Lexikon Z

Zaanstad: Stadt im Westen der Niederlande, in der Provinz Nordholland, nordwestlich von Amsterdam; 127000 Einwohner; Nahrungsmittel-, chemische, holzverarbeitende Industrie; Mühlenmuseum. Zaanstad wurde 1974 aus mehreren Gemeinden gebildet.

Zabarella, Giacomo, 7.9.1533 — 25.10.1589, italienischer Philosoph; Vertreter eines materialistisch orientierten Aristotelismus; lehrte einen mechanischen Determinismus von dem er auf die Unfreiheit des Menschen schloss; bestritt die Unsterblichkeit der Seele; von der katholischen Kirche verfolgt.

Zabern-Affäre: nationalistische Provokation preußischer Militärs der Garnison in Zabern (Saveme) gegen die elsässisch-lothringische Bevölkerung im November 1913 und folgende Protestaktionen in ganz Deutschland.

Zabrze: Stadt in Polen (Wojewodschaft Katowice), zweitgrößte Stadt im GOP; 200000 Einwohner; Zentrum des Steinkohlenbergbaus (Koksgewinnung), Eisenhütten, Maschinenbau; medizinische Akademie; Theater, Philharmonie, Museum.

Zackenbarsche, Serranidae: Familie der Barschartigen, die tropischen und subtropischen Meere bewohnt, einige Arten kommen auch im Süßwasser vor; zum Teil Speisefische. Namengebend ist die sägeartige Rückenflosse des im Mittelmeer lebenden 25 cm langen Schriftbarsches (Serranellus scriba).

Zackenfirn, Büßerschnee-, zackenartige beziehungsweise kegelförmige, an Pilgergestalten erinnernde Abschmelzformen auf Schnee- und Firnflächen sowie Gletschern, die durch Verdunstung (Ablation) entstehen.

Zadar: Hafenstadt in Kroatien, an der Adria, auf einer Halbinsel der mitteldalmatinische Küste; 60000 Einwohner; Schiffbau, Textil-, feinmechanische, Lebensmittel- und Genussmittelindustrie. (Maraschinolikör); Autofähre nach Ancona (Italien); Seebad; internationaler Flughafen; pädagogische Akademie; Kunstgalerie, archäologisches und ethnographisches Museum; zahlreiche historische Bauwerke.

Zadek, Peter, geboren 19.5.1926, Theater- und Filmregisseur; wirkte 1949/59 bei Theater und Fernsehen in London; seit 1960 in der BRD (unter anderem Bremen, Bochum, Hamburg) und in Westberlin tätig. Seine modernistischen Inszenierungen sind durch Ringen um eine gesellschaftskritische Grundhaltung geprägt.

Zadkine, Ossip, 14.7.1890-25.11.1967, französischer Bildhauer und Graphiker russischer Herkunft; führender Vertreter des Kubismus in der Plastik. 1953/54 entstand sein Hauptwerk, das antifaschistischen Mahnmal «Die zerstörte Stadt» in Rotterdam.

Zadruga: bei südslawischen Völkern mehrere Generationen umfassende bäuerliche Familiengemeinschaft auf der Basis der patriarchalischen Großfamilie, beruhte auf gemeinsamer Bodennutzung; etwa 10 bis 150 Mitglieder, ein Familienoberhaupt; Überrest der patriarchalischen Stammesordnung, zerfiel durch die kapitalistische Entwicklung (19., zum Teil 20. Jahrhundert).

Zagreb: Hauptstadt von Kroatien, an der Sava; 765000 Einwohner; zweitgrößte jugoslawische Industriekonzentration mit Motoren-, Maschinen-, Kesselbau, chemische, elektrotechnische, vielseitiger Leicht- und Lebensmittelindustrie; Handelszentrum (internationale Messen), Verkehrsknoten, internationaler Flughafen; Fremdenverkehr; Wissenschafts- und Kulturzentrum mit Universität, Hochschulen, Akademien, Theatern, Museen, Filmstudio und Zoo. Gotische Markuskirche (13./15. Jahrhundert, neugotische Umgestaltung im 19. Jahrhundert, Figurenportal um 1400), Stephansdom (13./15. Jahrhundert, neugotische Umgestaltung im 19. Jahrhundert), erzbischöfliche Residenz (15./16. Jahrhundert), barocke Katharinenkirche (17./18. Jahrhundert), barocke Bürgerhäuser; Neubaukomplexe seit 1945. In der Umgebung Obst- und Weinbau, Erdöl- und Erdgasförderung. ursprünglich römische Siedlung; 1093 Gründung des Bistums Zagreb; durch ungarisch-kroatischer Personalunion (1102) geriet Zagreb im 12. Jahrhundert unter ungarischer Oberherrschaft. Im 12. Jahrhundert Hauptstadt Kroatiens, im 16./17. Jahrhundert Grenzfestung gegen die Osmanen. 1527/1918 habsburgisch (unter dem Namen Agram). Im 19. Jahrhundert wurde Zagreb Zentrum der kroatischen Nationalbewegung. Der Landtag von Zagreb verkündete 1848 die kroatische Autonomie.

Zagreber Nationalrat, Agramer Nationalrat: bürgerlich-politische Vertretung der Südslawen in Österreich-Ungarn, gegründet am 6.10.1918 in Zagreb (Agram); proklamierte am 29.10.1918 die Lostrennung des SHS-Staates von Österreich-Ungarn.

Zagrosgebirge: Faltengebirgssystem in Vorderasien, am westlichen Rand des Hochlandes von Iran; 1600 km lang; Zard Kuh, 4547 m.

Zaharoff, Sir Basil, 6.10.1849-27.11.1936, Großkapitalist und Waffenhändler griechischer Herkunft; betrieb im Zusammenspiel mit britischen, französischen und griechischen Regierungskreisen Waffengeschäfte, inspirierte internationale Spannungen und forcierte die Kriegsrüstung.

Zahl: (germanisch, eigentlich «Kerbholz-Einschnitt») 1. Begriff der Mathematik, zunächst einer Menge gleichartiger Dinge. Aus den benannten Zahl (3 Bäume, 7 m) entwickelten sich die natürlichen oder positiven ganzen Zahl 1, 2, 3, 4, ..., die gerade (2, 4, 6,...) oder ungerade (1, 3, 5,...) sind. Eine erste Erweiterung des Bereiches der natürlichen Zahl erfolgte durch die Einführung der gebrochenen Zahl, das heißt der Brüche. Die Brüche sind Repräsentanten der positiven rationalen Zahl Durch Einführung der 0 und der negativen rationalen Zahl erhält man den Bereich aller rationalen Zahl, in dem die vier Grundrechenarten ausführbar sind. Der Zahlenbereich der reellen Zahl enthält zusätzlich die irrationale Zahl, die sich zum Beispiel durch unendliche nichtperiodische Dezimalbrüche darstellen lassen. Durch Hinzunahme der imaginären Einheit entsteht der Bereich der komplexen Zahlen. S. a. Zahlensystem, algebraische Zahl.

2. Grammatik: Numerus.

Zähleinheit: Einheit einer Zahlgröße (durch Abzählen zu ermittelnde Größe). Zähleinheit sind 1 (Stück), aber auch 1 Paar = 2, 1 Dutzend = 12 unter anderem im Allgemeinen verwendet man sachbezogene Zähleinheit wie Umdrehungen (U), Windungen (w) für die Zählgrößen Umdrehungs- beziehungsweise Windungszahl, Arbeitseinheiten (AE), Personen unter anderem

Zahlenformat, Zahlendarstellung: Darstellungsform von Zahlen in Rechenautomaten. Bei Gleitkommaformat werden die Zahlen halblogarithmisch durch Mantisse und Exponent der verwendeten Basis (10 oder) dargestellt, was einen großen Zahlenbereich nutzbar macht. Bei Festkommaformat müssen alle Zahlen in einen festen Zahlenbereich transformiert werden. Berechnungen im Festkommaformat werden schneller und kostengünstiger ausgeführt.

Zahlensystem: Darstellung einer Zahl durch ein einzelnes Zahlzeichen (Ziffer) oder durch eine Gruppe von solchen. entsprechend der Bewertung der Ziffern und nach dem Prinzip ihrer Anordnung fasst man die Zahlensystem zu 2 Hauptgruppen zusammen: In Additionssystemen ergibt sich die dargestellte Zahl als Summe der ihren Ziffern zugeordneten Werte. In Stellenwert- oder Positionssystemen hat jede Stelle den Wert einer Potenz der Basis oder Grundzahl dieses Zahlensystem, und die Ziffer einer Stelle ist mit dieser Potenz zu multiplizieren; dabei steht ein Komma vor den Ziffern, die sich auf negative Potenzen der Basis beziehen. Ein Additionssystem ist das römische Zahlensystem. In ihm bedeuten zum Beispiel II = 1 + 1 = 2, XV = 10 + 5 = 15 oder DCC = 500 + 100 + 100 = 700. Um eine unübersichtliche Häufung von Ziffern zu vermeiden, wird eine Ziffer, die links von einer dem Wert nach größeren steht, von dieser abgezogen, zum Beispiel MCDLXIV = 1000 + (-100) + 500 + 50 + 10 + (-1) + 5 = 1464. Die Äquivalente der römischen Zahlen sind dabei im dekad. Zahlensystem (Dezimal-, Zehnersystem) dargestellt, das ein reines Positionssystem ist. Es verwendet die Ziffern 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 0. Die Zifferngruppe 107,24 zum Beispiel bedeutet in ihm 1 102 + 0 • 101 + 7 • 10° + 2 • IO'1 + 4 • 10 2 (siehe auch Zehnerpotenz). Wesentlich für die Entwicklung des Zehnersystems und jedes Positionssystems war die Erfindung der Null.

Zahlentheorie: Teilgebiet der Mathematik, das die Eigenschaften natürlicher Zahlen untersucht. In der elementaren Zahlentheorie stehen Fragen der Teilbarkeit im Vordergrund und damit der Begriff der Primzahl. Die Betrachtungsweise und Beweismethoden der elementaren Zahlentheorie haben rein arithmetischen Charakter. Sie beruhen im Wesentlichen auf den Begriffen der Anordnung und der Teilbarkeit. Obzwar viele zahlentheoretische Probleme einfach und für jeden verständlich formuliert werden können, erweist sich ihre Lösung oft als außerordentlich schwierig, und einige sind bis jetzt noch nicht vollständig entschieden, zum Beispiel die Fermatsche Vermutung und das Goldbachsche Problem. Deshalb werden in der höheren Zahlentheorie auch Begriffsbildungen der Algebra und der Analysis zum Beweis grundlegender zahlentheoretische Sätze herangezogen.

Zahlenwertgleichung: Gleichung, in der die Formelzeichen Zahlenwerte physikalischer Größen bedeuten; im Gegensatz zur Größengleichung gilt die Zahlenwertgleichung nur in Verbindung mit den vorgeschriebenen Einheiten. Bei Anwendung kohärenter Einheiten (siehe auch Maßeinheit) stimmen Größengleichungen und Zahlenwertgleichung formal überein.

Zähler: 1. a) integrierendes Messgerät, bei dem die Integration über die Zeit erfolgt, zum Beispiel Elektroenergieverbrauchszähler (Eingangsgröße Leistung);

b) Messgerät, das Größen gleicher Art summiert, zum Beispiel Drehkolbenzähler für Gase;

c) Messgerät, das physikalische Vorgänge (Impulse, Schwingungen unter anderem) in einer bestimmten Zeitspanne zählt.

2. Zähler, Impulszähler, Zählschaltung: Elektronik Funktionseinheit zum Zählen elektrischer Impulse. Nach der Wertigkeit der Impulsgänge unterscheidet man Dual- oder Binärzähler und Dezimal- oder dekadischer Zähler; weiterhin bezeichnet man aufwärts zählende Zähler als Vorwärtszähler, auf- und abwärts zählende Zähler dagegen als Vorwärts-Rückwärtszähler Anwendung in der Mess-, Steuerungs- und Rechentechnik.

3. Elektrotechnik: Elektroenergieverbrauchszähler.

4. Mathematik: Bruch.

Zahlkarte: Formular zur Bareinzahlung eines Betrages auf ein Postscheck- oder Postspargirokonto.

Zahlkörper: ein Körper, der aus komplexen Zahlen besteht. Handelt es sich dabei um algebraische Zahlen, so spricht man von einem algebraischen Zahlkörper

Zählrohr: Detektor für ionisierende Strahlung; es besteht aus einem mit bestimmten Gasen (oft Argon) gefüllten Rohr mit einem koaxialen dünnen Draht. Liegt zwischen Draht und dem leitenden Zählrohrmantel eine Spannung U von etwa 1000 V, so erzeugt jedes ionisierende Ereignis durch Stoßionisation der Elektronen in Drahtnähe eine kurzdauernde Entladung und damit am Widerstand R einen Spannungsimpuls. Beim Proportionalzählrohr wählt man Spannung und Gasdruck so, dass die primär durch die Strahlung erzeugte Ionenzahl durch die Stoßionisation nur so weit verstärkt wird, dass die Amplitude des Spannungsimpulses proportional zur Energie bleibt, die die einfallende Strahlung im Zählrohr abgibt. Bei höherer Spannung erreicht die Stoßionisation derartige Werte, dass die Impulsgröße unabhängig von der Energie der einfallenden Strahlung wird (Auslösezählrohr, Geiger-Müller-Zählrohr (1928)). Die Löschung der Entladung erfolgt durch den Spannungsabfall am Widerstand. Die heutigen selbstlöschenden Zählrohre arbeiten mit Zusätzen geeigneter Dämpfe (zum Beispiel Alkohol) oder Halogene. Proportional-Zählrohr mit Bortrifluorid-Füllung oder einer Borschicht auf dem Zählrohrinnenmantel (Borzähler) dienen zum Nachweis langsamer Neutronen; diese lösen im Bor a-Teilchen aus. In Zählrohr mit wasserstoffhaltigen Substanzen können schnelle Neutronen durch Rückstoßprotonen nachgewiesen werden.

Zahlungsabkommen, Verrechnungsabkommen: im internationalen Zahlungsverkehr zwischenstaatliche Vereinbarung, die die zugelassenen Zahlungsmittel, die beauftragten Banken, die Währung der Zahlung, Art und Weise des Ausgleichs der gegenseitigen Zahlungen unter anderem regelt.

Zahlungsanweisung: Festlegung des Anweisenden gegenüber dem Angewiesenen (zum Beispiel Kreditinstitut), einen bestimmten Betrag einem Dritten zu zahlen; bei den Verrechnungsverfahren Zahlungsauftrag genannt.

Zahlungsbefehl: früher gerichtliche Anweisung an den Schuldner, einen Zahlungsanspruch zu erfüllen. Siehe auch gerichtliche Zahlungsaufforderung.

Zahlungsbilanz: Gegenüberstellung sämtlicher Forderungen und Verbindlichkeiten eines Staates gegenüber dem Ausland für einen bestimmten Zeitraum. Der Ausgleich der Salden erfolgt durch Gold und Devisen sowie durch Aufnahme beziehungsweise Gewährung von Krediten. Eine Zahlungsbilanz ist aktiv, wenn die Zahlungseingänge aus dem Ausland die Zahlungen an das Ausland übersteigen, im umgekehrten Falle passiv. Im Unterschied zur Handelsbilanz umfasst die Zahlungsbilanz auch die Zahlungen auf Grund von Dienstleistungen, effektiv gewährte oder getilgte staatliche oder Bankkredite, Kapitaltransfer und internationale Fondsübertragungen.

Zahlungsklausel: vertragliche Abrede über Einzelheiten der Zahlung; in Wertpapieren die Zahlungsanweisung.

Zahlungsmittel: 1. Funktion des Geldes zur Realisierung von Warenlieferungen, bei denen Kauf (Lieferung) und Bezahlung zeitlich auseinanderfallen und über die Warenzirkulation hinaus, Geld als allgemeine Ware der Kontrakte und Mittel außerökonomischer Zahlungen (zum Beispiel von Steuern, Renten) angewandt wird.

2. Geldzeichen und Anweisungen auf Bankguthaben, mit denen der Zahlungsverkehr durchgeführt wird (Banknoten, Münzen, Schecks, Wechsel unter anderem). In den internationalen Geldbeziehungen werden als Zahlungsmittel Devisen und Sorten verwendet. Gesetzt. Zahlungsmittel sind im staatlichen Auftrag herausgegebene, auf die nationale Währung lautende sowie mit Zahlungskraft und Annahmeverpflichtung versehene Banknoten und Münzen.

Zahlungsunfähigkeit: Unvermögen eines Schuldners, seine Geldschulden vollständig zu begleichen; führt unter Umständen zur Gesamtvollstreckung.

Zahlungsverkehr: Gesamtheit aller Geldzahlungen in einer Volkswirtschaft. Der Zahlungsverkehr wird als bargeldloser Zahlungsverkehr und Bargeldumlauf durchgeführt.

Zahlungsverpflichtung: Verpflichtung zur Zahlung eines bestimmten Geldbetrages in bar, durch Überweisung, Einzahlung oder Scheck nach Rechnungserteilung. Der Schuldner hat das Geld dem Gläubiger an dessen Sitz oder Kreditinstitut zu übermitteln, hat aber rechtzeitig gezahlt, wenn der Überweisungsauftrag oder die Einzahlung termingerecht bei seinem Kreditinstitut einging.

Zählverfahren: Verfahren der digitalen Messtechnik, die auf der Zählung von Schwingungen beziehungsweise Impulsen beruhen. Die Messung der Frequenz (bis über 1000 MHz) einer Wechselspannung erfolgt durch Zählung der Schwingungen in einer bestimmten Zeit (zum Beispiel 1 s), die Messung eines Zeitintervalls durch Zählung der in diesem Intervall erfolgenden Schwingungen einer bekannten Hilfsfrequenz.

Zählzwang: nicht zu unterdrückender Zwang, Personen, Gegenstände unter anderem zu zählen; bei Neurosen, seltener bei Psychosen vorkommend.

Zähmung: (althochdeutsch, eigentlich «Ans-Zimmer-Gewöhnung») Abbau der Flucht- und Verteidigungsbereitschaft von Wildtieren mit dem Ziel, Haltung, Dressur und Zucht zu ermöglichen.

Zahn, Dens, Dentes: knochenähnliches Hartgebilde in der Mundhöhle der Wirbeltiere und des Menschen zur Aufnahme und Zerkleinerung der Nahrung. Die Zähne lassen sich von Teilen des Hautskeletts niederer Wirbeltiere ableiten. Die Gesamtheit der Zahn bildet das Gebiss. Am Zahn des Menschen unterscheidet man den im Mund sichtbaren Teil, die Zahnkrone (Corona dentis), den Zahnhals (Collum dentis) und die im Zahnfach (Alveole) des Kiefers steckende Zahnwurzel (Radix dentis). Die Grundsubstanz des Zahns besteht aus Zahn hem (Dentin, Dentinum dentis), das im Bereich der Zahnkrone vom Zahnschmelz (Adamantin, Email, Enamelum), dem noch ein widerstandsfähiges Schmelzoberhäutchen aufliegt, und an der Wurzel vom Zahnzement (Cementum) umgeben ist. Im Inneren des Zahn befindet sich ein mit Zahnmark (Zahnpulpa) ausgefüllter Hohlraum, der in Wurzelkanäle übergeht, die an der Wurzelspitze eine Öffnung besitzen, durch die Blutgefäße, Lymphgefäße und Nerven ein- beziehungsweise austreten. Das menschliche Gebiss unterliegt einem einmaligen Zahnwechsel. Dieser betrifft nur den Bereich der Milchzahn (Dentes lactales, Dentes decidui). Der Durchbruch der 20 Milchzähne erfolgt zwischen dem 6. Monat und dem Ende des 2. Lebensjahres. Die Milchzahn sind kleiner als die bleibenden Zahn, haben aber etwa die gleiche Form, nur die Milchmolaren entsprechen in ihrer Gestalt den Dauermolaren, nicht den Prämolaren, durch die sie abgelöst werden. Die Milchzahn werden durch die bleibenden Zahn (Dentes permanentes) ersetzt. Diejenigen Zähne, die an die Stelle der Milchzahn treten, heißen Ersatzzähne, diejenigen, die außerhalb des Bereichs der Milchzahn durchbrechen, Zuwachszahn. Die einzelnen Zahnarten sind unterschiedlich geformt. Die Schneidezahn (Incisivi) haben nur eine Wurzel, die Eckzahn (Canini) besitzen ebenfalls eine besonders lange Wurzel, und wie bei den Schneidezahn sind die oberen stärker als die unteren. Die Backenzahn (Prämolaren)i haben zwei Höcker und eine Kaufläche sowie vorwiegend nur eine Wurzel. Die Mahlzahn (Molaren) sind mehrhöckrig, die unteren besitzen je eine vordere und eine hintere, die oberen je zwei wangenseitige und eine gaumenseitige Wurzel. Beim dritten Molaren (Weisheitszahn) sind die Wurzeln häufig gebogen beziehungsweise zu einer gekrümmten Wurzel vereinigt.

Zahnarme, Edentata: Säugetierordnung mit schmelzlosen Zähnen und rückgebildetem Gebiss ohne Schneidezähne; hierzu gehören Ameisenbären, Faultiere und Gürteltiere.

Zahnbelag: weißlich gelbe (Plaque), grünliche oder braunschwarze Ablagerungen auf der Schmelzoberfläche der Zähne und an freiliegenden Zahnhälsen; weitgehend von Nahrungsart, Genussmitteln (Rauchen) und Zahnpflege abhängig. Zahnbelag ist Ursache für Zahnschmelzentkalkungen (Karies) und Zahnfleischerkrankungen. Er begünstigt den Zahnsteinansatz.

Zahnersatz: der Ergänzung beziehungsweise dem Wiederaufbau ganz oder teilweise zerstörter Zahnkronen sowie dem Ersatz verlorengegangener Zähne oder ganzer Zahnreihen dienendes Behandlungsmittel aus polymeren, metallischen oder keramischen Werkstoffen. Der Zahnersatz soll die gestörten Funktionen im ästhetischen, kaufunktionellen und sprachlichen Bereich wiederherstellen, um Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des Patienten zu erhalten und gleichzeitig weiterer Gebisszerstörung vorzubeugen. Man unterteilt in festsitzenden und herausnehmbaren Zahnersatz Zum festsitzenden Zahnersatz gehören alle Arten von Teil- und Vollkronen, die auf präparierte Anteile natürlicher Zahnkronen oder auf künstlich hergestellte, mit Stift im Wurzelkanal verankerte Stumpfaufbauten auf zementiert werden können. Die letztere Kronenform hat die Anwendungshäufigkeit der früher bei völligem Verlust der natürlichen Krone üblichen Stiftkrone reduziert. Kronenersatz dient dem Einzelzahnaufbau, bildet jedoch gleichzeitig ein wesentliches Bauelement (Anker) der Brücke. Mit solchen auf natürlichen Zahnstümpfen und -wurzeln (Brückenpfeiler) fest aufsitzenden Brückenankern sind zahnähnlich gestaltete Ersatzanteile (Zwischen- oder seltener Freiendbrückenglieder) verbunden, die Zahnlücken frei schwebend ohne Schleimhautbelastung überbrücken. Der herausnehmbare Zahnersatz ist eine weitere Ersatzart für das Lückengebiss und die einzige für den zahnlosen Kiefer, bei dem die künstlichen Zähne an zahn- und kieferbedeckenden Metall- oder Plastikanteilen (Plattenprothese) befestigt sind. Bei Teilprothesen dienen Halte- und Stützelemente (zum Beispiel Klammem, Stege, Geschiebe, Gelenke) der Verbindung zum Restgebiss, wobei unter günstigen Voraussetzungen neben der unphysiologischen eine teilweise physiologische Kaudruckübertragung (gestützte Prothese) und ein Schienungseffekt für Restzähne (Schienenprothese) möglich werden. Die technisch beste Umsetzung bietet sich durch die gegossene Teilprothese, bei der Basis und Klammeranteile in einem Stück im sogenannten Modellgussverfahren aus mundbeständigen Edelmetalllegierungen hergestellt werden. Der Sitz von Plattenersatz bei Zahnlosigkeit (totale Prothese) wird durch funktionelle Randgestaltung und Formgebung bewirkt, die eine Saugwirkung und die Einlagerung des Ersatzes in das Muskelspiel von Kau-, Zungen- und mim. Muskulatur gestatten. Festsitzender und herausnehmbarer Zahnersatz, eingegliedert in ein sich wandelndes biologisches Milieu, bedarf der steten pfleglichen Behandlung durch den Prothesenträger und der Nachsorge durch den Zahnarzt.

Zahnfleisch, Gingiva: den Zahnhals und die Ränder der Zahnfächer bedeckende Schleimhaut; gegenüber der übrigen Mundhöhlenschleimhaut meist etwas blasser.

Zahnfleischentzündung, Gingivitis: Entzündung des Zahnfleischsaumes; die akute Zahnfleischentzündung verläuft mit Schmerzen, Schwellung und Blutungsneigung, wobei seröse und geschwürige Entzündungsformen auftreten. Die chronische Zahnfleischentzündung ist häufig symptomärmer. Hierbei werden auch überschießende Gewebebildungen beobachtet. Die Zahnfleischentzündung ist immer an das Vorhandensein von Zähnen gebunden und tritt besonders bei vernachlässigter Mundpflege auf. Da enge Wechselbeziehungen zwischen Zahnfleisch, Mundschleimhaut und dem Gesamtorganismus bestehen, ist sie oft Symptom oder Folgeerscheinung anderer Erkrankungen (Blutkrankheit, Hormonstörung, Mangelernährung, Infektionskrankheit unter anderem). Weitere Ursachen können lokale Reize, Schwangerschaft, Giftstoffe und Arzneimittel sein.

Zahnkarpfen: artenreiche Gruppe karpfenähnliche Fische mit bezähmten Kiefern; meist klein, fressen Insektenlarven, Fischbrut und pflanzlicher Nahrung; leben in warmen Gewässern Südostasiens, Afrikas und Amerikas; viele sind beliebte und zum Teil anspruchslose Aquarienfische. Eierlegende Zahnkarpfen (Cyprinodontidae) legen ihre haftfähigen Eier an Wasserpflanzen oder im Boden ab. Viele sind Saisonfische, die temporäre Tümpel bewohnen, in deren austrocknendem Schlamm die Eier eine mehrmonatige Trockenzeit überstehen können. Lebendgebärende Zahnkarpfen (Poeciliidae) bringen lebende Junge zur Welt, die Afterflosse des Männchens ist zum Begattungsorgan umgebildet. Hierzu gehören unter anderem Guppy, Platy und Schwertträger.

Zahnpflege: wichtige, vorwiegend persönliche, aber auch zahnärztliche zu leistende Vorbeugungsmaßnahmen gegen Karies, Zahnstellungsanomalien und periodontale Erkrankungen, die der Entwicklung und Gesunderhaltung des Gebisses dienen. Auf Grund der herabgesetzten physiologischen Selbstreinigung und der inzwischen allgemeinen üblichen kariesbegünstigenden Nahrung, insbesondere auch beim Tragen von Zahnersatz, ist die Zahn-, Mund- und Zahnersatzhygiene ein notwendiger Bestandteil der Gesundheitspflege.

Zahnrad: Maschinenelement zur schlupffreien Bewegungs- oder Kraftübertragung bei kleinem Wellenabstand. Die Verzahnung beider Zahnräder ist so gestaltet, dass bei gleichförmigem Antrieb die getriebene Welle ebenfalls gleichförmig, aber gegenläufig umläuft. Je nach Lage von treibender und getriebener Welle unterscheidet man bei parallelen Wellen Stirnräder, bei sich schneidenden Mittellinien der Wellen Kegelräder, bei sich in bestimmtem Abstand kreuzenden Wellen Schraubenräder sowie Schneckenräder und Schnecken.

Zahnradbahn: meist elektrisch betriebene Schienenbahn für große Steigungen, bei der ein von der Antriebsmaschine des Triebfahrzeuges getriebenes Zahnrad in eine in der Gleismitte liegende Zahnstangenschiene eingreift. Die zu überwindenden Steigungen betragen 100 bis 480%o. Das Triebfahrzeug ist bei Berg- und Talfahrt stets auf der Talseite und wird somit nicht rangiert. Zahnradbahn werden vorrangig für den Touristenverkehr genutzt; zulässige Geschwindigkeit bei Bergfahrt bis 25 km/h, bei Talfahrt 10 bis 20 km/h. Steilste Zahnradbahn der Welt ist zur Zeit die Pilatus-Bahn (Schweiz) mit 480 %.

Zahnradgetriebe: Getriebe mit 2 oder mehr in Eingriff stehenden Zahnrädern von hohem Wirkungsgrad, kleiner Massen und geringem Raumbedarf; Einsatz bei Kraftfahrzeugen, Walzwerksantrieben, Mühlen, Zentrifugen unter anderem

Zahnradmessgerät: technisches Feinmessmittel zur Bestimmung funktionswichtiger geometrischer Größen an Zahnrädern oder deren Fertigungsfehler.

Zahnradmotor: Motor, bei dem der Energieträger (Druckluft- oder -flüssigkeit) statisch auf die Flanken eines im Eingriff Stehenden Zahnradpaares drückt und dieses zur Rotation bringt.

Zahnradpumpe: Verdrängerpumpe zur Förderung von Flüssigkeiten, bei der 2 oder mehr Zahnräder miteinander in Eingriff stehen. Die Förderung erfolgt durch die umlaufenden Volumina, die von Zahnlücken und umschließendem Gehäuse gebildet werden. Hauptanwendungsgebiet ist der Einsatz in hydraulischen Anlagen (größter Förderdruck etwa 16 MPa).

Zahnriemen: Maschinenelement; aus Plast endlos hergestellter Riemen mit eingebetteten Zugseilen sowie mit Innen- und eventuell auch Außenverzahnung zur schlupffreien Drehmomentübertragung durch Formschluss, wenn der Riemen in entsprechend geformte Zahnräder eingreift; Anwendung zum Antrieb der Nockenwellen von Verbrennungsmotoren.

Zahnschmerzen, Odontalgien: als Folge einer teilweisen oder totalen Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) auftretende beziehungsweise durch akute oder chronischen Erkrankung der Wurzelhaut und deren Umgebung hervorgerufene Schmerzen.

Zahnspinner, Notodontidae: Falterfamilie mit nachtaktiven Arten, deren Vorderflügel einen Höcker aus Haarschuppen aufweisen; Raupen auf Laubbäumen, mit Höckern oder Schwanzgabeln; zum Beispiel Großer und Klemer Gabelschwanz.

Zahnstein: weißlich gelber oder bräunlich schwarzer, meist an den Zahnhälsen, verstärkt in der Nähe der Ausführungsgänge der Speicheldrüsen zu findender harter Niederschlag aus Bakterien und mit organischen Zellresten durchsetzten Kalkverbindungen. Seine oft starke Ausbreitung am Zahnhals, oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrandes, führt zur Entzündung und zum Zurückweichen des Zahnfleisches und fördert die Zahnlockerung (periodontale Erkrankungen).

Zahnwale, Odontoceti: Unterordnung der Wale mit bleibenden (bis 272) Zähnen, unsymmetrischer Schädel, hochentwickeltem Gehirn und zu einer Öffnung (Spritzloch) verschmolzenen Nasenlöchern. Zahnwale fressen Fische, Kopffüßer oder Plankton. Zahnwale sind zum Beispiel Delphine, Pottwale, Schweinswale.

Zahnwanderung: Positionsveränderung von Zähnen; physiologisch während des Zahndurchbruchs, therapeutisch im Zusammenhang mit kieferorthopädischer Behandlung oder krankhaft infolge von Zahnextraktionen oder periodontalen Erkrankungen.

Zähringer: nach der Burg Zähringen nordöstlich von Freiburg im Breisgau benanntes schwäbisches Fürstengeschlecht; die Vorfahren waren seit dem 10. Jahrhundert Grafen im Breisgau; 1092 erhielten sie als Gegner der Salier und Rivalen der Staufer das Herzogtum Schwaben; nach dem Verlust Schwabens nannten sie sich mit Billigung Heinrichs IV. Herzoge von Zähringen; 1213 ausgestorben.

Zaidan, Dschirdschi, 14.12.1861-21.7.1914, libanesisch-ägyptischer Historiker und Schriftsteller; gilt als Begründer des historischen Romans in der modernen arabischen Literatur. In 22 historischen Romanen zeichnete er bedeutende Ereignisse der arabischen-islamischen Geschichte des 7./13. Jahrhundert eindrucksvoll nach («Der letzte Mamluk und seine Irrfahrten», 1891, deutsch).

Zainer: 1. Günther, gestorben 13.4.1478, seit 1468 der erste Buchdrucker in Augsburg; verwendete als einer der ersten deutschen Drucker Gotico-Antiqua- und Antiquatypen; wurde mit seinen zahlreichen Holzschnittdrucken bahnbrechend für die gedruckte Inkunabel Illustration.

2. Johann, gestorben nach 1527, wahrscheinlich Bruder von Zainer 1; Buchdrucker in Ulm.

Zaire: (französisch) Währungseinheit in Zaire; siehe auch Währung.

Zaire, Kongo: wasserreichster und zweitlängster Strom Afrikas, in der Republik Zaire, im Unterlauf zum Teil Grenzfluss zur VR Kongo und zu Angola; mit Lualaba 4375, mit anderen Quellflüssen 4700 km; Stromgebiet 3,8 Millionen km2; entsteht aus den Quellflüssen Lualaba (entspringt in Shaba), Luvua, Luapula und Chambesy, wird bis Kisangani Lualaba, danach Zaire genannt, durchfließt in großer Breite mit zahlreichen seenartigen Erweiterungen das Zairebecken, staut sich vor dem engtaligen Durchbruch der Niederguineaschwelle zum Pool Malebo und mündet mit 40 km breitem Ästuar in den Atlantischen Ozean. Von den vielen Zuflüssen sind Lufira, Luvua, Lukuga, Aruwimi, Ubangi und Sanga von rechts sowie Lomami, Lulonga, Ruki und Kasai von links am bedeutendsten. Mehrere Schnellen und Fälle (Boyoma-, Livingstonefälle) verhindern eine durchgängige Schifffahrt (etwa 3000 km befahrbar, bis Matadi für Seeschiffe). Die schiffbaren Flussabschnitte sind durch Eisenbahnlinien miteinander verbunden. Mehrere Wasserkraftwerke (besonders Kraftwerkskomplex Inga bei Matadi und die Kraftwerke Delcommune (120 MW) und Le Marinei (161 MW) in Shaba).

Zaire, Republik Zaire: Staat in Zentral- und Südzentralafrika. Grenzt im Norden an die Zentralafrikanische Republik, im Nordosten an Sudan, im Osten an Uganda, Rwanda, Burundi und Tansania, im Südosten und Süden an Sambia, im Süden an Angola, im Westen an Angola (Kabinda) und Kongo sowie mit einem schmalen Küstenstreifen an den Atlantischen Ozean. Verwaltungsmäßig in 8 Regionen und den Hauptstadtdistrikt gegliedert. Währung ist Zaire

Bevölkerung: Sie setzt sich aus etwa 200 verschiedenen Stämmen zusammen, die zu 85% zur Bantusprachfamilie gehören. Ethnische Hauptgruppen sind Luba, Lunda und Kongo. Die in schwer zugänglichen Waldgebieten im Innern lebenden Pygmäen sind zahlenmäßig vergleichsweise unbedeutend. Am dichtesten sind die Gebiete am unteren Zaire, am Kasai, der nördliche Teil des Zentralafrikanischen Grabens sowie das Bergbaugebiet von Shaba besiedelt. 32 % der Bevölkerung leben in Städten. Amtssprache ist Französisch.

Natur: Zaire umfasst das durchschnittlich 300 bis 500 m über dem Meeresspiegel liegende Zairebecken sowie Teile seiner randlichen Einfassung, die im Norden aus der knapp 1000 m hohen Asande-, im Süden aus der Luanda- (bis 1900 m), im Westen aus der knapp 3000 m hohen Niederguineaschwelle und im Osten aus der Zentralafrikanischen Schwelle (über 3000 m) gebildet wird. In letztere eingesenkt ist der Zentralafrikanische Graben, an dessen Flanken sich die höchsten Berge Zaires (Ruwenzori, 5109 m; Virunga Vulkane, 4507 m) erheben. Im Innern des Zairebeckens herrscht ein immer feuchtes tropisches Klima, das nach Norden und Süden in wechselfeuchtes tropisches Klima (Regen-, Trockenzeiten) mit durch die Höhenlage gemilderten Temperaturen übergeht. Zaire wird von einem dichten Netz wasser- und zum Teil energiereicher Flüsse durchzogen, die 90% des Territoriums zum Hauptstrom Zaire (Kongo) entwässern. An der Ostgrenze liegen im Zentralafrikanischen Graben Albert-, Edward-, Kivu- und Tanganjikasee, die zum Einzugsgebiet des Nils gehören. Entsprechend den klimatischen Bedingungen ist dichter tropischer Regenwald (44% der Fläche) im Zairebecken vorherrschend, der nach Norden und Süden im Bereich der Randschwellen in parkartige Feuchtsavanne übergeht (an den Flüssen Galeriewald); im Süden herrscht Trockensavanne (Miombowald) vor. Die einst artenreiche Großtierwelt wird in mehreren Nationalparks vor dem völligen Aussterben bewahrt. Hinsichtlich der Bodenschätze mit Vorkommen an Bunt- und Edelmetallen (besonders in Shaba), Diamanten, Kohle und Erdöl gehört Zaire mit zu den rohstoffreichsten Ländern der Erde.

Zairebecken, Kongobecken: Beckenlandschaft in Äquatorialafrika, vom Zaire entwässert; überwiegend zur Republik Zaire gehörend, von der Asande im Norden, Niederguinea im Westen, Luanda im Süden und Zentralafrikanische Schwelle im Osten begrenzt; tiefste Stelle Pool Malebo (265 m über dem Meeresspiegel), im Nordosten 300 bis 500m, sonst 1000m überm Meer; größtenteils von tropischen Regenwald bedeckt; sumpfreich.

Zakopane: Stadt in Polen (Wojewodschaft Nowy SQCZ), am Fuße der Tatra, im Hochbecken Podhale; 30000 Einwohner; Höhenluftkurort (800 bis 900 m über dem Meeresspiegel), Zentrum des Wintersports; regionaler Baustil (Zakopane Stil) und Folklore der Goralen; Tatra Museum. Bei Zakopane Bergsee Morskie Oko.

Zakynthos, Sakinthos: eine der griechischen Ionischen Inseln vor der Nordwestspitze des Peloponnes; 402 km2, als Distrikt 406 km2, 30000 Einwohner; Verwaltungszentrum Zakynthos; Anbau von Wein, Oliven, Zitrusfrüchten; Mineralquellen.

Zala: Bezirk im Südwesten Ungarns, zwischen Balaton und jugoslawischer Grenze; 3784 km2, 315000 Einwohner; 83 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Zalaegerszeg, umfasst die südwestlichen Ausläufer des Ungarische Mittelgebirges; Landwirtschaft, Erdöl- und Erdgasförderung.

Zalaegerszeg: Stadt in Ungarn, Verwaltungszentrum des südwestungarischen Bezirks Zala, an der Zala; 60000 Einwohner; Erdölverarbeitung, Leichtindustrie, Maschinenbau; Hochschule, Museen (unter anderem Skansen); gotische Kirche (14. Jahrhundert).

Zalakevicius, Vytautas, geboren 14.4.1933, litauisch-sowjetischer Filmregisseur; trug wesentlich zum Aufschwung des litauischen Films bei («Adam will ein Mensch werden», «Niemand wollte sterben», «Das süße Wort Freiheit», «Zentauren»).

Zaläu: Bezirksstadt im Nordwesten Rumäniens (Bezirk Salaj), am Mesesgebirge; 47000 Einwohner; Maschinenbau, Lebensmittel-, Holzindustrie.

Zalka, Mate, General Lukacs, 23.4.1896—11.6.1937 (gefallen im Spanischen Freiheitskampf), ungarischer Schriftsteller; war in Spanien Kommandeur der 12. Internationalen Brigade. Aus Kriegserlebnissen schöpfen Romane und Novellen («Doberdo», 1936, deutsch).

Zalkalns, Salkaln, eigentlich Grinbergs - Grinberg, Teodor, 30.11.1876-9.9.1972, lettisch-sowjetischer Bildhauer; arbeitete 1918/19 an Denkmälern im Rahmen des Leninschen Plans für Monumentalpropaganda; lehrte 1945/57 als Professor für Plastik an der Kunstakademie der Lett. SSR; schuf zahlreiche Denkmäler und Porträts.

Zama: antike nordafrikanische Stadt südwestlich von Karthago. In deren Nähe besiegten 202 vor Christus die Römer unter Publius Cornelius Scipio die Karthager unter Hannibal und entschieden damit den 2. Punischen Krieg zu ihren Gunsten.

Zambo, Sambo: Nachkommen aus der Verbindung von Afroamerikanern und Indianern.

Zamboanga: Stadt (Provinzzentrum) auf den Philippinen, im Westen der Insel Mindanao, an der Meerenge von Basilan; 340000 Einwohner; chemische, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie, Metallverarbeitung; Seehafen, Flughafen.

Zamenhof, Ludwik, Pseudonym Esperanto («der Hoffende»), 15.12.1859-14.4.1917, polnischer Augenarzt; entwickelte das Esperanto.

Zamora, Ezequiel, 10.2.1817-10.1.1860 (gefallen), venezolanischer General und Bauernführer; Anhänger kleinbürgerlich-radikaler Gleichheitsvorstellungen (G. Babeuf), leitete seit 1846/47 bäuerliche Guerillaaktionen gegen die Großgrundbesitzer, 1859/60 Chef des bäuerlichen Heeres im Föderationskrieg (1859/63).

Zamosc: 1. Wojewodschaft im Südosten Polens; 6980 km2, 485000 Einwohner; 69 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Zamosc 2; umfasst die zertalte, flachwellige Wyzyna Lubelska, das Gebirge Roztocze (Touristengebiet), im Südwesten Gebiete des Beckens Kotlina Sandomierska und im Nordosten die Ausläufer der Wolynischen Platte und wird vom Wieprz durchflossen. Agrargebiet; auf anstehenden Lößböden besonders Weizen-, Zuckerrüben-, Kartoffelanbau sowie Viehzucht (Rinder, Schweine, Pferde); Hauptindustriezweige sind Nahrungsmittel-, Holz-, Textilindustrie, besonders in Zamosc 2.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Zamosc 1; 53000 Einwohner; Nahrungsmittel-, Bekleidungs-, Holzindustrie; Museen; in der von einem Festungsring umgebenen Altstadt (Denkmal der Renaissance in Polen) Palast, Rathaus und Kirchen. Geburtsort von R. Luxemburg.

Zand, Herbert, 14.11.1923-14.7.1970, österreichischer Schriftsteller; gestaltete in realistischen Romanen («Die Sonnenstadt», 1949; «Letzte Ausfahrt», 1953) weltanschauliche Fragestellungen angesichts zunehmender Sinnentleerung des Lebens durch Konsumdenken und Kriegspsychose.

Zander, Lucioperca lucioperca: etwa 1 m langer Barschfisch mit langgestrecktem, spindelförmigem Körper; lebt im Süß- und Brackwasser Mittel- und Osteuropas; Speisefisch. Siehe auch Fische.

Zander: 1. Friedrich Arturowitsch, 23.8.1887-28.3.1933, russisch-sowjetischer Techniker; Pionier der Raketentechnik; entwickelte und baute in den 30er Jahren mehrere Raketentriebwerke.

2. Heinz, geboren 2.10.1939, Maler und Graphiker; 1959/64 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, 1967/70 Meisterschüler an der AdK bei F. Cremer, lebt freischaffend in Leipzig; gestaltet vorrangig der Literatur, Historie und Mythologie entlehnte Themen in phantasievoller Umprägung und expressiver, dynamischer Formsprache; seine Graphik ist von diffiziler Zeichner. Präzision; in jüngerer Zeit auch schriftstellerisch tätig.

Zange: (althochdeutsch Sanskrit dams, «beiße») 1. Werkzeug zum Greifen, Festhalten, Transportieren, Bewegen, Trennen oder Umformen von (vorwiegend metallischen) Werkstücken unter Anwendung des Hebelgesetzes; besteht im Allgemeinen aus 2 gekreuzten, gelenkig miteinander verbundenen Schenkeln. Die Form der Backen ist dem jeweiligen Verwendungszweck der Zange angepasst.

2. Bautechnik a) Verbandholz beim Pfettendach, das Zugkräfte aufnimmt und eine feste Verbindung zwischen Sparren und Stuhlsäule herstellt;

b) Kant- oder Halbholz zur Verstrebung und zur Herstellung von Jochen über senkrechten Konstruktionshölzern oder zur Verbindung von Rammpfählen.

