleichstarke Wechselwirkung von Eichfeldern (siehe auch Eichfeldtheorien) interpretiert werden, wobei die Koppelungskonstante, das heißt die Stärke der Wechselwirkung, energieabhängig ist. Es wird angenommen, dass die genannten Grundtypen der Wechselwirkung aus einer für große Energien einheitliche Theorie der Elementarteilchen hervorgehen.

Wecker Uhr: Uhr mit Zusatzeinrichtung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt akustische Signale auslöst. Die Signalabgabe wird bei der mechanischen Wecker Uhr vom Zeigerwerk gesteuert, das zusätzlich ein Weckersteilrad mitbewegt, durch das zur vorgegebenen Zeit die Weckeinrichtung freigegeben wird.

Weckmittel, Analeptika: Gehirn und Rückenmark erregende Mittel, die unter anderem zur Wiederbelebung verwendet werden; hohe Dosen können Krämpfe verursachen.

Wedda: kleinwüchsige Urbevölkerung im Inneren Sri Lankas, von zier! Körperbau, mit welligem Haar; etwa 3000; Bodenbauer, zum Teil noch Sammler und Jäger; gaben ihre alte Sprache zugunsten eines singhalesischen Dialekts auf. Volksgruppen ähnlichen anthropologischen Typs in Südostasien (zum Beispiel Senoi, Toala) bezeichnet man als Weddide.

Weddell See: tief in Antarktika (bis 82° südlicher Breite) eingreifende Meeresbucht des Südpolarmeeres, mit Packeis und Tafeleisbergen; im Norden bis etwa 5000 m tief, im Süden zwischen 30° und 80° westlicher Länge vom Filchner-Schelfeis (416000 km2) bedeckt.

Wedekind, Frank, 24.7.1864-9.3.1918, Schriftsteller; wirkte auch als Dramaturg und Schauspieler (Berlin, München) und trug in Kabaretts (unter anderem «Die Elf Scharfrichter», «Überbrettl») eigene satirische Gedichte und Lieder vor. In seinen Dramen und Gedichten setzte er sich, an G. Büchner und H. Heine anknüpfend, jedoch zunehmend das soziale Wesen des Menschen zugunsten des triebhaft-biologischen zurückdrängend, vor allem mit der verlogenen Moral der imperialistischen Gesellschaft, ihren politischen Machtinstrumenten und ihrem anmaßenden Selbstbewusstsein auseinander. Dramaturgie und Sprachkraft seiner Dramen («Frühlings Erwachen», 1891; «Erdgeist», 1895; «Die Büchse der Pandora», 1904; «Der Marquis von Keith», 1901) weisen voraus auf Gestaltungselemente des Expressionismus.

Wedel: Schwanz des Schalenwildes außer Schwarzwild (hier Pürzel).

Wedeln: Skisport Kurzschwingen mit Paralleltechnik bei Abfahrten in der Fallrichtung.

Wedgwood, Josiah, 12.7.1730 - 3.1.1795, englischer Keramiker; Schöpfer nach ihm benannter, in seinen Fabriken hergestellter Keramik; Begründer der eng! Tonwarenindustrie. Wedgwood fand neue keramische Materialien (Queensware, Jasperware, schwarze «Basaltmasse»), aus denen formschönes Gebrauchsgeschirr hergestellt wurde.

Weerth, Georg, 17.2.1822 - 30.7.1856, Schriftsteller; erster repräsentativer Dichter des deutschen Proletariats; befreundet mit K. Marx und F. Engels; Mitglied des Bundes der Gerechten und des Bundes der Kommunisten; 1848/49 Feuilletonredakteur der «Neuen Rheinischen Zeitung». Weerth gestaltete in Lyrik und Prosa sein Erleben der sozialen Wirklichkeit, besonders in Großbritannien; unter anderem volksliedhafte «Lieder aus Lancashire» (1845/46, darin «Der Kanonengießer»), Satire auf das preußischen Junkertum «Leben und Taten des berühmten Ritters Schnapphahnski» (1849, Verurteilung Weerth zu 3 Monaten Gefängnis); in seinem Hauptwerk, «Humoristische Skizzen aus dem deutschen Handelsleben» (1845/48), entlarvte Weerth die Rolle von Bourgeoisie und Junkertum und gab ein sarkastische Bild vom deutschen Spießer; «Blumenfest der englischen Arbeiter» ist ein Meisterstück unter den «Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten» (entstanden 1843/48).

Wegener: 1. Alfred Wegener, 1.11.1880 - Anfang November 1930 (in Grönland umgekommen), Geophysiker und Meteorologe; entwickelte die Theorie der Kontinentalverschiebung (1915), nach der die Kontinente auf einer zähplastischen Unterlage horizontale Bewegungen ausführen, und ist damit der Begründer des Mobilismus in den modernen Geowissenschaften.

2. Paul Wegener, 11.12.1874 - 13.9.1948, Schauspieler; entwickelte sich im Reinhardt-Ensemble (seit 1906) zu einem der bedeutendsten Charakterdarsteller seiner Zeit; als Schauspieler und Regisseur auch verdient um die Entwicklung des deutschen Stummfilms («Der Student von Prag»).

Wegerecht: Mitbenutzungsrecht zur Überquerung eines Nachbargrundstückes, um auf das eigene Grundstück zu gelangen; früher als Notweg bezeichnet.

Wegerich, (zu «Weg») Plantago: Gattung rosettenartiger Wiesenstauden mit grünlichen Blütenähre und bogennervigen Blättern (Familie Wegerichgewächse); an Wegrändern und in Wiesen der Spitzwegerich (Plantago lanceolata), auf betretenen Flächen der Breitwegerich (Plantago major).

Wegeunfall: Unfall auf dem mit der Tätigkeit im Betrieb verbundenen Weg zur oder von der Arbeitsstelle; gilt als Arbeitsunfall.

Wegnahmerecht: Recht des Mieters oder eines sonstigen zur zeitweiligen Nutzung Berechtigten, bestimmte von ihm in der Wohnung angebrachte oder angeschlossene Sachen (zum Beispiel Öfen) wieder zu entfernen. Macht er vom Wegnahmerecht Gebrauch, hat er den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Wegschnecken, Arionidae: bis 15 cm lange Nacktschnecken, die sich von Pflanzen, Pilzen oder auch Aas ernähren; in Mitteleuropa verbreitet ist die Schwane Wegschnecken (Arion ater), besonders nach Regenfällen zu finden, und die Rote Wegschnecken (Arion rufus).

Wegwarte, Zichorie, Cichorium intybus: bis 1,5 m hoher Korbblütler mit hellblauen Blüten und stengelumfassenden Blättern, ausdauernde Wegrandpflanze; aus den Wurzeln von Kulturformen wurde der Zichorienkaffee hergestellt, die bleichen Blätter einer anderen Kulturform werden als Salat (Chicorée) genutzt.

Wegwespen, Pompilidae: Familie der Stechwespen; versorgen ihre in Erdröhren heranwachsenden Larven mit durch Stiche gelähmten Spinnen oder Insekten.

Wehding, Hans-Hendrik, 3.5.1915-8.10.1975, Komponist und Dirigent; wirkte als Theaterkapellmeister und musikalischer Leiter beim Rundfunk; schuf Kompositionen aller musikalischen Genres und Gattungen und bezog elektronische Klänge in die Konzertmusik ein; besonders Unterhaltungs- und Filmmusik.

Wehen: in Abständen erfolgende rhythmische Kontraktionen der schwangeren Gebärmutter. Je nach Zeitpunkt unterscheidet man Schwangerschaftswehen (bis zur 30. Woche), Vor- und Senkwehen (nach der 30. Woche), Geburtswehen (Eröffnungswehen, Presswehen, Nachgeburtswehen) sowie Nachwehen (Wochenbettwehen).

Wehenhemmung, Tokolyse: medikamentöse Unterdrückung (Blockierung) von zu zeitigen oder zu starken Wehen.

Wehr: Stauanlage in Wasserläufen. Wehr mit festem Verschluss dienen lediglich der Hebung des Wasserstandes und sind als Sturz-, Schuss- oder Heberwehr ausgebildet. Wehr mit beweglichen Verschluss ermöglichen eine Wasserregulierung und werden nach der Art der Verschlusseinrichtung als Schützenwehr, Segmentwehr, Sektorwehr, Klappenwehr oder Walzenwehr bezeichnet. Beim Grundwehr liegt der Wehrrücken über, beim Überfallwehr unter dem Wasserspiegel.

Wehrkampfsport: der Wehrkrafterhaltung der Reservisten dienende Wehrsportart der GST für männliche Teilnehmer; wichtigster Bestandteil des Wehrkampfsport sind die 3 wehrsportlichen Übungen militärischer Marsch oder Geländelauf, Handgranatenweitzielwurf und Schießen, die als Reservistendreikämpfe zu politischen Höhepunkten durchgeführt werden.

Wehrkirche: zu Verteidigungszwecken befestigter Kirchenbau. Wehrkirchen waren im Mittelalter über ganz Europa verbreitet. besonders die Kirchen kleiner Orte ohne Befestigungsanlagen wurden auf diese Weise zu Zufluchtsstätten ausgebaut. Als Kern der Befestigung fungierte der Turm. Oft war die Kirche von einer starken Mauer mit Wehrgang umgeben, die zuweilen mit Vorburg, Graben und Torturm gesichert war. Vor allem in «heidnische» Gebiete vorgeschobene Kirchen gestaltete man als Verteidigungsanlagen burgartig aus (zum Beispiel Kirchenburgen in Siebenbürgen, Rundkirchen auf Bornholm).

Wehrwolf: 1. Bund deutscher Männer und Frontkrieger, militaristischer Wehrverband, im Januar 1923 gegründet; strebte die Errichtung einer militaristischen faschistischen Diktatur an; 1933 in die SA eingegliedert.

2. 1944/45 von den deutschen Faschisten geschaffene militärische Organisation, die nach der Befreiung deutscher Gebiete durch Streitkräfte der Antihitlerkoalition Diversionsakte verüben und Antifaschisten terrorisieren sollte.

Welche:

1. Welche (zu «weich»): Lederherstellung - Arbeitsgang, in dem Häute und Felle in Wasser geweicht werden, um eine Konservierung rückgängig zu machen und das Weich Gut von Schmutz, Salz und Blut zu säubern.

2. Welche (zu «(aus)weichen»): Verkehrstechnik - Gleisverbindung, durch die Schienenfahrzeuge ohne Fahrtunterbrechung von einem Gleis in ein anderes geführt werden können. Die Grundformen der Welche sind einfache Rechts- und Linkswelche sowie einfache und doppelte Kreuzungswelche, des weiteren Doppelwelche. Hauptteile der Welche sind Zungenvorrichtung, Herzstück, Radlenker und Zwischenschienen. Die Weichenzunge (Zunge) ist der bewegliche Teil der Zungenvorrichtung, der sich an die Backen- oder Anschlagschiene anlegt und somit die Richtung des Schienenfahrzeuges bestimmt. Das Herzstück wird an den Überschneidungsstellen der Schienen angebracht. Der Radlenker liegt dem Herzstück gegenüber und hat die Aufgabe, das Rad an seiner Flanke zu führen. Neben der geraden Welche, bei der nur der abzweigende Gleisstrang gekrümmt, der andere aber gerade ist, gibt es Bogenwelche. Sie weisen Krümmungen in beiden Gleissträngen auf, deren Halbmesser unterschiedlich sein können. Für Welche der Deutschen Reichsbahn sind die Bogenhalbmesser mit 150, 190, 215, 300, 500 und 1200 m genormt.

Weicheisen: Eisenlegierung mit 0,01% Kohlenstoff und weniger als 0,02% Silizium, 0,02% Mangan, 0,005 % Phosphor beziehungsweise 0,03 % Schwefel; besitzt geringe Rostanfälligkeit und hohe Verformungsfähigkeit; wird als weichmagnetischer Werkstoff für elektrische Messinstrumente verwendet.

Welcher Stil, internationaler Stil, Schöner Stil: Kunst zwischen 1380/90 und 1420/30; Ausdruck einer Kultur, die in internationalem Austausch höfliche und patrizische Elemente verband; ursprüngliche Zentren sind Siena, Avignon, der Pariser und der burgundische Hof, das Mittelrheingebiet und Prag; der Welcher Stil ist geprägt durch das weiche Spiel der Gewandfalten, durch Schönlinigkeit, rhythmische Bewegtheit und kostbare Farbigkeit, er bevorzugt in Malerei und Graphik kleine Formate (Frankfurter Paradiesgärtlein) und in der Plastik bildsame Materialien (Ton, Alabaster), seine Figuren sind zierlich, lieblich, auch elegant. Eine besondere Leistung sind die Schönen Madonnen der deutschen Plastik, fast lebensgroße Figuren, mitunter aus Kunststein, von einer mädchenhaften, sehr menschliche Auffassung, sowie die Vesperbilder des sogenannt horizontalen Typs. Auch frühe Einblattholzschnitte zeigen ausgeprägt die Merkmale des Welcher Stils.

Weichkäfer, Cantharidae: Käferfamilie; Körper schlank mit weichen Flügeldecken, Käfer im Sommer sehr häufig auf Blüten und Sträuchern; ihre Larven leben räuberisch in der Erde von Insekten und anderen Kleintieren.

Weichmacher: Substanzen, die in Plaste und Elaste eingearbeitet werden, um weichere, geschmeidigere und auch zähere, elastischere und fließfähigere Produkte zu erhalten. Innere Weichmacher werden bei der Polymerisation als Monomere in die Makromoleküle eingebaut; äußere Weichmacher sind schwerflüchtige, im Allgemeinen flüssige Substanzen, welche die Makromoleküle ohne chemische Bindung umhüllen. Die wichtigsten äußeren Weichmacher sind Ester der Phthal- und Adipinsäure mit höheren Alkoholen, weiterhin Phosphorsäureester (zum Beispiel Trikresylphosphat), Kampfer (für Zelluloid) und zum Beispiel Glyzerol.

Weichschildkröten, Trionychidae: süßwasserbewohnende Schildkröten mit reduziertem Knochenpanzer, der mit dicker Haut bedeckt ist; die Schnauze endet in einem fleischigen Rüssel; die Beine sind zu Schwimmfüßen umgebildet; ernähren sich räuberisch; leben in Amerika, Afrika und Asien.

Weichspülmittel: meist halbflüssige Zubereitungen, die nach der Wäsche dem letzten Spülwasser zugesetzt werden. Sie haften am Wäschegut und heben die Adhäsion zwischen den Textilfasern auf; zugleich beugen sie der elektrostatischen Aufladung vor. Weichspülmittel sind Lösungen kationaktiver Tenside, insbesondere von Salzen quartärer Ammoniumbasen mit langkettigen organischen Substituenten.

Weichtiere, Mollusken, Mollusca: Stamm wirbelloser Tiere mit über 130000 Arten; der relativ kurze bilateral-symmetrischer Körper besteht bei allen, zum Teil sehr unterschiedlichen Bautypen aus dem Kopf, einem meist als Kriechsohle angelegten Fuß und einem vom Mantel bedeckten dorsalen Eingeweidesack, der Mantel erzeugt eine einheitliche oder zweiklappige Kalkschale; die Atmung erfolgt durch Kiemen oder lungenähnliche Gefäßnetze, die Fortbewegung mit Kriechfuß oder durch Schwimmen mittels Rückstoßes; die Nahrung kann mit einem reibeisenähnliche Zungenorgan (Radula) abgeraspelt beziehungsweise zerkleinert werden. Weichtiere sind getrenntgeschlechtlich oder zwittrig, bei marinen Arten erfolgt die Entwicklung meist über ein Schwimmlarvenstadium (Trochophora unter anderem); sie leben im Meer, Süßwasser und auf dem Lande. Hierzu gehören die Stachelweichtiere und die Schalenweichtiere.

Weichzeichner: Fotoobjektiv für Bilder, die eine künstlerisch gewollte geringe Unschärfe zeigen. Weichzeichner haben einen größeren Öffnungsfehler als normale Fotoobjektive. Diese können durch Vorsatzlinsen oder -platten zum Weichzeichner werden.

Weida:

1. Weida: linker Nebenfluss der Weißen Elster; 113 km; entspringt im Vogtland südlich von Pausa, mündet südlich von Gera; Talsperren oberhalb von Weida 2 und nördlich von Zeulenroda; zusätzliche Wasserzuführung durch einen Stollen der Wisenta-Überleitung.

2. Stadt im Kreis und Bezirk Gera, an der Mündung der Auma in die Weida 1; 11000 Einwohner; Textil-, elektrotechnischer/elektronischer, Leder-, Schuhindustrie; pädagogische Fachschule; Schloss Osterburg (1163/93; Kreismuseum, Jugendherberge), Stadtkirche (13./17. Jahrhundert). Bei Weida Weidatalsperre (0,9 km2, 9,7 Millionen m3; Trinkwasser), Aumatalsperre (1,3 km2, 0,6 Millionen m3; Brauchwasser) und der älteste Eisenhammer Thüringens (1770).

Weidanz, Gustav, 9.12.1889-25.8.1970, Bildhauer und Keramiker; 1916/58 (seit 1920 Professor) Lehrtätigkeit an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle-Burg Giebichenstein; trug mit seinem vielseitigen Schaffen und ausdrucksvoller Formklarheit zur Entwicklung der DDR-Plastik bei.

Weide:

1. Weide, Salix: Botanik zu den Weidengewächsen gehörende artenreiche Gattung zweihäusiger Sträucher oder Bäume, die vor dem Laubaustrieb blühen; die Blüten stehen in Kätzchen, die die erste Bienennahrung im Jahr bilden (daher geschützt), zum Beispiel die Salweide (Salix caprea); die Ruten der Korbweide (Salix viminalis) werden zu Korbwaren verarbeitet; als Zierbaum angepflanzt die Trauerweide (Salix babylonica).

2. Landwirtschaft: Bodenbewuchs durch eine Gemeinschaft von Gräsern und Kräutern, der vorwiegend von landwirtschaftlichen Nutztieren abgeweidet wird. Siehe auch Grünland.

Weiden: kreisfreie Stadt in Bayern, in der Oberpfalz, an der Waldnaab; 45000 Einwohner; bedeutende Porzellan- und Glasindustrie; Fachschulen; mittelalterliche Altstadt.

Weidenröschen, Epilobium: rotblühende Gattung der Nachtkerzengewächse mit weidenähnlichen Blättern und flugfähigen Samen; heimische Art zum Beispiel auf Waldschlägen das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium).

Weidt, Jean, geboren 7.10.1904, Tänzer und Choreograph; leitete 1929/33 die Gruppe «Die Roten Tänzer»; 1933 Emigration; Choreograph in Paris, seit 1948 in Rostock, Schwerin, Karl-Marx-Stadt, Berlin (1963 Ballettmeister); 1959/81 Leiter der «Gruppe junger Tänzer», jetzt «Gruppe Jean Weidt», die ständig beim Tanztheaterensemble der Oper Berlin mitwirkt.

Weierstraß, Karl, 31.10.1815-19.2.1897, Mathematiker; wirkte in Berlin; verfasste fundamentale Arbeiten über die Theorie der regulären Funktionen, zur Theorie der doppelt periodischen Funktionen, zur Variationsrechnung und zur Differentialgeometrie. Er gilt als Neubegründer der Analysis.

Weigel: 1. Helene, 12.5.1900-6. 5.1971, Schauspielerin und Theaterleiterin; seit 1929 verheiratet mit B. Brecht; spielte bis zur Emigration (1933) in Frankfurt am Main und Berlin; gründete nach der Rückkehr zusammen mit Brecht 1949 das Berliner Ensemble, an dem sie als eine der bedeutendsten zeitgenössischen Darstellerinnen (unter anderem als Wlassowa in «Die Mutter» und als Mutter Courage) und als Intendantin wirkte.

2. Weigel, Weichei, Valentin, 1533-10.6.1588, Schriftsteller und Philosoph; Protestant. Pfarrer; betrachtete, die Makrokosmos-Mikrokosmos-Lehre aufgreifend, Naturerkenntnis, Wissenschaft und Gotteserkenntnis als Selbsterkenntnis. Seine Schriften gegen Fürsten und Prediger, 1626 öffentlich verbrannt, wirkten bis in das 19. Jahrhundert.

Weigelt, Johannes, 24.7.1890-22.4.1948, Geologe und Paläontologe; erforschte die im Geiseltal in der Braunkohle enthaltenen Fossilien und gilt als einer der Begründer der Biostratinomie.

Weihbischof: in der römisch-katholischen Kirche ein Geistlicher mit Bischofsweihe, der einem Diözesanbischof zur Hilfe beigegeben wurde (Hilfsbischof).

Wei He: rechter Nebenfluss des Huang He (China); 787 km; entspringt im Bergland der Provinz Gansu, durchfließt die 300 km lange Weiße-Ebene, mündet bei Tongguan.

Weihen, (ursprünglich «Jäger») Circus: schlanke, fluggewandte Greifvögel der offenen Landschaft mit eulenhaftem Gesichtsschleier; ernähren sich von Kleinsäugern, Vögeln und Insekten. In Wiesen- und Feldgebieten Eurasiens die 50 cm lange Kornweihen (Circus cyaneus) und die sehr ähnlich Wiesenweihen (Circus pygargus) sowie in Schilfgebieten die 55 cm lange braune Rohrweihen (Circus aeruginosus).

Weihnachten, («in den geweihten Nächten») Christfest: Fest der auf die Nacht zum 25. Dezember datierten Geburt Jesu Christi; 354 vom Bischof von Rom festgelegt, anknüpfend an vorchristlichen Feiern der Geburt des Sonnengottes (Sol) beziehungsweise der Wintersonnenwende; die Verbreitung in den europäischen Ländern erfolgte insbesondere im 6. Jahrhundert. Der Volksbrauch prägte mit seiner Vielfalt von Sitten und Gebräuchen den heutigen überregionalen Charakter Weihnachtens aus; zentrales Sinnbild wurde der lichtergeschmückte Weihnachtsbaum (vereinzelt ohne Licht schon im 16./17. Jahrhundert, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhundert allgemein üblich), im 20. Jahrhundert kam der Adventskranz hinzu; aus den Gabenbringern der Adventszeit (Nikolaus, Knecht Ruprecht) wurde der Weihnachtsmann; Ende des 18. Jahrhundert, deutlich dann im 19. Jahrhundert, erhielt Weihnachten das familiäre Gepräge mit der Bescherung am Heiligabend (24. Dezember).

Weihnachtsinsel: 1. Weihnachtsinsel, Kiritimati: eines der größten Korallenatolle im Stillen Ozean (Polynesien), zu den Linieninseln gehörend, zu Kiribati; 575 km2, 1270 Einwohner; Kokospalmenplantagen (Kopra Ausfuhr); britischer Militärstützpunkt. Bis 1964 britisches Kernwaffenversuchsgelände.

2. Insel im Indischen Ozean, etwa 400 km südlich der Insel Jawa; zu Australien gehörend; 135 km2, etwa 3300 Einwohner; Verwaltungssitz Flying Fish Cove\ Kokospalmenanbau; Phosphatbergbau. Am 24.12.1643 von dem Niederländer Weihnachtsinsel Mynors entdeckt.

Weihnachtsoratorium: Werk J. S. Bachs, in dem 6 Kantaten aus der Zeit um Weihnachten durch eine fortlaufende Gesamterzählung zusammengehalten werden (1734).

Weihrauch, (althochdeutsch, «heiliger Rauch») Olibanum: gelblicher Gummiharz, das nach Einkerben der Rinde der Weihrauchbäume (Arabische Halbinsel, Somalihalbinsel) als Milch ausfließt und bald erstarrt. Weihrauch verbrennt unter Bildung balsamischwürziger Dämpfe und dient rituellen Zwecken.

Weihwasser: in der römisch-katholischen Kirche das vom Priester geweihte Wasser in Weihwasserbecken.

Weile: Pferderennsport Abstand von mehr als 10 Pferdelängen zwischen 2 Pferden am Ziel.

Weill, Kurt, 2.3.1900-3.4.1950, Komponist; begann mit Instrumentalwerken (darunter 2 Sinfonien), wandte sich aber seit 1925 besonders dem Musiktheater zu. In Zusammenarbeit mit G. Kaiser erzielte er erste Opernerfolge, und in Verbindung mit B. Brecht entstanden jene sozialkritischen Werke (unter anderem «Die Dreigroschenoper», 1928; «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny», 1930; Ballett mit Gesang «Die sieben Todsünden der Kleinbürger», 1933), deren Songstil die Musikentwicklung wesentlich beeinflusste und die bis heute in Europa seinen Ruhm prägen. 1933 musste Weill emigrieren (seit 1943 US-amerikanischer Staatsbürger). In New York schrieb Weill ausschließlich Stücke für Broadway-Theater (unter anderem «Knickerbockers Holiday», 1938; «The Lady in the Dark», 1940; «Street Scene», 1947).

Weilsche Krankheit: durch Leptospiren (Schraubenbakterien) verursachte und durch rattenverseuchte Gewässer in Hautwunden übertragene, seltene, gefährliche Infektionskrankheit; Kennzeichen sind Gelbsucht, ausgedehnte Blutungen und Niereninsuffizienz, benannt nach dem Arzt Adolf Weil (1848-1916). Siehe auch Leptospirosen, Feldfieber.

Weimann, Robert, geboren 18.11.1928, Literaturwissenschaftler und Anglist; 1954/69 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 1969 am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der AdW. Hauptwerke: « und die Entwicklung bürgerlicher Literaturwissenschaft» (1962), «Shakespeare und die Tradition des Volkstheaters» (1967), «Literaturgeschichte und Mythologie» (1971); Herausgeber von «Tradition in der Literaturgeschichte» (1972), «Realismus in der Renaissance» (1977).

Weimar: Stadtkreis im Bezirk Erfurt, in fruchtbarer Talweitung der Ilm, im Thüringer Becken; 64000 Einwohner; bedeutendes Kultur-, Touristenzentrum und wichtige Kongress- und Industriestadt; Landmaschinen-, Uhren-, Elektroarmaturenbau, Metallspielwarenherstellung, Möbel- und graphische Industrie; Verkehrsknoten; Hochschule für Architektur und Bauwesen, Hochschule für Musik «Franz Liszt», Agraringenieur-, Fachschule, Institute; Staatsarchiv Weimar, Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur beziehungsweise der deutschen Kunst und Literatur des 20. Jahrhundert, Museen, Kunstsammlungen, Sitz der Goethe- und der Shakespeare-Gesellschaft; Nationaltheater, Staatskapelle Weimar; weitgehend als Fußgängerzone rekonstruierte Altstadt mit historischen Bauwerken; neue Wohngebiete an der Peripherie. Baudenkmäler sind die Stadtkirche St. Peter und Paul (heute Herderkirche; spätgotische Hallenkirche, barock umgebaut; mit Cranachaltar), Jakobskirche (1168 geweiht, Umbau 1713), Stadthaus (1547), Cranachhaus (1547/49), Herderhaus, Kirms-Krackow-Haus (16. Jahrhundert), Wittumspalais (1767, heute Wieland Museum), Grünes Schloss (1562/69, 1761/66 umgebaut; jetzt Landesbibliothek), Rotes Schloss (1576), Gelbes Schloss (1704), Fürstenhaus (1774), Haus der Frau von Stein. An der Ilm liegen das Schloss (Renaissancebau, klassizistische Umgestaltung 1790/1803; Kunstsammlungen) und der Park mit Goethes Gartenhaus (1776/82); ferner Goethehaus am Frauenplan (1794 nach Goethes Plänen umgebaut; Goethe-Nationalmuseum), Schillerhaus (1777; Museum), Goethe-Schiller-Gruft (1825), Goethe-Schiller-Denkmal (1857 von E. Rietschel); südlich der Stadt Barockschloss Belvedere mit prachtvoller Innenausstattung (1724/32, heute Rokokomuseum), Schlosspark (1776/1853 umgestaltet); nordöstlich Schloss Tiefurt an der Ilm (Ende 16. Jahrhundert, seit 1776 umgestaltet; Innenräume mit ursprünglicher Ausstattung des Rokoko, Klassizismus und Biedermeier), Landschaftspark mit Kleinarchitekturen (1776/1850). 975 erwähnt, 1254 als Stadt genannt, 1547/1918 Residenz der Herzoge (seit 1815 Großherzöge) von Sachsen-Weimar(-Eisenach). Seit Mitte des 18. Jahrhundert, insbesondere während der Regierungszeit von Herzog Karl August, entwickelte sich Weimar zu einem Zentrum geistig-kulturellen Lebens in Deutschland (C. M. Wieland, J. Goethe, J. G. Herder, F. Schiller). Auch ein intensives Musikleben gab es über mehrere Jahrhunderte (J. S. Bach, Liszt, R. Wagner, R. Strauss). 1919 tagte hier die Weimarer Nationalversammlung. 1920/48 war Weimar Hauptstadt des Landes Thüringen. Die thüringische Arbeiterregierung hatte 1923 in Weimar ihren Sitz. 1937 errichteten die Faschisten auf dem Ettersberg nördlich von Weimar das KZ Buchenwald (heute Nationale Mahn- und Gedenkstätte). Nach 1949 entwickelte sich Weimar zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum der DDR

Weimarer Beiträge: Monatszeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturtheorie; 1955 von L. Fürnberg und H.-G. Thalheim in Weimar begründet, erscheint seit 1963 in Berlin.

Weimarer Malerschule: realistische Richtung der Landschaftsmalerei zwischen 1860/1914, deren Entwicklung eng mit der 1860 gegründeten Weimarer Kunstschule verbunden ist. Im Gegensatz zu den meisten deutschen Kunstakademien der Zeit wurde in Weimar die unmittelbare Naturanschauung gelehrt. Von realistischen Auffassungen ausgehend und den Historismus negierend, kamen die Künstler der Weimarer Malerschule über die Freilichtmalerei früh zu impressionistischen Gestaltungen (tages-, jahreszeitlich, witterungsspezifisch und atmosphärisch differenzierte Landschaften). Hauptvertreter waren K. Buchholz, P. Baum, T. Hagen.

Weimarer Nationalversammlung: verfassunggebendes Parlament der Weimarer Republik, am 19.1.1919 gewählt; hatte 236 bürgerliche Abgeordnete, 165 Abgeordnete der SPD und 22 der USPD, die KPD hatte sich nicht an der Wahl beteiligt; tagte in Weimar und Berlin (vom 6.2.1919 bis 21.5.1920); wählte die erste Regierung unter P. Scheidemann und den Reichspräsidenten F. Ebert, stimmte am 22-/23. 6.1919 dem Versailler Vertrag zu und nahm am 31.7.1919 die Verfassung (Weimarer Verfassung) an, die am 14. 8.1919 in Kraft trat. Die Weimarer Nationalversammlung schuf die Grundlagen für die bürgerlich-parlamentarische Herrschaft des deutschen Imperialismus.

Weimarer Republik: Bezeichnung für den bürgerlich-parlamentarischen Staat und den Zeitabschnitt in der Geschichte Deutschlands, der als Ergebnis der Novemberrevolution mit der Wahl der verfassung-gebenden Nationalversammlung am 19.1.1919 begann und mit der Errichtung der faschistischen Diktatur am 30.1.1933 endete.

Weimarer Verfassung: die Verfassung des Deutschen Reiches vom 11.8.1919 (Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten; gültig ab 14.8.1919), Grundgesetz der Weimarer Republik 1919/33, vom hitlerfaschistischen Regime faktisch beseitigt, wenn auch formell nicht aufgehoben; brachte als Ergebnis der Novemberrevolution unter anderem die verfassungsmäßige Verankerung der republikanischen Staatsform und die Erweiterung der bürgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten. Sie half zugleich, die Klassenherrschaft des deutschen Monopolkapitals und der Junker, mit Mitteln der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie ausgeübt, zu sichern. Die Stellung des Reichstags (auf 4 Jahre gewählt) war gestärkt worden; ihm oblagen insbesondere die Reichsgesetzgebung und die Überwachung der Tätigkeit der Reichsregierung. Die Vertretung der Länder bei der Gesetzgebung und Verwaltung war Aufgabe des Reichsrates. Die Stellung des Reichstages war jedoch durch den starken Ausbau der Rechte des Reichspräsidenten (auf 7 Jahre direkt gewählt), der den Ausnahmezustand verhängen konnte und das Notverordnungsrecht hatte, sowie durch das Reichsgericht und die Reichsregierung beschränkt. Die Macht der alten Regierungs-, Verwaltungs- und Justizbürokratie blieb unangetastet.

Wein: (lateinisch) ausschließlich aus dem Saft frischer Weintrauben durch Gärung hergestelltes alkoholisches Getränk, dessen Unterscheidung nach der Farbe in Weiß-, Rot- und Rosé- (Schiller-) Wein erfolgt. Wichtige Keltertraubensorten für Weißwein sind: Müller Thurgau, Weißer Riesling, Grüner Silvaner, Traminer, Weißer Burgunder, Muskateller, Veltliner; für Rotwein: Blauer Spätburgunder, Cabernet, Gamza, Blauer Portugieser. Die Weinbereitung umfasst die Traubenlese, die Kelterung, die Mostbehandlung, die Gärung und die Kellerbehandlung des Wein Die Lese erfolgt Mitte September bis November als Vor-, Haupt- und Spätlese; ferner erntet man die Beeren auch im Zustand der Edelfäule zur Herstellung sogenannt Trockenbeerenauslesen; Eiswein werden aus am Weinstock gefrorenen Trauben hergestellt. Bei der Kelterung werden die Beeren gequetscht, und der entstehende Most wird entweder sofort von den Rückständen abgetrennt (Weißwein), oder beides bleibt einige Tage stehen (Rotwein). Rote Trauben, die wie Weißwein gekeltert werden, ergeben Roséwein. Die Mostbehandlung dient dem Entfernen von Luftsauerstoff (mittels Schwefelung) sowie der Klärung durch Separieren. Sofern zugelassen, wird bei sauren Mosten Zucker zugesetzt. Die Gärung, die zunehmend in Drucktanks durchgeführt wird, erfolgt mit einer Spezialhefe bei 4 bis 10 °C und gliedert sich in Hauptgärung (2 bis 3 Tage) und Nachgärung (10 bis 20 Tage und länger). Der entstehende Jungwein wird der Kellerbehandlung unterzogen, zu der Schwefeln, Schönen und Filtrieren gehören. eventuell erfolgt eine Weinverbesserung, zum Beispiel durch Verschneiden mit edleren Wein Zuletzt wird der Wein abgefüllt und gelagert. Leichte Wein besitzen einen Alkoholgehalt von 7 bis 9,5, mittlere Wein von 9,5 bis 11,4 und schwere Wein von 11,4 bis 14%. Siehe auch Dessertwein, Perlwein, Schaumwein, weinhaltige Getränke, weinähnliche Getränke, Weinbau.

weinähnliche Getränke: Sammelbezeichnung für alkoholische Getränke, die zum Teil unter Zuckerzusatz durch Vergärung von Frucht-, Wildfrucht- (zum Beispiel Hagebutte, Schlehe) und anderen Säften oder Maischen (zum Beispiel von Agaven, Palmen, Zuckerahorn, Honig, Malz, verzuckertem Reis) erzeugt werden. Aus weinähnlichen Getränken ist bei entsprechender Kennzeichnung auch die Herstellung von Punsch unter anderem zulässig.

Weinbau: Anbau des Weinstocks (der Rebe) zur Erzeugung von Wein, Most, Tafeltrauben und Rosinen. Der Weinstock verlangt viel Wärme und Sonne; daher vielfach Anbau in geschützten Flusstälern und an Südhängen (auch an Steilhängen, dann häufig auf 1 Terrasse). Tiefgründige, warme Böden sagen ihm besonders zu. Voraussetzung für eine gute Triebbildung und Fruchtbarkeit ist ausreichende Versorgung mit Humus und Nährstoffen sowie ordnungsgemäße Durchführung des Rebschnittes, der Laubarbeiten und des Pflanzenschutzes. Infolge der hohen Wärmeansprüche ist ein Anbau zum Zweck der Marktbelieferung nur in klimatisch günstigen Gegenden wirtschaftlich. In Weinbaugebieten sind ausschließlich veredelte Reben (Pfropfreben) als Schutzmaßnahme gegen die Reblaus anzupflanzen. In der DDR wird in günstigen Lagen Weinbau in den Flusstälern der Elbe, Saale und Unstrut betrieben. Die wissenschaftliche Erforschung der Probleme des Weinbau (einschließlich Kellerwirtschaft) bezeichnet man als Önologie (Weinbaukunde); siehe auch Wein.

Weinberg, Steven, geboren 3.5.1933, US-amerikanischer Physiker; Mitbegründer der Glashow-Salam-Weinberg-Theorie (Quantenfeldtheorie).

Weinbergschnecke, Helix pomatia: schalentragende Landlungenschnecke; kam früher besonders in Weinbergen vor und ist heute in Mitteleuropa und angrenzenden Gebieten weit verbreitet; Fleisch wohlschmeckend.

Weinbrand: mildschmeckendes Weindestillat, das zu den Edelbränden zählt und dessen Volumenanteil an Alkohol meist 38% beträgt. Weinbrandverschnitt muss mindestens 10% Weindestillat enthalten.

Weinbrenner, Friedrich, 24.11.1766 - 1.3.1826, Architekt; Oberbaudirektor der Stadt Karlsruhe, deren klassizistischen Umgestaltung sein Hauptwerk ist. Für den wuchtigen Klassizismus seiner Bauten waren die Tempel von Paestum und die französische Revolutionsarchitektur Vorbild.

Weingarten: Stadt und Benediktinerkloster in Baden-Württemberg, Ausführung des Neubaus seit 1715 nach Plänen von K. Moosbrugger. Das Münster St. Martin ist der größte barocke deutsche Kirchenbau, ein Hauptbeispiel der Vorarlberger Bauschule; im Innern illusionistische Fresken von C. D. Asam. Der am 17.4.1525 zwischen Georg Truchseß von Waldburg und den Führern des Bodenseehaufens geschlossene Weingartner Vertrag sicherte dem Heer des Schwäbischen Bundes, dem eine militärische Niederlage drohte, seine Handlungsfreiheit gegen die aufständischen Bauern in Württemberg und Franken; leitete eine Wende im Bauernkrieg ein.

Weingeist: ältere Bezeichnung für Äthanol.

weinhaltige Getränke: Getränke, zu deren Herstellung Weiß-, Rot- oder Dessertwein verwendet wird; zum Beispiel Wermutwein, Aperitif, Schorle.

Weinheber, Josef, 9.3.1892 — 8.4.1945 (Selbsttötung), österreichischer Lyriker; verfasste Gedichte konservativen Gehalts in allen lyrischen Ausdrucksformen (Gedichtsammlungen «Adel im Untergang», 1934).

Weinraute, Ruta graveolens: gelbblühendes Rautengewächs aus dem Mittelmeergebiet mit gefiederten, bläulich grünen Blättern, aromatische Heil- und Gewürzpflanze; in Weinanbaugebieten gelegentlich eingebürgert.

Weinsäure: farb- und geruchlose, kristalline, wasserlösliche Substanz von stark saurem Geschmack; Formel HOOC-(CH(OH))j-COOH; die Salze und Ester heißen Tartrate. Die in vielen Früchten, insbesondere Weinbeeren (dort neben 60% Apfelsäure) vorkommende Weinsäure ist optisch aktiv (rechtsdrehend; F 172 °C); das Razemat heißt Traubensäure (205 bis 206 °C), die intramolekular inaktive Form Meso-Weinsäure (140°C). Der sich aus Wein oft absetzende Weinstein ist Kaliumhydrogentartrat, HOOC(CH(OH))2-COOK, und dient zur Herstellung von Weinsäure und Brausepulvern. Weitere Tartrate sind Brechweinstein (Kaliumantimonotartrat) und Seignettesalz.

Weinstock, Rebe (althochdeutsch, ursprünglich «Ranke»), Weinrebe, Vitis vinifera: Kletterstrauch aus dem Mittelmeergebiet und Kleinasien mit grünlichen Blüten in Rispen und gelappten Blättern (Familie Weinrebengewächse); die Beeren werden zur Bereitung von Wein oder als Obst verwendet; getrocknete Beeren aus wärmeren Gebieten sind die kernhaltigen Rosinen und die kernlosen, hellen Sultaninen und dunklen Korinthen.

Weinviertel: Hügelland in Niederösterreich, zwischen Manhartsberg, Marchfeld, Grenze zur CSSR und Donau; 300 bis 400 m hoch; fruchtbar; Erdölförderung besonders um Zistersdorf.

Weisbach, Julius Ludwig, 10.8.1806-24.2.1871, Mathematiker, Physiker und Ingenieur; Professor an der Bergakademie Freiberg. Nach ihm wurde die Maßeinheit Weisbach (Zeichen Wb) für den Strömungswiderstand bei der Wetterführung (Grubenbewetterung) im Grubengebäude benannt.

Weise, Christian, 30.4.1642-21.10.1708, Schriftsteller und Pädagoge; schrieb Student. Gelegenheitsgedichte, moralsatirische Zeitromane («Die drei ärgsten Erznarren in der ganzen Welt», 1672) und rund 60 Stücke, unter anderem biblischen und historischen Inhalts. Im «Trauerspiel von dem neapolitanischen Hauptrebellen Masaniello» (1682) zeigt er historisches Verständnis für den Volksaufstand 1647 in Neapel gegen die Spanier. Weise propagierte im Sinn der Frühaufklärung eine vernunftbestimmte Anpassung des Bürgertums an den Absolutismus.

Weisel: (mittelhochdeutsch, Anfuhren) auch: Bienenkönigin, einziges Weibchen im Bienenvolk, das befruchtete Eier ablegt. Die von ihr ausgeschiedene Weiselsubstanz bewirkt Zusammenhalt des Volkes.

Weisenborn, Günther, 10.7.1902-26.3.1969, Schriftsteller; antifaschistischer Widerstandskämpfer; 1942 zu Zuchthaus verurteilt; lebte zuletzt in Westberlin. Weisenborn schrieb gesellschaftskritische Erzählungen und Romane («Das Mädchen von Fanö», 1935; «Die Furie», 1937; «Auf Sand gebaut», 1956; «Der Verfolgen), 1961) sowie Stücke («Die Neuberin», 1935; «Ballade vom Eulenspiegel, vom Federle und von der dicken Pompanne», 1949; «Lofter oder Das verlorene Gesicht», 1956). Bedeutende Werke der antifaschistischen deutschen Literatur sind das Erinnerungsbuch «Memorial» (1947), das Drama «Die Illegalen» (1946) und die Dokumentation «Der lautlose Aufstand» (1953).

Weisheitslehre: altägyptische Literaturgattung; Unterweisungen des Vaters an seinen Sohn oder des Lehrers an den Schüler zur allgemeinen (ethischen) Bildung in Spruchform; siehe auch Ptahhotep.

Weismann: 1. August Weismann, 17.1.1834-5.11.1914, Zoologe, bedeutender Evolutionsbiologe; lehnte den Lamarckismus ab und begründete eine Vererbungstheorie, die Keimplasmatheorie.

2. Wilhelm Weismann, 20.9.1900-14.5.1980, Komponist; wirkte in Leipzig seit 1929 als Lektor (1949 Cheflektor) der Edition Peters und seit 1946 als Lehrer (1948 Professor) an der Musikhochschule; schuf besonders Vokalmusik in differenzierter Satzkunst.

Weiß: 1. Christian Samuel Weiß, 26.2.1780 - 1.10.1856, Kristallograph, Professor in Leipzig und seit 1810 in Berlin; grundlegende Arbeiten zur Kristallgeometrie auf mathematischer Grundlage. Weiß entwickelte das Verfahren, die Kristallflächen auf Achsenkreuze zu beziehen.

2. Emil Rudolf Weiß, 12.10.1875 - 9.11.1942, Maler, Buchkünstler; seine Illustrationen, Bucheinbände und Druckschriften sind hervorragende Zeugnisse der modernen Buchkunst.

3. Ernst Weiß, 28.8.1882 - 15.6.1940 (Selbsttötung), österreichischer Schriftsteller; emigrierte 1933 aus Berlin nach Prag und Paris; verfasste gesellschaftskritische und antifaschistische Romane aus der Perspektive sozialer Außenseiter («Tiere in Ketten», 1918; «Georg Letham, Arzt und Mörder», 1931).

Weißbier, Berliner Weiße: obergäriges, stark moussierendes Schankbier mit einem Stammwürzegehalt von etwa 9% und einem Volumenanteil an Alkohol von 2 bis 3%. Durch die Gärung der Würze mit einer Milchsäurebakterien enthaltenden Hefe erhält Weißbier einen säuerlichen Geschmack.

Weißdorn, Crataegus: zu den Rosengewächsen gehörende artenreiche Gattung meist dorniger Sträucher oder Bäume mit weißen Blüten und mehligen roten Steinfrüchten; heimisch sind der Zweigrifflige Weißdorn (Crataegus oxyacantha) und der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna); als Zierbaum häufig angepflanzt der Rotdorn, eine Zuchtform des Eingriffeligen Weißdorn, mit gefüllten roten Blüten.

Weiße Elster: rechter Nebenfluss der Saale; 257 km; entspringt im Elstergebirge, durchfließt im zum Teil engen Tal das Vogtland, teilt sich in Leipzig in Luppe und Weiße Elster und mündet oberhalb Halle; Talsperre Pirk, weitere Talsperren an den Zuflüssen Trieb (Pöhl), Feilebach (2,5 km; Stauraum 17,3 Millionen mJ), Weida und Pleiße. Südlich von Leipzig bis Halle zum Teil Flussverlegungen wegen Braunkohlenerschließung.

Weißer Berg, tschechisch Bild Hora: Anhöhe westlich von Prag. In der Schlacht am Weißen Berg (8.11.1620) siegte das kaiserliche ligistische Heer unter Tilly über das der böhmischen Stände.

Weißeritz: linker Nebenfluss der Elbe; 50 km; entsteht bei Tharandt aus Wilder Weißeritz (Talsperren Lehnmühle (1,4 km2, Stauraum 21,9 Millionen m3) und Klingenberg (1,1 km2, 16,4 Millionen m3)) und Roter Weißeritz (Maltertalsperre) aus dem Osterzgebirge, durchfließt den Plauenschen Grund bei Freital und mündet in Dresden.

Weißer Schrecken, Terreur blanche (französisch): Bezeichnung für den blutigen Terror der Konterrevolution in Frankreich 1794 nach dem Sturz der Jakobiner, in der Restaurationszeit (besonders 1815) und nach der Zerschlagung der Pariser Kommune 1871.

weißer Zwerg: Stern sehr hoher Dichte (rund 10 kg/m3); hat etwa die Masse der Sonne, aber nur den Durchmesser der Erde. Weißer Zwerg sind eine Endstufe der 1 Sternentwicklung. Sie entstehen aus sonnenähnlichen Sternen, nachdem deren Möglichkeiten der Kernenergieerzeugung erschöpft sind.

Weißes Meer, russisch Beloe More: Nebenmeer des Arktischen Ozeans, an der Nordküste des europäischen Teils der UdSSR, zwischen den Halbinseln Kola und Kanin; 90000 km2, bis 350 m tief, Salzgehalt 24 bis 35 %o\ buchten-, insel-, fischreich; winters eisbedeckt; Fischfang; in den Buchten Kislaya Guba und Mesen Versuchsgezeitenkraftwerke; Haupthafen Archangelsk. Siehe auch Weißmeer-Ostsee-Kanal.

weiße Substanz, Substantia alba: Gesamtheit der markhaltigen Nervenfasern des Zentralnervensystems.

Weißgardisten: Angehörige der russischen konterrevolutionären «Weißen Armeen» (zaristische Offiziere, Bourgeois, Gutsbesitzer, Kulaken, wohlhabende Kosaken); 1918/20 von der Roten Armee zerschlagen.

Weißkohl, Brassica oleracea subsp. capitata: Gemüsepflanze mit endständigen, festen Köpfen aus glatten grünen Blättern.

Weisskopf, Victor Frederick, geboren 19.9.1908, US-amerikanischer Physiker österreichischer Herkunft; bedeutende Arbeiten zur Kern- und Elementarteilchenphysik.

Weißliegendes: meist weißlich graue, carbonathaltige Sandsteine an der Basis des Kupferschiefers als Vertreter des Zechsteinkonglomerats, zum Beispiel in der Sangerhäuser Mulde.

Weißlinge, Pieridae: Familie der Tagfalter mit weißer (Baum-, Raps-, Kohlweißling) oder gelber Grundfarbe (Goldene Acht, Zitronenfalter)-, einige weißflügelige Arten sind schädlich; zahlreiche Arten sind Wanderfalter.

Weißmetall: Legierung aus Blei, Zinn (zusammen etwa 85%), Antimon (etwa 12%) und Kupfer (unter 5%); verwendet als Lagermetall.

Weißtöner, optischer Aufheller: chemische Verbindungen, die zum optischen Aufhellen gelbliches Gewebe, Plaste, Papiere unter anderem dienen. Sie nehmen die (unsichtbare) Ultraviolettstrahlung (zum Beispiel der Sonne) auf und senden dafür hellviolettes Fluoreszenzlicht aus, das die gelbliche Farbe des Substrats zu Weiß kompensiert.

Weißwaren: Sammelbegriff für Leib-, Bett- und Tischwäsche und für gebleichte weiße Gewebe.

Weißwasser, sorbisch Bela Woda: Kreisstadt im Bezirk Cottbus, in der Oberlausitz; 35000 Einwohner; Kombinat Lausitzer Glas; Holzindustrie; Ingenieurschule für Glastechnik; Kunsteisstadion; neues Stadtzentrum; bei Weißwasser Großkraftwerk Boxberg und Braunkohlentagebaue.

Weißwurst: ungeröstete Brühwurst aus Kalb-, Jungrind-, Schweinefleisch sowie Speck.

Weißzeder, Lebensbaumzypresse, Scheinzypresse, Chamaecyparis: Gattung immergrüner, einhäusiger zu den Zypressengewächsen gehörender Nadelhölzer mit abgeflachten Zweigen und kleinen Nadelschuppen; in Nordamerika die Lawsons Weißzeder (Feingliedrige Weißzeder, Chamaecyparis lawsoniana), in Japan die Feuerzypresse (Chamaecyparis obtusa) und die Erbsenfrüchtige Weißzeder (Chamaecyparis pisifera); in vielen Formen angepflanzte Zierbäume der Parkanlagen.

Weisung: Anweisung; Einzelentscheidung; verbindliche Festlegung durch einen staatlichen Leiter.

Weisungsrecht: Befugnis des Einzelleiters, durch einseitige Willenserklärung (Weisung) für unterstellte Werktätige verbindliche Verhaltensanforderungen als Arbeitspflichten festzulegen. Das Weisungsrecht haben der Betriebsleiter und die leitenden Mitarbeiter gegenüber den ihnen unterstellten Werktätigen; ein sachbezogenes beschränktes Weisungsrecht kann darüber hinaus in der Arbeitsordnung festgelegt werden.

Weitenmessung: Sport Ermittlung der Weglänge in Wurf-, Stoß- und Sprungdisziplinen. Neben dem herkömmlichen Bandmaß werden bei bedeutenden internationalen Veranstaltungen zunehmend optische und optisch-elektronische Geräte eingesetzt, wie optische Bank, elektronischer Tachymeter.

Weitling, Wilhelm, 5.10.1808-25.1.1871, utopischer Kommunist, Schneidergeselle. Weitling, Theoretiker und Organisator des deutschen Arbeiterkommunismus, verfasste die revolutionäre Programmschrift des Bundes der Gerechten, «Die Menschheit wie sie ist und wie sie sein sollte» (1838). In seinem Hauptwerk, «Garantien der Harmonie und Freiheit» (1842), verschmolz er frühproletarische Kampferfahrung mit babouvistische Überlieferung und Einsichten C. H. Saint-Simons und C. Fouriers zu einer rational begründeten kommunistischer Theorie der Selbstbefreiung der Ausgebeuteten. Weitling, der die Gesetzmäßigkeiten der sozialistischen Revolution nicht erkannte, setzte später große Hoffnungen auf die Gründung kommunistischer Kolonien. Wegen seiner kommunistischen Bibelinterpretation «Das Evangelium der armen Sünder» (1845) in Zürich inhaftiert (1843/44); wirkte nach 1849 publizistisch («Die Republik der Arbeiten», 1850/55) und organisatorisch in der deutschen Arbeiterbewegung der USA.

Weitsozialisten, Weitherzige: opportunistischer Flügel der Bulgarischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (1891/94 Bulgarische Sozialdemokratische Partei); entstand 1903 und formierte sich nach Ausschluss aus der Bulgarischen Sozialdemokratische Arbeiterpartei zu einer reformistischen Partei; Gegner der Engsozialisten.

Weitsprung: leichtathletische Disziplin; eine möglichst große Weite ist nach 35 bis 45 m langem Anlauf und Absprung von einem Absprungbalken aus zu erzielen. Unterschieden werden als Flugvarianten Schrittweitsprung, Schwebehang- und Laufsprung. Ein Weitsprung ist ungültig, wenn der Balken übertreten oder überlaufen beziehungsweise die Sprunggrube nach rückwärts verlassen wird. Gemessen wird die Strecke Balkenkante letzter vom Springer in der Sprunggrube hinterlassener Eindruck. Olympisch (seit 1896), Weltmeisterschafts- (seit 1983) und Europameisterschaftsdisziplin (seit 1934).

Weiz, Herbert, geboren 27.6.1924, Politiker, Diplomwirtschaftler. Seit 1946 Mitglied der SED, seit 1958 Mitglied des ZK; 1962/67 Staatssekretär für Forschung und Technik. Weiz ist seit 1967 Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats der DDR und seit 1974 Minister für Wissenschaft und Technik. Seit 1963 ist er Abgeordneter der Volkskammer.

Weizen, Triticum: Gräsergattung mit ährenförmigem Blütenstand; Heimat wahrscheinlich Südwest- und Zentralasien und Äthiopien. Bei den angebauten Arten unterscheidet man Spelzweizen von Nacktweizen; zu letzterem gehört als weltwirtschaftlich bedeutendes Getreide der Saatweizen, als Winter- oder Sommerform angebaut; besonders in der UdSSR, den USA, Indien und Kanada. Siehe auch Getreide.

Weizenälchen, Anguina tritici: bis 5 mm langer, in den Blättern und Blüten des Weizens schmarotzender Fadenwurm; Erreger der Radekrankheit.

Weizengürtel, englisch Wheat Belt: Landbauzone in den USA, die die Bundesstaaten Montana, Nord- und Süddakota, Nebraska, Oklahoma, Kansas und Texas umfasst, in den Großen Ebenen zum Teil von der Provinz Alberta (Kanada) bis Texas reicht und in der ein bedeutender Teil der Ackerfläche (20 bis 62 %) dem Weizenanbau Vorbehalten ist. Meist als Monokultur extensiv betrieben, führte der Weizenanbau zur Bodenverarmung und Nährwertminderung. Weitere wichtige Anbauprodukte sind Gerste, Sorghum, Zuckerrüben; in den trockeneren Gebieten der Großen Ebenen, am Ostrand des Felsengebirges, wird extensive Viehzucht betrieben, die mit Ausnahme von Norddakota stets bedeutender als der Weizenanbau ist.

Weizenkeimöl: durch Auspressen oder Extrahieren von Weizenkeimlingen gewonnenes, vitaminreiches fettes Öl; es wird leicht ranzig; für medizinische Zwecke sowie für Hautpflegemittel verwendet.

Weizmann, Chaim, 27.11.1874-9.11.1952, israelischer zionistischer Politiker, 1920/31 und 1937/46 Präsident der Zionistischen Weltorganisation; 1948/52 erster Präsident Israels.

Wekhrlin, Wilhelm Ludwig, 7.7.1739 bis 24.11.1792, Publizist; wegen demokratischer Gesinnung und politische Satiren verfolgt und inhaftiert; schrieb Reiseberichte und gab Zeitschriften heraus (zum Beispiel «Das graue Ungeheuer», 1784/87).

Weksler, Wladimir Iossifowitsch, 4.3.1907-22.9.1966, sowjetischer Physiker; arbeitete über kosmische Strahlung und Hochenergiephysik, fand das Synchrotron Prinzip.

Wekwerth, Manfred, geboren 3.12.1929, Regisseur, Kulturtheoretiker und Theaterleiter; Schüler B. Brechts, wirkte 1951/69 und wieder seit 1977 (Intendant) am Berliner Ensemble und errang dort mit seinen Inszenierungen internationale Erfolge; inszenierte auch im Ausland (London, Zürich, Wien). 1974/77 Direktor des Instituts für Schauspielregie in Berlin (Professor seit 1975). In seinen theoretischen Arbeiten und in der praktischen Theaterarbeit ist Wekwerth vor allem um die schöpferische Weiterentwicklung der Theaterkonzeption Brechts bemüht.

Welcker, Karl Theodor, 23.3.1790-10.3.1869, Jurist und Publizist; führender Vertreter des süddeutschen Liberalismus, gab mit K. von Rotteck das «Staatslexikon» heraus. 1848/49 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung.

Welfen: deutsches Fürstengeschlecht, seit 1070 bayerische Herzoge, gewannen 1137 durch Erbschaft das Herzogtum Sachsen; im 12. Jahrhundert mächtigste Gegner der Hohenstaufen; nach dem Sturz Heinrichs des Löwen (1180) und dem Tod des einzigen weif. Kaisers Otto IV. (1218) blieben die Welfen auf das heutige Niedersachsen beschränkt. 1235 wurden sie mit dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg belehnt und Reichsfürsten. Durch Erbteilungen entstanden noch im 13. Jahrhundert aus den Territorien mehrere Fürstentümer, aus denen das Herzogtum Braunschweig und das spätere Königreich Hannover hervorgingen.

Welfenschatz: von den Welfen gestifteter Reliquienschatz, umfasst 44 Reliquiare und liturgische Geräte des 11715. Jahrhundert; Hauptstücke: Welfenkreuz (Mailänder Arbeit, 11. Jahrhundert), Tragaltar des Eilbertus (Köln, 1150/60), Kuppelreliquiar (Köln, um 1175). Der Welfenschatz kam 1218 in den Braunschweiger Dom.

Wellklje Lukl: Stadt im Gebiet Pskow, am Lowat; 110000 Einwohner; Maschinen- und Gerätebau, Leinenkombinat, Holzverarbeitung; landwirtschaftliche Hochschule; Theater, Museen. Im 2. Weltkrieg bremste die Sowjetarmee bei Wellklje Lukl im Juli/August 1941 in hartnäckigen Verteidigungskämpfen den faschistischen Hauptangriff auf Moskau.

Weliko Tyrnowo: Bezirksstadt im Norden Bulgariens, am Nordabfall der Stara Planina, an der Jantra; 70000 Einwohner; Maschinen- und Motorenbau, Radio-, Fernsehgeräteherstellung, Lebensmittel-, Leichtindustrie; Verkehrsknoten; Universität, Hochschulen; Theater, Museen; Fremdenverkehr. Zahlreiche bedeutende Bauwerke aus der Zeit des 2. Bulgarenreiches auf der Festung Zarewez und in der Altstadt, die teilweise erhalten sind oder ausgegraben sowie zum Teil auch rekonstruiert werden (besonders Paläste und Kirchen). Im 5./6. Jahrhundert frühbyzantinische Festung. Der Aufstand von Weliko Tyrnowo 1185 gegen Byzanz führte zur Gründung des 2. Bulgarenreiches (1185/1396), Hauptstadt wurde Weliko Tyrnowo; 1393/1877 türkisch.

Welk, Ehm, 29.8.1884-19.12.1966, Schriftsteller; war unter anderem Redakteur, Seemann und Journalist; seine revolutionären Theaterstücke «Gewitter über Gotland» (1926) und «Kreuzabnahme» (1927) wurden auf Druck der Reaktion abgesetzt; 1934 im KZ Oranienburg. In Ablehnung der faschistischen «Blut- und Boden-Literatur» schrieb Welk die humorvollen volksverbundenen Romane über norddeutsche Bauern «Die Heiden von Kummerow» (1937), «Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer» (1938), «Die Gerechten von Kummerow» (1943). Neben weiteren Romanen verfasste er satirische Geschichte, Erzählungen über sozialistische Bewusstseinsentwicklung («Der Hammer will gehandhabt sein», 1958), Reise- und naturkundliche Bücher, Filmszenarien.

Welkekrankheiten: Sammelbegriff für Pflanzenkrankheiten, die sich nach irreversiblem Turgorverlust in einem Erschlaffen und späteren Absterben erkrankter Pflanzen äußern; häufig durch Pilze oder Bakterien an Erbse, Gurke, Kartoffel, Bohne oder Tomate verursacht. Verhütung je nach Erregerart durch Verwendung einwandfreien Saatgutes, durch Saatgutbehandlung, Bodendesinfektion und weitgestellte Fruchtfolge.

Welken: reversibles oder irreversibles Erschlaffen von Pflanzenorganen als Folge eines gestörten Wasserhaushaltes und des damit verbundenen Turgor Verlustes.

Welketoxine: durch pflanzenpathogene Mikroorganismen gebildete Toxine, die bei höheren Pflanzen ein irreversibles Welken hervorrufen. Die bekanntesten Welketoxine sind die Fusarinsäure und das Lycomarasmin.

Weilandkanal: Großschifffahrtsweg im Süden Kanadas (Provinz Ontario), zur Umgehung der Niagarafälle, zwischen Port Weller am Ontariosee und Port Colborne am Eriesee; Teil des Sankt-Lorenz-Seeweges; 44,4 km lang, 9,1 m Mindesttiefe; überwindet mit 8 Schleusen 99,7 m Höhenunterschied.

Welle:

1. Maschinenbau: Maschinenelement zur Leitung (Übertragung) von Drehmomenten, Bewegungen und Kräften; beansprucht auf Verdrehung, Biegung, Zug beziehungsweise Druck. Welle werden aus Stahl, -guss oder Kugelgraphitguss als glatte (Transmissionswelle), abgesetzte, verzahnte (Ritzelwelle) mit Nocken (Nockenwelle) oder mit Gelenken versehene (Gelenkwelle), in der Länge veränderbare (Teleskopwelle) und als biegsame Welle hergestellt; siehe auch Kurbelwelle.

2. Physik: Vorgang, bei dem sich eine physikalische Größe örtlich und zeitlich ändert, zum Beispiel eine sich ausbreitende Schwingung; wird mathematisch durch eine Wellengleichung beschrieben. Während für die Ausbreitung mechanischer Welle (Schall) ein übertragendes Medium erforderlich ist, pflanzen sich elektromagnetische Wellen auch im Vakuum fort. Bei Längs- oder Longitudinalwelle erfolgen die Schwingungen in Ausbreitungsrichtung, bei Quer- oder Transversalwelle senkrecht dazu. Die einfachste Welle ist die harmonische Welle (Sinuswelle), bei der die Auslenkung der schwingenden Größe aus der Ruhelage räumlich und zeitlich periodisch erfolgt. Die maximale Auslenkung heißt Amplitude, die zugehörigen Orte werden abwechselnd als Wellenberg und Wellental bezeichnet; der Abstand zweier aufeinanderfolgender Orte gleichen Schwingungszustandes (Phase 4) ist die Wellenlänge X. zwischen ihr, der Frequenz v und der Phasengeschwindigkeit c besteht die Beziehung c = Xv. In stehenden Wellen wechseln Schwingungsbäuche mit maximaler Schwingung ab mit Schwingungsknoten, in denen Ruhe herrscht. Neben harmonische gibt es viele nichtperiodische Wellenformen, zum Beispiel Knallwelle, Explosionswelle, Erdbebenwelle. Kugelwelle breiten sich von dem punktförmigen Erregungszentrum gleichmäßig nach allen Seiten aus, die Wellenflächen sind konzentrische Kugeln. Eine ebene Welle hat ebene Wellenflächen. Die in Ausbreitungsrichtung vorderste Wellenfläche heißt Wellenfront. Bei Stoßwelle oder Schockwelle (zum Beispiel bei der Kopfwelle eines mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Körpers) ist die Amplitude an der Wellenfront besonders groß. Beim Übergang einer Welle von einem Medium in ein anderes erfolgen Reflexion und Brechung, beim Auftreffen auf ein Hindernis Beugung. Alle Wellen zeigen bei Überlagerung Interferenz. Oberflächenwellen breiten sich an der Oberfläche von Flüssigkeiten und Festkörpern aus (siehe auch Grenzflächenwellen). Wasserwelle werden zum Beispiel durch Wind verursacht; die Wasserteilchen vollführen dabei kreisende Bewegungen, was zu nichtsinusförmigen Welle führt. Ihre Phasengeschwindigkeit wird bei großer Wellenlänge durch die Schwerkraft (Schwerewelle), bei kleiner Wellenlänge durch die Oberflächenspannung (Kapillarwelle oder Riffeln) bestimmt; siehe auch Materiewellen.

Welle-Nabe-Verbindung: Gefüge von Maschinenelementen zur Übertragung von Kräften und Momenten von der Radnabe auf die Welle durch Form- oder Kraftschluss. Formschlüssige Welle-Nabe-Verbindung werden durch Passfeder (Scheibenfeder), Vielnutprofil und Stifte (nur bei geringer Belastung, als Querstift oder Längsstift) hergestellt; kraftschlüssige Welle-Nabe-Verbindung durch Keile (Einlege-, Treib-, Nasenkeile), Kegel sowie Ringfederspannelemente.

Wellenbock: Lagerung für den außerhalb des Schiffskörpers befindliche Teil der seitlichen Propellerwellen bei Mehrschraubenschiffen; besteht aus 2 im Winkel von 60° gespreizten Wellenbockarmen, in deren Schnittpunkt das Lager zur Aufnahme der Welle angeordnet ist.

Wellenbrecher: 1. an der Küste ins Meer gebaute Anlage, zum Beispiel eine Mole oder Buhne, an der sich die anrollenden Wellen brechen sollen, so dass ihre Gewalt gemindert wird.

2. Wasserabweiser aus aufrechtstehendem Blech, der auf dem Vorschiff schnellfahrender Schiffe und Boote querschiffs V-förmig angeordnet ist; soll das dahinterliegende Deck von überkommendem Wasser freihalten.

Wellenfachweben: neues, hochproduktives Webverfahren, bei dem über die Arbeitsbreite gleichzeitig mehrere Schützen hintereinander durch Teilfächer laufen.

Wellenfläche: Fläche gleicher Phase in einem Wellenfeld. In isotropen Stoffen stehen die Wellenfläche senkrecht zur Strahlrichtung. Bei einem optischen System werden die Unterschiede zwischen der Wellenfläche im Bildraum und einer Kugelfläche als Wellenaberrationen bezeichnet. Diese entstehen durch Abbildungsfehler und Beugung des Lichtes. Sie bewirken im Allgemeinen eine Verlagerung und Verringerung des Maximums der Punktbildfunktion.

Wellenfunktion: die den Zustand eines (spinlosen, nichtrelativistischen) Quantensystems beschreibende, der Schrödinger-Gleichung genügende Funktion t)\ wird oft Zustandsfunktion oder -vektor, gelegentlich Psi-funktion genannt. Das Absolutquadrat |i//|2 der Wellenfunktion wird nach M. Born als Aufenthaltswahrscheinlichkeit des beschriebenen Systems zur Zeit t am Ort r interpretiert (statistische oder Wahrscheinlichkeitsinterpretation der Wellenfunktion) im weiteren Sinne bezeichnet man als Wellenfunktion die (2s + l)-komponentigen Funktionen, die den relativistischen Wellengleichungen für Teilchen mit Spinquantenzahl s genügen.

Wellengleichung: partielle Differentialgleichung 2. Ordnung, die die Ausbreitung physikalischen Größen y in Raum und Zeit t beschreibt. Bei Beschränkung auf eine Ortskoordinate x hat die Wellengleichung. Die Schrödinger-Gleichung, die das Verhalten von Quantenteilchen beschreibt, wird auch als Wellengleichung bezeichnet.

Wellenhose: Ausbuchtung der Außenhaut zur Umkleidung und Lagerung des seitlichen Propellerwellenaustritts bei Mehrschraubenschiffen; die Propellerwelle verbleibt damit im Inneren des Schiffskörpers.

Wellenleiter: Leitung zur Übertragung elektromagnetische Wellen im Höchstfrequenz-, Infrarot- beziehungsweise Lichtwellenbereich. Aufbau und Material hängen vom Frequenzbereich und Anwendungsfall ab. So besteht der Hohlrohr-Wellenleiter aus einem metallischen Rohr (Hohlleiter), der Eindraht-Wellenleiter aus einem plastikbeschichteten Draht (Goubau-Leitung) und der optischen Wellenleiter aus einer plastikbeschichteten Glasfaser (Lichtleiterkabel).

Wellenmessgerät: elektronisches Gerät zur Messung der Wellenlänge beziehungsweise der Frequenz elektromagnetische Schwingungen in der Hoch- und Höchstfrequenztechnik. Wellenmessgeräte arbeiten nach dem Resonanzprinzip, bei sehr hohen Frequenzen werden Topfkreise und Hohlraumresonatoren verwendet.

Wellensittich, Melopsittacus undulatus: 18 cm langer, grüner Papagei Australiens; lebt gesellig in offenen Landschaften; in Europa seit über 100 Jahren in vielen Farbformen gezüchtet.

Wellenzahl: Kehrwert der Wellenlänge, Zeichen a oder v; übliche Größe in der Spektroskopie. Die zum Beispiel in cm gemessene Wellenzahl gibt an, wie viele Wellenlängen auf 1 cm entfallen.

Weller, Friedrich, 22.7.1889-19.11.1980, Orientalist, vor allem Indologe und Tibetologe; 1928/58 Professor in Leipzig, wirkte bahnbrechend bei der Vergleichung der Schriftquellen des nördlichen Buddhismus; Mitglied der SAW.

Welles, (welz) Orson, 6.5.1915-10.10.1985, US-amerikanischer Filmregisseur, -autor und -schauspieler; schuf sozialkritische Filme («Citizen Kane», «Der Glanz des Hauses Amberson», «Stunde der Wahrheit») und verfilmte Shakespeare-Dramen («Macbeth», «Othello», «Falstaff»); trat als Schauspieler in US-amerikanischen und westeuropäischen Filmen auf.

Wellesley, Richard Colley, Marquess Wellesley, 20.6.1760-26.9.1842, britischer Politiker; Bruder von A. Wellington; festigte als Generalgouverneur in Indien (1797/1805), Außenminister (1809/12) und Vororten 345000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Textil-, Holzindustrie und Maschinenbau, besonders in der Wellesley zugemeindeten Stadt Lower Hutt; Handelszentrum, Verkehrsknoten, Hochsee-, internationaler Flughafen, Seilbahn (innerstaatliches Verkehrsmittel), Fährverkehr zur Südinsel; Universität, Kunstakademie; Theater, Nationalgalerie, -museum, botanischer Garten, Zoo.

Wellington, Arthur Wellesley, Duke of Wellington, 29.4.1769-14.9.1852, britischer Feldmarschall und konservativer Politiker, Bruder von R. C. Wellesley; 1815 Sieger (mit G. L. Blücher) bei Waterloo; 1828/30 Premierminister, seit 1842 Oberbefehlshaber der Armee, 1848 mit der Niederschlagung der Chartistenbewegung beauftragt.

Wellington Inseln: Inselgruppe vor der Südwestküste Südamerikas, in Westpatagonien; zu Chile gehörend; 6750 km2; bis 1046 m über dem Meeresspiegel

Wellm, Alfred, geboren 22.8.1927, Schriftsteller; verfasste Kinderbücher (unter anderem «Kaule», 1962; «Das Pferdemädchen», 1974; «Die Geschichte vom kleinen Wruck», 1981), den Jugendroman «Pugowitza oder Die silberne Schlüsseluhr» (1975), den Roman über Schüler-Lehrer-Beziehungen «Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar» (1968).

Wells: (welz) Stadt im Südwesten Englands (Großbritannien), in der Grafschaft Somerset, am Fuße der Mendip Hills; 9000 Einwohner; Papierindustrie; Museum; Fremdenverkehr. Bedeutende gotische Kathedrale (seit Ende 12. Jahrhundert, Hauptbauzeit 1. Hälfte 13. Jahrhundert, Early English; Vierungsverstärkungsbogen 1338; sehr reicher ornamentaler und figürlicher Schmuck, besonders der Westfassade, seit etwa 1220); Bischofspalast (13. Jahrhundert).

Wells, (welz) Herbert George, 21.9.1866-13.8.1946, englischer Schriftsteller; Mitbegründer der Sciencefiction; schrieb technisch-wissenschaftliche, dann stärker gesellschaftliche, jedoch meist pessimistische Utopien («Die Zeitmaschine», 1895, deutsch; «Der Unsichtbare», 1897, deutsch; «Jenseits des Sirius», 1905, deutsch). Seine eigene Zeit spiegelte er in realistischen und sozialkritischen Romanen und Erzählungen wider («Kipps», 1905, deutsch; «Die Welt des William Clissold», 1926, deutsch). Wells war nach 1903 eine Zeitlang Mitglied der Fabian Society, blieb jedoch Individualist und propagierte die Idee einer Führungselite und eines Weltstaates. Sein Scheitern zeigt sein letztes Buch, «Der Geist am Ende seiner Möglichkeiten» (1945, deutsch).

Welpe: Jungtier bei Fuchs, Wolf und Hund.

Wels: Stadt im Bundesland Oberösterreich, an der Traun, südwestlich von Linz; 50000 Einwohner; Maschinenbau, Papier-, Metallwaren-, Konfektions-, Möbel-, Leder-, Farbenindustrie; Landwirtschaftsmesse; Burg (Museum); Stadtpfarrkirche (15. Jahrhundert).

Wels, Otto, 15.9.1873-16.9.1939, rechter SPD-Führer, seit 1891 Mitglied der Sozialdemokratie, seit 1913 Mitglied des Parteivorstandes, 1919/33 einer der beiden Vorsitzenden der SPD, 1912/18 Reichstagsabgeordneter, ab 1933 Exil in Prag und Paris; bis zu seinem Tode Vorsitzender des Sozialdemokratischen Emigrationsvorstandes.

Welsch, Maximilian von, 23.2.1671-15.10.1741, Ingenieur, Baumeister und Gartenarchitekt; bis 1729 Oberbaudirektor von Mainz und Bamberg; lieferte zahlreiche Pläne für Um- und Neubauten barocker Schlösser und Kirchen, die allerdings von anderen Architekten überarbeitet und ausgeführt wurden: unter anderem Pommersfelden, die Schlösser von Würzburg und Bruchsal.

welsche Haube: meist aus mehreren geschweiften Teilen bestehende Turmhaube, die durch eine oder mehrere Laternen miteinander verbunden sind; in der deutschen Baukunst besonders im 16./18. Jahrhundert.

Welse, (zu «Wal») zu den Karpfenartigen gehörende Bodenfische in fließenden oder stehenden Gewässern, einige Arten leben auch im Meer; meist keulenförmige Gestalt, manche mit sehr langen Bartfäden; viele treiben Brutpflege; sind Räuber, fressen wirbellose Bodentiere, große Arten auch Wirbeltiere; einige leben parasitisch. Der europäischen Flusswelse (Silurus glanis) wird etwa 2,5 m lang und ist ein Speise- und beliebter Sportfisch. Der bis 40 cm lange amerikanische Zwergwelse (Ictalurus nebulosus) wurde 1885 in Europa eingebürgert; siehe auch Panzerwelse, Zitterwels.

Welser: Augsburger Patriziergeschlecht, betrieb im 15. Jahrhundert umfangreiche Handelsunternehmungen in Süd- und Westeuropa, im 16. Jahrhundert als einflussreiches Bank und Handelshaus besonders im Levante- und Westindienhandel tätig; Geldgeber der Habsburger. Das Augsburger Haus der Welser machte 1614 bankrott.

Welskopf-Henrich, eigentlich Welskopf, geboren Henrich, Liselotte, 15.9.1901-16.6.1979, Althistorikerin und Schriftstellerin; nahm am antifaschistischen Widerstandskampf teil; seit 1960 Professor für alte Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin; verfasste das Werk «Hellenistische Poleis Krise, Wandlung, Wirkung», 4 Bände, 1974); schrieb zeitgeschichtliche Romane («Jan und Jutta», 1954; Trilogie «Zwei Freunde», 1955) sowie realistische Romane über die Indianer Nordamerikas («Die Söhne der Großen Bärin», 6 Bände, 1951/63; «Das Blut des Adlers», 5 Bände, 1966/80).

Weltall, Kosmos, Universum: die Gesamtheit des mit Materie, zum Beispiel in Form von Sternen, Sternsystemen und Strahlung, erfüllten Raumes beziehungsweise genauer die Gesamtheit der Materie einschließlich der durch sie bedingten raum-zeitlichen Ordnung in Form des vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuums. Der mit den verfügbaren Instrumenten überschaubare Teil des Weltalls hat einen Durchmesser von etwa 10 Md. ly. Die Beobachtungen zeigen, dass sich nicht nur die Weltkörper, sondern auch das Weltall als Ganzes entwickelt und ihm ein endlichen Weltalter zugeschrieben werden muss. Über die geometrische Gestalt des Weltalls sind noch keine eindeutigen Aussagen möglich. Während die Astronomie die Körper im Weltall erforscht, untersucht die Kosmologie das Weltall als Ganzes.

Weltalter: Kosmologie Zeitraum, der seit dem Beginn der Expansion des Weltalls (Hubble-Effekt) verstrichen ist; liegt bei 18 Md. Jahren.

Weltanschauung: Auffassung vom Weltganzen und der Stellung des Menschen in der Welt, zugleich Weltverständnis und Grundorientierung für das Verhalten in der Welt. Eine Weltanschauung enthält außer philosophischen oder religiösen stets auch sozialökonomische, gesellschaftspolitische, ethische, ästhetische und andere Auffassungen. Nach ihrer Antwort auf die Grundfrage der Philosophie unterscheiden sich materialistischen und idealistischen Weltanschauung. In der Klassengesellschaft trägt jede Weltanschauung Klassencharakter, das heißt, sie widerspiegelt die Interessen einer bestimmten Klasse und orientiert auf deren Verwirklichung. Weltanschauungen unterscheiden sich zudem durch ihre Beziehung zu den Einzelwissenschaften sowie zu wissenschaftlichen Mitteln und Methoden. Der Marxismus-Leninismus ist die Weltanschauung der Arbeiterklasse. Er begründet ihre historische Mission, den Kapitalismus zu beseitigen und den Sozialismus und Kommunismus zu errichten. Die Übereinstimmung der grundlegenden materiellen und ideellen Interessen aller Klassen und Schichten der sozialistischen Gesellschaft (insbesondere Erhaltung und Sicherung des Friedens, Freiheit von Ausbeutung und Unterdrückung, stetige Verbesserung des materiellen und geistig-kulturellen Lebens, allseitige Entfaltung der Persönlichkeit) ist Grundlage für die weltanschauliche Annäherung der übrigen Klassen und Schichten an die Arbeiterklasse und die Herstellung der politisch-moralischen Einheit des Volkes.

Weltbild: Konzeption zur Interpretation und zum Verständnis der Welt oder wichtiger Teilbereiche von ihr auf der Grundlage des naturwissenschaftlichen Erkenntnisstandes einer Epoche. Weltbild darf nicht mit Weltanschauung verwechselt werden. Eine wichtige Rolle in der geistigen Auseinandersetzung und bei der Prägung des Selbstverständnisses naturwissenschaftlicher Forschung spielte im 17. Jahrhundert das heliozentrisches Weltbild der Astronomie, das das seit der Antike vorherrschende geozentrisches Weltbild ablöste, und im 18. und 19. Jahrhundert das mechanistische Weltbild der klassischen Physik, dessen Begrenztheit zu Beginn des 20. Jahrhundert durch die Erkenntnisse der Quanten- und der Relativitätstheorie erkannt wurde. Heute wird der Begriff Weltbild häufig zur Charakterisierung des gesamten Wissensstandes einer Wissenschaft benutzt (Weltanschauung der modernen Astronomie, Physik oder Biologie).

Die Weltbühne: Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft; begründet 1905 in Berlin von S. Jacobsohn unter dem Titel «Die Schaubühne»; zunächst dem Theater, dann auch der Literatur und bildenden Kunst gewidmet; ab 1918 als W. vor allem antifaschistisch-antimilitaristisches Kampfblatt (1926/33 geleitet von C. von Ossietzky); 1933/39 in Prag beziehungsweise Paris («Die Neue Weltbühne», Leitung H. Budzislawski) herausgegeben; erscheint seit 1946 wieder in Berlin.

Weltbund der Demokratischen Jugend, Abkürzung WB DJ: größte internationale Vereinigung von Jugendorganisationen unterschiedliche weltanschauliche und politische Richtungen aus über 100 Ländern; gegründet am 10.11.1945 in London. Der WBDJ kämpft für Frieden, gesellschaftlicher Fortschritt, Freundschaft, die Rechte der Jugend und antiimperialistischen Solidarität. Höchstes Organ ist die Generalversammlung; sie wählt die Exekutive, deren Sitz ist seit 1951 Budapest. Zeitschrift: «Weltjugend».

Weltenburg: Gemeinde in Niederbayern mit Benediktinerkloster aus dem 8. Jahrhundert; seit 1716 erfolgte der barocke Neubau der Kirche St. Georg und St. Martin durch die Brüder Asam.

Weltföderation der Wissenschaftler, Abkürzung WFW: internationale Vereinigung von Organisationen, die sich mit der gesellschaftlichen Rolle der Wissenschaftler beschäftigen. Ihr gehören Gewerkschaften, Berufsvereinigungen und ähnlichen Organisationen an. Die WFW wurde 1946 gegründet, Hauptsitz London; sie vereinigt Organisationen aus 35 Staaten und korrespondierende Mitglieder aus vielen weiteren Ländern. Die WFW hat Konsultationsstatus bei der UNESCO und dem ECOSOC und arbeitet eng mit der UNO und ILO zusammen,

Weltfriedensrat: auf dem 2. Weltfriedenskongress (1950) in Warschau gebildetes Gremium der Weltfriedensbewegung, hervorgegangen aus dem auf dem 1. Weltfriedenskongress 1949 in Paris und Prag geschaffenen ständigen Komitee; Sitz Helsinki. Dem Weltfriedensrat gehören Persönlichkeiten unterschiedlicher Herkunft, Anschauungen und Bekenntnisse an. Er stützt sich auf nationale Friedenskomitees aus mehr als 100 Ländern, koordiniert und fördert die Aktionen der Friedensanhänger für Abrüstung, weltweite Entspannung und antiimperialistischen Solidarität, gegen Rassismus, Kolonialismus und imperialistische Aggressionspolitik. Zu den von ihm organisierten bedeutendsten Aktionen gehört die Unterschriftensammlung für den 1. (1950) und 2. (1975) Stockholmer Appell zum Verbot der Kernwaffen. Als höchste Auszeichnung verleiht der Weltfriedensrat die Joliot-Curie-Medaille und den Internationalen Friedenspreis für Kulturschaffende. Präsident des Weltfriedensrats ist R. Chandra.

Weltgeld: Funktion des Geldes, in den internationalen Ware-Geld-Beziehungen als allgemeines Zahlungsmittel zum Ausgleich der Zahlungsbilanzen, als allgemeines Kaufmittel und als Verkörperung des Reichtums aufzutreten. Im Kapitalismus fungieren Gold- und Silberbarren als Weltgeld. In der Gegenwart erfüllen konvertierbare Devisen, aber auch synthetische Währungen (Sonderziehungsrechte) Weltgeldfunktionen.

Weltgesundheitsorganisation, World Health Organization, Abkürzung WHO: Spezialorganisation der UNO; gegründet 1948; Sitz Genf. Die Weltgesundheitsorganisation ist in 6 Regionen gegliedert: Europa (Sitz Kopenhagen), Afrika, Westpazifik, Südostasien, Amerika und Mittlerer und Naher Osten. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, den bestmöglichen Gesundheitszustand für alle Völker zu erreichen.

Weltgewerkschaftsbund, Abkürzung WGB: größte internationale demokratische und unabhängige Einheitsorganisation der Weltgewerkschaftsbewegung. Dem WGB gehören 90 nationale Gewerkschaftszentralen aus 81 Ländern an, die über 206 Millionen Mitglieder repräsentieren. Seit seiner Gründung im Oktober 1945 führt er einen aktiven Kampf gegen Krieg, Faschismus, Kolonialismus, für Frieden, Demokratie, nationale Unabhängigkeit und sozialen Fortschritt, für die Interessen der Werktätigen, für Aktionseinheit der Gewerkschaften in der ganzen Welt. Er leistet eine umfangreiche Tätigkeit in internationalen zwischenstaatlichen Organisationen (zum Beispiel Spezialorganisationen der UNO, in der ILO). Ihm angeschlossen sind 11 Internationale Berufsvereinigungen der Gewerkschaften (Abkürzung IVG). Höchstes Organ des WGB ist der Wehgewerkschaftskongress, der alle 3 Jahre Zusammentritt; er wählt den Generalrat aus Vertretern aller nationalen Gewerkschaftszentralen als höchste Instanz zwischen den Kongressen. Generalsekretär I. Zakaria. Offizielles Presseorgan ist «Die Weltgewerkschaftsbewegung» (monatlich in 11 Sprachen); Sitz (seit 1956) ist Prag.

Welthandel: Gesamtheit des Außenhandels aller Länder der Erde (Summe ihrer Exporte und Importe). Umfang, Warenstruktur und Richtung bringen den Stand und die Entwicklung der internationalen Arbeitsteilung zum Ausdruck. Unter dem Einfluss des wissenschaftlich-technischen Fortschritts besteht objektiv der Drang zur internationalen Kooperation und Spezialisierung der Produktion und damit zur Ausdehnung des Welthandels.

Welthilfssprachen, Plansprachen-, bewusst geschaffene Sprachen von meist logischem und regelmäßigerem Bau als natürliche Sprachen, die, neben der Muttersprache verwendet, die internationale sprachliche Verständigung erleichtern sollen. Die über 700 Projekte der Welthilfssprachen (siehe auch Pasigraphien) sind unter anderem:

a) ein von natürlicher Sprachen unabhängiger Wortschatz, oft auf der Grundlage von Begriffsklassifikationen gebildet (Ro, 1906),

b) Vereinfachung klassischer Sprachen, meist Latein (Latino sine flexione, 1903),

c) Vereinfachung moderner Nationalsprachen (Basic English, 1930),

d) Auswahl internationalen (meist romanischen) Wortgutes, regelmäßige Wortbildung und Grammatik:

e) Verformung besonders lateinischer, englischer und deutscher Stämme (Volapük, 1879),) vorwiegend romanische Wortelemente mit charakteristischen Wortartendungen, regelmäßiger Orthographie und Wortbildung (Esperanto, 1887, Ido, 1907), 3) romanisches Wortgut, in Schreibweise und Wortbildung stark den komplizierteren Herkunftssprachen folgend (Occidental-Interlingue, 1922, Interlingua, 1951). Heute ist nur Esperanto von Bedeutung.

Welthöchststand: qualitative Messgröße für neue Erzeugnisse, Verfahren und Technologien, die in allen technischen und ökonomischen Parametern (Leistung, Qualität, Kosten, Preis) internationalen Spitzenwerten entsprechen. Welthöchststand entsteht durch Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik und ihren effektiven Überleitungsprozess in die Produktion. Zielgerichtete Analysen und Prognosen zum wissenschaftlich-technischen Fortschritt und Schaffung des wissenschaftlich-technischen Vorlaufs sind Grundbedingung.

Erster Weltkrieg, (1914 bis 1918).

Entstehung und Charakter: Der erste Weltkrieg war die militärische Fortsetzung des jahrzehntelangen erbitterten ökonomischen und politischen Kampfes zwischen den imperialistischen Staaten um Rohstoffquellen, Absatzmärkte, Kapitalanlagesphären und strategischer Stützpunkte. Die ungleichmäßige politische und wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen kapitalistischen Länder hatte zu einem neuen Kräfteverhältnis zwischen den Großmächten geführt, dem die territoriale und wirtschaftliche Aufteilung der Erde nicht mehr entsprach. Der schärfste Gegensatz entwickelte sich zwischen Großbritannien, der stärksten Kolonialmacht, und Deutschland, das durch seine schnelle wirtschaftliche Expansion die britische Vorherrschaft bedrohte. Um die beiden Mächte bildeten sich aggressive Blocks. Unter deutscher Führung standen die Mittelmächte: Deutschland, Österreich-Ungarn (1879 Zweibund), zeitweilig Italien (1882 Dreibund), Türkei (1914) und Bulgarien (1915); auf der anderen Seite formierte sich die Entente: Großbritannien, Frankreich (Entente cordiale 1904), Russland (Tripel-Entente 1907), Japan (1914), Italien (Vierverband 1915). Im Laufe des ersten Weltkriegs stellten sich insgesamt 27 Staaten auf die Seite der Entente.

Die imperialistischen Mächte betrieben eine zunehmende Militarisierung des gesellschaftlichen Lebens und ein fortgesetztes Wettrüsten auf Kosten der Völker. Diese Politik wurde in den meisten Ländern Europas begünstigt durch die zunehmende Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung durch den Opportunismus, die Verbreitung von Reformismus und bürgerlicher Nationalismus.

Kriegsziele: Das imperialistische Deutschland wollte Mitteleuropa unter seinen Einfluss bringen, britische und französische Kolonien sowie französischen und belgischen Territorium erobern, die Ukraine, Polen und die Ostseegebiete von Russland abtrennen sowie den Einfluss im Nahen und Mittleren Osten (Bagdadbahn) erweitern. Österreich-Ungarn erstrebte die Vorherrschaft auf der Balkanhalbinsel. Das britische Monopolkapital verfolgte die Ausschaltung des deutschen Konkurrenten, die Aneignung der deutschen Kolonien und gemeinsam mit Frankreich, die Aufteilung der Türkei. Die Imperialisten Frankreichs erstrebten die Zurückgewinnung Elsaß-Lothringens, die Annexion des Saargebietes und die Festigung ihrer Herrschaft in Nordafrika (Marokko). Ziele des zaristischen Russlands waren die Aufteilung der Türkei, die Annexion Galiziens und die Verstärkung seines Einflusses auf der Balkanhalbinsel. Die Verschärfung der Gegensätze wurde besonders deutlich in den Marokkokrisen 1905/06 und 1911 sowie in den Balkankriegen 1912/13. Die zunehmenden Spannungen zwischen den Mächten, der Aufschwung der internationalen Arbeiterbewegung und der wachsende Kampf der Kolonien und abhängigen Länder vor 1914 zeigten das Heranreifen der allgemeinen Krise des Kapitalismus. Deshalb sahen die herrschenden Kreise, vor allem in Deutschland und Österreich-Ungarn, in der Entfesselung eines Krieges zugleich ein Mittel, die inneren Schwierigkeiten zu überwinden und den revolutionären Kampf der Massen zu lähmen.

Kriegsverlauf: Anlass des ersten Weltkriegs war die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand am 28.6.1914 in Sarajevo durch einen serbischen Nationalisten. Die politische und militärische Führung Deutschlands sah den günstigen Zeitpunkt für den Krieg gekommen, da die Rüstungen der Entente noch nicht abgeschlossen waren. Von Deutschland unterstützt, erklärte Österreich-Ungarn am 28.7.1914 Serbien den Krieg. Am 1. 8. erfolgte die deutsche Kriegserklärung an Russland, am 3.8. an Frankreich. Der deutsche Überfall auf das neutrale Belgien bot Anlass für den Kriegseintritt Großbritanniens am 4.8.; am 23.8. trat Japan in den Krieg gegen Deutschland ein.

Die opportunistischen Führer der Sozialdemokratischen Parteien und reformistische Gewerkschaften in den kriegführenden Ländern gingen auf die Positionen der jeweils eigenen Bourgeoisie über («Burgfriedenspolitik») und bewilligten die Kriegskredite. Damit brach die II. Internationale zusammen. Die Bolschewiki, geführt von Lenin, riefen die Arbeiterklasse zum Kampf gegen den Krieg auf und forderten, den imperialistischen Krieg in einen Bürgerkrieg umzuwandeln und der eigenen Bourgeoisie eine Niederlage zuzufügen. In Deutschland waren es die Linken, die die Interessen der werktätigen Massen vertraten; K. Liebknecht stimmte am 2.12.1914 als einziger Abgeordneter im Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite.

1914. Gemäß dem Schlieffenplan erfolgte der deutsche Aufmarsch mit dem Schwerpunkt gegen Frankreich (7 Armeen im Westen, eine im O). Um den Festungsgürtel Frankreichs zu umgehen und dessen Heer in einer großen Umfassungsoperation zu schlagen, war der Durchmarsch eines starken rechten Flügels durch das neutrale Belgien vorgesehen. Nach der Einnahme der Forts von Lüttich (4./16. 8.) begann am 18. 8. der Vormarsch aller deutschen Armeen (20. 8. Einnahme von Brüssel). Die Grenzschlachten Ende August brachten keine Entscheidung, die deutschen Truppen überschritten Anfang September die Marne südöstlich von Paris. Die erfolgreiche Gegenoffensive der Entente (6./9.9.) zwischen Paris und Verdun zwang die deutschen Armeen zum Rückzug hinter die Aisne. Die Schlacht an der I Marne war der erste und zugleich entscheidende Wendepunkt im Verlauf des Krieges; mit der Niederlage der Mittelmächte war die Blitzkriegsstrategie des Schlieffen-Planes gescheitert, und es kam zu einer politischen und militärischen Krise in der deutschen Führung (14. 9. Chef des Generalstabes H. von Moltke durch Erster Weltkrieg von Falkenhayn abgelöst). Gegenseitige Überflügelungsversuche im Herbst dehnten die Front bis zur Nordsee aus («Wettlauf zum Meer»). Es kam zum Stellungskrieg, der auf die Dauer das größere Menschen- und Wirtschaftspotential der Entente zur Geltung brachte.

Im Osten gelang es den deutschen Truppen nach der Niederlage bei Gumbinnen (Gussew, 19./20.8.), die eingedrungenen russischen Armeen bei Tannenberg und auf der Masur. Seenplatte (Mazury, 6./15. 9.) zu schlagen. Bis November besetzten russische Truppen Teile Galiziens und die Bukowina, in Polen hielten deutsche Truppen den russischen Vorstoß auf. Ende 1914/Anfang 1915 erfolgte auch im Osten der Übergang zum Stellungskrieg. Die österreichisch-ungarischen Angriffe gegen Serbien endeten im Dezember erfolglos. Die strategischen Pläne beider Seiten waren Ende 1914 gescheitert, ein langwieriger, alle Kräfte und Mittel erschöpfender Krieg hatte begonnen. 1915 versuchte Deutschland, zunächst Russland niederzuwerfen; die Ostfront wurde damit zur Hauptfront. Nach einem russischen Vorstoß in den Karpaten (April) begann am 1./2. 5. eine deutsch-österreichisch-ungarische Gegenoffensive zwischen Gorlice und Tarnow, die zum Durchbruch der russischen Front und zur Rückeroberung Galiziens und der Bukowina führte. Von Juli bis September unternahmen deutsche Truppen an der ganzen Ostfront weitere Angriffe und besetzten Polen, Litauen und Kurland (Kurzeme).

Die Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23.5. (an Deutschland erst am 27.8.1916) verschärfte die Lage der Mittelmächte, ln den Schlachten am Isonzo und in Südtirol konnten die Italienischen Truppen ihre Gegner nur geringfügig zurückdrängen. Nach dem Kriegseintritt der Türkei (12.11.1914) auf Seiten der Mittelmächte unternahm die Entente Angriffe in Armenien, Mesopotamien und seit Februar 1915 gegen die Dardanellen, wodurch sich die Lage der Türkei verschlechterte. Der am 14.10. erfolgte Kriegseintritt Bulgariens auf Seiten der Mittelmächte ermöglichte den umfassenden Angriff gegen Serbien und die Herstellung einer direkten Verbindung zur Türkei. Bis Dezember wurden Serbien und Montenegro besetzt. Um ihre Mittelmeerpositionen auszubauen, landete nun die britische-französische Orientarmee bei Thessaloniki (5.10.) und auf Korfu (Kerkyra, 11.1.1916); Griechenland geriet damit unter dominierenden Entente Einfluss (bis Juni 1917 noch formell neutral). Nach schweren Verlusten musste die Entente im Januar 1916 die Landeköpfe an den Dardanellen wieder räumen.

Im Westen kam es zu heftigen Kämpfen ohne entscheidende Ergebnisse. Bei Arras auf der Lorettohöhe und in der Champagne vermochten die britischen-französischen Truppen die deutschen Stellungen nicht zu durchbrochen; bei Ieper setzten im April/Mai deutsche Truppen erstmals Giftgas ein. 1915 erzielte die Mittelmächte Raumgewinn, aber nicht die Beendigung des Krieges durch das Niederwerfen Russlands. 1916 plante die Entente eine gleichzeitige Offensive an allen Fronten. Die deutsche Oberste Heeresleitung (Abkürzung OHL) beabsichtigte, das französische Heer durch einen Angriff auf Verdun «auszubluten» und Frankreich zum Frieden zu zwingen. Die am 21.2. eingeleitete deutsche Offensive brachte eine Reihe taktischer Erfolge (Eroberung der Forts Douaumont und Vaux). Verdun wurde aber von der französischen Armee gehalten, im Sommer ging diese zu Gegenangriffen über und gewann bis Dezember das verlorene Gebiet zurück. Die Schlacht um Verdun kostete beide Seiten über 700000 Tote, Verwundete, Vermisste und Gefangene, brachte aber keine Kriegsentscheidung. Gegen Italien führte die österreichisch-ungarische Armee erfolglose Angriffe, in der 6. Isonzoschlacht (August) eroberten die Italiener Görz (Gorizia, 6./9. 8.). Am 4.6. begann die russische Brussilow Offensive, die zum Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Front in Galizien führte. Erst mit deutscher Hilfe konnte die Front wieder stabilisiert werden. Mitte 1916 mussten die Mittelmächte an allen Fronten zur Verteidigung übergehen.

Im Westen griffen britische-französische Truppen in der Schlacht an der Somme (Juni/November) die deutschen Stellungen an, konnten aber nicht durchbrechen. Dabei setzten britische Truppen am 15.9. erstmals Panzer ein. Die schwierige Lage der Mittelmächte nutzend, trat am 27. 8. Rumänien in den Krieg ein. Die rumänischen Angriffe auf Siebenbürgen wurden im Herbst durch eine deutsch-österreichisch-ungarisch-bulgarische Offensive zerschlagen, bis Dezember war der Großteil Rumäniens besetzt. In Armenien stießen russische Truppen bis Erzurum vor, dagegen misslang ein britischer Angriff auf Bagdad; bei Kut al-Amara musste das britische Korps vor den türkischen Truppen kapitulieren (29.4.). Zur See scheiterte in der Skagerrakschlacht (31.5./1.6.) der deutsche Versuch, die britische Seeblockade zu durchbrechen. Angesichts der kritischen Lage verschärfte die herrschende Klasse in Deutschland die Militärdiktatur (29. 8. wird P. von Hindenburg Chef des Generalstabes, Erster Weltkrieg von Ludendorff Erster Generalquartiermeister); der Krieg sollte bis zum «Siegfrieden» fortgesetzt werden. 1915/16 verstärkte sich die revolutionäre und Antikriegsbewegung (Konferenzen der linken und antimilitaristischen Sozialdemokraten in Zimmerwald 1915 und Kiental 1916, am 1.5.1916 Antikriegsdemonstration in Berlin). In Deutschland formierte sich 1916 die von der Linken gebildete Gruppe Internationale zur Spartakusgruppe. Versuche von imperialistischen Kreisen, zu einem Separatfrieden zu kommen, scheiterten (deutsch-russische Geheimverhandlungen, deutsches «Friedensangebot» unter anderem). 1917 (seit 1. 2.) eröffnete Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, um Großbritannien zu besiegen. Die schwierige Lage der Entente (Februarrevolution in Russland, Verluste an den Fronten, erste Auswirkungen des U-Boot-Krieges unter anderem) veranlasste die USA im Interesse ihrer eigenen Weltherrschaftspläne zum Kriegseintritt (6. 4.) gegen die Mittelmächte. Dem schlossen sich Griechenland (27. 6.), China (14. 8.) und andere Länder an.

Der Ausbruch der Februarrevolution in Russland verhinderte den von der Entente geplanten Angriff an allen Fronten. Die französischen-britischen Offensiven bei Arras und an der Aisne im April scheiterten unter großen Verlusten. In der französischen Armee kam es daraufhin zu revolutionären Aufständen, die blutig unterdrückt wurden. Von Juni bis Dezember griffen die Briten in Flandern an, dabei am 20.11. bei Cambrai massierter britischer Panzereinsatz. Im Osten scheiterte im Juli die auf Drängen der Entente begonnene Kerenski Offensive; in der Gegenoffensive (19.7./27.8.) eroberten die deutschen Truppen weitere russische Gebiete. An der italienischen Front stießen von Oktober bis November deutsch-österreichisch-ungarische Truppen bis zum Piave vor und fügten dem italienischen Heer eine schwere Niederlage zu. Im Vorderen Orient eroberten britische Truppen Bagdad und Jerusalem und drängten die Türken zurück, die jetzt durch ein deutsches Asienkorps stärker unterstützt wurden. Unter dem Einfluss der Februarrevolution und der Arbeit der Spartakusgruppe wuchs in Deutschland der Widerstand gegen den imperialistischen Krieg (Massenstreiks im April, Flottenaufstand im Juli/August), an der Front kam es zu I Soldatenverbrüderungen. Nach dem Sieg der Oktoberrevolution forderte die Sowjetregierung alle Staaten zu Friedensverhandlungen auf (Dekret über den Frieden). Die Entente lehnte ab, das imperialistische Deutschland aber ging darauf ein (5.12. Abschluss eines Waffenstillstandes), um den Zweifrontenkrieg zu beenden und im Westen die Entente zu schlagen, noch ehe die frischen Kräfte aus den USA eintreffen würden. Trotz des Ausscheidens Russlands aus dem Krieg und neuer Raumgewinne war der deutsche Imperialismus 1917 dem Sieg nicht nähergekommen, vor allem hatte sich die ökonomische Lage rapid verschlechtert («Kohlrübenwinter» 1916/17). Unter dem Einfluss der Oktoberrevolution wuchs die revolutionäre Bewegung weiter an (Januarstreiks 1918 in Deutschland). 1918 erzwang Deutschland im Osten von Sowjetrussland durch erneute Angriffe (Februar) im Raubfrieden von Brest-Litowsk (3.3.1918) Gebietsabtretungen mit über 60 Millionen Menschen und einer entwickelten Wirtschaft. Auch nach Friedensschluss waren deutsche Truppen an der antisowjetischen Aggression der imperialistischen Staaten beteiligt. Im Westen bereitete die deutsche OHL eine entscheidende Offensive vor, um Großbritannien und Frankreich noch vor dem Eintreffen der USA-Truppen zu schlagen, jedoch gelang es trotz der Zuführung von Truppen aus dem Osten nicht, eine Kräfteüberlegenheit zu erreichen. Die Entente blieb zunächst in der Defensive. 5 deutsche Offensiven (21. 3. bei Saint-Quentin, 9. 4. bei Armentieres, 27.5. in der Champagne, 9.6. bei Noyon, 15. 7. an der Marne) erzielten beträchtlichen Raumgewinn, jedoch konnten die britischen-französischen Armeen die Stellungsfront immer wieder festigen und einen Durchbruch verhindern. Mitte Juli war der strategische Plan der OHL endgültig gescheitert. Am 18. 7. erfolgte die erste französische Gegenoffensive zwischen Marne und Aisne. Mit Unterstützung starker Panzer- und Fliegerkräfte wurde die deutsche Verteidigung bei Villers-Cotterets durchbrochen. Es begann der allmähliche deutsche Rückzug nach Norden und Osten; die Entente übernahm endgültig die strategische Initiative. Der Durchbruch britischer Truppen bei Amiens (8. 8.) war eine schwere Niederlage für das deutsche Heer («schwarzer Tag»). Die deutschen Truppen zogen sich auf die Siegfriedstellung zurück, im Oktober standen sie in der Antwerpen-Maas-Stellung. Im Herbst brachen auch die Verbündeten Deutschlands militärisch zusammen. Eine britische-französische Offensive in Makedonien (15. 9.) führte zum Durchbruch der bulgarischen Front, worauf Bulgarien am 29. 9. Waffenstillstand schloss. Weitere Waffenstillstandsabkommen mit der Entente Unterzeichneten am 30.10. die Türkei und am 3.11. der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn, welcher durch Unabhängigkeitserklärungen (revolutionäre Erhebungen in Prag, Budapest, Zagreb und Wien) der Tschechen, Südslawen, Ungarn und Polen zerfiel.

Um die imperialistische deutsche Militärmacht zu erhalten und die drohende Revolution zu verhindern, ersuchte am 4.10. die Regierung des Prinzen Max von Baden auf Verlangen der OHL den USA-Präsidenten Wilson um Waffenstillstand auf der Grundlage seines 14-Punkte-Programmes vom 8.1.1918. Inzwischen erreichte die revolutionäre Bewegung in Deutschland ihren Höhepunkt. Die Reichskonferenz des Spartakusbundes (7.10.) beschloss ein Programm zum Sturz des deutschen Imperialismus. Mit dem Aufstand der Kieler Matrosen (3.11.) gegen die Fortsetzung des Krieges begann die Novemberrevolution (Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten; Ausrufung der Republik am 9.11. in Berlin). Am 11.11. wurde in Compiegne der Waffenstillstand unterzeichnet. Bedingungen waren unter anderem die kurzfristige Räumung der im Westen besetzten Gebiete einschließlich Elsaß-Lothringens und Teilen des Rheinlandes, die Auslieferung der Flotte und großer Mengen Kriegsmaterials; die im Osten befindlichen Truppen sollten als antisowjetischer Stoßkraft bis zum Eintreffen von Entente Kräften dort verbleiben.

See- und Luftkrieg: Das Seekriegsgeschehen im ersten Weltkrieg war durch die britische Blockade, den Kreuzerkrieg deutscher Kräfte 1914/15 und insbesondere den U-Boot-Krieg gekennzeichnet. Die einzige große Seeschlacht am Skagerrak blieb ohne strategische Auswirkungen, dagegen erwiesen sich die U-Boote als wirksame Waffe gegen die Kriegs- und Handelsschiffe.