Zangengeburt: operative Entbindung, wobei das Kind mit einer Geburtszange, meist am Kopf, aus dem mütterlichen Geburtsweg herausgezogen wird. Siehe auch Vakuumextraktion.

Zanthier, Hans Dietrich von, 17.9.1717 - 30.11.1778, Oberforst- und Jägermeister; gründete 1767 in Ilsenburg die erste deutsche Forstlehranstalt.

Zanussi, Krzysztof, geboren 17.6.1939, polnischer Filmregisseur; setzt sich in seinen Filmen mit moralischen Grundfragen unserer Zeit auseinander («Struktur des Kristalls», «Familienleben», «Illumination», «Zwischenbilanz», «Tarnfarben», «Spirale»); arbeitete auch in den USA, in Italien und in der BRD.

Zapasiewicz, Zbigniew, geboren 13.1.1934, polnischer Schauspieler; spielt an Warschauer Theatern, bei Film und Fernsehen; international bekannt durch Filme wie «Das gelobte Land», «Tarnfarben», «Ohne Betäubung».

Zapata, Emiliano, 8.8.1873-10.4.1919, mexikanischer Revolutionär indianischer Herkunft, Nationalheld; neben F. Villa einer der Führer der revolutionären Bauernbewegung in der bürgerlich-demokratischen Revolution 1910/17; organisierte eine Partisanenarmee, formulierte 1911 ein radikales Agrarprogramm (Plan von Ayala), besetzte 1914 gemeinsam mit Villa die Hauptstadt; nach Niederschlagung der Bauernbewegung ermordet.

Zäpfchen: 1. Zäpfchen, Uvula: Anatomie zapfenartige Verstärkung des weichen Gaumens, in der Mittellinie liegend und von Muskulatur durchsetzt; beim Sprechen und Schlucken beteiligt.

2. Zäpfchen, Suppositorium: Pharmazie kegelförmige Arzneiform zum Einführen in den Mastdarm. Zäpfchen sind besonders zweckmäßig in der Kinderheilkunde sowie bei Magenunverträglichkeit der Wirkstoffe, deren Aufnahme durch die Darmschleimhaut ohne primäre Leberpassage erfolgt.

Zapfen:

1. Botanik: Samenstand der meisten Nadelhölzer, dessen Achse zahlreiche holzige Schuppenkomplexe aus Deck- und Samenschuppen, auf denen sich die Samen entwickeln, trägt (zum Beispiel bei Kiefer, Fichte).

2. Holztechnik: vorstehender Teil an einem Holz, der in einen Ausschnitt, Schlitz oder ein Loch (Zapfloch) eines anderen Holzteiles passt und beide Teile verbindet.

3. Maschinenbau: zylindrischer Absatz an Wellen zur Aufnahme von Kräften (Lager- oder Tragzapfen) oder Maschinenteilen.

Zapfenstreich: militärisches Abendsignal zum Beginn der Nachtruhe; Großer Zapfenstreich: traditionelles militärisches Zeremoniell mit Musikkorps.

Zapfenzahn: überzählige oder auch an Stelle eines normalen Zahnes erscheinende, in der Krone kegel- oder tütenförmig missgebildete Zahnkümmerform. Am häufigsten werden die oberen seitlichen Schneidezähne betroffen.

Zapfwein, Ausschankwein: aus dem Fass (Container) ausgeschenkter Wein von meist durchschnittlicher Qualität.

Zapfwelle: aus dem Getriebegehäuse des Traktors herausragender Wellenstummel (Keilwelle) zur Kraftübertragung auf angebaute, aufgesattelte oder angehängte Arbeitsmaschinen.

Zapolska, Gabriela, 30.3.1857 - 17.12.1921, polnische Schriftstellerin; war Schauspielerin in Paris, Krakow, Lwow, gründete eine eigene Schauspielschule; gehörte als Schriftstellerin zu den Hauptvertretern des polnischen Naturalismus; kritisierte in Romanen, Erzählungen und Dramen («Die Moral der Frau Dulska», 1906, deutsch; «Die Freundin», 1910, deutsch) die Verlogenheit der bürgerlichen Moral.

Zapolya, Janos, 1487 - 22.7.1540, König von Ungarn seit 1526; unterdrückte 1514 grausam den Bauernaufstand unter Gy. Dozsa und brachte 1529 als Gegenspieler Ferdinands I. von Habsburg mit türkischer Hilfe Ostungarn in seine Gewalt.

Zapoteken: indianisches Volk mit isolierter Sprache in Mexiko (Oaxaca, Landenge von Tehuantepec); etwa 260000; früher vor allem Feldbauer und Krieger, ethnisch, sprachlich und kulturell eng den Mixteken verwandt, von diesen im 13./14. Jahrhundert zurückgedrängt; Zentren der Kultur der Zapoteken waren Monte Alban und Mitla, sie kannten Hieroglyphen und Zahlzeichen und besaßen einen der ältesten Kalender. Die Kunst der Zapoteken zeigte anfangs starke olmekische Einflüsse und stand später in engem Kontakt mit den Kulturen der alten Maya, von Teotihuacan und der Mixteken. Höhepunkt von etwa 200 bis 1000; Architektur unter anderem von Monte Alban und Mitla bekannt (Tempelpyramiden, Paläste, einfache Wohnbauten), charakteristisch sind Plattformen und Treppenanlagen, vertiefte Höfe und unterirdischen Grabkammern, teils Wandgemälde und Reliefs erhalten; zahlreiche Figurenfunde.

Zapotocky, Antonin, 19.12.1884 bis 13.11.1957, tschechoslowakischer Arbeiterführer und Schriftsteller, Tscheche; 1921 Mitbegründer der KPTsch und seit 1922 in hohen Parteifunktionen; 1945/50 Vorsitzender der Revolutionären Gewerkschaftsbewegung, 1948/53 Vorsitzender der Regierung, ab 1953 Staatspräsident. Zapotocky schrieb Erinnerungsromane zur Geschichte der Arbeiterbewegung («Neue Kämpfer werden auferstehen», 1948; «Das stürmische Jahr 1905», 1949; «Rote Glut über Kladno», 1951; alle deutsch) und nach den Aufzeichnungen seiner Mutter den Roman «Morgendämmerung» (1956, deutsch).

Zar: (slawisch - griechisch - lateinisch Caesar, «Kaiser») slawischer Herrschertitel; in Bulgarien 917 von Simeon I. angenommen (1908/46 erneut Titel der bulgarischen Herrscher); in Serbien im 14. Jahrhundert (Stefan IV. Dusan 1346/55); in Russland seit 1547 (Krönung Iwans IV.) geführt. Peter I. führte 1721 den Titel «Imperator» ein, der sich aber im Volke nicht durchsetzte.

Zaragoza, Saragossa: Stadt im Nordosten Spaniens, Verwaltungszentrum der Region Aragonien und der Provinz Zaragoza, am Ebro in bewässertem Gartenland; 610000 Einwohner; Metallurgie, Textil-, Kfz-, Zucker-, chemische, pharmazeutische Industrie; Messe; Endpunkt der Erdölleitung Rota Zaragoza; Universität (gegründet 1474); USA-Luftwaffenstützpunkt. Die am Südufer des Ebro gelegene Altstadt ist ein Zentrum der Mudéjarkunst: ehemaliger Palast der muslimischen Herrscher «Aljaferia» (9./11. Jahrhundert); Kathedralen («La Seo», gotisch und Mudéjarstil, und «Nuestra Señora del Pilar», 2. Hälfte 17. Jahrhundert); weitere barocke Kirchen, Handelsbörse («La Lonja», 16. Jahrhundert), zahlreiche Paläste. Das iberische Saiduba wurde 27 vor Christus römische Stadt, ab 452 nach Christus suebisch und westgotisch, ab 714 maurisch; seit 1118 Hauptstadt Aragoniens.

Der Vertrag von Zaragoza 1529 ergänzte den Vertrag von Tordesillas durch Festlegung einer portugiesisch-spanischen Demarkationslinie für die Kolonialbesitzungen im pazifischen Raum.

Zarandgebirge, rumänisch Muntii Zarandului: Ausläufer des Apuseni Gebirges, in Rumänien, zwischen den Flüssen Mures im Süden und Cri Alb im Norden; Magura, 904 m.

Zarathustra, Zoroaster, iranischer Religionsstifter zwischen 1000 und 500 vor Christus; entstammte der Adelsfamilie Spitama; Kern seiner Lehre ist der Dualismus zwischen Ohrmazd und Ahriman. F. W. Nietzsches literarische-philosophische Gestalt («Also sprach Zarathustra», 1883/91) hat mit dem historischen Zarathustra nichts gemein. Siehe auch Zoroastrismus.

Zarewitsch: russischer Zarensohn, Thronfolger; 1721 als Titel von Peter I. eingeführt; 1797 durch Zessarewitsch ersetzt; weibliche Form Zarewna.

Zarge:

1. Holztechnik: Verbindungsteil zwischen 2 winklig zueinander stehenden Bauelementen.

2. Musik: Seitenwand des Schallkörpers bei Streichinstrumenten, besaiteten Tasteninstrumenten, Gitarre und Trommel.

Zarla: Stadt im Norden Nigerias, im Bundesstaat Kaduna; 225000 Einwohner; Baumwollverarbeitung, Lebensmittel-, Chemieindustrie, Fahrradmontage; Kunsthandwerk; Baumwollhandelszentrum, Verkehrsknoten, Flughafen; Universität.

Zarka: zweitgrößte Stadt Jordaniens, nordöstlich von Amman; 270000 Einwohner; Erdölraffinerie; Station der Hedschasbahn.

Zarlino, Gioseffo, vor dem 22.4.1517 14.2.1590, italienischer Musiktheoretiker und Komponist; schuf Messen, Motetten und Madrigale; benannte die theoretischen Grundlagen der neuzeitlichen Harmonielehre, als deren Grundprinzip er das Dur-Moll-System erkannte und die er damit vom System der Kirchentöne abhob.

Zarubincy-Kultur, (nach einem Ort bei Kiew) Kultur des 1. Jahrhundert vor Christus/2. Jahrhundert nach Christus im mittleren und oberen Dnjepr Gebiet; Werkzeuge aus Eisen, bronzener Schmuck, Körper- und Brandbestattung.

Zary: Stadt in Polen (Wojewodschaft Zielona Góra), am Bóbr; 35000 Einwohner; Textil- und Konfektionsindustrie; Verkehrsknoten; spätgotische Kirche, Schloss (14./16. Jahrhundert), Barockpalast.

Zarzuela: spanisches Singspiel, entwickelt aus Gesangs- und Tanzeinlagen des 16./17. Jahrhundert; in ihrer nationalen Bedeutung erst im 19. Jahrhundert richtig erkannt.

Cäsium, (lateinisch caesius, «blaugrau»; nach charakteristischen Spektrallinien) fachsprachlich Caesium, Symbol Cs: chemisches Element der Kernladungszahl 55; Alkalimetall; Atommasse 132,9054; Wertigkeit +1; f28,5°C; Kp 708°C; Dichte 1,87 g/cm3; in der Natur sehr selten und nur chemisch gebunden, zum Beispiel als Begleiter von Kaliumverbindungen und im Pollux. Zäsium ist wachsweich und silberglänzend; als reaktionsfähigstes aller Metalle entzündet es sich an der Luft von selbst und verbrennt zu Cäsiumhyperoxid. Mit Wasser reagiert Zäsium explosionsartig unter Bildung von Cäsiumhydroxid der stärksten bekannten Base. Man verwendet Zäsium unter anderem für Fotozellen. Cäsiumverbindungen ähneln sehr stark denen des Rubidiums und Kaliums. Zäsium wurde 1860 von R. Bunsen und G. R. Kirchhoff spektralanalytisch im Dürkheimer Mineralwasser entdeckt.

Zasius, Ulrich, 1461-24.11.1535, Rechtsgelehrter; legte das römische Recht humanistisch unter Ablehnung der italienischen Auffassungen des Mittelalters aus; Verfasser von Partikulargesetzbüchern.

Zastava 1100: Markenbezeichnung für einen fünftürigen PKW (alte jugoslawische Lizenzvariante des Turiner FIAT 128) mit selbsttragender Ganzstahl- (Vollheck-) Karosserie. Der Vierzylinder-Viertaktmotor mit 1116 cm3 Hubvolumen leistet 40 kW; Höchstgeschwindigkeit 135 km/h.

Zäsur: gliedernder Einschnitt im Vers; die feste Zäsur wird durch das Metrum, die freie Zäsur von der sprachlich-inhaltlichen Gliederung bestimmt.

Zatec: Stadt in der CSSR (Nordböhmischer Bezirk); 20300 Einwohner; Zentrum des böhmischen Hopfenanbaugebietes mit größtem Hopfenspeicher der Welt; Kirche (13./14. Jahrhundert) und Rathaus (16. Jahrhundert).

Zauber: geheimnisvolle Manipulationen mit dem Ziel, Macht über Menschen, Tiere und die Natur zu gewinnen; Zauber (beziehungsweise der Glaube an ihn) entwickelte sich bereits in der Urgesellschaft (Z. zur Mehrung der Jagdbeute, der Fruchtbarkeit, zur Abwehr von Schäden unter anderem); in vielen Religionen sowie im Aberglauben verbreitet.

Zauberspruch: oft unverständlich gehaltene Beschwörungsformel; auf früher Entwicklungsstufe bei vielen Völkern verbreitet (zum Beispiel «Merseburger Zaubersprüche»).

Zauberstück, Zauberposse-. Genre volkstümlichen Theaters mit märchenhaften, phantastisch-allegorische (Wirken übernatürliche Mächte, Einsatz von Bühnenzauber) und komisch-realistischen Gestaltungselementen, besonders im Wiener Volkstheater im 18./19. Jahrhundert.

Zauche: Landschaft auf einer pleistozänen Platte zwischen Havel und Fläming, südlich von Brandenburg, im Bezirk Potsdam; im Nordteil durch Moränen wellig, der Südteil ist fast tischeben (Beelitzer Sander); Hauptorte sind Beelitz und Lehnin.

Zaum, (zu «ziehen») Zaumzeug, Zäumung: zur Führung und Lenkung bestimmtes Riemenzeug am Kopf von Reit- und Zugtieren (in einfacher Form auch Halfter genannt). Beim Pferd ist die im Maul liegende und auf die Kinnlade wirkende Trense beziehungsweise Kandare am Zaum befestigt.

Zauneidechse, Lacerta agilis: etwa 20 cm lange Eidechse; braun mit variabler Zeichnung, Männchen meist mit grünem Rücken; eierlegend; bewohnt mehr oder weniger trockene, offene Biotope Europas bis Mittelasiens. Siehe auch Kriechtiere.

Zaunkönig, Troglodytes troglodytes: brauner Singvogel mit kurzem Schwanz, der Insekten frisst; nistet besonders in unterholzreichen Wäldern, gern an Bächen; mit nur 9 g Körpergewicht einer der kleinsten europäischen Vögel.

Zaunrübe, Bryonia: Gattung heimischer Kürbisgewächse mit grünlichweißen Blüten und giftigem, rübenförmigem Wurzelstock; die Weiße Zaunrübe (B. alba) ist einhäusig und wurde früher als Heilpflanze genutzt; die Rotbeerige Zaunrübe (B. dioica) ist zweihäusig; Rankenpflanzen an Hecken und Zäunen.

Zaunwinde, Calystegia sepium: ausdauernde Ufer- und Auenpflanze mit windendem Stengel, großen, weißen, selten blassrosa Trichterblüten und langgestielten, pfeilförmigen Blättern.

Zavada, Vilem, 22.5.1905-30.11.1982, tschechischer Dichter. Seine proletarische Lyrik («Sirene») reifte im antifaschistischen und vollendete sich im Friedenskampf, im Heimatlied («Feldblumen», 1955) und in geschichtsphilosophischer Lebensbilanzen («Ein Leben», 1962; «An der Schwelle», 1970); Nachdichtungen ungarischer, rumänischer und jugoslawischer Lyrik.

Zavattini, Cesare, geboren 20.9.1902, italienischer Filmautor und Schriftsteller; Mitbegründer des Neorealismus; schrieb Drehbücher für V. De Sica («Schuhputzer», «Fahrraddiebe», «Das Wunder von Mailand») und andere Regisseure («Ein Sonntag im August», «Rom, elf Uhr»).

Zawadzki, Aleksander, 16.12.1899 bis 7.8.1964, polnischer Arbeiterführer; 1923 Mitglied der KP; 1943 in der UdSSR Mitbegründer des Bundes polnischer Patrioten; seit 1944 Mitglied des Politbüros des ZK der polnischen Arbeiterpartei beziehungsweise der polnischen Vereinigten Arbeiterpartei; seit 1952 Vorsitzender des Staatsrats.

Zawiercie: Stadt in Polen (Wojewodschaft Katowice), an der Warta; 63000 Einwohner; Baumwollspinnerei (Gemeinschaftsobjekt DDR/Polen); Elektrostahlwerk, Werkzeugmaschinenbau.

Zchinwali: Stadt in der Georgien, Verwaltungszentrum des Südossetischen Autonomen Gebietes, am Südfuss des Kaukasus, 870 m über dem Meeresspiegel; früher Staliniri; 35000 Einwohner; Maschinen- und Elektrogerätebau, Nahrungsmittelindustrie, Holzverarbeitung; pädagogische Hochschule; Theater.

Z-Diode, Zener-Diode (nach einem US-amerikanischen Physiker): eine Halbleiterdiode, die sich durch einen definierten und scharfen Durchbruch auszeichnet und infolgedessen bei Änderung des Stromes innerhalb eines bestimmten Bereiches eine annähernd konstante Spannung hat. Der scharfe Durchbruch wird durch Ausnutzung des Zener-Effektes erreicht. Dieser Effekt tritt bei der in Sperrichtung betriebenen Z-Diode beim Erreichen der Zener-Spannung (Knickpunkt der Kennlinie) auf. Die Z-Diode wird hauptsächlich zur Stabilisierung von Spannungen, zur Spannungsbegrenzung, zur Gewinnung fester Bezugsspannungen beziehungsweise Referenzspannungen und als Rauschquelle in Rauschgeneratoren eingesetzt.

Zeami, eigentlich Motokiyo Kanze, 1363-1443, japanischer Dramatiker; Mitbegründer des No; verfasste grundlegende theoretische Schriften sowie mehr als 100 Stücke.

Zebras, (Bantusprachen) Tigerpferde: zur Pferdefamilie gehörende Einhufer mit schwarzweißer Streifenzeichnung. Das Grevyzebra (Equus grevyi) ist die größte Art; große Ohren, schmale Streifen, Aalstrich längs des Rückens, Beine dicht quergestreift, breite Hufe; von Kenia bis Äthiopien verbreitet. Das Steppenzebras (Equus quagga) hat schmale Hufe, kleine Ohren, weniger zahlreiche, breitere Körperstreifen (Unterart ist das Quagga, Equus quagga, seit 1883 ausgerottet) und kommt in Steppengebieten Afrikas südlich der Sahara vor. Das Bergzebras (Equus zebra) hat einen ungestreiften weißen Bauch, es lebt in Südafrika.

Zebu, Buckelrind: vorwiegend in Südasien gehaltenes Hausrind mit mehr oder weniger hohem Schulterhöcker, schmalem Kopf und hohen Beinen. In Indien gilt das Zebu als heilig.

Zech, Paul, 19.2.1881-7.9.1946, Schriftsteller; zeitweilig als Bergmann und Heizer tätig; 1913/20 Mitherausgeber der expressionistischen Zeitschrift «Das neue Pathos»; emigrierte 1933 nach Südamerika; antifaschistische Tätigkeit (unter anderem Mitbegründer der «Deutschen Blätter» in Chile). Zech klagte in seiner frühen Lyrik den Industriekapitalismus an («Das schwarze Revier», 1913) und wandte sich in «Passionen» leidenschaftlich gegen den Krieg («Das Grab der Welt», 1919). 1933/37 entstanden die aus dem Nachlass veröffentlichten Romane «Deutschland, dein Tänzer ist der Tod» (1980) und «Michael M. irrt durch Buenos Aires» (1985), in denen er sich mit den Verhältnissen im faschistischen Deutschland auseinandersetzt. Weitere Prosa und Lyrik spiegeln die Unterdrückung der indianischen Bevölkerung (Erzählungen «Das rote Messer», 1953; Roman «Kinder von Paraná», 1952). Zech schuf auch Nachdichtungen (A. Rimbaud, L. Labé, F. Villon) und gab Indio-Legenden heraus.

Zechine: (italienisch - arabisch) 1284/1797 in Venedig geprägte Goldmünze.

Zecken, Ixodidae: Familie parasitisch lebender, bis 5 mm langer Milben, die sich zum Blutsaugen an Warmblütern und Kriechtieren festsetzen; ihr Körper vergrößert sich beim Saugen; Krankheitsüberträger. Säugetiere und Mensch werden besonders vom Holzbock (Ixodes ricinus) befallen.

Zedenbal, Jumshagin, geboren 17.9.1916, mongolischer Politiker; Mitglied der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (Abkürzung MRVP) seit 1939; 1940/54 Generalsekretär des ZK der MRVP, 1952/74 Vorsitzender des Ministerrats, 1958/81 Erster Sekretär, 1981/84 Generalsekretär des ZK der MRVP und 1974/84 Vorsitzender des Präsidiums des Großen Volkschurals, seit 1979 Marschall.

Zeder, Cedrus: Gattung der Kieferngewächse mit Pyramiden- oder schirmförmiger Krone; Benadelung lärchenartig, aber immergrün, in Büscheln an Kurztrieben; 4 seltene Arten kommen in den Gebirgen südlich und östlich des Mittelmeeres und im westlichen Himalaja vor (Atlas-, Libanon-, Zypern-, Himalaja-Zeder). Im wintermilden Europa auch als Parkbaum angepflanzt.

Zedernholzöl: gelbliches, nach Zedernholz riechendes ätherisches Öl, das aus dem Holz des Virgin, Wacholders durch Wasserdampfdestillation gewonnen und in der Parfümerie verwendet wird.

zedieren: (lateinisch) eine Forderung abtreten; siehe auch Forderungsübergang.

Zedlitz, Joseph Christian Freiherr von, 28.2.1790-16.3.1862, österreichischer Lyriker und Dramatiker, bürgerte die Form der Kanzone in der deutschsprachigen Literatur ein («Totenkränze», 1827); übersetzte Byron.

Zeeland, Seeland: Provinz im Südwesten der Niederlande, an der Schelde-Maas-Mündung; 3017 km2 (ohne Wasserflächen 1787 km2), 355000 Einwohner; 199 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Middelburg; intensive Landwirtschaft, Fischerei, Austernfang, Gartenbau; vielseitige Industrie; Häfen Terneuzen und Vlissingen; Seebäder.

Zeeman-Effekt: von H. A. Lorentz 1895 vorausgesagte und 1896 von P. Zeeman experimentell gefundene Aufspaltung von Spektrallinien in mehrere Einzellinien (Komponenten), wenn sich die Atome während der Lichtemission in einem Magnetfeld befinden, wobei infolge der Wechselwirkung der magnetischen Momente der Elektronen mit dem äußeren Feld die atomaren Energieniveaus aufgespalten werden, so dass sich mehrere (zusätzliche) Übergänge ergeben. Je nach Strahlungsrichtung des Lichtes (parallel oder senkrecht zur Feldrichtung) unterscheidet man longitudinalen und transversalen Zeeman-Effekt, je nach Art der Aufspaltung (einfach oder kompliziert) normalen und anomalen Zeeman-Effekt Beim normalen transversalen Zeeman-Effekt erscheinen neben der ursprünglichen Linie symmetrisch 2 Komponenten, beim normalen longitudinalen nur diese beiden, aber mit anderer Polarisation des Lichts. Der normale Zeeman-Effekt tritt auf, wenn der Gesamtspin S des Atoms Null ist und das Feld nur auf das Bahnmoment (magnetisches Moment) wirkt; für S 4= 0 tritt der anomale Zeeman-Effekt auf. Bei großen Feldstärken (H > 106 A/m) ist die Wechselwirkung mit dem äußeren Feld stärker als die Spin-Bahn-Wechselwirkung, so dass auch für S 0 ein normaler Zeeman-Effekt beobachtet wird (Paschen-Back-Effekt).

Zehdenick: Stadt im Kreis Gransee, Bezirk Potsdam, an der Havel; 12000 Einwohner; Ziegelwerke, Isolierwerk, Möbel-, Bekleidungsindustrie, Reparaturwerft; Binnenhafen; klassizistische Bauwerke.

Zehen, Digiti: die (meist 5) Endabschnitte der Füße an den hinteren Gliedmaßen der vierfüßigen Wirbeltiere; beim Menschen besteht ihr Skelett aus je 2 (große Zehe) beziehungsweise 3 (2. bis 5. Zehe) kurzen Knochen (Phalangen).

Zehengänger: mit den Zehen (bei angehobener Mittelhand beziehungsweise -fuß) auftretende (das heißt digitigrade) Säugetiere, zum Beispiel Hund, Katze.

Zehnbambushalle, Bilderbuch der Zehnbambushalle: Titel des bekanntesten Werkes des chinesischen Farbholzschnittes und Vielfarbendrucks; 1619/27 als Mallehrbuch entstanden, enthält Holzschnittreproduktionen älterer Gemälde mit beigefugten Gedichten in verschiedenen Schriftstilen; später zahlreiche Neuauflagen.

Zehnerpotenz: Potenz 10" der Zahl 10 mit ganzzahligem Exponenten n. Falls n eine positive ganze Zahl ist, stellt 10“ die Zahl dar, die als 1 mit n Nullen geschrieben wird; 10“" ist dann ihr Kehrwert (1/10"); wird er als Dezimalbruch 0,... geschrieben, so tritt an n-ter Stelle nach dem Komma eine 1, vorher aber treten nur Nullen auf.

Zehnfüßer, Decapoda: Ordnung der Kopffüßer mit 8 Kopfarmen um die Mundöffnung und 2 einziehbaren Fangarmen; die Saugnäpfe sind immer gestielt und oft mit einem gezähnten Hornring verstärkt. Etwa 545 Arten von 1 cm bis fast 22 m Länge leben in allen Meeren, vielfach als Dauerschwimmer in der Hoch- und Tiefsee.

Zehnfußkrebse: mit 8500 Arten formenreichste Ordnung der höheren Krebse; Kopfbrustschild (Carapax) hart und verkalkt; 5 Paar Beine, davon 1 Paar als Scheren ausgebildet; hierzu gehören Garnelen, Fluss-, Einsiedlerkrebse, Krabben und Hummer.

Zehnt: im Feudalismus der christlichen Bevölkerung auferlegte Abgabe an die Kirche; im Allgemeinen wurde der zehnte Teil vom Ertrag der Feldfrüchte (Feldzehnt) und später auch des Viehs (Vieh-, Blutzehnt) entrichtet.

zehnte Muse, heitere Muse: in Anlehnung an die neun Musen der Künste und Wissenschaften gebildete Bezeichnung der Unterhaltungskunst.

Zehrwespen, Proctotrupoidea: Überfamilie der Legwespen mit meist sehr kleinen, schwarz gefärbten Arten; Weibchen mit zum Teil sehr langem Legebohrer, mit dem die Eier in ein Wirtstier hineingelegt werden. Die Larven leben als Endoparasiten (Innenschmarotzer) in Eiern, Larven oder Puppen anderer Insekten; zum Teil sehr nützlich.

Zeichen:

1. Datenverarbeitung: Basiselement zur Darstellung von Daten. Unterschieden werden Alphazeichen (Buchstaben), Sonderzeichen (wie - oder f) und Ziffern (0, ..., 9). Die Verarbeitung von Zeichen erfolgt in binär kodierter Form;

2. Mathematik: mathematische Zeichen.

3. Sprachwissenschaft: Grundbegriff der Semiotik; Signal, das Träger einer Information ist; Abstraktionsklasse aller Signalmengen, die einander in einer Kommunikationssituation entsprechen. Zeichen sind materielle, sinnlich wahrnehmbare Gegebenheiten, die andere Gegenstände vertreten beziehungsweise diese bezeichnen und zur Gewinnung, Speicherung und Übermittlung von Informationen über diese (das Bezeichnete) benutzt werden; sie bestehen aus der Einheit von materiellem Zeichenkörper (häufig auch Signal oder Formativ genannt) und ideeller Bedeutung (der dem Zeichenkörper zugeordnete Bewusstseinsinhalt, das Abbild).

Zeichenautomat, Plotter (englisch, zu to plot, «entwerfen»): automatische Zeichenmaschine zum Zeichnen, Ritzen oder Ausschneiden beliebiger Darstellungen; Eingabe der Steuerinformationen mittels Magnetbands, Lochbands oder -karte; Linienerzeugung durch Skribent, Faserstifte oder elektrostatische Verfahren (XEROX-Verfahren); Ausführung als Trommel-Zeichenautomat (Trommelplotter) oder Tisch-Zeichenautomat (Tischplotter).

Zeichenerkennung: Wiedererkennen von Zeichengestalten. Das erfolgt gewöhnlich durch Speicherung von Idealzeichen und Zuordnung des gelesenen Zeichens zu dem Idealzeichen mit größter Ähnlichkeit. Auf diese Weise werden Klassen gleichgestalteter Zeichen gebildet. Wenn beliebig gestaltete flächige, räumliche oder zeitliche Gebilde erkannt werden sollen, spricht man auch von Mustererkennung. Die automatische Zeichenerkennung hat große Bedeutung für die Automatisierung.

Zeichenerklärung, Legende (lateinisch, «das zu Lesende»): den Prozess der Kartennutzung ermöglichende systematische Zusammenstellung der in einer Karte beziehungsweise in einem Kartenwerk verwendeten Kartenzeichen und deren Bedeutung.

Zeichenkamera: eine Camera obscura, die als technische Hilfsmittel für perspektiv. Konstruktionen und Proportionsstudien diente; besonders Städte- und Landschaftsmaler (zum Beispiel Canaletto) verwendeten sie zur wirklichkeitsgetreuen, perspektivisch genauen Darstellung ihrer Veduten; auch zur Anfertigung von Schattenbildern leistete sie Hilfestellung; vom 14. bis 18. Jahrhundert gebräuchlich.

Zeichenmaschine: zum technischen Zeichnen am Reißbrett befestigtes technische Mittel. Der durch Schienen oder Parallelogramm Gestänge geführte Zeichenkopf trägt 2 unter verschiedenen Winkeln einstellbare Zeichenlineale und kann über die gesamte Zeichenfläche geführt werden.

Zeisige: Baumsamen fressende Finkenvögel; der rotstirnige Birkenzeisige (Carduelis flammea) lebt in hochgelegenen Waldtundren; Wintergast an Erlen ist der nadelwaldbewohnende, 12 cm lange Erlenzeisige (Carduelis spinus).

Zeiß, Carl, 11.9.1816-3.12.1888, Mechaniker und Unternehmer; gründete 1846 in Jena eine feinmechanische Werkstatt (vor allem Herstellung von Mikroskopen), in die 1867 E. Abbe eintrat, mit dem zusammen er die Zeiss-Werke gründete.

Zeit:

1. Philosophie: Raum und Zeit.

2. Physik: Grundgröße, die die Bewegung als Existenzform der Materie widerspiegelt, Zeichen i, SI-Einheit Sekunde(s). In der nichtrelativistischen Physik wird die Zeit nach I. Newton als absolute Zeit, das heißt unabhängig von der Materie und deren Bewegung gleichmäßig verfließende Zeit, mit eindeutiger Kausalordnung, das heißt einer «früher-später»-Relation, angesehen. Von A Einstein wurde die Relativität der Gleichzeitigkeit auf Grund der endlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts und aller Wirkungen sowie die daraus folgende untrennbare Verknüpfung von Raum und Zeit zum Raum-Zeit-Kontinuum der Speziellen Relativitätstheorie erkannt; die Allgemeine Relativitätstheorie zeigte schließlich die wechselweise Bedingtheit der Geometrie des Raum-Zeit-Kontinuums und der Materieverteilung und deren Bewegung. Die Auszeichnung einer Zeitrichtung, die sich in der Nichtumkehrbarkeit (Irreversibilität) aller realen makroskopischen Prozesse ausdrückt, wird durch den Entropiesatz (Entropie) widergespiegelt. Lange konnte für mikroskopische Prozesse wegen der Invarianz aller für sie bekannten Grundgesetze gegenüber Zeitumkehr (t—> -1) keine Zeitrichtung ausgezeichnet werden. Die 1964 entdeckte Verletzung der CP-Parität (Parität) wird jedoch heute als Verletzung der Zeitumkehr und damit als Auszeichnung der Zeitrichtung bei Mikroprozessen gedeutet.

Zeitalter: größerer Zeitabschnitt, der durch eine besonders markante Entwicklung geprägt ist, zum Beispiel Zeitalter der wissenschaftlich-technischen Revolution. Siehe auch Ära. In der orientalischen und griechischer Sage Periodeneinteilung, die auch von den Römern übernommen wurde. Meist werden 4 Zeitalter nach Metallen (als Wertsymbole) genannt: Goldenes, Silbernes, Bronzenes, Eisernes Zeitalter, für die in steigendem Maße sittlicher Verfall, Krieg und Not charakteristisch sind.

Zeitanalysator: Gerät zur Messung von Zeiten im Nano- bis Millisekundenbereich, zum Beispiel der Lebensdauer kurzlebiger Radionuklide oder isomerer Kernzustände. Die Zeitmessung erfolgt entweder durch die Zählung der Taktimpulse eines Hochfrequenzgenerators oder mittels eines Zeitkonverters mit nachfolgendem Impulshöhenanalysator. Zeitansager 1 sprechende Uhr.

Zeitaufnahme: fotografische Aufnahme, bei der der Verschluss auf «Zeit» (B oder T) gestellt ist, so dass eine beliebig lange Belichtungszeit gewählt werden kann. Siehe auch Momentaufnahme.

Zeitblom, Bartholomäus, um 1455/60-um 1518/22, Maler; Hauptmeister der spätgotischen Ulmer Malerei; seine Darstellungen zeigen ruhige, große und ideale Formen, Anmut der Linie und zarte Farbigkeit; Hauptwerke: Tafeln der Seitenflügel des Hochaltares von Blaubeuren (1490/95), Eschacher Altar (1496) und Heerberger Altar (1497).

Zeitdilatation: Folgerung aus der Speziellen Relativitätstheorie, wonach für einen ruhenden Beobachter B die Dauer A eines Vorgangs oder Prozesses P, zum Beispiel der Gang einer Uhr, «gedehnte erscheint, wenn sich P gegenüber B mit der Geschwindigkeit v bewegt. Hierbei ist At die Dauer von P im Ruhsystem (v = 0) und c die Vakuumlichtgeschwindigkeit.

Zeitfahren: Radsport Geschwindigkeitswettbewerb auf Bahn oder Straße für Einzelfahrer (Einzelzeitfahren) oder Mannschaften (Mannschaftszeitfahre meist Vierermannschaften). Im Bahnradsport wird das 1000-m-Einzel-Zeitfahre und das 4000-m-Mannschaftszeitfahre im Einzelstart absolviert. Bekanntestes Zeitfahren im Straßenradsport ist das 100-km-Mannschaftszeitfahre; die Startfolge beträgt mindestens 1 min zwischen den Einzelfahrern beziehungsweise Mannschaften.

Zeitgeschichte: Gegenwartsgeschichte im Sinne des jeweils ablaufenden historischen Prozesses, beginnend mit der letzten allgemein erkennbaren geschichtlichen Zäsur und zur Zukunft hin geöffnet, auch Bezeichnung für die Geschichtsschreibung über diesen Gegenstand.

Zeitkonverter: kernphysikalisches Gerät zur Messung der Zeit zwischen 2 Ereignissen. Beim ersten Ereignis beginnt die Aufladung eines Kondensators mit konstantem Strom, beim zweiten Ereignis endet die Aufladung. Die Spannung am Kondensator ist dann proportional zurzeit.

Zeit-Kosten-Optimierung: Verfahren zur Ermittlung des optimalen Verhältnisses der für einen Prozess (Vorgang) benötigten Bearbeitungsdauer zu den dafür aufgewandten Kosten. Die Zeit-Kosten-Optimierung ist vorwiegend ein Instrument der Netzplantechnik. Bei einer Verkürzung der Bearbeitungsdauer (Vorgang) ergeben sich vielfach höhere Kosten, zum Beispiel wenn zu diesem Zweck ein größeres Arbeitskräftepotential oder ein erhöhter Arbeitsmitteleinsatz erforderlich wird. Die Zeit-Kosten-Optimierung bilanziert die Verkürzung und ihre Wirkung auf die Kosten.

Zeitnahme: Sport Messverfahren zur Ermittlung beziehungsweise Einhaltung der Wettkampfdauer, in Geschwindigkeitswettbewerben außerdem Voraussetzung zur Feststellung von Rekorden. Unterscheidung in Handzeitnahme (mittels Stoppuhr) und die wesentlich genauere elektronische Zeitnahme, mit der Zeitunterschiede bis zu 1/1000 s festgestellt werden können.

Zeitnormal, Zeitetalon: Eichmaß für den Zeitablauf. ursprünglich galt jeder periodisch gleichmäßig oder stetig verlaufende Vorgang als Zeitnormal, heute auf Grund gesteigerter Ansprüche wissenschaftlich begründete atomare Schwingungen.

Zeltnormativ: der analytisch-experimentell ermittelte, technologisch notwendige Zeitaufwand zur Ausführung einer Arbeitsverrichtung unter Beachtung des Leistungsbezugsmaßes; Grundlage für die Ausarbeitung von Kennziffern des Arbeitszeitaufwandes nach der analytischen rechnerische Methode der Arbeitsnormung. Das Zeltnormativ besteht aus Arbeitscharakteristik und Zeitwert.

Zeitplansteuerung: spezielle Programmsteuerung, bei der die gesteuerte Größe von einem in seinem Verlauf fest vorgegebenen Zeitplan eindeutig bestimmt wird; zum Beispiel Teile der Waschmaschinensteuerung mit bestimmten Zeiten für Vorwäsche, Hauptwäsche, Spülen unter anderem

Zeitregeln: der Beschleunigung des Wettkampfgeschehens dienende Zeitbegrenzungen für bestimmte Spielhandlungen, für die Ausführung von Versuchen unter anderem. Im Basketball muss 30 s nach dem Einwurf ein Angriff durch Korbwurf abgeschlossen sein (30-Sekunden-Regel), kein Angreifer darf sich länger als 3 s im Freiwurfraum des Gegners aufhalten (3-Sekunden-Reget), der Einwurf muss nach 5 s ausgeführt, nach Einwurf im Rückfeld muss der Ball in 10 s ins Vorfeld gespielt werden (10-Sekunden-Regel). Verletzung dieser Zeitregeln führt zu Ballverlust und Einwurf für den Gegner. In den Wurf-, Stoß- und Sprungdisziplinen der Leichtathletik steht für einen Versuch 1:30 min (Stabhochsprung 2 min) zur Verfügung, im Gewichtheben 2 beziehungsweise 3 min. Verstöße machen den Versuch ungültig.

Zeitschrift: periodisch erscheinende Druckschrift (Wochen-, Monats-, Vierteljahresschrift) wissenschaftlichen, belehrenden (Fachzeitschrift), politischen oder unterhaltenden Inhalts.

Zeitskale: Skale des Zeitablaufes. Die durch Atomuhren definierte Zeitskale, die Atomzeit, ist völlig gleichförmig. Die Internationale Atomzeit (TAI, französisch Abkürzung für Temps Atomique International) wird vom Bureau International de l’Heure (Abkürzung BIH) in Paris ermittelt und realisiert die SI-Einheit der Zeit, die Sekunde, sehr genau. Auf dem mittleren Sonnentag (Tag) beruht die mittlere Sonnenzeit. Der Unterschied zwischen der wahren Sonnenzeit, die sich aus der Beobachtung der wahren Sonne ergibt, und der mittleren heißt Zeitgleichung, sie schwankt im Laufe eines Jahres zwischen +16 min und -14 min. Aus der Beobachtung der Fixsterne ergibt sich die Steinzeit, die in Sterntagen (Tag) gemessen wird. Wenn der Frühlingspunkt kulminiert, ist 0h Sternzeit. Die astronomisch bestimmten Zeiten sind Ortszeiten; sie sind nur gleich für Orte auf dem gleichen geographischen Meridian; östlicher gelegene Orte haben früher Mittag. Die Ortszeit des Meridians von Greenwich heißt Weltzeit (Abkürzung WZ) oder Universal Time (Abkürzung UT). Da die Rotation der Erde nicht völlig konstant ist, benutzt man heute die koordinierte Weltzeit (englisch Abkürzung l/TC), eine auf der Atomzeit beruhende Zeitskale, die, wenn nötig, durch Einfügen oder Auslassen von «Schaltsekunden» in Übereinstimmung mit der astronomisch bestimmten Weltzeit gebracht wird. Aus praktischen Gründen wurde die Erde in Zeitzonen eingeteilt, deren Mittelmeridiane ganzzahlige Vielfache von 15° sind, so dass sich die entsprechenden Zonenzeiten um 1 h unterscheiden. Die Weltzeit wird auch westeuropäische Zeit (Abkürzung WEZ) oder Greenwicher Zeit (Greenwich Mean Time, Abkürzung GMT) genannt. Mitteleuropäische Zeit (Abkürzung MEZ) zeigende Uhren gehen 1 h, osteuropäische Zeit (Abkürzung OEZ) zeigende 2 h gegenüber WEZ vor. Durch staatliche Verfügung weichen die Uhren einiger Länder von der Zonenzeit ab (siehe auch Dekretzeit). Viele Länder stellen die Uhren im jeweiligen Sommerhalbjahr 1 h vor (sogenannt Sommerzeit). In der Astronomie bediente man sich 1952/83 der Ephemeridenzeit, deren Einheit die Ephemeridensekunde war. Da die Abweichungen dieser Zeitskale von der Weltzeit erst nachträglich durch Beobachtungen festgestellt werden konnten, definierte man für wissenschaftliche Zwecke 1984 die «terrestrische dynamische Zeit», die unmittelbar aus der Atomzeit errechenbar ist.

Zeitstandversuch: statische Festigkeitsprüfung zur Ermittlung des Werkstoffverhaltens unter ruhender, langandauernder (bis zu 100000 h) Zugbeanspruchung bei konstanter, meist erhöhter Temperatur bis zu einer bestimmten Verformung (Zeitdehngrenze) oder bis zum Bruch der Probe (Zeitstandfestigkeit).

Zeitstrafe, Strafzeit: im Eishockey, Handball, Hockey und Wasserball der Spielausschluss für eine bestimmte Zeitdauer während des Spiels.

Zeitteiler, Echappement: zeitbestimmendes Element in Zeitlaufwerken und genau gehenden mechanischen Wohnraum-, Schiffs- und elektrischer Schaltuhren. Der Zeitteiler besteht aus einer Platte, auf der die Kloben montiert sind. Dazwischen befinden sich Hemmungsteile und Schwingsystem.

Zeitung: (mittelhochdeutsch zitunge, «Nachricht», «Kunde») regelmäßig, meist täglich (Tagespresse) erscheinende Druckschrift mit aktuellen Nachrichten und Beiträgen aus allen Lebensbereichen; ältestes und neben Rundfunk und Fernsehen eines der wichtigsten Massenmedien.

Zeitwaage, Zeitmesswaage. elektronische Uhrenprüf- und Schnellreguliergerät. Die Summe der Geräusche der Hemmung und des Schwingsystems (Tickgeräusch) wird in ihrer Reihenfolge mit quarzgesteuerten Normalzeitintervallen durch Lichtpunkte (Stroboskopsystem), durch Wellenlinien auf einem Bildschirm (Oszillograph) oder durch Markierungspunkte auf einem Papierstreifen (Streifen- oder Walzenschreiber) verglichen.

Zeitzeichen: kodierte Impulsfolge, die von Rundfunk- und anderen Sendern ausgestrahlt wird und zur Kontrolle oder präzisen Einstellung von Uhren (insbesondere auf Schiffen) dient.

Zejler, Handrij, Andreas Seiler, 1.2.1804—15.10.1872, sorbischer Dichter; führender Repräsentant der sorbischen Literatur in der Periode der nationalen Wiedergeburt; Textautor der sorbische Nationalhymne, «Schöne Lausitz», und Schöpfer der modernen sorbischen Literatursprache; schrieb unter anderem Lyrik, Balladen, Romanzen, Satiren (Zyklus «Hans Wucba»), Fabeln und Publizistik.

zelebrieren: feierlich begehen; besonders die katholische Messe durch den Priester abhalten.

Zeljenka, Ilja, geboren 21.12.1932, slowakischer Komponist; war zunächst unter anderem Dramaturg an der Slowakischen Philharmonie und beim Tschechoslowakischen Rundfunk, wo er ein Studio für elektronische Musik gründete. Zeljenka ist einer der sensibelsten und vielseitigsten slowakischen Komponisten; schrieb Werke aller Gattungen mit hoher Ausdrucksintensität.

Zella, Cella: 1. Kammer, Klosterzelle.

2. Kultraum des antiken Tempels.

Zella-Mehlis: Stadt im Kreis und Bezirk Suhl, am Südhang des Thüringer Waldes; 14000 Einwohner; elektronische Industrie (Datenverarbeitungsanlagen), Herstellung von Wälzlagern, Werkzeugen, Kleineisenwaren, Elektrogeräten und Kunstglas; Heimatmuseum; Barockkirchen; Erholungsort, Wintersportplatz (450 bis 550 m über dem Meeresspiegel).

Zell am See: Luftkurort und Wintersportplatz im Bundesland Salzburg (Österreich), am Zeller See; wichtigster Ort des Mitterpinzgaus; 7500 Einwohner; Druckerei, Gießerei; Schloss Rosenberg (16. Jahrhundert).

Zelle:

1. Biologie: kleinste lebende Einheit eines Organismus, in der sich alle Lebensvorgänge, wie Stoffwechsel, Vermehrung, Vererbung, Reizerscheinungen, abspielen. Die Zelle besteht aus Zellplasma (Zytoplasma) und Zellkern (bei Prokaryonten kernäquivalent), umgeben von einer Zellmembran (Pflanzen zusätzlich von einer zellulosereichen Zellwand). Im Zellplasma befinden sich verschiedene Differenzierungen, wie Mitochondrien, Golgi-Apparat, endoplasmatisches Retikulum unter anderem Alle diese Zellorganellen sind in das Grundplasma eingebettet. Im Zellkern, der die Chromosomen sowie das Kernkörperchen enthält, ist die DNS lokalisiert. Zellen vermehren sich durch Mitose beziehungsweise Meiose. Einzeller zeigen alle zur Existenz erfordert, physiologische Leistungen. Vielzeller bilden Zellverbände, durch Spezialisierung und Arbeitsteilung ihrer Zelle differenzieren sich besondere Gewebe mit speziellen Lebensfunktionen aus. Die Zellgröße ist sehr unterschiedlich, von 0,1 xm bei bestimmten Bakterien bis zu mehreren cm bei Vogeleizellen; durchschnittlich 10 bis 100 p.m.

2. Luftfahrt: Flugzeug.

3. Mikroelektronik: integrierte Elementarschaltung aus =10 integrierten Bauelementen. Auf einem Chip sind gewöhnlich viele Zelle untergebracht.

Zellenausleser: herkömmlich als «Trieur» bezeichnete Sortier- und Reinigungsmaschine zum Trennen von Körnergemischen nach der Kornform (Merkmal «Kornlänge»); besteht als Zylindertrieur aus langsam umlaufendem Blechzylinder mit in die Innenwand eingepressten Zellen oder als Scheibentrieur aus einem Satz auf gemeinsamer Welle angeordneter Zellenscheiben. In den Zellen finden rundliche Körner Platz, längliche dagegen kippen bei der Arbeitsbewegung heraus und werden abgeleitet.

Zellenverdichter: Umlaufkolbenverdichter; durch eine exzentrische Lagerung des Drehkolbens und radial in Laufringen geführte Arbeitsschieber wird eine kontinuierliche Verkleinerung beziehungsweise Vergrößerung der Arbeitsräume (Zellen) während der Rotation erreicht und damit die Förderung des Arbeitsgases bewirkt. Der Zellenverdichter findet Anwendung zur Verdichtung technischer Gase und als Vakuumpumpe.

Zeller: 1. Carl, 19.6.1842-17.8.1898, österreichischer Komponist; wurde mit «Der Vogelhändler» und anderen Operetten zu einem Hauptvertreter der klassischen Wiener Operette.

2. Magnus, 9.8.1888-25.2.1972, Maler und Graphiker; Schüler von L. Corinth; entwickelte unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges einen revolutionären expressiven Realismus (Mappe «Entrückung und Aufruhr», zusammen mit A. Zweig; 1917), entlarvte in Sinnbildern den Faschismus, der Um 1937 als «entartet» verfeinte; nach 1945 widerspiegelte er in realistischen Bildnissen, Landschaften und Alltagsszenen die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse.

Zellfusion: Verschmelzung von Zellen infolge Auflösung der Zellmembran. Zellfusion erfolgt spontan oder kann künstlich provoziert werden; entstehende Zellhybriden dienen der Untersuchung von Genstrukturen und Regelmechanismen. Die Hybridzelltechnik beziehungsweise Hybridomtechnik stützt sich auf das Verfahren, Zellen, die gewünschte Stoffe produzieren, mit Krebszellen zu verschmelzen, wodurch sie unbegrenzt teilungsfähig werden. Auf diese Weise können zum Beispiel Antikörper identischer Struktur und Spezifität (monoklonale Antikörper) in großer Menge produziert werden. Sie finden breite Anwendung unter anderem in der medizinischen Praxis und Forschung.

Zellglas: klar durchsichtige Folie aus glycerolhaltiger Hydratcellulose. Zur Herstellung presst man Viskose durch Schlitzdüsen in ein saures Fällbad oder auf eine Trommel, die im Fällbad rotiert; hierbei bildet sich die Hydratzellulose unter Abspaltung von Kohlendisulfid. Zellglas ist fett-, öl- und nahezu luftdicht sowie undurchlässig für organische Lösungsmittel und -dämpfe; Anwendung als Haushaltfolie, Verpackungsmaterial unter anderem sowie für Kunstdärme.

Zellkern, Karyon, Nukleus: im Zellplasma eingebetteter, meist kugeliger Bestandteil der Zellen, der durch eine doppelte Lage von Elementarmembranen (Kernmembran besser Kernhülle) vom Zellplasma abgegrenzt ist und durch die in ihm lokalisierten Chromosomen die Hauptmenge an DNS (Träger der genetischen Information) enthält. Im Interphasekern (Z. im Stadium der Teilungsruhe) lassen sich 2 morphologisch erfassbare Komponenten erkennen, das Chromat und meist ein (Nukleolus) oder mehrere (Nukleolen) Kernkörperchen.

Zellkleister: wässrige Aufquellung von Carboxymethylcellulose zum Kleben von Papier, insbesondere Tapeten.

Zellkultur, Zellzüchtung, Explantat Kultur: Haltung von lebenden Zellen unter sterilen Bedingungen in einem künstlich geschaffenen Milieu außerhalb des Organismus zum Wachstum und zur Vermehrung. Im Unterschied zur Gewebezüchtung liegen zu Beginn nur isolierte Zellen vor.

Zellmembran, Plasmamembran, Plasmalemma: Elementarmembran mit selektiver Permeabilität, die die Zelle (das Protoplasma) nach außen begrenzt, aber einen Stoffaustausch mit der Umgebung ermöglicht. Die Zellmembran kann verschiedene Differenzierungen, wie Ausstülpungen (Mikrovilli) oder Einstülpungen (zum Beispiel basales Labyrinth), aufweisen oder oberflächlich gelegene Zellorganellen (zum Beispiel Zilien) überziehen.

Cellobiose: aus 2 Molekülen Glukose aufgebautes Disaccharid; Spaltprodukt der Zellulose; bildet farb- und geruchlose, nicht süß schmeckende, hygroskopische Kristalle; F225°C.

Celloidin Einbettung: Einbringen von entsprechend vorbehandeltem Gewebe in flüssiges Celloidin (Kollodiumwolle, Dinitrozellulose); ermöglicht nach dem Erstarren mit Hilfe eines Mikrotoms das Anfertigen von Dünnschnitten. Zellplasma Zytoplasma.

Zellstoff: aus pflanzlichen Rohstoffen (Holz, Stroh, Schilf unter anderem) durch chemische Behandlung isolierte weiße, faserige, aus mehr oder weniger reiner Zellulose bestehende Masse. Der wertvollste Zellstoff wird aus Fichten- oder auch Buchenholz nach dem Sulfitverfahren gewonnen. Hierbei wird das entrindete und zerhackte Holz im Druckbehälter (Zellstoffkocher) 8 bis 16 h mit einer siedenden schwefeldioxidhaltigen Lösung von Kalziumhydrogensulfit behandelt, wobei Zellstoff verbleibt und die übrigen Holzbestandteile (Lignin, Hemicellulosen) unter chemische Umwandlung in Lösung gehen; siehe auch Sulfitablauge. Beim Sulfatverfahren kocht man Holz (Buche, Birke, Fichte, Kiefer, auch harzreiche Abfälle und andere Rohstoffe) 3 bis 6 h mit einer Lösung von Natriumhydroxid, -sulfid, -karbonat und -Sulfat, beim Natronverfahren mit fünf- bis zwölfprozentiger Natronlauge. Der nach den verschiedenen Verfahren gewonnene Zellstoff wird gewaschen und je nach Einsatzgebiet gebleicht und gereinigt, Nadelholzzellstoff ist langfaserig, Laubholzzellstoff kurzfaserig. Man verwendet Zellstoff zur Herstellung von Papier, Zellglas, Viskose-, Azetat- und Cuoxam Faserstoff, Vulkanfiber, Cellulose Ethern (Methyl-, Carboxymethylcellulose) und -estern, insbesondere Zelluloseazetat und -nitrat (Kollodiumwolle, Schießbaumwolle).

Zellteilung: Vorgang, der zur Vermehrung von Zellen führt. Die verschiedenen Formen der Zellteilung sind Mitose, Meiose, Amitose. zellular (lateinisch), zellulär: aus Zellen gebildet.

Zelluloid: (lateinisch + griechisch) aus weichmacherhaltigem Cellulosedinitrat bestehender thermoplastischer Werkstoff. Zur Herstellung verknetet man Kollodiumwolle mit ethanolische Kampferlösung zu einer homogenen Masse, die sich bei 100°C zu Platten und Blöcken pressen lässt. Zelluloid ist zäh-fest, wasserbeständig, in organischen Lösungsmitteln löslich; es erweicht jedoch bei 70 bis 80 °C und ist leicht entzündbar. Es lässt sich gut einfärben und auf hohen Oberflächenglanz bringen.

Cellulose, Zellulose: aus Glukoseeinheiten in ß-glykosid. Bindung aufgebautes Polysacharid der Formel (C6H10O5). Cellulose ist eine weiße, faserige, geruch- und geschmackfreie, unlösliche Substanz, die durch Enzyme (Cellulosen) oder durch Erhitzen mit Säuren in D-Glukose aufgespalten wird; hierbei tritt das Disaccharid Cellobiose als Zwischenprodukt auf. Cellulose hat je Glukoseeinheit 3 alkoholische Hydroxylgruppen und lässt sich verestern (Zelluloseester) und verethern (Zelluloseäther); mit Alkalien bildet sich Alkali-Cellulose Spezielle Chemikalien führen Cellulose beziehungsweise Alkali-Cellulose als Derivate in Lösungen über (Viskose), aus denen sich Cellulose durch Fällungsmittel (Säuren) in gequollener und schwach abgebauter Form. (Hydrat-Cellulose, regenerierte Cellulose) wieder abscheiden lässt (Cellulose-Chemiefaserstoffe, Zellglas). Cellulose ist die in der Natur häufigste organische Verbindung. Aus Cellulose bestehen die Zellmembranen der Pflanzen. Nahezu reine Cellulose liegt in den Samenhaaren der Baumwolle vor; siehe auch Zellulosefaserstoffe. Das aus Holz gewonnene technische Produkt Zellstoff und findet vielseitige Verwendung.

Celluloseether: Zellulosederivate, in denen die Hydroxylgruppen der Zellulose teilweise oder völlig verethert sind. Die Zelluloseäther sind feste, zum Teil wasser- und Ethanol lösliche Substanzen, die, sofern sie nicht gelöst oder gequollen wurden, Faserstruktur aufweisen. Wasserlösliches Celluloseether, zum Beispiel Methylzellulose, Z-O-CH3 (Z = veretherter Zelluloserest), werden unter anderem als Verdickungs- und Appreturmittel sowie Klebstoffe verwendet, andere, zum Beispiel Äthyl-, Benzyl Cellulose als Lackrohstoffe, für Spritzgussmassen unter anderem. Der wichtigste Zelluloseäther ist Carboxymethylcellulose.

Celluloseacetat: Sammelname für Essigsäureester der Zellulose; siehe auch Zelluloseester. Alle Typen sind thermoplastisch verarbeitbar. Durch Behandeln von Zellstoff oder Baumwoll-Linters mit Essigsäureanhydrid und Schwefelsäure entsteht Cellulosetriacetat, das in der Regel partiell zu Zelluloseazetat (mit durchschnittlich 2,5 veresterten Hydroxylgruppen je Glukoseeinheit) verseift wird. Das Triacetat ist beständiger gegen Wärme und Feuchtigkeit als niedriger veresterte Typen, jedoch schwerer verarbeitbar. Durch die partielle Verseifung wird Celluloseacetat Aceton löslich und kann dann leicht zu Faserstoffen (Azetatfaserstoffe), Filmen, Folien unter anderem verarbeitet werden.

Celluloseester, in denen die 3 Hydroxylgruppen je Glukoseeinheit teilweise oder völlig verestert sind; je nach Anzahl unterscheidet man Mono-, Di- und Triester sowie Zwischenstufen. Unmittelbar aus Cellulose hergestellte Celluloseester sind weiße, faserige Substanzen; aus Lösungen abgeschiedene, gequollene oder thermoplastisch verarbeitete Produkte bilden kompakte Massen, Folien, Fäden oder amorphe Pulver. Die wichtigsten Celluloseester sind die als Plaste, Chemiefaserstoffe und Folien verwendeten Cellulose Acetate, Z-O-CO-CH3 (Z = veresterter Zelluloserest), und die Zellulosenitrate, Z-O-NO2 (Kollodiumwolle, Schießbaumwolle).

Cellulose Faserstoffe: Sammelname für Faserstoffe aus natürlicher (Baumwolle, Jute, Hanf, Flachs), regenerierter (Viskose- und Cuoxam Faserstoffe) oder veresterter Cellulose (Azetat- und Triacetat Faserstoffe). Cellulose Faserstoffe aus regenerierter und veresterter Zellulose werden unter dem Namen Cellulose Chemiefaserstoffe zusammengefasst; Azetat- und Triacetat Faserstoffe sind Zelluloseacetat Faserstoffe.

Cellulosenitrate: Salpetersäureester der Cellulose; unexakt auch als «Nitrocellulosen» bezeichnet. Alle Zellulosenitrate bilden, sofern sie keinen Löse- oder Gelierprozessen unterworfen wurden, weiße, faserige Massen, die bei Zündung ohne äußere Sauerstoffzufuhr blitzschnell verbrennen. Man stellt Cellulosenitrate unterschiedlicher Veresterungsgrades her, insbesondere die in Azeton lösliche Kollodiumwolle mit 10 bis 12% Stickstoff und die nur noch quellbare Schießbaumwolle mit 12 bis 14 % Stickstoff.

Zellwand: Begrenzungsschicht einer pflanzlichen Zelle, die der Zellmembran außen aufliegt, vorwiegend aus Zellulose besteht und dem pflanzlichen Gewebe mechanischen Halt gibt.

Zellwolle: veraltete Bezeichnung für Viskosefasern.

Zelot: (griechisch, «Eiferen») Fanatiker, besonders in Glaubensfragen.

Zeloten: 1. Bezeichnung für eine unter priesterliche Führung stehende Gruppe Aufständischer im 1. Jahrhundert nach Christus in Palästina.

2. Angehörige einer byzantinischen Volkspartei im 14. Jahrhundert, unter deren Führung Stadtarmut und Mittelschichten in Saloniki eine antiaristokratische Kommune (1342/49) errichteten und ein soziales Reformprogramm zu realisieren begannen, schließlich aber der kaiserlichen Übermacht erlagen.

Zelt: zusammenlegbare, leicht auf- und abbaubare, transportable, meist behelfsmäßige Unterkunft aus (imprägniertem) Gewebe.

Zelter, Carl Friedrich, 11.12.1758-15.5.1832, Komponist; Leiter der Singakademie und Begründer der Liedertafel in Berlin; bedeutend besonders als Liedkomponist; vertonte unter anderem Gedichte von J. W. Goethe; Lehrer von F. Mendelssohn Bartholdy.

Zemaite, eigentlich Beniuseviciute-Zymantiene, 4.6.1845-7.12.1921, litauische Schriftstellerin; gilt als bedeutendste Vertreterin des litauischen kritischen Realismus; in den Erzählungen «Die Schwiegertochter» (1896, deutsch) und «Petras Kurmelis» (1896/98) werden Rückständigkeit und Geldgier der Bauern verurteilt; Drama «Das Landbezirksgericht» (1900).

Zeman: 1. Kamil Olbracht.

2. Karel, geboren 3.11.1910, tschechischer Filmregisseur; schuf zunächst Animationsfilme, dann Filme, in denen er Spiel-, Zeichen- und Puppenfilm kombinierte («Reise in die Urzeit», «Die Erfindung des Verderbens», «Baron Münchhausen»).

Zement: (lateinisch, «Bruchstein», «Mörtel») im weiteren Sinne Gemisch zum Verbinden von Werkstoffen, zum Beispiel Glas-, Holz-, Metall-, Schwefelzement; im engeren Sinne hydraulischer Bindemittel aus gemahlenem Klinker, Gips und eventuell gemahlener Schlacke oder Gestein. Mit Wasser angerührt, erhärtet Zement durch Hydratation an der Luft und unter Wasser zu Zementstein. Nach der Zusammensetzung unterscheidet man Portlandzement (Abkürzung PZ), der maximal 20% Zumahlstoffe enthält; Hüttenzement, der aus PZ-Klinkern unter Zumahlung von metallurgischen Schlacken und Gips hergestellt wird; Zumahlzement (Abkürzung ZZ), auch Hochofenzement (Abkürzung HOZ) genannt; Eisenportlandzement (Abkürzung EPZ), der etwa 40%, Sulfathüttenzement (Abkürzung SHZ), der bis zu 90% basische Schlacke und bis zu 20% Gips enthält. Sonderzement sind Tonerdeschmelzzement (Abkürzung TSZ) aus Kalziumaluminaten, Quellzement als Mischung aus Portland-, Tonerde- und Sulfathüttenzement, Trasszement als Portlandzement mit bis 30% Trass-Zusatz. Siehe auch Asbestbeton, Magnesiabinder.

Zementation: Ausfällen eines Metalls aus der wässrigen Lösung seines Salzes durch Einbringen eines unedleren Metalls in die Lösung. Das niedergeschlagene Metall heißt Präzipitat (Zement).

Zementationszone: unter dem Grundwasserspiegel liegende Anreicherungszone edler Metalle bei Erzlagerstätten; die Metalle treten dabei gediegen oder (vorwiegend) als Sulfide auf.

Zementleim: Gemisch aus Zement und Wasser während des Abbindens zum Zementstein.

Zemla, Gustaw, geboren 1931, polnischer Bildhauer; nach dem Studium in Warschau Professor an der Warschauer Akademie für bildende Künste; schuf zahlreiche Monumente (Denkmal der Schles. Aufständischen in Katowice, 1967).

Zempliner Gebirge: östlichster Teil des ungarischen Mittelgebirges; höchste Erhebung Nagy-Milic mit 896 m; Laub- und Mischwälder.

Zen, Chan, Tschan: im 5-/6. Jahrhundert in China entstandene buddhistische Sekte; im 12. Jahrhundert kam der Zen-Buddhismus nach Japan.

Zener-Effekt: von dem US-amerikanischen Physiker C. Zener 1934 entdeckte Elektronenanregung aus dem Valenzin das Leitungsband eines Halbleiters bei sehr hohen elektrischen Feldstärken infolge des Tunneleffektes (innere Feldemission); besonders an pn-Übergängen, die in Sperrichtung gepolt sind.

Zenica: Stadt in Bosnien und Herzegowina, an der Bosna, nordwestlich von Sarajevo; 64000 Einwohner; Schwerindustrie (Hüttenkombinat), Kokerei; metallurgische Hochschule. Bei Zenica Steinkohlen-, Braunkohlen- und Eisenerzbergbau.

Zenit: (italienisch - spanisch - arabisch) Scheitelpunkt: der genau senkrecht über einem Beobachter liegende Punkt an der Himmelskugel; siehe auch Koordinatensystem.

Zenitalregen: (zu «Zenit») Tropenregen, der kurz nach dem Sonnenhöchststand einsetzt und die tropischen Regenzeiten bestimmt.

Zenker, Hartmut, geboren 24.2.1922, Schriftsteller; schreibt Romane («Die Uhr steht auf fünf», 1979), Erzählungen («Vorkommnisse», 1980; «Mit Goethe in Polen», 1986) und Gedichte.

Zenneck, Jonathan, 15.4.1871-8.4.1959, Physiker; Professor in Danzig (Gdansk), Braunschweig und München; Pionier der Hochfrequenztechnik und der Erforschung der Ionosphäre.

Zenobia, Septimia, Fürstin von Palmyra; zweite Frau des römischen Klientelfürsten Odenathus; erklärte nach dessen Tod (266 nach Christus) Palmyra für von Rom unabhängig (267) und besetzte 269 Ägypten. Aurelian besiegte Zenobia 272 bei Antiochia und Emesa. Als Exponentin der palmyrenische Aristokratie war Zenobia mit der Begründung des Palmyrenischen Reiches bestrebt, sich von der Bevormundung Roms zu lösen.

Zenon aus Kition, um 335 um 262 vor Christus, griechischer Philosoph; Begründer der Stoa.

Zenon von Elea, um 490-430 vor Christus griechischer Philosoph; Schüler des Parmenides, dessen Lehre, dass es Vielfalt und Bewegung nicht geben könne, er mittels der Widersprüche in diesen Begriffen zu erhärten suchte; seine Paradoxien vom fliegenden Pfeil, der eigentlich ruhe, und von Achill, der die Schildkröte nie einhole, hatten große Nachwirkung.

Zentralafrikanische Republik, Abkürzung ZAR: Binnenstaat in Äquatorialafrika; grenzt im Norden an Tschad, im Osten an Sudan, im Süden an Zaire und Kongo und im Westen an Kamerun; verwaltungsmäßig in 14 Präfekturen und 49 Unterpräfekturen gegliedert. Die Bevölkerung besteht aus 35 ethnischen Gruppen, die den Sudan- und Bantuvölkern angehören. Amtssprache ist Französisch. Währung ist der CFA-Franc. Die ZAR umfasst die durchschnittlich 600 bis 900 m, in den Bongobergen bis 1388 m ansteigende Asandeschwelle, die sich nach Norden zum Tschadbecken absenkt. Es herrscht ein wechselfeuchtes tropisches Klima mit zunehmender Trockenheit nach NO. Hier ist Dombuschsavanne (Sahel) vorherrschend, die nach Südwesten über Trocken in baumreiche Feuchtsavannen mit Galeriewäldern an den Flüssen übergeht. Im Südwesten und Süden ist tropischer Regenwald vorherrschend. Hauptstrom ist der Ubangi (zum Zaire). Im Norden entwässern die Flüsse über den Schari zum Tschad. In den Nationalparks Schutz der artenreichen Großtierwelt. Die Bodenschätze (nachgewiesen sind Uran-, Eisen-, Nickel-, Kobalt-, Zinnerze, Diamanten, Gold, Tonerde) sind noch wenig erschlossen. Die ZAR ist durch lange Kolonialherrschaft ein schwach entwickeltes, weitgehend vom Auslandskapital (besonders Frankreich) beherrschtes Agrarland. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft (80% der Erwerbstätigen; vorherrschend Naturalwirtschaft) mit dem Anbau von Kaffee und Baumwolle für den Export, gefolgt von der Diamantengewinnung und dem Einschlag tropischer Hölzer, die beide ebenfalls große Exportbedeutung haben. Nur 3 % des Territoriums werden für den Ackerbau (überwiegend Kleinbetriebe) genutzt. Die verarbeitende Industrie (zu 90% in Bangui konzentriert) steht erst am Anfang ihrer Entwicklung. Sie umfasst kleine Betriebe beziehungsweise Handwerksbetriebe für die Verarbeitung von Diamanten, Holz und Agrarprodukten. Die Infrastruktur und vor allem das Verkehrsnetz ist wenig ausgebaut (keine Eisenbahn, nur 425 km asphaltierte Straßen). Große Bedeutung für den Außenhandel hat die Flussschifffahrt, besonders auf dem Ubangi zum Zaire nach Brazzaville. Haupthafen und internationaler Flughafen in Bangui. Einfuhr von Industrieausrüstungen, industriellen Konsumgütern und Lebensmitteln. Haupthandelspartner ist Frankreich. Seit urgeschichtlicher Zeit war das Gebiet der ZAR von ethnischen Gruppen (Banda, Baya, Mandjia) besiedelt, die bis zum ausgehenden Mittelalter in Stammesverbänden lebten; im 17./18. Jahrhundert wurden sie Opfer ausgedehnter Sklavenjagden. Am Ende des 19. Jahrhundert wurde das Gebiet der ZAR kolonial unterworfen und ab 1910 als Ubangui-Schari Teil der Kolonialföderation Französisch-Äquatorialafrika; 1958 erhielt es als Zentralafrikanische Republik die innere Autonomie im Rahmen der Communauté Française. Am 13.8.1960 erlangte die ZAR die staatliche Selbständigkeit unter Präsident David Dacko, der in der Nacht vom 31.12.1965 zum 1.1.1966 durch einen Militärputsch unter der Führung von Oberst Jean Bedel Bokassa gestürzt wurde. Bokassa übernahm zunächst das Amt des Präsidenten, verwandelte dann im Dezember 1976 das Land in eine Monarchie und krönte sich selbst am 4.12.1977 zum Kaiser. Nach jahrelangen inneren sozialen und politischen Auseinandersetzungen wurde in der Nacht vom 20. zum 21.9.1979 Bokassa mit Hilfe französischer Fallschirmjäger gestürzt. Präsident der Republik wurde erneut D. Dacko, durch die Wahlen am 15.3.1981 bestätigt. Im September 1981 übernahm nach einem Putsch unter General André Kolingba ein «Militärkomitee für den Nationalen Wiederaufbau» die Macht. Im November 1986 wurde durch ein Referendum eine neue Verfassung angenommen und Kolingba als Staats- und Regierungschef bestätigt. 1987 erfolgte die Gründung der Zentralafrikanischen Demokratischen Bewegung (französisch Abkürzung RDC) als Einheitspartei mit Präsident Kolingba als Vorsitzendem.

Zentralafrikanischer Graben: Teil des Ostafrikanischen Grabensystems auf der Grenze zwischen Äquatorial- und Ostafrika, in Sudan, Zaire, Uganda-, Rwanda, Burundi, Tansania und Sambia; verläuft vom Oberlauf des Bahr al-Djabal bis zum Südende des Tanganjikasees; etwa 1500 km lang und bis 40 km breit; in ihm befinden sich Albertnil, Albertsee, Semliki, Edward-, Kivu-, Tanganjikasee; vom Ruwenzori flankiert und den Virunga Vulkanen durchbrochen.

Zentralafrikanische Schwelle: die östliche Randschwelle des Zairebeckens mit Ruwenzori, Virunga Vulkanen und Mitumba Bergen; über 3000 m; vorwiegend in Zaire.

Zentralasien, Innerasien, im engeren Sinne die von hohen Gebirgen umrahmten, hochgelegenen Landschaften im zentralen Teil Asiens mit Binnenentwässerung, zwischen Himalaja im Süden, Pamir im Westen, Tienschan, Altai und Sajan im Norden sowie dem Großen Chingan im Osten; etwa 11 Millionen km2; politisch zur UdSSR (Mittelasien), MVR und zu China gehörend. Charakteristisch sind ausgedehnte Hochländer und -becken (Hochland von Tibet, Tarimbecken, Dsungarei, Mongolei), die von Gebirgen durchzogen werden; im weiteren Sinne wird wegen seiner Trockenheit und Binnenentwässerung vielfach auch das Tiefland von Turan zu Zentralasien gerechnet. Es herrscht extrem kontinentales Klima; arm an ständig fließenden Gewässern, aber reich an abflusslosen Salzseen und -sümpfen. Die Hochbecken tragen Steppen und Wüstensteppen, im Südteil und in den tiefen Becken überwiegen Sand- und Steinwüsten (Taklimakan, teilweise auch Gobi). Wälder sind vorwiegend auf die Nordhänge der Gebirge (Tienschan, Changaj) beschränkt.

Zentralbau: über rundem, elliptischem, vieleckigem, quadratischem, oder kreuzförmigem Grundriss errichteter Bau, bei dem alle Raumteile auf einen Mittelpunkt bezogen sind. Damit ist der Zentralbau der Idealtyp eines richtungslosen, in sich ruhenden Baukörpers und Raumgefüges, dem eine Überwölbung durch eine Kuppel am vollkommensten entspricht. Ursprünge in der frühchristlichen und byzantinischen Baukunst, erlangte besondere Bedeutung in der Renaissance, fand Anwendung in Barock und Klassizismus. Berühmte Zentralbau: Pantheon in Rom, Hagia Sophia in Istanbul, Aachener Münster, Frauenkirche in Dresden, Panthéon in Paris, auch Bramantes ursprünglicher Plan der Peterskirche in Rom. Heute werden besonders Versammlungs- und Ausstellungshallen als Zentralbau projektiert.

Zentraleinheit: Hauptteil eines Rechenautomaten, bestehend aus Hauptspeicher zur Aufbewahrung von Daten und Programmen (Befehlsfolgen) und zentraler Verarbeitungseinheit, die ein Steuerwerk und ein Rechenwerk enthält. Das Steuerwerk (Leitwerk) bildet mittels Befehlszählers (ein Register im Steuerwerk) eine J'Adresse für den Hauptspeicher, holt den Inhalt der adressierten Speicherstelle in das Befehlsregister, interpretiert den so ermittelten aktuellen Befehl und übergibt die zu dessen Ausführung nötigen Instruktionen an das Rechenwerk oder die Kanäle (Kanal 4). Durch Erhöhung des Inhalts des Befehlszählers wird die Adresse des nächstfolgenden Befehls berechnet. Das Rechenwerk verfügt über eine Arithmetik-Logik-Einheit, die Daten aus einem speziellen Register, oft Akkumulator genannt, und weiteren Registern oder aus dem Hauptspeicher verknüpfen kann und das Ergebnis im Akkumulator zwischenspeichert, von wo es in den Hauptspeicher transportiert werden kann.

Zentraler Grenzwertsatz: Satz der Wahrscheinlichkeitsrechnung; unabhängiger und identisch verteilter Zufallsgrößen hinreichende Bedingungen an, unter denen sich die Verteilungsfunktion der Zufallsgröße S„ = X, + X2 + ... + X„ mit wachsender Anzahl« von Summanden der Verteilungsfunktion der Gaußschen Fehlerkurve annähert; haben die Zufallsgrößen.

zentralgeleitete Industrie: in der DDR Gesamtheit aller Industriekombinate und Industriebetriebe, die den Industrieministerien oder anderen zentralen staatlichen Organen direkt unterstellt sind. In der zentralgeleiteten Industrie wird der Hauptteil der industriellen Bruttoproduktion der DDR erzeugt.

Zentralgewalt, feudale: feudale Staatsgewalt eines größeren Territoriums. Im Feudalismus stellte das Königtum die Zentralgewalt dar, deren Funktion in der Sicherung der Klassenherrschaft der Feudalherren und im Schutz des Staates gegen äußere Angriffe bestand. Allerdings befanden sich die wichtigsten Elemente des Staatsapparats sowohl in den Händen der Zentralgewalt wie in denen jedes einzelnen Feudalherren. Nach der vollen Herausbildung der Ware-Geld-Beziehungen gewann die Zentralgewalt eine progressive Bedeutung für die weitere Entwicklung der Wirtschaft.

Zentralisation des Kapitals: Vereinigung bereits bestehender Kapitale auf dem Wege der Ruinierung und des Aufkaufs schwächerer durch stärkere Kapitale oder durch den Zusammenschluss von Kapitalen (Bildung von Kapitalgesellschaften, Großunternehmen, Konglomeraten). Zentralisation des Kapitals erfolgt auch auf dem Wege der sogenannt Kooperation in der Produktion, im Absatz, in der Forschung und in anderen Bereichen (zum Beispiel Bildung gemeinsamer Tochtergesellschaften von 2 oder mehr Konzernen); eine wachsende Rolle spielt als verdeckte Form der Zentralisation des Kapitals auch die Unterordnung kleinerer Kapitale (besonders als Zulieferbetriebe) unter das Diktat der Monopole. Siehe auch Gesetz der Konzentration und Zentralisation des Kapitals.

Zentralkraft: eine in jedem Punkt des Raumes nach einem festen Zentrum hin (oder von diesem weg) gerichtete Kraft; zum Beispiel sind Coulomb-Kraft und Gravitation Zentralkräfte.

Zentralmassiv, Zentralplateau, französisch Massif Central, Plateau Central: Mittelgebirge im Südosten des mittleren Frankreichs; 85000 km2; Rumpfgebirge, aus paläozoischen Gesteinen, zumeist über 700 m hoch; in der Auvergne mit jungen vulkanischen Decken und Gipfeln (Puy de Dome, 1465 m; Cantal, 1858 m; Puy de Sancy im Mont Dore, 1886 m); nach Südosten Steilabfall der Cevennen-, sanfte Abdachung nach Westen; raues, niederschlagsreiches Klima; Vorkommen von Steinkohle, Uran und Kaolin; Wasserkraftwerke an fast allen Flüssen; wenig ertragreicher Ackerbau (Kartoffeln, Roggen); Schaf-, Rinder-, Schweinezucht; starke Landflucht; Notstandsgebiete; in Einbruchsbecken (Limagne) intensiver Gemüse-, Weizenanbau sowie Obst-, Weinbau; Industriestandorte in Randgebieten (Saint-Etienne, Clermont-Ferrand, Limoges, Le Creusot); Kurorte an Mineralquellen (Vichy).

Zentralnervensystem, Abkürzung ZNS: bei den Wirbeltieren und dem Menschen aus Rückenmark und Gehirn bestehender zentraler Teil des gesamten Nervensystems. Das Zentralnervensystem beinhaltet den größten Teil der Nervenzellkörper sowie der Synapsen und stellt ein kompliziert verschaltetes biologisches Informationsverarbeitungssystem dar. Dabei gewährleistet es nicht nur die Auseinandersetzung des Organismus mit der Umwelt, sondern koordiniert auch die Funktion der Organe untereinander. Durch die Fähigkeit zur kurz- oder langfristigen Speicherung von Informationen (Lernvermögen, Gedächtnis), der Verbindung zum vegetativen Nervensystem sowie zum Hormonsystem nimmt das Zentralnervensystem eine übergeordnete Stellung für den Ablauf aller Lebensvorgänge ein.

Zentralnotenbanken, Zentralbanken: Banken mit dem alleinigen Recht der Ausgabe von Banknoten und Münzen; ursprünglich staatlich privilegierte Privatbanken, befinden sich heute meist in den Händen des Staates (Staatsbanken). Im Kapitalismus greifen sie durch Regulierung der Geldmenge und Kreditversorgung aktiv im Interesse der Profitsicherung in den Reproduktionsprozess ein. Gleichzeitig koordinieren sie die Geld- und Kreditpolitik der Geschäftsbanken. Ihnen obliegt auch in den meisten Ländern die Bankenaufsicht. In ihre Zuständigkeit fällt auch die Sicherung der internationalen Liquidität der Staaten durch Regulierung der Gold- und Devisenbestände und Steuerung des Ausgleiches der Zahlungsbilanz durch differenzierte Devisenzwangswirtschaft. Die rechtliche Stellung der Zentralnotenbanken ist in den Ländern unterschiedlich geregelt.

Zentrieren: (lateinisch griechisch) Bestimmen der Drehachse von Rotationsteilen beziehungsweise des Mittelpunktes von Kreisflächen.

Zentrierung: Zustand von Linsen beziehungsweise Linsen- und Spiegelsystemen, bei dem die Achse der äußeren Berandung (Formachse) mit der optischen Achse zusammenfällt. Dezentrierung führt zu Abbildungsfehlern.

zentrifugal: vom Zentrum wegführend; zum Beispiel Nerven, die eine Erregung vom Zentrum zur Peripherie leiten.

Zentrifugalkraft, Fliehkraft: Kraft, die in rotierenden Bezugssystemen auf Körper wirkt und stets senkrecht zur Drehachse nach außen gerichtet ist. Für einen Körper mit der Masse m, der im Abstand r mit der Winkelgeschwindigkeit co um die Drehachse rotiert, hat sie den Betrag Fz = mrco2. Die Wirkung der Zentrifugalkraft verspüren Insassen eines Fahrzeuges beim Durchfahren von Kurven; auch die Abplattung der Erde ist eine Folge der Zentrifugalkraft

Zentrifuge: Gerät zum Trennen, Klären, Filtrieren oder Trocknen von Stoffen, die in schnell rotierenden Gefäßen (Siebtrommeln, Flaschen unter anderem) großen Zentrifugalkräften ausgesetzt werden. Laborzentrifugen arbeiten mit 800 bis 8000, Wäscheschleudern mit 1400 bis 3000, Ultrazentrifuge mit bis 10 Millionen Umdrehungen je Minute. Spezielle Zentrifuge werden auch als Separatoren bezeichnet.

Zentriolen, Zentralkörperchen: sehr kleine, DNS-haltige, vermehrungsfähige Zellorganellen in den meisten tierischen Zellen und Zellen niederer Pflanzen, die zu Beginn der Mitose die Ausbildung der Spindel induzieren.

zentripetal: (griechisch + lateinisch) zum Zentrum hinführend; zum Beispiel Nerven, die eine Erregung von der Peripherie zum Zentrum leiten.

Zentrismus: opportunistische Strömung in der Arbeiterbewegung, die zur Zeit des Übergangs vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus aufkam. Der mit dem Versöhnlertum verwandte Zentrismus will zwischen Rechten und Linken in der Arbeiterbewegung vermitteln, verschleiert gesellschaftliche Widersprüche, ist durch Phrasen von der «reinen» Demokratie und dem «Klassenfrieden» gekennzeichnet und bahnte dem Revisionismus den Weg. Hauptvertreter ist K. Kautsky.

Zentrum: Mitte, Mittelpunkt; Innenstadt.

Zentrum: bürgerlich-klerikale Partei, gegründet 1870. Geführt von Klerus, katholische Großagrariern und Kapitalisten, hatte das Zentrum unter katholischen Bauern, Kleinbürgern und Arbeitern eine relativ breite Basis. Zunächst antipreußisch orientiert, wurde die Partei nach Beendigung des Kulturkampfes zu einer Stütze der Regierung. In der Weimarer Republik bezog das Zentrum eine stark antikommunistische Position. Unter den vom Zentrum gestellten Reichskanzlern (H. Brüning, F. von Papen) wurde die bürgerlich-parlamentarische Demokratie entscheidend abgebaut, was den Übergang zur faschistischen Diktatur begünstigte.

Zenturie: (lateinisch, «Hundertschaft») 1. bei der altrömischen Bürgerschaft die Einheit, die 100 Mann zum Heeresaufgebot stellen musste; nach der Servianischen Verfassung waren die Bürger Roms in 193 Zenturie mit je einer Stimme in der Volksversammlung eingeteilt.

2. Grundeinheit der altrömischen Legion; jede Legion umfasste 60 Zenturien, die jeweils von einem Zenturio geführt wurden.

Zeolithe, (griechisch, «Siedesteine») Mineralgruppe, wasserhaltige Kalziumaluminium- und Alkalialuminiumsilikate, die Kationen und Kristall-wasser abgeben und aufnehmen können (Ionenaustauscher, Molekularsiebe). Der Struktur nach unterscheidet man Faser-, Blätter- und Würfel Zeolithe. Faser Zeolithe sind Natrolith, Kristallsystem rhombisch, Härte 5 bis 5,5, Dichte 2,2 bis 2,4 g/cm3, weiße, nadelige Aggregate in Hohlräumen der Basalte und Phonolithe; Thomsonit, kugelige, weiße Aggregate, Dichte 2,3 bis 2,4 g/cm3. Blätter Zeolithe sind Heulandit, Kristallsystem monoklin, Härte 3,5 bis 4, Dichte 2,1 bis 2,2 g/cm3, graue oder rötliche Kristalle; Desmin oder Stilbit, garbenförmige Bündel, Härte 3,5 bis 4, Dichte 2,1 bis 2,2 g/cm3, in Basalten, auch in Granit und auf Erzgängen. Zu den Würfel Zeolithe gehört der Chabasit, Kristallsystem trigonal, gelbe, würfelähnliche Kristalle, Härte 4 bis 5, Dichte 2,1 g/cm3.

Zephyros, (griechisch) Zephir, griechischer Gott des sanften Westwindes.

Zeppelin, Ferdinand Graf von, 8.7.1838-8.3.1917, Luftschiffkonstrukteur; Erfinder der nach ihm benannten lenkbaren starren Luftschiffe (erster Aufstieg eines Zeppelinluftschiffs am 2.7.1900); Gründer der «Luftschiffbau Zeppelin GmbH» in Friedrichshafen am Bodensee.

Zepter: Herrscherstab; Sinnbild der Würde und höchsten Gewalt; Bestandteil der Krönungsinsignien.

Zepterlehen: Lehen, die von 1122 bis zum 15. Jahrhundert mit dem Symbol des Zepters an die geistlichen Fürsten vergeben wurden, im Gegensatz zu den Fahnlehen der weltlichen Fürsten. Siehe auch Reichsfürsten.

Zer, (lateinisch, nach dem Planetoiden Ceres) fachsprachlich Cerium n, Symbol Ce: chemisches Element der Kernladungszahl 58; Seltenerdmetall; Atommasse 140,12; Wertigkeit +3; seltener +4; F798°C; Kp 3257°C; Dichte 6,77 g/cm3. Zer findet sich, mit anderen ZERIT Erdmetallen vergesellschaftet, unter anderem im Monazit, Bastnäsit und ZERIT. Das eisenfarbene, weiche und sehr dehnbare Zer löst sich leicht in Säuren; es wird meist als Zer-Mischmetall (etwa 50% Zer, 45% andere Seltenerdmetalle, Rest Eisen) angewandt, zum Beispiel für Zündmetall und als Desoxydationsmetall in der Stahlindustrie. Nach der unabhängig voneinander von M. H. Klaproth und J. J. Berzelius 1803 erfolgten Entdeckung der Zeriterde gelang es 1839/40 dem schwedischen Chemiker Karl Gustav Mosander (1797-1858), reine Zerverbindungen abzutrennen.

Zerberus, Kerberos, in der griechischen Sage der mehrköpfige Hund am Eingang des Hades; ließ die ankommenden Toten ein, gestattete aber keinem die Rückkehr; siehe auch Herakles.

Zerbst: Kreisstadt im Bezirk Magdeburg, an der Nuthe; 19000 Einwohner; Werkzeugmaschinenbau, Plast-, Nahrungsmittelindustrie; Stadthalle, Heimatmuseum; Stadtmauer (15. Jahrhundert), ehemaliges Franziskanerkloster (13./14. Jahrhundert; Museum, Bibliothek), Trinitatiskirche (17. Jahrhundert), Fachwerkhäuser (17./18. Jahrhundert). Um Zerbst Gemüsebau. 948 als slawische Siedlung genannt, 1007 als «Urbs Zirwisti» erwähnt. 1603/1793 Residenz des Fürstentums Anhalt Zerbst.

Cerebralisation: Vergrößerung und Steigerung der Komplexität des Gehirns in Abhängigkeit von der stammesgeschichtlichen Höherentwicklung der Tiere durch zunehmende Differenzierung und Beherrschung der Körperfunktionen. Die Cerebralisations Höhe drückt sich in der Gehirngröße, im Differenzierungsgrad der Gehirnabschnitte und im mikroskopischen Bau aus; den höchsten Cerebralisations Grad besitzt der Mensch.

Cerebrospinalflüssigkeit, Liquor cerebrospinalis, Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit: wasserklare, eiweiß- und salzarme Flüssigkeit in den Gehirnventrikeln und im Zentralkanal des Rückenmarks; umspült außerdem das Gehirn und das Rückenmark.

Zereisen: Legierung aus Zer, Lanthan und Eisen; verwendet für Zündsteine im Feuerzeug.

Zeremonie: feierliche Handlung mit einem durch Überlieferung oder Übereinkommen geregelten Ablauf; häufig von sinnbildlicher Bedeutung; mit besonderer Würde ausgestattete Förmlichkeit.

zeremoniell: feierlich; förmlich. Zeremoniell: Gesamtheit der Gebräuche bei feierlichen Anlässen, im diplomatischen Verkehr o. ä.