Eine rasche Entwicklung nahmen die Luftstreitkräfte. Sie unterstützten die Landtruppen, wurden seit 1916 auch gegen das Hinterland eingesetzt. Beide Seiten schufen verschiedene Arten von Kriegsflugzeugen (unter anderem Bomben-, Jagd-, Aufklärungsflugzeuge).

Krieg in den Kolonien: Überlegene Entente Kräfte besetzten die deutschen Kolonien Togo (26.8.1914), Südwestafrika (9.7.1915) und Kamerun (Februar 1916); in Ostafrika kapitulierten die deutschen Truppen erst am 13.11.1918. Die ozeanische Kolonien Deutschlands gelangten kampflos in britische und japanische Hände; Japan eroberte in China den deutschen Stützpunkt Tsingtau (Qingdao, 7.11.1914). Ergebnisse des Krieges. Am ersten weltweiten imperialistischen Krieg nahmen rund 1,5 Md. Menschen teil, über 70 Millionen wurden für die Streitkräfte mobilisiert. Der Krieg forderte über 10 Millionen Tote, 20 Millionen Verwundete und Invaliden; die Gesamtausgaben (einschließlich der finanziellen Belastung der Bevölkerung) werden auf über 1300 Md. Mark geschätzt. Wichtigstes, durch den ersten Weltkrieg entscheidend mitbeeinflusstes weltgeschichtliches Ereignis war die Oktoberrevolution in Russland, welche die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus einleitete. Die Arbeiterbewegung und die nationale Befreiungsbewegung nahmen einen mächtigen Aufschwung (Gründung von kommunistischen Parteien), es begann der Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems. In Europa entstanden eine Reihe neuer bürgerlichen Nationalstaaten. Der deutsche Imperialismus, der Besonders raubgierig auftrat und dessen Mittel und Kräfte im Widerspruch zu seinen maßlosen Kriegszielen standen, erlitt eine Niederlage. Der Kampf um die Neuaufteilung der Welt wurde zugunsten der Entente entschieden. Die Siegermächte schlossen mit den besiegten Ländern imperialistischer Raubfrieden, die neue Spannungen zwischen den Mächten entstehen ließen: mit Deutschland den Vertrag von Versailles (28.6.1919), mit Österreich den Vertrag von Saint-Germain-en-Laye (10.9.1919), mit Bulgarien den Vertrag von Neuilly-sur-Seine (27.11.1919), mit Ungarn den Vertrag von Trianon (4.6.1920) und mit der Türkei den Vertrag von Lausanne (24.7.1923).

Der erste Weltkrieg war militärisch durch den Masseneinsatz neuer technischer Kampfmittel gekennzeichnet, die Zahl der Flugzeuge, Panzer und Maschinengewehre stieg sprunghaft an; Deutschland, Russland, Großbritannien und Frankreich verfügten 1914 über insgesamt 24000 Geschütze, 1918 über 74000. Durch die Massenarmeen und ihre Kriegstechnik stieg die Bedeutung des Wirtschaftspotentials und des moralischen Faktors für die Kriegführung ungleich stärker als zuvor. Im Laufe des ersten Weltkriegs änderten sich wesentlich die Formen des bewaffneten Kampfes. Mit der Entwicklung der Kriegstechnik entstanden neue Teilstreitkräfte und Waffengattungen (Flieger-, Panzer-, Nachrichten- und Gastruppen), die Feuerkraft der Infanterie und Artillerie nahm beträchtlich zu. Für die Panzer- und Fliegerabwehr wurden spezielle Geschütze entwickelt. Die Kavallerie verlor an Bedeutung. In allen Armeen begann nach 1918 die Auswertung der militärischen Erfahrungen des ersten Weltkriegs; der deutsche Imperialismus zielte dabei auf die Vorbereitung eines Revanchekrieges.

Weltliteratur: Begriff für Werke beziehungsweise für Literaturen sämtlicher Völker und Zeiten, die durch ihre weltgeschichtlich jeweils repräsentative Wirklichkeitssicht und durch ein spezifisch geprägtes ästhetisches Niveau zum gegenseitigen kulturellen Austausch zwischen den Völkern und damit zum gesellschaftlich-kulturellen Fortschritt beitragen. J. Goethe hat 1827 den Begriff angesichts der wachsenden internationalen geistigen Wechselbeziehungen formuliert und begründet; K. Marx und F. Engels fassten ihn wissenschaftlich, indem sie im «Kommunistischen Manifest» (1848) die Entwicklung einer allseitigen Abhängigkeit der Nationen voneinander in der materiellen wie in der geistigen Produktion feststellten. Weltliterarische Wirkung beruht in erster Linie auf Aneignungsprozessen, dies sowohl als Erbe-Rezeption wie als Auseinandersetzung mit der Gegenwartsliteratur anderer Völker. Zu unterscheiden sind bürgerlich-humanistische und sozialistische Weltliteratur (mit der multinationalen Sowjetliteratur als hervorragendem Beispiel).

Weltmarkt: Gesamtheit der Ware-Geld-Beziehungen auf den einzelnen Binnenmärkten sowie im Rahmen der internationalen ökonomischen Beziehungen. Mit der Herausbildung des sozialistischen Weltsystems nach dem 2. Weltkrieg zerfiel der allumfassende kapitalistische Weltmarkt, und es entstand neben dem kapitalistischen Weltmarkt der sozialistische Weltmarkt. Dieser umfasst die innervolkswirtschaftlichen und die zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen der Länder des sozialistischen Weltsystems, die auf den Prinzipien der vollen Gleichberechtigung der Partner, des gegenseitigen Vorteils, der vollen Achtung der staatlichen Souveränität, der gegenseitigen Hilfe und auf Planmäßigkeit und Organisiertheit beruhen. Kennzeichnend für den kapitalistischen Weltmarkt sind dagegen zunehmende Labilität, erbitterte Konkurrenzkämpfe zwischen den imperialistischen Staaten und den einzelnen Monopolen beziehungsweise Monopolgruppen, ökonomische Ausbeutung der Entwicklungsländer, Handelskrieg und ständige krisenhafte Entwicklungen in den internationalen Wirtschafts- und speziell Währungsbeziehungen.

Weltmarktpreis: Geldausdruck der internationalen Werte einer Ware. Die Weltmarktpreise bilden sich differenziert nach sozialökonomischen Systemen, Märkten und Warenarten heraus, so dass es in der Regel viele Weltmarktpreise für eine Ware gibt. Wert-Preis-Abweichungen werden bei den kapitalistischen Weltmarktpreisen vor allem durch Angebot und Nachfrage, Monopolisierung bestimmter Märkte und Preisabsprachen hervorgerufen.

Weltmusiktag: vom Internationalen Musikrat beschlossener Festtag der Musiker der Welt zum Austausch ihrer humanistischen Ideen und Gedanken. Der Weltmusiktag wird seit 1975 jährlich am 1. Oktober begangen und soll die Aufmerksamkeit aller Menschen auf die Grundziele der UNESCO lenken.

Weltorganisation für Geistiges Eigentum, OMPI: Organisation von Staaten zur weltweiten Verbesserung und Angleichung des Rechtsschutzes auf dem Gebiet des Urheberrechts und des gewerblichen Rechtsschutzes.

Weltpokal, World-Cup: in verschiedenen Sportarten oder -disziplinen Siegespreis für die weitbeste Mannschaft oder den weitbesten Sportler in einem besonders ausgeschriebenen Wettbewerb, zum Teil auch Siegespreis für Weltmeister.

Weltpostverein, Union postale universelle: Organisation zur Verbesserung des internationalen Postverkehrs; gegründet 1874 (als Allgemeiner Postverein, seit 1878 Weltpostverein); seit 1947 Spezialorganisation der UN; ständiger Sitz Bem.

Weltraum: 1. der Raum außerhalb der irdischen Hochatmosphäre.

2. soviel wie Raum-Zeit-Kontinuum, auch Weltall.

Weltraummilitarisierung: Ausdehnung der Rüstung auf den erdnahen kosmischen Raum durch die Schaffung und Stationierung von Waffensystemen zum Bekämpfen von Zielen im kosmischen Raum und von dort aus auf der Erde und in der Atmosphäre, im weiteren Sinne alle Vorbereitungen zur Einbeziehung des kosmischen Raumes in einen Aggressionskrieg. Nicht als Weltraummilitarisierung können Grundlagenforschungen sowie die Entwicklung, Erprobung und Stationierung kosmischer Flugkörper (darunter auch militärisch nutzbarer) bezeichnet werden, die der bloßen Beobachtung, Erkundung oder Informationsübertragung dienen, also nicht in Waffensysteme für einen Aggressionskrieg integriert sind, sondern für die Kontrolle der Einhaltung von Verträgen über Abrüstung oder Rüstungsbegrenzung mit nationalen Kontrollmitteln sogar unentbehrliche Voraussetzungen bilden.

Weltraumrecht, Kosmos Recht: Gesamtheit der völkerrechtlichen Normen, die sich auf den Weltraum beziehen. Während wichtige Fragen bereits vertraglich gelöst werden konnten (zum Beispiel die Möglichkeit der friedlichen Nutzung und Erforschung durch alle interessierten Staaten, die Anwendung der Ziele und Grundsätze der UN-Charta, die Nichtstationierung von Kern- und sonstigen Massenvernichtungswaffen), sind weitere Probleme noch ungelöst (zum Beispiel der Geltungsbereich, das heißt die Abgrenzung vom Luftraum).

Weltraumsimulationskammer: Einrichtung, in der Raketen und Raumflugkörper beziehungsweise deren Bauteile sowie Raumfahrt-Ausrüstungsgegenstände unter weltraumähnliche Bedingungen (Temperatur, elektromagnetische Strahlung, Vakuum unter anderem) untersucht und erprobt werden können.

Weltraumteleskop: Fernrohr in einer Erdumlaufbahn, wo von atmosphärischen Störungen freie Beobachtungen auch im kurzwelligen und infraroten Spektralbereich möglich sind. Weltraumteleskop werden von Raumfahrzeugen in ihre Position gebracht.

Weltreligionen: die im Unterschied zu den Volks- und Stammesreligionen nicht an ein einzelnes Volk gebundenen Religionen, die durch bewusste Mission weit über ihr Ursprungsland hinaus verbreitet sind (zum Beispiel Christentum, Islam, Buddhismus, in der Vergangenheit Manichäismus).

Welt Riftsystem: weltweites System tiefreichender Brüche der Lithosphäre. Das ozeanische System der Rifts, das mit den ozeanischen Rücken verbunden ist, weist hohe magmatische und seismische Aktivität auf.

Weltstandsvergleich: Methode zur Analyse des wissenschaftlich-technischen und ökonomischen Niveaus eines Erzeugnisses oder Verfahrens im Weltmaßstab und des Vergleichs mit dem eigenen Stand sowie der Ausarbeitung einer wissenschaftlich-technischen und ökonomischen Zielstellung. Wichtige Kriterien für einen Weltstandsvergleich sind wissenschaftlich-technische Parameter, Gebrauchswerteigenschaften, technologische und fertigungstechnische Bedingungen und ökonomischen Kennziffern.

Welttheatertag: jährlich am 27. März (Todestag der Schauspielerin S. Bernhardt) begangener internationaler Festtag des Theaters; seit 1962.

Weltwirtschaft: Gesamtheit der Volkswirtschaften sowie der im internationalen Waren- und Zahlungsverkehr zum Ausdruck kommenden Wirtschaftsbeziehungen und -Verflechtungen zwischen den einzelnen Ländern.

Weltwirtschaftskrise: zyklische Überproduktionskrise, die alle kapitalistischen Länder oder zumindest eine große Anzahl von ihnen gleichzeitig erfasst. Weltwirtschaftskrise waren die zyklische Krise von 1857 und alle ihr folgenden bis zum 2. Weltkrieg. Die bis dahin längste und tiefste Weltwirtschaftskrise war die von 1929 bis 1932/33. Im Zusammenhang mit der Vertiefung der allgemeinen Krise des Kapitalismus nahm die kapitalistische Wirtschaftskrise 1973/75 wiederum weltweiten Charakter an und erfasste alle Hauptländer.

Weltzeituhr: Uhr, die das sofortige Ablesen der augenblicklichen Normalzeit der wichtigsten Orte der Erde ermöglicht. Unterscheidung in:

a) polytopische Uhr mit Zifferblatt (ohne Uhrwerk und Zeiger), auf dem das Verhältnis der Zonenzeiten (Normalzeiten) wichtiger Orte (bei Zuordnung der Städtenamen an geographisch richtiger Stelle) sofort ablesbar ist;

b) polytopische Uhr mit festem Stundenzahlenring und drehbarer Zifferblattscheibe, sie ermöglicht Ablesen der augenblicklichen Normalzeit der angegebenen Orte;

c) Universal-Weltzeituhr wie b) aber mit zusätzliche Normalzeitangabe des Aufstellungsortes;

d) Isopart-Weltzeituhr (Kosmoshorometer, Weltstundenmesser), eine nach der Isopart Zeiteinteilung (die 24 Tagesstunden beziehen sich unter Berücksichtigung der Datumsgrenze auf 25 Normalzeitzonen) arbeitende Weltzeituhr mit von Hand verstellbarem, auf das Isopart Zeichen des Standortes einzustellendem Isopart Buchstabenring, drehbarem Stundenzifferkreisring und feststehender Kreisscheibe mit Minuten- und Sekundenteilung.

Welwitschia, (nach einem österreichischer Botaniker; PI. -witschien) Welwitschia mirabilis: Nacktsamer der küstennahen Nebelwüsten Südwestafrikas; eigenartige Holzpflanze mit langer Pfahlwurzel, rübenartigem, nur wenig über die Erdoberfläche erhobenem Stamm mit 2 bandartigen, dem Boden aufliegenden, 2 bis 3 m langen, ständig weiterwachsenden Blättern. Am Stammende sitzen ringförmig angeordnete zapfenartige Blütenstände.

Wende:

1. Gerätturnen: als Sprung oder Schwung mit gestreckten Hüftgelenken sowie beim Seitwärtsüberschwingen mit geschlossenen und gestreckten Beinen ausgeführtes Turnelement; die Körpervorderseite ist dem Gerät zugewendet.

2. Sportschwimmen: je nach Schwimmart unterschiedlich reglementierte Umkehr am Ende einer Schwimmbahn zur Fortsetzung des Wettbewerbes; Ausführungsarten entsprechend der Körperlage.

Wendeanlage, Wendeplatz: Erweiterung der Straßenfläche am Ende einer Stichstraße (Sackgasse), die das Wenden von Fahrzeugen ermöglicht. Formen der Wendeanlage sind Wendehammer, -trapez, -dreieck und Wendekreis (besonders empfohlen).

Wendehals: 18 cm langer Spechtvogel ohne Stützschwanz mit rindenfarbenem Gefieder; kann seinen Hals um 180° drehen; legt 6 bis 10 weiße Eier in Baumhöhlen, ernährt sich besonders von Ameisen; in Eurasien verbreitet.

Wendekreise: die beiden rund 23°27° (Schiefe der Ekliptik) nördlich und südlich des Erd- beziehungsweise Himmelsäquators gelegenen Breitenkreise. Sie enthalten auf der Erde die nördlichsten beziehungsweise südlichsten Punkte, über denen die Sonne während der Sommersonnenwende der nördlichen beziehungsweise südliche Halbkugel noch im Zenit stehen kann. Danach «wendet» sie sich wieder dem Äquator zu.

Wendelpotentiometer: spezielle Ausführungsform eines einstellbaren Spannungsteilers (Potentiometer), bei dem ein Widerstandsdraht auf einem wendelförmigen Träger aufgewickelt ist und ein Schleifkontakt mittels Drehknopf bewegt wird.

Wendelring: gegenläufig gedrehter Halsring mit Hakenverschluss (aus Bronze oder Eisen); Schmuckform der jüngeren Bronze- und frühen Eisenzeit Nord- und Mitteleuropas.

Wendeltreppe: schraubenartig um eine Achse geführter Treppenaufgang; besonders in der Spätgotik.

Wendelung, Wendel: schraubenlinienförmig (einfach = Einfachwendel, zweifach = Doppelwendel) gewickelter Glühfaden in Glühlampen.

Wenden: Segelsport - Ändern der Fahrtrichtung eines Segelbootes durch Drehen des Bugs durch den Wind, wobei das Großsegel auf der anderen Seite des Bootes wirksam wird.

Wenden: Ringen - Gruppe von Grifftechniken des Untermannes im Bodenkampf, um die Oberlage zu erkämpfen.

Wenden: 1. Wenden, Winden: alte deutsche Bezeichnung für die pommerschen und elbslawische Stämme sowie für die südslawischen Slowenen.

2. Sorben.

Wendenkreuzzug: 1147 Eroberungszug vor allem sächsischen Fürsten (besonders Heinrichs des Löwen) in die noch unabhängigen elbslawischen Gebiete; scheiterte am zähen Widerstand der Slawen.

Wendepunkt: besondere Stelle bei einer Funktion einer Variablen, an der die Tangente im Punkt x0 an die Kurve y=f(x) auf der einen Seite oberhalb und auf der anderen Seite unterhalb der Kurve verläuft. Diese Tangente heißt dann Wendetangente. Eine notwendige Bedingung für einen Wendepunkt in x0 ist f"(x0) = 0, während f"'(x0) 0 hinreichend ist.

Wendezehe: willkürlich nach hinten oder vom wendbare 4. Zehe am Fuß der Eulen und Fischadler unter anderem

Wendezeiger: kreiselgesteuertes Flugzeugbordgerät, das die Schräglage eines Flugzeugs, die Richtung und mittelbar die Geschwindigkeit einer Kursänderung um die Hochachse angibt. Der Wendezeiger ist in der Regel mit einem künstlichen Horizont zum Wendehorizont kombiniert.

Wendezug: Reisezug der Eisenbahn, dessen Lokomotive bei Hin- und Rückfahrt an derselben Stelle des Zuges bleibt. Befindet sich die Lokomotive am Schluss, wird sie vom Steuerwagen an der Spitze des Zuges fernbedient.

Wendische Städte: die mit Lübeck eng verbündeten Hansestädte, besonders Lüneburg, Hamburg, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald; bildeten das Wendische Viertel der Hanse.

Wenezianow, Alexej Gawrilowitsch, 18.2.1780-16.12.1847, russischer Maler und Graphiker; Meister der Porträt- und Genremalerei; schuf zunächst von einem sentimental aufgefassten Klassizismus ausgehende intime Porträts, widmete sich dann erstmals in der russischen Kunst der Darstellung der Bauern und ihrer Arbeit, die er poetisch und idealisiert auffasste; bereitete den russischen Realismus der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert vor.

Wenglor, Ingeborg, geboren 1.1.1926, Sängerin (Sopran); wirkt seit 1954 an der Berliner Staatsoper (1959 Kammersängerin); lehrt seit 1974 an der Berliner Musikhochschule.

Wenigborster, Oligochaeta: Ordnung der Gürtelwürmer; wenige Millimeter bis 3 m lange, in viele Segmente gegliederte, gestreckt-walzenförmige Tiere; jedes Segment trägt mehrere in Hauttaschen sitzende Borstenbündel; in Erde oder im Süßwasser lebende Zwitter mit direkter Entwicklung; hierzu unter anderem Regenwürmer, Röhrenwürmer, Enchyträen.

Wenigfüßer, Pauropoda: Unterklasse der Tausendfüßer mit 380 weltweit verbreiteten farblosen, weißlichen bis bräunlichen, nur selten über 1 mm großen Arten; Kopf dreieckig mit gegabelten Fühlern; mit 9, selten 10 oder 11 Beinpaaren und 11 bis 12 Rumpfsegmenten. Wenigfüßer leben an feuchten Stellen im Boden und fressen am Pilzgeflecht.

Wenker, Georg, 25.2.1852-17.7.1911, Germanist, Bibliothekar in Marburg; Begründer des «Deutschen Sprachatlas» («Sprachatlas von Nord- und Mitteldeutschland», 1. Lieferung 1881).

Wenzel, Bube, Junge, Scharwenzel: die 4 höchsten Trümpfe beim Skat in der Reihenfolge Eichel- (der «Alte»), Grün-, Rot-, Schellenwenzel.

Wenzel, Hans Jürgen, geboren 4.3.1939, Komponist und Dirigent; wirkt seit 1962 in Halle am Landestheater und bei der Philharmonie; seit 1976 Leiter der Komponistenklasse des Bezirkes Halle sowie seit 1981 der Kinderkompositionsklasse der Dresdner Musikhochschule; schuf vielfältige Instrumental- und Vokalwerke sowie Film- und Schauspielmusiken.

Wenzel, Fürsten: 1. Vaclav.

2. Wenzel, 26.2.1361 - 16.8.1419, deutscher König 1376/1400, seit 1363 als Vaclav IV. König von Böhmen; Sohn Karls IV.; scheiterte an den Problemen der Reichspolitik (Opposition der Kurfürsten, Gegensatz zwischen Schwab. Städtebund und Fürsten), 1400 als deutscher König abgesetzt.

Weöres, Sandor, geboren 22.6.1913, ungarischer Dichter und Übersetzer, bereicherte mit Verskultur und Gestaltungskunst die ungarische Lyrik (dt. Auswahl «War mal eine schöne Lade», 1976; «Poesiealbum Nr. 135», 1978).

Werbellinsee: schmaler, langgestreckter Waldsee am Südostrand der Schorfheide, nordwestlich von Eberswalde-Finow, im Bezirk Frankfurt; 7,9 km2, bis 54 m tief; am Ostufer Pionierrepublik «Wilhelm Pieck»-, Erholungsgebiet; Werbellinkanal zum Oder-Havel-Kanal.

Werbetänze: Volkstänze, die das Werben des Mannes um die Frau zum Inhalt haben. Sie entstanden aus uralten Fruchtbarkeitskulten und wurden auf ältester Stufe wahrscheinlich in Gruppen ausgeführt, indem Männer- und Frauenreihen gegeneinander tanzten, ohne sich zu berühren; waren später auch mit dem Motiv des Frauenraubes verbunden. Hauptform ist der Paartanz mit improvisiertem tänzerisch-pantomimischer Werbe- und Sprödenspiel; die Schlussphase besteht meist aus enggefassten Paarrundtanzformen als Sinnbild der Vereinigung. Werbetänze gibt es bei fast allen Völkern.

Werbung: bewusste zweckgerichtete Beeinflussung von Menschen, die der Durchsetzung politischer, kultureller und wirtschaftlicher Interessen dient. Die Wirtschaftswerbung im Sozialismus vermittelt wahrheitsgetreue Informationen über Gebrauchseigenschaften und -bedingungen der Waren, unterstützt den Absatz, erleichtert die zweckmäßigste Warenauswahl durch die Konsumenten und fördert die Entwicklung sozialistischer Lebens- und Verbrauchsgewohnheiten einschließlich des geistig-kulturellen Bereichs. Im Monopolkapitalismus entartet die Werbung zunehmend zu aufwendiger und fragwürdiger Reklame, die zu hemmungsloser Konsumentenmanipulierung und zu Prestigedenken führt und den Monopolen eine immer beherrschendere Marktposition sowie wachsende Profite sichern soll.

Werdau: Kreisstadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt, im westlichen Erzgebirgsbecken, an der Pleiße; 20000 Einwohner; Textilindustrie, Messwerkzeug-, Textilmaschinen-, Möbel-, Kfz-Anhänger-, Rohrleitungsbau; Sportschule des DTSB. Nordwesten von Werdau Naherholungsgebiet Koberbachtalsperre (2,8 Millionen m3).

Werder, Werder an der Havel. Stadt im Kreis und Bezirk Potsdam, an der Havel; 10800 Einwohner; Elektrogeräte-, Konservenherstellung (Obst, Gemüse); Zentrum des Havelländischen Obstbaugebietes (10000 ha; Äpfel, Kirschen, Erdbeeren); Ingenieurschule für Gartenbau; Obstbaumuseum; jährlich Fest der Baumblüte; Ausflugs- und Erholungsort; Altstadt auf einer Havelinsel.

Wereschtschagin, Wassili Wassiljewitsch, 26.10.1842-13.4.1904, russischer Maler, Schriftsteller und Publizist; ausgehend von demokratischen Positionen, den Peredwischniki nahestehend, entlarvte Wereschtschagin in ausdrucksstarken, anklagenden Werken Eroberungskriege, feudale Barbarei, religiösen Fanatismus und Kolonialismus («Apotheose des Krieges», 1871/72). Wereschtschagin widmete sich auch der Genre- und Landschaftsmalerei.

Werfel, Franz, 10.9.1890-26.8.1945, deutschsprachiger Dichter und Schriftsteller aus dem Prager Kreis; seit 1938 im Exil (Frankreich, Spanien, USA); sein in allen Genres bedeutsames Schaffen ist bestimmt von jüdisch-christlichen Humanismus, im Spätwerk von katholischen Mystizismus, gegen Krieg und Unmenschlichkeit gerichtet; begann als Wortführer des österreichischen Expressionismus (Gedichtbände «Der Weltfreund», 1911; «Wir sind», 1913) und der Pazifistischen Jugend (Erzählung «Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig», 1920); gestaltete mit antifaschistischen Bezug die türkische Ausrottungspolitik gegen die Armenier während des 1. Weltkrieges (Roman «Die vierzig Tage des Musa Dagh», 1933) und den Kampf des spanischen Volkes (Erzählung «Die arge Legende vom gerissenen Galgenstrick», 1937); schuf bühnenwirksame Dramen (Euripides-Bearbeitung «Die Troerinnen», 1915; Emigranten-Drama «Jacobowsky und der Oberst», 1944), Essays.

Werft: Betrieb für Bau, Ausrüstung und Einrichtung von Wasserfahrzeugen. Nach den Erzeugnissen werden Schiffswerft und Bootswerft, nach ihrer Lage Seewerft und Binnenwerft unterschieden, womit im Allgemeinen auch die zu bauenden Fahrzeugtypen festgelegt sind. Montagewerft bauen nur angelieferte Sektionen zum Schiffskörper zusammen und rüsten ihn teilweise auch mit angelieferten Maschinen aus. Den meisten Werften ist ein Reparatursektor angeschlossen; vereinzelt gibt es auch reine Reparaturwerft.

Werg: (zu «Werk») Kurzfasern, die beim Schwingen und Hecheln von Bastfasern anfallen; Dichtungs-, Polster- und Rohmaterial für Werggarn.

Wergeland, Henrik, 17.6.1808-12.7.1845, norwegischer Dichter, Publizist und Politiker; wirkt als Hauptvertreter der norwegischen progressiven Romantik und Wortführer der bürgerlich-demokratischen Bewegung seiner Zeit für nationale Selbständigkeit und sozialen Fortschritt anspornend für norwegische Schriftsteller bis heute. Wergeland schrieb Natur- und Liebeslyrik («Gedichte», 1829, 1833); in seinem Hauptwerk, dem Epos «Die Schöpfung, der Mensch und Messias» (1830), verkündete er utopisch-sozialistische Ideen. In seiner politischen Dichtung wandte er sich auch gegen die Unterdrückung anderer Völker und Nationen.

Werich, Jan, 6.2.1905-31.10.1980, tschechischer Schauspieler und Autor; zusammen mit Jiri Voskovec Begründer (1927) und Hauptdarsteller (1927/38) des Prager «Befreiten Theaters». Nach Rückkehr aus der Emigration (USA) gehörte Werich seit 1946 zu den populärsten Darstellern bei Bühne und Film in der CSSR.

Werkdruck: der Druck von Büchern und Broschüren («Werken») im Unterschied zum Zeitungs-, Zeitschriften- und Akzidenzdruck.

Werkkreis Literatur der Arbeitswelt: Vereinigung von schreibenden Arbeitern und Angestellten, Schriftstellern und Journalisten, 1970 aus der Gruppe 61 hervorgegangen; will die schöpferischen Kräfte der Arbeiter fördern, ihnen die gesellschaftlichen Verhältnisse bewusst machen und sie in ihrem Interesse verändern; zeitweise über 30 örtliche «Werkstätten». Programmschriften «Realistisch schreiben» (1973), «Partei ergreifen» (1974); Anthologien «Ein Baukran stürzt um» (1970), «Ihr aber tragt das Risiko» (1971).

Werknutzungsvertrag: zusammenfassende Bezeichnung für alle Urheberrecht! Verträge, durch die ein Urheber einer kulturellen Einrichtung die Befugnis einräumt, sein Werk in irgendeiner Weise öffentlich zu verwenden, zum Beispiel Verlagsvertrag, Abdrucksvertrag.

Werkplatte, veraltet Platme (französisch plat, «flach»): aus hartgewalztem Messing bestehender Grundbestandteil des Uhrwerks. Zwischen 2 Werkplatten sind die Räder und Hebel der Uhr gelagert, wenn nicht Brücken oder Kloben aufgeschraubt sind, die die Gegenlager aufnehmen.

Werkschriften, Brotschriften: alle Satzschriften, die hauptsächlich für den Textsatz in Werken, Zeitschriften und Zeitungen verwendet werden.

Werkstoffe: aus Rohstoffen gewonnene Ausgangsstoffe, wie Metall, Holz, Leder, Glas, für die Weiterverarbeitung zu Zwischenprodukten oder Fertigerzeugnissen. In der Bauindustrie werden Werkstoffe auch als Baustoffe bezeichnet.

Werkstoffprüfung, Materialprüfung: Ermittlung und Prüfung der physikalischen und technologische Eigenschaften sowie der chemischen Zusammensetzung und des Gefügeaufbaus von in der Technik verwendeten Werkstoffen, auch deren Prüfung auf eventuell vorhandene Fehlerstellen. Hauptgebiete der mechanischen Werkstoffprüfung sind Festigkeitsprüfung, Härtemessung und technologische Prüfungen. Zur zerstörungsfreien Werkstoffprüfung zählen unter anderem die Durchstrahlungs- und Ultraschallprüfung.

Werkstück: aus Roh- oder Werkstoffen gewonnenes Zwischenprodukt (Rohteil, Halbzeug), das durch weitere Bearbeitung Bauelement oder Fertigerzeugnis wird.

Werktätiger: Angehöriger einer Klasse oder Schicht, der durch eigene körperliche oder geistige Arbeit seinen Lebensunterhalt verdient, den gesellschaftlichen Reichtum mehrt und nicht von der Ausbeutung anderer lebt. Die Werktätigeren bilden in allen Gesellschaftsordnungen die Mehrheit der Bevölkerung.

Werkverkehr: Teil des nichtöffentlichen Transports, der mit betriebseigenen Fahrzeugen Güter und Personen befördert.

Werkvertrag: Vertrag über die selbständige Herstellung beziehungsweise Herbeiführung eines Ergebnisses (Werk) durch den Auftragnehmer nach den Weisungen des Auftraggebers; wurde als typischen Vertrag des Handwerkers entwickelt.

Werkzeug: Arbeitsmittel zur unmittelbaren mechanischen Bearbeitung von Arbeitsgegenständen, zum Beispiel Hammer, Meißel, Hobel. Je nachdem, ob das Werkzeug von einer Maschine oder von Hand betätigt wird, unterscheidet man Maschinenwerkzeug und Handwerkszeug.

Werkzeugmaschine: mit einem oder mehreren auswechselbaren Werkzeugen ausgerüstete Arbeitsmaschine, auf der geometrisch bestimmte Werkstücke aus Metall, Holz, Plast oder anderen Werkstoffen durch Umformen oder Trennen form- und maßgerecht bearbeitet oder Montageeinheiten zu Baugruppen oder Fertigerzeugnissen gefügt werden. Nach dem Automatisierungsgrad des Werkzeug-, Werkstück- und Informationsflusses (Steuerung) unterscheidet man automatisierbare Werkzeugmaschine, die in verschiedenen Varianten gradweise bis zum selbsttätigen Fertigungsablauf automatisiert werden können (zum Beispiel anschlag-, nocken- oder numerisch gesteuerte Werkzeugmaschine), Automaten und Sondermaschinen mit selbsttätigem Fertigungsablauf vorwiegend oder ausschließlich an bestimmten Werkstücken in der Großserien- und Massenfertigung, Bearbeitungszentren mit numerisch gesteuertem automatischen Fertigungsablauf und automatischen Werkzeugwechsel aus einem Magazin sowie Fertigungszellen. Mehrere Werkzeugmaschinen können zu Fertigungsstraßen (Taktstraßen) beziehungsweise Maschinensystemen starr oder flexibel verkettet sein.

Werkzeugstahl, Arbeitsstahl-. Stahl, der durch Härten oder Vergüten bezüglich Härte und Zähigkeit seiner Verwendung für Werkzeuge zur spangebenden oder spanlosen Formung, Trennung, Zerkleinerung unter anderem angepasst wird. Die maximal erreichbare Härte wird durch den Kohlenstoffgehalt bestimmt. Unlegierter Werkzeugstahl enthält 0,6 bis 1,7% Kohlenstoff; niedriglegierter Werkzeugstahl zusätzlich bis 1,5% Chrom zur besseren Durchhärtung und beziehungsweise oder bis 1,5% Nickel für Warmbearbeitungswerkzeuge (Schmiedegesenke). Schneidwerkzeuge aus diesen Werkzeugstahl verlieren oberhalb 300 °C ihre Härte. Hochlegierte Werkzeugstahl sind Schnellarbeitsstähle.

Wermut, Artemisia absinthium: fiederblättriger, weißfilziger Korbblütler aus der Gattung Beifuß mit kleinen Köpfchen; Staude mäßig trockener Standorte, vor allem der Salzsteppen Europas und Westasiens. Der Wermut enthält ätherische Öle und Bitterstoffe; als Gewürz- und Arzneipflanze verwendet.

Wermutöl: dunkelgrünes, krautig-holzig riechendes, bitter schmeckendes ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation von Wermutkraut gewonnen und für Liköraromen verwendet wird.

Wermutwein: weinhaltiges Getränk mit dessertweinähnlicher Geschmack und appetitanregender Wirkung, das neben Zucker Auszüge des Krautes und der Blüten von Wermut enthält; Volumenanteil an Alkohol 16 bis 18,5%.

Wernadski, Wladimir Iwanowitsch, 28.2.1863-6.1.1945, sowjetischer Mineraloge und Geochemiker; entwickelte, ausgehend von der modernen Chemie und Physik, die Vorstellung von der Geochemie als einer Wissenschaft von der Geschichte der irdischen Atome; Mitbegründer der Geochemie, Biogeochemie und Radiogeologie.

Werner: 1. Abraham Gottlob Werner, 25.9.1749-30.6.1817, Mineraloge und Geologe; Professor an der Bergakademie Freiberg; Mitbegründer der modernen Geologie und Mineralogie; entwickelte detaillierte Mineralbeschreibungsmethoden auf der Grundlage ihrer äußeren Kennzeichen, als konsequenter Vertreter des Neptunismus erklärte er alle wesentlichen geologischen Erscheinungen als aus dem Wasser entstanden.

2. Regina Werner, geboren 9.4.1950, Sängerin (Sopran); seit 1974 Solistin des Gewandhauses zu Leipzig; als Lied- und Oratoriensängerin im In- und Ausland geschätzt; singt als Gast auch in Opernaufführungen (unter anderem an der Oper Berlin).

3. Ruth Werner, eigentlich Ursula Kuczynski, geboren 15.5.1907, Schriftstellerin; wurde 1926 Mitglied der KPD; 1930/50 Kundschafter der Roten Armee; lebte 1930/35 in China (illegale Publizistische Tätigkeit, Bekanntschaft mit A. Smedley, Zusammenarbeit mit R. Sorge), 1935/37 in Polen und Danzig (Gdansk); 1938 Übersiedlung in die Schweiz, 1940 nach Großbritannien; seit 1950 in der DDR. Werner schrieb autobiographische und biographische Prosa (Romane «Ein ungewöhnliches Mädchen», 1958; «Olga Benario», 1961; Erzählungsband «Der Gong des Porzellanhändlers», 1976; «Sonjas Rapport», 1977), Romane und Erzählungen über die sozialistische Gesellschaft («In der Klinik», 1968; «Kleine Fische große Fische», 1973), Kinderbücher («Die gepanzerte Doris», 1973; «Ein sommerwarmer Februar», 1974; «Vaters liebes, gutes Bein», 1977), Publizistische Arbeiten («Gedanken auf dem Fahrrad», 1980).

4. Walter Werner, geboren 22.1.1922, Lyriker; gestaltet den Menschen der neuen Gesellschaft und seine Landschaft («Licht in der Nacht», 1957; «Sichtbar wird der Mensch», 1960; «Das unstete Holz», 1970; «Der Baum wächst durchs Gebirge», 1981); verfasst auch Prosa («Die Strohhalmflöte», 1965; «Der Traum zu wandern», 1979).

Wernher der Gartenaere, Wernher der Gärtner, Dichter des ausgehenden Hochfeudalismus; verfasste nach 1250 eine gesellschaftskritisches, gegen das verfallende Rittertum gerichtete satirische Verserzählung, traditionell «Meier Helmbrecht» genannt, in der erstmals in der deutschen Literatur ein standes- und selbstbewusstes Bauerntum erscheint. Siehe auch Ambraser Heldenbuch.

Wernicke, Christian, Januar 1661-5.9.1725, Epigrammatiker; kritisierte mit Mitteln der Satire die Schwulstdichtung (C. Hofmann von Hofmannswaldau, D. C. von Lohenstein) sowie, mit frühbürgerlichen aufklärerischen Tendenz, die Adelsgesellschaft und die Nachahmung französischer Sitten.

Werra: Quellfluss der Weser; 276 km, entspringt im Thüringer Schiefergebirge nördlich von Eisfeld, bei Münden mit der Fulda zur Weser; auf 88 km schiffbar; Talsperren Grimmelshausen (85 ha, Stauraum 1,9 Millionen m3; im Bau) unterhalb von Hildburghausen sowie Ratscher (110 ha, 4,7 Millionen m3) und Schönbrunn am Zufluss Schleuse; Kalisalzabbau um Bad Salzungen und Merkers und in der BRD bei Heimboldshausen.

Wert:

1. Philosophie: für bestimmte Interessen objektiv bedeutsame positive materielle oder ideelle Gegebenheit. Spezifische soziale Wert einer Klasse (Eigentumsverhältnisse, Staatsordnung unter anderem) sind für die ihr antagonistisch gegenüberstehende Klasse Unwerte. Grundlegende und allgemeine soziale Wert der werktätigen Menschen sind der Frieden sowie die ökonomischen, politischen und geistig-kulturellen Verhältnisse des Sozialismus. Wertvorstellungen (-empfindungen) sind mehr oder weniger richtige Abbildungen des objektiven sozialen Werts.

2. politische Ökonomie: objektive ökonomische Kategorie der Warenproduktion; spiegelt das in der Ware verkörperte gesellschaftliche Verhältnis zwischen den Warenproduzenten wider. Der Wert ist der Wertsubstanz nach die in einer Ware verkörperte gesellschaftliche (abstrakte) Arbeit, die die Waren miteinander vergleich- und austauschbar macht. Er wird quantitativ (Wertgroße) durch die zur Herstellung einer Ware gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt; die Wertgröße einer Ware sinkt unter gleichbleibenden sonstigen Bedingungen mit steigender Arbeitsproduktivität. Im Austausch tritt der Wert nur relativ, als Tauschwert, zutage, der den Wert einer Ware durch eine bestimmte physische Menge einer anderen Ware ausdrückt (quantitatives Austauschverhältnis). Siehe auch internationaler Wert, nationaler Wert, Neuwert.

Wertberichtigung: notwendige Änderung der in Rechnungsführung und Statistik ausgewiesenen Wertangaben für Grund- und Umlaufmittelbestände auf Grund des physischen und moralischen Verschleißes der Grundmittel, gesetzliche Preisänderungen bei Grundmitteln und Waren beziehungsweise Wertminderungen bei Materialvorräten, Beständen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen sowie Waren infolge unsachgemäßer Lagerung oder sonstiger Ursachen.

Wertbildungsprozess: Verausgabung abstrakter menschlicher Arbeit im Produktionsprozess von Waren, wodurch der Wert der Ware gebildet wird. Der gesellschaftliche Charakter des Wertbildungsprozess wird von den jeweiligen Produktionsverhältnissen bestimmt. Ist der Wertbildungsprozess zugleich Verwertungsprozess des Kapitals (Produktionsprozess von Mehrwert).

Werterhaltung: im weiteren Sinne alle materiellen und finanziellen Aufwendungen für Ersatz und Erhaltung des Volksvermögens, im engeren Sinne Teil der Grundmittelreproduktion in Kombinaten und Betrieben sowie Einrichtungen. Die Werterhaltung umfasst Reparaturleistungen zur Erhaltung oder Instandsetzung von Maschinen, Gebäuden und Anlagen sowie Ausrüstungen. Sie schließt Modernisierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen ein.

Wertethik: bürgerliche Morallehre, die sich auf angeblich zeitlose ideale Werte stützt (M. Scheler, N. Hartmann); ist außerstande, moralisches Handeln wissenschaftlich zu erklären. Die Wertethik versucht, die Entwicklung des Klassenbewusstseins der Arbeiterklasse zu behindern und über die Gefährdung allgemeiner sozialer Werte (Wert 1) zu täuschen.

Wertformen: verschiedene Formen des Tauschwertes, die den Entwicklungsstufen des Warenaustausches entsprechen und den Wert der Waren als gesellschaftliches Verhältnis zwischen Privatproduzenten (entfaltete Wertformen) sowie die Entwicklung des Geldes mit der besonderen Funktion als allgemeines Äquivalent (Äquivalentform; Austauschmittel) zum Ausdruck bringen.

Wertgesetz: objektives ökonomisches Gesetz der Warenproduktion. «Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder anderen Ware wie die zur Produktion der einen notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der anderen notwendigen Arbeitszeit» (Marx). Das Wertgesetz ist das grundlegende Gesetz der einfachen Warenproduktion; es bewirkt, dass Produkte entsprechend ihrem gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwand, das heißt Waren mit gleicher Wertgröße, gegeneinander ausgetauscht werden (Äquivalenzprinzip). Das Wertgesetz regelt elementar vermittels des Preismechanismus (durch das ständige Schwanken der Preise um den Wert der einzelnen Ware) und der Marktkonkurrenz die Produktion (Regulator der Produktion) und den Austausch der Waren. Es führt zur Differenzierung der Produzenten und (in widerspruchsvoller Form, über riesige Verluste an gesellschaftliche Arbeit) zur Entwicklung der Produktivkräfte. Im Kapitalismus ist das Wertgesetz dem ökonomischen Grundgesetz des Kapitalismus, dem Mehrwertgesetz, untergeordnet, wirkt in modifizierter Form über die Herausbildung des Produktionspreises und im Imperialismus über den Monopolpreis. Im Sozialismus wirkt das Wertgesetz auf der Grundlage der sozialistischen Produktionsverhältnisse. Es ist dem ökonomischen Grundgesetz des Sozialismus untergeordnet und aufs engste mit den anderen ökonomischen Gesetzen des Sozialismus verflochten. Es wird vom sozialistischen Staat bewusst zur Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion, bei der Planung und Kontrolle der Produktion, der Zirkulation und der Verteilung der Erzeugnisse und bei der planmäßigen Festlegung der Preise ausgenutzt. Es dient so zur stetigen Senkung des gesellschaftlich notwendigen Arbeitsaufwandes, der ökonomischen Stimulierung der bedarfsgerechten Produktion, der optimalen Entwicklung und Nutzung der Produktionsressourcen, der planmäßigen Verteilung der gesellschaftlichen Arbeit nach Maßgabe der bestmöglichen Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse und der Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts.

Wertigkeit, Valenz: je nach Art der chemischen Wechselwirkung unterschiedlich definierte, ganzzahlige Kenngröße zur Bestimmung der Anzahl Atome, Atomgruppen oder Ionen, mit der sich ein gegebenes Atom (Atomgruppe, Ion) chemisch verbindet. Die elektrochemische Wertigkeit (Ionenwertigkeit) bezieht sich auf Stoffe mit heteropolarer Bindung und ist mit der elektrischen Ladung des betreffenden Ions identisch. Weitere Arten der Wertigkeit sind Bindigkeit und Oxydationszahl.

Wertpapier: Urkunde über ein Recht, dessen Ausübung und Übertragung von ihrem Besitz abhängt, zum Beispiel Aktie, Scheck, Wechsel.

Wertpapierdruck: der Druck von Obligationen, Banknoten u. ä. Im Wertpapierdruck bedient man sich besonderer Verfahren und Methoden, um Nachahmungen und Fälschungen zu erschweren oder auszuschließen. So werden zum Beispiel die Druckplatten guillochiert (Guilloche), und es werden spezielle Papiere (mit Wasserzeichen und beziehungsweise oder eingearbeiteten Metallstreifen) und Spezialdruckfarben verwendet.

Wertphilosophie, Axiologie (griechisch axios, «Wert»): idealistische bürgerliche Lehre, die allein Werte als Triebkraft menschlichen Verhaltens und gesellschaftliche Entwicklung anerkennt; sucht unterschiedliche philosophische Richtungen zu vereinen (Neukantianismus, Phänomenologie, Existenzphilosophie) und geht von jenseits der Wirklichkeit bestehenden, rational nicht fassbaren Werten aus. Vertreter sind R. H. Lotze, J. Cohn, N. Hartmann, H. Rickert, M. Scheler.

Wertsendung: Postsendung (zum Beispiel Wertbrief), für die die Post bei Verlust oder Inhaltsschmälerung in Höhe des unmittelbaren Schadens, jedoch nicht mehr, als der angegebene Wert beträgt, haftet. Für die Verpackung und den Verschluss von Wertsendung gelten besondere Vorschriften.

Werwolf: (althochdeutsch, «Mannwolf») im Volksglauben ein Mann, der sich zeitweise in einen dämonischen Wolf verwandelt und Untaten verübt.

Wesen und Erscheinung: gegensätzlicher, einander bedingende Charakteristika jedes Objekts der objektiven Realität und des Bewusstseins. Das Wesen eines Objekts ist die Gesamtheit seiner inneren, allgemeinen, notwendigen, relativ beständigen Merkmale; die Erscheinung ist die Gesamtheit der äußeren, einzelnen, zufälligen, verändert. Merkmale. Das Wesen eines Objekts tritt in seiner Erscheinung zutage; die Erscheinung eines Objekts ist Ausdruck seines Wesens. Die Erscheinung ist insofern reicher als das Wesen, als sie nicht nur wesentliche, sondern auch unwesentliche Züge enthält. Im Unterschied zur Erscheinung ist das Wesen nicht unmittelbar zugänglich, sondern nur mit Hilfe gedanklicher Verarbeitung der über die Erscheinung erlangten Erkenntnisse. Aufgabe der Wissenschaft ist es, über die Erscheinung in das Wesen der Objekte einzudringen, die in ihm enthaltenen Widersprüche und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und die Erscheinung aus dem Wesen zu erklären.

Weser: Fluss im Norden; 440 km; entsteht aus Fulda und Werra bei Münden, durchfließt das Weserbergland und tritt bei Minden durch die Porta Westfalica ins Tiefland ein, mündet bei Bremerhaven in die Nordsee; schiffbar; vom Mittellandkanal auf Kanalbrücke gequert; bedeutende Seehäfen: Bremen und Bremerhaven.

Weserbergland: bewaldete Berg- und Hügelländer beiderseits der Weser zwischen Münden und Minden; rechts der Weser Solling (528 m), Hils, Ith, Süntel, Deister, Bückeberge, Wesergebirge links der Weser Lippe Bergland und Wiehengebirge; zahlreiche Kurorte (Mineralquellen): Bad Pyrmont, Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen unter anderem

Weserübung: Deckname für die Vorbereitung des faschistischen deutschen Überfalls auf Dänemark und Norwegen; die Aggression begann am 9.4.1940.

Wesir: 1. Titel des ranghöchsten Beamten im alten Ägypten, der auch die oberste richterliche Gewalt hatte; seit der 3. Dynastie nachweisbar.

2. seit den Abbasiden und besonders im Osmanischen Reich Titel der Minister und höchsten Würdenträger.

Wesker, Arnold, geboren 24.5.1932, englischer Dramatiker; gestaltete Aspekte des Kampfes um gesellschaftliche Fortschritt (Trilogie «Hühnersuppe mit Graupen», 1958, deutsch; «Tag für Tag», 1959, deutsch; «Nächstes Jahr in Jerusalem», 1960, deutsch); gegen Militarismus wendet sich «Der kurze Prozess» (1962, deutsch); ferner «Goldene Städte» (1964, deutsch), «Shylock» (1976, deutsch).

Wespen: (zu «weben») im weiteren Sinne alle Hautflügler außer Ameisen und Bienen; im engeren Sinne Faltenwespen.

Wespenbussard, Pernis apivorus: 60 cm langer Greifvögel Eurasiens, der in Afrika überwintert; ernährt sich von Hautflüglern und deren Brut, Larven u. ä..

Wessely, Paula, geboren 20.1.1907, österreichische Schauspielerin; spielte vor allem am Deutschen Theater Berlin, am Theater in der Josefstadt und am Burgtheater Wien sowie seit 1934 in Filmen.

Wessobrunner Schöpfungsgedicht, Wessobrunner Gebet: im oberbayerischen Kloster Wessobrunn aufgefundene fragmentarische althochdeutsche Stabreimdichtung über die Erschaffung der Welt und ein Gebet in Prosa; aufgezeichnet Anfang 9. Jahrhundert. Das Wessobrunner Schöpfungsgedicht ist eines der ältesten deutschen Sprachdenkmäler, es geht auf eine nicht erhaltene rheinfränkische Urfassung (Kloster Fulda, zwischen 770 und 790) zurück.

West, Nathanael, eigentlich Nathan Wallenstein Weinstein, 17.10.1903-22.12.1940 (Autounfall), US-amerikanischer Schriftsteller; parodierte in dem burlesken Roman «Eine glatte Million» (1934, deutsch) den amerikanischen Erfolgstraum und enthüllte mit schonungsloser Satire die Welt der amerikanischen Kleinbürger und deren Illusionen («Der Tag der Heuschrecke», 1939, deutsch).

Westafrika: der südlich der Sahara gelegene Teil Afrikas, am Golf von Guinea, auf der Oberguineaschwelle, im Norden durch die Südgrenze der Sahara, im Osten durch eine Linie vom Tschad längs der Westflanke des Hochlandes Adamaoua bis zum Kamerungebirge am Golf von Guinea begrenzt; umfasst politisch die Republiken (ohne ihre Wüstengebiete) Mauretanien, Senegal, Gambia, Mali, Niger, Guinea, Sierra Leone, Liberia, Elfenbeinküste (Cöte d’Ivoire), Burkina, Ghana, Togo, Benin, Nigeria und Guinea- bissau. Westafrika erstreckt sich über die Randschwelle der Oberguineaschwelle zur Küste und zu den Beckenlandschaften im Norden (Niger-, Tschadbecken). Die ihren steilen, meist stark zertalten Rand der Küste zukehrende Oberguineaschwelle, aus der mehrere Flüsse (Volta, Niger, Benue unter anderem) Becken ausgeräumt haben, ist ein mäßig hohes Bergland, das durch einige schwellenartige Erhebungen wie Fouta Djalon (1538 m), Loma- (1948 m), Nimbaberge (1852 m), Atakora Gebirge (640 m) und Jos Plateau (1780 m) überragt wird. Das tropische Klima weist von Süden nach Norden alle Übergänge vom feuchtheißen Regenwald- bis zum Wüstenklima auf. Der sich längs der Küste von Guinea bis Äquatorialafrika erstreckende Regenwaldgürtel ist durch eine örtliche Anomalie nur im östlichen Ghana, Togo und Benin unterbrochen; in breitenparallelen Zonen schließen sich nach Norden laubabwerfender Wald, Feucht-, Trocken- und Dornbuschsavanne (Sahel), der Übergangssaum zur Sahara, an. Wirtschaftsgrundlage des noch weithin von ausländischen Gesellschaften beherrschten Gebietes ist die Landwirtschaft. In mehreren Ländern entwickelte sich der Bergbau zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, Die Verarbeitungsindustrie ist allgemein noch schwach entwickelt und umfasst überwiegend Betriebe zur Verarbeitung land- und forstwirtschaftliche Produkte.

Westaustralien: flächengrößter und am dünnsten besiedelter Bundesstaat Australiens; 2525500 km2, 1,4 Millionen Einwohner, davon 73% in der Hauptstadt Perth 0,6 Einwohner/km2. Überwiegend ebenes, einförmiges, 300 bis 450 m hohes Plateau mit zahlreichen Salzseen, von Restbergen überragt; im Südwesten subtropischer, im Innern trockenheißes tropisches Klima; Eukalyptus-, Akazienbüsche, im Innern Salzsteppen, Sandwüsten, im Südwesten und Nordwesten Eukalyptuswälder und Savanne. Westaustralien ist dank seiner reichhaltigen und vielseitigen Bodenschätze ein bedeutender Bergbaustaat. Förderung von Eisenerz (Pilbara), Gold (Kalgoorlie), Uran (Yeelirrie), Nickelerz (Kambalda), Bauxit (Kimberley), Erdöl (Barrow Island), Erdgas (vor der Nordwestküste), Stein- und Braunkohle (Collie), Monazit, Zirkon, Tantalit, Rutil, Ilmenit und Diamanten (Argyle). Relativ schwach entwickelter Verarbeitungssektor, besonders in der Perth Region (Perth, Kwinana, Fremantle), mit Eisen-, Nichteisenmetallurgie, Maschinenbau, Erdölverarbeitung, chemische, Leicht- und Lebensmittelindustrie. Wichtigster Zweig der hochmechanisierten Landwirtschaft ist die extensive Merinoschafzucht; im Südwesten Anbau von Weizen, Obst- und Weinbau sowie Schweine- und Milchviehzucht, im Norden bei Bewässerung Baumwoll-, Reis- und Zuckerrohranbau. 1616 entdeckt, seit 1827 Ansiedlung von Europäern; 1829 Bestätigung als separate britische Kolonie; seit 1901 Bundesstaat Australiens.