Zereteli, Akaki, 21.6.1840-8.2.1915, georgischer Dichter; wirkte führend in der georgischen Befreiungsbewegung mit und gilt als Mitbegründer des georgischen kritischen Realismus; prangerte in Gedichten, Epen, Erzählungen und Dramen die nationale und soziale Unterdrückung an («Baschi-Atschuki», 1895/96; «Meine Erlebnisse», 1894/1908).

Zerfallsprozesse: der neben Streuprozessen wichtigste Reaktionstyp von instabilen Elementarteilchen und Atomkernen, der Aufschluss über deren Eigenschaften und Wechselwirkung mit anderen Teilchen gibt; die verschiedenen Zerfälle eines Teilchens werden auch Zerfallskanäle und das Verhältnis der verschiedenen Zerfallswahrscheinlichkeiten in die einzelnen Kanäle wird Verzweigungs- oder Zerfallsverhältnis genannt.

Zerhacker: wie ein Wagnerscher Hammer arbeitender Schalter, der periodisch Gleichspannung wechselnder Polarität an den Verbraucher legt; heute durch elektronische Schaltungen abgelöst.

Zerkarie, Schwanzlarve: frei schwimmende oder in einem Zwischenwirt eingekapselte, mit (oft gegabeltem) Schwanz versehene Larve der Leberegel und anderer Saugwürmer; wächst in geeignetem Wirtstier zum reifen Wurm heran; entsteht in einer Redie.

Zerkleinern: Zerlegen eines Feststoffes durch Druck, Schlag, Scheren, Reiben, Quetschen u. ä. in Teile, deren Abmessungen zwischen stückiger und kolloider Größe liegen. Das Zerkleinern wird in der Regel maschinell in Brechern, Mühlen, Kollergängen, Zerfaserern unter anderem durchgeführt; es erleichtert zum Beispiel die mechanische oder chemische Weiterverarbeitung und den Transport. Im Erzbergbau bringt man durch Zerkleinern das Rohfördergut auf eine Korngröße, bei der gesichert ist, dass fast alle Nutzkomponenten nicht mehr mit taubem Gestein verwachsen sind.

Zerlegung: Mengenlehre Einteilung einer gegebenen Menge M in nichtleere Teilmengen derart, dass jedes Element von M in genau einer dieser Teilmengen vorkommt.

Zermatt: Höhenkurort im Süden der Schweiz (Kanton Wallis), am Fuße des Matterhorns, 1 620 m über dem Meeresspiegel; 3 100 Einwohner; Touristenstandort, Wintersport; Seilbahnen (u. a. unterirdische Gebirgsseilbahn durch 1600 m langen Tunnel).

Zernike, Frits, 16.7.1888-10.3.1966, niederländischer Physiker; erfand 1932 das Phasenkontrastverfahren der Mikroskopie.

Zeromski, Stefan, 14.10.1864-20.11.1925, polnischer Schriftsteller; widmete sein Werk dem Kampf um nationale Befreiung und soziale Gerechtigkeit (Romane «Die Heimatlosen», 1900, «In Schutt und Asche», 1904, «Vorfrühling», 1924, alle deutsch).

Zerrüttungsprinzip: familienrechtliches Prinzip, wonach eine Ehe nur dann geschieden werden darf, wenn sie in der Gesamtheit ihrer Beziehungen zerrüttet ist, das heißt ihren Sinn für die Ehegatten, die Kinder und für die Gesellschaft verloren hat.

Zerstörer: mittelgroßes (3000 bis 5000 ts Wasserverdrängung), schnelles, (schwach) gepanzertes Kampfschiff zur Bekämpfung von See-, Luft- und Küstenzielen, Sicherung von Flugzeugträgern, Kreuzern, Geleiten und Landungsverbänden, zum Minenlegen unter anderem; mit Raketen, Artillerie (bis 130 mm Kaliber), Torpedos und U-Boot-Abwehrwaffen ausgerüstet; meist zahlenmäßig stärkste Schiffsklasse einer Flotte.

Zertifikat: amtliche Bescheinigung, Bestätigung; Beglaubigungsschreiben.

Zurvanismus: häretische zoroastrische Lehre, die Zervan («Zeit») als den höchsten Gott über Ohrmazd und Ahriman stellte, um so den Dualismus zwischen beiden Prinzipien zu überwinden.

Zerverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem, meist +3-, seltener +4-wertigem Zer (Cerium). Zer(ni)-verbindungen sind in der Regel farblos, zum Beispiel das zum Tränken von Gasglühkörpern verwendete Zer(III)-nitrat. Auch Zer(III)-oxid ist farblos, während das beim Verbrennen von Zer entstehende Zer(IV)-oxid von gelblichweißer, bei höherer Temperatur zitronengelber Farbe ist.

Cetan, Hexadekan: Alkan der Formel C16H34; F 17,8°C; dient als Eichsubstanz zur Bestimmung der Zündwilligkeit von Dieselkraftstoffen.

Cetanzahl, CZ (Abkürzung für Cetanzahl): Maßzahl für die Zündwilligkeit von Dieselkraftstoffen. Die Cetanzahl gibt an, wieviel Vol.-% Cetan (zündwillig, CZ = 100) in einem Gemisch mit 1-Methylnaphthalin (zündträge, CZ = 0) enthalten sind, welches das gleiche Zündverhalten zeigt wie der zu prüfende Kraftstoff. Ein zündwilliger Dieselkraftstoff kommt sehr bald nach der Einspritzung zur Entzündung und erlaubt höhere Motordrehzahlen. Die Cetanzahl von Kraftstoffen für langsam laufende Dieselmotoren beträgt 10 bis 40, die für Fahrzeugmotoren 50 bis 70.

Zetteln: Textiltechnik geordnetes Aufwickeln eines Teiles der Gesamtfadenzahl einer Kette in voller Breite in einer Zettelmaschine auf einem Zettelbaum.

Zettl, Baldwin, geboren 29.9.1943, Graphiker und Zeichner; 1964/69 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, seitdem freischaffend in Leipzig vorwiegend als Kupferstecher und Illustrator tätig; in seinen Arbeiten (auch Bleistift- und Silberstiftzeichnungen) gestaltet Zettl mit höchster Akkuratesse und Detailpräzision literarischer und mythologischer Stoffe, Stillleben, figürliche Motive sowie Landschaften.

Zeug: (zu «ziehen») Polygraphie

a) in der Setzerei zum Einschmelzen bestimmtes, nicht mehr brauchbares Setzmaterial;

b) in der Schriftgießerei Metalllegierung, in die das Schriftbild eines größeren Schriftgrades für die galvanische Herstellung einer Matrize geschnitten wird.

Zeuge: (zu «ziehen», eigentlich «Gezogenen») 1. Person, die ausdrücklich zu einem bestimmten Vorgang hinzugezogen wird, um gegebenenfalls über diesen berichten zu können (zum Beispiel über eine Testamentserrichtung).

2. Person, die in einem Zivil- oder Strafverfahren über Tatsachen berichtet, die sie wahrgenommen hat. Der Zeuge ist zur vollständigen und wahrheitsgemäßen Aussage verpflichtet, ansonsten setzt er sich strafrechtliche Verantwortlichkeit aus. Siehe auch Verweigerung der Aussage.

Zeugen Jehovas: von C. T. Russell (1852-1916) in den 70er Jahren des 19. Jahrhundert in den USA gegründete christliche Sekte, die das baldige Endgericht über die widergöttlichen Mächte (wozu sie alle Kirchen und Staaten zählt) und die Aufrichtung einer Theokratie erwartet; Argumente nimmt sie speziell aus einer willkürlichen Auslegung der Offenbarung des Johannes (daher früher «Ernste Bibelforscher» genannt); die Leitung der «Theokratischen Organisation» sitzt in Brooklyn (New York); wegen Negierung jeder staatlichen Ordnung in der DDR verboten.

Zeugma: Stilfigur, Kombination von syntaktisch gleichartigen oder ähnlichen Ergänzungen zu einem Wort (Adjektive zum Substantiv, Adverbien beziehungsweise Objekte zum Verb), wovon nur eine semantisch passend ist; oft als beabsichtigter Wortwitz, zum Beispiel «Er und die Tränen liefen».

Zeugnis: 1. allgemein die urkundliche Bescheinigung einer Tatsache.

2. Bildungswesen: offizielles Dokument zur Einschätzung von Leistung und Verhalten eines Schülers, Lehrlings, Studenten, Lehrgangsteilnehmers.

Zeuner, Gustav Anton, 30.11.1828-17.10.1907, Ingenieur; 1855 Professor, 1871 Direktor der Bergakademie Freiberg; 1873/97 Professor und Direktor des Polytechnikums (später TH, heute TU) Dresden; von ihm betreute und geforderte Gebiete waren technische Wärmelehre, technische Mechanik sowie Hydraulik.

Zeus, oberster griechischer Gott (römisch Jupiter), mit Hera vermählt, jüngster Sohn des Kronos (daher der «Kronide»), dem er die Herrschaft entriss (Titanen); sein Sitz war der Olymp; zeugte mit Göttinnen und Sterblichen (Alkmene, Danae, Demeter, Europa, Leda, Leto, Semele, Themis) viele Kinder (Amphion und Zethos, Aphrodite, Chariten, Hermes); galt als der Hüter der Rechtsordnung, als Eid- und Sühnegott und Schützer des Gastrechts; Eiche und Adler waren ihm heilig.

Zeuxis, griechischer Maler der 2. Hälfte des 5. Jahrhundert vor Christus aus Herakleia, der die alte Vierfarbentechnik durch Schattenangabe bereicherte; Werke sind nicht erhalten, Nachklänge seiner Kunst in römischen Marmorbildern.

Zhangjiakou: Stadt in China, im Nordwesten der Provinz Hebei, an der Großen Mauer; früher Kalgan 480000 Einwohner; Maschinenbau, Leder- und Lebensmittelindustrie.

Zhang Tianyi, geboren 26.9.1906, chinesischer Schriftsteller; stellte in zahlreichen, meist satirische Kurzgeschichten Parasiten der Gesellschaft dar («Der Traum von dreieinhalb Tagen», 1929); gilt als einer der besten Kinderschriftsteller Chinas.

Zhao Mengfu, Chao Meng-fu, 1254-1322, chinesischer Maler, Kalligraph, Siegelschneider, Dichter, Politiker; kopierte in seinen Gemälden (Landschaften, Pflanzen, Tiere) Werke älterer chinesischer Maler.

Zhao Shuli, 1906-23.9.1970, chinesischer Schriftsteller; schilderte unter Verwendung nationaler volkstümlicher Formen Bauern, die die Fesseln der feudalen Moral und des Aberglaubens abschütteln (Erzählungen «Die Hochzeit des kleinen Örlhe», 1943, deutsch; Roman «Die Wandlungen des Dorfes Lidjiadschuang», 1945, deutsch).

Zhao Ziyang, geboren 1919, chinesischer Politiker; seit 1938 Mitglied der KP, seit 1965 Erster Sekretär des Provinzparteikomitees Guangdong, in der «Kulturrevolution» (1966/69) gestürzt, 1971 rehabilitiert, seit 1973 Mitglied des ZK, seit 1979 Mitglied des Politbüros, 1981/87 stellvertretender Vorsitzender, seit 1987 amtierender Generalsekretär des ZK der KP; Ministerpräsident seit 1980.

Zhejiang: Provinz im Osten von China, am Ostchinesischen Meer, südlich der Mündung des Chang Jiang; 101800 km2, 38,9 Millionen Einwohner; 382 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Hangzhou. Auf 70% der Fläche das bis zu 1500 m aufragendes Südostchinesisches Bergland; im Norden Niederungsebene mit buchtenreicher Küste, ihr vorgelagert sind über 1800 Inseln (Zhoushan Archipel); Hauptstrom ist der Qiantang Jiang. Bei subtropischen feuchtem Monsunklima teilweise in Terrassenkultur Anbau von Reis, im Umland des Sees Tai Hu sowie an der Küste Kultivierung von Mais, Weizen, Bataten, Baumwolle, im Bergland von Tee; auf 22% der Fläche Anbau von Jute, Seidenraupenzucht; Bodenschätze: Fluorspat, Schwefelkies, Eisenerz, Kupfer. Aufbau einer Schwerindustrie; Seiden- und Baumwoll-, Papierindustrie. Fischfang im Zhoushan Archipel; Eisenbahnverkehr nur in der Nordwesthälfte der Provinz.

Zhou-Dynastie: Herrscherhaus in China (westliche Zhou-Dynastie 11. Jahrhundert/771 vor Christus; östliche Zhou-Dynastie 770/249 vor Christus), bestand seit dem 7. Jahrhundert nur noch nominell, da in der Chunqiu-Zeit (722/481) und zur Zeit der Streitenden Reiche (480/222) die Lokalfürsten die Macht ausübten.

Zhou Libo, 9.8.1908-24.9.1979, chinesischer Schriftsteller; gestaltete Bodenreform und Genossenschaftsbewegung auf dem Land (Romane «Orkan», 1949, deutsch; «Große Veränderungen eines Bergdorfes», 3 Bände, 1958/60) sowie den industriellen Aufbau («Der Strom», 1955, deutsch).

Zhuang: mongolides Volk der Thai-Völkergruppe in Südchina und angrenzenden Gebieten, größte nationale Minderheit Chinas (im Autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang); etwa 14 Millionen; Reisbauern; Buddhisten.

Zhuhai: Stadt im Süden Chinas (Provinz Guangdong), an der Grenze zu Macau, am Mündungstrichter des Zhu Jiang; 150000 Einwohner; seit 1980 zu einem 15,16 km2 großen Wirtschaftssondergebiet für Auslandsinvestitionen (Aufbau von kleineren Industriebetrieben, Hotels und Restaurants für den Touristenverkehr) erklärt; regelmäßiger Schiffsverkehr zum 67 km entfernten Hongkong.

Zhu Jiang: eh., («Perlfluss»), Kantonfluss: größtes Flusssystem Südchinas, bestehend aus dem Xi Jiang, der den Hauptfluss bildet, dem Bai Jiang und Dong Jiang; an der Mündung in das Südchinesische Meer bei Guangzhou das Zhu Jiang-J.-Delta. Zhunger pendi Dsungarei.

Zhu Xi, 1130-1200, chinesischer Philosoph; Zentralgestalt des Neokonfuzianismus; lehrte, dass jedes Ding 2 Seiten habe, das geistige herrschende Wesen und den passiven Stoff. Das Wesen aller Dinge leitete Zhu Xi von einem obersten Wesen ab, das er mit den Herrschaftsmethoden des chinesischen Feudalstaates identifizierte.

Zhu Yuanzhang, 1328-1398, chinesischer Kaiser, Begründer der Ming-Dynastie; seit 1355 Führer des gegen die Herrschaft der mongolischen Yuan-Dynastie gerichteten Volksaufstandes der Roten Kopftücher, eroberte 1368 Peking.

Zibetkatzen: afrikanische und südasiatische Schleichkatzen mit halb rückziehbaren Krallen; nachtaktive Kleintierfresser; sondern in einer Drüsentasche das Afterdrüsensekret Zibet ab.

Zibeton: Geruchsträger des Zibets; bildet farblose, intensiv nach Moschus riechende Kristalle und wird in der Parfümerie verwendet.

Zibo, Boshan: Stadt auf der Halbinsel Shandong im Osten von China (Provinz Shandong); besteht aus den Städten Zichuan, Boshan, Zhoucun, Zhangdian und Linzi\ 2,2 Millionen Einwohner; Zentrum eines bedeutenden Steinkohlenabbaugebietes.

Zickel: 1. Zickel, Zicklein: das Ziegenlamm.

2. Fell der Jungtiere von Ziegen, das je nach Naturfärbung und Haarstruktur natürlich oder gefärbt verarbeitet wird.

Zickelbein, Horst, geboren 20.12.1926, Maler und Graphiker; 1950/55 Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, 1955/58 Meisterschüler an der AdK bei H. Ehmsen, lebt freischaffend in Berlin; anfangs kubistische Anregungen verarbeitend, erfolgte eine Auflockerung der Bildsprache, die mit differenzierten Farbklängen und fließend dynamische Formen Menschen und Landschaften schildert.

Zickzackschaltung: Schaltungsart der Sekundärwicklung von Drehstromverteilungstransformatoren. Vorteile sind geringerer Isolationsbedarf und volle einsträngige Belastbarkeit zum Ausgleich unsymmetrische Belastung durch Haushalt- und Lichtstromverbraucher.

Ziege: 1. Ziegen.

2. Ziege, Pelecus cultratus: etwa 50 cm langer und 2 kg schwerer, schlanker Karpfenfisch mit oberständigem Maul, lebt in europäischen Süß- und Brackgewässern; zum Teil wirtschaftlich genutzt.

Ziegel: aus aufbereitetem und getrocknetem Ton oder Lehm geformtes und gebranntes grobkeramisches Bauelement; siehe auch Dachziegel, Mauerziegel.

Ziegeldrahtgewebe, Drahtziegelgewebe: Putzträger aus Drahtgeflecht mit quadratischen Maschen und aufgepressten gebrannten Tonkörpern, zum Beispiel zur Herstellung von Scheindecken, zur feuerhemmenden Ummantelung von Holz- oder Stahlträgern beziehungsweise Stützen.

Ziegen, Capra: Gattung wiederkäuender Paarhufer mit Hörnern in beiden Geschlechtern; vortrefflicher Kletterer, zum Beispiel der Steinbock. In Südosteuropa und Vorderasien die seltene Bezoarziege (Capra aegagrus), Hörner der Böcke groß, säbelförmig mit Querwülsten; der Markhor (Schraubenziege, Capra falconeri) trägt ein gestreckt schraubenförmiges, bis 1 m langes Gehörn, bewohnt die Gebirge von Turkestan bis Kaschmir. Die Hausziege stammt von der Bezoarziege ab und ist neben dem Schaf das älteste Haustier. Weltweit werden etwa 280 Millionen Ziegen in wenigen Kultur-, aber vielen Landrassen gehalten, die unter oft kargen Bedingungen der Milch-, Fell- und Fleischleistung dienen. Auf Milchleistung gezüchtete Ziegen (bis maximal 1500 kg) sind, im Verhältnis zur Körpermasse, die milchreichsten Tiere. In Deutschland ist die Ziegenhaltung stark zurückgegangen. Gezüchtet werden die Deutsche weiße Edelziege, Böcke 60 bis 100 kg, weibliche Tiere 50 bis 70 kg schwer, die Deutsche bunte Edelziege, etwas leichter, in den Schlägen Rehfarbene Erzgebirgsziege, rehbraun-rotbraun, schwarzer Aalstrich, schwarzer Bauch, schwarze Beine, und Rehfarbene Harzziege, rehbraun-rotbraun, schwarzer Aalstrich, heller Bauch, geschiente Beine, sowie die Thüringer Waldziege, schokoladenbraun, helle Gesichtsmaske, weißer Aalstrich, weiße Unterbeine, Spiegel und Ohrensaum. Im Zuchtziel werden 1000 kg Milch mit 4% Fett angestrebt. Böcke werden im Alter von 5 bis 6 Monaten gekört, weibliche Tiere im Alter von 7 bis 9 Monaten erstmals gedeckt. Sie werfen nach 150 Tagen Tragezeit 1, 2 oder 3 bis 5 kg schwere Zickel.

Ziegenhagen, Franz Heinrich, 8.12.1753-21.8.1806, utopischer sozialistischer Kaufmann; Anhänger der Aufklärung und der Französischen Revolution; erstrebte eine Gesellschaft ohne Privateigentum mittels frühzeitiger Erziehung zur Gemeinschaft.

Ziegenrück: Stadt im Kreis Schleiz, Bezirk Gera, im Thüringer Schiefergebirge, im Saaletal, zwischen Bleiloch- und Hohenwartetalsperre; 1100 Einwohner; Erholungsort (324 m über dem Meeresspiegel); Pappen-, Kartonagenfabrik; Wasserkraftmuseum.

Ziegler, Karl, 26.11.1898-11.8.1973, Chemiker; Direktor des Max-Planck-Institutes für Kohleforschung in Mülheim/Ruhr. Ziegler arbeitete insbesondere über metallorganische Verbindungen und stereospezifische Polymerisation, zum Beispiel zur Herstellung von Niederdruck-Polyäthylen.

Ziehen: Umformverfahren, bei dem die Kraft durch das Ziehgut selbst übertragen wird. Ziehen dient bei Blech zur Umformung von Ronden, Platinen oder Zuschnitten zu Hohlkörpern durch Tiefziehen, zu flachen, großflächigen Karosserieteilen durch Reckziehen, bei dem der Zuschnitt mit Zangen gespannt und über ein Formstück gezogen wird, oder zum örtlichen Verengen von Hohlkörpern als letzte Stufe in spezifischen Einziehwerkzeugen. Bei massivem Halbzeug (Draht, Stabstahl, Profil und Rohr) dient Ziehen in ein oder mehreren Zügen unter Verringerung des Querschnitts, insbesondere kalt, zur Verbesserung von Maßhaltigkeit und Oberflächengüte, indem das Ziehgut durch einen Ziehstein oder Ziehring hindurchgezogen wird (Durchziehen).

Ziehklinge: Stahlblech zum Glätten von Holzoberflächen (Feinstbearbeitung), dessen Kanten mit einem Grat versehen sind. Siehe auch Abziehen.

Ziehrer, Carl Michael, 2.5.1843-14.11.1922, österreichischer Komponist; wirkte als Militär-, später Hofkapellmeister und Wiener Hofball-Musikdirektor; komponierte 600 Tänze, Märsche sowie Operetten (unter anderem «Die Landstreicher», 1889).

Ziehring: Werkzeugteil zum Ziehen; das Ziehgut wird beim Tiefziehen hinein, bei Durchziehen hindurchgezogen. Der Ziehring gibt dem Werkzeugteil beim Ziehvorgang Form und Abmessung.

Ziehschleifen, Honen (englisch): spannendes Fertigungsverfahren zur Feinbearbeitung mit einem vielschneidigen Werkzeug aus gebunden dem Korn zur Verbesserung der Form- und Maßgenauigkeit sowie Oberflächengüte. Beim Innenrund-Ziehschleifen wird das pendelnd gelagerte Werkzeug (Ziehschleifkopf Honahle) auf der Senkrechtziehschleifmaschine axial hin- und her- und gleichzeitig drehend bewegt, dabei werden die Schleifsegmente angedrückt und reichlich mit Öl geringer Viskosität oder Petroleum gespült, um Verschmieren der Ziehschleifkörper zu verhindern. Beim Fein-Ziehschleifen (Schwingschleifen, Superfinish) wird die Bewegung durch eine kurzhubige Schwingbewegung überlagert. Das Außenrund-Ziehschleifen erfolgt meist auf Drehmaschinen als Fein-Ziehschleifen mit Zusatzeinrichtungen, das Flach-Ziehschleifen für ebene Flächen auf Zweischeiben-Läppmaschinen und Ziehschleifmaschinen mit Schleifscheibe.

Ziel: Sport a) die Streckenendmarkierung in Geschwindigkeitswettbewerben;

b) das durch ein Geschoß beziehungsweise Sportgerät zu treffende Objekt, zum Beispiel im Schießsport beziehungsweise in Zielspielen.

Zielens, Lode, 13.6.1901-28.11.1944, belgischer Schriftsteller niederländischer Sprache; führte das Großstadtproletariat in die moderne flämischen Prosa ein («Mütter, warum leben wir?», 1932, deutsch).

Zielfotografie: Sport Nachweis über die Platzierung der Wettbewerbsteilnehmer in Geschwindigkeitswettbewerben mittels Zielaufnahme (Foto, Film).

Zielfunktion: 1. mathematische Optimierung.

2. Zielfunktion, Gütefunktion: Regelungstheorie bei Entwurfs- und Steuerungsaufgaben ein Kriterium, das Aufwand und Ergebnis in Abhängigkeit von den veränderbaren Einflussgrößen (Steuergrößen) bewertet und einen im Sinn dieses Kriteriums optimalen Entwurf (eine Optimal Steuerung) zu bestimmen ermöglicht.

Zielgeschäft: 1. Warenverkauf mit längerfristigem Zahlungstermin (Zahlungsziel). Das angebotene Zahlungsziel soll das Kaufinteresse fördern.

2. Warenkauf an der Börse zum Tagespreis, aber späterem Abnahme- und Zahlungstermin. Die Partner streben je nach zwischenzeitlicher Preisentwicklung einen Spekulationsgewinn an.

Zielona Gora: 1. Wojewodschaft im Westen Polens; 8868 km2, 635000 Einwohner; 72 Einwohner/km2; Verwaltungszentrum Zielona Góra 2. umfasst Teile des Tieflandes Nizina Wielkopolska mit dem Warschau-Berliner Urstromtal, das von der Oder durchflossen wird; im Nordosten und Osten seenreich; etwa 50% der Fläche bewaldet. Industrie-Agrar-Gebiet; mannigfaltige Leichtindustrie, Maschinenbau und Metallverarbeitung, besonders in Zielona Góra 2; nördlich von Gubin Erdöl-, nördlich von Nowa SÓ1 Erdgasgewinnung; Getreide- und Kartoffelanbau, Obst- und Weinbau (um Zielona Góra) und Viehzucht.

2. Stadt, Verwaltungszentrum von Zielona Góra 1; 110000 Einwohner; vielseitige Industrie, besonders Maschinen-, Waggonbau, elektrotechnische, Lebensmittel- (besonders Weinkeltereien), Textilindustrie; das Gebiet um Zielona Góra 2 ist Zentrum des polnischen Obst- und Weinbaus; 2 Hochschulen; Theater, Museum; Rathaus (16. Jahrhundert), Pfarrkirche (14. Jahrhundert), Bastei (15. Jahrhundert).

Zielprämie: zwischen Betriebsleiter und Werktätigen beziehungsweise Kollektiv vereinbarte Prämie für termin- und qualitätsgerechte Erfüllung einer bestimmten Aufgabe oder vorgegebener Leistungsziele.

Zielsprung: Fallschirmsport von Einzelspringern oder Gruppen absolvierter Wettkampf. Siehe auch Einzelsprung, Gruppensprung.

Ziergeflügel: auf wirkungsvolle Form und Farbe, weniger auf hohe Lege- oder Fleischleistung gezüchtete Geflügelrassen. Sie sind vorwiegend durch Mutationen und zielgerichtete Selektion entstanden. Siehe auch Geflügel, Holländer Weißhauben, Paduaner, Zwerghühner.

Ziergiebel, Herbert, geboren 27.6.1922, Schriftsteller; schreibt historische, zeitgeschichtliche («Das Gesicht mit der Narbe», 1959) und wissenschaftlich-phantastische Romane («Zeit der Sternschnuppen», 1970).

Zierpflanzen: Pflanzen, die in erster Linie wegen ihres Zierwertes als ganze Pflanzen oder Pflanzenteile in unterschiedlicher Anordnung für die Verschönerung von Innen- und Außenräumen der Wohn-, Arbeits- und Lebensumwelt verwendet werden.

Zierschriften: zu den Akzidenzschriften gehörende Schriftart mit Verzierungen oder verzierter Grundform.

Ziesel, Citellus citellus: etwa Eichhörnchen großer Vertreter der Erdhörnchen; vom Erzgebirge bis Rumänien in Steppen und Kultursteppen; Schwanz kurz, zweizeilig behaart; Pflanzenfresser mit Backentaschen; lebt in Kolonien, Bau bis 4 m tief; pfeifender Warnruf; hält Winterschlaf. Der Perlziesel oder Suslik (Citellus suslicus) mit dichter heller Fleckung lebt in Osteuropa bis zur Mongolei.

Zieve-Syndrom: auf chronischen Alkoholmissbrauch beruhende Leberschädigung mit Gelbsucht, erhöhtem Blutfettgehalt und Blutarmut durch verstärkten Blutabbau; benannt nach dem US-amerikanischen Arzt Lesli Zieve (geboren 1915).

Zifferblatt: Skale der Uhr mit fortlaufender Zahlenreihe zur Stunden-, Minuten- und Sekundenangabe durch Zeiger (analoges Zifferblatt) beziehungsweise durch sprunghaft sich verändernde Zahlen auf dem Display der Digitaluhr.

Ziffernanzeigeröhre, Ziffernröhre, in den USA Nixie-Röhre: spezielle Gasentladungsröhre, bei der die Glimmentladung auf Kaltkathoden zur Anzeige von Ziffern und Zeichen ausgenutzt wird; angewendet in Zähl- und Messgeräten zur digitalen Anzeige.

Zigaina, Giuseppe, geboren 2.4.1924, italienischer Maler; Mitglied der progressiven Künstlergruppe «Realismo»; in seinen frühen sozialkritischen Darstellungen verarbeitete er expressionistische und kubistische Anregungen, später wurde er entscheidend von R. Guttuso beeinflusst.

Zigarette: (französisch spanisch «kleine Zigarre») stäbchenförmiges Tabakerzeugnis aus Tabakfeinschnitt und einem Umblatt aus Spezialpapier mit oder ohne Mundstück beziehungsweise Filter (Filterzigarette).

Zigarillo: an beiden Enden offene, teils auch halboffene kleine Zigarre.

Zigarito: (spanisch) zigarettenförmige Zigarre.

Zigarre: stabförmiges, gewickeltes Tabakerzeugnis, Die aus verschiedenen Tabaksorten geformte Einlage wird vom Umblatt umhüllt. Den Wickel (Einlage und Umblatt, meist von Hand hergestellt) umgibt das Deckblatt.

Zigeuner: Selbstbezeichnung Rom, Roma, Dom, Sinti (nach einem wichtigen Stamm): etwa im 10. Jahrhundert aus Nordindien ausgewanderte Völkerschaft, etwa seit dem 14. Jahrhundert in Europa, besonders in Ost- und Südosteuropa, seit dem 19. Jahrhundert auch in Amerika; ursprünglich nomadisierend, häufig außer Gesetz gestellt, besonders vom Faschismus verfolgt, in der Vergangenheit Musikanten, Hausierer, Kesselflicker, Schmiede u. ä.; in jüngster Zeit begann ihre Sesshaftmachung.

Zigeunermusik: Im 19. Jahrhundert wurde Zigeunermusik im Allgemeinen mit der ungarischen Musik gleichgesetzt. Nach 1900 wiesen B. Bartök und Zigeunermusik Kodàly nach, dass die Zigeunermusik nicht mit der ungarischen Bauernmusik, der eigentlichen ungarischen Volksmusik, identisch ist. Während die ursprüngliche Zigeunermusik vokal gewesen zu sein scheint, hat sich als neuere Zigeunermusik ein bestimmter instrumentaler Vortragsstil besonders durch städtliche Zigeunerkapellen herausgebildet. Im Grunde ist nur dieser in Europa bekannt geworden.

- Einen eigenen Typ der Zigeunermusik schufen die in Spanien lebenden Zigeuner. Sind in Spanien Gitarre, Kastagnetten und Rahmentrommel zur Begleitung der Tänze populär, so ist es in Ungarn die vom Primas angeführte Kapelle mit Streichern, Klarinette, Cymbal und (zumeist) Bass. Durch die Verwendung der sogenannten Zigeunertonleiter gewinnt die Zigeunermusik exotischen Reiz. Die Zigeunerkapelle spielt ohne Noten, die Melodie improvisatorisch umspielend, in den langsamen Sätzen mit vielen Rubati und sentimentalem Schmelz, in den schnellen straff in Rhythmus und Tempo, mit überschäumendem Temperament und teilweise virtuoser Musizierhaltung.

Zigeunersprache: aus den indoeuropäischen Sprachen Indiens im 5. bis 10. Jahrhundert nach Christus herausgelöste Sprache; verbreitete sich mit den Wanderungen der Zigeuner und nahm zahlreiche armenische, griechische, rumänische und ungarische Lehnwörter auf.

Zigong: Stadt in China, im Südwesten des Roten Beckens (Provinz Sichuan), am Tuo Jiang; 400000 Einwohner; sogenannt Salzhauptstadt des Südwesten; chemische Industrie, Maschinenbau.

Ziguinchor: Stadt (Regionszentrum) im Süden von Senegal, am Casamance, nahe seiner Mündung in den Atlantischen Ozean; 80000 Einwohner; Hochseehafen, Flughafen; Lebensmittelindustrie.

Zikaden, Auchenorrhyncha: Unterordnung der Gleichflügler mit etwa 28000 Arten, davon rund 500 in Mitteleuropa; Fühler sehr kurz, Flügel in Ruhestellung dachförmig über dem Hinterleib, zuweilen bunt, zum Beispiel Blutzikaden (Cercopis), einige Arten springen. Die Männchen der Singzikaden (Cicadidae) zirpen, die Weibchen sind stumm; in Mitteleuropa der Weinzwirner (Tibicen haematodes). Die Larven der Schaumzikaden (Cercopidae) leben in selbsterzeugten Schaumnestern (Kuckucksspeichel). Zikaden sind Pflanzensauger, kaum schädlich.

Zikkurat: in der altorientalischen Baukunst der stufenförmig ansteigende Turm mit einem Tempel an der Spitze. Zu den Plattformen führten Treppen. Beispiele in Ur, Assur, Borsippa, Chogha Zanbil u. a. Bekannteste Zikkurat ist der Turm zu Babel, Höhepunkt einer bereits etwa 3000 vor Christus in Uruk ersetzenden Entwicklung.

Ziliarkörper: Teil der mittleren Augenhaut hinter der Regenbogenhaut; siehe auch Auge.

Zillen, Wimpern: fadenförmige, durch einen Basalkörper im oberflächlichen Zellplasma verankerte Bewegungsorganellen (Kinozillen). Sie dienen der Fortbewegung im Wasser (zum Beispiel bei verschiedenen Einzellern), zum Heranstrudeln von Nahrung oder bewirken eine Bewegung flüssiger Stoffe in Gewebe- oder Körperhohlräumen.

Zilina: Kreisstadt in der CSSR (Mittelslowakischer Bezirk), am Oberlauf des Vah; 67200 Einwohner; Konsumgüterindustrie, Maschinenbau; Hochschule; Theater; Stephanskirche und Schloss (12./13. Jahrhundert).

Zille: früher üblicher, aus Holz gebauter Lastkahn mit flachem Boden, meist ohne Lukenabdeckung oder nur vom und hinten gedeckt.

Zille, Heinrich, 10.1.1858-9.8.1929, Zeichner und Graphiker; schilderte besonders in treffsicheren, sozialkritischen, auch humorvollen Zeichnungen, deren knapper, lockerschwingender Strich von einprägsamer Wirkung ist, das Leben in den Berliner Arbeitervierteln; oft erweitern eigene Texte und Bildunterschriften in pointierter, teils von Spott, teils von bitterem Humor erfüllter Weise die zeitkritische Aussage. Zille unterstützte die «Rote Hilfe» und beteiligte sich an der Aktion «Künstlerhilfe» («Hunger», Lithographie, 1924).

Zillertal: rechtes Seitental des Inns in Tirol (Österreich); 55 km lang; im unteren Teil breites Wiesental mit Weizen-, Maisanbau und Rinderzucht, im oberen Teil Almwirtschaft; durch Tuxer, Gerlostal und Zillergrund Zugang zu den vergletscherten Zillertaler Alpen (3 510 m); Kraftwerke und Speicherbecken an der Zitier und ihren Zuflüssen; Fremdenverkehr.

Zimbeln, Cymbala: in der Antike paarweise gegeneinandergeschlagene kleine Becken; im Mittelalter auch kleines, mit Hämmern gespieltes Glockenspiel.

Zimmerbock, Acanthocinus aedilis: 13 bis 20 mm langer, grauer Bockkäfer mit bis 10 cm langen Fühlern (Männchen); Larve frisst Holz in abgestorbenen Nadelbäumen und Stubben.

Zimmering, Max, 16.11.1909-15.9.1973, Schriftsteller; schrieb vor 1933 Gedichte für die Arbeiterpresse; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller; 1933/46 im Exil; 1956 Sekretär des Schriftstellerverbandes, 1958/64 Direktor des Instituts für Literatur «Johannes R. Becher»; verfasste kämpferisch-agitatorische Lyrik («Im herben Morgenwind», 1953), liedhafte Verse («Friedens- und Kampflieder für die FDJ», 1951), Jugendbücher (Thälmann-Erzählung «Buttje Pieter und sein Held», 1951), das antifaschistische Schauspiel «Familie Blanchard» (1944), den Dresden-Roman «Phosphor und Flieder» (1954).

Zimmermann: 1. Bernd-Alois, 20.3.1918 10.8.1970 (Selbsttötung), Komponist der BRD; lehrte seit 1958 an der Kölner Musikhochschule (1961 Professor); zählt zu den bedeutendsten spätbürgerlich-humanistische Komponisten. Seine kritisch-realistischen Oper «Die Soldaten» (1964) erregte großes Aufsehen.

2. Dominikus Zimmermann, 30.6.1685-16.11.1766, Baumeister und Stuckateur; fast ausschließlich im Kirchen- und Klosterbau tätig, vertrat Zimmermann die volkstümliche, festlich-heitere Strömung im bayerischen Rokoko. Im Bemühen um die Vereinheitlichung des lichterfüllten Zentralraums entstanden in Gemeinschaftsarbeit mit Zimmermann 3 die Wallfahrtskirchen Steinhausen (Baden-Württemberg, 1727/33) und Wies (Bayern, 1745/54).

3. Johann Baptist Zimmermann, 3.1.1680-2.3.1758, Maler und Stuckateur; Bruder von Zimmermann 2; seit 1720 für den bayerischen Hof in der Münchener Residenz sowie in den Schlössern von Schleißheim und Nymphenburg und der Wallfahrtskirche Wies tätig.

4. Wilhelm Zimmermann, 2.1.1807-22.9.1878, Historiker; Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung (äußerste Linke); sein Hauptwerk «Allgemeine Geschichte des großen Bauernkrieges» (3 Bände, 1841/43) diente F. Engels als Materialgrundlage für die Schrift «Der deutsche Bauernkrieg».

Zimmerpflanzen: Bezeichnung für in Töpfen (Topfpflanzen), Hydrotöpfen oder anderen Gefäßen gehaltene, in Wohnräumen aufgestellte Pflanzen.

Zimmerwalder Linke: von W. I. Lenin im September 1915 während der internationalen sozialistischen Konferenz in Zimmerwald (schweizerische Gemeinde im Kanton Bern) gegründete Vereinigung revolutionärer Sozialisten aus Russland, Deutschland, Polen, der Schweiz, Schweden und Norwegen; bekämpfte den imperialistischen Krieg, den Sozialchauvinismus der II. Internationale und das Versöhnlertum der Zentristen; trug zur Vorbereitung der Kommunistischen Internationale bei.

Zimrilim, König von Mari, regierte Ende des 18. bis Anfang des 17. Jahrhundert vor Christus Unter Zimrilim erlebte Mari eine Blütezeit und dehnte seinen Einfluss auf Nordmesopotamien und Subartu aus. Zimrilim wurde um 1696 vor Christus durch Hammurapi besiegt.

Zimtaldehyd: hellgelbe, wasserunlösliche Flüssigkeit der Formel CsH5-CH=CH-CHO; F-7,5°C; Kp 253,5 °C. Zimtaldehyd ist der Hauptgeruchsträger des Zimts, wird synthetisch hergestellt und als Aromastoff verwendet.

Zimtbaum, Cinnamomum ceylanicum: Lorbeergewächs aus Ceylon; die Rinde enthält Zimtöl und wird gemahlen oder ungemahlen als Gewürz (Zimt) und Heilmittel verwendet. Siehe auch Gewürzpflanzen.

Zimtöl: aus Zimtbaumrinde durch Wasserdampfdestillation gewonnenes gelbes ätherisches Öl mit typischer Zimtgeruch; enthält etwa 70% Zimtaldehyd und bis 13% Eugenol; für Aromen verwendet.

Zincirli, Sendschirli: Dorf in der Türkei, nordöstlich von iskenderun, Ruinenstätte mit den Überresten des nordsyrischen Herrschersitzes Samal (9./8. Jahrhundert vor Christus); Ausgrabungen legten Wohnhäuser vom Typ des Bit-Hilani sowie Festungsanlagen mit Palästen frei, in der Burg Zeugnisse der nordsyrisch-späthethitische Kunst: Plastiken (Torlöwen), Steinplatten (sogenannt Orthostaten) und Reliefs.

Zinder: Stadt (Departementszentrum) im Süden von Niger; 85000 Einwohner; Gerberei, Kunsthandwerk; Handelszentrum; Straßenknoten, Flughafen; Moschee, Sultanspalast, altes Fort.

Zingst: 1. Halbinsel an der Ostseeküste, nordwestlich von Stralsund, im Bezirk Rostock, durch den Bodden vom Festland getrennt; nach Westen über Darß und Fischland mit dem Festland verbunden; östliche Fortsetzung ist der Bock (große Sandbank) mit den halligartigen Inselgruppen Großer und Kleiner Werder und der Insel Bock; Rinderzucht (größtenteils auf früherem Moorland); Erholungsgebiet mit Zingst 2.

2. Gemeinde im Kreis Ribnitz-Damgarten, Bezirk Rostock, auf Zingst 1; 3380 Einwohner; Ostseebad; maritimes Observatorium für Meeres- und Wetterkunde der Karl-Marx-Universität Leipzig; Heimatmuseum.

Zink: 1. Zink «, Symbol Zn: chemisches Element der Kernladungszahl 30; Atommasse 65,38; Wertigkeit +2; f 419,5°C; Kp 906°C; Dichte 7,14 g/cm3; Minerale sind zum Beispiel Sphalerit (Zinkblende) und Smithsonit (Zinkspat), ZnC03. Zink ist ein für alle höheren Organismen lebensnotwendiger Mikronährstoff; mehrere Enzyme, zum Beispiel das Insulin der Bauchspeicheldrüse, enthalten Zink Reines Zink ist praktisch ungiftig. Durch Inhalation von Zinkoxidstaub oder -rauch, besonders beim Schmelzen, können unter anfänglichen Reizerscheinungen im Bereich der Atemwege nach einigen Stunden Fieberanfälle mit Schüttelfrost auftreten («Zink-» oder «Gießerfieber»), die nach 1 bis 2 Tagen ohne Dauerschäden abklingen. Chron. Vergiftungen werden inzwischen mehr auf Beimengungen von Arsen und Blei zurückgeführt. Elementares Zink ist ein bläulich-silberglänzendes, löt- und schweißbares, gut gießbares, sprödes, zwischen 100 und 150°C jedoch weiches und dehnbares Metall. Es überzieht sich an Luft und Wasser mit Weißrost, der die weitere Korrosion stark hemmt. In verdünnten Säuren und Alkalien löst es sich unter Wasserstoffentwicklung leicht auf; wegen seines stark negativen Standardpotentials verdrängt es Zinn, Blei, Cadmium, Wismut, Kupfer, Silber und andere Metalle aus deren Salzlösungen. Das meiste Zink wird zur Herstellung von Legierungen verwendet; weiterhin dient es zum Verzinken, als Werkstoff für Dachrinnen, Druckmatrizen unter anderem sowie als Elektrodenmaterial in galvanischen Trockenelementen. Zink wird aus Zinkoxid durch Reduktion mit Kohle unter Luftabschluss oder elektrolytisch gewonnen. Die Reduktion erfolgt diskontinuierlich in liegenden oder kontinuierlich in stehenden Muffeln, neuerdings in Schachtöfen, aus denen das Zink in kältere Vorlagen abdestilliert. Das so gewonnene Rohmetall wird durch Seigern von Blei und Eisen und durch Destillation von Cadmium gereinigt. Zur elektrolytischen Abscheidung des Zinks aus schwefelsaurer Lösung wird diese durch Hydrolyse, Zementation und chemische Fällung gereinigt und anschließend mit unlöslichen Anoden und Kathoden aus Aluminium elektrolysiert. Es entsteht Elektrolytzink (99,99%). Zinklegierungen sind Knet- und Gusslegierungen, die sich besonders als Austausch für Lagermetalle auf Kupfer- und Zinnbasis eignen. Knetlegierungen enthalten bis zu 16% Aluminium, 4% Kupfer, 1% Blei, 0,7% Mangan und 0,05% Magnesium; Gusslegierungen bis 6% Aluminium, 3% Kupfer, 2,5% Blei und 0,05 % Magnesium. Der Bleizusatz bewirkt eine bessere Zerspanbarkeit. Siehe auch Automatenlegierung. Zink wurde zuerst etwa im 6. Jahrhundert in Persien, später in Indien und China hergestellt.

2. Zink: hornartiges Blasinstrument aus meist lederüberzogenem Holz mit Kesselmundstück und 7 Grifflöchern; Blütezeit im 16./17. Jahrhundert als Kammer- und Kirchenmusikinstrument; als Instrument der Stadtpfeifer (Zinkenisten) bis ins 19. Jahrhundert bekannt. Das Bassinstrument der Zinkenfamilie ist der Serpent («Schlange»).

zinken: Spielkarten mit Falschspielerzeichen (Zinken) versehen; siehe auch biseautieren.