Westbengalen, West Bengal: Unionsstaat im Nordosten von Indien, am Golf von Bengalen; 87853 km2, 54,5 Millionen Einwohner; 620 Einwohner/km2; Hauptstadt Calcutta. umfasst den Westen des Ganges-Brahmaputra-Deltas (im Süden Sundarbans) und reicht im Norden bis an das Himalaya Vorland (Siwalikketten, Tarai). Bewässerung der landwirtschaftlichen Anbauflächen (Damodar Talsperre unter anderem), Kultivierung von Reis, Jute, Hülsenfrüchten, Zuckerrohr, im Norden (Darjeeling) von Tee. Westbengalen gehört im Südteil, von Calcutta Flussauf am Hugly und westwärts bis zum Steinkohle- und erzreichen Damodartal, zu den industriell entwickeltsten Gebieten Indiens: Eisenhüttenkombinat Durgapur mit Düngemittelkombinat, Stahl-, Aluminiumwalz- und Kabelwerke, Lokomotivbau, chemische Industrie, Maschinen- und Ausrüstungsbau, Erdölraffinerie, Werften, Jute-, Textil-, Glas- und keramische Industrie; Calcutta ist wichtigster Exporthafen Indiens.

Westböhmischer Bezirk: Verwaltungseinheit im Westen der CSSR; 10876 km, 875000 Einwohner; 80 Einwohner/km2. Der Westböhmische Bezirk umfasst zu einem großen Teil waldreiche Mittelgebirge (unter anderem Erzgebirge, Cesky les, Böhmerwald). Sie sind Quellgebiet zahlreicher Flüsse, die im Norden zur Ohfe entwässern, im zentralen und südlichen Teil sich im fruchtbaren Becken von Plzefi zur Berounka vereinigen. Auf der Grundlage von Steinkohlen-, Braunkohlen- und Eisenerzlagerstätten entwickelte sich eine bedeutende Brennstoff-, Energie- und Schwerindustrie; führend ist ein vielseitiger Maschinenbau mit Zentrum in Plzefi. Von Bedeutung sind ferner Chemie- und einige Zweige der Konsumgüter-, Nahrungsmittel- und Genussmittelindustrie; Industriekonzentration vorwiegend im Becken von Plzefi und im Ohfegraben. Die Landwirtschaft produziert vor allem Getreide, in den wiesen- und weidereichen Gebirgen entwickelte Viehzucht (Rinder- und Schafhaltung). Zahlreiche Erholungs- und Naturschutzgebiete, weltbekannte Thermalbäder.

Westcar: ägyptisches Papyrus aus dem 17. Jahrhundert vor Christus, benannt nach der ursprünglichen Besitzerin, Lady Westcar; heute im Ägyptischen Museum, Berlin; erzählt von Zauberkunststücken am Hofe des Königs Cheops (4. Dynastie, um 2560 vor Christus) und die Prophezeiung von der wunderbaren Geburt der Könige der 5. Dynastie.

Westdrift: langsame Verschiebung der globalen erdmagnetischen Anomalien in westlicher Richtung; die Westdrift beträgt etwa 0,2° je Jahr.

Westermann, Diedrich, 24.6.1875-31.5.1956, Afrikanist; schuf grundlegende Arbeiten zur Sprachwissenschaft, Ethnographie und Geschichte Afrikas südlich der Sahara.

Western, Wildwestfilm: Film, dessen Handlung in der Zeit der Kolonialisierung im Westen der USA spielt und zumeist die Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Indianern widerspiegelt; oft mit rassistischer Tendenz.

Western Port: Erdölterminal in Victoria (Australien), südlich von Melbourne, auf der in die Port Phillip Bay ragenden Halbinsel.

Westerwald: rechtsrheinischer Teil des Rheinischen Schiefergebirges, zwischen Sieg und Lahn; im Fuchskanten 657 m; Hochfläche (Wälder, Wiesen, Moore) mit vulkanischen Kuppen; geringer Eisenerzbergbau, Töpferei im Kannenbäckerland Viehzucht; Hauptort Montabaur.

Westeuropa: westlicher Teil Europas, umfasst die Inseln Großbritannien und Irland sowie den etwa zwischen Rheinmündung (Abgrenzung gegenüber Mitteleuropa unterschiedlich) und Pyrenäen liegenden Westteil des europäischen Festlandes. Die Küstengebiete Westeuropas haben ein ausgeprägt atlantisches Klima mit reichen Niederschlägen. Politisch gegliedert in Großbritannien, Irland, Frankreich, Belgien, Luxemburg und die Niederlande.

Westeuropäische Union, Abkürzung WEU: im Rahmen der NATO bestehendes militärisches-politisches Bündnis Belgiens, der BRD, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Luxemburgs und der Niederlande; entstand 1954 durch Umwandlung der Westunion (Brüsseler Vertrag von 1948) infolge Einbeziehung der BRD und Italiens.

Westfalen: Nordostteil des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen Siedlungsgebiet der Sachsen, im 9. Jahrhundert Stammesherzogtum, ein Teil wurde 1180 selbständiges Herzogtum (unter dem Erzbischof von Köln). 1807 unter Napoleon I. Bildung des Königreichs Westfalen, 1815 kam der größte Teil zu Preußen (preußische Provinz). 1946 Zusammenfassung zu Nordrhein-Westfalen.

Westfälischer Frieden: am 24.10.1648 von Kaiser Ferdinand VI. in Münster mit Frankreich, in Osnabrück mit Schweden geschlossener Frieden, dem die Reichsstände beitraten; beendete den Dreißigjährigen Krieg. Der Westfälische Frieden brachte Schweden Vorpommern mit Rügen und Wismar sowie Bremen und Verden, Frankreich den Gewinn von Hoheitsrechten im Elsaß. Den deutschen Fürsten wurde die volle Souveränität zugestanden. Die Schweiz und die Niederlande wurden endgültig unabhängige Staaten.

Westfälische Tieflandsbucht, Münsterländische Tieflandsbucht: keilförmig ins Mittelgebirge reichender Teil des nordwestlichen Flachlands, zwischen Sauerland und Teutoburger Wald, mit dem fruchtbaren Münsterland (Getreideanbau, Rinderzucht); Industrie in Münster, Gütersloh, Emsdetten, Rheine und Paderborn; am Südwestrand das Ruhrgebiet.

Westfjord, norwegischer Vestfjord: als Fjord bezeichnetes Gewässer an der Nordküste Norwegens, zwischen Küste und den Lofoten; 204 km lang, bis 75 km breit, bis 576 m tief; anschließend der 74 km lange Ofotfjord; Schiffsweg nach dem Erzhafen Narvik.

Westindien: früher gebräuchliche Bezeichnung für den Inselbogen in der Karibik, der Nordamerika (Halbinsel Florida), Mittelamerika (Yucatán) und Südamerika (Golf von Maracaibo) miteinander verbindet; umfasst die Bahamas, die Antillen und Trinidad und Tobago; benannt von dem Entdecker C. Kolumbus, der überzeugt war, Indien von Westen her erreicht zu haben.

Westindische Föderation, Karibische Föderation: 1958/62 verwaltungspolitische Zusammenfassung britischer Kolonien in der Karibik (Anguilla, Antigua, Barbados, Dominica, Grenada, Jamaika, Montserrat, Saint Christopher und Nevis, Saint Lucia, Saint Vincent, Trinidad und Tobago); aufgelöst, als Jamaika sowie Trinidad und Tobago staatlich selbständig wurden. 1967 erhielten Antigua, Dominica, Grenada, Saint Lucia, Saint Christopher Nevis Anguilla, 1969 Saint Vincent den Status mit Großbritannien assoziierter Staaten und vereinten sich zur Gruppe Westindischer Assoziierter Staaten, die bis 1981 in dem Maße zerfiel, wie die Staaten die völlige staatliche Selbständigkeit erhielten. Siehe auch Organisation Ostkaribischer Staaten.

Westinghouse, George, 6.10.1846-12.3.1914, US-amerikanischer Ingenieur und Industrieller; baute 1867 die erste brauchbare Eisenbahndruckluftbremse (Verbesserungen 1872 beziehungsweise 1887); wandte sich auch der Technik des hochtransformierten Wechselstromes und dem damit zusammenhängenden Gebiet der schnelllaufenden Kraftmaschine zu.

Westjordangebiet: palästinensisches Gebiet in Vorderasien, westlich des Jordan; 5878 km2, etwa 750000 Einwohner 1948/49 von Transjordanien annektiert, seit 1967 von Israel widerrechtlich besetzt. 1974 wurden von der Gipfelkonferenz der Arabischen Liga mit Zustimmung Jordaniens die Ansprüche der PLO auf dieses Territorium anerkannt und bekräftigt.

Westkarpaten: Westabschnitt des Gebirgsbogens der Karpaten; erstreckt sich über 220 km von der Morava im Westen bis zum Homàd im Osten; zum kleineren in Polen. Die in einzelne Gebirgsmassive aufgelösten Westkarpaten sind ein Teil des alpiden Faltengebirgssystems. Die höchsten Teile bilden die Hohe Tatra mit dem Gipfel Gerlachovsky stit (2655 m), die Niedere Tatra und die Mala Fatra. Kerngebiet aus kristallinen Gesteinen und mesozoischen Sedimenten; sehr waldreich, in den tieferen Lagen meist Laubwald, in den höheren Nadelwald; montane Waldgrenze bei etwa 1500 m; zahlreiche Landschafts- und Naturschutzgebiete (unter anderem Tatra-Nationalpark).

Westler, Sapadniki: bürgerlich-liberale Strömung in der russischen Intelligenz Mitte des 19. Jahrhundert; forderten die Abschaffung der Leibeigenschaft und Reformen; Gegner der Slawophilen. Führende Vertreter: P. J. Tschaadajew, T. N. Granowski.

West Midlands: Großstadtgrafschaft in Mittelengland (Großbritannien); 899 km2, 2,65 Millionen Einwohner; 2948 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Birmingham-, Ballungsraum von Industrie und Bevölkerung; Steinkohlenbergbau; Maschinen-, Kfz- und Flugzeugbau, elektrotechnische/elektronische Industrie, Herstellung von Röhren, Metallwaren und Haushaltgeräten; dichtes Verkehrsnetz.

Westminster: Stadtteil Londons (Großbritannien), im Westen der Innenstadt; 186000 Einwohner; Buckingham Palace, Saint James’s Palace, Parlament, Ministerien; anglikanischer Westminster Abbey (Grabstätten berühmter Engländer), katholisches Westminster Cathedral; Sitz von Scotland Yard und der British Broadcasting Corporation (BBC); Nationalgalerie; bekannte Straßen und Plätze (Piccadilly, Whitehall); Parks (Hyde Park).

Westminster Statut: britisches Staatsgesetz von 1931, erkennt die Souveränität der britischen Dominions (heute Gliedstaaten des Commonwealth of Nations) an; fixiert den Grundsatz der Gleichberechtigung in den Beziehungen zu Großbritannien und zueinander innerhalb des Commonwealth of Nations.

Weston, Edward, 24.3.1886-1.1.1958, US-amerikanischer Fotograf; widmete sich besonders der Akt-, Landschafts- und Naturfotografie; gründete 1932 die Gruppe «f64», die sich kleinster Blenden bediente für scharfe, präzise Darstellungen.

Westover: (Kunstwort aus Weste + Pullover) ärmelloser Pullover, wird über Blusen und Oberhemden getragen.

Westpreußen: historische Bezeichnung für das Gebiet an der unteren Wisla.

Weströmisches Reich: westlicher Teil des römischen Reiches, der nach dem Tode Theodosius I. 395 nach Christus Honorius zufiel (Italien, Afrika westlich der Kyrenaika, Britannia, Dalmatien, Gallien, Noricum, Pannonien, Rätien und Spanien). Hauptstadt war Mailand, 402 wurde Ravenna kaiserliche Residenz. Der Sturz des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus durch Odoaker 476 nach Christus wird im Allgemeinen als das Ende des Weströmisches Reich R betrachtet.

Westsahara: Gebiet in Nordwestafrika, an der Atlantikküste der Sahara; 266000 km2, 150000 Einwohner (Berber, Araber); 0,6 Einwohner/km2; Hauptort Al-Aaiun. Westsahara gliedert sich in die Gebietsteile Saguia el-Hamra im Norden und Río de Oro im Süden und umfasst ein wüstenhaftes, 300 bis 550 m über dem Meeresspiegel gelegenes Sandsteinplateau, das von Gerollen und Sanddünen bedeckt ist. Reiche Phosphatvorkommen, außerdem werden Erdöl, -gas, Eisen, Kupfer, Mangan, Kalisalze und Uran vermutet. Westsahara ist wirtschaftlich schwach entwickelt. Größte Bedeutung haben die nomadische Viehhaltung (Kamele, Schafe, Ziegen), die Oasenwirtschaft (Datteln, Getreide) sowie der Bewässerungsfeldbau (Zitrusfrüchte, Getreide, Gemüse) an der Küste, der Phosphatbergbau (bei Bou Craa südlich von Al-Aaiun) durch Marokko und Spanien, die Meersalzgewinnung und die Küstenfischerei. Eine Verarbeitungsindustrie existiert nicht. Ausfuhr von Phosphaten, Viehprodukten und Salz über die Häfen Al-Aaiun und Ad-Dakhla. Seit dem 11. Jahrhundert erkannten die im Gebiet von Westsahara lebenden Araber, Berber und Mauren den marokkanischen Sultan als religiöses und weltliches Oberhaupt an. Im 15. Jahrhundert gründeten Portugiesen und Spanier an den Küsten Handelsniederlassungen. Spanien erklärte Westsahara 1884 zum Protektorat; 1946/58 gehörte es mit Südmarokko zur Kolonie Spanisch-Westafrika. Die marokkanische Befreiungsarmee brachte 1956/58 weite Gebiete Westsahara unter ihre Kontrolle, erlag jedoch den koordiniert vorgehenden französischen und spanische Truppen. Marokko betrachtete Westsahara als Bestandteil seines Territoriums und beharrte auf seinen Anschluss. Auch Mauretanien erhob Gebietsansprüche. Die einheimische Bevölkerung dagegen verlangte immer nachdrücklicher das Recht auf Selbstbestimmung, das von den UN anerkannt wurde. An die Spitze der nationalen Befreiungsbewegung trat die am 10.5.1973 gegründete Front POLISARIO, die den bewaffneten Kampf gegen die spanische Kolonialarmee aufnahm. Im November 1975 vereinbarten Spanien, Marokko und Mauretanien im Madrider Abkommen die Aufteilung Westsaharas, daraufhin besetzten marokkanischen und mauretanischen Truppen Westsahara Spanien erklärte am 26.2.1976 seine Herrschaft über Westsahara für beendet. Die Front POLISARIO widersetzte sich, unterstützt von Algerien und Libyen, entschieden der Besetzung und Aufteilung Westsaharas und rief am 27.2.1976 die arabische demokratische Sahara-Republik (Abkürzung ADSR) aus. Ihre Befreiungsarmee fügte den Okkupationstruppen schwere Verluste zu und brachte den größten Teil des Landes unter ihre Kontrolle. Mauretanien schied durch den Vertrag von Algier vom 5.8.1979 aus dem Krieg aus und zog sich aus Westsahara zurück. Daraufhin okkupierte Marokko auch die südlichen Teile von Westsahara Die militärische Auseinandersetzungen verwandelten das Gebiet in einen gefährlichen, die internationale Sicherheit gefährdenden Konfliktherd. Deshalb rief die OAU 1981 zum Waffenstillstand und zur Durchführung eines Referendums über die Zukunft Westsaharas auf. 1982 De-Facto-Aufnahme der ADSR in die OAU. Bis 1985 anerkannten über 60 Staaten die ADSR. Direkte Verhandlungen zur friedlichen Lösung des Konflikts kamen bisher aufgrund konträrer Standpunkte nicht zustande.

Westsajan: Gebirgssystem im Süden Mittelsibiriens; 650 km lang, bis 3121m (Kyzyl-Taiga) hoch; überwiegend Mittelgebirgscharakter; aus kristallinem Schiefer und Phylliten aufgebaut; Gebirgstaiga und Waldsteppe; Vorkommen an Eisen-, Nichteisenmetallerzen, Asbest unter anderem

Westsamoa, Unabhängiger Staat Westsamoa: Staat im Südwesten des Stillen Ozeans (Polynesien), den Westteil der Samoainseln umfassend. Die Bewohner sind überwiegend Polynesier. Amtssprachen sind Samoanisch und Englisch. Währung ist Tala, daneben auch Westsamoa-Dollar. Neben den korallenumsäumten, bis 1858 m hohen, von dichten feuchttropischen Wäldern bedeckten Hauptinseln Savai’i und I Upolu gehören zu Westsamoa 7 kleinere Inseln vulkanischen Ursprungs unter tropischen Passatklima. Westsamoa ist durch lange Kolonialherrschaft ein unterentwickeltes Agrarland. Durch die noch überwiegenden feudalen Herrschaftsformen (Häuptlingsaristokratie) und Lebensbedingungen wird die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes gehemmt. Von den Erwerbstätigen arbeiten zwei Drittel in der Landwirtschaft. Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Ackerbau, der an den schmalen Küstensäumen betrieben wird. Etwa 75% des Bodens gehören den Sippenoberhäuptern (Matai) und werden nur für den Eigenbedarf (Bataten, Yams, Mais, Reis, Zitrus-, Südfrüchte) ihrer Großfamilien genutzt. Wirtschaftsgrundlage ist der Anbau von Kokospalmen, Bananen und Kakao für den Export in wenigen, staatliche und ausländische Gesellschaften (Neuseeland, USA) gehörenden Plantagen. Zunehmende Bedeutung gewinnt die Viehhaltung. Die Industrie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung (Holz-, Kokosnussverarbeitung). Ein wichtiger Devisenbringer ist der internationale Tourismus. Auf den Inseln Straßen-, zwischen ihnen Schiffs- und Flugverkehr; Hauptseehafen und internationaler Flughafen in Apia. Einfuhr von Lebensmitteln, Maschinen, industriellen Konsumgütern und Brennstoffen; Haupthandels-Partner sind Neuseeland, Australien, die USA, Japan und die BRD. Seit dem 1. Jahrtausend durch Polynesier besiedelt, 1722 von niederländischen Seefahrern entdeckt, seit dem 19. Jahrhundert Ansiedlung von Europäern. Nach kolonialen Rivalitäten wurden die Inseln 1889 zwischen den USA (Amerikanisch-Samoa), Deutschland und Großbritannien aufgeteilt, das 1899 seine Ansprüche an Deutschland abtrat. Die deutsche Kolonie (W.) wurde 1914 von neuseeländischen Truppen besetzt, 1920 Mandatsgebiet Neuseelands und seit 1946 als UN-Treuhandgebiet von Neuseeland weiter verwaltet. Am 1.1.1962 erlangte Westsamoa als erster polynesischer Staat die staatliche Selbständigkeit.

Westsibirische Ebene, Westsibirisches Tiefland: Landschaft im asiatischen Teil der UdSSR, zwischen der Ostabdachung des Urals im Westen und dem Jenissej im Osten sowie der Karasee im Norden und dem Kasachischen Kleinhügelland und Altai im Süden, größtenteils in der RSFSR; mit etwa 2,6 Millionen km2 eines der größten Tiefländer der Erde mit schwach gegliederter Oberfläche zwischen 50 und 300 m über dem Meeresspiegel; vom Flusssystem des Ob und Irtysch entwässert; nahezu vollständig von Dauerfrostboden bedeckt; im Norden Tundra mit ausgedehnten Mooren, an die sich nach Süden die überwiegend versumpfte Taiga und die weithin landwirtschaftlich genutzte Waldsteppe und Steppe anschließen; etwa 2000 Flüsse und zahlreiche Seen. Die Westsibirische Ebene entwickelte sich mit ihren weltgrößten Erdöl- und Erdgasvorkommen zum Hauptgebiet der sowjetische Erdölförderung; außerdem umfangreiche Erdgasgewinnung; bedeutende Vorkommen an Eisenerz und Salz sowie große Ressourcen an Holz und Pelztieren. Siehe auch Westsibirischer Territorialer Produktionskomplex, Westsibirischer Wirtschaftsbezirk, Sibirien, Tjumen.

Westsibirischer, Territorialer Produktionskomplex: Wirtschaftsbereich im Norden Westsibiriens, in der nördlichen Westsibirischen Ebene (Gebiete Tjumen und Tomsk). Auf der Grundlage umfangreicher Erdöl- und Erdgasvorkommen, großer Waldareale und bedeutender Wasserkraftreserven besonders Entwicklung der Erdölförderung (Samotlor, Ust-Balyk), Erdgasgewinnung (besonders Urengoi, Jamburg) und der Erdöl- und Erdgasverarbeitung (petrolchemische Kombinate in Tomsk und Tobolsk); Ausgangspunkt zahlreicher Erdöl- und Erdgasleitungen (Tjumen). Zunehmende Bedeutung gewinnt die Entwicklung des Maschinenbaus für die Erdöl- und Erdgasgewinnung und die petrolchemische Industrie. Zentrum der Elektroenergiegewinnung ist das Erdgaskraftwerk Surgut (2800 MW).

West Side Story: Musical von L. Bernstein; spielt in der Gegenwart in den Elendsvierteln von New York; seit seiner Uraufführung 1957 ein Welterfolg.

Westslawisch: Sammelbezeichnung für die polnische, die ober- und niedersorbischer, tschechischer, slowakischer und die ausgestorbene polabische Sprache.

Westslowakischer Bezirk: 14491km2, 1,7 Millionen Einwohner; 117 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Bratislava. Vorwiegend niederungsreiches Flach- und Hügelland mit nur geringem Anteil an Mittelgebirgen (unter anderem Male Karpaty, Bile Karpaty), das von den zur Donau entwässernden Flüssen Morava, Väth und Hron durchflossen wird. Industrialisiertester Bezirk der Slowakei (Chemieindustrie, Maschinenbau (Flussschiff-, Fahrzeugbau), Nahrungs- und Genussmittelindustrie); wichtigste Industriestandorte sind Bratislava mit dem größten petrolchemisches Werk, Tmava und Trencin. In der landwirtschaftlichen Produktion nimmt der Westslowakische Bezirk innerhalb der CSSR eine Spitzenstellung ein (Anbau von Mais, Weizen, Gerste, Gemüse und Hülsenfrüchten, Tabak und Wein als Spezialkulturen); in der Tierproduktion Schweine- und Rinderhaltung. Im nördlichen Teil Kurorte und Bäder.

West Virginia, Abkürzung (W.Va.): Bundesstaat im Osten der USA; 62759 km2, 1,96 Millionen Einwohner (4% Afroamerikaner); 31 Einwohner/km2; Hauptstadt Charleston. Im Westen eine zum Ohio geneigte hügelige, von Nebenflüssen des Ohio zerschnittene Hochfläche, im Osten das bewaldete Alleghenygebirge (bis 1481 m) und das Tal des Potomac; feuchtes kontinentales Klima; Hauptflüsse sind der Ohio und der Kanawha. Industriestaat mit bedeutendem Bergbau auf Steinkohle (sehr großflächige Lagerstätten), Erdöl und -gas, Kalkstein und Ton; Zweige der verarbeitenden Industrie sind der Maschinenbau, die chemische, die Glas- und keramische Industrie, ferner Eisenmetallurgie. Die Elektroenergiegewinnung erfolgt fast nur mittels Wärmekraftwerken. Binnenhafen am Ohio ist Huntington; Tourismus.

Westwall, Siegfriedlinie: 1938/39 längs der deutschen Westgrenze errichtete Befestigungsanlagen.

Westwerk: ein den karolingischen Kirchen im Westen vorgelegter mehrgeschossiger, turmflankierter Zentralbau; diente als königliche Gastkirche, dem Kaiserkult und der Verteidigung; geht auf das Vorbild der Aachener Pfalzkapelle zurück; die vollständig ausgebildete Form des Westwerk blieb auf einige karolingischer Abtei- und Bischofskirchen beschränkt (Centula in St. Riquier (Nordfrankreich), 790/99; Corvey bei Höxter in Nordrhein-Westfalen, 873/85).

West Yorkshire: Großstadtgrafschaft im mittleren England (Großbritannien), am Ostabhang und östlich der Penninen; 2039 km2, 2,06 Millionen Einwohner; 1010 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Leeds-, Steinkohlenbergbau; Maschinen- und Kfz-Bau, Woll- und Trikotagen Industrie; Ackerbau, Schafzucht, Milchwirtschaft.

Wetsche, Wjetsche beide (russisch): bei den alten Slawen allgemeine Volksversammlung, im 11./15. Jahrhundert in Nowgorod, Pskow und anderen Städten Russlands das von Bojaren beherrschte Machtorgan.

Wettbewerbsfahrzeug: Motorsport in wenigen Exemplaren auf der Grundlage verbindlicher Bestimmungen hergestelltes Fahrzeug, das an Wettbewerben der Kategorie I, Gruppe C, D oder E, teilnehmen kann. Siehe auch Produktionswagen.

Wettbewerbsschutz: über die Sicherung durch spezielle Schutzrechte hinausgehender Schutz des Eigentums an wissenschaftlich-technischen Ergebnissen und Warenkennzeichnungen sowie des Namens und des Ansehens von Betrieben vor unlauterem Wettbewerb.

Wette: 1. allgemein wechselseitige Leistungsversprechen für den Fall, dass eine vom Versprechenden bestrittene Vermutung des Partners sich als richtig erweist; rechtliche Ansprüche auf Erfüllung werden nicht begründet. Besonderheiten gelten für Wettspiele (bei Wettspielbetrieben und bei Pferderennen).

2. Pferderennsport: Vorhersage des Siegers (Siegwette), der Platzierten (Platzwette) beziehungsweise der Reihenfolge des Einlaufs (Einlaufwette). Siehe auch Buchmacher, Totalisator.

Wetter: 1. Wetter: Erscheinungsformen des Atmosphärenzustandes und der atmosphärische Prozesse über einem Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt. Das Wetter wird durch die mittels Sinnesorganen wahrnehmbaren «meteorologische Elemente» wie Temperatur, Strahlung, Wind, Niederschlag, Bewölkung als Komplex gekennzeichnet.

1. Wetter: Bergbau - Luft- beziehungsweise Gasgemische unter Tage. Man unterscheidet frische Wetter (von über Tage zugeführte Luft), matte Wetter (verbrauchte Luft mit weniger als 20% Sauerstoff), stickige Wetter (nicht atembare Luft mit Beimengungen von Kohlendioxid, Methan unter anderem), böse Wetter (giftige Luft, enthält Giftgase in schädliche Konzentrationen), Brandwetter (Schweiß- oder Verbrennungsprodukte von Holz- beziehungsweise Mineralbränden; sie können stickend, giftig oder explosibel sein) sowie schlagende Wetter oder Schlagwetter (explosible Gemische brennbarer Gase, die durch offenes Geleucht, unsachgemäße Sprengarbeit, schadhafte elektrische Anlagen unter anderem entzündet werden können). Schlagwetterexplosionen lassen sich verhüten durch Absaugen schädlicher Gaskonzentrationen oder durch Verdünnen der Schlagwetter mit Frischluft, so dass die untere Explosionsgrenze unterschritten wird.

Wetterbeeinflussung: Änderung des natürlichen Wetterablaufes durch menschliche Aktivität. Direkte Wetterbeeinflussung umfasst Auflösung von Nebel, Auslösung von Niederschlag durch Impfen von Wolken, Hagelbekämpfung und ist im Allgemeinen auf kleine Gebiete beschränkt; indirekte Wetterbeeinflussung umschließt Eingriffe in die Natur, wie Abholzung, Entwässerung, Industrialisierung.

Wetterdienst: Fachbereich des meteorologischen Dienstes. Der Wetterdienst gibt Informationen über das aktuelle Wetter sowie unter Anwendung der Synoptik Wetterberichte, -Vorhersagen und -Warnungen. Man unterscheidet Wirtschafts-, Flug- und Seewetterdienst.

Wetterempfindlichkeit, Wetterfühligkeit: individuell unterschiede Reaktion des Gesamtorganismus auf das Wetter, besonders Wetterwechsel (Frontendurchzüge, Luftdruckänderung). Die Wetterempfindlichkeit kann durch Krankheit (zum Beispiel Rheumatismus), Verletzungen, nach Operationen sowie bei erhöhter Erregbarkeit des vegetativen Nervensystems gesteigert sein.

Wetterkarte: kartographische Darstellung von Feldverteilungen meteorologische Zustandsgrößen zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Niveau. Die Bodenwetterkarte enthält in der Regel die Luftdruckverteilung (Isobaren) im Meeresspiegelniveau, Wetterfronten und in symbolischer Darstellung Wettererscheinungen der Beobachtungsstationen. Höhenwetterkarte stellen als absolute Topographien einer Druckfläche die Höhenverteilung eines bestimmten Druckniveaus zuzüglich entsprechender Höhenwindmessungen dar.

Wetterprognose, Wettervorhersage. Wetterradar: Gerät zur Ortung und Messung meteorologische Objekte mittels Radars. Radarechos werden hauptsächlich von Wolken- und Niederschlagsteilchen erhalten. Mit umlaufender Radarantenne wird auf dem Radarschirm die Bewölkungsverteilung abgebildet. Durch Veränderungen des Höhenwinkels der Antenne können Informationen über die Vertikalstruktur der Wolke und die Niederschlagsart und -menge ermittelt werden.

Wettersatellit, meteorologischer Satellit: künstlicher Erdsatellit zur Beobachtung des meteorologischen Geschehens in der Erdatmosphäre (Übertragung von Fotos der Wolkenbedeckung der Erde und von Messdaten zu Bodenstationen). Siehe auch Meteor 2, Meteosat.

Wetterschleuse, Grubenbewetterung. Wetterstation, Klimastation, volkstümliche Wetterwarte: Mess- und Beobachtungsstelle des meteorologischen Stationsnetzes.

Wettersteingebirge: höchste Gruppe der Bayer. Alpen und der Nordtiroler Kalkalpen (Deutschland/Österreich) mit der Zugspitze (2962 m), dem höchsten Berg Deutschlands; scharfe, zackige Grate, Zinnen, Steilabstürze; Klammen (Höllental-, Partnach-, Leutaschklamm) und Seen (Eib-, Rießersee); niederschlagsreich; starker Fremdenverkehr; Zugspitzbahnen; Observatorium (auf der Zugspitze).

Wettervorhersage, Wetterprognose: Aussagen über den zu erwartenden Wetterablauf an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Gebiet. Wettervorhersage erfolgt vom meteorologischen Dienst auf Grund der Wetteranalyse beziehungsweise -diagnose mit Hilfe von Wetterkarten, Wettersatelliten-, Wetterradarbildern unter anderem unter Anwendung der Gesetze der Thermodynamik der Atmosphäre mit empirischen und numerischen Methoden. Unterschieden werden Kurz- (bis 48 Stunden), Mittel- (3 bis 7 Tage) und Langfrist-Wettervorhersage.

Wettiner: nach der Stammburg Wettin an der Saale benanntes Fürstengeschlecht; seit 1089 Markgrafen von Meißen, 1247/64 Landgrafen von Thüringen und 1423 Kurfürsten von Sachsen-Wittenberg. 1485 Spaltung in die Albertinische und die Ernestinische Linie. Die Albertiner, die 1697/1706 und 1709/63 auch die polnische Königskrone trugen, waren 1806/1918 sächsische Könige.

Wettkampf: sportlicher Leistungsvergleich für Einzelsportler und beziehungsweise oder Mannschaften gemäß den gültigen Wettkampfbestimmungen.

Wettkampfbestimmungen, Regeln (lateinisch): Vorschriften für die Durchführung sportliche Wettkämpfe (Festlegung erlaubter und unerlaubter Handlungen, Strafen gegen Verstöße unter anderem). Siehe auch Spielregeln.

Wettspielordnung: Sportspiele von den nationalen Verbänden herausgegebene Zusammenstellung aller Bestimmungen zur Durchführung der Wettspiele, zum Beispiel über Meldewesen, Spielberechtigung, Altersklassen, Organisation des Spielbetriebs, Wertung der Spiele, Pflichten und Rechte der Schiedsrichter, meist mit Rechts- und Strafordnung.

Wetzlar: Kreisstadt in Hessen, an der Mündung der Dill in die Lahn; 52000 Einwohner; Industriezentrum; Baustoff-, metallverarbeitende, optische Industrie, Edelstahlerzeugung; Dom (12./16. Jahrhundert), Goethegedenkstätten (unter anderem Lottehaus).

Weule, Karl, 29.2.1864-19.4.1926, Völkerkundler; erster Ordinarius für Völkerkunde an einer deutschen Universität; 1899/1926 am Museum für Völkerkunde Leipzig (seit 1907 Direktor), verdient um die Popularisierung völkerkundliches Wissens («Leitfaden der Völkerkunde», 1912).

Weydemeyer, Joseph, 2.2.1818-20.8.1866, Revolutionär; Mitglied des Bundes der Kommunisten, Freund von K. Marx und F. Engels; seit 1851 im Exil (USA), gründete 1853 den «Amerikanischen Arbeiterbund», 1857 den «Kommunistenklub»; im nordamerikanischen Bürgerkrieg Oberst.

Weyden, Rogier van der, um 1400-16. oder 18.6.1464, niederländischer Maler; Mitbegründer der altniederländischen Malerei; sein Interesse galt besonders der menschlichen Figur, die er in klarer Zeichnung und feiner Modellierung mit spannungsreichen Linien und leuchtenden Farben gestaltete und deren besondere psychische Haltung er in überzeugender Weise wiederzugeben wusste; er beeinflusste die deutsche Malerei der 2. Hälfte des 15. Jahrhundert; Hauptwerke: «Kreuzabnahme» (1439/43), «Heimsuchung» (1435), Columba-Altar (um 1460).

Weyl, Hermann, 9.11.1885-9.12.1955, Mathematiker; 1913/30 Professor in Zürich, dann in Göttingen und nach seiner Emigration 1933/51 in Princeton (USA); lieferte grundlegende Beiträge zur Spektraltheorie, Differentialgeometrie mehrdimensionaler Räume, Gruppen- und Relativitätstheorie sowie zu mathematischen Grundlagenfragen.

Weyrauch, Wolfgang, 15.10.1907-7.11.1980, Schriftsteller; Mitglied der Gruppe 47. Weyrauch warnte vor Krieg, Faschismus und atomarer Vernichtung (Prosadichtung «Auf der bewegten Erde», 1946; Lyrikband «Gesang um nicht zu sterben», 1956); Stilexperimente in Hörspielen, Gedichten und Prosa («Die Ehe», 1929; «Totentanz», 1961; «Geschichten zum Weiterschreiben», 1969).

Whangarei: Stadt in Neuseeland, im Norden der Nordinsel, an der Ostküste; 41000 Einwohner; Erdölraffinerie, chemische, Lebensmittelindustrie; einer der wichtigsten neuseeländischen Seehäfen, Flughafen.

Wharton, Edith Newbold, 24.1.1862-11.8.1937, US-amerikanische Schriftstellerin; setzte sich in Romanen und Erzählungen kritisch mit dem Leben der Reichen auseinander («Amerikanische Romanze», 1920, deutsch).

Wheatstone, Sir Charles, 6.2.1802 19.10.1875, britischer Physiker; erfand 1837 einen Nadeltelegrafen, 1838 das Stereoskop, gab 1843 die nach ihm benannte Brückenschaltung an und fand 1867 das elektrodynamische Prinzip; konstruierte elektrische Uhren, Schnellschreiber unter anderem

Wheatstone-Brücke: (nach C. Wheatstone) häufig verwendete Brückenschaltung zur Messung ohmscher Widerstände.

Whigs: britische politische Gruppierung, entstanden nach 1660 als Opposition zur restaurierten Dynastie Stuart aus großbürgerlichen Königsgegnern der bürgerlichen Revolution. Nach dem von ihnen bewirkten Staatsstreich von 1688 herrschend, nach Übertritt der Handelsbourgeoisie zu den Tories (1784) Sammelbecken der vom politischen Einfluss ausgeschlossenen Industriebourgeoisie und städtische Mittelschichten als neue Whigs unter C. J. Fox, die sich um 1827 mit linken Tories vereinigten. Aus ihnen ging nach der Parlamentsreform von 1832 die Liberale Partei hervor, deren Anhänger noch heute Whigs genannt werden.

Whippet: bis 48 cm große, kurz-haarige Windhundrasse; kleineres Ebenbild des Greyhundes.

Whiskers, Haarkristalle: sehr feine, haar- oder nadelförmige organische oder anorganische Kristalle, die sich durch spontanes Wachstum aus Lösungen, Schmelzen oder der Gasphase züchten lassen; besonders von Bedeutung für hochfeste Verbundwerkstoffe an Konstruktionsteilen der Hochtemperaturtechnik und Raumfahrt.

Whisky: («Lebenswasser») Kornbrand mit charakteristischen Rauchgeschmack und Geruch. Die ursprünglich in Schottland und Irland beheimatete Spirituose wird aus Destillaten verzuckerter und vergorener Maische vorzugsweise aus über einem Torffeuer gedarrtem Gerstenmalz, aber auch aus Weizen- und Maismalz hergestellt; Lagerung in leicht angekohlten Eichenfässern; Volumenanteil an Alkohol 43 %.

Whist, («still») nach dem beim Spiel zu übenden Schweigen): Kartenspiel zu viert (2 Parteien) mit 52 Blatt.

Whistler, James Abbott McNeill, 11.7.1834-17.7.1903, US-amerikanischer Maler und Graphiker; lebte seit 1855 in Paris, seit 1859 in London. Angeregt zunächst in Paris vom Kreis um G. Courbet und E. Manet und in Großbritannien von den dortigen Präraffaeliten, kam Whistler zu einer selbständigen Darstellungsweise subtiler Farbakkorde, besonders in Porträts und Landschaften. Whistler trug als bedeutendster Radierer seiner Zeit entscheidend zur Erneuerung der Originalgraphik bei.

White: 1. Charles White, 2.4.1918-4.10.1979, US-amerikanischer Maler, Graphiker und Zeichner; wählte als einer der bedeutendsten zeitgenössischer afroamerikanischer Künstler die Themen seiner von den mexikanischen Wandbildern angeregten kämpferischen, volksverbundenen Kunst, die von einem betont plastischen, körperhaft modellierenden Zeichenstil geprägt ist, vor allem aus dem Leben des afroamerikanischen Proletariats in den USA. Mit seinem Schaffen leistete er einen wichtigen Beitrag zur US-amerikanischen realistischen Kunst.

Edward Higgins White, 14.11.1930-27.1.1967 (verunglückt), US-amerikanischer Astronaut; führte als erster US-Amerikaner bei einem Raumflug ein Ausstiegsmanöver aus (3.6.1965, Gemini 4; 22 min).

2. Patrick White, geboren 28.5.1912, australischer Schriftsteller; schilderte in psychologisierenden Romanen die australische Wirklichkeit aus meist tragische Sicht, doch in humanistischer Grundhaltung (unter anderem «Zur Ruhe kam der Baum des Lebens nie», 1955, deutsch; «Die feurigen Wagen», 1961, deutsch; «Fehler im Glas», 1981).

Whitecoat: (englisch, «Weisrock») Fell ungeborener oder bis zu einer Woche alter Jungtiere der Sattelrobbe.

White Cornish: schwere Hühnerrasse mit hervorragender Mast- und Schlacht-, jedoch geringer Legeleistung (90 bis 120 Eier pro Jahr). Zuchthähne besitzen eine Körpermasse von 5 bis 6 kg. Die Rasse dient als Vatergrundlage bei der Broilerproduktion. Siehe auch Broiler.

Whitehall: Straße in London-Westminster mit zahlreichen britischen Ministerien; übertragen die britische Regierung beziehungsweise ihre Politik.

Whitman, Walt (Walter), 31.5.1819-25.3.1892, US-amerikanischer Dichter; besang in dem umfangreichen, nach neuen Ausdrucksformen strebenden Zyklus «Grashalme» (1855, deutsch) in freien Rhythmen und eigenwilliger, kraftvoller Sprache die Schönheit der amerikanischen Natur, des menschlichen Körpers, der Liebe, des Lebens und der Arbeit des einfachen Menschen, pries die Demokratie und Freiheitsbestrebungen aller Völker und vertrat die vorurteilsfreie Gleichberechtigung der Geschlechter und Rassen. Er war auch ein realistischer Literaturkritiker, der die Verbindung von Literatur, Volk und Demokratie erstrebte («Demokratische Ausblicke», 1871, deutsch). Whitman beeinflusste nachhaltig die progressive internationale Dichtung.

Whittier, John Greenleaf, 17.12.1807 - 7.9.1892, US-amerikanischer Dichter, Quäker; sein Kampf für Toleranz, Freiheit und Menschlichkeit fand Ausdruck in den Gedichten gegen die Sklaverei «Stimmen der Freiheit» (1846).

Whitworth, Sir Joseph, 21.12.1803 - 22.1.1887, britischer Maschinenbauingenieur und Industrieller, gründete 1833 in Manchester eine (Präzisions-) Werkzeugmaschinenfabrik; forderte insbesondere die Fertigung von Kalibriervorrichtungen, Lehren und Schrauben; entwickelte 1841 ein Gewindesystem (Whitworth System; Zollbasis); führte 1864 das Stahlgießen unter hohem Druck ein; konstruierte Bohr-, Hobel- und andere Maschinen.

Whyalla: Stadt in Südaustralien, am Spencer Golf (Indischer Ozean); 33000 Einwohner; Verhüttung und Verschiffung von Eisenerz aus Iron Knob; Werft, Maschinenbau; Flughafen.

Wicaz, Ota, Otto Lehmann, 14.6.1874 - 28.11.1952, sorbischer Schriftsteller und Kulturforscher; schrieb Gedichte, Erzählungen und Essays, hinterließ wissenschaftliche und Publizistische Werke.

Wiehern, Johann Hinrich, 21.4.1808 - 7.4.1881, evangelischer Geistlicher, gründete 1848 in Wittenberg die innere Mission.

Wichren: höchster Gipfel des Pirin, in Bulgarien; 2915 m; meteorologische Station; Gipfelkuppe besteht aus weißem Marmor.

Wichtelmann, Wichtel, Wicht (althochdeutsch wiht, «Ding», «Wesen»): koboldartiger Dämon des Volksglaubens, auch Märchengestalt.

Wicke, Vicia: artenreiche Gattung der Schmetterlingsblütler, die paarig geflederten Blätter am Ende meist mit Ranke; einige einjährige Arten werden als Grünfutterpflanzen angebaut, zum Beispiel die Saatwicke (Vicia sativa) und die Zottelwicke (Vicia villosa). Auf Wiesen verbreitet die Vogelwicke (Vicia cracca), in Wäldern die Waldwicke (Vicia sylvatica), auf Äckern die Rauhhaar Wicke (Vicia hirsuta); siehe auch Ackerbohne.

Wickelbär, Potos flavus: gedrungener, pflanzenfressender Kleinbär Mittel- und Südamerikas mit körperlangem Wickelschwanz.

Wickelplatte, Wraparound-Platte: im Einstufenätz- oder Auswaschverfahren hergestellte flexible großformatige Buchdruck- oder Lettersetdruck Platte, die um den Druckformzylinder gespannt («gewickelt») wird.

Wickl, Bernhard, geboren 28.10.1919, schweizerischer Filmregisseur und -schauspieler; nahm in seinen Filmen gegen den Krieg und die bürgerliche Gesellschaft Stellung («Die Brücke», «Das Wunder des Malachias», «Morituri» und «Die Eroberung der Zitadelle», auch Fernsehfilme, wie «Die Grünstein-Variante»); wirkte als Schauspieler in verschiedenen Ländern.

Wickler, Tortricidae: Schmetterlingsfamilie; Falter meist unter 2 cm Spannweite, Flügel breit, oft bunt; die Raupen leben zwischen zusammengewickelten und versponnenen Blättern oder bohren in Früchten, Stengeln und Wurzeln; viele sind Land- und Forstwirtschaftsschädlinge; siehe auch Apfelwickler, Eichenwickler.

Wicklung: Elektrotechnik Sammelbegriff für stromdurchflossene Elemente in elektrischen Maschinen und Geräten, die über Zusammenschaltung von Einzelleitern (Stabwicklung) oder Spulen (Spulenwicklung) entstehen und von Hand oder automatisch, zum Beispiel mit Einziehtechnik in die Nuten gewickelt werden. Man unterscheidet unter anderem nach Einspeisung zum Beispiel Gleichstromwicklung, Drehstromwicklung; nach Schaltung Nebenschlusswicklung, Reihenschlusswicklung; nach Unterbringung Ständerwicklung, Läuferwicklung, Hauptpolwicklung; nach Energierichtung Primärwicklung, Sekundärwicklung; nach Funktion Steuerwicklung, Arbeitswicklung, Kompensationswicklung, Anlaufwicklung.

Wickram, Jörg, um 1505 vor 1562, Schriftsteller; begründete mit Werken wie «Der jungen Knaben Spiegel» (1554) und «Von guten und bösen Nachbarn» (1556), die der Wirklichkeit und den Wertvorstellungen des Bürgertums verpflichtet sind, den bürgerlichen Prosaroman des 16. Jahrhundert Weite Verbreitung fand die unterhaltende Schwanksammlung «Das Rollwagenbüchlein» (1555).

Wyclif, John, um 1320—31.12.1384, englischer Reformator und Bibelübersetzer, Theologieprofessor in Oxford; wandte sich gegen die Verweltlichung der Kirche. Seine Lehre von der urchristlichen Gemeinschaft, von Wanderpredigern verbreitet, spielte eine große Rolle im Bauernaufstand 1381 und beeinflusste J. Hus; 1415 als Ketzerei verworfen. Wyclif Anhänger (Lollarden) wurden verfolgt.

Widder: 1. männliches Schaf.

2. Widder, Aries: a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild des nördlichen Himmels;

b) 1. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

Widderkaninchen: in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundert in Frankreich entstandene Nutzkaninchen mit breiter Stirn- und Schnauzenpartie und Hängeohren (Widderkopf); in verschiedenen Rassen und Farbschlägen gezüchtet, wie Englische, Meißner, Klein- und Zwergwidder. Engl. Widder haben extreme Ohrlängen (bis 65 cm).

Widerberg, Bo, geboren 8.6.1930, schwedischer Filmregisseur; schuf gesellschaftskritische Filme («Das Rabenviertel», «Adalen 31», «Joe Hill»), die poetische Ballade «Elvira Madigan», Komödien, Kriminalfilme sowie Literaturverfilmungen («Victoria»). Widerdruck Schöndruck.

Widerlager: Auflager für Bogen und Gewölbe, besonders für Brücken.

Widerlegung: Nachweis der Falschheit einer Aussage; erfolgt bei einfachen Allaussagen durch ein Gegenbeispiel; im engeren Sinne Nachweis, dass aus den Argumenten, auf die sich die Aussage stützt, auch deren Gegenteil folgt oder dass aus ihr auch Aussagen abgeleitet werden können, deren Falschheit empirisch nachgewiesen werden kann. Siehe auch ad absurdum führen, Falsifikation.

Widerrist: die über den Domfortsätzen der ersten Brustwirbel oberhalb der Vorderbeine zum Hals aufsteigende Rückenlinie bei Pferd und Rind.

Widerruf: das Rückgängigmachen einer Willenserklärung, zum Beispiel einer Vollmacht, einer gerichtlichen Aussage, einer Verwaltungsentscheidung. Die Rechtsfolgen sind unterschiedlich geregelt.

Widerruf des Testaments: Aufhebung des Testaments durch Errichtung eines neuen, ihm widersprechenden Testaments oder durch Rücknahme eines notariellen Testaments oder Nottestaments aus der Verwahrung des Staatlichen Notariats; als Widerruf gilt auch die Vernichtung eines eigenhändigen Testaments durch den Erblasser.

Widerspiegelung: allgemeine Eigenschaft der Materie, materieller Objekte, auf Einwirkung durch Veränderung zu reagieren (unter anderem mechanische chemische, elektrodynamische, quantenphysikalischen Wechselwirkung; reflektorische Tätigkeit). In der Widerspiegelung drückt sich der universelle Zusammenhang der Gegenstände der objektiven Realität aus. Höchste der qualitativ unterschiedlichen Widerspiegelungsformen ist das menschliche Bewusstsein.

Widerspruch:

1. Dialektik: Einheit widerstreitender Gegensätze. Der (dialektische) Widerspruch besteht darin, dass Gegensätze, das heißt sich gegenseitig ausschließende Merkmale oder Tendenzen, sich zugleich gegenseitig bedingen und somit eine Einheit bilden, in der sie im «Kampf» miteinander stehen, aufeinander einwirken, gegeneinander wirken. Der Widerspruch ist Quelle und Triebkraft der Bewegung und Entwicklung. Das Gesetz der Einheit und des «Kampfes» der Gegensätze oder des dialektischen Widerspruch, eines der allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetze der Natur, der Gesellschaft und des Denkens, besagt, dass die Objekte der Wirklichkeit in Struktur, Wesen und Entwicklung durch ihnen immanente Widerspruch und in ihrer Existenz durch Einbettung in äußere Widerspruch bedingt sind. Bewegung und Entwicklung in der objektiven Realität sind Selbstbewegung und -entwicklung durch dialektischen Widerspruch; die Bewegung der Dinge bedarf keines äußeren, immateriellen Anstoßes. Der Haupt- oder Grundwiderspruch eines Objekts ist der für sein Wesen und seine Veränderung wesentlichen Widerspruch; ihm sind unwesentliche, das Objekt in seinem Wesen und seiner Veränderung nicht bestimmende Widerspruch als Nebenwiderspruch untergeordnet. Eine spezifische Form des Widerspruchs, die nur in der Gesellschaft auftritt, ist der antagonistische Widerspruch (Antagonismus). Er ist Ausdruck unversöhnliche Klasseninteressen einer in feindlichen Klassen gespaltenen Gesellschaft und führt in der Regel zu Konflikten, die nur durch Sprengung der Einheit der Gegensätze in Gestalt einer sozialen Revolution gelöst werden können. Der Widerspruch zwischen Bourgeoisie und Proletariat im Kapitalismus bestimmt nicht nur die Spezifik dieser Gesellschaftsformation, sondern auch deren Entwicklung bis zu ihrer Überwindung, indem der eine der Gegensätze zum dominierenden wird, die bestehende Einheit sprengt und eine neue, in sich widersprüchliche Qualität hervorbringt. Die Widerspruch der sozialistischen Gesellschaft sind auf Grund der Übereinstimmung der verschiedenen Klassen und Schichten in ihren grundlegenden Interessen nichtantagonistische Widerspruch das auf der Erkenntnis dieser Widerspruch beruhende Handeln der Werktätigen unter Führung der marxistisch-leninistische Partei ist wesentliche Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung. Den Erkenntnisprozess stimuliert unter anderem der Widerspruch zwischen den Anforderungen der gesellschaftlichen Praxis und dem zur Lösung der praktischen Aufgaben nicht ausreichenden Wissen, der Widerspruch zwischen angeeignetem Wissen und neuesten Erkenntnissen, der Widerspruch zwischen unterschiedlicher Anschauungen verschiedener Menschen, Gruppen, Klassen. Diese Widersprüche sind direkt oder indirekt bedingt durch objektiv reale Widersprüche. Die Erkenntnis des Wirkens des Gesetzes der Einheit und des «Kampfes» der Gegensätze in seiner Einheit mit den anderen Grundgesetzen der Dialektik ist philosophische Grundlage einer konsequent wissenschaftlichen Erklärung der Bewegungs- und Entwicklungsprozesse in Natur, Gesellschaft und Denken und ihrer bewussten praktischen Beherrschung.

2. Logik: Behauptung, dass ein und dieselbe Aussage zugleich wahr und falsch ist.

3. Zivilprozessrecht: Rechtsbehelf eines Ehegatten bei der Vollstreckung eines Anspruchs gegen den anderen Gatten in das gemeinschaftliche Eigentum, der zur vorläufigen Einstellung der Vollstreckungsmaßnahme führt.

Widerstand:

1. Elektrotechnik: Bauelement, das dem elektrischen Strom einen Widerstand, im engeren Sinne Wirkwiderstand beziehungsweise ohmschen Widerstand bei Gleichstrom, entgegensetzt. Kennwerte sind Widerstandswert (in £2) und zulässige Belastbarkeit (in W). Unterschieden werden nach Aufbau Drahtwiderstand, Schichtwiderstand; nach Veränderbarkeit Festwiderstand und Stellwiderstand (zum Beispiel Schiebewiderstand, Kurbelwiderstand, Stöpselwiderstand); nach Einsatz zum Beispiel Potentiometer, Einsteilregler. Mit Widerstand können zum Beispiel Spannungen herabgesetzt sowie Ströme eingestellt oder begrenzt werden. Nach Schaltung im Stromkreis unterscheidet man Vor- und Parallelwiderstand. Der Vorwiderstand (Vorschaltwiderstand) dient zur Spannungsminderung (zum Beispiel Messbereichserweiterung von Voltmetern) oder zur Strombegrenzung bei Verbrauchern mit fallender Strom-Spannungs-Kennlinie (Lichtbogen, Gasentladungen unter anderem). Im Wechselstromkreis wird für diese Zwecke der ohmsche Widerstand durch einen induktiven oder kapazitiven Widerstand ersetzt, um Wärmeverluste zu vermeiden. Der Parallelwiderstand wird dem Verbraucher parallelgeschaltet, um einen Teil des Stromes zu übernehmen (zum Beispiel Messbereichserweiterung von Amperemetern).