Zinken: Holzteilelängs- oder Holzteileeckverbindung, bei der zum Beispiel 2 hochkant stehende Bauteile an ihren Enden rechtwinklig miteinander verbunden werden.

Zinkgelb: vorwiegend aus Zinkchromat bestehendes, gelbes Pigment für Leichtmetallgrundanstrichstoffe, Öl- und Malfarben.

Zinkgrau: 1. bei der Herstellung von Zinkweiß als unreines Röstprodukt anfallendes Pigment.

2. Zinkstaub mit Teilchengrößen von 2 bis 6 im für Rostschutzgrundanstrichstoffe sowie Anstrichstoffe mit guter Leitfähigkeit für Wärme und elektrischen Strom (zum Beispiel für das Punktschweißverfahren).

Zinkgrün: aus Zinkgelb und Berliner Blau bestehendes lichtechtes Mischpigment für Öl- und Leimfarben.

Zinkit, Rotzinkerz: Mineral, Zinkoxid; Kristallsystem hexagonal, Härte 4,5 bis 5, Dichte 5,4 bis 5,7 g/cm3, meist rote, glänzende, körnige Aggregate; lokal wichtiges Zinkerz, Vorkommen in Miask (Ural), New Jersey (USA),

zinkorganische Verbindungen: organisch-chemischen Verbindungen mit (mindestens) einer Zink-Kohlenstoff-Bindung, zum Beispiel Diethylzink, Zinkdiethyl, (C2H5)2Zn, eine farblose, selbstentzündliche Flüssigkeit, die mit Wasser heftig zu Äthan und Zinkhydroxid reagiert.

Zink-Salmiak-Kohle-Element, Leclanche-Element: wichtigstes galvanisches Trockenelement; 1877 von dem französischen Chemiker Georges Leclanche (1839-1882) entwickelt. Das Zink-Salmiak-Kohle-Element besteht aus einem Zinkzylinder (Minuspol) mit verdickter Ammoniumchloridlösung als Elektrolyt, in die ein Kohlestab (Pluspol) hineinreicht, der von einem Gemisch aus Graphit und Mangan(IV)-oxid (Braunstein) als Depolarisator umgeben ist. Die Zellspannung des Zink-Salmiak-Kohle-Elements beträgt 1,5 V. Bei Stromentnahme wird Zink gelöst und Wasserstoff abgeschieden, der durch den Depolarisator sofort zu Wasser oxydiert wird.

Zinkverbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Zink. Zinkverbindungen sind, sofern sie kein färbendes Anion enthalten, farblos; alle im Verdauungsweg löslichen Zinkverbindungen sind giftig. Das hygroskopische, äußerst leicht wasserlösliche Zinkchlorid (F275°C; Kp 756°C), wird zur Herstellung von Vulkanfiber und als oxidlösendes Hilfsmittel beim Löten (Lötwasser) und Feuerverzinken angewandt. Zinkhydroxid scheidet sich beim Versetzen von Zinksalzlösungen mit Alkalilaugen als weißer, flockiger Niederschlag ab, der sich in überschüssiger Lauge zu Zinkaten, zum Beispiel Natriumzinkat löst. Zinkoxid ein weißes, in der Hitze gelbes Pulver (etwa 2000°C), wird als Pigment, als Vulkanisiermittel für Gummi sowie in antiseptischen Pudern und Salben (Zinksalben) verwendet. Zinksulfat kristallisiert unterhalb 39 °C aus wässriger Lösung als Zinkvitriol. Es dient zur Herstellung anderer Zinkverbindungen, zum Beispiel zinkhaltiger Pigmente, sowie als Beize beim Färben, als Flammschutz- und Flotationsmittel. Zinksulfid kommt in der Natur kristallisiert als Sphalerit (Zinkblende) vor; chemisch gefällt bildet es ein weißes, amorphes, in Wasser unlösliches Pulver; es ist Bestandteil des Weißpigments Lithopone.

Zinkweiß: aus Zinkoxid bestehendes luft- und lichtechtes, ungiftiges Weißpigment, das infolge Zinkseifenbildung mit ölhaltigen Bindemitteln sehr wetterbeständige Anstriche ergibt.

Zinn, Symbol Sn (lateinisch stannum): chemisches Element der Kernladungszahl 50; Atommasse 118,69; Wertigkeiten+2, +4; 231,8°C; Kp 2430°C (verdampft allmählich bereits oberhalb 1200°C); Dichte (ß-Zinn) 7,28 g/cm3; in der Natur sehr selten gediegen, meist als Kassiterit (Zinnstein), Sn02, in primären (Berg-Zinn) oder sekundären Lagerstätten (Seifen-Zinn), hauptsächlich in Malaysia, Indonesien und Bolivien, in Deutschland bei Altenberg. Zinn ist ein glänzend silberweißes, weiches, sehr dehnbares, gut gieß- und lötbares Metall (ß-Zinn); oberhalb 161°C wird es grau und spröde (y-Zinn). Unterhalb 13,2°C zerfällt es allmählich zu einem grauen Pulver (a-Zinn)\ diese « Zinnpest» wird durch Wismut oder Antimon stark verzögert. Zinn ist gegen Wasser und Luft sehr beständig; bei starkem Erhitzen verbrennt es zu Zinn(IV)-oxid, Sn02. Von Salpetersäure wird es zu unlöslichen Zinn(IV)-oxidhydraten umgesetzt, von Salzsäure zu Zinn(II)-chlorid, von heißer Natronlauge zu Natriumstannat(IV) gelöst. Mit Chlor bildet es leicht Zinn(IV)-chlorid, worauf die Rückgewinnung von Zinn aus Weißblechabfallen beruht. Zinn wird aus Kassiterit (Zinnstein) gewonnen. Der Kassiterit wird zu Konzentraten mit etwa 90% Sn02 aufbereitet, die nach Entfernung schädlicher Beimengungen im Schachtofen oder im Flammofen zu Rohzinn reduziert werden. Bei der anschließenden Raffination werden durch Seigern und Polen Eisen, Kupfer, Zink und Blei entfernt. Die Wismut Entfernung erfolgt durch Elektrolyse. Man verwendet Zinn zum Verzinnen (Weißblech) und zur Herstellung von Legierungen. Zinnlegierungen enthalten neben Zinn als Hauptlegierungselement Blei, Antimon zur Härtesteigerung unter anderem; Weißmetalle bestehen aus 5 bis 80% Zinn (Z. und Blei zusammen etwa 85%), sind also zum Teil als Bleilegierungen mit Zinnzusatz aufzufassen. Ähnliches gilt für Weichlot, das aber bereits ab 8% Zinn als Zinnlot bezeichnet wird. Haushalts- und Kunstgegenstände aus Zinnguss bestehen aus 80 bis 90% Zinn, 6 bis 16% Antimon, bis 2% Kupfer und bis 4% Blei. Zinnfolie heißt Stanniol. Zinn war bereits im Altertum bekannt und wurde besonders zur Herstellung von Bronze verwendet.

Zinnemann, Fred, geboren 29.4.1907, US-amerikanischer Filmregisseur; schuf die antifaschistischen Filme «Das siebte Kreuz» (nach A. Seghers) und «Die Gezeichneten», den antimilitaristischen Film «Verdammt in alle Ewigkeit», das Film-Musical «Oklahoma», sozial- und gesellschaftskritische Filme wie «Der Schakal» und «Julia» sowie den klassischen Western «Zwölf Uhr mittags».

Zinnen: (zu zint, «Zahn», «Zacke») von Schießscharten unterbrochene und dadurch zackenförmige Aufbauten auf Mauern und Türmen mittelalterliche Wehranlagen (Zinnenkranz).

Zinner, Hedda, geboren 20.5.1905, Schriftstellerin; Ehefrau von F. Erpenbeck; schloss sich 1929 der revolutionären Arbeiterbewegung an, emigrierte 1933 über Wien und Prag nach Moskau (1935); kehrte 1945 nach Berlin zurück. Zinner schrieb in der UdSSR Erzählungen, Berichte und Gedichte («Unter den Dächern», 1937; «Das ist geschehen», 1938) und schuf Nachdichtungen («Freie Völker freie Lieden), 1938). Mit ihren Dramen «Der Teufelskreis» (1953, über G. Dimitroffs Kampf im Reichstagsbrandprozess), «Die Lützowen» (1955), «General Landt» (1957, über die Mitschuld der deutschen Generalität am 2. Weltkrieg) sowie der Tragödie «Ravensbrücker Ballade» (1961) leistete sie einen wesentlichen Beitrag zur sozialistischen Dramatik der DDR. Neben dem Buch «Alltag eines nicht alltäglichen Landes» (1950; 2. Band «Glückliche Frauen und Kinder», 1953) und Romanen wie «Nur eine Frau» (1954), «Katja» (1980), «Die Lösung» (1981), «Arrangement mit dem Tod» (1984) schrieb Zinner die historische Trilogie ((Ahnen und Erben» («Regina», 1968; «Die Schwestern», 1970; «Fini», 1973), Hör- und Fernsehspiele sowie das Erinnerungsbuch «Auf dem roten Teppich» (1980).

Zinnguss: Technik der Zinnverarbeitung für Gefäße, Geräte und Figuren (Zinnfiguren). Die in einzelnen Teilen gegossenen Stücke werden zusammengelötet, geglättet und poliert. Als Verzierung dienen Relief, Gravierung und Einlagen von Messing. Seit dem 14. Jahrhundert werden zur Kennzeichnung der Herkunft Stadt- und Meistermarken verwendet.

- Aus der Antike sind nur wenige Stücke erhalten. Im 13. Jahrhundert brachte die Erschließung der erzgebirgischen Zinngruben einen großen Aufschwung. Bis ins 17. Jahrhundert diente das Zinn als Material für Hausgerät im wohlhabenden Haushalt, für kirchliches Gerät und Kleinplastik. Seit dem 18. Jahrhundert wurde es durch andere Materialien verdrängt (Porzellan, Fayence unter anderem); dagegen erlebte die Zinnfigur im 18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhundert einen künstlerischen Höhepunkt. Im modernen Kunsthandwerk wird das Zinn wieder verwendet.

Zinnie: (nach einem Botaniker) Zinnia elegans: Korbblütler aus Mexiko mit großen Blütenköpfen; einjährige Gartenzierpflanze mit vielen Sorten, in lebhaften Farben blühend.

Zinnoberrot: aus synthetischen Quecksilber(II)-sulfid bestehendes, leuchtend rotes Pigment für Malfarben.

zinnorganische Verbindungen: organisch-chemischen Verbindungen mit (mindestens) einer Zinn-Kohlenstoff-Bindung. Die niederen Zinntetraalkyle, zum Beispiel das bei 175 °C siedende Tetramethylzinn, Zinn Tetraethyl, sind farblose, luft- und wasserbeständige Flüssigkeiten. Zinnorganische Verbindungen vom Typ R3SnX sind fungizide Pflanzenschutzmittel, solche vom Typ R2SnX2 finden als Hitzestabilisatoren in der Plastikindustrie Anwendung.

Zinnwald-Georgenfeld: Gemeinde im Kreis Dippoldiswalde, Bezirk Dresden, auf dem Kamm des Osterzgebirges; 820 Einwohner; Erholungsort, Wintersportplatz (800 m über dem Meeresspiegel); Grenzübergang zur CSSR; bei Zinnwald-Georgenfeld Georgenfelder Hochmoor.

Zins: im Feudalismus Bezeichnung für bäuerliche Abgaben (Natural- und Geldleistungen) an die Feudalherren; siehe auch Grundrente.

Zinsen, Zins: Entgelt für leihweise überlassene Geldmittel, entweder für die Aufnahme von Krediten (Kreditzinsen) oder für die Einlagen bei Banken (Bankzinsen). Im Kapitalismus sind Zinsen eine verwandelte Form des Mehrwertes, im Sozialismus Teil des gesellschaftlichen Reineinkommens; in der DDR Kostenbestandteil der Betriebe. Die Zinsen werden zur ökonomischen Stimulierung, zur Festigung der wirtschaftlichen Rechnungsführung und Effektivitätserhöhung genutzt. Gegenüber den Betrieben wird eine Differenzierung der Zinsen vorgenommen. Über den Grundzinssatz hinaus gewähren die Banken Zinsabschläge als staatliche Förderungsmaßnahme beziehungsweise wenden Zinszuschläge bei Liquiditätsschwierigkeiten infolge Planwidrigkeiten an. Bei Verletzung des Kreditvertrages werden (höhere) Sanktionszinsen berechnet. Zur Stimulierung ist Zinsrückerstattung möglich. Guthabenzinsen werden von den Banken für zweckgebundene Mittel sowie nicht verwandte Gewinnteile der Betriebe festgelegt. Sparzinsen werden (mit 3,25%) einheitlich und unabhängig von Laufzeit und Höhe für Sparguthaben der Bürger gezahlt. Konsumtionskreditzinsen gelten für Bürger bei Inanspruchnahme von Teilzahlungskrediten oder Gewährung von Bankkrediten (Eigenheimbau, Um- und Ausbau von Wohnungen). Zinsfreiheit wird in bestimmten Fällen kinderreichen Familien und jungen Eheleuten gewährt. Verspätungszinsen werden bei nichtfristgerechter Zahlung von Warenlieferungen und Leistungen berechnet.

Zinseszinsen: Wiederverzinsung von Zinsen, besonders bei Bank- und Sparkassenguthaben.

Zinsknechtschaft: eine im Feudalismus vorherrschende Form der Ausbeutung, bei der vor allem kleine Warenproduzenten (Handwerker, Bauern) in wirtschaftlicher Abhängigkeit von Geldbesitzern (Wucherern) gerieten, die ihnen gegen höchste Zinssätze (bis zu 100% und mehr) Geld borgten. Konnte der Schuldner das geliehene Geld nicht zum fälligen Termin zurückzahlen, geriet er in noch größere Abhängigkeit von dem Gläubiger, der ihn schließlich ganz beherrschte und ruinieren konnte.

Zinsrate, Zinsfuß, Zinssatz: prozentuales Verhältnis der Zinssumme zu den leihweise überlassenen Geldmitteln.

Zinsschein, Kupon: Berechtigungsschein für den Bezug von Zinsen bei festverzinslichen Wertpapieren (zum Beispiel Anlagenpapier).

zinstragendes Kapital: Geldkapital, das von seinem Eigentümer nicht unmittelbar in der Produktion oder im Handel angelegt, sondern gegen einen bestimmten Anteil am industriellen oder kommerziellen Profit, den Zins, an fungierende (industrielle oder kommerzielle) Kapitalisten ausgeliehen (Kredit) oder in Wertpapieren (fiktives Kapital) angelegt wird.

Zinzadse, Sulchan, geboren 23.8.1925, georgisch-sowjetischer Komponist; zählt zu den führenden georgischen Musikschaffenden, vor allem durch seine Instrumentalwerke international bekannt geworden.

Zinzendorf, Nikolaus Ludwig Graf von, 26.5.1700 - 9.5.1760, Stifter der Herrnhuter Brüdergemeine; Pietist; verfasste Schriften zur christliche Lebensführung, Reden und Kirchenlieder; seine 1727 veröffentlichten Ortsstatuten und sein persönlichen Einsatz führten zum raschen Aufschwung des freien christlich-sozialen Gemeinwesens in Herrnhut.

Ziolkowski, Konstantin Eduardowitsch, 17.9.1857 - 19.9.1935, russisch-sowjetischer Mathematiker; schuf um 1900 mit ersten theoretischen Arbeiten die Grundlagen moderner Raketentechnik und Raumfahrt, unter anderem die Raketengrundgleichung; einer der Begründer der modernen Raumfahrtforschung.

Zion: (hebräisch) Hügel im antiken Jerusalem, auf dem der Tempel stand; Bezeichnung auch für die Stadt Jerusalem selbst.

Zionismus: (nach Zion) nationalistische Bewegung der internationalen jüdischen Bourgeoisie, die seit Ende des 19. Jahrhundert in vielen kapitalistischen Ländern entstand; seine organisatorische Form fand der Zionismus in der Zionistischen Weltorganisation, die 1897, zunächst von jüdischen Vertretern kleinbürgerliche Zwischenschichten Europas, in Basel gegründet wurde. Seit dem 1. Weltkrieg üben jedoch die jüdische Vertreter der internationalen Monopolbourgeoisie den entscheidenden Einfluss in der Weltorganisation aus. Der Zionismus forderte, besonders gefördert durch den Journalisten T. Herzl, die Schaffung einer sogenannt Nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Er entwickelte die reaktionäre Idee einer «jüdischen Gemeinschaft», die die Klassenfrage ignorierte und damit das jüdische Proletariat vom revolutionären Klassenkampf abzulenken suchte. Die Eroberung arabischen Bodens wurde zum erklärten Ziel der Zionisten. Die extrem antikommunistische Ideologie des Zionismus, vor allem in Israel, wird von den imperialistischen Mächten, insbesondere den USA, als wesentliches Instrument gegen die nationale Befreiungsbewegung der arabischen Völker genutzt. Die 30. UN-Vollversammlung verurteilte am 10.11.1975 den Zionismus als eine Form des Rassismus und der Rassendiskriminierung. Zipfelfalter Bläulinge.

Zipfelkröte, Bufo superciliaris: bis 15 cm lange glatthäutige Kröte mit hellem Rücken und zipfelförmigem oberem Augenlid; lebt im tropischen Westafrika.

zirka, circa (lateinisch griechisch), Abkürzung ca.: ungefähr, etwa.

Zirkel: 1. Gerät zum Zeichnen und Anreißen von Kreisen und Mittenabständen, Abgreifen von Maßen unter anderem; besteht aus 2 gelenkig miteinander verbundenen Schenkeln, die beim gebräuchliche Siech- oder Spitzzirkel zum Abgreifen (Abmessen) von Strecken gehärtete Stahlspitzen tragen. Beim technischen Zeichnen verwendet man auch Einsatz-, Nullen-, Teil- und Reduktionszirkel.

2. kleiner geselliger Kreis von Menschen; kleine Lern- und Arbeitsgemeinschaft, Studiengruppe der Parteien, Gewerkschaften unter anderem

3. Sternbild.

4. beim Eiskunstlauf das Kreisen eines Beines auf einem Kreisbogen, während das andere Bein im Kreismittelpunkt dreht.

Zirkel, Ferdinand, 20.5.1858-11.6.1912, Mineraloge; Professor für Mineralogie und Geognosie (Geologie) in Leipzig; setzte die Untersuchung von Gesteinsdünnschliffen allgemein durch und trug damit maßgeblich zur Entwicklung der Petrographie bei.

Zirkon: Mineral, Zirkoniumsilikat; Kristallsystem tetragonal, Härte 7,5, Dichte 3,9 bis 4,8 g/cm3, rotbraune, glänzende Kristalle; enthält meist geringe Mengen Thorium und Uran. Zirkon ist Hauptträger der Radioaktivität in magmatischen und metamorphen Gesteinen. Edelsteinvarietät ist der Hyazinth. Vorkommen in magmatischen Gesteinen und deren Pegmatiten, zum Beispiel in Norwegen, im Ural, in Ontario (Kanada), und in Seifen, zum Beispiel in Sri Lanka.

Zirkonium, fachsprachlich Zirconium, Symbol Zr: chemisches Element der Kernladungszahl 40; Atommasse 91,22; Hauptwertigkeit + 4; F1852°C; Dichte 6,51 g/cm3; Minerale sind zum Beispiel Baddeleyit («Zirkonerde»), Zr02, und Zirkon; wegen der großen chemischen Ähnlichkeit von Zirkonium und Hafnium sind Zirkonium Minerale stets Hafnium haltig (0,1 bis 3%). Zirkonium ist ein silberweißes, korrosionsbeständiges, weiches, gut formbares, mit Verunreinigungen oft sprödes Metall, das durch Königswasser und Flusssäure gelöst werden kann. Es wird als Legierungsmetall für Stahl sowie Hafnium frei zur Umhüllung der Brennelemente in Kernreaktoren verwendet. Zirkonium wurde 1789 als Oxid von M. H. Klaproth entdeckt; unreines Zirkoniumpulver wurde erstmals 1824 von J. J. Berzelius dargestellt.

Zirkonium Verbindungen: Substanzen mit chemisch gebundenem Zirkonium. Nicht speziell gereinigte Zirkonium Verbindungen enthalten stets kleine Mengen Hafnium. Die meisten Zirkonium Verbindungen sind farblos, zum Beispiel das für hochfeuerfeste Baustoffe verwendete Zirkonium(lV)-oxid; F etwa 2700°C. Das feste kristalline Zirkonium(JV)-chlorid sublimiert bei 331°C und wird durch Wasser zersetzt,

Zirkulation: 1. allgemein Umlauf, Kreislauf, zum Beispiel Blutkreislauf; Austausch.

2. Zirkulation: Fechten Kreisumgehung gegen eine gegnerische Kreis-, Halbkreis- oder Wechselparade.

3. Physik: Wirbel 3.

4. politische Ökonomie: Stadium des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, das den Gesamtprozess des Warenaustausches umfasst und gleichzeitig Teil des Kreislaufs der produktiven Fonds ist; umfasst die Verwandlung von Waren in Geld und umgekehrt.

Zirkulationsfonds: Gesamtheit der in der Zirkulationssphäre vorhandenen Grund- und Umlauffonds in Gestalt materieller und finanzieller Mittel, zu denen die Bestände an Fertigerzeugnissen und die Geldfonds gehören.

Zirkulationskosten: Geldausdruck für die im Zirkulationsprozess der Waren entstehenden Aufwendungen; sind Bestandteil der Selbstkosten. Die reinen Zirkulationskosten entstehen im Prozess der Formwandlung des Wertes aus Ware in Geld sowie umgekehrt. Sie sind nicht wertbildend, sondern stellen einen Abzug von dem im Produktionsprozess geschaffenen Reineinkommen dar. Die heterogenen Zirkulationskosten sind Aufwendungen, die aus der Fortsetzung des Produktionsprozesses in der Zirkulation entstehen, die Gebrauchswerte zur vollen Konsumreife führen und daher den Wert der Waren erhöhen.

Zirkulationsprozess: Phase des Reproduktionsprozesses, die die Realisierung der erzeugten Produkte und die Wiederherstellung der materiellen Produktionsbedingungen (durch Kauf und Verkauf) umfasst.

Zirkulationssphäre: Bereich der Volkswirtschaft, in dem sich die Zirkulation der Waren und der Umlauf des Geldes vollziehen (Handelssphäre) und in dem zum Teil Produktionsprozesse fortgesetzt werden (Transport, Lagerung, Verpackung u. ä.).

Zirkumflex, (lateinisch) Accent circonflexe, Zeichen “: diakritische Zeichen, kennzeichnet Vokallänge und Betonung.

Zirkumpolarsterne: Fixsterne, die für einen bestimmten Beobachtungsort auf der Erde nie unter dem Horizont verschwinden. Ihr Winkelabstand vom Himmelspol ist kleiner als die geographische Breite des Beobachtungsortes.

Zirkumsolarstrahlung: Himmelsstrahlung in unmittelbarer Sonnenumgebung. Ihre Leuchtdichte ist bis zu 106mal größer als die des übrigen Himmels. Die Zirkumsolarstrahlung erzeugt bei getrübter Atmosphäre die Aureole.

Zirkus: im antiken Rom zunächst die langgestreckten Doppelbahnen für Wagenrennen; im Rom. Reich ovales dachloses Gebäude, in dessen Mitte (Arena) Tierjagden, Gladiatorenspiele und militärische Aufmärsche stattfanden (zirzensische Spiele), zum Beispiel Circus Maximus in Rom. Heute meist (Masten-) Zelt- oder (stationärer) Rundbau, in dessen Manege Tierdressuren (zum Beispiel Hohe Schule), Artistik, Pantomimen unter anderem geboten werden.

Zirkusparteien, Demen (griechisch; Demos): Volksparteien in Konstantinopel und anderen byzantinischen Großstädten, hervorgegangen aus sportlichen Verbänden des Volkes; nahmen seit dem 5. Jahrhundert politischen Charakter an. Die einzelnen Zirkusparteien vertraten verschiedene soziale Gruppen. Vereinigt konnten sie den Staat ernsthaft gefährden (Nika-Aufstand). In der Krise des 7. Jahrhundert waren sie ein politischer Faktor bei der Kaiserwahl, später ging ihre Bedeutung zurück.

Zirrhose: (griechisch) soviel wie Schrumpfung (eines Organs); siehe auch Leberzirrhose.

Zisalpine Republik: von Napoleon Bonaparte 1797 in Oberitalien gegründete französische Tochterrepublik; 1802 in die Italienische Republik und 1805 (erweitert) in das Königreich Italien umgewandelt.

Ziselieren: («ausmeißeln»)

a) Einarbeiten reliefartiger Ornamente, Muster unter anderem in polierte Oberflächen von Schmuckstücken, Uhrengehäusen und anderen Gegenständen aus Metall;

b) Nacharbeiten von Bronzegussstücken.

Zisleithanien: 1867/1918 gebräuchliche (nichtamtliche) Bezeichnung für die österreichischen Gebiete westlich des Flusses Leitha: das eigentliche Österreich, die tschechischen Länder (Böhmen, Mähren, Österreichisches Schlesien), Galizien, Bukowina, Krain, das Küstenland (Triest, Görz-Gradisca, Istrien), das italienische Südtirol und Dalmatien; siehe auch Transleithanien.

Ziste: (griechisch, «Kiste») 1. etruskisches Aschengefäß aus Stein oder Ton, meist reliefgeschmückt, für Feuerbestattungen seit dem 3. Jahrhundert vor Christus verwendet.

2. zylindrisches Bronzegefäß mit Deckel zur Aufbewahrung von Toilettengegenständen unter anderem, besonders in Mittelitalien und Etrurien im 4./3. Jahrhundert vor Christus

Zisterne:

1. Anatomie: a) Hohlraum, der mit Cerebrospinalflüssigkeit gefüllt ist, zum Beispiel in der weichen Hirnhaut;

b) Euter.

2. Bautechnik: meist im Erdreich angelegter und ausgemauerter Behälter mit Sandfilter zum Sammeln von Regenwasser.

Zistersdorf: Stadt im Bundesland Niederösterreich, im Weinviertel, nordöstlich von Wien; 7000 Einwohner; Elektrogeräteindustrie; in der Nähe Erdölförderung; Ölleitung nach Wien (Donauhafen Lobau).

Zisterzienser: römisch-katholischer Missionsorden, 1098 aus dem der Benediktiner hervorgegangen; Stammkloster ist Citeaux (lateinisch Cistericum) bei Dijon (Frankreich), bedeutendster Repräsentant war Bernhard von Clairvaux.

Zisterzienserbaukunst: Baukunst, vor allem der Kirchenbau, des Zisterzienserordens; sie war durch die Beschlüsse der Generalkapitel auf Armut und Demut ausgerichtet und ist durch Turmverzicht, Verzicht auf Bauschmuck und farbige Fensterverglasung charakterisiert, gerade Chorabschlüsse werden bevorzugt, die Dienste sind oft auf Konsolen abgefangen; die Kirche war ausschließlich Mönchskirche, der Chor des Konventes reichte bis in das Langhaus, daran schloss der Chor der Konversen (Laienbrüder). Die Zisterzienserbaukunst erlangte besondere Bedeutung durch die Verbreitung gotischer Konstruktionsprinzipien und die Reduktion des Kathedralsystems; damit beeinflusste sie die Entwicklung der deutschen Gotik. Hauptbeispiele: Klosterkirchen Pontigny (Frankreich), Maulbronn sowie in der DDR Schulpforte, Lehnin, Chorin, Bad Doberan.

Zitat: wörtlich angeführte Belegstelle mit Angabe des Verfassers; Ausspruch.

Zither: Zupfinstrument mit 5 Spielsaiten, die über ein durch 29 Bünde eingeteiltes Griffbrett laufen, und 24 bis 42 Begleitsaiten, die über einen flachlänglichen hölzernen Schallkörper (meist Fichte) gespannt sind. Die Spielsaiten werden mit Plektron oder einem am rechten Daumen steckenden Metallring angeschlagen, die Begleitsaiten von den übrigen Fingern der rechten Hand gezupft. Seit dem 18. Jahrhundert ist die Zither besonders in Gebirgsgegenden verbreitet.

zitieren: 1. einen Satz, Ausspruch, eine Belegstelle wörtlich anführen.

2. zum Erscheinen auffordern; vor eine Behörde laden.

Zitral: Hauptgeruchsträger der Zitrone. Zitral ist ein azyklische Terpenaldehyd und bildet eine schwach gelbe, in Wasser schwer lösliche Flüssigkeit. Es kommt in vielen ätherischen Ölen vor, besonders reichlich im Lemongrasöl, und dient als Aromastoff sowie zur Herstellung von Jonon und Vitamin A.

Zitronat, Sukkade: kandierte Schalen unreifer Zedratzitronen (im Mittelmeergebiet kultivierte bis 3 kg schwere Zitrusfrüchte).

Zitrone, Limone, Citrus limon: immergrünes Rautengewächs aus Nordwestindien, mit weißen Blüten und gelben, an Vitamin C reichen Früchten; fast in allen subtropischen Gebieten angebaut; die Säße Zitrone (Citrus limetta) ist von untergeordneter Bedeutung.

Citronellol: azyklisches Terpenalkohol. Citronellol ist eine farblose, wenig wasserlösliche, nach Rosen riechende Flüssigkeit; Kp 225 °C; es kommt im Rosen-, Citronellol und anderen ätherischen Ölen vor, wird auch synthetisch hergestellt und in der Parfümerie verwendet.

Zitronella Öl: gelbes bis braunes, Melissen artig riechendes ätherisches Öl aus Zitronellgras (Cymbopogon-Arten; Südostasien), das reichlich Geraniol und Zitronellal enthält und für Seifenparfums verwendet wird.

Zitronenfalter, Gonepteryx rhamni: Art der Weißlinge mit gelben (Männchen) oder grünlichen Flügeln (Weibchen); fliegt im zeitigen Frühjahr und wieder im Hochsommer; Raupe frisst an Faulbaum.

Zitronenöl; hellgelbes, bitter schmeckendes ätherisches Öl von typischer Zitronengeruch, das durch Auspressen von Zitronenschalen gewonnen und für Aromen und Parfüme verwendet wird; es enthält neben Limonen, C10Hl4, das den Geruch bestimmende Zitral.

Zitronensäure: färb- und geruchlose, kristalline, wasserlösliche Substanz von stark saurem Geschmack; kristallisiert aus wässriger Lösung mit Molekül Kristallwasser und schmilzt dann bei 100°C. Zitronensäure ist Bestandteil jeder lebenden Zelle; reichlich findet sie sich in Zitrusfrüchten und im Beerenobst, insbesondere Erd-, Johannis- und Himbeeren. Man gewinnt Zitronensäure mikrobiologisch aus Zucker oder Melasse und verwendet sie zum Säuern von Nahrungs- und Genussmitteln. Die Salze und Ester heißen Zitrate. Natriumzitrat dient zum Konservieren von Blut.

Zitronensäurezyklus, Tricarbonsäurezyklus: in den Mitochondrien der Zelle lokalisierte zyklische Folge enzymkatalysierter Reaktionen, die den Abbau von Acetyl Coenzym A zu Kohlendioxid und Wasserstoff ermöglicht. Der an Flavin- und Pyridinnukleotid Coenzyme gebundene Wasserstoff wird in der Atmungskette oxydiert und dient dabei der ATP-Synthese (Atmungskettenphosphorylierung).

Zitrusfrüchte, Agrumen: Beerenfrüchte von immergrünen Obstgehölzen der Gattung Citrus (Familie I Rautengewächse), deren essbarer Anteil aus der dünnen inneren Fruchtwand hervorgeht; die äußere Fruchtwand ist reich an ätherischen Ölen. Hierzu gehören Apfelsine, Mandarine, Pomeranze, Zitrone, Pampelmuse, Grapefrucht und Zedratzitrone (Zitronat).

Zitrusöle: aus Zitrusfrüchten hergestellte ätherische Öle. Zu den Zitrusölen gehören Bergamott-, Limett-, Neroli-, Petitgrain- und Zitronenöl.

Zittau: Kreisstadt im Bezirk Dresden, in der Oberlausitz, im Zittauer Becken, an der Mündung der Mandau in die Neiße, im «Dreiländereck» DDR-CSSR-Polen; 40000 Einwohner; Textilkombinat, Kfz-, Textilmaschinen-, Elektromotorenbau, Gießereien, Federn-, Funkwerk; Ingenieurhochschule, Fachschulen; Stadtmuseum; Naherholungsgebiet Weinaupark (mit Tierpark). Von einem Anlagenring umgebene Altstadt mit Johanniskirche (ehemals spätgotisch, klassizistischer Neubau nach Plänen von K. F. Schinkel), Peter-Pauls-Kirche (13./15. Jahrhundert) mit Klostergebäude (14./17. Jahrhundert; heute Stadtmuseum), Kreuzkirche (15. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert restauriert), Frauenkirche (mittelalterliche Ostteile 1572 zu selbständiger Kirche ausgebaut), ehemaligem Marstall (1511) unter anderem; Rathaus (1840/45); zahlreiche Bürgerhäuser aus Renaissance und Barock; mehrere Brunnen. Bei Zittau Braunkohlenabbau und Kraftwerk Hirschfelde; Erholungsgebiet Zittauer Gebirge. 1250 und 1275 als Stadt genannt, im Mittelalter blühendes Tuchgewerbe, im 18. Jahrhundert bedeutender Leinenexport, durch Brand 1757 Zerstörung der Barockstadt; seit Mitte des 19. Jahrhundert Standort vielseitiger Industrie.

Zitteraal, Electrophorus electricus: bis 2 m langer, räuberisch lebender Fisch mit gut entwickeltem elektrischen Organ (bis etwa 800 V) beiderseits der Wirbelsäule zur Lähmung der Beutetiere und Verteidigung; lebt in südamerikanischen Gewässern.

Zittergras, Briza: Gattung der Süßgräser; das Gemeine Zittergras (Briza media) mit herabhängenden herzförmigen Ährchen ist ein Magerkeitszeiger auf Wiesen. Die großblütige Art Briza maxima aus dem Mittelmeergebiet wird als Gartenzierpflanze kultiviert.

Zitterrochen, Torpedinidae: Familie lebendgebärender Knorpelfische mit elektrischen Organen (bis 300 V) zur Feindabwehr und zum Beutefang; Küstenbewohner der tropischen und subtropischen Meere.

Zitterwels, Malapterurus electricus: bis 120 cm langer walzenförmiger Fisch mit einem aus Drüsenzellen gebildeten elektrischen Organ (bis 350 V) an den Körperseiten zur Lähmung von Beutetieren und zur Verteidigung; lebt in afrikanischen Gewässern.

Zitze, Milchwarze, Mamilla: auf dem Hügel des Milchdrüsenkörpers befindliche warzenartige Hauterhebung mit einer durchlaufenden Röhre (bei Kühen der Strichkanal) oder mehreren Mündungen der Milchdrüsen.

Zitzmann, Lothar, 14.2.1924-19.1.1977, Maler, Graphiker und Formgestalter; seit 1953 (1965 Professor) Lehrtätigkeit an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle-Burg Giebichenstein. Zitzmann suchte in kompakten, formstrengen figürlichen Darstellungen unter anderem zu Themen der Jugend, des Alltags und des Sports das Wesentliche der Gegenstände und dynamische Prozesse zu erfassen.

Zivilcourage: Mut, die eigene Überzeugung offen zu vertreten.

Zivilisation: Entwicklungsphase der Gesellschaft nach Zerfall der Urgesellschaft, gekennzeichnet durch Privateigentum an den Produktionsmitteln, Klassenspaltung, Arbeitsteilung und zunehmende Austauschbeziehungen; Grundlage ist ein Mehrprodukt, das gesamtgesellschaftliche Funktionsausübung (Staat), arbeitsteilige geistige Produktion (Wissenschaft, Künste) und differenzierte Bedürfnisse der Herrschenden möglich macht; die Trennung der ausgebeuteten Produzenten vom Mehrprodukt (Existenzmittel und freie Zeit) wird erst in der proletarischen Revolution aufgehoben. Zivilisation ist auch in der Bedeutung von Kultur gebräuchlich.

Zivilisationskrankheiten, Zivilisationsschäden: populärmedizinische Sammelbegriff für Erkrankungen, die durch zivilisatorische Einflüsse (zum Beispiel falsche Ernährung, Bewegungsmangel, einseitige und übermäßige berufliche Belastung sowie Nikotin-, Alkohol-, Schlafmittel- und Abführmittelmissbrauch) hervorgerufen oder gefördert werden; dazu gehören zum Beispiel Übergewicht, Zuckerkrankheit, erhöhter Blutfettgehalt, Bluthochdruck, Gicht, Fettleber, arteriosklerotisch bedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies, Verstopfung, Gallensteine, Darmkrebs, Lungenkrebs.

zivilisiert: (französisch) gebildet, gesittet; verfeinert.

Zivilliste, Krondotation: in konstitutionellen Monarchien jährliche, verfassungsmäßig festgelegte Geldrente des Königs aus der Staatskasse.

Zizka von Trocnov, Jan, um 1370-11.10.1424, hussitischer Heerführer; Repräsentant des gemäßigten linken Flügels der Taboriten; als Organisator des hussitischen Heerwesens in mehreren Schlachten gegen die feudalen Kreuzzugsheere und den katholischen tschechischen Adel siegreich.

Zobel, Martes zibellina: 40 cm langer nord- und ostasiatischer Marder; lebt in dichten Wäldern; wertvolles Pelztier. Zobel werden seit 1931 farmmäßig in der Sowjetunion gehalten. Heute kommen 90% der angebotenen Zobelfelle aus der Farmzucht, 10% aus Wildfängen.

Zoder, Raimund, 20.8.1882-26.3.1963, österreichischer Volkstanz- und Volksliedforscher; gilt als Vater der österreichischen Volkstanzforschung und -pflege; dazu zahlreiche Veröffentlichungen.

Zodiakallicht, Tierkreislicht. schwache Lichterscheinung am nächtlichen Himmel beiderseits der Sonne längs der Ekliptik; in unseren Breiten im Frühling kurz nach Sonnenuntergang, im Herbst kurz vor Sonnenaufgang sichtbar. Das Zodiakallicht entsteht durch Streuung von Sonnenlicht an interplanetaren Staubteilchen.

Zoff, Jutta, geboren 14.1.1928, Harfenistin; gehört zu den führenden Harfenisten der Gegenwart; Konzerttätigkeit im In- und Ausland; Soloharfenistin (Kammervirtuosin) der Dresdner Staatskapelle.

Ahmet Zogu, 8.10.1895-9.4.1961, albanischer Politiker; regierte seit 1924 diktatorisch und rief sich 1928 zum König aus; lieferte Albanien wirtschaftlich und politisch an das faschistische Italien aus; seit 1939 im Exil.

Zola, Emile, 2.4.1840-29.9.1902, französischer Schriftsteller; entwickelte unter dem Einfluss der Vererbungs- und Milieutheorie H. Taines die naturalistische Ästhetik und Schaffensmethode, deren Begrenztheit er in seinen Werken oft überwand; gestaltete im Romanzyklus «Die Rougon-Macquart. Natur- und Sozialgeschichte einer Familie unter dem Zweiten Kaiserreich» (1871/93, deutsch, 20 Bände) den politisch-moralischen Verfall der französischen Bourgeoisie (Romane «Nana», 1880; «Das Geld», 1891) und ansatzweise bereits das Proletariat als gesellschaftliche Gegenkraft (Roman «Germinal», 1885), womit er Traditionen des kritischen Realismus fortsetzte. Zola trat 1898 (Offener Brief «Ich klage an», «J’accuse») für A. Dreyfus ein.

Zöliakie, Heubner-Hertersche Krankheit: chronischen Verdauungsstörung; benannt nach dem Kinderarzt Otto Heubner (1843-1926) und dem US-amerikanischen Pathologen Christian Herter (1865-1910). Die Zöliakie ist auf eine Unverträglichkeit von Klebereiweiß zurückzuführen; ein: Kennzeichen ist die Entleerung massiger, schaumiger Stühle. Behandlung durch eine spezielle Kost.

Zölibat: Ehelosigkeit; für den römisch-katholischen Geistlichen seit dem 5. Jahrhundert allgemein vorgeschrieben, seit 1139 kirchenrechtlich verordnet; in den östlichen-orthodoxen Kirchen nur für Mönche und den höheren, nicht für den niederen Klerus Pflicht.

Zollamt: Dienststelle für die Zollabfertigung an der Grenze (Grenzzollamt) oder im Inland (Binnenzollamt).

Zollfahndung: Erforschung, Verfolgung und Bekämpfung von Zoll- und Steuervergehen, die durch ungesetzliche Ein-, Aus- und Durchfuhren zollpflichtiger Waren und Zahlungsmittel begangen werden.

Zollhoheit, Zollregal: das ausschließliche Recht eines Staates zur Erhebung von Zöllen und zur Regelung aller mit Fragen des Zolls im Zusammenhang stehenden Fragen auf seinem Hoheitsgebiet und in den Zollanschlüssen unter Beachtung von Zollausschlüssen.

Zollinger, Albin, 24.1.1895-7.11.1941, schweizerischer Schriftsteller deutscher Sprache; antifaschistische Grundhaltung; schrieb neben natur- und heimatverbundener Lyrik unter anderem Romane über den Widerspruch zwischen Künstler und bürgerlicher Gesellschaft («Pfannenstiel. Die Geschichte eines Bildhauers», 1940; «Bohnenblust oder Die Erziehen), 1942).

Zollparlament: parlamentarischer Form des zollpolitischen Anschlusses der süddeutschen Staaten an den Norddeutschen Bund 1868/70; bestand aus den Abgeordneten des Norddeutschen Reichstages und Abgeordneten aus Bayern, Baden, Württemberg und Hessen; tagte in Berlin und besaß ein Mitspracherecht bei der Zoll- und Handelsvertragspolitik sowie bei der Festlegung einiger indirekter Steuern.

Zollsurrogate: von kapitalistischen Staaten an Stelle des Zolls und der zollgleichen Abgaben mit dem Ziel der Erschwerung internationaler Handelsbeziehungen eingeführte Maßnahmen; zum Beispiel Einfuhrkontingentierung durch Nichtvergabe von Einfuhrlizenzen, Devisenverweigerung für die Einfuhr bestimmter Importe, direkte Einfuhr- und Ausfuhrverbote, Erhebung von Importsteuern.

Zollunion: vertragt. Zusammenschluss von 2 oder mehreren Zollgebieten zu einem Zollgebiet. Innerhalb einer Zollunion werden im Warenverkehr keine Zölle erhoben, gegenüber Drittländern wird ein gemeinsamer Zolltarif angewandt.

Zomba: Stadt (Distriktzentrum) im Süden von Malawi, am Südfuss der Zomba Berge (bis 2086 m); 25000 Einwohner; Luftkurort (950 m über dem Meeresspiegel); Flughafen; Universität.

Zonarbau: Kristallchemie Aufbau von Mischkristallen, deren unterschiedliche Zusammensetzung vom Kern eines Kristalls aus nach außen in abgegrenzten Zonen sichtbar ist. Der Zonarbau beruht darauf, dass sich ein wachsender Mischkristall bei der Abscheidung nicht der veränderten Schmelzzusammensetzung anpasst und so aus Schichten verschiedener Zusammensetzung und häufig auch verschiedener Färbung besteht, zum Beispiel Alaune, Plagioklase und Turmaline.

Zone: (griechisch, «Gürtel»)

1. Geologie: in der Entwicklungsgeschichte der Erde ein durch Leitfossilien charakterisierter kurzer Abschnitt. Mehrere Zone ergeben eine Stufe.

2. Kristallographie: Verband von Flächen eines Kristalls, die sich in parallelen Kanten schneiden. In einer Zone liegende Flächen heißen tautozonale Flächen. Parallele Kanten einer Zone ergeben die Richtung der Zonenachse. Sie verläuft durch den Nullpunkt des kristallographischen Achsenkreuzes.

3. Meteorologie: Klimazonen.

Zonew, Kiril Iliew, 1.1.1896-5.4.1961, bulgarischer Maler, Kunstkritiker und Pädagoge; studierte an der Hochschule für Bildende Kunst in Sofia sowie an den Kunstakademien Wien und München, 1943/50 Professor an der Kunstakademie Sofia; anfangs Vertreter der Neuen Sachlichkeit mit Vorliebe zu sozialer Thematik und monumentaler, einfacher Form, später gewann seine Malerei (besonders Bildnisse und Landschaften) zunehmend an Expressivität.