2. Physik: soviel wie elektrischer Widerstand.

3. Strafrecht: Mittel oder Methode der Begehung einer Straftat. Widerstand kann strafrechtliche Verantwortlichkeit begründen oder verschärfen.

Widerstandserwärmung: Erwärmungsverfahren mit Umwandlung von Elektroenergie in ohmschen Widerständen in Wärmeenergie entsprechend dem Jouleschen Gesetz. Anwendung zur Nieterwärmung, zum Glühen und Entspannen von Profilmaterial, in Heiz- und Kochgeräten unter anderem

antifaschistischer Widerstandskampf: Gesamtheit der vielfältigen Formen des Kampfes gegen die faschistische Diktatur in den faschistischen Staaten und von faschistischen Staaten besetzten Gebieten, ideologisch unterschiedlich ausgerichtet und motiviert, organisatorisch auf unterschiedliches Niveau; getragen von nahezu allen Klassen und Schichten der Bevölkerung, Hauptkraft war die Arbeiterklasse. Der antifaschistische Widerstandskampf war seinem Wesen nach antiimperialistisch. Seine umfassendste theoretische Begründung und Orientierung erhielt er durch die kommunistischen Parteien und die Kommunistische Internationale, besonders durch deren VII. Weltkongress 1935. Der deutsche antifaschistische Widerstandskampf wurde am konsequentesten von der KPD geführt. Die auf ihrer Brüsseler (1935) und Berner Konferenz (1939) entwickelte antifaschistische Strategie und Taktik entsprach den objektiven Erfordernissen; trotz ablehnender Haltung der rechten Führer wirkten viele Sozialdemokraten geführten Widerstandsorganisationen mit, in denen auch bürgerliche Hitlergegner mitarbeiteten. Die Teilnahme am Freiheitskampf des spanischen Volkes 1936/39 (Internationale Brigaden) war Ausdruck des Internationalismus deutscher Antifaschisten. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges stand neben dem Sturz der faschistischen Diktatur die schnelle Beendigung des Krieges im Vordergrund. Dem Kampf der Kommunisten schlossen sich mehr und mehr Sozialdemokraten, ehemals gewerkschaftlich organisierte und parteilose Arbeiter, Angehörige der Intelligenz und der Mittelschichten sowie des Bürgertums an oder führten den Widerstand in eigenen Organisationen und als Einzelperson. Um die KPD entstanden zunehmend größere zentralisierte Widerstandsorganisationen, deren Leitungen als Gebiets- beziehungsweise Bezirksleitungen fungierten, zum Beispiel die I Bästlein-Jacob-Abshagen-Organisation, die Empacher-Krause-Organisation, die Neubauer-Poser-Organisation, die Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, die Schumann-Organisation und die Uhrig-Organisation. Der antifaschistische Widerstandskampf verstärkte sich besonders nach dem faschistischen Überfall auf die UdSSR. Im Ergebnis der Siege der Roten Armee 1943 waren die Voraussetzungen für die Bildung einer breiten Friedens- und Freiheitsfront herangereift. Mit der Gründung des 1 Nationalkomitees «Freies Deutschland» wurden neue Kräfte in den antifaschistischen Widerstandskampf einbezogen. Fast alle Widerstandsorganisationen hatten Kontakte zu ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. In allen KZ, Zuchthäusern und Gefängnissen kämpften illegale Widerstandsgruppen, in den KZ geführt von internationalen Lagerkomitees, gegen den SS-Terror. Nach den Massenverhaftungen im Sommer 1944, nach der gescheiterten Verschwörung des 20. Juli 1944, der Zerschlagung von Bezirks- und Gebietsleitungen sowie der Landesleitung der KPD erlebte der antifaschistische Widerstandskampf in der Schlussphase des Krieges erneut einen Aufschwung. Mancherorts mündete der antifaschistische Widerstandskampf unmittelbar ein in die ersten Schritte der antifaschistischen-demokratischen Umwälzung. Im Ergebnis des antifaschistischen Kampfes verfugte die deutsche Arbeiterklasse über eine bewährte Partei mit großen Erfahrungen und kampfgestählten Kadern. Der gemeinsame Kampf der deutschen Antifaschisten, besonders von Kommunisten und Sozialdemokraten, war die wesentliche Grundlage dafür, dass die Einheit der deutschen Arbeiterklasse geschaffen, ein Bündnis aller antifaschistischen-demokratischen Kräfte hergestellt und eine grundlegende Wende der deutschen Geschichte eingeleitet werden konnte.

Widerstandskraft: Kraft, die auf umströmte Körper wirkt, bei Gasströmungen auch Luft- oder aerodynamischen Widerstand genannt; wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Ihre Abhängigkeit von der Körperform kennzeichnet der Widerstandsbeiwert, der für stromlinienförmige Körper klein, für fallschirmartige groß ist.

Widerstandsmethoden: Geophysik - geoelektrisches Messverfahren zur Ermittlung des spezifischen elektrischen Bodenwiderstandes, bei denen ein Gleich- oder niederfrequenter Wechselstrom in den Untergrund eingespeist und der an der Erdoberfläche entstehende Spannungsabfall bestimmt wird.

Widerstandsrecht: Recht des Volkes und jedes Bürgers zum Widerstand gegen demokratiefeindliche Machenschaften beziehungsweise volksfeindlich ausgeübte Staatsgewalt. Der Grundsatz des Widerstandsrechts wurde im Kampf der Volksmassen gegen Feudalismus, Absolutismus und Militarismus von progressiven Kräften aufgestellt. Das Widerstandsrecht steht in Übereinstimmung mit dem in der Charta der UN verbürgten Selbstbestimmungsrecht des Volkes, es findet dort seine völkerrechtliche Legitimität und rechtfertigt den außerparlamentarischen und Volkskampf gegen Terror und Willkürmaßnahmen der herrschenden imperialistische Kräfte, die die Menschen- und Bürgerrechte und andere demokratische Grundsätze der Verfassungen sowie die Beschlüsse der gewählten Parlamente verletzen.

Widerstandswerkstoffe: metallische Werkstoffe in der Elektrotechnik für technische Widerstände. Der spezifische Widerstand zwischen 0,2 bis 1,5 fl mm2/m wird durch geeignete Legierungszusätze zu reinen Metallen erreicht, wodurch außerdem die thermischen und mechanischen Eigenschaften optimiert werden. Widerstandswerkstoffe sollen möglichst geringe Temperaturabhängigkeit, hohe Schmelztemperaturen, Korrosionsbeständigkeit, gute mechanische Eigenschaften und gute Lot- beziehungsweise Schweißbarkeit aufweisen. Unterschieden werden Widerstandswerkstoffe für Heiz- (Heizleiterwerkstoffe), Stell- sowie Mess- und Normalwiderstände. Widerstandswerkstoffe für Drähte sind zum Beispiel Legierungen aus Nickel, Kupfer und Mangan (Rheotan), Eisen, Chrom, Aluminium und Kobalt, für Schichtwiderstände Kohle, Nickel und Chrom sowie Platin und Gold.

Widewdat, Videvdat: letzter Teil des Awesta, der das priesterliche Gesetzbuch und die religiösen Reinheitsvorschriften des Zoroastrismus enthält.

Widin: Bezirksstadt im Nordwesten Bulgariens, an der Donau, gegenüber der rumänischen Stadt Calafat; 61000 Einwohner; Chemiekombinat, Maschinenbau-, Konfektions-, keramische Industrie, Weinkeltereien; Flusshafen, Eisenbahnfähre nach Calafat, Flughafen; Theater, Museum; mittelalterliche Festung Baba Wida in der Umgebung Weinbau.

Widukind, gestorben zwischen 804 und 812, sächsischer Adliger (Edeling) aus Westfalen; leitete seit 777 den Widerstand der sächsischen Frilinge und Liten gegen die fränkische Eroberer; kapitulierte 785 vor Karl dem Großen und ließ sich taufen.

Widukind von Corvey, um 925-nach 973, Mönch im Benediktinerkloster Corvey an der Weser; schrieb nach 955 «Drei Bücher sächsischer Geschichten», die bis 973 reichten.

Wiechert: 1. Ernst, 18.5.1887-24.8.1950, Schriftsteller; 1938 als Gegner des Faschismus 2 Monate im KZ Buchenwald inhaftiert («Der Totenwald», 1945). Wiechert, der sich immer mehr aus der gesellschaftlichen Wirklichkeit auf eine Position der «Innerlichkeit» zurückzog, bezeugt in Romanen («Die Magd des Jürgen Doskocil», 1932; «Die Jerominikinder», 2 Bände, 1945/47) und Erzählungen («Die Majorin», 1934) christlich-humanistische Gesinnung.

2. Johann Emil, 26.12.1861-19.3.1928, Geophysiker, errichtete 1902 in Göttingen die erste seismologische Station in Mitteleuropa; grundlegende Arbeiten über die Instrumentelle Seismologie, die Physik der Erdbeben und die Erforschung des Schalenaufbaus des Erdkörpers.

Wiedehopf, (mittelhochdeutsch witehopfe, eigentlich «Weidehüpfer») Upupa epops: 28 cm langer bunter Rackenvogel mit aufrichtbarem Federschopf und langem, leicht gebogenem Schnabel; Höhlenbrüter, Hauptnahrung sind Maulwurfsgrillen; in Eurasien und Afrika verbreitet.

Wiedemann-Franzsches Gesetz: (nach 2 Physikern) Gesetz (1853 aufgestellt, 1872 erweitert), nach dem für alle reinen Metalle der Quotient aus Wärmeleitfähigkeit und elektrische Leitfähigkeit nahezu konstant und proportional zur absoluten Temperatur ist; für tiefe Temperaturen nicht gültig.

Wiederaufnahme des Verfahrens: ausnahmsweise auf Antrag eines Beteiligten befristet zulässige Fortsetzung eines durch rechtskräftige Entscheidung abgeschlossenen gerichtlichen Verfahrens wegen schwerwiegender Verletzung elementarer Verfahrensvorschriften oder weil nachträglich Tatsachen oder Beweismittel bekannt werden, die eine andere Entscheidung begründen können.

Wiederbeschaffungspreis, Wiederherstellungspreis: Bewertungsform der Grundmittel auf Grundlage der am Stichtag für gleichartige oder vergleichbare Grundmittel geltenden Preise. Der Wiederbeschaffungspreis berücksichtigt die sich verändernden Reproduktionsbedingungen zur Berichtigung der Grundmittelwerte.

Wiedereingliederung: die Gesamtheit der staatlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten und Maßnahmen zur festen Einbeziehung aus dem Strafvollzug entlassener Bürger in den gesellschaftlichen Arbeits- und Lebensprozess, um zu verhindern, dass diese Bürger erneut straffällig werden; verantwortlich sind insbesondere die Leiter der staatlichen Organe, der Betriebe und die Leitungen der gesellschaftlichen Organisationen.

Wiederholteil, Wiederholelement: Bauelement, das auf Grund seiner Beschaffenheit wiederholt, das heißt für mehrere verschiedene komplexe Erzeugnisse oder deren Baugruppen verwendet werden kann. Wiederholteile erhöhen den Seriencharakter der Produktion; sie sind oft eine Vorstufe zu Standardteilen.

Wiederkäuer, Ruminantia: weltweit verbreitete Unterordnung der Paarhufer mit Wiederkäuermagen, die große Nahrungsmengen (Pflanzen) zu sich nehmen und unter Beteiligung von Bakterienfermenten (Cellulase) aufbereiten, den Nahrungsbrei teils mehrmals wieder in die Maulhöhle bringen und in Ruhelage erneut kauen; obere Schneide- und Eckzähne fehlen meist. Hierzu gehören Rinder, Hirsche, Giraffen unter anderem

Wiederkäuermagen: in 5 Abschnitte gegliederter Magen der Wiederkäuer. Die Nahrung gelangt über den Schleudermagen in den Pansen (Rumen) und den Netzmagen (Haube, Retikulum), wird dort erweicht und wird wieder in die Mundhöhle befördert; nach dem Wiederkäuen erreicht sie den Blättermagen (Buch-, Mittelmagen, Psalter, Omasus) und schließlich den Labmagen (Abomasus, Käsemagen), wo die eigentliche Verdauung stattfindet.

Wiederurbarmachung: Maßnahmen zur Herrichtung industriell benutzter Bodenflächen für die Folgenutzung, zum Beispiel Aufbau einer kulturfähigen Bodenschicht; ist Voraussetzung für die Rekultivierung.

Wied-Neuwied, Maximilian, Prinz zu, 23.9.1782-3.2.1867, Amerikareisender; unternahm naturwissenschaftliche und ethnographische Forschungsexpeditionen nach Brasilien (1815/17; Beschreibung der Aimore) und zum oberen Missouri (1832/34; detaillierte Beschreibung der Mandan).

Wiegendruck, Inkunabel: vor 1500 entstandenes Druckerzeugnis (etwa 40000 Titel).

Wieland, kunstreicher Schmied der altgermanischen Sage; Gestalt zahlreicher Dichtungen.

Wieland, Christoph Martin, 5.9.1733-20.1.1813, Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber und Essayist; bedeutendster Prosadichter und Verserzähler der deutschen Aufklärung; neben F. G. Klopstock und G. E. Lessing Wegbereiter der deutschen Klassik; gab 1773/1810 die führende Aufklärungs-Zeitschrift «Der Teutsche Merkur» heraus. Wielands umfangreiches und vielseitiges Werk verfolgt bürgerliche Bildungs- und Aufklärungsbestrebungen und verbindet rokokohafte Grazie mit Kritik am Feudalabsolutismus: «Geschichte des Agathon» (2 Bände, 1766/67), erster deutscher Bildungs- und Erziehungsroman; humanistische Ideale proklamiert der Gesellschaftsroman «Der goldene Spiegel oder Die Könige von Scheschian» (4 Bände, 1772); Kritik am deutschen Spießbürgertum übt der satirische Roman «Die Geschichte der Abderiten» (2 Bände, 1774); meisterhafte Verserzählungen («Musarion», 1768) und -märchen («Oberon», 1780) sowie Übersetzungen (22 Dramen Wieland Shakespeares, sämtliche Werke Lukians, Horaz Episteln und Satiren).

Wieliczka: Stadt in Polen (Wojewodschaft Krakow), im Karpatenvorland; 18000 Einwohner; Salzbergbau (seit dem 11. Jahrhundert) und -Siederei, elektrotechnische Industrie; in 63 bis 135 m Tiefe eines Salzbergwerkes Bergbaumuseum, unterirdisches Sanatorium, Grotten, Seen und in Salz gehauene Kapellen.

Wielkopolska, Großpolen: historisches Gebiet Polens, am Einzugsgebiet der mittleren Warta und ihrer Nebenflüsse gelegen; hier entstand das Zentrum des polnischen Staates, wichtigste Städte Poznan, Gniezno, Kalisz; kam nach den Teilungen Polens 1793 zum Königreich Preußen; 1807/15 zum Großherzogtum Warschau; 1815/1919 zum preußischen Großherzogtum Posen; seit 1919 wieder zu Polen.

Wieman, Mathias, 23.6.1902-3.12.1969, Schauspieler; seit 1924 an verschiedenen Berliner Bühnen, seit 1950 in der BRD und Schweiz; wurde besonders als Filmdarsteller bekannt («Träumerei», «Wenn alle Menschen der Welt»).

Wien: österreichische Bundeshauptstadt und Bundesland; an der Donau, im Westen eines Senkungsfeldes am Ostrand der Alpen (W.er Becken) und am Ostfuß des Wienerwaldes; 415 km2, 1,512 Millionen Einwohner; 3643 Einwohner/km2; gegliedert in 23 Bezirke; Wirtschafts-, Wissenschafts-, Kultur- und Verwaltungszentrum; Industrieballung (etwa ein Drittel der österreichischen Industrieproduktion): Maschinen- und Fahrzeugbau, elektrotechnische, chemische, Metallwaren-, graphische, Konfektions-, Modewaren-, Möbel- und Papierindustrie, Kunstgewerbe; Erdölraffinerie; Industriegebiete besonders in den Bezirken Floridsdorf und Donaustadt; mehrere Donauhäfen (Donaulände, Lobau, Freudenau, Albern); Verkehrsknoten, Flughafen Schwechat, U-Bahn; Messe; Universität, Hochschulen, Kunstakademie; Museen, Bibliotheken; Theater (Burgtheater, Staatsoper); Wien Symphoniker, Wien Philharmoniker, Wien Sängerknaben; Naturpark Prater, Zoo. Zahlreiche bedeutende historische Bauten: gotischer Stephansdom (begonnen 13. Jahrhundert), Augustiner- (1330/39) und Minoritenkirche (begonnen 1339), Hofburgkapelle (1447/49), Altes Rathaus (mehrere mittelalterliche Häuser mit Fassade von 1700/06), Hofburg (umfangreicher Baukomplex; 16./19. Jahrhundert); Barockbauten von J. B. und J. E. Fischer von Erlach: Karl-Borromäus-Kirche, Hof- (seit 1918 National-) Bibliothek und Spanische Reitschule, Stadtpalais des Prinzen Eugen (unter anderem von J. L. von Hildebrandt; heute Finanzministerium), Schloss Schönbrunn (Erweiterungen im Rokoko); Bauten von Hildebrandt: Unteres und Oberes Belvedere, Palais Daun-Kinsky und Schönborn; weitere bedeutende Bauwerke: ehemaliges Hofstallgebäude (Messepalast), ehemalige Aula der Alten Universität (1753), Parlament (1873/83), Burgtheater (1874/88, nach Plänen von G. Semper), Gebäude der Wiener Sezession (1897/98, von J. M. Olbrich). Südlich von Wien bei Mödling neue Satellitenstadt; vielbesuchte Ausflugsziele in der Umgebung: Nussdorf, Grinzing (Weinorte); Kahlenberg (485 m), Leopoldsberg (423 m); Klosterneuburg, Wienerwald, Laxenburg, Gumpoldskirchen, Baden. Kelt. Siedlung, römisches Lager (Vindobona); seit 1221 Stadt; 1365 Gründung der Universität; unter den Babenbergern (bis 1246) und den Habsburgern (seit 1282) Wirtschaft), und kultureller Aufschwung (Hauptstadt und Residenz); 1529 und 1683 von den Türken belagert. 1814/15 tagte der Wiener Kongress. 1848 Zentrum der Revolution, die Ende Oktober 1848 von kaiserlichen Truppen niedergeschlagen wurde. 1922 selbständiges Bundesland der Republik Österreich. Im 2. Weltkrieg durch anglo-amerikanischen Luftangriffe und durch hartnäckige Kämpfe bei der Verteidigung (3./13.4.1945) der zur Festung erklärten Stadt stark zerstört. Im April 1945 durch sowjetische Truppen von der faschistischen Herrschaft befreit; 1945/55 unter gemeinsamer Verwaltung der 4 Großmächte (UdSSR, USA, Großbritannien und Frankreich). Wien ist Sitz zahlreicher internationaler Organisationen (unter anderem EURATOM, OPEC) und Ort zahlreicher internationaler Verhandlungen, unter anderem seit 1973 der Gespräche über Begrenzung der Rüstungen und Streitkräfte in Mitteleuropa. 1979 Einweihung des UN-Zentrums.

Wien, Wilhelm, 13.1.1864-30.8.1928, Physiker; fand 1893 das Wiensche Verschiebungsgesetz und 1896 das Wiensche Strahlungsgesetz, wies 1897 die negative Ladung der Kathodenstrahlen und die positive der Kanalstrahlen nach.

Wien-Brücke: (nach Wien-Brücke Wien) Wechselstrombrücke (Brückenschaltung) zur Messung der Kapazität und des Verlustwinkels von Kondensatoren. In induktivitätslosen Oszillatoren zur Erzeugung von Wechselspannungen von weniger als 1 Hz bis zu mehr als 1 MHz wird die Wien-Brücke als Rückkopplungsvierpol verwendet (Wien-Brücke - oder RC-Oszillator).

Wiener, Norbert, 26.11.1894-18.3.1964, US-amerikanischer Mathematiker; einer der Begründer der Kybernetik; gab dieser Wissenschaft ihren Namen; maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Informationstheorie und der EDV. Hauptwerke: «Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine» (1948, deutsch), «Mensch und Menschmaschine» (1950, deutsch).

Wiener Kaninchen: mittelgroße, um 1900 nacheinander entstandene, international weitverbreitete Kaninchenrassen in den Farben Blau, Schwarz, Weiß und Grau. Das Blaue Wiener Kaninchen wird 4,25 bis 5,25 kg, das Weiße Wiener Kaninchen 4 bis 5 kg schwer, letzteres hat hellblaue Augen.

Wiener Klassik: Bezeichnung für die Blütezeit der europäischen klassischen Musik Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert, die geographisch wesentlich in Wien konzentriert war und vor allem durch J. Haydn, Wiener Klassik A Mozart und L. van Beethoven repräsentiert wird.

Wiener Kongress: Versammlung europäischen Fürsten und Staatsmänner 1814/15 unter Vorsitz des österreichischen Außenministers K. von Metternich; vereinbarte eine territoriale Neugestaltung Europas nach den Befreiungskriegen. Deutschland blieb zersplittert (Deutscher Bund). Der Wiener Kongress leitete eine spätfeudale Restaurationspolitik ein, die die Fortführung der bürgerlichen Umwälzung hemmte.

Wiener Neustadt: Industriestadt im Bundesland Niederösterreich, südlich von Wien; 41000 Einwohner; Waggon-, Maschinenbau, Papier-, Textil-, Konfektions-, chemische Industrie; Bahnknoten; Burg mit gotische St. Georgskirche, spätromanischer Dom.

Wiener Schiedssprüche: Bezeichnung für die am 2.11.1938 und am 30.8.1940 in Wien Unterzeichneten Beschlüsse der faschistischen deutschen und italienischen Regierung zur Übergabe der von einer ungarischen nationalen Minderheit bewohnten Gebiete der südlichen Slowakei und Transkarpatien sowie des zu Rumänien gehörenden Nord Transilvania an Ungarn; nach dem 2. Weltkrieg für ungültig erklärt.

Wiener Staatsoper: weltberühmte Musikbühne, 1869 als Wiener Hofoper mit Wiener Staatsoper Mozarts «Don Giovanni» eingeweiht; 1918 in Wiener Staatsoper umbenannt; Gebäude 1945 im Kriege zerstört, 1955 Eröffnung des neuerrichteten Hauses; pflegt eine traditionsbewusste Repertoiregestaltung (W. A. Mozart, R. Wagner, G. Verdi, R. Strauss) und erlebte Glanzperioden unter Dirigenten wie H. Richter, G. Mahler, R. Strauss, C. Krauss, K. Böhm, H. von Karajan.

Wieniawski, Henryk, 10.7.1835 bis 12.4.1880, polnischer Violinvirtuose und -komponist; schrieb virtuose Konzerte, Etüden, «Legende», Mazurkas, Polonaisen unter anderem für sein Instrument.

Wiens, Paul, 17.8.1922-6.4.1982, Schriftsteller; unter dem Faschismus verfolgt, 1939/42 in der Schweiz; 1943/45 in Wien inhaftiert; lebte seit 1947 in Berlin. Wiens gestaltete in seinen Gedichten die sozialistische Veränderung in der Welt («Beredte Welt», 1952; «Nachrichten aus der dritten Welt», 1957; «Dienstgeheimnis», 1968); ferner Filmszenarien («Genesung», 1956; «Das Lied der Matrosen», 1959), Kinderbücher, Novellen, Nachdichtungen.

Wies: Wallfahrtskirche bei der oberbayerischen Gemeinde Steingaden; 1745/54 erbaut von D. Zimmermann; in der architektonischen Einheitlichkeit des Zentralraumes, der Ausstattung des Innenraumes und der harmonischen Einfügung in die Landschaft ein Hauptwerk des süddeutschen Rokokos.

Wiesel, Mustela: Gattung schlanker, geschmeidiger und flinker Marder, die sich vorwiegend von Nagetieren ernähren. Das bis 24 cm lange, braune Mauswiesel (M. nivalis) Eurasiens hat in nördlichen Gebieten und im Hochgebirge im Winter ein weißes Fell; siehe auch Hermelin.

Wiesenbad, Thermalbad Wiesenbad: Gemeinde im Kreis Annaberg, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im mittleren Erzgebirge, an der Zschopau; 1060 Einwohner; Kurort (435 m über dem Meeresspiegel), Mineralquellen (22 bis 28,4°C), Sanatorium; Flachsspinnerei.

Wiesenotter, Vipera ursinii: bis 50 cm lange Otter Südeuropas bis Mittelasiens; frisst auch größere Insekten; wenig giftig.

Wiese und Kaiserswaldau, Leopold von, 2.12.1876-11.1.1969, Soziologe; verbleibt, indem er soziale Gegebenheiten formalistisch aus «molekularen» zwischenmenschlichen Beziehungen ableitet, in äußert. Beschreibung, die die wesentlichen materiellen und klassenmäßigen Zusammenhänge verfehlt.

Wight, Isle of: Insel und englische Grafschaft (Großbritannien), im Kanal; 381 km2, 120000 Einwohner; 315 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Newport; bis 240 m hohe Kreidehügel, Steilküste im Süden; mildes Klima; Anbau von Gemüse und Obst; Rinder- und Schafzucht; Schiff- und Flugzeugbau, Textilindustrie; Haupthafen Cowes Seebäder, Nationales Segelzentrum; frühgeschichtliche Funde, Reste römischer Bauten.

Wigman, Mary, 13.11.1886-18.9.1973, Tänzerin, Choreographin und Pädagogin; Hauptvertreterin des Ausdruckstanzes; gründete 1920 in Dresden eine eigene Schule, die von den Faschisten geschlossen wurde, mit Zweigstellen im In- und Ausland; leitete 1949/73 ihre Schule in Westberlin.

Wigner, Eugen Paul, geboren 17.11.1902, US-amerikanischer Physiker ungarischer Herkunft; maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Atombombe und am Bau des ersten Kernreaktors; wesentliche Beiträge zur Quantenmechanik und Reaktorphysik.

Wigwam: (englisch - indianisch) im engeren Sinne konische Kuppelhütte der Algonkin; im weiteren Sinne europäischen Bezeichnung für Indianerhütte oder -zeit.

Wikingerkunst: die skandinavische Kultur um 800/1100, die die germanische und frühchristlich-frühmittelalterliche Kunst fortsetzt und um irische, karolingische und orientalische Elemente bereichert. Die Ornamentik bleibt führend und bildet in Anknüpfung an den germanischen Tierstil verschiedene jüngere Tierstile aus (älterer Oseberg Stil, jüngerer Oseberg- oder Greiftierstil, älterer und jüngerer Jelling-Stil), die im Gegensatz zur älteren Tierornamentik naturhafter und mehr auf plastische Wirkung gerichtet sind. Zu den Hauptleistungen gehören in der Holzbaukunst Stabkirchen, ferner Schnitzerei (Osebergschiff), Bildsteine mit Flachreliefs und Goldschmiedekunst (Schatz von Hiddensee).

Wilcken, Ulrich, 18.12.1862-10.12.1944, Althistoriker und Papyrologe; 1889 Professor in Breslau (Wroclaw), seit 1917 in Berlin; verfasste unter anderem «Grundzüge und Chrestomathie der Papyruskunde» (2 Bände, 1912) und «Griechische Geschichte im Rahmen der Altertumsgeschichte» (1924).

Wild: alle jagdbaren Säugetiere (Haarwild) und Vögel (Federwild).

Wildacker: zur Hege des Wildes angelegtes Feld, das mit vom Wild bevorzugten Pflanzen, zum Beispiel Mais, Kartoffeln, Markstammkohl, bestellt wird.

Wildbach: gefällsstarker Gebirgsbach mit sich rasch verändernder Wasserführung und meist hoher Geröllfracht. Durch Wildbachverbauung (besonders Stufen und Dämme) wird die Geröllsedimentation gesteuert und die Erosionskraft vermindert.

Wilde, Oscar Fingal O’Flaherty Wills, 16.10.1854-30.11.1900, irischer Schriftsteller; Vertreter des L’art-pour-l’art, besonders in dem Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» (1891, deutsch); schrieb Salonkomödien («Lady Windermeres Fächer», 1892; «Bunbury», 1895; «Der Mustergatte», 1895; alle deutsch) sowie die Tragödie «Salome» (1893, deutsch). In Märchen («Der glückliche Prinz», 1888, deutsch) übte er zum Teil scharfe Gesellschaftskritik; ferner Erzählungen («Das Gespenst von Canterville», 1887, deutsch) und Gedichte.

Wilde Jagd, Wütendes Heer: im Volksglauben vom Wilden Jäger (Helljäger, Pan Dietrich) angeführter nächtlicher Gespensterschwarm.

Wildenbruch, Ernst von, 3.2.1845-15.1.1909, Schriftsteller; mit chauvinistischen «Heldenliedern» und pathetisch-monumentalen Dramen Repräsentant der offiziösen Kultur des imperialistischen Kaiserreichs.

Wilder: 1. Billy, geboren 22.6.1906, US-amerikanischer Filmregisseur und -Produzent; schuf gesellschaftskritische Kriminalfilme und Komödien, wie «Das verlorene Wochenende», «Reporter des Satans», «Zeugin der Anklage», «Fedora».

2. Thornton Niven, 17.4.1897-7.12.1975, US-amerikanischer Schriftsteller; gestaltete aus christlicher Sicht allgemeinmenschliche Konflikte (Roman «Die Brücke von San Luis Rey», 1927, deutsch); schilderte das Leben in der amerikanischen Kleinstadt (Drama «Unsere kleine Stadt», 1938, deutsch); im anspruchsvollen Spätwerk (Roman «Der achte Schöpfungstag», 1967, deutsch) zeigen sich sozialkritische Ansätze. Seine Komödie «Die Heiratsvermittlerin» (1954, deutsch) bildete die Grundlage für das Musical «Hello, Dolly» (1963).

wilde Seide: Raupenseide von wildlebenden Seidenspinnern.

wildes Fleisch: ursprüngliche Bezeichnung für überschüssiges Granulationsgewebe in heilenden Hautwunden.

Wildgans, Anton, 17.4.1881-3.5.1932, österreichischer Lyriker und Dramatiker; 1921/23 und 1930/31 Direktor des Wiener Burgtheaters; verfasste formvollendete, leicht expressionistisch getönte Lyrik und gemäßigt naturalistische Dramen («Armut», 1914; «Dies irae», 1918).

Wildleder: chromgegerbtes Leder von Wildfellen (Ren, Hirsch, Reh, Gemse unter anderem), aber auch anderer tierischer Herkunft, mit geschliffener Oberfläche.

Wildpark: Anlage zur Schaustellung von Wildtieren unter Nutzung natürlicher Park- beziehungsweise Waldbereiche; gestattet die Beobachtung der Tiere in natürlicher Umgebung und dient vor allem auch der Nachzucht gefährdeter Tierarten (zum Beispiel Wisente, Bisons).

Wildpflanzen: sich natürlich verbreitende, nicht angebaute Pflanzen. Siehe auch Kulturpflanzen.

Wildschaden: Recht Schaden, der durch Wild an Kulturen auf landwirtschaftlich beziehungsweise gärtnerisch genutzten Flächen verursacht beziehungsweise Bürgern zugefügt wird.

Wildtyp: Genetik Bezeichnung für einen Organismus, der die Normalform repräsentiert. Siehe auch Mutante.

Wild- und Rinderseuche: durch Bakterien (Pasteurella multocida) hervorgerufene fieberhafte, oft tödl. Erkrankung von Rind, Dromedar, Hirsch, Damwild, Elefant u. a. Große Bedeutung noch in subtropischen und tropischen Ländern.

Wildursprungsschein: Jagdwesen Beleg über jedes erlegte Wild, mit Angaben über Datum, Ort, Erleger, Wildart, Gewicht.

Wildverwertung: das weidgerechte Versorgen des Wildes nach der Erlegung. In der DDR ist erlegtes Wild an den zuständigen staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb abzuliefern. Die Jagdgesellschaften erhalten einen Anteil am Erlös; Jagdtrophäen und Geräusch gehören dem Jäger; für Raubwild werden Prämien gezahlt.

Wildwasserrennen: auf sehr stark fließenden, mit natürlichen Hindernissen ausgestatteten Gebirgsflüssen und -bächen bestimmter Mindestschwierigkeitsstufe ausgetragene Kanugeschwindigkeitswettbewerbe im KI, CI, CII (für Männer), KI (für Frauen) und CII (Mix) jeweils als Einzel- und Mannschaftswettkampf. Die Strecke ist mindestens 3 km, international 4 bis 10 km lang. Weltmeisterschaften seit 1959. Siehe auch Kanuslalom.

Wilhelm, Paul, 29.3.1886-23.10.1965, Maler und Graphiker; 1906/12 Studium an der Kunstakademie Dresden, Meisterschüler bei G. Kuehl; 1946 Professor an der Hochschule für Bildende Künste Dresden; schuf besonders Landschaftsdarstellungen und Blumenstillleben, die ihn in ihrem farbigen Reichtum als Bewahrer Impressionistischer Dresdner Malkultur ausweisen.

Wilhelm, Fürsten. Könige von Preußen und deutsche Kaiser: 1. Wilhelm, 22.3.1797-9.3.1888, König seit 1861 und Kaiser seit 1871; Vollstrecker der Konterrevolution in Baden 1849; berief 18620. von Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten und ordnete sich in der Folgezeit dessen Politik unter.

2. Wilhelm II., 27.1.1859-4.6.1941, König und Kaiser seit 1888; Enkel von Wilhelm 1; repräsentierte die reaktionärsten Kräfte des aggressiven junkerlisch-bourgeoisen Imperialismus; 1918 durch die Novemberrevolution gestürzt, floh nach den Niederlanden.

England William: 3. Wilhelm, genannt Wilhelm der Eroberer, um 1027-9.9.1087, Herzog der Normandie seit 1035; eroberte 1066 den Angelsachsenstaat und errichtete ein zentralisiertes Feudalsystem in England. 4. Wilhelm III., Wilhelm von Oranien, 4.11.1650 8.3.1702, Prinz von Oranien, Erbstatthalter der Niederlande seit 1672, 1689 vom englischen Parlament nach Vertreibung seines Schwiegervaters Jakob (Glorreiche Revolution) zum König erklärt; beschwor die Declaration of Rights und wurde erster bürgerlich-konstitutioneller Monarch. Niederlande: 5. Wilhelm, 25.4.1533-10.7.1584 (ermordet), Prinz von Oranien, Graf von Nassau, politischer und militärischer Führer der Niederländer im Kampf um nationale Unabhängigkeit von Spanien; 1581 Statthalter der in der Utrechter Union vereinigten nördlichen Provinzen.

Wilhelmshaven: kreisfreie Stadt in Niedersachsen, an der Mündung des Ems-Jade-Kanals in den Jadebusen (Nordsee); 99000 Einwohner; Schiff- und Maschinenbau, feinmechanische, chemische, Textilindustrie, Erdölverarbeitung, Aluminiumhütte; Fischerei; bedeutender Nordseehafen (Erdöleinfuhr, Tanklager, Leitungen nach Wesseling, Hamburg); Militärhafen; Hoch- und Fachschule, Meeresforschungsinstitute; Landesbühne, Küstenmuseum; Seebad.

Wilhelm von Ockham, Wilhelm von Occam, um 1285-10.4.1350, englischer Philosoph; trennte streng Theologie und Philosophie; diese befasst sich mit dem Sein der Einzeldinge, für deren Begriffe die Logik zuständig ist; war in der Erkenntnistheorie Nominalist (Universalienstreit) auf subjektiv-idealistische Grundlage. Wilhelm von Ockham trat gegen die römische Kurie und das Papsttum auf.

Wilkesland: von Inlandeis bedecktes ausgedehntes Gebiet in Ostantarktika, etwa zwischen 105° und 135° östliche Länge; vereinzelt Küstenfelsen.

Wilkomirska, Wanda, geboren 11.1.1929, polnische Violinistin; bildete mit ihren Geschwistern Maria (geboren 1904) und Kazimierz (geboren 1901) zeitweise ein auch im Ausland erfolgreiches Trio.

Willaert, Adrian, um 1480/90-7.12.1562, frankoflämischer Komponist; seit 1527 Kapellmeister an San Marco in Venedig; Lehrer von A. Gabrieli; gilt als Begründer der Venezianischen Schule. Willaert komponierte kunstvolle polyphone, mehrchörige Werke (vor allem Motetten) sowie volkstümliche Kanzonen.

Wille: in der Psychologie (veraltete) Bezeichnung für zu unterscheidende Funktionen des psychischen Regulationssystems motivierten, zielgerichteten Verhaltens des Menschen. Sie bestehen in Zielbildung, bewusster Entscheidung zwischen Handlungsalternativen und Organisation des Gesamtverhaltens zur Erreichung des Zieles; im Mittelpunkt steht die Entscheidungsfunktion. Die ältere bürgerliche idealistische Psychologie betrachtete den Willen als autonome Instanz mit metaphysischen «Willensfreiheit».

Willems, Jan Frans, 11.3.1793-24.6.1846, belgischer Philologe; trat für die Rechte der niederländischen (flämische) Muttersprache gegenüber dem Französischen ein, wird als «Vater der Flämische Bewegung» bezeichnet; schrieb Abhandlungen über Sprache, Geschichte und Literatur und gab mittelniederländische Texte («Reinaert», 1834) heraus.

Willemstad: Stadt, Verwaltungszentrum der Niederländischen Antillen, an der Südwestküste der Insel Curaçao; 70000 Einwohner; Erdölverarbeitung, chemische Industrie; Fremdenverkehr; Freihafen, Marinehafen, internationaler Flughafen.

Willenserklärung: Äußerung, die auf das Erreichen einer bestimmten Rechtsfolge gerichtet ist; wesentliches Element jedes Rechtsgeschäfts. Eine Willenserklärung kann auch durch schlüssiges Verhalten, ferner durch Vertreter abgegeben werden.

Willensfreiheit: Fähigkeit des Menschen, in Verfolgung eigener Ziele zwischen unterschiedlicher Entscheidungs- und Verhaltensvarianten zu wählen. Absolute Willensfreiheit, die an keinerlei natürliche, gesellschaftliche und individuelle Bedingungen gebunden wäre, ist unmöglich; relative Willensfreiheit und ihr Gebrauch kennzeichnen die Individualität und das soziale Wesen des Menschen. Siehe auch Freiheit.

Williams: 1. Tennessee (Thomas Lanier), 26.3.1911-25.2.1983, US-amerikanischer Dramatiker; gilt mit seinen psychologisch tieflotenden, zum Teil sozialkritischen Stücken als einer der bedeutendsten Dramatiker der USA («Die Glasmenagerie», 1944; «Endstation Sehnsucht», 1947; «Süßer Vogel Jugend», 1959; alle deutsch).

2. William Carlos, 17.9.1883-4.3.1963, US-amerikanischer Dichter; verlieh der amerikanischen Dichtung mit eigenwilligen, umgangssprachlich gefassten volksnahen Gedichten entscheidende Impulse («Paterson», 1946/51, deutsch).

Willich, August, 19.11.1810-22.1.1878, preußischer Offizier; Mitglied des Bundes der Kommunisten; in der Reichsverfassungskampagne 1849 Organisator und Führer eines Freikorps; 1850 wegen Sektierertums aus dem Bund der Kommunisten ausgeschlossen; nahm als General der Nordstaaten am nordamerikanischen Sezessionskrieg 1861/65 teil.

Willis, John, 1575-1625, englischer Pfarrer; wurde als Schöpfer der ersten Buchstabenkurzschrift zum Begründer der modernen Stenografie.

Willkomm, Ernst Adolph, 10.2.1810-24.5.1886, Schriftsteller; war zunächst Nachzügler des Jungen Deutschland (Roman «Die Europamüden», 1838); unter dem Eindruck des Vormärz wandte er sich der sozial engagierten Schilderung des Alltags der Bauern, Tagelöhner und Proletarier seiner Oberlausitzer Heimat zu («Eisen, Gold und Geist», 1843; «Weiße Sklaven», 1845); nach 1848/49 unter nationalliberalem Einfluss.

Willmann, Michael Lukas Leopold, 27.9.1630-26.8.1706, Maler und Graphiker; tätig vor allem in Leubus; schuf visionäre Altarbilder und monumentale religiöse Zyklen sowie Landschaften im Stil des Hoch- und Spätbarock.

Willstätter, Richard, 13.8.1872-3.8.1942, Chemiker; arbeitete über Assimilation, Blütenfarbstoffe und Enzyme, wies die chemische Verwandtschaft zwischen Chlorophyll und Blutfarbstoff nach.

Willy-Willy: regionaler tropischer Wirbelsturm vor West- und Nordwestaustralien.

Wilm, Alfred, 25.6.1869-6.8.1937, Hütteningenieur; erfand 1906/07 die älteste aushärtbare Aluminiumlegierung (Duralumin).

Wilmanns, Wilhelm, 14.3.1842-29.1.1911, Germanist; seit 1877 Professor in Bonn, gab neben seinem unvollendet gebliebenen Hauptwerk («Deutsche Grammatik», 3 Bände, 1893/1909; eine entwicklungsgeschichtliche Darstellung) ältere deutsche Dichtung heraus (Walther von der Vogelweide, 1882).

Wilmington 10: US-amerikanischer Bürgerrechtskämpfer (unter ihnen B. Chavis), 1971 in Wilmington (N. C.) an einer Aktion gegen Rassendiskriminierung in Schulen beteiligt; 1972 unter falscher Anklage zu insgesamt 282 Jahren Haft verurteilt; weltweite Proteste erzwangen 1980 die Aufhebung des Urteils.

Wilson: 1. Angus Wilson, geboren 11.8.1913, englischer Schriftsteller, schrieb in kritisch-realistischen Tradition satirisch-humoristische Romane und Erzählungen über das mittlere Bürgertum («Späte Entdeckungen», 1956; «Meg Eliot», 1958; «Kein Grund zum Lachen», 1967, alle deutsch); phantastisch-allegorische Elemente weist der Roman «Die alten Männer im Zoo» (1961, deutsch) auf; setzte sich mit Homosexualität auseinander («Hemlock und danach», 1952).

2. Charles Thomson Rees Wilson, 14.2.1869-15.11.1959, britischer Physiker, entwickelte die Nebelkammer (1911), mit der er 1923 das beim Compton-Effekt entstehende Rückstoßelektron nachwies.

3. Sir James Harold Wilson, geboren 11.3.1916, britischer Politiker; 1963/76 Führer der Labour Party; 1964/70 und 1974/76 Premierminister; betrieb eine reformistische Innen- und Außenpolitik und forcierte den Prozess der staatsmonopolistische Konzentration.

4. John Tuzo Wilson, geboren 24.10.1908, kanadischer Geologe und Geophysiker; Forschungen zur marinen Geotektonik; kennzeichnete 1965 die transformen Störungen mittelozeanische Rücken, formulierte Gesetze zur Plattentektonik (siehe auch Wilson Zyklus).

5. Kenneth G. Wilson, geboren 8.6.1936, US-amerikanischer Physiker; entwickelte eine Theorie der kritischen Phänomene bei Phasenumwandlungen.

6. Robert Woodrow Wilson, geboren 10.1.1936, US-amerikanischer Radioastronom; entdeckte 1965 gemeinsam mit A. A. Penzias die Drei-Kelvin-Strahlung.

7. Thomas Woodrow Wilson, 28.12.1856-3.2.1924, US-amerikanischer Staatsmann (demokratische Partei); Präsident 1913/21; führte die USA 1917 in den 1. Weltkrieg; seine Außenpolitik war nach der Oktoberrevolution gekennzeichnet durch Antisowjetismus und Friedensdemagogie (Vierzehn-Punkte-Programm).

Wilsonsche Krankheit: angeborene, auf einem Enzymdefekt beruhende, langsam fortschreitende Stoffwechselerkrankung mit Kupfertransportstörung und folgenschwerer Kupferspeicherung in Leber, Gehirn, Nieren und Augen. benannt nach dem britischen Neurologen Samuel A. K Wilson (1878-1936).

Wilson Zyklus: von J. T. Wilson nach mobilistische Prinzipien aufgestelltes Entwicklungsmodell der Ozeane, die in einem kontinentalen Bruchsystem (Dreispaltenstruktur) entstehen, im Laufe eines durch Bildung und Aktivität der Riftsysteme bedingten Öffnungsprozesses (spreading, opening) die weiteste Ausdehnung erhalten und in einem Schließungsprozess (closing) in mehreren durch gebirgsbildende Prozesse ausgezeichneten Etappen bis zur restlosen Unterdrückung ozeanische Kruste abgebaut werden.

Wilthen: Stadt im Kreis Bautzen, Bezirk Dresden, im Lausitzer Bergland; 6000 Einwohner; VEB Weinbrand; Textil-, Plastikindustrie, Landmaschinenbau; Agrarbetriebe; Zentralschule des DRK; Erholungsort.

Wimbledon: Villenvorstadt Londons; seit 1965 Teil des Vororts Merton; 167000 Einwohner; Tennisturniere seit 1877 (mit Weltmeisterschaftscharakter); Colleges, Museen.

Wimpel: kleine dreieckige Flagge oder Fahne besonders auf Schiffen, beim Sport, in Jugendgruppen und als Festschmuck.

Wimperg: (althochdeutsch wintberga, eigentlich «Windschutz») Ziergiebel über dem Spitzbogen gotische Portale und Fenster.

Wimpertierchen, Ciliata: mit Hilfe von Wimpern (Zilien) sich fortbewegende Urtiere; charakteristisch ist der Besitz zweier Kerntypen (Großkern und Kleinkern), die in Ein- und Mehrzahl auftreten können. Die Vermehrung erfolgt ungeschlechtlich durch Teilung und geschlechtlich durch Konjugation, eine spezielle Fortpflanzungsform der Wimpertierchen, an der nur die Kleinkerne teilnehmen. Ein Zellmund und Zellafter sind meist vorhanden. Es gibt schwimmende (Pantoffel-, Trompetentierchen), festsitzende (Glockentierchen, Sauginfusorien), Parasiten und kommensale (Balantidium, Ichthyophthirius, Pansenciliaten) und in Kolonien lebende (Ophrydium) Formen. Wimpertierchen werden auch Infusorien genannt.

Wimpfeling, Jakob, 27.7.1450 bis 17.11.1528, humanistischer Dichter und Geschichtsschreiber; begründete die nationale deutsche Geschichtsschreibung; 1510 prangerte er in «Gravamina Germanicae nationis» (Beschwerden der deutschen Nation) kirchliche Missstände an.

Winchester, Oliver Fisher, 30.11.1810-11.12.1880, US-amerikanischer Techniker und Industrieller; gründete 1867 die «W. Repeating Arms Company», welche die im damaligen «Wilden Westen» weitverbreiteten Winchester Gewehre herstellte.

Winckelmann, Johann Joachim, 9.12.1717-8.6.1768 (ermordet), Kunstgelehrter, Begründer der klassischen Archäologie und Kunstwissenschaft; erkannte, den Zusammenhang von Kunst und Gesellschaft, wurde zu einem Theoretiker und Wegbereiter des europäischen Klassizismus; Hauptwerk: «Geschichte der Kunst des Altertums» (1764).

Wind: (zu «wehen»)

1. Metallurgie: Verbrennungsluft für metallurgische Öfen.

2. Meteorologie: die spürbare, im Wesentlichen horizontal verlaufende Luftbewegung, die auf Grund von Luftdruckgradienten entsteht. Der Wind ist als Vektorgröße durch Richtung und Geschwindigkeit bestimmt Am Boden wird er durch Windfahne und rotierende Anemometer gemessen, in der Höhe durch Peilung steigender Ballone, aus deren Drift der Windvektor entsprechender Höhen bestimmbar ist. Nahe der Erdoberfläche können durch die Topographie und durch unterschiedlich temperierte Flächen spezielle lokale Windsysteme entstehen.

Windbrett: Verkleidung am Ortgang von Holzdächern oberhalb der Sparren und unterhalb der über die Giebelwand greifenden Dachlatten, die das seitliche Eindringen von Niederschlag unter die Dachziegel sowie deren Abheben durch Wind verhindert.

Windbruch, Windwurf-, durch Sturm besonders im Winterhalbjahr entstehender Bruch oder Wurf von Bäumen oder ganzen Beständen. Störungen des Waldgefüges, Gefahr der Übervermehrung von Schädlingen, Holzverluste durch Splitterung und Pilzbefall sowie Störungen des Betriebsablaufes der Forstwirtschaft sind die Folge. besonders gefährdet sind gleichaltrige Bestände flachwurzelnder Baumarten in ungünstigen Lagen (zum Beispiel Fichte).

Winde: 1. Winde, Convolvulus: Botanik - Gattung der Windengewächse; heimisch ist die weiß oder rosa blühende Ackerwinde (Convolvulus arvensis), deren windender Stengel pfeil- oder spießförmige Blätter trägt; Ackerunkraut. Eine nicht windende Zierpflanze ist die Dreifarbige Winde (Convolvulus tricolor).

2. Fördertechnik: Maschine zum Antrieb eines oder mehrerer bewegter Zugmittel. Bei der weit verbreiteten Trommelwinde werden die Zugmittel durch geordnetes Aufwinden auf eine Trommel gespeichert (Seilwinde, Kettenwinde). Man unterscheidet Hubwinde (zum Beispiel Montagewinde, Bauaufzugwinde) sowie Zugwinde (zum Beispiel Rangierwinde, Schrapperwinde). Neben der Trommelwinde gibt es Treibscheibenwinde, die das bewegte Zugmittel nicht speichern, zum Beispiel Aufzugswinde und Zugseilwinde von Seilbahnen.

Windelband, Wilhelm, 11.5.1848-22.10.1915, Philosoph, Philosophiehistoriker; Begründer der Südwestdeutschen (Freiburger) Schule des Neukantianismus; schrieb ein «Lehrbuch der Geschichte der Philosophie» (1892); leugnet die Existenz objektiver gesellschaftlicher Gesetze.

Winden: (zu «Wind») Wahrnehmen mit Hilfe des Geruchssinnes (bei Wild und Hund).

Winden: 1. Slowenen.

2. Wenden.

Winder, Ludwig, 7.2.1889-16.6.1946, österreichischer Schriftsteller; 1939 Emigration nach Großbritannien; gelangte zu einer umfassenden kritisch-realistischen Gestaltung der Wirklichkeit (Romane «Dr. Muff», 1931; «Der Thronfolger», 1938) und des antifaschistischen Befreiungskampfes (Roman «Die Pflicht», 1944, unter dem Pseudonym G. A: List, deutsch).

Winderhitzer, Cowper; nach dem britischen Erfinder): feuerfest ausgekleideter zylindrischer Stahlblechturm von 20 bis 35 m Höhe zum Vorwärmen von Verbrennungsluft (Wind) auf etwa 800 °C in der Metallurgie. Man unterscheidet periodisch arbeitende Regenerativ- und kontinuierlich arbeitende Rekuperator Erfahren. Siehe auch Hochofen.

Windermere: größter See Englands (Großbritannien), im Nordwesten des Landes, im Lake District; 15 km2, bis 70 m tief; Abfluss durch den Leven; Inseln; bewaldete Ufer; fischreich.

Windfang: Nase des Schalenwildes, außer bei Schwarzwild.

Windflüchter: unter ständiger einseitiger Windwirkung verformte Bäume, besonders an der Meeresküste und im Hochgebirge; ihre Krone ist nur nach der windabgewandten Seite entwickelt.

Windfrischverfahren, Blasverfahren: Verfahren zur Stahlgewinnung aus flüssigem Roheisen, das in ein Stahlmantelgefäß mit feuerfester Auskleidung (Konverter) gefüllt und dort mittels Luft (Wind) oder technisch reinem Sauerstoff zu Stahl umgewandelt wird. Man unterscheidet Oberwind- und Unterwindverfahren. Bei den modernen Oberwindverfahren, den Sauerstoffaufblasverfahren (Aufblasverfahren), wird technisch reiner Sauerstoff durch eine wassergekühlte Lanze mit Kupferdüse auf das flüssige Roheisen geblasen (LD-Verfahren). Bei Verwendung von phosphorreichem Roheisen wird gleichzeitig mit dem Sauerstoff feiner Kalkstaub zugeführt (LDAC-Verfahren). Bei den traditionellen Unterwindierfahren, die kaum noch technische Bedeutung haben, wird der Wind durch den Boden des Konverters eingeblasen (Bessemerverfahren, Thomasverfahren). Eine moderne Variante stellen bodenblasende Sauerstoffkonverter dar, bei denen technisch reiner Sauerstoff durch im Konverter Boden befindliche Blasdüsen von unten in das flüssige Roheisen geblasen wird. Siehe auch Kaldo Verfahren, Rotorverfahren.

Windhoek, Windhuk: Stadt, Verwaltungszentrum von Namibia, 1657 m überm Meer; 90000 Einwohner; Handelszentrum für Karakulfelle; Verarbeitung landwirtschaftliche Produkte; internationaler Flughafen; Theater, Zoo; Festung (1890; Museum).