Zonguldak: Stadt (Provinzzentrum) im Norden der Türkei, am Schwarzen Meer; 110000 Einwohner; Zentrum des größten Steinkohlenvorkommens des Landes mit Kokerei, Kraftwerk; bedeutender Kohleumschlaghafen.

Zonotop, Lebensstätte: der von einer Organismengemeinschaft (Zönose) besiedelte Raum.

zoogene Sedimente, Zoolithe: Ablagerungsgesteine, die aus Überresten tierischen Ursprungs (zum Beispiel Muschel-, Schneckenschalen, Korallenstöcke) oder durch tierische Lebenstätigkeit im Allgemeinen entstanden sind (zum Beispiel manche Eisenerze).

Zoologie, Tierkunde: Wissenschaft vom Bau und Leben der Tiere; Teilgebiet der Biologie. Morphologie, Anatomie, Histologie und Zytologie erforschen den Bau der Tiere, Physiologie und Biochemie die Lebensvorgänge. Die Verbreitung der Tiere und die Bedeutung des geographischen Einflusses auf Tiere sind Gegenstand der Tiergeographie. Die Ökologie erforscht die Wechselwirkung zwischen Tier und Umwelt, die Ethologie die Verhaltensweisen der Tiere. Die Taxonomie ordnet die Tierformen zu Verwandtschaftsgruppen, sie ist eng mit der Erforschung der Phylogenese (Stammesgeschichte) verknüpft. Hierfür liefert auch die Paläozoologie, die die fossilen Formen studiert, wertvolles Material. Außer diesen Grundlagendisziplinen unterscheidet man eine Vielzahl «angewandten) Richtungen, zum Beispiel Tierzucht, Parasitologie, angewandte Entomologie; siehe auch Biologie.

zoologischer Garten, Kurzwort Zoo: öffentliche Schauanlage und Forschungsstätte zur Haltung, Zucht und Beobachtung von Wild- und seltenen Haustieren aus aller Welt in Käfigen und Freigehegen; siehe auch Tierpark, Wildpark.

Zoonose: Tierkrankheit, die durch Tiere oder tierische Erzeugnisse auf den Menschen übertragen werden kann. Die Zoonose können durch Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen und Würmer verursacht werden (zum Beispiel Tollwut, Ornithose, Milzbrand, Tularämie, Rotlauf, Rotz, Toxoplasmose, Favus, Trichinose). Die meisten Zoonosen unterliegen der Meldepflicht.

Zoosterole: die Sterole tierische Herkunft, wie Cholesterol, Dihydrocholesterol, Coprostanol.

Zootechniker: Berufsbezeichnung für Facharbeiter in der Rinder- und Schweineproduktion.

Zope, Abramis ballerus: bis 35 cm langer Karpfenfisch, vom Rhein bis zum Ural verbreitet; in Russland von wirtschaftlicher Bedeutung.

Zopf: langes, geflochtenes Kopfhaar; Frauenhaartracht bei den Germanen der Völkerwanderungszeit, seitdem zu verschiedenen Zeiten Attribut der Frauenmode. Die Zopf Mode für Männer wurde 1645 von den Manchu in China eingeführt (1929 verboten). Friedrich Wilhelm I. von. Preußen dekretierte den Zopf für das preußische Heer. Danach war der Männerzopf Mode bis Ende des 18. Jahrhundert übertragen «Alter Zopf» für überholte Einrichtung, Pedanterie, Rückständigkeit.

2. Forstwirtschaft: grobastiges oberes Schaftende eines Baumes.

Zopfstil: von der Zopf Mode abgeleitete Bezeichnung für eine Stilstufe der deutschen und österreichischer Kunst zwischen 1760 und 1780. Der Zopfstil, der sich hauptsächlich in der Malerei, Architektur, Plastik, Graphik, Buchkunst und im Kunsthandwerk äußerte, erwuchs auf dem Boden von Rationalismus und Aufklärung als Reaktion auf das Rokoko und ist ein ausgesprochen bürgerlichen Stil von überbetonter Einfachheit und Nüchternheit. Ein charakteristischer Vertreter war der Maler und Graphiker D. Chodowiecki.

Zörgiebel, Karl, 30.9.1878-14.3.1961, rechter Sozialdemokratischer Politiker; Mitglied der Sozialdemokratie seit 1901, 1920/24 Reichstagsabgeordneter, seit 1922 Polizeipräsident in verschiedenen Städten, 1926/30 in Berlin, Organisator der blutigen Provokation gegen die Berliner Arbeiter am 1.5.1929 (Blutmai 1929).

Zorn, Anders, 18.2.1860-22.8.1920, schwedischer Maler, Graphiker und Bildhauer; entwickelte sich zu einem der profiliertesten Meister der neueren schwedischen Kunst und erreichte internationale Bedeutung; schuf realistische Kompositionen mit Szenen aus dem schwedischen Volksleben, kraftvolle Porträts und Aktdarstellungen. Über die Freilichtmalerei gelangte er zu einem farbenprächtigen Impressionismus.

Zornige Junge Männer, Angry Young Men: Gruppe englischer Schriftsteller zumeist kleinbürgerlicher Herkunft mit akademischer Bildung, die Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhundert gegen institutionelle und moralischen Unzulänglichkeiten des britischen «Wohlfahrtsstaates» protestierten, jedoch ohne konkrete Zielvorstellungen waren, da Einsichten in die gesellschaftlichen Zusammenhänge fehlten. Durch die Darstellung von Gegenwartsproblemen wurde der kritische Realismus wiederbelebt. Hauptvertreter waren J. Osborne, J. Wain, K. Amis, J. Braine.

Zornnattern, Coluber: Gattung schlanker, sehr schneller, meist bodenbewohnender Nattern; oft bissig, aber ungiftig. In Südeuropa leben die bis 2 m lange Pfeil- oder Jochnatter (Coluber jugularis) sowie die nur 1 m lange Balkan-Zornnattern (Coluber gemonensis); fressen Kleinsäuger, Vögel, Eidechsen.

Zoroastrismus, Mazdaismus (nach dem Gott Ahura Mazda (Ohrmazd)): Lehre des Zarathustra (Zoroaster) in ihrer späteren Gestalt, die sich durch Eingliederung von Elementen der iranischen Volksreligion und durch Einflüsse aus dem Vorderen Orient ergab; nach dem Zoroastrismus verheißt das Jüngste Gericht den endgültigen Sieg des Guten (des Lichtreiches) über das Böse (die Macht der Finsternis); «Heilige Schrift» des Zoroastrismus ist das Awesta; er lebt in veränderter Gestalt als Parsismus weiter.

Zorrilla y del Moral, José, 21.2.1817-23.1.1893, spanischer Schriftsteller; markantester Vertreter der spanischen Spätromantik; trat vor allem mit Romanzen, Legenden und poetische Erzählungen hervor («Lieder des Troubadours», 1840/41), von seinen dramatischen Werken ist das religiös-phantastische Stück «Don Juan Tenorio» (1844, deutsch) berühmt.

Zosimos, griechischer Geschichtsschreiber der 2. Hälfte des 5. Jahrhundert in Byzanz; verfasste eine «Neue Geschichte» (6 Bände); sie umfasst, auf guten Quellen fußend, die Zeit von Augustus bis 410 nach Christus

Zossen: Kreisstadt im Bezirk Potsdam, südlich von Berlin, am Nottekanal; 6500 Einwohner; Anlagenbau, elektrotechnische, Bekleidungs-, Nahrungsmittelindustrie; Agrarbetriebe; Funkamt; Schloss (16. Jahrhundert). Zoster Gürtelrose.

Zote: (zu Zotten, «Schamhaare» (15./16. Jahrhundert)) unzüchtiger Ausdruck, unanständiger Witz.

Zotten, Villi: zapfenartig vorspringende Gebilde an der Oberfläche verschiedener Organe, zum Beispiel Dünndarmzotten (Villi intestinales), Zotten in Gelenkhöhlen (Villi synoviales) oder Chorionzotten der Plazenta. Die Zotten dienen der Oberflächenvergrößerung und stellen Stoffwechselschranken dar (zum Beispiel in der Plazenta zwischen Mutter und Kind).

Zrenjanin: Stadt in der zu Serbien gehörenden Vojvodina, im Banat, am kanalisierten Theiß Zufluss Begej; früher Petrovgrad, Veliki Beckerek; 81000 Einwohner; Nahrungsmittelindustrie, Werft, Motorenbau, Seidenindustrie; Verkehrsknoten, Hafen; Akademie, Hochschule; Theater, Museen; orthodoxe Barockkirche; Fremdenverkehr.

Zrinyi, Miklos Graf, 1.5.1620-18.11.1664, ungarischer Dichter, Heerführer; seit 1647 Ban von Kroatien, führte einen ständigen Kampf gegen die türkischen Angreifer und bemühte sich vergeblich um die Unterstützung des Wiener Hofes und des ungarischen Adels. In seinem Heldenepos «Der Fall von Sziget» (dt.) würdigte er 1651 den Verteidigungskampf seines Urgroßvaters (1566) gegen die Türken des Sultans Suleiman.

Zschoche, Herrmann, geboren 25.11.1934, Filmregisseur; schuf Filme für und über Kinder («Lütt Matten und die weiße Muschel», «Philipp der Kleine», «Hälfte des Lebens») und zu Gegenwartsproblemen der jungen Generation («Leben zu zweit», «Liebe mit 16», «Bürgschaft für ein Jahr»).

Zschokke, Heinrich Daniel, 22.3.1771-27.6.1848, deutsch-schweizerischer Schriftsteller; bemühte sich als Pädagoge, mit lehrhaften sozialkritischen Erzählungen («Das Goldmacherdorf», 1817) sowie mit der Wochenschrift «Der Schweizerbote» (1799 und 1804/37) um demokratische Erziehung breiter Schichten; schrieb den erfolgreichen Roman «Abällino, der große Bandit» (1793).

Zschopau: 1. linker Nebenfluss der Freiberger Mulde; 105 km; entspringt am Fichtelberg, mündet nach vielgewundenem Lauf in tief eingeschnittenem Tal bei Waldheim; nördlich von Mittweida zur Kriebsteintalsperre (1,3 km2, Stauraum 11,6 Millionen m3) aufgestaut; Hauptnebenfluss ist die Flöha (bei Cämmerswalde Talsperre Rauschenbach).

2. Kreisstadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt, im mittleren Erzgebirge, an der Zschopau 1; 10800 Einwohner; Motorrad- (MZ), Federnwerk, Spinnerei, Strumpf-, Plastikspielwarenherstellung; Schloss Wildeck mit Bergfried (12. Jahrhundert; Kulturhaus); im Südosten neue Wohnstadt.

Zschornewitz: Industriegemeinde im Kreis Gräfenhainichen, Bezirk Halle; 4100 Einwohner; Braunkohlenkraftwerk (230 MW), Elektroschmelze.

ZTA-Schaubild, Zeit-Temperatur-Austenitisierungs-Schaubild: Zeit-Temperatur-Diagramm zur Darstellung werkstoffspezifische Umwandlungsvorgänge und Eigenschaftsänderungen (Phasen- und Gefügeänderungen, Korngröße, Härte unter anderem) während der Austenitisierung (Austenitbildung) besonders von Stählen bei kontinuierlicher oder isothermer Temperaturführung. S. a: Wärmebehandlung 2, Härten, Glühen.

ZTU-Schaubild, Zeit-Temperatur-Umwandlungsschaubild: Zeit-Temperatur-Diagramm zur Darstellung des werkstoffspezifische Umwandlungsverhaltens und der Eigenschaftsänderungen besonders von Stählen nach vorausgegangenem Austenitisieren (ZTA-Schaubild) bei kontinuierlicher oder isothermer Temperaturführung. Siehe auch Wärmebehandlung 2, Härten.

Zubehör: Recht Sache, die zum bestimmungsmäßigen Gebrauch einer anderen Sache (Hauptsache) erforderlich ist (zum Beispiel Schlüssel zum Kfz). Grundsätzlich erstrecken sich die Rechte und Pflichten bezüglich der Hauptsache auch auf das Zubehör

Zucchini: Kürbisart mit länglichen gurkenähnliche Früchten, deren dunkelgrüne Schale weiß gesprenkelt ist; Gemüsekürbis.

Zuchardt, Karl, 10.2.1887-12.11.1968, Schriftsteller; schrieb die historischen Romane «Der Spießrutenlauf» (1954), «Wie lange noch, Bonaparte?» (1956) «Stirb, du Narr» (1960, um T. Morus) sowie historische Erzählungen.

Zuchtbuch: Verzeichnis über Zuchtpflanzen mit Angaben über Abstammung unter anderem

Zuchtgarten: für Anbau und Prüfung von Zuchtmaterial genutztes Feldstück. Bei Forstpflanzen und Obstgehölzen wird der Zuchtgarten auch Pflanzgarten oder Baumschule genannt.

Zuchthaus: im bürgerlichen deutschen Strafrecht schwerste, mit Entehrung verbundene Freiheitsstrafe sowie die entsprechende Vollzugsanstalt.

Zuchthygiene: Gesamtheit von Maßnahmen, die auf die Erhaltung oder Wiederherstellung der ungestörten Fortpflanzungsfunktion, auf die Erzielung hoher Trächtigkeitsergebnisse und auf die Geburt lebensfähiger Nachkommen der landwirtschaftlichen Nutztiere gerichtet sind.

Züchtung, Zucht (beide zu «ziehen»): durch den Menschen gelenkte Auslese und Vermehrung von Pflanzen und Tieren zur Erzielung von Nachkommen mit bestimmten erwünschten Eigenschaften. Siehe auch Pflanzenzüchtung, Tierzucht.

Zuchtwert: Ergebnis der Bewertung eines Zuchttieres anhand der Leistungen seiner Nachkommen. Grundlage der Zuchtwertschätzung ist die exakte Ermittlung der verschiedenen Leistungen im Rahmen der staatlich festgelegten Leistungsprüfungen.

Zucker: im weiteren Sinne unscharf abgegrenzter Sammelname für meist süß, seltener bitter schmeckende Kohlenhydrate; im engeren Sinne Saccharose, die besonders aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr als Rübenzucker oder Rohrzucker hergestellt wird. Zur Gewinnung von Rübenzucker werden die auf einen Zuckergehalt von 15 bis 20% gezüchteten Rüben gewaschen, geschnitzelt und nach dem Gegenstromprinzip bis auf einen Restgehalt von 0,2 bis 0,3% Zucker extrahiert. Als Nebenprodukt bleiben die entzuckerten Schnitzel zurück, sie sind ein gutes Viehfutter. Der mechanisch vorgereinigte Rohsaft wird mit Löschkalk versetzt; die so gefällten beziehungsweise zerstörten Zuckerbegleitstoffe werden nach Einleiten von Kohlendioxid (Carbonatation I) mit dem gebildeten Kalziumkarbonat als Scheideschlamm (Düngemittel) entfernt. Nach anschließender Carbonatation II mit Feinfiltration und Ionenaustausch zur optimalen Entkalkung sowie meist nach Schwefeldioxidbehandlung (Sulfitation) zur Bleichung und Keimzahlreduzierung wird der gereinigte Dünnsaft (12 bis 15% Trockenmasse) mehrstufig eingedickt und dreimal zu Rohzucker kristallisiert, der noch von Dicksaft (Sirup) umgeben ist; zurück bleibt die Melasse. Rohzucker wird durch Abwaschen der Sirup Reste (Affination) zu Weißzucker (Affinade), der durch Wiederauflösen, Aktivkohlebehandlung und erneute Kristallisation in Zuckerraffinerien die hochreine Raffinade ergibt. Kandiszucker (Korndurchmesser über 7 mm) wird durch langsame Kristallisation sehr reiner Säfte, Würfelzucker im Allgemeinen durch Formpressen von Kristallmasse mit 1 bis 2% Wassergehalt und Puderzucker durch Feinstmahlung von Weißzucker beziehungsweise Raffinade erzeugt. In tropischen Ländern angebautes Zuckerrohr (mit 12 bis 17% Saccharose) wird zerkleinert und ausgepresst (2 bis 3% Restzucker), der Rückstand (Bagasse) wird zu Alkohol vergoren oder nachextrahiert und dient als Brennstoff beziehungsweise neuerdings unter Gewinnung des Zuckerrohrwachses zur Produktion von Papier, Pappe unter anderem Zuckerrohrsaft wird zur Zuckerherstellung ähnlich wie Zuckerrübenrohsaft aufgearbeitet.

Zuckeralkohole: mehrwertige, durch Reduktion von Mono- oder Oligosaccharide darstellbare, zum Teil in der Natur vorkommende Alkohole. Aus Hexosen entstehen Hexite, aus Pentosen Pentite und so weiter. Zu den Hexiten gehören zum Beispiel Sorbit (aus Glukose darstellbar), Mannit (aus Mannose) und Dulzit (aus Galaktose), zu den Pentosen Arabit (aus Arabinose) und Xylit (aus Xylose). Die Zuckeralkohole sind farblos, kristallisiert, wasserlöslich und meist von süßem Geschmack.

Zuckercouleur, Zuckerkulör: filtrierte, wässrige Lösung von Karamel (über 100°C erhitzter Zucker); tiefbraun, herbsüß; zum Färben und Aromatisieren von Lebensmitteln verwendet.

Zuckerrohr, Saccharum officinarum: bis 4 m hohes, schilfähnliches Gras mit zuckerhaltigem Mark (bis 20% Rohzucker); Nutzpflanze des tropischen Asiens. Hauptanbaugebiete sind heute Indien und Mittelamerika, besonders Kuba.

Zuckerrübe, Beta vulgaris subsp. rapacea var. altissima: zu den Gänsefußgewächsen gehörende zweijährige Nutzpflanze; ist die Kulturform der Speiserübe und wird seit 1790 als Zuckerpflanze in Mitteleuropa, heute in fast allen Ländern der gemäßigten Zone angebaut; der Rübenkörper enthält 15 bis 20% Zucker. Die bei der Zuckergewinnung anfallenden Restprodukte und das Rübenblatt werden als Futtermittel genutzt.

Zuckersäuren: durch Oxydation von Monosachariden entstehende Dicarbonsäuren. Durch Oxydation von Glukose bildet sich Zuckersäure im eigentlichen Sinn eine farblose, kristallisierte, wasserlösliche Substanz; F 126°C.

Zuckertang, Laminaria saccharina: Braunalge mit ungeteiltem, blattartigem Abschnitt, stielartigem Thallusteil und verzweigtem Haftorgan. Die blattartigen Abschnitte können gemahlen als Tangmehl unter anderem zu Gebäck und Suppen verwendet werden.

Zuckervögel: 38 Arten umfassende Familie amerikanischer Singvögel mit gegabelter, röhrenförmiger Zunge; ernähren sich von Nektar und Insekten; leben meist gesellig in Büschen und auf

Zuckmayer, Carl, 27.12.1896-18.1.1977, Schriftsteller; emigrierte 1933 nach Österreich, 1939 in die USA; lebte ab 1958 in der Schweiz; schrieb urwüchsig-humorvolle Volksstücke («Der fröhliche Weinberg», 1925; «Schinderhannes», 1927). Die Komödie «Der Hauptmann von Köpenick» (1931) wendet sich gegen den Kadavergehorsam des preußischen Militarismus. Zuckmayers Nachkriegsstücke offenbaren die Grenzen seines abstrakt-humanen Weltbürgertums («Des Teufels General», 1946; «Das kalte Licht», 1955); schrieb die informative Autobiographie «Als wär’s ein Stück von mir» (1966).

Zuckmücken, Chironomidae: Mückenfamilie mit bis 14 mm langen Vollkerfen; zucken im Sitzen mit den Vorderbeinen, die roten Larven leben oft in großen Mengen in Gewässern; Bedeutung als Fischnahrung.

Zufall:

1. Biologie: ein Evolutionsfaktor.

2. Philosophie: Notwendigkeit und Zufall.

3. Recht: ein von keinem der Vertragspartner verursachter und zu vertretender Umstand, der zum Beispiel den Verlust zu liefernder Ware oder andere Schäden zur Folge hat. Kein Partner haftet dem anderen für zufällig eintretende Schäden; die Nachteile treffen denjenigen, der die Gefahr trägt.

zufälliges Ereignis: Wahrscheinlichkeitsrechnung Ereignis, das unter bestimmten Bedingungen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten kann, jedoch nicht notwendig eintreten muss; zum Beispiel das Auftreten einer 6 beim Würfelspiel.

Zufallsgröße: Wahrscheinlichkeitsrechnung Größe, deren Wert vom Zufall abhängt. Sie wird durch eine Verteilungsfunktion charakterisiert; zum Beispiel Anzahl der Anrufe in einer Telefonzentrale in einem gewissen Zeitintervall.

Zufallsvektor: Wahrscheinlichkeitsrechnung Vektor, dessen Komponenten Zufallsgrößen sind; die Lagekoordinaten eines der Brownschen Bewegung unterworfenen Teilchens zu einem bestimmten Zeitpunkt sind zum Beispiel Komponenten des entsprechenden Zufallsvektor

Zufallszahlen: durch spezielle Programme auf EDVA erzeugte Folgen von reellen Zahlen mit vorgegebener Verteilungsfunktion für die Simulation stochastischer Vorgänge. Da diese Programme nach einer gewissen, möglichst großen Periode dieselben Zahlen liefern, heißen diese genauer Pseudozufallszahlen.

Zug: (zu «ziehen»)

1. Militärwesen: Einheit.

2. Schach: das nacheinander erfolgende Bewegen einer weißen und einer schwarzen Figur (entsprechend ihrer Gangart).

3. Verkehrstechnik: Eisenbahnzug.

4. Wärmetechnik: zur Förderung der Rauchgase in Feuerungsanlagen notwendiger Differenzdruck. Natürlicher Zug entsteht im Schornstein durch den Auftrieb als Folge der Dichteunterschiede von heißem Rauchgas und kalter Außenluft. Künstlicher Zug wird durch rauchgasdurchströmte Saugzüge erzeugt.

Zug: 1. Kanton in der mittleren Schweiz; 239 km2, 77900 Einwohner; 326 Einwohner/km2; Hauptstadt Zug 2; fruchtbares Hügelland; Textil-, Metall-, Holz-, Papierindustrie, Maschinenbau; Milchwirtschaft, Obstbau.

2. Hauptstadt von Zug 1, in der mittleren Schweiz, am Zuger See (414 m über dem Meeresspiegel, 38 km2, bis 198 m tief); 21400 Einwohner; Metallwaren-, Elektrogeräte-, Textil-, Holzindustrie; mittelalterliches Stadtbild, spätgotische Pfarrkirche (15./16. Jahrhundert) und Rathaus (16. Jahrhundert).

Zugbandkabel: Stahlbänder zur Sicherung eines Bauwerkes in Bergsenkungsgebieten gegen Zerrung und Rissbildung (zum Beispiel in Werkstatthallen).

Zugbeeinflussung: Sicherungseinrichtung im Eisenbahnwesen, mit deren Hilfe von der Strecke direkt in die Fahrweise des Triebfahrzeugführers eingegriffen werden kann. Die Zugbeeinflussung kann an einzelnen Stellen der Strecke (punktförmige Zugbeeinflussung) oder auf der gesamten Strecke (linienförmige Zugbeeinflussung) wirken.

Zug der Tausend: Aktion von etwa 1000 freiwilligen Alpenjägern unter Führung G. Garibaldis, die, von Genua kommend, am 11.5.1860 auf Sizilien landeten, um das aufständische Sizilien und Süditalien gegen die Bourbonen zu unterstützen; bedeutendste Aktion kleinbürgerlich-demokratischer Kräfte in der italienischen Einigungsbewegung.

Zügel: (zu «ziehen») 1. Teil des Vogelkopfes zwischen Augen und Oberschnabel.

2. Lederriemen, der beiderseits des Pferdekopfes an der Zäumung angebracht ist und dem Fahrer des Fuhrwerkes oder dem Reiter zum Lenken des Tieres dient.

Zugfestigkeit: auf den Ausgangsquerschnitt bezogene höchste Zugbelastung, die ein Prüfkörper vor dem Bruch aufnehmen kann. Die Zugfestigkeit wird durch Korrosion, Alterung unter anderem teilweise stark gemindert, die dazu erforderliche Zeit und die Größe der Änderung der Zugfestigkeit sind entscheidend für die Werkstoffwahl. Siehe auch Beanspruchungs-Dehnungs-Diagramm.

Zugmaschine, Schlepper, zwei- beziehungsweise dreiachsiges Kfz zum Ziehen von Anhängern, Geräten und Spezialfahrzeugen (Tieflader, Silofahrzeuge unter anderem). Siehe auch Sattelzugmaschine.

Zugnetz: wichtigstes und größtes Fanggerät der Seenfischerei (Netzsack mit Flügeln), das nicht geschleppt (Schleppnetz), sondern durch Muskel- oder Maschinenkraft an einen festen Punkt (Ufer, verankertes Boot unter anderem) herangezogen wird.

Zugpfahl: Gründungspfahl, der zur Einleitung von Zugkräften in den Baugrund entsprechend angeordnet und zugfest mit dem Fundament beziehungsweise Pfahlrost verbunden ist.

Zugpflaster: hautreizende Arzneizubereitung, verbessert örtlich die Durchblutung und wird mitunter bei Furunkulose angewendet.

Zugvögel: Vogelarten, die gerichtete periodische Wanderungen über meist erheblichen Entfernungen mit regelmäßiger Rückkehr in die Territorien durchfuhren. Die Zugvögel weichen ungeeigneten Umweltbedingungen, wie Kälte, Nahrungsmangel, Regen- oder Trockenzeit (in den Tropen), aus. Der Vogelzug erfolgt in breiter (zum Beispiel Singdrossel), seltener in schmaler Front (zum Beispiel Storch). Anlage und Art der Wanderung (Migration) sind erblich festgelegt. Das Zusammenspiel endogener Periodik mit äußeren Zeitgebern (besonders der jahreszeitliche Wechsel der Tageslänge in den gemäßigten Gebieten) löst den Wegzug aus.

Zugzone: Bautechnik Spannungsfläche, die sich in jedem Querschnitt eines auf Zug oder Biegung beanspruchten Konstruktionen Glieds ergibt.

Zuiderzee: (niederländisch, «Südsee») ehemalige Nordseebucht in den Niederlanden; im Mittelalter durch Sturmfluten entstanden; seit 1920 Trockenlegung: 1930 Wieringermeerpolder (200 km2), 1942 Nordostpolder (480 km2), 1957 Ost Flevoland (535 km2), 1968 Süd Flevoland (424 km2); seit 1963 ist der Polder Markerwaard (420 km2) in Arbeit; hinter dem Abschlussdeich (1932), der die Küstenlinie um etwa 300 km verkürzt, das IJsselmeer (1250 km2), das die angrenzenden Provinzen mit Süßwasser versorgt.

Zuckerman, Viktor Abramowitsch, geboren 6.10.1903, sowjetischer Musikwissenschaftler; Professor am Moskauer Konservatorium; veröffentlichte Arbeiten zur russischen Musikgeschichte des 19. Jahrhundert und zur Musikästhetik.

Zukrowski, Wojciech, geboren 14.4.1916, polnischer Schriftsteller; verarbeitete eigenes Erleben im Krieg und antifaschistischer Widerstand in Erzählungen und dem Roman «Tage der Niederlage» (1952, deutsch); die Romane «Steinerne Gesetzestafeln» (1966) und «Badestrand am Styx» (1976) gestalten Entwicklungsprobleme der Gegenwart. Zukrowski schrieb ferner Essays und Reisereportagen sowie Kinderbücher. Präsident des Verbandes der polnischen Schriftsteller (seit 1986).

Zulassung: behördliche Genehmigung, ein Fahrzeug in den Straßenverkehr zu bringen. Die Zulassung erfolgt mit Übergabe des Kennzeichens und des Zulassungsscheins.

Zulassungsstelle: für den (Wohn-) Sitz des Halters oder Eigentümers eines zulassungspflichtigen Fahrzeugs zuständige Dienststelle der VP, die die Zulassung erteilt. Siehe auch Standortverlegung.

Zulu, Sulu: Bantuvolk in Natal (Republik Südafrika); etwa 6 Millionen; Großviehzüchter und Bodenbauer mit charakteristischer, auf Altersklassen beruhender Sozialstruktur. Die Zulu bildeten seit Beginn des 19. Jahrhundert unter Dingiswayo und Tschaka ein militärisch gegliedertes Staatswesen, das Natal, Swasiland, das östlichen Transvaal und die östliche Kapprovinz umfasste, nach der Niederlage gegen die Buren (1838) auf das nördliche Natal beschränkt blieb und 1887 ein Teil der britischen Kolonie Natal wurde. 1906 blutige Unterdrückung des Zulu Aufstandes unter Bambata gegen die britische Kolonialherrschaft.

Zuluft: durch Lüftung zugeführte Frischluft.

Zumsteeg, Johann Rudolf, 10.1.1760-27.1.1802, Komponist; einer der besten Vertreter des Schwäbischen Liederkreises; war mit F. Schiller bekannt; Vorbild für F. Schubert besonders in der Ballade.

Zunder, Hammerschlag, Sinter, unerwünschte Oxidschicht auf Stahloberflächen als Folge von Erwärmung auf Warmumformtemperaturen; bringt Werkstoffverlust, erhöht Werkzeugverschleiß sowie -Verschmutzung. Siehe auch Entzundern.

Zünder: Vorrichtung an Granaten, Bomben, Minen, Raketen, Torpedos unter anderem, die die Spreng- oder Ausstoßladung am vorgesehenen Ort und zur vorgesehenen Zeit zur Entzündung (Detonation, Explosion) bringt; zu unterscheiden sind unter anderem Aufschlagzünder, Zeitzünder, Uhrwerkszünder, Brennzünder, Funkmesszünder, Druckzünder.

Zunderschwamm, Fomes fomentarius: auch als Echter Zunderschwamm bezeichneter Ständerpilz (Porling) mit stiellosem, grauem, vieljährigem Fruchtkörper, besonders an Buchen und Birken; bewirkt Weißfäule des Holzes. Der Falsche Zunderschwamm, Phellinus igniarius, kommt besonders an Pappeln, Weiden, Apfel- und Pflaumenbäumen vor.

Zündfolge: Reihenfolge des Zündvorganges in den einzelnen Zylindern bei Verbrennungskraftmaschinen.

Zündgerät: Vorrichtung zum Zünden von Hochdruck- und Höchstdruck-Entladungslampen; erzeugt wird eine Impulsspannung im kV-Bereich. Nach Art der Erzeugung der Impulsspannung werden Starterzündgerät mit Spannungserzeugung durch Glimmzünder und Induktion des Vorschaltgerätes sowie Thyristorzündgerät mit Spannungserzeugung durch elektronische Schaltung und Transformator unterschieden.

Zündhilfe: bei Diesel- und Halbdieselmotoren mit unterteiltem Brennraum gelegentlich erforderliche Maßnahme beim Anlassen zum Herbeiführen der Zündung, zum Beispiel mit Glühkerze oder -köpf (siehe auch Glühkopfmotor), Beimischung oder Voreinspritzung leichtzündender Dieselöle, elektrischer Luftvorwärmer, Anschalten des Luftspeichers.

Zündhütchen: Metallkapsel, die mit einem schlagempfindliche (Initial-) Sprengstoff gefüllt ist, der bei Patronen durch das Auftreffen des Schlagbolzens gezündet wird und seinerseits die Treibladung zündet; Granatpatronen und Kartuschen werden durch das Auftreffen des Schlagbolzens auf die (einstellbare) Schlagzündschraube gezündet.

Zündkerze, Kerze: in den Verbrennungsraum eines Ottomotors hineinragendes Bauteil mit 2 voneinander isolierten Elektroden zur Erzeugung einer Funkenstrecke, wobei der überspringende Funke die Verbrennung des komprimierten Gas-Luft-Gemisches einleitet. Die für den Zweitaktmotor verwendete Zweitaktzündkerze ist durch vergrößerten Glühwertbereich weniger anfällig gegen Verölen, hat verringerten Elektrodenabstand und größeren freien Raum um die Elektroden.

Zündmetall, Auermetall (nach C. Auer von Welsbach): Legierung aus etwa 70% Zer (oder Zer-Mischmetall) und 30% Eisen, die beim Reiben an harten Gegenständen sehr heiße Funken gibt und deshalb für Zündsteine verwendet wird.

Zündpunkt: (Zünd-) Temperatur, bei der ein Stoff (zum Beispiel Brennstoffe, Brennstoff-Luft-Gemische) von selbst, das heißt ohne Fremdzündung, entflammt. Bei brennbaren Flüssigkeiten hängt der Zündpunkt besonders vom jeweiligen Dampfdruck ab. Der zurzeit B. von Heizöl liegt bei 212°C, der von Benzin zwischen 330 und 520 °C.

Zündsicherung: Schutzvorrichtung an Gasgeräten zur Sicherung des Anzündevorganges und zur Überwachung des Gerätes während des Betriebes; schaltet bei Störungen in der Gaszufuhr den Brenner ab.

Zündspule: Teil der Zündeinrichtung eines Ottomotors; ein elektrischer Transformator, in dessen Hochspannungswicklung (Sekundärspule) beim Unterbrechen des Stroms der Niederspannungswicklung (Primärspule) ein Hochspannungsstoß (bis 15000 V) entsteht, der über den Verteiler zur Zündkerze weitergeleitet wird.

Zündung: 1. Vorgang einer beginnenden Verbrennung oder Explosion bei Verbrennungsmotoren. Beim Ottomotor wird das im Vergaser bereitete und in den Zylinder eingesaugte Kraftstoff-Luft-Gemisch am Ende jedes Verdichtungshubs durch Zündfunken einer Zündkerze elektrisch gezündet. Man unterscheidet: Abreißzündung, Zündung von Vergasermotoren mittels elektrischen Lichtbogens bei geringer Spannung und relativ hoher Stromstärke; Batteriezündung: eine Akkubatterie gibt über Unterbrecher Strom an die Zündspule (Transformator); bei geschlossenem Unterbrecher erzeugt der Strom der Niederspannungswicklung im Zündspulkern ein Magnetfeld, das beim Öffnen des Unterbrechers zusammenbricht und im Hochspannungsteil Induktionsstrom entstehen lässt; zur raschen Funkenlöschung ist ein Kondensator parallelgeschaltet; Magnetzündung, Betätigung der Zündkerze eines Verbrennungsmotors durch Stromstöße, die durch eine sich im Kraftfeld eines Dauermagneten drehende Spule erzeugt wird. Als Fehlzündung bezeichnet man die knallende Verbrennung des Gas-Luft-Gemischs im heißen Auspuffrohr infolge ausgebliebener Zündung im Zylinder oder undichten Auslassventils. Beim Dieselmotor entzündet sich der eingespritzte Kraftstoff infolge hohen Drucks und der hohen Temperatur von selbst (Selbstzündung). Beim Glühkopfmotor entzündet ein Glühkopf den eingespritzten Kraftstoff (Schweröl).

2. Physik: Entstehung einer Gasentladung. Durch ein elektrisches Feld (gewöhnlich zwischen Elektroden) werden Elektronen beschleunigt, so dass sie durch Ionisation von Gasatomen neue Elektronen freisetzen. Das Gas wird durch die sich verstärkende Elektronenlawine durchgängig elektrisch leitend (siehe auch Plasma), wenn die Elektrodenspannung einen Mindestwert (Zündspannung) überschreitet. Bei hohem Druck entstehen leitfähige Plasmakanäle (Streamer), die zu den Elektroden vorwachsen.

Zündverzug: Zeitabschnitt vom Beginn des Kraftstoffeinspritzens bis zum ersten, durch die Verbrennung hervorgerufenen Druckanstieg in Zylindern von Dieselmotoren. Durch kurzen Zündverzug wird der Wirkungsgrad der Maschine verbessert.

Zündwaren: Gebrauchsgüter zum Entzünden von Feuer mit Ausnahme der Zündwerkzeuge (Feuerzeuge, Gasanzünder). Zündwaren bestehen in der Regel aus Zündstäben (Zündhölzer, Streichhölzer) und einer Schachtel beziehungsweise einem Umschlag (Buchzünder) mit der Phosphorsatzfläche (Anstrichfläche, Reibfläche). Die Zündstäbe sind aus (paraffiniertem) Holz, Karton, gedrehtem Papier oder anderem Material gefertigt und tragen einen Kaliumchlorat haltigen Zündkopf, der beim Reiben an der Phosphorsatzfläche durch chemische Reaktion mit dem roten Phosphor entflammt und die Flamme auf den Zündstab überträgt. Überallzünder enthalten Tetraphosphortrisulfid werden jedoch wegen Gefährlichkeit in vielen Ländern nicht vertrieben. Die ersten Zündhölzer enthielten weißen Phosphor; sie wurden 1832 von Jakob Friedrich Kämmerer erfunden.

Zunehmen: das Verbreitern einer Gestricke- beziehungsweise Gewirke Breite; siehe auch Mindern.

Zunft: (mittelhochdeutsch zumft, «was sich ziemt», «Regel») Organisationsform des städtlichen Handwerks im Feudalismus; seit dem ausgehenden 11. Jahrhundert gebildet. Die Zünfte ergriffen Maßnahmen zur Beschränkung der gegenseitigen Konkurrenz (unter anderem Beitrittszwang für alle Berufsgenossen, Regelung der Arbeitszeit, der Qualität der Produkte und der Preise), sie waren maßgeblich an den innerstädtischen sozialen Auseinandersetzungen beteiligt, erstrebten gegen das Patriziat Anteil am Stadtregiment (13./15. Jahrhundert Zunftkämpfe, auch Bürgerkämpfe genannt) und erreichten in vielen Städten eine Beteiligung an den städtlichen Ämtern. Die Zunft hatte bis zum 14./15. Jahrhundert progressive Bedeutung (Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung). Seit dem 15. Jahrhundert kämpften die Gesellen gegen die Zunftmeister, die ihnen den Aufstieg zu Meistern erschwerten, und gründeten Gesellenverbände. Die Zunft, die sich vom technischen Fortschritt abkapselte und an Kleinbetrieb und herkömmliche Produktionsform festhielt, wurde schließlich zum Hemmschuh der kapitalistischen Entwicklung und seit Ende des 18. Jahrhundert aufgehoben.

Zunftprinzip: Grundsatz bei der Organisierung von Gewerkschaften, demzufolge sich Arbeiter bestimmter Berufe oder Zünfte zusammenschlossen. Infolge der industriellen Entwicklung ist das Zunftprinzip überholt und wurde weitgehend durch das Produktions- beziehungsweise Zweigprinzip abgelöst.

Zunfttänze: Aufzugstänze der Zünfte zwischen 1350 und 1850, aufgeführt hauptsächlich bei Zunftfesten und zur Fastnacht. Hauptformen waren der Schwert- und der Reiftanz, wobei die Tanzgeräte oft berufliche Sinnbilder waren, zum Beispiel Schwert (Messerschmiede), Reifen (Böttcher), lederne Ringe (Metzger); daneben der Fahnentanz (Tuchmacher), Küferstreich, ein Tanz um Weinfässer, Schäfer-, Schiffer-, Zimmermanns-, Knappentänze unter anderem. Die Zunfttänze sind kunstvolle figurenreiche Kettentänze, oft verbunden mit Bräuchen zur Aufnahme der Lehrlinge in die Gesellenschaft (Metzgersprung: Wassertaufe, über Schwellen springen, mit Ruten schlagen unter anderem).

Zunge: 1. Zunge, Lingua, Glossa: Anatomie am Boden der Mundhöhle liegendes muskulöses Organ, das bei der Nahrungsaufnahme und -prüfung, dem Schluckakt sowie der Lautbildung beteiligt ist. Die Schleimhaut des Zungenrückens trägt unterschiedliche Papillen, in deren Epithel Geschmacksknospen eingelagert sein können.

2. Musik an Musikinstrumenten elastische, den Windstrom in schneller Abwechslung freigebendes und verschließendes und damit tonerregendes Blatt aus Schilf (Rohrblatt) oder Metall (bei Mundharmonika, Orgel unter anderem).

Zungenbein, Hyoid: spangenförmiger Knochen oberhalb des Kehlkopfes; dient mehreren Muskeln zur Befestigung.

Zungenbeißen: Unart, die wie Lutschen und Lippenbeißen im Kindesälter zu Zahnstellungs- und Kieferanomalien führen kann.

Zungenbiss: frische oder vernarbte Bissverletzung der Zunge als Zeichen vorangegangener epileptischer oder eklamptischer Krampfanfälle. Siehe auch Epilepsie, Eklampsie.

Zungennadel: Nadel für Strick- und Raschelmaschinen, deren Kopf sich durch eine bewegliche Zunge öffnet und schließt

Zungenwürmer, Pentastomida: den Gliedertieren nahestehender artenarmer Tierstamm. Bis 14 cm lange, schlanke zungenförmige, äußerlich geringelte Tiere mit 2 Paar Krallen am Vorderkörper; schmarotzen in den Luftwegen von Reptilien, Vögeln und Säugetieren.

Zünsler: Schmetterlingsfamilie mit kleinen, unscheinbaren Arten; Körper schlank, Beine lang, Flügelhaltung in Ruhe dachförmig, meist nachtaktiv; Raupen leben in Gespinströhren und fressen an Wurzeln, Stengeln oder Vorräten pflanzlicher Herkunft, zum Teil schädlich.

Zunzunegui y Loredo, Juan Antonio de, geboren 21.12.1901, spanischer Schriftsteller; schildert vor allem seine baskischen Heimat und die Welt des nordspanischen Kapitalismus, stellte die moderne Geschäftswelt kritisch-realistisch dar («Die dunklen Straßen von Madrid», 1954, deutsch).

Zupancic, Oton, 23.1.1878-11.6.1949, jugoslawischer (slowenischer) Dichter; Höhepunkt seiner zunehmend sozial und national motivierten Poesie ist die Lyrik aus dem antifaschistischen Befreiungskampf («Immergrün unter dem Schnee», 1945); trat auch als Dramatiker und Nachdichter (W. Shakespeare, J. W. Goethe, H. Heine) hervor. Seine poetischen Ansichten äußerte er in dem Essay Band «Kennst du, Poet, deine Pflicht?» (1948).

Zupfinstrumente: Saiteninstrumente, die mit Fingern gezupft (zum Beispiel Laute, Gitarre, Harfe) oder mit Plektron angerissen werden (zum Beispiel Mandoline, Zither, Schlaggitarre); im weiteren Sinne gehören auch Cembalo, Spinett und Virginal dazu, deren Saiten durch eine mechanische Zupfvorrichtung angerissen werden.

Zurbaran, Francisco de, 1598 (7.11. getauft)-27.2.1664, spanischer Maler; hauptsächlich als Stadtmaler in Sevilla und Hofmaler Philipps IV. in Madrid tätig. Im Mittelpunkt seiner vorwiegend religiösen Themen umfassenden Schaffens steht die in kräftiger Helldunkelmalerei und betont plastische Malweise wiedergegebene, monumentalisierte Einzelgestalt eines betenden Mönchs oder Heiligen.

Zurechnungsfähigkeit: für die strafrechtliche Verantwortlichkeit eines Täters gesetzlich vorausgesetzte subjektive Fähigkeit, sich nach den für die Tat relevanten gesellschaftlichen Verhaltensregeln entscheiden zu können. War zur Tatzeit die Zurechnungsfähigkeit wegen krankhafter Störung der Geistestätigkeit oder wegen Bewusstseinsstörung ausgeschlossen, entfällt die strafrechtliche Verantwortlichkeit wegen Zurechnungsunfähigkeit (umgangssprachlich auch Unzurechnungsfähigkeit). Die Verantwortlichkeit kann gemildert werden, wenn die Zurechnungsfähigkeit aus gleichen Gründen erheblich beeinträchtigt war (verminderte Zurechnungsfähigkeit). In beiden Fällen ist Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung unter den gesetzlichen Voraussetzungen möglich.

Zürich: 1. Kanton im Norden der Schweiz, zwischen Hochrhein und Zürichsee; 1729 km2, 1,13 Millionen Einwohner; 653 Einwohner/ km2; Hauptstadt Zürich 2; umfasst die Voralpen und das Schweizer Mittelland (bis 1295 m); zahlreiche Seen; bedeutender Industriekanton der Schweiz; Seiden-, Baumwoll-, Papier- und chemische Industrie, Maschinenbau; Obst- und Gemüsebau, Getreideanbau.