Windjammer, to jam; («(sich am Wind entlang pressen»): seemännische Bezeichnung für Segelschiff.

Windkanal: Versuchseinrichtung, in der durch ein Gebläse oder ein Strahltriebwerk ein regelbarer gleichmäßiger Luftstrom für aerodynamische Messungen an Modellen, zum Beispiel von Flugzeugen, erzeugt wird. Windkanäle werden nach der in der Messstrecke erreichbaren Mach-Zahl in Unter-, Über- und Hyperschallkanäle eingeteilt. Die häufigsten Messungen im Windkanal betreffen die Druckverteilung, die resultierenden Kräfte und Momente am Versuchskörper. Siehe auch Modellversuch.

Windkraftmaschine: Kraftmaschine, die Strömungsenergie (kinetische Energie) des Windes in mechanische Energie umwandelt; siehe auch Windrad.

Windkraftwerk: Kraftwerk mit Leistungen bis etwa 2 MW zur Umwandlung der kinetischen Energie atmosphärische Luftbewegung in elektrischer Energie für dezentrale Energieversorgung.

Windmantel: Strauchpflanzung (zum Beispiel Sanddorn) mit anschließendem Mischwald als Windschutz, unter anderem auf Dünenflächen im Küstengebiet. Er wirkt als aerodynamisch günstiger Übergang und Aufgleitfläche zum geschlossenen Waldbestand.

Windmessung: Sport bei leichtathletischen Wettbewerben Ermittlung der an der Wettkampfanlage herrschenden Windgeschwindigkeit und -richtung mittels Flügelradanemometern beziehungsweise mit Differenzdruckmessung. Wichtig bei 100- und 200-m-Läufen und bei Weit- und Dreisprung, da die Rückenwindunterstützung für Rekordanerkennungen maximal 1 m/s betragen darf.

Windpocken, Schafpocken, Spitzpocken, Varizellen: besonders im Kindesalter auftretende, akut verlaufende, sehr ansteckende Viruskrankheit mit pockenähnlichen Ausschlag auf Haut und Schleimhäuten. Nach der Erkrankung besteht eine lebenslange Immunität.

Windrad, Windmotor, Windturbine: Kraftmaschine mit mehreren gebogenen, dem Wind schräg entgegengestellten und mit einer Welle verbundenen Flügelflächen zur Umwandlung der Strömungsenergie des Windes in technisch nutzbare Energie (Arbeit). Das älteste Windrad, die Windmühle, dient zum Mahlen von Getreide.

Windrose: Kreis mit eingezeichneten 4 Haupt- (Nord, Ost, Süd, West) und den Nebenhimmelsrichtungen.

Windscheid, Bernhard, 26.6.1817-26.10.1892, Jurist; bedeutender Vertreter des modernisierten römischen Rechts.

Windschirm: einfachste Behausungsform einiger Sammler- und Jägergruppen (australische Urbevölkerung, Buschmänner, Patagonier unter anderem).

Windschutz: Schutz ausblasungsgefährdeter, windoffener Fluren durch Baum- beziehungsweise Strauchpflanzungen (Bodenschutz); Bestandteil komplexer Standortmeliorationen.

Windsichter: Apparat zur Trennung pulverförmiger Körnerkollektive in Korngrößenbereiche mittels eines Luftstromes. Die wichtigsten Teile eines Windsichter sind: Aufgabevorrichtung, die das Sicht Gut gleichmäßig, möglichst desagglomeriert, zuführen soll; Sicht- beziehungsweise Trennraum; Ventilator zur Sichtluftstromerzeugung; Feingutabscheider, besonders in der Zement-, chemische und Lebensmittelindustrie angewendet.

Windsor: 1. Stadt im Süden Englands (Großbritannien), an der Themse, westlich von London; 28000 Einwohner; königliche Sommerresidenz Windsor Castle (Schloss Windsor) mit Park (W. Great Park, 3000 ha).

2. Stadt im Süden der Provinz Ontario (Kanada), am Detroit River, gegenüber Detroit (USA); 190000 Einwohner; Automobilbau (Ford, Chrysler), Werkzeug-, Maschinenbau; Flughafen, Hafen; Universität, Technikum.

Windsor: seit 1917 Name der seit 1901 in Großbritannien regierenden Dynastie Sachsen-Coburg und Gotha. Die Umbenennung (nach der königlichen Sommerresidenz) erfolgte, um die während des 1. Weltkrieges belastende Verwandtschaft zum deutschen Hochadel zu verschleiern.

Windspoiler: an der Fahrzeugkarosserie angebrachtes Luftleitblech, das den Luftwiderstand besonders bei hoher Fahrgeschwindigkeit mindert; angewendet zur Kraftstoffeinsparung, zum Beispiel bei LKW mit hohem Kofferaufbau über dem Fahrerhaus.

Windung, Torsion (lateinisch): Maß für die Abweichung einer Kurve vom ebenen Verlauf.

Windverband: horizontale, diagonale oder vertikale Konstruktion in Tragwerken, vor allem in Dachtragwerken (zum Beispiel die Windrispe) und Brücken zum Aussteifen und Weiterleiten der Windkräfte in feste Stützpunkte oder Auflager.

Windward Inseln: die südliche Gruppe der Inseln über dem Wind (Kleine Antillen) im Osten des Karibischen Meeres, von Dominica bis Grenada; umfassen die selbständigen Staaten Dominica, Saint Vincent, Saint Lucia und Grenada sowie das französische Überseedepartement Martinique.

Winkel: Geometrie ebene Figur, bestimmt durch 2 Halbgeraden, die Schenkel des Winkel, mit gemeinsamem Anfangspunkt, dem Scheitel des Winkel, und eventuell eine Reihenfolge der Schenkel beziehungsweise ein ausgezeichnetes Ebenenstück mit den Schenkeln als Begrenzung, die Winkelfläche. Im Schnittpunkt zweier Geraden entstehen 2 Paare jeweils gleich großer, das heißt kongruenter Scheitelwinkel; schneidet eine Gerade h die Geraden g, so entstehen Stufenwinkel beziehungsweise Wechselwinkel auf derselben beziehungsweise auf verschiedenen Seiten von h\ sind /, g parallel, so sind diese Winkel jeweils gleich groß; siehe auch Winkelmaß 2.

Winkelfunktionen, trigonometrische Funktionen: die Funktionen Sinus (Zeichen sin), Kosinus (cos), Tangens (tan) und Kotangens (cot). Für spitze Winkel a erklärt man sie als Streckenverhältnisse im rechtwinkligen Dreieck, für beliebige Winkel a definiert man sie am Einheitskreis. Bezeichnet x das Bogenmaß des Winkels, so haben die Winkelfunktionen die in c angegebenen graphischen Bilder. zwischen den Winkelfunktionen bestehen zahlreiche Beziehungen. Jede Winkelfunktionen besitzt ein Additionstheorem, sin und cos haben die Periode 2n, tan und cot die Periode it. Für komplexe Argumente existieren Zusammenhänge mit den Hyperbelfunktionen. Siehe auch zyklometrische Funktionen.

Winkelmaß:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Geometrie: Funktion, die jedem Winkel eine Maßzahl so zuordnet, dass kongruente Winkel dasselbe Winkelmaß haben und das Winkelmaß der Summe zweier nicht zu großer Winkel Wu W2 die Summe der Winkelmaß von W, W2 ist; die Summe von Wt, W2 erhält man, indem man an Wt einen zu W2 kongruenten Winkel anträgt, der mit Wl einen Schenkel und den Scheitel gemeinsam hat, deren Winkelflächen aber keine inneren Punkte gemeinsam haben. Einem gewählten Einheitswinkel wird die Maßzahl 1 zugeordnet. Am gebräuchlichsten ist das Gradmaß genannte Winkelmaß; siehe auch Bogenmaß. Ein rechter Winkel hat das Winkelmaß 90°; ein Winkel heißt spitz, falls sein Winkelmaß kleiner ist, er heißt gestreckt, falls sein Winkelmaß 180° ist, dann bilden seine Schenkel eine Gerade; das Winkelmaß eines stumpfen Winkels liegt zwischen 90° und 180°, das eines überstumpfen Winkels ist größer als 180° und höchstens 360°; ein Winkel mit Winkelmaß 360° heißt Vollwinkel.

Winkelmesser: Messgerät zum Bestimmen und Übertragen von Winkeln. Der einfache Winkelmesser (180°Bogen mit Gradteilung) wird zum technischen Zeichnen verwendet. Man unterscheidet mechanische Winkelmesser (zum Beispiel Universal-Winkelmesser, Messuhr-Winkelmesser, Tangens- oder Sinuslineal, mechanischer Teilkopf), optische beziehungsweise optisch-mechanischer Winkelmesser (zum Beispiel Autokollimationsfernrohr, optischer Teilkopf, Theodolit mit Kollimator, Winkelmessokulare in Verbindung mit j1 Messmikroskopen) und optisch-elektronische Winkelmesser (zum Beispiel digitales Weg- und Winkelmesssystem).

Winkelmessung: Geodäsie Bestimmung des Horizontalwinkels zwischen 2 Richtungen und beziehungsweise oder Messung des Höhen- beziehungsweise Zenitwinkels eines Punktes gegenüber dem Horizont beziehungsweise Zenit mit einem Theodoliten.

Winkelprisma: in der Geodäsie benutzte 3-, 4- oder 5seitige Glasprismen zum Abstecken von rechten und gestreckten (Doppelprisma) Winkeln.

Winkelried, Arnold, Held der Schweizer Volkssage; in der Schlacht bei Sempach 1386 führte der Legende nach sein Opfertod zum Sieg der Eidgenossen über die Österreicher. Der historische Winkelried war ein Söldnerführer und lebte später.

Winkelschule, Klippschule (niederdeutsch klipp, «klein»): Ende des Mittelalters entstandene private städtliche Elementarschule; meist einzige Bildungseinrichtung der Stadtarmut Winkelschule wurden von der Kirche wegen Verbreitung heterodoxer Ansichten oft verfolgt. Die abfällige Bedeutung der Bezeichnung (leistungsschwache Schule) entstand später.

Winkelverdichter: Hubkolbenverdichter als Mehrzylindermaschine mit winkelförmiger, meist rechtwinkliger Anordnung der Arbeitszylinder. Die Lage der Kurbelkröpfungen in einer Ebene ergibt bei guter Abstimmung der Gegenmassen einen günstigen Massenausgleich und daher ruhigen Maschinenlauf.

Winkler: 1. Clemens Winkler, 26.12.1838-8.10.1904, Chemiker; 1873/1902 Professor an der Bergakademie Freiberg; entdeckte 1885 das Germanium und leistete wesentliche Vorarbeiten zum Kontaktverfahren für die Herstellung von Schwefelsäure.

2. Johannes Winkler, 29.5.1897-27.12.1947, Techniker, Verfechter des Raumfahrtgedankens, unternahm in den 20er und 30er Jahren Versuche zunächst mit Pulver-, später mit Flüssigkeitsraketen. 1931 startete er in Dessau seine erste Rakete HWR-1, die 100 m Höhe und etwa 200 m Flugweite erreichte (erster Start einer Flüssigkeitsrakete in Europa).

Winkler Generator, Wirbelschichtgenerator, technische Anlage zum Vergasen fester Brennstoffe zu Wassergas unter Anwendung des Wirbelschichtverfahrens; 1925 von dem Chemiker Fritz Winkler (1888-1950) konstruiert. In einen etwa 20 m hohen Schacht werden kontinuierlich feingemahlene Braunkohle oder Grude eingebracht; von unten werden Sauerstoff und Wasserdampf eingeblasen (Unterwind), die den Brennstoff in der Schwebe halten und zu Kohlenmonoxid und Wasserstoff vergasen. Vom entstehenden Gas mitgerissene Brennstoffteilchen werden etwas oberhalb der Unterwindleitung durch einen zweiten Sauerstoff-Wasserdampf-Strom (Oberwind) vergast.

Winnipeg: Hauptstadt der Provinz Manitoba (Kanada), südlich des Winnipegsee; 240000 Einwohner, als Metropolitan Area 580000 Einwohner; Erdölraffinerie (Pipeline aus Alberta), Mühlen, Automobil-, Landmaschinenbau; Getreidebörse; internationaler Flughafen; 2 Universitäten.

Winnipegsee: See im Süden Kanadas (Provinz Manitoba), 217 m über dem Meeresspiegel; 24390 km2, über 420 km lang, bis 100 km breit und 21 m tief; wichtigster Zufluss Saskatchewan; Abfluss über den Nelson zur Hudsonbucht.

Winniza: Stadt (Gebietszentrum) am südlichen Bug; 360000 Einwohner; Maschinen-, Elektrogerätebau, Metallverarbeitung, Superphosphatwerk, Nahrungsmittel-, Leichtindustrie; Verkehrsknoten; 3 Hochschulen; Theater, Philharmonie, Museen; hölzerne Kirchen St. Juri und Nikolai (18. Jahrhundert) und 2 Klöster (beide 17. und 18. Jahrhundert). Von Winniza 750-kV-Leitung nach Albertirsa (Ungarn).

Winsch: frühere Bezeichnung für (besonders Dampf-) Winden an Bord von Schiffen.

Winstanley, Gerrard, um 1609-um 1676, englischer kleinbäuerlicher-plebejische Revolutionär, utopischer Kommunist; seit 1648 ideologischer Führer der Diggers, deren Anliegen er in zahlreichen Flugschriften vertrat, besonders im «Gesetz der Freiheit» (1652).

Winter: kälteste Jahreszeit mit niedrigem Sonnenstand, Zeit der Vegetationsruhe; der astronomische Winter reicht auf der Nordhalbkugel der Erde vom 21. beziehungsweise 22.12. (Wintersolstitium) bis 21. beziehungsweise 20. 3. (Frühlingsäquinoktium), der meteorologische Winter von Dezember bis Februar; in höheren Breiten ist der Winter durch Frost und Schnee gekennzeichnet. Als Winterhalbjahr gelten die Monate Oktober bis März (Nordhalbkugel) beziehungsweise April bis September (Südhalbkugel).

Winter: 1. Eduard Winter, 16.9.1896-3.3.1982, Historiker; 1934/45 Professor in Prag, seit 1947 in Halle und seit 1952 in Berlin; Direktor des Instituts für Geschichte der Völker der UdSSR; publizierte besonders zur Geschichte der deutsch-slawischen Beziehungen.

2. Kurt Winter, geboren 11.5.1910, Sozialhygieniker, Professor in Berlin; forschte auf den Gebieten der Organisation des Gesundheitsschutzes, der medizinischen Soziologie, der Epidemiologie und der Demographie; förderte entscheidend den Aufbau des Gesundheitswesens in der DDR.

Wintergarten: gewächshausähnlicher verglaster Raum, oft in Verbindung mit Wohnräumen, in dem Pflanzen überwintern, die im Frühjahr zum Teil wieder in das Freiland gestellt werden.

Winterhärte, Winterfestigkeit: die Fähigkeit der Pflanzen, ungünstigen Einflüssen des Winters zu widerstehen; wertvolle Sorteneigenschaft. Siehe auch Frostresistenz.

Winterkrieg: Bezeichnung für den finnisch-sowjetischen Krieg vom 30.11.1939 bis 12.3.1940; wurde unter Beihilfe der imperialistischen Staaten von der finnischen Reaktion provoziert und endete mit einem militärischen Sieg der Sowjetunion; im Friedensvertrag von 1940 trat Finnland die karelische Landenge mit Wyborg und das Nordufer des Ladogasees an die UdSSR ab.

Winterling, Eranthis: Hahnenfußgewächs aus Südeuropa mit leuchtend gelben Blüten, die über einem geschlitzten Blattwirbel stehen. Oft schon im Februar blühende, kleine Gartenzierpflanze, stellenweise in Mitteleuropa eingebürgert.

Winterpalais: Leningrader Palast, ehemalige Zarenresidenz; 1917 Sitz der Provisorischen Regierung; am 25.10. (7.11.) 1917 wurde das Winterpalais von revolutionären Arbeitern und Soldaten erstürmt und damit die Oktoberrevolution eingeleitet; 1922 der Ermitage übergeben.

Wintersport: hauptsächlich im Freizeit- und Erholungssport sowie im Tourismus gebräuchlicher Sammelbegriff für Eis-, Schlitten- und Skisport.

Winterstein, Eduard von, eigentlich Eduard Freiherr von Wangenheim, 1.8.1871-22.7.1961, Schauspieler; gehörte seit 1898 zu den bedeutendsten Darstellern des Deutschen Theaters, Berlin (Faust, Nathan); spielte auch in vielen Filmen («Die Sonnenbrucks», «Das verurteilte Dorf»); schrieb «Mein Leben und meine Zeit» (2 Bände, 1947).

Winterthur: Stadt im Norden der Schweiz (Kanton Zürich); 86000 Einwohner; Maschinen- und Fahrzeugbau, chemische, Textilindustrie; Technikum; Museen; mittelalterliche Altstadt, gotische Stadtkirche (13. Jahrhundert, Umbau 15. Jahrhundert), Altes Rathaus (18. Jahrhundert).

Winterung, Wintersaat, Winterfrüchte: im Herbst ausgesäte, überwinternde landwirtschaftliche Nutzpflanzen.

Wipfeldürre: Absterben von Baumwipfeln als Folge von Pilzbefall, Insektenfraß, Rauchschäden, Frost oder beziehungsweise und sinkendem Grundwasserspiegel.

Wipo, gestorben nach 1046, Hofkaplan Kaiser Konrads II., wahrscheinlich Erzieher Heinrichs III.; schrieb zwischen 1040 und 1046 die «Gesta Chuonradi II. imperatoris» (Taten Kaiser Konrads H.), eine der besten Biographien weltlicher Feudalherren des Mittelalters.

Wipper: 1. linker Nebenfluss der Saale; 70 km; entspringt im Unterharz östlich von Stolberg, fließt an Hettstedt vorbei, mündet oberhalb von Bernburg.

2. linker Nebenfluss der Unstrut; 75 km; entspringt im Ohmgebirge, durchbricht die Hainleite und mündet oberhalb von Artem.

Wirbel: 1. Wirbel, Spondylus, Vertebra: Anatomie - Bauelement der Wirbelsäule; besteht aus Wirbelkörper und Wirbelbogen, letzterer umschließt das Wirbel loch und besitzt einen nach hinten gerichteten Domfortsatz, seitliche Querfortsätze sowie auf- beziehungsweise abwärts gerichtete Gelenkfortsätze.

2. Musik: drehbarer, pflockartiger Stift an Saiteninstrumenten, um die Saitenspannung abzustufen und damit die Saite zu stimmen. Es gibt seitenständige (Lauten, Violen), hinterständige (Gitarre, Lira) und in den Stimmstock von besaiteten Tasteninstrumenten, Zither unter anderem eingelassene Wirbel

3. Physik: rotierende Flüssigkeits- oder Gasbewegung, bei der die Stromlinien geschlossene Kurven sind; wird gekennzeichnet durch den Wirbelvektor, dessen Betrag gleich der doppelten Winkelgeschwindigkeit der Drehung um die Wirbelachse ist und dessen Richtung mit ihr eine Rechtsschraube bildet, oder durch die Zirkulation, das Umlaufintegral über die Geschwindigkeit längs einer Stromlinie. Wirbel entstehen als Folge der inneren Reibung beim Umströmen von Körpern; durch geeignete Formgebung lassen sie sich zum Teil vermeiden. Siehe auch Helmholtzsche Wirbelsätze, Thomsonscher Satz.

Wirbelkammermotor: Dieselmotor, dessen Verbrennungsraum in Hauptverbrennungsraum und Wirbelkammer (50 bis 75% des gesamten Verdichtungsraumes) unterteilt ist. Der Kraftstoff wird in die Wirbelkammer gespritzt, entzündet sich dort und strömt infolge des starken Druckanstiegs durch einen weiten Kanal in den Hauptverbrennungsraum, wo er durch die dabei auftretende starke Wirbelung feinstverteilt wird und vollständig verbrennt.

Wirbellose: Tiere, die im Unterschied zu den Wirbeltieren keine Wirbelsäule haben; hierzu gehören über 90% aller Arten (Schwämme, Nesseltiere, Platt- und Schlauchwürmer, Gliedertiere, Weichtiere, Stachelhäuter unter anderem).

Wirbelsäule, Rückgrat: aus Wirbeln zusammengesetzte Skelettachse der Wirbeltiere und des Menschen. Die Wirbelbögen umschließen den Wirbelkanal, in dem geschützt das Rückenmark liegt. Die einzelnen Wirbel sind durch Zwischenwirbelscheiben, Gelenke und Bänder miteinander verbunden. Der Mensch hat 7 Hals-, 12 Brust- und 5 Lendenwirbel sowie das aus 5 Wirbeln entstandene Kreuzbein und das aus 4 oder 5 Wirbeln entstandene Steißbein. Siehe auch Wirbel.

Wirbelsäulenleiden: angeborene oder erworbene Erkrankungen der Wirbelsäule, die durch Fehlform, Fehlfunktion und Schmerzen charakterisiert sind. Wichtigste Wirbelsäulenschäden sind Haltungs-, Stellungs- und Formfehler, ferner Scheuermannsche Erkrankung, Skoliose, Bandscheibenschäden, Osteochondrose und Spondylose, Wirbelmissbildungen sowie Bechterewsche Krankheit unter anderem

Wirbelschichtverfahren: Sammelname für chemisch-technisches Verfahren zur Umsetzung von Gasen oder Dämpfen mit oder an Festkörpern, die dadurch gekennzeichnet sind, dass der staubförmige Feststoff (zum Beispiel Katalysator) über dem Siebboden eines Reaktors (Wirbelbett-, Wirbelschichtreaktor) durch das eingeblasene Gas zu einer beweglichen, flüssigkeitsähnliche Schicht aufgewirbelt wird.

Wirbelsintern: Verfahren zur Erzeugung korrosionsschützender Schichten auf Metall. Auf 200 bis 400 °C vorgewärmte Metallteile werden in aufgewirbeltes Thermoplastikpulver getaucht. Dabei sintert allseitig eine festhaftende Plastikschicht auf, welche sich durch die vom Metallteil abgegebene Wärme zu einem porenlosen Überzug verdichtet.

Wirbelstrom: im Volumen von Leitern durch veränderten magnetischen Felder induzierter Kreisstrom; hemmt zum Beispiel bei der Wirbelstrombremse die Bewegung einer zwischen Magnetpolen bewegten Metallscheibe.

Wirbelstromverluste: in massiven Metallteilen elektrotechnischer Geräte (elektrischer Leiter, Magnetkreise unter anderem) durch Wirbelströme hervorgerufene (Strom-) Wärmeverluste. Wirbelströme werden durch Unterteilen (Lamellieren und Isolieren) verringert.

Wirbelsturm: Tiefdruckgebiet mit großen horizontalen Luftdruckgradienten und hohen Windgeschwindigkeiten. Wirbelsturm bilden sich vorwiegend im Bereich der innertropischen Konvergenzzone (atmosphärische Zirkulation) über warmen Meeresgebieten, haben nur wenige hundert Kilometer Durchmesser und häufig im Kern einen Luftdruck unter 900 hPa. Ein Wirbelsturm wird von schweren Regenschauern und Gewittern mit orkanartigen Winden begleitet und wirkt verheerend. Je nach Meeresgebiet werden tropische Wirbelsturme verschieden bezeichnet (Hurrikan, Taifun, Willy-Willy, Zyklon).

Wirbeltiere, Vertebrata: Unterstamm der Chordatiere; lateralsymmetrisch mit gegliedertem Innenskelett (Wirbelsäule), das die ursprüngliche Chorda dorsalis oft weitgehend verdrängt; der äußerlich unsegmentierte Körper besitzt einen durchgehenden Verdauungskanal mit Mund und After sowie ein geschlossenes Blutgefäßsystem. Hierzu gehören die Rundmäuler, denen der Gesichtsschädel noch fehlt, die verschiedenen Klassen der Fische, die Kriechtiere, Vögel und Säugetiere.

Wirken und Stricken: mechanisches Herstellen textiler Flächengebilde durch Bilden von Maschen aus Fäden. Nach dem Prinzip der Maschenbildung unterscheidet man Stricken, Kulier- und Kettenwirken, nach der Anordnung der Arbeitselemente Flach- oder Rundwirken beziehungsweise -stricken.

Wirkgewebe, Metap: ein in der CSSR entwickeltes textiles Flächengebilde nach einer zwischen Weben und Stricken einzuordnenden neuen hochproduktiven Technologie; in Längsrichtung verlaufende Gewebestreifen sind durch zu Maschen geformte Schussfäden miteinander verbunden.

Wirkleistung: für die Energieumformung bei Wechselstrom maßgebende Leistung; Zeichen P, Pw oder P„ SI-Einheit Watt (W). Sie wird als Mittelwert über eine Periode gebildet und ist das Produkt aus Spannung U, Stromstärke I und dem Leistungsfaktor cos (p.

Wirklichkeit: 1. Wirklichkeit, objektive Wirklichkeit: soviel wie objektive Realität (Materie).

2. realisierte Möglichkeit ff Möglichkeit und Wirklichkeit).

Wirklichkeitsbewusstsein, Realitätsbewusstsein: Bewusstsein von der Realität der eigenen Person, der Umgebung, der Welt. Zur Störung des Wirklichkeitsbewusstseins kann es bei Schizophrenie kommen, wenn die eigene Person, das eigene Ich als verändert oder fremd empfunden werden (Depersonalisationssyndrom). Wirklichkeitsform Indikativ.

Wirkmaschine: Maschine zur Herstellung von Gewirken, unter anderem Ketten- und Kulierwirkmaschine. Wirkschaltplan - Stromlaufplan.

Wirkschema, Funktionsschema: Automatisierungstechnik - symbolische (stilisierte) Darstellung der Wirkungsweise einer Funktionseinheit (zum Beispiel Hebel, Getriebe) oder eines Aggregats, aus dem der Signalflussplan abgeleitet wird; notwendig für die mathematische Beschreibung des statischen und dynamischen Verhaltens der jeweiligen Einheit.

Wirkstoffe: Sammelbegriff für biologisch aktive Verbindungen ohne Differenzierung der Art ihrer Wirkung und Verwendung.

Wirkung:

1. Philosophie: Kausalität.

2. Physik: Größe der Dimension Energie x Zeit oder Impuls x Weg, SI-Einheit J • s. In der klassischen Physik werden aus dem Prinzip der kleinsten Wirkung die Bewegungsgleichungen bestimmt. In der Quantentheorie dient die Planck-Konstante als Naturkonstante bei der Quantelung physikalischer Größen.

Wirkungsfunktion, Prinzipien der Mechanik. Wirkungsgrad: bei Energieumwandlungen das Verhältnis der nutzbar abgegebenen zur aufgenommenen Leistung, Zeichen 77. Stets ist 77 < 1 beziehungsweise <100%, da bei jeder Energieumwandlung Wärmeverluste, zum Beispiel durch Reibung, auftreten. Der elektrischen Wirkungsfunktion von Generatoren und Motoren liegt zwischen 80 und 95 %. Der optischen Wirkungsfunktion einer Glühlampe beträgt 3 %, der Wirkungsfunktion von Röntgenröhren nur etwa 1 %. Zum thermischen Wirkungsfunktion von Wärmekraftmaschinen siehe auch Kreisprozess.

Wirkungsquerschnitt: für die Wechselwirkung eines einheitlichen Teilchenstrahls (Primärstrahl), zum Beispiel von Photonen oder Elektronen, mit einer bestimmten Materialsorte, zum Beispiel Nukleonen eines Atomkerns, charakteristischer Quotient <7 = (Anzahl einzelner Wechselwirkungsakte je Zeiteinheit)/(Anzahl der je Zeit- und Flächeneinheit senkrecht auf diese einfallenden Primärteilchen). Der Wirkungsquerschnitt wird in Barn (b) angegeben, 1 b = 10“28 m2. Man unterscheidet zum Beispiel Absorptions-, Reaktions- und Streuquerschnitte. Neben diesem totalen Wirkungsquerschnitt crw, wird oft der effektive oder differentielle Wirkungsquerschnitt dcr/dQ der Streuung in das Raumwinkelelement dß angegeben. Außer dem elastischen Wirkungsquerschnitt (Teil für die elastische Streuung ist auch der inelastische Wirkungsquerschnitt der Streuung in verschiedene Reaktionskanäle zu beachten.

Wirkungsspektrum: Medizin Gesamtheit der biologischen Wirkungen eines Stoffes (zum Beispiel Arzneimittel). Das Wirkungsspektrum umfasst die erwünschten Wirkungen und die Nebenwirkungen.

Wirrvlies, Wirrfaservlies, nichtorientiertes Vlies: Faservlies mit weitgehend gleichmäßigen Festigkeits- und Dehnungseigenschaften nach allen Richtungen hin, dessen Fasern wirr (zufallsmäßig) durcheinanderliegen.

Wirsing: («Grünzeug») Welschkohl, Brassica oleracea subsp. bullata: Unterart des Gemüsekohls (B. oleracea) mit lockerem Kopf aus gelbgrünen, blasig-runzligen Blättern.

Wirt: pflanzlicher oder tierischer Organismus, auf oder in dem ein Parasit lebt, sich ernährt und auch fortpflanzen kann. Je nach Bedeutung für die Entwicklung des Parasiten unterscheidet man verschiedene Wirtsformen. Während der Hauptwirt optimale Lebensbedingungen für den Parasiten bietet, ist dies beim Nebenwirt nur im begrenzten Maße der Fall. Im Endwirt gelangt ein Parasit mit Wirtswechsel zur Geschlechtsreife, den Zwischenwirt durchlaufen nur bestimmte Entwicklungsstadien des Parasiten. Manche Schmarotzer leben auf artspezifischen Wirten oder Wirtsgruppen (Wirtsspezifität), andere gehen im Laufe ihrer Entwicklung einen Wirtswechsel ein.

Wirtel: 1. Blatt- beziehungsweise Zweigquirl; 3 oder mehr Blätter beziehungsweise Zweige entspringen an einem Knoten. 2. Kunst Schaftring.

Wirtschaft: wichtigster Teilbereich des gesellschaftlichen Lebens und materielle Basis aller anderen Bereiche; umfasst die Produktion, die Verteilung (Distribution), den Austausch (Zirkulation) und die Konsumtion; ihr Charakter wird vom Entwicklungsstand der Produktivkräfte und von den herrschenden Produktionsverhältnissen bestimmt. Siehe auch Volkswirtschaft.

wirtschaftlich-kulturelle Typen: Völkerkunde in der sowjetischen Ethnographie bestimmte Komplexe von Besonderheiten der Wirtschaft und Kultur, die sich historisch bei verschiedenen Völkern auf beinahe gleichem Niveau Sozialökonomischer Entwicklung und unter ähnlichen natürlich-geographischen Bedingungen herausbildeten, zum Beispiel der wirtschaftlich-kulturellen Typen der Jagd, Sammelwirtschaft und des Fischfangs, der wirtschaftlich-kulturellen Typen des Bodenbaus.

Wirtschaftsdrucksache: Drucksache, bei der der Umfang der Änderungen innerhalb des gedruckten Wortlauts nicht begrenzt ist. Ihnen können auch Warenmuster ohne Handelswert beigefügt werden. S. a. Drucksache.

Wirtschaftsgeologie: älterer Ausdruck für ökonomische Geologie.

Wirtschaftsjahr: Zeitspanne, für die das Wirtschaftsergebnis eines Landwirtschaftsbetriebes in der Bilanz und Ergebnisrechnung nachgewiesen wird. Das Wirtschaftsjahr umfasste früher die Zeit vom 1. 7. bis 30. 6. des folgenden Jahres.

Wirtschaftskataster: staatliche Karten- und Registerwerk zur Kennzeichnung und zum Nachweis der Nutzungs- und Nutzungsrechtsverhältnisse, insbesondere an land- und forstwirtschaftlichen Boden.

Wirtschaftskrise, zyklische Überproduktionskrise: periodisch gesetzmäßig wiederkehrender offener Ausbruch der Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise, der zu einer tiefen Störung des Kreislaufs der kapitalistischen Warenproduktion und -Zirkulation führt. Die Wirtschaftskrise als die hauptsächliche Phase des kapitalistischen Krisenzyklus ist durch relative Überproduktion, das heißt Überproduktion im Verhältnis zur zahlungsfähigen Nachfrage, durch Unverkäuflichkeit von Waren, Nichtauslastung beziehungsweise Stilllegung von Produktionskapazitäten, Mangel an Zahlungsmitteln unter anderem gekennzeichnet. In der Wirtschaftskrise wird die relative Überproduktion von Kapital durch die Vernichtung beziehungsweise Entwertung des für die Verwertung überflüssigen Warenkapitals und die Einschränkung der Produktion vorübergehend gewaltsam beseitigt. Die Wirtschaftskrise führt zu einer Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse durch das Ansteigen der Arbeitslosigkeit und die Senkung der Reallöhne sowie zur Ruinierung kleiner und kapitalschwacher Betriebe. Letztliche Ursache der Wirtschaftskrise ist der Grundwiderspruch der kapitalistischen Produktionsweise zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der Produktionsergebnisse mit seinen Erscheinungsformen, dem Widerspruch zwischen Produktion und Konsumtion beziehungsweise Produktion und Markt sowie dem Widerspruch zwischen der Organisation der Produktion in den einzelnen Unternehmen und der Anarchie im gesamtgesellschaftlichen Rahmen. Seit Ausbruch der ersten zyklischen Überproduktionskrise 1825 in Großbritannien verläuft der kapitalistischen Reproduktionsprozess periodisch im Wechsel von Krise, Depression, Belebung, Aufschwung und Krise. Nach einem kurzen Aufschwung erfassten Mitte der 70er und zu Beginn der 80er Jahre weitere Wirtschaftskrisen die Hauptländer. Erst nach Liquidierung des kapitalistischen Eigentums an Produktionsmitteln und der Schaffung sozialistischer Eigentumsverhältnisse ist den Wirtschaftskrise der Boden entzogen. Siehe auch Krisenzyklus, Weltwirtschaftskrise.

Wirtschaftsprognose: wissenschaftlich begründete Voraussage über die künftige Entwicklung ökonomischer Prozesse und Erscheinungen in der sozialistischen Volkswirtschaft und ihren Teilbereichen (Zweige, Territorien und so weiter); sie sind eine wichtige Grundlage der Volkswirtschaftsplanung, insbesondere der Perspektivplanung.

Wirtschaftsrat des Bezirkes: Organ des Rates des Bezirkes zur Leitung und Planung der bezirksgeleiteten Industrie.

Wirtschaftsrechnung, Familienbudgetuntersuchung, Haushaltsrechnung, Statistik des Haushaltsbudgets: repräsentative statistische Erhebung in privaten Haushalten verschiedener sozialer Bevölkerungsgruppen in der DDR über Höhe und Struktur der Geldeinnahmen und Geldausgaben der Haushalte für Waren (Nahrungs- und Genussmittel), Dienstleistungen unter anderem sowie über den mengenmäßigen Verbrauch. Die Wirtschaftsrechnung ist eine wesentliche Grundlage für die Aufstellung differenzierter Übersichten über die Verbrauchsstruktur der Bevölkerung für die perspektiv. Planung und die Bedarfsforschung.

Wirtschaftsrecht: Gesamtheit der Rechtsnormen über die Beziehungen zwischen den Staatsorganen, wirtschaftsleitenden Organen und Wirtschaftseinheiten sowie gesellschaftlichen Bedarfsträgern, die bei der Herstellung und Verwendung von Erzeugnissen, Leistungen und anderen Waren entstehen.

Wirtschaftssanktion: Geldbetrag, der (bis 500000 M) vom Staatlichen Vertragsgericht wegen erheblicher Verletzung bestimmter Pflichten bei der Vorbereitung, dem Abschluss oder der Erfüllung von Wirtschaftsverträgen gegenüber Wirtschaftseinheiten und Leitungsorganen, die nach der wirtschaftlichen Rechnungsführung arbeiten, festgelegt werden kann.

Wirtschaftsstraftaten: Straftaten, die unter den Bedingungen sozialistischer Produktionsverhältnisse die Leitung und Planung beziehungsweise den störungsfreien Ablauf volkswirtschaftlicher Prozesse beeinträchtigen beziehungsweise ökonomische Verluste bewirken, zum Beispiel Falschmeldung.

Wirtschafts- und Entwicklungsrisiko: durch wirtschaftliche Entscheidungen beziehungsweise Forschungs- und Entwicklungsarbeiten verursachter wirtschaftlicher Schaden, der nach verantwortungsbewusster Prüfung für wenig wahrscheinlich oder wesentlich geringer als der vorgesehene wirtschaftliche Nutzen gehalten wird; Rechtfertigungsgrund.

Wirtschafts- und Sozialrat, Economic and Social Council, Kurzwort ECOSOC: Hauptorgan der UN auf dem Gebiet der ökonomischen und sozialen Zusammenarbeit der Staaten; koordiniert die Tätigkeit der im System der UN zusammengeschlossenen ökonomischen und sozialen Organe sowie der Spezialorganisationen. Als Regionalinstitutionen von ECOSOC bestehen die Wirtschaftskommissionen für Afrika (Economic Commission for Africa, Abkürzung ECA; gegründet 1958, Sitz Addis Abeba), für Asien und den Fernen Osten beziehungsweise (seit 1974 umbenannt) für Asien und den Pazifik (Economic and Social Commission for Asia and the Pacific, Abkürzung ESCAP; gegründet 1947, Sitz Bangkok), für Lateinamerika (Economic Commission for Latin America, Abkürzung ECLA; gegründet 1948, Sitz Santiago de Chile), für Westafrika (Communauté Economique de l’Afrique de l’Ouest, Abkürzung CEAO; gegründet 1973, Sitz Abidjan), für Westasien (Economic Commission for Western Asia, Abkürzung ECWA; gegründet 1973, Sitz Beirut). Siehe auch Wirtschaftskommission für Europa.

Wirtschaftsvertrag: Vertrag zwischen Wirtschaftseinheiten über ihre Kooperationsbeziehungen, der auf der Grundlage der staatlichen Pläne mit planvorbereitenden, -konkretisierenden und -durchführenden Funktionen sowie als Instrument der Verbindung von Planung und wirtschaftliche Rechnungsführung geschlossen wird, um den volkswirtschaftlich begründeten Bedarf möglichst effektiv zu decken. Hauptformen sind zum Beispiel der Koordinierungsvertrag und der Leistungsvertrag.

Wirtschaftsvertrag über wissenschaftlich-technische Leistungen: Vertrag in der sozialistischen Wirtschaft beziehungsweise zwischen Kombinaten und Akademieeinrichtungen, Universitäten und Hochschulen über solche Aufgaben des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, die vorwiegend durch geistig-schöpfer. Arbeit und wissenschaftliche Arbeitsmethoden gelöst werden. Dazu gehören zum Beispiel Forschungs-, Projektierungs-, Konstruktions-, Entwicklungs- und Erprobungsleistungen zu neuen Anlagen, Erzeugnissen oder Verfahren einschließlich Überleitung der Ergebnisse in die Produktion. In der Praxis ist es üblich, den Wirtschaftsvertrag über wissenschaftlich-technische Leistungen je nach der vereinbarten Leistung als Entwicklungs-, Forschungs-, Erprobungs-, Konstruktions- oder Projektierungsvertrag zu bezeichnen.

Wirtschaftswissenschaften: Gesellschaftswissenschaften, die sich mit der Erforschung ökonomischer Prozesse und Erscheinungen sowie der darin wirkenden ökonomischen Gesetze beschäftigen.

Wirtschaftszone, ökonomische Zone: außerhalb der Territorialgewässer gelegenes und an diese angrenzendes Gebiet, in welchem dem jeweiligen Küstenstaat ausschließliche souveräne und weitere Rechte zum Zwecke der Erforschung, Ausbeutung, Erhaltung und Bewirtschaftung lebender und nichtlebender Naturschätze des Meeresbodens und seines Untergrundes sowie der darüber liegenden Gewässer zustehen. Die Breite dieser ausschließlichen Wirtschaftszone soll 200 Seemeilen, gemessen von der Basislinie an der Küste, nicht überschreiten. Die Wirtschaftszone steht jedoch allen Staaten für die freie Schifffahrt, den Überflug, die Verlegung von Kabeln und Rohrleitungen unter anderem offen.

Wirtsrechner, Host Computer: Rechenautomat zur Entwicklung von Programmen für Rechenautomaten anderen Typs und meist eingeschränkt, zur Erprobung solcher Programme.

Wischnewski, Wsewolod Witaljewitsch, 21.12.1900-28.2.1951, russisch-sowjetischer Dramatiker; wurde vor allem durch seine Schauspiele über den Bürgerkrieg bekannt («Die erste Reiterarmee», 1929, deutsch; «Optimistische Tragödie», 1933, deutsch), die sich durch einen gefühlsbetonten, pathetischer Stil auszeichnen.

Wisch-Waschanlage: Vorrichtung an Kraftwagen (vorwiegend PKW und KOM) zum Säubern der Frontscheibe, bei der eine automatische Steuerung in Intervallen unterschiedlicher Dauer die Scheibenwaschanlage in Betrieb setzt.

Wisconsin: Bundesstaat im Norden der USA, im Westen vom Mississippi, im Osten vom Michigan-, im Norden vom Oberen See begrenzt; 145436 km2, 4,75 Millionen Einwohner (3% Afroamerikaner); 33 Einwohner/km2; Hauptstadt Madison. Glazial überformtes, seenreiches Hügel- und Flachland; bei gemäßigtem Kontinentalklima 45% Waldbedeckung; Hauptfluss ist der Mississippi. Wisconsin ist ein bedeutender Agrarproduzent der USA mit hochentwickelter Viehzucht und wichtiger Milchwirtschaft, daneben Anbau von Mais, Sojabohnen, Futtergräsern, Zuckerrüben, Kartoffeln, Obst, Tabak; bedeutende Forstwirtschaft; Fischfang im Michigansee. Hauptzweige der vor allem am Michigansee konzentrierten Industrie sind der Maschinenbau, die Lebensmittel-, Holzverarbeitungs- und Zementindustrie. Bedeutende Häfen am Michigansee: Milwaukee, Green Bay, am Oberen See: Superior; Hauptflughäfen: Madison, Milwaukee; zunehmender Tourismus.

Wisent, Bison bonasus: früher in der gemäßigten Klimazone Eurasiens weit verbreitetes Wildrind, heute nur noch in Schutzgebieten und Tiergärten; Schulterhöhe bis 2 m; frisst als Waldbewohner vorwiegend Laub und Zweige.

Wisla, Weichsel: Hauptstrom Polens; 1047 km; entspringt in den Westbeskiden an der Barania Gora (1220 m) nahe der Grenze zur SSR, durchfließt einen Grabenbruch zwischen den Beskiden und der Wyzyna Malopolska und dann die Enge zwischen der Wyzyna Kielecko-Sandomierska und Wyzyna Lubelska, danach als Tieflandfluss in breiter, fruchtbarer Aue Mittel- und Nordpolen und mündet mit einem Delta (3 größere Teilarme) in die Bucht von Gdansk (Ostsee); längste Nebenflüsse sind von rechts Narew, San, Wieprz und Dunajec, von links Pilica, Brda, Wda und Bzura; auf 941 km ab Oswiecim schiffbar, Schifffahrt jedoch durch Eisschluss und unausgeglichene Wasserführung behindert. Kanalverbindungen über Notec und Warta zur Oder und über Narew zum westlichen Bug; Wasserkraftwerk bei Wloclawek (162 MW).

Wisla Haff: flacher Strandsee an der Ostseeküste, durch die Wisia Nehrung von der Bucht von Gdansk getrennt; Westteil zu Polen (Zalew Wislany), Ostteil zur UdSSR (Kaliningradski Saliw (Kaliningrader Bucht)); 840 km2, 90 km lang, 2 bis 25 km breit, 3 bis 5 m tief; Abfluss zur Gdansker Bucht durch das 860 m breite Tief von Baltisk.

Wisla Nehrung: 60 km lange und bis 2 km breite Landzunge, die das Wisla Haff von der Gdansker Bucht (Ostsee) trennt; Westteil zu Polen (Mierzeja Wislana), (Baltijskaja Kossa ¡Ostseenehrung)); Sanddünen. Im Osten bei Baltisk von einem 42 km langen Seekanal durchzogen.

Wismar: Stadtkreis im Bezirk Rostock, an der Südspitze der Wismarbucht; 58000 Einwohner; Mathias-Thesen-Werft, Zulieferbetriebe für den Schiffbau, Möbel-, Papier-, Nahrungsmittel-, Bauindustrie; zweitgrößter DDR-Überseehafen; Ingenieurhochschule; Theater, Museum, Sport- und Mehrzweckhalle; neue Wohnviertel; Seebad Wendorf. Komplexe Rekonstruktion und Restaurierung der mittelalterlichen Altstadt mit Marktplatz, Fußgängerboulevard Krämerstraße, Backsteinbauten (im 2. Weltkrieg zum Teil zerstört), wie Georgen-, Nikolai-, Marienkirche (nur Turm erhalten), alle 13./15. Jahrhundert, Heiliggeist-Spital (spätgotische Anlage); Fürstenhof (16. Jahrhundert; heute Kreisgericht, Stadtarchiv); historische Giebelhäuser («Alter Schwede», um 1380; Schabbellhaus, heute Heimatmuseum, 1569/71; unter anderem), Wasserkunst (1580/1602), Wassertor (um 1450), klassizistisches Rathaus (1817/19). 1229 als Stadt genannt; seit 1358 Mitglied der Hanse, wirtschaftliche Blüte durch Fernhandel, Bierbrauerei und Wollweberei; 1648/1803 schwedisch, danach an Mecklenburg. 1946 Mathias-Thesen-Werft gegründet.

Wismut: («Wiesenmutung») zu Wiesen, einem erzgebirgischem Flurnamen, und Mutung, dem Anspruch auf bergmännische Erzschürfung) n, fachsprachlich Bismut n, Symbol Bi: chemisches Element der Kernladungszahl 83; Atommasse 208,9804; Wertigkeit +3, seltener +5; F 271 °C, Kp 1560°C; Dichte 9,80 g/cm3; kommt in der Natur gediegen, in den Mineralen Bismuthinit (Wismutglanz) und Wocker sowie in Bleierzen vor. Wismut ist ein rotstichig silberglänzendes, leicht kristallisierendes, sprödes, gegenüber Luft, Wasser und nichtoxydierenden Säuren beständiges Metall; in Salpetersäure löst es sich leicht. Man verwendet Wismut in der Kerntechnik und zur Herstellung niedrigschmelzender Legierungen, zum Beispiel Woodsches Metall. Wismut wurde vermutlich schon im Altertum hergestellt. Neu entdeckt wurde es im 15. Jahrhundert; erste Angaben über die Gewinnung finden sich 1529 bei G. Agricola. Die Elementnatur wurde erst im 18. Jahrhundert eindeutig erkannt.

Wismutieren: Beschichten von Metallen mit Wismut, zum Beispiel zur Herstellung von Wismut Elektroden zur pH-Messung. Die Teile werden entweder in eine Wismut Schmelze getaucht, oder das Wismutieren erfolgt galvanisch.

Wismut Spirale: flache, bifilar gewickelte Spule aus Wismut Draht zur Messung der magnetischen Feldstärke auf Grund der Änderung des elektrischen Widerstandes von Wismut im Magnetfeld.

Bismutverbindungen: Substanzen, in denen Wismut, meist als farbloses Bi3+-Ion, chemisch gebunden ist. Bismut Chlorid und Bismut Nitrat, sind farblos und hygroskopisch; mit viel Wasser ergeben sie Bismutoxidchlorid beziehungsweise Bismutoxidnitrat als weiße Niederschläge. Bismutoxid ein gelbes, und Bismuthydroxid ein weißes Pulver, haben basischen Charakter; das Oxid dient zur Herstellung optischer Gläser. Wismutsulfid kommt in der Natur als Bismuthinit (Wismutglanz) vor; aus Lösungen gefällt, bildet es ein braunes, unlösliches Pulver.

Wissenschaft: historisch entstandene und sich entwickelnde Gesamtheit spezifischer gesellschaftlicher Arbeitsprozesse, die auf die Gewinnung, Verarbeitung, Vermittlung und Anwendung von Erkenntnissen über gesetzmäßige Zusammenhänge in der objektiven Realität gerichtet sind, sowie das System dieser Erkenntnisse selbst. Das spezifische Primärprodukt wissenschaftliche Tätigkeit sind empirische und theoretische wissenschaftliche Erkenntnisse über die Natur, die Gesellschaft und das Denken, die in den Einzelwissenschaften als logisch geordnete und entwicklungsfähige Systeme von Begriffen, Aussagen, Theorien, Hypothesen unter anderem zusammengefasst sind. Diese sind Widerspiegelungen von Gegenständen, Eigenschaften, Strukturen und Prozessen der objektiven Realität und bilden eine Form des gesellschaftlichen Bewusstseins. Als gesellschaftliche Tätigkeit ist die Wissenschaft sozialökonomisch determiniert; ihre grundsätzlichen Ziele ergeben sich aus den Existenz-, Produktions- und Reproduktionsbedingungen der jeweiligen Gesellschaftsordnung, aus grundlegenden gesellschaftlichen Bedürfnissen und ihrem eigenen Entwicklungsstand. Als Einheit von materieller und ideeller Tätigkeit ist die Wissenschaft Produkt der gesellschaftlichen Praxis und zugleich Grundlage und Voraussetzung zielstrebigen und erfolgreichen menschlichen Handelns; ihre Erkenntnisse finden in allen gesellschaftlichen Bereichen Anwendung. Von besonderer Bedeutung ist ihre Rolle als unmittelbare Produktivkraft der Gesellschaft, zu der sie sich in dem Maße entwickelte, wie sich ihre Erkenntnisse in Arbeitsmitteln und -gegenständen, technologischen Prozessen und Erzeugnissen der materiellen Produktion materialisierten. Im Kapitalismus unterliegt die Wissenschaft den Verwertungsbedingungen des Kapitals; ihre Nutzung im Profit- und Machtinteresse der herrschenden Klasse führte über ihren militärischen Missbrauch bis zur heutigen Gefahr der Vernichtung der Menschheit in einem Kernwaffenkrieg. Der fortschrittsfördernde und humanistischer Charakter der Wissenschaft vermag sich nur unter sozialistischen Verhältnissen voll zu entfalten; die Ergebnisse der Wissenschaft und ihre rasche und breitenwirksame Anwendung in der Produktion dienen hier der Erhöhung der ökonomischen Leistungskraft der sozialistischen Gesellschaft, der Entwicklung ihres militärischen Schutzes, dem sozialen Fortschritt sowie der sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung. Die hohe Dynamik des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts, seine rasche Umsetzung in grundlegend neue Technologien und deren breite Anwendung in der Produktion sind Basis der revolutionären Veränderungen, die sich gegenwärtig in den Produktivkräften vollziehen (wissenschaftlich-technische Revolution). In der Gegenwart führt die Entwicklung der Wissenschaften einerseits zu immer stärkerer Differenzierung der Wissenschaften, zur Entstehung neuer Disziplinen, von Grenzwissenschaften und Querschnittswissenschaften, andererseits zu einer stetigen Vereinheitlichung des wissenschaftlichen Weltbildes (Integration der Wissenschaften). Das System der Wissenschaften kann nach dem Gegenstand in Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften, aber auch nach den Methoden, dem Abstraktionsgrad und anderen Gesichtspunkten klassifiziert werden.

wissenschaftlicher Gerätebau: Entwicklung, Konstruktion und Fertigung feinmechanische-optische-elektronische Präzisionsgeräte für Forschung, Labor und Industrie. Zu den Erzeugnissen des wissenschaftlichen Gerätebau gehören hauptsächlich Geräte zur Fertigungsmesstechnik, zur Messung physikalischer und chemischer Größen, für die Medizin, zur Fotogrammetrie und Geodäsie; oft ermöglichen sie Prozesse der automatischen Steuerung, Messwerterfassung und -Verarbeitung.

wissenschaftlicher Kommunismus, wissenschaftlicher Sozialismus: 1. der Marxismus-Leninismus, der in der Einheit seiner philosophischen, ökonomischen und sozialpolitischen Anschauungen die welthistorische Mission der Arbeiterklasse, die Beseitigung des Kapitalismus wie jegliche Ausbeutung und Unterdrückung und den Aufbau des Sozialismus und Kommunismus wissenschaftlich begründet.