2. Hauptstadt von Zürich 1, in der mittleren Schweiz, beiderseits der Limmat, am Zürichsee; Industrie-, Handels-, Finanz- und Kulturzentrum der Schweiz; 360000 Einwohner, Mittelpunkt einer Agglomeration von 720000 Einwohner; Maschinenbau, elektrotechnische, Konfektions-, Textil-, Papierindustrie; internationaler Flughafen Zürich-Kloten\ Universität, Eidgenössische TH; Museen, Konservatorium, Theater, zoologischer und botanischer Garten; Fremdenverkehr. Historische Bauten, wie romanischer Großmünster (12./13. Jahrhundert, Türme 15. Jahrhundert), gotischer Fraumünster (12./15. Jahrhundert, umgestaltet im 18. Jahrhundert), Wasserkirche (15. Jahrhundert), Peterskirche (spätromanisch; umgestaltet im 18. Jahrhundert), Rathaus (17. Jahrhundert), zahlreiche Zunft- und Bürgerhäuser des 16./18. Jahrhundert, Barockbrunnen; ferner Siedlung Neubühl (1930/32), Centre le Corbusier (1967). Das Territorium war bereits im Neolithikum besiedelt, später von keltischen Helvetiern (Pagus Tigurinus) und den Römern; 929 erstmals als Stadt erwähnt, seit dem 13. Jahrhundert reichsunmittelbar. 1351 Mitglied der schweizerischen Eidgenossenschaft; seit 1519 unter H. Zwingli ein Zentrum der Reformationsbewegung in der Schweiz. Städt. Erhebungen und Aufstände der Bauern in der Umgebung während des 16., 17. und 18. Jahrhundert wurden blutig niedergeschlagen; im 18. Jahrhundert war Zürich ein Zentrum der Aufklärung. 1798/1803 gehörte Zürich zur Helvetischen Republik. Der Friede von Zürich vom 10.11.1859 beendete den Krieg zwischen Österreich und Frankreich/Sardinien-Piemont.

Züricher Dreigestirn: Bezeichnung für K. Höchberg, E. Bernstein und C. A. Schramm, die 1879 in einem mit 3 Sternchen gezeichneten Artikel ein Zurückweichen vor dem Sozialistengesetz und die Umwandlung der Sozialdemokratie in eine kleinbürgerliche Partei befürworteten.

Zürichsee: Voralpensee in der Schweiz, 406 m über dem Meeresspiegel; 90 km2, 40 km lang, bis 143 m tief; Zufluss Linth, Abfluss Limmat; dichtbesiedelte, gartenähnlicher Uferlandschaft; Wein-, Obstbau.

Zurichten:

1. Lederherstellung: alle Arbeitsgänge, die an gegerbter Haut vorgenommen werden. Das Nasszurichten umfasst dabei Nachgerbung, Färbung und Fettung, das Deckfarbenzurichten das Aufbringen von Deckfarben auf die Lederoberfläche durch Spritzen oder Drucken.

2. Polygraphie: im Buchdruck das Ausgleichen der in der Druckmaschine und der Druckform vorhandenen Höhendifferenzen und das Herbeiführen der zum Ausdrucken erfordert. Druckspannung.

Zur Mühlen, Hermynia, 12.12.1883-19.3.1951, österreichische Schriftstellerin; Mitglied des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller, nach 1938 Emigration (CSR, Großbritannien); verfasste realistische Romane und Erzählungen («Kleine Leute», 1925), machte in parabelhaften Erzählungen und Märchen Kinder mit Sozialismus und revolutionärem Kampf der Arbeiterklasse bekannt («Das Schloss der Wahrheit», 1925).

Zurren: seemännische Bezeichnung für das Befestigen (Festlegen) von Decksladung oder losen schweren Gegenständen mit kurzen Tauen (Zurrings) oder Ketten.

Zurtaweli, Iakob, georgischer Geistlicher und Schriftsteller des 5. Jahrhundert; Verfasser des ältesten erhalten gebliebenen Werks der christlichen georgischen Literatur, «Das Martyrium der heiligen Schuschaniki», in dem der Kampf gegen den Mazdakismus mit dem Kampf gegen die persischen Eroberer verbunden wird.

Zurückbehaltungsrecht: das Recht des nicht vorleistungspflichtigen Schuldners, seine Leistung zu verweigern, bis die Gegenleistung erbracht wird; im ZGB nicht allgemein geregelt.

Zusammenbauzeichnung: Darstellung eines technischen Mittels in zusammengebautem Zustand mit Angabe von Montage-, Anschluss- und Funktionsmaßen, Positionsangaben sowie sonstigen für die Montage erfordert. Werten. Zur Zusammenbauzeichnung gehört eine Stückliste sowie ein Verzeichnis aller Bauelemente einschließlich der Standardteile und Hilfsstoffe.

Zusammentragen: Buchbinderei das Übereinanderlegen der zu einem Buch- oder Broschuren Block gehörenden Bogen und beziehungsweise oder Bogenteile in der richtigen Reihenfolge.

Zusammentragmaschine: Buchbinderei eine aus nebeneinander angeordneten Einlegestationen bestehende Maschine zum Zusammentragen.

Zusatzgarantie: Garantieübernahme des Herstellers oder Dienstleistungsbetriebes über die gesetzlich zu gewährende Garantie hinaus; ihre Laufzeit beginnt mit der gesetzlichen Garantie.

Zusatzmittel: Chemikalienpasten, -pulver oder Flüssigkeiten, die in geringen Mengen Bindemitteln, Mörteln oder Beton zugesetzt werden, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern. Man unterscheidet Plastifikatoren (Betonverflüssiger), die bei gleicher Konsistenz durch geringeren Wasserbedarf die Festigkeit erhöhen; Lp-Stoffe (Luftporenbildner), die die Frostbeständigkeit und Verarbeitbarkeit verbessern; Erstarrungsregler (Beschleuniger oder Verzögerer), die das Abbinden und Erhärten beeinflussen; Frostschutzstoffe, die ein Absenken des Gefrierpunktes oder eine Verkürzung der Abbindezeit bewirken.

Zusatzstoffe: Pulver (zum Beispiel Asche, Schlacke), die Mörtel oder Beton zugesetzt werden, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern. Hydraulische Zusatzstoffe bewirken durch ihre Hydraulefaktoren, dass nichthydraulische Bindemittel auch unter Wasser erhärten; Dichtungsstoffe dienen zur Porenfüllung und zum Erhöhen der Wasserdichtigkeit des erhärteten Mörtels oder Betons.

Zusatzverluste: stromabhängige (Strom-) Wärmeverluste in elektrischen Maschinen und Geräten, die durch Streu- oder Oberwellenfelder (Pulsationsverluste) in tragenden oder stützenden Bauelementen, Kesselwänden unter anderem hervorgerufen werden.

Zusatzwerkstoff: zum Füllen von Nähten oder zum Aufträgen auf Werkstücke erfordert. Werkstoffzugabe beim Schweißen, die auf den Grundwerkstoff abgestimmt sein und den gültigen Normen entsprechen muss. Zusatzwerkstoff sind Schweißelektroden, Drähte, Stäbe, Folien u. ä.

Zuschlag: zusätzlicher Lohn, der bei besonderen Bedingungen über den Tarif- und Mehrlohn hinaus gezahlt wird, zum Beispiel bei Sonn- oder Feiertagsarbeit, Nachtarbeit, Überstunden.

Zuschläge: zu den Einsatzstoffen in metallurgischen Öfen gegebene Stoffe, mit deren Hilfe sich aus Verunreinigungen (zum Beispiel Gangart, Brennstoffasche) eine geeignete Schlacke bildet oder deren Verwendung die Reaktionsfähigkeit einer metallurgischen Schlacke steuert.

Zuschlagskalkulation: Kalkulationsverfahren, bei dem, bedingt durch gleichzeitige Herstellung mehrerer Erzeugnisarten in einem Produktionsabschnitt, nur ein Teil der Kosten den Erzeugnissen direkt zugeordnet, der übrige Teil indirekt über Zuschlagsbasen anteilig den Erzeugnissen zugerechnet (zugeschlagen) wird.

Zuschlagstoffe: mineralische oder organische Stoffe, die mit Bindemittel und Wasser zu Beton oder Mörtel gemischt werden. Mineral. Zuschlagstoffe werden nach der Korngröße in Sand bis 2 mm, Kies beziehungsweise Splitt 2 bis 31,5 mm, Grobkies beziehungsweise Schotter 31,5 bis 63 mm unterschieden. Nach der Herkunft werden natürliche Zuschlagstoffe (Quarz, Porphyr, Schwerspat, Bimsstein), künstliche Zuschlagstoffe (Blähton, Blähschiefer, Keramsit, Schlacke, Hüttenbims, Ziegelsplitt) und organische Zuschlagstoffe (Borke, Holzspäne, Torf, Kork) unterschieden. Die Güte der Zuschlagstoffe kann unter anderem durch die Sieblinie bestimmt werden.

Zuschnitt: Oberbegriff für Ausgangsformen zur umformenden Herstellung von Blech- oder Massivteilen.

Zuschnittproblem: Aufgabe der mathematischen Optimierung, bei der aus einem Material einheitlicher Abmessung eine bedarfsabhängige Menge von Einzelteilen unterschiedlicher Abmessung so ausgeschnitten werden soll, dass der entstehende Abfall möglichst gering wird. Lösungen des Zuschnittproblems sind mit den Verfahren der diskreten Optimierung möglich.

Zuse, Konrad, geboren 22.6.1910, Ingenieur und Industrieller; Pionier der Entwicklung programmgesteuerter Rechenautomaten; seine vollständig mit Relais ausgerüstete Anlage «Z 3» (1941) führte bereits 30 bis 50 arithmetische Operationen je Minute aus.

Zustand:

1. Kybernetik: Menge von Größen, durch die die Eingangs-Ausgangs-Beziehung eines Systems eindeutig gemacht werden kann. Die Ausgangssignale eines Systems hängen nämlich nicht nur von dessen Eingangssignalen, sondern auch davon ab, in welchem Zustand sich der innere Speicher befindet. Im Zustand eines Systems ist seine Vergangenheit zusammengefasst, sofern sie für die Zukunft noch von Einfluss ist. Ein System wird deshalb durch eine Zustands- und eine Ausgangsgleichung beschrieben. Siehe auch Automat 2.

2. Physik: momentane Bewegungsform eines physikalischen Systems. Physikalische Größen, deren Messwerte den Zustand vollständig oder teilweise bestimmen, heißen Observable oder Zustandsgrößen. Die zeitliche Änderung des Zustands wird durch eine Zustandsgleichung beschrieben. Zustände, in denen die Energie des Systems einen festen Wert hat, heißen stationäre Zustände-, der Zustand niedrigster Energie heißt Grundzustand oder Vakuumzustand, alle anderen angeregte Zustände. In der klassischen Mechanik ist der Zustand durch die Angabe der Orte und Impulse aller Teilchen, das heißt durch einen Punkt im Phasenraum beziehungsweise durch eine Verteilungsfunktion im Phasenraum bestimmt. In der Quantenmechanik sind nicht alle Observablen gleichzeitig genau messbar (siehe auch Heisenbergsches Unbestimmtheitsprinzip); ein quantenmechanischer Zustand (Quantenzustand) wird daher durch die Angabe eines vollständigen Satzes zugleich messbarer, sogenannt kommensurabler Observablen, zum Beispiel durch Angabe entweder aller Orte oder aller Impulse der Teilchen, bestimmt und durch die Wellenfunktion im Hilbert-Raum des Systems dargestellt. Siehe auch kritischer Zustand, metastabiler Zustand.

Zuständigkeit, Kompetenz: Tätigkeitsbegrenzung der verschiedenen Staatsorgane zueinander (zum Beispiel Verwaltungsorgan zu Gericht); Aufgabenabgrenzung der einzelnen Staatsorgane untereinander (zum Beispiel Kreis zu Bezirksgericht). Die ausschließliche Zuständigkeit ist eine durch Gesetz festgelegte Zuständigkeit eines bestimmten Staatsorgans. Unter funktioneller Zuständigkeit wird der unter die verschiedenen Staatsorgane der Art nach verteiltem Aufgabenbereich verstanden. Die örtliche oder territoriale Zuständigkeit ist der Aufgabenbereich eines Staatsorgans nach den räumlichen Beziehungen eines Beteiligten. Die sachliche Zuständigkeit bestimmt das Staatsorgan nach der Art der Angelegenheit.

Zustandsänderung: Änderung der Eigenschaften eines thermodynamischen Systems. Dabei ändern sich die Zustandsgrößen. Die Zustandsänderung heißt isotherm, isobar beziehungsweise isochor, wenn dabei Temperatur, Druck beziehungsweise Volumen konstant bleiben, adiabatisch, wenn keine Wärmezufuhr oder -abgabe erfolgt, bei Kompression also eine Temperaturerhöhung, bei Expansion eine Abkühlung stattfindet. Verläuft die adiabatische Zustandsänderung reversibel, so heißt sie isentrop oder isentropisch, denn die Entropie bleibt konstant.

Zustandsdiagramm: graphische Darstellung der gegenseitigen Abhängigkeit thermodynamischer Zustandsgrößen in einem Koordinatensystem. Da in einfachen thermodynamischen Systemen jede dieser Größen durch zwei andere bestimmt ist, stellt dort das Zustandsdiagramm eine Fläche in einem räumlichen Koordinatensystem dar. Meist verwendet man ebene Systeme, für Kurven darin hat dann die dritte Größe jeweils einen bestimmten konstanten Wert. Im Zustandsdiagramm eines idealen Gases werden meist die Paare von Zustandsgrößen Druck und Volumen, Druck und Temperatur oder Temperatur und Entropie dargestellt. Im Zustandsdiagramm eines realen Stoffes lässt sich auch sein thermisches Verhalten in den drei Aggregatzuständen kenntlich machen.

Zustandsdichte: Dichte der quantenmechanischen Zustände eines Systems (zum Beispiel Elektronen oder Phononen eines Festkörpers) bei der Energie E; lässt sich aus der energetische Struktur (zum Beispiel Bandstruktur) des Systems berechnen. Die Zustandsdichte gibt an, wie viele der betreffenden Teilchen eine Energie E annehmen können; in Bandlücken ist sie Null.

Zustandsdruck: in der Druckgraphik vom Künstler oder unter seiner Aufsicht angefertigter Probeabzug von der unvollendeten Druckplatte, besonders wichtig und häufig bei der Radierung. Zustandsdrucke sind für die Entstehungsgeschichte graphischer Blätter interessant. Moderne Künstler haben sie oft besonders gekennzeichnet. Da von Zustandsdruck meist nur ein oder sehr wenige Drucke hergestellt werden, haben sie im Kunsthandel großen Wert.

Zustandsgleichung: Thermodynamik - Beziehung zwischen thermische Zustandsgrößen. Die allgemeine Zustandsgleichung der Gastheorie, auch allgemeine Gasgleichung genannt, lautet pVm = RT und gilt exakt für ideale Gase (p Druck, Vm molares Volumen, absolute Temperatur und R die für alle Gase gleiche Gaskonstante). Die van-der-Waalssche Zustandsgleichung gilt für reale Gase. Ein ihr genügendes Gas heißt Van-der-Waals-Gas. Durch die Konstante a wird die gegenseitige Anziehung, durch b das Eigenvolumen der Moleküle berücksichtigt.

Zustandsgrößen:

1. Astrophysik: beobachtete oder aus der Beobachtung abgeleitete Größen, die den physikalischen Zustand eines Sternes als Ganzes kennzeichnen. Zu den wichtigsten Zustandsgrößen gehören effektive Temperatur (Strahlungstemperatur), Leuchtkraft, Radius, Masse und chemische Zusammensetzung, aus denen weitere Zustandsgrößen, wie mittlere Dichte und mittlere Energieerzeugung, abgeleitet werden. Der Zusammenhang zwischen einzelnen Zustandsgrößen wird in Zustandsdiagrammen, wie Hertzsprung-Russell-Diagramm und Masse-Leuchtkraft-Beziehung, dargestellt.

2. Thermodynamik: Größen zur Beschreibung des thermodynamischen Zustandes oder der Zustandsänderung eines Systems; sie hängen bei reversiblen Prozessen nicht davon ab, auf welche Art der betreffende Zustand hergestellt wurde. Extensive Zustandsgrößen, zum Beispiel Energie, Volumen, Entropie, sind der Systemmasse proportional; bei intensiven Zustandsgrößen, zum Beispiel Druck, Temperatur, Dichte, ist dies nicht der Fall. Siehe auch thermodynamische Potentiale.

Zustandsraum: Kybernetik ein von den n Zustandsgrößen eines Systems aufgespannter n-dimensionaler Raum. In diesem kann die Bewegung des Systems als Trajektorie dargestellt werden. Für den Fall, dass die Ausgangsgröße und deren (n 1) Ableitungen (Auslenkung, Geschwindigkeit, Beschleunigung und so weiter) als Zustandsgrößen dienen, heißt der Zustandsraum Phasenraum.

Zustandssumme: grundlegende Größe der statistischen Physik für Systeme im thermodynamischen Gleichgewicht, Zeichen Z; gestattet die Berechnung makroskopische thermodynamische Zustandsgrößen. Dabei ist g, die Zahl der Zustände mit der Energie E, k die Boltzmann-Konstante und die absolute Temperatur. Ist das Energiespektrum kontinuierlich, so tritt an Stelle der Zustandssumme das Zustandsintegral.

Zustellung: 1. Endstadium der Beförderung von Postsendungen.

2. in gesetzlich bestimmter Form durchgeführte und beurkundete Übergabe eines Schriftstücks (zum Beispiel einer Klage an den Verklagten).

3. Erneuerung und Auskleidung metallurgischer Öfen mit Feuerfeststoffen.

Zustimmung: Billigung eines Rechtsgeschäfts durch empfangsbedürftige Erklärung eines Dritten (zum Beispiel durch die Eltern eines noch nicht Volljährigen), die Voraussetzung für die Wirksamkeit des Rechtsgeschäfts ist. Die vorherige Zustimmung wird als Einwilligung, die nachträgliche als Genehmigung bezeichnet.

Zuverlässigkeit, technische Zuverlässigkeit: komplexe Eigenschaft eines Erzeugnisses oder Verfahrens, die seine vorgeschriebenen Funktionen unter Einhaltung der vorgegebenen Toleranzen für die einzelnen Kenngrößen bei zweckentsprechender Verwendung über einen bestimmten Zeitraum gewährleistet; wichtiger Bestandteil der Erzeugnisgüte.

Zuverlässigkeitstheorie: Operationsforschung Theorie der Zuverlässigkeit. Wichtige Größen sind Lebensdauer, Ausfallrate, Verfügbarkeit. besonders interessant sind der Zusammenhang zwischen Zuverlässigkeit der Einzelteile und des Gesamtsystems sowie die Konstruktion eines (redundanten) Gesamtsystems für vorgeschriebene Zuverlässigkeit. Die Zuverlässigkeitstheorie ist insbesondere für große technische Systeme, zum Beispiel der Raum- und Luftfahrt, der Energieversorgung, wichtig.

Zuwachs: die durch das pflanzliche Wachstum bedingte Dimensions- (Höhe, Durchmesser) oder Volumenvergrößerung von Einzelbäumen oder Waldbeständen während eines bestimmten Zeitraumes.

Zuwachsbohrer: der Entnahme von Proben aus dem Baumstamm dienender Hohlbohrer. Die senkrecht zu den Jahrringen ausgebohrten, etwa 5 mm starken Holzwalzen werden zur Alters- und Zuwachsermittlung verwendet.

Zuwachsrate: Wirtschaft in einem Prozentsatz ausgedrücktes Verhältnis der Zunahme einer ökonomischen Größe in einer Periode (zum Beispiel Zuwachs an Nationaleinkommen in einem Jahr) zum Basiszeitraum (zum Beispiel Nationaleinkommen im Vorjahr).

Zuwendung: Vermögensvorteil, den jemand auf seine Kosten einem anderen verschafft, zum Beispiel Übertragung des Eigentums oder eines sonstigen Rechts, Verzicht auf eine Forderung.

Zwang: krankhaft bedingtes wiederholtes Handeln und Denken; siehe auch Zwangsneurose.

Zwanghuf: kranke Hufform, bei der sich der Huf an bestimmten Abschnitten allmählich verengt hat. Nach den veränderten Teilen bezeichnet man ihn als Kronen-, Trachten-, Sohlen- oder Tragerandzwanghuf.

Zwangklaue: fehlerhafte Klauenform beim Rind mit konvexer Verbiegung der äußeren und konkaver Verbiegung der inneren Klauenwand und keilförmiger Hornsohle. Rinder mit Zwangklaue sind für industriemäßig produzierende Anlagen nicht geeignet.

zwangläufig: Eigenschaft eines technischen Mittels, bei der einer beliebigen Stellung eines Elements stets bestimmte Stellungen der anderen Elemente entsprechen.

Zwangsmischer: Apparat, der aus einem feststehenden Behälter besteht, und bei dem die Mischwirkung auf das zu mischende Gut durch umlaufende Mischwerkzeuge (Schnecken, mit Schaufeln besetzte Wellen) bewirkt wird. Zwangsmischer werden für schwer zu mischendes Gut, zum Beispiel Mischen feuchtklebriger Rohstoffe im Bauwesen, eingesetzt. Siehe auch Betonmischmaschine.

Zwangsbiss: falsche Schlussbisslage, verursacht durch Zahnstellungsanomalie, Abkauung, Zahnverlust oder fehlerhaft konstruierten Zahnersatz.

Zwangskartell: auf staatliche Anordnung hin gebildetes Kartell; eine Form der staatsmonopolistischen Regulierung des Reproduktionsprozesses. Zwangskartelle waren typisch vor allem für die faschistische Kriegswirtschaft.

Zwangskraft, Führungskraft: die bei Bindung eines Massenpunktes an eine bestimmte Kurve oder Fläche B vom Führungsmechanismus aufzubringende Kraft Ft, zum Beispiel die Fadenspannung beim Kreispendel. Die Zwangskraft steht immer senkrecht auf B und kann bei zeitlich unverändert. Bindung keine Arbeit verrichten, das heißt die Energie des Massenpunktes wird nicht verändert. Von einer äußeren Kraft F (wie der Schwerkraft) bewirkt zum Beispiel bei der geneigten Ebene nur deren Tangentialkomponente Ft eine Bewegung des Massenpunktes, während ihre Normalkomponente F„= Fz durch die Zwangskraft kompensiert wird. Siehe auch Prinzipien der Mechanik.

Zwangsmittel:

1. Staatsrecht: verwaltungsrechtliche Maßnahmen zur zwangsweisen Durchsetzung staatlicher Entscheidungen, wenn andere Maßnahmen ohne Erfolgsaussichten sind. Von den durch Rechtsvorschrift jeweils ausdrücklich ermächtigten Organen des Staatsapparates können Zwangsmittel in Ausübung vollziehender und verfugender Tätigkeit gegenüber Bürgern und juristischen Personen zur Anwendung gebracht werden. Zwangsmittel können sowohl der Durchsetzung vorausgegangener staatlicher Einzelentscheidungen als auch zur vorbeugenden Abwehr unmittelbarer Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung beziehungsweise zur Beseitigung schon eingetretener Störungen dienen. Formen der Zwangsmittel sind die Befugnis, Zwangsgeld anzudrohen, festzusetzen und erforderlichenfalls zu vollstrecken, die durchzusetzende Maßnahme von einem Dritten auf Kosten des Verpflichteten durchführen zu lassen (Ersatzvornahme), Vollstreckung von Geldforderungen auf dem Verwaltungswege, Anwendung physischen Zwanges unter anderem.

2. Veterinärmedizin: Instrumente oder Vorrichtungen zur Bändigung widersetzlicher oder unruhiger Tiere bei tierärztlichen Eingriffen. Erlaubte Zwangsmittel sind zum Beispiel Nasenbremse, Schenkelbremse und Anbindegurte.

Zwangsneurose: psychische Fehleinstellung, bei der es zu einer als sinnlos erkannten, aber durch Willensentschluss nicht abzustellenden Vorherrschaft von Gedanken, Gefühlen oder Willensantrieben kommt, die aus unbewussten Schichten in das Bewusstsein gelangen. Beobachtet werden verschiedene symptomatische Ausprägungen, wie Zwangsdenken, Zwangsgefühle (Lachzwang unter anderem) oder Zwangsbefürchtungen, zum Beispiel Furcht vor Bakterien.

Zwangstänze: Tänze, die Sklaven und Leibeigene vor ihren Ausbeutern als Zeichen der Huldigung und Unterwerfung darbieten mussten (Sklavensprung), schon im Alten Reich Ägyptens bekannt; in deutschen Landschaften bis ins 19. Jahrhundert als Frontänze erhalten.

Zwangsversteigerung: bürgerliches Recht, öffentliche Versteigerung einer gepfändeten beweglichen oder unbeweglichen Sache, um aus dem Zwangsversteigerungserlös einen Gläubiger zu befriedigen.

Zweck: Zielvorstellung menschlichen Handelns, die mit dem Ziel die Mittel, Methoden, Aktionen zu dessen Realisierung angibt. Der Zweck ist wie das Ziel eine ideelle Vorwegnahme erstrebter Handlungsresultate; während jedoch Ziele unabhängig von den Möglichkeiten ihrer Realisierung festgelegt werden können, ist die Setzung von Zweck an die Mittel ihrer Verwirklichung gebunden und von diesen mitbestimmt. Da die Mittel dem Zweck entsprechen müssen, beruht das Setzen von Zweck auf der Kenntnis objektiver Bedingungen, beziehungsweise auf Einsicht in die objektiven Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft. Zweck kann nur der Mensch setzen, es gibt keine in den Dingen liegende oder in sie hineingetragene Zweck Siehe auch Teleologie.

Zwecken: Ausdehnen und Aufnageln angefeuchteter Pelzfelle zum Erzielen einer gewünschten Flächenform und Oberflächengestaltung bei der Verarbeitung zu Pelzkleidung.

Zweibund: 1. Bündnisvertrag zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn vom 7.10.1879; verpflichtete beide Partner zum Beistand bei einem russischen Angriff. Der Zweibund gehörte zur vertraglichen Grundlage der Außenpolitik Deutschlands bis 1918.

2. russisch-französisches Bündnis, als Gegengewicht zum Dreibund geschlossen; beruhte auf einem außenpolitischen Einvernehmen (1891) und einer Militärkonvention von 1892 (erst 1893/94 ratifiziert). Dem Zweibund ging die wirtschaftliche Annäherung Russlands an Frankreich voraus; beide Seiten waren im Zweibund zu gegenseitigem Beistand bei einem Angriff durch einen der Dreibundstaaten (Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien) verpflichtet. Der Zweibund wurde zur Grundlage der Triple-Entente (1907) zwischen Großbritannien, Frankreich und Russland.

Zweiermannschaftsfahren: Radsport Bahnrennen über längere Distanzen (zum Beispiel 50 oder 100 km) zwischen Mannschaften aus 2 Fahrern, die sich beliebig ablösen können, mit Zwischen- (Punkt-) Wertungen. Die Gesamtpunktzahl entscheidet; Rundengewinn geht über Punktgewinn.

Zweifachimpfung: kombinierte Schutzimpfung gegen Tetanus und Diphtherie.

Zweifel: Ungewissheit in Bezug auf die Wahrheit oder Falschheit einer Behauptung; hat als methodisches Prinzip, das insbesondere gegen Glauben und spekulative Denken gerichtet ist (R. Descartes), positive Bedeutung. Zweifel am Erkenntnisvermögen des Menschen führt zum Skeptizismus (zum Beispiel D. Hume).

Zweiflügler, Diptera: Insektenordnung mit etwa 85000 Arten, davon etwa 7000 in Mitteleuropa. Bei den Vollkerfen sind nur die häutigen Vorderflügel ausgebildet, die Hinterflügel sind zu Halteren umgebildet. Die Entwicklung ist eine vollkommene Verwandlung. Hierzu gehören Fliegen und Mücken.

Zweig: 1. Arnold. 10.11.1887-26.11.1968, Schriftsteller; nach dem Studium (1907/15) Soldat, 1917 Mitarbeiter der Presseabteilung im Hauptquartier Ost; 1923 Redakteur der «Jüdischen Rundschau»; 1929 Vorsitzender des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller; emigrierte 1933 nach Palästina (Mitarbeit an antifaschistischen Blättern, 1941 Gründung einer Liga zur Unterstützung der UdSSR); 1948 Rückkehr nach Berlin; Präsident der AdK, Mitglied des Weltfriedensrates, Präsident des P.E.N.-Zentrums DDR. Zweig, der sich als einer der großen deutschen Romanciers des 20. Jahrhundert seit den 40er Jahren zum Marxismus bekannte, schuf mit seinem Werk eine breit angelegte künstlerische Analyse der imperialistischen Gesellschaft, deren zentrales Thema Bewährung und Wandlung Intellektueller ist. Hauptwerk ist der Romanzyklus um den 1. Weltkrieg «Der große Krieg der weißen Männer» («Die Zeit ist reif», 1957; «Junge Frau von 1914», 1931; «Erziehung vor Verdun», 1935; «Der Streit um den Sergeanten Grischa», 1927; «Die Feuerpause», 1954; «Einsetzung eines Königs», 1937); ferner antifaschistische Romane («Das Beil von Wandsbek», 1943; «Traum ist teuer», 1962), Novellen und Erzählungen («Novellen um Claudia», 1912; «Pont und Anna», 1928), Dramen, Essays.

2. Stefan, 28.11.1881-22.2.1942 (Selbsttötung), österreichischer Schriftsteller; seit 1938 endgültig im Exil (Großbritannien, USA, Brasilien); sein Schaffen charakterisiert leidenschaftliche humanistisch-pazifistische Gesinnung (besonders seit dem 1. Weltkrieg Werben für Völkerverständigung) und vollendete Sprachkultur; begann, angeregt vom französischen Symbolismus und H. von Hofmannsthal, mit impressionistischer Lyrik («Silberne Saiten», 1901); vermittelte Bekanntschaft mit ausländischer Literatur (Übersetzungen C. Baudelaires, P. Verlaines, E. Verhaeren); verfasste neben Würdigungen bedeutender Persönlichkeiten (Monographien unter anderem über R. Rolland, 1920; Essay-Reihe «Baumeister der Welt», 1920ff; Romanbiographien unter anderem über H. de Balzac, Erasmus von Rotterdam) fernsinnig-psychologisierende Prosa (Novellen «Verwirrung der Gefühle», 1927; Roman «Ungeduld des Herzens», 1938), Dramen (Komödie «Volpone», 1927, nach B. Jonson) und die Autobiographie «Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers», 1942 postum).

Zweigniederlassung: vom Ort der Hauptniederlassung eines Unternehmens als rechtlich unselbständiger Betriebsteil abgesonderter Geschäftsbereich.

Zweigprinzip: ein Strukturprinzip der staatlichen Leitung, dem entsprechend Organe des Staatsapparates nach den spezifischen Erfordernissen der zu leitenden Zweige und Bereiche der Volkswirtschaft beziehungsweise des gesellschaftlichen Lebens gebildet werden. Siehe auch Funktionalprinzip, Linienprinzip, Produktionsprinzip, Territorialprinzip.

zweihäusig, diözisch (lateinisch griechisch): Bezeichnung für Pflanzenarten, bei denen männlichen und weiblichen Blüten auf verschiedenen Individuen stehen, zum Beispiel Weiden, Hopfen; siehe auch einhäusig.

zweijährig, bienn: Bezeichnung für Pflanzen, die bis zum Blühen und Fruchten 2 Jahre benötigen (zum Beispiel Zuckerrübe); siehe auch einjährig, mehrjährig.

Zweikammersystem: Form des bürgerlichen parlamentarischen Herrschaftssystems, nach der die gesetzgebende Gewalt (Parlament) durch 2 Körperschaften (Kammern, Häuser) ausgeübt wird, die getrennt voneinander gebildet werden, getrennt beraten und beschließen. Das Zweikammersystem dient häufig der Einengung der Rechte der von der Bevölkerung gewählten Kammer durch die anders zusammengesetzte und oft ganz oder teilweise von der Exekutive ernannte andere Kammer. In sozialistischen Staaten dient das Zweikammersystem der angemessenen Vertretung der gesamtstaatlichen beziehungsweise der spezifisch nationalen Interessen des Volkes.

Zweikampf, Duell: auf überlebten Ehrbegriffen beruhende Auseinandersetzung zweier Gegner zur Genugtuung für beleidigte Ehre.

Zweikeimblättrige, Dikotyledonen, Dicotyledoneae, Magnoliatae: Klasse der Bedecktsamer; Keimpflanze mit 2 Keimblättern, die Laubblätter sind meist netznervig, oft zusammengesetzt; charakteristisch sind vier- und fünfzählige Blüten; die Regel ist sekundäres Dickenwachstum. Hierzu gehört der überwiegende Teil der Samenpflanzen.

Zweikörperproblem: Bestimmung der Bewegung zweier miteinander wechselwirkender Massenpunkte mit den Massen m, und m2. Im Schwerpunktsystem ist die freie Bewegung des Schwerpunktes beider Massenpunkte eliminiert, und das Zweikörperproblem der Himmelsmechanik reduziert sich auf die Bestimmung der Bewegung eines fiktiven Körpers der sogenannt reduzierten Masse m = mlm2/(m, + m2) im vorgegebenen Kraftfeld.

Zweiling, Klaus, 18.2.1900-18.11.1968, Philosoph und Physiker; verdient um die Förderung der marxistisch-leninistischen Philosophie nach der Zerschlagung des Faschismus; beschäftigte sich besonders mit Grundfragen der Philosophie und mit philosophischen Problemen der Naturwissenschaften.

Zweipol: elektrisches Netzwerk mit 2 Anschlussklemmen (Pole), das aus einem oder mehreren Bauelementen besteht; ein passiver Zweipol enthält keine, ein aktiver Zweipol enthält Strom- oder Spannungsquellen.

Zweipunktregelung: selbsttätige Regelung, bei der die Stellgröße (Träger des Stellsignals) nur 2 Stellungen einnimmt, die durch festgelegte Grenzwerte der Messgröße bestimmt sind. Zweipunktregler sind einfach im Aufbau, wenig störanfällig, aber nicht sehr genau. Anwendung zum Beispiel zur Temperaturregelung bei Reglerbügeleisen oder Kühlschränken.

zweischnittig: Bezeichnung für eine Nagel-, Niet oder Schraubenverbindung, wenn die Verbindungsmittel in 2 Querschnitten auf Abscheren beansprucht werden.

Zweiseitigkeit: Unterschiedlichkeit in der Oberflächenstruktur beider Seiten eines Papiers; primär hervorgerufen durch die Blattbildungsvorgänge (Sedimentation, Filtration unter anderem) auf dem Papiermaschinensieb. Die Oberseite (Schönseite) ist im Allgemeinen gleichmäßiger, glatter und weißer als die Siebseite, die noch die Abdrücke des Siebgewebes aufweist. Gefärbte Papiere zeigen häufig eine Zweiseitigkeit im Farbton.

zweisitziger Rennwagen: im Automobilsport bis 1982 in der Gruppe 6 zugelassener Kraftwagen, der ausschließlich für Rennen auf Spezialstrecken konstruiert wurde; ein zweisitziger Rennwagen hatte eine offene beziehungsweise geschlossene Karosserie; eine Radabdeckung war vorgeschrieben, Beleuchtungsanlage erlaubt.

Zweitaktmotor: Verbrennungskraftmaschine, bei der das Arbeitsspiel (1 Kurbelwellenumdrehung) in 1 Takten unter Zuhilfenahme des abgedichteten Kurbelgehäuses abläuft:

a) Ansaugen von Kraftstoff-Luft-Gemisch in das Kurbelgehäuse sowie Verdichten des Gemisches nach Überdeckung der Auslassschlitze und des Überströmkanals durch den Kolben; kurz vor dem oberen Totpunkt erfolgt die Zündung,

b) Expansion der Brenngase und Verrichtung mechanischer Arbeit durch Verschiebung des Kolbens, Vorverdichtung des Gasgemisches im Kurbelgehäuse, Entweichen der Abgase nach Freigabe der Auslassschlitze und des Überströmkanals kurz vor dem unteren Totpunkt.

Zweites Kaiserreich, Second Empire: bürgerliche Monarchie in Frankreich unter Napoleon III., der sich am 2.12.1852 zum Kaiser der Franzosen krönen ließ und durch einen Volksaufstand in Paris am 4.9.1870 gestürzt wurde; abgelöst durch die Dritte Republik.

Zwerchfell, Diaphragma: dünne Muskelplatte zwischen Brust- und Bauchhöhle mit 2 kuppelartigen Vorwölbungen (zur Brusthöhle) und einer kleeblattförmigen zentralen Sehne; wichtiger Atemmuskel.

Zwerchhaus: quer zur Richtung des Daches aus diesem heraustretender Dachgiebel.

Zwerg: Sagen- und Märchengestalt von kleinem Wuchs; meist in Vielzahl als Zwergen Volk, das unter der Erde, in Höhlen, auch unter dem Herde wohnte; Zwerge gelten als kunstreiche Schmiede und als Schatzhüter.

Zwergfadenwurm, Strongyloides stercoralis: als knapp 3 mm lange eingeschlechtige Generation im Darm des Menschen schmarotzender Fadenwurm; wechselt regelmäßig mit einer kleineren, frei in feuchtem Erdreich lebenden zweigeschlechtigen Generation ab; Erreger einer schweren Darmkrankheit.

Zwergflugbeutler, Petaurus breviceps: Beuteltier mit behaarter Gleitflughaut zwischen 5. Finger und Fußgelenk sowie mit dichtbuschigem Steuerschwanz; lebt in Südostaustralien und auf Neuguinea.

Zwergfüßer, Symphyla: Unterklasse der Tausendfüßer mit 120 Arten; zarthäutige weißliche, augenlose, bis 8 mm lange Tiere mit 17 bis 24 Rückenplatten, 12 Beinpaaren und 2 Spinngriffeln am Körperende; leben im feuchten Boden und ernähren sich von Organ. Zerfallsstoffen.

Zwerggalerie: Zierform der romanischen Baukunst, besonders im Sakralbau Oberitaliens und des Rheinlandes; bestehend aus niedrigen Arkaden an der Außenwand unter dem Traufgesims; dient zur optischen Auflockerung der Wand; Hauptbeispiele: Dom zu Speyer (um 1090), Dom zu Trier (Mitte 11. Jahrhundert).

Zwerghühner: Hühnerrassen mit geringer Körpermasse und -große. Man unterscheidet zwischen Urzwergen (jahrhundertealte Rassen) und verzwergten Rassen, die später aus normalgroßen herausgezüchtet wurden. Die Körpermasse schwankt zwischen 500 und 1000 g. Einige Populationen haben die Merkmale des Ziergeflügels, andere zeichnen sich durch relativ hohe Legeleistungen aus.

Zwergkaninchen: Gruppe von Kaninchenrassen mit einer Masse von 1,2 bis 1,5 kg und typische kurzen Ohren. Die reinweißen Hermelinkaninchen, erstmals 1884 in Großbritannien gezeigt, weisen hellblaue oder rote (Albinos) Augen auf, Farbenzwerge, zuerst 1953 in den Niederlanden aufgetreten, sind in vielen Farbschlägen anerkannt.

Zwergläuse, Phylloxeridae: Blattlausfamilie; leben an Wurzeln, Rinden und Blättern von Holzgewächsen; einige Arten erzeugen Gallen, meist an verholzten Pflanzenteilen; wichtigste Art ist die Reblaus.

Zwergmaus, Micromys minutus: 5 bis 10 g schwere Maus mit rehbrauner Oberseite; der körperlange Schwanz dient als Greiforgan; Halmkletterer, vorwiegend auf Wiesen und in Getreidefeldern; baut Kugelnester.

Zwergmotten, Nepticulidae: primitive Familie der Schmetterlinge mit 4 bis 10 mm spannenden, unscheinbaren Arten; Kopf der Falter auffällig behaart; Raupen minieren in Blättern, Stengeln oder Samen; Verpuppung nach oft sehr kurzer Larvenentwicklung außerhalb der Mine.

Zwergpinscher: bis 30 cm große, kurzhaarige Hunderasse, einfarbig braun in verschiedenen Tönen (Rehpinscher) oder zweifarbig schwarz mit roten oder braunen Abzeichen; verkleinertes Abbild des Pinschers.

Zwergseeschwalbe, Sterna albifrons: 20 cm lange, fast weltweit verbreitete Möwe; brütet im Sand am Meer oder an Binnengewässern; legt 2 gut getarnte Eier, die in 20 Tagen ausgebrütet werden.

Zwergstern: Stern mit relativ kleinem Durchmesser und daher geringer absoluter Helligkeit. Normale Zwergstern liegen im Hertzsprung-Russell-Diagramm auf der Hauptreihe und heißen deshalb auch Hauptreihensterne. Siehe auch Sternentwicklung.

Zwergwespen, Mymaridae: Familie der Legwespen mit wenigen, sehr kleinen Arten; einzelne Vertreter sind die kleinsten Insekten überhaupt, mit Längen zwischen 0,1 und 0,2 mm; Flügel schmal mit langen Fransen, ohne Äderung; Entwicklung als Eiparasiten in Eiern von Schmetterlingen und Käfern; einzelne Arten leben parasitisch in Gelegen von Wasserinsekten.

Zwergwuchs, Nanismus, Nanosomie (griechisch): Zurückbleiben der Körperhöhe beim erwachsenen Mann unter 130 cm, bei der erwachsenen Frau unter 120 cm. Das Erscheinungsbild des Zwergwuchs ist äußerst vielfältig. Im Wesentlichen unterscheidet man den proportionierten Zwergwuchs (harmonische Verkleinerung aller Körperteile) und den disproportionierten Zwergwuchs (meist erhebliche Verkürzung der oberen und unteren Gliedmaßen bei normaler Größe von Kopf, Hals und Rumpf). Der Zwergwuchs beruht meist auf einer gestörten Funktion endokriner Drüsen. Menschen mit Zwergwuchs werden volkstümlich in Anlehnung an die in J. Swifts «Gullivers Reisen» vorkommenden Bewohner eines Märchenlandes auch als Liliputaner bezeichnet.

Zwet, Michail Semjonowitsch, 19.5.1872-26.6.1919, russischer Botaniker und Biochemiker; arbeitete seit 1897 in Petersburg, seit 1902 an der Universität Warschau; seit 1908 Professor am Warschauer Polytechnischen Institut. Bei seinen Arbeiten über Pflanzenplastide und -pigmente entwickelte er die Chromatographie.

Zwetajewa, Marina Iwanowna, 8.10.1892-31.8.1941 (Selbsttötung), russische Lyrikerin; emigrierte 1922, lebte in Berlin, Prag und Paris, kehrte 1939 in die Sowjetunion zurück. Zwetajewa s von Emotionen und Leidenschaften geprägte Lyrik (dt. Auswahl «Maßlos in einer Welt nach Maß», 1980) steht in der Tradition F. Hölderlins, H. Heines und R. M. Rilkes, M. J. Lermontow und F. I. Tjutschews. Sie schrieb auch Essays («Mein Puschkin», 1937, deutsch).

Zwicke: unfruchtbares weibliches Rind aus einer Geburt von zweigeschlechtlichen Zwillingen. Die Geschlechtsorgane dieser Tiere sind unterentwickelt. Als Ursache wird die hemmende Wirkung der vom Fetus produzierten Geschlechtshormone auf die weiblichen Geschlechtsorgane angesehen.

Zwickel:

1. Architektur: sphärisches Dreieck zur Überführung eines vieleckigen Raumes in eine Kuppel; spitzwinkliges Feld zwischen einem Bogen und seiner rechtwinkligen Begrenzung (Bogenzwickel, Gewölbezwickel).

2. Verkehrsbau: dreieckiger Pflasterstein als Anfangsstück bei spitzwinkligem Zusammentreffen der Steinreihen.

Zwicken: Schuhherstellung - Befestigen des Schaftes auf dem Leisten.

Zwieback: zweimal gebackenes, knuspriges bis mürbes, feinporiges, leicht verdaulicher Dauergebäck in Scheiben.

Zwiebel: 1. gestauchter Kurzspross mit schalenförmig (Schalenzwiebel) oder schuppenförmig (Schuppenzwiebel) angeordneten, fleischigen Niederblättern zur Speicherung von Nahrungsstoffen (Dauerorgan); an der scheibenförmigen Achse sitzen unten Faserwurzeln.

2. Zwiebel, Küchenzwiebel, Allium cepa: aus Südwestasien stammende Lauchart mit weißen Blütendolden und Röhrenblättern; die verdickte Blattbasis dient als Speicherorgan und wird als Küchengewürz verwendet.

Zwiebelhaube, Zwiebeldach: zwiebelförmige Turmbedachung, häufig in der barocken süddeutschen und altrussischen Architektur.

Zwiebelmuster: aus dem ostasiatischen Granatapfelmusters abgeleitetes pflanzlichen Ornament; fand, meist einfarbig blau, besonders auf Delfter Fayencen und auf Porzellan Anwendung. Das kobaltblaue Rastermuster der Meißner Manufaktur wird fälschlich auch als Zwiebelmuster bezeichnet.