2. Wissenschaft von der sozialistischen Revolution und vom Aufbau des Sozialismus und Kommunismus; einer der Bestandteile des Marxismus-Leninismus; untrennbar verbunden mit der Philosophie (dialektischen und historisches Materialismus) und der politischen Ökonomie der Arbeiterklasse; erforscht die Bedingungen, Gesetzmäßigkeiten, Formen und Mittel der Verwirklichung der welthistorischen Mission der Arbeiterklasse, den I Klassenkampf und die sozialistische Revolution, den I revolutionären Weltprozess, den Aufbau des Sozialismus und Kommunismus, die Strategie und Taktik der marxistisch-leninistischen Partei. Der wissenschaftliche Kommunismus ist eine internationale Lehre; er wird durch die Erfahrungen des Kampfes für Frieden, Demokratie, nationale Befreiung und Sozialismus ständig bereichert und gehört zu den unmittelbaren wissenschaftlichen Grundlagen des Programms und der Strategie und Taktik der marxistisch-leninistische Parteien.

wissenschaftlich-phantastische Literatur: Literatur, die stofflich-thematisch sowie in der Art ihrer künstlerischen Gestaltung wissenschaftlichem Denken mit phantasievollen Visionen und Hypothesen vereinigt; wendet sich meist der Zukunft (Zukunftsliteratur)I, seltener der Vergangenheit zu. Die ältere utopische Literatur beschreibt idealisierte gesellschaftliche Zustände als gegenwärtig oder künftig real existierend. Da solche Zustände nur in der Vorstellung, niemals in der Wirklichkeit möglich sind, ist sie von jener wissenschaftlich-phantastischen Literatur abzugrenzen, die durchaus mögliche soziale und technische Entwicklungen vorwegnimmt. Zur eigentlichen utopischen Literatur rechnen bestimmte Werke der bürgerlichen Aufstiegsperiode (Morus «Utopia», 1516; G. D. Campanella «Der Sonnenstaat», 1623; F. Bacons «Neu-Atlantis», 1626; alle deutsch). In der deutschen Literatur finden sich Züge der utopischen Literatur, zum Beispiel in H. J. C. von Grimmelshausens «Simplicissimus» (1669) und J. Goethes «Faust n» (1832). Die bürgerliche utopische Literatur der Gegenwart geht in der Regel am Kampf der Arbeiterklasse um die reale Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft vorbei. Bedeutende Autoren älterer phantastischer Literatur, teilweise mit satirischen Zügen, sind F. Rabelais («Gargantua und Pantagruel», 1532/52) sowie im 19. Jahrhundert A. Bierce, F. O’Brien, E. A Poe, P. Scheerbart. In neuerer Zeit entstand mit der Science-fiction (englisch, «Wissenschaftsdichtung») eine wissenschaftlich-phantastische Literatur, die vor allem die Perspektiven von Naturwissenschaft und Technik vorzustellen sucht. Modellwirkung übten die unterhaltenden, abenteuerlich-phantastische Romane von J. Verne aus; Mitbegründer und früher wichtiger Vertreter wurde H. G. Wells, in Deutschland K. Laßwitz («Auf zwei Planeten», 1897). Erforschung der Galaxien, Weltraumabenteuer, Begegnungen mit Außerirdischen, Sich-Verselbständigen der Technik wurden gängige Themen. Bürgerlich-humanistische Autoren benutzen «Anti-Utopien» als Gesellschaftssatire (K. Capek, A. Huxley, R. Bradbury, K. Vonnegut). Zunehmend geriet jedoch bei bürgerlichen Autoren die Darstellung erschreckender Endzeitzustande menschlicher Zivilisation (technische und soziale Katastrophen) in den thematischen Mittelpunkt. Ebenso sank die Science-fiction in den kapitalistischen Ländern nach dem 2. Weltkrieg immer mehr zur effektvollen, aber anspruchslosen Trivial-, oft Schundliteratur mit massenhafter Verbreitung (auch als Comics). Sozialistische Autoren stellen hingegen die Wechselbeziehungen zwischen gesellschaftlicher Entwicklung und technischer Fortschritt in der Zukunft dar (A. N. und B. N. Strugazki, S. Lem). Auch bedeutende Autoren der Erzählkunst (A. France, H. Hesse, A. Seghers, A. N. Tolstoi) verwendeten in ihrem Schaffen Elemente des Genres der wissenschaftlichen Literatur.

wissenschaftlich-technische Revolution: objektiver gesellschaftlicher Prozess revolutionärer Umwälzungen in den materiell-gegenständlichen Grundlagen der produzierenden und nichtproduzierenden Bereiche der Gesellschaft. Sie wurde durch revolutionäre Fortschritte in den Naturwissenschaften vorbereitet und entfaltet sich seit der Mitte des 20. Jahrhundert Sie ist historisch und logisch eingeordnet in den wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Die wissenschaftliche Revolution übt einen tiefgreifenden Einfluss auf alle Zweige der Volkswirtschaft, auf die gesamte Ökonomie eines Landes aus. Arbeitsinhalte, die Bildung und Kultur und die gesamte Lebensweise der Menschen werden durch die wissenschaftlich-technische Revolution durchdrungen. Obwohl von den wissenschaftlich-technischen Elementen der Produktivkräfte ausgehend, ist die wissenschaftlich-technische Revolution kein gesellschaftsneutraler Prozess. Im Kapitalismus dient die wissenschaftlich-technische Revolution der Profitmaximierung, der verschärften Ausbeutung und der Stärkung der Machtpositionen der Monopole. Im Sozialismus stellt die Arbeiterklasse die wissenschaftlich-technische Revolution planmäßig in den Dienst der Verwirklichung ihrer historischen Ziele. Während im Kapitalismus die wissenschaftlich-technische Revolution den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen unermesslich verschärft, ist sie im Sozialismus der entscheidende Prozess zur Höherentwicklung seiner materiell-technischen Basis und wird zur allmählichen Herausbildung der materiell-technischen Basis des Kommunismus führen. Die wissenschaftlich-technische Revolution kann nur unter sozialistischen und später unter kommunistischen Produktions- und Eigentumsverhältnissen zum Wohle der Menschen vollendet werden. Die organische Verbindung der Errungenschaften der wissenschaftlich-technischen Revolution mit den Vorzügen des Sozialismus ist unerlässlich für den Übergang zum allseitig ressourcensparenden Typ der intensiv erweiterten Reproduktion und für die weitere Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft sowie die Klassenauseinandersetzung mit dem Imperialismus. Die Möglichkeiten der wissenschaftlich-technischen Revolution sind unmittelbar zur Hauptreserve für Leistungswachstum und Effektivität in der sozialistischen Volkswirtschaft geworden.

wissenschaftlich-technischer Fortschritt: historisch unbegrenzter Prozess der Erkenntnis und produktiven Anwendung der Gesetze von Natur und Gesellschaft durch die Menschen, der jeweils im Rahmen historisch bestimmter Produktionsverhältnisse verläuft. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt beinhaltet einerseits die Vervollkommnung vorhandener technischer Mittel auf der Grundlage bekannter Prinziplösungen (evolutionäre Komponente des wissenschaftlich-technischen Fortschritts) und andererseits die Hervorbringung prinzipiell neuer technischer Lösungen mit sprunghaft wachsenden Effektivitäts- und Leistungsparametern (revolutionäre Komponente des wissenschaftlich-technischen Fortschritts). Bei der Beherrschung des wissenschaftlichen Fortschritts kommt es auf die richtige Erkenntnis der objektiven Entwicklungsprozesse in den Wissenschaften, die Konzentration des Forschungspotentials auf besonders effektivitätsfördernde Hauptlinien, auf eine rasche Überleitung der wissenschaftlich-technischen Ergebnisse in die Produktion und eine hohe Ausbreitungsgeschwindigkeit der neuen Lösungen an. Die revolutionäre Komponente des wissenschaftlich-technischen Fortschritts findet gegenwärtig ihren Ausdruck in der wissenschaftlich-technischen Revolution, wobei der wissenschaftlich-technische Fortschritt historisch wie logisch das Umfassendere, Übergreifende ist. Im Sozialismus verläuft der wissenschaftlich-technische Fortschritt unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistische Partei als planmäßiger Prozess im Interesse der Leistungssteigerung der Volkswirtschaft und der kontinuierliche Verbesserung des Lebensniveaus der Werktätigen. Das erfordert die dialektische Einheit von sozialem, ökonomischem, geistig-kulturellem Fortschritt und wissenschaftlich-technischen Fortschritt. Der wissenschaftliche Fortschritt und seine Beschleunigung sind Hauptfaktor der Intensivierung und die entscheidende Quelle wachsender Effektivität und eines stabilen und dynamischen Wirtschaftswachstums für die Verwirklichung der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik.

wissenschaftlich-technischer Rechtsschutz: Zweig des einheitlichen sozialistischen Rechts der DDR, der die gesellschaftlichen Beziehungen im Prozess des Schaffens und Nutzens von Neuerungen, Erfindungen, industriellen Formgestaltungen und neuen Pflanzensorten sowie die Kennzeichnung der Herkunft von Waren und Dienstleistungen regelt.

wissenschaftlich-technischer Vorlauf: zeitlich quantitativer und qualitativer Vorsprung wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zum Erreichen eines international hohen technischen ökonomischen, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Niveaus der Produktion und der Erzeugnisse. Er dient zur Sicherung einer immer besseren materiellen und geistig-kulturellen Bedürfnisbefriedigung der Werktätigen sowie des Bedarfs der Volkswirtschaft und der Außenwirtschaft.

Wissenschaftsmoral, Wissenschaftlerethos: moralische Orientierungen und Verhaltensweisen der mit wissenschaftlicher Arbeit, ihren Grundlagen, Ergebnissen und deren Anwendung befassten Menschen. Der soziale Charakter der Wissenschaftsmoral wird durch die zugrunde liegenden Klasseninteressen bestimmt; in der Klassengesellschaft gibt es keine klassenneutrale Wissenschaftsmoral Auseinandersetzungen zwischen humanistische und antihumanistische Positionen finden auch zwischen Vertretern der Ausbeuterklassen statt. Die wissenschaftlich-technische Revolution erzwingt, insbesondere in Fragen der Erhaltung des Friedens, der Durchsetzung sozialen Fortschritts, des Schutzes der Umwelt und der Gesundheit, weltweite Auseinandersetzungen um die Bewahrung humanistischer-progressiver Moral in der Wissenschaft.

Wissenschaftsorganisation: Gesamtheit der Mittel und Maßnahmen, mit deren Hilfe wissenschaftlicher Arbeitsprozesse und deren Verflechtung mit anderen gesellschaftlichen Tätigkeitsbereichen, insbesondere der materiellen Produktion, so gestaltet werden, dass die Ziele mit höchstem Nutzeffekt erreicht werden. Hauptaufgaben der Wissenschaftsorganisation sind die Steigerung der Produktivität und Effektivität der wissenschaftlichen Arbeit sowie die rasche und ökonomisch wirksame Umsetzung ihrer Resultate.

Wissenschaftstheorie, Wissenschaftswissenschaft, Wissenschaftsforschung: wissenschaftliche Disziplin, deren Gegenstand die Wissenschaft selbst ist. Die Wissenschaftstheorie untersucht die Wissenschaft hinsichtlich ihres Entstehungs-, Begründungs- und Wirkungszusammenhanges. Sie strebt eine Synthese der hierzu vorliegenden Resultate anderer wissenschaftlichen Disziplinen, besonders der Erkenntnistheorie, Soziologie, Ökonomie, Psychologie und Wissenschaftsgeschichte an und setzt deren Methoden zur weiteren Erforschung ihres Gegenstandes ein.

Wissenssoziologie: in den 20er Jahren von K. Mannheim und M. Scheler begründete unwissenschaftlicher Richtung der bürgerlichen Philosophie und Soziologie. Die Wissenssoziologie will die «Seinsgebundenheit» des menschlichen Wissens nachweisen, ohne die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse als die materielle Grundlage des gesellschaftlichen Seins zu akzeptieren. Sie ist eine Reaktion auf den Marxismus-Leninismus, gegen den sie sich offen wendet.

Wissensspeicher: Veröffentlichungen (oder auch Informationsfonds), die das menschliche Wissen in Form von Begriffen, Kategorien, Maßbestimmungen, Theorien, Gesetzen unter anderem in sehr verdichteter, leicht überschaubarer Form zusammenfassend darbieten unter Verwendung tabellarischer, graphischer und anderer schematischer Darstellungen, zum Beispiel Nachschlagewerke, Tabellenbücher, Enzyklopädien.

Wisten, Fritz, 25.3.1890-12.12.1962, Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter österreichischer Herkunft; entwickelte sich zu einem profilierten Charakterdarsteller an verschiedenen deutschen Theatern; als rassisch Verfolgter wirkte er seit 1933 am Theater des jüdischen Kulturbundes in Berlin; 1941/45 im KZ; 1946/54 Intendant des Theaters am Schiffbauerdamm, 1954/61 der Volksbühne, Berlin.

Witbooi, Hendrik, 1824-3.11.1905, Häuptling der Namas, Führer ihrer Aufstände 1893 und 1904 in der damaligen deutschen Kolonie Südwestafrika (Namibia).

Witoscha, Vitosa: kleines Gebirge im Westen Bulgariens, unmittelbar am südlichen Stadtrand von Sofia, aus Syenit und Andesit aufgebaut; höchste Erhebung Tscherni Wrach (2290 m; am Bergfuß Aleko Plateau mit dem Kur- und Erholungsort Aleko)\ teilweise Hochgebirgscharakter; bewaldet; zum Teil Nationalpark; Wintersport.

Witt: 1. Johan de, 24.9.1625-20.8.1672 (ermordet), niederländischer Staatsmann; forderte als Führer der republikanisch-ständ. Partei (seit 1652) die Aufhebung der Statthalterschaft; durch ein Bündnis zwischen den Niederlanden, England und Spanien zwang er 1668 Ludwig XIV. zum Verzicht auf die Niederlande.

2. Katarina, geboren 3.12.1965, Eiskunstläuferin; Olympiasiegerin 1984, Weltmeisterin 1984,1985 und 1987, Europameisterin 1983/87 im Einzellauf.

Witte, Emanuel de, um 1617-1692, holländischer Maler; als Spezialist für Kircheninterieurs gelangte Witte durch weiche Rhythmisierung der Licht-Schatten-Effekte zu weiter Raumwirkung; gehört als einer der bedeutendsten Vertreter des Architekturbildes zu den Hauptmeistern der holländischen Malerei.

Witten, Hans, Meister H. Witten, um 1470/80-nach 1522, spätgotischer Bildhauer; vorwiegend in Obersachsen, aber auch in Goslar und Halle tätig; angeregt von der niedersächsischen Plastik des 15. Jahrhundert sowie zeitgenössische Graphik, schuf er phantasievolle Werke, die naturnahe Beobachtung im Figürlichen wie Dekorativen widerspiegeln; Hauptwerke: «Tulpenkanzel» im Dom zu Freiberg (um 1510), «Schöne Tür» in der Annenkirche zu Annaberg-Buchholz (1512).

Wittenberg, Lutherstadt Wittenberg: Kreisstadt im Bezirk Halle, rechts der Elbe; 54000 Einwohner; VEB Kombinat Agrochemie mit Stammbetrieb VEB Stickstoffwerk im Stadtteil Piesteritz, Maschinen-, Mühlen-, Chemieanlagen-, Apparatebau sowie Gummi-, haushaltchemische, Metall-, Möbel-, Nahrungsmittelindustrie; Elbhafen; Theater, Lutherhalle (im Lutherhaus) und andere Museen; Stadthalle, Volkspark. Altstadt mit spätgotischer Stadtkirche St. Marien (Altarbild von L. Cranach der Ältere und der Jüngere), Schloss (1489/1525; später stark verändert) mit Schlosskirche (Ende 15. Jahrhundert, erneuert 19. Jahrhundert; mit den Gräbern M. Luthers und P. Melanchthons), Rathaus (1523/35), davor Luther- (von J. G. Schadow und K. F. Schinkel) und Melanchthon Denkmal (von F. Drake und H. Strack), Lutherhaus (1502; Museum), Melanchthonhaus (1536; Museum), Wohnhaus von L. Cranach d. A. 1180 askanischer Burg erwähnt, 1293 Stadtrecht; nach 1486 Residenz der Wettiner. Die 1502 gegründete Universität bestand bis 1813 und wurde durch Luther zum Ausgangspunkt der Reformation in Deutschland.

Wittenwiler, Heinrich, Heinrich von Wittenwil, um 1360-1436, schweizerischer Dichter deutscher Sprache; Verfasser des komischen und didaktischen Versepos «Der Ring» (um 1410), das in der grobianischen Darstellung einer Bauernhochzeit zugleich eine Satire auf den Zerfall des Ritterstandes und die Schwächen der Zeit vermittelt.

Witterung:

1. Jagdwesen: a) Ausdünstung von Tier und Mensch, die vom Wild und Hund gerochen wird;

b) scharfriechendes Mittel zum Anlocken des Haarraubwildes.

2. Meteorologie: Gesamtheit der einzelnen Wettererscheinungen während eines bestimmten Zeitabschnittes.

Wittgenstein, Ludwig, 26.4.1889-29.4.1951, österreichischer Philosoph, Logiker; ausgehend von B. Russell, beeinflusste er wesentlich die Entwicklung der modernen formalen Logik («Tractatus logico-philosophicus», 1921). Wittgenstein, Neopositivist, behauptete, dass Mathematik und Logik nichts über die Wirklichkeit aussagen; die Frage nach der objektiven Realität der materiellen Welt sei ein Pseudoproblem.

Wittling, Merlangius merlangus: meist unter 40 cm Länge bleibender Dorschfisch mit vorstehendem Oberkiefer und ohne Bartfaden; wirtschaftlich bedeutender, schmackhafter Küstenfisch des Nordostatlantiks einschließlich der Randmeere. Der bis 50 cm lange Blaue Wittling (Micromesistius poutassou) lebt im freien Wasser bis 400 m Tiefe.

Wittstock, Erwin, 25.2.1899-27.12.1962, rumänischer deutschsprachiger Schriftsteller; schuf formstrenge realistische Erzählungen («Der Sohn des Kutschers», 1954), Novellen und Romane («Bruder, nimm den Bruder mit», 1934) sowie das sozialkritische Schauspiel «Die Töpfer von Agnethendorf»(1954).

Witwatersrand: Höhenzug in Transvaal (Republik Südafrika); etwa 200 km lang, bis 1800 m über dem Meeresspiegel; durch Gold- und Uran-, aber auch Diamanten- und Steinkohlenfunde Entwicklung zum größten afrikanischen Bergbau- und Industriegebiet; Zentrum Johannesburg.

Witwen: Webervögel Afrikas, die Männchen mit stark verlängerten Schwanzfedern; Brutparasiten, die ihre Eier in die Nester von Prachtfinken legen.

Witwenrente: Rente der Sozialversicherung bei Tod eines Versicherten an dessen hinterbliebenen Ehegatten (Witwe oder Witwer); wird gewährt, wenn der Verstorbene überwiegend die Aufwendungen für die Familie erbracht hat und der hinterbliebene Ehegatte Rentner ist oder kleine Kinder zu versorgen hat.

Witz: (althochdeutsch, zu «wissen») epische Kurzform, deren spezifische jeweils feste sprachliche Struktur einen verborgenen Zusammenhang enthält, dessen mit Spannung erwartete Aufdeckung eine überraschende humorvolle Lösung (Pointe) bietet; brachte schon im Altertum und Mittelalter Volksphantasie und Sozialkritik zum Ausdruck; wird meist mündlich verbreitet.

Witz, Konrad, um 1400 um 1444/46, Maler; Hauptmeister der altdeutschen Malerei, Wegbereiter des Realismus; Witz verbindet genaues Erfassen der Wirklichkeit und die Fähigkeit, die Dinge in ihrer stofflichen Struktur und Körperlichkeit wiederzugeben, mit idealem Pathos; neu für die Kunst seiner Zeit ist die Darstellung lichterfüllter Innenräume von überzeugender Raumillusion sowie die Vielfalt genau beobachteter Einzelheiten. Mit der Schilderung eines bestimmten Landschaftsausschnittes vom Genfer See auf seinem Gemälde «Petri Fischzug» (1444) vom Genfer Petrialtar schuf er die erste topographisch bestimmbare Landschaftsdarstellung in der deutschen Kunst.

Wjatka: 1. rechter Nebenfluss der Kama, im Osten der Osteuropäische Ebene; 1314 km; entspringt dem Oberen Kama Hochland; längste Nebenflüsse sind Kobra, Moloma und Pishma (von rechts) und Tschepza und Kilmes (von links); ab Kirow schiffbar.

2. Kirow.

Wjela-Radyserb, Jan, Johann Wehle, 8.1.1822 bis 19.1.1907, sorbischer Schriftsteller. Sein Balladenwerk spiegelt Denken, Fühlen und Leiden der Sorben; ferner historische Erzählungen, Fabeln, Kinderreime; trug über 9000 Sprichwörter zusammen (1902).

Wladigerow, Pantscho, 13.3.1899-8.9.1978, bulgarischer Komponist und Pianist; studierte und wirkte bis 1932 in Berlin (unter anderem bei M. Reinhardt); seit 1932 Professor an der Musikakademie Sofia; vollbrachte für die Entwicklung der bulgarischen Konzertmusik (insbesondere 5 Klavierkonzerte, Kammermusik) Pionierleistungen.

Wladimir, Großfürsten von Kiew: 1. Wladimir Swjatoslawitsch, gestorben 1015, Großfürst seit etwa 980; vereinigte die Kiewer Rus und dehnte deren Gebiet durch Feldzüge aus; führte um 988 das griechische orthodoxe Christentum als Staatsreligion ein.

2. Wladimir Wsewolodowitsch Monomach, 1053-1125, Fürst von Tschernigow seit 1078 und von Perejaslaw seit 1094, Großfürst seit 1113; sicherte die Kiewer Rus gegen die Überfälle der Polowzer und führte sie zu nochmaliger Blüte.

Wloclawek: 1. Wojewodschaft im mittleren Teil Polens; 4402 km2, 420000 Einwohner; 95 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Wloclawek 2. Im Zentralteil Niederungen der Wislatal-Weitung, südöstlich und nordwestlich davon seenreiches hügeliges Moränenland. Agrar-Industrie-Gebiet; Getreide-, Kartoffel- und Zuckerrübenanbau sowie Viehzucht; Hauptindustriezweige sind Nahrungsmittel-, chemische, Maschinenbau-, Porzellan- und Papierindustrie, besonders in Wloclawek.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Wloclawek 1, an der Wisla, inmitten eines Seengebietes; 115000 Einwohner; Chemiekombinat (Stickstoffdünger, Plaste), Erdöl-, Metallverarbeitung, Landmaschinenbau, Nahrungsmittel-, Papierindustrie, Porzellanherstellung; Wasserkraftwerk (162 MW); Flusshafen; Museum der Region Kujawy; Baudenkmäler, besonders gotische Kathedrale (14./15. Jahrhundert).

Wobbeln: (englisch to wobble (wobl), «schwanken») periodische Änderung der Frequenz eines Generators innerhalb eines festgelegten beziehungsweise einstellbaren Frequenzbereiches zur Frequenzgangdarstellung von Vierpolen auf dem Leuchtschirm von Elektronenstrahloszilloskopen.

Woche: geregelte Folge von Arbeits- und arbeitsfreien Tagen. Die Woche zu 7 Tagen wurde aus dem jüdischen Kalender übernommen. Ebenso hatten der ägyptische, der indische und wahrscheinlich schon der babylonische Kalender eine Woche zu 7 Tagen, der römischen dagegen zu 8 und der griechischen zu 10 Tagen. In der Französischen Revolution wurde die Zehntagewoche eingeführt, aber nach 12 Jahren wieder abgeschafft.

Wochenbett, Puerperium: durchschnittlich 6 Wochen umfassender Zeitabschnitt von der Geburt des Kindes und der Plazenta bis zur Rückbildung der Schwangerschafts- und Geburtsveränderungen am Genitale und im Gesamtorganismus der Frau.

Wochenfeiertage: die auf einen Werktag fallenden gesetzlichen Feiertage.

Wochenfluss, Lochia: nach der Geburt auftretende, etwa 20 bis 40 Tage anhaltende Wundabsonderung aus der Gebärmutter; anfangs blutig, vom 4. bis 5. Tag an bräunlich, später gelblich, nach 14 Tagen hell, wässrig.

Wochengeld: Geldleistung der Sozialversicherung an versicherte Werktätige während der Zeit des Wochenurlaubs; wird in Höhe des Nettodurchschnittsverdienstes gezahlt.

Wodan, Wotan, germanischer Gott (altnordisch Odin), verehrt als Urheber von Kultur, Kriegskunst (Walhall), Weissagung, Runenzauber und Dichtkunst; in Skandinavien, in den Niederlanden und in englischsprachigen Ländern ist der Mittwoch nach Wodan benannt.

Wodka: (russisch, «Wässerchen») extraktfreier, wasserheller Trinkbranntwein aus Sprit und beziehungsweise oder Kornfeindestillat im Allgemeinen ohne Zusätze; Volumenanteil an Alkohol 40%.

Woestijne, Karel van de, 10.3.1878-23.9.1929, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; bedeutendster Vertreter des Symbolismus in der flämischen Literatur; schrieb sensitive Lyrik («Der Modermann», 1920), Erzählungen («Der Bauer stirbt», 1915), essayistische und kritische Prosa.

Wöhler: 1. August, 22.6.1819-21.3.1914, Ingenieur; begann 1856 die ersten Versuche zur Ermittlung der Dauerfestigkeit von Eisen und Stahl und entwickelte verschiedene Werkstoffprüfgeräte; gab 1876 Festigkeitsvorschriften für Eisen und Stahl heraus.

2. Friedrich, 31.7.1800-23.9.1882, Chemiker; seit 1836 Professor in Göttingen; engster Freund von J. Liebig, mit dem er gemeinsame Untersuchungen durchführte, unter anderem über das «Radikal der Benzoesäure». Wöhler gewann 1827 erstmals Aluminium und stellte 1828 als erster eine organische Verbindung (Harnstoff) aus einer anorganischen Substanz (Ammoniumcyanat) her.

Wohlfahrtsausschuss, Comité de Salut public: während der Franzos. Revolution am 6.4.1793 gegründeter Konvents Ausschuss mit 9 bis 12 Mitgliedern, unter M. de Robespierre Zentrum und faktisch Regierung der Jakobinerdiktatur; hatte wesentlichen Anteil an der Schaffung einer straffen Verwaltung, der Aufstellung schlagkräftiger Revolutionsarmeen, an der Durchsetzung der revolutionären Terreur sowie an der Niederwerfung der inneren und äußeren Konterrevolution; nach dem Sturz Robespierres von den Thermidorianern schrittweise entmachtet und 1795 ganz aufgelöst.

Wohlgemuth: 1. Gerhard, geboren 16.3.1920, Komponist; schrieb Werke aller Gattungen (unter anderem 3 Sinfonien, 3 Streichquartette, Violinkonzert) auch für das Laienmusizieren.

2. Joachim, geboren 27.6.1932, Schriftsteller; schreibt Erzählungen über die Jugend beim sozialistischen Aufbau («Egon und das achte Weltwunder», 1962; «Der Vater bin ich», 1977; «Das Puppenheim in Pinnow», 1984); Hör- und Fernsehspiele.

Wohlordnungsrelation: Halbordnungsrelation R in einer gegebenen Menge M, bei der jede nichtleere Teilmenge von U ein Minimum (kleinstes Element) bezüglich R hat. Jede Wohlordnungsrelation ist eine Ordnungsrelation; zum Beispiel ist die Anordnung der natürlichen Zahlen ihrer Größe nach eine Wohlordnungsrelation in der Menge der natürlichen Zahlen.

Wohltemperierte Klavier, Das: Werk von J. S. Bach in 2 Teilen (1722/1744); Sammlung von je 24 Präludien und Fugen in allen Dur- und Molltonarten des zwölfstufig temperierten Tonsystems, zusammengestellt nach pädagogischen Gesichtspunkten.

Wohmann, Gabriele, geboren 21.5.1932, Schriftstellerin; beschreibt in gesellschaftskritischen Erzählungen («Mit einem Messer», 1958; «Paarlauf», 1979), Romanen («Abschied für länger», 1965; «Ernste Absicht», 1970), Gedichten, Hörspielen, Fernsehspielen die Gefährdung des Individuums durch Isoliertheit, Selbstsucht und Manipulierung.

Wohnsitz, Domizil: Ort des gewöhnlichen Aufenthalts eines Bürgers; bedeutsam zum Beispiel für die Zuständigkeit des Gerichts. Kinder und Jugendliche teilen den Wohnsitz der Eltern, soweit diese nichts anderes bestimmen.

Wohnturm: befestigter Kern des Wohnsitzes von Adligen oder Ministerialen in früh- und hochmittelalterlichen Städten und Dörfern; vergleichbar mit dem Bergfried auf Burgen. Der Wohnturm diente dem Schutz gegen äußere Feinde.

Wohnwagen: von einem Kraftwagen gezogener geschlossener Fahrzeuganhänger mit Inneneinrichtung, die einen längeren Wohnaufenthalt für meist mehrere Personen ermöglicht, zum Beispiel als Baustellenwagen. Siehe auch Campinganhänger.

Wojewode, Woiwode (beide slawisch, «Heerführer»): ursprünglich Herzog, später wählbarer Gebietsfürst (in Polen, Siebenbürgen, Moldova, Walachei und im Banat). In Polen vom 11. bis 14. Jahrhundert oberster königlicher Beamter, seit 14. Jahrhundert höchster Beamter der Zivilverwaltung eines Gebietes, Mitglied des königlichen Senats; seit 1973 Leiter einer Wojewodschaft.

Wölbung: bauliche Ausführungsart von Gewölben auf Lehrgerüsten. Bei der zylindrischen Wölbung auf Kuf (Tonne, Fass) werden die Steine im Längsverband vermauert, die Lagerfugen verlaufen parallel zum Widerlager. Bei Wölbung auf Schwalbenschwanz wird von den Ecken aus unter einem Winkel von 45° eingewölbt, und bei der Wölbung auf Rutschbogen werden die Steine in Reihe zwischen die Widerlager vermauert, die Lagerfugen verlaufen rechtwinklig zum Widerlager.

Wolf:

1. Astronomie: Sternbild.

2. Medizin: Intertrigo, Lupus.

3. Wolf, Canis lupus: Zoologie - ursprünglich über Eurasien und Nordamerika verbreitetes Raubtier; dämmerungsaktiver, in Rudeln lebender Allesfresser; größte Unterart ist der weiße Polarwolf.

Wolf: 1. Christa Wolf, geboren 18.3.1929, Schriftstellerin; schrieb Erzählungen («Moskauer Novelle», 1961; «Der geteilte Himmel», 1963; «Unter den Linden» 1974; «Kein Ort. Nirgends», 1979; «Kassandra», 1983), eine Erzählung für den Film («Till Eulenspiegel», 1972, zusammen mit Gerhard Wolf), die reflexionsreichen Romane «Nachdenken über Christa T.» (1969) und «Kindheitsmuster» (1976), das Prosabuch «Störfall» (1987), Essays und Filmszenarien.

2. Hugo Wolf, 13.3.1860-22.2.1903, österreichischer Komponist; entwickelte sich nach F. Schubert, R. Schumann und J. Brahms zu einem Großmeister des deutschen Liedes im 19. Jahrhundert; schuf zwischen 1888 und 1897 in neuartiger und eigenwilliger Textausdeutung die Zyklen seiner Mörike-, Goethe- und Eichendorff-Lieder, das «Spanische Liederbuch» und das «Italienische Liederbuch», Keller- und Michelangelo-Vertonungen unter anderem; schrieb ferner die komische Oper «Der Corregidor) (1896), Kammermusik, die sinfonische Dichtung «Penthesilea» unter anderem Sein Stil ist von größter Beweglichkeit und von echtem Humor erfüllt, enthält aber auch viele innige, pathetische und tragische Züge.

3. Konrad Wolf, 20.10.1925-7.3.1982, Filmregisseur; Sohn von Wolf 2; setzte sich vor allem mit Faschismus und Krieg auseinander («Genesung», «Lissy», «Sterne», «Professor Mamlock», «Ich war neunzehn», «Mama, ich lebe»); ferner «Goya», Gegenwartsfilme (unter anderem «Sonnensucher», «Solo Sunny») und der mehrteilige Fernsehfilm «Busch singt».

4. Max Wolf, 21.6.1863-3.10.1932, Astronom; wandte die Fotografie in der Astronomie an und entdeckte zahlreiche Planetoiden, Dunkelwolken, galaktischer und extragalaktischer Nebel.

Wolfdietrich: Gestalt der germanischen Heldensage; im 12. Jahrhundert wurde der Stoff in Anlehnung an ein fränkisches Wolfdietrichlied (7./8. Jahrhundert) als Epos gestaltet (4 überlieferte Handschriften).

Wolfe, Thomas Clayton, 3.10.1900-15.9.1938; US-amerikanischer Schriftsteller; schuf leidenschaftlich autobiographisch geprägte Romane über Ideale und Wirklichkeit seiner Gesellschaft («Schau heimwärts, Engel!», 1929, deutsch; «Von Zeit und Strom», 1959, deutsch). Der Roman «Es führt kein Weg zurück» (1940, deutsch) enthält scharfsichtige Sozialkritik.

Wolfenbütteler Fragmente: nachgelassene antiorthodoxe Schriften des Hamburger Professors H. S. Reimarus (1694-1768), die G. E. Lessing 1774/78 in den «Wolfenbütteler Beiträgen» als «Fragmente eines Ungenannten» veröffentlichte. Lessing wurde von den orthodoxen Theologen heftig angegriffen.

Wolfenstein, Alfred, 28.12.1883-22.1.1945 (Selbsttötung), Schriftsteller; Vertreter des linken Flügels des Expressionismus, 1912/17 Mitarbeiter der Zeitschrift «Die Aktion»; besang in Gedichten die «Revolutionierung des Menschen» («Die Freundschaft», 1917; «Menschlicher Kämpfer», 1919); emigrierte 1934 nach Prag, 1938 nach Paris; 1940 3 Monate eingekerkert (Gedichtzyklus «Der Gefangene», 1970); schrieb auch Dramen und Novellen und schuf Übersetzungen.

Wolff: 1. Caspar Friedrich Wolff, 18.1.1734-22.2.1794, Naturforscher; gehört zu den Bahnbrechern der neueren Embryologie, stellte der im 18. Jahrhundert herrschenden Präformationslehre seine Epigenesis Theorie entgegen, nach der sich die Organe erst während der Entwicklung bilden.

2. Christian Wolff, 24.1.1679-9.4.1754, Philosoph; rationalistischer Vertreter der Aufklärung; suchte, an G. Wolff Leibniz anknüpfend, ein enzyklopädische System des Wissens zu begründen, sah als Aufgabe der Philosophie die Schaffung theoretisch fest umrissener Begriffe und betonte die praktische Seite des Philosophierens.

3. Friedrich Wilhelm Wolff, 21.6.1809-9.5.1864, führendes Mitglied des Bundes der Kommunisten, Lehrer; 1848/49 Mitglied des Redaktionskollegiums der «Neuen Rheinischen Zeitung»; seit 1849 im Exil; enger Freund und Kampfgefährte von K. Marx und F. Engels seit 1846.

4. Willy Wolff, 5.7.1905-8.7.1985, Maler, Graphiker, Bildhauer; 1924/33 Studium an der Kunstgewerbeakademie und der Kunstakademie in Dresden, Meisterschüler bei O. Dix; 1929 Mitglied der KPD, 1930 Mitglied der Asso; seit 1933 freiberuflich tätig; verarbeitete in seinem reichen und vielfältigen Werk (neben skurrilen, detailpräzisen Zeichnungen, Pinsel- und Rohrfederarbeiten auch Gemälde, Collagen und Monotypien) Anregungen internationaler Stiltendenzen, besonders der Pop-art.

Wolf-Ferrari, Ermanno, 12.1.1876-21.1.1948, deutsch-italienischer Komponist; schuf heitere Opern (unter anderem «Die vier Grobiane», «Susannes Geheimnis»), Instrumentalmusik, Lieder.

Wölfflin, Heinrich, 21.6.1864-19.7.1945, schweizerischer Kunsthistoriker, die von ihm ausgearbeitete Formanalyse beeinflusste stark die bürgerliche Kunstwissenschaft. Hauptwerke: «Renaissance und Barock» (1888), «Die Kunst Albrecht Dürers» (1905), «Kunstgeschichtliche Grundbegriffe» (1915).

Wolfram, (mittelhochdeutsch, «Wolfsschmutz») Symbol W: chemisches Element der Kernladungszahl 74; Atommasse 183,85; Wertigkeit +6, seltener niedriger; F3410°C (höchstschmelzendes Metall); Kp etwa 5900°C; Dichte 19,3 g/cm; Minerale sind unter anderem Wolframit und Scheelit, CaW04. Kompaktes Wolfram ist ein silberweißes, korrosionsbeständiges Metall, das nur von alkalischen, oxydierenden Schmelzen rasch gelöst wird; ein Flusssäure-Salpetersäure-Gemisch greift langsam an. Das durch Reduktion von Wolfram(VI)-oxid mit Wasserstoff erhaltene Metall wird pulvermetallurgisch verarbeitet und insbesondere für Glühlampenfäden, Röntgenröhren und elektrische Kontakte verwendet, in Form von Ferro-Wolfram (mit 65 bis 80% Wolfram) auch zum Erschmelzen von Wolframstählen. Als Oxid wurde Wolfram 1781 von C. Scheele entdeckt, als karbidhaltiges Metall erstmals 1783 von den spanischen Chemikern Fausto (1755-1833) und Juan José d’Elhuyar (1754-1796) hergestellt.

Wolfram, Gerhard, geboren 15.6.1922, Theaterleiter und Dramaturg; als Chefdramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin (1953/66) besonders um die Entwicklung neuer Dramatik und als Intendant in Halle (1966/72) um eine operative, publikumsorientierte Theaterkonzeption verdient; 1972/82 Intendant des Deutschen Theaters Berlin, seit 1983 des Staatsschauspiels Dresden.

Wolframverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist +6-wertigem Wolfram.

W.(VI)-oxid, ein zitronengelbes Kristallpulver (1473°C), löst sich in Alkalien zu farblosen

Wolframaten, zum Beispiel dem leicht wasserlösliche Natriumwolframat. Aus Wolframat Lösungen scheiden sich beim Ansäuern farblose oder gelbe «Wolframsäuren», genauer Wolframoxidhydrate, W03-nH20 ab. Wolframkarbide, W2C (F2860°C) und WC (etwa 2870°C), werden in Hart- und Schneidmetallen verwendet.

Wolfram von Eschenbach, um 1170 nach 1220, Dichter; einer der bedeutendsten Vertreter der mittelhochdeutschen Klassik. Wolfram von Eschenbach, fränkischer Ritter aus Eschenbach bei Ansbach, lebte als fahrender Dichter bei seinen Förderern, unter anderem auf Burg Wildenberg im Odenwald. Sein Hauptwerk ist das Versepos «Parzival» (um 1200/um 1210), in dem die Entwicklung des Helden vom «reinen Toren» zum höflichen Ritter und schließlich Gralsritter gestaltet wird. Andere Epen («Willehalm», um 1215; «Titurel», um 1220) blieben unvollendet. In Wolfram von Eschenbachs Epen werden die Grundprobleme der Zeit tiefgründig erörtert; seine Sprache ist kraftvoll-bildhaft, zuweilen schwer zugänglich («dunkler Stil»), Wolfram von Eschenbach galt als Vorbild der epischen Dichtung des 13. Jahrhundert. Er verfasste auch einige lyrische Dichtungen (unter anderem Tagelieder). Von den Meistersingern als einer der 12 alten Meister verehrt.

Wolfsburg: kreisfreie Stadt in Niedersachsen, an Aller und Mittellandkanal; 128000 Einwohner; Kfz-Industrie dominierend (Volkswagenwerk AG). Ferner Bau von Industrierobotern, Textilindustrie; Hafen.

Wolfsmilchgewächse, Euphorbiaceae: größtenteils in den Tropen und Subtropen verbreitete Kräuter, Sträucher und Bäume, die oft Milchsaft enthalten und eingeschlechtige, meist unscheinbare Blüten besitzen, denen häufig eine Blütenhülle fehlt. Die reife Frucht zerfällt in 3 kugelige Teilfrüchte. Hierzu gehören unter anderem der Parakautschukbaum, der 95% des Naturkautschuks liefert, und die Gattung Wolfsmilch (Euphorbia) mit dem Weihnachtsstern (Euphorbiaceae pulcherrima) und den heimischen Vertretern, zum Beispiel Zypressenwolfsmilch (Euphorbiaceae cyparissias) und Gartenwolfsmilch (Euphorbiaceae peplus).

Wolfsmilchschwärmer, Celerio euphorbiae: bis 7 cm spannender Schwärmer mit olivfarbenen Vorder- und rotschwarzen Hinterflügeln; die sehr bunte Raupe lebt an Zypressenwolfsmilch; an trockenen Hängen zahlreich.

Wolfsschanze: Deckname für das bei Rastenburg (Polen) gelegene Hauptquartier Hitlers für die Kriegführung gegen die UdSSR.

Wolga: Markenbezeichnung sowjetischer PKW und Kombiwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie. Der Motor des PKW-Modells Wolga GAS-3102 ist ein Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor mit 2445 cm3 Hubvolumen und 77,3 kW Leistung; Höchstgeschwindigkeit 150 km/h.

Wolga: Strom im europäischen Teil, längster und wasserreichster Fluss Europas; 3530 km, Einzugsgebiet 1,36 Millionen km2 (etwa ein Drittel des europäischen Teils der UdSSR); entspringt auf den Waldaihöhen in 228 m über dem Meeresspiegel, durchfließt die Osteuropäische Ebene und mündet mit 19000 km2 großem Delta in das Kaspische Meer; von der Einmündung der Oka bis Wolgograd rechts hohes Berg-, links flaches Wiesenufer; etwa 200 Nebenflüsse, darunter Oka, Sura und Swijaga von rechts sowie Kama, Samara, Wetluga und Mologa von links. Die Wolga ist ab Rshew auf 3256 km schiffbar. Schifffahrtsbehindernde Wasserstandsschwankungen wurden eingeschränkt durch die Stauanlagen der Wolgakaskade (Teil der Wolga-Kama-Kaskade) mit Stauseen und Wasserkraftwerken bei Iwankowo (Stausee Iwankowo oder Moskauer Meer: 327 km2, Stauraum 1,12 Md. m3; Wasserkraftwerk 30 MW), Uglitsch, Andropow, Gorki, Tscheboksary, j1 Kuibyschew, Saratow und Wolgograd. Fischfang, im Delta Fischzucht und Schilfgewinnung. Die Wolga ist durch Moskau-, Wolga-Don-, Weißmeer-Ostsee-Kanal und Wolga-Ostsee-Schifffahrtsweg mit Moskau, Ostsee, Weißem, Asowschem und Schwarzem Meer verbunden. Sie ist die wichtigste Transportader der UdSSR (66% des Binnenwassertransports). Am Unterlauf befinden sich umfangreiche Bewässerungsanlagen (4 Millionen ha).

Wolgabulgaren: seit dem 7. Jahrhundert an der mittleren Wolga lebende turksprachige Nomadenstämme; bildeten im 10. Jahrhundert einen selbständigen Staat mit der Hauptstadt Bolgar, seit 1236 von den Mongolen, 1431 vom Großfürstentum Moskau unterworfen.

Wolga-Ostsee-Schifffahrtsweg, Leninkanalsystem: durch Ausbau des technisch veralteten Marienkanalsystems entstandener Großschifffahrtsweg im europäischen Teil, der die Wolga mit der Ostsee verbindet; etwa 1100 km lang; insges. 5 Staustufen und 7 Schleusen; Kernstück ist das 1964 in Betrieb genommene 368 km lange Teilstück von Tscherepowez am Rybinsker Stausee (Wolga) über Scheksna-Weißen See-Kowsha-Marienkanal-Wytegra zum Onegasee, danach über den Onega-Kanal-Swir-Ladogasee beziehungsweise -kanal und die Newa zur Ostsee; über Wolga-Don-Kanal Verbindung zum Asowschen und Schwarzen Meer, über Onega-, Wygsee und Weißmeer-Ostsee-Kanal zum Weißen Meer. Der Wolga-Ostsee-Schifffahrtsweg dient auch der Ent- und Bewässerung und ist für Schiffe bis 5000 tdw befahrbar.

Wolgast: Kreisstadt im Bezirk Rostock, an der Peene; 17000 Einwohner; Peene-Werft, Holz-, Nahrungsmittel-, Futtermittelindustrie; Hafen, Peenebrücke (nach Usedom); Heimatmuseum, Tierpark; barockes Rathaus, spätgotische Petrikirche (Backsteinbasilika), Fachwerk- und Patrizierhäuser. 1128 Zerstörung des slawischen Gerowit-Tempels; 1250 gegründet, 1282 Stadtrecht, Mitglied der Hanse; 1648/1815 schwedisch.

Wolga-Wirtschaftsbezirk: ökonomisches Großrayon im europäischen Teil der RSFSR; 536400 km2, 15,9 Millionen Einwohner (71% in Städten); 30 Einwohner/km2. Unionsbedeutung haben Erdölförderung und -Verarbeitung, Petrolchemie, Maschinen- und Autobau sowie der Anbau von Weizen, Ölpflanzen, Melonen und die Viehzucht für die Fleischerzeugung. Hauptindustriezentren sind Wolgograd, Kuibyschew, Saratow, Kasan, Pensa, Astrachan, Uljanowsk, Breschnew.

Wolgemut, Michael, 1433 oder 1434-30.11.1519, Maler und Zeichner; Lehrer A. Dürers. In seiner großen Werkstatt entstanden zahlreiche Altäre, darunter der 1479 vollendete Altar der Zwickauer Marienkirche, sowie Porträts. Als erster Maler beschäftigte er sich eingehend mit dem Holzschnitt und schuf zahlreiche großformatige Buchillustrationen, unter anderem für die «Schedelsche Weltchronik».

Wolhynisches Fieber, (nach Wolynien) Fünftagefieber. durch Quintana-Rickettsien hervorgerufene und durch Kleiderläuse übertragene Infektionskrankheit; Kennzeichen sind Fieberschübe (alle 4 Tage) und heftige Kopf- und Gliederschmerzen.

Wolin: Ostseeinsel Polens, vor dem Oderhaff, in der Wojewodschaft Szczecin; 265 km2; eben, teilweise bewaldete Moränenhügel (bis 115 m), bis 90 m hohe Steilküsten, Dünen und Binnenseen; landschaftlich schönster Teil durch Wolin-Nationalpark (49,1 km2) geschützt; Fischfang und -Verarbeitung; Seebäder (Miedzyzdroje, Wiselka); am Westrand Teile von Swinoujscie.

Wolken: sichtbare Ansammlungen in der Luft schwebender Wassertröpfchen (Wasserwolken) oder Eisteilchen (Eiswolken) oder eines Gemisches von beiden (Mischwolken). Wolken entstehen durch Kondensation oder Sublimation des in der Luft vorhandenen Wasserdampfes bei Wasserdampfsättigung. Durch Thermik beziehungsweise Konvektion bilden sich scharf abgegrenzte Haufenwolken (cumuliforme Wolken), durch weiträumiges Aufgleiten oder durch Ausstrahlung an Schichtobergrenzen gleichförmige Schichtwolken (stratiforme Wolken). Man unterscheidet

a) hohe Wolken, meist 5 bis 13 km (in den gemäßigten Breiten): Feder-, Federschicht-, Federhaufenwolken (Cirrus, Cirrostratus, Cirrocumulus)

b) mittelhohe Wolken, 2 bis 7 km: Schicht- und hohe Haufenwolken (Altostratus, Altocumulus);

c) tiefe Wolken, bis 2 km: Schicht-, Schichthaufenwolken. (Stratus, Stratocumulus)-,

d) Wolken mit großer senkrechter Erstreckung. Schichtwolken (Nimbostratus) und Haufen- oder Quellwolken (Cumulus, Cumulonimbus).

Wolkenkuckucksheim: Luftgebilde, Hirngespinst; nach der Vogelstadt Wolkenkuckucksheim in Aristophanes «Die Vögel».

Wolkenstein: Stadt im Kreis Zschopau, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Erzgebirge, über der Zschopau; 1800 Einwohner; Leichtindustrie; Erholungsort (472 m über dem Meeresspiegel); Schloss (um 1500; Heimatmuseum). Ortsteil Warmbad Wolkenstein mit radioaktiver Heilquelle (29°C; Bergarbeiter-, Kindersanatorium).

Wolker, Jiri, 29.3.1900-3.1.1924, tschechischer Dichter, Verfasser des Manifests «Proletarische Kunst» (1922, deutsch). Seine Gedichtbände «Gast ins Haus» (1921), «Die schwere Stunde» (1922, deutsch), das autobiographische Gedicht «Der heilige Hügel bei Olomouc» (1921, deutsch), Erzählungen, sozial-ethischer Märchen und 3 Dramen sind frühe Spitzenleistungen des sozialistischen Realismus. deutsch Auswahl «Ich wachse wie der helle Tag» (1971, 1977).

Wolkers, Jan, geboren 26.10.1925, niederländischer Schriftsteller; schrieb Erzählungen und Romane, zum Teil mit autobiographischen Einschlag («Zurück nach Oegstgeest», 1965, deutsch; «Türkische Früchte», 1969, deutsch).

Wollaffen, Lagothrix: Breitnasenaffen mit bis 60 cm Körperlänge, rundem Kopf, wolligem braunem oder schwarzem Fell und muskulösem Greifschwanz; tagaktive Baumbewohner des tropischen Regenwaldes Südamerikas.

Wollaston, William Hyde, 6.8.1766-22.12.1828, britischer Arzt und Naturforscher; entdeckte 1804 die Elemente Palladium und Rhodium und isolierte 1810 die erste natürliche Aminosäure.

Wollen und Haare: Faserstoffgruppe, die Schafwolle, Ziegenhaare, Angora-, Schafkamel-, Kamelwollen und -haare, Rosshaare, Wild- und sonstige Tierhaare umfasst.

Wollfett: gelbe bis braune fettartige Masse, die bei der Entfettung roher Schafwolle aus dem Waschwasser gewonnen wird. Gereinigtes Wollfett heißt Lanolin und wird zur Herstellung kosmetische und pharmazeutische Produkte verwendet.

Wollgras, Eriophorum: Gattung der Riedgrasgewächse, deren borstige Blütenhülle nach dem Blühen einen dichten weißen Wollschopf bildet. Auf Flachmooren, teilweise torfbildend. Heimisch ist zum Beispiel das Schmalblättrige Wollgras (E. angustifolium).

Wollhandkrabbe, Eriocheir sinensis: um 1912 aus China eingeschleppte Krabbenart; Scheren mit dichtem Haarpelz besetzt; wird durch Unterwühlen von Uferbauten und Beschädigen von Fischernetzen im Elb- und Havelgebiet gelegentlich schädlich; Vermehrung erfolgt im Meer (Nordsee).

Wollmaki, Avahi laniger: knapp katzengroßer, nachtaktiver Halbaffe Madagaskars mit sehr kleinen Ohren, großen, eulenartigen Augen und langem Schwanz.

Wollongong: Stadt in Neusüdwales (Australien), südlich von Sydney, am Stillen Ozean; 235000 Einwohner; Bunt-, Eisenmetallurgie, Erdölverarbeitung, Lebensmittelindustrie; Universität; Hochseehafen und Industrie im Stadtteil Port Kembla; bei Wollongong Kohlebergbau.

Wolof: negrides Volk im westlichen Senegambia; mehr als 2 Millionen; im Norden Viehzüchter, im Süden Bodenbauer (Reis, Erdnüsse) und Handwerker, daneben auch Fischer; bis in die Mitte des 19. Jahrhundert präkoloniale Staatengründungen.

Wols, eigentlich Wolfgang Otto Alfred Schulze-Battmann, 27.5.1913-1.9.1951, Maler und Graphiker, Autodidakt; Hauptvertreter des Tachismus; illustrierte unter anderem Werke von J.-P. Sartre und F. Kafka.

Wolsey, Thomas, um 1475-29.11.1530, englischer Politiker; seit 1514 Erzbischof von York, 1515 Kardinal; 1515/29 Lordkanzler Heinrichs VIII.; widersetzte sich ihm in den vorreformatorischen Spannungen und wurde 1529 des Hochverrats bezichtigt, starb in der Haft.

Wolter, Horst Erich, 26.8.1906-14.2.1984, Buchkünstler; 1948/71 künstlerischer und technischer Leiter der Offizin Andersen Nexö in Leipzig; zeitweise (seit 1965) Vorsitzender der Jury «Schönste Bücher aus aller Welt».

Wolverhampton: Stadt im mittleren England (Großbritannien), in der Großstadtgrafschaft West Midlands, nordwestlich von Birmingham; 269000 Einwohner; Eisen- und Stahlgießereien, Fahrzeug- und Werkzeugbau, chemische Industrie; Lateinschule (gegründet 1515).

Wolhynien: historische Landschaft und Gebiet (20200 km2, 1,03 Millionen Einwohner; 51 Einwohner/km!; Verwaltungszentrum Luzk) im Nordwesten der Ukraine; umfasst den Südteil der Polessje und reicht im Süden bis zu den Wolynischen Höhen (bis 471 m); Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, Holzverarbeitung, Steinkohlenbergbau, Torfgewinnung, Elektroenergieerzeugung und Landwirtschaft (Getreide, Lein, Zuckerrüben; Milchviehzucht).

Wondjina: mythologisches, mund- und ohrenloses Heroenwesen der australischen Ureinwohner, das mit Wasser, Regen und Fruchtbarkeit in Zusammenhang gebracht wird. Wondjina Figuren, die nur weiblichen Genitalien aufweisen, sind auf Rinden- und vor allem in Felsmalereien dargestellt, die alljährlich erneuert werden. Die Entstehungszeit der Wondjina Malereien, welche erstmals 1838 entdeckt wurden, ist unbekannt.