Zwiebelpflanzen: aus Klimagebieten mit rhythmisch folgenden Wachstums- und Ruheperioden stammende krautige, mehrjährige Pflanzen mit Zwiebeln. Viele Zwiebelpflanzen werden als Zierpflanzen verwendet (zum Beispiel Tulpen, Narzissen).

Zwiefalten: Gemeinde im Landkreis Reutlingen, mit ehemaligem Benediktinerkloster; barocker Neubau der Kirche nach Plänen von J. M. Fischer (1739/65), reiche Innendekoration mit Stukkaturen von J. M. Feichtmayr.

Zwielicht: Beleuchtung mit Lichtquellen unterschiedlicher Farbtemperatur.

Zwiesel: Aufgabelung der Sprossachse in 2 annähernd gleich starke Triebe (häufig bei Laubbäumen); verhindert Bildung eines hochwertigen Baumschaftes.

Zwillinge, Gemini:

1. Astronomie: a) zum Tierkreis gehörendes Sternbild des nördlichen Himmels; seine hellsten Sterne sind Pollux und Kastor;

b) 3. Tierkreiszeichen (astronomische Zeichen).

2. Biologie: Mehrlinge, Zwillingsforschung.

3. Kristallographie: durch symmetrische Verwachsungen zweier artgleicher Individuen entstandene Kristalle. Durch Spiegelung an einer Fläche (Zwillingsebene) oder durch Drehung um eine zweizählige Achse (Zwillingsachse) kann der eine Kristall mit dem anderen zur Deckung gebracht werden. Berührungszwillinge verwachsen an einer gemeinsamen Ebene (zum Beispiel Gips). Bei Durchkreuzung- oder Durchdringungszwillinge wachsen die Kristalle durcheinander. Wiederholte Zwillingsbildung ergibt sogenannt Wiederholungszwillinge (Viellinge). Die meisten verzwillingten Kristalle weisen einspringende Winkel auf (zum Beispiel Gips).

Zwillingsbildung: Biologie auf Teilung früher Entwicklungsstadien beruhende Mehrlingsbildung.

Zwillingsforschung: Forschungsrichtung, die sich mit den bei Pflanze, Tier und Mensch vorkommenden Zwillings- beziehungsweise Mehrlingsbildungen befasst. Die Zwillingsforschung hat eine besondere Bedeutung für die Humangenetik, da eineiige Zwillinge genetisch identisch sind und sich im Vergleich mit zweieiigen Zwillingen deshalb vor allem für das Studium des Zusammenwirkens von Erb- und Umweltfaktoren eignen. Siehe auch Mehrlinge.

zwingendes Recht: Rechtsnorm, deren Anwendung zwingend vorgeschrieben ist; siehe auch dispositives Recht.

Zwinger: 1. im Mittelalter vergitterter, meist enger Käfig; heute verdrahteter Hundeauslauf.

2. ursprünglich Grube oder Graben, zum Beispiel auf Burgen zwischen 2 Ringmauern, zur Haltung von Bären oder anderen Wildtieren und ritterlichen Übungen. Übertragen auf den in seiner Art einmaligen Dresdner Zwinger, der einen Höhepunkt europäischen Barockarchitektur darstellt; ein höflicher Repräsentationsbau, 1709/28 von M. D. Pöppelmann und B. Permoser (Plastik) geschaffen, später von J. G. Semper vollendet (1847/54), gebildet aus Galerietrakten, Pavillons, Bogenhallen, Torbauten und Brunnenanlagen, in der Mitte ein Festplatz; 1945 schwere Kriegsschäden, Wiederherstellung bis 1964.

Zwingli, Huldrych (Ulrich), 1.1.1484-11.10.1531 (gefallen in der Schlacht bei Kappel), schweizerischer Reformator; begann seine reformatorische Tätigkeit unabhängig von M. Luther und führte, durch dessen Vorgehen bestärkt, besonders seit 1523 in Zürich eine kirchliche-politische Neuordnung durch; die von ihm herbeigeführten Wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen entsprachen den ökonomischen und politischen Interessen des aufsteigenden Bürgertums; Vereinigungsversuche mit Luther scheiterten an dogmatische Differenzen (zum Beispiel Abendmahlslehre). 1549 vereinigten sich die Anhänger Zwinglis mit denen J. Calvins (Reformierte).

Zwirn: (zu «zwei») durch Zusammendrehen zweier oder mehrerer Fäden entstandener Faden in S- oder Z-Drehung.

Zwirnmaschine: Maschine zur Herstellung von Zwirn, wobei entsprechend dem Prinzip der Verdrehung der Fäden unterschieden wird nach Ringzwirnmaschine, Flügelzwirnmaschine und Doppeldrahtzwirnmaschine.

Zwischenanbau: Forstwirtschaft Meliorationsverfahren mit ein- bis zweijährigem Anbau von Hilfspflanzen (Lupine, Klee unter anderem) auf tief umgebrochener und voll gedüngter Fläche zwischen Abtrieb des Baumbestandes und neuer Forstkultur.

Zwischenfrucht: Anbau von Kulturpflanzen zwischen 2 Hauptfrüchten auf demselben Feld zur Produktion von Futter oder zur Gründüngung. Zwischenfruchtanbau erfolgt als Untersaat zur vorhergehenden Hauptfrucht (zum Beispiel Klee zu Getreide), als Stoppelsaat unmittelbar nach der Ernte der vorhergehenden Hauptfrucht (zum Beispiel Leguminosengemenge) oder als Winterzwischenfrucht, die im Herbst bestellt und im Frühjahr geerntet wird (zum Beispiel Futterroggen).

zwischengenossenschaftliche Einrichtungen, Abkürzung ZGE: meist juristisch selbständige kooperative Einrichtungen mehrerer LPG (zum Beispiel Zwischengenossenschaftliche Bauorganisationen, Meliorationsgenossenschaften, Einrichtungen für Lagerung, Be- und Verarbeitung, Waldbewirtschaftung).

Zwischenhandel: im Binnenhandel soviel wie Großhandel; im Kapitalismus besonders Kettenhandel, eine parasitäre kapitalistische Großhandelstätigkeit, bei der in wirtschaftlich nicht gerechtfertigter Weise zwischen Produktionsbetrieb und Verbraucher mehrmals ein warenverteuernder Zwischenverkauf erfolgt.

Zwischenhirn, Diencephalon: Gehirnabschnitt, der beim Menschen von beiden Großhirnhemisphären überlagert wird und den 3. Hirnventrikel begrenzt. Ein wichtiger Teil des Zwischenhirn ist der Hypothalamus. Er stellt ein Regulationszentrum für viele vegetative Funktionen dar (Thermoregulation, Wasser- und Mineralhaushalt, Kreislauf, Stoffwechsel, Wach- und Schlafzentrum, Sexualität).

Zwischenkieferknochen, Intermaxillare, Prämaxillare: zwischen beiden Oberkieferknochen liegender Knochen; beim Menschen von J. W. Goethe entdeckt.

Zwischenklauenpanaritium, Zwischenklauengeschwür. eitrige Wundinfektion im Bereich der Zwischenklauenhaut, mit starker Tendenz zur Ausbreitung in die Tiefe. Durch begünstigende Faktoren (mangelhafte Klauenpflege, mangelhafte Einstreu, Stehen in Kot und Jauche) wird die Entstehung kleiner Hautverletzungen im Zwischenklauenspalt gefördert, durch die die Erreger eindringen. Hochgradige Lahmheit und Leistungsminderungen sind die Folge.

zwischenmolekulare Kräfte: Wechselwirkungskräfte zwischen Molekülen mit valenzmäßig abgesättigten chemischen Bindungen. Sie ermöglichen die Existenz von Flüssigkeiten und Molekülkristallen; sie sind elektrischer Natur. Bei sehr kleinen Abständen wirken sie abstoßend, bei größeren anziehend (Reichweite IO'9 m). Die Anziehungskräfte heißen Van-der-Waals-Kräfte. Sie bedingen, dass das Verhalten realer Gase nicht durch das allgemeine Gasgesetz für ideale Gase beschrieben werden kann, sondern durch die van-der-Waalssche Zustandsgleichung. Bei elektrisch neutralen polaren Molekülen liefert die Dipolwechselwirkung den Hauptanteil der Van-der-Waals-Kräfte. Die gleichzeitig auftretende Induktionswechselwirkung beruht darauf, dass ein permanenter Dipol in einem benachbarten Molekül ein Dipolmoment induziert. In nichtpolaren Molekülen spielt die Dispersionswechselwirkung (die auch in polaren Molekülen auftritt) die Hauptrolle. Sie entsteht durch quantenmechanisch bedingte Schwankungen der elektrischen Felder in den Atomen.

Zwischenprüfung: an Universitäten, Hoch- und Fachschulen am Ende eines Studienjahres beziehungsweise Studienabschnittes den Studenten abgeforderter Nachweis erworbenen Wissens und Könnens.

Zwischenrippenmuskulatur, Interkostalmuskulatur: zwischen den Rippen liegende Muskeln, die der Atmung dienen.

Zwischenrunde: Durchgang im Wettkampf zwischen Vor- und Endkampf.

Zwischensatz: Nebensatz, der in den Hauptsatz eingeschoben ist, zum Beispiel Jeder, «der seine Aufgaben erfüllt», bekommt eine Bestätigung.

Zwischenseengebiet: Gebiet im Innern Ostafrikas zwischen Victoriasee und dem seenreichen Zentralafrikanischen Graben, zu Uganda, Tansania, Rwanda und Burundi gehörend; hügelige Hochebene, vorwiegend Trockensavanne, zum Teil Galerie-, in größeren Höhen Bergwälder; überwiegend dicht besiedelt. Auf zum Teil fruchtbaren Böden Ackerbau.

Zwischenspiel: theatralische Darbietung unterschiedlichen Charakters zwischen den Akten eines Dramas oder einer Oper, meist ohne inhaltlichen Bezug zum Hauptstück; entwickelte sich in verschiedenen europäischen Ländern zu selbständigen theatralischen Formen; bis ins 17. Jahrhundert gebräuchlich, danach von der Zwischenaktmusik verdrängt.

Zwischenstufengefüge: Gefüge des Stahles nach schneller Abkühlung oder nach isothermer Umwandlung im Temperaturbereich zwischen Perlit- und Martensitstufe; nach dem US-amerikanischen Metallkundler E. C. Bain auch Bainit genannt.

Zwischenüberhitzung: Verfahren zur wiederholten Erhöhung der Dampftemperatur über den Sattdampfzustand hinaus mit dem Ziel, den thermischen Wirkungsgrad des Dampfkraftprozesses zu erhöhen. Ferner wird eine besonders bei Dampfturbinen schädliche hohe Dampfnässe in den letzten Turbinenstufen vermieden.

Zwischenveredlung: jeder Gehölzteil, der sich zwischen Unterlage und Edelreis befindet. Dabei kann die Zwischenveredlung nur aus einem wenige Millimeter dicken Schildchen bei der Doppelveredlung (Nicolieren), einem mehr oder weniger langen Stammstück zur Überwindung der Unverträglichkeit bestehen oder aus dem gesamten Stamm (Stammbildner), um bei der Anzucht hoher Stämme einen geraden, widerstandsfähigen Stamm zu erhalten.

Zwischenwertsatz: Aussage der Analysis, wonach eine im abgeschlossenen Intervall (a, b) stetige Funktion f(x) jeden zwischen f(a) und f(b) gelegenen Wert mindestens einmal im offenen Intervall (a, b) annimmt.

Zwischenwirt: 1. Ökologie - Organismus, auf oder in dem sich bestimmte Entwicklungsstadien eines Schmarotzers mit Wirtswechsel geschlechtlich oder parthenogenetisch vermehren oder ohne Vermehrung weiterentwickeln (zum Beispiel ist eine bestimmte Wasserschnecke Zwischenwirt des Großen Leberegels).

2. Pflanzenschutz: diejenige Pflanzenart, die bei wirtswechselnden Parasiten wirtschaftlich von geringerer Bedeutung ist.

Zwitter: (zu «zwei») 1. Biologie - Zwitterbildung.

2. Geologie: ein dem Greisen entsprechendes Gestein, das überwiegend aus Quarz und Kassiterit- (Sn02-) Imprägnationen besteht.

Zwitterbildung, Hermaphroditismus (nach Hermaphroditos): das Vorhandensein sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane in ein und demselben Organismus, dem Zwitter (Hermaphrodit). Nur selten haben Zwitter eine Zwitterdrüse, in der sich beide Garnelenarten (männliche und weibliche) entwickeln (zum Beispiel Weinbergschnecke); meist kommen Hoden und Ovarium im selben Individuum getrennt voneinander vor. Siehe auch Pseudohermaphroditismus.

Zwitterdrüse: Keimdrüse der Lungenschnecken (Pulmonata), die aus der Vereinigung der Hoden mit den weiblichen Keimdrüsen entsteht und sowohl Samenzellen als auch Eizellen produziert.

Zwölf Artikel: Ende Februar/Anfang März 1525 in Memmingen von S. Lotzer und C. Schappeler verfasstes Bauernprogramm; fand wegen des häufigen Drucks (25 Drucke erhalten) eine weite Verbreitung während des deutschen Bauernkrieges; forderte unter anderem Abschaffung der Leibeigenschaft sowie Minderung der Abgaben und Dienste.

Zwölffingerdarm, Duodenum (lateinisch): der an den Magen anschließende erste Abschnitt des Dünndarms; in den Zwölffingerdarm münden Gallengang und Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse.

Zwölffingerdarmgeschwür, Duodenalgeschwür, Ulcus duodeni (lateinisch): tieferer Schleimhautdefekt im oberen Teil des Zwölffingerdarms; Kennzeichen sind unter anderem periodische Nüchtern- und Nachtschmerzen im Oberbauch, besonders im Frühjahr und Herbst. Siehe auch Magengeschwür.

Zwölftafelgesetze: früheste Aufzeichnung des römischen Rechts, verfasst 451/450 vor Christus. Die Zwölftafelgesetze wurden auf 12 Tafeln aufgezeichnet und auf dem Forum Romanum öffentlich aufgestellt; 387 vor Christus beim Galliersturm vernichtet. Sie stellten die Grundlage des römischen Rechts dar.

Zwölftontechnik, Dodekaphonie: seit etwa 1925 häufig verwendetes kompositionstechnischen Ordnungsprinzip des musikalischen Tonmaterials, bei dem die 12 Halbtöne innerhalb einer Oktave (chromatischer Tonleiter) gleichberechtigt, das heißt von harmonisch-funktionalen Beziehungen befreit, sind. Die Aufeinanderfolge dieser Töne wird in einer vom Komponisten frei gewählten Reihe (Grundgestalt) für jeweils ein Musikstück verbindlich festgelegt. Oktavversetzungen der Reihentöne, Umkehrung, Krebs, Krebsumkehrung und andere Kontrapunkt. Variierungen der Grundgestalt sowie Transpositionen aller 4 Reiben-«Gestalten» (Grundreihe, Umkehrung, Krebs, Krebsumkehrung) beziehungsweise ihr gleichzeitiges Auftreten auf verschiedenen Ebenen des mehrstimmigen musikalischen Satzes ermöglichen trotz ständiger Aufeinanderfolge der Reihe innerhalb des Musikstückes klanglicher Vielfalt. Die Zwölftontechnik wurde bis 1924 von A. Schönberg als System der «Komposition mit 12 nur aufeinander bezogenen Tönen» entwickelt. Auch vorher hatten schon J. M. Hauer, J. Golyschew u. a. ähnlich zwölftönige Ordnungsprinzipien gefunden. Von Schönberg und seinen Schülern (unter anderem A. Webern, A. Berg, H. Eisler) ausgehend, verbreitete sich die Zwölftontechnik rasch in vielfältig modifizierter Form. Überall dort, wo sie lediglich als Kompositionsmethode benutzt und ihre technischen Möglichkeiten nicht zum Selbstzweck erhoben wurden, hat sie ihre Berechtigung bewiesen und sich in der Musikpraxis bewährt.

Zwolle: Stadt im Osten der Niederlande, Verwaltungszentrum der Provinz Overijssel; 80000 Einwohner; Metall-, Elektro-, Textil-, Farben-, Nahrungsmittelindustrie; Getreide- und Viehmärkte; St.-Michaels-Kirche (15. Jahrhundert).

Zwönitz: Stadt im Kreis Aue, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im mittleren Erzgebirge, an der Zwönitz, 500 bis 690 m über dem Meeresspiegel; 11500 Einwohner; Messgerätebau, messelektronische, Schuh-, Bekleidungs-, Holzindustrie; Kurheim für Jugendliche.

Zworykin, Wladimir Kosma, 30.7.1889-29.7.1982, US-amerikanischer Physiker russischer Herkunft; lieferte wichtige grundlegende Ergebnisse der Lichtelektrizität und des Fernsehens, erfand etwa 1925 das Ikonoskop und konstruierte 1939 das erste voll einsatzfähige Elektronenmikroskop.

Zyan: (griechisch kyaneos, «stahlblau»)

1. Zyan, Cyan, Dicyan (dat. griechisch): Chemie - farbloses, sehr giftiges, leicht wasserlösliche Gas von stechend-mandelähnlicher Geruch; Formel (CN)2; F -27,9°C; Kp -21,4°C. Zyan entsteht beim Erhitzen von Quecksilberzyanid und verbrennt mit blaugesäumt-hellvioletter Flamme.

2. Polygraphie: aus den Hauptfarben Blau und Grün bestehende Komplementärfarbe, die bei additiver Farbmischung mit rotem Licht weißes ergibt, sowie Bezeichnung für den Farbton (reine Buntqualität) der beim Farbendruck verwendeten blauen Druckfarbe.

Cyanamid: das Amid der Zyansäure; Formel H2N-CN. Cyanamid bildet farblose, zerfließliche Kristallnadeln; F43 bis 44°C; das Kalziumsalz ist Hauptbestandteil des Kalkstickstoffs.

Zyanide, Cyanide: Salze der Blausäure.

- Kaliumzyanid («Zyankali»), KCN, und Natriumzyanid sind weiße, äußerst giftige (tödliche Dosis 40 mg), wasserlösliche Salze, die nach Blausäure riechen; sie werden in der Galvanotechnik sowie zur Herstellung komplexer Zyanide, Nitrile und anderer Verbindungen verwendet. Zu den komplexen Zyaniden gehören die Blutlaugensalze und Berliner Blau; andere Zyanide, zum Beispiel von Gold, Silber, Kupfer, Zink und Cadmium, finden galvanotechnische Anwendung.

Cyansäure: eine in freiem Zustand nicht existenzfähige Substanz der Formel H-O-C N, von der sich als Salze die Cyanate ableiten, zum Beispiel Ammoniumcyanat das sich beim Erhitzen in Harnstoff umlagert.

Zyanverbindungen: starke Zellgifte, die durch Blockierung von Zellatmungsenzymen zur inneren Erstickung führen. Sie können unter Einwirkung von Säuren oder Hitze unterschiedlich schnell geringe bis größere Mengen Zyanid oder Blausäure freisetzen und nach Einatmen beziehungsweise Verschlucken zu schweren, häufig tödl. Vergiftungen führen.

Zygmunt, Könige von Polen: 1. Zygmunt I. Stary («der Alte»), 1.1.1467-1.4.1548, König und Großfürst von Litauen seit 1506; unterstellte 1525 Preußen als weltlichen Lehen Albrecht von Brandenburg.

2. Zygmunt II. August, 1.7.1520-7.7.1572, Sohn von Zygmunt 1; König und Großfürst von Litauen seit 1529; erstrebte Stärkung der Zentralgewalt; schloss 1569 die Lubliner Union, gestand 1563 den brandenburgischen Kurfürsten die Erbfolge in Preußen zu. -

3. Zygmunt III. Wasa, 20.6.1566-30.4.1632, König seit 1587, 1592/99 als Sigismund I. auch von Schweden; unterstützte das Auftreten des «Falschen Demetrius» (Dmitri 3) in Russland.

Zygote: die nach der Verschmelzung zweier Gameten entstehende Zelle. Siehe auch Befruchtung.

zyklam, zyklam Farben: rotviolett, wie eine Farbe der Alpenveilchen (Cyclamen).

Cyclamat: künstlicher Süßstoff; systematische Name Cyclohexyl Sulfamate, als Natriumsalz etwa 30mal süßer als Zucker; zum Süßen von Diabetikerlebensmitteln.

Zyklentheorie: (zu «Zyklus») Geologie Lehre von der Aufeinanderfolge sich in der Erdgeschichte ablösender Zeiten ruhiger Entwicklung (Evolution) und starker Wandlung des Erdbildes durch verschiedene Prozesse (Revolution, Paroxysmus).

zyklisch: auf einen Zyklus bezogen; als Zyklus beziehungsweise im Kreis angeordnet, im Kreis verlaufend; in regelmäßiger Folge wiederkehrend.

zyklische Verbindungen: chemische Verbindungen mit mindestens einer ringgeschlossenen Atomkette im Molekül. Karbozyklische (isozyklische) Verbindungen enthalten ausschließlich Kohlenstoffatome als Ringglieder, heterozyklische organische Verbindungen daneben auch Stickstoff-, Sauerstoff-, Schwefel- und andere Atome (Heteroatome). Die karbozyklischen Verbindungen unterteilt man in aromatischen Verbindungen (mit dem besonderen Bindungssystem des Benzols) und alizyklischen Verbindungen (ohne dasselbe).

zyklische Vertauschung: Mathematik Ersetzen jedes Elements in einer Reihenfolge durch seinen Nachfolger und des letzten Elements durch das erste.

Zykloalkane: gesättigte monozyklische Kohlenwasserstoffe der Formel C„H2„, zum Beispiel die im Erdöl enthaltenen Zykloalkane Zyklohexan, C6H12, Kp 81 °C, und Zyklopentan, Kp 50°C, die (einschließlich einiger Methylderivate) auch als Naphthene bezeichnet werden. Die genannten Zykloalkane sind farblose, brennbare Flüssigkeiten von typischem Geruch.

Zyklogramm: graphische Darstellung des zeitlichen und räumlichen Ablaufs von Prozessen. Das Zyklogramm dient der Leitung, Planung und Kontrolle der Vorbereitung und Durchführung von Produktionsprozessen und Investitionsvorhaben (zum Beispiel Schiffbau, Wohnungsbau) und ermöglicht, sowohl den Beginnzeitpunkt, die volle Produktionsdauer und den Abschlusszeitpunkt des Gesamtprozesses sowie der Teilprozesse abzulesen als auch den Arbeitskräfte-, Baumaschinen-, Materialbedarf und deren Einsatz zu steuern. Siehe auch Harmonogramm.

Cyclohexanol: ölige, hygroskopische, kampferartig riechende Flüssigkeit der Formel C6H, OH; F25°C; Kp 161 °C; lässt sich zu Cyclohexanon, Kp 156°C, einer farblosen Flüssigkeit von typischem Geruch, oxydieren. Cyclohexanol und Cyclohexanon sind Zwischenprodukte zur Herstellung von Adipinsäure und Kaprolaktam.

zykloid: kreisähnlich, von runder Art.

Zykloide, Rollkurve: ebene Kurve, die ein Punkt P beschreibt, der sich im Abstand a vom Mittelpunkt einer Kreisscheibe vom Radius r befindet und mit dieser verbunden ist, falls diese Kreisscheibe auf einer Geraden oder einer Kreislinie vom Radius R abrollt. Ist a r, so entstehen Trochoiden, die bei a < r auch gestreckte beziehungsweise verkürzte Zykloide und bei a > r auch verschlungene beziehungsweise verlängerte Zykloide heißen. Rollt die Kreisscheibe im Innern eines Kreises, so entstehen Hypozykloide, die für a 4= r auch Hypotrochoiden heißen; rollt sie außen an einem Kreis, so entstehen Epizykloide, die für a r auch Epitrochoiden heißen; rollt sie auf einer Geraden, entstehen gewöhnt. Zykloide (Zykloide im engeren Sinne). Für a = r erhält man als Zykloide im engeren Sinne die gemeine Zykloide Für R = Ar erhält man als Hypozykloide die Astroide, für R = r als Epizykloide die Kardioide oder Herzkurve, und für R = 2r als Epizykloide die Nephroide oder Nierenkurve.

zyklometrische Funktionen, Arkusfunktionen: Umkehrfunktionen der Winkelfunktionen. Sie heißen Arkussinus (Zeichen arcsin), Arkuskosinus (arccos), Arkustangens (arctan) und Arkuskotangens (arccot). Es bedeutet zum Beispiel y = arcsin x denjenigen Winkel y im Bogenmaß, für den sin y = x gilt. Da der Winkel y damit nicht eindeutig festgelegt ist, wird er durch die Zusatzbedingung (Hauptwert von y arcsin x) eingeschränkt. Analog setzt man für y = arccos x den Hauptwert fest durch die Forderung.

Zyklon: 1. Zyklon: Anlage zum Trockenabscheiden von Staub oder anderen Feststoffteilchen aus Gasen mit Hilfe der Zentrifugalkraft. Der Zyklon ist ein sich nach unten konisch verjüngendes Gefäß; das Rohgas wird oben tangential eingeleitet und bewegt sich spiralförmig abwärts. Die Feststoffe prallen an die Wand und rieseln nach unten, während das Reingas durch ein zentrales Rohr nach oben austritt.

2. Zyklon: regionaler tropischer Wirbelsturm über dem Indischen Ozean.

3. Zyklon: ursprünglich blausäurehaltiges Schädlingsbekämpfungsmittel; im faschistischen Deutschland wurde Zyklon B (reine Blausäure) zum Menschenmord in Konzentrationslagern missbraucht.

Zyklopen, Kyklopen (griechisch, «Rundaugen»): in der griechischen Sage ungeschlachte einäugige Riesen, Gehilfen des Hephästus; in der Odyssee brutale Söhne des Poseidon (1 Polyphem).

Zyklotronfrequenz: Umlauffrequenz von Ladungsträgern, die im homogenen Magnetfeld wegen der Lorentz-Kraft auf kreisförmigen Bahnen umlaufen; ist proportional der magnetischen Flussdichte und dem Quotienten aus elektrischer Ladung und effektiver Masse der Ladungsträger.

Zyklotronresonanz: Resonanzabsorption von elektromagnetischer Strahlung in Halbleitern und Metallen, die sich in einem starken Magnetfeld befinden. Zyklotronresonanz tritt ein, wenn die Strahlungsfrequenz (im Mikrowellenbereich oder fernen Infrarot) gleich der Zyklotronfrequenz ist.

Zyklus: 1. allgemein Kreis- (lauf); Reihe, Folge; Zusammenfassung; regelmäßige Wiederkehr; Aufeinanderfolge aller Arbeitsgänge eines Arbeitsprozesses bis zur Wiederholung.

2. Literatur: mehrere literarischer Werke, die, jedes für sich verständlich, insgesamt eine höhere künstlerische Einheit bilden, zum Beispiel H. de Balzacs Romanzyklus «Die menschliche Komödie».

3. Musik: mehrsätzige Komposition, die mehrere aufeinander bezogene und in sich abgeschlossene Einzelsätze in sich vereint, zum Beispiel Suite, Sonate, Sinfonie, Konzert, Messe, Siehe auch Liederzyklus.

4. Physiologie: soviel wie Ovarialzyklus.

Zylinder: (dat. griechisch, «Walze»)

1. Geometrie: Körper, der entsteht, wenn eine geschlossene Zylinderfläche durch 2 parallele Ebenen so geschnitten wird, dass alle Mantellinien von jeder der beiden Ebenen getroffen werden. Der zur Oberfläche des Zylinder gehörende Teil der Zylinderfläche heißt Mantel, die weiteren, ebenen Teile der Oberfläche heißen Grund- beziehungsweise Deckfläche. Bei einem geraden Zylinder stehen die Mantellinien senkrecht auf der Grundfläche, bei einem schiefen Zylinder nicht. Ein Kreiszylinder hat eine kreisförmige Grundfläche.

2. Maschinenbau: Hohlkörper mit kreisförmigem Querschnitt, in dem sich ein Kolben hin- und herbewegt; zum Beispiel Dampf-, Motor-, Pumpen-, Verdichter Zylinder.

3. Mode: gerader oder geschweifter, röhrenförmiger hoher Männerhut, kam im 18. Jahrhundert in Großbritannien auf; zusammenklappbare Form wird als Chapeau claque bezeichnet.

Zylinderfläche: Fläche, die entsteht, wenn eine Gerade längs einer ebenen Kurve, der Leitkurve, parallel zu sich bewegt wird. Diese dabei entstehenden parallelen Geraden heißen Mantellinien oder Erzeugende. Die Zylinderfläche heißt geschlossen, wenn die Leitkurve geschlossen ist. Zylinderflächen werden nach ebenen Schnitten senkrecht zu den Mantellinien eingeteilt.

Zylinderfunktionen: spezielle Funktionen, die Lösungen der Besselschen Differentialgleichung sind, wobei n ein beliebiger Parameter mit n -1, -2, -3, ... ist.

Zylinderkopf: oberer, meist demontierbarer Teil des Zylinders eines Verbrennungsmotors mit Hubkolben; nimmt Ventile und Zündkerze beziehungsweise Einspritzdüse auf.

Zylinderläufer: zylindrischer Läufer elektrischer Maschinen mit und ohne Wicklungen, zum Beispiel Vollpolläufer, Ferrarisläufer (Ferraris-Motor).

Zylinderlinse: Linse mit 2 Zylinderflächen, deren Achsen parallel zueinander liegen; wird als Brillenglas zur Korrektur des Astigmatismus und bei anamorphotischer Abbildung angewendet.

zynisch: schamlos; verächtlich, bissig spottend; bewusst gemein denkend oder handelnd.

Zypergras, (griechisch - semitisch, nach der Insel Zypern), Cyperus: artenreiche, weltweit verbreitete Gattung der Riedgräser. Viele Sumpfpflanzen; unter anderem das als Zimmerpflanze gehaltene Wechselblättrige Zypergras (Cyperus alternifolius) aus Madagaskar.

Zypern, Republik Zypern: Inselstaat im östlichen Teil des Mittelmeeres; administrativ in 6 Distrikte gegliedert. Vor 1974 waren etwa 78% der Einwohner Griechen, 18% Türken, daneben Armenier unter anderem Seit 1974 sind etwa 36% des Territoriums der Insel Zypern (nördlich der Linie Morphou, Nikosia, Famagusta) von türkischen Truppen besetzt, in dem nach einem von den türkischen Truppen erzwungenen Bevölkerungsaustausch die türkisch-zyprische Bevölkerungsgruppe konzentriert ist, während in den unter Verwaltung der Regierung der Republik Zypern stehenden Gebieten (südlich der genannten Linie) die griechisch-zyprische Bevölkerung lebt. Amtssprachen sind Neugriechisch und Türkisch, Englisch ist weit verbreitet. Offizielle Währung der Republik Zypern ist das Zypern-Pfund.

Natur: Zypern ist mit 225 km Länge und einer maximalen Breite von 96 km die drittgrößte Mittelmeerinsel und liegt 70 km vor der Küste Kleinasiens. Sie wird im durch das Kyrenia Gebirge (Pentadaktylos mit Kyparisso (1024 m)) und im Süden durch das Troodos Gebirge (Olympus mit 1952 m) eingerahmt, dazwischen liegt die weite, fruchtbare Mesaoria-Ebene mit zum Teil abflusslosen Senken. Der Südteil ist erdbebengefährdet. Bei sommerheißem und wintermildem Mittelmeerklima im Westen Macchie; die ursprünglich dicht bewaldeten Gebirge wurden teilweise wieder aufgeforstet (Zypressen, Zedern, Kiefern).

Geschichte: Die Besiedlung der Insel ist seit dem Neolithikum nachweisbar; im Altertum von Griechen, Ägyptern, Persern, Makedoniern, Römern und Byzantinern, seit dem 7. Jahrhundert wiederholt von Arabern beherrscht, wurde die Insel 1191 vom englischen König Richard Löwenherz erobert und kam 1489 an Venedig; 1571 Besetzung durch Truppen des Osmanischen Reiches. Seit 1878 unter britischer Verwaltung, wurde Zypern 1925 zur Kronkolonie erklärt und zu einem britischen Militärstützpunkt ausgebaut. Am 2. Weltkrieg nahm Zypern an der Seite Großbritanniens teil. Etwa 1955 ging der seit den 20er Jahren geführte antikoloniale Befreiungskampf, vor allem in der Enosis-Bewegung (Enosis = Anschluss an Griechenland) unter Führung der Kirche und der nationalistische griechisch-zyprische Kreise in den bewaffneten Kampf über. Eine führende Rolle spielte dabei die antikommunistische EOKA (Nationale Organisation zyprischer Kämpfer). Gleichzeitig mobilisierte die AKEL große Teile der Arbeiterklasse und der Bauernschaft zu Massenaktionen gegen die britische Kolonialherrschaft. Die 3 NATO-Staaten Großbritannien, Griechenland und Türkei, die unmittelbare spezifischen Interessen gegenüber Zypern hatten, Unterzeichneten im Februar 1959 die sogenannte Garantieverträge über die Bildung einer Republik Zypern, ohne die Teilnahme zyprischer Vertreter an den entsprechenden Verhandlungen. Diese Verträge enthalten neben der auch heute noch gültigen Verfassung der Republik Zypern auch die bi- und multilateralen Beziehungen und Rechte der Signatarstaaten auf Zypern Am 16.8.1960 erreichte Zypern die staatliche Selbständigkeit; Präsident wurde Erzbischof Makarios III., Vizepräsident der türkischen Zyprer F. Küpük. Die am 30.11.1963 von Makarios unterbreiteten Vorschläge zur Verfassungsrevision dienten Chauvinistischen Extremisten beider Bevölkerungsgruppen als Vorwand für die Auslösung blutiger Zwischenfälle, die über Jahre ungezählte Opfer forderten und dazu führten, dass die türkisch-zyprische Seite ihre Mitarbeit auf allen Verwaltungsebenen einstellte. Seit März 1964 sind UN-Truppen auf Zypern stationiert. Nach dem militärfaschistischen Putsch in Griechenland (21.4.1967) aktivierte die reaktionäre EOKAII unter Führung von G. Grivas ihre Aktionen gegen die progressiven Kräfte. Am 15.7.1974 putschte die von griechischen Offizieren befehligte griechisch-zyprische Nationalgarde gegen die Regierung Makarios. Dem Präsidenten gelang es, ins Ausland zu fliehen. Am 20.7.1974 begannen türkische Streitkräfte eine militärische Invasion auf der Insel unter dem Vorwand, den Anschluss Zyperns an Griechenland zu verhindern, die zur faktische Teilung Zyperns, zur Vertreibung von über 200000 griechischen Zyprern aus dem durch die türkische Armee besetzten Teil der Insel und zur Gefährdung der territorialen Integrität und Unabhängigkeit der Insel führte. Die Bedrohung der Existenzrechte des zyprischen Staates konnte weder durch diplomatische Versuche zur Lösung des Konflikts und die wiederaufgenommenen innerzyprische Verhandlungen zwischen den Repräsentanten beider Bevölkerungsgruppen (interkommunale Gespräche) noch durch die Rückkehr von Präsident Makarios (7.12.1974) aufgehoben werden. In Verletzung mehrerer UN-Resolutionen wurde am 13.2.1975 im Norden der Insel durch den Führer der türkischen Bevölkerungsgruppe, R. Denktas, ein türkisch-zyprischen Teilstaat ausgerufen. Am 5.9.1976 errang die von Makarios geführte Koalition demokratischer Parteien, einschließlich der AKEL, einen großen Wahlsieg. Die von Makarios und R. Denkta unter Mitwirkung von UN-Generalsekretär K. Waldheim am 12.2.1977 vereinbarten Richtlinien zur Fortsetzung der innerzyprischen Gespräche zur Lösung des Zypernproblems brachten nicht die erhofften Fortschritte. Nach dem Tod von Makarios am 3.8.1977 übernahm S. Kyprianou das Amt des Präsidenten. Das von S. Kyprianou und R. Denktas am 19.5.1979 Unterzeichnete 10-Punkte-Abkommen steckte den Rahmen für die erneut aufgenommenen interkommunalen Verhandlungen ab, konnte jedoch auf Grund der destruktiven Politik der türkisch-zyprischen Führung nicht verwirklicht werden. Die Parlamentswahlen im griechisch-zyprischen Landesteil vom 24.5.1981 endeten mit einem überzeugenden Sieg der AKEL, die mit 32,8% die meisten Stimmen auf sich vereinte und stärkste Parlamentspartei wurde. Auf der Grundlage eines später zum offiziellen Regierungsprogramm deklarierten «Minimum-Programms der demokratischen Zusammenarbeit» zwischen der AKEL und der DIKO konnte Präsident Kyprianou 1983 in das Amt des Präsidenten wiedergewählt werden. Aufgrund sich verstärkender Differenzen in Bezug auf das Herangehen an die Lösung des Zypernproblems zwischen beiden Parteien und zunehmenden Drucks ausländischer reaktionärer Kreise gegen die auf Friedenserhaltung und Abrüstung orientierte Außenpolitik des Landes kündigte Präsident Kyprianou im Dezember 1984 die Zusammenarbeit von AKEL und DIKO auf. Seitdem bildet seine Partei eine Minderheitsregierung. In der 1983 proklamierten und vom UN-Sicherheitsrat für illegal erklärten «Türkische Republik von Nord-Zypern» wurden unter Ausnutzung der direkten Unterstützung imperialistischer Staaten weitere Schritte zur Schaffung vollendeter Tatsachen unternommen, mit denen die De-facto-Teilung der Insel zementiert werden soll («Verfassungsreferendum»), 5.5.1985; «Präsidenten-» und «Parlamentswahlen», 19.6. beziehungsweise 23.6.1985).

Zypressengewächse, Cupressaceae: Familie der Nadelhölzer mit vorwiegend schuppen-, seltener nadelförmigen Blättern und kleinen Holz- oder Beerenzapfen; umfasst 16 Gattungen, zum Beispiel Zypresse (Cupressus) mit dichtstehenden Schuppenblättern und kugeligen Samenzapfen. Eine Charakterpflanze des Mittelmeergebietes ist die spitzkegelige Echte Zypresse (C. sempervirens).

Zyrardow: Stadt in Polen (Wojewodschaft Skierniewice); 37000 Einwohner; vielseitige Textil-, ferner Nahrungsmittel-, Maschinenbau-, Holz- und Lederindustrie; Museum.

Zystadenom, Kystadenom: Geschwulst, besonders des Eierstocks, die zystischen Erweiterungen aufweist und vom Drüsenepithel ausgeht. Eine operative Behandlung ist notwendig.

Zyste: (lateinisch griechisch, «Blase»)

1. Medizin: Hohlraum in einem Gewebe oder Organ mit flüssigem oder breiigem Inhalt.

2. Zoologie: kapselartige Umhüllung niederer Tiere oder ihrer Keime; stellt einen Schutz gegen die Umwelt beziehungsweise ein Ruhestadium dar.

Cystein, Symbol Cys: Aminosäure; bildet farb- und geruchlose, wasserlösliche Kristalle; wird leicht zu Cystin oxydiert. Cystein und Cystin kommen als Baugruppe in Eiweißen, besonders den Hornsubstanzen, vor.

Zystektomie: operative Entfernung der Harnblase, zum Beispiel bei Harnblasenkrebs. Vorbedingung für diese Operation ist das Anlegen einer neuen Harnableitung.

Zystenniere: angeborene und oft erhebliche Degeneration der Niere mit nachfolgender Hohlraumbildung. Die Erkrankung führt meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr zur Niereninsuffizienz. Zu unterscheiden von der Zystenniere sind einzelne Zysten in der Niere.

Zystizerkose: durch den Befall mit der Finnenform verschiedener Bandwürmer verursachte Erkrankung. Es werden alle Organe des Zwischenwirts (Rind, Schwein, Nagetier, Mensch) befallen, vor allem Leber, Gehirn und Muskulatur.

Zystographie: Röntgenuntersuchung der Harnblase mit Kontrastmittel; bevorzugt wird das gleichzeitige Einbringen von positivem (jodhaltige Substanz) und negativem (Luft) Kontrastmittel.

Zystomanometrie: Blasendruckmessung zur Bestimmung des Schließmuskeltonus der Harnblase im Verhältnis zu der in der Blase befindliche Flüssigkeit; gewährt Aufschluss über Harnblasenentleerungsstörungen vorwiegend mechanische, aber auch neurogener Art.

Zystopyelitis: gleichzeitige bakterielle Entzündung der Harnblase und des Nierenbeckens.

Zytochrome: in allen Organismen vorkommende, meist an zelluläre Membranen gebundene, elektronenübertragende Hämoproteine, die als Redox-Katalysatoren an der Atmungskette, der Fotosynthese und an Hydroxylierungsreaktionen beteiligt sind. Zytochrome werden nach ihrer Struktur in 3 Hauptgruppen (Z. a, b und c) eingeteilt.

Cytochromoxidase: kupferhaltiges Hämoprotein, das im letzten Schritt der Atmungskette die Elektronen auf den Sauerstoff überträgt. Cytochromoxidase ist durch Kohlenmonoxid und Cyanidionen hemmbar.

Zytologie, Zellenlehre: Wissenschaft zur Erforschung von Bau und Funktion der Zelle; im 19. Jahrhundert von M. Schleiden und T. Schwann begründet; bedient sich in zunehmendem Maße komplizierter Untersuchungsmethoden, zum Beispiel Ultrazentrifugation, Elektronenmikroskopie.

Cytopempsis: Form des Stofftransports durch eine Zelle. Bei der Cytopempsis wird die Substanz durch eine Einstülpung und Abschnürung von Membranabschnitten eingeschlossen und durch die Zelle hindurchtransportiert.

Zytoplasma, Zellplasma: Anteil des Protoplasmas außerhalb des Zellkerns, von der Zellmembran nach außen begrenzt. Grundkomponente des Zytoplasmas ist das Grundplasma (Hyaloplasma), das alle wesentlichen chemischen Zellbausteine (Wasser, Salze, Proteine, Lipide, Nukleinsäuren) enthält. In das Zytoplasma sind der Zellkern und die Zellorganellen sowie für spezielle Zellleistungen erforderliche Strukturen (z, B. Mikrotubuli, Filamente) oder auch tote Einschlüsse in flüssiger oder fester Form (zum Beispiel Sekrete, Fette, Eiweißkristalle, Pigmente) eingebettet.

Cytosin: stickstoffheterozyklische Base; bildet farblose, heißwasserlösliche Kristalle; 320 bis 325 °C; Bestandteil des genetischen Kodes in den Nukleinsäuren.

Zytostatika: Substanzen, die das Wachstum und die Entwicklung normaler und krankhafter Zellen hemmen und die Zellteilung verhindern. Zytostatika werden zur Behandlung von Krebserkrankungen verwendet.

zytotoxisch: zellschädigend; zytotoxisch wirken zahlreiche Gifte, zum Beispiel Blei, Benzol, aber auch Bakterien und Lymphozyten.

Zywiec: Stadt in Polen (Wojewodschaft Bielsko-Biala), in einem Talbecken der Beskiden, an der Sola; 28000 Einwohner; Maschinenbau und Metallverarbeitung, Papier-, Lebensmittel-, Holzindustrie; Museum; Renaissanceschloss, gotische Kirchen.

Zenotaph, Kenotaph (griechisch kenos, «leer», + taphos, «Grab»): Scheingrab, das zum Gedächtnis des Verstorbenen errichtet ist, aber nicht dessen Gebeine birgt; schon aus prähistorischer Zeit bekannt.

Zensoren: 2 altrömische hohe Beamte, die aller 5 Jahre für 1 bis 2 Jahre zur Durchführung des Zensus (Einstufung der römischen Bürger nach Vermögen in 5 Steuerklassen) gewählt wurden.

Zensur: (lateinisch, zu censere, «abschätzen») 1. allgemein Beurteilung, Bewertung, (behördliche) Prüfung.

2. Bildungswesen: Einschätzung der Schülerleistung nach einheitlichen Bewertungsskale; erfolgt meist mit den Prädikaten sehr gut (Note 1), gut, befriedigend, genügend, ungenügend; in der UdSSR und einigen anderen Ländern erfolgt die Benotung in umgekehrter Reihenfolge. Die Zensur soll eine objektive Bewertung ermöglichen und die Entwicklung der Schüler fördern.

3. Staatsrecht: (staatliche) Prüfung des Inhalts und der Aussage von Druckerzeugnissen, Briefen, Filmen, Theaterstücken und anderen Veröffentlichungen. Zahlreiche bürgerliche Staaten verkünden in ihren Verfassungen zwar die Freiheit von der Zensur, unterlaufen dies jedoch zur Unterdrückung fortschrittlichen Gedankengutes durch Zensur nach der Veröffentlichung, materiellen Druck unter anderem.