Wonsan: Stadt (Provinzzentrum) im Osten der KDVR, am Japanischen Meer; 300000 Einwohner; Maschinenbau, Werft, chemische, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie; Hochsee- und Fischereihafen, Autobahn nach Pjöngjang; Hochschule.

Wood-Effekt: (nach einem US-amerikanischer Physiker) Fotografie Erscheinung, dass bei Infrarotaufnahmen Pflanzengrün bei Sonnenbeleuchtung sehr hell (im Positiv) wiedergegeben wird.

Woodsches Metall: (nach dem US-amerikanischen Erfinder) Legierung aus 50% Wismut, 25% Blei, 12,5% Zinn und 12,5% Cadmium, die bei 60,5 °C schmilzt und für Temperaturüberwachungsanlagen und als Heizbadflüssigkeit verwendet wird.

Woog, Edgar, 24.4.1898-20.6.1973, schweizerischer Arbeiterführer; seit 1916 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, 1921 Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei der Schweiz; 1944 führend an der Neuorganisation der Partei als Partei der Arbeit beteiligt, 1949/68 deren Generalsekretär.

Woolf, Virginia, 25.1.1882-28.3.1941 (Selbsttötung), englische Schriftstellerin; bevorzugte in ihren Romanen die subjektive Bewusstseinsschilderung (Bewusstseinsstromtechnik; «Mrs. Dalloway», 1925; «Die Fahrt zum Leuchtturm», 1927; «Die Wellen», 1931; alle deutsch); erläutert ihr Schaffen in Essays («Der gewöhnliche Leser», 1925/32).

Worbis: Kreisstadt im Bezirk Erfurt, im Eichsfeld; 4000 Einwohner; Herstellung von EDV-Baugruppen, Möbeln, Bier; Erholungsort (333 m über dem Meeresspiegel); Fachwerkhäuser, unter anderem Rentamt (1500; Rathaus, Museum).

Worcester: Stadt im Westen Englands (Großbritannien), Verwaltungszentrum der Grafschaft Hereford and Worcester, am Severn; 74000 Einwohner; Porzellanmanufaktur, Maschinenbau, Herstellung von Handschuhen und Worcestersoße; Flusshafen; Lateinschule (1541), College für Blinde; Kathedrale (11./16. Jahrhundert); Porzellanmuseum, Musikfestival.

Worcestersoße: (nach der englischen Stadt) scharf würzige Soße aus Wein, Essig, Tomatenmark, Tamarindenmus, Chilly-, Curry-, Nuss- und Champignonextrakt; dient zum Würzen von gegrilltem und gebratenem Fleisch unter anderem

Wordsworth, William, 7.4.1770-23.4.1850, englischer Dichter; begründete mit S. T. Coleridge die englische Romantik («Lyrische Balladen», 1797); idealisierte das Landleben aus Protest gegen die kapitalistische Entwicklung. 1789/1805 entstand das autobiographische philosophische didaktische Poem «Präludium oder Das Reifen eines Dichtergeistes» (1850, deutsch); philosophische Poeme sind auch «Der Einsiedler» (1800, gedruckt 1888) und «Der Ausflug» (1814).

Wormser Konkordat: am 23.9.1122 zwischen Heinrich V. und Papst Calixt II. in Worms abgeschlossener Vertrag, der den Investiturstreit (Investitur) beendete und dem König Einfluss auf die deutsche Kirche sicherte.

Worobjow, Wladimir Petrowitsch, 15.6.1876-31.10.1937, sowjetischer Anatom; seit 1917 Professor in Charkow; entwickelte mit dem Biochemiker B. J. Zbarski (1885-1954) eine Methode zum Balsamieren von Toten, die den Leichnam I. Lenins aufzubewahren gestattete.

Woronichin, Andrei Nikiforowitsch, 28.10.1759-5.3.1814, russischer Architekt; Vertreter des Klassizismus, war vor allem in Petersburg tätig. Werke: Kasaner Kathedrale (1801/11), Bergbauinstitut (1806/11), Landhäuser, Parkbauten, Paläste unter anderem

Worpswede, Schule von: Künstlerkolonie, 1889 von F. Mackensen, O. Modersohn und H. am Ende in Worpswede (bei Bremen) gegründet; ihr traten später H. Vogeler, P. Modersohn-Becker unter anderem bei. Gemeinsam war diesen Künstlern die Abneigung gegen Akademismus und lebensfremdes Atelierleben. Sie versuchten, ihre Identität im ländlichen-bäuerlichen Dasein zu finden und wandten sich in ihren Werken, für die eine kompakte, streng gegliederte Formensprache in Verbindung mit einem warmen, stimmungsvollen Kolorit charakteristisch ist, der Schönheit der niederdeutschen Moor- und Heidelandschaft mit ihren schlichten Menschen zu.

Worringer, Wilhelm, 13.1.1881-29.3.1965, Kunstwissenschaftler, Lehrtätigkeit an den Universitäten Bern (1909/14), Bonn (1914/28), Königsberg (1928/45), Halle (1946/50). Hauptwerke: «Abstraktion und Einfühlung» (1908), bedeutende Quellenschrift zum künstlerischen Denken des Expressionismus; «Formprobleme der Gotik» (1911); «Die Anfänge der Tafelmalerei» (1924); «Griechentum und Gotik. Vom Weltreich des Hellenismus» (1928).

Wort:

1. Datenverarbeitung: Bit.

2. Lexikologie: kleinste selbständige sprachliche Einheit, die eine Bedeutung trägt, mit meist einem Hauptakzent versehen und im Satz isolierbar ist.

Das Wort: 1936/39 in Moskau erschienene führende antifaschistische literarische Monatsschrift, die Gedichte, Erzählungen, Essays deutscher emigrierter Schriftsteller sowie Rezensionen und Informationen veröffentlichte; die Redaktion leiteten B. Brecht, W. Bredel und L. Feuchtwanger.

Wortart: Klasse lexikalisch-grammatische Einheiten mit annähernd gleicher syntaktischer Funktion und bestimmten formalen Gemeinsamkeiten; ihre unterschiedliche Einteilung ist umstritten, im Deutschen 6 flektierbare (Substantiv, Verb, Artikel, Pronomen, Adjektiv, Numerale) und 4 unflektierbare Wortart (Adverb, Präposition, Konjunktion, Interjektion).

Wörterbuch: ein nach dem Alphabet geordnetes Verzeichnis des Wortschatzes einer oder mehrerer Sprachen oder der Begriffe eines Sachgebietes (Spezialwörterbuch) mit sprachliche oder sachliche Erläuterungen.

Wörthersee, Wörther See: größter See Kärntens (Österreich), westlich von Klagenfurt; 440 m über dem Meeresspiegel, 19 km2, bis 85 m tief; Abfluss durch die Glanfurt; Badeorte, unter anderem Maria Wörth.

Wortschatz: Gesamtheit in einer Sprache vorhandener Wörter und fester Wortverbindungen, auch Lexik genannt; man unterscheidet zwischen historisch relativ stabilem Grundwortschatz (allgemeine gebräuchliche Bezeichnungen) und einem schneller verändert. Teil (Neologismen, Fremdwörter, sondersprachliche Ausdrücke, mundartlich und emotional bedingte Wörter).

Wortstellung, Satzgliedfolge, Wortfolge: festgelegte Anordnung der Satzglieder; im Deutschen steht zum Beispiel das Subjekt bei «gerader Wortstellung» am Satzbeginn, bei «ungerader Wortstellung» (Inversion) folgt es nach der Personalform des Verbs.

Wosnessenski, Andrej Andrejewitsch, geboren 12.5.1933, russisch-sowjetischer Lyriker, seine die geistige Auseinandersetzung unserer Epoche widerspiegelnden Werke zeichnen sich durch Wortneubildungen, überraschende Paradoxe und eirie kühn gehandhabte Assoziationstechnik aus, so die Poeme «Die Meisten) (1959, deutsch) und «Lonjumeau» (1963, deutsch), die Gedichtbände «Antiwelten» (1964, deutsch) und «Schatten eines Lauts» (1970, deutsch).

Woschod: (russisch, «Aufgang») Bezeichnung für zwei- beziehungsweise dreisitzige sowjetisches Raumfahrzeuge; 1964/65 insgesamt 2 bemannte Flüge. Mit Woschod 1 starteten erstmalig 3 Kosmonauten; von Woschod 2 aus wurde das erste Ausstiegsmanöver in den freien Weltraum durch A. A. Leonow vorgenommen. Im Grundaufbau ähnelte der Woschod dem Vorgängertyp Wostok. Die Gesamtmasse betrug =>5,5 t.

Wostok: (russisch, «Osten») 1. Bezeichnung für eine sowjetische Trägerrakete; 1958/59 aus der Trägerrakete I Sputnik entwickelt und 1959 zum Start der Mondsonde Luna 1 (W.-L) erstmals eingesetzt; in mehreren Modifikationen für den Start der bemannten Raumfahrzeuge Wostok 2 und deren Prototypen Korabl-Sputnik sowie von im bemannten Raumflugkörpern der Typen Elektron, Kosmos, Meteor unter anderem verwendet.

2. Bezeichnung für die ersten einsitzigen sowjetischen Raumfahrzeuge (1961/63), mit denen J. A. Gagarin (erster bemannter Raumflug), G. S. Titow (erster 24-Stunden-Flug), A. G. Nikolajew und P. R. Popowitsch (erster Gruppenflug zweier bemannter Raumfahrzeuge) sowie F. Bykowski und Tereschkowa (erste Kosmonautin) insgesamt 6 Flüge, davon 2 Gruppenflüge, ausführten. Die Wostok-Raumfahrzeuge bestanden aus der kugelförmigen Besatzungs- (Rückkehr-) Kabine (Durchmesser 2,3 m) und dem kegelförmigen Geräteteil. Die Gesamtmasse der Wostok-Raumfahrzeuge betrug 4,7 t.

Wostok: (russisch, «Osten») sowjetische Antarktisstation (seit 1957) auf 72°28' südliche Breite und 106°48' östliche Länge, 3488 m über dem Meeresspiegel; einer der Kältepole der Erde (mit -91,3°C niedrigste bisher gemessene Lufttemperatur der Erde).

Wotruba, Fritz, 23.4.1907-28.8.1975, österreichischer Bildhauer und Zeichner, anfangs an Traditionen realistischer Plastik anknüpfend, wandte er sich zunehmend abstrakter Kunst zu; Wotruba benutzte als Hauptmaterial Stein, dessen spezifischen Eigenschaften er in figürlichen Kompositionen von massiven, zum Teil archaisierenden Formen wiederzugeben versuchte.

Wotschina: in Russland etwa vom 11. bis Anfang 18. Jahrhundert Erbgut der Feudalherren, das im Unterschied zum Pomestje (Dienstgut) verkäuflicher Privateigentum war.

Wouk, Herman, geboren 27.5.1915, US-amerikanischer Schriftsteller; schrieb technisch ausgefeilte, meist in der Welt des (jüdischen) Bürgertums spielende Romane. Ein Welterfolg wurde «Die war ihr Schicksal» (1951, deutsch, über die Meuterei einer Schiffsbesatzung). Die Essaysammlung «Er ist mein Gott» (1961) ist ein Bekenntnis zum jüdischen Glauben.

Wounded Knee: Siedlung im Südwesten Süddakotas (USA). Wounded Knee wurde 1973 im Zeichen aktiven Protestes der Indianerbevölkerung gegen die Indianerpolitik der Regierung von Mitgliedern des American Indian Movement besetzt und gegen Angriffe von Polizei und Armee bewaffnet verteidigt. Die Regierung der USA musste in Verhandlungen über die Rechte der Indianer eintreten. 1890 waren in Wounded Knee etwa 300 Mitglieder einer indianischen Protestbewegung ermordet worden.

Wouwerman, Philips, 1619 (24.5. getauft)- 5.1668, holländischer Maler; als Schüler von F. Hals ein Meister der Pferdedarstellung und Spezialist für bewegte Jagd- und Reiterszenen in heller, detaillierter Landschaft.

Wrack: treibendes oder gesunkenes, auch altes nicht mehr einsatzfähiges Schiff.

Wrangel: 1. Carl Gustav Wrangel, Graf von Salmis, 13.12.1613-25.6.1676, schwedischer Feldherr, 1643/45 Oberbefehlshaber der Flotte und 1646/48 des Heeres; gehörte 1660/72 zu den Mitgliedern der Vormundschaftsregierung für Carl XI. (1655-1697).

2. Ferdinand Petrowitsch Baron von Wrangel, 9.1.1797-6.6.1870, russischer Admiral und Polarforscher; erforschte 1820/24 die sibirische Polarmeerküste östlich der Indigirka Mündung. 1829/35 Gouverneur von Alaska.

3. Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel, 13.4.1784-1.11.1877, preußischer General; schuf als Oberbefehlshaber der preußischen Truppen in den Marken durch die Besetzung Berlins am 10.11.1848 die Voraussetzungen für den Staatsstreich des preußischen Königs gegen die konstituierende Versammlung.

4. Pjotr Nikolajewitsch Baron Wrangel, 27.8.1878-25.4.1928, russischer zaristischer General; unternahm nach der Zerschlagung der Armee Denikins 1920 von der Krim aus den letzten Interventionsversuch; wurde vernichtend geschlagen und floh ins Ausland.

Wrangelinsel: (nach F. P. von Wrangel) sowjetische Insel im Arktischen Ozean, nördlich der Tschuktschen Halbinsel, zum Gebiet Magadan, durch die 125 km breite De-Long-Straße vom Festland getrennt; 7300 km2; im Innern bis 1096 m hohes Bergland; vergletschert; arktische Tundra; Naturschutzgebiet (besonders für Eisbären); Forschungsstationen.

Wrasen: bei der Abkühlung von Sattdampf entstehender, aus kleinen Wassertröpfchen zusammengesetzter Nebel; fälschlich oft als Dampf bezeichnet.

Wren, Sir Christopher, 20.10.1632-25.2.1723, englischer Baumeister und Naturwissenschaftler; an architekturtheoretischen Werken italienischer und französischer Autoren gebildet, wurde Wren beim Wiederaufbau Londons nach dem Brand von 1666 neben I. Jones zu einem Hauptvertreter klassizistischer Baugesinnung (englisch Palladianismus), vor allem in seinem Hauptwerk, der St.-Pauls-Kathedrale (1675/1709).

Wriggen: Vorwärtstreiben eines Bootes mit einem Riemen, der am Heck in einer Dolle befestigt ist und seitlich achtförmig hin- und herbewegt wird.

Wright: 1. Frank Lloyd, 8.6.1868 - 9.4.1959, US-amerikanischer Architekt und Architektur Schriftsteller; in seiner Frühphase unter anderem von L. H. Sullivan beeinflusst (Verwendung von Formen in Abhängigkeit von der Funktion), wurde er später zum Begründer der Organ. Architektur (Einbindung in die umgebende Natur bis hin zur Verwendung lokaler Baumaterialien); seine frühen Bürobauten. beeinflussten besonders die europäische Architektur nach 1910.

2. Orville, 19.8.1871 - 30.1.1948, US-amerikanischer Flugzeugtechniker; führte mit seinem Bruder Wilbur (1867-1912), durch O. Lilienthal angeregt, jahrelang Gleitflugversuche durch. Am 17.12.1903 gelang ihnen auf dem Flugfeld von Kitty Hawk in Nordkarolina (USA) der erste Motorflug mit einem selbstgebauten Doppeldecker.

3. Richard, 4.9.1908 - 29.11.1960, US-amerikanischer Schriftsteller; gestaltete selbst- und klassenbewusste Afroamerikaner (Kurzgeschichten «Onkel Toms Kinder», 1938, deutsch; Roman «Sohn dieses Landes», 1940, deutsch); seine Autobiographie «Ich Negerjunge» (1945, deutsch) vermittelt ein anklagendes Bild vom Leben der Afroamerikaner in den Südstaaten der USA. Später polemisierte Wright gegen seine ehemaligen Überzeugungen.

Wroblewski, Walery, 15.12.1836-5.8.1908, polnischer Revolutionär; führend am Aufstand 1863/64 beteiligt; übernahm 1864 die Leitung der polnischen demokratischen Emigranten in Paris; 1871 General der Pariser Kommune, 1872 Mitglied des Generalrates der I. Internationale.

Wroclaw: 1. Wojewodschaft im Südwesten Polens, beiderseits der mittleren Oder; 6287 km2, 1,1 Millionen Einwohner; 175 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Wroclaw 2. Im mittleren Bereich Teile der Nizina Slaska, nördlich davon Trzebnica-Hügelland (bis 256 m), im äußersten Teile der südlichen Nizina Wielkopolska, im Südwesten Vorberge der Sudety. Industrie-Agrar-Gebiet mit Maschinen- und Fahrzeugbau, Binnenwerft, elektrotechnischer/elektronischer, Baustoff sowie vielseitiger Nahrungsmittel- und Leichtindustrie, besonders in Wroclaw 2, Olesnica, Jelcz-Laskowice und Brzeg Dolny. Landwirtschaft, besonders mit Weizen-, Zuckerrüben-, Kartoffel- und Rapsanbau sowie Viehzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Wroclaw 1, an der Oder; 630000 Einwohner; wichtiges polnischen Wirtschafts-, Kultur- und Wissenschaftszentrum; vielseitige Industrie, besonders Maschinen-, E-Lok- und Waggonbau, Flusswerft, Metallverarbeitung, elektronische/elektrotechnische, chemische, Nahrungsmittel-, Textil- und polygraphische Industrie; Verkehrsknoten, Fluss-, Flughafen; Universität, 7 Hochschulen, Forschungsinstitute, Observatorium; Theater, Philharmonie, Museen, Filmatelier, Zoo, Stadion, Parkanlagen. Nach schweren Zerstörungen im 2. Weltkrieg Wiederaufbau, unter anderem zahlreicher historischer Bauten, wie den Bürgerhäusern (Gotik bis Barock) und dem gotischen Rathaus am Markt; gotischer Dom St. Johannes (mit barocken Kapellen), gotische Marienkirche auf dem Sand (Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert), zahlreiche weitere gotische (Kreuz- und Elisabethkirche) und barocke Kirchen (Universitätskirche, Matthiaskirche); Universität (18. Jahrhundert, ehemaliges Jesuitenkollegium) mit Universitätsbibliothek (17./18. Jahrhundert), Reste der alten Befestigung; Jahrhunderthalle (1912/13, M. Berg). Im 10. Jahrhundert slawische Wehrburg mit Handwerker- und Kaufmannssiedlung, 980 urkundlich erwähnt, im Jahre 1000 Bischofssitz, seit dem 12. Jahrhundert Residenz der schlesischen Piasten, 1241 Stadtrecht. Im 14. und 15. Jahrhundert wichtige Handelsmetropole und Mitglied der Hanse. 1335 kam Wroclaw mit Schlesien unter böhmischer, 1526 unter österreichischer, und 1741 unter preußischer Herrschaft (Breslau). Im 19. Jahrhundert wichtiges Industriezentrum; während der Revolution von 1848/49 eines der Zentren der revolutionären Bewegung. 1945 zu Polen.

Wrubel, Michail Alexandrowitsch, 17.3.1856 bis 14.4.1910, russischer Maler, Graphiker und Bildhauer; gehörte dem Künstlerkreis von Abramzewo an. Sein expressives Werk, das Züge des Symbolismus und Jugendstils aufweist, gehört zu den bedeutendsten Leistungen der russischen Kunst um die Jahrhundertwende. In dekorativen Darstellungen, die sich oft an Motive russischer Volkssagen anlehnen, verschmelzen zum Teil phantastische Elemente mit einem lebendigen Realismus; von bemerkenswerter psychologische Tiefe sind seine Porträts; schuf auch Illustrationen, Freskenentwürfe, Ikonen sowie Majoliken.

Wu Chengen, um 1500 um 1582, chinesischer Schriftsteller; verfasste unter anderem den phantastischen Roman «Die Reise nach dem Westen», dessen Hauptgestalt, der zauberkundige Affe Sun Wukong, Witz und Weisheit des Volkes verkörpert.

Wucherblume, Chrysanthemum: artenreiche Gattung der Korbblütler; eine bekannte heimische Wiesenpflanze ist die Weiße Wucherblume oder Margerite (Chrysanthemum leucanthemum); häufige Zierpflanzen in vielen Farben sind die aus Ostasien stammenden Chrysanthemen oder Winterastern (Hybriden von Chrysanthemum indicum), einige, früher als Pyrethrum bezeichnete Arten enthalten Pyrethrin und werden als Insektenvertilgungsmittel genutzt.

Wuchsklasse: natürlich oder technisch bedingtes Entwicklungsstadium eines Baumbestandes; Anwuchs (nach Anpflanzung), Aufwuchs (geschlossenes Kronendach), Dickung (Trocknisbeginn der unteren Äste), Stangenholz (Brusthöhendurchmesser 5 bis 20 cm), Baumholz (über 20 cm).

Wu Daozi, chinesischer Maler des 8. Jahrhundert; tätig am Kaiserhof, bedeutendster Personenmaler des alten China. Von seinen Werken (Wandgemälde, Bildnisse, Historienbilder, Landschaften und Darstellungen mit buddhistischen und daoistischen Motiven) sind nur noch Kopien erhalten.

Wuhan: Stadt im zentralen China, Verwaltungszentrum der Provinz Hubei, an der Mündung des Han Shui in den Chang Jiang; durch Zusammenschluss der 3 Städte Wuchang, Hankou und Hanyang entstanden; 4 Millionen Einwohner; Stahlkombinat, Lokomotiv-, Waggon-, Schilf- und Werkzeugmaschinenbau, Textilindustrie, Fleischkombinat; Verkehrsknoten mit Doppelstockbrücke (seit 1957; 1760 m; für Eisenbahn- und Straßenverkehr) über den Chang Jiang und 3 Brücken über den Han Shui, Fluss- und Flughafen; Wuhan-Universität, Forschungsinstitute der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Der bewaffnete Aufstand von Wuchang 1911 leitete die Xinhai-Revolution ein. 1927 war Wuhan Sitz der Nationalregierung der Guomindang.

Wühlmäuse, Microtinae: plumpe, kurzschwänzige Nagetiere mit kleinen Augen, kurzen Ohren und wurzellosen, zeitlebens nachwachsenden Backenzähnen; halten keinen Winterschlaf; leben im offenen Gelände, ortstreu in festen Revieren, teils einzeln, teils in Großfamilien oder lockeren Kolonien und sind auf Grasvegetation angewiesen; zum Teil Landwirtschaftsschädlinge; hierzu gehören unter anderem Bisamratte, Lemminge, Erd-, Feld-, Schermaus.

Wühlstock: Gerät der Sammler- und Jägervölker, vor allem zum Ausgraben von Wurzeln.

Wu Jingzi, 1701-12.12.1754, chinesischer Schriftsteller; gestaltete am Beispiel der konfuzianischen Schriftgelehrten, erstmals in der chinesischen Literatur offen gesellschaftskritisch, die politische und sozialen Missstände seiner Zeit (satirischer Roman «Der Weg zu den weißen Wolken», um 1770, deutsch).

Wulff, Hilmar, 5.3.1908-21.12.1984, dänischer Schriftsteller; schrieb sozialkritische Romane über das Leben von Arbeitern und Fischern («Im gelobten Land», 3 Bände, 1947/49, deutsch; «Aber Brot zuerst», 1958), auch Kinderbücher.

Wulfila, (gotisch, «Wölfehen») Ulfilas, um 310-382 oder 383, westgotischer Bischof. Wulfila übersetzte nach etwa 348 die Bibel ins Gotische. Er entwickelte in Anlehnung an das griechische Alphabet und unter Einschluss von Runen und lateinischen Buchstaben eine gotische Schrift. Teile der Übersetzung sind im Codex argenteus erhalten. Wulfilas Bibelübersetzung stellt das älteste überlieferte Sprachdenkmal einer germanischen Sprache mit zusammenhängendem Text dar. Sie ist für die Sprachwissenschaft (unter anderem für die Rekonstruktion einer germanischen Sprache) von größtem Wert.

Wullenwever, Jürgen, vor 1492-29.9.1537 (hingerichtet), Politiker der Hanse; 1533/35 Bürgermeister von Lübeck; vertrat gegen das Patriziat gerichtete demokratische Reformen, versuchte aber zugleich, die politische Stellung Lübecks gegen Dänemark zu stärken, was zu seinem Sturz führte.

Wulstling, Amanita: Gattung der Blätterpilze mit Knolle oder Scheide am Stielgrund; hierzu gehören stark giftige Arten, wie Knollenblätter-, Fliegen- und Pantherpilz; essbar sind unter anderem Perlpilz und Kaiserling.

Wunde: als Verletzungsfolge oder durch Operation entstandener Defekt der Haut und des darunter liegenden Gewebes.

Wunderhorn, Des Knaben Wunderhorn: von A von Arnim und C. Brentano 1806/08 herausgegebene, nach einer altfranzösische Romanze benannte Sammlung deutscher Volkslieder (3 Bände), zum Teil stark bearbeitet und ergänzt durch Texte von H. Sachs, M. Opitz, H. J. C. von Grimmelshausen unter anderem; begründete die deutsche Volksliedforschung und beeinflusste die zeitgenössische und spätere Lyrik.

Wunderlich, Paul, geboren 10.3.1927, Maler und Graphiker der BRD; gestaltet mit elegant-artistische Zeichenkunst und schillernder Farbigkeit Bilder von lasziver Phantastik unter Einbeziehung verfremdender Kunstgeschichtsadaptionen. Wunderliches Schaffen reflektiert gleichermaßen die Deformation menschlicher Beziehungen wie deren Genuss sowie den Verfall bürgerlicher Ideale.

Wundernetz, Rete mirabile (lateinisch): Bezeichnung für das Kapillargebiet innerer Organe, zum Beispiel der Niere und Leber.

Wundheilung: Zellvermehrung zum Schließen von Gewebedefekten bis zur Überhäutung. Endzustand ist die Narbe.

Wundinfektion: Störung der Wundheilung durch eingedrungene Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken, Kolibakterien unter anderem). Die Wundinfektion ist durch lokale (Schmerzen, Schwellung, Rötung, Hitze) und allgemeine Symptome (Fieber, Schüttelfrost, Appetitlosigkeit) gekennzeichnet. Durch Weiterleiten der Bakterien auf dem Blut- oder Lymphweg kann es zur Allgemeininfektion kommen. Spezifische Wundinfektion sind Wundstarrkrampf, Tollwut und Gasödem. Wundrose Erysipel.

Wundt, Wilhelm Maximilian, 16.8.1832 31.8.1920, Physiologe, Psychologe, Philosoph; Begründer der neuzeitlichen wissenschaftlichen Psychologie und des ersten psychologischen Instituts (Leipzig; 1879), das ein weltweit anerkanntes Zentrum psychologische Lehre und Forschung wurde. Wundt leistete Entscheidendes als Vertreter der experimentellen und Völkerpsychologie («Grundzüge der physiologischen Psychologie», 1873/74; «Völkerpsychologie», 1900/20). Als Philosoph strebte er eine «wissenschaftliche Philosophie» an, die verallgemeinerte einzelwissenschaftliche Erkenntnisse zu einem widerspruchsfreien System vereinigen sollte. Er versuchte zwischen Empirismus und Kantschen Apriorismus zu vermitteln.

Wünschelrute, Zauberrute, Glücksrute: seit dem Mittelalter verwendeter, gegabelter Weiden- oder Haselzweig, jetzt meist, entsprechend gebogen, Metalldraht oder -rohr zum angeblichen Nachweis von Bodenschätzen, Grundwasser oder sogenannt Erdstrahlen. Der «Ausschlag» der Wünschelrute beruht auf physikalische, physiologische und psychologische Ursachen, er hat keine Beziehungen zum Untergrund.

Wuolijoki, Hella, 22.7.1886-2.2.1954, finnische Dramatikerin; wurde 1943 wegen ihrer sowjetfreundlichen Haltung eingekerkert. In ihrem Hauptwerk «Niskavuori» (5 Bände, 1936/53, zum Teil deutsch) forderte sie soziale Veränderungen auf dem Lande. Nach ihrem Stückentwurf schrieb B. Brecht 1940/41 «Herr Puntila und sein Knecht Matti».

Wupper: rechter Nebenfluss des Rheins; 105 km; aus dem Sauerland (Oberlauf: Wipper), mündet bei Leverkusen; Talsperren; bei Solingen Müngstener Brücke (505 m lange Eisenbahnbrücke).

Würde: moralisches Selbstwertgefühl, dessen Ausprägungsgrad davon abhängig ist, wie das Verhältnis zwischen den eigenen moralischen Orientierungen und Verhaltensweisen selbst erlebt wird. Die Würde auf Grund von Kenntnissen und Fähigkeiten, von Anstrengungen und Leistungen für die sozialistische Gesellschaft steht jener antagonistisch gegenüber, die durch Moralprinzipien des Kapitalbesitzes begründet wird. Siehe auch Ehre.

Wurf:

1. Mechanik: Bewegung eines Körpers unter dem Einfluss der Schwerkraft, nachdem ihm unter dem Abwurfwinkel a gegen die Horizontale eine Anfangsgeschwindigkeit vom Betrag v erteilt wurde. Die Wurfhöhe h = (v2/2g) sin2a erreicht für den senkrechten Wurf nach oben ihren größten Wert (g Fallbeschleunigung); die Wurfweite w = (v/g) sin(2a) hat beim schrägen Wurf unter a = 45° ihr Maximum und für jeweils zwei Abwurfwinkel, a und 90°-a, gleiche Werte (Flach- beziehungsweise Steilwurf). Die Bahnkurve ist beim schrägen Wurf eine nach unten offene Parabel; bei Berücksichtigung des Luftwiderstandes ergibt sich stattdessen eine ballistische Kurve.

2. Tierzucht: Gesamtheit der nach Ablauf einer Trächtigkeit geborenen Nachkommen bei mehrgebärenden Tieren.

Würfelbein, Cuboid (lateinisch + griechisch): Fußwurzelknochen.

Würfelnatter, Natrix tessellata: etwa 1 m lange Wassernatter; grau bis graubraun mit dunklerer Würfelzeichnung; jagt überwiegend Fische und Molche; vom südlichen Mitteleuropa bis Zentralasien verbreitet.

Würfelspiele: zu den Glücksspielen zählende, mit Würfeln gespielte Unterhaltungsspiele. Ein Würfel (Knobel) trägt meist die Ziffern (Augen) 1 bis 6. Gespielt wird mit einem oder mehreren Würfeln, die in einem Würfelbecher (Knobelbecher) durcheinandergeschüttelt und auf eine ebene Unterlage gerollt oder geworfen werden. Gültig sind die auf der Oberseite des Würfels sichtbaren Augen.

Wurf-Fanghebung: Eiskunstlauf im Paarlauf aus 2 Teilen bestehende Hebung; nach der einleitenden «normalen» Hebung wird die Partnerin so geworfen, dass sie sich in der Luft um ihre Längsachse dreht. Beim Aufsetzen wird sie vom Partner durch Fassen an der Taille unterstützt.

Wurfnetz: rundes, am Rand beschwertes Netztuch, das, an einer Leine ausgeworfen, die Fische von oben bedeckt und gefangen hält.

Wurfsektor: Leichtathletik mittels Linien oder Bändern markierter Raum (im Kugelstoß Stoßsektor genannt) mit einem (vom Kreis- beziehungsweise Abwurfbogenmittelpunkt ausgehenden) Öffnungswinkel von 40° (Diskus-, Hammerwurf, Kugelstoß) beziehungsweise 29° (Speerwurf), in dem das Gerät aufkommen muss.

Wurfsprung: Eiskunstlauf im Paarlauf gezeigter Sprung der Partnerin bei Unterstützung durch den Partner im Moment des Absprungs. Wurfsprünge sind dadurch großräumiger als von Einzelläufern gezeigte Sprünge.

Wurftaube: Schießsport 105 bis 110 g schwere, 28 mm dicke, zerbrechliche, tellerartige Asphaltscheibe von 110 mm Durchmesser.

Wurftaubenschießen, früher Tontaubenschießen: Schießsport Schießen mit Schrotflinten auf Wurftauben in den Disziplinen Skeet- und Trapschießen.

Würger, Laniidae: Singvögel mit kräftigem, hakigem Schnabel, die ihre Beute (Insekten unter anderem) oft an Domen aufspießen; der 24 cm lange Raubwürger (Lanius excubitor), der oft Kleinvögel und Mäuse fängt, ist in Eurasien, Nordafrika und im nördlichen Nordamerika verbreitet.

Vurgun, eigentlich Wekilow, Samed, 21.3.1906-27.5.1956, aserbaidschanischer-sowjetischer Schriftsteller; Begründer der aserbaidschanisch-sowjetischen Poesie; gestaltete in Gedichten und Poemen die Schönheit der Heimat und des neuen Menschen; historische-Patriot. Themen sind seine Dramen gewidmet («Wagif», 1938; «Farhad und Schirm», 1941).

Wurm, Vermis: mittlerer, stammesgeschichtlich ältester Teil des Kleinhirns.

Würmer: Sammelbezeichnung für mehrere Stämme wirbelloser Tiere (Plattwürmer, Schnurwürmer, Schlauchwürmer, Ringelwürmer unter anderem).

Wurmfarn, Gemeiner, Dryopteris filix-mas: heimische Farn mit derben Wedeln, häufig in schattigen Wäldern; der Wurzelstock wurde früher für Bandwurmmittel genutzt. Siehe auch Farne.

Wurmfortsatz, Appendix vermiformis, Processus vermiformis: beim Menschen durchschnittlich 7 bis 10 cm langer Fortsatz des Blinddarms; liegt häufig hinter diesem, kann aber auch in das kleine Becken hineinragen.

Wurmkrankheiten, Helminthiasis: durch Würmer hervorgerufene Erkrankungen bei Mensch und Tier. Infektion mit Würmern, Wurmeiern oder Zwischenstadien erfolgt bei Menschen im Allgemeinen durch Aufnahme ungekochter beziehungsweise ungewaschener Nahrungsmittel und durch Schmutz. Typische Krankheitserscheinungen sind Störungen des Allgemeinbefindens oftmals hochgradige Anämie, juckende Ekzeme in der Afterregion, mechanische Störungen, zum Beispiel infolge Eindringens von Würmern in die Ausführungsgänge der Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse oder durch Knäuelbildung im Darm, die bis zum Darmverschluss führen kann. Nachweis der Darmparasiten oder ihrer Eier erfolgt im Stuhl. Bei der durch Spulwürmer hervorgerufenen Askariasis kann es zur chronischen Dünndarmentzündung kommen. Die Echinokokken Krankheit wird durch Bandwürmer verursacht. Die wichtigsten einheimischen Wurmarten sind Band-, Maden-, Spulwürmer und Trichinen.

Wurmmittel, Anthelminthika, Vermicide: Arzneimittel zur Bekämpfung von Würmern; meist für jede Parasitenart spezifisch.

Wurmmollusken, Aplacophora: Klasse der Stachelweichtiere mit etwa 240 Arten, von wurmartigem Habitus; Körper bis 30 cm lang, ohne Schale, mit einer Kutikula; der Fuß zu einer Bauchfurche oder zu einem kleinen Schild hinter der Mundöffnung reduziert. Wurmmollusken leben in allen Meeren bis in 6000 m Tiefe in das Sediment eingegraben oder auf Nesseltieren und Tangen.

Wurmschlangen, Blindschlangen, Typhlopidae: dünne, bis 80 cm lange Schlangen mit überwiegend wühlender Lebensweise; ernähren sich von Ameisen- und Termitenlarven; meist eierlegend. Das bis 20 cm lange Blödauge (Typhlops vermicularis) kommt von Albanien bis Afghanistan vor.

Wurmschnecken, Vermetidae: festsitzende Meeresschnecken, deren Gehäuse nur anfangs regelmäßig, dann unregelmäßig gewunden sind; stoßen zum Nahrungserwerb bis 30 cm lange Schleimfäden aus, an denen Plankton hängenbleibt.

Wurmser, André, 27.4.1899 - 6.4.1984, französischer Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker; bedeutsam sind der mehrbändige Entwicklungsroman «Ein Mensch kommt zur Welt» (1946/55, deutsch) sowie die Balzac-Studie «Die unmenschliche Komödie» (1964).

Wurst: Fleischerzeugnis aus zerkleinertem Muskelfleisch, Fett, Innereien und Blut, das mit Kochsalz, Nitritpökelsalz, Gewürzen sowie eventuell die Wasserbindung verbessernden Kutterhilfsmitteln versetzt und in Natur- oder Kunstdärme abgefüllt wird; neuerdings auch ohne oder mit verzehrfähiger Hülle. Rohwurst wird in rohem Zustand kalt geräuchert (zum Beispiel Salami, Zervelatwurst, Teewurst); Brühwurst wird in Wasser bei 75 bis 80°C gebrüht und meist heiß geräuchert (zum Beispiel Mortadella, Bierschinken, Bockwurst); Kochwurst wird aus gekochten Fleischteilen hergestellt, bei 85 °C gegart (zum Beispiel Leberwurst, Blutwurst, Sülzwurst) und eventuell geräuchert.

Wurte: (niederdeutsch, zu «Wehr») im Marschenland zum Schutz vor Überflutung errichteter rundlich-elliptischer Siedlungshügel (auch Terpe oder Warf genannt) für ein oder mehrere Gehöfte. Wurte waren Vorläufer der Eindeichung und sind etwa zwischen 4. Jahrhundert vor Christus und frühem Mittelalter angelegt worden.

Württemberg: östlicher Teil des Bundeslandes Baden-Württemberg. Seit etwa 1080 unter den Grafen von Württemberg; seit 1495 Herzogtum. 1525 vom Bauernkrieg erfasst. 1803 Kurfürstentum, 1806 Königreich. In der Revolution von 1848/49 Berufung eines bürgerlich-liberalen Ministeriums. 1918 Freistaat. 1951 Zusammenschluss von ganz Baden mit Württemberg und Hohenzollern zum Land Baden-Württemberg.

Wurtzit (nach einem französischen Chemiker), Schalenblende: Mineral, Zinksulfid, Kristallsystem hexagonal, Härte 3,5 bis 4, Dichte 4,0 g/m3, braune strahlige Aggregate; kommt mit Sphalerit auf Zinkerzlagerstätten vor.

Würzburg: kreisfreie und Kreisstadt in Bayern, Verwaltungszentrum des Regierungsbezirkes Unterfranken, am Main; 127000 Einwohner; polygraphische, elektrotechnische Textil- und Nahrungsmittelindustrie, Maschinenbau; Verlage, Verkehrsknoten, Hafen; Universität mit bedeutender Bibliothek, Hochschulen. Über der Stadt die mittelalterliche Festung Marienberg (barocke Erweiterungen im 17./18. Jahrhundert; Sitz des mainfränkisches Museums, unter anderem mit Werken von T. Riemenschneider) mit Marienkapelle (706; heutiger Chor 1603), Bergfried, romanischer Palas; Alte Mainbrücke (12./16. Jahrhundert; barocke Plastiken); bedeutende Bauten in der Stadt: Dom St. Kilian (seit 1042, innen barock, im 2. Weltkrieg ausgebrannt, wiederaufgebaut; mit hervorragend gestalteter Grabmalplastik von Riemenschneider), Neumünster (romanisch, barock verändert), spätgotische Marienkapelle (früher am Südportal die bedeutenden Figurenplastiken Adam und Eva von Riemenschneider; heute im Museum), Rathaus (13./17. Jahrhundert), Alte Universität (Renaissance; Universitätskirche 1582/91); Barockbauten: St. Michael, Stift Haug, Wallfahrtskirche «Käppele» auf dem Nikolausberg (B. Neumann), Residenz (bedeutendster deutscher Schlossbau des Barocks, seit 1719/20 unter Leitung von Neumann; Treppenhaus, eine der genialsten Schöpfungen des Barocks, und Kaisersaal mit Deckenmalerei und Fresken von G. B. Tiepolo; 1945 bis auf den Mittelbau ausgebrannt, Innenräume zum Teil wiederhergestellt), Bürgerhäuser (zum Beispiel «Haus zum Falken», 1751, mit reichem Rokokostuck). 741 Bistum, 1030 Stadtrecht, unter den Staufern bedeutsame Reichstage; 1525 ein Zentrum des Bauernkrieges; 1814 an Bayern.

Würze: in der Brauerei aus der Maische des Malzes beziehungsweise von Gerstenrohfrucht und Malz gewonnene Lösung, die filtriert, mit Hopfen gekocht, mit Hefe versetzt und vergoren wird.

Wurzel:

1. Anatomie: Radix.

2. Botanik: meist in den Erdboden wachsendes Organ der Farn- und Samenpflanzen, stets blattlos; der Befestigung und mit Hilfe kurzlebiger Wurzelhaare der Aufnahme von Wasser und Nährsalzen dienend. Bei Einkeimblättrigen stirbt die Hauptwurzel ab und wird durch sprossbürtige Wurzel ersetzt. Auch 1 Luftwurzeln sind sprossbürtig. Bei manchen Pflanzen werden Wurzeln zu Speicherorganen (Knollen, Rüben) oder zu Atemwurzeln umgebildet.

3. Mathematik: im engeren Sinne eine Umkehrung der Potenz; ist zum Beispiel die Zahl b die n-te Potenz von a, so heißt umgekehrt a die n-te Wurzel von b, in Zeichen a = ifb. Dabei ist n eine natürliche Zahl > 1; 6 heißt Radikand, n Wurzelexponent, die Operation heißt Ziehen der Wurzel Nach den Potenzgesetzen gilt tfb = ft1'". Die 2. Wurzel heißt auch Quadratwurzel, die 3. Wurzel auch Kubikwurzel. Während Wurzel mit ungeradem Wurzelexponenten n aus jeder reellen Zahl eindeutig gezogen werden können, kann man im Bereich der reellen Zahlen Wurzel mit geradem n nur aus positiven reellen Zahlen ziehen. Zum Ziehen der Wurzel mit geradem n aus negativen Zahlen muss man die komplexen Zahlen einführen.

Wurzelbehandlung: zahnerhaltende Behandlungsmaßnahme bei nicht erhaltungsfähigem oder bereits abgestorbenem Zahnmark. Sie umfasst die Entfernung des Zahnmarks, die Erweiterung und Säuberung des Wurzelkanals, Desinfektionsmaßnahmen sowie die abschließende Wurzelfüllung.

Wurzelbohrer, Hepialidae: primitive Familie der Schmetterlinge mit nachts fliegenden Arten; meist unscheinbar gefärbt, Körper schlank, Flügel schmal; in Mitteleuropa 3 bis 6 cm spannend; die Raupen leben in der Erde von Wurzeln, selten von oberirdischen Pflanzenteilen.

Wurzelbrand: durch verschiedene Pilzarten hervorgerufene Keimlingskrankheit zahlreicher Kulturpflanzen. Nach der Infektion färben sich die Wurzeln und der Wurzelhals dunkel, die befallenen Keimpflanzen welken und fallen um.

Wurzelbrut: vegetative Vermehrung bei Laubbäumen durch Austreiben schlafender Knospen an Wurzeln.

Wurzelfunktion: die für x g 0 erklärte Umkehrfunktion y = "Jx der Potenzfunktion; das heißt tfx bedeutet diejenige Zahl y ä 0, für die y = x gilt.

Wurzelfüßer, Rhizopoda: Urtiere, die für Bewegung und Nahrungsaufnahme formveränderliche Zellvorstülpungen (Pseudopodien) bilden. Die Fortpflanzung erfolgt durch Zwei- oder Vielteilung, Geschlechtsvorgänge nur bei Sonnentierchen und Foraminiferen. Weitere Wurzelfüßer sind Amöben, Thekamöben, Strahlentierchen.

Wurzelgewächse: landwirtschaftliche Kulturpflanzen mit stark verdickten Speicherwurzeln; als Gemüse, Futter oder industriell genutzt, zum Beispiel Möhre, Rettich, Zuckerrübe.

Wurzelhaut, Desmodont, Periodontium: das gesamte die Zahnwurzel umgebende, aus Bindegewebe, Blut- und Lymphgefäßen sowie Nerven bestehende Gewebe.

Wurzelhautentzündung, Periodontitis apicalis, Periodontitis: akute oder chronischen Entzündung der die Zahnwurzel umgebenden Bindegewebeanteile auf infektiöser oder toxischer Grundlage. Eine Heilung der Wurzelhautentzündung ist durch Desinfektions-, Arznei- und Wurzelkanalfüllmittel möglich.

Wurzel Jesse, Jessebaum (beide nach Jesse (hebräisch Isai), dem Vater des biblischen Königs David): Darstellung des Stammbaums von Jesus Christus, der als Baum aus dem meist schlafenden Jesse aufwächst und in seinen Zweigen die wichtigsten Vorfahren Jesu trägt; wird von Jesus oder, besonders seit dem 14. Jahrhundert, von Maria mit dem Kind gekrönt. Früheste erhaltene Beispiele stammen aus der Buchmalerei des 11. Jahrhundert; auch dargestellt in der Glas- und Wandmalerei sowie in der Plastik.

Wurzelkropf, Bakterienkrebs: durch Agrobacterium tumefaciens hervorgerufene Wucherungen an unterirdischen Pflanzenteilen von Obstbäumen, Rüben und anderen krautigen Pflanzen. Die Erkrankung führt zu Störungen im Wasser- und Nährstoffhaushalt der Pflanzen.

Wurzelspitzenresektion, Apikotomie: operativer Eingriff am Kieferknochen zur Abtragung der Wurzelspitze eines erkrankten Zahnes und der um die Wurzelspitze chronisch erkrankten Gewebepartien.

Wurzen: Kreisstadt im Bezirk Leipzig, an der Mulde; 19000 Einwohner; Chemieanlagen-, Förderanlagenbau, Eisengießerei, Nahrungsmittelkombinat «Albert Kuntz» (Backwarenherstellung), Teppichindustrie; Heimatmuseum; romanischer Dom St. Marien (1114), Schloss (15. Jahrhundert), Altes Rathaus (1803). Nordöstliches Naherholungsgebiet Hohburger Berge (241 m).

Wüste: Gebiet der Erde, das vegetationsarm oder vegetationslos ist. Dieser Zustand wird in Trockenwüste durch Wassermangel, in Kältewüste durch Wärmemangel und in Eiswüste durch vollständige Schnee- und Eisbedeckung hervorgerufen. Die Trockenwüste der Erde liegen beiderseits der Wendekreise (tropische Wüste, Passatwüste, Wendekreiswüste; zum Beispiel Sahara, Arabische Wüste, persischen Wüste, Australische Wüste, Atacama Wüste) und in außertropischen Gebieten (außertropische oder subtropische Wüste, Binnenwüste, orographische Wüste; zum Beispiel die Wüstengebiete der Gobi, Kysylkum- und Karakum Wüste im sowjetischen Mittelasien). Im Gegensatz zu den tropischen Wüste werden die außertropischen Wüste zusätzlich durch Winterkälte charakterisiert. Hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit werden Fels- oder Steinwüste (Hammada), Geröll- oder Kieswüste (Serir), Sand- oder Dünenwüste (Erg), Lehmwüste (Sebcha) sowie Salzwüste unterschieden. Nach der Abstufung der Trockenheit gibt es Übergänge von vegetationsfreien Kernwüste über schütter bewachsene Randwüste zu den Halbwüste mit stärkerem Bewuchs. In Grundwassernähe an Quellen, Brunnen und entlang von Fremdlingsflüssen sind meist Oasen entstanden. Sie werden auch systematisch an Bewässerungskanälen geschaffen (zum Beispiel am Karakum-Kanal).

Westen, Johannes, Pseudonym Peter Niki, 4.10.1896-26.4.1943, Schriftsteller, Maler, Graphiker; seit 1932 Mitglied der KPD, nahm am antifaschistischen Widerstand teil; emigrierte 1934 nach Prag, 1938 nach Paris; starb im faschistischen Zuchthaus. Westen steht der proletarisch-revolutionären Literatur nahe. In dem Stück «Bessie Bosch» (1936) gestaltet er eine Frau, deren Mann als Antifaschist hingerichtet wird; Bauernkriegsthematik greift er in «Florian Geyer» (1939) auf. Im Roman «Rübezahl» (1937, 1963 unter dem Titel «Der Strom fließt nicht bergauf») schildert er den Berggeist als Beschützer der rebellierenden Weber des 18. Jahrhundert. In Erzählungen bevorzugte Westen (autobiographisch getönte) Künstlerproblematik. Westen arbeitete im Stil der Neuen Sachlichkeit vorwiegend als Kupferstecher und gab dieser Technik neue Möglichkeiten der Anwendung. Er schuf zahlreiche Kupferstiche mit sozialkritischer Thematik. In seinen politischen Pressezeichnungen aus der Zeit der Emigration nahm er entschieden Stellung gegen den Faschismus.

Wüstenlack: dunkle, oft glänzende dünne Schicht von amorpher Beschaffenheit auf der Oberfläche von Gesteinen und Gerollen. Wüstenlack entsteht unter extrem ariden Klimabedingungen durch Ausfallen von Substanzen (Eisen, Mangan).

Wüstenrenner, Eremias: 10 bis 30 cm lange, sehr flinke Eidechsen in Steppen und Halbwüsten Eurasiens.

Wüstenwaran, Varanus griseus: bis 1,5 m langer Waran der Trockengebiete Nordwestafrikas und Westasiens.

Wustmann, Erich, geboren 9.11.1907, Völkerkundler und Reiseschriftsteller; 1933/40 Emigration in Norwegen; Forschungsreisen nach Norwegen, Indien, Nordafrika und Südamerika zum Studium der dortigen Völker (Lappen, Beduinen, Indianer), berichtete darüber in zahlreichen Büchern («Xingü, Paradies ohne Frieden», 1959; Memoiren «Durch Tundra, Wüste und Dschungel», 1983).

Wüstungen: im 12./13. Jahrhundert, besonders aber im 13./15. Jahrhundert ganz oder teilweise aufgegebene Dörfer und Fluren (Dorf- und Flurwüstungen) verursacht durch die gesellschaftlichen Verhältnisse (Kriege, Rückgang der Bevölkerung, Umsiedlung) sowie Veränderung der Flurverfassung (wenig fruchtbarer Boden).

Wutschetitsch, Jewgeni Wiktorowitsch, 28.12.1908-12.4.1974, russisch-sowjetischer Bildhauer; schuf monumentale, von Pathos erfüllte Porträt- und Denkmalsplastik, die er dem Heldentum sowjetischer Menschen widmete; gestaltete die Denkmalsensembles zu Ehren der gefallenen sowjetischer Soldaten in Berlin-Treptow (1946/49) und auf dem Mamai Hügel in Wolgograd (1963/67).

Waltschanow, Rangel, geboren 12.10.1928, bulgarischer Filmregisseur, schuf insbesondere Filme zu Gegenwartsproblemen, wie «Die erste Lektion»; «Sonne und Schatten», «Mit Liebe und Zärtlichkeit».

Wyoming, Abkürzung Wyo.: Bundesstaat im Nordwesten der USA; 253 326 km2, 510000 Einwohner; 2 Einwohner/km2; Hauptstadt Cheyenne. Zum größten Teil vom Felsengebirge eingenommen (Wind River Range bis 4204 m), im Osten Anteil an den Großen Ebenen; bei semiaridem bis aridem Kontinentalklima Kurzgras- und Wermutsteppe, in den Gebirgen Nadelwald. Führender Wirtschaftszweig im dünnbesiedelten Wyoming (keine Großstadt) ist der Bergbau mit bedeutender Erdöl-, Erdgas-, Steinkohlenförderung; weiterhin Gewinnung von Uran, Phosphaten, Eisenerz. In der wenig ergiebigen Landwirtschaft herrschen extensive Viehzucht (Rinder, Schafe), Bewässerungsfeldbau und zum Teil Trockenfeldbau (Weizen, Zuckerrüben, Futtergräser, Gerste) vor. Zweige der gering entwickelten Industrie sind die Erdölverarbeitung, Zement- und Holzindustrie. Bedeutender Tourismus (unter anderem Yellowstone-Nationalpark).

Wyschenski, Iwan, um 1550 nach 1620, ukrainischer Schriftsteller. Als Mönch im Bergkloster Athos bekämpfte er in kirchlichen Sendschreiben, Dialogen und Traktaten die Katholisierungspolitik des Vatikans in der Ukraine und kritisierte die soziale Ungleichheit. Seine Schriften beeinflussten maßgeblich das politische und philosophische Denken in der Ukraine.

Wyspianski, Stanislaw, 15.1.1869-28.11.1907, polnischer Dramatiker, Lyriker, Maler, Graphiker; 1887/91 Studium an der Schule der Schönen Künste in Krakow, ab 1904 Professor an der Akademie für bildende Künste Krakow. Mit seinen symbolistischen, das Thema der nationalen Befreiung aufnehmenden Dramen wurde Wyspianski zum Hauptvertreter der Epoche des «Jungen Polens». Literarische Hauptwerk ist das vielschichtige, politische und soziale Probleme aufgreifende analytisch-kritische Drama «Die Hochzeit» (1901, deutsch). Er versuchte zu einer neuen Inszenierungskunst zu gelangen, die Darbietungsweise, Literatur, Musik und Plastik als Einheit umfasst, entwarf selbst Bühnenbilder für seine Werke. Wyspianski gehört zu den Hauptmeistern der polnischen Jugendstilbewegung; schuf Bildnisse, Landschaftsdarstellungen, Buchillustrationen, Glasmalereien (Franziskanerkirche in Krakow) und Kirchenfresken.